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Wissen, S2: das Unbewusste — 6 Kommentare

  1. Lie­ber Rolf,
    Dan­ke! Ja, ich weiß, dass La­can auch von Pa­ti­ent spricht, wir ha­ben an­läss­lich der Über­set­zung von Ana­ly­sant dar­über dis­ku­tiert. In­so­fern möch­te ich dich fra­gen, ob es dir im Sin­ne die­ses Aus­tauschs mög­lich wäre, La­cans Hin­weis dar­auf, „dass der Aus­druck „pa­ti­ent“ un­an­ge­mes­sen ist“, zu Kennt­nis und Wei­ter­den­ken zu bringen?
    Mit herz­li­chem Gruß
    Eckhard

      • Lie­ber Rolf,
        Dan­ke für die Ver­knüp­fung von Kom­men­tar und Ar­ti­kel. Mein zwei­ter Kom­men­tar hat­te aber noch ei­nen wei­te­ren Aspekt.
        Du ant­wor­te­test mir: „…In Se­mi­nar 19 heißt es bei­spiels­wei­se: … „Wir sind Brü­der un­se­res Pa­ti­en­ten, in­so­fern wir, wie er, die Söh­ne des Dis­kur­ses sind.“ (… S. 235)
        Ein paar Sät­ze spä­ter weist La­can dar­auf hin, dass der Aus­druck „pa­ti­ent“ un­an­ge­mes­sen ist, das hin­dert ihn je­doch nicht dar­an, ihn zu verwenden.“
        Des­halb frag­te ich Dich, ob du das, was La­can im Se­mi­nar 19 zur Un­an­ge­mes­sen­heit des Aus­druck Pa­ti­ent ein paar Sät­ze spä­ter sagt, nicht auch noch über­set­zen und in den Kom­men­tar oder Ar­ti­kel ein­fü­gen oder an­hän­gen könntest?
        Mich wür­de dies eben­so sehr in­ter­es­sie­ren, wie ich „Brü­der un­se­res Pa­ti­en­ten…, wie er, die Söh­ne des Dis­kur­ses“ er­staun­lich und be­den­kens­wert finde.
        Mit herz­li­chem Gruß
        Eckhard

      • Ce qui naît d’une ana­ly­se naît au ni­veau du su­jet, du su­jet qui par­le, de l’analysant au mo­y­en – l’homme pen­se, di­sait Aris­to­te, avec son âme – de cet­te mer­de qui lui pro­po­se l’objet a en la fi­gu­re de son ana­lys­te. C’est avec cela que cet­te cho­se fen­due doit naît­re, qui n’est rien d’autre en fin de comp­te – pour re­prend­re quel­que cho­se qui vous a été avan­cé l’autre jour à pro­pos de Peirce – que le fléau dont une ba­lan­ce peut s’établir, et qui s’apelle jus­ti­ce. Not­re frè­re trans­fi­gu­ré, ce cela qui naît de la con­ju­ra­ti­on ana­ly­tique, et c’est ce qui nous lie à ce­lui qu’on ap­pel­le im­pro­pre­ment not­re petient.“

        Was durch eine Ana­ly­se ent­steht, das ent­steht auf der Ebe­ne des Sub­jekts, des Sub­jekts, das spricht, des Ana­ly­san­ten, ver­mit­tels – der Mensch denkt mit sei­ner See­le, sag­te Aris­to­te­les – ver­mit­tels die­ser Schei­ße, durch die ihm das Ob­jekt a in Ge­stalt sei­nes Ana­ly­ti­kers an­ge­bo­ten wird. Da­mit muss die­se ge­spal­te­ne Sa­che ent­ste­hen, die letzt­lich nichts an­de­res ist – um et­was auf­zu­neh­men, was Ih­nen neu­lich in Be­zug auf Peirce vor­ge­tra­gen wur­de –, als die Gei­ßel, von der her sich ein Gleich­ge­wicht her­stel­len kann, das Ge­rech­tig­keit heißt. Un­ser ver­klär­ter Bru­der, das ist das, was aus der ana­ly­ti­schen Ver­schwö­rung her­vor­geht, und das ist das, was uns mit dem ver­bin­det, den man un­an­ge­mes­sen un­se­ren Pa­ti­en­ten nennt.“ (Se­mi­nar 19, Ver­si­on Mil­ler, S. 235)

  2. Lie­ber Rolf,
    ei­nen gro­ßen Dank für die­se au­ßer­or­dent­lich klä­ren­de und hilf­rei­che Arbeit!
    Zu dem fol­gen­den Pas­sus zwei Anmerkungen:
    „Es muss [in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Pra­xis] dar­um ge­hen, durch­zu­ar­bei­ten, es dem­je­ni­gen, den ich den Ana­ly­sie­ren­den (l‘analysant) nen­ne, zu er­mög­li­chen, die­ses Wis­sen durch­zu­ar­bei­ten, die­ses un­be­wuss­te Wis­sen, das in ihm wie ein Ge­schwür ist – nicht wie eine Tie­fe, son­dern wie ein Geschwür.
    .…“26

    Eine Psy­cho­ana­ly­se er­mög­licht es dem „Ana­ly­sie­ren­den“, wie La­can sagt, also dem Pa­ti­en­ten, das un­be­wuss­te Wis­sen durchzuarbeiten.

    Die­ses un­be­wuss­te Wis­sen ist kei­ne Tie­fe – die Psy­cho­ana­ly­se ist kei­ne „Tie­fen­psy­cho­lo­gie“ –, son­dern eine Art Geschwür.

    Eine Psy­cho­ana­ly­se er­mög­licht es dem „Ana­ly­sie­ren­den“, wie La­can sagt (l’analysant), also dem Pa­ti­en­ten, das un­be­wuss­te Wis­sen durchzuarbeiten.43
    -
    Was ver­an­lasst dich „also dem Pa­ti­en­ten“, im Text nicht be­nannt, hin­zu­zu­fü­gen und in die­sen hin­ein­zu­tra­gen? Der Ana­ly­sie­ren­de – die­se For­mu­lie­rung wählt La­can nicht zu­fäl­lig – ist doch hin­rei­chend klar. Sind das nicht – hier und heu­te – zwei eher un­ter­schied­li­che Wei­sen dem „un­be­wuss­ten Wis­sen“, dem „Ge­schwür“ ge­gen­über? Pa­ti­en­ten be­ge­ben sich in ärzt­li­che Be­hand­lung, in Psy­cho­the­ra­pie und Tie­fen­psy­cho­lo­gie. Die Pas­sa­ge zu Ana­ly­sie­ren­den und die Chan­ce zur Lö­sung des Wie­der­ho­lungs­zwang wäre Ih­nen zu wünschen.

    Wäre fol­gen­der Satz nicht prä­zi­ser und prä­gnan­ter so? „Die­ses un­be­wuss­te Wis­sen (, das in dem Ana­ly­sie­ren­den wie ein Ge­schwür ist) ist kei­ne Tie­fe – die Psy­cho­ana­ly­se ist kei­ne „Tie­fen­psy­cho­lo­gie“ –, son­dern eine Art Geschwür.“

    Mit ei­nem herz­li­chen Gruß
    Eck­hard Bär
    (…)

    • Lie­ber Eckhard, 

      dan­ke für dei­nen Einwand!

      War­um er­läu­te­re ich La­cans „l’analysant“ in die­sem Ar­ti­kel durch „Pa­ti­ent“? Weil ich La­can ver­ständ­lich ma­chen möch­te, und dazu muss ich zwi­schen ver­schie­de­nen Ter­mi­no­lo­gi­en hin und her wech­seln – was oft schrammt. Die Stel­le, auf die du dich be­ziehst, fin­de ich nicht so ein­deu­tig wie du. 

      Dein Kom­men­tar hat mich dazu an­ge­regt, La­can auf die­ses Pro­blem hin durch­zu­se­hen. Den Aus­druck „ana­ly­sant“ statt „pa­ti­ent“ führt er ja 1967 ein (im „Vor­schlag vom 9. Ok­to­ber 1967 über die Psy­cho­ana­ly­ti­ker der Schu­le“). Da­vor fin­det man „pa­ti­ent“ bei ihm häu­fig. Und danach?

      Da­nach ver­zich­tet er kei­nes­wegs auf „pa­ti­ent“, er ver­wen­det den Aus­druck ne­ben „ana­ly­sant“ wei­ter. In Se­mi­nar 19 (… oder schlim­mer, 1971/72) sagt er etwa: „wie sich eine mei­ner Pa­ti­en­tin­nen aus­drück­te“ (15. De­zem­ber 1971, Ver­si­on Mil­ler S. 36). 

      Für ei­ni­ge der Se­mi­na­re nach 1967 habe ich die Ver­wen­dung ausgezählt:
      10 Mal fin­det man „pa­ti­ent“ in Se­mi­nar 16 (1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum anderen),
      5 Mal in Se­mi­nar 17 (1969/70, Die Kehr­sei­te der Psychoanalyse),
      2 Mal in Se­mi­nar 18 (1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre),
      6 Mal in Se­mi­nar 19. 

      In Se­mi­nar 19 heißt es bei­spiels­wei­se: „Nous som­mes frè­res de not­re pa­ti­ent en tant que com­me lui, nous som­mes les fils du dis­cours.“ „Wir sind Brü­der un­se­res Pa­ti­en­ten, in­so­fern wir, wie er, die Söh­ne des Dis­kur­ses sind.“ (21. Juni 1972, Ver­si­on Mil­ler, S. 235)
      Ein paar Sät­ze spä­ter weist La­can dar­auf hin, dass der Aus­druck „pa­ti­ent“ un­an­ge­mes­sen ist, das hin­dert ihn je­doch nicht dar­an, ihn zu verwenden. 

      Herz­lich grüßt dich:
      Rolf

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