Eine kurze Einführung in Lacan:

Das Imaginäre, das Symbolische und, vor allem, das Reale

segeberg-grafikPla­kat zu den 3. Se­ge­ber­ger Psy­cho­so­ma­tik-Ta­gen (Aus­schnitt)

Er­wei­ter­te Fas­sung ei­nes Re­fe­rats, das ich, auf Ein­la­dung von Prof. Dr. Lutz Götz­mann, am 9. Sep­tem­ber 1916 bei den 3. Se­ge­ber­ger Psy­cho­so­ma­tik-Ta­gen ge­hal­ten habe, die vom 9. bis 11. Sep­tem­ber 2016 in Bad Se­ge­berg statt­fan­den.

Wie gibt man ei­nen Über­blick über La­cans Theo­rie – was wählt man aus? Ich habe mich an dem Vor­trag Die Drit­te (1974) ori­en­tiert, in dem La­can ein ähn­li­ches Pro­blem zu lö­sen ver­sucht. Die An­mer­kun­gen ver­wei­sen des­halb im­mer wie­der auf die­sen Text (mei­ne Über­set­zung von Die Drit­te fin­det man in die­sem Blog hier).  R.N.

Einleitung

Gu­ten Abend!

Herr Götz­mann hat mich ge­be­ten, für Sie bei die­sen drit­ten Se­ge­ber­ger Psy­cho­so­ma­tik-Ta­gen, „Macht und Ohn­macht des Rea­len“, ei­nen Ein­füh­rungs­vor­trag über La­can zu hal­ten, ins­be­son­de­re über das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le. Es soll wirk­lich eine Ein­füh­rung sein, hat er mir ge­schrie­ben, also wer­de ich so tun, als wüss­ten Sie über Jac­ques La­can nicht mehr, als dass er ein ein­fluss­rei­cher fran­zö­si­scher Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist. Oder war, 1981 ist er ge­stor­ben.

Wie vie­le Be­grif­fe kann ich Ih­nen in ei­ner Ein­füh­rung zu­mu­ten? Psy­cho­lo­gen be­haup­ten: sie­ben plus/minus zwei1, ich gehe also erst­mal bis sie­ben und füge zum Ima­gi­nä­ren, Sym­bo­li­schen und Rea­len vier Ter­mi­ni hin­zu: bor­ro­mäi­scher Kno­ten, Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat so­wie Ge­nie­ßen. Plus zwei – in­spi­riert durch den Ti­tel der Ta­gung, der „Macht und Ohn­macht“ ent­hält, wäh­le ich Un­ver­mö­gen und Un­mög­li­ches. Alle an­de­ren Be­grif­fe La­cans – und es sind vie­le – wer­de ich aus­klam­mern.

Ein Vor­trag zur Ein­füh­rung, das heißt für mich: Ich wer­de Ih­nen die­se Be­grif­fe ge­wis­ser­ma­ßen als zeit­lo­ses Sys­tem dar­stel­len und mich um Fra­gen der Chro­no­lo­gie und der Theo­rie-Ent­wick­lung nicht küm­mern. Ich wer­de auch kei­ne Li­te­ra­tur­an­ga­ben ma­chen, nur we­nig zi­tie­ren und In­ter­pre­ta­ti­ons­pro­ble­me bei­sei­te­schie­ben. Also ganz dog­ma­tisch neun Kon­zep­te, mit drei Be­grif­fen als Kern: das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le.

Ein erster Blick auf das Imaginäre, das Symbolische und das Reale

Das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le, das sind ge­wis­ser­ma­ßen die drei Di­men­sio­nen, in de­nen La­can das Feld der Psy­cho­ana­ly­se auf­spannt.2 Er ver­folgt das Pro­jekt, den ge­sam­ten theo­re­ti­sche Ap­pa­rat, wie er vor al­lem von Freud ent­wi­ckelt wor­den ist, in die­se drei Di­men­sio­nen ein­zu­fü­gen, in die­se drei „Ord­nun­gen“ oder „Re­gis­ter“, wie La­can es nennt.

Bei „ima­gi­när“ müs­sen Sie das fran­zö­si­sche Wort image durch­hö­ren, Bild. Das Ima­gi­nä­re ist das Bild­haf­te. Das Sym­bo­li­sche, da­mit ist die Spra­che ge­meint. In ers­ter An­nä­he­rung könn­te man sa­gen: Men­schen ver­fü­gen über zwei Zei­chen­ar­ten, über zwei Re­prä­sen­ta­ti­ons­sys­te­me: Bil­der und Spra­che, das Ima­gi­nä­re und das Sym­bo­li­sche, mit Charles San­ders Peirce könn­te man sa­gen: iko­ni­sche und sym­bo­li­sche Zei­chen.3 Das, wor­auf die­se Zei­chen­ar­ten sich be­zie­hen, der Re­fe­rent, könn­te dann das Rea­le sein. Das wäre ein leicht nach­voll­zieh­ba­rer Aus­gangs­punkt, aber so for­mu­liert, ist das lei­der ir­re­füh­rend. Das Rea­le im Sin­ne von La­can ist das, was ge­ra­de nicht re­prä­sen­tiert wer­den kann, was man sich nicht vor­stel­len kann, was we­der durch Bil­der dar­ge­stellt noch sprach­lich ar­ti­ku­liert wer­den kann. Und das heißt wie­der­um: Bil­der und Spra­che sind für La­can ge­ra­de kei­ne Re­prä­sen­ta­ti­ons­sys­te­me, sie re-prä­sen­tie­ren nichts, sie funk­tio­nie­ren nicht so, dass sie et­was in ei­nem an­de­ren Me­di­um wie­der­ho­len, was be­reits da wäre. Den Aus­druck „Re­prä­sen­ta­ti­on“ muss ich also wie­der strei­chen. Aber dies dür­fen Sie fest­hal­ten: Das Ima­gi­nä­re und das Sym­bo­li­sche – Bil­der und Spra­che – be­zie­hen sich auf ei­nen Re­fe­ren­ten, die­ser ist je­doch et­was, was sie nicht er­fas­sen kön­nen. Die­ser nicht-ima­gi­nier­ba­re und nicht-ver­ba­li­sier­ba­re Re­fe­rent wird von La­can als das Rea­le be­zeich­net. Das gilt, La­can zu­fol­ge, für die Spra­che über­haupt, un­ab­hän­gig von Fra­gen der Psy­cho­ana­ly­se: das Sym­bol ma­ni­fes­tiert sich als „Mord am Ding“, sagt er in ei­nem sei­ner Auf­sät­ze4, und das heißt, we­ni­ger dra­ma­tisch for­mu­liert, dass „die Re­fe­renz im­mer in­di­rekt ist„5.

Mit die­ser Drei­glie­de­rung ist nicht ge­meint, dass die Welt oder das Welt­ver­hält­nis, das Sein oder die Exis­tenz oder was auch im­mer auf die­sen drei Ko­or­di­na­ten be­ruht. La­can ver­sucht nicht, eine On­to­lo­gie oder Me­ta­phy­sik zu ent­wi­ckeln, er fragt nicht, was die Welt im In­ners­ten zu­sam­men­hält. Zwar mo­bi­li­siert er, wie kein an­de­rer Psy­cho­ana­ly­ti­ker, be­stän­dig die Res­sour­cen der Phi­lo­so­phie und das hat man­che dazu ge­bracht, La­cans Theo­rie als eine Art Phi­lo­so­phie auf­zu­fas­sen. Das ist ein Miss­ver­ständ­nis, und La­can warnt be­stän­dig vor die­ser Fehl­deu­tung. Die Drei­glie­de­rung ist prak­tisch ge­meint, sie ist vom Stand­punkt des Psy­cho­ana­ly­ti­kers aus kon­stru­iert und soll Psy­cho­ana­ly­ti­kern hel­fen, ih­ren Job zu ma­chen. La­cans Bot­schaft an sei­ne Kol­le­gen lau­tet also: Sie tä­ten gut dar­an, mit die­ser Be­griffs­tri­ni­tät zu ar­bei­ten, das hilft Ih­nen, Ihre Er­fah­run­gen zu ver­ar­bei­ten, das nützt Ih­nen beim Um­gang mit Sym­pto­men.6

Das Imaginäre

Das Ima­gi­nä­re ist also die Ord­nung der Bil­der. Aber auch die üb­li­che Be­deu­tung von „Il­lu­si­on“ ist ge­meint. Das Ima­gi­nä­re ist das Re­gis­ter der Bil­der, in­so­fern sie eine Il­lu­si­on er­zeu­gen. Aber nicht jede Art von Bild ist ge­meint; im Zen­trum steht viel­mehr das Kör­per­bild. Das Ima­gi­nä­re ist die Ord­nung des Kör­per­bil­des, in­so­fern es eine Il­lu­si­on her­vor­ruft. La­can re­kon­stru­iert hier Freuds Theo­rie des Nar­ziss­mus.7

Im­mer wie­der schau­en wir in den Spie­gel; auf den Pla­ka­ten, die die Stra­ßen säu­men, in der Wer­bung, im Film, in den Mu­se­en se­hen wir Bil­der schö­ner Kör­per. War­um sind sie uns so wich­tig? War­um be­trach­ten wir fort­wäh­rend an­de­re Men­schen un­ter dem Ge­sichts­punkt, „wie sie aus­se­hen“, was für ein Bild sie uns bie­ten? War­um ver­su­chen wir selbst, den an­de­ren ein wenn auch viel­leicht nicht schö­nes so doch zu­min­dest ak­zep­ta­bles Bild zu bie­ten?

La­cans Ant­wort lau­tet: Die Kör­per­bil­der ver­sor­gen uns be­stän­dig mit dem Ide­al der Ein­heit­lich­keit. Wir brau­chen die­sen Be­zug auf Kör­per­bil­der, da­mit wir uns als Ein­heit auf­fas­sen kön­nen. Auf die­ses Ganz­heits-Ide­al sind wir an­ge­wie­sen. Es ist für uns not­wen­dig, um da­mit un­se­re Zer­ris­sen­heit zu über­tün­chen, die wir nicht er­tra­gen könn­ten.

kopf2Schau­en Sie auf das Pla­kat zur Ta­gung. Auf den ers­ten Blick sieht man ei­nen Kopf, aus dem ein Stück her­aus­ge­schnit­ten ist. Wenn man ge­nau­er hin­schaut, nimmt man wahr, dass hier zwei An­sich­ten des­sel­ben Kop­fes in­ein­an­der mon­tiert sind, die eine fron­tal, die an­de­re im Pro­fil, aber spon­tan sieht man ge­wis­ser­ma­ßen ein Loch im Kopf. Das wirkt ein biss­chen scho­ckie­rend, zu­min­dest auf mich. War­um? Weil die­ses Bild sich wei­gert, mir als Spie­gel zu die­nen, der mir die Ganz­heits­il­lu­si­on lie­fert, die ich brau­che.

La­cans Haupt­the­se zum Kör­per­bild ist, dass es auf uns ein­wirkt, dass es uns ver­än­dert, dass es be­stimmt, wie wir funk­tio­nie­ren. Das Kör­per­bild ist kei­ne Re-Prä­sen­ta­ti­on, son­dern eher, könn­te man sa­gen, eine Im-Pres­si­on: es prägt sich uns ein, es formt uns um. Den­ken Sie an die Dis­kus­si­on über „Ma­ger­mo­dels“. Die Bil­der die­ser aus­ge­hun­ger­ten Kör­per, so wird an­ge­nom­men, mo­del­lie­ren die Kör­per der Frau­en, die die­se Bil­der be­trach­ten. Die­se Auf­fas­sung über die prä­gen­de Kraft der im äu­ße­ren Raum exis­tie­ren­den Kör­per­bil­der – die also nicht ein­fach Vor­stel­lun­gen sind – ist dicht an La­cans Auf­fas­sung des Ima­gi­nä­ren.

Die Ein­heit stif­ten­de Funk­ti­on des Kör­per­bil­des hat, La­can zu­fol­ge, weit­rei­chen­de Kon­se­quen­zen. Vier da­von will ich kurz an­rei­ßen.

(1) Die Be­zie­hung zum idea­li­sier­ten Kör­per­bild in­ter­ve­niert in die so­zia­len Be­zie­hun­gen und in­du­ziert Ri­va­li­tät und Hass.8 Wir pro­ji­zie­ren das Bild der Ganz­heit auf an­de­re, die uns ähn­lich sind, und ma­chen sie da­durch zu un­se­ren Idea­len; die Be­zie­hung zu den idea­li­sier­ten an­de­ren ist je­doch am­bi­va­lent, wir ha­ben das Ge­fühl, dass sie un­se­ren Platz ein­neh­men wol­len, und dass wir sie des­halb be­kämp­fen müs­sen.9

Wenn ein Ana­ly­sant sei­nem Ana­ly­ti­ker ge­gen­über eine Kon­kur­renz­po­si­ti­on ein­nimmt (etwa in­dem er ihm zei­gen will, dass er mehr von Psy­cho­ana­ly­se ver­steht als der un­ge­bil­de­te Prak­ti­ker), ist, von La­can aus ge­se­hen, das Ima­gi­nä­re im Spiel.

(2) Die Be­zie­hung zum Kör­per­bild  struk­tu­riert un­se­re Be­zie­hung zum Raum. Das Kör­per­bild-Pa­ra­dig­ma sorgt da­für, dass wir uns am Ge­gen­satz von In­nen und Au­ßen ori­en­tie­ren. Der Saal, in dem wir uns ge­ra­de be­fin­den, ist ge­wis­ser­ma­ßen ein Kör­per, der uns ein­hüllt und der ei­ni­ge Öff­nun­gen hat, die nach drau­ßen füh­ren, und das ist nicht nur eine Vor­stel­lung, er ist von vorn­her­ein so kon­stru­iert. Das Uni­ver­sum stel­len wir uns als ei­nen Raum vor, der al­les ein­hüllt und also aus­nahms­wei­se kein Au­ßen hat. As­tro­no­men be­schrei­ben das Uni­ver­sum an­ders, als vier­di­men­sio­na­les Raum-Zeit-Kon­ti­nu­um; das ver­wirrt uns, weil eine sol­che Kon­zep­ti­on die Ori­en­tie­rung am Kör­per­bild ra­di­kal hin­ter sich lässt.

(3) Das Kö­per­bild ver­leiht uns da­durch eine Ein­heit, dass es vom Kör­per et­was ab­spal­tet. Kei­ne Ein­heit ohne Rest. Das, was ab­ge­schnit­ten wird, sind be­stimm­te Ob­jek­te, bei­spiels­wei­se der Kot, auf Psy­cho­ana­ly­tisch: das ana­le Ob­jekt. Es gibt wei­te­re sol­che ab­ge­trenn­ten Ob­jek­te, Par­ti­al­ob­jek­te hat Me­la­nie Klein sie ge­nannt. In der Gra­phik zur Ta­gung, auf die ich mich be­reits be­zo­gen habe, fin­den Sie ein sol­ches ab­ge­trenn­tes Ob­jekt: Durch die Mon­ta­ge der bei­den Kopf-An­sich­ten wirkt das Ohr auf den ers­ten Blick so, als sei es ab­ge­schnit­ten wor­den und als hät­te man es wie­der an­ge­klebt. La­can wür­de wohl sa­gen: Die Stim­me als ver­lo­re­nes Ob­jekt, dar­ge­stellt im Ima­gi­nä­ren. Und wenn sie ge­nau­er hin­schau­en, wer­den Sie se­hen, dass auch das Auge nicht passt, es ist fron­tal statt seit­lich und wirkt da­mit, als sei es aus­ge­schnit­ten und wie­der ein­ge­klebt wor­den ist. Stim­me und Blick.

(4) Das Kör­per­bild führt zu ei­ner wei­te­ren Ab­tren­nung, zu ei­ner Ab­spal­tung auf der Ebe­ne der Lüs­te und Un­lüs­te, der Ge­füh­le und Af­fek­te. La­can nennt die­sen As­pekt des Kör­pers jouis­sance. Jouis­sance, das heißt nor­ma­ler­wei­se „Or­gas­mus“. La­can ver­wen­det den Aus­druck an­ders, in Freuds Vo­ka­bu­lar über­setzt, meint La­cans jouis­sance in etwa „Lust“10 oder „Er­re­gung“ oder oder „Trieb­be­frie­di­gung“; im Deut­schen hat sich die Über­set­zung mit „Ge­nie­ßen“ durch­ge­setzt.11  

Das Ge­nie­ßen, sagt La­can, ist an dan Kör­per ge­bun­den.12 Es fängt mit Krib­beln an und hört da­mit auf, dass man, mit Ben­zin über­gos­sen, in Flam­men auf­geht, all das ist jouis­sance13 – auch der Schmerz ge­hört also zum Ge­nie­ßen. Ge­nie­ßen ist für La­can auch die­je­ni­ge Lust, die sich ein­stellt, wenn man Gym­nas­tik treibt.14 Auch Tie­re ge­nie­ßen – wenn eine Kat­ze schnurrt, sagt La­can, ha­ben wir den Ein­druck, dass sie ge­nießt, dass sie Lust emp­fin­det.15 Er fragt sich so­gar, ob das Ge­nie­ßen mög­li­cher­wei­se ein Merk­mal des Le­ben­di­gen schlecht­hin ist, das heißt, ob auch Pflan­zen ge­nie­ßen.16 In all die­sen For­men grenzt das Ge­nie­ßen an das Leid oder wird als ein Lei­den emp­fun­den – „wenn die Pflan­ze nicht of­fen­kun­dig lei­den wür­de, wüss­ten wir nicht, dass sie lebt“, heißt es bei­spiels­wei­se in ei­nem der Se­mi­nar17.

Eine Haupt­stoß­rich­tung der Ar­beit von La­can be­steht dar­in, die ver­schie­de­nen For­men des Ge­nie­ßens zu un­ter­schie­den, die ver­schie­de­nen Lustar­ten; er un­ter­schei­det sie da­nach, in wel­chen Be­zie­hun­gen sie zum Ima­gi­nä­ren ste­hen – zum Kör­per­bild – und zum Sym­bo­li­schen, zum Spre­chen, und wo es sich beim Ge­nie­ßen um et­was Rea­les han­delt, um et­was, was sich der Ima­gi­na­ti­on und der Ver­ba­li­sie­rung ent­zieht.

Das Kör­per­bild, so lau­tet La­cans The­se, re­gu­liert die Art und Wei­se, wie wir ge­nie­ßen, wie wir Lust emp­fin­den. Es sorgt da­für, dass wir ver­su­chen, un­ser Er­re­gungs­ni­veau in be­stimm­ten Gren­zen zu hal­ten. Spra­che und Spre­chen sind mit dem Ge­nie­ßen vor al­lem durch Ver­bo­te  ver­bun­den; dies be­trifft vor al­lem das se­xu­el­le Ge­nie­ßen. Die rea­le Di­men­si­on des Ge­nie­ßens be­steht dar­in, dass star­ke Er­re­gun­gen trau­ma­ti­schen Cha­rak­ter ha­ben kön­nen, Freud hat das im­mer be­tont, und für La­can heißt das, dass die­se Er­re­gun­gen die Re­gu­lie­rung durch das Kör­per­bild spren­gen und nicht ver­ba­li­siert wer­den kön­nen und des­halb als et­was er­lebt wer­den, was sich un­se­rem Kör­per von au­ßen auf­zu­nö­ti­gen scheint. Die­ses „pa­ra­si­tä­re Ge­nie­ßen“, wie La­can sich aus­drückt, ist, ihm zu­fol­ge, eine ent­schei­den­de Quel­le der Sym­ptom­bil­dung.18 Die Be­zie­hung zwi­schen dem Kör­per und dem Ge­nie­ßen ist also ver­wi­ckelt: das Ge­nie­ßen ist an den Kör­per ge­bun­den, be­stimm­te For­men des Ge­nie­ßens sind vom Kör­per je­doch ab­ge­spal­ten.19 Das Ge­nie­ßen ist , wie er sagt, „das de­ran­gier­te Ver­hält­nis zu sei­nem ei­ge­nen Kör­per“20

Vom Ima­gi­nä­ren aus kann man über den Ti­tel die­ser Ta­gung nach­den­ken, „Macht und Ohn­macht des Rea­len“. Macht gibt es für La­can erst, wenn es Spra­che gibt21, näm­lich Be­feh­le und Wis­sen (und, wie man hin­zu­fü­gen muss, Dro­hun­gen). Die Ohn­macht ge­hört für ihn zum ima­gi­nä­ren Re­gis­ter, sie ist die Kehr­sei­te der ima­gi­nä­ren All­macht.22 Man könn­te den Ta­gungs­ti­tel dem­nach so deu­ten: Wie stellt sich das Rea­le im Sche­ma der Ohn­macht dar und da­mit im Re­gis­ter des Ima­gi­nä­ren? Eine ers­te Ant­wort scheint die be­reits mehr­fach er­wähn­te Gra­fik an­zu­deu­ten; man sieht auf ihr nicht nur ei­nen Kopf, son­dern auch den Schrift­zug „Macht und Ohn­macht des Rea­len“, in Buch­sta­ben, die an ei­nen Hor­ror­film den­ken las­sen. Auf der ima­gi­nä­ren Ebe­ne zeigt sich das Rea­le mög­li­cher­wei­se dar­in, dass dem Kör­per­bild et­was fehlt – als Am­pu­ta­ti­on, als Loch. Und auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne? Als Buch­sta­be?

Das Symbolische

Das Sym­bo­li­sche – da­mit ist die Spra­che ge­meint.23

Das Un­be­wuss­te ist struk­tu­riert wie eine Spra­che“, so lau­tet La­cans be­rühm­tes­ter Apho­ris­mus.24 La­can ver­steht dar­un­ter un­ter an­de­rem: Un­ser Un­be­wuss­tes be­steht aus sprach­li­chen Ele­men­ten, aus den For­de­run­gen, die un­se­re El­tern an uns ge­rich­tet ha­ben, als wir klein wa­ren, und die da­durch be­stimmt sind, wel­che Rol­le wir für sie ge­spielt ha­ben. „Das Un­be­wuss­te ist der Dis­kurs des An­de­ren“, heißt das auch bei La­can.

Das Un­be­wuss­te ist struk­tu­riert wie eine Spra­che“ meint aber mehr. Wie ist eine Spra­che struk­tu­riert? Eine Spra­che be­steht aus Ele­men­ten, die nach be­stimm­ten Re­geln mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den. Sol­che Ele­men­te sind bei­spiels­wei­se Wör­ter. Bei ei­nem Wort sind zwei Sei­ten zu un­ter­schei­den, die Laut­sei­te, etwa be, a, te, oder bes­ser [b], [a:], [t] und die Be­deu­tungs­sei­te. Die Laut­fol­ge [ba:t] hat meh­re Be­deu­tun­gen: z.B. „Ba­de­wan­ne“ oder auch „Kur­ort“, wie in „Bad Se­ge­berg“; im Ruhr­ge­biet, wo ich auf­ge­wach­sen bin, ist [ba:t] auch die Be­zeich­nung für das Ge­sichts­haar. Die Laut­sei­te wird von den Lin­gu­is­ten si­gni­fi­ant ge­nannt, „das Be­deu­ten­de“, zu deutsch: „Si­gni­fi­kant“; die Be­deu­tungs­sei­te heißt bei ih­nen si­gni­fié, „das Be­deu­te­te“, der deut­sche Aus­druck ist „Si­gni­fi­kat“.

Für La­can sind Si­gni­fi­kan­ten die Ele­men­te des Sym­bo­li­schen. „Das Un­be­wuss­te ist struk­tu­riert wie eine Spra­che“ meint also auch: Es be­steht aus Si­gni­fi­kan­ten. Aus Freuds „un­be­wuss­ten Vor­stel­lun­gen“ wer­den bei La­can meist Si­gni­fi­kan­ten als Ele­men­ten des Un­be­wuss­ten.

La­can über­nimmt den Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten von der Lin­gu­is­tik und, aus­ge­hend von den prak­ti­schen Pro­ble­men des Psy­cho­ana­ly­ti­kers, deu­tet er ihn et­was um. Oft geht es hier um Sym­pto­me oder um Träu­me, und das heißt: um rät­sel­haf­te Ge­bil­de, von de­nen an­ge­nom­men wird, dass sie eine Be­deu­tung ha­ben – ein Si­gni­fi­kat –, je­doch so, dass die­se Be­deu­tung nicht be­kannt ist, aber ge­sucht wird. Und so ver­wen­det La­can den Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten häu­fig: ein rät­sel­haf­tes, manch­mal über­ra­schen­des iso­lier­ba­res Ele­ment, des­sen Be­deu­tung un­be­kannt ist, aber ge­sucht wird. Die­ser Si­gni­fi­kant muss nicht sprach­li­cher Na­tur sein, es kann auch in ei­nem be­stimm­ten Ver­hal­ten be­stehen, etwa in ei­ner stö­ren­den An­ge­wohn­heit, die man sich ver­geb­lich ab­zu­ge­wöh­nen ver­sucht hat, oder dar­in, dass man zur ei­ge­nen Über­ra­schung et­was tut, das man auf kei­nen Fall tun woll­te. Das Ver­fah­ren der „frei­en As­so­zia­ti­on“ zeigt, dass sol­che Ver­hal­tens- Si­gni­fi­kan­ten mit ei­nem un­end­li­chen Netz von Si­gni­fi­kan­ten ver­knüpft sind, die sprach­li­cher Na­tur sind, mit dem Un­be­wuss­ten.

Das wich­tigs­te Merk­mal der un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten ist für La­can ihre Mehr­deu­tig­keit. Ein Si­gni­fi­kant ist im Un­be­wuss­ten nicht mit ei­nem be­stimm­ten Si­gni­fi­kat ver­schweißt, er hat vie­le und ge­gen­sätz­li­che und wech­seln­de Be­deu­tun­gen.

Si­gni­fi­kan­ten sind mit­ein­an­der ver­knüpft, syn­chron und dia­chron, sie bil­den Ket­ten und Net­ze, sie kön­nen ein­an­der er­set­zen, und der wich­tigs­te Ver­knüp­fungs­fak­tor ist im Un­be­wuss­ten die Laut­ähn­lich­keit. Da ich mit der Bi­bel groß­ge­wor­den bin, könn­te in mei­nem Un­be­wuss­ten der Aus­druck „Bad-Se-ge-berg“ bei­spiels­wei­se mit „Bath-se-ba“ ver­knüpft sein, zu­min­dest war das mei­ne ers­te As­so­zia­ti­on,  Bath­se­ba, die schö­ne Dame, die von Kö­nig Da­vid im Bad be­ob­ach­tet wur­de, im [ba:t]. Er schwän­ger­te sie, und um die sich dar­aus er­ge­ben­den Kom­pli­ka­tio­nen zu ver­mei­den, sorg­te er da­für, dass ihr Mann ge­tö­tet wur­de. Der Blick, die Zeu­gung und der Mord – ich schwei­fe ab.

Wie das Ima­gi­nä­re greift auch das Sym­bo­li­sche in den Men­schen ein, und das, wor­auf es ein­wirkt, ist eben­falls der Kör­per als Sitz des Ge­nie­ßens. Durch die An­pas­sung des Kin­des an die Be­din­gun­gen des Spre­chens wird ein Teil der Kör­per­erre­gun­gen, also des Ge­nie­ßens, ab­ge­tö­tet25; in Freuds Be­griff­lich­keit ist dies ein von der Kul­tur her­bei­ge­führ­ter „Trieb­ver­zicht“, eine „Kul­tur­ver­sa­gung„26. Zu­gleich wer­den be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten mit Er­re­gung auf­ge­la­den. Die­se Si­gni­fi­kan­ten bil­den für La­can ge­wis­ser­ma­ßen den har­ten Kern des Un­be­wuss­ten, Laut­fol­gen, die nur vage mit ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen ver­bun­den sind, vor al­lem aber mit ei­nem Ge­nie­ßen.27

Das Reale

Und schließ­lich das Rea­le. Das Rea­le im Sin­ne von La­can ist et­was, das wir uns nicht vor­stel­len kön­nen, et­was, das wir nicht in Bil­der und nicht in Wor­te brin­gen kön­nen. Das Rea­le, ich zi­tie­re, ist das, „was der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­steht“28, et­was, wie er auch sagt, was au­ßer­halb der Ver­mitt­lung durch das Sym­bo­li­sche oder das Ima­gi­nä­re ist.29

La­can ver­steht un­ter dem Rea­len also nicht die Rea­li­tät, nicht die Wirk­lich­keit. Die Rea­li­tät, so wie er den Be­griff ver­wen­det, das ist et­was, was wir mit­hil­fe von Spra­che und Bil­dern selbst kon­stru­iert ha­ben. Das Rea­le hin­ge­gen ist das, was sich in un­se­rer Kon­struk­ti­on der Rea­li­tät ge­ra­de ent­zieht.

Da­mit drängt sich die Fra­ge auf. Wie kann uns das, was wir uns nicht vor­stel­len kön­nen, den­noch auf ir­gend­ei­ne Wei­se zu­gäng­lich sein?

In ers­ter An­nä­he­rung ge­sagt: Das Rea­le zeigt sich, La­can zu­fol­ge, dar­in, dass die Din­ge nicht so lau­fen, wie wir möch­ten, also dar­in, dass sich et­was quer­stellt.30 Um es auf den Ti­tel der Ta­gung zu be­zie­hen: Das Rea­le ist das, wor­an die Macht schei­tert. Für den Psy­cho­ana­ly­ti­ker heißt das, dass die Be­hand­lung – die „Kur“, wie die La­ca­nia­ner sa­gen – ins Sto­cken ge­rät, dass die As­so­zia­tio­nen des Pa­ti­en­ten um et­was krei­sen, was nicht ge­sagt wer­den kann und dass die­se Blo­ckie­rung durch die Deu­tung nicht auf­ge­ho­ben wer­den kann. Der Freud’sche Ter­mi­nus hier­für ist „Wi­der­stand“. Für den Psy­cho­ana­ly­ti­ker zeigt sich das Rea­le im Wi­der­stand.31 Ich habe La­cans frü­hes­te De­fi­ni­ti­on des Rea­len eben zi­tiert, man muss nur ge­nau hin­hö­ren: Das Rea­le ist das, „was der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­steht“.32

La­can hat meh­re­re For­meln für das Rea­le er­fun­den und aus­ge­ar­bei­tet. Die wich­tigs­ten sind: „Das Rea­le ist das, was am sel­ben Platz im­mer wie­der­kehrt“, „Der Schnitt ist die Ein­schrei­bung des Rea­len im Sym­bo­li­schen“, „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“ und „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“.33

Das Reale ist das, was am selben Platz immer wiederkehrt.“

Das Rea­le ist das, was am sel­ben Platz im­mer wie­der­kehrt“.34 La­can ver­gleicht hier das  Rea­le mit den Ster­nen. Die Stern­bil­der schei­nen im Ver­lauf ei­nes Jah­res über den Him­mel zu wan­dern, aber ein Jahr spä­ter se­hen wir sie an ge­nau der­sel­ben Stel­le wie­der. An­ders ge­sagt: sie wie­der­ho­len sich. Das ist eine Me­ta­pher, mehr nicht, die Ster­ne sind nicht das Rea­le. Ge­meint ist: Das Rea­le zeigt sich in dem, was Freud „Wie­der­ho­lungs­zwang“ nennt und La­can meist ein­fach „Wie­der­ho­lung“.35 Be­reits Freud hat­te die as­tro­no­mi­schen Re­gel­mä­ßig­kei­ten mit dem Wie­der­ho­lungs­zwang ver­gli­chen36 und La­can knüpft hier­an an.37 

Der Wie­der­ho­lungs­zwang be­steht, Freud zu­fol­ge, dar­in, dass jede mensch­li­che Be­zie­hung den­sel­ben Aus­gang nimmt: ein Wohl­tä­ter wird von sei­nen Schütz­lin­gen nach ei­ni­ger Zeit im­mer wie­der im Groll ver­las­sen; Män­ner wer­den von ih­ren Freun­den im­mer wie­der ver­ra­ten; an­de­re Per­so­nen wer­den im­mer wie­der zur Au­to­ri­tät er­ho­ben, dann ge­stürzt und durch neue er­setzt. Ein un­heim­li­cher Fall ist die Frau, die drei­mal hin­ter­ein­an­der Män­ner hei­ra­te­te, die nach kur­zer Zeit er­krank­ten und von ihr zu Tode ge­pflegt wer­den muss­ten.38

Das Rea­le be­steht also dar­in, dass et­was nicht läuft, dass die Macht schei­tert. Das, in Be­zug wor­auf die Macht an ihre Gren­zen stößt, ist der Wie­der­ho­lungs­zwang.39 Die Wie­der­ho­lung wie­der­um wird da­durch an­ge­trie­ben, dass et­was nicht sym­bo­li­siert wer­den kann; in der Wie­der­ho­lung in­sis­tiert et­was Un­sag­ba­res.

La­cans Be­griff des Rea­len hat eine ge­wis­se Nähe zu Kants Be­griff des Dings an sich. Das Ding an sich ist das Ding jen­seits der Er­schei­nun­gen; da un­se­re Er­kennt­nis auf Er­schei­nun­gen be­ruht – sa­gen wir: auf struk­tu­rier­ten Wahr­neh­mun­gen – kann das Ding an sich nicht er­kannt wer­den, sagt uns Kant. So­weit wür­de La­can zu­stim­men: das Rea­le kann nicht er­kannt wer­den. Zu­gleich funk­tio­niert La­cans Be­griff des Rea­len völ­lig an­ders. Das Rea­le im Sin­ne von La­can liegt nicht ein­fach fried­lich hin­ter den Er­schei­nun­gen. Es macht sich viel­mehr auf höchst dra­ma­ti­sche Wei­se be­merk­bar: in den Wie­der­ho­lungs­zwän­gen, die un­ser ge­sam­tes Le­ben be­stim­men. Die­se Wie­der­ho­lun­gen sind ge­wis­ser­ma­ßen be­stän­dig schei­tern­de Ver­su­che, et­was zu sa­gen, was nicht ge­sagt wer­den kann.

Der Schnitt ist die Einschreibung des Realen in das Symbolische.“

Wenn das Rea­le das ist, was sich dem Spre­chen ent­zieht, und wenn die Psy­cho­ana­ly­se eine Sprech­pra­xis ist, wie kann der Pa­ti­ent im Rah­men die­ser Pra­xis dann ei­nen Zu­gang zum Rea­len ha­ben? La­can zu­fol­ge durch den Schnitt; der Schnitt ist die Form, wie sich das Rea­le in das Sym­bo­li­sche ein­schreibt.40

Un­ter dem Schnitt ver­steht er den ak­zen­tu­ier­ten Ab­stand zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten. In der ge­schrie­be­nen Spra­che stellt der Schnitt sich bei­spiels­wei­se als Ab­stand zwi­schen den Buch­sta­ben oder den Wör­tern dar. Im Spre­chen be­steht der Schnitt dar­in, dass das Spre­chen un­ter­bro­chen oder ab­ge­bro­chen wird. Die Hal­lu­zi­na­tio­nen des be­rühm­tes­ten al­ler Pa­ra­noi­ker, Da­ni­el Paul Schre­ber, be­stehen aus ab­ge­bro­che­nen Sät­zen: „Nun will ich mich …“, „Sie sol­len näm­lich …“41 usw.; an­ders ge­sagt: sei­ne Hal­lu­zi­na­tio­nen en­den mit ei­nem Schnitt.

Das „Rea­le des Sub­jekts“, sagt La­can, liegt au­ßer­halb der mög­li­chen Er­kennt­nis des Sub­jekts. Der Schnitt ist die Form, in der sich das Rea­le des Sub­jekts im Sym­bo­li­schen ma­ni­fes­tiert.42

Auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen er­fasst sich das Sub­jekt des­halb im Schnitt; das Ab­schnei­den der Rede ist die letz­te Rea­li­tät, in der das Sub­jekt sich er­fas­sen kann.43

Das Reale ist das Unmögliche.“

La­can drit­te For­mel ist: „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“.44 Was ist hier mit dem Un­mög­li­chen ge­meint? Nicht ein­fach, dass man et­was nicht kann, nicht die Un­fä­hig­keit, nicht die Ohn­macht, in La­cans Ter­mi­no­lo­gie: nicht das Un­ver­mö­gen. Da­mit wäre man im ima­gi­nä­ren Re­gis­ter. Ge­meint ist, dass es auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne eine struk­tu­rel­le Blo­cka­de gibt, auf der Ebe­ne der Spra­che. La­can prä­zi­siert sei­ne zwei­te For­mel des­halb so: „Das Rea­le ist das lo­gisch Un­mög­li­che“ – Lo­gik gibt es nur auf der Grund­la­ge der Spra­che (ge­nau­er: nur auf Grund­la­ge der Schrift, La­can weist im­mer wie­der dar­auf hin).

Was ist das Un­mög­li­che? Be­zo­gen auf die Wis­sen­schaf­ten be­steht es für La­can bei­spiels­wei­se dar­in, dass es in je­dem for­ma­li­sier­ten Feld der Wahr­heit – das meint: in der Ma­the­ma­tik, in der Lo­gik, in der Phy­sik – Din­ge gibt, die man nicht be­wei­sen kann, auf die man sich aber den­noch stüt­zen muss.45 In die­sen Wis­sens­fel­dern ist das Rea­le das Axi­om.

Das Rea­le muss also durch den Be­zug auf ei­nen be­stimm­ten Wis­sens­typ und im Ver­hält­nis zu den hier­für cha­rak­te­ris­ti­schen sym­bo­li­schen Ope­ra­tio­nen be­stimmt wer­den. In der Ma­the­ma­tik ist die grund­le­gen­de Ope­ra­ti­on die Be­weis­füh­rung; das Axi­om kann nicht be­wie­sen wer­den, also ist es hier das Rea­le. In der Psy­cho­ana­ly­se be­steht das sprach­li­che Ver­fah­ren in „frei­er As­so­zia­ti­on“ und Deu­tung; die Punk­te, an de­nen die­ses Ver­fah­ren schei­tert, bil­den das Rea­le.

Eine an­de­re Fi­gur des Rea­len ist der lo­gi­sche Wi­der­spruch. Es ist lo­gisch un­mög­lich, dass ich Sonn­tag nach Ber­lin zu­rück­fah­re und zu­gleich Sonn­tag nicht nach Ber­lin zu­rück­fah­re.

Wel­che Rol­le spielt der lo­gi­sche Wi­der­spruch  als eine Form des Rea­len in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur? Hier ein Bei­spiel, das ich von ei­nem Psy­cho­ana­ly­ti­ker habe, der Fall ei­nes Zwangs­neu­ro­ti­kers. Die­ser Pa­ti­ent sag­te im­mer das­sel­be, auch wenn es im­mer an­de­re Ge­schich­ten wa­ren. Das eine Mal sag­te er: ‚Ei­gent­lich möch­te ich mit mei­ner Schwes­ter be­freun­det sein, aber zu­gleich möch­te ich ihr nicht be­freun­det sein.‘ Beim nächs­ten Tref­fen sag­te er: ‚Ei­gent­lich möch­te ich in eine an­de­re Stadt zie­hen, aber an­de­rer­seits will ich auf je­den Fall hier­blei­ben.‘ Of­fen­bar geht es ihm dar­um, dass ihm et­was zu wün­schen üb­rig bleibt, und das ge­lingt ihm, in­dem er sich auf den lo­gi­schen Wi­der­spruch stützt, auf das Un­mög­li­che, auf das Rea­le.46

Der Kon­gress­ti­tel lau­tet „Macht und Ohn­macht des Rea­len“. „Ohn­macht“, das heißt im Fran­zö­si­schen im­puis­sance. Den Aus­druck im­puis­sance kann man auch mit „Un­ver­mö­gen“ über­set­zen oder auch mit „Im­po­tenz“. Die Ka­te­go­rie der im­puis­sance ge­hört für La­can ins Re­gis­ter des Ima­gi­nä­ren. La­can ver­bin­det das Rea­le nicht mit den, wenn man so re­den will, ima­gi­nä­ren Ka­te­go­ri­en der Ohn­macht, des Un­ver­mö­gens, der Im­po­tenz, son­dern mit der Ka­te­go­rie der Un­mög­lich­keit. Sei­ne The­se lau­tet: Das Un­ver­mö­gen ver­schlei­ert das Un­mög­li­che.47 An­ders ge­sagt: die Ohn­macht ka­schiert das Rea­le.

Es gibt kein sexuelles Verhältnis.“

Und nun die vier­te For­mel über das Rea­le: „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis.“ Hier fehlt der Be­griff des Rea­len, er ist aber mit­ge­meint, man kann den Satz so aus­buch­sta­bie­ren: Das Rea­le be­steht dar­in, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.48

Na­tür­lich ha­ben Leu­te se­xu­el­le Ver­hält­nis­se, man­che mehr, als an­de­ren lieb ist, das soll nicht be­strit­ten wer­den. Ent­schei­dend ist hier der Be­griff des Ver­hält­nis­ses. La­can ver­steht dar­un­ter eine Art Zu­ord­nungs­vor­schrift. Ein se­xu­el­les Ver­hält­nis gäbe es dann, wenn den Ele­men­ten der Men­ge „bio­lo­gi­sche Män­ner“ Ele­men­te der Men­ge „bio­lo­gi­sche Frau­en“ zu­ge­ord­net wä­ren und um­ge­kehrt. Eine sol­che Zu­ord­nungs­vor­schrift gibt es in ge­wis­sem Sin­ne durch­aus: auf der so­zia­len Ebe­ne, und da­mit auch auf der Ebe­ne der Spra­che, wir un­ter­schei­den Herrn Mül­ler von Frau Mül­ler, den Leh­rer von der Leh­re­rin usw.

An­ders ist es, wenn wir zum Un­be­wuss­ten über­ge­hen, zum Un­be­wuss­ten im Sin­ne von La­can, zum Un­be­wuss­ten als ei­nem En­sem­ble von Si­gni­fi­kan­ten. Eine der gro­ßen  Ent­de­ckun­gen der Psy­cho­ana­ly­se be­steht, La­can zu­fol­ge, dar­in, dass es im Un­be­wuss­ten kei­ne Vor­stel­lun­gen für Män­ner und Frau­en gibt, kei­ne Si­gni­fi­kan­ten, durch die bio­lo­gi­sche Män­ner auf bio­lo­gi­sche Frau­en be­zo­gen wer­den und um­ge­kehrt. Die­se The­se über­nimmt er von Freud. Freud zu­fol­ge kennt das Un­be­wuss­te kei­ne Vor­stel­lun­gen für das Männ­li­che und das Weib­li­che, statt­des­sen fin­det man hier Op­po­si­tio­nen wie ak­tiv ver­sus pas­siv oder mit Pe­nis ver­sus ohne Penis.49 Na­tür­lich sind Frau­en nicht we­ni­ger ak­tiv als Män­ner und Män­ner nicht we­ni­ger pas­siv als Frau­en, das war schon Freud klar, und die Un­ter­schei­dung von Pe­nis­be­sit­zern und Pe­nis­lo­sen ist bi­zarr, man könn­te die Mensch­heit ja auch in Pla­zen­ta­be­sit­ze­rin­nen und Pla­zen­ta­lo­se ein­tei­len.

Das ist eine em­pi­risch ge­mein­te The­se, sie stützt sich auf die Er­fah­run­gen von Psy­cho­ana­ly­ti­kern. Fak­tisch ist es so, sagt La­can mit Freud, dass im Un­be­wuss­ten be­stimm­te Vor­stel­lun­gen feh­len (wie Freud sich aus­drü­cken wür­de), be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten (mit La­can zu spre­chen), und was hier fehlt, sind nicht zu­letzt Si­gni­fi­kan­ten für die Po­lung auf das bio­lo­gi­sche Ge­gen­ge­schlecht.

Sie er­in­nern sich: Das Rea­le be­steht dar­in, dass et­was nicht ge­sagt wer­den kann, und in die­sem Fal­le heißt das, das Rea­le be­steht dar­in, dass das Un­be­wuss­te nicht über ein Vo­ka­bu­lar für die bio­lo­gi­sche Zwei­ge­schlecht­lich­keit ver­fügt.

Wie macht sich die­ser As­pekt des Rea­len in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur be­merk­bar? La­can zu­fol­ge un­ter an­de­rem dar­in, dass es vie­le Pa­ti­en­ten be­schäf­tigt, was es heißt, ein Mann oder eine Frau zu sein, ge­nau­er ge­sagt, wie man sich als je­mand, der doch of­fen­bar ein Mann ist, auf Frau­en be­zie­hen soll­te, und als je­mand, die doch of­fen­bar eine Frau ist, auf Män­ner. Für vie­le Neu­ro­ti­ker ist cha­rak­te­ris­tisch, dass ihr Ge­schlecht für sie eine Fra­ge ist.

Die­ses Rea­le ist für La­can eine Haupt­quel­le der Sym­ptom­bil­dung, zu­min­dest bei den Neu­ro­ti­kern. La­can for­mu­liert es so, „dass das Sym­ptom et­was ist, was (…) nicht auf­hört, vom Rea­len her ge­schrie­ben zu wer­den“50. Das Rea­le, das nicht auf­hört, im Sym­ptom ge­schrie­ben zu wer­den, im Wie­der­ho­lungs­zwang, ist dies, dass es im Un­be­wuss­ten kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.

Das Un­ver­mö­gen ver­schlei­ert das Un­mög­li­che (die Ohn­macht ver­schlei­ert das Rea­le), das lässt sich un­ter an­de­rem so kon­kre­ti­sie­ren: In man­chen Fäl­len hat die Im­po­tenz die Funk­ti­on, zu ver­schlei­ern, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.

Die Beziehung zwischen den drei Registern: der borromäische Knoten

In wel­chen Be­zie­hun­gen ste­hen die drei Re­gis­ter zu­ein­an­der?

Theo­ri­en der Psy­cho­ana­ly­se ar­bei­ten im­pli­zit oder ex­pli­zit mit räum­li­chen Mo­del­len, man den­ke an Freuds zeich­ne­ri­sche Dar­stel­lung des psy­chi­schen Ap­pa­rats in Das Ich und das Es (1923).

Freud, Zeichnerische Darstellung der zweiten Topik, Das Ich und das Es, 1923

Freud, Zeich­ne­ri­sche Dar­stel­lung der zwei­ten To­pik (Das Ich und das Es, 1923)

Freuds Dia­gramm be­ruht auf dem In­nen-Au­ßen-Ge­gen­satz – an der Um­riss­li­nie ist das deut­lich zu se­hen –, und das heißt für La­can: es steht im Ban­ne des Ima­gi­nä­ren. Er hat sich be­müht, eine räum­li­che Dar­stel­lung der Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren, dem Sym­bo­li­schen und dem Rea­len zu ent­wi­ckeln, in der die Bin­dung an das Ima­gi­nä­re stark zu­rück­ge­drängt wird.

Hier­für stützt er sich auf die so­ge­nann­ten „bor­ro­mäi­schen Rin­ge“.

Borromäischer Knoten aus drei Ringen mit RSI

Dia­gramm ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens mit Zu­ord­nung der Rin­ge zum Ima­gi­nä­ren (I), zum Sym­bo­li­schen (S) und zum Rea­len (R)

Die­ses  Ge­bil­de be­steht aus drei Rin­gen; La­can spricht von Fa­den­rin­gen. Ei­ner der Rin­ge steht für das Ima­gi­nä­re, ein an­de­rer für das Sym­bo­li­sche und der drit­te für das Rea­le. Die Rin­ge sind im drei­di­men­sio­na­len Raum auf spe­zi­el­le Wei­se in­ein­an­der ver­schlun­gen, sie sind so in­ein­an­der ge­fügt, dass sie aus­ein­an­der­fal­len, wenn man ei­nen be­lie­bi­gen auf­trennt.

Statt von „bor­ro­mäi­schen Rin­gen“ spricht La­can meist vom „bor­ro­mäi­schen Kno­ten“; für die Ar­beit mit die­ser Fi­gur stützt er sich auf die Kno­ten­theo­rie, ein Teil­ge­biet der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie.51

Zwi­schen den Rin­gen gibt kei­ne Hier­ar­chie. Der Ring des Ima­gi­nä­ren hält die Rin­ge des Sym­bo­li­schen und des Rea­len zu­sam­men, der Ring des Sym­bo­li­schen ver­bin­det die Rin­ge des Rea­len und des Ima­gi­nä­ren, und der Ring des Rea­len ver­knüpft das Ima­gi­nä­re mit dem Sym­bo­li­schen. Je­der Ring do­mi­niert die bei­den an­de­ren, und das heißt: kei­ner von ih­nen ist  do­mi­nant.

Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten stellt also dar, wie sich das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le zu­ein­an­der ver­hal­ten. La­can schätzt die­se Dar­stel­lungs­wei­se, da sie die Ori­en­tie­rung am Kör­per­bild weit zu­rück­drängt. Es ist nicht mög­lich, das In­ne­re ei­nes Rin­ges (sa­gen wir: das, wo­durch der Fin­ger geht) und das Äu­ße­re ei­nes Rings von­ein­an­der zu un­ter­schei­den. Das In­nen-Au­ßen-Ge­gen­satz greift nicht, die Ver­schlin­gung der Fa­den­rin­ge be­steht ge­wis­ser­ma­ßen vor al­lem aus Lö­chern, und auf die­se Wei­se bricht der bor­ro­mäi­sche Kno­ten mit der Fi­xie­rung auf das Ima­gi­nä­re.

Wie ist ein Zugang zum Realen möglich? Andeutung, Signifikant, Schnitt

Wenn das Sym­ptom letzt­lich vom Rea­len her „ge­schrie­ben“ wird und wenn die psy­cho­ana­ly­ti­sche Be­hand­lung dar­auf ab­zielt, das Sym­ptom zu be­ein­flus­sen – es viel­leicht nicht zu be­sei­ti­gen, aber doch zu­min­dest zu re­du­zie­ren, er­träg­lich zu ma­chen –, muss es auf ir­gend­ei­ne Wei­se ge­lin­gen, an das Rea­le her­an­zu­kom­men, es ge­wis­ser­ma­ßen zu er­schüt­tern.

Wie soll das mög­lich sein, wenn die Psy­cho­ana­ly­se eine Sprech­kur ist und wenn das Rea­le eben dar­in be­steht, dass et­was hart­nä­ckig nicht ge­sagt (und nicht ver­bild­licht) wer­den kann?

La­cans Ant­wort ist, im ers­ten Schritt, tra­di­tio­nell: durch die Deu­tung, durch die In­ter­pre­ta­ti­on, also durch­aus auf dem Weg des Spre­chens, im Re­gis­ter des Sym­bo­li­schen.

Die nächs­ten Schrit­te sind we­ni­ger klas­sisch. Die Deu­tung hat auf eine spe­zi­el­le Wei­se zu er­fol­gen: sie muss an­deu­tend sein, sie muss zu ver­ste­hen  ge­ben.52 Er for­mu­liert das auch so: „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen.“ Das Si­gni­fi­kat (der Sinn des Sym­ptoms) soll nicht als Ant­wort des Ana­ly­ti­kers ins Spiel ge­bracht wer­den, son­dern als Fra­ge des Pa­ti­en­ten, und da­bei hilft eine Fra­ge, die sich auf die In­ter­ven­ti­on des Ana­ly­ti­kers be­zieht – was soll­te das jetzt wie­der be­deu­ten?

Die an­deu­ten­de Deu­tung soll mehr­deu­tig sein, und das heißt heißt, sie soll den Si­gni­fi­kan­ten ins Spiel brin­gen, die Laut­sei­te der Spra­che.53 Da­bei un­ter­schei­det La­can ver­schie­de­ne Ar­ten der Mehr­deu­tig­keit: die auf Ho­mo­pho­nie be­ru­hen­de, die gram­ma­ti­sche und die lo­gi­sche Mehr­deu­tig­keit.54

Wenn hin­ge­gen die Deu­tung den Sinn des Sym­ptoms fest­legt, ihn fi­xiert, dann füt­tert sie das Sym­ptom, wie La­can sich aus­drückt55, sie ver­stärkt es. In­wie­fern? Weil der fes­te Sinn für La­can eine Form der Ab­wehr ist.56 Das Sym­ptom be­ruht letzt­lich nicht auf ei­nem ver­bor­ge­nen Sinn, der sich be­nen­nen lie­ße, es ist kein Zei­chen, son­dern auf Si­gni­fi­kan­ten, die mit ei­nem Ge­nie­ßen ver­bun­den sind und ge­wis­ser­ma­ßen wie Axio­me fun­gie­ren, d.h. auf dem Rea­len.57

Die Deu­tung be­steht für La­can aber nicht nur in ora­kel­haf­ten An­deu­tun­gen, son­dern auch im Schnitt, in der Ak­zen­tu­ie­rung des Ab­stands zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten, in der Un­ter­bre­chung des Re­de­flus­ses. Der Schnitt ist, La­can zu­fol­ge, eine der wirk­sams­ten Me­tho­den der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­ter­ven­ti­on.58 Eine der For­men des Schnitts ist die Be­en­di­gung ei­ner Sit­zung.59 La­can be­grün­det hier­mit sei­ne Tech­nik der va­ria­blen Sit­zungs­dau­er: sie zielt auf das „Rea­le des Sub­jekts“60.

Vie­len Dank.

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Anmerkungen

  1. Ich  be­zie­he mich auf ei­nen der meist­zi­tier­ten Ar­ti­kel der Psy­cho­lo­gie: Ge­or­ge A. Mil­ler: The ma­gi­cal num­ber se­ven, plus or mi­nus two: Some li­mits on our ca­pa­ci­ty for pro­ces­sing in­for­ma­ti­on. In. Psy­cho­lo­gi­cal Re­view, 63. Jg. (1956), Heft 2, S.81–97.
  2. Zum ers­ten Mal hat­te La­can die­se Be­griffs­drei­heit im Jah­re 1953 vor­ge­stellt, in „Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le“, ei­nem Vor­trag, den er am 8. Juli 1953 vor der So­cié­té françai­se de psy­chana­ly­se ge­hal­ten hat­te (dt. in: J.L.: Na­men-des-Va­ters. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant Wien 2006, S. 11–63). Be­rühmt wur­de die drei­glied­ri­ge Be­griff­lich­keit durch La­cans Text Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Py­cho­ana­lye, ei­nen Vor­trag vom 26. und 27. Sep­tem­ber 1953, der 1956 ver­öf­fent­licht wur­de (dt. Über­setzng von Klaus La­er­mann in: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp Ver­lag, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169).
  3. Auf die Nähe zur Peirce’schen Zei­chen­klas­si­fi­ka­ti­on ver­weist La­can in Se­mi­nar 23 von 1975/76, Das Sin­t­hom, in der Sit­zung vom 16. März 1976; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 120 f.
  4. Funk­ti­on und Feld, a.a.O., S. 166, Über­set­zung ge­än­dert.
  5. Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971; Ver­si­on Mil­ler, S. 58.
  6. In Die Drit­te (1974) sagt La­can: „Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, das ist eine Aus­sa­ge über das, was ef­fek­tiv in Ih­rem Spre­chen ope­riert, wenn Sie sich vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs her ver­or­ten, wenn Sie, als Ana­ly­ti­ker, er sind. Bei „ima­gi­när“ müs­sen Sie das fran­zö­si­sche Wort image durch­hö­ren, Bild. Das Ima­gi­nä­re ist das Bild­haf­te. Aber auch die üb­li­che Be­deu­tung ist ge­meint, die der Il­lu­si­on. Das Ima­gi­nä­re ist also das Bild­haft-Il­lu­sio­nä­re, beim Ima­gi­nä­ren geht es um die durch Bil­der er­zeug­ten Il­lu­sio­nen. Aber die­se Ter­mi­ni tau­chen wirk­lich nur für und durch die­sen Dis­kurs auf.“
    (Jac­ques La­can: La troi­siè­me (1974). S. 183.
    Hier und im Fol­gen­den mei­ne Über­set­zung nach der von Pa­trick Valas und an­de­ren er­stell­ten Tran­skrip­ti­on, ver­öf­fent­licht am 21. Sep­tem­ber 2015 auf der Web­site von Pa­trick Valas (valas.fr). Eine frü­he­re Tran­skrip­ti­on von Die Drit­te er­schien in: Lettres de l’École freu­dien­ne. Bul­le­tin in­té­ri­eur de l’École Freu­dien­ne de Pa­ris, Nr. 16, 1975, S. 177–203, eine Ko­pie die­ser ers­ten Tran­skrip­ti­on gibt es im In­ter­net hier, eine Ab­schrift bie­tet die Web­site der Éco­le la­ca­ni­en­ne de Pa­ris hier. Mei­ne Sei­ten­an­ga­ben be­zie­hen sich auf die­se äl­te­re Tran­skrip­ti­on, als Über­set­zungs­vor­la­ge ver­wen­de ich je­doch die Valas-Tran­skrip­ti­on, da sie ei­ni­ge wich­ti­ge Kor­rek­tu­ren ent­hält. Eine deut­sche Über­set­zung von Die Drit­te, von Ni­co­le Tau­bes er­stellt, wur­de 2009 auf der Web­site von Pa­trick Valas ver­öf­fent­licht, hier.
    Mein Vor­trag ori­en­tiert sich ins­ge­samt lo­cker an die­sem Text von La­can.
  7. Den Ter­mi­nus „das Ima­gi­nä­re“ über­nimmt La­can von Sart­re (vgl. Jean-Paul Sart­re: L’Imaginaire. Psy­cho­lo­gie phé­no­mé­no­lo­gi­que de l’imagination. Gal­li­mard, Pa­ris 1940; dt.: Das Ima­gi­nä­re. Phä­no­me­no­lo­gi­sche Psy­cho­lo­gie der Ein­bil­dungs­kraft. Über­setzt von Hans Schö­ne­berg. Ro­wohlt, Rein­bek 1971; Schö­ne­berg-Über­set­zung, über­ar­bei­tet von Vin­cent von Wro­blew­sky. Ro­wohlt, Rein­bek 1994), die mit dem Kon­zept des Ima­gi­nä­ren ver­bun­de­ne Theo­rie des Spie­gel­sta­di­ums von Hen­ri Wal­lon (vgl. Hen­ri Wal­lon: Les ori­gi­nes du ca­rac­tè­re chez l’enfant. Les pré­ludes du sen­ti­ment de per­son­na­lité. Boi­vin, Pa­ris 1934.– Vgl. Émi­le Jal­ley: Freud, Wal­lon, La­can: l’enfant au mi­ro­ir. EPEL, Pa­ris 1998), ohne auf ihn hin­zu­wei­sen.
  8. Vgl. Die Drit­te: „Der Mensch ist sich ja doch in sei­nem Wesen/Sein nä­her als in sei­nem Spie­gel­bild. Was ist also an die­ser Ge­schich­te mit dem Ge­bot ‚Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst‘, wenn das nicht auf die­ser Fata Mor­ga­na be­ruht, die doch im­mer­hin et­was Ko­mi­sches ist, aber da die­se Fata Mor­ga­na ge­nau das ist, was den Men­schen dazu bringt zu has­sen, zwar nicht den Nächs­ten, aber Sei­nes­glei­chen (son sem­bla­ble), so ist das eine Sa­che, die leicht da­ne­ben gin­ge, wenn man nicht däch­te, dass Gott doch wis­sen muss, was er sagt, es gibt et­was, was bei je­dem noch mehr ge­liebt wird als sein Bild.“ (A.a.O., S. 191)
  9. Die Ver­bin­dung von Idea­li­sie­rung und Ag­gres­si­on ist be­reits The­ma von La­cans vor-psy­cho­ana­ly­ti­scher Ar­beit Über die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se und ihre Be­zie­hun­gen zur Per­sön­lich­keit (1932). In: Ders.: Über die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se und ihre Be­zie­hun­gen zur Per­sön­lich­keit und Frü­he Schrif­ten über die Pa­ra­noia. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Pas­sa­gen-Ver­lag, Wien 2002, S. 21–358.
    Sie steht dann im Mit­tel­punkt sei­ner Theo­rie des Spie­gel­sta­di­ums; vgl. J. La­can: Die Fa­mi­lie (1937). In: Ders.: Schrif­ten III. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1980, S. 39–100, v.a. S. 54–62.
  10. In Se­mi­nar 13 (Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, 1965/66) er­läu­tert La­can den Be­griff jouis­sance  aus­ge­hend vom eng­li­schen Ter­mi­nus se­xu­al en­joy­ment. Es ist schwie­rig, heißt es hier, „eine Stüt­ze für et­was zu ge­ben, was ein Äqui­va­lent für un­ser fran­zö­si­sches Wort jouis­sance ist; en­joy­ment hat nicht die­sel­ben Re­so­nan­zen wie jouis­sance, man müss­te es ge­wis­ser­ma­ßen mit dem Aus­druck Lust* kom­bi­nie­ren, der viel­leicht ein biss­chen bes­ser wäre“ (Sit­zung vom 27. April 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la, „Lust“ im Ori­gi­nal deutsch).
  11. War­um wird jouis­sance nicht ein­fach mit „Lust“ über­setzt? Freuds „Lust­prin­zip“ heißt im Fran­zö­si­schen princi­pe de plai­sir; im An­schluss hier­an un­ter­schei­det La­can jouis­sance und plai­sir; plai­sir ist für ihn, mit Freud, das Stre­ben nach Span­nungs­ver­min­de­rung und Un­lust­ver­mei­dung. Man muss in der Über­set­zung also die jouis­sance vom plai­sir un­ter­schei­den. Da plai­sir we­gen der Be­zie­hung auf den Be­griff des „Lust­prin­zips“ mit „Lust“ über­setzt wer­den muss, bleibt für jouis­sance kaum ein an­de­rer Ter­mi­nus üb­rig als eben der des Ge­nie­ßens.
  12. In Se­mi­nar 13 (Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, 1965/66) heißt es, „das Ge­nie­ßen kann für uns nur iden­tisch sein mit je­der Ge­gen­wart des Kör­pers, das Ge­nie­ßen lässt sich nur vom Kör­per her er­fas­sen“ (Sit­zung vom 27. April 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la).
  13. Vgl. Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 83.
  14. Vgl. Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, Sit­zung vom 11. Juni 1974.
  15. In Die Drit­te heißt es, dass „das Schnur­ren ohne je­den Zwei­fel das Ge­nie­ßen (jouis­sance) der Kat­ze ist. Ob das durch ih­ren Kehl­kopf geht oder wo­durch sonst, dar­über weiß ich nichts: wenn ich sie streich­le, wirkt es, als käme es aus dem gan­zen Kör­per“ (a.a.O., S. 179).
  16. Die Fra­ge wird von dem Mo­ment an in­ter­es­sant, wenn man sie er­wei­tert und wenn man sich im Na­men des Le­bens fragt, ob die Pflan­ze ge­nießt. Das ist durch­aus et­was, was ei­nen Sinn hat, denn das ist ja im­mer­hin et­was, was man uns an­ge­dreht hat, man hat uns die Li­li­en auf dem Fel­de an­ge­dreht. Sie we­ben nicht und sie spin­nen nicht, hat man hin­zu­ge­fügt. Es ist je­doch si­cher, dass wir uns jetzt da­mit nicht mehr zu­frie­den­ge­ben kön­nen, aus dem gu­ten Grund, dass es eben doch ihre Sa­che ist, zu we­ben und zu spin­nen. Für uns, die wir das un­ter dem Mi­kro­skop be­trach­ten, gibt es kein of­fen­kun­di­ge­res Bei­spiel für et­was Ge­spon­ne­nes als die­ses. Also ist es viel­leicht das, was sie ge­nie­ßen: zu we­ben und zu spin­nen. Das lässt die Sa­che ins­ge­samt je­doch ganz und gar in der Schwe­be. Über die Fra­ge, ob Le­ben mit Ge­nie­ßen ein­her­geht, muss noch ent­schie­den wer­den.“ (Die Drit­te, a.a.O., S. 192)
  17. J. La­can: Se­mi­nar 18, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre (1971), Sit­zung vom 17. März 1971, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  18. Die Drit­te: „Er ist wirk­lich kei­ne Leuch­te, die­ser Ma­shi­mi [ge­meint ist der ja­pa­ni­sche Schrift­stel­ler Mishi­ma Yu­kio]. Wenn er uns sagt, dass es der Hei­li­ge Se­bas­ti­an war, der für ihn An­lass zu sei­ner ers­te Eja­ku­la­ti­on war, muss ihn das wirk­lich ver­blüfft ha­ben, die­se Eja­ku­la­ti­on. Wir se­hen das täg­lich, Ty­pen, die ei­nem er­zäh­len, dass sie sich an ihre ers­te Mas­tur­ba­ti­on im­mer er­in­nern wer­den, dass sprengt den Schirm. Tat­säch­lich ver­steht man gut, war­um das den Schirm sprengt: weil das nicht aus dem In­ne­ren des Schirms kommt. Der Kör­per, der kommt in die Öko­no­mie des Ge­nie­ßens – von dort bin ich aus­ge­gan­gen –auf dem Weg über das Kör­per­bild.“ (S. 190 f.)
    „Wie ich Ih­nen vor­hin ge­sagt habe, zweigt von die­sem Platz der Mehr­lust jede Art des Ge­nie­ßen ab und also das, was den ein­zel­nen Über­schnei­dungs­be­rei­chen äu­ßer­lich ist, das, was ei­nem die­ser Fel­der äu­ßer­lich ist, an­ders aus­ge­drückt, hier das phal­li­sche Ge­nie­ßen, das, was ich hier als JΦ ge­schrie­ben habe, das ist das, wo­durch das de­fi­niert ist, was ich vor­hin als sei­nen au­ßer­kör­per­li­chen Cha­rak­ter ge­kenn­zeich­net habe.“ (S. 199 f.)
  19. In Se­mi­nar 14 (Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67) spricht La­can von der „kon­sti­tu­ti­ven Tren­nung des Kör­pers und des Ge­nie­ßens“, von der „Dis­junk­ti­on des Ge­nie­ßens und des Kör­pers“ (Sit­zung vom 7. Juni 1967).
  20. Se­mi­nar 19, Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1972; Ver­si­on Mil­ler, S. 43, mei­ne Über­set­zung.
  21. Die Macht des Sym­bo­li­schen, sie muss nicht de­mons­triert wer­den. Es gibt kei­ne Spur von Macht in der Welt vor dem Auf­tau­chen der Spra­che.“  (J. La­can: Ich spre­che zu den Wän­den. Ge­sprä­che aus der Ka­pel­le von Sain­te-Anne. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2013, S. 37)
  22. In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, heißt es, dass das Sub­jekt, „von dem die Pri­va­ti­on aus­ge­hen kann, die Äu­ße­rung der Pri­va­ti­on, dass dies das Sub­jekt der ima­gi­nä­ren All­macht ist, das heißt das um­ge­kehr­te Bild der Ohn­macht“ (Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la). In Ra­dio­pho­nie spricht La­can vom „ima­gi­nä­ren Un­ver­mö­gen“ (J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 5–54, hier: S. 42).
  23. La­can über­nimmt den Be­griff von Lévi-Strauss, dem zu­fol­ge die Kul­tur als ein En­sem­ble von „sym­bo­li­schen Sys­te­men“ be­grif­fen wer­den kann (vgl. Clau­de Lévi-Strauss: Ein­lei­tung in das Werk von Mar­cel Mauss (1950). In: Mar­cel Mauss: So­zio­lo­gie und An­thro­po­lo­gie, Bd. 1. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1978, S. 7–41, hier: S. 15).
    Zum Ver­hält­nis La­can – Lévi-Strauss vgl. Mar­kos Za­fi­ro­pou­los: La­can et Lévi-Strauss ou le re­tour à Freud 1951 – 1957. Pres­ses uni­ver­si­taires des Fran­ce, Pa­ris 2003; die Sub­stan­ti­vie­rung „das Sym­bo­li­sche“ ist, so­weit ich es über­se­he, La­cans Er­fin­dung.
  24. Auch die­se The­se über­nimmt er von Lévi-Strauss; vgl. Clau­de Lévi-Strauss: Die Wirk­sam­keit der Sym­bo­le (1949). In: Ders.: Struk­tu­ra­le An­thro­po­lo­gie (1958). Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1967, S. 204–225.
  25. Die Drit­te: „Über die Fra­ge, ob Le­ben mit Ge­nie­ßen ein­her­geht, muss noch ent­schie­den wer­den. Wenn die Fra­ge aber für das Pflan­zen­reich of­fen­bleibt, so wird da­mit umso mehr zur Gel­tung ge­bracht, dass dies für das Spre­chen nicht gilt, dass Lalan­gue – in der das Ge­nie­ßen fehlt, in dem es ei­nen Nie­der­schlag bil­det, wie ge­sagt, nicht ohne es ab­zu­tö­ten, nicht wahr, nicht ohne dass es sich als Tot­holz dar­stellt –, dass Lalan­gue je­doch  Zeug­nis da­von ab­legt, dass das Le­ben, aus dem eine Spra­che (lan­ga­ge) ei­nen re­jet macht, eine Ver­wer­fung / ei­nen Schöß­ling, uns wohl eine Idee da­von gibt, dass das et­was ist, was zur Ord­nung des Pflanz­li­chen ge­hört.“ (S. 192)
  26. S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur, 1930. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 227.
  27. Der spä­te La­can un­ter­schei­det sol­che Ele­men­te von den Si­gni­fi­kan­ten und be­zeich­net sie als „Buch­sta­ben“ (ab Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, dar­in Vor­le­sung vom 12. Mai 1971, „Litu­ra­terre“, Über­set­zung in die­sem Blog hier). Das En­sem­ble der „Buch­sta­ben“ be­zeich­net er als lalan­gue (la lan­gue, die Spra­che, je­doch in ei­nem Wort ge­schrie­ben); lalan­gue ist Ge­gen­be­griff zu lan­ga­ge. Un­ter lan­ga­ge ver­steht Hy­po­the­se der Lin­gu­is­tik, wo­nach die Spra­che ein Sys­tem ist, das durch gram­ma­ti­sche Re­geln be­stimmt wird und der Kom­mu­ni­ka­ti­on dient. Die Op­po­si­ti­on von lalan­gue und lan­ga­ge wird von ihm zu­erst 1973 in Se­mi­nar 20 ent­wi­ckelt (vgl. Se­mi­nar 20, En­core, Sit­zung vom 26. Juni 1973; Ver­si­on Haas u.a., S. 150 f.).
  28. Vgl. Se­mi­nar 1, von 1953/54, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten, Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1954; Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 89.
  29. Vgl. Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 23. März 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
    In Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, heißt es, das Rea­le sei das, was aus dem Sinn aus­ge­sto­ßen ist, wo­bei der Sinn wie­der­um durch das Zu­sam­men­wir­ken des Ima­gi­nä­ren und des Sym­bo­li­schen ent­steht (vgl. Sit­zung vom 11. März 1975; Klei­ner-Über­set­zung S. 41).
    Ein wich­ti­ger Be­zugs­punkt bei Freud ist des­sen Theo­rie des Trau­mas (vgl. etwa S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213–272, hier: S. 239–243); In­spi­ra­ti­ons­quel­len sind au­ßer­dem Kants Kon­zept des „Dings an sich“ und Sar­tres Be­griff des „An-sich“ (vgl. J.-P. Sart­re: Das Sein und das Nichts (1943). Übers. von Hans Schö­ne­berg und Trau­gott Kö­nig. Ro­wohlt, Rein­bek 1994).
  30. Die Drit­te: „Der Dis­kurs des Herrn bei­spiels­wei­se, sein Zweck be­steht dar­in, dass die Din­ge sich im all­ge­mei­nen Gleich­schritt voll­zie­hen. Nun ja, das ist kei­nes­wegs das­sel­be wie das Rea­le, denn das Rea­le, das ist ge­nau das, was nicht läuft, was mit die­sem Tross über Kreuz liegt, mehr noch, was nicht auf­hört, sich zu wie­der­ho­len, um die­sen Vor­marsch zu be­hin­dern.“ (S. 183)
  31. Über den Dis­kurs der Wis­sen­schaft sagt La­can in Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre:
    „Er hat kei­ne Re­fe­renz au­ßer dem Un­mög­li­chen, zu dem sei­ne Ab­lei­tun­gen füh­ren – die­ses Un­mög­li­che ist das Rea­le. Der Dis­kurs­ap­pa­rat, in­so­fern er in sei­ner Stren­ge auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt, das ist das, wo­mit wir in der Phy­sik et­was an­zie­len, was das Rea­le ist.(…) Was uns be­trifft, so ha­ben wir es mit et­was zu tun, was da­von Re­chen­schaft ab­legt, dass es sich von die­ser Po­si­ti­on des Rea­len in der Phy­sik un­ter­schei­det. Die­ses Et­was, was wi­der­steht, was nicht durch­läs­sig ist für ei­nen Sinn, der Fol­ge un­se­res Dis­kur­ses ist, das nennt sich Phan­tas­ma.“ (Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 28)
    Im Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se ist das Rea­le das, was dem Sinn als Fol­ge des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses wi­der­steht, also der Wi­der­stand (der wie­der­um auf dem Phan­tas­ma be­ruht).
  32. Das Rea­le ist das, was wi­der­steht, an­ders ge­sagt: das Rea­le ma­ni­fes­tiert sich im Wi­der­stand, an die­ser De­fi­ni­ti­on hält La­can fest. In Se­mi­nar 18 heißt es:„Was uns [Ana­ly­ti­ker] be­trifft, so ha­ben wir es mit et­was zu tun, was da­von Re­chen­schaft ab­legt, dass es sich von die­ser Po­si­ti­on des Rea­len in der Phy­sik un­ter­schei­det. Die­ses Et­was, was wi­der­steht, was nicht durch­läs­sig ist für ei­nen Sinn, der Fol­ge un­se­res Dis­kur­ses ist, das nennt sich Phan­tas­ma. (…) An die­sem Platz, wo es be­fragt wird, muss das Phan­tas­ma sei­nen Sta­tus an­neh­men, sei­nen Sta­tus, der eben durch den An­teil der Un­mög­lich­keit de­fi­niert ist, den es in der ana­ly­ti­schen Be­fra­gung gibt.“ (Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 28)
  33. Eine wei­te­re For­mel lau­tet: „Was im Sym­bo­li­schen ver­wor­fen ist, kehrt im Rea­len wie­der“, näm­lich als Hal­lu­zi­na­ti­on (zu­erst in Se­mi­nar 3 von 1956/57, Die Psy­cho­sen). Da mir nicht klar ist, was La­can hier un­ter dem Rea­len ver­steht, klam­me­re ich in die­sem ein­füh­ren­den Text die­se For­mel aus.
  34. Zu­erst in Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, wo es heißt, die Ster­ne sei­en real, da man sie im­mer am sel­ben Platz wie­der­fin­det (Sit­zung vom 25. Mai 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 303). Als For­mel zu­erst in Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, in der Sit­zung vom 1. Juli 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 565.
  35. Der ent­schei­den­de An­knüp­fungs­punkt bei Freud sind des­sen Über­le­gun­gen zum Ver­hält­nis von Er­in­nern, Wi­der­stand und Wie­der­ho­lung. Vgl. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213–272, hier: S. 228 ff.
  36. Freud: „Aber wäh­rend wir Rein­lich­keit in der Na­tur nicht er­war­ten dür­fen, ist die Ord­nung viel­mehr der Na­tur ab­ge­lauscht; die Be­ob­ach­tung der gro­ßen as­tro­no­mi­schen Re­gel­mä­ßig­kei­ten hat dem Men­schen nicht nur das Vor­bild son­dern die ers­ten An­halts­punk­te für die Ein­füh­rung der Ord­nung in sein Le­ben ge­ge­ben. Die Ord­nung ist eine Art Wie­der­ho­lungs­zwang, die durch ein­ma­li­ge Ein­rich­tung ent­schei­det, wann, wo und wie et­was ge­tan wer­den soll, so daß man in je­dem glei­chen Fal­le Zö­gern und Schwan­ken er­spart.“ (S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 223 f.)
  37. Die For­mel bringt au­ßer­dem den Be­griff des „Sel­ben“ ins Spiel – „an der­sel­ben Stel­le“; um das „Sel­be“ geht es bei der Iden­ti­fi­zie­rung. Die For­mel wirft also ins­ge­samt die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Wie­der­ho­lung und Iden­ti­fi­zie­rung auf.
  38. Vgl. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213–272, hier: S. 231 f.
  39. Die Drit­te: „Der Dis­kurs des Herrn bei­spiels­wei­se, sein Zweck be­steht dar­in, dass die Din­ge sich im all­ge­mei­nen Gleich­schritt voll­zie­hen. Nun ja, das ist kei­nes­wegs das­sel­be wie das Rea­le, denn das Rea­le, dass ist ge­nau das, was nicht läuft, was sich zu die­sem Tross quer­stellt, mehr noch, was nicht auf­hört, sich zu wie­der­ho­len, um die­sen Vor­marsch zu be­hin­dern.“ (S. 183)
  40. Die­se The­se wird von La­can in Se­mi­nar 6 von 1958/59 ent­wi­ckelt, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, in den Sit­zun­gen vom 20. Mai 1959 bis zum 1. Juli 1959; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  41. Vgl. J. La­can: Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 9–71, hier: S. 20.
  42. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 27. Mai 1995; Ver­si­on Mil­ler, S. 474.
  43. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 24. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 540.
  44. Eine frü­he Ver­si­on der For­mel ist eine Be­mer­kung in Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, wo es heißt, dass es für das Ding cha­rak­te­ris­tisch ist, „dass es uns un­mög­lich ist, es uns vor­zu­stel­len (ima­gi­ner)“ (Se­mi­nar 7, Sit­zung vom 27. Ja­nu­ar 1960, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Miller/Haas, S. 155)
    Das Kon­zept „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“ wird von La­can zu­erst vor­ge­stellt in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung,  in den Sit­zun­gen vom 14. März und vom 21. März 1962. La­can kommt in je­dem der fol­gen­den Se­mi­na­re dar­auf zu­rück, bis ein­schließ­lich Se­mi­nar 24, also dem vor­letz­ten Se­mi­nar. Die ge­naue For­mu­lie­rung „le réel c’est l’impossible“ (das Rea­le ist das Un­mög­li­che) fin­det sich erst­mals in Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, in der Sit­zung vom 16. Juni 1965.
    Die De­fi­ni­ti­on „Das Un­mög­li­che ist das, was nicht auf­hört, nicht ge­schrie­ben zu wer­den“, wird erst­mals in Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, vor­ge­stellt, in der Sit­zung vom 13. Fe­bru­ar 1973, Ver­si­on Miller/Haas u. a., S. 65, und in der Sit­zung vom 20. März 1973, S. 102.
  45. Vgl. Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 20. Mai 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 190.
  46. In Se­mi­nar 9 wird die For­mel „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“ aus­ge­hend von der Funk­ti­on des Un­mög­li­chen in der Zwangs­neu­ro­se ent­wi­ckelt.
    Me­la­nie Klein spricht vom früh­kind­li­chen Über-Ich als ei­ner Macht, die „wi­der­sprüch­li­che Be­feh­le er­teil­te, die das Kind un­mög­lich aus­füh­ren könn­te“ (M. Klein: Die frü­he Ent­wick­lung des Ge­wis­sens beim Kind (1933). In: Dies.: Früh­sta­di­en des Ödi­pus­kom­ple­xes. Frü­he Schrif­ten 1928–1945. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1985, S. 89–101, hier: S. 93) 
  47. Vgl. Se­mi­nar 17, a.a.O., Im­promp­tu 2 vom 3. Juni 1970, Über­set­zung von Ger­hard Schmitz, S. 170 (nicht in Ver­si­on Mil­ler ent­hal­ten); Ra­dio­pho­nie, a.a.O., S. 47.
    Ähn­lich heißt es be­reits in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, das Un­ver­mö­gen des An­de­ren sei in ei­nem Un­mög­li­chen ver­wur­zelt (Sit­zung vom 21. März 1962).
  48. Zu­erst in Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, Sit­zung vom 12. März 1969; Ver­si­on Mil­ler, S. 226; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel. Eine frü­he­re Ver­si­on die­ser For­mel lau­tet „Es gibt kei­nen Ge­schlechts­akt“, in: Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, Sit­zung vom 12. April 1967.
  49. Zu Ak­ti­vi­tät und Pas­si­vi­tät vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 37–145, hier: S. 123 f., Zu­satz von 1915.–  Ders.: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 235 f. Fn. 2.
  50. Die Drit­te, S. 194.
  51. In der To­po­lo­gie ver­steht man un­ter ei­nem Kno­ten ei­nen ein­zel­nen „Fa­den­ring“, vor al­lem, wenn er in sich selbst ver­schlun­gen ist. So ge­se­hen, be­stehen die bor­ro­mäi­schen Rin­ge aus ei­ner Ver­schlin­gung von drei Kno­ten. Als La­can das klar wird (am Ende von Se­mi­nar 22, vor al­lem aber in Se­mi­nar 23) än­dert er sei­ne Ter­mi­no­lo­gie und spricht meist, wie die Ma­the­ma­ti­ker, von ei­ner „bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung“.
  52. Die­se Kon­zep­ti­on der Deu­tung stellt La­can be­reits in sei­nem ers­ten Rom-Vor­trag vor, Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se, a.a.O., S. 137 f.
    In Die Drit­te er­in­nert er hier­an: „„Die ers­te [Rom­re­de] also, die­je­ni­ge, die wie­der­kehrt, so­dass sie nicht auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den, not­wen­dig, die ers­te, Funk­ti­on und Feld, dar­in habe ich ge­sagt, was ge­sagt wer­den muss­te. Die Deu­tung, habe ich dort ge­schrie­ben, ist nicht Sinn­deu­tung, son­dern Spiel mit der Mehr­deu­tig­keit. Dar­um habe ich die Be­to­nung auf den Si­gni­fi­kan­ten in der Spra­che ge­legt.“ (S. 188)
  53. In Die Drit­te heißt es: „Nur wenn in der Deu­tung die ana­ly­ti­sche In­ter­ven­ti­on ein­zig auf dem Si­gni­fi­kan­ten be­ruht, kann et­was vom Feld des Sym­ptoms zu­rück­ge­hen.“ (S. 200) In Se­mi­nar 23 von 1975/76, Das Sin­t­hom, liest man: „Denn letzt­lich ha­ben wir als Waf­fe ge­gen das Sym­ptom nur dies: die Äqui­vo­ka­ti­on.“ (Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975, Ver­si­on Mil­ler S. 9, Über­set­zung von Max Klei­ner.)
  54. Vgl. J. La­can: L’étourdit. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 449–496, hier: S. 491 f.
  55. Die Drit­te: „ … das We­sent­li­che, was es im Wort­spiel gibt, dar­auf muss un­se­re Deu­tung ab­zie­len, um nicht die zu sein, die das Sym­ptom mit Sinn füt­tert.“ (S. 193)
  56. Dies ist die Stoß­rich­tung von La­cans De­fi­ni­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten als das, wo­durch bei ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird. In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, in dem die­se De­fi­ni­ti­on von ihm erst­mals ar­ti­ku­liert wird, heißt es: „Der Si­gni­fi­kant de­fi­niert sich da­durch, bei ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt zu re­prä­sen­tie­ren: un­end­li­che Ver­wei­sung des Sinns. Und wenn das et­was be­deu­tet, dann des­halb, weil der Si­gni­fi­kant beim an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten die­se be­son­de­re Sa­che be­deu­tet, die das Sub­jekt als nichts ist.“ (Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 21. März 1962, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la)
  57. Die Drit­te: „Der Sinn des Sym­ptoms ist nicht der, mit dem man es füt­tert, so­dass es ent­we­der wu­chert oder aus­stirbt, der Sinn des Sym­ptoms, das ist das Rea­le, das Rea­le als das, was sich quer­stellt / was über Kreuz liegt, um zu ver­hin­dern, dass die Din­ge in dem Sin­ne lau­fen, dass sie auf zu­frie­den­stel­len­de Wei­se von sich selbst Re­chen­schaft ab­le­gen – zu­frie­den­stel­lend zu­min­dest für den Herrn.“ (S. 186)
    „Ich be­har­re dar­auf, vor al­lem auf der Pres­se­kon­fe­renz habe ich dar­auf be­harrt: Wenn man das Sym­ptom, das Rea­le, mit Sinn füt­tert, tut man nichts an­de­res, als für sei­nen Fort­be­stand zu sor­gen. In dem Maße hin­ge­gen, wie im Sym­bo­li­schen et­was durch das ein­ge­engt wird, was ich das Wort­spiel ge­nannt habe, die Äqui­vo­ka­ti­on, die zur Ab­schaf­fung des Sinns führt, kann al­les, was das Ge­nie­ßen be­trifft, eben­falls ein­ge­engt, ins­be­son­de­re das phal­li­sche Ge­nie­ßen, denn das geht nicht, ohne dass Sie sich über den Platz des Sym­ptoms in die­sen ver­schie­de­nen Fel­dern klar wer­den.“ (S. 200)
  58. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 1. Juli 1959; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 571 f. Eine Über­set­zung der Pas­sa­ge fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel.
  59. Das Ende der Sit­zung hat­te La­can zu­nächst als „In­ter­punk­ti­on“ be­zeich­net. Vgl. J. La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se (1953). Über­setzt von Klaus La­er­mann. In: Ders.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71169, hier: S. 129, 155162.
  60. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 20. Mai 1959; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 450.

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