Das Sinthom

Kommentar zu Lacans Vortrag Joyce das Symptom I

ArtikulationsorteAr­ti­ku­la­ti­ons­or­te, von hier

2. Ver­si­on vom 23. Ok­to­ber 2015, das letz­te Drit­tel wur­de stark über­ar­bei­tet.

Vor­be­mer­kung

Den Vor­trag Joy­ce le sym­ptô­me hielt La­can an ei­nem Blooms­day, am 16. Juni 1975 zur Er­öff­nung des 5. in­ter­na­tio­na­len Ja­mes-Joy­ce-Sym­po­si­ums in Pa­ris, im gro­ßen Am­phi­thea­ter der Sor­bon­ne. Die schrift­li­che Fas­sung wur­de von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stellt, auf der Grund­la­ge von No­ti­zen von Eric Lau­rent; sie er­schien zu­erst in L’âne, 1982, Nr. 6. Die rö­mi­sche I ver­weist dar­auf, dass es eine zwei­te Fas­sung gibt: den von La­can für die Ver­öf­fent­li­chung über­ar­bei­te­ten Text.1

Der fol­gen­de Kom­men­tar stützt sich auf
– die An­mer­kun­gen zur Über­set­zung des Vor­trags in die­sem Blog,
– den Kom­men­tar zu La­cans Sin­t­hom-Se­mi­nar in die­sem Blog,
– Dis­kus­sio­nen in der Lek­tü­re­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin zum Sin­t­hom-Se­mi­nar, am 17. De­zem­ber 2013 und am 28. Ja­nu­ar 2014.

Die in die­sem Blog be­reits ver­öf­fent­lich­te Über­set­zung wird im Fol­gen­den voll­stän­dig zi­tiert (ein­ge­rückt in se­ri­fen­lo­ser Schrift) und por­ti­ons­wei­se kom­men­tiert. Die Glie­de­rung in Ab­schnit­te ist von mir, die Ab­schnitts­glie­de­rung der schrift­li­chen Vor­la­ge wur­de nicht über­nom­men. Die Zwi­schen­über­schrif­ten sind von Mil­ler. Wer die Über­set­zung mit dem Fran­zö­si­schen ver­glei­chen will, fin­det die Mög­lich­keit dazu in der Über­set­zung, die in die­sem Blog be­reits ver­öf­fent­licht wur­de; der fran­zö­si­sche und der deut­sche Text wer­den dort Satz für Satz ge­gen­über­ge­stellt.

Die Über­set­zung be­zieht sich auf den Text auf der Sei­te der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se. Die von Jac­ques-Alain Mil­ler in sei­ner Aus­ga­be von Se­mi­nar 23 ver­öf­fent­lich­te Ver­si­on von Joy­ce le sym­ptô­me I weicht hier­von leicht ab.

Fra­gen zum Text, die für mich of­fen ge­blie­ben sind, habe ich mit ei­nem „Er­le­di­gungs­käst­chen“ mar­kiert: □. Ei­ni­ge die­ser Fra­gen wer­de ich im Ver­lauf der wei­te­ren Lek­tü­re von Se­mi­nar 23 ver­mut­lich be­ant­wor­ten kön­nen; das Er­geb­nis wer­de ich lau­fend in die­sen Kom­men­tar ein­ar­bei­ten.

Ver­bes­se­rungs- und Er­gän­zungs­vor­schlä­ge sind er­wünscht. Man kann dazu die Kom­men­tar­funk­ti­on ver­wen­den oder mir eine E-Mail-schrei­ben: rolf.nemitz [at] lacan-entziffern.de

Die Über­set­zung der zwei­ten Fas­sung des Tex­tes, also von Joy­ce le sym­ptô­me II, fin­det man in die­sem Blog hier.

RN

Jacques Lacan: Joyce des Symptom I

Heu­te bin ich nicht in mei­ner bes­ten Ver­fas­sung, aus al­len mög­li­chen Grün­den. Mit Ein­ver­ständ­nis von Jac­ques Au­bert, des­sen In­sis­tie­ren es ge­schul­det ist, dass Sie mich hier se­hen – Jac­ques Au­bert, der ein be­deu­ten­der Joy­cia­ner ist und des­sen Dis­ser­ta­ti­on über die Joy­ce­sche Äs­the­tik ein äu­ßerst emp­feh­lens­wer­tes Werk ist –, habe ich Joy­ce das Sym­ptom als Ti­tel ge­wählt. Sie wer­den mir ver­zei­hen, dar­über Joy­ce ei­nen Mo­ment lang zu pour­sti­cher [pour­suiv­re (fort­set­zen) + pasti­cher (nach­ah­men)], ihn fort­zu­ah­men – das wird nicht dau­ern –, den Joy­ce von Fin­ne­gans Wake, das der Traum ist, der Traum, den er hin­ter­lässt, als ein End­punkt ge­setzt, ein End­punkt wo­für? Das ist das, was ich ver­su­chen möch­te zu sa­gen. Die­ser Traum setzt dem Werk ein Ende, fin, Fin­ne­gans, weil es nicht bes­ser ge­macht wer­den kann.

La­can hat­te sich frü­her drei­mal auf Joy­ce be­zo­gen, das ers­te Mal im Poe-Auf­satz (1956), dann in dem Auf­satz Litu­ra­terre (1971), und schließ­lich im En­core-Se­mi­nar (1973).

Im Auf­satz über Poes Er­zäh­lung Der ent­wen­de­te Brief heißt es:

Was hiel­ten sie in dem, was sie in ih­ren Hän­den hin und her wen­de­ten, an­de­res in der Hand, als et­was, was nicht der Be­schrei­bung ent­sprach, die sie vom Brief hat­ten? A let­ter, a lit­ter, ein Brief, ein Ab­fall. Im li­te­ra­ri­schen Kreis um Joy­ce (Anm.) hat man mit Zwei­deu­tig­kei­ten zur Ho­mo­pho­nie die­ser bei­den eng­li­schen Wör­ter ge­spielt.“

Die An­mer­kung ver­weist auf den Sam­mel­band: Our exa­gmi­na­ti­on round his fac­tifi­ca­ti­on for in­ca­mi­na­ti­on of work in pro­gress. Syl­via Be­ach (Shake­speare & Com­pa­ny), Pa­ris 1929.2 Das Werk ent­hält den Brief ei­nes Vla­di­mir Di­xon, der mit A lit­ter to Mr Joy­ce über­schrie­ben ist.

Litu­ra­terre be­ginnt so:

Die­ses Wort [Litu­ra­terre] recht­fer­tigt sich durch den Er­nout und Meillet: lino, litu­ra, litur­ari­us. Es ist mir je­doch durch die­ses Wort­spiel ge­kom­men, bei dem es vor­kommt, dass man ei­nen Witz macht: der Schüt­tel­reim, der zu den Lip­pen zu­rück­kehrt, die Um­keh­rung zum Ohr.

Die­ses Wör­ter­buch (dass man her­an­zie­hen möge) lie­fert mir das Vor­zei­chen, durch ei­nen Aus­gangpunkt ge­grün­det zu sein, den ich nahm (aus­ge­hen ist hier auf­tei­len) mit dem Äqui­vok, bei dem Joy­ce (ich mei­ne Ja­mes Joy­ce) von a let­ter zu a lit­ter glei­tet, von ei­nem Buch­sta­ben (ich über­set­ze) zu ei­nem Ab­fall.

Man er­in­nert sich, dass eine ‚mes­se-hai­ne‘ [Mes­se-Hass, ho­mo­phon mit Mä­ze­nin ≅ eine anti-ka­tho­li­sche Mä­ze­nin], die ihm et­was Gu­tes tun woll­te, ihm eine Psy­cho­ana­ly­se an­bot, wie man es mit ei­ner Du­sche ma­chen wür­de. Und auch noch von Jung …

Bei dem Spiel, das wir in Er­in­ne­rung ru­fen, hät­te er nichts ge­won­nen, da er hier di­rekt auf das Bes­te des­sen zu­geht, was man von der Psy­cho­ana­ly­se am Schluss er­war­ten kann.“

Wenn er den Buch­sta­ben zu Streu macht, ist es noch der Hei­li­ge Tho­mas, der zu ihm zu­rück­kehrt, wie das ge­sam­te Werk be­zeugt?“3

Im En­core-Se­mi­na­re heißt es:

Joy­ce, es ist mir schon recht, daß das nicht les­bar ist — das ist ge­wiß nicht über­setz­bar ins Chi­ne­si­sche. Was pas­siert bei Joy­ce? Der Si­gni­fi­kant trüf­felt das Si­gni­fi­kat. Es ist auf­grund der Tat­sa­che, daß die Si­gni­fi­kan­ten sich ver­schach­teln, sich zu­sam­men­set­zen, sich in­ein­an­der­schie­ben – le­sen Sie Fin­ne­gans Wake — daß sich et­was pro­du­ziert, das, als Si­gni­fi­kat, rät­sel­haft schei­nen kann, aber was eben das Nächs­te des­sen ist, was wir Ana­ly­ti­ker, dank dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs, zu le­sen ha­ben — der Lap­sus. Es ist als Lap­sus, daß das et­was be­deu­tet, das heißt, daß das ge­le­sen wer­den kann in ei­ner Un­end­lich­keit un­ter­schied­li­cher Wei­sen.

Aber es ist eben des­halb, daß sich das schlecht liest, oder daß sich das ver­quer liest, oder daß sich das nicht liest. Doch die­se Di­men­si­on des sich le­sen, ist das nicht ge­nug, um zu zei­gen, daß wir im Re­gis­ter des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses sind?“4

La­can be­ginnt den Vor­trag mit ei­ner Ver­beu­gung ge­gen­über Jac­ques Au­bert, der ihn zu die­sem Joy­ce-Kon­gress ein­ge­la­den hat. Au­bert ist Joy­ce-Ex­per­te (Au­berts Buch, auf das La­can ver­weist, heißt In­tro­duc­tion à l’esthétique de Ja­mes Joy­ce, Di­dier, Pa­ris 1973), und er ge­hört zu den Or­ga­ni­sa­to­ren des Kon­gres­ses. Au­ßer­dem hat Au­bert Se­mi­na­re von La­can be­sucht; er bil­det also das Ge­lenk zwi­schen den Joy­cia­nern und den La­ca­nia­nern. Die­ser Funk­ti­on wird er treu blei­ben; 1987 wird er, mit ei­nem Vor­wort von Jac­ques-Alain Mil­ler, den Sam­mel­band Joy­ce avec La­can her­aus­ge­ben5, wor­in man un­ter an­de­rem die bei­den Fas­sun­gen von La­cans „Joy­ce le sym­ptô­me“ fin­det.

Was Joy­ce an­geht, trägt La­can gleich zu Be­ginn zwei The­sen vor. Die ers­te lau­tet: Fin­ne­gans Wake, 1939 von Joy­ce ver­öf­fent­lich,  ist ein von Joy­ce hin­ter­las­se­ner Traum.

□ In­wie­fern ist Fin­ne­gans Wake ein Traum? Wie ver­hält sich die­se The­se zum Ti­tel „Joy­ce das Sym­ptom“? Ist ge­meint: ein Traum ist, als Bil­dung des Un­be­wuss­ten, eine Art Sym­ptom? Aber Fin­ne­gans Wake ist ge­ra­de kei­ne Bil­dung des Un­be­wuss­ten, das ist im Fol­gen­den ei­nes der The­men.

Die zwei­te The­se ist: Mit Fin­ne­gans Wake hat Joy­ce ei­nen End­punkt ge­setzt. Der Be­zug auf das Ende steckt im Ti­tel des Werks: das fran­zö­si­sche Wort fin, „Ende“, ist Be­stand­teil von Fin­ne­gans. Da Joy­ce in Fin­ne­gans Wake mit Wort­ver­dich­tun­gen ar­bei­tet und sich da­bei be­stän­dig auf an­de­re Spra­chen be­zieht, liegt der Hin­weis auf ei­nen fran­zö­si­schen Aus­druck in ei­nem iri­schen Nach­na­men auf der von Joy­ce ver­folg­ten Li­nie.

Wenn man in Fin­ne­gans das fin ab­trennt, er­hält man fin-again-s, also ge­wis­ser­ma­ßen ein be­stän­dig sich wie­der­ho­len­des Ende, ei­nen Wie­der­ho­lungs­zwang: ein Sym­ptom. Ist das ge­meint?

Fin­ne­gans Wake setzt ei­nen End­punkt für was? Für das Werk. Fin­ne­gans Wake setzt dem Werk in­so­fern ein Ende, als es nicht bes­ser ge­macht wer­den kann. Das heißt un­ter an­de­rem: in­so­fern, als die Kunst von Joy­ce, Wort­spie­le die­ser Art zu kre­ieren, un­über­biet­bar ist. Auf die The­se von Fin­ne­gans Wake als ei­nem End­punkt wird La­can am Ende des Vor­trags zu­rück­kom­men.

La­can imi­tiert vor­über­ge­hend die Schreib­wei­se von Joy­ce in Fin­ne­gans Wake, mit Wort­ver­dich­tun­gen wie pour­sti­cher aus pour­suiv­re, „fort­set­zen“ und pasti­cher, „nach­ah­men“, also etwa „im­mer­tie­ren“. Was hat es mit sol­chen Wort­bil­dun­gen auf sich? Das ist eine der Haupt­fra­gen, die La­can im Lau­fe des Vor­trags zu be­ant­wor­ten sucht.

Ich fan­ge noch­mal an. War­um wol­len, dass die Fäul­nis, die der Mensch pour­spè­re [pourrir (ver­fau­len) + es­pé­rer (er­hof­fen) + pro­s­pé­rer (ge­dei­hen)] – das klingt wie „hof­fend ver­fau­len“ –, war­um wol­len, dass die jour­ni­tu­re [jour­nal (Zei­tung) + four­ni­tu­re (Lie­fe­rung) + nour­ri­tu­re (Nah­rung)], die uns mit Nach­rich­ten en­fourne [en­four­ner (ein­schie­ben, ver­schlin­gen), As­so­nanz mit in­for­mer (in­for­mie­ren)], kor­rekt mei­nen Ti­tel über­mit­telt? Jac­ques La­can, sie wis­sen nicht mal, was das ist, Ju­les La­cue wür­de es auch tun – das ist üb­ri­gens die eng­li­sche Aus­spra­che des­sen, was wir, in un­se­rer Spra­che, den Schwanz nen­nen (La­cue / la queue, der Schwanz). War­um soll­ten sie Joy­ce das Sym­ptom dru­cken? Jac­ques Au­bert teilt ih­nen das mit, und sie ma­chen dar­aus Jac­ques das Sym­bol. Für sie ist das na­tür­lich Ja­cke wie Hose.

In ei­ner Zei­tungs­an­kün­di­gung fin­det man als Ti­tel von La­cans Vor­trag of­fen­bar „Jac­ques das Sym­bol“ statt „Joy­ce das Sym­ptom“. Eine Er­fin­dung von La­can? Da­für gibt es kei­nen An­halts­punkt.

La­can ver­sucht, das Un­be­wuss­te sei­ner Zu­hö­rer in Be­we­gung zu ver­set­zen.

In sei­nen Wort­ver­dich­tun­gen bringt er ins Spiel:
– ver­fau­len, da­mit die ana­le Di­men­si­on so­wie den Rest, im Fol­gen­den ein wich­ti­ges The­ma,
– er­hof­fen: das Be­geh­ren,
– Nah­rung, ver­schlin­gen, also die ora­le Di­men­si­on,
– Schwanz, da­mit den Phal­lus.

Vom Sym, das ptomt, zum Sym, das bolt, was kann das schon aus­ma­chen an Abra­hams bo­som, wo der Ganz-Ver­faul­te sich wie­der­fin­den wird in sei­ner Na­tur als bon­ne­ri­che [bon­ne (gut) + ri­che (reich)], in alle étour­nité [éter­nité (Ewig­keit) + tour (Run­de) + étour­de­rie (Ge­dan­ken­lo­sig­keit) + étour­di (be­täubt)]? Ich be­rich­ti­ge je­doch. Ptom, p’titom (pe­tit hom­me, klei­ner Mann), p’titbonhomme (klei­nes Männ­chen) ist noch le­ben­dig in der Spra­che, die sich, ne­ben an­de­ren Spra­chen, ver­pflich­tet glaub­te, die zu­sam­men­kom­men­de Sa­che zu pto­men. Denn das ist es, was das be­deu­tet.

Sym­ptom“ setzt sich zu­sam­men aus den grie­chi­schen Wör­tern sym, „zu­sam­men“, und ptô­ma, „Fall“; „Sym­ptom“ meint: das, was zu­sam­men­fällt, was zu­sam­men auf­tritt.

La­can ver­weist auf eine Spra­che, in der das ptom „noch le­ben­dig“ ist, also auf das Neu­grie­chi­sche. Hier meint ptô­ma „Ka­da­ver“, „Lei­che“, also den „ganz Ver­faul­ten“ – der Ge­gen­satz von Le­ben und Tod wird evo­ziert.

Wei­te­re An­spie­lun­gen sind :
bon­ne­ri­che: das Ide­al,
– Abra­hams Schoß: der Ur­va­ter, der Name-des-Va­ters,
Pe­tit hom­me, „klei­ner Mann“: der Phal­lus6,
étour­di, be­täubt, Hin­weis auf La­cans Auf­satz L’étourdit von 1973.

Be­zie­hen Sie sich auf das ety­mo­lo­gi­sche Wör­ter­buch von Bloch und von Wart­burg, das ziem­lich zu­ver­läs­sig ist, Sie le­sen dort, dass das Sym­ptom zu­nächst „sin­t­home“ ge­schrie­ben wur­de. Joy­ce das sin­t­home bil­det eine Ho­mo­pho­nie mit sain­te­té, der Hei­lig­keit, in be­zug auf die ei­ni­ge hier sich viel­leicht dar­an er­in­nern, dass ich sie te­le­vi­sio­niert habe.

La­can ver­weist auf: Os­car Bloch, Walt­her von Wart­burg: Dic­tionn­aire étymologique de la lan­gue française. Pres­ses Uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pa­ris; die 1. Auf­la­ge er­schien 1932, die 7. Auf­la­ge 1975; die neu­es­te Ta­schen­buch­aus­ga­be ist von 2008. Die­ses Wör­ter­buch ist die Über­set­zung und Kurz­fas­sung des be­deu­tends­ten und um­fang­reichs­ten ety­mo­lo­gi­schen Wör­ter­buchs der fran­zö­si­schen Spra­che: Os­car Bloch, Walt­her von Wart­burg: Fran­zö­si­sches Ety­mo­lo­gi­sches Wör­ter­buch. 25 Bde. 1922–2002.

Sym­ptom“ wur­de zu­nächst, näm­lich im Mit­tel­al­ter, „sin­t­home“ ge­schrie­ben. La­can in­ter­es­siert dar­an die Ho­mo­pho­nie mit saint hom­me, hei­li­ger Mann/Mensch. Im Ethik-Se­mi­nar (1959/60) heißt es: Die Pries­ter es­sen das Op­fer auf.

Was eine ex­em­pla­ri­sche Form ist, die frei­lich auch auf der Ebe­ne des Hei­li­gen gilt, des­sen Ab­sicht in der Tat der Zu­gang zum höchs­ten Be­geh­ren ist, durch­aus nicht un­be­dingt zu sei­nem Be­geh­ren, denn der Hei­li­ge lebt und be­zahlt für die an­de­ren.“7

In Te­le­vi­si­on (1973) sagt La­can über den Ana­ly­ti­ker, er sei in­so­fern ein Hei­li­ger, als er für den­je­ni­gen, der in Ana­ly­se geht, ei­nen Ab­fall dar­stellt, ei­nen Aus­wurf, den Aus­schluss der jouis­sance, der (Un-)Lust jen­seits des Lust­prin­zips; an­ders ge­sagt: wäh­rend der Ana­ly­se ge­nießt der Ana­ly­ti­ker nicht – mit den Pa­ti­en­ten geht er kei­ne se­xu­el­len Be­zie­hun­gen ein. Dies, um es dem Pa­ti­en­ten zu er­mög­li­chen, ihn als Ur­sa­che des Be­geh­rens zu neh­men, als Ob­jekt a.8  Um es auf den An­fang des Vor­trags zu be­zie­hen: Der Ana­ly­ti­ker nimmt für den­je­ni­gen, der in eine Ana­ly­se geht, die Po­si­ti­on des Ab­falls ein, des Ganz-Ver­faul­ten, des pto­ma, des Ob­jekts a.

Wenn man die­ser Re­fe­renz im be­sag­ten Bloch und von Wart­burg folgt und ein biss­chen wei­ter­liest, er­fährt man, dass es Ra­belais war, der aus dem sin­t­home das sym­pto­ma­te ge­macht hat. Das ist kei­nes­wegs er­staun­lich, er war Arzt, und in der me­di­zi­ni­schen Spra­che muss­te „Sym­ptom“ be­reits sei­nen Platz ha­ben, aber si­cher ist das nicht. Wenn ich die­se Li­nie wei­ter­ver­fol­ge, wür­de ich sa­gen, dass er et­was sym­pt­rau­ma­ti­siert.

Bei Ra­belais hat man den ers­ten Be­leg für die grä­zi­sie­ren­de Schreib­wei­se ge­fun­den, also für die Schrei­bung „Sym­ptom“ in der Va­ri­an­te „sym­pto­ma­te“. Mit Ra­belais sind wir im Re­nais­sance-Hu­ma­nis­mus: die la­ti­ni­sie­ren­de Schreib­wei­se wird zu­rück­ge­wie­sen, die Schrei­bung soll an das Grie­chi­sche an­knüp­fen.

Die ar­chai­sie­ren­de Schreib­wei­se könn­te von Hei­deg­ger in­spi­riert sein, der in „Vom We­sen der Wahr­heit“ das Wort „Sein“ mit y schreibt: „Seyn“.9

Der frü­he Freud führt das Sym­ptom auf ein Trau­ma zu­rück, da­her „sym­pt­rau­ma­ti­siert“.

Wor­auf es mir an­kommt, ist nicht, Fin­ne­gans Wake zu imi­tie­ren, die­ser Auf­ga­be wird man nie­mals ge­wach­sen sein, son­dern zu sa­gen, in­wie­fern ich mit der For­mu­lie­rung die­ses Ti­tels, Joy­ce das Sym­ptom, Joy­ce nichts ge­rin­ge­res gebe als sei­nen Ei­gen­na­men, in dem er sich, wie ich an­neh­me, in der Di­men­si­on der Be­nen­nung wie­der­erkannt hät­te. Das ist eine Ver­mu­tung: er hät­te sich wie­der­erkannt, wenn ich heu­te mit ihm noch spre­chen könn­te. 

Mit „Joy­ce das Sym­ptom“ voll­zieht La­can ei­nen Be­nen­nungs­akt, er gibt Joy­ce sei­nen Na­men. Der Name ist ge­baut wie etwa „Mack the Kni­fe“ in Brechts Drei­gro­schen­oper.

Für La­can gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Sym­ptom und der Be­nen­nung; in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, ist das ein The­ma. Da­mit wird an­ge­deu­tet, dass die Be­zie­hung zwi­schen dem Sym­ptom und dem Si­gni­fi­kan­ten nicht die des Sinns ist, son­dern der Be­nen­nung, in der Ter­mi­no­lo­gie von J. St. Mill (auf den sich La­can in sei­ner Kon­zep­ti­on des Ei­gen­na­mens be­zieht): nicht der Kon­no­ta­ti­on, son­dern der De­no­ta­ti­on.

Er wäre ein Hun­dert­jäh­ri­ger, und das ist nicht das Üb­li­che, es ist nicht üb­lich, das Le­ben so lan­ge fort­zu­set­zen, das wäre ein merk­wür­di­ger Zu­satz / eine selt­sa­me Ad­di­ti­on / eine ei­gen­ar­ti­ge Rech­nung.

Joy­ce wäre ein Hun­dert­jäh­ri­ger, was nicht üb­lich ist, an­ders ge­sagt: Joy­ce ist tot. Viel­leicht spielt La­can hier an auf ptô­ma im Sin­ne von Lei­che, auf den Ganz Ver­faul­ten. Ein Hun­der­jäh­ri­ger wäre ein merk­wür­di­ger Zu­satz, mög­li­cher­wei­se soll an­ge­deu­tet wer­den: Eine Lei­che ist ein „merk­wür­di­ger Zu­satz“, ein Rest, ein Ab­fall – wie ein Sym­ptom.

Begegnung

Aus ei­nem ziem­lich er­bärm­li­chen Mi­lieu kom­mend, ge­nau ge­sagt aus dem Sta­nis­las, ein „Pries­ter­kind“, nicht wahr, wie Joy­ce – aber ein Kind von Pries­tern, die we­ni­ger se­ri­ös wa­ren als die sei­nen, die Je­sui­ten wa­ren, weiß Gott, was er dar­aus zu ma­chen ge­wusst hat –, kurz, aus die­sem er­bärm­li­chen Mi­lieu auf­tau­chend, bin ich mit sieb­zehn Jah­ren, dank der Tat­sa­che, dass ich bei Adri­en­ne Mon­nier ein und aus­ging, Joy­ce be­geg­net. Ge­nau­so wie ich, als ich zwan­zig war, der ers­ten Le­sung der fran­zö­si­schen Über­set­zung, die von Ulys­ses er­schie­nen war, bei­ge­wohnt habe.

La­can be­such­te eine ka­tho­li­sche Pri­vat­schu­le, das von Ma­ria­nis­ten ge­lei­te­te Col­lège Sta­nis­las de Pa­ris; in die­sem Sin­ne war er ein „Pries­ter­kind“. Joy­ce be­such­te zwei von Je­sui­ten ge­lei­te­te Schu­len, das Clon­go­wes Wood Col­le­ge (1888–1891) und das Bel­ve­de­re Col­le­ge in Dub­lin (1893–1898), da­nach das Uni­ver­si­ty Col­le­ge in Dub­lin (1898–1900), das eben­falls von Je­sui­ten ge­lei­tet wur­de. La­can und Joy­ce ha­ben also et­was Ge­mein­sa­mes, al­ler­dings hält La­can die Je­sui­ten­schu­len von Joy­ce für se­riö­ser als sei­ne ei­ge­ne Ma­ria­nis­ten­schu­le.

Mit sieb­zehn, also 1918/19, hat La­can re­gel­mä­ßig die Buch­hand­lung von Adri­en­ne Mon­nier auf­ge­sucht, in der Au­to­ren Le­sun­gen hiel­ten. Hier hat er Joy­ce er­lebt. Die voll­stän­di­ge Aus­ga­be des Ulys­ses er­schien erst 1922, in den Jah­ren 1918 und 1919 wa­ren je­doch be­reits Epi­so­den dar­aus ver­öf­fent­licht wor­den, in der Zeit­schrift Litt­le Re­view in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten. Mög­li­cher­wei­se hat Joy­ce dar­aus vor­ge­le­sen, mög­li­cher­wei­se aber auch un­ver­öf­fent­lich­te Pas­sa­gen vor­ge­tra­gen.

In Joy­ce das Sym­ptom II wird La­can schrei­ben, dass er Joy­ce mit zwan­zig ken­nen­ge­lernt habe.

20 Jah­re alt war La­can in den Jah­ren 1921 und 1922. Die fran­zö­si­sche Über­set­zung des Ulys­ses wur­de spä­ter be­gon­nen, erst 1924.10 Be­zieht La­can sich auf eine frü­he­re Teil­über­set­zung? Ver­wech­selt er das Da­tum? Meint er mit „als ich zwan­zig Jah­re alt war“ so et­was wie „ir­gend­wann in mei­nen Zwan­zi­gern“?

Das sind die Zu­fäl­le, die uns hin und her wer­fen und aus de­nen wir – denn wir sind es, die es als sol­ches flech­ten – un­ser Schick­sal ma­chen. Wir ma­chen dar­aus un­ser Schick­sal, weil wir spre­chen. Wir glau­ben, dass wir sa­gen, was wir wol­len, aber es ist das, was die an­de­ren ge­wollt ha­ben, ins­be­son­de­re un­se­re Fa­mi­lie, die uns spricht; ver­ste­hen Sie hier die­ses „uns“ als di­rek­tes Ob­jekt. Wir wer­den ge­spro­chen, und da­durch ma­chen wir aus den Zu­fäl­len, die uns zu­sto­ßen, et­was Ver­ket­te­tes, Ge­web­tes. Und tat­säch­lich gibt es ei­nen sich durch­zie­hen­den Fa­den, wir nen­nen das un­ser Schick­sal. So dass es si­cher­lich kein Zu­fall ist – auch wenn es schwie­rig ist, den Ver­bin­dungs­fa­den wie­der­zu­fin­den –, dass ich Ja­mes Joy­ce in Pa­ris be­geg­net bin, als er da war, er blieb ja noch eine Wei­le. Bit­te ent­schul­di­gen Sie, dass ich mei­ne Ge­schich­te er­zäh­le, aber ich den­ke, ich tue es nur Ja­mes Joy­ce zu Eh­ren.

Aus den Zu­fäl­len, die uns zu­sto­ßen, ma­chen wir un­ser Schick­sal, und zwar da­durch, dass wir spre­chen. In Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se, hat­te La­can zwei Ar­ten von Wie­der­ho­lung un­ter­schie­den. Da­bei stütz­te er sich auf die Un­ter­schei­dung von zwei Ar­ten des Zu­falls bei Aris­to­te­les, au­to­ma­ton und ty­che, was man mit „Zu­fall“ (für au­to­ma­ton) und „Schick­sals­fü­gung“ (für ty­che) ins Deut­sche ge­bracht hat.11 Für La­can ist auto­ma­ton die rein sym­bo­li­sche Wie­der­ho­lung, die Wie­der­ho­lung ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te; ty­che meint bei ihm den Wie­der­ho­lungs­zwang, der auf ei­ner Be­geg­nung mit dem Rea­len be­ruht, d.h. auf ei­ner Er­fah­rung, die nicht in Wor­te ge­bracht wer­den kann.12 Freud be­zeich­net den Wie­der­ho­lungs­zwang auch als „Schick­sals­zwang“13. Die Wie­der­ho­lung wird von uns als ein Schick­sal er­lebt, das uns von au­ßen zu­stößt, tat­säch­lich aber sind wir es, die die­se Wie­der­ho­lung her­vo­ru­fen.

Der Wie­der­ho­lungs­zwang be­ruht letzt­lich dar­auf, dass wir spre­chen. Aber nicht wir spre­chen, son­dern wir wer­den ge­spro­chen – in un­se­ren Sym­pto­men, un­se­ren Wie­der­ho­lungs­zwän­gen spre­chen die Wün­sche un­se­rer Fa­mi­lie, in La­cans Theo­rie­spra­che: die An­sprü­che des An­de­ren und durch die­se An­sprü­che hin­durch das Be­geh­ren des An­de­ren. „Das Un­be­wuss­te ist der Dis­kurs des An­de­ren“ ist sei­ne For­mel für die­sen Zu­sam­men­hang. Die an­de­re spre­chen uns, durch ihr Spre­chen brin­gen sie uns als Sub­jek­te her­vor. Durch den Be­zug auf die An­sprü­che und Be­gier­den des An­de­ren, von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on über­mit­telt, ma­chen wir aus den Zu­fäl­len, die uns zu­sto­ßen, et­was, was ei­nen Zu­sam­men­hang hat, was durch den Wie­der­ho­lungs­zwang zu­sam­men­ge­hal­ten wird.

Com­plé­ment di­rect (di­rek­tes Kom­ple­ment) oder com­plé­ment d’objet di­rect (di­rek­tes Ob­jekt­kom­ple­ment) ist ein Be­griff der Gram­ma­tik. Das com­plé­ment di­rect ist von ei­nem di­rek­ten tran­si­ti­ven Verb ab­hän­gig. Ge­meint ist: par­ler (spre­chen) soll tran­si­tiv auf­ge­fasst wer­den („je­man­den spre­chen“), das nous („uns“) in qui nous par­le („die uns spricht“) steht im Ak­ku­sa­tiv.

La­can ver­wen­det Tex­til­me­ta­phern: Ver­ket­te­tes, sich durch­zie­hen­der Fa­den, Ver­bin­dungs­fa­den – viel­leicht, um da­mit auf den bor­ro­mäi­schen Kno­ten vor­zu­be­rei­ten, der am Ende die­ses Vor­trags The­ma sein wird.

Joy­ce leb­te von 1920 bis 1940 in Pa­ris, es gab für La­can also jede Men­ge Ge­le­gen­hei­ten, ihm zu be­geg­nen. Der Ti­tel des Kon­gress­ban­des, also ver­mut­lich auch be­reits des Kon­gres­ses, be­zieht sich auf die Zei­ten von Joy­ce in Pa­ris: Jac­ques Au­bert, Ma­ria Jo­las (Hg.): Joy­ce & Pa­ris. 1902 1920–1940 1975. Ac­tes du 5. Sym­po­si­um In­ter­na­tio­nal Ja­mes Joy­ce, Pa­ris 16 – 20 juin 1975. Pu­bli­ca­ti­ons de l’Université de Lil­le, Édi­ti­ons du C.N.R.S., Pa­ris 1979.

Universität und Analyse

Ich habe in mei­ner Exis­tenz, die un­stet ist wie die von je­der­mann, im­mer eine un­ge­heu­re Men­ge, ei­nen wirk­lich ho­hen Sta­pel, eine un­ge­heu­re Men­ge von Bü­chern her­um­ge­schleppt, wo­bei der Joy­ce-Sta­pel nicht hö­her ist als so – die an­de­ren, das sind die Bü­cher über Joy­ce. Die­se habe ich im­mer mal wie­der ge­le­sen, ich habe mir je­doch in letz­ter Zeit, Jac­ques Au­bert wird mein Zeu­ge sein, eine gan­ze Men­ge da­von rein­ge­zo­gen. Ich habe hier mehr se­hen kön­nen als nur Un­ter­schie­de, viel­mehr ein ein­zig­ar­ti­ges Gleich­maß in der Art, wie Joy­ce re­zi­piert wird, was auf der ver­zer­ren­den Per­spek­ti­ve be­ruht, in der er auf­ge­fasst wird. In Über­ein­stim­mung mit dem, wo­von Joy­ce selbst wuss­te, dass es ihm nach sei­nem Tode zu­sto­ßen wür­de, do­mi­nie­ren da­bei die Uni­ver­si­täts­ge­lehr­ten. Es sind fast aus­schließ­lich Hoch­schul­leh­rer, die sich mit Joy­ce be­schäf­ti­gen. Das ist völ­lig ver­blüf­fend.

Joy­ce wird vor al­lem von Hoch­schul­leh­rern re­zi­piert. Hier­durch hat die Re­zep­ti­on ei­nen be­stimm­ten bias, eine ver­zer­ren­de Per­spek­ti­ve. Wor­in zeigt sie sich? Das er­fährt man in die­sem Vor­trag nicht.

□ Wor­in zeigt sich, La­can zu­fol­ge, der uni­ver­si­tä­re Cha­rak­ter der Joy­ce-Re­zep­ti­on?

La­can be­zieht sich hier viel­leicht auf sein Kon­zept des Dis­kur­ses der Uni­ver­si­tät, das er zu­erst in Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, vor­ge­stellt hat­te. Die For­mel für den Dis­kurs der Uni­ver­si­tät sieht so aus:Diskurs der UniversitätS2, das Wis­sen, am Platz des Agen­ten oben links. Dies ist im Fal­le von Joy­ce si­cher­lich das ge­lehr­te Wis­sen über Joy­ce.

S1, der Her­ren­si­gni­fi­kant, am Platz der ver­bor­ge­nen Wahr­heit un­ten links. Das sind, wie La­can in Se­mi­nar 17 er­läu­tert, die Stel­len, die Dienst­gra­de und Ti­tel, hier also die Ti­tel und Po­si­tio­nen, die durch das Wis­sen über Joy­ce er­wor­ben wer­den.

a, das Ob­jekt a, am Platz oben rechts: die­sen Platz nimmt, so ver­mu­te ich, das Werk von Joy­ce ein. Es fun­giert im uni­ver­si­tä­ren Dis­kurs über Joy­ce als Ob­jekt-Ur­sa­che des Be­geh­rens, als et­was, das vom Wis­sen ein­zu­krei­sen ver­sucht wird und be­stän­dig ver­fehlt wird, da es mit ihm in­kom­men­sura­bel ist.

Und was wäre $, das ge­spal­te­ne Sub­jekt, am Platz der Pro­duk­ti­on un­ten rechts, also das Pro­dukt der uni­ver­si­tä­ren Be­schäf­ti­gung mit Joy­ce? Dass man Joy­ce schei­tert? Dass das Joy­ce-Ent­zif­fern zum Sym­ptom wird?

Dass vor al­lem Uni­ver­si­täts­men­schen sich mit Joy­ce be­schäf­ti­gen, ist für La­can ver­blüf­fend. Das Er­stau­nen ist, Freud und La­can zu­fol­ge, das Kenn­zei­chen für das Auf­tau­chen von Be­zie­hun­gen des Un­be­wuss­ten. An­ders ge­sagt: das Phä­no­men, das Joy­ce vor al­lem von Hoch­schul­leh­rern ge­le­sen wird, kann von der Psy­cho­ana­ly­se auf­ge­hellt wer­den.14

Joy­ce sagt: „Was ich schrei­be, wird nicht auf­hö­ren, den Uni­ver­si­täts­leu­ten Ar­beit zu ver­schaf­fen.“ Und er hoff­te nichts we­ni­ger als dies: ih­nen Ar­beit zu ge­ben bis zur Aus­lö­schung der Uni­ver­si­tät. Die­sen Weg ist das tat­säch­lich ge­gan­gen. Und es ist of­fen­kun­dig, dass das nur mög­lich ist, weil der Text von Joy­ce von Pro­ble­men wim­melt, die ab­so­lut fes­selnd sind, fas­zi­nie­rend, so­dass ein Hoch­schul­leh­rer dar­an et­was zu knab­bern hat.

Dass sich vor al­lem Uni­ver­si­täts­leu­te mit Joy­ce be­schäf­ti­gen, ist kein blin­der Zu­fall, son­dern ent­spricht Joy­ces Ab­sicht. Zu die­sem Zweck hat er sei­ne Tex­te so voll mit Rät­seln ge­packt, dass die Uni­ver­si­täts­leu­te et­was zu tun ha­ben.

Ri­chard Ell­mann zi­tiert aus ei­nem In­ter­view mit Joy­ce: „‚War­um ha­ben Sie das Buch (Fin­ne­gans Wake) ge­ra­de so ge­schrie­ben?‘ woll­te je­mand an­de­res wis­sen. ‚Um die Kri­ti­ker drei­hun­dert Jah­re lang zu be­schäf­ti­gen.‘“15 Und zum fran­zö­si­schen Über­set­zer des Ulys­ses, der den Plan des Bu­ches ha­ben woll­te, sag­te Joy­ce: „Wenn ich al­les so­fort preis­gä­be, wür­de ich mei­ne Un­sterb­lich­keit ver­lie­ren. Ich habe so vie­le Rät­sel und Ge­heim­nis­se hin­ein­ge­steckt, dass es die Pro­fes­so­ren jahr­hun­der­te­lang in Streit dar­über hal­ten wird, was ich wohl ge­meint habe, und nur so si­chert man sich sei­ne Un­sterb­lich­keit.“16

Ich bin kein Uni­ver­si­täts­mensch, auch wenn man mich als Pro­fes­sor, Maît­re und mit wel­chen Scher­zen sonst noch ti­tu­liert. Ich bin ein Ana­ly­ti­ker, ein ana­lys­te. Das bil­det so­gleich eine Ho­mo­pho­nie, nicht wahr, mit den vier Meis­ter-An­na­lis­ten, über die sich Joy­ce in Fin­ne­gans aus­brei­tet, die die Grund­la­gen für die An­na­len Ir­lands ge­legt ha­ben. Ich bin eine an­de­re Art ana­lys­te.

La­can hat ei­nen an­de­ren Zu­gang zu Joy­ce, nicht im Rah­men des Dis­kur­ses der Uni­ver­si­tät, viel­mehr in dem der Ana­ly­se – er ist Psy­cho­ana­ly­ti­ker. Auch hier spielt er mit ei­ner Mehr­deu­tig­keit: An­na­list, der­je­ni­ge, der die An­na­len ver­fasst, der Ge­schichts­schrei­ber – ana­lyst, der Psy­cho­ana­ly­ti­ker.

Auf Fin­ne­gans Wake be­zieht sich La­can hier und im Fol­gen­den ab­kür­zend mit Fin­ne­gans, nie, wie in der Joy­ce-For­schung üb­lich, mit Wake. Ein Grund da­für ist even­tu­ell, dass er die Dif­fe­renz zu den Hoch­schul­leh­rern mar­kie­ren will, viel­leicht aber möch­te er auch im­mer wie­der das fin her­vor­he­ben, auf das er zu Be­ginn des Vor­trags ver­wie­sen hat­te, das Ende, viel­leicht auch das fin-again-s, den Wie­der­ho­lungs­zwang.

Vom Ana­ly­ti­ker, der da­nach auf­ge­taucht ist, kann man nicht ge­ra­de be­haup­ten, dass Joy­ce in ihn ver­knallt ge­we­sen sei. Ich habe es nur ge­ahnt, aber glaub­wür­di­ge Au­to­ren, die Joy­ce gut kann­ten, die zu sei­nen Freun­den ge­hör­ten, er­klä­ren be­reit­wil­lig, dass, wenn er freu­den­ed hat, wenn er die­ses fre­don­ne­ment, die­ses Ge­summ ge­freu­delt hat, dann mit Ab­nei­gung. Ich neh­me an, dass das stimmt.

Joy­ce lehn­te die Psy­cho­ana­ly­se ab. Ell­mann be­rich­tet, dass Joy­ces Mä­ze­nin, Edith Ro­cke­fel­ler Mc­Cor­mick, ihn auf­ge­for­dert hat­te, sich von Jung ana­ly­sie­ren zu las­sen und ihm an­ge­bo­ten hat­te, die Ana­ly­se zu fi­nan­zie­ren. Joy­ce hat­te das ab­ge­lehnt.17 La­can be­zieht sich hier­auf be­reits in dem Auf­satz Litu­ra­terre (1971).18

Mit freu­den­ed und freu­den­edé imi­tiert La­can, wie schon zu Be­ginn die­ses Vor­trags, die Wort­bil­dungs­tech­nik von Joy­ce in Fin­ne­gans Wake.

Den Be­leg da­für fin­de ich dar­in, dass es in der Kon­stel­la­ti­on des Trau­mes, aus dem es kein Er­wa­chen gibt – trotz des letz­ten Wor­tes, Wake –, dass es im Ge­flecht der Per­so­nen von Fin­ne­gans die­se bei­den Zwil­lin­ge gibt, Shem — Sie wer­den mir er­lau­ben, ihn Sh­emp­tom zu nen­nen – und Shaun. Ich hof­fe, das wird so aus­ge­spro­chen, denn dazu habe ich Jac­ques Au­bert nicht zu Rate ge­zo­gen, der mich, was die Aus­spra­che an­geht, wäh­rend der Her­stel­lung die­ses Ge­bräus phan­tas­tisch un­ter­stützt hat. Es gibt also den Sh­emp­tom und den Shaun. Sie sind ver­kno­tet – nichts Ver­kno­te­te­res als Zwil­lin­ge. Es ist der an­de­re, nicht Shem, den er als the pen­man eti­ket­tiert, als Fe­der­fuch­ser, als Schrei­ber­ling, es ist Shaun, dem Joy­ce den Dok­tor Jo­nes an­hef­tet. Da­bei han­delt es sich um je­nen Ana­ly­ti­ker, dem Freud, der wuss­te, was er tat, die Auf­ga­be über­trug, sei­ne Bio­gra­phie zu ver­fas­sen.

Ell­mann zu­fol­ge ver­ar­bei­tet Joy­ce die Auf­for­de­rung, in Ana­ly­se zu ge­hen, in der fol­gen­den Pas­sa­ge von Fin­ne­gans Wake :

Du bist ja ein net­ter dritt­stu­fi­ger zeu­ge, wahr­lich! Aber da gibt’s nichts zu la­chen! Glaubst du, wir sei­en stock­taub in un­se­ren na­sen oben­drein? kannst du denn den sinn, bit­te, nicht vom klang un­ter­schei­den? Du hast ho­mo­se­xu­el­le ca­t­hei­sis von em­pa­thie zwi­schen nar­ziß­mus des ex­per­ten und steato­py­gi­sche in­ver­si­tät. Laß dich psy­cho­ano­ly­sie­ren!
– Bei­gott, ich brau­che kei­ne ex­per­te am­men-sy­ma­phie von eu­ren brau­nen quar­te­ro­nen, und ich kann mich bei be­dürf­nis je­der­zeit sel­ber pseucho­ana­los­le­gen (der ne­bel fol­ge euch al­len!), ohne eure ein­mi­schung und an­de­re tau­ben­steh­ler.“19

Fin­ne­gans Wake, sagt La­can, ist der Traum, aus dem es kein Er­wa­chen gibt, trotz des Worts Wake, „Er­wa­chen“, im Ti­tel.

□ In­wie­fern ist Fin­ne­gans Wake ein Traum, aus dem es kein Er­wa­chen gibt?

In Fin­ne­gans Wake gibt es die Zwil­lin­ge Shem und Shaun.

Shem ist Sh­emp­tom, steht also für das Sym­ptom. Nun ist aber Joy­ce das Sym­ptom. Also kön­nen wir an­neh­men: Shem, das Sym­ptom, ent­spricht Joy­ce.

Shaun re­prä­sen­tiert, La­can zu­fol­ge, den Psy­cho­ana­ly­ti­ker Er­nest Jo­nes, Grün­der der Bri­tish Ana­ly­ti­cal So­cie­ty im Jahr 1919, Her­aus­ge­ber des In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis von 1920 bis 1939, Prä­si­dent der In­ter­na­tio­na­len Psy­cho­ana­ly­ti­schen Ver­ei­ni­gung (1920–1924, 1932–1949). Jo­nes war von Freud da­mit be­auf­tragt wor­den, Freuds Bio­gra­phie zu schrei­ben; von 1953 bis 1957 wur­de sie ver­öf­fent­licht.20

Shem/Symptom/Joyce und Shaun/Jones sind ver­kno­tet. Of­fen­bar be­zieht La­can sich hier auf ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten aus vier Rin­gen, in der Ter­mi­no­lo­gie der Ma­the­ma­ti­ker: auf eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier tri­via­len Kno­ten. Das Sym­ptom bil­det hier­in den vier­ten Ring; die Ent­wick­lung die­ses Kno­ten­typs und die An­wen­dung auf Joy­ce ist der Haupt­ge­gen­stand von La­cans Se­mi­nar 23, Le sin­t­home (1975/76). Shem/Joyce ent­spricht dem vier­ten Ring.

Wo­für steht Shaun/Jones? La­can weist dar­auf hin, dass Joy­ce ihn als Pen­man be­zeich­net, als Fe­der­fuch­ser, Schrei­ber­ling. Also steht Jo­nes ver­mut­lich für das Sym­bo­li­sche, wie Ge­ne­viè­ve Mo­rel an­nimmt.21 Die Ver­bin­dung zwi­schen Jo­nes und dem Sym­bo­li­schen wird auch durch des­sen Theo­rie der Sym­bo­lik na­he­ge­legt, auf die La­can sich in Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che zu­stim­mend be­zo­gen hat­te22 und über die er 1960 ei­nen kri­ti­schen Auf­satz ver­öf­fent­licht hat­te.23

La­can ar­bei­tet also of­fen­bar mit fol­gen­den Ent­spre­chun­gen:
Shem ≅ Joy­ce ≅ Sym­ptom
Shaun ≅ Jo­nes ≅ Sym­bo­li­sches

Shem/Joyce/das Sym­ptom und Shaun/Jones/das Sym­bo­li­sche sind Zwil­lin­ge, was von La­can so ge­deu­tet wird: sie sind mit­ein­an­der ver­kno­tet. In ei­nem bor­ro­mäi­schen Kno­ten sind zwei Rin­ge nie­mals di­rekt mit­ein­an­der ver­schlun­gen, sie hal­ten nur durch den drit­ten oder vier­ten Ring zu­sam­men.

Er kann­te ihn gut, d.h. er war sich si­cher, dass Jo­nes hier nicht die ge­rings­te Phan­ta­sie in­ves­tie­ren wür­de, dass er sich nicht er­lau­ben wür­de, un­ter an­de­rem, den Strich an­zu­brin­gen, den Biss zu ver­set­zen, den agen­bi­te of in­wit. Ir­gend­wo im Ulys­ses spricht Ste­phen De­da­lus vom agen­bi­te of in­wit, vom Biss des en­soi, des In­sich, so über­setzt man das ins Fran­zö­si­sche, ich weiß nicht war­um, ob­wohl das eher den wit meint, den in­ne­ren wit, den Biss des Wit­zes, den Biss des Un­be­wuss­ten. Mit Jo­nes war Freud ru­hig, er wuss­te, dass sei­ne Bio­gra­phie eine Ha­gio­gra­phie wer­den wür­de. Klar, dass Joy­ce be­sag­ten Jo­nes shau­ni­siert, wenn ich so sa­gen kann, gibt uns eine Vor­stel­lung da­von, wie wich­tig es ist, wie mal je­mand ge­sagt hat, Er­nest zu sein. Weit­aus mehr als Joy­ce trug Jo­nes vor sich her – ich sage Ih­nen das, weil ich ihm be­geg­net bin –, dass er Er­nest hieß, aber das war si­cher­lich we­gen des Stücks von Wil­de mit die­sem so er­staun­li­chen Ti­tel, den Jo­nes groß her­aus­stellt. Mehr als ein­mal er­scheint in Fin­ne­gans der Ver­weis dar­auf, wie wich­tig es ist, sich Ernst zu nen­nen.

Der mit­tel­eng­li­sche Aus­druck „ay­en­bi­te of in­wit“ meint „again-bi­ting of in­ner wit“, den Ge­wis­sens­biss; sie­he die­sen Ar­ti­kel in der eng­li­schen Wi­ki­pe­dia. In der Pen­gu­in Clas­sic-Aus­ga­be des Ulys­ses von 2000 fin­det man den Aus­druck auf S. 313; Woll­schlä­ger über­setzt mit „Ge­wis­sens­bis­se“24. Der Witz ist eine Bil­dung des Un­be­wuss­ten (das ist The­ma der ers­ten Sit­zun­gen von La­cans Se­mi­nar 5), in­so­fern beißt im Witz das Un­be­wuss­te.

Freud war sich si­cher, dass Jo­nes in sei­ner Bio­gra­phie Freud ge­gen­über nicht den Biss des Un­be­wuss­ten an­brin­gen wür­de. Das heißt ver­mut­lich: Freud war sich si­cher, dass Jo­nes die un­be­wuss­te Sei­te von Freud, sein Be­geh­ren, nicht ins Spiel brin­gen wür­de, wo­mit er ihn der Kri­tik aus­ge­setzt hät­te. In sei­nem Jo­nes-Auf­satz schreibt La­can:

Dass ihm (Jo­nes), dem ein­zi­gen Goi in die­sem von sei­ner jü­di­schen Spe­zi­fik über­zeug­ten Kreis, die Aus­zeich­nung vor­be­hal­ten blieb, dem Meis­ter das Denk­mal zu er­rich­ten, das man kennt, wird si­cher­lich mit der Tat­sa­che zu­sam­men­ge­bracht wer­den, dass die­ses Denk­mal die Gren­ze be­stä­tigt, die der Mensch, der der Welt ein neu­es Feld des Be­kennt­nis­ses er­öff­net hat, nicht in Rich­tung auf sein Pri­vat­le­ben über­schrit­ten se­hen woll­te.“25

Jo­nes hat aus Freud ei­nen Hei­li­gen ge­macht – „Ha­gio­gra­phie“ meint wört­lich: Schrift über ei­nen Hei­li­gen. Da­mit ist La­can ein wei­te­res Mal beim saint hom­me, beim Hei­li­gen, jetzt in der ent­ge­gen­ge­setz­ten Be­deu­tung, nicht im Sin­ne von Aus­wurf, son­dern von Ide­al.

Jo­nes steht für das Sym­bo­li­sche. Im Ver­hält­nis zu Freud ver­kör­pert er nicht das Sym­bo­li­sche qua Über-Ich, son­dern qua Ichi­de­al. Jo­nes be­zieht sich in sei­ner Bio­gra­phie auf das Ichi­de­al, er bringt nicht das ins Spiel, was jen­seits des Ichi­de­als liegt: das Phan­tas­ma („dass Jo­nes hier nicht die ge­rings­te Phan­ta­sie in­ves­tie­ren wür­de“), nicht das Be­geh­ren von Freud, das sich auf ein Phan­tas­ma stützt.

La­can macht ein Wort­spiel mit Er­nest (der Vor­na­me Ernst) und ear­nest (ernst, ernst­haft) und be­zieht sich da­für auf ein Thea­ter­stück von Os­car Wil­de, The Im­por­t­an­ce of Being Er­nest (1895); im Deut­schen hat es den Ti­tel „Ernst sein ist al­les“ oder „Bun­bu­ry“.

Über die Ernst­haf­tig­keit von Jo­nes hat­te La­can in sei­nem Jo­nes-Auf­satz von 1960 ge­schrie­ben:

Wenn er (Jo­nes) ver­fehlt, hier sei­nen Weg zu fin­den, so ist das zu zwei Zei­ten ganz of­fen­kun­dig, wo der Feh­ler sei­nes Aus­gangs­punkts un­se­res Er­ach­tens in die­ser sehr ver­fäng­li­chen Um­keh­rung in sei­nem Den­ken be­steht, durch die sein Be­dürf­nis nach Ernst­haf­tem für die Ana­ly­se sich, ohne dass er das ana­ly­siert, das Ernst­haf­te des Be­dürf­nis­ses zu­nut­ze macht (par quoi son be­soin de sé­rieux pour l’analyse s’y prévaut, sans qu’il l’analyse, du sé­rieux du be­soin).
Da­von zeugt die­ser Satz sei­ner Kon­tro­ver­se mit Sil­be­rer:
‚Wenn es in der Psy­cho­ana­ly­se, oder ganz ein­fach in ei­ner ge­ne­ti­schen Psy­cho­lo­gie, wel­cher auch im­mer, ir­gend­ei­ne Wahr­heit gibt, dann müs­sen die pri­mä­ren Kom­ple­xe, die sich im Sym­bo­lis­mus ma­ni­fes­tie­ren, die bei­den be­stän­di­gen Quel­len des geis­ti­gen Le­bens sein (An­mer­kung von La­can: must be, Her­vor­he­bung von uns) und das ge­ra­de Ge­gen­teil rei­ner Stil­fi­gu­ren.‘ Eine Be­mer­kung, die auf eine be­stimm­te Kon­tin­genz ab­zielt, die Sil­be­rer in der An­wen­dung von Sym­bo­len wie auch in den Wie­der­ho­lun­gen, de­nen sie Kon­sis­tenz ge­ben, ganz rich­tig fest­stellt (Anm. La­can: Jo­nes geht so weit, die Waf­fe der Ana­ly­se zu ver­wen­den, in­dem er den Ge­brauch des Aus­drucks ‚ephe­mer‘ als Sym­ptom ent­hüllt, ob­wohl er in die­sem Kon­text von Sil­be­rer lo­gisch ge­recht­fer­tigt ist.), um ihr die Kon­stanz pri­mä­rer Be­dürf­nis­se in der Ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­set­zen (bei­spiels­wei­se ora­ler Be­dürf­nis­se, de­ren zu­neh­men­de För­de­rung Jo­nes un­ter­stüt­zen wird).“26

Die Ernst­haf­tig­keit von Jo­nes be­steht also dar­in, dass er, um der Psy­cho­ana­ly­se eine so­li­de Grund­la­ge zu ver­schaf­fen, die Be­dürf­nis­se zum Fun­da­ment er­klärt und die Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen zu blo­ßen Stil­fi­gu­ren ab­wer­tet.

Viel­leicht spielt La­can hier auch auf Sar­tres The­se an, das wich­tigs­te Er­geb­nis der exis­ten­ti­el­len Psy­cho­ana­ly­se müs­se dar­in be­stehen, auf den Geist der Ernst­haf­tig­keit zu ver­zich­ten, da die­ser zur Un­auf­rich­tig­keit (mau­vai­se foi) füh­re. Ernst­haf­tig­keit be­weist man, Sart­re zu­fol­ge, da­durch, dass man der Welt mehr Rea­li­tät zu­schreibt als sich selbst, und eben dar­in be­steht in sei­nen Au­gen die Flucht vor der Ver­ant­wor­tung.27 Mit Sart­re könn­te man sa­gen: Jo­nes flieht vor der Ver­ant­wor­tung – vor der Frei­heit –, in­dem er nach ei­ner ob­jek­ti­ven Grund­la­ge des Sub­jekts sucht und sich hier­für auf die Be­dürf­nis­se stützt.

Das Abonnement auf das Unbewusste gekündigt …

All dies dien­te nur dazu, sich dem an­zu­nä­hern, dass es nicht das­sel­be ist, „Joy­ce das Sin­t­hom“ oder „Joy­ce das Sym­bol“ zu sa­gen. Ich sage „Joy­ce das Sym­ptom“ – das heißt, dass das Sym­ptom es ab­schafft, das Sym­bol, wenn ich auf die­ser Li­nie wei­ter­ma­chen darf.

Ent­schei­dend ist also der Ge­gen­satz von Sin­t­hom (bzw. Sym­ptom) und Sym­bol. Joy­ce ist das Sin­t­hom (bzw. das Sym­ptom) – er ist ge­ra­de nicht das Sym­bol. Das Sym­bol wird bei Joy­ce vom Sym­ptom ab­ge­schafft. Das wird im nächs­ten Satz er­läu­tert.

Auf­fäl­lig ist, dass die Schreib­wei­se hier von „Sym­ptom“ zu „Sin­t­hom“ wech­selt. Man muss be­rück­sich­ti­gen, dass die schrift­li­che Fas­sung auf ei­ner Hör­er­mit­schrift be­ruht. Al­ler­dings ar­ti­ku­liert La­can in sei­nen Vor­trä­gen ex­trem deut­lich, in den Ton­band­auf­nah­men des Sin­t­hom-Se­mi­nars ist der Un­ter­schied zwi­schen sym­ptô­me (mit p) und sin­t­home (ohne p) klar zu hö­ren. Den­noch könn­te die Ver­än­de­rung der Schreib­wei­se hier eine Zu­tat der Tran­skri­ben­ten sein.

Das ist nicht nur Joy­ce das Sym­ptom, das ist Joy­ce, wenn ich so sa­gen darf, in­so­fern sein Abon­ne­ment auf das Un­be­wuss­ten ge­kün­digt war.

Die The­se, dass man vom Werk von Joy­ce aus kei­nen Zu­gang zum Un­be­wuss­ten fin­det, wur­de zu­erst von C. G. Jung vor­ge­bracht, al­ler­dings be­zo­gen auf Ulys­ses: „je­der Satz ist eine Poin­te“, schreibt er in sei­ner Re­zen­si­on, „es ist kein Traum und kei­ne Of­fen­ba­rung des Un­be­wuss­ten“.28

Wäh­rend also in Fin­ne­gans Wake die Zwil­lin­ge Shem/Joyce/Symptom und Shaun/Jones/Symbol so be­schrie­ben wer­den, dass sie mit­ein­an­der ver­kno­tet sind, ist das Werk selbst ein Sym­ptom, das sich vom Sym­bol, vom Un­be­wuss­ten, ab­ge­löst hat.

Joy­ce das Sym­ptom – be­zieht sich das auf ein Sym­ptom, das in Ver­bin­dung zum Un­be­wuss­ten steht? Meint „Joy­ce das Sin­t­hom“: in Fin­ne­gans Wake ist das Sym­ptom vom Un­be­wuss­ten ab­ge­kop­pelt? So ko­hä­rent sind die bei­den Schreib­wei­sen nicht ver­teilt.

□ War­um ver­wen­det La­can die Me­ta­pher der Kün­di­gung ei­nes Abon­ne­ments?

Le­sen Sie Fin­ne­gans Wake, Sie wer­den mit­be­kom­men, dass das et­was ist, was nicht etwa nur in je­der Zei­le, son­dern in je­dem Wort mit dem pun spielt, ei­nem sehr, sehr spe­zi­el­len pun. Le­sen Sie es, es gibt nicht ein ein­zi­ges Wort, das nicht wie die ers­ten ge­macht ist, de­ren Ton ich Ih­nen mit „pour­spè­re“ zu ge­ben ver­sucht habe, aus drei oder vier Wör­tern ge­bil­det, die so ver­wen­det wer­den, dass sie Fun­ken er­zeu­gen, Pail­let­ten. Das ist si­cher­lich fas­zi­nie­rend, ob­gleich in Wahr­heit der Sinn, in dem Sinn, den wir ihm üb­li­cher­wei­se ge­ben, hier ei­nen Ver­lust er­lei­det.

Fin­ne­gans Wake ist eine ein­zi­ge An­samm­lung von puns, von Wort­spie­len. Al­ler­dings nicht von Wort­spie­len schlecht­hin, son­dern von sol­chen spe­zi­el­ler Art; es wird dar­auf an­kom­men, ihre Be­son­der­heit nä­her zu be­stim­men. Zu Be­ginn des Vor­trags hat­te La­can selbst Wort­spie­le à la Joy­ce vor­ge­tra­gen, etwa pour­sti­cher als Ver­dich­tung von pour­suiv­re (fort­set­zen) und pasti­cher (nach­ah­men).

Die Wort­spie­le kön­nen nicht auf ei­nen un­be­wuss­ten Sinn be­zo­gen wer­den, da­mit schei­tert die psy­cho­ana­ly­ti­sche Deu­tung. Hier­durch „ent­gleist“ die Wahr­heit, wie es in Se­mi­nar 23 zu Joy­ce heißt (Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 23): es ist nicht mög­lich, das Ver­dräng­te – den ver­bor­ge­nen Sinn – zu ent­hül­len; in ei­ner sol­chen Ent­hül­lung be­steht das Wahr­heits­ge­sche­hen. Der Sinn er­lei­det ei­nen Ver­lust – er ver­schwin­det nicht ganz, wie etwa in Chris­ti­an Mor­gen­sterns Das gro­ße La­lu­lâ („Krok­lok­waf­zi? Se­me­me­mi!“), es blei­ben, wie in der Non­sens­li­te­ra­tur, Sinn­res­te.

Ver­mut­lich darf man das zu­sam­men­brin­gen: Das Sym­ptom ist in Fin­ne­gans Wake vom Un­be­wuss­ten, vom Sym­bo­li­schen, ab­ge­kop­pelt; und: Der Sinn er­lei­det ei­nen Ver­lust. Der Sinn er­lei­det da­durch ei­nen Ver­lust, dass der Ver­dich­tungs­me­cha­nis­mus hart­nä­ckig ins Spiel ge­bracht wird, was al­ler­dings nicht zu ei­ner Bil­dung des Un­be­wuss­ten führt, son­dern zur Ver­nich­tung des Sinns. Dies hat zur Fol­ge, dass die Ver­bin­dung zwi­schen dem Sym­ptom und dem Un­be­wuss­ten / dem Sym­bo­li­schen ge­trennt ist.

Der Sinn er­lei­det „in Wahr­heit“ ei­nen Ver­lust – da­mit könn­te ge­meint sein: Wahr­heit be­steht in der Auf­de­ckung ei­nes ver­bor­ge­nen Sinns (in der „Ent­ber­gung“, wie Hei­deg­ger sagt); wenn die Ver­bin­dung zum Sinn un­ter­bro­chen ist, kann sich Wahr­heit nicht er­eig­nen.

Mon­sieur Cli­ve Hart spricht in Struc­tu­re and mo­tif of Fin­ne­gans Wake von et­was Ent­täu­schen­dem in der Art, wie Joy­ce von die­ser Art pun Ge­brauch macht.29 Mon­sieur Ather­ton be­zieht das in sei­nem Buch The books at the wake auf the un­fo­re­se­en, auf das Un­vor­her­ge­se­he­ne.30 Die­ses pun, das ist eher das port­man­te­au, das Kof­fer­wort im Sin­ne von Le­wis Car­roll, wor­in die­ser ein Vor­läu­fer ist, und da er auf ihn zwei­fel­los ziem­lich spät ge­sto­ßen ist, muss­te Joy­ce, so re­sü­miert Ather­ton, sich da­von ein we­nig ge­stört füh­len.

Die Wort­spie­le von Joy­ce er­in­nern an die von Le­wis Car­roll, dem Au­tor von Ali­ce im Wun­der­land. Mit port­man­te­au – dem im Eng­li­schen ge­bräuch­li­chen Wort für Rei­se­kof­fer – be­zeich­net Car­roll Wör­ter, die aus meh­re­ren Wör­tern ver­dich­tet sind. Man fin­det das zu­erst in Through the Loo­king-Glass (1871), Ali­ce hin­ter den Spie­geln, wo Hum­pty Dum­pty Ali­ce er­klärt, das Wort „slithy“ be­deu­te „sli­my“ (schlei­mig) und „li­the“ (bieg­sam). „You see it’s like a port­man­te­au — the­re are two me­a­nings pa­cked up into one word.“ Die üb­li­che deut­sche Über­set­zung ist „Kof­fer­wort“.

Für La­can ist der Ef­fekt die­ser Ver­dich­tung nicht Sinn­be­rei­che­rung, son­dern Sinn­ver­lust. Die Be­deu­tun­gen bei­spiels­wei­se von sli­my und li­the durch­kreu­zen sich und zer­stö­ren den Sinn oder hal­ten nur noch schwa­che Be­zie­hun­gen zum Sinn auf­recht.

Die li­te­ra­ri­sche Tech­nik, durch die das Sym­ptom vom Un­be­wuss­ten ab­ge­kop­pelt wird, durch die der Sinn re­du­ziert und die Wahr­heits­di­men­si­on ein­ge­zo­gen wird, ist die­se Art der Wort­über­schnei­dung: das Kof­fer­wort.

Le­sen Sie ei­ni­ge Sei­ten aus Fin­ne­gans Wake, ohne zu ver­ste­hen zu ver­su­chen – das liest sich. Das liest sich, aber des­halb, wor­auf mich je­mand aus mei­nem Um­feld auf­merk­sam ge­macht hat, weil man spürt, dass das Ge­nie­ßen des­je­ni­gen, der es ge­schrie­ben hat, ge­gen­wär­tig ist.

Der Sinn er­lei­det ei­nen Ver­lust. Wor­um geht es statt­des­sen? Um das Ge­nie­ßen im La­can­schen Sin­ne, um eine Lust, die nicht dem Lust­prin­zip un­ter­wor­fen ist. Das Ge­nie­ßen, das sich hier zeigt, ist das von Joy­ce; wenn man Fin­ne­gans Wake liest, wird sein Ge­nie­ßen ge­gen­wär­tig.

Freud zu­fol­ge ist das Sym­ptom mit ei­ner Trieb­be­frie­di­gung ver­bun­den, ei­ner „Er­satz­be­frie­di­gung“.31 La­can hat in sei­ner frü­hen Kon­zep­ti­on des Sym­ptoms den Ak­zent auf den Er­satz ge­legt, von ihm „Me­ta­pher“ ge­nannt, spä­ter hebt er die Sei­te der Be­frie­di­gung her­vor, des Ge­nie­ßens, der Lust jen­seits des Lust­prin­zips, also der Un­lust (der jouis­sance); mit Freud fügt er hin­zu, dass die­se „Be­frie­di­gung“, die­ses Ge­nie­ßen, die­se Lust jen­seits des Lust­prin­zips liegt, also oft als Un­lust er­fah­ren wird, bei­spiels­wei­se als Schmerz, als Leid.

 

Man fragt sich – zu­min­dest frag­te das die er­wähn­te Per­son –, war­um Joy­ce das ver­öf­fent­licht hat. War­um hat er die­ses work, das sieb­zehn Jah­re lang in pro­gress war, schließ­lich schwarz auf weiß her­aus­ge­bracht? Ein Glück, dass es da­von nur eine ein­zi­ge Aus­ga­be gibt, da­durch ist es mög­lich, wenn man es zi­tiert, die Zei­le auf der rich­ti­gen Sei­te an­zu­ge­ben, d.h. auf der Sei­te, die im­mer die­sel­be Zahl tra­gen wird. Wenn es nö­tig wäre, dass es, wie die an­de­ren Bü­cher, mit un­ter­schied­li­chen Sei­ten­zäh­lun­gen her­aus­ge­ge­ben wür­de, was müss­te man nicht al­les an­stel­len, um sich hier zu­recht­zu­fin­den! Aber dass er es ver­öf­fent­licht hat, das ist das, wo­mit ich ihn, wenn er da wäre, zu über­zeu­gen hoff­te, dass er Joy­ce das Sym­ptom sein woll­te, in­so­fern er da­von, vom Sym­ptom, den Ap­pa­rat, die Es­senz, die Abs­trak­ti­on lie­fert.

Wenn man ei­nen psy­cho­ana­ly­ti­schen Zu­gang zu Fin­ne­gans Wake fin­den will, des­sen Ar­beits­ti­tel Work in Pro­gress lau­te­te, muss man sich auch die Fra­ge stel­len, war­um Joy­ce die­ses Werk über­haupt ver­öf­fent­licht hat, war­um der pro­gress zu ei­nem Halt ge­bracht wur­de. La­cans Ant­wort lau­tet: Joy­ce woll­te das Sym­ptom sein. Joy­ce war nicht nur fak­tisch das Sym­ptom – er woll­te es sein. Er woll­te das be­herr­schen, was sich nicht be­herr­schen lässt, das Sym­ptom, und es ist ihm ge­lun­gen.

Eine Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Ver­öf­fent­li­chungs­grund hat­te La­can in die­sem Vor­trag be­reits vor­her ge­ge­ben: Joy­ce hat das Werk ver­öf­fent­licht, um den Uni­ver­si­täts­leu­ten Ar­beit zu ver­schaf­fen. Wenn man bei­de Ant­wor­ten zu­sam­men­fügt, er­gibt sich: Joy­ce woll­te für den Dis­kurs der Uni­ver­si­tät das Sym­ptom sein.

□ Kann man das so über­set­zen: Joy­ce woll­te das Sym­ptom der herr­schen­den Kul­tur sein – ?

La­can hat­te in die­sem Vor­trag auch be­reits er­klärt, dass das Joy­ce­sche Sym­ptom sich da­durch aus­zeich­net, dass der Sinn re­du­ziert ist (die Be­zie­hung zum Un­be­wuss­ten ge­löst ist) und dass das Ge­nie­ßen in den Vor­der­grund tritt. Joy­ce lie­fert vom Sym­ptom die Abs­trak­ti­on, das heißt wohl: er ent­kop­pelt es vom Un­be­wuss­ten, vom Sym­bo­li­schen und da­mit von Sinn und Wahr­heit.

Zu­sam­men er­gibt sich: Das, was vom uni­ver­si­tä­ren Dis­kurs aus­ge­schlos­sen, ver­drängt wird, ist ein Spre­chen, des­sen Sinn re­du­ziert ist und das statt­des­sen mit Ge­nie­ßen ver­bun­den ist. Fin­ne­gans Wake ist die be­wusst her­bei­ge­führ­te Wie­der­kehr die­ses Ver­dräng­ten, das ar­ti­fi­zi­el­le Sym­ptom des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses.

Denn wenn et­was die von Cli­ve Hart no­tier­te Tat­sa­che er­klärt, dass man, wenn man sei­nen Schrit­ten folgt, am Ende er­mü­det ist, dann ist es eben dies, dass Ihre ei­ge­nen Sym­pto­me er­wie­se­ner­ma­ßen das ein­zi­ge sind, was bei ei­nem je­den von Ih­nen das In­ter­es­se auf sich lenkt. Das Sym­ptom bei Joy­ce ist ein Sym­ptom, das Sie auf kei­ne Wei­se be­trifft. Es ist in­so­fern das Sym­ptom, als ganz und gar aus­ge­schlos­sen ist, dass es ir­gend­et­was von Ih­rem ei­ge­nen Un­be­wuss­ten fes­selt. Ich glau­be, das ist der Sinn des­sen, was mir die Per­son sag­te, die mich dazu be­fragt hat, war­um er es ver­öf­fent­licht hat.

Das Le­sen von Fin­ne­gans Wake er­mü­det, weil es nicht das Un­be­wuss­te des Le­sers fes­selt. An­ders ge­sagt: das Sym­ptom von Joy­ce hat sich vom Sym­bo­li­schen, vom Un­be­wuss­ten ab­ge­löst, es ent­ste­hen kei­ne Sin­n­ef­fek­te. Bei den Sym­pto­men der Le­ser ist das an­ders, sie ste­hen mit dem Un­be­wuss­ten, dem Sym­bo­li­schen, in Ver­bin­dung. Es gibt also zwei Ar­ten der Be­zie­hung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen und dem Sym­ptom: die Ver­kop­pe­lung (beim Le­ser) und die Ent­kop­pe­lung (in Fin­ne­gans Wake). Die­ses ent­kop­pel­te Sym­ptom hat mit dem Ei­gen­na­men zu tun, also mit der Funk­ti­ons­wei­se des Sym­bo­li­schen, bei der es nicht um den Sinn geht (nicht um Kon­no­ta­ti­on), son­dern um Be­nen­nung (um De­no­ta­ti­on).

□ Was steht bei der Ab­kop­pe­lung des Sym­ptoms vom Un­be­wuss­ten auf dem Spiel? War­um woll­te Joy­ce ein ab­ge­kop­pel­tes Sym­ptom sein?

… obwohl nur mit der Sprache spielend

Esacbeaux

Es­ca­beau, Larous­se Uni­ver­sel 1922

Man soll­te die­se Be­fra­gung des Haupt- und End­wer­kes fort­set­zen, des Wer­kes, dem Joy­ce schließ­lich vor­be­hal­ten hat, als sei­ne Lei­ter (es­ca­beau) zu fun­gie­ren.

Fin­ne­gans Wake wird hier als Haupt­werk be­zeich­net, nicht Ulys­ses. Die­ses Werk soll­te für Joy­ce die Lei­ter (es­ca­beau) lie­fern. In der Bal­la­de Finnegan’s Wake, auf die Joy­ces Fin­ne­gans Wake an­spielt, fällt Tim Fin­ne­gan be­trun­ken von ei­ner Lei­ter (lad­der) und stirbt; sein Leich­nam wird zur To­ten­wa­che (wake) auf­ge­bahrt. Ver­mut­lich spielt La­can hier­auf an; ich über­set­ze des­halb es­ca­beau mit „Lei­ter“ statt mit „Sche­mel“.

Für die Lei­ter wählt La­can nicht échel­le, son­dern es­ca­beau, da in es­ca­beau das Wort beau ent­hal­ten ist, „schön“. In Joy­ce das Sym­ptom II – der für den Druck über­ar­bei­te­ten Fas­sung die­ses Vor­trags – ist es­ca­beau ein Schlüs­sel­be­griff; statt es­ca­beau schreibt La­can dort auch „S.K.beau“, ver­mut­lich für den Si­gni­fi­kan­ten des Schö­nen; man kann le­sen: „S qu’a beau“, „S, der das Schö­ne hat“.

Denn sein Aus­gangs­punkt war, dass er je­mand sein woll­te, des­sen Name, und zwar ge­nau der Name, auf im­mer über­le­ben wür­de. „Auf im­mer“ meint, dass er ei­nen his­to­ri­schen Ein­schnitt dar­stellt.

Eine wei­te­re Ant­wort auf die Fra­ge, war­um Joy­ce die­ses Werk ver­öf­fent­lich­te, lau­tet: da­mit woll­te er ewi­gen Ruhm er­lan­gen, und zwar da­durch, dass das Werk in der Ge­schich­te der Li­te­ra­tur ei­nen Ein­schnitt dar­stellt.

Es geht nicht nur um Ruhm all­ge­mein, es geht um das ewi­ge Le­bens spe­zi­ell des Na­mens Joy­ce.

Ei­nen Ein­schnitt stellt das Werk in­so­fern da – so kann man das durch das Vor­an­ge­hen­de er­gän­zen –, als es ein Sym­ptom dar­stellt, die Ge­gen­wart ei­nes Ge­nie­ßens im Spre­chen und Schrei­ben, und zwar ein sol­ches Sym­ptom, das vom Un­be­wuss­ten ab­ge­kop­pelt ist und des­sen Sinn da­durch ver­armt ist. Fin­ne­gans Wake ist dem­nach das ers­te Werk der Li­te­ra­tur­ge­schich­te, das ein ab­ge­kop­pel­tes Sym­ptom dar­stellt.

Noch nie war Li­te­ra­tur wie die­se ge­macht wor­den. „Li­te­ra­tur“ – um das Ge­wicht die­ses Wor­tes her­vor­zu­he­ben, will ich die Äqui­vo­ka­ti­on nen­nen, mit der Joy­ce oft spielt: let­ter, lit­ter. Der Buch­sta­be ist Ab­fall.

Die Be­son­der­heit von Fin­ne­gans Wake als Li­te­ra­tur be­steht dar­in, dass der Buch­sta­be, let­ter, hier Ab­fall, lit­ter, ist. La­can greift das Wort­spiel auf, mit dem Vla­di­mir Di­xon 1929 in Our exa­gmi­na­ti­on round his fac­tifi­ca­ti­on for in­ca­mi­na­ti­on of work in pro­gress ge­ant­wor­tet hat­te – A lit­ter to Mr Joy­ce –, das Joy­ce auf­ge­grif­fen hat­te und das er, La­can, be­reits im Poe-Auf­satz (1957) ver­wen­det hat­te.32

Ab­fall“ ist ei­ner von La­cans Na­men für das Ob­jekt a, für das Ob­jekt, dass den Ge­nus­ver­lust sym­bo­li­siert, den das Sub­jekt durch die Spra­che er­fah­ren hat.

Nun, wenn es nicht die­se sehr spe­zi­el­le Art Recht­schrei­bung gäbe, die des Eng­li­schen, drei Vier­tel der Ef­fek­te von Fin­ne­gans wä­ren ver­lo­ren. Den ex­trems­ten Fall kann ich Ih­nen nen­nen, dank Jac­ques Au­bert üb­ri­gens: Who ails, und da­nach tongue, im Eng­li­schen wie lan­gue ge­schrie­ben, tongue, dann ein rät­sel­haf­tes Wort, cod­deau, „Who ails tongue cod­deau a space of dum­bill­s­il­ly?“ Wenn ich auf die­sen Schrieb ge­sto­ßen wäre, hät­te ich dann das Fol­gen­de wahr­ge­nom­men, ja oder nein: „Où est ton ca­deau, es­pè­ce d’imbécile?“ „Wo ist dein Ge­schenk, du Blöd­mann?“

La­can er­läu­tert ei­nen Satz aus Finngans Wake:

Who ail tongue cod­deau a space of dum­bill­s­il­ly.“

Où est ton ca­deau, es­pè­ce d’imbécile?“33

Merk­ma­le:
– Der ers­te Satz be­steht teil­wei­se aus Wör­tern der eng­li­schen Spra­che (z.B. „Who“), ei­ni­ge Wör­ter er­ge­ben also für sich ge­nom­men ei­nen Sinn – wenn man Sinn auf Wort­ebe­ne ak­zep­tiert. Der Satz be­steht aber auch aus Wör­tern, die im Eng­li­schen kei­nen Sinn er­ge­ben (z.B. „cod­deau“).
– Die Zu­sam­men­fü­gung er­gibt kei­nen Sinn, auf der Satz­ebe­ne fehlt der Sinn. Wenn man Sinn von vorn­her­ein auf der Satz­ebe­ne lo­ka­li­siert, nicht auf der Wort­ebe­ne (so sieht La­can das, wenn ich mich recht er­in­ne­re, in Se­mi­nar 5), hat die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te kei­nen Sinn.
– Der fast eng­li­sche Satz be­zieht sich auf ei­nen Satz des Fran­zö­si­schen („Où est ton ca­deau, es­pè­ce d’imbécile?“)
– Der fran­zö­si­sche Satz hat ei­nen kla­ren Sinn, es ist ein ge­wöhn­li­cher Satz der All­tags­spra­che.
– Die Be­zie­hung des eng­li­schen auf den fran­zö­si­schen Satz ist beim Hö­ren der bei­den Sät­ze nicht er­kenn­bar.
– Die Be­zie­hung zwi­schen dem sinn­lo­sen eng­li­schen Satz und dem sinn­vol­len fran­zö­si­schen Satz wird mit Mühe er­kenn­bar, wenn man das Ge­schrie­be­nen ne­ben­ein­an­der­stellt und schrif­t­ori­en­tiert lang­sam vor­liest.
– Die Ver­bin­dung zwi­schen den bei­den Sät­zen er­folgt auf zwei Ebe­nen, auf der der Lau­te und auf der der Recht­schrei­bung.
– Zwi­schen bei­spiels­wei­se „tongue“ und „ton“ gibt es Laut­ähn­lich­kei­ten, ähn­lich zwi­schen „a space“ und „es­pè­ce“. Die­se Laut­ähn­lich­kei­ten ge­hö­ren nicht zu ei­nem Phon­ems­sys­tem, die Ähn­lich­keit kann nicht im Rah­men der Pho­no­lo­gie be­schrie­ben wer­den, nur in dem der Pho­ne­tik.
– Zwi­schen bei­spiels­wei­se „tongue“ und „ton“ gibt es eine Be­zie­hung auf der Ebe­ne der Recht­schrei­bung, das gmein­sa­me Ele­ment „ton“.

Wenn man den Satz „Who ail con cod­deau .…“ nur spricht, kann man ihn von dem Satz „Où est ton ca­deau …“ nicht un­ter­schei­den – vor­aus­ge­setzt, bei­de Sät­ze wer­den ei­ni­ger­ma­ßen gleich aus­ge­spro­chen. Die bei­den Sät­ze müs­sen auf­ge­schrie­ben wer­den, und zwar in den über­lie­fer­ten For­men der eng­li­schen bzw. der fran­zö­si­schen Rechts­schrei­bung, nur so wird der Un­ter­schied er­kenn­bar. Um es an ei­nem ein­fa­che­ren Bei­spiel zu er­läu­tern: Der Un­ter­schied zwi­schen dem deut­schen Wort „nun“ und dem eng­li­schen Wort „noon“ (bri­tisch aus­ge­spro­chen, also mit lan­gem u) ver­schwin­det, wenn ich die bei­den Wör­ter nur spre­che: \nu:n\ Erst die Recht­schrei­bung macht zu­gäng­lich, dass es sich um Wör­ter aus zwei ver­schie­de­nen Spra­chen mit zwei un­ter­schied­li­chen Be­deu­tun­gen han­delt.

Das Un­glaub­li­che ist, dass die­se Ho­mo­pho­nie, die hier trans­lin­gu­is­ti­schen Cha­rak­ter hat, nur durch ei­nen Buch­sta­ben ge­stützt wird, der mit der Recht­schrei­bung der eng­li­schen Spra­che kon­form geht. Sie wüss­ten nicht, dass „who“ in „où“ un­ge­wan­delt wer­den kann, wenn Sie nicht wüss­ten, dass „who“ im in­ter­ro­ga­ti­ven Sinn so aus­ge­spro­chen wird.

Die Schrift dient hier dazu, Laut­ähn­lich­kei­ten ins Spiel zu brin­gen, Ho­mo­pho­ni­en. Die Ho­mo­pho­nie hat trans­lin­gu­is­ti­schen Cha­rak­ter, be­zieht sich auf das Ver­hält­nis von zwei Spra­chen, wird also nicht durch ein Phon­em­sys­te­me re­gu­liert. Es geht um Lau­te, nicht um Pho­neme, nicht um lan­gue.

□ Was ist mit den Be­mer­kun­gen über den ei­nen stüt­zen­den Buch­sta­ben ge­meint? Was mit der in­ter­ro­ga­ti­ven Aus­spra­che von „who“? Wor­in be­steht die Be­zie­hung zwi­schen der in­ter­ro­ga­ti­ven Aus­spra­che von „who“ und „où“?

Es gibt et­was Zwei­deu­ti­ges in die­sem pho­ne­ti­schen Sprach­ge­brauch, was ich auch so schrei­ben wür­de: f, a, u, n, e [fau­ne (Faun), ho­mo­phon mit pho­ne (Phon)].

Die Ähn­lich­keit bei­spiels­wei­se zwi­schen „a space“ und „es­pè­ce“ ge­hört in den Be­reich der Pho­ne­tik (der Laut­leh­re) , nicht zur Pho­no­lo­gie (zur Leh­re von den Pho­ne­men).

Das Wort­spiel phon/faune (Phon/Faun) deu­tet viel­leicht ei­nen Zu­sam­men­hang mit dem Ge­nie­ßen an. Der Faun wird oft mit dem Sa­tyr gleich­ge­setzt; der Sa­tyr ge­hört zum Ge­fol­ge des Dio­ny­sos und wird häu­fig mit eri­gier­tem Pe­nis dar­ge­stellt.

□ Be­zieht La­can sich mit dem Wort­spiel phone/faune auf das phal­li­sche Ge­nie­ßen?

Das Fau­neske / das Pho­nes­ke der Sa­che be­ruht gänz­lich auf dem Buch­sta­ben, also auf et­was, was für die Spra­che nicht we­sent­lich ist, et­was, was durch die Zu­fäl­le der Ge­schich­te ge­floch­ten wur­de. Dass je­mand ei­nen so un­ge­wöhn­li­chen Ge­brauch da­von macht, ist an sich eine Be­fra­gung des­sen, was es mit der Spra­che auf sich hat.

Die Spra­che von Fin­ne­gans Wake be­ruht auf dem Buch­sta­ben, auf ei­ner be­stimm­ten Or­tho­gra­phie. Der Buch­sta­be ist für die Spra­che nicht we­sent­lich, son­dern his­to­risch zu­fäl­lig. Spra­che meint hier das Sprach­sys­tem (lan­gue), nicht die Ein­zel­spra­che (lan­ga­ge). Be­trach­tet man die Spra­che als Sys­tem im Sin­ne von Saus­su­re, ist der Buch­sta­be für sie nicht we­sent­lich.

La­can mo­bi­li­siert hier die Op­po­si­ti­on zwi­schen dem über­his­to­ri­schen We­sen der Spra­che (lan­gue) und den Zu­fäl­len der Ge­schich­te, ver­or­tet den Buch­sta­ben auf der Sei­te der his­to­ri­schen Zu­fäl­le und macht ihn zu ei­nem Hilfs­mit­tel für den Zu­gang zum Laut.

Das liest sich auf den ers­ten Blick wie die Schrift­auf­fas­sung von Saus­su­re34, wie eine nai­ve Af­fir­ma­ti­on der Kon­zep­ti­on, die von Der­ri­da in der Gram­ma­to­lo­gie (1967) kri­ti­siert wor­den ist: Der im­ma­te­ri­el­le Sinn oder Ge­dan­ke (der lo­gos) ist pri­mär, das ma­te­ri­el­le Zei­chen ist der se­kun­dä­re „Aus­druck“ ei­nes Ge­dan­kens oder ei­ner Ab­sicht, und die Schrift wie­der­um ist ter­ti­är; in ih­rer Ide­al­ge­stalt re­prä­sen­tiert die Schrift das Pho­nem, und das Pho­nem steht im Diens­te des Sinns.35

Die­ses Bild er­gibt sich nur bei ers­tem Hin­schau­en.

Der Laut, auf den La­can sich mit der Rede vom „Phonesken/Faunesken“ be­zieht, ist ge­ra­de nicht der Laut der pho­no­zen­tri­schen Sprach­theo­rie. Er ist nicht die Aus­drucks­sub­stanz des Sinns, viel­mehr das Ab­fall­pro­dukt der lan­gue.

Die­ser Ab­fall ist für La­can nicht se­kun­där, son­dern für die Psy­cho­ana­ly­se ent­schei­dend. Aus­ge­hend von der Op­po­si­ti­on zwi­schen der lan­gue und dem Phonesken/Faunesken stellt La­can sich auf die Sei­te des Phonesken/Faunesken.

Der Buch­sta­be, von dem La­can spricht, ist nicht Buch­sta­be der pho­no­zen­tri­schen Tra­di­ti­on, nicht der pro­ble­ma­ti­sche Re­prä­sen­tant von Lau­ten, die auf pro­ble­ma­ti­sche Wei­se den Lo­gos (den Sinn, die In­ten­ti­on) re­prä­sen­tie­ren und in ihm ihr Zen­trum ha­ben. Viel­mehr geht es ihm um die Joy­ce­sche Ver­wen­dung des Buch­sta­ben: um ei­nen Buch­sta­ben, der we­sent­lich ge­schrie­ben ist, der also nicht ein blo­ßes Hilfs­mit­tel des Spre­chens ist, um ei­nen „un­ge­wöhn­li­chen Ge­brauch“ des Buch­sta­ben. Dass der Buch­sta­be kein Hilfs­mit­tel für das Spre­chen ist, zeigt sich dar­in, dass Fin­ne­gans Wake als Spre­chen gar nicht funk­tio­nie­ren wür­de – drei Vier­tel der Ef­fek­te von Fin­ne­gans Wake wä­ren ohne das Spiel mit der Recht­schrei­bung, ohne die Schrift ver­lo­ren.

Joy­ce ver­wen­det den Buch­sta­ben so, dass da­mit ein Zu­gang zum Laut mög­lich wird, ent­leert von Sinn, auf­ge­la­den mit Ge­nie­ßen, in Der­ri­das Ter­mi­no­lo­gie: zur Kri­tik des Lo­go­zen­tris­mus.

Die­ser un­ge­wöhn­li­che Ge­brauch des Buch­sta­ben, sagt La­can, er­mög­licht eine Kri­tik des Be­griffs der lan­gue, eine Kri­tik an der Vor­stel­lung vom We­sen der Spra­che als ei­nem Sys­tem.

La­can voll­zieht also eine De­kon­struk­ti­ons­be­we­gung. Er be­ginnt mit ei­ner Op­po­si­ti­on der Me­ta­phy­sik (We­sen der Spra­che vs. his­to­ri­scher Zu­fall), stellt sich auf die Sei­te des un­ter­ge­ord­ne­ten Be­griffs (Buch­sta­be) und stellt von hier aus dem do­mi­nie­ren­den Be­griff (lan­gue) in Fra­ge.

La­can un­ter­streicht die Dif­fe­renz, aber nicht, wie Der­ri­da in der Gram­ma­to­lo­gie, die Dif­fe­ren­tia­li­tät des Zei­chens, son­dern die Dif­fe­renz zwi­schen dem Sys­tem und dem Rest, in der Spra­che der Sys­tem­theo­rie for­mu­liert: zwi­schen dem Sys­tem und der Um­welt. Da­bei be­zieht er sich auf die­se Dif­fe­renz nicht, wie die Sys­tem­theo­rie, aus der Per­spek­ti­ve des Sys­tems, son­dern aus der der Um­welt, des aus­ge­schlos­se­nen Rests.

Ich habe ge­sagt, dass das Un­be­wuss­te struk­tu­riert ist wie eine Spra­che. Es ist merk­wür­dig, dass ich über je­mand, der strikt nur mit der Spra­che spielt, auch sa­gen kann, dass sein Abon­ne­ment auf das Un­be­wuss­te ge­kün­digt war, auch wenn er sich, un­ter an­de­ren Spra­chen, der­je­ni­gen be­dient, die nicht sei­ne ist – denn sei­ne ist ja ge­ra­de eine von der Kar­te aus­ge­lösch­te Spra­che, näm­lich das Gä­li­sche, von dem er ei­ni­ge Bro­cken kann­te, hin­rei­chend, um sich zu ori­en­tie­ren, aber nicht viel mehr –, die also nicht sei­ne ist, son­dern die der Ein­dring­lin­ge, der Un­ter­drü­cker. Joy­ce hat ge­sagt, in Ir­land habe man ei­nen Herrn und eine Her­rin, wo­bei der Herr das bri­ti­sche Em­pi­re ist und die Her­rin die ka­tho­li­sche, apos­to­li­sche und rö­mi­sche Hei­li­ge Kir­che und bei­de zur sel­ben Art von Pla­ge ge­hö­ren.

Zu La­cans be­kann­tes­ten Apho­ris­men ge­hört „Das Un­be­wuss­te ist struk­tu­riert wie eine Spra­che“; er über­nimmt die­se The­se von Lévi-Strauss, aus des­sen Auf­satz Die Wirk­sam­keit der Sym­bo­le (1949) (vgl. hier­zu die­sen Blog­bei­trag).

Über Joy­ce sagt La­can ge­wis­ser­ma­ßen das Ge­gen­teil: Joy­ce spielt nur mit der Spra­che, aber sein Abon­ne­ment auf das Un­be­wuss­te – das doch wie eine Spra­che struk­tu­riert ist – ist ge­kün­digt.

□ Ist das Un­be­wuss­te von Joy­ce eine Aus­nah­me und nicht wie eine Spra­che struk­tu­riert? Oder ist es wie eine Spra­che struk­tu­riert und vom Fin­ne­gans-Wake-Sym­ptom nur ab­ge­kop­pelt?

In wel­cher Be­zie­hung steht Joy­ce zum Eng­li­schen, das er spricht und schreibt? Es ist für ihn eine Spra­che der Er­obe­rer; sei­ne ei­ge­ne Spra­che, das Iri­sche, kann­te er nur in Bro­cken, in Res­ten. Die Spra­che der Ein­dring­lin­ge ist für ihn die Spra­che der bei­den Her­ren, die Ir­land do­mi­nie­ren, des bri­ti­schen Em­pi­re und der ka­tho­li­schen Kir­che. Joy­ce ant­wor­tet dar­auf, in­dem er mit der Spra­che der Er­obe­rer spielt. Wie für La­can ist für Joy­ce die Spra­che et­was von Au­ßen Kom­men­des.

□ Quel­le für die­se Be­mer­kung von Joy­ce?

Das lässt sich eben in dem fest­stel­len, was aus Joy­ce das Sym­ptom macht, das rei­ne Sym­ptom des­sen, wor­um es beim Ver­hält­nis zur Spra­che geht, in­so­fern man es auf das Sym­ptom re­du­ziert, näm­lich auf das, was sie zur Wir­kung hat, wenn man die­se Wir­kung nicht ana­ly­siert, ich gehe noch wei­ter, so­fern man es sich ver­sagt, mit ir­gend­ei­ner der Äqui­vo­ka­tio­nen zu spie­len, die bei je­der­mann das Un­be­wuss­te in Be­we­gung ver­set­zen wür­den.

Dass das Eng­li­sche für Joy­ce eine Spra­che der Un­ter­drü­cker ist, lässt sich in dem fest­stel­len, was aus Joy­ce das Sym­ptom macht – La­can kommt auf den Ti­tel des Vor­trags zu­rück. Der Ti­tel wirft die Fra­ge auf: Joy­ce ist das Sym­ptom von was? Die Ant­wor­tet lau­tet: Joy­ce ist das Sym­ptom des­sen, wor­um es beim Ver­hält­nis zur Spra­che geht. Wor­um also geht es im Ver­hält­nis zur Spra­che?

La­can prä­zi­siert: Joy­ce ist das Sym­ptom des­sen, wor­um es beim Ver­hält­nis zur Spra­che geht, so­fern man die Wir­kung der Spra­che – das Sym­ptom – nicht ana­ly­siert, so­fern man die Spra­che nicht deu­tend auf den Sinn be­zieht.

Was wür­de es hei­ßen, die Spra­che auf den Sinn zu be­zie­hen? Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen, die Sinn­deu­tung er­folgt im Rah­men ei­ner Psy­cho­ana­ly­se da­durch, dass man mit den Äqui­vo­ka­tio­nen spielt, die das Un­be­wuss­te in Be­we­gung ver­set­zen. Als Waf­fe ge­gen das Sym­ptom ha­ben wir letzt­lich nur dies: die Äqui­vo­ka­ti­on, wird er kurz nach die­sem Vor­trag in Se­mi­nar 23, Le sin­t­home, sa­gen.36

Zu­sam­men er­gibt das viel­leicht die­sen Zu­sam­men­hang: Joy­ce iden­ti­fi­ziert sich mit dem von der Spra­che der Er­obe­rer ver­schon­ten Bro­cken, mit dem vom uni­ver­si­tä­ren Dis­kurs aus­ge­schlos­se­nen Rest. Er voll­zieht die­se Iden­ti­fi­zie­rung da­durch, dass er ein Schrei­ben er­fin­det, in dem der Sinn der Er­ober­er­spra­che re­du­ziert ist und das Eng­li­sche nur­mehr die Funk­ti­on hat, das Ge­nie­ßen von Joy­ce zu zei­gen. Die­se Schreib­wei­se ist zu­gleich eine von Joy­ce kon­stru­ier­te Rät­sel­samm­lung für Uni­ver­si­täts­men­schen. Auf die­se Wei­se ver­schafft Joy­ce dem vom Sprach­sys­tem, vom Eng­li­schen, vom uni­ver­si­tä­ren Dis­kurs un­ter­drück­ten Rest, dem üb­rig­ge­blie­be­nen Bro­cken, ei­nen Platz im uni­ver­si­tä­ren Dis­kurs, in der herr­schen­den Kul­tur.

Das Genießen, nicht das Unbewusste

Wenn der Le­ser fas­zi­niert ist, dann des­halb, weil Joy­ce schließ­lich, in Über­ein­stim­mung mit die­sem Na­men, der auf den von Freud ein Echo gibt, ein Ver­hält­nis zur joy hat, zur jouis­sance, zum Ge­nie­ßen, wenn es in lalan­gue, näm­lich in Eng­lisch ge­schrie­ben ist, weil die­ses Ge­lüst, die­ses Ge­nie­ßen das ein­zi­ge ist, was wir von sei­nem Text ein­fan­gen kön­nen.

Das, was der Le­ser in Fin­ne­gans Wake ein­fan­gen kann, ist nicht die Ver­bin­dung zum Un­be­wuss­ten und da­mit nicht die Be­zie­hung zum Sinn. Es ist viel­mehr das Ge­nie­ßen, das Ge­nie­ßen von Joy­ce.

Auf die­se Be­zie­hung zum Ge­nie­ßen, zur joy, und auf den Na­men von Freud, ver­weist der Name von Joy­ce: Joy­ce – joy – Freu­de – Freud; Ell­mann be­rich­tet, dass Joy­ce die­ser Zu­sam­men­hang be­wusst war.37

Zu An­fang hat­te La­can ge­sagt, „Joy­ce das Sym­ptom“ sei als Name von Joy­ce ge­meint; „Joy­ce das Sym­ptom“ ist der Name, mit dem La­can Joy­ce be­nennt und in dem Joy­ce sich wie­der­erken­nen wür­de. Jetzt heißt es, der Name von Joy­ce ver­wei­se auf das Ge­nie­ßen. Das heißt viel­leicht: Joy­ce wür­de sich im Na­men „Joy­ce das Sym­ptom“ des­halb wie­der­erken­nen, weil die­ser Name so lau­tet: „Joy­ce the Joy“.

Das Eng­li­sche ist eine lalan­gue.

Lalan­gue“ ist ein Neo­lo­gis­mus von La­can für die Mut­ter­spra­che im Sin­ne von: das Spre­chen der Mut­ter, mit dem das Kind kon­fron­tiert ist. La­can ver­wen­det den Aus­druck „lalan­gue“ zum ers­ten Mal am 4. No­vem­ber 1971, im ers­ten Vor­trag ei­ner Vor­trags­rei­he mit dem Ti­tel „Le sa­voir de l’analyste“ (Das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers).38 In Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, sagt er: „Die Spra­che (lan­ga­ge) ist eine Hirn­ge­spinst des Wis­sens (élucu­bra­ti­on du sa­voir) über lalan­gue.“39 In L’étourdit heißt es: Lalan­gue ist das „Ge­samt der Mehr­deu­tig­kei­ten (in­té­gra­le des équi­vo­kes)40.

Mi­cha­el Turn­heim er­läu­tert den Be­griff so, dass es „bei Spra­che zu­nächst we­ni­ger um Kom­mu­ni­ka­ti­on als um Ge­nie­ßen als et­was Un­ge­re­gel­tem geht. Ge­meint ist da­mit, dass das­je­ni­ge, was die Lin­gu­is­tik an Ord­nung be­züg­lich Spra­che fest­zu­ma­chen ver­sucht und wor­in La­can im Gro­ßen und Gan­zen lan­ge Zeit größ­tes Ver­trau­en ge­setzt hat, be­reits ei­ner Idea­li­sie­rung ent­spricht. In Wirk­lich­keit ha­ben wir es ur­sprüng­lich mit ei­ner Art mehr oder we­ni­ger form­lo­ser Sprach­sup­pe na­mens lalan­gue zu tun, die von Zwei­deu­tig­kei­ten wim­melt.“41

Das Ad­jek­tiv „form­los“ passt al­ler­dings nicht; wenn für Joy­ce das Eng­li­sche Lalan­gue ist, muss Lalan­ge eine be­stimm­te Form ha­ben, sonst könn­te man es von der fran­zö­si­schen Lalan­gue nicht un­ter­schei­den.

Die Zeit­schrift Es­saim hat dem The­ma lalan­gue ein Heft ge­wid­met; in der An­kün­di­gung wird „lalan­gue“ so er­läu­tert: „In ei­nem Wort (so muss man das sa­gen), lalan­gue ist die Mut­ter­spra­che. Sie trägt in sich die ers­ten Zeug­nis­se der Stimm­übun­gen zwi­schen dem Säug­ling und sei­ner Mut­ter. Sie ist so­nor und si­gni­fi­kant. Lalan­gue hat ih­ren Ur­sprung im Lal­len, im Ge­sang (und im Feld) der Si­gni­fi­kan­ten (un­über­setz­ba­res Wort­spiel: „du chant (et aus­si du champ) si­gni­fi­ant“). Die Ho­mo­pho­nie nimmt hier ei­nen her­aus­ra­gen­den Platz ein, den der Ana­ly­ti­ker bei der Deu­tung spä­ter wird nut­zen kön­nen. Lalan­gue ist ein neu­er Stein, der von La­can in den Gar­ten sei­ner Lin­gu­is­te­rie ge­setzt wor­den ist, Jung­brun­nen der Spra­che, in ei­ner al­ten Dis­kus­si­on – wie schon in Pla­tons Kra­ty­los – über das Ver­hält­nis zwi­schen der Ar­bi­tra­ri­tät und der Iko­ni­zi­tät des Zei­chens.“42

Ju­lia Kris­tevas Be­griff der cho­ra ist of­fen­kun­dig von La­cans Be­griff lalan­gue in­spi­riert.43 Kris­tevas cho­ra wird spä­ter von Der­ri­da auf­ge­grif­fen.44

Da ist das Sym­ptom. Das Sym­ptom, in­so­fern nichts es mit dem ver­bin­det, was lalan­gue selbst macht, wo­mit er die­sen Schuss­fa­den, die­se Strei­fen, die­se Ver­flech­tung der Erde und der Luft stützt, wo­mit er Cham­ber mu­sic er­öff­net, sein ers­tes pu­bli­zier­tes Buch, ein Ge­dicht­band. Das Sym­ptom ist rein das, was durch lalan­gue be­dingt wird, aber Joy­ce er­hebt es auf be­stimm­te Wei­se zur Po­tenz der Spra­che (lan­ga­ge), ohne dass des­we­gen ir­gend­et­was da­von ana­ly­sier­bar wäre; das ist das, was ver­blüfft und im wört­li­chen Sin­ne in­ter­dit, „un­ter­sagt“, in dem Sin­ne, in dem man sagt, je res­te in­ter­dit, mir ver­schlägt es die Spra­che. Dass man das Wort in­ter­dire ver­wen­det, „un­ter­sa­gen“, „ver­bie­ten“, um „ver­blüf­fen“ zu sa­gen, „in sprach­lo­ses Stau­nen ver­set­zen“, hat durch­aus sein Ge­wicht. Das ist das, was die Sub­stanz des­sen bil­det, was Joy­ce bei­steu­ert und wo­durch die Li­te­ra­tur nach ihm in ge­wis­ser Wei­se nicht mehr das sein kann, was sie vor­her war.

La­can sagt: Hier ist das Sym­ptom, in­so­fern es durch nichts mit dem ver­bun­den ist, was lalan­gue selbst macht. Das er­gibt für mich kei­nen Sinn. Ich neh­me an, es muss hei­ßen: „Das Sym­ptom, in­so­fern nichts es mit dem ver­bin­det, was la lan­gue selbst macht.“ Da­mit scheint ge­meint zu sein: Das Sym­ptom ist nicht mit dem ver­bun­den, was der jun­ge Joy­ce ge­schrie­ben hat, des­sen Ge­dich­te sich ganz auf der Ebe­ne des Sinns be­we­gen.

Das ers­te Ge­dicht von Joy­ces Ge­dicht­band Cham­ber mu­sic (1907) be­ginnt so:

Strings in the earth and air
Make mu­sic sweet;
Strings by the ri­ver whe­re
The wil­lows meet.45

In La­cans Les­art des Ge­dichts ver­flech­ten die Sai­ten (die Strei­fen) Erde und Luft mit­ein­an­der, und er ver­gleicht die Sai­ten mit ei­nem Schuss­fa­den. Mit dem Fa­den könn­te die Be­zie­hung zum Sinn ge­meint sein, der Sinn als „ro­ter Fa­den“, wie man im Deut­schen sagt.

La­can sagt: Das Sym­ptom ist rein das, was durch lalan­gue be­dingt ist. An die­ser Stel­le passt (für mein Ver­ständ­nis) lalan­gue zum ers­ten Mal. Das Sym­ptom ist durch ein Spre­chen be­dingt, dass nicht auf ei­ner lan­gue be­ruht, nicht auf ei­nem Sprach­sys­tem, son­dern das mit ei­nem Ge­nie­ßen ver­bun­den ist, des­sen Sinn re­du­ziert ist.

In Fin­ne­gans Wake er­hebt Joy­ce lalan­gue zur Po­tenz ei­ner Spra­che, ei­ner lan­ga­ge im Sin­ne ei­ner Ein­zel­spra­che, nicht der lan­gue im Sin­ne ei­nes Sprach­sys­tems. Joy­ce macht aus lalan­gue eine Art Idi­om, ei­nen Dia­lekt.

Das, was Joy­ce in Fin­ne­gans Wake schreibt, ist nicht ana­ly­sier­bar, es gibt kei­nen Zu­sam­men­hang zum Sym­bo­li­schen, zum Un­be­wuss­ten.

Wo­durch wird die Ab­kop­pe­lung des Sym­ptoms vom Un­be­wuss­ten her­bei­ge­führt? Die Ver­bin­dung des Sym­ptoms mit dem Un­be­wuss­ten ist in­ter­dit, was nor­ma­ler­wei­se heißt: „ver­bo­ten“. Hier geht es je­doch nicht um ein von ei­ner Au­to­ri­tät er­las­se­nes Ver­bot, nicht um Zen­sur und nicht um Ge­setz. Die Be­zie­hung des Sym­ptoms zum Un­be­wuss­ten ist in der Wei­se in­ter­dit, wie es ei­nem die Spra­che ver­schlägt. Die von Joy­ce er­fun­de­ne, auf lalan­gue auf­bau­en­de, Spra­che (lan­ga­ge) – die lalan­gue-lan­ga­ge – ver­blüfft so, dass ei­nem dies den Zu­sam­men­hang zum Un­be­wuss­ten ver­sperrt. Viel­leicht ist auch ge­meint: die Ver­sper­rung des Zu­gangs zum Un­be­wuss­ten er­folgt durch die Über­kreu­zung un­ter­schied­li­cher Si­gni­fi­kan­ten­ket­ten und in die­sem Sin­ne durch in­ter-dic­tion.

In die­sem Sin­ne also ist Joy­ce das Sym­ptom:
In Fin­ne­gans Wake hat er eine Spra­che (lan­ga­ge) mit fol­gen­den Merk­ma­len er­fun­den:
– Sie geht aus vom Eng­li­schen.
– Sie be­ruht auf lalan­gue.
– Der Sinn ist stark re­du­ziert.
– In ihr ist das Ge­nie­ßen von Joy­ce spür­bar.
–– Auf den Be­zug zum Ge­nie­ßen ver­weist auch der Name von Joy­ce.
– Sie ver­blüfft so, dass dies den Zu­gang zum Un­be­wuss­ten ver­sperrt.
– Sie ist eine Ant­wort dar­auf, dass das Eng­li­sche die Spra­che der Er­obe­rer ist.
– Sie ist mit in­tel­lek­tu­el­len Rät­seln ver­bun­den, die dazu die­nen, Uni­ver­si­täts­men­schen an die Ar­beit zu set­zen.

□ In wel­chem Sin­ne kann die Li­te­ra­tur nach Joy­ce nicht mehr das sein, was sie vor­her war?

Es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass Ulys­ses et­was Ho­me­ri­sches an­saugt, ob­wohl es zwi­schen dem, was im Ulys­ses ge­schieht, und dem, wor­um es in der Odys­see geht, nicht die ge­rings­te Be­zie­hung gibt, auch wenn Joy­ce die Kom­men­ta­to­ren auf die­ses Ge­biet ge­lockt hat. Ste­phen De­da­lus an Te­le­ma­chos an­zu­glei­chen … Man zer­bricht sich den Kopf, wenn man das Bün­del der Odys­see-Kom­men­ta­re trägt. Und wie kann man sa­gen, Bloom sei auf ir­gend­ei­ne Wei­se für Ste­phen – der mit ihm nichts zu tun hat, au­ßer dass er von Zeit zu Zeit in Dub­lin sei­nen Weg kreuzt – der Va­ter? Doch nur des­halb, weil be­reits Joy­ce zeigt und durch­aus dar­auf ver­weist, dass die ge­sam­te psy­chi­sche Rea­li­tät, d.h. das Sym­ptom, letzt­lich von ei­ner Struk­tur ab­hängt, in der der Name-des-Va­ters ein un­be­ding­tes Ele­ment ist.

La­can wech­selt von Fin­ne­gans Wake zu Ulys­ses, also zu ei­nem Werk, von dem wir nicht wis­sen, ob es für La­can ein Sym­ptom bzw. ein Sin­t­hom dar­stellt.

Der Ro­man hat et­was Ho­me­ri­sches, und dies, ob­wohl die von Joy­ce und den Kom­men­ta­to­ren be­müh­ten Be­zü­ge zur Odys­see in die Irre füh­ren. Der ho­me­ri­sche Cha­rak­ter des Ro­mans hat mit der Be­zie­hung zum Va­ter zu tun. Of­fen­bar denkt La­can hier an die Be­zie­hung von Te­le­ma­chos zu sei­nem Va­ter Odys­seus in der Odys­see, viel­leicht auch an die von Hek­tor und Pa­ris zu ih­rem Va­ter Pria­mos in der Ili­as. Das Ver­hält­nis zur Va­ter­schaft ist nicht auf der Ebe­ne der Ähn­lich­keit der Fi­gu­ren an­zu­sie­deln, viel­mehr geht es um den Si­gni­fi­kan­ten der Va­ter­schaft, um den Na­men-des-Va­ters.

Um es fest­zu­hal­ten: Fin­ne­gans Wake ist ein Sym­ptom, das vom Un­be­wuss­ten ab­ge­kop­pelt ist; die ent­schei­den­de so­zia­le Be­zie­hung ist die der Zwil­lin­ge Shem/Symptom und Shaun/Symbolisches. In Ulys­ses geht es um den Na­men-des-Va­ters. Der Name-des-Va­ters ge­hört für La­can in den­sel­ben Zu­sam­men­hang wie das Sym­ptoms.

□ Ist ge­meint: Fin­ne­gans Wake ist ein Sym­ptom, das vom Un­be­wuss­ten ge­trennt ist, in Ulys­ses geht es um den Na­men-des-Va­ters und da­mit um das Sym­ptom, das mit dem Un­be­wuss­ten ver­bun­den ist?

La­can setzt den Na­men-des-Va­ters in Be­zie­hung zur psy­chi­schen Rea­li­tät und zum Sym­ptom. In Se­mi­nar 22, RSI, wer­den die psy­chi­sche Rea­li­tät, das Sym­ptom und der Na­men-des-Va­ters als As­pek­te ein und des­sel­ben Zu­sam­men­hangs dar­ge­stellt.

Der Name-des-Va­ters ist, in Freud­scher Be­griff­lich­keit, die Stüt­ze für das Ver­bot, das die Trieb­ver­drän­gung be­wirkt, das Sym­ptom ist die Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten, die Er­satz­be­frie­di­gung. In­so­fern ste­hen Name-des-Va­ters und Sym­ptom in ei­nem Zu­sam­men­hang.

Das Sym­ptom ge­hört zu ei­ner Struk­tur, in wel­cher der Name-des-Va­ters ein un­be­ding­tes Ele­ment ist, eine Grö­ße, die nicht durch an­de­re Grö­ßen be­dingt ist, die nicht von an­de­ren Grö­ßen ab­ge­lei­tet wer­den kann, ähn­lich ei­nem Axi­om in der Ma­the­ma­tik oder ei­nem Grund­satz in der Me­ta­phy­sik.

Da­mit lei­tet La­can zum bor­ro­mäi­schen Kno­ten über.

Der borromäische Vater

Der Va­ter als Name und als der­je­ni­ge, der be­nennt, das ist nicht das glei­che.

Beim Va­ter muss man un­ter­schei­den: den Va­ter als Na­men, also den Na­men-des-Va­ters, und den Va­ter als Be­nen­nen­den, auch dies war ein The­ma von Se­mi­nar 22, RSI.

Auf den Be­nen­nungs­vor­gang be­zieht sich be­reits der Ti­tel die­ses Vor­trags: „Joy­ce das Sym­ptom“ ist der Name, den La­can Joy­ce ver­leiht. La­can in­sze­niert sich als Be­nen­nen­den – als be­nen­nen­den Va­ter?

□ War­um ver­weist La­can an die­ser Stel­le auf den Un­ter­schied zwi­schen dem Na­men-des-Va­ters und dem Va­ter als Be­nen­nen­den?

□ Wo wird im bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten der Va­ter als Be­nen­nen­der ver­or­tet, eben­falls im vier­ten Ring?

Der Va­ter ist die­ses vier­te Ele­ment – ich be­zie­he mich hier auf et­was, was nur ein Teil mei­ner Zu­hö­rer in Er­wä­gung ge­zo­gen ha­ben kann –, die­ses vier­te Ele­ment, ohne das im Kno­ten des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len nichts mög­lich ist.

Borromäischer Viererknoten

Bor­ro­mäi­scher Viererknoten[note]Quelle: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 20, überarbeitet[/note]

In ei­nem bor­ro­mäi­schen Kno­ten aus vier Rin­gen ist der Va­ter bzw. das Sym­ptom (Σ) der vier­te Ring, der die drei an­de­ren Rin­ge – das Sym­bo­li­sche (S), das Ima­gi­nä­re (I) und das Rea­le (R) – auf bor­ro­mäi­sche Wei­se mit­ein­an­der ver­schlingt, also der­art, dass die Rin­ge zu­sam­men­hal­ten und dass sie dann aus­ein­an­der­fal­len, wenn ein be­lie­bi­ger Ring auf­ge­löst wird.

Vom bor­ro­mäi­schen Kno­ten spricht La­can zum ers­ten Mal in Se­mi­nar 19 von 1971/72, … oder schlim­mer. Der Va­ter als vier­ter Ring in ei­nem bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten ist ein The­ma des zum Zeit­punkt des Vor­trags ge­ra­de ab­ge­schlos­se­nen Se­mi­nars 22 von 1974/75, RSI. Die psy­chi­sche Rea­li­tät, das Sym­ptom und der Va­ters ge­hö­ren zum vier­ten Ring ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens aus vier Rin­gen.

Es gibt je­doch noch eine an­de­re Wei­se, das vier­te Ele­ment zu be­nen­nen, und das ist es, was ich heu­te dem Na­men-des-Va­ters auf­set­ze, im Maße, in dem Joy­ce da­von zeugt, das näm­lich, was man das Sin­t­hom nen­nen soll­te. 

Der vier­te Ring im bor­ro­mäi­schen Kno­ten ist nicht nur der Va­ter – La­can prä­zi­siert hier, dass im vor­an­ge­hen­den Satz mit „Va­ter“ der Name-des-Va­ters ge­meint war.

Der vier­te Ring kann auch als der des Sin­t­homs be­nannt wer­den.

La­can be­tont, dass es sich bei der Ver­wen­dung des Aus­drucks „Sin­t­hom“ um ei­nen Be­nen­nungs­vor­gang han­delt – La­can in­ter­ve­niert ein zwei­tes Mal als be­nen­nen­der Va­ter, das ers­te Mal mit der Be­nen­nung von Joy­ce als „Joy­ce das Sym­ptom“.

Auf das Sin­t­hom hat­te La­can be­reits zu Be­ginn des Vor­trags ver­wie­sen: dies ist die äl­te­re, la­ti­ni­sie­ren­de Schreib­wei­se für das Sym­ptom. Er hat­te dort auch auf die Laut­ähn­lich­keit von Sin­t­hom und saint hom­me auf­merk­sam ge­macht, hei­li­ger Mann/Mensch, und da­bei an Te­le­vi­si­on er­in­nert, wo er den Ana­ly­ti­ker als Hei­li­gen be­zeich­net, als Hei­li­gen im Sin­ne des Aus­wurfs.

Al­ler­dings darf man die Ver­wen­dung von „Sin­t­hom“ statt „Sym­ptom“ nicht zu sehr be­las­ten. Der Vor­trag be­ruht auf ei­ner Mit­schrift, und bei symptôme/sinthome kann es Hör­feh­ler ge­ben, ähn­lich wie bei la lan­gue / lalan­gue. Auf Ton­band­auf­nah­men von Se­mi­nar 23 ist der Un­ter­schied von „sym­ptô­me“ und „sin­t­home“ je­doch gut zu hö­ren – auf­grund von Ei­gen­ar­ten von La­cans Aus­spra­che, die ex­trem deut­lich ist. Es ist also nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Mit­schrift – of­fen­bar eine Ste­no­gra­phie – den Wech­sel zwi­schen „sym­ptô­me“ und „sin­t­home“ ge­nau wie­der­gibt.

In­so­fern das Un­be­wuss­te ver­kno­tet ist mit dem Sin­t­hom – wel­ches das ist, was es bei je­dem In­di­vi­du­um an Ein­zig­ar­ti­gem gibt –, kann man sa­gen, dass Joy­ce, wie ir­gend­wo ge­schrie­ben wur­de, sich mit dem in­di­vi­du­al iden­ti­fi­ziert. Er ist der­je­ni­ge, der sich da­durch aus­zeich­net, am äu­ßers­ten Punkt ge­we­sen zu sein, um in sich das Sym­ptom zu ver­kör­pern, das, wo­durch er je­dem mög­li­chen Tod ent­geht, da er sich auf eine Struk­tur re­du­ziert hat, die eben die des lom ist, wenn Sie mir er­lau­ben, das ganz ein­fach so zu schrei­ben: l, o, m.

Das Un­be­wuss­te kann mit dem Sin­t­hom ver­kno­tet sein, der Ring des Sym­bo­li­schen mit dem des Sin­t­homs oder Sym­ptoms. In Fin­ne­gans Wake ist es al­ler­dings an­ders. Wenn das Sin­t­hom mit dem Un­be­wuss­ten ver­kno­tet ist, ist das Sin­t­hom deut­bar, es ist ein „Sinnt­hom“, wie man im Deut­schen sa­gen könn­te.

Das Sin­t­hom ist das, was es bei je­dem In­di­vi­du­um an Ein­zig­ar­ti­gem gibt. Das Sin­t­hom ist das, was sich dem All­ge­mei­nen, der sym­bo­li­schen Ord­nung ent­zieht, in der Spra­che von Ador­no: das Sin­t­hom ist das Nicht­iden­ti­sche.

In Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, heißt es:

Es gibt tat­säch­lich et­was dem Si­gni­fi­kan­ten in ra­di­ka­ler Wei­se nicht As­si­mi­lier­ba­res. Das ist ganz ein­fach die sin­gu­lä­re Exis­tenz des Sub­jekts. War­um ist es da? Wor­aus ist es her­vor­ge­gan­gen? Was macht es da? War­um wird es ver­schwin­den? Der Si­gni­fi­kant ist au­ßer­stan­de, ihm die Ant­wort zu ge­ben, aus dem ein­fa­chen Grund, daß er es ja ge­ra­de jen­seits des To­des ver­setzt. Der Si­gni­fi­kant be­trach­tet es schon als tot, er macht es sei­nem We­sen nach un­sterb­lich.“46

Joy­ce ver­kör­pert das Sym­ptom; zu be­ach­ten ist, dass die Schreib­wei­se hier von „Sin­t­hom“ zu „Sym­ptom“ wech­selt.

In­so­fern Joy­ce das Sym­ptom ver­kör­pert, iden­ti­fi­ziert er sich mit dem In­di­vi­du­um. Ge­meint ist nicht das In­di­vi­du­um im Sin­ne des Un­teil­ba­ren, son­dern das In­di­vi­du­um im Sin­ne des Ein­zig­ar­ti­gen. Joy­ce ver­kör­pert das Sin­glä­re, das an den Si­gni­fi­kan­ten nicht as­si­mi­liert wer­den kann.

Joy­ce iden­ti­fi­ziert sich mit dem Ein­zig­ar­ti­gen, in­so­fern das Un­be­wuss­te mit dem Sin­t­hom ver­kno­tet ist – ist ge­meint: in­so­fern er das Abon­ne­ment auf das Un­be­wuss­te nicht ge­kün­digt hat? Ist ge­meint: So­fern sich Joy­ce mit dem Ein­zig­ar­ti­gen iden­ti­fi­ziert, ist er im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se ana­ly­sier­bar?

Wie kam es dazu, dass Joy­ce sich mit dem Ein­zig­ar­ti­gen iden­ti­fi­zier­te? Er war an ei­nem äu­ßers­ten Punkt; of­fen­bar macht La­can hier eine bio­gra­phi­sche An­spie­lung auf eine Grenz­erfah­rung (wie Jas­pers sa­gen wür­de). Mög­li­cher­wei­se be­zieht er sich auf die To­des­er­fah­rung, von der Jac­ques Au­bert be­rich­tet, auf ei­nen Vor­lauf zum Tode (wie man mit Hei­deg­ger sa­gen kann). 1906/07 lebt Joy­ce acht Mo­na­te lang in Rom; in den Kir­chen der Stadt denkt er über die to­ten Chris­ten nach, die ihn auf die töd­li­che Läh­mung von Dub­lin ver­wei­sen, in der er selbst fest­steckt.47 In die­se Rich­tung deu­ten viel­leicht auch die An­spie­lun­gen auf den „Ganz-Ver­faul­ten in Abra­hams Schoß“ zu Be­ginn des Vor­trags so­wie der Hin­weis auf den Hei­li­gen als Aus­wurf.

Die­se Grenz­erfah­rung er­mög­licht es Joy­ce, das Sym­ptom zu ver­kör­pern.

□ In­wie­fern er­mög­licht es eine Grenz­erfah­rung, das Sym­ptom zu ver­kör­pern? Auf­grund des Zu­sam­men­bruchs ei­nes Phan­tas­mas?

Da­durch, dass er sich mit dem Ein­zig­ar­ti­gen iden­ti­fi­ziert, da­durch, dass er das Sym­ptom ver­kör­pert, ent­geht er je­dem mög­li­chen Tod. In Se­mi­nar 3 hieß es: Der Si­gni­fi­kant be­trach­tet das Sub­jekt als schon tot und macht es da­durch un­sterb­lich. Die­se Dia­lek­tik von Tod und Ewig­keit wird hier, statt auf den Si­gni­fi­kan­ten, auf das Sym­ptom be­zo­gen. Da­durch, dass Joy00ce am „äu­ßers­ten Punkt“ ge­we­sen ist, ent­geht er dem Tod.

Joy­ce ist also ein an­de­rer Hei­li­ger (sinthome/saint-homme) als Freud in Jo­nesʼ Ha­gio­gra­phie. Freud er­scheint bei Jo­nes als Hei­li­ger im Sin­ne des Ichi­de­als, Joy­ce iden­ti­fi­ziert sich mit dem durch die Ide­al­bil­dung er­zeug­ten Rest.

Joy­ce re­du­ziert sich auf die Struk­tur des lom. Als Wort aus­ge­spro­chen, hört man das fran­zö­si­sche Wort l’homme, „der Mensch“, „der Mann“, aber La­can buch­sta­biert das Wort, l, o, m, da­mit man hört, wor­auf er an­spielt: el-o-em, das ist der he­bräi­sche Got­tes­na­me „Elo­him“. Joy­ce re­du­ziert sic□h auf die Struk­tur des Got­tes.

□ Was hän­gen die­se Be­stim­mun­gen zu­sam­men?
(a) Joy­ce iden­ti­fi­ziert sich mit dem In­di­vi­du­um als dem Ein­zig­ar­ti­gen.
(b) Joy­ce ist am äu­ßers­ten Punkt ge­we­sen, um das Sym­ptom zu ver­kör­pern, durch das er je­dem mög­li­chen Tod ent­geht.
(c) Joy­ce hat sich auf die Struk­tur des l, o, m, re­du­ziert, des Elo­him, des Got­tes.

Auf die­se Wei­se zir­ku­liert er als et­was, was für eine ge­wis­se An­zahl von Prak­ti­ken ei­nen Schluss­punkt setzt. Er setzt ei­nen End­punkt. Aber wie soll man den Sinn die­ses „End­punkts“ ver­ste­hen?

La­can kommt auf den Be­ginn des Vor­trags zu­rück, wo er ge­sagt hat­te, dass Fin­ne­gans Wake dem Werk ein Ende ge­setzt hat, weil es nicht bes­ser ge­macht wer­den kann. Joy­ce ist nicht der Null­punkt der Li­te­ra­tur, son­dern ein Schluss­punkt, in­so­fern, als er ei­ner be­stimm­ten Zahl von li­te­ra­ri­schen Prak­ti­ken ein Ende setzt.

Für wel­che li­te­ra­ri­schen Prak­ti­ken setzt Joy­ce mit Fin­ne­gans Wake ei­nen Schluss­punkt? Die Fra­ge, wie man den „Sinn“ die­ses End­punkts ver­ste­hen soll, deu­tet viel­leicht an, dass Joy­ce den­je­ni­gen li­te­ra­ri­schen Prak­ti­ken ein Ende ge­setzt hat, die sich auf den Sinn be­zie­hen.

Es ist ver­blüf­fend, dass Cli­ve Hart das Zy­kli­sche und das Kreuz her­vor­hebt, als im We­sent­li­chen das, wor­an Joy­ce sich bin­det. Ei­ni­ge un­ter Ih­nen wis­sen, dass ich mit die­sem Kreis und die­sem Kreuz den bor­ro­mäi­schen Kno­ten zeich­ne.

Das, wor­an Joy­ce sich – Cli­ve Hart zu­fol­ge – in Fin­ne­gans Wake letzt­lich bin­det, sind Kreis und Kreuz. Man be­ach­te hier­zu auch das aus Über­kreu­zun­gen und Krei­sen be­stehen­de Dia­gramm von Laszlo Moho­ly-Nagy zu Fin­ne­gans Wake aus dem Jahr 1946.

Laszlo Moholy-Nagy - Diagramm zu Finnegans Wake - 1946Aus Krei­sen und Kreu­zen be­steht auch der bor­ro­mäi­sche Kno­ten: aus Fa­den­rin­gen, die von La­can als Krei­se dar­ge­stellt wer­den, so­wie aus Über­kreu­zungs­punk­ten; sie sind so ge­zeich­net, dass er­kenn­bar ist, wel­che Li­nie über­kreuzt und wel­che un­ter­kreuzt, so­dass die Art der Kno­ten­ver­schlin­gung re­kon­stru­iert wer­den kann.

Kreuz und KreisLa­can zeich­net eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen auch in der Wei­se, dass er zwei der Rin­ge durch un­end­li­che Ge­ra­den re­prä­sen­tiert (sie be­rüh­ren sich im Un­end­li­chen und sind in­so­fern ei­nem Kreis ver­wandt). Das er­gibt dann ein Dia­gramm aus ei­nem Kreuz und ei­nem Kreis (sie­he oben); zu­erst in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, in der Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1974, also ein hal­bes Jahr vor die­sem Vor­trag.48

Der End­punkt, den Joy­ce setzt, steht of­fen­bar in Be­zie­hung zum bor­ro­mäi­schen Kno­ten.

Kreis mit Kreuz 1In Se­mi­nar 22 hat­te sich La­can zu Ku­gel und Kreuz bei Ja­mes Joy­ce ge­äu­ßert (Sit­zung vom 8. April 1975). Die Ku­gel wur­de hier dem Ima­gi­nä­ren zu­ge­ord­net. An­schlie­ßend hat­te er dort ge­zeigt, wie sich eine Ver­bin­dung von Kreis und Kreuz in vier Schrit­ten in ei­nen bor­ro­mäi­schen Kno­ten ver­wan­deln lässt. Im ers­ten Schritt wird ein Kreuz – ein Plus­zei­chen – in ei­nen Kreis ein­ge­tra­gen (Ab­bil­dung oben). Im zwei­ten Schritt wer­den die En­den des Kreu­zes ver­län­gert und an al­len Über­kreu­zun­gen wer­den Über- und Un­ter­füh­run­gen fest­ge­legt (Ab­bil­dung rechts). Drit­tens wer­den die Ge­ra­den als un­end­li­che Ge­ra­de de­fi­niert. Im vier­ten Schritt wird fest­ge­legt, dass der Raum der­je­ni­ge der pro­jek­ti­ven Geo­me­trie ist; dies hat zur Fol­ge, dass sich die un­end­li­chen Ge­ra­den an ih­ren „End­punk­ten“ be­rüh­ren. Das Ge­bil­de, das sich auf die­se Wei­se er­gibt, ist ein bor­ro­mäi­scher Kno­ten.

Joy­ce dar­über zu be­fra­gen, was die­ser Kno­ten her­vor­bringt, näm­lich die Am­bi­gui­tät von drei und vier, näm­lich das, wor­an er haf­ten blieb, wor­an er ge­bun­den blieb: an die Be­fra­gung von Vico, an schlim­me­re Sa­chen, an das Ge­spräch mit den Geis­tern, das Ather­ton üb­ri­gens un­ter der all­ge­mei­nen Ru­brik des spi­ri­tua­lism ein­ord­net, was mich er­staunt, denn ich habe das bis jetzt spi­ri­tis­me ge­nannt. Es ist si­cher­lich über­ra­schend zu se­hen, dass dies hier­bei in Fin­ne­gans zur Ka­te­go­rie des Sym­ptoms bei­trägt, wie ich an­neh­me.

La­can stellt das Feld der Psy­cho­ana­ly­se so­wohl durch eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen dar wie auch durch eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen. In Se­mi­nar 22, RSI, stellt er sich die Fra­ge: ist das Sub­jekt durch eine Drei­er- oder eine Vie­rer­ver­schlin­gung dar­zu­stel­len? Die Drei­er­ver­schlin­gung be­steht aus den Rin­gen des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren; in der Vie­rer­ver­schlin­gung ist der vier­te Ring der des Sym­ptoms bzw. des Na­mens-des-Va­ters. Die Fra­ge lau­tet dort: Kann das Sub­jekt ohne den vier­ten Ring zu­sam­men­hal­ten, ohne Name-des-Va­ters und Sym­ptom. Das ist, so neh­me ich an, die Am­bi­gui­tät von drei und vier, auf die La­can sich hier be­zieht.

Ich ver­mu­te, dass der bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten für das Sub­jekt ohne Neu­ro­se steht, für den idea­len Ziel­punkt der Psy­cho­ana­ly­se, und dass die Fra­ge dar­in be­steht, ob die­ses Ide­al er­reicht wer­den kann. Der bor­ro­mäi­sche Vie­rer­kno­ten wäre dann das Sub­jekt mit Neu­ro­se, d.h. mit ver­drän­gen­der In­stanz (ge­stützt auf den Na­men-des-Va­ters) und Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten (Sym­ptom) in der Funk­ti­on, al­les zu­sam­men­zu­hal­ten; vgl. die­sen Blog­bei­trag.

Die Am­bi­va­lenz zwi­schen der Drei­er- und der Vie­rer­ver­schlin­gung ist auf Joy­ce zu be­zie­hen, und zwar spe­zi­ell dar­auf, dass Joy­ces an Vico ge­bun­den war und dass er an Geis­ter glaub­te.

Joy­ce schätz­te Vicos Ver­wen­dung von Ety­mo­lo­gie und My­tho­lo­gie zur Auf­de­ckung der Be­deu­tung von Er­eig­nis­sen und be­wun­der­te Vicos Ein­tei­lung der Mensch­heits­ge­schich­te in wie­der­keh­ren­de Zy­klen, das theo­kra­ti­sche, das aris­to­kra­ti­sche und das de­mo­kra­ti­sche Zeit­al­ter.49

Ather­ton spricht von Joy­ces spi­ri­tua­lism, dem eng­li­schen Wort für Geis­ter­glau­be. La­can wun­dert das, da im Fran­zö­si­schen Geis­ter­glau­be spi­ri­tis­me heißt und sp­ri­tua­lis­me et­was an­de­res meint, näm­lich Phi­lo­so­phie des Geis­tes.

Der Geis­ter­glau­be und der Be­zug zu Vico tra­gen in Fin­ne­gans Wake zur Ka­te­go­rie des Sym­ptoms bei. Der Kom­plex Vico/Geisterglaube ge­hört also zum vier­ten Ring.

□ Ist ge­meint: In­so­fern es in Fin­ne­gans Wake auch um Vico-Spe­ku­la­tio­nen und Geis­ter­glau­be geht, muss man Fin­ne­gans Wake nicht durch drei, son­dern durch vier vier­ten Ring cha­rak­te­ri­sie­ren?

□ Ist ge­meint: die bei­den Ele­men­te Vico-Bin­dung und Spi­ri­tua­lis­mus las­sen sich in Fin­ne­gans Wake deu­ten, hier ist das Un­be­wuss­te nicht vom Sym­ptom ab­ge­kop­pelt?

Das ist nicht al­les, denn es ist schwie­rig, nicht die­se Fik­ti­on zu be­rück­sich­ti­gen, die man un­ter der Ru­brik In­itia­ti­on ein­ord­nen kann. Wor­in be­steht das, was in die­sem Re­gis­ter und un­ter die­sem Aus­druck zir­ku­liert? Wie vie­le Ver­ei­ni­gun­gen, die sich mit Flag­gen be­waff­nen, de­ren Be­deu­tung sie nicht ver­ste­hen! Dass Joy­ce sich an Isis Un­vei­led von Ma­dame Bla­vat­sky er­götzt hat, ist eine Sa­che, die ich von Ather­ton er­fah­re und die mich ver­blüfft. Die Form geis­ti­ger De­bi­li­tät, die jede In­itia­ti­on mit sich bringt, ist das, was mich als ers­tes er­greift und lässt mich das viel­leicht un­ter­schät­zen. Ich muss dazu sa­gen, dass ich, kurz nach der Zeit, als ich, dem Him­mel sei Dank, Joy­ce be­geg­net bin, ei­nen ge­wis­sen Renè Gué­non auf­ge­sucht habe, der nicht mehr wert war als das, was es in Sa­chen In­itia­ti­on an Schlimms­tem gibt.

Man muss au­ßer­dem das Ver­hält­nis von Joy­ce zur In­itia­ti­on be­rück­sich­ti­gen.

Un­ter „In­itia­ti­on“ ver­steht La­can eine sym­bo­li­sche Pra­xis, durch die die An­triebs­struk­tur der Men­schen so um­ge­formt wird, dass sie zu Män­nern und Frau­en wer­den, dass sie wis­sen, wie sie sich als Män­ner zu Frau­en und als Frau­en zu Män­nern zu ver­hal­ten ha­ben.

In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, heißt es:

Die In­itia­ti­ons­ri­tua­le neh­men die Form an, den Sinn / die Rich­tung die­ser Be­gier­den zu ver­än­dern, ih­nen ge­nau von da an eine Funk­ti­on zu ge­ben, in der das Sein des Sub­jekts als sol­ches iden­ti­fi­ziert wird, be­zeich­net wird, in der es, wenn man so sa­gen kann, im vol­len Sin­ne Mann wird, aber auch Frau, wo die Ver­stüm­me­lung dazu dient, das Be­geh­ren zu ori­en­tie­ren, es dazu zu brin­gen, ge­nau die­se Funk­ti­on des In­dex an­zu­neh­men, von et­was, was rea­li­siert wird und sich nur ar­ti­ku­lie­ren kann, sich nur aus­drü­cken kann in ei­nem sym­bo­li­schen Jen­seits, in ei­nem Jen­seits, wel­ches das ist, was wir heu­te das Sein nen­nen, eine Rea­li­sie­rung des Seins im Sub­jekt.„50

In Ra­dio­pho­nie (1970) schreibt La­can:

Die Lieb­ha­ber von In­itia­ti­on sind nicht un­se­re Gäs­te. Freud spaß­te dar­über nicht. Er brach­te das Anathe­ma des Ekels ge­gen die­se He­xe­rei­en vor und ver­stand nicht, daß Jung uns nur wie­der mit Ari­en von Man­da­las in den Oh­ren lag.

Das wird nicht hin­dern, daß Äm­ter ze­le­briert wer­den mit Kis­sen für un­se­re Knie, doch das Un­be­wuß­te wür­de dazu nur we­nig de­zen­te La­cher bei­steu­ern.“51

Für La­can gilt: Es gibt kei­ne In­itia­ti­on mehr. In Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, wird die­se The­se aus­ge­führt.52 Hier heißt es: Die In­itia­ti­on be­zieht sich auf das Ge­nie­ßen und ist, mit ei­nem Aus­druck von Mar­cel Mauss, mit be­stimm­ten „Kör­per­tech­ni­ken“ ver­bun­den; sie ist ge­wis­ser­ma­ßen eine Wis­sen­schaft des Ge­nie­ßens. In der An­ti­ke hat es eine sol­che In­itia­ti­on ge­ge­ben, näm­lich in Ge­stalt der Mys­te­ri­en­kul­te. Heu­te ist die In­itia­ti­on ver­schwun­den; von ihr gibt es nur noch Trüm­mer in Ge­stalt des Ok­kul­tis­mus.

Die The­se vom Ver­schwin­den der In­itia­ti­on zielt ver­mut­lich kri­tisch auf Bru­no Bet­tel­heims Buch Sym­bo­li­sche Wun­den von 1954, in dem Bet­tel­heim die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung ver­tritt: Bet­tel­heim zu­fol­ge sind In­itia­ti­ons­ri­tua­le wei­ter­hin auf der gan­zen Welt le­ben­dig.53

Es gibt kei­ne In­itia­ti­on“ meint au­ßer­dem, so er­läu­tert La­can in Se­mi­nar 21, dass der Sinn im­mer ver­schlei­ert ist – vom Sinn habe man nichts als den Schlei­er. Er ver­weist hier­zu auf die Ety­mo­lo­gie des la­tei­ni­schen Worts nup­tiae (Hoch­zeit, Bei­schlaf): nup­tiae geht zu­rück auf nu­bes (Wol­ke, Schlei­er). In dem 1974 ver­öf­fent­lich­ten Vor­wort zu Frank We­de­kinds Früh­lings­er­wa­chen schreibt La­can: „Dass der ge­lüf­te­te Schlei­er nichts zeigt, dies ist das Prin­zip der In­itia­ti­on (in die gu­ten Sit­ten der Ge­sell­schaft, zu­min­dest).“54

Über die In­itia­ti­on hat­te sich La­can be­reits in frü­he­ren Se­mi­na­ren ge­äu­ßert. In pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten, so sagt er dort, wer­den die na­tür­li­chen Be­gier­den durch das In­itia­ti­ons­ri­tu­al so um­ge­formt, dass sie ei­nen neu­en Sinn er­hal­ten, eine neue Rich­tung, so­dass die Men­schen sich als Frau­en oder als Män­ner iden­ti­fi­zie­ren.55 Da­bei wird der Phal­lus als letz­ter Sinn an­ge­se­hen; in den grie­chi­schen Mys­te­ri­en ging es letzt­lich dar­um, den Schlei­er zu lüf­ten, mit dem die Phal­lus-Sta­tue be­deckt war.56

Das Ver­hält­nis von Joy­ce zur In­itia­ti­on be­steht dar­in, dass ihm ein Schlüs­sel­werk der Theo­so­phie ge­fiel, das Buch von He­le­na Pe­trov­na Bla­vat­sky, Isis un­vei­led. A mas­ter-key to the mys­te­ries of an­ci­ent and mo­dern sci­ence and theo­lo­gy. New York 1877.

Das Ver­hält­nis von Joy­ce zur Theo­rie zeigt also, in den Au­gen von La­can, dass Joy­ce dar­an glaub­te, es gebe ein Ge­schlechts­ver­hält­nis, es gebe eine sym­bo­li­sche Lö­sung des Pro­blems, was es heißt, ein Mann in Be­zug auf eine Frau und eine Frau in Be­zug auf ei­nen Mann zu sein, was für La­can eine Form der geis­ti­gen De­bi­li­tät ist.

□ Was meint der Satz: „Die Form geis­ti­ger De­bi­li­tät, die jede In­itia­ti­on mit sich bringt, ist das, was mich als ers­tes er­greift, und lässt mich das viel­leicht un­ter­schät­zen.“ Dass La­can von geis­ti­ger De­bi­li­tät er­grif­fen wird, wenn er mit In­itia­ti­on kon­fron­tiert wird? Oder dass die­se Form der De­bi­li­tät ihn fas­sungs­los macht?

Dass Joy­ce mit Ver­gnü­gen Ma­dame Bla­vat­sky las, hat La­can ver­blüfft, an­ders ge­sagt: hier mel­de­te sich bei La­can das Un­be­wuss­te.

Zur Er­läu­te­rung sei­ner Re­ak­ti­on ver­weist er auf ei­nen au­to­bio­gra­phi­sches De­tail: der jun­ge La­can in­ter­es­sier­te sich für In­itia­ti­on; er such­te hier­zu René Gué­non auf, ei­nen Phi­lo­so­phen, der von 1886 bis 1951 leb­te und manch­mal als spi­ri­tua­lis­te be­zeich­net wird.

Hi han a pas [il n‘y en a pas (es gibt (da­von) kei­ne) + hi han (I-Ah)], zu schrei­ben wie der Ruf des Esels, auf den Joy­ce an­spielt als zen­tra­len Punkt die­ser vier Ter­me, näm­lich Nor­den, Sü­den, Os­ten und Wes­ten, als Kreu­zungs­punkt des Kreu­zes — es ist ein Esel, der das stützt, Gott weiß, dass Joy­ce in Fin­ne­gans da­von viel Auf­he­bens macht.

□ Der Sinn die­ser Pas­sa­ge ist mir nicht klar.
– „Es gibt kei­ne“: An­spie­lung auf das Nicht­sein?
– I-Ah: Si­gni­fi­kan­ten­op­po­si­ti­on?
– Kreu­zungs­punkt des Kreu­zes: das be­zieht sich wie­der auf die Über­kreu­zungs­stel­len des bor­ro­mäi­schen Kno­tens.
Geht es um den Seins­man­gel, her­vor­ge­ru­fen durch den Si­gni­fi­kan­ten?

□ Wo be­zieht Joy­ce sich in Fin­ne­gans Wake auf den Esel als den­je­ni­gen, der den Kreu­zungs­punkt des Kreu­zes stützt?

Aber gleich­wohl, wie soll man Fin­ne­gans, die­sen Traum, als fini, als ab­ge­schlos­sen be­zeich­nen, wenn schon sein letz­tes Wort nur mit dem ers­ten wie­der ver­bun­den wer­den kann, wo das the, mit dem es en­det, sich mit dem ri­ver­run ver­knüpft, mit dem es be­ginnt, was auf das Zir­ku­lä­re ver­weist –? Um es ganz klar zu sa­gen, wie konn­te Joy­ce der­art das ver­feh­len, was ich ge­gen­wär­tig vom Kno­ten ein­füh­re?

La­can kommt auf den An­fang sei­nes Vor­trags zu­rück: Fin­ne­gans Wake ist der Traum, den Joy­ce hin­ter­lässt und der ei­nen End­punkt setzt, wo­bei die Fra­ge ist: Ein End­punkt wo­für?

Er macht dar­auf auf­merk­sam, dass die Rede, Fin­ne­gans Wake set­ze ei­nen End­punkt, pro­ble­ma­tisch ist. Da­mit wird die To­pik ei­ner of­fe­nen Kur­ve un­ter­stellt, wäh­rend Joy­ce sich bei der Ar­chi­tek­tur von Fin­ne­gans Wake am Kreis ori­en­tiert. Der Ro­man ist kreis­för­mig kon­stru­iert: der letz­te Satz bricht in der Mit­te ab, bei the, und wird mit dem ers­ten Satz des Ro­mans fort­ge­setzt, mit ri­ver­run.

Mit die­ser Struk­tur ver­fehlt Joy­ce die Struk­tur des Kno­tens.

□ Ist ge­meint: Die kreis­för­mi­ge Struk­tur ver­weist bei Joy­ce auf die Ku­gel, auf das Ima­gi­nä­re und ver­fehlt da­mit die Struk­tur des Kno­tens in­so­fern, als die­se dar­auf ab­zielt, die Bin­dung an das Ima­gi­nä­re mög­lichst weit zu­rück­zu­drän­gen?

□ Wie iro­nisch ist der Satz „Wie konn­te Joy­ce nur die Struk­tur des Kno­tens ver­feh­len?“?

Da­mit füh­re ich et­was Neu­es ein, was nicht nur von der Be­gren­zung des Sym­ptoms Re­chen­schaft ab­legt, son­dern auch von dem, was be­wirkt, dass das Sym­ptom sei­ne Gren­zen da­her hat, dass es mit dem Kör­per ver­kno­tet ist, d.h. mit dem Ima­gi­nä­ren, dass es auch mit dem Rea­len ver­kno­tet ist und als drit­tes mit dem Un­be­wuss­ten. Von ei­nem Kno­ten kann man des­halb spre­chen, weil es auf sei­ne Gren­zen trifft, von ei­nem Kno­ten, der si­cher­lich et­was ist, was zer­knautscht wer­den und die Form ei­nes Knäu­els an­neh­men kann, was aber, wenn es ent­fal­tet wird, sei­ne Form be­wahrt, sei­ne Form als Kno­ten, und da­mit zu­gleich sei­ne Ex-sis­tenz.

Mit dem Kno­ten führt La­can et­was Neu­es ein. Die Neu­heit des Kno­tens hat mit den Gren­zen des Sym­ptoms zu tun, und zwar so, dass La­can nicht nur sagt, dass das Sym­ptom be­grenzt ist, son­dern dass er an­gibt, wor­in ge­nau die Gren­zen des Sym­ptoms be­stehen.

Das Neue be­steht in der The­se, dass das Sym­ptom auf drei Gren­zen trifft:
– auf das Ima­gi­nä­re des Kör­pers,
– auf das Rea­le,
– auf das Un­be­wuss­te.

Das Sym­ptom grenzt an das Ima­gi­nä­re des Kör­pers: es stellt sich als Ein­ge­grenz­tes dar, als ein Fremd­kör­per, als ein Pa­ra­sit, be­zo­gen auf den ima­gi­nä­ren Kör­per, als et­was, was die Ganz­heit des Kör­pers un­ter­bricht.

Das Sym­ptom grenzt an das Rea­le: in­so­fern es der Deu­tung Wi­der­stand leis­tet und mit Ge­nie­ßen ver­bun­den ist, in Freuds Be­griff­lich­keit: mit ei­nem „Lust­ge­winn“.

Das Sym­ptom grenzt an das Un­be­wuss­te – und da­mit an das Sym­bo­li­sche –, in­so­fern es ei­nen ver­bor­ge­nen Sinn hat.

Der Kno­ten kann zer­knautscht wer­den: To­po­lo­gen in­ter­es­sie­ren sich für die Struk­tu­ren, die beim Zer­knaut­schen und Ent­fal­ten – bei Ver­for­mung – er­hal­ten blei­ben.

Die vier Rin­ge bil­den für­ein­an­der Gren­zen, sie sto­ßen ge­gen­ein­an­der; in der Spra­che der Kno­ten­theo­re­ti­ker: sie durch­drin­gen sich nicht. Die Gren­ze, die die Rin­ge für­ein­an­der bil­den, be­steht nicht nur dar­in, dass sie sich nicht durch­drin­gen, son­dern auch dar­in, dass sie, ob­wohl ein­an­der äu­ßer­lich, den­noch mit­ein­an­der ver­schlun­gen sind. Der Ring des Sym­ptoms stößt an die Rin­ge des Ima­gi­nä­ren, des Rea­len und des Sym­bo­li­schen als Gren­zen, mit de­nen er zu­gleich ver­knüpft ist.

La­can nennt die Nicht-Durch­drin­gung der Fa­den­rin­ge ihre „Ex-sis­tenz“, ihr Ein­an­der-Äu­ßer­lich-Sein, durch das sie ihre Form be­wah­ren, durch das sie zu­sam­men­hal­ten.

Das ist das, was ich mir er­lau­ben wer­de, in mei­nen Par­cours des nächs­ten Jah­res ein­zu­füh­ren, wo­bei ich mich auf Joy­ce stüt­ze, un­ter an­de­ren.

La­can be­zieht sich hier auf das kom­men­de Se­mi­nar von 1975/76, Le sin­t­home. In die­sem Se­mi­nar geht es um den bor­ro­mäi­schen Kno­ten aus vier Rin­gen, wo­bei der vier­te Ring für das Sym­ptom steht bzw. für das Sin­t­hom; ei­nes der Haupt­the­men ist Joy­ce.

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Anmerkungen

  1. Joy­ce le sym­ptô­me I er­schien au­ßer­dem in:
    – Jac­ques Au­bert (Hg.): Joy­ce avec La­can. Na­va­rin, Pa­ris 1987, S. 21–30,
    – Jac­ques La­can: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 161–169 (ohne den Zu­satz „I“ im Ti­tel),
    – im In­ter­net auf der Sei­te der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se.
  2. Vgl. J. La­can: Das Se­mi­nar über E.A. Poes ‚Der ent­wen­de­te Brief‘, in: Ders.: Schrif­ten I, S. 24.
  3. J. La­can: Au­tres écrits. Pa­ris 2001, S. 11; die Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern sind von La­can.

    In ei­ner et­was an­de­ren Fas­sung hat­te La­can Litu­ra­terre zu­erst in Se­mi­nar 18 von 1971 vor­ge­tra­gen, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant, in der Sit­zung vom 12. Mai 1971; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 113.

    Im ers­ten Satz be­zieht La­can sich auf : Al­fred Er­nout, Al­fred Meillet: Dic­tionn­aire éty­mo­lo­gi­que de la lan­ge la­ti­ne. His­toire des mots, ers­te Auf­la­ge 1932.

    Die Mä­ze­nin, die Joy­ce an­bie­tet, eine Psy­cho­ana­ly­se bei Jung zu fi­nan­zie­ren, ist Edith Ro­cke­fel­ler Mc­Cor­mick, vgl. Ri­chard Ell­mann: Ja­mes Joy­ce. Zwei­ter Band. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 713 f.

  4. Se­mi­nar 20, Sit­zung vom 9. Ja­nu­ar 1973, Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 41.
  5. Jac­ques Au­bert (Hg.): Joy­ce avec La­can. Na­va­rin, Pa­ris 1987.
  6. Die Gleich­set­zung von pe­tit hom­me und Phal­lus fin­det man bei Er­nest Jo­nes, sie wird von La­can in sei­nem Jo­nes-Auf­satz auf­ge­grif­fen. Vgl. E. Jo­nes: Die Theo­rie der Sym­bo­lik. In: Ders.: Die Theo­rie der Sym­bo­lik und an­de­re Auf­sät­ze. Ull­stein, Frankfurt/M. u.a. 1958, S. 57, 63 f.; J. La­can: À la mé­moi­re de Er­nest Jo­nes. Sur sa théo­rie du sym­bo­lis­me. In: Écrits, S. 697–717, hier: S. 715.
  7. Se­mi­nar 7, Ver­si­on Miller/Haas, S. 385.
  8. Vgl. J. La­can: Te­le­vi­si­on (1973). In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 55–95, zum Hei­li­gen: S. 70–72.
  9. In: Weg­mar­ken. Klos­ter­mann, Frank­furt am Main 1976 (GA 9), S. 201 f. Auf­satz von etwa 1930, der 1943 ver­öf­fent­licht wur­de; die Schreib­wei­se „Seyn“ fin­det sich in ei­nem Zu­satz von 1949.
  10. Sie wird 1929 im Ver­lag von Adri­en­ne Mon­nier ver­öf­fent­licht, La Mai­son des amis des li­v­res; der Über­set­zer ist Au­gus­te Mo­rel, er wird un­ter­stützt von Stuart Gil­bert, die Über­set­zung wird von Va­le­ry Larbaud und von Joy­ce selbst über­ar­bei­tet.
  11. Vgl. Aris­to­te­les: Phy­sik. Über­setzt von Hans Gün­ter Zekl. Mei­ner, Ham­burg 1987, Buch II, Ka­pi­tel 4 bis 6.
  12. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 12. Fe­bru­ar 1964.
  13. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 233.
  14. Zur Über­ra­schung vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 320 f.; Re­mar­que sur le rap­port de Da­ni­el Lag­a­che, in: Écrits, S. 669 (die Über­set­zung fin­det man hier).
    In Se­mi­nar 9 heißt es: „Man muss sa­gen, dass es auch eine Er­fah­rungs­tat­sa­che ist, de­ren Fri­sche, wenn man so sa­gen kann, wir ver­lo­ren ha­ben (…), die­se Fri­sche, die dem ent­spricht, was ich die Schock­wir­kung, die Über­ra­schungs­wir­kung ge­nannt habe, wie sie von Freud selbst de­fi­niert wor­den ist als kenn­zeich­nend für die­ses Auf­tau­chen von Be­zie­hun­gen des Un­be­wuss­ten.“ (Ver­si­on Sta­fer­la, 13. De­zem­ber 1961, mei­ne Über­set­zung)
    Für den Zu­sam­men­hang von Un­be­wuss­tem und Über­ra­schung ver­weist La­can, au­ßer auf Freud, auf Theo­dor Reik, Lis­ten­ing with the third ear (1948). (dt.: Hö­ren mit dem drit­ten Ohr. Klotz, Esch­born bei Frank­furt am Main, 3. Auf­la­ge 2007), vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 31. Zu er­gän­zen wäre: Th. Reik: Der über­rasch­te Psy­cho­lo­ge. Über Er­ra­ten und Ver­ste­hen un­be­wuß­ter Vor­gän­ge. A.W. Sijthoff’s Uit­ge­vers­maats­ch­ap­pij, Lei­den 1935.
  15. Ri­chard Ell­mann: Ja­mes Joy­ce. (Ver­mut­lich: Re­vi­dier­te und er­gänz­te Aus­ga­be, Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1996 (?), S. 1033).
  16. Ell­mann, a.a.O., S. 773.
  17. Vgl. Ell­mann, a.a.O. S. 713 f.
  18. J. La­can: Litu­ra­terre. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 11. In Se­mi­nar 18 liest La­can die­sen Auf­satz mit der ent­spre­chen­den Be­mer­kung vor, vgl. Se­mi­nar 18, Ver­si­on Mil­ler, S. 113.
  19. Vgl. Ell­mann, a.a.O., S. 714. 
  20. E. Jo­nes: Sig­mund Freud, life and work. 3 Bde. Ho­garth, Lon­don 1953–1957. Voll­stän­di­ge deut­sche Über­set­zung: Das Le­ben und Werk von Sig­mund Freud. 3 Bde. Übers. v. Ka­the­ri­ne Jo­nes und Ger­trud Mei­li-Do­retz­ki. Hu­ber, Bern 1960–1962. Ein Nach­druck die­ser Über­set­zung er­schien 1984 bei dtv, Mün­chen, mit ver­än­der­tem Ti­tel: Sig­mund Freud. Le­ben und Werk.
  21. Vgl. Ge­ne­viè­ve Mo­rels Er­läu­te­rung von Joy­ce das Sym­ptom I in: Dies.: La loi de la mère. Es­sai sur le sin­t­home se­xu­el. Eco­no­mi­ca, An­thro­pos, Pa­ris 2008, S. 84–86.
  22. Vgl. E. Jo­nes: Die Theo­rie der Sym­bo­lik (1916). In: Ders.: Die Theo­rie der Sym­bo­lik und an­de­re Auf­sät­ze. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1978, S. 50–114. Hier­zu J. La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se (Vor­trag von 1953, ver­öf­fent­licht 1956, über­ar­bei­tet 1966). In: Schrif­ten II, S. 137 f.
  23. À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes: Sur sa théo­rie du sym­bo­lis­me, a.a.O.
  24. J. Joy­ce: Ulys­ses. Über­setzt von Hans Woll­schlä­ger. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 338.
  25. Á la mé­moi­re de Er­nest Jo­nes, a.a.O., S. 699. Zur „jü­di­schen Spe­zi­fik“ ver­weist La­can in ei­ner An­mer­kung auf eine Pas­sa­ge in ei­nem Brief von Fe­ren­c­zi vom 6. Au­gust 1912, ab­ge­druckt in: Er­nest Jo­nes: Sig­mund Freud. Le­ben und Werk. Bd. 2. Ka­pi­tel VI. Deut­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Mün­chen 1984, S. 187.
  26. À la mé­moi­re de Er­nest Jo­nes, a.a.O., S. 703 f., mei­ne Über­set­zung.
  27. Vgl. Jean-Paul Sart­re: Das Sein und das Nichts, 4. Teil, 2. Ka­pi­tel, I. Die exis­ten­ti­el­le Psy­cho­ana­ly­se.
  28. Carl Gus­tav Jung: Ulys­ses. Ein Mo­no­log. In: Ders.: Wirk­lich­keit der See­le. Ra­scher, Zü­rich 1934, S. 132–169, hier: S. 136 und 156 (auch in: C. G. Jung: Über das Phä­no­men des Geis­tes in Kunst und Wis­sen­schaft. Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. 15. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten 1971, S. 121–149, im In­ter­net hier). Nach: Mi­cha­el Turn­heim: La­cans sin­t­home. In: Ders.: Mit der Ver­nunft schla­fen. dia­pha­nes, Zü­rich und Ber­lin 2009, S. 55–75, hier: S. 62 Fn. 15.
  29. Vgl. Cli­ve Hart: Struc­tu­re and mo­tif of Fin­ne­gans Wake. Fa­ber & Fa­ber, Lon­don 1962.
  30. Vgl. Ja­mes S. Ather­ton: The books at the wake. A stu­dy of li­tera­ry al­lu­si­ons in Ja­mes Joyce’s Fin­ne­gans Wake. Fa­ber & Fa­ber, Lon­don 1959.
  31. Vgl. Freud, Jen­seits des Lust­prin­zips, a.a.O., S. 220.– Vgl. auch S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: 237.
  32. Vgl. La­can, Das Se­mi­nar über E.A. Poes ‚Der ent­wen­de­te Brief‘, a.a.O., S. 24.
  33. Vgl. hier­zu Thel­ma Sow­ley, La lett­re dans l’œuvre de Joy­ce.
  34. Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­fra­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft (1916). Über­setzt von Her­bert Lom­mel. De Gruy­ter, Ber­lin 1967.
  35. Vgl. Jac­ques Der­ri­da: Gram­ma­to­lo­gie. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1974, v. a. Ka­pi­tel 2: „Lin­gu­is­tik und Gram­ma­to­lo­gie“.
  36. Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 17; sie­he die­sen Blog­bei­trag.
  37. Als das Ge­schäft­li­che er­le­digt war, brach­te Joy­ce das Ge­spräch [mit John Rod­ker] auf an­de­re Ge­gen­stän­de. Er (…) be­merk­te, der Name Joy­ce hei­ße auf eng­lisch das­sel­be wie Freud auf deutsch, eine Be­mer­kung, die er ge­wöhn­lich sei­nen Freun­den über­ließ (…).“ (Ell­mann, a.a.O., S. 749; vgl. auch a.a.O., S. 946.)
  38. Vgl. La­can: Ich spre­che zu den Wän­den. Tu­ria und Kant, Wien u. a., S. 18.
  39. Ver­si­on Mil­ler, S. 127, Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 151, Über­set­zung ge­än­dert.
  40. La­can: L’étourdit. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 449–497, hier: S. 490.
  41. Turn­heim, a.a.O., S. 64.
  42. Es­saim, Num­mer 29 vom Herbst 2012, hier.
  43. Vgl. J. Kris­te­va: La Ré­vo­lu­ti­on du lan­ga­ge poé­tique: l’avant-garde à la fin du XIXe siè­cle. Lau­tréa­mont et Mall­ar­mé. Pa­ris: Édi­ti­ons du Seuil, 1974.– Teil­über­set­zung: Die Re­vo­lu­ti­on der poe­ti­schen Spra­che. Über­setzt von Reinold Wer­ner. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1978.
  44. Jac­ques Der­ri­da: Khô­ra. Ga­li­lée, Pa­ris 1993. Deutsch un­ter dem Ti­tel „Cho­ra“ in: J. Der­ri­da: Über den Na­men. Drei Es­says. Pas­sa­gen, Wien 2000.
  45. Wört­lich: „Sai­ten in der Erde und Luft / ma­chen Mu­sik süß; / Sai­ten am Fluss wo / die Wei­den sich tref­fen.“
  46. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 213.
  47. Vgl. Mo­rel, a.a.O., S. 145, 153.
  48. Die Zeich­nung ist aus der Sta­fer­la-Ver­si­on die­ses Se­mi­nars.
  49. Vgl. Ell­mann, a.a.O., S. 834.
  50. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 20. Mai 1959; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 456 f.
  51. J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 5–54, hier: S. 41.
  52. Sit­zun­gen vom 20. No­vem­ber 1973, 11. De­zem­ber 1973 und 8. Ja­nu­ar 1974.
  53. Bru­no Bet­tel­heim: Sym­bo­lic wounds. Pu­ber­ty ri­tes and the en­vious male. Free Press, Glen­coe, Ill., 1954. Dt.: Die sym­bo­li­schen Wun­den. Pu­ber­täts­ri­ten und der Neid des Man­nes. Kind­ler, Mün­chen 1975.
  54. Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 560.
  55. Vgl. Se­mi­nar 6 von 1958/59, Le dé­sir et son in­ter­pré­ta­ti­on, Ver­si­on Mil­ler, S. 456.
  56. Vgl. Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 409; Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 508.
    Auf die Ent­hül­lung des Phal­lus in den Mys­te­ri­en be­zieht sich La­can auch in dem Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus (vgl. Schrif­ten II, S. 128 f., Vor­trag von 1958, erst­mals 1966 ver­öf­fent­licht.
    Vgl. hier­zu den Ar­ti­kel Der Phal­lus in die­sem Blog; in die­sem Bei­trag fin­det man auch eine Ab­bil­dung des Fres­kos aus der Mys­te­ri­en­vil­la, auf das La­can sich in Die Be­deu­tung des Phal­lus be­zieht, mit der Ent­hül­lung des Phal­lus.

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