„Das Sinthom“ entziffern

Kommentar zu Lacans Vorlesung vom 9. Dezember 1975

Borromäische Ringe - Ballantine's (zu Jacques Lacan, Joyce und Chomsky)

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, „Das Sinthom”

Jacques Lacan: Seminar 23 von 1975/76: Le sinthome / Das Sinthom

Kommentar von Rolf Nemitz
gestützt auf die Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin ab März 2013

Einen Überblick über die Kommentare zu den einzelnen Sitzungen findet man hier, über den gesamten Kommentar hier.
Eine Übersicht über die verschiedenen Ausgaben des Sinthom-Seminars gibt es hier.

Inhalt

Vorlesung vom 9. Dezember 1975

Psychoanalytische Bibliothek 4 (zu: Jacques Lacan, Sinthom-Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Psychoanalytische Bibliothek Berlin

Dies ist die zweite Fassung des Kommentars zu dieser Sitzung, veröffentlicht am 21. April 2015. Die erste Fassung erschien, in zwei Teilen, am 2. und am 26. November 2013.

6. und 7. Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin am  24. September und am 29. Oktober 2013 in der Psychoanalytischen Bibliothek Berlin.

TONAUFNAHME

Erstes Drittel, bis „…con­sidé­rer le ma­nie­ment.“ (13):

Zweites Drittel, bis „… cause comme ob­jec­tivée.“ (15):

.Ab
Drittes Drittel:

FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quellen der Lacan-Zitate

Französischer Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Transkription, her­aus­ge­geben und veröffentlicht von der Website staferla.free.fr, ohne Ort. Variante vom 28.6.2013, PDF-Datei hier. Die Transkription wurde mit der Audioaufnahme verglichen und geringfügig überarbeitet.

Deutscher Text
Die Übersetzung stützt sich auf die Übersetzung von Seminar 23 durch Max Kleiner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, linke Spalte dieser Doppelübersetzung. Kleiners Übersetzung wurde von Rolf Nemitz stark überarbeitet.

Seitenzahlen

Französischer Text
Die Zahlen nach einem Satz in runden Klammern verweisen auf die Seiten der Version Staferla vom 28.6.2013.

– Die Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten der von Jacques-Alain Miller herausgegebenen offiziellen Ausgabe von Seminar 23 (Jacques Lacan: Le séminaire, livre XXIII. Le sinthome. 1975-1976. Éditions du Seuil, Paris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa beginnt in Millers Version von 2005 die Seite 83“. Da Miller die Transkription redaktionell bearbeitet hat, unterscheidet sich die hier gebrachte Transkription häufig von Millers Ausgabe.

Deutscher Text
Die Zahlen nach einem Satz in runden Klammern verweisen auf die Seiten der Übersetzung von Max Kleiner.

Anmerkungen
Die Anmerkungen zum französischen Text beziehen sich auf Fragen der Transkription.

– Die Anmerkungen zur Übersetzung liefern Informationen zum Text ohne Bezug auf Lacans Theorie sowie Querverweise.

Links in der Übersetzung
Die Links im deutschen Text führen zum „Lacan-Lexikon“ in diesem Artikel mit Hintergrundinformationen zu Lacans Theorie.

 

[27] Ça ne peut pas durer comme ça ! (11)

So kann das nicht weitergehen. (18)

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Je veux dire que vous êtes trop nombreux. (11)

Damit meine ich, dass Sie zu viele sind. (18)

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Vous êtes trop nombreux pour que… (11)

Sie sind zu viele, als dass … (18)

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Enfin, j’espère tout de même obtenir de vous ce que j’ai obtenu du public des États-Unis, où je viens d’aller. (11)

Nunja, ich hoffe dennoch, von Ihnen das zu bekommen, was ich von den Zuhörern in den Vereinigten Staaten bekommen habe, wo ich vor kurzem war. (18)

.

J’y ai passé quinze jours pleins et j’ai pu m’y apercevoir d’un certain nombre de choses, en particulier – si j’ai bien entendu – d’une certaine lassitude qui est ressentie, principalement par les analystes. (11)

Ich habe dort volle zwei Wochen verbracht, und ich konnte eine gewisse Anzahl von Dingen wahrnehmen, insbesondere, wenn ich es recht verstanden habe, eine gewisse Ermüdung, die hauptsächlich von den Analytikern verspürt wird. (18)

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[28] [J’y ai été – mon Dieu ! – je ne puis que dire que j’y ai été très bien traité, mais ça n’est pas dire grand chose, n’est ce pas ? (11)

Ich wurde dort, mein Gott, ich kann nur sagen, dass ich dort sehr gut behandelt worden bin, aber das besagt nicht viel, nicht wahr. (18)

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Je m’y suis senti plutôt… pour employer un terme qui est celui dont je me sers pour ce qu’il en est de l’homme …j’y ai été humé, ou encore, si vous voulez bien l’entendre, aspiré, aspiré dans une sorte de tourbillon, qui évidemment ne trouve son répondant que dans ce que je mets en évidence par mon nœud. (11)

Ich habe mich dort eher gefühlt, um einen Ausdruck zu verwenden, dessen ich mich bediene, wenn es um den Menschen geht, ich wurde dort eingeatmet, oder auch, wenn Sie es bitte recht verstehen mögen, eingesogen in einer Art Wirbel, der evidentermaßen seine Entsprechung  nur in dem findet, was ich mit meinem Knoten zur Evidenz bringe. (18)

.

C’est en effet pas par hasard – n’est ce pas ? – c’est peu à peu que vous avez vu … enfin, ceux qui sont là depuis un certain temps … que vous avez pu voir – c’est-à-dire entendre – pas à pas comment j’en suis venu à exprimer par la fonction du nœud ce que j’avais d’abord avancé comme, disons triplice du Symbolique, de l’Imaginaire et du Réel. (11)

Es ist wirklich nicht durch Zufall, nicht wahr, nach und nach haben Sie gesehen, zumindest diejenigen, die seit einer einiger Zeit da sind, Sie haben sehen können, das heißt hören/verstehen können, Schritt für Schritt, wie ich dazu gekommen bin, durch die Funktion des Knotens das auszudrücken, was ich zunächst vorgebracht hatte über die, sagen wir, Dreifalt des Symbolischen, des Imaginären und des Realen.1 (18)

.

Le nœud est fait dans l’esprit d’un nouveau mos – mode, n’est-ce pas, ou moeurs – d’un nouveau mos geometricus. (11)

Der Knoten ist gemacht im Geiste eines neuen mos, Art nicht wahr, oder Sitte, eines neuen mos geometricus.2 (18)

.

Nous sommes en effet, au départ toujours captivés par quelque chose qui est une géométrie que j’ai qualifiée la dernière fois de comparable au sac, c’est-à-dire à la surface. (11)

Tatsächlich sind wir anfangs immer von etwas gefesselt, nämlich von einer Geometrie, die ich letztes Mal gekennzeichnet habe als mit dem Sack vergleichbar, das heißt mit der Oberfläche. (18)

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Il est très difficile – vous pouvez en faire l’essai – il est très difficile de penser … chose qui s’opère le plus communément les yeux fermés …il est très difficile de penser au nœud. (11)

Es ist sehr schwierig – Sie können den Versuch machen –, es ist sehr schwierig, daran zu denken, man macht das zumeist mit geschlossenen Augen, es ist sehr schwierig, an den Knoten zu denken. (18 f.)

.

On ne s’y retrouve pas et je ne suis pas tellement sûr – quoiqu’il y en ait à mes yeux toute apparence – de l’avoir correctement mis devant vous. (11)

Man findet sich da nicht zurecht, und ich bin nicht so sicher – auch wenn es in meinen Augen ganz den Anschein hat –, dass ich ihn Ihnen korrekt vorgesetzt habe. (19)

.

Il me semble qu’ici il y a une faute. (11)

Es scheint mir, dass es hier einen Fehler gibt.3 (19)

.

Il y a une faute ici. Voilà. (11)

Hier ist ein Fehler. Schauen Sie. (19)

.

Parce que c’est ceci ce qu’il convient de supprimer. (11)

Denn das ist das, was gelöscht werden muss.4 (19)

.

C’est un nœud qui part de ceci que vous connaissez bien : À savoir ce qui fait que dans un nœud borroméen vous avez cette forme

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 5 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[29] qui est telle qu’à l’occasion elle se redouble et que vous devez la compléter par deux autres ronds : (11)

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 2 (zu Jacques Lacan, Sinthom, zu Joyce und Chomsky)Das ist ein Knoten, der von etwas ausgeht, das Sie gut kennen, nämlich von dem, was bewirkt, dass Sie in einem borromäischen Knoten diese Form haben, die dann verdoppelt wird und die Sie durch zwei weitere Ringe vervollständigen müssen. (19)

.

Il y a une autre façon de redoubler cette forme pliée – en somme, vous voyez que j’essaie de vous mettre au fait – cette forme pliée, cette forme liée qui s’accroche l’une à l’autre : | [30] il y a une autre façon qui consiste à user de ce que je vous ai déjà montré une fois, à l’occasion, à savoir de ceci :

Verklammerung zweier Ringe (Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)de ceci qui ne va pas sans constituer de soi un cercle fermé. (11 f.)

Es gibt noch eine andere Weise, diese gefaltete Form zu verdoppeln – wie Sie sehen, versuche ich, Sie auf den Stand zu bringen –, diese gefaltete Form, diese gebundene Form, die sich mit der anderen verhakt, es gibt eine andere Weise, die darin besteht, etwas zu benutzen, was ich Ihnen schon einmal gezeigt habe, nämlich dies hier, das nicht umhin kann, von sich aus einen geschlossenen Kreis zu bilden. (19 f.)

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Par contre, sous la forme suivante :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 5 (zu Jacques Lacan, Sinthom, zu Joyce und Chomsky)vous voyez que les deux circuits sont manipulables d’une façon telle qu’ils peuvent se libérer l’un de l’autre. (12)

In der folgenden Gestalt sehen Sie hingegen, dass die beiden Kreisbahnen in einer Weise manipulierbar sind, dass sie sich voneinander lösen können. (20)

.

C’est même pour ça que les deux cercles, ici marqués en rouge :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 6 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)peuvent en constituer un nœud qui soit à proprement parler borroméen, c’est-à-dire qui, du fait de la section d’un quelconque, libère tous les autres. (12)

Und aus eben diesem Grunde können die beiden Kreise, die hier rot markiert sind, einen Knoten bilden, der im eigentlichen Sinne borromäisch ist, das heißt, der, wenn irgendeiner aufgeschnitten wird, alle anderen freisetzt. (20)

.

L’analyse est en somme la réduction de l’initiation à sa réalité, c’est-à-dire au fait qu’il n’y a pas à proprement parler d’initiation. (12)

Die Analyse ist letztlich die Zurückführung der Initiation auf ihre Realität, das heißt auf die Tatsache, dass es eigentlich keine Initiation gibt. (20)

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Tout sujet y livre ceci : qu’il est toujours et n’est jamais qu’une supposition. (12)

Jedes Subjekt erweist sich hier als dies, dass es immer nichts anderes als eine Unterstellung ist. (20)

.

Néanmoins ce que l’expérience nous démontre, c’est que cette supposition est toujours livrée à ce que j’appellerai une ambiguïté. (12)

Nichtsdestoweniger beweist uns die Erfahrung, dass diese Unterstellung immer einer, wie ich es nennen möchte, Ambiguität ausgesetzt ist. (20)

.

Je veux dire que le sujet comme tel est toujours, non pas seulement double, mais divisé. (12)

Ich will sagen, dass das Subjekt als solches nicht nur immer doppelt, sondern gespalten ist. (20)

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Il s’agit de rendre compte de ce qui – de cette division – fait le Réel. (12)

Es geht darum, dem Rechnung zu tragen, was von dieser Spaltung das Reale ausmacht. (20)

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En quoi Freud … puisque il nous faut y revenir : c’est lui qui a été le grand frayeur de cette appréhension … en quoi Freud, dont en somme, si je l’ai bien lu – je crois d’ailleurs l’avoir bien lu … si j’en crois le dernier Erich Fromm, que vous pouvez vous procurer très aisément, si mon souvenir est bon, chez Gallimard, et qui s’intitule de quelque chose qui – au moins sur le dos du volume – s’énonce comme la psychanalyse appréhendée à travers son « père », entre guillemets, c’est-à-dire par Freud … en quoi donc, si je l’ai bien lu, Freud – Freud un bourgeois, et un bourgeois bourré de préjugés – a-t-il atteint quelque chose qui fait la valeur propre de son dire, et qui n’est certes pas rien, qui est la visée de dire sur l’homme la vérité. (12)

Worin hat Freud – denn darauf müssen wir zurückkommen, da er ja der große Wegbereiter dieser Einsicht war –, worin hat Freud, von dem letztlich, wenn ich recht gelesen habe – ich glaube im übrigen, es recht gelesen zu haben –, wenn ich dem neuesten Erich Fromm glaube, den Sie sich sehr leicht, wenn mein Gedächtnis mich nicht trügt, bei Gallimard besorgen können, und der mit etwas betitelt ist, das so formuliert wird, zumindest auf der hinteren Umschlagseite, als die Psychoanalyse, erfasst über ihren „Vater“ in Anführungszeichen, das heißt über Freud  – worin also hat Freud, wenn ich recht gelesen habe, Freud, ein Bourgeois, und zwar ein mit Vorurteilen vollgestopfter Bourgeois, warum hat er etwas erreicht, was den eigentlichen Wert seines Sagens ausmacht und was gewiß nicht wenig ist, nämlich darauf abzuzielen, über den Menschen die Wahrheit zu sagen?5 (20)

.

À quoi j’ai apporté cette correction qui n’a pas été pour moi sans peine, sans difficulté : qu’il n’y a de vérité qu’elle ne puisse que se dire – tout comme le sujet qu’elle comporte – qui ne puisse se | [31] dire qu’à moitié, qui ne puisse … pour l’exprimer comme je l’ai énoncé … que se mi-dire. (12)

Wozu ich diese Korrektur beigetragen habe, die mir keine geringe Qual, keine geringe Schwierigkeit bereitet hat, dass es eine Wahrheit nur gibt, die nur gesagt werden kann, ganz wie das Subjekt, das sie mit sich bringt, dass sie nur zur Hälfte gesagt werden kann, dass sie, um es so auszudrücken, wie ich es formuliert habe, nur halbgesagt werden kann.6 (20)

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Je pars de ma condition qui est celle d’apporter à l’homme ce que l’Écriture énonce comme, non pas une aide à lui, mais une aide contre lui. (13)

Ich gehe von meiner Lage aus, die darin besteht, dem Menschen das zu bringen, was die Schrift so formuliert, nicht als eine Hilfe für ihn, sondern als eine Hilfe gegen ihn.7 (20 f.)

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Et de cette condition j’essaie de me repérer. (13)

Und von dieser Lage her versuche ich mich zu verorten. (21)

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C’est bien pourquoi j’ai été … vraiment d’une façon qui vaudrait remarque … j’ai été conduit à cette considération du nœud, qui comme je viens de vous le dire, est à proprement parler constitué par une géométrie qu’on peut bien dire interdite à l’Imaginaire, qui ne s’imagine qu’à travers toutes sortes de résistances, voire de difficultés. (13)

Eben deshalb wurde ich, auf eine Weise, die wirklich eine weitere Bemerkung verdiente, wurde ich zu dieser Betrachtung des Knotens geführt, der, wie ich Ihnen gerade gesagt habe, eigentlich durch eine Geometrie konstituiert wird, von der man wohl sagen kann, dass sie dem Imaginären untersagt ist, die sich nur über alle möglichen Arten von Widerständen, von Schwierigkeiten hinweg vorstellen lässt. (21)

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C’est à proprement parler ce que le nœud, en tant qu’il est borroméen, substantifie. (13)

Dies ist eigentlich das, was der Knoten, insofern er borromäisch ist, substantifiziert. (21)

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Si nous partons en effet de l’analyse, nous constatons – c’est autre chose que d’observer. (13)

Wenn wir nämlich von der Analyse ausgehen, dann konstatieren wir, und das ist etwas anderes als zu beobachten.8 (21)

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Une des choses qui m’ont le plus frappé quand j’étais en Amérique, c’est ma rencontre … qui était certes pas par hasard, qui était tout à fait intentionnelle de ma part … c’est ma rencontre avec Chomsky. (13)

Eines der Dinge, die mich am meisten verblüfft haben, als ich in Amerika war, war meine Begegnung, die gewiß nicht zufällig war, die von meiner Seite ganz und gar beabsichtigt war, das war meine Begegnung mit Chomsky.9 (21)

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J’en ai été, à proprement parler, je dirai soufflé. (13)

Davon war ich, schlicht gesagt, ich würde sagen, baff. (21)

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Je le lui ai dit. (13)

Ich habe ihm das gesagt. (21)

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L’idée dont je me suis rendu compte qu’elle était la sienne est en somme celle-ci … dont je ne peux pas dire qu’elle soit d’aucune façon réfutable, c’est même l’idée la plus commune, et c’est bien qu’il l’ait – devant mon oreille – simplement affirmée, qui m’a fait sentir toute la distance où j’étais de lui … cette idée qui est l’idée en effet commune, est celle-ci, celle-ci qui me paraît précaire : la considération, en somme, de quelque chose qui se présente comme un corps, un corps conçu comme pourvu d’organes, ce qui implique dans cette conception que l’organe est un outil – outil de prise, outil d’appréhension – et que : il n’y a aucune objection de principe à ce que l’outil s’appréhende lui-même comme tel, que par exemple le langage soit considéré par lui comme déterminé par un fait génétique … il l’a exprimé en ces propres termes devant moi … en d’autres termes que le langage soit lui-même un organe. (13)

Die Vorstellung, die er, wie mir klar wurde, von der Sprache hat, ist letztlich diese, ich kann nicht sagen, dass sie in irgendeiner Weise widerlegbar wäre, das ist sogar die üblichste Vorstellung, und eben dass er sie vor meinen Ohren schlicht bestätigt hat, ließ mich die ganze Distanz spüren, in der ich zu ihm stehe – diese Vorstellung, die tatsächlich die übliche Vorstellung ist, ist diese, und sie erscheint mir heikel: die Betrachtung letztlich von etwas, das sich als ein Körper darstellt, der aufgefasst wird als mit Organen ausgestattet, was in dieser Auffassung impliziert, dass das Organ ein Werkzeug ist, ein Greifwerkzeug, ein Erfassungswerkzeug, und dass es keinen prinzipiellen Einwand dagegen gibt, dass dieses Werkzeug sich selbst als solches erfasst, dass er zum Beispiel die Sprache als durch ein genetisches Faktum determiniert auffasst – er hat das in eben diesen Worten vor mir so geäußert –, dass, mit anderen Worten, die Sprache selbst ein Organ sei.10 (21)

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Il me paraît tout à fait saisissant … c’est ce que j’ai exprimé par le terme soufflé … il me paraît tout à fait saisissant que de ce langage, on puisse faire retour sur lui-même comme organe. (13)

Es scheint mir ganz und gar ergreifend zu sein – das habe ich mit dem Wort „baff“ ausgedrückt –, es scheint mir ganz und gar ergreifend zu sein, dass man von dieser Sprache aus auf sie selbst als Organ zurückkommen könnte. (21 f.)

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Si le langage n’est pas considéré sous ce biais qu’il est lié à quelque chose qui dans le Réel fait trou, il n’est pas simplement difficile, il est impossible d’en considérer le maniement. (13)

Wenn die Sprache nicht unter dem Gesichtspunkt betrachtet wird, dass sie mit etwas verbunden ist, das im Realen Loch macht, ist es nicht einfach nur schwierig, sondern unmöglich, ihre Handhabung zu bedenken.11 (22)

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La méthode d’observation ne saurait partir du langage sans admettre cette vérité principielle que dans ce qu’on peut situer comme Réel, le langage n’apparaisse comme faisant trou. (13)

Die Beobachtungsmethode könnte von der Sprache nicht ausgehen, ohne die prinzipielle Wahrheit einzuräumen, dass in dem, was man als Reales verorten kann, die Sprache als Loch machend erscheint. (22)

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C’est de cette notion « fonction du trou » que le langage opère sa prise sur le Réel. (13)

Von diesem Begriff  her, „Funktion des Lochs“, übt die Sprache ihren Zugriff auf das Reale aus. (22)

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Il ne m’est, bien entendu, pas aisé de faire peser de tout son poids cette conviction sur vous. (13)

Es fällt mir wohlgemerkt nicht leicht, diese Überzeugung mit ihrem ganzen Gewicht auf Sie zu laden. (22)

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Elle m’apparaît inévitable de ce que il n’y a de vérité – comme telle – possible que d’évider ce Réel. (13)

Sie erscheint mir unvermeidlich (inévitable), weil es keine Wahrheit gibt, die als solche möglich wäre, als dadurch, dieses Reale zu entleeren (évider). (22)

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Le langage, qui d’ailleurs mange ce Réel, je veux dire qu’il ne permet d’aborder ce Réel … ce « Réel génétique » pour parler comme Chomsky … qu’en terme de signe, ou autrement dit | [32] de message qui part du gène moléculaire en le réduisant à ce qui a fait la renommée de Crick et de Watson, à savoir cette double hélice d’où sont censés partir ces divers niveaux qui organisent le corps à travers un certain nombre d’étages, qui sont d’abord de la division, du développement, de la spécialisation cellulaire, puis ensuite de cette spécialisation de partir des hormones qui sont autant d’éléments sur lesquels se véhiculent, pour la direction de l’information organique, autant de sortes de messages. (13)

Die Sprache, die im Übrigen das Reale frisst, ich will sagen, die an dieses Reale – an dieses genetische Reale, um wie Chomsky zu sprechen – nur mit der Kategorie des Zeichens heranzugehen erlaubt oder anders gesagt der Botschaft,  die vom molekularen Gen ausgeht, indem sie es auf das reduziert, was den Ruf von Crick und Watson begründet hat, nämlich diese Doppelhelix, von der, wie man annimmt, diese verschiedenen Ebenen ausgehen, die den Körper über eine gewisse Anzahl von Stufen organisieren, zunächst die Teilung, die Entwicklung, die zelluläre Spezialisierung, und dann die von den Hormonen ausgehende Spezialisierung, die als solche Elemente sind, über die, zur Steuerung der Organinformation, die entsprechenden Arten von Botschaften befördert werden.12 (22)

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Toute cette subtilisation de ce qu’il en est du Réel par tant de dits messages, mais où ne se marque que le voile porté sur ce qu’il en est de l’efficace du langage, c’est-à-dire sur ceci que le langage n’est pas en lui-même un message mais ne se sustente que de la fonction de ce que j’ai appelé le trou dans le Réel. (13)

Diese ganze Subtilisierung dessen, was das Reale ausmacht, durch all diese besagten Botschaften, womit aber nur der Schleier gekennzeichnet wird, der über das gelegt wird, was die Wirksamkeit der Sprache ausmacht, das heißt darüber, dass die Sprache in sich selbst nicht eine Botschaft ist, sondern nur durch die Funktion dessen getragen wird, was ich das Loch im Realen genannt habe.13 (22)

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Il y a pour cela la voie de notre nouveau mos geometricus, c’est-à-dire de la substance qui résulte de l’efficace, de l’efficace propre du langage, et qui se supporte de cette fonction du trou. (13)

Dafür gibt es den Weg unseres neuen mos geometricus, das heißt der Substanz, die aus der Wirksamkeit resultiert, der Wirksamkeit, die der Sprache eignet, und die durch diese Funktion des Lochs gestützt wird. (22 f.)

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Pour l’exprimer en terme de ce fameux nœud borroméen où je me fie, disons que il repose tout entier sur l’équivalence d’une droite infinie avec un cercle. (13)

Um es in den Kategorien jenes berühmten borromäischen Knotens auszudrücken, in den ich mein Vertrauen setze, sagen wir, dass er gänzlich auf der Äquivalenz einer unendlichen Geraden mit einem Kreis beruht. (23)

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Le schéma du nœud borroméen est celui-ci :

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 7 - unendl Gerade (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)
(14)

Dies ist das Schema des borromäischen Knotens. (23)

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Je veux dire – pour le marquer – ceci tout autant que mon dessin ordinaire, celui qui s’articule ainsi :

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)ceci tout autant que le dessin ordinaire est à proprement parler un nœud borroméen. (14)

Ich will sagen, um es festzuhalten, dieses ist ebenso gut wie meine übliche Zeichnung, die so ausgeführt ist, dies ist ebenso gut wie die übliche Zeichnung im eigentlichen Sinne ein borromäischer Knoten. (23)

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[33] De ce fait il est également vrai que ceci en est un :

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

(14)

Von daher ist gleichermaßen wahr, dass auch dies einer ist. (23)

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Je veux dire qu’à y substituer le couple d’une droite supposée infinie avec un cercle, on obtient le même nœud borroméen. (14)

Ich meine damit, wenn man hier das Paar von Geraden, als unendlich angenommen, durch einen Kreis ersetzt, erhält man denselben borromäischen Knoten.14 (23)

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Il y a quelque chose qui répond de ce chiffre trois qui est l’orée, si je puis dire, d’une exigence, laquelle est à proprement parler l’exigence propre du nœud. (14)

Es gibt etwas, das für diese Ziffer Drei verantwortlich ist, die, wenn ich so sagen darf, eine Schwellenforderung ist, nämlich eigentlich die dem Knoten eigene Forderung. (23)

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Elle est liée à ce fait que pour rendre compte correctement du nœud borroméen, c’est à partir de trois que spécialement s’origine une exigence. (14)

Sie ist an die Tatsache gebunden, dass, um korrekt über den borromäischen Knoten Auskunft zu geben, speziell von der Drei eine Forderung ausgeht. (23)

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Il est possible, avec une manipulation fort simple, de rendre ces trois droites infinies parallèles : (14)

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 10 - 3 Parallelen (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Mit einer sehr einfachen Manipulation ist es möglich, diese drei unendlichen Geraden parallel zu setzen. (24)

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Il suffira pour ça d’assouplir je dirai, ce qu’il en est du faux cercle déjà plié, le cercle en rouge dans cette occasion. (14)

Dafür wird es genügen, das geschmeidig zu machen, möchte ich sagen, worum es bei dem bereits gefalteten falschen Kreis geht, dem roten Kreis hier. (24)

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C’est à partir de trois qu’il nous faut définir ce qu’il en est du point à l’infini de la droite comme ne prêtant pas, ne prêtant en aucun cas, à faire faute à ce que nous pouvons appeler leur concentricité

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 11 - 3 konzentr Kreise (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)(14)

Ausgehend von dreien müssen wir definieren, was es mit dem Punkt im Unendlichen der Geraden auf sich hat, damit er nicht, damit er auf keinen Fall dem zuwiderläuft, was wir ihre Konzentrizität nennen können.

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Je veux dire que ces trois points à l’infini – mettons-les ici par exemple – doivent être sous quelque forme que nous les supposions, | [34] et nous pouvons aussi bien inverser ces positions, je veux dire faire que cette première droite à l’infini si l’on peut dire, soit par rapport aux autres enveloppante au lieu d’être enveloppée. (14)

Ich will sagen, diese drei Punkte im Unendlichen – setzen wir sie beispielweisse hier  – müssen, in welcher Gestalt wir sie auch annehmen, und wir können diese ihre Positionen ebensogut umkehren, ich will sagen, es so machen, dass diese erste Gerade im Unendlichen, wenn man so sagen kann, im Verhältnis zu den beiden anderen umschließend ist anstatt umschlossen zu sein. (24)

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C’est la caractéristique de ce point à l’infini, que de ne pouvoir être situé, comme on pourrait s’exprimer, d’aucun côté. (14)

Das ist das Kennzeichen des Punkts im Unendlichen, dass er, wie man sich ausdrücken könnte, auf keiner Seite verortet werden kann.15 (24)

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Mais ce qui est exigible à partir du nombre trois, c’est ceci, c’est que pour le figurer de cette façon imagée :

Borromäischer Viererknoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

on doit énoncer, préciser, que de ces trois droites, complétées de leur point à l’infini, il ne s’en trouvera pas une… vous sentez bien que si je les ai mises ici toutes les trois en rouge, c’est qu’il y a des raisons pour lesquelles j’ai dû les tracer ici d’une couleur différente … il n’y en aura pas une qui, d’être enveloppée par une autre, ne se trouvera enveloppante par rapport à l’autre, car c’est à proprement parler ceci qui constitue la propriété du nœud borroméen. (14 f.)

Ausgehend von der Zahl drei ist aber dies zu fordern, dass man nämlich, um es auf diese bildhafte Weise darzustellen, aussprechen muss, präzisieren muss, dass sich von diesen drei um ihre Punkte im Unendlichen ergänzten Geraden keine finden darf – Sie merken, während ich sie hier alle drei rot gemacht habe, gibt es Gründe, dass ich sie hier in unterschiedlichen Farben zeichnen musste –, dass es keine geben darf, die, während sie von einer anderen umschlossen ist, sich nicht im Verhältnis zu der anderen als umschließende fände, denn dies ist es eigentlich, was das Eigentümliche des borromäischen Knotens ausmacht. (24 f.)

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Je vous ai maintes fois familiarisés avec ceci, c’est que le nœud borroméen, si l’on peut dire dans la troisième dimension, consiste dans ce rapport qui fait que ce qui est enveloppé par rapport à l’un de ces cercles se trouve enveloppant par rapport à l’autre. (15)

Ich habe Sie schon mehrfach damit vertraut gemacht, dass der borromäische Knoten, wenn man so sagen kann, in der dritten Dimension in diesem Verhältnis besteht, das bewirkt, dass das, was im Verhältnis zum einen der Kreise umschlossen ist, im Verhältnis zum anderen umschließend. (25)

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Armillarsphäre (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Armillarsphäre

[35] C’est en cela qu’est exemplaire ceci que vous voyez ordinairement sous la forme de la sphère armillaire.

In dieser Hinsicht ist das exemplarisch, was Sie für gewöhnlich in Gestalt einer Armillarsphäre sehen.

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La sphère armillaire usée – dont on use – pour ce qu’il en est des sextants, se présente toujours ainsi :

Armillarsphäre - Schema (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

à savoir que pour le tracer d’une façon claire, le cercle bleu ira toujours se rabattre de la façon suivante autour du cercle qu’ici j’ai dessiné en vert, et que le cercle rouge – selon le rabattement de l’entraxe – doit être comme ça. (15)

Die Armillarsphäre, die man für die Sextanten benutzt, stellt sich immer so dar, dass nämlich, um es auf klare Weise zu zeichnen, der blaue Kreis sich stets in der folgenden Weise über den Kreis schieben kann, den ich hier in grün gezeichnet habe, und dass schließlich der rote Kreis, gemäß der Überdeckung auf einer anderen Achse, so sein muss. (25)

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Par contre, la différence entre ce cercle et cette disposition ordinaire dans toute manipulation de la sphère armillaire, se trouvera distancée si, disons, ce cercle qui apparaît ici moyen se trouve, à ce cercle se trouve substituée la disposition suivante :

Borromäischer Dreierknoten - ähnlich aber anders als Armillarsphäre (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)à savoir qu’il ne pourra pas être rabattu parce que il sera enveloppant par rapport au cercle rouge, et enveloppé par rapport au cercle vert. (15)

Hingegen wird der Unterschied zwischen diesem Kreis und der sozusagen gewöhnlichen Anordnung in einer jeden Manipulation der Armillarsphäre offensichtlich, wenn sich, sagen wir, dieser Kreis, der als mittlerer erscheint, wenn dieser Kreis ersetzt wird durch die folgende Anordnung, dass er nämlich nicht überdeckt werden kann, weil er im Verhältnis zum roten Kreis umschließend ist und im Verhältnis zum grünen Kreis umschlossen.16 (25 f.)

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Je redessine ce qu’il en est: (15)

Ich zeichne noch einmal, worum es geht: (26)

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Vous voyez qu’ici le cercle vert se trouve ainsi situé par rapport au cercle bleu et au cercle rouge. (15)

Sie sehen, dass hier der grüne Kreis im Verhältnis zum blauen Kreis und zum roten Kreis auf diese Weise verortet ist. (26)

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[36] Même mes hésitations sont ici significatives. (15)

Selbst mein Zögern ist hier bezeichnend. (26)

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Elles manifestent la maladresse avec laquelle nécessairement ce qu’il en est du nœud borroméen – type même du nœud – est manipulé. (15)

Es manifestiert das Ungeschick, mit dem notwendigerweise das manipuliert wird, worum es beim borromäischen Knoten, dem Typus selbst des Knotens, geht. (26)

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Le caractère fondamental de cette utilisation du nœud est de permettre d’illustrer la triplicité qui résulte d’une consistance qui n’est affectée que de l’Imaginaire, d’un trou comme fondamental qui ressortit au Symbolique, et d’autre part d’une ex-sistence – écrit comme je le fais : e.x tiret s.i.s.t.e.n.c.e – qui, elle, appartient au Réel qui en est le caractère fondamental. (15)

Das grundlegende Kennzeichen dieser Verwendung des Knotens ist, dass sie es erlaubt, die Triplizität zu illustrieren, die sich aus einer Konsistenz ergibt, die nur durch das Imaginäre affiziert wird, aus einem Loch als grundlegend, das aus dem Symbolischen hervorgeht, und schließlich aus einer Ex-sistenz – so geschrieben, wie ich es tue, Ex, Bindestrich, s, i, s, t, e, n, z –, die dem Realen zugehört, die dessen grundlegendes Kennzeichen ist. (26)

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Cette méthode – puisqu’il s’agit de méthode – est une méthode qui se présente comme sans espoir – sans espoir d’aucune façon de rompre le nœud constituant du Symbolique, de l’Imaginaire et du Réel. (15)

Diese Methode, denn es handelt sich um Methode, ist eine Methode, die sich als eine ohne Hoffnung darstellt – ohne Hoffnung, auf irgendeine Weise den konstituierenden Knoten von Symbolischem, Imaginärem und Realem zu zerreißen. (26 f.)

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À cet égard, elle se refuse à ce qui constitue – il faut le dire, et d’une façon tout à fait lucide – une vertu, une vertu même dite théologale, et c’est en cela que notre appréhension analytique de ce qu’il en est de ce nœud est le négatif de la religion.17 (15)

In dieser Hinsicht verweigert sie sich dem, was, wie man sagen muss, und zwar auf eine ganz und gar hellsichtige Weise, eine Tugend ist, sogar eine sogenannte theologische Tugend, und hierin ist unsere analytische Auffassung dessen, was diesen Knoten ausmacht, das Negativ der Religion.18 (27)

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On ne croit plus à l’objet comme tel, et c’est en ceci que je nie que l’objet puisse être saisi par aucun organe, puisque l’organe en lui-même est aperçu comme un outil, et qu’étant aperçu comme un outil, comme outil séparé il est à ce titre conçu comme un objet. (15)

Man glaubt nicht mehr an das Objekt als solches19, und insofern bestreite ich, dass das Objekt durch irgendein Organ erfasst werden könnte, da das Organ in sich selbst als Werkzeug aufgefasst wird, und wenn es als ein Werkzeug aufgefasst wird, als getrenntes Werkzeug, wird es eben damit als Objekt begriffen. (27)

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Dans la conception de Chomsky, l’objet n’est lui-même abordé que par un objet. (15)

Nach Chomskys Auffassung geht man an das Objekt nur mit einem Objekt heran. (27)

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C’est à la restitution en tant que telle du sujet, en tant que lui-même ne peut être que divisé, divisé par l’opération elle-même du langage, que l’analyse trouve sa diffusion. (15)

Zur Wiederherstellung des Subjekts hingegen, insofern dieses nur gespalten sein kann, gespalten eben durch das Wirken der Sprache, findet die Analyse ihre Verbreitung. (27)

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Elle trouve sa diffusion en ceci qu’elle met en question la science comme telle, science pour autant qu’elle fait d’un objet, ell fait d’un objet un sujet, alors que c’est le sujet qui est de lui-même divisé. (15)

Sie findet ihre Verbreitung darin, dass sie die Wissenschaft als solche in Frage stellt, Wissenschaft insofern, als sie ein Objekt zu einem Subjekt / Sujet macht, während es doch das Subjekt ist, das in sich selbst gespalten ist.20 (27)

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Nous ne croyons pas à l’objet, mais nous constatons le désir et de cette constatation du désir, nous induisons la cause comme objectivée. (15)

Wir glauben nicht an das Objekt, wir konstatieren jedoch das Begehren, und aus dieser Konstatierung des Begehrens leiten wir die Ursache als objektivierte ab.21 (27)

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[37] Le désir de connaître rencontre des obstacles. (15)

Das Erkenntnisbegehren trifft auf Hindernisse. (27)

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C’est pour incarner cet obstacle que j’ai inventé le nœud, et que au nœud il faut se rompre. (15)

Um dieses Hindernis zu verkörpern, habe ich den Knoten erfunden, und dass man sich mit dem Knoten einlassen muss. (27)

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Je veux dire que c’est le nœud seul qui est le support concevable d’un rapport entre quoi que ce soit et quoi que ce soit, que le nœud, s’il est abstrait d’un côté, doit être pensé et conçu comme concret. (15)

Ich will sagen, dass einzig der Knoten der denkbare Träger eines Verhältnisses ist, zwischen was auch immer und was auch immer, dass der Knoten, auch wenn er einerseits abstrakt ist, gleichwohl als konkret gedacht und begriffen werden muss. (27)

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Ce dans quoi, puisque aujourd’hui vous le voyez bien, je suis fort las, fort las de cette épreuve américaine où comme je vous l’ai dit, j’ai été certainement récompensé, car j’ai pu … ces figures que vous voyez ici plus ou moins substantialisé, substantialisées par l’écrit, par le dessin … j’ai pu en faire ce que j’appellerai agitation, émotion. (16)

Soweit dies, da ich heute, wie Sie wohl sehen, sehr erschöpft bin, sehr erschöpft von dieser Amerika-Erfahrung, wo ich, wie ich Ihnen gesagt habe, sicherlich entschädigt worden bin, denn ich konnte diese Figuren, die Sie hier mehr oder weniger substantialisiert sehen, durch das Geschriebene, durch die Zeichnung substantialisiert, ich konnte damit das hervorrufen, was ich Aufregung nennen möchte, Emotion. (27 f.)

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Le senti comme mental, le senti-mental est débile, parce que toujours par quelque biais réductible à l’Imaginaire. (16)

Das Gefühlte, le senti, als mentales, das „Senti-mentale“, ist debil, weil unter irgendeinem Gesichtspunkt stets auf das Imaginäre zurückführbar.22 (28)

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L’imagination de consistance va tout droit à l’impossible de la cassure, mais c’est en cela que la cassure peut toujours être le Réel, le Réel comme impossible et qui n’en est pas moins compatible avec la dite imagination et la constitue même. (16)

Die Imagination von Konsistenz führt geradewegs zur Unmöglichkeit des Zerreißens; aber insofern kann das Zerreißen stets das Reale sein, das Reale als unmöglich, das dafür nicht minder vereinbar ist mit besagter Imagination und diese sogar konstituiert. (28)

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Je n’espère pas – d’aucune façon – sortir de la débilité que je signale de ce départ. (16)

Ich habe keineswegs die Hoffnung – auf keine Weise –, der Debilität zu entrinnen, die ich von diesem Ausgangspunkt aus kennzeichne. (28)

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Je n’en sors, comme quiconque, que dans la mesure de mes moyens, c’est-à-dire comme « sur place », « sur » ne s’assurant d’aucun progrès vérifiable autrement qu’à la longue. (16)

Wie jeder andere entrinne ich ihr nur im Maße meiner Mittel, das heißt als sur place, an Ort und Stelle, wobei das sur23 sich eines Fortschritt nur in der Weise versichert, als dieser nur langfristig verifiziert werden kann.24 (28)

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C’est de façon fabulatoire que j’affirme que le Réel … tel que je le pense dans mon, dans mon pan s, e25, dans mon panse léger … ne va pas sans comporter réellement – le Réel mentant effectivement – sans comporter réellement le trou qui y subsiste de ce que sa consistance ne soit rien de plus que celle de l’ensemble du nœud qu’il fait avec le Symbolique et l’Imaginaire, nœud qualifiable du borroméen, soit intranchable sans dissoudre le mythe qu’il rend du sujet comme non supposé, c’est-à-dire comme réel, pas plus divers que chaque corps signalable du parlêtre, corps qui n’a de statut respectable, au sens commun du mot, que de ce nœud. (16)

In fabulatorischer Weise behaupte ich, dass das Reale, so wie ich es denke (pense) in meinem pan s, e,  in meinem leichten Verband durchaus realerweise (réellement) – das Reale lügt (le réel mentant)26 wirklich – das Loch enthält, das in ihm Bestand hat, weil seine Konsistenz nichts anderes ist als die der Gesamtheit des Knotens, den es mit dem Symbolischen und dem Imaginären bildet27, als borromäisch zu kennzeichnender Knoten, also nicht auftrennbar, ohne den Mythos aufzulösen, den er erzählt über das Subjekt als nicht-unterstelltes, das heißt als reales, nicht viel anders als jeglicher Körper, den man als Sprechwesen bezeichnen kann, ein Körper, der einen im üblichen Wortsinn respektablen Status nur aufgrund dieses Knotens hat. (28)

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[39] Alors, après cette épuisante tentative, et puisque aujourd’hui je suis fort las, j’attends de vous ce que j’ai reçu plus aisément qu’ailleurs en Amérique, à savoir que quelqu’un me pose, à propos d’aujourd’hui, une question, quelle qu’elle soit, même si elle manifeste que dans mon discours, mon discours d’aujourd’hui, — discours que je reprendrai la prochaine fois, en abordant ceci que Joyce se trouve d’une façon privilégiée avoir visé par son art le quart terme, celui que de diverses façons que vous voyez là figuré :

9-12-75 - II - Figur 1 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)qu’il s’agisse du rond rouge qui est | [38] tout à l’extrême, à droite, ou qu’il s’agisse aussi bien du rond noir ici :

9-12-75 - II - Figur 2ou qu’il s’agisse encore de ceci. (16)

Also, nach diesem erschöpfenden Versuch, da ich heute sehr müde bin, erwarte ich von Ihnen, was ich in Amerika leichter als anderswo erhalten habe, dass mir nämlich jemand zu heute eine Frage stellt, welche auch immer, selbst wenn sie deutlich macht, dass in meiner Rede, meiner heutigen Rede – eine Rede, die ich das nächste Mal wieder aufnehmen werde, wobei ich mich damit befassen werde, dass Joyce mit seiner Kunst auf eine ganz spezielle Weise auf den vierten Term abgezielt hat, den Sie hier auf verschiedene Weise dargestellt sehen28: ob es der rote Ring ganz außen ist, rechts,

9-12-75 - II - Figur 1 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)oder ob es der schwarze Ring hier ist,

9-12-75 - II - Figur 2oder ob es auch um dies hier geht.  (28 f.)

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Vous voyez que c’est d’une façon particulière encore, particulière en ceci que c’est toujours le même cercle plié qui se trouve ici, dans une position spéciale, à savoir deux fois infléchi, c’est-à-dire pris d’une façon qui est correspondante, qui se figure à peu près ainsi, pris quatre fois si l’on peut dire, avec lui-même, ce qui permet effectivement de s’apercevoir que, de même qu’ici c’est deux fois que chacun de ces cercles coincent la boucle figurée par ce cercle plié, ici par contre, c’est quatre fois que ce petit cercle, ou le cercle vert, par exemple, celui qui est ici, ou le cercle bleu le coincent, puisque aussi bien, c’est de coinçage essentiellement qu’il s’agit. (17)

9-12-75 - II - Figur 3 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Sie sehen, dass dies auf  besondere Weise gemacht ist, besonders in der Hinsicht, dass es immer derselbe gefaltete Kreis ist, der sich hier in einer besonderen Position befindet, nämlich zweimal umgelegt, das heißt in einer Weise genommen wird, die entsprechend ist, die sich ungefähr so darstellt: viermal mit sich selbst genommen, wenn man so sagen kann, was es in der Tat erlaubt wahrzunehmen, dass, ebenso wie hier jeder dieser Kreise zweimal die Schleife festzurrt, die durch diesen gefalteten Kreis dargestellt wird, während hier hingegen dieser kleine Kreis, oder der grüne Kreis zum Beispiel, der hier ist, oder der blaue Kreis, sie viermal festzurrt, da es sich ebenso ganz wesentlich um ein Festzurren handelt.29 (29)

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C’est donc de Joyce que ce quatrième terme… ce quatrième terme en tant qu’il complète le nœud de l’Imaginaire, du Symbolique et du Réel …que j’avancerai que, par son art… et c’est là tout le problème : comment un art peut-il viser de façon expressément divinatoire à substantialiser dans sa consistance, sa consistance comme telle, mais aussi bien son ex-sistence et aussi bien ce troisième terme qui est le trou …comment par son art, quelqu’un a-t-il pu viser à rendre comme tel… au point de l’approcher d’aussi près qu’il est possible …ce quatrième terme, celui à propos de quoi aujourd’hui j’ai voulu simplement vous montrer qu’il est essentiel au nœud borroméen lui-même ? (17)

Joyce also hat diesen vierten Term, diesen vierten Term, der den Knoten des Imaginären, des Symbolischen und des Realen vervollständigt – ich werde Ihnen vorstellen, dass er durch seine Kunst – und da liegt das ganze Problem: wie kann eine Kunst darauf abzielen, und zwar in ausdrücklich divinatorischer Weise30, in ihrer Konsistenz als solcher, aber ebenso sehr in ihrer Ex-sistenz, und ebenso sehr dem dritten Term, dem Loch nämlich, zu substantialisieren, wie konnte jemand durch seine Kunst darauf abzielen, jenen vierten Term wiederzugeben, und dabei so nahe, wie es möglich ist, an ihn heranzukommen, jenen vierten Term, von dem ich Ihnen heute nur zeigen wollte, dass er für den borromäischen Knoten selbst wesentlich ist? (29)

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FRAGEN UND ANTWORTEN 31

LACAN

J’attends donc que s’élève une voix, quelle qu’elle soit. (17)

Ich warte also darauf, dass sich eine Stimme erhebt, welche auch immer.

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Alors, qu’est-ce qui a pu vous paraître discutable dans ce que j’ai avancé aujourd’hui ? (18)

Also, was konnte Ihnen in dem, was ich heute vorgebracht habe, diskussionswürdig erscheinen? (nicht in der Kleiner-Übersetzung)

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STUART SCHNEIDERMAN32

Ce n’est pas une question sur le nœud lui-même, c’est une question plutôt historique. Qu’est-ce qui vous a amené à croire au début, que vous trouveriez quelque chose chez Chomsky qui vous dirait ou qui vous rappellerait, pour moi, c’est quelque chose qui ne m’aurait jamais venu en tête. (Gelächter) (18)

Das ist keine Frage zum Knoten, das ist eher eine historische Frage. Was hat Sie veranlasst, anfangs zu glauben, dass Sie bei Chomsky etwas finden könnten, das Ihnen etwas sagen könnte oder Sie an etwas erinnern könnte – für mich ist das etwas, das mir nie in den Sinn gekommen wäre. (Gelächter) (30)

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LACAN

C’est bien pour ça que j’ai été soufflé, c’est certain, oui.

Eben deshalb war ich baff, ja, das ist sicher.

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Mais ça ne veut pas dire que je ne… on a toujours cette sorte de faiblesse, – n’est-ce-pas ? – et il y a un reste d’espoir …je veux dire que Chomsky s’occupant de linguistique, je pouvais espérer voir une pointe d’appréhension de ce que je montre concernant le Symbolique, c’est-à-dire qu’il garde – même quand il est faux – quelque chose du trou, qu’il est impossible par exemple de ne pas qualifier de faux trou l’ensemble constitué par le symptôme et le Symbolique, mais que d’un autre côté, c’est en tant qu’il est accroché au langage que le symptôme subsiste, au moins si nous croyons que par une manipulation dite interprétative – c’est-à-dire jouant sur le sens – nous pouvons modifier quelque chose au symptôme. (18)

Aber das heißt nicht, dass ich nicht – man hat stets diese Art Schwäche, nicht wahr –, und es gibt einen Rest Hoffnung, ich will sagen, dass ich, da sich Chomsky mit Linguistik beschäftigt, hoffen konnte, einen Funken Ahnung bei ihm zu finden für das, was ich hinsichtlich des Symbolischen zeige, nämlich dass es etwas vom Loch bewahrt, selbst wenn es, das Loch, falsch ist, dass es zum Beispiel unmöglich ist, die durch das Symptom und das Symbolische gebildete Gesamtheit nicht als ein solches falsches Loch zu bezeichnen, dass aber auf der anderen Seite das Symptom Bestand hat, insofern es mit der Sprache verklammert ist, zumindest wenn wir glauben, dass wir durch eine Manipulation, die als deutend bezeichnet wird, die also auf den Sinn anspielt, am Symptom etwas verändern können. (30)

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Cette assimilation chez Chomsky de quelque chose, qui à mes yeux est de l’ordre du symptôme, c’est-à-dire qui confond le symptôme et le Réel, c’est très précisément ce qui m’a soufflé. (18)

Diese Assimilation bei Chomsky von etwas, was in meinen Augen zur Ordnung des Symptoms gehört, das heißt, die das Symptom mit dem Realen verwechselt, genau das ist es, was mich baff gemacht hat. (30)

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SCHNEIDERMAN

Excusez-moi. C’est une question peut-être oisive sur… (18)

Entschuldigung, das ist vielleicht eine müßige Frage, zur …(30)

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LACAN.

Comment ? (18)

Wie bitte? (30)

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SCHNEIDERMAN

Oisive. Étant Américain… (18)

Müßig. Als Amerikaner … (30)

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LACAN

Oui ! Vous êtes Américain, et je vous remercie ! (18)

Ach ja! Sie sind Amerikaner, und ich danke Ihnen. (30)

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Je constate simplement qu’il n’y a, une fois de plus qu’un Américain pour m’interroger. (Gelächter) (18)

Ich stelle einfach fest, dass es, um mir Fragen zu stellen, ein weiteres Mal nur einen Amerikaner gibt. (Gelächter) (30)

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Enfin, [40] je ne peux pas dire combien j’ai été comblé, si je puis dire, par le fait que – en Amérique –  j’ai eu des gens qui avaient, qui me témoignaient par quelque côté que mon discours n’était pas vain. (18)

Nun, ich kann gar nicht sagen, wie überglücklich, wenn ich so sagen kann, ich über die Tatsache war, dass ich in Amerika Leute hatte, die mir in gewisser Hinsicht bezeugt haben, dass meine Rede nicht umsonst war. (30)

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SCHNEIDERMAN

Alors, oui, pour moi, essayant de comprendre la possibilité de plusieurs discours à Paris, il me semble impossible que quelqu’un ait pu concevoir que Chomsky, éduqué dans la tradition nouvelle née de la logique mathématique et qu’il a pris chez Quine et Goodman, à Harvard… (18)

Also ja, für mich, der ich versuche, die Möglichkeit mehrerer Diskurse in Paris zu verstehen, scheint es unmöglich zu sein, dass jemand der Meinung sein konnte, dass Chomsky, der in der neuen Tradition ausgebildet ist, die aus der mathematischen Logik hervorgegangen ist, die er von Quine und Goodman in Harvard übernommen hat.33 (Nicht in der Übersetzung)

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LACAN

Mais Quine n’est pas bête du tout, hein ! (Gelächter) (18)

Aber Quine ist doch keineswegs dumm, nicht wahr!34 (Gelächter) (30)

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SCHNEIDERMAN

Non, mais il n’est pas non plus, me semble-t-il… Quine et Lacan, c’est deux noms que je n’aurais pas trouvés. Mais pour ce qui est de la réflexion sur le sujet, c’est les français qui pour trouver quelque chose de… pour trouver un tas d’images… il me manque une pensée comme ça… (18)

Nein, aber er ist es auch nicht mehr, scheint mir … Quine und Lacan, das sind zwei Namen, die ich nicht gefunden hätte. Aber was die Reflexion über das Subjekt angeht, es sind die Franzosen, die um etwas zu finden … um einen Haufen Bilder zu finden … es fehlt mir ein solcher Gedanke … (Nicht in Kleiners Übersetzung) (30)

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LACAN

Est-ce que je peux attendre de quelqu’un de français quelque chose qui, enfin qui… (18)

Kann ich von jemandem mit Französisch etwas erwarten, was … (30)

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ROLAND CHEMAMA35

Moi je voulais vous interroger sur quelque chose… C’est à propos de l’alternance finalement du corps et de la parole comme vous la vivez même aujourd’hui. Parce qu’il y a quelque chose qui m’échappe un petit peu dans votre discours, c’est le fait que vous parliez effectivement pendant une heure trente, et qu’ensuite vous ayez le désir d’avoir un contact, finalement, plus direct avec quelqu’un. Et je me suis demandé si, d’une façon plus générale, dans votre théorie, là, vous ne parliez pas strictement du langage, mais sans penser à ces moments où le corps sert lui aussi d’échange, et effectivement à ce moment-là, l’organe – c’est pas clair mais… – l’organe peut servir à appréhender le Réel, d’une façon directe, sans le discours. Est-ce qu’il n’y a pas une alternance des deux dans la vie d’un sujet ? J’ai l’impression qu’il y a une désincarnation du discours. Le discours se reportant toujours…(18)

Ich möchte Ihnen eine Frage über etwas stellen. Das bezieht sich auf das letztliche Alternierens von Körper und Sprechen, wie Sie es selbst heute leben. Denn es gibt etwas, bei dem ich in Ihrer Rede nicht ganz mitkomme, und zwar der Umstand, dass Sie anderthalb Stunden lang gesprochen haben, und dass Sie daraufhin den Wunsch nach einem letztlich direkteren Kontakt zu jemandem haben. Und ich habe mich gefragt, ob Sie auf eine allgemeinere Weise in Ihrer Theorie nicht strikt von der Sprache gesprochen haben, aber ohne an diese Momente zu denken, wo auch der Körper dem Austausch dient, und genau in diesem Augenblick kann das Organ – das ist nicht klar, aber –, kann das Organ dazu dienen, das Reale zu erfassen, auf direkte Weise, ohne die Rede. Gibt es nicht ein Alternieren der beiden im Leben eines Subjekts? Ich habe den Eindruck, dass es eine Entkörperung der Rede gibt. Die Rede, die sich immer bezieht … (30 f.)

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LACAN

Comment dites-vous ? Une désincarnation? (19)

Wie sagen Sie? Eine Entkörperung? (31)

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CHEMAMA

…du discours, du corps, c’est ce que je veux dire. Est-ce qu’il n’y a pas simplement un jeu effectivement d’alternance entre les deux… sans le langage ? Est-ce que ce trou n’existerait pas du fait d’un engagement physique direct avec ce Réel ? Et je parle de l’amour et de la jouissance. (19)

…. der Rede, vom Körper, das meine ich. Gibt es nicht einfach ein Spiel des Alternierens zwischen den beiden – ohne die Sprache? Würde dieses Loch nicht existieren, aufgrund der Tatsache eines direkten physischen Bezugs zu diesem Realen? Ich spreche von der Liebe und vom Genießen / vom Orgasmus. (31)

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LACAN

C’est bien là ce dont il s’agit. (19)

Eben darum geht es. (31)

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Il est tout de même très difficile de ne pas considérer le Réel, dans cette occasion comme un tiers, et disons que ce que je peux solliciter comme réponse appartient à ceci qui est un appel au Réel, non pas comme lié au corps, n’est-ce-pas, mais comme différent, que loin du corps, il y a possibilité de ce que j’appelais la dernière fois résonance, ou consonance, que c’est au niveau du Réel que peut se trouver cette consonance, que le Réel… par rapport à ces pôles que constituent le corps et d’autre part le langage …que le Réel est là ce qui fait accord. (19)

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Es ist gleichwohl sehr schwierig, das Reale hierbei nicht als ein Drittes zu betrachten, und, sagen wir, alles, was ich als Antwort hervorlocken kann, gehört zu einer Anrufung des Realen, nicht als an den Körper gebunden, nicht wahr, sondern als unterschiedlich, dass es weit entfernt vom Körper die Möglichkeit dessen gibt, was ich letztes Mal Resonanz oder Konsonanz genannt habe, dass diese Konsonanz auf der Ebene des Realen zu finden ist, dass das Reale, im Verhältnis zu diesen Polen, die der Körper und andererseits die Sprache bilden, dass da das Reale das ist, was Übereinstimmung bewirkt.36 (31)

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Qu’est-ce que je peux attendre de quelqu’un d’autre? (19)

Was kann ich von jemand anderem erwarten? (Nicht in der Übersetzung)

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ANONYM

Vous disiez tout à l’heure que Chomsky faisait du langage un organe, et vous parliez d’un effet de soufflage. Ça vous avait soufflé. Et je me demandais si ça ne tenait pas au fait que vous, ce que vous dites, ce dont vous faites un organe c’est la libido. Je pense au « mythe de la lamelle », et je me demande si ça n’est pas le biais par lequel peut se poser, ici, précisément la question de l’âme.37 C’est-à-dire je me demande si ce déplacement de l’un à l’autre, qui m’a été présent à l’esprit lorsque vous en aviez parlé, n’est pas ce par quoi on peut saisir encore38 qu’il y ait de l’âme.39 Parce que écarter l’idée de mettre un écart entre langage et organe, ça ne peut se récupérer dans le sens d’un art que si on – je pense qu’on coupe l’organe au niveau de là où vous le mettez, de la libido. C’est pas simple, je veux dire, parce que la libido comme organe c’est pas… Et je pense d’autre part, ce qui est étonnant c’est que… (19)

Sie sagten vorhin, dass Chomsky die Sprache zu einem Organ macht, und Sie sprachen von einem Baff-Effekt, dass hat Sie baff gemacht. Und ich fragte mich, ob das daran gelegen hat, dass das, was Sie zum Organ machen, die Libido ist. Ich denke an den Mythos der Lamelle, und ich frage mich, ob das nicht die spezielle Perspektive ist, in der sich hier genau die Frage der Seele40 stellen kann. Das heißt, ich frage mich, ob diese Verschiebung vom einen zum anderen, die mir wirklich in den Sinn kam, als Sie davon gesprochen haben, nicht das ist, womit man erfassen kann, worum es bei der Seele41 geht. Denn wenn man die Idee zurückweist, zwischen Sprache und Organ eine Distanz herzustellen, kann sich das nur zusammenschließen im Sinne einer Kunst, wenn man – ich denke, wenn man das Organ auf der Ebene schneidet, auf die sie es hinstellen, der der Libido. Das ist nicht einfach, ich meine, weil die Libido als Organ nicht … Und ich denke andererseits, dass es erstaunlich ist, dass …42(31 f.)

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LACAN

La libido, comme son nom l’indique, ne peut être que participant du trou, tout autant que des autres modes sous lesquels se présentent le corps et le Réel d’autre part. Ouais… (19)

La libido, wie ihr Name anzeigt, kann nur am Loch teilhaben, ebenso wie an den anderen Modi, in denen sich der Körper und andererseits das Reale präsentieren.43 (32)

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ANONYM

Ce qui est très curieux, c’est que lorsque vous parlez… (19)

Es ist merkwürdig, dass, wenn Sie sprechen ….

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LACAN

C’est évidemment par là que j’essaie de rejoindre la fonction de l’art. (19)

Damit versuche ich offenkundig, den Bezug zur Funktion der Kunst herzustellen. (32)

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C’est en quelque sorte impliqué par ce qui est laissé | [41] en blanc comme quatrième terme. (19)

Das ist gewissermaßen in dem enthalten, was als vierter Term frei gelassen wurde.44

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Et quand je dis que l’art peut même atteindre le symptôme, c’est ce que je vais essayer de substantialiser et c’est à juste titre que vous évoquez le mythe dit lamelle. (19)

Und wenn ich sage, dass die Kunst sogar das Symptom erreichen kann, so ist dies das, dem ich versuchen werde, Substanz zu verleihen, und Sie rufen zu Recht den sogenannten Mythos der Lamelle in Erinnerung.

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C’est tout à fait dans la bonne note, et je vous en remercie. C’est dans ce fil que j’espère continuer. (19)

Das ist ganz und gar der richtige Ton, und ich danke Ihnen dafür. Diesen Faden hoffe ich weiterzuverfolgen.

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ANONYM

Je voudrais poser une petite question : lorsque vous parlez de la libido, dans ce texte, vous dites qu’elle est remarquable par un trajet d’invagination aller-retour. Or cette image, aujourd’hui elle me semble pouvoir fonctionner comme celle de la corde qui est prise dans un phénomène de résonance et qui ondule, c’est-à-dire qui fait un ventre qui s’abaisse et se lève et des nœuds. Je voudrais savoir si… (19)

Ich möchte eine kleine Frage stellen. Wenn Sie in diesem Text von der Libido sprechen, sagen Sie, dass sie an einer Invaginationsbewegung hin und zurück zu bemerken ist. Nun, dieses Bild scheint mir heute wie das von der Saite funktionieren zu können, die von einem Resonanzphänomen erfasst ist und sich in Schwingung befindet, die also einen Bauch macht, der sich senkt und hebt, sowie Knoten.45 Ich wüsste gern, ob….46(32)

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LACAN

Non mais ce n’est pas pour rien que dans une corde, la métaphore vient de ce qui fait nœud. (19)

Nein, aber es ist nicht ohne Bedeutung, dass bei einer Saite die Metapher von dem aufkommt, was einen Knoten bildet. (32)

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Ce que j’essaie, c’est de trouver à quoi se réfère cette métaphore. (19)

Was ich versuche, das ist herauszufinden, worauf diese Metapher sich bezieht. (32)

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S’il y a dans une corde vibrante des ventres et des nœuds, c’est pour autant que c’est aux nœuds qu’on se réfère, je veux dire que on use du langage d’une façon qui va plus loin que ce qui est effectivement dit. (19)

Wenn es bei einer vibrierenden Saite Bäuche und Knoten gibt, dann deshalb, weil man sich auf Knoten bezieht, ich will sagen, weil man die Sprache auf eine Weise verwendet, die weiter geht als das, was effektiv gesagt wird. (32)

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On réduit toujours la portée de la métaphore comme telle, c’est-à-dire qu’on la réduit à une métonymie. (20)

Man reduziert stets die Tragweite der Metapher als solcher, das heißt, man reduziert sie auf eine Metonymie. (32)

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ANONYM

Lorsque vous passez du nœud borroméen à trois – Réel, Imaginaire, Symbolique – à celui à quatre – où s’introduit le symptôme, le nœud borroméen à trois en tant que tel disparaît. Et… (20)

Wenn Sie vom borromäischen Dreierknoten – Reales, Imaginäres, Symbolisches – zum Viererknoten übergehen, wo das Symptom eingeführt wird, verschwindet der borromäische Dreierknoten. Und … (32)

.

LACAN

C’est tout à fait exact, iI n’est plus un nœud. (20)

Das ist völlig exakt, er ist kein Knoten mehr. (32)

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Il n’est tenu que par le symptôme. (20)

Er wird nur durch das Symptom gehalten. (32)

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ANONYM

Dans cette perspective, disons de l’espoir de cure, en matière d’analyse, ça semble poser problème… (20)

In  dieser Perspektive, sagen wir derjenigen der Hoffnung der Kur, bezogen auf die Analyse, scheint das ein Problem darzustellen. (32)

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LACAN

Il n’y a aucune réduction radicale du quatrième terme, d’est-à-dire que même l’analyse, puisque Freud… on ne sait pas par quelle voie …a pu l’énoncer : il y a une Urverdrängung, il y a un refoulement qui n’est jamais annulé.

Es gibt keinerlei radikale Reduktion des vierten Terms, das heißt, dass selbst die Analyse, weil Freud – man weiß nicht, auf welchem Weg – in der Lage war, es auszusprechen: es gibt eine Urverdrängung*, es gibt eine Verdrängung, die niemals beseitigt wird.

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Il est de la nature même du Symbolique de comporter ce trou, et c’est ce trou que je vise, que je reconnais dans l’Urverdrängung elle-même. (20)

Es gehört eben zur Natur des Symbolischen, dass es dieses Loch aufweist, und dieses Loch ist es, auf das ich abziele, das ich in der Urverdrängung* selbst erkenne. (33)

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ANONYM

D’autre part vous parlez du nœud borroméen en disant qu’il ne constitue pas un modèle. Est-ce que vous pourriez préciser ? (20) 

Andererseits sprechen Sie vom borromäischen Knoten in der Weise, dass Sie sagen, dass er kein Modell darstellt. Könnten Sie das präzisieren? (33)

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[42] LACAN

Il ne constitue pas un modèle sous le mode où il a quelque chose près de quoi l’imagination défaille, je veux dire qu’elle résiste à proprement parler, comme telle, à l’imagination du nœud. (20)

Er stellt insofern kein Modell dar, als er etwas hat, woran die Imagination scheitert, ich will sagen, dass sie gegen die Imagination des Knotens Widerstand leistet, Widerstand im eigentlichen Sinn. (33)

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Son abord mathématique dans la topologie est insuffisant. (20)

Das mathematische Herangehen an ihn in der Topologie ist unzureichend. (33)

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J’ai – je peux quand même vous dire mes expériences de ces vacances. (20)

Ich habe – ich kann Ihnen trotzdem sagen, welche Erfahrungen ich in diesen Ferien gemacht habe. (33)

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Je me suis obstiné à penser à la façon dont ceci : (20)9-12-75 - II - Figur 4 - Kleeblattknoten qui constitue un nœud — non pas un nœud entre deux éléments, car comme vous le voyez, il n’y en a qu’un seul. (20)

Ich habe mich darauf versteift, darüber nachzudenken, auf welche Weise dies hier, das einen Knoten darstellt – nicht einen Knoten zwischen zwei Elementen, denn wie Sie sehen, gibt es nur ein einziges.47 (33)

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Comment ce nœud dit nœud à trois, le nœud le plus simple, le nœud que vous pouvez faire, c’est le même que celui-ci : 9-12-75 - II - Figur 5 - einfachster Knoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Bild eines Kleeblattknotens. Es ist so ergänzen, dass die beiden Enden miteinander verbunden sind.

le nœud que vous pouvez faire avec n’importe quelle corde, la plus simple. (20)

Wie dieser Knoten, der sogenannte Dreierknoten, der einfachste Knoten, der Knoten, den Sie machen können – das ist derselbe wie dieser hier, der Knoten, den Sie mir jeder beliebigen Schnur machen können, mit der einfachsten. (33)

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C’est le même nœud quoiqu’il n’ait pas le même aspect. (20)

Das  ist derselbe Knoten, auch wenn er nicht dasselbe Aussehen hat.48 (33)

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Je me suis attaché à penser à ceci, dont j’avais fait, disons la trouvaille, à savoir qu’avec ce nœud, tel qu’il est montré là, il est facile de démontrer qu’il ex-siste un nœud borroméen. (20)

Ich habe mich daran geheftet, über das nachzudenken, wovon ich, sagen wir, den Fund gemacht habe, dass es nämlich mit diesem Knoten, so wie er hier dargestellt ist, einfach ist zu beweisen, dass ein borromäischer Knoten ex-sistiert.49 (33)

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9-12-75 - II - Figur 6 - Kleeblatt im borromäischen Knoten (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)9-12-75 - II - Figur 7 - Kleeblatt (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)Il suffit de penser que vous pouvez rendre sous-jacent sur une surface… qui est cette surface double sans laquelle nous ne saurions écrire quoi que ce soit concernant les nœuds …sur une surface donc sous-jacente, vous mettez le même nœud. (20)

Dazu genügt es zu denken, dass Sie darunterliegend auf eine Fläche, auf jene Doppelfläche, ohne die wir überhaupt nichts schreiben könnten, was die Knoten betrifft, auf eine darunterliegenden Fläche also legen Sie denselben Knoten. (34)

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Il est très facile de réaliser – je veux dire par une écriture – ceci : qu’en faisant passer successivement – je veux dire à chaque étape – un troisième nœud à trois, successivement… et c’est facile ça à imaginer. (20)

Es ist sehr einfach, Folgendes zu realisieren, ich meine, durch eine Schreibung: indem Sie nacheinander – ich meine, an jeder Stelle – einen dritten Dreierknoten führen, nacheinander, und es ist leicht, sich das vorzustellen.

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Ça s’imagine pas tout de suite, il a fallu que j’en fasse la trouvaille …faire passer un nœud homologue sous le nœud sous-jacent, et sur – à chaque étape – le nœud que j’appellerai là sur-jacent.

Das kann man sich nicht sofort vorstellen, ich musste es ja erst finden – einen homologen Knoten unter den darunterliegenden Knoten und in jeder Etappe über den Knoten, den ich hier den darüberliegenden nennen werde, zu führen. (34)

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Ceci donc, réalise aisément un nœud borroméen. (20)

Dies realisiert also auf einfache Weise einen borromäischen Knoten. (34)

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Y a-t-il possibilité, avec ce nœud à trois, de réaliser un nœud borroméen à quatre ? (21)

Besteht die Möglichkeit, mit diesem Dreierknoten einen borromäischen Viererknoten zu realisieren? (34)

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J’ai passé à peu près deux mois à me casser la tête sur cet objet – c’est bien là le cas de le dire.

Ich habe ungefähr zwei Monate damit verbracht, mir über dieses Objekt den Kopf zu zerbrechen, so kann man hier wirklich sagen.

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Je n’ai pas réussi à démontrer qu’il ex-siste une façon de nouer quatre nœuds à trois d’une façon borroméenne. (21)

Es ist mir nicht gelungen zu beweisen, dass ein Verfahren ex-sistiert, vier Dreierknoten auf borromäische Weise zu verknüpfen. (34)

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Eh bien, ça ne prouve rien, ça ne prouve pas qu’il n’ex-siste pas ! (21)

Das beweist nun aber nichts; das beweist nicht, dass er nicht ex-sistiert.50 (34)

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[43] Encore hier soir, je n’ai pensé qu’à ça : si j’avais pu y arriver à vous le démontrer qu’il ex-siste… (21)

Noch gestern Abend habe ich an nichts anderes gedacht als daran: wenn es mir doch gelungen wäre, Ihnen zu beweisen, dass er ex-sistiert. (34)

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Ce qu’il y a de pire, c’est que je n’ai pas trouvé la raison démonstrative de ce qu’il n’ex-siste pas. (21)

Was das Schlimmste ist, ich habe nicht den Beweisgrund dafür gefunden, dass er nicht existiert. (34)

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Simplement, j’ai échoué, car même cela : que je ne puisse pas montrer que ce nœud à quatre nœuds à trois, en tant que borroméen, ex-siste, que je ne puisse pas le montrer ne prouve rien. (21)

Ich bin einfach gescheitert, denn selbst dies, dass ich nicht zeigen kann, dass dieser Knoten aus vier Dreierknoten als borromäischer existiert, dass ich das nicht zeigen kann, beweist gar nichts. (34)

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Il faut que je démontre qu’il ne peut ex-sister, en quoi, de cet Impossible, un Réel sera assuré, le Réel constitué par ceci : qu’il n’y a pas de nœud borroméen qui se constitue de quatre nœuds à trois.

Ich muss beweisen, dass er nicht existieren kann, wodurch, durch dieses Unmögliche, ein Reales gesichert sein wird, das Reale, das dadurch gebildet wäre, dass es keinen borromäischen Knoten gibt, der aus vier Dreierknoten besteht. (34)

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Ce serait là toucher un Réel. (21)

Damit wäre ein Reales berührt. (34)

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Pour vous dire ce que j’en pense, toujours avec ma façon de dire que c’est mon pense/panse : je crois qu’il ex-siste, je veux dire que ce n’est pas là que nous buterons à un Réel.

Um Ihnen zu sagen, was ich davon denke, immer nach meiner Redensart, dass das mein pense, mein Denken / mein Pansen ist, ich glaube, dass er existiert, ich meine, dass wir nicht hier an ein Reales stoßen werden.51 (34)

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Je ne désespère pas de le trouver, mais c’est un fait que je ne peux rien, parce que dès que ça serait démontré, ça serait facile de vous le montrer. (21)

Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, es zu finden, aber es ist eine Tatsache, dass ich nichts dazu kann, weil es, sobald es bewiesen wäre, einfach wäre, es Ihnen zu zeigen. (34)

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Mais il est un fait aussi, c’est que je ne peux rien de tel, vous montrer. (21)

Aber es ist ebenfalls eine Tatsache, dass ich Ihnen nichts Derartiges zeigen kann. (34)

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Le rapport du montrer au démontrer est là nettement séparé. (21)

Das Verhältnis von Zeigen und Beweisen ist hier klar getrennt. (34)

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ANONYM

Vous avez dit tout à l’heure que dans la perspective de Chomsky, le langage peut être un organe. Et vous avez parlé de la main. Pourquoi ce mot « main » ? Est-ce que sous ce mot main, il y a la référence à quelque chose de l’ordre… qui a rapport à un objet qui n’est pas encore technique au sens cartésien du terme ? C’est-à-dire une technique qui ignore le langage, qui ne parle plus d’une technique au sens cartésien du terme, c’est-à-dire une technique qui ignore le langage, qui ne parle plus d’une technique liée au langage, pour désigner le rapport du sujet au langage, est là pour montrer la nécessité d’une autre théorie de la technique que celle qui a lieu peut-être, chez Chomsky ? (21)

Sie haben vorhin gesagt, dass in der Perspektive von Chomsky die Sprache ein Organ sein kann. Und Sie haben von der Hand gesprochen. Warum dieses Wort „Hand“? Gibt es bei diesem Wort „Hand“ den Bezug auf etwas von der Ordnung – was in Beziehung steht zu einem Objekt, das noch nicht Technik im kartesianischen Sinn des Wortes ist?52 Das heißt eine Technik, die keine Sprache kennt, die nicht mehr von einer Technik im kartesischen Sinne des Ausdrucks spricht, d.h. eine Technik, die die Sprache nicht kennt, die nicht mehr von einer Technik spricht, die mit der Sprache verbunden ist, um die Beziehung des Subjekts zur Sprache zu bezeichnen, ist da, um die Notwendigkeit einer andere Theorie der Technik zu zeigen, anders als diejenige, die vielleicht bei Chomsky ihren Ort hat – ?

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LACAN

Oui, c’est ce que je prétends : malgré l’existence de poignées de mains, la main dans la poignée, dans l’acte de poigner, ne connaît pas l’autre main. (21)

Ja, das ist das, was ich behaupte: trotz der Ex-sistenz / Existenz des Händedruckes erkennt die Hand im Druck, im Akt des Drückens nicht die andere Hand. (35)

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Quelqu’un attend pour un cours…(21)

Jemand wartet bereits wegen eines Kurses. (35)

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KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vor­trag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den Lacan-Zitaten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Am Ende je­des Le­xi­konein­trags steht ein Pfeil nach un­ten mit der Spitze nach links (↩); wenn man ihn an­klickt, kommt man zur ent­spre­chen­den Stelle der Über­set­zung zurück.

Lacans USA-Aufenthalt im Herbst 1975 (18)

Zu: „Nunja, ich hoffe dennoch, von Ihnen das zu erhalten, was ich vom Publikum in den Vereinigten Staaten erhalten habe, wo ich vor kurzem war.“ (18)

Lacan hielt 1975 in den USA eine Reihe von Vorträgen, den ersten am 24. November an der Yale-Universität. Die Titel der Vorträge sowie Links zu den Transkriptionen verzeichnet dieser Kommentar im Artikel Audiodateien, Primärliteratur und Sekundärliteratur. Weitere Informationen zum USA-Besuch findet man in Millers Anmerkungen zu seiner Version des Sinthom-Seminars53 sowie in Roudinescos Lacan-Biographie54.

Es gibt keine Initiation (20)

Zu: „Die Analyse ist letztlich die Zurückführung der Initiation auf ihre Realität, das heißt auf die Tatsache, dass es eigentlich keine Initiation gibt.“ (20)

„Es gibt keine Initiation“ meint: Es gibt keine symbolische Praxis, durch die die Antriebsstruktur der Menschen so umgeformt wird, dass Menschen sich vom biologischen Gegengeschlecht als Gegengeschlecht angezogen fühlen und durch es qua Gegengeschlecht Lust empfinden.

Die These wird von Lacan in Seminar 21 von 1973/74, Les non-dupes errent, entwickelt.55 Hier heißt es: Die Initiation beziehe sich auf das Genießen und sei, mit einem Ausdruck von Marcel Mauss, mit bestimmten „Körpertechniken“ verbunden; sie sei gewissermaßen eine Wissenschaft des Genießens. In der Antike habe es eine solche Initiation gegeben, nämlich in Gestalt der Mysterienkulte. Heute sei die Initiation verschwunden; von ihr gebe es nur noch Trümmer in Gestalt des Okkultismus.

Die These vom Verschwinden der Initiation zielt vermutlich kritisch auf Bruno Bettelheims Buch Symbolische Wunden von 1954, in dem Bettelheim die gegenteilige Auffassung vertritt. Bettelheim zufolge sind Initiationsrituale weiterhin auf der ganzen Welt lebendig.56

Auf die modernen Trümmer der Initiation bezieht Lacan sich auch im Vortrag Joyce das Symptom I (1975). Er spricht hier über die Initiation, um die Joyce sich durch Lektüre der Schriften von Helena Blavatsky bemüht habe, aber auch über die Initiation, nach der der junge Lacan gestrebt habe, indem er den Kontakt zu René Guénon suchte. Die Initiation, so heißt es dort, sei eine Form der geistigen Debilität.57

„Es gibt keine Initiation“ meint außerdem, so erläutert Lacan in Seminar 21, dass der Sinn immer verschleiert ist – vom Sinn habe man nichts als den Schleier. Er verweist hierzu auf die Etymologie des lateinischen Worts nuptiae (Hochzeit, Beischlaf): nuptiae geht zurück auf nubes (Wolke, Schleier). In dem 1974 veröffentlichten Vorwort zu Frank Wedekinds Frühlingserwachen schreibt Lacan: „Dass der gelüftete Schleier nichts zeigt, dies ist das Prinzip der Initiation (in die guten Sitten der Gesellschaft, zumindest).“58

Über die Initiation hatte sich Lacan bereits in früheren Seminaren geäußert. In primitiven Gesellschaften, so sagt er dort, werden die natürlichen Begierden durch das Initiationsritual so umgeformt, dass sie einen neuen Sinn erhalten, eine neue Richtung, so dass die Menschen sich als Frauen oder als Männer identifizieren, die auf das andere Geschlecht gepolt sind.59

Dabei werde der Phallus als letzter Sinn angesehen; in den griechischen Mysterien sei es letztlich darum gegangen, den Schleier zu lüften, mit dem die Phallus-Statue bedeckt war.60 Auf die Enthüllung des Phallus in den Mysterien bezog Lacan sich auch in dem Aufsatz Die Bedeutung des Phallus von 1958.61 Vgl. hierzu auch in diesem Blog den Artikel Der Phallus; dort findet man auch eine Abbildung des Freskos aus der Mysterienvilla, auf das Lacan sich in Die Bedeutung des Phallus bezieht, mit der Enthüllung des Phallus.

Das Subjekt ist eine Unterstellung (20)

Zu: „Jedes Subjekt weist dies auf, dass es immer nur lediglich eine Unterstellung ist.“ (20)

Das lateinische Wort subiectum (das Unterworfene) übersetzt den griechischen Ausdruck hypokeimenon, das Darunterliegende, das Unterstellte. In Seminar 21 sagt Lacan:

„Das Wissen, insofern es unbewusst ist, insofern es in uns arbeitet, scheint also eine Unterstellung zu enthalten.

Das ist eine Unterstellung, werden Sie mir sagen, bei der wir es nicht nötig haben, uns zu zwingen, weil es letztlich wir selber sind. Das Subjekt, das hypokeimenon, all das bedeutet genau dasselbe, nämlich, dass man unterstellt, dass etwas existiert, was so heißt, was ich schließlich so bezeichnet habe: das Sprechwesen.“62

Das Subjekt ($) ist das, was dem unbewussten Wissen (S2) unterstellt wird. Anders formuliert: „Ein Signifikant ist, was für einen anderen Signifikanten das Subjekt repräsentiert“ (vgl. diesen Blogbeitrag).

In Seminar 20 liest man:

„Sagen, daß da ein Subjekt ist, ist nichts anderes als sagen, daß da Hypothese ist.“63

Das Subjekt im Sinne der Psychoanalyse ist eine Größe, die aus der Signifikantenbeziehung erschlossen ist, aus den Beziehungen der unbewussten Vorstellungen, wie Freud gesagt hätte, mit Lacan: aus der Arbeit des unbewussten Wissens.

Das Subjekt ist nicht nur doppelt, sondern gespalten (20)

Zu: „Ich will sagen, dass das Subjekt als solches immer nicht nur doppelt, sondern gespalten ist.“ (20)

Die Doppelung gehört für Lacan zum Register des Imaginären. Das Ich (moi) hat immer einen Doppelgänger, ein Double: den anderen, das Bild des anderen, das Idealich. Die archaische Form des Double ist für Lacan das Spiegelbild.

Der Begriff „gespaltenes Subjekt“ (sujet divisé) bezieht sich, in Freudscher Terminologie, auf die Beziehung zwischen dem Vorbewussten und dem Unbewussten. Lacans  Terminus knüpft an Freuds Konzeption der Ichspaltung an (in Freuds Aufsatz Die Ichspaltung im Abwehrvorgang), die von Lacan als Subjektspaltung gedeutet wird. Lacans Hauptthese zur Subjektspaltung (refente du sujet oder division du sujet) lautet: diese Spaltung ist auf die Einwirkung der Sprache zurückzuführen. Er konstruiert die Subjektspaltung mit einer Reihe von Begriffsoppositionen, besonders häufig als Spaltung zwischen Ausgesagtem und Äußerungsvorgang, aber auch als Spaltung
– zwischen Anspruch und Begehren,
– zwischen Sinn und Fading bzw. Aphanisis (was beides „Verschwinden“ bedeutet, im Sinne von „Verschwinden des Subjekts“),
– zwischen Wissen und Wahrheit,
– zwischen S2 (Wissen) und S1 (Herrensignifikant).

Vgl. in diesem Sinthom-Kommentar den Eintrag „Spalte, gespaltenes Subjekts“ im „Kleinen Lacan-Lexikon“ zur Vorlesung vom 18. November 1975.

Vgl. in diesem Blog den Artikel Das gespaltene Subjekt.

Das Reale der Spaltung (20)

Zu: „Es geht darum, dem Rechnung zu tragen, was von dieser Spaltung das Reale ausmacht.“ (20)

Das Reale der Spaltung ist der Bezug auf die biologische Geschlechtsdifferenz. Die Geschlechtsdifferenz ist in dem Sinne real, als sie im Unbewussten (im Symbolischen) nicht repräsentiert ist (das Reale ist das, was zu symbolisieren unmöglich ist). Lacan folgt hier Freud, demzufolge das Unbewusste die Geschlechtsdifferenz nicht kennt, sondern nur Substitute wie den Gegensatz von Aktivität und Passivität oder von Anwesenheit und Abwesenheit des Penis.64

In Seminar 12 von 1964/65, Schlüsselprobleme für die Psychoanalyse, sagt Lacan:

„Die Spaltung des Subjekts und des Symptoms ist die Verkörperung der Ebene, wo die Wahrheit sich ihr Recht verschafft in Gestalt dieses nicht gewussten Realen, dieses Realen, das zu erschöpfen unmöglich ist, nämlich des Realen des Geschlechts, zu dem wir bis jetzt nur durch Kostümierungen einen Zugang haben, durch Ersatzbildungen, durch die Umwandlung des Gegensatzes männlich / weiblich in den Gegensatz aktiv / passiv beispielsweise oder gesehen / nicht gesehen usw., d.h. eigentlich in dieser Funktion, die dem Begründer der Dialektik eine solche Verlegenheit bereitet hat, nämlich der Funktion der Dyade.“65

Die Spaltung des Subjekts ist auf das Reale zu beziehen, darauf, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt.

Die Sprache und das Loch im Realen (22)

Zu: „Wenn die Sprache nicht unter dem speziellen Gesichtspunkt betrachtet wird, dass sie an etwas gebunden ist, das Loch macht im Realen, ist es nicht einfach schwierig, sondern unmöglich, ihre Handhabung zu bedenken.“ (22)

Das Loch im Knoten

Lacan beschreibt die borromäischen Ringe mithilfe von drei Kategorien: Konsistenz, Ex-sistenz und Loch.66 Mit Konsistenz ist gemeint, dass die Fadenringe in sich zusammenhalten.67 Die Ex-sistenz ist die Äußerlichkeit der Ringe im Verhältnis zueinander – sie gehen nicht kontinuierlich ineinander über, sie durchdringen sich nicht, sie stoßen vielmehr gegeneinander –, wobei diese Art der Äußerlichkeit dafür sorgt, dass die Verschlingung Bestand hat, dass sie existiert. Das Loch eines Rings erscheint in der Plättung (in der zweidimensionalen Darstellung) als das Kreisinnere, das ist jedoch eine optische Täuschung. Der Ring ist ein dreidimensionales Gebilde, das Loch hat dreidimensionalen Charakter. Das Loch eines Rings ist das, wodurch ich den Finger oder die Hand stecken kann.

Für die Löcher der verschiedenen Ringe gilt, dass sie ineinander übergehen – die Löcher sind nicht ex-sistent, wie Lacan sagt.68 Gleichwohl werden die sie von Lacan in der Plättung unterschieden.

In Lacans Deutung des borromäischen Knotens bezieht sich das Symbolische auf doppelte Weise auf das Loch. Jeder der drei Ringe hat ein Loch, also hat auch der Ring des Symbolischen ein Loch. Zugleich wird das Loch primär dem Symbolischen zugeordnet.

Mit dem Loch im Realen ist dasjenige Loch gemeint, das sich bei einer Plättung dieses Rings als das Kreisinnere darstellt.

Das Loch im Realen: Es gibt kein sexuelles Verhältnis

Das Loch im Realen besteht darin, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt. Im Vorwort von 1974 zu Frank Wedekinds Frühlingserwachen schreibt Lacan:

„Freud hat herausgefunden, dass das, was er Sexualität nennt, im Realen Loch macht.“69

Die Sexualität macht im Realen Loch, ist im Realen ein Loch, und Freud hat das herausgefunden. In Seminar 21 heißt es:

„Aber wir wissen alles, weil alles – wir erfinden ein truc, ein Dingsda, einen Trick, um das Loch im Realen zu stopfen. Da, wo es kein sexuelles Verhältnis gibt, ruft das ein Trauma hervor. Man erfindet! Man erfindet was man kann natürlich.“70

Das Loch im Realen besteht darin, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt. Freud hat das so formuliert:

„Nun wäre es eine Lösung von idealer Einfachheit, wenn wir annehmen dürften, von einem bestimmten Alter an mache sich der elementare Einfluß der gegengeschlechtlichen Anziehung geltend und dränge das kleine Weib zum Mann, während dasselbe Gesetz dem Knaben das Beharren bei der Mutter gestatte. Ja man könnte hinzunehmen, dass die Kinder dabei den Winken folgen, die ihnen die geschlechtliche Bevorzugung der Eltern gibt. Aber so gut sollen wir es nicht haben, wir wissen kaum, ob wir an jene geheimnisvolle, analytisch nicht weiter zersetzbare Macht, von der die Dichter soviel schwärmen, im Ernst glauben dürfen.“71

In einer späteren Sitzung des Sinthom-Seminars erklärt Lacan, wenn er sich mit dem Knoten abmühe, so sei dies

„eine Weise, genau dies zu artikulieren, dass jede menschliche Sexualität pervers ist, wenn wir dem, was Freud sagt, wirklich folgen. Es ist ihm niemals gelungen, besagte Sexualität anders denn als perverse zu begreifen“72.

Die menschliche Sexualität ist pervers, wenn sie auf dem Koitus mit einem Partner des anderen Geschlechts abzielt, dann nicht deshalb, weil dieser das andere Geschlecht hat. Das, was die sexuelle Interaktion ermöglicht, ist vielmehr der Bezug auf das Objekt a, mit Freud: die polymorph-perverse Verfassung der Triebe.73

„Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ meint:
– Es gibt beim Menschen keinen Instinkt, der ihn in eine sexuelle Beziehung zum anderen Geschlecht bringen würde, keine natürliche Angepasstheit an das Sexualobjekt des biologischen Gegengeschlechts.
– Dies ist der Gegensatz zwischen Instinkt und Trieb: Die menschliche Sexualität beruht nicht auf Instinkten, anders gesagt: die Verhaltensantriebe von Mann und Frau sind nicht an das Sexalobjekt des anderen Geschlechts angepasst. Das menschliche Sexualverhalten beruht auf Trieben: auf Antrieben, die „pervers“ sind – sie sind nicht an das Sexualobjekt angepasst, das von der biologischen Zweigeschlechtlichkeit vorgegeben ist.
– Ein Verhältnis zum Anderen als anderer Geschlechtskörper wird aber auch nicht durch das Symbolische, nicht durch den Signifikantenapparat des Unbewussten hergestellt. Im Symbolischen ist es strukturell unmöglich, den Bezug zum anderen Geschlecht herzustellen.
– Der Psychoanalytiker hat also nicht die Möglichkeit und deshalb auch nicht die Aufgabe, es dem Patienten zu ermöglichen, eine gelungene Beziehung zum anderen Geschlecht herzustellen.

Das Diktum „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ findet sich zuerst in Seminar 16 von 1968/69, Von einem Anderen zum anderen.74 Lacan äußert aber schon früher Kritik an der Annahme, die Psychoanalyse habe die Aufgabe, eine harmonische sexuelle Beziehung zwischen den beiden Geschlechtern zu ermöglichen. Das zeigt sich etwa in seiner hartnäckigen Zurückweisung des Konzepts der „genitalen Oblativität“ (der genitalen Opferbereitschaft, Selbstlosigkeit), das von französischen Psychoanalytikern vertreten wurde.75 In Seminar 11 von 1964, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, erwähnt Lacan die Erzählung von Longos über Daphnis und Chloe: Daphnis musste von einer Alten lernen, was er zu tun hatte, um Liebe zu machen – das sexuelle Verhältnis ist den Zufällen auf dem Feld des Anderen ausgeliefert, kommentiert Lacan.76

Die Sprache macht Loch im Realen

Das Loch im Realen wird durch die Sprache hervorgerufen; die „Arbeit der Sprache“, wie Lacan mit Hegel sagt, führt zu einem Verlust, zum Verschwinden der Verhaltenssteuerung durch Instinkte.77

„Loch im Realen“

Vom Loch im Realen spricht Lacan bereits in Seminar 1 von 1953/54, Freuds technische Schriften:

„Dies Loch im Realen heißt, je nach der Weise, in der man es ansieht, das Sein oder das Nichts. Dies Sein und dies Nichts sind wesentlich an das Phänomen des Sprechens gebunden.“78

In Seminar 6 von 1958/59, Das Begehren und seine Deutung, bezieht Lacan sich mit der Rede vom „Loch im Realen“ auf den Tod eines Nahestehenden.79 Die Beziehung zwischen dem Loch im Realen und dem Signifikanten ist hier umgekehrt: nicht der Signifikant ruft im Realen ein Loch hervor, sondern das Loch im Realen bietet den Platz an, auf den der fehlende Signifikant projiziert wird.80

In Seminar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psychoanalyse, heißt es, der Signifikant erzeuge ein „Loch im Realen“, nämlich das „Ding“.

Es „gibt Identität zwischen der Ausformung des Signifikanten und der Einführung einer Kluft, eines Lochs im Realen.“81

In Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung, veranschaulicht Lacan das Verhältnis von Anspruch und Begehren durch einen Torus (einen Ring, einen Reifen). Ein Torus verfügt, wie Lacan es formuliert, über ein „zentrales Loch“.82

In Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens heißt es über den Grafen des Begehrens: Die beiden unteren Schnittpunkte

„partizipieren an dem Angebot für den Signifikanten, das das Loch im Realen bildet, der eine als Hehlerversteck, der andere als Bohrloch für den Ausgang“83.

Auch hier ist es nicht der Signifikant, der ein Loch im Realen erzeugt, vielmehr ist es das Loch im Realen, das dem Signifikanten ein Angebot macht.

„faire trou“

Die Wendung „faire trou“, Loch machen, ist veraltet, die Lexikon-Belege stammen von Schriftstellern des 19. Jahrhunderts.84 Lacan, der (ähnlich wie Adorno) seltene Ausdrücke sammelte, sagt häufig „fait trou“; gegenwärtig findet man die Wendung, wie man per Suchmaschine leicht feststellen kann, fast nur noch bei Lacanianern.

Wie übersetzt man „fait trou“ am besten? „Macht ein Loch“ würde den archaisierenden Charakter von Lacans Stil zum Verschwinden bringen. Also ist „macht Loch“ vielleicht die beste Lösung: eine Übersetzung, über die man stolpert.

Vgl. in diesem Sinthom-Kommentar den Eintrag „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ im „Kleinen Lacan-Lexikon“ zur Vorlesung vom 18. November 1975

Eine ausführliche Erläuterung der Sentenz „Es gibt kein sexuelles Verhätnis“ findet man in diesem Blog hier.

Wahrheit ist nur möglich durch das Entleeren des Realen (22)

Zu: „Die Beobachtungsmethode könnte von der Sprache nicht ausgehen, ohne die prinzipielle Wahrheit einzuräumen, dass in dem, was man als Reales ansetzen kann, die Sprache als ein Loch machend erscheint. Von diesem Begriff, der Funktion des Lochs her übt die Sprache ihren Zugriff, ihren Einfluss auf das Reale aus. Es fällt mir wohlgemerkt nicht leicht, diese Überzeugung mit ihrem ganzen Gewicht auf Sie zu laden. Sie erscheint mir unausweichlich, weil es keine Wahrheit gibt, die als solche möglich wäre, als dadurch, dieses Reale auszuhöhlen, zu entleeren.“ (22)

In dieser Passage geht es um das Verhältnis zwischen der Wahrheit und dem Realen, das Lacan auch in späteren Sitzungen beschäftigen wird.

Wahrheit

In einer späteren Sitzung von Seminar 23 wird Lacan sagen:

„Wahr ist nur, was einen Sinn hat.“85

Das Symptom hat einen verborgenen Sinn, das ist eine der grundlegenden Annahmen der Psychoanalyse; man lese hierzu das Kapitel „Der Sinn der Symptome“ in Freuds Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse.86 Wahrheit besteht in der Aufdeckung dieses verborgenen Sinns, in der Entbergung, wie Heidegger sagen würde.

An der zuletzt zitierten Stelle fährt Lacan so fort:

„Welches ist die Beziehung des Realen zum Wahren? Das Wahre über das Reale – wenn ich mich so ausdrücken darf – ist, daß das Reale, das Reale des Paars hier, keinerlei Sinn hat.“87

Wenn nur das wahr ist, was einen Sinn hat, und wenn das Reale keinen Sinn hat, dann hat das Reale keine Wahrheit. Dies gilt zumindest für die Sinn-Wahrheit, für die Wahrheit, die in der Aufdeckung eines Sinns besteht. Der Wahrheitsbezug stößt hier auf eine Grenze, „die Wahrheit lässt sich nur halbsagen“, wie Lacans Sentenz lautet.

Die Frage ist dann, auf welchem Wege, wenn nicht auf dem des Sinns, ein Bezug zum Realen möglich ist.

Wahrheit ist möglich

Die Möglichkeit besteht für Lacan darin, dass etwas aufhört, geschrieben zu werden, dass der mit dem Symptom verbundene Wiederholungszwang zu einem Ende kommt. Das Wahrheitsgeschehen beendet die Wiederholung.

Vgl. in diese Sinthom-Kommentar den Eintrag „Notwendiges, Unmögliches, Mögliches, Zufälliges“ im „Kleinen Lacan-Lexikon“ zur Vorlesung vom 18. November 1975.

Évider: aushöhlen, entleeren

Lacan spielt an dieser Stelle mit der Lautähnlichkeit von inévitable (unvermeidlich), évider (aushöhlen) und évidence (Evidenz), wobei der Begriff der Evidenz nur vorausgesetzt, aber nicht genannt wird. In Seminar 22, RSI, wird diese Beziehung ausdrücklich hergestellt:

„Diese Modi, in denen ich das Wort ergriffen habe, Symbolisches, Imaginäres und Reales, ich würde nicht sagen, dass sie offensichtlich (évidents) sind. Ich bemühe mich einfach, sie auszuhöhlen, zu entleeren (évider), was nicht dasselbe heißt, weil évider auf vide (leer) beruht und evidence auf voir (sehen).“88

Wie lassen sich die Modi des Symbolischen, des Imaginären und des Realen begründen? Im Theorieaufbau more geometrico würde man sich, nach dem Vorbild der euklidischen Geometrie, auf Evidenzen beziehen. Evidenzen beruhen letztlich auf dem Sehen (der Ausdruck kommt vom lateinischen videre, sehen); das Evidente ist das Offensichtliche, das in die Augen Springende. Evidenzen beruhen also, in Lacans Begrifflichkeit, auf der Bindung an das Imaginäre. Die Fundierung der Theorie durch das Imaginäre soll nun aber durch die Beziehung auf die borromäischen Ringe so stark wie möglich zurückgedrängt werden. Die borromäische Verschlingung ist gewissermaßen ein ausgehöhltes Gebilde, sie besteht aus Fadenringen; jeder Ring´ ist um ein Loch herum organisiert. Das Loch des Knotens steht im Gegensatz zur Öffnung des Sacks. An die Stelle der „Evidenz“ setzt der Knoten die „Aushöhlung“, die „Entleerung“. Der Zugang zum Realen soll durch diese Aushöhlung, durch diese Entleerung ermöglicht werden.

Insgesamt

Wahrheit ist nur möglich durch das Aushöhlen des Realen – damit ist vermutlich Folgendes gemeint: Das in einer psychoanalytischen Kur praktisch realisierte Wahrheitsgeschehen, die Aufdeckung des verborgenen Sinns der Symptome, stößt auf eine Grenze, auf etwas Reales. Das Reale beteht darin, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt. Ein Zugang zu diesem Realen ist für die Kur gleichwohl notwendig, also eine Art Wahrheitsbezug jenseits des Sinns. Der Zugang zum Realen wird möglich durch das „Aushöhlen“, die „Entleerung“ des Realen. Auf die Entleerung des Realen zielt das Loch in den borromäischen Ringen. Es steht nicht nur, per definitionem, für die These „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“, es ermöglicht zugleich einen affektiven und intuitiven Zugang zu dieser Tatsache.

Vgl. in diesem Blog die Artikel Die Wahrheit lässt sich nur halbsagen und „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“.

Äquivalenz von unendlicher Gerader und Kreis (23)

Zu: „Um es in den Kategorien jenes berühmten borromäischen Knotens auszudrücken, in den ich mein Vertrauen setze, sagen wir, dass er vollständig auf der Äquivalenz einer unendlichen Geraden mit einem Kreis beruht.“ (23)

Vgl. hierzu in diesem Sinthom-Kommentar den Eintrag „Äquivalenz zwischen unendlicher Gerader und Kreis“ zur Vorlesung vom 18. November 1975.

Konsistenz,  Loch und Ex-sistenz (26)

Zu: „Das grundlegende Kennzeichen dieser Verwendung des Knotens ist es, dass sie es erlaubt, die Triplizität zu illustrieren, die sich ergibt
– aus einer Konsistenz, die nur durch das Imaginäre affiziert wird,
– aus einem Loch als grundlegend, das aus dem Symbolischen hervorgeht,
– und schließlich aus einer Ex-sistenz – so geschrieben, wie ich es mache, Ex, Bindestrich, s, i, s, t, e, n, z –, die dem Realen zugehört, die dessen grundlegendes Kennzeichen ist.“ (26)

Die Dreiheit von Konsistenz, Loch und Ex-sistenz wurde von Lacan in Seminar 22 von 1974/75 RSI, eingeführt, zur Beschreibung der borromäischen Ringe. Den Terminus „ex-sistence“ verwendet er bereits in Seminar 20 von 1972/73, Encore, sicherlich inspiriert von Heideggers Begriff der „Ek-sistenz“ im Brief über den Humanismus (1947).

Die Konsistenz eines Rings besteht darin, dass er geschlossen ist und nicht etwa einen offenen Faden bildet.89 In der Sprache der Mathematiker: Die Konsistenz eines Rings (eines Knotens im Sinne der Topologie) besteht in seiner Geschlossenheit.90

Hula hoop (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)Das Loch ist, nimmt man das Beispiel eines Fingerrings, jenes Loch, durch das man den Finger steckt. Das zentrale Loch eines Reifens ist die Öffnung, in der beim Hula-Hoop die Spielerin ihre Hüften zu halten sucht – aber darüber hinaus der gesamte Raum um den Reifen herum.91

Die Ex-sistenz (statt „Existenz“) besteht darin, dass die Ringe einander äußerlich (ex) sind, dass sie gegeneinanderstoßen, füreinander einen Widerstand bilden, und dass sie durch diese Art der Äußerlichkeit zusammenhalten, dass die Verschlingung existiert. Die Ex-sistenz eines einzelnen Rings (eines trivialen Knotens) besteht darin, dass er nicht sich selbst durchdringt und nicht mit anderen Ringen verschmilzt.

Die Konsistenz wird von Lacan dem Imaginären zugeordnet92, das Loch dem Symbolischen und die Ex-sistenz dem Realen93.

Die borromäischen Ringe werden von Lacan also auf doppelte Weise auf die Dreiheit von Imaginärem, Symbolischem und Realen bezogen. Zum einen gibt es einen Ring für das Imaginäre, einen für das Symbolische und einen für das Reale. Darüber hinaus hat die Gesamtverschlingung einen imaginären, einen symbolischen und einen realen Aspekt. Der imaginäre Aspekt der Verschlingung ist das Zusammenhalten der einzelnen Ringe in sich und darauf basierend das Zusammenhalten der Verschlingung insgesamt: die Konsistenz. Der symbolische Aspekte der Verschlingung ist das Loch, um das gewissermaßen die einzelnen Ringe herum organisiert sind, wodurch der Knoten insgesamt zu einem löchrigen Gebilde wird. Der reale Aspekt ist der Zusammenhalt der Ringe: ihre Ex-sistenz, ihre Äußerlichkeit (dass sie nicht verschmelzen) ist so beschaffen, dass die Verschlingung Bestand hat.

Das Loch im Ring des Imaginären repräsentiert die Körperöffnungen94, das Loch im Ring des Symbolischen repräsentiert das urverdrängte Inzestverbot95, und das Loch im Ring des Realen steht dafür, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt96.

Die Lacansche Methode ist ohne Hoffnung, den Knoten von Imaginärem, Symbolischem und Realem zu zerreißen, darin ist sie das Negativ der Religion (26)

Zu: „Diese Methode [die Knoten-Methode], denn es handelt sich um Methode, ist eine Methode, die sich als eine ohne Hoffnung darstellt – ohne Hoffnung, auf irgendeine Weise den konstituierenden Knoten von Symbolischem, Imaginärem und Realem zu zerreißen. In dieser Hinsicht verweigert sie [die Methode] sich dem, was, wie man sagen muss, und zwar auf eine ganz und gar hellsichtige Weise, eine Tugend ist, sogar eine sogenannte theologale Tugend, und hierin ist unsere analytische Auffassung dessen, was diesen Knoten ausmacht, das Negativ der Religion.“ (26)

Die Lacansche Methode ist ohne Hoffnung, den Knoten von Imaginärem, Symbolischem und Realem zu zerreißen

In Seminar 22, RSI, spricht Lacan von der geistigen Debilität: Sie resultiert aus dem Imaginären, aus dem Bezug zum Körper als Reflex des eigenen Organismus. Nach einigen Sätzen fährt er fort:

„In Wahrheit hege ich keinerlei Hoffnung, dieser mentalen, bezeugten Debilität zu entkommen. Ich wüßte nicht, warum das, was ich Ihnen vorsetze, weniger debil wäre als der Rest.“97

Lacan hat keine Hoffnung, der geistigen Debilität zu entkommen, nämlich der Bindung an das Imaginäre. Ein Jahr später, in der hier behandelten Sitzung vom 9. Dezember 1975, wiederholt er den Gedanken :

„Das Gespürte, le senti, als mentales, das ‚Senti-mentale‘, ist debil, weil stets unter irgendeinem Gesichtspunkt auf das Imaginäre zurückführbar. (…) Ich hoffe keineswegs, der Debilität zu entkommen, die ich von diesem Ausgangspunkt aus kennzeichne.98

An beiden Stellen bezieht sich die Zurückweisung der Hoffnung auf das Imaginäre: Lacan hat keine Hoffnung, der Bindung an das Imaginäre zu entrinnen. Das dürfte auch hier gemeint sein: Die Psychoanalyse ist ohne Hoffnung, der Fesselung an das Imaginäre zu entkommen. Gelänge es ihr, diese Bindung zu überwinden, würde die Verschlingung von Imaginärem, Symbolischem und Realem sich auflösen. Insofern ist sie ohne Hoffnung, den Knoten zu zerreißen.

Darin ist sie das Negativ der Religion

Der vierte Ring der borromäischen Verschlingung von vier Ringen steht für die Religion (sowie für den Namen-des-Vaters und für das Symptom); das hatte Lacan in Seminar 22, RSI, erläutert und in der vorangehenden Sitzung des Sinthom-Seminars wiederholt; vgl. hierzu in diesem Blog den Beitrag Vom Dreierknoten zum Viererknoten. Im Viererknoten fallen die Ringe des Imaginären, des Symbolischen und des Realen ohne den vierten Ring auseinander. Für die Psychoanalyse halten die drei Ringe von sich aus zusammen, insofern bildet sie das Negativ der Religion.

Die Wissenschaft macht aus dem Subjekt ein Objekt, in diesem Punkt widersetzt sich die Psychoanalyse der Wissenschaft (27)

Zu: „Sie [die Psychoanalyse] findet ihre Verbreitung darin, dass sie die Wissenschaft als solche in Frage stellt, Wissenschaft insofern, als sie ein Objekt zu einem Subjekt / Sujet macht, während es doch das Subjekt ist, das von sich selbst geteilt ist.“ (27)

Den Einspruch gegen die objektivierende Wissenschaft im Namen der Psychoanalyse findet man bereits im Aufsatz über die Funktion der Psychoanalyse in der Kriminologie (1950):

„Aber wir sind hier vielleicht an den Grenzen unseres dialektischen Handelns, und die Wahrheit, die uns hier mit dem Subjekt zu erkennen aufgegeben ist, könnte nicht auf die wissenschaftliche Objektivierung reduziert werden.“99

In Seminar 6 von 1958/59, Das Begehren und seine Deutung, heißt es:

„Die Etablierung einer philosophischen Position ist immer etwas gewesen, was sich im Verlauf der Zeiten als eine Position zu erkennen gegeben hat, in der etwas geopfert wird. Der Eintritt des Subjekts in die Ordnung dessen, was man die interesselose Forschung nennt, deren Frucht die Objektivität ist – schließlich ist das Erreichen der Objektivität nie anders definiert worden als so, in einer desinteressierten Perspektive eine bestimmte Realität zu erreichen –, wird, zumindest dem Prinzip nach, bezahlt mit dem Ausschluss einer bestimmten Form des Begehrens. Dies ist die Perspektive, in der der Begriff des Objekts konstituiert worden ist.“100

Die Objektivität der Wissenschaft stützt sich auf den Ausschluss des begehrenden Subjekts. Dieses begehrende Subjekt ist der Gegenstand der Psychoanalyse. In diesem Sinne ist das Subjekt der Psychoanalyse das Subjekt der Wissenschaft: das von ihr ausgeschlossene Subjekt.101

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grauer Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jacques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[28]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Seite 28″.

Passagen in schwarzer Schrift sind Zusammenfassungen, Passagen in eckigen Klammern in grüner Schrift sind meine erläuterenden Ergänzungen, Passagen in eckigen Klammern, die mit zwei Fragezeichen beginnen und hellgrün unterlegt sind, enthalten meine Fragen zum Textverständnis.

Borromäischer Knoten (I)

Eine Geometrie, die sich nicht am Sack orientiert

[27] Lacan beginnt die Vorlesung damit, dass er die große Zahl der Zuhörer zum Problem macht. „Sie sind zu viele, als dass …“ – der Satz bricht ab, man erfährt nicht, an welchem Vorhaben ihn die Zuhörerzahl hindert. Danach wünscht er sich von seinen Hörern das, was er vom Publikum in den USA bekommen hat – auch hier erfährt man nicht, was das ist. In den USA hat er eine Ermüdung verspürt, vor allem bei den Analytikern. [Der Rückgang des Einflusses der Psychoanalyse in den USA beginnt Mitte der 90er Jahre; vgl. hierzu in diesem Blog den Beitrag Die Differenz der Kurven. Spürt Lacan die ersten Anzeichen dieser Entwicklung?] | [28] Er wurde vom Publikum in den USA gewissermaßen eingeatmet, eingesogen [ist es das, was er sich von den Zuhörern in Paris wünscht?], eingesogen in einer Art Wirbel – das Wort ermöglicht es Lacan, wie er betont, den Übergang zu seinem Thema herzustellen, zum borromäischen Knoten: im borromäischen Knoten findet der Wirbel evidentermaßen seine Entsprechung. [Der Wirbel ist eine anschauliche Entsprechung, eine zur Ordnung des Imaginären gehörende Entsprechung zum borromäischen Knoten: beide sind keine soliden Objekte, beide bestehen aus Ringen in Ringen im dreidimensionalen Raum.]

Mit dem borromäischen Knoten hat Lacan [ab Seminar 19 von 1971/72, … oder schlimmer] schrittweise, sichtbar und hörbar, die Beziehung zwischen dem Symbolischen, dem Imaginären und dem Realen dargestellt. Er hat den Knoten im Geist eines neuen mos geometricus entworfen, einer neue Art der Geometrie: einer Geometrie, die mit der klassischen [euklidischen] Geometrie bricht. Die klassische Geometrie gründet sich letztlich [im dreidimensionalen Raum] auf den Sack, auf die Oberfläche. An den Knoten zu denken ist schwierig [weil er mit der klassischen Geometrie bricht, mit dem Gegensatz von Innen und Außen, und weil das Denken sich auf das Imaginäre stützt, das dem Innen-Außen-Gegensatz zugrunde liegt]. Bei der zeichnerischen Darstellung unterlaufen einem leicht Fehler, so wie Lacan bei einer seiner Zeichnungen an der Tafel; er weist ausdrücklich darauf hin.

[29] Einen borromäischen Knoten kann man so bauen, dass man zunächst zwei Ringe miteinander verschlingt. Dabei kann man sie auf unterschiedliche Weise ineinanderfügen, | [30] man kann sie so verbinden, dass sie fest zusammenhalten; an der Verbindungsstelle bilden sie dann einen geschlossenen Kreis [die beiden grünen Fadenenden sind im Geiste außerhalb des Bildrandes miteinander zu verbinden, dasselbe gilt für die beiden roten Fadenenden]:

Verklammerung zweier Ringe

Man kann die beiden Anfangsringe aber auch so verbinden, dass sie sich leicht voneinander lösen lassen, wie hier dargestellt:

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 3Wenn man zu der zuletzt gezeichneten Verbindung zweier Ringe auf bestimmte Weise zwei weitere Ringe hinzufügt, diejenigen, die in der folgenden Zeichnung rot markiert sind, erhält man eine Verschlingung von vier Ringen, die borromäischen Charakter hat, anders gesagt, wenn man irgendeinen Ring öffnet, fallen die übrigen auseinander.

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 2 (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Die Spaltung des Subjekts muss auf das Reale bezogen werden

Man kann die Psychoanalyse so beschreiben: Sie ist die Zurückführung der [sexuellen] Initiation darauf, dass es keine [sexuelle] Initiation gibt. [Es gibt keine kulturelle Praxis, durch die Männer und Frauen auf das biologische Gegengeschlecht gepolt werden. Eine Psychoanalyse hat die Aufgabe, den Patienten an diese Tatsache heranzuführen.]

Das Subjekt ist etwas Unterstelltes. [Der Begriff des Subjekts geht auf das griechische Wort hypokeimenon zurück, das Unterstellte, das Zugrundeliegende. Das passt zum Subjektbegriff der Psychoanalyse. Für sie ist das Subjekt das, wovon angenommen wird, dass es der Signifikantenbeziehung zugrunde liegt – hierauf bezieht sich Lacans Formel „ein Signifikant ist, was für einen anderen Signifikanten das Subjekt repräsentiert“.] Die Erfahrung zeigt, dass diese Unterstellung einer Ambiguität ausgesetzt, einer Mehrdeutigkeit. Damit ist nicht nur gemeint, dass das Subjekt doppelt ist [die Doppelung – z.B. die Figur des Doppelgängers – gehört zum Imaginären], sondern vor allem, dass es gespalten ist. [Das Subjekt ist gespalten, mit Freud in Vorbewusstes und Unbewusstes, mit Lacan in Anspruch und Begehren, in Sinn und Fading, in Ausgesagtes und Äußerungsvorgang.] In einer Psychoanalyse geht es darum, diese Spaltung auf das Reale zu beziehen [auf die Nicht-Symbolisierbarkeit der biologischen Geschlechtsdifferenz im Unbewussten].

Die Wahrheit kann man nur halbsagen

Freud war der große Wegbereiter dieser Einsicht; er hat das erreicht, worauf er abzielte, nämlich über den Menschen die Wahrheit zu sagen. Worin hat er das erreicht? [?? Wie lautet die Antwort? Durch Zuhören und Deuten?] Lacan sagt über sich, dass er hierzu eine Korrektur beigetragen habe, nämlich die, dass man die Wahrheit | [31]  nur halbsagen kann [dass man auf den Sinn der Symptome nur durch Äquivokationen anspielen kann]. Diese Einsicht ist ihm keineswegs leichtgefallen. [Demnach hat er in seiner Praxis als Psychoanalytiker zunächst versucht, seinen Patienten die ganze Wahrheit zu sagen, und hat erst später begriffen, dass dies zu Identifizierungen führt und damit den Erfolg der Analyse behindert.]

Der borromäische Knoten ruft Widerstand hervor

Lacan sagt, er gehe von seiner Lage aus. Sie bestehe darin, [als Psychoanalytiker] den Menschen eine Hilfe „gegen sie“ zu bringen, wie es in der biblischen Schöpfungsgeschichte heißt [eine Hilfe, auf die die Patienten mit Widerstand reagieren, mit Widerstand im Sinne von Freud]. In dieser Lage [als Psychoanalytiker also] versuche er, Lacan, sich zu verorten. Und das habe ihn zum borromäischen Knoten geführt. [Der Knoten hat demnach eine praktische Funktion, er soll die Arbeit des Psychoanalytikers unterstützen.] Der Witz des borromäischen Knotens besteht darin, dass er mit der traditionellen [euklidischen] Geometrie bricht, mit einer Geometrie, die auf dem Imaginären beruht [auf der Projektion des eigenen Körpers, wodurch sich die geschlossene Form mit dem Innen-Außen-Gegensatz ergibt]; man muss deshalb, um sich den Knoten vorzustellen, alle möglichen Widerstände überwinden. Dies ist [gewissermaßen] die Substanz des borromäischen Knotens [nämlich dass er keine Substanz darstellt – das Muster einer Substanz ist für Aristoteles der Organismus, also eine geschlossene Gestalt, Lacan würde sagen: ein Sack].

Kritik an Chomsky

Die Sprache ist kein Organ, das sich vollständig selbst erfassen kann

In einer Analyse beobachtet der Psychoanalytiker nicht, er „konstatiert“ vielmehr. [In der Beobachtung hat das Beobachtete den Status eines Objekts. In der Analyse fungiert der Patient nicht als Objekt, sondern als Subjekt, als gespaltenes Subjekt, als Subjekt, das Dinge sagt, die es nicht sagen will und von denen es nicht weiß, was sie bedeuten. Wie nennt man die Beziehung des Analytikers zum Patienten, insofern dieser gerade nicht „beobachtet“ wird? Lacan spricht vom „Konstatieren“, etwas später in dieser Vorlesung erklärt er, was konstatiert wird, sei das Begehren.] [?? Was versteht Lacan unter „konstatieren“?]

In den USA hat Lacan mit Noam Chomsky gesprochen, so wie Lacan es auch  beabsichtigt hatte. Dies war die Begegnung, die ihn am meisten verblüfft hat, und er hat das Chomsky auch gesagt.
– Chomsky begreift die Sprache als Körperorgan neben anderen Körperorganen. [Chomsky fordert, die Sprache wie ein Organ zu untersuchen, in der Art, wie man beispielsweise das Auge erforscht; nachzulesen beispielsweise in Chomskys Aufsatz On the nature of language von 1976.]
– Dieses Organ wird von Chomsky als Werkzeug aufgefasst. [Das griechische Wort organon meint „Werkzeug“; auch etymologisch ist das Organ also ein Werkzeug.] Chomsky sieht darin ein Erfassungs- oder Greifwerkzeug [ähnlich der Hand].
[Chomsky begreift die Sprache aber nicht nur als etwas, was „wie ein Organ“ untersucht werden sollte.] Chomsky ist der Auffassung, dass die Sprache genetisch bedingt ist. [Chomskys Forschungshypothesen lauten: (a) Es gibt eine Universalgrammatik, die allen Sprachen zugrunde liegt. (b) Diese Universalgrammatik ist angeboren. Für Chomsky ist die Sprache also auch in dem Sinne ein Organ, dass sie ein in den Genen verankertes Vermögen darstellt.]
– Das Sprachorgan bzw. Sprachwerkzeug kann sich [vollständig] selbst erfassen [man kann das Sprachorgan vollständig mithilfe des Sprachorgans erfassen], beispielsweise kann das Sprachorgan erfassen, dass es genetisch bedingt ist. [Für Chomsky gibt es also kein Loch im Symbolischen, wie Lacan später in dieser Sitzung sagen wird.]

Die Vorstellung, dass die Sprache ein Organ ist, das sich selbst erfassen kann, hat Lacan, wie er sagt, nicht deshalb verblüfft, weil sie so ungewöhnlich ist. Im Gegenteil, sie hat ihn überrascht, weil dies die gewöhnliche Vorstellung von der Sprache ist. Für problematisch hält Lacan vor allem die Annahme, dass man die Sprache auf sich selbst anwenden kann [dass die Sprache für die Sprache durchsichtig ist].

Die Sprache macht Loch im Realen und erzeugt das gespaltene Subjekt

[Lacans Gegenthese lautet:] Die Sprache ist mit etwas verbunden, dass „Loch macht“ im Realen. [Die Sprache bezieht sich auf das Reale, auf das, was sprachlich oder bildhaft nicht erfasst werden kann. Sie bezieht sich auf das „Loch“ im Realen, darauf, dass es für das Unbewusste keine biologische Geschlechtsdifferenz gibt.]  Wenn man das nicht berücksichtigt, ist es unmöglich, die Handhabung der Sprache zu betrachten. [Wenn man nicht berücksichtigt, dass die Sprache darauf bezogen ist, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt, kann man nicht erklären, wie in der Psychoanalyse mit der Sprache umgegangen wird: dass sie hier eine bestimmte Wirksamkeit hat, dass sie in das Reale eingreift, in die Erregungsabläufe, in die Sexualität, in den Trieb. Eine universale Theorie der Sprache sollte in der Lage sein, diese von der Psychoanalyse erkundete Wirksamkeit des Sprechens zu erklären.] Die Methode, mit der die Sprache beobachtet wird [zum Objekt gemacht wird], muss berücksichtigen, dass die Sprache im Realen „Loch macht“ [dass die Sprache dazu führt, dass beim Menschen die instinkthafte Verhaltenskoordination mit dem Partner des anderen Geschlechts fehlt]. Die Einwirkung der Sprache auf das Reale ist so zu begreifen, dass die Sprache im Realen „Loch macht“. [Die Sprache führt zu einer Form der Sexualität, bei der die beiden biologischen Geschlechter nicht durch Instinkte aufeinander bezogen sind. Und eben dies macht es möglich, in einer Psychoanalyse durch das Sprechen auf das Reale einzuwirken, auf die Erregungsabläufe, wie Freud gesagt hätte.] Lacan sagt von sich, dass es ihm schwerfällt, diesen Grundgedanken so zu vermitteln, dass er in seiner ganzen Tragweite aufgefasst wird.

Eine Wahrheit [die Aufdeckung des Sinns der Symptome durch Anspielung auf diesen Sinn] ist nur dadurch möglich, dass die Sprache das Reale entleert [weil die Sprache zur Folge hat, dass es keine instinktgesteuerte sexuelle Beziehung gibt und einen Genussverlust herbeiführt].

In der Molekulargenetik, auf die Chomsky sich bezieht [wenn er sagt, die Universalgrammatik sei genetisch fundiert], „frisst“ die Sprache das Reale. Damit ist gemeint: die Beziehungen zwischen den Genen werden [seit etwa 1960] von der Molekulargenetik als Beziehungen zwischen Zeichen gedeutet | [32], als Botschaften [sie werden also versprachlicht, die Materialität, die Stofflichkeit des Körpers verschwindet]. Die moderne Genetik beruht auf dem Modell der Doppelhelix [der Doppelschraube der DNA] von Crick und Watson [aus dem Jahr 1953]. Von hier ausgehend nimmt man an, dass der Körper in einer Reihe von Stufen organisiert ist; den Ausgangspunkt bildet die Teilung [des Zellkerns, Mitose und Meiose], hierauf baut die Entwicklung auf, die zelluläre Spezialisierung, dann die von den Hormonen ausgehende Spezialisierung. All diese Vorgänge werden von der modernen Genetik und Hormontheorie als Übermittlung von Zeichen und Botschaften gedeutet [beispielsweise gelten die Hormone als „Botenstoffe“]. Das Reale wird zu einem Realen, das aus Botschaften besteht [auch das Reale im Sinne der biologischen Zweigeschlechtlichkeit], und in diesem Sinne wird es subtilisiert [der geschlechtliche Körper verliert seinen stofflichen Charakter].

Mit dieser Auflösung des Realen [also auch des zweigeschlechtlichen Körpers] in die Übermittlung von Botschaften wird die wahre Beziehung zwischen der Sprache und dem Realen verschleiert, nämlich dies, dass die Sprache nicht primär als Botschaft zu begreifen ist, sondern von daher, dass sie im Realen Loch macht [dass sie die Beziehung der zweigeschlechtlichen Körper zueinander revolutioniert, indem sie die instinkthafte Koordination mit dem Körper des anderen Geschlechts auflöst und einen Genussverlust herbeiführt].

Borromäischer Knoten (II)

Der borromäische Knoten bezieht sich darauf, dass die Sprache Loch macht

Um dem Rechnung zu tragen, entwickelt Lacan [mit dem borromäischen Knoten] seinen neuen Typ der Geometrie, seinen neuen mos geometricus. Der Knoten stellt eine „Substanz“ dar [die gerade keine Substanz ist, sondern eine Anti-Substanz], die sich auf die Wirksamkeit der Sprache bezieht [also auf die Grundlage der Psychoanalyse: auf die Wirksamkeit des Sprechens]. Die Sprache ist wirksam [die psychoanalytische Sprachkur hat Effekte], und zwar genau deshalb, weil die Sprache [im Realen, in der Beziehung zwischen den geschlechtlichen Körpern] Loch macht [die instinkthafte Angepasstheit des sexuellen Verhaltens auflöst].

Der borromäische Knoten beruht auf der Äquivalenz von Kreis und unendlicher Gerader

Der borromäische Knoten beruht auf der Äquivalenz zwischen einem Kreis und einer unendlichen Geraden. [Lacan verbindet hier zwei Arten von Topologie: die Projektive Geometrie, für die ein Kreis einer unendlichen Geraden entspricht, und die Knoten-Topologie, für die das nicht gilt.] [?? Inwiefern ist diese Äquivalenz die Grundlage des borromäischen Knotens? Wie stellt sich diese Vermischung von Topologien für Mathematiker dar?] Auch die folgende Darstellung zeigt einen borromäischen Dreierknoten, man muss nur wissen, dass die beiden Geraden unendliche Geraden repräsentieren:

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb 7 - unendl Gerade (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[33] Und dies ist ein borromäischer Vierknoten [mit drei unendlichen Geraden]:

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[Eine borromäische Verschlingung hat mindestens drei Ringe.] Ab dieser Dreizahl gilt eine bestimmte Forderung, diejenige nämlich, die festlegt, was ein borromäischer Knoten ist. [Um welche Forderung es sich handelt, soll im Folgenden erläutert werden.]

Wechselseitiges Einhüllen der Ringe in der borromäischen Verschlingung

Ausgangspunkt ist ein Bild von drei Parallelen. Die Parallelen sollen als unendliche Gerade aufgefasst werden. Die sie unendlich sind, können sie als drei Kreise aufgefasst werden. | [34] Für die drei Kreise wird festgelegt, dass sie konzentrisch sein sollen. Hierfür muss bestimmt werden, was es mit dem Punkt im Unendlichen auf sich hat [also mit dem Punkt, in dem sich die Enden einer unendlichen Geraden treffen], und zwar deshalb, damit die Bedingung der Konzentrizität nicht verletzt wird. [Wenn der Punkt im Unendlichen für die drei Geraden derselbe ist, wie Riemann gesagt hat, sind die Kreise nicht konzentrisch, sondern durchdringen einander.] Die Konzentrizität lässt sich so beschreiben: es gibt eine Gerade, die in bezug auf die beiden anderen umschließend ist, statt von ihnen umschlossen zu werden. [Es gibt eine zweite Gerade, die von der ersten umschlossen wird und diese nicht umschließt, und die die zweite umschließt und von ihr nicht umschlossen wird. Und es gibt eine dritte Gerade, die von den ersten beiden umschlossen wird, diese aber nicht umschließt.]

Die Struktur des borromäischen Knotens ist anders. Hier gilt [bei einer Verschlingung aus drei Ringen] für jeden Ring, dass er in bezug auf einen anderen umschließend ist und vom anderen umschlossen wird. Eben dies ist die Forderung, die mit der Dreizahl beginnt.

Armillarsphäre mit Kompass und Sextant (zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)[35] Mit dieser Forderung steht der borromäische Knoten im Gegensatz zu der Kreisanordnung, die man sie bei der Armillarsphäre findet, wie man sie etwa für die Arbeit mit Sextanten verwendete. [Armillarsphären dienten dazu, die Bewegung von Himmelskörpern dazustellen. Manchmal wurden sie mit einem Sextanten und mit einem Kompass verbunden, wie bei dem nebenstehend abgebildeten Instrument.] Wenn man eine Armillarsphäre zeichnet, sind die Kreise ineinander verschachtelt, derart, dass immer ein Kreis den nächsten umfasst, ihn überdeckt, wie in der Zeichnung zu sehen ist [also ähnlich wie bei der Puppe in der Puppe in der Puppe. Die Einhüllungen sind konzentrisch, man kann sie als konzentrische Kreise darstellen. Die Einhüllungen, könnte man auch sagen, bilden eine transitive Ordnung: wenn A von B eingehüllt wird, und B von C, wird auch A von C eingehüllt; in der Zeichnung: wenn grün von blau eingehüllt wird und blau von rot, wird auch grün von rot eingehüllt.]

(zu Jacques Lacan, Sinthom, Vorlesung zu Joyce und Chomsky)

Aufbau einer Armillarsphäre

 

Der borromäische Knoten hat eine andere Struktur. Auf der nachstehenden Zeichnung hüllt der blaue Kreis den roten Kreis ein, der rote Kreis den grünen und der grüne wiederum den blauen. [Die Einhüllungen bilden keine transitive Ordnung, sie sind gewissermaßen zirkulär.]

Borromäischer Dreierknoten - ähnlich aber anders als Armillarsphäre KopieLacan weist ein zweites Mal darauf hin, dass er Schwierigkeiten hat, die Beziehungen korrekt anzuzeichnen. | [36] Dieses Ungeschick [dieses Unvermögen] ist notwendig; es beruht auf dem, worum es beim borromäischen Knoten geht, ja beim Knoten überhaupt [um den Bruch mit dem Imaginären, mit der Orientierung an der geschlossenen Gestalt].

Der borromäische Knoten ist der „Typus selbst des Knotens“. [?? Inwiefern? Es gibt ja zwei Arten von Verschlingungen: solche vom Typ der Gliederkette („Hoffsche Verschlingung) und solche mit borromäischem Charakter („Brunnsche Eigenschaft“).]

Konsistenz, Loch und Ex-sistenz

Für den borromäischen Knoten ist grundlegend, dass er eine Dreifalt illustriert, die aus folgenden Elementen besteht: Konsistenz, Loch und Ex-sistenz.

– Die Konsistenz [der Zusammenhalt der Ringe] beruht auf dem Imaginären [auf der Einheit, die letztlich durch das Körperbild gestiftet wird]. [Es gibt drei Arten von Konsistenz: die Konsistenz des Rings des Imaginären, die Konsistenz des Rings des Symbolischen und die Konsistenz des Rings des Realen.]

– Das Loch wird durch das Symbolische hervorgerufen. [Das Loch im Symbolischen ist das Inzestverbot102, d.h. das Urverdrängte, wie Lacan später in dieser Sitzung sagen wird. Das Loch im Realen besteht darin, dass es kein Geschlechtsverhältnis gibt.103 Das Loch im Imaginären sind die Körperöffnungen.104

– Die Ex-sistenz [die Äußerlichkeit der Ringe im Verhältnis zueinander, die den Zusammenhalt bewirkt] ist das grundlegende Kennzeichen des Realen.

Psy­cho­ana­lyse als Ne­ga­tiv der Re­li­gion und als In­fra­ge­stel­lung der ob­jek­ti­vie­ren­den Wissenschaft

Das, was Lacan hier [mit dem borromäischen Knoten] praktiziert, ist eine Methode. [Das ist vielleicht eine Anspielung auf Descartesʼ Discours de la méthode, die Abhandlung über die Methode, seine Vernunft gut zu gebrauchen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, 1637.] Diese Methode stellt sich ohne Hoffnung dar. [Auch dies ist vielleicht eine Anspielung auf den Discours de la méthode, in dem Descartes häufig von hoffen (espérer) und Hoffnung (espérance) spricht.] Diese Methode ist nicht mit der Hoffnung verbunden, den konstituierenden Knoten von Symbolischem, Imaginärem und Realem zu zerreißen. [Diese Methode geht nicht mit der Hoffnung einher, die Bindung an das Imaginäre abzuschütteln und so den Knoten von Symbolischem, Imaginärem und Realem aufzulösen.] Lacans Methode [des borromäischen Knotens] verweigert sich der Hoffnung, die [von den Theologen] zu den theologalen Tugenden gerechnet wird [zu den von Gott zugesagten und die Beziehung zu Gott herstellenden Tugenden]. Insofern ist die psychoanalytische Auffassung des borromäischen Knotens das Negativ der Religion. [Die Religion ist der vierte Ring, der die drei Ringe des Imaginären, des Symbolischen und des Realen zusammenhält, für die Analyse gilt, dass die drei Ringe von sich aus zusammenhalten können.]

Man glaubt nicht mehr an das Objekt als solches. [Seit Kant glaubt man nicht mehr, das Ding an sich erkennen zu können; der Bezug auf das Ding an sich hat sich als ein Glaube erwiesen.] Deshalb bestreitet Lacan, dass das Objekt [an sich, z.B. die Sprache an sich] durch ein Organ erfasst werden kann [wie Chomsky annimmt]. Das Organ wird [von Chomsky] als Werkzeug begriffen, das Werkzeug wird als getrenntes Werkzeug begriffen, und damit wird das Werkzeug als ein Objekt begriffen. Chomsky zufolge muss man das Objekt [Sprache] mit dem Objekt [Sprache] untersuchen.

Der Psychoanalyse geht es [nicht um das Objekt, sondern] um das Subjekt, und zwar um ein Subjekt, dass durch die Wirkung der Sprache gespalten ist [zwischen Anspruch und Begehren, Ausgesagtem und Äußerungsvorgang, Wissen und Wahrheit usw.], und eben deshalb findet sie ihre Verbreitung.

Die Psychoanalyse stellt die Wissenschaft in Frage, unter dem Aspekt, dass diese sich auf ein Objekt bezieht, dass sie ein Objekt zu ihrem sujet macht, zu ihrem Thema [und hierbei das begehrende Subjekt ausschließt – eben dies ist die Interesselosigkeit der Wissenschaft, auf die sich ihre Objektivität stützt]. Das sujet der Psychoanalyse hingegen ist das das sujet divisé, das in sich gespaltene Subjekt. [Der Gegenstand der Psychoanalyse ist also in gewissem Sinne das Subjekt der Wissenschaft: das von der Wissenschaft ausgeschlossene Subjekt.]

[Die Beziehung der Wissenschaft zum Objekt ist ein Glaube, die Wissenschaft beruht auf einem Glauben.] Die Psychoanalyse glaubt nicht an das Objekt. Die Psychoanalyse [beobachtet nicht das Objekt, wie bereits eingangs gesagt, sie] konstatiert [vielmehr] das Begehren. Und von hier aus trifft auch sie auf ein Objekt: auf die Ursache als objektivierte. [Sie trifft auf das Objekt a, auf l’objet cause du désir, auf die Objektursache des Begehrens, im Sinne von: auf das Objekt a als Bedingung des Begehrens. Die Psychoanalyse ist also mit einer Umwälzung im Verständnis dessen verbunden, was ein Objekt ist. Dieses Objekt wird nicht von der Anpassung aus begriffen, es ist nicht das Objekt, an das das Subjekt seiner Natur nach angepasst ist.]

Der Knoten verkörpert das Erkenntnishindernis

[37] Das Erkenntnisbegehren trifft auf Hindernisse. Der Knoten soll dieses Erkenntnishindernis verkörpern, der Knoten nicht nur als Objekt, sondern als etwas, woran man sich abarbeiten muss. [?? Worin besteht dieses Hindernis? Im Imaginären, insofern es einen Widerstand leistet gegen das Denken des Knotens? Im Realen?]

Der Knoten ist der einzig denkbare Träger eines Verhältnisses zwischen was auch immer und was auch immer [zwischen verschiedenen Größen, Dimensionen, Entitäten]. [Der Knoten dient Lacan dazu, die Relationen zwischen sämtlichen Größen der Psychoanalyse zu konzeptualisieren, also nicht nur zwischen dem Symbolischen, dem Imaginären und dem Realen, sondern auch zwischen phallischem Genießen, Sinn, Inzesttabu usw. Insofern ist er das, was Lacan unter einem Verhältnis versteht.] Er ist zwar abstrakt, muss aber zugleich als konkret begriffen werden [auf das Feld der Psychoanalyse bezogen werden].

In den USA konnte Lacan, so meint er, mit den Knotenfiguren eine gewisse Aufregung hervorrufen, Emotion. Nun ist das senti, das Gefühlte, als Mentales [als Imaginäres], also das „Senti-Mentale“, [allerdings] debil. Das Senti-Mentale ist insofern debil, als es  sich letztlich auf das Imaginäre zurückführen lässt, das heißt auf die Imagination von Konsistenz. Die Imagination von Konsistenz führt dazu, dass das Zerreißen des Knotens für unmöglich gehalten wird. [Die Debilität des Gefühls besteht also darin, dass es darauf beruht, dass die Auflösung des Zusammenhalts für unmöglich gehalten wird.] [?? Was meint „Zerreißen des Knotens“? Was meint, dass das Zerreißen des Knotens für unmöglich gehalten wird?] Damit wird das Zerreißen zu etwas Realem, da das Reale ja das Unmögliche ist. Das Reale ist also vereinbar mit dem Imaginären, ja es konstituiert es sogar. [Lacan argumentiert hier dialektisch, im Sinne der Hegelschen Dialektik: bei genauerem Hinsehen schlägt das Imaginäre um in sein Anderes, ins Reale. Das Reale konstituiert das Imaginäre insofern, als das Imaginäre die Möglichkeit des Zerreißens abwehrt, also in eine Unmöglichkeit verwandelt, in etwas Reales. Damit verweist das Imaginäre auf die fundierende Funktion der Unmöglichkeit.] [?? Wenn das Reale das Imaginäre konstituiert, wie können Reales und Imaginäres dann aber „ex-sistent“ sein, einander äußerlich? Ist der hegelianisiernde Umschlag ins Gegenteil vereinbar mit der Struktur der Ex-sistenz?]

Er, Lacan, habe keineswegs die Hoffnung, dieser Debilität zu entkommen [der Aufregung über den Knoten, die letztlich auf der Bindung an das Imaginäre beruht; auch ihn, Lacan, versetzt der Knoten in Erregung, und das hat eine imaginäre Grundlage]. Er entkomme ihr nur im Maße seiner Mittel [nämlich mithilfe des borromäischen Knotens], sur place, an Ort und Stelle [mit den Mitteln der Topologie], wobei ein Fortschritt nur langfristig zu sichern ist. [Die Entwicklung der Knotentopologie, die dafür benötigt wird, steht erst am Anfang und erst recht die Anwendung dieser Topologie auf die Psychoanalyse.]

Das Loch im Realen und die Konsistenz des Realen

Die folgende Behauptung hat also, wie Lacan sagt, fabulatorischen Charakter [da sie topologisch noch nicht solide fundiert ist]: Das Reale enthält ein Loch. [Das Loch im Realen besteht darin, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt.] Das Reale lügt wirklich. [?? Was meint das?] Die Konsistenz des Realen ist nichts anderes ist als die Gesamtheit des Knotens, den das Reale zusammen mit dem Imaginären und dem Symbolischen bildet. Aufgrund dieser Konsistenz hat das Loch im Realen Bestand. [Die Konsistenz ist der imaginäre Aspekt der borromäischen Verschlingung. Es gibt eine Konsistenz des imaginären Rings, des symbolischen Rings und des realen Rings. Hier wird von Lacan festgelegt, was er unter der Konsistenz des Rings des Realen verstehen will: das Zuammenhalten des Knoten insgesamt. Am Ring des Realen ist also dies seine Konsistenz, dass er das Imaginäre und das Symbolische zusammenhält.]

Lacan denkt (pense) dies, wie er sagt, in seinem leichten Pansen, seinem Wanst. [Er stellt eine Verbindung her zwischen dem Denken, das am Sinn orientiert ist, und dem oralen und analen Register; ausgeführt wird das in der Sitzung vom 13. Januar 1976.] Er bezieht sich hier auf den borromäischen Knoten, d.h. auf einen Knoten, der sich auflöst [wenn einer der Ringe geöffnet wird].

Der Mythos über das Subjekt als Reales

Der Knoten stellt einen Mythos dar, den Mythos des Subjekts [der Knoten ist also ein alternativer Mythos, eine Alternative etwa zum Mythos von Aristophanes über die Entstehung des Menschen aus zwei Kugelhälften (in Platons Symposion) oder zu Freuds Mythos über den Vatermord (in Totem und Tabu)]. Der Knoten stellt ein Subjekt dar, insofern es nicht-unterstellt ist. [?? Am Anfang dieser Sitzung hatte Lacan das Gegenteil gesagt: das Subjekt sei das Unterstellte. Was meint, dass der Knoten das Subjekt als nicht unterstelltes darstellt? Geht es um den Gegensatz zum sujet supposé savoir, dem Subjekt, dem Wissen unterstellt wird (welches die Position ist, die der Analytiker für den Patienten in der Übertragung annimmt)?] Der Knoten erzählt einen Mythos über das Subjekt als Reales. [?? Wie kann der Knoten einen Mythos über das Subjekt als Reales darstellen, wenn er das Subjekt als Verschlingung von Realem, Imaginärem und Symbolischem darstellt?] Das Subjekt als Reales ist nichts viel anderes als jeglicher Körper, den man als Sprechwesen bezeichnen kann. Es ist ein Körper, der nur deswegen einen respektablen Status im üblichen Wortsinn hat, weil er zu diesem Knoten gehört. [Der Körper des Subjekts hat nur deshalb einen respektablen Status, weil er mit dem Symbolischen und dem Imaginären verbunden ist – man denke an die Antigone von Sophokles: der Körper von Polyneikes verwandelt sich in einen verrottenden Kadaver, der die Altäre verunreinigt, weil ihm das zugleich symbolische und imaginäre Ritual versagt wird.]

Joyce zielte mit seiner Kunst in spezieller Weise auf den vierten Ring des borromäischen Knotens [auf den Ring des Symptoms], also auf den Ring, der die Ringe des Imaginären, des Symbolischen und des Realen vervollständigt. | [38]  Joyce zielte darauf ab, diesem vierten Ring [des Symptoms] in seiner [imaginären] Konsistenz, seiner [realen] Ex-sistenz und seinem [symbolischen] Loch Substanz zu verleihen. Er tat dies auf intuitive Weise, und die Frage ist, wie das möglich war. Dieser vierte Ring ist für den borromäischen Knoten wesentlich. [Damit stellen sich für die weitere Lektüre folgende Fragen: Worin besteht die imaginäre Konsistenz des Sinthoms, worin seine reale Ex-sistenz und worin das symbolische Loch?]

Der vierte Ring des Knotens wird in den folgenden Zeichnungen auf verschiedene Weise dargestellt. In der nächsten Darstellung ist dies der rote Ring rechts:

9-12-75 - II - Figur 1In der folgenden Zeichnung ist es der schwarze Ring:

9-12-75 - II - Figur 2

In der folgenden Zeichen wird ein und derselbe Kreis mehrfach in sich umgelegt. [?? Welche Funktion hat diese Zeichnung?] [Die Zeichnung unten stammt aus Version Staferla, entsprechende Diagramme findet man in Millers Version und in Kleiners Übersetzung. Die Veschlingung besteht hier aus zwei Ringen, die direkt ineinandergreifen, wie die Glieder einer Kette.]

9-12-75 - II - Figur 3

Lacans Antworten auf Fragen der Hörer

Chomsky ersetzt den Zusammenhang zwischen Sprache und Symptom durch den zwischen Sprache und Realem

[39] Frage von Schneiderman: Was hatte Lacan von Chomsky erwartet?

Lacan:

(a) Lacan hatte von Chomsky erwartet, dass dieser als Linguist eine Ahnung davon hat, dass das Symbolische etwas vom Loch bewahrt. [Chomsky zufolge kann die Sprache sich selbst erfassen, in diesem Sinne hat sie für ihn kein Loch.]

(b) Das Symbolische bewahrt etwas vom Loch, auch wenn dieses Loch ein falsches Loch ist – die vom Symbolischen und vom Symptom gebildete Gesamtheit kann man nur als „falsches Loch“ bezeichnen. [Ein falsches Loch ist ein Loch, das nur auf der Ebene der Plättung, des Diagramms existiert, nicht auf der Ebene des Knotens (der immer dreidimensional ist); man sieht dies daran, dass es durch Verformung der Ringe zum Verschwinden gebracht werden kann, ohne dass ein Ring aufgetrennt wird. Isoliert man zwei Ringe eines borromäischen Knotens, bilden sie zusammen immer ein falsches Loch. Dies gilt beispielsweise auch für die Ringe des Symbolischen und des Imaginären, denn zwei Ringe eines borromäischen Knotens halten nur dadurch zusammen, dass weitere Ringe ins Spiel kommen. In der borromäischen Verschlingung mit Symptom-Ring, also in einer borromäischen Verschlingung aus vier Ringen, halten zwei Ringe nur dadurch zusammen, dass zwei weitere Ringe intervenieren; Symbolisches und Symptom halten also nur durch das Imaginäre und das Reale zusammen.] 

(c) Das Symptom hat insofern Bestand, als es mit der Sprache verklammert ist. Dies zeigt sich daran, dass die als Deutung bezeichnete Operation – die den Sinn ins Spiel bringt – am Symptom etwas verändert. [Chomsky stellt sich nicht die Frage, was die Tatsache der Beeinflussbarkeit von Symptomen durch das auf den Sinn anspielende Sprechen für eine Sprachtheorie bedeutet.]

(d) Chomsky assimiliert die Sprache an das Reale, er verwechselt das Symptom mit dem Realen. [Chomsky begreift die Universalgrammatik als genetisch fundiert und bezieht damit die Sprache auf das Reale – auf ein Reales, das als eine Sprache begriffen wird, eine Sprache der Botschaften. Darin steckt als richtiger Gedanke, dass die Sprache auf etwas bezogen werden muss, was nicht Sprache ist. Die nicht-sprachliche Größen, auf die die Sprache zu beziehen ist, sind jedoch nicht die Gene, sondern die Symptome.] 

[40] Frage von Chemama: Wie verhält sich der Körper zum Sprechen?

Lacan: In der Beziehung zwischen dem Körper (corps) und der Sprache ist das Reale das Dritte, d.h. das, was die Übereinstimmung (accord) hervorruft, ihre Resonanz oder Konsonanz. [In einer borromäischen Verschlingung aus drei Ringen wird die Beziehung zwischen dem Ring des Imaginären (des Körpers) und dem Ring des Symbolischen (der Sprache) durch den Ring des Realen herbeigeführt.]

Frage: Wie verhält sich Lacans Begriff der Libido zu dem des Organs?

Lacan: Der Körper [das Imaginäre] und das Reale präsentieren sich in drei Modi, im Modus des Lochs [sowie im Modus der Konsistenz und im Modus der Ex-sistenz]. Die Libido muss an diesen drei Modi teilhaben. Dass die Libido sich auf das Loch bezieht, zeigt schon ihr Name [in la libido steckt, wie Max Kleiner in seiner Übersetzung anmerkt, l’alibi, also das Fehlen an einem Platz].

[41] Der vierte Ring des borromäischen Knotens bezieht sich [auf das Symptom und] auf die Funktion der Kunst. Lacan verspricht, dieser These [in den späteren Sitzungen] Substanz zu verleihen.

Man reduziert stets die Metapher auf die Metonymie

Frage: Muss die Libido nicht als Resonanzphänomen aufgefasst werden, wie die Schwingung einer Saite, mit Knoten in dieser Schwingung?

Lacan: Bezogen auf die Schwingung einer Saite spricht man von „Schwingungsknoten“. Lacan interessiert sich für das, worauf diese Metapher sich bezieht. Mit der Metapher bezieht man sich auf etwas, das weiter geht als das, was effektiv gesagt wird. Man reduziert immer die Tragweite der Metapher, man reduziert sie auf eine Metonymie. [?? Was ist hier mit Metonymie gemeint? Das, was in der Signifikantenkette davor und danach kommt, also der Kontext? Will er sagen: Man reduziert das Problem der Bedeutung immer auf das Problem des Kontexts und übersieht damit die Funktion der Metapher?]

Das Loch im Symbolischen ist die Urverdrängung

Frage: Im borromäischen Viererknoten verschwindet der borromäische Dreierknoten. Ist das nicht für die Analyse ein Problem?

Lacan: In einem borromäischen Viererknoten bilden das Imaginäre, das Symbolische und das Reale für sich genommen keinen borromäischen Knoten mehr, diese drei Dimensionen werden vielmehr durch das Symptom zusammengehalten.

Der vierte Term des borromäischen Knotens kann nicht radikal reduziert werden [das Symptom kann nicht vollständig zum Verschwinden gebracht werden]. Die Ursache hierfür ist die Urverdrängung, wie Freud sie genannt hat. Die Urverdrängung ist eine Verdrängung, die niemals aufgehoben werden kann. Die Urverdrängung ist das Loch im Symbolischen. [Das ist für die Gesamtkonstruktion des borromäischen Knotens festzuhalten: Der Ring des Symbolischen ist gekennzeichnet durch Konsistenz, Ex-sistenz und Loch; das Loch im Symbolischen ist die Urverdrängung. Das, was urverdrängt ist, ist das Inzestverbot.105

[In Seminar 11 von 1964, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, heißt es, ein Signifikant ist, was für einen anderen Signifikanten das Subjekt repräsentiert, die beiden Signifikanten, die füreinander das Subjekt repräsentieren, werden als „unärer“ und „binärer Signifikant“ tituliert, und der binäre Signifikant wird in Seminar 11 als der urverdrängte Signifikant bezeichnet, genauer: als der zentrale Punkt der Urverdrängung (vgl. Version Miller/Haas, S. 229.)]

[Das gibt auch eine Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von borromäischen Dreierknoten und borromäischen Viererknoten: Einen borromäischen Dreierknoten gäbe es dann, wenn es keine Urverdrängung gäbe, d.h. wenn die gesamte Verdrängung beseitigt wäre. Da es eine Urverdrängung gibt, gibt es immer ein Symptom. Der borromäische Dreierknoten stellt ein Subjekt ohne Verdrängung dar, gewissermaßen das unerreichbare Ideal der Psychoanalyse, der borromäische Viererknoten den gewöhnlichen Neurotiker oder Perversen.]

Der borromäische Knoten ist kein Modell, da das Imaginäre gegen ihn Widerstand leistet

Frage: Inwiefern ist der borromäische Knoten kein Modell?

[42] [Ein Modell dient dazu, eine Struktur durch Veranschaulichung verständlich zu machen. Ein Modell operiert also in der Ordnung des Imaginären.] Mit dem borromäischen Knoten hat die Anschauung jedoch Schwierigkeiten, und in diesem Sinne ist er kein Modell. Die Anschauung leistet gegen den Knoten Widerstand, und dieser Widerstand ist ein Widerstand im eigentlichen Sinne [also ein Widerstand im Sinne der Psychoanalyse, ein Widerstand des Imaginären]. Das rein mathematische Herangehen an den Knoten in der Topologie ist unzureichend [es fehlt der Aspekt des Widerstands gegen den Knoten].

Lacans Unfähigkeit, vier Kleeblattknoten in einen borromäischen Viererknoten zu überführen

Lacan berichtet, dass er sich mit dem Problem beschäftigt hat, in welcher Beziehung zwei Arten von Knoten stehen:
– der sogenannte Dreierknoten, der in der folgenden Zeichnung dargestellt ist [und der auch „Kleeblattknoten“ genannt wird]

9-12-75 - II - Figur 4 - Kleeblattknoten– und der borromäische Knoten. [Man muss also unterscheiden: den „Dreierknoten“ (den Kleeblattknoten) und den „borromäischen Dreierknoten“.]

Ein Dreierknoten ist derjenige Knoten, der sich ergibt, wenn man in eine Schnur einen gewöhnlichen Knoten macht:

9-12-75 - II - Figur 5 - einfachster Knoten[und wenn man dann die beiden Enden zusammenfügt. Im obigen Bild der Brezel hat man sich vorzustellen, dass die beiden Enden miteinander verspleißt sind. Die Knotentheorie befasst sich ausschließlich mit geschlossenen Gebilden, also nicht mit offenen Fäden; eine Zeichnung wie die obige wird im Rahmen der Knotentheorie deshalb automatisch als Ausschnitt begriffen, es wird vorausgesetzt, dass die Enden miteinander verbunden sind.]

Mit seiner Frage zielt Lacan darauf ab zu beweisen, dass ein borromäischer Knoten „ex-sistiert“. [?? Es ist nicht hörbar, ob er hier „existieren“ oder „ex-sistieren“ sagt.] Damit meint er, er möchte zeigen, dass sich Kleeblattknoten in borromäische Knoten überführen lassen. [?? Warum „existiert“ ein borromäischer Knoten dann, wenn er aus Kleeblattknoten erzeugt werden kann?]

[Eine borromäische Verschlingung aus Kleeblattknoten hat einen anderen Charakter als eine borromäische Verschlingung aus Ringen. Ringe sind „Unknoten“ oder „triviale Knoten“, wie die Knotentheoretiker sagen. Ein Kleeblattknoten hingegen ist die einfachste Form eines Knotens im engeren Sinne. Die Frage lautet für Lacan also, ob nur triviale Knoten (Ringe) miteinander eine borromäische Verschlingung bilden können oder auch Knoten im engeren Sinne, z.B. Kleeblattknoten.]

Für den borromäischen Dreierknoten habe er die Lösung gefunden, er habe hier einen glücklichen Fund gemacht, eine Entdeckung, eine Trouvaille.

[Die Version Staferla entnommene Zeichnung des borromäischen Knotens (rechts) deutet folgende Vorgehensweise an:

Umwandlung eines Kleeblattknotens in Borromäische Ringe

– Ausgangspunkte sind ein Kleeblattknoten (links) und drei lose Fäden (grün, blau, gelb).
– Der Kleeblattknoten wird so angeordnet, dass er drei Segmente zeigt, die einen Halbkreis bilden (entsprechend der roten Figur in der rechten Zeichnung).
– Der Kleeblattknoten wird an den drei Extremstellen aufgeschnitten (dicker roter Punkt in der Zeichnung rechts).
– Je zwei der so entstandenen Enden werden mit einem losen Faden verbunden; die Verbindung wird durch einen Spleiß hergestellt.
Auf diese Weise werden die Extrempunkte des Kleeblattknotens umgewandelt in die drei Überschneidungsstellen der drei Ringe.
Fertig ist der borromäische Dreierknoten.]

Lacan sagt, er habe versucht, folgendes Problem zu lösen: Gibt es ein Verfahren, um vier Kleeblattknoten in einen borromäischen Viererknoten zu überführen? [Diese Fragestellung spricht dafür, dass hier „existieren“ in der üblichen Bedeutung gemeint ist und nicht „ex-sistieren“, in einem äußerlichen Verhältnis zueinander stehen.] Es sei ihm nicht gelungen, zu beweisen, dass ein solches Verfahren existiert. Dass ihm das nicht gelungen ist, sei kein Beweis dafür, dass ein solches Verfahren nicht existiert. | [43] Um sagen zu können, dass das Verfahren nicht existiert, hätte er dessen Unmöglichkeit beweisen müssen. [Lacan spielt hier auf den Unterschied zwischen Unvermögen und Unmöglichkeit an, eine Opposition, auf die er sich im Zusammenhang der vier Diskurse bezogen hatte.106] Wenn er beweisen könnte, dass das Verfahren nicht existiert, wäre dies der Beweis einer Unmöglichkeit, und damit hätte er an ein Reales rühren können [Lacan spielt hier auf seine Formel an: „Das Reale ist das (logisch) Unmögliche“]. Das Reale hätte hier darin bestanden, dass es keinen borromäischen Viererknoten gibt, der aus vier Dreierknoten besteht. Er vermutet, dass es ein solches Umwandlungsverfahren gibt, dass er also hier nicht an ein Reales stößt. Das Beweisen und das [anschauliche] Zeigen haben ganz unterschiedlichen Charakter. [Es ist schwierig einen Beweis zu finden.] Wenn der Beweis einmal gefunden ist, ist es einfach, ihn zu zeigen, ihn [anschaulich] vorzuführen. [Das Beweisen stützt sich auf das Symbolische, das Zeigen hat illustrativen Charakter, es stützt sich auf das Imaginäre.]

[?? Ich verstehe nicht, wo das Problem ist. Wenn Aufschneiden und Verspleißen erlaubte Vorgehensweisen sind, kann man ja durch Aufschneiden und Verspleißen ganz einfach aus vier Kleeblattknoten eine borromäische Verschlingung basteln. Man nimmt vier offene Fäden, macht in jeden einen Knoten (im Sinne der Umgangssprache), verwandelt drei dieser vier Fäden durch Verspleißen in Ringe (die jeder jetzt einen Knoten enthalten), legt diese drei Ringe in der Art der borromäischen Ringe übereinander, ohne Verschlingung, fädelt den vierten verknoteten offenen Faden in der Art des Symptomknotens durch diese drei Ringe und verspleißt ihn.]

Die Hand erkennt im Akt des Händedrückens nicht die andere Hand. [Das Wahrnehmen der anderen Hand ist kein Erkennen. Erkennen beruht auf einer Verbindung zwischen dem Symbolischen und dem Imaginären. Vielleicht auch im Sinne von: die andere Hand wird nicht als andere Hand erkannt, nicht in ihrer Andersheit.]

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM

Im Folgenden werden alle Stellen aufgeführt, an denen Lacan die Ausdrücke „Symptom“ oder „Sinthom“ verwendet. Die Zahlen in runden Klammern sind Seitenzahlen, sie verweisen auf die Übersetzung von Max Kleiner.

Verwendung von „Symptom“ und „Sinthom“

In der Sitzung vom 9. Dezember 1975 spricht Lacan nur vom „Symptom“, der Ausdruck „Sinthom“ wird hier von ihm nicht verwendet.

Falsches Loch zwischen Symptom und Symbolischem

Die durch das Symptom und „das Symbolische“ gebildete Gesamtheit ist ein falsches Loch. (30)

In der vorangegangenen Sitzung hatte Lacan vom falschen Loch zwischen dem Symptom und dem „Symbol“ gesprochen. Damit bestätigt sich die Vermutung, dass mit „Symbol“ dort das Symbolische gemeint war.

Verklammerung zwischen Symptom und Sprache

Das Symptom hat insofern Bestand, als es mit der Sprache verklammert ist – dies ist impliziert, wenn wir annehmen, dass durch eine Deutung, die auf den Sinn anspielt, am Symptom etwas verändert werden kann. (30)

Wie ist der Konditionalsatz zu werten: nimmt Lacan an, dass durch eine Deutung, die auf den Sinn anspielt, am Symptom etwas verändert werden kann? In der vorigen Sitzung hatte er gesagt: die einzige Waffe im Kampf gegen das Symptom sei die Äquivokation (9). Begreift er die Äquivokation als eine Deutung, die auf den Sinn anspielt?

Symptom und Reales

Chomsky verwechselt das Symptom mit dem Realen. (30)

Borromäische Verschlingung

Der borromäische Viererknoten wird nur durch das „Symptom“ gehalten. (32)

In der vorangegangenen Sitzung hatte Lacan den vierten Ring mal als den des „Sinthoms“, mal als den des „Symptoms“ bezeichnet (12).

Symptom und Kunst

Die Kunst kann das Symptom erreichen. (Diesen Satz findet man nicht in der Kleiner-Übersetzung)

In der vorangegangenen Sitzung hieß es: die Kunst kann das Symptom anzielen und das vereiteln, was sich vom Symptom her aufzwingt, nämlich die Wahrheit (14).

OFFENE FRAGEN

Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf die Seiten der Übersetzung von Max Kleiner. Sie sind oben in der Übersetzung nach jedem Satz angegeben.

Hauptfragen

Der bor­ro­mä­i­sche Kno­ten ist der Ty­pus selbst des Kno­tens (26). Inwiefern? Es gibt ja zwei Ar­ten von Ver­schlin­gun­gen: sol­che vom Typ der Glie­der­kette („Hoff­sche Ver­schlin­gung) und sol­che mit bor­ro­mä­i­schem Cha­rak­ter („Brunn­sche Ei­gen­schaft“).

Der bor­ro­mä­i­sche Kno­ten be­ruht auf der Äqui­va­lenz zwi­schen ei­nem Kreis und ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den (23). Inwiefern? Wie stellt sich diese Vermischung von zwei Topologien für Mathematiker dar?

Weitere Fragen

Freud hat erreicht, worauf er abgezielt hatte, nämlich über den Menschen die Wahrheit zu sagen; Lacan fragt, wodurch Freud dies erreicht habe (20). Wie lautet die Antwort? Durch Zuhören und Deuten?

Wenn wir von der Ana­lyse aus­ge­hen, dann kon­sta­tie­ren wir, und das ist et­was an­de­res als zu be­ob­ach­ten (21). Was versteht Lacan hier unter „konstatieren“?

Das Erkenntnisbegehren stößt auf ein Hindernis (27). Worin besteht das Hindernis, auf das das Erkenntnisbegehren stößt? Im Imaginären, insofern dieses einen Widerstand leistet gegen das Denken des Knotens? Im Realen?

Die De­bi­li­tät des Ge­fühls be­steht darin, dass das Zerreißen des Knotens für un­mög­lich ge­hal­ten wird (28). Was meint „Zer­reißen des Kno­tens“? Was meint, dass das Zer­reißen des Kno­tens für un­mög­lich ge­hal­ten wird?

Das Reale lügt wirk­lich (28). Was meint das?

Der Kno­ten stellt ein Sub­jekt dar, in­so­fern es nicht-unterstellt ist (28). Am An­fang die­ser Sit­zung hatte La­can das Ge­gen­teil ge­sagt: das Sub­jekt sei das Un­ter­stellte. Was meint, dass der Kno­ten das Sub­jekt als nicht un­ter­stell­tes dar­stellt? Geht es um den Ge­gen­satz zum su­jet sup­posé savoir, dem Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird (wel­ches die Po­si­tion ist, die der Ana­ly­ti­ker für den Pa­ti­en­ten in der Über­tra­gung an­nimmt)?

Der Kno­ten er­zählt ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les (28).  Wie kann der Kno­ten ei­nen My­thos über das Sub­jekt als Rea­les dar­stel­len, wenn er das Sub­jekt als Ver­sch­lin­gung von Rea­lem, Ima­gi­nä­rem und Sym­bo­li­schem dar­stellt?

Die folgende Zeichnung stellt eine Verschlingung mit mehrfacher Überkreuzung dar (28). Welche Funktion hat diese Zeichnung?

9-12-75 - II - Figur 3

Man re­du­ziert im­mer die Trag­weite der Me­ta­pher, man re­du­ziert sie auf eine Me­t­o­ny­mie (32). Was ist hier mit Me­t­o­ny­mie ge­meint? Das, was in der Si­gni­fi­kan­ten­kette da­vor und da­nach kommt, also der Kon­text? Will er sa­gen: Man re­du­ziert das Pro­blem der Be­deu­tung im­mer auf das Pro­blem des Kon­texts und über­sieht da­mit die Funk­tion der Me­ta­pher?

Lacan versucht, einen borromäischen Knoten aus Kleeblattknoten herzustellen (33). Ich ver­stehe nicht, wo das Pro­blem ist. Wenn Auf­schnei­den und Versplei­ßen er­laubte Vor­ge­hens­wei­sen sind, kann man ja durch Auf­schnei­den und Versplei­ßen ganz ein­fach aus vier Klee­blatt­kno­ten eine bor­ro­mä­i­sche Ver­schlin­gung er­zeu­gen. Man nimmt vier of­fene Fä­den, macht in je­den ei­nen Kno­ten (im Sinne der Um­gangs­spra­che), ver­wan­delt drei die­ser vier Fä­den durch Versplei­ßen in Ringe (die je­der jetzt ei­nen Kno­ten ent­hal­ten), legt diese drei Ringe über­ein­an­der, in der Art der bor­ro­mä­i­schen Ringe, je­doch ohne Ver­schlin­gung, fä­delt den vier­ten ver­kno­te­ten of­fe­nen Fa­den in der Art des Sym­ptom­kno­tens durch diese drei Ringe und verspleißt ihn.

Mit sei­ner Frage, ob sich ein borromäischer Viererknoten aus vier Kleeblattknoten herstellen lässt, zielt La­can dar­auf ab zu be­wei­sen, dass ein bor­ro­mä­i­scher Kno­ten „ex-sistiert“ (33). Inwiefern „exis­tiert“ ein bor­ro­mä­i­schen Kno­ten dann, wenn er aus Klee­blatt­kno­ten er­zeugt wer­den kann?

LITERATURVERZEICHNIS

Das Ver­zeich­nis be­schränkt sich auf die in die­sem Bei­trag zi­tierte oder er­wähnte Literatur.

Die Über­set­zun­gen von Zi­ta­ten sind von Rolf Nemitz, falls nicht an­ders vermerkt.

Lacan, Sinthom-Seminar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Transkription ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf diese Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, linke Spalte.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Transkription, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Diese Transkription wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Varianten der Staferla-Ver­sion. Für diesen Kommentar wurde die Variante vom 28.6.2013 verwendet; man findet sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976-77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Diese Version ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Erste Spalte: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zweite Spalte: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, dritte Spalte: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim Lacan-Archiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Datei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sinthom-Kommentars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Kleiner-Übersetzung“ ist diese Ver­sion gemeint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Tex­ter­stel­lung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

Weitere Texte von Lacan

Die Bedeutung des Phallus. In: Ders.: Schriften II. Walter-Verlag, Olten u.a. 1975, S. 119-132

Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse. In Ders.: Schrif­ten I. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 71-169

Introduction théorique aux fonctions de la psychanalyse en criminologie. In: Ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 125-150 (zusammen mit Michel Cénac)

Joyce le Symptôme I. In: Ders.: Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 161-169; Übersetzung in diesem Blog

L‘aggressivité en psychanalyse, In: Ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 101-124

Pré­face à L’Éveil du prin­temps. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 561-563

Seminare

Seminar 1 = Das Seminar, Buch I (1953-1954). Freuds technische Schriften. Übesetzt von Werner Hamacher nach einer von Jacques-Alain Miller erstellten Version. Walter Verlag, Olten u.a. 1978

Se­mi­nar 5 = Das Se­mi­nar, Buch V (1957-1958). Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten. Über­setzt von Hans-Dieter Gon­dek nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Tu­ria und Kant, Wien 2006

Se­mi­nar 6 = Le sé­mi­n­aire, livre VI. Le dé­sir et son in­ter­pré­ta­tion. 1958-1959. Tex­ter­stel­lung Jacques-Alain Mil­ler. La Mar­ti­nière, Pa­ris 2013

Se­mi­nar 7 = Das Se­mi­nar, Buch VII (1959-1960). Die Ethik der Psy­cho­ana­lyse. Über­setzt von Nor­bert Haas nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1996

Se­mi­nar 9 = L’identification. 1961-62. Her­aus­ge­ge­ben von der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage der Ver­sio­nen JL, rue CB und Rous­san. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 10 = Das Se­mi­nar, Buch X. Die Angst. 1962-1963. Über­setzt von Hans-Dieter Gon­dek nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Tu­ria und Kant, Wien 2010

Se­mi­nar 11 = Das Se­mi­nar, Buch XI (1964). Die vier Grund­be­griffe der Psy­cho­ana­lyse. Über­setzt von Nor­bert Haas nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Wal­ter, Ol­ten u.a. 1978

Seminar 12 = Pro­blè­mes cru­ci­aux pour la psy­chana­lyse. 1964-65. Herausgegeben von der Website Staferla (staferla.free.fr), auf der Grundlage der Versionen ELP, Gaogoa und Michel Roussan. Ohne Ort, ohne Jahr

Seminar 13 = L’objet de la psy­chana­lyse. 1965-66. Herausgegeben von der Website Staferla (staferla.free.fr), auf der Grundlage der Versionen ELP, Gaogoa und zweier weiterer Versionen. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 16 = Le sé­mi­n­aire, livre XVI. D’un Autre à l’autre. 1968-1969. Tex­ter­stel­lung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2006

Se­mi­nar 18 = Le sé­mi­n­aire, livre XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­ther­stel­lung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 1991

Se­mi­nar 19 = Le sé­mi­nare, livre XIX. … ou pire. 1971-1971. Tex­ter­stel­lung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2011

Se­mi­nar 20 = Das Se­mi­nar, Buch XX (1972-1973). En­core. Über­setzt von Nor­bert Haas, Vreni Haas und Hans-Joachim Metz­ger, nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1986

Se­mi­nar 21 = Les non-dupes er­rent. 1973-74. Hg. v. der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage ei­ner Ton­auf­nahme so­wie der Tran­skrip­tio­nen auf den Web­sites Lu­te­cium und Gao­goa. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 22 = Se­mi­nar XXII. RSI. 1974-75. Über­setzt von Max Klei­ner auf der Grund­lage ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten vor­läu­fi­gen Ver­sion. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv Bre­genz 2012

Andere Autoren

Bettelheim, Bruno: Symbolische Wunden. Pubertätsriten und der Neid des Mannes (1954). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1982

Chomsky, Noam: On the nature of language. In: Annals of the New York Academy of Science, Volume 280, Origins and evolution of language and speech, Oktober 1976, im Internet hier, S. 46–57

—: Reflexionen über die Sprache (1975). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979

Fromm, Erich: Sigmund Freuds Sendung. Persönlichkeit, geschichtlicher Standort und Wirkung. Übers. v. A. R. L. Gurland. Ullstein, Frankfurt am Main u.a. 1961; Neuausgabe: Sigmund Freud: seine Persönlichkeit und seine Wirkung. Aus dem Amerikanischen von Renate Oetker-Funk und Christiane von Wahlert, nach der Übers. von A. R. L. Gurland. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1995

Miller, Jacques-Alain: No­tice de fil en ai­guille. In: J. La­can: Le sé­mi­nare, livre XXIII. Le sin­thome. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199-248

Rhein­ber­ger, Hansjörg: Ex­pe­ri­men­tal­sys­teme und epis­te­mi­sche Dinge. Eine Ge­schichte der Pro­te­in­syn­these im Rea­genz­glas. Wall­stein, Göt­tin­gen 2001

Roudinesco, Elisabeth: Jacques Lacan. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996

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Anmerkungen

  1. Triplice, hier mit „Dreifalt“ übersetzt, von Lacan gebildeter Neologismus, ausgehend von triplicité, Dreiheit. In der christlichen Theologie spricht man von der triplicité der trinité, von der Dreiheit der Dreifaltigkeit.
  2. Lacan setzt hier die Bemerkungen zum mos geometricus (zur „geometrischen Art und Weise“) fort, die er in der vorangegangenen Sitzung begonnen hatte. Vgl. hierzu die Erläuterung im Kommentar zur Vorlesung vom 18. November 1975.
  3. Lacan bezieht sich hier auf eine Zeichnung an der Tafel.
  4. Hier geht es vermutlich um die Korrektur einer Kreuzungsstelle in der Zeichnung eines borromäischen Knotens. Dass eine Linie unter einer anderen verläuft, wird dadurch gekennzeichnet, dass man sie kurz vor und nach der Kreuzungsstelle löscht.
  5. Lacan bezieht sich vermutlich auf: Erich Fromm: Sigmund Freud’s mission: An analysis of his personality and influence. Allen and Unwin, London 1959.– Frz.: La Mission de Sigmund Freud : une analyse de sa personnalité et de son influence. Éditions Complexe und Presses Universitaires de France, Brüssel und Paris 1975.– Dt.: Sigmund Freuds Sendung. Persönlichkeit, geschichtlicher Standort und Wirkung. Übers. v. A. R. L. Gurland. Ullstein, Frankfurt am Main u.a. 1961; Neuausgabe: Sigmund Freud: seine Persönlichkeit und seine Wirkung. Aus dem Amerikanischen von Renate Oetker-Funk und Christiane von Wahlert, nach der Übers. von A. R. L. Gurland. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1995.
  6. Vgl. hierzu in diesem Sinthom-Kommentar den Eintrag „Die Wahrheit lässt sich nur halbsagen“ („Kleines Lacan-Lexikon“ zur Vorlesung vom 18. November 1975). Vgl. außerdem in diesem Blog den Artikel „Die Wahrheit lässt sich nur halbsagen“.
  7. Anspielung auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel, 1. Mose, Kap. 2, Vers 18. Der Vers wird meist übersetzt mit: „Und Gott der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ Der letzte Satz wird aber auch übersetzt mit „Ich werde ihm eine Hilfe gegen ihn schaffen.“ Siehe hier. André Chouraqui übersetzt: „IHVH-Adonaï Elohîms dit: ‚ Il n’est pas bien pour le glébeux d’être seul ! Je ferai pour lui une aide contre lui. ‘“ (IHVH-Adonai Elohim sagt: ‚Es ist nicht gut für das Lehmwesen, allein zu sein! Ich werdeihm eine Hilfe gegen ihn machen.‘“ Von hier. (Vgl. den Hinweis von Jacques-Alain Miller in seinem Seminar Pièces détachées, 2004/05, Sitzung vom 26.1.2005)
  8. Im Sinne von: Etwas zu konstatieren, wie wir es in der Analyse tun (wo wir das Begehren konstatieren) ist etwas anderes, als etwas zu beobachten (nämlich das Objekt); diese Unterscheidung wird in der anschließenden Chomsky-Kritik ausgeführt.
  9. Noam Chomsky, geb. 1928, neben Saussure und Jakobson der einflussreichste Sprachwissenschaftler des 20. Jahrhunderts.
    Mit Chomskys Linguistik hatte Lacan sich bereits einmal befasst, in Seminar 12 von 1964/65, Schlüsselprobleme für die Analyse. In der Sitzung vom 2. Dezember 1964 kommentiert er Chomskys berühmten Satz „Colorless green ideas sleep furiously“ aus Syntactic structures von 1957.
  10. Das Wort „Organ“ kommt vom griechischen Wort organon, Werkzeug.
    Bereits für Platon und für Humboldt ist die Sprache ein Werkzeug bzw. ein Organ, ein organon (Platon im Kratylos, Humboldt in Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts (1836).
    Chomskys Überlegungen zur Sprache als Organ findet man u.a. in dem Aufsatz On the nature of language. In dieser Arbeit schreibt er:

    „Thus it seens to me not unreasonable to approach the study of language as we would the study of some organ of the body.“ (N. Chomsky: On the nature of language. In: Annals of the New York Academy of Science, Volume 280, Origins and Evolution of Language and Speech, Oktober 1976, im Internet hier, S. 46–57, das Zitat: S. 46)

    „My feeling is that if, say, the Martian scientist that I was imagining were to look at earthlings and investigate them, he would have no reason to doubt that language is as much an organ of the body as the eye or the heart or the liver. It’s strictly characteristic of the species, has a highly intricate structure, developed more or less independently of experience in very specific ways, and so on. It has all the general properties of an organ of the body.“ (A.a.O., S. 57)

    Dass die Sprache wie ein Organ zu untersuchen sei, schreibt Chomsky auch in: Reflexionen über die Sprache (1975). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, S. 19 f.

  11. Ihre Handhabung: ihre Verwendung in der Psychoanalyse und damit die Wirksamkeit des Sprechens.
  12. Hormone werden als „Botenstoffe“ bezeichnet. Der Begriff „Hormon“ wurde 1905 von dem Physiologen Ernest Starling geprägt; ich habe nicht herausfinden können, wer Hormone zuerst als „messenger“ definiert hat, als chemische „Botenstoffe“.
    James Watson und Francis Crick veröffentlichten ihr Doppelspiral-Modell der DNA im Jahr 1953.
    Die Sprache der Informationsübertragung mit dem Begriffen Code, Transkription usw. begann sich in der Mikrobiologie um 1960 herum durchzusetzen; der Begriff messenger-RNA (Boten-RNA, RNA als Botenstoff) entstand zwischen 1959 und 1961 in verschiedenen Arbeitsgruppen gleichzeitig (vgl. Hansjörg Rheinberger: Experimentalsysteme und epistemische Dinge. Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas. Wallstein, Göttingen 2001, Kap. 12).
  13. Mit der Subtilisierung dürfte die Durchsetzung des Begriffsapparats der Informationsübertragung in der Mikrobiologie gemeint sein: genetischer Code, Transkription, Messenger-RNA, Kopie usw.
  14. Die der Staferla-Version entnommene Zeichnung zeigt statt zwei gleich drei Geraden. Das entsprechende Bild in der Miller-Version ist falsch, es zeigt keinen borromäischen Knoten; vgl. Version Miller 2005, S. 33, oberes Bild.
  15. Der Punkt im Unendlichen ist weder an dem einen noch an dem anderen Ende der Geraden zu verorten.
  16. Entscheidend ist, dass dies für jeden Kreis gilt.
  17. Das siebte Wort, „à“, ist unhörbar. Möglich ist also auch die Transkription „elle se refuse, ce … „, was einen völlig anderen Sinn ergibt.
  18. Theologische Tugenden („gottgesagte“ Tugenden) sind in der katholischen Moraltheologie die drei Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung (vgl. 1. Korintherbrief 13, 13). Sie sind in dem Sinne göttlich, als sie den Menschen von Gott in die Seele „eingegossen“ wurden.
    Damit ist klar, dass in der Transkription als siebtes Wort ein „à“ ergänzt werden muss, das man in der Tonaufnahme nicht hört: Die Methode ist ohne Hoffnung, sie verweigert sich damit der Hoffnung als theologischeer Tugend: elle se refuse à ce qui constitue une vertue.
  19. Vermutlich eine Anspielung auf die Kantische Erkenntnistheorie: das Ding an sich ist nicht erkennbar.
  20. Die Wissenschaft konstituiert ihre Objektivität dadurch, dass sie das begehrende Subjekt ausschließt.
  21. Anspielung auf das Objekt a als objet cause du désir, Objekt Ursache des Begehrens.
  22. Das Mentale ist für Lacan das Imaginäre; vgl. Seminar 22, Sitzung vom 11. März 1975; Kleiner-Übersetzung S. 47.
  23. Homophonie von sur, „an“, „auf“, und sûr, „sicher“.
  24. s’assurant enthält sûr.

    Sur place: vermutlich eine Anspielung auf die Topologie.

  25. Lacan spricht zuerst pan, dann die beiden Laute s und e getrennt.
  26. Max Kleiner verweist in seiner Übersetzung auf das Wortspiel mit der Homophonie mentant, lügend / m’entent, hört mich.
  27. Lacan macht ein Wortspiel mit pense (denke, Präsenz Singular von penser) und panse. Miller zufolge deutet Lacan damit das Denken als Pflaster im medizinischen Sinn (emplâtre), als etwas Aufgesetztes; demnach wäre panse von panser qc. abzuleiten, „etwas verbinden“ (ursprünglich „striegeln“) (vgl. Jacques-Alain Miller: Pièces détachées. Cours 2004/05. Sitzung vom 1. Dezember 2004, Transkription S. 21.) Max Kleiner deutet das Wortspiel als Anspielung auf panse, „Pansen“, „Bauch“, „Wanst“ und übersetzt es einfallsreich mit „Wahnst“. Für Millers Deutung spricht das Adjektiv léger, „leicht“ – die Rede von einem „leichten Verband“ ist plausibler als die von einem „leichten Wanst“.
    In der Sitzung vom 13. Januar 1976 wird das Wortspiel von Lacan wiederholt und ausgebaut.
  28. Gemeint ist der vierte Ring einer borromäischen Verschlingung aus vier trivialen Knoten.
  29. Der zuletzt abgebildete Knoten ist eine Verschlingung zweier Ringe in der Art zweier Kettenglieder.
  30. „Divinatorisch“ hier im Sinne von „intuitiv“.
  31. Den Wortlaut der von den Teilnehmern gestellten Fragen konnte ich anhand der im Internet verfügbaren Tonaufnahmen nicht überprüfen, die Tonqualität der Saalaufnahmen ist zu schlecht. Ich übernehme hier deshalb ungeprüft die Staferla-Version. Hinweise auf das Gelächter des Publikums habe ich hinzugefügt.
  32. Stuart Schneiderman, geboren 1943, US-Amerikaner, kam 1973 nach Paris und machte eine Kur bei Lacan. Er galt lange als der einzige lacanianische Psychoanalytiker des amerikanischen Kontinents (vgl. Elisabeth Roudinesco: Jacques Lacan. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 553). Schneiderman schrieb u.a.: Returning to Freud: clinical psychoanalysis in the school of Lacan. Yale University Press, New Haven u.a. 1980; Jacques Lacan: the death of an intellectual hero. Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1983. Schneiderman war lange als Psychoanalytiker und Psychotherapeut tätig; heute arbeitet er als „life coach” in New York.
  33. Schneiderman bezieht sich auf Willard Van Orman Quine und Nelson Goodman. Lacan traf Quine auf seiner USA-Reise, Quine war einer der Zuhörer eines Vortrags von Lacan am Massachusetts Institute of Technology. Quine erwähnt Lacans Besuch am MIT in seinen Memoiren (The time of my life, The MIT Press, 1985, S. 416 f.). Weitere Hinweise zu Quine findet man in Millers Anmerkungen zu seiner Version von Seminar 23, S. 216.
  34. In Seminar 13 von 1965/66, L’objet de la psychanalyse, hatte Lacan sich zustimmend auf Quines Word and object bezogen, in der Sitzung vom 9. Februar 1966, ebenso in Seminar 16 von 1968/69, D’un Autre à l’autre, in der Sitzung vom 8. Januar 1969, Version Miller, S. 97.
  35. Roland Chemama war Mitglied der École freudienne de Paris bis zu ihrer Auflösung. Heute ist er Mitglied der Association lacanienne internationale. Zusammen mit Bernard Vandermersch hat er das Dictionnaire de la psychanalyse herausgegeben (Larousse, Paris, zuerst 1993, 4. Aufl. 2009). Seine Veröffentlichungen im érès-Verlag findet man hier.
  36. Max Kleiner verweist in seiner Übersetzung auf die Homophonie accord (Übereinstimmng) / à corps (mit dem Körper).
  37. Die von Kleiner benutzte Vorlage hört an dieser Stelle art (Kunst) statt âme (Seele).
  38. Kleiner verweist auf die Möglichkeit un corps statt encore
  39. Kleiners Vorlage: âme.
  40. Kleiners Vorlage hört hier art (Kunst) statt âme (Seele).
  41. Kleiners Vorlage hört hier: Kunst.
  42. Die Fragende bezieht sich auf Seminar 11 von 1964, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, das 1973 bei Seuil in Paris veröffentlicht wurde. Den Mythos von der Lamelle findet man in der deutschen Übersetzung auf S. 206–208; Lacan bezeichnet dort die Lamelle als „Organ“ (S. 207).
  43. Inwiefern verweist der Name der Libido auf das Loch? Kleiner verweist auf die Assonanz la libido / l’alibi d’O. Ein Alibi ist der Beweis dafür, dass sich jemand zur Tatzeit nicht am Tatort aufgehalten hat. Durch das Alibi fehlt am Tatort der Täter, es erzeugt am Tatort ein Loch.
  44. Das bezieht sich auf den vierten Ring des borromäischen Viererknotens.
  45. Standing_wave_2Schwingungsknoten nennt man die festen Punkte in einer stehenden Welle. In der nebenstehenden Darstellung einer stehenden Welle sind die Schwingungsknoten die rot bezeichneten Punkte (anklicken, um die Animation in Gang zu setzen).
  46. Invagination: medizinischer Terminus für „Einstülpung“. In Seminar 11 verwendet Lacan das Partizip „s‘invaginant“, in der deutschen Ausgabe mit „sich einstülpend“ übersetzt auf (Version Miller/Haas, S. 205).
  47. Der abgebildete Knoten wird auch „Kleeblattknoten“ genannt.
  48. Wenn man beim unteren Knoten die Fadenenden verbindet, ergibt sich der Dreier- bzw. Kleeblattknoten.
  49. Die Tonaufnahme ist nicht gut genug, um hören zu können, ob Lacan hier und im Folgenden „ex-sister“ oder „exister“ sagt.
  50. Vielleicht eine Anspielung auf die unter Archäologen verbreitete Sentenz „Das Nichtvorhandensein eines Beweises ist kein Beweis für das Nichtvorhandensein“.
  51. Lacan spielt an auf Descartesʼ „Ich denke, also bin ich“.
  52. In der vorhergehenden Vorlesung hatte Lacan einen Zusammenhang zwischen Technik und Kunst hergestellt und darauf angespielt, dass in der Antike dieser Unterschied nicht gemacht wird, beides heißt technē (im Griechischen) bzw. ars (im Lateinischen).
  53. Vgl. Jacques-Alain Miller: No­tice de fil en ai­guille. In: J. La­can: Le sé­mi­nare, livre XXIII. Le sin­thome. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199-248, hier: S. 216 f.
  54. Vgl. Elisabeth Roudinesco: Jacques Lacan. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, S. 554–560.
  55. Sitzungen vom 20. November 1973, 11. Dezember 1973 und 8. Januar 1974.
  56. Über Bettelheims Studie spricht Lacan in Seminar 18, Version Miller, S. 167 f.
  57. Vgl. J. Lacan: Joyce le Symptôme I. In: Ders.. Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 161-169, und die Übersetzung in diesem Blog.
  58. Pré­face à L’Éveil du prin­temps. In: J. La­can: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 561-563, hier: S. 560.
  59. Vgl. Seminar 6, Version Miller, S. 456.
  60. Vgl. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 409; Seminar 6, Version Miller, S. 508.
  61. Vgl. J. Lacan: Die Bedeutung des Phallus. In: Ders.: Schriften II. Walter-Verlag, Olten u.a. 1975, S. 119-132, hier: S. 128 f.
  62. Seminar 21, Sitzung vom 15. Januar 1974, meine Übersetzung nach Version Staferla.
  63. Version Miller/Haas u.a., S. 155.
  64. Zum Gegensatz von Aktivität und Passivität vgl. S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1904). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 123 f. Fn. 1 (Zusatz von 1915).– Ders.: Das Unbehagen in der Kultur (1930). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9, a.a.O., S. 235 f. Fn. 2.– Ders.: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1933). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 1, a.a.O., S. 545-548.– Zur Anwesenheit und Abwesenheit des Penis als Deutung der Geschlechtsdifferenz vgl. S. Freud: Über infantile Sexualtheorien (1908). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3, a.a.O., S. 176-178.
  65. Sitzung vom 9. Juni 1965.
  66. Vgl. Seminar 22.
  67. Seminar 22, Sitzung vom 14. Januar 1975.
  68. Seminar 22, Sitzung vom 17. Dezember 1974; Kleiner-Übersetzung, S. 9.
  69. Lacan, Préface à L’Éveil du printemps., a.a.O., S. 562.
  70. Sitzung vom 19. Februar 1974.
  71. S. Freud: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1933). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 1. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 550.
  72. Sitzung vom 11. Mai 1976, Kleiner-Übersetzung, S. 160.
  73. In den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie erklärt Freud, „dass auch die Anlage zu den Perversionen keine seltene Besonderheit, sondern ein Stück der für normal geltenden Konstitution sein müsse“ (Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 80).
  74. Vgl. Version Miller, S. 226.
  75. Lacans früheste Kritik am Ideal der Oblativität findet sich in einem Text aus dem Jahr 1948, L‘aggressivité en psychanalyse. In: ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 101-124, hier: S. 118.
  76. Vgl. Seminar 11, Version Miller/Haas, S. 209.
  77. Vgl. Seminar 10, Version Miller/Gondek, S. 90.
  78. Seminar 1, Version Miller/Hamacher, S. 340)

    In Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse formuliert Lacan es so:

    „Das Symbol manifestiert sich als Mord am Ding“ (In ders.: Schrif­ten I. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 71-169, hier: 166). Vgl. hierzu in diesem Blog den Artikel Das Symbol manifestiert sich als „Mord am Ding“.

  79. Seminar 6, Version Miller, S. 397.
  80. Ebd.
  81. Seminar 7, Version Miller/Haas, S. 151.
  82. Zuerst in der Sitzung vom 7. März 1962.
  83. Schriften II, S. 181.
  84. Vgl. den Artikel „trou“ im Trésor de la Langue Française informatisé.
  85. Seminar 23, Sitzung vom 9. März 1976; Version Miller, S. 116; Übersetzung von Max Kleiner, S. 118.
  86. S. Freud: Studienausgabe, Bd. 1. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 258-272.
  87. A.a.O.
  88. Sitzung vom 18. März 1975; Kleiner-Übersetzung, S. 51, Übersetzung geändert.
  89. Vgl. Seminar 22, Sitzung vom 11. März 1975; Übersetzung von Max Kleiner, S. 42.
  90. Allerdings bezieht Lacan den Begriff der Konsistenz einmal auch auf das offene Seil; hier besteht die Konsistenz darin, dass das Seil nicht zerreißt, wenn man sich daran festhält (vgl. Seminar 22, Sitzung vom 14. Januar 1975).
  91. Zeichnung von dieser Seite.
  92. Sitzung vom 13. Mai 1975, Kleiner-Übersetzung, S. 75.
  93. Sitzungen vom 17. Dezember 1974; Kleiner-Übersetzung, S. 11. Sitzung vom 13. Mai 197; Kleiner-Übersetzung, S. 75.
  94. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 14. Ja­nuar 1975.
  95. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  96. Vgl. La­can, Pré­face à L’Éveil du prin­temps, a.a.O., S. 562.
  97. Sitzung vom 10. Dezember 1974; Kleiner-Übersetzung, S. 4.
  98. Sitzung vom 9. Dezember 1975; Kleiner-Übersetzung, S. 28, Übersetzung geändert.
  99. J. Lacan und Michel Cénac: Introduction théorique aux fonctions de la psychanalyse en criminologie. In: J. Lacan: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 125-150, hier: S. 149.
  100. Seminar 6, Version Miller, S. 433.
  101. Diese These entwickelt Lacan in Seminar 12 von 1964/64, Schlüsselprobleme für die Psychoanalyse.
  102. Vgl. Lacan Seminar 22, Sitzung vom 15. April 1975.
  103. Vgl. La­can, Pré­face à L’Éveil du prin­temps, a.a.O., S. 562; Seminar 22, Sit­zung vom 19. Fe­bruar 1974.
  104. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975.
  105. Vgl. Seminar 22, Sitzung vom 15. April 1975.
  106. Vgl. J. Lacan: Radiophonie. In: Ders.: Radiophonie. Television. Quadriga, Berlin 1988, S. 5-54, hier: S. 49.

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