"Das Sinthom" entziffern

Kommentar zu Lacans Vorlesung vom 9. Dezember 1975

Borromäische Ringe - Ballantine's (zu Jacques Lacan, Joyce und Chomsky)

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, „Das Sin­t­hom”

Jac­ques La­can: Se­mi­nar 23 von 1975/76: Le sin­t­home / Das Sin­t­hom

Kom­men­tar von Rolf Nemitz
ge­stützt auf die Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin ab März 2013

Ei­nen Über­blick über die Kom­men­ta­re zu den ein­zel­nen Sit­zun­gen fin­det man hier, über den ge­sam­ten Kom­men­tar hier.
Eine Über­sicht über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben des Sin­t­hom-Se­mi­nars gibt es hier.

In­halt

Vorlesung vom 9. Dezember 1975

Psychoanalytische Bibliothek 4 (zu: Jacques Lacan, Sinthom-Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Psy­cho­ana­ly­ti­sche Bi­blio­thek Ber­lin

Dies ist die zwei­te Fas­sung des Kom­men­tars zu die­ser Sit­zung, ver­öf­fent­licht am 21. April 2015. Die ers­te Fas­sung er­schien, in zwei Tei­len, am 2. und am 26. No­vem­ber 2013.

6. und 7. Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin am  24. Sep­tem­ber und am 29. Ok­to­ber 2013 in der Psy­cho­ana­ly­ti­schen Bi­blio­thek Ber­lin.

TONAUFNAHME

Ers­tes Drit­tel, bis „…con­sidé­rer le ma­nie­ment.“ (13):

Zwei­tes Drit­tel, bis „… cau­se com­me ob­jec­tivée.“ (15):

.Ab
Drit­tes Drit­tel:

FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quel­len der La­can-Zi­ta­te

Fran­zö­si­scher Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­geben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Va­ri­an­te vom 28.6.2013, PDF-Da­tei hier. Die Tran­skrip­ti­on wur­de mit der Au­dio­auf­nah­me ver­gli­chen und ge­ring­fü­gig über­ar­bei­tet.

Deut­scher Text
Die Über­set­zung stützt sich auf die Über­set­zung von Se­mi­nar 23 durch Max Klei­ner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, lin­ke Spal­te die­ser Dop­pel­über­set­zung. Klei­ners Über­set­zung wur­de von Rolf Nemitz stark über­ar­bei­tet.

Sei­ten­zah­len

Fran­zö­si­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Ver­si­on Sta­fer­la vom 28.6.2013.

– Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­ga­be von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­si­on von 2005 die Sei­te 83“. Da Mil­ler die Tran­skrip­ti­on re­dak­tio­nell be­ar­bei­tet hat, un­ter­schei­det sich die hier ge­brach­te Tran­skrip­ti­on häu­fig von Mil­lers Aus­ga­be.

Deut­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner.

An­mer­kun­gen
Die An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text be­zie­hen sich auf Fra­gen der Tran­skrip­ti­on.

– Die An­mer­kun­gen zur Über­set­zung lie­fern In­for­ma­tio­nen zum Text ohne Be­zug auf La­cans Theo­rie so­wie Quer­ver­wei­se.

Links in der Über­set­zung
Die Links im deut­schen Text füh­ren zum „La­can-Le­xi­kon“ in die­sem Ar­ti­kel mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu La­cans Theo­rie.

 

[27] Ça ne peut pas du­rer com­me ça ! (11)

So kann das nicht wei­ter­ge­hen. (18)

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Je veux dire que vous êtes trop nom­breux. (11)

Da­mit mei­ne ich, dass Sie zu vie­le sind. (18)

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Vous êtes trop nom­breux pour que… (11)

Sie sind zu vie­le, als dass … (18)

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En­fin, j’espère tout de même ob­tenir de vous ce que j’ai ob­te­nu du pu­blic des États-Unis, où je vi­ens d’aller. (11)

Nun­ja, ich hof­fe den­noch, von Ih­nen das zu be­kom­men, was ich von den Zu­hö­rern in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten be­kom­men habe, wo ich vor kur­zem war. (18)

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J’y ai pas­sé quin­ze jours pleins et j’ai pu m’y aper­ce­voir d’un cer­tain nom­bre de cho­ses, en par­ti­cu­lier – si j’ai bien en­ten­du – d’une cer­tai­ne las­situ­de qui est res­sen­tie, princi­pa­le­ment par les ana­lys­tes. (11)

Ich habe dort vol­le zwei Wo­chen ver­bracht, und ich konn­te eine ge­wis­se An­zahl von Din­gen wahr­neh­men, ins­be­son­de­re, wenn ich es recht ver­stan­den habe, eine ge­wis­se Er­mü­dung, die haupt­säch­lich von den Ana­ly­ti­kern ver­spürt wird. (18)

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[28] [J’y ai été – mon Dieu ! – je ne puis que dire que j’y ai été très bien traité, mais ça n’est pas dire grand cho­se, n’est ce pas ? (11)

Ich wur­de dort, mein Gott, ich kann nur sa­gen, dass ich dort sehr gut be­han­delt wor­den bin, aber das be­sagt nicht viel, nicht wahr. (18)

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Je m’y suis sen­ti plu­tôt… pour em­ploy­er un ter­me qui est ce­lui dont je me sers pour ce qu’il en est de l’homme …j’y ai été humé, ou en­core, si vous vou­lez bien l’entendre, aspi­ré, aspi­ré dans une sor­te de tour­bil­lon, qui évi­dem­ment ne trouve son répondant que dans ce que je mets en évi­dence par mon nœud. (11)

Ich habe mich dort eher ge­fühlt, um ei­nen Aus­druck zu ver­wen­den, des­sen ich mich be­die­ne, wenn es um den Men­schen geht, ich wur­de dort ein­ge­at­met, oder auch, wenn Sie es bit­te recht ver­ste­hen mö­gen, ein­ge­so­gen in ei­ner Art Wir­bel, der evi­den­ter­ma­ßen sei­ne Ent­spre­chung  nur in dem fin­det, was ich mit mei­nem Kno­ten zur Evi­denz brin­ge. (18)

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C’est en ef­fet pas par ha­sard – n’est ce pas ? – c’est peu à peu que vous avez vu … en­fin, ceux qui sont là de­puis un cer­tain temps … que vous avez pu voir – c’est-à-dire en­tendre – pas à pas com­ment j’en suis venu à ex­pri­mer par la fonc­tion du nœud ce que j’avais d’abord avan­cé com­me, di­sons tri­pli­ce du Sym­bo­li­que, de l’Imaginaire et du Réel. (11)

Es ist wirk­lich nicht durch Zu­fall, nicht wahr, nach und nach ha­ben Sie ge­se­hen, zu­min­dest die­je­ni­gen, die seit ei­ner ei­ni­ger Zeit da sind, Sie ha­ben se­hen kön­nen, das heißt hören/verstehen kön­nen, Schritt für Schritt, wie ich dazu ge­kom­men bin, durch die Funk­ti­on des Kno­tens das aus­zu­drü­cken, was ich zu­nächst vor­ge­bracht hat­te über die, sa­gen wir, Drei­falt des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len.1 (18)

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Le nœud est fait dans l’esprit d’un nou­veau mos – mode, n’est-ce pas, ou mo­eurs – d’un nou­veau mos geo­me­tri­cus. (11)

Der Kno­ten ist ge­macht im Geis­te ei­nes neu­en mos, Art nicht wahr, oder Sit­te, ei­nes neu­en mos geo­me­tri­cus.2 (18)

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Nous som­mes en ef­fet, au dé­part tou­jours cap­ti­vés par quel­que cho­se qui est une géo­mé­trie que j’ai qua­li­fiée la der­niè­re fois de com­pa­ra­ble au sac, c’est-à-dire à la sur­face. (11)

Tat­säch­lich sind wir an­fangs im­mer von et­was ge­fes­selt, näm­lich von ei­ner Geo­me­trie, die ich letz­tes Mal ge­kenn­zeich­net habe als mit dem Sack ver­gleich­bar, das heißt mit der Ober­flä­che. (18)

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Il est très dif­fi­ci­le – vous pou­vez en fai­re l’essai – il est très dif­fi­ci­le de pen­ser … cho­se qui s’opère le plus com­mu­n­é­ment les yeux fer­més …il est très dif­fi­ci­le de pen­ser au nœud. (11)

Es ist sehr schwie­rig – Sie kön­nen den Ver­such ma­chen –, es ist sehr schwie­rig, dar­an zu den­ken, man macht das zu­meist mit ge­schlos­se­nen Au­gen, es ist sehr schwie­rig, an den Kno­ten zu den­ken. (18 f.)

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On ne s’y re­trouve pas et je ne suis pas tel­le­ment sûr – quoiqu’il y en ait à mes yeux tou­te ap­pa­rence – de l’avoir cor­rec­te­ment mis de­vant vous. (11)

Man fin­det sich da nicht zu­recht, und ich bin nicht so si­cher – auch wenn es in mei­nen Au­gen ganz den An­schein hat –, dass ich ihn Ih­nen kor­rekt vor­ge­setzt habe. (19)

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Il me sem­ble qu’ici il y a une fau­te. (11)

Es scheint mir, dass es hier ei­nen Feh­ler gibt.3 (19)

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Il y a une fau­te ici. Voi­là. (11)

Hier ist ein Feh­ler. Schau­en Sie. (19)

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Par­ce que c’est ceci ce qu’il con­vi­ent de sup­pri­mer. (11)

Denn das ist das, was ge­löscht wer­den muss.4 (19)

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C’est un nœud qui part de ceci que vous con­nais­sez bien : À sa­voir ce qui fait que dans un nœud bor­ro­méen vous avez cet­te for­me

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 5 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[29] qui est tel­le qu’à l’occasion elle se re­dou­ble et que vous de­vez la com­plé­ter par deux au­tres ronds : (11)

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 2 (zu Jacques Lacan, Sinthom, zu Joyce und Chomsky)Das ist ein Kno­ten, der von et­was aus­geht, das Sie gut ken­nen, näm­lich von dem, was be­wirkt, dass Sie in ei­nem bor­ro­mäi­schen Kno­ten die­se Form ha­ben, die dann ver­dop­pelt wird und die Sie durch zwei wei­te­re Rin­ge ver­voll­stän­di­gen müs­sen. (19)

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Il y a une aut­re fa­çon de re­dou­bler cet­te for­me pliée – en som­me, vous voy­ez que j’essaie de vous mett­re au fait – cet­te for­me pliée, cet­te for­me liée qui s’accroche l’une à l’autre : | [30] il y a une aut­re fa­çon qui con­sis­te à user de ce que je vous ai déjà mon­tré une fois, à l’occasion, à sa­voir de ceci :

Verklammerung zweier Ringe (Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)de ceci qui ne va pas sans con­sti­tu­er de soi un cer­cle fer­mé. (11 f.)

Es gibt noch eine an­de­re Wei­se, die­se ge­fal­te­te Form zu ver­dop­peln – wie Sie se­hen, ver­su­che ich, Sie auf den Stand zu brin­gen –, die­se ge­fal­te­te Form, die­se ge­bun­de­ne Form, die sich mit der an­de­ren ver­hakt, es gibt eine an­de­re Wei­se, die dar­in be­steht, et­was zu be­nut­zen, was ich Ih­nen schon ein­mal ge­zeigt habe, näm­lich dies hier, das nicht um­hin kann, von sich aus ei­nen ge­schlos­se­nen Kreis zu bil­den. (19 f.)

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Par cont­re, sous la for­me sui­v­an­te :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 5 (zu Jacques Lacan, Sinthom, zu Joyce und Chomsky)vous voy­ez que les deux cir­cuits sont ma­ni­pul­ab­les d’une fa­çon tel­le qu’ils peu­vent se li­bé­rer l’un de l’autre. (12)

In der fol­gen­den Ge­stalt se­hen Sie hin­ge­gen, dass die bei­den Kreis­bah­nen in ei­ner Wei­se ma­ni­pu­lier­bar sind, dass sie sich von­ein­an­der lö­sen kön­nen. (20)

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C’est même pour ça que les deux cer­cles, ici mar­qués en rouge :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 6 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)peu­vent en con­sti­tu­er un nœud qui soit à pro­pre­ment par­ler bor­ro­méen, c’est-à-dire qui, du fait de la sec­tion d’un quel­con­que, li­bè­re tous les au­tres. (12)

Und aus eben die­sem Grun­de kön­nen die bei­den Krei­se, die hier rot mar­kiert sind, ei­nen Kno­ten bil­den, der im ei­gent­li­chen Sin­ne bor­ro­mä­isch ist, das heißt, der, wenn ir­gend­ei­ner auf­ge­schnit­ten wird, alle an­de­ren frei­setzt. (20)

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L’analyse est en som­me la ré­duc­tion de l’initiation à sa réa­lité, c’est-à-dire au fait qu’il n’y a pas à pro­pre­ment par­ler d’initiation. (12)

Die Ana­ly­se ist letzt­lich die Zu­rück­füh­rung der In­itia­ti­on auf ihre Rea­li­tät, das heißt auf die Tat­sa­che, dass es ei­gent­lich kei­ne In­itia­ti­on gibt. (20)

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Tout su­jet y li­v­re ceci : qu’il est tou­jours et n’est ja­mais qu’une sup­po­si­ti­on. (12)

Je­des Sub­jekt er­weist sich hier als dies, dass es im­mer nichts an­de­res als eine Un­ter­stel­lung ist. (20)

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Néan­mo­ins ce que l’expérience nous dé­mont­re, c’est que cet­te sup­po­si­ti­on est tou­jours li­v­rée à ce que j’appellerai une am­bi­guïté. (12)

Nichts­des­to­we­ni­ger be­weist uns die Er­fah­rung, dass die­se Un­ter­stel­lung im­mer ei­ner, wie ich es nen­nen möch­te, Am­bi­gui­tät aus­ge­setzt ist. (20)

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Je veux dire que le su­jet com­me tel est tou­jours, non pas seu­le­ment dou­ble, mais di­vi­sé. (12)

Ich will sa­gen, dass das Sub­jekt als sol­ches nicht nur im­mer dop­pelt, son­dern ge­spal­ten ist. (20)

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Il s’agit de rend­re comp­te de ce qui – de cette di­vi­si­on – fait le Réel. (12)

Es geht dar­um, dem Rech­nung zu tra­gen, was von die­ser Spal­tung das Rea­le aus­macht. (20)

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En quoi Freud … puis­que il nous faut y re­ve­nir : c’est lui qui a été le grand fra­y­eur de cet­te ap­pré­hen­si­on … en quoi Freud, dont en som­me, si je l’ai bien lu – je crois d’ailleurs l’avoir bien lu … si j’en crois le der­nier Erich Fromm, que vous pou­vez vous pro­cu­rer très aisé­ment, si mon sou­ve­nir est bon, chez Gal­li­mard, et qui s’intitule de quel­que cho­se qui – au mo­ins sur le dos du vo­lu­me – s’énonce com­me la psy­chana­ly­se ap­pré­hen­dée à tra­vers son « père », ent­re guil­le­mets, c’est-à-dire par Freud … en quoi donc, si je l’ai bien lu, Freud – Freud un bour­geois, et un bour­geois bour­ré de préju­gés – a-t-il att­eint quel­que cho­se qui fait la val­eur prop­re de son dire, et qui n’est cer­tes pas rien, qui est la vi­sée de dire sur l’homme la vé­rité. (12)

Wor­in hat Freud – denn dar­auf müs­sen wir zu­rück­kom­men, da er ja der gro­ße Weg­be­rei­ter die­ser Ein­sicht war –, wor­in hat Freud, von dem letzt­lich, wenn ich recht ge­le­sen habe – ich glau­be im üb­ri­gen, es recht ge­le­sen zu ha­ben –, wenn ich dem neu­es­ten Erich Fromm glau­be, den Sie sich sehr leicht, wenn mein Ge­dächt­nis mich nicht trügt, bei Gal­li­mard be­sor­gen kön­nen, und der mit et­was be­ti­telt ist, das so for­mu­liert wird, zu­min­dest auf der hin­te­ren Um­schlag­sei­te, als die Psy­cho­ana­ly­se, er­fasst über ih­ren „Va­ter“ in An­füh­rungs­zei­chen, das heißt über Freud  – wor­in also hat Freud, wenn ich recht ge­le­sen habe, Freud, ein Bour­geois, und zwar ein mit Vor­ur­tei­len voll­ge­stopf­ter Bour­geois, war­um hat er et­was er­reicht, was den ei­gent­li­chen Wert sei­nes Sa­gens aus­macht und was ge­wiß nicht we­nig ist, näm­lich dar­auf ab­zu­zie­len, über den Men­schen die Wahr­heit zu sa­gen?5 (20)

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À quoi j’ai ap­por­té cet­te cor­rec­tion qui n’a pas été pour moi sans pei­ne, sans dif­fi­cul­té : qu’il n’y a de vé­rité qu’elle ne puis­se que se dire – tout com­me le su­jet qu’elle com­por­te – qui ne puis­se se | [31] dire qu’à moi­tié, qui ne puis­se … pour l’exprimer com­me je l’ai énon­cé … que se mi-dire. (12)

Wozu ich die­se Kor­rek­tur bei­ge­tra­gen habe, die mir kei­ne ge­rin­ge Qual, kei­ne ge­rin­ge Schwie­rig­keit be­rei­tet hat, dass es eine Wahr­heit nur gibt, die nur ge­sagt wer­den kann, ganz wie das Sub­jekt, das sie mit sich bringt, dass sie nur zur Hälf­te ge­sagt wer­den kann, dass sie, um es so aus­zu­drü­cken, wie ich es for­mu­liert habe, nur halb­ge­sagt wer­den kann.6 (20)

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Je pars de ma con­di­ti­on qui est cel­le d’apporter à l’homme ce que l’Écriture énon­ce com­me, non pas une aide à lui, mais une aide cont­re lui. (13)

Ich gehe von mei­ner Lage aus, die dar­in be­steht, dem Men­schen das zu brin­gen, was die Schrift so for­mu­liert, nicht als eine Hil­fe für ihn, son­dern als eine Hil­fe ge­gen ihn.7 (20 f.)

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Et de cet­te con­di­ti­on j’essaie de me re­pé­rer. (13)

Und von die­ser Lage her ver­su­che ich mich zu ver­or­ten. (21)

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C’est bien pour­quoi j’ai été … vrai­ment d’une fa­çon qui vaud­rait re­mar­que … j’ai été con­du­it à cet­te con­s­idé­ra­ti­on du nœud, qui com­me je vi­ens de vous le dire, est à pro­pre­ment par­ler con­sti­tué par une géo­mé­trie qu’on peut bien dire in­ter­di­te à l’Imaginaire, qui ne s’imagine qu’à tra­vers tou­tes sor­tes de ré­si­s­tan­ces, voi­re de dif­fi­cul­tés. (13)

Eben des­halb wur­de ich, auf eine Wei­se, die wirk­lich eine wei­te­re Be­mer­kung ver­dien­te, wur­de ich zu die­ser Be­trach­tung des Kno­tens ge­führt, der, wie ich Ih­nen ge­ra­de ge­sagt habe, ei­gent­lich durch eine Geo­me­trie kon­sti­tu­iert wird, von der man wohl sa­gen kann, dass sie dem Ima­gi­nä­ren un­ter­sagt ist, die sich nur über alle mög­li­chen Ar­ten von Wi­der­stän­den, von Schwie­rig­kei­ten hin­weg vor­stel­len lässt. (21)

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C’est à pro­pre­ment par­ler ce que le nœud, en tant qu’il est bor­ro­méen, sub­stan­ti­fie. (13)

Dies ist ei­gent­lich das, was der Kno­ten, in­so­fern er bor­ro­mä­isch ist, sub­stan­ti­fi­ziert. (21)

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Si nous par­tons en ef­fet de l’analyse, nous con­sta­tons – c’est aut­re cho­se que d’observer. (13)

Wenn wir näm­lich von der Ana­ly­se aus­ge­hen, dann kon­sta­tie­ren wir, und das ist et­was an­de­res als zu be­ob­ach­ten.8 (21)

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Une des cho­ses qui m’ont le plus frap­pé quand j’étais en Amé­ri­que, c’est ma ren­cont­re … qui était cer­tes pas par ha­sard, qui était tout à fait in­ten­ti­on­nel­le de ma part … c’est ma ren­cont­re avec Chom­sky. (13)

Ei­nes der Din­ge, die mich am meis­ten ver­blüfft ha­ben, als ich in Ame­ri­ka war, war mei­ne Be­geg­nung, die ge­wiß nicht zu­fäl­lig war, die von mei­ner Sei­te ganz und gar be­ab­sich­tigt war, das war mei­ne Be­geg­nung mit Chom­sky.9 (21)

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J’en ai été, à pro­pre­ment par­ler, je dirai souf­flé. (13)

Da­von war ich, schlicht ge­sagt, ich wür­de sa­gen, baff. (21)

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Je le lui ai dit. (13)

Ich habe ihm das ge­sagt. (21)

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L’idée dont je me suis ren­du comp­te qu’elle était la si­en­ne est en som­me cel­le-ci … dont je ne peux pas dire qu’elle soit d’aucune fa­çon ré­fu­ta­ble, c’est même l’idée la plus com­mu­ne, et c’est bien qu’il l’ait – de­vant mon oreil­le – sim­ple­ment af­fir­mée, qui m’a fait sen­tir tou­te la di­stan­ce où j’étais de lui … cet­te idée qui est l’idée en ef­fet com­mu­ne, est cel­le-ci, cel­le-ci qui me pa­raît pré­cai­re : la con­s­idé­ra­ti­on, en som­me, de quel­que cho­se qui se pré­sen­te com­me un corps, un corps conçu com­me pour­vu d’organes, ce qui im­pli­que dans cet­te con­cep­ti­on que l’organe est un ou­til – ou­til de pri­se, ou­til d’appréhension – et que : il n’y a au­cu­ne ob­jec­tion de princi­pe à ce que l’outil s’appréhende lui-même com­me tel, que par ex­emp­le le lan­ga­ge soit con­s­idé­ré par lui com­me dé­ter­mi­né par un fait gé­né­tique … il l’a ex­pri­mé en ces pro­p­res ter­mes de­vant moi … en d’autres ter­mes que le lan­ga­ge soit lui-même un or­ga­ne. (13)

Die Vor­stel­lung, die er, wie mir klar wur­de, von der Spra­che hat, ist letzt­lich die­se, ich kann nicht sa­gen, dass sie in ir­gend­ei­ner Wei­se wi­der­leg­bar wäre, das ist so­gar die üb­lichs­te Vor­stel­lung, und eben dass er sie vor mei­nen Oh­ren schlicht be­stä­tigt hat, ließ mich die gan­ze Di­stanz spü­ren, in der ich zu ihm ste­he – die­se Vor­stel­lung, die tat­säch­lich die üb­li­che Vor­stel­lung ist, ist die­se, und sie er­scheint mir hei­kel: die Be­trach­tung letzt­lich von et­was, das sich als ein Kör­per dar­stellt, der auf­ge­fasst wird als mit Or­ga­nen aus­ge­stat­tet, was in die­ser Auf­fas­sung im­pli­ziert, dass das Or­gan ein Werk­zeug ist, ein Greif­werk­zeug, ein Er­fas­sungs­werk­zeug, und dass es kei­nen prin­zi­pi­el­len Ein­wand da­ge­gen gibt, dass die­ses Werk­zeug sich selbst als sol­ches er­fasst, dass er zum Bei­spiel die Spra­che als durch ein ge­ne­ti­sches Fak­tum de­ter­mi­niert auf­fasst – er hat das in eben die­sen Wor­ten vor mir so ge­äu­ßert –, dass, mit an­de­ren Wor­ten, die Spra­che selbst ein Or­gan sei.10 (21)

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Il me pa­raît tout à fait sai­sis­sant … c’est ce que j’ai ex­pri­mé par le ter­me souf­flé … il me pa­raît tout à fait sai­sis­sant que de ce lan­ga­ge, on puis­se fai­re re­tour sur lui-même com­me or­ga­ne. (13)

Es scheint mir ganz und gar er­grei­fend zu sein – das habe ich mit dem Wort „baff“ aus­ge­drückt –, es scheint mir ganz und gar er­grei­fend zu sein, dass man von die­ser Spra­che aus auf sie selbst als Or­gan zu­rück­kom­men könn­te. (21 f.)

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Si le lan­ga­ge n’est pas con­s­idé­ré sous ce biais qu’il est lié à quel­que cho­se qui dans le Réel fait trou, il n’est pas sim­ple­ment dif­fi­ci­le, il est im­pos­si­ble d’en con­s­idé­rer le ma­nie­ment. (13)

Wenn die Spra­che nicht un­ter dem Ge­sichts­punkt be­trach­tet wird, dass sie mit et­was ver­bun­den ist, das im Rea­len Loch macht, ist es nicht ein­fach nur schwie­rig, son­dern un­mög­lich, ihre Hand­ha­bung zu be­den­ken.11 (22)

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La mé­tho­de d’observation ne sau­rait par­tir du lan­ga­ge sans ad­mett­re cet­te vé­rité princi­pi­el­le que dans ce qu’on peut si­tu­er com­me Réel, le lan­ga­ge n’apparaisse com­me faisant trou. (13)

Die Be­ob­ach­tungs­me­tho­de könn­te von der Spra­che nicht aus­ge­hen, ohne die prin­zi­pi­el­le Wahr­heit ein­zu­räu­men, dass in dem, was man als Rea­les ver­or­ten kann, die Spra­che als Loch ma­chend er­scheint. (22)

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C’est de cet­te no­ti­on « fonc­tion du trou » que le lan­ga­ge opè­re sa pri­se sur le Réel. (13)

Von die­sem Be­griff  her, „Funk­ti­on des Lochs“, übt die Spra­che ih­ren Zu­griff auf das Rea­le aus. (22)

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Il ne m’est, bien en­ten­du, pas aisé de fai­re pe­ser de tout son po­ids cet­te con­vic­tion sur vous. (13)

Es fällt mir wohl­ge­merkt nicht leicht, die­se Über­zeu­gung mit ih­rem gan­zen Ge­wicht auf Sie zu la­den. (22)

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Elle m’apparaît in­é­vitable de ce que il n’y a de vé­rité – com­me tel­le – pos­si­ble que d’évider ce Réel. (13)

Sie er­scheint mir un­ver­meid­lich (in­é­vi­ta­ble), weil es kei­ne Wahr­heit gibt, die als sol­che mög­lich wäre, als da­durch, die­ses Rea­le zu ent­lee­ren (évi­der). (22)

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Le lan­ga­ge, qui d’ailleurs man­ge ce Réel, je veux dire qu’il ne per­met d’aborder ce Réel … ce « Réel gé­né­tique » pour par­ler com­me Chom­sky … qu’en ter­me de si­gne, ou au­tre­ment dit | [32] de messa­ge qui part du gène mo­lé­cu­lai­re en le ré­du­i­sant à ce qui a fait la re­nom­mée de Crick et de Wat­s­on, à sa­voir cet­te dou­ble hé­li­ce d’où sont cen­sés par­tir ces di­vers ni­veaux qui or­ga­nis­ent le corps à tra­vers un cer­tain nom­bre d’étages, qui sont d’abord de la di­vi­si­on, du dé­ve­lop­pe­ment, de la spé­cia­li­sa­ti­on cel­lu­lai­re, puis en­sui­te de cet­te spé­cia­li­sa­ti­on de par­tir des hor­mo­nes qui sont au­tant d’éléments sur les­quels se véhi­cu­lent, pour la di­rec­tion de l’information or­ga­ni­que, au­tant de sor­tes de messa­ges. (13)

Die Spra­che, die im Üb­ri­gen das Rea­le frisst, ich will sa­gen, die an die­ses Rea­le – an die­ses ge­ne­ti­sche Rea­le, um wie Chom­sky zu spre­chen – nur mit der Ka­te­go­rie des Zei­chens her­an­zu­ge­hen er­laubt oder an­ders ge­sagt der Bot­schaft,  die vom mo­le­ku­la­ren Gen aus­geht, in­dem sie es auf das re­du­ziert, was den Ruf von Crick und Wat­s­on be­grün­det hat, näm­lich die­se Dop­pel­he­lix, von der, wie man an­nimmt, die­se ver­schie­de­nen Ebe­nen aus­ge­hen, die den Kör­per über eine ge­wis­se An­zahl von Stu­fen or­ga­ni­sie­ren, zu­nächst die Tei­lung, die Ent­wick­lung, die zel­lu­lä­re Spe­zia­li­sie­rung, und dann die von den Hor­mo­nen aus­ge­hen­de Spe­zia­li­sie­rung, die als sol­che Ele­men­te sind, über die, zur Steue­rung der Or­ga­nin­for­ma­ti­on, die ent­spre­chen­den Ar­ten von Bot­schaf­ten be­för­dert wer­den.12 (22)

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Tou­te cet­te sub­ti­li­sa­ti­on de ce qu’il en est du Réel par tant de dits messa­ges, mais où ne se mar­que que le voi­le por­té sur ce qu’il en est de l’efficace du lan­ga­ge, c’est-à-dire sur ceci que le lan­ga­ge n’est pas en lui-même un messa­ge mais ne se sus­ten­te que de la fonc­tion de ce que j’ai ap­pelé le trou dans le Réel. (13)

Die­se gan­ze Sub­ti­li­sie­rung des­sen, was das Rea­le aus­macht, durch all die­se be­sag­ten Bot­schaf­ten, wo­mit aber nur der Schlei­er ge­kenn­zeich­net wird, der über das ge­legt wird, was die Wirk­sam­keit der Spra­che aus­macht, das heißt dar­über, dass die Spra­che in sich selbst nicht eine Bot­schaft ist, son­dern nur durch die Funk­ti­on des­sen ge­tra­gen wird, was ich das Loch im Rea­len ge­nannt habe.13 (22)

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Il y a pour cela la voie de not­re nou­veau mos geo­me­tri­cus, c’est-à-dire de la sub­s­tan­ce qui ré­sul­te de l’efficace, de l’efficace prop­re du lan­ga­ge, et qui se sup­por­te de cet­te fonc­tion du trou. (13)

Da­für gibt es den Weg un­se­res neu­en mos geo­me­tri­cus, das heißt der Sub­stanz, die aus der Wirk­sam­keit re­sul­tiert, der Wirk­sam­keit, die der Spra­che eig­net, und die durch die­se Funk­ti­on des Lochs ge­stützt wird. (22 f.)

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Pour l’exprimer en ter­me de ce fa­meux nœud bor­ro­méen où je me fie, di­sons que il repo­se tout en­t­ier sur l’équivalence d’une droi­te in­fi­nie avec un cer­cle. (13)

Um es in den Ka­te­go­ri­en je­nes be­rühm­ten bor­ro­mäi­schen Kno­tens aus­zu­drü­cken, in den ich mein Ver­trau­en set­ze, sa­gen wir, dass er gänz­lich auf der Äqui­va­lenz ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den mit ei­nem Kreis be­ruht. (23)

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Le sché­ma du nœud bor­ro­méen est ce­lui-ci :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 7 - unendl Gerade (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)
(14)

Dies ist das Sche­ma des bor­ro­mäi­schen Kno­tens. (23)

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Je veux dire – pour le mar­quer – ceci tout au­tant que mon des­sin or­dinaire, ce­lui qui s’articule ain­si :

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)ceci tout au­tant que le des­sin or­dinaire est à pro­pre­ment par­ler un nœud bor­ro­méen. (14)

Ich will sa­gen, um es fest­zu­hal­ten, die­ses ist eben­so gut wie mei­ne üb­li­che Zeich­nung, die so aus­ge­führt ist, dies ist eben­so gut wie die üb­li­che Zeich­nung im ei­gent­li­chen Sin­ne ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten. (23)

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[33] De ce fait il est éga­le­ment vrai que ceci en est un :

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

(14)

Von da­her ist glei­cher­ma­ßen wahr, dass auch dies ei­ner ist. (23)

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Je veux dire qu’à y sub­sti­tu­er le coup­le d’une droi­te sup­po­sée in­fi­nie avec un cer­cle, on ob­ti­ent le même nœud bor­ro­méen. (14)

Ich mei­ne da­mit, wenn man hier das Paar von Ge­ra­den, als un­end­lich an­ge­nom­men, durch ei­nen Kreis er­setzt, er­hält man den­sel­ben bor­ro­mäi­schen Kno­ten.14 (23)

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Il y a quel­que cho­se qui répond de ce chif­fre trois qui est l’orée, si je puis dire, d’une exi­gence, laquel­le est à pro­pre­ment par­ler l’exigence prop­re du nœud. (14)

Es gibt et­was, das für die­se Zif­fer Drei ver­ant­wort­lich ist, die, wenn ich so sa­gen darf, eine Schwel­len­for­de­rung ist, näm­lich ei­gent­lich die dem Kno­ten ei­ge­ne For­de­rung. (23)

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Elle est liée à ce fait que pour rend­re comp­te cor­rec­te­ment du nœud bor­ro­méen, c’est à par­tir de trois que spé­cia­le­ment s’origine une exi­gence. (14)

Sie ist an die Tat­sa­che ge­bun­den, dass, um kor­rekt über den bor­ro­mäi­schen Kno­ten Aus­kunft zu ge­ben, spe­zi­ell von der Drei eine For­de­rung aus­geht. (23)

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Il est pos­si­ble, avec une ma­ni­pu­la­ti­on fort simp­le, de rend­re ces trois droi­tes in­fi­nies par­al­lè­les : (14)

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 10 - 3 Parallelen (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Mit ei­ner sehr ein­fa­chen Ma­ni­pu­la­ti­on ist es mög­lich, die­se drei un­end­li­chen Ge­ra­den par­al­lel zu set­zen. (24)

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Il suf­fi­ra pour ça d’assouplir je dirai, ce qu’il en est du faux cer­cle déjà plié, le cer­cle en rouge dans cet­te oc­ca­si­on. (14)

Da­für wird es ge­nü­gen, das ge­schmei­dig zu ma­chen, möch­te ich sa­gen, wor­um es bei dem be­reits ge­fal­te­ten fal­schen Kreis geht, dem ro­ten Kreis hier. (24)

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C’est à par­tir de trois qu’il nous faut dé­fi­nir ce qu’il en est du point à l’infini de la droi­te com­me ne prêtant pas, ne prêtant en au­cun cas, à fai­re fau­te à ce que nous pou­vons ap­pe­ler leur con­cen­tri­cité

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 11 - 3 konzentr Kreise (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)(14)

Aus­ge­hend von drei­en müs­sen wir de­fi­nie­ren, was es mit dem Punkt im Un­end­li­chen der Ge­ra­den auf sich hat, da­mit er nicht, da­mit er auf kei­nen Fall dem zu­wi­der­läuft, was wir ihre Kon­zen­tri­zi­tät nen­nen kön­nen.

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Je veux dire que ces trois points à l’infini – met­tons-les ici par ex­emp­le – doiv­ent être sous quel­que for­me que nous les sup­po­si­ons, | [34] et nous pou­vons aus­si bien in­ver­ser ces po­si­ti­ons, je veux dire fai­re que cet­te pre­miè­re droi­te à l’infini si l’on peut dire, soit par rap­port aux au­tres en­ve­lopp­an­te au lieu d’être en­ve­lop­pée. (14)

Ich will sa­gen, die­se drei Punk­te im Un­end­li­chen – set­zen wir sie bei­spiel­weis­se hier  – müs­sen, in wel­cher Ge­stalt wir sie auch an­neh­men, und wir kön­nen die­se ihre Po­si­tio­nen eben­so­gut um­keh­ren, ich will sa­gen, es so ma­chen, dass die­se ers­te Ge­ra­de im Un­end­li­chen, wenn man so sa­gen kann, im Ver­hält­nis zu den bei­den an­de­ren um­schlie­ßend ist an­statt um­schlos­sen zu sein. (24)

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C’est la ca­rac­té­ris­tique de ce point à l’infini, que de ne pou­voir être si­tué, com­me on pour­rait s’exprimer, d’aucun côté. (14)

Das ist das Kenn­zei­chen des Punkts im Un­end­li­chen, dass er, wie man sich aus­drü­cken könn­te, auf kei­ner Sei­te ver­or­tet wer­den kann.15 (24)

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Mais ce qui est exi­gi­ble à par­tir du nom­bre trois, c’est ceci, c’est que pour le fi­gu­rer de cet­te fa­çon ima­gée :

Borromäischer Viererknoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

on doit énon­cer, pré­ciser, que de ces trois droi­tes, com­plé­tées de leur point à l’infini, il ne s’en trou­ve­ra pas une… vous sen­tez bien que si je les ai mi­ses ici tou­tes les trois en rouge, c’est qu’il y a des rai­sons pour les­quel­les j’ai dû les tracer ici d’une cou­leur dif­fé­ren­te … il n’y en aura pas une qui, d’être en­ve­lop­pée par une aut­re, ne se trou­ve­ra en­ve­lopp­an­te par rap­port à l’autre, car c’est à pro­pre­ment par­ler ceci qui con­sti­tue la pro­prié­té du nœud bor­ro­méen. (14 f.)

Aus­ge­hend von der Zahl drei ist aber dies zu for­dern, dass man näm­lich, um es auf die­se bild­haf­te Wei­se dar­zu­stel­len, aus­spre­chen muss, prä­zi­sie­ren muss, dass sich von die­sen drei um ihre Punk­te im Un­end­li­chen er­gänz­ten Ge­ra­den kei­ne fin­den darf – Sie mer­ken, wäh­rend ich sie hier alle drei rot ge­macht habe, gibt es Grün­de, dass ich sie hier in un­ter­schied­li­chen Far­ben zeich­nen muss­te –, dass es kei­ne ge­ben darf, die, wäh­rend sie von ei­ner an­de­ren um­schlos­sen ist, sich nicht im Ver­hält­nis zu der an­de­ren als um­schlie­ßen­de fän­de, denn dies ist es ei­gent­lich, was das Ei­gen­tüm­li­che des bor­ro­mäi­schen Kno­tens aus­macht. (24 f.)

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Je vous ai main­tes fois fa­mi­lia­ri­sés avec ceci, c’est que le nœud bor­ro­méen, si l’on peut dire dans la troi­siè­me di­men­si­on, con­sis­te dans ce rap­port qui fait que ce qui est en­ve­lop­pé par rap­port à l’un de ces cer­cles se trouve en­ve­loppant par rap­port à l’autre. (15)

Ich habe Sie schon mehr­fach da­mit ver­traut ge­macht, dass der bor­ro­mäi­sche Kno­ten, wenn man so sa­gen kann, in der drit­ten Di­men­si­on in die­sem Ver­hält­nis be­steht, das be­wirkt, dass das, was im Ver­hält­nis zum ei­nen der Krei­se um­schlos­sen ist, im Ver­hält­nis zum an­de­ren um­schlie­ßend. (25)

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Armillarsphäre (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Ar­mil­larsphä­re

[35] C’est en cela qu’est ex­em­p­lai­re ceci que vous voy­ez or­dinaire­ment sous la for­me de la sphè­re ar­mil­lai­re.

In die­ser Hin­sicht ist das ex­em­pla­risch, was Sie für ge­wöhn­lich in Ge­stalt ei­ner Ar­mil­larsphä­re se­hen.

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La sphè­re ar­mil­lai­re usée – dont on use – pour ce qu’il en est des sex­tants, se pré­sen­te tou­jours ain­si :

Armillarsphäre - Schema (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

à sa­voir que pour le tracer d’une fa­çon clai­re, le cer­cle bleu ira tou­jours se ra­batt­re de la fa­çon sui­v­an­te au­tour du cer­cle qu’ici j’ai des­si­né en vert, et que le cer­cle rouge – se­lon le ra­bat­te­ment de l’entraxe – doit être com­me ça. (15)

Die Ar­mil­larsphä­re, die man für die Sex­tan­ten be­nutzt, stellt sich im­mer so dar, dass näm­lich, um es auf kla­re Wei­se zu zeich­nen, der blaue Kreis sich stets in der fol­gen­den Wei­se über den Kreis schie­ben kann, den ich hier in grün ge­zeich­net habe, und dass schließ­lich der rote Kreis, ge­mäß der Über­de­ckung auf ei­ner an­de­ren Ach­se, so sein muss. (25)

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Par cont­re, la dif­fé­rence ent­re ce cer­cle et cet­te dis­po­si­ti­on or­dinaire dans tou­te ma­ni­pu­la­ti­on de la sphè­re ar­mil­lai­re, se trou­ve­ra di­stan­cée si, di­sons, ce cer­cle qui ap­pa­raît ici mo­y­en se trouve, à ce cer­cle se trouve sub­sti­tuée la dis­po­si­ti­on sui­v­an­te :

Borromäischer Dreierknoten - ähnlich aber anders als Armillarsphäre (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)à sa­voir qu’il ne pour­ra pas être ra­bat­tu par­ce que il sera en­ve­loppant par rap­port au cer­cle rouge, et en­ve­lop­pé par rap­port au cer­cle vert. (15)

Hin­ge­gen wird der Un­ter­schied zwi­schen die­sem Kreis und der so­zu­sa­gen ge­wöhn­li­chen An­ord­nung in ei­ner je­den Ma­ni­pu­la­ti­on der Ar­mil­larsphä­re of­fen­sicht­lich, wenn sich, sa­gen wir, die­ser Kreis, der als mitt­le­rer er­scheint, wenn die­ser Kreis er­setzt wird durch die fol­gen­de An­ord­nung, dass er näm­lich nicht über­deckt wer­den kann, weil er im Ver­hält­nis zum ro­ten Kreis um­schlie­ßend ist und im Ver­hält­nis zum grü­nen Kreis um­schlos­sen.16 (25 f.)

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Je re­des­si­ne ce qu’il en est: (15)

Ich zeich­ne noch ein­mal, wor­um es geht: (26)

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Vous voy­ez qu’ici le cer­cle vert se trouve ain­si si­tué par rap­port au cer­cle bleu et au cer­cle rouge. (15)

Sie se­hen, dass hier der grü­ne Kreis im Ver­hält­nis zum blau­en Kreis und zum ro­ten Kreis auf die­se Wei­se ver­or­tet ist. (26)

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[36] Même mes hé­si­ta­ti­ons sont ici si­gni­fi­ca­ti­ves. (15)

Selbst mein Zö­gern ist hier be­zeich­nend. (26)

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El­les ma­ni­fes­tent la mal­adres­se avec laquel­le né­ces­saire­ment ce qu’il en est du nœud bor­ro­méen – type même du nœud – est ma­ni­pu­lé. (15)

Es ma­ni­fes­tiert das Un­ge­schick, mit dem not­wen­di­ger­wei­se das ma­ni­pu­liert wird, wor­um es beim bor­ro­mäi­schen Kno­ten, dem Ty­pus selbst des Kno­tens, geht. (26)

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Le ca­rac­tè­re fon­da­men­tal de cet­te uti­li­sa­ti­on du nœud est de per­mett­re d’illustrer la tri­pli­cité qui ré­sul­te d’une con­si­s­tan­ce qui n’est af­fec­tée que de l’Imaginaire, d’un trou com­me fon­da­men­tal qui res­sor­tit au Sym­bo­li­que, et d’autre part d’une ex-sis­tence – écrit com­me je le fais : e.x ti­ret s.i.s.t.e.n.c.e – qui, elle, ap­par­ti­ent au Réel qui en est le ca­rac­tè­re fon­da­men­tal. (15)

Das grund­le­gen­de Kenn­zei­chen die­ser Ver­wen­dung des Kno­tens ist, dass sie es er­laubt, die Tri­pli­zi­tät zu il­lus­trie­ren, die sich aus ei­ner Kon­sis­tenz er­gibt, die nur durch das Ima­gi­nä­re af­fi­ziert wird, aus ei­nem Loch als grund­le­gend, das aus dem Sym­bo­li­schen her­vor­geht, und schließ­lich aus ei­ner Ex-sis­tenz – so ge­schrie­ben, wie ich es tue, Ex, Bin­de­strich, s, i, s, t, e, n, z –, die dem Rea­len zu­ge­hört, die des­sen grund­le­gen­des Kenn­zei­chen ist. (26)

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Cet­te mé­tho­de – puisqu’il s’agit de mé­tho­de – est une mé­tho­de qui se pré­sen­te com­me sans es­poir – sans es­poir d’aucune fa­çon de romp­re le nœud con­sti­tu­ant du Sym­bo­li­que, de l’Imaginaire et du Réel. (15)

Die­se Me­tho­de, denn es han­delt sich um Me­tho­de, ist eine Me­tho­de, die sich als eine ohne Hoff­nung dar­stellt – ohne Hoff­nung, auf ir­gend­ei­ne Wei­se den kon­sti­tu­ie­ren­den Kno­ten von Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem zu zer­rei­ßen. (26 f.)

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À cet égard, elle se re­fu­se à ce qui con­sti­tue – il faut le dire, et d’une fa­çon tout à fait lu­ci­de – une ver­tu, une ver­tu même dite théo­lo­ga­le, et c’est en cela que not­re ap­pré­hen­si­on ana­ly­tique de ce qu’il en est de ce nœud est le né­ga­tif de la re­li­gi­on.17 (15)

In die­ser Hin­sicht ver­wei­gert sie sich dem, was, wie man sa­gen muss, und zwar auf eine ganz und gar hell­sich­ti­ge Wei­se, eine Tu­gend ist, so­gar eine so­ge­nann­te theo­lo­gi­sche Tu­gend, und hier­in ist un­se­re ana­ly­ti­sche Auf­fas­sung des­sen, was die­sen Kno­ten aus­macht, das Ne­ga­tiv der Re­li­gi­on.18 (27)

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On ne croit plus à l’objet com­me tel, et c’est en ceci que je nie que l’objet puis­se être sai­si par au­cun or­ga­ne, puis­que l’organe en lui-même est aper­çu com­me un ou­til, et qu’étant aper­çu com­me un ou­til, com­me ou­til sé­pa­ré il est à ce tit­re conçu com­me un ob­jet. (15)

Man glaubt nicht mehr an das Ob­jekt als sol­ches19, und in­so­fern be­strei­te ich, dass das Ob­jekt durch ir­gend­ein Or­gan er­fasst wer­den könn­te, da das Or­gan in sich selbst als Werk­zeug auf­ge­fasst wird, und wenn es als ein Werk­zeug auf­ge­fasst wird, als ge­trenn­tes Werk­zeug, wird es eben da­mit als Ob­jekt be­grif­fen. (27)

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Dans la con­cep­ti­on de Chom­sky, l’objet n’est lui-même ab­or­dé que par un ob­jet. (15)

Nach Chom­skys Auf­fas­sung geht man an das Ob­jekt nur mit ei­nem Ob­jekt her­an. (27)

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C’est à la re­sti­tu­ti­on en tant que tel­le du su­jet, en tant que lui-même ne peut être que di­vi­sé, di­vi­sé par l’opération elle-même du lan­ga­ge, que l’analyse trouve sa dif­fu­si­on. (15)

Zur Wie­der­her­stel­lung des Sub­jekts hin­ge­gen, in­so­fern die­ses nur ge­spal­ten sein kann, ge­spal­ten eben durch das Wir­ken der Spra­che, fin­det die Ana­ly­se ihre Ver­brei­tung. (27)

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Elle trouve sa dif­fu­si­on en ceci qu’elle met en ques­ti­on la sci­ence com­me tel­le, sci­ence pour au­tant qu’elle fait d’un ob­jet, ell fait d’un ob­jet un su­jet, alors que c’est le su­jet qui est de lui-même di­vi­sé. (15)

Sie fin­det ihre Ver­brei­tung dar­in, dass sie die Wis­sen­schaft als sol­che in Fra­ge stellt, Wis­sen­schaft in­so­fern, als sie ein Ob­jekt zu ei­nem Sub­jekt / Su­jet macht, wäh­rend es doch das Sub­jekt ist, das in sich selbst ge­spal­ten ist.20 (27)

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Nous ne cro­yons pas à l’objet, mais nous con­sta­tons le dé­sir et de cet­te con­sta­ta­ti­on du dé­sir, nous in­du­i­sons la cau­se com­me ob­jec­tivée. (15)

Wir glau­ben nicht an das Ob­jekt, wir kon­sta­tie­ren je­doch das Be­geh­ren, und aus die­ser Kon­sta­tie­rung des Be­geh­rens lei­ten wir die Ur­sa­che als ob­jek­ti­vier­te ab.21 (27)

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[37] Le dé­sir de con­naît­re ren­cont­re des ob­sta­cles. (15)

Das Er­kennt­nis­be­geh­ren trifft auf Hin­der­nis­se. (27)

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C’est pour in­car­ner cet ob­sta­cle que j’ai in­ven­té le nœud, et que au nœud il faut se romp­re. (15)

Um die­ses Hin­der­nis zu ver­kör­pern, habe ich den Kno­ten er­fun­den, und dass man sich mit dem Kno­ten ein­las­sen muss. (27)

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Je veux dire que c’est le nœud seul qui est le sup­port con­cev­a­ble d’un rap­port ent­re quoi que ce soit et quoi que ce soit, que le nœud, s’il est abs­trait d’un côté, doit être pen­sé et conçu com­me con­cret. (15)

Ich will sa­gen, dass ein­zig der Kno­ten der denk­ba­re Trä­ger ei­nes Ver­hält­nis­ses ist, zwi­schen was auch im­mer und was auch im­mer, dass der Kno­ten, auch wenn er ei­ner­seits abs­trakt ist, gleich­wohl als kon­kret ge­dacht und be­grif­fen wer­den muss. (27)

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Ce dans quoi, puis­que aujourd’hui vous le voy­ez bien, je suis fort las, fort las de cet­te épreuve amé­ri­cai­ne où com­me je vous l’ai dit, j’ai été cer­tai­ne­ment ré­com­pen­sé, car j’ai pu … ces fi­gu­res que vous voy­ez ici plus ou mo­ins sub­stan­tia­li­sé, sub­stan­tia­li­sées par l’écrit, par le des­sin … j’ai pu en fai­re ce que j’appellerai agi­ta­ti­on, émo­ti­on. (16)

So­weit dies, da ich heu­te, wie Sie wohl se­hen, sehr er­schöpft bin, sehr er­schöpft von die­ser Ame­ri­ka-Er­fah­rung, wo ich, wie ich Ih­nen ge­sagt habe, si­cher­lich ent­schä­digt wor­den bin, denn ich konn­te die­se Fi­gu­ren, die Sie hier mehr oder we­ni­ger sub­stan­tia­li­siert se­hen, durch das Ge­schrie­be­ne, durch die Zeich­nung sub­stan­tia­li­siert, ich konn­te da­mit das her­vor­ru­fen, was ich Auf­re­gung nen­nen möch­te, Emo­ti­on. (27 f.)

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Le sen­ti com­me men­tal, le sen­ti-men­tal est dé­bi­le, par­ce que tou­jours par quel­que bi­ais ré­duc­tible à l’Imaginaire. (16)

Das Ge­fühl­te, le sen­ti, als men­ta­les, das „Sen­ti-men­ta­le“, ist de­bil, weil un­ter ir­gend­ei­nem Ge­sichts­punkt stets auf das Ima­gi­nä­re zu­rück­führ­bar.22 (28)

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L’imagination de con­si­s­tan­ce va tout droit à l’impossible de la cas­su­re, mais c’est en cela que la cas­su­re peut tou­jours être le Réel, le Réel com­me im­pos­si­ble et qui n’en est pas mo­ins com­pa­ti­ble avec la dite ima­gi­na­ti­on et la con­sti­tue même. (16)

Die Ima­gi­na­ti­on von Kon­sis­tenz führt ge­ra­de­wegs zur Un­mög­lich­keit des Zer­rei­ßens; aber in­so­fern kann das Zer­rei­ßen stets das Rea­le sein, das Rea­le als un­mög­lich, das da­für nicht min­der ver­ein­bar ist mit be­sag­ter Ima­gi­na­ti­on und die­se so­gar kon­sti­tu­iert. (28)

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Je n’espère pas – d’aucune fa­çon – sor­tir de la dé­bi­lité que je si­gna­le de ce dé­part. (16)

Ich habe kei­nes­wegs die Hoff­nung – auf kei­ne Wei­se –, der De­bi­li­tät zu ent­rin­nen, die ich von die­sem Aus­gangs­punkt aus kenn­zeich­ne. (28)

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Je n’en sors, com­me qui­con­que, que dans la me­s­u­re de mes mo­y­ens, c’est-à-dire com­me « sur place », « sur » ne s’assurant d’aucun pro­grès vé­ri­fia­ble au­tre­ment qu’à la longue. (16)

Wie je­der an­de­re ent­rin­ne ich ihr nur im Maße mei­ner Mit­tel, das heißt als sur place, an Ort und Stel­le, wo­bei das sur23 sich ei­nes Fort­schritt nur in der Wei­se ver­si­chert, als die­ser nur lang­fris­tig ve­ri­fi­ziert wer­den kann.24 (28)

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C’est de fa­çon fa­bu­la­toire que j’affirme que le Réel … tel que je le pen­se dans mon, dans mon pan s, e25, dans mon pan­se lé­ger … ne va pas sans com­porter réel­le­ment – le Réel men­tant ef­fec­tive­ment – sans com­porter réel­le­ment le trou qui y sub­sis­te de ce que sa con­si­s­tan­ce ne soit rien de plus que cel­le de l’ensemble du nœud qu’il fait avec le Sym­bo­li­que et l’Imaginaire, nœud qua­li­fia­ble du bor­ro­méen, soit in­tran­cha­ble sans dis­soud­re le my­the qu’il rend du su­jet com­me non sup­po­sé, c’est-à-dire com­me réel, pas plus di­vers que chaque corps si­gnal­ab­le du par­lêt­re, corps qui n’a de sta­tut re­spec­ta­ble, au sens com­mun du mot, que de ce nœud. (16)

In fa­bu­la­to­ri­scher Wei­se be­haup­te ich, dass das Rea­le, so wie ich es den­ke (pen­se) in mei­nem pan s, e,  in mei­nem leich­ten Ver­band durch­aus re­al­er­wei­se (réel­le­ment) – das Rea­le lügt (le réel men­tant)26 wirk­lich – das Loch ent­hält, das in ihm Be­stand hat, weil sei­ne Kon­sis­tenz nichts an­de­res ist als die der Ge­samt­heit des Kno­tens, den es mit dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren bil­det27, als bor­ro­mä­isch zu kenn­zeich­nen­der Kno­ten, also nicht auf­trenn­bar, ohne den My­thos auf­zu­lö­sen, den er er­zählt über das Sub­jekt als nicht-un­ter­stell­tes, das heißt als rea­les, nicht viel an­ders als jeg­li­cher Kör­per, den man als Sprech­we­sen be­zeich­nen kann, ein Kör­per, der ei­nen im üb­li­chen Wort­sinn re­spek­ta­blen Sta­tus nur auf­grund die­ses Kno­tens hat. (28)

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[39] Alors, après cet­te épui­s­an­te ten­ta­ti­ve, et puis­que aujourd’hui je suis fort las, j’attends de vous ce que j’ai reçu plus aisé­ment qu’ailleurs en Amé­ri­que, à sa­voir que quelqu’un me pose, à pro­pos d’aujourd’hui, une ques­ti­on, quel­le qu’elle soit, même si elle ma­ni­fes­te que dans mon dis­cours, mon dis­cours d’aujourd’hui, – dis­cours que je re­pren­drai la pro­chai­ne fois, en abordant ceci que Joy­ce se trouve d’une fa­çon pri­vilé­giée avoir visé par son art le quart ter­me, ce­lui que de di­ver­ses fa­çons que vous voy­ez là fi­gu­ré :

9-12-75 - II - Figur 1 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)qu’il s’agisse du rond rouge qui est | [38] tout à l’extrême, à droi­te, ou qu’il s’agisse aus­si bien du rond noir ici :

9-12-75 - II - Figur 2ou qu’il s’agisse en­core de ceci. (16)

Also, nach die­sem er­schöp­fen­den Ver­such, da ich heu­te sehr müde bin, er­war­te ich von Ih­nen, was ich in Ame­ri­ka leich­ter als an­ders­wo er­hal­ten habe, dass mir näm­lich je­mand zu heu­te eine Fra­ge stellt, wel­che auch im­mer, selbst wenn sie deut­lich macht, dass in mei­ner Rede, mei­ner heu­ti­gen Rede – eine Rede, die ich das nächs­te Mal wie­der auf­neh­men wer­de, wo­bei ich mich da­mit be­fas­sen wer­de, dass Joy­ce mit sei­ner Kunst auf eine ganz spe­zi­el­le Wei­se auf den vier­ten Term ab­ge­zielt hat, den Sie hier auf ver­schie­de­ne Wei­se dar­ge­stellt se­hen28: ob es der rote Ring ganz au­ßen ist, rechts,

9-12-75 - II - Figur 1 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)oder ob es der schwar­ze Ring hier ist,

9-12-75 - II - Figur 2oder ob es auch um dies hier geht.  (28 f.)

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Vous voy­ez que c’est d’une fa­çon par­ti­cu­liè­re en­core, par­ti­cu­liè­re en ceci que c’est tou­jours le même cer­cle plié qui se trouve ici, dans une po­si­ti­on spé­cia­le, à sa­voir deux fois in­flé­chi, c’est-à-dire pris d’une fa­çon qui est cor­re­spondan­te, qui se fi­gu­re à peu près ain­si, pris quat­re fois si l’on peut dire, avec lui-même, ce qui per­met ef­fec­tive­ment de s’apercevoir que, de même qu’ici c’est deux fois que cha­cun de ces cer­cles co­in­cent la bou­cle fi­gu­rée par ce cer­cle plié, ici par cont­re, c’est quat­re fois que ce pe­tit cer­cle, ou le cer­cle vert, par ex­emp­le, ce­lui qui est ici, ou le cer­cle bleu le co­in­cent, puis­que aus­si bien, c’est de co­inça­ge es­sen­ti­el­le­ment qu’il s’agit. (17)

9-12-75 - II - Figur 3 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Sie se­hen, dass dies auf  be­son­de­re Wei­se ge­macht ist, be­son­ders in der Hin­sicht, dass es im­mer der­sel­be ge­fal­te­te Kreis ist, der sich hier in ei­ner be­son­de­ren Po­si­ti­on be­fin­det, näm­lich zwei­mal um­ge­legt, das heißt in ei­ner Wei­se ge­nom­men wird, die ent­spre­chend ist, die sich un­ge­fähr so dar­stellt: vier­mal mit sich selbst ge­nom­men, wenn man so sa­gen kann, was es in der Tat er­laubt wahr­zu­neh­men, dass, eben­so wie hier je­der die­ser Krei­se zwei­mal die Schlei­fe fest­zurrt, die durch die­sen ge­fal­te­ten Kreis dar­ge­stellt wird, wäh­rend hier hin­ge­gen die­ser klei­ne Kreis, oder der grü­ne Kreis zum Bei­spiel, der hier ist, oder der blaue Kreis, sie vier­mal fest­zurrt, da es sich eben­so ganz we­sent­lich um ein Fest­zur­ren han­delt.29 (29)

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C’est donc de Joy­ce que ce qua­triè­me ter­me… ce qua­triè­me ter­me en tant qu’il com­plè­te le nœud de l’Imaginaire, du Sym­bo­li­que et du Réel …que j’avancerai que, par son art… et c’est là tout le pro­blè­me : com­ment un art peut-il vi­ser de fa­çon ex­pres­sé­ment di­vina­toire à sub­stan­tia­li­ser dans sa con­si­s­tan­ce, sa con­si­s­tan­ce com­me tel­le, mais aus­si bien son ex-sis­tence et aus­si bien ce troi­siè­me ter­me qui est le trou …com­ment par son art, quelqu’un a-t-il pu vi­ser à rend­re com­me tel… au point de l’approcher d’aussi près qu’il est pos­si­ble …ce qua­triè­me ter­me, ce­lui à pro­pos de quoi aujourd’hui j’ai vou­lu sim­ple­ment vous mon­trer qu’il est es­sen­tiel au nœud bor­ro­méen lui-même ? (17)

Joy­ce also hat die­sen vier­ten Term, die­sen vier­ten Term, der den Kno­ten des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len ver­voll­stän­digt – ich wer­de Ih­nen vor­stel­len, dass er durch sei­ne Kunst – und da liegt das gan­ze Pro­blem: wie kann eine Kunst dar­auf ab­zie­len, und zwar in aus­drück­lich di­vina­to­ri­scher Wei­se30, in ih­rer Kon­sis­tenz als sol­cher, aber eben­so sehr in ih­rer Ex-sis­tenz, und eben­so sehr dem drit­ten Term, dem Loch näm­lich, zu sub­stan­tia­li­sie­ren, wie konn­te je­mand durch sei­ne Kunst dar­auf ab­zie­len, je­nen vier­ten Term wie­der­zu­ge­ben, und da­bei so nahe, wie es mög­lich ist, an ihn her­an­zu­kom­men, je­nen vier­ten Term, von dem ich Ih­nen heu­te nur zei­gen woll­te, dass er für den bor­ro­mäi­schen Kno­ten selbst we­sent­lich ist? (29)

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FRAGEN UND ANTWORTEN 31

LACAN

J’attends donc que s’élève une voix, quel­le qu’elle soit. (17)

Ich war­te also dar­auf, dass sich eine Stim­me er­hebt, wel­che auch im­mer.

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Alors, qu’est-ce qui a pu vous pa­raît­re dis­cu­ta­ble dans ce que j’ai avan­cé aujourd’hui ? (18)

Also, was konn­te Ih­nen in dem, was ich heu­te vor­ge­bracht habe, dis­kus­si­ons­wür­dig er­schei­nen? (nicht in der Klei­ner-Über­set­zung)

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STUART SCHNEIDERMAN32

Ce n’est pas une ques­ti­on sur le nœud lui-même, c’est une ques­ti­on plu­tôt his­to­ri­que. Qu’est-ce qui vous a amené à cro­i­re au dé­but, que vous trou­ve­riez quel­que cho­se chez Chom­sky qui vous dirait ou qui vous rap­pel­lerait, pour moi, c’est quel­que cho­se qui ne m’aurait ja­mais venu en tête. (Ge­läch­ter) (18)

Das ist kei­ne Fra­ge zum Kno­ten, das ist eher eine his­to­ri­sche Fra­ge. Was hat Sie ver­an­lasst, an­fangs zu glau­ben, dass Sie bei Chom­sky et­was fin­den könn­ten, das Ih­nen et­was sa­gen könn­te oder Sie an et­was er­in­nern könn­te – für mich ist das et­was, das mir nie in den Sinn ge­kom­men wäre. (Ge­läch­ter) (30)

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LACAN

C’est bien pour ça que j’ai été souf­flé, c’est cer­tain, oui.

Eben des­halb war ich baff, ja, das ist si­cher.

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Mais ça ne veut pas dire que je ne… on a tou­jours cet­te sor­te de fai­bles­se, – n’est-ce-pas ? – et il y a un res­te d’espoir …je veux dire que Chom­sky s’occupant de lin­gu­is­tique, je pou­vais es­pé­rer voir une poin­te d’appréhension de ce que je mont­re con­cer­nant le Sym­bo­li­que, c’est-à-dire qu’il gar­de – même quand il est faux – quel­que cho­se du trou, qu’il est im­pos­si­ble par ex­emp­le de ne pas qua­li­fier de faux trou l’ensemble con­sti­tué par le sym­ptô­me et le Sym­bo­li­que, mais que d’un aut­re côté, c’est en tant qu’il est ac­cro­ché au lan­ga­ge que le sym­ptô­me sub­sis­te, au mo­ins si nous cro­yons que par une ma­ni­pu­la­ti­on dite in­ter­pré­ta­ti­ve – c’est-à-dire jouant sur le sens – nous pou­vons mo­di­fier quel­que cho­se au sym­ptô­me. (18)

Aber das heißt nicht, dass ich nicht – man hat stets die­se Art Schwä­che, nicht wahr –, und es gibt ei­nen Rest Hoff­nung, ich will sa­gen, dass ich, da sich Chom­sky mit Lin­gu­is­tik be­schäf­tigt, hof­fen konn­te, ei­nen Fun­ken Ah­nung bei ihm zu fin­den für das, was ich hin­sicht­lich des Sym­bo­li­schen zei­ge, näm­lich dass es et­was vom Loch be­wahrt, selbst wenn es, das Loch, falsch ist, dass es zum Bei­spiel un­mög­lich ist, die durch das Sym­ptom und das Sym­bo­li­sche ge­bil­de­te Ge­samt­heit nicht als ein sol­ches fal­sches Loch zu be­zeich­nen, dass aber auf der an­de­ren Sei­te das Sym­ptom Be­stand hat, in­so­fern es mit der Spra­che ver­klam­mert ist, zu­min­dest wenn wir glau­ben, dass wir durch eine Ma­ni­pu­la­ti­on, die als deu­tend be­zeich­net wird, die also auf den Sinn an­spielt, am Sym­ptom et­was ver­än­dern kön­nen. (30)

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Cet­te as­si­mi­la­ti­on chez Chom­sky de quel­que cho­se, qui à mes yeux est de l’ordre du sym­ptô­me, c’est-à-dire qui con­fond le sym­ptô­me et le Réel, c’est très pré­cis­é­ment ce qui m’a souf­flé. (18)

Die­se As­si­mi­la­ti­on bei Chom­sky von et­was, was in mei­nen Au­gen zur Ord­nung des Sym­ptoms ge­hört, das heißt, die das Sym­ptom mit dem Rea­len ver­wech­selt, ge­nau das ist es, was mich baff ge­macht hat. (30)

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SCHNEIDERMAN

Ex­cu­sez-moi. C’est une ques­ti­on peut-être oi­si­ve sur… (18)

Ent­schul­di­gung, das ist viel­leicht eine mü­ßi­ge Fra­ge, zur …(30)

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LACAN.

Com­ment ? (18)

Wie bit­te? (30)

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SCHNEIDERMAN

Oi­si­ve. Étant Amé­ri­cain… (18)

Mü­ßig. Als Ame­ri­ka­ner … (30)

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LACAN

Oui ! Vous êtes Amé­ri­cain, et je vous re­mer­cie ! (18)

Ach ja! Sie sind Ame­ri­ka­ner, und ich dan­ke Ih­nen. (30)

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Je con­sta­te sim­ple­ment qu’il n’y a, une fois de plus qu’un Amé­ri­cain pour m’interroger. (Ge­läch­ter) (18)

Ich stel­le ein­fach fest, dass es, um mir Fra­gen zu stel­len, ein wei­te­res Mal nur ei­nen Ame­ri­ka­ner gibt. (Ge­läch­ter) (30)

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En­fin, [40] je ne peux pas dire com­bi­en j’ai été com­blé, si je puis dire, par le fait que – en Amé­ri­que –  j’ai eu des gens qui avai­ent, qui me té­moi­gnai­ent par quel­que côté que mon dis­cours n’était pas vain. (18)

Nun, ich kann gar nicht sa­gen, wie über­glück­lich, wenn ich so sa­gen kann, ich über die Tat­sa­che war, dass ich in Ame­ri­ka Leu­te hat­te, die mir in ge­wis­ser Hin­sicht be­zeugt ha­ben, dass mei­ne Rede nicht um­sonst war. (30)

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SCHNEIDERMAN

Alors, oui, pour moi, es­sayant de com­prend­re la pos­si­bi­lité de plu­sieurs dis­cours à Pa­ris, il me sem­ble im­pos­si­ble que quelqu’un ait pu con­ce­voir que Chom­sky, édu­qué dans la tra­di­ti­on nou­vel­le née de la lo­gi­que ma­t­hé­ma­tique et qu’il a pris chez Qui­ne et Good­man, à Har­vard… (18)

Also ja, für mich, der ich ver­su­che, die Mög­lich­keit meh­re­rer Dis­kur­se in Pa­ris zu ver­ste­hen, scheint es un­mög­lich zu sein, dass je­mand der Mei­nung sein konn­te, dass Chom­sky, der in der neu­en Tra­di­ti­on aus­ge­bil­det ist, die aus der ma­the­ma­ti­schen Lo­gik her­vor­ge­gan­gen ist, die er von Qui­ne und Good­man in Har­vard über­nom­men hat.33 (Nicht in der Über­set­zung)

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LACAN

Mais Qui­ne n’est pas bête du tout, hein ! (Ge­läch­ter) (18)

Aber Qui­ne ist doch kei­nes­wegs dumm, nicht wahr!34 (Ge­läch­ter) (30)

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SCHNEIDERMAN

Non, mais il n’est pas non plus, me sem­ble-t-il… Qui­ne et La­can, c’est deux noms que je n’aurais pas trou­vés. Mais pour ce qui est de la réfle­xi­on sur le su­jet, c’est les français qui pour trou­ver quel­que cho­se de… pour trou­ver un tas d’images… il me man­que une pen­sée com­me ça… (18)

Nein, aber er ist es auch nicht mehr, scheint mir … Qui­ne und La­can, das sind zwei Na­men, die ich nicht ge­fun­den hät­te. Aber was die Re­fle­xi­on über das Sub­jekt an­geht, es sind die Fran­zo­sen, die um et­was zu fin­den … um ei­nen Hau­fen Bil­der zu fin­den … es fehlt mir ein sol­cher Ge­dan­ke … (Nicht in Klei­ners Über­set­zung) (30)

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LACAN

Est-ce que je peux at­tendre de quelqu’un de français quel­que cho­se qui, en­fin qui… (18)

Kann ich von je­man­dem mit Fran­zö­sisch et­was er­war­ten, was … (30)

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ROLAND CHEMAMA35

Moi je vou­lais vous in­ter­ro­ger sur quel­que cho­se… C’est à pro­pos de l’alternance fi­na­le­ment du corps et de la pa­ro­le com­me vous la vi­vez même aujourd’hui. Par­ce qu’il y a quel­que cho­se qui m’échappe un pe­tit peu dans vot­re dis­cours, c’est le fait que vous par­liez ef­fec­tive­ment pen­dant une heu­re tren­te, et qu’ensuite vous ayez le dé­sir d’avoir un con­tact, fi­na­le­ment, plus di­rect avec quelqu’un. Et je me suis de­man­dé si, d’une fa­çon plus gé­né­ra­le, dans vot­re théo­rie, là, vous ne par­liez pas stric­te­ment du lan­ga­ge, mais sans pen­ser à ces mo­ments où le corps sert lui aus­si d’échange, et ef­fec­tive­ment à ce mo­ment-là, l’organe – c’est pas clair mais… – l’organe peut ser­vir à ap­pré­hen­der le Réel, d’une fa­çon di­rec­te, sans le dis­cours. Est-ce qu’il n’y a pas une al­ter­n­an­ce des deux dans la vie d’un su­jet ? J’ai l’impression qu’il y a une dé­sin­car­na­ti­on du dis­cours. Le dis­cours se re­portant toujours…(18)

Ich möch­te Ih­nen eine Fra­ge über et­was stel­len. Das be­zieht sich auf das letzt­li­che Al­ter­nie­rens von Kör­per und Spre­chen, wie Sie es selbst heu­te le­ben. Denn es gibt et­was, bei dem ich in Ih­rer Rede nicht ganz mit­kom­me, und zwar der Um­stand, dass Sie an­dert­halb Stun­den lang ge­spro­chen ha­ben, und dass Sie dar­auf­hin den Wunsch nach ei­nem letzt­lich di­rek­te­ren Kon­takt zu je­man­dem ha­ben. Und ich habe mich ge­fragt, ob Sie auf eine all­ge­mei­ne­re Wei­se in Ih­rer Theo­rie nicht strikt von der Spra­che ge­spro­chen ha­ben, aber ohne an die­se Mo­men­te zu den­ken, wo auch der Kör­per dem Aus­tausch dient, und ge­nau in die­sem Au­gen­blick kann das Or­gan – das ist nicht klar, aber –, kann das Or­gan dazu die­nen, das Rea­le zu er­fas­sen, auf di­rek­te Wei­se, ohne die Rede. Gibt es nicht ein Al­ter­nie­ren der bei­den im Le­ben ei­nes Sub­jekts? Ich habe den Ein­druck, dass es eine Ent­kör­pe­rung der Rede gibt. Die Rede, die sich im­mer be­zieht … (30 f.)

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LACAN

Com­ment di­tes-vous ? Une dé­sin­car­na­ti­on? (19)

Wie sa­gen Sie? Eine Ent­kör­pe­rung? (31)

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CHEMAMA

…du dis­cours, du corps, c’est ce que je veux dire. Est-ce qu’il n’y a pas sim­ple­ment un jeu ef­fec­tive­ment d’alternance ent­re les deux… sans le lan­ga­ge ? Est-ce que ce trou n’existerait pas du fait d’un en­ga­ge­ment phy­si­que di­rect avec ce Réel ? Et je par­le de l’amour et de la jouis­sance. (19)

.… der Rede, vom Kör­per, das mei­ne ich. Gibt es nicht ein­fach ein Spiel des Al­ter­nie­rens zwi­schen den bei­den – ohne die Spra­che? Wür­de die­ses Loch nicht exis­tie­ren, auf­grund der Tat­sa­che ei­nes di­rek­ten phy­si­schen Be­zugs zu die­sem Rea­len? Ich spre­che von der Lie­be und vom Ge­nie­ßen / vom Or­gas­mus. (31)

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LACAN

C’est bien là ce dont il s’agit. (19)

Eben dar­um geht es. (31)

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Il est tout de même très dif­fi­ci­le de ne pas con­s­idé­rer le Réel, dans cet­te oc­ca­si­on com­me un tiers, et di­sons que ce que je peux sol­li­ci­ter com­me ré­pon­se ap­par­ti­ent à ceci qui est un ap­pel au Réel, non pas com­me lié au corps, n’est-ce-pas, mais com­me dif­fé­rent, que loin du corps, il y a pos­si­bi­lité de ce que j’appelais la der­niè­re fois ré­so­nan­ce, ou con­so­nan­ce, que c’est au ni­veau du Réel que peut se trou­ver cet­te con­so­nan­ce, que le Réel… par rap­port à ces pô­les que con­sti­tu­ent le corps et d’autre part le lan­ga­ge …que le Réel est là ce qui fait ac­cord. (19)

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Es ist gleich­wohl sehr schwie­rig, das Rea­le hier­bei nicht als ein Drit­tes zu be­trach­ten, und, sa­gen wir, al­les, was ich als Ant­wort her­vor­lo­cken kann, ge­hört zu ei­ner An­ru­fung des Rea­len, nicht als an den Kör­per ge­bun­den, nicht wahr, son­dern als un­ter­schied­lich, dass es weit ent­fernt vom Kör­per die Mög­lich­keit des­sen gibt, was ich letz­tes Mal Re­so­nanz oder Kon­so­nanz ge­nannt habe, dass die­se Kon­so­nanz auf der Ebe­ne des Rea­len zu fin­den ist, dass das Rea­le, im Ver­hält­nis zu die­sen Po­len, die der Kör­per und an­de­rer­seits die Spra­che bil­den, dass da das Rea­le das ist, was Über­ein­stim­mung be­wirkt.36 (31)

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Qu’est-ce que je peux at­tendre de quelqu’un d’autre? (19)

Was kann ich von je­mand an­de­rem er­war­ten? (Nicht in der Über­set­zung)

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ANONYM

Vous di­siez tout à l’heure que Chom­sky fai­sait du lan­ga­ge un or­ga­ne, et vous par­liez d’un ef­fet de souf­fla­ge. Ça vous avait souf­flé. Et je me de­man­da­is si ça ne te­n­ait pas au fait que vous, ce que vous di­tes, ce dont vous fai­tes un or­ga­ne c’est la li­bi­do. Je pen­se au « my­the de la la­mel­le », et je me de­man­de si ça n’est pas le bi­ais par le­quel peut se po­ser, ici, pré­cis­é­ment la ques­ti­on de l’âme.37 C’est-à-dire je me de­man­de si ce dé­pla­ce­ment de l’un à l’autre, qui m’a été pré­sent à l’esprit lorsque vous en aviez par­lé, n’est pas ce par quoi on peut sai­sir en­core38 qu’il y ait de l’âme.39 Par­ce que écar­ter l’idée de mett­re un écart ent­re lan­ga­ge et or­ga­ne, ça ne peut se ré­cup­é­rer dans le sens d’un art que si on – je pen­se qu’on cou­pe l’organe au ni­veau de là où vous le met­tez, de la li­bi­do. C’est pas simp­le, je veux dire, par­ce que la li­bi­do com­me or­ga­ne c’est pas… Et je pen­se d’autre part, ce qui est éton­nant c’est que… (19)

Sie sag­ten vor­hin, dass Chom­sky die Spra­che zu ei­nem Or­gan macht, und Sie spra­chen von ei­nem Baff-Ef­fekt, dass hat Sie baff ge­macht. Und ich frag­te mich, ob das dar­an ge­le­gen hat, dass das, was Sie zum Or­gan ma­chen, die Li­bi­do ist. Ich den­ke an den My­thos der La­mel­le, und ich fra­ge mich, ob das nicht die spe­zi­el­le Per­spek­ti­ve ist, in der sich hier ge­nau die Fra­ge der See­le40 stel­len kann. Das heißt, ich fra­ge mich, ob die­se Ver­schie­bung vom ei­nen zum an­de­ren, die mir wirk­lich in den Sinn kam, als Sie da­von ge­spro­chen ha­ben, nicht das ist, wo­mit man er­fas­sen kann, wor­um es bei der See­le41 geht. Denn wenn man die Idee zu­rück­weist, zwi­schen Spra­che und Or­gan eine Di­stanz her­zu­stel­len, kann sich das nur zu­sam­men­schlie­ßen im Sin­ne ei­ner Kunst, wenn man – ich den­ke, wenn man das Or­gan auf der Ebe­ne schnei­det, auf die sie es hin­stel­len, der der Li­bi­do. Das ist nicht ein­fach, ich mei­ne, weil die Li­bi­do als Or­gan nicht … Und ich den­ke an­de­rer­seits, dass es er­staun­lich ist, dass …42(31 f.)

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LACAN

La li­bi­do, com­me son nom l’indique, ne peut être que par­ti­ci­pant du trou, tout au­tant que des au­tres mo­des sous les­quels se pré­sen­tent le corps et le Réel d’autre part. Ouais… (19)

La li­bi­do, wie ihr Name an­zeigt, kann nur am Loch teil­ha­ben, eben­so wie an den an­de­ren Modi, in de­nen sich der Kör­per und an­de­rer­seits das Rea­le prä­sen­tie­ren.43 (32)

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ANONYM

Ce qui est très cu­rieux, c’est que lorsque vous par­lez… (19)

Es ist merk­wür­dig, dass, wenn Sie spre­chen ….

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LACAN

C’est évi­dem­ment par là que j’essaie de re­joind­re la fonc­tion de l’art. (19)

Da­mit ver­su­che ich of­fen­kun­dig, den Be­zug zur Funk­ti­on der Kunst her­zu­stel­len. (32)

.

C’est en quel­que sor­te im­pli­qué par ce qui est lais­sé | [41] en blanc com­me qua­triè­me ter­me. (19)

Das ist ge­wis­ser­ma­ßen in dem ent­hal­ten, was als vier­ter Term frei ge­las­sen wur­de.44

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Et quand je dis que l’art peut même att­eind­re le sym­ptô­me, c’est ce que je vais es­say­er de sub­stan­tia­li­ser et c’est à jus­te tit­re que vous évo­quez le my­the dit la­mel­le. (19)

Und wenn ich sage, dass die Kunst so­gar das Sym­ptom er­rei­chen kann, so ist dies das, dem ich ver­su­chen wer­de, Sub­stanz zu ver­lei­hen, und Sie ru­fen zu Recht den so­ge­nann­ten My­thos der La­mel­le in Er­in­ne­rung.

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C’est tout à fait dans la bon­ne note, et je vous en re­mer­cie. C’est dans ce fil que j’espère con­ti­nu­er. (19)

Das ist ganz und gar der rich­ti­ge Ton, und ich dan­ke Ih­nen da­für. Die­sen Fa­den hof­fe ich wei­ter­zu­ver­fol­gen.

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ANONYM

Je vou­d­rais po­ser une pe­ti­te ques­ti­on : lorsque vous par­lez de la li­bi­do, dans ce tex­te, vous di­tes qu’elle est re­mar­quable par un tra­jet d’invagination al­ler-re­tour. Or cet­te image, aujourd’hui elle me sem­ble pou­voir fonc­tion­ner com­me cel­le de la cor­de qui est pri­se dans un phé­nomè­ne de ré­so­nan­ce et qui on­du­le, c’est-à-dire qui fait un vent­re qui s’abaisse et se lève et des nœuds. Je vou­d­rais sa­voir si… (19)

Ich möch­te eine klei­ne Fra­ge stel­len. Wenn Sie in die­sem Text von der Li­bi­do spre­chen, sa­gen Sie, dass sie an ei­ner In­va­gi­na­ti­ons­be­we­gung hin und zu­rück zu be­mer­ken ist. Nun, die­ses Bild scheint mir heu­te wie das von der Sai­te funk­tio­nie­ren zu kön­nen, die von ei­nem Re­so­nanz­phä­no­men er­fasst ist und sich in Schwin­gung be­fin­det, die also ei­nen Bauch macht, der sich senkt und hebt, so­wie Kno­ten.45 Ich wüss­te gern, ob.…46(32)

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LACAN

Non mais ce n’est pas pour rien que dans une cor­de, la mé­ta­pho­re vi­ent de ce qui fait nœud. (19)

Nein, aber es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass bei ei­ner Sai­te die Me­ta­pher von dem auf­kommt, was ei­nen Kno­ten bil­det. (32)

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Ce que j’essaie, c’est de trou­ver à quoi se réfè­re cet­te mé­ta­pho­re. (19)

Was ich ver­su­che, das ist her­aus­zu­fin­den, wor­auf die­se Me­ta­pher sich be­zieht. (32)

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S’il y a dans une cor­de vi­bran­te des ven­tres et des nœuds, c’est pour au­tant que c’est aux nœuds qu’on se réfè­re, je veux dire que on use du lan­ga­ge d’une fa­çon qui va plus loin que ce qui est ef­fec­tive­ment dit. (19)

Wenn es bei ei­ner vi­brie­ren­den Sai­te Bäu­che und Kno­ten gibt, dann des­halb, weil man sich auf Kno­ten be­zieht, ich will sa­gen, weil man die Spra­che auf eine Wei­se ver­wen­det, die wei­ter geht als das, was ef­fek­tiv ge­sagt wird. (32)

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On ré­du­it tou­jours la por­tée de la mé­ta­pho­re com­me tel­le, c’est-à-dire qu’on la ré­du­it à une mé­to­ny­mie. (20)

Man re­du­ziert stets die Trag­wei­te der Me­ta­pher als sol­cher, das heißt, man re­du­ziert sie auf eine Me­to­ny­mie. (32)

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ANONYM

Lorsque vous pas­sez du nœud bor­ro­méen à trois – Réel, Ima­gin­aire, Sym­bo­li­que – à ce­lui à quat­re – où s’introduit le sym­ptô­me, le nœud bor­ro­méen à trois en tant que tel dis­pa­raît. Et… (20)

Wenn Sie vom bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten – Rea­les, Ima­gi­nä­res, Sym­bo­li­sches – zum Vie­rer­kno­ten über­ge­hen, wo das Sym­ptom ein­ge­führt wird, ver­schwin­det der bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten. Und … (32)

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LACAN

C’est tout à fait ex­act, iI n’est plus un nœud. (20)

Das ist völ­lig ex­akt, er ist kein Kno­ten mehr. (32)

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Il n’est tenu que par le sym­ptô­me. (20)

Er wird nur durch das Sym­ptom ge­hal­ten. (32)

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ANONYM

Dans cet­te per­spec­tive, di­sons de l’espoir de cure, en ma­tiè­re d’analyse, ça sem­ble po­ser pro­blè­me… (20)

In  die­ser Per­spek­ti­ve, sa­gen wir der­je­ni­gen der Hoff­nung der Kur, be­zo­gen auf die Ana­ly­se, scheint das ein Pro­blem dar­zu­stel­len. (32)

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LACAN

Il n’y a au­cu­ne ré­duc­tion ra­di­ca­le du qua­triè­me ter­me, d’est-à-dire que même l’analyse, puis­que Freud… on ne sait pas par quel­le voie …a pu l’énoncer : il y a une Ur­ver­drän­gung, il y a un re­fou­le­ment qui n’est ja­mais an­nu­lé.

Es gibt kei­ner­lei ra­di­ka­le Re­duk­ti­on des vier­ten Terms, das heißt, dass selbst die Ana­ly­se, weil Freud – man weiß nicht, auf wel­chem Weg – in der Lage war, es aus­zu­spre­chen: es gibt eine Ur­ver­drän­gung*, es gibt eine Ver­drän­gung, die nie­mals be­sei­tigt wird.

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Il est de la na­tu­re même du Sym­bo­li­que de com­porter ce trou, et c’est ce trou que je vise, que je re­con­nais dans l’Urverdrängung elle-même. (20)

Es ge­hört eben zur Na­tur des Sym­bo­li­schen, dass es die­ses Loch auf­weist, und die­ses Loch ist es, auf das ich ab­zie­le, das ich in der Ur­ver­drän­gung* selbst er­ken­ne. (33)

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ANONYM

D’autre part vous par­lez du nœud bor­ro­méen en disant qu’il ne con­sti­tue pas un mo­dè­le. Est-ce que vous pour­riez pré­ciser ? (20) 

An­de­rer­seits spre­chen Sie vom bor­ro­mäi­schen Kno­ten in der Wei­se, dass Sie sa­gen, dass er kein Mo­dell dar­stellt. Könn­ten Sie das prä­zi­sie­ren? (33)

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[42] LACAN

Il ne con­sti­tue pas un mo­dè­le sous le mode où il a quel­que cho­se près de quoi l’imagination dé­fail­le, je veux dire qu’elle ré­sis­te à pro­pre­ment par­ler, com­me tel­le, à l’imagination du nœud. (20)

Er stellt in­so­fern kein Mo­dell dar, als er et­was hat, wor­an die Ima­gi­na­ti­on schei­tert, ich will sa­gen, dass sie ge­gen die Ima­gi­na­ti­on des Kno­tens Wi­der­stand leis­tet, Wi­der­stand im ei­gent­li­chen Sinn. (33)

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Son abord ma­t­hé­ma­tique dans la to­po­lo­gie est in­suf­fi­sant. (20)

Das ma­the­ma­ti­sche Her­an­ge­hen an ihn in der To­po­lo­gie ist un­zu­rei­chend. (33)

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J’ai – je peux quand même vous dire mes ex­pé­ri­en­ces de ces va­can­ces. (20)

Ich habe – ich kann Ih­nen trotz­dem sa­gen, wel­che Er­fah­run­gen ich in die­sen Fe­ri­en ge­macht habe. (33)

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Je me suis ob­sti­né à pen­ser à la fa­çon dont ceci : (20)9-12-75 - II - Figur 4 - Kleeblattknoten qui con­sti­tue un nœud – non pas un nœud ent­re deux élé­ments, car com­me vous le voy­ez, il n’y en a qu’un seul. (20)

Ich habe mich dar­auf ver­steift, dar­über nach­zu­den­ken, auf wel­che Wei­se dies hier, das ei­nen Kno­ten dar­stellt – nicht ei­nen Kno­ten zwi­schen zwei Ele­men­ten, denn wie Sie se­hen, gibt es nur ein ein­zi­ges.47 (33)

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Com­ment ce nœud dit nœud à trois, le nœud le plus simp­le, le nœud que vous pou­vez fai­re, c’est le même que ce­lui-ci : 9-12-75 - II - Figur 5 - einfachster Knoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Bild ei­nes Klee­blatt­kno­tens. Es ist so er­gän­zen, dass die bei­den En­den mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

le nœud que vous pou­vez fai­re avec n’importe quel­le cor­de, la plus simp­le. (20)

Wie die­ser Kno­ten, der so­ge­nann­te Drei­er­kno­ten, der ein­fachs­te Kno­ten, der Kno­ten, den Sie ma­chen kön­nen – das ist der­sel­be wie die­ser hier, der Kno­ten, den Sie mir je­der be­lie­bi­gen Schnur ma­chen kön­nen, mit der ein­fachs­ten. (33)

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C’est le même nœud quoiqu’il n’ait pas le même as­pect. (20)

Das  ist der­sel­be Kno­ten, auch wenn er nicht das­sel­be Aus­se­hen hat.48 (33)

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Je me suis at­ta­ché à pen­ser à ceci, dont j’avais fait, di­sons la trou­vail­le, à sa­voir qu’avec ce nœud, tel qu’il est mon­tré là, il est fa­ci­le de dé­mon­trer qu’il ex-sis­te un nœud bor­ro­méen. (20)

Ich habe mich dar­an ge­hef­tet, über das nach­zu­den­ken, wo­von ich, sa­gen wir, den Fund ge­macht habe, dass es näm­lich mit die­sem Kno­ten, so wie er hier dar­ge­stellt ist, ein­fach ist zu be­wei­sen, dass ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten ex-sis­tiert.49 (33)

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9-12-75 - II - Figur 6 - Kleeblatt im borromäischen Knoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)9-12-75 - II - Figur 7 - Kleeblatt (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)Il suf­fit de pen­ser que vous pou­vez rend­re sous-ja­cent sur une sur­face… qui est cet­te sur­face dou­ble sans laquel­le nous ne sau­ri­ons écri­re quoi que ce soit con­cer­nant les nœuds …sur une sur­face donc sous-ja­cen­te, vous met­tez le même nœud. (20)

Dazu ge­nügt es zu den­ken, dass Sie dar­un­ter­lie­gend auf eine Flä­che, auf jene Dop­pel­flä­che, ohne die wir über­haupt nichts schrei­ben könn­ten, was die Kno­ten be­trifft, auf eine dar­un­ter­lie­gen­den Flä­che also le­gen Sie den­sel­ben Kno­ten. (34)

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Il est très fa­ci­le de réa­li­ser – je veux dire par une éc­ri­tu­re – ceci : qu’en faisant pas­ser suc­ces­si­ve­ment – je veux dire à chaque étape – un troi­siè­me nœud à trois, suc­ces­si­ve­ment… et c’est fa­ci­le ça à ima­gi­ner. (20)

Es ist sehr ein­fach, Fol­gen­des zu rea­li­sie­ren, ich mei­ne, durch eine Schrei­bung: in­dem Sie nach­ein­an­der – ich mei­ne, an je­der Stel­le – ei­nen drit­ten Drei­er­kno­ten füh­ren, nach­ein­an­der, und es ist leicht, sich das vor­zu­stel­len.

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Ça s’imagine pas tout de sui­te, il a fal­lu que j’en fas­se la trou­vail­le …fai­re pas­ser un nœud ho­mo­lo­gue sous le nœud sous-ja­cent, et sur – à chaque étape – le nœud que j’appellerai là sur-ja­cent.

Das kann man sich nicht so­fort vor­stel­len, ich muss­te es ja erst fin­den – ei­nen ho­mo­lo­gen Kno­ten un­ter den dar­un­ter­lie­gen­den Kno­ten und in je­der Etap­pe über den Kno­ten, den ich hier den dar­über­lie­gen­den nen­nen wer­de, zu füh­ren. (34)

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Ceci donc, réa­li­se aisé­ment un nœud bor­ro­méen. (20)

Dies rea­li­siert also auf ein­fa­che Wei­se ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten. (34)

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Y a-t-il pos­si­bi­lité, avec ce nœud à trois, de réa­li­ser un nœud bor­ro­méen à quat­re ? (21)

Be­steht die Mög­lich­keit, mit die­sem Drei­er­kno­ten ei­nen bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten zu rea­li­sie­ren? (34)

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J’ai pas­sé à peu près deux mois à me cas­ser la tête sur cet ob­jet – c’est bien là le cas de le dire.

Ich habe un­ge­fähr zwei Mo­na­te da­mit ver­bracht, mir über die­ses Ob­jekt den Kopf zu zer­bre­chen, so kann man hier wirk­lich sa­gen.

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Je n’ai pas réus­si à dé­mon­trer qu’il ex-sis­te une fa­çon de nou­er quat­re nœuds à trois d’une fa­çon bor­ro­méen­ne. (21)

Es ist mir nicht ge­lun­gen zu be­wei­sen, dass ein Ver­fah­ren ex-sis­tiert, vier Drei­er­kno­ten auf bor­ro­mäi­sche Wei­se zu ver­knüp­fen. (34)

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Eh bien, ça ne prouve rien, ça ne prouve pas qu’il n’ex-siste pas ! (21)

Das be­weist nun aber nichts; das be­weist nicht, dass er nicht ex-sis­tiert.50 (34)

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[43] En­core hier soir, je n’ai pen­sé qu’à ça : si j’avais pu y ar­ri­ver à vous le dé­mon­trer qu’il ex-sis­te… (21)

Noch ges­tern Abend habe ich an nichts an­de­res ge­dacht als dar­an: wenn es mir doch ge­lun­gen wäre, Ih­nen zu be­wei­sen, dass er ex-sis­tiert. (34)

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Ce qu’il y a de pire, c’est que je n’ai pas trou­vé la rai­son dé­mons­tra­ti­ve de ce qu’il n’ex-siste pas. (21)

Was das Schlimms­te ist, ich habe nicht den Be­weis­grund da­für ge­fun­den, dass er nicht exis­tiert. (34)

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Sim­ple­ment, j’ai échoué, car même cela : que je ne puis­se pas mon­trer que ce nœud à quat­re nœuds à trois, en tant que bor­ro­méen, ex-sis­te, que je ne puis­se pas le mon­trer ne prouve rien. (21)

Ich bin ein­fach ge­schei­tert, denn selbst dies, dass ich nicht zei­gen kann, dass die­ser Kno­ten aus vier Drei­er­kno­ten als bor­ro­mäi­scher exis­tiert, dass ich das nicht zei­gen kann, be­weist gar nichts. (34)

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Il faut que je dé­mont­re qu’il ne peut ex-sis­ter, en quoi, de cet Im­pos­si­ble, un Réel sera as­su­ré, le Réel con­sti­tué par ceci : qu’il n’y a pas de nœud bor­ro­méen qui se con­sti­tue de quat­re nœuds à trois.

Ich muss be­wei­sen, dass er nicht exis­tie­ren kann, wo­durch, durch die­ses Un­mög­li­che, ein Rea­les ge­si­chert sein wird, das Rea­le, das da­durch ge­bil­det wäre, dass es kei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten gibt, der aus vier Drei­er­kno­ten be­steht. (34)

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Ce se­rait là tou­cher un Réel. (21)

Da­mit wäre ein Rea­les be­rührt. (34)

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Pour vous dire ce que j’en pen­se, tou­jours avec ma fa­çon de dire que c’est mon pense/panse : je crois qu’il ex-sis­te, je veux dire que ce n’est pas là que nous bu­te­rons à un Réel.

Um Ih­nen zu sa­gen, was ich da­von den­ke, im­mer nach mei­ner Re­dens­art, dass das mein pen­se, mein Den­ken / mein Pan­sen ist, ich glau­be, dass er exis­tiert, ich mei­ne, dass wir nicht hier an ein Rea­les sto­ßen wer­den.51 (34)

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Je ne dé­se­spè­re pas de le trou­ver, mais c’est un fait que je ne peux rien, par­ce que dès que ça se­rait dé­mon­tré, ça se­rait fa­ci­le de vous le mon­trer. (21)

Ich habe die Hoff­nung nicht auf­ge­ge­ben, es zu fin­den, aber es ist eine Tat­sa­che, dass ich nichts dazu kann, weil es, so­bald es be­wie­sen wäre, ein­fach wäre, es Ih­nen zu zei­gen. (34)

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Mais il est un fait aus­si, c’est que je ne peux rien de tel, vous mon­trer. (21)

Aber es ist eben­falls eine Tat­sa­che, dass ich Ih­nen nichts Der­ar­ti­ges zei­gen kann. (34)

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Le rap­port du mon­trer au dé­mon­trer est là net­te­ment sé­pa­ré. (21)

Das Ver­hält­nis von Zei­gen und Be­wei­sen ist hier klar ge­trennt. (34)

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ANONYM

Vous avez dit tout à l’heure que dans la per­spec­tive de Chom­sky, le lan­ga­ge peut être un or­ga­ne. Et vous avez par­lé de la main. Pour­quoi ce mot « main » ? Est-ce que sous ce mot main, il y a la ré­fé­rence à quel­que cho­se de l’ordre… qui a rap­port à un ob­jet qui n’est pas en­core tech­ni­que au sens car­té­si­en du ter­me ? C’est-à-dire une tech­ni­que qui igno­re le lan­ga­ge, qui ne par­le plus d’une tech­ni­que au sens car­té­si­en du ter­me, c’est-à-dire une tech­ni­que qui igno­re le lan­ga­ge, qui ne par­le plus d’une tech­ni­que liée au lan­ga­ge, pour dé­si­gner le rap­port du su­jet au lan­ga­ge, est là pour mon­trer la né­ces­sité d’une aut­re théo­rie de la tech­ni­que que cel­le qui a lieu peut-être, chez Chom­sky ? (21)

Sie ha­ben vor­hin ge­sagt, dass in der Per­spek­ti­ve von Chom­sky die Spra­che ein Or­gan sein kann. Und Sie ha­ben von der Hand ge­spro­chen. War­um die­ses Wort „Hand“? Gibt es bei die­sem Wort „Hand“ den Be­zug auf et­was von der Ord­nung – was in Be­zie­hung steht zu ei­nem Ob­jekt, das noch nicht Tech­nik im kar­te­sia­ni­schen Sinn des Wor­tes ist?52 Das heißt eine Tech­nik, die kei­ne Spra­che kennt, die nicht mehr von ei­ner Tech­nik im kar­te­si­schen Sin­ne des Aus­drucks spricht, d.h. eine Tech­nik, die die Spra­che nicht kennt, die nicht mehr von ei­ner Tech­nik spricht, die mit der Spra­che ver­bun­den ist, um die Be­zie­hung des Sub­jekts zur Spra­che zu be­zeich­nen, ist da, um die Not­wen­dig­keit ei­ner an­de­re Theo­rie der Tech­nik zu zei­gen, an­ders als die­je­ni­ge, die viel­leicht bei Chom­sky ih­ren Ort hat – ?

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LACAN

Oui, c’est ce que je pré­tends : mal­gré l’existence de poi­g­nées de mains, la main dans la poi­g­née, dans l’acte de poi­g­ner, ne con­naît pas l’autre main. (21)

Ja, das ist das, was ich be­haup­te: trotz der Ex-sis­tenz / Exis­tenz des Hän­de­dru­ckes er­kennt die Hand im Druck, im Akt des Drü­ckens nicht die an­de­re Hand. (35)

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Quelqu’un at­tend pour un cours…(21)

Je­mand war­tet be­reits we­gen ei­nes Kur­ses. (35)

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KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vor­trag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den La­can-Zi­ta­ten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Am Ende je­des Le­xi­konein­trags steht ein Pfeil nach un­ten mit der Spit­ze nach links (↩); wenn man ihn an­klickt, kommt man zur ent­spre­chen­den Stel­le der Über­set­zung zu­rück.

Lacans USA-Aufenthalt im Herbst 1975 (18)

Zu: „Nun­ja, ich hof­fe den­noch, von Ih­nen das zu er­hal­ten, was ich vom Pu­bli­kum in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten er­hal­ten habe, wo ich vor kur­zem war.“ (18)

La­can hielt 1975 in den USA eine Rei­he von Vor­trä­gen, den ers­ten am 24. No­vem­ber an der Yale-Uni­ver­si­tät. Die Ti­tel der Vor­trä­ge so­wie Links zu den Tran­skrip­tio­nen ver­zeich­net die­ser Kom­men­tar im Ar­ti­kel Au­dio­da­tei­en, Pri­mär­li­te­ra­tur und Se­kun­där­li­te­ra­tur. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum USA-Be­such fin­det man in Mil­lers An­mer­kun­gen zu sei­ner Ver­si­on des Sin­t­hom-Se­mi­nars53 so­wie in Rou­di­nes­cos La­can-Bio­gra­phie54.

Es gibt keine Initiation (20)

Zu: „Die Ana­ly­se ist letzt­lich die Zu­rück­füh­rung der In­itia­ti­on auf ihre Rea­li­tät, das heißt auf die Tat­sa­che, dass es ei­gent­lich kei­ne In­itia­ti­on gibt.“ (20)

Es gibt kei­ne In­itia­ti­on“ meint: Es gibt kei­ne sym­bo­li­sche Pra­xis, durch die die An­triebs­struk­tur der Men­schen so um­ge­formt wird, dass Men­schen sich vom bio­lo­gi­schen Ge­gen­ge­schlecht als Ge­gen­ge­schlecht an­ge­zo­gen füh­len und durch es qua Ge­gen­ge­schlecht Lust emp­fin­den.

Die The­se wird von La­can in Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, ent­wi­ckelt.55 Hier heißt es: Die In­itia­ti­on be­zie­he sich auf das Ge­nie­ßen und sei, mit ei­nem Aus­druck von Mar­cel Mauss, mit be­stimm­ten „Kör­per­tech­ni­ken“ ver­bun­den; sie sei ge­wis­ser­ma­ßen eine Wis­sen­schaft des Ge­nie­ßens. In der An­ti­ke habe es eine sol­che In­itia­ti­on ge­ge­ben, näm­lich in Ge­stalt der Mys­te­ri­en­kul­te. Heu­te sei die In­itia­ti­on ver­schwun­den; von ihr gebe es nur noch Trüm­mer in Ge­stalt des Ok­kul­tis­mus.

Die The­se vom Ver­schwin­den der In­itia­ti­on zielt ver­mut­lich kri­tisch auf Bru­no Bet­tel­heims Buch Sym­bo­li­sche Wun­den von 1954, in dem Bet­tel­heim die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­tritt. Bet­tel­heim zu­fol­ge sind In­itia­ti­ons­ri­tua­le wei­ter­hin auf der gan­zen Welt le­ben­dig.56

Auf die mo­der­nen Trüm­mer der In­itia­ti­on be­zieht La­can sich auch im Vor­trag Joy­ce das Sym­ptom I (1975). Er spricht hier über die In­itia­ti­on, um die Joy­ce sich durch Lek­tü­re der Schrif­ten von He­le­na Bla­vat­sky be­müht habe, aber auch über die In­itia­ti­on, nach der der jun­ge La­can ge­strebt habe, in­dem er den Kon­takt zu René Gué­non such­te. Die In­itia­ti­on, so heißt es dort, sei eine Form der geis­ti­gen De­bi­li­tät.57

Es gibt kei­ne In­itia­ti­on“ meint au­ßer­dem, so er­läu­tert La­can in Se­mi­nar 21, dass der Sinn im­mer ver­schlei­ert ist – vom Sinn habe man nichts als den Schlei­er. Er ver­weist hier­zu auf die Ety­mo­lo­gie des la­tei­ni­schen Worts nup­tiae (Hoch­zeit, Bei­schlaf): nup­tiae geht zu­rück auf nu­bes (Wol­ke, Schlei­er). In dem 1974 ver­öf­fent­lich­ten Vor­wort zu Frank We­de­kinds Früh­lings­er­wa­chen schreibt La­can: „Dass der ge­lüf­te­te Schlei­er nichts zeigt, dies ist das Prin­zip der In­itia­ti­on (in die gu­ten Sit­ten der Ge­sell­schaft, zu­min­dest).“58

Über die In­itia­ti­on hat­te sich La­can be­reits in frü­he­ren Se­mi­na­ren ge­äu­ßert. In pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten, so sagt er dort, wer­den die na­tür­li­chen Be­gier­den durch das In­itia­ti­ons­ri­tu­al so um­ge­formt, dass sie ei­nen neu­en Sinn er­hal­ten, eine neue Rich­tung, so dass die Men­schen sich als Frau­en oder als Män­ner iden­ti­fi­zie­ren, die auf das an­de­re Ge­schlecht ge­polt sind.59

Da­bei wer­de der Phal­lus als letz­ter Sinn an­ge­se­hen; in den grie­chi­schen Mys­te­ri­en sei es letzt­lich dar­um ge­gan­gen, den Schlei­er zu lüf­ten, mit dem die Phal­lus-Sta­tue be­deckt war.60 Auf die Ent­hül­lung des Phal­lus in den Mys­te­ri­en be­zog La­can sich auch in dem Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus von 1958.61 Vgl. hier­zu auch in die­sem Blog den Ar­ti­kel Der Phal­lus; dort fin­det man auch eine Ab­bil­dung des Fres­kos aus der Mys­terien­vil­la, auf das La­can sich in Die Be­deu­tung des Phal­lus be­zieht, mit der Ent­hül­lung des Phal­lus.

Das Subjekt ist eine Unterstellung (20)

Zu: „Je­des Sub­jekt weist dies auf, dass es im­mer nur le­dig­lich eine Un­ter­stel­lung ist.“ (20)

Das la­tei­ni­sche Wort sub­iec­tum (das Un­ter­wor­fe­ne) über­setzt den grie­chi­schen Aus­druck hy­po­kei­me­non, das Dar­un­ter­lie­gen­de, das Un­ter­stell­te. In Se­mi­nar 21 sagt La­can:

Das Wis­sen, in­so­fern es un­be­wusst ist, in­so­fern es in uns ar­bei­tet, scheint also eine Un­ter­stel­lung zu ent­hal­ten.

Das ist eine Un­ter­stel­lung, wer­den Sie mir sa­gen, bei der wir es nicht nö­tig ha­ben, uns zu zwin­gen, weil es letzt­lich wir sel­ber sind. Das Sub­jekt, das hy­po­kei­me­non, all das be­deu­tet ge­nau das­sel­be, näm­lich, dass man un­ter­stellt, dass et­was exis­tiert, was so heißt, was ich schließ­lich so be­zeich­net habe: das Sprech­we­sen.“62

Das Sub­jekt ($) ist das, was dem un­be­wuss­ten Wis­sen (S2) un­ter­stellt wird. An­ders for­mu­liert: „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“ (vgl. die­sen Blog­bei­trag).

In Se­mi­nar 20 liest man:

Sa­gen, daß da ein Sub­jekt ist, ist nichts an­de­res als sa­gen, daß da Hy­po­the­se ist.“63

Das Sub­jekt im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se ist eine Grö­ße, die aus der Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung er­schlos­sen ist, aus den Be­zie­hun­gen der un­be­wuss­ten Vor­stel­lun­gen, wie Freud ge­sagt hät­te, mit La­can: aus der Ar­beit des un­be­wuss­ten Wis­sens.

Das Subjekt ist nicht nur doppelt, sondern gespalten (20)

Zu: „Ich will sa­gen, dass das Sub­jekt als sol­ches im­mer nicht nur dop­pelt, son­dern ge­spal­ten ist.“ (20)

Die Dop­pe­lung ge­hört für La­can zum Re­gis­ter des Ima­gi­nä­ren. Das Ich (moi) hat im­mer ei­nen Dop­pel­gän­ger, ein Dou­ble: den an­de­ren, das Bild des an­de­ren, das Ideal­ich. Die ar­chai­sche Form des Dou­ble ist für La­can das Spie­gel­bild.

Der Be­griff „ge­spal­te­nes Sub­jekt“ (su­jet di­vi­sé) be­zieht sich, in Freud­scher Ter­mi­no­lo­gie, auf die Be­zie­hung zwi­schen dem Vor­be­wuss­ten und dem Un­be­wuss­ten. La­cans  Ter­mi­nus knüpft an Freuds Kon­zep­ti­on der Ich­spal­tung an (in Freuds Auf­satz Die Ich­spal­tung im Ab­wehr­vor­gang), die von La­can als Sub­jekt­spal­tung ge­deu­tet wird. La­cans Haupt­the­se zur Sub­jekt­spal­tung (ref­en­te du su­jet oder di­vi­si­on du su­jet) lau­tet: die­se Spal­tung ist auf die Ein­wir­kung der Spra­che zu­rück­zu­füh­ren. Er kon­stru­iert die Sub­jekt­spal­tung mit ei­ner Rei­he von Be­griffs­op­po­si­tio­nen, be­son­ders häu­fig als Spal­tung zwi­schen Aus­ge­sag­tem und Äu­ße­rungs­vor­gang, aber auch als Spal­tung
– zwi­schen An­spruch und Be­geh­ren,
– zwi­schen Sinn und Fa­ding bzw. Apha­ni­sis (was bei­des „Ver­schwin­den“ be­deu­tet, im Sin­ne von „Ver­schwin­den des Sub­jekts“),
– zwi­schen Wis­sen und Wahr­heit,
– zwi­schen S2 (Wis­sen) und S1 (Her­ren­si­gni­fi­kant).

Vgl. in die­sem Sin­t­hom-Kom­men­tar den Ein­trag „Spal­te, ge­spal­te­nes Sub­jekts“ im „Klei­nen La­can-Le­xi­kon“ zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975. 

Vgl. in die­sem Blog den Ar­ti­kel Das ge­spal­te­ne Sub­jekt.

Das Reale der Spaltung (20)

Zu: „Es geht dar­um, dem Rech­nung zu tra­gen, was von die­ser Spal­tung das Rea­le aus­macht.“ (20)

Das Rea­le der Spal­tung ist der Be­zug auf die bio­lo­gi­sche Ge­schlechts­dif­fe­renz. Die Ge­schlechts­dif­fe­renz ist in dem Sin­ne real, als sie im Un­be­wuss­ten (im Sym­bo­li­schen) nicht re­prä­sen­tiert ist (das Rea­le ist das, was zu sym­bo­li­sie­ren un­mög­lich ist). La­can folgt hier Freud, dem­zu­fol­ge das Un­be­wuss­te die Ge­schlechts­dif­fe­renz nicht kennt, son­dern nur Sub­sti­tu­te wie den Ge­gen­satz von Ak­ti­vi­tät und Pas­si­vi­tät oder von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit des Pe­nis.64

In Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, sagt La­can:

Die Spal­tung des Sub­jekts und des Sym­ptoms ist die Ver­kör­pe­rung der Ebe­ne, wo die Wahr­heit sich ihr Recht ver­schafft in Ge­stalt die­ses nicht ge­wuss­ten Rea­len, die­ses Rea­len, das zu er­schöp­fen un­mög­lich ist, näm­lich des Rea­len des Ge­schlechts, zu dem wir bis jetzt nur durch Kos­tü­mie­run­gen ei­nen Zu­gang ha­ben, durch Er­satz­bil­dun­gen, durch die Um­wand­lung des Ge­gen­sat­zes männ­lich / weib­lich in den Ge­gen­satz ak­tiv / pas­siv bei­spiels­wei­se oder ge­se­hen / nicht ge­se­hen usw., d.h. ei­gent­lich in die­ser Funk­ti­on, die dem Be­grün­der der Dia­lek­tik eine sol­che Ver­le­gen­heit be­rei­tet hat, näm­lich der Funk­ti­on der Dya­de.“65

Die Spal­tung des Sub­jekts ist auf das Rea­le zu be­zie­hen, dar­auf, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.

Die Sprache und das Loch im Realen (22)

Zu: „Wenn die Spra­che nicht un­ter dem spe­zi­el­len Ge­sichts­punkt be­trach­tet wird, dass sie an et­was ge­bun­den ist, das Loch macht im Rea­len, ist es nicht ein­fach schwie­rig, son­dern un­mög­lich, ihre Hand­ha­bung zu be­den­ken.“ (22)

Das Loch im Kno­ten

La­can be­schreibt die bor­ro­mäi­schen Rin­ge mit­hil­fe von drei Ka­te­go­ri­en: Kon­sis­tenz, Ex-sis­tenz und Loch.66 Mit Kon­sis­tenz ist ge­meint, dass die Fa­den­rin­ge in sich zu­sam­men­hal­ten.67 Die Ex-sis­tenz ist die Äu­ßer­lich­keit der Rin­ge im Ver­hält­nis zu­ein­an­der – sie ge­hen nicht kon­ti­nu­ier­lich in­ein­an­der über, sie durch­drin­gen sich nicht, sie sto­ßen viel­mehr ge­gen­ein­an­der –, wo­bei die­se Art der Äu­ßer­lich­keit da­für sorgt, dass die Ver­schlin­gung Be­stand hat, dass sie exis­tiert. Das Loch ei­nes Rings er­scheint in der Plät­tung (in der zwei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lung) als das Krei­sin­ne­re, das ist je­doch eine op­ti­sche Täu­schung. Der Ring ist ein drei­di­men­sio­na­les Ge­bil­de, das Loch hat drei­di­men­sio­na­len Cha­rak­ter. Das Loch ei­nes Rings ist das, wo­durch ich den Fin­ger oder die Hand ste­cken kann.

Für die Lö­cher der ver­schie­de­nen Rin­ge gilt, dass sie in­ein­an­der über­ge­hen – die Lö­cher sind nicht ex-sis­tent, wie La­can sagt.68 Gleich­wohl wer­den die sie von La­can in der Plät­tung un­ter­schie­den.

In La­cans Deu­tung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens be­zieht sich das Sym­bo­li­sche auf dop­pel­te Wei­se auf das Loch. Je­der der drei Rin­ge hat ein Loch, also hat auch der Ring des Sym­bo­li­schen ein Loch. Zu­gleich wird das Loch pri­mär dem Sym­bo­li­schen zu­ge­ord­net.

Mit dem Loch im Rea­len ist das­je­ni­ge Loch ge­meint, das sich bei ei­ner Plät­tung die­ses Rings als das Krei­sin­ne­re dar­stellt.

Das Loch im Rea­len: Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis

Das Loch im Rea­len be­steht dar­in, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt. Im Vor­wort von 1974 zu Frank We­de­kinds Früh­lings­er­wa­chen schreibt La­can:

Freud hat her­aus­ge­fun­den, dass das, was er Se­xua­li­tät nennt, im Rea­len Loch macht.“69

Die Se­xua­li­tät macht im Rea­len Loch, ist im Rea­len ein Loch, und Freud hat das her­aus­ge­fun­den. In Se­mi­nar 21 heißt es:

Aber wir wis­sen al­les, weil al­les – wir er­fin­den ein truc, ein Dings­da, ei­nen Trick, um das Loch im Rea­len zu stop­fen. Da, wo es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, ruft das ein Trau­ma her­vor. Man er­fin­det! Man er­fin­det was man kann na­tür­lich.“70

Das Loch im Rea­len be­steht dar­in, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt. Freud hat das so for­mu­liert:

Nun wäre es eine Lö­sung von idea­ler Ein­fach­heit, wenn wir an­neh­men dürf­ten, von ei­nem be­stimm­ten Al­ter an ma­che sich der ele­men­ta­re Ein­fluß der ge­gen­ge­schlecht­li­chen An­zie­hung gel­tend und drän­ge das klei­ne Weib zum Mann, wäh­rend das­sel­be Ge­setz dem Kna­ben das Be­har­ren bei der Mut­ter ge­stat­te. Ja man könn­te hin­zu­neh­men, dass die Kin­der da­bei den Win­ken fol­gen, die ih­nen die ge­schlecht­li­che Be­vor­zu­gung der El­tern gibt. Aber so gut sol­len wir es nicht ha­ben, wir wis­sen kaum, ob wir an jene ge­heim­nis­vol­le, ana­ly­tisch nicht wei­ter zer­setz­ba­re Macht, von der die Dich­ter so­viel schwär­men, im Ernst glau­ben dür­fen.“71

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung des Sin­t­hom-Se­mi­nars er­klärt La­can, wenn er sich mit dem Kno­ten ab­mü­he, so sei dies

eine Wei­se, ge­nau dies zu ar­ti­ku­lie­ren, dass jede mensch­li­che Se­xua­li­tät per­vers ist, wenn wir dem, was Freud sagt, wirk­lich fol­gen. Es ist ihm nie­mals ge­lun­gen, be­sag­te Se­xua­li­tät an­ders denn als per­ver­se zu be­grei­fen“72.

Die mensch­li­che Se­xua­li­tät ist per­vers, wenn sie auf dem Ko­itus mit ei­nem Part­ner des an­de­ren Ge­schlechts ab­zielt, dann nicht des­halb, weil die­ser das an­de­re Ge­schlecht hat. Das, was die se­xu­el­le In­ter­ak­ti­on er­mög­licht, ist viel­mehr der Be­zug auf das Ob­jekt a, mit Freud: die po­ly­morph-per­ver­se Ver­fas­sung der Trie­be.73

Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ meint:
– Es gibt beim Men­schen kei­nen In­stinkt, der ihn in eine se­xu­el­le Be­zie­hung zum an­de­ren Ge­schlecht brin­gen wür­de, kei­ne na­tür­li­che An­ge­passt­heit an das Se­xu­al­ob­jekt des bio­lo­gi­schen Ge­gen­ge­schlechts.
– Dies ist der Ge­gen­satz zwi­schen In­stinkt und Trieb: Die mensch­li­che Se­xua­li­tät be­ruht nicht auf In­stink­ten, an­ders ge­sagt: die Ver­hal­tens­an­trie­be von Mann und Frau sind nicht an das Sex­al­ob­jekt des an­de­ren Ge­schlechts an­ge­passt. Das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten be­ruht auf Trie­ben: auf An­trie­ben, die „per­vers“ sind – sie sind nicht an das Se­xu­al­ob­jekt an­ge­passt, das von der bio­lo­gi­schen Zwei­ge­schlecht­lich­keit vor­ge­ge­ben ist.
– Ein Ver­hält­nis zum An­de­ren als an­de­rer Ge­schlechts­kör­per wird aber auch nicht durch das Sym­bo­li­sche, nicht durch den Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rat des Un­be­wuss­ten her­ge­stellt. Im Sym­bo­li­schen ist es struk­tu­rell un­mög­lich, den Be­zug zum an­de­ren Ge­schlecht her­zu­stel­len.
– Der Psy­cho­ana­ly­ti­ker hat also nicht die Mög­lich­keit und des­halb auch nicht die Auf­ga­be, es dem Pa­ti­en­ten zu er­mög­li­chen, eine ge­lun­ge­ne Be­zie­hung zum an­de­ren Ge­schlecht her­zu­stel­len.

Das Dik­tum „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ fin­det sich zu­erst in Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren.74 La­can äu­ßert aber schon frü­her Kri­tik an der An­nah­me, die Psy­cho­ana­ly­se habe die Auf­ga­be, eine har­mo­ni­sche se­xu­el­le Be­zie­hung zwi­schen den bei­den Ge­schlech­tern zu er­mög­li­chen. Das zeigt sich etwa in sei­ner hart­nä­cki­gen Zu­rück­wei­sung des Kon­zepts der „ge­ni­ta­len Ob­la­ti­vi­tät“ (der ge­ni­ta­len Op­fer­be­reit­schaft, Selbst­lo­sig­keit), das von fran­zö­si­schen Psy­cho­ana­ly­ti­kern ver­tre­ten wur­de.75 In Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se, er­wähnt La­can die Er­zäh­lung von Lon­gos über Daph­nis und Chloe: Daph­nis muss­te von ei­ner Al­ten ler­nen, was er zu tun hat­te, um Lie­be zu ma­chen – das se­xu­el­le Ver­hält­nis ist den Zu­fäl­len auf dem Feld des An­de­ren aus­ge­lie­fert, kom­men­tiert La­can.76

Die Spra­che macht Loch im Rea­len

Das Loch im Rea­len wird durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fen; die „Ar­beit der Spra­che“, wie La­can mit He­gel sagt, führt zu ei­nem Ver­lust, zum Ver­schwin­den der Ver­hal­tens­steue­rung durch In­stink­te.77

Loch im Rea­len“

Vom Loch im Rea­len spricht La­can be­reits in Se­mi­nar 1 von 1953/54, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten:

Dies Loch im Rea­len heißt, je nach der Wei­se, in der man es an­sieht, das Sein oder das Nichts. Dies Sein und dies Nichts sind we­sent­lich an das Phä­no­men des Spre­chens ge­bun­den.“78

In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, be­zieht La­can sich mit der Rede vom „Loch im Rea­len“ auf den Tod ei­nes Na­he­ste­hen­den.79 Die Be­zie­hung zwi­schen dem Loch im Rea­len und dem Si­gni­fi­kan­ten ist hier um­ge­kehrt: nicht der Si­gni­fi­kant ruft im Rea­len ein Loch her­vor, son­dern das Loch im Rea­len bie­tet den Platz an, auf den der feh­len­de Si­gni­fi­kant pro­ji­ziert wird.80

In Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, heißt es, der Si­gni­fi­kant er­zeu­ge ein „Loch im Rea­len“, näm­lich das „Ding“.

Es „gibt Iden­ti­tät zwi­schen der Aus­for­mung des Si­gni­fi­kan­ten und der Ein­füh­rung ei­ner Kluft, ei­nes Lochs im Rea­len.“81

In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, ver­an­schau­licht La­can das Ver­hält­nis von An­spruch und Be­geh­ren durch ei­nen To­rus (ei­nen Ring, ei­nen Rei­fen). Ein To­rus ver­fügt, wie La­can es for­mu­liert, über ein „zen­tra­les Loch“.82

In Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens heißt es über den Gra­fen des Be­geh­rens: Die bei­den un­te­ren Schnitt­punk­te

par­ti­zi­pie­ren an dem An­ge­bot für den Si­gni­fi­kan­ten, das das Loch im Rea­len bil­det, der eine als Heh­ler­ver­steck, der an­de­re als Bohr­loch für den Aus­gang“83.

Auch hier ist es nicht der Si­gni­fi­kant, der ein Loch im Rea­len er­zeugt, viel­mehr ist es das Loch im Rea­len, das dem Si­gni­fi­kan­ten ein An­ge­bot macht.

fai­re trou“

Die Wen­dung „fai­re trou“, Loch ma­chen, ist ver­al­tet, die Le­xi­kon-Be­le­ge stam­men von Schrift­stel­lern des 19. Jahr­hun­derts.84 La­can, der (ähn­lich wie Ador­no) sel­te­ne Aus­drü­cke sam­mel­te, sagt häu­fig „fait trou“; ge­gen­wär­tig fin­det man die Wen­dung, wie man per Such­ma­schi­ne leicht fest­stel­len kann, fast nur noch bei La­ca­nia­nern.

Wie über­setzt man „fait trou“ am bes­ten? „Macht ein Loch“ wür­de den ar­chai­sie­ren­den Cha­rak­ter von La­cans Stil zum Ver­schwin­den brin­gen. Also ist „macht Loch“ viel­leicht die bes­te Lö­sung: eine Über­set­zung, über die man stol­pert.

Vgl. in die­sem Sin­t­hom-Kom­men­tar den Ein­trag „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ im „Klei­nen La­can-Le­xi­kon“ zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975 

Eine aus­führ­li­che Er­läute­rung der Sen­tenz „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hät­nis“ fin­det man in die­sem Blog hier.

Wahrheit ist nur möglich durch das Entleeren des Realen (22)

Zu: „Die Be­ob­ach­tungs­me­tho­de könn­te von der Spra­che nicht aus­ge­hen, ohne die prin­zi­pi­el­le Wahr­heit ein­zu­räu­men, dass in dem, was man als Rea­les an­set­zen kann, die Spra­che als ein Loch ma­chend er­scheint. Von die­sem Be­griff, der Funk­ti­on des Lochs her übt die Spra­che ih­ren Zu­griff, ih­ren Ein­fluss auf das Rea­le aus. Es fällt mir wohl­ge­merkt nicht leicht, die­se Über­zeu­gung mit ih­rem gan­zen Ge­wicht auf Sie zu la­den. Sie er­scheint mir un­aus­weich­lich, weil es kei­ne Wahr­heit gibt, die als sol­che mög­lich wäre, als da­durch, die­ses Rea­le aus­zu­höh­len, zu ent­lee­ren.“ (22)

In die­ser Pas­sa­ge geht es um das Ver­hält­nis zwi­schen der Wahr­heit und dem Rea­len, das La­can auch in spä­te­ren Sit­zun­gen be­schäf­ti­gen wird.

Wahr­heit

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 23 wird La­can sa­gen:

Wahr ist nur, was ei­nen Sinn hat.“85

Das Sym­ptom hat ei­nen ver­bor­ge­nen Sinn, das ist eine der grund­le­gen­den An­nah­men der Psy­cho­ana­ly­se; man lese hier­zu das Ka­pi­tel „Der Sinn der Sym­pto­me“ in Freuds Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se.86 Wahr­heit be­steht in der Auf­de­ckung die­ses ver­bor­ge­nen Sinns, in der Ent­ber­gung, wie Hei­deg­ger sa­gen wür­de.

An der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le fährt La­can so fort:

Wel­ches ist die Be­zie­hung des Rea­len zum Wah­ren? Das Wah­re über das Rea­le – wenn ich mich so aus­drü­cken darf – ist, daß das Rea­le, das Rea­le des Paars hier, kei­ner­lei Sinn hat.“87

Wenn nur das wahr ist, was ei­nen Sinn hat, und wenn das Rea­le kei­nen Sinn hat, dann hat das Rea­le kei­ne Wahr­heit. Dies gilt zu­min­dest für die Sinn-Wahr­heit, für die Wahr­heit, die in der Auf­de­ckung ei­nes Sinns be­steht. Der Wahr­heits­be­zug stößt hier auf eine Gren­ze, „die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“, wie La­cans Sen­tenz lau­tet.

Die Fra­ge ist dann, auf wel­chem Wege, wenn nicht auf dem des Sinns, ein Be­zug zum Rea­len mög­lich ist.

Wahr­heit ist mög­lich

Die Mög­lich­keit be­steht für La­can dar­in, dass et­was auf­hört, ge­schrie­ben zu wer­den, dass der mit dem Sym­ptom ver­bun­de­ne Wie­der­ho­lungs­zwang zu ei­nem Ende kommt. Das Wahr­heits­ge­sche­hen be­en­det die Wie­der­ho­lung.

Vgl. in die­se Sin­t­hom-Kom­men­tar den Ein­trag „Not­wen­di­ges, Un­mög­li­ches, Mög­li­ches, Zu­fäl­li­ges“ im „Klei­nen La­can-Le­xi­kon“ zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975.

Évi­der: aus­höh­len, ent­lee­ren

La­can spielt an die­ser Stel­le mit der Laut­ähn­lich­keit von in­é­vi­ta­ble (un­ver­meid­lich), évi­der (aus­höh­len) und évi­dence (Evi­denz), wo­bei der Be­griff der Evi­denz nur vor­aus­ge­setzt, aber nicht ge­nannt wird. In Se­mi­nar 22, RSI, wird die­se Be­zie­hung aus­drück­lich her­ge­stellt:

Die­se Modi, in de­nen ich das Wort er­grif­fen habe, Sym­bo­li­sches, Ima­gi­nä­res und Rea­les, ich wür­de nicht sa­gen, dass sie of­fen­sicht­lich (évi­dents) sind. Ich be­mü­he mich ein­fach, sie aus­zu­höh­len, zu ent­lee­ren (évi­der), was nicht das­sel­be heißt, weil évi­der auf vide (leer) be­ruht und evi­dence auf voir (se­hen).“88

Wie las­sen sich die Modi des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len be­grün­den? Im Theo­rie­auf­bau more geo­me­tri­co wür­de man sich, nach dem Vor­bild der eu­kli­di­schen Geo­me­trie, auf Evi­den­zen be­zie­hen. Evi­den­zen be­ru­hen letzt­lich auf dem Se­hen (der Aus­druck kommt vom la­tei­ni­schen vi­de­re, se­hen); das Evi­den­te ist das Of­fen­sicht­li­che, das in die Au­gen Sprin­gen­de. Evi­den­zen be­ru­hen also, in La­cans Be­griff­lich­keit, auf der Bin­dung an das Ima­gi­nä­re. Die Fun­die­rung der Theo­rie durch das Ima­gi­nä­re soll nun aber durch die Be­zie­hung auf die bor­ro­mäi­schen Rin­ge so stark wie mög­lich zu­rück­ge­drängt wer­den. Die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung ist ge­wis­ser­ma­ßen ein aus­ge­höhl­tes Ge­bil­de, sie be­steht aus Fa­den­rin­gen; je­der Ring´ ist um ein Loch her­um or­ga­ni­siert. Das Loch des Kno­tens steht im Ge­gen­satz zur Öff­nung des Sacks. An die Stel­le der „Evi­denz“ setzt der Kno­ten die „Aus­höh­lung“, die „Ent­lee­rung“. Der Zu­gang zum Rea­len soll durch die­se Aus­höh­lung, durch die­se Ent­lee­rung er­mög­licht wer­den.

Ins­ge­samt

Wahr­heit ist nur mög­lich durch das Aus­höh­len des Rea­len – da­mit ist ver­mut­lich Fol­gen­des ge­meint: Das in ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur prak­tisch rea­li­sier­te Wahr­heits­ge­sche­hen, die Auf­de­ckung des ver­bor­ge­nen Sinns der Sym­pto­me, stößt auf eine Gren­ze, auf et­was Rea­les. Das Rea­le be­teht dar­in, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt. Ein Zu­gang zu die­sem Rea­len ist für die Kur gleich­wohl not­wen­dig, also eine Art Wahr­heits­be­zug jen­seits des Sinns. Der Zu­gang zum Rea­len wird mög­lich durch das „Aus­höh­len“, die „Ent­lee­rung“ des Rea­len. Auf die Ent­lee­rung des Rea­len zielt das Loch in den bor­ro­mäi­schen Rin­gen. Es steht nicht nur, per de­fi­ni­tio­nem, für die The­se „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“, es er­mög­licht zu­gleich ei­nen af­fek­ti­ven und in­tui­ti­ven Zu­gang zu die­ser Tat­sa­che.

Vgl. in die­sem Blog die Ar­ti­kel Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen und „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“.

Äquivalenz von unendlicher Gerader und Kreis (23)

Zu: „Um es in den Ka­te­go­ri­en je­nes be­rühm­ten bor­ro­mäi­schen Kno­tens aus­zu­drü­cken, in den ich mein Ver­trau­en set­ze, sa­gen wir, dass er voll­stän­dig auf der Äqui­va­lenz ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den mit ei­nem Kreis be­ruht.“ (23)

Vgl. hier­zu in die­sem Sin­t­hom-Kom­men­tar den Ein­trag „Äqui­va­lenz zwi­schen un­end­li­cher Ge­ra­der und Kreis“ zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975.

Konsistenz,  Loch und Ex-sistenz (26)

Zu: „Das grund­le­gen­de Kenn­zei­chen die­ser Ver­wen­dung des Kno­tens ist es, dass sie es er­laubt, die Tri­pli­zi­tät zu il­lus­trie­ren, die sich er­gibt
– aus ei­ner Kon­sis­tenz, die nur durch das Ima­gi­nä­re af­fi­ziert wird,
– aus ei­nem Loch als grund­le­gend, das aus dem Sym­bo­li­schen her­vor­geht,
– und schließ­lich aus ei­ner Ex-sis­tenz – so ge­schrie­ben, wie ich es ma­che, Ex, Bin­de­strich, s, i, s, t, e, n, z –, die dem Rea­len zu­ge­hört, die des­sen grund­le­gen­des Kenn­zei­chen ist.“ (26)

Die Drei­heit von Kon­sis­tenz, Loch und Ex-sis­tenz wur­de von La­can in Se­mi­nar 22 von 1974/75 RSI, ein­ge­führt, zur Be­schrei­bung der bor­ro­mäi­schen Rin­ge. Den Ter­mi­nus „ex-sis­tence“ ver­wen­det er be­reits in Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, si­cher­lich in­spi­riert von Hei­deg­gers Be­griff der „Ek-sis­tenz“ im Brief über den Hu­ma­nis­mus (1947).

Die Kon­sis­tenz ei­nes Rings be­steht dar­in, dass er ge­schlos­sen ist und nicht etwa ei­nen of­fe­nen Fa­den bil­det.89 In der Spra­che der Ma­the­ma­ti­ker: Die Kon­sis­tenz ei­nes Rings (ei­nes Kno­tens im Sin­ne der To­po­lo­gie) be­steht in sei­ner Ge­schlos­sen­heit.90

Hula hoop (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)Das Loch ist, nimmt man das Bei­spiel ei­nes Fin­ger­rings, je­nes Loch, durch das man den Fin­ger steckt. Das zen­tra­le Loch ei­nes Rei­fens ist die Öff­nung, in der beim Hula-Hoop die Spie­le­rin ihre Hüf­ten zu hal­ten sucht – aber dar­über hin­aus der ge­sam­te Raum um den Rei­fen her­um.91

Die Ex-sis­tenz (statt „Exis­tenz“) be­steht dar­in, dass die Rin­ge ein­an­der äu­ßer­lich (ex) sind, dass sie ge­gen­ein­an­der­sto­ßen, für­ein­an­der ei­nen Wi­der­stand bil­den, und dass sie durch die­se Art der Äu­ßer­lich­keit zu­sam­men­hal­ten, dass die Ver­schlin­gung exis­tiert. Die Ex-sis­tenz ei­nes ein­zel­nen Rings (ei­nes tri­via­len Kno­tens) be­steht dar­in, dass er nicht sich selbst durch­dringt und nicht mit an­de­ren Rin­gen ver­schmilzt.

Die Kon­sis­tenz wird von La­can dem Ima­gi­nä­ren zu­ge­ord­net92, das Loch dem Sym­bo­li­schen und die Ex-sis­tenz dem Rea­len93.

Die bor­ro­mäi­schen Rin­ge wer­den von La­can also auf dop­pel­te Wei­se auf die Drei­heit von Ima­gi­nä­rem, Sym­bo­li­schem und Rea­len be­zo­gen. Zum ei­nen gibt es ei­nen Ring für das Ima­gi­nä­re, ei­nen für das Sym­bo­li­sche und ei­nen für das Rea­le. Dar­über hin­aus hat die Ge­samt­ver­schlin­gung ei­nen ima­gi­nä­ren, ei­nen sym­bo­li­schen und ei­nen rea­len As­pekt. Der ima­gi­nä­re As­pekt der Ver­schlin­gung ist das Zu­sam­men­hal­ten der ein­zel­nen Rin­ge in sich und dar­auf ba­sie­rend das Zu­sam­men­hal­ten der Ver­schlin­gung ins­ge­samt: die Kon­sis­tenz. Der sym­bo­li­sche As­pek­te der Ver­schlin­gung ist das Loch, um das ge­wis­ser­ma­ßen die ein­zel­nen Rin­ge her­um or­ga­ni­siert sind, wo­durch der Kno­ten ins­ge­samt zu ei­nem löch­ri­gen Ge­bil­de wird. Der rea­le As­pekt ist der Zu­sam­men­halt der Rin­ge: ihre Ex-sis­tenz, ihre Äu­ßer­lich­keit (dass sie nicht ver­schmel­zen) ist so be­schaf­fen, dass die Ver­schlin­gung Be­stand hat.

Das Loch im Ring des Ima­gi­nä­ren re­prä­sen­tiert die Kör­per­öff­nun­gen94, das Loch im Ring des Sym­bo­li­schen re­prä­sen­tiert das ur­ver­dräng­te In­zest­ver­bot95, und das Loch im Ring des Rea­len steht da­für, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt96.

Die Lacansche Methode ist ohne Hoffnung, den Knoten von Imaginärem, Symbolischem und Realem zu zerreißen, darin ist sie das Negativ der Religion (26)

Zu: „Die­se Me­tho­de [die Kno­ten-Me­tho­de], denn es han­delt sich um Me­tho­de, ist eine Me­tho­de, die sich als eine ohne Hoff­nung dar­stellt – ohne Hoff­nung, auf ir­gend­ei­ne Wei­se den kon­sti­tu­ie­ren­den Kno­ten von Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem zu zer­rei­ßen. In die­ser Hin­sicht ver­wei­gert sie [die Me­tho­de] sich dem, was, wie man sa­gen muss, und zwar auf eine ganz und gar hell­sich­ti­ge Wei­se, eine Tu­gend ist, so­gar eine so­ge­nann­te theo­lo­ga­le Tu­gend, und hier­in ist un­se­re ana­ly­ti­sche Auf­fas­sung des­sen, was die­sen Kno­ten aus­macht, das Ne­ga­tiv der Re­li­gi­on.“ (26)

Die La­can­sche Me­tho­de ist ohne Hoff­nung, den Kno­ten von Ima­gi­nä­rem, Sym­bo­li­schem und Rea­lem zu zer­rei­ßen

In Se­mi­nar 22, RSI, spricht La­can von der geis­ti­gen De­bi­li­tät: Sie re­sul­tiert aus dem Ima­gi­nä­ren, aus dem Be­zug zum Kör­per als Re­flex des ei­ge­nen Or­ga­nis­mus. Nach ei­ni­gen Sät­zen fährt er fort:

In Wahr­heit hege ich kei­ner­lei Hoff­nung, die­ser men­ta­len, be­zeug­ten De­bi­li­tät zu ent­kom­men. Ich wüß­te nicht, war­um das, was ich Ih­nen vor­set­ze, we­ni­ger de­bil wäre als der Rest.“97

La­can hat kei­ne Hoff­nung, der geis­ti­gen De­bi­li­tät zu ent­kom­men, näm­lich der Bin­dung an das Ima­gi­nä­re. Ein Jahr spä­ter, in der hier be­han­del­ten Sit­zung vom 9. De­zem­ber 1975, wie­der­holt er den Ge­dan­ken :

Das Ge­spür­te, le sen­ti, als men­ta­les, das ‚Sen­ti-men­ta­le‘, ist de­bil, weil stets un­ter ir­gend­ei­nem Ge­sichts­punkt auf das Ima­gi­nä­re zu­rück­führ­bar. (…) Ich hof­fe kei­nes­wegs, der De­bi­li­tät zu ent­kom­men, die ich von die­sem Aus­gangs­punkt aus kenn­zeich­ne.98

An bei­den Stel­len be­zieht sich die Zu­rück­wei­sung der Hoff­nung auf das Ima­gi­nä­re: La­can hat kei­ne Hoff­nung, der Bin­dung an das Ima­gi­nä­re zu ent­rin­nen. Das dürf­te auch hier ge­meint sein: Die Psy­cho­ana­ly­se ist ohne Hoff­nung, der Fes­se­lung an das Ima­gi­nä­re zu ent­kom­men. Ge­län­ge es ihr, die­se Bin­dung zu über­win­den, wür­de die Ver­schlin­gung von Ima­gi­nä­rem, Sym­bo­li­schem und Rea­lem sich auf­lö­sen. In­so­fern ist sie ohne Hoff­nung, den Kno­ten zu zer­rei­ßen.

Dar­in ist sie das Ne­ga­tiv der Re­li­gi­on

Der vier­te Ring der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung von vier Rin­gen steht für die Re­li­gi­on (so­wie für den Na­men-des-Va­ters und für das Sym­ptom); das hat­te La­can in Se­mi­nar 22, RSI, er­läu­tert und in der vor­an­ge­hen­den Sit­zung des Sin­t­hom-Se­mi­nars wie­der­holt; vgl. hier­zu in die­sem Blog den Bei­trag Vom Drei­er­kno­ten zum Vie­rer­kno­ten. Im Vie­rer­kno­ten fal­len die Rin­ge des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len ohne den vier­ten Ring aus­ein­an­der. Für die Psy­cho­ana­ly­se hal­ten die drei Rin­ge von sich aus zu­sam­men, in­so­fern bil­det sie das Ne­ga­tiv der Re­li­gi­on.

Die Wissenschaft macht aus dem Subjekt ein Objekt, in diesem Punkt widersetzt sich die Psychoanalyse der Wissenschaft (27)

Zu: „Sie [die Psy­cho­ana­ly­se] fin­det ihre Ver­brei­tung dar­in, dass sie die Wis­sen­schaft als sol­che in Fra­ge stellt, Wis­sen­schaft in­so­fern, als sie ein Ob­jekt zu ei­nem Sub­jekt / Su­jet macht, wäh­rend es doch das Sub­jekt ist, das von sich selbst ge­teilt ist.“ (27)

Den Ein­spruch ge­gen die ob­jek­ti­vie­ren­de Wis­sen­schaft im Na­men der Psy­cho­ana­ly­se fin­det man be­reits im Auf­satz über die Funk­ti­on der Psy­cho­ana­ly­se in der Kri­mi­no­lo­gie (1950):

Aber wir sind hier viel­leicht an den Gren­zen un­se­res dia­lek­ti­schen Han­delns, und die Wahr­heit, die uns hier mit dem Sub­jekt zu er­ken­nen auf­ge­ge­ben ist, könn­te nicht auf die wis­sen­schaft­li­che Ob­jek­ti­vie­rung re­du­ziert wer­den.“99

In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, heißt es:

Die Eta­blie­rung ei­ner phi­lo­so­phi­schen Po­si­ti­on ist im­mer et­was ge­we­sen, was sich im Ver­lauf der Zei­ten als eine Po­si­ti­on zu er­ken­nen ge­ge­ben hat, in der et­was ge­op­fert wird. Der Ein­tritt des Sub­jekts in die Ord­nung des­sen, was man die in­ter­es­se­lo­se For­schung nennt, de­ren Frucht die Ob­jek­ti­vi­tät ist – schließ­lich ist das Er­rei­chen der Ob­jek­ti­vi­tät nie an­ders de­fi­niert wor­den als so, in ei­ner des­in­ter­es­sier­ten Per­spek­ti­ve eine be­stimm­te Rea­li­tät zu er­rei­chen –, wird, zu­min­dest dem Prin­zip nach, be­zahlt mit dem Aus­schluss ei­ner be­stimm­ten Form des Be­geh­rens. Dies ist die Per­spek­ti­ve, in der der Be­griff des Ob­jekts kon­sti­tu­iert wor­den ist.“100

Die Ob­jek­ti­vi­tät der Wis­sen­schaft stützt sich auf den Aus­schluss des be­geh­ren­den Sub­jekts. Die­ses be­geh­ren­de Sub­jekt ist der Ge­gen­stand der Psy­cho­ana­ly­se. In die­sem Sin­ne ist das Sub­jekt der Psy­cho­ana­ly­se das Sub­jekt der Wis­sen­schaft: das von ihr aus­ge­schlos­se­ne Sub­jekt.101

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grau­er Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[28]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Sei­te 28″.

Pas­sa­gen in schwar­zer Schrift sind Zu­sam­men­fas­sun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern in grü­ner Schrift sind mei­ne er­läu­ter­en­den Er­gän­zun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern, die mit zwei Fra­ge­zei­chen be­gin­nen und hell­grün un­ter­legt sind, ent­hal­ten mei­ne Fra­gen zum Text­ver­ständ­nis.

Borromäischer Knoten (I)

Eine Geometrie, die sich nicht am Sack orientiert

[27] La­can be­ginnt die Vor­le­sung da­mit, dass er die gro­ße Zahl der Zu­hö­rer zum Pro­blem macht. „Sie sind zu vie­le, als dass …“ – der Satz bricht ab, man er­fährt nicht, an wel­chem Vor­ha­ben ihn die Zu­hö­rer­zahl hin­dert. Da­nach wünscht er sich von sei­nen Hö­rern das, was er vom Pu­bli­kum in den USA be­kom­men hat – auch hier er­fährt man nicht, was das ist. In den USA hat er eine Er­mü­dung ver­spürt, vor al­lem bei den Ana­ly­ti­kern. [Der Rück­gang des Ein­flus­ses der Psy­cho­ana­ly­se in den USA be­ginnt Mit­te der 90er Jah­re; vgl. hier­zu in die­sem Blog den Bei­trag Die Dif­fe­renz der Kur­ven. Spürt La­can die ers­ten An­zei­chen die­ser Ent­wick­lung?] | [28] Er wur­de vom Pu­bli­kum in den USA ge­wis­ser­ma­ßen ein­ge­at­met, ein­ge­so­gen [ist es das, was er sich von den Zu­hö­rern in Pa­ris wünscht?], ein­ge­so­gen in ei­ner Art Wir­bel – das Wort er­mög­licht es La­can, wie er be­tont, den Über­gang zu sei­nem The­ma her­zu­stel­len, zum bor­ro­mäi­schen Kno­ten: im bor­ro­mäi­schen Kno­ten fin­det der Wir­bel evi­den­ter­ma­ßen sei­ne Ent­spre­chung. [Der Wir­bel ist eine an­schau­li­che Ent­spre­chung, eine zur Ord­nung des Ima­gi­nä­ren ge­hö­ren­de Ent­spre­chung zum bor­ro­mäi­schen Kno­ten: bei­de sind kei­ne so­li­den Ob­jek­te, bei­de be­stehen aus Rin­gen in Rin­gen im drei­di­men­sio­na­len Raum.]

Mit dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten hat La­can [ab Se­mi­nar 19 von 1971/72, … oder schlim­mer] schritt­wei­se, sicht­bar und hör­bar, die Be­zie­hung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len dar­ge­stellt. Er hat den Kno­ten im Geist ei­nes neu­en mos geo­me­tri­cus ent­wor­fen, ei­ner neue Art der Geo­me­trie: ei­ner Geo­me­trie, die mit der klas­si­schen [eu­kli­di­schen] Geo­me­trie bricht. Die klas­si­sche Geo­me­trie grün­det sich letzt­lich [im drei­di­men­sio­na­len Raum] auf den Sack, auf die Ober­flä­che. An den Kno­ten zu den­ken ist schwie­rig [weil er mit der klas­si­schen Geo­me­trie bricht, mit dem Ge­gen­satz von In­nen und Au­ßen, und weil das Den­ken sich auf das Ima­gi­nä­re stützt, das dem In­nen-Au­ßen-Ge­gen­satz zu­grun­de liegt]. Bei der zeich­ne­ri­schen Dar­stel­lung un­ter­lau­fen ei­nem leicht Feh­ler, so wie La­can bei ei­ner sei­ner Zeich­nun­gen an der Ta­fel; er weist aus­drück­lich dar­auf hin.

[29] Ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten kann man so bau­en, dass man zu­nächst zwei Rin­ge mit­ein­an­der ver­schlingt. Da­bei kann man sie auf un­ter­schied­li­che Wei­se in­ein­an­der­fü­gen, | [30] man kann sie so ver­bin­den, dass sie fest zu­sam­men­hal­ten; an der Ver­bin­dungs­stel­le bil­den sie dann ei­nen ge­schlos­se­nen Kreis [die bei­den grü­nen Fa­den­en­den sind im Geis­te au­ßer­halb des Bild­ran­des mit­ein­an­der zu ver­bin­den, das­sel­be gilt für die bei­den ro­ten Fa­den­en­den]:

Verklammerung zweier Ringe

Man kann die bei­den An­fangs­rin­ge aber auch so ver­bin­den, dass sie sich leicht von­ein­an­der lö­sen las­sen, wie hier dar­ge­stellt:

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 3Wenn man zu der zu­letzt ge­zeich­ne­ten Ver­bin­dung zwei­er Rin­ge auf be­stimm­te Wei­se zwei wei­te­re Rin­ge hin­zu­fügt, die­je­ni­gen, die in der fol­gen­den Zeich­nung rot mar­kiert sind, er­hält man eine Ver­schlin­gung von vier Rin­gen, die bor­ro­mäi­schen Cha­rak­ter hat, an­ders ge­sagt, wenn man ir­gend­ei­nen Ring öff­net, fal­len die üb­ri­gen aus­ein­an­der.

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 2 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Die Spaltung des Subjekts muss auf das Reale bezogen werden

Man kann die Psy­cho­ana­ly­se so be­schrei­ben: Sie ist die Zu­rück­füh­rung der [se­xu­el­len] In­itia­ti­on dar­auf, dass es kei­ne [se­xu­el­le] In­itia­ti­on gibt. [Es gibt kei­ne kul­tu­rel­le Pra­xis, durch die Män­ner und Frau­en auf das bio­lo­gi­sche Ge­gen­ge­schlecht ge­polt wer­den. Eine Psy­cho­ana­ly­se hat die Auf­ga­be, den Pa­ti­en­ten an die­se Tat­sa­che her­an­zu­füh­ren.]

Das Sub­jekt ist et­was Un­ter­stell­tes. [Der Be­griff des Subjekts geht auf das grie­chi­sche Wort hy­po­kei­me­non zu­rück, das Un­ter­stell­te, das Zu­grun­de­lie­gen­de. Das passt zum Sub­jekt­be­griff der Psy­cho­ana­ly­se. Für sie ist das Sub­jekt das, wo­von an­ge­nom­men wird, dass es der Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung zu­grun­de liegt – hier­auf be­zieht sich La­cans For­mel „ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“.] Die Er­fah­rung zeigt, dass die­se Un­ter­stel­lung ei­ner Am­bi­gui­tät aus­ge­setzt, ei­ner Mehr­deu­tig­keit. Da­mit ist nicht nur ge­meint, dass das Sub­jekt dop­pelt ist [die Dop­pe­lung – z.B. die Fi­gur des Dop­pel­gän­gers – ge­hört zum Ima­gi­nä­ren], son­dern vor al­lem, dass es ge­spal­ten ist. [Das Sub­jekt ist ge­spal­ten, mit Freud in Vor­be­wuss­tes und Un­be­wuss­tes, mit La­can in An­spruch und Be­geh­ren, in Sinn und Fa­ding, in Aus­ge­sag­tes und Äu­ße­rungs­vor­gang.] In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se geht es dar­um, die­se Spal­tung auf das Rea­le zu be­zie­hen [auf die Nicht-Sym­bo­li­sier­bar­keit der bio­lo­gi­schen Ge­schlechts­dif­fe­renz im Un­be­wuss­ten].

Die Wahrheit kann man nur halbsagen

Freud war der gro­ße Weg­be­rei­ter die­ser Ein­sicht; er hat das er­reicht, wor­auf er ab­ziel­te, näm­lich über den Men­schen die Wahr­heit zu sa­gen. Wor­in hat er das er­reicht? [?? Wie lau­tet die Ant­wort? Durch Zu­hö­ren und Deu­ten?] La­can sagt über sich, dass er hier­zu eine Kor­rek­tur bei­ge­tra­gen habe, näm­lich die, dass man die Wahr­heit | [31]  nur halb­sa­gen kann [dass man auf den Sinn der Sym­pto­me nur durch Äqui­vo­ka­tio­nen an­spie­len kann]. Die­se Ein­sicht ist ihm kei­nes­wegs leicht­ge­fal­len. [Dem­nach hat er in sei­ner Pra­xis als Psy­cho­ana­ly­ti­ker zu­nächst ver­sucht, sei­nen Pa­ti­en­ten die gan­ze Wahr­heit zu sa­gen, und hat erst spä­ter be­grif­fen, dass dies zu Iden­ti­fi­zie­run­gen führt und da­mit den Er­folg der Ana­ly­se be­hin­dert.]

Der borromäische Knoten ruft Widerstand hervor

La­can sagt, er gehe von sei­ner Lage aus. Sie be­stehe dar­in, [als Psy­cho­ana­ly­ti­ker] den Men­schen eine Hil­fe „ge­gen sie“ zu brin­gen, wie es in der bi­bli­schen Schöp­fungs­ge­schich­te heißt [eine Hil­fe, auf die die Pa­ti­en­ten mit Wi­der­stand re­agie­ren, mit Wi­der­stand im Sin­ne von Freud]. In die­ser Lage [als Psy­cho­ana­ly­ti­ker also] ver­su­che er, La­can, sich zu ver­or­ten. Und das habe ihn zum bor­ro­mäi­schen Kno­ten ge­führt. [Der Kno­ten hat dem­nach eine prak­ti­sche Funk­ti­on, er soll die Ar­beit des Psy­cho­ana­ly­ti­kers un­ter­stüt­zen.] Der Witz des bor­ro­mäi­schen Kno­tens be­steht dar­in, dass er mit der tra­di­tio­nel­len [eu­kli­di­schen] Geo­me­trie bricht, mit ei­ner Geo­me­trie, die auf dem Ima­gi­nä­ren be­ruht [auf der Pro­jek­ti­on des ei­ge­nen Kör­pers, wo­durch sich die ge­schlos­se­ne Form mit dem In­nen-Au­ßen-Ge­gen­satz er­gibt]; man muss des­halb, um sich den Kno­ten vor­zu­stel­len, alle mög­li­chen Wi­der­stän­de über­win­den. Dies ist [ge­wis­ser­ma­ßen] die Sub­stanz des bor­ro­mäi­schen Kno­tens [näm­lich dass er kei­ne Sub­stanz dar­stellt – das Mus­ter ei­ner Sub­stanz ist für Aris­to­te­les der Or­ga­nis­mus, also eine ge­schlos­se­ne Ge­stalt, La­can wür­de sa­gen: ein Sack].

Kritik an Chomsky

Die Sprache ist kein Organ, das sich vollständig selbst erfassen kann

In ei­ner Ana­ly­se be­ob­ach­tet der Psy­cho­ana­ly­ti­ker nicht, er „kon­sta­tiert“ viel­mehr. [In der Be­ob­ach­tung hat das Be­ob­ach­te­te den Sta­tus ei­nes Ob­jekts. In der Ana­ly­se fun­giert der Pa­ti­ent nicht als Ob­jekt, son­dern als Sub­jekt, als ge­spal­te­nes Sub­jekt, als Sub­jekt, das Din­ge sagt, die es nicht sa­gen will und von de­nen es nicht weiß, was sie be­deu­ten. Wie nennt man die Be­zie­hung des Ana­ly­ti­kers zum Pa­ti­en­ten, in­so­fern die­ser ge­ra­de nicht „be­ob­ach­tet“ wird? La­can spricht vom „Kon­sta­tie­ren“, et­was spä­ter in die­ser Vor­le­sung er­klärt er, was kon­sta­tiert wird, sei das Be­geh­ren.] [?? Was ver­steht La­can un­ter „kon­sta­tie­ren“?]

In den USA hat La­can mit Noam Chom­sky ge­spro­chen, so wie La­can es auch  be­ab­sich­tigt hat­te. Dies war die Be­geg­nung, die ihn am meis­ten ver­blüfft hat, und er hat das Chom­sky auch ge­sagt.
– Chom­sky be­greift die Spra­che als Kör­per­or­gan ne­ben an­de­ren Kör­per­or­ga­nen. [Chom­sky for­dert, die Spra­che wie ein Or­gan zu un­ter­su­chen, in der Art, wie man bei­spiels­wei­se das Auge er­forscht; nach­zu­le­sen bei­spiels­wei­se in Chom­skys Auf­satz On the na­tu­re of lan­guage von 1976.]
– Die­ses Or­gan wird von Chom­sky als Werk­zeug auf­ge­fasst. [Das grie­chi­sche Wort or­ga­non meint „Werk­zeug“; auch ety­mo­lo­gisch ist das Or­gan also ein Werk­zeug.] Chom­sky sieht dar­in ein Er­fas­sungs- oder Greif­werk­zeug [ähn­lich der Hand].
[Chom­sky be­greift die Spra­che aber nicht nur als et­was, was „wie ein Or­gan“ un­ter­sucht wer­den soll­te.] Chom­sky ist der Auf­fas­sung, dass die Spra­che ge­ne­tisch be­dingt ist. [Chom­skys For­schungs­hy­po­the­sen lau­ten: (a) Es gibt eine Uni­ver­sal­gram­ma­tik, die al­len Spra­chen zu­grun­de liegt. (b) Die­se Uni­ver­sal­gram­ma­tik ist an­ge­bo­ren. Für Chom­sky ist die Spra­che also auch in dem Sin­ne ein Or­gan, dass sie ein in den Ge­nen ver­an­ker­tes Ver­mö­gen dar­stellt.]
– Das Sprach­or­gan bzw. Sprach­werk­zeug kann sich [voll­stän­dig] selbst er­fas­sen [man kann das Sprach­or­gan voll­stän­dig mit­hil­fe des Sprach­or­gans er­fas­sen], bei­spiels­wei­se kann das Sprach­or­gan er­fas­sen, dass es ge­ne­tisch be­dingt ist. [Für Chom­sky gibt es also kein Loch im Sym­bo­li­schen, wie La­can spä­ter in die­ser Sit­zung sa­gen wird.]

Die Vor­stel­lung, dass die Spra­che ein Or­gan ist, das sich selbst er­fas­sen kann, hat La­can, wie er sagt, nicht des­halb ver­blüfft, weil sie so un­ge­wöhn­lich ist. Im Ge­gen­teil, sie hat ihn über­rascht, weil dies die ge­wöhn­li­che Vor­stel­lung von der Spra­che ist. Für pro­ble­ma­tisch hält La­can vor al­lem die An­nah­me, dass man die Spra­che auf sich selbst an­wen­den kann [dass die Spra­che für die Spra­che durch­sich­tig ist].

Die Sprache macht Loch im Realen und erzeugt das gespaltene Subjekt

[La­cans Ge­gen­the­se lau­tet:] Die Spra­che ist mit et­was ver­bun­den, dass „Loch macht“ im Rea­len. [Die Spra­che be­zieht sich auf das Rea­le, auf das, was sprach­lich oder bild­haft nicht er­fasst wer­den kann. Sie be­zieht sich auf das „Loch“ im Rea­len, dar­auf, dass es für das Un­be­wuss­te kei­ne bio­lo­gi­sche Ge­schlechts­dif­fe­renz gibt.]  Wenn man das nicht be­rück­sich­tigt, ist es un­mög­lich, die Hand­ha­bung der Spra­che zu be­trach­ten. [Wenn man nicht be­rück­sich­tigt, dass die Spra­che dar­auf be­zo­gen ist, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, kann man nicht er­klä­ren, wie in der Psy­cho­ana­ly­se mit der Spra­che um­ge­gan­gen wird: dass sie hier eine be­stimm­te Wirk­sam­keit hat, dass sie in das Rea­le ein­greift, in die Er­re­gungs­ab­läu­fe, in die Se­xua­li­tät, in den Trieb. Eine uni­ver­sa­le Theo­rie der Spra­che soll­te in der Lage sein, die­se von der Psy­cho­ana­ly­se er­kun­de­te Wirk­sam­keit des Spre­chens zu er­klä­ren.] Die Me­tho­de, mit der die Spra­che be­ob­ach­tet wird [zum Ob­jekt ge­macht wird], muss be­rück­sich­ti­gen, dass die Spra­che im Rea­len „Loch macht“ [dass die Spra­che dazu führt, dass beim Men­schen die in­stinkt­haf­te Ver­hal­tens­ko­or­di­na­ti­on mit dem Part­ner des an­de­ren Ge­schlechts fehlt]. Die Ein­wir­kung der Spra­che auf das Rea­le ist so zu be­grei­fen, dass die Spra­che im Rea­len „Loch macht“. [Die Spra­che führt zu ei­ner Form der Se­xua­li­tät, bei der die bei­den bio­lo­gi­schen Ge­schlech­ter nicht durch In­stink­te auf­ein­an­der be­zo­gen sind. Und eben dies macht es mög­lich, in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se durch das Spre­chen auf das Rea­le ein­zu­wir­ken, auf die Er­re­gungs­ab­läu­fe, wie Freud ge­sagt hät­te.] La­can sagt von sich, dass es ihm schwer­fällt, die­sen Grund­ge­dan­ken so zu ver­mit­teln, dass er in sei­ner gan­zen Trag­wei­te auf­ge­fasst wird.

Eine Wahr­heit [die Auf­de­ckung des Sinns der Sym­pto­me durch An­spie­lung auf die­sen Sinn] ist nur da­durch mög­lich, dass die Spra­che das Rea­le ent­leert [weil die Spra­che zur Fol­ge hat, dass es kei­ne in­stinkt­ge­steu­er­te se­xu­el­le Be­zie­hung gibt und ei­nen Ge­nuss­ver­lust her­bei­führt].

In der Mo­le­ku­lar­ge­ne­tik, auf die Chom­sky sich be­zieht [wenn er sagt, die Uni­ver­sal­gram­ma­tik sei ge­ne­tisch fun­diert], „frisst“ die Spra­che das Rea­le. Da­mit ist ge­meint: die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ge­nen wer­den [seit etwa 1960] von der Mo­le­ku­lar­ge­ne­tik als Be­zie­hun­gen zwi­schen Zei­chen ge­deu­tet | [32], als Bot­schaf­ten [sie wer­den also ver­sprach­licht, die Ma­te­ria­li­tät, die Stoff­lich­keit des Kör­pers ver­schwin­det]. Die mo­der­ne Ge­ne­tik be­ruht auf dem Mo­dell der Dop­pel­he­lix [der Dop­pel­schrau­be der DNA] von Crick und Wat­s­on [aus dem Jahr 1953]. Von hier aus­ge­hend nimmt man an, dass der Kör­per in ei­ner Rei­he von Stu­fen or­ga­ni­siert ist; den Aus­gangs­punkt bil­det die Tei­lung [des Zell­kerns, Mito­se und Mei­ose], hier­auf baut die Ent­wick­lung auf, die zel­lu­lä­re Spe­zia­li­sie­rung, dann die von den Hor­mo­nen aus­ge­hen­de Spe­zia­li­sie­rung. All die­se Vor­gän­ge wer­den von der mo­der­nen Ge­ne­tik und Hor­mon­theo­rie als Über­mitt­lung von Zei­chen und Bot­schaf­ten ge­deu­tet [bei­spiels­wei­se gel­ten die Hor­mo­ne als „Bo­ten­stof­fe“]. Das Rea­le wird zu ei­nem Rea­len, das aus Bot­schaf­ten be­steht [auch das Rea­le im Sin­ne der bio­lo­gi­schen Zwei­ge­schlecht­lich­keit], und in die­sem Sin­ne wird es sub­ti­li­siert [der ge­schlecht­li­che Kör­per ver­liert sei­nen stoff­li­chen Cha­rak­ter].

Mit die­ser Auf­lö­sung des Rea­len [also auch des zwei­ge­schlecht­li­chen Kör­pers] in die Über­mitt­lung von Bot­schaf­ten wird die wah­re Be­zie­hung zwi­schen der Spra­che und dem Rea­len ver­schlei­ert, näm­lich dies, dass die Spra­che nicht pri­mär als Bot­schaft zu be­grei­fen ist, son­dern von da­her, dass sie im Rea­len Loch macht [dass sie die Be­zie­hung der zwei­ge­schlecht­li­chen Kör­per zu­ein­an­der re­vo­lu­tio­niert, in­dem sie die in­stinkt­haf­te Ko­or­di­na­ti­on mit dem Kör­per des an­de­ren Ge­schlechts auf­löst und ei­nen Ge­nuss­ver­lust her­bei­führt].

Borromäischer Knoten (II)

Der borromäische Knoten bezieht sich darauf, dass die Sprache Loch macht

Um dem Rech­nung zu tra­gen, ent­wi­ckelt La­can [mit dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten] sei­nen neu­en Typ der Geo­me­trie, sei­nen neu­en mos geo­me­tri­cus. Der Kno­ten stellt eine „Sub­stanz“ dar [die ge­ra­de kei­ne Sub­stanz ist, son­dern eine Anti-Sub­stanz], die sich auf die Wirk­sam­keit der Spra­che be­zieht [also auf die Grund­la­ge der Psy­cho­ana­ly­se: auf die Wirk­sam­keit des Spre­chens]. Die Spra­che ist wirk­sam [die psy­cho­ana­ly­ti­sche Sprach­kur hat Ef­fek­te], und zwar ge­nau des­halb, weil die Spra­che [im Rea­len, in der Be­zie­hung zwi­schen den ge­schlecht­li­chen Kör­pern] Loch macht [die in­stinkt­haf­te An­ge­passt­heit des se­xu­el­len Ver­hal­tens auf­löst].

Der borromäische Knoten beruht auf der Äquivalenz von Kreis und unendlicher Gerader

Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten be­ruht auf der Äqui­va­lenz zwi­schen ei­nem Kreis und ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den. [La­can ver­bin­det hier zwei Ar­ten von To­po­lo­gie: die Pro­jek­ti­ve Geo­me­trie, für die ein Kreis ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den ent­spricht, und die Kno­ten-To­po­lo­gie, für die das nicht gilt.] [?? In­wie­fern ist die­se Äqui­va­lenz die Grund­la­ge des bor­ro­mäi­schen Kno­tens? Wie stellt sich die­se Ver­mi­schung von To­po­lo­gi­en für Ma­the­ma­ti­ker dar?] Auch die fol­gen­de Dar­stel­lung zeigt ei­nen bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten, man muss nur wis­sen, dass die bei­den Ge­ra­den un­end­li­che Ge­ra­den re­prä­sen­tie­ren:

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 7 - unendl Gerade (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[33] Und dies ist ein bor­ro­mäi­scher Vier­kno­ten [mit drei un­end­li­chen Ge­ra­den]:

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[Eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung hat min­des­tens drei Rin­ge.] Ab die­ser Drei­zahl gilt eine be­stimm­te For­de­rung, die­je­ni­ge näm­lich, die fest­legt, was ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten ist. [Um wel­che For­de­rung es sich han­delt, soll im Fol­gen­den er­läu­tert wer­den.]

Wechselseitiges Einhüllen der Ringe in der borromäischen Verschlingung

Aus­gangs­punkt ist ein Bild von drei Par­al­le­len. Die Par­al­le­len sol­len als un­end­li­che Ge­ra­de auf­ge­fasst wer­den. Die sie un­end­lich sind, kön­nen sie als drei Krei­se auf­ge­fasst wer­den. | [34] Für die drei Krei­se wird fest­ge­legt, dass sie kon­zen­trisch sein sol­len. Hier­für muss be­stimmt wer­den, was es mit dem Punkt im Un­end­li­chen auf sich hat [also mit dem Punkt, in dem sich die En­den ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den tref­fen], und zwar des­halb, da­mit die Be­din­gung der Kon­zen­tri­zi­tät nicht ver­letzt wird. [Wenn der Punkt im Un­end­li­chen für die drei Ge­ra­den der­sel­be ist, wie Rie­mann ge­sagt hat, sind die Krei­se nicht kon­zen­trisch, son­dern durch­drin­gen ein­an­der.] Die Kon­zen­tri­zi­tät lässt sich so be­schrei­ben: es gibt eine Ge­ra­de, die in be­zug auf die bei­den an­de­ren um­schlie­ßend ist, statt von ih­nen um­schlos­sen zu wer­den. [Es gibt eine zwei­te Ge­ra­de, die von der ers­ten um­schlos­sen wird und die­se nicht um­schließt, und die die zwei­te um­schließt und von ihr nicht um­schlos­sen wird. Und es gibt eine drit­te Ge­ra­de, die von den ers­ten bei­den um­schlos­sen wird, die­se aber nicht um­schließt.]

Die Struk­tur des bor­ro­mäi­schen Kno­tens ist an­ders. Hier gilt [bei ei­ner Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen] für je­den Ring, dass er in be­zug auf ei­nen an­de­ren um­schlie­ßend ist und vom an­de­ren um­schlos­sen wird. Eben dies ist die For­de­rung, die mit der Drei­zahl be­ginnt.

Armillarsphäre mit Kompass und Sextant (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[35] Mit die­ser For­de­rung steht der bor­ro­mäi­sche Kno­ten im Ge­gen­satz zu der Kreis­an­ord­nung, die man sie bei der Ar­mil­larsphä­re fin­det, wie man sie etwa für die Ar­beit mit Sex­tan­ten ver­wen­de­te. [Ar­mil­larsphä­ren dien­ten dazu, die Be­we­gung von Him­mels­kör­pern da­zu­stel­len. Manch­mal wur­den sie mit ei­nem Sex­tan­ten und mit ei­nem Kom­pass ver­bun­den, wie bei dem ne­ben­ste­hend ab­ge­bil­de­ten In­stru­ment.] Wenn man eine Ar­mil­larsphä­re zeich­net, sind die Krei­se in­ein­an­der ver­schach­telt, der­art, dass im­mer ein Kreis den nächs­ten um­fasst, ihn über­deckt, wie in der Zeich­nung zu se­hen ist [also ähn­lich wie bei der Pup­pe in der Pup­pe in der Pup­pe. Die Ein­hül­lun­gen sind kon­zen­trisch, man kann sie als kon­zen­tri­sche Krei­se dar­stel­len. Die Ein­hül­lun­gen, könn­te man auch sa­gen, bil­den eine tran­si­ti­ve Ord­nung: wenn A von B ein­ge­hüllt wird, und B von C, wird auch A von C ein­ge­hüllt; in der Zeich­nung: wenn grün von blau ein­ge­hüllt wird und blau von rot, wird auch grün von rot ein­ge­hüllt.]

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Auf­bau ei­ner Ar­mil­larsphä­re

 

Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten hat eine an­de­re Struk­tur. Auf der nach­ste­hen­den Zeich­nung hüllt der blaue Kreis den ro­ten Kreis ein, der rote Kreis den grü­nen und der grü­ne wie­der­um den blau­en. [Die Ein­hül­lun­gen bil­den kei­ne tran­si­ti­ve Ord­nung, sie sind ge­wis­ser­ma­ßen zir­ku­lär.]

Borromäischer Dreierknoten - ähnlich aber anders als Armillarsphäre KopieLa­can weist ein zwei­tes Mal dar­auf hin, dass er Schwie­rig­kei­ten hat, die Be­zie­hun­gen kor­rekt an­zu­zeich­nen. | [36] Die­ses Un­ge­schick [die­ses Un­ver­mö­gen] ist not­wen­dig; es be­ruht auf dem, wor­um es beim bor­ro­mäi­schen Kno­ten geht, ja beim Kno­ten über­haupt [um den Bruch mit dem Ima­gi­nä­ren, mit der Ori­en­tie­rung an der ge­schlos­se­nen Ge­stalt].

Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten ist der „Ty­pus selbst des Kno­tens“. [?? In­wie­fern? Es gibt ja zwei Ar­ten von Ver­schlin­gun­gen: sol­che vom Typ der Glie­der­ket­te („Hoff­sche Ver­schlin­gung) und sol­che mit bor­ro­mäi­schem Cha­rak­ter („Brunn­sche Ei­gen­schaft“).]

Konsistenz, Loch und Ex-sistenz

Für den bor­ro­mäi­schen Kno­ten ist grund­le­gend, dass er eine Drei­falt il­lus­triert, die aus fol­gen­den Ele­men­ten be­steht: Kon­sis­tenz, Loch und Ex-sis­tenz.

– Die Kon­sis­tenz [der Zu­sam­men­halt der Rin­ge] be­ruht auf dem Ima­gi­nä­ren [auf der Ein­heit, die letzt­lich durch das Kör­per­bild ge­stif­tet wird]. [Es gibt drei Ar­ten von Kon­sis­tenz: die Kon­sis­tenz des Rings des Ima­gi­nä­ren, die Kon­sis­tenz des Rings des Sym­bo­li­schen und die Kon­sis­tenz des Rings des Rea­len.]

– Das Loch wird durch das Sym­bo­li­sche her­vor­ge­ru­fen. [Das Loch im Sym­bo­li­schen ist das In­zest­ver­bot102, d.h. das Ur­ver­dräng­te, wie La­can spä­ter in die­ser Sit­zung sa­gen wird. Das Loch im Rea­len be­steht dar­in, dass es kein Ge­schlechts­ver­hält­nis gibt.103 Das Loch im Ima­gi­nä­ren sind die Kör­per­öff­nun­gen.104

– Die Ex-sis­tenz [die Äu­ßer­lich­keit der Rin­ge im Ver­hält­nis zu­ein­an­der, die den Zu­sam­men­halt be­wirkt] ist das grund­le­gen­de Kenn­zei­chen des Rea­len.

Psy­cho­ana­lyse als Ne­ga­tiv der Re­li­gion und als In­fra­ge­stel­lung der ob­jek­ti­vie­ren­den Wissenschaft

Das, was La­can hier [mit dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten] prak­ti­ziert, ist eine Me­tho­de. [Das ist viel­leicht eine An­spie­lung auf Des­car­tesʼ Dis­cours de la mé­tho­de, die Ab­hand­lung über die Me­tho­de, sei­ne Ver­nunft gut zu ge­brau­chen und die Wahr­heit in den Wis­sen­schaf­ten zu su­chen, 1637.] Die­se Me­tho­de stellt sich ohne Hoff­nung dar. [Auch dies ist viel­leicht eine An­spie­lung auf den Dis­cours de la mé­tho­de, in dem Des­car­tes häu­fig von hof­fen (es­pé­rer) und Hoff­nung (es­pé­ran­ce) spricht.] Die­se Me­tho­de ist nicht mit der Hoff­nung ver­bun­den, den kon­sti­tu­ie­ren­den Kno­ten von Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem zu zer­rei­ßen. [Die­se Me­tho­de geht nicht mit der Hoff­nung ein­her, die Bin­dung an das Ima­gi­nä­re ab­zu­schüt­teln und so den Kno­ten von Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem auf­zu­lö­sen.] La­cans Me­tho­de [des bor­ro­mäi­schen Kno­tens] ver­wei­gert sich der Hoff­nung, die [von den Theo­lo­gen] zu den theo­lo­ga­len Tu­gen­den ge­rech­net wird [zu den von Gott zu­ge­sag­ten und die Be­zie­hung zu Gott her­stel­len­den Tu­gen­den]. In­so­fern ist die psy­cho­ana­ly­ti­sche Auf­fas­sung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens das Ne­ga­tiv der Re­li­gi­on. [Die Re­li­gi­on ist der vier­te Ring, der die drei Rin­ge des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len zu­sam­men­hält, für die Ana­ly­se gilt, dass die drei Rin­ge von sich aus zu­sam­men­hal­ten kön­nen.]

Man glaubt nicht mehr an das Ob­jekt als sol­ches. [Seit Kant glaubt man nicht mehr, das Ding an sich er­ken­nen zu kön­nen; der Be­zug auf das Ding an sich hat sich als ein Glau­be er­wie­sen.] Des­halb be­strei­tet La­can, dass das Ob­jekt [an sich, z.B. die Spra­che an sich] durch ein Or­gan er­fasst wer­den kann [wie Chom­sky an­nimmt]. Das Or­gan wird [von Chom­sky] als Werk­zeug be­grif­fen, das Werk­zeug wird als ge­trenn­tes Werk­zeug be­grif­fen, und da­mit wird das Werk­zeug als ein Ob­jekt be­grif­fen. Chom­sky zu­fol­ge muss man das Ob­jekt [Spra­che] mit dem Ob­jekt [Spra­che] un­ter­su­chen.

Der Psy­cho­ana­ly­se geht es [nicht um das Ob­jekt, son­dern] um das Sub­jekt, und zwar um ein Sub­jekt, dass durch die Wir­kung der Spra­che ge­spal­ten ist [zwi­schen An­spruch und Be­geh­ren, Aus­ge­sag­tem und Äu­ße­rungs­vor­gang, Wis­sen und Wahr­heit usw.], und eben des­halb fin­det sie ihre Ver­brei­tung.

Die Psy­cho­ana­ly­se stellt die Wis­sen­schaft in Fra­ge, un­ter dem As­pekt, dass die­se sich auf ein Ob­jekt be­zieht, dass sie ein Ob­jekt zu ih­rem su­jet macht, zu ih­rem The­ma [und hier­bei das be­geh­ren­de Sub­jekt aus­schließt – eben dies ist die In­ter­es­se­lo­sig­keit der Wis­sen­schaft, auf die sich ihre Ob­jek­ti­vi­tät stützt]. Das su­jet der Psy­cho­ana­ly­se hin­ge­gen ist das das su­jet di­vi­sé, das in sich ge­spal­te­ne Sub­jekt. [Der Ge­gen­stand der Psy­cho­ana­ly­se ist also in ge­wis­sem Sin­ne das Sub­jekt der Wis­sen­schaft: das von der Wis­sen­schaft aus­ge­schlos­se­ne Sub­jekt.]

[Die Be­zie­hung der Wis­sen­schaft zum Ob­jekt ist ein Glau­be, die Wis­sen­schaft be­ruht auf ei­nem Glau­ben.] Die Psy­cho­ana­ly­se glaubt nicht an das Ob­jekt. Die Psy­cho­ana­ly­se [be­ob­ach­tet nicht das Ob­jekt, wie be­reits ein­gangs ge­sagt, sie] kon­sta­tiert [viel­mehr] das Be­geh­ren. Und von hier aus trifft auch sie auf ein Ob­jekt: auf die Ur­sa­che als ob­jek­ti­vier­te. [Sie trifft auf das Ob­jekt a, auf l’objet cau­se du dé­sir, auf die Ob­jek­t­ur­sa­che des Be­geh­rens, im Sin­ne von: auf das Ob­jekt a als Be­din­gung des Be­geh­rens. Die Psy­cho­ana­ly­se ist also mit ei­ner Um­wäl­zung im Ver­ständ­nis des­sen ver­bun­den, was ein Ob­jekt ist. Die­ses Ob­jekt wird nicht von der An­pas­sung aus be­grif­fen, es ist nicht das Ob­jekt, an das das Sub­jekt sei­ner Na­tur nach an­ge­passt ist.]

Der Knoten verkörpert das Erkenntnishindernis

[37] Das Er­kennt­nis­be­geh­ren trifft auf Hin­der­nis­se. Der Kno­ten soll die­ses Er­kennt­nis­hin­der­nis ver­kör­pern, der Kno­ten nicht nur als Ob­jekt, son­dern als et­was, wor­an man sich ab­ar­bei­ten muss. [?? Wor­in be­steht die­ses Hin­der­nis? Im Ima­gi­nä­ren, in­so­fern es ei­nen Wi­der­stand leis­tet ge­gen das Den­ken des Kno­tens? Im Rea­len?]

Der Kno­ten ist der ein­zig denk­ba­re Trä­ger ei­nes Ver­hält­nis­ses zwi­schen was auch im­mer und was auch im­mer [zwi­schen ver­schie­de­nen Grö­ßen, Di­men­sio­nen, En­ti­tä­ten]. [Der Kno­ten dient La­can dazu, die Re­la­tio­nen zwi­schen sämt­li­chen Grö­ßen der Psy­cho­ana­ly­se zu kon­zep­tua­li­sie­ren, also nicht nur zwi­schen dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len, son­dern auch zwi­schen phal­li­schem Ge­nie­ßen, Sinn, In­zest­ta­bu usw. In­so­fern ist er das, was La­can un­ter ei­nem Ver­hält­nis ver­steht.] Er ist zwar abs­trakt, muss aber zu­gleich als kon­kret be­grif­fen wer­den [auf das Feld der Psy­cho­ana­ly­se be­zo­gen wer­den].

In den USA konn­te La­can, so meint er, mit den Kno­ten­fi­gu­ren eine ge­wis­se Auf­re­gung her­vor­ru­fen, Emo­ti­on. Nun ist das sen­ti, das Ge­fühl­te, als Men­ta­les [als Ima­gi­nä­res], also das „Sen­ti-Men­ta­le“, [al­ler­dings] de­bil. Das Sen­ti-Men­ta­le ist in­so­fern de­bil, als es  sich letzt­lich auf das Ima­gi­nä­re zu­rück­füh­ren lässt, das heißt auf die Ima­gi­na­ti­on von Kon­sis­tenz. Die Ima­gi­na­ti­on von Kon­sis­tenz führt dazu, dass das Zer­rei­ßen des Kno­tens für un­mög­lich ge­hal­ten wird. [Die De­bi­li­tät des Ge­fühls be­steht also dar­in, dass es dar­auf be­ruht, dass die Auf­lö­sung des Zu­sam­men­halts für un­mög­lich ge­hal­ten wird.] [?? Was meint „Zer­rei­ßen des Kno­tens“? Was meint, dass das Zer­rei­ßen des Kno­tens für un­mög­lich ge­hal­ten wird?] Da­mit wird das Zer­rei­ßen zu et­was Rea­lem, da das Rea­le ja das Un­mög­li­che ist. Das Rea­le ist also ver­ein­bar mit dem Ima­gi­nä­ren, ja es kon­sti­tu­iert es so­gar. [La­can ar­gu­men­tiert hier dia­lek­tisch, im Sin­ne der He­gel­schen Dia­lek­tik: bei ge­naue­rem Hin­se­hen schlägt das Ima­gi­nä­re um in sein An­de­res, ins Rea­le. Das Rea­le kon­sti­tu­iert das Ima­gi­nä­re in­so­fern, als das Ima­gi­nä­re die Mög­lich­keit des Zer­rei­ßens ab­wehrt, also in eine Un­mög­lich­keit ver­wan­delt, in et­was Rea­les. Da­mit ver­weist das Ima­gi­nä­re auf die fun­die­ren­de Funk­ti­on der Un­mög­lich­keit.] [?? Wenn das Rea­le das Ima­gi­nä­re kon­sti­tu­iert, wie kön­nen Rea­les und Ima­gi­nä­res dann aber „ex-sis­tent“ sein, ein­an­der äu­ßer­lich? Ist der he­ge­lia­ni­si­ern­de Um­schlag ins Ge­gen­teil ver­ein­bar mit der Struk­tur der Ex-sis­tenz?]

Er, La­can, habe kei­nes­wegs die Hoff­nung, die­ser De­bi­li­tät zu ent­kom­men [der Auf­re­gung über den Kno­ten, die letzt­lich auf der Bin­dung an das Ima­gi­nä­re be­ruht; auch ihn, La­can, ver­setzt der Kno­ten in Er­re­gung, und das hat eine ima­gi­nä­re Grund­la­ge]. Er ent­kom­me ihr nur im Maße sei­ner Mit­tel [näm­lich mit­hil­fe des bor­ro­mäi­schen Kno­tens], sur place, an Ort und Stel­le [mit den Mit­teln der To­po­lo­gie], wo­bei ein Fort­schritt nur lang­fris­tig zu si­chern ist. [Die Ent­wick­lung der Kno­ten­to­po­lo­gie, die da­für be­nö­tigt wird, steht erst am An­fang und erst recht die An­wen­dung die­ser To­po­lo­gie auf die Psy­cho­ana­ly­se.]

Das Loch im Realen und die Konsistenz des Realen

Die fol­gen­de Be­haup­tung hat also, wie La­can sagt, fa­bu­la­to­ri­schen Cha­rak­ter [da sie to­po­lo­gisch noch nicht so­li­de fun­diert ist]: Das Rea­le ent­hält ein Loch. [Das Loch im Rea­len be­steht dar­in, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.] Das Rea­le lügt wirk­lich. [?? Was meint das?] Die Kon­sis­tenz des Rea­len ist nichts an­de­res ist als die Ge­samt­heit des Kno­tens, den das Rea­le zu­sam­men mit dem Ima­gi­nä­ren und dem Sym­bo­li­schen bil­det. Auf­grund die­ser Kon­sis­tenz hat das Loch im Rea­len Be­stand. [Die Kon­sis­tenz ist der ima­gi­nä­re As­pekt der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung. Es gibt eine Kon­sis­tenz des ima­gi­nä­ren Rings, des sym­bo­li­schen Rings und des rea­len Rings. Hier wird von La­can fest­ge­legt, was er un­ter der Kon­sis­tenz des Rings des Rea­len ver­ste­hen will: das Zu­am­men­hal­ten des Kno­ten ins­ge­samt. Am Ring des Rea­len ist also dies sei­ne Kon­sis­tenz, dass er das Ima­gi­nä­re und das Sym­bo­li­sche zu­sam­men­hält.]

La­can denkt (pen­se) dies, wie er sagt, in sei­nem leich­ten Pan­sen, sei­nem Wanst. [Er stellt eine Ver­bin­dung her zwi­schen dem Den­ken, das am Sinn ori­en­tiert ist, und dem ora­len und ana­len Re­gis­ter; aus­ge­führt wird das in der Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1976.] Er be­zieht sich hier auf den bor­ro­mäi­schen Kno­ten, d.h. auf ei­nen Kno­ten, der sich auf­löst [wenn ei­ner der Rin­ge ge­öff­net wird].

Der Mythos über das Subjekt als Reales

Der Kno­ten stellt ei­nen My­thos dar, den My­thos des Sub­jekts [der Kno­ten ist also ein al­ter­na­ti­ver My­thos, eine Al­ter­na­ti­ve etwa zum My­thos von Aris­to­pha­nes über die Ent­ste­hung des Men­schen aus zwei Ku­gel­hälf­ten (in Pla­tons Sym­po­si­on) oder zu Freuds My­thos über den Va­ter­mord (in To­tem und Tabu)]. Der Kno­ten stellt ein Sub­jekt dar, in­so­fern es nicht-un­ter­stellt ist. [?? Am An­fang die­ser Sit­zung hat­te La­can das Ge­gen­teil ge­sagt: das Sub­jekt sei das Un­ter­stell­te. Was meint, dass der Kno­ten das Sub­jekt als nicht un­ter­stell­tes dar­stellt? Geht es um den Ge­gen­satz zum su­jet sup­po­sé sa­voir, dem Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird (wel­ches die Po­si­ti­on ist, die der Ana­ly­ti­ker für den Pa­ti­en­ten in der Über­tra­gung an­nimmt)?] Der Kno­ten er­zählt ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les. [?? Wie kann der Kno­ten ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les dar­stel­len, wenn er das Sub­jekt als Ver­schlin­gung von Rea­lem, Ima­gi­nä­rem und Sym­bo­li­schem dar­stellt?] Das Sub­jekt als Rea­les ist nichts viel an­de­res als jeg­li­cher Kör­per, den man als Sprech­we­sen be­zeich­nen kann. Es ist ein Kör­per, der nur des­we­gen ei­nen re­spek­ta­blen Sta­tus im üb­li­chen Wort­sinn hat, weil er zu die­sem Kno­ten ge­hört. [Der Kör­per des Sub­jekts hat nur des­halb ei­nen re­spek­ta­blen Sta­tus, weil er mit dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren ver­bun­den ist – man den­ke an die An­ti­go­ne von So­pho­kles: der Kör­per von Po­lyn­ei­kes ver­wan­delt sich in ei­nen ver­rot­ten­den Ka­da­ver, der die Al­tä­re ver­un­rei­nigt, weil ihm das zu­gleich sym­bo­li­sche und ima­gi­nä­re Ri­tu­al ver­sagt wird.]

Joy­ce ziel­te mit sei­ner Kunst in spe­zi­el­ler Wei­se auf den vier­ten Ring des bor­ro­mäi­schen Kno­tens [auf den Ring des Sym­ptoms], also auf den Ring, der die Rin­ge des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len ver­voll­stän­digt. | [38]  Joy­ce ziel­te dar­auf ab, die­sem vier­ten Ring [des Sym­ptoms] in sei­ner [ima­gi­nä­ren] Kon­sis­tenz, sei­ner [rea­len] Ex-sis­tenz und sei­nem [sym­bo­li­schen] Loch Sub­stanz zu ver­lei­hen. Er tat dies auf in­tui­ti­ve Wei­se, und die Fra­ge ist, wie das mög­lich war. Die­ser vier­te Ring ist für den bor­ro­mäi­schen Kno­ten we­sent­lich. [Da­mit stel­len sich für die wei­te­re Lek­tü­re fol­gen­de Fra­gen: Wor­in be­steht die ima­gi­nä­re Kon­sis­tenz des Sin­t­homs, wor­in sei­ne rea­le Ex-sis­tenz und wor­in das sym­bo­li­sche Loch?]

Der vier­te Ring des Kno­tens wird in den fol­gen­den Zeich­nun­gen auf ver­schie­de­ne Wei­se dar­ge­stellt. In der nächs­ten Dar­stel­lung ist dies der rote Ring rechts:

9-12-75 - II - Figur 1In der fol­gen­den Zeich­nung ist es der schwar­ze Ring:

9-12-75 - II - Figur 2

In der fol­gen­den Zei­chen wird ein und der­sel­be Kreis mehr­fach in sich um­ge­legt. [?? Wel­che Funk­ti­on hat die­se Zeich­nung?] [Die Zeich­nung un­ten stammt aus Ver­si­on Sta­fer­la, ent­spre­chen­de Dia­gram­me fin­det man in Mil­lers Ver­si­on und in Klei­ners Über­set­zung. Die Ve­schlin­gung be­steht hier aus zwei Rin­gen, die di­rekt in­ein­an­der­grei­fen, wie die Glie­der ei­ner Ket­te.]

9-12-75 - II - Figur 3

La­cans Ant­wor­ten auf Fra­gen der Hö­rer

Chomsky ersetzt den Zusammenhang zwischen Sprache und Symptom durch den zwischen Sprache und Realem

[39] Fra­ge von Schnei­der­man: Was hat­te La­can von Chom­sky er­war­tet?

La­can:

(a) La­can hat­te von Chom­sky er­war­tet, dass die­ser als Lin­gu­ist eine Ah­nung da­von hat, dass das Sym­bo­li­sche et­was vom Loch be­wahrt. [Chom­sky zu­fol­ge kann die Spra­che sich selbst er­fas­sen, in die­sem Sin­ne hat sie für ihn kein Loch.]

(b) Das Sym­bo­li­sche be­wahrt et­was vom Loch, auch wenn die­ses Loch ein fal­sches Loch ist – die vom Sym­bo­li­schen und vom Sym­ptom ge­bil­de­te Ge­samt­heit kann man nur als „fal­sches Loch“ be­zeich­nen. [Ein fal­sches Loch ist ein Loch, das nur auf der Ebe­ne der Plät­tung, des Dia­gramms exis­tiert, nicht auf der Ebe­ne des Kno­tens (der im­mer drei­di­men­sio­nal ist); man sieht dies dar­an, dass es durch Ver­for­mung der Rin­ge zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den kann, ohne dass ein Ring auf­ge­trennt wird. Iso­liert man zwei Rin­ge ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens, bil­den sie zu­sam­men im­mer ein fal­sches Loch. Dies gilt bei­spiels­wei­se auch für die Rin­ge des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren, denn zwei Rin­ge ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens hal­ten nur da­durch zu­sam­men, dass wei­te­re Rin­ge ins Spiel kom­men. In der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung mit Sym­ptom-Ring, also in ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen, hal­ten zwei Rin­ge nur da­durch zu­sam­men, dass zwei wei­te­re Rin­ge in­ter­ve­nie­ren; Sym­bo­li­sches und Sym­ptom hal­ten also nur durch das Ima­gi­nä­re und das Rea­le zu­sam­men.] 

(c) Das Sym­ptom hat in­so­fern Be­stand, als es mit der Spra­che ver­klam­mert ist. Dies zeigt sich dar­an, dass die als Deu­tung be­zeich­ne­te Ope­ra­ti­on – die den Sinn ins Spiel bringt – am Sym­ptom et­was ver­än­dert. [Chom­sky stellt sich nicht die Fra­ge, was die Tat­sa­che der Be­ein­fluss­bar­keit von Sym­pto­men durch das auf den Sinn an­spie­len­de Spre­chen für eine Sprach­theo­rie be­deu­tet.]

(d) Chom­sky as­si­mi­liert die Spra­che an das Rea­le, er ver­wech­selt das Sym­ptom mit dem Rea­len. [Chom­sky be­greift die Uni­ver­sal­gram­ma­tik als ge­ne­tisch fun­diert und be­zieht da­mit die Spra­che auf das Rea­le – auf ein Rea­les, das als eine Spra­che be­grif­fen wird, eine Spra­che der Bot­schaf­ten. Dar­in steckt als rich­ti­ger Ge­dan­ke, dass die Spra­che auf et­was be­zo­gen wer­den muss, was nicht Spra­che ist. Die nicht-sprach­li­che Grö­ßen, auf die die Spra­che zu be­zie­hen ist, sind je­doch nicht die Gene, son­dern die Sym­pto­me.] 

[40] Fra­ge von Che­ma­ma: Wie ver­hält sich der Kör­per zum Spre­chen?

La­can: In der Be­zie­hung zwi­schen dem Kör­per (corps) und der Spra­che ist das Rea­le das Drit­te, d.h. das, was die Über­ein­stim­mung (ac­cord) her­vor­ruft, ihre Re­so­nanz oder Kon­so­nanz. [In ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen wird die Be­zie­hung zwi­schen dem Ring des Ima­gi­nä­ren (des Kör­pers) und dem Ring des Sym­bo­li­schen (der Spra­che) durch den Ring des Rea­len her­bei­ge­führt.]

Fra­ge: Wie ver­hält sich La­cans Be­griff der Li­bi­do zu dem des Or­gans?

La­can: Der Kör­per [das Ima­gi­nä­re] und das Rea­le prä­sen­tie­ren sich in drei Modi, im Mo­dus des Lochs [so­wie im Mo­dus der Kon­sis­tenz und im Mo­dus der Ex-sis­tenz]. Die Li­bi­do muss an die­sen drei Modi teil­ha­ben. Dass die Li­bi­do sich auf das Loch be­zieht, zeigt schon ihr Name [in la li­bi­do steckt, wie Max Klei­ner in sei­ner Über­set­zung an­merkt, l’alibi, also das Feh­len an ei­nem Platz].

[41] Der vier­te Ring des bor­ro­mäi­schen Kno­tens be­zieht sich [auf das Sym­ptom und] auf die Funk­ti­on der Kunst. La­can ver­spricht, die­ser The­se [in den spä­te­ren Sit­zun­gen] Sub­stanz zu ver­lei­hen.

Man reduziert stets die Metapher auf die Metonymie

Fra­ge: Muss die Li­bi­do nicht als Re­so­nanz­phä­no­men auf­ge­fasst wer­den, wie die Schwin­gung ei­ner Sai­te, mit Kno­ten in die­ser Schwin­gung?

La­can: Be­zo­gen auf die Schwin­gung ei­ner Sai­te spricht man von „Schwin­gungs­kno­ten“. La­can in­ter­es­siert sich für das, wor­auf die­se Me­ta­pher sich be­zieht. Mit der Me­ta­pher be­zieht man sich auf et­was, das wei­ter geht als das, was ef­fek­tiv ge­sagt wird. Man re­du­ziert im­mer die Trag­wei­te der Me­ta­pher, man re­du­ziert sie auf eine Me­to­ny­mie. [?? Was ist hier mit Me­to­ny­mie ge­meint? Das, was in der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te da­vor und da­nach kommt, also der Kon­text? Will er sa­gen: Man re­du­ziert das Pro­blem der Be­deu­tung im­mer auf das Pro­blem des Kon­texts und über­sieht da­mit die Funk­ti­on der Me­ta­pher?]

Das Loch im Symbolischen ist die Urverdrängung

Fra­ge: Im bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten ver­schwin­det der bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten. Ist das nicht für die Ana­ly­se ein Pro­blem?

La­can: In ei­nem bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten bil­den das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le für sich ge­nom­men kei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten mehr, die­se drei Di­men­sio­nen wer­den viel­mehr durch das Sym­ptom zu­sam­men­ge­hal­ten.

Der vier­te Term des bor­ro­mäi­schen Kno­tens kann nicht ra­di­kal re­du­ziert wer­den [das Sym­ptom kann nicht voll­stän­dig zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den]. Die Ur­sa­che hier­für ist die Ur­ver­drän­gung, wie Freud sie ge­nannt hat. Die Ur­ver­drän­gung ist eine Ver­drän­gung, die nie­mals auf­ge­ho­ben wer­den kann. Die Ur­ver­drän­gung ist das Loch im Sym­bo­li­schen. [Das ist für die Ge­samt­kon­struk­ti­on des bor­ro­mäi­schen Kno­tens fest­zu­hal­ten: Der Ring des Sym­bo­li­schen ist ge­kenn­zeich­net durch Kon­sis­tenz, Ex-sis­tenz und Loch; das Loch im Sym­bo­li­schen ist die Ur­ver­drän­gung. Das, was ur­ver­drängt ist, ist das In­zest­ver­bot.105

[In Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se, heißt es, ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert, die bei­den Si­gni­fi­kan­ten, die für­ein­an­der das Sub­jekt re­prä­sen­tie­ren, wer­den als „unä­rer“ und „bi­nä­rer Si­gni­fi­kant“ ti­tu­liert, und der bi­nä­re Si­gni­fi­kant wird in Se­mi­nar 11 als der ur­ver­dräng­te Si­gni­fi­kant be­zeich­net, ge­nau­er: als der zen­tra­le Punkt der Ur­ver­drän­gung (vgl. Ver­si­on Miller/Haas, S. 229.)]

[Das gibt auch eine Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten und bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten: Ei­nen bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten gäbe es dann, wenn es kei­ne Ur­ver­drän­gung gäbe, d.h. wenn die ge­sam­te Ver­drän­gung be­sei­tigt wäre. Da es eine Ur­ver­drän­gung gibt, gibt es im­mer ein Sym­ptom. Der bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten stellt ein Sub­jekt ohne Ver­drän­gung dar, ge­wis­ser­ma­ßen das un­er­reich­ba­re Ide­al der Psy­cho­ana­ly­se, der bor­ro­mäi­sche Vie­rer­kno­ten den ge­wöhn­li­chen Neu­ro­ti­ker oder Per­ver­sen.]

Der borromäische Knoten ist kein Modell, da das Imaginäre gegen ihn Widerstand leistet

Fra­ge: In­wie­fern ist der bor­ro­mäi­sche Kno­ten kein Mo­dell?

[42] [Ein Mo­dell dient dazu, eine Struk­tur durch Ver­an­schau­li­chung ver­ständ­lich zu ma­chen. Ein Mo­dell ope­riert also in der Ord­nung des Ima­gi­nä­ren.] Mit dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten hat die An­schau­ung je­doch Schwie­rig­kei­ten, und in die­sem Sin­ne ist er kein Mo­dell. Die An­schau­ung leis­tet ge­gen den Kno­ten Wi­der­stand, und die­ser Wi­der­stand ist ein Wi­der­stand im ei­gent­li­chen Sin­ne [also ein Wi­der­stand im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se, ein Wi­der­stand des Ima­gi­nä­ren]. Das rein ma­the­ma­ti­sche Her­an­ge­hen an den Kno­ten in der To­po­lo­gie ist un­zu­rei­chend [es fehlt der As­pekt des Wi­der­stands ge­gen den Kno­ten].

Lacans Unfähigkeit, vier Kleeblattknoten in einen borromäischen Viererknoten zu überführen

La­can be­rich­tet, dass er sich mit dem Pro­blem be­schäf­tigt hat, in wel­cher Be­zie­hung zwei Ar­ten von Kno­ten ste­hen:
– der so­ge­nann­te Drei­er­kno­ten, der in der fol­gen­den Zeich­nung dar­ge­stellt ist [und der auch „Klee­blatt­kno­ten“ ge­nannt wird]

9-12-75 - II - Figur 4 - Kleeblattknoten– und der bor­ro­mäi­sche Kno­ten. [Man muss also un­ter­schei­den: den „Drei­er­kno­ten“ (den Klee­blatt­kno­ten) und den „bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten“.]

Ein Drei­er­kno­ten ist der­je­ni­ge Kno­ten, der sich er­gibt, wenn man in eine Schnur ei­nen ge­wöhn­li­chen Kno­ten macht:

9-12-75 - II - Figur 5 - einfachster Knoten[und wenn man dann die bei­den En­den zu­sam­men­fügt. Im obi­gen Bild der Bre­zel hat man sich vor­zu­stel­len, dass die bei­den En­den mit­ein­an­der verspleißt sind. Die Kno­ten­theo­rie be­fasst sich aus­schließ­lich mit ge­schlos­se­nen Ge­bil­den, also nicht mit of­fe­nen Fä­den; eine Zeich­nung wie die obi­ge wird im Rah­men der Kno­ten­theo­rie des­halb au­to­ma­tisch als Aus­schnitt be­grif­fen, es wird vor­aus­ge­setzt, dass die En­den mit­ein­an­der ver­bun­den sind.]

Mit sei­ner Fra­ge zielt La­can dar­auf ab zu be­wei­sen, dass ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten „ex-sis­tiert“. [?? Es ist nicht hör­bar, ob er hier „exis­tie­ren“ oder „ex-sis­tie­ren“ sagt.] Da­mit meint er, er möch­te zei­gen, dass sich Klee­blatt­kno­ten in bor­ro­mäi­sche Kno­ten über­füh­ren las­sen. [?? War­um „exis­tiert“ ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten dann, wenn er aus Klee­blatt­kno­ten er­zeugt wer­den kann?]

[Eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus Klee­blatt­kno­ten hat ei­nen an­de­ren Cha­rak­ter als eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus Rin­gen. Rin­ge sind „Un­kno­ten“ oder „tri­via­le Kno­ten“, wie die Kno­ten­theo­re­ti­ker sa­gen. Ein Klee­blatt­kno­ten hin­ge­gen ist die ein­fachs­te Form ei­nes Kno­tens im en­ge­ren Sin­ne. Die Fra­ge lau­tet für La­can also, ob nur tri­via­le Kno­ten (Rin­ge) mit­ein­an­der eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung bil­den kön­nen oder auch Kno­ten im en­ge­ren Sin­ne, z.B. Klee­blatt­kno­ten.]

Für den bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten habe er die Lö­sung ge­fun­den, er habe hier ei­nen glück­li­chen Fund ge­macht, eine Ent­de­ckung, eine Trou­vail­le.

[Die Ver­si­on Sta­fer­la ent­nom­me­ne Zeich­nung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens (rechts) deu­tet fol­gen­de Vor­ge­hens­wei­se an:

Umwandlung eines Kleeblattknotens in Borromäische Ringe

– Aus­gangs­punk­te sind ein Klee­blatt­kno­ten (links) und drei lose Fä­den (grün, blau, gelb).
– Der Klee­blatt­kno­ten wird so an­ge­ord­net, dass er drei Seg­men­te zeigt, die ei­nen Halb­kreis bil­den (ent­spre­chend der ro­ten Fi­gur in der rech­ten Zeich­nung).
– Der Klee­blatt­kno­ten wird an den drei Ex­trem­stel­len auf­ge­schnit­ten (di­cker ro­ter Punkt in der Zeich­nung rechts).
– Je zwei der so ent­stan­de­nen En­den wer­den mit ei­nem lo­sen Fa­den ver­bun­den; die Ver­bin­dung wird durch ei­nen Spleiß her­ge­stellt.
Auf die­se Wei­se wer­den die Ex­trem­punk­te des Klee­blatt­kno­tens um­ge­wan­delt in die drei Über­schnei­dungs­stel­len der drei Rin­ge.
Fer­tig ist der bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten.]

La­can sagt, er habe ver­sucht, fol­gen­des Pro­blem zu lö­sen: Gibt es ein Ver­fah­ren, um vier Klee­blatt­kno­ten in ei­nen bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten zu über­füh­ren? [Die­se Fra­ge­stel­lung spricht da­für, dass hier „exis­tie­ren“ in der üb­li­chen Be­deu­tung ge­meint ist und nicht „ex-sis­tie­ren“, in ei­nem äu­ßer­li­chen Ver­hält­nis zu­ein­an­der ste­hen.] Es sei ihm nicht ge­lun­gen, zu be­wei­sen, dass ein sol­ches Ver­fah­ren exis­tiert. Dass ihm das nicht ge­lun­gen ist, sei kein Be­weis da­für, dass ein sol­ches Ver­fah­ren nicht exis­tiert. | [43] Um sa­gen zu kön­nen, dass das Ver­fah­ren nicht exis­tiert, hät­te er des­sen Un­mög­lich­keit be­wei­sen müs­sen. [La­can spielt hier auf den Un­ter­schied zwi­schen Un­ver­mö­gen und Un­mög­lich­keit an, eine Op­po­si­ti­on, auf die er sich im Zu­sam­men­hang der vier Dis­kur­se be­zo­gen hat­te.106] Wenn er be­wei­sen könn­te, dass das Ver­fah­ren nicht exis­tiert, wäre dies der Be­weis ei­ner Un­mög­lich­keit, und da­mit hät­te er an ein Rea­les rüh­ren kön­nen [La­can spielt hier auf sei­ne For­mel an: „Das Rea­le ist das (lo­gisch) Un­mög­li­che“]. Das Rea­le hät­te hier dar­in be­stan­den, dass es kei­nen bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten gibt, der aus vier Drei­er­kno­ten be­steht. Er ver­mu­tet, dass es ein sol­ches Um­wand­lungs­ver­fah­ren gibt, dass er also hier nicht an ein Rea­les stößt. Das Be­wei­sen und das [an­schau­li­che] Zei­gen ha­ben ganz un­ter­schied­li­chen Cha­rak­ter. [Es ist schwie­rig ei­nen Be­weis zu fin­den.] Wenn der Be­weis ein­mal ge­fun­den ist, ist es ein­fach, ihn zu zei­gen, ihn [an­schau­lich] vor­zu­füh­ren. [Das Be­wei­sen stützt sich auf das Sym­bo­li­sche, das Zei­gen hat il­lus­tra­ti­ven Cha­rak­ter, es stützt sich auf das Ima­gi­nä­re.]

[?? Ich ver­ste­he nicht, wo das Pro­blem ist. Wenn Auf­schnei­den und Versplei­ßen er­laub­te Vor­ge­hens­wei­sen sind, kann man ja durch Auf­schnei­den und Versplei­ßen ganz ein­fach aus vier Klee­blatt­kno­ten eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung bas­teln. Man nimmt vier of­fe­ne Fä­den, macht in je­den ei­nen Kno­ten (im Sin­ne der Um­gangs­spra­che), ver­wan­delt drei die­ser vier Fä­den durch Versplei­ßen in Rin­ge (die je­der jetzt ei­nen Kno­ten ent­hal­ten), legt die­se drei Rin­ge in der Art der bor­ro­mäi­schen Rin­ge über­ein­an­der, ohne Ver­schlin­gung, fä­delt den vier­ten ver­kno­te­ten of­fe­nen Fa­den in der Art des Sym­ptom­kno­tens durch die­se drei Rin­ge und verspleißt ihn.]

Die Hand er­kennt im Akt des Hän­de­drü­ckens nicht die an­de­re Hand. [Das Wahr­neh­men der an­de­ren Hand ist kein Er­ken­nen. Er­ken­nen be­ruht auf ei­ner Ver­bin­dung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren. Viel­leicht auch im Sin­ne von: die an­de­re Hand wird nicht als an­de­re Hand er­kannt, nicht in ih­rer An­ders­heit.]

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM

Im Fol­gen­den wer­den alle Stel­len auf­ge­führt, an de­nen La­can die Aus­drü­cke „Sym­ptom“ oder „Sin­t­hom“ ver­wen­det. Die Zah­len in run­den Klam­mern sind Sei­ten­zah­len, sie ver­wei­sen auf die Über­set­zung von Max Klei­ner.

Ver­wen­dung von „Sym­ptom“ und „Sin­t­hom“

In der Sit­zung vom 9. De­zem­ber 1975 spricht La­can nur vom „Sym­ptom“, der Aus­druck „Sin­t­hom“ wird hier von ihm nicht ver­wen­det.

Fal­sches Loch zwi­schen Sym­ptom und Sym­bo­li­schem

Die durch das Sym­ptom und „das Sym­bo­li­sche“ ge­bil­de­te Ge­samt­heit ist ein fal­sches Loch. (30)

In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hat­te La­can vom fal­schen Loch zwi­schen dem Sym­ptom und dem „Sym­bol“ ge­spro­chen. Da­mit be­stä­tigt sich die Ver­mu­tung, dass mit „Sym­bol“ dort das Sym­bo­li­sche ge­meint war.

Ver­klam­me­rung zwi­schen Sym­ptom und Spra­che

Das Sym­ptom hat in­so­fern Be­stand, als es mit der Spra­che ver­klam­mert ist – dies ist im­pli­ziert, wenn wir an­neh­men, dass durch eine Deu­tung, die auf den Sinn an­spielt, am Sym­ptom et­was ver­än­dert wer­den kann. (30)

Wie ist der Kon­di­tio­nal­satz zu wer­ten: nimmt La­can an, dass durch eine Deu­tung, die auf den Sinn an­spielt, am Sym­ptom et­was ver­än­dert wer­den kann? In der vo­ri­gen Sit­zung hat­te er ge­sagt: die ein­zi­ge Waf­fe im Kampf ge­gen das Sym­ptom sei die Äqui­vo­ka­ti­on (9). Be­greift er die Äqui­vo­ka­ti­on als eine Deu­tung, die auf den Sinn an­spielt?

Sym­ptom und Rea­les

Chom­sky ver­wech­selt das Sym­ptom mit dem Rea­len. (30)

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung

Der bor­ro­mäi­sche Vie­rer­kno­ten wird nur durch das „Sym­ptom“ ge­hal­ten. (32)

In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hat­te La­can den vier­ten Ring mal als den des „Sin­t­homs“, mal als den des „Sym­ptoms“ be­zeich­net (12).

Sym­ptom und Kunst

Die Kunst kann das Sym­ptom er­rei­chen. (Die­sen Satz fin­det man nicht in der Klei­ner-Über­set­zung)

In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hieß es: die Kunst kann das Sym­ptom an­zie­len und das ver­ei­teln, was sich vom Sym­ptom her auf­zwingt, näm­lich die Wahr­heit (14).

OFFENE FRAGEN

Die Zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner. Sie sind oben in der Über­set­zung nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Hauptfragen

Der bor­ro­mä­i­sche Kno­ten ist der Ty­pus selbst des Kno­tens (26). In­wie­fern? Es gibt ja zwei Ar­ten von Ver­schlin­gun­gen: sol­che vom Typ der Glie­der­kette („Hoff­sche Ver­schlin­gung) und sol­che mit bor­ro­mä­i­schem Cha­rak­ter („Brunn­sche Ei­gen­schaft“).

Der bor­ro­mä­i­sche Kno­ten be­ruht auf der Äqui­va­lenz zwi­schen ei­nem Kreis und ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den (23). In­wie­fern? Wie stellt sich die­se Ver­mi­schung von zwei To­po­lo­gi­en für Ma­the­ma­ti­ker dar?

Weitere Fragen

Freud hat er­reicht, wor­auf er ab­ge­zielt hat­te, näm­lich über den Men­schen die Wahr­heit zu sa­gen; La­can fragt, wo­durch Freud dies er­reicht habe (20). Wie lau­tet die Ant­wort? Durch Zu­hö­ren und Deu­ten?

Wenn wir von der Ana­lyse aus­ge­hen, dann kon­sta­tie­ren wir, und das ist et­was an­de­res als zu be­ob­ach­ten (21). Was ver­steht La­can hier un­ter „kon­sta­tie­ren“?

Das Er­kennt­nis­be­geh­ren stößt auf ein Hin­der­nis (27). Wor­in be­steht das Hin­der­nis, auf das das Er­kennt­nis­be­geh­ren stößt? Im Ima­gi­nä­ren, in­so­fern die­ses ei­nen Wi­der­stand leis­tet ge­gen das Den­ken des Kno­tens? Im Rea­len?

Die De­bi­li­tät des Ge­fühls be­steht dar­in, dass das Zer­rei­ßen des Kno­tens für un­mög­lich ge­hal­ten wird (28). Was meint „Zer­reißen des Kno­tens“? Was meint, dass das Zer­reißen des Kno­tens für un­mög­lich ge­hal­ten wird?

Das Rea­le lügt wirk­lich (28). Was meint das?

Der Kno­ten stellt ein Sub­jekt dar, in­so­fern es nicht-un­ter­stellt ist (28). Am An­fang die­ser Sit­zung hat­te La­can das Ge­gen­teil ge­sagt: das Sub­jekt sei das Un­ter­stellte. Was meint, dass der Kno­ten das Sub­jekt als nicht un­ter­stell­tes dar­stellt? Geht es um den Ge­gen­satz zum su­jet sup­posé sa­voir, dem Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird (wel­ches die Po­si­tion ist, die der Ana­ly­ti­ker für den Pa­ti­en­ten in der Über­tra­gung an­nimmt)?

Der Kno­ten er­zählt ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les (28).  Wie kann der Kno­ten ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les dar­stel­len, wenn er das Sub­jekt als Ver­sch­lin­gung von Rea­lem, Ima­gi­nä­rem und Sym­bo­li­schem dar­stellt?

Die fol­gen­de Zeich­nung stellt eine Ver­schlin­gung mit mehr­fa­cher Über­kreu­zung dar (28). Wel­che Funk­ti­on hat die­se Zeich­nung?

9-12-75 - II - Figur 3

Man re­du­ziert im­mer die Trag­weite der Me­ta­pher, man re­du­ziert sie auf eine Me­t­o­ny­mie (32). Was ist hier mit Me­t­o­ny­mie ge­meint? Das, was in der Si­gni­fi­kan­ten­kette da­vor und da­nach kommt, also der Kon­text? Will er sa­gen: Man re­du­ziert das Pro­blem der Be­deu­tung im­mer auf das Pro­blem des Kon­texts und über­sieht da­mit die Funk­tion der Me­ta­pher?

La­can ver­sucht, ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten aus Klee­blatt­kno­ten her­zu­stel­len (33). Ich ver­stehe nicht, wo das Pro­blem ist. Wenn Auf­schnei­den und Versplei­ßen er­laubte Vor­ge­hens­wei­sen sind, kann man ja durch Auf­schnei­den und Versplei­ßen ganz ein­fach aus vier Klee­blatt­kno­ten eine bor­ro­mä­i­sche Ver­schlin­gung er­zeu­gen. Man nimmt vier of­fene Fä­den, macht in je­den ei­nen Kno­ten (im Sin­ne der Um­gangs­spra­che), ver­wan­delt drei die­ser vier Fä­den durch Versplei­ßen in Rin­ge (die je­der jetzt ei­nen Kno­ten ent­hal­ten), legt die­se drei Rin­ge über­ein­an­der, in der Art der bor­ro­mä­i­schen Rin­ge, je­doch ohne Ver­schlin­gung, fä­delt den vier­ten ver­kno­te­ten of­fe­nen Fa­den in der Art des Sym­ptom­kno­tens durch die­se drei Rin­ge und verspleißt ihn.

Mit sei­ner Fra­ge, ob sich ein bor­ro­mäi­scher Vie­rer­kno­ten aus vier Klee­blatt­kno­ten her­stel­len lässt, zielt La­can dar­auf ab zu be­wei­sen, dass ein bor­ro­mä­i­scher Kno­ten „ex-sis­tiert“ (33). In­wie­fern „exis­tiert“ ein bor­ro­mä­i­schen Kno­ten dann, wenn er aus Klee­blatt­kno­ten er­zeugt wer­den kann?

LITERATURVERZEICHNIS

Das Ver­zeich­nis be­schränkt sich auf die in die­sem Bei­trag zi­tierte oder er­wähnte Li­te­ra­tur.

Die Über­set­zun­gen von Zi­ta­ten sind von Rolf Nemitz, falls nicht an­ders ver­merkt.

La­can, Sin­t­hom-Se­mi­nar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf die­se Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, lin­ke Spal­te.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Die­se Tran­skrip­ti­on wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Va­ri­an­ten der Staferla-Ver­sion. Für die­sen Kom­men­tar wur­de die Va­ri­an­te vom 28.6.2013 ver­wen­det; man fin­det sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976–77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Die­se Ver­si­on ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Ers­te Spal­te: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zwei­te Spal­te: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, drit­te Spal­te: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim La­can-Ar­chiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Da­tei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sin­t­hom-Kom­men­tars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Klei­ner-Über­set­zung“ ist die­se Ver­sion ge­meint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

Wei­te­re Tex­te von La­can

Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Ders.: Schrif­ten II. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 119–132

Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. In Ders.: Schrif­ten I. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169

In­tro­duc­tion thé­o­ri­que aux fonc­tions de la psy­chana­ly­se en cri­mi­no­lo­gie. In: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 125–150 (zu­sam­men mit Mi­chel Cé­nac)

Joy­ce le Sym­ptô­me I. In: Ders.: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 161–169; Über­set­zung in die­sem Blog

L‘aggressivité en psy­chana­ly­se, In: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 101–124

Pré­face à L’Éveil du prin­temps. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 561–563

Se­mi­na­re

Se­mi­nar 1 = Das Se­mi­nar, Buch I (1953–1954). Freuds tech­ni­sche Schrif­ten. Übesetzt von Wer­ner Ha­ma­cher nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­si­on. Wal­ter Ver­lag, Ol­ten u.a. 1978

Se­mi­nar 5 = Das Se­mi­nar, Buch V (1957–1958). Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Tu­ria und Kant, Wien 2006

Se­mi­nar 6 = Le sé­mi­n­aire, li­v­re VI. Le dé­sir et son in­ter­pré­ta­tion. 1958–1959. Tex­ter­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. La Mar­ti­nière, Pa­ris 2013

Se­mi­nar 7 = Das Se­mi­nar, Buch VII (1959–1960). Die Ethik der Psy­cho­ana­lyse. Über­setzt von Nor­bert Haas nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1996

Se­mi­nar 9 = L’identification. 1961–62. Her­aus­ge­ge­ben von der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage der Ver­sio­nen JL, rue CB und Rous­san. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 10 = Das Se­mi­nar, Buch X. Die Angst. 1962–1963. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Tu­ria und Kant, Wien 2010

Se­mi­nar 11 = Das Se­mi­nar, Buch XI (1964). Die vier Grund­be­griffe der Psy­cho­ana­lyse. Über­setzt von Nor­bert Haas nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Wal­ter, Ol­ten u.a. 1978

Se­mi­nar 12 = Pro­blè­mes cru­ci­aux pour la psy­chana­lyse. 1964–65. Her­aus­ge­ge­ben von der Web­site Sta­fer­la (staferla.free.fr), auf der Grund­la­ge der Ver­sio­nen ELP, Gao­goa und Mi­chel Rous­san. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 13 = L’objet de la psy­chana­lyse. 1965–66. Her­aus­ge­ge­ben von der Web­site Sta­fer­la (staferla.free.fr), auf der Grund­la­ge der Ver­sio­nen ELP, Gao­goa und zwei­er wei­te­rer Ver­sio­nen. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 16 = Le sé­mi­n­aire, li­v­re XVI. D’un Aut­re à l’autre. 1968–1969. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2006

Se­mi­nar 18 = Le sé­mi­n­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­ther­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 1991

Se­mi­nar 19 = Le sé­mi­nare, li­v­re XIX. … ou pire. 1971–1971. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2011

Se­mi­nar 20 = Das Se­mi­nar, Buch XX (1972–1973). En­core. Über­setzt von Nor­bert Haas, Vre­ni Haas und Hans-Joa­chim Metz­ger, nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1986

Se­mi­nar 21 = Les non-du­pes er­rent. 1973–74. Hg. v. der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage ei­ner Ton­auf­nahme so­wie der Tran­skrip­tio­nen auf den Web­sites Lu­te­cium und Gao­goa. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 22 = Se­mi­nar XXII. RSI. 1974–75. Über­setzt von Max Klei­ner auf der Grund­lage ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten vor­läu­fi­gen Ver­sion. Her­aus­ge­ge­ben vom La­can-Ar­chiv Bre­genz 2012

An­de­re Au­to­ren

Bet­tel­heim, Bru­no: Sym­bo­li­sche Wun­den. Pu­ber­täts­ri­ten und der Neid des Man­nes (1954). Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1982

Chom­sky, Noam: On the na­tu­re of lan­guage. In: An­nals of the New York Aca­de­my of Sci­ence, Vo­lu­me 280, Orig­ins and evo­lu­ti­on of lan­guage and speech, Ok­to­ber 1976, im In­ter­net hier, S. 46–57

—: Re­fle­xio­nen über die Spra­che (1975). Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979

Fromm, Erich: Sig­mund Freuds Sen­dung. Per­sön­lich­keit, ge­schicht­li­cher Stand­ort und Wir­kung. Übers. v. A. R. L. Gur­land. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1961; Neu­aus­ga­be: Sig­mund Freud: sei­ne Per­sön­lich­keit und sei­ne Wir­kung. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Re­na­te Oet­ker-Funk und Chris­tia­ne von Wahlert, nach der Übers. von A. R. L. Gur­land. Deut­scher Ta­schen­buch-Ver­lag, Mün­chen 1995

Mil­ler, Jac­ques-Alain: No­tice de fil en ai­guille. In: J. La­can: Le sé­mi­nare, li­v­re XXIII. Le sin­thome. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199–248

Rhein­ber­ger, Hans­jörg: Ex­pe­ri­men­tal­sys­teme und epis­te­mi­sche Din­ge. Eine Ge­schichte der Pro­te­in­syn­these im Rea­genz­glas. Wall­stein, Göt­tin­gen 2001

Rou­di­nes­co, Eli­sa­beth: Jac­ques La­can. Kie­pen­heu­er und Witsch, Köln 1996

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Anmerkungen

  1. Tri­pli­ce, hier mit „Drei­falt“ über­setzt, von La­can ge­bil­de­ter Neo­lo­gis­mus, aus­ge­hend von tri­pli­cité, Drei­heit. In der christ­li­chen Theo­lo­gie spricht man von der tri­pli­cité der tri­nité, von der Drei­heit der Drei­fal­tig­keit.
  2. La­can setzt hier die Be­mer­kun­gen zum mos geo­me­tri­cus (zur „geo­me­tri­schen Art und Wei­se“) fort, die er in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung be­gon­nen hat­te. Vgl. hier­zu die Er­läu­te­rung im Kom­men­tar zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975.
  3. La­can be­zieht sich hier auf eine Zeich­nung an der Ta­fel.
  4. Hier geht es ver­mut­lich um die Kor­rek­tur ei­ner Kreu­zungs­stel­le in der Zeich­nung ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens. Dass eine Li­nie un­ter ei­ner an­de­ren ver­läuft, wird da­durch ge­kenn­zeich­net, dass man sie kurz vor und nach der Kreu­zungs­stel­le löscht.
  5. La­can be­zieht sich ver­mut­lich auf: Erich Fromm: Sig­mund Freud’s mis­si­on: An ana­ly­sis of his per­so­na­li­ty and in­flu­ence. Al­len and Un­win, Lon­don 1959.– Frz.: La Mis­si­on de Sig­mund Freud : une ana­ly­se de sa per­son­na­lité et de son in­flu­ence. Édi­ti­ons Com­ple­xe und Pres­ses Uni­ver­si­taires de Fran­ce, Brüs­sel und Pa­ris 1975.– Dt.: Sig­mund Freuds Sen­dung. Per­sön­lich­keit, ge­schicht­li­cher Stand­ort und Wir­kung. Übers. v. A. R. L. Gur­land. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1961; Neu­aus­ga­be: Sig­mund Freud: sei­ne Per­sön­lich­keit und sei­ne Wir­kung. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Re­na­te Oet­ker-Funk und Chris­tia­ne von Wahlert, nach der Übers. von A. R. L. Gur­land. Deut­scher Ta­schen­buch-Ver­lag, Mün­chen 1995.
  6. Vgl. hier­zu in die­sem Sin­t­hom-Kom­men­tar den Ein­trag „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“ („Klei­nes La­can-Le­xi­kon“ zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975). Vgl. au­ßer­dem in die­sem Blog den Ar­ti­kel „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“.
  7. An­spie­lung auf die Schöp­fungs­ge­schich­te der Bi­bel, 1. Mose, Kap. 2, Vers 18. Der Vers wird meist über­setzt mit: „Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch al­lein sei; ich will ihm eine Ge­hil­fin ma­chen, die um ihn sei.“ Der letz­te Satz wird aber auch über­setzt mit „Ich wer­de ihm eine Hil­fe ge­gen ihn schaf­fen.“ Sie­he hier. An­dré Chour­aqui über­setzt: „IHVH-Ado­naï Elohîms dit: ‚ Il n’est pas bien pour le glé­beux d’être seul ! Je fe­rai pour lui une aide cont­re lui. ‘“ (IHVH-Ado­nai Elo­him sagt: ‚Es ist nicht gut für das Lehm­we­sen, al­lein zu sein! Ich wer­de­ihm eine Hil­fe ge­gen ihn ma­chen.‘“ Von hier. (Vgl. den Hin­weis von Jac­ques-Alain Mil­ler in sei­nem Se­mi­nar Piè­ces déta­chées, 2004/05, Sit­zung vom 26.1.2005)
  8. Im Sin­ne von: Et­was zu kon­sta­tie­ren, wie wir es in der Ana­ly­se tun (wo wir das Be­geh­ren kon­sta­tie­ren) ist et­was an­de­res, als et­was zu be­ob­ach­ten (näm­lich das Ob­jekt); die­se Un­ter­schei­dung wird in der an­schlie­ßen­den Chom­sky-Kri­tik aus­ge­führt.
  9. Noam Chom­sky, geb. 1928, ne­ben Saus­su­re und Ja­kobson der ein­fluss­reichs­te Sprach­wis­sen­schaft­ler des 20. Jahr­hun­derts.
    Mit Chom­skys Lin­gu­is­tik hat­te La­can sich be­reits ein­mal be­fasst, in Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Ana­ly­se. In der Sit­zung vom 2. De­zem­ber 1964 kom­men­tiert er Chom­skys be­rühm­ten Satz „Co­lor­less green ide­as sleep fu­rious­ly“ aus Syn­tac­tic struc­tures von 1957.
  10. Das Wort „Or­gan“ kommt vom grie­chi­schen Wort or­ga­non, Werk­zeug.
    Be­reits für Pla­ton und für Hum­boldt ist die Spra­che ein Werk­zeug bzw. ein Or­gan, ein or­ga­non (Pla­ton im Kra­ty­los, Hum­boldt in Über die Ver­schie­den­heit des mensch­li­chen Sprach­baus und ih­ren Ein­fluss auf die geis­ti­ge Ent­wick­lung des Men­schen­ge­schlechts (1836).
    Chom­skys Über­le­gun­gen zur Spra­che als Or­gan fin­det man u.a. in dem Auf­satz On the na­tu­re of lan­guage. In die­ser Ar­beit schreibt er:

    Thus it se­ens to me not un­re­a­son­ab­le to ap­proach the stu­dy of lan­guage as we would the stu­dy of some or­gan of the body.“ (N. Chom­sky: On the na­tu­re of lan­guage. In: An­nals of the New York Aca­de­my of Sci­ence, Vo­lu­me 280, Orig­ins and Evo­lu­ti­on of Lan­guage and Speech, Ok­to­ber 1976, im In­ter­net hier, S. 46–57, das Zi­tat: S. 46)

    My fee­ling is that if, say, the Mar­ti­an sci­en­tist that I was ima­gi­ning were to look at earth­lings and in­ves­ti­ga­te them, he would have no re­a­son to doubt that lan­guage is as much an or­gan of the body as the eye or the heart or the li­ver. It’s strict­ly cha­rac­te­ris­tic of the spe­ci­es, has a high­ly in­tri­ca­te struc­tu­re, de­ve­lo­ped more or less in­de­pendent­ly of ex­pe­ri­ence in very spe­ci­fic ways, and so on. It has all the ge­ne­ral pro­per­ties of an or­gan of the body.“ (A.a.O., S. 57)

    Dass die Spra­che wie ein Or­gan zu un­ter­su­chen sei, schreibt Chom­sky auch in: Re­fle­xio­nen über die Spra­che (1975). Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 19 f.

  11. Ihre Hand­ha­bung: ihre Ver­wen­dung in der Psy­cho­ana­ly­se und da­mit die Wirk­sam­keit des Spre­chens.
  12. Hor­mo­ne wer­den als „Bo­ten­stof­fe“ be­zeich­net. Der Be­griff „Hor­mon“ wur­de 1905 von dem Phy­sio­lo­gen Er­nest Star­ling ge­prägt; ich habe nicht her­aus­fin­den kön­nen, wer Hor­mo­ne zu­erst als „mes­sen­ger“ de­fi­niert hat, als che­mi­sche „Bo­ten­stof­fe“.
    Ja­mes Wat­s­on und Fran­cis Crick ver­öf­fent­lich­ten ihr Dop­pel­spi­ral-Mo­dell der DNA im Jahr 1953.
    Die Spra­che der In­for­ma­ti­ons­über­tra­gung mit dem Be­grif­fen Code, Tran­skrip­ti­on usw. be­gann sich in der Mi­kro­bio­lo­gie um 1960 her­um durch­zu­set­zen; der Be­griff mes­sen­ger-RNA (Bo­ten-RNA, RNA als Bo­ten­stoff) ent­stand zwi­schen 1959 und 1961 in ver­schie­de­nen Ar­beits­grup­pen gleich­zei­tig (vgl. Hans­jörg Rhein­ber­ger: Ex­pe­ri­men­tal­sys­te­me und epis­te­mi­sche Din­ge. Eine Ge­schich­te der Pro­te­in­syn­the­se im Re­agenz­glas. Wall­stein, Göt­tin­gen 2001, Kap. 12).
  13. Mit der Sub­ti­li­sie­rung dürf­te die Durch­set­zung des Be­griffs­ap­pa­rats der In­for­ma­ti­ons­über­tra­gung in der Mi­kro­bio­lo­gie ge­meint sein: ge­ne­ti­scher Code, Tran­skrip­ti­on, Mes­sen­ger-RNA, Ko­pie usw.
  14. Die der Sta­fer­la-Ver­si­on ent­nom­me­ne Zeich­nung zeigt statt zwei gleich drei Ge­ra­den. Das ent­spre­chen­de Bild in der Mil­ler-Ver­si­on ist falsch, es zeigt kei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten; vgl. Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 33, obe­res Bild.
  15. Der Punkt im Un­end­li­chen ist we­der an dem ei­nen noch an dem an­de­ren Ende der Ge­ra­den zu ver­or­ten.
  16. Ent­schei­dend ist, dass dies für je­den Kreis gilt.
  17. Das sieb­te Wort, „à“, ist un­hör­bar. Mög­lich ist also auch die Tran­skrip­ti­on „elle se re­fu­se, ce … „, was ei­nen völ­lig an­de­ren Sinn er­gibt.
  18. Theo­lo­gi­sche Tu­gen­den („gott­ge­sag­te“ Tu­gen­den) sind in der ka­tho­li­schen Mo­ral­theo­lo­gie die drei Tu­gen­den Glau­be, Lie­be und Hoff­nung (vgl. 1. Ko­rin­ther­brief 13, 13). Sie sind in dem Sin­ne gött­lich, als sie den Men­schen von Gott in die See­le „ein­ge­gos­sen“ wur­den.
    Da­mit ist klar, dass in der Tran­skrip­ti­on als sieb­tes Wort ein „à“ er­gänzt wer­den muss, das man in der Ton­auf­nah­me nicht hört: Die Me­tho­de ist ohne Hoff­nung, sie ver­wei­gert sich da­mit der Hoff­nung als theo­lo­gi­scheer Tu­gend: elle se re­fu­se à ce qui con­sti­tue une ver­tue.
  19. Ver­mut­lich eine An­spie­lung auf die Kan­ti­sche Er­kennt­nis­theo­rie: das Ding an sich ist nicht er­kenn­bar.
  20. Die Wis­sen­schaft kon­sti­tu­iert ihre Ob­jek­ti­vi­tät da­durch, dass sie das be­geh­ren­de Sub­jekt aus­schließt.
  21. An­spie­lung auf das Ob­jekt a als ob­jet cau­se du dé­sir, Ob­jekt Ur­sa­che des Be­geh­rens.
  22. Das Men­ta­le ist für La­can das Ima­gi­nä­re; vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 11. März 1975; Klei­ner-Über­set­zung S. 47.
  23. Ho­mo­pho­nie von sur, „an“, „auf“, und sûr, „si­cher“.
  24. s’assurant ent­hält sûr.

    Sur place: ver­mut­lich eine An­spie­lung auf die To­po­lo­gie.

  25. La­can spricht zu­erst pan, dann die bei­den Lau­te s und e ge­trennt.
  26. Max Klei­ner ver­weist in sei­ner Über­set­zung auf das Wort­spiel mit der Ho­mo­pho­nie men­tant, lü­gend / m’entent, hört mich.
  27. La­can macht ein Wort­spiel mit pen­se (den­ke, Prä­senz Sin­gu­lar von pen­ser) und pan­se. Mil­ler zu­fol­ge deu­tet La­can da­mit das Den­ken als Pflas­ter im me­di­zi­ni­schen Sinn (em­plât­re), als et­was Auf­ge­setz­tes; dem­nach wäre pan­se von pan­ser qc. ab­zu­lei­ten, „et­was ver­bin­den“ (ur­sprüng­lich „strie­geln“) (vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: Piè­ces déta­chées. Cours 2004/05. Sit­zung vom 1. De­zem­ber 2004, Tran­skrip­ti­on S. 21.) Max Klei­ner deu­tet das Wort­spiel als An­spie­lung auf pan­se, „Pan­sen“, „Bauch“, „Wanst“ und über­setzt es ein­falls­reich mit „Wahnst“. Für Mil­lers Deu­tung spricht das Ad­jek­tiv lé­ger, „leicht“ – die Rede von ei­nem „leich­ten Ver­band“ ist plau­si­bler als die von ei­nem „leich­ten Wanst“.
    In der Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1976 wird das Wort­spiel von La­can wie­der­holt und aus­ge­baut.
  28. Ge­meint ist der vier­te Ring ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier tri­via­len Kno­ten.
  29. Der zu­letzt ab­ge­bil­de­te Kno­ten ist eine Ver­schlin­gung zwei­er Rin­ge in der Art zwei­er Ket­ten­glie­der.
  30. Di­vina­to­risch“ hier im Sin­ne von „in­tui­tiv“.
  31. Den Wort­laut der von den Teil­neh­mern ge­stell­ten Fra­gen konn­te ich an­hand der im In­ter­net ver­füg­ba­ren Ton­auf­nah­men nicht über­prü­fen, die Ton­qua­li­tät der Saa­l­auf­nah­men ist zu schlecht. Ich über­neh­me hier des­halb un­ge­prüft die Sta­fer­la-Ver­si­on. Hin­wei­se auf das Ge­läch­ter des Pu­bli­kums habe ich hin­zu­ge­fügt.
  32. Stuart Schnei­der­man, ge­bo­ren 1943, US-Ame­ri­ka­ner, kam 1973 nach Pa­ris und mach­te eine Kur bei La­can. Er galt lan­ge als der ein­zi­ge la­ca­nia­ni­sche Psy­cho­ana­ly­ti­ker des ame­ri­ka­ni­schen Kon­ti­nents (vgl. Eli­sa­beth Rou­di­nes­co: Jac­ques La­can. Kie­pen­heu­er und Witsch, Köln 1996, S. 553). Schnei­der­man schrieb u.a.: Re­tur­ning to Freud: cli­ni­cal psy­cho­ana­ly­sis in the school of La­can. Yale Uni­ver­si­ty Press, New Ha­ven u.a. 1980; Jac­ques La­can: the de­ath of an in­tel­lec­tu­al hero. Har­vard Uni­ver­si­ty Press, Cam­bridge, Mass., 1983. Schnei­der­man war lan­ge als Psy­cho­ana­ly­ti­ker und Psy­cho­the­ra­peut tä­tig; heu­te ar­bei­tet er als „life coach” in New York.
  33. Schnei­der­man be­zieht sich auf Wil­lard Van Or­man Qui­ne und Nel­son Good­man. La­can traf Qui­ne auf sei­ner USA-Rei­se, Qui­ne war ei­ner der Zu­hö­rer ei­nes Vor­trags von La­can am Mas­sa­chu­setts In­sti­tu­te of Tech­no­lo­gy. Qui­ne er­wähnt La­cans Be­such am MIT in sei­nen Me­moi­ren (The time of my life, The MIT Press, 1985, S. 416 f.). Wei­te­re Hin­wei­se zu Qui­ne fin­det man in Mil­lers An­mer­kun­gen zu sei­ner Ver­si­on von Se­mi­nar 23, S. 216.
  34. In Se­mi­nar 13 von 1965/66, L’objet de la psy­chana­ly­se, hat­te La­can sich zu­stim­mend auf Qui­nes Word and ob­ject be­zo­gen, in der Sit­zung vom 9. Fe­bru­ar 1966, eben­so in Se­mi­nar 16 von 1968/69, D’un Aut­re à l’autre, in der Sit­zung vom 8. Ja­nu­ar 1969, Ver­si­on Mil­ler, S. 97.
  35. Ro­land Che­ma­ma war Mit­glied der Éco­le freu­dien­ne de Pa­ris bis zu ih­rer Auf­lö­sung. Heu­te ist er Mit­glied der As­so­cia­ti­on la­ca­ni­en­ne in­ter­na­tio­na­le. Zu­sam­men mit Ber­nard Van­derm­ersch hat er das Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se her­aus­ge­ge­ben (Larous­se, Pa­ris, zu­erst 1993, 4. Aufl. 2009). Sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen im érès-Ver­lag fin­det man hier.
  36. Max Klei­ner ver­weist in sei­ner Über­set­zung auf die Ho­mo­pho­nie ac­cord (Über­ein­stimmng) / à corps (mit dem Kör­per).
  37. Die von Klei­ner be­nutz­te Vor­la­ge hört an die­ser Stel­le art (Kunst) statt âme (See­le).
  38. Klei­ner ver­weist auf die Mög­lich­keit un corps statt en­core
  39. Klei­ners Vor­la­ge: âme.
  40. Klei­ners Vor­la­ge hört hier art (Kunst) statt âme (See­le).
  41. Klei­ners Vor­la­ge hört hier: Kunst.
  42. Die Fra­gen­de be­zieht sich auf Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se, das 1973 bei Seuil in Pa­ris ver­öf­fent­licht wur­de. Den My­thos von der La­mel­le fin­det man in der deut­schen Über­set­zung auf S. 206–208; La­can be­zeich­net dort die La­mel­le als „Or­gan“ (S. 207).
  43. In­wie­fern ver­weist der Name der Li­bi­do auf das Loch? Klei­ner ver­weist auf die As­so­nanz la li­bi­do / l’alibi d’O. Ein Ali­bi ist der Be­weis da­für, dass sich je­mand zur Tat­zeit nicht am Tat­ort auf­ge­hal­ten hat. Durch das Ali­bi fehlt am Tat­ort der Tä­ter, es er­zeugt am Tat­ort ein Loch.
  44. Das be­zieht sich auf den vier­ten Ring des bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­tens.
  45. Standing_wave_2Schwin­gungs­kno­ten nennt man die fes­ten Punk­te in ei­ner ste­hen­den Wel­le. In der ne­ben­ste­hen­den Dar­stel­lung ei­ner ste­hen­den Wel­le sind die Schwin­gungs­kno­ten die rot be­zeich­ne­ten Punk­te (an­kli­cken, um die Ani­ma­ti­on in Gang zu set­zen).
  46. In­va­gi­na­ti­on: me­di­zi­ni­scher Ter­mi­nus für „Ein­stül­pung“. In Se­mi­nar 11 ver­wen­det La­can das Par­ti­zip „s‘invaginant“, in der deut­schen Aus­ga­be mit „sich ein­stül­pend“ über­setzt auf (Ver­si­on Miller/Haas, S. 205).
  47. Der ab­ge­bil­de­te Kno­ten wird auch „Klee­blatt­kno­ten“ ge­nannt.
  48. Wenn man beim un­te­ren Kno­ten die Fa­den­en­den ver­bin­det, er­gibt sich der Drei­er- bzw. Klee­blatt­kno­ten.
  49. Die Ton­auf­nah­me ist nicht gut ge­nug, um hö­ren zu kön­nen, ob La­can hier und im Fol­gen­den „ex-sis­ter“ oder „exis­ter“ sagt.
  50. Viel­leicht eine An­spie­lung auf die un­ter Ar­chäo­lo­gen ver­brei­te­te Sen­tenz „Das Nicht­vor­han­den­sein ei­nes Be­wei­ses ist kein Be­weis für das Nicht­vor­han­den­sein“.
  51. La­can spielt an auf Des­car­tesʼ „Ich den­ke, also bin ich“.
  52. In der vor­her­ge­hen­den Vor­le­sung hat­te La­can ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen Tech­nik und Kunst her­ge­stellt und dar­auf an­ge­spielt, dass in der An­ti­ke die­ser Un­ter­schied nicht ge­macht wird, bei­des heißt tech­nē (im Grie­chi­schen) bzw. ars (im La­tei­ni­schen).
  53. Vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: No­tice de fil en ai­guille. In: J. La­can: Le sé­mi­nare, li­v­re XXIII. Le sin­thome. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199–248, hier: S. 216 f.
  54. Vgl. Eli­sa­beth Rou­di­nes­co: Jac­ques La­can. Kie­pen­heu­er und Witsch, Köln 1996, S. 554–560.
  55. Sit­zun­gen vom 20. No­vem­ber 1973, 11. De­zem­ber 1973 und 8. Ja­nu­ar 1974.
  56. Über Bet­tel­heims Stu­die spricht La­can in Se­mi­nar 18, Ver­si­on Mil­ler, S. 167 f.
  57. Vgl. J. La­can: Joy­ce le Sym­ptô­me I. In: Ders.. Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 161–169, und die Über­set­zung in die­sem Blog.
  58. Pré­face à L’Éveil du prin­temps. In: J. La­can: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 561–563, hier: S. 560.
  59. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 456.
  60. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 409; Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 508.
  61. Vgl. J. La­can: Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Ders.: Schrif­ten II. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 119–132, hier: S. 128 f.
  62. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 15. Ja­nu­ar 1974, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  63. Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 155.
  64. Zum Ge­gen­satz von Ak­ti­vi­tät und Pas­si­vi­tät vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1904). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 123 f. Fn. 1 (Zu­satz von 1915).– Ders.: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9, a.a.O., S. 235 f. Fn. 2.– Ders.: Neue Fol­ge der Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se (1933). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 1, a.a.O., S. 545–548.– Zur An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit des Pe­nis als Deu­tung der Ge­schlechts­dif­fe­renz vgl. S. Freud: Über in­fan­ti­le Se­xu­al­theo­ri­en (1908). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3, a.a.O., S. 176–178.
  65. Sit­zung vom 9. Juni 1965.
  66. Vgl. Se­mi­nar 22.
  67. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1975.
  68. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 17. De­zem­ber 1974; Klei­ner-Über­set­zung, S. 9.
  69. La­can, Pré­face à L’Éveil du prin­temps., a.a.O., S. 562.
  70. Sit­zung vom 19. Fe­bru­ar 1974.
  71. S. Freud: Neue Fol­ge der Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se (1933). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 1. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 550.
  72. Sit­zung vom 11. Mai 1976, Klei­ner-Über­set­zung, S. 160.
  73. In den Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie er­klärt Freud, „dass auch die An­la­ge zu den Per­ver­sio­nen kei­ne sel­te­ne Be­son­der­heit, son­dern ein Stück der für nor­mal gel­ten­den Kon­sti­tu­ti­on sein müs­se“ (Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 80).
  74. Vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 226.
  75. La­cans frü­hes­te Kri­tik am Ide­al der Ob­la­ti­vi­tät fin­det sich in ei­nem Text aus dem Jahr 1948, L‘aggressivité en psy­chana­ly­se. In: ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 101–124, hier: S. 118.
  76. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 209.
  77. Vgl. Se­mi­nar 10, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 90.
  78. Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 340)

    In Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se for­mu­liert La­can es so:

    Das Sym­bol ma­ni­fes­tiert sich als Mord am Ding“ (In ders.: Schrif­ten I. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169, hier: 166). Vgl. hier­zu in die­sem Blog den Ar­ti­kel Das Sym­bol ma­ni­fes­tiert sich als „Mord am Ding“.

  79. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 397.
  80. Ebd.
  81. Se­mi­nar 7, Ver­si­on Miller/Haas, S. 151.
  82. Zu­erst in der Sit­zung vom 7. März 1962.
  83. Schrif­ten II, S. 181.
  84. Vgl. den Ar­ti­kel „trou“ im Tré­sor de la Lan­gue Françai­se in­for­ma­ti­sé.
  85. Se­mi­nar 23, Sit­zung vom 9. März 1976; Ver­si­on Mil­ler, S. 116; Über­set­zung von Max Klei­ner, S. 118.
  86. S. Freud: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 1. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 258–272.
  87. A.a.O.
  88. Sit­zung vom 18. März 1975; Klei­ner-Über­set­zung, S. 51, Über­set­zung ge­än­dert.
  89. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 11. März 1975; Über­set­zung von Max Klei­ner, S. 42.
  90. Al­ler­dings be­zieht La­can den Be­griff der Kon­sis­tenz ein­mal auch auf das of­fe­ne Seil; hier be­steht die Kon­sis­tenz dar­in, dass das Seil nicht zer­reißt, wenn man sich dar­an fest­hält (vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1975).
  91. Zeich­nung von die­ser Sei­te.
  92. Sit­zung vom 13. Mai 1975, Klei­ner-Über­set­zung, S. 75.
  93. Sit­zun­gen vom 17. De­zem­ber 1974; Klei­ner-Über­set­zung, S. 11. Sit­zung vom 13. Mai 197; Klei­ner-Über­set­zung, S. 75.
  94. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 14. Ja­nuar 1975.
  95. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  96. Vgl. La­can, Pré­face à L’Éveil du prin­temps, a.a.O., S. 562.
  97. Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1974; Klei­ner-Über­set­zung, S. 4.
  98. Sit­zung vom 9. De­zem­ber 1975; Klei­ner-Über­set­zung, S. 28, Über­set­zung ge­än­dert.
  99. J. La­can und Mi­chel Cé­nac: In­tro­duc­tion thé­o­ri­que aux fonc­tions de la psy­chana­ly­se en cri­mi­no­lo­gie. In: J. La­can: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 125–150, hier: S. 149.
  100. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 433.
  101. Die­se The­se ent­wi­ckelt La­can in Se­mi­nar 12 von 1964/64, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se.
  102. Vgl. La­can Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  103. Vgl. La­can, Pré­face à L’Éveil du prin­temps, a.a.O., S. 562; Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 19. Fe­bruar 1974.
  104. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  105. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  106. Vgl. J. La­can: Ra­dio­pho­nie. In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Ber­lin 1988, S. 5–54, hier: S. 49.

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