Graph des Begehrens

Lacans Formel für den Trieb im Unbewussten: $◊D

SpendeTöpf­chen­bank in ei­nem Kin­der­gar­ten der DDR

Abb 1 a - Graph mit Markierung der FormelIm­mer wie­der hat La­can sei­ne Theo­rie durch Dia­gram­me ver­an­schau­licht und wei­ter­ent­wi­ckelt. Dazu ge­hört der rechts ab­ge­bil­de­te so­ge­nann­te Graph des Be­geh­rens, ein Sche­ma aus Li­ni­en und Über­schnei­dungs­punk­ten. Eine der Kreu­zungs­stel­len, oben rechts, trägt die Be­zeich­nung ($ ◊ D), durch­ge­stri­che­nes gro­ßes S, Rau­te, gro­ßes D.

S“ meint hier „Sub­jekt“. Das durch­ge­stri­che­ne S steht für su­jet bar­ré, für das aus­ge­sperr­te Sub­jekt. Eine Grund­be­deu­tung der Rau­te ist „in Be­zie­hung zu“. Das gro­ße D steht für „de­man­de“, An­spruch oder For­de­rung. In ers­ter An­nä­he­rung kann man die For­mel so le­sen: „Das Sub­jekt im Ver­hält­nis zum An­spruch“. Die obe­re Eta­ge des Gra­phen, in der die For­mel ih­ren Platz hat, steht für das Un­be­wuss­te. Zu­sam­men also: Das Sub­jekt im Ver­hält­nis zum An­spruch ist ein Kno­ten­punkt des Un­be­wuss­ten. Was ist da­mit ge­meint? Die kur­ze Ant­wort lau­tet: Der Trieb. Die lan­ge Ant­wort fin­den Sie an­schlie­ßend.

Mei­ne Er­läu­te­rung ist chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Sie be­ginnt mit der Ein­füh­rung der For­mel in Se­mi­nar 5, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten (1957/58)1, und in Se­mi­nar 6, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung (1958/59)2. Es fol­gen La­cans Aus­füh­run­gen zur For­mel in Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht, ei­ner Ar­beit von 1960, so­wie in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten, ei­nem Auf­satz, der 1962 ge­schrie­ben wur­de. Dar­an schlie­ßen sich die Hin­wei­se an, mit de­nen in den Se­mi­na­ren 8 bis 11 die For­mel er­läu­tert wird, d..h. zwi­schen 1960 und 1964. (In Se­mi­nar 7 be­zieht La­can sich nicht auf die For­mel.)

Herz­li­chen Dank an Stef­fen Dietz fürs gründ­li­che Kor­rek­tur­le­sen!

In­halt

Position im Graphen

Da­mit man im Fol­gen­den nicht vor lau­ter Bäu­men den Wald aus den Au­gen ver­liert, den Gra­phen des Be­geh­rens vor lau­ter Sym­bo­len und Sym­bol­va­ria­tio­nen, hier ein gro­ber Über­blick über die Po­si­ti­on der For­mel ($ ◊ D) im Gra­phen.

Die Zei­chen­fol­ge ($ ◊ D) ist das Ge­gen­stück zu ei­nem an­de­ren Aus­druck im Gra­phen, zur For­mel für das Phan­tas­ma ($ ◊ a). Dar­auf ver­weist be­reits die ähn­li­che Bau­wei­se. Bei­de For­meln ent­hal­ten das Sym­bol $, durch­ge­stri­che­nes S, in bei­den fin­det man das Zei­chen der Rau­te.

Abb 2 - Graph des Begehrens - Phantasma und CodeDie Ge­samt­kon­struk­ti­on sieht so in etwa aus: Man muss den Gra­phen von un­ten nach oben und von rechts nach links le­sen. Ei­nes der Pro­duk­te des un­te­ren Stock­werks des Gra­phen ist das von der Spra­che ge­präg­te und des­halb durch ein Un­be­wuss­tes ge­kenn­zeich­ne­te, also ge­spal­te­ne Sub­jekt: $ un­ten rechts. Im Rah­men ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur fragt es sich nach sei­nem Be­geh­ren jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter die Spra­che, un­ter den An­spruch. Die­se Fra­ge wird durch die Li­nie re­prä­sen­tiert, die von A aus­geht (dem Schnitt­punkt un­ten rechts) und nach oben führt. Es gibt zwei Wege, auf de­nen das Sub­jekt sich sei­ne Fra­ge be­ant­wor­ten kann: die Re­gres­si­on und das Phan­tas­ma. Die For­mel ($ ◊ D) steht für die Re­gres­si­on, die For­mel ($ ◊ a) für das Phan­tas­mas. In der Re­gres­si­on sucht es sich auf dem Weg über das Sym­bo­li­sche, d..h. über ar­chai­sche An­sprü­che (D). Im Phan­tas­ma sucht es sich ver­mit­tels des Ima­gi­nä­ren (a) (zu­min­dest ist dies La­cans Deu­tung der For­mel des Phan­tas­mas in den Se­mi­na­ren 5 und 6). Die ei­gent­li­che Ant­wort auf die Fra­ge des Sub­jekts wird vom Schnitt­punkt oben links re­prä­sen­tiert, S(Ⱥ), Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren. Das Sub­jekt kann die­se Bot­schaft dann emp­fan­gen, wenn es die Si­gni­fi­kan­ten der Re­gres­si­on und das Phan­tas­ma durch­ge­ar­bei­tet hat.

(Er­läu­te­run­gen der For­mel des Phan­tas­mas fin­det man in die­sem Blog hier, des Sym­bols S(Ⱥ) hier.)

Seminare 5 (1957/58), „Die Bildungen des Unbewussten“, und 6 (1958/59), „Das Begehren und seine Deutung“

Formel für den Code des Unbewussten

Die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert den „Code des Un­be­wuss­ten“.3

Wenn ich das so sage, stellt sich so­fort eine Vor­fra­ge: Ist der Aus­druck ($ ◊ D) eine For­mel? La­can hät­te die Fra­ge mit Ja be­ant­wor­tet; in Se­mi­nar 5 be­zeich­net er die Zei­chen­fol­ge ($ ◊ D) durch­gän­gig als „For­mel“, in Se­mi­nar 6 bis­wei­len als „For­mel“, bis­wei­len als „Al­go­rith­mus“. In Se­mi­nar 19 von 1971/72, … oder schlim­mer, wird er für Aus­drü­cke die­ser Art den Be­griff des Ma­thems ein­füh­ren. Der Zei­chen­fol­ge ($ ◊ D) ist kei­ne For­mel im Sin­ne der Ma­the­ma­tik, wo der Be­griff der For­mel für Glei­chun­gen und Un­glei­chun­gen re­ser­viert ist. Es han­delt sich um eine For­mel im Sin­ne der Lo­gik oder der Che­mie; für Lo­gi­ker ist der Aus­druck p ˄ q (p und q) eine For­mel, für Che­mi­ker die Zei­chen­fol­ge H2O.

Wenn La­can den Aus­druck ($ ◊ D) als Al­go­rith­mus be­zeich­net, weicht er da­mit vom üb­li­chen Sprach­ge­brauch ab. Un­ter ei­nem Al­go­rith­mus ver­steht man für ge­wöhn­lich eine Hand­lungs­vor­schrift, die mit Si­cher­heit zur Lö­sung ei­nes Pro­blems führt, im Ge­gen­satz zu ei­ner Heu­ris­tik, die nur die Wahr­schein­lich­keit er­höht, dass man eine Lö­sung fin­det; ein Al­go­rith­mus in die­sem Sin­ne ist bei­spiels­wei­se das Ver­fah­ren der schrift­li­chen Di­vi­si­on. Die La­can-spe­zi­fi­sche Ver­wen­dung von „Al­go­rith­mus“ fin­det man zu­erst in Die Freud­sche Sa­che (1956), wo er vom „al­go­rith­mi­schen Ap­pa­rat der mo­der­nen Lo­gik“ spricht4, in den Se­mi­na­ren zu­erst in Se­mi­nar 6, dort für die For­mel des Phan­tas­mas5.

Noch ein­mal: Die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert den Code des Un­be­wuss­ten des Sub­jekts.

Der Graph be­steht aus zwei Stock­wer­ken, das un­te­re ent­spricht dem be­wuss­ten Spre­chen, das obe­re dem Un­be­wuss­ten. Das Un­be­wuss­te ist struk­tu­riert wie eine Spra­che – be­zo­gen auf den Gra­phen heißt das: Das obe­re Stock­werk hat die­sel­be Struk­tur wie das un­te­re. Die Spra­che wird von La­can durch das Ver­hält­nis von Code und Bot­schaft cha­rak­te­ri­siert. Die bei­den rech­ten Schnitt­punk­te des Gra­phen ste­hen für den Code, die bei­den lin­ken für die Bot­schaft. In der fol­gen­den Zeich­nung habe ich die Kür­zel C (für code) und M (für messa­ge, Bot­schaft, Nach­richt, Mit­tei­lung) in das Dia­gramm ein­ge­tra­gen.6

Abb 5 Code und BotschaftLa­can hat­te die An­wen­dung des Be­griffs „Code“ auf die Spra­che an­fangs kri­ti­siert. Die Spra­che ist kein Code, sagt er 1955 in Se­mi­nar 2, da sie we­sent­lich mehr­deu­tig ist.7. In Se­mi­nar 5 so­wie in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, hat­te er das Be­griff­paar „Code“ und „Mit­tei­lung“ je­doch über­nom­men.8 Da­bei stützt er sich auf eine im sel­ben Jahr er­schie­ne­ne Ar­beit von Ro­man Ja­kobson über „Ver­schie­ber“ (shif­ter); die Op­po­si­ti­on von Code und Bot­schaft (code und messa­ge) ist dar­in grund­le­gend.9

Statt vom „Code“ spricht La­can auch vom „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ (tré­sor du si­gni­fi­ant), ana­log zum „Wort­schatz“ (tré­sor des mots); auch den Aus­druck „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ ver­wen­det er erst­mals in Se­mi­nar 5.10 Der Schnitt­punkt ($ ◊ D) steht also für den Si­gni­fi­kan­ten­schatz des Un­be­wuss­ten des Sub­jekts. Die­sen Code, die­sen Si­gni­fi­kan­ten­schatz be­zeich­net La­can auch als das „un­be­wuss­te Vo­ka­bu­lar“.11

Die For­mel ($ ◊ D) be­steht aus drei Kom­po­nen­ten: dem durch­ge­stri­che­nen gro­ßen S, also $, der Rau­te, d..h. dem Sym­bol ◊, und dem gro­ßen D. Die Klam­mer hat kei­ne spe­zi­el­le Be­deu­tung, sie sorgt nur da­für, dass man sieht, dass die drei Ele­men­te zu­sam­men­ge­hö­ren. Ich er­läu­te­re zu­nächst die Ele­men­te, dann ihre Ver­bin­dung.

Ausgestrichenes Subjekt ($)

Im Sym­bol $ steht der Buch­sta­be groß S für „Sub­jekt“, der Schräg­strich für „Si­gni­fi­kant“. (Aus tech­ni­schen Grün­den muss ich in die­sem Blog den Schräg­strich durch ei­nen senk­rech­ten Strich er­set­zen.) Die Durch­strei­chung des S mit­hil­fe des Schräg­strichs meint zwei­er­lei. Ers­tens, das Sub­jekt ist von der Spra­che ge­prägt und wird da­durch ent­frem­det, in ge­wis­sem Sin­ne ab­ge­schafft. Zwei­tens: Das Sub­jekt ist ge­spal­ten. Erst­mals wird das Sym­bol $ von La­can in Se­mi­nar 5 ver­wen­det, dort von vorn­her­ein als Be­stand­teil der hier in­ter­es­sie­ren­den For­mel ($ ◊ D), also des Codes des Un­be­wuss­ten, so­wie der For­mel ($ ◊ a) für das Phan­tas­ma.12

In Se­mi­nar 14 (Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67) wird das Sym­bol $ von La­can so er­läu­tert wer­den:

Ich er­in­ne­re dar­an, was das $ be­deu­tet: Das durch­ge­stri­che­ne S [le S bar­ré] re­prä­sen­tiert, ver­tritt in die­ser For­mel das, wor­um es sich bei der Spal­tung des Sub­jekts dreht, die sich am Ur­sprung der ge­sam­ten Freud’schen Ent­de­ckung fin­det und die dar­in be­steht, dass das Sub­jekt von dem, wo­durch es als Funk­ti­on des Un­be­wuss­ten ei­gent­lich kon­sti­tu­iert wird, zum Teil aus­ge­sperrt [bar­ré] ist.„13

La­can spielt hier mit dem Dop­pel­sinn von bar­ré als, ei­ner­seits, „durch­ge­stri­chen“ und als, an­de­rer­seits, „aus­ge­sperrt“. Der Buch­sta­be S ist bar­ré im Sin­ne von „durch­ge­stri­chen“ oder „aus­ge­stri­chen“. Die­ses Sym­bol steht für das Sub­jekt, in­so­fern es bar­ré ist, aus­ge­sperrt – das Sub­jekt ist aus­ge­sperrt von dem, wo­durch es kon­sti­tu­iert wird, wo­bei die­se Kon­siti­tu­ie­rung vom Un­be­wuss­ten ab­hängt. Der Dop­pel­sinn von bar­ré – ausgestrichen/ausgesperrt – lässt sich, so­weit ich sehe, im Deut­schen nicht nach­bil­den; die bes­te Über­set­zung für su­jet bar­ré ist des­halb wohl „aus­ge­sperr­tes Sub­jekt“.

Freud schreibt in Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten: „Das Ver­ges­sen von Ein­drü­cken, Sze­nen, Er­leb­nis­sen re­du­ziert sich zu­meist auf eine ‚Ab­sper­rung‘ der­sel­ben. Wenn der Pa­ti­ent von die­sem ‚Ver­ges­se­nen‘ spricht, ver­säumt er sel­ten, hin­zu­zu­fü­gen: das habe ich ei­gent­lich im­mer ge­wußt, nur nicht dar­an ge­dacht.“14 Das su­jet bar­ré ist, so könn­te man auch über­set­zen, das „ab­ge­perr­te Sub­jekt“.

Die Wen­dung „su­jet bar­ré“ fin­det sich eben­falls zu­erst in Se­mi­nar 5. Das Sub­jekt, so heißt es hier, ist

aus­ge­perrt oder nicht aus­ge­sperrt, je nach Fall, das heißt je nach­dem, ob es durch die Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist oder ob wir es ein­fach als noch un­be­stimm­tes Sub­jekt be­trach­ten, noch nicht zer­teilt durch die Spal­tung*, die aus der Ak­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten re­sul­tiert“15.

Der Schräg­strich meint, dass das Sub­jekt „vom Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist“16, dass es von der Spra­che ge­prägt ist.

Die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung ist durch den sprach­lich ar­ti­ku­lier­ten An­spruch ver­mit­telt, hier­durch kommt es zur Un­ter­ord­nung der An­trieb­struk­tur un­ter den Sprach­code und un­ter den hier­durch be­stimm­ten Sinn so­wie zur Iden­ti­fi­zie­rung mit dem als all­mäch­tig un­ter­stell­ten Adres­sa­ten des An­spruchs, d..h. zur Her­aus­bil­dung des Ichi­de­als.

Die Prä­gung durch die Spra­che hat zur Fol­ge, dass das Sub­jekt ei­ner Spal­tung un­ter­liegt, dass es ge­teilt ist in das (wie es meint) be­wusst kon­trol­lier­te Spre­chen und in das „Spre­chen des Un­be­wuss­ten“, in Ge­stalt von Sym­pto­men, Wie­der­ho­lungs­zwän­gen, Ver­spre­chern u.a.

Abb 1 c - Graph mit Entstehung von sujet barréDie­ser Zu­sam­men­hang wird vom un­te­ren Stock­werk des Gra­phen dar­ge­stellt. Die von un­ten rechts aus­ge­hen­de, von mir rosa ge­färb­te Li­nie steht für das Be­dürf­nis. Die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung muss durch das Ras­ter der Spra­che hin­durch­ge­hen: durch ei­nen Code (Schnitt­punkt A) und durch den auf dem Code be­ru­hen­den Sinn (Schnitt­punkt s(A)), au­ßer­dem wird das Be­dürf­nis durch die ima­gi­nä­re Iden­ti­fi­zie­rung mo­di­fi­ziert, durch die Her­aus­bil­dung des Ichs (m) auf­grund der Be­zie­hung zum Bild des an­de­ren (i(a)). Die­ser Pro­zess kul­mi­niert in der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem als all­mäch­tig un­ter­stell­ten Adres­sa­ten des An­spruchs, d..h. in der Her­aus­bil­dung des Ichi­de­als (I(A)). Die Un­ter­wer­fung der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung un­ter die Spra­che führt zur Ent­ste­hung des „aus­ge­stri­che­nen Sub­jekts“ ($ un­ten rechts) und das heißt, zur Spal­tung des Sub­jekts. Kehr­sei­te der Ichi­de­als (I(A)) un­ten links) ist das aus­ge­stri­che­ne und ge­spal­te­ne Sub­jekt ($ un­ten rechts), das Un­be­wuss­te.

Raute (◊)

Das zwei­te Ele­ment der For­mel, das Sym­bol ◊, wird von La­can eben­falls zu­erst in Se­mi­nar 5 ver­wen­det.17 Er be­zeich­net die­ses Gra­phem als losan­ge, als Rhom­bus oder Rau­te, spä­ter – ab 1962 – wird er es auch poinçon nen­nen, „Pun­ze“.18 Bei der Ein­füh­rung wird das Sym­bol von La­can so er­klärt:

Es im­pli­ziert ein­fach nur – dar­in be­steht sein gan­zer Sinn –, daß al­les das, wor­um es hier geht, von die­sem qua­dra­ti­schen Ver­hält­nis be­herrscht ist, das wir seit je­her un­se­rer Ar­ti­ku­la­ti­on des Pro­blems zu­grun­de­ge­legt ha­ben und wel­ches be­sagt, daß es kein be­greif­ba­res – we­der ar­ti­ku­lier­ba­res noch mög­li­ches – $ gibt, das nicht vom ter­nä­ren Ver­hält­nis A aꞌ a un­ter­hal­ten wird. All das will die Rau­te sa­gen.“19

La­can be­zieht sich hier auf das so­ge­nann­te Sche­ma L, das er in Se­mi­nar 2 ein­ge­führt hat­te20

Schema L - für AbstractDem­nach meint das Sym­bol der Rau­te, ver­ein­facht ge­sagt: Das Sub­jekt in sei­ner Be­zie­hung zum An­de­ren. Die­ses Ver­hält­nis ist so be­schaf­fen, dass der Dis­kurs des An­de­ren (A) sich auf das Sub­jekt rich­tet (S), auf das Es (auf das, was hier­durch zum frag­men­tier­ten Trieb wird). Der Dis­kurs des An­de­ren be­steht, wie in Se­mi­nar 2 aus­ge­führt wird, aus Man­da­ten, die über die Ge­ne­ra­tio­nen hin­weg über­lie­fert wer­den, aus „Ge­set­zen“, die für das Sub­jekt rät­sel­haft sind, die es aber er­fül­len muss, auf eine Wei­se, die es selbst nicht ver­steht. Der Zu­gang zu die­ser Be­zie­hung wird durch das ima­gi­nä­re Ver­hält­nis zwi­schen dem Bild des an­de­ren (aꞌ) und dem Ich (a) zu­gleich blo­ckiert und ver­mit­telt; in ei­ner Ana­ly­se geht es dar­um, die­se Blo­ckie­rung un­wirk­sam zu ma­chen. (Eine aus­führ­li­che Er­läu­te­rung von Sche­ma L fin­det man im Blog­ar­ti­kel „La­cans Sche­ma L“.)

Et­was spä­ter in Se­mi­nar 5 kommt La­can auf das Sym­bol ◊ zu­rück:

Ich er­in­ne­re dar­an, daß die Rau­te, um die es geht, das­sel­be wie das Qua­drat ei­nes viel äl­te­ren Grund­sche­mas ist, das ich Ih­nen eben hier im letz­ten Ja­nu­ar in ei­ner ver­ein­fach­ten Form re­pro­du­ziert habe, und in wel­ches sich das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­de­ren als Ort des Spre­chens und als Bot­schaft ein­schreibt. Das ist eine ers­te von uns un­ter­nom­me­ne An­nä­he­rung an das, was vom An­dern kommt, und die auf die Bar­rie­re der Be­zie­hung aaꞌ stößt, wel­ches die ima­gi­nä­re Be­zie­hung ist.

Die Rau­te drückt das Ver­hält­nis des Sub­jekts aus – ver­sperrt oder nicht ver­sperrt je nach Fall, das heißt je nach­dem, ob es durch die Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist oder ob wir es ein­fach als noch un­be­stimm­tes Sub­jekt be­trach­ten, noch nicht zer­teilt durch die Spal­tung*, die aus der Ak­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten re­sul­tiert –, das Ver­hält­nis also die­ses Sub­jekts zu dem, was durch die­ses qua­dra­ti­sche Ver­hält­nis be­stimmt wird.“21

Die Rau­te re­prä­sen­tiert die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren. Das wird jetzt so prä­zi­siert: Es geht um das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­de­ren als Ort des Spre­chens so­wie zum An­de­ren als Bot­schaft. Der An­de­re als Ort des Spre­chens – der Adres­sat, der nicht spricht – wird im Gra­phen des Be­geh­rens durch den Schnitt­punkt un­ten rechts re­prä­sen­tiert, also durch das gro­ße A; der An­de­re als Ort der Bot­schaft (bzw. der Mit­tei­lung) – die Bot­schaft, in­so­fern sie durch den Sprach­code de­ter­mi­niert ist – hat sei­nen Platz am Schnitt­punkt un­ten links, s(A). Vom An­de­ren kommt so­wohl der Code als auch die Bot­schaft. Die­se Be­zie­hung stößt auf die Bar­rie­re der ima­gi­nä­ren Be­zie­hung. In Sche­ma L wird das ima­gi­nä­re Ver­hält­nis mit a – a be­zeich­net, im Gra­phen ent­spricht ihm die Be­zie­hung m – i(a) im un­te­ren Stock­werk. Das Sub­jekt kann ver­sperrt oder nicht ver­sperrt sein (ein Un­be­wuss­tes ha­ben oder nicht); je nach­dem wird es durch ein ein­fa­ches gro­ßes S oder durch ein quer­ge­stri­che­nes S, also durch $, sym­bo­li­siert; das ent­spricht bei Freud der Un­ter­schei­dung zwi­schen dem präö­di­pa­len und dem ödi­pa­len Sub­jekt. Bei die­ser Er­läu­te­rung der Rau­te be­zieht La­can sich so­wohl auf die For­mel für den Code des Un­be­wuss­ten, ($ ◊ D), als auch auf die For­mel für das Phan­tas­ma.

Die Zei­chen­fol­ge ($ ◊) meint also: Das Sub­jekt, das durch die Spra­che mar­kiert ist und in Be­wuss­tes und Un­be­wuss­tes ge­spal­ten ist, be­zieht sich auf den An­de­ren mit gro­ßem A, auf den An­de­ren in sei­ner sym­bo­li­schen Funk­ti­on als Sitz des Codes und als Quel­le der Bot­schaft, wo­bei die­se Be­zie­hung auf die Bar­rie­re des ima­gi­nä­ren Ver­hält­nis­ses stößt.

Anspruch (D)

Der Buch­sta­be D ist die Ab­kür­zung für das fran­zö­si­sche Wort de­man­de. Der Aus­druck wird in den deut­schen La­can-Aus­ga­ben meist mit „An­spruch“ über­setzt; La­can selbst über­setzt de­man­de mit „For­de­rung“ ins Deut­sche.22

Un­ter ei­nem An­spruch oder ei­ner For­de­rung ver­steht La­can die Ar­ti­ku­la­ti­on von Be­dürf­nis­sen durch Si­gni­fi­kan­ten. Ein An­spruch oder eine For­de­rung ist bei­spiels­wei­se der Satz „Gib mir Brot!“. Da­bei be­zieht er sich vor al­lem auf die­je­ni­gen For­de­run­gen, die, ih­rer Her­kunft nach, auf die Be­frie­di­gung ora­ler und ana­ler Be­dürf­nis­se ge­rich­tet sind; am Ran­de er­wähnt er auch An­sprü­che, die auf die Be­frie­di­gung ge­ni­ta­ler Be­dürf­nis­se ab­zie­len.23

In Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung, wird der Un­ter­schied zwi­schen ora­len und ana­len For­de­run­gen von La­can prä­gnant er­läu­tert. Das, was im ora­len An­spruch ge­for­dert wird, ist die Nah­rung. Der­je­ni­ge, der den An­spruch ar­ti­ku­liert, ist das Sub­jekt – das Kind –, der Adres­sat des An­spruchs ist der Er­wach­se­ne in der Funk­ti­on „Ort des An­de­ren“ zu sein24, d..h. der Adres­sat, an den der An­spruch sich rich­tet und von dem der For­dern­de ver­stan­den wer­den muss. Ein Säug­ling ar­ti­ku­liert den ora­len An­spruch durch Schreie, ge­nau­er: durch ein Sys­tem dif­fe­ren­ti­el­ler Schreie, also ge­wis­ser­ma­ßen durch Pro­to-Si­gni­fi­kan­ten. Spä­ter, wenn das Kind spre­chen kann, sagt es viel­leicht „Hun­ger!“ und noch spä­ter „Wann gibt’s denn end­lich was zu es­sen?“

Der ana­le An­spruch lau­tet bei­spiels­wei­se: „Ab aufs Töpf­chen!“ Er rich­tet sich dar­auf, dass der Adres­sat das Ex­kre­ment zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt von sich gibt oder zu­rück­hält. Die Be­zie­hungs­rich­tung ist, ver­gli­chen mit dem ora­len An­spruch, um­ge­kehrt: der ana­le An­spruch kommt vom An­de­ren und wen­det sich an das Sub­jekt. Der ana­le An­spruch ist ein Er­zie­hungs­an­spruch; das Kind soll sei­ne ei­ge­nen Be­dürf­nis­se auf eine Wei­se be­frie­di­gen, dass es da­mit den Er­wach­se­nen be­frie­digt. Durch den ana­len An­spruch wird das Sub­jekt auf­ge­for­dert, et­was zu ge­ben, und da­mit wird es in die Ord­nung der Gabe ein­ge­führt, eine der Grund­la­gen der sym­bo­li­schen Ord­nung.25

In der klas­si­schen Psy­cho­ana­ly­se spricht man von der Ob­jekt­be­zie­hung, von der ora­len, ana­len oder ge­ni­ta­len Be­zie­hung zu ei­nem Ob­jekt. Die Ob­jekt­be­zie­hung kann, La­can zu­fol­ge, nur dann ei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des Sub­jekts aus­üben, wenn sie in die Funk­ti­on ei­nes Si­gni­fi­kan­ten über­ge­gan­gen ist26, d..h. wenn sie in For­de­run­gen ar­ti­ku­liert wird. Der Be­griff des ora­len und ana­len An­spruchs tritt bei La­can an die Stel­le des Be­griffs der ora­len oder ana­len Ob­jekt­be­zie­hung.

Die ora­le For­de­rung wen­det sich an ei­nen An­de­ren, der die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung er­fül­len oder ver­wei­gern kann. Die­se Ver­wei­ge­rung ist die Frus­tra­ti­on oder, wie Freud sich aus­drückt, die Ver­sa­gung. Das Sub­jekt ist für die Be­frie­di­gung sei­ner Be­dürf­nis­se von die­sem An­de­ren ab­hän­gig; hier­durch ge­rät für das Sub­jekt der An­de­re in eine All­machts­po­si­ti­on. An die­sen all­mäch­ti­gen An­de­ren wen­det sich der Lie­bes­an­spruch. Der Lie­bes­an­spruch ist die For­de­rung des Sub­jekts, vom an­de­ren ge­liebt zu wer­den. Die­se For­de­rung läuft, La­can zu­fol­ge, auf die For­de­rung nach An­we­sen­heit hin­aus: der An­de­re soll ganz für das Sub­jekt da sein. Wenn das Sub­jekt den vom An­de­ren kom­men­den ana­len An­spruch er­füllt oder ver­wei­gert, ist da­mit sein Lie­bes­an­spruch im Spiel, bei­spiels­wei­se kann es den ana­len An­spruch aus dem Grun­de er­fül­len, um sich da­mit die Lie­be des An­de­ren zu si­chern. Als ar­ti­ku­lier­te For­de­rung, ge­hört der Lie­bes­an­spruch zum Sym­bo­li­schen. Un­ter dem As­pekt, dass die For­de­rung mit der Vor­stel­lung von der All­macht des An­de­ren ver­bun­den ist, hat sie ima­gi­nä­ren Cha­rak­ter; die Frus­tra­ti­on ist, wie La­can sagt, ein „ima­gi­nä­rer Scha­den“.27

In der For­mel ($ ◊ D) ist mit D je­doch ge­ra­de nicht der An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung ge­meint. D steht hier für den „An­spruch als sol­chen“28, jen­seits der Be­zie­hung zu Be­dürf­nis­sen29. Das Sym­bol D be­zieht sich auf An­sprü­che, die zwar im Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung ent­stan­den sind, die sich da­von je­doch ab­ge­löst ha­ben.

Klinik der Regression

Be­wusst­wer­dung“

In Se­mi­nar 5 be­schreibt La­can die Ein­bet­tung der For­mel ($ ◊ D) in den Gra­phen so:

An­de­rer­seits ist er [der Schnitt­punkt oben links, S(Ⱥ)] auch das Ho­mo­lo­gon die­ses Punk­tes, in dem der An­spruch beim An­de­ren an­kommt, das heißt wor­in er der Exis­tenz die­ses Codes im An­dern, Ort des Spre­chens, un­ter­wor­fen ist. Sie ha­ben eben­falls an die­sem Ho­ri­zont, was sich in der Form der so­ge­nann­ten Be­wußt­wer­dung her­vor­brin­gen kann. Doch ist dies nicht ein­fach nur Be­wußt­wer­dung, es ist die Ar­ti­ku­la­ti­on durch das Sub­jekt als ei­nes, das von sei­nem An­spruch als sol­chem spricht, dem ge­gen­über es sei­nen Platz ein­nimmt30. Daß dies ge­sche­hen kön­nen muß, ist die fun­da­men­ta­le Vor­aus­set­zung der Ana­ly­se selbst. Das ge­schieht mit dem ers­ten Schritt der Ana­ly­se. Dies ist im Vor­der­grund, aber nicht we­sent­lich, die Er­neue­rung sei­ner An­sprü­che durch das Sub­jekt. Si­cher, auf eine be­stimm­te Wei­se ist es eine Er­neue­rung, aber es ist eine ar­ti­ku­lier­te Er­neue­rung. In sei­nem Dis­kurs läßt das Sub­jekt, sei es di­rekt, sei es durch sei­nen Dis­kurs durch­schei­nen las­send – und es ist mit Si­cher­heit im­mer viel wich­ti­ger für uns, wenn es durch­schei­nend ist –, durch die Form und die Na­tur sei­nes An­spruchs die Si­gni­fi­kan­ten er­schei­nen, un­ter de­nen die­ser An­spruch sich for­mu­liert. In­so­fern die­ser An­spruch sich in ar­chai­schen Si­gni­fi­kan­ten for­mu­liert, spre­chen wir zum Bei­spiel von ana­ler oder ora­ler Re­gres­si­on.“31

Abb 3 Graph mit 3 Linien gefärbtLa­can spricht hier über das Ver­hält­nis des Schnitt­punkts oben links, S(Ⱥ), zu an­de­ren Ele­men­ten des Gra­phen. Zu­nächst be­zieht er den Schnitt­punkt oben links auf den Kno­ten­punkt un­ten rechts: A, für „An­de­rer“, der An­de­re als Ort des Spre­chens (als Adres­sat) und da­mit als Sitz des Codes. An die­sem Punkt A kommt ein be­stimm­ter An­spruch an, ein An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung und, da­mit ver­bun­den, ein Lie­bes­an­spruch; im Gra­phen wird die­ser Dop­pel­an­spruch – be­wuss­ter An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, der zu­gleich ein Lie­bes­an­spruch ist – von der un­te­ren Si­gni­fi­kan­ten­li­nie dar­ge­stellt, die von „Si­gni­fi­kant“ nach „Stim­me“ führt [Li­nie 1].

Eine an­de­re Kom­po­nen­te des Gra­phen be­zieht sich auf eine Be­wusst­wer­dung, wie man sa­gen könn­te. Wenn man sich so aus­drückt, ver­fehlt man je­doch den ent­schei­den­den Punkt, es geht nicht ein­fach um ei­nen Vor­gang im Be­wusst­sein, son­dern um eine Di­men­si­on des Spre­chens. Das Spre­chen be­steht hier nicht dar­in, dass das Sub­jekt An­sprü­che er­hebt, son­dern dass es über sei­ne An­sprü­che spricht. Ge­nau­er: Das Sub­jekt spricht nicht über sei­ne An­sprü­che, son­dern „von sei­nem An­spruch als sol­chem“. Das Spre­chen über den An­spruch als sol­chen wird im Gra­phen von der Li­nie re­prä­sen­tiert, die vom Schnitt­punkt A, un­ten rechts, aus­geht und von dort nach oben zum Schnitt­punkt ($ ◊ D) führt, oben rechts, so­wie dar­über hin­aus; dies ist die Li­nie „Que vuoi?“ [Li­nie 2]. Der An­spruch als sol­cher, über den das Sub­jekt spricht, ist, so ver­mu­te ich, der Lie­bes­an­spruch, die­ser wird im Gra­phen durch die obe­re Si­gni­fi­kan­ten­li­nie dar­ge­stellt, die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ führt [Li­nie 3].

(Nach der For­mu­lie­rung „dem ge­gen­über es [das Sub­jekt] sei­nen Platz ein­nimmt“ hat Mil­ler in sei­ner Se­mi­nar­ver­si­on die For­mel des un­be­wuss­ten Codes ein­ge­führt: „ – ($ ◊ D)“. In der von La­can in Auf­trag ge­ge­be­nen Ste­no­ty­pie fin­det sich das nicht.32 Die­ser Ein­schub be­ruht, so den­ke ich, auf ei­nem Miss­ver­ständ­nis. La­can be­zieht sich im Kon­text auf ein Spre­chen, nicht auf ei­nen Code, und nicht ein Code ist das The­ma des Sub­jekts, son­dern der An­spruch. Ich habe Mil­lers Ein­fü­gung des­halb rück­gän­gig ge­macht.)

Das so­ge­nann­te Be­wusst­wer­den des An­spruchs, also das Spre­chen des Sub­jekts über den An­spruch als sol­chen und da­mit die Her­stel­lung ei­ner Be­zie­hung zum An­spruch, ist eine Vor­aus­set­zung der Psy­cho­ana­ly­se und ihr ers­ter Schritt. Wird hier eine Art Pha­sen­ein­tei­lung der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur an­ge­deu­tet: am An­fang steht die Ent­zif­fe­rung des un­be­wuss­ten Vo­ka­bu­lars auf dem Weg über die Re­gres­si­on?

Vor­der­grün­dig geht es da­bei um die Er­neue­rung ora­ler und ana­ler An­sprü­che durch das Sub­jekt. Aber das ist nicht das Ent­schei­den­de. Ent­schei­dend ist, dass es sich um eine ar­ti­ku­lier­te Er­neue­rung han­delt, um eine Er­neue­rung, die in ein be­stimm­tes Spre­chen des Sub­jekts ein­ge­bet­tet ist, in sein Spre­chen im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur.

Das Sub­jekt for­mu­liert in die­sem Dis­kurs be­stimm­te An­sprü­che, und durch die­se An­sprü­che schim­mern ar­chai­sche Si­gni­fi­kan­ten hin­durch. Mit die­sem Hin­weis ist La­can beim Schnitt­punkt oben rechts an­ge­langt, beim Code des Un­be­wuss­ten ($ ◊ D). Die durch den Dis­kurs und den An­spruch hin­durch­schim­mern­den Si­gni­fi­kan­ten, mit de­nen der An­spruch for­mu­liert wird, sind das Ent­schei­den­de. Je nach­dem, wel­che Si­gni­fi­kan­ten durch den Dis­kurs hin­durch­schei­nen, wird der Vor­gang, be­zo­gen auf eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Kur, als ana­le oder ora­le Re­gres­si­on be­zeich­net.

Die obe­re, von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ füh­ren­de Si­gni­fi­kan­ten­li­nie [Li­nie 3] steht für die un­be­wuss­ten ödi­pa­len Lie­bes­an­sprü­che. Die­se For­de­run­gen wer­den in ei­nem be­stimm­ten Vo­ka­bu­lar ar­ti­ku­liert, und die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert die­ses Vo­ka­bu­lar.

Re­gres­si­on und Fi­xie­rung

Die For­mel be­zieht sich, un­ter kli­ni­schem As­pekt be­trach­tet, auf ei­nen Vor­gang, der in der Psy­cho­ana­ly­se als „Re­gres­si­on“ be­zeich­net wird.

Im Ver­lauf ei­ner psy­chi­schen Kri­se oder ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur kommt es un­ter be­stimm­ten Um­stän­den dazu, dass ein In­di­vi­du­um sich „wie ein Kind“ ver­hält. Man sagt dann, es re­gre­diert. Psy­cho­ana­ly­ti­ker for­mu­lie­ren es spe­zi­el­ler, sie spre­chen da­von, dass je­mand auf die ora­le oder ana­le Pha­se re­gre­diert.

La­can zu­fol­ge be­steht die Re­gres­si­on dar­in, dass ar­chai­sche ora­le oder ana­le oder an­de­re For­de­run­gen re­ak­ti­viert wer­den. Das kann so aus­se­hen, dass be­stimm­te An­sprü­che di­rekt ar­ti­ku­liert wer­den. Ty­pi­scher ist je­doch, dass die ur­alten For­de­run­gen durch das ak­tu­el­le Spre­chen hin­durch­schim­mern.33

Was wir wirk­lich in der Ana­ly­se se­hen, ist, daß im Ver­lauf der Re­gres­si­on – wir wer­den im wei­te­ren bes­ser se­hen, was die­ser Ter­mi­nus be­sagt – das Sub­jekt sei­nen ak­tu­el­len An­spruch in der Ana­ly­se in Ter­mi­ni ar­ti­ku­liert, die uns er­lau­ben, eine be­stimm­te re­spek­ti­ve ora­le, ana­le, ge­ni­ta­le Be­zie­hung zu ei­nem be­stimm­ten Ob­jekt zu er­ken­nen. Dies be­sagt, dass die Be­zie­hun­gen des Sub­jekts auf die ge­sam­te Fort­set­zung sei­ner Ent­wick­lung ei­nen ent­schei­den­den Ein­fluß aus­üben konn­ten, in­so­fern sie auf ei­ner be­stimm­ten Etap­pe in die Funk­ti­on ei­nes Si­gni­fi­kan­ten über­ge­gan­gen sind.

So­wie das Sub­jekt auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten sei­nen An­spruch in ora­len Ter­mi­ni ar­ti­ku­liert, sein Be­geh­ren in Ter­mi­ni von Ab­sorp­ti­on ar­ti­ku­liert, be­fin­det es sich in ei­ner be­stimm­ten Be­zie­hung ($ ◊ D), das heißt auf der Ebe­ne ei­ner vir­tu­el­len Si­gni­fi­kan­ten­ar­ti­ku­la­ti­on, wel­che die des Un­be­wuß­ten ist. Dies wird es uns er­mög­li­chen, als Fi­xie­rung an ein be­stimm­tes Sta­di­um et­was zu be­zeich­nen, das sich in ei­nem Mo­ment der ana­ly­ti­schen Er­for­schung mit ei­nem be­son­de­ren Wert dar­stel­len wird, und wir wer­den an­neh­men kön­nen, daß In­ter­es­se be­steht, das Sub­jekt auf die­ses Sta­di­um re­gre­die­ren zu las­sen, da­mit et­was we­sent­li­ches in dem Mo­dus er­hellt wer­den kann, un­ter wel­chem sich sei­ne sub­jek­ti­ve Or­ga­ni­sa­ti­on dar­stellt.“34

Die Re­gres­si­on be­steht dar­in, dass das Sub­jekt sei­nen ak­tu­el­len An­spruch in ora­len oder ana­len oder ge­ni­ta­len Ter­mi­ni ar­ti­ku­liert, d..h. in Si­gni­fi­kan­ten, die mit be­stimm­ten Trieb­re­gun­gen ver­bun­den sind. Die­se Si­gni­fi­kan­ten in­ter­es­sie­ren den Psy­cho­ana­ly­ti­ker des­halb, weil sie es ihm er­mög­li­chen, be­stimm­te Ar­ten von Ob­jekt­be­zie­hun­gen zu er­ken­nen. Die­se Ob­jekt­be­zie­hun­gen sind in die Funk­ti­on von Si­gni­fi­kan­ten über­ge­gan­gen und nur da­durch konn­ten sie auf die Ent­wick­lung des Sub­jekts ent­schei­den­den Ein­fluss neh­men.

Die For­mel ($ ◊ D) zeigt das Vo­ka­bu­lar des Un­be­wuss­ten, die vir­tu­el­le Si­gni­fi­kan­ten­ar­ti­ku­la­ti­on, und sie stellt dar, dass be­stimm­te For­de­run­gen (D), be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten, die Funk­ti­on ha­ben, ei­nen spe­zi­el­len Typ von Ob­jekt­be­zie­hun­gen her­zu­stel­len, be­stimm­te Be­zie­hun­gen zum An­de­ren ($ ◊).

Wenn man von ora­ler oder ana­ler oder auch ge­ni­ta­ler Fi­xie­rung spricht, be­zieht sich das dar­auf, dass das Sub­jekt spe­zi­el­le For­de­run­gen re­ak­ti­viert, ei­nen be­stimm­ten Typ von Si­gni­fi­kan­ten, mit de­nen es eine cha­rak­te­ris­ti­sche Be­zie­hung zum An­de­ren her­stellt. Die Fi­xie­rung ist an den Ab­lauf ei­ner Ana­ly­se ge­bun­den, sie zeigt sich in ei­nem be­stimm­ten Mo­ment, und der Ana­ly­ti­ker hat ein In­ter­es­se dar­an, das Sub­jekt auf das Sta­di­um re­gre­die­ren zu las­sen, von dem sei­ne sub­jek­ti­ve Or­ga­ni­sa­ti­on we­sent­lich be­stimmt ist.

Die Re­gres­si­on zeigt an, dass die­se For­de­run­gen auf die Ent­wick­lung des Sub­jekts ei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss hat­ten.

Aber das, was uns in­ter­es­siert, ist nicht, Schwer­kraft oder Aus­gleich oder gar sym­bo­li­sche Wie­der­kehr dem zu ge­ben, was un­ter mehr oder we­ni­ger be­rech­tig­tem Ti­tel zu ei­nem ge­ge­be­nen Mo­ment der Ent­wick­lung die Un­be­frie­di­gung des Sub­jekts auf der Ebe­ne sei­nes ora­len, ana­len oder an­de­ren An­spruchs, eine Un­be­frie­di­gung, in der es in­ne­hal­ten wür­de, ge­we­sen ist. Dies in­ter­es­siert uns ein­zig dar­in, daß sich für ihn in die­sem Mo­ment sei­nes An­spruchs die Pro­ble­me sei­ner Be­zie­hun­gen zum An­de­ren ge­stellt ha­ben, in­so­fern sie im wei­te­ren für die Auf­stel­lung sei­nes Be­geh­rens be­stim­mend wa­ren.“35

Die Wie­der­be­le­bung ar­chai­scher An­sprü­che (D) in­ter­es­siert in der Psy­cho­ana­ly­se nicht un­ter dem As­pekt, dass sie auf un­be­frie­dig­te Be­dürf­nis­se ver­wei­sen. Sie in­ter­es­sie­ren ein­zig in­so­fern, als das Sub­jekt mit die­sen An­sprü­chen sei­ne pro­ble­ma­ti­sche Be­zie­hung zum An­de­ren her­ge­stellt hat­te ($ ◊), und in­so­fern, als die Be­zie­hung zum An­de­ren wie­der­um für die In­stal­lie­rung des Be­geh­rens be­stim­mend war.

Man kann die For­mel ($ ◊ D) viel­leicht als eine tech­ni­sche An­wei­sung an den Ana­ly­ti­ker le­sen, die un­ge­fähr so lau­ten wür­de: Hilf dem Sub­jekt, die Wie­der­kehr be­stimm­ter An­sprü­che zu er­ken­nen, ora­ler, ana­ler, ge­ni­ta­ler For­de­run­gen (D). Un­ter­stüt­ze es da­bei, dass ihm klar wird, dass die­se For­de­run­gen dazu die­nen, eine be­stimm­te Be­zie­hung zum An­de­ren her­zu­stel­len ($ ◊). We­ni­ger in­ter­es­sant ist die Tat­sa­che, dass sie für un­be­frie­dig­te Be­dürf­nis­se ste­hen. Der Be­zug die­ses For­de­rungs­vo­ka­bu­lars auf den An­de­ren ist des­halb wich­tig, weil das Sub­jekt sein Be­geh­ren – das, wo­nach es in ei­ner Ana­ly­se letzt­lich fragt – aus­ge­hend von der Be­zie­hung zum An­de­ren er­rich­tet hat.

Kon­fron­ta­ti­on

In ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur geht die Re­gres­si­on mit ei­ner Kon­fron­ta­ti­on ein­her, das Sub­jekt wird zu­rück­ver­wie­sen auf die „Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nem ei­ge­nen An­spruch“36. La­can be­zieht das in Se­mi­nar 5 aus­führ­lich auf die Zwangs­neu­ro­se.

Hier ha­ben wir nun eine Zwangs­neu­ro­se, und wie in je­der Neu­ro­se ist das, was wir zu­nächst zum Er­schei­nen zu brin­gen ha­ben, in­so­fern wir eben kei­ne Hyp­no­ti­seu­re sind und nicht mit­tels Sug­ges­ti­on be­han­deln, eine Di­men­si­on jen­seits, wo wir dem Sub­jekt ge­wis­ser­ma­ßen an ei­ner Stel­le ein Ren­dez-vous an­bie­ten. Das ist hier auf der obe­ren Li­nie, dem Ho­ri­zont der Si­gni­fi­kan­ten­ar­ti­ku­la­ti­on, dar­ge­stellt. Da ist das Sub­jekt, wie ich es Ih­nen aus­führ­lich das letz­te Mal er­klärt habe, mit sei­nem An­spruch kon­fron­tiert. Es ist das, wor­um es geht, wenn wir von ei­nem Wech­sel­pro­zeß von auf­ein­an­der­fol­gen­den Re­gres­sio­nen und Iden­ti­fi­zie­run­gen spre­chen. Die bei­den wech­seln in dem Maße, wie das Sub­jekt, wenn es auf eine Iden­ti­fi­zie­rung stößt und da­bei re­gre­diert, auf dem Weg der Re­gres­si­on ab­stoppt. Die Re­gres­si­on schreibt sich ganz und gar, wie ich Ih­nen das ge­zeigt habe, in die­se re­tro­ak­ti­ve Er­öff­nung ein, die sich dem Sub­jekt dar­bie­tet, so­bald es ein­fach nur sein Spre­chen ar­ti­ku­liert, eben weil das Spre­chen bis hin zu sei­nem Ur­sprung die gan­ze Ge­schich­te die­ses An­spruchs ent­ste­hen läßt, in wel­chen sein gan­zes Le­ben als spre­chen­der Mensch ein­ge­las­sen ist.“37

Die obe­re Quer­li­nie des Gra­phen be­zieht sich dar­auf, dass das Sub­jekt mit sei­nem ei­ge­nen An­spruch „kon­fron­tiert“ wird. Im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur ent­steht durch das Spre­chen die Ge­schich­te der An­sprü­che, was mit dem Wech­sel­pro­zess von Re­gres­si­on und Iden­ti­fi­ka­ti­on ver­bun­den ist.

In Se­mi­nar 6 greift La­can den Be­griff „Kon­fron­ta­ti­on“ wie­der auf:

Was tun wir in der Ana­ly­se, wor­auf sto­ßen wir, was er­ken­nen wir, wenn wir sa­gen, dass das Sub­jekt da­bei im ora­len Sta­di­um, im ana­len Sta­di­um usw. ist? Es ist zu­nächst ein­mal nö­tig, es auf eine rei­fe Wei­se aus­zu­drü­cken, was vor­aus­setzt, nicht das Ge­samt­ele­ment zu ver­ges­sen, näm­lich dass es sich im­mer um das Sub­jekt han­delt, in­so­fern es vom Spre­chen mar­kiert ist und in ei­ner be­stimm­ten Be­zie­hung zu sei­nem An­spruch steht. Und dann muss man eben se­hen, dass eine Deu­tung, mit der wir das Sub­jekt die Struk­tu­rie­rung sei­nes An­spruchs spü­ren las­sen, nicht ein­fach dar­in be­steht, es dazu zu brin­gen, den ora­len oder ana­len oder an­de­ren Cha­rak­ter des je­wei­li­gen An­spruchs zu er­ken­nen, son­dern buch­stäb­lich dar­um, es mit die­sem Cha­rak­ter zu kon­fron­tie­ren. Was wir deu­ten, ist nicht ein­fach ein Cha­rak­ter, der dem An­spruch des Sub­jekts im­ma­nent ist, wir kon­fron­tie­ren es mit der Struk­tur sei­nes An­spruchs als sol­chem.

Ge­nau an die­sem Punkt muss die Ak­zen­tu­ie­rung un­se­rer Deu­tung os­zil­lie­ren, schwan­ken, hin und her schwin­gen. Wenn wir in der Lage sind, sie auf be­stimm­te Wei­se zu ak­zen­tu­ie­ren, brin­gen wir dem Sub­jekt bei, auf der obe­ren Ebe­ne [des Gra­phen] – auf der ‚Vo­tive­be­ne‘, auf der Ebe­ne des­sen, was es wünscht, auf der Ebe­ne sei­nes Wol­lens, in­so­fern es un­be­wusst ist – die Si­gni­fi­kan­ten­stüt­zen zu er­ken­nen, die un­be­wusst in sei­nem An­spruch ver­bor­gen sind. Die Deu­tung darf nicht auf­hö­ren, sich ganz in die­sem Re­gis­ter zu be­we­gen. Ins­ge­samt tun wir nichts an­de­res, als dem Sub­jekt, wenn man so sa­gen kann, das Spre­chen bei­zu­brin­gen, sich als Sub­jekt in dem zu er­ken­nen, was dem D ent­spricht, ohne ihm je­doch die Ant­wor­ten zu ge­ben.

Wenn man hin­ge­gen dem Sub­jekt die­ses un­be­wuss­te Vo­ka­bu­lar ent­hüllt, ohne es mit sei­nem An­spruch zu kon­fron­tie­ren, dann läuft das dar­auf hin­aus, den Zu­sam­men­bruch der Funk­ti­on des Sub­jekts als sol­chem her­bei­zu­füh­ren, dar­auf, es dazu zu drän­gen, sich aus­zu­lö­schen und zu ver­schwin­den. Ge­nau das ge­schieht bei ei­ner Tech­nik, bei der die Ana­ly­se des Un­be­wuss­ten sich auf die Ver­mitt­lung ei­nes Vo­ka­bu­lars re­du­ziert. Das, was ver­schwin­det, das, was flieht, das, was zu­neh­mend re­du­ziert wird, ist die For­de­rung des Sub­jekts, sich jen­seits von all dem in sei­nem Sein zu ma­ni­fes­tie­ren. Wenn man es be­stän­dig auf die Ebe­ne des An­spruchs re­du­ziert, was bei ei­ner be­stimm­ten Tech­nik als Wi­der­stands­ana­ly­se be­zeich­net wird, dann en­det man tat­säch­lich da­mit, schlicht und ein­fach das zu re­du­zie­ren, was sein Be­geh­ren ist.“38

Im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Be­hand­lung kommt es dazu, dass der Psy­cho­ana­ly­ti­ker das Sub­jekt dem ora­len oder ana­len oder ei­nem an­de­ren Sta­di­um zu­ord­net. Was ist da­mit ge­meint?

Wenn man die Fra­ge be­ant­wor­ten will, muss man sich zu­nächst klar­ma­chen, ers­tens, dass es hier­bei um ein Sub­jekt geht, das vom Spre­chen ge­prägt ist, und zwei­tens, dass es in ei­ner be­stimm­ten Be­zie­hung zu sei­nem An­spruch steht. La­can zielt hier dar­auf ab, so neh­me ich an, dass das Sub­jekt als spre­chen­des Sub­jekt in sei­nem An­spruch, in sei­ner For­de­rung, nicht auf­geht, dass es sich viel­mehr die Fra­ge stellt, ob mit die­sem An­spruch das ar­ti­ku­liert wird, was es wirk­lich will. Das kann man auf die For­mel ($ ◊ D) be­zie­hen: das Sub­jekt im Ver­hält­nis zum An­spruch, aber an die­ser Stel­le geht es La­can, so ver­mu­te ich, um das Ver­hält­nis zwi­schen zwei Li­ni­en des Gra­phen, zwi­schen der Li­nie des un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs, die von „Ge­nie­ßen“ bis „Kas­tra­ti­on“ ver­läuft (An­spruch des Sub­jekts) und der Li­nie „Que vuoi?“, die von A zu ($ ◊ D) führt und dar­über hin­aus­geht (Fra­ge des Sub­jekts). Der un­be­wuss­te Code, also ($ ◊ D), ist am Schnitt­punkt die­ser bei­den Li­ni­en ver­or­tet. Das Sub­jekt ist in der Lage, sei­ne ei­ge­nen An­sprü­che zu be­fra­gen, auch sei­ne un­be­wuss­ten An­sprü­che, und ge­nau da­durch ist es ihm mög­lich, sein Be­geh­ren zu er­kun­den.

Durch die Deu­tung soll das Sub­jekt dazu ge­bracht wer­den, dass es mit­be­kommt, dass sein An­spruch auf be­stimm­te Wei­se struk­tu­riert ist, näm­lich durch ei­nen spe­zi­el­len Code.

Da­bei ist al­ler­dings ent­schei­dend, wie die Deu­tung vor­ge­bracht wird.

Die eine Mög­lich­keit be­steht dar­in, dass das Sub­jekt dazu ge­bracht wird, den ora­len oder ana­len oder an­de­ren Cha­rak­ter sei­nes An­spruchs zu er­ken­nen, ohne dass es je­doch mit die­sem Cha­rak­ter „kon­fron­tiert“ wird, wie La­can sich aus­drückt. Was man un­ter ei­ner „Kon­fron­ta­ti­on“ zu ver­ste­hen hat, sagt er nicht.

Bei ei­ner be­stimm­ten Tech­nik wird die­ses nicht-kon­fron­tie­ren­de Vor­ge­hen als Wi­der­stands­ana­ly­se be­zeich­net. La­can be­zieht sich hier auf die von Wil­helm Reich er­fun­de­ne Wi­der­stands­ana­ly­se; mit dem Be­griff des Cha­rak­ters spielt er auf Reichs „Cha­rak­te­r­ana­ly­se“ an, die mit der Wi­der­stands­ana­ly­se mehr oder we­ni­ger zu­sam­men­fällt.39 An die­ser Stel­le ist nicht zu er­ken­nen, ob La­can die Wi­der­stands­ana­ly­se ins­ge­samt ab­lehnt, oder ob sich sei­ne Kri­tik ge­gen eine be­stimm­te Form der Wi­der­stands­ana­ly­se rich­tet. Die nicht-kon­fron­tie­ren­de Vor­ge­hens­wei­se hält er für falsch.

La­can plä­diert da­für, das Sub­jekt mit sei­nem Cha­rak­ter zu „kon­fron­tie­ren“, ihm sein un­be­wuss­tes Vo­ka­bu­lar in der Wei­se zu ent­hül­len, dass es da­bei mit sei­nem An­spruch „kon­fron­tiert“ wird.

Was könn­te mit „Kon­fron­ta­ti­on“ ge­meint sein? Ei­nen Hin­weis gibt mög­li­cher­wei­se der Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht, den La­can ein Jahr spä­ter ver­fas­sen wird und in dem er sich auf das Kon­fron­tie­ren be­zieht. Er kri­ti­siert hier die Ten­denz, dass die Deu­tung in der Psy­cho­ana­ly­se zu­neh­mend in eine un­ter­ge­ord­ne­te Stel­lung ge­rät, was er für falsch hält. Statt zu deu­ten ver­su­che man es mit In­ter­ven­tio­nen, die kei­ne Deu­tun­gen sind, etwa mit Er­klä­run­gen, Be­loh­nun­gen oder Ant­wor­ten auf den An­spruch.

Das Ver­fah­ren ver­rät sich, so­wie es dem Brenn­punkt des In­ter­es­ses sich nä­hert. Es hat not­wen­dig zur Fol­ge, daß selbst ein Ge­dan­ke, der aus­ge­spro­chen wird, das Sub­jekt zu Ein­sicht (in­sight) in eine sei­ner Ver­hal­tens­wei­sen zu füh­ren, spe­zi­ell in die Be­deu­tung ei­ner sol­chen als Wi­der­stand, je­den an­de­ren Na­men an­neh­men kann: Kon­fron­ta­ti­on zum Bei­spiel und wär’s die des Sub­jekts mit sei­ner ei­ge­nen Aus­sa­ge, nur nicht Deu­tung, da es doch le­dig­lich um eine er­hel­len­de Aus­sa­ge geht.“40

Die „Kon­fron­ta­ti­on“ wird hier als ei­nes der Ver­fah­ren auf­ge­führt, mit de­nen das Sub­jekt ohne Deu­tung zu der Ein­sicht ge­bracht wer­den soll, dass ein be­stimm­tes Ver­hal­ten die Funk­ti­on ei­nes Wi­der­stan­des hat. Hier­zu ver­weist La­can in Die Aus­rich­tung der Kur auf ei­nen Auf­satz von Ge­or­ge De­vereux.41 De­vereux be­stimmt dort die Kon­fron­ta­ti­on als Wie­der­ga­be des­sen, was der Pa­ti­ent ge­sagt hat, vor al­lem als ver­deut­li­chen­de Wie­der­ga­be ohne Be­schö­ni­gung; hier­durch soll die Auf­merk­sam­keit des Pa­ti­en­ten auf eine Hand­lung oder auf et­was von ihm Ge­sag­tes ge­lenkt wer­den. Das von De­vereux be­schrie­be­ne Ver­fah­ren der Kon­fron­ta­ti­on ent­spricht in etwa der In­ter­ven­ti­ons­tech­nik, die Carl Ro­gers als „Pa­ra­phra­sie­ren“ be­zeich­net; der Ak­zent liegt bei De­vereux je­doch stär­ker dar­auf, den Pa­ti­en­ten her­aus­zu­for­dern. Viel­leicht kann man sa­gen: Un­ter „Kon­fron­ta­ti­on“ ver­steht De­vereux zu­spit­zen­des Pa­ra­phra­sie­ren. Will La­can, wenn er in Se­mi­nar 6 für das Kon­fron­tie­ren plä­diert, da­mit sa­gen, der Ana­ly­ti­ker habe die Auf­merk­sam­keit des Sub­jekts in der Wei­se auf die Si­gni­fi­kan­ten sei­nes An­spruchs zu len­ken, dass er be­stimm­te For­mu­lie­run­gen des Pa­ti­en­ten zu­ge­spitzt pa­ra­phra­siert?

E-Mail-Ver­kehr zwi­schen Ger­hard Herr­gott und Rolf Nemitz zwi­schen dem 3. und dem 7. De­zem­ber 2015:

GH: „Kon­fron­ta­ti­on“ könn­te hei­ßen  Ab­bre­chen der Sit­zung.

RN: Wie kommst du dar­auf?

GH: Durch die Fra­ge, wel­che Ein­griffs-Mög­lich­kei­ten über­haupt ein Ana­ly­ti­ker hat: er kann spre­chen oder schwei­gen. Und La­can hat eine wei­te­re Mög­lich­keit er­fun­den: ei­nen Si­gni­fi­kan­ten zu un­ter­strei­chen.

Wie auch im­mer, klar ist: La­can möch­te, dass die Deu­tung des un­be­wuss­ten Vo­ka­bu­lars so er­folgt, dass das Sub­jekt nicht auf sei­ne An­sprü­che re­du­ziert wird, denn das hie­ße, die Ver­drän­gung zu ver­stär­ken und den Über­gang vom An­spruch zum Be­geh­ren zu ver­sper­ren.

Bei der „Kon­fron­ta­ti­on“ – was im­mer das sein mag – kommt es, La­can zu­fol­ge, viel­mehr dar­auf an, die Deu­tung auf be­stimm­te Wei­se zu ak­zen­tu­ie­ren und sie pe­ri­odisch zu wech­seln. Das sind wei­te­re tech­ni­sche Hin­wei­se, „Ak­zen­tu­ie­ren“ und „Wech­seln“, und auch hier ist mir nicht klar, was kon­kret da­mit ge­meint ist. Be­zieht sich der Wech­sel auf das Os­zil­lie­ren zwi­schen Re­gres­si­on und Iden­ti­fi­zie­rung, von dem er in Se­mi­nar 5 ge­spro­chen hat­te? Die­se Vor­ge­hens­wei­se – wor­in im­mer sie be­stehen mag – soll es dem Sub­jekt er­mög­li­chen, die Si­gni­fi­kan­ten zu er­ken­nen, von de­nen sein Be­geh­ren ge­stützt wird, also den Code ($ ◊ D).

Auf die­se Wei­se wird dem Sub­jekt ge­wis­ser­ma­ßen das Spre­chen bei­ge­bracht, sagt La­can. Ich neh­me an, dass Fol­gen­des ge­meint ist: Die Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten etwa in ei­nem Wie­der­ho­lungs­zwang be­steht dar­in, dass das Sub­jekt be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten ar­ti­ku­liert, dass es aber nicht in der Lage ist, sich als Sub­jekt die­ser Si­gni­fi­kan­ten an­zu­er­ken­nen. Die Deu­tung muss so vor­ge­nom­men wer­den, dass das Sub­jekt lernt, sich ge­wis­ser­ma­ßen nach­träg­lich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs auf­zu­fas­sen, und das heißt auch: als ein Sub­jekt, das sich ei­nes be­stimm­ten An­spruchs­vo­ka­bu­lars be­dient.

Der Psy­cho­ana­ly­ti­ker gibt dem Sub­jekt je­doch nicht die Ant­wor­ten. Das heißt wohl: Er ant­wor­tet nicht auf die For­de­rung, er be­frie­digt sie nicht. In­so­fern frus­triert er das Sub­jekt, nicht um es zur Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz zu er­zie­hen, son­dern um es dazu zu brin­gen, sich nach sei­ner Be­zie­hung zum An­de­ren zu fra­gen und auf die­sem Wege sein Be­geh­ren zu er­kun­den.

Die von La­can kri­ti­sier­te Vor­ge­hens­wei­se be­steht dar­in, dass dem Sub­jekt zwar das un­be­wuss­te Vo­ka­bu­lar ent­hüllt wird, dass es da­bei je­doch nicht mit sei­nem An­spruch „kon­fron­tiert“ wird (wie im­mer das aus­se­hen mag). Die­se pro­ble­ma­ti­sche Tech­nik hat zur Fol­ge, dass das Sub­jekt dazu ge­drängt wird, sich aus­zu­lö­schen und zu ver­schwin­den. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es auf den An­spruch re­du­ziert wird. Das Sub­jekt je­doch strebt da­nach, sich in sei­nem Sein zu ma­ni­fes­tie­ren, in sei­nem Seins­man­gel, sei­nem Be­geh­ren. Die­se Be­we­gung wird durch die In­ter­ven­ti­on ohne „Kon­fron­ta­ti­on“, also durch eine be­stimm­te Art der Wi­der­stands­ana­ly­se, blo­ckiert.

Lie­bes­an­spruch

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 6 heißt es:

Ge­hen wir jetzt zu ($ ◊ D) über. Was be­deu­tet die­ser so­ge­nann­te Punkt des Codes, den wir durch die Kon­fron­ta­ti­on des aus­ge­stri­che­nen Sub­jekts mit dem An­spruch, groß D, sym­bo­li­sie­ren?

He­ben wir zu­nächst her­vor, dass die­ser Punkt sei­ne Be­deu­tung nur da­durch be­kommt, dass mit der Ana­ly­se die Ent­zif­fe­rung der Ko­hä­renz der obe­ren Ket­te be­ginnt. Das ist ganz ge­nau der­je­ni­ge Punkt, wo die Ket­te des Spre­chens des Sub­jekts, in der es, jen­seits des kon­kre­ten Dis­kur­ses, Fra­gen über sich selbst stellt, auf den An­spruch stößt.

Das Sub­jekt, um das es geht, ist das­je­ni­ge, das wir hier un­ter­stel­len – rück­wir­kend, sage ich –, als Stüt­ze der Ar­ti­ku­la­ti­on des Un­be­wuss­ten, in­so­fern es die­se Ar­ti­ku­la­ti­on sieht, hört, liest. Das ist das Sub­jekt als Sub­jekt des Un­be­wuss­ten. Was den An­spruch an­geht, wel­che Rol­le spielt er hier? Er ist von sei­ner spe­zi­fisch sym­bo­li­schen Form af­fi­ziert, und das ist die Be­deu­tung des Rau­ten­zei­chens ◊ zwi­schen $ und D.

Der An­spruch fi­gu­riert auf die­ser Ebe­ne in­so­fern, als er, jen­seits des­sen, was er zur Be­frie­di­gung des Be­dürf­nis­ses for­dert, als je­ner Lie­bes­an­spruch auf­tritt, durch den der An­de­re, an den er sich wen­det, als der­je­ni­ge ein­ge­setzt wird, der an­we­send oder ab­we­send sein kann. In­so­fern be­kommt der An­spruch, sei er oral oder anal, hier eine me­ta­pho­ri­sche Funk­ti­on und wird er zum Sym­bol für die Be­zie­hung zum An­de­ren. Die sub­jek­ti­ve Be­zie­hung zum An­spruch spielt hier die Rol­le des Codes, in­so­fern der An­spruch es er­mög­licht, das Sub­jekt als ei­nes zu kon­sti­tu­ie­ren, das bei­spiels­wei­se auf der Ebe­ne des­sen ver­or­tet ist, was wir in un­se­rer Spra­che als ora­le oder ana­le Pha­se be­zeich­nen.“42

Der mit ($ ◊ D) be­zeich­ne­te obe­re rech­te Schnitt­punkt ist der Punkt des (un­be­wuss­ten) Code.

Die For­mel zeigt das aus­ge­stri­che­ne Sub­jekt ($), das auf eine be­stimm­te Wei­se kon­fron­tiert ist (◊) mit dem An­spruch (D).

Abb 4 - Graph mit 4 Linien gefärbtDer Punkt des Codes be­kommt sei­ne Be­deu­tung nur von da­her, dass in ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur die Ent­zif­fe­rung des Un­be­wuss­ten be­ginnt, die Ent­zif­fe­rung des Zu­sam­men­hangs der un­be­wuss­ten Ket­te. La­can be­zieht sich da­mit auf den Kreis­lauf des Un­be­wuss­ten, der im Gra­phen durch die Rück­kop­pe­lungs­be­zie­hung zwi­schen den Punk­ten ($ ◊ D) und S(Ⱥ) dar­ge­stellt wird [Li­nie 4].

Der Punkt des Codes ist zu­gleich der­je­ni­ge Punkt, an dem das Spre­chen des Sub­jekts, das sich Fra­gen in Be­zug auf sich selbst stellt, jen­seits des kon­kre­ten Dis­kur­ses – jen­seits des all­täg­li­chen Spre­chens – auf den An­spruch stößt. Dies be­zieht sich, so neh­me ich an, auf zwei an­de­re Li­ni­en des Gra­phen, auf die vom Schnitt­punkt un­ten rechts, A, aus­ge­hen­de nach oben füh­ren­de Li­nie, d..h. die Li­nie „Que vuoi?“, „Was willst du?“[Linie 2], und au­ßer­dem auf die Li­nie des un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs, näm­lich die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ füh­ren­de Li­nie [Li­nie 3]. Der Punkt des Codes ist der Schnitt­punkt die­ser bei­den Li­ni­en: die be­wuss­te Selbst­be­fra­gung [Li­nie 2] stößt auf den un­be­wuss­ten An­spruch [Li­nie 3], auf die un­be­wuss­ten ödi­pa­len For­de­run­gen.

In der For­mel ($ ◊ D) ist das Sub­jekt, re­prä­sen­tiert durch $, das­je­ni­ge Sub­jekt, das vom Ana­ly­ti­ker als Stüt­ze der Ar­ti­ku­la­ti­on des Un­be­wuss­ten un­ter­stellt wird. Das Sub­jekt stützt in­so­fern die Ar­ti­ku­la­ti­on des Un­be­wuss­ten, als es in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se die­se Ar­ti­ku­la­ti­on wahr­nimmt und zu ver­ste­hen ver­sucht. An­ders ge­sagt: Das Sym­bol $ be­zieht sich auf das Sub­jekt, das an sei­nem ei­ge­nen Un­be­wuss­ten in­ter­es­siert ist, das ver­sucht, es zu ent­zif­fern und das hier­durch die Ar­ti­ku­la­ti­on des Un­be­wuss­ten be­för­dert.

In der For­mel geht es um den An­spruch, also um D, je­doch in ei­ner spe­zi­el­len sym­bo­li­schen Form. Der An­spruch auf ora­le oder ana­le Be­dürf­nis­be­frie­di­gung fun­giert im Code als Me­ta­pher für ein be­stimm­tes sym­bo­li­sches Ver­hält­nis zum An­de­ren. Auf die­se Be­zie­hung ver­weist das Zei­chen der Rau­te, ◊. Die Rau­te ist, wie er­läu­tert, eine ver­ein­fach­te Dar­stel­lung des L-Sche­mas, sie be­zieht sich also auf das Ver­hält­nis zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren so­wie auf die Mo­di­fi­ka­ti­on die­ses Ver­hält­nis­ses durch die ima­gi­nä­re Be­zie­hung. Also be­steht die spe­zi­el­le sym­bo­li­sche Form des An­spruchs in ers­ter An­nä­he­rung dar­in, dass der An­spruch sich an den An­de­ren wen­det und dass in die­se Be­zie­hung das Ima­gi­nä­re in­ter­ve­niert.

Auf der un­be­wuss­ten Ebe­ne ist der An­spruch nicht An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, son­dern Lie­bes­an­spruch – die For­de­rung, ge­liebt zu wer­den –, und nicht der Lie­bes­an­spruch schlecht­hin, son­dern der un­be­wuss­te Lie­bes­an­spruch. Der Lie­bes­an­spruch for­dert die An­we­sen­heit des An­de­ren, da­mit wird der An­de­re als der­je­ni­ge ein­ge­setzt, der an­we­send oder ab­we­send sein kann. Die Op­po­si­ti­on von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit ist grund­le­gend für das Sym­bo­li­sche, und da­mit ist der An­de­re, in­so­fern er dem Sub­jekt un­ter die­ser Al­ter­na­ti­ve er­scheint, ein sym­bo­li­scher An­de­rer. (Der Lie­bes­an­spruch ist am­bi­va­lent, er ist auch die For­de­rung nach Ab­we­sen­heit des An­de­ren, so­fern er an­we­send ist.) Die­se Kon­zep­ti­on des sym­bo­li­schen An­de­ren hat­te La­can in Se­mi­nar 4 ein­ge­führt: Die Mut­ter ist für das Kind in­so­fern die sym­bo­li­sche Mut­ter, als sie dem Kind un­ter der Al­ter­na­ti­ve von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit er­scheint.43

Die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert den Code, in dem der un­be­wuss­te Lie­bes­an­spruch ar­ti­ku­liert wird. Der Buch­sta­be D steht für ora­le oder ana­le An­sprü­che; sie ha­ben hier eine me­ta­pho­ri­sche Funk­ti­on, sie die­nen als Sym­bo­le für die Be­zie­hung zum An­de­ren, um auf die­se Wei­se den Lie­bes­an­spruch ar­ti­ku­lie­ren zu kön­nen.

Die For­mel ($ ◊ D) ist in­so­fern der Code des Sub­jekts, als die For­mel das Sub­jekt als ei­nes er­fasst, das auf­grund der Re­gres­si­on in ei­ner be­stimm­ten Pha­se ist, etwa in der ora­len oder ana­len Pha­se. Sie stellt dar, dass das Sub­jekt sich in sei­ner Be­zie­hung zum An­de­ren als dem Adres­sa­ten des Lie­bes­an­spruchs ei­nes be­stimm­ten For­de­rungs­vo­ka­bu­lars be­dient, ora­ler oder ana­ler Si­gni­fi­kan­ten.

Zusammenfassung

Die Zei­chen­fol­ge ($ ◊ D) ist so zu le­sen.

Die For­mel steht für den „Code des Un­be­wuss­ten“ des Sub­jekts. Code ist Ge­gen­be­griff zu „Mit­tei­lung“ oder „Bot­schaft“ (messa­ge). Statt vom Code spricht La­can auch vom „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“, eine Ana­log­bil­dung zum Aus­druck „Wort­schatz“, oder auch vom un­be­wuss­ten Vo­ka­bu­lar.

Der Code des Un­be­wuss­ten be­steht aus An­sprü­chen, aus ora­len, ana­len, ge­ni­ta­len und an­de­ren For­de­run­gen (D). Ge­meint sind ar­chai­sche An­sprü­che, die im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur auf­tau­chen, teils di­rekt, teils in der Wei­se, dass sie durch die ak­tu­ell er­ho­be­nen An­sprü­che hin­durch­schim­mern.

Die bei­den Sym­bo­le $ und ◊ wei­sen dar­auf hin, dass die­se An­sprü­che aus dem Zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, in dem sie ent­stan­den sind, her­aus­ge­löst sind, und eine an­de­re Funk­ti­on ha­ben: sie die­nen dem Sub­jekt auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten ($) als Vo­ka­bu­lar, um sich an den An­de­ren zu wen­den (◊).

Das Sym­bol $ meint: das „aus­ge­stri­che­ne Sub­jekt“, das von der Spra­che ge­präg­te und des­halb ge­spal­te­ne Sub­jekt, das Sub­jekt, das auf zwei Ebe­nen spricht, auf der be­wuss­ten Ebe­ne und auf der des Un­be­wuss­ten.

Die Rau­te, also das Sym­bol ◊, ist eine Kurz­dar­stel­lung des so­ge­nann­ten L-Sche­mas. Da­mit ist im Zu­sam­men­hang der For­mel ge­meint: Die ar­chai­schen For­de­run­gen (D) sind aus dem Zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung her­aus­ge­löst und die­nen dem „aus­ge­stri­che­nen Sub­jekt“ dazu, sich an den sym­bo­li­schen An­de­ren zu wen­den. Die For­de­rung, die es an den An­de­ren rich­tet, ist der Lie­bes­an­spruch, also die For­de­rung, vom An­de­ren ge­liebt zu wer­den; die ora­len, ana­len usw. For­de­run­gen fun­gie­ren als Me­ta­phern des Lie­bes­an­spruchs. Der An­de­re, an den der Lie­bes­an­spruch sich wen­det, ist in­so­fern ein sym­bo­li­scher An­de­rer, als der Lie­bes­an­spruch sich auf ihn un­ter dem Ge­sichts­punkt be­zieht, dass er ab­we­send oder an­we­send sein kann; die Op­po­si­ti­on von Ab­we­sen­heit und An­we­sen­heit ist für das Sym­bo­li­sche grund­le­gend. Die Be­zie­hung zum An­de­ren ist ein ent­schei­den­der As­pekt der For­mel, da es dem Sub­jekt in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se dar­um geht, sein Be­geh­ren zu er­kun­den und da sein Be­geh­ren in sei­ne Be­zie­hung zum An­de­ren ver­wi­ckelt ist.

Um es in ei­nem Satz zu sa­gen: Der Code des Un­be­wuss­ten, der un­be­wuss­te Si­gni­fi­kan­ten­schatz, ($ ◊ D), be­steht aus ora­len, ana­len usw. For­de­run­gen (D), die dem von der Spra­che ge­präg­ten Sub­jekt ($) als Me­ta­phern die­nen, um sich da­mit auf den An­de­ren zu be­zie­hen (◊), um ihm ge­gen­über ei­nen Lie­bes­an­spruch zu er­he­ben.

Abb 4 - Graph mit 4 Linien gefärbtIm Gra­phen liegt die For­mel am Schnitt­punkt drei­er Li­ni­en: der Li­nie „Que vuoi?“ [Li­nie 2], der Li­nie des un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs [Li­nie 3] und der bei­den Li­ni­en des un­be­wuss­ten Kreis­laufs (die Rück­kop­pe­lungs­li­ni­en zwi­schen den Punk­ten ($ ◊ D) und S(Ⱥ)) [Li­nie 4]. Die­sees Li­ni­en­netz stellt dar: Das Sub­jekt fragt sich be­wusst, was sein Be­geh­ren ist, jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter den An­spruch (dies wird re­prä­sen­tiert durch die Li­nie „Que vuoi?“ (Was willst du?) [Li­nie 2]). Hier­bei stößt es auf den un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruch (die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ füh­ren­de Li­nie [Li­nie 3]). Da­mit be­ginnt die Ent­zif­fe­rung des Un­be­wuss­ten, dar­ge­stellt durch die Rück­kop­pe­lungs­li­ni­en zwi­schen ($ ◊ D) und S(Ⱥ) [Li­nie 4]. Zur Er­kun­dung des ei­ge­nen Be­geh­rens ge­hört die Re­kon­struk­ti­on des un­be­wuss­ten Vo­ka­bu­lars ($ ◊ D), in dem der Lie­bes­an­spruch ar­ti­ku­liert wird.

Un­ter kli­ni­schem As­pekt be­trach­tet be­zieht sich die For­mel auf ei­nen Vor­gang in ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur, der als „Re­gres­si­on“ be­zeich­net wird. Die Re­gres­si­on be­steht dar­in, dass das Sub­jekt ar­chai­sche ora­le oder ana­le An­sprü­che ar­ti­ku­liert (di­rekt oder in der Wei­se, dass sie durch sei­nen Dis­kurs hin­durch­schim­mern), als dem Vo­ka­bu­lar, mit des­sen Hil­fe es an den An­de­ren sei­nen Lie­bes­an­spruch rich­tet, an den als all­mäch­tig un­ter­stell­ten An­de­ren. In ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur geht es un­ter an­de­rem dar­um, das Sub­jekt da­bei zu un­ter­stüt­zen, dass ihm sein Code „be­wusst wird“, bes­ser ge­sagt, dass es sich in sei­nem Spre­chen dar­auf be­zieht; die vom Ana­ly­ti­ker ge­för­der­te Re­gres­si­on ist das Mit­tel dazu.

La­can un­ter­schei­det zwei Ver­fah­ren, wie ein Ana­ly­ti­ker ver­su­chen kann, dem Sub­jekt den Code be­wusst zu ma­chen. Ohne Kon­fron­ta­ti­on und mit Kon­fron­ta­ti­on; mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist. Das ers­te Ver­fah­ren, sagt La­can, ist meist mit der Wi­der­stands­ana­ly­se oder mit ei­ner be­stimm­ten Form der Wi­der­stands­ana­ly­se ver­bun­den. La­can lehnt die­se Vor­ge­hens­wei­se ab, da sie das Sub­jekt auf den An­spruch re­du­ziert. Das zwei­te Ver­fah­ren, die Kon­fron­ta­ti­on, ist durch eine os­zil­lie­ren­de Ak­zen­tu­ie­rung der Deu­tung ver­bun­den; auch hier ist mir nicht klar, wor­auf La­can sich be­zieht. Ent­schei­dend ist, dass die Deu­tung so er­folgt, dass das Sub­jekt nicht auf den An­spruch re­du­ziert wird, son­dern dass es ihm mög­lich wird, sich in sei­nem „Sein“ zu ma­ni­fes­tie­ren, in sei­nem Seins­man­gel, in sei­nem Be­geh­ren, so dass es sich ge­wis­ser­ma­ßen rück­wir­kend zum Sub­jekt des Un­be­wuss­ten ma­chen kann.

$: Subjekt im Fading

Im Ver­lauf von Se­mi­nar 6 wer­den zwei Ele­men­te der For­mel ($ ◊ D) von La­can neu ge­deu­tet: das durch­ge­stri­che­ne S und die Rau­te.

La­can spricht über „die­ses Sche­ma“, über den Gra­phen des Be­geh­rens:

Die Ver­men­gung, um die es geht, wird für Sie ge­nau durch die­ses Sche­ma ma­te­ria­li­siert. Sie be­steht dar­in, die Dia­lek­tik des Ob­jekts mit der Dia­lek­tik des An­spruchs zu ver­wech­seln. Die­se Ver­men­gung ist er­klär­lich, denn in bei­den Fäl­len be­fin­det sich das Sub­jekt in sei­ner Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten in ei­ner Po­si­tion, die die­selbe ist – das Sub­jekt ist hier in ei­ner Po­si­tion der Ver­finsterung (éclip­se).

Schau­en Sie auf die­se bei­den Punk­te un­se­res Gramms. Hier, der Code auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten, ($ ◊ D), das heißt die Rei­he der Be­zie­hun­gen, die das Sub­jekt zu ei­nem be­stimm­ten Ap­pa­rat des An­spruchs un­ter­hält. Dort die ima­gi­näre Be­zie­hung ($ ◊ a), die es be­vor­zugt kon­sti­tu­iert, in ei­ner be­stimm­ten Hal­tung, auch sie de­fi­niert durch sei­ne Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten, vor ei­nem Ob­jekt a. An bei­den Punk­ten ist das Sub­jekt in der Po­si­tion der Ver­dun­ke­lung.

Die­se Po­si­tion, ich habe das letz­te Mal an­ge­fan­gen, sie mit dem Be­griff des Fa­ding zu ar­ti­ku­lie­ren. Ich habe die­sen Aus­druck aus al­ler­lei phi­lo­lo­gi­schen Grün­den ge­wählt und auch, weil er, be­zo­gen auf den Ge­brauch der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­räte, die die uns­ri­gen sind, völ­lig ver­traut ge­wor­den ist. Das Fa­ding ist ge­nau das, was sich in ei­nem Ge­rät zur Kom­mu­ni­ka­tion, zur Stimm­wie­der­gabe dann her­stellt, wenn die Stim­me ver­schwin­det, ein­bricht, schwin­det, um, ab­hän­gig von ei­ner Ver­än­de­rung im Trä­ger, in der Über­mitt­lung, wie­der­zu­er­schei­nen. Wir wer­den dem, was hier nur eine Me­ta­pher ist, na­tür­lich sei­ne rea­len Ko­or­di­na­ten zu ge­ben ha­ben.

In­so­fern sich also das Sub­jekt im sel­ben Mo­ment des Os­zil­lie­rens be­fin­det, dem­je­ni­gen, der das Fa­ding vor dem An­spruch und vor dem Ob­jekt kenn­zeich­net, kann die Ver­men­gung sich her­stel­len.

Tat­säch­lich ist das, was Ob­jekt­be­zie­hung ge­nannt wird, im­mer eine Be­zie­hung des Sub­jekts nicht, wie man sagt, zu Ob­jek­ten, son­dern zu Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs und dies in dem pri­vi­le­gier­ten Mo­ment be­sag­ten Fa­dings des Sub­jekts. In­so­fern der An­spruch fi­xiert bleibt, kann man die Modi des Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rats ar­ti­ku­lie­ren, der den un­ter­schied­li­chen Ty­pen des An­spruchs ent­spricht, oral, anal und an­dere, und das auf eine Wei­se, die tat­säch­lich eine Art kli­ni­sche Ent­spre­chung zur Ob­jekt­be­zie­hung dar­stellt. Nichts­des­to­we­ni­ger hat es be­trächt­li­che Nach­teile, wenn man das, was eine Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten ist, mit dem ver­mengt, was eine Be­zie­hung zum Ob­jekt ist.“44

Zwei Dia­lek­ti­ken sind aus­ein­an­der­zu­hal­ten: die des Ob­jekts und die des An­spruchs. Der Graph hat un­ter an­de­rem die Funk­ti­on, die­sen Un­ter­schied zu ver­deut­li­chen. Auf die Dia­lek­tik des Ob­jekts be­zieht sich die For­mel des Phan­tas­mas, $ ◊ a, auf die Dia­lek­tik des An­spruchs die For­mel für den un­be­wuss­ten Code, $ ◊ D. Die bei­den For­meln sind so ge­baut, dass man auf den ers­ten Blick sieht, war­um man die­se Dia­lek­ti­ken so leicht ver­wech­seln kann: Bei­de For­meln be­gin­nen mit dem durch­ge­stri­che­nen S ge­folgt von der Rau­te, mit $ ◊.

In den For­meln wird das Sub­jekt in ei­ner Po­si­ti­on der Ek­lip­se dar­ge­stellt, sie be­zie­hen sich ge­wis­ser­ma­ßen auf eine Sub­jekt­fins­ter­nis. „Ek­lip­se“ kommt vom grie­chi­schen Wort ekleípō, „ich ver­schwin­de“; die Sub­jekt­fins­ter­nis be­steht dar­in, dass das Sub­jekt ver­schwin­det. In der For­mel für den un­be­wuss­ten Code, ($ ◊ D), be­zieht sich das ver­fins­ter­te Sub­jekt ($) auf ei­nem Ap­pa­rat von An­sprü­chen (D), in der For­mel für das Phan­tas­ma, ($ ◊ a), steht es in ei­ner ima­gi­nä­ren Be­zie­hung zu ei­nem Ob­jekt (a).

Die as­tro­no­mi­sche Me­ta­pher der Ek­lip­se ist je­doch nur vor­läu­fig. Die Po­si­ti­on des Sub­jekts, auf die bei­de For­meln sich be­zie­hen, wird von La­can letzt­lich als „Fa­ding“ be­zeich­net. Das eng­li­sche Wort to fade be­deu­tet „ver­blas­sen“, „ver­klin­gen“, „nach­las­sen“, „schwin­den“, „ver­schwin­den“. Der Aus­druck soll an das Ver­schwin­den der Stim­me bei der Über­mitt­lung ei­ner Bot­schaft er­in­nern: In der Nach­rich­ten­tech­nik meint Fa­ding das Nach­las­sen der Stär­ke der Funk­über­tra­gung.

Das Sub­jekt ist also im Fa­ding, $, und be­zieht sich da­bei ent­we­der auf den An­spruch, D, oder auf das Ob­jekt, a.

Das, was in der Psy­cho­ana­ly­se üb­li­cher­wei­se Ob­jekt­be­zie­hung ge­nannt wird – wo­bei man ora­le, ana­le und an­de­re Ob­jekt­be­zie­hun­gen un­ter­schei­det –, ist in Wirk­lich­keit eine Be­zie­hung nicht zu Ob­jek­ten, son­dern zu An­sprü­chen, zu An­sprü­chen ora­ler, ana­ler und an­de­rer Art. Die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert also das, was Ob­jekt­be­zie­hung ge­nannt wird. Aber die­se Be­zeich­nung ist ir­re­füh­rend, ei­gent­lich geht es hier nicht um eine Ob­jekt­be­zie­hung. Um eine Ob­jekt­be­zie­hung geht es in der an­de­ren For­mel, der für das Phan­tas­ma, also in der For­mel ($ ◊ a).

(In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 6 wird La­can das Fa­ding des Sub­jekts mit der Apha­ni­sis des Sub­jekts gleich­set­zen.45 In spä­te­ren Se­mi­na­ren wird er vor al­lem von der Apha­ni­sis des Sub­jekts spre­chen, etwa in den Se­mi­na­ren 11 und 14.

Was meint „Ver­schwin­den des Sub­jekts“ oder „Fa­ding des Sub­jekts“?

(…) die Ver­drän­gung ist, wenn sie ein­ge­führt wird, we­sent­lich ge­bun­den an die ab­so­lut not­wen­di­ge Er­schei­nung des­sen, dass das Sub­jekt auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs aus­ge­löscht wird und ver­schwin­det.“46

La­can un­ter­schei­det zwei Ebe­nen des Spre­chens, énon­cé und énon­cia­ti­on, Aus­sa­ge und Äu­ße­rungs­vor­gang. Mit „Aus­sa­ge“ ist das (mehr oder we­ni­ger) be­wusst kon­trol­lier­te Spre­chen ge­meint, mit „Äu­ße­rungs­vor­gang“ das „Spre­chen“ des Un­be­wuss­ten, also die Pro­duk­ti­on von Wie­der­ho­lungs­zwän­gen, Sym­pto­men und Fehl­leis­tun­gen. Auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs ver­schwin­det das Sub­jekt. Da­mit ver­schiebt sich die Fra­ge: Was heißt es, dass das Sub­jekt auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs ver­schwin­det?

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 6 spricht La­can über den Un­ter­schied zwi­schen dem dia­chro­nen und dem syn­chro­nen Zu­gang zum Un­be­wuss­ten. Der dia­chro­ne An­satz, die Sta­di­en­kon­zep­ti­on, habe sich als frucht­bar er­wie­sen, er aber – La­can – in­ter­es­sie­re sich we­sent­lich für die syn­chro­ne Di­men­si­on.

Die­se Be­zie­hung ist die Be­zie­hung des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern das Sub­jekt sich hier als Sub­jekt nicht be­zeich­nen kann, sich nicht be­nen­nen kann.“47

Das Sub­jekt kann sich in sei­ner Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten nicht be­zeich­nen. Eben dar­in be­steht das Ver­schwin­den des Sub­jekts: Auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs kann es sich nicht be­nen­nen.

Im We­sent­li­chen stellt sich uns das Un­be­wuss­te im­mer als eine Ar­ti­ku­la­ti­on dar, die un­end­lich oft wie­der­holt wird. (…) Auf die­ser Ebe­ne ist das Sub­jekt letzt­lich das, was die Mar­kie­rung, die Stig­ma­ta ei­ner Wie­der­ho­lung trägt, die für es nicht nur mehr­deu­tig, son­dern streng­ge­nom­men un­zu­gäng­lich bleibt, bis zu dem Punkt, dass die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, durch den End­punkt, den sie dem Sub­jekt gibt, es dem Sub­jekt er­mög­licht, sich hier zu be­nen­nen, sich zu ver­or­ten, sich zu be­zeich­nen, als das, was die Stüt­ze die­ser Sank­ti­on ist.

Auf die­ser Ebe­ne kann von ihm kein ‚Ich‘ (Je) ar­ti­ku­liert wer­den. Die Er­fah­rung stellt sich im Ge­gen­teil dar als Das ge­schieht von au­ßen. Zu sa­gen, dass das ge­schieht, ist be­reits viel, das Sub­jekt kann es auch bloß als ein Es spricht le­sen. Es gibt da ei­nen sol­chen Ab­stand, dass nicht ge­sagt ist, dass das Sub­jekt ihn auf ir­gend­ei­ne Wei­se über­schrei­ten kann und dass es das Ziel er­rei­chen kann, das Freud uns an­zu­zie­len auf­for­dert, mit sei­nem Ge­bot Wo Es war, soll Ich wer­den.“48

Die Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten zei­gen sich im Wie­der­ho­lungs­zwang, mit ei­nem Bei­spiel von Freud etwa dar­in, im­mer wie­der von ei­nem Freund ver­ra­ten zu wer­den 49. Für sol­che Si­gni­fi­kan­ten­ket­ten – also etwa für die Wie­der­ho­lung des Ver­ra­ten­wer­dens durch ei­nen Freund – gilt, dass das Sub­jekt den Ein­druck hat, dass ihm die Din­ge von au­ßen zu­sto­ßen, dass es kei­nes­wegs der Trä­ger der Er­eig­nis­se ist. Es kann sich nicht als de­ren Stüt­ze be­nen­nen, es kann sie nicht mit ei­nem „ich“ ver­knüp­fen. Das Fa­ding des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es sich nicht als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs be­nen­nen kann, und das heißt, dass es sich be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten nicht zu­schrei­ben kann, etwa die Si­gni­fi­kan­ten ei­nes Wie­der­ho­lungs­zwangs. Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Kur zielt dar­auf ab, es dem Sub­jekt mög­lich zu ma­chen, sich als Stüt­ze, als Trä­ger die­ser Äu­ße­run­gen zu be­nen­nen. Eben dies meint Freuds For­mu­lie­rung „Wo Es war, soll Ich wer­den“: das Sub­jekt soll sich als Sub­jekt die­ser Äu­ße­run­gen be­nen­nen. (Eine aus­führ­li­che Re­kon­struk­ti­on der Be­grif­fe Fa­ding und Apha­ni­sis fin­det man in die­sen Blog­bei­trag.)

Liest man das Sym­bol $ in der For­mel ($ ◊ D) als „das Sub­jekt im Fa­ding“ und be­zieht man im Gra­phen die von A aus nach oben füh­ren­de Li­nie, die Li­nie „Que vuoi?“, auf den Schnitt­punkt ($ ◊ D), kann man den Zu­sam­men­hang so le­sen: Das Sub­jekt fragt sich be­wusst nach sei­nem wah­ren Be­geh­ren jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter den An­spruch („Que vuoi?“). Die Ant­wort wird ihm auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs ge­ge­ben, an­ders ge­sagt, sie be­steht in Wie­der­ho­lungs­zwän­gen, Sym­pto­men, Ver­spre­chern usw. Es ist ihm je­doch nicht mög­lich, sich die Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses selbst zu­zu­schrei­ben, es kann sich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs nicht be­nen­nen, es ver­schwin­det als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs. Da­mit stellt sich die Fra­ge, wie es un­ter die­ser Be­din­gung dem Sub­jekt mög­lich ist, sich in sei­nem Be­geh­ren jen­seits des An­spruchs zu er­fas­sen, jen­seits des Ichi­de­als. Ei­ner der Wege ist die Ent­zif­fe­rung des un­be­wuss­ten Codes ($ ◊ D) und die Re­kon­struk­ti­on der da­mit ver­bun­de­nen Be­zie­hung zum An­de­ren.

◊: Raute als Schnitt

Im letz­ten Drit­tel von Se­mi­nar 6 gibt La­can auch der Rau­te eine neue Deu­tung. Die­se Um­deu­tung ist stär­ker als die Ak­zent­ver­schie­bung in Be­zug auf das durch­ge­stri­che­ne S. Die Rau­te wird völ­lig neu in­ter­pre­tiert. Von jetzt an gilt ihm die Rau­te nicht mehr nur, wie zu­vor, als ver­kürz­te Ver­si­on des L-Sche­mas, son­dern zu­gleich als Sym­bol für den Schnitt (coupu­re). 50

Da­bei be­zieht er sich al­ler­dings nicht auf die Rau­te in der For­mel für den Code des Un­be­wuss­ten, $ ◊ D, son­dern auf die Rau­te in der For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a. Ein Jahr spä­ter wird er die In­ter­pre­ta­ti­on der Rau­te als Schnitt auch auf die For­mel ($ ◊ D) be­zie­hen. Aus die­sem Grun­de fas­se ich an die­ser Stel­le zu­sam­men, wie er in Se­mi­nar 6 den Be­griff des Schnitts er­läu­tert; die An­wen­dung auf die For­mel für das Phan­tas­ma deu­te ich da­bei nur an.

La­cans Haupt­aus­sa­ge zum Schnitt lau­tet: Der Schnitt ist die Art und Wei­se, wie sich im Sym­bo­li­schen das Rea­le ma­ni­fes­tiert. Zu­nächst ei­ni­ge An­nä­he­run­gen an die­se The­se.

Si­gni­fi­kan­ten sind dif­fe­ren­ti­ell or­ga­ni­siert.51 Zu die­ser Dif­fe­ren­tia­li­tät ge­hört, dass der Über­gang zwi­schen ih­nen nicht kon­ti­nu­ier­lich ist, nicht ana­log, son­dern sprung­haft, also dis­kret; dar­in un­ter­schei­det sich die pho­no­lo­gi­sche Ebe­ne, zu wel­cher der Be­griff des Si­gni­fi­kan­ten ge­hört, von der pho­ne­ti­schen Ebe­ne.

Es geht also um ei­nen Ab­stand. Un­ab­hän­gig von der Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung be­zeich­net La­can so­wohl den zeit­li­chen als auch den räum­li­chen Ab­stand – die Zwi­schen­zeit und den Zwi­schen­raum – als in­ter­val­le; in Se­mi­nar 1 spricht er bei­spiels­wei­se vom „In­ter­vall zwi­schen dem ers­ten und dem zwei­ten Schla­gen der Türe“ (l’intervalle ent­re les deux bat­tants de por­te), also für eine zeit­li­che Be­zie­hung52, in Se­mi­nar 2 spricht er vom in­ter­val­le zwi­schen Ka­tho­de und An­ode in ei­ner Tri­ode und ver­wen­det den Aus­druck da­mit für den räum­li­chen Ab­stand.53

In Se­mi­nar 6 be­zieht La­can den Aus­druck in­ter­val­le auf den Ab­stand zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern sie eine un­be­wuss­te Ket­te bil­den, also zeit­lich nach­ein­an­der ver­ket­tet sind.54 Ähn­lich wird es ei­ni­ge Jah­re spä­ter in Die Stel­lung des Un­be­wuss­ten hei­ßen:

Se­pa­ra­re, se pa­ra­re [tren­nen, sich schmü­cken]: um sich mit dem Si­gni­fi­kan­ten, dem es un­ter­liegt, zu schmü­cken (se pa­rer), at­ta­ckiert das Sub­jekt die Ket­te – die wir knapp auf eine Bi­na­ri­tät re­du­ziert ha­ben – am Punkt des In­ter­valls. Das sich wie­der­ho­len­de In­ter­vall, ra­di­kals­te Struk­tur der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, ist der Ort, an dem die Me­to­ny­mie ihr We­sen treibt, Trä­ger, zu­min­dest leh­ren wir das, des Be­geh­rens.“55

Hier be­zieht sich „In­ter­vall“ auf die Ket­te, auf die Me­to­ny­mie und da­mit auf die Zwi­schen­zeit.

Im Jo­nes-Auf­satz (1959) be­zieht La­can den Ter­mi­nus in­ter­val­le auf den Ab­stand zwi­schen dem ver­drän­gen­den und dem ver­dräng­ten Si­gni­fi­kan­ten, also auf eine syn­chro­ne Be­zie­hung, ge­wis­ser­ma­ßen auf den räum­li­chen Ab­stand.56

Wenn das zeit­li­che In­ter­vall ver­stärkt wird, spricht La­can häu­fig von ei­ner „Skan­die­rung“ (scan­si­on), etwa bei den ab­ge­bro­che­nen Sät­zen des Ge­richts­prä­si­den­ten Schre­ber.57 Un­ter Skan­die­rung ver­steht er aber ge­le­gent­lich auch ein­fach das In­ter­vall zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten im ge­wöhn­li­chen Spre­chen, bei­spiels­wei­se wenn er in Se­mi­nar 6 sagt, das In­ter­vall sei die we­sent­li­che „Skan­die­rung“, auf der das Spre­chen auf­baut.58

Da das Sym­bo­li­sche dif­fe­ren­ti­ell ver­fasst ist, ist das In­ter­vall zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten, so heißt es in Se­mi­nar 6, das letz­te struk­tu­rel­le Cha­rak­te­ris­ti­kum des Sym­bo­li­schen.59

Das In­ter­vall wird in Se­mi­nar 6 auch als „Schnitt“ be­zeich­net.60 Der Schnitt ist der dia­chro­ne oder syn­chro­ne Ab­stand zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten, das, wo­durch ihre Dif­fe­renz kon­sti­tu­iert wird.

Die­se ers­te An­nä­he­rung muss prä­zi­siert wer­den: Der coupu­re ist nicht ein­fach ein In­ter­vall, son­dern ein Ein­schnitt – ein Ein­schnitt in et­was.

In die­sem Sin­ne hat­te La­can den Be­griff des Schnitts be­reits in Se­mi­nar 2 ver­wen­det. Dort hat­te er den Schnitt so be­schrie­ben, dass der Strom ei­ner ur­sprüng­li­chen Span­nung von ei­ner Rei­he von Al­ter­na­ti­ven er­fasst wird und dass hier­durch eine Ma­schi­ne ent­steht. Er spricht hier von „zeit­li­chen Ein­schnit­ten“61; die „Sym­bo­li­sie­rung des Rea­len“, so heißt es hier auch, ist ein „Schnitt auf dem Ni­veau ei­ner die­ser Kopp­lun­gen“62. In Se­mi­nar 6 be­zieht er sich für den Be­griff des Schnitts aus­drück­lich auf die­ses frü­he­re Bei­spiel.63 „Schnitt“ meint hier also den zeit­li­chen Ab­stand.

Im Schnitt, so heißt es in Se­mi­nar 6, ma­ni­fes­tiert sich im Sym­bo­li­schen das Rea­le. Das Rea­le ist das, was nicht sym­bo­li­siert wer­den kann. Auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen gibt es je­doch eine Ver­bin­dung mit dem Rea­len, und das ist der Schnitt. Er ist im Sym­bo­li­schen zu­gäng­lich – als Ab­stand zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten. In ge­wis­sem Sin­ne ist er auch nicht zu­gäng­lich, in­so­fern, als er die Sym­bo­li­sie­rung über­haupt erst er­mög­licht und da­mit im­mer vor­aus­ge­setzt wer­den muss; in­so­fern auch, als er kei­nen Sinn hat.

La­can be­zieht sei­ne Be­griff­lich­keit auf die der On­to­lo­gie:

Wenn der Aus­druck ‚Sein‘ schließ­lich et­was be­deu­tet, wenn wir ihm sei­ne Mi­nimalde­fi­ni­ti­on ge­ben, dann ist es das Rea­le, in­so­fern es sich in das Sym­bo­li­sche ein­schreibt.“64

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung wird das so aus­ge­führt:

Wir wer­den also sa­gen, das Sein ist ei­gent­lich das Rea­le, in­so­fern das Rea­le sich auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen ma­ni­fes­tiert. Dass wir uns nicht miss­ver­ste­hen: das ist auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen – wir ha­ben in al­len Fäl­len, wir ha­ben die­se Sa­che nir­gend­wo an­ders zu be­trach­ten, die­se Sa­che, die ganz ein­fach zu sein scheint, näm­lich dass es et­was Hin­zu­ge­füg­tes gibt, wenn wir sa­gen, dass et­was dies oder je­nes ist, und dass die­se Äu­ße­rung das Rea­le an­zielt, in­so­fern die Af­fir­ma­ti­on oder Zu­rück­wei­sung oder Ver­leug­nung des Rea­len im Sym­bo­li­schen voll­zo­gen wird. Dass wir uns nicht miss­ver­ste­hen, das Sein ist nir­gend­wo an­ders als in den In­ter­val­len, da wo es das am we­nigs­ten Si­gni­fi­kan­te der Si­gni­fi­kan­ten ist, näm­lich der Schnitt. Das Sein ist das­sel­be wie der Schnitt. Der Schnitt ver­ge­gen­wär­tigt es im Sym­bo­li­schen.“65

Wenn sich das Rea­le auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen ma­ni­fes­tiert, dann ist dies das Sein. Das Sein ist in den In­ter­val­len zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten. Die In­ter­val­le zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten sind der Schnitt. Im Schnitt ver­ge­gen­wär­tigt sich das Sein.

Ein Zu­gang zum Schnitt ist dem Sub­jekt in­so­fern mög­lich, als es die Er­fah­rung des Phan­tas­mas hat. Über die For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a, sagt La­can:

Sie be­zeich­net nicht ein Ver­hält­nis des Sub­jekts zum Ob­jekt, son­dern das Phan­tas­ma, in­so­fern es das Sub­jekt als be­geh­ren­des stützt, d..h. an ei­nem Punkt jen­seits sei­nes Dis­kur­ses. Sie be­deu­tet, dass das Sub­jekt im Phan­tas­ma als Sub­jekt des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses ge­gen­wär­tig ist. Es ist im Phan­tas­ma in­so­fern ge­gen­wär­tig, als es durch die Funk­ti­on des Schnitts re­prä­sen­tiert wird, d..h. durch die Funk­ti­on, die in ei­nem Dis­kurs für das Sub­jekt we­sent­lich ist, nicht in ir­gend­ei­nem Dis­kurs, son­dern in ei­nem Dis­kurs, der ihm ent­geht, im Dis­kurs des Un­be­wuss­ten.“66

Im Phan­tas­ma er­scheint das Sub­jekt qua Schnitt etwa als Spal­te, als Schlitz, als Riss (fen­te).67

Der obe­re Teil des Gra­phen ist ins­ge­samt so kon­stru­iert. Das Sub­jekt stellt sich be­wusst die Fra­ge nach sei­nem Sein, nach sei­nem Be­geh­ren jen­seits des An­spruchs, jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter die Spra­che und das Spre­chen; hier­für steht im Gra­phen die von A aus nach oben füh­ren­de Li­nie, die Li­nie „Que vuoi?“. Die Ant­wort auf die­se Fra­ge ist, auf der Sei­te des An­de­ren, der Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren, S(Ⱥ), auf der Sei­te des Sub­jekts der Schnitt. Im Schnitt hat das Sub­jekt die Mög­lich­keit, sich in sei­nem Sein zu er­fah­ren.

In­so­fern das Sub­jekt der Schnitt die­ser Rede ist, ist das Sub­jekt im höchs­ten Gra­de von ei­nem ‚Ich bin‘, des­sen ein­zig­ar­ti­ge Ei­gen­schaft die ist, sich in die­ser Rea­li­tät zu er­fas­sen, die wirk­lich die letz­te ist, in der ein Sub­jekt sich er­fas­sen kann, näm­lich in der Mög­lich­keit, ir­gend­wo die Rede ab­zu­schnei­den, eine In­ter­punk­ti­on vor­zu­neh­men.“68

Wenn man je­man­dem das Wort ab­schnei­det, gibt man ihm die (manch­mal be­un­ru­hi­gen­de) Mög­lich­keit, sich als Schnitt zu er­fah­ren, d..h. in sei­nem grund­le­gen­den Ver­hält­nis zur Spra­che. Auch das Ende ei­ner Sit­zung, z..B. ei­ner Vor­le­sung, ist ein Schnitt, der al­ler­dings, wie La­can sagt, den Feh­ler hat, dass er will­kür­lich vor­ge­nom­men wird.69

Der Schnitt ist si­cher­lich die wirk­sams­te Art der ana­ly­ti­schen Deu­tung. Man will die­sen Schnitt me­cha­nisch voll­zie­hen, ihn ei­ner vor­fa­bri­zier­ten Zeit un­ter­wer­fen. Nun, nicht nur brin­gen wir ihn auf wirk­sa­me Wei­se ganz wo­an­ders an, wir fü­gen au­ßer­dem hin­zu, dass dies eine der wirk­sams­ten Me­tho­den un­se­rer In­ter­ven­ti­on ist. Wir müs­sen dar­auf be­stehen und ihn an­wen­den.“70

Die Kon­zep­ti­on des Schnitts ist La­cans ent­schei­den­de Be­grün­dung für die Tech­nik der va­ria­blen Sit­zungs­dau­er. Es ist des­halb we­nig sinn­voll, sei­ne Be­grün­dung für die­ses Ver­fah­ren zu re­kon­stru­ie­ren und da­bei, wie Ni­co­las Lan­glitz, die in den Se­mi­na­ren 2 und 6 ent­wi­ckel­te Kon­zep­ti­on des Schnitts zu über­ge­hen.71

Ab Se­mi­nar 9 wird La­can den Be­griff des Schnitts mit­hil­fe der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie aus­ar­bei­ten, als Schnitt in eine Ober­flä­che.72

Zu­sam­men­fas­sung

Ab Se­mi­nar 6, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, deu­tet La­can die Rau­te auch als Sym­bol für den Schnitt, ab Se­mi­nar 9 wird er den Be­griff des Schnitts durch Be­zug auf die ma­the­ma­ti­sche To­po­lo­gie theo­re­tisch aus­ar­bei­ten. Si­gni­fi­kan­ten sind dif­fe­ren­ti­ell ver­fasst, dazu ge­hört, dass der Über­gang zwi­schen ih­nen nicht glei­tend ist, son­dern sprung­haft, dass es zwi­schen ih­nen ei­nen Ab­stand gibt, so­wohl dia­chron – in der Ver­ket­tung von Si­gni­fi­kan­ten im zeit­li­chen Nach­ein­an­der, etwa in Wör­tern und Sät­zen – und syn­chron, im „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“. Die­sen räum­li­chen und zeit­li­chen Ab­stand be­zeich­net La­can ab den ers­ten Se­mi­na­ren als In­ter­vall; das In­ter­vall gilt ihm als das letz­te struk­tu­rel­le Cha­rak­te­ris­ti­kum des Sym­bo­li­schen. Ab Se­mi­nar 6 wird das In­ter­vall auch als Schnitt be­zeich­net. Als Schnitt be­trach­tet, ist das In­ter­vall aber nicht nur ein­fach ein Ab­stand, son­dern ein Ein­schnitt in et­was, in eine Ober­flä­che. Im Schnitt ma­ni­fes­tiert sich, auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen, das Rea­le. Im Phan­tas­ma ist dem Sub­jekt eine Er­fah­rung des Schnitts mög­lich, etwa als Spal­te, als Schlitz oder als Riss.

Die Ausrichtung der Kur“ (1960)

In dem Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht wird die Um­deu­tung der For­mel ($ ◊ D), die in Se­mi­nar 6 be­gon­nen hat­te, wei­ter vor­an­ge­trie­ben (die End­fas­sung die­ses Auf­sat­zes wur­de 1960 ge­schrie­ben; ver­öf­fent­licht wur­de der Text 1961).

Subjektspaltung

La­can spricht hier von der

Spal­tung, der das Sub­jekt un­ter­wor­fen ist, da es nur in­so­fern Sub­jekt ist, als es spricht. (Das wird sym­bo­li­siert mit dem Quer­bal­ken ad­li­ger Bas­tard­schaft, mit dem wir das S des Sub­jekts ver­se­hen, um da­mit zu no­tie­ren, dass es eben die­ses Sub­jekt ist: $.)“73

Familienwappen-der-Ducs-de-Vendôme-mit-Schrägbalken.

Fa­mi­li­en­wap­pen der Her­zo­ge von Ven­dô­me mit Schräg­bal­ken

Im Sym­bol des durch­ge­stri­che­nen S, also $, steht der Buch­sta­be S für das Sub­jekt. Der Schräg­strich auf dem S sym­bo­li­siert die Spal­tung des Sub­jekts. Mit Freud ist die Sub­jekt­spal­tung die in Be­wuss­tes und Un­be­wuss­tes, mit La­can: die in das (schein­bar) be­wusst kon­trol­lier­te Spre­chen und in das „Spre­chen“ der Sym­pto­me, der Wie­der­ho­lungs­zwän­ge, der Ver­spre­cher. Die Sub­jekt­spal­tung be­ruht auf dem Spre­chen – dies ist eine der The­sen, die La­can seit 1953 aus­ar­bei­tet.

Der Schräg­strich auf dem S soll an den Quer­bal­ken er­in­nern, mit dem auf ei­nem Wap­pen an­ge­zeigt wird, dass der ad­li­ge Trä­ger des Wap­pens ein un­ehe­li­ches Kind ist, ein „ad­li­ger Bas­tard“, an­ders ge­sagt, dass er kei­ne Erb­an­sprü­che hat. Im Fran­zö­si­schen heißt der Schräg­bal­ken la bar­re.

Das ge­spal­te­ne Sub­jekt ist das il­le­gi­ti­me Kind des Spre­chens.

Formel für den Trieb

In ei­ner Fuß­no­te zum letz­ten Satz heißt es:

Vgl. das ($ ◊ D) und das ($ ◊ a) un­se­res Gra­phen, den wir hier in Sub­ver­si­on des Sub­jekts auf­ge­nom­men ha­ben (Schrif­ten II, S. 193). Das Zei­chen ◊ be­zeich­net die Be­zie­hun­gen Ein­wick­lung [en­ve­lop­pe­ment] – Ent­wick­lung [dé­ve­lop­pe­ment] – Kon­junk­ti­on – Dis­junk­ti­on. Die Ver­bin­dun­gen, die da­mit in die­sen bei­den Klam­mern be­zeich­net wer­den, er­mög­li­chen es, das aus­ge­stri­che­ne S so zu le­sen: S im fa­ding im Schnitt des An­spruchs; S im fa­ding vor dem Ob­jekt des Be­geh­rens. Näm­lich: der Trieb und das Phan­tas­ma.“74

(Die For­mu­lie­rung „den wir hier in Sub­ver­si­on des Sub­jekts auf­ge­nom­men ha­ben“ usw. ist eine Än­de­rung in den Ècrits von 1966. In der ers­ten ver­öf­fent­lich­ten Ver­si­on von Die Aus­rich­tung der Kur im Jah­re 1961 steht hier ein Hin­weis auf die Zu­sam­men­fas­sung der ers­ten sie­ben Sit­zun­gen von Se­mi­nar 6, ver­fasst von J.-B. Le­fe­v­re-Pon­ta­lis und ver­öf­fent­licht im Bul­le­tin de psy­cho­lo­gie 171-XIII-5 vom 5. Ja­nu­ar 1960.75)

Die For­mel ($ ◊ D) wird hier erst­mals als For­mel für den Trieb be­zeich­net. In den Se­mi­na­ren 5 und 6 hat­te La­can den Aus­druck an­ders ge­nannt: For­mel für den Code des Un­be­wuss­ten. Wenn man das zu­sam­men­fügt, er­gibt sich: Die For­mel für den Code des Un­be­wuss­ten ist die For­mel für den Trieb. Der Aus­druck ($ ◊ D) ist die For­mel für den Trieb im Un­be­wuss­ten, d..h. für den Trieb, so­weit er durch Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert ist, so­weit er ver­drängt ist.

In Das Un­be­wuss­te schreibt Freud, nicht der Trieb wer­de ver­drängt, son­dern die Vor­stel­lung, die ihn re­prä­sen­tiert:

Ich mei­ne wirk­lich, der Ge­gen­satz von be­wußt und un­be­wußt hat auf den Trieb kei­ne An­wen­dung. Ein Trieb kann nie Ob­jekt des Be­wußt­seins wer­den, nur die Vor­stel­lung, die ihn re­prä­sen­tiert. Er kann aber auch im Un­be­wuß­ten nicht an­ders als durch die Vor­stel­lung re­prä­sen­tiert sein. Wür­de der Trieb sich nicht an eine Vor­stel­lung hef­ten oder nicht als ein Af­fekt­zu­stand zum Vor­schein kom­men, so könn­ten wir nichts von ihm wis­sen. Wenn wir aber doch von ei­ner un­be­wuß­ten Trieb­re­gung oder ei­ner ver­dräng­ten Trieb­re­gung re­den, so ist dies eine harm­lo­se Nach­läs­sig­keit des Aus­drucks. Wir kön­nen nichts an­de­res mei­nen als eine Trieb­re­gung, de­ren Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz un­be­wußt ist, denn et­was an­de­res kommt nicht in Be­tracht.„76

Die „Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tan­zen“ des Triebs sind für La­can be­stimm­te An­sprü­che; der Code des Un­be­wuss­ten be­steht aus die­sen Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tan­zen des Triebs.

La­can über­setzt Trieb mit pul­si­on, nicht, wie es vor La­can im Fran­zö­si­schen üb­lich war, mit in­stinct. Die­se Über­set­zung fin­det sich be­reits früh. In In­ter­ven­ti­on sur le trans­fert (1951) spricht er vom „pul­si­on éro­tique ora­le“, vom „ero­ti­schen Oral­t­rieb“77, auch in Se­mi­nar 1 von 1953/54 über­setzt er „Trieb“ mit „pul­si­on“78; in Se­mi­nar 2 (1954/55) kri­ti­siert er die Über­set­zung von „Trieb“ mit „in­stinct“79.

Die Deu­tung des Aus­drucks ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb qua Si­gni­fi­kan­ten­schatz schließt an die frü­he­re Deu­tung der For­mel als Code des Un­be­wuss­ten an. Der Code des Un­be­wuss­ten be­steht ja, wie La­can in den Se­mi­na­ren 5 und 6 er­läu­tert hat­te, aus ei­nem Ap­pa­rat von An­sprü­chen, die die Funk­ti­on ha­ben, das Sub­jekt auf den An­de­ren zu be­zie­hen, näm­lich aus ora­len und ana­len An­sprü­chen. Der Code des Un­be­wuss­ten be­zieht sich also auf den Oral­t­rieb und den Anal­t­rieb. Die­se bei­den Trie­be sind mit be­stimm­ten Si­gni­fi­kan­ten ver­bun­den, und die­se Si­gni­fi­kan­ten bil­det das Vo­ka­bu­lar des Un­be­wuss­ten, in Freuds Ter­mi­no­lo­gie: sie bil­den die psy­chi­sche Trieb­re­prä­sen­tanz.

Be­reits in den Se­mi­na­ren 5 und 6 hat­te La­can die For­mel pau­schal auf „an­de­re“ An­sprü­che be­zo­gen und da­mit in­di­rekt auf an­de­re Trie­be. Etwa an die­ser Stel­le:

In­so­fern der An­spruch fi­xiert bleibt, kann man die Modi des Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rats ar­ti­ku­lie­ren, der den un­ter­schied­li­chen Ty­pen des An­spruchs ent­spricht, oral, anal und an­dere, und das auf eine Wei­se, die tat­säch­lich eine Art kli­ni­sche Ent­spre­chung zur Ob­jekt­be­zie­hung dar­stellt.“80

Bei ei­ner der Er­läu­te­run­gen der For­mel ($ ◊ D) hat­te er in Se­mi­nar 5 den Ge­ni­tal­trieb ins Spiel ge­bracht:

Wenn wir von grund­le­gen­den Sta­di­en oder Be­zie­hun­gen zum Ob­jekt spre­chen, das wir zu­dem als oral, anal, ja ge­ni­tal be­zeich­nen, wo­von spre­chen wir dann? Von ei­ner be­stimm­ten Art Be­zie­hung, die die Um­welt* des Sub­jekts rund um eine zen­tra­le Funk­ti­on zen­triert und sein Ver­hält­nis zu der Welt im Lauf der Ent­wick­lung de­fi­niert. Al­les, was aus sei­ner Um­welt zu ihm kommt, hät­te so eine spe­zi­el­le Be­deu­tung, ge­schul­det der durch das ty­pi­sche ora­le, ana­le oder ge­ni­ta­le Ob­jekt er­lit­te­nen Bre­chung. Es gibt hier ein Trug­bild – das Ver­ständ­nis da­von wird im­mer nur nach­träg­lich re­kon­stru­iert und in die Ent­wick­lung re­pro­ji­ziert.“81

Tat­säch­lich je­doch, so heißt es in Se­mi­nar 5 an­schlie­ßend, geht es um die Be­zie­hung zum An­spruch. In­di­rekt heißt das: auch die Be­zie­hung zum ge­ni­ta­len Ob­jekt muss als eine Be­zie­hung des An­spruchs re­kon­stru­iert wer­den.

Wenn La­can in Die Aus­rich­tung der Kur die For­mel ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb be­zeich­net, ist das also nichts ra­di­kal Neu­es, son­dern eine Ver­deut­li­chung des­sen, was von An­fang an an­ge­deu­tet wur­de, eine Zu­spit­zung durch ex­pli­zi­te Ge­ne­ra­li­sie­rung.

Die aus­drück­li­che Zu­ord­nung zum Trieb über­haupt wirft die Fra­ge auf, wie sich die an­de­ren Trie­be zum An­spruch ver­hal­ten. Wor­in be­steht bei­spiels­wei­se beim Schau­t­rieb der An­spruch? Wor­in beim Ge­ni­tal­trieb? Das bleibt hier of­fen. (In Se­mi­nar 10 wird La­can ver­su­chen, die­se Fra­ge für den Ge­ni­tal­trieb zu be­ant­wor­ten, sie­he un­ten.)

Die Deu­tung des Aus­drucks ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb be­zieht sich auf den Gra­phen des Be­geh­rens. In die­sem Sche­ma wird das Be­geh­ren durch den Buch­sta­ben d be­zeich­net (für dé­sir). Die aus­drück­li­che Be­zeich­nung von ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb hat den Ef­fekt, dass Be­geh­ren und Trieb deut­lich ge­trennt wer­den. Der Trieb wird dem syn­chro­nen Code des Un­be­wuss­ten zu­ge­ord­net, das Be­geh­ren dem Kreis­lauf des Un­be­wuss­ten, ge­wis­ser­ma­ßen dem Spre­chen, nicht dem Wort­schatz. Der Trieb wird der Syn­chro­nie zu­ge­ord­net, das Be­geh­ren der Dia­chro­nie (wie auch in der Rede von der „Me­to­ny­mie des Be­geh­rens“). Die­se deut­li­che Dif­fe­ren­zie­rung ist be­mer­kens­wert, denn in den frü­hen Se­mi­na­ren war die Be­zie­hung zwi­schen Be­geh­ren und Trieb un­be­stimmt ge­blie­ben. Noch im Ethik­se­mi­nar (Se­mi­nar 7 von 1959/60) ver­wen­det La­can die Aus­drü­cke „Be­geh­ren“ und „Trieb“ ge­le­gent­lich syn­onym; er wech­selt hier von pul­si­on de mort zu dé­sir de mort, von „To­des­trieb“ zu „To­des­be­geh­ren“, ohne ei­nen Un­ter­schied zu mar­kie­ren.

Raute als Schnitt

In der zi­tier­ten Pas­sa­ge aus Die Aus­rich­tung der Kur wird das Sym­bol $ als „das Sub­jekt im Fa­ding“ in­ter­pre­tiert; aus Se­mi­nar 6 ist das be­reits be­kannt. $ steht also ins­ge­samt für das ge­spal­te­ne Sub­jekt, näm­lich das Sub­jekt im Fa­ding.

Die Rau­te wird als Sym­bol für den Schnitt ge­deu­tet. Das be­zieht sich in Die Aus­rich­tung der Kur aus­drück­lich auf die For­mel ($ ◊ D); ob auch auf die For­mel des Phan­tas­mas, bleibt of­fen. Aus­drück­lich wird die Zu­ord­nung der Rau­te zum Be­griff des Schnitts erst in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung (1961/62), vor­ge­nom­men. Dort heißt es:

Wenn ich nie­mals die wahr­haf­te Ver­ba­li­sie­rung die­ser Form ◊ ein­ge­führt habe, Pun­ze, Be­geh­ren, wo­durch das $ mit dem a zum $ ◊ a ver­eint wird, die­ser klei­ne Vier­sei­ter muss so ge­le­sen wer­den: Das Sub­jekt, in­so­fern es vom Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist, ist im Phan­tas­ma spe­zi­ell Schnitt von a.“82

Was ist ein Schnitt? In Se­mi­nar 6 er­fährt man, dass La­can dar­un­ter den Ein­schnitt zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten ver­steht, das, was sie trennt und da­mit zu­gleich ver­bin­det; statt vom Schnitt spricht er hier auch vom In­ter­vall.

Da der An­spruchs­dis­kurs aus Si­gni­fi­kan­ten be­steht, müss­te die Li­nie, die ihn re­prä­sen­tiert, hier in der frag­men­tier­ten Form er­schei­nen, wo wir sie hier fort­be­stehen se­hen, näm­lich in Form ei­ner Ab­fol­ge von dis­kre­ten, also durch In­ter­val­le ge­trenn­ten Ele­men­ten.“83

In Die Aus­rich­tung der Kur wird die Rau­te so ge­deu­tet: Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on, Ein­wick­lung und Ent­wick­lung.

Kon­junk­ti­on“ und „Dis­junk­ti­on“ sind Ter­mi­ni der Lo­gik, sie be­zeich­nen For­men der Ver­knüp­fung von Aus­sa­gen. Wenn zwei Aus­sa­gen durch „und“ ver­bun­den sind (wie in „Ich has­se dich und ich lie­be dich“), ist das eine Kon­junk­ti­on, wenn sie durch „oder“ ver­knüpft sind („Ich has­se dich oder ich lie­be dich“) han­delt es sich um eine Dis­junk­ti­on.

In der Lo­gik sind Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on ver­knüp­fen­de Ele­men­te, mit de­nen Aus­sa­gen ver­bun­den wer­den. Die Kon­junk­ti­on wird in der Lo­gik meist durch das Gra­phem ∧ sym­bo­li­siert, die in­klu­si­ve Dis­junk­ti­on durch ∨. Aus La­cans spä­te­ren Er­läu­te­run­gen der Rau­te (in Se­mi­nar 11) geht her­vor, dass er sie ho­ri­zon­tal spal­tet und auf die­se Wei­se die Sym­bo­le ∧ und ∨ er­zeugt. Das darf man wohl auf den Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur zu­rück­pro­ji­zie­ren: Die Rau­te steht in­so­fern für Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on, als sich das Gra­phem der Rau­te in die Sym­bo­le ∧ und ∨ zer­le­gen lässt. Das ∨ re­prä­sen­tiert die in­klu­si­ve Dis­junk­ti­on, an­ders ge­sagt: Der Satz „Ich has­se dich oder ich lie­be dich“ steht für drei Mög­lich­kei­ten: (1) „Ich has­se dich und ich lie­be dich nicht“, (2) „Ich has­se dich nicht und ich lie­be dich“, (3) „Ich has­se dich und ich lie­be dich“.

In der Lo­gik sind Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on Ver­knüp­fer, durch wel­che Aus­sa­gen mit­ein­an­der ver­bun­den und, im Fal­le der Dis­junk­ti­on, zu­gleich ge­trennt wer­den. Be­zo­gen auf die For­mel des Phan­tas­mas ist zu ver­mu­ten, dass es um die Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on zwi­schen dem Sub­jekt und dem Ob­jekt a geht, um ihre Ver­bin­dung und Tren­nung, be­zo­gen auf die For­mel für den Trieb um die Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­spruch.

Hier­an an­knüp­fend kann man ver­mu­ten, dass sich die Be­grif­fe „Ein­wick­lung“ und „Ent­wick­lung“ auf die­je­ni­gen Sym­bo­le be­zie­hen, die sich er­ge­ben, wenn man die Rau­te auf an­de­re Wei­se spal­tet, nicht ho­ri­zon­tal, son­dern ver­ti­kal. Man er­hält dann die Gra­phe­me < und >, die in der Ma­the­ma­tik als Sym­bo­le für „klei­ner als“ und für „grö­ßer als“ ver­wen­det wer­den. Also ist viel­leicht ge­meint: „A ist in B ein­ge­wi­ckelt“ = A ist klei­ner als B = A < B. „A ist ge­gen­über B aus­ge­wi­ckelt“ = A ist grö­ßer als B = A > B. Was könn­te da­mit kon­kret ge­meint sein? Ich habe nicht die ge­rings­te Idee.

Wie auch im­mer, of­fen­bar nimmt La­can an, dass es zwi­schen $ und D vier Be­zie­hun­gen ge­ben kann:
– sie sind mit­ein­an­der ver­bun­den (Kon­junk­ti­on,  $∧D),
– sie sind von­ein­an­der ge­trennt (Dis­junk­ti­on, $∨D),
– sie sind also zu­gleich mit­ein­an­der ver­bun­den und von­ein­an­der ge­trennt,
– $ wird von D ein­ge­hüllt (Ein­wick­lung, $<D),
– $ hüllt D ein (Ent­wick­lung,  $>D).

Die Rau­te ◊ wäre dann ein Sym­bol für das Ge­samt der mög­li­chen Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Sub­jekt und dem Ob­jekt a (in der For­mel des Phan­tas­mas) bzw. zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­spruch (in der For­mel für den Trieb).

Die Deu­tung der Rau­te als Schnitt könn­te dann hei­ßen: Der Schnitt ist zu­gleich eine Ver­bin­dung (Kon­junk­ti­on) und eine Tren­nung (Dis­junk­ti­on), die­se Verbindung/Trennung ist das, was die Be­zie­hung zwi­schen dem ge­spal­te­nen Sub­jekt und dem Ob­jekt a her­stellt (be­zo­gen auf das Phan­tas­ma) und au­ßer­dem das, was die Be­zie­hung zwi­schen dem ge­spal­te­nen Sub­jekt und dem An­spruch pro­du­ziert (be­zo­gen auf den Trieb).

Klinik der Regression

In Die Aus­rich­tung der Kur fährt La­can so fort:

Die Re­gres­si­on, die man in der Ana­ly­se in den Vor­der­grund stellt (die zeit­li­che Re­gres­si­on, si­cher­lich, aber un­ter der Be­din­gung, dass man prä­zi­siert, daß es sich um die Zeit der Wie­derer­in­ne­rung han­delt), be­zieht sich nur auf die (ora­len, ana­len etc.) Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs und aus­schließ­lich über die­se auf den ent­spre­chen­den Trieb.“84

Wie schon in den Se­mi­na­ren 5 und 6 wird die For­mel ($ ◊ D) auch in Die Aus­rich­tung der Kur auf die Re­gres­si­on be­zo­gen.

In der Traum­deu­tung hat­te Freud drei For­men der Re­gres­si­on un­ter­schie­den, die to­pi­sche, die zeit­li­che und die for­ma­le. Mit dem Aus­druck „to­pi­sche Re­gres­si­on“ be­zieht Freud sich auf sei­ne ers­te To­pik, auf die Un­ter­schei­dung von Be­wuss­tem, Vor­be­wuss­tem und Un­be­wuss­tem; die to­pi­sche Re­gres­si­on be­steht in ei­nem Rück­gang vom Be­wuss­ten zum Un­be­wuss­ten. Die zeit­li­che Re­gres­si­on ist ein „Rück­grei­fen auf äl­te­re psy­chi­sche Bil­dun­gen“85. Die for­ma­le Re­gres­si­on be­steht dar­in, dass die ge­wohn­ten Aus­drucks­wei­sen durch pri­mi­ti­ve­re Aus­drucks- und Dar­stel­lungs­wei­sen er­setzt wer­den. La­can sagt also: Die Re­gres­si­on, um die es geht, ist nicht ein Rück­gang vom Be­wuss­ten zum Un­be­wuss­ten, son­dern ein Zu­rück­schrei­ten zu äl­te­ren psy­chi­schen Bil­dun­gen.

Al­ler­dings ist die Zeit der Re­gres­si­on, so hebt La­can her­vor, die der Wie­derer­in­ne­rung. Der Pa­ti­ent wird nicht zu ei­nem Säug­ling, sein psy­chi­scher Ap­pa­rat re­gre­diert nicht ins­ge­samt auf das ora­le oder ana­le Sta­di­um. Viel­mehr tau­chen, an­ge­reizt durch das Er­in­nern im Rah­men ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur, be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten sei­ner Vor­ge­schich­te auf: ora­le, ana­le und an­de­re For­de­run­gen. Durch das Spre­chen und Ver­hal­ten des Sub­jekts schim­mert hin­durch, dass er be­stimm­te For­de­run­gen an den Ana­ly­ti­ker stellt oder be­stimm­te For­de­run­gen von ihm er­war­tet. Die in ei­ner Ana­ly­se in­du­zier­te Re­gres­si­on be­schränkt sich auf die­se Si­gni­fi­kan­ten, und sie be­zieht sich auf die ent­spre­chen­den Trie­be nur auf dem Weg über die­se Si­gni­fi­kan­ten. Bei­spiels­wei­se wird eine Be­zie­hung zum Oral­t­rieb nur durch Wie­der­be­le­bung ora­ler For­de­run­gen her­ge­stellt.

Zusammenfassung

Die For­mel ($ ◊ D) wird in Die Aus­rich­tung der Kur erst­mals als For­mel für den Trieb be­zeich­net.

In ($ ◊ D) wie in ($ ◊ a) steht das Sym­bol $ für die Sub­jekt­spal­tung und für das Sub­jekt im Fa­ding.

Die Rau­te ist das Sym­bol für den Schnitt. In Se­mi­nar 6 hat­te La­can die­se Zu­ord­nung für die For­mel des Phan­tas­mas vor­ge­nom­men, in Die Aus­rich­tung der Kur wird die­se Deu­tung erst­mals aus­drück­lich auf die For­mel ($ ◊ D) be­zo­gen.

Die Rau­te be­zeich­net zwei Paa­re von ge­gen­sätz­li­chen Re­la­tio­nen: Einwicklung/Entwicklung und Konjunktion/Disjunktion.

Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on, so er­fährt man in Se­mi­nar 11, ent­ste­hen durch ho­ri­zon­ta­le Spal­tung der Rau­te, hier­durch er­hält man die Sym­bo­le ∧ (Und) und ∨ (in­klu­si­ves Oder). Von La­can sind da­mit ver­mut­lich Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen ge­meint: Si­gni­fi­kan­ten sind ver­knüpft (Kon­junk­ti­on) und sie sind ge­trennt (Dis­junk­ti­on). Also kann man ver­mu­ten, dass die Ter­mi­ni Ein­wick­lung und Ent­wick­lung sich auf die ver­ti­ka­le Spal­tung der Rau­te be­zie­hen, wo­durch die Sym­bo­le < und > ent­ste­hen, „klei­ner als“ und „grö­ßer als“. Wor­um es da­bei geht, ist mir nicht klar, viel­leicht um Ein­schach­te­lung.

Die Re­gres­si­on, die man in der Ana­ly­se in den Vor­der­grund stellt, be­zieht sich auf die Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs und nur auf dem Weg über die­se Si­gni­fi­kan­ten auf den Trieb. Die For­mel ($ ◊ D) steht also, kli­nisch ge­se­hen, für die im Ver­lauf ei­ner Psy­cho­ana­ly­se her­bei­ge­führ­te Re­gres­si­on und weist dar­auf hin, dass es da­bei um die Er­in­ne­rung an be­stimm­te An­sprü­che (D) geht. Die­ser Ge­dan­ke ist aus den Se­mi­na­ren 5 und 6 be­kannt.

Seminar 8 (1960/61), „Die Übertragung“

In Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, be­zieht La­can sich nicht auf die For­mel.

Verschwinden des Subjekts

In Se­mi­nar 8, Die Über­tra­gung86, wird die For­mel ($ ◊ D) so um­schrie­ben:

Letzt­end­lich – ich sage ‚letzt­end­lich‘ na­tür­lich im Ho­ri­zont des­sen, was in der Ana­ly­se un­se­re Funk­ti­on ist – sind wir als ‚es‘ da, ge­nau als ‚es‘, das schweigt und das dazu schweigt, was es zu sein ver­fehlt. Wir sind letzt­end­lich, in un­se­rer Ge­gen­wart, un­ser ei­ge­ner Pa­ti­ent (su­jet), an dem Punkt, an dem er ver­schwin­det, an dem er aus­ge­stri­chen ist. Aus die­sem Grun­de kön­nen wir eben den Platz aus­fül­len, an dem der Pa­ti­ent sich selbst als Sub­jekt aus­löscht, in­so­fern er sich sämt­li­chen Si­gni­fi­kan­ten sei­nes ei­ge­nen An­spruchs un­ter­ord­net. Das stellt sich nicht nur auf der Ebe­ne der Re­gres­si­on her, auf der Ebe­ne der ‚Si­gni­fi­kan­ten­schät­ze‘ des Un­be­wuss­ten, auf der Ebe­ne des Vo­ka­bu­lars des Wun­sches*, in­so­fern wir ihn im Ver­lauf der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung ent­zif­fern, son­dern letzt­end­lich auf der Ebe­ne des Phan­tas­mas. Ich sage letzt­end­lich, in­so­fern das Phan­tas­ma das ein­zi­ge Äqui­va­lent für die auf den Trieb be­zo­ge­ne Ent­de­ckung ist, wo­durch es mög­lich ist, dass das Sub­jekt den Platz der Ant­wort be­zeich­net, den S(Ⱥ), den es von der Über­tra­gung er­war­tet, und dass die­ses S(Ⱥ) Sinn macht.“87

War­um schweigt der Ana­ly­ti­ker so häu­fig? Weil dies in ei­ner Ana­ly­se letzt­lich sei­ne Funk­ti­on ist. In ei­ner Ana­ly­se ist er letzt­lich als „es“ da, als das, was schweigt. Und wor­über schweigt er? Über sei­nen Seins­man­gel, über sein Be­geh­ren.

Zur Er­läu­te­rung be­zieht La­can sich an­spie­lungs­wei­se auf das obe­re Stock­werk des Gra­phen und dort auf die Punk­te ($ ◊ D), ($ ◊ a) und S(Ⱥ) so­wie auf die von A über ($ ◊ D) nach S(Ⱥ) füh­ren­de Li­nie, die Li­nie „Que vuoi?“.

Abb 1 d - Graph mit drei MarkierungenWenn er schweigt, ist der Ana­ly­ti­ker ein aus­ge­stri­che­nes Sub­jekt, ein Sub­jekt, das das, was es be­gehrt, nicht ar­ti­ku­lie­ren kann – sein Be­geh­ren im Un­ter­schied zum An­spruch, der im­mer vom An­de­ren kommt; er ist dann ein Sub­jekt, das für sein ei­ge­nes Be­geh­ren kei­nen Si­gni­fi­kan­ten hat und das in­so­fern ver­schwin­det. Da­mit ist der Ana­ly­ti­ker am sel­ben Platz wie der Pa­ti­ent, der in ei­ner Ana­ly­se eben­falls den Platz des ver­schwin­den­den Sub­jekts ein­nimmt.

Das Ver­schwin­den des Pa­ti­en­ten als Sub­jekt voll­zieht sich in zwei Zu­sam­men­hän­gen, in der Re­gres­si­on und im Phan­tas­ma, und da­mit an den bei­den Punk­ten, die im Gra­phen durch die For­meln ($ ◊ D) und ($ ◊ a) be­zeich­net wer­den.

Bei der Re­gres­si­on geht es um die Si­gni­fi­kan­ten­schät­ze des Un­be­wuss­ten, um das Vo­ka­bu­lar des „Wun­sches“, wie Freud sagt – des „Wun­sches“, der im Ver­lauf ei­ner Ana­ly­se ent­zif­fert wird. Das ent­spricht der For­mel ($ ◊ D). Sie be­zieht sich dar­auf, dass das Sub­jekt aus­ge­stri­chen ist und ver­schwin­det ($), und zwar in­so­fern, als es sich den Si­gni­fi­kan­ten sei­nes An­spruchs (D) un­ter­ord­net. Die Ent­zif­fe­rung die­ses Wunsch­vo­ka­bu­lars er­mög­licht eine auf den Trieb be­zo­ge­ne Ent­de­ckung. Wel­che? Das wird nicht ge­sagt.

Die Aus­strei­chung des Sub­jekts voll­zieht sich aber nicht nur in der Re­gres­si­on, also in der For­mel ($ ◊ D), son­dern auch im Phan­tas­ma und da­mit in Be­zug auf die For­mel ($ ◊ a).

Re­gres­si­on und Phan­tas­ma er­mög­li­chen es dem Sub­jekt, ei­nen Zu­gang zu der Ant­wort zu fin­den, die es im Rah­men der Über­tra­gung auf die Fra­ge nach sei­nem ei­ge­nen Be­geh­ren er­hält („Que vuoi?“); im Gra­phen wird die­se Fra­ge durch die Li­nie re­prä­sen­tiert, die von A aus­geht und über ($ ◊ D) nach S(Ⱥ) führt. Der Platz der vom Sub­jekt er­war­te­ten Ant­wort wird im Gra­phen durch den Schnitt­punkt oben links re­prä­sen­tiert, durch die Zei­chen­fol­ge S(Ⱥ), Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren. In der zi­tier­ten Pas­sa­ge ent­spricht der Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren dem Schwei­gen des Ana­ly­ti­kers. Da­durch, dass das Sub­jekt sich selbst in Re­gres­si­on und Phan­tas­ma als aus­ge­stri­che­nes Sub­jekt er­fährt, macht der Si­gni­fi­kant des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren – das Schwei­gen des Ana­ly­ti­kers – für das Sub­jekt ei­nen Sinn. (Zum Si­gni­fi­kan­ten des Man­gels im An­de­ren vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.)

Die Be­zie­hung zwi­schen den drei Sym­bo­len der For­mel ($ ◊ D) wird hier so ge­deu­tet: In­so­fern das Sub­jekt sich den Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs un­ter­ord­net (D) ist es ein ver­schwin­den­des Sub­jekt ($).

Zusammenfassung

Die For­mel $ ◊ D steht im Über­tra­gungs-Se­mi­nar für den Si­gni­fi­kan­ten­schatz des Un­be­wuss­ten, für das Wunsch­vo­ka­bu­lar, für den Trieb.

Die­ser Si­gni­fi­kan­ten­schatz wird im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur ent­zif­fert.

In der For­mel steht das Sym­bol $ für das Ver­schwin­den des Sub­jekts. Das Sub­jekt ver­schwin­det ($) in­so­fern, als es sich den Si­gni­fi­kan­ten sei­nes An­spruchs (D) un­ter­ord­net.

Die Ent­zif­fe­rung des Wunsch­vo­ka­bu­lars ist, ne­ben der Ent­zif­fe­rung des Phan­tas­mas, die Vor­aus­set­zung da­für, dass das Sub­jekt die Ant­wort auf sei­ne Fra­ge, was es will, ent­zif­fern kann, die Ant­wort, die im Gra­phen durch das Sym­bol S(Ⱥ) be­zeich­net wird, Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren.

Seminar 9 (1961/62), „Die Identifizierung“

Formel für den Trieb

In Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung88 heißt es über die For­mel ($ ◊ D):

Die­ser Graph, der hier so gut ein­zu­schrei­ben wäre, in der Kluft, durch die das Sub­jekt mit der Ebe­ne des uni­ver­sa­len Dis­kur­ses auf dop­pel­te Wei­se ver­bun­den ist, heu­te wer­de ich hier die vier dar­an be­tei­lig­ten Punk­te ein­tra­gen, es sind die­je­ni­gen, die sie ken­nen:
– A,
s(A), die Be­deu­tung der Bot­schaft, in­so­fern es sie durch die Rück­kehr gibt, die vom An­de­ren des Si­gni­fi­kan­ten kommt, der hier ver­or­tet ist,
– hier (S ◊ D), die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­spruch, in­so­fern hier der Trieb (pul­si­on) spe­zi­fi­ziert wird,
– hier das S(Ⱥ), der Si­gni­fi­kant des An­de­ren, in­so­fern der An­de­re letzt­lich nur for­ma­li­siert, si­gni­fi­kan­ti­siert wer­den kann als selbst vom Si­gni­fi­kan­ten ge­kenn­zeich­net, an­ders ge­sagt, in­so­fern er uns die Zu­rück­wei­sung je­der Met­a­spra­che auf­nö­tigt.“89

Die For­mel wird hier ex­pli­zit, wie in Die Aus­rich­tung der Kur, auf den Trieb be­zo­gen; in den Se­mi­na­ren fin­det man das hier zum ers­ten Mal. Die For­mel gibt an, sagt La­can, wie der Trieb spe­zi­fi­ziert wird. Die Par­ti­al­trie­be – oral, anal u.a.– un­ter­schei­den sich von­ein­an­der durch die Ar­ten des An­spruchs, durch die Un­ter­schied­lich­keit der An­sprü­che ge­win­nen sie ihre Spe­zi­fik.

Definition des Triebs

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 9 heißt es:

(…) die­se Ele­men­te des Si­gni­fi­kan­ten­schat­zes auf der Eta­ge des Äu­ße­rungs­vor­gangs – ich brin­ge Ih­nen bei, sie zu er­ken­nen –, das ist das, was Trieb* ge­nannt wird, pul­si­on. Ich for­ma­li­sie­re Ih­nen das so: Die ers­te Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len im Sub­jekt durch die Ein­wir­kung des An­spruchs ist der Trieb. Und wenn es im Trieb nicht be­reits die­se Wir­kung des An­spruchs ge­ge­ben hat, die­se Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten, könn­te er nicht in ei­nem Sche­ma ar­ti­ku­liert wer­den, das der­art of­fen­kun­dig gram­ma­tisch ist. Ich ma­che hier aus­drück­lich eine An­spie­lung auf das, was ich bei al­len, die mit mei­nen frü­he­ren Ana­ly­sen ver­traut sind, als be­kannt vor­aus­set­ze, die an­de­ren ver­wei­se ich auf den Ar­ti­kel Trie­be und Trieb­schick­sa­le (…).“90

Im Gra­phen ist die obe­re Eta­ge die des Äu­ße­rungs­vor­gangs, die un­te­re die der Aus­sa­ge. Auf bei­den Ebe­nen gibt es ei­nen Si­gni­fi­kan­ten­schatz, auf der un­te­ren Ebe­ne steht hier­für der Schnitt­punkt A, auf der obe­ren der Schnitt­punkt ($ ◊ D). Statt vom „Code“ spricht La­can auch hier vom „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“. Nach Se­mi­nar 6 ver­zich­tet La­can in dem hier un­ter­such­ten Zeit­raum, also bis 1964, fast voll­stän­dig auf „Code“ als theo­re­ti­schen Be­griff (ein ein­zi­ges Mal wird der Ter­mi­nus noch ver­wen­det: das su­jet sup­po­sé sa­voir ist das „su­jet sup­po­sé du code“, das dem Code un­ter­stell­te Sub­jekt, heißt es in Se­mi­nar 9.91).

Der Si­gni­fi­kan­ten­schatz auf der obe­ren Eta­ge, dar­ge­stellt durch die For­mel $ ◊ D, ist der Trieb. Wie funk­tio­niert der Trieb? La­can skiz­ziert eine Be­we­gung aus drei Mo­men­ten:
– Es gibt et­was „Rea­les im Sub­jekt“; in den Se­mi­na­ren 5 und 6 so­wie im Phal­lus-Auf­satz wird die­ses Rea­le „Be­dürf­nis“ ge­nannt.
– Auf die­ses „Rea­le im Sub­jekt“ wir­ken Si­gni­fi­kan­ten ein, in Ge­stalt von An­sprü­chen, von For­de­run­gen (D).
– Die Ein­wir­kung der An­spruchs-Si­gni­fi­kan­ten auf das Rea­le des Sub­jekts hat zur Fol­ge, dass das Rea­le im Sub­jekt mo­di­fi­ziert wird.

Die ers­te Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len im Sub­jekt durch den An­spruch ist der Trieb. Von da­her er­klärt sich, dass Freud (in Trie­be und Trieb­schick­sa­le) den Trieb in ei­nem Sche­ma ar­ti­ku­lie­ren kann, das gram­ma­ti­schen Cha­rak­ter hat. Das be­zieht sich auf Freuds Cha­rak­te­ri­sie­rung der Trie­be durch Ak­tiv-Pas­siv-Trans­for­ma­tio­nen (Ver­keh­rung ins Ge­gen­teil) so­wie durch Ver­keh­run­gen von Sub­jekt und Ob­jekt (Wen­dung ge­gen die ei­ge­nen Per­son).92 Zu be­ach­ten ist, dass La­can an die­ser Stel­le die Tat­sa­che, dass Freud sich hier in­di­rekt auf die Gram­ma­tik stützt, zu­stim­mend re­fe­riert; in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und, deut­li­cher noch, in Se­mi­nar 11 wird er die­se Be­zug­nah­me pro­ble­ma­ti­sie­ren. Das heißt viel­leicht, dass Sub­ver­si­on des Sub­jekts nach Se­mi­nar 9 ver­fasst wur­de, also nach 1962.

Schnitt als Differenz

In der fol­gen­den Pas­sa­ge aus Se­mi­nar 9 be­zieht La­can sich zwar nicht aus­drück­lich auf die For­mel ($ ◊ D), er skiz­ziert je­doch den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten­schatz und dem Schnitt und be­leuch­tet da­mit den theo­re­ti­schen Hin­ter­grund für die Deu­tung der Rau­te als Schnitt ab dem Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur. Auch die rät­sel­haf­te Gleich­set­zung des Schnitts mit Einwicklung/Entwicklung und Konjunktion/Disjunktion wird von hier aus ein we­nig ver­ständ­li­cher.

Kann denn ein Si­gni­fi­kant in sei­nem ra­di­kals­ten We­sen an­ders be­grif­fen wer­den denn als Schnitt in eine Ober­flä­che, > <? Die­se bei­den Zei­chen: grö­ßer als, >, und klei­ner als, <, die sich nur von ih­rer Struk­tur als Schnitt her auf­nö­ti­gen, der in et­was ein­ge­schrie­ben ist, wo be­stän­dig nicht nur die Kon­ti­nui­tät ei­ner Ebe­ne mar­kiert ist, in die sich die Fort­set­zung ein­schrei­ben wird, son­dern auch die Vek­tor­rich­tung, in der die­se sich be­fin­den wird.

War­um hat sich uns der Si­gni­fi­kant, in sei­ner leib­li­chen, d..h. stimm­li­chen Ver­kör­pe­rung im­mer als we­sent­lich dis­kon­ti­nu­ier­lich dar­ge­stellt? Wir brauch­ten also gar kei­ne Flä­che: Der Si­gni­fi­kant wird durch die Dis­kon­ti­nui­tät ge­bil­det; zu sei­ner Struk­tur ge­hört die Un­ter­bre­chung in der Ab­fol­ge. Die­se zeit­li­che Di­men­si­on des Funk­tio­nie­rens der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, die ich für Sie zu­nächst als Ab­fol­ge ar­ti­ku­liert habe, hat zur Kon­se­quenz, dass die Skan­die­rung ein Ele­ment ein­führt, das zur Tei­lung der mo­du­la­to­ri­schen Un­ter­bre­chung hin­zu­kommt, sie führt die Hast ein, die ich als lo­gi­sche Hast be­zeich­net habe – das ist eine alte Ar­beit, Die lo­gi­sche Zeit.93

Der nächs­te Schritt, den ich heu­te mit Ih­nen ge­hen will, ist be­reits an­ge­bahnt wor­den, es ist der­je­ni­ge, bei dem die Dis­kon­ti­nui­tät sich mit dem ver­kno­tet, was das We­sen des Si­gni­fi­kan­ten ist, näm­lich mit der Dif­fe­renz. Wenn wir die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten sich be­stän­dig dar­um ha­ben dre­hen las­sen, wenn wir sie be­stän­dig dar­auf zu­rück­ge­führt ha­ben [näm­lich auf die Dif­fe­renz], dann des­halb, um Ihre Auf­merk­sam­keit auf Fol­gen­des zu len­ken: so­gar wenn man den­sel­ben [Si­gni­fi­kan­ten] wie­der­holt, schreibt er sich, rein da­durch, dass er wie­der­holt wird, als ver­schie­den ein.

Wo ist die Ein­fü­gung ei­ner Dif­fe­renz? Ein­zig dort, wo der Schnitt ist? Jen­seits der zeit­li­chen Skan­die­rung in­ter­es­siert uns hier die Ein­füh­rung der to­po­lo­gi­schen Di­men­si­on. Oder be­ruht sie eben auf dem, was wir ‚die ein­fa­che Mög­lich­keit, un­ter­schie­den zu sein‘ nen­nen wer­den, auf der Exis­tenz der dif­fe­ren­ti­el­len Bat­te­rie, die den Si­gni­fi­kan­ten kon­sti­tu­iert und durch die wir, an der Wur­zel des Phä­no­mens, Syn­chro­nie kei­nes­falls mit Si­mul­tanei­tät ver­men­gen kön­nen –? Die Syn­chro­nie – die be­wirkt, dass der Si­gni­fi­kant, wenn er als das­sel­be wie­der­er­scheint, als von dem un­ter­schie­den wie­der­er­scheint, was er wie­der­holt, und als das, was als un­ter­scheid­bar an­ge­se­hen wer­den kann –, die Syn­chro­nie ist die In­ter­po­la­ti­on der Dif­fe­renz, in­so­fern wir als Grund­la­ge der Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on nicht die Iden­ti­tät von ‚A ist A‘ an­neh­men kön­nen, und das heißt, dass die Dif­fe­renz im Schnitt ist oder in der Mög­lich­keit der Syn­chro­nie, durch wel­che die Si­gni­fi­kan­ten­dif­fe­renz kon­sti­tu­iert wird.

Je­den­falls ist das, was sich als Si­gni­fi­kant wie­der­holt, nur von da­her dif­fe­rent, dass es ein­ge­schrie­ben wer­den kann. Fest­zu­hal­ten bleibt, dass die Funk­ti­on des Schnitts uns in ers­ter Li­nie bei dem wich­tig ist, was ge­schrie­ben wer­den kann.

Und an die­ser Stel­le muss der Be­griff der to­po­lo­gi­schen Flä­che in un­ser geis­ti­ges Funk­tio­nie­ren ein­ge­führt wer­den, weil erst von da­her die Funk­ti­on des Schnitts ihre Be­deu­tung ge­winnt.

Der Ein­wand, dass die Ein­schrei­bung uns zum Ge­dächt­nis zu­rück­führt, ist zu­rück­zu­wei­sen. Das Ge­dächt­nis, das uns in­ter­es­siert, uns Ana­ly­ti­ker, ist von ei­nem or­ga­ni­schen Ge­dächt­nis zu un­ter­schei­den, von dem­je­ni­gen, wenn ich so sa­gen kann, das auf ein be­stimm­tes ‚An­sau­gen‘ durch das Rea­le auf im­mer die­sel­be Wei­se re­agie­ren wür­de, um den Or­ga­nis­mus da­vor zu schüt­zen, auf eine Wei­se, durch wel­che die Ho­möo­sta­se auf­recht­erhal­ten wird, denn der Or­ga­nis­mus er­kennt das­sel­be, das sich er­neu­ert, nicht als et­was Ver­schie­de­nes. Das or­ga­ni­sche Ge­dächt­nis (mé­moi­re) ver­sel­bigt (‚même-ori­se‘).

Un­ser Ge­dächt­nis ist et­was an­de­res. Es in­ter­ve­niert ab­hän­gig vom ein­zel­nen Zug (trait un­aire), der das ein­zi­ge Mal mar­kiert und der die Ein­schrei­bung zur Grund­la­ge hat. Zwi­schen dem Reiz und der Re­ak­ti­on muss die Ein­schrei­bung – das prin­ting – nach Art der Gu­ten­berg­schen Dru­cke­rei in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wer­den.“94

Die The­se lau­tet: Ein Si­gni­fi­kant kann letzt­lich nur als Schnitt an­ge­se­hen wer­den.

Die Zei­chen für grö­ßer als, >, und für klei­ner als, <, nö­ti­gen sich nur vom Schnitt her auf. Das wird kla­rer (al­ler­dings nur ein biss­chen), wenn man sich an Die Aus­rich­tung der Kur er­in­nert: Das Sym­bol für den Schnitt ist dem­nach die Rau­te. Die Zei­chen für grö­ßer als und klei­ner als nö­ti­gen sich vom Schnitt her auf, sie kön­nen durch eine ho­ri­zon­ta­le Tei­lung der Rau­te er­zeugt wer­den. Aber was ist da­mit wie­der­um ge­meint?

Mit Schnitt meint La­can ei­nen Schnitt in eine Ober­flä­che, ei­nen Schnitt, der auf die­ser Flä­che eine be­stimm­te Rich­tung hat.

Bis­lang hat­te La­can sich auf die Dis­kon­ti­nui­tät zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten be­zo­gen und da­mit auf die Un­ter­bre­chung des Stimm­flus­ses im zeit­li­chen Nach­ein­an­der, in der Dia­chro­nie. Um die­se zeit­li­che Dis­kon­ti­nui­tät ging es beim Be­griff der Skan­die­rung so­wie bei dem der lo­gi­schen Hast im Auf­satz über die lo­gi­sche Zeit von 1945.

Für die­sen Be­zug auf die Zeit­struk­tur der Si­gni­fi­kan­ten be­nö­tigt man nicht den Be­griff der Flä­che.

Wenn man je­doch die Dif­fe­renz der Si­gni­fi­kan­ten be­grei­fen will, ge­nau­er: die Dif­fe­renz im syn­chro­nen Sys­tem, in der „Bat­te­rie“ der Si­gni­fi­kan­ten, im Si­gni­fi­kan­ten­schatz, be­nö­tigt man ein an­de­res Be­zugs­sys­tem, nicht die Zeit, son­dern den Raum.

Die Dif­fe­renz des syn­chro­nen Si­gni­fi­kan­ten­schat­zes ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass et­was, wenn es sich wie­der­holt, ver­schie­den ist. Dar­in un­ter­schei­det sich das Ge­dächt­nis, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, vom or­ga­ni­schen Ge­dächt­nis – das or­ga­ni­sche Ge­dächt­nis „ver­sel­bigt“.

Um die Dif­fe­renz in der Wie­der­ho­lung zu den­ken, be­nö­tigt man den Be­griff des Schnitts und da­mit das to­po­lo­gi­sche Kon­zept der Flä­che, in die et­was ein­ge­schrie­ben wird. („Schnitt“ ist ein Grund­be­griff der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie.) Da­mit wird der Schnitt auf den Raum be­zo­gen und von der zeit­li­chen Dis­kon­ti­nui­tät un­ter­schie­den.

Das Ge­dächt­nis, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, be­ruht auf dem ein­zel­nen Zug (trait un­aire), der ein­zel­ne Zug hat die Ein­schrei­bung zur Grund­la­ge, es wird hier et­was ge­druckt, ähn­lich wie in ei­ner Dru­cke­rei.

Der Trieb ist eine Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len durch den An­spruch, hieß es an frü­he­rer Stel­le in Se­mi­nar 9. Jetzt sagt La­can: der Schnitt ist ein Schnitt in eine Ober­flä­che. Man kann also ver­mu­ten: Die Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len soll to­po­lo­gisch als Schnitt in eine Ober­flä­che dar­ge­stellt wer­den.

Wie lässt sich von hier aus die Be­mer­kung aus Die Aus­rich­tung der Kur auf­klä­ren, dass der Schnitt Einwicklung/Auswicklung und Konjunktion/Disjunktion ist? Nur so­weit, dass es, wie ver­mu­tet, um die Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten geht, und dass es da­bei viel­leicht nicht um die Dia­chro­nie geht – um die Ver­ket­tung zu Wör­tern und Sät­zen –, son­dern um die Syn­chro­nie.

Zusammenfassung

Der Aus­druck ($ ◊ D) wird im Se­mi­nar über die Iden­ti­fi­zie­rung, wie be­reits in Die Aus­rich­tung der Kur, als For­mel für den Trieb be­zeich­net. Die For­mel gibt an, wie der Trieb „spe­zi­fi­ziert“ wird, was ver­mut­lich hei­ßen soll, dass die Trie­be sich durch ihr un­ter­schied­li­ches Ver­hält­nis zum An­spruch un­ter­schei­den.

Der Trieb, so heißt es, ist die ers­te Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len im Sub­jekt durch die Ein­wir­kung des An­spruchs.

Der Schnitt ist die to­po­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Dif­fe­renz im syn­chro­nen Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem. Der Schnitt ist ein Schnitt in eine Ober­flä­che. Die Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len durch den An­spruch wird von La­can ver­mut­lich to­po­lo­gisch als Schnitt in eine Ober­flä­che dar­ge­stellt.

Vom Schnitt her nö­ti­gen sich die Sym­bo­le für „grö­ßer als“ und für „klei­ner als“ auf, also > und <. Ver­mut­lich ist ge­meint: Man kann die­se Sym­bo­le durch ver­ti­ka­le Spal­tung der Rau­te er­zeu­gen. Ist eine Be­zie­hung der Ver­schach­te­lung ge­meint?

Subversion des Subjekts“ (1962)

Der Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten95 be­ruht auf ei­nem Vor­trag von 1960, er wur­de 1962 ge­schrie­ben und 1966 ver­öf­fent­licht.96

Code

In Sub­ver­si­on des Sub­jekts zieht La­can den Be­griff „Code“ – den er nach Se­mi­nar 6 nur noch ein­mal ver­wen­det hat­te – aus­drück­lich zu­rück. Er ver­wen­det hier aus­schließ­lich den Aus­druck „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“, den er, zu­sam­men mit „Code“, be­reits in Se­mi­nar 5 ein­ge­führt hat­te. Über die bei­den un­te­ren Schnitt­punk­te des Gra­phen heißt es:

Der eine, mit A be­zeich­net, ist der Ort des Si­gni­fi­kan­ten­schat­zes, was nicht heißt: der Ort des Codes, denn es geht hier nicht dar­um, dass hier die uni­vo­ke Ent­spre­chung zwi­schen ei­nem Zei­chen und ir­gend­ei­ner Sa­che auf­be­wahrt wür­de, son­dern dar­um, dass der Si­gni­fi­kant nur durch eine syn­chro­ne und ab­zähl­ba­re An­samm­lung kon­sti­tu­iert wird, wo­bei je­der nur durch sei­ne prin­zi­pi­el­le Op­po­si­ti­on zu al­len an­de­ren Be­stand hat.“97

Un­ter dem Si­gni­fi­kan­ten­schatz soll das syn­chro­ne und dif­fe­ren­ti­el­le Sys­tem der Si­gni­fi­kan­ten ver­stan­den wer­den. Der Si­gni­fi­kan­ten­schatz ist des­halb kein Code, weil es bei ihm nicht um eine Eins-zu-eins-Zu­ord­nung von Zei­chen und Sa­che geht, wie sie beim Be­griff des Codes un­ter­stellt wird. Beim Si­gni­fi­kan­ten­schatz geht es auch nicht, so kann man er­gän­zen, um eine Eins-zu-eins-Zu­ord­nung von Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat.

In­di­rekt kri­ti­siert La­can sich hier selbst – eine der Grund­la­gen für die Kon­struk­ti­on des Gra­phen in den Se­mi­na­ren 5 und 6 war das Be­griffs­paar von Code und Bot­schaft, und auch im Psy­cho­se-Auf­satz war es ein ent­schei­den­der Be­zugs­punkt. Bei der Kri­tik des Code-Be­griffs greift La­can auf ei­nen Ein­wand zu­rück, den er selbst be­reits in Se­mi­nar 2 vor­ge­bracht hat­te: Der Si­gni­fi­kant ist we­sent­lich mehr­deu­tig.98

Die For­mel ($ ◊ D) steht also für den Si­gni­fi­kan­ten­schatz des Un­be­wuss­ten.

Diachronie des Triebs

Die For­mel ($ ◊ D) wird in Sub­ver­si­on des Sub­jekts so er­läu­tert:

Wenn nun un­ser voll­stän­di­ger Graph uns ge­stat­tet, den Trieb (pul­si­on) als Si­gni­fi­kan­ten­schatz zu ver­or­ten, so be­wahrt sei­ne No­ta­ti­on als ($ ◊ D) sei­ne Struk­tur, in­dem sie sie mit der Dia­chro­nie ver­bin­det. Sie ist das, was aus dem An­spruch wird, wenn das Sub­jekt hier ver­schwin­det.“99

Der Aus­druck ($ ◊ D) steht für den Trieb als Si­gni­fi­kan­ten­schatz, also nicht für den Trieb schlecht­hin, son­dern für ei­nen be­stimm­ten As­pekt des Trie­bes, für den Trieb, in­so­fern es sich bei ihm um ei­nen Si­gni­fi­kan­ten­schatz han­delt, d..h. so­weit er im Un­be­wuss­ten re­prä­sen­tiert ist. Als Über­set­zung für das deut­sche Wort „Trieb“ ver­wen­det La­can hier, wie fast im­mer, „pul­si­on“; in Sub­ver­si­on des Sub­jekts hat­te er an frü­he­rer Stel­le vor­ge­schla­gen, „Trieb“ al­ter­na­tiv mit „dé­ri­ve“ zu über­set­zen.100

Die For­mel ($ ◊ D) be­zieht sich nicht nur auf die syn­chro­ne Struk­tur des Triebs, auf die Bat­te­rie der un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten, son­dern auch auf sei­nen dia­chro­nen As­pekt – das ist ein neu­er Ak­zent in La­cans Deu­tung der For­mel. Mit dem Aus­druck „Dia­chro­nie“ ver­weist er auf die Sta­di­en­theo­rie und da­mit auf die Fra­ge, wie ein Sta­di­en­wech­sel zu er­klä­ren ist. Die­se Ver­än­de­rung, so lau­tet die The­se, die La­can an der zi­tier­ten Stel­le an­deu­tet, be­ruht auf ei­nem Wan­del des An­spruchs. In Se­mi­nar 11 wird er das so for­mu­lie­ren:

Der Über­gang vom Oral­t­rieb zum Anal­t­rieb er­folgt nicht in Form ei­nes Rei­fungs­pro­zes­ses, son­dern durch das In­ter­ve­nie­ren von et­was, was nicht auf das Feld des Triebs ge­hört – durch das In­ter­ve­nie­ren, die Um­keh­rung, des An­spruchs des An­de­ren.“101

Der Oral­t­rieb be­ruht auf dem An­spruch des Sub­jekts an den An­de­ren, der Anal­t­rieb auf dem An­spruch des An­de­ren an das Sub­jekt102; vgl. in die­sem Blog den Ar­ti­kel An­spruch und Be­geh­ren im ora­len und ana­len Sta­di­um. In der For­mel ($ ◊ D) sym­bo­li­siert die Rau­te die Be­zie­hung zum An­de­ren; man kann die Zei­chen­fol­ge (◊ D) also viel­leicht so le­sen: in der Trieb­struk­tur kommt es da­durch zu ei­nem Wech­sel, dass eine an­de­re Art des An­spruchs (D) mit ei­ner an­de­ren Be­zie­hung zum An­de­ren ver­bun­den wird (◊).

Um zum Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts zu­rück­zu­keh­ren: Der An­spruch des An­de­ren ist mit dem Ver­schwin­den des Sub­jekts ver­bun­den. Die Un­ter­ord­nung des Sub­jekts un­ter den An­spruch geht mit Ver­drän­gung ein­her und das heißt: da­mit, dass Äu­ße­run­gen ent­ste­hen, in de­nen das Sub­jekt sich nicht be­nen­nen kann, in de­nen es ver­schwin­det.

Schnitt

In Sub­ver­si­on des Sub­jekts fährt La­can so fort:

Dass auch der An­spruch ver­schwin­det, ver­steht sich von selbst, ab­ge­se­hen da­von, dass der Schnitt (coupu­re) bleibt, denn die­ser bleibt ge­gen­wär­tig in dem, was den Trieb von der or­ga­ni­schen Funk­ti­on, die er be­wohnt, un­ter­schei­det, näm­lich sein gram­ma­ti­scher Kunst­griff, der in den Ver­keh­run­gen sei­ner Ver­bin­dung mit der Quel­le wie auch mit dem Ob­jekt so of­fen­kun­dig ist (hier­zu ist Freud un­er­schöpf­lich).“103

Was ist da­mit ge­meint, dass der An­spruch ver­schwin­det und dass sich das von selbst ver­steht? Dass der ora­le und ana­le An­spruch als An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung ver­schwin­det? Ver­steht sich das in­so­fern von selbst, als je­der weiß, dass Kin­der ir­gend­wann ein­mal oral und anal ent­wöhnt wer­den?

Der An­spruch ver­schwin­det, aber der Schnitt bleibt. Wel­cher Schnitt?

Die ver­schie­de­nen Trie­be be­woh­nen un­ter­schied­li­che or­ga­ni­sche Funk­tio­nen; der Oral­t­rieb baut sich auf der Nah­rungs­auf­nah­me auf, der Anal­t­rieb auf der Aus­schei­dung, der Schau­t­rieb auf dem Se­hen.

Die­se or­ga­ni­schen Funk­tio­nen sind nicht der Trieb. Der Trieb un­ter­schei­det sich von ih­nen durch „Ver­keh­run­gen“ (der Aus­druck ist von Freud); die­se Ver­keh­run­gen be­zie­hen sich so­wohl auf die Quel­le als auch auf das Ob­jekt des Trie­bes.

Mit der Rede vom „Ob­jekt“ des Trie­bes und der „Quel­le“ des Trie­bes stützt La­can sich auf Freud. Freud hat­te vier Trieb­kom­po­nen­ten un­ter­schie­den: Drang, Ziel, Quel­le und Ob­jekt.104 Der Drang ist der Trieb als „kon­stan­te Kraft“, wie Freud schreibt.105 Das Ziel des Trie­bes ist die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung (La­can weist dar­auf hin, dass der Be­griff ver­wi­ckel­ter ist, als er aus­sieht, da die Sub­li­mie­rung eine „ziel­ge­hemm­te Be­frie­di­gung“ ist und da die Sym­pto­me, an de­nen die Pa­ti­en­ten lei­den, eine Form der Trieb­be­frie­di­gung dar­stel­len106). Ob­jek­te des Trie­bes sind die­je­ni­gen Ob­jek­te, durch die der Trieb das Ziel der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung er­rei­chen kann, Ob­jek­te des Oral­t­riebs sind also Brust oder Fla­sche; Freud be­tont, dass die­se Ob­jek­te va­ria­bel sind und be­lie­big oft ge­wech­selt wer­den kön­nen. Die Quel­le des Trie­bes ist, Freud zu­fol­ge, der so­ma­ti­sche Vor­gang, der psy­chisch als Trieb re­prä­sen­tiert wird. Der Durst wird durch das Aus­trock­nen der Mund­schleim­haut her­vor­ge­ru­fen, der Hun­ger durch die Anät­zung der Ma­gen­schleim­haut107; dem­nach sind für Freud die Quel­len des Oral­t­riebs die­se bei­den Schleim­haut­ver­än­de­run­gen. La­can fasst die Trieb­quel­le an­ders, er ver­steht dar­un­ter die ero­ge­ne Zone108, er deu­tet also ein Kon­zept aus Trie­be und Trieb­schick­sa­le mit ei­nem Be­griff aus den Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie um.109

Im Fal­le von Sa­dis­mus-Ma­so­chis­mus und Schau­lust-Ex­hi­bi­ti­on be­trifft die Ver­keh­rung, Freud zu­fol­ge, das Trieb­ziel; das ak­ti­ve Ziel (quä­len, be­schau­en) wird durch das pas­si­ve Ziel er­setzt (ge­quält wer­den, be­schaut wer­den) und um­ge­kehrt. Die an­de­re Form der Ver­keh­rung, die Ver­keh­rung des Ob­jekts, wird von ihm auch als „Wen­dung ge­gen die ei­ge­ne Per­son“ be­zeich­net. Für den Ma­so­chis­ten gilt, dass er das Wü­ten ge­gen die ei­ge­ne Per­son mit­ge­nießt, für den Ex­hi­bi­tio­nis­ten das Ent­blö­ßen der ei­ge­nen Per­son; die­sen Vor­gang be­greift Freud als ei­nen Wech­sel des Ob­jekts bei un­ver­än­der­tem Ziel.110

Die­se Ver­keh­run­gen, sagt La­can, be­ru­hen auf gram­ma­ti­scher Künst­lich­keit. In Se­mi­nar 11 wird er das so er­läu­tern: Freud stützt sich an die­ser Stel­le sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on auf das Ver­hält­nis von Ak­ti­vi­tät und Pas­si­vi­tät so­wie von Sub­jekt und Ob­jekt und da­mit auf die Gram­ma­tik, er un­ter­stellt, dass die­sen gram­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen rea­le Be­zie­hun­gen ent­spre­chen. La­can zu­fol­ge ist das nicht halt­bar. Der Be­zug auf die Gram­ma­tik ist künst­lich. Die gram­ma­ti­sche Künst­lich­keit ver­weist auf et­was an­de­res, auf den Schnitt, wird er in Se­mi­nar 11 sa­gen. Der Trieb­ver­keh­rung, die Freud be­schreibt, liegt nicht die Gram­ma­tik zu­grun­de, son­dern die Tat­sa­che, dass der Trieb eine Kreis­bahn durch­läuft, d..h. dass er, nach­dem er das Ob­jekt um­kreist hat, zur Trieb­quel­le zu­rück­kehrt. Als Trieb­quel­le be­greift La­can die ero­ge­ne Zone, und die ero­ge­ne Zone ist to­po­lo­gisch da­durch cha­rak­te­ri­siert, das sie durch eine Li­nie ab­ge­grenzt ist, dass sie ei­nen „Schnitt“ hat. Durch Freuds gram­ma­tisch ge­stütz­te Ver­keh­rungs­be­zie­hun­gen schim­mert eine to­pi­sche Struk­tur hin­durch, der Schnitt.

In Sub­ver­si­on des Sub­jekts heißt es an­schlie­ßend wei­ter:

Die Ein­gren­zung der ‚ero­ge­nen Zone‘, die den Trieb vom Me­ta­bo­lis­mus der Funk­ti­on iso­liert (der Freß­akt be­trifft an­de­re Or­ga­ne als der Mund, be­fra­gen Sie hier­zu den paw­low­schen Hund), ist das Fak­tum ei­nes Schnitts, der be­güns­tigt wird durch ein ana­to­mi­sches Merk­mal wie ei­nen Rand oder eine Kan­te: Lip­pen, ‚Ge­he­ge der Zäh­ne‘, Anus­rand, Pe­nis­fur­che, Va­gi­na, Lid­spal­te, so­gar Ohr­mu­schel (wir über­ge­hen hier die em­bryo­lo­gi­schen Prä­zi­sie­run­gen). Die Ero­genei­tät der At­mung ist nur un­ge­nü­gend er­forscht, doch ist sie in dem Spas­mus, den sie ins Spiel bringt, of­fen­sicht­lich.“111

Die ero­ge­ne Zone ist räum­lich ab­ge­grenzt, dar­in un­ter­schei­det sie sich von der Stoff­wech­sel­funk­ti­on. La­can nennt die räum­li­che Gren­ze „Schnitt“.

Der Schnitt als Gren­ze der ero­ge­nen Zone stützt sich auf ana­to­mi­sche Merk­ma­le wie Rän­der oder Kan­ten. Der Mund ist eine ero­ge­ne Zone, und das heißt: Er hat eine Raum­gren­ze, die Lip­pen; sie bil­den ge­wis­ser­ma­ßen eine ge­schlos­se­ne Li­nie. Die Stoff­wech­sel­funk­ti­on hin­ge­gen – die Nah­rungs­auf­nah­me – be­trifft noch wei­te­re Or­ga­ne, vor al­lem den Ma­gen. Das „Ge­he­ge der Zäh­ne“ ist Ho­mers Me­ta­pher für den Mund112; La­can be­zieht sich hier of­fen­bar nicht auf den Mund, son­dern auf die Zäh­ne als halb­wegs ge­schlos­se­ner Rand. Die Pe­nis­fur­che ist die ring­för­mi­ge Rand­zo­ne zwi­schen der Ei­chel und dem An­satz der Vor­haut. Bei der Ero­ge­ni­tät der At­mung scheint eben­falls ein Schnitt im Spiel zu sein. Da­mit kri­ti­siert La­can in­di­rekt sich selbst, in Se­mi­nar 6 hat­te er ge­sagt, der At­mung feh­le das Ele­ment des Schnitts.113 In dem Film Im Reich der Sin­ne (zu dem sich La­can in Se­mi­nar 23 äu­ßert) wird üb­ri­gens die Ero­ge­ni­tät der At­mung höchst an­schau­lich in Sze­ne ge­setzt, und sie wird da­bei mit dem Stran­gu­lie­ren ver­bun­den, mit der Er­zeu­gung ei­nes Schnitts.

Über den paw­low­schen Hund – also über die klas­si­sche Kon­di­tio­nie­rung – wird La­can in Se­mi­nar 15 von 1967/68 spre­chen, Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt.114 Dem­nach geht es bei Paw­lows be­rühm­tem Ex­pe­ri­ment um das Sub­jekt im La­can­schen Sin­ne. Das Er­tö­nen der Glo­cke ist ein Si­gni­fi­kant. Von die­sem Si­gni­fi­kan­ten wird das Sub­jekt der Wis­sen­schaft re­prä­sen­tiert, näm­lich Paw­low. Der Si­gni­fi­kant re­prä­sen­tiert das Sub­jekt für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten: für den Wert, den der Spei­chel­fluss an­nimmt, in­so­fern er auf ei­ner Täu­schung be­ruht. Dem­nach geht es im Ex­pe­ri­ment nicht um Zei­chen oder Si­gna­le, son­dern um Si­gni­fi­kan­ten. La­cans For­mu­lie­rung „der Fress­akt be­trifft an­de­re Or­ga­ne als den Mund“ meint also ver­mut­lich: Er be­trifft die Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten; die Auf­for­de­rung, den paw­low­schen Hund hier­über zu „be­fra­gen“, spielt wohl dar­auf an. Das „Or­gan“, um das es geht, dürf­te dann die Spra­che sein, die ja von Ha­mann, Her­der und Hum­boldt als „Or­ga­non“ be­zeich­net wird, als Werk­zeug. Der An­spruch, um den es in der For­mel für den Trieb geht, ist, so könn­te man sa­gen, die Spra­che als Werk­zeug, als Or­ga­non.

In Se­mi­nar 11 wird La­can sa­gen, der Be­griff „Schnitt“ sei nur vor­läu­fig, in der wei­te­ren Ent­wick­lung sei­nes Dis­kur­ses wol­le er vom „Rand“ spre­chen.115 In Sub­ver­si­on des Sub­jekts ver­wen­det er zwar auch den Aus­druck „Rand“, aber um­gangs­sprach­lich, nicht in An­spie­lung auf die ma­the­ma­ti­sche To­po­lo­gie („ein ana­to­mi­sches Merk­mal wie ein Rand oder eine Kan­te“).

Zusammenfassung

In Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens weist La­can den Be­griff des Codes ex­pli­zit zu­rück; den Ter­mi­nus „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ be­hält er bei. Sein Ein­wand ge­gen den Code­be­griff lau­tet, dass die­ser Aus­druck mit der Vor­stel­lung ei­ner Eins-zu-Eins-Be­zie­hung von Zei­chen und Sa­che ver­bun­den ist. Die For­mel ($ ◊ D) be­zieht sich also von nun an nicht mehr auf den „Code“ des Un­be­wuss­ten, son­dern auf den „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ des Un­be­wuss­ten.

Wie be­reits in dem Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur wird auch in Sub­ver­si­on des Sub­jekts die For­mel ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb be­zeich­net, für den Trieb als Si­gni­fi­kan­ten­schatz, d..h. für den Trieb, so­weit er im Un­be­wuss­ten re­prä­sen­tiert ist.

Die For­mel be­zieht sich nicht nur auf die syn­chro­ne Struk­tur des Triebs, son­dern auch auf sei­ne Dia­chro­nie; der Aus­druck soll auch so ge­deu­tet wer­den, dass der Wech­sel der Trieb­pha­sen (oral, anal usw.) auf dem Wech­sel des An­spruchs (D) und da­mit auf dem Wech­sel in der Be­zie­hung zum An­de­ren (◊) be­ruht.

Freud zu­fol­ge ist der Trieb durch „Ver­keh­run­gen“ cha­rak­te­ri­siert, etwa im Ver­hält­nis von Sa­dis­mus und Ma­so­chis­mus. Das ist, La­can zu­fol­ge, ein gram­ma­ti­scher Kunst­griff, in dem der Schnitt ge­gen­wär­tig ist. Die ero­ge­ne Zone zeich­net sich durch ei­nen Schnitt aus, durch eine räum­li­che Gren­ze, dar­in un­ter­schei­det sich der Trieb von der or­ga­ni­schen Funk­ti­on, auf der er auf­baut.

Seminar 10 (1962/63), „Die Angst“

Schnitt in den Elan des Jägers

In Se­mi­nar 10, Die Angst116, heißt es:

Ich habe Ih­nen bei­ge­bracht, den Trieb (pul­si­on) ($ ◊ D) zu schrei­ben – zu le­sen S schräg­ge­stri­chen, Schnitt von groß D, der An­spruch (de­man­de). Wir wer­den auf die­sen Schnitt zu­rück­kom­men – Sie ha­ben den­noch ge­ra­de eben an­ge­fan­gen, eine ge­wis­se Idee da­von zu er­hal­ten, was es zu schnei­den gilt, das ist der Elan des Jä­gers –, doch be­reits die Art und Wei­se, wie ich Ih­nen bei­ge­bracht habe, den Trieb zu schrei­ben, er­klärt Ih­nen, war­um man die Trie­be an den Neu­ro­ti­kern be­schrie­ben hat. Näm­lich ganz in dem Maße wie sich das Phan­tas­ma ($ ◊ a) beim Neu­ro­ti­ker be­vor­zugt als ($ ◊ D) dar­stellt. Mit an­de­ren Wor­ten, ein Kö­der der phan­tas­ma­ti­schen Struk­tur beim Neu­ro­ti­ker hat es er­mög­licht, die­sen ers­ten Schritt zu tun, der der Trieb heißt.“117

Auch hier wird der Aus­druck ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb be­zeich­net; die Rau­te wird als Sym­bol für den Schnitt ge­deu­tet.

In was schnei­det der Schnitt? In den „Elan des Jä­gers“, in sein An­triebs­sys­tem; in der Ter­mi­no­lo­gie der Se­mi­na­re 5 und 6: in sein Be­dürf­nis, in sei­ne In­ten­ti­on. In Se­mi­nar 9 hieß es: Der Trieb ist eine Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len durch den An­spruch. Dem­nach ent­spricht der „Elan des Jä­gers“ dem Rea­len als der­je­ni­gen Flä­che, in die der An­spruch ein­ge­schnit­ten wird.

La­can stellt dann eine Be­zie­hung zwi­schen den For­meln für den Trieb, $ ◊ D, und für das Phan­tas­ma, $ ◊ a, her, also zwi­schen zwei Punk­ten in der obe­ren Eta­ge des Gra­phen. Er spielt da­mit auf Freuds The­se an, dass die Phan­ta­si­en, die den Sym­pto­men der Hys­te­ri­ker zu­grun­de lie­gen, mit den be­wuss­ten Phan­ta­si­en der Per­ver­sen bis in ein­zel­ne De­tails zu­sam­men­fal­len.118 Das Phan­tas­ma des Neu­ro­ti­kers ist per­vers, von La­can wird das hier so aus­ge­drückt: Das Phan­tas­ma des Neu­ro­ti­kers, ($ ◊ a), stellt sich als ($ ◊ D) dar: als Trieb; vor­aus­ge­setzt wird da­bei, dass der Trieb per­vers ist.

Anspruch beim Genitaltrieb

Wenn „der“ Trieb durch den An­spruch be­stimmt wird, wenn also sämt­li­che Par­ti­al­trie­be durch den An­spruch be­stimmt wer­den, gilt das auch für den Ge­ni­tal­trieb.

Auf der ora­len Stu­fe ist die Un­ter­schei­dung des Be­dürf­nis­ses vom An­spruch leicht durch­zu­hal­ten, wäh­rend das an­ders­wo kei­nes­wegs so ist, ohne uns vor das Pro­blem zu stel­len, wo der Trieb an­zu­sie­deln sei. Wäh­rend man sich auf der ora­len Stu­fe mit­tels ei­nes Kunst­griffs in Zwei­deu­tig­kei­ten über das er­ge­hen kann, was die Grün­dung des An­spruchs im Trieb an Ur­sprüng­li­chem hat, ha­ben wir kein Recht, das nur auf der Stu­fe des Ge­ni­ta­len zu tun. Ge­ra­de da, wo es so schei­nen könn­te, als hät­ten wir es mit dem ur­sprüng­lichs­ten Trieb zu tun, dem Se­xu­al­trieb (in­stinct se­xu­el), kom­men wir nicht um­hin, uns mehr noch als an­ders­wo auf die Struk­tur des Trie­bes (pul­si­on) als ge­stützt durch die For­mel ($ ◊ D), sprich durch das Ver­hält­nis des Be­geh­rens zum An­spruch, zu be­zie­hen.

Was wird auf der ge­ni­ta­len Stu­fe be­an­sprucht, und von wem?“119

La­can deu­tet hier die For­mel ($ ◊ D) als Ver­hält­nis des Be­geh­rens zum An­spruch. Dem­nach re­prä­sen­tiert die Zei­chen­fol­ge ($ ◊) das Be­geh­ren. Das Be­geh­ren zir­ku­liert also im Ver­hält­nis des ver­schwin­den­den Sub­jekts zum An­de­ren.

Die Ant­wort lau­tet so:

Schließ­lich, war­um sol­len wir uns wei­gern, das, was un­mit­tel­bar spür­bar ist, zu se­hen, in den Tat­sa­chen, die wir bes­tens ken­nen und die in den gän­gigs­ten Ver­wen­dun­gen der Spra­che be­deu­tet wer­den? Was wir be­an­spru­chen – ich habe noch nicht ge­sagt von wem, aber letzt­lich, so wie man halt et­was von je­man­dem be­an­spru­chen muss, stellt sich her­aus, dass es un­ser Part­ner ist, doch ist es so selbst­ver­ständ­lich, dass er es ist? Wir wer­den das in ei­nem zwei­ten Schritt se­hen müs­sen – doch was be­an­spru­chen wir? Dass ein An­spruch be­frie­digt wird, der eine ge­wis­se Be­zie­hung mit dem Tod hat. Das geht nicht sehr weit, was wir be­an­spru­chen – es ist der klei­ne Tod –, aber letzt­lich ist klar, dass wir ihn be­an­spru­chen, und dass der Trieb dar­in zu­in­nerst in den An­spruch ein­ge­mischt ist, Lie­be zu ma­chen. Was wir be­an­spru­chen, ist zu ster­ben, und so­gar vor La­chen zu ster­ben – nicht grund­los hebe ich stets das her­vor, was von der Lie­be an dem teil­hat, was ich ein ko­mi­sches Ge­fühl nen­ne. Auf je­den Fall muss ge­nau da das sei­nen Platz ha­ben, was es an fried­li­cher Ent­span­nung im Nach-Or­gas­mus gibt. Wenn das, was be­frie­digt wird, die­ser An­spruch auf den Tod ist, nun ja, mein Gott, dann ist man güns­tig be­frie­digt wor­den, da man gut aus der Sa­che her­aus­kommt.“120

Beim Ge­ni­tal­trieb ist der An­spruch der, Sex zu ha­ben, Lie­be zu ma­chen (wo­bei auf­fäl­lig ist, dass die­ser An­spruch meist in­di­rekt ar­ti­ku­liert wird – wer sagt schon „hät­test du Lust, mit mir zu vö­geln?“). Die­ser An­spruch läuft auf den Or­gas­mus hin­aus; letzt­lich ist das, was be­an­sprucht wird, der Or­gas­mus.

Der Or­gas­mus wird auch la pe­ti­te mort ge­nannt, „der klei­ne Tod“, und die­se Re­de­wei­se ist La­can zu­fol­ge be­last­bar: Der Or­gas­mus führt zur Ent­span­nung, und die Auf­he­bung al­ler Span­nun­gen ist, Freud zu­fol­ge, das Ziel des To­des­triebs. Also be­an­spru­chen wir mit dem An­spruch, Lie­be zu ma­chen, in ge­wis­ser Wei­se dies: zu ster­ben.

Ei­ni­ge Men­schen be­kom­men nach dem Or­gas­mus ei­nen Lach­an­fall, bei ih­nen ist der An­spruch auf den Or­gas­mus ver­bun­den mit dem An­spruch, „vor La­chen zu ster­ben“, wie man sagt. La­can er­klärt das post-or­gas­mi­sche La­chen so: Letzt­lich ist der An­spruch auf den Or­gas­mus ein An­spruch auf den Tod; man lacht eben des­halb, weil man mit dem „klei­nen Tod“ noch ein­mal gut da­von­ge­kom­men ist.

Von wem be­an­spru­chen wir den Or­gas­mus? Of­fen­bar vom Part­ner, d..h. vom ima­gi­nä­ren an­de­ren, vom Ne­ben­men­schen, von Un­se­res­glei­chen, aber das ist viel­leicht nicht so si­cher. La­can lässt of­fen, wer letzt­lich der Adres­sat des Or­gas­mus-An­spruchs ist. Der An­de­re?

Zusammenfassung

Auch im Angst-Se­mi­nar wird die For­mel ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb ge­deu­tet, die Rau­te als Sym­bol für den Schnitt.

Der Schnitt ist ein Schnitt in den Elan des Jä­gers: in sein An­triebs­sys­tem.

Die For­mel ($ ◊ D) wird hier als Ver­hält­nis des Be­geh­rens zum An­spruch ge­deu­tet. Die Zei­chen­fol­ge ($ ◊) re­prä­sen­tiert dem­nach das Be­geh­ren. Das Be­geh­ren zir­ku­liert also im Ver­hält­nis des ver­schwin­den­den Sub­jekts ($) zum An­de­ren (◊).

Die Ähn­lich­keit der For­mel für das Phan­tas­ma ($ ◊ a) und der For­mel für den Trieb ($ ◊ D) zeigt, war­um die Trie­be beim Neu­ro­ti­ker ab­ge­le­sen wer­den konn­ten: weil sich beim Neu­ro­ti­ker das Phan­tas­ma ($ ◊ a) als Trieb ($ ◊ D) dar­stellt, an­ders ge­sagt: weil das Phan­tas­ma des Neu­ro­ti­kers häu­fig per­vers ist.

Im Fal­le des Ge­ni­tal­triebs ist der An­spruch der An­spruch aufs Lie­be­ma­chen, und die­ser An­spruch wie­der­um ist ein An­spruch auf den Or­gas­mus. Der Or­gas­mus steht in Be­zie­hung zum Tod, er wird „klei­ner Tod“ ge­nannt; der An­spruch auf den Or­gas­mus ist in ge­wis­sem Sin­ne ein An­spruch auf den Tod. Man­che la­chen nach dem Or­gas­mus – weil sie noch ein­mal da­von­ge­kom­men sind.

Seminar 11 (1964), „Die vier Grundbegriffe“

In Se­mi­nar 11, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se121, ent­wi­ckelt La­can eine neue Trieb­kon­zep­ti­on.122 Ich kon­zen­trie­re mich auf die­je­ni­gen Er­läu­te­run­gen, die sich di­rekt oder in­di­rekt auf die For­mel ($ ◊ D) be­zie­hen.

Rand

Wes­halb se­hen wir die so­ge­nann­ten ero­ge­nen Zo­nen nur an den Punk­ten, die sich für uns durch ihre Rand­struk­tur aus­zeich­nen? War­um spricht man vom Mund und nicht von der Spei­se­röh­re oder vom Ma­gen? Sie ha­ben doch ge­nau­so An­teil an der Oral­funk­ti­on.“123

Ero­ge­ne Zone: das ist ein räum­li­cher Be­griff, und La­can, der seit Se­mi­nar 9 da­bei ist, eine To­po­lo­gie des psy­cho­ana­ly­ti­schen Fel­des aus­zu­ar­bei­ten, fragt nach der Struk­tur die­ses Rau­mes. Die ero­ge­nen Zo­nen ha­ben Rän­der, das ist für La­can ihr ent­schei­den­des räum­li­ches Merk­mal. Der Be­griff „Rand“ ist – eben­so wie „Schnitt“ – ein Grund­be­griff der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie.

Zur ero­ge­nen Zone des Oral­t­riebs ge­hört nicht die Spei­se­röh­re und nicht der Ma­gen. Wes­halb nicht? Weil sie kei­nen Rand ha­ben.

Künstlichkeit der grammatischen Triebbeziehungen

Kurz da­nach heißt es in der­sel­ben Sit­zung:

Le­sen Sie Freuds Text [Trie­be und Trieb­schick­sa­le] bis zum nächs­ten Mal, und sie wer­den mer­ken, wie je­den Mo­ment die he­te­ro­gens­ten Bil­der sprung­haft wech­seln. Al­les läuft nur über gram­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen ab, die rein ar­ti­fi­zi­ell sind, wie Sie beim nächs­ten Mal be­grei­fen wer­den.

In der Tat, wie kann man schlicht und ein­fach, wie Freud das macht, be­haup­ten, Ex­hi­bi­ti­on sei der Ge­gen­satz zur Schau­lust, oder Ma­so­chis­mus der Ge­gen­satz zum Sa­dis­mus? Er tut das aus rein gram­ma­ti­schen Grün­den, auf­grund ei­ner In­ver­si­on von Sub­jekt und Ob­jekt, als ob es sich beim gram­ma­ti­schen Sub­jekt und Ob­jekt um rea­le Funk­tio­nen han­del­te. Leicht zu zei­gen, daß dem nicht so ist – man braucht sich nur auf <eine an­de­re als> un­se­re Sprach­struk­tur zu be­zie­hen und eine der­ar­ti­ge Ab­lei­tung er­weist sich als un­mög­lich.“124

(Ich habe im Zi­tat „eine an­de­re als“ ein­ge­fügt, nur so er­gibt der Satz ei­nen Sinn, und ge­nau so sagt La­can es in der nächs­ten Sit­zung.)

Freud zu­fol­ge bil­den Schau­lust und Ex­hi­bi­ti­on so­wie Sa­dis­mus und Ma­so­chis­mus Ge­gen­satz­paa­re, wo­bei der Ge­gen­satz auf ei­ner Ver­keh­rung der Trieb­zie­le be­ruht: für das ak­ti­ve Ziel (quä­len, be­schau­en) wird das pas­si­ve Ziel ein­ge­setzt (ge­quält wer­den, be­schaut wer­den).125 La­can merkt hier­zu an, dass Freud sich an die­ser Stel­le auf das gram­ma­ti­sche Ver­hält­nis von Sub­jekt und Ob­jekt stützt und dass Freud un­ter­stellt, dass die­ser gram­ma­ti­schen Re­la­ti­on eine rea­le Funk­ti­on ent­spricht. Dem ist je­doch nicht so. Man sieht das so­fort, wenn man sich auf eine an­de­re Sprach­struk­tur als die in­do­ger­ma­ni­sche be­zieht – nicht in al­len Spra­chen gibt es die Mög­lich­keit der Ak­tiv-Pas­siv-Trans­for­ma­ti­on mit dem Aus­tausch von Sub­jekt und Ob­jekt. Die gram­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen, die von Freud mo­bi­li­siert wer­den, sind in­so­fern ar­ti­fi­zi­ell, als es für sie kei­ne rea­len Ent­spre­chun­gen gibt.

Aufklaffen und Rand

In der an­schlie­ßen­den Dis­kus­si­on spricht La­can von ei­nem „Auf­klaf­fen“ (béan­ce), das durch eine „Rand­struk­tur“ de­fi­niert ist.126 Das Sub­stan­tiv béan­ce kommt vom Verb béer, auf­rei­ßen, auf­sper­ren, klaf­fen; la béan­ce ist das Auf­ge­ris­sen­sein, das Auf­ge­sperrt­sein, die Öff­nung, die Lü­cke, die Kluft. Zur To­po­lo­gie des Ran­des im Sin­ne von La­can ge­hört, dass der Rand um eine Öff­nung her­um ver­läuft.

Ich habe mich auf die bei­den Rän­der be­schränkt, die zum Trac­tus ge­hö­ren. Ich hät­te na­tür­lich auch sa­gen kön­nen, daß der feuch­te Lid­rand, dass das Ohr, der Na­bel auch Rän­der sind, und daß das al­les nicht we­ni­ger in die Funk­ti­on der Ero­tik ge­hört. In der ana­ly­ti­schen Tra­di­ti­on be­zie­hen wir uns im­mer auf das streng fo­kus­sier­te Bild von Zo­nen, die auf ihre Rand­funk­ti­on re­du­ziert wer­den.“127

Eine ero­ge­ne Zone ist durch ein Auf­klaf­fen cha­rak­te­ri­siert, eine Öff­nung. Das Ge­biet um die Öff­nung ist re­la­tiv scharf ab­ge­grenzt, das ist für La­can das Ent­schei­den­de to­po­lo­gi­sche Merk­mal. An­ders ge­sagt: eine ero­ge­ne Zone hat ei­nen Rand. La­can hat­te sich auf den Gastro­in­tes­ti­nal­trakt be­schränkt, mit der Mund­öff­nung und der Anus­öff­nung; es gibt wei­te­re sol­che Rän­der, die in den Zu­sam­men­hang der Ero­tik ge­hö­ren, also wei­te­re Rän­der von ero­ge­nen Zo­nen, u. a. der Lid­rand und der Rand des Oh­res.

La­can ver­bin­det die Be­grif­fe des Auf­klaf­fens und des Ran­des so eng, dass man ver­mu­ten kann, dass Rand für ihn im­mer der Rand-um-ein-Auf­klaf­fen-her­um ist, so dass der Be­griff des Ran­des für ihn mit dem des Auf­klaf­fens bei­na­he zu­sam­men­fällt – die ero­ge­ne Zone kann, so sagt er, auf ihre Rand­funk­ti­on re­du­ziert wer­den.

Kreisförmigkeit der Triebbewegung

In der Fol­ge­sit­zung kommt La­can auf Freuds Ak­tiv-Pas­siv-Be­zie­hun­gen zu­rück:

Freud führt uns nun in den Trieb ein auf ei­nem der tra­di­ti­ons­reichs­ten Wege, in­dem er im­mer wie­der auf die Res­sour­cen der Spra­che zu­rück­greift und nicht zö­gert, sich da­bei auf et­was zu be­ru­fen, was es nur in be­stimm­ten Sprach­sys­te­men gibt: die drei For­men ak­tiv, pas­siv und re­fle­xiv. Das ist aber nur eine Hül­le. Wir müs­sen se­hen, daß die­se Si­gni­fi­kan­ten­ver­keh­rung ei­nes ist, ein an­de­res, was Freud da­mit ein­klei­det. Grund­le­gend für je­den Trieb ist das Hin-und-Zu­rück / al­ler et re­tour, in dem die­ser Struk­tur an­nimmt.

Be­mer­kens­wert ist, daß Freud die­se zwei Pole nur durch so et­was wie das Verb zu be­zeich­nen ver­mag. Be­schau­en und be­schaut wer­den*, quä­len* und ge­quält wer­den*. Freud stellt von An­fang an als ge­si­chert hin, daß der Trieb­ver­lauf in kei­nem sei­ner Ab­schnit­te von sei­nem Hin-und-Zu­rück, sei­ner fun­da­men­ta­len Ver­keh­rung, sei­nem Zir­kel­cha­rak­ter ge­trennt wer­den kann.“128

Freud zu­fol­ge bil­den die Trie­be Ge­gen­satz­paa­re mit ei­nem Hin und Zu­rück, also mit ei­ner Zir­kel­struk­tur, etwa in der Be­zie­hung von Schau­lust und Zei­ge­lust. Zur Be­grün­dung stützt er sich auf den Ge­gen­satz von Ak­tiv und Pas­siv, z..B. von schau­en und be­schaut wer­den. Die­se Mög­lich­keit der Si­gni­fi­kan­ten­um­keh­rung gibt es je­doch nur in be­stimm­ten Spra­chen. Also muss die ge­gen­sätz­li­che Struk­tur der Trie­be auf an­de­re Wei­se be­grif­fen wer­den. Der gram­ma­ti­sche Ge­gen­satz von Ak­tiv und Pas­siv ist nur eine Hül­le; das, was von die­ser Hül­le ein­ge­klei­det wird, ist et­was an­de­res, näm­lich eine kreis­läu­fi­ge Struk­tur.

Die Kreis­struk­tur des Trie­bes be­steht dar­in, wie La­can an­schlie­ßend aus­führt, dass der Trieb von der ero­ge­nen Zone aus­geht, um zu ihr zu­rück­zu­keh­ren. Trieb­ziel ist die Rück­kehr zum Aus­gangs­punkt, also eine kreis­för­mi­ge Be­we­gung. Der Trieb, so könn­te man sa­gen, ist letzt­lich au­to­ero­tisch, al­ler­dings kommt ihm das Ob­jekt da­zwi­schen; der Trieb dreht sich um das Ob­jekt, um von ihm aus zum Aus­gangs­punkt – zur ero­ge­nen Zone – zu­rück­zu­keh­ren.129 Die Trieb­be­we­gung be­zieht sich kreis­för­mig auf ein Ge­bil­de, das sich durch ei­nen Rand aus­zeich­net.

Raute als Symbol des Aufklaffens

Et­was spä­ter be­zieht La­can das Auf­klaf­fen auf das Sym­bol der Rau­te:

Ich konn­te Ih­nen zei­gen, wie das Un­be­wuß­te sich si­tu­ie­ren läßt in den For­men des Aufklaffens/béances, wie sie die Ver­tei­lung von Si­gni­fi­kan­ten­be­set­zun­gen im Sub­jekt in­stau­riert, und die sich, al­go­rith­misch, ab­bil­den las­sen mit Hil­fe ei­ner Rau­te [◊], die ich in den Mit­tel­punkt ei­ner je­den Be­zie­hung des Un­be­wuß­ten zwi­schen Rea­li­tät und Sub­jekt stel­le. Nun! et­was im Ap­pa­rat des Kör­pers ist auf eben die­se Wei­se struk­tu­riert, der Trieb über­nimmt sei­ne Rol­le im Funk­tio­nie­ren des Un­be­wuss­ten auf­grund der to­po­lo­gi­schen Ein­heit der For­men des Auf­klaf­fens, die hier im Spie­le sind.“130

In den Mit­tel­punkt ei­ner je­den for­ma­len Dar­stel­lung der Be­zie­hung des Un­be­wuß­ten zwi­schen Rea­li­tät und Sub­jekt stellt La­can das Sym­bol der Rau­te. Er spielt da­mit auf die For­meln für das Phan­tas­ma und für den Trieb an, auf ($ ◊ a) und auf ($ ◊ D). Bei­de For­meln be­zie­hen sich auf das Ver­hält­nis von Sub­jekt und Rea­li­tät – dem­nach wird der Ter­mi­nus „Rea­li­tät“ hier als Ober­be­griff für a und für D ver­wen­det, für das Ob­jekt klein a und für den An­spruch. Phan­tas­ma und Trieb sind Be­zie­hun­gen des Un­be­wuss­ten; im Gra­phen des Be­ge­hens er­kennt man das dar­an, dass sie in der obe­ren Eta­ge mit dem Kreis­lauf des Un­be­wuss­ten ver­bun­den sind, mit der Rück­kop­pe­lungs­be­zie­hung zwi­schen den Schnitt­punk­ten ($ ◊ D) und S(Ⱥ).

Die Rau­te sym­bo­li­siert die béan­ces, die Öff­nun­gen, die For­men des Auf­klaf­fens, ver­mut­lich ge­nau­er: die Rän­der um Öff­nun­gen.

La­can un­ter­schei­det hier zwei Ty­pen des Auf­klaf­fens, das Auf­klaf­fen im Un­be­wuss­ten und das Auf­klaf­fen im Kör­per, und da­mit in­di­rekt zwei An­wen­dun­gen des Rau­ten­sym­bols.

Das Auf­klaf­fen im Un­be­wuss­ten be­zieht sich auf die Ver­tei­lung von Si­gni­fi­kan­ten­be­set­zun­gen im Sub­jekt. Ich ver­mu­te, dass da­mit der Schnitt ge­meint ist, wie er in Se­mi­nar 6 ein­ge­führt wur­de. In Se­mi­nar 9 hieß es hier­zu: Die syn­chro­ne Si­gni­fi­kan­ten­dif­fe­renz muss to­po­lo­gisch be­grif­fen wer­den; in der To­po­lo­gie ent­spricht ihr der Schnitt. Die­ser Schnitt ist – so neh­me ich an – das Auf­klaf­fen, von dem La­can an der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le spricht. (Sym­bo­li­siert man das Auf­klaf­fen durch eine Rau­te, könn­te man die Rau­te für das Auf­klaf­fen des Un­be­wuss­ten als Rau­te1 no­tie­ren.)

Mit dem Auf­klaf­fen des Kör­pers sind die Kör­per­öff­nun­gen ge­meint und mit ih­nen die ero­ge­nen Zo­nen, die um sol­che Öff­nun­gen her­um lie­gen und die durch Rän­der cha­rak­te­ri­siert sind. (Ver­wen­det man hier­für eben­falls das Sym­bol der Rau­te, hat man man es beim Auf­klaf­fen des Kör­pers ge­wis­ser­ma­ßen mit Rau­te2 zu tun.)

Es gibt also eine to­po­lo­gi­sche Struk­tur­ähn­lich­keit zwi­schen dem Un­be­wuss­ten und dem Ap­pa­rat des Kör­pers. Bei­de Be­rei­che sind durch ein Auf­klaf­fen cha­rak­te­ri­siert. Die­se Ähn­lich­keit er­mög­licht die Ver­bin­dung zwi­schen dem Trieb und dem Un­be­wuss­ten. Das Auf­klaf­fen als das, was die syn­chro­ne Dif­fe­renz er­mög­licht, der Schnitt, steht – wenn ich das recht ver­ste­he – in ei­ner Art Re­so­nanz­be­zie­hung zum Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Kör­pers, zu den Kör­per­öff­nun­gen. Der Hin­ter­ge­dan­ke ist hier­bei viel­leicht: Und des­halb ist es mög­lich, auf dem Weg über die In­ter­ven­ti­on in das Un­be­wuss­te in den Trieb ein­zu­grei­fen.

Vom Schnitt zum Rand

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung heißt es:

Al­les geht aus der Struk­tur des Si­gni­fi­kan­ten her­vor. Das Fun­da­ment die­ser Struk­tur ist in dem, was ich vor­läu­fig die Struk­tur ei­nes Schnitts [coupu­re] ge­nannt habe, was jetzt aber, in der wei­te­ren Ent­wick­lung mei­nes Dis­kur­ses, sich in der to­po­lo­gi­schen Funk­ti­on ei­nes Rands ar­ti­ku­liert.

Die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren ent­steht in der Gän­ze im Pro­zeß ei­ner béan­ce / ei­nes Klaf­fens.“131

In der wei­ter oben zi­tier­ten Pas­sa­ge aus Se­mi­nar 9 hieß es: Die Si­gni­fi­kan­ten­struk­tur be­ruht auf der syn­chro­nen Dif­fe­renz. Die syn­chro­ne Dif­fe­renz ist to­po­lo­gisch zu re­kon­stru­ie­ren. Die to­po­lo­gi­sche Ent­spre­chung zur Dif­fe­renz ist der Schnitt.

Jetzt kün­digt La­can an, dass er vom Be­griff des Schnitts zu ei­nem an­de­ren Be­griff der To­po­lo­gie über­ge­hen will, zu dem des Ran­des. Of­fen­bar soll der Be­griff des Ran­des den des Schnitts er­set­zen.

Das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­de­ren be­ruht auf dem Klaf­fen; die­ses Auf­klaf­fen, so hat­te es frü­her in Se­mi­nar 11 ge­hei­ßen, wird durch die Rau­te sym­bo­li­siert. Die­se Deu­tung der Rau­te kann an die in Se­mi­nar 5 vor­ge­stell­te ers­te Dar­stel­lung der Rau­te an­schlie­ßen, die Deu­tung der Rau­te als Kurz­dar­stel­lung von Sche­ma L: die­ses Sche­ma hat­te ja ge­nau die Funk­ti­on, die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren dar­zu­stel­len.

Zerlegung der Raute in Konjunktion und Disjunktion

Kurz da­nach heißt es:

Ich kom­me nun zu den zwei Ope­ra­tio­nen, die ich heu­te im Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­de­ren un­ter­schei­den möch­te.

Als Ver­lauf ei­nes Rands, als zir­ku­lä­rer Pro­zeß ist das frag­li­che Ver­hält­nis in Form ei­ner klei­nen Rau­te fest­zu­hal­ten, de­ren ich mich als Al­go­rith­mus in mei­nem Gra­phen be­die­ne. Sie muß not­wen­dig ei­ni­gen der End­pro­duk­te die­ser Dia­lek­tik in­te­griert wer­den.

Es ist un­mög­lich, bei­spiels­wei­se, sie nicht dem Phan­tas­ma zu in­te­grie­ren – $ ◊ a [S bar­ré, poinçon pe­tit a / ge­bälk­tes S, Pun­ze klein a]. Es ist auch nicht mög­lich, sie nicht je­nem ra­di­ka­len Kno­ten zu in­te­grie­ren, in dem An­spruch und Trieb zu­sam­men­kom­men, aus­ge­drückt durch $ ◊ D [S bar­ré, poinçon grand D / ge­bälk­tes S, Pun­ze groß D], was man den ‚Schrei‘ nen­nen könn­te.“132

Es geht um die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren.

Das Ver­hält­nis zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren ver­läuft wie ein Rand, wo­bei der Rand eine kreis­ar­ti­ge Struk­tur hat. Die­ser zir­ku­lä­re Ver­lauf ei­nes Ran­des wird durch das Sym­bol der Rau­te dar­ge­stellt, wie man sie in „mei­nem Gra­phen“ fin­det, im Gra­phen des Be­geh­rens, also in den For­meln für das Phan­tas­ma und den Trieb.

Die Rau­te stellt die zir­ku­lä­re, dia­lek­ti­sche Be­zie­hung zum An­de­ren dar. Das ent­spricht der Deu­tung der Rau­te als Sche­ma L, wie La­can sie in Se­mi­nar 5 und 6 vor­ge­tra­gen hat­te. Beim L-Sche­ma geht es ja eben­falls um die Be­zie­hung zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren, und auch beim L-Sche­ma gibt es eine Art Zir­ku­la­ri­tät. Die Kreis­struk­tur be­steht dar­in, dass der An­de­re sich auf das Sub­jekt be­zieht und das Sub­jekt auf den An­de­ren.

Phan­tas­ma und Trieb sind zwei End­pro­duk­te in der zir­ku­lä­ren, dia­lek­ti­schen Be­zie­hung zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren, in bei­den For­meln steht die Rau­te für die­se zir­ku­lä­re Be­zie­hung.

Die For­mel ($ ◊ D) be­zieht sich auf den Trieb. Sie stellt dar, dass An­spruch und Trieb ra­di­kal mit­ein­an­der ver­kno­tet sind. Das er­in­nert an eine For­mu­lie­rung in Se­mi­nar 9, wor­in es heißt, die For­mel be­zie­he sich auf das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­spruch, in­so­fern hier der Trieb „spe­zi­fi­ziert“ wer­de.133 Der ra­di­ka­le Kno­ten von An­spruch und Trieb be­steht also ver­mut­lich dar­in, dass der Trieb durch den An­spruch spe­zi­fi­ziert wird, dass die ver­schie­de­nen Trie­be sich durch ihre un­ter­schied­li­che Be­zie­hung zum An­spruch und da­mit zum An­de­ren un­ter­schei­den.

An der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le schließt La­can mit der Be­mer­kung, man kön­ne die For­mel ($ ◊ D) auch als „Schrei“ be­zeich­nen. Das ver­ste­he ich nicht.

Er fährt so fort:

Hal­ten wir uns nur an die­se klei­ne Rau­te! Sie stellt ei­nen Rand dar, ei­nen funk­tio­nie­ren­den Rand. Wir müs­sen sie nur vek­to­ri­sie­ren, und zwar im um­ge­kehr­ten Uhr­zei­ger­sinn – was dem Um­stand Rech­nung trägt, daß wir ge­wohnt sind, zu­min­dest in un­se­ren Schrif­ten, von links nach rechts zu le­sen.

Raute vektorisiertAber Vor­sicht! das ist nur eine Ge­dan­ken­stüt­ze. Ohne sol­che Künst­lich­keit gäbe es aber kei­ne To­po­lo­gie – was ja letzt­lich auch eine Fol­ge der Si­gni­fi­kan­ten­ab­hän­gig­keit des Sub­jekts ist, oder an­ders ge­sagt: von ei­ner ge­wis­sen Ohn­macht ih­res Den­kens zeugt.

Das klei­ne ∨ der un­te­ren Rau­ten­hälf­te nen­nen wir hier das vel, das in je­ner ers­ten Ope­ra­ti­on kon­sti­tu­iert wird, mit der ich sie jetzt ei­nen Mo­ment be­schäf­ti­gen möch­te.“134

La­can be­müht sich dar­um, die bei­den Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren aus der Rau­te her­vor­ge­hen zu las­sen. Hier­zu wird die Rau­te im ers­ten Schritt vek­to­ri­siert, d..h. sie er­hält eine Rich­tung: ent­ge­gen­ge­setzt zum Uhr­zei­ger. Als nächs­tes wird das Gra­phem ho­ri­zon­tal ge­teilt. Da­nach setzt es sich aus den Zei­chen ∨ und ∧ zu­sam­men. In der Lo­gik ist ∨ das üb­li­che Sym­bol für die (in­klu­si­ve) Dis­junk­ti­on („vel“). Das Zei­chen ∧ ist das Sym­bol für die Kon­junk­ti­on, für die Und-Ver­bin­dung. In dem Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur hat­te La­can die Rau­te als Schnitt be­reits auf Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on be­zo­gen, ich habe das oben dar­ge­stellt. Die Rich­tung sorgt da­für, dass die­je­ni­gen, die es ge­wohnt sind, von links nach rechts zu le­sen, spon­tan mit dem Oder-Sym­bol be­gin­nen.

Aus­ge­hend vom Oder ent­wi­ckelt La­can nun die Be­zie­hung der Ent­frem­dung oder Alie­na­ti­on, aus­ge­hend vom Und die Be­zie­hung der Tren­nung oder Se­pa­ra­ti­on.

Zusammenfassung

Im Se­mi­nar über die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se be­zieht La­can sich aus­drück­lich auf die For­mel ($ ◊ D), er be­zeich­net sie hier, wie be­reits in Die Aus­rich­tung der Kur, als For­mel für den Trieb.

Neu ist die Deu­tung der Rau­te. Die Rau­te wird jetzt als Sym­bol für ein Auf­klaf­fen (béan­ce) ge­deu­tet. La­can un­ter­schei­det zwei Ar­ten des Auf­klaf­fens, das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten und das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Kör­pers. Auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten sym­bo­li­siert die Rau­te die zir­ku­lä­re Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren; das schließt an die Deu­tung der Rau­te als L-Sche­ma in Se­mi­nar 5 an. Mit dem Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten ist viel­leicht auch der Schnitt im Sin­ne von Se­mi­nar 9 ge­meint, der Schnitt als to­po­lo­gi­sche Ent­spre­chung der syn­chro­nen Si­gni­fi­kan­ten­dif­fe­renz. Das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Kör­pers sind die Kör­per­öff­nun­gen. Die Rau­te sym­bo­li­siert die­se bei­den For­men des Auf­klaf­fens.

Um Kör­per­öff­nun­gen her­um lie­gen die ero­ge­nen Zo­nen. Im Funk­tio­nie­ren des Trie­bes spie­len sie eine Schlüs­sel­rol­le: Der Trieb voll­zieht eine Kreis­bahn, er geht von der ero­ge­nen Zone aus und kehrt (auf dem Um­weg über das Ob­jekt) zu ihr zu­rück. Auf die­ser Kreis­struk­tur be­ruht die Ver­schrän­kung von Ex­hi­bi­tio­nis­mus und Voy­eu­ris­mus, von Sa­dis­mus und Ma­so­chis­mus.

Das we­sent­li­che Merk­mal ei­ner ero­ge­nen Zone be­steht für La­can dar­in, dass sie ab­ge­grenzt ist, dass sie ei­nen „Rand“ hat. Mit die­sem Aus­druck ver­wen­det er ei­nen Grund­be­griff der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie. In Sub­ver­si­on des Sub­jekts hat­te er die­se Grenz­li­nie als „Schnitt“ be­zeich­net, in Se­mi­nar 11 wech­selt er aus­drück­lich vom „Schnitt“ zum „Rand“. Die To­pik der ero­ge­nen Zone, ihre Raum­struk­tur, ist also durch zwei Merk­ma­le cha­rak­te­ri­siert: Öff­nung und Rand. La­can bringt das eng zu­sam­men, of­fen­bar ver­steht er un­ter ei­nem Rand den Rand-um-eine-Öff­nung.

Die Rau­te er­hält da­mit eine wei­te­re Be­deu­tung. Sie sym­bo­li­siert nicht mehr nur die un­be­wuss­te Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren in den For­meln für den Trieb und für das Phan­tas­ma, son­dern auch den Rand ei­ner ero­ge­nen Zone.

Durch ei­nen ho­ri­zon­ta­len Schnitt zer­legt La­can die Rau­te ◊ in die Gra­phe­me ∨ und ∧ und da­mit in die Sym­bo­le für Oder und Und, wie sie in der Lo­gik üb­lich sind. Mit die­sem Vor­ge­hen schließt er an eine knap­pe Be­mer­kung in Die Aus­rich­tung der Kur an, in wel­cher die Rau­te der Kon­junk­ti­on und der Dis­junk­ti­on zu­ge­ord­net wird. Von hier aus ent­wi­ckelt La­can zwei Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren: die auf dem Oder auf­bau­en­de Ent­frem­dung und die auf dem Und auf­bau­en­de Tren­nung.

Zusammenfassung

Bezeichnung der Formel

Die For­mel ($ ◊ D) wird in Se­mi­nar 5 ein­ge­führt. Von An­fang an be­zieht sie sich auf den Gra­phen des Be­geh­rens, dort auf den Schnitt­punkt oben rechts. Im Gra­phen ist sie das Ge­gen­stück zum Aus­druck ($ ◊ a), zur For­mel für das Phan­tas­ma, das sieht man auf den ers­ten Blick an der ähn­li­chen Bau­wei­se.

Für den Aus­druck ($ ◊ D) ver­wen­det La­can fünf Be­zeich­nun­gen: „Code des Un­be­wuss­ten“, „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“, „Vo­ka­bu­lar des Un­be­wuss­ten“, „Trieb“ und „Wunsch­vo­ka­bu­lar“.

In den Se­mi­na­ren 5 und 6, in de­nen die For­mel ein­ge­führt wird, be­zeich­net La­can den Aus­druck ($ ◊ D) als „Code des Un­be­wuss­ten“ (Mil­ler än­dert ihn in „un­be­wuss­ter Code“). Da­nach ver­wen­det La­can die­se For­mu­lie­rung nicht mehr, im Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts weist er den Be­griff des Codes aus­drück­lich zu­rück, we­gen der da­mit ver­bun­de­nen Un­ter­stel­lung ei­ner Eins-zu-eins-Zu­ord­nung von Zei­chen und Sa­che.

In Se­mi­nar 5 be­zeich­net La­can die For­mel auch als „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ – eine Ana­log­bil­dung zu „Wort­schatz“ – so­wie als „Vo­ka­bu­lar des Un­be­wuss­ten“. Die Be­nen­nung als „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ be­hält er in dem hier be­trach­te­ten Zeit­raum, bis 1964, bei.

In dem Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur (1960) wird der Aus­druck ($ ◊ D) als For­mel für den Trieb be­zeich­net; auch die­se Zu­ord­nung be­hält er bei. Die Be­zeich­nun­gen als „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“ und als „Trieb“ lau­fen bei La­can ne­ben­ein­an­der her.

Den Aus­druck „Wunsch­vo­ka­bu­lar“ ge­braucht La­can in Se­mi­nar 8, wo­bei er das deut­sche Wort „Wunsch“ ver­wen­det.

Die For­mel ($ ◊ D) re­prä­sen­tiert den Si­gni­fi­kan­ten­schatz, durch den im Un­be­wuss­ten ei­nes Sub­jekts der Trieb re­prä­sen­tiert wird.

$

Das durch­ge­stri­che­ne S, also das Sym­bol $, wird von La­can auf zwei Wei­sen ge­le­sen, als „aus­ge­stri­che­nes Sub­jekt“ und als „Sub­jekt im Fa­ding“; die­se bei­den Les­wei­sen mei­nen das­sel­be mit un­ter­schied­li­cher Ak­zen­tu­ie­rung.

Der Be­griff „aus­ge­sperr­tes Sub­jekt“ (su­jet bar­ré) wird in Se­mi­nar 5 ein­ge­führt, er dient von An­fang an dazu, das durch­ge­stri­che­ne S in den For­meln ($ ◊ D) und ($ ◊ a) zu be­nen­nen. Das „aus­ge­sperr­te Sub­jekt“ ist das von der Spra­che ge­präg­te und durch sie ge­spal­te­ne Sub­jekt. Die Sub­jekt­spal­tung be­steht dar­in, dass das Sub­jekt auf zwei Ebe­nen spricht. Die eine ist das (schein­bar) be­wusst kon­trol­lier­te Spre­chen (Ebe­ne der Aus­sa­ge, énon­cé), die an­de­re das „Spre­chen“ der Sym­pto­me, Wie­der­ho­lungs­zwän­ge, Ver­spre­cher (Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs, énon­cia­ti­on). Auch die Un­ter­schei­dung von Aus­sa­ge und Äu­ße­rungs­vor­gang wird in Se­mi­nar 5 ein­ge­führt.

Den Be­griff „Sub­jekt im Fa­ding“ bzw. „Fa­ding des Sub­jekts“ ver­wen­det La­can erst­mals in Se­mi­nar 6. Der eng­li­sche Aus­druck fa­ding meint Ver­klin­gen, Ver­schwin­den; das Sub­jekt im Fa­ding ist das ver­schwin­den­de Sub­jekt. In Se­mi­nar 6 ver­wen­det La­can den Aus­druck „Fa­ding des Sub­jekts“ syn­onym mit „Apha­ni­sis des Sub­jekts“ – „Apha­ni­sis“ ist das grie­chi­sche Wort für „Ver­schwin­den“.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass das Sub­jekt sich zu er­fas­sen ver­sucht, in sei­nem Be­geh­ren, dass es sich aber ent­zieht. Es er­lebt die Si­gni­fi­kan­ten, in de­nen sich sein Un­be­wuss­tes äu­ßert – z..B. ei­nen Wie­der­ho­lungs­zwang –, als et­was, was ihm zu­stößt, als et­was ihm Frem­des, es ist ihm nicht mög­lich, sich die Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses zu­zu­schrei­ben. Es kann sich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs nicht be­nen­nen, es ver­schwin­det als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs.

Das Sym­bol ◊ wird von La­can als losan­ge be­zeich­net, „Rau­te“ oder „Rhom­bus“ (ab Se­mi­nar 5) oder als poinçon, „Pun­ze“ (ab Se­mi­nar 9); er ver­wen­det die Be­zeich­nun­gen par­al­lel.

Das Sym­bol der Rau­te hat vier Be­deu­tun­gen: Kurz­dar­stel­lung von Sche­ma L, Schnitt, Rand und Junk­tor.

In den Se­mi­na­ren 5 und 6 deu­tet La­can die Rau­te als Kurz­dar­stel­lung für das Sche­ma L, das er in Se­mi­nar 2 zum ers­ten Mal vor­ge­stellt hat­te (noch nicht un­ter die­sem Na­men). Als Sche­ma L be­grif­fen, stellt die Rau­te die Be­zie­hung des An­de­ren zum Sub­jekt und des Sub­jekts zum An­de­ren dar, wo­bei die­ses Dop­pel­ver­hält­nis durch die ima­gi­nä­re Be­zie­hung zwi­schen dem Bild des an­de­ren und dem Ich zu­gleich blo­ckiert und ver­mit­telt wird.

Der An­de­re, auf den das Sub­jekt sich im Kon­text der For­mel be­zieht, ist der An­de­re als Adres­sat des Lie­bes­an­spruchs, d..h. der For­de­rung des Sub­jekts, vom An­de­ren ge­liebt zu wer­den. Der Lie­bes­an­spruch ist die For­de­rung nach An­we­sen­heit des An­de­ren, d..h. er be­zieht sich auf den An­de­ren, in­so­fern er an­we­send oder ab­we­send sein kann und in die­sem Sin­ne auf den sym­bo­li­schen An­de­ren.

Ab Se­mi­nar 6 (1959) deu­tet La­can die Rau­te auch als Sym­bol für den Schnitt. In die­sem Se­mi­nar ver­weist er da­bei nur auf die For­mel für das Phan­tas­ma, also auf ($ ◊ a). Ab Die Aus­rich­tung der Kur (1960) be­zieht er die­se Deu­tung auch auf die For­mel ($ ◊ D).

Si­gni­fi­kan­ten sind dif­fe­ren­zi­ell ver­fasst, dazu ge­hört, dass der Über­gang zwi­schen ih­nen nicht glei­tend ist, son­dern sprung­haft, dass es zwi­schen ih­nen also ei­nen Ab­stand gibt. Die­se Di­stanz gibt es so­wohl in der dia­chro­nen Be­zie­hung von Si­gni­fi­kan­ten – in der Ver­ket­tung im zeit­li­chen Nach­ein­an­der, etwa zu Wör­tern oder Sät­zen – als auch in der syn­chro­nen Be­zie­hung, im Si­gni­fi­kan­ten­schatz. Ab den ers­ten Se­mi­na­ren be­zeich­net La­can die­sen Ab­stand als „In­ter­vall“; das In­ter­vall ist das letz­te struk­tu­rel­le Cha­rak­te­ris­ti­kum des Sym­bo­li­schen, heißt es in Se­mi­nar 6. Die­ses In­ter­vall wird ab Se­mi­nar 6 auch als Schnitt be­zeich­net.

Im Schnitt, so heißt es in Se­mi­nar 6, ma­ni­fes­tiert sich auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen das Rea­le. Im Phan­tas­ma ist dem Sub­jekt eine Er­fah­rung des Schnitts mög­lich, etwa als Spal­te, als Schlitz oder als Riss.

Ab Se­mi­nar 9 wird der Be­griff des Schnitts von La­can durch Be­zug auf die ma­the­ma­ti­sche To­po­lo­gie theo­re­tisch wei­ter aus­ge­ar­bei­tet. Der Schnitt ist die to­po­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Dif­fe­renz im syn­chro­nen Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem, heißt es hier. Die Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len durch den An­spruch wird von ihm hier to­po­lo­gisch als Schnitt in eine Ober­flä­che kon­zep­tua­li­siert.

In Se­mi­nar 10 heißt es: Der Schnitt ist ein Schnitt in den Elan des Jä­gers (in sein An­triebs­sys­tem).

In Se­mi­nar 11 wech­selt La­can vom Be­griff „Schnitt“ zu ei­nem an­de­ren Be­griff der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie, zum „Rand“.

Die Rau­te wird in Se­mi­nar 11 als Sym­bol für ein Auf­klaf­fen (béan­ce) ge­deu­tet. La­can un­ter­schei­det zwei Ar­ten des Auf­klaf­fens, das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten und das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Kör­pers. Auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten sym­bo­li­siert die Rau­te die zir­ku­lä­re Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren; das schließt an die Deu­tung der Rau­te als L-Sche­ma in Se­mi­nar 5 an. Mit dem Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten ist viel­leicht auch der Schnitt im Sin­ne von Se­mi­nar 9 ge­meint, der Schnitt als to­po­lo­gi­sche Ent­spre­chung der syn­chro­nen Si­gni­fi­kan­ten­dif­fe­renz. Das Auf­klaf­fen auf der Ebe­ne des Kör­pers sind die Kör­per­öff­nun­gen. Die Rau­te sym­bo­li­siert die­se bei­den For­men des Auf­klaf­fens.

Um Kör­per­öff­nun­gen her­um lie­gen die ero­ge­nen Zo­nen. Im Funk­tio­nie­ren des Trie­bes spie­len sie eine Schlüs­sel­rol­le: Der Trieb voll­zieht eine Kreis­bahn, er geht von der ero­ge­nen Zone aus und kehrt (auf dem Um­weg über das Ob­jekt) zu ihr zu­rück. Auf die­ser Kreis­struk­tur be­ruht die Ver­schrän­kung von Ex­hi­bi­tio­nis­mus und Voy­eu­ris­mus, von Sa­dis­mus und Ma­so­chis­mus. Das we­sent­li­che Merk­mal ei­ner ero­ge­nen Zone be­steht für La­can dar­in, dass sie ab­ge­grenzt ist, dass sie ei­nen „Rand“ hat. In Sub­ver­si­on des Sub­jekts hat­te er die­se Grenz­li­nie als „Schnitt“ be­zeich­net, in Se­mi­nar 11 wech­selt er aus­drück­lich vom „Schnitt“ zum „Rand“. Die To­pik der ero­ge­nen Zone, ihre Raum­struk­tur, ist also durch zwei Merk­ma­le cha­rak­te­ri­siert: Öff­nung und Rand. La­can bringt das eng zu­sam­men, of­fen­bar ver­steht er un­ter ei­nem Rand den Rand-um-eine-Öff­nung.

Die Rau­te er­hält da­mit eine wei­te­re Be­deu­tung. Sie sym­bo­li­siert nicht mehr nur die un­be­wuss­te Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren in den For­meln für den Trieb und für das Phan­tas­ma, son­dern auch den Rand ei­ner ero­ge­nen Zone.

Im Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur (1960) be­ginnt La­can da­mit, die Rau­te als ein En­sem­ble von Junk­to­ren zu deu­ten, von Ver­knüp­fern.

Die Rau­te, so heißt es in die­sem Auf­satz, be­zeich­net zwei Paa­re von ge­gen­sätz­li­chen Re­la­tio­nen: Einwicklung/Entwicklung und Konjunktion/Disjunktion. Kon­junk­ti­on und Dis­junk­ti­on, so er­fährt man in Se­mi­nar 11, ent­ste­hen durch ho­ri­zon­ta­le Spal­tung der Rau­te, hier­durch er­hält man die Sym­bo­le ∧ (Und) und ∨ (in­klu­si­ves Oder). Da­mit sind ver­mut­lich die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem aus­ge­stri­che­nen Sub­jekt ($) und dem Ob­jekt a ge­meint (beim Phan­tas­ma) so­wie die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem aus­ge­stri­che­nen Sub­jekt ($) und dem An­spruch (D) ge­meint (be­zo­gen auf den Trieb).

In Se­mi­nar 10 heißt es: Vom Schnitt her nö­ti­gen sich die Sym­bo­le für „grö­ßer als“ und für „klei­ner als“ auf, also > und <. Ver­mut­lich ist ge­meint: Man kann die­se Sym­bo­le durch ver­ti­ka­le Spal­tung der Rau­te er­zeu­gen. Mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist.

In Se­mi­nar 11 schließt La­can an die Auf­spal­tung der Rau­te in ∧ (Und) und ∨ (in­klu­si­ves Oder) an und ent­wi­ckelt von hier aus zwei Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren: die auf dem Oder auf­bau­en­de Ent­frem­dung und die auf dem Und auf­bau­en­de Tren­nung.

$ ◊

Die For­mel ($ ◊ D) wird in Se­mi­nar 10 als Ver­hält­nis des Be­geh­rens zum An­spruch ge­deu­tet. Die Zei­chen­fol­ge ($ ◊) re­prä­sen­tiert dem­nach das Be­geh­ren. Das Be­geh­ren zir­ku­liert also im Ver­hält­nis des ver­schwin­den­den Sub­jekts ($) zum An­de­ren (◊).

D

Das gro­ße D steht für de­man­de, „An­spruch“ oder „For­de­rung“. Ge­meint sind da­mit ora­le, ana­le, ge­ni­ta­le und an­de­re For­de­run­gen.

Der Un­ter­schied zwi­schen ora­len und ana­len For­de­run­gen wird in Se­mi­nar 8 er­läu­tert: Eine ora­le For­de­rung ist die For­de­rung des Sub­jekts nach Nah­rung, sie rich­tet sich an den An­de­ren. Eine ana­le For­de­rung ist die For­de­rung nach Aus­schei­den oder Zu­rück­hal­ten der Ex­kre­men­te, sie kommt vom An­de­ren und rich­tet sich an das Sub­jekt. In Se­mi­nar 10 wird die ge­ni­ta­le For­de­rung so cha­rak­te­ri­siert: Das, was ge­for­dert wird, ist das Lie­be­ma­chen und da­mit der Or­gas­mus, der „klei­ne Tod“; also ist die ge­ni­ta­le For­de­rung auf den To­des­trieb zu be­zie­hen. Die­se For­de­rung scheint sich an den Part­ner zu rich­ten, aber das ist nicht so si­cher, sagt La­can.

Die For­mel ($ ◊ D) be­zieht sich auf die­se For­de­run­gen, in­so­fern sie aus dem Zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung her­aus­ge­löst sind und als Me­ta­phern für den Lie­bes­an­spruch fun­gie­ren.

Die Formel insgesamt

Die For­mel ($ ◊ D) steht für den Code des Un­be­wuss­ten, für den un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten­schatz, für das Vo­ka­bu­lar, dass das Un­be­wuss­te ver­wen­det, wenn es spricht. Es ist zu­gleich die For­mel für den Trieb. Der Si­gni­fi­kan­ten­schatz ist also der mit dem Trieb ver­bun­de­ne Si­gni­fi­kan­ten­schatz. Die For­mel be­zieht sich auf den Trieb, so­fern er im Un­be­wuss­ten durch Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert ist, man könn­te sa­gen: auf das Trieb­vo­ka­bu­lar.

Der Trieb, so heißt es in Se­mi­nar 9, ist die ers­te Mo­di­fi­ka­ti­on des Rea­len im Sub­jekt durch die Ein­wir­kung des An­spruchs.

Der Code des Un­be­wuss­ten be­steht aus An­sprü­chen, aus ora­len, ana­len, ge­ni­ta­len und an­de­ren For­de­run­gen (D). Ge­meint sind ar­chai­sche An­sprü­che, die im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur durch die ak­tu­ell er­ho­be­nen An­sprü­che hin­durch­schim­mern.

Die bei­den Sym­bo­le $ und ◊ wei­sen dar­auf hin, dass die­se An­sprü­che aus dem Zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, in dem sie ent­stan­den sind, her­aus­ge­löst sind, und eine an­de­re Funk­ti­on ha­ben: sie die­nen dem Sub­jekt auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten ($) als Vo­ka­bu­lar, um sich an den An­de­ren zu wen­den (◊). Das Trieb­vo­ka­bu­lar lie­fert die Me­ta­phern für den Lie­bes­an­spruch. Der Lie­bes­an­spruch er­mög­licht wie­der­um ei­nen Zu­gang zum Be­geh­ren.

Die For­mel gibt an, wie der Trieb „spe­zi­fi­ziert“ wird, heißt es in Se­mi­nar 9, wo­mit ver­mut­lich ge­meint ist, dass die Trie­be sich durch ihr un­ter­schied­li­ches Ver­hält­nis zum An­spruch un­ter­schei­den, näm­lich durch die un­ter­schied­li­che Art, wie im An­spruch (D) die Be­zie­hung zum An­de­ren (◊) her­ge­stellt wird.

Die For­mel be­zieht sich nicht nur auf die syn­chro­ne Struk­tur des Triebs, son­dern auch auf sei­ne Dia­chro­nie, er­fährt man in Sub­ver­si­on des Sub­jekts. Der Aus­druck soll auch so in­ter­pre­tiert wer­den, dass der Wech­sel der Trieb­pha­sen (oral, anal usw.) auf der Ver­än­de­rung des An­spruchs (D) und da­mit auf ei­nem Wan­del in der Be­zie­hung zum An­de­ren (◊) be­ruht.

Die Be­zie­hung zwi­schen dem Ver­schwin­den des Sub­jekts ($) und dem An­spruch (D) wird von La­can auf zwei Wei­sen ge­deu­tet. In den Se­mi­na­ren 5 und 6 wird der Zu­sam­men­hang so dar­ge­stellt: Das Sub­jekt fragt sich be­wusst nach sei­nem wah­ren Be­geh­ren jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter den An­spruch („Que vuoi?“). Die Ant­wort wird ihm auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs ge­ge­ben, an­ders ge­sagt, auf der Ebe­ne von Wie­der­ho­lungs­zwän­gen, Sym­pto­men, Ver­spre­chern usw. Es ist ihm je­doch nicht mög­lich, sich die Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses selbst zu­zu­schrei­ben, es kann sich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs nicht be­nen­nen, es ver­schwin­det als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs ($). Da­mit stellt sich die Fra­ge, wie es un­ter die­ser Be­din­gung dem Sub­jekt mög­lich ist, sich in sei­nem Be­geh­ren jen­seits des An­spruchs zu er­fas­sen, jen­seits des Ichi­de­als. Ei­ner der Wege ist die Ent­zif­fe­rung des un­be­wuss­ten Codes ($ ◊ D), d..h. ei­nes Vo­ka­bu­lars von An­sprü­chen (D), die es ihm er­mög­li­chen, sei­ner Be­zie­hung zum An­de­ren (◊) und da­mit sei­nem Be­geh­ren auf die Spur zu kom­men.

In Se­mi­nar 8 be­schreibt La­can die Be­zie­hung zwi­schen dem Ver­schwin­den des Sub­jekts und dem An­spruch et­was an­ders: Das Sub­jekt ver­schwin­det in­so­fern, als es sich den Si­gni­fi­kan­ten sei­nes An­spruchs un­ter­ord­net.

Die bei­den Les­ar­ten sind ver­ein­bar: Das Sub­jekt ver­schwin­det in­so­fern, als es sich den Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs un­ter­ord­net, aber eben die­se ent­frem­den­den Si­gni­fi­kan­ten er­mög­li­chen ihm ei­nen Zu­gang zur Re­kon­struk­ti­on sei­nes Be­geh­rens.

Stellung im Graphen

Abb 4 - Graph mit 4 Linien gefärbtIm Gra­phen liegt die For­mel am Schnitt­punkt drei­er Li­ni­en: der Li­nie „Que vuoi?“ [Li­nie 2], der Li­nie des un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs [Li­nie 3] und der bei­den Li­ni­en des un­be­wuss­ten Kreis­laufs (der Rück­kop­pe­lungs­li­ni­en zwi­schen den Punk­ten $ ◊ D und S(Ⱥ)) [Li­nie 4]. Die­se Li­ni­en­über­kreu­zung stellt dar: Das Sub­jekt fragt sich be­wusst, was sein Be­geh­ren ist, jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter den An­spruch (dies wird re­prä­sen­tiert durch die Li­nie „Que vuoi?“ [Li­nie 2]). Hier­bei stößt es auf den un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs (die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ füh­ren­de Li­nie [Li­nie 3]). Da­mit be­ginnt die Ent­zif­fe­rung des Un­be­wuss­ten, dar­ge­stellt durch die Rück­kop­pe­lungs­li­ni­en zwi­schen ($ ◊ D) und S(Ⱥ) [Li­nie 4]. Zur Er­kun­dung des ei­ge­nen Be­geh­rens ge­hört die Re­kon­struk­ti­on des un­be­wuss­ten Vo­ka­bu­lars ($ ◊ D), in dem der Lie­bes­an­spruch ar­ti­ku­liert wird.

Klinik

Die For­mel ($ ◊ D) be­zieht sich auf den Si­gni­fi­kan­ten­schatz des Un­be­wuss­ten, der im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur ent­zif­fert wird. Durch die wäh­rend ei­ner Kur vom Pa­ti­en­ten ak­tu­ell er­ho­be­nen For­de­run­gen schim­mern an­de­re, ar­chai­sche For­de­run­gen hin­durch (D), um die­se For­de­run­gen geht es.

Die Be­din­gung da­für, die­se ar­chai­schen For­de­run­gen ent­zif­fern zu kön­nen ist der Vor­gang, der als „Re­gres­si­on“ be­zeich­net wird. Sie be­steht dar­in, dass das Sub­jekt mehr oder we­ni­ger deut­lich ver­dräng­te ora­le oder ana­le oder an­de­re An­sprü­che ar­ti­ku­liert und dies in der Wei­se, dass es da­mit an den An­de­ren sei­nen Lie­bes­an­spruch rich­tet, dass also die beim Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes ver­dräng­te Lie­bes­for­de­rung ak­tua­li­siert wird. In ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur geht es un­ter an­de­rem dar­um, dass dem Sub­jekt die­ser Code, die­ser Si­gni­fi­kan­ten­schatz „be­wusst wird“, bes­ser ge­sagt, dass es sich in sei­nem Spre­chen dar­auf be­zieht; die vom Ana­ly­ti­ker ge­för­der­te Re­gres­si­on ist das Mit­tel dazu.

La­can un­ter­schei­det in Se­mi­nar 6 zwei Ver­fah­ren, wie ein Ana­ly­ti­ker ver­su­chen kann, dem Sub­jekt den Code be­wusst zu ma­chen. Ohne Kon­fron­ta­ti­on und mit Kon­fron­ta­ti­on; mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist. Das ers­te Ver­fah­ren, sagt La­can, ist meist mit der Wi­der­stands­ana­ly­se oder mit ei­ner be­stimm­ten Form der Wi­der­stands­ana­ly­se ver­bun­den. La­can lehnt die­se Vor­ge­hens­wei­se ab, da sie das Sub­jekt auf den An­spruch re­du­ziert. Das zwei­te Ver­fah­ren, die Kon­fron­ta­ti­on, geht mit ei­ner os­zil­lie­ren­den Ak­zen­tu­ie­rung der Deu­tung ein­her; auch hier ist mir nicht klar, wor­auf La­can sich be­zieht. Ent­schei­dend ist, dass die Deu­tung so er­folgt, dass das Sub­jekt nicht auf den An­spruch re­du­ziert wird, son­dern dass es ihm mög­lich wird, sich in sei­nem „Sein“ zu ma­ni­fes­tie­ren, in sei­nem Seins­man­gel, in sei­nem Be­geh­ren, so dass es sich ge­wis­ser­ma­ßen rück­wir­kend zum Sub­jekt des Un­be­wuss­ten ma­chen kann.

Die Ent­zif­fe­rung des Trieb­vo­ka­bu­lars ist, ne­ben der Ent­zif­fe­rung des Phan­tas­mas, die Vor­aus­set­zung da­für, dass das Sub­jekt die Ant­wort auf sei­ne Fra­ge, was es will, ent­zif­fern kann, die Ant­wort, die im Gra­phen durch das Sym­bol S(Ⱥ) be­zeich­net wird, Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren (Se­mi­nar 8).

Verhältnis zum Phantasma

Die Ähn­lich­keit der For­mel für das Phan­tas­ma ($ ◊ a) und der For­mel für den Trieb ($ ◊ D) zeigt, war­um die Trie­be beim Neu­ro­ti­ker ab­ge­le­sen wer­den konn­ten: weil sich beim Neu­ro­ti­ker das Phan­tas­ma ($ ◊ a) als Trieb ($ ◊ D) dar­stellt, an­ders ge­sagt: weil das Phan­tas­ma des Neu­ro­ti­kers häu­fig per­vers ist (Se­mi­nar 10).

Zusammenfassung der Zusammenfassung

Die For­mel ($ ◊ D) steht für das Vo­ka­bu­lar, mit dem der Trieb im Un­be­wuss­ten re­prä­sen­tiert ist. Die­ses Vo­ka­bu­lar be­steht aus ora­len, ana­len, ge­ni­ta­len und an­de­ren An­sprü­chen (D). Die  Sym­bo­le ($ ◊) wei­sen dar­auf hin, dass die­se An­sprü­che aus dem Zu­sam­men­hang der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, in dem sie ent­stan­den sind, her­aus­ge­löst sind, und als Vo­ka­bu­lar die­nen, mit de­nen sich das Sub­jekt des Un­be­wuss­ten ($) auf den An­de­ren be­zieht (◊), um ihm ge­gen­über ei­nen Lie­bes­an­spruch zu er­he­ben; in die­ser Be­zie­hung zum An­de­ren zir­ku­liert das Be­geh­ren. Un­ter kli­ni­schen As­pekt steht die For­mel für die Ent­zif­fe­rung des Trieb­vo­ka­bu­lars im Rah­men der Re­gres­si­on in ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur.

Ausblick

Auch in spä­te­ren Tex­ten be­zieht La­can sich im­mer wie­der auf die For­mel ($ ◊ D). Be­son­ders aus­führ­lich spricht er über sie in Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren135; noch in dem Auf­satz L’étourdit von 1973 spielt er auf sie an.136, das be­zieht sich auf die Rau­te in der For­mel ($ ◊ D).

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Anmerkungen

  1. J. La­can: Die Bil­dun­gen des Un­be­wuß­ten. Das Se­mi­nar, Buch V (19571958). Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler, Über­set­zung von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2006.
  2. J. La­can: Le dé­sir et son in­ter­pré­ta­ti­on. Le sé­min­aire, li­v­re VI (19581959). Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler. La Mar­ti­niè­re, Pa­ris 2013. Über­set­zun­gen im Fol­gen­den sind von mir, RN.
  3. Im Ori­gi­nal „code de l’inconscient“, Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 18. März 1959. Die For­mu­lie­rung fin­det man in der von La­can in Auf­trag ge­ge­be­nen Ste­no­ty­pie (S. 26), eben­so in Ver­si­on Sta­fer­la. Jac­ques-Alain Mil­ler än­dert die Stel­le und schreibt statt­des­sen „code in­con­sci­ent“ (un­be­wuss­ter Code) (Ver­si­on Mil­ler, S. 337).
  4. J. La­can: Das Freud’sche Ding oder Der Sinn ei­ner Rück­kehr zu Freud in der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Mo­ni­ka Ma­ger. Tu­ria und Kant, Wien 2011, S. 60; er­wei­ter­te Fas­sung ei­nes Vor­trags von 1955, er­schie­nen 1956.
  5. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 18. De­zem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 124 f.
  6. Eine Zeich­nung mit M und C an al­len vier Über­schnei­dungs­punk­ten fin­det man nicht in den La­can-Aus­ga­ben. Die Zu­ord­nung von M und C zu den vier Über­kreu­zungs­stel­len er­gibt sich aus La­cans Er­läu­te­run­gen in den Se­mi­na­ren 5 und 6 so­wie aus den ver­öf­fent­lich­ten Zeich­nun­gen.
    In Se­mi­nar 5 wird der lin­ke Kno­ten­punkt häu­fig mit „M“ be­zeich­net, der rech­te je­doch nie mit „C“, statt­des­sen meist mit „A“ (im Fol­gen­den ver­wen­de ich die Un­ter­schei­dung von vier Kon­struk­ti­ons­stu­fen des Gra­phen aus Sub­ver­si­on des Sub­jekts). Vgl. Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 105 (zwei­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe = ein­stö­cki­ger Graph), 111 (zwei­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe), 179 (zwei­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe), 224 (vier­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe = zwei­stö­cki­ger Graph, im un­te­ren Stock­werk), 235 (vier­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe, im un­te­ren Stock­werk), 237 (vier­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe, im obe­ren Stock­werk), 261 (ers­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe = Pols­ter­stich), 393 (vier­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe, un­ten), 608 (zwei­te Kon­struk­ti­ons­stu­fe).
    In Se­mi­nar 6 fin­det man die Be­zeich­nung der bei­den Kreu­zungs­punk­te mit M und C, dort so­wohl für den ele­men­ta­ren, ein­stö­cki­gen Gra­phen (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 21), als auch bei der drit­ten Kon­struk­ti­ons­stu­fe des Gra­phen (der mit dem Fra­ge­zei­chen) (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 163).
  7. Vgl. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 15. Juni 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 354.
  8. Die ers­te Ver­wen­dung fin­det man in der Sit­zung vom 6. No­vem­ber 1957 (Se­mi­nar 5); Ver­si­on Miller/Gondek, S. 17. Der Psy­cho­se-Auf­satz wur­de im De­zem­ber 1957 und Ja­nu­ar 1958 ge­schrie­ben.
  9. Vgl. Ro­man Ja­kob­son: Shif­ters, ver­bal ca­te­go­ries, and the Rus­sian verb (1957). In: Ders.: Selec­ted Wri­t­ings, Vol. II: Word and Lan­guage. Den Haag: Mou­ton 1972. S. 130–147.– Dt.: Ver­schie­ber, Ver­bka­te­go­rien und das rus­si­sche Verb. In: Ders.: Form und Sinn: Sprach­wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tun­gen. Fink, Mün­chen 1974, S. 35–54; im In­ter­net hier.
  10. Zum ers­ten Mal in Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 8. Ja­nu­ar 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 182.
  11. Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, Sit­zung vom 7. Ja­nu­ar 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 148.
  12. Zu­erst fin­det man das Sym­bol $ in Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 26. März 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 359.
  13. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 16. No­vem­ber 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  14. S. Freud: Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten (1914). In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke. Chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Bd. 10, Wer­ke aus den Jah­ren 19131917. Ima­go, Lon­don 1949, S. 125136, hier: S. 127 f.
  15. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 518, Über­set­zung ge­än­dert; im Fran­zö­si­schen steht hier „su­jet bar­ré ou pas bar­ré“.
    In den Écrits fin­det man die Rede vom su­jet bar­ré zu­erst in Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht, ei­nem Vor­trag von 1958, des­sen End­fas­sung 1960 ge­schrie­ben wur­de und der 1961 ver­öf­fent­licht wur­de.
  16. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 48 (be­zo­gen auf $ in der For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a). Die­sel­be For­mu­lie­rung ver­wen­det La­can für den Quer­strich auf dem A in der For­mel S(Ⱥ); vgl. Sit­zung vom 7. Ja­nu­ar 1959, Ver­si­on Mil­ler, S. 148.
  17. Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 26. März 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 359. Spe­zi­ell zur Rau­te vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 517 f.
  18. Von poinçon spricht La­can erst­mals in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, Sit­zung vom 16. Mai 1962. In den Écrits fin­det man die Be­zeich­nung von ◊ als poinçon nur in Kant avec Sade, al­ler­dings noch nicht in der Ver­si­on von 1963, son­dern erst in der von 1966 (Écrits, S. 774; Schrif­ten II, S. 145).
  19. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 26. März 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 374.
  20. Sche­ma L wird, ohne die­se Be­zeich­nung, in Se­mi­nar 2 in der Sit­zung vom 25. Mai 1955 zum ers­ten Mal dar­ge­stellt (vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger S. 310); die Eti­ket­tie­rung als „Sche­ma L“ fin­det man zu­erst in dem 1957 ver­öf­fent­lich­ten Poe-Auf­satz (vgl. J. La­can: Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“. In: Ders.: Schrif­ten I, a.a.O., S. 760, hier: S. 53).
  21. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 517 f.
  22. Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 14. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 455.
  23. Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 487489
  24. Vgl. Se­mi­nar 8, 15. März 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 252.
  25. Vgl. Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 15. März 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 255 f.
  26. Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 488.
  27. Se­mi­nar 4, Sit­zung vom 12. De­zem­ber 1956; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 67.
  28. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 30. April 1958, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 431; Sit­zung vom 14. Mai 1958, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 463.
  29. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 27. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, 467.
  30. Mil­ler fügt hier­nach ein: „ – ($ ◊ D)“
  31. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 519, Über­set­zung ge­än­dert.
  32. Vgl. Sé­min­aire 5, Ver­si­on JL, auf der Sei­te der Éco­le La­ca­ni­en­ne de Pa­ris, Sit­zung vom 11. Juni 1958, S. 4.
  33. Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958, S. 519; Sit­zung vom 2. Juli 1958, S. 582.
  34. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 488, Über­set­zung ge­än­dert.
  35. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 489.
  36. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 25. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 562; vgl. auch in der­sel­ben Sit­zung S. 573.
  37. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 2. Juli 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 582.
  38. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 7. Ja­nu­ar 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 147 f.
  39. Vgl. Wil­helm Reich: Cha­rak­te­r­ana­ly­se. Kie­pen­heu­er und Witsch, Köln 1989, dar­in v.a. „Zur Tech­nik der Deu­tung und der Wi­der­stands­ana­ly­se“ (1927), S. 4971; „Zur Tech­nik der Cha­rak­te­r­ana­ly­se“ (1933), S. 72160.
  40. J. La­can: Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht. Über­setzt von Nor­bert Haas. In: Ders.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 181. Die­ser Text wur­de 1960 ge­schrie­ben, er be­ruht auf ei­nem Vor­trag von 1958 und wur­de 1961 ver­öf­fent­licht.
  41. Ge­or­ge De­vereux: Some cri­te­ria for the ti­ming of con­fron­ta­ti­ons and in­ter­pre­ta­ti­ons. In: The In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis, 32. Jg. (1951), Heft 1, S. 1924.
  42. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 27. Mai 1959; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 467.
  43. Vgl. Se­mi­nar 4, Sit­zung vom 12. De­zem­ber 1956; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 76 f., 8284. Vgl. auch die Ta­bel­le in der Sit­zung vom 6. März 1957, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 235, so­wie in der Sit­zung vom 3. April 1957, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 317.
  44. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 15. April 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 368.
  45. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 10. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 501.
  46. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 96.
  47. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 13. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 435.
  48. Sem­nar 6, Sit­zung vom 27. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 466 f.
  49. Vgl. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213272, hier: S. 232.
  50. Das Kon­zept der Rau­te als Schnitt ent­wi­ckelt La­can in Se­mi­nar 6 in den Sit­zun­gen vom 20. Mai, 27. Mai, 3. Juni, 10. Juni, 24. Juni und 1. Juli 1959.
  51. Saus­su­re: „Al­les Vor­aus­ge­hen­de läuft dar­auf hin­aus, daß es in der Spra­che nur Ver­schie­den­hei­ten gibt. Mehr noch, eine Ver­schie­den­heit setzt im all­ge­mei­nen po­si­ti­ve Ein­zel­glie­der vor­aus, zwi­schen de­nen sie be­steht; in der Spra­che aber gibt es nur Ver­schie­den­hei­ten ohne po­si­ti­ve Ein­zel­glie­der. Ob man Be­zeich­ne­tes [Si­gni­fi­ka­te] oder Be­zeich­nen­des [Si­gni­fi­kan­ten] nimmt, die Spra­che ent­hält we­der Vor­stel­lun­gen noch Lau­te, die ge­gen­über dem sprach­li­chen Sys­tem prä­exis­tent wä­ren, son­dern nur be­griff­li­che und laut­li­che Ver­schie­den­hei­ten, die sich aus dem Sys­tem er­ge­ben.“ (Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­la­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft. Hg. v. Charles Bal­ly und Al­bert Seche­haye. Über­setzt von Her­man Lom­mel. De Gruy­ter, Ber­lin 1967, Zwei­ter Teil, Ka­pi­tel IV, § 4, „Das Zei­chen als Gan­zes be­trach­tet“, S. 143 f.)
  52. Se­mi­nar 1, Sit­zung vom 24. Fe­bru­ar 1954, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Mil­ler; Ha­ma­cher über­setzt falsch mit „Türzwi­schen­raum“ (Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 113).
  53. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 9. Fe­bru­ar 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 156; Metz­ger über­setzt hier „dans l’intervalle“ mit „da­zwi­schen“.
  54. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 42.
  55. Die Stel­lung des Un­be­wuss­ten. Über­setzt von Nor­bert Haas. In: J. La­can: Schrif­ten II. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten und Frei­burg i.Br. 1975, S. 205230, hier: S. 222 f., Über­set­zung ge­än­dert. Die End­fas­sung von Die Stel­lung des Un­be­wuss­ten wur­de 1964 ge­schrie­ben; der Text be­ruht auf ei­nem Vor­trag von 1960, wur­de 1962 ge­schrie­ben und 1966 ver­öf­fent­licht.
  56. Sur la théo­rie du sym­bo­lis­me d’Ernest Jo­nes. In: J. La­can: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 708. Der Auf­satz wur­de 1959 ge­schrie­ben und 1960 ver­öf­fent­licht.
  57. Vgl. etwa Se­mi­nar 3, Sit­zung vom 25. Ja­nu­ar 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 135; Sit­zung vom 6. Juni 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 307.
  58. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 1. Juli 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 564 f.
  59. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 27. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 471.
  60. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 20. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 451.
  61. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 15. Juni 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 361.
  62. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 29. Juni 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 408.
  63. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 24. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 539.
  64. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 20. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 450.
  65. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 482.
  66. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 24. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 536.
  67. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 10. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 495.
  68. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 24. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 540.
  69. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. S. 497.
  70. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 1. Juli 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 572.
  71. Vgl. Ni­co­las Lan­glitz: Die Zeit der Psy­cho­ana­ly­se. La­can und das Pro­blem der Sit­zungs­dau­er. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2005.
  72. Ei­nen Über­blick über die to­po­lo­gi­sche Kon­zep­ti­on des Schnitts fin­det man in: Ber­nard Van­derm­ersch: Ar­ti­kel coupu­re. In: Ders. u. Ro­land Che­ma­ma (Hg.): Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se. Larous­se, Pa­ris 2009, S. 121126.
  73. J. La­can: Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht. Über­setzt von Nor­bert Haas. In: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 171239, hier: 227, Über­set­zung ge­än­dert.
  74. Die Aus­rich­tung der Kur, a.a.O., S. 227, Über­set­zung ge­än­dert.
  75. Vgl. Pas-tout La­can. Hg. v. der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se, S. 785.
    Die Zu­sam­men­fas­sung von Pon­ta­lis ist über­setzt wor­den: Jean-Bert­rand Pon­ta­lis: Zu­sam­men­fas­sen­de Wie­der­ga­ben der Se­mi­na­re IV-VI von Jac­ques La­can. 2., durch­ge­se­he­ne Auf­la­ge. Tu­ria und Kant, Wien 1999, S. 143–173.
  76. S. Freud: Das Un­be­wuß­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 119173, hier: S. 136.
  77. Écrits, S. 221; Vor­trag von 1951, der 1952 ver­öf­fent­licht wur­de.
  78. Vgl. Se­mi­nar 1, Sit­zung vom Sit­zung vom 24. März 1954; Ver­si­on Miller/Hamacher, S.156, 158.
  79. Vgl. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 26. Ja­nu­ar 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 124.
  80. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 15. April 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 368.
  81. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 487.
  82. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 16. Mai 1962; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  83. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 42.
  84. Die Aus­rich­tung der Kur, a.a.O., S. 227, mei­ne Über­set­zung.
  85. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 524.– Die Un­ter­schei­dung der drei Re­gres­si­ons­ar­ten ist ein Zu­satz zur Traum­deu­tung von 1914.
  86. J. La­can: Die Über­tra­gung. Das Se­mi­nar, Buch VIII (19601961). Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler, über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Pas­sa­gen-Ver­lag, Wien 2008.
  87. Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 3. Mai 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 333 f., Über­set­zung ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la; „Wunsch“ im Ori­gi­nal deutsch.
  88. J. La­can: L’identification. Sé­min­aire 9, 1961/62. Hg. v. der Web­site staferla.free.fr, o.O., o.J., im In­ter­net hier.
  89. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 21. März 1962; Ver­si­on Sta­fer­la. Die Über­set­zung von Pas­sa­gen aus Se­mi­nar 9 ist hier und im Fol­gen­den von mir, RN.
  90. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 30. Mai 1962; Ver­si­on Sta­fer­la, mei­ne Über­set­zung, „Trieb“ im Ori­gi­nal deutsch.
  91. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 15. No­vem­ber 1961
  92. Vgl. S. Freud: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 75–102, v.a. S. 90–96.
  93. Vgl. J. La­can: Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­tion der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit. Ein neu­es So­phisma (1945). Übers. v. Hans-Joa­chim Metz­ger. In: Ders.: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag Ol­ten und Frei­burg i.Br. 1980, S. 123171.
  94. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 16. Mai 1962; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  95. J. La­can: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuß­ten. Über­setzt von Chan­tal Creu­sot und Nor­bert Haas. In: J. La­can: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten und Frei­burg im Breis­gau 1975, S. 165204.
  96. Zur Da­tie­rung auf das Jahr 1962 vgl. den Hin­weis von Jac­ques-Alain Mil­ler in sei­ner Aus­ga­be von Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 602.
  97. Sub­ver­si­on des Sub­jekts, a.a.O., S. 180, mei­ne Über­set­zung.
  98. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 15. Juni 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 354. 
  99. Sub­ver­si­on, a.a.O., S. 193.
  100. Vgl. Sub­ver­si­on, a.a.O., S. 177.
  101. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 13. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 189.
  102. Vgl. Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 15. März 1961.
  103. Sub­ver­si­on, a.a.O., S. 193, Über­set­zung ge­än­dert.
  104. Vgl. S. Freud: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Man 2000, S. 75102, v.a. S. 8587.
    La­can kom­men­tiert die­se vier Be­grif­fe aus­führ­lich in Se­mi­nar 11, in der Sit­zung vom 6. Mai 1964.
  105. Trie­be und Trieb­schick­sa­le, a.a.O., S. 82.
  106. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 173176.
  107. Vgl. Trie­be und Trieb­schick­sa­le, a.a.O., S. 82.
  108. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 177.
  109. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. S. 37145, hier: S. 7678, 8893, 112118.
  110. Vgl. Trie­be und Trieb­schick­sa­le, a.a.O., S. 90.
  111. Sub­ver­si­on des Sub­jekts, a.a.O., S. 193, mei­ne Über­set­zung.
  112. Bei­spiels­wei­se Odys­see, 1. Ge­sang, Zei­le 64, wört­li­che Über­set­zung: „Wel­che Rede, mein Kind, ist dem Ge­he­ge dei­ner Zäh­ne ent­flo­hen?“ Voß über­setzt lei­der mit: „Wel­che Rede, mein Kind, ist dei­nen Lip­pen ent­flo­hen?“
  113. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 20. Mai 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 454.
  114. Sit­zung vom 15. No­vem­ber 1965.
  115. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 27. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 217.
  116. J. La­can: Die Angst. Das Se­mi­nar, Buch X (19621963). Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler, Über­set­zung von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2010.
  117. Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 12. De­zem­ber 1962; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 89.
  118. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 74.
  119. Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 29. Mai 1963; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 328.
  120. Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 29. Mai 1963; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 329, Über­set­zung ge­än­dert.
  121. J. La­can: Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se. Das Se­mi­nar, Buch XI (1964). Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler, Über­set­zung von Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten und Frei­burg i.Br. 1978.
  122. Vor al­lem in den Sit­zun­gen vom 6., 13. und 20. Mai 1964 (die Sit­zung vom 20. Mai ist in Ver­si­on Miller/Haas irr­tüm­lich auf den 29. Mai da­tiert).
  123. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 177.
  124. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 178, Über­set­zung ge­än­dert.
  125. Vgl. Trie­be und Trieb­schick­sa­le, a.a.O., S. 90.
  126. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 180.
  127. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 6. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 181.
  128. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 13. Mai 1965; Ver­si­on Miller/Haas, S. 186, Über­set­zung ge­än­dert.
  129. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 13. Mai 1965; Ver­si­on Miller/Haas, S. 186188.
  130. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 13. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 190, Über­set­zung ge­än­dert.
  131. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 27. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 217, Über­set­zung ge­än­dert.
  132. Se­mi­anr 11, Sit­zung vom 27. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 219, Über­set­zung ge­än­dert.
  133. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 21. März 1962; Ver­si­on Sta­fer­la, mei­ne Über­set­zung.
  134. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 27. Mai 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 220.
  135. Vgl. in Se­mi­nar 16 die Sit­zun­gen vom 27. No­vem­ber 1968 (Ver­si­on Mil­ler, S. 54), vom 11. De­zem­ber 1968 (Ver­si­on Mil­ler, S. 87 f.), vom 8. Ja­nu­ar 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 101), vom 22. Ja­nu­ar 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 123) und vom 26. März 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 251 f.).
  136. La­can spricht hier von der Funk­ti­on des Lochs in be­zug auf den Trieb, und dass die Ana­ly­se dar­aus ein Ma­them ge­macht habe. Vgl. J. La­can: L’étourdit. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 449495, hier: 485.

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