Das Sinthom

Jacques Lacan: Joyce das Symptom II (Audioaufnahme und Übersetzung)

Esacbeaux2Schemel/Stehleiter: 1. mit Stu­fen; 2. aus dem 14. Jh.; 3. ge­wöhn­li­cher Sche­mel; 4. Tritt­lei­ter; 5. Stuhl-Steh­lei­ter
Larous­se Uni­ver­sel 1922

Vincent Platini

Vin­cent Pla­ti­ni im Ton­stu­dio

Drit­te Ver­si­on vom 3. Ok­to­ber 2016: 
Ab jetzt kann man sich in die­sem Ar­ti­kel La­cans Joy­ce le sym­ptô­me II auf Fran­zö­sisch an­hö­ren (un­ter „Au­dio­auf­nah­me“). Vin­cent Pla­ti­ni hat La­cans Text ge­le­sen und Mar­tin Lutz hat uns für die Auf­nah­me sein Ton­stu­dio im Funk­haus Na­lepastra­ße zur Ver­fü­gung ge­stellt. Herz­li­chen Dank an Vin­cent, an Mar­tin Lutz und an Co­rin­na Sig­mund, die es ein­ge­fä­delt hat!

Zwei­te Ver­si­on vom 15. Juli 2016 (die ers­te Ver­si­on wur­de am 17. No­vem­ber 2015 ver­öf­fent­licht).
Für die­se zwei­te Fas­sung ha­ben Vin­cent Pla­ti­ni und Co­rin­na Sig­mund die ers­te Fas­sung mit mir voll­stän­dig durch­ge­se­hen; fast je­der Satz wur­de ge­än­dert.

Im Fol­gen­den fin­det man mei­ne Über­set­zung von La­cans Auf­satz Joy­ce le Sym­ptô­me II. Dies ist die ers­te ver­öf­fent­lich­te deut­sche Über­set­zung.

Vorbemerkung zur Übersetzung

La­cans Text Joy­ce le Sym­ptô­me gibt es in zwei Ver­sio­nen:
– als Mit­schrift ei­nes Vor­trags von La­can im Jah­re 1975: Joy­ce le Sym­ptô­me I,

– als von La­can für den Druck über­ar­bei­te­te Fas­sung, die 1979 ver­öf­fent­licht wur­de: Joy­ce le Sym­ptô­me II. Für den Druck hat La­can den Text völ­lig neu ge­schrie­ben, die bei­den Ver­sio­nen ha­ben kei­nen Satz ge­mein­sam. Wann ge­nau La­can die­se zwei­te Ver­si­on ver­fasst hat, ist nicht be­kannt, ver­mut­lich wäh­rend des Sin­t­hom-Se­mi­nars (1975/76) oder da­nach, also zwi­schen 1976 und 1979.

Im Fol­gen­den fin­det man eine Über­set­zung der Druck­fas­sung, also von Joy­ce le Sym­ptô­me II, auf der Grund­la­ge des Ab­drucks in den Au­tres écrits.1

Bei der Über­set­zung habe ich An­re­gun­gen ei­nes Se­mi­nars der pli-Grup­pe ver­ar­bei­tet, das am 24. Ok­to­ber 2015 in Ber­lin statt­fand. Hilf­reich war die dort vor­ge­leg­te Über­set­zung der ers­ten zwei Drit­tel von Joy­ce le Sym­ptô­me II, an­ge­fer­tigt von Brit­ta Gün­ther und To­bi­as Mu­lot.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott, Eva Ma­ria Jobst, Vin­cent Pla­ti­ni und Co­rin­na Sig­mund fürs Durch­ar­bei­ten der Über­set­zung und an Arndt Him­mel­reich, Eva Ma­ria Jobst und Mai We­ge­ner für zahl­rei­che Hin­wei­se zum Ver­ständ­nis des Tex­tes.

Ich brin­ge den Text von Joy­ce das Sym­ptom II dop­pelt, zu­nächst nur auf deutsch, dann als In­ter­li­ne­ar­über­set­zung, ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch. Die fran­zö­sisch-deut­sche Fas­sung ent­hält Hin­wei­sen zu Mehr­deu­tig­kei­ten und, un­sys­te­ma­tisch, ei­ni­ge er­läu­tern­de An­mer­kun­gen.

Nach dem Vor­bild von Joy­ce in Fin­ne­gans Wake be­dient sich La­can in Joy­ce das Sym­ptom II häu­fig ei­ner pho­ne­ti­sie­ren­den Schreib­wei­se. Der Sinn die­ser Pas­sa­gen er­schließt sich am ehes­ten bei lau­tem Le­sen; durch das Hin und Her zwi­schen dem Ge­spro­che­nen und dem Ge­schrie­be­nen er­ge­ben sich die Äqui­vo­ka­tio­nen, auf die La­can ab­zielt. Ich habe nicht ver­sucht, für die­se pho­ne­ti­sie­ren­den Neo­lo­gis­men deut­sche Ent­spre­chun­gen zu fin­den (in we­ni­gen Fäl­len bo­ten sie sich pro­blem­los an). Statt­des­sen habe ich die Mehr­deu­tig­kei­ten der joy­cia­ni­sie­ren­den Aus­drü­cke in Lis­ten­form auf­ge­führt und zu den fran­zö­si­schen Sät­zen hin­zu­ge­fügt. In der Über­set­zung habe ich ver­sucht, eine wich­ti­ge Ebe­ne der Be­deu­tung zu tref­fen.

Das Sche­ma der In­ter­li­ne­ar­über­set­zung ist:
(1) Fran­zö­si­scher Satz. Hier ver­wei­sen Zah­len in ecki­gen Klam­mern auf die Sei­ten­zah­len der Ver­öf­fent­li­chung von Joy­ce le Sym­ptô­me II in La­cans Au­tres écrits (Seuil, Pa­ris 2001). „[565]“ meint: hier be­ginnt S. 565 der Au­tres écrits.
(2) Hin­wei­se zum fran­zö­si­schen Vo­ka­bu­lar, vor al­lem Auf­schlüs­se­lung von Mehr­deu­tig­kei­ten. „(NP)“ meint: „Neo­lo­gis­mus mit pho­ne­ti­scher Schreib­wei­se“.
(3) Deut­scher Satz, also die Über­set­zung.
(4) Fuß­no­ten mit ei­ni­gen Er­läu­te­run­gen zum Text.

Vor­schlä­ge zur Ver­bes­se­rung der Über­set­zung sind will­kom­men!

Die­ser Text ge­hört in den Um­kreis des Kom­men­tars zu La­cans Se­mi­nar 23, „Das Sin­t­hom le­sen“, den ich in die­sem Blog zu ver­öf­fent­li­chen be­gon­nen habe (ei­nen Über­blick fin­det man hier), und der sich auf die lau­fen­den Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin zu die­sem Se­mi­nar stützt.

Eine Über­set­zung von Joy­ce le Sym­ptô­me I fin­det man in die­sem Blog hier, ei­nen Kom­men­tar zu Joy­ce le Sym­ptom I hier.

Rolf Nemitz

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Jacques Lacan: Joyce das Symptom II

Audioaufnahme französisch.

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Jac­ques La­can, Joy­ce le sym­ptô­me II (1979), ge­le­sen von Vin­cent Pla­ti­ni

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Deutsch

[Ein­schü­be in run­den Klam­mern sind von La­can, Ein­schü­be in ecki­gen Klam­mern vom Über­set­zer.]

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift – etwa [565] – ver­wei­sen auf die Sei­ten der Aus­ga­be in den Au­tres écrits.

[War­nung des Über­set­zers: Die fol­gen­de Über­set­zung gibt ei­nen stark ver­ein­fach­ten Ein­druck von La­cans Auf­satz. Die fran­zö­si­sche Fas­sung wim­melt von Mehr­deu­tig­kei­ten, fast alle habe ich ge­tilgt. Die fran­zö­sisch-deut­sche Ver­si­on der Über­set­zung er­mög­licht ei­nen Zu­gang zu den hier platt­ge­mach­ten Äqui­vo­ka­tio­nen. RN]

Joy­ce das Sym­ptom, zu ver­ste­hen wie Je­sus-die-Wach­tel: das ist sein Name. Konn­te man von mir et­was an­de­res er­war­ten: ich be­nen­ne. Dass das nach ei­nem jun­gen Mann/Menschen aus­sieht, ist eine Aus­wir­kung, aus der ich nur eins her­aus­grei­fen will. Näm­lich dass wir Men­schen sind.

LOM / der Mensch – im Fran­zö­si­schen sagt das eben das, was es be­deu­tet. Es ge­nügt, es pho­ne­tisch zu schrei­ben, das fau­ne­ti­siert es (Faun), nach sei­nem Maße: das Ob­sze­ne. Schrei­ben Sie das: „eaub-“, um dar­an zu er­in­nern, dass das Schö­ne, le beau, nichts an­de­res ist. Hält sich da für schön (his­s­e­c­roi­beau), zu schrei­ben wie „ist das ein schö­ner Fall“ (hes­se­cas­beau), ohne den es kei­nen Kö­der gibt, der – ding! – des Dings des Na­mens des Men­schen wür­dig ist. LOM / der Mensch pre­digt be­stän­dig sich selbst. Mach dich nass, sagt man ihm, das muss sein: denn ohne Nass­ma­chen kei­ne Steh­lei­ter.

LOM, der Ba­sis­mensch, der Mensch, der ei­nen Kör­per hat und da­von nur ei­nen hat. Muss man so sa­gen: er hattein, und nicht: er is­tein (im Kör­per Ein­ge­haus­ter). Was ihn kenn­zeich­net, ist das Ha­ben, nicht das Sein. Es gibt et­was von Bel­len in dem „Was hast du?“, wo­mit er sich be­fragt, fik­tiv, ob er die Ant­wort im­mer hat. Ich habe es, das ist sein ein­zi­ges Sein. Was durch den  S…stall her­vor­ge­ru­fen wird, den so­ge­nann­ten epis­te­mi­schen, wenn er sich dar­an macht, die Welt zu er­schüt­tern, ist dies, dem Sein den Vor­rang vor dem Ha­ben zu ge­ben, wo­hin­ge­gen das Wah­re dar­in be­steht, dass LOM / der Mensch hat, am An­fang. War­um? Das spürt man, und ein­mal ge­spürt, lässt es sich be­wei­sen.

Er hat (so­gar sei­nen Kör­per), und zwar des­halb, weil er gleich­zei­tig drei, nen­nen wir es, Ord­nun­gen an­ge­hört. Wo­mit die Tat­sa­che be­zeugt wird, dass er quas­selt, um sich hef­tig mit der Sphä­re zu be­schäf­ti­gen, aus der man sich eine Steh­lei­ter ma­chen kann.

Ich sage das, um ihn fer­tig zu ma­chen / um mir eine dar­aus zu ma­chen, und zwar des­halb, um von da­her die Sphä­re stür­zen zu las­sen, die in ih­rem Höchs­ten Steh­lei­ter­sein bis­lang nicht zu ent­thro­nen ist. Des­halb be­wei­se ich, dass das S.K.beau / die Steh­lei­ter pri­mär ist, da sie der Pro­duk­ti­on der Sphä­re prä­si­diert.

Das S.K.beau / die Steh­lei­ter ist das, wo­durch beim Men­schen die Tat­sa­che be­dingt wird, dass er vom Sein lebt (= dass er das Sein leert), in dem Maße, wie er hat, wie er sei­nen Kör­per hat – im Üb­ri­gen hat er ihn nur von da­her. Des­halb mein Aus­druck „par­lêt­re“, Sprechwesen/Sprech-Sein, der sich an die Stel­le von Freuds ICS/UBW set­zen soll (Un­be­wuss­tes, so zu le­sen): hau da end­lich ab, also ich will da­hin. Um zu sa­gen, das Un­be­wuss­te bei Freud, als er es ent­deckt (ent­deckt wird et­was mit ei­nem Schlag, nach der Er­fin­dung muss man noch die Be­stands­auf­nah­me ma­chen), das Un­be­wuss­te ist ein Wis­sen, in­so­fern es Ge­spro­che­nes ist, als et­was, was für LOM / für den Men­schen kon­sti­tu­tiv ist. Wo­bei sich das Spre­chen wohl­ge­merkt da­durch de­fi­niert, dass es der ein­zi­ge Ort ist, an dem das Sein ei­nen Sinn hat. Wo­bei der Sinn von Sein der ist, dem Ha­ben vor­zu­ste­hen, wo­mit das epis­te­mi­sche Ge­stam­mel ent­schul­digt wird.

Das Wich­ti­ge – von wel­chem, wie man sagt, „Gesichts“-Punkt aus ist das zu dis­ku­tie­ren? –, was also wich­tig ist, ohne zu prä­zi­sie­ren, von wo aus, das ist dies, sich klar­zu­ma­chen, dass ein LOM / ein Mensch ei­nen Kör­per hat, und dass der Aus­druck rich­tig bleibt, auch wenn LOM / der Mensch dar­aus ab­ge­lei­tet hat, dass er eine See­le ist – wo­mit er wohl­ge­merkt „an­ge­sichts“ sei­ner Schie­le­rei über­setzt hat, dass er auch sie, die­se See­le, hat.

Ha­ben, das ist, et­was da­mit ma­chen kön­nen. Un­ter an­de­rem, un­ter an­de­ren so­ge­nann­ten mög­li­chen Nicht-Vi­sio­nen im­mer sus­pen­diert wer­den zu „kön­nen“. Da­bei ist die ein­zi­ge De­fi­ni­ti­on des Mög­li­chen die, dass es auch nicht „statt­ha­ben“ kann, was man je­doch vom ent­ge­gen­ge­setz­ten Ende her auf­fasst, an­ge­sichts der all­ge­mei­nen Ver­keh­rung des­sen, was man das Den­ken nennt.

Aris­to­te­les, der im Ge­gen­satz zu Ba­con kein Trot­tel war, schreibt, dass der Mensch mit sei­ner See­le denkt. Wo­mit be­wie­sen wäre, dass LOM / der Mensch sie hat, auch sie, wo­mit Aris­to­te­les νους [nous] über­setzt. Ich aber, ich be­gnü­ge mich da­mit, zu sa­gen: Kno­ten, we­ni­ger Ge­tö­se. Kno­ten von was mit was, ich sage es nicht, da ich es nicht weiß, aber ich ma­che mir zu Nut­ze, dass LOM / der Mensch, seit er in der Welt ist, nicht auf­hö­ren kann, Tri­ni­ta­ri­sches zu schrei­ben. Ohne dass die Vor­lie­be von Vic­tor Cou­sin für die Drei­falt hier­zu et­was bei­trägt, aber war­um nicht, wenn er mag, denn der Sinn ist hier je­den­falls drei – ich mei­ne: der bon sens, der ge­sun­de Men­schen­ver­stand / der rich­ti­ge Sinn.

Um ihn nicht zu ver­lie­ren, die­sen Sinn­sprung, habe ich so­eben ge­äu­ßert, dass man fest­hal­ten muss, dass der Mensch ei­nen Kör­per hat, näm­lich dass er mit sei­nem Kör­per spricht, an­ders ge­sagt, dass er von Na­tur aus spricht. Auf die­se Wei­se auf­ge­taucht, als Gip­fel der Kunst, de­na­tu­riert er sich im sel­ben Zug, wo­durch er das Na­tür­li­che zum Ziel macht, zum Ziel der Kunst, so wie er es sich naiv vor­stellt. Das Un­glück ist, dass ge­ra­de dies sein Na­tür­li­ches ist – nicht er­staun­lich, dass er nur als Sym­ptom dar­an rührt. Joy­ce-das-Sym­ptom, Joy­ce le sym­ptô­me, treibt die Din­ge sei­nes Kunst­griffs bis zu dem Punkt, dass man sich fragt, ob er nicht der Hei­li­ge ist, le saint hom­me, so dass das p von sym­ptô­me nicht mehr ex­plo­diert. Gott sei Dank – denn ihm schul­det man es, näm­lich die­sem Wil­len, den man ihm un­ter­stellt (von da­her, dass man in sei­nem Her­zen weiß, dass er nicht ex-sis­tiert) –, Joy­ce ist kein Hei­li­ger. Da­für ge­nießt er zu sehr das S.K.beau / die Steh­lei­ter – was sei­ne Kunst an­geht, ist er trun­ken vor Stolz.

Um die Wahr­heit zu sa­gen, ei­nen Hei­li­gen an sich gibt es nicht, es gibt nur das Be­geh­ren, da­von das aus­zu­fei­len, was man den Weg nennt, den ka­no­ni­schen Weg. Von da­her ver­fällt man ge­le­gent­lich auf die Ka­no­ni­sie­rung der Kir­che, die sich da­mit ein we­nig aus­kennt, so­dass sie sich dar­in wie­der­erkennt, die sich aber in al­len an­de­ren Fäl­len ge­wal­tig täuscht. Denn es gibt, dem Wil­len der Hei­li­gen zum Trotz, kei­nen ka­no­ni­schen Weg, der zur Hei­lig­keit führt, kei­nen Weg, der sie spe­zi­fi­ziert, der aus den Hei­li­gen eine Spe­zi­es macht. Es gibt nur die sca­be­aus­tra­ti­on, aber die Kas­tra­ti­on durch das es­ca­beau / die Steh­lei­ter wird nur durch die Es­ka­pa­de er­reicht. Ei­nen Hei­li­gen gibt es nur, wenn man kei­ner sein will, wenn man auf sie ver­zich­tet, auf die Hei­lig­keit.

Das ist das, was Joy­ce ein­zig als Gip­fel der Kunst bei­be­hält, als ihr Haupt­stück: denn aus der Kunst lässt er das Haupt auf­tau­chen, in die­sem Bloom, der sich ent­frem­det, um sei­ne Far­cen aus Flower und aus Hen­ry zu ma­chen (wie der Hen­ry von ne­ben­an, der Hen­ry für die Da­men). Wenn tat­säch­lich nur be­sag­te Da­men dar­über la­chen, be­weist eben dies, dass Bloom ein Hei­li­ger ist. Dass der Hei­li­ge dar­über lacht, das sagt al­les. Bloom wird nach sei­nem Tod gut rie­chen, auch wenn er über den Fried­hof nicht lacht. Denn da ist sein Be­stim­mungs­ort, den er be­schis­sen und ver­bit­ternd fin­det, wohl­wis­send, dass er nichts dar­an än­dern kann.

Joy­ce aber woll­te nichts ha­ben au­ßer dem es­ca­beau /der Steh­lei­ter des meis­ter­haf­ten Spre­chens, und das ist hin­rei­chend da­für, dass er kein ganz ein­fa­cher Hei­li­ger ist, kein saint hom­me, son­dern das pty­pi­sier­te Sym­ptom.

Wenn er sich über den Bloom sei­ner Phan­ta­sie lus­tig macht, dann des­halb, um zu be­wei­sen, dass, wenn er der­art mit An­zei­gen her­um­löf­felt, das, was er schließ­lich hat – da es auf die­se Wei­se er­langt wird –, nicht viel wert ist.

Wenn er so­gar sei­nen Kör­per zu bil­lig macht, be­weist er, dass „LOM / der Mensch hat ei­nen Kör­per“ nichts be­sagt, wenn er nicht alle an­de­ren da­für den Zehn­ten zah­len lässt.

Ein Weg, der von den Bet­tel­mön­chen ge­bahnt wor­den ist: Sie über­las­sen sich der öf­fent­li­chen Wohl­tä­tig­keit, die für ihre Sub­sis­tenz zah­len muss. Wo­bei al­ler­dings bleibt, dass LOM (L. O. M. ge­schrie­ben) sei­nen Kör­per hat, für den ge­sorgt wer­den muss, der un­ter an­de­rem zu be­klei­den ist. Der hoff­nungs­lo­se Ver­such, den die Ge­sell­schaft macht, da­mit LOM / der Mensch nicht nur ei­nen Kör­per hat, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt: si­cher­lich dem Schei­tern ge­weiht, und auch dazu, of­fen­sicht­lich zu ma­chen, dass, wenn er ein­hat, er kei­nen wei­te­ren hat, ob­wohl er qua Sprech­we­sen über ei­nen an­de­ren ver­fügt, ohne dass es ihm ge­lingt, ihn sich zu ei­gen zu ma­chen.

Was ihm gar nicht in den Sinn käme, so ist an­zu­neh­men, wenn er die­ser Kör­per, den er hat, wirk­lich wäre. Das läuft nur auf die al­ber­ne Theo­rie hin­aus, die die Rea­li­tät des Kör­pers nicht in die Idee le­gen will, durch die er ge­macht wird. Eine, wie man weiß, aris­to­te­li­sche Li­ta­nei. Wel­che Er­fah­rung – man bringt sich fast um, um sich das vor­zu­stel­len – hat ihn bloß dar­an hin­dern kön­nen, zu pla­to­ni­sie­ren, d.h. wie je­der­mann dem Tod zu trot­zen, durch die An­nah­me, die Idee ge­nü­ge, um ihn zu re­pro­du­zie­ren, die­sen Kör­per. „Mit ihm zig Ho­sen“, fragt Mol­ly Bloom, in de­ren Reich­wei­te das umso we­ni­ger ge­langt war, als sie be­reits da war, ohne es sich zu sa­gen. Wie so vie­le Din­ge, an die man glaubt, ohne an ih­nen zu kle­ben: die es­ca­beaux des Re­ser­vats / die Re­ser­ve­steh­lei­tern, ein Vor­rat, aus dem je­der schöpft.

Dass es ei­nen Men­schen ge­ge­ben hat, der da­von ge­träumt hat, die­sen Vor­rat / die­ses Re­ser­vat ganz durch­zu­ge­hen und vom es­ca­beau / von der Steh­lei­ter die all­ge­mei­ne For­mel zu lie­fern, das ist eben das, was ich „Joy­ce das Sym­ptom“ nen­ne. Denn die­se For­mel hat er nicht ge­fun­den, da er nicht die ge­rings­te Ver­mu­tung dar­über hat­te. Sie lag je­doch be­reits über­all her­um, in Ge­stalt die­ses ICS / die­ses UBW, das ich vom Sprech­we­sen fest­hal­te.

Joy­ce, durch sei­nen Na­men prä­de­sti­niert, über­ließ den Platz Freud, bei dem es nicht we­ni­ger mit­klang. Es braucht die Lei­den­schaft ei­nes Ell­mann, um von da­her ein Kreuz über Freud zu schla­gen: pace tua [mit Ih­rem Ein­ver­ständ­nis] wer­de ich Ih­nen die Sei­te nicht an­ge­ben, denn mich drängt die Zeit. Bei Joy­ce ist die Funk­ti­on der Hast ma­ni­fest. Was er da­von nicht sieht, ist die Lo­gik, die von ihr be­stimmt wird.

Sei­ne Ver­diens­te, sie an­ge­mes­sen nach­zu­zeich­nen, sind umso grö­ßer, als ein­zig aus sei­ner Kunst ge­macht ist, dass ein Kunst­ge­gen­stand wie Ulys­ses ein Wurf der Kunst auf das Ob­szö­ne der Lo­gik selbst ist; das lässt sich da­durch le­sen, dass sie das Un­be­wuss­te nicht ab­paust, son­dern da­von das Mo­dell ab­gibt, in­dem sie tem­pè­riert, in­dem sie den Va­ter der Zeit macht, den bal­li­schen Floom, den Xin­bad den Phtarin, wor­auf der Sym­d­bad des Sym­d­ptoms hin­aus­läuft, oder in Ste­phens De­eda­lus an­er­kennt Joy­ce sich den not­wen­di­gen Sohn, das, was nicht auf­hört, sich zu schrei­ben, von da­her, dass er sich – ohne dass er sich für schön hält – vom Ham­let-Hy­stör­chen her be­greift, die hys­te­ri­siert ist in sei­nem Ge­hörn­ten Hei­li­gen Va­ter – durch das Ohr ver­gif­tet, Zeug­ma, so­wie durch sein Sym­ptom der Frau –, ohne dass er mehr tun könn­te, als in Clau­di­us das Sei­ten­sprung-Sym­ptom zu tö­ten, um den Platz dem Er­satz zu über­las­sen, der, in Fortin­bras, den Va­ter auf ewig um­armt.

Joy­ce lehnt ab, dass sich et­was in dem er­eig­net, was, wie man an­nimmt, von der  Ge­schich­te der His­to­ri­ker zum Ge­gen­stand ge­nom­men wird.

Er hat recht, da die Ge­schich­te nicht mehr ist als eine Flucht, von der im­mer nur der Exo­dus er­zählt wird. Durch sein Exil be­legt er die Ernst­haf­tig­keit sei­nes Ur­teils. An der Ge­schich­te ha­ben nur die De­por­tier­ten teil – da der Mensch ei­nen Kör­per hat, hat man ihn durch den Kör­per. Kehr­sei­te des Ha­be­as Cor­pus.

Le­sen Sie die Ge­schich­te wie­der: das ist al­les, was da in Wahr­heit zu le­sen ist. Die­je­ni­gen, die glau­ben, im Durch­ein­an­der der Ge­schich­te et­was zu be­wir­ken, sind gleich­falls De­plat­zier­te, in ei­nem Exil, das si­cher­lich frei­wil­lig ist, das sie je­doch blen­det, da sie sich ein es­ca­beau / eine Steh­lei­ter dar­aus ma­chen.

Joy­ce ist der ers­te, der gut zum Ver­schwin­deln zu brin­gen weiß, da er das es­ca­beau / die Steh­lei­ter zum Grad der lo­gi­schen Kon­sis­tenz er­ho­ben hat, wo er sie auf­recht­erhält, auf kunst­stol­ze Wei­se, ich habe es eben ge­sagt.

Über­las­sen wir das Sym­ptom dem, was es ist: ein Kör­per­ereig­nis, ge­bun­den an dies: man hat es, man hat es aus der Luft / vom Lied, man lässt es hors­ten, von da­her hat man es. Ge­le­gent­lich wird’s ge­sun­gen, und Joy­ce ver­sagt sich das nicht.

So kön­nen In­di­vi­du­en, die Aris­to­te­les für Kör­per hält, selbst nichts als Sym­pto­me im Ver­hält­nis zu an­de­ren Kör­pern sein. Eine Frau zum Bei­spiel ist Sym­ptom ei­nes an­de­ren Kör­pers.

Wenn das nicht der Fall ist, bleibt sie ein so­ge­nann­tes hys­te­ri­sches Sym­ptom, wo­mit man sa­gen will: ein letz­tes. Näm­lich pa­ra­do­xer­wei­se, dass sie nur an ei­nem an­de­ren Sym­ptom in­ter­es­siert ist – es nimmt also nur die vor­letz­te Stel­le ein und ist über­dies nicht Vor­recht ei­ner Frau, ob­gleich man ver­steht, von wo­her sie sich sym­pto­ma­ti­siert, wenn man das Schick­sal des LOM / des Man­nes als Sprech­we­sen zu er­mes­sen ver­steht. Aus­ge­hend von Hys­te­ri­ke­rin­nen, von hys­te­ri­schen Sym­pto­men von Frau­en (si­cher­lich nicht alle so, weil sie ja von da­her, nicht alle (so) zu sein, als die­je­ni­gen no­tiert wer­den, Frau­en beim LOM / beim Mann zu sein, näm­lich von da­her, dass man ihn hat), aus­ge­hend von hys­te­ri­schen Sym­pto­men hat die Psy­cho­ana­ly­se in der Er­fah­rung Fuß fas­sen kön­nen.

Nicht ohne so­gleich zu er­ken­nen, dass je­der­mann hier­auf Recht hat. Nicht nur Recht, son­dern Über­le­gen­heit, of­fen­kun­dig ge­macht durch So­kra­tes, zu ei­ner Zeit, als LOM com­mun / der ge­mei­ne Mann sich noch nicht, und mit Grund, auf Ka­no­nen­fut­ter re­du­zier­te, auch wenn er von der De­por­ta­ti­on von Kör­per und Sym­ptom be­reits er­fasst war. So­kra­tes, ein per­fek­ter Hys­te­ri­ker, war von ge­nau ei­nem Sym­ptom fas­zi­niert, beim an­de­ren im Flu­ge er­hascht. Das hat ihn dazu ge­bracht, eine Art Vor­form von Ana­ly­se zu prak­ti­zie­ren. Hät­te er Geld da­für ver­langt, statt mit den­je­ni­gen zu ver­keh­ren, de­nen er Ge­burts­hil­fe leis­te­te, was wäre das für ein Ana­ly­ti­ker ge­we­sen, freu­dia­nisch avant la lett­re. Ein Ge­nie, oder?

Das hys­te­ri­sche Sym­ptom, ich fas­se zu­sam­men, ist das Sym­ptom für LOM / für den Men­schen, am Sym­ptom des an­de­ren als sol­chem be­tei­ligt zu sein – die Be­zie­hung von Kör­per zu Kör­per ist da­für nicht er­for­der­lich. Der Fall So­kra­tes be­stä­tigt das auf ex­em­pla­ri­sche Wei­se.

Ver­zei­hen Sie, all dies ist nur dazu da, um et­was über Joy­ce ge­nau­er zu be­stim­men, über sei­nen Platz.

Joy­ce hält sich hier­bei nur in­so­fern als Frau, als er sich als Sym­ptom voll ent­fal­tet. Eine gut aus­ge­rich­te­te Idee, wenn auch auf ih­rem Hö­he­punkt ge­schei­tert. Ich möch­te sa­gen, es ist Sym­pto­ma­to­lo­gie. Das hie­ße zu ver­mei­den, ihn mit dem Na­men zu nen­nen, der auf sei­nen Wunsch ant­wor­tet, den er in Fin­ne­gans Wake, Sei­te 162 (und 509), als eine Tour de Far­ce be­zeich­net, wo er ihn zu­tref­fend als List des Schick­sals an der Macht be­zeich­net, was er von Ver­di nahm, be­vor man ihn uns ge­gen­über durch­setzt.

Dass Joy­ce es ge­nos­sen hat, Fin­ne­gans Wake zu schrei­ben, das spürt man. Dass er es ver­öf­fent­licht hat – dies ver­dan­ke ich dem, dass man mich dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat –, macht ei­nen per­plex, in­so­fern es jede Li­te­ra­tur auf­lau­fen lässt. Sie auf­zu­we­cken, heißt wohl zu un­ter­schrei­ben, dass er ihr Ende woll­te. Er schnei­det dem Traum den Atem ab, dem Traum, der sich wohl noch eine Zeit­lang hin­zie­hen wird. So lan­ge, bis man be­greift, dass er nur von der Funk­ti­on der Hast in der Lo­gik ab­hängt. Ein Punkt, den ich her­vor­ge­ho­ben habe, si­cher­lich des­halb, weil nach Joy­ce – den ich mit zwan­zig Jah­ren ken­nen­ge­lernt habe – et­was durch­zu­sto­ßen ist in dem Toi­let­ten­pa­pier, auf dem die Buch­sta­ben sich ab­zeich­nen, wenn man sich dar­um be­müht, für die Rek­ti­on des Kör­pers zu krit­zeln, für die Kor­po­rek­tio­nen, wor­über er das letz­te be­kann­te an­stän­di­ge Wort sagt, der auf­ge­deck­te Sinn des li­te­ra­ri­schen Sym­ptoms, das schließ­lich auf­ge­kocht wor­den ist. Nun ist die Spit­ze des Un­be­greif­li­chen hier die Steh­lei­ter, als de­ren Herr man sich zeigt. Ich bin hin­rei­chend Herr von Lalan­gue, der fran­zö­si­schen, wie man sagt, um hier selbst zu et­was ge­kom­men zu sein, was fas­zi­niert, was das Ge­nie­ßen be­zeugt, das dem Sym­ptom ei­gen ist. Un­durch­sich­ti­ges Ge­nie­ßen, den Sinn aus­zu­schlie­ßen.

Ver­mu­tet hat man es seit lan­gem. Post-joy­cia­nisch zu sein, heißt, es zu wis­sen. Ein Er­wa­chen gibt es nur durch eben die­ses Ge­nie­ßen, das heißt da­durch ab­ge­wer­tet, dass die Ana­ly­se, die auf den Sinn zu­rück­greift, um es zu lö­sen, kei­ne an­de­re Chan­ce hat, dies zu er­rei­chen, als da­durch, dass sie sich zum Be­tro­ge­nen macht – des Va­ters, wie ich auf­ge­zeigt habe.

Das Au­ßer­ge­wöhn­li­che ist, dass Joy­ce es er­reicht hat, zwar nicht ohne Freud (auch wenn es nicht ge­nügt, dass er ihn ge­le­sen hat), je­doch ohne die Er­fah­rung der Ana­ly­se ge­macht zu ha­ben (die ihn viel­leicht mit ei­nem fla­chen Ende ge­täuscht hät­te).

Leiter zNeo Rauch, Mann auf der Steh­lei­ter (2015), Ne­on­licht­skulp­tur, 10 m hoch
Deut­scher Bun­des­tag, Ber­lin, Paul-Löbe-Haus, Spree­ufer

Französisch/Deutsch

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift – etwa [565] – ver­wei­sen auf die Sei­ten der Aus­ga­be in den Au­tres écrits.

[565] Joy­ce le Sym­ptô­me à en­tendre com­me Jé­sus la Cail­le : c’est son nom.

Joy­ce das Sym­ptom, zu ver­ste­hen wie Je­sus-die-Wach­tel: das ist sein Name.2

 

Pou­vait-on s’attendre à aut­re cho­se d’emmoi : je nom­me.

– d’emmoi (NP): de moi (von mir) + émoi (Er­re­gung)

Konn­te man von mir et­was an­de­res er­war­ten: ich be­nen­ne.3

 

Que ça fas­se jeu­ne hom­me est une re­tom­bée d’où je ne veux re­ti­rer qu’une seu­le cho­se.

– „jeu­ne hom­me“ ist fast laut­gleich mit „je nom­me“

Dass das nach ei­nem jun­gen Mann/Menschen aus­sieht, ist eine Aus­wir­kung, aus der ich nur eins her­aus­grei­fen will.4

 

C’est que nous som­mes z’hommes. [Ab­satz]

– z’hommes: Das „s“ am Ende von „som­mes“ ist nor­ma­ler­wei­se stumm, vor Vo­ka­len oder vor apo­stro­phier­tem „h“ (wie in „hom­mes“) wird es mit­ge­spro­chen; pho­ne­tisch wird das als „z“ ge­schrie­ben: „som­mes hom­mes“ wird [sɔmzɔm] ge­spro­chen. Die pho­ne­ti­sie­ren­de Schrei­bung „z’hommes“ wen­det sich ge­gen ge­gen die Aus­spra­che ohne „z“, also [sɔm ɔm], die auch mög­lich ist, aber pa­the­tisch klingt. Die Schrei­bung mit „z’h“ bringt das Pho­nem, den Buch­sta­ben und die Apo­stro­phie­rung ins Spiel.

Näm­lich dass wir Men­schen sind. [Ab­satz]

 

LOM : en français ça dit bien ce que ça veut dire.

– LOM (NP): (a) als Wort ge­spro­chen laut­gleich mit „l’homme“, (b) buch­sta­biert ge­le­sen „El-O-Em“ = „Elo­him“, im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen der Aus­druck für das he­bräi­sche Wort „Elo­him“ (Gott)

LOM / der Mensch – im Fran­zö­si­schen sagt das eben das, was es be­deu­tet.5

 

Il suf­fit de l’écrire pho­né­ti­que­ment : ça le fau­n­é­tique (faun…), à sa me­s­u­re : l’eaubscène.

– fau­n­é­tique (NP): pho­né­ti­quer (pho­ne­ti­sie­ren) + pho­né­tique (Pho­ne­tik) + fau­ne (Faun)

– l’eaubscène (NP): l’obscène (das Ob­szö­ne) + l’eau (das Was­ser) + scè­ne (Sze­ne) + l’aube-scène (die Mor­gen­däm­me­rungs­sze­ne)

Es ge­nügt, es pho­ne­tisch zu schrei­ben, das fau­ne­ti­siert es (Faun), nach sei­nem Maße: das Ob­sze­ne.6

 

Écri­vez ça eaub… pour rap­pe­ler que le beau n’est pas aut­re cho­se.

– eaub (NP): eau (Wass­ser) + aube (Mor­gen­däm­me­rung)

Schrei­ben Sie das: „eaub-“, um dar­an zu er­in­nern, dass das Schö­ne, le beau, nichts an­de­res ist.7

 

His­s­e­c­roi­beau à écri­re com­me l’hessecabeau sans le­quel hiha­nappat qui soit ding! d’nom dhom.

– His­s­e­c­roi­beau (NP): il se croit beau (er hält sich für schon) + y se croit beau (hält sich da für schön) + his­ser (hoch­zie­hen, his­sen)

– l’hessecabeau (NP): esse (lat. „sein“) + cas + beau (schön)+ est-ce cas beau? (ist das ein schö­ner Fall?) + est-ce ca­bot ? (ist das ein Wich­tig­tu­er?)+ es­ca­beau (Tritt­lei­ter, Steh­lei­ter, Sche­mel)

– hiha­nappat (NP): y en n’a pas (es gibt nicht da­von) + ap­pât (Kö­der)+ hi­han (i-a, Schrei des Esels)

– ding ! (NP): Ding (das deut­sche Wort) + din­gue (Ver­rück­ter) + der Klang „ding“ (ono­ma­to­poe­tisch)+ di­gne (wür­dig)

– dhom (NP): d’homme (des Men­schen)

- ding! d’nom dhom: An­spie­lung auf „di­gue don don di­gue don dai­ne“, laut­ma­le­ri­sche Wen­dung in ei­ni­gen Volks­lie­dern

Hält sich da für schön (his­s­e­c­roi­beau), zu schrei­ben wie „ist das ein schö­ner Fall“ (hes­se­cas­beau), ohne den es kei­nen Kö­der gibt, der – ding! – des Dings des Na­mens des Men­schen wür­dig ist.8

 

LOM se lomel­li­se à qui mieux mieux.

– lomel­li­se (NP): l’homélie (Pre­digt) + lise (3. Pers. Sg. Sub­junk­tiv von li­ser, le­sen)

LOM / der Mensch pre­digt be­stän­dig sich selbst.

 

Überschwemmung, Traumdeutung

Traum der fran­zö­si­schen Bonne[note]Abbildung aus: S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 362.[/note]

.

Mouil­le, lui dit-on, faut le fai­re : car sans mouil­ler pas d’hessecabeau. [Ab­satz]

- mouil­le: von „mouil­ler“, nass ma­chen, schwit­zen

Mach dich nass, sagt man ihm, das muss sein: denn ohne Nass­ma­chen kei­ne Steh­lei­ter.9 [Ab­satz]

 

LOM, LOM de base, LOM ca­hun corps et nan-na Kun.

L’homme de base: Mi­li­tä­ri­scher Fach­be­griff: in ei­ner Trup­pe die Be­zugs­per­son, an der die an­de­ren sich ori­en­tie­ren, in der Re­gel der größ­te.

– LOM ca­hun (NP) corps: l’homme qu’a un corps (der Mensch, der ei­nen Kör­per hat)

- ca­hun: laut­gleich mit „ca­hin“ in „ca­hin caha“ (müh­sam)

– et nan-na Kun (NP): et n’en a qu’un (und hat da­von nur ei­nen) + na (ja­pa­ni­sches Kan­ji für „Name“) + kun (ja­pa­ni­sche An­re­de für ein männ­li­ches We­sen, das jün­ger ist als der Spre­cher oder gleich­alt, oder für ei­nen sehr gu­ten Freund („al­ter Kna­be“))

LOM, der Ba­sis­mensch10, der Mensch, der ei­nen Kör­per hat und da­von nur ei­nen hat.11

 

Faut le dire com­me ça : il ahun … et non : il es­tun… (cor/niché).

– il ahun (NP): il a un (er hat ei­nen)

– il es­tun (NP): il est un (er ist ei­ner)

– cor/niché (NP): corps (Kör­per) + cor­ni­che (Fels­vor­sprung) + ni­cher (hau­sen, woh­nen)

- il es­tun… (cor/niché): An­spie­lung auf „il est un cor­ni­chon“ (er ist ein Esel, wört­lich „er ist ein Gür­k­chen“)

Muss man so sa­gen: er hattein, und nicht: er is­tein (im Kör­per Ein­ge­haus­ter).  

 

C’est l’avoir et pas l’être qui le ca­rac­té­ri­se.

Was ihn kenn­zeich­net, ist das Ha­ben, nicht das Sein.12

 

Il y a de l’avoiement dans le qu’as-tu? dont il s’interroge fic­tive­ment d’avoir la ré­pon­se tou­jours.

– l’avoiement (NP): abo­ie­ment (Bel­len) + avoir + avoue­ment (Ein­ge­ständ­nis) + vou­vo­ie­ment (Sie­zen)

Es gibt et­was von Bel­len in dem „Was hast du?“, wo­mit er sich be­fragt, fik­tiv, ob er die Ant­wort im­mer hat.13

 

J’ai ça, c’est son seul être.

Ich habe es, das ist sein ein­zi­ges Sein.

 

Ce que fait le f…toir dit épis­té­mi­que quand il se met à bous­cu­ler le mon­de, c’est de fai­re pas­ser l’être avant l’avoir, alors que le vrai, c’est que LOM a, au princi­pe.

– f…toir: fou­to­ir (Sau­stall, Durch­ein­an­der)

Was durch den S…stall her­vor­ge­ru­fen wird, den so­ge­nann­ten epis­te­mi­schen, wenn er sich dar­an macht, die Welt zu er­schüt­tern, ist dies, dem Sein den Vor­rang vor dem Ha­ben zu ge­ben, wo­hin­ge­gen das Wah­re dar­in be­steht, dass LOM / der Mensch hat, am An­fang.

 

Pour­quoi ?

War­um?

 

Ça se sent, et une fois sen­ti, ça se dé­mont­re. [Ab­satz]

Das spürt man, und ein­mal ge­spürt, lässt es sich be­wei­sen.14[Ab­satz]

 

Il a (même son corps) du fait qu’il ap­par­ti­ent en même temps à trois… ap­pe­lons ça, ord­res.

Er hat (so­gar sei­nen Kör­per), und zwar des­halb, weil er gleich­zei­tig drei, nen­nen wir es, Ord­nun­gen an­ge­hört.15

 

En té­moi­gnant le fait qu’il ja­spi­ne pour s’affairer de la sphè­re dont se fai­re un es­ca­beau. [Ab­satz]

- „s’affairer“ (sich stark mit etwa be­schäf­ti­gen) ist laut­ähn­lich mit „sphè­re“ (Sphä­re, Ku­gel); „sphè­re“ ent­hält, als Laut­fol­ge, „fai­re“

Wo­mit die Tat­sa­che be­zeugt wird, dass er quas­selt, um sich hef­tig mit der Sphä­re zu be­schäf­ti­gen, aus der man sich eine Steh­lei­ter ma­chen kann.16 [Ab­satz]

 

Je dis ça pour m’en fai­re un, et jus­tement d’y fai­re dé­choir la sphè­re, jusqu’ici in­dé­trôn­ab­le dans son su­prê­me d’escabeau.

– pour m’en fai­re un: (a) um ihn fer­tig zu ma­chen, (b) um mir ei­nen dar­aus zu ma­chen

– su­prê­me d’escabeau: ana­log zu „su­prê­me d’orange“ (Oran­gen­fi­let), „su­prê­me de pois­son“ (Fisch­fi­let).

Ich sage das, um ihn fer­tig zu ma­chen / um mir eine dar­aus zu ma­chen, und zwar des­halb, um von da­her die Sphä­re stür­zen zu las­sen, die in ih­rem Höchs­ten Steh­lei­ter­sein bis­lang nicht zu ent­thro­nen ist.

 

Ce pour­quoi je dé­mont­re que l’S.K.beau est pre­mier par­ce qu’il pré­si­de à la pro­duc­tion de sphè­re. [Ab­satz]

– Ce pour­quoi: C’est pour­quoi (aus die­sem Grun­de) + ce pour quoi (zu die­sem Zweck)

– S.K.beau (NP): es­ca­beau + S (ver­mut­lich für si­gni­fi­ant, Si­gni­fi­kant) + beau (schön)

– pre­mier, pré­si­de, pro­duc­tion: drei­mal „pr“; in „pour­quoi“ und „par­ce“ gibt es ei­nen ähn­li­chen Klang

Des­halb be­wei­se ich, dass das S.K.beau / die Steh­lei­ter pri­mär ist, da sie der Pro­duk­ti­on der Sphä­re prä­si­diert.17 [Ab­satz]

 

L’S.K.beau c’est ce que con­di­ti­on­ne chez l’homme le fait qu’il vit de l’être ( = qu’il vide l’être) au­tant qu’il a  son corps : il ne l’a d’ailleurs qu’à par­tir de là.

– „il vit de l’être“ (er lebt vom Sein) ist laut­gleich mit „il vit de lett­re“ (er lebt vom Buch­sta­ben)

– „il vit de l’être“ (er lebt vom Sein) und „il vide l’être“ (er leert das Sein) sind laut­gleich.

Das S.K.beau / die Steh­lei­ter ist das, was beim Men­schen durch die Tat­sa­che be­dingt wird, dass er vom Sein lebt (= dass er das Sein leert), in dem Maße, wie er hat, wie er sei­nen Kör­per hat – im Üb­ri­gen hat er ihn nur von da­her.18

 

D’où mon ex­pres­si­on de par­lêt­re qui se sub­sti­tu­e­ra à l’ICS de Freud (in­con­sci­ent, qu’on lit ça) : pous­se-toi | [566] de là que je m’y met­te, donc.

– par­lêt­re (NP): par­ler (spre­chen) + être (Sein, We­sen)

– ICS: Ab­kür­zung von „in­con­sci­ent“ (Un­be­wuss­tes), ana­log zur deut­schen Ab­kür­zung „Ubw“. Als Wort aus­ge­spro­chen, hört man „x“.

- in­con­ci­ent, qu’on lit ça: (a) Un­be­wuss­tes, so zu le­sen, (b) man liest es un­be­wusst

Des­halb mein Aus­druck „par­lêt­re“, Sprechwesen/Sprech-Sein19, der sich an die Stel­le von Freuds ICS/UBW set­zen soll (Un­be­wuss­tes, so zu le­sen): hau da end­lich ab, also ich will da­hin.20

 

Pour dire que l’inconscient dans Freud quand il le dé­cou­vre (ce qui se dé­cou­vre c’est d’un seul coup, en­core faut-il après l’invention fai­re l’inventaire), l’inconscient c’est un sa­voir en tant que par­lé com­me con­sti­tu­ant de LOM.

– „dé­cou­vre“ (ent­de­cken) ent­hält (ge­spro­chen „coup“ (Schlag)

– in­con­sci­ent, in­ven­ti­on, in­ven­taire, in­con­sci­ent: vier­mal „in-“. Das „in“ wird im Fran­zö­si­schen häu­fig wie das „un“ aus­ge­spro­chen (sie­he etwa hier).

Um zu sa­gen, das Un­be­wuss­te bei Freud, als er es ent­deckt (ent­deckt wird et­was mit ei­nem Schlag, nach der Er­fin­dung muss man noch die Be­stands­auf­nah­me ma­chen), das Un­be­wuss­te ist ein Wis­sen, in­so­fern es ge­spro­chen wird, als et­was, was für LOM / für den Men­schen kon­sti­tu­tiv ist.21

 

La pa­ro­le bien en­ten­du se dé­fi­nis­sant d’être le seul lieu, où l’être ait un sens.

- „l’être ait un sens“ (das Sein hat ei­nen Sinn) ist laut­gleich mit „l’être est un sens“ (das Sein ist ein Sinn)

Wo­bei sich das Spre­chen wohl­ge­merkt da­durch de­fi­niert, dass es der ein­zi­ge Ort ist, an dem das Sein ei­nen Sinn hat.22

 

Le sens de l’être étant de pré­si­der à l’avoir, ce qui ex­cu­se le ba­fouil­la­ge épis­té­mi­que. [Ab­satz]

Wo­bei der Sinn von Sein der ist, dem Ha­ben vor­zu­ste­hen, wo­mit das epis­te­mi­sche Ge­stam­mel ent­schul­digt wird.23 [Ab­satz]

 

L’important, de quel point  il est dit « de vue », c’est à dis­cu­ter? ce qui im­por­te donc sans pré­ciser d’où, c’est de se rend­re comp­te que de LOM a un corps  et que l’expression res­te cor­rec­te,  bien que de là LOM ait dé­du­it qu’il était une âme  ce que, bien en­ten­du, « vu » sa big­le­rie, il a tra­du­it de ce que cet­te âme, elle aus­si, il l’avait. [Ab­satz]

Das Wich­ti­ge – von wel­chem, wie man sagt, „Gesichts“-Punkt aus ist das zu dis­ku­tie­ren? –, was also wich­tig ist, ohne zu prä­zi­sie­ren, von wo aus, das ist dies, sich klar­zu­ma­chen, dass ein LOM / ein Mensch ei­nen Kör­per hat, und dass der Aus­druck rich­tig bleibt, auch wenn LOM / der Mensch dar­aus ab­ge­lei­tet hat, dass er eine See­le ist – wo­mit er wohl­ge­merkt „an­ge­sichts“ sei­ner Schie­le­rei über­setzt hat, dass er auch sie, die­se See­le, hat.24 [Ab­satz]

 

Avoir, c’est pou­voir fai­re quel­que cho­se avec.

- Die­ser Satz ist ein Alex­an­dri­ner.

Ha­ben, das ist, et­was da­mit ma­chen kön­nen.25

 

Ent­re au­tres, ent­re au­tres avi­si­ons di­tes pos­si­bles de « pou­voir » tou­jours être sus­pen­du­es.

– avi­si­on (NP): a (Ne­ga­ti­on) + vi­si­on (Sicht, Vi­si­on)

- „pou­voir“ (Macht, kön­nen) ent­hält „voir“ (se­hen)

Un­ter an­de­rem, un­ter an­de­ren so­ge­nann­ten mög­li­chen Nicht-Vi­sio­nen im­mer sus­pen­diert wer­den zu „kön­nen“.26

 

La seu­le dé­fi­ni­ti­on du pos­si­ble étant qu’il puis­se ne pas « avoir lieu » : ce qu’on prend par le bout con­trai­re, vu l’inversion gé­né­ra­le de ce qu’on ap­pel­le la pen­sée. [Ab­satz]

Da­bei ist die ein­zi­ge De­fi­ni­ti­on des Mög­li­chen die, dass es auch nicht „statt­ha­ben“ kann, was man je­doch vom ent­ge­gen­ge­setz­ten Ende her auf­fasst, an­ge­sichts der all­ge­mei­nen Ver­keh­rung des­sen, was man das Den­ken nennt.27 [Ab­satz]

 

Aris­to­te, Pa­con con­trai­re­ment au B de même rime, écrit que l’homme pen­se avec son âme.

– Pa­con (NP): pas con (kein Trot­tel); Wort­spiel mit pas con / Ba­con

- Pacon contrai­re­ment: An­spie­lung auf „il est un peu con-con“ (er ist ein Dum­mer­chen)

- con: Möse

– B de même rime: „B mit dem­sel­ben Reim“ (wie Pa­con), also Ba­con (der Phi­lo­soph Fran­cis Ba­con)

Aris­to­te­les, der im Ge­gen­satz zu Ba­con kein Trot­tel war, schreibt, dass der Mensch mit sei­ner See­le denkt.

 

En quoi se prou­ver­ait que LOM l’a, elle aus­si, ce qu’Aristote tra­du­it du νους.

Wo­mit be­wie­sen wäre, dass LOM / der Mensch sie hat, auch sie, wo­mit Aris­to­te­les νους [nous] über­setzt.28

 

Je me con­tente moi de dire : nœud, mo­ins de ba­rouf.

- con­tente: ent­hält „con“, Möse

- nœud: „Kno­ten“, auch vul­gär für „Ei­chel“ oder „Pe­nis“

Ich aber, ich be­gnü­ge mich da­mit, zu sa­gen: Kno­ten, we­ni­ger Ge­tö­se.29

 

Nœud de quoi à quoi, je ne le dis pas, fau­te de le sa­voir, mais j’exploite que tri­nité, LOM ne peut ces­ser de l’écrire de­puis qu’il s’immonde.

- tri­nité: „la Tri­nité“ ist die Drei­fal­tig­keit, hier ohne Ar­ti­kel und klein­ge­schrie­ben

– il s‘immonde (NP): im­mon­de (schmut­zig) + mon­de (Welt) + s’y (sich hier)

Kno­ten von was mit was, ich sage es nicht, da ich es nicht weiß, aber ich ma­che mir zu Nut­ze, dass LOM / der Mensch, seit er in der Welt ist, nicht auf­hö­ren kann, Tri­ni­ta­ri­sches zu schrei­ben.30

 

Sans que la pré­fé­rence de Vic­tor Cou­sin pour la tri­pli­cité y ajou­te : mais va pour, s’il veut, puis­que le sens, là c’est trois ; le bon sens, en­tends-je. [Ab­satz]

- bon sens: (a) ge­sun­der Men­schen­ver­stand, (b) rich­ti­ger Sinn

Ohne dass die Vor­lie­be von Vic­tor Cou­sin für die Drei­falt hier­zu et­was bei­trägt, aber war­um nicht, wenn er mag, denn der Sinn ist hier je­den­falls drei – ich mei­ne: der bon sens, der ge­sun­de Men­schen­ver­stand / der rich­ti­ge Sinn.31 [Ab­satz]

 

C’est pour ne pas le perd­re, ce bond du sens, que j’ai énon­cé main­ten­ant qu’il faut main­tenir que l’homme ait un corps, soit qu’il par­le avec son corps, au­tre­ment dit qu’il par­lêt­re de na­tu­re.

– bond du sens: bond du sens (Sprung des Sinns) + (laut­gleich) bon du sens (Gute des Sinns, vgl. „bon sens“ im vo­ri­gen Satz)

– il par­lêt­re de na­tu­re: „il par­le, être de na­tu­re“: er spricht von Na­tur aus; „il par­le être de na­tur“: er spricht Sein von Na­tur aus

– main­ten­ant, main­tenir: zwei­mal „main­ten-“, viel­leicht in An­spie­lung auf „main“, Hand.

Um ihn nicht zu ver­lie­ren, die­sen Sinn­sprung, habe ich so­eben ge­äu­ßert, dass man fest­hal­ten muss, dass der Mensch ei­nen Kör­per hat, näm­lich dass er mit sei­nem Kör­per spricht, an­ders ge­sagt, dass er von Na­tur aus spricht.32

 

Ain­si sur­gi com­me tête de l’art, il se dé­na­tu­re du même coup, mo­y­ennant quoi il prend pour but, pour but de l’art le na­tu­rel, tel qu’il l’imagine naï­ve­ment.

– tête de l’art: tête de l’art (Gip­fel der Kunst) + tête de lard (Speck­kopf). „Speck­kopf“ ist eine Spei­se (Schwei­ne­kopf) und ein Schimpf­wort für je­man­den, der et­was eng­stir­nig ist

Auf die­se Wei­se auf­ge­taucht, als Gip­fel der Kunst, de­na­tu­riert er sich im sel­ben Zug, wo­durch er das Na­tür­li­che zum Ziel macht, zum Ziel der Kunst, so wie er es sich naiv vor­stellt.

 

Le mal­heur, c’est que c’est le sien de na­tu­rel : pas éton­nant qu’il n’y tou­che qu’en tant que sym­ptô­me.

Das Un­glück ist, dass ge­ra­de dies sein Na­tür­li­ches ist – nicht er­staun­lich, dass er nur als Sym­ptom dar­an rührt.

 

Joy­ce le Sym­ptô­me pous­se les cho­ses de son ar­ti­fice au point qu’on se de­man­de s’il n’est pas le Saint, le saint hom­me à ne plus p’ter.

– ar­ti­fice: Kunst­griff, von la­tei­nisch „ar­ti­fi­ci­um“ (Ge­schick­lich­keit, Kunst­werk, Hand­werk, Trick)

– sym­ptô­me: aus grie­chisch „sym­ptô­ma“, vom Verb „sym­pip­tô“ (fällt zu­sam­men) und „sym“ (zu­sam­men) und „pip­tô“ (fällt)

– saint hom­me: „hei­li­ger Mann“, laut­ähn­lich mit „sin­t­home“ (alte Schreib­wei­se für „sym­ptô­me“) und mit „Saint Thome“ (Hei­li­ger Thom[as])

– p’ter: An­spie­lung auf pé­ter (ex­plo­die­ren, fur­zen)

Joy­ce-das-Sym­ptom, Joy­ce le sym­ptô­me, treibt die Din­ge sei­nes Kunst­griffs bis zu dem Punkt, dass man sich fragt, ob er nicht der Hei­li­ge ist, le saint hom­me, so dass das p von sym­ptô­me nicht mehr ex­plo­diert.33

 

Dieu mer­ci car c’est à lui qu’on le doit, soit à ce vou­loir qu’on lui sup­po­se (de ce qu’on sait dans son cœur qu’il n’ex-siste pas) Joy­ce n’est pas un Saint.

– c’est à lui: auf­fäl­lig ist, das „lui“, das sich hier auf Gott be­zieht, hier nicht wie üb­lich groß­ge­schrie­ben wird

Gott sei Dank – denn ihm schul­det man es, näm­lich die­sem Wil­len, den man ihm un­ter­stellt (von da­her, dass man in sei­nem Her­zen weiß, dass er nicht ex-sis­tiert) –, Joy­ce ist kein Hei­li­ger.34

 

Il joy­ce trop de l’S.K.beau pour ça, il a de son art art-gueil jusqu’à plus soif. [Ab­satz]

– joy­ce (NP): Verb „joy­cer“ (NP) aus „joy“ (engl. Freu­de) und „Joy­ce“; An­spie­lung auf „jouis­sance“ (Ge­nie­ßen); An­spie­lung auf das Verb „jouir“, ge­nie­ßen

– art-gueil (NP): art (Kunst) + or­geuil (Stolz)

– jusqu’à plus soif: An­spie­lung auf den Aus­druck „avoir qc jusqu’à plus soif“, über et­was ver­fü­gen (wört­lich: von etas so viel ha­ben, dass man kei­nen Durst mehr hat); „soif“ (Durst) spielt auf das Ge­nie­ßen oder auf das Be­geh­ren an

Da­für ge­nießt er zu sehr das S.K.beau /  die Steh­lei­ter – was sei­ne Kunst an­geht, ist er trun­ken vor Stolz. [Ab­satz]

 

[567] A vrai dire il n’y a pas de Saint-en-soi, il n’y a que le dé­sir d’en fi­gn­o­ler ce qu’on ap­pel­le la voie, voie ca­no­ni­que.

– „voie“ (Weg), gleich­lau­tend mit „voix“ (Stim­me)

– „voie ca­no­ni­que“, an­klin­gend an „voix“ (Stim­me) und „ca­non“ (Ka­non; Ka­no­ne)

Um die Wahr­heit zu sa­gen, ei­nen Hei­li­gen an sich gibt es nicht, es gibt nur das Be­geh­ren, da­für das aus­zu­fei­len, was man den Weg nennt, den ka­no­ni­schen Weg.35

 

D’où l’on ptô­me à l’occasion dans la ca­no­ni­sa­ti­on de l’Église, qui en con­naît un bout à ce qu’elle s’y re­co­ni­que, mais qui se f… le doigt dans l’œil dans tous les au­tres cas.

– ptô­me (NP): „sym­ptô­me“ be­ruht auf dem grie­chi­schen Wort „syn-pip­tô“, zu­sam­men-tref­fen; „ptô­mer“ müss­te also „tref­fen“ hei­ßen.– „tom­ber dans qc“: in et­was hin­ein­fal­len

– re­co­ni­que (NP): re (wie­der) + con (Dumm­kopf) + co­ni­que (Ke­gel­ab­schnitt) + re­con­nais­sance (Wie­der­erken­nen) + ni­quer (fi­cken)

– f…: „se four­rer le doigt dans l’œil“, wört­lich: „sich den Fin­ger ins Auge ste­cken“: sich täu­schen, sich Il­lu­sio­nen ma­chen; die Aus­las­sungs­punk­te ver­wei­sen auf „se fout­re le doigt dans l’œil“ (die­sel­be Be­deu­tung, wört­lich „sich den Fin­ger ins Auge fi­cken“)

Von da­her ver­fällt man ge­le­gent­lich auf die Ka­no­ni­sie­rung der Kir­che, die sich da­mit ein we­nig aus­kennt, so­dass sie sich dar­in wie­der­erkennt, die sich aber in al­len an­de­ren Fäl­len ge­wal­tig täuscht.36

 

Car il n’y a pas de voie ca­no­ni­que pour la sain­te­té, mal­gré le vou­loir des Saints, pas de voie qui les spé­ci­fie, qui fas­se des Saints une es­pè­ce.

– „vou­loir des Saints“ (Wil­le der Hei­li­gen), laut­gleich mit „vou­loir dé­cent“ (an­stän­di­ger Wil­le)

– Zahl­rei­che As­so­nan­zen auf „s“: „qui les scifie, qui fasse des Saints une esce“

Denn es gibt, dem Wil­len der Hei­li­gen zum Trotz, kei­nen ka­no­ni­schen Weg, der zur Hei­lig­keit führt, kei­nen Weg, der sie spe­zi­fi­ziert, der aus den Hei­li­gen eine Spe­zi­es macht.37

 

Il n’y a que la sca­be­aus­tra­ti­on ; mais la cas­tra­ti­on de l’escabeau ne s’accomplit que de l’escapade.

– sca­be­aus­tra­ti­on (NP): es­ca­beau (Sche­mel, Tritt­lei­ter, Steh­lei­ter) + cas­tra­ti­on (Kas­tra­ti­on) + claus­tra­ti­on (Ein­sper­rung, etwa in ein „clo­ît­re“, ein Klos­ter)

– es­ca­pa­de: Es­ka­pa­de, Flucht, Sei­ten­sprung, im Ge­gen­satz zu „claus­tra­ti­on“ (Ein­sper­rung)

Es gibt nur die sca­be­aus­tra­ti­on, aber die Kas­tra­ti­on durch das es­ca­beau / die Steh­lei­ter wird nur durch die Es­ka­pa­de er­reicht.38

 

Il n’y a de Saint qu’à ne pas vou­loir l’être, qu’à la sain­te­té y re­non­cer. [Ab­satz]

Ei­nen Hei­li­gen gibt es nur, wenn man kei­ner sein will, wenn man auf sie ver­zich­tet, auf die Hei­lig­keit. [Ab­satz]

 

C’est ce que Joy­ce main­ti­ent seu­le­ment com­me tête de l’art : car c’est de l’art qu’il fait sur­gir la tête dans ce Bloom qui s’aliène pour fai­re ses far­ces de Flower et d’Henry (com­me l’Henry du coin, l’Henry pour les da­mes).

– tête de l’art: wört­lich „Kopf der Kunst“, Gip­fel der Kunst

– far­ce: (a) Pos­se, (b) Fül­lung

– l’Henry pour les da­mes: mit Spitz­na­men Hen­ry

Das ist das, was Joy­ce ein­zig als Gip­fel der Kunst bei­be­hält, als ihr Haupt­stück: denn aus der Kunst lässt er das Haupt auf­tau­chen, in die­sem Bloom, der sich ent­frem­det, um sei­ne Far­cen aus Flower und aus Hen­ry zu ma­chen (wie der Hen­ry von ne­ben­an, der Hen­ry für die Da­men).39

 

Si en fait il n’y a que les­di­tes da­mes à en rire, c’est bien ce qui prouve que Bloom est un saint.

– da­mes à en rire: spielt an auf „da­mes à Hen­ry“

Wenn tat­säch­lich nur be­sag­te Da­men dar­über la­chen, be­weist eben dies, dass Bloom ein Hei­li­ger ist.

 

Que le saint en rie, ça dit tout.

– le saint en rie: le saint en rie (der Hei­li­ge lacht dar­über) + le Saint Hen­ry (der Hei­li­ge Hen­ry)

Dass der Hei­li­ge dar­über lacht, das sagt al­les.40

 

Bloom em­bloo­me­ra après sa mort quoi­que du cime­tiè­re il ne rie pas.

– em­bloo­me­ra (NP): Verb „em­bloo­mer“ (NP) aus: em- (in, hin­ein) + Bloom + em­bau­mer (mit Wohl­ge­ruch er­fül­len; ein­bal­sa­mie­ren)

– du cime­tiè­re: (a) über den Fried­hof, (b) vom Fried­hof her 

Bloom wird nach sei­nem Tod gut rie­chen, auch wenn er über den Fried­hof nicht lacht.

 

Puis­que c’est là sa de­sti­na­ti­on, qu’il trouve amè­re­dan­te, tout en sachant qu’il n’y peut rien. [Ab­satz]

– amè­re­dan­te (NP): em­mer­d­an­te (be­schis­sen) + amè­re-dan­te (ver­bit­ternd) + Dan­te

Denn da ist sein Be­stim­mungs­ort, den er be­schis­sen und ver­bit­ternd fin­det, wohl­wis­send, dass er nichts dar­an än­dern kann. [Ab­satz]

 

Joy­ce, lui, vou­lait ne rien avoir, sauf l’escabeau du dire ma­gis­tral, et ça suf­fit à ce qu’il ne soit pas un saint hom­me tout simp­le, mais le sym­ptô­me pty­pé. [Ab­satz]

– „saint hom­me“ (hei­li­ger Mann, Hei­li­ger) und „sym­ptô­me“ sind laut­gleich, bis auf das „p“ in „sym­ptô­me“; „simp­le“ wie­der­holt den Laut „saint“

– pty­pé (NP): ty­per (cha­rak­te­ri­sie­ren) + p

Joy­ce aber woll­te nichts ha­ben au­ßer dem es­ca­beau / der Steh­lei­ter des meis­ter­haf­ten Spre­chens, und das ist hin­rei­chend da­für, dass er kein ganz ein­fa­cher Hei­li­ger ist, kein saint hom­me, son­dern das pty­pi­sier­te Sym­ptom.41 [Ab­satz]

 

S’il Hen­ryca­ne le Bloom de sa fan­ta­i­sie, c’est pour dé­mon­trer qu’à s’affairer tel­le­ment de la spa­tu­le pu­bli­ci­taire, ce qu’il a en­fin, de l’obtenir ain­si, ne vaut pas cher.

– Hen­ryca­ne (NP): Hen­ry + en ri­ca­ner (sich dar­über lus­tig ma­chen) + ca­ner (Ar­got für „ster­ben“) + hur­ri­ca­ne (das eng­li­sche Wort für „Or­kan“) + Hen­ry Cane (der Ge­burts­na­me des Schrift­stel­lers Her­man Mel­vil­le ist „Mel­vil­le Hen­ry Cane“)

Wenn er sich über den Bloom sei­ner Phan­ta­sie lus­tig macht, dann des­halb, um zu be­wei­sen, dass, wenn er der­art mit An­zei­gen her­um­löf­felt, das, was er schließ­lich hat – da es auf die­se Wei­se er­langt wird –, nicht viel wert ist.42

 

A fai­re trop bon mar­ché de son corps même, il dé­mont­re que « LOM a un corps » ne veut rien dire, s’il n’en fait pas à tous les au­tres payer la dîme. [Ab­satz]

– fai­re mar­ché de son corps: sei­nen Kör­per zu Mark­te tra­gen, sich pro­sti­tu­ie­ren

– dîme: (a) der Zehn­te, (b) nous dî­mes (wir sag­ten), pas­sé simp­le von „dire“

Wenn er so­gar sei­nen Kör­per zu bil­lig macht, be­weist er, dass „LOM / der Mensch hat ei­nen Kör­per“ nichts be­sagt, wenn er nicht alle an­de­ren da­für den Zehn­ten zah­len lässt. 43  [Ab­satz]

 

Voie tra­cée par les Frè­res men­di­ants : ils s’en re­met­tent à la cha­rité pu­bli­que qui doit payer leur sub­si­s­tan­ce.

Ein Weg, der von den Bet­tel­mön­chen ge­bahnt wor­den ist: Sie über­las­sen sich der öf­fent­li­chen Wohl­tä­tig­keit, die für ihre Sub­sis­tenz zah­len muss.44

 

N’en restant pas mo­ins que LOM (écrit L.O.M.) ait son corps, à re­vêtir ent­re au­tres so­ins.

Wo­bei al­ler­dings bleibt, dass LOM (L. O. M. ge­schrie­ben) sei­nen Kör­per hat, für den ge­sorgt wer­den muss, der un­ter an­de­rem zu be­klei­den ist.45

 

La ten­ta­ti­ve sans es­poir que fait la so­cié­té pour que LOM n’ait pas qu’un corps est sur un aut­re ver­s­ant : vouée à l’échec bien sûr, à rend­re pa­tent que s’il en ahun, il n’en a au­cun aut­re mal­gré que du fait de son par­lêt­re, il dis­po­se de quel­que aut­re, sans par­ve­nir à le fai­re sien. [Ab­satz]

– ahun (NP): a un (hat ei­nen)

Der hoff­nungs­lo­se Ver­such, den die Ge­sell­schaft macht, da­mit LOM / der Mensch nicht nur ei­nen Kör­per hat, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt: si­cher­lich dem Schei­tern ge­weiht, und auch dazu, of­fen­sicht­lich zu ma­chen, dass, wenn er ein­hat, er kei­nen wei­te­ren hat, ob­wohl er qua Sprech­we­sen über ei­nen an­de­ren ver­fügt, ohne dass es ihm ge­lingt, ihn sich zu ei­gen zu ma­chen.46 [Ab­satz]

 

A quoi il ne son­ge­rait pas, on le sup­po­se, si ce corps qu’il a, vrai­ment il l’était.

Was ihm gar nicht in den Sinn käme, so ist an­zu­neh­men, wenn er die­ser Kör­per, den er hat, wirk­lich wäre.47

 

Ceci n’implique que la théo­rie bouf­fon­ne, qui ne veut pas mett­re la réa­lité du corps dans l’idée qui le fait.

Das läuft nur auf die al­ber­ne Theo­rie hin­aus, die die Rea­li­tät des Kör­pers nicht in die Idee le­gen will, durch die er ge­macht wird.48

 

An­ti­en­ne, on le sait, aris­to­té­li­en­ne.

Eine, wie man weiß, aris­to­te­li­sche Li­ta­nei.49

 

Quel­le ex­pé­ri­ence, on se tue à l’imaginer, a pu là fai­re ob­sta­cle pour lui à ce qu’il pla­to­ni­se, c’est-à-dire dé­fie la | [568] mort com­me tout le mon­de en ten­ant que l’idée suf­fi­ra ce corps à le re­pro­du­i­re.

Wel­che Er­fah­rung – man bringt sich fast um, um sich das vor­zu­stel­len – hat ihn bloß dar­an hin­dern kön­nen, zu pla­to­ni­sie­ren, d.h. wie je­der­mann dem Tod zu trot­zen, durch die An­nah­me, die Idee ge­nü­ge, um ihn zu re­pro­du­zie­ren, die­sen Kör­per.

 

« Mes tem­pes si cho­ses » in­ter­ro­ge Mol­ly Bloom à qui c’était d’autant mo­ins venu à por­tée qu’elle y était déjà sans se le dire.

- mes tem­pes si cho­ses: wört­lich „mei­ne Schlä­fen so Din­ge“, laut­ähn­lich mit „mé­tem­psy­co­se“ (See­len­wan­de­rung); An­spie­lung auf „je me sent tou­te cho­se“ (ich füh­le mich so lala)

Mit ihm zig Ho­sen“, fragt Mol­ly Bloom, in de­ren Reich­wei­te das umso we­ni­ger ge­langt war, als sie be­reits da war, ohne es sich zu sa­gen.50

 

Com­me des tas de cho­ses à quoi on croit sans y ad­hé­rer : les es­ca­beaux de la ré­ser­ve où cha­cun pui­se. [Ab­satz]

– ré­ser­ve: (a) Vor­rat, Re­ser­ve, (b) Re­ser­vat

Wie so vie­le Din­ge, an die man glaubt, ohne an ih­nen zu kle­ben: die es­ca­beaux des Re­ser­vats / die Re­ser­ve­steh­lei­tern , ein Vor­rat, aus dem je­der schöpft.51 [Ab­satz]

 

Qu’il y ait eu un hom­me pour son­ger à fai­re le tour de cet­te ré­ser­ve et à don­ner de l’escabeau la for­mu­le gé­né­ra­le, c’est là ce que j’appelle Joy­ce le Sym­ptô­me.

Dass es ei­nen Men­schen ge­ge­ben hat, der da­von ge­träumt hat, die­sen Vor­rat / die­ses Re­ser­vat ganz durch­zu­ge­hen und vom es­ca­beau / von der Steh­lei­ter die all­ge­mei­ne For­mel zu lie­fern, das ist eben das, was ich „Joy­ce das Sym­ptom“ nen­ne.52

 

Car cet­te for­mu­le, il ne l’a pas trou­vée fau­te d’en avoir le moind­re soupçon.

Denn die­se For­mel hat er nicht ge­fun­den, da er nicht die ge­rings­te Ver­mu­tung dar­über hat­te.

 

Elle traî­nait pour­tant déjà par­tout sous la for­me de cet ICS que j’épingle du par­lêt­re. [Ab­satz]

Sie lag je­doch be­reits über­all her­um, in Ge­stalt die­ses ICS / die­ses UBW, das ich vom Sprech­we­sen fest­hal­te.53 [Ab­satz]

 

Joy­ce, pré­des­ti­né par son nom, lais­sait la place à Freud pas mo­ins con­so­nant.

Joy­ce, durch sei­nen Na­men prä­de­sti­niert, über­ließ den Platz Freud, bei dem es nicht we­ni­ger mit­klang.54

 

Il faut la pas­si­on d’Ellmann pour en fai­re croix sur Freud : pace tua, je ne vais pas vous dire la page, car le temps me pres­san­ti­fie.

– fai­re un croix sur qc: froh sein et­was los zu sein (vgl. hier)

– pace tua: la­tei­nisch „mit dei­nem Ein­ver­ständ­nis“

– pres­sen­ti­fie (NP): pres­sen­tir (vor­aus­ah­nen) + pres­sant (dring­lich) + sanc­tifier (hei­li­gen)

Es braucht die Lei­den­schaft ei­nes Ell­mann, um von da­her ein Kreuz über Freud zu schla­gen: pace tua [mit Ih­rem Ein­ver­ständ­nis] wer­de ich Ih­nen die Sei­te nicht an­ge­ben, denn mich drängt die Zeit.55

 

La fonc­tion de la hâte dans Joy­ce est ma­ni­fes­te.

Bei Joy­ce ist die Funk­ti­on der Hast ma­ni­fest.

 

Ce qu’il n’en voit pas, c’est la lo­gi­que qu’elle dé­ter­mi­ne. [Ab­satz]

Was er da­von nicht sieht, ist die Lo­gik, die von ihr be­stimmt wird.56 [Ab­satz]

 

Il a d’autant plus de mé­ri­te à la des­si­ner con­for­me d’être seu­le­ment fai­te de son art qu’un eau­be jed­dard, com­me Ulys­se, soit un jet d’art sur l’eaube scè­ne de la lo­gi­que elle-même, ceci se lit à ce qu’elle cal­que non pas l’inconscient, mais en don­ne le mo­dè­le en temp­spè­rant, en faisant le père du temps, le Floom bal­li­que, le Xin­bad le Phtarin à quoi se ré­su­me le sym­d­bad du sym­d­ptô­me ou dans Ste­phens De­eda­lus Joy­ce se re­con­naît le fils né­ces­saire, ce qui ne ces­se pas de s’écrire de ce qu’il se conçoi­ve, sans que pour­tant his­s­e­c­ro­ie­beau, de l’hystoriette d’Hamlet, hys­té­ri­sée dans son Saint-Père de Cocu em­poi­son­né par l’oreille zeug­ma, et par son sym­ptô­me de femme, sans qu’il puis­se fai­re plus que de tuer en Clau­di­us l’escaptome pour lais­ser place à ce­lui de re­chan­ge qui fort em­bras­se à père-ter­nité. [Ab­satz]

– eau­be jed­dard (NP): laut­ähn­lich mit „ob­jet d’art“ (Kunst­ge­gen­stand)+ eau (Was­ser) + aube (Ta­ges­an­bruch)+ jet d’eau (Spring­brun­nen)

– l’eaube (NP) scè­ne: laut­ähn­lich mit „ob­scè­ne“ (ob­szön); l’eau (das Was­ser) + scè­ne (Sze­ne)

– temp­s­pé­rant (NP): temps (Zeit) + tem­pé­rant (mä­ßi­gend) + es­pé­rant (hof­fend) + père (Va­ter) + dé­se­s­pé­rant (ver­zwei­felnd)+ le père du temps (der Va­ter der Zeit), an­spie­lend auf „le temps per­du“ (die ver­lo­re­ne Zeit)

– Floom bal­li­que: aus „Bloom phal­li­que“ (phal­li­scher Bloom) + bal­le (Ball)

– Xin­bad le Phtarin: bei Joy­ce „Xin­bad the Phtha­rin“, also mit „th“, ver­mut­lich ein Schreib­feh­ler

– sym­d­bad (NP): Sind­bad + sym–

– sym­d­ptô­me (NP): Sind­bad + sym­ptô­me

– Ste­phens: Hin­zu­fü­gung von „s“ zu „Ste­phen“; war­um?

– De­eda­lus: De­da­lus + deed (eng­lisch für „Tat“)

– fils: (a) Sohn, (b) Fa­den

– his­s­e­c­ro­ie­beau (NP): y se croit beau (sich hier schön glaubt) + es­ca­beau (Sche­mel, Tritt­lei­ter, Steh­lei­ter)

– hys­to­ri­et­te (NP): hys­te­rie (Hys­te­rie) + his­to­ri­et­te (His­tör­chen)

- son sym­ptô­me de femm­me : saint hom­me de femme – an­spie­lend auf „bon­ne hom­me de femme“ (eine Frau wie ein Kerl)

– l’escaptome (NP): es­ca­pa­de (Sei­ten­sprung) + sym­ptô­me (Sym­ptom)

– fort em­bras­se (NP): fort (stark) + em­bras­ser (um­ar­men, küs­sen) + Fortin­bras (Fi­gur aus Ham­let)

– père-ter­nitè (NP): père (Va­ter) + éter­nité (Ewig­keit) + pa­ter­nité (Va­ter­schaft)

Sei­ne Ver­diens­te, sie an­ge­mes­sen nach­zu­zeich­nen, sind umso grö­ßer, als ein­zig aus sei­ner Kunst ge­macht ist, dass ein Kunst­ge­gen­stand wie Ulys­ses ein Wurf der Kunst auf das Ob­szö­ne der Lo­gik selbst ist; das lässt sich da­durch le­sen, dass sie das Un­be­wuss­te nicht ab­paust, son­dern da­von das Mo­dell ab­gibt, in­dem sie tem­pè­riert, in­dem sie den Va­ter der Zeit macht, den bal­li­schen Floom, den Xin­bad den Phtarin, wor­auf der Sym­d­bad des Sym­d­ptoms hin­aus­läuft, oder in Ste­phens De­eda­lus an­er­kennt Joy­ce sich den not­wen­di­gen Sohn, das, was nicht auf­hört, sich zu schrei­ben, von da­her, dass er sich – ohne dass er sich für schön hält – vom Ham­let-Hy­stör­chen her be­greift, die hys­te­ri­siert ist in sei­nem Ge­hörn­ten Hei­li­gen Va­ter – durch das Ohr ver­gif­tet, Zeug­ma, so­wie durch sein Sym­ptom der Frau –, ohne dass er mehr tun könn­te, als in Clau­di­us das Sei­ten­sprung-Sym­ptom zu tö­ten, um den Platz dem Er­satz zu über­las­sen, der, in Fortin­bras, den Va­ter auf ewig um­armt.57 [Ab­satz]

 

Joy­ce se re­fu­se à ce qu’il se pas­se quel­que cho­se dans ce que l’histoire des his­to­ri­ens est cen­sée prend­re pour ob­jet. [Ab­satz]

Joy­ce lehnt ab, dass sich et­was in dem er­eig­net, was, wie man an­nimmt, von der Ge­schich­te der His­to­ri­ker zum Ge­gen­stand ge­nom­men wird. [Ab­satz]

 

Il a rai­son, l’histoire n’étant rien de plus qu’une fui­te, dont ne se ra­con­tent que des exo­des.

Er hat recht, da die Ge­schich­te nicht mehr ist als eine Flucht, von der im­mer nur der Exo­dus er­zählt wird.

 

Par son exil, il sanc­tion­ne le sé­rieux de son ju­ge­ment.

Durch sein Exil be­legt er die Ernst­haf­tig­keit sei­nes Ur­teils.

 

Ne par­ti­ci­pent à l’histoire que les dé­por­tés : puis­que l’homme a un corps, c’est par le corps qu’on l’a.

An der Ge­schich­te ha­ben nur die De­por­tier­ten teil – da der Mensch ei­nen Kör­per hat, hat man ihn durch den Kör­per.

 

En­vers de ha­be­as cor­pus. [Ab­satz]

Kehr­sei­te des Ha­be­as Cor­pus.58 [Ab­satz]

 

Re­li­sez l’histoire : c’est tout ce qui s’y lit de vrai.

Le­sen Sie die Ge­schich­te wie­der: das ist al­les, was da in Wahr­heit zu le­sen ist.

 

Ceux qui cro­i­ent fai­re cau­se dans son re­mue-mé­na­ge sont eux aus­si des dé­pla­cés sans dou­te d’un exil qu’ils ont dé­li­bé­ré, mais de s’en fai­re es­ca­beau les aveug­le. [Ab­satz]

Die­je­ni­gen, die glau­ben, im Durch­ein­an­der der Ge­schich­te et­was zu be­wir­ken, sind gleich­falls De­plat­zier­te, in ei­nem Exil, das si­cher­lich frei­wil­lig ist, das sie je­doch blen­det, da sie sich ein es­ca­beau / eine Steh­lei­ter dar­aus ma­chen. [Ab­satz]

 

[569] Joy­ce est le pre­mier à sa­voir bien es­ca­bo­ter pour avoir por­té l’escabeau au de­gré de con­si­s­tan­ce lo­gi­que où il le main­ti­ent, art­gueil­leu­se­ment, je vi­ens de le dire. [Ab­satz]

– es­ca­bo­ter (NP): es­ca­mo­ter (zum Ver­schwin­den brin­gen) + es­ca­beau (Sche­mel, Steh­lei­ter)

– art­geuil­leu­se­ment (NP): art (Kunst) + or­geuil­leu­se­ment (auf stol­ze Wei­se)

Joy­ce ist der ers­te, der gut zum Ver­schwin­deln zu brin­gen weiß, da er das es­ca­beau / die Steh­lei­ter zum Grad der lo­gi­schen Kon­sis­tenz er­ho­ben hat, wo er sie auf­recht­erhält, auf kunst­stol­ze Wei­se, ich habe es eben ge­sagt. [Ab­satz]

 

Lais­sons le sym­ptô­me à ce qu’il est : un évé­ne­ment de corps, lié à ce que : l’on l’a, l’on l’a de l’air, l’on l’aire, de l’on l’a.

– aire (als Verb): von „ai­rer“, hors­ten (Sub­stan­tiv „aire“: Be­reich Be­zirk, Horst)

Über­las­sen wir das Sym­ptom dem, was es ist: ein Kör­per­ereig­nis, ge­bun­den an dies: man hat es, man hat es aus der Luft / vom Lied, man lässt es hors­ten, von da­her hat man es.59

 

Ça se chan­te à l’occasion et Joy­ce ne s’en pri­ve pas. [Ab­satz]

Ge­le­gent­lich wird’s ge­sun­gen, und Joy­ce ver­sagt sich das nicht.60 [Ab­satz]

 

Ain­si des in­di­vi­dus qu’Aristote prend pour des corps, peu­vent n’être rien que sym­ptô­mes eux-mê­mes re­la­ti­ve­ment à d’autres corps.

So kön­nen In­di­vi­du­en, die Aris­to­te­les für Kör­per hält, selbst nichts als Sym­pto­me im Ver­hält­nis zu an­de­ren Kör­pern sein.

 

Une femme par ex­emp­le, elle est sym­ptô­me d’un aut­re corps. [Ab­satz]

Eine Frau zum Bei­spiel ist Sym­ptom ei­nes an­de­ren Kör­pers.61 [Ab­satz]

 

Si ce n’est pas le cas, elle res­te sym­ptô­me dit hys­té­ri­que, on veut dire par là der­nier.

Wenn das nicht der Fall ist, bleibt sie ein so­ge­nann­tes hys­te­ri­sches Sym­ptom, wo­mit man sa­gen will: ein letz­tes.

 

Soit pa­ra­doxa­le­ment que ne l’intéresse qu’un aut­re sym­ptô­me : il ne se ran­ge donc qu’avant der­nier et n’est de plus pas pri­vilège d’une femme quoiqu’on com­pren­ne bien à me­s­u­rer le sort de LOM com­me par­lêt­re, ce dont elle se sym­pto­ma­tise.

– sym­pto­ma­tiser (N): Verb, ab­ge­lei­tet von „sym­ptô­me“

Näm­lich pa­ra­do­xer­wei­se, dass sie nur an ei­nem an­de­ren Sym­ptom in­ter­es­siert ist – es nimmt also nur die vor­letz­te Stel­le ein und ist über­dies nicht Vor­recht ei­ner Frau, ob­gleich man ver­steht, von wo­her sie sich sym­pto­ma­ti­siert, man das Schick­sal des LOM / des Man­nes als Sprech­we­sen zu er­mes­sen ver­steht.

 

C’est des hys­té­ri­ques, hys­té­ri­ques sym­ptô­mes de femmes (pas tou­tes com­me ça sans dou­te, puis­que c’est de n’être pas tou­tes (com­me ça), qu’elles sont no­tées d’être des femmes chez LOM, soit de l’on l’a), c’est des hys­té­ri­ques sym­ptô­mes que l’analyse a pu prend­re pied dans l’expérience. [Ab­satz]

Aus­ge­hend von Hys­te­ri­ke­rin­nen, von hys­te­ri­schen Sym­pto­men von Frau­en (si­cher­lich nicht alle so, weil sie ja von da­her, nicht alle (so) zu sein, als die­je­ni­gen no­tiert wer­den, Frau­en beim LOM / beim Mann zu sein, näm­lich von da­her, dass man ihn hat), aus­ge­hend von hys­te­ri­schen Sym­pto­men hat die Psy­cho­ana­ly­se in der Er­fah­rung Fuß fas­sen kön­nen.62 [Ab­satz]

 

Non sans re­con­naît­re d’emblée que tou­tom y a droit.

– tou­tom (NP): laut­gleich mit „tout hom­me“ (je­der­mann, je­der) + to­tem (To­tem)

Nicht ohne so­gleich zu er­ken­nen, dass je­der­mann hier­auf Recht hat.

 

Non seu­le­ment droit mais su­pé­rio­rité, ren­due évi­den­te par So­cra­te en un temps où LOM com­mun ne se ré­du­i­sait pas en­core et pour cau­se, à de la chair à ca­non quoi­que déjà pris dans la dé­por­ta­ti­on du corps et sym­pt­hom­me.

– sym­pt­hom­me (NP): sym­ptô­me + hom­me

Nicht nur Recht, son­dern Über­le­gen­heit, of­fen­kun­dig ge­macht durch So­kra­tes, zu ei­ner Zeit, als LOM com­mun / der ge­mei­ne Mann sich noch nicht, und mit Grund, auf Ka­no­nen­fut­ter re­du­zier­te, auch wenn er von der De­por­ta­ti­on von Kör­per und Sym­ptom be­reits er­fasst war.

 

So­cra­te, par­fait hys­té­ri­que, était fa­sci­né du seul sym­ptô­me, sai­si de l’autre au vol.

– au vol: wört­lich „im Flu­ge“; „vol“ heißt auch „Dieb­stahl“

So­kra­tes, per­fek­ter Hys­te­ri­ker, war von ge­nau ei­nem Sym­ptom fas­zi­niert, beim an­de­ren im Flu­ge er­hascht.63

 

Ceci le me­nait à pra­ti­quer une sor­te de pré­fi­gu­ra­ti­on de l’analyse.

Das hat ihn dazu ge­bracht, eine Art Vor­form von Ana­ly­se zu prak­ti­zie­ren.

 

Eût-il de­man­dé de l’argent pour ça au lieu de fray­er avec ceux qu’il ac­couchait que c’eût été un ana­lys­te, avant la lett­re freu­dien­ne.

Hät­te er Geld da­für ver­langt, statt mit den­je­ni­gen zu ver­keh­ren, de­nen er Ge­burts­hil­fe leis­te­te, was wäre das für ein Ana­ly­ti­ker ge­we­sen, freu­dia­nisch avant la lett­re.64

 

Un gé­nie quoi ! [Ab­satz]

Ein Ge­nie, oder? [Ab­satz]

 

Le sym­ptô­me hys­té­ri­que, je ré­su­me, c’est le sym­ptô­me pour LOM d’intéresser au sym­ptô­me de l’autre com­me tel : ce qui n’exige pas le corps à corps.

– le corps à corps: wört­lich „das Kör­per an Kör­per“, der Nah­kampf

Das hys­te­ri­sche Sym­ptom, ich fas­se zu­sam­men, ist das Sym­ptom für LOM / für den Men­schen, am Sym­ptom des an­de­ren als sol­chem be­tei­ligt zu sein – die Be­zie­hung von Kör­per zu Kör­per ist da­für nicht er­for­der­lich.

 

Le cas de So­cra­te le con­fir­me, ex­em­p­lai­re­ment. [Ab­satz]

Der Fall So­kra­tes be­stä­tigt das auf ex­em­pla­ri­sche Wei­se. [Ab­satz]

 

Par­don tout ça n’est que pour spé­ci­fier de Joy­ce de sa place. [Ab­satz]

Ver­zei­hen Sie, all dies ist nur dazu da, um et­was über Joy­ce ge­nau­er zu be­stim­men, über sei­nen Platz. [Ab­satz]

 

Joy­ce ne se ti­ent pour femme à l’occasion que de s’accomplir en tant que sym­ptô­me.

Joy­ce hält sich hier­bei nur in­so­fern für eine Frau, als er sich als Sym­ptom voll ent­fal­tet.65

 

Idée bien ori­en­tée quoi­que ra­tée dans sa chu­te.

Eine gut aus­ge­rich­te­te Idee, wenn auch auf ih­rem Hö­he­punkt ge­schei­tert.

 

Dirai-je qu’il est sym­pto­ma­to­lo­gie.

Ich möch­te sa­gen, es ist Sym­pto­ma­to­lo­gie.

 

Ce se­rait évi­ter de l’appeler par le nom qui répond à son vœu, ce qu’il ap­pel­le un tour de far­ce dans Fin­ne­gans Wake page 162 (et 509) où il l’énonce pro­pre­ment par l’astuce du de­s­tin en force qu’il te­n­ait de Ver­di avant qu’on nous l’assène. [Ab­satz]

– avant qu’on nous l’assène: laut­gleich mit „avant qu’on noue la scè­ne“ (be­vor man die Sze­ne ver­kno­tet)

Das hie­ße zu ver­mei­den, ihn mit dem Na­men zu nen­nen, der auf sei­nen Wunsch ant­wor­tet, den er in Fin­ne­gans Wake, Sei­te 162 (und 509), als eine Tour de Far­ce be­zeich­net, wo er ihn zu­tref­fend als List des Schick­sals an der Macht be­zeich­net, was er von Ver­di nahm, be­vor man ihn uns ge­gen­über durch­setzt.66[Ab­satz]

 

[570] Que Joy­ce ait joui d’écrire Fin­ne­gans Wake ça se sent.

Dass Joy­ce es ge­nos­sen hat, Fin­ne­gans Wake zu schrei­ben, das spürt man.

 

Qu’il l’ait pu­blié, je dois ça à ce qu’on me l’ait fait re­mar­quer, lais­se per­ple­xe, en ceci que ça lais­se tou­te lit­té­ra­tu­re sur le flan.

– flan (Flan (eine Art Ei­er­pud­ding); Roh­ling); laut­gleich mit „flanc“ (Flan­ke); être sur le flanc (um­gangs­sprach­lich für „sehr müde sein“, wört­lich „schief lie­gen“, „auf der Sei­te lie­gen“); c’est du flan („das ist Quatsch“)

Dass er es ver­öf­fent­licht hat – dies ver­dan­ke ich dem, dass man mich dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat –, macht ei­nen per­plex, in­so­fern es jede Li­te­ra­tur auf­lau­fen lässt.

 

La ré­veil­ler, c’est bien si­gner qu’il en vou­lait la fin.

– ré­veil­ler: (auf)wecken, wie­der­erwe­cken

– si­gner (un­ter­zeich­nen, un­ter­schrei­ben): wird bis­wei­len auch im Sin­ne von „si­gnal­er“ (si­gna­li­sie­ren) ver­wen­det

– fin: (a) Ende, (b) Zweck, Te­los

Sie auf­zu­we­cken, heißt wohl zu un­ter­schrei­ben, dass er ihr Ende / ih­ren End­zweck woll­te.

 

Il cou­pe le souf­fle du rêve, qui traî­ne­ra bien un temps.

Er schnei­det dem Traum den Atem ab, dem Traum, der sich wohl noch eine Zeit­lang hin­zie­hen wird.

 

Le temps qu’on s’aperçoive qu’il ne ti­ent qu’à la fonc­tion de la hâte en lo­gi­que.

So lan­ge, bis man be­greift, dass er nur von der Funk­ti­on der Hast in der Lo­gik ab­hängt.67

 

Point sou­li­gné par moi, sans dou­te de ce qu’il res­te après Joy­ce que j’ai con­nu à vingt ans, quel­que cho­se à crever dans le pa­pier hy­gié­ni­que sur quoi les lettres se déta­chent, quand on prend soin de scri­bouil­ler pour la rec­tion du corps pour les cor­po­rec­tions dont il dit le der­nier mot con­nu day­sens, sens mis au jour du sym­ptô­me lit­tér­ai­re en­fin venu à con­comp­ti­on.

– crever: (a) zum Plat­zen brin­gen, (b) (be­zo­gen auf Pa­pier:) durch­schrei­ben, durch­drü­cken, durch­sto­ßen, per­fo­rie­ren

– rec­tion: Rek­ti­on (Be­griff der Gram­ma­tik), Aus­rich­tung, viel­leicht mit An­spie­lung auf rec­tum (Rek­tum, Mast­darm)

– cor­po­rec­tion (NP): corps (Kör­per) + cor­rec­tion (Kor­rek­tur) + rec­tion (Rek­ti­on) + erec­tion (Auf­rich­tung)

– day­sens (NP): day (engl. Tag) + de sens (mit Sinn) + dé­cence (An­stand)+ ens (lat. Sei­en­des)

– con­comp­ti­on (NP): con­coc­tion (Zu­sam­men­brau­ung), Sub­stan­tiv zu con­coc­ter (zu­sam­men­ko­chen, zu­sam­men­brau­en) + con­somp­ti­on (Aus­zeh­rung, Ab­ma­ge­rung; ver­al­tet für „Ge­brauch“, „Ver­wen­dung“ (heu­te „con­som­ma­ti­on“)) + con­cep­ti­on (Emp­fäng­nis, Kon­zep­ti­on) + qu’on (dass man) + comp­ter (zäh­len)

Ein Punkt, den ich her­vor­ge­ho­ben habe, si­cher­lich des­halb, weil nach Joy­ce – den ich mit zwan­zig Jah­ren ken­nen­ge­lernt habe68 – et­was durch­zu­sto­ßen ist in dem Toi­let­ten­pa­pier, auf dem die Buch­sta­ben sich ab­zeich­nen, wenn man sich dar­um be­müht, für die Rek­ti­on des Kör­pers zu krit­zeln, für die Kor­po­rek­tio­nen, wor­über er das letz­te be­kann­te an­stän­di­ge Wort sagt, der auf­ge­deck­te Sinn des li­te­ra­ri­schen Sym­ptoms, das schließ­lich auf­ge­kocht wor­den ist.69

 

La poin­te de l’inintelligible y est dé­sor­mais l’escabeau dont on se mont­re maît­re.

Nun ist die Spit­ze des Un­be­greif­li­chen hier die Steh­lei­ter, als de­ren Herr man sich zeigt.

 

Je suis as­sez maît­re de lalan­gue, cel­le dite françai­se, pour y être par­ve­nu moi-même ce qui fa­sci­ne de té­moi­g­ner de la jouis­sance prop­re au sym­ptô­me.

Ich bin hin­rei­chend Herr von Lalan­gue, der fran­zö­si­schen, wie man sagt, um hier selbst zu et­was ge­kom­men zu sein, was fas­zi­niert, was das Ge­nie­ßen be­zeugt, das dem Sym­ptom ei­gen ist. .70

 

Jouis­sance opa­que d’exclure le sens. [Ab­satz]

Un­durch­sich­ti­ges Ge­nie­ßen, den Sinn aus­zu­schlie­ßen.71 [Ab­satz]

 

On s’en dou­tait de­puis long­temps.

Ver­mu­tet hat man es seit lan­gem.

 

Etre post-joy­ci­en, c’est le sa­voir.

Post-joy­cia­nisch zu sein, heißt, es zu wis­sen.72

 

Il n’y a d’éveil que par cet­te jouis­sance-là, soit dé­va­lo­ri­sée de ce que l’analyse re­cou­rant au sens pour la ré­soud­re, n’ait d’autre chan­ce d’y par­ve­nir qu’à se fai­re la dupe… du père com­me je l’ai in­di­qué. [Ab­satz]

Ein Er­wa­chen gibt es nur durch eben die­ses Ge­nie­ßen, das heißt da­durch ab­ge­wer­tet, dass die Ana­ly­se, die auf den Sinn zu­rück­greift, um es zu lö­sen, kei­ne an­de­re Chan­ce hat, dies zu er­rei­chen, als da­durch, dass sie sich zum Be­tro­ge­nen macht – des Va­ters, wie ich auf­ge­zeigt habe.73 [Ab­satz]

 

L’extraordinaire est que Joy­ce y soit par­ve­nu non pas sans Freud (quoiqu’il ne suf­fi­se pas qu’il l’ait lu) mais sans re­cours à l’expérience de l’analyse (qui l’eût peut-être leur­ré de quel­que fin pla­te).

– fin pla­te: fla­ches Ende (hier im Sin­ne des En­des ei­ner Er­zäh­lung, ei­nes Films usw.)

Das Au­ßer­ge­wöhn­li­che ist, dass Joy­ce es er­reicht hat, zwar nicht ohne Freud (auch wenn es nicht ge­nügt, dass er ihn ge­le­sen hat), je­doch ohne die Er­fah­rung der Ana­ly­se ge­macht zu ha­ben (die ihn viel­leicht mit ei­nem fla­chen Ende ge­täuscht hät­te).74

Lacan mit Leiter

La­can mit es­ca­beau

.

Nachbemerkung zur Übersetzung

Zur Ter­mi­no­lo­gie

Wer kein Fran­zö­sisch kann, be­nö­tigt fürs Le­sen der Über­set­zung vier fran­zö­si­sche Aus­drü­cke: es­ca­beau, beau, l’homme und in­con­sci­ent.

Es­ca­beau ist die Tritt­lei­ter, die Steh­lei­ter, der Sche­mel. Ich über­set­ze mit „Steh­lei­ter“, aus zwei Grün­den.
(a) In der Bal­la­de Finnegan’s Wake, auf die Joy­ces Fin­ne­gans Wake an­spielt, fällt Tim Fin­ne­gan be­trun­ken von ei­ner Lei­ter (lad­der) und stirbt; sein Leich­nam wird zur To­ten­wa­che (wake) auf­ge­bahrt. Viel­leicht spielt La­can hier­auf an. Des­halb nicht „Sche­mel“, son­dern „Lei­ter“. Da­mit ver­schwin­det lei­der die wich­ti­ge Kon­no­ta­ti­on von „So­ckel“, „Po­dest“.
(b) Co­let­te So­ler zu­fol­ge75 gibt es­ca­beau ein Echo auf La­cans Auf­satz über das Spie­gel­sta­di­um, auf die „Sta­tur“ und die „Sta­tue“, auf die La­can dort ver­weist76, also die auf­ge­rich­te­te und er­start­te Ge­stalt des Kör­pers als Cha­rak­te­ris­ti­kum des Ima­gi­nä­ren. Des­halb nicht „Tritt­lei­ter“, son­dern „Steh­lei­ter“.
Für die Lei­ter wählt La­can nicht échel­le, son­dern es­ca­beau, si­cher­lich auch des­we­gen, weil in es­ca­beau das Wort beau ent­hal­ten ist, „schön“. (Eine – all­zu ge­quäl­te – deut­sche An­nä­he­rung wäre „Schö­mel“.)
Bis­wei­len schreibt La­can es­ca­beau als S.K.beau (die Aus­spra­che ist dieselbe).Damit soll viel­leicht der Buch­sta­be jen­seits des Sinns ins Spiel ge­bracht wer­den.77 Von Brit­ta Gün­ther über­neh­me ich die Idee, dass La­can da­mit mög­li­cher­wei­se auf die Tri­as des Sym­bo­li­schen (S), des Rea­len (K) und des Ima­gi­nä­ren (beau) an­spielt. Ich wür­de das so be­grün­den: Das „S“ dient La­can meist als Ab­kür­zung für „si­gni­fi­ant“ (Si­gni­fi­kant). Das „K“, das im Fran­zö­si­schen sehr sel­ten ver­wen­det wird, ist si­cher­lich kei­ne Ab­kür­zung ei­nes Lacan’schen Ter­mi­nus, es ist auch nicht die üb­li­che Schrei­bung für das Pho­nem [k] (das [k] rscheint im fran­zö­si­schen Schrift­sys­tem meist als „qu“ oder „c“). Da­mit spielt das „K“ mög­li­cher­wei­se  auf La­cans Un­ter­schei­dung des Buch­sta­bens vom (letzt­lich auf den Sinn be­zo­ge­nen) Si­gni­fi­kan­ten an; ab „Litu­ra­terre“ (1971) rech­net er den Buch­sta­ben zur Ord­nung des Rea­len. Das er­gibt: S: Si­gni­fi­kant (Sym­bo­li­sches), K: Buch­sta­be (Rea­les), beau, schön (Ima­gi­nä­res).

L’homme be­deu­tet so­wohl „der Mensch“ als auch „der Mann“. La­can schreibt häu­fig LOM; als Wort ge­le­sen, hört man l’homme. La­can for­dert den Le­ser an meh­re­ren Stel­len auf, den Aus­druck zu buch­sta­bie­ren; wenn man das tut, er­hält man, im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen, El-O-Em, d.h. Elo­him, das he­bräi­sche Wort für „Gott“. Die Schreib­wei­se LOM spielt mög­li­cher­wei­se auf Fin­ne­gans Wake an, wor­in Joy­ce für die bei­den Haupt­fi­gu­ren, Hum­phrey Chimp­ton Ear­wi­cker und Anna Li­via Plura­bel­le, die Ab­kür­zun­gen HCE und ALP ver­wen­det. Alle Per­so­nen des Ro­mans sind Re­prä­sen­tan­ten von HCE und ALP so­wie ih­rer drei Kin­der; die Ab­kür­zun­gen ste­hen ge­wis­ser­ma­ßen für den Ur­va­ter und die Ur­mut­ter und in die­sem Sin­ne für die Mensch­heit. LOM er­in­nert au­ßer­dem an an die Ab­kür­zung LEM für die Mond­lan­de­fäh­re (Lu­nar Ex­cur­si­on Mo­du­le), die La­can in Ra­dio­pho­nie (1970) ver­wen­det.78

In­con­sci­ent meint „un­be­wusst“, l’inconscient „das Un­be­wuss­te“. La­can kürzt den Aus­druck mit ICS ab (ana­log zu Freuds „Ubw“); bei lau­tem Le­sen hört man – im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen – den Buch­sta­ben x, also das üb­li­che Sym­bol für eine un­be­kann­te Grö­ße in ei­ner Glei­chung.

Kommentar

Kom­men­tar von Mi­cha­el Gün­ter vom 23.4.2017

Hal­lo Herr Nemitz,

auch dies­mal vie­len Dank für die un­säg­li­che Mühe, die sie sich beim Über­set­zen ge­macht ha­ben (oder soll­te ich Über­sät­zen schrei­ben?)

Was mir auf­fällt, ist das La­can hier sehr viel spielt, aber ei­nen ge­wis­sen Ein­satz zu­rück­hält:

»Es­ca­beau ist die Tritt­lei­ter, die Steh­lei­ter, der Sche­mel. Ich über­set­ze mit „Steh­lei­ter“, aus zwei Grün­den.
(a) In der Bal­la­de Finnegan’s Wake, auf die Joy­ces Fin­ne­gans Wake an­spielt, fällt Tim Fin­ne­gan be­trun­ken von ei­ner Lei­ter (lad­der) und stirbt; sein Leich­nam wird zur To­ten­wa­che (wake) auf­ge­bahrt. Viel­leicht spielt La­can hier­auf an. Des­halb nicht „Sche­mel“, son­dern „Lei­ter“. Da­mit ver­schwin­det lei­der die wich­ti­ge Kon­no­ta­ti­on von „So­ckel“, „Po­dest“.«

Wes­halb weicht La­can dem Be­zug zum eng­li­schen „Lad­der“ aus? Lad­der klingt fast ho­mo­nym zu ei­nem ge­nu­schel­ten (all­zu has­tig ge­spro­che­nen) Let­ter – zum Buch­sta­ben – den er je­doch mit S.K.beau wie­der bringt (als K)…

Will er sich nicht per­sön­lich mit dem Aus­ge­sag­ten ge­mein ma­chen – Jacob’s Lad­der (ein­mal in der bilbli­schen Fas­sung, ein­mal aus der Schriff­fahrt – statt 3p bie­te ich hier nur 3f, da­für sind wir nah bei der Kno­ten­theo­rie – und ein­mal als das be­kann­te Kin­der­spiel­zeug)? Zi­zek weist auf den Epo­chen­um­bruch in der Mu­sik durch Schön­berg hin, La­can re­gis­tiert des­sen Werk: „Ja­kobs­lei­ter“ nicht?

Das ist schon ver­wun­der­lich, da er im Joy­ce I auf den Jim ab­stellt! Ja­mes und Jim sind die eng­li­schen Ver­sio­nen des deut­schen Ja­kob und des fran­zö­si­schen Jac­ques…

So sehr ich La­can be­wun­de­re, kommt er in dem Bei­trag wie ein Ta­schen­spie­ler rü­ber, ein „Bil­li­ger Ja­kob“ – dies insb. des­halb, weil Joy­ce I ei­nen Be­zug zum Na­men herstellte/ankündigte, die­ser aber hier völ­lig weg­fällt…

VG

M.Günter

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Anmerkungen

  1. Die Druck­fas­sung er­schien (mit dem Ti­tel Joy­ce le Sym­ptô­me) zu­erst in: Jac­ques Au­bert, Ma­ria Jo­las (Hg.): Joy­ce & Pa­ris, 1902, 1920–1940, 1975. Ac­tes du cin­quiè­me Sym­po­si­um In­ter­na­tio­nal Ja­mes Joy­ce. Pa­ris, 16–20 juin 1976. Vol. 1. Édi­ti­ons du CNRS, Pa­ris, et Pu­bli­ca­ti­ons de l’Université Lil­le 3, Villeneuve-d’Asq, 1979, S. 1317. Dann (mit dem Ti­tel Joy­ce le Sym­ptô­me II) in: Jac­ques Au­bert (Hg.): Joy­ce avec La­can. Na­va­rin, Pa­ris 1987, S. 3136. Dann (mit dem Ti­tel Joy­ce le Sym­ptô­me, ohne „II“) in: J. La­can: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 565570.
  2. Jé­sus-la-Cail­le (Je­sus-die-Wach­tel): ein Ro­man von Fran­cis Car­co (Mer­cu­re de Fran­ce, Pa­ris 1914). Es gibt zwei Über­set­zun­gen mit zwei un­ter­schied­li­chen Ti­tel: Jé­sus-la-Cail­le. Ro­man vom Mont­mart­re. Über­setzt von Fred An­toi­ne An­ger­may­er. Kie­pen­heu­er, Köln 1922; Je­sus Schnep­fe. Über­setzt von Hans Thill. Wun­der­horn, Hei­del­berg 2002.
    Der Jé­sus-la-Cail­le des Ro­mans ist ein Strich­jun­ge.
    „Joy­ce das Sym­ptom“ meint wohl auch: das für Joy­ce spe­zi­fi­sche Sym­ptom, das Joy­ce-Sym­ptom.
  3. Der Name-des-Va­ters be­zieht sich auf den Va­ter, in­so­fern er die Funk­ti­on hat, zu be­nen­nen, heißt es in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI:
    „Das sind die Na­men-des-Va­ters, die ers­ten Na­men, in­so­fern sie et­was be­nen­nen, was, wie es, ja, wie es die Bi­bel an­zeigt, be­zo­gen <ist> auf die­ses au­ßer­ge­wöhn­li­che Dings­da, das Va­ter ge­nannt wird. Der ers­te Schritt die­ser mensch­li­chen Ima­gi­na­ti­on, näm­lich von Gott, ist dem ge­wid­met, ei­nen Na­men zu ge­ben, mein Gott, ei­nem et­was, was nicht gleich­gül­tig ist, näm­lich ei­nen Na­men je­dem der Tie­re.“
    (Sit­zung vom 11. März 1975, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la, Ein­schub in spit­zen Klam­mern von mir; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 39).Vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  4. Ge­meint ist: Dass „je nom­me“ (ich be­nen­ne) fast ge­nau­so klingt wie „jeu­ne nom­me“ (jun­ger Mann) .…
    An­spie­lung auf Ja­mes Joy­ces Ro­man A por­trait of the ar­tist as a young man (1916), Ein Por­trät des Künst­lers als jun­ger Mann.
  5. Die Ab­kür­zung LOM spielt ver­mut­lich auf Fin­ne­gans Wake an, wor­in Joy­ce für die die bei­den Haupt­fi­gu­ren, Hum­phrey Chimp­ton Ear­wi­cker und Anna Li­via Plura­bel­le, die Ab­kür­zun­gen HCE und ALP ver­wen­det. Alle Per­so­nen des Ro­mans sind Re­prä­sen­tan­ten von HCE und ALP so­wie ih­rer drei Kin­der; die Ab­kür­zun­gen ste­hen ge­wis­ser­ma­ßen für den Ur­va­ter und die Ur­mut­ter und in die­sem Sin­ne für die Mensch­heit.
    LOM er­in­nert auch an an die Ab­kür­zung LEM für die Mond­lan­de­fäh­re (Lu­nar Ex­cur­si­on Mo­du­le), die La­can in Ra­dio­pho­nie (1970) ver­wen­det
    .
    La­can: „Von da­her brin­ge ich vor, daß das mond­lan­den­de LEM, also die als Ap­pa­rat rea­li­siert For­mel New­tons, da­von zeugt, daß das Tra­jekt, das es ohne Aus­ga­be dort­hin ge­tra­gen hat, un­ser Pro­dukt ist, oder auch: Her­ren­wis­sen.“ (J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1988, S. 554, hier: S. 26)
  6. Wenn man l’homme pho­ne­tisch schreibt, er­hält man „lom“.
    Mit den Hin­wei­sen auf die pho­ne­ti­sche Schrei­bung und das Ob­szö­ne spielt La­can auf sei­nen Be­griff des Buch­sta­bens an, als ei­nem sprach­li­chen Ele­ment, das, ohne Sinn, di­rekt mit dem Ge­nie­ßen ver­bun­den ist (in die­ser Be­deu­tung ein­ge­führt in Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, Sit­zung vom 12. Mai 1971, „Litu­ra­terre“, Über­set­zung hier.
  7. Pho­ne­tisch ist „eaub“ die um­ge­kehr­te Laut­fol­ge wie „beau“: [o:b] ver­sus [bo:]. Wir sind hier auf der Ebe­ne von Lalan­gue, der Spra­che, die durch laut­li­che Be­zie­hun­gen be­stimmt wird.
    Eine Be­zie­hung und zwi­schen dem Schö­nen (beau/eaub) und dem Ob­szö­nen der Ge­ni­ta­li­en stellt Karl Abra­ham in sei­nem Ver­such ei­ner Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Li­bi­do (1924) her. Dem­nach ist bei je­dem Men­schen auf­grund des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes das ei­ge­ne Ge­ni­ta­le stär­ker als ir­gend­ein an­de­rer Kör­per­teil mit nar­ziss­ti­scher Lie­be be­setzt, ent­spre­chend darf am Ob­jekt al­les an­de­re frü­her ge­liebt wer­den als das Ge­ni­ta­le; auf der phal­li­schen Or­ga­ni­sa­ti­ons­stu­fe der Li­bi­do ist der letz­te Schritt – die li­bi­di­nö­se Be­set­zung des Ge­ni­ta­les des Ob­jekts – noch nicht ge­tan.
    (Vgl. K. Abra­ham: Ver­such ei­ner Ent­wick­lungs­ge­schich­te der Li­bi­do auf Grund der Psy­cho­ana­ly­se see­li­scher Stö­run­gen. In: Ders.: Ge­sam­mel­te Schrif­ten in zwei Bän­den. Zwei­ter Band. Hg. v. J. Creme­ri­us. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1982,  S. 32202, hier: S. 97) La­can be­zieht sich hier­auf in Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung, in der Sit­zung vom 21. Juni 1961 (Ver­si­on Miller/Gondek, S. 45966).
    Freud schreibt in Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930):
    „Lei­der weiß auch die Psy­cho­ana­ly­se über die Schön­heit am we­nigs­ten zu sa­gen. Ein­zig die Ab­lei­tung aus dem Ge­biet des Se­xual­emp­fin­dens scheint ge­si­chert; es wäre ein vor­bild­li­ches Bei­spiel ei­ner ziel­ge­hemm­ten Re­gung. Die ‚Schön­heit‘ und der ‚Reiz‘ sind ur­sprüng­lich Ei­gen­schaf­ten des Se­xu­al­ob­jekts.“
    (Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 214)
    La­can stützt sich hier­auf in sei­ner Theo­rie der Sub­li­mie­rung in Se­mi­nar 7 über die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se: die Sub­li­mie­rung ver­wan­delt das „na­tür­li­che“ Trieb­ob­jekt in ein kul­tu­rel­les. 
    Bringt man das Ob­szö­ne mit dem Häss­li­chen zu­sam­men, kann man die Pas­sa­ge auf Freuds Aus­füh­run­gen Über den Ge­gen­sinn der Ur­wor­te (1910) be­zie­hen in die­sem Fal­le hie­ße das: beau ist zu­gleich aub(scène)/obscène.
    Viel­leicht gibt es hier auch eine An­spie­lung auf den von Freud be­haup­te­ten Zu­sam­men­hang von Urin und Ehr­geiz. Vgl. S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191270, hier: S. 221, Fn. 1; Ders.: Zur Ge­win­nung des Feu­ers (1932). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 445454.
  8. Mög­li­cher­wei­se eine An­spie­lung auf La­cans The­se, wo­nach die Sub­li­mie­rung dar­in be­steht, dass das Ob­jekt zur Wür­de des Dings (des Rea­len) er­ho­ben wird (Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se). Vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: L’inconscient et le corps par­lant. Pré­sen­ta­ti­on du thè­me du Xe Con­grès de l’AMP à Rio en 2016, hier.
    Der Aus­ruf „ding!“ ist laut­ma­le­risch und da­mit viel­leicht eine An­spie­lung auf La­cans Be­griff lalan­gue, auf die Spra­che, in­so­fern sie durch laut­li­che Ähn­lich­kei­ten be­stimmt wird (zu­erst in Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core.
    Das Ob­jekt, das in Fin­ne­gans Wake zur Wür­de des Dings er­ho­ben wird, wäre dem­nach Lalan­gue, und Lalan­gue ist mit der Be­nen­nung ver­bun­den.
  9. Be­greift man „Näss­sen“ als „Schwit­zen“, ist man bei ei­ner Ent­spre­chung zur deut­schen Wen­dung „Ohne Fleiß kein Preis“, die dem­nach der In­halt der Pre­digt wäre.
    Viel­leicht zu­gleich eine wei­te­re An­spie­lung auf den Zu­sam­men­hang von Uri­nie­ren und Ehr­geiz („mouil­ler son lit“ = ein­näs­sen).
  10. Ba­sis­mensch: Das la­tei­ni­sche Wort ba­sis meint auch „So­ckel“ „Pos­ta­ment“ – wird sind viel­leicht wie­der beim es­ca­beau.
    L’homme de base: viel­leicht auch eine An­spie­lung auf den Be­griff „ba­sic per­so­na­li­ty“ (Ab­ram Kar­di­ner, Ralph Lin­ton), der sich auf das Zu­sam­men­spiel von Kul­tur und Per­sön­lich­keits­merk­ma­len be­zieht; La­can be­zieht sich hier­auf in dem Auf­satz La psy­chana­ly­se et son ens­eig­ne­ment (1957). In: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 437458, hier: S. 441.
    „Ba­sic per­so­na­li­ty“ sind die ge­mein­sa­men Per­sön­lich­keits­merk­ma­le ei­ner Grup­pe. Die Ge­sell­schaft be­ein­flusst ein be­stimm­tes Mi­lieu, die­ses die ba­sic per­so­na­li­ty und die­se wie­der­um be­stimm­te In­sti­tu­tio­nen. (Ab­ram Kar­di­ner, Ralph Lin­ton: The in­di­vi­du­al and his so­cie­ty. New York: Co­lum­bia Uni­ver­si­ty Press 1935)
    Kun: ja­pa­ni­scher Ti­tel für ei­nen jun­gen Mann – man er­in­ne­re sich an den „jun­gen Mann“ im zwei­ten Satz des Auf­sat­zes. Die Groß­schrei­bung ist die An­spie­lung auf den Na­men, da­mit auf das The­ma des ers­ten Sat­zes des Tex­tes.
  11. Kör­per ha­ben ver­sus Kör­per sein:
    Die Be­zie­hung zum Kör­per ist durch das Ima­gi­nä­re ver­mit­telt, durch das Ver­hält­nis zum Kör­per­bild. Die­ses Ver­hält­nis hat zur Fol­ge, dass der Kör­per für das Sub­jekt ein Ob­jekt ist, das das es be­sitzt, das es „hat“, das es be­sitzt.
    Mit der The­se über das „Ha­ben“ des Kör­pers knüpft La­can an eine Be­mer­kung in der letz­ten Sit­zung des Sin­t­hom-Se­mi­nars an:
    „Wel­chen Sinn also dem ge­ben, was Joy­ce be­zeugt, näm­lich dass es nicht ein­fach das Ver­hält­nis zu sei­nem Kör­per ist, son­dern dass es, wenn ich so sa­gen kann, die Psy­cho­lo­gie die­ses Ver­hält­nis­ses ist, denn schließ­lich ist die Psy­cho­lo­gie nichts an­de­res als dies, näm­lich das ver­wor­re­ne Bild, das wir von un­se­rem ei­ge­nen Kör­per ha­ben. Aber die­ses ver­wor­re­ne Bild ent­hält durch­aus – nen­nen wir es so, wie es ge­nannt wird – Af­fek­te, dass es näm­lich, um sich ge­nau das vor­zu­stel­len, die­ses psy­chi­sche Ver­hält­nis, et­was Psy­chi­sches gibt, das af­fi­ziert wird, das re­agiert, das nicht ab­ge­löst ist, wie Joy­ce be­zeugt, nach­dem er die Stock­hie­be sei­ner vier oder fünf Ka­me­ra­den er­hal­ten hat, da gibt es et­was, das nur dies ver­langt: ab­zu­ge­hen, ab­zu­fal­len wie eine Scha­le. Es ist et­was Ver­blüf­fen­des, dass es Leu­te gibt, die bei kör­per­lich er­lit­te­ner Ge­walt kei­nen Af­fekt ha­ben. Es gibt da et­was, was üb­ri­gens mehr­deu­tig ist, das hat ihm viel­leicht Lust be­rei­tet, der Ma­so­chis­mus ist kei­nes­wegs aus den se­xu­el­len Sti­mu­la­ti­ons­mög­lich­kei­ten von Joy­ce aus­ge­schlos­sen, er hat, was Bloom an­geht, reich­lich dar­auf be­stan­den. Aber ich möch­te sa­gen, was noch eher ver­blüfft, das sind die Me­ta­phern, die er ver­wen­det, näm­lich die Ab­lö­sung von et­was wie ei­ner Scha­le. Die­ses Mal hat er nicht ge­nos­sen. Er hat­te – das ist et­was, das psy­cho­lo­gisch ei­nen Wert hat –, er hat­te eine Re­ak­ti­on des Ekels, und die­ser Ekel be­trifft sei­nen ei­ge­nen Kör­per ins­ge­samt. So wie je­mand eine böse Er­in­ne­rung in Klam­mern setzt, um sie zu ver­ja­gen. Dar­um geht es. Das wird voll­stän­dig als Mög­lich­keit des Ver­hält­nis­ses zu sei­nem ei­ge­nen Kör­per als frem­dem ge­las­sen. Und eben das wird von der Tat­sa­che des Ge­brauchs des Verbs ‚ha­ben‘ aus­ge­drückt: Sei­nen Kör­per, den hat man, der ist man nicht, auf kei­ne Wei­se. Und das lässt an die See­le glau­ben. Und in­fol­ge­des­sen hat man kei­nen Grund, in­ne­zu­hal­ten. Und man denkt auch, dass man eine See­le hat, was der Gip­fel ist.“
    (J. La­can: Das Sin­t­hom. Se­mi­nar 23 (1975/76), Sit­zung vom 11. Mai 1976, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 149 f.; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 156)
  12. Der Mensch „hat“ ei­nen Kör­per, und nicht: er „ist“ ein Kör­per – die­se The­se ar­ti­ku­liert La­can zu­erst in Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se. Hier heißt es:
    „Das ist sehr lus­tig, es bringt eine wirk­li­che selt­sa­me In­ko­hä­renz mit sich, daß man sagt – Der Mensch hat ei­nen Kör­per. Für uns macht das Sinn, es ist so­gar wahr­schein­lich, daß das im­mer schon Sinn ge­macht hat, für uns je­doch mehr Sinn macht als für ir­gend je­mand sonst, denn in­so­fern je­der­mann He­ge­lia­ner ist, ohne es zu wis­sen, ha­ben wir mit He­gel und ohne es zu wis­sen die Iden­ti­fi­ka­ti­on des Men­schen mit sei­nem Wis­sen, das ein ak­ku­mu­lier­tes Wis­sen ist, ex­trem weit ge­trie­ben. Es ist ganz son­der­bar, in ei­nem Kör­per lo­ka­li­siert zu sein, und man kann die­se Son­der­bar­keit nicht ba­ga­tel­li­sie­ren, auch wenn man sei­ne Zeit da­mit ver­bringt, mit den Flü­geln zu schla­gen, in­dem man sich da­mit Dick­tut, die Ein­heit des Men­schen wie­der­fun­den zu ha­ben, die die­ser Idi­ot Des­car­tes zer­stü­ckelt hat­te. Es ist voll­kom­men nutz­los, gro­ße Er­klä­run­gen über die Rück­kehr des mensch­li­chen We­sens zur Ein­heit, zur See­le als Form des Kör­pers ab­zu­ge­ben, un­ter gro­ßem Auf­wand an Tho­mis­mus und Aris­to­te­lis­mus. Die Tei­lung ist ein für al­le­mal voll­zo­gen. Und des­halb sind Ärz­te von heu­te nicht die Ärz­te von ges­tern, ab­ge­se­hen von de­nen, die ihre Zeit da­mit ver­brin­gen, sich aus­zu­ma­len, dass es Tem­pe­ra­men­te, Kon­sti­tu­tio­nen und an­de­res von die­ser Art gibt. Der Arzt hat dem Kör­per ge­gen­über die Ein­stel­lung je­nes Herrn, der eine Ma­schi­ne de­mon­tiert. Da wird man ru­hig prin­zi­pi­el­le Er­klä­run­gen ab­ge­ben kön­nen, die­se Ein­stel­lung ist ra­di­kal. Da­von ist Freud aus­ge­gan­gen, und das ist’s, was sein Ide­al war – pa­tho­lo­gi­sche Ana­to­mie trei­ben, ana­to­mi­sche Phy­sio­lo­gie, ent­de­cken, wozu die­ses kom­pli­zier­te Ap­pa­rät­chen dient, das da im Ner­ven­sys­tem ver­kör­pert ist.
    Die­se Per­spek­ti­ve, die die Ein­heit des Le­ben­di­gen zer­legt, hat si­cher­lich et­was Be­un­ru­hi­gen­des und Skan­da­lö­ses, und eine gan­ze Denk­rich­tung ver­sucht da­ge­gen an­zu­ge­hen – ich den­ke an den Ge­stal­tis­mus und an­de­re gut­ge­mein­te theo­re­ti­sche Ela­bo­ra­te, die zur Freund­lich­keit der Na­tur und zur präs­ta­bi­lier­ten Har­mo­nie zu­rück­keh­ren möch­ten. Wohl­ge­merkt, nichts be­weist, dass der Kör­per eine Ma­schi­ne ist, und es ist nicht ein­mal aus­ge­schlos­sen, dass da­mit nichts ist. Aber da liegt nicht das Pro­blem. Die Haupt­sa­che ist, dass man so die Fra­ge an­ge­schnit­ten hat. Ich habe es eben ge­nannt, das be­tref­fen­de man, es ist Des­car­tes. […] He­gel, der nur sehr we­nig An­teil an all dem hat­te, ist viel­leicht der letz­te Ver­tre­ter ei­ner be­stimm­ten klas­si­schen An­thro­po­lo­gie, aber letzt­lich ist er im Ver­hält­nis zu Des­car­tes fast im Rück­stand.“ (Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 97 f.)
  13. Die Ver­bin­dung von Haben/Nichthaben, Schö­nem, Was­ser und Bel­len ist viel­leicht eine An­spie­lung auf den von Ovid er­zähl­ten My­thos von Ak­tai­on, der Dia­na nackt beim Ba­den er­blick­te und der, in ei­nen Hirsch ver­wan­delt, von ih­ren Hun­den zer­ris­sen wur­de. La­can be­zieht sich hier­auf in La cho­se freu­dien­ne (vgl. J. La­can: Die Freud’sche Sa­che. Tu­ria und Kant, Wien 2011, S. 71). Er spielt dort auf Freuds Spe­ku­la­ti­on an, wo­nach der auf­rech­te Gang des Men­schen mit ei­nem Wech­sel von der Do­mi­nanz der Ge­ruchs­rei­ze zur Do­mi­nanz der Ge­sichts­er­re­gun­gen ein­her­ging und wo­nach die durch die­sem Wan­del her­vor­ge­ru­fe­ne Sicht­bar­keit der Ge­schlechts­or­ga­ne das Schä­men her­vor­rief; vgl. Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191270, hier: S. 229 f., Fuß­no­te.
  14. Of­fen­bar eine An­spie­lung auf das Ver­hält­nis zwi­schen den Af­fek­ten (her­vor­ge­ru­fen durch die Ein­wir­kung der Spra­che auf den ge­nie­ßen­den Kör­per) und der Schrift (als Grund­la­ge der Be­weis­füh­rung).
  15. Die Be­din­gung da­für, zum Kör­per in ei­ner Be­zie­hung des „Ha­bens“ zu ste­hen, be­steht dar­in, den drei Ord­nun­gen an­zu­ge­hö­ren.
  16. Sphä­re: der in der Ma­the­ma­tik üb­li­che Ter­mi­nus für die Ku­gel­ober­flä­che.
    Für La­can ge­hört die Sphä­re zur Ord­nung des Ima­gi­nä­ren. „Quas­seln, um sich mit der Sphä­re zu be­schäf­ti­gen“: Ver­bin­dung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren.
    Nach zwei Mal hes­se­ca­beau wird jetzt zum es­ten Mal die Nor­mal­schrei­bung es­ca­beau ver­wen­det.
    Mit es­ca­beau spielt La­can mög­li­cher­wei­se dar­auf an, dass in der Bal­la­de Finnegan’s Wake, auf die der Ro­man von Joy­ce an­spielt, Fin­ne­gan, weil er zu viel ge­trun­ken hat­te, von der Lei­ter fällt und des­halb stirbt:
    „One morning Tim got ra­ther full,
    his head felt hea­vy which made him shake.
    Fell from a lad­der and he bro­ke his skull,
    and the car­ri­ed him home his corp­se to wake.“ (Von hier)
    Das es­ca­beau ver­weist auf die Be­zie­hung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren.
  17. Nach hes­se­ca­beau und es­ca­beau jetzt also eine drit­te Schreib­wei­se: S.K.beau:
    Der Buch­sta­be „S“ steht bei La­can meist für si­gni­fi­ant (Si­gni­fi­kant) und ver­weist da­mit auf die Ord­nung des Sym­bo­li­schen. Der Aus­druck beau (schön) be­zieht sich ver­mut­lich auf die Be­zie­hung zum Bild des ei­ge­nen Kör­pers und da­mit auf das Ima­gi­nä­re. Der Buch­sta­be „K“ hat bei La­can kei­ne stan­dar­di­sier­te Be­deu­tung und wird im ge­schrie­be­nen Fran­zö­sisch kaum ver­wen­det; mög­li­cher­wei­se fun­giert er hier als Buch­sta­be im Un­ter­schied zum Si­gni­fi­kan­ten. Den Buch­sta­ben rech­net La­can ab Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, zur Ord­nung des Rea­len (Sit­zung vom 12. Mai 1971, „Lituraterre“-Vorlesung, Über­set­zung hier). Also spielt der Aus­druck S.K.beau viel­leicht auf die Drei­heit des Sym­bo­li­schen (S), des Rea­len (K) und des Ima­gi­nä­ren (beau) an.
    Die auf­fäl­li­ge Wie­der­ho­lung von „pr“ be­tont, dass es bei S.K.beau um Lalan­gue geht, um die Spra­che, in­so­fern sie durch Laut­ähn­lich­kei­ten be­stimmt ist.
  18. Die Rede vom „Lee­ren des Seins“ spielt viel­leicht auf den Seins­man­gel an, auf das Be­geh­ren.
  19. Par­lêt­re meint „spre­chen­des We­sen“, aber auch (vom Spre­chen der El­tern) „ge­spro­che­nes We­sen“. La­can ver­wen­det den Aus­druck zu­erst in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, in der Sit­zung vom 17. De­zem­ber 1974. In den von ihm selbst ver­öf­fent­lich­ten Tex­ten fin­det man par­lêt­re aus­schließ­lich hier in Joy­ce le Sym­ptô­me II.
  20. Die Ab­kür­zung „Ics“ ver­wen­det La­can auch in Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, im er­wei­ter­ten Sche­ma der Ent­frem­dung (ab der Sit­zung vom 11. Ja­nu­ar 1967).
    Das Ab­kür­zungs­paaar LOM und ICS er­in­nert an das Ab­kür­zungs­paar HCE und ALP in Fin­ne­gans Wake (HCE für Hum­phrey Chimp­ton Ear­wi­cker und ALP für Anna Li­via Plura­bel­le). Also soll LOM und ICS ver­mut­lich als Paar auf­ge­fasst wer­den. Da ICS für das Un­be­wuss­te steht, be­zieht sich LOM ver­mut­lich auf das Be­wusst­sein im Sin­ne von Freud.
  21. Viel­leicht eine Selbst­be­schrei­bung von La­can: er ist nicht der Ent­de­cker des Un­be­wuss­ten, son­dern ei­ner der­je­ni­gen, die das In­ven­tar auf­neh­men.
    Die De­fi­ni­ti­on des Un­be­wuss­ten als Wis­sen fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, in der Sit­zung vom 19. Mai 1965.
    Im En­core-Se­mi­nar wird das Ver­hält­nis zwi­schen dem Un­be­wuss­ten und dem Spre­chen so for­mu­liert:
    „das Un­be­wuss­te, das ist, dass das Sein/Wesen, in­dem es spricht, ge­nießt und (…) nichts wei­ter da­von wis­sen will“
    (Se­mi­nar 20, Sit­zung vom 8. Mai 1973; Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 114, Über­set­zung ge­än­dert).
  22. Ha­ben und Sein: Nach­dem die Ka­te­go­rie des Ha­bens auf das Ver­hält­nis des Men­schen zum Kör­per be­zo­gen wur­de, wird jetzt die Ka­te­go­rie des Seins dem Spre­chen zu­ge­ord­net.
    La­can spielt hier auf Hei­deg­ger an, auf des­sen Fra­ge nach dem „Sinn von Sein“, zu­erst in Sein und Zeit (1927).
  23. Die Fra­ge nach dem „Sinn von Sein“, die sich auf­grund der Ori­en­tie­rung am Spre­chen auf­drängt, un­ter­stellt die Ein­heit des Sinns und ist da­mit eine Ab­wehr des Ha­bens
  24. Es geht um den Un­ter­schied von „See­le sein“ und „See­le ha­ben“. Die See­le ist eine il­lu­sio­nä­re Ver­dop­pe­lung des Kör­pers, also ist die Be­zie­hung zur See­le eine des Ha­bens, nicht des Seins.
  25. Kön­nen: Von der Fra­ge Ha­ben (Kör­per) ver­sus Sein (Spre­chen) geht La­can zu den Mo­dal­ka­te­go­ri­en über, die seit Aris­to­te­les als grund­le­gen­de Be­stim­mun­gen des Seins auf­ge­fasst wer­den. Mo­dal­ka­te­go­ri­en sind: Mög­li­ches, Un­mög­li­ches, Not­wen­di­ges, Zu­fäl­li­ges. Die (kör­per­be­zo­ge­ne) Ka­te­go­rie des Ha­bens wird mit der des Kön­nens ko­or­di­niert und so mit der der Mög­lich­keit.
  26. Kön­nen: „Pou­voir“ (Macht) und „pos­si­ble“ (mög­lich) ge­hen auf das­sel­be Wort zu­rück, auf das la­tei­ni­sche Verb „pos­se“ (kön­nen).
    Fort­set­zung des vor­an­ge­gan­ge­nen Sat­zes: „et­was Ha­ben“ meint: et­was da­mit ma­chen kön­nen, und das heißt, dass die­ses Ma­chen­kön­nen aus­set­zen kann. Grund­la­ge der Mög­lich­keit ist die Un­mög­lich­keit.
  27. Für die Ka­te­go­rie des Mög­li­chen ist die Ne­ga­ti­on kon­sti­tu­tiv; fälsch­li­cher­wei­se wird die Mög­lich­keit po­si­tiv auf­ge­fasst, als das, was statt­ha­ben kann. La­can spielt auf sei­ne De­fi­ni­ti­on des Mög­li­chen an: das Mög­li­che ist das, was auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den. La­cans Re­kon­struk­ti­on der Mo­dal­ka­te­go­ri­en fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core (Sit­zun­gen vom 13. Fe­bru­ar, 20. März, 8. Mai, 15. Mai, 26. Juni 1973), vgl. die Er­läu­te­rung in die­sem Blog hier.
    Mit „Den­ken“ ist hier ver­mut­lich die Phi­lo­so­phie ge­meint. Viel­leicht in An­spie­lung auf Hei­deg­gers Vor­trag Was heißt Den­ken? (1952).
  28. Der Mensch „hat“ eine See­le, er „ist“ kei­ne See­le.
    Das grie­chi­sche Wort νους (nous) wird mit „Ver­stand“, „Ver­nunft“ oder „Geist“ über­setzt.
  29. Der Be­griff des Kno­tens tritt an die Stel­le des See­len­be­griffs. La­can be­zieht sich auf Kno­ten im Sin­ne der ma­the­ma­ti­schen Kno­ten­theo­rie, mit der er sich seit Se­mi­nar 19 aus­ein­an­der­setzt.
  30. An­spie­lung auf La­cans De­fi­ni­ti­on der Not­wen­dig­keit: das, was nicht auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den (Se­mi­nar 20). Der „bor­ro­mäi­sche Kno­ten“, mit dem La­can sich vor al­lem be­fasst, be­steht aus drei „Fa­den­rin­gen“.
  31. Vic­tor Cou­sin (17921867), fran­zö­si­scher Phi­lo­soph und Kul­tur­theo­re­ti­ker, mach­te He­gels Phi­lo­so­phie (also den He­gel­schen „Drei­schritt“) in Frank­reich be­kannt.
  32. Im En­core-Se­mi­nar (1973) heißt es:
    „Ich spre­che mit mei­nem Kör­per, und dies ohne es zu wis­sen. Ich sage also im­mer mehr, als ich da­von weiß.“
    (Se­mi­nar 20, Sit­zung vom 15. Mai 1973, Ver­si­on Miller/Haas, S. 128)
    Und:
    „Das Rea­le, (…) das ist das Ge­heim­nis des spre­chen­den Kör­pers, das ist das Ge­heim­nis des Un­be­wuß­ten.“
    (Sit­zung vom 15. Mai 1973, a.a.O., S. 141)
    In dem Vor­trag Die Drit­te (1974) heißt es, dem Ana­ly­ti­ker wer­de nicht zu Un­recht un­ter­stellt, dass er weiß,
    „wor­aus das Un­be­wuss­te be­steht, dass es näm­lich ein Wis­sen ist, das von Lalan­gue ar­ti­ku­liert wird, wo­bei der Kör­per, der hier spricht, da­mit nur durch das Rea­le ver­kno­tet ist, von dem her er sich ge­nießt“
    (La troi­siè­me. Tran­skrip­ti­on von La­cans Vor­trag beim 7. Kon­gress der Éco­le freu­dien­ne de Pa­ris in Rom am 1. No­vem­ber 1974, er­schie­nen in Lettres de l’École freu­dien­ne, Nr. 16, 1975, S. 177–203, mei­ne Über­set­zung nach dem Text auf der Web­site der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se hier (auf der Web­site von Pa­trick Valas fin­det man hier eine deut­sche Über­set­zung des ge­sam­ten Ar­ti­kels, er­stellt von Ni­co­le Tau­bes).
  33. So dass er nicht mehr das „p“ von „sym­ptô­me“ ent­hält, wo­durch er zum „sin­t­home“ wird, zum „Sin­t­hom“, zum „saint hom­me“, zum „Hei­li­gen Mann“.
    „Sin­t­hom“ ist die mit­tel­al­ter­li­che Schreib­wei­se von „Sym­ptom“; dies ist The­ma der ers­ten Sit­zung von Se­mi­nar 23 von 1975/76, Le sin­t­home.
    Der Laut p wird in der Pho­ne­tik als Ex­plo­siv­laut be­zeich­net.
  34. An­spie­lung auf Psalm 14, 1 und 53, 2: „Die To­ren sa­gen in ih­rem Her­zen: ‚Es gibt kei­nen Gott.‘“ Im he­bräi­schen Text steht hier für „Gott“: „Elo­him“. La­can zi­tiert den Vers in Se­mi­nar 4 (Ver­si­on Miller/Gondek, S. 428), wo er ihn irr­tüm­lich dem Ek­kle­si­as­tes zu­schreibt, dem Pre­di­ger Sa­lo­mo.
  35. Viel­leicht eine An­spie­lung auf den Be­griff des We­ges im Bud­dhis­mus und im Dao­is­mus (Dao heißt „Weg“).
  36. Ka­no­ni­sie­rung: (a) Über­nah­me von Bü­chern in den Ka­non, (b) Hei­lig­spre­chung.
  37. Das dürf­te auch eine An­spie­lung auf die Pro­ble­me der Aus­bil­dung von Psy­cho­ana­ly­ti­kern sein. In Te­le­vi­si­on hat­te La­can den Psy­cho­ana­ly­ti­ker als „Hei­li­gen“ be­zeich­net, in­so­fern er für den­je­ni­gen, der in Ana­ly­se geht, ei­nen Ab­fall dar­stellt, ei­nen Aus­wurf, den Aus­schluss der jouis­sance, der (Un-)Lust jen­seits des Lust­prin­zips, um es dem Pa­ti­en­ten zu er­mög­li­chen, ihn als Ur­sa­che des Be­geh­rens zu neh­men, als Ob­jekt a. (Vgl. J. La­can: Te­le­vi­si­on (1973). In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 55–95, zum Hei­li­gen: S. 70–72.)
  38. Bei der Kas­tra­ti­on durch das es­ca­beau dürf­te es, in Freuds Ter­mi­no­lo­gie, um die Ver­schie­bung des Trieb­ziels von ei­nem se­xu­el­len Ziel zu ei­nem nicht-se­xu­el­len Ziel ge­hen, als Cha­rak­te­ris­ti­kum der Sub­li­mie­rung (vgl. S. Freud: Die „kul­tu­rel­le“ Se­xu­al­mo­ral und die mo­der­ne Ner­vö­si­tät (1908). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 9–32, hier: S. 18 f.
    Es­ka­pa­de“ hier im Ge­gen­satz zum „ka­no­ni­schen Weg“.
    Viel­leicht auch eine An­spie­lung auf Blooms „Sei­ten­sprung“ – sei­ne heim­li­che Kor­re­spondanz mit Mar­tha Clif­ford, auf die La­can sich zwei Sät­ze spä­ter be­zieht.
  39. Im Ulys­ses ist Hen­ry Flower das Pseud­onym von Leo­pold Bloom; un­ter die­sem Na­men führt er eine heim­li­che Kor­re­spon­denz mit ei­ner Mar­tha Clif­ford.
  40. Viel­leicht im Sin­ne von: Die Da­men la­chen über Bloom, und Bloom lacht dar­über, dass sie über ihn la­chen.
  41. Das es­ca­beau / die Steh­lei­ter / der Sche­mel ist das meis­ter­haf­te Spre­chen; das ver­weist auf den dis­cours du maît­re, den Dis­kurs des Herrn / des Meis­ters (vgl. Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, 1969/70).
    Die Be­zie­hung von Joy­ce zum es­ca­beau des meis­ter­haf­ten Spre­chens ist eine des Ha­bens; das es­ca­beau steht in ei­ner Be­zie­hung zum Kör­per, den man hat.
    La­can kommt zu­rück auf den Un­ter­schied zwi­schen sin­t­home (bzw. saint hom­me) ohne p, und sym­ptô­me mit p.
  42. Bloom ist An­zei­gen­ak­qui­si­teur.
  43. Das Kör­per­ha­ben wird hier mög­li­cher­wei­se zum Mehr­wert (in Form des Zehn­ten) in Be­zie­hung ge­setzt und da­mit in­di­rekt zum Ob­jekt a (in Se­mi­nar 16 hat­te La­can das Ob­jekt a auf den Be­griff des Mehr­werts von Marx be­zo­gen und so den Be­griff der „Mehr­lust“ ge­bil­det; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  44. Soll an­ge­deu­tet wer­den, dass die Bet­tel­mön­che Vor­läu­fer des Wohl­fahrts­staats sind?
  45. L.O.M.: wenn man das buch­sta­biert, El-O-Em, er­gibt sich „Elo­him“, der he­bräi­sche Name für „Gott“.
    Elo­him: he­bräi­scher Gat­tungs­na­me für „Gott“, aber auch Ei­gen­na­me für den Gott der Is­rae­li­ten (den „Elo­him Abra­hams“); be­zieht sich vor al­lem auf Gott als Schöp­fer. Hier spielt La­can of­fen­bar auf den Na­men-des-Va­ters an.
    Soin be­deu­tet „ Sor­ge“. Sor­ge ist ein Grund­be­griff von Hei­deg­gers Sein und Zeit.
  46. Dass der Mensch nicht nur ei­nen Kör­per hat: Mög­li­cher­wei­se eine An­spie­lung auf die See­le als zwei­ten Kör­per.
    Der an­de­re Kör­per – hier ist viel­leicht der ge­nie­ßen­de Kör­per ge­meint, wo­bei das Ge­nie­ßen da­durch struk­tu­riert ist, dass die Spra­che auf es ein­wirkt. Das „Spre­chen“ des ge­nie­ßen­den Kör­pers ist das Un­be­wuss­te; vgl. die oben zi­tier­ten Pas­sa­gen aus dem En­core-Se­mi­nar und aus Die Drit­te.
    Die Be­zie­hung zum ge­nie­ßen­den Kör­per ist kei­ne des Ha­bens: es ge­lingt ihm nicht, ihn sich zu ei­gen zu ma­chen.
  47. La­can be­zieht sich wie­der auf den Ge­gen­satz von „Kör­per ha­ben“ und „Kör­per sein“. Wenn er Kör­per wäre, wenn er in der ima­gi­nä­ren Be­zie­hung ganz auf­gin­ge, käme es ihm nicht in den Sinn sich den ge­nie­ßen­den Kör­per zu ei­gen zu ma­chen, viel­leicht im Sin­ne von: das Un­be­wuss­te tro­cken­zu­le­gen wie den Zu­i­der­see.
  48. Po­si­tiv for­mu­liert: Die Rea­li­tät des Kör­pers be­steht in der Idee – die Idee macht den Kör­per. In der ima­gi­nä­ren Di­men­si­on wird der Kör­per durch das Kör­per­bild be­stimmt.
  49. An­spie­lung auf die an­ti­ke Dis­kus­si­on, ob die Idee, die  Form, au­ßer­halb des Kör­pers ist (Pla­ton) oder im Kör­per (Hy­l­emor­phis­mus von Aris­to­te­les).
  50. In der vier­ten Epi­so­de des Ulys­ses fragt Mol­ly Bloom ih­ren Ehe­mann Leo­pold Bloom, was das Wort „Me­tem­psy­cho­se“ (See­len­wan­de­rung) be­deu­tet (Ca­lyp­so-Epi­so­de; Ja­mes Joy­ce: Ulys­ses. With an in­tro­duc­tion by De­clan Ki­berd. Pen­gu­in Clas­sics 2000, S. 77 f.). Sie liest, wie man spä­ter er­fährt „met him pik­ho­ses“ (Läst­ri­go­nen-Epi­so­de, a.a.O., S. 194), wört­lich über­setzt: „traf ihn Pik-Schläu­che“. Mit „mes temps si cho­ses“ ver­sucht La­can das im Fran­zö­si­schen nach­zu­bil­den (viel­leicht über­nimmt er es aus ei­ner fran­zö­si­schen Über­set­zung, ich habe das nicht über­prüft). Woll­schlä­ger über­setzt mit „mit ihm zig Ho­sen“ (Ja­mes Joy­ce: Ulys­ses. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 214).
    Die Be­mer­kung über das, was Mol­ly in­so­fern nicht zu­gäng­lich war, als sie be­reits da war, könn­te sich auf fol­gen­de Pas­sa­ge in der Lästry­go­nen-Epi­so­de be­zie­hen:
    „Met him pik­ho­ses she cal­led it till I told her about the trans­mi­gra­ti­on. (…) She’s right af­ter all. Only big wor­ds for or­di­na­ry things on ac­count of the sound. She’s not ex­act­ly wit­ty. Can be rude too. Blurt out what I was thin­king. Still I don’t know. She used to say Ben Dol­lard had a base barrel­to­ne voice. He has legs like bar­rels and you’d think he was sin­ging into a bar­rel. Now, isn’t that wit. They used to call him big Ben. Not half as wit­ty as cal­ling him base barrel­to­ne. Ap­pe­ti­te like an al­ba­tross. Get out­side of a ba­ron of beef. Power­ful man he was at sto­wing away num­ber one Bass. Bar­rel of Bass. See? it all works out.“ (Ulys­ses, hg. v. De­clan Ki­berd, a.a.O, S. 194)
    In Woll­schlä­gers Über­set­zung:
    „Mit ihm zig Ho­sen nann­te sies, bis ich ihr von der See­len­wan­de­rung er­zählt hab dann. (…) Im­grun­de hat sie ja durch­aus recht. Bloß di­cke Wor­te für ganz ge­wöhn­li­che Sa­chen, des Klan­ges we­gen. Ei­gent­lich geist­reich ist sie ja nicht. Kann so­gar auch ziem­lich or­di­när sein. Platzt mit Sa­chen raus, wo ich mir mein Teil höchs­tens den­ke. Trotz­dem, ich weiß nicht. Sie sag­te zum Bei­spiel im­mer, Ben Dol­lard wäre ne Baß-Ba­ri­ton­ne. Nun hat er ja Bei­ne wie Fäs­ser, und man könn­te tat­säch­lich mei­nen, er sän­ge in eine Ton­ne. Nun also, ist das etwa nicht geist­reich? Sonst wur­de er im­mer Big Ben ge­nannt. Nicht halb so wit­zig wie Baß-Ba­ri­ton­ne. Ap­pe­tit wie ein Al­ba­tros. Ver­tilgt glatt die bei­den un­ge­teil­ten Len­den­stü­cke ei­nes Rinds: Fas­sungs­ver­mö­gen wie ein Barr­as­hengst. Und das erst­klas­si­ge Bass-Bier, was er an der Bar so ver­staut, di­rekt un­wahr­schein­lich! Faß, Baß, Bass, Ba­ri­ton. Na? Ist doch al­les drin.“ (Ulys­ses, a.a.O., S. 214 f.)
    Mit „ohne es sich zu sa­gen“ über­setzt La­can ver­mut­lich die Wen­dung „ohne sich des­sen be­wusst zu sein“.
    Mol­ly hat ei­nen Zu­gang zu Lalan­gue, zur Spra­che in ih­rer Mehr­deu­tig­keit und ver­fügt da­mit über ein Wis­sen, von dem sie nichts weiß. 
  51. Das „Re­ser­vat“ ist mög­li­cher­wei­se Lalan­gue, das Netz der „Buch­sta­ben“, der mit ei­nem Ge­nie­ßen ver­bun­de­nen sprach­li­chen Ele­men­te.
  52. Da­mit könn­te ge­meint sein: In Fin­ne­gans Wake ver­sucht Joy­ce, das Re­ser­vat von Lalan­gue  mög­lichst voll­stän­dig zu er­kun­den.
  53. ICS: Ab­kür­zung für „in­con­sci­ent“, un­be­wusst, Ubw: Freuds Ab­kür­zung für „Un­be­wuss­tes“.
    Mög­li­cher­wei­se will La­can an­deu­ten, dass er, La­can, die For­mel des es­ca­beau ge­fun­den hat, in Ge­stalt des Joy­ce-Kno­tens aus vier Rin­gen, den er in Se­mi­nar 23 ent­wi­ckelt hat.
  54. La­can be­zieht sich auf die Laut­ähn­lich­keit von „Joy­ce“ und „joy“ (Freu­de), von „Freud“ und „Freu­de“ und da­mit auf jouis­sance, Ge­nie­ßen, Trieb­be­frie­di­gung. Es geht um das Un­be­wuss­te als Be­zie­hung zwi­schen den sprach­li­chen Ele­men­ten und dem Ge­nie­ßen.
  55. La­can be­zieht sich hier auf die maß­geb­li­che Joy­ce-Bio­gra­phie: Ri­chard Ell­mann: Ja­mes Joy­ce (1959). 2 Bde. Über­setzt von Die­ter E. Zim­mer. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979; vgl. bei Ell­mann im Re­gis­ter die Stel­len zu „Freud“ (eine über­ar­bei­te­te eng­li­sche Aus­ga­be er­schien 1982).
    Von Ell­mann er­fährt man, dass Joy­ce Freud ver­ach­te­te, von dem er ei­ni­ges ge­le­sen hat­te; die Ähn­lich­keit Freud – Freu­de so­wie Joy­ce – Joy war Joy­ce ver­traut.
    Mich drängt die Zeit: Joyc das Sym­ptom II ist nicht die Tran­skrip­ti­on ei­nes ge­spro­che­nen Vor­trags, son­dern ein für den Druck be­stimm­ter ge­schrie­be­ner Text, also ist „mich drängt die Zeit“ ver­mut­lich eine An­spie­lung auf die Funk­ti­on der Hast, die an­schlie­ßend er­wähnt wird.
  56. An­spie­lung auf La­cans Über­le­gun­gen zur Funk­ti­on der Hast in der Lo­gik, in: Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­ti­on der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit (1945). In: Ders.: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u. Frei­burg i.Br. 1980, S. 123171.
    Ge­wiss­heit ent­steht nur durch den Akt, und der Akt ist im­mer über­stürzt.
  57. An­spie­lung auf eine Pas­sa­ge zu Sind­bad dem See­fah­rer in Ulys­ses.
    „With? Sin­bad the Sailor and Tin­bad the Tailor and Jin­bad the Jai­ler and Whin­bad the Wha­ler and Nin­bad the Nai­ler and Fin­bad the Fai­ler and Bin­bad the Bai­ler and Pin­bad the Pai­ler and Min­bad the Mai­ler and Hin­bad the Hai­ler and Rin­bad the Rai­ler and Din­bad the Kai­ler and Vin­bad the Quai­ler and Lin­bad the Yai­ler and Xin­bad the Phthai­ler.“ (Itha­ka-Epi­so­de (=17. Ka­pi­tel), Schluss; Pen­gu­in Clas­sics 2000, S. 871)
    Woll­schlä­ger über­setzt so:
    „Mit? Sind­bad dem See­fah­rer und Tind­bad dem Tee­fah­rer und Find­bad dem Fee­fah­rer und Rind­bad dem Reh­fah­rer und Wind­bad dem Weh­fah­rer und Klind­bad dem Klee­fah­rer und Flind­bad dem Fleh­fah­rer und Drind­bad dem Dreh­fah­rer und Schnind­bad dem Schnee­fah­rer und Gind­bad dem Geh­fah­rer und Stind­bad dem Steh­fah­rer und Zind­bad dem Zeh­fah­rer und Xind­bad dem Eh­fah­rer und Yind­bad dem Seh­fah­rer und Blind­bad dem Phthe­fah­rer.“ (A.a.O., S. 948)
    Zeug­ma ist eine rhe­to­ri­sche Fi­gur. Hier be­steht das Zeug­ma dar­in, dass das Wort „ver­gif­tet“ im ers­ten Be­zug eine ei­gent­li­che Be­deu­tung hat (durch das Ohr ver­gif­tet), im zwei­ten Be­zug un­ei­gent­lich ver­wen­det wird (durch sein Sym­ptom der Frau ver­gif­tet).
    „das, was nicht auf­hört ge­schrie­ben zu wer­den“: An­spie­lung auf La­cans De­fi­ni­ti­on des Not­wen­di­gen (Se­mi­nar 20).
    Zu Ham­let: Nach­dem Ham­let den Mör­der sei­nes Va­ters, des Kö­nigs, ge­tö­tet hat – sei­nen On­kel Clau­di­us, der durch den Mord zum Kö­nig wur­de –, und nach­dem er selbst im Du­ell ge­tö­tet wor­den ist, über­nimmt der Nor­we­ger­kö­nig Fortin­bras die Macht im Staa­te Dä­ne­mark.
  58. Ha­be­as Cor­pus ist das Recht ei­nes Ver­haf­te­ten auf Haft­prü­fung durch ein Ge­richt, Grund­la­ge des Rechts­staats. Der la­tei­ni­sche Aus­druck be­deu­tet wört­lich „Du sollst den Kör­per ha­ben“.
  59. l’on l’a, l’on l’a de l’air, l’on l’aire, de l’on l’a“: of­fen­bar führt La­can hier Lalan­gue vor (die durch Laut­be­zie­hun­gen und Mehr­deu­tig­kei­ten be­stimm­te Spra­che); man den­ke an das Lal­len oder Brab­beln ei­nes Säug­lings oder auch an Lie­der, mit de­nen Kin­der zum Ein­schla­fen ge­bracht wer­den. Es soll vor­ge­führt wer­den, dass es ein Spre­chen gibt, das kei­nen be­stimm­ba­ren Sinn hat und mit dem Ge­nie­ßen ver­bun­den ist. Den­noch las­sen sich ei­ni­ge Sinn­split­ter er­ken­nen:
    – Man hat es aus der Luft / vom Lied: dies könn­te auf Lalan­gue ver­wei­sen, wie sie in die­ser Wen­dung vor­ge­führt wird, auf Lalan­gue als Ur­sa­che des Sym­ptoms.
    – Man lässt es hors­ten: Man lässt es sich ein­nis­ten, näm­lich im Kör­per.
  60. Joy­ce war ein gu­ter Te­nor­sän­ger und hat 1904 da­mit so­gar ei­nen Preis ge­won­nen (sie­he hier).
  61. An­spie­lung auf La­cans For­mel „Eine Frau ist ein Sym­ptom ei­nes Man­nes“ (zu­erst in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  62. Nicht alle: La­can spielt hier auf die so­ge­nann­ten For­meln der Se­xu­ie­rung an, die er in den Se­mi­na­ren 18 bis 20 ent­wi­ckelt hat­te und in de­nen die Sei­te der Frau­en durch den Quan­tor „nicht-alle“ cha­rak­te­ri­siert wird (sie bil­den eine of­fe­ne Se­rie, kei­ne To­ta­li­tät). Von da­her meint „Sie sind nicht alle so“: Nicht alle Frau­en un­ter­lie­gen der phal­li­schen Funk­ti­on. „Näm­lich von da­her, dass man ihn hat“ = „näm­lich von da­her, dass man der phal­li­schen Funk­ti­on un­ter­liegt“.
  63. Ver­mut­lich im Sin­ne von: So­kra­tes war fas­zi­niert vom lo­gi­schen Wi­der­spruch in der Er­klä­rung von Grund­be­grif­fen, und er er­hasch­te die­ses Sym­ptom im Flug: beim an­de­ren im Ge­spräch.
  64. Im Dia­log The­ai­te­tos ver­gleich So­kra­tes sei­ne Art der Ge­sprächs­füh­rung mit der Heb­am­men­kunst.
  65. Auf­nah­me des Ti­tel-The­mas „Joy­ce das Sym­ptom“.
  66. du de­s­tin en force“: An­spie­lung auf Ver­dis Oper La for­za del de­sti­no, „Die Macht des Schick­sals“ (1862). La­can be­zieht sich auf die fol­gen­den Pas­sa­gen in Fin­ne­gans Wake (Fa­ber und Fa­ber, Lon­don 1939):
    S. 162: „(…) (the com­po­si­tor of the far­ce of dus­ti­ny howe­ver makes a thun­ple­drum mista­ke by let­ting off this pi­enof­ar­te ef­fect as his furst act as that is whe­re the juke co­mes in) (…).“
    S. 509: „He could claud boo­se his eyes to the birth of his gar­ce, he could lump all his lot through the half of her play, but he jest couldn’t laugh through the who­le of her far­ce be­corp­se he warn’t bil­led that way.“
    Auf S. 413 von Fin­ne­gans Wake fin­det man die For­mu­lie­rung „force of de­sti­ny“.
  67. An­spie­lung auf La­cans Auf­satz Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­ti­on der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit. Ein neu­es So­phis­ma (1945). Übers. v. Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J.L.: Schrif­ten III. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1980, S. 123–171.
    Die Hast die ist Zeit­lich­keit des Akts, der im­mer über­stürzt ist und ein­zig Ge­wiss­heit er­mög­licht.
  68. In der ers­ten Fas­sung die­ses Tex­tes, Joy­ce das Sym­ptom I, sagt La­can, dass er, als er sieb­zehn war, eine Le­sung von Joy­ce in der Buch­hand­lung Mon­nier ge­hört habe; vgl. hier.
  69. Rek­ti­on: Be­griff der Gram­ma­tik, der sich dar­auf be­zieht, dass ein Wort die gram­ma­ti­sche Form ei­nes an­de­ren Aus­druck be­stimmt (z.B. „ich sehe ihn“: das Verb „se­hen“ ver­langt den Ak­ku­sa­tiv, also „ihn“ statt z.B. „ihm“). Von la­tei­nisch „rec­tio“: Len­kung, Lei­tung, Re­gie­rung.
    Viel­leicht eine An­spie­lung auf eine Sze­ne im vier­ten Ka­pi­tel von Ulys­ses (Ca­lyp­so-Epi­so­de), in dem Bloom eine Zei­tung als Toi­let­ten­pa­pier ver­wen­det (vgl. Ulys­ses, Woll­schlä­ger-Über­set­zung, a.a.O., S. 9698).
    Zu „mett­re au jour“ (an den Tag brin­gen, of­fen­ba­ren, auf­de­cken): Joy­ce be­zeich­net Fin­ne­gans Wake auch als sein night­book, sein „Nacht­buch“.
  70. Lalan­gue: Neo­lo­gis­mus von La­can, aus „la lan­gue“ (die Spra­che). Lalan­gue ist die Mut­ter­spra­che, im Sin­ne von: die Spra­che, die die Mut­ter aus der Per­spek­ti­ve des klei­nen Kin­des spricht, mit Be­to­nung der auf dem Klang be­ru­hen­den Mehr­deu­tig­kei­ten. La­can ver­wen­det den Aus­druck zum ers­ten Mal am 4. No­vem­ber 1971, im ers­ten Vor­trag sei­ner Vor­trags­rei­he mit dem Ti­tel „Le sa­voir de l’analyste“ (Das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers) (vgl.: J. La­can: Ich spre­che zu den Wän­den. Tu­ria und Kant, Wien u. a. 2013, S. 18). Zu be­ach­ten ist, dass La­can hier von der „fran­zö­si­schen“ Lalan­gue spricht, er ver­wen­det den Aus­druck also nicht in Ab­gren­zung zu lan­ga­ge im Sin­ne der Na­tio­nal­spra­che.
    Das Sym­ptom, sagt Freud, er­mög­licht Trieb­be­frie­di­gung in Form ei­ner Er­satz­be­frie­di­gung (vgl. etwa: S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag Frank­furt am Main 2000, S. 191270, hier: 237).
  71. Aus­schluss des Sinns: An­spie­lung auf den Be­griff des Rea­len: Das Rea­le ist das, was vom Sinn aus­ge­sto­ßen ist, heißt es in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI (Sit­zung vom 11. März 1975).
  72. Ge­gen­satz von Ver­mu­tung und Wis­sen.
  73. Be­tro­ge­ner des Va­ters: An­spie­lung auf den Ti­tel von La­cans Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent (Die Nicht-Be­tro­ge­nen ir­ren), laut­gleich mit „Les noms du père“ (Die Na­men des Va­ters).
  74. La­can spielt hier dar­auf an, dass Edith Ro­cke­fel­ler Mc­Cor­mick Joy­ce an­ge­bo­ten hat­te, ihm eine Ana­ly­se bei C.G. Jung zu fi­nan­zie­ren, was Joy­ce aus­schlug (vgl. Ell­mann, a.a.O., S. 713 f.).
  75. Vgl. Co­let­te So­ler: L’inconscient réin­ven­té. Pres­ses uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pa­ris 2009, S. 66 f.
  76. Vgl. J. La­can: Das Spie­gel­sta­di­um als Bild­ner der Ich­funk­ti­on (1949). Über­setzt von Pe­ter Steh­lin. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 61–70, hier: S. 64 f. (für re­li­ef de sta­tu­re fin­det man in die­ser Über­set­zung „Re­li­ef in Le­bens­grö­ße“, sta­tue wird mit „Stand­bild“ über­setzt).
  77. Vgl. So­ler, a.a.O., S. 67.
  78. La­can: „Von da­her brin­ge ich vor, daß das mond­lan­den­de LEM, also die als Ap­pa­rat rea­li­siert For­mel New­tons, da­von zeugt, daß das Tra­jekt, das es ohne Aus­ga­be dort­hin ge­tra­gen hat, un­ser Pro­dukt ist, oder auch: Her­ren­wis­sen.“ (J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1988, S. 554, hier: S. 26)

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