Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 1. Sitzung (13. Januar 1971), Übersetzung und Erläuterung

Masac­cio, Die Ver­trei­bung aus dem Pa­ra­dies
1426–1428, Fres­ko, 208 x 88 cm, Bran­cac­ci-Ka­pel­le, Flo­renz

Jac­ques La­can:
Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
1. Sit­zung, 13. Ja­nu­ar 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge der Ver­si­on Sta­fer­la, der Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

Zwei­te Fas­sung vom 13. Mai 2016 mit Pa­ra­phra­se, er­läu­tern­den Er­gän­zun­gen und Fra­gen so­wie ei­ner Über­ar­bei­tung der Über­set­zung (die ers­te Fas­sung vom 20. März 2016 ent­hielt nur eine Über­set­zung)

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­te I, „In­tro­duc­tion au tit­re de ce sé­min­aire“ („Ein­füh­rung in den Ti­tel die­ses Se­mi­nars“), S. 9–21.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und in­halt­li­che Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für ge­dul­di­ge Hil­fe beim Über­set­zen!

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Valas, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Die chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen wur­den aus der Sta­fer­la-Ver­si­on über­nom­men, die Tran­skrip­ti­on die­ser Schrift­zei­chen aus Mil­lers Aus­ga­be.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿ Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung ¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z..B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Titel des Seminars

D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant

La­can zu­fol­ge ist mit „du sem­blant“ so­wohl der Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus als auch der Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus ge­meint.2

Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht über den Schein wäre“, im Sin­ne von „der kei­nen Schein pro­du­zie­ren wür­de“

Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus: „Über ei­nen Dis­kurs, des­sen Ur­he­ber nicht der Schein wäre“.

Die hier ge­wähl­te Über­set­zung „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ hat bei­de Be­deu­tun­gen.

Sitzung vom 13. Januar 1971

Tonaufnahme

.

Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 1. Sit­zung (13. Ja­nu­ar 1971)

.

Deutsch

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

[9] An der Ta­fel

Über ei­nen Dis­kurs,
der nicht vom Schein wäre (D’un dis­cours, qui ne se­rait pas du sem­blent)

Über ei­nen Dis­kurs – es ist nicht mei­ner, um den es geht.

Ich den­ke, ich habe Sie letz­tes Jahr hin­rei­chend spü­ren las­sen, was man un­ter die­sem Aus­druck „Dis­kurs“ ver­ste­hen soll. Ich er­in­ne­re an den Dis­kurs des Herrn und an die­se vier – sa­gen wir – Po­si­tio­nen und die Ver­schie­bun­gen die­ser Ter­mi­ni, be­zo­gen auf eine Struk­tur, die dar­auf re­du­ziert ist, te­tra­edisch zu sein.

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleinerIch habe es den­je­ni­gen, die sich da­mit be­fas­sen möch­ten, über­las­sen, ge­nau­er aus­zu­ar­bei­ten, wo­durch ge­recht­fer­tigt ist, dass ich die­se Gleit­be­we­gun­gen, die mehr di­ver­si­fi­ziert hät­ten sein kön­nen, auf vier re­du­ziert habe. Zum Vor­rang die­ser vier, falls nie­mand sich da­mit be­schäf­tigt, wer­de ich Ih­nen in die­sem Jahr viel­leicht ne­ben­bei ei­nen Hin­weis ge­ben.

Ich habe die­se Be­zü­ge nur im Hin­blick auf das ge­wählt, was mein Ziel war, und was durch die­sen Ti­tel aus­ge­drückt wur­de, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se. Der Dis­kurs des Herrn ist nicht die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se ist dort, wo sich, so möch­te ich sa­gen, die ei­ge­ne Ver­win­dung des Dis­kur­ses der Psy­cho­ana­ly­se zeigt, das, was dazu führt, dass die­ser Dis­kurs die Fra­ge nach ei­ner „Vor­der­sei­te“ und ei­ner „Rück­sei­te“ auf­wirft, denn Sie ken­nen ja das Ge­wicht des Be­to­nung, die in der Theo­rie, seit Freud sie in die Welt ge­setzt hat, das Ge­wicht der Be­to­nung, die auf die zwei­fa­che Nie­der­schrift ge­legt wird. Was ich Sie spü­ren las­sen woll­te, war die Mög­lich­keit ei­ner zwei­fa­chen Nie­der­schrift, auf der Vor­der­sei­te und auf der Rück­sei­te, ohne dass da­bei ein Rand über­schrit­ten wer­den muss. Das ist die seit lan­gem wohl­be­kann­te Struk­tur des so­ge­nann­ten Mö­bi­us­ban­des, von der ich ein­fach nur Ge­brauch ma­chen muss­te.

[10] Mit die­sen Plät­zen und die­sen Ele­men­ten wird be­zeich­net, dass das, was im ei­gent­li­chen Sin­ne Dis­kurs ist, auf kei­ne Wei­se sei­nen Be­zug von ei­nem Sub­jekt her neh­men kann, ob­wohl er es de­ter­mi­niert.

Da ist si­cher­lich die Mehr­deu­tig­keit des­sen, wo­mit ich das ein­ge­führt habe, was ich glaub­te, im In­ne­ren des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses ver­ständ­lich ma­chen zu müs­sen. Er­in­nern Sie sich an mei­ne Ter­mi­ni zu der Zeit, als ich ei­nem be­stimm­ten Be­richt die­sen Ti­tel ge­ge­ben habe: Über Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se? „In­ter­sub­jek­ti­vi­tät“ habe ich da­mals ge­schrie­ben, und Gott weiß, zu welch fal­scher Spur das Äu­ßern sol­cher Ter­mi­ni An­lass ge­ben kann. Man möge mir nach­se­hen, dass ich sie, die­se Spu­ren, zu­erst habe ma­chen müs­sen – nur durch das Miss­ver­ständ­nis konn­te ich vor­wärts­ge­hen. „In­ter“, ge­wiss, das ist das, was erst die Fol­ge mir er­laubt hat, über eine In­ter-Si­gni­fi­kanz zu äu­ßern, „Sub­jek­ti­vi­tät“, von de­ren Er­geb­nis her, wo­bei der Si­gni­fi­kant das ist, wo­durch ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird, für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten, wo das Sub­jekt nicht ist. In­so­fern es dort, wo es re­prä­sen­tiert ist, ab­we­send ist, es aber gleich­wohl re­prä­sen­tiert ist, fin­det es sich auf die­se Wei­se ge­spal­ten.

Der „Dis­kurs“, es geht nicht nur dar­um, dass er von da an nicht mehr an­ders als im Lich­te sei­ner un­be­wuss­ten Trieb­fe­der be­ur­teilt wer­den kann, son­dern dar­um, dass er nicht mehr an­ders aus­ge­sagt wer­den kann denn als das, was von ei­ner Struk­tur her ar­ti­ku­liert ist, in der er ir­gend­wo auf ir­re­du­zi­ble Wei­se ent­frem­det ist. Von da­her mei­ne ein­lei­ten­de Be­mer­kung über den Dis­kurs: „Über ei­nen Dis­kurs“, ich hal­te inne, „es ist nicht mei­ner“. Von die­ser Be­mer­kung, über den Dis­kurs als et­was, das als sol­ches nicht Dis­kurs ei­ner be­stimm­ten Per­son sein kann, son­dern durch eine Struk­tur ge­grün­det ist, und von der Be­to­nung, den er durch die Auf­tei­lung und das Glei­ten be­stimm­ter sei­ner Ter­mi­ni er­hält, von da gehe ich in die­sem Jahr aus, be­zo­gen auf das, was den Ti­tel hat: Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

Die­je­ni­gen, die im letz­ten Jahr die­sen Aus­füh­run­gen, die hier vor­aus­ge­setzt sind, nicht fol­gen konn­ten, wei­se ich dar­auf hin, dass das Er­schei­nen von Sci­li­cet 2/3, das be­reits mehr als ei­nen Mo­nat zu­rück­liegt, ih­nen die haupt­säch­li­chen Be­zü­ge lie­fern wird. Sci­liet 2/3, da es eine Schrift ist, ist das ein Er­eig­nis, wenn nicht eine An­kunft, des Dis­kur­ses. Zu­nächst in­so­fern, als der­je­ni­ge <Dis­kurs>, des­sen In­stru­ment ich bin, ohne dass man um­ge­hen könn­te, dass hier­für ihr Druck (pres­se) nö­tig ist, an­ders ge­sagt, dass sie da sind, und zwar ge­nau un­ter dem As­pekt, aus dem et­was Ein­zig­ar­ti­ges uns den Druck macht. Si­cher­lich, mit, sa­gen wir, den Fol­gen un­se­rer Ge­schich­te ist das et­was, was sich spü­ren lässt, | [11] et­was, wo­durch die Fra­ge er­neu­ert wird, was mit dem Dis­kurs sein mag, in­so­fern er der Dis­kurs des Herrn ist. Das et­was, was nichts tun kann als <die Dis­kur­se> zu ver­bin­den, et­was, wo­bei man sich fragt, wie man es nen­nen soll – sei­en wir nicht zu schnell da­mit, dass wir uns des Wor­tes „Re­vo­lu­ti­on“ be­die­nen. Aber es ist klar, dass man das, was es da­mit auf sich hat, von dem un­ter­schei­den muss, was es mir ins­ge­samt er­mög­licht, mei­ne Äu­ße­rung die­ser For­mel fort­zu­set­zen: Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

Zwei Merk­ma­le sind hier in die­sem Heft von Sci­li­cet fest­zu­hal­ten.

Näm­lich dass ich mei­nen Dis­kurs vom letz­ten Jahr auf die Pro­be stel­le, im Gro­ßen und Gan­zen – bis auf et­was, was hin­zu­kommt –, in ei­ner Kon­fi­gu­ra­ti­on, die eben ge­nau durch die Ab­we­sen­heit des­sen cha­rak­te­ri­siert ist, was ich die­sen Druck (pres­se) Ih­rer Prä­senz ge­nannt habe. Und um hier die vol­le Be­to­nung dar­auf zu le­gen, wer­de ich es in die­sen Ter­mi­ni sa­gen: Das, was die­se Prä­senz be­deu­tet, wer­de ich als ge­press­te Mehr­lust (plus-de-jouir pres­sé) be­zeich­nen.

Denn ge­nau von die­ser Fi­gur aus kann be­ur­teilt wer­den, wenn sie über ein Un­be­ha­gen, wie man sagt, hin­aus­geht, be­zo­gen auf ein Zu­viel an Schein­haf­tig­keit (sem­blan­ce) in dem Dis­kurs, in den sie ein­ge­schrie­ben sind, den Uni­ver­si­täts­dis­kurs, die­je­ni­ge, die leicht zu kri­ti­sie­ren ist, be­zo­gen auf eine Neu­tra­li­tät bei­spiels­wei­se, die zu stüt­zen die­ser Dis­kurs kei­nes­wegs vor­ge­ben kann, be­zo­gen auf eine Se­lek­ti­on durch Kon­kur­renz, wäh­rend es doch nur um Zei­chen geht, die sich an die­je­ni­gen wen­den, die be­reits Be­scheid wis­sen, be­zo­gen auf eine Bil­dung des Sub­jekts, wo es doch um et­was ganz an­de­res geht. Wenn man über die­ses Un­be­ha­gen am Schein hin­aus­zu­ge­hen will, da­mit et­was er­hofft, das es er­mög­licht, da her­aus­zu­kom­men, so ist dies nur da­durch mög­lich, dass man an­nimmt, dass ein be­stimm­ter Mo­dus, ein be­stimm­ter Mo­dus der Stren­ge im Vor­brin­gen ei­nes Dis­kur­ses nicht das spal­tet, in do­mi­nan­ter Po­si­ti­on in die­sem Dis­kurs, was es mit der Aus­le­se die­ser Kü­gel­chen an Mehr­lust auf sich hat, in de­ren Na­men Sie vom Uni­ver­si­täts­dis­kurs er­fasst wer­den.

Eben dies, dass je­mand, aus­ge­hend vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs, sich für Ih­ren Blick in die Po­si­ti­on des Ana­ly­san­ten bringt – das ist nicht neu, ich habe es be­reits ge­sagt, aber nie­mand hat dem Be­ach­tung ge­schenkt –, das ist es, was die Ori­gi­na­li­tät die­ses Un­ter­richts aus­macht. Und das, was das Mo­tiv für das lie­fert, was Sie zu ihm mit ih­rem „Druck“ bei­steu­ern, das ist es, was ich, als ich im Ra­dio sprach, der Pro­be der Sub­trak­ti­on eben die­ser Prä­senz aus­ge­setzt habe, die­ser Raum, in dem Sie sich drän­gen, an­nul­liert und er­setzt durch das rei­ne „es exis­tiert“ die­ser In­ter-Si­gni­fi­kanz, von der ich eben ge­spro­chen habe, da­mit das Sub­jekt hier ins Wan­ken ge­rät. Es ist ein­fach eine Wei­chen­stel­lung in Rich­tung auf et­was, des­sen mög­li­che Reich­wei­te die Zu­kunft zei­gen wird.

Es gibt noch ein wei­te­res Merk­mal des­sen, was ich die­ses Er­eig­nis, die­se An­kunft des Dis­kur­ses ge­nannt habe, und das ist die­se ge­druck­te Sa­che, die Sci­li­cet heißt, das ist – wie eine be­stimm­te An­zahl be­reits weiß –, dass man hier schreibt, ohne zu un­ter­zeich­nen. Was ist da­mit | [12] ge­meint? Dass je­der die­ser Na­men, die man in ei­ner Spal­te auf der letz­ten Sei­te die­ser drei Hef­te fin­det, die ein Jahr bil­den, dass je­der mit je­dem an­de­ren per­mu­tiert wer­den kann, wo­durch be­kräf­tigt wird, dass kein Dis­kurs der ei­nes Au­tors sein kann. Da spricht es, im an­de­ren Fall ist es die Wei­che, da wird die Zu­kunft zei­gen, ob dies die For­mel ist, die in, sa­gen wir, fünf, sechs Jah­ren alle Zeit­schrif­ten über­neh­men wer­den, die gu­ten Zeit­schrif­ten, ver­steht sich. [Ge­läch­ter] Nun, man wird se­hen!

Bei dem, was ich sage, ver­su­che ich nicht, aus dem her­aus­zu­kom­men, was in mei­nen Aus­sa­gen als et­was ge­spürt wird, er­lebt wird, wo­mit das Ar­te­fakt des Dis­kur­ses be­tont wird und wo­mit es fest­ge­hal­ten wird.

Das heißt na­tür­lich – das ist das Min­des­te –, wenn ich das tue, dann schließt das aus, dass ich vor­ge­be, al­les ab­zu­de­cken. Das kann kein Sys­tem sein, und in­so­fern ist das kei­ne Phi­lo­so­phie. Es ist klar, dass für je­den, der die Per­spek­ti­ve über­nimmt, durch die die Ana­ly­se es uns ge­stat­tet, das zu er­neu­ern, wor­um es beim Dis­kurs geht, dass dies für je­den im­pli­ziert, dass man sich, ich möch­te sa­gen, in ei­nem „Des­uni­ver­sum“ hin und her be­wegt. Das ist nicht das­sel­be wie ein „Di­ver­ses“. Aber auch die­sem Di­ver­sen wür­de ich mich nicht wi­der­set­zen, nicht nur so­weit, als es die Di­ver­si­tät ent­hält, son­dern auch bis da­hin, was es an Di­ver­si­on ein­bringt. Es ist auch ganz klar, dass ich nicht über al­les spre­che, dass selbst in dem, was ich äu­ße­re, sich et­was dem wi­der­setzt, über al­les sei­ne Mei­nung zu sa­gen. Das ist täg­lich mit dem Fin­ger zu spü­ren, auch be­zo­gen dar­auf, dass ich äu­ße­re, dass ich nicht al­les sage, das ist et­was an­de­res, ich habe es be­reits ge­sagt: das be­ruht dar­auf, dass die Wahr­heit sich nur halb­sa­gen lässt.

Die­ser Dis­kurs also, der sich dar­auf be­schränkt, nur im Ar­te­fakt zu han­deln, ist letzt­lich nur die Ver­län­ge­rung der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers, in­so­fern sie da­durch de­fi­niert ist, dass sie das Ge­wicht sei­ner Mehr­lust an ei­nen be­stimm­ten Platz stellt. Das ist je­doch die Po­si­ti­on, die ich hier nicht ein­neh­men kann, und zwar ge­nau des­halb nicht, weil ich nicht in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers bin. Wie ich eben ge­sagt habe – bis auf dies, dass Ih­nen hier das Wis­sen fehlt –, es ist viel­mehr so, dass Sie da sind, mit ih­rem Druck.

Was kann, nach dem Ge­sag­ten, die Trag­wei­te des­sen sein, dass ich in die­sem Be­zug äu­ße­re Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre? Das kann von mei­nem Platz aus ge­äu­ßert wer­den und ab­hän­gig von dem, was ich frü­her ge­äu­ßert habe. Auf je­den Fall ist es ein Fak­tum, dass ich es äu­ße­re. Be­ach­ten Sie, dass es ein Fak­tum auch des­halb ist, weil ich es äu­ße­re. Mag sein, dass Sie hier nichts be­mer­ken, d..h. dass Sie den­ken, dass es nicht mehr gibt als das Fak­tum, dass ich es äu­ße­re. Nur, wenn ich in Be­zug auf den Dis­kurs von „Ar­te­fakt“ ge­spro­chen habe, dann des­halb, weil für den Dis­kurs kein Fak­tum, wenn ich so sa­gen kann, be­reits da ist; ein Fak­tum gibt es nur durch das Fak­tum des Dis­kur­ses. Das ge­äu­ßer­te Fak­tum ist ganz und gar das Fak­tum des Dis­kur­ses. Das ist das, was ich mit dem Aus­druck „Ar­te­fakt“ be­zeich­ne, und das ist na­tür­lich das, was re­du­ziert wer­den muss.

[13] Denn wenn ich vom Ar­te­fakt spre­che, dann nicht des­halb, um dar­aus die Idee von et­was auf­tau­chen zu las­sen, was an­ders wäre, ei­ner Na­tur, in Be­zug wor­auf Sie ei­nen Feh­ler ma­chen wür­den, wenn Sie sich dar­an­ma­chen wür­den, sich de­ren Be­hin­de­run­gen ent­ge­gen­zu­set­zen, da Sie da nicht wie­der her­aus­kä­men.

Die Fra­ge stellt sich nicht in die­sen Aus­drü­cken: „Ist es sag­bar oder nicht?“, son­dern in die­sen: „Es ist ge­sagt oder es ist nicht ge­sagt“.

Ich gehe von dem aus, was in ei­nem Dis­kurs ge­sagt ist, von des­sen Ar­te­fakt an­ge­nom­men wird, dass es da­für hin­reicht, dass Sie da sind. Hier ein Schnitt, denn ich füge nicht hin­zu, „da­für, dass Sie da sind im Zu­stand der ge­press­ten Mehr­lust“. Ich habe „Schnitt“ ge­sagt, da es frag­lich ist, ob mein Dis­kurs Sie be­reits als ge­press­te Mehr­lust ver­sam­melt. Es ist nicht ent­schie­den, was auch im­mer der eine oder an­de­re dar­über den­ken mag, ob es die­ser Dis­kurs ist – der­je­ni­ge, der aus der Fol­ge der Äu­ße­run­gen be­steht, die ich Ih­nen prä­sen­tie­re –, der Sie in die­se Po­si­ti­on bringt, von der aus er be­fragt wer­den kann, durch das „nicht“ ei­nes Dis­kur­ses, der nicht vom Schein wäre.

Vom Schein, was be­deu­tet das? Was be­deu­tet das in die­ser Äu­ße­rung?

Bei­spiels­wei­se vom Schein des Dis­kur­ses? Wie Sie wis­sen, ist das die Po­si­ti­on des so­ge­nann­ten lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus. Näm­lich wenn man von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten aus­geht, der auf et­was hin zu über­prü­fen ist, was mit Ja oder Nein ent­schie­den wird, dann ist das, was die­ser Prü­fung nicht un­ter­zo­gen wer­den kann, das, was als sinn­los de­fi­niert wird. Aber da­mit glaubt man, eine be­stimm­te An­zahl von Fra­gen los zu sein, die als me­ta­phy­sisch qua­li­fi­ziert wer­den. Das ist si­cher­lich nichts, wor­an ich mich hal­te, ich hal­te aber dar­an fest, dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass die Po­si­ti­on des lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus un­halt­bar ist, auf je­den Fall, wenn man von der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung aus­geht, ins­be­son­de­re von ihr. Wenn die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung nun dar­in ver­wi­ckelt ist, dass sie ihre Adels­ti­tel vom Ödi­pus­my­thos her­nimmt, dann be­wahrt sie da­mit das Schnei­den­de der Äu­ße­rung des Ora­kels. Und ich möch­te dar­über hin­aus sa­gen, dass die Deu­tung im­mer auf eben die­ser Ebe­ne bleibt. Wahr ist sie nur durch ihre Fol­gen, ganz wie das Ora­kel. Die Deu­tung wird nicht auf eine Wahr­heit hin über­prüft, die durch Ja oder durch Nein ent­schie­den wer­den könn­te – sie ent­fes­selt die Wahr­heit als sol­che. Sie ist nur in­so­fern wahr, als ihr wahr­haft ge­folgt wird.

Wir wer­den bald noch se­hen, dass die Sche­ma­ta der Im­pli­ka­ti­on, ich mei­ne der lo­gi­schen Im­pli­ka­ti­on, in ih­ren klas­sischs­ten For­men, dass die­se Sche­ma­ta selbst den Bo­den die­ses Veri- | [14] di­schen er­for­dern, in­so­fern es zum Spre­chen ge­hört, selbst wenn es, streng ge­sagt, sinn­los ist. Der Über­gang von die­sem Mo­ment, in dem über die Wahr­heit al­lein durch ihre Ent­fes­se­lung ent­schie­den wird, zu dem ei­ner Lo­gik, die ver­su­chen wird, die­ser Wahr­heit Kör­per zu ver­lei­hen, das ist sehr ge­nau der Mo­ment, in dem der Dis­kurs als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz zu­rück­ge­wie­sen wird, dis­qua­li­fi­ziert wird. Und wenn das mit ihm ge­sche­hen kann, dann des­halb, weil er es teil­wei­se im­mer schon ist, und eben das nennt man Ver­drän­gung. Es ist nicht mehr eine Vor­stel­lung, die er re­prä­sen­tiert.

Es ist die­se Fort­set­zung des Dis­kur­ses, die als Wahr­heits­ef­fekt cha­rak­te­ri­siert wird. Die­ser Wahr­heits­ef­fekt ist nicht vom Schein.

Und der Ödi­pus­kom­plex ist da, um uns zu klar­zu­ma­chen – wenn Sie er­lau­ben –, um uns klar­zu­ma­chen, dass hier Blut ge­flos­sen ist. [Ge­läch­ter] Al­ler­dings, das Blut wi­der­legt nicht den Schein, es färbt ihn, es ver­leiht ihm neu­en Schein (re-sem­blant), es ver­brei­tet ihn. Ein biss­chen Sä­ge­mehl und der Zir­kus be­ginnt von vorn. Und eben des­halb kann sich die Fra­ge nach ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, auf der Ebe­ne des Ar­te­fakts stel­len, der Dis­kurs­struk­tur. Wäh­rend man dar­auf war­tet, gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses, gibt es, um das zu be­ur­tei­len, kei­ne Met­a­spra­che (mé­tal­an­ga­ge), gibt es kei­nen An­de­ren des An­de­ren, gibt es nicht Wah­res über das Wah­re.

Ich habe mich mal da­mit amü­siert, die Wahr­heit spre­chen zu las­sen.

Ich fra­ge, wo hier die Pa­ra­do­xie ist, was könn­te wah­rer sein als die Äu­ße­rung „ich lüge“? Die klas­si­sche Wort­klau­be­rei, die mit dem Aus­druck der Pa­ra­do­xie ge­äu­ßert wird, er­hält nur dann ei­nen Kör­per, wenn Sie die­ses „ich lüge“ auf Pa­pier brin­gen, als et­was Ge­schrie­be­nes. Je­der spürt, dass man bei be­stimm­ten Ge­le­gen­hei­ten nichts Wah­re­res sa­gen kann, als zu sa­gen, „ich lüge“. Das ist so­gar ganz ge­wiss die ein­zi­ge Wahr­heit, die dann nicht zer­bricht. Wer wüss­te nicht, dass man, wenn man sagt, „ich lüge nicht“, ab­so­lut nicht da­vor ge­schützt ist, et­was Fal­sches zu sa­gen.

Was soll das hei­ßen? Die Wahr­heit, um die es geht, wenn sie spricht – die­je­ni­ge, von der ich ge­sagt habe, dass sie „ich“ sagt, die sich als Ora­kel äu­ßert –, wer spricht da? Die­ser Schein ist der Si­gni­fi­kant an sich selbst.

Wer sieht denn nicht, dass das, was ihn cha­rak­te­ri­siert, die­sen Si­gni­fi­kan­ten, von dem ich in den Au­gen von Sprach­wis­sen­schaft­lern ei­nen Ge­brauch ma­che, der sie pein­lich be­rührt –. Es hat sich ei­ner ge­fun­den, die­se Zei­len zu schrei­ben, die dazu aus­er­se­hen sind, die War­nung zu ver­kün­den, dass, ganz ohne Zwei­fel, Fer­di­nand de Saus­su­re da­von nicht die ge­rings­te Vor­stel­lung hat­te. Was weiß man dar­über? Fer­di­nand de Saus­su­re mach­te es wie ich, er sag­te nicht al­les, der Be­weis da­für ist, dass man un­ter sei­nen Pa­pie­ren Sa­chen ge­fun­den hat, die er nie­mals her­aus­brin­gen woll­te.

Der Si­gni­fi­kant, man glaubt, dass das ein net­tes klei­nes Ding ist, ein­fach so, das vom Struk­tu­ra­lis­mus ge­zähmt wor­den ist. Man glaubt, das ist der An­de­re als An­de­res und die Bat­te­rie des Si­gni­fi­kan­ten und na­tür­lich all das, was ich er­klä­re. Das kommt na­tür­lich vom Him­mel, weil ich Idea­list bin, hier je­den­falls.

[15] „Ar­te­fakt“ habe ich an­fangs ge­sagt, ge­wiss, das Ar­te­fakt, es ist ab­so­lut si­cher, dass das un­ser all­täg­li­ches Schick­sal ist. Wir fin­den es an je­der Stra­ßen­ecke, in Reich­wei­te der ge­rings­ten Ges­te un­se­rer Hän­de.

Wenn es et­was gibt, was ein halt­ba­rer Dis­kurs ist, oder je­den­falls ei­ner, der sich ge­hal­ten hat, näm­lich der­je­ni­ge der Wis­sen­schaft, so ist es viel­leicht nicht un­nütz, sich dar­an zu er­in­nern, dass er ganz spe­zi­ell von der Er­ör­te­rung von For­men des Scheins (de sem­blants) aus­ge­gan­gen ist. Der Aus­gangs­punkt des wis­sen­schaft­li­chen Den­kens, ich spre­che über die Ge­schich­te, was ist das? Die Be­ob­ach­tung der Ster­ne. Was ist das an­de­res als die Kon­stel­la­ti­on, d..h. der ty­pi­sche Schein? Die ers­ten Schrit­te der mo­der­nen Phy­sik, wor­um dre­hen sie sich zu Be­ginn? Nicht, wie man glaubt, um Ele­men­te, denn die Ele­men­te, die vier – und selbst dann, wenn Sie die Quint­essenz hin­zu­fü­gen –, das ge­hört be­reits zum phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs, und wie! Das dreht sich um die Me­teo­re. Des­car­tes schreibt eine Ab­hand­lung über Me­teo­re. Der ent­schei­den­de Schritt, ei­ner der ent­schei­den­den Schrit­te dreht sich um die Theo­rie des Re­gen­bo­gens. Und wenn ich von ei­nem Me­te­or spre­che, so ist das et­was, was da­durch de­fi­niert ist, dass es als sol­ches durch ei­nen Schein cha­rak­te­ri­siert ist. Nie­mand hat je ge­glaubt, dass der Re­gen­bo­gen – nicht ein­mal bei den pri­mi­tivs­ten Leu­ten –, dass der Re­gen­bo­gen ein Ding wäre, das da ist, ge­bo­gen und auf­ge­rich­tet. Er wird als Me­te­or be­fragt.

Der cha­rak­te­ris­tischs­te Me­te­or, der ur­sprüng­lichs­te, der­je­ni­ge, bei dem nicht zu be­zwei­feln ist, dass er mit der Struk­tur von al­lem, was Dis­kurs ist, ver­bun­den ist, das ist der Don­ner. Wenn ich mei­ne Rom-Rede mit der An­ru­fung des Don­ners be­en­det habe, dann ab­so­lut nicht ein­fach so, aus mei­ner Phan­ta­sie her­aus. Es gibt kei­nen halt­ba­ren Na­men-des-Va­ters ohne den Don­ner, wo­bei alle sehr gut wis­sen, dass man nicht ein­mal weiß, von was der Don­ner ein Zei­chen ist. Eben das ist die Ge­stalt des Scheins.

Und in­so­fern gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses. Al­les, was Dis­kurs ist, kann sich nur von dem her als Schein ge­ben, und nichts wird dar­auf auf­ge­baut, was nicht auf der Grund­la­ge des­sen ist, was Si­gni­fi­kant ge­nannt wird, der in dem Licht, in dem ich ihn heu­te für Sie vor­brin­ge, mit die­sem Sta­tus des Scheins als sol­chem iden­tisch ist. Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre – da­mit dar­aus eine Aus­sa­ge wird, darf die­ses vom Schein kei­nes­falls durch Be­zug auf | [16] „Dis­kurs“ ver­voll­stän­digt wer­den.

Es geht um et­was an­de­res, und zwei­fel­los um den Re­fe­ren­ten. Hal­ten Sie sich ein ganz klein we­nig zu­rück! [Ge­läch­ter] Die­ser Re­fe­rent ist wahr­schein­lich nicht so­gleich der Ge­gen­stand, denn das be­deu­tet ge­nau dies, dass es eben die­ser Re­fe­rent ist, der her­um­wan­dert.

Der Schein, in dem der Si­gni­fi­kant mit sich selbst iden­tisch ist – das ist eine Ebe­ne des Aus­drucks „Schein“ –, ist der Schein in der Na­tur. Nicht ohne Grund habe ich Sie dar­an er­in­nert, dass kein Dis­kurs, der die Na­tur be­schwört, je­mals et­was an­de­res ge­tan hat als von dem aus­zu­ge­hen, was in der Na­tur Schein ist, denn die Na­tur ist voll da­von. Ich spre­che nicht von der tie­ri­schen Na­tur, bei der ganz of­fen­sicht­lich ist, dass sie da­von im Über­fluss hat. Das ist ge­nau das, was dazu führt, dass es sanf­te Träu­mer gibt, die den­ken, dass die ge­sam­te tie­ri­sche Na­tur, von den Fi­schen bis zu den Vö­geln, das Lob Got­tes singt. Das ver­steht sich von selbst – je­des Mal, wenn sie, ein­fach so, et­was öff­nen, ei­nen Kopf, ei­nen Mund, ei­nen Kie­men­de­ckel, ist das ein ma­ni­fes­ter Schein, und nichts macht die­ses Auf­klaf­fen not­wen­dig.

Wenn wir in et­was ein­tre­ten, des­sen Wirk­sam­keit (ef­fi­cace) nicht ge­klärt ist, aus dem ein­fa­chen Grun­de, dass wir nicht wis­sen, wie es ge­kom­men ist, dass hier, wenn ich so sa­gen darf, eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat, denn die Si­gni­fi­kan­ten, Ach­tung, ich sag’s Ih­nen, sind in der Welt ver­brei­tet, in der Na­tur gibt es sie hau­fen­wei­se.

Da­mit die Spra­che ent­steht, das ist schon was, das in Gang zu set­zen!, da­mit die Spra­che ent­steht, muss­te ir­gend­wo das ein­ge­rich­tet wer­den, wor­auf ich Sie be­reits an­läss­lich der Wet­te hin­ge­wie­sen habe – da ging’s um Pas­cals Wet­te, wir er­in­nern uns nicht mehr dar­an –, wenn man das an­nimmt, ist das Är­ger­li­che, dass dies das Funk­tio­nie­ren der Spra­che be­reits vor­aus­setzt.

Da es um das Un­be­wuss­te geht, das Un­be­wuss­te und sein Spiel, be­deu­tet das, dass es un­ter den zahl­rei­chen Si­gni­fi­kan­ten, die in der Welt in Um­lauf sind, dar­über hin­aus den zer­stü­ckel­ten Kör­per ge­ben wird.

Gleich­wohl gibt es Din­ge, die –, von de­nen man aus­ge­hen kann, in­dem man denkt, dass sie be­reits exis­tie­ren, sie exis­tie­ren be­reits in ei­nem be­stimm­ten Funk­tio­nie­ren, bei dem wir nicht ge­zwun­gen wä­ren, die Ak­ku­mu­la­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten zu be­rück­sich­ti­gen. Das sind die Ge­schich­ten über das Ter­ri­to­ri­um.

Wenn der Si­gni­fi­kant „Ihr rech­ter Arm“ im Ter­ri­to­ri­um Ih­res Nach­barn et­was ern­tet – sol­che Din­ge ge­sche­hen fort­wäh­rend –, dann er­greift Ihr Nach­bar na­tür­lich Ih­ren Si­gni­fi­kan­ten „rech­ter Arm“ und wirft ihn Ih­nen über den Zaun wie­der zu­rück, das ist das, was Sie son­der­ba­rer­wei­se „Pro­jek­ti­on“ nen­nen, das ist eine Art und Wei­se, sich zu ver­ste­hen. [Ge­läch­ter] Von ei­nem sol­chen Phä­no­men soll­te man aus­ge­hen.

Wenn Ihr rech­ter Arm im Gar­ten Ih­res Nach­barn nicht völ­lig mit dem Ern­ten bei­spiels­wei­se von Äp­feln be­schäf­tigt ge­we­sen wäre, wenn er ru­hig ge­blie­ben wäre, dann ist ziem­lich wahr­schein­lich, dass Ihr | [17] Nach­bar ihn an­ge­be­tet hät­te. Das ist der Ur­sprung des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten: ein rech­ter Arm, das Szep­ter. Der Her­ren­si­gni­fi­kant, da­für ist nur er­for­der­lich, dass man auf die­se Wei­se be­ginnt, ganz am An­fang. Un­glück­li­cher­wei­se braucht es et­was mehr; das ist kein sehr be­frie­di­gen­des Sche­ma. Dar­über hin­aus lie­fert es Ih­nen das Szep­ter. So­fort se­hen Sie, wie die Sa­che sich als Si­gni­fi­kant ma­te­ria­li­siert.

Der Pro­zess der Ge­schich­te stellt sich – nach al­len Zeug­nis­sen, so­weit wir sie ha­ben – als ein ganz klein we­nig kom­pli­zier­ter dar. Es ist ge­wiss, dass die klei­ne Pa­ra­bel, die­je­ni­ge, mit der ich zu­nächst an­ge­fan­gen hat­te, nicht wahr, der Arm, der Ih­nen vom ei­nen Ter­ri­to­ri­um zum an­de­ren wie­der zu­rück­ge­schickt wird, es ist nicht zwangs­läu­fig so, dass es Ihr Arm ist, der zu Ih­nen zu­rück­kommt [Ge­läch­ter], denn die Si­gni­fi­kan­ten sind nicht in­di­vi­du­ell, man weiß nicht, wel­cher wem ge­hört.

Also se­hen Sie, hier tre­ten wir in eine Art von an­de­rem Ur­sprungs­spiel ein, be­zo­gen auf die Funk­ti­on des Zu­falls, an­ders als das des Ödi­pus­kom­ple­xes. Sie schaf­fen eine Welt – in die­sem Fall sa­gen wir: ein Sche­ma –, eine Stüt­ze, die auf die­se Wei­se in eine be­stimm­te An­zahl von Ter­ri­to­ri­al­zel­len auf­ge­teilt ist. Das ge­schieht auf ei­nem be­stimm­ten Ni­veau, dem­je­ni­gen, auf dem es dar­um geht, vor­zu­brin­gen, auf dem es dar­um geht, das, was ge­sche­hen ist, ein we­nig zu be­grei­fen.

Letzt­lich kann man nicht nur ei­nen Arm er­hal­ten, der nicht der ei­ge­ne ist – durch die­sen Pro­zess der Aus­sto­ßung, den Sie, man weiß nicht war­um, „Pro­jek­ti­on“ ge­nannt ha­ben, au­ßer na­tür­lich, weil Ih­nen das zugeworfen/projiziert wird –, nicht nur ei­nen Arm, der nicht der Ihre ist, son­dern meh­re­re an­de­re Arme. Nun, von die­sem Mo­ment an ist es nicht mehr wich­tig, ob es Ih­rer ist oder nicht Ih­rer ist.

Aber nun ja, da man vom In­ne­ren ei­nes Ter­ri­to­ri­ums aus letzt­lich nur des­sen ei­ge­ne Gren­zen kennt und man nicht ge­nö­tigt ist, zu wis­sen, dass hin­ter die­ser Gren­ze sechs wei­te­re Ter­ri­to­ri­en lie­gen, schleu­dert man das ein klein biss­chen so, wie man’s grad kann, und dann kann es pas­sie­ren, dass es da­von <in die­sen> Ter­ri­to­ri­en ei­nen Re­gen gibt. Die Idee, dass es eine Be­zie­hung ge­ben kann zwi­schen der Zu­rück­wei­sung von et­was und der Ent­ste­hung des­sen, was ich Ih­nen eben als Her­ren­si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net habe, ist si­cher­lich eine Idee, die man fest­hal­ten soll­te. Da­mit sie aber ih­ren vol­len Wert an­nimmt, ist es si­cher­lich nö­tig, dass so, durch ei­nen Zu­falls­pro­zess, an be­stimm­ten Punk­ten eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat. Von da aus kann et­was be­grif­fen wer­den, was die Ent­ste­hung ei­ner Spra­che wäre.

Das, was wir als ers­ten Mo­dus se­hen, was im stren­gen Sin­ne auf­ge­baut wird, um das, was als Spra­che dient, durch die Schrift zu un­ter­stüt­zen, gibt da­von je­den­falls eine ge­wis­se Vor­stel­lung. Je­der weiß, dass der Buch­sta­be A ein um­ge­dreh­ter Stier­kopf ist und dass eine be­stimm­te An­zahl von ähn­li­chen be­weg­li­chen Ele­men­ten3 noch ihre Spu­ren hin­ter­las­sen ha­ben.

Es ist wich­tig, nicht zu schnell vor­wärts­zu­ge­hen und zu se­hen, wo wei­ter­hin Lö­cher blei­ben. Bei­spiels­wei­se ist ganz of­fen­sicht­lich, dass der Aus­gangs­punkt | [18] die­ser Skiz­ze be­reits mit et­was ver­bun­den war, was den Kör­per mit ei­ner Mög­lich­keit der Ek­to­pie und des „Aus­flugs“ mar­kier­te, die of­fen­kun­dig pro­ble­ma­tisch bleibt. Aber al­les in al­lem ist auch hier noch im­mer al­les da. Wir hat­ten – das ist schließ­lich ein sehr emp­find­li­cher Punkt, den wir noch täg­lich über­prü­fen kön­nen – vor gar nicht lan­ger Zeit, noch in die­ser Wo­che, et­was, ein sehr schö­nes Pho­to ei­ner Zei­tung, an dem sich si­cher­lich alle er­götzt ha­ben. Die Mög­lich­kei­ten, das Zer­schnei­den ei­nes mensch­li­chen We­sens auf ei­nem mensch­li­chen We­sen zu voll­zie­hen, sind ab­so­lut be­ein­dru­ckend, von da ist al­les aus­ge­gan­gen.

Es bleibt ein wei­te­res Loch. Wie Sie wis­sen, hat man sich den Kopf dar­über zer­bro­chen, man hat ja die Be­mer­kung ge­macht, dass das bei He­gel al­les sehr schön ist, dass es aber den­noch et­was gibt, was er nicht er­klärt. Er er­klärt die Dia­lek­tik von Herr und Knecht, aber er er­klärt nicht, war­um es eine Ge­sell­schaft von Her­ren gibt. Es ist völ­lig klar, dass das, was ich Ih­nen eben er­klärt habe, si­cher­lich in­so­fern in­ter­es­sant ist, als al­lein schon durch das Spiel der Pro­jek­ti­on und der Re­tor­si­on klar ist, dass es am Ende ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Zü­gen si­cher­lich, möch­te ich sa­gen, in ei­ni­gen Ter­ri­to­ri­en ei­nen Si­gni­fi­kan­ten­durch­schnitt ge­ben wird, der hö­her ist als in an­de­ren. Es bleibt je­doch noch zu se­hen, wie die­se Si­gni­fi­kan­ten in ei­nem Ter­ri­to­ri­um ge­wis­ser­ma­ßen eine Si­gni­fi­kan­ten­ge­sell­schaft wer­den bil­den kön­nen. Man soll­te nie­mals das, was man nicht er­klärt, im Schat­ten las­sen, un­ter dem Vor­wand, dass es ei­nem ja ge­lun­gen ist, ei­nen klei­nen Er­klä­rungs­an­satz zu lie­fern.

Wie auch im­mer, die Aus­sa­ge un­se­res Ti­tels von die­sem Jahr, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­trifft et­was, das mit ei­ner Öko­no­mie zu tun hat. Hier das „vom Schein“ – wir sa­gen nicht „für ihn selbst“, es ist nicht Schein von et­was an­de­rem, es ist im Sin­ne des Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus zu neh­men, es geht um den Schein als ein ei­ge­nes Ob­jekt, von dem her die Öko­no­mie des Dis­kur­ses ge­re­gelt wird.

Wer­den wir sa­gen, dass es auch ein Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus ist? Be­zieht sich das „vom Schein“ auch auf das, was den Dis­kurs hält? Nur das Wort „sub­jek­tiv“ ist hier zu­rück­zu­wei­sen, aus dem ein­fa­chen Grun­de, weil das Sub­jekt nur er­scheint, wenn ir­gend­wo die­se Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dung ein­ge­rich­tet ist, weil ein Sub­jekt nur das Pro­dukt der Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung sein kann, weil ein Sub­jekt als sol­ches nie­mals, in kei­nem Fall, die­se Ar­ti­ku­la­ti­on be­herrscht, son­dern da­von im ei­gent­li­chen Sin­ne de­ter­mi­niert ist.

Ein Dis­kurs macht, sei­ner Na­tur nach, Schein, so wie man sa­gen kann, qu’il fait florès (dass es zum Leuch­ten bringt), oder qu’il fait lé­ger (dass es lo­cker wirkt, leicht aus­sieht) oder qu’il fait chic (dass es was her­macht, chic wirkt). Wenn das, was an Spre­chen ge­äu­ßert wird, ge­nau des­halb wahr ist, weil es im­mer ganz au­then­tisch das ist, was es ist, auf der Ebe­ne, auf der wir sind, des Ob­jek­ti­ven und der Ar­ti­ku­la­ti­on, dann tritt der Schein also ge­nau als Ob­jekt des­sen auf, was im Dis­kurs pro­du­ziert wird. Von da­her der, streng ge­sagt, | [19] sinn­lo­se Cha­rak­ter des­sen, was ar­ti­ku­liert wird.

Man muss je­doch sa­gen, dass eben da ent­hüllt wird, was es mit dem Reich­tum der Spra­che auf sich hat, dass sie näm­lich eine Lo­gik ent­hält, die weit über al­les hin­aus­geht, was uns ge­lingt, aus ihr her­aus­zu­kris­tal­li­sie­ren, her­aus­zu­lö­sen. Ich habe die hy­po­the­ti­sche Form ver­wen­det, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre. Je­der kennt die Ent­wick­lun­gen, die die Lo­gik nach Aris­to­te­les ge­nom­men hat, dass sie die Be­to­nung auf die hy­po­the­ti­sche Funk­ti­on ge­legt hat. Al­les, was ar­ti­ku­liert wird, in­dem der Ar­ti­ku­la­ti­on der Hy­po­the­se der Wert Wahr oder Falsch zu­ge­ord­net wird, und in­dem die Schluss­fol­ge­rung ge­zo­gen wird, die sich dar­aus er­gibt, dass ein be­stimm­ter Term im In­ne­ren die­ser Hy­po­the­se als wahr an­ge­zeigt wird. Das ist die Ein­set­zung des­sen, was man den Mo­dus po­nens nennt so­wie vie­ler an­de­rer Modi. Je­der weiß, was dar­aus ge­macht wor­den ist. Es ist ver­blüf­fend, dass, zu­min­dest mei­ner Kennt­nis nach, nie­mals ir­gend­je­mand ir­gend­wo die Res­sour­ce zu ei­nem ei­ge­nen Ge­gen­stand ge­macht hat, die die Ver­wen­dung die­ser Hy­po­the­se in ne­ga­ti­ver Form mit sich führt.

Eine ver­blüf­fen­de Sa­che, wenn man sich bei­spiels­wei­se auf das be­zieht, was dazu in mei­ne Schrif­ten auf­ge­nom­men wur­de, als je­mand – zu der Zeit, in der he­roi­schen Zeit, als ich an­fing, das Ter­rain der Ana­ly­se ur­bar zu ma­chen –, als es je­man­dem ge­lang, zur Ent­zif­fe­rung der Ver­nei­nung* ei­nen Bei­trag zu leis­ten. Ob­gleich er Freud Buch­sta­be für Buch­sta­be kom­men­tier­te, hat er sehr gut wahr­ge­nom­men, Freud sagt das sehr deut­lich, dass die Be­ja­hung* nur ein At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ent­hält – wor­in Freud wirk­lich eine Fi­nes­se und eine Kom­pe­tenz an den Tag legt, die zu der Zeit, als er das schrieb, völ­lig au­ßer­ge­wöhn­lich war, denn nur ei­ni­ge Lo­gi­ker von be­schei­de­ner Ver­brei­tung konn­ten das zu die­ser Zeit her­aus­ge­ar­bei­tet ha­ben –, ein At­tri­bu­ti­ons­ur­teil, das kein Ur­teil über die Exis­tenz vor­weg­nimmt. Ein­zig das Set­zen ei­ner Ver­nei­nung* im­pli­ziert die Exis­tenz von et­was, näm­lich ge­nau des­sen, was ne­giert wird. Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­haup­tet, dass der Dis­kurs, wie ich eben ge­äu­ßert habe, vom Schein ist.

Wenn man das so for­mu­liert, hat das den gro­ßen Vor­teil, dass man nicht sagt, vom Schein von was. Nun, na­tür­lich liegt da der Punkt, um den her­um wir vor­ha­ben, un­se­re Aus­sa­gen vor­zu­brin­gen, näm­lich zu wis­sen, wor­um es dort geht, wo es nicht vom Schein wäre.

Na­tür­lich ist das Ge­län­de vor­be­rei­tet, durch ei­nen ein­zig­ar­ti­gen und zag­haf­ten Schritt, näm­lich den­je­ni­gen, den Freud in Jen­seits des Lust­prin­zips ge­tan hat. Ich will hier – da ich mehr jetzt nicht tun kann – nur auf den Kno­ten hin­wei­sen, den in die­sen Aus­sa­gen die Wie­der­ho­lung und das Ge­nie­ßen bil­den. Da­von ist ab­hän­gig, dass die Wie­der­ho­lung dem Lust­prin­zip zu­wi­der­läuft, das sich da­von, möch­te ich sa­gen, nicht wie­der er­holt.

Im Lich­te der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung kann der He­do­nis­mus nur wie­der zu dem zu­rück­keh­ren, was er ist, näm­lich ein phi­lo­so­phi­scher My­thos, ich mei­ne ein My­thos ei­ner streng de­fi­nier­ten Klas­se. Das ist eine The­se, und ich habe sie | [20] letz­tes Jahr ge­äu­ßert, über die Hil­fe, die sie, die Phi­lo­so­phen, bei ei­nem be­stimm­ten Pro­zess des Herrn ge­leis­tet ha­ben, in­dem sie es dem Dis­kurs des Herrn als sol­chem er­mög­licht ha­ben, ein Wis­sen auf­zu­bau­en. Die­ses Wis­sen ist Wis­sen des Herrn. Die­ses Wis­sen hat an­ge­sichts des Herrn – denn der phi­lo­so­phi­sche Dis­kurs trägt noch die Spur da­von – die Exis­tenz ei­nes an­de­ren Wis­sens un­ter­stellt, wo­von –. Gott sei Dank ist der phi­lo­so­phi­sche Dis­kurs nicht ver­schwun­den, ohne zu­vor fest­ge­hal­ten zu ha­ben, dass es zwi­schen die­sem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen eine Be­zie­hung ge­ben müss­te. Der­je­ni­ge, der den phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs so ab­ge­schlos­sen hat – He­gel, um sei­nen Na­men zu nen­nen –, sieht na­tür­lich nur die Art und Wei­se, in der es dem Knecht durch die Ar­beit ge­lin­gen wird, was zu voll­enden? Nichts an­de­res als das Wis­sen des Herrn.

Aber was führt das, was ich „die Freud’sche Hy­po­the­se“ nen­nen wer­de, was führt sie an Neu­em ein? Das ist, in ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich vor­sich­ti­gen, aber gleich­wohl syl­lo­gis­ti­schen Form, das Fol­gen­de: Wenn wir „Lust­prin­zip“ dies nen­nen, dass das Le­ben­di­ge durch sein Ver­hal­ten be­stän­dig auf ein Ni­veau zu­rück­ge­kom­men ist, wel­ches das der mi­ni­ma­len Er­re­gung ist und dass hier­durch sei­ne Öko­no­mie re­gu­liert wird, und wenn sich er­weist, dass die Wie­der­ho­lung auf eine Wei­se ope­riert, die dazu führt, dass ein ge­fähr­li­ches Ge­nie­ßen zu­rück­ge­bracht wird, ein Ge­nie­ßen, das die­se mi­ni­ma­le Er­re­gung über­steigt, ist es dann mög­lich – in die­ser Form äu­ßert Freud die Fra­ge –, dass man an­nimmt, dass das Le­ben, in sei­nem Zy­klus er­fasst – das ist et­was Neu­es be­zo­gen auf die Welt, die das nicht uni­ver­sal ent­hält –, dass das Le­ben die­se Mög­lich­keit der Wie­der­ho­lung ent­hält, die die Rück­kehr zu die­ser Welt wäre, in­so­fern sie Schein ist?

Grafik A

Auf­stei­gen­de und ab­fal­len­de Kur­ven, die an eine höchs­te Gren­ze her­an­füh­ren

Grafik B

Nied­rigs­ter Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze (su­prem)

Mit ei­ner Gra­phik an der Ta­fel kann ich Ih­nen zei­gen, dass dies um­fasst – an­statt ei­ner Fol­ge von auf­stei­gen­den und ab­fal­len­den Er­re­gungs­kur­ven, die alle an eine Gren­ze her­an­ge­hen, die eine obe­re Gren­ze ist –, dass dies die Mög­lich­keit ei­ner Er­re­gungs­in­ten­si­tät um­fasst, die auch bis ins Un­end­li­che ge­hen kann, wo­bei das, was als Ge­nie­ßen auf­ge­fasst wird, in sich selbst im Prin­zip kei­ne an­de­re Gren­ze ent­hält als die­sen un­te­ren Tan­gen­ti­al­punkt, die­sen Punkt, den wir | [21] „su­prem“ nen­nen wer­den, in­dem wir die­sem Wort sei­nen ei­gent­li­chen Sinn ge­ben, der den nied­rigs­ten Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze be­deu­tet, so wie „in­fim“ der höchs­te Punkt ei­ner un­te­ren Gren­ze ist, die Ko­hä­renz, die von dem töd­li­chen Punkt ge­ge­ben wird, der von da an, ohne dass Freud das her­vor­hebt, als ein Cha­rak­te­ris­ti­kum des Le­bens auf­ge­fasst wird.

Aber in Wahr­heit ist das, wor­an man nicht denkt, tat­säch­lich dies, näm­lich dass man das mit dem ver­wech­selt, was zum Nicht-Le­ben ge­hört und was weit da­von ent­fernt ist – Ach­tung! –, sich nicht zu be­we­gen, die­ses „ewi­ge Schwei­gen der un­end­li­chen Räu­me“, das Des­car­tes [Pas­cal] in Er­stau­nen ver­setz­te – sie spre­chen, sie sin­gen, sie be­we­gen sich auf jede Wei­se, jetzt, für un­se­re Bli­cke. Die so­ge­nann­te un­be­leb­te Welt ist nicht der Tod.

Der Tod ist ein Punkt, wird als ein End­punkt be­zeich­net, als ein End­punkt von was? des Ge­nie­ßens des Le­bens. Das ist sehr ge­nau das, was durch die Freud’sche Aus­sa­ge ein­ge­führt wird, durch die­je­ni­ge, die wir als Hy­per-He­do­nis­mus qua­li­fi­zie­ren wer­den, wenn ich mich auf die­se Wei­se aus­drü­cken darf.

Wer nicht sieht, dass die Öko­no­mie – selbst die­je­ni­ge der Na­tur – im­mer ein Dis­kurs­fak­tum ist, der kann nicht er­fas­sen, dass dies dar­auf ver­weist, dass es sich hier um das Ge­nie­ßen nur in­so­fern han­deln kann, als es nicht nur ein Fakt (fait), son­dern ein Ef­fekt (ef­fet) ist, ein Dis­kurs­ef­fekt.

Wenn et­was, was das Un­be­wuss­te heißt, als Sprach­struk­tur halb­ge­sagt wer­den kann, dann des­halb, da­mit uns schließ­lich die Kon­tu­ren die­ses Dis­kurs­ef­fekts er­schei­nen, der uns bis da­hin als un­mög­lich er­schien, näm­lich die Mehr­lust.

Heißt das – um an eine mei­ner For­meln an­zu­schlie­ßen –, dass sie, in­so­fern es wie un­mög­lich war, als Rea­les funk­tio­nier­te?

Ich wer­fe die Fra­ge auf, denn in Wahr­heit im­pli­ziert nichts, dass der Ein­bruch des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten – so stam­melnd er bleibt – ir­gend­et­was im­pli­ziert, in dem, was ihm vor­aus­ging, was sei­ner Struk­tur un­ter­wor­fen war.

Der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten ist eine Emer­genz, er ist die Emer­genz ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten. Dass er, der Si­gni­fi­kant, bis da­hin als An­zei­chen (ens­eig­ne) exis­tier­te, un­ter die­sem As­pekt habe ich ihn vor Ih­nen an den Ur­sprung des Scheins ge­setzt. Und die Kon­se­quen­zen sei­ner Emer­genz, das ist das, was ein­ge­führt wer­den muss, da­mit sich et­was ver­än­dert – was sich nicht ver­än­dern kann, denn das ge­hört nicht zum Mög­li­chen. Wenn ein Dis­kurs viel­mehr da­durch zen­triert wird, dass sei­ne Wir­kung et­was Un­mög­li­ches ist, hät­te er eine ge­wis­se Chan­ce, ein Dis­kurs zu sein, der nicht vom Schein wäre.

Französisch/Deutsch mit Anmerkungen

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

[9] Au ta­bleau
D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant

An der Ta­fel
Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre

D’un dis­cours : ce n’est pas du mien qu’il s’agit.

Über ei­nen Dis­kurs – es ist nicht mei­ner, um den es geht.

Je pen­se l’année der­niè­re vous avoir as­sez fait sen­tir ce qu’il faut en­tendre par ce ter­me « dis­cours ».

Ich den­ke, ich habe Sie letz­tes Jahr hin­rei­chend spü­ren las­sen, was man un­ter die­sem Aus­druck „Dis­kurs“ ver­ste­hen soll.4

Je rap­pel­le le dis­cours du maît­re et ces quat­re – di­sons – po­si­ti­ons, les dé­pla­ce­ments de ces ter­mes au re­gard d’une struc­tu­re, ré­du­i­te à être té­traéd­ri­que.

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleinerIch er­in­ne­re an den Dis­kurs des Herrn und an die­se vier – sa­gen wir – Po­si­tio­nen und die Ver­schie­bun­gen die­ser Ter­mi­ni5, be­zo­gen auf eine Struk­tur, die dar­auf re­du­ziert ist, te­tra­edisch zu sein6.

J’ai lais­sé à qui vou­d­rait s’y em­ploy­er de pré­ciser ce qui ju­s­ti­fie que ces glis­se­ments qui au­rai­ent pu être plus di­ver­si­fiés, je les ai ré­du­its à quat­re.

Ich habe es den­je­ni­gen, die sich da­mit be­fas­sen möch­ten, über­las­sen, ge­nau­er aus­zu­ar­bei­ten, wo­durch ge­recht­fer­tigt ist, dass ich die­se Gleit­be­we­gun­gen, die mehr di­ver­si­fi­ziert hät­ten sein kön­nen, auf vier re­du­ziert habe.

Le pri­vilège de ces quat­re, si per­son­ne ne s’y em­plo­ie, peut-être cet­te an­née vous en don­ne­rais-je en pas­sant l’indication.

Zum Vor­rang die­ser vier, falls nie­mand sich da­mit be­schäf­tigt, wer­de ich Ih­nen in die­sem Jahr viel­leicht ne­ben­bei ei­nen Hin­weis ge­ben.

Je ne pre­nais ces ré­fé­ren­ces qu’au re­gard de ce qui était ma fin, énon­cée dans ce tit­re L’envers de la psy­chana­ly­se.

Ich habe die­se Be­zü­ge nur im Hin­blick auf das ge­wählt, was mein Ziel war, und was durch die­sen Ti­tel aus­ge­drückt wur­de, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se.

Le dis­cours du maît­re n’est pas l’envers de la psy­chana­ly­se, il est où se dé­mont­re la tor­si­on prop­re, dirais-je, du dis­cours de la psy­chana­ly­se : ce qui fait que ce dis­cours fait po­ser la ques­ti­on d’un « endroit » et d’un « en­vers », puis­que vous savez l’importance de l’accent qui est mis dans la théo­rie, dès son émis­si­on par Freud, l’importance de l’accent qui est mis sur la dou­ble in­scrip­ti­on.

Der Dis­kurs des Herrn ist nicht die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se7, sie ist dort, wo sich, so möch­te ich sa­gen, die ei­ge­ne Ver­win­dung des Dis­kur­ses der Psy­cho­ana­ly­se zeigt, das, was dazu führt, dass die­ser Dis­kurs die Fra­ge nach ei­ner „Vor­der­sei­te“ und ei­ner „Rück­sei­te“ auf­wirft, denn Sie ken­nen ja das Ge­wicht des Be­to­nung, die in der Theo­rie, seit Freud sie in die Welt ge­setzt hat, das Ge­wicht der Be­to­nung, die auf die zwei­fa­che Nie­der­schrift8 ge­legt wird.

Or ce qu’il s’agissait de vous fai­re tou­cher du doigt, c’est la pos­si­bi­lité d’une in­scrip­ti­on dou­ble, à l’endroit, à l’envers, sans qu’ait à être fran­chi un bord.

Was ich Sie spü­ren las­sen woll­te, war die Mög­lich­keit ei­ner zwei­fa­chen Nie­der­schrift, auf der Vor­der­sei­te und auf der Rück­sei­te, ohne dass da­bei ein Rand über­schrit­ten wer­den muss.

C’est la struc­tu­re, dès long­temps bien con­nue, dont je n’ai eu qu’à fai­re usa­ge, dite de la ban­de de Mœ­bi­us.

Möbiusband

Mö­bi­us­band

Das ist die seit lan­gem wohl­be­kann­te Struk­tur des so­ge­nann­ten Mö­bi­us­ban­des, von der ich ein­fach nur Ge­brauch ma­chen muss­te.

[10] Ces pla­ces et ces élé­ments, c’est où se dé­si­gne que ce qui est, à pro­pre­ment par­ler, dis­cours ne sau­rait d’aucune fa­çon se ré­fé­rer d’un su­jet, bien qu’il le dé­ter­mi­ne.

Mit die­sen Plät­zen und die­sen Ele­men­ten wird be­zeich­net, dass das, was im ei­gent­li­chen Sin­ne Dis­kurs ist, auf kei­ne Wei­se sei­nen Be­zug von ei­nem Sub­jekt her neh­men kann, ob­wohl er es de­ter­mi­niert.

C’est là sans dou­te l’ambiguïté de ce par quoi j’ai in­tro­du­it ce que je pen­sais de­voir fai­re en­tendre à l’intérieur du dis­cours psy­chana­ly­tique.

Da ist si­cher­lich die Mehr­deu­tig­keit des­sen, wo­mit ich das ein­ge­führt habe, was ich glaub­te, im In­ne­ren des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses ver­ständ­lich ma­chen zu müs­sen.

Rap­pe­lez-vous mes ter­mes au temps où j’intitulais un cer­tain rap­port De la fonc­tion et du champ de la pa­ro­le et du lan­ga­ge dans la psy­chana­ly­se.

Er­in­nern Sie sich an mei­ne Ter­mi­ni zu der Zeit, als ich ei­nem be­stimm­ten Be­richt die­sen Ti­tel ge­ge­ben habe: Über Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se?9

« In­ter­sub­jec­tivité » écri­vais-je alors, et Dieu sait à quel­le fausse trace l’énoncé de ter­mes tels que ce­lui-là peut don­ner oc­ca­si­on.

In­ter­sub­jek­ti­vi­tät“ habe ich da­mals ge­schrie­ben, und Gott weiß, zu welch fal­scher Spur das Äu­ßern sol­cher Ter­mi­ni An­lass ge­ben kann.

Qu’on m’excuse d’avoir eu – ces traces – à les fai­re pre­miè­res, je ne pou­vais al­ler au de­vant que du ma­len­ten­du.

Man möge mir nach­se­hen, dass ich sie, die­se Spu­ren, zu­erst habe ma­chen müs­sen – nur durch das Miss­ver­ständ­nis konn­te ich vor­wärts­ge­hen.

« In­ter» cer­tes, en ef­fet, c’est ce que seu­le la sui­te m’a per­mis d’énoncer d’une in­ter­si­gni­fi­an­ce, « sub­jec­tivité » de sa con­séquence, le si­gni­fi­ant étant ce qui re­pré­sen­te un su­jet pour un aut­re si­gni­fi­ant, où le su­jet n’est pas.

In­ter“, ge­wiss, das ist das, was erst die Fol­ge mir er­laubt hat, über eine In­ter-Si­gni­fi­kanz zu äu­ßern, „Sub­jek­ti­vi­tät“, von de­ren Er­geb­nis her, wo­bei der Si­gni­fi­kant das ist, wo­durch ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird, für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten, wo das Sub­jekt nicht ist.10

C’est bien en cela que : pour ce que là où il est re­pré­sen­té, il est ab­sent, que re­pré­sen­té tout de même, il se trouve ain­si di­vi­sé.

In­so­fern es dort, wo es re­prä­sen­tiert ist, ab­we­send ist, es aber gleich­wohl re­prä­sen­tiert ist, fin­det es sich auf die­se Wei­se ge­spal­ten.

Le « dis­cours », ce n’est pas seu­le­ment qu’il ne peut plus dès lors être jugé qu’à la lu­miè­re de son res­sort in­con­sci­ent, c’est qu’il ne peut plus être énon­cé com­me quel­que cho­se d’autre que ce qui s’articule d’une struc­tu­re où quel­que part il se trouve alié­né d’une fa­çon ir­ré­duc­tible.

Der „Dis­kurs“, es geht nicht nur dar­um, dass er von da an nicht mehr an­ders als im Lich­te sei­ner un­be­wuss­ten Trieb­fe­der be­ur­teilt wer­den kann, son­dern dar­um, dass er nicht mehr an­ders aus­ge­sagt wer­den kann denn als das, was von ei­ner Struk­tur her ar­ti­ku­liert ist, in der er ir­gend­wo auf ir­re­du­zi­ble Wei­se ent­frem­det ist.

D’où mon énon­cé du dis­cours in­tro­duc­tif : « D’un dis­cours », je m’arrête, « ce n’est pas le mien ».

Von da­her mei­ne ein­lei­ten­de Be­mer­kung über den Dis­kurs: „Über ei­nen Dis­kurs“, ich hal­te inne, „es ist nicht mei­ner“.

C’est de cet énon­cé du dis­cours com­me ne pou­vant être com­me tel dis­cours d’aucun par­ti­cu­lier, mais se fondant d’une struc­tu­re, et de l’accent que lui don­ne la ré­par­ti­ti­on, le glis­se­ment, de cer­ta­ins de ses ter­mes, c’est de là que je pars cet­te an­née pour ce qui s’intitule D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.

Von die­ser Be­mer­kung, über den Dis­kurs als et­was, das als sol­ches nicht Dis­kurs ei­ner be­stimm­ten Per­son sein kann, son­dern durch eine Struk­tur ge­grün­det ist, und von der Be­to­nung, den er durch die Auf­tei­lung und das Glei­ten be­stimm­ter sei­ner Ter­mi­ni er­hält, von da gehe ich in die­sem Jahr aus, be­zo­gen auf das, was den Ti­tel hat: Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

À ceux qui n’ont pu l’année der­niè­re suiv­re ces énon­cés qui sont donc préal­ab­les, j’indique que la pa­ru­ti­on, qui date déjà de plus d’un mois, de Sci­li­cet 2/3 leur en don­ne­ra les ré­fé­ren­ces princi­pa­les.

Die­je­ni­gen, die im letz­ten Jahr die­sen Aus­füh­run­gen, die hier vor­aus­ge­setzt sind, nicht fol­gen konn­ten, wei­se ich dar­auf hin, dass das Er­schei­nen von Sci­li­cet 2/3, das be­reits mehr als ei­nen Mo­nat zu­rück­liegt, ih­nen die haupt­säch­li­chen Be­zü­ge lie­fern wird.11

Sci­li­cet 2/3, par­ce que c’est un écrit, est un évé­ne­ment, si­non avè­ne­ment de dis­cours.

Sci­liet 2/3, da es eine Schrift ist, ist das ein Er­eig­nis, wenn nicht eine An­kunft, des Dis­kur­ses.12

D’abord en ceci : c’est que ce­lui dont je me trouve in­stru­ment13 – sans qu’on puis­se éluder qu’il né­ces­si­te vot­re pres­se, au­tre­ment dit que vous soy­ez là, et très pré­cis­é­ment sous cet as­pect dont quel­que cho­se de sin­gu­lier nous fait la pres­se.

Zu­nächst in­so­fern, als der­je­ni­ge <Dis­kurs>, des­sen In­stru­ment ich bin, ohne dass man um­ge­hen könn­te, dass hier­für ihr Druck (pres­se) nö­tig ist, an­ders ge­sagt, dass sie da sind, und zwar ge­nau un­ter dem As­pekt, aus dem et­was Ein­zig­ar­ti­ges uns den Druck macht.

As­su­ré­ment avec, di­sons les in­ci­den­ces de not­re his­toire, il est quel­que cho­se qui se tou­che, qui | [11] re­nou­vel­le la ques­ti­on de ce qui peut en être du dis­cours en tant qu’il est le dis­cours du maît­re.

Si­cher­lich, mit, sa­gen wir, den Fol­gen un­se­rer Ge­schich­te ist das et­was, was sich spü­ren lässt, et­was, wo­durch die Fra­ge er­neu­ert wird, was mit dem Dis­kurs sein mag, in­so­fern er der Dis­kurs des Herrn ist.14

Ce quel­que cho­se qui ne peut fai­re que de lier, quel­que cho­se dont on s’interroge à le dé­nom­mer – n’allons pas trop vite à nous ser­vir du mot « ré­vo­lu­ti­on ».

Das et­was, was nichts tun kann als <die Dis­kur­se> zu ver­bin­den, et­was, wo­bei man sich fragt, wie man es nen­nen soll – sei­en wir nicht zu schnell da­mit, dass wir uns des Wor­tes „Re­vo­lu­ti­on“ be­die­nen.15

Mais il est clair qu’il faut dis­cer­ner ce qu’il en est de ce qui en som­me me per­met de pour­suiv­re mes énon­cés de cet­te for­mu­le D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.

Aber es ist klar, dass man das, was es da­mit auf sich hat, von dem un­ter­schei­den muss, was es mir ins­ge­samt er­mög­licht, mei­ne Äu­ße­rung die­ser For­mel fort­zu­set­zen: Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

Deux traits sont ici à re­tenir dans ce nu­mé­ro de Sci­li­cet.

Zwei Merk­ma­le sind hier in die­sem Heft von Sci­li­cet fest­zu­hal­ten.

C’est que je mets à l’épreuve som­me tou­te, à peu près – à quel­que cho­se près qui est en plus mon dis­cours de l’année der­niè­re, dans une con­fi­gu­ra­ti­on qui jus­tement se ca­rac­té­ri­se par l’absence de ce que j’ai ap­pelé cet­te pres­se de vot­re pré­sence.

Näm­lich dass ich mei­nen Dis­kurs vom letz­ten Jahr auf die Pro­be stel­le, im Gro­ßen und Gan­zen – bis auf et­was, was hin­zu­kommt –, in ei­ner Kon­fi­gu­ra­ti­on, die eben ge­nau durch die Ab­we­sen­heit des­sen cha­rak­te­ri­siert ist, was ich die­sen Druck (pres­se) Ih­rer Prä­senz ge­nannt habe.16

Et pour y mett­re son plein ac­cent, je la dirai de ces ter­mes : ce que cet­te pré­sence (si­gni­fie, je l’épinglerai du plus-de-jouir pres­sé.

Und um hier die vol­le Be­to­nung dar­auf zu le­gen, wer­de ich es in die­sen Ter­mi­ni sa­gen: Das, was die­se Prä­senz be­deu­tet, wer­de ich als ge­press­te Mehr­lust (plus-de-jouir pres­sé) be­zeich­nen.

Car c’est très pré­cis­é­ment de cet­te fi­gu­re que peut être esti­mé, si elle va au-delà d’une gêne, com­me on dit, con­cer­nant trop de sem­blan­ce dans le dis­cours où vous êtes in­scrits : le dis­cours uni­ver­si­taire, cel­le qu’il est fa­ci­le de dé­non­cer, d’une neu­tra­lité par ex­emp­le, que ce dis­cours ne peut pré­tendre sou­ten­ir, d’une sélec­tion com­pé­ti­ti­ve, quand il ne s’agit que des si­gnes qui s’adressent aux aver­tis, d’une for­ma­ti­on du su­jet, quand il s’agit de bien aut­re cho­se.

Denn ge­nau von die­ser Fi­gur aus kann be­ur­teilt wer­den, wenn sie über ein Un­be­ha­gen, wie man sagt, hin­aus­geht, be­zo­gen auf ein Zu­viel an Schein­haf­tig­keit (sem­blan­ce) in dem Dis­kurs, in den sie ein­ge­schrie­ben sind, den Uni­ver­si­täts­dis­kurs, die­je­ni­ge, die leicht zu kri­ti­sie­ren ist, be­zo­gen auf eine Neu­tra­li­tät bei­spiels­wei­se, die zu stüt­zen die­ser Dis­kurs kei­nes­wegs vor­ge­ben kann, be­zo­gen auf eine Se­lek­ti­on durch Kon­kur­renz, wäh­rend es doch nur um Zei­chen geht, die sich an die­je­ni­gen wen­den, die be­reits Be­scheid wis­sen17, be­zo­gen auf eine Bil­dung des Sub­jekts, wo es doch um et­was ganz an­de­res geht.18

Pour al­ler au-delà de cet­te gêne des sem­blants, pour que quel­que cho­se s’espère qui per­met­te d’en sor­tir, rien ne le per­met que de po­ser qu’un cer­tain mode, un cer­tain mode de ri­gueur dans l’avancement d’un dis­cours ne cli­ve [?], en po­si­ti­on do­mi­nan­te dans ce dis­cours, ce qu’il en est de ces tria­ges de ces glo­bu­les de plus-de-jouir au tit­re de quoi vous vous trou­vez, dans le dis­cours uni­ver­si­taire, pris.

Wenn man über die­ses Un­be­ha­gen am Schein hin­aus­zu­ge­hen will, da­mit et­was er­hofft wird, das es ge­stat­tet, da her­aus­zu­kom­men, so ist dies nur da­durch mög­lich, dass man an­nimmt, dass ein be­stimm­ter Mo­dus, ein be­stimm­ter Mo­dus der Stren­ge im Vor­brin­gen ei­nes Dis­kur­ses nicht das spal­tet, in do­mi­nan­ter Po­si­ti­on in die­sem Dis­kurs, was es mit der Aus­le­se die­ser Kü­gel­chen an Mehr­lust auf sich hat, in de­ren Na­men Sie vom Uni­ver­si­täts­dis­kurs er­fasst wer­den.19

C’est pré­cis­é­ment que quelqu’un, à par­tir du dis­cours ana­ly­tique, se met­te à vot­re re­gard20 dans la po­si­ti­on de l’analysant – ce n’est pas nou­veau, je l’ai déjà dit, mais per­son­ne n’y a fait at­ten­ti­on – ce qui con­sti­tue l’originalité de cet ens­eig­ne­ment.

Eben dies, dass je­mand, aus­ge­hend vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs, sich für Ih­ren Blick in die Po­si­ti­on des Ana­ly­san­ten bringt – das ist nicht neu, ich habe es be­reits ge­sagt, aber nie­mand hat dem Be­ach­tung ge­schenkt –, das ist es, was die Ori­gi­na­li­tät die­ses Un­ter­richts aus­macht.21

Et ce qui mo­ti­ve ce que vous lui ap­por­tez de vot­re « pres­se », c’est ce qu’à par­ler à la ra­dio [Ra­dio­pho­nie], j’ai mis à l’épreuve de cet­te sous­trac­tion pré­cis­é­ment de cet­te pré­sence, cet es­pace où vous vous pres­sez, an­nu­lé et rem­pla­cé par l’« il exis­te » pur de cet­te in­ter-si­gni­fi­an­ce dont je par­lais tout à l’heure, pour qu’y va­cil­le le su­jet.

Und das, was das Mo­tiv für das lie­fert, was Sie zu ihm mit ih­rem „Druck“ bei­steu­ern, das ist es, was ich, als ich im Ra­dio sprach, der Pro­be der Sub­trak­ti­on eben die­ser Prä­senz aus­ge­setzt habe, die­ser Raum, in dem Sie sich drän­gen, an­nul­liert und er­setzt durch das rei­ne „es exis­tiert“ die­ser In­ter-Si­gni­fi­kanz, von der ich eben ge­spro­chen habe, da­mit das Sub­jekt hier ins Wan­ken ge­rät.22

C’est sim­ple­ment une ai­guil­la­ge vers quel­que cho­se dont l’avenir dira la por­tée pos­si­ble.

Es ist ein­fach eine Wei­chen­stel­lung in Rich­tung auf et­was, des­sen mög­li­che Reich­wei­te die Zu­kunft zei­gen wird.

Il est un aut­re trait dans ce que j’ai ap­pelé cet évé­ne­ment, cet avè­ne­ment de dis­cours, c’est cet­te cho­se im­pri­mée qui s’appelle Sci­li­cet, c’est com­me un cer­tain nom­bre déjà le savent qu’on y écrit sans si­gner.

Es gibt noch ein wei­te­res Merk­mal des­sen, was ich die­ses Er­eig­nis, die­se An­kunft des Dis­kur­ses ge­nannt habe, und das ist die­se ge­druck­te Sa­che, die Sci­li­cet heißt, das ist – wie eine be­stimm­te An­zahl be­reits weiß –, dass man hier schreibt, ohne zu un­ter­zeich­nen.23

Qu’est-ce que ça | [12] veut dire ?

Was ist da­mit ge­meint?

Que cha­cun de ces noms, qui se trou­vent mis en co­lon­ne à la der­niè­re page de ces trois nu­mé­ros qui con­sti­tu­ent une an­née, peut être per­mu­té avec cha­cun des au­tres, af­fir­mant de là qu’aucun dis­cours ne sau­rait être d’auteur.24

Dass je­der die­ser Na­men, die man in ei­ner Spal­te auf der letz­ten Sei­te die­ser drei Hef­te fin­det, die ein Jahr bil­den, dass je­der mit je­dem an­de­ren per­mu­tiert wer­den kann, wo­durch be­kräf­tigt wird, dass kein Dis­kurs der ei­nes Au­tors sein kann.25

Là ça par­le, dans l’autre cas c’est l’aiguille, là l’avenir dira si c’est la for­mu­le que, di­sons dans cinq, six ans, ad­op­te­ront tou­tes les re­vu­es, les re­vu­es bien s’entend. [Ge­läch­ter]

Da spricht es, im an­de­ren Fall ist es die Wei­che, da wird die Zu­kunft zei­gen, ob dies die For­mel ist, die in, sa­gen wir, fünf, sechs Jah­ren alle Zeit­schrif­ten über­neh­men wer­den, die gu­ten Zeit­schrif­ten, ver­steht sich. [Ge­läch­ter]

En­fin26, on ver­ra !

Nun, man wird se­hen!

Je n’essaie pas, dans ce que je dis, de sor­tir de ce qui est res­sen­ti, éprou­vé, dans mes énon­cés com­me ac­cen­tu­ant, com­me ten­ant à l’artefact du dis­cours.

Bei dem, was ich sage, ver­su­che ich nicht, aus dem her­aus­zu­kom­men, was in mei­nen Aus­sa­gen als et­was ge­spürt wird, er­lebt wird, wo­mit das Ar­te­fakt des Dis­kur­ses be­tont wird und wo­mit es fest­ge­hal­ten wird.

C’est dire bien sûr c’est la moind­re des cho­ses que ce faisant, ça ex­clut que je pré­ten­de tout en cou­vrir.

Das heißt na­tür­lich – das ist das Min­des­te –, wenn ich das tue, dann schließt das aus, dass ich vor­ge­be, al­les ab­zu­de­cken.

Ça ne peut être un sys­tè­me, ça n’est à ce tit­re pas une phi­lo­so­phie.

Das kann kein Sys­tem sein, und in­so­fern ist das kei­ne Phi­lo­so­phie.

Il est clair qu’à qui­con­que prend sous le bi­ais où l’analyse nous per­met de re­nou­ve­ler ce qu’il en est du dis­cours, ceci im­pli­que qu’on se dé­place, je dirais dans un « dés­uni­vers ».

Es ist klar, dass für je­den, der die Per­spek­ti­ve über­nimmt, durch die die Ana­ly­se es uns ge­stat­tet, das zu er­neu­ern, wor­um es beim Dis­kurs geht, dass dies für je­den im­pli­ziert, dass man sich, ich möch­te sa­gen, in ei­nem „Des­uni­ver­sum“ hin und her be­wegt.

Ce n’est pas la même cho­se qu’un « di­vers ».

Das ist nicht das­sel­be wie ein „Di­ver­ses“ [¿ Di­ver­sum ¿].27

Mais même à ce di­vers je ne ré­pug­ne­rais pas, et pas seu­le­ment pour ce qu’il im­pli­que de di­ver­sité, mais jusqu’à ce qu’il ap­p­li­que de di­ver­si­on.

Aber auch die­sem Di­ver­sen wür­de ich mich nicht wi­der­set­zen, nicht nur so­weit, als es die Di­ver­si­tät ent­hält, son­dern auch bis zu dem, was es an Di­ver­si­on ein­bringt.

Il est très clair aus­si que je ne par­le pas de tout, que même dans ce que j’énonce ça ré­sis­te à ce qu’on par­le de tout à son pro­pos.

Es ist auch ganz klar, dass ich nicht über al­les spre­che, dass selbst in dem, was ich äu­ße­re, sich et­was dem wi­der­setzt, über al­les sei­ne Mei­nung zu sa­gen.

Ça se tou­che du doigt tous les jours, même sur ce que j’énonce que je ne dise pas tout, cela est aut­re cho­se, je l’ai déjà dit, ça ti­ent à ceci que la vé­rité n’est qu’à mi-dire.

Das ist täg­lich mit dem Fin­ger zu spü­ren, auch be­zo­gen dar­auf, dass ich äu­ße­re, dass ich nicht al­les sage, das ist et­was an­de­res, ich habe es be­reits ge­sagt: das be­ruht dar­auf, dass die Wahr­heit sich nur halb­sa­gen lässt.

Ce dis­cours donc, qui se con­fi­ne à n’agir que dans l’artefact, n’est en som­me que le pro­lon­ge­ment de la po­si­ti­on de l’analyste, en tant qu’elle se dé­fi­nit de mett­re le po­ids de son plus-de-jouir à une cer­tai­ne place.

Die­ser Dis­kurs also, der sich dar­auf be­schränkt, nur im Ar­te­fakt zu han­deln, ist letzt­lich nur die Ver­län­ge­rung der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers, in­so­fern sie da­durch de­fi­niert ist, dass sie das Ge­wicht sei­ner Mehr­lust an ei­nen be­stimm­ten Platz stellt.28

C’est néan­mo­ins la po­si­ti­on qu’ici je ne sau­rai sou­ten­ir, très pré­cis­é­ment de n’être pas dans cet­te po­si­ti­on de l’analyste.

Das ist je­doch die Po­si­ti­on, die ich hier nicht ein­neh­men kann, und zwar ge­nau des­halb nicht, weil ich nicht in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers bin.

Com­me je l’ai dit tout à l’heure à ceci près qu’il vous y man­que le sa­voir c’est plu­tôt vous qui y se­riez, dans vot­re pres­se.

Wie ich eben ge­sagt habe – bis auf dies, dass Ih­nen hier das Wis­sen fehlt –, es ist viel­mehr so, dass Sie da sind, mit ih­rem Druck.29

Ceci dit, quel­le peut être la por­tée de ce que dans cet­te ré­fé­rence j’énonce D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant ?

Was kann, nach dem Ge­sag­ten, die Trag­wei­te des­sen sein, dass ich in die­sem Be­zug äu­ße­re Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre?

Ça peut s’énoncer de ma place et en fonc­tion de ce que j’ai énon­cé pré­cé­dem­ment.

Das kann von mei­nem Platz aus ge­äu­ßert wer­den und ab­hän­gig von dem, was ich frü­her ge­äu­ßert habe.

C’est un fait en tout cas que je l’énonce.

Auf je­den Fall ist es ein Fak­tum, dass ich es äu­ße­re.

Re­mar­quez que c’est un fait aus­si puis­que je l’énonce.

Be­ach­ten Sie, dass es ein Fak­tum auch des­halb ist, weil ich es äu­ße­re.

Vous pou­vez n’y voir que du feu, c’est-à-dire pen­ser qu’il n’y a rien de plus que le fait que je l’énonce.

Mag sein, dass Sie hier nichts be­mer­ken, d..h. dass Sie den­ken, dass es nicht mehr gibt als das Fak­tum, dass ich es äu­ße­re.

Seu­le­ment si j’ai par­lé à pro­pos du dis­cours d’« ar­te­fact », c’est que pour le dis­cours il n’y a rien de fait si je puis dire, déjà, il n’y a de fait que du fait du dis­cours.

Nur, wenn ich in Be­zug auf den Dis­kurs von „Ar­te­fakt“ ge­spro­chen habe, dann des­halb, weil für den Dis­kurs kein Fak­tum, wenn ich so sa­gen kann, be­reits da ist; ein Fak­tum gibt es nur durch das Fak­tum des Dis­kur­ses.

Le fait énon­cé est tout en­sem­ble le fait du dis­cours.

Das ge­äu­ßer­te Fak­tum ist ganz und gar das Fak­tum des Dis­kur­ses.

C’est ça que je dé­si­gne par le ter­me d’artefact, et, bien en­ten­du, c’est ce qu’il s’agit de ré­du­i­re.

Das ist das, was ich mit dem Aus­druck „Ar­te­fakt“ be­zeich­ne, und das ist na­tür­lich das, was re­du­ziert wer­den muss.

[13] Par­ce que si je par­le d’artefact c’est pas pour en fai­re sur­gir l’idée de quel­que cho­se qui se­rait aut­re, d’une na­tu­re dont vous au­riez tort de vous y en­ga­ger pour en af­fron­ter les em­barras par­ce que vous n’en sor­ti­riez pas.

Denn wenn ich vom Ar­te­fakt spre­che, dann nicht des­halb, um dar­aus die Idee von et­was auf­tau­chen zu las­sen, was an­ders wäre, ei­ner Na­tur, in Be­zug wor­auf Sie ei­nen Feh­ler ma­chen wür­den, wenn Sie sich dar­an­ma­chen wür­den, sich de­ren Be­hin­de­run­gen ent­ge­gen­zu­set­zen, da Sie da nicht wie­der her­aus­kä­men.

La ques­ti­on ne s’instaure pas dans les ter­mes « Est-ce, ou n’est-ce pas di­ci­ble ? », mais dans ceci : « c’est dit ou ce n’est pas dit ».

Die Fra­ge stellt sich nicht in die­sen Aus­drü­cken: „Ist es sag­bar oder nicht?“30, son­dern in die­sen: „Es ist ge­sagt oder es ist nicht ge­sagt“.

Je pars de ce qui est dit dans un dis­cours dont l’artefact est sup­po­sé suf­fire à ce que vous soy­ez là.

Ich gehe von dem aus, was in ei­nem Dis­kurs ge­sagt ist, von des­sen Ar­te­fakt an­ge­nom­men wird, dass es da­für hin­reicht, dass Sie da sind.

Ici coupu­re, car je n’ajoute pas : « à ce que vous soy­ez là à l’état de plus-de-jouir pres­sé ».

Hier ein Schnitt, denn ich füge nicht hin­zu, „da­für, dass Sie da sind im Zu­stand der ge­press­ten Mehr­lust“.

J’ai dit « coupu­re » par­ce qu’il est ques­ti­onn­ab­le de sa­voir si c’est en tant que plus-de-jouir pres­sé déjà que mon dis­cours vous ras­sem­ble.

Ich habe „Schnitt“ ge­sagt, da es frag­lich ist, ob mein Dis­kurs Sie be­reits als ge­press­te Mehr­lust ver­sam­melt.

Il n’est pas tran­ché, quoi qu’en pen­se tel ou tel, que ce soit ce dis­cours, ce­lui de la sui­te des énon­cés que je vous pré­sen­te, qui vous met­te vous dans cet­te po­si­ti­on d’où il est ques­ti­onn­ab­le par le « pas » d’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.31

Es ist nicht ent­schie­den, was auch im­mer der eine oder an­de­re dar­über den­ken mag, ob es die­ser Dis­kurs ist – der­je­ni­ge, der aus der Fol­ge der Äu­ße­run­gen be­steht, die ich Ih­nen prä­sen­tie­re –, der Sie in die­se Po­si­ti­on bringt, von der aus er be­fragt wer­den kann, durch das nicht / den Schritt ei­nes Dis­kur­ses, der nicht vom Schein wäre.

Du sem­blant, qu’est-ce que ça veut dire ?

Vom Schein, was be­deu­tet das?

Qu’est-ce que ça veut dire dans cet énon­cé ?

Was be­deu­tet das in die­ser Äu­ße­rung?

Du sem­blant de dis­cours par ex­emp­le ?

Bei­spiels­wei­se vom Schein des Dis­kur­ses?

Vous le savez, c’est la po­si­ti­on dite du lo­gi­co-po­si­ti­vis­me.

Wie Sie wis­sen, ist das die Po­si­ti­on des so­ge­nann­ten lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus.32

C’est que si à par­tir d’un si­gni­fi­ant à mett­re à l’épreuve de quel­que cho­se qui tran­che par oui ou par non, ce qui ne per­met pas de s’offrir à cet­te épreuve voi­là ce qui est dé­fi­ni ne vou­loir rien dire.

Näm­lich wenn man von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten aus­geht, der auf et­was hin zu über­prü­fen ist, was mit Ja oder Nein ent­schie­den wird, dann ist das, was die­ser Prü­fung nicht un­ter­zo­gen wer­den kann, das, was als sinn­los de­fi­niert wird.

Mais avec ça on se croit quit­te d’un cer­tain nom­bre de ques­ti­ons qua­li­fiées de mé­ta­phy­si­ques.

Aber da­mit glaubt man, eine be­stimm­te An­zahl von Fra­gen los zu sein, die als me­ta­phy­sisch qua­li­fi­ziert wer­den.33

Ce n’est pas cer­tes que j’y ti­en­ne, mais je ti­ens à fai­re re­mar­quer que la po­si­ti­on du lo­gi­co-po­si­ti­vis­me est in­ten­ab­le, en tout cas à par­tir de l’expérience ana­ly­tique no­tam­ment.

Das ist si­cher­lich nichts, wor­an ich mich hal­te, ich hal­te aber dar­an fest, dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass die Po­si­ti­on des lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus un­halt­bar ist, auf je­den Fall, wenn man von der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung aus­geht, ins­be­son­de­re von ihr.

Si l’expérience ana­ly­tique se trouve im­pli­quée, de prend­re ses ti­tres de no­bles­se du my­the œdi­pi­en, c’est bien qu’elle pré­ser­ve le tran­chant de l’énonciation de l’oracle.

Wenn die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung nun dar­in ver­wi­ckelt ist, dass sie ihre Adels­ti­tel vom Ödi­pus­my­thos her­nimmt, dann be­wahrt sie da­mit das Schnei­den­de der Äu­ße­rung des Ora­kels.34

Et je dirai plus : que l’interprétation y res­te tou­jours du même ni­veau.

Und ich möch­te dar­über hin­aus sa­gen, dass die Deu­tung im­mer auf eben die­ser Ebe­ne bleibt.

Elle n’est vraie que par ses sui­tes, tout com­me l’oracle.

Wahr ist sie nur durch ihre Fol­gen, ganz wie das Ora­kel.35

L’interprétation n’est pas mise à l’épreuve d’une vé­rité qui se tran­che­r­ait par oui ou par non, elle dé­chaî­ne la vé­rité com­me tel­le.

Die Deu­tung wird nicht auf eine Wahr­heit hin über­prüft, die durch Ja oder durch Nein ent­schie­den wer­den könn­te – sie ent­fes­selt die Wahr­heit als sol­che.

Elle n’est vraie qu’en tant que vrai­ment sui­vie.

Sie ist nur in­so­fern wahr, als ihr wahr­haft ge­folgt wird.

Nous ver­rons tout à l’heure les sché­mas de l’implication j’entends de l’implication lo­gi­que dans leurs for­mes les plus clas­si­ques, ces sché­mas eux-mê­mes né­ces­si­tent le fond de ce véri- | [14] di­que en tant qu’il ap­par­ti­ent à la pa­ro­le, fût-elle à pro­pre­ment par­ler in­sen­sée.

Wir wer­den bald noch se­hen, dass die Sche­ma­ta der Im­pli­ka­ti­on, ich mei­ne der lo­gi­schen Im­pli­ka­ti­on, in ih­ren klas­sischs­ten For­men36, dass die­se Sche­ma­ta selbst den Bo­den die­ses Ve­r­i­di­schen37 er­for­dern, in­so­fern es zum Spre­chen ge­hört, selbst wenn es, streng ge­sagt, sinn­los ist.38

Le pas­sa­ge de ce mo­ment où la vé­rité se tran­che de son seul dé­chaî­ne­ment, à ce­lui d’une lo­gi­que qui va ten­ter de don­ner corps à cet­te vé­rité, c’est très pré­cis­é­ment le mo­ment où le dis­cours en tant que re­pré­sen­tant de la re­pré­sen­ta­ti­on est ren­voyé, dis­qua­li­fié.

Der Über­gang von die­sem Mo­ment, in dem über die Wahr­heit al­lein durch ihre Ent­fes­se­lung ent­schie­den wird, zu dem ei­ner Lo­gik, die ver­su­chen wird, die­ser Wahr­heit Kör­per zu ver­lei­hen, das ist sehr ge­nau der Mo­ment, in dem der Dis­kurs als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz zu­rück­ge­wie­sen wird, dis­qua­li­fi­ziert wird.39

Et s’il peut l’être c’est par­ce qu’en quel­que par­tie il l’est tou­jours déjà, que c’est ça que l’on ap­pel­le le re­fou­le­ment.

Und wenn das mit ihm ge­sche­hen kann, dann des­halb, weil er es teil­wei­se im­mer schon ist, und eben das nennt man Ver­drän­gung.

Ce n’est plus une re­pré­sen­ta­ti­on qu’il re­pré­sen­te.

Es ist nicht mehr eine Vor­stel­lung, die er re­prä­sen­tiert.40

C’est cet­te sui­te de dis­cours qui se ca­rac­té­ri­se com­me ef­fet de vé­rité.

Es ist die­se Fort­set­zung des Dis­kur­ses, die als Wahr­heits­ef­fekt cha­rak­te­ri­siert wird.

Cet ef­fet de vé­rité n’est pas du sem­blant.

Die­ser Wahr­heits­ef­fekt ist nicht vom Schein.

Et l’œdipe est là pour nous ap­prend­re si vous me per­met­tez pour nous ap­prend­re que c’est du sang rouge. [Ge­läch­ter]

Und der Ödi­pus­kom­plex ist da, um uns zu klar­zu­ma­chen – wenn Sie er­lau­ben –, um uns klar­zu­ma­chen, dass hier Blut ge­flos­sen ist. [Ge­läch­ter]

Seu­le­ment voi­là, le sang rouge ne ré­fu­te pas le sem­blant, il le co­lo­re, il le rend re-sem­blant, il le pro­pa­ge.

Al­ler­dings, das Blut wi­der­legt nicht den Schein, es färbt ihn, es ver­leiht ihm neu­en Schein [re-sem­blant], es ver­brei­tet ihn.

Un peu de sci­u­re et le cir­que re­com­mence.

Ein biss­chen Sä­ge­mehl und der Zir­kus be­ginnt von vorn.

C’est bien pour cela que c’est au ni­veau de l’artefact, de la struc­tu­re du dis­cours, que peut s’élever la ques­ti­on d’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.

Und eben des­halb kann sich die Fra­ge nach ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, auf der Ebe­ne des Ar­te­fakts stel­len, der Dis­kurs­struk­tur.

En at­ten­dant, il n’y a pas de sem­blant de dis­cours, il n’y a pas de mé­tal­an­ga­ge pour en ju­ger, il n’y a pas d’Autre de l’Autre, il n’y a pas de vrai sur le vrai.

Wäh­rend man dar­auf war­tet, gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses, gibt es, um das zu be­ur­tei­len, kei­ne Met­a­spra­che (mé­tal­an­ga­ge)41, gibt es kei­nen An­de­ren des An­de­ren, gibt es nicht Wah­res über das Wah­re.42

Je me suis amu­sé un jour à fai­re par­ler la vé­rité.

Ich habe mich mal da­mit amü­siert, die Wahr­heit spre­chen zu las­sen.43

Je de­man­de où il y a un pa­ra­do­xe : qu’est-ce qu’il peut y avoir de plus vrai que l’énonciation « je mens » ?

Ich fra­ge, wo hier die Pa­ra­do­xie ist, was könn­te wah­rer sein als die Äu­ße­rung „ich lüge“?44

Le chip­o­ta­ge clas­si­que qui s’énonce du ter­me de pa­ra­do­xe, ne prend corps que si ce « je mens », vous le met­tez sur un pa­pier à tit­re d’écrit.

Die klas­si­sche Wort­klau­be­rei, die mit dem Aus­druck der Pa­ra­do­xie ge­äu­ßert wird, er­hält nur dann ei­nen Kör­per, wenn Sie die­ses „ich lüge“ auf Pa­pier brin­gen, als et­was Ge­schrie­be­nes.

Tout le mon­de sent qu’il n’y a rien de plus vrai qu’on puis­se dire à l’occasion, que de dire « je mens ».

Je­der spürt, dass man bei be­stimm­ten Ge­le­gen­hei­ten nichts Wah­re­res sa­gen kann, als zu sa­gen, „ich lüge“.

C’est même très cer­tai­ne­ment la seu­le vé­rité qui à l’occasion ne soit pas bri­sée.

Das ist so­gar ganz ge­wiss die ein­zi­ge Wahr­heit, die dann nicht zer­bricht.

Qui ne sait qu’à dire que « je ne mens pas » on n’est ab­so­lu­ment pas à l’abri de dire quel­que cho­se de faux.

Wer wüss­te nicht, dass man, wenn man sagt, „ich lüge nicht“, ab­so­lut nicht da­vor ge­schützt ist, et­was Fal­sches zu sa­gen.

Qu’est-ce à dire ?

Was soll das hei­ßen?

La vé­rité dont il s’agit quand elle par­le cel­le dont j’ai dit qu’elle par­le « je », qui s’énonce com­me ora­cle qui par­le ?

Die Wahr­heit, um die es geht, wenn sie spricht – die­je­ni­ge, von der ich ge­sagt habe, dass sie „ich“ sagt, die sich als Ora­kel äu­ßert –, wer spricht da?

Ce sem­blant, c’est le si­gni­fi­ant en lui-même !

Die­ser Schein ist der Si­gni­fi­kant an sich selbst.45[/note]

Qui ne voit que ce qui le ca­rac­té­ri­se ce si­gni­fi­ant, dont au re­gard des lin­gu­is­tes je fais cet usa­ge qui les gêne ?

Wer sieht denn nicht, dass das, was ihn cha­rak­te­ri­siert, die­sen Si­gni­fi­kan­ten, von dem ich in den Au­gen von Sprach­wis­sen­schaft­lern ei­nen Ge­brauch ma­che, der sie pein­lich be­rührt –.

Il s’en est trou­vé pour écri­re ces li­gnes, de­sti­nées à bien aver­tir que sans doute,Ferdinand de Saus­su­re n’en avait pas la moind­re idée.

Es hat sich ei­ner ge­fun­den, die­se Zei­len zu schrei­ben, die dazu aus­er­se­hen sind, die War­nung zu ver­kün­den, dass, ganz ohne Zwei­fel, Fer­di­nand de Saus­su­re da­von nicht die ge­rings­te Vor­stel­lung hat­te.

Qu’est-ce qu’on en sait ?

Was weiß man dar­über?

Fer­di­nand de Saus­su­re fai­sait com­me moi, il ne di­sait pas tout, la preuve c’est qu’on a trou­vé dans ses pa­piers des cho­ses qu’il n’a ja­mais vou­lu fai­re sor­tir.

Fer­di­nand de Saus­su­re mach­te es wie ich, er sag­te nicht al­les, der Be­weis da­für ist, dass man un­ter sei­nen Pa­pie­ren Sa­chen ge­fun­den hat, die er nie­mals her­aus­brin­gen woll­te.46

Le si­gni­fi­ant, on croit que c’est une bon­ne pe­ti­te cho­se, com­me ça, qui est appri­voi­sée par le struc­tu­ra­lis­me.

Der Si­gni­fi­kant, man glaubt, dass das ein net­tes klei­nes Ding ist, ein­fach so, das vom Struk­tu­ra­lis­mus ge­zähmt wor­den ist.

On croit que c’est l’Autre en tant qu’Autre et la bat­te­rie du si­gni­fi­ant, et tout ce que j’explique bien sûr.

Man glaubt, das ist der An­de­re als An­de­res47 und die Bat­te­rie des Si­gni­fi­kan­ten48 und na­tür­lich all das, was ich er­klä­re.

Bien en­ten­du ça vi­ent du ciel par­ce que je suis un idéa­lis­te, pour l’occasion…

Das kommt na­tür­lich vom Him­mel49, weil ich Idea­list bin, hier je­den­falls.

[15] « Ar­te­fact » ai-je dit d’abord, bien sûr, l’artefact, c’est ab­so­lu­ment cer­tain que ce soit not­re sort de tous les jours.

Ar­te­fakt“ habe ich an­fangs ge­sagt, ge­wiss, das Ar­te­fakt, es ist ab­so­lut si­cher, dass das un­ser all­täg­li­ches Schick­sal ist.

Nous le trou­vons à tous les co­ins de rue, à la por­tée du moind­re ges­te de nos mains.

Wir fin­den es an je­der Stra­ßen­ecke, in Reich­wei­te der ge­rings­ten Ges­te un­se­rer Hän­de.

S’il y a quel­que cho­se qui soit un dis­cours sou­ten­ab­le, en tout cas sou­te­nu, ce­lui de la sci­ence nom­mé­ment, ce n’est peut-être pas vain de se sou­ve­nir qu’il est par­ti très spé­cia­le­ment de la con­s­idé­ra­ti­on de sem­blants.

Wenn es et­was gibt, was ein halt­ba­rer Dis­kurs ist, oder je­den­falls ei­ner, der sich ge­hal­ten hat, näm­lich der­je­ni­ge der Wis­sen­schaft50, so ist es viel­leicht nicht un­nütz, sich dar­an zu er­in­nern, dass er ganz spe­zi­ell von der Er­ör­te­rung von For­men des Scheins (de sem­blants) aus­ge­gan­gen ist.

Le dé­part de la pen­sée sci­en­ti­fi­que je par­le de l’histoire qu’est-ce que c’est ?

Der Aus­gangs­punkt des wis­sen­schaft­li­chen Den­kens, ich spre­che über die Ge­schich­te, was ist das?

L’observation des as­tres.

Die Be­ob­ach­tung der Ster­ne.

Qu’est-ce que c’est si ce n’est la con­stel­la­ti­on, c’est-à-dire le sem­blant ty­pi­que ?

Was ist das an­de­res als die Kon­stel­la­ti­on, d..h. der ty­pi­sche Schein?51

Les pas pre­miers de la phy­si­que mo­der­ne, au­tour de quoi est-ce que ça tourne au dé­part ?

Die ers­ten Schrit­te der mo­der­nen Phy­sik, wor­um dre­hen sie sich zu Be­ginn?

Non pas com­me on le croit des élé­ments, car les élé­ments, les quat­re en­fin même si vous y ajou­tez – la quint­essence c’est déjà du dis­cours, du dis­cours phi­lo­so­phi­que, et com­ment !

Nicht, wie man glaubt, um Ele­men­te, denn die Ele­men­te, die vier52 – und selbst dann, wenn Sie die Quint­essenz53 hin­zu­fü­gen –, das ge­hört be­reits zum phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs, und wie!

C’est des mé­téo­res !

Das dreht sich um die Me­teo­re.54

Des­car­tes fait un traité des mé­téo­res.

Des­car­tes schreibt eine Ab­hand­lung über Me­teo­re.55

Le pas dé­cisif un des pas dé­cisifs tourne au­tour de la théo­rie de l’arc-en-ciel.

Der ent­schei­den­de Schritt, ei­ner der ent­schei­den­den Schrit­te dreht sich um die Theo­rie des Re­gen­bo­gens.

Et quand je par­le d’un mé­téo­re, c’est quel­que cho­se qui se dé­fi­nit d’être qua­li­fié com­me tel d’un sem­blant.

Und wenn ich von ei­nem Me­te­or spre­che, so ist das et­was, was da­durch de­fi­niert ist, dass es als sol­ches durch ei­nen Schein cha­rak­te­ri­siert ist.

Per­son­ne n’a ja­mais cru que l’arc-en-ciel même par­mi les gens les plus pri­mi­tifs que l’arc-en-ciel était une cho­se qui était là, cour­bée, dres­sée.

Nie­mand hat je ge­glaubt, dass der Re­gen­bo­gen – nicht ein­mal bei den pri­mi­tivs­ten Leu­ten –, dass der Re­gen­bo­gen ein Ding wäre, das da ist, ge­bo­gen und auf­ge­rich­tet.

C’est en tant que mé­téo­re qu’il est in­ter­ro­gé.

Er wird als Me­te­or be­fragt.

Le mé­téo­re le plus ca­rac­té­ris­tique, le plus ori­gi­nel, ce­lui dont il est hors de dou­te qu’il est lié à la struc­tu­re même de tout ce qui est dis­cours, c’est le ton­ner­re.

Der cha­rak­te­ris­tischs­te Me­te­or, der ur­sprüng­lichs­te, der­je­ni­ge, bei dem nicht zu be­zwei­feln ist, dass er mit der Struk­tur von al­lem, was Dis­kurs ist, ver­bun­den ist, das ist der Don­ner.

Si j’ai ter­mi­né mon Dis­cours de Rome sur l’évocation du ton­ner­re, ce n’est pas ab­so­lu­ment com­me ça par fan­ta­i­sie.

Wenn ich mei­ne Rom-Rede mit der An­ru­fung des Don­ners be­en­det habe, dann ab­so­lut nicht ein­fach so, aus mei­ner Phan­ta­sie her­aus.56

Il n’y a pas de Nom-du-Père ten­ab­le sans le ton­ner­re, dont tout le mon­de sait très bien qu’on ne sait même pas le si­gne de quoi c’est, le ton­ner­re.

Es gibt kei­nen halt­ba­ren Na­men-des-Va­ters ohne den Don­ner57, wo­bei alle sehr gut wis­sen, dass man nicht ein­mal weiß, von was der Don­ner ein Zei­chen ist.58

C’est la fi­gu­re même du sem­blant.

Eben das ist die Ge­stalt des Scheins.

C’est en cela qu’il n’y a pas de sem­blant du dis­cours.

Und in­so­fern gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses.59

Tout ce qui est dis­cours ne peut que se don­ner en sem­blant, et rien ne s’y édi­fie qui ne soit à base de ce quel­que cho­se qui s’appelle si­gni­fi­ant, qui dans la lu­miè­re où je vous le pro­du­is aujourd’hui, est iden­tique à ce sta­tut com­me tel du sem­blant.

Al­les, was Dis­kurs ist, kann sich nur von dem her als Schein ge­ben, und nichts wird dar­auf auf­ge­baut, was nicht auf der Grund­la­ge des­sen ist, was Si­gni­fi­kant ge­nannt wird, der in dem Licht, in dem ich ihn heu­te für Sie vor­brin­ge, mit die­sem Sta­tus des Scheins als sol­chem iden­tisch ist.

D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant pour que ça fas­se énon­cé, il faut donc que d’aucune fa­çon ce « du sem­blant » ne soit com­plé­ta­ble de la | [16] ré­fé­rence de dis­cours.

Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre – da­mit dar­aus eine Aus­sa­ge wird, darf die­ses vom Schein kei­nes­falls durch Be­zug auf „Dis­kurs“ ver­voll­stän­digt wer­den.60

C’est d’autre cho­se qu’il s’agit, du ré­fé­rent sans dou­te.

Es geht um et­was an­de­res, und zwei­fel­los um den Re­fe­ren­ten.

Con­te­nez-vous un tout pe­tit peu. [Ge­läch­ter]

Hal­ten Sie sich ein ganz klein we­nig zu­rück! [Ge­läch­ter]

Ce ré­fé­rent n’est pas pro­bable­ment tout de sui­te l’objet, puis­que jus­tement ce que ça veut dire c’est que ce ré­fé­rent c’est jus­tement lui qui se pro­mè­ne.

Die­ser Re­fe­rent ist wahr­schein­lich nicht so­gleich der Ge­gen­stand, denn das be­deu­tet ge­nau dies, dass es ge­nau die­ser Re­fe­rent ist, der her­um­wan­dert.61

Le sem­blant dans le­quel le si­gni­fi­ant62 est iden­tique à lui-même, c’est un ni­veau du ter­me « sem­blant » , c’est le sem­blant dans la na­tu­re.

Der Schein, in dem der Si­gni­fi­kant mit sich selbst iden­tisch ist63 – das ist eine Ebe­ne des Aus­drucks „Schein“ – ist der Schein in der Na­tur.

Ce n’est pas pour rien que je vous ai rap­pelé qu’aucun dis­cours qui évo­que la na­tu­re n’a ja­mais fait que de par­tir de ce qui dans la na­tu­re est sem­blant, car la na­tu­re en est plei­ne.

Nicht ohne Grund habe ich Sie dar­an er­in­nert, dass kein Dis­kurs, der die Na­tur be­schwört, je­mals et­was an­de­res ge­tan hat als von dem aus­zu­ge­hen, was in der Na­tur Schein ist, denn die Na­tur ist voll da­von.

Je ne par­le pas de la na­tu­re ani­ma­le dont il est bien évi­dent qu’elle en sur­abonde.

Ich spre­che nicht von der tie­ri­schen Na­tur, bei der ganz of­fen­sicht­lich ist, dass sie da­von im Über­fluss hat.

C’est même ce qui fait qu’il y a de doux rê­veurs qui pen­sent que tou­te en­t­iè­re la na­tu­re ani­ma­le, des pois­sons aux oi­se­aux, chan­te la louan­ge di­vi­ne.

Das ist ge­nau das, was dazu führt, dass es sanf­te Träu­mer gibt, die den­ken, dass die ge­sam­te tie­ri­sche Na­tur, von den Fi­schen bis zu den Vö­geln, das Lob Got­tes singt.64

Ça va de soi, chaque fois qu’ils ou­vrent com­me ça quel­que cho­se une tête, une bou­che, un opercu­le c’est un sem­blant ma­ni­fes­te, et rien né­ces­si­te ces béan­ces.

Das ver­steht sich von selbst – je­des Mal, wenn sie, ein­fach so, et­was öff­nen, ei­nen Kopf, ei­nen Mund, ei­nen Kie­men­de­ckel, ist das ein ma­ni­fes­ter Schein, und nichts macht die­ses Auf­klaf­fen not­wen­dig.

Quand nous ent­rons dans quel­que cho­se dont l’efficace n’est pas tran­ché pour la simp­le rai­son que nous ne sa­vons pas com­ment ça s’est fait qu’il y ait eu, si je puis dire, ac­cu­mu­la­ti­on de si­gni­fi­ants, car les si­gni­fi­ants – hein, je vous le dis – sont ré­par­tis dans le mon­de, dans la na­tu­re, il y en a à la pel­le.

Wenn wir in et­was ein­tre­ten, des­sen Wirk­sam­keit (ef­fi­cace) nicht ge­klärt ist, aus dem ein­fa­chen Grun­de, dass wir nicht wis­sen, wie es ge­kom­men ist, dass hier, wenn ich so sa­gen darf, eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat65, denn die Si­gni­fi­kan­ten, Ach­tung, ich sag’s Ih­nen, sind in der Welt ver­brei­tet, in der Na­tur gibt es sie hau­fen­wei­se.

Pour que nais­se le lan­ga­ge c’est déjà quel­que cho­se d’amorcer ça ! pour que nais­se le lan­ga­ge il a fal­lu que quel­que part s’établisse ce quel­que cho­se que je vous ai déjà in­di­qué à pro­pos du pari : c’était le pari de Pas­cal, nous ne nous en sou­venons, sup­po­ser ceci, l’ennuyeux c’est que ça sup­po­se déjà le fonc­tion­ne­ment du lan­ga­ge.

Da­mit die Spra­che ent­steht, das ist schon was, das in Gang zu set­zen!, da­mit die Spra­che ent­steht, muss­te ir­gend­wo das ein­ge­rich­tet wer­den, wor­auf ich Sie be­reits an­läss­lich der Wet­te hin­ge­wie­sen habe – da ging’s um Pas­cals Wet­te, wir er­in­nern uns nicht mehr dar­an66 –, wenn man das an­nimmt, ist das Är­ger­li­che, dass dies das Funk­tio­nie­ren der Spra­che be­reits vor­aus­setzt.

Par­ce qu’il s’agit de l’inconscient, l’inconscient et son jeu, ça veut dire que par­mi les nom­breux si­gni­fi­ants qui cou­rent le mon­de, il va y avoir en plus le corps morcelé.

Da es um das Un­be­wuss­te geht, das Un­be­wuss­te und sein Spiel, be­deu­tet das, dass es un­ter den zahl­rei­chen Si­gni­fi­kan­ten, die in der Welt in Um­lauf sind, dar­über hin­aus den zer­stü­ckel­ten Kör­per ge­ben wird.67

 

Il y a quand même des cho­ses qui… dont on peut par­tir en pensant qu’elles exis­tent déjà, el­les exis­tent déjà dans un cer­tain fonc­tion­ne­ment où nous ne se­ri­ons pas for­cés de con­s­idé­rer l’accumulation du si­gni­fi­ant.

Gleich­wohl gibt es Din­ge, die –, von de­nen man aus­ge­hen kann, in­dem man denkt, dass sie be­reits exis­tie­ren, sie exis­tie­ren be­reits in ei­nem be­stimm­ten Funk­tio­nie­ren, bei dem wir nicht ge­zwun­gen wä­ren, die Ak­ku­mu­la­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten zu be­rück­sich­ti­gen.

C’est les his­toires de ter­ri­toire.

Das sind die Ge­schich­ten über das Ter­ri­to­ri­um.

Si le si­gni­fi­ant « vot­re bras droit » va dans le ter­ri­toire du voi­sin fai­re une cueil­let­te c’est des cho­ses qui ar­riv­ent tout le temps na­tu­rel­le­ment vot­re voi­sin sai­sit vot­re si­gni­fi­ant « bras droit » et vous le re-ba­lan­ce par-des­sus la cho­se mit­oy­enne, c’est ce que vous ap­pe­lez cu­ri­eu­se­ment « pro­jec­tion », c’est une fa­çon de s’entendre. [Ge­läch­ter]

Wenn der Si­gni­fi­kant „Ihr rech­ter Arm“68 im Ter­ri­to­ri­um Ih­res Nach­barn et­was ern­tet – sol­che Din­ge ge­sche­hen fort­wäh­rend –, dann er­greift Ihr Nach­bar na­tür­lich Ih­ren Si­gni­fi­kan­ten „rech­ter Arm“ und wirft ihn Ih­nen über den Zaun wie­der zu­rück, das ist das, was Sie son­der­ba­rer­wei­se „Pro­jek­ti­on“ nen­nen69, das ist eine Art und Wei­se, sich zu ver­ste­hen. [Ge­läch­ter]

C’est d’un phé­nomè­ne com­me ça qu’il faud­rait par­tir.

Von ei­nem sol­chen Phä­no­men soll­te man aus­ge­hen.70

Si vot­re bras droit chez vot­re voi­sin n’était pas en­t­iè­re­ment oc­cupé à la cueil­let­te, des pom­mes par ex­emp­le, s’il était res­té tran­quil­le, il est as­sez pro­bable que vot­re | [17] voi­sin l’aurait ado­ré.

Wenn Ihr rech­ter Arm im Gar­ten Ih­res Nach­barn nicht völ­lig mit dem Ern­ten bei­spiels­wei­se von Äp­feln be­schäf­tigt ge­we­sen wäre, wenn er ru­hig ge­blie­ben wäre, dann ist ziem­lich wahr­schein­lich, dass Ihr Nach­bar ihn an­ge­be­tet hät­te.

C’est l’origine du si­gni­fi­ant-maît­re: un bras droit, le scept­re.

Das ist der Ur­sprung des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten: ein rech­ter Arm, das Szep­ter.

Le si­gni­fi­ant-maît­re, ça ne de­man­de qu’à com­men­cer com­me ça, tout au dé­but.

Der Her­ren­si­gni­fi­kant, da­für ist nur er­for­der­lich, dass man auf die­se Wei­se be­ginnt, ganz am An­fang.

Il en faut mal­heu­re­u­se­ment un peu plus, c’est un sché­ma pas très sa­tis­faisant.

Un­glück­li­cher­wei­se braucht es et­was mehr; das ist kein sehr be­frie­di­gen­des Sche­ma.

En plus ça vous don­ne le scept­re.

Dar­über hin­aus lie­fert es Ih­nen das Szep­ter.

Tout de sui­te vous voy­ez la cho­se se ma­té­ria­li­ser com­me si­gni­fi­ant.

So­fort se­hen Sie, wie die Sa­che sich als Si­gni­fi­kant ma­te­ria­li­siert.

Le pro­cès de l’histoire se mont­re, d’après tous les té­moi­gna­ges de ce qu’on a, un tout pe­tit peu plus com­pli­qué.

Der Pro­zess der Ge­schich­te stellt sich – nach al­len Zeug­nis­sen, so­weit wir sie ha­ben – als ein ganz klein we­nig kom­pli­zier­ter dar.

Il est cer­tain que la pe­ti­te pa­ra­bo­le cel­le par laquel­le j’avais com­men­cé d’abord, n’est-ce pas le bras qui vous est re-ren­voyé d’un ter­ri­toire à l’autre c’est pas for­cé que ce soit vot­re bras qui vous re­vi­en­ne [Ge­läch­ter], par­ce que les si­gni­fi­ants c’est pas in­di­vi­du­el, on ne sait pas le­quel est à qui.

Es ist ge­wiss, dass die klei­ne Pa­ra­bel, die­je­ni­ge, mit der ich zu­nächst an­ge­fan­gen hat­te, nicht wahr, der Arm, der Ih­nen vom ei­nen Ter­ri­to­ri­um zum an­de­ren wie­der zu­rück­ge­schickt wird, es ist nicht zwangs­läu­fig so, dass es Ihr Arm ist, der zu Ih­nen zu­rück­kommt [Ge­läch­ter], denn die Si­gni­fi­kan­ten sind nicht in­di­vi­du­ell, man weiß nicht, wel­cher wem ge­hört.

Alors voy­ez-vous, là nous ent­rons dans une es­pè­ce de… d’autre jeu ori­gi­nel quant au… à la fonc­tion du ha­sard, que ce­lui d‘œdipe.

Also se­hen Sie, hier tre­ten wir in eine Art von an­de­rem Ur­sprungs­spiel ein, be­zo­gen auf die Funk­ti­on des Zu­falls, an­ders als das des Ödi­pus­kom­ple­xes.

Vous fai­tes un mon­de, pour l’occasion di­sons un sché­ma : un sup­port di­vi­sé com­me ça en un cer­tain nom­bre de cel­lu­les ter­ri­to­ria­les.

Sie schaf­fen eine Welt – in die­sem Fall sa­gen wir: ein Sche­ma –, eine Stüt­ze, die auf die­se Wei­se in eine be­stimm­te An­zahl von Ter­ri­to­ri­al­zel­len auf­ge­teilt ist.71

Cela se pas­se à un cer­tain ni­veau, ce­lui où il s’agit de pro­du­i­re, où il s’agit de com­prend­re un peu ce qui s’est pas­sé.

Das ge­schieht auf ei­nem be­stimm­ten Ni­veau, dem­je­ni­gen, auf dem es dar­um geht, vor­zu­brin­gen, auf dem es dar­um geht, das, was ge­sche­hen ist, ein we­nig zu be­grei­fen.

Après tout, non seu­le­ment on peut re­ce­voir un bras qui n’est pas le sien par ce pro­ces­sus d’expulsion que vous avez ap­pelé on ne sait pour­quoi « pro­jec­tion », si ce n’est que ça vous est pro­je­té, bien sûr non seu­le­ment un bras qui n’est pas le vôt­re, mais plu­sieurs au­tres bras.

Letzt­lich kann man nicht nur ei­nen Arm er­hal­ten, der nicht der ei­ge­ne ist – durch die­sen Pro­zess der Aus­sto­ßung, den Sie, man weiß nicht war­um, „Pro­jek­ti­on“ ge­nannt ha­ben, au­ßer na­tür­lich, weil Ih­nen das zugeworfen/projiziert wird –, nicht nur ei­nen Arm, der nicht der Ihre ist, son­dern meh­re­re an­de­re Arme.

Alors à par­tir de ce mo­ment-là, cela n’a plus d’importance que ce soit le vôt­re ou que ce ne soit pas le vôt­re.

Nun, von die­sem Mo­ment an ist es nicht mehr wich­tig, ob es Ih­rer ist oder nicht Ih­rer ist.

Mais en­fin com­me après tout, de l’intérieur d’un ter­ri­toire, on ne con­naît que ses pro­p­res fron­tiè­res, et qu’on n’est pas for­cé de sa­voir que sur cet­te fron­tiè­re il y a six au­tres ter­ri­toires, on ba­lan­ce ça un pe­tit peu com­me on peut, et alors il se peut que [dans ces]72 ter­ri­toires il y en ait une plu­ie.

Aber nun ja, da man vom In­ne­ren ei­nes Ter­ri­to­ri­ums aus letzt­lich nur des­sen ei­ge­ne Gren­zen kennt und man nicht ge­nö­tigt ist, zu wis­sen, dass hin­ter die­ser Gren­ze sechs wei­te­re Ter­ri­to­ri­en lie­gen, schleu­dert man das ein klein biss­chen so, wie man’s grad kann, und dann kann es pas­sie­ren, dass es da­von <in die­sen> Ter­ri­to­ri­en ei­nen Re­gen gibt.73

L’idée du rap­port qu’il peut y avoir ent­re le re­jet de quel­que cho­se et la nais­sance de ce que je vous ap­pel­ais tout à l’heure le si­gni­fi­ant-maît­re est cer­tai­ne­ment une idée à re­tenir.

Die Idee, dass es eine Be­zie­hung ge­ben kann zwi­schen der Zu­rück­wei­sung von et­was und der Ent­ste­hung des­sen, was ich Ih­nen eben als Her­ren­si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net habe, ist si­cher­lich eine Idee, die man fest­hal­ten soll­te.74

Mais pour qu’elle pren­ne tout son prix, il faut cer­tai­ne­ment qu’il y ait eu, com­me ça, par un pro­ces­sus de ha­sard, en cer­ta­ins points ac­cu­mu­la­ti­on de si­gni­fi­ants.

Da­mit sie aber ih­ren vol­len Wert an­nimmt, ist es si­cher­lich nö­tig, dass so, durch ei­nen Zu­falls­pro­zess, an be­stimm­ten Punk­ten eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat.

À par­tir de là, peut se con­ce­voir quel­que cho­se qui soit la nais­sance d’un lan­ga­ge.

Von da aus kann et­was be­grif­fen wer­den, was die Ent­ste­hung ei­ner Spra­che wäre.

Ce que nous vo­y­ons à pro­pre­ment par­ler s’édifier com­me pre­mier mode de sup­por­ter dans l’écriture ce qui sert de lan­ga­ge, en don­ne en tout cas une cer­tai­ne idée.

Das, was wir als ers­ten Mo­dus se­hen, was im stren­gen Sin­ne auf­ge­baut wird, um das, was als Spra­che dient, durch die Schrift zu un­ter­stüt­zen, gibt da­von je­den­falls eine ge­wis­se Vor­stel­lung.

Cha­cun sait que la lett­re « A » est une tête de tau­reau ren­ver­sée et qu’un cer­tain nom­bre d’éléments com­me ce­lui-là, mo­bi­liers, lais­sent en­core leur trace.

Tier und Schrift

Pro­to­si­nai­ti­sche und pro­top­hö­ni­zi­sche Zeichen[note]Aus: Ja­mes G. Fé­vri­er: His­toire de l’écriture. Payot, Pa­ris 1948, S. 196; aus Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18.[/note]

Je­der weiß, dass der Buch­sta­be A ein um­ge­dreh­ter Stier­kopf ist und dass eine be­stimm­te An­zahl von ähn­li­chen be­weg­li­chen Ele­men­ten noch ihre Spu­ren hin­ter­las­sen ha­ben.75

Ce qui est im­portant, c’est de ne pas al­ler trop vite et de voir où con­ti­nu­ent de res­ter les trous.

Es ist wich­tig, nicht zu schnell vor­wärts­zu­ge­hen und zu se­hen, wo wei­ter­hin Lö­cher blei­ben.

Par ex­emp­le, il est bien évi­dent que le dé­part | [18] de cet­te es­quis­se était déjà lié à quel­que cho­se de mar­quant le corps d’une pos­si­bi­lité d’ectopie et de « ba­la­de », qui évi­dem­ment res­te pro­blé­ma­tique.

Bei­spiels­wei­se ist ganz of­fen­sicht­lich, dass der Aus­gangs­punkt die­ser Skiz­ze be­reits mit et­was ver­bun­den war, was den Kör­per mit ei­ner Mög­lich­keit der Ek­to­pie76 und des „Aus­flugs“ mar­kier­te, die of­fen­kun­dig pro­ble­ma­tisch bleibt.77

Mais après tout, là en­core, tout est tou­jours là.

Aber al­les in al­lem ist auch hier noch im­mer al­les da.

Nous avons en­fin, c’est un point très sen­si­ble que nous pou­vons en­core con­trô­ler tous les jours – il y a pas très long­temps, en­core cet­te se­mai­ne, quel­que cho­se : une très jo­lie pho­to d’un jour­nal dont cer­tai­ne­ment tout le mon­de s’est délec­té.

Wir hat­ten – das ist schließ­lich ein sehr emp­find­li­cher Punkt, den wir noch täg­lich über­prü­fen kön­nen – vor gar nicht lan­ger Zeit, noch in die­ser Wo­che, et­was, ein sehr schö­nes Pho­to ei­ner Zei­tung, an dem sich si­cher­lich alle er­götzt ha­ben.

Les pos­si­bi­lités de l’exercice du dé­cou­pa­ge de l’être hu­main, sur l’être hu­main sont tout à fait im­pres­si­onnan­tes, c’est de là que tout est par­ti.

Die Mög­lich­kei­ten, das Zer­schnei­den ei­nes mensch­li­chen We­sens auf ei­nem mensch­li­chen We­sen zu voll­zie­hen, sind ab­so­lut be­ein­dru­ckend, von da ist al­les aus­ge­gan­gen.

Il res­te un aut­re trou.

Es bleibt ein wei­te­res Loch.

Vous le savez on s’est cas­sé la tête, on a bien fait la re­mar­que que He­gel c’est très joli mais qu’il y a quand même quel­que cho­se qu’il n’explique pas, il ex­pli­que la dialec­tique du maît­re et de l’esclave, mais il n’explique pas qu’il y ait une so­cié­té de maî­tres.

Wie Sie wis­sen, hat man sich den Kopf dar­über zer­bro­chen, man hat ja die Be­mer­kung ge­macht, dass das bei He­gel al­les sehr schön ist, dass es aber den­noch et­was gibt, was er nicht er­klärt. Er er­klärt die Dia­lek­tik von Herr und Knecht, aber er er­klärt nicht, war­um es eine Ge­sell­schaft von Her­ren gibt.

Il est tout à fait clair que ce que je vi­ens de vous ex­pli­quer est cer­tai­ne­ment in­téres­sant en ceci : que par le seul jeu de la pro­jec­tion, de la ré­tor­si­on, il est clair qu’au bout d’un cer­tain nom­bre de coups, il y aura cer­tai­ne­ment, je dirais, une mo­y­enne de si­gni­fi­ants plus im­portan­te dans cer­ta­ins ter­ri­toires que dans d’autres.

Es ist völ­lig klar, dass das, was ich Ih­nen eben er­klärt habe, si­cher­lich in­so­fern in­ter­es­sant ist, als al­lein schon durch das Spiel der Pro­jek­ti­on und der Re­tor­si­on78 klar ist, dass es am Ende ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Zü­gen si­cher­lich, möch­te ich sa­gen, in ei­ni­gen Ter­ri­to­ri­en ei­nen Signif­ikantendurchschnitt ge­ben wird, der hö­her ist als in an­de­ren.79

Mais en­fin il res­te en­core à voir com­ment ces si­gni­fi­ants vont pou­voir dans un ter­ri­toire en quel­que sor­te fai­re so­cié­té de si­gni­fi­ants.

Es bleibt je­doch noch zu se­hen, wie die­se Si­gni­fi­kan­ten in ei­nem Ter­ri­to­ri­um ge­wis­ser­ma­ßen eine Si­gni­fi­kan­ten­ge­sell­schaft wer­den bil­den kön­nen.80

Il con­vi­ent de ne ja­mais lais­ser dans l’ombre ce qu’on n’explique pas, sous pré­tex­te que l’on a réus­si à don­ner un pe­tit com­men­ce­ment d’explication.

Man soll­te nie­mals das, was man nicht er­klärt, im Schat­ten las­sen, un­ter dem Vor­wand, dass es ei­nem ja ge­lun­gen ist, ei­nen klei­nen Er­klä­rungs­an­satz zu lie­fern.

Quoi qu’il en soit, l’énoncé de not­re tit­re de cet­te an­née, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant, con­cer­ne quel­que cho­se qui a af­fai­re avec une éco­no­mie.

Wie auch im­mer, die Aus­sa­ge un­se­res Ti­tels von die­sem Jahr, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­trifft et­was, das mit ei­ner Öko­no­mie zu tun hat.

Ici le « du sem­blant », nous ta­irons « à lui-même », il n’est pas sem­blant d’autre cho­se, il est à prend­re au sens du géni­tif ob­jec­tif, il s’agit du sem­blant com­me ob­jet prop­re dont se règ­le l’économie du dis­cours.

Hier das „vom Schein“ – wir sa­gen nicht „für ihn selbst“, es ist nicht Schein von et­was an­de­rem, es ist im Sin­ne des Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus zu neh­men, es geht um den Schein als ein ei­ge­nes Ob­jekt, von dem her die Öko­no­mie des Dis­kur­ses ge­re­gelt wird.81

Est-ce que nous al­lons dire que c’est aus­si un géni­tif sub­jec­tif ?

Wer­den wir sa­gen, dass es auch ein Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus ist?82

Est-ce que le « du sem­blant » con­cer­ne aus­si ce qui ti­ent le dis­cours ?

Be­zieht sich das „vom Schein“ auch auf das, was den Dis­kurs hält?

Seul le mot « sub­jec­tif » est ici à re­pous­ser, pour la simp­le rai­son que le su­jet n’apparaît qu’une fois in­stau­rée quel­que part cet­te li­ai­son des si­gni­fi­ants, qu’un su­jet ne sau­rait être pro­du­it que de l’articulation si­gni­fi­an­te, qu’un su­jet com­me tel ne maî­tri­se ja­mais en au­cun cas cet­te ar­ti­cu­la­ti­on mais en est à pro­pre­ment par­ler dé­ter­mi­né.

Nur das Wort „sub­jek­tiv“ ist hier zu­rück­zu­wei­sen, aus dem ein­fa­chen Grun­de, weil das Sub­jekt nur er­scheint, wenn ir­gend­wo die­se Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dung ein­ge­rich­tet ist, weil ein Sub­jekt nur das Pro­dukt der Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung sein kann83, weil ein Sub­jekt als sol­ches nie­mals, in kei­nem Fall, die­se Ar­ti­ku­la­ti­on be­herrscht, son­dern da­von im ei­gent­li­chen Sin­ne de­ter­mi­niert ist.84

Un dis­cours, de sa na­tu­re, fait sem­blant, com­me on peut dire « qu’il fait florès » ou « qu’il fait lé­ger » ou « qu’il fait chic ».

Ein Dis­kurs macht, sei­ner Na­tur nach, Schein, so wie man sa­gen kann, qu’il fait florès85 (dass es zum Leuch­ten bringt86), oder qu’il fait lé­ger (dass es lo­cker wirkt, leicht aus­sieht) oder qu’il fait chic (dass es was her­macht, chic wirkt).

Si ce qui s’énonce de pa­ro­le est jus­tement vrai d’être tou­jours très au­then­ti­que­ment ce qu’elle est, au ni­veau où nous som­mes de l’objectif et de l’articulation, c’est donc très pré­cis­éent com­me ob­jet de ce qui se pro­du­it dans le dis­cours que le sem­blant se pose.

Wenn das, was an Spre­chen ge­äu­ßert wird, ge­nau des­halb wahr ist, weil es im­mer ganz au­then­tisch das ist, was es ist, auf der Ebe­ne, auf der wir sind, des Ob­jek­ti­ven und der Ar­ti­ku­la­ti­on, dann tritt der Schein also ge­nau als Ob­jekt des­sen auf, was im Dis­kurs pro­du­ziert wird.

D’où le ca­rac­tè­re à pro­pre­ment par­ler | [19] in­sen­sé de ce qui s’articule.

Von da­her der, streng ge­sagt, sinn­lo­se Cha­rak­ter des­sen, was ar­ti­ku­liert wird.

Mais il faut dire que c’est bien là que se ré­vè­le ce qu’il en est de la ri­ch­esse du lan­ga­ge, à sa­voir qu’il dé­ti­ent une lo­gi­que qui dé­pas­se de beau­coup tout ce que nous ar­ri­vons à en cris­tal­li­ser, à en déta­cher.

Man muss je­doch sa­gen, dass eben da ent­hüllt wird, was es mit dem Reich­tum der Spra­che auf sich hat, dass sie näm­lich eine Lo­gik ent­hält, die weit über al­les hin­aus­geht, was uns ge­lingt, aus ihr her­aus­zu­kris­tal­li­sie­ren, her­aus­zu­lö­sen.87

J’ai em­ployé la for­me hy­po­thé­tique, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.

Ich habe die hy­po­the­ti­sche Form ver­wen­det, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

Cha­cun sait les dé­ve­lop­pe­ments qu’a pris après Aris­to­te la lo­gi­que, de mett­re l’accent sur la fonc­tion hy­po­thé­tique.

Je­der kennt die Ent­wick­lun­gen, die die Lo­gik nach Aris­to­te­les ge­nom­men hat, dass sie die Be­to­nung auf die hy­po­the­ti­sche Funk­ti­on ge­legt hat.88

Tout ce qui s’est ar­ti­cu­lé… de don­ner la val­eur « Vrai » ou « Faux » à l’articulation de l’hypothèse, et à com­bi­ner ce qui en ré­sul­te de l’implication d’un ter­me, à l’intérieur de cet­te hy­po­thè­se, com­me étant si­gnalé com­me Vrai.

Al­les, was ar­ti­ku­liert wird, in­dem der Ar­ti­ku­la­ti­on der Hy­po­the­se89 der Wert Wahr oder Falsch zu­ge­ord­net wird, und in­dem die Schluss­fol­ge­rung ge­zo­gen wird, die sich dar­aus er­gibt, dass ein be­stimm­ter Term im In­ne­ren die­ser Hy­po­the­se als wahr an­ge­zeigt wird.

C’est l’inauguration de ce qu’on ap­pel­le le mo­dus po­nens et bien d’autres mo­des en­core.

Das ist die Ein­set­zung des­sen, was man den Mo­dus po­nens nennt so­wie vie­ler an­de­rer Modi.90

Cha­cun sait ce qu’on en a fait.

Je­der weiß, was dar­aus ge­macht wor­den ist.91

Il est frap­pant qu’au mo­ins à ma con­nais­sance, ja­mais per­son­ne nul­le part n’ait in­di­vi­dua­li­sé la res­sour­ce que com­por­te l’usage de cet hy­po­thé­tique sous la for­me né­ga­ti­ve.

Es ist ver­blüf­fend, dass, zu­min­dest mei­ner Kennt­nis nach, nie­mals ir­gend­je­mand ir­gend­wo die Res­sour­ce zu ei­nem ei­ge­nen Ge­gen­stand ge­macht hat, die die Ver­wen­dung die­ser Hy­po­the­se in ne­ga­ti­ver Form mit sich führt.92

Cho­se frap­pan­te, si l’on se réfè­re par ex­emp­le à ce qui en est re­cueil­li dans mes Écrits, quand quelqu’un à l’époque, à l’époque hé­roïque où je com­mençais de déf­ri­cher le ter­rain de l’analyse, quand quelqu’un ve­nait con­tri­buer au dé­chif­fra­ge de la Ver­nei­nung.

Eine ver­blüf­fen­de Sa­che, wenn man sich bei­spiels­wei­se auf das be­zieht, was dazu in mei­ne Schrif­ten auf­ge­nom­men wur­de, als je­mand – zu der Zeit, in der he­roi­schen Zeit, als ich an­fing, das Ter­rain der Ana­ly­se ur­bar zu ma­chen –, als es je­man­dem ge­lang, zur Ent­zif­fe­rung der Ver­nei­nung*93 ei­nen Bei­trag zu leis­ten.94

En­core qu’à com­men­ter Freud lett­re à lett­re, il s’aperçut fort bien Freud le dit en tou­tes lettres que la Be­ja­hung ne com­por­te qu’un ju­ge­ment d’attribution, en quoi Freud vrai­ment mar­que une fi­nes­se et une com­pé­tence tout à fait ex­cep­ti­on­nel­les à l’époque où il écrit ceci, car seuls quel­ques lo­gi­ci­ens de dif­fu­si­on mo­des­te pou­vai­ent, à la même épo­que, l’avoir sou­li­gné …ju­ge­ment d’attribution qui ne préju­ge en rien de l’existence.

¿ Ob­gleich ¿ er Freud Buch­sta­be für Buch­sta­be kom­men­tier­te, hat er sehr gut wahr­ge­nom­men, Freud sagt das sehr deut­lich, dass die Be­ja­hung* nur ein At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ent­hält – wor­in Freud wirk­lich eine Fi­nes­se und eine Kom­pe­tenz an den Tag legt, die zu der Zeit, als er das schrieb, völ­lig au­ßer­ge­wöhn­lich war, denn nur ei­ni­ge Lo­gi­ker von be­schei­de­ner Ver­brei­tung konn­ten das zu die­ser Zeit her­aus­ge­ar­bei­tet ha­ben –, ein At­tri­bu­ti­ons­ur­teil, das kein Ur­teil über die Exis­tenz vor­weg­nimmt.95

La seu­le po­si­ti­on d’une Ver­nei­nung im­pli­que l’existence de quel­que cho­se qui est très pré­cis­é­ment ce qui est nié.

Ein­zig das Set­zen ei­ner Ver­nei­nung* im­pli­ziert die Exis­tenz von et­was, näm­lich ge­nau des­sen, was ne­giert wird.96

Un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant pose que le dis­cours com­me je vi­ens de l’énoncer est du sem­blant.

Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­haup­tet, dass der Dis­kurs, wie ich eben ge­äu­ßert habe, vom Schein ist.

Ce qui a un grand avan­ta­ge de le po­ser ain­si, c’est qu’on ne dit pas du sem­blant de quoi.

Wenn man das so for­mu­liert, hat das den gro­ßen Vor­teil, dass man nicht sagt, vom Schein von was.

Or c’est là bien sûr c’est là ce au­tour de quoi se pro­po­sent d’avancer nos énon­cés, c’est de sa­voir de quoi il s’agit, là où ce ne se­rait pas du sem­blant.

Nun, na­tür­lich liegt da der Punkt, um den her­um wir vor­ha­ben, un­se­re Aus­sa­gen vor­zu­brin­gen, näm­lich zu wis­sen, wor­um es dort geht, wo es nicht vom Schein wäre.

Bien sûr le ter­rain est pré­pa­ré d’un pas sin­gu­lier et tim­ide qui est ce­lui que Freud a fait dans l’Au-delà du princi­pe du plai­sir.

Na­tür­lich ist das Ge­län­de vor­be­rei­tet, durch ei­nen ein­zig­ar­ti­gen und zag­haf­ten Schritt, näm­lich den­je­ni­gen, den Freud in Jen­seits des Lust­prin­zips ge­tan hat.

Je ne veux ici par­ce que je ne peux pas en fai­re plus qu’indiquer le nœud que forment dans ces énon­cés la ré­pé­ti­ti­on et la jouis­sance.

Ich will hier – da ich mehr jetzt nicht tun kann – nur auf den Kno­ten hin­wei­sen, den in die­sen Aus­sa­gen die Wie­der­ho­lung und das Ge­nie­ßen bil­den.97

C’est en fonc­tion de ceci que la ré­pé­ti­ti­on va cont­re le princi­pe du plai­sir qui, je dirai, ne s’en relè­ve pas.

Da­von ist ab­hän­gig, dass die Wie­der­ho­lung dem Lust­prin­zip zu­wi­der­läuft, das sich da­von, möch­te ich sa­gen, nicht wie­der er­holt.98

L’hédonisme ne peut, à la lu­miè­re de l’expérience ana­ly­tique, que ren­trer dans ce qu’il est, à sa­voir un my­the phi­lo­so­phi­que, j’entends : un my­the d’une clas­se par­fai­te­ment dé­fi­nie.

Im Lich­te der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung kann der He­do­nis­mus nur wie­der zu dem zu­rück­keh­ren, was er ist, näm­lich ein phi­lo­so­phi­scher My­thos, ich mei­ne ein My­thos ei­ner streng de­fi­nier­ten Klas­se.

C’est une thè­se, et je l’ai | [20] énon­cée l’année der­niè­re, de l’aide qu’ils [les phi­lo­so­phes] ont ap­por­tée à un cer­tain pro­cès du maît­re, en per­met­tant au dis­cours du maît­re com­me tel, d’édifier un sa­voir; ce sa­voir est sa­voir de maît­re.

Das ist eine The­se, und ich habe sie letz­tes Jahr ge­äu­ßert, über die Hil­fe, die sie, die Phi­lo­so­phen, bei ei­nem be­stimm­ten Pro­zess des Herrn ge­leis­tet ha­ben, in­dem sie es dem Dis­kurs des Herrn als sol­chem er­mög­licht ha­ben, ein Wis­sen auf­zu­bau­en; die­ses Wis­sen ist Wis­sen des Herrn.99

 

Ce sa­voir a sup­po­sé, puis­que le dis­cours phi­lo­so­phi­que en por­te en­core la trace, l’existence en face du maît­re d’un aut­re sa­voir dont –.

Die­ses Wis­sen hat an­ge­sichts des Herrn – denn der phi­lo­so­phi­sche Dis­kurs trägt noch die Spur da­von – die Exis­tenz ei­nes an­de­ren Wis­sens un­ter­stellt, wo­von –.

Dieu mer­ci, le dis­cours phi­lo­so­phi­que n’a pas dis­pa­ru sans avoir épinglé avant qu’il de­vait y avoir un rap­port ent­re ce sa­voir et la jouis­sance.

Gott sei Dank ist der phi­lo­so­phi­sche Dis­kurs nicht ver­schwun­den, ohne zu­vor fest­ge­hal­ten zu ha­ben, dass es zwi­schen die­sem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen eine Be­zie­hung ge­ben müss­te.

Ce­lui qui a ain­si clos le dis­cours phi­lo­so­phi­que He­gel pour le nom­mer bien sûr ne voit que la fa­çon dont, par le tra­vail, l’esclave ar­ri­ve­ra à ac­com­plir quoi ? rien d’autre que le sa­voir du maît­re.

Der­je­ni­ge, der den phi­lo­so­phi­schen Dis­kurs so ab­ge­schlos­sen hat – He­gel, um sei­nen Na­men zu nen­nen –, sieht na­tür­lich nur die Art und Wei­se, in der es dem Knecht durch die Ar­beit ge­lin­gen wird, was zu voll­enden? Nichts an­de­res als das Wis­sen des Herrn.100

Mais qu’introduit, qu’introduit de nou­veau ce que j’appellerai « l’hypothèse freu­dien­ne » ?

Aber was führt das, was ich „die Freud’sche Hy­po­the­se“ nen­nen wer­de, was führt sie an Neu­em ein?

C’est sous une for­me ex­tra­or­dinaire­ment pru­den­te, mais tout de même syl­lo­gis­tique, ceci.

Das ist, in ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich vor­sich­ti­gen, aber gleich­wohl syl­lo­gis­ti­schen Form, das Fol­gen­de:

Si nous ap­pe­lons princi­pe du plai­sir ceci : que tou­jours de par le com­por­te­ment du vi­vant, il est re­ve­nu à un ni­veau qui est ce­lui de l’excitation mi­ni­ma­le, et ceci règ­le son éco­no­mie, s’il s’avère que la ré­pé­ti­ti­on s’exerce de fa­çon tel­le qu’une jouis­sance dan­ge­reu­se, qu’une jouis­sance qui ou­tre­pas­se cet­te ex­ci­ta­ti­on mi­ni­ma­le, soit ra­men­ée, est-il pos­si­ble c’est sous cet­te for­me que Freud énon­ce la ques­ti­on qu’il soit pen­sé que la vie pri­se elle-même dans son cy­cle c’est une nou­veau­té au re­gard du mon­de qui ne la com­por­te pas uni­ver­sel­le­ment que la vie com­por­te cet­te pos­si­bi­lité de ré­pé­ti­ti­on qui se­rait le re­tour à ce mon­de en tant qu’il est sem­blant?

Wenn wir „Lust­prin­zip“ dies nen­nen, dass das Le­ben­di­ge durch sein Ver­hal­ten be­stän­dig auf ein Ni­veau zu­rück­ge­kom­men ist, wel­ches das der mi­ni­ma­len Er­re­gung ist und dass hier­durch sei­ne Öko­no­mie re­gu­liert wird, und wenn sich er­weist, dass die Wie­der­ho­lung auf eine Wei­se ope­riert, die dazu führt, dass ein ge­fähr­li­ches Ge­nie­ßen zu­rück­ge­bracht wird, ein Ge­nie­ßen, das die­se mi­ni­ma­le Er­re­gung über­steigt, ist es dann mög­lich – in die­ser Form äu­ßert Freud die Fra­ge –, dass man an­nimmt, dass das Le­ben, in sei­nem Zy­klus er­fasst – das [Le­ben] ist et­was Neu­es be­zo­gen auf die Welt, die das nicht uni­ver­sal ent­hält –, dass das Le­ben die­se Mög­lich­keit der Wie­der­ho­lung ent­hält, die die Rück­kehr zu die­ser Welt wäre, in­so­fern sie Schein ist?

Je peux vous fai­re re­mar­quer par un gra­phi­que au ta­bleau que ceci com­por­te, au lieu d’une sui­te de cour­bes d’excitation as­cen­dan­te et de­scen­dan­te, tou­tes con­fi­nant à une li­mi­te, qui est une li­mi­te su­pé­ri­eu­re : la pos­si­bi­lité d’une in­ten­sité d’excitation qui peut aus­si bien al­ler à l’infini, ce qui est conçu com­me jouis­sance ne com­portant de soi en princi­pe d’autre li­mi­te que ce point de tan­gence in­fé­ri­eur : ce point que nous | [21] ap­pel­le­rons « su­prê­me » en don­nant son sens prop­re à ce mot, qui veut dire le point le plus bas d’une li­mi­te su­pé­ri­eu­re, de même qu’« in­fi­me » est le point le plus haut d’une li­mi­te in­fé­ri­eu­re, la cohé­rence don­née du point mor­tel dès lors conçu, sans que Freud le sou­li­gne, com­me une ca­rac­té­ris­tique de la vie.

Grafik A

Auf­stei­gen­de und ab­fal­len­de Kur­ven, die an eine obe­re Gren­ze her­an­füh­ren

Grafik B

Nied­rigs­ter Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze (su­prem)

Mit ei­ner Gra­phik an der Ta­fel kann ich Ih­nen zei­gen, dass dies um­fasst – an­statt ei­ner Fol­ge von auf­stei­gen­den und ab­fal­len­den Er­re­gungs­kur­ven, die alle an eine Gren­ze her­an­ge­hen, die eine obe­re Gren­ze ist –, dass dies die Mög­lich­keit ei­ner Er­re­gungs­in­ten­si­tät um­fasst, die auch bis ins Un­end­li­che ge­hen kann, wo­bei das, was als Ge­nie­ßen auf­ge­fasst wird, in sich selbst im Prin­zip kei­ne an­de­re Gren­ze ent­hält als die­sen un­te­ren Tan­gen­ti­al­punkt, die­sen Punkt, den wir „su­prem“ nen­nen wer­den, in­dem wir die­sem Wort sei­nen ei­gent­li­chen Sinn ge­ben, der den nied­rigs­ten Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze be­deu­tet – so wie „in­fim“ der höchs­te Punkt ei­ner un­te­ren Gren­ze ist –, die Ko­hä­renz, die von dem töd­li­chen Punkt ge­ge­ben wird, der von da an, ohne dass Freud das her­vor­hebt, als ein Cha­rak­te­ris­ti­kum des Le­bens auf­ge­fasst wird.101

Mais à la vé­rité ce à quoi on ne son­ge pas est en ef­fet ceci : c’est qu’on con­fond ce qui est de la non-vie et qui est loin ficht­re de ne pas re­mu­er, ce « si­lence éter­nel des es­paces in­fi­nis » qui si­dé­rait Des­car­tes [Pas­cal] : ils par­lent, ils chan­tent, ils se re­mu­ent de tou­tes les fa­çons à nos re­gards main­ten­ant.

Aber in Wahr­heit ist das, wor­an man nicht denkt, tat­säch­lich dies, näm­lich dass man das mit dem ver­wech­selt, was zum Nicht-Le­ben ge­hört und was weit da­von ent­fernt ist – Ach­tung! –, sich nicht zu be­we­gen, die­ses „ewi­ge Schwei­gen der un­end­li­chen Räu­me“, das Des­car­tes [Pas­cal] in Er­stau­nen ver­setz­te – sie spre­chen, sie sin­gen, sie be­we­gen sich auf jede Wei­se, jetzt, für un­se­re Bli­cke.102

Le mon­de dit in­ani­mé n’est pas la mort.

Die so­ge­nann­te un­be­leb­te Welt ist nicht der Tod.

La mort est un point, est dé­si­gnée com­me un point-ter­me – com­me un point-ter­me de quoi ? de la jouis­sance de la vie.

Der Tod ist ein Punkt, wird als ein End­punkt be­zeich­net, als ein End­punkt von was? des Ge­nie­ßens des Le­bens.

C’est très pré­cis­é­ment ce qui est in­tro­du­it par l’énoncé freu­dien, ce­lui que nous qua­li­fie­rons de l’hyper-hédonisme, si je puis m’exprimer de cet­te fa­çon.

Das ist sehr ge­nau das, was durch die Freud’sche Aus­sa­ge ein­ge­führt wird, durch die­je­ni­ge, die wir als Hy­per-He­do­nis­mus qua­li­fi­zie­ren wer­den, wenn ich mich auf die­se Wei­se aus­drü­cken darf.

Qui ne voit pas que l’économie même cel­le de la na­tu­re est tou­jours un fait de dis­cours, ce­lui-là ne peut sai­sir que ceci in­di­que qu’il ne sau­rait s’agir ici de la jouis­sance qu’en tant qu’elle est elle-même non seu­le­ment « fait » mais « ef­fet de dis­cours ».

Wer nicht sieht, dass die Öko­no­mie103 – selbst die­je­ni­ge der Na­tur – im­mer ein Dis­kurs­fak­tum ist, der kann nicht er­fas­sen, dass dies dar­auf ver­weist, dass es sich hier um das Ge­nie­ßen nur in­so­fern han­deln kann, als es nicht nur ein Fakt (fait), son­dern ein Ef­fekt (ef­fet) ist, ein Dis­kurs­ef­fekt.

Si quel­que cho­se qui s’appelle l’inconscient peut être mi-dit com­me struc­tu­re lan­ga­giè­re, c’est pour qu’enfin nous ap­pa­rais­se le re­li­ef de cet « ef­fet de dis­cours » qui jus­que-là nous pa­rais­sait com­me im­pos­si­ble, à sa­voir le plus-de-jouir.

Wenn et­was, was das Un­be­wuss­te heißt, als Sprach­struk­tur halb­ge­sagt wer­den kann, dann des­halb, da­mit uns schließ­lich die Kon­tu­ren die­ses Dis­kurs­ef­fekts er­schei­nen, der uns bis da­hin als un­mög­lich er­schien, näm­lich die Mehr­lust.

Est-ce à dire pour suiv­re une de mes for­mu­les qu’en tant que c’était com­me im­pos­si­ble qu’il fonc­tion­nait com­me réel ?

Heißt das – um an eine mei­ner For­meln an­zu­schlie­ßen –, dass sie, in­so­fern es wie un­mög­lich war, als Rea­les funk­tio­nier­te?104

J’ouvre la ques­ti­on, car à la vé­rité rien n’implique que l’irruption du dis­cours de l’inconscient tout bal­bu­ti­ant qu’il res­te im­pli­que quoi que ce soit, dans ce qui le pré­cédait, qui fut so­u­mis à sa struc­tu­re.

Ich wer­fe die Fra­ge auf, denn in Wahr­heit im­pli­ziert nichts, dass der Ein­bruch des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten – so stam­melnd er bleibt – ir­gend­et­was im­pli­ziert, in dem, was ihm vor­aus­ging, was sei­ner Struk­tur un­ter­wor­fen war.105

Le dis­cours de l’inconscient est une émer­gence, c’est l’émergence d’une cer­tai­ne fonc­tion du si­gni­fi­ant.

Der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten ist eine Emer­genz, er ist die Emer­genz ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten.

Qu’il exis­tât jus­que-là com­me ens­eig­ne, c’est bien en quoi je vous l’ai mis au princi­pe du sem­blant.

Dass er, der Si­gni­fi­kant, bis da­hin als An­zei­chen (ens­eig­ne) exis­tier­te, un­ter die­sem As­pekt habe ich ihn vor Ih­nen an den Ur­sprung des Scheins ge­setzt.106

Et les con­séquen­ces de son émer­gence, c’est cela qui doit être in­tro­du­it pour que quel­que cho­se chan­ge – qui ne peut pas chan­ger, car ce n’est pas du pos­si­ble.

Und die Kon­se­quen­zen sei­ner Emer­genz, das ist das, was ein­ge­führt wer­den muss, da­mit sich et­was ver­än­dert – was sich nicht ver­än­dern kann, denn das ge­hört nicht zum Mög­li­chen.

C’est au con­trai­re de ce qu’un dis­cours se cent­re de son ef­fet com­me im­pos­si­ble qu’il au­rait quel­que chan­ce d’être un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.

Wenn hin­ge­gen ein Dis­kurs da­durch zen­triert wird, dass sei­ne Wir­kung et­was Un­mög­li­ches ist, hät­te er eine ge­wis­se Chan­ce, ein Dis­kurs zu sein, der nicht vom Schein wäre.107

Paraphrase mit Erläuterungen und Fragen

Schwar­ze Schrift: Pa­ra­phra­se
Grü­ne Schrift: mei­ne Er­läu­te­run­gen
Grün un­ter­leg­te Schrift: mei­ne Fra­gen
Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [11]: die ent­spre­chen­den Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars

Das Se­mi­nar hat den Ti­tel „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ (D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant), und in die­ser Sit­zung er­läu­tert La­can die Be­stand­tei­le des Ti­tels so­wie den Ti­tel ins­ge­samt. Die Ele­men­te des Ti­tels, die er er­läu­tert,  „Über ei­nen Dis­kurs“, „Dis­kurs“, „Schein“, „vom Schein“, „nicht wäre“. Ein­ge­scho­ben ist eine Pa­ra­bel über die Ent­ste­hung der Spra­che des Un­be­wuss­ten aus dem Schein – aus ei­ner Him­mels­er­schei­nung. Am Schluss er­läu­tert La­can, wo er hier an Freud an­knüpft, und er gibt eine ers­te De­fi­ni­ti­on, was das wäre: ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre.

Die Er­läu­te­rung des Ti­tels ver­bin­det La­can da­mit, dass er, wie häu­fig in der ers­ten Sit­zung ei­nes Se­mi­nars, ei­nen ge­raff­ten Über­blick über sei­ne Theo­rie gibt – für ei­nen fik­ti­ven Adress­sa­ten, der zum ers­ten Mal eine La­can-Vor­le­sung hört und der in der Lage wäre, La­cans An­deu­tun­gen zu fol­gen.

Der Text ist also dop­pelt ge­glie­dert: auf der Ebe­ne des Ti­tel und auf der Ebe­ne der üb­ri­gen Grund­be­grif­fe.

Ti­tel Be­grif­fe
„Über ei­nen Dis­kurs“
„Dis­kurs“
Ge­spal­te­nes Sub­jekt ($)
In­ter­si­gni­fi­kanz (S1 → S2)
(Ge­press­te) Mehr­lust (a)
Ar­te­fakt
„Schein“ Wahr­heit und Lüge
„Ich“ (je), Si­gni­fi­kant an sich selbst
Zei­chen, An­zei­chen (ens­eig­ne)
Nicht Schein: der Re­fe­rent
(Pa­ra­bel von der Ent­ste­hung der Spra­che) Her­ren­si­gni­fi­kant (S1),

Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on (S2)

„vom Schein“  
„nicht wäre“ Ne­ga­ti­on
Exis­tenz­be­haup­tung („Es gibt“)
„Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ Wis­sen und Ge­nie­ßen
Mehr­lust (a) als un­mög­lich
Das Un­mög­li­che als Zen­trum des Dis­kur­ses

Diskurs“

Die vier Diskurse

Über ei­nen Dis­kurs“

[9] La­cans ers­ter Satz in die­sem Se­mi­nar lau­tet: „Über ei­nen Dis­kurs – es ist nicht mei­ner, um den es geht.“ [Der Dis­kurs, um den es ge­hen wird, ist nicht der von La­can als Au­tor. Das ist viel­leicht eine An­spie­lung auf die Sub­jekt­spal­tung; das Sub­jekt wäre in die­sem Fall ge­spal­ten zwi­schen dem Dis­kurs, der nicht der sei­ne ist, und dem Sub­jekt als ein Feh­len, als das, was dar­in nicht re­prä­sen­tiert ist.]

Dis­kurs“

Für den Be­griff „Dis­kurs“ ver­weist er auf das vor­an­ge­gan­ge­ne Se­mi­nar, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (Se­mi­nar 17 von 1969/70). Ein Dis­kurs be­steht dem­nach aus vier Plät­zen, auf de­nen vier Ter­me ro­tie­ren; die Ter­me sind S1, S2, a und $ [die Plät­ze wer­den von La­can in die­ser Sit­zung nicht er­läu­tert].

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleiner

[Durch die Ro­ta­ti­on er­ge­ben sich vier Dis­kur­se, La­can nennt sie „Dis­kurs des Herrn“, „Dis­kurs der Uni­ver­si­tät“, „Dis­kurs des Psy­cho­ana­ly­ti­kers“ und „Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin“.] War­um gibt es ge­nau vier Ro­ta­ti­ons­pha­sen? La­can wirft die Fra­ge auf und lässt sie of­fen.

[In Se­mi­nar 4 hat­te La­can ge­sagt, das ele­men­ta­re, grund­le­gen­de Spiel des Si­gni­fi­kan­ten sei die Per­mu­ta­ti­on.108 In Se­mi­nar 5 re­fe­riert La­can Ro­man Ja­kobsons The­se, wo­nach man min­des­tens vier Si­gni­fi­kan­ten be­nö­tigt, da­mit die ele­men­ta­ren Be­din­gun­gen für eine lin­gu­is­ti­sche Ana­ly­se ge­ge­ben sind.109 Da die vier Ter­me eine fest­ge­leg­te Rei­hen­fol­ge ha­ben, er­ge­ben sich durch die Ro­ta­ti­on zwangs­läu­fig vier Dis­kur­se. Die ei­gent­li­che Fra­ge ist also, war­um die Rei­hen­fol­ge der Ter­me fest­ge­legt ist.]

La­can hat­te die­ses Dis­kurs­kon­zept ent­wi­ckelt, um die „Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se“ dar­zu­stel­len. Er be­tont, dass er dar­un­ter kei­nes­wegs den Dis­kurs des Herrn ver­steht, son­dern die ei­ge­ne Ver­win­dung des Dis­kur­ses der Psy­cho­ana­ly­se [ich neh­me an: die Be­zie­hung zwi­schen den bei­den un­te­ren Plät­zen in die­sem Dis­kurs, S1 und S2]. [In Se­mi­nar 17 hin­ge­gen hat­te er aus­drück­lich er­klärt, der Dis­kurs des Herrn sei die Kehr­sei­te des Dis­kur­ses der Psy­cho­ana­ly­se.110] Die Be­zie­hung zwi­schen der Vor­der­sei­te [ver­mut­lich: den obe­ren bei­den Plät­zen, der be­wuss­ten Sei­te] und der Rück­sei­te oder Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se [den un­te­ren bei­den Plät­zen, der un­be­wuss­ten Sei­te] ist als Mö­bi­us­band auf­zu­fas­sen, das heißt, man ge­langt von der ei­nen Sei­te zur an­de­ren, ohne da­bei ei­nen Rand zu über­schrei­ten. [Seit Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, ist das Mö­bi­us­band für La­can die Ober­flä­che, die das ge­spal­te­ne Sub­jekt re­prä­sen­tiert: man ge­langt vom  Be­wuss­ten zum Un­be­wuss­ten, ohne ei­nen Rand über­win­den zu müs­sen.] | [10] Hier­für hat­te La­can, so sagt er, an das Kon­zept der zwei­fa­chen Nie­der­schrift an­ge­knüpft, wie Freud es ent­wi­ckelt hat­te. [Das Kon­zept der zwei­fa­chen Nie­der­schrift be­zieht sich bei Freud auf das Ver­hält­nis zwi­schen dem Be­wuss­ten und dem Un­be­wuss­ten. La­can re­prä­sen­tiert die zwei­fa­che Nie­der­schrift (eben­falls seit Se­mi­nar 9) durch die so­ge­nann­te In­ne­n­acht als Li­nie auf dem Mö­bi­us­band.]

Gespaltenes Subjekt als Effekt der Intersignifikanz

La­can gibt eine ne­ga­ti­ve Be­stim­mung des Be­griffs „Dis­kurs“: Ein Dis­kurs ist nicht von sei­nem Be­zug auf ein Sub­jekt her auf­zu­fas­sen. Viel­mehr de­ter­mi­niert ein Dis­kurs ein Sub­jekt. [Der Be­griff „Dis­kurs“ ist also nicht all­tags­sprach­lich zu ver­ste­hen, er ist nicht die Rede ei­nes Sub­jekts, ein Sub­jekt ist nicht Ur­he­ber ei­nes Dis­kur­ses. Man kann nicht sa­gen „Das Sub­jekt X hält ei­nen Dis­kurs“ oder „mein Dis­kurs“, zu­min­dest nicht, wenn man La­cans Dis­kurs­be­griff ver­wen­den will.]

[Da­mit ist zu­gleich der Be­griff des Sub­jekts ein­ge­führt: Ein Sub­jekt ist das, was durch eine zwei­fa­che Nie­der­schrift ge­kenn­zeich­net ist, dar­stell­bar mit Hil­fe ei­nes Mö­bi­us­ban­des, und das durch ei­nen Dis­kurs de­ter­mi­niert wird.]

La­can er­läu­tert den Sta­tus des Sub­jekt­be­griffs in der Ent­wick­lung sei­ner Theo­rie. Im so­ge­nann­ten Rom-Vor­trag von 1953 (Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se) hat­te er von „In­ter­sub­jek­ti­vi­tät“ ge­spro­chen. Die­ses Kon­zept hat er spä­ter kor­ri­giert. Der Aus­gangs­punkt der Theo­rie­bil­dung ist dann nicht mehr die Be­zie­hung zwi­schen Sub­jek­ten, also nicht die In­ter-Sub­jek­ti­vi­tät, son­dern die Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten, die In­ter-Si­gni­fi­kanz [und das Sub­jekt wird als Wir­kung ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung auf­ge­fasst]. Hier­für steht La­cans For­mel „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“. In der Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung [z.B. in ei­nem „Traum­ge­dan­ken“, wie Freud sagt, oder in der Wie­der­ho­lung ei­nes Sym­ptoms] ist das Sub­jekt zu­gleich re­prä­sen­tiert und ab­we­send, und in­so­fern ist es ge­spal­ten. [Es ist ge­spal­ten zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten ei­ner­seits und dem Si­gni­fi­kan­ten­man­gel an­de­rer­seits.]

Dis­kurs als Struk­tur

Die ers­te The­se zum Dis­kurs lau­tet, dass der Dis­kurs im Lich­te sei­ner un­be­wuss­ten Trieb­fe­dern be­ur­teilt wer­den muss [sei­ner Kehr­sei­te]. [? Be­zieht La­can sich hier auf den Dis­kurs im Sin­ne der All­tags­spra­che, also auf die Rede, die sich als die ei­nes Sub­jekts dar­stellt, oder auf die bei­den un­te­ren Ter­me der Dis­kurs­for­meln?]

Die zwei­te The­se zum Dis­kurs be­sagt, dass ein Dis­kurs durch eine Struk­tur be­stimmt wird, in der er ir­re­du­zi­bel ent­frem­det ist. [Ver­mut­lich im Sin­ne von: Der Dis­kurs im Sin­ne der All­tags­spra­che, die Rede, die als die ei­nes Sub­jekts er­scheint, ist durch eine Struk­tur be­stimmt, näm­lich durch den Dis­kurs im be­griff­li­chen Sin­ne.] Des­halb hat­te La­can, wie er, sich selbst kom­men­tie­rend, sagt, das Se­mi­nar mit die­sem Satz be­gon­nen: „Über ei­nen Dis­kurs – es ist nicht mei­ner.“ Un­ter ei­nem Dis­kurs ver­steht er et­was, was nicht Dis­kurs ei­ner be­stimm­ten Per­son sein kann, son­dern was durch eine Struk­tur be­grün­det ist [ein Dis­kurs im stren­gen Sin­ne ist letzt­lich die­se Struk­tur selbst].

Ra­dio­pho­nie in Sci­li­cet

La­can gibt an, wo man sei­ne Kon­zep­ti­on des Dis­kur­ses nach­le­sen kann: in Ra­dio­pho­nie, ei­nem Ar­ti­kel in dem ge­ra­de er­schie­ne­nen Heft 2/3 der von ihm her­aus­ge­ge­be­nen Zeit­schrift Sci­li­cet. In die­sem Ar­ti­kel stellt er sei­nen Dis­kurs vom letz­ten Jahr [sei­nen Dis­kurs über den Dis­kurs] auf die Pro­be [also das Se­mi­nar Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se]. Bis auf et­was, was hin­zu­kommt [auf das Se­mi­nar Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se be­zieht La­can sich nur im letz­ten, sieb­ten Teil die­ses Ar­ti­kels].

Die Be­zie­hung zwi­schen den Dis­kur­sen: An­kunft, Er­eig­nis, Re­vo­lu­ti­on

Sci­li­cet ist, da es eine Schrift ist, ein Er­eig­nis, wenn nicht eine An­kunft des Dis­kur­ses. [La­can spielt hier auf Hei­deg­ger an; die Be­grif­fe „Er­eig­nis“ und „An­kunft“ fin­det man in den bei­den Auf­sät­zen, die Hei­deg­ger un­ter dem Ti­tel Iden­ti­tät und Dif­fe­renz (1957) zu­sam­men­ge­stellt hat. „An­kunft des Dis­kur­ses“ meint ver­mut­lich: „An­kunft ei­nes neu­en Dis­kur­ses“.]

Von hier aus kann die Fra­ge neu ge­stellt wer­den, was mit dem Dis­kurs des Herrn sein mag.

| [11] Die Dis­kur­se sind mit­ein­an­der ver­bun­den, aber wie nennt man das, was sie ver­bin­det? La­can warnt da­vor, hier­für zu schnell das Wort „Re­vo­lu­ti­on“ zu ver­wen­den [also da­vor, bei­spiels­wei­se zu sa­gen, zwi­schen dem Dis­kurs des Herrn und dem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, gibt es eine Re­vo­lu­ti­on]. Aber den­noch ist klar, dass man den Dis­kurs des Herrn und den Dis­kurs, der es La­can er­mög­licht, von dem Dis­kurs zu spre­chen, der nicht vom Schein wäre, un­ter­schei­den muss. [Un­ter ei­ner „Re­vo­lu­ti­on“, wört­lich „Um­dre­hung“, ver­steht er in Se­mi­nar 17 die Dre­hung, die dazu führt, dass ein Dis­kurs in ei­nen an­de­ren über­geht.]

Zuhörer als gepresste Mehrlust

La­can skiz­ziert, was für eine Art Dis­kurs das Se­mi­nar ist, das er hält.

In die­sem Dis­kurs ist er das In­stru­ment.

Da­mit er das In­stru­ment die­ses Dis­kur­ses sein kann, ist für ihn die pres­se sei­ner Zu­hö­rer nö­tig, ihr „Druck“, ihr „Pres­sen“, ihr „Drän­gen“, ihre „Pres­se“. [Das fran­zö­si­sche Wort pres­se meint, ähn­lich wie das deut­sche Wort „Druck“, so­wohl die auf eine Flä­che wir­ken­de Kraft als auch den Vor­gang, durch den ein Druckerzeug­nis her­ge­stellt wird. La­can ver­wen­det ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der durch sei­ne Mehr­deu­tig­keit eine Ver­bin­dung zwi­schen dem An­drang in sei­nem Se­mi­nar und der Zeit­schrift Sci­li­cet als ei­nem Druckerzeug­nis her­stellt.]

Das, was den Druck macht, ist et­was „Ein­zig­ar­ti­ges“. [? Sinn?]

Bei Ra­dio­pho­nie war der Druck der Prä­senz der Zu­hö­rer ab­we­send. [Er hat die­sen Text ohne Zu­hö­rer ge­spro­chen, ver­mut­lich in ei­nem Ton­stu­dio.]

Die Prä­senz der Zu­hö­rer be­deu­tet für ihn „ge­press­te Mehr­lust“ (plus-de-jouir pres­sé). [Die ge­dräng­te Prä­senz der Zu­hö­rer hat für La­can die Funk­ti­on des Ob­jekts a qua Mehr­lust.]

Dis­kurs der Uni­ver­si­tät

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleinerVon die­ser Fi­gur her [der der ge­press­ten Mehr­lust] kann der Uni­ver­si­täts­dis­kurs be­ur­teilt wer­den, hin­sicht­lich des­sen, dass es hier ein Zu­viel an Schein­haf­tig­keit (sem­blan­ce) gibt. [Das ist eine ers­te An­nä­he­rung an den Be­griff des Scheins. Der Uni­ver­si­täts­dis­kurs ist dem­nach ei­ner der Dis­kur­se, die vom Schein sind. Statt vom Schein (sem­blant) spricht La­can hier von Schein­haf­tig­keit (sem­blan­ce).] Wor­in be­steht die Schein­haf­tig­keit des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses?

Der Uni­ver­si­täts­dis­kurs gibt vor, neu­tral zu sein, ist es aber nicht. [Die Sta­fer­la-Ver­si­on des Se­minrs ver­weist hier­für auf S1 am Platz un­ten links, also auf die ver­steckt de­ter­mi­nie­ren­de Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten. Die Her­ren­si­gni­fi­kan­ten des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses sind, so La­can in Se­mi­nar 17, die Ti­tel, mit de­nen die Lehr­be­rech­ti­gung er­wor­ben wird, etwa der Dok­tor­ti­tel, so­wie die Au­to­ren­na­men.]

Der Uni­ver­si­täts­dis­kurs be­haup­tet, dass er eine Se­lek­ti­on durch Kon­kur­renz er­mög­licht, wo er doch vor al­lem Zei­chen an die­je­ni­gen gibt, die be­reits Be­scheid wis­sen. [Hier könn­te La­can sich auf Bour­dieu und Pas­se­ron stüt­zen (Les Hé­ri­tiers, 1964, dt. Die Il­lu­si­on der Chan­cen­gleich­heit, 1971.] [? Ist der Aus­druck „Zei­chen“ hier theo­re­tisch be­last­bar, will er sa­gen, dass es in die­sem Dis­kurs um Zei­chen geht?]

Der Uni­ver­si­täts­dis­kurs ver­spricht die Bil­dung des Sub­jekts, wo es doch um et­was ganz an­de­res geht. [Die­se Be­mer­kung be­zieht sich im Sche­ma der Dis­kur­se auf den Platz un­ten rechts, den Platz der Pro­duk­ti­on. Im Uni­ver­si­täts­dis­kurs ist hier das ge­spal­te­ne Sub­jekt; das Pro­dukt des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses ist also das ge­spal­te­ne Sub­jekt. In Se­mi­nar 17 er­läu­tert La­can das so: Das, was vom Uni­ver­si­täts­dis­kurs pro­du­ziert wird, ist die Scham (die eine Form der Sub­jekt­spal­tung ist), und die Scham zeigt sich in der Un­ver­schämt­heit (als ei­ner Ab­wehr der Scham).]

La­cans Se­mi­nar als Dis­kurs der Ana­ly­se

Wie ist es mög­lich, über das blo­ße Un­be­ha­gen am Schein [des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses] hin­aus­zu­kom­men?

Durch ei­nen be­stimm­ten Mo­dus der Stren­ge im Vor­brin­gen ei­nes Dis­kur­ses.

Die­ser Mo­dus wür­de die Mehr­lust­kü­gel­chen nicht spal­ten, wie es je­doch im Uni­ver­si­täts­dis­kurs durch die Aus­le­se ge­schieht. [La­can spielt hier wie­der auf die rech­te Sei­te der For­mel des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses an. Der Platz oben rechts ist der des Adres­sa­ten, im Uni­ver­si­täts­dis­kurs fin­det man hier die Mehr­lust, a, wo­mit ge­meint ist: in die­sem Dis­kurs ver­kör­pern die Stu­die­ren­den die Mehr­lust. Am Platz un­ten rechts fin­det man das ge­spal­te­ne Sub­jekt, $, als das Pro­dukt des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses. Die Spal­tung wird durch die „tria­ge“ her­vor­ge­ru­fen, durch die Aus­le­se, durch die Se­lek­ti­on mit­hil­fe von Haus­ar­bei­ten, Prü­fun­gen, Zer­ti­fi­ka­ten; die Spal­tung be­steht in der Scham. In die­sem Sin­ne spal­tet der Uni­ver­si­täts­dis­kurs die Kü­gel­chen der Mehr­lust.]

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleinerDie Ori­gi­na­li­tät von La­cans Un­ter­richt be­steht dar­in, dass sei­ne Grund­le­ge der ana­ly­ti­sche Dis­kurs ist, und dass sich hier je­mand [näm­lich La­can] für den Blick der Zu­hö­rer in die Po­si­ti­on des Ana­ly­san­ten bringt. [Im Dis­kurs der Ana­ly­se ist am Platz oben links der Ana­ly­ti­ker als Ver­kör­pe­rung der Mehr­lust (a), am Platz oben rechts der Ana­ly­sant als ge­spal­te­nes Sub­jekts ($). La­cans Un­ter­richt hat dem­nach die Struk­tur des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses – aber so, dass die Zu­hö­rer die Ver­kör­pe­rung der Mehr­lust sind (der „ge­press­ten Mehr­lust“), also den Platz des Ana­ly­ti­kers ein­neh­men, wäh­rend La­can den Platz des Ana­ly­san­ten be­setzt, des ge­spal­te­nen Sub­jekts.]

[La­can ist für den „Blick“ der Zu­hö­rer in der Po­si­ti­on des Ana­ly­san­ten – deu­tet er da­mit an, dass das Ob­jekt a, das die ge­dräng­te Mas­se der Zu­hö­rer für ihn ver­kör­pert, der Blick ist? (Üb­ri­gens än­dert Mil­ler den Aus­druck re­gard, „Blick“, der auf der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren ist, in égard, „Hin­sicht“.)]

[Ich sprin­ge vor auf Sei­te 12.] Nicht La­can nimmt die Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers ein, son­dern die Zu­hö­rer neh­men die­sen Platz ein, durch ih­ren Druck.

Al­ler­dings fehlt den Zu­hö­rern das Wis­sen [S2, das im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers am Platz un­ten links ist.] [In­so­fern wird der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers vom La­can­schen Un­ter­richt nur un­voll­stän­dig rea­li­siert.]

[Zu­rück auf S. 11.] La­can weist dar­auf hin, dass er das be­reits frü­her ge­sagt hat­te. [? Wo hat­te La­can das frü­her ge­sagt?]

Bei dem Ra­dio­pho­nie ge­nann­ten In­ter­view­text fürs Ra­dio feh­le die­ser Druck der Zu­hö­rer, fehl­te die­ser Raum, in dem sie sich drän­gen [die­se „ge­press­te Mehr­lust“]. Statt­des­sen gab es die rei­ne In­ter­si­gni­fi­kanz, von der er zu Be­ginn der Sit­zung ge­spro­chen hat­te, da­mit das Sub­jekt hier ins Wan­ken ge­rät. [La­can spielt auf die For­mel an „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“. Die Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung hat die Funk­ti­on, das Sub­jekt ins Wan­ken zu brin­gen. Das schwan­ken­de Sub­jekt ist das ge­spal­te­ne Sub­jekt, zeit­lich be­trach­tet. An­ders ge­sagt: Von den vier Ter­men des Dis­kur­ses – S1, S2, $ und a – fehl­te bei der Pro­duk­ti­on von Ra­dio­pho­nie die Mehr­lust, a, und da­mit das Be­geh­ren.]

Ge­nau­er: es gab das rei­ne „es exis­tiert“ der In­ter­si­gni­fi­kanz.[Da­mit kün­digt La­can ver­mut­lich die bald fol­gen­den Be­mer­kun­gen über den Dis­kurs als „Ar­te­fakt“ an, als Fak­tum, dass ge­spro­chen wird oder nicht ge­spro­chen wird. Mög­li­cher­wei­se spielt La­can hier auf den Exis­tenz­quan­tor an – „es gibt“, „es exis­tiert“ –, der eine der Grund­la­gen der For­meln der Se­xu­ie­rung sein wird, die La­can in die­sem Se­mi­nar zu ent­wi­ckeln be­ginnt.]

Dies [näm­lich Ra­dio­pho­nie] ist eine Wei­chen­stel­lung [ein „Er­eig­nis“, hat­te es vor­her ge­hei­ßen]; sie führt in eine Rich­tung, de­ren mög­li­che Reich­wei­te die Zu­kunft zei­gen wird [das war viel­leicht mit „An­kunft“ ge­meint].

Ein Er­eig­nis oder eine An­kunft des Dis­kur­ses ist auch das Er­schei­nen der Zeit­schrift Sci­li­cet. Man schreibt hier, ohne mit sei­nem Na­men zu un­ter­zeich­nen. [Für die Tex­te von La­can gilt das je­doch nicht; in Se­mi­nar 17 be­grün­det La­can das da­mit, dass er kein Au­tor sei.] | [12] Die Na­men wer­den auf der letz­ten Sei­te ei­nes Hef­tes an­ge­ge­ben, und das soll zei­gen, dass sie ge­gen­ein­an­der aus­ge­tauscht wer­den kön­nen, dass also ein Dis­kurs nicht der Dis­kurs ei­nes Au­tors ist: „da spricht es“. [Es fehlt da­mit das­je­ni­ge Ele­ment, das im Uni­ver­si­täts­dis­kurs am Platz un­ten links ist, der Au­to­ren­na­me qua Her­ren­si­gni­fi­kant.]

Die Zu­kunft wird zei­gen, ob dies in ei­ni­gen Jah­ren von al­len gu­ten Zeit­schrif­ten über­nom­men wird [fügt La­can iro­nisch hin­zu].

Artefakt

In La­cans Aus­sa­gen wird das Ar­te­fakt des Dis­kur­ses be­tont, das spürt man, sagt La­can.

Das heißt für ihn, dass er nicht be­an­sprucht, al­les ab­zu­de­cken. Das, was er aus­sagt, ist kein Sys­tem und in die­sem Sin­ne kei­ne Phi­lo­so­phie. Er stellt sich viel­mehr die [be­schränk­te] Auf­ga­be, aus­ge­hend von der Psy­cho­ana­ly­se neu zu fas­sen, was ein Dis­kurs ist. [Sein The­ma ist der Dis­kurs in der Per­spek­ti­ve der Psy­cho­ana­ly­se, nicht al­les.]

Da­für muss man sich in ei­nem „Des­uni­ver­sum“ [aus he­te­ro­ge­nen Be­stand­tei­len] be­we­gen [und nicht in ei­nem ver­ein­heit­lich­ten „Uni­ver­sum“; La­can spielt hier auf den Be­griff des Dis­kurs­uni­ver­sums an, der al­les meint, wor­über in ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs ge­spro­chen wer­den kann]. Das ist nichts „Di­ver­ses“ [nichts bloß Ver­streu­tes]. Aber auch dem Di­ver­sen wür­de er sich [? in Sci­li­cet ?] nicht wi­der­set­zen, auch nicht wenn es Di­ver­si­on ein­bringt [wenn es ab­lenkt]. Im dem, was La­can äu­ßert, wi­der­setzt sich et­was dem, über al­les sei­ne Mei­nung zu sa­gen. Wenn La­can sagt, dass er nicht al­les sagt, be­ruht das dar­auf, dass die Wahr­heit sich nur halb­sa­gen lässt [wie La­can ab Se­mi­nar 17 im­mer wie­der sagt]. Aber das ist et­was an­de­res als dies, dass es ihm wi­der­strebt, über al­les sei­ne Mei­nung zu sa­gen. [Mög­li­cher­wei­se spielt La­can hier auf das „nicht alle“ an, das spä­ter in die­sem und in den bei­den fol­gen­den Se­mi­na­ren eine der Grund­la­gen der For­meln der Se­xu­ie­rung sein wird.]

Die­ser Dis­kurs be­schränkt sich also dar­auf, nur im Ar­te­fakt zu han­deln. [? Ist da­mit spe­zi­ell der ana­ly­ti­sche Dis­kurs ge­meint?] [„Der Dis­kurs han­delt nur im Ar­te­fakt“, das könn­te be­deu­ten: Es ist der Dis­kurs, der han­delt (und nicht das Sub­jekt), und das Han­deln des Dis­kur­ses hat die Form des „Ar­te­fakts“, des Fak­ten-Schaf­fens.]

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleinerDie­ser Dis­kurs ist die Ver­län­ge­rung der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers, die da­durch de­fi­niert ist, dass sei­ne Mehr­lust ei­nen be­stimm­ten Platz ein­nimmt [im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist die Mehr­lust am Platz oben links, den La­can in Se­mi­nar 17 als Platz des Agen­ten be­zeich­net hat­te].

Was kann, nach dem Ge­sag­ten, die Trag­wei­te des­sen sein, dass er sagt Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre? [? Ist ge­meint: Was ist das für ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre?]

Das kann von sei­nem, La­cans, Platz aus ge­äu­ßert wer­den und ab­hän­gig von dem, was er frü­her ge­äu­ßert hat. [? Was ist da­mit ge­meint, dass dies von sei­nem Platz aus ge­äu­ßert wer­den kann: vom Platz des Ana­ly­san­ten?]

Wenn La­can äu­ßert „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“, ist das ein Fak­tum, und zwar nicht nur, wie man den­ken mag, das Fak­tum, dass er es äu­ßert, son­dern auch ein Fak­tum, weil er es äu­ßer [et­was wird da­durch zum Fak­tum, dass es ge­äu­ßert wird].

Wenn La­can vom Dis­kurs als Ar­te­fakt spricht, soll das hei­ßen: Für den Dis­kurs gib es kein vor­her oder au­ßer­halb exis­tie­ren­des Fak­tum; ein Fak­tum gibt es für den Dis­kurs nur auf­grund des Fak­t­ums des Dis­kur­ses. [Das hat­te La­can in Se­mi­nar 17 auf­ge­führt: Dass es Tag ist, ist nur des­halb eine Tat­sa­che (fait), weil je­mand ge­äu­ßert hat, „es ist Tag“ (il fait jour).111 An­ders ge­sagt: das Fak­tum, mit dem der Dis­kurs es zu tun hat, ist nicht der Re­fe­rent; der Re­fe­rent kann un­mög­lich be­zeich­net wer­den und ist des­halb real, wie es in der drit­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars hei­ßen wird.

Was hängt da­von ab? In L’étourdit wird es zwei Jah­re spä­ter hei­ßen,

das Un­be­wuss­te ist ein Fak­tum, in­so­fern es durch den Dis­kurs ge­stützt wird, der es eta­bliert“112.

Der Dis­kurs kon­sti­tu­iert das Fak­tum, und da das Un­be­wuss­te durch ei­nen Dis­kurs ge­stützt wird, ist es ein Fak­tum, eine Tat­sa­che.]

Dies ist das, was re­du­ziert wer­den muss. [? In wel­chem Sin­ne muss das Fak­tum des Dis­kur­ses re­du­ziert wer­den?]

[13] Mit „Ar­te­fakt“ ist nicht ge­meint, dass der Dis­kurs et­was Künst­li­ches ist und dass es dar­um gin­ge, et­was Na­tür­li­ches auf­tau­chen zu las­sen [etwa den na­tür­li­chen Trieb], es geht kei­nes­wegs dar­um, die Be­hin­de­run­gen, de­nen das Na­tür­li­che un­ter­liegt, zu be­kämp­fen [wie bei La Met­t­rie oder bei Wil­helm Reich].

Die Fra­ge ist nicht, ob et­was sag­bar ist oder nicht. [Das be­zieht sich mög­li­cher­wei­se auf eine Kon­tro­ver­se dar­über, ob Psy­cho­ana­ly­ti­ker sich zur Kri­se der Uni­ver­si­tät im Ge­fol­ge des Mai 1968 äu­ßern soll­ten ohne nicht. In Se­mi­nar 16 hat­te La­can die­je­ni­gen un­ter sei­nen Kol­le­gen kri­ti­siert, sich auf eine Un­mög­lich­keit be­rie­fen, hier­zu et­was zu sa­gen.113 Ganz all­ge­mein spielt für La­can die Fra­ge des Un­sag­ba­ren eine zen­tra­le Rol­le: Das Un­sag­ba­re ist das Rea­le, und es geht für ihn dar­um, über das Rea­le et­was zu sa­gen und zu schrei­ben.]

Das Dis­kurs­fak­tum – das „Ar­te­fakt“ – be­steht dar­in, dass et­was ge­sagt ist oder nicht ge­sagt ist. [Das ist eine anti-em­pi­ris­ti­sche The­se. Die Tat­sa­che ist nicht, wie bei Ber­ke­ley oder Lo­cke oder Car­nap, die ele­men­ta­re Ein­zel­wahr­neh­mung, son­dern dass et­was ge­sagt ist oder nicht ge­sagt ist.]

Vom Ar­te­fakt des Dis­kur­ses – von der Tat­sa­che, dass in ei­nem Dis­kurs et­was ge­sagt wird – wird an­ge­nom­men, dass es da­für hin­reicht, „dass Sie da sind“. [? Wer ist „Sie“? Be­zieht sich das wie­der auf die „Prä­senz“ der Zu­hö­rer, von der er vor­her ge­spro­chen hat­te. Ist also ge­meint: es reicht hin, dass der Ana­ly­ti­ker da ist – ?]

La­can be­tont, dass er hier ei­nen Schnitt macht und dass er nicht hin­zu­fügt, „dass Sie da sind im Zu­stand der ge­press­ten Mehr­lust“. Es sei frag­lich, ob sein Dis­kurs sie, die Zu­hö­rer, be­reits als ge­press­te Mehr­lust ver­sam­melt; es sei nicht ent­schie­den, ob La­cans Dis­kurs die Zu­hö­rer in die Po­si­ti­on bringt, von der aus sein Dis­kurs be­fragt wer­den kann, die Fol­ge sei­ner Äu­ße­run­gen. [Un­ter „Dis­kurs“ ver­steht La­can hier, das ist fest­zu­hal­ten, die Fol­ge sei­ner Äu­ße­run­gen und nicht eine Struk­tur. Er wech­selt also zwi­schen zwei ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen von „Dis­kurs“.]

[Ich ver­ste­he die­se Be­mer­kung so: Für La­can ver­kör­pert die ge­dräng­te Mas­se der Zu­hö­rer die Mehr­lust, an­ders ge­sagt: die­se „ge­press­te Mehr­lust“ bringt ihn zum Spre­chen, zu ei­nem Spre­chen, das Ähn­lich­keit mit dem Spre­chen ei­nes Ana­ly­san­ten hat. Ob die Zu­hö­rer dies aber für sich über­neh­men, das heißt, ob die­ser Un­ter­richt auch für sie eine Form des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses ist, in dem sie die Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers ein­neh­men, ist für La­can of­fen. Wenn sie die­sen Platz ein­neh­men wür­den, könn­ten sie den Dis­kurs von La­can be­fra­gen, könn­ten sie Deu­tun­gen vor­neh­men.]

Wenn die Zu­hö­rer die­se Po­si­ti­on ein­neh­men wür­den, könn­ten sie sei­nen Dis­kurs durch das „nicht“ ei­nes Dis­kur­ses be­fra­gen, ei­nes Dis­kur­ses, der nicht vom Schein wäre. [La­can wech­selt hier zu­rück zum Dis­kurs als Struk­tur aus Plät­zen mit Ter­men. Die Be­fra­gung von La­cans Dis­kurs durch die Zu­hö­rer wür­de durch ei­nen Dis­kurs er­fol­gen, der nicht vom Schein wäre, und zwar spe­zi­ell durch das „nicht“ dar­in – die Ne­ga­ti­on spielt da­bei eine ent­schei­den­de Rol­le. Da­mit soll viel­leicht (sehr viel­leicht) dies an­ge­deu­tet wer­den: Ei­nen Zu­gang zum Ob­jekt a hat der Ana­ly­sant durch die Ne­ga­ti­on, durch die Ver­leu­gung, als ei­ner Form der Sub­jekt­spal­tung: „ich neh­me nicht“ (Brust), „ich las­se nicht los“ (Kot), „ich sehe nicht“ (Blick), „ich sage nicht“ (Stim­me).114 Die Ne­ga­ti­on er­mög­licht also ei­nen Zu­gang zur Be­zie­hung zwi­schen dem ge­spal­te­nen Sub­jekt und dem Ob­jekt a, und die Zu­hö­rer wür­den die Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers dann ein­neh­men, wenn sie auf die­se Ne­ga­ti­on ach­ten würden.[/note]

Schein“: der mit sich selbst identische Signifikant

La­can kom­men­tiert wei­ter­hin den Ti­tel des Se­mi­nars und geht vom Aus­druck „Dis­kurs“ zum Aus­druck „Schein“ über. Was ist in der For­mu­lie­rung „Von ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ mit „Schein“ ge­meint? [La­can führt hier den Be­griff „Schein“ (sem­blant) als theo­re­ti­schen Ter­mi­nus ein, man fin­det ihn nicht in frü­he­ren Se­mi­na­ren und Schrif­ten.]

Wahrheit: ihre Entfesselung durch die Deutung

[Im Fol­gen­den geht es um die Wahr­heit; im Sche­ma der vier Dis­kur­se ist dies der Platz un­ten links.]

Mit „Von ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ ist nicht ge­meint: „Von ei­nem Dis­kurs, der kein Schein-Dis­kurs wäre“. Das wäre die Po­si­ti­on des lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus, wel­che be­sagt: Eine Aus­sa­ge, bei der es nicht mög­lich ist, [em­pi­risch oder lo­gisch] fest­zu­stel­len, ob sie wahr ist oder falsch, ist sinn­los, und ein Pro­blem, das durch sol­che Aus­sa­gen for­mu­liert wird [wie die Op­po­si­ti­on von Idea­lis­mus und Rea­lis­mus], ist ein Schein­pro­blem.

Da­mit glaubt man Fra­gen los zu sein, die man als me­ta­phy­sisch klas­si­fi­ziert. [La­can spielt hier an auf Ru­dolf Car­nap: Der lo­gi­sche Auf­bau der Welt und der­sel­be: Schein­pro­ble­me der Phi­lo­so­phie, bei­de 1928.]

Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Er­fah­rung zeigt das Ge­gen­teil. Die Deu­tung [die ein Si­gni­fi­kant ist] be­hält im­mer et­was von ei­nem Ora­kel, es lässt sich nicht ent­schei­den, ob sie wahr oder falsch ist. [Dies ist eine der Be­deu­tun­gen von La­cans Dik­tum „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“.]

Wahr ist die Deu­tung durch ihre Fol­gen, durch das, was sie frei­setzt. [La­can spielt hier auf Freuds Auf­satz Kon­struk­tio­nen in der Ana­ly­se (1937) an, wo es heißt, die Wahr­heit ei­ner Kon­struk­ti­on – ei­ner Ge­samt­deu­tung – zei­ge sich dar­in, dass der Pa­ti­ent in den an­schlie­ßen­den „frei­en As­so­zia­tio­nen“ „be­stä­ti­gen­des Ma­te­ri­al“ lie­fert.]

[Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist am Platz der Wahr­heit (un­ten links) das Wis­sen, S2. Das könn­te sich (un­ter an­de­rem) auf die Deu­tung be­zie­hen, in­so­fern sie die Funk­ti­on hat, die Wahr­heit zu ent­fes­seln. Eine der Be­deu­tun­gen von „S2 am Platz der Wahr­heit“ wäre dann: Im Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se hat die Deu­tung (S2) die Funk­ti­on, die Wahr­heit zu ent­fes­seln.]

Das Sche­ma der lo­gi­schen Im­pli­ka­ti­on – der Wenn-Dann-Be­zie­hung – setzt den Wahr­heits­be­zug | [14] vor­aus; La­can kün­digt an, dass er das spä­ter zei­gen will. [Die Im­pli­ka­ti­on ist die Wenn-dann-Be­zie­hung als Ver­knüp­fung von Aus­sa­gen: „im­mer wenn a, dann auch b“, wo­bei a und b Aus­sa­gen sind. Bei­spiels­wei­se „Im­mer wenn du mich be­suchst, lacht der Weih­nachts­mann“. Der ers­te Teil­satz (hier „Du be­suchst mich“) wird „An­te­ze­dens“ ge­nannt oder „Protasis“, Vor­der­satz, der zwei­te (hier „Der Weih­nachts­mann lacht“) heißt „Kon­se­quenz“ oder „Apo­dosis“, Hin­ter­satz. Zu be­ach­ten ist, dass die Im­pli­ka­ti­on nicht be­sagt, dass es zwi­schen den bei­den Aus­sa­gen ein Kau­sal­ver­hält­nis gibt, das An­te­ze­denz gilt nicht als Ur­sa­che der Kon­se­quenz. In Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67) hat­te La­can sich aus­führ­lich mit der Im­pli­ka­ti­on be­fasst. Bei lo­gi­schen Ver­knüp­fern wie der Im­pli­ka­ti­on in­ter­es­siert sich die Lo­gik für die Be­zie­hung zwi­schen der Wahr­heit oder Falsch­heit der Teil­aus­sa­gen (du be­suchst mich, der Weih­nachts­mann lacht) im Ver­hält­nis zur Wahr­heit oder Falsch­heit der kom­bi­nier­ten Ge­samt­aus­sa­ge. Bei ei­ner Im­pli­ka­ti­on ist die Ge­samt­aus­sa­ge nur dann falsch, wenn a wahr ist und b falsch ist. Wahr ist die Ge­samt­aus­sa­ge dann, wenn a und b wahr sind, dann, wenn a falsch ist und b wahr ist, und dann, wenn a falsch ist und b falsch ist. Die Ge­samt­aus­sa­ge ist also merk­wür­di­ger­wei­se im­mer wahr, wenn a falsch ist, un­ab­hän­gig da­von, ob b wahr oder falsch ist. Hier­auf be­zo­gen sich die Lo­gi­ker der Stoa mit dem Satz ex fal­so se­qui­tur quod­li­bet, aus Fal­schem folgt Be­lie­bi­ges. Die Im­pli­ka­ti­on „Im­mer wenn gilt: a ist wahr, dann gilt: b ist falsch“ ist ins­ge­samt falsch. Die Im­pli­ka­ti­on „Im­mer wenn gilt: a ist falsch, dann gilt: b ist wahr“ ist ins­ge­samt wahr. La­can deu­tet das in Se­mi­nar 14 so: das Wah­re kann nur als Kon­se­quenz fi­gu­rie­ren (also be­zo­gen auf den zwei­ten Teil­satz), das Fal­sche ist pri­mär (das heißt das An­te­ze­dens), das heißt der Si­gni­fi­kant.

Die Im­pli­ka­ti­on setzt die Wahr­heits­be­zie­hung vor­aus“ meint also ver­mut­lich: Die Im­pli­ka­ti­on zeigt, dass die Wahr­heit eine Kon­se­quenz des Si­gni­fi­kan­ten ist – die Wahr­heit des Sub­jekts wird durch den Si­gni­fi­kan­ten ent­fes­selt, durch die von der Ana­ly­ti­ke­rin (oder dem Ana­ly­ti­ker) vor­ge­brach­te ora­kel­haf­te Deu­tung, un­ab­hän­gig da­von, ob die­se „wahr“ oder „falsch“ ist.]

Das Ve­r­i­di­sche – also der Wahr­heits­be­zug – ge­hört zum Spre­chen, selbst dann, wenn das Spre­chen streng ge­sagt sinn­los ist [sinn­los wie bei­spiels­wei­se in der Im­pli­ka­ti­on „Wenn du mich be­suchst, lacht der Weih­nachts­mann“].

Es gibt den Über­gang von dem Mo­ment, in dem über eine Wahr­heit al­lein durch ihre Ent­fes­se­lung ent­schie­den wird [wie dies in der Psy­cho­ana­ly­se der Fall ist] hin zu ei­ner Lo­gik, die ver­sucht, die­ser Wahr­heit Kör­per zu ver­lei­hen. [? Wel­che Lo­gik ver­sucht, die­ser Wahr­heit Kör­per zu ver­lei­hen? Die von La­can in die­sem Se­mi­nar ent­wi­ckel­te lo­gi­sche Dar­stel­lung der In­exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses? ]

Dies ist der Mo­ment, in dem der Dis­kurs als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz zu­rück­ge­wie­sen wird. [La­can deu­tet Freuds Aus­druck „Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tan“ so, dass die Vor­stel­lung das Re­prä­sen­tier­te ist (und nicht wie Freud, für den die Vor­stel­lung das Re­prä­sen­tie­ren­de ist), und dass die Vor­stel­lung des­halb re­prä­sen­tiert wird, weil sie fehlt. Dies be­zieht er auf die Struk­tur des Sub­jekts: Es gibt Re­prä­sen­tan­zen des Sub­jekts, und die­se Re­prä­sen­tan­zen sprin­gen des­halb ein, weil es eine Vor­stel­lung des Sub­jekts (ei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts) nicht gibt. In Se­mi­nar 12 drückt er das so aus: „Aber es han­delt sich um das Sub­jekt und für uns ist das Sub­jekt – ge­nau in­so­fern als es un­be­wusst sein kann – nicht Vor­stel­lung, es ist die Re­prä­sen­tanz der Vor­stel­lung, es ist da am Platz der Vor­stel­lung, die fehlt.“115 „Vor­stel­lung“ ent­spricht „Si­gni­fi­kant“. Das Sub­jekt ist nicht „Vor­stel­lung“, nicht Si­gni­fi­kant. Das Sub­jekt ist „Re­prä­sen­tanz“ der feh­len­den Vor­stel­lung, „Re­prä­sen­tanz“ des Si­gni­fi­kan­ten, in dem Sin­ne, dass es an dem Platz ist, an dem die Vor­stel­lung fehlt, in­so­fern, als es den Platz ei­nes feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten ein­nimmt.]

Die Zu­rück­wei­sung des Dis­kur­ses als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz be­steht dem­nach dar­in, dass ab­ge­lehnt wird, dass die Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung ei­nes Dis­kur­ses sich auf das Sub­jekt be­zieht, und dass das Sub­jekt ge­ra­de kein Si­gni­fi­kant ist, son­dern das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten.]

Die­se Zu­rück­wei­sung des Dis­kur­ses als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz ist des­halb mög­lich, weil die­ser Dis­kurs teil­wei­se im­mer schon zu­rück­ge­wie­sen ist, eben dar­in be­steht die Ver­drän­gung; im Fal­le der Ver­drän­gung re­prä­sen­tiert der Dis­kurs nicht eine Vor­stel­lung [nur in der Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten, etwa in ei­nem über­ra­schen­den Be­mer­kung im Rah­men der „frei­en As­so­zia­ti­on“, fun­giert der Dis­kurs als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz, ver­weist die Si­gni­fi­kan­ten­ver­bun­dung auf das Sub­jekt].

Der Wahr­heits­ef­fekt be­steht [also] in der Fort­set­zung des Dis­kur­ses.

Schein und Blut

Die­ser Wahr­heits­ef­fekt ist nicht vom Schein. [„Wahr­heit“ ist Ge­gen­be­griff zu „Schein“. Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, ist dem­nach ein Dis­kurs, der die­sen Wahr­heits­ef­fekt hät­te.]

Der Be­zug auf den Ödi­pus­kom­plex soll klar­ma­chen, dass hier Blut ge­flos­sen ist. Al­ler­dings wi­der­legt das Blut nicht den Schein, es wie­der­be­lebt ihn. [Das könn­te eine An­spie­lung auf das Ob­jekt a sein. Auch wenn „ge­flos­se­nes Blut“ nicht zu La­cans Lis­te der Ob­jek­te a ge­hört (Brust, Kot, Blick, Stim­me), hat es doch die­sel­be Struk­tur, es ist ein ab­ge­lös­ter Teil des Kör­pers. Das könn­te hei­ßen: die Ob­jek­te a kön­nen als Schein fun­gie­ren]

[Zwei Jah­re spä­ter, im En­core-Se­mi­nar, wird La­can den Schein tat­säch­lich auf das Ob­jekt a be­zie­hen; man fin­det dort das fol­gen­de Dia­gramm116]

Diagramme aus Seminar 20 - Dreieck RSI und Wahres

Des­halb kann man sich die Fra­ge nach eine Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, nur auf der Ebe­ne des Ar­te­fakts stel­len, der Dis­kurs­struk­tur [eine der Be­deu­tun­gen von „Ar­te­fakt“ ist dem­nach: Dis­kurs­struk­tur.]. [Die my­thi­sche Form des Ödi­pus­kom­ple­xes ge­hört zur Ord­nung des Scheins, im Ge­gen­satz zur for­ma­len Struk­tur des Dis­kur­ses. Man be­nö­tigt ei­nen for­ma­le­ren Zu­gang, der sich je­doch, an­ders als die Lo­gik, dar­auf be­zieht, dass es durch die Spra­che ei­nen Ver­lust gibt, und der sich nicht als Met­a­spra­che be­greift.]

Wäh­rend man auf den Dis­kurs war­tet, der nicht vom Schein wäre [Er­war­tung ei­ner An­kunft, eine Er­war­tung, die vom Se­mi­nar­ti­tel an­zeigt wird], gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses [kei­nen Schein­dis­kurs; beim war­ten auf den Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, kann man sich nicht auf das Kon­zept des Schein­dis­kur­ses stüt­zen]. Um zu be­ur­tei­len, ob ein Dis­kurs vom Schein ist oder nicht, gibt es kei­ne Met­a­spra­che, kei­nen An­de­ren des An­de­ren, nichts Wah­res über das Wah­re.

[Es gibt kei­ne Met­a­spra­che: Mit die­ser Sen­tenz grenzt La­can sich vom Lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus ab. Der Ge­gen­satz von Met­a­spra­che und Ob­jekt­spra­che, wie er von Car­nap und Tar­ski ein­ge­führt wur­de, ist un­halt­bar, die Um­gangs­spra­che kann nicht zum Ob­jekt ei­ner for­ma­li­sier­ten Spra­che ge­macht wer­den. Was es gibt, ist die For­ma­li­sie­rung, aber sie er­mög­licht es nicht, die ge­spro­che­ne Spra­che zum Ob­jekt zu ma­chen; die For­ma­li­sie­rung ist, bei der Ein­füh­rung ih­rer Ter­me, im­mer auf die Um­gangs­spra­che an­ge­wie­sen.]

[Es gibt kei­nen An­de­ren des An­de­ren: Es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der als Wahr­heits­ga­ran­tie die­nen könn­te.]

[Das (neo­po­si­ti­vis­ti­sche) Kon­zept des Schein­dis­kur­ses setzt vor­aus, dass es eine Met­a­spra­che usw. gibt; die Su­che nach ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, soll nicht un­ter die­ser Vor­aus­set­zung er­fol­gen.]

Die Wahrheit, die „ich lüge“ sagt

La­can hat die Wahr­heit ein­mal spre­chen las­sen [in Die Freud’sche Sa­che, 1956]. [Dort steigt die Al­le­go­rie der Wahr­heit aus ei­nem Brun­nen und sagt: „Ich, die Wahr­heit, ich spre­che.“ Die Wahr­heit ge­hört nicht zur Ebe­ne des Den­kens, son­dern des Spre­chens; im Spre­chen wird un­ver­meid­lich ein Wahr­heits­an­spruch er­ho­ben (wie Ha­ber­mas sa­gen wür­de), die Fra­ge, ob zu­recht oder zu un­recht, stellt sich erst auf die­ser Grund­la­ge, und es gibt kei­ne Met­a­spra­che, die die­sen Wahr­heits­an­spruch un­ter Kon­trol­le brin­gen könn­te.117]

La­can je­doch sieht hier­in kei­ne Pa­ra­do­xie. Nichts könn­te bei be­stimm­ten Ge­le­gen­hei­ten wah­rer sein als die Äu­ße­rung „ich lüge“. [La­can setzt hier still­schwei­gend die Sät­ze „ich spre­che“ und „ich lüge“ mit­ein­an­der gleich. Von der Äu­ße­rung „ich lüge“ wird ge­sagt, sie sei eine Pa­ra­do­xie, ge­nau­er: die Äu­ße­rung „Ich lüge jetzt, mit die­sem Satz“. Sie gilt des­halb als pa­ra­dox, da sie wahr ist, wenn sie falsch ist, und falsch ist, wenn sie wahr ist. In La­cans Deu­tung ist die Äu­ße­rung „ich lüge“ also un­ter be­stimm­ten Um­stän­den nicht zu­gleich wahr und falsch, son­dern schlicht wahr. Das könn­te auf Freuds Ar­ti­kel über die Ver­nei­nung an­spie­len: Die un­be­wuss­te Wahr­heit hat oft dann ei­nen Zu­gang zum be­wuss­ten Spre­chen, sagt Freud, wenn ein „nein“ hin­zu­ge­fügt wird. „Ich woll­te sie nicht be­lei­di­gen“ meint dann „Ich woll­te sie be­lei­di­gen“. Ent­spre­chend könn­te man sa­gen, „Ich lüge“ – also „Ich sage ab­sicht­lich nicht die Wahr­heit“ – be­deu­tet „ich sage un­ab­sicht­lich die Wahr­heit“.]

Ich lüge“ ist so­gar die ein­zi­ge Wahr­heit, die er­hal­ten bleibt. [Viel­leicht in die­sem Sin­ne: Die Ver­drän­gung sorgt da­für, dass das meis­te, was wir über uns sa­gen, über un­se­re Mo­ti­ve und Zie­le, eine „Lüge“ ist, eine „Ra­tio­na­li­sie­rung“, wie Er­nest Jo­nes es ge­nannt hat.118]

Der Satz „Ich lüge“ wird erst dann pa­ra­dox, wenn man ihn auf­schreibt [und am Ge­schrie­be­nen for­ma­le, lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen an­stellt – ohne et­was auf­zu­schrei­ben, kann man kei­ne lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen an­stel­len, das hat­te La­can in frü­he­ren Se­mi­na­ren be­tont. Die Wahr­heit, mit der die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, zeigt sich nur im Spre­chen, ge­nau­er in der énon­cia­ti­on, im Äu­ße­rungs­vor­gang, in ei­nem Spre­chen, in dem die In­ten­tio­na­li­tät schei­tert, in ei­nem Spre­chen, das den Me­cha­nis­men von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie un­ter­wor­fen ist und in dem die Ne­ga­ti­on bis­wei­len ihr Ge­gen­teil be­deu­tet. Das Spre­chen ist vom Schrei­ben zu un­ter­schei­den, der Si­gni­fi­kant vom Buch­sta­ben. Den for­ma­len Wi­der­spruch gibt es nur, wenn man Buch­sta­ben ver­wen­det.]

Wenn man die Aus­sa­ge ver­neint und sagt „ich lüge nicht“, ist man nicht da­vor ge­schützt, et­was Fal­sches zu sa­gen. [Das könn­te hei­ßen: Wenn man un­be­dingt auf­rich­tig sein will, ist man nicht da­vor ge­schützt, un­wil­lent­lich zu lü­gen, zu ra­tio­na­li­sie­ren.]

[An­ders ge­sagt: Die Theo­ri­en über die Pa­ra­do­xi­en des Lü­gens ver­ken­nen, dass sie das Wahr­heits­pro­blem nicht an Spra­che über­haupt un­ter­su­chen, son­dern dass sie sich auf eine spe­zi­el­len Form der Spra­che be­zie­hen, auf die ge­schrie­be­ne Spra­che. In der ge­schrie­be­nen Spra­che – und da­mit in der Lo­gik – funk­tio­niert Wahr­heit je­doch an­ders als in der ge­spro­che­nen Spra­che. Die Ent­fes­se­lung der Wahr­heit, mit der die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat – die Auf­de­ckung des Ver­dräng­ten  – ist an das Spre­chen ge­bun­den, und die Wahr­heit er­scheint im Spre­chen ty­pi­scher­wei­se als Lüge.]

Der Schein des „ich“ in „ich lüge“: der Schein des Signifikanten an sich selbst

Die Wahr­heit, die spricht, die sich als Ora­kel äu­ßert und die „ich“ (je) sagt [wie in „Ich, die Wahr­heit, ich spre­che“ oder wie in „Ich lüge“], wer spricht da? [Wer ist „ich“ (je)?] „Die­ser Schein ist der Si­gni­fi­kant an sich selbst.“ [Der Satz „ich lüge“ ist (un­ter be­stimm­ten Um­stän­den) wahr. Das „ich“ in die­sem Satz ist hin­ge­gen Schein. Die­ser Schein ist der Si­gni­fi­kant „an sich selbst“. Eine der For­men des Scheins ist also der Si­gni­fi­kant „ich“. Der Schein (oder eine der For­men des Scheins?) ist die sym­bo­li­sche Iden­ti­fi­zie­rung. [? Kann man sa­gen: Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, wäre ein Dis­kurs jen­seits der Iden­ti­fi­zie­rung?]

[Die Rede vom Si­gni­fi­kan­ten an sich selbst als Schein er­in­nert an La­cans Aus­füh­run­gen über den Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 12. Der Ei­gen­na­me fun­giert als eine Naht, die ei­nem Loch „eine fal­sche Er­schei­nung des Ver­nähtseins“ ver­leiht (une fausse ap­pa­rence de sau­ture); die­ses Loch, die­ser Man­gel, die­ser Schnitt ist das Sub­jekt.119 Zum „ich“ als Si­gni­fi­kan­ten in der Funk­ti­on des Scheins wäre dann der Ei­gen­na­me hin­zu­zu­fü­gen, und die Funk­ti­on des Scheins be­stün­de dar­in, dass er den Man­gel im Sub­jekt ver­deckt, ge­nau­er: das Sub­jekt als Man­gel. ]

[La­can spielt hier an auf Kants Rede vom „Ding an sich selbst“ bzw. vom „Ding an sich“ (Kant ver­wen­det bei­de For­mu­lie­run­gen). Der Si­gni­fi­kant an sich selbst ist ein Si­gni­fi­kant, der, wie das Ding an sich selbst, au­ßer­halb ei­ner Be­zie­hung zu an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten steht. Da Si­gni­fi­kan­ten dif­fe­ren­ti­ell funk­tio­nie­ren, ist „der Si­gni­fi­kant an sich selbst“ Schein.]

[Den Aus­druck le si­gni­fi­ant en lui-même ver­wen­det La­can nur sel­ten. In Se­mi­nar 10 be­zieht er sich da­mit auf den Si­gni­fi­kan­ten im Un­ter­schied zur Be­deu­tung120, in Se­mi­nar 14 auf den Si­gni­fi­kan­ten im Ver­hält­nis zu sich selbst, der kei­ne Be­deu­tung her­vor­ruft121. In Se­mi­nar 20 hin­ge­gen heißt es, der Si­gni­fi­kant an sich selbst sei nicht an­ders de­fi­nier­bar denn als eine Dif­fe­renz, eine Dif­fe­renz zu ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten.122 Wie wird der Aus­druck hier ver­wen­det? Spä­ter in die­ser Sit­zung be­zeich­net La­can den Si­gni­fi­kan­ten als Schein auch als den mit sich selbst iden­ti­schen Si­gni­fi­kan­ten. Also wird auch hier der Si­gni­fi­kant an sich selbst der Si­gni­fi­kant sein, der im Ver­hält­nis zu sich selbst steht und kei­ne Be­deu­tung her­vor­ruft.]

Was ist ein Si­gni­fi­kant?

Ei­ni­ge Sprach­wis­sen­schaft­ler sa­gen, dass La­can vom Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten ei­nen Ge­brauch macht, der mit dem von Saus­su­re [der die­sen Be­griff in die Lin­gu­is­tik ein­ge­führt hat­te] nichts zu tun hat. Aber was ver­stand Saus­su­re un­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten? La­can ver­weist auf des­sen un­ver­öf­fent­lich­te Pa­pie­re. [Da­mit be­zieht er sich auf Saus­su­res Stu­di­en über Ana­gram­me. Freud zu­fol­ge (Be­mer­kun­gen über ei­nen Fall von Zwangs­neu­ro­se) bil­det das Un­be­wuss­te Ana­gram­me; im Rom-Vor­trag hat­te La­can dar­auf hin­ge­wie­sen.]

Man glaubt, den Si­gni­fi­kan­ten ver­stan­den zu ha­ben. Man glaubt, dass der Si­gni­fi­kant vom Struk­tu­ra­lis­mus ge­zähmt wor­den ist. [Der Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten wur­de durch Saus­su­re zu ei­nem Grund­be­griff der Lin­gu­is­tik und Saus­su­re gilt als ei­ner der Be­grün­der des Struk­tu­ra­lis­mus.] Man glaubt, dass der Si­gni­fi­kant der An­de­re als An­de­rer ist und die Bat­te­rie der Si­gni­fi­kan­ten und al­les, was La­can dar­über sagt. [Man be­zieht sich für den Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten nicht nur auf Saus­su­re, son­dern auch auf La­can und dort auf den Be­griff des An­de­ren mit gro­ßem A, als dem Ort, an dem die Si­gni­fi­kan­ten ver­sam­melt sind. Die­ser An­de­re ist der An­de­re „als An­de­rer“ bzw. „als An­de­res“, das heißt der an­de­re, in­so­fern er mir nicht ähn­lich ist, wo­hin­ge­gen der an­de­re mit klei­nem a mir ähn­lich ist. Mit der „Bat­te­rie der Si­gni­fi­kan­ten“ meint La­can das syn­chro­ne Sys­tem der Si­gni­fi­kan­ten. Die „Bat­te­rie der Si­gni­fi­kan­ten“ ist am Ort des An­de­ren ver­sam­melt. La­can deu­tet hier an, dass sein ei­ge­ner Si­gni­fi­kan­ten­be­griff kei­nes­wegs so klar ist, wie es ei­ni­gen er­scheint, dass die­ses Kon­zept viel­mehr in Aus­ar­bei­tung ist; zur Ent­wick­lung des Be­griffs des Si­gni­fi­kan­ten ge­hört die in die­sem Se­mi­nar erst­mals ver­wen­de­te Rede vom Si­gni­fi­kan­ten als Schein, vom Schein­si­gni­fi­kan­ten.]

Das Zeichen des Donners und der Name-des-Vaters

Das kommt na­tür­lich vom Him­mel, weil ich Idea­list bin, hier je­den­falls.“ [La­can si­gna­li­siert, dass er sich auf Him­mels­er­schei­nun­gen be­zie­hen wird, und er deu­tet an, dass es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen „Schein“ und „Idee „gibt.]

[15] La­can er­in­nert dar­an, dass er an­fangs ge­sagt hat­te, der Dis­kurs sei ein „Ar­te­fakt“. Das Ar­te­fakt ist un­ser all­täg­li­ches Schick­sal, wir fin­den es an je­der Stra­ßen­ecke. [? Meint das „es wim­melt da­von in der Na­tur“, wie er et­was spä­ter sa­gen wird?]

Ein Dis­kurs, der sich ge­hal­ten hat, ist der Dis­kurs der Wis­sen­schaft. [In Se­mi­nar 17 hat­te La­can die Struk­tur des Dis­kur­ses der Wis­sen­schaft mit der Struk­tur des Dis­kur­ses der Uni­ver­si­tät gleich­ge­setzt. In Ra­dio­pho­nie nä­hert er den Wis­sen­schafts­dis­kurs an den Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin an. In der Vor­le­sungs­rei­he Das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers (1971/72) wird er ihn mit dem Dis­kurs der Hyte­ri­ke­rin gleich­set­zen.] Die Wis­sen­schaft be­zieht sich nicht auf die Ele­men­te [nicht auf Feu­er, Was­ser, Luft, Erde] und auch nicht auf die Quint­essenz [nicht auf das von Aris­to­te­les pos­tu­lier­te fünf­te Ele­ment, nicht auf den Äther]; dies ge­hört nicht zum Dis­kurs der Wis­sen­schaft, son­dern zu dem der [an­ti­ken und mit­tel­al­ter­li­chen] Phi­lo­so­phie. Der Dis­kurs der Wis­sen­schaft ist von der Er­ör­te­rung von For­men des Scheins (de sem­blants) aus­ge­gan­gen, näm­lich der Be­ob­ach­tung der Ster­ne, also der Kon­stel­la­ti­on. [Eine Kon­stel­la­ti­on ist die schein­ba­ren Stel­lung der Him­mels­kör­per zu­ein­an­der, etwa in ei­nem Stern­bild. La­can bringt hier den Be­griff des „Scheins“ (sem­blant) in die Nähe des Be­griffs der „Er­schei­nung“ (phé­nomè­ne).]

Die ers­ten Schrit­te der [mo­der­nen] Wis­sen­schaft dre­hen sich um Him­melser­schei­nun­gen, um „Me­teo­re“. [„Me­teo­re“ sind Him­mels­er­schei­nun­gen, nicht zu ver­wech­seln mit „Me­teo­ri­ten“ – die Stern­schnup­pen, her­vor­ge­ru­fen durch das Ein­drin­gen von Me­teo­ri­ten in die At­mo­sphä­re, sind ein spe­zi­el­ler Typ von Him­meler­schei­nun­gen, von Me­teo­ren.] Des­car­tes schrieb eine Ab­hand­lung über Me­teo­re [über Him­meler­schei­nun­gen], dar­un­ter über den Re­gen­bo­gen. Der Re­gen­bo­gen wur­de im­mer als Schein an­ge­se­hen, nie­mals als ein Ding, das ir­gend­wo da ist.

Der cha­rak­te­ris­tischs­te Me­te­or, die cha­rak­te­ris­tischs­te Him­mels­er­schei­nung, ist der Don­ner, er ist mit der Struk­tur von al­lem ver­bun­den, was Dis­kurs ist. [Im Don­ner müss­ten sich also die vier bzw. acht Be­stand­tei­le des Dis­kur­ses wie­der­fin­den las­sen.] Der Don­ner steht in ei­ner en­gen Ver­bin­dung zum Na­men-des-Va­ters, des­halb hat­te La­can den Rom-Vor­trag mit der An­ru­fung des Don­ners be­en­det [mit ei­nem Zi­tat aus den Upa­nis­ha­den, der An­ru­fung des hin­du­is­ti­schen Got­tes Pra­ja­pa­ti als Gott des Don­ners]; ohne den Don­ner gibt es kei­nen halt­ba­ren Na­men-des-Va­ters. Da­bei weiß man nicht ein­mal, von was der Don­ner ein Zei­chen ist [ich neh­me an, dass die Ant­wort lau­tet: von der Stim­me als Ob­jekt a und da­mit von der Kas­tra­ti­on, die von die­sem Ob­jekt sym­bo­li­siert wird]. [Der Don­ner ist ein „Zei­chen“, von was auch im­mer. Dem­nach ist der Si­gni­fi­kant als Schein = das Zei­chen. An­ders ge­sagt: das Zei­chen ist ein Schein­si­gni­fi­kant.] [? In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen Name-des-Va­ters und Her­ren­si­gni­fi­kant und Zei­chen zu­ein­an­der?]

Des­halb gibt es kei­nen Schein des Dis­kur­ses [im Ge­gen­satz zu dem, was die Ver­tre­ter des lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus be­haup­ten]. [Das, was Schein ist, ist nicht der Dis­kurs, es gibt kei­nen Schein­dis­kurs.] Al­les was Dis­kurs ist, kann sich nur von da­her als Schein ge­ben, dass es sich auf den Si­gni­fi­kan­ten stützt. [Das, was man für den Schein des Dis­kur­ses hält, ist in Wirk­lich­keit der Schein des Si­gni­fi­kan­ten, das Zei­chen als Schein­si­gni­fi­kant.] Der Si­gni­fi­kant ist mit dem Schein iden­tisch. Die For­mu­lie­rung „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ ist also nicht durch et­was zu er­gän­zen, was sich auf den | [16] Dis­kurs be­zieht. [Der Ti­tel ist nicht so ge­meint: „Über ei­nen Dis­kurs, der kein Schein­dis­kurs wäre“, son­dern so: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Si­gni­fi­kan­ten als Schein wäre“.]

Nicht Schein: der Referent

Es geht viel­mehr um den Re­fe­ren­ten. [Der Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, ist der Dis­kurs, der sich auf den Re­fe­ren­ten be­zieht.] Der Re­fe­rent ist nicht un­mit­tel­bar der Ge­gen­stand. [Un­ter dem Re­fe­ren­ten (oder De­no­tat) wird für ge­wöhn­lich der Ge­gen­stand ver­stan­den, auf den sich ein sprach­li­cher Aus­druck be­zieht, im Un­ter­schied zur Be­deu­tung des Aus­drucks, zum Si­gni­fi­kat; die­se De­fi­ni­ti­on des Re­fe­ren­ten wird hier von La­can pro­ble­ma­ti­siert.] „… denn das be­deu­tet ge­nau dies, dass es eben die­ser Re­fe­rent ist, der her­um­wan­dert“. [? Sinn?]

[La­can stützt sich hier auf die in der Se­mio­tik üb­li­che Drei­tei­lung Si­gni­fi­kant, Si­gni­fi­kat und Re­fe­rent, und er setzt den Re­fe­ren­ten mit dem Rea­len gleich. Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, wäre ein Dis­kurs, der sich auf das Rea­le be­zö­ge. Wenn man den Be­griff des Scheins nach­voll­zie­hen will, muss man ihn ei­ner­seits auf den der Wahr­heit be­zie­hen (im Dis­kurs­sche­ma der Platz un­ten links), an­de­rer­seits auf den des Rea­len. Und man hat zu klä­ren, wie er sich zum Ob­jekt a ver­hält und wie zur Lüge.]

Eine Ebe­ne des Aus­drucks „Schein“ ist, dass der Si­gni­fi­kant mit sich selbst iden­tisch ist. [Dies ist eine Prä­zi­sie­rung der bis­he­ri­gen Haupt­be­stim­mung des Scheins, dass der Si­gni­fi­kant dann Schein ist, wenn er Si­gni­fi­kant „an sich selbst“ ist. Der Si­gni­fi­kant ist dann Si­gi­fi­kant an sich selbst, also Schein, wenn er mit sich selbst iden­tisch ist. In Se­mi­nar 9 heißt es, ein Si­gni­fi­kant kön­ne nicht mit sich iden­tisch sein; mit sich selbst iden­tisch ist nur ein Ob­jekt im ima­gi­nä­ren Re­gis­ter. Da ein Si­gni­fi­kant nicht mit sich iden­tisch sein kann, ist der mit sich iden­ti­sche Si­gni­fi­kant Schein. In Se­mi­nar 17 heißt es, das mit sich selbst iden­ti­sche Ich sei der Her­ren­si­gni­fi­kant. Eine der For­men des Si­gni­fi­kan­ten als Schein ist also der Her­ren­si­gni­fi­kant.]

[? Wie ver­hält sich der Si­gni­fi­kant als Schein qua Zei­chen zum Si­gni­fi­kan­ten als Schein qua Her­ren­si­gni­fi­kant?]

Der Schein, in dem der Si­gni­fi­kant mit sich iden­tisch ist, ist der Schein in der Na­tur. [Das ist ver­blüf­fend, denn es scheint der Zu­ord­nung des Si­gni­fi­kan­ten zur Spra­che zu wi­der­spre­chen.]

Je­der Dis­kurs, der die Na­tur be­schwört, geht von dem aus, was in der Na­tur Schein ist, und die Na­tur hat da­von im Über­fluss. [Die Na­tur ist nichts prä- und au­ßer­sprach­li­ches, sie ist das, was in Dis­kur­sen be­schwo­ren wird.]

Bei den Tie­ren ist das of­fen­sicht­lich. Wenn sie et­was öff­nen, ei­nen Kopf, ei­nen Mund, ei­nen Kie­men­de­ckel, ist das ein ma­ni­fes­ter Schein. From­me See­len wa­ren der Auf­fas­sung, dass sie da­mit das Lob Got­tes ver­kün­den. [Viel­leicht ist dies ge­meint (ich spe­ku­lie­re ein biss­chen): Die Kör­per­öff­nun­gen der Tie­re sind ge­wis­ser­ma­ßen Tü­ren, die ein In­nen mit ei­nem Au­ßen ver­bin­den und zu­gleich da­von tren­nen; sie bil­den also ei­nen In­nen-Au­ßen-Ge­gen­satz und sind auf die­se Wei­se mit dem Ima­gi­nä­ren ver­bun­den. Um Si­gni­fi­kan­ten han­delt es sich in­so­fern, als die­se Tü­ren auf- und zu­ge­hen und da­mit eine Art Null-Eins-Op­po­si­ti­on bil­den. Die­se Si­gni­fi­kan­ten sind in­so­fern mit sich iden­tisch, als sie sich nicht auf an­de­re Si­gni­fi­kan­ten be­zie­hen, also kein dif­fe­ren­ti­el­les Sys­tem bil­den. Mit dem Lob Got­tes wird ein wei­te­res Mal der Name-des-Va­ters ins Spiel ge­bracht.]

[Was also ist „Schein“? Der De­fi­ni­ti­on nach: der Si­gni­fi­kant an sich selbst, der mit sich selbst iden­ti­sche Si­gni­fi­kant, z.B. „ich“. Die­sen mit sich selbst iden­ti­schen Si­gni­fi­kan­ten gibt es in der Na­tur, wie sie in be­stimm­ten Dis­kur­sen be­schwo­ren wird.]

Nichts macht die­ses Auf­klaf­fen not­wen­dig.“ [? Was könn­te das hei­ßen?]

Eine Parabel über die Signifikantenakkumulation als Meteor

Wenn wir in et­was ein­tre­ten, des­sen Wirk­sam­keit (ef­fi­cace) nicht ge­klärt ist, aus dem ein­fa­chen Grun­de, dass wir nicht wis­sen, wie es ge­kom­men ist, dass hier, wenn ich so sa­gen darf, eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat …“ [Das Sub­stan­tiv ef­fi­cace (statt ef­fi­cacité) ver­weist auf die re­li­giö­se Sphä­re, es be­zieht sich z.B. auf die Wirk­sam­keit von Ge­be­ten, sie­he hier.] [? Ist dies ge­meint: Mit dem The­ma „Lob Got­tes“ be­tre­ten wir eine Sphä­re, de­ren Wirk­sam­keit nicht ge­klärt ist, und dies des­halb nicht, weil wir nicht wis­sen, wel­che Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on hier statt­ge­fun­den hat, an­ders ge­sagt: in wel­cher Spra­che das Lob Got­tes ar­ti­ku­liert wird.]

… dass wir nicht wis­sen, wie es ge­kom­men ist, dass hier, wenn ich so sa­gen darf, eine Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on statt­ge­fun­den hat, denn die Si­gni­fi­kan­ten, Ach­tung, ich sag’s Ih­nen, sind in der Welt ver­brei­tet, in der Na­tur gibt es sie hau­fen­wei­se.“ [Da­mit hat La­can eine Über­lei­tung vom „Si­gni­fi­kan­ten an sich selbst“ – vom Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, S1, – zur „Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on“ her­ge­stellt, zum Wis­sen, S2.] [Mög­li­cher­wei­se ist fol­gen­de Pro­blem­stel­lung ge­meint: Wie kommt es von der Ver­streu­ung der Si­gni­fi­kan­ten in der Welt zur Ak­ku­mu­la­ti­on der Si­gni­fi­kan­ten, wie kommt es dazu, dass die Si­gni­fi­kan­ten an ei­nem be­stimm­ten Platz ein syn­chro­nes Sys­tem bil­den und da­mit dif­fe­ren­ti­ell funk­tio­nie­ren kön­nen.]

Wenn man er­klä­ren will, wie die Spra­che ent­steht, be­steht das Pro­blem dar­in, dass man das Funk­tio­nie­ren der Spra­che da­bei vor­aus­set­zen muss. [Bei der Er­klä­rung des Ur­sprungs der Spra­che ver­strickt man sich in eine Art des Wi­der­spruchs, die Pe­ti­tio princi­pii ge­nannt wird: Man setzt vor­aus, was zu be­wei­sen ist. Das ist bei vie­len Ur­sprungs­er­klä­run­gen so. Des­halb kann die Fra­ge des Ur­sprungs häu­fig nur durch ei­nen My­thos oder et­was Ähn­li­ches be­ant­wor­tet wer­den, etwa durch eine Pa­ra­bel, wie im Fol­gen­den.]

Da es um das Un­be­wuss­te geht [um das Un­be­wuss­te als Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on, als Wis­sen, S2], muss man ne­ben den Si­gni­fi­kan­ten, die in der Welt zir­ku­lie­ren, au­ßer­dem den zer­stü­ckel­ten Kör­per vor­aus­set­zen. [Die Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten be­stehen zu­nächst aus den Ele­men­ten des Or­ga­nis­mus, hieß es u.a. im Psy­cho­sen-Se­mi­nar. Die Kon­ver­si­ons­hys­te­rie be­ruht auf der Phan­ta­sie des zer­stü­ckel­ten Kör­pers, wie La­can im Bei­trag zur Über­tra­gung ge­schrie­ben hat­te.]

La­can trägt dann eine Pa­ra­bel über die Ent­ste­hung der Spra­che vor. Er nennt das auch „Ur­sprungs­spiel“. Das, was er­klärt wer­den soll, ist spe­zi­ell die Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on [das heißt ver­mut­lich: der Über­gang von S1 zu S2, die Ent­ste­hung des Un­be­wuss­ten als Wis­sen]. [Die Poin­te der Ge­schich­te be­steht dar­in, dass der zer­stü­ckel­te Kör­per hier die Form ei­ner Him­mels­er­schei­nung an­neh­men wird, ei­nes Me­te­ors.]

Auch hier­bei wird vor­aus­ge­setzt, dass es be­reits et­was gibt, näm­lich Ge­schich­ten über das Ter­ri­to­ri­um. [Um die Ein­wir­kung der Spra­che auf das Rea­le dar­zu­stel­len, braucht man ei­nen nicht-sprach­li­chen Aus­gangs­punkt. Die­se Funk­ti­on hat hier das Ter­ri­to­ri­um. Man sol­te sich dar­an er­in­nern, dass La­can den An­de­ren (seit Se­mi­nar 5) als „Ort des Spre­chens“ be­zeich­net. In Freuds Ter­mi­no­lo­gie geht es jetzt also um eine „To­pik“, La­can sagt meist „To­po­lo­gie“. Auch da­mit ist man al­ler­dings nicht in ei­ner sprach­frei­en Sphä­re – den Aus­gangs­punkt bil­den die „Ge­schich­ten“ über das Ter­ri­to­ri­um – die To­pik muss um­gangs­sprach­lich ein­ge­führt wer­den. Im Fol­gen­den geht es um „Ge­schich­ten“ im en­ge­ren Sin­ne, um eine „Pa­ra­bel“, wie La­can sagt, um eine lehr­haf­te Er­zäh­lung.]

[La­cans Pa­ra­bel be­steht aus fünf Schrit­ten.]

[Ers­ter Spiel­zug:] Der Si­gni­fi­kant „mein rech­ter Arm“ ern­tet et­was im Gar­ten des Nach­barn, z. B. Äp­fel. [Es gibt an­ein­an­der an­gren­zen­de Ter­ri­to­ri­en, also of­fen­bar Pri­vat­ei­gen­tum, und es gibt mei­nen rech­ten Arm of­fen­bar als Ele­ment des zer­stü­ckel­ten Kör­pers, das heißt als ab­ge­trenn­tes Ding, das sei­nen Platz wech­seln kann. Der Mensch ist hier je­mand, der, so scheint es, Hun­ger hat; ein Aus­gangs­punkt ist, wie in Se­mi­nar 5, das Be­dürf­nis.]

[Zwei­ter Spiel­zug:] Der Nach­bar er­greift den Si­gni­fi­kan­ten „rech­ter Arm“ und wirft ihn zu­rück. Das wird „Pro­jek­ti­on“ ge­nannt [ent­spre­chend der wört­li­chen Be­deu­tung des Aus­drucks, näm­lich „Weg­wurf“]. [? Spielt La­can hier auf die Fehl­hand­lung an? Das Pflü­cken des Ap­fels wäre dann die Hand­lung, der Arm wäre der Si­gni­fi­kant, der bei ei­ner Hand­lung im­mer im Spiel ist123, und durch das Zu­rück­wer­fen wür­de die Hand­lung zur Fehl­hand­lung – ? Für die Deu­tung als Akt spricht, dass es hier um ei­nen An­fang geht so­wie um eine Grenz­über­schrei­tung – der Akt setzt ei­nen neu­en An­fang und mit ei­ner Über­schrei­tung ver­bun­den, heißt es in Se­mi­nar 15.124] [Die Pa­ra­bel er­in­nert, iro­nisch, an Me­la­nie Klein und das von ihr be­ton­te Wech­sel­spiel von Pro­jek­ti­on und In­tro­jek­ti­on.] [? La­can deu­tet an, dass es ei­nen en­gen Zu­sam­men­hang gibt zwi­schen der Ent­ste­hung des Un­be­wuss­ten und dem Me­cha­nis­mus der Pro­jek­ti­on. Wor­in be­steht er?]

[Al­ter­na­ti­ve zu den ers­ten bei­den Spiel­zü­gen:] Wenn der Si­gni­fi­kant „rech­ter Arm“ im Gar­ten des Nach­barn nicht ge­ern­tet hät­te, son­dern ru­hig ge­we­sen wäre, hät­te der Nach­bar ihn wahr­schein­lich | [17] an­ge­be­tet. Dies ist der Ur­sprung des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten: ein rech­ter Arm, ein Szep­ter. Da sieht man, wie der Her­ren­si­gni­fi­kant sich ma­te­ria­li­siert. [Der Her­ren­si­gni­fi­kant ist dem­nach ein Si­gni­fi­kant, der vom an­de­ren an­ge­be­tet wird; ein Her­ren­si­gni­fi­kant ist ein Si­gni­fi­kant, an den ge­glaubt wird. Das Szep­ter wird in der Psy­cho­ana­ly­se üb­li­cher­wei­se als Phal­lus-Me­ta­pher ge­deu­tet. Die An­be­tung ver­weist auf die Re­li­gi­on und da­mit wie­der ein­mal auf den Na­men-des-Va­ters.]

[Man muss also zwei al­ter­na­ti­ve Exis­ten­zwei­sen des Si­gni­fi­kan­ten „rech­ter Arm“ un­ter­schei­den: als das, was ver­ehrt wird (Her­ren­si­gni­fi­kant), und als das, was zu­rück­ge­wor­fen wird und da­mit den Ur­sprung der Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on bil­det. Das Zu­rück­wer­fen ist mög­li­cher­wei­se eine Me­ta­pher für die Ver­drän­gung. Am An­fang steht also die Iden­ti­fi­zie­rung (Her­ren­si­gni­fi­kant, S1) und das „Zu­rück­wer­fen“, ver­mut­lich: die Bil­dung des Un­be­wuss­ten durch Ver­drän­gung, S2.]

[Er­läu­te­rung zum zwei­ten Spiel­zug] Es ist nicht zwangs­läu­fig so, das es mein Arm ist, der mir zu­ge­wor­fen wird, denn die Si­gni­fi­kan­ten sind nicht in­di­vi­du­ell, man weiß nicht, wel­cher wem ge­hört. [Hier geht es also um den Über­gang vom in­di­vi­du­el­len Cha­rak­ter des Or­gans zum trans­in­di­vi­du­el­len Cha­rak­ter des Si­gni­fi­kan­ten. Das heißt viel­leicht: Was ver­drängt wird, kommt nicht un­be­dingt von mir.]

[Drit­ter Spiel­zug:] Es ist mög­lich, dass ich durch die „Pro­jek­ti­on“ nicht nur ei­nen Arm er­hal­te, son­dern meh­re­re Arme. Von die­sem Mo­ment an ist nicht mehr wich­tig, ob es mei­ner ist oder nicht. [Da­mit sind wir bei der Plu­ra­li­tät der Si­gni­fi­kan­ten an ei­nem be­stimm­ten Ort, also bei der Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on, also bei ei­ner Ent­spre­chung zu S2 als dem un­be­wuss­ten Wis­sen.]

Dies ist ein an­de­res Ur­sprungs­spiel als der Ödi­pus­kom­plex. [Die Pa­ra­bel soll, wie der Ödi­pus­kom­plex, die Ent­ste­hung des Un­be­wuss­ten er­klä­ren.]

Die Welt ist in Ter­ri­to­ri­al­zel­len auf­ge­teilt. Da­bei geht es um die Funk­ti­on des Zu­falls. Es kann sein, dass man nicht nur ei­nen frem­den Arm zu­ge­wor­fen be­kommt, son­dern meh­re­re. Von dem Mo­ment an, wo ei­nem meh­re­re Arme zu­ge­wor­fen wer­den, ist es nicht mehr wich­tig, ob es der ei­ge­ne ist oder nicht. [? Wor­auf zielt das ab?]

[Vier­ter Spiel­zug:] Vom In­ne­ren ei­nes Ter­ri­to­ri­ums aus kennt man nur die ei­ge­nen Gren­zen und weiß nicht not­wen­di­ger­wei­se, dass es hin­ter der Gren­ze sechs wei­te­re Ter­ri­to­ri­en gibt. [Die­se To­pik er­in­nert an eine Bie­nen­wa­be.] Man schleu­dert den Arm des­halb so, wie man’s grad kann. [Der Wer­fen­de ist jetzt of­fen­bar „ich“; sein Wurf hat kei­nen be­stimm­ten Adres­sa­ten. Mir wer­den meh­re­re Arme zu­ge­wor­fen und ich wer­fe sie über die Gren­ze, ohne zu be­rück­sich­ti­gen, über wel­chen Grenz­ab­schnitt.]

[Fünf­ter Spiel­zug:] Des­halb kann es pas­sie­ren, dass es in die­sen Ter­ri­to­ri­en ei­nen Re­gen [von rech­ten Ar­men] gibt. [Hier sind of­fen­bar die an­gren­zen­den Ter­ri­to­ri­en ge­meint. Der Re­gen ist ein „Me­te­or“, sagt La­can in Se­mi­nar 16125, wir sind also im­mer noch bei den Me­teo­ren.]

Es gibt also eine Be­zie­hung zwi­schen der Zu­rück­wei­sung von et­was und dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, das soll­te man fest­hal­ten. [Mein rech­ter Arm wird vom Nach­barn ent­we­der zu­rück­ge­wie­sen oder an­ge­be­tet, wo­mit er zum Her­ren­si­gni­fi­kan­ten wird. Das wa­ren die bei­den ers­ten Spiel­zü­ge und de­ren Al­ter­na­ti­ven. Viel­leicht eine An­spie­lung dar­auf, dass die Iden­ti­fi­zie­rung (Her­ren­si­gni­fi­kant) sich auf das Lie­bes­ob­jekt be­zieht, das un­er­reich­bar ist.]

Das, wor­um es aber vor al­lem geht, ist, dass ich die rech­ten Arme zu­rück­wer­fe und dass es hier­durch, in ei­nem Zu­falls­pro­zess, an be­stimm­ten Punk­ten [in den an­gren­zen­den Ter­ri­to­ri­en] zu ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on kommt.

Von hier aus kann die Ent­ste­hung ei­ner Spra­che be­grif­fen wer­den.

Den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem zer­stü­ckel­ten Kör­per und den Si­gni­fi­kan­ten sieht man bei der Schrift: Der Buch­sta­be A ist ein um­ge­dreh­ter Stier­kopf und es gibt wei­te­re Ele­men­te, die ähn­lich sind. [Buch­sta­ben sind Ele­men­te – das grie­chi­sche Wort stoich­ei­on meint so­wohl das Ele­ment als auch den Buch­sta­ben.]

La­can ver­weist auf zwei Lü­cken in sei­ner Pa­ra­bel. Die eine be­steht dar­in, | [18] dass die Mög­lich­keit der „Ek­to­pie“ und des „Aus­flugs“ [also der Ab­tren­nung des Arms] vor­aus­ge­setzt wird. [Of­fen­bar will er hier an­deu­ten, dass er in der Pa­ra­bel das Kon­zept des Schnitts nicht un­ter­ge­bracht hat.] Es ist je­doch noch al­les da, vor ei­ni­gen Ta­gen gab es ein Pho­to in ei­ner Zei­tung das of­fen­bar zeig­te, wie ein Mensch zer­schnit­ten wur­de [Ent­haup­tung?]. Er wur­de „auf ei­nem mensch­li­chen We­sen“ zer­schnit­ten [? mir ist nicht klar, was das hier meint]. [Zer­stü­cke­lungs­phan­tas­men wer­den wei­ter­hin rea­li­siert.]

Eine zwei­te Lü­cke be­steht dar­in, dass durch die Pa­ra­bel nicht er­klärt wird, wie es eine Ge­sell­schaft von Si­gni­fi­kan­ten ge­ben kann, ana­log zu der an He­gel ge­rich­te­ten Fra­ge, wie es eine Ge­sell­schaft von Her­ren ge­ben kann. [La­can spielt hier dar­auf an, dass eine Ge­sell­schaft von Her­ren Freud zu­fol­ge auf der Ho­mo­se­xua­li­tät be­ruht.126 [In Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, wird La­can ein En­sem­ble von Her­ren­si­gni­fi­kan­ten als es­saim bezeich­nen, „Schwarm“, wo­bei er auf die Laut­gleich­heit mit S1 an­spielt, fran­zö­sisch aus­ge­spro­chen: S-un. ]

Nach ei­ni­gen Spiel­zü­gen gibt es in ei­ni­gen Ter­ri­to­ri­en ei­nen Si­gni­fi­kan­ten­durch­schnitt, der hö­her ist als in an­de­ren. [Mit „Durch­schnitt“ könn­te ge­meint sein: Die Arme bzw. Si­gni­fi­kan­ten flie­gen hin und her, da­durch ver­än­dert sich in ei­nem be­stimm­ten Ter­ri­to­ri­um be­stän­dig ihre An­zahl. Für eine be­stimm­te Zeit und für ein be­stimm­tes Ter­ri­to­ri­um kann je­doch ihr Durch­schnitt be­rech­net wer­den. Zu­fäl­lig ist also, ob es in ei­nem Ter­ri­to­ri­um durch­schnitt­lich mehr oder we­ni­ger rech­te Arme gibt.]

Es bleibt je­doch of­fen, wie die Si­gni­fi­kan­ten in ei­nem Ter­ri­to­ri­um eine Si­gni­fi­kan­ten­ge­sell­schaft wer­den bil­den kön­nen. [? Be­zieht sich das dar­auf, dass von La­can die Funk­ti­on Name-des-Va­ters nicht in die Pa­ra­bel ein­ge­führt wur­de?]

[Ei­ni­ge Be­stand­tei­le von La­cans Pa­ra­bel er­in­nern an Deleuze/Guattari, Anti-Ödi­pus: Kri­tik des Ödi­pus­kom­ple­xes, Be­griff des Ter­ri­to­ri­ums, Be­zug auf die Schi­zo­phre­nie (für wel­che, La­can zu­fol­ge, die Phan­ta­sie des zer­stü­ckel­ten Kör­pers cha­rak­te­ris­tisch ist). Der Anti-Ödi­pus er­schien je­doch erst ein Jahr spä­ter, 1972. Gab es be­reits vor­her ei­nen ähn­li­chen Text von Deleuze/Guattari, auf den La­can sich hät­te be­zie­hen kön­nen?]

vom Schein“: Genitivus objectivus und „subjectivus“

Der Ge­ni­tiv im Ti­tel „D’un dis­cours qui ne sa­rait pas du sem­blant“ ist ein Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus, es geht um den Schein als Ob­jekt des Dis­kur­ses. [Der Ti­tel ist also so zu le­sen: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht ein Dis­kurs über den Schein wäre“, „Über ei­nen Dis­kurs, in dem der Schein nicht ein Ob­jekt des Dis­kur­ses wäre“.] [? Be­zieht sich „Ob­jekt“ hier auf das Ob­jekt a?]

Der Be­zug auf die­ses Ob­jekt, auf den Schein als ei­ge­nes Ob­jekt, re­gelt die „Öko­no­mie“ des Dis­kur­ses. [Un­ter „Öko­no­mie“ ver­steht La­can häu­fig den Be­zug auf et­was Feh­len­des. Der Schein ist ver­mut­lich das, was den Man­gel ver­deckt.]

Ist der Ge­ni­tiv in „D’un dis­cours qui ne sa­rait pas du sem­blant“ auch ein Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus? [An­ders ge­fragt: Könn­te der Ti­tel auch in etwa so über­setzt wer­den: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht ein vom Schein be­stimm­ter Dis­kurs wäre“?] Ja. [Man kann den Ti­tel so deu­ten: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht Schein qua Her­ren­si­gni­fi­kant be­stimmt wäre“.]

Al­ler­dings ist das Wort „sub­jek­tiv“ pro­ble­ma­tisch. Das Sub­jekt [im Sin­ne von La­can] ist der Ef­fekt ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dung, es be­herrscht nicht die Si­gni­fi­kan­ten­ar­ti­ku­la­ti­on [dar­an hat­te La­can zu Be­ginn die­ser Sit­zung er­in­nert.] [Der Se­mi­nar­ti­tel meint also so­wohl „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht über den Schein wäre“ als auch „Über ei­nen Dis­kurs, den nicht vom Schein her­vor­ge­ru­fen wer­den wür­de“. Die von mir ge­wähl­te Über­set­zung ent­hält die­se Mehr­deu­tig­keit: „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“, „vom Schein“ meint hier zu­gleich „über den Schein“ und „vom Schein her­rüh­rend“.]

[Der Schein ist also ers­tens das Ob­jekt des Dis­kur­ses und zwei­tens das, was den Dis­kurs her­vor­bringt.]

[In wel­chem Sin­ne ist der Schein ein Ob­jekt des Dis­kur­ses?] Ein Dis­kurs macht Schein, wie man sagt „il fait florès“ (es bringt zum Leuch­ten, er hat Er­folg) oder „il fait lé­ger“ (es wirkt lo­cker, es sieht leicht aus), „il fait chic“ (es macht was her, es wirkt chic). [Das „fait“ be­deu­tet hier in etwa „wir­ken als“. „Der Dis­kurs macht Schein“ meint also: „Der Dis­kurs wirkt wie Schein“, „macht den Ein­druck von Schein“, „er­zeugt den Ein­druck von Schein“.]

Wenn das, was an Spre­chen ge­äu­ßert wird, ge­nau des­halb wahr ist, weil es im­mer ganz au­then­tisch das ist, was es [das Spre­chen] ist, auf der Ebe­ne, auf der wir sind, des Ob­jek­ti­ven und der Ar­ti­ku­la­ti­on, dann tritt der Schein also ge­nau als Ob­jekt des­sen auf, was im Dis­kurs pro­du­ziert wird. Von da­her der, streng ge­sagt, | [19] sinn­lo­se Cha­rak­ter des­sen, was ar­ti­ku­liert wird.“
[Hier geht es wie­der um die Dia­lek­tik von Wahr­heit und Schein. Wenn die Wahr­heit sich im au­then­ti­schen Spre­chen zeigt, dann ist das Ob­jekt, das im Dis­kurs pro­du­ziert wird, der Schein.] [? Die­se Pas­sa­ge habe ich nicht ver­stan­den.]
[– Was im Spre­chen ge­äu­ßert wird, ist des­halb wahr, weil es au­then­ti­sches Spre­chen ist, und zwar so­wohl auf der Ebe­ne des Ob­jek­ti­ven als auch auf der Ebe­ne der Ar­ti­ku­la­ti­on, des Sprech­vor­gangs (der énon­cia­ti­on). Das er­in­nert an den Be­griff des „vol­len Spre­chens“ im Rom-Vor­trag. Vor­her in die­ser Sit­zung hat­te La­can es so for­mu­liert:  Über die Wahr­heit ei­ner Deu­tung wird durch die Fort­set­zung des Dis­kur­ses ent­schie­den. Wenn man bei­des zu­sam­men­fügt, er­hält man: Über die Wahr­heit ei­ner Deu­tung wird durch die Fort­set­zung des Dis­kur­ses (des Spre­chens) ent­schie­den, so­fern die­ser Dis­kurs ein au­then­ti­sches Spre­chen ist.] [? Was ist mit der Ebe­ne des Ob­jek­ti­ven ge­meint? Der Ge­gen­stand oder In­halt des Spre­chens (énon­cé)? Das Ob­jekt a? Bei­des?]
[– Des­halb tritt der Schein als Ob­jekt des­sen auf, was im Dis­kurs pro­du­ziert wird.]
[? Deu­tungs­idee 1: Der Schein ist die Ob­jekt­sei­te des Spre­chens qua Ge­gen­stands­be­zug, In­halt (énon­cé). Deu­tungs­idee 2: Der Schein ist die Ob­jekt­sei­te des Spre­chens qua Ob­jekt a als Pro­dukt ds Dis­kur­ses.]
[- Von da­her der streng ge­sagt sinn­lo­se Cha­rak­ter des­sen, was ar­ti­ku­liert wird: „Schein“ wird hier mit „sinn­los“ über­setzt. Das, was im Dis­kurs ar­ti­ku­liert wird ist sinn­los, ist Schein.]

[Ein Dis­kurs ist in­so­fern „vom Schein“, Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus, als das, was der Dis­kurs pro­du­ziert, Schein ist. Man könn­te also durch­aus vom „Schein­dis­kurs“ spre­chen, nur darf man dar­un­ter nicht ei­nen Dis­kurs ver­ste­hen, der nur schein­bar ein Dis­kurs ist, son­dern ei­nen Dis­kurs, in dem Schein pro­du­ziert wird, so wie das Wort „Wurst­fa­brik“ nicht be­deu­tet, dass die Fa­brik aus Wurst be­steht, son­dern dass dort Würs­te fa­bri­ziert wer­den. ]

nicht wäre“: implizite Existenzbehauptung

Hier zeigt sich der Reich­tum der Spra­che, sie ent­hält eine Lo­gik, die über al­les hin­aus­geht, was uns ge­lingt, aus ihr her­aus­zu­zie­hen. [Dar­auf be­zieht sich La­cans Dik­tum „Es gibt kei­ne Met­a­spra­che“ – jede For­ma­li­sie­rung muss sich letzt­lich auf die Um­gangs­spra­che stüt­zen, de­ren Lo­gik nicht voll­stän­dig ob­jek­ti­viert wer­den kann.]

Der Ti­tel hat eine hy­po­the­ti­sche Form. [Da­mit be­zieht La­can sich auf das „wäre“: „ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“. Aus­for­mu­liert lau­tet die ent­spre­chen­de Be­haup­tung „Es gibt ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein ist“; sie hat den Sta­tus ei­ner Hy­po­the­se, das heißt ei­ner An­nah­me, die mög­li­cher­wei­se wahr ist, de­ren Gül­tig­keit je­doch nicht be­wie­sen ist: „Es gibt mög­li­cher­wei­se ei­nen Dis­kus, der nicht vom Schein ist.“]

In der Lo­gik spielt die Hy­po­the­se eine ent­schei­den­de Rol­le. [Die Prä­mis­sen wer­den als Hy­po­the­sen auf­ge­fasst und die Kon­klu­si­on hat hy­po­the­ti­schen Cha­rak­ter: Wenn dies wahr wäre (die Prä­mis­sen), dann ist auch dies wahr (die Kon­klu­si­on).]

Im Mo­dus po­nens er­gibt sich die Schluss­fol­ge­rung dar­aus, dass ein Term im In­ne­ren die­ser Hy­po­the­se als wahr an­ge­zeigt wird. [Der Mo­dus po­nens ist die fol­gen­de Schluss­fol­ge­rung:
Ers­te Prä­mis­se: wenn p, dann q (z.B. „Wenn sie mich an­lä­chelt, liebt sie mich.“)
Zwei­te Prä­mis­se: p („Sie lä­chelt mich an.“)
Kon­klu­si­on: q („Sie liebt mich.“)
p und q ste­hen für Aus­sa­gen. Mit dem „Term“ im In­ne­ren der Hy­po­the­se, der als wahr an­ge­zeigt wird, meint La­can ver­mut­licht die zwei­te Prä­mis­se. Die Prä­mis­sen ha­ben hy­po­the­ti­schen Cha­rak­ter: „Falls dies wahr ist: ‚wenn p, dann q‘, und falls dies wahr ist, näm­lich p“.]

Es gibt noch wei­te­re sol­che Schluss­re­geln, es ist be­kannt, was die Lo­gi­ker da­mit ge­macht ha­ben. [Sie ha­ben Ka­ta­lo­ge von Schluss­re­geln er­stellt: Mo­dus tol­lens, Ket­ten­schluss, Fehl­schlüs­se usw.]

Wo­mit die Lo­gi­ker sich of­fen­bar noch nicht be­schäf­tigt ha­ben, sagt La­can, ist die ne­ga­ti­ve Hy­po­the­se. [Po­si­ti­ve Hy­po­the­se meint hier eine Hy­po­the­se, die die Form ei­ner be­ja­hen­den Aus­sa­ge hat: „Es ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass S P ist“, z.B. „Es ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass der Dis­kurs vom Schein ist“. Ne­ga­ti­ve Hy­po­the­se meint hier eine Hy­po­the­se, die sich auf eine ver­nei­nen­den Aus­sa­ge be­zieht. „Es ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass S nicht P ist“, z.B. „Es ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass der Dis­kurs nicht vom Schein ist“.]

Da­bei hat­te Freud be­reits auf ei­nen wich­ti­gen Un­ter­schied zwi­schen Be­ja­hung und Ver­nei­nung ver­wie­sen. Freud sagt, dass die Be­ja­hung nur ein At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ent­hält, das kein Ur­teil über die Exis­tenz vor­weg­nimmt. [In ei­nem At­tri­bu­ti­ons­ur­teil wird eine Ei­gen­schaft zu- oder ab­ge­spro­chen. Ein be­ja­hen­des At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ist bei­spiels­wei­se: „Der Dis­kurs ist vom Schein.“ Ein ver­nei­nen­des At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ist: „Der Dis­kurs ist nicht vom Schein.“ Die Ei­gen­schaft „vom Schein“ wird zu- oder ab­ge­spro­chen. Ein Exis­tenz­ur­teil be­ginnt mit „Es gibt“ oder „Es exis­tiert“. Also bei­spiels­wei­se: „Es gibt ei­nen Dis­kurs.“]

[Im be­ja­hen­den At­tri­bu­ti­ons­ur­teil wird kein Ur­teil über die Exis­tenz vor­weg­ge­nom­men. Bei­spiels­wei­se: Wenn ich be­haup­te: „Der Dis­kurs ist vom Schein“ im­pli­ziert das nicht die Be­haup­tung „Es gibt ei­nen Dis­kurs“. Ein Bei­spiel, wo­mit sich das plau­si­bel ma­chen lässt: Die Be­haup­tung „He­xen sind zau­bern­de We­sen“ im­pli­ziert nicht die Be­haup­tung „Es gibt He­xen“.]

Das war zu Freuds Zei­ten nur we­ni­gen Lo­gi­kern klar.

Ein­zig das Set­zen ei­ner Ver­nei­nung im­pli­ziert die Exis­tenz des­sen, was ne­giert wird. [La­can sagt ge­wis­ser­ma­ßen: Wenn ich be­haup­te „He­xen sind kei­nes­wegs zau­bern­de We­sen“, be­haup­te ich da­mit im­pli­zit, dass es He­xen gibt. Wenn ich sage „Der Dis­kurs ist nicht vom Schein“ im­pli­ziert das die Exis­tenz­be­haup­tung „Es gibt ei­nen Dis­kurs“. Das ist mög­li­cher­wei­se eine wei­te­re An­spie­lung auf den Exis­tenz­quan­tor und auf den Ge­gen­satz zwi­schen dem Exis­tenz­quan­to­ren „es gibt“ bzw. „es gibt nicht“ und dem All­quan­tor „alle“ bzw. „nicht alle“, auf dem spä­ter in die­sem Se­mi­nar die For­meln der Se­xu­ie­rung auf­ge­baut sein wer­den und der die Spal­tung des Sub­jekts re­prä­sen­tiert.]

Aus die­sem Grun­de im­pli­ziert die Rede vom Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, die Be­haup­tung, dass der Dis­kurs vom Schein ist. [Das ne­ga­ti­ve At­tri­bu­ti­ons­ur­teil „Der Dis­kurs ist nicht vom Schein“ im­pli­ziert die Exis­tenz­be­haup­tung „Es gibt Dis­kur­se, die vom Schein sind“.]

[? Mir ist nicht klar, ob sich La­cans The­se, dass das ne­ga­ti­ve At­tri­bu­ti­ons­ur­teil ein Exis­tenz­ur­teil im­pli­ziert, be­grün­den lässt und ob er ir­gend­wo ver­sucht, die Be­grün­dung zu lie­fern. Auf je­den Fall fin­den man die­se The­se nicht in Freuds Auf­satz über die Ver­nei­nung.]

Ein Diskurs, der nicht vom Schein wäre“

Vorbereitung durch Freud: Wiederholung jenseits des Lustprinzips

Wenn man das so for­mu­liert [näm­lich „Ein Dis­kurs der nicht vom Schein wäre“] hat das den Vor­teil, dass man nicht sagt, um den Schein von was es da­bei geht [was also ge­wis­ser­ma­ßen das nicht-schein­haf­te We­sen ist, das der schein­haf­ten oder nicht schein­haf­ten Er­schei­nung zu­grun­de­liegt]. Wor­um geht es in dem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre? Das will La­can an­schlie­ßend er­läu­tern.

Das Ge­län­de [das La­can hier er­kun­det] ist durch Freud mit Jen­seits des Lust­prin­zips vor­be­rei­tet wor­den. Der An­knüp­fungs­punkt ist dort der Zu­sam­men­hang von Wie­der­ho­lung und Ge­nie­ßen. [Freud sagt dort:] Das mit der Wie­der­ho­lung ver­bun­de­ne Ge­nie­ßen läuft dem Lust­prin­zip zu­wi­der. [Die mit dem Wie­der­ho­lungs­zwang ver­bun­de­ne Er­re­gung un­ter­steht nicht oder nur se­kun­där der Herr­schaft des Lust­prin­zips. Das Lust­prin­zip be­sagt, dass das Funk­tio­nie­ren des psy­chi­schen Ap­pa­rats da­durch be­stimmt ist, Lust zu ver­schaf­fen, und dass Lust durch Ver­min­de­rung der Er­re­gungs­quan­ti­tät ent­steht, was als Ent­span­nung emp­fun­den wird. Un­ter „Ge­nie­ßen“ ver­steht La­can eine Er­re­gungs­dy­na­mik, bei der die Span­nung steigt, mit Freud: bei der die Er­re­gungs­quan­ti­tä­ten er­höht wer­den, was oft als Un­lust emp­fun­den wird.] Das Lust­prin­zip er­holt sich da­von nicht wie­der [es wird für Freud zu ei­nem Fak­tor, der se­kun­där in das Ge­nie­ßen ein­greift]. [Prak­tisch zei­gen dies etwa die ne­ga­ti­ve the­ra­peu­ti­sche Re­ak­ti­on und der Ma­so­chis­mus.]

Der He­do­nis­mus [die Phi­lo­so­phie des Lust­prin­zips] er­weist sich im Lich­te der Psy­cho­ana­ly­se als ein phi­lo­so­phi­scher My­thos, das heißt als ein My­thos ei­ner streng de­fi­nier­ten Klas­se [näm­lich als ein My­thos, der im Diens­te des Herrn steht, im Ge­gen­satz zu den My­then der so­ge­nann­ten pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten, die nicht auf dem Her­ren­dis­kurs be­ru­hen].

[20] Beim Pro­zess des Herrn [bei der Durch­set­zung des Her­ren­dis­kur­ses] ha­ben die Phi­lo­so­phen Hil­fe ge­leis­tet, in­dem sie es dem Her­ren­dis­kurs er­mög­licht ha­ben, ein Wis­sen auf­zu­bau­en, das ein Wis­sen des Herrn ist [die Phi­lo­so­phie ent­zieht dem Skla­ven das Wis­sen und macht dar­aus ein Her­ren­wis­sen, wie La­can in Se­mi­nar 17 am Bei­spiel von Pla­tons Dia­log Me­non zu zei­gen ver­sucht hat­te.] [Bringt man das mit den vor­an­ge­gan­ge­nen Be­mer­kun­gen zu­sam­men, kann man sa­gen, dass dies da­mit ein­her­ging, dass sie ei­nen My­thos von der Al­lein­herr­schaft des Lust­prin­zips ent­wi­ckelt ha­ben.]

Die­ses Wis­sen [des Herrn] hat ein an­de­res Wis­sen un­ter­stellt, näm­lich dar­über, dass es eine Be­zie­hung zwi­schen dem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen [jen­seits des Lust­prin­zips] gibt, wie He­gel [in der Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes, im Ka­pi­tel über Herr­schaft und Knecht­schaft] an­deu­tungs­wei­se ge­se­hen hat. Al­ler­dings sieht He­gel nur, wie durch die Ar­beit des Knechts das Wis­sen des Herrn voll­endet wird [er sieht nicht oder nicht klar den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen]. [Be­zo­gen auf die For­mel des Her­ren­dis­kur­ses – \frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a} – heißt das: He­gel kommt nur bis zu S2 am Platz oben rechts, nicht bis zu a am Platz un­ten rechts. Er sieht nicht, dass das Ge­nie­ßen auf der Sei­te des Knechts ist.127 Der Zu­sam­men­hang zwi­schen Wis­sen und Ge­nie­ßen jen­seits des Lust­prin­zips ist für das Un­be­wuss­te cha­rak­te­ris­tisch: das Un­be­wuss­te (das Wis­sen, S2) dient, mit Freud zu spre­chen, der Trieb­be­frie­di­gung (dem Ge­nie­ßen, a).]

Der Tod als Schein

Die Freud’sche Hy­po­the­se [über den Zu­sam­men­hang von Wie­der­ho­lung und Ge­nie­ßen in Jen­seits des Lust­prin­zips] hat die Form ei­nes Syl­lo­gis­mus.

[Ers­te Prä­mis­se:] Wenn wir „Lust­prin­zip“ das nen­nen, wo­durch das Le­ben­di­ge dazu ge­bracht wird, sein Ver­hal­ten be­stän­dig auf ein Ni­veau der mi­ni­ma­len Er­re­gung zu­rück­zu­füh­ren.

[Zwei­te Prä­mis­se:] Und wenn die Wie­der­ho­lung auf eine Wei­se ope­riert, die dazu führt, dass ein ge­fähr­li­ches Ge­nie­ßen zu­rück­ge­bracht wird, ein Ge­nie­ßen, das die­se mi­ni­ma­le Er­re­gung über­steigt.

[Kon­klu­si­on:] Dann muss man an­neh­men, dass das Le­ben die Mög­lich­keit der Wie­der­ho­lung ent­hält, die eine Rück­kehr zu die­ser Welt wäre, in­so­fern sie Schein ist.

[Das ist of­fen­bar eine Um­for­mu­lie­rung von Freuds The­se, dass dem be­leb­ten Or­ga­ni­schen ein Drang zur Wie­der­ho­lung ei­nes frü­he­ren Zu­stands in­ne­wohnt und dass die­ser frü­he­re Zu­stand der Tod ist. „Das Ziel al­len Le­bens ist der Tod.“128

Der Syl­lo­gis­mus ist mög­li­cher­wei­se: Wenn es das Stre­ben nach ge­ringst­mög­li­cher Er­re­gung gibt, und wenn es Wie­der­ho­lung gibt, dann muss es – ne­ben der uns be­kann­ten ent­ge­gen­ge­setzt ge­rich­te­ten Wie­der­ho­lung – auch eine Wie­der­ho­lung ge­ben, die auf ge­ringst­mög­li­che Er­re­gung aus ist.

Der Be­griff des Scheins wird hier nicht durch den Si­gni­fi­kan­ten er­läu­tert, son­dern durch das Ge­nie­ßen: die Welt des Scheins ist die Welt des Ge­nie­ßens auf nied­rigs­tem Ni­veau.] [? In­wie­fern ist dies die Welt des Scheins?]

Da­bei muss man be­rück­sich­ti­gen, dass das Le­ben in der Welt et­was Neu­es ist; die Welt ent­hält nicht über­all Le­ben.

Grafik B

Obe­re Gren­ze mit nied­rigs­tem Punkt

Das mit dem Le­ben ver­bun­de­ne Ge­nie­ßen lässt sich durch eine Kur­ve der Er­re­gungs­in­ten­si­tät dar­stel­len [in Form ei­ner Pa­ra­bel], die kei­ne obe­re, son­dern nur eine un­te­re Gren­ze hat. Nach oben kann sie bis ins Un­end­li­che ge­hen. Nach un­ten hat sie als Gren­ze den un­te­ren Tan­gen­ti­al­punkt, den | [21] „su­pre­men“ Punkt, was meint: den nied­rigs­ten Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze. Das Ge­nie­ßen ist also nicht durch eine obe­re, son­dern durch eine un­te­re Gren­ze zu cha­rak­te­ri­sie­ren; es ist nicht durch auf- und ab­stei­gen­de Er­re­gungs­kur­ven dar­zu­stel­len, die an eine obe­re Gren­ze her­an­füh­ren.

Die­ser nied­rigs­te Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze ist ein töd­li­cher Punkt. Und die­ser töd­li­che Punkt ist ein Cha­rak­te­ris­ti­kum des Le­bens. [La­can folgt hier Freud dar­in, dass das Le­ben auf den Tod ab­zielt.] Der töd­li­che Punkt als Cha­rak­te­ris­ti­kum des Le­bens ist nicht zu ver­wech­seln mit dem Nicht-Le­ben, mit der un­be­leb­ten Welt, in der es jede Men­ge Be­we­gung gibt [aber kein Ge­nie­ßen, kei­ne Er­re­gung]; die un­be­leb­te Welt [kei­ne Er­re­gung] ist nicht der Tod [der Tod ist mi­ni­ma­le Er­re­gung].

Der Tod ist der End­punkt des Ge­nie­ßens des Le­bens. [Der Tod ist die un­te­re Gren­ze in der „Ge­nie­ßen“ ge­nann­ten Form der Er­re­gung jen­seits des Lust­prin­zips. Der Tod ist also kei­nes­wegs das Nicht-Ge­nie­ßen, er ist nur ein Ge­nie­ßen auf nied­rigs­tem Ni­veau. An­de­res ge­sagt: Wenn ich tot sein wer­de, wird mein Kör­per nicht an­or­ga­nisch, er wird im­mer noch ein ge­nie­ßen­der Kör­per sein, es wird im­mer noch Le­ben in ihm sein, sa­gen wir: das Le­ben der Wür­mer, ein schwa­ches Ge­nie­ßen. Der tote Kör­per ist wei­ter­hin or­ga­nisch: er ver­fault.]

[Wie ist die Kur­ve zu deu­ten? Die bei­den Äste der Pa­ra­bel füh­ren nach oben ins Un­end­li­che, da­mit wird il­lus­triert, dass das Ge­nie­ßen dar­auf aus ist, die Er­re­gungs­in­ten­si­tät zu stei­gern, ohne dass es hier­für eine in­ne­re Gren­ze gibt. Es gibt eine obe­re Gren­ze, aber sie wird von au­ßen ge­setzt, durch das ent­ge­gen­ge­setzt wir­ken­de Lust­prin­zip. Das Ge­nie­ßen hat eine in­ne­re un­te­re Gren­ze. Dies ist der Tod, der ein mi­ni­ma­li­sier­tes Ge­nie­ßen ist.]

La­can nennt dies den Freud’schen Hy­per-He­do­nis­mus. [Der Hy­per-He­do­nis­mus von Freud be­steht dar­in, dass auch der Tod als eine Form des Ge­nie­ßens auf­ge­fasst wird, der Er­re­gung, nur eben auf nied­rigs­tem Ni­veau.]

Das Genießen ist ein Diskurseffekt: die unmögliche Mehrlust

Die Öko­no­mie [im Sin­ne der Er­re­gungs­ab­läu­fe, des Ge­nie­ßens] ist im­mer ein Dis­kurs­fak­tum. Das gilt auch für die Öko­no­mie der Na­tur. [Zwei Jah­re spä­ter, in Te­le­vi­si­on, wird La­can sa­gen,  die En­er­gie sei kei­ne Sub­stanz, son­dern eine Zah­len­kon­stan­te, die der Phy­si­ker für sei­ne Be­rech­nun­gen braucht.[/note]Vgl. J. La­can: Te­le­vi­si­on (1973). In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Ber­lin 1988, S. 55–98, hier: S. 73.[/note]]

Das Ge­nie­ßen ist nicht nur ein Dis­kurs-Fakt (fait), son­dern auch ein Dis­kurs-Ef­fekt (ef­fet). [In­so­fern näm­lich, als der Dis­kurs ei­nen Ge­nuss-Ver­lust her­bei­führt, die Mehr­lust.]

Wenn das Un­be­wuss­te als Sprach­struk­tur nur halb­ge­sagt wer­den kann, dann des­halb, da­mit schließ­lich die Kon­tu­ren die­ses Dis­kurs­ef­fekts er­schei­nen, der uns bis da­hin als un­mög­lich er­schien, näm­lich der Mehr­lust. [Ich ver­ste­he das so: Die hal­be Wahr­heit, die sich sa­gen lässt, ist, dass das Un­be­wuss­te struk­tu­riert ist wie eine Sprache.Die un­sag­ba­re Hälf­te be­zieht sich auf die Mehr­lust, sie ist un­mög­lich, das heißt, hier stößt das Spre­chen auf eine Gren­ze.]

[Den Be­griff der Mehr­lust hat­te La­can in Se­mi­nar 16 ein­ge­führt, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren (1968/69) (eine Über­set­zung der ent­spre­che­nen Sit­zung fin­det man in die­sem Blog hier). Die Mehr­lust ist das durch die Ein­wir­kung der Spra­che ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen. Der Trieb zielt auf die „Wie­der­ho­lung ei­nes pri­mä­ren Be­frie­di­gungs­er­leb­nis­ses“, sagt Freud in Jen­seits des Lust­prin­zips, auf das Wie­der­fin­den ei­nes ver­lo­re­nen Ge­nie­ßens. Um das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen her­um wer­den die Ob­jek­te ge­bil­det, die das Be­geh­ren her­vor­ru­fen, die Ob­jek­te a: Brust Kot, Stim­me, Blick. Es sind ver­lo­re­ne Ob­jek­te, sie ver­kör­pern das, was dem Sub­jekt fehlt. Die Di­men­si­on des Man­gels, des Feh­lens kann von der Lo­gik nicht er­fasst wer­den; die­se The­se ent­wi­ckelt La­can in Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67).]

Wenn die Mehr­lust un­mög­lich war, ist sie dann Rea­les? [La­can spielt hier an auf sein Dik­tum „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“, das er seit Se­mi­nar 9 in je­dem Se­mi­nar auf­ge­grif­fen hat­te.] La­can wirft die Fra­ge auf. [Im fol­gen­den Satz deu­tet er eine Ant­wort an.]

Der Ein­bruch des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten in das, was ihm vor­aus­ging, im­pli­ziert nichts, was be­reits sei­ner Struk­tur un­ter­wor­fen war. [Ich neh­me an, das Fol­gen­des ge­meint ist: Das, wo­hin­ein der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten ein­bricht, ist das Ge­nie­ßen (die Er­re­gungs­ab­läu­fe). Das Ge­nie­ßen hat eine völ­lig an­de­re Struk­tur als der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten. Aus die­sem Grun­de ist das Ge­nie­ßen bzw. die Mehr­lust et­was Rea­les, das heißt et­was, was zu sym­bo­li­sie­ren un­mög­lich ist.]

Der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten ist eine Emer­genz [et­was ra­di­kal Neu­es], die Emer­genz ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten [also die Ent­ste­hung ei­ner völ­lig neu­en Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on]. [? Wor­in be­steht die neue Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on? In der Kon­sti­tu­ie­rung des Sub­jekts?]

Bis zum Ein­bruch des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten hat­te der Si­gni­fi­kant als An­zei­chen (ens­eig­ne) exis­tiert. Un­ter die­sem As­pekt hat­te er, La­can, den Si­gni­fi­kan­ten an den Ur­sprung des Scheins ge­setzt. [Die The­se über den Si­gni­fi­kan­ten als Schein lau­tet dem­nach: Der Si­gni­fi­kant als Schein ist das An­zei­chen. Der Si­gni­fi­kant in der Na­tur ist die Na­tur als An­zei­chen.] [? Was heißt, dass der Si­gni­fi­kant als An­zei­chen fun­giert? Dass er in Be­zug auf die Sa­che auf­ge­fasst wur­de statt auf an­de­re Si­gni­fi­kan­ten? Meint also „Si­gni­fi­kant als Schein“ nichts an­de­res als „Zei­chen“?]

Ein Diskurs, dessen Zentrum das Unmögliche wäre

Die Kon­se­quen­zen der Emer­genz des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten und da­mit ei­ner neu­en Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, das ist das, was ein­ge­führt wer­den muss. [? Wel­che Kon­se­quenz ist ge­meint? Hier mei­ne (spe­ku­la­ti­ve) Ver­mu­tung: Die Kon­se­quenz des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten be­steht dar­in, dass es kei­nen se­xu­el­len Akt gibt (wie La­can ab Se­mi­nar 14 sagt129), kein se­xu­el­les Ver­hält­nis (wie er ab Se­mi­nar 16 sagt), also im Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten, der das se­xu­el­le Ver­hält­nis her­stel­len wür­de. Die­ses Feh­len wird durch den Phal­lus sym­bo­li­siert. Und die­ser Si­gni­fi­kant er­mög­licht es, dass die Su­che nach Mehr­lust als Er­satz dient.]

Die Kon­se­quenz des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten muss ein­ge­führt wer­den, da­mit sich et­was ver­än­dert – was sich aber nicht ver­än­dern kann, das ge­hört nicht zum Mög­li­chen [und da­mit sind wir wie­der beim Un­mög­li­chen]. [Die Kon­se­quenz der Ein­füh­rung des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten steht also in ei­ner Be­zie­hung zum Un­mög­li­chen, das heißt zum Rea­len. Für das Rea­le gibt es hier eine schö­ne De­fi­ni­ti­on: Das Rea­le be­steht dar­in, dass (durch das Spre­chen) et­was ver­än­dert wer­den muss, was aber nicht ver­än­dert wer­den kann.]

Schluss-Satz: „Wenn ein Dis­kurs viel­mehr da­durch zen­triert wird, dass sei­ne Wir­kung et­was Un­mög­li­ches ist, hät­te er eine ge­wis­se Chan­ce, ein Dis­kurs zu sein, der nicht vom Schein wäre.“ [Was also ist ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre? Ein Dis­kurs, der sein Zen­trum dar­in hät­te, das sei­ne Wir­kung et­was Un­mög­li­ches ist. Das Un­mög­li­che ist das Rea­le. Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, ist ein Dis­kurs, der sich vor al­lem auf das Rea­le als das Un­mög­li­che be­zö­ge.]

Zusammenfassung zum Begriff „Schein“

Zu­sam­men­fas­sun­gen in ei­ge­nen Wor­ten.

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [13],  ver­wei­sen auf die Sei­ten­zah­len der Mil­ler-Aus­ga­be.
Sät­ze in ecki­gen Klam­mern und grü­ner Schrift: mei­ne Er­gän­zun­gen

(1) Mit dem Dis­kurs, der vom Schein ist, ist nicht der Schein­dis­kurs ge­meint, in dem Sin­ne, dass ein Schein­dis­kurs ein Dis­kurs wäre, bei dem sich nicht ent­schei­den lie­ße, ob er wahr oder falsch ist. [13]

– Die­se Auf­fas­sung von „Schein­dis­kurs“ setzt vor­aus, dass es eine Met­a­spra­che gibt, von der aus man ent­schei­den könn­te, oder ein Dis­kurs Schein ist oder nicht. Es gibt je­doch kei­ne Met­a­spra­che. [13]

(2) Der Schein ist ein Pro­dukt des Dis­kur­ses

– Der Schein ist das, was im Dis­kurs pro­du­ziert wird. [18] [Man könn­te sa­gen: Ein Dis­kurs ist dann vom Schein, wenn er ein Schein­dis­kurs im Sin­ne von „schein-pro­du­zie­ren­der Dis­kurs“ ist.]

– Es geht um den Schein als ein ei­ge­nes Ob­jekt, von dem her die Öko­no­mie des Dis­kur­ses ge­re­gelt wird. [18]

(3) Die Grund­la­ge des Scheins ist der Si­gni­fi­kant. [15]

– Im Lich­te des­sen, was La­can in die­ser Sit­zung vor­bringt, ist der Si­gni­fi­kant mit dem Sta­tus des Scheins iden­tisch. [16]

(4) Schein ist der Si­gni­fi­kant, der mit sich iden­tisch ist: der Si­gni­fi­kant „ich“

– Die Wahr­heit sagt von sich „ich spre­che“, sie äu­ßert sich als Ora­kel; das „ich lüge“ ist die ein­zi­ge halt­ba­re Wahr­heit. Hin­ge­gen ist das „ich“ in „ich spre­che“ oder in „ich lüge“ der Schein.  Die­ser Schein ist der Si­gni­fi­kant an sich selbst. [14]

– Eine Ebe­ne des Aus­drucks „Schein“ ist: der Si­gni­fi­kant, der mit sich iden­tisch ist. [16] [Ein Si­gni­fi­kant kann nicht mit sich iden­tisch sein (Se­mi­nar 9), der mit sich iden­ti­sche Si­gni­fi­kant ist des­halb Schein.]

(5) Be­stimm­te Ge­stal­ten des Scheins ver­wei­sen auf den Na­men-des-Va­ters

– Der cha­rak­te­ris­tischs­te Me­te­or (Him­mels­er­schei­nung) ist der Don­ner. „Es gibt kei­nen halt­ba­ren Na­men-des-Va­ters ohne den Don­ner, wo­bei alle sehr gut wis­sen, dass man nicht ein­mal weiß, von was der Don­ner ein Zei­chen ist. Eben das ist die Ge­stalt des Scheins.“ [15]

(6) Der Ur­sprung des Scheins ist das An­zei­chen

– Der Schein, in dem der Si­gni­fi­kant mit sich iden­tisch ist, ist der Schein in der Na­tur. [15]

– Der Schein im Sin­ne von Him­mels­er­schei­nun­gen (Me­teo­re) war der Ge­gen­stand der frü­hen Na­tur­wis­sen­schaf­ten: Kon­stel­la­tio­nen, Re­gen­bo­gen („kein Ding“).  [15]

– So­fern der Si­gni­fi­kant als An­zei­chen (ens­eig­ne) fun­giert, ist er der Ur­sprung des Scheins. [21]

– Wenn die Tie­re et­was öff­nen, etwa ei­nen Kie­men­de­ckel, ist das ein ma­ni­fes­ter Schein. [16]

(7) Der Schein steht im Ge­gen­satz zum Ge­nie­ßens

– Bei Freuds To­des­trieb­hy­po­the­se – To­des­trieb als Stre­ben nach Rück­kehr zu ei­nem un­be­leb­ten Zu­stan­de – geht es um die Rück­kehr zu ei­ner Welt, in­so­fern sie Schein ist. [20] [Dem­nach ist das mi­ni­ma­le Er­re­gungs­ni­veau der Schein.]

(8) Das Blut ver­brei­tet den Schein. [4] [Ist das eine An­spie­lung auf das Ob­jekt a?]

(9) Ge­gen­be­grif­fe zu „Schein“: der Re­fe­rent, das Un­mög­li­che

– Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­zö­ge sich auf den Re­fe­ren­ten. [16]

– Ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, wäre da­durch zen­triert, dass sei­ne Wir­kung et­was Un­mög­li­ches ist. [21] [Das Un­mög­li­che ist das Rea­le; ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­zö­ge sich dem­nach auf das Rea­le.]

Sekundärliteratur zu Seminar 18

Fle­cher, Guy: Plus de Chi­ne [Zum Chi­ne­si­schen in Se­mi­nar 18]. In: Jean-Ma­rie Ja­din, Mar­cel Rit­ter (Hg.): La jouis­sance au fil de l’enseignement de La­can. Érès, Tou­lou­se 2009, S. 300–316, In­er­net hier

––: Re­tour sur un tra­duc­tion de Men­ci­us par La­can. In: Web­site „La­can et le mon­de chi­nois“, 2009, http://www.lacanchine.com/FG09.html

Le Gau­fey, Guy: Le pas­tout de La­can. Con­si­s­tan­ce lo­gi­que, con­séquen­ces cli­ni­ques. EPEL, Pa­ris 2006

La­can et le mon­de chi­nois. Web­site mit zahl­rei­chen Bei­trä­gen

Mil­ler, Jac­ques-Alain: De la na­tu­re des sem­blants. Cours 1991/92. Tran­skrip­ti­on im In­ter­net hier

—: Des sem­blants dans la re­la­ti­on ent­re les se­xes. In: La Cau­se freu­dien­ne, no. 36, 1997, S. 7–16, im In­ter­net hier.

Rit­ter, Mar­cel: Vers l’écriture de la jouis­sance se­xu­el­le … [Zum Be­griff des Ge­nie­ßens in Se­mi­nar 18]. In: Jean-Ma­rie Ja­din, Mar­cel Rit­ter (Hg.): La jouis­sance au fil de l’enseignement de La­can. Érès, Tou­lou­se 2009, S. 317–336

Sale­cl, Re­na­ta (Hg.): Se­xua­ti­on. Duke Uni­ver­si­ty Press, Durham 2000

Ve­ken, Cy­ril: XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant [Zu­sam­men­fas­sung von Se­mi­nar 18]. In: Mousta­pha Sa­fouan (Hg.): La­ca­nia­na. Les sé­min­aires de Jac­ques La­can. Tome 2. 1964–1979. Fa­y­ard, Pa­ris 2005, S. 227–252 (dt. Über­set­zung in die­sem Blog hier)

A.L.I., Se­mi­nar von Clau­de Land­mann und Sté­pha­ne Thi­bier­ge: 
Lec­tu­re du sé­min­aire XVIII de J. La­can : D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (Semi­nar Som­mer 2008)
– Cy­ril Ve­ken: Intro­duc­tion à „D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant“, hier
– Va­len­tin Nusi­no­vici
: No­tes sur le sem­blant, hier
Jean-Lou­is Chassaing: Dans un dis­cours le sem­blant au con­trai­re, hier
– Alain Bel­let:
Le plus-de-jouir, ça pres­se ?, hier
Mar­ti­ne Le­ru­de: Quand La­can par­lait de „Sex and Gen­der“ – Leçon du 21 jan­vier 1971, hier
Isa­bel­le Dhon­te
: Sem­blant hom­me, sem­blant femme, hier 
– S. Thi­bier­ge: Re­mar­ques sur l’écriture et la lett­re dans « D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant » (Vor­trag von 1996), hier
Clau­de Land­man: Com­men­taire de la leçon du 10 mars 1971 du sé­min­aire de J.Lacan „D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant“, hier
– Sté­pha­ne Ti­bier­ge: Com­men­taire des leçons V (10 mars 71) et VI (17 mars 71) „D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant“, hier
– Mo­ni­que Mos­si­on de La­gon­trie: « Aaah ! de­puis Hel­las… ô com­bi­en la lett­re „s’expand“ !.. », hier
– Hu­bert de No­vi­on: Les my­thes freu­diens dans le sé­min­aire « D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant », hier
– Cy­ril Ve­ken: À pro­pos de „Litu­ra­terre“, hier
– Bé­né­dic­te Metz: Sur le ra­vi­ne­ment : une lec­tu­re de Litu­ra­terre et de ce que La­can y ap­por­te con­cer­nant les rap­ports du sem­blant et de l’écrit, hier
– Es­ther Tel­ler­mann: Igi­tur : pur sem­blant ou ex­pan­si­on to­ta­le de la lett­re, hier
– Cy­ril Ve­ken: Écrit et éc­ri­tu­re, hier
– J. Pas­man­tier-Sebban: QHLT – L’Écclésiaste (Vor­trag von 1996), hier
– Charles Mel­man: La fonc­tion pa­ter­nel­le (Vor­trag von 1990), hier
Pierre Co­er­chon, Mo­ni­que de La­gon­trie, Thier­ry Flo­ren­tin: Bi­blio­gra­phie non-ex­haus­ti­ve com­men­tée à pro­pos du Sé­min­aire „D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant“, hier

NLS – New La­ca­ni­an School of Psy­cho­ana­ly­sis, Heft 20, 2010, „Ob­jekt a &  The Sem­blant“, dar­in zum Sem­blant:
– Jo­seph At­tié: Me­lan­cho­lia
– Gra­cie­la Brods­ky: Truth and Lies
– Jé­sus San­tia­go: Sem­blan­ti­sa­ti­on and No­mi­na­lism
– Hebe Ti­zio: The Ana­lyst and the Sem­blants
– Ma­rie-Hé­lè­ne Blan­card: The In­ven­ti­on of a Wri­ting
 Voll­stän­di­ges In­halts­ver­zeich­nis im In­ter­net hier

Verwandte Beiträge

Anmerkungen

  1. Das Er­stel­lungs­da­tum ei­ner PDF-Da­tei fin­det man im Ado­be Acro­bat Re­ader DC Ver­si­on 2015 un­ter Da­tei > Ei­gen­schaf­ten > Be­schrei­bung > Er­stellt am.
  2. Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 18.
  3. Buch­sta­ben sind Ele­men­te – das grie­chi­sche Wort stoich­ei­on meint so­wohl das Ele­ment als auch den Buch­sta­ben.
  4. La­can be­zieht sich auf Se­mi­nar 17 von 1969/70, L’envers de la psy­chana­ly­se (Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se). Of­fi­zi­el­le Ver­si­on: Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVII. L’envers de la psy­chana­ly­se. 19691970. Tex­te éta­b­li par Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 1991. Eine deut­sche Über­set­zung von Ger­hard Schmitz fin­det man hier im In­ter­net.
  5. Vier Dis­kur­se
    Die vier Ele­men­te sind:
    S1: Her­ren­si­gni­fi­kant
    S2: Wis­sen
    a: Mehr­lust
    $: Sub­jekt
    Die vier Plät­ze wer­den von La­can auf zwei un­ter­schied­li­che Wei­sen be­zeich­net.
    Dies ist die ers­te Fas­sung (vgl. Se­mi­nar 17, Ver­si­on Mil­ler, S. 106):

    Vier Plätze 1Die zwei­te Fas­sung sieht so aus (vgl. Se­mi­nar 17, Ver­si­on Mil­ler, S. 196):

    Vier Plätze 2Eine Er­läu­te­rung der vier Dis­kurs­ele­men­te S1, S2, a und $ fin­det man in die­se Blog hier.

  6. Te­tra­eder
    Die Be­zeich­nung der Dis­kurs­for­meln als „Te­tra­eder“ fin­det sich hier zum ers­ten Mal; in Se­mi­nar 17 hat­te La­can die­sen Aus­druck nicht ver­wen­det.
    Ein Te­tra­eder ist ein „Vier­fläch­ner“. Dar­un­ter ver­steht man nor­ma­ler­wei­se ein drei­di­men­sio­na­les Ge­bil­de aus vier drei­ecki­gen Sei­ten­flä­chen, bei­spiels­wei­se eine Py­ra­mi­de mit drei­ecki­gem Grund­riss. La­can ver­wen­det den Aus­druck of­fen­bar an­ders, er scheint sich da­mit auf ein zwei­di­men­sio­na­les Ob­jekt zu be­zie­hen; die vier Flä­chen sind mög­li­cher­wei­se die vier Plät­ze.
  7. In Se­mi­nar 17 sagt La­can das Ge­gen­teil: „All­mäh­lich muß sich Ih­nen zei­gen, daß die Kehr­sei­te der Ana­ly­se ge­nau das ist, was ich die­ses Jahr un­ter dem Ti­tel des Dis­kur­ses des Herrn vor­brin­ge.“ (Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 99, Über­set­zung von Ger­hard Schmitz)
  8. Zwei­fa­che Nie­der­schrift
    Das Kon­zept der zwei­fa­chen Nie­der­schrift be­zieht sich auf das Ver­hält­nis zwi­schen dem Be­wuss­ten und dem Un­be­wuss­ten. Es steht bei Freud im Zu­sam­men­hang mit der Auf­fas­sung von der Nach­träg­lich­keit des Trau­mas.
    Im Ent­wurf ei­ner Psy­cho­lo­gie (1895) hat­te Freud das Trau­ma so er­klärt: Es gibt ein ers­tes Er­eig­nis, das kei­ne se­xu­el­le Er­re­gung er­weckt und nicht in ei­nen Be­deu­tungs­zu­sam­men­hang ein­ge­ord­net wer­den kann; es gibt ein zwei­tes Er­eig­nis, durch das die Er­in­ne­rung an das ers­te Er­eig­nis nach­träg­lich sei­ne Be­deu­tung er­hält; dies hat zur Fol­ge, dass die Er­in­ne­rung an das ers­te Er­eig­nis ge­weckt und mit trau­ma­ti­sie­ren­der Er­re­gung ver­bun­den wird. Die zwei­te Sze­ne ver­leiht der ers­ten ih­ren pa­tho­ge­nen Wert, die ers­te Sze­ne wird nach­träg­lich zum Trau­ma. Freud schreibt hier­zu:
    „Die­ser Fall ist nun ty­pisch für die Ver­drän­gung bei der Hys­te­rie. Über­all fin­det sich, daß eine Er­in­ne­rung ver­drängt wird, die nur nach­träg­lich zum Trau­ma ge­wor­den ist.“ (S. Freud: Ent­wurf ei­ner Psy­cho­lo­gie (1895). In: Ders.: Aus den An­fän­gen der Psy­cho­ana­lyse 1887–1902. Brie­fe an Wil­helm Fließ. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 1962, S. 299–384, hier: S. 356)
    In der Ana­ly­se des so­ge­nann­ten Wolfs­man­nes greift Freud auf das Kon­zept der Nach­träg­lich­keit zu­rück. Im Al­ter von an­dert­halb Jah­ren er­lebt das Kind eine ers­te Sze­ne: Es be­ob­ach­tet den Ko­itus der El­tern, ohne dass dies grö­ße­re Fol­gen hät­te (die „Ur­sze­ne“); im Al­ter von vier Jah­ren bringt ein Traum die frü­he­re Ko­itus­be­ob­ach­tung zur nach­träg­li­chen Wirk­sam­keit und ruft ein Trau­ma her­vor. (S. Freud: Aus der Ge­schich­te ei­ner in­fan­ti­len Neu­ro­se (1918). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 8. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 125–232, hier: S. 156–165)
    Die Nach­träg­lich­keit des Trau­mas wird von Freud im Jah­re 1896 in ei­nem Brief an Wil­helm Fließ in eine Theo­rie der mehr­fa­chen „Nie­der­schrift“ von Er­in­ne­rungs­spu­ren in­te­griert: die Er­in­ne­rungs­spu­ren er­fah­ren eine „Um­schrift“; das Ge­dächt­nis ist „in ver­schie­de­nen Ar­ten von Zei­chen“ nie­der­ge­legt. Es gibt min­des­tens drei sol­cher „Nie­der­schrif­ten“: die ers­te Nie­der­schrift ist das Wahr­neh­mungs­zei­chen, die zwei­te Nie­der­schrift ist das Un­be­wuss­te, und die drit­te Nie­der­schrift das Be­wusst­sein. (Vgl. S. Freud: Brief an Wil­helm Fließ vom 6. De­zem­ber 1896. In: Ders.: Brie­fe an Wil­helm Fließ. Hg v. Jef­frey Mous­sai­eff Mas­son. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 1986, S. 217–226.).
    In der Traum­deu­tung (1900) weist Freud die­se (von ihm nie ver­öf­fent­lich­te) Hy­po­the­se zu­rück:
    „Wenn wir also sa­gen, ein un­be­wuss­ter Ge­dan­ke stre­be nach Über­set­zung ins Vor­be­wuß­te, um dann zum Be­wußt­sein durch­zu­drin­gen, so mei­nen wir nicht, dass ein zwei­ter, an sei­ner Stel­le ge­le­ge­ner Ge­dan­ke ge­bil­det wer­den soll, eine Um­schrift gleich­sam, ne­ben wel­cher das Ori­gi­nal fort­be­steht; und auch vom Durch­drin­gen zum Be­wußt­sein wol­len wir jede Idee ei­ner Orts­ver­än­de­rung sorg­fäl­tig ab­lö­sen.“ (S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 578)
    Das Be­wusst­wer­den un­be­wuss­ter Ge­dan­ken be­ruht dem­nach nicht auf Um­schrift und nicht auf Orts­wech­sel, son­dern auf ei­ner Ver­le­gung der En­er­gie­be­set­zung.
    In Das Un­be­wuss­te (1915) greift Freud das Pro­blem wie­der auf:
    „Wenn ein psy­chi­scher Akt (be­schrän­ken wir uns hier auf ei­nen sol­chen von der Na­tur ei­ner Vor­stel­lung) die Um­set­zung aus dem Sys­tem Ubw in das Sys­tem Bw (oder Vbw) er­fährt, sol­len wir an­neh­men, daß mit die­ser Um­set­zung eine neu­er­li­che Fi­xie­rung, gleich­sam eine zwei­te Nie­der­schrift der be­tref­fen­den Vor­stel­lung ver­bun­den ist, die also auch in ei­ner neu­en psy­chi­schen Lo­ka­li­tät ent­hal­ten sein kann, und ne­ben wel­cher die ur­sprüng­li­che un­be­wuß­te Nie­der­schrift fort­be­steht? Oder sol­len wir eher glau­ben, daß die Um­set­zung in ei­ner Zu­stands­än­de­rung be­steht, wel­che sich an dem näm­li­chen Ma­te­ri­al und an der­sel­ben Lo­ka­li­tät voll­zieht?“ (S. Freud: Das Un­be­wuss­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 118–173, hier: S. 132 f.)
    In die­sem Auf­satz er­klärt Freud also, er hal­te bei­des für mög­lich.
    Was ge­schieht mit ei­ner un­be­wuss­ten Vor­stel­lung, wenn sie be­wusst wird? Ers­te Mög­lich­keit: die Vor­stel­lung wird ein zwei­tes Mal nie­der­ge­schrie­ben, an ei­nem an­de­ren Ort des psy­chi­schen Ap­pa­rats, das heißt im Be­wusst­sein oder im Vor­be­wuss­ten (dies ist die Idee von 1896). Zwei­te Mög­lich­keit: die Vor­stel­lung bleibt, wo sie ist, nur ihr Zu­stand wird ver­än­dert; dies ist die Ver­si­on der Traum­deu­tung, die Zu­stands­ver­än­de­rung be­steht dar­in, dass eine En­er­gie­be­set­zung ver­legt oder ent­zo­gen wird.
    Die „zwei­te Nie­der­schrift“ ist mit „dou­ble in­scrip­ti­on“ ins Fran­zö­si­sche über­setzt wor­den; durch Rück­über­set­zung wur­de hier­aus der Be­griff der „dop­pel­ten Ein­schrei­bung“.
    Das Pro­blem der „zwei­ten Nie­der­schrift“ war 1960 von Jean La­plan­che und Ser­ge Le­c­lai­re in ei­nem Vor­trag zu lö­sen ver­sucht wor­den. (L’inconscient, une étu­de psy­chana­ly­ti­que. Der Vor­trag wur­de in zwei Fas­sun­gen ver­öf­fent­licht, eine ers­te Ver­si­on in Les Temps mo­der­nes, 17. Jg. (1961), Nr. 183, S. 81–99, eine zwei­te, län­ge­re Fas­sung in: Hen­ri Ey (Hg.): L’Inconscient. VIe Col­lo­que de Bon­ne­val. De­s­clée, De Brou­wer, Pa­ris 1966, S. 95–130.)
    In Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit (1965) hat­te La­can die­sen Lö­sungs­ver­such kri­ti­siert. (Vgl. J. La­can: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten 1975, S. 243. Der Über­set­zer, Hans-Jörg Rhein­ber­ger, über­setzt hier dou­ble in­scrip­ti­on mit „dop­pel­te In­schrift“.)
    In den Se­mi­na­ren 12 und 13 hat­te La­can sei­ne al­ter­na­ti­ve Auf­fas­sung von der zwei­ten Nie­der­schrift ent­wi­ckelt; im Bal­ti­more-Vor­trag hat­te er die­se Kon­zep­ti­on zu­sam­men­ge­fasst. La­cans The­se zur zwei­fa­chen Nie­der­schrift lau­tet: Die zwei­te Nie­der­schrift er­zeugt rück­wir­kend die ers­te.
  9. Jac­ques La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Klaus La­er­mann. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71169. Vor­trag von 1953, der 1956 ver­öf­fent­licht wur­de.
  10. In den Schrif­ten fin­det man das Dik­tum „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“ zu­erst in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens (ge­schrie­ben zwi­schen 1960 und 1966; vgl. Schrif­ten II, hg v. Nor­bert Haas, S. 195), in den Se­mi­na­ren wird es zu­erst vor­ge­bracht in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung (Sit­zung vom 24. Ja­nu­ar 1962); vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel. In den vier Dis­kur­sen wird die­ses Ver­hält­nis durch die Be­zie­hung zwi­schen den Ter­men S1, S2 und $ re­prä­sen­tiert.
  11. Sci­li­cet ist die von La­can her­aus­ge­ge­be­ne Zeit­schrift der Éco­le freu­dien­ne de Pa­ris, sie er­schien un­re­gel­mä­ßig von 1968 bis 1976.
    Das la­tei­ni­sche Wort sci­li­cet wird meist in der Be­deu­tung von „man höre!“ ver­wen­det; es setzt sich zu­sam­men aus „sci­re“ (wis­sen) und „li­cet“ (man darf), be­deu­tet also wört­lich „man darf wis­sen“. Viel­leicht ist der Ti­tel Sci­li­cet eine An­spie­lung auf das la­tei­ni­sche Sprich­wort sape­re aude, „wage zu wis­sen!“.
  12. Er­eig­nis“ und „An­kunft“ sind Be­grif­fe der Phi­lo­so­phie Hei­deg­gers. Zum Er­eig­nis vgl.: Mar­tin Hei­deg­ger: Der Satz der Iden­ti­tät (1957). In: Ders.: Iden­ti­tät und Dif­fe­renz. Nes­ke, Pful­lin­gen 1957, S. 9–30, hier: S. 24–27.– Zur An­kunft vgl.: Ders.: Die onto-theo­lo­gi­sche Ver­fas­sung der Me­ta­phy­sik (1957). In: Ders.: Iden­ti­tät und Dif­fe­renz, a.a.O., S. 31–67, hier: S. 56 f.
  13. Die Tran­skrip­ti­on „dont je me trouve in­stru­ment“ fin­det man in Ver­si­on Chol­let. Ver­sio­nen Sta­fer­la und Es­pace La­can ha­ben hier:„dont je me trouve in­struit“. Ver­si­on Mil­ler: „dont je me trouve être l’instrument“. Die Au­dio­auf­nah­me die­ser Sit­zung auf der Web­site von Pa­trick Valas ist an die­ser Stel­le von so schlech­ter Qua­li­tät, dass eine Ent­schei­dung zwi­schen den Ver­sio­nen nicht mög­lich ist.
  14. Ver­mut­lich eine An­spie­lung auf Hei­deg­gers Be­griff der Seins­fra­ge, der Fra­ge nach dem Sein. Der Be­griff „Seins­fra­ge“ ist ein Grund­be­griff be­reits von Hei­deg­gers Sein und Zeit (1927).
  15. Un­ter ei­ner „Re­vo­lu­ti­on“, wört­lich „Um­dre­hung“, ver­steht La­can im Zu­sam­men­hang der Dis­kurs­theo­rie die Dre­hung, die dazu führt, dass ein Dis­kurs in ei­nen an­de­ren über­geht. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zun­gen vom 18. Fe­bru­ar 1970 (Ver­si­on Mil­ler, S 99) und vom 13. Mai 1970 (Ver­si­on Mil­ler, S. 173, 176).
  16. In Heft 2/3 von Sci­li­cet er­schien La­cans Ra­dio­pho­nie (auf S. 5599), in dem man auch eine Art Zu­sam­men­fas­sung von Se­mi­nar 17 fin­den kann. Die­ser Text ist die Tran­skrip­ti­on ei­nes In­ter­views mit La­can, das 1970 im bel­gi­schen Rund­funk ge­sen­det wur­de. Die Fra­gen hat­te Ro­bert Ge­or­gin for­mu­liert, La­can hat­te die Ant­wor­ten schrift­lich for­mu­liert. Ob er die Ant­wor­ten selbst vor­ge­le­sen hat­te oder ob sie von ei­nem an­de­ren ge­le­sen wur­den, habe ich nicht fest­stel­len kön­nen.
  17. Das er­in­nert an eine ein­fluss­rei­che Stu­die zur Bil­dungs­so­zio­lo­gie von Bour­dieu und Pas­se­ron: Pierre Bour­dieu, Jean-Clau­de Pas­se­ron: Les Hé­ri­tiers. Les étu­di­ants et la cul­tu­re. Édi­ti­ons de Mi­nuit, Pa­ris 1964 (dt.: Die Il­lu­si­on der Chan­cen­gleich­heit. Un­ter­su­chun­gen zur So­zio­lo­gie des Bil­dungs­we­sens am Bei­spiel Frank­reichs. Klett, Stutt­gart 1971)
  18. Das be­zieht sich im Rah­men des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses auf $, das ge­spal­te­ne Sub­jekt, am Platz un­ten rechts, am Platz der Pro­duk­ti­on. In Se­mi­nar 17 er­läu­tert La­can die­ses Dis­kurs­ele­ment so: Das, was vom Uni­ver­si­täts­dis­kurs pro­du­ziert wird, ist die Scham (als Form der Sub­jekt­spal­tung), und die Scham zeigt sich in der Un­ver­schämt­heit (Sit­zung vom 17. Juni 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 203). Mit der Scham als Pro­dukt des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses be­zieht La­can sich ver­mut­lich auf die Ef­fek­te der Aus­le­se­ver­fah­ren wie Haus­ar­bei­ten und Prü­fun­gen.
  19. La­can spielt hier auf die rech­te Sei­te der For­mel des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses an. Am Platz oben rechts ist hier die Mehr­lust, a, wo­mit ge­meint ist: die Adres­sa­ten die­ses Dis­kur­ses – die Stu­die­ren­den – als Ver­kör­pe­rung der Mehr­lust. Am Platz un­ten rechts ist das ge­spal­te­ne Sub­jekt, $, als Pro­dukt des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses, ge­spaltn durch die Scham als Ef­fekt des Aus­le­se­pro­zes­ses In die­sem Sin­ne spal­tet der Uni­ver­si­täts­dis­kurs die „Kü­gel­chen der Mehr­lust“.
  20. Auf der Ton­auf­nah­me hört man „à vot­re re­gard“, für Ih­ren Blick; Mil­ler än­dert zu „à vot­re égard“, in Ih­rer Hin­sicht“.
  21. Im Dis­kurs der Ana­ly­se ist am Platz oben links der Ana­ly­ti­ker als Ver­kör­pe­rung der Mehr­lust (a), am Platz oben rechts der Ana­ly­sant als ge­spal­te­nes Sub­jekts ($). La­can deu­tet an, dass in sei­nem Un­ter­richt die Zu­hö­rer die Ver­kör­pe­rung der Mehr­lust sind, also am Platz des Ana­ly­ti­kers, und dass La­can den Platz des Ana­ly­san­ten ein­nimmt, des ge­spal­te­nen Sub­jekts.
  22. La­can be­zieht sich auf Ra­dio­pho­nie, ein In­ter­view, in dem er auf sie­ben Fra­gen ant­wor­tet, die ihm von Ro­bert Ge­or­gin ge­stellt wor­den wa­ren und die er schrift­lich be­ant­wor­tet (und dann of­fen­bar vor­ge­le­sen) hat­te. Die ers­ten vier Fra­ge-Ant­wort-Se­quen­zen wur­den am 1., 10., 19. und 26. Juni 1970 im bel­gi­schen Rund­funk­sen­der R.T.B. (3. Pro­gramm) ge­sen­det und am 7. Juni 1970 vom fran­zö­si­schen Rund­funk­sen­der O.R.T.F (Fran­ce-Cul­tu­re) über­nom­men. Ver­öf­fent­licht wur­de der voll­stän­di­ge Text in Sci­li­cet 2/3, Seuil, Pa­ris 1970, S. 5599. Deut­sche Über­set­zung: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Ber­lin 1988, S. 554.
    Zu den vier Dis­kur­sen äu­ßert La­can sich bei der Be­ant­wor­tung der sieb­ten Fra­ge (Metz­ger-Über­set­zung, S. 46–49).
  23. Mit Aus­nah­me von La­can. Zu die­ser Aus­nah­me­stel­lung äu­ßert er sich in Se­mi­nar 17 mit dem Ar­gu­ment, er sei kein Au­tor (Sit­zung vom 17. Juni 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 221).
  24. Mil­ler schließt an: Là, c’est un pari – nicht in der Au­dio­auf­nah­me.
  25. In Se­mi­nar 16 hat­te La­can Fou­caults Vor­trag Was ist ein Au­tor? (1969) kom­men­tiert (in der Sit­zung vom 12. Fe­bru­ar 1969).
    In Se­mi­nar 17 sagt La­can zu Sci­li­cet:
    „Es gibt eine Art vor­be­rei­ten­de Maß­nah­me, die auf der Schwel­le zur Uni­ver­si­tät liegt. Man wird das Recht ha­ben, dort zu spre­chen, aus­ge­nom­men die­se Über­ein­kunft, daß ganz streng gilt, daß Sie durch Ihre Dok­tor­ar­beit für im­mer fest­ge­na­gelt sind. Das ver­leiht Ih­rem Na­men sein Ge­wicht. Nichts­des­to­we­ni­ger sind Sie an das, was in die­ser Dok­tor­ar­beit steht, in der Fol­ge über­haupt nicht ge­bun­den. Für ge­wöhn­lich üb­ri­gens ge­ben Sie sich da­mit zu­frie­den. Aber das be­deu­tet nicht viel, Sie wer­den al­les sa­gen kön­nen, was Sie wol­len, wenn Sie be­reits zu Na­men ge­kom­men sind. Ge­nau das spielt die Rol­le ei­nes Her­ren­si­gni­fi­kan­ten. Darf ich es sa­gen? Denn ich möch­te dem, was ich ge­macht habe, nicht zu­viel Be­deu­tung bei­le­gen: Ge­nau so ist mir die Idee zu ei­nem Ding ge­kom­men, von dem Sie seit ei­ni­ger Zeit nicht mehr viel hö­ren: Sci­li­cet. Trotz­dem sind ei­ni­ge über­rascht ge­we­sen dar­über, daß ich ge­sagt habe, es wäre ein Ort, an dem nicht­si­gnier­te Sa­chen ge­schrie­ben wer­den müß­ten.“ (Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 221, Über­set­zung von Ger­hard Schmitz)
  26. Mil­ler-Ver­si­on: C’est un pari (nicht in der Au­dio­auf­nah­me.
  27. frz. faits di­vers: Ver­misch­te Nach­rich­ten, Lo­kal­nach­rich­ten.
  28. Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist die Mehr­lust am Platz oben links, am Platz des Agen­ten.
  29. Das heißt, die Zu­hö­rer sind in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers. Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist am Platz un­ten links das Wis­sen, und die­ses Wis­sen fehlt den Zu­hö­rern.
  30. Das er­in­nert an die fol­gen­de Pas­sa­ge aus Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren:
    „Es ist völ­lig un­zu­läs­sig, in dem Au­gen­blick, in dem die Psy­cho­ana­ly­se auf­ge­ru­fen ist, et­was dazu zu sa­gen – glau­ben Sie nicht, dass ich vor­ha­be, das zu strei­chen –, zu der Kri­se, die das Ver­hält­nis des Stu­die­ren­den zur Uni­ver­si­tät durch­macht, es ist un­denk­bar, dass man dar­auf mit der Aus­sa­ge ant­wor­tet, es gebe Din­ge, die auf kei­ne Wei­se in ei­nem Wis­sen de­fi­nie­ren wer­den kön­nen. Wenn die Psy­cho­ana­ly­se nicht als ein Wis­sen ge­äu­ßert wer­den kann und nicht als sol­che ge­lehrt wer­den kann, hat sie ganz streng dort nichts zu su­chen, wo es um nichts an­de­res geht.“ (Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 13. No­vem­ber 1968, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 18).
  31. Der letz­te Ne­ben­satz, ab „d’où“, fehlt in Mil­lers Ver­si­on.
  32. La­can be­zieht sich hier­für in der 4. Sit­zung die­ses Se­mi­nars (17. Fe­bru­ar 1971) vor al­lem auf das fol­gen­de Werk: Charles Kay Og­den, Ivor Arm­strong Ri­chards, mit Bei­trä­gen von F. G. Crooks­hank und Bro­nis­law Ma­li­now­ski : The Me­a­ning of me­a­ning. A stu­dy of the in­flu­ence of lan­guage upon thought and of the sci­ence of sym­bo­lism. Ke­gan Paul, Trench, Trub­ner and Co., Lon­don 1923.
  33. Mög­li­cher­weis­se eine An­spie­lung auf Car­naps Be­griff des „Schein­pro­blems“. Vgl. Ru­dolf Car­nap: Der lo­gi­sche Auf­bau der Welt. Welt­kreis-Ver­lag, Ber­lin 1928, so­wie: Ders.: Schein­pro­ble­me in der Phi­lo­so­phie. Das Fremd­psy­chi­sche und der Rea­lis­mus­streit. Welt­kreis-Ver­lag, Ber­lin 1928.
  34. tran­cher: schnei­den; sich ent­schei­den.
  35. An­spie­lung auf S. Freud: Kon­struk­tio­nen in der Ana­ly­se (1937). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be. Schrif­ten zur Be­hand­lungs­tech­nik. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 393406.– Die Wahr­heit ei­ner Kon­struk­ti­on (ei­ner um­fas­sen­den Deu­tung) zeigt sich dar­in, dass der Pa­ti­ent be­stä­ti­gen­des Ma­te­ri­al pro­du­ziert, sagt Freud hier.
  36. Die Im­pli­ka­ti­on ist die Wenn-dann-Be­zie­hung als Ver­knüp­fung von Aus­sa­gen: „im­mer wenn a, dann auch b“, wo­bei a und b Aus­sa­gen sind. Bei­spiels­wei­se „Im­mer wenn du mich be­suchst, lacht der Weih­nachts­mann“. Der ers­te Teil­satz (hier „Du be­suchst mich“) wird „An­te­ze­dens“ oder „Protasis“ ge­nannt, Vor­der­satz, der zwei­te Teil­satz (hier „Der Weih­nachts­mann lacht“) heißt „Kon­se­quenz“ oder „Apo­dosis“, Hin­ter­satz. Zu be­ach­ten ist, dass die Im­pli­ka­ti­on nicht be­sagt, dass es zwi­schen den bei­den Aus­sa­gen ein Kau­sal­ver­hält­nis gibt, das An­te­ze­dens gilt nicht als Ur­sa­che der Kon­se­quenz. In Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67) hat­te La­can sich aus­führ­lich mit der Im­pli­ka­ti­on be­fasst (Sit­zung vom 7. De­zem­ber 1966). Bei lo­gi­schen Ver­knüp­fern wie der Im­pli­ka­ti­on in­ter­es­siert sich die Lo­gik für die Be­zie­hung zwi­schen der Wahr­heit oder Falsch­heit der Teil­aus­sa­gen (du be­suchst mich, der Weih­nachts­mann lacht) im Ver­hält­nis zur Wahr­heit oder Falsch­heit der kom­bi­nier­ten Ge­samt­aus­sa­ge. Bei ei­ner Im­pli­ka­ti­on ist Ge­samt­aus­sa­ge nur dann falsch, wenn a wahr ist und b falsch ist. Wahr ist die Ge­samt­aus­sa­ge: wenn a und b wahr sind; wenn a falsch ist und b wahr ist; und wenn a falsch ist und b falsch ist. Die Ge­samt­aus­sa­ge ist also merk­wür­di­ger­wei­se im­mer wahr, wenn a falsch, ist un­ab­hän­gig da­von ob b wahr oder falsch ist. Hier­auf be­zo­gen sich die Lo­gi­ker der Stoa mit dem Satz ex fal­so se­qui­tur quod­li­bet, aus Fal­schem folgt Be­lie­bi­ges. Die Im­pli­ka­ti­on „Im­mer wenn gilt: a ist wahr, dann gilt: b ist falsch“ ist ins­ge­samt falsch. Die Im­pli­ka­ti­on „Im­mer wenn gilt: a ist falsch, dann gilt: b ist wahr“ ist ins­ge­samt wahr. La­can deu­tet das in Se­mi­nar 14 so: das Wah­re kann nur als Kon­se­quenz fi­gu­rie­ren (also be­zo­gen auf den zwei­ten Teil­satz), pri­mär (das heißt in der Po­si­ti­on des An­te­ze­dens) ist das Fal­sche, das heißt der Si­gni­fi­kant. „Die Im­pli­ka­ti­on setzt die Wahr­heits­be­zie­hung vor­aus“ meint also ver­mut­lich: Die Im­pli­ka­ti­on be­ruht dar­auf, dass die Wahr­heit eine Kon­se­quenz des Si­gni­fi­kan­ten ist, die Ent­fas­se­lung der Wahr­heit be­ruht auf dem Si­gni­fi­kan­ten
  37. Frz. vé­ri­di­que, dt. ve­r­i­disch: wahr­heits­ge­mäß, von la­te­nisch ve­r­i­di­cus, „wer wahr sagt“.
  38. Wie bei­spiels­wei­se die Im­pli­ka­ti­on „Wenn du mich be­suchst, lacht der Weih­nachts­mann“.
  39. Freud spricht von der „psy­chi­schen (Vor­stel­lungs-) Re­prä­sen­tanz des Trie­bes“, die, au­ßer im Fall der Ur­ver­drän­gung, ins Be­wusst­sein auf­ge­nom­men wer­den kann. Vgl. S. Freud: Die Ver­drän­gung (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 103118, hier: S. 109.
  40. La­can spielt hier ver­mut­lich auf den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers an. Am Platz un­ten links, dem der Wahr­heit, ist hier das Wis­sen, S2, was wohl heißt: das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers hat die Funk­ti­on, Wahr­heits­ef­fek­te aus­zu­lö­sen, das heißt, es hat die Auf­ga­be, das Spre­chen des Pa­ti­en­ten dazu an­zu­rei­zen, dass Ver­dräng­tes ar­ti­ku­liert wird.
  41. Die Sen­tenz „Es gibt kei­ne Met­a­spra­che“ fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten. Hier heißt es:
    „Las­sen Sie mich Ih­nen eben­falls im Vor­über­ge­hen sa­gen, daß der Be­griff Met­a­spra­che sehr häu­fig auf un­an­ge­mes­sens­te Wei­se ver­wandt wird, um so mehr, eben weil man die­ses hier ver­kennt – ent­we­der hat die Met­a­spra­che for­ma­le An­for­de­run­gen sol­cher Art, daß sie das ge­sam­te Phä­no­men ei­ner Struk­tu­rie­rung, in der sie ih­ren Ort fin­den soll, ent­stel­len oder aber die Met­a­spra­che selbst be­wahrt die Am­bi­gui­tä­ten der Spra­che. An­ders ge­sagt, es gibt kei­ne Met­a­spra­che, es gibt For­ma­li­sie­run­gen – ent­we­der auf der Ebe­ne der Lo­gik oder auf der Ebe­ne die­ser Si­gni­fi­kan­ten­struk­tur, de­ren au­to­no­me Ebe­ne ich Ih­nen frei­zu­le­gen ver­su­che. Es gibt kei­ne Met­a­spra­che im Sin­ne bei­spiels­wei­se ei­ner voll­kom­me­nen Ma­the­ma­ti­sie­rung des Phä­no­mens der Spra­che und dies ge­nau des­halb, weil es kein Mit­tel gibt, über das hin­aus zu for­ma­li­sie­ren, was als ur­sprüng­li­che Struk­tur der Spra­che ge­ge­ben ist. Nichts­des­to­we­ni­ger ist die­se For­ma­li­sie­rung nicht nur ein­zu­for­dern, son­dern ist sie auch not­wen­dig.“ (Sit­zung vom 27. No­vem­ber 1957; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 86, Über­set­zung ge­än­dert)
    Bert­rand Rus­sell hat­te ent­deckt, dass Fre­ges Pro­jekt ei­ner men­gen­theo­re­ti­schen Fun­die­rung der Ma­the­ma­tik zu ei­ner Pa­ra­do­xie führt, der so­ge­nann­ten Rus­sell­schen An­ti­no­mie (The princi­ples of ma­the­ma­tics, 1903). Zur Ver­mei­dung der An­ti­no­mie wur­de die Un­ter­schei­dung von Met­a­spra­che und Ob­jekt­spra­che ein­ge­führt, 1934 von Ru­dolf Car­nap und 1935 von Al­fred Tar­ski .[note]Vgl. R. Car­nap: Lo­gi­sche Syn­tax der Spra­che. Sprin­ger, Wien 1934, Teil IV A.– A. Tar­ski: Der Wahr­heits­be­griff in den for­ma­li­sier­ten Spra­chen (1935). In: Ka­rel Ber­ka und Lo­thar Krei­ser (Hg.): Lo­gik-Tex­te. Kom­men­tier­te Aus­wahl zur Ge­schich­te der mo­der­nen Lo­gik. Aka­de­mie-Ver­lag, Ber­lin 1983, S. 445–546). Tar­ski hat­te Kon­tak­te zum Wie­ner Kreis und da­mit zum lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus. Das Kon­zept der Met­as­pa­che stützt sich auf  Rus­sells Idee ei­ner un­end­li­chen Hier­ar­chie von Sprach­ebe­nen.
  42. La­cans Sym­bol da­für, dass es kei­ne Met­a­spra­che usw. gibt, ist S(Ⱥ), Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren.

  43. Vgl. J. La­can: Die Freud’sche Sa­che oder Sinn der Rück­kehr zu Freud in der Psy­cho­ana­ly­se (1956). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 472–513, hier S. 481 ff. Die Al­le­go­rie der Wahr­heit steigt hier hier aus eine Brun­nen und sagt: „Ich, die Wahr­heit, ich spre­che.“ (A.a.O., S. 481) Vgl. hier­zu auch Se­mi­nar 13, Sit­zun­gen vom 5. Ja­nu­ar und vom 19. Ja­nu­ar 1965. 
  44. Ge­meint ist die Äu­ße­rung „Ich lüge jetzt, mit die­sem Satz, den ich ge­ra­de spre­che“. Die­se Äu­ße­rung gilt in­so­fern als pa­ra­do­xie, als sie dann, wenn sie wahr ist, falsch ist, und dann, wenn sie falsch ist, wahr ist. Wenn sie wahr ist, lügt man nicht mit die­se Satz, im Ge­gen­satz zur Be­haup­tung, also ist sie falsch. Wenn sie falsch ist, lügt man nicht, also ist sie wahr.
  45. Den Aus­druck „an sich selbst“ fin­det man sehr häu­fig in Kants Kri­tik der rei­nen Ver­nunft, in der Rede vom „Ding an sich selbst“ (oder vom „Ding an sich“), etwa in der be­kann­ten For­mu­lie­rung, dass die Kri­tik leh­re, das Ob­jekt in zwei­er­lei Be­deu­tung zu neh­men, „näm­lich als Er­schei­nung oder als Ding an sich selbst“ (B XXVII). „Das Ding an sich selbst“ wird mit „la cho­se en soi même“ oder mit „la cho­se en lui-même“ ins Fran­zö­si­sche über­setzt.
  46. Vgl. Jean Sta­ro­bin­ski: Wör­ter un­ter Wör­tern. Die Ana­gram­me von Fer­di­nand de Saus­su­re (1971). Über­setzt und ein­ge­lei­te­te von Hen­ri­et­te Bee­se. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1980. Auf Saus­su­res Ana­gramm-Stu­di­en hat­te Sta­ro­bin­ski zu­erst 1964 in ei­nem Auf­satz im Fran­ce Mer­cu­re auf­merk­sam ge­macht; La­can ver­weist hier­auf in eine Fuß­no­te von 1966 zu sei­nem Auf­satz Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud (über­setzt von Nor­bert Haas. In: Ders.: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 15–55, hier: S. 28 Fuß­no­te 18).
    Freud zu­fol­ge bil­det das Un­be­wuss­te u. a. Ana­gram­me (vgl. S. Freud: Be­mer­kun­gen über ei­nen Fall von Zwangs­neu­ro­se (1909). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 85 f.). Im so­ge­nann­ten Rom-Vor­trag hat­te La­can dar­auf hin­ge­wie­sen (Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Klaus La­er­mann. In: J.L.: Schrif­ten I. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–170, hier: S. 145.
  47. Mit dem An­de­ren als An­de­rem ist der (sym­bo­li­sche) An­de­re mit gro­ßem A ge­meint, der An­de­re als Ort des Spre­chens, im Un­ter­schied zum (ima­gi­nä­ren) an­de­ren mit klei­nem a, dem an­de­ren, der mir ähn­lich ist. Den Un­ter­schied zwi­schen dem Ande­ren und dem ande­ren führt Lac­na in Se­mi­nar 2 von 1954/55 ein (Sit­zung vom 25. Mai 1955), (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).
  48. Bat­te­rie“ hier im Sin­ne ei­nes syn­chro­nen Sys­tems gleich­ar­ti­ger Ele­men­te. Den Aus­druck bat­te­rie si­gni­fi­an­te ver­wen­det La­can zu­erst in Se­mi­nar 5 von 1957/58 (Sit­zung vom 12. März 1958, vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 335), die Ver­si­on bat­te­rie des si­gni­fi­ants zu­erst in Se­mi­nar 8 von 1960/61 (Sit­zung vom 19. April 1961, vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 297). In den Schrif­ten er­scheint bat­te­rie des si­gni­fi­ants erst­mals im Jo­nes-Auf­satz, ge­schrie­ben 1959, ver­öf­fent­licht 1960 (vgl. J.L.: Zum Ge­den­ken an Er­nest Jo­nes: Über sei­ne Theo­rie der Sym­bo­lik. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 205–229, hier: S. 222).
  49. Viel­leicht eine An­kün­di­gung der Be­trach­tun­gen über Him­mels­er­schei­nun­gen ei­ni­ge Sät­ze spä­ter.
  50. In Se­mi­nar 17 hat­te La­can die Struk­tur des Dis­kur­ses der Wis­sen­schaft mit der Struk­tur des Dis­kur­ses der Uni­ver­si­tät gleich­ge­setzt; vgl. Sit­zung vom 11. März 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 119.
  51. Eine Kon­stel­la­ti­on ist die schein­ba­re Stel­lung von Him­mels­kör­pern im Ver­hält­nis zu­ein­an­der, bei­spiels­wei­se ein Stern­bild; das Wort kommt von la­tei­nisch „con“, zu­sam­men, und „stel­la“, Stern.
  52. Feu­er, Was­ser, Luft, Erde.
  53. Das von Aris­to­te­les an­ge­nom­me­ne fünf­te Ele­ment, der Äther.
  54. Me­te­or“ (nicht zu ver­wech­seln mit Me­teo­ri­ten) meint „Him­mels­er­schei­nun­gen“ je­der Art, man den­ke an den Be­griff „Me­teo­ro­lo­gie“ für Wet­ter- und Kli­ma­kun­de. In die­sem Sin­ne sind Re­gen­bö­gen oder Don­ner Me­teo­re: Er­schei­nun­gen der At­mo­sphä­re. Von grie­chisch me­teôros, „über den Lüf­ten“.
  55. René Des­car­tes: Les Mé­téo­res (1637), in: Ders.: Œu­vres. Gal­li­mard, Pa­ris 1953, S. 230, „Dis­cours hui­tiè­me: De l’arc en ciel“.
  56. Vgl. J. La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Klaus La­er­mann. In: Ders.: Schrif­ten I. Hg. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71169, hier: S. 169.
    La­can zi­tiert an die­ser Stel­le eine An­ru­fung des hin­du­is­ti­schen Got­tes Pra­ja­pa­ti als Gott des Don­ners aus den Upa­nis­ha­den. Er folgt hier­bei ver­mut­lich, ohne die Quel­le zu nen­nen, T. S. Eli­ot in The Was­te Land (1922).
  57. An­spie­lung auf die Don­ner­göt­ter, die es in zahl­rei­chen Re­li­gio­nen gibt, etwa Thor bei den Ger­ma­nen oder Zeus bzw. Ju­pi­ter bei den Grie­chen und Rö­mern (da­her „Don­ners­tag“). Nach jü­di­scher Vor­stel­lung spricht Jah­we im Don­ner.
  58. In La­cans Be­griff­lich­keit ist der gött­li­che Don­ner eine der For­men der Stim­me als Ob­jekt a.
    Im Lag­a­che-Auf­satz von 1961 hat­te La­can ge­schrie­ben, es las­se sich ent­de­cken
    „dass das Über-Ich in sei­nem in­ners­ten Im­pe­ra­tiv sehr wohl in Wirk­lich­keit die ‚Stim­me des Ge­wis­sens‘ ist, das heißt eine Stim­me zu­nächst ein­mal, und eine, die sich sehr wohl stimm­lich ver­laut­bart, und ohne mehr Au­to­ri­tät als lau­te Stim­me zu sein: die Stim­me, von der uns min­des­tens eine Text­stel­le aus der Bi­bel sagt, dass sie sich dem rund um den Si­nai kam­pie­ren­den Volk ver­nehm­bar mach­te, nicht ohne dass die­ser Kunst­griff dar­in na­he­legt, dass in ih­rem Aus­sa­gen sie ihm sei­nen ei­ge­nen Lärm zu­rück­sand­te, wo­bei die Ge­set­zes­ta­feln nicht min­der not­wen­dig blei­ben, um ihr Aus­ge­sag­tes zu ken­nen“ (An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Lag­a­che „Psy­cho­ana­ly­se und Struk­tur der Per­sön­lich­keit“. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant 2015, S. 146–191, hier: S. 190).
  59. Wie die lo­gi­schen Po­si­ti­vis­ten be­haup­ten.
  60. Der Ti­tel ist nicht so zu ver­ste­hen: „Über ei­nen Dis­kurs, der kein Schein­dis­kurs wäre“.
  61. Mit „Re­fe­rent“ ist hier ver­mut­lich das Rea­le ge­meint; das Rea­le ist das, was an der­sel­ben Stel­le be­stän­dig wie­der­kehrt, hat­te La­can in Se­mi­nar 2 ge­sagt; sein Bei­spiel wa­ren die Ster­ne (vgl. Sit­zung vom 22. Juni 1955, v.a. S. 376378).
  62. si­gni­fi­ant“ in Ver­si­on Sta­fer­la; in Ver­si­on Mil­ler fin­det man hier „dis­cours“. Die Ton­auf­nah­me ist an die­ser Stel­le schlecht, ich höre eher „si­gni­fi­ant“.
  63. Der Schein des mit sich selbst iden­ti­schen Si­gni­fi­kan­ten ist ver­mut­lich der Her­ren­si­gni­fi­kant.
    In Se­mi­nar 9 heißt es, ge­gen den Satz der Iden­ti­tät, also ge­gen A = A, „dass der Si­gni­fi­kant von da­her frucht­bar ist, dass er in kei­nem Fall mit sich iden­tisch sein kann“ (Sit­zung vom 6. De­zem­ber 1971, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la)
    Da­mit spielt La­can ver­mut­lich auf das Kon­zept von der Dif­fe­ren­tia­li­tät des Si­gni­fi­kan­ten an, also dar­auf, „dass es in der Spra­che nur Ver­schie­den­hei­ten gibt“, wie Saus­su­re sich aus­drückt (Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­la­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft. Hg. v. Charles Bal­ly und Al­bert Seche­haye. Über­setzt von Her­man Lom­mel. De Gruy­ter, Ber­lin 1967, Zwei­ter Teil, Ka­pi­tel IV, § 4, „Das Zei­chen als Gan­zes be­trach­tet“, S. 143)
    In Se­mi­nar 16 sagt La­can:
    „Es ist klar, dass sich al­les von ei­ner ver­gan­ge­nen Zeit un­ter­schei­det, in der ge­äu­ßert wer­den konn­te, dass die ge­sam­te Ma­the­ma­tik nur aus Tau­to­lo­gi­en be­steht; dass der mensch­li­che Dis­kurs blei­ben kann, da dies ein Feld ist, das – die­sem Sa­gen zu­fol­ge – das der Tau­to­lo­gie ge­hal­ten hät­te; dass es ir­gend­wo ein A gibt, das ein gro­ßes A bleibt, das mit sich selbst iden­tisch ist.“ (Sit­zung vom 11. De­zem­ber 1968, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la, vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 86)
    An­ders ge­sagt: Die Auf­fas­sung, dass A mit sich selbst iden­tisch ist, ge­hört ei­ner ver­gan­ge­nen Zeit an, seit­her – seit Saus­su­re – hat sich al­les ge­än­dert.
    In Se­mi­nar 17 liest man:
    „Das tran­szen­den­ta­le Ich, das ist das­je­ni­ge, das je­der, der ein Wis­sen auf eine be­stimm­te Wei­se aus­ge­sagt hat, als Wahr­heit ver­hehlt, der S1, das Ich des Herrn. Das mit sich selbst iden­ti­sche Ich, das ist ganz ge­nau das, mit­tels des­sen sich der S1 des rei­nen Im­pe­ra­tivs kon­sti­tu­iert.“ (Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1970, Ver­si­on Mil­ler S. 70, Über­set­zung von Ger­hard Schmitz)
    Eine der For­men des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, also von S1, ist das mit sich selbst iden­ti­sche Ich.
  64. Dass die Tie­re das Lob Got­tes sin­gen, ist ein tra­di­tio­nel­les jü­di­sches und christ­li­ches Mo­tiv.
    In den Psal­men heißt es:
    „Lo­bet den Herrn auf Er­den, ihr gro­ßen Fi­sche und alle Tie­fen des Mee­res,
    Feu­er, Ha­gel, Schnee und Ne­bel, Sturm­win­de, die sein Wort aus­rich­ten,
    ihr Ber­ge und alle Hü­gel, frucht­tra­gen­de Bäu­me und alle Ze­dern,
    ihr Tie­re und al­les Vieh, Ge­würm und Vö­gel,
    ihr Kö­ni­ge auf Er­den und alle Völ­ker, Fürs­ten und alle Rich­ter auf Er­den,
    Jüng­lin­ge und Jung­frau­en, Alte mit den Jun­gen! (Psalm 148, Ver­se 7–12)
    In Cle­mens Bren­ta­nos Mär­chen von Go­ckel und Hin­kel (1838) fin­det man das fol­gen­de Lied, das in das Evan­ge­li­sche Ge­sang­buch auf­ge­nom­men wur­de:
    „Kein Tier­lein ist auf Er­den
    Dir, lie­ber Gott, zu klein,
    Du ließt sie alle wer­den,
    Und alle sind sie dein.
    Zu dir, zu dir
    Ruft Mensch und Tier.
    Der Vo­gel dir singt,
    Das Fisch­lein dir springt,
    Die Bie­ne dir brummt,
    Der Kä­fer dir summt,
    Auch pfei­fet dir das Mäus­lein klein:
    Herr Gott, du sollst ge­l­o­bet sein!
    Das Vög­lein in den Lüf­ten
    Singt dir aus vol­ler Brust,
    Die Schlan­ge in den Klüf­ten
    Zischt dir in Le­bens­lust.
    Zu dir, zu dir
    Ruft Mensch und Tier usw.
    Die Fisch­lein, die da schwim­men,
    Sind, Herr, vor dir nicht stumm,
    Du hö­rest ihre Stim­men,
    Ohn dich kommt kei­nes um.
    Zu dir, zu dir usw.“ (Aus­zug)
  65. Das Sub­stan­tiv ef­fi­cace (statt ef­fi­cacité) ver­weist auf die re­li­giö­se Sphä­re, es be­zieht sich z.B. auf die Wirk­sam­keit von Ge­be­ten, sie­he hier. Viel­leicht ist ge­meint: Mit dem The­ma „Lob Got­tes“ be­tre­ten wir eine Sphä­re, de­ren Wirk­sam­keit nicht ge­klärt ist, und dies des­halb nicht, da wir nicht wis­sen, wel­che Si­gni­fi­kan­ten­ak­ku­mu­la­ti­on hier statt­ge­fun­den hat, an­ders ge­sagt: in wel­cher Spra­che das Lob Got­tes ar­ti­ku­liert wird.
  66. Über Pas­cals Wet­te hat­te La­can ge­spro­chen in Se­mi­nar 13 von 1965/66, Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, in den Sit­zun­gen vom 2. Fe­bru­ar, 9. Fe­bru­ar und 25. Mai 1966.
  67. Der Be­griff des „zer­stü­ckel­ten Kör­pers“ ge­hört zu den frü­hes­ten Kon­zep­ten La­cans, man fin­det ihn be­reits im Auf­satz über die Fa­mi­lie von 1938 (J. La­can: Die Fa­mi­lie. Über­setzt von Fried­rich A. Kitt­ler. In: J.L.: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1980, S. 39–100, hier: S. 79, 90).
    La­can ver­steht dar­un­ter die Zer­stü­cke­lungs­phan­ta­si­en als Kehr­sei­te des Spie­gel­bil­des bzw. des ima­gi­nä­ren an­de­ren.
    Das Kon­zept des zer­stü­ckel­ten Kör­pers ver­wen­det La­can u.a. zur Deu­tung von Kon­ver­si­ons­sys­te­men, also von Sym­pto­men, die dar­in be­stehen, dass psy­chi­sche Kon­flik­te in kör­per­li­che Phä­no­me­ne um­ge­wan­delt wer­den, in Läh­mun­gen, An­äs­the­si­en, Schmer­zen usw. Im Bei­trag zur Über­tra­gung schreibt er:
    „Um zu die­ser An­er­ken­nung ih­rer Weib­lich­keit zu kom­men, müss­te sie die­ses Ak­zep­tie­ren ih­res ei­ge­nen Kör­pers voll­zie­hen, man­gels des­sen sie für die funk­tio­na­le Zer­stü­cke­lung of­fen­bleibt (um uns auf die theo­re­ti­sche Stüt­ze des Spie­gel­sta­di­ums zu be­zie­hen), wo­durch die Kon­ver­si­ons­sym­pto­me ge­bil­det wer­den.“ (J.L.: In­ter­ven­ti­on sur le trans­fert. in: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 215–226, hier: 221; ge­schrie­ben 1951, ver­öf­fent­licht 1952)
    Die Be­stand­tei­le des zer­stü­ckel­ten Kör­pers sind Si­gni­fi­kan­ten. In Se­mi­nar 3, Die Psy­cho­sen (1955/56), heißt es:
    „Wo­von rüh­ren die Sym­pto­me her? wenn nicht von der Ver­wick­lung des mensch­li­chen Or­ga­nis­mus in et­was, das struk­tu­riert ist wie eine Spra­che, wo­durch die­ses oder je­nes Ele­ment sei­nes Funk­tio­nie­rens als Si­gni­fi­kant ins Spiel kom­men wird.“ (Sit­zung vom 11. April 1956, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 225) 
  68. Der rech­te Arm
    Ver­mut­lich spielt La­can hier auf den von Jo­sef Breu­er dar­ge­stell­ten Fall Anna O. an: der rech­te Arm der Pa­ti­en­tin (Ber­tha von Pap­pen­heim) war voll­stän­dig ge­lähmt. Hier­zu schreibt Breu­er:
    „Juli 1880 war der Va­ter der Kran­ken auf dem Lan­de an ei­nem sub­pleura­len Ab­szes­se schwer er­krankt; Anna teil­te sich mit der Mut­ter in die Pfle­ge. Ein­mal wach­te sie nachts in gro­ßer Angst um den hoch­fie­bern­den Kran­ken und in Span­nung, weil von Wien ein Chir­urg zur Ope­ra­ti­on er­war­tet wur­de. Die Mut­ter hat­te sich für ei­ni­ge Zeit ent­fernt, und Anna saß am Kran­ken­bet­te, den rech­ten Arm über die Stuhl­leh­ne ge­legt. Sie ge­riet in ei­nen Zu­stand von Wachträu­men und sah, wie von der Wand her eine schwar­ze Schlan­ge sich dem Kran­ken nä­her­te, um ihn zu bei­ßen. (…) Sie woll­te das Tier ab­weh­ren, war aber wie ge­lähmt; der rech­te Arm, über die Stuhl­leh­ne hän­gend, war ‚ein­ge­schla­fen‘, an­äs­the­tisch und par­e­tisch ge­wor­den, und als sie ihn be­trach­te­te, ver­wan­del­ten sich die Fin­ger in klei­ne Schlan­gen mit To­ten­köp­fen (Nä­gel). Wahr­schein­lich mach­te sie Ver­su­che, die Schlan­ge mit der ge­lähm­ten rech­ten Hand zu ver­ja­gen, und da­durch trat die An­äs­the­sie und Läh­mung der­sel­ben in As­so­zia­ti­on mit der Schlan­gen­hal­lu­zi­na­ti­on.“ (Vgl. J. Breu­er: Fräu­lein Anna O …, In: J. Breu­er, S. Freud: Stu­di­en über Hys­te­rie (1895). Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1970, S. 20–40, hier: S. 33 f., Her­vor­he­bung im Ori­gi­nal)
    In ei­nem an­de­ren Teil der Stu­di­en über Hys­te­rie kommt Breu­er dar­auf zu­rück:
    „(…) so strebt Anna O. im Schreck­af­fek­te den durch Druck­läh­mung be­we­gungs­lo­sen Arm zu stre­cken, um die Schlan­ge ab­zu­weh­ren; von da an wird der Te­ta­nus des rech­ten Ar­mes durch den An­blick al­ler schlan­gen­ähn­li­chen Din­ge her­vor­ge­ru­fen.“ (J. Breu­er: Theo­re­ti­sches. In: Stu­di­en über Hys­te­rie, a.a.O., S. 149–203, hier: S. 167)
    In La­cans Se­mi­nar über die Angst (Se­mi­nar 10) heißt es über den Arm:
    „Wenn ich mich mit sei­ner Funk­ti­on be­fas­se [mit der Funk­ti­on des Ar­mes], so, in­so­fern er ei­nen Au­gen­blick iso­liert ist und er um je­den Preis will, dass ich ihn auf ir­gend­ei­nem Um­weg wie­der ein­span­ne. Ich muss also die Tat­sa­che so­gleich mo­di­fi­zie­ren, dass er, auch wenn er In­stru­ment ist, den­noch nicht frei ist. Ich muss mich, wenn ich das so sa­gen kann, vor der Tat­sa­che nun nicht gleich sei­ner Am­pu­ta­ti­on, aber sei­ner Nicht-Kon­trol­le schüt­zen – vor der Tat­sa­che, dass ein an­de­rer sich sei­ner be­mäch­ti­gen könn­te, dass ich der rech­te Arm oder der lin­ke Arm ei­nes an­de­ren wer­den könn­te – oder ein­fach vor der Tat­sa­che, dass ich ihn in der Me­tro ver­ges­sen könn­te wie ei­nen ge­wöhn­li­chen Re­gen­schirm, wie die­se Kor­setts, die man, scheint es, dar­in noch vor ei­ni­gen Jah­ren im Über­fluss vor­fand.
    Wir Ana­ly­ti­ker, wir wis­sen, was das be­deu­tet. Die Er­fah­rung der Hys­te­ri­schen ist für uns hin­rei­chend be­zeich­nend, da­mit wir wis­sen, dass die­ser Ver­gleich, mit dem an­ge­deu­tet wird, dass der Arm ver­ges­sen wer­den kann, nicht mehr und nicht we­ni­ger, wie ein me­cha­ni­scher Arm, kei­ne über­zo­ge­ne Me­ta­pher ist.“ (Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 8. Mai 1963, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 271)
    Im Se­mi­nar Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren (Se­mi­nar 16) be­zieht La­can sich aus­drück­lich auf den Arm von Anna O.:
    „Wie soll­te man sich nicht fra­gen, wor­um es sich han­delt bei dem Ver­hält­nis die­ser Er­zäh­lun­gen – die­ser tal­king cure, der Sprech­kur, de­ren Ter­mi­nus Anna O. selbst er­fun­den hat – zu die­sem Sym­ptom, das sich im Fal­le des Hys­te­ri­kers be­son­ders klar an­ge­ben lässt, näm­lich et­was, was sich auf der Ebe­ne des Kör­pers ent­leert: ein Feld, wo das Emp­fin­dungs­ver­mö­gen ver­schwin­det, und ein wei­te­res Feld, da­mit ver­bun­den oder auch nicht, wo die Be­we­gungs­fä­hig­keit fehlt.
    Da­für kann nichts an­de­res als eine Si­gni­fi­kan­ten-Ein­heit den Grund an­ge­ben. Der Anti-Ana­to­mis­mus des hys­te­ri­schen Sym­ptoms ist von Freud selbst hin­rei­chend her­aus­ge­ar­bei­tet wor­den. Das heißt, wenn ein hys­te­ri­scher Arm ge­lähmt ist, dann des­halb, weil er ‚Arm‘ heißt und nichts an­de­res, denn nichts in ir­gend­ei­ner rea­len Ver­tei­lung der Ner­ven­bah­nen lie­fert ei­nen Grund für die Gren­ze, die des­sen Feld be­zeich­net. Hier ge­langt der Kör­per ja dazu, als Stüt­ze für ein ur­sprüng­li­ches Sym­ptom zu die­nen, für das ty­pischs­te, von da­her, dass wir es des­we­gen be­fra­gen, weil es am Ur­sprung der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung steht.“ (Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 18. Juni 1969; Ver­si­on Mil­ler, S. 382, mei­ne Über­set­zung)
  69. Pro­jek­ti­on“ kommt vom la­tei­ni­schen Verb proi­ce­re, „hin­aus­wer­fen“.
    In der Psy­cho­ana­ly­se ist Pro­jek­ti­on ein Ab­wehr­me­cha­nis­mus, der dar­in be­steht, dass man Trieb­re­gun­gen, Ge­füh­le, Wün­sche, Ge­dan­ken aus sich aus­schließt und im An­de­ren lo­ka­li­siert, wie etwa bei der Pa­ra­noia oder bei der Pho­bie.
  70. Phä­no­men“ ver­weist auf „sem­blant“ im Ti­tel des Se­mi­nars. Das Wort „Phä­no­men“ geht auf das grie­chi­sche Sub­stan­tiv phai­no­me­non zu­rück: „das sich Zei­gen­de“, „das Er­schei­nen­de“, „der Schein“.
  71. In Ver­si­on Sta­fer­la fin­det man hier ei­nen Ver­weis auf Ber­nard de Man­de­ville, Die Bie­nen­fa­bel (17051732).
  72. Die Au­dio­auf­nah­me ist an die­ser Stel­le nicht ver­ständ­lich.
  73. Die Vor­stel­lung ei­nes Ter­ri­to­ri­ums mit sechs an­gren­zen­den Ter­ri­to­ri­en be­zieht sich mög­li­cher­wei­se auf die Bie­nen­wa­be.
  74. Ver­mut­lich eine An­spie­lung auf Freuds Kon­zept der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ver­lo­re­nen Lie­bes­ob­jekt (S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 61134, hier: S. 99 f.
  75. Ver­si­on Sta­fer­la ver­weist hier auf Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar 1962, La­can be­zieht sich dort auf: Ja­mes G. Fé­vri­er: His­toire de l’écriture. Payot, Pa­ris 1948, dar­in fin­det man ein ver­glei­chen­de Ta­bel­le be­stimm­ter pro­to­si­nai­ti­scher und pro­top­hö­ni­zi­scher Zei­chen (S. 196).
  76. Ek­to­pie“ (von grie­chisch ek­tos (au­ßen) und to­pos (Ort), wört­lich „Au­ßer­ört­lich­keit“: me­di­zi­ni­scher Fach­be­griff da­für, dass sich ein Ge­we­be an ei­ner an­de­ren Stel­le be­fin­det als ge­wöhn­lich. Hier im Sin­ne von Orts­ver­la­ge­rung. La­can be­zieht sich auf das Schleu­ern des Arms.
  77. Mög­li­cher­wei­se be­zieht sich La­can hier auf das Kon­zept des Schnitts, in­so­fern es in der Pa­ra­bel fehlt.
    Cou­per les bras (die Arme ab­schnei­den) meint im Ar­got „über­ra­schen“, „ver­blüf­fen“, „er­stau­nen“.
  78. Die Pro­jek­ti­on be­steht dar­in, dass mein Nach­bar mir mei­nen rech­ten Arm zu­wirft. Also be­steht die Re­tor­si­on ver­mut­lich dar­in, dass ich selbst die Arme, die in mei­nem Ter­ri­to­ri­um lan­den, über die Gren­ze wer­fe.
  79. Das könn­te hei­ßen: Die Arme bzw. Si­gni­fi­kan­ten flie­gen hin und her, da­durch ver­än­dert sich in ei­nem be­stimm­ten Ter­ri­to­ri­um be­stän­dig ihre An­zahl, in­so­fern kann für eine be­stimm­te Pe­ri­ode für ein be­stimm­tes Ter­ri­to­ri­um ihr Durch­schnitt be­rech­net wer­den.
  80. In Se­mi­nar 20 wird La­can ein En­sem­ble von Her­ren­si­gni­fi­kan­ten als es­saim be­zeich­nen, als „Schwarm“, er spielt da­bei an auf die Laut­gleich­heit von es­saim und S1, fran­zö­sisch aus­ge­spro­chen: S-un (vgl. J.L.: Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core. Über­setzt von Nor­bert Haas u.a. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1986, S. 156.
  81. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus: etwa „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein han­deln wür­de“.
  82. Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus: etwa „Über ei­nem Dis­kurs, den nicht der Schein her­vor­ru­fen wür­de“.
  83. Dar­an hat­te La­can gleich zu Be­ginn die­ser Sit­zung er­in­nert, mit der For­mel „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“ (Ver­si­on Mil­ler, S 10).
  84. du sem­blant“ ist also gram­ma­tisch auch als Ge­ni­ti­vus sub­jec­tivus auf­zu­fas­sen, wo­bei der Ter­mi­nus „sub­jec­tivus“ al­ler­dings zu pro­ble­ma­ti­sie­ren ist.
    Die Über­set­zung mit „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ hat die­sel­be Dop­pel­deu­tig­keit, sie meint so­wohl „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht über den Schein wäre“ als auch „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht durch den Schein be­stimmt wür­de“.
  85. Wört­lich: „er macht Blü­ten“, „er er­blüht“, von la­tei­nisch flo­res, Blü­ten.
  86. Auch in der Be­deu­tung von „dass er Er­folg hat“.
  87. La­cans For­mel für die­sen Zu­sam­men­hang ist „Es gibt kei­ne Met­a­spra­che“.
  88. In der Lo­gik be­steht ein Schluss (oder ein Ar­gu­ment) aus Prä­mis­sen und ei­ner Schluss­fol­ge­rung (oder Kon­klu­si­on). Die Wahr­heit der Prä­mis­sen und der Schluss­fol­ge­rung ist hy­po­the­tisch: Wenn p wahr wäre (p ist die ers­te Prä­mis­se), und wenn q wahr wäre (zwei­te Prä­mis­se), dann wäre auch r wahr (die Schluss­fol­ge­rung).
  89. Un­ter ei­ner Hy­po­the­se ver­steht La­can hier, wie in der Lo­gik üb­lich, die Prä­mis­sen ei­nes Ar­gu­ments.
  90. Der Mo­dus po­nens ist ein lo­gi­sches Ar­gu­ment von fol­gen­der Struk­tur:
    Ers­te Prä­mis­se: Fol­gen­des ist wahr: wenn p, dann q. (Im­pli­ka­ti­on).
    Zwei­te Prä­mis­se: p ist wahr.
    Kon­klu­si­on: Dann ist auch q wahr.
    Die ers­te Prä­mis­se ist eine Hy­po­the­se. p ist ein Term im In­ne­ren die­ser Hy­po­the­se. p ist wahr, dies ist die zwei­te Prä­mis­se.
  91. La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich auf den Ka­ta­log der Schluss­re­geln: mo­dus po­nens, mo­dus tol­lens, Ket­ten­schluss usw.
  92. Un­ter ei­ner Hy­po­the­se in ne­ga­ti­ver Form ver­steht La­can hier eine Hy­po­the­se, die sich auf eine ver­nei­nen­de Aus­sa­ge be­zieht: „Es ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass S nicht P ist“, hier: „Es ist ist mög­li­cher­wei­se wahr, dass der Dis­kurs nicht vom Schein ist.“
  93. S. Freud: Die Ver­nei­nung (1925). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 371–388.
  94. La­can be­zieht sich hier auf: Jean Hyp­po­li­te: Ge­spro­che­ner Kom­men­tar über die „Ver­nei­nung“ von Freud. Über­setzt von Ur­su­la Rütt-Förs­ter. In: J. La­can: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1980, S. 191200 (vor­ge­tra­gen in La­cans Se­mi­nar 1 von 1953/54, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten, am 10. Fe­bru­ar 1954, zu­erst ver­öf­fent­licht 1956 in der Zeit­schrift La Psy­chana­ly­se).
  95. At­tri­bu­ti­ons­ur­teil – Exis­tenz­ur­teil
    Freud schreibt in Die Ver­nei­nung (1925): „Die Ur­teils­funk­ti­on hat im we­sent­li­chen zwei Ent­schei­dun­gen zu tref­fen. Sie soll ei­nem Ding eine Ei­gen­schaft zu- oder ab­spre­chen, und sie soll ei­ner Vor­stel­lung die Exis­tenz in der Rea­li­tät zu­ge­ste­hen.“ (A.a.O., S. 374)
    Freuds ers­tes Bei­spiel für ein ver­nei­nen­des Ur­teil, in dem eine Ei­gen­schaft ab­ge­spro­chen ist, lau­tet: „Sie wer­den jetzt den­ken, ich will et­was Be­lei­di­gen­des sa­gen, aber ich habe wirk­lich nicht die­se Ab­sicht.“ (A.a.O., S. 373) Ver­ein­facht man das, er­gibt sich: „Ich will Sie be­lei­di­gen.“ Das kor­re­spon­die­ren­de Ur­teil, in dem die­sel­be Ei­gen­schaft zu­ge­spro­chen wird, wür­de dann lau­ten: „Ich will Sie nicht be­lei­di­gen.“ Um es an die Form S ist P als der all­ge­mei­nen Form des Ur­teils her­an­zu­füh­ren:
    „Ich bin nicht das und das“ (ver­nei­nen­des At­tri­bu­ti­ons­ur­teil) ver­sus
    „Ich bin das und das“ (be­ja­hen­des At­tri­bu­ti­ons­ur­teil),
    („Ich“ ist das Sub­jekt, S, „bin“ ist die Ko­pu­la“, „das und das“ ist das Prä­di­kat, P).
    Freud führt das Zu- oder Ab­spre­chen von Ei­gen­schaf­ten, also die bei­den For­men des At­tri­bu­ti­ons­ur­teils, dar­auf zu­rück, dass das ur­sprüng­li­che Lust-Ich al­les Gute in sich ein­schlie­ßen will (Ur­sprung des be­ja­hen­den At­tri­bu­ti­ons­ur­teils) und al­les Schlech­te von sich wer­fen will (Ur­sprung des ver­nei­nen­den At­tri­bu­ti­ons­ur­teils); das Be­jah­ren ge­hört dem Eros an, die Ver­nei­nung dem To­des­trieb.
    Ein Exis­tenz­ur­teil (oder, wie man heu­te sagt, eine Exis­tenz­aus­sa­ge) ist den Lehr­bü­chern zu­fol­ge eine Aus­sa­ge, die mit „es gibt“ be­ginnt. Da La­can sich auf die Mut­ter­brust be­zieht, könn­te man als Bei­spiel für ein Exis­tenz­ur­teil die­sen Satz kon­stru­ie­ren: „Es gibt et­was, was eine Mut­ter­brust ist.“
    Freud führt die Exis­tenz­aus­sa­ge dar­auf zu­rück, dass das Real-Ich (das aus dem Lust-Ich her­vor­ge­gan­gen ist und die Funk­ti­on der Rea­li­täts­prü­fung hat) fest­stel­len will, ob et­was Vor­ge­stell­tes in der rea­len Wahr­neh­mung wie­der­zu­fin­den ist, ob es noch vor­han­den ist oder ob die Brust nur hal­lu­zi­niert ist.
  96. Wenn ich sage „Das Ein­horn trägt nicht zwei Hör­ner auf der Stirn“ setz­te ich da­mit die Exis­tenz des Ein­horns vor­aus.
  97. Freud fragt sich, ob der be­ob­acht­ba­re Zwang, un­lust­vol­le Er­leb­nis­se zu wie­der­ho­len, jen­seits des Lust­prin­zips er­folgt. Un­klar ist, wie die Alp­träu­me der Un­fall­neu­ro­ti­ker zu er­klä­ren sind. Man­che Wie­der­ho­lungs­phä­no­me­ne schei­nen durch das Lust­prin­zip ei­ni­ger­ma­ßen er­klärt wer­den zu kön­nen, z.B. das Fort-Da-Spiel von Freuds En­kel. Es gibt je­doch zwei Wie­der­ho­lungs­phä­no­me­ne, die ganz klar jen­seits des Lust­prin­zips lie­gen: die Wie­der­ho­lung un­lust­vol­ler Kind­heits­er­fah­run­gen in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Be­hand­lung auf der Grund­la­ge der Über­tra­gung und au­ßer­dem der „Schick­sals­zwang“, der etwa dar­in be­steht, dass bei Män­nern jede Freund­schaft den­sel­ben Aus­gang nimmt usw. Von da­her kann man auch die Träu­me der Un­fall­neu­ro­ti­ker und das Kin­der­spiel auf ei­nen Wie­der­ho­lungs­zwang be­zie­hen, der sich über das Lust­prin­zip hin­weg­setzt. Die Mo­ti­vie­rung der Wie­der­ho­lung ist in der Re­gel ge­mischt, in ihr ist so­wohl das Lust­prin­zip wirk­sam als auch der Wie­der­ho­lungs­zwang jen­seits des Lust­prin­zips, wo­bei letz­te­rer je­doch ur­sprüng­li­cher ist, trieb­haf­ter.
  98. In Jen­seits des Lust­prin­zips er­läu­tert Freud das Lust­prin­zip so:
    „In der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie neh­men wir un­be­denk­lich an, daß der Ab­lauf der see­li­schen Vor­gän­ge au­to­ma­tisch durch das Lust­prin­zip re­gu­liert wird, das heißt, wir glau­ben, daß er je­des­mal durch eine un­lust­vol­le Span­nung an­ge­re­get wird und dann eine sol­che Rich­tung ein­schlägt, daß sein End­ergeb­nis mit ei­ner Her­ab­set­zung die­ser Span­nung, also mit ei­ner Ver­mei­dung von Un­lust oder Er­zeu­gung von Lust zu­sam­men­fällt.“ (S. Freud: Jen­seits es Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213272, hier: S. 217.
  99. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zun­gen vom 26. No­vem­ber 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 20–24), vom 17. De­zem­ber 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 34), vom 18. Fe­bru­ar 1970 (Ver­si­on Mil­ler, S. 99) und vom 13. Mai 1970 (Ver­si­on Mil­ler, S. 173).
  100. La­can be­zieht sich auf He­gels Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes (1807), dar­in auf der Ka­pi­tel über Herr­schaft und Knecht­schaft („IV. Die Wahr­heit der Ge­wiss­heit sei­ner selbst, A. Selb­stän­dig­keit und Un­selb­stän­dig­keit des Selbst­be­wusst­seins; Herr­schaft und Knecht­schaft“). He­gel ver­weist häu­fig hier­auf, zu­letzt im­mer wie­der in Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Py­cho­ana­ly­se.
  101. Die Pa­ra­bel in der un­te­ren Zeich­nung hat nur eine un­te­re Gren­ze, nach oben hin ist sie un­be­grenzt; in die­sem Sin­ne geht sie bis ins Un­end­li­che.
  102. Auf die­se Sen­tenz kommt La­can im­mer wie­der zu­rück; zu­erst fin­det man sie in Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 25. Mai 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 304. Be­reits hier fin­det man die Ver­wechs­lung von Pas­cal mit Des­car­tes (von Mil­ler in sei­ner Edi­ti­on kor­ri­giert).
  103. Freud be­zeich­net als „Öko­no­mie“ (oder „öko­no­mi­schen Ge­sichts­punkt“) al­les, was mit der Ver­tei­lung, Er­hö­hung, Ver­rin­ge­rung der Trie­bener­gie zu tun hat.
  104. La­can be­zieht sich auf die For­mel „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“, die er ab Se­mi­nar 9 in sämt­li­chen Se­mi­na­ren auf­ge­grif­fen und aus­ge­ar­bei­tet hat.
  105. Ver­mut­lich im Sin­ne von: „was be­reits sei­ner Struk­tur un­ter­wor­fen war“ – der Ein­bruch des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten im­pli­ziert nicht, dass das, wo­hin­ein der ein­brach, eine Struk­tur hat­te, die der des Un­be­wuss­ten ähn­lich war.
  106. Ens­eig­ne: Aus­hän­ge­schild, Feld­zei­chen, von lat. si­gnum, Zei­chen.
    Den Ter­mi­nus „An­zei­chen“ ver­wen­det Husserl in der Ers­ten lo­gi­schen Un­ter­su­chung (Lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen. Zwei­ter Band: Un­ter­su­chun­gen zur Phä­no­me­no­lo­gie und Theo­rie der Er­kennt­nis. I. Aus­druck und Be­deu­tung. 1. Ka­pi­tel: „Die we­sent­li­chen Un­ter­schei­dun­gen“, v.a. §§ 1 und 2.
  107. Se­mi­nar 16 be­ginnt mit dem an die Ta­fel ge­schrie­be­nen Satz „Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen“ (sie­he hier). Das heißt viel­leicht, dass der Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se sich auf et­was Un­mög­li­ches be­zieht.
  108. Se­mi­nar 4, Sit­zung vom 3. April 1957; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 333.
  109. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 6. No­vem­ber 1957; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 12.
  110. Es muss sich Ih­nen lang­sam zei­gen, dass die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­lye eben das ist, was ich in die­sem Jahr un­ter dem Ti­tel ‚Dis­kurs des Herrn‘ vor­brin­ge.“ (Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 99, mei­ne Über­set­zung).
  111. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 67–70.
  112. J. La­can: L’étourdit (1973). In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 449–495, hier: 478, mei­ne Über­set­zung.
  113. Vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 18.
  114. Vgl. Se­mi­nar 15, Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt, Ende der Sit­zung vom 20. März 1968.
  115. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 19. Mai 1965, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­far­la.
  116. Se­mi­nar 20, Sit­zung vom 20. März 1973; Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 97.
  117. Vgl. Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1966.
  118. Er­nest Jo­nes: Ra­tio­na­li­za­ti­on in every-day life. In: The Jour­nal of Ab­nor­mal Psy­cho­lo­gy, 3. Jg. (1908), S. 161–169.
  119. Die zi­tier­te For­mu­lie­rung fin­det man in Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 6. Ja­nu­ar 1965; vgl. zu Ei­gen­na­me und Naht au­ßer­dem die Sit­zung vom 7. April 1965; vgl. die Über­set­zung in die­sem Blog hier.
  120. Vgl. Se­mi­nar 10, Die Angst (1962/63), Sit­zung vom 9. Ja­nu­ar 1963; Ver­si­on Mil­ler, S 102.
  121. Vgl. Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67), Sit­zung  vom 23. No­vem­ber 1966.
  122. Vgl. Se­mi­nar 20, En­core (1972/73), Sit­zung vom 26. Juni 1973; Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 154, „le si­gni­fi­ant en lui-même“ wird hier mit „der Si­gni­fi­kant in sich selbst“ über­setzt.
  123. Vgl. Se­mi­nar 15, Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt, Sit­zung vom 6. De­zem­ber 1967.
  124. Vgl. Se­mi­nar 15, Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt, Sit­zung vom 6. De­zem­ber 1967.
  125. Vgl. Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 13. No­vem­ber 1968.
  126. Vgl. Se­mi­nar 13 von 1965/66, Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 8. Juni 1966.
  127. In Se­mi­nar 13 heißt es, „die We­sen, de­nen das Ge­nie­ßen zu­ge­wie­sen war, das schlicht und ein­fa­che Ge­nie­ßen, wa­ren die Skla­ven“ (Sit­zung vom 20. April 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la).
  128. Jen­seits des Lust­prin­zips, a.a.O. S. 248.
  129. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 12. April 1967.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.