Jacques Lacan: Die Dritte (Übersetzung)

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Von Mar­cel Duch­amp hand­ko­lo­rier­tes Foto
sei­ner In­stal­la­ti­on
La Ma­riée mise à nu par ses cé­li­ba­taires, même.1
Aus: Ro­bert Le­bel: Sur Mar­cel Duch­amp, 1959, von hier

In La Troi­siè­me (Die Drit­te) gibt La­can ei­nen Über­blick über sei­ne Leh­re.  Schwer­punk­te sind die Drei­heit des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len, au­ßer­dem das Ge­nie­ßen, das Sym­ptom und die Deu­tung; all dies wird auf den bor­ro­mäi­schen Kno­ten be­zo­gen.

Das Da­tum die­ses Vor­trags ist der 1. No­vem­ber 1974, der Theo­rie­stand also der nach Se­mi­nar 21, Les non-du­pes er­rent (1973/74) und vor Se­mi­nar 22, RSI (1974/75). Der Ort ist Rom; der Ti­tel be­zieht sich dar­auf, dass dies die drit­te Rede ist, die von La­can in Rom ge­hal­ten wird.2

Auf der Web­site von Pa­trick Valas (valas.fr) fin­det man zwei Au­dio­auf­nah­men.

Von La troi­siè­me gibt es nur Tran­skrip­tio­nen des ge­spro­che­nen Texts, kei­ne von La­can in Druck ge­ge­be­ne Fas­sung. Eine ers­te Tran­skrip­ti­on er­schien 1975 in den Lettres de l’École freu­dien­ne.3 Ich übeset­ze nach der von Pa­trick Valas und an­de­ren er­stell­ten neue­ren Tran­skrip­ti­on, die auf ei­ner Ton­band­auf­nah­me be­ruht und am 21. Sep­tem­ber 2015 auf der Web­site von Valas ver­öf­fent­licht wur­de; die­se Tran­skrip­ti­on ent­hält ge­gen­über der ers­ten ei­ni­ge wich­ti­ge Kor­rek­tu­ren von Hör­feh­lern.

Zur Über­set­zung

Ich brin­ge die Über­set­zung zwei­mal, ein­mal nur deutsch, ein­mal deutsch/französisch, Satz für Satz, ge­wis­ser­ma­ßen zum mit­über­set­zen.

Die An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text ge­ben Hin­wei­se zur Tran­skrip­ti­on.
Die An­mer­kun­gen zum deut­schen Text ent­hal­ten Er­läu­te­run­gen des In­halts.
Den „Schnitt“ der Sät­ze (Punkt oder Kom­ma) habe ich bis­wei­len ver­än­dert.
Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.
Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, etwa [178] ver­weis­ten auf die Sei­ten der äl­te­ren Tran­skrip­ti­on in den Lettres de l’École freu­dien­ne von 1975.
Ein­schü­be in [ecki­gen Klam­mern] und in <spit­zen Klam­mern> sind von mir.
Wör­ter mit Stern­chen* sind im Ori­gi­nal deutsch.
Der Schräg­strich / ver­bin­det bei Mehr­deu­tig­kei­ten die ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen.

Auf der Web­site von Pa­trick Valas fin­det man nicht nur die von mir ver­wen­de­te Tran­skrip­ti­on von La troi­siè­me, son­dern auch die von Ni­co­le Tau­bes ver­fass­te ers­te deut­sche Über­set­zung.

Ter­mi­no­lo­gie: Lalan­gue

In Die Drit­te spielt der von La­can ge­präg­te Neo­lo­gis­mus lalan­gue eine wich­ti­ge Rol­le. Er ent­steht da­durch, dass der Aus­druck la lan­gue (die Spra­che) zu ei­nem ein­zi­gen Wort zu­sam­men­ge­zo­gen wird. Lalan­gue ist die Mut­ter­spra­che – die von der Mut­ter ge­spro­che­ne Spra­che aus der Per­spek­ti­ve des Kin­des –, in­so­fern sie durch Mehr­deu­tig­kei­ten cha­rak­te­ri­siert ist und mit Ge­nie­ßen ver­bun­den ist.

Lalan­gue ist La­cans Ge­gen­be­griff zu lan­ga­ge. Lan­ga­ge meint eben­falls „Spra­che“; La­can be­zieht sich mit lan­ga­ge auf die Spra­che, wie sie, idea­li­sie­rend, von den Lin­gu­is­ten re­kon­stru­iert wird: als ein durch gram­ma­ti­sche Re­geln be­stimm­tes Sys­tem, das die Funk­ti­on hat, Be­deu­tun­gen mit­zu­tei­len. Ich über­set­ze le lan­ga­ge mit „die Spra­che (lan­ga­ge)“, la lan­gue mit „die Spra­che (lan­gue)“ und lalan­gue mit „Lalan­gue“.

Valas u.a. wei­sen in ih­rer Tran­skrip­ti­on dar­auf hin, dass oft nicht klar zu ent­schei­den ist, ob „la lan­gue“ oder „lalan­gue“ ge­meint ist. Ähn­lich ist bei lan­ga­ge nicht im­mer zu er­ken­nen, ob der Aus­druck all­tags­sprach­lich ver­wen­det wird oder als Be­zeich­nung für das Kon­strukt der Lin­gu­is­ten und Sprach­leh­rer.

Hilfs­mit­tel zum Ver­ständ­nis

Auf der Web­site von Pa­trick Valas fin­det man wei­te­re Ma­te­ria­li­en zum Rom-Kon­gress von 1974, auf dem der Vor­trag ge­hal­ten wur­de (Pres­se­kon­fe­renz mit La­can, La­cans Er­öff­nungs­re­de, La­cans Schluss­an­spra­che).

Im In­ter­net gibt es die Au­dio­auf­nah­me ei­nes Se­mi­nars von Pa­trick Valas und Chris­ti­an Du­buis San­ti­ni „La troi­siè­me, eno­re et en­core!“, acht Sit­zun­gen, 2013 – 2014 – 2015, hier.

Wei­te­re Er­läu­te­run­gen zu Die Drit­te fin­det man in:
– Jean-Ma­rie Ja­din: Au cœur de la jouis­sance: l’objet a. In: Ders. u. Mar­cel Rit­ter (Hg.): La jouis­sance au fil de l’enseignement de La­can. Érès, Tou­lou­se 2009, S. 460–486
– Co­let­te So­ler: L’inconscient réin­ven­té. Pres­ses uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pa­ris 2009

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Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe auch bei die­ser Über­set­zung!

Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge sind will­kom­men..

Deutsch

[178] Die Drit­te – das ist der Ti­tel.

Die Drit­te, sie kommt wie­der, sie ist im­mer die Ers­te, wie es bei Gé­r­ard de Ner­val heißt. Wer­den wir da­ge­gen ein­wen­den, das klin­ge wie eine dis­que, eine Plat­te? War­um nicht, wenn das dit ce que / wenn das das sagt, was.

Al­ler­dings muss man es hö­ren, die­ses dit-ce-que, die­ses et­was, näm­lich den dis­que-ours de Rome / den Rom-Vor­trag.

Wenn ich so ein wei­te­res Stück Laut­ma­le­rei in die Spra­che (la lan­gue) in­ji­zie­re, wäre sie nicht im Un­recht, mir ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass es für die Spra­che (la lan­gue) kei­ne Laut­ma­le­rei gibt, die nicht be­reits durch ihr pho­n­ema­ti­sches Sys­tem be­stimmt wür­de. Wie Sie wis­sen, hat Ja­kobson das für das Fran­zö­si­sche ka­li­briert, so groß ist das. An­ders ge­sagt, da er zum Fran­zö­si­schen ge­hört, kann der dis­cours de Rome / der Rom-Vor­trag sich fol­gen­der­ma­ßen an­hö­ren: dis­que-our­dro­me. Ich mil­de­re das ab, in­dem ich an­mer­ke, dass our­dro­me ein Schnur­ren ist, das auch an­de­re Lalan­gues zu­las­sen wür­den – falls mein Ohr ei­ni­gen Lalan­gues un­se­rer geo­gra­phi­schen Nach­ba­rin­nen hin­rei­chend ge­neigt ist –, und dass es bei uns na­tür­lich aus dem Spiel der Ma­trix her­vor­geht, der von Ja­kobson, der­je­ni­gen, die ich eben an­ge­ge­ben habe.

Da es nicht sein darf, dass ich zu lan­ge spre­che, über­sprin­ge ich hier was.

Das gibt mir ganz ein­fach die Ge­le­gen­heit, die­ses our­dro­me, die Stim­me, in die Ru­brik der vier Ob­jek­te ein­zu­ord­nen, die ich klein a nen­ne, das heißt, sie wie­der von der Sub­stanz zu ent­lee­ren, die hier aus dem Ge­räusch be­stehen könn­te, das sie macht, das heißt, sie wie­der auf das | [179] Kon­to der Si­gni­fi­kan­ten­ope­ra­ti­on zu ver­bu­chen, der­je­ni­gen, die ich von den Wir­kun­gen der so­ge­nann­ten Me­to­ny­mie her be­stimmt habe. Der­art, dass von da­her die Stim­me, wenn ich so sa­gen kann, die Stim­me frei ist, frei, et­was an­de­res zu sein als eine Sub­stanz.

Gut. Wenn ich mei­ne Drit­te ein­füh­re, möch­te ich da­mit je­doch auf eine an­de­re Um­riss­li­nie hin­wei­sen. Die Laut­ma­le­rei, die mir auf eine et­was per­sön­li­che Wei­se in den Sinn ge­kom­men ist, be­güns­tigt mich – klop­fen wir auf Holz –, be­güns­tigt mich in­so­fern, als das Schnur­ren ohne je­den Zwei­fel das Ge­nie­ßen (jouis­sance) der Kat­ze ist. Ob das durch ih­ren Kehl­kopf geht oder wo­durch sonst, dar­über weiß ich nichts – wenn ich sie streich­le, wirkt es, als käme es aus dem gan­zen Kör­per, und das bringt mich dort­hin, von wo ich aus­ge­hen will. Von da gehe ich aus; das gibt Ih­nen nicht zwangs­läu­fig die Spiel­re­gel, aber das kommt spä­ter.

Je pen­se donc se jouit.“ / „Ich den­ke, also ge­nießt sich.“ Da­mit wird das üb­li­che „also“ zu­rück­ge­wie­sen, das, wel­ches je sou­is / ich bin sagt.

Dar­über ma­che ich ei­nen klei­nen Scherz. Es wird zu­rück­ge­wie­sen – wenn das so zu ver­ste­hen ist, wie das, was ich über die Ver­wer­fung (for­clu­si­on) ge­sagt habe –, dass das je sou­is, wenn es zu­rück­ge­wie­sen wird, im Rea­len wie­der­er­scheint. Das könn­te als eine Her­aus­for­de­rung mei­nes Al­ters auf­ge­fasst wer­den, ein Al­ter, in dem be­reits seit drei Jah­ren, wie man das Leu­ten sagt, de­nen man das ins Ge­sicht schleu­dern will, in dem So­kra­tes be­reits seit drei Jah­ren tot war. Doch selbst wenn ich auf der Stel­le da­hin­schei­den wür­de — das könn­te mir durch­aus pas­sie­ren, das ist Lévi-Strauss pas­siert, ein­fach so, am Red­ner­pult —, so hat Des­car­tes mit sei­nem je sou­is doch nie­mals sa­gen wol­len, er ge­nie­ße das Le­ben. Das ist es über­haupt nicht. Wel­chen Sinn hat das, sein je sou­is? Ge­nau mein Sub­jekt, das „ich“ (je) der Psy­cho­ana­ly­se. Na­tür­lich wuss­te er’s nicht, der Ärms­te, er wuss­te es nicht, das ist selbst­ver­ständ­lich, ich muss es ihm deu­ten: das ist ein Sym­ptom. Denn von wo­her denkt er, be­vor er den Schluss zieht, dass er suit / dass er ist / dass er folgt, der Mu­sik des Seins si­cher­lich? Er denkt, er denkt vom Wis­sen der Scho­las­ti­ker her, mit dem die Je­sui­ten, sei­ne Leh­rer / sei­ne Her­ren (maî­tres) ihm in den Oh­ren ge­le­gen ha­ben. Er stellt fest, dass das dünn ist. Es wäre bes­ser, das ist si­cher, wenn er sich klar ma­chen wür­de, dass sein Wis­sen viel wei­ter geht, als er im Ge­fol­ge der Scho­las­tik glau­ben möch­te, dass hier das Pro­blem liegt, schon al­lein des­halb, weil er spricht, denn von da­her, dass er spricht, dass er von der Spra­che (la lan­gue) her spricht, hat er ein Un­be­wuss­tes, und er ist rat­los, wie je­der, der auf sich hält; das, was ich ein für das Sub­jekt un­er­reich­ba­res Wis­sen nen­ne, wo­bei es für das Sub­jekt nur ei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, der es bei die­sem Wis­sen re­prä­sen­tiert. Das ist ein Han­dels­ver­tre­ter (un re­pré­sen­tant de com­mer­ce), wenn ich so sa­gen darf, er steht in ei­ner Han­dels­be­zie­hung zu die­sem Wis­sen, das für Des­car­tes, wie es zu sei­ner Zeit üb­lich war, dar­in be­steht, dass er in den Dis­kurs ein­ge­fügt wird, in den er hin­ein­ge­bo­ren wur­de, das heißt in den Dis­kurs, den ich den Dis­kurs des Herrn nen­ne, den Dis­kurs des Kleinad­li­gen. Des­we­gen kommt er da nicht raus mit sei­nem „je pen­se donc je sou­is“, „ich den­ke, also bin ich“.

[180] Im­mer­hin ist das bes­ser als das, was Par­men­ides sagt. Die Un­durch­sich­tig­keit der Ver­bin­dung von no­ein [Den­ken] und ei­nai [Sein], da kommt er nicht raus, der arme Pla­ton, da kommt er nicht raus; denn wenn es ihn nicht gäbe, was wüss­te man da über Par­men­ides? Trotz­dem steht fest, dass er da nicht raus­kommt, und hät­te er uns nicht die ge­nia­le Hys­te­rie des So­kra­tes über­lie­fert, was wür­de man da raus­zie­hen? Was mich an­geht, ich habe mich wäh­rend die­ser Pseu­do-Fe­ri­en mit dem So­phis­ten ab­ge­quält. Ich muss wohl zu so­phis­tisch sein, als dass mich das in­ter­es­sier­te. Es muss da et­was ge­ben, wozu ich kei­nen Zu­gang habe. Ge­fällt mir nicht. Fürs Ge­fal­len, da­für fehlt uns was. Das heißt, es fehlt uns an Wis­sen dar­über, was da­mals ein So­phist war. Es fehlt uns das Ge­wicht der Sa­che.

Keh­ren wir zum Sinn des sou­is zu­rück, des „bin“. Das ist nicht ein­fach das, was man in der her­kömm­li­chen Gram­ma­tik un­ter der Kon­ju­ga­ti­on ei­nes ge­wis­sen Verbs fin­det, „sein“ – im La­tei­ni­schen, da sieht je­der, dass fui, wie man <auch> in Ita­li­en sagt, mit sum, wie man hier auch sagt, kei­ne Sum­me bil­det / nicht zu­sam­men­passt. Ohne das üb­ri­ge Ge­rüm­pel mit­zu­rech­nen. Also gut, ich las­se et­was aus, ich er­spa­re Ih­nen all das, was pas­sier­te, als die Wil­den, die Gal­li­er, et­was brauch­ten, um sich da­mit aus der Af­fä­re zu zie­hen. Sie ha­ben das <la­tei­ni­sche> est [ist] auf die Sei­te des <la­tei­ni­schen> stat [steht] hin­über­glei­ten. las­sen. Das sind üb­ri­gens nicht die ein­zi­gen, in Spa­ni­en lief das, glau­be ich, ge­nau­so. Kurz, die Lin­gu­is­te­rie zieht sich aus all dem so gut her­aus wie sie kann.

Ich wer­de Ih­nen jetzt nicht wie­der­ho­len, was die Sonn­ta­ge un­se­res hu­ma­nis­ti­schen Un­ter­richts aus­mach­te. Gleich­wohl kann man sich fra­gen, aus wel­chem Fleisch die­se We­sen (êtres) – die im üb­ri­gen my­thi­sche We­sen sind, näm­lich die­je­ni­gen, de­ren Na­men ich dort an­ge­schrie­ben habe, die Un­deux­ro­péen / die In­do­eu­ro­pä­er, man hat sie aus­drück­lich er­fun­den, das sind My­the­me –, man kann sich fra­gen, was sie in ihre Ko­pu­la rein­ste­cken konn­ten, über­all an­ders als in un­se­ren Spra­chen ist es ein­fach ir­gend­was, was als Ko­pu­la dient: <war das> letzt­lich so et­was wie die Prä­fi­g­u­ra­ti­on des in­kar­nier­ten Wor­tes?

Hier wird man das sa­gen! Das bringt mich zum Schwit­zen. Man hat ge­glaubt, mir ein Ver­gnü­gen zu be­rei­ten, als man mich nach Rom kom­men ließ, ich weiß nicht war­um. Es gibt zu vie­le Lo­ka­li­tä­ten zum Hei­li­gen Geist. Was hat denn das Sein/Wesen an Höchs­tem, au­ßer durch die­se Ko­pu­la?

Schließ­lich habe ich mich da­mit amü­siert, hier das ein­zu­fü­gen, was man Per­so­nen nennt, das schei­tert zu sein (ça foi­re à être), schließ­lich habe ich eine Sa­che ge­fun­den, die mich amü­siert hat: m’es-tu-me (bis du mir), mais-tu-me (aber-du-mich), das er­mög­licht es, sich zu ver­hed­dern: m’aime-tu mm (liebst du mich, hm)? In Wirk­lich­keit ist das die­sel­be Sa­che. Das ist die Ge­schich­te von der Bot­schaft, die je­der in um­ge­kehr­ter Form er­hält. Ich sage das seit sehr lan­ger Zeit, und das hat Ge­läch­ter her­vor­ge­ru­fen. In Wahr­heit ist es Clau­de Lévi-Strauss, dem ich das ver­dan­ke. Er hat sich zu ei­ner mei­ner wer­ten Freun­din­nen hin­über ge­neigt, näm­lich zu sei­ner | [181] Frau – zu Mo­ni­que, um sie mit ih­rem Na­men zu nen­nen –, und er hat ihr ge­sagt, bei dem, was ich vor­brin­ge, gehe es dar­um, dass je­der sei­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form er­hält. Mo­ni­que hat es mir wei­ter­ge­sagt. Ich konn­te kei­ne glück­li­che­re For­mu­lie­rung fin­den, für das, was ich da­mals sa­gen woll­te. Je­den­falls hat er sie mir un­ter­ge­ju­belt. Sie se­hen, ich neh­me mein Glück, wo ich’s fin­de.

Nun gut, ich über­ge­he die an­de­ren Zei­ten, die Stüt­zung (éta­ya­ge) des Im­per­fekts. J’étais (ich war). Also, qu’est-ce que tu étai­es (was warst du /was stützt du)? Und dann das Üb­ri­ge. Über­ge­hen wir das, denn ich muss vor­an­kom­men. Der Sub­jonc­tif, der ist ul­kig. Qu’il soit (dass er sei) – wie durch Zu­fall.

Des­car­tes je­den­falls täuscht sich dar­in nicht: Gott, das ist das Sa­gen (Dieu, c’est le dire). Er sieht ganz rich­tig, dass dieu­re das ist das, was die Wahr­heit sein lässt, das, was nach Gut­dün­ken dar­über ent­schei­det. Es ge­nügt, wie ich de dieu­re (zu sa­gen / zu got­ten). Das ist die Wahr­heit, dem kann man nicht ent­rin­nen. Falls Dieu­re mich täuscht, Pech ge­habt – das ist die Wahr­heit durch das De­kret des Dieu­re, die gol­de­ne Wahr­heit. Gut, ge­hen wir wei­ter.

Denn hier ma­che ich in eben die­sem Mo­ment ei­ni­ge Be­mer­kun­gen über Leu­te, die auf der an­de­ren Sei­te des Rheins die Kri­tik her­um­ge­schleppt ha­ben, um dann zum Schluss Hit­ler in den Arsch zu krie­chen. Das bringt mich dazu, mit den Zäh­nen zu knir­schen.

Also, das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, das ist Num­mer eins.

Das Un­er­hör­te ist, dass das Sinn be­kom­men hat und dass es in die­ser An­ord­nung Sinn be­kom­men hat. In bei­den Fäl­len liegt das an mir, an dem, was ich den Wind nen­ne, bei dem ich spü­re, dass ich selbst ihn nicht ein­mal mehr vor­aus­se­hen kann, den Wind, mit dem man heut­zu­ta­ge sei­ne Se­gel bläht. Denn das ist of­fen­kun­dig, zu Be­ginn fehlt’s nicht dar­an, am Sinn. Eben dar­in be­steht das Den­ken: dass Wör­ter ge­wis­se dum­me Vor­stel­lun­gen in den Kör­per ein­füh­ren, und da ha­ben Sie die Sa­che, da ha­ben Sie das Ima­gi­nä­re, das uns au­ßer­dem et­was zu­rück­er­stat­tet (nous rend gor­ge) – das be­deu­tet nicht, dass es da­für sorgt, dass wir uns auf­plus­tern (nous rengor­ge), nein, es kotzt uns ein wei­te­res Mal et­was aus, und zwar was? wie durch Zu­fall eine Wahr­heit, eine Wahr­heit mehr. Das ist der Gip­fel! Dar­aus, dass in ihm der Sinn haust, er­ge­ben sich für uns zu­gleich die bei­den an­de­ren als Sinn. Der Idea­lis­mus, bei dem alle es ab­ge­lehnt ha­ben, ihm zu­ge­rech­net zu wer­den, der Idea­lis­mus steckt da­hin­ter. Die Leu­te ver­lan­gen (de­mandent) nur dies, das in­ter­es­siert sie, ist doch das Den­ken wohl das, was am meis­ten ver­dummt, in­dem es die Sinn­glo­cke läu­tet.

Wie brin­ge ich Ih­nen nur den phi­lo­so­phi­schen Ge­brauch mei­ner Ter­mi­ni aus dem Kopf, das heißt den schmut­zi­gen Ge­brauch, wo das doch an­de­rer­seits hin­ein­ge­lan­gen muss, aber es wäre bes­ser, wenn das an­ders­wo rein­kä­me.

Sie stel­len sich vor, dass sich das Den­ken im Ge­hirn ab­spielt. Ich sehe nicht, war­um ich Ih­nen das aus­re­den soll­te. Ich je­den­falls bin mir si­cher – ich bin mir ein­fach si­cher, das ist bei mir so –, dass sich das in den Stirn­mus­keln ab­spielt, beim spre­chen­den We­sen (l’être par­lant) ge­nau wie beim Igel. Ich lie­be Igel. Wenn ich ei­nen sehe, ste­cke ich ihn mir in die Ta­sche, ins Ta­schen­tuch. Na­tür­lich pisst er. | [182] Bis ich ihn auf den Ra­sen bei mei­nem Wo­chen­end­haus ge­bracht habe. Und da lie­be ich es, zu be­ob­ach­ten, wie sich die­ses Fal­ten der Stirn­mus­keln her­stellt. Und da­nach rollt er sich, ganz wie wir, zu ei­ner Ku­gel zu­sam­men. Also wenn Sie mit den Stirn­mus­keln den­ken kön­nen, dann kön­nen Sie auch mit den Fü­ßen den­ken. Und ich möch­te eben, dass es da­hin geht, denn das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le, dass ist letzt­lich dazu ge­macht, dass es den­je­ni­gen in die­ser Zu­sam­men­rot­tung, die mir fol­gen, dass es de­nen hilft, den Weg der Ana­ly­se zu bah­nen.

Die­se Rin­ge da, die­se Fa­den­rin­ge (ronds de ficel­le), bei de­nen ich mich ab­ge­müht habe, Zeich­nun­gen für Sie an­zu­fer­ti­gen, die­se Fa­den­rin­ge, es geht nicht dar­um, sie zu schnur­ren (ron­ron­ner). Das soll für Sie nütz­lich sein, soll Ih­nen bei eben die­sem Her­um­ir­ren (l’erre) nütz­lich sein, über das ich zu Ih­nen in die­sem Jahr ge­spro­chen habe, soll Ih­nen da­bei nütz­lich sein, dass Sie das wahr­neh­men, was – die To­po­lo­gie wahr­neh­men, die da­durch de­fi­niert wird – , das was es da­zwi­schen gibt, um Nicht-Rein­ge­leg­te der Au­to­bahn zu sein.

Die­se Ter­mi­ni sind nicht tabu. Es wäre nö­tig, dass Sie sie ka­pie­ren. Sie wa­ren schon lan­ge vor dem Zeit­punkt da, den ich vor­aus­set­ze, wenn ich ihn den ers­ten nen­ne, das ers­te Mal, dass ich in Rom ge­spro­chen habe. Die­se drei habe ich raus­ge­bracht, nach­dem ich ei­ni­ger­ma­ßen gründ­lich nach­ge­dacht hat­te, ich habe sie sehr früh raus­ge­bracht, lan­ge be­vor ich mich an mei­ne ers­te Rom-Rede ge­setzt habe.

Auch wenn die­se Rin­ge die des bor­ro­mäi­schen Kno­tens sind, ist das kei­nes­wegs ein Grund, dass Sie mit dem Fuß drin hän­gen­blei­ben. Das ist es nicht, was ich „mit den Fü­ßen den­ken“ nen­ne. Es wür­de dar­um ge­hen, dass Sie hier et­was ganz an­de­res als ein Glied las­sen – ich spre­che von den Ana­ly­ti­kern –, es wür­de dar­um ge­hen, dass Sie hier die­ses sinn­lo­se (in­sen­sé) Ob­jekt las­sen, das ich mit klein a be­zeich­net habe. Es ist das, was in der Ver­zur­rung des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len zum Kno­ten ein­ge­fan­gen wird. Wenn Sie es rich­tig ein­fan­gen, wer­den Sie dem ge­recht, was Ihre Funk­ti­on ist: es Ih­rem Ana­ly­san­ten als Ur­sa­che sei­nes Be­geh­rens (dé­sir) an­zu­bie­ten. Das ist es, was er­reicht wer­den soll. Aber wenn Sie mit der Pfo­te drin hän­gen blei­ben, ist das auch nicht schlimm. Wich­tig ist, dass das auf Ihre Kos­ten geht.

Um es klar zu sa­gen, nach die­ser Zu­rück­wei­sung des je sou­is [ich bin], möch­te ich mich da­mit ver­gnü­gen, Ih­nen zu sa­gen, dass man die­ser Kno­ten sein muss. Wenn ich nun noch das hin­zu­fü­ge, was Sie schon ken­nen, nach dem, was ich ein Jahr lang un­ter dem Ti­tel Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se über die vier Dis­kur­se ar­ti­ku­liert hat­te, dann bleibt im­mer noch dies üb­rig, dass Sie, um er zu sein, da­von nur den Schein (sem­blant) bil­den müs­sen. Und das ist kniff­lig. Das ist umso kniff­li­ger, als es nicht ge­nügt, da­von die Idee zu ha­ben, um den Schein da­von zu bil­den. | [183] Stel­len Sie sich nur nicht vor, dass ich selbst da­von die Idee ge­habt habe. Ich habe „Ob­jekt klein a“ ge­schrie­ben. Das ist et­was ganz an­de­res. Das nä­hert es an die Lo­gik an, das heißt, das macht es im Rea­len wirk­sam, als das Ob­jekt, für das es ge­ra­de kei­ne Idee gibt, was, wie man wohl sa­gen muss, in je­der Theo­rie, in wel­cher auch im­mer, bis­her ein Loch war: das Ob­jekt, von dem es kei­ne Idee gibt. Das be­grün­det mei­ne Vor­be­hal­te, wie ich sie vor­hin ge­gen­über dem Vor­s­o­kra­tis­mus von Pla­ton an­ge­mel­det habe. Nicht, dass er da­für kein Ge­spür ge­habt hät­te. Er schwimmt im Schein, ohne es zu wis­sen. Das treibt ihn um, auch wenn er es nicht weiß. Das be­deu­tet nur ei­nes: dass er es spürt, dass er aber nicht weiß, war­um das so ist. Da­her die­ser Un­halt (in­sup­port), die­ses Un­er­träg­li­che (in­sup­por­ta­ble), das er ver­brei­tet.

Es gibt nicht ei­nen Dis­kurs, in dem der Schein nicht das Spiel führ­te. Es ist nicht zu se­hen, war­um der Letzt­ge­kom­me­ne, der ana­ly­ti­sche Dis­kurs, dem ent­ge­hen soll­te. Das ist je­doch kein Grund, dass Sie sich in die­sem Dis­kurs, un­ter dem Vor­wand, dass er der Letzt­ge­kom­me­ne ist, der­art un­be­hag­lich füh­len, dass Sie dar­aus, ent­spre­chend der Ver­wen­dung, mit der Ihre Kol­le­gen von der In­ter­na­tio­na­len sich ein­zwän­gen, ei­nen Schein ma­chen, der mehr Schein als Na­tur ist, der zur Schau ge­tra­gen wird; Sie er­in­nern sich doch dar­an, dass der Schein des­je­ni­gen, der als Art spricht, im­mer da ist, in je­der Art von Dis­kurs, der sie be­setzt; das ist so­gar eine zwei­te Na­tur. Also sei­en Sie et­was lo­cke­rer, et­was na­tür­li­cher, wenn Sie je­man­den emp­fan­gen, der bei Ih­nen we­gen ei­ner Ana­ly­se an­fragt. Füh­len Sie sich doch nicht ver­pflich­tet, sich so auf­zu­bla­sen (à vous pous­ser du col). Auch als Spaß­ma­cher ha­ben Sie eine Da­seins­be­rech­ti­gung. Sie müs­sen sich nur mei­ne Te­le­vi­si­on an­schau­en. Ich bin ein Clown. Neh­men Sie sich dar­an ein Bei­spiel, und imi­tie­ren Sie mich nicht! Das Se­riö­se, das mich be­seelt, ist die Se­rie, die Sie bil­den. Sie kön­nen nicht zu­gleich ei­ner da­von sein (en être) und er sein (l’être).

Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, das ist eine Aus­sa­ge über das, was ef­fek­tiv in Ih­rem Spre­chen ope­riert, wenn Sie sich vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs her ver­or­ten, wenn Sie, als Ana­ly­ti­ker, er sind. Die­se Ter­mi­ni tau­chen wirk­lich nur für und durch die­sen Dis­kurs auf. Ich muss­te kei­ne In­ten­ti­on da hin­ein­le­gen, auch ich muss­te nur fol­gen. Das heißt nicht, dass dies nicht auch Licht auf die an­de­ren Dis­kur­se wirft, das ent­wer­tet sie aber auch nicht. Der Dis­kurs des Herrn bei­spiels­wei­se, sein Zweck be­steht dar­in, dass die Din­ge sich im all­ge­mei­nen Gleich­schritt voll­zie­hen.

Nun ja, das ist kei­nes­wegs das­sel­be wie das Rea­le, denn das Rea­le, das ist ge­nau das, was nicht läuft, was mit die­sem Tross über Kreuz liegt, mehr noch, was nicht auf­hört, sich zu wie­der­ho­len, um die­sen Vor­marsch zu be­hin­dern. Ich habe es zu­nächst so ge­sagt: Das ist das, was am sel­ben Platz im­mer wie­der­kehrt. Die Be­to­nung ist auf „wie­der­kehrt“ zu le­gen. Das ist der Platz, der auf­ge­deckt wird, der Platz des Scheins. | [184] Es ist schwie­rig, ihn ein­zig vom Ima­gi­nä­ren her ein­zu­rich­ten, wie der Be­griff des Plat­zes es zu­nächst zu im­pli­zie­ren scheint. Ein Glück, dass wir die ma­the­ma­ti­sche To­po­lo­gie ha­ben, um uns dar­auf zu stüt­zen, das ist das, was ich zu tun ver­su­che.

In ei­ner zwei­ten Pha­se, das Rea­le zu de­fi­nie­ren, habe ich ver­sucht, es vom Un­mög­li­chen her auf­zu­zei­gen, von ei­ner lo­gi­schen Mo­da­li­tät her. Neh­men Sie doch mal an, im Rea­len gäbe es nichts Un­mög­li­ches. Die Wis­sen­schaft­ler wür­den ein ko­mi­sches Ge­sicht zie­hen und wir eben­falls! Wer hat da et­was zu flö­ten? Aber was für ein Weg muss­te zu­rück­ge­legt wer­den, um des­sen ge­wahr zu wer­den! Jahr­hun­der­te­lang hat man ge­glaubt, al­les sei mög­lich. Ich weiß ja nicht, un­ter Ih­nen gibt es viel­leicht ei­ni­ge, die Leib­niz ge­le­sen ha­ben. Er zog sich nur mit dem „Kom­pos­si­blen“ aus der Af­fä­re – Gott hat­te sein Bes­tes ge­tan, es war er­for­der­lich, dass die Din­ge zu­sam­men mög­lich sind. Nun, was hin­ter all dem an Kom­bi­na­tem (com­bi­nat) und so­gar an Tricks (com­bi­ne) steckt, ist nicht vor­stell­bar / ist nicht ima­gi­nier­bar.

Viel­leicht wird uns die Ana­ly­se dazu brin­gen, die Welt als das an­zu­se­hen, was sie ist: ima­gi­när. Dazu ge­langt man nur da­durch, dass man die Funk­ti­on der so­ge­nann­ten Vor­stel­lung (re­pré­sen­ta­ti­on) re­du­ziert, um sie dort an­zu­set­zen, wo sie ist, näm­lich im Kör­per. Das ver­mu­tet man schon seit lan­gem, eben dar­in be­steht der phi­lo­so­phi­sche Idea­lis­mus. Al­ler­dings, der phi­lo­so­phi­sche Idea­lis­mus ist zwar dar­auf ge­kom­men, so­lan­ge es je­doch kei­ne Wis­sen­schaft gab, konn­te er sie nur ver­schlie­ßen, nicht ohne eine klei­ne Poin­te wie die­se: In­dem sie re­si­gnier­ten, er­war­te­ten sie zu­gleich die Zei­chen, die Zei­chen aus dem Jen­seits, des No­u­me­non, so nen­nen sie das. Des­we­gen ha­ben sich auch ei­ni­ge Bi­schö­fe dar­an be­tei­ligt, Bi­schof Ber­ke­ley vor al­lem, der zu sei­ner Zeit un­schlag­bar war und dem das sehr ge­le­gen kam.

Das Rea­le ist nicht die Welt. Es gibt kei­ne Hoff­nung, das Rea­le durch die Vor­stel­lung zu er­rei­chen. Ich will mich hier nicht auf die Quan­ten­theo­rie be­ru­fen und nicht auf die Theo­rie von Wel­le und Teil­chen, den­noch wäre es bes­ser, Sie hät­ten da­von ei­nen Schim­mer, auch wenn Sie das nicht in­ter­es­siert. Aber ver­schaf­fen Sie sich selbst die­sen Schim­mer, es ge­nügt, wenn Sie in ei­ni­ge klei­ne Bü­cher über Wis­sen­schaft hin­ein­schau­en.

Das Rea­le ist zu­gleich nicht uni­ver­sal, was heißt, dass es nur in dem stren­gen Sin­ne „al­les“ ist, als je­des sei­ner Ele­men­te mit sich selbst iden­tisch ist, ohne je­doch als pan­tes [alle] be­zeich­net wer­den zu kön­nen. Es gibt nicht „alle Ele­men­te“, es gibt nur Men­gen, die in je­dem ein­zel­nen Fall zu be­stim­men sind. Es lohnt nicht, hin­zu­zu­fü­gen: Das ist al­les.

Das hat nur den Sinn, die­ses Et­was her­vor­zu­he­ben, die­sen Si­gni­fi­kan­ten – ein Buch­sta­be, näm­lich der, den ich S In­dex 1 schrei­be [S1] –, die­ser Si­gni­fi­kant, der ge­schrie­ben wird, ohne dass dies ei­nen Sin­n­ef­fekt her­vor­ruft. Die Ent­spre­chung, wenn ich so sa­gen darf, zum Ob­jekt klein a. | [185] Nun ja, wenn ich dar­an den­ke, dass ich mich eine Zeit­lang da­mit ver­gnügt habe, ein Spiel zu spie­len zwi­schen die­sem S1, den ich bis zur Wür­de des Si­gni­fi­kan­ten Ein vor­an­ge­trie­ben hat­te, dass ich mit die­sem Ein und dem klein a ge­spielt habe, in­dem ich sie durch die gol­de­ne Zahl mit­ein­an­der ver­knüpft habe, das zählt schon et­was (ça vaut mil­le)! Das zählt schon et­was, ich will sa­gen, dass es sei­ne Trag­wei­te da­durch ge­winnt, dass es ge­schrie­ben wird. Tat­säch­lich war das dazu ge­dacht, die Nich­tig­keit ei­nes je­den Ko­itus-mit-der-Welt zu ver­an­schau­li­chen, das heißt des­sen, was man bis­her als Er­kennt­nis be­zeich­net hat. Denn in der Welt gibt es nicht mehr als ein Ob­jekt klein a – Schiss oder Blick, Stim­me oder Schnul­ler –, wel­ches das Sub­jekt spal­tet und es als die­sen Ab­fall schminkt, der dem Kör­per ex-sis­tiert.

Dar­aus ei­nen Schein zu ma­chen, da­für muss man be­gabt sein. Das ist be­son­ders schwie­rig, das ist schwie­ri­ger für eine Frau als für ei­nen Mann, im Ge­gen­satz zu dem, was ge­sagt wird. Dass die Frau ge­le­gent­lich das Ob­jekt a des Man­nes ist, heißt noch lan­ge nicht, dass sie Ge­schmack dar­an fin­det, es zu sein. Aber im­mer­hin kommt das vor. Es kommt vor, dass sie dem auf na­tür­li­che Wei­se äh­nelt. Es gibt nichts was ähn­li­cher, naja, was mehr ei­nem Flie­gen­schiss äh­nelt als Anna Freud, da­von muss sie doch et­was ha­ben!

Sei­en wir se­ri­ös. Keh­ren zu dem zu­rück, was ich zu tun ver­su­che. Die­se Drit­te muss vom Rea­len her ge­stützt wer­den, das sie ent­hält, und dar­um stel­le ich Ih­nen die Fra­ge, von der ich sehe, dass die­je­ni­gen, die mit mir, die vor mir ge­spro­chen ha­ben, sie ein we­nig ah­nen, sie nicht nur ah­nen, son­dern sie so­gar aus­ge­spro­chen ha­ben –, dass sie sie aus­ge­spro­chen ha­ben, da­mit wird un­ter­schrie­ben, dass sie es ah­nen: Ist die Psy­cho­ana­ly­se ein Sym­ptom?

Sie wis­sen, wenn ich Fra­gen stel­le, heißt das, dass ich die Ant­wort habe, aber im­mer­hin wäre es wohl bes­ser, wenn es die rich­ti­ge Ant­wort wäre. Sym­ptom nen­ne ich das, was vom Rea­len kommt. Das heißt, dass es sich als ein klei­ner Fisch dar­stellt, des­sen gie­ri­ges Maul sich nur schließt, wenn er et­was Sinn zu knab­bern er­gat­tert hat. Und dann ent­we­der – oder. Ent­we­der sorgt das da­für, dass es sich ver­mehrt – „wach­set und meh­ret euch (mul­ti­pliez-vous)“, sag­te der Herr, was doch ein star­kes Stück ist, das uns stut­zig ma­chen soll­te, die­se Ver­wen­dung des Aus­drucks „Vermehrung“/„Multiplikation“: er, der Herr, weiß ja im­mer­hin, was das ist, eine Mul­ti­pli­ka­ti­on, das ist nicht die­se Ver­meh­rung des klei­nen Fi­sches –, oder aber es kre­piert dar­an. Bes­ser wäre es, und dar­um soll­ten wir uns be­mü­hen, dass das Rea­le des Sym­ptoms dar­an kre­piert, und da stellt sich die Fra­ge: Wie macht man das?

Zu ei­ner Zeit, als ich mich in Ein­rich­tun­gen aus­brei­te­te, die ich nicht nen­nen wer­de – ob­wohl ich in mei­nem Pa­pier hier dar­auf an­spie­le, das kommt zum Druck, ich muss ei­ni­ges über­sprin­gen –, zu ei­ner Zeit, als ich in Ein­rich­tun­gen der Me­di­zin ver­such­te, be­greif­lich zu ma­chen, was das ist, das Sym­ptom, da habe ich es nicht ganz so wie jetzt ge­sagt, aber den­noch, das ist viel­leicht ein Nach­trag*, | [186] den­noch glau­be ich, dass ich es be­reits wuss­te, auch wenn ich da­von das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le noch nicht habe auf­tau­chen las­sen. Der Sinn des Sym­ptoms ist nicht der, mit dem man es füt­tert, so­dass es ent­we­der wu­chert oder aus­stirbt; der Sinn des Sym­ptoms, das ist das Rea­le, das Rea­le als das, was sich quer­stellt / was über Kreuz liegt, um zu ver­hin­dern, dass die Din­ge in dem Sin­ne lau­fen, dass sie auf zu­frie­den­stel­len­de Wei­se von sich selbst Re­chen­schaft ab­le­gen – zu­frie­den­stel­lend zu­min­dest für den Herrn.

Was kei­nes­wegs hei­ßen soll, dass der Skla­ve in ir­gend­ei­ner Wei­se dar­un­ter lei­det, kei­nes­wegs. Der Skla­ve – bit­te ent­schul­di­gen Sie die­sen klei­nen Ein­schub –, der Skla­ve hat hier­bei sei­ne Ruhe, mehr als man glaubt, er ist es, der ge­nießt, im Ge­gen­satz zu dem, was He­gel sagt, der es doch se­hen müss­te, denn eben des­halb hat er [der Skla­ve] sich durch den Herrn be­stim­men las­sen. Nun ver­spricht ihm He­gel au­ßer­dem noch die Zu­kunft – mehr geht nicht! Auch das ist ein Nach­trag*, ein Nach­trag*, der er­ha­be­ner ist als in mei­nem Fall, wenn ich so sa­gen darf, be­weist es doch, dass der Skla­ve das Glück hat­te, be­reits zu Zei­ten des Hei­den­tums Christ zu sein. Das ist of­fen­kun­dig, aber nun ja, das ist den­noch merk­wür­dig, das ist hier ja wirk­lich der to­ta­le Ge­winn! Al­les, um glück­lich zu sein! Das wirds nie wie­der ge­ben. Jetzt, wo es kei­ne Skla­ven mehr gibt, sind wir dar­auf an­ge­wie­sen, uns die Ko­mö­di­en von Plau­tus und Te­renz wie­der zur Brust zu neh­men, so­viel wir nur kön­nen, all das, um uns eine Idee da­von zu ver­schaf­fen, dass es ih­nen gut ging, den Skla­ven.

Doch ich schwei­fe ab. Das heißt je­doch nicht, dass ich den Fa­den des­sen ver­lie­ren wür­de, was sie be­weist, die­se Ab­schwei­fung. Der Sinn des Sym­ptoms hängt von der Zu­kunft des Rea­len ab, also, wie ich auf der Pres­se­kon­fe­renz ge­sagt habe, vom Er­folg der Psy­cho­ana­ly­se. Man ver­langt von ihr, dass sie uns so­wohl das Rea­le als auch das Sym­ptom vom Hal­se schafft. Falls sie da­mit Er­folg hat, falls sie die­ser For­de­rung er­folg­reich nach­kommt, muss man sich dar­auf ge­fasst ma­chen – ich sage das so, Ent­schul­di­gung, aber ich sehe, dass es Leu­te gibt, die bei die­ser Pres­se­kon­fe­renz nicht da­bei wa­ren, für sie sage ich das –, dann muss man sich auf al­les ge­fasst ma­chen, näm­lich auf eine Rück­kehr der wah­ren Re­li­gi­on bei­spiels­wei­se, die be­kannt­lich nicht den Ein­druck macht, als wür­de sie zu­grun­de ge­hen. Sie ist nicht ver­rückt, die wah­re Re­li­gi­on, alle Hoff­nun­gen sind ihr recht, wenn ich so sa­gen darf; sie hei­ligt sie. Und da­durch sind ihr na­tür­lich alle ge­stat­tet

Aber wenn die Psy­cho­ana­ly­se Er­folg hat, wird sie ver­lö­schen und nur noch ein ver­ges­se­nes Sym­ptom sein. Sie soll­te sich nicht dar­über wun­dern, das ist das Schick­sal der Wahr­heit, so wie sie selbst es zum Prin­zip macht. Die Wahr­heit wird ver­ges­sen.

Al­les hängt also da­von ab, ob das Rea­le in­sis­tiert. Da­für ist es al­ler­dings nö­tig, dass die Psy­cho­ana­ly­se schei­tert. Man muss er­ken­nen, dass sie auf dem Weg dort­hin ist und dass sie also noch gute Chan­cen hat, ein Sym­ptom zu blei­ben, zu wach­sen und sich zu ver­meh­ren. Psy­cho­ana­ly­ti­ker nicht tot, Brief folgt! Aber den­noch, se­hen Sie sich vor! Das ist viel­leicht mei­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form. Mag sein, dass ich mich auch über­stür­ze. Das ist die Funk­ti­on der Hast, die ich Ih­nen ge­gen­über zur Gel­tung ge­bracht habe.

[187] Was ich Ih­nen ge­sagt habe, könn­te je­doch falsch ver­stan­den wor­den sein, was ich Ih­nen eben ge­sagt habe, in der Wei­se ver­stan­den wor­den sein, als sei es im Sin­ne der Fra­ge auf­zu­fas­sen, ob die Psy­cho­ana­ly­se ein ge­sell­schaft­li­ches Sym­ptom ist. Es gibt nur ein ein­zi­ges ge­sell­schaft­li­ches Sym­ptom: Je­des In­di­vi­du­um ist wirk­lich ein Pro­le­ta­ri­er, das heißt es hat kei­nen Dis­kurs, um dar­aus ein so­zia­les Band zu ma­chen, an­ders ge­sagt, ei­nen Schein. Dem hat Marx vor­ge­beugt, auf un­glaub­li­che Wei­se vor­ge­beugt. Ge­sagt, ge­tan. Was er von sich ge­ge­ben hat, im­pli­ziert, dass nichts zu än­dern ist. Und eben des­halb geht üb­ri­gens al­les ge­nau­so wei­ter wie zu­vor.

Die Psy­cho­ana­ly­se hat ge­sell­schaft­lich eine an­de­re Kon­sis­tenz als die an­de­ren Dis­kur­se. Sie ist eine Zwei­er-Bin­dung (lien à deux). Und da­mit be­fin­det sie sich an der Stel­le, an der das se­xu­el­le Ver­hält­nis fehlt. Das macht aus ihr aber noch lan­ge kein so­zia­les Sym­ptom, denn das se­xu­el­le Ver­hält­nis – das fehlt in al­len Ge­sell­schafts­for­men. Das hängt mit der Wahr­heit zu­sam­men, die je­den Dis­kurs struk­tu­riert.

Eben des­halb gibt es üb­ri­gens auch kei­ne wirk­li­che auf dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs be­ru­hen­de Ge­sell­schaft. Es gibt eine Schu­le, die sich ge­ra­de nicht da­durch de­fi­niert, dass sie eine Ge­sell­schaft wäre. Sie de­fi­niert sich da­durch, dass ich dort et­was leh­re. So ko­misch das auch er­schei­nen mag, aber wenn man von der Éco­le freu­dien­ne spricht, ist das et­was von der Art des­sen, was bei­spiels­wei­se die Stoi­ker aus­mach­te. die Stoi­ker hat­ten im­mer­hin so­gar so et­was wie eine Vor­ah­nung vom La­ca­nia­nis­mus. Schließ­lich wa­ren sie es, die die Un­ter­schei­dung von si­gn­ans und si­gna­tum er­fun­den ha­ben. Ich wie­der­um habe ih­nen mei­ne Ach­tung vor dem Selbst­mord zu ver­dan­ken. Das soll na­tür­lich nicht hei­ßen, für Ar­ten des Selbst­mords, die auf ei­nem Scherz be­ru­hen, son­dern für die Form des Selbst­mords, die letzt­lich der Akt im stren­gen Sin­ne des Wor­tes ist. Man darf ihn nicht ver­pfu­schen, das ist klar. Ohne das ist das nicht –, ohne das ist das kein Akt.

Bei all dem also gibt es kein Pro­blem des Den­kens. Ein Psy­cho­ana­ly­ti­ker weiß, dass das Den­ken von Na­tur aus ab­we­gig ist, was ihn nicht dar­an hin­dert, für ei­nen Dis­kurs ver­ant­wort­lich zu sein, der den Ana­ly­san­ten wo­mit ver­schweißt? Wie heu­te Vor­mit­tag je­mand sehr rich­tig ge­sagt hat: nicht mit dem Ana­ly­ti­ker; was er heu­te Vor­mit­tag ge­sagt hat, das drü­cke ich an­ders aus, ich freue mich, dass das in die­sel­be Rich­tung geht: Der Dis­kurs ver­schweißt den Ana­ly­san­ten mit dem Paar Ana­ly­sant-Ana­ly­ti­ker. Das ist ge­nau das­sel­be wie das, was heu­te Vor­mit­tag je­mand ge­sagt hat.

Bei all dem be­steht das Pi­kan­te also dar­in, dass es das Rea­le ist, wo­von der Ana­ly­ti­ker in den kom­men­den Jah­ren ab­hän­gen wird, und nicht um­ge­kehrt. Die An­kunft des Rea­len hängt kei­nes­wegs vom Ana­ly­ti­ker ab. Der Ana­ly­ti­ker hat die Auf­ga­be, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken. Trotz al­lem könn­te das Rea­le durch­aus au­ßer Kon­trol­le ge­ra­ten, vor al­lem seit es den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs als Stüt­ze hat. Das ist so­gar eine der Ver­fah­rens­we­sen des­sen, was man Sci­ence-Fic­tion nennt, wor­über ich sa­gen muss, dass ich das nie lese, aber in den Ana­ly­sen | [188] wird mir oft er­zählt, was drin steht, das kann man sich nicht vor­stel­len: die Eu­ge­nik, die Eu­tha­na­sie, kurz, alle Ar­ten von ver­schie­de­nen Eu-Scher­zen. Lus­tig wird es dort nur dann, wenn die Wis­sen­schaft­ler selbst da­von ge­packt wer­den, na­tür­lich nicht von der Sci­ence-Fic­tion, son­dern sie wer­den von ei­ner Angst ge­packt, und das ist doch auf­schluss­reich. Das ist eben das ty­pi­sche Sym­ptom für jede An­kunft des Rea­len.

Und wenn die Bio­lo­gen, um sie zu nen­nen, die­se Wis­sen­schaft­ler, sich ein Em­bar­go auf­er­le­gen, be­zo­gen auf die Be­hand­lung von Bak­te­ri­en im La­bor, un­ter dem Vor­wand, wenn man wel­che er­zeugt, die zu wi­der­stands­fä­hig sind und zu stark, dann könn­ten sie mal un­ter der Tür­schwel­le durch­rut­schen und schließ­lich min­des­tens die ge­sam­te Er­fah­rung der ge­schlecht­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung weg­put­zen, in­dem das Sprech­we­sen (le par­lêt­re) aus­ge­putzt wird, das ist doch im­mer­hin et­was sehr Pi­kan­tes. Die­ser An­fall von Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl ist un­ge­heu­er ko­misch, das ge­sam­te Le­ben letzt­lich auf die In­fek­ti­on re­du­ziert, die es al­ler Wahr­schein­lich­keit nach re­al­er­wei­se ist, das ist der Gip­fel des Denkwesens/Denkseins (l’être-pense). Lei­der se­hen sie je­doch nicht, dass da­mit zu­gleich der Tod sei­nen Platz in dem fin­det, was da­von in Lalan­gue, so wie ich es schrei­be, ein Zei­chen gibt.

Wie dem auch sei, die von mir wei­ter oben am Ran­de her­vor­ge­ho­be­nen „Eu-“ wür­den uns schließ­lich in die Apa­thie des all­ge­mei­nen Wohls ver­set­zen und ei­nen Er­satz bil­det für die Ab­we­sen­heit des Ver­hält­nis­ses, das ich auf im­mer für un­mög­lich er­klärt habe durch die Ver­bin­dung von Kant mit Sade, mit der ich glaub­te, in ei­ner Schrift die Zu­kunft kenn­zeich­nen zu müs­sen, die uns vor der Nase hängt – die­sel­be näm­lich wie die, wo die Ana­ly­se in ge­wis­ser Wei­se ihre ge­si­cher­te Zu­kunft hat. „Fran­zo­sen, noch eine An­stren­gung, um Re­pu­bli­ka­ner zu sein.“ Ih­nen wird es ob­lie­gen, auf die­se Be­schwö­rung zu ant­wor­ten, weil –, auch wenn ich nicht im­mer weiß, ob die­ser Auf­satz Sie kalt ge­las­sen hat. Es gibt da nur ei­nen klei­nen Ty­pen, der sich da­mit ab­ge­müht hat, das hat nicht groß was ge­bracht. Je mehr ich mein Da­sein* ver­zeh­re, wie ich am Schluss von ei­nem mei­ner Se­mi­na­re ge­schrie­ben habe, des­to we­ni­ger weiß ich et­was über die Art der Wir­kung, die es auf Sie aus­übt.

Die­se Drit­te lese ich vor, wäh­rend Sie sich viel­leicht dar­an er­in­nern kön­nen, dass ich bei der Ers­ten, die hier wie­der­kehrt, ge­glaubt hat­te, mei­ne par­lan­ce hin­ein­le­gen zu müs­sen, denn man hat sie seit­her ge­druckt, un­ter dem Vor­wand, dass Sie alle den aus­ge­teil­ten Text da­von hat­ten. Auch wenn ich heu­te nur our­dro­me ma­che, hof­fe ich doch, dass das für Sie kein all­zu gro­ßes Hin­der­nis bil­det, um zu ver­ste­hen, was ich vorlese.Wenn sie zu viel ist, bit­te ich um Ent­schul­di­gung.

Die ers­te also, die­je­ni­ge, die wie­der­kehrt, so­dass sie nicht auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den, not­wen­dig, die ers­te, Funk­ti­on und Feld – dar­in habe ich ge­sagt, was ge­sagt wer­den muss­te. Die Deu­tung, habe ich dort von mir ge­ge­ben, ist nicht Sinn­deu­tung, son­dern Spiel mit der Mehr­deu­tig­keit. Dar­um habe ich die Be­to­nung auf den Si­gni­fi­kan­ten in der Spra­che (la lan­gue) ge­legt. Ich habe ihn als In­stanz des Buch­sta­bens be­zeich­net, um mich Ih­ren schwa­chen Stoi­zis­mus-Kennt­nis­sen ver­ständ­lich zu ma­chen. Dar­aus er­gibt sich, wie ich seit­her ohne grö­ße­re Wir­kung hin­zu­ge­fügt habe, dass die Deu­tung sich von Lalan­gue her voll­zieht, was | [189] nicht ver­hin­dert, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, eine die­ser Spra­chen (lan­ga­ges), bei de­nen es Sa­che der Lin­gu­is­ten ist, glau­ben zu ma­chen, dass Lalan­gue be­lebt ist. Gram­ma­tik nen­nen sie das im all­ge­mei­nen, oder wenn es sich um Hjelms­lev han­delt, Form. Das geht nicht von selbst, auch wenn je­mand, der mir de­ren An­bah­nung zu ver­dan­ken hat, die Be­to­nung auf die Gram­ma­to­lo­gie ge­legt hat.

Lalan­gue ist das, was es zu be­rück­sich­ti­gen er­laubt, dass es kein Zu­fall ist, dass das vœu [Wunsch] auch das veut [will] von vou­loir [wol­len] ist, drit­te Per­son des In­di­ka­tivs <Prä­sens>, dass das ver­nei­nen­de non [nein] und das be­nen­nen­de nom [Name] <gleich­klin­gen>, und auch nicht, dass d’eux [von ih­nen] – d Apo­stroph vor dem eux, wo­mit man die­je­ni­gen be­zeich­net, über die man spricht – auf die­sel­be Wei­se ge­bil­det wird wie die Zahl deux [zwei], das ist hier kein rei­ner Zu­fall und auch nicht ar­bi­trär, wie Saus­su­re sich aus­drückt. Was man dar­in er­fas­sen muss, ist die Ab­la­ge­rung, die An­schwem­mung, die Ver­stei­ne­rung, die da­durch ge­prägt ist, wie eine Grup­pe mit ih­rer un­be­wuss­ten Er­fah­rung um­geht. Nicht al­lein schon des­we­gen, weil sie in Ge­brauch ist, ist die Spra­che (la lan­gue) als le­bend zu be­zeich­nen. Was sie mit sich führt, ist viel­mehr der Tod des Zei­chens. Weil das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, heißt das kei­nes­wegs, dass Lalan­gue nicht ge­gen sein Ge­nie­ßen zu spie­len hät­te, hat sie sich doch aus eben die­sem Ge­nie­ßen ge­bil­det.

Dem Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird, also dem Ana­ly­ti­ker in der Über­tra­gung, wird es nicht zu Un­recht un­ter­stellt, wenn er näm­lich weiß, wor­in das Un­be­wuss­te be­steht, in ei­nem Wis­sen näm­lich, das von Lalan­gue ar­ti­ku­liert wird, wo­bei der Kör­per, der hier spricht, da­mit nur durch das Rea­le ver­kno­tet ist, von dem her er sich ge­nießt. Doch der Kör­per ist so auf­zu­fas­sen, dass er im na­tür­li­chen Zu­stand nicht mit die­sem Rea­len ver­kno­tet ist, das für den Kör­per, auch wenn es hier ex-sis­tiert, um sein Ge­nie­ßen her­bei­zu­füh­ren, nicht we­ni­ger un­durch­sich­tig bleibt. Es [das Rea­le] ist der Ab­grund, der des­halb we­ni­ger be­merkt wird, weil es Lalan­gue ist, die die­ses Ge­nie­ßen zi­vi­li­siert, wenn ich so sa­gen darf, wo­mit ich mei­ne, dass sie es zu sei­ner ent­wi­ckel­ten Wir­kung bringt, zu der­je­ni­gen, durch die der Kör­per Ob­jek­te ge­nießt, un­ter de­nen das ers­te, das­je­ni­ge, das ich als a schrei­be, eben das Ob­jekt ist, von dem es, wie ge­sagt, kei­ne Idee gibt, ich mei­ne kei­ne Idee als sol­che, au­ßer, die­ses Ob­jekt zu zer­bre­chen, in wel­chem Fall sei­ne Stü­cke kör­per­lich iden­ti­fi­zier­bar sind und auch iden­ti­fi­ziert sind, näm­lich als Kör­per­split­ter. Und das ge­schieht erst durch die Ana­ly­se; in ihr bil­det die­ses Ob­jekt den aus­ar­bei­tungs­fä­hi­gen Kern des Ge­nie­ßens, doch es hängt nur von der Exis­tenz des Kno­tens ab, von den drei Kon­sis­ten­zen der Tori, der Fa­den­rin­ge, aus de­nen er be­steht.

Das Ei­gen­ar­ti­ge ist die­se Ver­bin­dung, die dazu führt, dass ein Ge­nie­ßen, wel­ches auch im­mer, es, die­ses Ob­jekt, un­ter­stellt, und dass auf die­se Wei­se die Mehr­lust – denn ich habe ge­glaubt, sei­nen Platz so be­zeich­nen zu kön­nen – in An­be­tracht jed­we­den Ge­nie­ßens sei­ne Be­din­gung ist.

[190] Ich habe ein klei­nes Sche­ma an­ge­fer­tigt. Wenn das für das Ge­nie­ßen des Kör­pers in­so­fern zu­trifft als es Ge­nie­ßen des Le­bens ist, so ist das Er­staun­lichs­te, dass die­ses Ob­jekt, das klein a, die­ses Kör­per­ge­nie­ßen vom phal­li­schen Ge­nie­ßen trennt.

Da­für müs­sen Sie sich an­schau­en, wie er ge­baut ist, der bor­ro­mäi­sche Kno­ten [Ab­bil­dun­gen 1 und 2].

abbildung-1-deutsch-borr-knoten-rskoerper

Ab­bil­dung 1

abbildung-2-deutsch-borr-knoten-mit-4-ueberschneidungsbereichen

Ab­bil­dung 2

Dass das phal­li­sche Ge­nie­ßen ge­gen­über dem Kör­per­ge­nie­ßen ano­mal wird, ist be­reits zig­mal wahr­ge­nom­men wor­den. Ich weiß nicht, wie vie­le Leu­te hier in etwa im Bil­de sind, was die­se skur­ri­len Ge­schich­ten an­geht, die aus In­di­en zu uns kom­men: Kun­da­li­ni nen­nen sie das. Es gibt wel­che, die da­mit die­se Sa­che be­zeich­nen, die krab­belt, die ih­nen das gan­ze Mark hoch­krab­belt – was sie des­halb sa­gen, weil man seit­her ge­wis­se Fort­schrit­te in Ana­to­mie ge­macht hat –, wäh­rend die an­de­ren das auf eine Wei­se er­klä­ren, die das Rück­grat be­trifft; sie stel­len sich vor, dass es das Mark ist und dass es ins Ge­hirn auf­steigt.

Die­ses Au­ßer­kör­per­li­che des phal­li­schen Ge­nie­ßens, um es zu ver­ste­hen – und wir ha­ben es heu­te Vor­mit­tag zu ver­ste­hen be­kom­men, dank mei­nem lie­ben Paul Ma­this, der auch der­je­ni­ge ist, dem ich ein gro­ßes Kom­pli­ment ge­macht habe, für das, was ich von ihm über die Schrift und die Psy­cho­ana­ly­se ge­le­sen habe, heu­te früh hat er uns da­für ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel ge­lie­fert. Er ist wirk­lich kei­ne Leuch­te, die­ser Mishi­ma. Wenn er uns sagt, dass es der Hei­li­ge Se­bas­ti­an war, der für ihn An­lass zu sei­ner ers­te Eja­ku­la­ti­on war, muss ihn das wirk­lich ver­blüfft ha­ben, die­se Eja­ku­la­ti­on. Wir se­hen das täg­lich, Leu­te, die ei­nem er­zäh­len, dass sie sich an ihre ers­te | [191] Mas­tur­ba­ti­on im­mer er­in­nern wer­den, dass sprengt den Schirm. Tat­säch­lich ver­steht man gut, war­um das den Schirm sprengt: weil das nicht aus dem In­ne­ren des Schirms kommt.

Der Kör­per kommt in die Öko­no­mie des Ge­nie­ßens – von da bin ich aus­ge­gan­gen – auf dem Weg über das Kör­per­bild. Die­ses Ver­hält­nis des Men­schen, des­sen, was mit die­sem Na­men ge­nannt wird, zu sei­nem Kör­per – wenn es et­was gibt, was deut­lich be­tont, dass die­ses Ver­hält­nis ima­gi­när ist, so ist es die Trag­wei­te, die hier dem Bild zu­kommt und das zu Be­ginn, das habe ich klar her­aus­ge­stellt, das heißt, dass es da­für im­mer­hin ei­nen Grund im Rea­len ge­ben muss­te und dass Bolks <Theo­rie der> Früh­zei­tig­keit <der Ge­burt des Men­schen> — das ist nicht von mir, das ist von Bolk, ich habe nie ver­sucht, ori­gi­nell zu sein, ich habe ver­sucht, Lo­gi­ker zu sein —, dass es nur die Früh­zei­tig­keit gibt, durch die sie sich er­klä­ren lässt, die­se Vor­lie­be für das Bild, die eben da­her rührt, dass der Mensch dar­in sei­ne kör­per­li­che Rei­fe an­ti­zi­piert, na­tür­lich mit all dem, was da­zu­ge­hört, näm­lich, dass er Sei­nes­glei­chen nicht er­bli­cken kann, ohne zu mei­nen, dass er sei­nen Platz be­setzt, wes­halb er ihn na­tür­lich aus­speit.

Wes­halb ist er der­ma­ßen von sei­nem Bild ab­hän­gig? Sie wis­sen, wel­che Mühe ich mir frü­her ein­mal ge­ge­ben habe – aber na­tür­lich ha­ben Sie da­von nichts mit­be­kom­men –, wel­che Mühe ich mir je­den­falls ge­ge­ben habe, um das zu er­klä­ren. Ich woll­te für die­ses <Ver­hält­nis zum> Bild un­be­dingt bei ei­ner Rei­he von Tie­ren ir­gend­ei­nen Pro­to­typ an­ge­ben, das heißt für den Zeit­punkt, in dem das Bild im Rei­fungs­pro­zess der Keim­zel­len eine Rol­le spielt. Also hat­te ich mir die Wan­der­heu­schre­cke, den Stich­ling, das Tau­ben­weib­chen usw. ge­sucht. In Wirk­lich­keit war das kei­nes­wegs, ist es kei­nes­wegs et­was wie ein Vor­spiel, eine Ein­übung, das ist al­les au­ßer der Rei­he. Dass der Mensch es der­ma­ßen liebt, sein Bild zu be­trach­ten, nun ja, dazu kann man nur sa­gen: So ist es nun mal. Das Ver­blüf­fends­te da­bei ist je­doch, dass dies das Glei­ten er­mög­licht hat, das Glei­ten des Got­tes­ge­bo­tes. Der Mensch ist sich ja doch mehr der Nächs­te in sei­nem Sein als in sei­nem Spie­gel­bild. Was ist also an die­ser Ge­schich­te mit dem Ge­bot „Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst“, wenn das nicht auf die­ser Fata Mor­ga­na be­ruht, die doch im­mer­hin et­was Ko­mi­sches ist, aber da die­se Fata Mor­ga­na ge­nau das ist, was den Men­schen dazu bringt zu has­sen, zwar nicht den Nächs­ten, aber Sei­nes­glei­chen (son sem­bla­ble), so ist das eine Sa­che, die leicht da­ne­ben­gin­ge, wenn man nicht däch­te, dass Gott doch wis­sen muss, was er sagt, es gibt et­was, was bei je­dem noch mehr ge­liebt wird als sein Bild.

Er­staun­lich ist Fol­gen­des: Wenn es et­was gibt, was uns eine Idee da­von gibt, was es heißt, „sich zu ge­nie­ßen“, dann ist es das Tier. Da­für lässt sich kein Be­weis ge­ben, aber das scheint wohl zu dem zu ge­hö­ren, was man als Tier­kör­per be­zeich­net.

[192] Die Fra­ge wird von dem Mo­ment an in­ter­es­sant, in dem man sie er­wei­tert und sich im Na­men des Le­bens fragt, ob die Pflan­ze ge­nießt. Das ist durch­aus et­was, was ei­nen Sinn hat, denn das ist ja im­mer­hin et­was, das man uns an­ge­dreht hat, man hat uns die Li­li­en auf dem Fel­de an­ge­dreht. Sie we­ben nicht und sie spin­nen nicht, hat man hin­zu­ge­fügt. Es ist je­doch si­cher, dass wir uns jetzt da­mit nicht mehr zu­frie­den­ge­ben kön­nen, aus dem gu­ten Grund, dass es eben doch ihre Sa­che ist, zu we­ben und zu spin­nen. Für uns, die wir das un­ter dem Mi­kro­skop be­trach­ten, gibt es kein of­fen­kun­di­ge­res Bei­spiel für et­was Ge­spon­ne­nes als die­ses. Also ist es viel­leicht das, was sie ge­nie­ßen: zu we­ben und zu spin­nen. Das lässt die Sa­che ins­ge­samt je­doch ganz und gar in der Schwe­be. Die Fra­ge, ob Le­ben mit Ge­nie­ßen ein­her­geht, muss noch ent­schie­den wer­den.

Wenn die Fra­ge aber für das Pflan­zen­reich of­fen­bleibt, so wird da­mit umso mehr zur Gel­tung ge­bracht, dass dies für das Spre­chen nicht gilt, dass Lalan­gue, in wel­cher das Ge­nie­ßen fehlt, ei­nen Nie­der­schlag bil­det, wie ich ge­sagt habe, nicht ohne das Le­ben ab­zu­tö­ten, nicht wahr, nicht ohne dass es sich als Tot­holz dar­stellt –, dass Lalan­gue je­doch Zeug­nis da­von ab­legt, dass das Le­ben, aus dem eine Spra­che (lan­ga­ge) ei­nen re­jet macht, eine Ver­wer­fung / ei­nen Schöß­ling, uns wohl eine Idee da­von gibt, dass das et­was ist, was zur Ord­nung des Pflanz­li­chen ge­hört.

Das muss man von Na­hem be­trach­ten. Es gibt da so ei­nen Lin­gu­is­ten, der hef­tig dar­auf be­stan­den hat, dass das Pho­nem nie­mals ei­nen Sinn er­gibt. Das Dum­me ist, dass auch das Wort kei­nen Sinn er­gibt, trotz Wör­ter­buch. Ich wet­te, dass ich in ei­nem Satz ein be­lie­bi­ges Wort dazu brin­gen kann, ei­nen be­lie­bi­gen Sinn aus­zu­sa­gen. Wenn man aber je­des be­lie­bi­ge Wort je­den be­lie­bi­gen Sinn aus­sa­gen lässt, wo im Satz soll man dann an­hal­ten? Wo fin­det man, wo fin­det man die Ein­heit, die man als ele­men­tar an­se­hen kann?

Da wir in Rom sind, möch­te ich ver­su­chen, möch­te ich ver­su­chen, Ih­nen hier eine Idee von dem zu ge­ben, was ich sa­gen möch­te, zu der Fra­ge, was es mit der zu su­chen­den Ein­heit des Si­gni­fi­kan­ten auf sich hat.

Be­kannt­lich gibt es die be­rühm­ten drei Tu­gen­den, die zu Recht als theo­lo­gisch be­zeich­net wer­den. Hier sieht man sie, wie sie sich wirk­lich über­all an den Wän­den in Ge­stalt üp­pi­ger Frau­en dar­stel­len. Zu­min­dest kann man sa­gen, dass man nicht über­treibt, wenn man hier­nach über sie als Sym­pto­men spricht, denn wenn man das Sym­ptom so de­fi­niert, wie ich es tue, aus­ge­hend vom Rea­len, dann heißt das, dass man sagt, dass die Frau­en das Rea­le eben­falls sehr, sehr gut zum Aus­druck brin­gen, denn ich in­sis­tie­re ja eben dar­auf, dass die Frau­en nicht-alle sind. Also hier­zu, l’espérance [die Hoff­nung], nein, la foi [der Glau­be], l’espérance und la cha­rité [die Lie­be], wenn ich sie fol­gen­der­ma­ßen nen­ne: la foi­re [die Kir­mes], lais­se-spè­re-ognela­scia­te ogni spe­r­an­za [ital. lasst alle Hoff­nung fah­ren]die­ses Me­ta­mor­phem ist nicht schlech­ter als ein an­de­res, denn vor­hin ha­ben Sie mir our­dro­me durch­ge­hen las­sen, sie so zu be­zeich­nen und mit der Ur­form des Fehl­schlag zu schlie­ßen, näm­lich mit ar­chi­ra­té [Erz-Ge­schei­tert], so scheint mir das für das Sym­ptom, für das Smp­tom die­ser drei Frau­en tref­fen­der zu sein. | [193] Das scheint mir stich­hal­ti­ger zu sein als das, was – in dem Mo­ment, in dem man al­les ra­tio­na­li­sie­ren will – etwa mit die­sen drei Fra­gen von Kant for­mu­liert wird, aus de­nen ich mich im Fern­se­hen be­frei­en muss­te, näm­lich, was kann ich wis­sen, was darf ich hof­fen – das ist wirk­lich der Gip­fel! –, und was soll ich tun? Es ist doch sehr ei­gen­ar­tig, dass man da an­ge­kom­men ist.

Das heißt na­tür­lich nicht, dass ich mei­ne, Glau­be, Hoff­nung und Lie­be sei­en die ers­ten Sym­pto­me, die man aufs Korn neh­men müs­se. Das sind kei­ne schlim­men Sym­pto­me, aber im­mer­hin wird die all­ge­mei­ne Neu­ro­se hier­durch ganz gut auf­recht­erhal­ten, nicht wahr, das heißt, dass die Din­ge letzt­lich nicht so schlecht lau­fen und dass man ganz dem Rea­li­täts­prin­zip un­ter­wor­fen ist, das heißt dem Phan­tas­ma. Doch im­mer­hin ist die Kir­che da, die wacht, und eine wahn­haf­te Ra­tio­na­li­sie­rung wie die von Kant wird da­durch im­mer­hin ab­ge­dämpft.

Ich habe die­ses Bei­spiel ge­wählt, um mich nicht in dem zu ver­hed­dern, was ich Ih­nen zu­erst ge­ge­ben habe, als Spiel, als Bei­spiel für das, was es braucht, um ein Sym­ptom zu be­han­deln, als ich sag­te, die Deu­tung müs­se im­mer dies sein – wie hier, Gott sei Dank, noch ges­tern ge­sagt wur­de, von Tostain näm­lich –, näm­lich das Re­ady-made, Mar­cel Duch­amp, dass Sie zu­min­dest et­was da­von ver­ste­hen, sie muss ab­zie­len auf das We­sent­li­che, das es im Wort­spiel gibt, um nicht eine zu sein, die das Sym­ptom mit Sinn füt­tert.

Und dann wer­de ich Ih­nen al­les ge­ste­hen, wer­de ich Ih­nen al­les ge­ste­hen, war­um auch nicht. Die­se Sa­che da, die­ses Glei­ten von la foi, l’espérance et la cha­rité nach la foi­re – ich sage das, weil ges­tern Abend je­mand auf der Pres­se­kon­fe­renz war, oder vor­ges­tern Abend, der ge­meint hat, beim The­ma von foi und foi­re, von Glau­be und Kir­mes, sei ich ein biss­chen zu weit ge­gan­gen – das ist ei­ner mei­ner Träu­me, ich habe ja doch, ganz wie Freud, das Recht, Sie an mei­nen Träu­men teil­ha­ben zu las­sen, im Ge­gen­satz zu de­nen von Freud sind sie nicht durch den Wunsch (dé­sir) an­ge­regt, zu schla­fen, es ist eher der Wunsch, auf­zu­wa­chen, der mich be­wegt. Nun ja, das ist et­was Spe­zi­el­les.

Aber die­se Si­gni­fi­kan­ten-Ein­heit, das ist we­sent­lich (ca­pi­tal). Das ist we­sent­lich, es ist je­doch spür­bar, dass ohne –, es ist of­fen­kun­dig, dass der mo­der­ne Ma­te­ria­lis­mus, da kann man sich si­cher sein, nicht ent­stan­den wäre, wenn das die Men­schen nicht seit lan­gem be­un­ru­higt hät­te und wenn in die­ser Un­ru­he nicht das ein­zig Greif­ba­re im­mer der Buch­sta­be ge­we­sen wäre; als Aris­to­te­les oder wer auch im­mer sich dar­an macht, eine Idee des Ele­ments zu lie­fern, da ist es im­mer –, er bil­det eine Buch­sta­ben­rei­he, ρ, ς, ι [rho, sig­ma, iota; r, s, i], ge­nau wie wir. An­ders­wo gibt es nichts, was so­gleich die Idee des Ele­ments lie­fert, in dem Sin­ne, wie ich sie eben, glau­be ich, er­wähnt habe, im Sin­ne des Sand­korns – das ge­hört viel­leicht eben­falls zu den Sa­chen, die ich über­sprun­gen habe, nicht so wich­tig –, die Idee des Ele­ments, die Idee, über die ich ge­sagt habe, das kön­ne nur ge­zählt wer­den, und | [194] in ei­nem sol­chen Fall gibt es nichts, was uns Ein­halt ge­bie­tet; so zahl­reich die Sand­kör­ner auch sein mö­gen – das hat be­reits ein ge­wis­ser Ar­chi­me­des ge­sagt –, so zahl­reich sie auch sein mö­gen, es wird ei­nem im­mer ge­lin­gen, sie zu ka­li­brie­ren; aber all das be­kom­men wir nur, wenn wir von et­was aus­ge­hen, was kei­nen bes­se­ren Trä­ger hat als den Buch­sta­ben. Das heißt aber auch, da es kei­nen Buch­sta­ben ohne et­was Lalan­gue gibt, das ist so­gar das Pro­blem: Wie kommt es, dass Lalan­gue in Buch­sta­ben aus­flo­cken kann? Über die Schrift ist nie et­was wirk­lich Se­riö­ses ver­fasst wor­den. Das wür­de die Mühe je­doch loh­nen, denn das ist hier nun wirk­lich ein Ge­lenk­stück.

Dass also der Si­gni­fi­kant von mir als das hin­ge­stellt wird, was bei ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert, das ist die Funk­ti­on, die sich dar­in zeigt – wie je­mand eben­falls vor­hin an­ge­merkt hat, ge­wis­ser­ma­ßen das an­bah­nend, was ich Ih­nen sa­gen kann –, das ist die Funk­ti­on, die sich nur in der Ent­zif­fe­rung zeigt, die so ist, dass man not­wen­di­ger­wei­se auf die Zif­fer zu­rück­kommt und dass dies der ein­zi­ge Ex­or­zis­mus ist, des­sen die Psy­cho­ana­ly­se fä­hig ist, dass näm­lich das Ent­zif­fern auf das hin­aus­läuft, wo­durch die Zif­fer ge­bil­det wird, auf das, was be­wirkt, dass das Sym­ptom et­was ist, was vor al­lem nicht auf­hört, vom Rea­len her ge­schrie­ben zu wer­den, und wenn es ei­nem ge­lingt, es so­weit zu zäh­men, dass die Spra­che (lan­ga­ge) eine Äqui­vo­ka­ti­on da­von bil­den kann, dann hat man da­durch das Ter­rain ge­won­nen, durch wel­ches das Sym­ptom von dem ge­trennt ist, was ich Ih­nen gleich in mei­nen klei­nen Zeich­nun­gen zei­gen wer­de, ohne dass sich das Sym­ptom auf das phal­li­sche Ge­nie­ßen re­du­ziert.

Ein Stück da­von muss ich über­sprin­gen.

Mein „ge­nießt sich“ aus der Ein­lei­tung, das wird Ih­nen da­durch be­zeugt, dass Ihr an­ge­nom­me­ner Ana­ly­sant sich als ein sol­cher be­stä­tigt, und zwar da­durch, dass er wie­der­kommt, denn ich fra­ge Sie, war­um soll­te er wie­der­kom­men, an­ge­sichts der Auf­ga­be, die Sie ihm zu­wei­sen, wenn ihm das nicht ein wahn­sin­ni­ges Ver­gnü­gen be­rei­ten wür­de? Wo­bei er au­ßer­dem oft noch nach­legt, in­so­fern näm­lich, als er noch wei­te­re Auf­ga­ben er­le­di­gen muss, um Ih­rer Ana­ly­se zu ge­nü­gen. Il se jouit de quel­que cho­se, er ge­nießt et­was, und kei­nes­wegs die­ses je sou­is (ich bin), denn al­les zeigt, al­les muss Ih­nen so­gar zei­gen, dass Sie von ihm kei­nes­wegs ein­fach ver­lan­gen, da zu sein*, so wie ich es jetzt bin, son­dern viel­mehr ganz im Ge­gen­teil, die­se fik­ti­ve Frei­heit zu er­pro­ben, et­was Be­lie­bi­ges zu sa­gen, die sich dann wie­der­um als un­mög­lich er­wei­sen wird; das heißt, was Sie von ihm ver­lan­gen, be­steht eben dar­in, die Po­si­ti­on auf­zu­ge­ben, die ich eben als die des Da­seins* ge­kenn­zeich­net habe und die ganz ein­fach die ist, mit der er sich zu­frie­den­gibt. Er gibt sich eben da­mit zu­frie­den, sich dar­über zu be­kla­gen, also dar­über, mit dem so­zia­len Sein nicht kon­form zu sein, das heißt, dass es et­was gibt, was sich quer­stellt. Und eben dies, dass et­was sich quer­stellt, dass ist das, was er als Sym­ptom wahr­nimmt, das als sol­ches für das Rea­le sym­pto­ma­tisch ist. Und dann gibt es noch den Zu­gang, der dar­in be­steht, dass er dar­über nach­denkt, aber das ist das, was man bei je­der Neu­ro­se als Ne­ben­ge­winn be­zeich­net.

[195] Al­les, was ich hier sage, ist nicht zwangs­läu­fig in alle Ewig­keit wahr; das ist mir üb­ri­gens völ­lig gleich­gül­tig. Es geht um die Struk­tur des Dis­kur­ses, die Sie nur da­durch grün­den, dass Sie die an­de­ren Dis­kur­se um­for­men, ja re­for­mie­ren, so­weit sie Ih­rem ei­ge­nen Dis­kurs ex-sis­tie­ren. Und in dem Ih­rem, in Ih­rem Dis­kurs, wird das Sprech­we­sen (par­lêt­re) das In­sis­tie­ren er­schöp­fen, wel­ches das Sei­ne ist und das in den an­de­ren Dis­kur­sen zu kurz kommt.

Wo haust nun die­ses „es ge­nießt sich“ in mei­nen ka­te­go­ri­schen Re­gis­tern des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len? Schau­en Sie her, das ist ja nö­tig, da­mit Sie’s ka­pie­ren. Da­mit es ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten gibt – schau­en Sie auf das, was da oben ist –, da­mit es ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten gibt, ist es nicht not­wen­dig, dass mei­ne drei grund­le­gen­den Kon­sis­ten­zen sämt­lich to­risch sind. Wie Ih­nen viel­leicht zu Oh­ren ge­kom­men ist, kann man eine Ge­ra­de be­kannt­lich so auf­fas­sen, dass sie sich im Un­end­li­chen in den Schwanz beißt.

Des­halb kann es vom Sym­bo­li­schen, vom Ima­gi­nä­ren und vom Rea­len ei­nes von den drei­en ge­ben, und si­cher­lich das Rea­le, was eben durch das ge­kenn­zeich­net ist, was ich ge­sagt habe, näm­lich kein Gan­zes zu bil­den, das heißt sich nicht zu schlie­ßen. [Ab­bil­dung 3]

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Ab­bil­dung 3

Neh­men Sie jetzt noch an, dass es mit dem Sym­bo­li­schen ge­nau­so ist. Es ge­nügt, dass das Ima­gi­nä­re — also ei­ner mei­ner drei Tori — sich als der Ort zeigt, an dem man sich tat­säch­lich im Kreis dreht, da­mit das zu­sam­men mit zwei Ge­ra­den ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten bil­det. Bei dem, was Sie da oben se­hen, ist es viel­leicht kein Zu­fall, dass sich das als Über­kreu­zung von zwei Phi [Φ] der grie­chi­schen Schrift dar­stellt. Das ist ja viel­leicht auch et­was, das es durch­aus ver­dient, als ein Fall des bor­ro­mäi­schen Kno­tens ak­zep­tiert zu wer­den. Las­sen Sie die Kon­ti­nui­tät der Ge­ra­den her­aus­fal­len oder aber die des Rin­ges, was dann üb­rig­bleibt, ob es nun eine Ge­ra­de ist und ein Ring oder ob es zwei Ge­ra­den sind, das ist völ­lig frei, und eben das ist die De­fi­ni­ti­on des bor­ro­mäi­schen Kno­tens.

[196] Wäh­rend ich Ih­nen all dies sage, habe ich das Ge­fühl – das habe ich so­gar in mei­nem Text ver­merkt –, dass die Spra­che (lan­ga­ge) wirk­lich das ist, was nur vor­an­kom­men kann, in­dem es sich ver­win­det und sich auf­wi­ckelt, in­dem es sich auf eine Wei­se ver­dreht, über die ich üb­ri­gens nicht sa­gen kann, dass ich hier kein Bei­spiel da­für ab­ge­be. Man glau­be nicht, wenn ich für die Spra­che so man­che Lan­ze bre­che, wenn ich in all dem, was uns be­trifft, her­vor­he­be, wie sehr wir von ihr ab­hän­gen, man glau­be nicht, dass ich et­was Der­ar­ti­ges leicht­fällt. Es wäre mir lie­ber, wenn es we­ni­ger ver­schlun­gen wäre. Was ich ko­misch fin­de, ist ein­fach dies, dass man nicht mit­be­kommt, dass es kei­ne an­de­re Wei­se gibt, um zu den­ken, und dass Psy­cho­lo­gen auf der Su­che nach dem Den­ken, das nicht ge­spro­chen wäre, in ge­wis­ser Wei­se da­von aus­ge­hen, dass das rei­ne Den­ken, wenn ich so sa­gen darf, bes­ser wäre. In dem, was ich vor­hin an Kar­te­sia­ni­schem vor­ge­bracht habe, im ich den­ke also bin ich vor al­lem, gibt es ei­nen tie­fen Irr­tum, näm­lich dass ihn be­un­ru­higt, dass das Den­ken, wenn es sich et­was vor­stellt, eine Aus­deh­nung er­hält, wenn man so sa­gen kann. Doch das be­weist eben, dass es kein an­de­res ge­wis­ser­ma­ßen rei­nes Den­ken gibt, kein Den­ken, das nicht den Win­dun­gen der Spra­che (lan­ga­ge) un­ter­wor­fen wäre, als ge­nau das Den­ken der Aus­deh­nung.

Und das also, wor­in ich Sie heu­te ein­füh­ren woll­te – und nach zwei Stun­den tue ich letzt­lich nichts, als dar­an zu schei­tern, als zu krie­chen –, das ist Fol­gen­des, näm­lich dass die Aus­deh­nung, von der wir an­neh­men, dass sie der Raum ist, der Raum, der uns ge­mein­sam ist, die drei Di­men­sio­nen also, war­um zum Teu­fel ist das nie auf dem Weg über den Kno­ten an­ge­gan­gen wor­den?

Hier ma­che ich ei­nen klei­nen Aus­flug, eine zi­tat­mä­ßi­ge Er­in­ne­rung an den al­ten Rim­baud und an sei­nen Ef­fekt mit dem Trun­ke­nen Schiff, wenn ich so sa­gen kann: „da fühl­te ich: es zo­gen die Treid­ler mich nicht mehr“.

Es braucht kei­nen Rim­ba­teau, we­der den Poä­ten noch den Äthio­poä­ten, es braucht nichts da­von, um sich die Fra­ge zu stel­len, war­um Leu­te, die un­be­streit­bar Stei­ne ge­mei­ßelt ha­ben – und das ist die Geo­me­trie, die Geo­me­trie von Eu­klid –, war­um die­se Leu­te, die die­se Stei­ne doch dann oben auf die Py­ra­mi­den hie­ven muss­ten, und das ha­ben sie nicht mit Pfer­den ge­macht, be­kannt­lich ha­ben Pfer­de nicht groß et­was ge­zo­gen, so­lan­ge man nicht das Kum­met er­fun­den hat­te, wie kommt es, dass die­se Leu­ten, die all die­se Sa­chen also selbst ge­zo­gen ha­ben, dass bei ih­nen nicht zu­nächst das Seil und da­mit der Kno­ten in den Vor­der­grund ih­rer Geo­me­trie ge­rückt ist? Wie kommt es, dass sie die Ver­wen­dung des Kno­tens und des Seils über­se­hen ha­ben, eine Sa­che, bei der selbst die mo­derns­te Ma­the­ma­tik, so muss man schon sa­gen, das Seil ver­liert, denn man weiß nicht, wie man die Sa­che mit dem Kno­ten for­ma­li­sie­ren soll, es gibt jede Men­ge Fäl­le, bei de­nen man sich ver­hed­dert; beim bor­ro­mäi­schen Kno­ten | [197] ist das nicht der Fall, der Ma­the­ma­ti­ker hat be­grif­fen, dass der bor­ro­mäi­sche Kno­ten ganz schlicht eine Zopf ist und zwar eine von der ein­fachs­ten Art.

Es ist of­fen­sicht­lich, dass im Ge­gen­satz hier­zu die­ser Kno­ten da – ich habe ihn für Sie da oben hin­ge­tan [Ab­bil­dung 3] –, in ei­ner Wei­se, die um so ein­dring­li­cher ist, als sie es uns ge­stat­tet, nicht alle Sa­chen von der to­ri­schen Kon­sis­tenz von ir­gend­et­was ab­hän­gen zu las­sen, son­dern nur von zu­min­dest ei­ner, und die­ses zu­min­dest Eine kann Ih­nen, wenn sie es un­end­lich ver­klei­nern, die spür­ba­re Idee des Punk­tes ge­ben, spür­bar in­so­fern, als dann, wenn wir nicht an­neh­men, dass der Kno­ten sich von da­her ma­ni­fes­tiert, dass der ima­gi­nä­re To­rus, den ich dort­hin ge­setzt habe, sich ver­klei­nert, bis ins Un­end­li­che ge­flickt wird, dass wir dann kei­ner­lei Idee des Punk­tes ha­ben, denn die bei­den Ge­ra­den, wie ich sie Ih­nen eben ge­zeich­net habe, die Ge­ra­den, die ich mit den Ter­mi­ni des Sym­bo­li­schen und des Rea­len ver­se­he, sie glei­ten über­ein­an­der weg, wenn ich so sa­gen kann, bis sie au­ßer Sicht ge­ra­ten. War­um soll­ten zwei Ge­ra­den auf ei­ner Flä­che, auf ei­ner Ebe­ne, sich kreu­zen, sich schnei­den? Das fragt man sich. Wo hat man je ir­gend­et­was ge­se­hen, was dem äh­nelt? Au­ßer na­tür­lich, wenn man zur Säge greift und sich vor­stellt, dass das, was an ei­nem Vo­lu­men eine Kan­te bil­det, hin­rei­chend da­für ist, um eine Li­nie zu zeich­nen – wie kann man sich au­ßer­halb des Phä­no­mens des Sä­gens vor­stel­len, das Zu­sam­men­tref­fen zwei­er Ge­ra­den sei das, was ei­nen Punkt er­zeugt? Mir scheint, da­für braucht es min­des­tens drei. Das bringt uns na­tür­lich ein ganz klein biss­chen wei­ter.

Sie wer­den die­sen Text le­sen, was im­mer er wert sein mag, zu­min­dest ist er un­ter­halt­sam.

Ich muss Ih­nen je­doch was zei­gen.

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Ab­bil­dung 4

Dies hier [Ab­bil­dung 4] zeigt Ih­nen na­tür­lich, auf wel­che Wei­se der bor­ro­mäi­sche Kno­ten letzt­lich wie­der zu den be­rühm­ten drei Di­men­sio­nen zu­rück­führt, die wir dem Raum zu­schrei­ben, üb­ri­gens ohne dass wir es uns neh­men las­sen, uns so vie­le vor­zu­stel­len wie wir wol­len, und zu se­hen, wie das zu­stan­de kommt. Ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten, der kommt ge­nau dann zu­stan­de, wenn wir ihn in die­sen Raum ein­fü­gen.

Sie se­hen dort eine Fi­gur links [Ab­bil­dung 5], und es ist of­fen­sicht­lich, wenn Sie die­se drei Recht­ecke auf eine be­stimm­te Wei­se glei­ten las­sen – die von sich aus be­reits ei­nen per­fek­ten Kno­ten bil­den –, wenn Sie sie glei­ten las­sen, er­hal­ten sie die Fi­gur, von der all das aus­geht, was ich Ih­nen eben ge­zeigt habe, das, was ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten bil­det, so wie man meint, ihn zeich­nen zu müs­sen.

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Ab­bil­dung 5

Dann ver­su­chen wir doch ein­mal zu se­hen, wor­um es sich han­delt, dar­um näm­lich, dass sich in die­sem Rea­len or­ga­ni­sier­te Kör­per bil­den, die sich in ih­rer Form er­hal­ten; dar­aus er­klärt sich, dass Kör­per das Uni­ver­sum ima­gi­nie­ren. Es ist je­doch nicht ver­wun­der­lich, dass wir au­ßer­halb des Sprech­we­sens kei­nen Be­weis da­für ha­ben, dass Tie­re über be­stimm­te For­men hin­aus den­ken, für die wir sie des­halb für emp­fäng­lich hal­ten, weil sie auf eine be­vor­zug­te Wei­se dar­auf re­agie­ren. Was wir da­bei je­doch über­se­hen und was die Etho­lo­gen merk­wür­di­ger­wei­se aus­klam­mern – Etho­lo­gen, das sind be­kannt­lich die Leu­te, die die Sit­ten und Ge­bräu­che der Tie­re er­for­schen –, es gibt kei­nen Grund da­für, dass wir uns vor­stel­len, dass die Welt für alle Tie­re die­sel­be Welt ist, wenn ich so sa­gen kann, wo wir doch so vie­le Be­wei­se da­für ha­ben, dass, auch wenn die Ein­heit un­se­res Kör­pers uns zwingt, sie als Uni­ver­sum zu den­ken, sie of­fen­sicht­lich nicht mon­de [Welt] ist, son­dern im­mon­de [Unwelt/verschmutzt].

Im­mer­hin geht aus dem Un­be­ha­gen, das Freud ir­gend­wo no­tiert, aus dem Un­be­ha­gen in der Kul­tur, un­se­re ge­sam­te Er­fah­rung her­vor. Es ist frap­pie­rend, dass der Kör­per zu die­sem Un­be­ha­gen auf eine Wei­se bei­trägt, mit der wir es gut ver­ste­hen, die Tie­re (ani­maux) mit un­se­rer Furcht zu be­le­ben (ani­mer), sie zu be­see­len (ani­mer), wenn ich so sa­gen kann. Wo­vor fürch­ten wir uns? Das be­deu­tet nicht ein­fach, von wo aus ha­ben wir Furcht? Wo­vor fürch­ten wir uns? Vor un­se­rem | [199] Kör­per. Das ma­ni­fes­tiert sich in die­sem merk­wür­di­gen Phä­no­men, über das ich ein gan­zes Jahr lang ein Se­mi­nar ge­macht habe, und das ich „Angst“ ge­nannt habe. Die Angst ist nun et­was, was in un­se­rem Kör­per wo­an­ders liegt, das ist das Ge­fühl, das aus dem Ver­dacht ent­steht, der uns be­fällt, wir wür­den uns auf un­se­ren Kör­per re­du­zie­ren. Da es doch sehr merk­wür­dig ist, dass es dem Sprech­we­sen in sei­ner Schwä­che ge­lun­gen ist, bis da­hin zu ge­hen, nicht wahr, dass man be­merkt hat, dass die Angst nicht die Furcht vor ir­gend­et­was ist, von wo der Kör­per sei­ne Be­weg­grün­de neh­men könn­te.

Das ist eine Furcht vor der Furcht, die sehr gut im Ver­hält­nis zu dem ver­or­tet ist, was ich Ih­nen heu­te doch ger­ne noch sa­gen könn­ten möch­te – da es 66 Sei­ten gibt, die ich so dumm war, für Sie zu­sam­men­zu­schrei­ben, habe ich na­tür­lich nicht vor, noch end­los so wei­ter­zu­spre­chen –, was ich Ih­nen gern zu­min­dest noch zei­gen möch­te: In dem, was ich mir für Sie aus­ge­dacht habe, um die­se ver­schie­de­nen Kon­sis­ten­zen als die des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len zu iden­ti­fi­zie­ren, ist das, was den Ort und die Stel­le für das phal­li­sche Ge­nie­ßen bil­det, die­ses Feld [JΦ], das bei der Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens durch den Über­schnei­dungs­be­reich spe­zi­fi­ziert wird, den Sie hier se­hen [Ab­bil­dung 6].

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Ab­bil­dung 6

Der Über­schnei­dungs­be­reich selbst, so wie die Din­ge sich in der Zeich­nung dar­stel­len, be­steht aus zwei Tei­len, da es die In­ter­ven­ti­on ei­nes drit­ten Fel­des gibt, wo­durch sich die­ser Punkt er­gibt, durch des­sen zen­tra­le Ver­zur­rung das Ob­jekt klein a de­fi­niert ist.

Wie ich Ih­nen vor­hin ge­sagt habe, zweigt von die­sem Platz der Mehr­lust jede Art des Ge­nie­ßen ab und also das, was –, das, was den ein­zel­nen Über­schnei­dungs­be­rei­chen äu­ßer­lich ist, was in | [200] ei­nem die­ser Fel­der au­ßen ist, an­ders aus­ge­drückt, hier das phal­li­sche Ge­nie­ßen, das, was ich hier als J(Φ) ge­schrie­ben habe, das ist das, wo­durch das de­fi­niert ist, was ich vor­hin als sei­nen au­ßer­kör­per­li­chen Cha­rak­ter ge­kenn­zeich­net habe.

Eben­so ist das Ver­hält­nis das­sel­be bei dem, was der lin­ke Kreis ist, wo das Rea­le un­ter­kommt, im Ver­hält­nis zum Sinn. Es ist näm­lich so, ich be­har­re dar­auf, vor al­lem auf der Pres­se­kon­fe­renz habe ich dar­auf be­harrt, wenn man das Sym­ptom, das Rea­le, mit Sinn füt­tert, tut man nichts an­de­res, als für sei­nen Fort­be­stand zu sor­gen. In dem Maße hin­ge­gen, wie im Sym­bo­li­schen et­was durch das ein­ge­engt wird, was ich das Wort­spiel ge­nannt habe, die Äqui­vo­ka­ti­on, die zur Ab­schaf­fung des Sinns führt, kann al­les, was das Ge­nie­ßen be­trifft, eben­falls ein­ge­engt wer­den, ins­be­son­de­re das phal­li­sche Ge­nie­ßen, denn das geht nicht, ohne dass Sie sich über sei­nen Platz in die­sen ver­schie­de­nen Fel­dern des Sym­ptoms klar wer­den.

Hier se­hen Sie, wie sich die­ser Platz in der Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens dar­stellt [Ab­bil­dung 7]:

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Ab­bil­dung 7

Das Sym­ptom ist Ein­bruch der Ano­ma­lie, aus der das phal­li­sche Ge­nie­ßen be­steht, in­so­fern sich hier die­ser grund­le­gen­de Man­gel aus­brei­tet, ent­fal­tet, den ich als se­xu­el­les Nicht-Ver­hält­nis­ses kenn­zeich­ne. Nur wenn die ana­ly­ti­sche In­ter­ven­ti­on in der Deu­tung ein­zig auf dem Si­gni­fi­kan­ten be­ruht, kann et­was vom Feld des Sym­ptoms zu­rück­wei­chen. Hier im Sym­bo­li­schen – dem Sym­bo­li­schen, in­so­fern es von der Spra­che (la lan­gue), von Lalan­gue ge­tra­gen wird – wird das von Lalan­gue ein­ge­schrie­be­ne Wis­sen, aus dem das Un­be­wuss­te im ei­gent­li­chen Sin­ne be­steht, aus­ge­ar­bei­tet und nimmt es im Be­reich des Sym­ptoms zu; aber den­noch kor­re­spon­diert der hier mit S ge­kenn­zeich­ne­te Kreis mit et­was, was von die­sem Wis­sen nie­mals re­du­ziert sein wird, näm­lich Freuds Ur­ver­dräng­tes*: das, was vom Un­be­wuss­ten nie­mals ge­deu­tet sein wird.

War­um habe ich auf der Höhe des Krei­ses des Rea­len das Wort „Le­ben“ ge­schrie­ben? Da wir un­be­streit­bar vom Le­ben – über die­sem va­gen Ter­mi­nus hin­aus, der dar­in be­steht, das Ge­nie­ßen des Le­bens zu äu­ßern – , da wir vom Le­ben nichts wei­ter wis­sen und da al­les, wo­hin die Wis­sen­schaft uns führt, dar­in be­steht, dass wir se­hen, dass es nichts Re­a­le­res, das heißt nichts Un­mög­li­che­res gibt, als sich vor­zu­stel­len, wie die­se che­mi­sche Kon­struk­ti­on ih­ren Aus­gang neh­men konn­te, die – aus Ele­men­ten, die in ir­gend­et­was ver­teilt sind und zwar auf eine Wei­se, die wir durch die Ge­set­ze der Wis­sen­schaft kenn­zeich­nen möch­ten – mit ei­nem Schlag dazu ge­langt ist, ein DNA-Mo­le­kül zu bil­den, das heißt et­was, bei dem ich Sie dar­auf auf­merk­sam ma­che, dass man hier merk­wür­di­ger­wei­se be­reits das ers­te Bild ei­nes Kno­tens sieht. Und wenn es et­was gibt, was uns über­ra­schen müss­te, dann ist es dies, dass man erst so spät dazu ge­langt ist, sich klar­zu­ma­chen, dass et­was im Rea­len – und nicht ir­gend­et­was, son­dern das Le­ben selbst – von ei­nem Kno­ten her struk­tu­riert ist.

Wie soll­ten wir uns nicht dar­über wun­dern, dass wir trotz­dem nir­gend­wo ein Bild ei­nes na­tür­li­chen Kno­tens fin­den, nir­gend­wo, we­der in der Ana­to­mie noch bei den Schling­pflan­zen, die doch so aus­se­hen, als sei­en sie aus­drück­lich da­für ge­macht. Ich möch­te Ih­nen et­was vor­schla­gen: Könn­te das nicht ein be­stimm­ter Typ der Ver­drän­gung sein, des Ur­ver­dräng­ten*? Ge­ben wir uns je­doch nicht zu sehr dem Träu­men hin, mit un­se­ren ge­zeich­ne­ten Li­ni­en (traces) ha­ben wir ge­nug zu tun.

Dass die Vor­stel­lung (re­pré­sen­ta­ti­on), ein­schließ­lich des Freud’schen Vor­be­wuss­ten, ge­nau das ist, was be­wirkt, dass das J(A), das ich hier ge­schrie­ben habe und was be­deu­tet: das Ge­nie­ßen des An­de­ren, in­so­fern es pa­rase­xu­iert ist – für den Mann das Ge­nie­ßen der un­ter­stell­ten Frau, und um­ge­kehrt für die Frau, die wir nicht zu un­ter­stel­len ha­ben, da Die Frau nicht exis­tiert, je­doch für Eine Frau das Ge­nie­ßen des Man­nes, der selbst ganz/alles ist, lei­der, er ist so­gar ganz phal­li­sches Ge­nie­ßen; die­ses pa­rase­xu­ier­te Ge­nie­ßen des An­de­ren exis­tiert nicht, nur durch Ver­mitt­lung des Spre­chens könn­te es exis­tie­ren, wüss­te es zu exis­tie­ren, ins­be­son­de­re durch das Spre­chen der Lie­be, das wohl die pa­ra­do­xes­te und er­staun­lichs­te Sa­che ist, muss ich sa­gen, und bei der of­fen­kun­dig völ­lig spür­bar und ver­ständ­lich ist, dass Gott uns den Rat gibt, nur sei­nen Nächs­ten zu lie­ben und sich kei­nes­wegs auf sei­ne Nächs­te zu be­schrän­ken, denn wenn man zu sei­ner Nächs­ten käme, käme es ganz ein­fach zum Schei­tern; eben dies ist das Prin­zip des­sen, was ich vor­hin das christ­li­che ar­chi­ra­té ge­nannt habe, das Erz­ge­schei­ter­te.

Die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, hier stellt sich das her, was zeigt, dass, eben­so wie das phal­li­sche Ge­nie­ßen au­ßer­halb des Kör­per ist, das Ge­nie­ßen des An­de­ren au­ßer­halb der Spra­che (lan­ga­ge) ist, au­ßer­halb des Sym­bo­li­schen; denn erst von da aus, das heißt von dem Mo­ment an, in dem man das er­fasst, was es gibt – wie soll man sa­gen –, was es in der Spra­che an Le­ben­digs­tem oder an To­tes­tem gibt, näm­lich den Buch­sta­ben, ein­zig von da aus ha­ben wir ei­nen Zu­gang zum Rea­len. Die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, von dem je­der weiß, wie sehr es un­mög­lich ist, und im Ge­gen­satz so­gar zu dem von Freud er­wähn­ten My­thos | [202], wo­nach Eros das wäre, was eins macht, ist es aber ge­nau das, wor­an man kre­piert, näm­lich dass zwei Kör­per kei­nes­falls zu ei­nem wer­den kön­nen, wie eng man ihn auch drü­cken mag; ich bin nicht dazu ge­kom­men, das in mei­nem Text un­ter­zu­brin­gen, aber al­les, was man in die­sen be­rühm­ten Um­ar­mun­gen bes­ten­falls tun kann, ist, zu sa­gen, „drück mich fest“, aber man drückt nicht so fest, dass der an­de­re schließ­lich dar­an kre­piert. Nun ja, so­dass es in kei­ner Wei­se eine Re­du­zie­rung auf das Eine gibt. Das ist der al­ler­größ­te Un­sinn. Wenn es je­doch et­was gibt, was das Eine macht, so ist es der Sinn, der Sinn des Ele­ments, der Sinn des­sen, was in den Be­reich des To­des fällt.

Ich sage das al­les, weil si­cher­lich viel Ver­wir­rung an­ge­rich­tet wird; auf­grund ei­ner ge­wis­sen Aura des­sen, was ich, des­sen, was ich er­zäh­le, wird si­cher­lich viel Ver­wir­rung an­ge­rich­tet bei dem The­ma, dass die Spra­che (lan­ga­ge) –; ich bin kei­nes­wegs der Auf­fas­sung, die Spra­che (lan­ga­ge) sei das All­heil­mit­tel; weil das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist – was heißt, dass dies das ist, was es an Bes­tem hat –, des­we­gen hängt das Un­be­wuss­te nicht we­ni­ger eng von Lalan­gue ab, das heißt von dem, was dazu führt, dass die ge­sam­te Spra­che (tou­te la lan­gue), dass die ge­sam­te Lalan­gue eine tote Spra­che (lan­gue mor­te) ist, auch wenn sie noch in Ge­brauch ist.

Erst von dem Mo­ment an, wo sich da­von et­was ab­löst, kann man ein Prin­zip der Iden­ti­tät mit sich selbst fin­den, und das ist nicht et­was, was sich auf der Ebe­ne des An­de­ren her­stellt, son­dern auf der Ebe­ne der Lo­gik. Wenn es ei­nem ge­lingt, jede Art von Sinn zu re­du­zie­ren, ge­langt man zu die­ser er­ha­be­nen ma­the­ma­ti­schen For­mel der Iden­ti­tät mit sich selbst, die x = x ge­schrie­ben wird.

Was des Ge­nie­ßen des An­de­ren be­trifft, so gibt es nur eine ein­zi­ge Wei­se, dort­hin zu ge­lan­gen, und das ist im stren­gen Sin­ne das Feld, in dem die Wis­sen­schaft ent­steht, in dem die Wis­sen­schaft in­so­fern ent­steht, als sie na­tür­lich, wie all­ge­mein be­kannt, erst in dem Mo­ment, als Ga­li­lei klei­ne Be­zie­hun­gen zwi­schen Buch­sta­be und Buch­sta­be mit ei­nem Strich da­zwi­schen her­stell­te, als er die Ge­schwin­dig­keit als die Dif­fe­renz, als das Ver­hält­nis von Raum und Zeit de­fi­nier­te, von die­sem Mo­ment an – wie in et­was, wie in ei­nem klei­nen Buch, das, glau­be ich, mei­ne Toch­ter ver­bro­chen hat, gut ge­zeigt wird –, von die­sem Mo­ment an hat man die­sen gan­zen in ge­wis­ser Wei­se in­tui­ti­ven und ver­wor­re­nen Be­griff des Stre­bens hin­ter sich ge­las­sen, ein Mo­ment, der dazu ge­führt hat, dass man zu die­sem ers­ten Er­geb­nis ge­lan­gen konn­te, näm­lich zur Gra­vi­ta­ti­on.

Seit­her ha­ben wir ei­ni­ge klei­ne Fort­schrit­te ge­macht, aber was er­gibt das letzt­lich, die Wis­sen­schaft? Das gibt uns et­was zum Knab­bern, an der Stel­le des­sen, was uns im Ver­hält­nis fehlt, im Ver­hält­nis der Er­kennt­nis, wie ich vor­hin ge­sagt habe, das gibt uns an die­ser Stel­le letzt­lich das, was sich für die meis­ten Leu­te, be­son­ders für alle, die hier sind, auf Gad­gets re­du­ziert: das Fern­se­hen, die Rei­se zum Mond. Al­ler­dings die Rei­se zum Mond, Sie wer­den nicht dort­hin fah­ren, es gibt nur ei­ni­ge Aus­er­wähl­te, aber Sie se­hen es im | [203] Fern­se­hen. Das ist es, von dort geht die Wis­sen­schaft aus.

Und des­halb setz­te ich mei­ne Hoff­nung dar­auf, dass wir, jede Vor­stel­lung un­ter­lau­fend, viel­leicht ein­mal dazu ge­lan­gen wer­den, über das Le­ben ei­ni­ge Da­ten zu ha­ben, die be­frie­di­gen­der sind.

Und da­mit kom­me ich zu dem zu­rück, was ich Ih­nen eben ge­sagt habe, näm­lich dass die Zu­kunft der Psy­cho­ana­ly­se von dem ab­hängt, was aus die­sem Rea­len wird, ob näm­lich bei­spiels­wei­se die Gad­gets wirk­lich die Ober­hand ge­win­nen, ob es dazu kommt, dass wir selbst tat­säch­lich von den Gad­gets be­lebt wer­den. Ich muss sa­gen, das scheint mir we­nig wahr­schein­lich zu sein. Wir wer­den es nicht wirk­lich schaf­fen, da­für zu sor­gen, dass das Gad­get kein Sym­ptom mehr wäre, denn der­zeit ist es das ganz of­fen­sicht­lich. Es stimmt durch­aus, dass man ein Auto wie eine Er­satz­frau hat, man hält ab­so­lut dar­an fest, dass das ein Phal­lus ist. Das steht aber nur von da­her in ei­ner Be­zie­hung zum Phal­lus, als es der Phal­lus ist, der uns dar­an hin­dert, ein Ver­hält­nis zu et­was zu ha­ben, was un­ser se­xu­el­ler Re­spon­dent wäre. Das ist un­ser pa­rase­xu­ier­ter Re­spon­dent, und je­der weiß, dass das das „para“ dar­in be­steht, dass je­der auf sei­ner Sei­te bleibt, dass je­der ne­ben dem an­de­ren bleibt.

Gut, das wär’s, das ist un­ge­fähr – ich fas­se für Sie zu­sam­men, was hier in mei­nen 66 Sei­ten stand, bei de­nen ich an­fangs die gute Ab­sicht hat­te, sie vor­zu­le­sen. Ich habe das in ei­ner be­stimm­ten Geis­tes­hal­tung ge­tan, denn wenn ich das Le­sen auf mich nahm, dann hieß das ja, Sie im sel­ben Maße da­von zu ent­las­ten und viel­leicht da­für zu sor­gen, dass Sie, das ist das, was ich wün­sche, twas le­sen könn­ten – wenn Sie es schaf­fen könn­ten, wirk­lich zu le­sen, was in die­ser Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens steht, dann hie­ße das, den­ke ich, Ih­nen mit Hand­schlag et­was zu ge­ben, was Ih­nen eben­so vie­le Diens­te leis­ten kann wie die ein­fa­che Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Rea­len, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren.

Ent­schul­di­gung, dass ich so lan­ge ge­spro­chen habe.

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Französisch/deutsch

 

[178] La troi­siè­me, c’est le tit­re.

Die Drit­te – das ist der Ti­tel.

 

La troi­siè­me, elle re­vi­ent, c’est tou­jours la pre­miè­re, com­me dit Gé­r­ard de Ner­val.

Die Drit­te, sie kommt wie­der, sie ist im­mer die Ers­te, wie es bei Gé­r­ard de Ner­val heißt.4

 

Y ob­jec­te­rons-nous que ça fas­se dis­que ?

Wer­den wir da­ge­gen ein­wen­den, das klin­ge wie eine dis­que, eine Plat­te?5

 

Pour­quoi pas, si ça dit ce que.

War­um nicht, wenn das dit ce que / wenn das das sagt, was.6

 

En­core faut-il, ce dit-ce-que, l’entendre, ce quel­que cho­se que le dis­que-ours de Rome.

Al­ler­dings muss man es hö­ren, die­ses dit-ce-que, die­ses et­was, näm­lich den dis­que-ours de Rome / den Rom-Vor­trag.7

 

Si j’injecte ain­si un bout de plus d’onomatopée dans la lan­gue, ce n’est pas qu’elle ne soit en droit de me ré­tor­quer qu’il n’y a pas d’onomatopée qui déjà ne se spé­ci­fie de son sys­tè­me pho­né­ma­tique, à la lan­gue.

Wenn ich so ein wei­te­res Stück Laut­ma­le­rei in die Spra­che (la lan­gue) in­ji­zie­re, wäre sie nicht im Un­recht, mir ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass es für die Spra­che (la lan­gue) kei­ne Laut­ma­le­rei gibt, die nicht be­reits durch ihr pho­n­ema­ti­sches Sys­tem be­stimmt wür­de.8

 

Vous savez que pour le français, Ja­kobson l’a ca­li­bré : c’est grand com­me ça.

Wie Sie wis­sen, hat Ja­kobson das für das Fran­zö­si­sche ka­li­briert, so groß ist das.

 

Au­tre­ment dit, c’est d’être du français que le dis­cours de Rome peut s’entendre dis­que-our­dro­me.

An­ders ge­sagt, da er zum Fran­zö­si­schen ge­hört, kann der dis­cours de Rome / der Rom-Vor­trag, sich fol­gen­der­ma­ßen an­hö­ren: dis­que-our­dro­me. 9

 

Je tem­pè­re ça à re­mar­quer que our­dro­me est un ron­ron qu’admettraient d’autres lalan­gues, si j’agrée bien de l’oreille à tel­le de nos voi­si­nes géo­gra­phi­ques, et que ça nous sort na­tu­rel­le­ment du jeu de la ma­tri­ce, cel­le de Ja­kobson, cel­le que j’en spé­ci­fi­ais à l’instant.

Ich mil­de­re das ab, in­dem ich an­mer­ke, dass our­dro­me ein Schnur­ren ist10, das auch an­de­re Lalan­gues11 zu­las­sen wür­den – falls mein Ohr ei­ni­gen Lalan­gues un­se­rer geo­gra­phi­schen Nach­ba­rin­nen hin­rei­chend ge­neigt ist – und dass es bei uns na­tür­lich aus dem Spiel der Ma­trix her­vor­geht, der von Ja­kobson, der­je­ni­gen, die ich eben an­ge­ge­ben habe.12

 

Com­me il ne faut pas que je par­le trop long­temps, je vous pas­se un truc.

Da es nicht sein darf, dass ich zu lan­ge spre­che, über­sprin­ge ich hier was.

 

Ça me don­ne l’occasion sim­ple­ment, cet our­dro­me, de mett­re la voix sous la ru­bri­que des quat­re ob­jets dits par moi pe­tit a, c’est-à-dire de la re­vi­der de la sub­s­tan­ce qu’il pour­rait y avoir dans le bruit qu’elle fait, c’est-à-dire la re­mett­re | [179] au comp­te de l’opération si­gni­fi­an­te, cel­le que j’ai spé­ci­fiée des ef­fets dits de mé­to­ny­mie.

Das gibt mir ganz ein­fach die Ge­le­gen­heit, die­ses our­dro­me, die Stim­me, in die Ru­brik der vier Ob­jek­te ein­zu­ord­nen, die ich klein a nen­ne, das heißt, sie wie­der von der Sub­stanz zu ent­lee­ren, die hier aus dem Ge­räusch be­stehen könn­te, das sie macht, das heißt, sie wie­der auf das Kon­to der Si­gni­fi­kan­ten­ope­ra­ti­on zu ver­bu­chen, der­je­ni­gen, die ich von den Wir­kun­gen der so­ge­nann­ten Me­to­ny­mie her be­stimmt habe.

 

De sor­te qu’à par­tir de là la voix – si je puis dire – la voix est libre, libre d’être aut­re cho­se que sub­s­tan­ce.

Der­art, dass von da­her die Stim­me, wenn ich so sa­gen kann, die Stim­me frei ist, frei, et­was an­de­res zu sein als eine Sub­stanz.

 

Voi­là. Mais c’est une aut­re dé­li­néa­ti­on que j’entends poin­ter en in­tro­du­i­sant ma Troi­siè­me.

Gut. Wenn ich mei­ne Drit­te ein­füh­re, möch­te ich da­mit je­doch auf eine an­de­re Um­riss­li­nie hin­wei­sen.

 

L’onomatopée qui m’est ve­nue d’une fa­çon un peu per­son­nel­le me fa­vo­ri­se – touchons du bois – me fa­vo­ri­se de ce que le ron­ron, c’est sans au­cun dou­te la jouis­sance du chat.

Die Laut­ma­le­rei, die mir auf eine et­was per­sön­li­che Wei­se in den Sinn ge­kom­men ist, be­güns­tigt mich – klop­fen wir auf Holz –, be­güns­tigt mich in­so­fern, als das Schnur­ren ohne je­den Zwei­fel das Ge­nie­ßen (jouis­sance) der Kat­ze ist.

 

Que ça pas­se par son la­rynx ou ail­leurs, moi je n’en sais rien ; quand je les cares­se, ça a l’air d’être de tout le corps, et c’est ce qui me fait entrer à ce dont je veux par­tir.

Ob das durch ih­ren Kehl­kopf geht oder wo­durch sonst, dar­über weiß ich nichts – wenn ich sie streich­le, wirkt es, als käme es aus dem gan­zen Kör­per, und das bringt mich dort­hin, von wo ich aus­ge­hen will.

 

Je pars de là, ça ne vous don­ne pas for­cé­ment la règ­le du jeu, mais ça vi­en­dra après.

Von da gehe ich aus; das gibt Ih­nen nicht zwangs­läu­fig die Spiel­re­gel, aber das kommt spä­ter.

 

« Je pen­se donc se jouit ».

Je pen­se donc se jouit.“ / „Ich den­ke, also ge­nießt sich.13

 

Ça re­jet­te le « donc » usité, ce­lui qui dit « je sou­is ».

Da­mit wird das üb­li­che „also“ zu­rück­ge­wie­sen, das, wel­ches je sou­is / ich bin sagt.14

 

Je fais un pe­tit ba­di­na­ge là-des­sus.

Dar­über ma­che ich ei­nen klei­nen Scherz.

 

Re­je­ter, si c’est à en­tendre com­me ce que j’ai dit de la for­clu­si­on, que re­je­ter le je sou­is ça re­pa­raît dans le réel.

Es wird zu­rück­ge­wie­sen – wenn das so zu ver­ste­hen ist, wie das, was ich über die Ver­wer­fung (for­clu­si­on) ge­sagt habe –, dass das je sou­is, wenn es zu­rück­ge­wie­sen wird, im Rea­len wie­der­er­scheint.15

 

Ça pour­rait pas­ser pour un défi à mon âge, à mon âge où de­puis trois ans, com­me on dit ça aux gens à qui on veut l’envoyer dans les dents, de­puis trois ans, So­cra­te était mort !

Das könn­te als eine Her­aus­for­de­rung mei­nes Al­ters auf­ge­fasst wer­den, ein Al­ter, in dem be­reits seit drei Jah­ren, wie man das Leu­ten sagt, de­nen man das ins Ge­sicht schleu­dern will, in dem So­kra­tes be­reits seit drei Jah­ren tot war.

 

Mais même si je déf­un­tais, à la sui­te – ça pour­rait bien m’arriver, c’est ar­ri­vé à Lévi-Strauss, com­me ça, à la tri­bu­ne – Des­car­tes n’a ja­mais en­ten­du à pro­pos de son je sou­is dire qu’il jouis­sait de la vie.

Doch selbst wenn ich auf der Stel­le da­hin­schei­den wür­de — das könn­te mir durch­aus pas­sie­ren, das ist Lévi-Strauss pas­siert, ein­fach so, am Red­ner­pult16 —, so hat Des­car­tes mit sei­nem je sou­is doch nie­mals sa­gen wol­len, er ge­nie­ße das Le­ben.17

 

Ce n’est pas ça du tout.

Das ist es über­haupt nicht.

 

Quel sens ça a, son je sou­is ?

Wel­chen Sinn hat das, sein je sou­is?

 

Ex­ac­te­ment mon su­jet à moi, le « je » de la psy­chana­ly­se.

Ge­nau mein Sub­jekt, das „ich“ (je) der Psy­cho­ana­ly­se.

 

Na­tu­rel­le­ment il ne sa­vait pas, le pau­vre, il ne sa­vait pas, ça va de soi, il faut que je lui in­ter­prè­te : c’est un sym­ptô­me.

Na­tür­lich wuss­te er’s nicht, der Ärms­te, er wuss­te es nicht, das ist selbst­ver­ständ­lich, ich muss es ihm deu­ten: das ist ein Sym­ptom.

 

Car de quoi est-ce qu’il pen­se avant de con­clu­re qu’il suit, la mu­si­que de l’être, sans dou­te ?

Denn von wo­her denkt er, be­vor er den Schluss zieht, dass er suit / dass er ist / dass er folgt, der Mu­sik des Seins si­cher­lich?18

 

Il pen­se, il pen­se du sa­voir de l’école dont les Jé­sui­tes, ses maî­tres, lui ont rebat­tu les oreil­les.

Er denkt, er denkt vom Wis­sen der Scho­las­ti­ker her, mit dem die Je­sui­ten, sei­ne Leh­rer / sei­ne Her­ren (maî­tres) ihm in den Oh­ren ge­le­gen ha­ben.

 

Il con­sta­te que c’est lé­ger.

Er stellt fest, dass das dünn ist.

 

Ce se­rait meilleur ta­bac, c’est sûr, s’il se ren­dait comp­te que son sa­voir va bien plus loin qu’il ne le croit à la sui­te de l’école, qu’il y a de l’eau dans le gaz, si je puis dire, et du seul fait qu’il par­le, car par­ler car par­ler de la lan­gue, il a un in­con­sci­ent, et il est pau­mé, com­me tout un cha­cun qui se re­spec­te ; ce que j’appelle un sa­voir im­pos­si­ble à re­joind­re pour le su­jet, alors que lui, le su­jet, il n’y a qu’un si­gni­fi­ant seu­le­ment qui le re­pré­sen­te au­près de ce sa­voir.

Es wäre bes­ser19, das ist si­cher, wenn er sich klar ma­chen wür­de, dass sein Wis­sen viel wei­ter geht, als er im Ge­fol­ge der Scho­las­tik glau­ben möch­te, dass hier das Pro­blem liegt20, schon al­lein des­halb, weil er spricht, denn von da­her, dass er spricht, dass er von der Spra­che (la lan­gue) her spricht, hat er ein Un­be­wuss­tes, und er ist rat­los, wie je­der, der auf sich hält; das, was ich ein für das Sub­jekt un­er­reich­ba­res Wis­sen nen­ne, wo­bei es für das Sub­jekt nur ei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, der es bei die­sem Wis­sen re­prä­sen­tiert. 21

 

C’est un re­pré­sen­tant, si je puis dire, de com­mer­ce, avec ce sa­voir con­sti­tué, pour Des­car­tes com­me c’est d’usage à son épo­que, de son in­ser­ti­on dans le dis­cours où il est né, c’est-à-dire le dis­cours que j’appelle du maît­re, le dis­cours du no­b­li­au.

Das ist ein Han­dels­ver­tre­ter (un re­pré­sen­tant de com­mer­ce), wenn ich so sa­gen darf, er steht in ei­ner Han­dels­be­zie­hung zu die­sem Wis­sen, das für Des­car­tes, wie es zu sei­ner Zeit üb­lich war, dar­in be­steht, dass er in den Dis­kurs ein­ge­fügt wird, in den er hin­ein­ge­bo­ren wur­de, das heißt in den Dis­kurs, den ich den Dis­kurs des Herrn nen­ne, den Dis­kurs des Kleinad­li­gen.

 

C’est bien pour ça qu’il n’en sort pas avec son « je pen­se donc je sou­is ».

Des­we­gen kommt er da nicht raus mit sei­nem „je pen­se donc je sou­is“, „ich den­ke, also bin ich“.

 

[180] C’est quand même mieux que ce que dit Par­mé­ni­de.

Im­mer­hin ist das bes­ser als das, was Par­men­ides sagt.22

 

L’opacité de la con­jonc­tion du no­ein et de ei­nai, il n’en sort pas, ce pau­vre Pla­ton, il n’en sort pas ; par­ce que s’il n’y avait pas lui, qu’est-ce qu’on sau­rait de Par­mé­ni­de ?

Die Un­durch­sich­tig­keit der Ver­bin­dung von no­ein [Den­ken] und ei­nai [Sein], da kommt er nicht raus, der arme Pla­ton, da kommt er nicht raus; denn wenn es ihn nicht gäbe, was wüss­te man da über Par­men­ides?

 

Mais ça n’empêche pas qu’il n’en sort pas, et que s’il ne nous trans­met­t­ait pas l’hystérie gé­nia­le de So­cra­te, qu’est-ce qu’on en ti­re­rait ?

Trotz­dem steht fest, dass er da nicht raus­kommt, und hät­te er uns nicht die ge­nia­le Hys­te­rie des So­kra­tes über­lie­fert, was wür­de man da raus­zie­hen?

 

Moi, je me suis échi­né pen­dant ces pseu­do-va­can­ces sur le So­phis­te.

Was mich an­geht, ich habe mich wäh­rend die­ser Pseu­do-Fe­ri­en mit dem So­phis­ten ab­ge­quält.23

 

Je dois être trop so­phis­te pro­bable­ment pour que ça m’intéresse.

Ich muss wohl zu so­phis­tisch sein, als dass mich das in­ter­es­sier­te.

 

Il doit y avoir là quel­que cho­se à quoi je suis bou­ché.

Es muss da et­was ge­ben, wozu ich kei­nen Zu­gang habe.

 

J’apprécie pas.

Ge­fällt mir nicht.

 

Il nous man­que des trucs pour ap­pré­cier.

Fürs Ge­fal­len, da­für fehlt uns was.

 

En­fin il nous man­que de sa­voir ce qu’était le so­phis­te à cet­te épo­que.

Das heißt, es fehlt uns an Wis­sen dar­über, was da­mals ein So­phist war.

 

Il nous man­que le po­ids de la cho­se.

Es fehlt uns das Ge­wicht der Sa­che.

 

Re­venons au sens du sou­is.

Keh­ren wir zum Sinn des sou­is zu­rück, des „bin“.

 

Ce n’est pas simp­le, ce qui, dans la gram­mai­re tra­di­ti­on­nel­le, se met au tit­re de la con­ju­gai­son d’un cer­tain ver­be être – pour le la­tin, alors là tout le mon­de s’en aper­çoit, fui com­me on dit en Ita­lie que fui ne fait pas som­me avec sum, com­me on dit ici aus­si.

Das ist nicht ein­fach das, was man in der her­kömm­li­chen Gram­ma­tik un­ter der Kon­ju­ga­ti­on ei­nes ge­wis­sen Verbs fin­det, „sein“ – im La­tei­ni­schen, da sieht je­der, dass fui, wie man <auch> in Ita­li­en sagt24, mit sum, wie man hier auch sagt25, kei­ne Sum­me bil­det / nicht zu­sam­men­passt.

 

Sans comp­ter le res­te du bric à brac.

Ohne das üb­ri­ge Ge­rüm­pel mit­zu­rech­nen.

 

Bon en­fin, je vous en pas­se, je vous pas­se tout ce qui est ar­ri­vé quand les sau­va­ges, les Gau­lois se sont mis à avoir à se ti­rer d’affaire avec ça.

Also gut, ich las­se et­was aus, ich er­spa­re Ih­nen all das, was pas­sier­te, als die Wil­den, die Gal­li­er, et­was brauch­ten, um sich da­mit aus der Af­fä­re zu zie­hen.

 

Ils ont fait glis­ser le est du côté du stat.

Sie ha­ben das <la­tei­ni­sche> est [ist] auf die Sei­te des <la­tei­ni­schen> stat [steht] hin­über­glei­ten. las­sen.26

 

Ils sont pas les seuls d’ailleurs, en Es­pa­gne, je crois que ça a été le même truc.

 

Das sind üb­ri­gens nicht die ein­zi­gen, in Spa­ni­en lief das, glau­be ich, ge­nau­so.

 

En­fin la lin­gu­is­te­rie se tire de tout ça com­me elle peut.

Kurz, die Lin­gu­is­te­rie zieht sich aus all dem so gut her­aus wie sie kann.27

 

Je ne m’en vais pas main­ten­ant vous ré­pé­ter ce qui fait les di­man­ches de nos étu­des clas­si­ques.

Ich wer­de Ih­nen jetzt nicht wie­der­ho­len, was die Sonn­ta­ge un­se­res hu­ma­nis­ti­schen Un­ter­richts aus­mach­te.

 

Il n’en res­te pas mo­ins qu’on peut se de­man­der de quel­le chair ces êtres qui sont d’ailleurs des êtres de my­the, en­fin ceux dont j’ai mis le nom là : les Un­deux­ro­péens, on les a in­ven­tés ex­près, c’est des my­thè­mes ; qu’est-ce qu’ils pou­vai­ent mett­re dans leur co­pu­le … ce qui par­tout ail­leurs que dans nos lan­gues, c’est sim­ple­ment n’importe quoi qui sert de co­pu­le … en­fin quel­que cho­se com­me la pré­fi­gu­ra­ti­on du Ver­be in­car­né ?

Gleich­wohl kann man sich fra­gen, aus wel­chem Fleisch die­se We­sen (êtres) – die im üb­ri­gen my­thi­sche We­sen sind, näm­lich die­je­ni­gen, de­ren Na­men ich dort an­ge­schrie­ben habe, die Un­deux­ro­péen / die In­do­eu­ro­pä­er28, man hat sie aus­drück­lich er­fun­den, das sind My­the­me –, man kann sich fra­gen, was sie in ihre Ko­pu­la rein­ste­cken konn­ten, über­all an­ders als in un­se­ren Spra­chen ist es ein­fach ir­gend­was, was als Ko­pu­la dient: <war das> letzt­lich so et­was wie die Prä­fi­g­u­ra­ti­on des in­kar­nier­ten Wor­tes29?

 

On dira ça, ici !

Hier wird man das sa­gen!30

 

Ça me fait suer.

Das bringt mich zum Schwit­zen.

 

On a cru me fai­re plai­sir en me faisant ve­nir à Rome, je ne sais pas pour­quoi.

Man hat ge­glaubt, mir ein Ver­gnü­gen zu be­rei­ten, als man mich nach Rom kom­men ließ, ich weiß nicht war­um.

 

Il y a trop de lo­caux pour l’Esprit Saint.

Es gibt zu vie­le Lo­ka­li­tä­ten zum Hei­li­gen Geist.

 

Qu’est-ce que l’Être a de su­prê­me si ce n’est par cet­te co­pu­le ?

Was hat denn das Sein/Wesen an Höchs­tem, au­ßer durch die­se Ko­pu­la?31

 

En­fin je me suis amu­sé à y in­ter­po­ser ce qu’on ap­pel­le des per­son­nes, ça foi­re à être, en­fin j’ai trou­vé un ma­chin qui m’a amu­sé : m’es-tu-me ; mais-tu-me ; ça per­met de s’embrouiller : m’aimes-tu mm ?

Schließ­lich habe ich mich da­mit amü­siert, hier das ein­zu­fü­gen32, was man Per­so­nen nennt, das schei­tert zu sein (ça foi­re à être), schließ­lich habe ich eine Sa­che ge­fun­den, die mich amü­siert hat: m’es-tu-me (bis du mir), mais-tu-me (aber-du-mich), das er­mög­licht es, sich zu ver­hed­dern: m’aime-tu mm (liebst du mich, hm)?33

 

En réa­lité c’est le même truc.

In Wirk­lich­keit ist das die­sel­be Sa­che.

 

C’est l’histoire du messa­ge que cha­cun reçoit sous sa for­me in­ver­sée.

Das ist die Ge­schich­te von der Bot­schaft, die je­der in um­ge­kehr­ter Form er­hält.

 

Je dis ça de­puis très long­temps et ça a fait ri­go­ler.

Ich sage das seit sehr lan­ger Zeit, und das hat Ge­läch­ter her­vor­ge­ru­fen.34

 

À la vé­rité, c’est à Clau­de Lévi-Strauss que je le dois.

In Wahr­heit ist es Clau­de Lévi-Strauss, dem ich das ver­dan­ke.

 

Il s’est pen­ché vers une de mes ex­cel­len­tes amies qui est sa | [181] femme, qui est Mo­ni­que, pour l’appeler par son nom, et il lui a dit, à pro­pos de ce que j’exprimais, que c’était ça, que cha­cun re­ce­vait son messa­ge sous une for­me in­ver­sée.

Er hat sich zu ei­ner mei­ner wer­ten Freun­din­nen hin­über ge­neigt, näm­lich zu sei­ner Frau – zu Mo­ni­que, um sie mit ih­rem Na­men zu nen­nen –, und er hat ihr ge­sagt, bei dem, was ich vor­brin­ge, gehe es dar­um, dass je­der sei­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form er­hält.

 

Mo­ni­que me l’a ré­pé­té.

Mo­ni­que hat es mir wei­ter­ge­sagt.

 

Je ne pou­vais pas trou­ver de for­mu­le plus heu­re­u­se pour ce que je vou­lais dire à ce mo­ment-là.

Ich konn­te kei­ne glück­li­che­re For­mu­lie­rung fin­den, für das, was ich da­mals sa­gen woll­te.

 

C’est quand même lui qui me l’a re­filé.

Je­den­falls hat er sie mir un­ter­ge­ju­belt.

 

Vous voy­ez, je prends mon bien où je le trouve.

Sie se­hen, ich neh­me mein Glück, wo ich’s fin­de.35

 

Bon alors je pas­se sur les au­tres temps, sur l’étayage de l’imparfait.

Nun gut, ich über­ge­he die an­de­ren Zei­ten, die Stüt­zung (éta­ya­ge) des Im­per­fekts.

 

J’étais.

J’étais (ich war).

 

Ah ! qu’est-ce que tu étai­es ?

Also, qu’est-ce que tu étai­es (was warst du /was stützt du)?36

 

Et puis le res­te.

Und dann das Üb­ri­ge.

 

Pas­sons, par­ce qu’il faut que j’avance.

Über­ge­hen wir das, denn ich muss vor­an­kom­men.

 

Le sub­jonc­tif, c’est mar­rant.

Der Sub­jonc­tif, der ist ul­kig.

 

Qu’il soit – com­me par ha­sard.

Qu’il soit (dass er sei) – wie durch Zu­fall.

 

Des­car­tes, lui, ne s’y trom­pe pas : Dieu, c’est le dire.

Des­car­tes je­den­falls täuscht sich dar­in nicht: Gott, das ist das Sa­gen (Dieu, c’est le dire).

 

Il voit très bien que dieu­re, c’est ce qui fait être la vé­rité, ce qui en dé­ci­de, à sa tête.

Er sieht ganz rich­tig, dass dieu­re37 das ist das, was die Wahr­heit sein lässt, das, was nach Gut­dün­ken dar­über ent­schei­det.38

 

Il suf­fit de dieu­re com­me moi.

Es ge­nügt, wie ich de dieu­re (zu sa­gen / zu got­ten).

 

C’est la vé­rité, pas mo­y­en d’y éch­ap­per.

Das ist die Wahr­heit, dem kann man nicht ent­rin­nen.

 

Si Dieu­re me trom­pe, tant pis, c’est la vé­rité par le dé­cret du dieu­re, la vé­rité en or.

Falls Dieu­re mich täuscht, Pech ge­habt – das ist die Wahr­heit durch das De­kret des Dieu­re, die gol­de­ne Wahr­heit.

 

Bon, pas­sons.

Gut, ge­hen wir wei­ter.

 

Par­ce que je fais jus­te à ce mo­ment-là quel­ques re­mar­ques à pro­pos des gens qui ont trim­bal­lé la cri­tique de l’autre côté du Rhin pour fi­nir par bai­ser le cul d’Hitler.

Denn hier ma­che ich in eben die­sem Mo­ment39 ei­ni­ge Be­mer­kun­gen über Leu­te, die auf der an­de­ren Sei­te des Rheins die Kri­tik her­um­ge­schleppt ha­ben, um dann zum Schluss Hit­ler in den Arsch zu krie­chen.

 

Ça me fait grincer des dents.

Das bringt mich dazu, mit den Zäh­nen zu knir­schen.

 

Alors le sym­bo­li­que, l’imaginaire et le réel, ça c’est le nu­mé­ro un.

Also, das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, das ist Num­mer eins.40

 

L’inouï, c’est que ça ait pris du sens, et pris du sens ran­gé com­me ça.

Das Un­er­hör­te ist, dass das Sinn be­kom­men hat und dass es in die­ser An­ord­nung Sinn be­kom­men hat.

 

Dans les deux cas, c’est à cau­se de moi, de ce que j’appelle le vent dont je sens que moi je ne peux même plus le pré­voir, le vent dont on gon­f­le ses voi­les à not­re épo­que.

In bei­den Fäl­len liegt das an mir, an dem, was ich den Wind nen­ne, bei dem ich spü­re, dass ich selbst ihn nicht ein­mal mehr vor­aus­se­hen kann, den Wind, mit dem man heut­zu­ta­ge sei­ne Se­gel bläht.

 

Car c’est évi­dent, ça n’en man­que pas, de sens, au dé­part.

Denn das ist of­fen­kun­dig, zu Be­ginn fehlt’s nicht dar­an, am Sinn.

 

C’est en ça que con­sis­te la pen­sée, que des mots in­tro­dui­sent dans le corps quel­ques re­pré­sen­ta­ti­ons im­bé­ci­les, voi­là, vous avez le truc ; vous avez là l’imaginaire, et qui en plus nous rend gor­ge – ça ne veut pas dire qu’il nous rengor­ge, non, il nous re­dé­gueu­le quoi? com­me par ha­sard une vé­rité, une vé­rité de plus.

Eben dar­in be­steht das Den­ken: dass Wör­ter ge­wis­se dum­me Vor­stel­lun­gen in den Kör­per ein­füh­ren, und da ha­ben Sie die Sa­che, da ha­ben Sie das Ima­gi­nä­re, das uns au­ßer­dem et­was zu­rück­er­stat­tet (nous rend gor­ge) – das be­deu­tet nicht, dass es da­für sorgt, dass wir uns auf­plus­tern (nous rengor­ge), nein, es kotzt uns ein wei­te­res Mal et­was aus, und zwar was? wie durch Zu­fall eine Wahr­heit, eine Wahr­heit mehr.41

 

C’est un com­ble.

Das ist der Gip­fel!

 

Que le sens se loge en lui nous don­ne du même coup les deux au­tres com­me sens.

Dar­aus, dass in ihm der Sinn haust, er­ge­ben sich für uns zu­gleich die bei­den an­de­ren als Sinn.42

 

L’idéalisme, dont tout le mon­de a ré­pu­dié com­me ça l’imputation, l’idéalisme est là der­riè­re.

Der Idea­lis­mus, bei dem alle es ab­ge­lehnt ha­ben, ihm zu­ge­rech­net zu wer­den, der Idea­lis­mus steckt da­hin­ter.

 

Les gens ne de­mandent que ça, ça les in­téres­se, vu que la pen­sée, c’est bien ce qu’il y a de plus cré­ti­nisant à agi­ter le gre­lot du sens.

Die Leu­te ver­lan­gen (de­mandent) nur dies, das in­ter­es­siert sie, ist doch das Den­ken wohl das, was am meis­ten ver­dummt, in­dem es die Sinn­glo­cke läu­tet.

 

Com­ment vous sor­tir de la tête l’emploi phi­lo­so­phi­que de mes ter­mes, c’est à dire l’emploi or­du­ri­er ? quand d’autre part il faut bien que ça ent­re, mais ça vaud­rait mieux que ça ent­re ail­leurs.

Wie brin­ge ich Ih­nen nur den phi­lo­so­phi­schen Ge­brauch mei­ner Ter­mi­ni aus dem Kopf, das heißt den schmut­zi­gen Ge­brauch, wo das doch an­de­rer­seits hin­ein­ge­lan­gen muss, aber es wäre bes­ser, wenn das an­ders­wo rein­kä­me.

 

Vous vous ima­gi­nez que la pen­sée, ça se ti­ent dans la cer­vel­le.

Sie stel­len sich vor, dass sich das Den­ken im Ge­hirn ab­spielt.

 

Je ne vois pas pour­quoi je vous en dis­sua­de­rais.

Ich sehe nicht, war­um ich Ih­nen das aus­re­den soll­te

 

 

Moi, je suis sûr – je suis sûr com­me ça, c’est mon af­fai­re – que ça se ti­ent dans les peau­ciers du front, chez l’être par­lant ex­ac­te­ment com­me chez le hé­ris­son.

Ich je­den­falls bin mir si­cher – ich bin mir ein­fach si­cher, das ist bei mir so –, dass sich das in den Stirn­mus­keln ab­spielt, beim spre­chen­den We­sen (l’être par­lant) ge­nau wie beim Igel.

 

J’adore les hé­ris­sons.

Ich lie­be Igel.

 

Quand j’en vois un, je le mets dans ma po­che, dans mon mouchoir.

Wenn ich ei­nen sehe, ste­cke ich ihn mir in die Ta­sche, ins Ta­schen­tuch.

 

Na­tu­rel­le­ment il pis­se.

Na­tür­lich pisst er.

 

[182] Jusqu’à ce que je l’aie ra­mené sur ma pe­lou­se, à ma mai­son de cam­pa­gne.

Bis ich ihn auf den Ra­sen bei mei­nem Wo­chen­end­haus ge­bracht habe.

 

Et là j’adore voir se pro­du­i­re ce plis­se­ment des peau­ciers du front.

Und da lie­be ich es, zu be­ob­ach­ten, wie sich die­ses Fal­ten der Stirn­mus­keln her­stellt.

 

À la sui­te de quoi, tout com­me nous, il se met en boule.

Und da­nach rollt er sich, ganz wie wir, zu ei­ner Ku­gel zu­sam­men.

 

En­fin, si vous pou­vez pen­ser avec les peau­ciers du front, vous pou­vez aus­si pen­ser avec les pieds.

Also wenn Sie mit den Stirn­mus­keln den­ken kön­nen, dann kön­nen Sie auch mit den Fü­ßen den­ken.

 

Eh bien c’est là que je vou­d­rais que ça ent­re, puisqu’après tout l’imaginaire, le sym­bo­li­que et le réel, c’est fait pour que ceux de cet attrou­pe­ment qui sont ceux qui me suiv­ent, pour que ça les aide à fray­er le che­min de l’analyse.

Und ich möch­te eben, dass es da­hin geht, denn das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le, dass ist letzt­lich dazu ge­macht, dass es den­je­ni­gen in die­ser Zu­sam­men­rot­tung, die mir fol­gen, dass es de­nen hilft, den Weg der Ana­ly­se zu bah­nen.

 

Ces ronds là, ces ronds de ficel­le dont je me suis es­quin­té à vous fai­re des dessins, ces ronds de ficel­le, il ne s’agit pas de les ron­ron­ner.

Die­se Rin­ge da, die­se Fa­den­rin­ge (ronds de ficel­le), bei de­nen ich mich ab­ge­müht habe, Zeich­nun­gen für Sie an­zu­fer­ti­gen, die­se Fa­den­rin­ge, es geht nicht dar­um, sie zu schnur­ren (ron­ron­ner).43

 

Il faud­rait que ça vous ser­ve, et que ça vous ser­ve jus­tement à l’erre dont je vous par­lais cet­te an­née, que ça vous ser­ve à vous aper­ce­voir ce qui – la to­po­lo­gie que ça dé­fi­nit – ce qu’il y a ent­re, à être non du­pes de l’autoroute.

Das soll für Sie nütz­lich sein, soll Ih­nen bei eben die­sem Her­um­ir­ren (l’erre) nütz­lich sein, über das ich zu Ih­nen in die­sem Jahr ge­spro­chen habe, soll Ih­nen da­bei nütz­lich sein, dass Sie das wahr­neh­men, was – die To­po­lo­gie wahr­neh­men, die da­durch de­fi­niert wird – , das was es da­zwi­schen gibt, um Nicht-Rein­ge­leg­te der Au­to­bahn zu sein.44

 

Ces ter­mes ne sont pas ta­bou.

Die­se Ter­mi­ni sind nicht tabu.45

 

Ce qu’il faud­rait c’est que vous les pi­giez.

Es wäre nö­tig, dass Sie sie ka­pie­ren.

 

 

Ils sont là de­puis bien avant cel­le que j’implique de la dire la pre­miè­re, la pre­miè­re fois que j’ai par­lé à Rome.

Sie wa­ren schon lan­ge vor dem Zeit­punkt da, den ich vor­aus­set­ze, wenn ich ihn den ers­ten nen­ne, das ers­te Mal, dass ich in Rom ge­spro­chen habe.46

 

Je les ai sor­tis, ces trois, après avoir as­sez bien co­gité, je les ai sor­tis très tôt, bien avant de m’y être mis, à mon pre­mier dis­cours de Rome.

Die­se drei habe ich raus­ge­bracht, nach­dem ich ei­ni­ger­ma­ßen gründ­lich nach­ge­dacht hat­te, ich habe sie sehr früh raus­ge­bracht, lan­ge be­vor ich mich an mei­ne ers­te Rom-Rede ge­setzt habe.47

 

Que ce soit ces ronds du nœud bor­ro­méen, ce n’est quand même pas une rai­son non plus pour vous y prend­re le pied.

Auch wenn die­se Rin­ge die des bor­ro­mäi­schen Kno­tens sind, ist das kei­nes­wegs ein Grund, dass Sie mit dem Fuß drin hän­gen­blei­ben.48

 

Ce n’est pas ça que j’appelle pen­ser avec ses pieds.

Das ist es nicht, was ich „mit den Fü­ßen den­ken“ nen­ne.

 

Il s’agirait que vous y lais­siez quel­que cho­se de bien dif­fé­rent d’un mem­bre – je par­le des ana­lys­tes –, il s’agirait que vous y lais­siez cet ob­jet in­sen­sé que j’ai spé­ci­fié du pe­tit a.

Es wür­de dar­um ge­hen, dass Sie hier et­was ganz an­de­res als ein Glied las­sen – ich spre­che von den Ana­ly­ti­kern –, es wür­de dar­um ge­hen, dass Sie hier die­ses sinn­lo­se (in­sen­sé) Ob­jekt las­sen, das ich mit klein a be­zeich­net habe.

 

C’est ça, ce qui s’attrape au co­in­ce­ment du sym­bo­li­que, de l’imaginaire et du réel com­me nœud.

Es ist das, was in der Ver­zur­rung des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len zum Kno­ten ein­ge­fan­gen wird.

 

C’est à l’attraper jus­te que vous pou­vez répond­re à ce qui est vot­re fonc­tion : l’offrir com­me cau­se de son dé­sir à vot­re ana­ly­sant.

Wenn Sie es rich­tig ein­fan­gen, wer­den Sie dem ge­recht, was Ihre Funk­ti­on ist: es Ih­rem Ana­ly­san­ten als Ur­sa­che sei­nes Be­geh­rens (dé­sir) an­zu­bie­ten.

 

 

C’est ça qu’il s’agit d’obtenir.

Das ist es, was er­reicht wer­den soll.

 

Mais si vous vous y pre­nez la pat­te, ce n’est pas ter­ri­ble non plus.

Aber wenn Sie mit der Pfo­te drin hän­gen blei­ben, ist das auch nicht schlimm.

 

L’important, c’est que ça se pas­se à vos frais.

Wich­tig ist, dass das auf Ihre Kos­ten geht.

 

Pour dire les cho­ses, après cet­te ré­pu­dia­ti­on du « je sou­is », je m’amuserai à vous dire que ce nœud, il faut l’être.

Um es klar zu sa­gen, nach die­ser Zu­rück­wei­sung des je sou­is [ich bin], möch­te ich mich da­mit ver­gnü­gen, Ih­nen zu sa­gen, dass man die­ser Kno­ten sein muss.49

 

Alors si je ra­jou­te en plus ce que vous savez après ce que j’avais ar­ti­cu­lé pen­dant un an des quat­re dis­cours sous le tit­re de L’envers de la psy­chana­ly­se, il n’en res­te pas mo­ins que de l’être, il faut que vous n’en fas­siez que le sem­blant.

Wenn ich nun noch das hin­zu­fü­ge, was Sie schon ken­nen, nach dem, was ich ein Jahr lang un­ter dem Ti­tel Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se über die vier Dis­kur­se ar­ti­ku­liert hat­te50, dann bleibt im­mer noch dies üb­rig, dass Sie, um er zu sein, da­von nur den Schein (sem­blant) bil­den müs­sen.51

 

Ça, c’est calé !

Und das ist kniff­lig.

 

C’est d’autant plus calé qu’il ne suf­fit pas d’en avoir l’idée pour en fai­re le sem­blant.

Das ist umso kniff­li­ger, als es nicht ge­nügt, da­von die Idee da­von zu ha­ben, um den Schein da­von zu bil­den.

 

[183] Ne vous ima­gi­nez pas que j’en ai eu, moi, l’idée.

Stel­len Sie sich nur nicht vor, dass ich selbst da­von die Idee ge­habt habe.

 

J’ai écrit ob­jet pe­tit a.

Ich habe „Ob­jekt klein a“ ge­schrie­ben.

 

C’est tout dif­fé­rent.

Das ist et­was ganz an­de­res.

 

Ça l’apparente à la lo­gi­que, c’est-à-dire que ça le rend opé­rant dans le réel au tit­re de l’objet dont jus­tement il n’y a pas d’idée, ce qui, il faut bien le dire, était un trou jusqu’à pré­sent dans tou­te théo­rie, quel­le qu’elle soit, l’objet dont il n’y a pas d’idée.

Das nä­hert es an die Lo­gik an, das heißt, das macht es im Rea­len wirk­sam, als das Ob­jekt, für das es ge­ra­de kei­ne Idee gibt, was, wie man wohl sa­gen muss, in je­der Theo­rie, in wel­cher auch im­mer, bis­her ein Loch war: das Ob­jekt, von dem es kei­ne Idee gibt.

 

C’est ce qui ju­s­ti­fie mes ré­ser­ves, cel­les que j’ai fai­tes tout à l’heure à l’endroit du pré­so­cra­tis­me de Pla­ton.

Das be­grün­det mei­ne Vor­be­hal­te, wie ich sie vor­hin ge­gen­über dem Vor­s­o­kra­tis­mus von Pla­ton an­ge­mel­det habe.52

 

Ce n’est pas qu’il n’en ait pas eu le sen­ti­ment.

Nicht, dass er da­für kein Ge­spür ge­habt hät­te.

 

Le sem­blant, il y bai­gne sans le sa­voir.

Er schwimmt im Schein, ohne es zu wis­sen.

 

Ça l’obsède, même s’il ne le sait pas.

Das treibt ihn um, auch wenn er es nicht weiß.

 

Ça ne veut rien dire qu’une cho­se, c’est qu’il le sent, mais qu’il ne sait pas pour­quoi c’est com­me ça.

Das be­deu­tet nur ei­nes: dass er es spürt, dass er aber nicht weiß, war­um das so ist.

 

D’où cet in­sup­port, cet in­sup­por­ta­ble qu’il pro­pa­ge.

Da­her die­ser Un­halt (in­sup­port), die­ses Un­er­träg­li­che (in­sup­por­ta­ble), das er ver­brei­tet.53

 

Il n’y a pas un seul dis­cours où le sem­blant ne mène le jeu.

Es gibt nicht ei­nen Dis­kurs, in dem der Schein nicht das Spiel führ­te.54

 

On ne voit pas pour­quoi le der­nier venu, le dis­cours ana­ly­tique, y éch­ap­pe­rait.

Es ist nicht zu se­hen, war­um der Letzt­ge­kom­me­ne, der ana­ly­ti­sche Dis­kurs, dem ent­ge­hen soll­te.55

 

Ce n’est quand même pas une rai­son pour que dans ce dis­cours, sous pré­tex­te qu’il est le der­nier venu, vous vous sen­tiez si mal à l’aise que de fai­re, se­lon l’usage dont s’engoncent vos col­lègues de l’Internationale, un sem­blant plus sem­blant que na­tu­re, af­fi­ché ; vous vous rap­pe­lez quand même que le sem­blant de ce qui par­le com­me es­pè­ce, il est là tou­jours dans tou­te es­pè­ce de dis­cours qui les oc­cupe ; c’est même une se­con­de na­tu­re.

Das ist je­doch kein Grund, dass Sie sich in die­sem Dis­kurs, un­ter dem Vor­wand, dass er der Letzt­ge­kom­me­ne ist, der­art un­be­hag­lich füh­len, dass Sie dar­aus, ent­spre­chend der Ver­wen­dung, mit der Ihre Kol­le­gen von der In­ter­na­tio­na­len sich ein­zwän­gen, ei­nen Schein ma­chen, der mehr Schein als Na­tur ist, der zur Schau ge­tra­gen wird; Sie er­in­nern sich doch dar­an, dass der Schein des­je­ni­gen, der als Art spricht, im­mer da ist, in je­der Art von Dis­kurs, der sie be­setzt; das ist so­gar eine zwei­te Na­tur.56

 

Alors soy­ez plus dé­ten­dus, plus na­tu­rels quand vous re­ce­vez quelqu’un qui vi­ent vous de­man­der une ana­ly­se.

Also sei­en Sie et­was lo­cke­rer, et­was na­tür­li­cher, wenn Sie je­man­den emp­fan­gen, der bei Ih­nen we­gen ei­ner Ana­ly­se an­fragt.

 

Ne vous sen­tez pas si ob­li­gés à vous pous­ser du col.

Füh­len Sie sich doch nicht ver­pflich­tet, sich so auf­zu­bla­sen (à vous pous­ser du col).57

 

Même com­me bouf­fons, vous êtes ju­s­ti­fiés d’être.

Auch als Spaß­ma­cher ha­ben Sie eine Da­seins­be­rech­ti­gung.

 

Vous n’avez qu’à re­gar­der ma té­lé­vi­si­on.

Sie müs­sen sich nur mei­ne Te­le­vi­si­on an­schau­en.58

 

Je suis un clown.

Ich bin ein Clown.

 

Pre­nez ex­emp­le là-des­sus, et ne m’imitez pas !

Neh­men Sie sich dar­an ein Bei­spiel, und imi­tie­ren Sie mich nicht!

 

Le sé­rieux qui m’anime, c’est la sé­rie que vous con­sti­tu­ez.

Das Se­riö­se, das mich be­seelt, ist die Se­rie, die Sie bil­den.

 

Vous ne pou­vez à la fois en être et l’être.

Sie kön­nen nicht zu­gleich ei­ner da­von sein (en être) und er sein (l’être).59

 

Le sym­bo­li­que, l’imaginaire et le réel, c’est l’énoncé de ce qui opè­re ef­fec­tive­ment dans vot­re pa­ro­le quand vous vous si­tu­ez du dis­cours ana­ly­tique, quand ana­lys­te vous l’êtes.

Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, das ist eine Aus­sa­ge über das, was ef­fek­tiv in Ih­rem Spre­chen ope­riert, wenn Sie sich vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs her ver­or­ten, wenn Sie, als Ana­ly­ti­ker, er sind.

 

Ils n’émergent, ces ter­mes, vrai­ment que pour et par ce dis­cours.

Die­se Ter­mi­ni tau­chen wirk­lich nur für und durch die­sen Dis­kurs auf.

 

Je n’ai pas eu à y mett­re d’intention, je n’ai eu qu’à suiv­re, moi aus­si.

Ich muss­te kei­ne In­ten­ti­on da hin­ein­le­gen, auch ich muss­te nur fol­gen.

 

Ça ne veut pas dire que ça n’éclaire pas les au­tres dis­cours, mais ça ne les in­va­li­de pas non plus.

Das heißt nicht, dass dies nicht auch Licht auf die an­de­ren Dis­kur­se wirft, das ent­wer­tet sie aber auch nicht.

 

Le dis­cours du maît­re, par ex­emp­le, sa fin, c’est que les cho­ses ail­lent au pas de tout le mon­de.

Der Dis­kurs des Herrn bei­spiels­wei­se, sein Zweck be­steht dar­in, dass die Din­ge sich im all­ge­mei­nen Gleich­schritt voll­zie­hen.

 

Bien ça, ce n’est pas du tout la même cho­se que le réel, par­ce que le réel, jus­tement, c’est ce qui ne va pas, ce qui se met en croix dans ce char­roi, bien plus, ce qui ne ces­se pas de se ré­pé­ter pour ent­ra­ver cet­te mar­che.

Nun ja, das ist be­zieht sich also auf die das­sel­be wie das Rea­le, denn das Rea­le, das ist ge­nau das, was nicht läuft, was mit die­sem Tross über Kreuz liegt, mehr noch, was nicht auf­hört, sich zu wie­der­ho­len, um die­sen Vor­marsch zu be­hin­dern.

 

Je l’ai dit d’abord : c’est ce qui re­vi­ent tou­jours à la même place.

Ich habe es zu­nächst so ge­sagt: Das ist das, was am sel­ben Platz im­mer wie­der­kehrt.60

 

L’accent est à mett­re sur «re­vi­ent».

Die Be­to­nung ist auf „wie­der­kehrt“ zu le­gen.

 

C’est la place qui se dé­cou­vre, la place du sem­blant.

Das ist der Platz, der auf­ge­deckt wird, der Platz des Scheins.

 

[184] Il est dif­fi­ci­le de l’instituer du seul ima­gin­aire com­me d’abord la no­ti­on de place sem­ble l’impliquer.

Es ist schwie­rig, ihn ein­zig vom Ima­gi­nä­ren her ein­zu­rich­ten, wie der Be­griff des Plat­zes es zu­nächst zu im­pli­zie­ren scheint.

 

Heu­re­u­se­ment que nous avons la to­po­lo­gie ma­t­hé­ma­tique pour y prend­re un ap­pui, c’est ce que j’essaye de fai­re.

Ein Glück, dass wir die ma­the­ma­ti­sche To­po­lo­gie ha­ben, um uns dar­auf zu stüt­zen, das ist das, was ich zu tun ver­su­che.

 

D’un se­cond temps à le dé­fi­nir, ce réel, c’est de l’impossible d’une mo­da­lité lo­gi­que que j’ai es­sayé de le poin­ter.

In ei­ner zwei­ten Pha­se, das Rea­le zu de­fi­nie­ren, habe ich ver­sucht, es vom Un­mög­li­chen her auf­zu­zei­gen, von ei­ner lo­gi­schen Mo­da­li­tät her.

 

Sup­po­sez en ef­fet qu’il n’y ait rien d’impossible dans le réel.

Neh­men Sie doch mal an, im Rea­len gäbe es nichts Un­mög­li­ches.

 

Les sa­vants fe­rai­ent une drô­le de gueu­le, et nous aus­si !

Die Wis­sen­schaft­ler wür­den ein ko­mi­sches Ge­sicht zie­hen und wir eben­falls!

 

Qui est-ce qui a quel­que cho­se à flû­ter ?

Wer hat da et­was zu flö­ten?61

 

Mais qu’est ce qu’il a fal­lu par­cour­ir de che­min pour s’apercevoir de ça.

Aber was für ein Weg muss­te zu­rück­ge­legt wer­den, um des­sen ge­wahr zu wer­den!

 

Des siè­cles, on a cru tout pos­si­ble.

Jahr­hun­der­te­lang hat man ge­glaubt, al­les sei mög­lich.

 

En­fin je ne sais pas, il y en a peut-être quel­ques-uns d’entre vous qui ont lu Leib­niz.

Ich weiß ja nicht, un­ter Ih­nen gibt es viel­leicht ei­ni­ge, die Leib­niz ge­le­sen ha­ben.

 

Il ne s’en ti­rait que par le «com­pos­si­ble» – Dieu avait fait de son mieux, il fal­lait que les cho­ses so­i­ent pos­si­bles en­sem­ble.

Er zog sich nur mit dem „Kom­pos­si­blen“ aus der Af­fä­re62 – Gott hat­te sein Bes­tes ge­tan, es war er­for­der­lich, dass die Din­ge zu­sam­men mög­lich sind.

 

En­fin, ce qu’il y a de com­bi­nat et même de com­bi­ne der­riè­re tout ça, ce n’est pas ima­gin­ab­le.

Nun, was hin­ter all dem an Kom­bi­na­tem (com­bi­nat) und so­gar an Tricks (com­bi­ne) steckt, ist nicht vor­stell­bar / ist nicht ima­gi­nier­bar.63

 

Peut-être l’analyse nous in­tro­du­i­ra-t-elle à con­s­idé­rer le mon­de com­me ce qu’il est : ima­gin­aire.

Viel­leicht wird uns die Ana­ly­se dazu brin­gen, die Welt als das an­zu­se­hen, was sie ist: ima­gi­när.

 

Ça ne peut se fai­re qu’à ré­du­i­re la fonc­tion dite de re­pré­sen­ta­ti­on, à la mett­re là où elle est, soit dans le corps.

Dazu ge­langt man nur da­durch, dass man die Funk­ti­on der so­ge­nann­ten Vor­stel­lung (re­pré­sen­ta­ti­on) re­du­ziert, um sie dort an­zu­set­zen, wo sie ist, näm­lich im Kör­per.

 

Ça, il y a long­temps qu’on se dou­te de ça, c’est même en ça que con­sis­te l’idéalisme phi­lo­so­phi­que.

Das ver­mu­tet man schon seit lan­gem, eben dar­in be­steht der phi­lo­so­phi­sche Idea­lis­mus.

 

Seu­le­ment, l’idéalisme phi­lo­so­phi­que est ar­ri­vé à ça, mais tant qu’il n’y avait pas de sci­ence, ça ne pou­vait que la bou­cler, non sans une pe­ti­te poin­te com­me ça : en se ré­si­gnant, ils at­ten­dai­ent les si­gnes, les si­gnes de l’au-delà, du no­umè­ne c’est com­me ça qu’ils ap­pel­lent ça.

Al­ler­dings, der phi­lo­so­phi­sche Idea­lis­mus ist zwar dar­auf ge­kom­men, so­lan­ge es je­doch kei­ne Wis­sen­schaft gab, konn­te er sie nur ver­schlie­ßen, nicht ohne eine klei­ne Poin­te wie die­se: In­dem sie re­si­gnier­ten, er­war­te­ten sie zu­gleich die Zei­chen, die Zei­chen aus dem Jen­seits, des No­u­me­non, so nen­nen sie das.64

 

C’est pour ça qu’il y a eu quand même quel­ques évêques dans l’affaire, l’évêque Ber­ke­ley no­tam­ment, qui de son temps était im­bat­t­a­ble, et que ça ar­ran­ge­ait très bien.

Des­we­gen ha­ben sich auch ei­ni­ge Bi­schö­fe dar­an be­tei­ligt, Bi­schof Ber­ke­ley vor al­lem, der zu sei­ner Zeit un­schlag­bar war und dem das sehr ge­le­gen kam.

 

Le réel n’est pas le mon­de.

Das Rea­le ist nicht die Welt.

 

Il n’y a au­cun es­poir d’atteindre le réel par la re­pré­sen­ta­ti­on.

Es gibt kei­ne Hoff­nung, das Rea­le durch die Vor­stel­lung zu er­rei­chen.

 

Je ne vais pas me mett­re à ar­guer ici de la théo­rie des quan­ta ni de l’onde et du cor­pus­cu­le, il vaud­rait mieux quand même que vous soy­ez au par­fum, bien que ça ne vous in­téres­se pas.

Ich will mich hier nicht auf die Quan­ten­theo­rie be­ru­fen und nicht auf die Theo­rie von Wel­le und Teil­chen65, den­noch wäre es bes­ser, Sie hät­ten da­von ei­nen Schim­mer, auch wenn Sie das nicht in­ter­es­siert.

 

Mais vous y mett­re, au par­fum, fai­tes-le vous-mê­mes, il suf­fit d’ouvrir quel­ques pe­tits bou­quins de sci­ence.

Aber ver­schaf­fen Sie sich selbst die­sen Schim­mer, es ge­nügt, wenn Sie in ei­ni­ge klei­ne Bü­cher über Wis­sen­schaft hin­ein­schau­en.

 

Le réel, du même coup, n’est pas uni­ver­sel, ce qui veut dire qu’il n’est tout qu’au sens strict de ce que cha­cun de ses élé­ments soit iden­tique à soi-même, mais à ne pou­voir se dire pan­tes [tous].

Das Rea­le ist zu­gleich nicht uni­ver­sal, was heißt, dass es nur in dem stren­gen Sin­ne „al­les“ ist, als je­des sei­ner Ele­men­te mit sich selbst iden­tisch ist, ohne je­doch als pan­tes [alle] be­zeich­net wer­den zu kön­nen.66

 

Il n’y a pas de « tous les élé­ments », il n’y a que des en­sem­bles à dé­ter­mi­ner dans chaque cas.

Es gibt nicht „alle Ele­men­te“, es gibt nur Men­gen, die in je­dem ein­zel­nen Fall zu be­stim­men sind.

Ce n’est pas la pei­ne d’ajouter : c’est tout.

Es lohnt nicht, hin­zu­zu­fü­gen: Das ist al­les.

 

Ça n’a le sens que de ponc­tu­er ce n’importe quoi, ce si­gni­fi­ant – lett­re qui est ce que j’écris S in­di­ce 1 – ce si­gni­fi­ant qui ne s’écrit que de le fai­re sans au­cun ef­fet de sens.

Das hat nur den Sinn, die­ses Et­was her­vor­zu­he­ben, die­sen Si­gni­fi­kan­ten – ein Buch­sta­be, näm­lich der, den ich S In­dex 1 schrei­be [S1] –, die­ser Si­gni­fi­kant, der ge­schrie­ben wird, ohne dass dies ei­nen Sin­n­ef­fekt her­vor­ruft.

 

L’homologue si j’ose dire, de l’objet pe­tit a.

Die Ent­spre­chung, wenn ich so sa­gen darf, zum Ob­jekt klein a.

 

[185] En­fin, quand je pen­se que je me suis amu­sé pen­dant un mo­ment à fai­re un jeu ent­re ce S1 que j’avais pous­sé jusqu’à la di­gnité du si­gni­fi­ant Un, que j’ai joué avec ce Un et le pe­tit a en les nouant par le nom­bre d’or, ça vaut mil­le !

Nun ja, wenn ich dar­an den­ke, dass ich mich eine Zeit­lang da­mit ver­gnügt habe, ein Spiel zu spie­len zwi­schen die­sem S1, den ich bis zur Wür­de des Si­gni­fi­kan­ten Ein vor­an­ge­trie­ben hat­te, dass ich mit die­sem Ein und dem klein a ge­spielt habe, in­dem ich sie durch die gol­de­ne Zahl mit­ein­an­der ver­knüpft habe, das zählt schon et­was (ça vaut mil­le)!67

 

Ça vaut mil­le, je veux dire que ça prend por­tée de l’écrire.

Das zählt schon et­was, ich will sa­gen, dass es sei­ne Trag­wei­te da­durch ge­winnt, dass es ge­schrie­ben wird.

 

En fait, c’était pour il­lus­trer la va­nité de tout coït avec le mon­de, c’est -à-dire de ce qu’on a ap­pelé jusqu’ici la con­nais­sance.68.

Tat­säch­lich war das dazu ge­dacht, die Nich­tig­keit ei­nes je­den Ko­itus-mit-der-Welt zu ver­an­schau­li­chen, das heißt des­sen, was man bis­her als Er­kennt­nis be­zeich­net hat.

 

Car il n’y a rien de plus dans le mon­de qu’un ob­jet pe­tit a, chi­u­re ou re­gard, voix ou té­ti­ne qui re­fend le su­jet et le grime en ce dé­chet qui lui, au corps, ek-sis­te.

Denn in der Welt gibt es nicht mehr als ein Ob­jekt klein a – Schiss oder Blick, Stim­me oder Schnul­ler –, wel­ches das Sub­jekt spal­tet und es als die­sen Ab­fall schminkt, der dem Kör­per ex-sis­tiert.

 

Pour en fai­re sem­blant, il faut être doué.

Dar­aus ei­nen Schein zu ma­chen, da­für muss man be­gabt sein.

 

C’est par­ti­cu­liè­re­ment dif­fi­ci­le … c’est plus dif­fi­ci­le pour une femme que pour un hom­me, con­trai­re­ment à ce qui se dit.

Das ist be­son­ders schwie­rig, das ist schwie­ri­ger für eine Frau als für ei­nen Mann, im Ge­gen­satz zu dem, was ge­sagt wird.

 

Que la femme soit l’objet pe­tit a de l’homme à l’occasion, ça ne veut pas dire du tout qu’elle, elle a du goût à l’être.

Dass die Frau ge­le­gent­lich das Ob­jekt a des Man­nes ist, heißt noch lan­ge nicht, dass sie Ge­schmack dar­an fin­det, es zu sein.

 

Mais en­fin ça ar­ri­ve.

Aber im­mer­hin kommt das vor.

 

Ça ar­ri­ve qu’elle y res­sem­ble na­tu­rel­le­ment.

Es kommt vor, dass sie dem auf na­tür­li­che Wei­se äh­nelt.

 

Il n’y a rien de plus sem­bla­ble … en­fin qui res­sem­ble plus à une chi­u­re de mou­che qu’Anna Freud, ça doit lui ser­vir !

Es gibt nichts was ähn­li­cher, naja, was mehr ei­nem Flie­gen­schiss äh­nelt als Anna Freud, da­von muss sie doch et­was ha­ben.

 

So­yons sé­rieux.

Sei­en wir se­ri­ös.

 

Re­venons à fai­re ce que j’essaye.

Keh­ren zu dem zu­rück, was ich zu tun ver­su­che.

 

Il faut sou­ten­ir cet­te Troi­siè­me du réel qu’elle com­por­te, et c’est pour­quoi je vous pose la ques­ti­on dont je vois que les per­son­nes qui ont par­lé avec moi, avant moi, se dou­tent un peu, non seu­le­ment se dou­tent mais même el­les l’ont dit – qu’elles l’aient dit si­gne qu’elles s’en dou­tent – est-ce que la psy­chana­ly­se est un sym­ptô­me ?

Die­se Drit­te muss vom Rea­len her ge­stützt wer­den, das sie ent­hält69, und dar­um stel­le ich Ih­nen die Fra­ge, von der ich sehe, dass die­je­ni­gen, die mit mir, die vor mir ge­spro­chen ha­ben, sie ein we­nig ah­nen, sie nicht nur ah­nen, son­dern sie so­gar aus­ge­spro­chen ha­ben –, dass sie sie aus­ge­spro­chen ha­ben, da­mit wird un­ter­schrie­ben, dass sie es ah­nen: Ist die Psy­cho­ana­ly­se ein Sym­ptom?

 

Vous savez que quand je pose les ques­ti­ons, c’est que j’ai la ré­pon­se, mais en­fin ça vou­d­rait tout de même mieux que ce soit la bon­ne ré­pon­se.

Sie wis­sen, wenn ich Fra­gen stel­le, heißt das, dass ich die Ant­wort habe, aber im­mer­hin wäre es wohl bes­ser, wenn es die rich­ti­ge Ant­wort wäre.

 

J’appelle sym­ptô­me ce qui vi­ent du réel.

Sym­ptom nen­ne ich das, was vom Rea­len kommt.

 

Ça veut dire que ça se pré­sen­te com­me un pe­tit pois­son dont le bec vor­ace ne se re­fer­me qu’à se mett­re du sens sous la dent.

Das heißt, dass es sich als ein klei­ner Fisch dar­stellt, des­sen gie­ri­ges Maul sich nur schließt, wenn er et­was Sinn zu knab­bern er­gat­tert hat.70

 

Alors de deux cho­ses l’une : ou ça le fait pro­li­fé­rer – « Crois­sez et mul­ti­pliez-vous !» a dit le Sei­gneur, ce qui est quand même quel­que cho­se d’un peu fort, qui de­v­rait nous fai­re ti­quer, cet em­ploi du ter­me mul­ti­pli­ca­ti­on : lui, le Sei­gneur quand même sait ce que c’est qu’une mul­ti­pli­ca­ti­on, ce n’est pas ce foi­son­ne­ment du pe­tit pois­son – ou bien alors, il en crè­ve.

Und dann ent­we­der – oder. Ent­we­der sorgt das da­für, dass es sich ver­mehrt – „wach­set und meh­ret euch (mul­ti­pliez-vous)“, sag­te der Herr71, was doch ein star­kes Stück ist, das uns stut­zig ma­chen soll­te, die­se Ver­wen­dung des Aus­drucks „Vermehrung“/„Multiplikation“: er, der Herr, weiß ja im­mer­hin, was das ist, eine Mul­ti­pli­ka­ti­on, das ist nicht die­se Ver­meh­rung des klei­nen Fi­sches –, oder aber es kre­piert dar­an.72

 

Ce qui vaud­rait mieux, c’est à quoi nous de­vri­ons nous ef­forcer, c’est que le réel du sym­ptô­me en crè­ve, et c’est là la ques­ti­on : com­ment fai­re ?

Bes­ser wäre es, und dar­um soll­ten wir uns be­mü­hen, dass das Rea­le des Sym­ptoms dar­an kre­piert, und da stellt sich die Fra­ge: Wie macht man das?73

 

À une épo­que où je me pro­pa­ge­ais dans des ser­vices que je ne nom­mer­ai pas – quoi­que dans mon pa­pier ici j’y fas­se al­lu­si­on, ça pas­se­ra à l’impression, il faut que je sau­te un peu –, à une épo­que où j’essayais de fai­re com­prend­re dans des ser­vices de mé­de­ci­ne ce que c’était que le sym­ptô­me, je ne le di­sais pas tout à fait com­me main­ten­ant, mais quand même – c’est peut-être un Nach­trag| [186] quand même je crois que je le sa­vais déjà même si, je j’en avais pas en­core fait sur­gir l’imaginaire, le sym­bo­li­que et le réel.

Zu ei­ner Zeit, als ich mich in Ein­rich­tun­gen aus­brei­te­te, die ich nicht nen­nen wer­de – ob­wohl ich in mei­nem Pa­pier hier dar­auf an­spie­le, das kommt zum Druck, ich muss ei­ni­ges über­sprin­gen –, zu ei­ner Zeit, als ich in Ein­rich­tun­gen der Me­di­zin ver­such­te, be­greif­lich zu ma­chen, was das ist, das Sym­ptom, da habe ich es nicht ganz so wie jetzt ge­sagt, aber den­noch, das ist viel­leicht ein Nach­trag*, den­noch glau­be ich, dass ich es be­reits wuss­te, auch wenn ich da­von das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le noch nicht habe auf­tau­chen las­sen.

 

Le sens du sym­ptô­me n’est pas ce­lui dont on le nour­rit pour sa pro­li­fé­ra­ti­on ou extinc­tion, le sens du sym­ptô­me, c’est le réel, le réel en tant qu’il se met en croix pour em­pêcher que mar­chent les cho­ses au sens où el­les ren­dent comp­te d’elles-mêmes de fa­çon sa­tis­fais­an­te – sa­tis­fais­an­te au mo­ins pour le maît­re.

Der Sinn des Sym­ptoms ist nicht der, mit dem man es füt­tert, so­dass es ent­we­der wu­chert oder aus­stirbt; der Sinn des Sym­ptoms, das ist das Rea­le, das Rea­le als das, was sich quer­stellt / was über Kreuz liegt, um zu ver­hin­dern, dass die Din­ge in dem Sin­ne lau­fen, dass sie auf zu­frie­den­stel­len­de Wei­se von sich selbst Re­chen­schaft ab­le­gen – zu­frie­den­stel­lend zu­min­dest für den Herrn.

 

Ce qui ne veut pas dire que l’esclave en souffre d’aucune fa­çon, bien loin de là.

Was kei­nes­wegs hei­ßen soll, dass der Skla­ve in ir­gend­ei­ner Wei­se dar­un­ter lei­det, kei­nes­wegs.

 

L’esclave, je vous de­man­de par­don de cet­te par­en­t­hè­se, l’esclave, lui, dans l’affaire, il est peinard bien plus qu’on ne croit, c’est lui qui jouit, con­trai­re­ment à ce que dit He­gel, qui de­v­rait quand même s’en aper­ce­voir, puis­que c’est bien pour ça qu’il s’est lais­sé fai­re par le maît­re.

Der Skla­ve – bit­te ent­schul­di­gen Sie die­sen klei­nen Ein­schub –, der Skla­ve hat hier­bei sei­ne Ruhe, mehr als man glaubt, er ist es, der ge­nießt, im Ge­gen­satz zu dem, was He­gel sagt, der es doch se­hen müss­te, denn eben des­halb hat er [der Skla­ve] sich durch den Herrn be­stim­men las­sen.

 

Alors He­gel lui pro­met en plus l’avenir ; il est com­blé !

Nun ver­spricht ihm He­gel au­ßer­dem noch die Zu­kunft – mehr geht nicht!

 

Ça aus­si, c’est un Nach­trag, un Nach­trag plus sub­li­me que dans mon cas, si je puis dire, par­ce que ça prouve que l’esclave avait le bon­heur d’être déjà chré­ti­en au mo­ment du pa­ga­nis­me.

Auch das ist ein Nach­trag*, ein Nach­trag*, der er­ha­be­ner ist als in mei­nem Fall, wenn ich so sa­gen darf, be­weist es doch, dass der Skla­ve das Glück hat­te, be­reits zu Zei­ten des Hei­den­tums Christ zu sein.

 

C’est évi­dent, mais en­fin c’est quand même cu­rieux, c’est vrai­ment là le bé­nef to­tal !

Das ist of­fen­kun­dig, aber nun ja, das ist den­noch merk­wür­dig, das ist hier ja wirk­lich der to­ta­le Ge­winn!

 

Tout pour être heu­re­ux !

Al­les, um glück­lich zu sein!

 

Ça ne se re­trou­ve­ra ja­mais.

Das wirds nie wie­der ge­ben.

 

Main­ten­ant qu’il n’y a plus d’esclaves, nous en som­mes ré­du­its à re­li­cher tant que nous pou­vons les Co­mé­dies de Plau­te et de Té­rence, tout ça pour nous fai­re une idée de ce qu’ils étai­ent bien, les es­cla­ves.

Jetzt, wo es kei­ne Skla­ven mehr gibt, sind wir dar­auf an­ge­wie­sen, uns die Ko­mö­di­en von Plau­tus und Te­renz wie­der zur Brust zu neh­men, so­viel wir nur kön­nen, all das, um uns eine Idee da­von zu ver­schaf­fen, dass es ih­nen gut ging, den Skla­ven.

 

En­fin je m’égare.

Doch ich schwei­fe ab.

 

Ce n’est pas pour­tant sans ne pas perd­re la cor­de de ce qu’il prouve, cet éga­re­ment.

Das heißt je­doch nicht, dass ich den Fa­den des­sen ver­lie­ren wür­de, was sie be­weist, die­se Ab­schwei­fung.

 

Le sens du sym­ptô­me dé­pend de l’avenir du réel, donc com­me je l’ai dit à la con­fé­rence de pres­se, de la réus­si­te de la psy­chana­ly­se.

Der Sinn des Sym­ptoms hängt von der Zu­kunft des Rea­len ab, also, wie ich auf der Pres­se­kon­fe­renz ge­sagt habe, vom Er­folg der Psy­cho­ana­ly­se.

 

Ce qu’on lui de­man­de, c’est de nous dé­barr­as­ser et du réel, et du sym­ptô­me.

Man ver­langt von ihr, dass sie uns so­wohl das Rea­le als auch das Sym­ptom vom Hal­se schafft.

 

Si elle suc­cè­de, a du suc­cès dans cet­te de­man­de, on peut s’attendre – je dis ça com­me ça, par­don mais je vois qu’il y a des per­son­nes qui n’étaient pas à cet­te con­fé­rence de pres­se, c’est pour el­les que je le dis – on peut s’attendre à tout, à sa­voir à un re­tour de la vraie re­li­gi­on par ex­emp­le, qui com­me vous le savez n’a pas l’air de dé­pér­ir.

Falls sie da­mit Er­folg hat, falls sie die­ser For­de­rung er­folg­reich nach­kommt, muss man sich dar­auf ge­fasst ma­chen – ich sage das so, Ent­schul­di­gung, aber ich sehe, dass es Leu­te gibt, die bei die­ser Pres­se­kon­fe­renz nicht da­bei wa­ren, für sie sage ich das –, dann muss man sich auf al­les ge­fasst ma­chen, näm­lich auf eine Rück­kehr der wah­ren Re­li­gi­on bei­spiels­wei­se, die be­kannt­lich nicht den Ein­druck macht, als wür­de sie zu­grun­de ge­hen.

 

Elle n’est pas fol­le, la vraie re­li­gi­on, tous les es­poirs lui sont bons, si je puis dire ; elle les sanc­tifie.

Sie ist nicht ver­rückt, die wah­re Re­li­gi­on, alle Hoff­nun­gen sind ihr recht, wenn ich so sa­gen darf; sie hei­ligt sie.

 

Alors bien sûr ça les lui per­met.

Und da­durch sind ihr na­tür­lich alle ge­stat­tet

 

Mais si la psy­chana­ly­se donc réus­sit, elle s’éteindra de n’être qu’un sym­ptô­me ou­blié.

Aber wenn die Psy­cho­ana­ly­se Er­folg hat, wird sie ver­lö­schen und nur noch ein ver­ges­se­nes Sym­ptom sein.

 

Elle ne doit pas s’en épa­ter, c’est le de­s­tin de la vé­rité tel­le qu’elle-même le pose au princi­pe.

Sie soll­te sich nicht dar­über wun­dern, das ist das Schick­sal der Wahr­heit, so wie sie selbst es zum Prin­zip macht.

 

La vé­rité s’oublie.

Die Wahr­heit wird ver­ges­sen.

 

Donc tout dé­pend de si le réel in­sis­te.

Al­les hängt also da­von ab, ob das Rea­le in­sis­tiert.

 

Seu­le­ment pour ça, il faut que la psy­chana­ly­se échoue.

Da­für ist es al­ler­dings nö­tig, dass die Psy­cho­ana­ly­se schei­tert.

 

Il faut re­con­naît­re qu’elle en prend la voie et qu’elle a donc en­core de bon­nes chan­ces de res­ter un sym­ptô­me, de croît­re et de se mul­ti­plier.

Man muss er­ken­nen, dass sie auf dem Weg dort­hin ist und dass sie also noch gute Chan­cen hat, ein Sym­ptom zu blei­ben, zu wach­sen und sich zu ver­meh­ren.

 

Psy­chana­lys­tes pas morts, lett­re suit !

Psy­cho­ana­ly­ti­ker nicht tot, Brief folgt!

 

Mais quand même mé­fiez-vous.

Aber den­noch, se­hen Sie sich vor!

 

C’est peut-être mon messa­ge sous une for­me in­ver­sée.

Das ist viel­leicht mei­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form.

 

Peut-être qu’aussi je me pré­ci­pi­te.

Mag sein, dass ich mich auch über­stür­ze.

 

C’est la fonc­tion de la hâte que j’ai mise en val­eur pour vous.

Das ist die Funk­ti­on der Hast, die ich Ih­nen ge­gen­über zur Gel­tung ge­bracht habe.74

 

[187] Ce que je vous ai dit peut pour­tant avoir été mal en­ten­du, ce que je vi­ens de vous dire, en­ten­du de sor­te que ce soit pris au sens de sa­voir si la psy­chana­ly­se est un sym­ptô­me so­ci­al.

Was ich Ih­nen ge­sagt habe, könn­te je­doch falsch ver­stan­den wor­den sein, was ich Ih­nen eben ge­sagt habe, in der Wei­se ver­stan­den wor­den sein, als sei es im Sin­ne der Fra­ge auf­zu­fas­sen, ob die Psy­cho­ana­ly­se ein ge­sell­schaft­li­ches Sym­ptom ist.

 

Il n’y a qu’un seul sym­ptô­me so­ci­al : chaque in­di­vi­du est réel­le­ment un pro­lé­taire, c’est-à-dire n’a nul dis­cours de quoi fai­re lien so­ci­al, au­tre­ment dit sem­blant.

Es gibt nur ein ein­zi­ges ge­sell­schaft­li­ches Sym­ptom: Je­des In­di­vi­du­um ist wirk­lich ein Pro­le­ta­ri­er, das heißt es hat kei­nen Dis­kurs, um dar­aus ein so­zia­les Band zu ma­chen, an­ders ge­sagt, ei­nen Schein.

 

C’est à quoi Marx a paré, a paré d’une fa­çon in­croya­ble.

Dem hat Marx vor­ge­beugt, auf un­glaub­li­che Wei­se vor­ge­beugt.

 

Aus­sitôt dit, aus­sitôt fait.

Ge­sagt, ge­tan.

 

Ce qu’il a émis im­pli­que qu’il n’y a rien à chan­ger.

Was er von sich ge­ge­ben hat, im­pli­ziert, dass nichts zu än­dern ist.

 

C’est bien pour ça d’ailleurs que tout con­ti­nue ex­ac­te­ment com­me avant.

Und eben des­halb geht üb­ri­gens al­les ge­nau­so wei­ter wie zu­vor.

 

La psy­chana­ly­se so­cia­le­ment a une aut­re con­si­s­tan­ce que les au­tres dis­cours.

Die Psy­cho­ana­ly­se hat ge­sell­schaft­lich eine an­de­re Kon­sis­tenz als die an­de­ren Dis­kur­se.

 

Elle est un lien à deux.

Sie ist eine Zwei­er-Bin­dung (lien à deux).

 

C’est bien en ça qu’elle se trouve à la place du man­que de rap­port se­xu­el.

Und da­mit be­fin­det sie sich an der Stel­le, an der das se­xu­el­le Ver­hält­nis fehlt.

 

Ça ne suf­fit pas du tout à en fai­re un sym­ptô­me so­ci­al puis­que le rap­port se­xu­el … il man­que dans tou­tes les for­mes de so­cié­tés.

Das macht aus ihr aber noch lan­ge kein so­zia­les Sym­ptom, denn das se­xu­el­le Ver­hält­nis – das fehlt in al­len Ge­sell­schafts­for­men.

 

C’est lié à la vé­rité qui fait struc­tu­re de tout dis­cours.

Das hängt mit der Wahr­heit zu­sam­men, die je­den Dis­kurs struk­tu­riert.75

 

C’est bien pour ça d’ailleurs qu’il n’y a pas de vé­ri­ta­ble so­cié­té fon­dée sur le dis­cours ana­ly­tique.

Eben des­halb gibt es üb­ri­gens auch kei­ne wirk­li­che auf dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs be­ru­hen­de Ge­sell­schaft.

 

Il y a une éco­le, qui jus­tement ne se dé­fi­nit pas d’être une so­cié­té.

Es gibt eine Schu­le, die sich ge­ra­de nicht da­durch de­fi­niert, dass sie eine Ge­sell­schaft wäre.

 

Elle se dé­fi­nit de ce que j’y ens­eig­ne quel­que cho­se.

Sie de­fi­niert sich da­durch, dass ich dort et­was leh­re.

 

Si ri­go­lo que ça puis­se pa­raît­re quand on par­le de l’École freu­dien­ne, c’est quel­que cho­se dans le gen­re de ce qui a fait les Stoïci­ens par ex­emp­le, même, les Stoïci­ens avai­ent quand même quel­que cho­se com­me un pres­sen­ti­ment du la­ca­nis­me.

So ko­misch das auch er­schei­nen mag, aber wenn man von der Éco­le freu­dien­ne spricht, ist das et­was von der Art des­sen, was bei­spiels­wei­se die Stoi­ker aus­mach­te. die Stoi­ker hat­ten im­mer­hin so­gar so et­was wie eine Vor­ah­nung vom La­ca­nia­nis­mus.

 

C’est eux qui ont in­ven­té la dis­tinc­tion du si­gn­ans et du si­gna­tum.

Schließ­lich wa­ren sie es, die die Un­ter­schei­dung von si­gn­ans und si­gna­tum er­fun­den ha­ben.76

 

Par cont­re je leur dois, moi, mon re­spect pour le sui­ci­de.

Ich wie­der­um habe ih­nen mei­ne Ach­tung vor dem Selbst­mord zu ver­dan­ken.

 

Na­tu­rel­le­ment, ça ne veut pas dire pour des sui­ci­des fon­dés sur un ba­di­na­ge, mais sur cet­te for­me de sui­ci­de qui en som­me est l’acte à pro­pre­ment par­ler.

Das soll na­tür­lich nicht hei­ßen, für Ar­ten des Selbst­mords, die auf ei­nem Scherz be­ru­hen, son­dern für die Form des Selbst­mords, die letzt­lich der Akt im stren­gen Sin­ne des Wor­tes ist.

 

Il ne faut pas le ra­ter, bien sûr.

Man darf ihn nicht ver­pfu­schen, das ist klar.

 

Sans ça, ce n’est pas, sans ça c’est pas un acte.

Ohne das ist das nicht –, ohne das ist das kein Akt.

 

Dans tout ça, donc, il n’y a pas de pro­blè­me de pen­sée.

Bei all dem also gibt es kein Pro­blem des Den­kens.

 

Un psy­chana­lys­te sait que la pen­sée est ab­erran­te de na­tu­re, ce qui ne l’empêche pas d’être re­spons­able d’un dis­cours qui sou­de l’analysant – à quoi ?

Ein Psy­cho­ana­ly­ti­ker weiß, dass das Den­ken von Na­tur aus ab­we­gig ist, was ihn nicht dar­an hin­dert, für ei­nen Dis­kurs ver­ant­wort­lich zu sein, der den Ana­ly­san­ten wo­mit ver­schweißt?

 

Com­me quelqu’un l’a très bien dit ce ma­tin, pas à l’analyste ; ce qu’il a dit ce ma­tin, je l’exprime au­tre­ment, je suis heu­re­ux que ça con­ver­ge – il sou­de l’analysant au coup­le ana­ly­sant-ana­lys­te.

Wie heu­te Vor­mit­tag je­mand sehr rich­tig ge­sagt hat: nicht mit dem Ana­ly­ti­ker; was er heu­te Vor­mit­tag ge­sagt hat, das drü­cke ich an­ders aus, ich freue mich, dass das in die­sel­be Rich­tung geht: Der Dis­kurs ver­schweißt den Ana­ly­san­ten mit dem Paar Ana­ly­sant-Ana­ly­ti­ker.

 

C’est ex­ac­te­ment le même truc qu’a dit quelqu’un ce ma­tin.

Das ist ge­nau das­sel­be wie das, was heu­te Vor­mit­tag je­mand ge­sagt hat.

 

Donc le pi­quant de tout ça, c’est que ce soit le réel dont dé­pen­de l’analyste dans les an­nées qui vi­en­nent et pas le con­trai­re.

Bei all dem be­steht das Pi­kan­te also dar­in, dass es das Rea­le ist, wo­von der Ana­ly­ti­ker in den kom­men­den Jah­ren ab­hän­gen wird, und nicht um­ge­kehrt.

 

Ce n’est pas du tout de l’analyste que dé­pend l’avènement du réel.

Die An­kunft des Rea­len hängt kei­nes­wegs vom Ana­ly­ti­ker ab.

 

L’analyste, lui, a pour mis­si­on de le con­trer.

Der Ana­ly­ti­ker hat die Auf­ga­be, dem ent­ge­gen­zu­wir­ken.

 

Mal­gré tout, le réel pour­rait bien prend­re le mors aux dents ; sur­tout de­puis qu’il a l’appui du dis­cours sci­en­ti­fi­que.

Trotz al­lem könn­te das Rea­le durch­aus au­ßer Kon­trol­le ge­ra­ten77, vor al­lem seit es den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs als Stüt­ze hat.

 

C’est même un des ex­er­ci­ces de ce qu’on ap­pel­le sci­ence-fic­tion, que je dois dire je ne lis ja­mais, mais sou­vent dans les | [188] ana­ly­ses on me ra­con­te ce qu’il y a dedans, ce n’est pas ima­gin­ab­le : l’eugénique, l’euthanasie, en­fin tou­tes sor­tes d’euplaisenteries di­ver­ses.

Das ist so­gar eine der Ver­fah­rens­we­sen des­sen, was man Sci­ence-Fic­tion nennt, wor­über ich sa­gen muss, dass ich das nie lese, aber in den Ana­ly­sen wird mir oft er­zählt, was drin steht, das kann man sich nicht vor­stel­len: die Eu­ge­nik, die Eu­tha­na­sie, kurz, alle Ar­ten von ver­schie­de­nen Eu-Scher­zen.78

 

Là où ça de­vi­ent drô­le, c’est seu­le­ment quand les sa­vants eux-mê­mes sont sai­sis, non pas bien sûr de la sci­ence-fic­tion, mais ils sont sai­sis d’une an­go­is­se; ça, c’est quand même in­st­ruc­tif.

Lus­tig wird es dort nur dann, wenn die Wis­sen­schaft­ler selbst da­von ge­packt wer­den, na­tür­lich nicht von der Sci­ence-Fic­tion, son­dern sie wer­den von ei­ner Angst ge­packt, und das ist doch auf­schluss­reich.

 

C’est bien le sym­ptô­me-type de tout avènement[noteVersion Lettres de l’École freu­dien­ne hat hier „évé­ne­ment“ (Ereignis).[/note] du réel.

Das ist eben das ty­pi­sche Sym­ptom für jede An­kunft des Rea­len.

 

Et quand les bio­lo­gis­tes, pour les nom­mer, ces sa­vants, s’imposent l’embargo d’un trai­te­ment de la­bo­ra­toire des bac­té­ries sous pré­tex­te que si on en fait de trop du­res et de trop for­tes, el­les pour­rai­ent bien glis­ser sous le pas de la por­te et net­toy­er, en­fin, au mo­ins tou­te l’expérience se­xuée, en net­toyant le par­lêt­re, ça c’est tout de même quel­que cho­se de très pi­quant.

Und wenn die Bio­lo­gen, um sie zu nen­nen, die­se Wis­sen­schaft­ler, sich ein Em­bar­go auf­er­le­gen, be­zo­gen auf die Be­hand­lung von Bak­te­ri­en im La­bor, un­ter dem Vor­wand, wenn man wel­che er­zeugt, die zu wi­der­stands­fä­hig sind und zu stark, dann könn­ten sie mal un­ter der Tür­schwel­le durch­rut­schen und schließ­lich min­des­tens die ge­sam­te Er­fah­rung der ge­schlecht­li­chen Dif­fe­ren­zie­rung weg­put­zen, in­dem das Sprech­we­sen (le par­lêt­re) aus­ge­putzt wird, das ist doch im­mer­hin et­was sehr Pi­kan­tes.

 

Cet ac­cès de re­sponsa­bi­lité est for­mi­da­ble­ment co­mi­que, tou­te vie en­fin ré­du­i­te à l’infection qu’elle est réel­le­ment, se­lon tou­te vrai­sem­blan­ce, ça c’est le com­ble de l’être-pense !

Die­ser An­fall von Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl ist un­ge­heu­er ko­misch, das ge­sam­te Le­ben letzt­lich auf die In­fek­ti­on re­du­ziert, die es al­ler Wahr­schein­lich­keit nach re­al­er­wei­se ist, das ist der Gip­fel des Denkwesens/Denkseins (l’être-pense).

 

L’ennui, c’est qu’ils ne s’aperçoivent pas pour au­tant que la mort se lo­ca­li­se du même coup à ce qui dans lalan­gue, tel­le que je l’écris, en fait si­gne.

Lei­der se­hen sie je­doch nicht, dass da­mit zu­gleich der Tod sei­nen Platz in dem fin­det, was da­von in Lalan­gue, so wie ich es schrei­be, ein Zei­chen gibt.

 

Quoi qu’il en soit, les « eu », un plus haut par moi sou­li­gnés au pas­sa­ge, nous met­trai­ent en­fin dans l’apathie du bien uni­ver­sel et sup­plée­rai­ent à l’absence du rap­port que j’ai dit im­pos­si­ble à ja­mais par cet­te con­jonc­tion de Kant avec Sade dont j’ai cru de­voir mar­quer dans un écrit l’avenir qui nous pend au nez – soit le même que ce­lui où l’analyse a en quel­que sor­te son ave­nir as­su­ré.

Wie dem auch sei, die von mir wei­ter oben am Ran­de her­vor­ge­ho­be­nen „Eu-“ wür­den uns schließ­lich in die Apa­thie des all­ge­mei­nen Wohls ver­set­zen und ei­nen Er­satz bil­det für die Ab­we­sen­heit des Ver­hält­nis­ses, das ich auf im­mer für un­mög­lich er­klärt habe durch die Ver­bin­dung von Kant mit Sade, mit der ich glaub­te, in ei­ner Schrift die Zu­kunft kenn­zeich­nen zu müs­sen, die uns vor der Nase hängt – die­sel­be näm­lich wie die, wo die Ana­ly­se in ge­wis­ser Wei­se ihre ge­si­cher­te Zu­kunft hat.79

 

« Français, en­core un ef­fort pour être ré­pu­bli­cains ».

Fran­zo­sen, noch eine An­stren­gung, um Re­pu­bli­ka­ner zu sein.“80

 

Ce sera à vous de répond­re à cet­te ob­jur­ga­ti­on – par­ce que … quoi­que je ne sa­che pas tou­jours si cet ar­ti­cle vous a fait ni chaud ni fro­id.

Ih­nen wird es ob­lie­gen, auf die­se Be­schwö­rung zu ant­wor­ten, weil –, auch wenn ich nicht im­mer weiß, ob die­ser Auf­satz Sie kalt ge­las­sen hat.

 

Il y a jus­te un pe­tit type qui s’est escri­mé des­sus, ça n’a pas don­né grand cho­se.

Es gibt da nur ei­nen klei­nen Ty­pen, der sich da­mit ab­ge­müht hat, das hat nicht groß was ge­bracht.

 

Plus je man­ge mon Da­sein, com­me j’ai écrit à la fin d’un de mes sé­min­aires, mo­ins j’en sais dans le gen­re de l’effet qu’il vous fait.

Je mehr ich mein Da­sein* ver­zeh­re, wie ich am Schluss von ei­nem mei­ner Se­mi­na­re ge­schrie­ben habe81, des­to we­ni­ger weiß ich et­was über die Art der Wir­kung, die es auf Sie aus­übt.

 

Cet­te Troi­siè­me, je la lis, quand vous pou­vez vous sou­ve­nir peut-être que la pre­miè­re qui y re­vi­ent, j’avais cru de­voir y mett­re ma par­lan­ce, puisqu’on l’a im­pri­mée de­puis, ce, sous pré­tex­te que vous en aviez tous le tex­te dis­tri­bué.

Die­se Drit­te82 lese ich vor, wäh­rend Sie sich viel­leicht dar­an er­in­nern kön­nen, dass ich bei der Ers­ten83, die hier wie­der­kehrt, ge­glaubt hat­te, mei­ne par­lan­ce84 hin­ein­le­gen zu müs­sen, denn man hat sie seit­her ge­druckt, un­ter dem Vor­wand, dass Sie alle den aus­ge­teil­ten Text da­von hat­ten.

 

Si aujourd’hui je ne fais qu’our­dro­me, j’espère que ça ne vous fait pas trop ob­sta­cle à en­tendre ce que je lis.

Auch wenn ich heu­te nur our­dro­me ma­che, hof­fe ich doch, dass das für Sie kein all­zu gro­ßes Hin­der­nis bil­det, um zu ver­ste­hen, was ich vor­le­se.85

 

Si elle est de trop, je m’excuse.

Wenn sie zu viel ist, bit­te ich um Ent­schul­di­gung.86

 

La pre­miè­re donc, cel­le qui re­vi­ent pour qu’elle ne ces­se pas de s’écrire, né­ces­saire, la pre­miè­re, « Fonc­tion et champ… », j’y ai dit ce qu’il fal­lait dire.

Die ers­te also, die­je­ni­ge, die wie­der­kehrt, so­dass sie nicht auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den, not­wen­dig, die ers­te, Funk­ti­on und Feld – dar­in habe ich ge­sagt, was ge­sagt wer­den muss­te.87

 

L’interprétation, ai-je émis, n’est pas in­ter­pré­ta­ti­on de sens, mais jeu sur l’équivoque.

Die Deu­tung, habe ich dort von mir ge­ge­ben, ist nicht Sinn­deu­tung, son­dern Spiel mit der Mehr­deu­tig­keit.88

 

Ce pour­quoi j’ai mis l’accent sur le si­gni­fi­ant dans la lan­gue.

Dar­um habe ich die Be­to­nung auf den Si­gni­fi­kan­ten in der Spra­che (la lan­gue) ge­legt.

 

Je l’ai dé­si­gné de l’instance de la lett­re, ce pour me fai­re en­tendre de vot­re peu de stoïcis­me.

Ich habe ihn als In­stanz des Buch­sta­bens be­zeich­net, um mich Ih­ren schwa­chen Stoi­zis­mus-Kennt­nis­sen ver­ständ­lich zu ma­chen.89

 

Il en ré­sul­te, ai-je ajou­té de­puis sans plus d’effet, que c’est lalan­gue dont s’opère l’interprétation, ce | [189] qui n’empêche pas que l’inconscient soit struc­tu­ré com­me un lan­ga­ge, un de ces lan­ga­ges dont jus­tement c’est l’affaire des lin­gu­is­tes de fai­re cro­i­re que lalan­gue est ani­mée.

Dar­aus er­gibt sich, wie ich seit­her ohne grö­ße­re Wir­kung hin­zu­ge­fügt habe, dass die Deu­tung sich von Lalan­gue her voll­zieht, was nicht ver­hin­dert, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, eine die­ser Spra­chen (lan­ga­ges), bei de­nen es Sa­che der Lin­gu­is­ten ist, glau­ben zu ma­chen, dass Lalan­gue be­lebt ist.90

 

La gram­mai­re, qu’ils ap­pel­lent ça gé­né­ra­le­ment, ou quand c’est Hjelms­lev, la for­me.

Gram­ma­tik nen­nen sie das im all­ge­mei­nen, oder wenn es sich um Hjelms­lev han­delt, Form.91

 

Ça ne va pas tout seul, même si quelqu’un qui m’en doit le fra­ya­ge a mis l’accent sur la gram­ma­to­lo­gie.

Das geht nicht von selbst, auch wenn je­mand, der mir de­ren An­bah­nung zu ver­dan­ken hat, die Be­to­nung auf die Gram­ma­to­lo­gie ge­legt hat.92

 

Lalan­gue, c’est ce qui per­met que le vœu (so­u­hait), on con­s­idè­re que ce n’est pas par ha­sard que ce soit aus­si le veut de vou­loir, troi­siè­me per­son­ne de l’indicatif, que le non ni­ant et le nom nom­mant, ce n’est pas non plus par ha­sard ; ni que d’eux (d’ apo­stro­phe avant ce « eux » qui dé­si­gne ceux dont on par­le) ce soit fait de la même fa­çon que le chif­fre deux, ce n’est pas là pur ha­sard ni non plus ar­bi­trai­re, com­me dit Saus­su­re.

Lalan­gue ist das, was es zu be­rück­sich­ti­gen er­laubt, dass es kein Zu­fall ist, dass das vœu [Wunsch] auch das veut [will] von vou­loir [wol­len] ist, drit­te Per­son des In­di­ka­tivs <Prä­sens>, dass das ver­nei­nen­de non [nein] und das be­nen­nen­de nom [Name] <gleich­klin­gen>, und auch nicht, dass d’eux [von ih­nen] – d Apo­stroph vor dem eux, wo­mit man die­je­ni­gen be­zeich­net, über die man spricht – auf die­sel­be Wei­se ge­bil­det wird wie die Zahl deux [zwei], das ist hier kein rei­ner Zu­fall und auch nicht ar­bi­trär, wie Saus­su­re sich aus­drückt.

 

Ce qu’il faut y con­ce­voir, c’est le dé­pôt, l’alluvion, la pé­tri­fi­ca­ti­on qui s’en mar­que du ma­nie­ment par un grou­pe de son ex­pé­ri­ence in­con­sci­en­te.

Was man dar­in er­fas­sen muss, ist die Ab­la­ge­rung, die An­schwem­mung, die Ver­stei­ne­rung, die da­durch ge­prägt ist, wie eine Grup­pe mit ih­rer un­be­wuss­ten Er­fah­rung um­geht.

 

La lan­gue n’est pas à dire vi­van­te par­ce qu’elle est en usa­ge.

Nicht al­lein schon des­we­gen, weil sie in Ge­brauch ist, ist die Spra­che (la lan­gue) als le­bend zu be­zeich­nen.

 

C’est bien plu­tôt la mort du si­gne qu’elle véhi­cu­le.

Was sie mit sich führt, ist viel­mehr der Tod des Zei­chens.

 

Ce n’est pas par­ce que l’inconscient est struc­tu­ré com­me un lan­ga­ge que lalan­gue n’ait pas à jou­er cont­re son jouir, puisqu’elle s’est fai­te de ce jouir même.

Weil das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, heißt das kei­nes­wegs, dass Lalan­gue nicht ge­gen sein Ge­nie­ßen zu spie­len hät­te, hat sie sich doch aus eben die­sem Ge­nie­ßen ge­bil­det.93

 

Le su­jet sup­po­sé sa­voir qu’est l’analyste dans le trans­fert ne l’est pas sup­po­sé à tort s’il sait en quoi con­sis­te l’inconscient d’être un sa­voir qui s’articule de lalan­gue, le corps qui là par­le n’y étant noué que par le réel dont il se jouit.

Dem Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird, also dem Ana­ly­ti­ker in der Über­tra­gung, wird es nicht zu Un­recht un­ter­stellt, wenn er näm­lich weiß, wor­in das Un­be­wuss­te be­steht, in ei­nem Wis­sen näm­lich, das von Lalan­gue ar­ti­ku­liert wird, wo­bei der Kör­per, der hier spricht, da­mit nur durch das Rea­le ver­kno­tet ist, von dem her er sich ge­nießt. 94

 

Mais le corps est à com­prend­re au na­tu­rel com­me dé­noué de ce réel qui, pour y ex-sis­ter au tit­re de fai­re sa jouis­sance, ne lui res­te pas mo­ins opa­que.

Doch der Kör­per ist so auf­zu­fas­sen, dass er im na­tür­li­chen Zu­stand nicht mit die­sem Rea­len ver­kno­tet ist, das für den Kör­per, auch wenn es hier ex-sis­tiert, um sein Ge­nie­ßen her­bei­zu­füh­ren, nicht we­ni­ger un­durch­sich­tig bleibt.95

 

Il est l’abîme mo­ins re­mar­qué de ce que ce soit lalan­gue qui, cet­te jouis­sance, la ci­vi­li­se si j’ose dire, j’entends par là qu’elle la por­te à son ef­fet dé­ve­lop­pé, ce­lui par le­quel le corps jouit d’objets dont le pre­mier, ce­lui que j’écris du pe­tit a, est l’objet même, com­me je le di­sais, dont il n’y a pas d’idée – d’idée com­me tel­le, j’entends – sauf à le bri­ser, cet ob­jet, au­quel cas ses morceaux sont iden­ti­fia­bles cor­po­rel­le­ment et, com­me éclats du corps, iden­ti­fiés.

Es [das Rea­le] ist der Ab­grund, der des­halb we­ni­ger be­merkt wird, weil es Lalan­gue ist, die die­ses Ge­nie­ßen zi­vi­li­siert, wenn ich so sa­gen darf, wo­mit ich mei­ne, dass sie es zu sei­ner ent­wi­ckel­ten Wir­kung bringt, zu der­je­ni­gen, durch die der Kör­per Ob­jek­te ge­nießt, un­ter de­nen das ers­te, das­je­ni­ge, das ich als a schrei­be, eben das Ob­jekt ist, von dem es, wie ge­sagt, kei­ne Idee gibt, ich mei­ne kei­ne Idee als sol­che, au­ßer, die­ses Ob­jekt zu zer­bre­chen, in wel­chem Fall sei­ne Stü­cke kör­per­lich iden­ti­fi­zier­bar sind und auch iden­ti­fi­ziert sind, näm­lich als Kör­per­split­ter.96

 

Et c’est seu­le­ment par la psy­chana­ly­se, c’est en cel­le-là97 que cet ob­jet fait le noyau éla­bor­able de la jouis­sance, mais il ne ti­ent qu’à l’existence du nœud, aux trois con­si­s­tan­ces de to­res, de ronds de ficel­le qui le con­sti­tu­ent.

Und das ge­schieht erst durch die Ana­ly­se; in ihr bil­det die­ses Ob­jekt den aus­ar­bei­tungs­fä­hi­gen Kern des Ge­nie­ßens, doch es hängt nur von der Exis­tenz des Kno­tens ab, von den drei Kon­sis­ten­zen der Tori, der Fa­den­rin­ge, aus de­nen er be­steht.98

 

L’étrange est ce lien qui fait qu’une jouis­sance, quel­le qu’elle soit, le sup­po­se, cet ob­jet, et qu’ainsi le plus-de-jouir, puis­que c’est ain­si que j’ai cru pou­voir dé­si­gner sa place, soit au re­gard d’aucune jouis­sance, sa con­di­ti­on.

Das Ei­gen­ar­ti­ge ist die­se Ver­bin­dung, die dazu führt, dass ein Ge­nie­ßen, wel­ches auch im­mer, es, die­ses Ob­jekt, un­ter­stellt, und dass auf die­se Wei­se die Mehr­lust – denn ich habe ge­glaubt, sei­nen Platz so be­zeich­nen zu kön­nen – in An­be­tracht jed­we­den Ge­nie­ßens sei­ne Be­din­gung ist.99

 

[190] J’ai fait un pe­tit sché­ma.

Ich habe ein klei­nes Sche­ma an­ge­fer­tigt.

 

Si c’est le cas pour ce qu’il en est de la jouis­sance du corps en tant qu’elle est jouis­sance de la vie, la cho­se la plus éton­nan­te, c’est que cet ob­jet, le pe­tit a, sé­pa­re cet­te jouis­sance du corps de la jouis­sance phal­li­que.

Wenn das für das Ge­nie­ßen des Kör­pers in­so­fern zu­trifft als es Ge­nie­ßen des Le­bens ist, so ist das Er­staun­lichs­te, dass die­ses Ob­jekt, das klein a, die­ses Kör­per­ge­nie­ßen vom phal­li­schen Ge­nie­ßen trennt.100

 

Pour ça, il faut que vous voy­iez com­ment c’est fait, le nœud bor­ro­méen. [Fi­gu­res 1 et 2]

abbildung-1-frz-borr-knoten-rskoerper

Fi­gu­re 1

abbildung-2-frz-borr-knoten-mit-4-ueberschneidungsbereichen

Fi­gu­re 2

Da­für müs­sen Sie sich an­schau­en, wie er ge­baut ist, der bor­ro­mäi­sche Kno­ten [Ab­bil­dun­gen 1 und 2].

abbildung-1-deutsch-borr-knoten-rskoerper

Ab­bil­dung 1

abbildung-2-deutsch-borr-knoten-mit-4-ueberschneidungsbereichen

Ab­bil­dung 2

Que la jouis­sance phal­li­que de­vi­en­ne ano­ma­li­que à la jouis­sance du corps, c’est quel­que cho­se qui s’est déjà aper­çu tren­te-six fois.

Dass das phal­li­sche Ge­nie­ßen ge­gen­über dem Kör­per­ge­nie­ßen ano­mal wird, ist be­reits zig­mal wahr­ge­nom­men wor­den.

 

Je ne sais pas com­bi­en de ty­pes ici sont un peu à la page de ces his­toires à la mords-moi le doigt qui nous vi­en­nent de l’Inde, kun­da­li­ni qu’ils ap­pel­lent ça.

Ich weiß nicht, wie vie­le Leu­te hier in etwa im Bil­de sind, was die­se skur­ri­len Ge­schich­ten an­geht, die aus In­di­en zu uns kom­men: Kun­da­li­ni nen­nen sie das.

 

Il y en a qui dé­sign­ent par là cet­te cho­se à fai­re grim­pet­te, grim­pet­te tout le long de leur mo­el­le, qu’ils di­sent, par­ce que de­puis on a fait quel­ques pro­grès en ana­to­mie, alors ce que les au­tres ex­pli­quent d’une fa­çon qui con­cer­ne l’arête du corps, ils s’imaginent que c’est la mo­el­le et que ça mon­te dans la cer­vel­le.

Es gibt wel­che, die da­mit die­se Sa­che be­zeich­nen, die krab­belt, die ih­nen das gan­ze Mark hoch­krab­belt – was sie des­halb sa­gen, weil man seit­her ge­wis­se Fort­schrit­te in Ana­to­mie ge­macht hat –, wäh­rend die an­de­ren das auf eine Wei­se er­klä­ren, die das Rück­grat be­trifft; sie stel­len sich vor, dass es das Mark ist und dass es ins Ge­hirn auf­steigt.

 

L’hors-corps de la jouis­sance phal­li­que, pour l’entendre – et nous l’avons en­ten­du ce ma­tin, grâce à mon cher Paul Ma­this qui est aus­si ce­lui à qui je fai­sais grand com­pli­ment de ce que j’ai lu de lui sur l’écriture et la psy­chana­ly­se, il nous en a don­né ce ma­tin un for­mi­da­ble ex­emp­le.

Die­ses Au­ßer-Kör­per­li­che des phal­li­schen Ge­nie­ßens, um es zu ver­ste­hen – und wir ha­ben es heu­te Vor­mit­tag zu ver­ste­hen be­kom­men, dank mei­nem lie­ben Paul Ma­this, der auch der­je­ni­ge ist, dem ich ein gro­ßes Kom­pli­ment ge­macht habe, für das, was ich von ihm über die Schrift und die Psy­cho­ana­ly­se ge­le­sen habe, heu­te früh hat er uns da­für ein her­vor­ra­gen­des Bei­spiel ge­lie­fert.

 

Ce n’est pas une lu­miè­re, ce Mishi­ma.

Er ist wirk­lich kei­ne Leuch­te, die­ser Mishi­ma.101

 

Et pour nous dire que c’est Saint Sé­bas­ti­en qui lui a don­né l’occasion d’éjaculer pour la pre­miè­re fois, il faut vrai­ment que ça l’ait épa­té, cet­te éja­cu­la­ti­on.

Wenn er uns sagt, dass es der Hei­li­ge Se­bas­ti­an war, der für ihn An­lass zu sei­ner ers­te Eja­ku­la­ti­on war, muss ihn das wirk­lich ver­blüfft ha­ben, die­se Eja­ku­la­ti­on.102

 

Nous vo­y­ons ça tous les jours, des ty­pes qui vous ra­con­tent que leur pre­miè­re | [191] mas­tur­ba­ti­on, ils s’en sou­vi­en­dront tou­jours, que ça crè­ve l’écran.

Wir se­hen das täg­lich, Leu­te, die ei­nem er­zäh­len, dass sie sich an ihre ers­te Mas­tur­ba­ti­on im­mer er­in­nern wer­den, dass sprengt den Schirm.103

 

En ef­fet, on com­prend bien pour­quoi ça crè­ve l’écran, par­ce que ça ne vi­ent pas du dedans de l’écran.

Tat­säch­lich ver­steht man gut, war­um das den Schirm sprengt: weil das nicht aus dem In­ne­ren des Schirms kommt.104

 

Lui, le corps, s’introduit dans l’économie de la jouis­sance – c’est de là que je suis par­ti – par l’image du corps.

Der Kör­per, der kommt in die Öko­no­mie des Ge­nie­ßens – von dort bin ich aus­ge­gan­gen – auf dem Weg über das Kör­per­bild.105

 

Le rap­port de l’homme, de ce qu’on ap­pel­le de ce nom, avec son corps, s’il y a quel­que cho­se qui sou­li­gne bien qu’il est ima­gin­aire, c’est la por­tée qu’y prend l’image et au dé­part, j’ai bien sou­li­gné ceci, c’est qu’il fal­lait pour ça quand même une rai­son dans le réel, et que la pré­ma­tu­ra­ti­on de Bolk – ce n’est pas de moi, c’est de Bolk, moi je n’ai ja­mais cher­ché à être ori­gi­nal, j’ai cher­ché à être lo­gi­ci­en – c’est qu’il n’y a que la pré­ma­tu­ra­ti­on qui l’explique, cet­te pré­fé­rence pour l’image qui vi­ent de ce qu’il an­ti­ci­pe sa ma­tu­ra­ti­on cor­po­rel­le, avec tout ce que ça com­por­te, bien sûr, à sa­voir qu’il ne peut pas voir un de ses sem­bla­bles sans pen­ser que ce sem­bla­ble prend sa place, donc na­tu­rel­le­ment qu’il le vo­mit …

Die­ses Ver­hält­nis des Men­schen, des­sen, was mit die­sem Na­men ge­nannt wird, zu sei­nem Kör­per – wenn es et­was gibt, was deut­lich be­tont, dass die­ses Ver­hält­nis ima­gi­när ist, so ist es die Trag­wei­te, die hier dem Bild zu­kommt und das zu Be­ginn, das habe ich klar her­aus­ge­stellt, das heißt, dass es da­für im­mer­hin ei­nen Grund im Rea­len ge­ben muss­te und dass Bolks <Theo­rie der> Früh­zei­tig­keit <der Ge­burt des Men­schen> 106 — das ist nicht von mir, das ist von Bolk, ich habe nie ver­sucht, ori­gi­nell zu sein, ich habe ver­sucht, Lo­gi­ker zu sein —, dass es nur die Früh­zei­tig­keit gibt, durch die sie sich er­klä­ren lässt, die­se Vor­lie­be für das Bild, die eben da­her rührt, dass der Mensch dar­in sei­ne kör­per­li­che Rei­fe an­ti­zi­piert, na­tür­lich mit all dem, was da­zu­ge­hört, näm­lich, dass er Sei­nes­glei­chen nicht er­bli­cken kann, ohne zu mei­nen, dass er sei­nen Platz be­setzt, wes­halb er ihn na­tür­lich aus­speit.

 

Pour­quoi est-ce qu’il est com­me ça, si in­fé­o­dé à son image ?

Wes­halb ist er der­ma­ßen von sei­nem Bild ab­hän­gig?

 

Vous savez le mal que je me suis don­né dans un temps – par­ce que na­tu­rel­le­ment vous ne vous en êtes pas aper­çus – le mal que je me suis don­né quand même pour ex­pli­quer ça.

Sie wis­sen, wel­che Mühe ich mir frü­her ein­mal ge­ge­ben habe – aber na­tür­lich ha­ben Sie da­von nichts mit­be­kom­men –, wel­che Mühe ich mir je­den­falls ge­ge­ben habe, um das zu er­klä­ren.

 

J’ai vou­lu ab­so­lu­ment don­ner à cet­te image je ne sais quel pro­to­ty­pe chez un cer­tain nom­bre d’animaux, à sa­voir le mo­ment où l’image, ça joue un rôle dans le pro­ces­sus ger­mi­nal.

Ich woll­te für die­ses <Ver­hält­nis zum> Bild un­be­dingt bei ei­ner Rei­he von Tie­ren ir­gend­ei­nen Pro­to­typ an­ge­ben, das heißt für den Zeit­punkt, in dem das Bild im Rei­fungs­pro­zess der Keim­zel­len eine Rol­le spielt.

 

Alors j’ai été cher­cher le cri­quet pè­le­rin, l’épinoche, la pi­geon­ne…

Also hat­te ich mir die Wan­der­heu­schre­cke, den Stich­ling, das Tau­ben­weib­chen usw. ge­sucht.

 

En réa­lité, ce n’était pas du tout, ce n’est pas du tout quel­que cho­se com­me un pré­lude, un ex­er­ci­ce, c’est des hors-d’œuvre, tout ça.

In Wirk­lich­keit war das kei­nes­wegs, ist es kei­nes­wegs et­was wie ein Vor­spiel, eine Ein­übung, das ist al­les au­ßer der Rei­he.

 

Que l’homme aime tel­le­ment à re­gar­der son image, voi­là, il n’y a qu’à dire : c’est com­me ça.

Dass der Mensch es der­ma­ßen liebt, sein Bild zu be­trach­ten, nun ja, dazu kann man nur sa­gen: So ist es nun mal.

 

Mais ce qu’il y a de plus épa­tant, c’est que ça a per­mis le glis­se­ment, n’est-ce pas, le glis­se­ment du com­man­de­ment de Dieu.

Das Ver­blüf­fends­te da­bei ist je­doch, dass dies das Glei­ten er­mög­licht hat, das Glei­ten des Got­tes­ge­bo­tes.

 

L’homme est quand même plus pro­chain à lui-même dans son être que dans son image dans le mi­ro­ir.

Der Mensch ist sich ja doch mehr der Nächs­te in sei­nem Sein als in sei­nem Spie­gel­bild.107

 

Alors qu’est-ce que c’est que cet­te his­toire du com­man­de­ment « Tu ai­me­ras ton pro­chain com­me toi-même » si ça ne se fon­de pas sur ce mi­ra­ge, qui est quand même quel­que cho­se de drô­le, mais com­me ce mi­ra­ge jus­tement est ce qui le por­te à haïr non pas son pro­chain mais son sem­bla­ble, c’est un truc qui por­te­rait un peu à côté si on ne pen­sait pas que quand même Dieu doit sa­voir ce qu’il dit, il y a quel­que cho­se qui s’aime mieux en­core pour cha­cun que son image.

Was ist also an die­ser Ge­schich­te mit dem Ge­bot „Du sollst dei­nen Nächs­ten lie­ben wie dich selbst“, wenn das nicht auf die­ser Fata Mor­ga­na be­ruht, die doch im­mer­hin et­was Ko­mi­sches ist, aber da die­se Fata Mor­ga­na ge­nau das ist, was den Men­schen dazu bringt zu has­sen, zwar nicht den Nächs­ten, aber Sei­nes­glei­chen (son sem­bla­ble), so ist das eine Sa­che, die leicht da­ne­ben­gin­ge, wenn man nicht däch­te, dass Gott doch wis­sen muss, was er sagt, es gibt et­was, was bei je­dem noch mehr ge­liebt wird als sein Bild.108

 

Ce qui est frap­pant, c’est ceci : c’est que s’il y a quel­que cho­se qui nous don­ne l’idée du se jouir, c’est l’animal.

Er­staun­lich ist Fol­gen­des: Wenn es et­was gibt, was uns eine Idee da­von gibt, was es heißt, „sich zu ge­nie­ßen“, dann ist es das Tier.

 

On ne peut en don­ner au­cu­ne preuve, mais en­fin ça sem­ble bien être im­pli­qué par ce qu’on ap­pel­le le corps ani­mal.

Da­für lässt sich kein Be­weis ge­ben, aber das scheint wohl zu dem zu ge­hö­ren, was man als Tier­kör­per be­zeich­net.

 

[192] La ques­ti­on de­vi­ent in­téres­san­te à par­tir du mo­ment, si on l’étend et si, au nom de la vie, on se de­man­de si la plan­te jouit.

Die Fra­ge wird von dem Mo­ment an in­ter­es­sant, in dem man sie er­wei­tert und sich im Na­men des Le­bens fragt, ob die Pflan­ze ge­nießt.

 

C’est quand même quel­que cho­se qui a un sens, par­ce que c’est quand même là qu’on nous a fait le coup, on nous a fait le coup du lys des champs.

Das ist durch­aus et­was, was ei­nen Sinn hat, denn das ist ja im­mer­hin et­was, das man uns an­ge­dreht hat, man hat uns die Li­li­en auf dem Fel­de an­ge­dreht.

 

Ils ne tis­sent ni ne fil­ent, a-t-on ajou­té.

Sie we­ben nicht und sie spin­nen nicht, hat man hin­zu­ge­fügt. 109

 

Mais il est sûr que main­ten­ant, nous ne pou­vons pas nous con­ten­ter de ça, pour la bon­ne rai­son que jus­tement, c’est leur cas, de tis­ser et de fi­ler.

Es ist je­doch si­cher, dass wir uns jetzt da­mit nicht mehr zu­frie­den­ge­ben kön­nen, aus dem gu­ten Grund, dass es eben doch ihre Sa­che ist, zu we­ben und zu spin­nen.

 

Pour nous qui vo­y­ons ça au mi­cro­scope, il n’y a pas d’exemple plus ma­ni­fes­te que c’est du filé.

Für uns, die wir das un­ter dem Mi­kro­skop be­trach­ten, gibt es kein of­fen­kun­di­ge­res Bei­spiel für et­was Ge­spon­ne­nes als die­ses.

 

Alors c’est peut-être de ça qu’ils jouis­sent, de tis­ser et de fi­ler.

Also ist es viel­leicht das, was sie ge­nie­ßen: zu we­ben und zu spin­nen.

 

Mais ça lais­se quand même l’ensemble de la cho­se tout à fait flottan­te.

Das lässt die Sa­che ins­ge­samt je­doch ganz und gar in der Schwe­be.

 

La ques­ti­on res­te à tran­cher si vie im­pli­que jouis­sance.

Die Fra­ge, ob Le­ben mit Ge­nie­ßen ein­her­geht, muss noch ent­schie­den wer­den.

 

Et si la ques­ti­on res­te dou­teu­se pour le vé­gé­tal, ça ne met que plus en val­eur qu’elle ne le soit pas pour la pa­ro­le, que lalan­gue où la jouis­sance fait dé­faut, fait dé­pôt, com­me je l’ai dit, non sans la mor­ti­fier, n’est-ce pas, non sans qu’elle ne se pré­sen­te com­me du bois mort, té­moi­g­ne quand même que la vie, dont un lan­ga­ge fait re­jet, nous don­ne bien l’idée que c’est quel­que cho­se de l’ordre du vé­gé­tal.

Wenn die Fra­ge aber für das Pflan­zen­reich of­fen­bleibt, so wird da­mit umso mehr zur Gel­tung ge­bracht, dass dies für das Spre­chen nicht gilt, dass Lalan­gue, in wel­cher das Ge­nie­ßen fehlt, ei­nen Nie­der­schlag bil­det, wie ich ge­sagt habe, nicht ohne das Le­ben ab­zu­tö­ten, nicht wahr, nicht ohne dass es sich als Tot­holz dar­stellt –, dass Lalan­gue je­doch Zeug­nis da­von ab­legt, dass das Le­ben, aus dem eine Spra­che (lan­ga­ge) ei­nen re­jet macht, eine Ver­wer­fung / ei­nen Schöß­ling, uns wohl eine Idee da­von gibt, dass das et­was ist, was zur Ord­nung des Pflanz­li­chen ge­hört.

 

Il faut re­gar­der ça de près.

Das muss man von Na­hem be­trach­ten.

 

Il y a un lin­gu­is­te com­me ça qui a beau­coup in­sis­té sur le fait que le phonè­me, ça ne fait ja­mais sens.

Es gibt da so ei­nen Lin­gu­is­ten, der hef­tig dar­auf be­stan­den hat, dass das Pho­nem nie­mals ei­nen Sinn er­gibt.110

 

L’embêtant, c’est que le mot, le mot ne fait pas sens non plus, mal­gré le dic­tionn­aire.

Das Dum­me ist, dass auch das Wort kei­nen Sinn er­gibt, trotz Wör­ter­buch.

 

Moi, je me fais fort de fai­re dire dans une phra­se à n’importe quel mot n’importe quel sens.

Ich wet­te, dass ich in ei­nem Satz ein be­lie­bi­ges Wort dazu brin­gen kann, ei­nen be­lie­bi­gen Sinn aus­zu­sa­gen.

 

Alors, si on fait dire à n’importe quel mot n’importe quel sens, où s’arrêter dans la phra­se ?

Wenn man aber je­des be­lie­bi­ge Wort je­den be­lie­bi­gen Sinn aus­sa­gen lässt, wo im Satz soll man dann an­hal­ten?

 

Où trou­ver où trou­ver l’unité élé­ment ?

Wo fin­det man, wo fin­det man die Ein­heit, die man als ele­men­tar an­se­hen kann?

 

Puis­que nous som­mes à Rome, je vais es­say­er, je vais es­say­er, de vous don­ner une idée là de ce que je vou­d­rais dire sur ce qu’il en est de cet­te unité à cher­cher du si­gni­fi­ant.

Da wir in Rom sind, möch­te ich ver­su­chen, möch­te ich ver­su­chen, Ih­nen hier eine Idee von dem zu ge­ben, was ich sa­gen möch­te, zu der Fra­ge, was es mit der zu su­chen­den Ein­heit des Si­gni­fi­kan­ten auf sich hat.

 

Il y a, vous le savez, les fa­meu­ses trois ver­tus di­tes jus­tement théo­lo­ga­les.

Be­kannt­lich gibt es die be­rühm­ten drei Tu­gen­den, die zu Recht als theo­lo­gisch be­zeich­net wer­den.111

 

Ici on les voit se pré­sen­ter aux mu­railles ex­ac­te­ment par­tout sous la for­me de femmes plan­tu­re­u­ses.

Hier sieht man sie, wie sie sich wirk­lich über­all an den Wän­den in Ge­stalt üp­pi­ger Frau­en dar­stel­len.

 

Le mo­ins qu’on puis­se dire, c’est qu’après ça, à les trai­ter de sym­ptô­mes, on ne force pas la note, par­ce que dé­fi­nir le sym­ptô­me com­me je l’ai fait, à par­tir du réel, c’est dire que les femmes l’expriment aus­si très très bien, le réel, puis­que jus­tement j’insiste sur ce que les femmes ne sont pas-tou­tes.

Zu­min­dest kann man sa­gen, dass man nicht über­treibt, wenn man hier­nach über sie als Sym­pto­men spricht, denn wenn man das Sym­ptom so de­fi­niert, wie ich es tue, aus­ge­hend vom Rea­len, dann heißt das, dass man sagt, dass die Frau­en das Rea­le eben­falls sehr, sehr gut zum Aus­druck brin­gen, denn ich in­sis­tie­re ja eben dar­auf, dass die Frau­en nicht-alle sind.

 

Alors, là-des­sus, l’espérance, non, la foi et la cha­rité, si je les si­gni­fie de la foi­re, de lais­se-spè­re-ognela­scia­te ogni spe­r­an­za – c’est un méta­mor­phè­me com­me un aut­re, puis­que tout à l’heure vous m’avez pas­sé our­dro­me, les dé­nom­mer de ça et de fi­nir par le ra­ta­ge type, à sa­voir l’ar­chi­ra­té, il me sem­ble que c’est une in­ci­dence plus ef­fec­tive pour le sym­ptô­me, pour le sym­ptô­me de ces trois femmes.

Also hier­zu, l’espérance [die Hoff­nung], nein, la foi [der Glau­be], l’espérance und la cha­rité [die Lie­be], wenn ich sie fol­gen­der­ma­ßen nen­ne: la foi­re [die Kir­mes], lais­se-spè­re-ognela­scia­te ogni spe­r­an­za [ital. lasst alle Hoff­nung fah­ren]die­ses Me­ta­mor­phem ist nicht schlech­ter als ein an­de­res, denn vor­hin ha­ben Sie mir our­dro­me durch­ge­hen las­sen, sie so zu be­zeich­nen und mit der Ur­form des Fehl­schlag zu schlie­ßen, näm­lich mit ar­chi­ra­té [Erz-Ge­schei­tert], so scheint mir das für das Sym­ptom, für das Sym­ptom die­ser drei Frau­en tref­fen­der zu sein.

 

[193] Ça me pa­raît plus per­ti­nent que ce qui, au mo­ment où on se met à ra­tio­na­li­ser tout, se for­mu­le par ex­emp­le com­me ces trois ques­ti­ons de Kant avec les­quel­les j’ai eu à me dé­pêtrer à la té­lé­vi­si­on, à sa­voir : que puis-je sa­voir, que m’est-il per­mis d’espérer – c’est vrai­ment le com­ble ! – et que dois-je fai­re ?

Das scheint mir stich­hal­ti­ger zu sein als das, was – in dem Mo­ment, in dem man al­les ra­tio­na­li­sie­ren will – etwa mit die­sen drei Fra­gen von Kant for­mu­liert wird, aus de­nen ich mich im Fern­se­hen be­frei­en muss­te, näm­lich, was kann ich wis­sen, was darf ich hof­fen – das ist wirk­lich der Gip­fel! –, und was soll ich tun?112

 

C’est quand même très cu­rieux qu’on en soit là.

Es ist doch sehr ei­gen­ar­tig, dass man da an­ge­kom­men ist.

 

Non pas bien sûr que je con­s­idè­re que la foi, l’espérance et la cha­rité so­i­ent les pre­miers sym­ptô­mes à mett­re sur la sel­let­te.

Das heißt na­tür­lich nicht, dass ich mei­ne, Glau­be, Hoff­nung und Lie­be sei­en die ers­ten Sym­pto­me, die man aufs Korn neh­men müs­se.

 

Ce n’est pas des mau­vais sym­ptô­mes, mais en­fin ça ent­re­ti­ent tout à fait bien la né­v­ro­se uni­ver­sel­le en­fin … n’est-ce pas, c’est-à-dire qu’en fin de comp­te les cho­ses n’aillent pas trop mal, et qu’on soit tous so­u­mis au princi­pe de réa­lité c’est-à-dire au fan­tas­me.

Das sind kei­ne schlim­men Sym­pto­me, aber im­mer­hin wird die all­ge­mei­ne Neu­ro­se hier­durch ganz gut auf­recht­erhal­ten, nicht wahr, das heißt, dass die Din­ge letzt­lich nicht so schlecht lau­fen und dass man ganz dem Rea­li­täts­prin­zip un­ter­wor­fen ist, das heißt dem Phan­tas­ma.

 

Mais en­fin l’Église quand même est là qui veil­le, et une ra­tio­na­li­sa­ti­on dé­li­ran­te com­me cel­le de Kant, c’est quand même ce qu’elle tam­pon­ne.

Doch im­mer­hin ist die Kir­che da, die wacht, und eine wahn­haf­te Ra­tio­na­li­sie­rung wie die von Kant wird da­durch im­mer­hin ab­ge­dämpft.

 

J’ai pris cet ex­emp­le pour ne pas m’empêtrer dans ce que j’avais com­men­cé d’abord par vous don­ner com­me jeu, com­me ex­emp­le de ce qu’il faut pour trai­ter un sym­ptô­me, quand j’ai dit que l’interprétation, ça doit tou­jours être, com­me on l’a dit, Dieu mer­ci, ici et pas plus tard qu’hier, à sa­voir Tostain, le re­ady-made, Mar­cel Duch­amp, qu’au mo­ins vous en en­ten­diez quel­que cho­se, l’essentiel qu’il y a dans le jeu de mots, c’est là que doit vi­ser not­re in­ter­pré­ta­ti­on pour n’être pas cel­le qui nour­rit le sym­ptô­me de sens.

Ich habe die­ses Bei­spiel ge­wählt, um mich nicht in dem zu ver­hed­dern, was ich Ih­nen zu­erst ge­ge­ben habe, als Spiel, als Bei­spiel für das, was es braucht, um ein Sym­ptom zu be­han­deln, als ich sag­te, die Deu­tung müs­se im­mer dies sein – wie hier, Gott sei Dank, noch ges­tern ge­sagt wur­de, von Tostain näm­lich –, näm­lich das Re­ady-made, Mar­cel Duch­amp, dass Sie zu­min­dest et­was da­von ver­ste­hen, sie muss ab­zie­len auf das We­sent­li­che, das es im Wort­spiel gibt, um nicht eine zu sein, die das Sym­ptom mit Sinn füt­tert.113

 

Et puis je vais tout vous avou­er, je vais tout vous avou­er pour­quoi pas ?

Und dann wer­de ich Ih­nen al­les ge­ste­hen, wer­de ich Ih­nen al­les ge­ste­hen, war­um auch nicht.

 

Ce truc-là, ce glis­se­ment de la foi, l’espérance et la cha­rité vers la foi­re – je dis ça par­ce qu’il y a eu quelqu’un hier soir à la con­fé­rence de pres­se ou avant hier soir à trou­ver que j’allais un peu fort sur ce su­jet de la foi et de la foi­re ; c’est un de mes rê­ves à moi ; j’ai quand même bien le droit, tout com­me Freud, de vous fai­re part de mes rê­ves ; con­trai­re­ment à ceux de Freud, ils ne sont pas in­spi­rés par le dé­sir de dor­mir, c’est plu­tôt le dé­sir de ré­veil, moi, qui m’agite.

Die­se Sa­che da, die­ses Glei­ten von la foi, l’espérance et la cha­rité nach la foi­re – ich sage das, weil ges­tern Abend je­mand auf der Pres­se­kon­fe­renz war, oder vor­ges­tern Abend, der ge­meint hat, beim The­ma von foi und foi­re, von Glau­be und Kir­mes, sei ich ein biss­chen zu weit ge­gan­gen – das ist ei­ner mei­ner Träu­me, ich habe ja doch, ganz wie Freud, das Recht, Sie an mei­nen Träu­men teil­ha­ben zu las­sen, im Ge­gen­satz zu de­nen von Freud sind sie nicht durch den Wunsch (dé­sir) an­ge­regt, zu schla­fen, es ist eher der Wunsch, auf­zu­wa­chen, der mich be­wegt.

 

Mais en­fin c’est par­ti­cu­lier.

Nun ja, das ist et­was Spe­zi­el­les.

 

En­fin ce si­gni­fi­ant-unité, c’est ca­pi­tal.

Aber die­se Si­gni­fi­kan­ten-Ein­heit, das ist we­sent­lich (ca­pi­tal).

 

C’est ca­pi­tal mais ce qu’il y a de sen­si­ble, c’est que sans … ça c’est ma­ni­fes­te, le ma­té­ria­lis­me mo­der­ne lui-même, on peut être sûr qu’il ne se­rait pas né, si de­puis long­temps ça ne tra­cas­sait les hom­mes, et si dans ce tra­cas, la seu­le cho­se qui se mon­trait être à leur por­tée, c’était tou­jours la lett­re, quand Aris­to­te com­me n’importe qui se met à don­ner une idée de l’élément, c’est tou­jours … il fait une sé­rie de lettres, ρ, s, ι [r, s, i], ex­ac­te­ment com­me nous.

Das ist we­sent­lich, es ist je­doch spür­bar, dass ohne –, es ist of­fen­kun­dig, dass der mo­der­ne Ma­te­ria­lis­mus, da kann man sich si­cher sein, nicht ent­stan­den wäre, wenn das die Men­schen nicht seit lan­gem be­un­ru­higt hät­te und wenn in die­ser Un­ru­he nicht das ein­zig Greif­ba­re im­mer der Buch­sta­be ge­we­sen wäre; als Aris­to­te­les oder wer auch im­mer sich dar­an macht, eine Idee des Ele­ments zu lie­fern, da ist es im­mer –, er bil­det eine Buch­sta­ben­rei­he, ρ, ς, ι [rho, sig­ma, iota; r, s, i]114, ge­nau wie wir.

 

Il n’y a ail­leurs rien qui don­ne d’abord l’idée de l’élément, au sens où tout à l’heure je crois que je l’évoquais, du grain de sable – c’est peut-être aus­si dans un de ces trucs que j’ai sau­té, peu im­por­te – l’idée de l’élément, l’idée dont j’ai dit que ça ne pou­vait que se comp­ter, et | [194] rien ne nous ar­rête dans ce gen­re ; si nom­breux que so­i­ent les grains de sable – il y a déjà un Ar­chimè­de qui l’a dit – si nom­breux qu’ils so­i­ent, on ar­ri­ve­ra tou­jours à les ca­li­brer, mais tout ceci ne nous vi­ent qu’à par­tir de quel­que cho­se qui n’a pas de meilleur sup­port que la lett­re.

An­ders­wo gibt es nichts, was so­gleich die Idee des Ele­ments lie­fert, in dem Sin­ne, wie ich sie eben, glau­be ich, er­wähnt habe, im Sin­ne des Sand­korns – das ge­hört viel­leicht eben­falls zu den Sa­chen, die ich über­sprun­gen habe, nicht so wich­tig –, die Idee des Ele­ments, die Idee, über die ich ge­sagt habe, das kön­ne nur ge­zählt wer­den, und in ei­nem sol­chen Fall gibt es nichts, was uns Ein­halt ge­bie­tet; so zahl­reich die Sand­kör­ner auch sein mö­gen – das hat be­reits ein ge­wis­ser Ar­chi­me­des ge­sagt –, so zahl­reich sie auch sein mö­gen, es wird ei­nem im­mer ge­lin­gen, sie zu ka­li­brie­ren; aber all das be­kom­men wir nur, wenn wir von et­was aus­ge­hen, was kei­nen bes­se­ren Trä­ger hat als den Buch­sta­ben.

 

Mais ça veut dire aus­si, par­ce qu’il n’y a pas de lett­re sans de lalan­gue, c’est même le pro­blè­me, com­ment est-ce que lalan­gue, ça peut se pré­ci­pi­ter dans la lett­re ?

Das heißt aber auch, da es kei­nen Buch­sta­ben ohne et­was Lalan­gue gibt, das ist so­gar das Pro­blem: Wie kommt es, dass Lalan­gue in Buch­sta­ben aus­flo­cken kann?115

 

On n’a ja­mais fait rien de bien sé­rieux sur l’écriture.

Über die Schrift ist nie et­was wirk­lich Se­riö­ses ver­fasst wor­den.

 

Mais ça vaud­rait quand même la pei­ne, en­fin, par­ce que c’est là tout à fait un joint.

Das wür­de die Mühe je­doch loh­nen, denn das ist hier nun wirk­lich ein Ge­lenk­stück.

 

Donc que le si­gni­fi­ant soit posé par moi com­me re­pré­sen­tant un su­jet au­près d’un aut­re si­gni­fi­ant, c’est la fonc­tion qui s’avère de ceci – com­me quelqu’un aus­si l’a re­mar­qué tout à l’heure, faisant en quel­que sor­te fra­ya­ge à ce que je puis vous dire – c’est la fonc­tion qui ne s’avère qu’au dé­chif­fra­ge qui est tel … que né­ces­saire­ment c’est au chif­fre qu’on re­tourne, et que c’est ça le seul ex­or­cis­me dont soit ca­pa­ble la psy­chana­ly­se ; c’est que le dé­chif­fra­ge se ré­su­me à ce qui fait le chif­fre, à ce qui fait que le sym­ptô­me, c’est quel­que cho­se qui avant tout ne ces­se pas de s’écrire du réel, et qu’aller à l’apprivoiser jusqu’au point où le lan­ga­ge en puis­se fai­re équi­vo­que, c’est là par quoi le ter­rain est ga­g­né qui sé­pa­re le sym­ptô­me de ce que je vais vous mon­trer sur mes pe­tits dessins, sans que le sym­ptô­me se ré­dui­se à la jouis­sance phal­li­que.

Dass also der Si­gni­fi­kant von mir als das hin­ge­stellt wird, was bei ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert, das ist die Funk­ti­on, die sich dar­in zeigt – wie je­mand eben­falls vor­hin an­ge­merkt hat, ge­wis­ser­ma­ßen das an­bah­nend, was ich Ih­nen sa­gen kann –, das ist die Funk­ti­on, die sich nur in der Ent­zif­fe­rung zeigt, die so ist, dass man not­wen­di­ger­wei­se auf die Zif­fer zu­rück­kommt und dass dies der ein­zi­ge Ex­or­zis­mus ist, des­sen die Psy­cho­ana­ly­se fä­hig ist, dass näm­lich das Ent­zif­fern auf das hin­aus­läuft, wo­durch die Zif­fer ge­bil­det wird, auf das, was be­wirkt, dass das Sym­ptom et­was ist, was vor al­lem nicht auf­hört, vom Rea­len her ge­schrie­ben zu wer­den, und wenn es ei­nem ge­lingt, es so­weit zu zäh­men, dass die Spra­che (lan­ga­ge) eine Äqui­vo­ka­ti­on da­von bil­den kann, dann hat man da­durch das Ter­rain ge­won­nen, durch wel­ches das Sym­ptom von dem ge­trennt ist, was ich Ih­nen gleich in mei­nen klei­nen Zeich­nun­gen zei­gen wer­de, ohne dass sich das Sym­ptom auf das phal­li­sche Ge­nie­ßen re­du­ziert.

 

Il faut que j’en sau­te un bout com­me ça.

Ein Stück da­von muss ich über­sprin­gen.116

 

Mon se jouit d’introduction, ce qui pour vous en est le té­moin, c’est que vot­re ana­ly­sant pré­su­mé se con­fir­me d’être tel à ceci qu’il re­vi­en­ne ; par­ce que, je vous le de­man­de, pour­quoi est-ce qu’il re­vi­en­drait, vu la tâche où vous le met­tez, si ça ne lui fai­sait pas un plai­sir fou ?

Mein „ge­nießt sich“ aus der Ein­lei­tung, das wird Ih­nen da­durch be­zeugt, dass Ihr an­ge­nom­me­ner Ana­ly­sant sich als ein sol­cher be­stä­tigt, und zwar da­durch, dass er wie­der­kommt, denn ich fra­ge Sie, war­um soll­te er wie­der­kom­men, an­ge­sichts der Auf­ga­be, die Sie ihm zu­wei­sen, wenn ihm das nicht ein wahn­sin­ni­ges Ver­gnü­gen be­rei­ten wür­de?

 

Out­re qu’en plus, sou­vent, il en re­met, à sa­voir qu’il faut qu’il fas­se en­core d’autres tâches pour sa­tis­fai­re à vot­re ana­ly­se.

Wo­bei er au­ßer­dem oft noch nach­legt, in­so­fern näm­lich, als er noch wei­te­re Auf­ga­ben er­le­di­gen muss, um Ih­rer Ana­ly­se zu ge­nü­gen.

 

Il se jouit de quel­que cho­se, et non pas du tout ce je sou­is, par­ce que tout in­di­que, tout doit même vous in­di­quer que vous ne lui de­man­dez pas du tout sim­ple­ment de da­sei­ner, d’être là, com­me moi je le suis main­ten­ant, mais plu­tôt et tout à l’opposé de mett­re à l’épreuve cet­te li­ber­té de la fic­tion de dire n’importe quoi qui en re­tour va s’avérer être im­pos­si­ble, c’est-à-dire que ce que vous lui de­man­dez, c’est tout à fait de quit­ter cet­te po­si­ti­on que je vi­ens de qua­li­fier de Da­sein et qui est plus sim­ple­ment cel­le dont il se con­tente.

Il se jouit de quel­que cho­se, er ge­nießt et­was, und kei­nes­wegs die­ses je sou­is (ich bin), denn al­les zeigt, al­les muss Ih­nen so­gar zei­gen, dass Sie von ihm kei­nes­wegs ein­fach ver­lan­gen, da zu sein*, so wie ich es jetzt bin, son­dern viel­mehr ganz im Ge­gen­teil, die­se fik­ti­ve Frei­heit zu er­pro­ben, et­was Be­lie­bi­ges zu sa­gen, die sich dann wie­der­um als un­mög­lich er­wei­sen wird; das heißt, was Sie von ihm ver­lan­gen, be­steht eben dar­in, die Po­si­ti­on auf­zu­ge­ben, die ich eben als die des Da­seins* ge­kenn­zeich­net habe und die ganz ein­fach die ist, mit der er sich zu­frie­den­gibt.

 

Il s’en con­tente jus­tement de s’en plaind­re, à sa­voir de ne pas être con­for­me à l’être so­ci­al, à sa­voir qu’il y ait quel­que cho­se qui se met­te en tra­vers.

Er gibt sich eben da­mit zu­frie­den, sich dar­über zu be­kla­gen, also dar­über, mit dem so­zia­len Sein nicht kon­form zu sein, das heißt, dass es et­was gibt, was sich quer­stellt.

 

Et jus­tement, de ce que quel­que cho­se se met­te en tra­vers, c’est ça qu’il aper­çoit com­me sym­ptô­me, com­me tel sym­pto­ma­tique du réel.

Und eben dies, dass et­was sich quer­stellt, dass ist das, was er als Sym­ptom wahr­nimmt, das als sol­ches für das Rea­le sym­pto­ma­tisch ist.

 

Alors en plus il y a l’approche qu’il fait de le pen­ser, mais ça, c’est ce qu’on ap­pel­le le bé­né­fice se­con­d­ai­re, dans tou­te né­v­ro­se.

Und dann gibt es noch den Zu­gang, der dar­in be­steht, dass er dar­über nach­denkt, aber das ist das, was man bei je­der Neu­ro­se als Ne­ben­ge­winn be­zeich­net.

 

[195] Tout ce que je dis là n’est pas vrai for­cé­ment dans l’éternel ; ça m’est d’ailleurs com­plè­te­ment in­dif­fé­rent.

Al­les, was ich hier sage, ist nicht zwangs­läu­fig in alle Ewig­keit wahr; das ist mir üb­ri­gens völ­lig gleich­gül­tig.

 

C’est que c’est la struc­tu­re même du dis­cours que vous ne fon­dez qu’à re­for­mer, voi­re ré­for­mer les au­tres dis­cours, en tant qu’au vôt­re ils ex-sis­tent.

Es geht um die Struk­tur des Dis­kur­ses, die Sie nur da­durch grün­den, dass Sie die an­de­ren Dis­kur­se um­for­men, ja re­for­mie­ren, so­weit sie Ih­rem ei­ge­nen Dis­kurs ex-sis­tie­ren.

 

Et c’est dans le vôt­re, dans vot­re dis­cours que le par­lêt­re épui­se­ra cet­te in­si­s­tan­ce qui est la si­en­ne et qui dans les au­tres dis­cours res­te à court.

Und in dem Ih­rem, in Ih­rem Dis­kurs, wird das Sprech­we­sen (par­lêt­re) das In­sis­tie­ren er­schöp­fen, wel­ches das Sei­ne ist und das in den an­de­ren Dis­kur­sen zu kurz kommt.

 

Alors où se loge ce ça se jouit dans mes re­gis­tres ca­té­go­ri­ques de l’imaginaire, du sym­bo­li­que et du réel ?

Wo haust nun die­ses „es ge­nießt sich“ in mei­nen ka­te­go­ri­schen Re­gis­tern des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len?

 

Voi­là, il faut quand même pour que vous pi­giez.

Schau­en Sie her, das ist ja nö­tig, da­mit Sie’s ka­pie­ren.117

 

Pour qu’il y ait nœud bor­ro­méen, re­gar­dez là ce qui est en haut, pour qu’il y ait nœud bor­ro­méen, ce n’est pas né­ces­saire que mes trois con­si­s­tan­ces fon­da­men­ta­les so­i­ent tou­tes to­ri­ques.

Da­mit es ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten gibt – schau­en Sie auf das, was da oben ist –, da­mit es ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten gibt, ist es nicht not­wen­dig, dass mei­ne drei grund­le­gen­den Kon­sis­ten­zen sämt­lich to­risch sind.118

 

Com­me c’est peut-être venu à vos oreil­les, vous savez qu’une droi­te peut être cen­sée se mord­re la queue à l’infini.

Wie Ih­nen viel­leicht zu Oh­ren ge­kom­men ist, kann man eine Ge­ra­de be­kannt­lich so auf­fas­sen, dass sie sich im Un­end­li­chen in den Schwanz beißt.

 

Alors du sym­bo­li­que, de l’imaginaire et du réel, il peut y avoir un des trois, le réel sû­re­ment, qui lui se ca­rac­té­ri­se jus­tement de ce que j’ai dit : de ne pas fai­re tout, c’est-à-dire de ne pas se bou­cler. [Fi­gu­re 3]

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Fi­gu­re 3

Des­halb kann es vom Sym­bo­li­schen, vom Ima­gi­nä­ren und vom Rea­len ei­nes von den drei­en ge­ben, und si­cher­lich das Rea­le, was eben durch das ge­kenn­zeich­net ist, was ich ge­sagt habe, näm­lich kein Gan­zes zu bil­den, das heißt sich nicht zu schlie­ßen. [Ab­bil­dung 3]

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Ab­bil­dung 3

 

Sup­po­sez même que ce soit la même cho­se pour le sym­bo­li­que.

Neh­men Sie jetzt noch an, dass es mit dem Sym­bo­li­schen ge­nau­so ist.

 

Il suf­fit que l’imaginaire, à sa­voir un de mes trois to­res, se ma­ni­fes­te bien com­me l’endroit où as­su­ré­ment on tourne en rond, pour que avec deux droi­tes ça fas­se nœud bor­ro­méen.

Es ge­nügt, dass das Ima­gi­nä­re — also ei­ner mei­ner drei Tori — sich als der Ort zeigt, an dem man sich tat­säch­lich im Kreis dreht, da­mit das zu­sam­men mit zwei Ge­ra­den ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten bil­det.

 

Ce que vous voy­ez là en haut, ce n’est pas par ha­sard, peut-être que ça se pré­sen­te com­me l’entrecroisement de deux Phi de l’écriture grec­que.

Bei dem, was Sie da oben se­hen, ist es viel­leicht kein Zu­fall, dass sich das als Über­kreu­zung von zwei Phi [Φ] der grie­chi­schen Schrift dar­stellt.[ note]Offenbar stellt La­can sich vor, dass die bei­den Phi sich über­la­gern und um 90° ge­gen­ein­an­der ver­dreht sind.
Man er­in­ne­re sich dar­an, dass La­can zu­vor zwei­mal ge­sagt hat­te, das Rea­le sei das, was über Kreuz liegt.[/note]

 

C’est peut-être bien aus­si quel­que cho­se qui est tout à fait di­gne d’entrer dans le cas du nœud bor­ro­méen.

Das ist ja viel­leicht auch et­was, das es durch­aus ver­dient, als ein Fall des bor­ro­mäi­schen Kno­tens ak­zep­tiert zu wer­den.

 

Fai­tes sau­ter aus­si bien la con­ti­nuité de la droi­te que la con­ti­nuité du rond, ce qu’il y a de res­te, que ce soit une droi­te et un rond ou que ce soit deux droi­tes, est tout à fait libre, ce qui est bien la dé­fi­ni­ti­on du nœud bor­ro­méen.

Las­sen Sie die Kon­ti­nui­tät der Ge­ra­den her­aus­fal­len oder aber die des Rin­ges, was dann üb­rig­bleibt, ob es nun eine Ge­ra­de ist und ein Ring oder ob es zwei Ge­ra­den sind, das ist völ­lig frei, und eben das ist die De­fi­ni­ti­on des bor­ro­mäi­schen Kno­tens.

 

[196] En vous disant tout ça, j’ai le sen­ti­ment – je l’ai même noté dans mon tex­te – que le lan­ga­ge, c’est vrai­ment ce qui ne peut avan­cer qu’à se tord­re et à s’enrouler, à se con­tour­ner d’une fa­çon dont après tout je ne peux pas dire que je ne don­ne pas ici l’exemple.

Wäh­rend ich Ih­nen all dies sage, habe ich das Ge­fühl – das habe ich so­gar in mei­nem Text ver­merkt –, dass die Spra­che (lan­ga­ge) wirk­lich das ist, was nur vor­an­kom­men kann, in­dem es sich ver­win­det und sich auf­wi­ckelt, in­dem es sich auf eine Wei­se ver­dreht, über die ich üb­ri­gens nicht sa­gen kann, dass ich hier kein Bei­spiel da­für ab­ge­be.

 

Il ne faut pas cro­i­re qu’à re­le­ver le gant pour lui, à mar­quer dans tout ce qui nous con­cer­ne à quel point nous en dé­pen­dons, il ne faut pas cro­i­re que je fas­se ça tel­le­ment de gai­eté de cœur.

Man glau­be nicht, wenn ich für die Spra­che so man­che Lan­ze bre­che, wenn ich in all dem, was uns be­trifft, her­vor­he­be, wie sehr wir von ihr ab­hän­gen, man glau­be nicht, dass ich et­was Der­ar­ti­ges leicht­fällt.

 

J’aimerais mieux que ce soit mo­ins tor­tueux.

Es wäre mir lie­ber, wenn es we­ni­ger ver­schlun­gen wäre.

 

Ce qui me pa­raît co­mi­que, c’est sim­ple­ment qu’on ne s’aperçoive pas qu’il n’y a au­cun aut­re mo­y­en de pen­ser et que des psy­cho­lo­gues à la re­cher­che de la pen­sée qui ne se­rait pas par­lée, im­pli­quent en quel­que sor­te que la pen­sée pure, si j’ose dire, ce se­rait mieux.

Was ich ko­misch fin­de, ist ein­fach dies, dass man nicht mit­be­kommt, dass es kei­ne an­de­re Wei­se gibt, um zu den­ken, und dass Psy­cho­lo­gen auf der Su­che nach dem Den­ken, das nicht ge­spro­chen wäre, in ge­wis­ser Wei­se da­von aus­ge­hen, dass das rei­ne Den­ken, wenn ich so sa­gen darf, bes­ser wäre.

 

Dans ce que tout à l’heure j’ai avan­cé de car­té­si­en, le je pen­se donc je suis, nom­mé­ment, il y a une err­eur pro­fon­de, c’est que ce qui l’inquiète, c’est quand elle ima­gi­ne que la pen­sée fait éten­due, si on peut dire.

In dem, was ich vor­hin an Kar­te­sia­ni­schem vor­ge­bracht habe, im ich den­ke also bin ich vor al­lem, gibt es ei­nen tie­fen Irr­tum, näm­lich dass ihn be­un­ru­higt, dass das Den­ken, wenn es sich et­was vor­stellt, eine Aus­deh­nung er­hält, wenn man so sa­gen kann.

 

Mais c’est bien ce qui dé­mont­re qu’il n’y a d’autre pen­sée, si je puis dire, pure, pen­sée non so­u­mi­se aux con­tor­si­ons du lan­ga­ge, que jus­tement la pen­sée de l’étendue.

Doch das be­weist eben, dass es kein an­de­res ge­wis­ser­ma­ßen rei­nes Den­ken gibt, kein Den­ken, das nicht den Win­dun­gen der Spra­che (lan­ga­ge) un­ter­wor­fen wäre, als ge­nau das Den­ken der Aus­deh­nung.

 

Et alors ce à quoi je vou­lais vous in­tro­du­i­re aujourd’hui, et je ne fais en fin de comp­te après deux heu­res que d’y échou­er, que de ram­per, c’est ceci : c’est que l’étendue que nous sup­po­sons être l’espace, l’espace qui nous est com­mun, à sa­voir les trois di­men­si­ons, pour­quoi dia­ble est-ce que ça n’a ja­mais été ab­or­dé par la voie du nœud ?

Und das also, wor­in ich Sie heu­te ein­füh­ren woll­te – und nach zwei Stun­den tue ich letzt­lich nichts, als dar­an zu schei­tern, als zu krie­chen –, das ist Fol­gen­des, näm­lich dass die Aus­deh­nung, von der wir an­neh­men, dass sie der Raum ist, der Raum, der uns ge­mein­sam ist, die drei Di­men­sio­nen also, war­um zum Teu­fel ist das nie auf dem Weg über den Kno­ten an­ge­gan­gen wor­den?

 

Je fais une pe­ti­te sor­tie, une évo­ca­ti­on ci­ta­toire du vieux Rim­baud et de son ef­fet de ba­teau ivre, si je puis dire : « Je ne me sen­tis plus tiré par les hal­eurs ».

Hier ma­che ich ei­nen klei­nen Aus­flug, eine zi­tat­mä­ßi­ge Er­in­ne­rung an den al­ten Rim­baud und an sei­nen Ef­fekt mit dem Trun­ke­nen Schiff, wenn ich so sa­gen kann: „da fühl­te ich: es zo­gen die Treid­ler mich nicht mehr“.119

 

Il n’y a au­cun be­soin de rim­ba­teau, ni de poâ­te ni d’Éthiopoâte, au­cun be­soin de ça, pour se po­ser la ques­ti­on de sa­voir pour­quoi des gens qui in­con­testa­ble­ment tail­lai­ent des pier­res – et ça, c’est la géo­mé­trie, la géo­mé­trie d’Euclide – pour­quoi ces gens qui quand même ces pier­res avai­ent en­sui­te à les his­ser au haut des py­ra­mi­des, et ils ne le fai­sai­ent pas avec des chevaux ; cha­cun sait que les chevaux ne ti­rai­ent pas grand cho­se tant qu’on n’avait pas in­ven­té le col­lier, com­ment est-ce que ces gens qui donc ti­rai­ent eux-mê­mes tous ces trucs, ce n’est pas d’abord la cor­de et du même coup le nœud qui est venu au pre­mier plan de leur géo­mé­trie ?

Es braucht kei­nen Rim­ba­teau120, we­der den Poä­ten noch den Äthio­poä­ten121, es braucht nichts da­von, um sich die Fra­ge zu stel­len, war­um Leu­te, die un­be­streit­bar Stei­ne ge­mei­ßelt ha­ben – und das ist die Geo­me­trie, die Geo­me­trie von Eu­klid –, war­um die­se Leu­te, die die­se Stei­ne doch dann oben auf die Py­ra­mi­den hie­ven muss­ten122, und das ha­ben sie nicht mit Pfer­den ge­macht, be­kannt­lich ha­ben Pfer­de nicht groß et­was ge­zo­gen, so­lan­ge man nicht das Kum­met er­fun­den hat­te, wie kommt es, dass die­se Leu­ten, die all die­se Sa­chen also selbst ge­zo­gen ha­ben, dass bei ih­nen nicht zu­nächst das Seil und da­mit der Kno­ten in den Vor­der­grund ih­rer Geo­me­trie ge­rückt ist?

 

Com­ment est-ce qu’ils n’ont pas vu l’usage du nœud et de la cor­de, cet­te cho­se dans laquel­le les ma­t­hé­ma­ti­ques les plus mo­der­nes el­les-mê­mes, c’est le cas de le dire, per­dent la cor­de, car on ne sait pas com­ment for­ma­li­ser ce qu’il en est du nœud ; il y a un tas de cas où on perd les péda­les ; ce n’est pas le cas du | [197] nœud bor­ro­méen ; le ma­t­hé­ma­ti­ci­en s’est aper­çu que le nœud bor­ro­méen, c’était sim­ple­ment une tres­se, et le type de tres­se du gen­re le plus simp­le.

Wie kommt es, dass sie die Ver­wen­dung des Kno­tens und des Seils über­se­hen ha­ben, eine Sa­che, bei der selbst die mo­derns­te Ma­the­ma­tik, so muss man schon sa­gen, das Seil ver­liert123, denn man weiß nicht, wie man die Sa­che mit dem Kno­ten for­ma­li­sie­ren soll, es gibt jede Men­ge Fäl­le, bei de­nen man sich ver­hed­dert; beim bor­ro­mäi­schen Kno­ten ist das nicht der Fall, der Ma­the­ma­ti­ker hat be­grif­fen, dass der bor­ro­mäi­sche Kno­ten ganz schlicht eine Zopf ist und zwar eine von der ein­fachs­ten Art.

 

Il est évi­dent que par cont­re ce nœud, là, je vous l’ai mis en haut [fi­gu­re 3] d’une fa­çon d’autant plus sai­sis­san­te que c’est elle qui nous per­met de ne pas fai­re dé­pend­re tou­tes les cho­ses de la con­si­s­tan­ce to­ri­que de quoi que ce soit mais seu­le­ment au mo­ins d’une ; et cet­te au mo­ins une, c’est elle qui, si vous le ra­pe­tis­sez in­dé­fi­ni­ment, peut vous don­ner l’idée sen­si­ble du point, sen­si­ble en ceci que si nous ne sup­po­sons pas le nœud se ma­ni­fes­ter du fait que le tore ima­gin­aire que j’ai posé là se ra­pe­tis­se, se ra­pe­tas­se à l’infini, nous n’avons au­cu­ne es­pè­ce d’idée du point, par­ce que les deux droi­tes tel­les que je vi­ens de vous les in­scri­re, les droi­tes que j’affecte des ter­mes du sym­bo­li­que et du réel, el­les glis­sent l’une sur l’autre, si je puis dire, à per­te de vue.

Es ist of­fen­sicht­lich, dass im Ge­gen­satz hier­zu die­ser Kno­ten da – ich habe ihn für Sie da oben hin­ge­tan [Ab­bil­dung 3] –, in ei­ner Wei­se, die um so ein­dring­li­cher ist, als sie es uns ge­stat­tet, nicht alle Sa­chen von der to­ri­schen Kon­sis­tenz von ir­gend­et­was ab­hän­gen zu las­sen, son­dern nur von zu­min­dest ei­ner, und die­ses zu­min­dest Eine kann Ih­nen, wenn sie es un­end­lich ver­klei­nern, die spür­ba­re Idee des Punk­tes ge­ben, spür­bar in­so­fern, als dann, wenn wir nicht an­neh­men, dass der Kno­ten sich von da­her ma­ni­fes­tiert, dass der ima­gi­nä­re To­rus, den ich dort­hin ge­setzt habe, sich ver­klei­nert, bis ins Un­end­li­che ge­flickt wird, dass wir dann kei­ner­lei Idee des Punk­tes ha­ben, denn die bei­den Ge­ra­den, wie ich sie Ih­nen eben ge­zeich­net habe, die Ge­ra­den, die ich mit den Ter­mi­ni des Sym­bo­li­schen und des Rea­len ver­se­he, sie glei­ten über­ein­an­der weg, wenn ich so sa­gen kann, bis sie au­ßer Sicht ge­ra­ten.

 

Pour­quoi est-ce que deux droi­tes sur une sur­face, sur un plan, se croi­se­rai­ent, s’intercepteraient ?

War­um soll­ten zwei Ge­ra­den auf ei­ner Flä­che, auf ei­ner Ebe­ne, sich kreu­zen, sich schnei­den?

 

On se le de­man­de.

Das fragt man sich.

 

Où est-ce qu’on a ja­mais vu quoi que ce soit qui y res­sem­ble ?

Wo hat man je ir­gend­et­was ge­se­hen, was dem äh­nelt?

 

Sauf à ma­nier la scie, bien sûr, et à ima­gi­ner que ce qui fait arête dans un vo­lu­me, ça suf­fit à des­si­ner une li­gne, com­ment est-ce qu’en de­hors de ce phé­nomè­ne du scia­ge, on peut ima­gi­ner que la ren­cont­re de deux droi­tes, c’est ce qui fait un point ?

Au­ßer na­tür­lich, wenn man zur Säge greift und sich vor­stellt, dass das, was an ei­nem Vo­lu­men eine Kan­te bil­det, hin­rei­chend da­für ist, um eine Li­nie zu zeich­nen – wie kann man sich au­ßer­halb des Phä­no­mens des Sä­gens vor­stel­len, das Zu­sam­men­tref­fen zwei­er Ge­ra­den sei das, was ei­nen Punkt er­zeugt?

 

Il me sem­ble qu’il en faut au mo­ins trois.

Mir scheint, da­für braucht es min­des­tens drei.

 

Ceci bien sûr nous em­mè­ne un tout pe­tit peu plus loin.

Das bringt uns na­tür­lich ein ganz klein biss­chen wei­ter.

 

Vous li­rez ce tex­te qui vaut ce qu’il vaut, mais qui est au mo­ins amusant.

Sie wer­den die­sen Text le­sen, was im­mer er wert sein mag, zu­min­dest ist er un­ter­halt­sam.

 

Il faut quand même que je vous mont­re.

abbildung-4-ohne-text-vier-ringe

Ab­bil­dung 4

Ich muss Ih­nen je­doch was zei­gen.

 

Ceci bien sûr [fi­gu­re 4] vous dé­si­gne la fa­çon dont en fin de comp­te le nœud bor­ro­méen re­joint bien ces fa­meu­ses trois di­men­si­ons que nous im­pu­tons à l’espace, sans d’ailleurs nous pri­ver d’en ima­gi­ner tant que nous vou­lons, et voir com­ment ça se pro­du­it.

Dies hier [Ab­bil­dung 4] zeigt Ih­nen na­tür­lich, auf wel­che Wei­se der bor­ro­mäi­sche Kno­ten letzt­lich wie­der zu den be­rühm­ten drei Di­men­sio­nen zu­rück­führt, die wir dem Raum zu­schrei­ben, üb­ri­gens ohne dass wir es uns neh­men las­sen, uns so vie­le vor­zu­stel­len wie wir wol­len, und zu se­hen, wie das zu­stan­de kommt.

 

Ça se pro­du­it, un nœud bor­ro­méen, quand jus­tement nous le met­tons dans cet es­pace.

Ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten, der kommt ge­nau dann zu­stan­de, wenn wir ihn in die­sen Raum ein­fü­gen.

 

Vous voy­ez là une fi­gu­re à gau­che [fi­gu­re 5], et c’est évi­dem­ment en faisant glis­ser d’une cer­tai­ne fa­çon ces trois rec­tan­gles qui font déjà par­fai­te­ment nœud à soi tout seul, c’est en les faisant glis­ser que vous ob­te­nez la fi­gu­re d’où part tout ce qu’il en est de ce que je vous ai mon­tré tout à l’heure, de ce qui con­sti­tue un nœud bor­ro­méen, tel qu’on se croit ob­li­gé de le des­si­ner.

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Ab­bil­dung 5

Sie se­hen dort eine Fi­gur links [Ab­bil­dung 5], und es ist of­fen­sicht­lich, wenn Sie die­se drei Recht­ecke auf eine be­stimm­te Wei­se glei­ten las­sen – die von sich aus be­reits ei­nen per­fek­ten Kno­ten bil­den –, wenn Sie sie glei­ten las­sen, er­hal­ten sie die Fi­gur, von der all das aus­geht, was ich Ih­nen eben ge­zeigt habe, das, was ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten bil­det, so wie man meint, ihn zeich­nen zu müs­sen.

 

Alors tâchons quand même de voir de quoi il s’agit, à sa­voir que dans ce réel se pro­dui­sent des corps or­ga­ni­sés et qui se main­ti­en­nent dans leur for­me ; c’est ce qui ex­pli­que que des corps ima­gi­nent l’univers.

Dann ver­su­chen wir doch ein­mal zu se­hen, wor­um es sich han­delt, dar­um näm­lich, dass sich in die­sem Rea­len or­ga­ni­sier­te Kör­per bil­den, die sich in ih­rer Form er­hal­ten; dar­aus er­klärt sich, dass Kör­per das Uni­ver­sum ima­gi­nie­ren.

 

Ce n’est pour­tant pas sur­pren­ant que hors du par­lêt­re, nous n’ayons au­cu­ne preuve que les ani­maux pen­sent au-delà de quel­ques for­mes à quoi nous les sup­po­sons être sen­si­bles de ce qu’ils y répon­dent de fa­çon pri­vilé­giée.

Es ist je­doch nicht ver­wun­der­lich, dass wir au­ßer­halb des Sprech­we­sens kei­nen Be­weis da­für ha­ben, dass Tie­re über be­stimm­te For­men hin­aus den­ken, für die wir sie des­halb für emp­fäng­lich hal­ten, weil sie auf eine be­vor­zug­te Wei­se dar­auf re­agie­ren.

 

Mais voi­là ce que nous ne vo­y­ons pas et ce que les étho­lo­gis­tes, cho­se très cu­ri­eu­se, met­tent ent­re par­en­t­hè­ses – vous savez ce que c’est que les étho­lo­gis­tes, c’est les gens qui étu­di­ent les mœurs et cou­tumes des ani­maux – : ce n’est pas une rai­son pour que nous ima­gi­ni­ons nous-mê­mes que le mon­de est mon­de pour tous ani­maux le même, si je puis dire, alors que nous avons tant de preu­ves que même si l’unité de not­re corps nous force à le pen­ser com­me uni­vers, ce n’est évi­dem­ment pas mon­de qu’il est, c’est im­mon­de.

Was wir da­bei je­doch über­se­hen und was die Etho­lo­gen merk­wür­di­ger­wei­se aus­klam­mern – Etho­lo­gen, das sind be­kannt­lich die Leu­te, die die Sit­ten und Ge­bräu­che der Tie­re er­for­schen –, es gibt kei­nen Grund da­für, dass wir uns vor­stel­len, dass die Welt für alle Tie­re die­sel­be Welt ist, wenn ich so sa­gen kann, wo wir doch so vie­le Be­wei­se da­für ha­ben, dass, auch wenn die Ein­heit un­se­res Kör­pers uns zwingt, sie als Uni­ver­sum zu den­ken, sie of­fen­sicht­lich nicht mon­de [Welt] ist, son­dern im­mon­de [Unwelt/verschmutzt].

 

C’est quand même du ma­lai­se que quel­que part Freud note, du ma­lai­se dans la ci­vi­li­sa­ti­on, que pro­cè­de tou­te not­re ex­pé­ri­ence.

Im­mer­hin geht aus dem Un­be­ha­gen, das Freud ir­gend­wo no­tiert, aus dem Un­be­ha­gen in der Kul­tur, un­se­re ge­sam­te Er­fah­rung her­vor.124

 

Ce qu’il y a de frap­pant c’est que le corps […], à ce ma­lai­se, il con­tri­bue d’une fa­çon dont nous sa­vons très bien ani­mer – ani­mer si je puis dire – ani­mer les ani­maux de not­re peur.

Es ist frap­pie­rend, dass der Kör­per zu die­sem Un­be­ha­gen auf eine Wei­se bei­trägt, mit der wir es gut ver­ste­hen, die Tie­re (ani­maux) mit un­se­rer Furcht zu be­le­ben (ani­mer), sie zu be­see­len (ani­mer), wenn ich so sa­gen kann.

 

De quoi nous avons peur?

Wo­vor fürch­ten wir uns?

 

Ça ne veut pas sim­ple­ment dire : à par­tir de quoi avons-nous peur?

Das be­deu­tet nicht ein­fach, von wo aus ha­ben wir Furcht?

 

De quoi avons-nous peur?

Wo­vor fürch­ten wir uns?

 

De not­re | [199] corps.

Vor un­se­rem Kör­per.

 

C’est ce que ma­ni­fes­te ce phé­nomè­ne cu­rieux sur quoi j’ai fait un sé­min­aire tou­te une an­née et que j’ai dé­nom­mé de l’angoisse.

Das ma­ni­fes­tiert sich in die­sem merk­wür­di­gen Phä­no­men, über das ich ein gan­zes Jahr lang ein Se­mi­nar ge­macht habe, und das ich „Angst“ ge­nannt habe.125

 

L’angoisse, c’est jus­tement quel­que cho­se qui se si­tue ail­leurs dans not­re corps, c’est le sen­ti­ment qui sur­git de ce soupçon qui nous vi­ent de nous ré­du­i­re à not­re corps.

Die Angst ist nun et­was, was in un­se­rem Kör­per wo­an­ders liegt, das ist das Ge­fühl, das aus dem Ver­dacht ent­steht, der uns be­fällt, wir wür­den uns auf un­se­ren Kör­per re­du­zie­ren.

 

Com­me quand même c’est très cu­rieux que cet­te dé­bi­lité du par­lêt­re ait réus­si à al­ler jus­que là, en­fin, n’est-ce pas … c’est qu’on s’est aper­çu que l’angoisse, ce n’est pas la peur de quoi que ce soit dont le corps puis­se se mo­ti­ver.

Da es doch sehr merk­wür­dig ist, dass es dem Sprech­we­sen in sei­ner Schwä­che ge­lun­gen ist, bis da­hin zu ge­hen, nicht wahr, dass man be­merkt hat, dass die Angst nicht die Furcht vor ir­gend­et­was ist, von wo der Kör­per sei­ne Be­weg­grün­de neh­men könn­te.

 

C’est une peur de la peur, et qui se si­tue si bien par rap­port à ce que je vou­d­rais aujourd’hui pou­voir quand même vous dire – puisqu’il y a 66 pa­ges que j’ai eu la con­ne­rie de pond­re pour vous, na­tu­rel­le­ment je ne vais pas me mett­re à par­ler com­me ça en­core in­dé­fi­ni­ment – que je vou­d­rais bien vous mon­trer au mo­ins ceci : dans ce que j’ai ima­gi­né pour vous à iden­ti­fier cha­cu­ne de ces con­si­s­tan­ces com­me étant cel­les de l’imaginaire, du sym­bo­li­que et du réel, ce qui fait lieu et place pour la jouis­sance phal­li­que, est ce champ qui, de la mise à plat du nœud bor­ro­méen, se spé­ci­fie de l’intersection que vous voy­ez ici [fi­gu­re 6].

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Fi­gu­re 6

Das ist eine Furcht vor der Furcht, die sehr gut im Ver­hält­nis zu dem ver­or­tet ist, was ich Ih­nen heu­te doch ger­ne noch sa­gen könn­ten möch­te – da es 66 Sei­ten gibt, die ich so dumm war, für Sie zu­sam­men­zu­schrei­ben, habe ich na­tür­lich nicht vor, noch end­los so wei­ter­zu­spre­chen –, was ich Ih­nen gern zu­min­dest noch zei­gen möch­te: In dem, was ich mir für Sie aus­ge­dacht habe, um die­se ver­schie­de­nen Kon­sis­ten­zen als die des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len zu iden­ti­fi­zie­ren, ist das, was den Ort und die Stel­le für das phal­li­sche Ge­nie­ßen bil­det, die­ses Feld [JΦ], das bei der Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens durch den Über­schnei­dungs­be­reich spe­zi­fi­ziert wird, den Sie hier se­hen (Ab­bil­dung 6).126

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Ab­bil­dung 6

 

Cet­te in­ter­sec­tion elle-même, tel­les que les cho­ses se fi­gu­rent du des­sin, com­por­te deux par­ties, puisqu’il y a une in­ter­ven­ti­on du troi­siè­me champ, qui don­ne ce point dont le co­in­ce­ment cen­tral dé­fi­nit l’objet a.

Der Über­schnei­dungs­be­reich selbst, so wie die Din­ge sich in der Zeich­nung dar­stel­len, be­steht aus zwei Tei­len, da es die In­ter­ven­ti­on ei­nes drit­ten Fel­des gibt, wo­durch sich die­ser Punkt er­gibt, durch des­sen zen­tra­le Ver­zur­rung das Ob­jekt klein a de­fi­niert ist.

 

Com­me je vous l’ai dit tout à l’heure, c’est sur cet­te place du plus-de-jouir que se bran­che tou­te jouis­sance; et donc ce qui … ce qui est ex­ter­ne dans cha­cu­ne de ces in­ter­sec­tions, ce qui dans | [200] un de ces champs est ex­ter­ne, en d’autres ter­mes ici la jouis­sance phal­li­que, ce que j’ai là écrit du J(Φ), c’est ça qui en dé­fi­nit ce que j’ai qua­li­fié tout à l’heure com­me son ca­rac­tè­re hors-corps.

Wie ich Ih­nen vor­hin ge­sagt habe, zweigt von die­sem Platz der Mehr­lust jede Art des Ge­nie­ßen ab und also das, was –, das, was den ein­zel­nen Über­schnei­dungs­be­rei­chen äu­ßer­lich ist, was in ei­nem die­ser Fel­der au­ßen ist, an­ders aus­ge­drückt, hier das phal­li­sche Ge­nie­ßen, das, was ich hier als J(Φ) ge­schrie­ben habe, das ist das, wo­durch das de­fi­niert ist, was ich vor­hin als sei­nen au­ßer­kör­per­li­chen Cha­rak­ter ge­kenn­zeich­net habe.

 

De même le rap­port est le même de ce qui est le cer­cle de gau­che où se gîte le réel, par rap­port au sens.

Eben­so ist das Ver­hält­nis das­sel­be bei dem, was der lin­ke Kreis ist, wo das Rea­le un­ter­kommt, im Ver­hält­nis zum Sinn.

 

C’est bien, c’est là que j’insiste, que j’ai in­sis­té no­tam­ment lors de la con­fé­rence de pres­se, c’est que à nourrir le sym­ptô­me, le réel, de sens, on ne fait que lui don­ner con­ti­nuité de sub­si­s­tan­ce.

Es ist näm­lich so, ich be­har­re dar­auf, vor al­lem auf der Pres­se­kon­fe­renz habe ich dar­auf be­harrt, wenn man das Sym­ptom, das Rea­le, mit Sinn füt­tert, tut man nichts an­de­res, als für sei­nen Fort­be­stand zu sor­gen.

 

C’est en tant au con­trai­re que quel­que cho­se dans le sym­bo­li­que, se res­ser­re de ce que j’ai ap­pelé le jeu de mots, l’équivoque, le­quel com­por­te l’abolition du sens, que tout ce qui con­cer­ne la jouis­sance, et no­tam­ment la jouis­sance phal­li­que peut éga­le­ment se res­ser­rer, car ceci ne va pas sans que vous vous aper­ce­viez de la place dans ces dif­fér­ents champs du sym­ptô­me.

In dem Maße hin­ge­gen, wie im Sym­bo­li­schen et­was durch das ein­ge­engt wird, was ich das Wort­spiel ge­nannt habe, die Äqui­vo­ka­ti­on, die zur Ab­schaf­fung des Sinns führt, kann al­les, was das Ge­nie­ßen be­trifft, eben­falls ein­ge­engt wer­den, ins­be­son­de­re das phal­li­sche Ge­nie­ßen, denn das geht nicht, ohne dass Sie sich über sei­nen Platz in die­sen ver­schie­de­nen Fel­dern des Sym­ptoms klar wer­den.

 

La voi­ci tel­le qu’elle se pré­sen­te dans la mise à plat du nœud bor­ro­méen [fi­gu­re 7] :

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Fi­gu­re 7

Hier se­hen Sie, wie sich die­ser Platz in der Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens dar­stellt [Ab­bil­dung 7]:

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Ab­bil­dung 7

 

Le sym­ptô­me est ir­rup­ti­on de cet­te ano­ma­lie en quoi con­sis­te la jouis­sance phal­li­que, pour au­tant que s’y éta­le, que s’y épanouit ce man­que fon­da­men­tal que je qua­li­fie du non-rap­port se­xu­el.

Das Sym­ptom ist Ein­bruch der Ano­ma­lie, aus der das phal­li­sche Ge­nie­ßen be­steht, in­so­fern sich hier die­ser grund­le­gen­de Man­gel aus­brei­tet, ent­fal­tet, den ich als se­xu­el­les Nicht-Ver­hält­nis­ses kenn­zeich­ne.

 

C’est en tant que, dans l’interprétation, c’est uni­que­ment sur le si­gni­fi­ant que por­te l’intervention ana­ly­tique que quel­que cho­se peut re­cu­ler du champ du sym­ptô­me.

Nur wenn die ana­ly­ti­sche In­ter­ven­ti­on in der Deu­tung ein­zig auf dem Si­gni­fi­kan­ten be­ruht, kann et­was vom Feld des Sym­ptoms zu­rück­wei­chen.

 

C’est ici dans le sym­bo­li­que, le sym­bo­li­que en tant que c’est la lan­gue, c’est lalan­gue qui le sup­por­te, que le sa­voir in­scrit de lalan­gue qui con­sti­tue à pro­pre­ment par­ler l’inconscient s’élabore, qu’il ga­gne sur le sym­ptô­me, ceci n’empêchant pas que le cer­cle mar­qué là du S ne cor­re­spon­de à quel­que cho­se qui, de ce sa­voir, ne sera ja­mais ré­du­it, c’est à sa­voir l’Ur­ver­drängt de Freud, ce qui de l’inconscient ne sera ja­mais in­ter­pré­té.

Hier im Sym­bo­li­schen – dem Sym­bo­li­schen, in­so­fern es von der Spra­che (la lan­gue), von Lalan­gue ge­tra­gen wird – wird das von Lalan­gue ein­ge­schrie­be­ne Wis­sen, aus dem das Un­be­wuss­te im ei­gent­li­chen Sin­ne be­steht, aus­ge­ar­bei­tet und nimmt es im Be­reich des Sym­ptoms zu; aber den­noch kor­re­spon­diert der hier mit S ge­kenn­zeich­ne­te Kreis mit et­was, was von die­sem Wis­sen nie­mals re­du­ziert sein wird, näm­lich Freuds Ur­ver­dräng­tes*: das, was vom Un­be­wuss­ten nie­mals ge­deu­tet sein wird. 127

 

En quoi est-ce que j’ai écrit au ni­veau du cer­cle du réel le mot « vie » ?

War­um habe ich auf der Höhe des Krei­ses des Rea­len das Wort „Le­ben“ ge­schrie­ben?

 

C’est qu’incontestablement de la vie, après ce ter­me va­gue qui con­sis­te à énon­cer le jouir de la vie, la vie nous ne sa­vons rien d’autre et tout ce à quoi nous in­du­it la sci­ence, c’est de voir qu’il n’y a rien de plus réel, ce qui veut dire rien de plus im­pos­si­ble, que d’imaginer com­ment a pu fai­re son dé­part cet­te con­struc­tion chi­mi­que qui, d’éléments ré­par­tis dans quoi que ce soit et de quel­que fa­çon que nous vou­li­ons le qua­li­fier par les lois de la sci­ence, se se­rait mis tout d’un coup à con­strui­re une mo­lé­cu­le d’A.D.N., c’est-à-dire quel­que cho­se dont je vous fais re­mar­quer que très cu­ri­eu­se­ment, c’est bien là qu’on voit déjà la pre­miè­re image d’un nœud.

Da wir un­be­streit­bar vom Le­ben – über die­sem va­gen Ter­mi­nus hin­aus, der dar­in be­steht, das Ge­nie­ßen des Le­bens zu äu­ßern – , da wir vom Le­ben nichts wei­ter wis­sen und da al­les, wo­hin die Wis­sen­schaft uns führt, dar­in be­steht, dass wir se­hen, dass es nichts Re­a­le­res, das heißt nichts Un­mög­li­che­res gibt, als sich vor­zu­stel­len, wie die­se che­mi­sche Kon­struk­ti­on ih­ren Aus­gang neh­men konn­te, die – aus Ele­men­ten, die in ir­gend­et­was ver­teilt sind und zwar auf eine Wei­se, die wir durch die Ge­set­ze der Wis­sen­schaft kenn­zeich­nen möch­ten – mit ei­nem Schlag dazu ge­langt ist, ein DNA-Mo­le­kül zu bil­den, das heißt et­was, bei dem ich Sie dar­auf auf­merk­sam ma­che, dass man hier merk­wür­di­ger­wei­se be­reits das ers­te Bild ei­nes Kno­tens sieht.

Et que s’il y a quel­que cho­se qui de­v­rait nous frap­per, c’est qu’on ait mis si tard à s’apercevoir que quel­que cho­se dans le réel – et pas rien, la vie même – se struc­tu­re d’un nœud

Und wenn es et­was gibt, was uns über­ra­schen müss­te, dann ist es dies, dass man erst so spät dazu ge­langt ist, sich klar­zu­ma­chen, dass et­was im Rea­len – und nicht ir­gend­et­was, son­dern das Le­ben selbst – von ei­nem Kno­ten her struk­tu­riert ist.128

 

Com­ment ne pas s’étonner qu’après ça, nous ne trou­vi­ons jus­tement nul­le part, nul­le part ni dans l’anatomie, ni dans les plan­tes grim­pan­tes qui sem­ble­rai­ent ex­pres­sé­ment fai­tes pour ça, au­cu­ne image de nœud na­tu­rel?

Wie soll­ten wir uns nicht dar­über wun­dern, dass wir trotz­dem nir­gend­wo ein Bild ei­nes na­tür­li­chen Kno­tens fin­den, nir­gend­wo, we­der in der Ana­to­mie noch bei den Schling­pflan­zen, die doch so aus­se­hen, als sei­en sie aus­drück­lich da­für ge­macht.

 

Je vais vous sug­gé­rer quel­que cho­se : ne se­rait-ce pas là un cer­tain type de re­fou­le­ment, d’Ur­ver­drängt?

Ich möch­te Ih­nen et­was vor­schla­gen: Könn­te das nicht ein be­stimm­ter Typ der Ver­drän­gung sein, des Ur­ver­dräng­ten*?

 

En­fin quand même ne nous met­tons pas trop à rê­ver, nous avons avec nos traces as­sez à fai­re.

Ge­ben wir uns je­doch nicht zu sehr dem Träu­men hin, mit un­se­ren ge­zeich­ne­ten Li­ni­en (traces) ha­ben wir ge­nug zu tun.

 

Que la re­pré­sen­ta­ti­on, jus­ques et y com­pris le pré­con­sci­ent de Freud, soit jus­tement ce qui fait que J(A) que j’aiécrit et qui veut dire la jouis­sance de l’Autre en tant que para-se­xuée, jouis­sance pour l’homme de la sup­po­sée femme, et in­ver­se­ment pour la femme que nous n’avons pas à sup­po­ser puis­que La femme n’existe pas, mais pour une femme par cont­re jouis­sance de l’homme qui, lui, est tout, hé­las, il est même tou­te jouis­sance phal­li­que ; cet­te jouis­sance de l’Autre, para-se­xuée, n’existe pas, ne pour­rait, ne sau­rait même exis­ter que par l’intermédiaire de la pa­ro­le, pa­ro­le d’amour no­tam­ment qui est bien la cho­se, je dois dire, la plus pa­ra­doxa­le et la plus éton­nan­te et dont il est évi­dem­ment tout à fait sen­si­ble et com­pré­hen­si­ble que Dieu nous con­seil­le de n’aimer que son pro­chain et non pas du tout de se li­mi­ter à sa pro­chai­ne, car si on al­lait à sa pro­chai­ne on irait tout sim­ple­ment à l’échec, c’est le princi­pe même de ce que j’ai ap­pelé tout à l’heure l’archiraté chré­ti­en­ne.

Dass die Vor­stel­lung (re­pré­sen­ta­ti­on), ein­schließ­lich des Freud’schen Vor­be­wuss­ten, ge­nau das ist, was be­wirkt, dass das J(A), das ich hier ge­schrie­ben habe und was be­deu­tet: das Ge­nie­ßen des An­de­ren, in­so­fern es pa­rase­xu­iert ist – für den Mann das Ge­nie­ßen der un­ter­stell­ten Frau, und um­ge­kehrt für die Frau, die wir nicht zu un­ter­stel­len ha­ben, da Die Frau nicht exis­tiert, je­doch für Eine Frau das Ge­nie­ßen des Man­nes, der selbst ganz/alles ist, lei­der, er ist so­gar ganz phal­li­sches Ge­nie­ßen; die­ses pa­rase­xu­ier­te Ge­nie­ßen des An­de­ren exis­tiert nicht, nur durch Ver­mitt­lung des Spre­chens könn­te es exis­tie­ren, wüss­te es zu exis­tie­ren, ins­be­son­de­re durch das Spre­chen der Lie­be, das wohl die pa­ra­do­xes­te und er­staun­lichs­te Sa­che ist, muss ich sa­gen, und bei der of­fen­kun­dig völ­lig spür­bar und ver­ständ­lich ist, dass Gott uns den Rat gibt, nur sei­nen Nächs­ten zu lie­ben und sich kei­nes­wegs auf sei­ne Nächs­te zu be­schrän­ken, denn wenn man zu sei­ner Nächs­ten käme, käme es ganz ein­fach zum Schei­tern; eben dies ist das Prin­zip des­sen, was ich vor­hin das christ­li­che ar­chi­ra­té ge­nannt habe, das Erz­ge­schei­ter­te.129.

 

Cet­te jouis­sance de l’Autre, cet­te jouis­sance de l’Autre, c’est là que se pro­du­it ce qui mont­re qu’autant la jouis­sance phal­li­que est hors corps, au­tant la jouis­sance de l’Autre est hors lan­ga­ge, hors sym­bo­li­que, car c’est à par­tir de là, à sa­voir à par­tir du mo­ment où l’on sai­sit ce qu’il y a – com­ment dire – de plus vi­vant ou de plus mort dans le lan­ga­ge, à sa­voir la lett­re, c’est uni­que­ment à par­tir de là que nous avons ac­cès au réel.

Die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, hier stellt sich das her, was zeigt, dass, eben­so wie das phal­li­sche Ge­nie­ßen au­ßer­halb des Kör­per ist, das Ge­nie­ßen des An­de­ren au­ßer­halb der Spra­che (lan­ga­ge) ist, au­ßer­halb des Sym­bo­li­schen; denn erst von da aus, das heißt von dem Mo­ment an, in dem man das er­fasst, was es gibt – wie soll man sa­gen –, was es in der Spra­che an Le­ben­digs­tem oder an To­tes­tem gibt, näm­lich den Buch­sta­ben, ein­zig von da aus ha­ben wir ei­nen Zu­gang zum Rea­len.

 

Cet­te jouis­sance de l’Autre, cet­te jouis­sance de l’Autre dont cha­cun sait à quel point c’est im­pos­si­ble, et con­trai­re­ment même au my­the qu’évoque Freud, | [202] à sa­voir que l’Éros, ce se­rait fai­re un, mai jus­tement c’est de ça qu’on crè­ve, c’est qu’en au­cun cas deux corps ne peu­vent en fai­re un, de si près qu’on le ser­re; je n’ai pas été jusqu’à le mett­re dans mon tex­te, mais tout ce qu’on peut fai­re de mieux dans ces fa­meu­ses ét­rein­tes, c’est de dire « ser­re-moi fort » mais on ne ser­re pas si fort que l’autre fi­nis­se par en crever !

Die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren, von dem je­der weiß, wie sehr es un­mög­lich ist, und im Ge­gen­satz so­gar zu dem von Freud er­wähn­ten My­thos, wo­nach Eros das wäre, was eins macht, ist es aber ge­nau das, wor­an man kre­piert, näm­lich dass zwei Kör­per kei­nes­falls zu ei­nem wer­den kön­nen, wie eng man ihn auch drü­cken mag; ich bin nicht dazu ge­kom­men, das in mei­nem Text un­ter­zu­brin­gen, aber al­les, was man in die­sen be­rühm­ten Um­ar­mun­gen bes­ten­falls tun kann, ist, zu sa­gen, „drück mich fest“, aber man drückt nicht so fest, dass der an­de­re schließ­lich dar­an kre­piert.130

 

Quand même, de sor­te qu’il n’y a au­cu­ne es­pè­ce de ré­duc­tion à l’un.

Nun ja, so­dass es in kei­ner Wei­se eine Re­du­zie­rung auf das Eine gibt.

 

C’est la plus for­mi­da­ble bla­gue.

Das ist der al­ler­größ­te Un­sinn.

 

S’il y a quel­que cho­se qui fait l’un, c’est quand même bien le sens, le sens de l’élément, le sens de ce qui relè­ve de la mort.

Wenn es je­doch et­was gibt, was das Eine macht, so ist es der Sinn, der Sinn des Ele­ments131, der Sinn des­sen, was in den Be­reich des To­des fällt.

 

Je dis tout ça par­ce qu’on fait sans dou­te beau­coup de con­fu­si­on, à cau­se d’une cer­tai­ne aura de ce que, de ce que je ra­con­te, on fait sans dou­te beau­coup de con­fu­si­on sur le su­jet … que le lan­ga­ge : je ne trouve pas du tout que le lan­ga­ge soit la pa­na­cée uni­ver­sel­le ; ce n’est pas par­ce que l’inconscient est struc­tu­ré com­me un lan­ga­ge, c’est-à-dire que c’est ce qu’il a de mieux, que pour au­tant l’inconscient ne dé­pend pas étroi­te­ment de lalan­gue, c’est-à-dire de ce qui fait que tou­te la lan­gue, tou­te lalan­gue est une lan­gue mor­te, même si elle est en­core en usa­ge.

Ich sage das al­les, weil si­cher­lich viel Ver­wir­rung an­ge­rich­tet wird; auf­grund ei­ner ge­wis­sen Aura des­sen, was ich, des­sen, was ich er­zäh­le, wird si­cher­lich viel Ver­wir­rung an­ge­rich­tet bei dem The­ma, dass die Spra­che (lan­ga­ge) –; ich bin kei­nes­wegs der Auf­fas­sung, die Spra­che (lan­ga­ge) sei das All­heil­mit­tel; weil das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist – was heißt, dass dies das ist, was es an Bes­tem hat –, des­we­gen hängt das Un­be­wuss­te nicht we­ni­ger eng von Lalan­gue ab, das heißt von dem, was dazu führt, dass die ge­sam­te Spra­che (tou­te la lan­gue), dass die ge­sam­te Lalan­gue eine tote Spra­che (lan­gue mor­te) ist, auch wenn sie noch in Ge­brauch ist.

 

Ce n’est qu’à par­tir du mo­ment où quel­que cho­se s’en dé­cape qu’on peut trou­ver un princi­pe d’identité de soi à soi, et c’est non pas quel­que cho­se qui se pro­du­it au ni­veau de l’Autre, mais au ni­veau de la lo­gi­que.

Erst von dem Mo­ment an, wo sich da­von et­was ab­löst, kann man ein Prin­zip der Iden­ti­tät mit sich selbst fin­den, und das ist nicht et­was, was sich auf der Ebe­ne des An­de­ren her­stellt, son­dern auf der Ebe­ne der Lo­gik.132

 

C’est en tant qu’on ar­ri­ve à ré­du­i­re tou­te es­pè­ce de sens qu’on ar­ri­ve à cet­te sub­li­me for­mu­le ma­t­hé­ma­tique de l’identité de soi à soi qui s’écrit x = x.

Wenn es ei­nem ge­lingt, jede Art von Sinn zu re­du­zie­ren, ge­langt man zu die­ser er­ha­be­nen ma­the­ma­ti­schen For­mel der Iden­ti­tät mit sich selbst, die x = x ge­schrie­ben wird.

 

Pour ce qui est de la jouis­sance de l’Autre, il n’y a qu’une seu­le fa­çon de la rem­plir, et c’est à pro­pre­ment par­ler le champ où naît la sci­ence, où la sci­ence naît pour au­tant que, bien en­ten­du, com­me tout le mon­de le sait, c’est uni­que­ment à par­tir du mo­ment où Ga­li­lée a fait des pe­tits rap­ports de lett­re à lett­re avec une bar­re dans l’intervalle, où il a dé­fi­ni la vi­tes­se com­me la dif­fé­rence, com­me la pro­por­ti­on d’espace et de temps, c’est qu’à par­tir de ce mo­ment-là, com­me quel­que cho­se, com­me un pe­tit li­v­re qu’a je crois a com­mis ma fil­le le mont­re bien, c’est à par­tir de ce mo­ment là qu’on est sor­ti de tou­te cet­te no­ti­on en quel­que sor­te in­tui­ti­ve et em­pê­trée de l’effort, qui a fait qu’on a pu ar­ri­ver à ce pre­mier ré­sul­tat qu’était la gra­vi­ta­ti­on.

Was des Ge­nie­ßen des An­de­ren be­trifft, so gibt es nur eine ein­zi­ge Wei­se, dort­hin zu ge­lan­gen, und das ist im stren­gen Sin­ne das Feld, in dem die Wis­sen­schaft ent­steht, in dem die Wis­sen­schaft in­so­fern ent­steht, als sie na­tür­lich, wie all­ge­mein be­kannt, erst in dem Mo­ment, als Ga­li­lei klei­ne Be­zie­hun­gen zwi­schen Buch­sta­be und Buch­sta­be mit ei­nem Strich da­zwi­schen her­stell­te, als er die Ge­schwin­dig­keit als die Dif­fe­renz, als das Ver­hält­nis von Raum und Zeit de­fi­nier­te, von die­sem Mo­ment an – wie in et­was, wie in ei­nem klei­nen Buch, das, glau­be ich, mei­ne Toch­ter ver­bro­chen hat, gut ge­zeigt wird –, von die­sem Mo­ment an hat man die­sen gan­zen in ge­wis­ser Wei­se in­tui­ti­ven und ver­wor­re­nen Be­griff des Stre­bens hin­ter sich ge­las­sen, ein Mo­ment, der dazu ge­führt hat, dass man zu die­sem ers­ten Er­geb­nis ge­lan­gen konn­te, näm­lich zur Gra­vi­ta­ti­on.133

 

Nous avons fait quel­ques pe­tits pro­grès de­puis, mais qu’est-ce que ça don­ne en fin de comp­te, la sci­ence?

Seit­her ha­ben wir ei­ni­ge klei­ne Fort­schrit­te ge­macht, aber was er­gibt das letzt­lich, die Wis­sen­schaft?

 

Ça nous don­ne à nous mett­re sous la dent à la place de ce qui nous man­que dans le rap­port, dans le rap­port de la con­nais­sance, com­me je di­sais tout à l’heure, ça nous don­ne à cet­te place en fin de comp­te ce qui, pour la plu­part des gens, tous ceux qui sont là en par­ti­cu­lier, se ré­du­it à des gad­gets : la té­lé­vi­si­on, le voya­ge dans la lune, et en­core le voya­ge dans la lune, vous n’y al­lez pas, il n’y en a que quel­ques-uns sélec­tion­nés, mais vous le voy­ez à la | [203] té­lé­vi­si­on.

Das gibt uns et­was zum Knab­bern, an der Stel­le des­sen, was uns im Ver­hält­nis fehlt, im Ver­hält­nis der Er­kennt­nis, wie ich vor­hin ge­sagt habe, das gibt uns an die­ser Stel­le letzt­lich das, was sich für die meis­ten Leu­te, be­son­ders für alle, die hier sind, auf Gad­gets re­du­ziert: das Fern­se­hen, die Rei­se zum Mond. Al­ler­dings die Rei­se zum Mond, Sie wer­den nicht dort­hin fah­ren, es gibt nur ei­ni­ge Aus­er­wähl­te, aber Sie se­hen es im Fern­se­hen.

 

C’est ça, la sci­ence part de là.

Das ist es, von dort geht die Wis­sen­schaft aus.

 

Et c’est pour ça que je mets es­poir dans le fait que, pas­sant au-des­sous de tou­te re­pré­sen­ta­ti­on, nous ar­ri­ve­rons peut-être à avoir sur la vie quel­ques don­nées plus sa­tis­fais­an­tes.

Und des­halb setz­te ich mei­ne Hoff­nung dar­auf, dass wir, jede Vor­stel­lung un­ter­lau­fend, viel­leicht ein­mal dazu ge­lan­gen wer­den, über das Le­ben ei­ni­ge Da­ten zu ha­ben, die be­frie­di­gen­der sind.

 

Alors là la bou­cle se bou­cle sur ce que je vi­ens de vous dire tout à l’heure : c’est a sa­voir l’avenir de la psy­chana­ly­se est quel­que cho­se qui dé­pend de ce qu’il ad­vi­en­dra de ce réel, à sa­voir si les gad­gets par ex­emp­le ga­gne­ront vrai­ment à la main, si nous ar­ri­ve­rons à de­ve­nir nous-mê­mes ani­més vrai­ment par les gad­gets.

Und da­mit kom­me ich zu dem zu­rück, was ich Ih­nen eben ge­sagt habe, näm­lich dass die Zu­kunft der Psy­cho­ana­ly­se von dem ab­hängt, was aus die­sem Rea­len wird, ob näm­lich bei­spiels­wei­se die Gad­gets wirk­lich die Ober­hand ge­win­nen, ob es dazu kommt, dass wir selbst tat­säch­lich von den Gad­gets be­lebt wer­den.

 

Je dois dire que ça me pa­raît peu pro­bable.

Ich muss sa­gen, das scheint mir we­nig wahr­schein­lich zu sein.

 

Nous n’arriverons pas vrai­ment à fai­re que le gad­get ne soit pas un sym­ptô­me, car il l’est pour l’instant tout à fait évi­dem­ment.

Wir wer­den es nicht wirk­lich schaf­fen, da­für zu sor­gen, dass das Gad­get kein Sym­ptom mehr wäre, denn der­zeit ist es das ganz of­fen­sicht­lich.

 

Il est bien cer­tain qu’on a une au­to­mo­bi­le … com­me une fausse femme ; on ti­ent ab­so­lu­ment à ce que ce soit un phal­lus, mais ça n’a de rap­port avec le phal­lus que du fait que c’est le phal­lus qui nous em­pêche d’avoir un rap­port avec quel­que cho­se qui se­rait not­re répondant se­xu­el.

Es stimmt durch­aus, dass man ein Auto wie eine Er­satz­frau hat, man hält ab­so­lut dar­an fest, dass das ein Phal­lus ist. Das steht aber nur von da­her in ei­ner Be­zie­hung zum Phal­lus, als es der Phal­lus ist, der uns dar­an hin­dert, ein Ver­hält­nis zu et­was zu ha­ben, was un­ser se­xu­el­ler Re­spon­dent wäre.

 

C’est not­re répondant pa­rase­xué, et cha­cun sait que le « para », ça con­sis­te à ce que cha­cun res­te de son côté, que cha­cun res­te à côté de l’autre.

Das ist un­ser pa­rase­xu­ier­ter Re­spon­dent, und je­der weiß, dass das das „para“ dar­in be­steht, dass je­der auf sei­ner Sei­te bleibt, dass je­der ne­ben dem an­de­ren bleibt.

 

Bon voi­là, c’est à peu près … je vous ré­su­me ce qu’il y avait là, dans mes 66 pa­ges, avec ma bon­ne ré­so­lu­ti­on de dé­part qui était de lire ; je fai­sais ça dans un cer­tain es­prit, par­ce qu’après tout, ac­capa­rer la lec­tu­re, c’était vous en dé­char­ger d’autant, et peut-être fai­re que vous pour­riez, c’est ce que je so­u­hai­te, lire quel­que cho­se, si vous ar­ri­viez à vrai­ment lire ce qu’il y a dans cet­te mise à plat du nœud bor­ro­méen, je pen­se que ce se­rait là dans la main vous toper quel­que cho­se qui peut vous rend­re ser­vice au­tant que la simp­le dis­tinc­tion du réel, du sym­bo­li­que et de l’imaginaire.

Gut, das wär’s, das ist un­ge­fähr – ich fas­se für Sie zu­sam­men, was hier in mei­nen 66 Sei­ten stand, bei de­nen ich an­fangs die gute Ab­sicht hat­te, sie vor­zu­le­sen. Ich habe das in ei­ner be­stimm­ten Geis­tes­hal­tung ge­tan, denn wenn ich das Le­sen auf mich nahm, dann hieß das ja, Sie im sel­ben Maße da­von zu ent­las­ten und viel­leicht da­für zu sor­gen, dass Sie, das ist das, was ich wün­sche, et­was le­sen könn­ten – wenn Sie es schaf­fen könn­ten, wirk­lich zu le­sen, was in die­ser Plät­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens steht, dann hie­ße das, den­ke ich, Ih­nen mit Hand­schlag et­was zu ge­ben, was Ih­nen eben­so vie­le Diens­te leis­ten kann wie die ein­fa­che Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Rea­len, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren.

 

Par­don d’avoir par­lé si long­temps.

Ent­schul­di­gung, dass ich so lan­ge ge­spro­chen habe.

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Anmerkungen

  1. Mar­cel Duch­amp, La ma­riée mise à nu par ses cé­li­ba­taires (Le Grand Ver­re), Die Braut, von ih­ren Jung­ge­sel­len ent­blößt, so­gar (Das gro­ße Glas), 1915–1923, In­stal­la­ti­on aus Bleidraht, Blei­fo­lie, Öl­far­be, Lack und Staub zwi­schen zwei Glas­schei­ben in ei­nem Me­tall­rah­men, 278 x 167 cm, Phil­adel­phia Mu­se­um of Art
    Der Ti­tel spielt auf länd­li­che Jahr­marktsat­trak­ti­on an. Ein Stand prä­sen­tiert die Fi­gur ei­ner Frau in ei­nem Braut­kleid, des­sen Tei­le nur von Fä­den ge­hal­ten wer­den; jun­ge Leu­te be­wer­fen die Ge­stalt mit Wurf­ge­schos­sen, um sie zu ent­klei­den. Sie­he hier.
  2. Den Rah­men bil­de­te die 7. Kon­fe­renz der Éco­le freu­dien­ne de Pa­ris, die vom 31. Ok­to­ber bis zum 3. No­vem­ber 1974 in Rom statt­fand.
  3. In: Lettres de l’École freu­dien­ne. Bul­le­tin in­té­ri­eur de l’École Freu­dien­ne de Pa­ris, Nr. 16, 1975, S. 177–203. Eine Ko­pie die­ser ers­ten Tran­skrip­ti­on gibt es im In­ter­net hier, eine Ab­schrift bie­tet die Web­site der Éco­le la­ca­ni­en­ne de Pa­ris hier.
  4. An­spie­lung auf das Ge­dicht Ar­té­mis von Gé­r­ard de Ner­val, aus des­sen Les Chimè­res (1854), ei­ner Samm­lung von zwölf Son­net­ten. Ar­té­mis be­ginnt so:
    „La Trei­ziè­me re­vi­ent … C’est en­cor la pre­miè­re“ („Die Drei­zehn­te kommt wie­der … Das ist noch die ers­te“; en­cor ist eine in der Poe­sie ver­wen­de­te or­tho­gra­fi­sche Va­ri­an­te von en­core, „noch“).
    Zu­gleich eine An­spie­lung auf die Wie­der­ho­lung so­wie dar­auf, dass im bor­ro­mäi­schen Kno­ten der drit­te Ring (der des Rea­len) zu­gleich der ers­te ist – zwi­schen den Rin­gen gibt es kei­ne Hier­ar­chie.
  5. Mit dis­que spielt La­can ver­mut­lich auf den Wie­der­ho­lungs­zwang an.
  6. Laut­gleich­heit von „dis­que“ und „dit ce que“.
  7. Eine der Be­deu­tun­gen von La troi­siè­me (Die Drit­te) ist also „Der drit­ter Rom-Vor­trag“. Der ers­te in Rom ge­hal­te­ne Vor­trag ist Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se von 1953 (in: Ders.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169, über­setzt von Klaus La­er­mann).
    Der zwei­te Rom-Vor­trag ist La psy­chana­ly­se. Rai­son d’un échec, ge­hal­ten im Jah­re 1967 (in: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 341–349).
    War­um La troi­siè­me (Die Drit­te) im Fe­mi­ni­num und nicht Le troi­siè­me (Der Drit­te), wo es durch um le dis­cours geht und da­mit um ein Mas­ku­li­num? Mög­li­cher­wei­se des­halb, weil bei der Zäh­lung von Thea­ter- oder Ki­no­auf­füh­run­gen im Fran­zö­si­schen das Fe­mi­ni­num ver­wen­det wird (da­her im Deut­schen „die Pre­mie­re“).
  8. Man den­ke etwa dar­an, dass der Hund im Deut­schen „wau-wau“ bellt, im Fran­zö­si­schen aber „oua-oua“.
  9. We­der our noch our­dro­mes sind Wör­ter der fran­zö­si­schen Spra­che. Dro­me meint in der fran­zö­si­schen See­manns­spra­che ein Ge­bil­de aus Stan­gen so­wie ein Bei­boot.
    Wei­te­re Hör­mög­lich­kei­ten: „disqu’ours d’Rome“, „dis­cour­dro­me“, „di-ce-que-court …“ (Anm. in Tran­skrip­ti­on Valas).
  10. Dem­nach be­greift La­can our­dro­me, [u:rdrɔm] ge­spro­chen, als laut­ma­le­ri­schen Aus­druck für das Schnur­ren ei­ner Kat­ze.
  11. Lalan­gue ist ein von La­can ge­bil­de­ter Neo­lo­gis­mus, er dient ihm als Ge­gen­be­griff zu lan­ga­ge. Mit lan­ga­ge („Spra­che“) meint La­can die Spra­che, wie sie von den Lin­gu­is­ten theo­re­ti­siert wird als ein durch gram­ma­ti­sche Re­geln be­stimm­tes Sys­tem, das der Kom­mu­ni­ka­ti­on dient. Lalan­gue (von la lan­gue, „die Spra­che“, in ei­nem Wort ge­schrie­ben) ist die tat­säch­lich ge­spro­che­ne Spra­che, die Mut­ter­spra­che (la lan­gue ma­ter­nel­le) wie sie in der Per­spek­ti­ve des Kin­des er­scheint: durch Mehr­deu­tig­kei­ten be­stimmt und mit Ge­nie­ßen ver­bun­den (der Aus­druck lalan­gue ist selbst laut­ma­le­risch). Die Wort­spie­le mit dis­cours de Rome sind Bei­spie­le für lalan­gue.
    La­can hat­te den Aus­druck lalan­gue zum ers­ten Mal am 4. No­vem­ber 1971 ver­wen­det, im ers­ten Vor­trag sei­ner Vor­le­sungs­rei­he mit dem Ti­tel Le sa­voir de l’analyste, „Das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers“ (vgl. J. La­can: Ich spre­che zu den Wän­den. Tu­ria und Kant, Wien u. a. 2013, S. 18). Die Op­po­si­ti­on von lalan­gue und lan­ga­ge wird von ihm zu­erst 1973 in Se­mi­nar 20 ent­wi­ckelt (vgl. Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, Sit­zung vom 26. Juni 1973; Ver­si­on Haas u.a., S. 150 f.).
  12. Ge­meint ist Ro­man Ja­kobsons Ma­trix dis­tink­ti­ver Merk­ma­le, die das Pho­nemin­ven­tar ei­ner Spra­che als Bün­del von disk­tink­ti­ven Merk­ma­len be­schreibt.
  13. Aus „je suis“ wird durch Pho­nem­ver­tau­schung „se jou­is“.
  14. La­can er­setzt suis [sɥi] (bin) durch sou­is [swi]. Sou­is ist kein Wort der fran­zö­si­schen Spra­che; La­can ver­dich­tet hier „je suis“ (ich bin) und „je jou­is“ (ich ge­nie­ße).
  15. Die gram­ma­ti­sche Kon­struk­ti­on ist schwer zu durch­schau­en. Ver­mut­lich geht es um das Zu­rück­wei­sen der Zu­rück­wei­sung, um eine Art dop­pel­te Ne­ga­ti­on.
    Das Kon­zept der Ver­wer­fung wird von La­can in Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, ein­ge­führt, als der Me­cha­nis­mus, auf dem die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se be­ruht. La­can geht hier von dem deut­schen Aus­druck „Ver­wer­fung“ aus und sagt hier­zu, „dass al­les, was in der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­wor­fen (re­fu­sé) wird, im Rea­len wie­der auf­taucht“ (zu­erst in der Sit­zung vom 16. No­vem­ber 1955; Ver­si­on Miller/Turnheim S. 20, Über­set­zung ge­än­dert). Spä­ter in die­sem Se­mi­nar über­setzt La­can das deut­sche Wort „Ver­wer­fung“ mit for­clu­si­on (Sit­zung vom 4. Juli 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim S. 378).
    Der Sinn könn­te sein: Das „je sou­is“ kann ver­wor­fen wer­den, ohne dass es im Rea­len wie­der­er­scheint.
  16. Tat­säch­lich ist das nicht Lévi-Strauss pas­siert, son­dern Mer­leau-Pon­ty; Lévi-Strauss starb erst im Jah­re 2009.
  17. La­can er­setzt hier und im Fol­gen­den Des­car­tes’ je suis (ich bin) durch je sou­is.
  18. Die For­mu­lie­rung spielt der mit Laut­gleich­heit von „ suis“ (bin) und „suit“ (folgt).
  19. C’est le même ta­bac (das ist der­sel­be Ta­bak) ist eine üb­li­che Re­de­wen­dung mit der Be­deu­tung „das ist das­sel­be“. C’est un aut­re ta­bac (das ist ein an­de­rer Ta­bak) meint „das ist et­was an­de­res“.
  20. Re­dens­art il y a de l’eau dans le gaz, wört­lich „es gibt Was­ser im Gas“. Deut­sche Ent­spre­chun­gen sind „hier liegt der Hase im Pfef­fer“, „hier liegt der Hund be­gra­ben“.
  21. La­can be­zieht sich auf sei­ne For­mel „Ein Si­gni­fi­kant ist das, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird“ (zu­erst in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens, ge­schrie­ben 1962, ver­öf­fent­licht 1966). Der das Sub­jekt re­prä­sen­tie­ren­de Si­gni­fi­kant wird in Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70), als Her­ren­si­gni­fi­kant be­zeich­net, der an­de­re Si­gni­fi­kant als Wis­sen, wor­un­ter La­can ab Se­mi­nar 12, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se (1964/65), das Un­be­wuss­te ver­steht (vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel).
  22. Par­men­ides sagt, dass Den­ken und Sein eins sind.
  23. So­phis­tes oder Der So­phist, Dia­log von Pla­ton.
  24. Im La­tei­ni­schen und im Ita­lie­ni­schen ist fui die ers­te Per­son Sin­gu­lar In­di­ka­tiv Per­fekt von esse bzw. es­se­re (sein); fui heißt in bei­den Spra­chen „ich war“.
  25. Im La­tei­ni­schen ist sum die ers­te Per­son Sin­gu­lar In­di­ka­tiv Prä­sens von esse, meint also „ich bin“; im Ita­lie­ni­schen gibt es die­se Form nicht.
  26. Im Ita­lie­ni­schen wer­den vie­le For­men von es­se­re (sein) mit sta­re (ste­hen) ge­bil­det, „ich war“ heißt bei­spiels­wei­se auch sono sta­to.
  27. Lin­gu­is­te­rie: Neo­lo­gis­mus von La­can, Ver­dich­tung aus lin­gu­is­tique und hys­te­rie, aus „Lin­gu­is­tik“ und „Hys­te­rie“.
  28. La­can schreibt statt Indo-eu­ro­péen (In­do­eu­ro­pä­er) den Neo­lo­gis­mus Un­deux­ro­péen, was ähn­lich klingt und was sich not­dürf­tig mit „Eins-zwei-ro­pä­er“ über­set­zen lie­ße.
  29. An­spie­lung auf das Jo­han­nes­evan­ge­li­um, in dem es über Je­sus heißt „und das Wort ward Fleisch“ (Jo­han­nes 1,14).
  30. La­can spielt dar­auf an, dass er in Rom ist, der „Hei­li­gen Stadt“.
  31. An­spie­lung auf den Be­griff être su­prê­me, „Höchs­tes We­sen“, Be­zeich­nung für Gott in der de­is­ti­schen Theo­lo­gie und in der Er­klä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te von 1789. Un­ter der Herr­schaft Ro­bes­pierres wur­de 1794 in Frank­reich der „Kult des Höchs­ten We­sens“ ge­fei­ert.
  32. La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich auf sein Ma­nu­skript.
  33. Beim zwei­ten tu (du) kann man auch tue (tö­tet) hö­ren. Das er­gibt dann: mais-tue-me (aber töte mich).
  34. La­can be­zieht sich auf sei­nen Apho­ris­mus „Der Sen­der er­hält vom Emp­fän­ger sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form“ (zu­erst im Rom-Vor­trag von 1953: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se, a.a.O., hier: S. 141). Zum Apho­ris­mus vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  35. An­spie­lung auf das Sprich­wort „Il faut prend­re son bien où on le trouve“ (Man muss sein Glück neh­men, wo man’s fin­det).
  36. Spiel mit der Laut­gleich­heit von tu éta­is (du warst) und tu étai­es (du stützt).
  37. La­can spricht dieu­re als „diiieueu“ aus (Anm. Tran­skrip­ti­on Valas).
    Dieu­re ist ein Neo­lo­gis­mus, eine Ver­dich­tung von Dieu (Gott) und dire (sa­gen).
  38. In den Me­dia­tio­nen über­lässt Des­car­tes Gott die Ver­ant­wor­tung für die letz­ten Wahr­hei­ten, etwa da­für, dass zwei plus zwei vier ist.
  39. La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich wie­der auf sein Ma­nu­skript.
  40. Num­mer eins ist die ers­te Rom-Rede; in ihr hat­te La­can die Drei­heit von Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem vor­ge­stellt.
  41. Wort­spiel mit der Laut­gleich­heit von nous rend gor­ge (uns zu­rück­gibt) und nous rengor­ge (plus­tert uns auf).
    Gor­ge ist die Keh­le, die Gur­gel, der Schlund; rend­re gor­ge meint wört­lich „den Schlund zu­rück­ge­ben“ und be­zieht sich ur­sprüng­lich auf ei­nen Vo­gel, der das, was er ver­schluckt hat, wie­der von sich gibt, um da­mit sei­ne Jun­gen zu füt­tern; fai­re rend­re gor­ge à quelqu’un meint: je­man­den dazu zwin­gen, et­was zu­rück­zu­ge­ben, was er un­recht­mä­ßig er­wor­ben hat.
    Rengor­ger meint wört­lich die Be­we­gung, bei der der Hals nach vor­ne ge­streckt und der Kopf zu­rück­ge­wor­fen wird; der Aus­druck ist pe­jo­ra­tiv und kri­ti­siert die Ei­tel­keit; deut­sche Ent­spre­chun­gen sind „sich brüs­ten“, „sich auf­bla­sen“, „sich auf­plus­tern“, „sich sprei­zen“.
    La­can bringt hier also die Be­zie­hung zwi­schen dem ora­len Ob­jekt und dem Ima­gi­nä­ren ins Spiel, dem Kör­per, der ein Bild gibt.
  42. Die bei­den an­de­ren sind ver­mut­lich das Sym­bo­li­sche und das Rea­le.
  43. La­can spielt mit dem Gleich­klang von ronds (Rin­ge) und ron– in ron­ron­ner (schnur­ren).
  44. An­spie­lung auf den Ti­tel von Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent (Die Nicht-Rein­ge­leg­ten ir­ren / Die Na­men-des-Va­ters).
    Das be­zieht sich ver­mut­lich auf die Zeich­nung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens. Mit „Au­to­bahn“ könn­ten die Li­ni­en ge­meint sein, und La­can wür­de hier dar­auf ver­wei­sen, dass es in der zeich­ne­ri­schen Dar­stel­lung Zwi­schen­räu­me zwi­schen Li­ni­en gibt, Über­schnei­dungs­be­rei­che.
  45. Ge­meint sind die Be­grif­fe des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len.
  46. Den ers­ten Rom-Vor­trag, Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se, hat­te La­can am 26. und 27. Sep­tem­ber 1953 ge­hal­ten.
  47. La­can be­zieht sich mög­li­cher­wei­se auf den Vor­trag Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le, den er am 8. Juli 1953 vor der So­cié­té françai­se de psy­chana­ly­se ge­hal­ten hat­te (in: J.L.: Na­men-des-Va­ters. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2006, S. 11–63).
  48. Den bor­ro­mäi­schen Kno­ten hat­te La­can erst­mals in Se­mi­nar 19 vor­ge­stellt (1971/72, … oder schlim­mer), in der Sit­zung vom 9. Fe­bru­ar 1972; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 91.
    Eine Er­läu­te­rung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel.
  49. Das be­zieht sich, wie der nächs­te Satz zeigt, auf die Funk­ti­on des Ana­ly­ti­kers, für den Ana­ly­san­ten das Ob­jekt a zu sein.
  50. Se­mi­nar 17 von 1969/70.
  51. In Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, hat­te La­can aus­ge­führt, dass in den vier Dis­kur­sen der Platz oben links der des Scheins ist; im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist hier das Ob­jekt a – der Ana­ly­ti­ker ver­kör­pert das Ob­jekt a als Schein.
  52. Das be­zieht sich auf die Be­mer­kung über das Ver­hält­nis von Pla­ton zu Par­men­ides.
  53. In­sup­port ist ein Neo­lo­gis­mus, eine Ne­ga­ti­on von sup­port (Stüt­ze, Trä­ger, Halt). 
  54. In den Dis­kurs­for­meln ist der Platz oben links im­mer der Platz des Scheins (Se­mi­nar 18, Sitzng vom 20. Ja­nu­ar 1971, Über­set­zung hier). In Se­mi­nar 17 hat­te La­can die­sen Platz als den des Agen­ten be­zeich­net.
  55. Mit dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs ist der Dis­kurs des Psy­cho­ana­ly­ti­kers ge­meint. Die an­de­ren drei Dis­kur­se, die La­can in Se­mi­nar 17 ein­führt, sind der Dis­kurs des Herrn, der Dis­kurs der Uni­ver­si­tät und der Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin.
  56. Die „Kol­le­gen von der In­ter­na­tio­na­le“ sind die Mit­glie­der der In­ter­na­tio­na­len Psy­cho­ana­ly­ti­schen Ver­ei­ni­gung.
    Der­je­ni­ge, der „als Art spricht“, ist der Mensch, das Sprech­we­sen.
  57. Se pous­ser du col, wört­lich „sich vom Kra­gen zu sto­ßen“, Re­de­wen­dung für „sich all­zu wich­tig neh­men“, „an­ge­ben“. Der Satz gibt ein Echo auf die frü­he­re For­mu­lie­rung „ça ne veut pas dire qu’il nous rengor­ge“, „das be­deu­tet nicht, dass wir uns auf­plus­tern“ – es geht um die Kör­per­hal­tung als As­pekt des Ima­gi­nä­ren.
  58. Te­le­vi­si­on ist ein In­ter­view mit La­can als In­ter­view­tem und Jac­ques-Alain Mil­ler als Fra­ge­stel­ler, das am 9. und 16. März 1974 vom fran­zö­si­schen öf­fent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen ge­sen­det wur­de (vom Of­fice de Ra­dio­dif­fu­si­on Té­lé­vi­si­on Françai­se, ORTF). Eine Vi­deo­auf­nah­me der Sen­dung fin­det man im In­ter­net auf You­Tube hier. Die schrift­li­che Fas­sung wur­de un­ter dem Ti­tel Té­lé­vi­si­on 1974 bei Seuil in Pa­ris ver­öf­fent­licht. Die deut­sche Fas­sung ist: J. La­can: Te­le­vi­si­on. Über­setzt von Jut­ta Pras­se und Hin­rich Lüh­mann. In: J.L.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 55–98.
  59. La­can kommt auf sei­ne Be­mer­kung zu­rück, dass der Psy­cho­ana­ly­ti­ker der bor­ro­mäi­sche Kno­ten sein muss, d.h. das Ob­jekt a als Schein.
  60. Zu­erst in Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, wo es heißt, die Ster­ne sei­en real, da man sie im­mer am sel­ben Platz wie­der­fin­det (Sit­zung vom 25. Mai 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 303). Als For­mel zu­erst in Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, in der Sit­zung vom 1. Juli 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 565.
  61. Re­ak­ti­on auf ei­nen Zu­hö­rer?
  62. Kom­pos­si­bi­li­tät“ meint „zu­sam­men mög­lich Sein“. Leib­niz zu­fol­ge ist die Welt al­les, was zu­sam­men mög­lich ist.
  63. La­can ver­weist hier ver­mut­lich auf die Kom­bi­na­ti­on von Si­gni­fi­kan­ten.
  64. No­u­me­non ist der Ge­gen­stand jen­seits der sinn­li­chen Er­schei­nung, bei Kant das „Ding an sich“.
  65. Der Wel­le-Teil­chen-Dua­lis­mus ist ein Theo­rem der Quan­ten­phy­sik, wo­nach die Ge­gen­stän­de der Quan­ten­phy­sik zu­gleich die Ei­gen­schaf­ten von Wel­len wie die von Teil­chen ha­ben.
  66. Das Rea­le bil­det kei­ne Ganz­heit, kei­ne To­ta­li­tät, kei­ne Men­ge. Das Rea­le ist „nicht-alle“, wie es in den For­meln der Se­xu­ie­rung heißt.
    Pan­tes: grie­chisch für „alle“.
  67. Das be­zieht sich auf Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, wo der Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ein, dem Ob­jekt a und der gol­de­nen Zahl das ge­sam­te Se­mi­nar über ent­wi­ckelt wird.
    „Ça vaut mil­le“ (das ist tau­send wert) ist viel­leicht eine An­spie­lung auf die Wen­dung „un image vaut mil­le mots“, ein Bild ist so­viel wert wie tau­send Wor­te.
  68. con­nais­sance“ nach Ver­si­on Valas; in Ver­si­on Pas-tout La­can fin­det man hier „con­séquence“, was we­nig Sinn er­gibt.
  69. Der Ti­tel Die Drit­te ver­weist dem­nach auch auf das Rea­le als drit­tes Re­gis­ter nach dem Ima­gi­nä­ren und dem Sym­bo­li­schen.
  70. An­ders ge­sagt, das Sym­ptom wird durch den Sinn ge­füt­tert, wie es spä­ter hei­ßen wird.
  71. 1. Mo­ses 9,7; in der Vul­ga­ta: „vos au­tem cres­ci­te et mul­ti­pli­ca­mi­ni“.
  72. La­can be­tont hier den Ge­gen­satz zwi­schen zwei Ar­ten, sich auf das Sym­ptom zu be­zie­hen: durch den Sinn und durch sinn­freie sym­bo­li­sche Pro­ze­du­ren nach der Art der Mul­ti­pli­ka­ti­on.
  73. Die Fra­ge ist also, wie das Rea­le des Sym­ptoms am Sinn kre­piert. Die Ant­wort wird lau­ten: in­dem man es ge­ra­de nicht mit Sinn füt­tert, son­dern mit dem, was sich dem Sinn ent­zieht, mit dem Wort­spiel.
  74. An­spie­lung auf La­cans Auf­satz Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­ti­on der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit (1945). In: Ders.: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u. a. 1980, S. 123–171.
  75. In den Dis­kurs­for­meln ist der Platz un­ten links im­mer der der Wahr­heit.
  76. Die la­tei­ni­sche Op­po­si­ti­on von si­gn­ans (Be­zeich­nen­dem) und si­gna­tum (Be­zeich­ne­tem) geht auf die Stoa zu­rück und ist die Quel­le der Op­po­si­ti­on signifiant/signifié im Fran­zö­si­schen und Signifikant/Signifikat im Deut­schen.
  77. Prend­re le mors aux dent, wört­lich, be­zo­gen auf ein Pferd: „das Ge­biss zwi­schen die Zäh­ne neh­men“, in dem Sin­ne, dass es „durch­geht“, im über­tra­ge­nen Sin­ne: „sich hin­rei­ßen las­sen“, „sich er­ei­fern“, „in Rage ge­ra­ten“.
  78. Das Rea­le ist das, was vom Un­be­wuss­ten nicht sym­bo­li­siert wird, vor al­lem die bio­lo­gi­sche Zwei­ge­schlecht­lich­keit und der ei­ge­ne Tod. Die „An­kunft“ des Rea­len be­steht dar­in, dass die se­xu­el­le Re­pro­duk­ti­on und der Tod un­ter wis­sen­schaft­lich ge­stütz­te po­li­ti­sche Kon­trol­le ge­bracht wer­den, durch Eu­ge­nik (se­xu­el­le Re­pro­duk­ti­on) und Eu­tha­na­sie (Tod) – also in dem, was Fou­cault als „Bio­po­li­tik“ be­zeich­net.
  79. Vgl. J. La­can: Kant mit Sade (1963). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans- Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 1915, S. 289–321.
  80. La­can zi­tier­te den Ti­tel von Sa­des Streit­schrift Fran­zo­sen, noch eine An­stren­gung, wenn ihr Re­pu­bli­ka­ner sein wollt (1795), die ei­nen Teil sei­ner Phi­lo­so­phie im Bou­doir bildet.Vgl. Do­na­ti­en Alphon­se François de Sade: Die Phi­lo­so­phie im Bou­doir oder Die las­ter­haf­ten Lehr­meis­ter. Dia­lo­ge, zur Er­zie­hung jun­ger Da­men be­stimmt (1795). Über­setzt von Rolf Busch. Mer­lin-Ver­lag, Gif­ken­dorf 1989, S. 195–274.
  81. Vgl. J. La­can: Das Se­mi­nar über E. A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“. Über­setzt von Ro­dol­phe Gas­ché. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S.7–41, hier: S. 40.
  82. Der drit­te Vor­trag, den La­can in Rom hält.
  83. Ge­meint ist die ers­te Rom­re­de von 1953.
  84. Eng­lisch par­lan­ce, „Sprach­ge­brauch“, „Aus­drucks­wei­se“, „Sprech­wei­se“, „Jar­gon“.
  85. La­can kommt auf die Zer­le­gung von dis­cours d’Rome in dis­que und our­dro­me zu­rück. Was meint „ich ma­che nur our­dro­me“? Hält man sich an die Er­läu­te­rung zu Be­ginn des Vor­trags, müss­te das hei­ßen „ich schnur­re nur“. Wie auch im­mer, of­fen­bar geht es um den Un­ter­schied zwi­schen dem ge­le­se­nen und dem ge­schrie­be­nen Text. 
  86. Mit „zu viel“ be­zieht La­can sich ver­mut­lich auf die Län­ge des vor­ge­tra­ge­nen Tex­tes.
  87. La­can be­zieht sich auf sei­ne De­fi­ni­ti­on der Mo­dal­ka­te­go­rie der Not­wen­dig­keit: „das, was nicht auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den“, zu­erst in Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core (Sit­zung vom 13. Fe­bru­ar 1973; Ver­si­on Miller/Haas u.a. S. 68).
  88. In Se­mi­nar 23, Das Sin­t­hom (1975/76), wird La­can sa­gen: „Denn letzt­lich ha­ben wir als Waf­fe ge­gen das Sym­ptom nur dies: die Äqui­vo­ka­ti­on.“ (Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975; Ver­si­on Mil­ler, S. 6) 
  89. Vgl. La­cans Auf­satz L’instance de la lett­re dans l’inconscient ou la rai­son de­puis Freud (1957). In­s­tan­ce meint so­wohl „In­stanz“, als auch „Drän­gen“. Die deut­sche Über­set­zung hat den Ti­tel Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud, in: J. La­can: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 15–55, über­setzt von Nor­bert Haas.
    Ge­meint ist viel­leicht: ‚Da Ihre Kennt­nis­se über Stoi­zis­mus ge­ring sind, habe ich nicht, wie die Stoi­ker, vom Si­gni­fi­kan­ten ge­spro­chen, son­dern vom Buch­sta­ben.‘
  90. La­can ope­riert hier mit dem Ge­gen­satz von la lan­gue (bzw. lalan­gue) und lan­ga­ge, für bei­des gibt es im Deut­schen nur das Wort „Spra­che“.
    Das Par­ti­zip ani­mé ver­weist auf ani­ma, die See­le; die See­le wie­der­um ist für La­can ein Dop­pel­gän­ger des Kör­pers. Also ist viel­leicht ge­meint, dass die Lin­gu­is­ten glau­ben ma­chen, dass die Spra­che Sys­tem­cha­rak­ter hat.
  91. Das la­tei­ni­sche Wort for­ma ist eine der Über­set­zun­gen von Pla­tons ei­dos (Idee), be­zieht sich also auf die To­ta­li­tät.
    Lou­is Hjelms­lev (1899–1965), dä­ni­scher Lin­gu­ist.
  92. La­can be­zieht sich auf Jac­ques Der­ri­da: Gram­ma­to­lo­gie (1968). Über­setzt von Hans Jörg Rhein­ber­ger und Hanns Zisch­ler. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1983. Der­ri­da stützt sich, ohne es zu er­wäh­nen, stark auf La­cans Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung.
  93. Die Stel­le ist nicht ein­deu­tig. Das „son“ in „son jouir“ kann sich auf das Un­be­wuss­te, auf lalan­gue und auf lan­ga­ge be­zie­hen. Falls die letz­ten bei­den Be­zü­ge ge­meint sind, müss­te über­setzt wer­den mit „ge­gen ihr Ge­nie­ßen“.
  94. Auf­grund der In­ter­ven­ti­on der Spra­che ist dem Kör­per das Sich-Ge­nie­ßen nur vom Rea­len her mög­lich, nur durch den Be­zug auf eine Un­mög­lich­keit.
  95. Zwei Aus­sa­gen über das Rea­le: Das Rea­le „ex-sis­tiert“, um das Ge­nie­ßen des Kör­pers her­bei­zu­füh­ren; das Rea­le bleibt für den Kör­per un­durch­sich­tig (das Rea­le ist für La­can das, was nicht sym­bo­li­siert und nicht ima­gi­niert wer­den kann).
    Mit dem Ge­nie­ßen ei­nes „na­tür­li­chen“ Kör­pers könn­te bei­spiels­wei­se das Ge­nie­ßen ei­ner Kat­ze sein, über das La­can zu Be­ginn des Vor­trags ge­spro­chen hat­te.
  96. Lalan­gue „zi­vi­li­siert“ das Ge­nie­ßen – mit die­ser For­mu­lie­rung spielt La­can auf Freuds Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur an, des­sen fran­zö­si­sche Ti­tel Ma­lai­se dans la ci­vi­li­sa­ti­on lau­tet; man könn­te also auch so über­set­zen, dass Lalan­gue das Ge­nie­ßen „kul­ti­viert“.
    In Freud­scher Be­griff­lich­keit be­steht die Zi­vi­li­sie­rung bzw. Kul­ti­vie­rung des Ge­nie­ßens in dem durch die Kul­tur her­bei­ge­führ­ten „Trieb­ver­zicht“, in der „‚Kul­tur­ver­sa­gung‘“ (S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 227).
    In La­cans Re­kon­struk­ti­on be­steht der Trieb­ver­zicht, die Kul­tur­ver­sa­gung, also pri­mär in der Ein­schrän­kung des Ge­nie­ßens durch Lalan­gue. Dies ist ge­wis­ser­ma­ßen die töd­li­che Sei­te von Lalan­gue – jede lalan­gue ist eine lan­gue mor­te, eine tote Spra­che, wie La­can spä­ter in die­sem Vor­trag sa­gen wird.
    Die Kör­per­split­ter sind die ver­schie­de­nen Ob­jek­te klein a: Brust, Kot, Blick, Stim­me.
    Lalan­gue er­zeugt also die ver­schie­de­nen ver­lo­re­nen Ob­jek­te.
    Von die­sen Ob­jek­ten gibt es kei­ne „Idee“, das heißt ver­mut­lich: sie sind auf der Ebe­ne des Sinns (der frei­en As­so­zia­ti­on) nicht zu­gäng­lich; durch Lalan­gue ist das Un­be­wuss­te mit ih­nen je­doch ver­bun­den.
  97. Ich än­de­re das „en cela“ der Vor­la­ge zu „en cel­le-là“.
  98. Un­ter „Kon­sis­tenz“ ver­steht La­can den As­pekt ei­nes Fa­den­rings, dass er in sich ge­schlos­sen ist, also nicht ein­fach aus ei­nem of­fe­nen Fa­den be­steht; die­ser Be­griff wird von La­can aus­führ­lich in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, ent­wi­ckelt wer­den.
    Ein To­rus ist ein Ge­bil­de, das die Ge­stalt ei­nes Rin­ges oder Rei­fens hat.
  99. Zwei The­sen:
    (1) Das Ob­jekt a ist am Platz ei­ner be­stimm­ten Form des Ge­nie­ßens, der Mehr­lust.
    Den Be­griff der Mehr­lust hat­te La­can in Se­mi­nar 16 von 1968/69 ein­ge­führt, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, in der Sit­zung vom 13. No­vem­ber 1968; eine Über­set­zung die­ser Sit­zung fin­det man in die­sem Blog hier.
    (2) Das Ob­jekt a ist die Be­din­gung für je­des Ge­nie­ßen, das heißt ver­mut­lich: so­wohl für das phal­li­sche Ge­nie­ßen als auch für das Ge­nie­ßen des An­de­ren. In der zwei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens wird dies durch die zen­tral Po­si­ti­on von a dar­ge­stellt; das phal­li­sche Ge­nie­ßen und das Ge­nie­ßen des An­de­ren gren­zen hier­an an. 
  100. La­can be­zieht hier drei Ar­ten des Ge­nie­ßens auf­ein­an­der: das Kör­per­ge­nie­ßen (re­gu­liert durch das Kör­per­bild), das phal­li­sche Ge­nie­ßen (das durch die Spra­che struk­tu­rier­te se­xu­el­le Ge­nie­ßen) und, auf dem Weg über das Ob­jekt klein a, die Mehr­lust.
  101. La­can ver­spricht sich und sagt „Ma­shi­mi“; ge­meint ist Mishi­ma Yu­kio (1925–1970), ein ja­pa­ni­scher Schrift­stel­ler.
  102. Of­fen­bar geht es jetzt um das „phal­li­sche Ge­nie­ßen“.
    Der Be­zugs­text ist mög­li­cher­wei­se Mishi­mas au­to­bio­gra­phi­scher Ro­man Ge­ständ­nis ei­ner Mas­ke (1949). dt.: Ro­wohlt, Rein­bek 1985, über­setzt aus dem Eng­li­schen von Hel­mut Hilz­hei­mer.
  103. Ça crè­ve l’écran, wört­lich „das bringt den (Bild-)Schirm zum Plat­zen“, nor­ma­ler­wei­se im Sin­ne von „wie real ge­gen­wär­tig sein“. Hier of­fen­bar im Sinn von: Das phal­li­sche Ge­nie­ßen kann nicht an das vom Kör­per­bild re­gu­lier­te Ge­nie­ßen des Kör­pers as­si­mi­liert wer­den, es ist dem Ge­nie­ßen des Kör­pers äu­ßer­lich.
  104. Ver­mut­lich ist ge­meint: weil es nicht durch die Be­zie­hung zum Kör­per­bild re­gu­liert wird. In Se­mi­nar 21, Les non-du­pes er­rent, hat­te La­can das so for­mu­liert: Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist im Ver­hält­nis zum Ge­nie­ßen des Kör­pers pa­ra­si­tär (Sit­zung vom 11. Juni 1974). 
  105. An­spie­lung auf La­cans Kon­zep­ti­on des Spie­gel­sta­di­ums, das auf das Jahr 1936 zu­rück­geht. Das Kör­per­bild in­ter­ve­niert in die Öko­no­mie des Ge­nie­ßens, in die Er­re­gungs­ab­läu­fe.
  106. Lou­is Bolk (1866–1930), nie­der­län­di­scher Me­di­zi­ner, Be­grün­der der Theo­rie von der Früh­zei­tig­keit der Ge­burt beim Men­schen.
  107. Un­ter dem Sein ver­steht La­can häu­fig das Ver­hält­nis des Sub­jekts zur Spra­che.
  108. Das, was noch mehr ge­liebt wird als das Bild, könn­te das Ob­jekt a sein.
  109. An­spie­lung auf eine For­mu­lie­rung in so­ge­nann­ten Berg­pre­digt des Neu­en Tes­ta­ments. Je­sus sagt hier: „Und war­um sor­get ihr für die Klei­dung? Schaut die Li­li­en auf dem Fel­de, wie sie wach­sen: sie ar­bei­ten nicht, auch spin­nen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Sa­lo­mo in al­ler sei­ner Herr­lich­keit nicht be­klei­det ge­we­sen ist wie der­sel­ben eins. So denn Gott das Gras auf dem Fel­de also klei­det, das doch heu­te steht und mor­gen in den Ofen ge­wor­fen wird: soll­te er das nicht viel mehr euch tun, o ihr Kleingläubigen?“(Matthäus 6, 28–30, Lu­ther-Über­set­zung von 1912) Ähn­lich Lu­kas 12, 27. Die Über­set­zung mit „sie we­ben nicht“ statt mit „sie ar­bei­ten nicht“ ist ver­brei­tet, die ge­naue Quel­le für die­se Ver­si­on habe ich nicht ge­fun­den.
  110. Ge­meint ist ver­mut­lich An­dré Mar­ti­net und des­sen The­se von der dop­pel­ten Ar­ti­ku­la­ti­on der der Spra­che, der Ar­ti­ku­la­ti­on auf der Ebe­ne der Pho­neme und der Ar­ti­ku­la­ti­on auf der Ebe­ne der Wör­ter (un­ge­nau ge­spro­chen, ge­nau­er: auf der Ebe­ne der Mor­phe­me oder, wie Mar­ti­net sie nennt, der Mo­neme). Vgl. hier­zu La­cans Kom­men­tar in Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar 1971, in die­sem Blog hier.
  111. Als theo­lo­gi­sche Tu­gen­den gel­ten in der ka­tho­li­schen Mo­ral­theo­lo­gie Glau­be, Lie­be und Hoff­nung. Vgl. 1. Ko­rin­ther­brief, 13,13.
  112. Die Kant’schen Fra­gen (aus des­sen Lo­gik von 1806) wur­den La­can von J.-A. Mil­ler in Te­le­vi­si­on ge­stellt; Fra­ge VI, a.a.O., S. 85–93.
  113. Vgl. R. Tostain: Re­ady-made et ob­jet pe­tit a. In: Lettres de l’Ecole freu­dien­ne, 1975, Nr. 16, S. 69–78.
  114. Ich über­neh­me die­se Tran­skrip­ti­on, die auf das Rea­le, das Sym­bo­li­sche und das Ima­gi­nä­re an­spielt, aus der Ver­si­on der Lettres de l’École freu­dien­ne von 1975; Ver­si­on Valas hat hier ρ, ς, τ, rho, sig­ma, tau.
  115. Das Ele­ment von Lalan­gue ist also der Buch­sta­be.
    Ab Se­mi­nar 18, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre (Sit­zung vom 12. Mai 1971, Litu­ra­terre), un­ter­schei­det La­can den Si­gni­fi­kan­ten vom Buch­sta­ben. Der Buch­sta­be, heißt es hier, ge­hört nicht zur Ord­nung des Sym­bo­li­schen, son­dern des Rea­len, er ist nicht mit Sinn ver­bun­den, son­dern mit Ge­nie­ßen.
  116. Das be­zieht sich ver­mut­lich auf das Rede-Ma­nu­skript.
  117. Hier­bei ver­weist La­can ver­mut­lich auf die Dar­stel­lung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens auf ei­nem Flip­chart.
  118. Un­ter „Kon­sis­ten­zen“ ver­steht La­can hier die drei Kom­po­nen­ten des Kno­tens; sie müs­sen nicht to­risch sein meint: sie müs­sen kei­ne Rin­ge sein.
  119. Zwei­te Zei­le von Rim­bauds Ge­dicht Le ba­teau ivre (1871, Das trun­ke­ne Schiff), Über­set­zung von Paul Ce­lan.
    La­can än­dert Rim­bauds „gui­dé“ (ge­führt) zu „tiré“ (ge­zo­gen).
    Mit dem Zi­tat spielt er dar­auf an, dass für das Trei­deln von Schif­fen Sei­le nö­tig sind.
  120. Kof­fer­wort aus Rim­beau und ba­teau (Schiff).
  121. An­spie­lung dar­auf, dass Rim­baud 1874 mit dem Dich­ten auf­hör­te, so­wie dar­auf, dass er 1880 als An­ge­stell­ter ei­nes Han­dels­un­ter­neh­mens nach Aden im Je­men ging und von dort aus Ex­pe­di­tio­nen ins In­ne­re von Äthio­pi­en un­ter­nahm, wor­über ei­nen Be­richt für eine geo­gra­phi­sche Fach­zeit­schrift ver­fass­te.
  122. Eu­klid leb­te wahr­schein­lich in Alex­an­dria in Ägyp­ten; die ägyp­ti­sche Geo­me­trie gilt als Grund­la­ge der grie­chi­schen Geo­me­trie.
  123. An­spie­lung auf die Wen­dung perd­re le fil, „den Fa­den ver­lie­ren“.
  124. Vgl. S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 191–270.
  125. Se­mi­nar 10 von 1962/63, Die Angst.
  126. JΦ“(großes J, gro­ßes grie­chi­sches Phi) meint jouis­sance phal­li­que, „phal­li­sches Ge­nie­ßen“.
    Als „Plät­tung“ be­zeich­net La­can die Pro­jek­ti­on des drei­di­men­sio­na­len Kno­tens in die Flä­che.
  127. Um es fest­zu­hal­ten:
    (1) Das Sym­bo­li­sche wird teil­wei­se durch Lalan­gue ge­stützt. (Das Sym­bo­li­sche geht über Lalan­gue hin­aus.)
    (2) Lalan­gue schreibt ein Wis­sen ein (in was?), und die­ses von Lalan­gue ein­ge­schrie­be­ne Wis­sen bil­det das Un­be­wuss­te im ei­gent­li­chen Sin­ne. (Das Un­be­wuss­te ist ein Wis­sen, wie es seit Se­mi­nar 12 heißt, aber es ist – so heißt es jetzt – kein Wis­sen der Spra­che im Sin­ne von langan­ge, son­dern ein Wis­sen der Spra­che im Sin­ne von Lalan­gue.)
    (3) Das Lalan­gue-Wis­sen steht in ei­ner Be­zie­hung zum Sym­ptom.
    (4) Zum Sym­bo­li­schen ge­hört das Ur­ver­dräng­te, d.h. der­je­ni­ge Teil des Un­be­wuss­ten, der nie­mals ge­deu­tet wer­den kann.
  128. Tat­säch­lich gibt es in­zwi­schen an­ge­wand­te Kno­ten­theo­rie un­ter an­de­rem im Be­reich DNA; sie­he etwa die­sen Ar­ti­kel über DNA and knot theo­ry.
  129. Der Ge­ni­tiv in „Ge­nie­ßen des An­de­ren“ ist ein Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus, er­läu­tert La­can in Se­mi­nar 22 (Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1975). Die Rede vom Ge­nie­ßen des An­de­ren be­zieht sich also dar­auf, den An­de­ren zu ge­nie­ßen, nicht dar­auf, dass der An­de­re ge­nießt. Die Be­le­ge fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel.
    Was hat man un­ter dem Ge­nie­ßen des An­de­ren (Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus) zu ver­ste­hen? In Se­mi­nar 22, RSI , heißt es: Das Ge­nie­ßen des An­de­ren ist das Ge­nie­ßen des Kör­pers des an­de­ren Ge­schlechts (Sit­zung vom 17. De­zem­ber 1974).
    Für den Mann be­steht das Ge­nie­ßen des An­de­ren dar­in, dass er den Kör­per der un­ter­stell­ten Frau ge­nießt, für eine Frau dar­in, dass sie den Kör­per des Man­nes ge­nießt.
    „Die“ Frau exis­tiert nicht: Es gibt nur Frau­en, aber nicht „alle Frau­en“ (es gibt kein We­sen der Frau, kei­ne Weib­lich­keit). Bei den Män­nern ist es an­ders: es gibt „den“ Mann, als Ef­fekt des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes und der Funk­ti­on des my­thi­schen Va­ters als Aus­nah­me-Ele­ment, das eine Ganz­heit stif­tet. Die­se The­se wird in den Se­mi­na­ren 18 bis 20 breit ent­wi­ckelt.
  130. Das Ge­nie­ßen des An­de­ren ist un­mög­lich – wenn man die For­mel „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“ hin­zu­zieht, er­gibt sich: Das Ge­nie­ßen des An­de­ren ist real. Das Rea­le des Ge­nie­ßens be­steht also dar­in, dass es un­mög­lich ist, den Kör­per des an­de­ren Ge­schlechts zu ge­nie­ßen.
  131. La­can un­ter­schei­det das Eine im Sin­ne der To­ta­li­tät oder Ganz­heit vom Ei­nen im Sin­ne des ab­zähl­ba­ren Ele­ments ei­ner Men­ge.
  132. Mit dem, was sich ab­ge­löst hat, ist mög­li­cher­wei­se der Buch­sta­be ge­meint.
  133. Mit „Stre­ben“ be­zieht La­can sich ver­mut­lich auf die aris­to­te­li­sche Theo­rie der na­tür­li­chen Be­we­gung, wo­nach ein Kör­per da­nach strebt, sei­nen na­tür­li­chen Ort ein­zu­neh­men, und dies ab­hän­gig von sei­nem Ele­ment: ein Stein strebt nach un­ten, Feu­er strebt nach oben usw.

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