Das Sinthom

Jacques Lacan: Joyce das Symptom II (Audioaufnahme und Übersetzung)

Esacbeaux2Schemel/Stehleiter: 1. mit Stufen; 2. aus dem 14. Jh.; 3. gewöhnlicher Schemel; 4. Trittleiter; 5. Stuhl-Stehleiter
Larousse Universel 1922

Vincent Platini

Vincent Platini im Tonstudio

Dritte Version vom 3. Oktober 2016:
Ab jetzt kann man sich in diesem Artikel Lacans Joyce le symptôme II auf Französisch anhören (unter „Audioaufnahme“). Vincent Platini hat Lacans Text gelesen und Martin Lutz hat uns für die Aufnahme sein Tonstudio im Funkhaus Nalepastraße zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank an Vincent, an Martin Lutz und an Corinna Sigmund, die es eingefädelt hat!

Zweite Version vom 15. Juli 2016 (die erste Version wurde am 17. November 2015 veröffentlicht).
Für diese zweite Fassung haben Vincent Platini und Corinna Sigmund die erste Fassung mit mir vollständig durchgesehen; fast jeder Satz wurde geändert.

Im Folgenden findet man meine Übersetzung von Lacans Aufsatz Joyce le Symptôme II. Dies ist die erste veröffentlichte deutsche Übersetzung.

Vorbemerkung zur Übersetzung

Lacans Text Joyce le Symptôme gibt es in zwei Versionen:
– als Mitschrift eines Vortrags von Lacan im Jahre 1975: Joyce le Symptôme I,

– als von Lacan für den Druck überarbeitete Fassung, die 1979 veröffentlicht wurde: Joyce le Symptôme II. Für den Druck hat Lacan den Text völlig neu geschrieben, die beiden Versionen haben keinen Satz gemeinsam. Wann genau Lacan diese zweite Version verfasst hat, ist nicht bekannt, vermutlich während des Sinthom-Seminars (1975/76) oder danach, also zwischen 1976 und 1979.

Im Folgenden findet man eine Übersetzung der Druckfassung, also von Joyce le Symptôme II, auf der Grundlage des Abdrucks in den Autres écrits.1

Bei der Übersetzung habe ich Anregungen eines Seminars der pli-Gruppe verarbeitet, das am 24. Oktober 2015 in Berlin stattfand. Hilfreich war die dort vorgelegte Übersetzung der ersten zwei Drittel von Joyce le Symptôme II, angefertigt von Britta Günther und Tobias Mulot.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott, Eva Maria Jobst, Vincent Platini und Corinna Sigmund fürs Durcharbeiten der Übersetzung und an Arndt Himmelreich, Eva Maria Jobst und Mai Wegener für zahlreiche Hinweise zum Verständnis des Textes.

Ich bringe den Text von Joyce das Symptom II doppelt, zunächst nur auf deutsch, dann als Interlinearübersetzung, ein Satz französisch, ein Satz deutsch. Die französisch-deutsche Fassung enthält Hinweisen zu Mehrdeutigkeiten und, unsystematisch, einige erläuternde Anmerkungen.

Nach dem Vorbild von Joyce in Finnegans Wake bedient sich Lacan in Joyce das Symptom II häufig einer phonetisierenden Schreibweise. Der Sinn dieser Passagen erschließt sich am ehesten bei lautem Lesen; durch das Hin und Her zwischen dem Gesprochenen und dem Geschriebenen ergeben sich die Äquivokationen, auf die Lacan abzielt. Ich habe nicht versucht, für diese phonetisierenden Neologismen deutsche Entsprechungen zu finden (in wenigen Fällen boten sie sich problemlos an). Stattdessen habe ich die Mehrdeutigkeiten der joycianisierenden Ausdrücke in Listenform aufgeführt und zu den französischen Sätzen hinzugefügt. In der Übersetzung habe ich versucht, eine wichtige Ebene der Bedeutung zu treffen.

Das Schema der Interlinearübersetzung ist:
(1) Französischer Satz. Hier verweisen Zahlen in eckigen Klammern auf die Seitenzahlen der Veröffentlichung von Joyce le Symptôme II in Lacans Autres écrits (Seuil, Paris 2001). „[565]“ meint: hier beginnt S. 565 der Autres écrits.
(2) Hinweise zum französischen Vokabular, vor allem Aufschlüsselung von Mehrdeutigkeiten. „(NP)“ meint: „Neologismus mit phonetischer Schreibweise“.
(3) Deutscher Satz, also die Übersetzung.
(4) Fußnoten mit einigen Erläuterungen zum Text.

Vorschläge zur Verbesserung der Übersetzung sind willkommen!

Dieser Text gehört in den Umkreis des Kommentars zu Lacans Seminar 23, „Das Sinthom lesen“, den ich in diesem Blog zu veröffentlichen begonnen habe (einen Überblick findet man hier), und der sich auf die laufenden Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin zu diesem Seminar stützt.

Eine Übersetzung von Joyce le Symptôme I findet man in diesem Blog hier, einen Kommentar zu Joyce le Symptom I hier.

Rolf Nemitz

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Jacques Lacan: Joyce das Symptom II

Audioaufnahme französisch.

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Jacques Lacan, Joyce le symptôme II (1979), gelesen von Vincent Platini

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Deutsch

[Einschübe in runden Klammern sind von Lacan, Einschübe in eckigen Klammern vom Übersetzer.]

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift – etwa [565] – verweisen auf die Seiten der Ausgabe in den Autres écrits.

[Warnung des Übersetzers: Die folgende Übersetzung gibt einen stark vereinfachten Eindruck von Lacans Aufsatz. Die französische Fassung wimmelt von Mehrdeutigkeiten, fast alle habe ich getilgt. Die französisch-deutsche Version der Übersetzung ermöglicht einen Zugang zu den hier plattgemachten Äquivokationen. RN]

Joyce das Symptom, zu verstehen wie Jesus-die-Wachtel: das ist sein Name. Konnte man von mir etwas anderes erwarten: ich benenne. Dass das nach einem jungen Mann/Menschen aussieht, ist eine Auswirkung, aus der ich nur eins herausgreifen will. Nämlich dass wir Menschen sind.

LOM / der Mensch – im Französischen sagt das eben das, was es bedeutet. Es genügt, es phonetisch zu schreiben, das faunetisiert es (Faun), nach seinem Maße: das Obszene. Schreiben Sie das: „eaub-“, um daran zu erinnern, dass das Schöne, le beau, nichts anderes ist. Hält sich da für schön (hissecroibeau), zu schreiben wie „ist das ein schöner Fall“ (hessecasbeau), ohne den es keinen Köder gibt, der – ding! – des Dings des Namens des Menschen würdig ist. LOM / der Mensch predigt beständig sich selbst. Mach dich nass, sagt man ihm, das muss sein: denn ohne Nassmachen keine Stehleiter.

LOM, der Basismensch, der Mensch, der einen Körper hat und davon nur einen hat. Muss man so sagen: er hattein, und nicht: er istein (im Körper Eingehauster). Was ihn kennzeichnet, ist das Haben, nicht das Sein. Es gibt etwas von Bellen in dem „Was hast du?“, womit er sich befragt, fiktiv, ob er die Antwort immer hat. Ich habe es, das ist sein einziges Sein. Was durch den  S…stall hervorgerufen wird, den sogenannten epistemischen, wenn er sich daran macht, die Welt zu erschüttern, ist dies, dem Sein den Vorrang vor dem Haben zu geben, wohingegen das Wahre darin besteht, dass LOM / der Mensch hat, am Anfang. Warum? Das spürt man, und einmal gespürt, lässt es sich beweisen.

Er hat (sogar seinen Körper), und zwar deshalb, weil er gleichzeitig drei, nennen wir es, Ordnungen angehört. Womit die Tatsache bezeugt wird, dass er quasselt, um sich heftig mit der Sphäre zu beschäftigen, aus der man sich eine Stehleiter machen kann.

Ich sage das, um ihn fertig zu machen / um mir eine daraus zu machen, und zwar deshalb, um von daher die Sphäre stürzen zu lassen, die in ihrem Höchsten Stehleitersein bislang nicht zu entthronen ist. Deshalb beweise ich, dass das S.K.beau / die Stehleiter primär ist, da sie der Produktion der Sphäre präsidiert.

Das S.K.beau / die Stehleiter ist das, wodurch beim Menschen die Tatsache bedingt wird, dass er vom Sein lebt (= dass er das Sein leert), in dem Maße, wie er hat, wie er seinen Körper hat – im Übrigen hat er ihn nur von daher. Deshalb mein Ausdruck „parlêtre“, Sprechwesen/Sprech-Sein, der sich an die Stelle von Freuds ICS/UBW setzen soll (Unbewusstes, so zu lesen): hau da endlich ab, also ich will dahin. Um zu sagen, das Unbewusste bei Freud, als er es entdeckt (entdeckt wird etwas mit einem Schlag, nach der Erfindung muss man noch die Bestandsaufnahme machen), das Unbewusste ist ein Wissen, insofern es Gesprochenes ist, als etwas, was für LOM / für den Menschen konstitutiv ist. Wobei sich das Sprechen wohlgemerkt dadurch definiert, dass es der einzige Ort ist, an dem das Sein einen Sinn hat. Wobei der Sinn von Sein der ist, dem Haben vorzustehen, womit das epistemische Gestammel entschuldigt wird.

Das Wichtige – von welchem, wie man sagt, „Gesichts“-Punkt aus ist das zu diskutieren? –, was also wichtig ist, ohne zu präzisieren, von wo aus, das ist dies, sich klarzumachen, dass ein LOM / ein Mensch einen Körper hat, und dass der Ausdruck richtig bleibt, auch wenn LOM / der Mensch daraus abgeleitet hat, dass er eine Seele ist – womit er wohlgemerkt „angesichts“ seiner Schielerei übersetzt hat, dass er auch sie, diese Seele, hat.

Haben, das ist, etwas damit machen können. Unter anderem, unter anderen sogenannten möglichen Nicht-Visionen immer suspendiert werden zu „können“. Dabei ist die einzige Definition des Möglichen die, dass es auch nicht „statthaben“ kann, was man jedoch vom entgegengesetzten Ende her auffasst, angesichts der allgemeinen Verkehrung dessen, was man das Denken nennt.

Aristoteles, der im Gegensatz zu Bacon kein Trottel war, schreibt, dass der Mensch mit seiner Seele denkt. Wo­mit be­wie­sen wäre, dass LOM / der Mensch sie hat, auch sie, womit Aris­to­te­les νους [nous] über­setzt. Ich aber, ich begnüge mich damit, zu sagen: Knoten, weniger Getöse. Knoten von was mit was, ich sage es nicht, da ich es nicht weiß, aber ich mache mir zu Nutze, dass LOM / der Mensch, seit er in der Welt ist, nicht aufhören kann, Trinitarisches zu schreiben. Ohne dass die Vorliebe von Victor Cousin für die Dreifalt hierzu etwas beiträgt, aber warum nicht, wenn er mag, denn der Sinn ist hier jedenfalls drei – ich meine: der bon sens, der gesunde Menschenverstand / der richtige Sinn.

Um ihn nicht zu verlieren, diesen Sinnsprung, habe ich soeben geäußert, dass man festhalten muss, dass der Mensch einen Körper hat, nämlich dass er mit seinem Körper spricht, anders gesagt, dass er von Natur aus spricht. Auf diese Weise aufgetaucht, als Gipfel der Kunst, denaturiert er sich im selben Zug, wodurch er das Natürliche zum Ziel macht, zum Ziel der Kunst, so wie er es sich naiv vorstellt. Das Unglück ist, dass gerade dies sein Natürliches ist – nicht erstaunlich, dass er nur als Symptom daran rührt. Joyce-das-Symptom, Joyce le symptôme, treibt die Dinge seines Kunstgriffs bis zu dem Punkt, dass man sich fragt, ob er nicht der Heilige ist, le saint homme, so dass das p von symptôme nicht mehr explodiert. Gott sei Dank – denn ihm schuldet man es, nämlich diesem Willen, den man ihm unterstellt (von daher, dass man in seinem Herzen weiß, dass er nicht ex-sistiert) –, Joyce ist kein Heiliger. Dafür genießt er zu sehr das S.K.beau / die Stehleiter – was seine Kunst angeht, ist er trunken vor Stolz.

Um die Wahrheit zu sagen, einen Heiligen an sich gibt es nicht, es gibt nur das Begehren, davon das auszufeilen, was man den Weg nennt, den kanonischen Weg. Von daher verfällt man gelegentlich auf die Kanonisierung der Kirche, die sich damit ein wenig auskennt, sodass sie sich darin wiedererkennt, die sich aber in allen anderen Fällen gewaltig täuscht. Denn es gibt, dem Willen der Heiligen zum Trotz, keinen kanonischen Weg, der zur Heiligkeit führt, keinen Weg, der sie spezifiziert, der aus den Heiligen eine Spezies macht. Es gibt nur die scabeaustration, aber die Kastration durch das escabeau / die Stehleiter wird nur durch die Eskapade erreicht. Einen Heiligen gibt es nur, wenn man keiner sein will, wenn man auf sie verzichtet, auf die Heiligkeit.

Das ist das, was Joyce einzig als Gipfel der Kunst beibehält, als ihr Hauptstück: denn aus der Kunst lässt er das Haupt auftauchen, in diesem Bloom, der sich entfremdet, um seine Farcen aus Flower und aus Henry zu machen (wie der Henry von nebenan, der Henry für die Damen). Wenn tatsächlich nur besagte Damen darüber lachen, beweist eben dies, dass Bloom ein Heiliger ist. Dass der Heilige darüber lacht, das sagt alles. Bloom wird nach seinem Tod gut riechen, auch wenn er über den Friedhof nicht lacht. Denn da ist sein Bestimmungsort, den er beschissen und verbitternd findet, wohlwissend, dass er nichts daran ändern kann.

Joyce aber wollte nichts haben außer dem escabeau /der Stehleiter des meisterhaften Sprechens, und das ist hinreichend dafür, dass er kein ganz einfacher Heiliger ist, kein saint homme, sondern das ptypisierte Symptom.

Wenn er sich über den Bloom seiner Phantasie lustig macht, dann deshalb, um zu beweisen, dass, wenn er derart mit Anzeigen herumlöffelt, das, was er schließlich hat – da es auf diese Weise erlangt wird –, nicht viel wert ist.

Wenn er sogar seinen Körper zu billig macht, beweist er, dass „LOM / der Mensch hat einen Körper“ nichts besagt, wenn er nicht alle anderen dafür den Zehnten zahlen lässt.

Ein Weg, der von den Bettelmönchen gebahnt worden ist: Sie überlassen sich der öffentlichen Wohltätigkeit, die für ihre Subsistenz zahlen muss. Wobei allerdings bleibt, dass LOM (L. O. M. geschrieben) seinen Körper hat, für den gesorgt werden muss, der unter anderem zu bekleiden ist. Der hoffnungslose Versuch, den die Gesellschaft macht, damit LOM / der Mensch nicht nur einen Körper hat, steht auf einem anderen Blatt: sicherlich dem Scheitern geweiht, und auch dazu, offensichtlich zu machen, dass, wenn er einhat, er keinen weiteren hat, obwohl er qua Sprechwesen über einen anderen verfügt, ohne dass es ihm gelingt, ihn sich zu eigen zu machen.

Was ihm gar nicht in den Sinn käme, so ist anzunehmen, wenn er dieser Körper, den er hat, wirklich wäre. Das läuft nur auf die alberne Theorie hinaus, die die Realität des Körpers nicht in die Idee legen will, durch die er gemacht wird. Eine, wie man weiß, aristotelische Litanei. Welche Erfahrung – man bringt sich fast um, um sich das vorzustellen – hat ihn bloß daran hindern können, zu platonisieren, d.h. wie jedermann dem Tod zu trotzen, durch die Annahme, die Idee genüge, um ihn zu reproduzieren, diesen Körper. „Mit ihm zig Hosen“, fragt Molly Bloom, in deren Reichweite das umso weniger gelangt war, als sie bereits da war, ohne es sich zu sagen. Wie so viele Dinge, an die man glaubt, ohne an ihnen zu kleben: die escabeaux des Reservats / die Reservestehleitern, ein Vorrat, aus dem jeder schöpft.

Dass es einen Menschen gegeben hat, der davon geträumt hat, diesen Vorrat / dieses Reservat ganz durchzugehen und vom escabeau / von der Stehleiter die allgemeine Formel zu liefern, das ist eben das, was ich „Joyce das Symptom“ nenne. Denn diese Formel hat er nicht gefunden, da er nicht die geringste Vermutung darüber hatte. Sie lag jedoch bereits überall herum, in Gestalt dieses ICS / dieses UBW, das ich vom Sprechwesen festhalte.

Joyce, durch seinen Namen prädestiniert, überließ den Platz Freud, bei dem es nicht weniger mitklang. Es braucht die Leidenschaft eines Ellmann, um von daher ein Kreuz über Freud zu schlagen: pace tua [mit Ihrem Einverständnis] werde ich Ihnen die Seite nicht angeben, denn mich drängt die Zeit. Bei Joyce ist die Funktion der Hast manifest. Was er davon nicht sieht, ist die Logik, die von ihr bestimmt wird.

Seine Verdienste, sie angemessen nachzuzeichnen, sind umso größer, als einzig aus seiner Kunst gemacht ist, dass ein Kunstgegenstand wie Ulysses ein Wurf der Kunst auf das Obszöne der Logik selbst ist; das lässt sich dadurch lesen, dass sie das Unbewusste nicht abpaust, sondern davon das Modell abgibt, indem sie tempèriert, indem sie den Vater der Zeit macht, den ballischen Floom, den Xinbad den Phtarin, worauf der Symdbad des Symdptoms hinausläuft, oder in Stephens Deedalus anerkennt Joyce sich den notwendigen Sohn, das, was nicht aufhört, sich zu schreiben, von daher, dass er sich – ohne dass er sich für schön hält – vom Hamlet-Hystörchen her begreift, die hysterisiert ist in seinem Gehörnten Heiligen Vater – durch das Ohr vergiftet, Zeugma, sowie durch sein Symptom der Frau –, ohne dass er mehr tun könnte, als in Claudius das Seitensprung-Symptom zu töten, um den Platz dem Ersatz zu überlassen, der, in Fortinbras, den Vater auf ewig umarmt.

Joyce lehnt ab, dass sich etwas in dem ereignet, was, wie man annimmt, von der  Geschichte der Historiker zum Gegenstand genommen wird.

Er hat recht, da die Geschichte nicht mehr ist als eine Flucht, von der immer nur der Exodus erzählt wird. Durch sein Exil belegt er die Ernsthaftigkeit seines Urteils. An der Geschichte haben nur die Deportierten teil – da der Mensch einen Körper hat, hat man ihn durch den Körper. Kehrseite des Habeas Corpus.

Lesen Sie die Geschichte wieder: das ist alles, was da in Wahrheit zu lesen ist. Diejenigen, die glauben, im Durcheinander der Geschichte etwas zu bewirken, sind gleichfalls Deplatzierte, in einem Exil, das sicherlich freiwillig ist, das sie jedoch blendet, da sie sich ein escabeau / eine Stehleiter daraus machen.

Joyce ist der erste, der gut zum Verschwindeln zu bringen weiß, da er das escabeau / die Stehleiter zum Grad der logischen Konsistenz erhoben hat, wo er sie aufrechterhält, auf kunststolze Weise, ich habe es eben gesagt.

Überlassen wir das Symptom dem, was es ist: ein Körperereignis, gebunden an dies: man hat es, man hat es aus der Luft / vom Lied, man lässt es horsten, von daher hat man es. Gelegentlich wird’s gesungen, und Joyce versagt sich das nicht.

So können Individuen, die Aristoteles für Körper hält, selbst nichts als Symptome im Verhältnis zu anderen Körpern sein. Eine Frau zum Beispiel ist Symptom eines anderen Körpers.

Wenn das nicht der Fall ist, bleibt sie ein sogenanntes hysterisches Symptom, womit man sagen will: ein letztes. Nämlich paradoxerweise, dass sie nur an einem anderen Symptom interessiert ist – es nimmt also nur die vorletzte Stelle ein und ist überdies nicht Vorrecht einer Frau, obgleich man versteht, von woher sie sich symptomatisiert, wenn man das Schicksal des LOM / des Mannes als Sprechwesen zu ermessen versteht. Ausgehend von Hysterikerinnen, von hysterischen Symptomen von Frauen (sicherlich nicht alle so, weil sie ja von daher, nicht alle (so) zu sein, als diejenigen notiert werden, Frauen beim LOM / beim Mann zu sein, nämlich von daher, dass man ihn hat), ausgehend von hysterischen Symptomen hat die Psychoanalyse in der Erfahrung Fuß fassen können.

Nicht ohne sogleich zu erkennen, dass jedermann hierauf Recht hat. Nicht nur Recht, sondern Überlegenheit, offenkundig gemacht durch Sokrates, zu einer Zeit, als LOM commun / der gemeine Mann sich noch nicht, und mit Grund, auf Kanonenfutter reduzierte, auch wenn er von der Deportation von Körper und Symptom bereits erfasst war. Sokrates, ein perfekter Hysteriker, war von genau einem Symptom fasziniert, beim anderen im Fluge erhascht. Das hat ihn dazu gebracht, eine Art Vorform von Analyse zu praktizieren. Hätte er Geld dafür verlangt, statt mit denjenigen zu verkehren, denen er Geburtshilfe leistete, was wäre das für ein Analytiker gewesen, freudianisch avant la lettre. Ein Genie, oder?

Das hysterische Symptom, ich fasse zusammen, ist das Symptom für LOM / für den Menschen, am Symptom des anderen als solchem beteiligt zu sein – die Beziehung von Körper zu Körper ist dafür nicht erforderlich. Der Fall Sokrates bestätigt das auf exemplarische Weise.

Verzeihen Sie, all dies ist nur dazu da, um etwas über Joyce genauer zu bestimmen, über seinen Platz.

Joyce hält sich hierbei nur insofern als Frau, als er sich als Symptom voll entfaltet. Eine gut ausgerichtete Idee, wenn auch auf ihrem Höhepunkt gescheitert. Ich möchte sagen, es ist Symptomatologie. Das hieße zu vermeiden, ihn mit dem Namen zu nennen, der auf seinen Wunsch antwortet, den er in Finnegans Wake, Seite 162 (und 509), als eine Tour de Farce bezeichnet, wo er ihn zutreffend als List des Schicksals an der Macht bezeichnet, was er von Verdi nahm, bevor man ihn uns gegenüber durchsetzt.

Dass Joyce es genossen hat, Finnegans Wake zu schreiben, das spürt man. Dass er es veröffentlicht hat – dies verdanke ich dem, dass man mich darauf aufmerksam gemacht hat –, macht einen perplex, insofern es jede Literatur auflaufen lässt. Sie aufzuwecken, heißt wohl zu unterschreiben, dass er ihr Ende wollte. Er schneidet dem Traum den Atem ab, dem Traum, der sich wohl noch eine Zeitlang hinziehen wird. So lange, bis man begreift, dass er nur von der Funktion der Hast in der Logik abhängt. Ein Punkt, den ich hervorgehoben habe, sicherlich deshalb, weil nach Joyce – den ich mit zwanzig Jahren kennengelernt habe – etwas durchzustoßen ist in dem Toilettenpapier, auf dem die Buchstaben sich abzeichnen, wenn man sich darum bemüht, für die Rektion des Körpers zu kritzeln, für die Korporektionen, worüber er das letzte bekannte anständige Wort sagt, der aufgedeckte Sinn des literarischen Symptoms, das schließlich aufgekocht worden ist. Nun ist die Spitze des Unbegreiflichen hier die Stehleiter, als deren Herr man sich zeigt. Ich bin hinreichend Herr von Lalangue, der französischen, wie man sagt, um hier selbst zu etwas gekommen zu sein, was fasziniert, was das Genießen bezeugt, das dem Symptom eigen ist. Undurchsichtiges Genießen, den Sinn auszuschließen.

Vermutet hat man es seit langem. Post-joycianisch zu sein, heißt, es zu wissen. Ein Erwachen gibt es nur durch eben dieses Genießen, das heißt dadurch abgewertet, dass die Analyse, die auf den Sinn zurückgreift, um es zu lösen, keine andere Chance hat, dies zu erreichen, als dadurch, dass sie sich zum Betrogenen macht – des Vaters, wie ich aufgezeigt habe.

Das Außergewöhnliche ist, dass Joyce es erreicht hat, zwar nicht ohne Freud (auch wenn es nicht genügt, dass er ihn gelesen hat), jedoch ohne die Erfahrung der Analyse gemacht zu haben (die ihn vielleicht mit einem flachen Ende getäuscht hätte).

Leiter zNeo Rauch, Mann auf der Stehleiter (2015), Neonlichtskulptur, 10 m hoch
Deutscher Bundestag, Berlin, Paul-Löbe-Haus, Spreeufer

Französisch/Deutsch

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift – etwa [565] – verweisen auf die Seiten der Ausgabe in den Autres écrits.

[565] Joyce le Symptôme à entendre comme Jésus la Caille : c’est son nom.

Joyce das Symptom, zu verstehen wie Jesus-die-Wachtel: das ist sein Name.2

 

Pouvait-on s’attendre à autre chose d’emmoi : je nomme.

– d’emmoi (NP): de moi (von mir) + émoi (Erregung)

Konnte man von mir etwas anderes erwarten: ich benenne.3

 

Que ça fasse jeune homme est une retombée d’où je ne veux retirer qu’une seule chose.

– „jeune homme“ ist fast lautgleich mit „je nomme“

Dass das nach einem jungen Mann/Menschen aussieht, ist eine Auswirkung, aus der ich nur eins herausgreifen will.4

 

C’est que nous sommes z’hommes. [Absatz]

– z’hommes: Das „s“ am Ende von „sommes“ ist normalerweise stumm, vor Vokalen oder vor apostrophiertem „h“ (wie in „hommes“) wird es mitgesprochen; phonetisch wird das als „z“ geschrieben: „sommes hommes“ wird [sɔmzɔm] gesprochen. Die phonetisierende Schreibung „z’hommes“ wendet sich gegen gegen die Aussprache ohne „z“, also [sɔm ɔm], die auch möglich ist, aber pathetisch klingt. Die Schreibung mit „z’h“ bringt das Phonem, den Buchstaben und die Apostrophierung ins Spiel.

Nämlich dass wir Menschen sind. [Absatz]

 

LOM : en français ça dit bien ce que ça veut dire.

– LOM (NP): (a) als Wort gesprochen lautgleich mit „l’homme“, (b) buchstabiert gelesen „El-O-Em“ = „Elohim“, im Französischen wie im Deutschen der Ausdruck für das hebräische Wort „Elohim“ (Gott)

LOM / der Mensch – im Französischen sagt das eben das, was es bedeutet.5

 

Il suffit de l’écrire phonétiquement : ça le faunétique (faun…), à sa mesure : l’eaubscène.

– faunétique (NP): phonétiquer (phonetisieren) + phonétique (Phonetik) + faune (Faun)

– l’eaubscène (NP): l’obscène (das Obszöne) + l’eau (das Wasser) + scène (Szene) + l’aube-scène (die Morgendämmerungsszene)

Es genügt, es phonetisch zu schreiben, das faunetisiert es (Faun), nach seinem Maße: das Obszene.6

 

Écrivez ça eaub… pour rappeler que le beau n’est pas autre chose.

– eaub (NP): eau (Wassser) + aube (Morgendämmerung)

Schreiben Sie das: „eaub-“, um daran zu erinnern, dass das Schöne, le beau, nichts anderes ist.7

 

Hissecroibeau à écrire comme l’hessecabeau sans lequel hihanappat qui soit ding! d’nom dhom.

– Hissecroibeau (NP): il se croit beau (er hält sich für schon) + y se croit beau (hält sich da für schön) + hisser (hochziehen, hissen)

– l’hessecabeau (NP): esse (lat. „sein“) + cas + beau (schön)+ est-ce cas beau? (ist das ein schöner Fall?) + est-ce cabot ? (ist das ein Wichtigtuer?)+ escabeau (Trittleiter, Stehleiter, Schemel)

– hihanappat (NP): y en n’a pas (es gibt nicht davon) + appât (Köder)+ hihan (i-a, Schrei des Esels)

– ding ! (NP): Ding (das deutsche Wort) + dingue (Verrückter) + der Klang „ding“ (onomatopoetisch)+ digne (würdig)

– dhom (NP): d’homme (des Menschen)

– ding! d’nom dhom: Anspielung auf „digue don don digue don daine“, lautmalerische Wendung in einigen Volksliedern

Hält sich da für schön (hissecroibeau), zu schreiben wie „ist das ein schöner Fall“ (hessecasbeau), ohne den es keinen Köder gibt, der – ding! – des Dings des Namens des Menschen würdig ist.8

 

LOM se lomellise à qui mieux mieux.

– lomellise (NP): l’homélie (Predigt) + lise (3. Pers. Sg. Subjunktiv von liser, lesen)

LOM / der Mensch predigt beständig sich selbst.

 

Überschwemmung, Traumdeutung

Traum der französischen Bonne[note]Abbildung aus: S. Freud: Die Traumdeutung (1900). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 2. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 362.[/note]

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Mouille, lui dit-on, faut le faire : car sans mouiller pas d’hessecabeau. [Absatz]

– mouille: von „mouiller“, nass machen, schwitzen

Mach dich nass, sagt man ihm, das muss sein: denn ohne Nassmachen keine Stehleiter.9 [Absatz]

 

LOM, LOM de base, LOM cahun corps et nan-na Kun.

L’homme de base: Militärischer Fachbegriff: in einer Truppe die Bezugsperson, an der die anderen sich orientieren, in der Regel der größte.

– LOM cahun (NP) corps: l’homme qu’a un corps (der Mensch, der einen Körper hat)

– cahun: lautgleich mit „cahin“ in „cahin caha“ (mühsam)

– et nan-na Kun (NP): et n’en a qu’un (und hat davon nur einen) + na (japanisches Kanji für „Name“) + kun (japanische Anrede für ein männliches Wesen, das jünger ist als der Sprecher oder gleichalt, oder für einen sehr guten Freund („alter Knabe“))

LOM, der Basismensch10, der Mensch, der einen Körper hat und davon nur einen hat.11

 

Faut le dire comme ça : il ahun … et non : il estun… (cor/niché).

– il ahun (NP): il a un (er hat einen)

– il estun (NP): il est un (er ist einer)

– cor/niché (NP): corps (Körper) + corniche (Felsvorsprung) + nicher (hausen, wohnen)

– il estun… (cor/niché): Anspielung auf „il est un cornichon“ (er ist ein Esel, wörtlich „er ist ein Gürkchen“)

Muss man so sagen: er hattein, und nicht: er istein (im Körper Eingehauster).  

 

C’est l’avoir et pas l’être qui le caractérise.

Was ihn kennzeichnet, ist das Haben, nicht das Sein.12

 

Il y a de l’avoiement dans le qu’as-tu? dont il s’interroge fictivement d’avoir la réponse toujours.

– l’avoiement (NP): aboiement (Bellen) + avoir + avouement (Eingeständnis) + vouvoiement (Siezen)

Es gibt etwas von Bellen in dem „Was hast du?“, womit er sich befragt, fiktiv, ob er die Antwort immer hat.13

 

J’ai ça, c’est son seul être.

Ich habe es, das ist sein einziges Sein.

 

Ce que fait le f…toir dit épistémique quand il se met à bousculer le monde, c’est de faire passer l’être avant l’avoir, alors que le vrai, c’est que LOM a, au principe.

– f…toir: foutoir (Saustall, Durcheinander)

Was durch den S…stall hervorgerufen wird, den sogenannten epistemischen, wenn er sich daran macht, die Welt zu erschüttern, ist dies, dem Sein den Vorrang vor dem Haben zu geben, wohingegen das Wahre darin besteht, dass LOM / der Mensch hat, am Anfang.

 

Pourquoi ?

Warum?

 

Ça se sent, et une fois senti, ça se démontre. [Absatz]

Das spürt man, und einmal gespürt, lässt es sich beweisen.14[Absatz]

 

Il a (même son corps) du fait qu’il appartient en même temps à trois… appelons ça, ordres.

Er hat (sogar seinen Körper), und zwar deshalb, weil er gleichzeitig drei, nennen wir es, Ordnungen angehört.15

 

En témoignant le fait qu’il jaspine pour s’affairer de la sphère dont se faire un escabeau. [Absatz]

– „s’affairer“ (sich stark mit etwa beschäftigen) ist lautähnlich mit „sphère“ (Sphäre, Kugel); „sphère“ enthält, als Lautfolge, „faire“

Womit die Tatsache bezeugt wird, dass er quasselt, um sich heftig mit der Sphäre zu beschäftigen, aus der man sich eine Stehleiter machen kann.16 [Absatz]

 

Je dis ça pour m’en faire un, et justement d’y faire déchoir la sphère, jusqu’ici indétrônable dans son suprême d’escabeau.

– pour m’en faire un: (a) um ihn fertig zu machen, (b) um mir einen daraus zu machen

– suprême d’escabeau: analog zu „suprême d’orange“ (Orangenfilet), „suprême de poisson“ (Fischfilet).

Ich sage das, um ihn fertig zu machen / um mir eine daraus zu machen, und zwar deshalb, um von daher die Sphäre stürzen zu lassen, die in ihrem Höchsten Stehleitersein bislang nicht zu entthronen ist.

 

Ce pourquoi je démontre que l’S.K.beau est premier parce qu’il préside à la production de sphère. [Absatz]

– Ce pourquoi: C’est pourquoi (aus diesem Grunde) + ce pour quoi (zu diesem Zweck)

– S.K.beau (NP): escabeau + S (vermutlich für signifiant, Signifikant) + beau (schön)

– premier, préside, production: dreimal „pr“; in „pourquoi“ und „parce“ gibt es einen ähnlichen Klang

Deshalb beweise ich, dass das S.K.beau / die Stehleiter primär ist, da sie der Produktion der Sphäre präsidiert.17 [Absatz]

 

L’S.K.beau c’est ce que conditionne chez l’homme le fait qu’il vit de l’être ( = qu’il vide l’être) autant qu’il a  son corps : il ne l’a d’ailleurs qu’à partir de là.

– „il vit de l’être“ (er lebt vom Sein) ist lautgleich mit „il vit de lettre“ (er lebt vom Buchstaben)

– „il vit de l’être“ (er lebt vom Sein) und „il vide l’être“ (er leert das Sein) sind lautgleich.

Das S.K.beau / die Stehleiter ist das, was beim Menschen durch die Tatsache bedingt wird, dass er vom Sein lebt (= dass er das Sein leert), in dem Maße, wie er hat, wie er seinen Körper hat – im Übrigen hat er ihn nur von daher.18

 

D’où mon expression de parlêtre qui se substituera à l’ICS de Freud (inconscient, qu’on lit ça) : pousse-toi | [566] de là que je m’y mette, donc.

– parlêtre (NP): parler (sprechen) + être (Sein, Wesen)

– ICS: Abkürzung von „inconscient“ (Unbewusstes), analog zur deutschen Abkürzung „Ubw“. Als Wort ausgesprochen, hört man „x“.

– inconcient, qu’on lit ça: (a) Unbewusstes, so zu lesen, (b) man liest es unbewusst

Deshalb mein Ausdruck „parlêtre“, Sprechwesen/Sprech-Sein19, der sich an die Stelle von Freuds ICS/UBW setzen soll (Unbewusstes, so zu lesen): hau da endlich ab, also ich will dahin.20

 

Pour dire que l’inconscient dans Freud quand il le découvre (ce qui se découvre c’est d’un seul coup, encore faut-il après l’invention faire l’inventaire), l’inconscient c’est un savoir en tant que parlé comme constituant de LOM.

– „découvre“ (entdecken) enthält (gesprochen „coup“ (Schlag)

– inconscient, invention, inventaire, inconscient: viermal „in-“. Das „in“ wird im Französischen häufig wie das „un“ ausgesprochen (siehe etwa hier).

Um zu sagen, das Unbewusste bei Freud, als er es entdeckt (entdeckt wird etwas mit einem Schlag, nach der Erfindung muss man noch die Bestandsaufnahme machen), das Unbewusste ist ein Wissen, insofern es gesprochen wird, als etwas, was für LOM / für den Menschen konstitutiv ist.21

 

La parole bien entendu se définissant d’être le seul lieu, où l’être ait un sens.

– „l’être ait un sens“ (das Sein hat einen Sinn) ist lautgleich mit „l’être est un sens“ (das Sein ist ein Sinn)

Wobei sich das Sprechen wohlgemerkt dadurch definiert, dass es der einzige Ort ist, an dem das Sein einen Sinn hat.22

 

Le sens de l’être étant de présider à l’avoir, ce qui excuse le bafouillage épistémique. [Absatz]

Wobei der Sinn von Sein der ist, dem Haben vorzustehen, womit das epistemische Gestammel entschuldigt wird.23 [Absatz]

 

L’important, de quel point  il est dit « de vue », c’est à discuter? ce qui importe donc sans préciser d’où, c’est de se rendre compte que de LOM a un corps  et que l’expression reste correcte,  bien que de là LOM ait déduit qu’il était une âme  ce que, bien entendu, « vu » sa biglerie, il a traduit de ce que cette âme, elle aussi, il l’avait. [Absatz]

Das Wichtige – von welchem, wie man sagt, „Gesichts“-Punkt aus ist das zu diskutieren? –, was also wichtig ist, ohne zu präzisieren, von wo aus, das ist dies, sich klarzumachen, dass ein LOM / ein Mensch einen Körper hat, und dass der Ausdruck richtig bleibt, auch wenn LOM / der Mensch daraus abgeleitet hat, dass er eine Seele ist – womit er wohlgemerkt „angesichts“ seiner Schielerei übersetzt hat, dass er auch sie, diese Seele, hat.24 [Absatz]

 

Avoir, c’est pouvoir faire quelque chose avec.

– Dieser Satz ist ein Alexandriner.

Haben, das ist, etwas damit machen können.25

 

Entre autres, entre autres avisions dites possibles de « pouvoir » toujours être suspendues.

– avision (NP): a (Negation) + vision (Sicht, Vision)

– „pouvoir“ (Macht, können) enthält „voir“ (sehen)

Unter anderem, unter anderen sogenannten möglichen Nicht-Visionen immer suspendiert werden zu „können“.26

 

La seule définition du possible étant qu’il puisse ne pas « avoir lieu » : ce qu’on prend par le bout contraire, vu l’inversion générale de ce qu’on appelle la pensée. [Absatz]

Dabei ist die einzige Definition des Möglichen die, dass es auch nicht „statthaben“ kann, was man jedoch vom entgegengesetzten Ende her auffasst, angesichts der allgemeinen Verkehrung dessen, was man das Denken nennt.27 [Absatz]

 

Aristote, Pacon contrairement au B de même rime, écrit que l’homme pense avec son âme.

– Pacon (NP): pas con (kein Trottel); Wortspiel mit pas con / Bacon

– Pacon contrairement: Anspielung auf „il est un peu con-con“ (er ist ein Dummerchen)

– con: Möse

– B de même rime: „B mit demselben Reim“ (wie Pacon), also Bacon (der Philosoph Francis Bacon)

Aristoteles, der im Gegensatz zu Bacon kein Trottel war, schreibt, dass der Mensch mit seiner Seele denkt.

 

En quoi se prouverait que LOM l’a, elle aussi, ce qu’Aristote traduit du νους.

Womit bewiesen wäre, dass LOM / der Mensch sie hat, auch sie, womit Aristoteles νους [nous] übersetzt.28

 

Je me contente moi de dire : nœud, moins de barouf.

– contente: enthält „con“, Möse

– nœud: „Knoten“, auch vulgär für „Eichel“ oder „Penis“

Ich aber, ich begnüge mich damit, zu sagen: Knoten, weniger Getöse.29

 

Nœud de quoi à quoi, je ne le dis pas, faute de le savoir, mais j’exploite que trinité, LOM ne peut cesser de l’écrire depuis qu’il s’immonde.

– trinité: „la Trinité“ ist die Dreifaltigkeit, hier ohne Artikel und kleingeschrieben

– il s‘immonde (NP): immonde (schmutzig) + monde (Welt) + s’y (sich hier)

Knoten von was mit was, ich sage es nicht, da ich es nicht weiß, aber ich mache mir zu Nutze, dass LOM / der Mensch, seit er in der Welt ist, nicht aufhören kann, Trinitarisches zu schreiben.30

 

Sans que la préférence de Victor Cousin pour la triplicité y ajoute : mais va pour, s’il veut, puisque le sens, là c’est trois ; le bon sens, entends-je. [Absatz]

– bon sens: (a) gesunder Menschenverstand, (b) richtiger Sinn

Ohne dass die Vorliebe von Victor Cousin für die Dreifalt hierzu etwas beiträgt, aber warum nicht, wenn er mag, denn der Sinn ist hier jedenfalls drei – ich meine: der bon sens, der gesunde Menschenverstand / der richtige Sinn.31 [Absatz]

 

C’est pour ne pas le perdre, ce bond du sens, que j’ai énoncé maintenant qu’il faut maintenir que l’homme ait un corps, soit qu’il parle avec son corps, autrement dit qu’il parlêtre de nature.

– bond du sens: bond du sens (Sprung des Sinns) + (lautgleich) bon du sens (Gute des Sinns, vgl. „bon sens“ im vorigen Satz)

– il parlêtre de nature: „il parle, être de nature“: er spricht von Natur aus; „il parle être de natur“: er spricht Sein von Natur aus

– maintenant, maintenir: zweimal „mainten-“, vielleicht in Anspielung auf „main“, Hand.

Um ihn nicht zu verlieren, diesen Sinnsprung, habe ich soeben geäußert, dass man festhalten muss, dass der Mensch einen Körper hat, nämlich dass er mit seinem Körper spricht, anders gesagt, dass er von Natur aus spricht.32

 

Ainsi surgi comme tête de l’art, il se dénature du même coup, moyennant quoi il prend pour but, pour but de l’art le naturel, tel qu’il l’imagine naïvement.

– tête de l’art: tête de l’art (Gipfel der Kunst) + tête de lard (Speckkopf). „Speckkopf“ ist eine Speise (Schweinekopf) und ein Schimpfwort für jemanden, der etwas engstirnig ist

Auf diese Weise aufgetaucht, als Gipfel der Kunst, denaturiert er sich im selben Zug, wodurch er das Natürliche zum Ziel macht, zum Ziel der Kunst, so wie er es sich naiv vorstellt.

 

Le malheur, c’est que c’est le sien de naturel : pas étonnant qu’il n’y touche qu’en tant que symptôme.

Das Unglück ist, dass gerade dies sein Natürliches ist – nicht erstaunlich, dass er nur als Symptom daran rührt.

 

Joyce le Symptôme pousse les choses de son artifice au point qu’on se demande s’il n’est pas le Saint, le saint homme à ne plus p’ter.

– artifice: Kunstgriff, von lateinisch „artificium“ (Geschicklichkeit, Kunstwerk, Handwerk, Trick)

– symptôme: aus griechisch „symptôma“, vom Verb „sympiptô“ (fällt zusammen) und „sym“ (zusammen) und „piptô“ (fällt)

– saint homme: „heiliger Mann“, lautähnlich mit „sinthome“ (alte Schreibweise für „symptôme“) und mit „Saint Thome“ (Heiliger Thom[as])

– p’ter: Anspielung auf péter (explodieren, furzen)

Joyce-das-Symptom, Joyce le symptôme, treibt die Dinge seines Kunstgriffs bis zu dem Punkt, dass man sich fragt, ob er nicht der Heilige ist, le saint homme, so dass das p von symptôme nicht mehr explodiert.33

 

Dieu merci car c’est à lui qu’on le doit, soit à ce vouloir qu’on lui suppose (de ce qu’on sait dans son cœur qu’il n’ex-siste pas) Joyce n’est pas un Saint.

– c’est à lui: auffällig ist, das „lui“, das sich hier auf Gott bezieht, hier nicht wie üblich großgeschrieben wird

Gott sei Dank – denn ihm schuldet man es, nämlich diesem Willen, den man ihm unterstellt (von daher, dass man in seinem Herzen weiß, dass er nicht ex-sistiert) –, Joyce ist kein Heiliger.34

 

Il joyce trop de l’S.K.beau pour ça, il a de son art art-gueil jusqu’à plus soif. [Absatz]

– joyce (NP): Verb „joycer“ (NP) aus „joy“ (engl. Freude) und „Joyce“; Anspielung auf „jouissance“ (Genießen); Anspielung auf das Verb „jouir“, genießen

– art-gueil (NP): art (Kunst) + orgeuil (Stolz)

– jusqu’à plus soif: Anspielung auf den Ausdruck „avoir qc jusqu’à plus soif“, über etwas verfügen (wörtlich: von etas so viel haben, dass man keinen Durst mehr hat); „soif“ (Durst) spielt auf das Genießen oder auf das Begehren an

Dafür genießt er zu sehr das S.K.beau /  die Stehleiter – was seine Kunst angeht, ist er trunken vor Stolz. [Absatz]

 

[567] A vrai dire il n’y a pas de Saint-en-soi, il n’y a que le désir d’en fignoler ce qu’on appelle la voie, voie canonique.

– „voie“ (Weg), gleichlautend mit „voix“ (Stimme)

– „voie canonique“, anklingend an „voix“ (Stimme) und „canon“ (Kanon; Kanone)

Um die Wahrheit zu sagen, einen Heiligen an sich gibt es nicht, es gibt nur das Begehren, dafür das auszufeilen, was man den Weg nennt, den kanonischen Weg.35

 

D’où l’on ptôme à l’occasion dans la canonisation de l’Église, qui en connaît un bout à ce qu’elle s’y reconique, mais qui se f… le doigt dans l’œil dans tous les autres cas.

– ptôme (NP): „symptôme“ beruht auf dem griechischen Wort „syn-piptô“, zusammen-treffen; „ptômer“ müsste also „treffen“ heißen.– „tomber dans qc“: in etwas hineinfallen

– reconique (NP): re (wieder) + con (Dummkopf) + conique (Kegelabschnitt) + reconnaissance (Wiedererkennen) + niquer (ficken)

– f…: „se fourrer le doigt dans l’œil“, wörtlich: „sich den Finger ins Auge stecken“: sich täuschen, sich Illusionen machen; die Auslassungspunkte verweisen auf „se foutre le doigt dans l’œil“ (dieselbe Bedeutung, wörtlich „sich den Finger ins Auge ficken“)

Von daher verfällt man gelegentlich auf die Kanonisierung der Kirche, die sich damit ein wenig auskennt, sodass sie sich darin wiedererkennt, die sich aber in allen anderen Fällen gewaltig täuscht.36

 

Car il n’y a pas de voie canonique pour la sainteté, malgré le vouloir des Saints, pas de voie qui les spécifie, qui fasse des Saints une espèce.

– „vouloir des Saints“ (Wille der Heiligen), lautgleich mit „vouloir décent“ (anständiger Wille)

– Zahlreiche Assonanzen auf „s“: „qui les scifie, qui fasse des Saints une esce“

Denn es gibt, dem Willen der Heiligen zum Trotz, keinen kanonischen Weg, der zur Heiligkeit führt, keinen Weg, der sie spezifiziert, der aus den Heiligen eine Spezies macht.37

 

Il n’y a que la scabeaustration ; mais la castration de l’escabeau ne s’accomplit que de l’escapade.

– scabeaustration (NP): escabeau (Schemel, Trittleiter, Stehleiter) + castration (Kastration) + claustration (Einsperrung, etwa in ein „cloître“, ein Kloster)

– escapade: Eskapade, Flucht, Seitensprung, im Gegensatz zu „claustration“ (Einsperrung)

Es gibt nur die scabeaustration, aber die Kastration durch das escabeau / die Stehleiter wird nur durch die Eskapade erreicht.38

 

Il n’y a de Saint qu’à ne pas vouloir l’être, qu’à la sainteté y renoncer. [Absatz]

Einen Heiligen gibt es nur, wenn man keiner sein will, wenn man auf sie verzichtet, auf die Heiligkeit. [Absatz]

 

C’est ce que Joyce maintient seulement comme tête de l’art : car c’est de l’art qu’il fait surgir la tête dans ce Bloom qui s’aliène pour faire ses farces de Flower et d’Henry (comme l’Henry du coin, l’Henry pour les dames).

– tête de l’art: wörtlich „Kopf der Kunst“, Gipfel der Kunst

– farce: (a) Posse, (b) Füllung

– l’Henry pour les dames: mit Spitznamen Henry

Das ist das, was Joyce einzig als Gipfel der Kunst beibehält, als ihr Hauptstück: denn aus der Kunst lässt er das Haupt auftauchen, in diesem Bloom, der sich entfremdet, um seine Farcen aus Flower und aus Henry zu machen (wie der Henry von nebenan, der Henry für die Damen).39

 

Si en fait il n’y a que lesdites dames à en rire, c’est bien ce qui prouve que Bloom est un saint.

– dames à en rire: spielt an auf „dames à Henry“

Wenn tatsächlich nur besagte Damen darüber lachen, beweist eben dies, dass Bloom ein Heiliger ist.

 

Que le saint en rie, ça dit tout.

– le saint en rie: le saint en rie (der Heilige lacht darüber) + le Saint Henry (der Heilige Henry)

Dass der Heilige darüber lacht, das sagt alles.40

 

Bloom embloomera après sa mort quoique du cimetière il ne rie pas.

– embloomera (NP): Verb „embloomer“ (NP) aus: em- (in, hinein) + Bloom + embaumer (mit Wohlgeruch erfüllen; einbalsamieren)

– du cimetière: (a) über den Friedhof, (b) vom Friedhof her

Bloom wird nach seinem Tod gut riechen, auch wenn er über den Friedhof nicht lacht.

 

Puisque c’est là sa destination, qu’il trouve amèredante, tout en sachant qu’il n’y peut rien. [Absatz]

– amèredante (NP): emmerdante (beschissen) + amère-dante (verbitternd) + Dante

Denn da ist sein Bestimmungsort, den er beschissen und verbitternd findet, wohlwissend, dass er nichts daran ändern kann. [Absatz]

 

Joyce, lui, voulait ne rien avoir, sauf l’escabeau du dire magistral, et ça suffit à ce qu’il ne soit pas un saint homme tout simple, mais le symptôme ptypé. [Absatz]

– „saint homme“ (heiliger Mann, Heiliger) und „symptôme“ sind lautgleich, bis auf das „p“ in „symptôme“; „simple“ wiederholt den Laut „saint“

– ptypé (NP): typer (charakterisieren) + p

Joyce aber wollte nichts haben außer dem escabeau / der Stehleiter des meisterhaften Sprechens, und das ist hinreichend dafür, dass er kein ganz einfacher Heiliger ist, kein saint homme, sondern das ptypisierte Symptom.41 [Absatz]

 

S’il Henrycane le Bloom de sa fantaisie, c’est pour démontrer qu’à s’affairer tellement de la spatule publicitaire, ce qu’il a enfin, de l’obtenir ainsi, ne vaut pas cher.

– Henrycane (NP): Henry + en ricaner (sich darüber lustig machen) + caner (Argot für „sterben“) + hurricane (das englische Wort für „Orkan“) + Henry Cane (der Geburtsname des Schriftstellers Herman Melville ist „Melville Henry Cane“)

Wenn er sich über den Bloom seiner Phantasie lustig macht, dann deshalb, um zu beweisen, dass, wenn er derart mit Anzeigen herumlöffelt, das, was er schließlich hat – da es auf diese Weise erlangt wird –, nicht viel wert ist.42

 

A faire trop bon marché de son corps même, il démontre que « LOM a un corps » ne veut rien dire, s’il n’en fait pas à tous les autres payer la dîme. [Absatz]

– faire marché de son corps: seinen Körper zu Markte tragen, sich prostituieren

– dîme: (a) der Zehnte, (b) nous dîmes (wir sagten), passé simple von „dire“

Wenn er sogar seinen Körper zu billig macht, beweist er, dass „LOM / der Mensch hat einen Körper“ nichts besagt, wenn er nicht alle anderen dafür den Zehnten zahlen lässt. 43  [Absatz]

 

Voie tracée par les Frères mendiants : ils s’en remettent à la charité publique qui doit payer leur subsistance.

Ein Weg, der von den Bettelmönchen gebahnt worden ist: Sie überlassen sich der öffentlichen Wohltätigkeit, die für ihre Subsistenz zahlen muss.44

 

N’en restant pas moins que LOM (écrit L.O.M.) ait son corps, à revêtir entre autres soins.

Wobei allerdings bleibt, dass LOM (L. O. M. geschrieben) seinen Körper hat, für den gesorgt werden muss, der unter anderem zu bekleiden ist.45

 

La tentative sans espoir que fait la société pour que LOM n’ait pas qu’un corps est sur un autre versant : vouée à l’échec bien sûr, à rendre patent que s’il en ahun, il n’en a aucun autre malgré que du fait de son parlêtre, il dispose de quelque autre, sans parvenir à le faire sien. [Absatz]

– ahun (NP): a un (hat einen)

Der hoffnungslose Versuch, den die Gesellschaft macht, damit LOM / der Mensch nicht nur einen Körper hat, steht auf einem anderen Blatt: sicherlich dem Scheitern geweiht, und auch dazu, offensichtlich zu machen, dass, wenn er einhat, er keinen weiteren hat, obwohl er qua Sprechwesen über einen anderen verfügt, ohne dass es ihm gelingt, ihn sich zu eigen zu machen.46 [Absatz]

 

A quoi il ne songerait pas, on le suppose, si ce corps qu’il a, vraiment il l’était.

Was ihm gar nicht in den Sinn käme, so ist anzunehmen, wenn er dieser Körper, den er hat, wirklich wäre.47

 

Ceci n’implique que la théorie bouffonne, qui ne veut pas mettre la réalité du corps dans l’idée qui le fait.

Das läuft nur auf die alberne Theorie hinaus, die die Realität des Körpers nicht in die Idee legen will, durch die er gemacht wird.48

 

Antienne, on le sait, aristotélienne.

Eine, wie man weiß, aristotelische Litanei.49

 

Quelle expérience, on se tue à l’imaginer, a pu là faire obstacle pour lui à ce qu’il platonise, c’est-à-dire défie la | [568] mort comme tout le monde en tenant que l’idée suffira ce corps à le reproduire.

Welche Erfahrung – man bringt sich fast um, um sich das vorzustellen – hat ihn bloß daran hindern können, zu platonisieren, d.h. wie jedermann dem Tod zu trotzen, durch die Annahme, die Idee genüge, um ihn zu reproduzieren, diesen Körper.

 

« Mes tempes si choses » interroge Molly Bloom à qui c’était d’autant moins venu à portée qu’elle y était déjà sans se le dire.

– mes tempes si choses: wörtlich „meine Schläfen so Dinge“, lautähnlich mit „métempsycose“ (Seelenwanderung); Anspielung auf „je me sent toute chose“ (ich fühle mich so lala)

„Mit ihm zig Hosen“, fragt Molly Bloom, in deren Reichweite das umso weniger gelangt war, als sie bereits da war, ohne es sich zu sagen.50

 

Comme des tas de choses à quoi on croit sans y adhérer : les escabeaux de la réserve où chacun puise. [Absatz]

– réserve: (a) Vorrat, Reserve, (b) Reservat

Wie so viele Dinge, an die man glaubt, ohne an ihnen zu kleben: die escabeaux des Reservats / die Reservestehleitern , ein Vorrat, aus dem jeder schöpft.51 [Absatz]

 

Qu’il y ait eu un homme pour songer à faire le tour de cette réserve et à donner de l’escabeau la formule générale, c’est là ce que j’appelle Joyce le Symptôme.

Dass es einen Menschen gegeben hat, der davon geträumt hat, diesen Vorrat / dieses Reservat ganz durchzugehen und vom escabeau / von der Stehleiter die allgemeine Formel zu liefern, das ist eben das, was ich „Joyce das Symptom“ nenne.52

 

Car cette formule, il ne l’a pas trouvée faute d’en avoir le moindre soupçon.

Denn diese Formel hat er nicht gefunden, da er nicht die geringste Vermutung darüber hatte.

 

Elle traînait pourtant déjà partout sous la forme de cet ICS que j’épingle du parlêtre. [Absatz]

Sie lag jedoch bereits überall herum, in Gestalt dieses ICS / dieses UBW, das ich vom Sprechwesen festhalte.53 [Absatz]

 

Joyce, prédestiné par son nom, laissait la place à Freud pas moins consonant.

Joyce, durch seinen Namen prädestiniert, überließ den Platz Freud, bei dem es nicht weniger mitklang.54

 

Il faut la passion d’Ellmann pour en faire croix sur Freud : pace tua, je ne vais pas vous dire la page, car le temps me pressantifie.

– faire un croix sur qc: froh sein etwas los zu sein (vgl. hier)

– pace tua: lateinisch „mit deinem Einverständnis“

– pressentifie (NP): pressentir (vorausahnen) + pressant (dringlich) + sanctifier (heiligen)

Es braucht die Leidenschaft eines Ellmann, um von daher ein Kreuz über Freud zu schlagen: pace tua [mit Ihrem Einverständnis] werde ich Ihnen die Seite nicht angeben, denn mich drängt die Zeit.55

 

La fonction de la hâte dans Joyce est manifeste.

Bei Joyce ist die Funktion der Hast manifest.

 

Ce qu’il n’en voit pas, c’est la logique qu’elle détermine. [Absatz]

Was er davon nicht sieht, ist die Logik, die von ihr bestimmt wird.56 [Absatz]

 

Il a d’autant plus de mérite à la dessiner conforme d’être seulement faite de son art qu’un eaube jeddard, comme Ulysse, soit un jet d’art sur l’eaube scène de la logique elle-même, ceci se lit à ce qu’elle calque non pas l’inconscient, mais en donne le modèle en tempspèrant, en faisant le père du temps, le Floom ballique, le Xinbad le Phtarin à quoi se résume le symdbad du symdptôme ou dans Stephens Deedalus Joyce se reconnaît le fils nécessaire, ce qui ne cesse pas de s’écrire de ce qu’il se conçoive, sans que pourtant hissecroiebeau, de l’hystoriette d’Hamlet, hystérisée dans son Saint-Père de Cocu empoisonné par l’oreille zeugma, et par son symptôme de femme, sans qu’il puisse faire plus que de tuer en Claudius l’escaptome pour laisser place à celui de rechange qui fort embrasse à père-ternité. [Absatz]

– eaube jeddard (NP): lautähnlich mit „objet d’art“ (Kunstgegenstand)+ eau (Wasser) + aube (Tagesanbruch)+ jet d’eau (Springbrunnen)

– l’eaube (NP) scène: lautähnlich mit „obscène“ (obszön); l’eau (das Wasser) + scène (Szene)

– tempspérant (NP): temps (Zeit) + tempérant (mäßigend) + espérant (hoffend) + père (Vater) + désespérant (verzweifelnd)+ le père du temps (der Vater der Zeit), anspielend auf „le temps perdu“ (die verlorene Zeit)

– Floom ballique: aus „Bloom phallique“ (phallischer Bloom) + balle (Ball)

– Xinbad le Phtarin: bei Joyce „Xinbad the Phtharin“, also mit „th“, vermutlich ein Schreibfehler

– symdbad (NP): Sindbad + sym-

– symdptôme (NP): Sindbad + symptôme

– Stephens: Hinzufügung von „s“ zu „Stephen“; warum?

– Deedalus: Dedalus + deed (englisch für „Tat“)

– fils: (a) Sohn, (b) Faden

– hissecroiebeau (NP): y se croit beau (sich hier schön glaubt) + escabeau (Schemel, Trittleiter, Stehleiter)

– hystoriette (NP): hysterie (Hysterie) + historiette (Histörchen)

– son symptôme de femmme : saint homme de femme – anspielend auf „bonne homme de femme“ (eine Frau wie ein Kerl)

– l’escaptome (NP): escapade (Seitensprung) + symptôme (Symptom)

– fort embrasse (NP): fort (stark) + embrasser (umarmen, küssen) + Fortinbras (Figur aus Hamlet)

– père-ternitè (NP): père (Vater) + éternité (Ewigkeit) + paternité (Vaterschaft)

Seine Verdienste, sie angemessen nachzuzeichnen, sind umso größer, als einzig aus seiner Kunst gemacht ist, dass ein Kunstgegenstand wie Ulysses ein Wurf der Kunst auf das Obszöne der Logik selbst ist; das lässt sich dadurch lesen, dass sie das Unbewusste nicht abpaust, sondern davon das Modell abgibt, indem sie tempèriert, indem sie den Vater der Zeit macht, den ballischen Floom, den Xinbad den Phtarin, worauf der Symdbad des Symdptoms hinausläuft, oder in Stephens Deedalus anerkennt Joyce sich den notwendigen Sohn, das, was nicht aufhört, sich zu schreiben, von daher, dass er sich – ohne dass er sich für schön hält – vom Hamlet-Hystörchen her begreift, die hysterisiert ist in seinem Gehörnten Heiligen Vater – durch das Ohr vergiftet, Zeugma, sowie durch sein Symptom der Frau –, ohne dass er mehr tun könnte, als in Claudius das Seitensprung-Symptom zu töten, um den Platz dem Ersatz zu überlassen, der, in Fortinbras, den Vater auf ewig umarmt.57 [Absatz]

 

Joyce se refuse à ce qu’il se passe quelque chose dans ce que l’histoire des historiens est censée prendre pour objet. [Absatz]

Joyce lehnt ab, dass sich etwas in dem ereignet, was, wie man annimmt, von der Geschichte der Historiker zum Gegenstand genommen wird. [Absatz]

 

Il a raison, l’histoire n’étant rien de plus qu’une fuite, dont ne se racontent que des exodes.

Er hat recht, da die Geschichte nicht mehr ist als eine Flucht, von der immer nur der Exodus erzählt wird.

 

Par son exil, il sanctionne le sérieux de son jugement.

Durch sein Exil belegt er die Ernsthaftigkeit seines Urteils.

 

Ne participent à l’histoire que les déportés : puisque l’homme a un corps, c’est par le corps qu’on l’a.

An der Geschichte haben nur die Deportierten teil – da der Mensch einen Körper hat, hat man ihn durch den Körper.

 

Envers de habeas corpus. [Absatz]

Kehrseite des Habeas Corpus.58 [Absatz]

 

Relisez l’histoire : c’est tout ce qui s’y lit de vrai.

Lesen Sie die Geschichte wieder: das ist alles, was da in Wahrheit zu lesen ist.

 

Ceux qui croient faire cause dans son remue-ménage sont eux aussi des déplacés sans doute d’un exil qu’ils ont délibéré, mais de s’en faire escabeau les aveugle. [Absatz]

Diejenigen, die glauben, im Durcheinander der Geschichte etwas zu bewirken, sind gleichfalls Deplatzierte, in einem Exil, das sicherlich freiwillig ist, das sie jedoch blendet, da sie sich ein escabeau / eine Stehleiter daraus machen. [Absatz]

 

[569] Joyce est le premier à savoir bien escaboter pour avoir porté l’escabeau au degré de consistance logique où il le maintient, artgueilleusement, je viens de le dire. [Absatz]

– escaboter (NP): escamoter (zum Verschwinden bringen) + escabeau (Schemel, Stehleiter)

– artgeuilleusement (NP): art (Kunst) + orgeuilleusement (auf stolze Weise)

Joyce ist der erste, der gut zum Verschwindeln zu bringen weiß, da er das escabeau / die Stehleiter zum Grad der logischen Konsistenz erhoben hat, wo er sie aufrechterhält, auf kunststolze Weise, ich habe es eben gesagt. [Absatz]

 

Laissons le symptôme à ce qu’il est : un événement de corps, lié à ce que : l’on l’a, l’on l’a de l’air, l’on l’aire, de l’on l’a.

– aire (als Verb): von „airer“, horsten (Substantiv „aire“: Bereich Bezirk, Horst)

Überlassen wir das Symptom dem, was es ist: ein Körperereignis, gebunden an dies: man hat es, man hat es aus der Luft / vom Lied, man lässt es horsten, von daher hat man es.59

 

Ça se chante à l’occasion et Joyce ne s’en prive pas. [Absatz]

Gelegentlich wird’s gesungen, und Joyce versagt sich das nicht.60 [Absatz]

 

Ainsi des individus qu’Aristote prend pour des corps, peuvent n’être rien que symptômes eux-mêmes relativement à d’autres corps.

So können Individuen, die Aristoteles für Körper hält, selbst nichts als Symptome im Verhältnis zu anderen Körpern sein.

 

Une femme par exemple, elle est symptôme d’un autre corps. [Absatz]

Eine Frau zum Beispiel ist Symptom eines anderen Körpers.61 [Absatz]

 

Si ce n’est pas le cas, elle reste symptôme dit hystérique, on veut dire par là dernier.

Wenn das nicht der Fall ist, bleibt sie ein sogenanntes hysterisches Symptom, womit man sagen will: ein letztes.

 

Soit paradoxalement que ne l’intéresse qu’un autre symptôme : il ne se range donc qu’avant dernier et n’est de plus pas privilège d’une femme quoiqu’on comprenne bien à mesurer le sort de LOM comme parlêtre, ce dont elle se symptomatise.

– symptomatiser (N): Verb, abgeleitet von „symptôme“

Nämlich paradoxerweise, dass sie nur an einem anderen Symptom interessiert ist – es nimmt also nur die vorletzte Stelle ein und ist überdies nicht Vorrecht einer Frau, obgleich man versteht, von woher sie sich symptomatisiert, man das Schicksal des LOM / des Mannes als Sprechwesen zu ermessen versteht.

 

C’est des hystériques, hystériques symptômes de femmes (pas toutes comme ça sans doute, puisque c’est de n’être pas toutes (comme ça), qu’elles sont notées d’être des femmes chez LOM, soit de l’on l’a), c’est des hystériques symptômes que l’analyse a pu prendre pied dans l’expérience. [Absatz]

Ausgehend von Hysterikerinnen, von hysterischen Symptomen von Frauen (sicherlich nicht alle so, weil sie ja von daher, nicht alle (so) zu sein, als diejenigen notiert werden, Frauen beim LOM / beim Mann zu sein, nämlich von daher, dass man ihn hat), ausgehend von hysterischen Symptomen hat die Psychoanalyse in der Erfahrung Fuß fassen können.62 [Absatz]

 

Non sans reconnaître d’emblée que toutom y a droit.

– toutom (NP): lautgleich mit „tout homme“ (jedermann, jeder) + totem (Totem)

Nicht ohne sogleich zu erkennen, dass jedermann hierauf Recht hat.

 

Non seulement droit mais supériorité, rendue évidente par Socrate en un temps où LOM commun ne se réduisait pas encore et pour cause, à de la chair à canon quoique déjà pris dans la déportation du corps et sympthomme.

– sympthomme (NP): symptôme + homme

Nicht nur Recht, sondern Überlegenheit, offenkundig gemacht durch Sokrates, zu einer Zeit, als LOM commun / der gemeine Mann sich noch nicht, und mit Grund, auf Kanonenfutter reduzierte, auch wenn er von der Deportation von Körper und Symptom bereits erfasst war.

 

Socrate, parfait hystérique, était fasciné du seul symptôme, saisi de l’autre au vol.

– au vol: wörtlich „im Fluge“; „vol“ heißt auch „Diebstahl“

Sokrates, perfekter Hysteriker, war von genau einem Symptom fasziniert, beim anderen im Fluge erhascht.63

 

Ceci le menait à pratiquer une sorte de préfiguration de l’analyse.

Das hat ihn dazu gebracht, eine Art Vorform von Analyse zu praktizieren.

 

Eût-il demandé de l’argent pour ça au lieu de frayer avec ceux qu’il accouchait que c’eût été un analyste, avant la lettre freudienne.

Hätte er Geld dafür verlangt, statt mit denjenigen zu verkehren, denen er Geburtshilfe leistete, was wäre das für ein Analytiker gewesen, freudianisch avant la lettre.64

 

Un génie quoi ! [Absatz]

Ein Genie, oder? [Absatz]

 

Le symptôme hystérique, je résume, c’est le symptôme pour LOM d’intéresser au symptôme de l’autre comme tel : ce qui n’exige pas le corps à corps.

– le corps à corps: wörtlich „das Körper an Körper“, der Nahkampf

Das hysterische Symptom, ich fasse zusammen, ist das Symptom für LOM / für den Menschen, am Symptom des anderen als solchem beteiligt zu sein – die Beziehung von Körper zu Körper ist dafür nicht erforderlich.

 

Le cas de Socrate le confirme, exemplairement. [Absatz]

Der Fall Sokrates bestätigt das auf exemplarische Weise. [Absatz]

 

Pardon tout ça n’est que pour spécifier de Joyce de sa place. [Absatz]

Verzeihen Sie, all dies ist nur dazu da, um etwas über Joyce genauer zu bestimmen, über seinen Platz. [Absatz]

 

Joyce ne se tient pour femme à l’occasion que de s’accomplir en tant que symptôme.

Joyce hält sich hierbei nur insofern für eine Frau, als er sich als Symptom voll entfaltet.65

 

Idée bien orientée quoique ratée dans sa chute.

Eine gut ausgerichtete Idee, wenn auch auf ihrem Höhepunkt gescheitert.

 

Dirai-je qu’il est symptomatologie.

Ich möchte sagen, es ist Symptomatologie.

 

Ce serait éviter de l’appeler par le nom qui répond à son vœu, ce qu’il appelle un tour de farce dans Finnegans Wake page 162 (et 509) où il l’énonce proprement par l’astuce du destin en force qu’il tenait de Verdi avant qu’on nous l’assène. [Absatz]

– avant qu’on nous l’assène: lautgleich mit „avant qu’on noue la scène“ (bevor man die Szene verknotet)

Das hieße zu vermeiden, ihn mit dem Namen zu nennen, der auf seinen Wunsch antwortet, den er in Finnegans Wake, Seite 162 (und 509), als eine Tour de Farce bezeichnet, wo er ihn zutreffend als List des Schicksals an der Macht bezeichnet, was er von Verdi nahm, bevor man ihn uns gegenüber durchsetzt.66[Absatz]

 

[570] Que Joyce ait joui d’écrire Finnegans Wake ça se sent.

Dass Joyce es genossen hat, Finnegans Wake zu schreiben, das spürt man.

 

Qu’il l’ait publié, je dois ça à ce qu’on me l’ait fait remarquer, laisse perplexe, en ceci que ça laisse toute littérature sur le flan.

– flan (Flan (eine Art Eierpudding); Rohling); lautgleich mit „flanc“ (Flanke); être sur le flanc (umgangssprachlich für „sehr müde sein“, wörtlich „schief liegen“, „auf der Seite liegen“); c’est du flan („das ist Quatsch“)

Dass er es veröffentlicht hat – dies verdanke ich dem, dass man mich darauf aufmerksam gemacht hat –, macht einen perplex, insofern es jede Literatur auflaufen lässt.

 

La réveiller, c’est bien signer qu’il en voulait la fin.

– réveiller: (auf)wecken, wiedererwecken

– signer (unterzeichnen, unterschreiben): wird bisweilen auch im Sinne von „signaler“ (signalisieren) verwendet

– fin: (a) Ende, (b) Zweck, Telos

Sie aufzuwecken, heißt wohl zu unterschreiben, dass er ihr Ende / ihren Endzweck wollte.

 

Il coupe le souffle du rêve, qui traînera bien un temps.

Er schneidet dem Traum den Atem ab, dem Traum, der sich wohl noch eine Zeitlang hinziehen wird.

 

Le temps qu’on s’aperçoive qu’il ne tient qu’à la fonction de la hâte en logique.

So lange, bis man begreift, dass er nur von der Funktion der Hast in der Logik abhängt.67

 

Point souligné par moi, sans doute de ce qu’il reste après Joyce que j’ai connu à vingt ans, quelque chose à crever dans le papier hygiénique sur quoi les lettres se détachent, quand on prend soin de scribouiller pour la rection du corps pour les corporections dont il dit le dernier mot connu daysens, sens mis au jour du symptôme littéraire enfin venu à concomption.

– crever: (a) zum Platzen bringen, (b) (bezogen auf Papier:) durchschreiben, durchdrücken, durchstoßen, perforieren

– rection: Rektion (Begriff der Grammatik), Ausrichtung, vielleicht mit Anspielung auf rectum (Rektum, Mastdarm)

– corporection (NP): corps (Körper) + correction (Korrektur) + rection (Rektion) + erection (Aufrichtung)

– daysens (NP): day (engl. Tag) + de sens (mit Sinn) + décence (Anstand)+ ens (lat. Seiendes)

– concomption (NP): concoction (Zusammenbrauung), Substantiv zu concocter (zusammenkochen, zusammenbrauen) + consomption (Auszehrung, Abmagerung; veraltet für „Gebrauch“, „Verwendung“ (heute „consommation“)) + conception (Empfängnis, Konzeption) + qu’on (dass man) + compter (zählen)

Ein Punkt, den ich hervorgehoben habe, sicherlich deshalb, weil nach Joyce – den ich mit zwanzig Jahren kennengelernt habe68 – etwas durchzustoßen ist in dem Toilettenpapier, auf dem die Buchstaben sich abzeichnen, wenn man sich darum bemüht, für die Rektion des Körpers zu kritzeln, für die Korporektionen, worüber er das letzte bekannte anständige Wort sagt, der aufgedeckte Sinn des literarischen Symptoms, das schließlich aufgekocht worden ist.69

 

La pointe de l’inintelligible y est désormais l’escabeau dont on se montre maître.

Nun ist die Spitze des Unbegreiflichen hier die Stehleiter, als deren Herr man sich zeigt.

 

Je suis assez maître de lalangue, celle dite française, pour y être parvenu moi-même ce qui fascine de témoigner de la jouissance propre au symptôme.

Ich bin hinreichend Herr von Lalangue, der französischen, wie man sagt, um hier selbst zu etwas gekommen zu sein, was fasziniert, was das Genießen bezeugt, das dem Symptom eigen ist. .70

 

Jouissance opaque d’exclure le sens. [Absatz]

Undurchsichtiges Genießen, den Sinn auszuschließen.71 [Absatz]

 

On s’en doutait depuis longtemps.

Vermutet hat man es seit langem.

 

Etre post-joycien, c’est le savoir.

Post-joycianisch zu sein, heißt, es zu wissen.72

 

Il n’y a d’éveil que par cette jouissance-là, soit dévalorisée de ce que l’analyse recourant au sens pour la résoudre, n’ait d’autre chance d’y parvenir qu’à se faire la dupe… du père comme je l’ai indiqué. [Absatz]

Ein Erwachen gibt es nur durch eben dieses Genießen, das heißt dadurch abgewertet, dass die Analyse, die auf den Sinn zurückgreift, um es zu lösen, keine andere Chance hat, dies zu erreichen, als dadurch, dass sie sich zum Betrogenen macht – des Vaters, wie ich aufgezeigt habe.73 [Absatz]

 

L’extraordinaire est que Joyce y soit parvenu non pas sans Freud (quoiqu’il ne suffise pas qu’il l’ait lu) mais sans recours à l’expérience de l’analyse (qui l’eût peut-être leurré de quelque fin plate).

– fin plate: flaches Ende (hier im Sinne des Endes einer Erzählung, eines Films usw.)

Das Außergewöhnliche ist, dass Joyce es erreicht hat, zwar nicht ohne Freud (auch wenn es nicht genügt, dass er ihn gelesen hat), jedoch ohne die Erfahrung der Analyse gemacht zu haben (die ihn vielleicht mit einem flachen Ende getäuscht hätte).74

Lacan mit Leiter

Lacan mit escabeau

.

Nachbemerkung zur Übersetzung

Zur Terminologie

Wer kein Französisch kann, benötigt fürs Lesen der Übersetzung vier französische Ausdrücke: escabeau, beau, l’homme und inconscient.

Escabeau ist die Trittleiter, die Stehleiter, der Schemel. Ich übersetze mit „Stehleiter“, aus zwei Gründen.
(a) In der Ballade Finnegan’s Wake, auf die Joyces Finnegans Wake anspielt, fällt Tim Finnegan betrunken von einer Leiter (ladder) und stirbt; sein Leichnam wird zur Totenwache (wake) aufgebahrt. Vielleicht spielt Lacan hierauf an. Deshalb nicht „Schemel“, sondern „Leiter“. Damit verschwindet leider die wichtige Konnotation von „Sockel“, „Podest“.
(b) Colette Soler zufolge75 gibt escabeau ein Echo auf Lacans Aufsatz über das Spiegelstadium, auf die „Statur“ und die „Statue“, auf die Lacan dort verweist76, also die aufgerichtete und erstartte Gestalt des Körpers als Charakteristikum des Imaginären. Deshalb nicht „Trittleiter“, sondern „Stehleiter“.
Für die Leiter wählt Lacan nicht échelle, sondern escabeau, sicherlich auch deswegen, weil in escabeau das Wort beau enthalten ist, „schön“. (Eine – allzu gequälte – deutsche Annäherung wäre „Schömel“.)
Bisweilen schreibt Lacan escabeau als S.K.beau (die Aussprache ist dieselbe).Damit soll vielleicht der Buchstabe jenseits des Sinns ins Spiel gebracht werden.77 Von Britta Günther übernehme ich die Idee, dass Lacan damit möglicherweise auf die Trias des Symbolischen (S), des Realen (K) und des Imaginären (beau) anspielt. Ich würde das so begründen: Das „S“ dient Lacan meist als Abkürzung für „signifiant“ (Signifikant). Das „K“, das im Französischen sehr selten verwendet wird, ist sicherlich keine Abkürzung eines Lacan’schen Terminus, es ist auch nicht die übliche Schreibung für das Phonem [k] (das [k] rscheint im französischen Schriftsystem meist als „qu“ oder „c“). Damit spielt das „K“ möglicherweise  auf Lacans Unterscheidung des Buchstabens vom (letztlich auf den Sinn bezogenen) Signifikanten an; ab „Lituraterre“ (1971) rechnet er den Buchstaben zur Ordnung des Realen. Das ergibt: S: Signifikant (Symbolisches), K: Buchstabe (Reales), beau, schön (Imaginäres).

L’homme bedeutet sowohl „der Mensch“ als auch „der Mann“. Lacan schreibt häufig LOM; als Wort gelesen, hört man l’homme. Lacan fordert den Leser an mehreren Stellen auf, den Ausdruck zu buchstabieren; wenn man das tut, erhält man, im Französischen wie im Deutschen, El-O-Em, d.h. Elohim, das hebräische Wort für „Gott“. Die Schreibweise LOM spielt möglicherweise auf Finnegans Wake an, worin Joyce für die beiden Hauptfiguren, Humphrey Chimpton Earwicker und Anna Livia Plurabelle, die Abkürzungen HCE und ALP verwendet. Alle Personen des Romans sind Repräsentanten von HCE und ALP sowie ihrer drei Kinder; die Abkürzungen stehen gewissermaßen für den Urvater und die Urmutter und in diesem Sinne für die Menschheit. LOM erinnert außerdem an an die Abkürzung LEM für die Mondlandefähre (Lunar Excursion Module), die Lacan in Radiophonie (1970) verwendet.78

Inconscient meint „unbewusst“, l’inconscient „das Unbewusste“. Lacan kürzt den Ausdruck mit ICS ab (analog zu Freuds „Ubw“); bei lautem Lesen hört man – im Französischen wie im Deutschen – den Buchstaben x, also das übliche Symbol für eine unbekannte Größe in einer Gleichung.

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Anmerkungen

  1. Die Druckfassung erschien (mit dem Titel Joyce le Symptôme) zuerst in: Jacques Aubert, Maria Jolas (Hg.): Joyce & Paris, 1902, 1920–1940, 1975. Actes du cinquième Symposium International James Joyce. Paris, 16–20 juin 1976. Vol. 1. Éditions du CNRS, Paris, et Publications de l’Université Lille 3, Villeneuve-d’Asq, 1979, S. 1317. Dann (mit dem Titel Joyce le Symptôme II) in: Jacques Aubert (Hg.): Joyce avec Lacan. Navarin, Paris 1987, S. 3136. Dann (mit dem Titel Joyce le Symptôme, ohne „II“) in: J. Lacan: Autres écrits. Seuil, Paris 2001, S. 565570.
  2. Jésus-la-Caille (Jesus-die-Wachtel): ein Roman von Francis Carco (Mercure de France, Paris 1914). Es gibt zwei Übersetzungen mit zwei unterschiedlichen Titel: Jésus-la-Caille. Roman vom Montmartre. Übersetzt von Fred Antoine Angermayer. Kiepenheuer, Köln 1922; Jesus Schnepfe. Übersetzt von Hans Thill. Wunderhorn, Heidelberg 2002.
    Der Jésus-la-Caille des Romans ist ein Strichjunge.
    „Joyce das Symptom“ meint wohl auch: das für Joyce spezifische Symptom, das Joyce-Symptom.
  3. Der Name-des-Vaters bezieht sich auf den Vater, insofern er die Funktion hat, zu benennen, heißt es in Seminar 22 von 1974/75, RSI:
    „Das sind die Namen-des-Vaters, die ersten Namen, insofern sie etwas benennen, was, wie es, ja, wie es die Bibel anzeigt, bezogen <ist> auf dieses außergewöhnliche Dingsda, das Vater genannt wird. Der erste Schritt dieser menschlichen Imagination, nämlich von Gott, ist dem gewidmet, einen Namen zu geben, mein Gott, einem etwas, was nicht gleichgültig ist, nämlich einen Namen jedem der Tiere.“
    (Sitzung vom 11. März 1975, meine Übersetzung nach Version Staferla, Einschub in spitzen Klammern von mir; vgl. Kleiner-Übersetzung S. 39).Vgl. diesen Blogartikel.
  4. Gemeint ist: Dass „je nomme“ (ich benenne) fast genauso klingt wie „jeune nomme“ (junger Mann) ….
    Anspielung auf James Joyces Roman A portrait of the artist as a young man (1916), Ein Porträt des Künstlers als junger Mann.
  5. Die Abkürzung LOM spielt vermutlich auf Finnegans Wake an, worin Joyce für die die beiden Hauptfiguren, Humphrey Chimpton Earwicker und Anna Livia Plurabelle, die Abkürzungen HCE und ALP verwendet. Alle Personen des Romans sind Repräsentanten von HCE und ALP sowie ihrer drei Kinder; die Abkürzungen stehen gewissermaßen für den Urvater und die Urmutter und in diesem Sinne für die Menschheit.
    LOM erinnert auch an an die Abkürzung LEM für die Mondlandefähre (Lunar Excursion Module), die Lacan in Radiophonie (1970) verwendet
    .
    Lacan: „Von daher bringe ich vor, daß das mondlandende LEM, also die als Apparat realisiert Formel Newtons, davon zeugt, daß das Trajekt, das es ohne Ausgabe dorthin getragen hat, unser Produkt ist, oder auch: Herrenwissen.“ (J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joachim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1988, S. 554, hier: S. 26)
  6. Wenn man l’homme phonetisch schreibt, erhält man „lom“.
    Mit den Hinweisen auf die phonetische Schreibung und das Obszöne spielt Lacan auf seinen Begriff des Buchstabens an, als einem sprachlichen Element, das, ohne Sinn, direkt mit dem Genießen verbunden ist (in dieser Bedeutung eingeführt in Seminar 18 von 1971, Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre, Sitzung vom 12. Mai 1971, „Lituraterre“, Übersetzung hier.
  7. Phonetisch ist „eaub“ die umgekehrte Lautfolge wie „beau“: [o:b] versus [bo:]. Wir sind hier auf der Ebene von Lalangue, der Sprache, die durch lautliche Beziehungen bestimmt wird.
    Eine Beziehung und zwischen dem Schönen (beau/eaub) und dem Obszönen der Genitalien stellt Karl Abraham in seinem Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido (1924) her. Demnach ist bei jedem Menschen aufgrund des Kastrationskomplexes das eigene Genitale stärker als irgendein anderer Körperteil mit narzisstischer Liebe besetzt, entsprechend darf am Objekt alles andere früher geliebt werden als das Genitale; auf der phallischen Organisationsstufe der Libido ist der letzte Schritt – die libidinöse Besetzung des Genitales des Objekts – noch nicht getan.
    (Vgl. K. Abraham: Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen. In: Ders.: Gesammelte Schriften in zwei Bänden. Zweiter Band. Hg. v. J. Cremerius. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1982,  S. 32202, hier: S. 97) Lacan bezieht sich hierauf in Seminar 8 von 1960/61, Die Übertragung, in der Sitzung vom 21. Juni 1961 (Version Miller/Gondek, S. 45966).
    Freud schreibt in Das Unbehagen in der Kultur (1930):
    „Leider weiß auch die Psychoanalyse über die Schönheit am wenigsten zu sagen. Einzig die Ableitung aus dem Gebiet des Sexualempfindens scheint gesichert; es wäre ein vorbildliches Beispiel einer zielgehemmten Regung. Die ‚Schönheit‘ und der ‚Reiz‘ sind ursprünglich Eigenschaften des Sexualobjekts.“
    (Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 214)
    Lacan stützt sich hierauf in seiner Theorie der Sublimierung in Seminar 7 über die Ethik der Psychoanalyse: die Sublimierung verwandelt das „natürliche“ Triebobjekt in ein kulturelles. 
    Bringt man das Obszöne mit dem Hässlichen zusammen, kann man die Passage auf Freuds Ausführungen Über den Gegensinn der Urworte (1910) beziehen in diesem Falle hieße das: beau ist zugleich aub(scène)/obscène.
    Vielleicht gibt es hier auch eine Anspielung auf den von Freud behaupteten Zusammenhang von Urin und Ehrgeiz. Vgl. S. Freud: Das Unbehagen in der Kultur (1930). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 191270, hier: S. 221, Fn. 1; Ders.: Zur Gewinnung des Feuers (1932). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 445454.
  8. Möglicherweise eine Anspielung auf Lacans These, wonach die Sublimierung darin besteht, dass das Objekt zur Würde des Dings (des Realen) erhoben wird (Seminar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psychoanalyse). Vgl. Jacques-Alain Miller: L’inconscient et le corps parlant. Présentation du thème du Xe Congrès de l’AMP à Rio en 2016, hier.
    Der Ausruf „ding!“ ist lautmalerisch und damit vielleicht eine Anspielung auf Lacans Begriff lalangue, auf die Sprache, insofern sie durch lautliche Ähnlichkeiten bestimmt wird (zuerst in Seminar 20 von 1972/73, Encore.
    Das Objekt, das in Finnegans Wake zur Würde des Dings erhoben wird, wäre demnach Lalangue, und Lalangue ist mit der Benennung verbunden.
  9. Begreift man „Nässsen“ als „Schwitzen“, ist man bei einer Entsprechung zur deutschen Wendung „Ohne Fleiß kein Preis“, die demnach der Inhalt der Predigt wäre.
    Vielleicht zugleich eine weitere Anspielung auf den Zusammenhang von Urinieren und Ehrgeiz („mouiller son lit“ = einnässen).
  10. Basismensch: Das lateinische Wort basis meint auch „Sockel“ „Postament“ – wird sind vielleicht wieder beim escabeau.
    L’homme de base: vielleicht auch eine Anspielung auf den Begriff „basic personality“ (Abram Kardiner, Ralph Linton), der sich auf das Zusammenspiel von Kultur und Persönlichkeitsmerkmalen bezieht; Lacan bezieht sich hierauf in dem Aufsatz La psychanalyse et son enseignement (1957). In: Ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 437458, hier: S. 441.
    „Basic personality“ sind die gemeinsamen Persönlichkeitsmerkmale einer Gruppe. Die Gesellschaft beeinflusst ein bestimmtes Milieu, dieses die basic personality und diese wiederum bestimmte Institutionen. (Abram Kardiner, Ralph Linton: The individual and his society. New York: Columbia University Press 1935)
    Kun: japanischer Titel für einen jungen Mann – man erinnere sich an den „jungen Mann“ im zweiten Satz des Aufsatzes. Die Großschreibung ist die Anspielung auf den Namen, damit auf das Thema des ersten Satzes des Textes.
  11. Körper haben versus Körper sein:
    Die Beziehung zum Körper ist durch das Imaginäre vermittelt, durch das Verhältnis zum Körperbild. Dieses Verhältnis hat zur Folge, dass der Körper für das Subjekt ein Objekt ist, das das es besitzt, das es „hat“, das es besitzt.
    Mit der These über das „Haben“ des Körpers knüpft Lacan an eine Bemerkung in der letzten Sitzung des Sinthom-Seminars an:
    „Welchen Sinn also dem geben, was Joyce bezeugt, nämlich dass es nicht einfach das Verhältnis zu seinem Körper ist, sondern dass es, wenn ich so sagen kann, die Psychologie dieses Verhältnisses ist, denn schließlich ist die Psychologie nichts anderes als dies, nämlich das verworrene Bild, das wir von unserem eigenen Körper haben. Aber dieses verworrene Bild enthält durchaus – nennen wir es so, wie es genannt wird – Affekte, dass es nämlich, um sich genau das vorzustellen, dieses psychische Verhältnis, etwas Psychisches gibt, das affiziert wird, das reagiert, das nicht abgelöst ist, wie Joyce bezeugt, nachdem er die Stockhiebe seiner vier oder fünf Kameraden erhalten hat, da gibt es etwas, das nur dies verlangt: abzugehen, abzufallen wie eine Schale. Es ist etwas Verblüffendes, dass es Leute gibt, die bei körperlich erlittener Gewalt keinen Affekt haben. Es gibt da etwas, was übrigens mehrdeutig ist, das hat ihm vielleicht Lust bereitet, der Masochismus ist keineswegs aus den sexuellen Stimulationsmöglichkeiten von Joyce ausgeschlossen, er hat, was Bloom angeht, reichlich darauf bestanden. Aber ich möchte sagen, was noch eher verblüfft, das sind die Metaphern, die er verwendet, nämlich die Ablösung von etwas wie einer Schale. Dieses Mal hat er nicht genossen. Er hatte – das ist etwas, das psychologisch einen Wert hat –, er hatte eine Reaktion des Ekels, und dieser Ekel betrifft seinen eigenen Körper insgesamt. So wie jemand eine böse Erinnerung in Klammern setzt, um sie zu verjagen. Darum geht es. Das wird vollständig als Möglichkeit des Verhältnisses zu seinem eigenen Körper als fremdem gelassen. Und eben das wird von der Tatsache des Gebrauchs des Verbs ‚haben‘ ausgedrückt: Seinen Körper, den hat man, der ist man nicht, auf keine Weise. Und das lässt an die Seele glauben. Und infolgedessen hat man keinen Grund, innezuhalten. Und man denkt auch, dass man eine Seele hat, was der Gipfel ist.“
    (J. Lacan: Das Sinthom. Seminar 23 (1975/76), Sitzung vom 11. Mai 1976, meine Übersetzung nach Version Staferla; vgl. Version Miller, S. 149 f.; vgl. Kleiner-Übersetzung S. 156)
  12. Der Mensch „hat“ einen Körper, und nicht: er „ist“ ein Körper – diese These artikuliert Lacan zuerst in Seminar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse. Hier heißt es:
    „Das ist sehr lustig, es bringt eine wirkliche seltsame Inkohärenz mit sich, daß man sagt – Der Mensch hat einen Körper. Für uns macht das Sinn, es ist sogar wahrscheinlich, daß das immer schon Sinn gemacht hat, für uns jedoch mehr Sinn macht als für irgend jemand sonst, denn insofern jedermann Hegelianer ist, ohne es zu wissen, haben wir mit Hegel und ohne es zu wissen die Identifikation des Menschen mit seinem Wissen, das ein akkumuliertes Wissen ist, extrem weit getrieben. Es ist ganz sonderbar, in einem Körper lokalisiert zu sein, und man kann diese Sonderbarkeit nicht bagatellisieren, auch wenn man seine Zeit damit verbringt, mit den Flügeln zu schlagen, indem man sich damit Dicktut, die Einheit des Menschen wiederfunden zu haben, die dieser Idiot Descartes zerstückelt hatte. Es ist vollkommen nutzlos, große Erklärungen über die Rückkehr des menschlichen Wesens zur Einheit, zur Seele als Form des Körpers abzugeben, unter großem Aufwand an Thomismus und Aristotelismus. Die Teilung ist ein für allemal vollzogen. Und deshalb sind Ärzte von heute nicht die Ärzte von gestern, abgesehen von denen, die ihre Zeit damit verbringen, sich auszumalen, dass es Temperamente, Konstitutionen und anderes von dieser Art gibt. Der Arzt hat dem Körper gegenüber die Einstellung jenes Herrn, der eine Maschine demontiert. Da wird man ruhig prinzipielle Erklärungen abgeben können, diese Einstellung ist radikal. Davon ist Freud ausgegangen, und das ist’s, was sein Ideal war – pathologische Anatomie treiben, anatomische Physiologie, entdecken, wozu dieses komplizierte Apparätchen dient, das da im Nervensystem verkörpert ist.
    Diese Perspektive, die die Einheit des Lebendigen zerlegt, hat sicherlich etwas Beunruhigendes und Skandalöses, und eine ganze Denkrichtung versucht dagegen anzugehen – ich denke an den Gestaltismus und andere gutgemeinte theoretische Elaborate, die zur Freundlichkeit der Natur und zur prästabilierten Harmonie zurückkehren möchten. Wohlgemerkt, nichts beweist, dass der Körper eine Maschine ist, und es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass damit nichts ist. Aber da liegt nicht das Problem. Die Hauptsache ist, dass man so die Frage angeschnitten hat. Ich habe es eben genannt, das betreffende man, es ist Descartes. […] Hegel, der nur sehr wenig Anteil an all dem hatte, ist vielleicht der letzte Vertreter einer bestimmten klassischen Anthropologie, aber letztlich ist er im Verhältnis zu Descartes fast im Rückstand.“ (Seminar 2, Sitzung vom 12. Januar 1955; Version Miller/Metzger, S. 97 f.)
  13. Die Verbindung von Haben/Nichthaben, Schönem, Wasser und Bellen ist vielleicht eine Anspielung auf den von Ovid erzählten Mythos von Aktaion, der Diana nackt beim Baden erblickte und der, in einen Hirsch verwandelt, von ihren Hunden zerrissen wurde. Lacan bezieht sich hierauf in La chose freudienne (vgl. J. Lacan: Die Freud’sche Sache. Turia und Kant, Wien 2011, S. 71). Er spielt dort auf Freuds Spekulation an, wonach der aufrechte Gang des Menschen mit einem Wechsel von der Dominanz der Geruchsreize zur Dominanz der Gesichtserregungen einherging und wonach die durch diesem Wandel hervorgerufene Sichtbarkeit der Geschlechtsorgane das Schämen hervorrief; vgl. Das Unbehagen in der Kultur (1930). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 191270, hier: S. 229 f., Fußnote.
  14. Offenbar eine Anspielung auf das Verhältnis zwischen den Affekten (hervorgerufen durch die Einwirkung der Sprache auf den genießenden Körper) und der Schrift (als Grundlage der Beweisführung).
  15. Die Bedingung dafür, zum Körper in einer Beziehung des „Habens“ zu stehen, besteht darin, den drei Ordnungen anzugehören.
  16. Sphäre: der in der Mathematik übliche Terminus für die Kugeloberfläche.
    Für Lacan gehört die Sphäre zur Ordnung des Imaginären. „Quasseln, um sich mit der Sphäre zu beschäftigen“: Verbindung zwischen dem Symbolischen und dem Imaginären.
    Nach zwei Mal hessecabeau wird jetzt zum esten Mal die Normalschreibung escabeau verwendet.
    Mit escabeau spielt Lacan möglicherweise darauf an, dass in der Ballade Finnegan’s Wake, auf die der Roman von Joyce anspielt, Finnegan, weil er zu viel getrunken hatte, von der Leiter fällt und deshalb stirbt:
    „One morning Tim got rather full,
    his head felt heavy which made him shake.
    Fell from a ladder and he broke his skull,
    and the carried him home his corpse to wake.“ (Von hier)
    Das escabeau verweist auf die Beziehung zwischen dem Symbolischen und dem Imaginären.
  17. Nach hessecabeau und escabeau jetzt also eine dritte Schreibweise: S.K.beau:
    Der Buchstabe „S“ steht bei Lacan meist für signifiant (Signifikant) und verweist damit auf die Ordnung des Symbolischen. Der Ausdruck beau (schön) bezieht sich vermutlich auf die Beziehung zum Bild des eigenen Körpers und damit auf das Imaginäre. Der Buchstabe „K“ hat bei Lacan keine standardisierte Bedeutung und wird im geschriebenen Französisch kaum verwendet; möglicherweise fungiert er hier als Buchstabe im Unterschied zum Signifikanten. Den Buchstaben rechnet Lacan ab Seminar 18 von 1971, Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre, zur Ordnung des Realen (Sitzung vom 12. Mai 1971, „Lituraterre“-Vorlesung, Übersetzung hier). Also spielt der Ausdruck S.K.beau vielleicht auf die Dreiheit des Symbolischen (S), des Realen (K) und des Imaginären (beau) an.
    Die auffällige Wiederholung von „pr“ betont, dass es bei S.K.beau um Lalangue geht, um die Sprache, insofern sie durch Lautähnlichkeiten bestimmt ist.
  18. Die Rede vom „Leeren des Seins“ spielt vielleicht auf den Seinsmangel an, auf das Begehren.
  19. Parlêtre meint „sprechendes Wesen“, aber auch (vom Sprechen der Eltern) „gesprochenes Wesen“. Lacan verwendet den Ausdruck zuerst in Seminar 22 von 1974/75, RSI, in der Sitzung vom 17. Dezember 1974. In den von ihm selbst veröffentlichten Texten findet man parlêtre ausschließlich hier in Joyce le Symptôme II.
  20. Die Abkürzung „Ics“ verwendet Lacan auch in Seminar 14 von 1966/67, Die Logik des Phantasmas, im erweiterten Schema der Entfremdung (ab der Sitzung vom 11. Januar 1967).
    Das Abkürzungspaaar LOM und ICS erinnert an das Abkürzungspaar HCE und ALP in Finnegans Wake (HCE für Humphrey Chimpton Earwicker und ALP für Anna Livia Plurabelle). Also soll LOM und ICS vermutlich als Paar aufgefasst werden. Da ICS für das Unbewusste steht, bezieht sich LOM vermutlich auf das Bewusstsein im Sinne von Freud.
  21. Vielleicht eine Selbstbeschreibung von Lacan: er ist nicht der Entdecker des Unbewussten, sondern einer derjenigen, die das Inventar aufnehmen.
    Die Definition des Unbewussten als Wissen findet man zuerst in Seminar 12 von 1964/65, Schlüsselprobleme für die Psychoanalyse, in der Sitzung vom 19. Mai 1965.
    Im Encore-Seminar wird das Verhältnis zwischen dem Unbewussten und dem Sprechen so formuliert:
    „das Unbewusste, das ist, dass das Sein/Wesen, indem es spricht, genießt und (…) nichts weiter davon wissen will“
    (Seminar 20, Sitzung vom 8. Mai 1973; Version Miller/Haas u.a., S. 114, Übersetzung geändert).
  22. Haben und Sein: Nachdem die Kategorie des Habens auf das Verhältnis des Menschen zum Körper bezogen wurde, wird jetzt die Kategorie des Seins dem Sprechen zugeordnet.
    Lacan spielt hier auf Heidegger an, auf dessen Frage nach dem „Sinn von Sein“, zuerst in Sein und Zeit (1927).
  23. Die Frage nach dem „Sinn von Sein“, die sich aufgrund der Orientierung am Sprechen aufdrängt, unterstellt die Einheit des Sinns und ist damit eine Abwehr des Habens
  24. Es geht um den Unterschied von „Seele sein“ und „Seele haben“. Die Seele ist eine illusionäre Verdoppelung des Körpers, also ist die Beziehung zur Seele eine des Habens, nicht des Seins.
  25. Können: Von der Frage Haben (Körper) versus Sein (Sprechen) geht Lacan zu den Modalkategorien über, die seit Aristoteles als grundlegende Bestimmungen des Seins aufgefasst werden. Modalkategorien sind: Mögliches, Unmögliches, Notwendiges, Zufälliges. Die (körperbezogene) Kategorie des Habens wird mit der des Könnens koordiniert und so mit der der Möglichkeit.
  26. Können: „Pouvoir“ (Macht) und „possible“ (möglich) gehen auf dasselbe Wort zurück, auf das lateinische Verb „posse“ (können).
    Fortsetzung des vorangegangenen Satzes: „etwas Haben“ meint: etwas damit machen können, und das heißt, dass dieses Machenkönnen aussetzen kann. Grundlage der Möglichkeit ist die Unmöglichkeit.
  27. Für die Kategorie des Möglichen ist die Negation konstitutiv; fälschlicherweise wird die Möglichkeit positiv aufgefasst, als das, was statthaben kann. Lacan spielt auf seine Definition des Möglichen an: das Mögliche ist das, was aufhört, geschrieben zu werden. Lacans Rekonstruktion der Modalkategorien findet man zuerst in Seminar 20 von 1972/73, Encore (Sitzungen vom 13. Februar, 20. März, 8. Mai, 15. Mai, 26. Juni 1973), vgl. die Erläuterung in diesem Blog hier.
    Mit „Denken“ ist hier vermutlich die Philosophie gemeint. Vielleicht in Anspielung auf Heideggers Vortrag Was heißt Denken? (1952).
  28. Der Mensch „hat“ eine Seele, er „ist“ keine Seele.
    Das griechische Wort νους (nous) wird mit „Verstand“, „Vernunft“ oder „Geist“ übersetzt.
  29. Der Begriff des Knotens tritt an die Stelle des Seelenbegriffs. Lacan bezieht sich auf Knoten im Sinne der mathematischen Knotentheorie, mit der er sich seit Seminar 19 auseinandersetzt.
  30. Anspielung auf Lacans Definition der Notwendigkeit: das, was nicht aufhört, geschrieben zu werden (Seminar 20). Der „borromäische Knoten“, mit dem Lacan sich vor allem befasst, besteht aus drei „Fadenringen“.
  31. Victor Cousin (17921867), französischer Philosoph und Kulturtheoretiker, machte Hegels Philosophie (also den Hegelschen „Dreischritt“) in Frankreich bekannt.
  32. Im Encore-Seminar (1973) heißt es:
    „Ich spreche mit meinem Körper, und dies ohne es zu wissen. Ich sage also immer mehr, als ich davon weiß.“
    (Seminar 20, Sitzung vom 15. Mai 1973, Version Miller/Haas, S. 128)
    Und:
    „Das Reale, (…) das ist das Geheimnis des sprechenden Körpers, das ist das Geheimnis des Unbewußten.“
    (Sitzung vom 15. Mai 1973, a.a.O., S. 141)
    In dem Vortrag Die Dritte (1974) heißt es, dem Analytiker werde nicht zu Unrecht unterstellt, dass er weiß,
    „woraus das Unbewusste besteht, dass es nämlich ein Wissen ist, das von Lalangue artikuliert wird, wobei der Körper, der hier spricht, damit nur durch das Reale verknotet ist, von dem her er sich genießt“
    (La troisième. Transkription von Lacans Vortrag beim 7. Kongress der École freudienne de Paris in Rom am 1. November 1974, erschienen in Lettres de l’École freudienne, Nr. 16, 1975, S. 177–203, meine Übersetzung nach dem Text auf der Website der École lacanienne de psychanalyse hier (auf der Website von Patrick Valas findet man hier eine deutsche Übersetzung des gesamten Artikels, erstellt von Nicole Taubes).
  33. So dass er nicht mehr das „p“ von „symptôme“ enthält, wodurch er zum „sinthome“ wird, zum „Sinthom“, zum „saint homme“, zum „Heiligen Mann“.
    „Sinthom“ ist die mittelalterliche Schreibweise von „Symptom“; dies ist Thema der ersten Sitzung von Seminar 23 von 1975/76, Le sinthome.
    Der Laut p wird in der Phonetik als Explosivlaut bezeichnet.
  34. Anspielung auf Psalm 14, 1 und 53, 2: „Die Toren sagen in ihrem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott.‘“ Im hebräischen Text steht hier für „Gott“: „Elohim“. Lacan zitiert den Vers in Seminar 4 (Version Miller/Gondek, S. 428), wo er ihn irrtümlich dem Ekklesiastes zuschreibt, dem Prediger Salomo.
  35. Vielleicht eine Anspielung auf den Begriff des Weges im Buddhismus und im Daoismus (Dao heißt „Weg“).
  36. Kanonisierung: (a) Übernahme von Büchern in den Kanon, (b) Heiligsprechung.
  37. Das dürfte auch eine Anspielung auf die Probleme der Ausbildung von Psychoanalytikern sein. In Television hatte Lacan den Psychoanalytiker als „Heiligen“ bezeichnet, insofern er für denjenigen, der in Analyse geht, einen Abfall darstellt, einen Auswurf, den Ausschluss der jouissance, der (Un-)Lust jenseits des Lustprinzips, um es dem Patienten zu ermöglichen, ihn als Ursache des Begehrens zu nehmen, als Objekt a. (Vgl. J. Lacan: Television (1973). In: Ders.: Radiophonie. Television. Quadriga, Weinheim u.a. 1988, S. 55–95, zum Heiligen: S. 70–72.)
  38. Bei der Kastration durch das escabeau dürfte es, in Freuds Terminologie, um die Verschiebung des Triebziels von einem sexuellen Ziel zu einem nicht-sexuellen Ziel gehen, als Charakteristikum der Sublimierung (vgl. S. Freud: Die „kulturelle“ Sexualmoral und die moderne Nervösität (1908). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 9–32, hier: S. 18 f.
    Eskapade“ hier im Gegensatz zum „kanonischen Weg“.
    Vielleicht auch eine Anspielung auf Blooms „Seitensprung“ – seine heimliche Korrespondanz mit Martha Clifford, auf die Lacan sich zwei Sätze später bezieht.
  39. Im Ulysses ist Henry Flower das Pseudonym von Leopold Bloom; unter diesem Namen führt er eine heimliche Korrespondenz mit einer Martha Clifford.
  40. Vielleicht im Sinne von: Die Damen lachen über Bloom, und Bloom lacht darüber, dass sie über ihn lachen.
  41. Das escabeau / die Stehleiter / der Schemel ist das meisterhafte Sprechen; das verweist auf den discours du maître, den Diskurs des Herrn / des Meisters (vgl. Seminar 17, Die Kehrseite der Psychoanalyse, 1969/70).
    Die Beziehung von Joyce zum escabeau des meisterhaften Sprechens ist eine des Habens; das escabeau steht in einer Beziehung zum Körper, den man hat.
    Lacan kommt zurück auf den Unterschied zwischen sinthome (bzw. saint homme) ohne p, und symptôme mit p.
  42. Bloom ist Anzeigenakquisiteur.
  43. Das Körperhaben wird hier möglicherweise zum Mehrwert (in Form des Zehnten) in Beziehung gesetzt und damit indirekt zum Objekt a (in Seminar 16 hatte Lacan das Objekt a auf den Begriff des Mehrwerts von Marx bezogen und so den Begriff der „Mehrlust“ gebildet; vgl. diesen Blogartikel.
  44. Soll angedeutet werden, dass die Bettelmönche Vorläufer des Wohlfahrtsstaats sind?
  45. L.O.M.: wenn man das buchstabiert, El-O-Em, ergibt sich „Elohim“, der hebräische Name für „Gott“.
    Elohim: hebräischer Gattungsname für „Gott“, aber auch Eigenname für den Gott der Israeliten (den „Elohim Abrahams“); bezieht sich vor allem auf Gott als Schöpfer. Hier spielt Lacan offenbar auf den Namen-des-Vaters an.
    Soin bedeutet „ Sorge“. Sorge ist ein Grundbegriff von Heideggers Sein und Zeit.
  46. Dass der Mensch nicht nur einen Körper hat: Möglicherweise eine Anspielung auf die Seele als zweiten Körper.
    Der andere Körper – hier ist vielleicht der genießende Körper gemeint, wobei das Genießen dadurch strukturiert ist, dass die Sprache auf es einwirkt. Das „Sprechen“ des genießenden Körpers ist das Unbewusste; vgl. die oben zitierten Passagen aus dem Encore-Seminar und aus Die Dritte.
    Die Beziehung zum genießenden Körper ist keine des Habens: es gelingt ihm nicht, ihn sich zu eigen zu machen.
  47. Lacan bezieht sich wieder auf den Gegensatz von „Körper haben“ und „Körper sein“. Wenn er Körper wäre, wenn er in der imaginären Beziehung ganz aufginge, käme es ihm nicht in den Sinn sich den genießenden Körper zu eigen zu machen, vielleicht im Sinne von: das Unbewusste trockenzulegen wie den Zuidersee.
  48. Positiv formuliert: Die Realität des Körpers besteht in der Idee – die Idee macht den Körper. In der imaginären Dimension wird der Körper durch das Körperbild bestimmt.
  49. Anspielung auf die antike Diskussion, ob die Idee, die  Form, außerhalb des Körpers ist (Platon) oder im Körper (Hylemorphismus von Aristoteles).
  50. In der vierten Episode des Ulysses fragt Molly Bloom ihren Ehemann Leopold Bloom, was das Wort „Metempsychose“ (Seelenwanderung) bedeutet (Calypso-Episode; James Joyce: Ulysses. With an introduction by Declan Kiberd. Penguin Classics 2000, S. 77 f.). Sie liest, wie man später erfährt „met him pikhoses“ (Lästrigonen-Episode, a.a.O., S. 194), wörtlich übersetzt: „traf ihn Pik-Schläuche“. Mit „mes temps si choses“ versucht Lacan das im Französischen nachzubilden (vielleicht übernimmt er es aus einer französischen Übersetzung, ich habe das nicht überprüft). Wollschläger übersetzt mit „mit ihm zig Hosen“ (James Joyce: Ulysses. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, S. 214).
    Die Bemerkung über das, was Molly insofern nicht zugänglich war, als sie bereits da war, könnte sich auf folgende Passage in der Lästrygonen-Episode beziehen:
    „Met him pikhoses she called it till I told her about the transmigration. (…) She’s right after all. Only big words for ordinary things on account of the sound. She’s not exactly witty. Can be rude too. Blurt out what I was thinking. Still I don’t know. She used to say Ben Dollard had a base barreltone voice. He has legs like barrels and you’d think he was singing into a barrel. Now, isn’t that wit. They used to call him big Ben. Not half as witty as calling him base barreltone. Appetite like an albatross. Get outside of a baron of beef. Powerful man he was at stowing away number one Bass. Barrel of Bass. See? it all works out.“ (Ulysses, hg. v. Declan Kiberd, a.a.O, S. 194)
    In Wollschlägers Übersetzung:
    „Mit ihm zig Hosen nannte sies, bis ich ihr von der Seelenwanderung erzählt hab dann. (…) Imgrunde hat sie ja durchaus recht. Bloß dicke Worte für ganz gewöhnliche Sachen, des Klanges wegen. Eigentlich geistreich ist sie ja nicht. Kann sogar auch ziemlich ordinär sein. Platzt mit Sachen raus, wo ich mir mein Teil höchstens denke. Trotzdem, ich weiß nicht. Sie sagte zum Beispiel immer, Ben Dollard wäre ne Baß-Baritonne. Nun hat er ja Beine wie Fässer, und man könnte tatsächlich meinen, er sänge in eine Tonne. Nun also, ist das etwa nicht geistreich? Sonst wurde er immer Big Ben genannt. Nicht halb so witzig wie Baß-Baritonne. Appetit wie ein Albatros. Vertilgt glatt die beiden ungeteilten Lendenstücke eines Rinds: Fassungsvermögen wie ein Barrashengst. Und das erstklassige Bass-Bier, was er an der Bar so verstaut, direkt unwahrscheinlich! Faß, Baß, Bass, Bariton. Na? Ist doch alles drin.“ (Ulysses, a.a.O., S. 214 f.)
    Mit „ohne es sich zu sagen“ übersetzt Lacan vermutlich die Wendung „ohne sich dessen bewusst zu sein“.
    Molly hat einen Zugang zu Lalangue, zur Sprache in ihrer Mehrdeutigkeit und verfügt damit über ein Wissen, von dem sie nichts weiß.
  51. Das „Reservat“ ist möglicherweise Lalangue, das Netz der „Buchstaben“, der mit einem Genießen verbundenen sprachlichen Elemente.
  52. Damit könnte gemeint sein: In Finnegans Wake versucht Joyce, das Reservat von Lalangue  möglichst vollständig zu erkunden.
  53. ICS: Abkürzung für „inconscient“, unbewusst, Ubw: Freuds Abkürzung für „Unbewusstes“.
    Möglicherweise will Lacan andeuten, dass er, Lacan, die Formel des escabeau gefunden hat, in Gestalt des Joyce-Knotens aus vier Ringen, den er in Seminar 23 entwickelt hat.
  54. Lacan bezieht sich auf die Lautähnlichkeit von „Joyce“ und „joy“ (Freude), von „Freud“ und „Freude“ und damit auf jouissance, Genießen, Triebbefriedigung. Es geht um das Unbewusste als Beziehung zwischen den sprachlichen Elementen und dem Genießen.
  55. Lacan bezieht sich hier auf die maßgebliche Joyce-Biographie: Richard Ellmann: James Joyce (1959). 2 Bde. Übersetzt von Dieter E. Zimmer. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979; vgl. bei Ellmann im Register die Stellen zu „Freud“ (eine überarbeitete englische Ausgabe erschien 1982).
    Von Ellmann erfährt man, dass Joyce Freud verachtete, von dem er einiges gelesen hatte; die Ähnlichkeit Freud – Freude sowie Joyce – Joy war Joyce vertraut.
    Mich drängt die Zeit: Joyc das Symptom II ist nicht die Transkription eines gesprochenen Vortrags, sondern ein für den Druck bestimmter geschriebener Text, also ist „mich drängt die Zeit“ vermutlich eine Anspielung auf die Funktion der Hast, die anschließend erwähnt wird.
  56. Anspielung auf Lacans Überlegungen zur Funktion der Hast in der Logik, in: Die logische Zeit und die Assertion der antizipierten Gewissheit (1945). In: Ders.: Schriften III. Hg. v. Norbert Haas. Walter-Verlag, Olten u. Freiburg i.Br. 1980, S. 123171.
    Gewissheit entsteht nur durch den Akt, und der Akt ist immer überstürzt.
  57. Anspielung auf eine Passage zu Sindbad dem Seefahrer in Ulysses.
    „With? Sinbad the Sailor and Tinbad the Tailor and Jinbad the Jailer and Whinbad the Whaler and Ninbad the Nailer and Finbad the Failer and Binbad the Bailer and Pinbad the Pailer and Minbad the Mailer and Hinbad the Hailer and Rinbad the Railer and Dinbad the Kailer and Vinbad the Quailer and Linbad the Yailer and Xinbad the Phthailer.“ (Ithaka-Episode (=17. Kapitel), Schluss; Penguin Classics 2000, S. 871)
    Wollschläger übersetzt so:
    „Mit? Sindbad dem Seefahrer und Tindbad dem Teefahrer und Findbad dem Feefahrer und Rindbad dem Rehfahrer und Windbad dem Wehfahrer und Klindbad dem Kleefahrer und Flindbad dem Flehfahrer und Drindbad dem Drehfahrer und Schnindbad dem Schneefahrer und Gindbad dem Gehfahrer und Stindbad dem Stehfahrer und Zindbad dem Zehfahrer und Xindbad dem Ehfahrer und Yindbad dem Sehfahrer und Blindbad dem Phthefahrer.“ (A.a.O., S. 948)
    Zeugma ist eine rhetorische Figur. Hier besteht das Zeugma darin, dass das Wort „vergiftet“ im ersten Bezug eine eigentliche Bedeutung hat (durch das Ohr vergiftet), im zweiten Bezug uneigentlich verwendet wird (durch sein Symptom der Frau vergiftet).
    „das, was nicht aufhört geschrieben zu werden“: Anspielung auf Lacans Definition des Notwendigen (Seminar 20).
    Zu Hamlet: Nachdem Hamlet den Mörder seines Vaters, des Königs, getötet hat – seinen Onkel Claudius, der durch den Mord zum König wurde –, und nachdem er selbst im Duell getötet worden ist, übernimmt der Norwegerkönig Fortinbras die Macht im Staate Dänemark.
  58. Habeas Corpus ist das Recht eines Verhafteten auf Haftprüfung durch ein Gericht, Grundlage des Rechtsstaats. Der lateinische Ausdruck bedeutet wörtlich „Du sollst den Körper haben“.
  59. „l’on l’a, l’on l’a de l’air, l’on l’aire, de l’on l’a“: offenbar führt Lacan hier Lalangue vor (die durch Lautbeziehungen und Mehrdeutigkeiten bestimmte Sprache); man denke an das Lallen oder Brabbeln eines Säuglings oder auch an Lieder, mit denen Kinder zum Einschlafen gebracht werden. Es soll vorgeführt werden, dass es ein Sprechen gibt, das keinen bestimmbaren Sinn hat und mit dem Genießen verbunden ist. Dennoch lassen sich einige Sinnsplitter erkennen:
    – Man hat es aus der Luft / vom Lied: dies könnte auf Lalangue verweisen, wie sie in dieser Wendung vorgeführt wird, auf Lalangue als Ursache des Symptoms.
    – Man lässt es horsten: Man lässt es sich einnisten, nämlich im Körper.
  60. Joyce war ein guter Tenorsänger und hat 1904 damit sogar einen Preis gewonnen (siehe hier).
  61. Anspielung auf Lacans Formel „Eine Frau ist ein Symptom eines Mannes“ (zuerst in Seminar 22 von 1974/75, RSI; vgl. diesen Blogartikel.
  62. Nicht alle: Lacan spielt hier auf die sogenannten Formeln der Sexuierung an, die er in den Seminaren 18 bis 20 entwickelt hatte und in denen die Seite der Frauen durch den Quantor „nicht-alle“ charakterisiert wird (sie bilden eine offene Serie, keine Totalität). Von daher meint „Sie sind nicht alle so“: Nicht alle Frauen unterliegen der phallischen Funktion. „Nämlich von daher, dass man ihn hat“ = „nämlich von daher, dass man der phallischen Funktion unterliegt“.
  63. Vermutlich im Sinne von: Sokrates war fasziniert vom logischen Widerspruch in der Erklärung von Grundbegriffen, und er erhaschte dieses Symptom im Flug: beim anderen im Gespräch.
  64. Im Dialog Theaitetos vergleich Sokrates seine Art der Gesprächsführung mit der Hebammenkunst.
  65. Aufnahme des Titel-Themas „Joyce das Symptom“.
  66. „du destin en force“: Anspielung auf Verdis Oper La forza del destino, „Die Macht des Schicksals“ (1862). Lacan bezieht sich auf die folgenden Passagen in Finnegans Wake (Faber und Faber, London 1939):
    S. 162: „(…) (the compositor of the farce of dustiny however makes a thunpledrum mistake by letting off this pienofarte effect as his furst act as that is where the juke comes in) (…).“
    S. 509: „He could claud boose his eyes to the birth of his garce, he could lump all his lot through the half of her play, but he jest couldn’t laugh through the whole of her farce becorpse he warn’t billed that way.“
    Auf S. 413 von Finnegans Wake findet man die Formulierung „force of destiny“.
  67. Anspielung auf Lacans Aufsatz Die logische Zeit und die Assertion der antizipierten Gewissheit. Ein neues Sophisma (1945). Übers. v. Hans-Joachim Metzger. In: J.L.: Schriften III. Walter-Verlag, Olten u.a. 1980, S. 123–171.
    Die Hast die ist Zeitlichkeit des Akts, der immer überstürzt ist und einzig Gewissheit ermöglicht.
  68. In der ersten Fassung dieses Textes, Joyce das Symptom I, sagt Lacan, dass er, als er siebzehn war, eine Lesung von Joyce in der Buchhandlung Monnier gehört habe; vgl. hier.
  69. Rektion: Begriff der Grammatik, der sich darauf bezieht, dass ein Wort die grammatische Form eines anderen Ausdruck bestimmt (z.B. „ich sehe ihn“: das Verb „sehen“ verlangt den Akkusativ, also „ihn“ statt z.B. „ihm“). Von lateinisch „rectio“: Lenkung, Leitung, Regierung.
    Vielleicht eine Anspielung auf eine Szene im vierten Kapitel von Ulysses (Calypso-Episode), in dem Bloom eine Zeitung als Toilettenpapier verwendet (vgl. Ulysses, Wollschläger-Übersetzung, a.a.O., S. 9698).
    Zu „mettre au jour“ (an den Tag bringen, offenbaren, aufdecken): Joyce bezeichnet Finnegans Wake auch als sein nightbook, sein „Nachtbuch“.
  70. Lalangue: Neologismus von Lacan, aus „la langue“ (die Sprache). Lalangue ist die Muttersprache, im Sinne von: die Sprache, die die Mutter aus der Perspektive des kleinen Kindes spricht, mit Betonung der auf dem Klang beruhenden Mehrdeutigkeiten. Lacan verwendet den Ausdruck zum ersten Mal am 4. November 1971, im ersten Vortrag seiner Vortragsreihe mit dem Titel „Le savoir de l’analyste“ (Das Wissen des Analytikers) (vgl.: J. Lacan: Ich spreche zu den Wänden. Turia und Kant, Wien u. a. 2013, S. 18). Zu beachten ist, dass Lacan hier von der „französischen“ Lalangue spricht, er verwendet den Ausdruck also nicht in Abgrenzung zu langage im Sinne der Nationalsprache.
    Das Symptom, sagt Freud, ermöglicht Triebbefriedigung in Form einer Ersatzbefriedigung (vgl. etwa: S. Freud: Das Unbehagen in der Kultur. In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 2000, S. 191270, hier: 237).
  71. Ausschluss des Sinns: Anspielung auf den Begriff des Realen: Das Reale ist das, was vom Sinn ausgestoßen ist, heißt es in Seminar 22 von 1974/75, RSI (Sitzung vom 11. März 1975).
  72. Gegensatz von Vermutung und Wissen.
  73. Betrogener des Vaters: Anspielung auf den Titel von Lacans Seminar 21 von 1973/74, Les non-dupes errent (Die Nicht-Betrogenen irren), lautgleich mit „Les noms du père“ (Die Namen des Vaters).
  74. Lacan spielt hier darauf an, dass Edith Rockefeller McCormick Joyce angeboten hatte, ihm eine Analyse bei C.G. Jung zu finanzieren, was Joyce ausschlug (vgl. Ellmann, a.a.O., S. 713 f.).
  75. Vgl. Colette Soler: L’inconscient réinventé. Presses universitaires de France, Paris 2009, S. 66 f.
  76. Vgl. J. Lacan: Das Spiegelstadium als Bildner der Ichfunktion (1949). Übersetzt von Peter Stehlin. In: J.L.: Schriften I. Hg. v. Norbert Haas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 61–70, hier: S. 64 f. (für relief de stature findet man in dieser Übersetzung „Relief in Lebensgröße“, statue wird mit „Standbild“ übersetzt).
  77. Vgl. Soler, a.a.O., S. 67.
  78. Lacan: „Von daher bringe ich vor, daß das mondlandende LEM, also die als Apparat realisiert Formel Newtons, davon zeugt, daß das Trajekt, das es ohne Ausgabe dorthin getragen hat, unser Produkt ist, oder auch: Herrenwissen.“ (J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joachim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1988, S. 554, hier: S. 26)

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