Jacques Lacan: Seminar XVIII, 2. Sitzung (20. Januar 1971), Übersetzung und Erläuterung

Von Lucien Freud - And the bridegroom - 1993Lu­ci­en Freud, And the bri­de­groom, 1993, Öl auf Lein­wand, 232 x 196 cm

Jac­ques La­can:
Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
2. Sit­zung, 20. Ja­nu­ar 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge der Ver­si­on Sta­fer­la, der Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

Zwei­te Fas­sung vom 20. Juli 2016 mit Pa­ra­phra­se, er­läu­tern­den Er­gän­zun­gen und Fra­gen so­wie ei­ner Über­ar­bei­tung der Über­set­zung (die ers­te Fas­sung vom 4. Mai 2016 ent­hielt nur eine Über­set­zung)

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel II, „L’homme et la femme“ („Der Mann und die Frau“), S. 23–37.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und in­halt­li­che Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für ge­dul­di­ge Hil­fe beim Über­set­zen!

In­halt

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird; da­bei än­dern sich un­ter an­de­rem die Sei­ten­zah­len. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Valas, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Die chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen wur­den aus der Sta­fer­la-Ver­si­on über­nom­men, die Tran­skrip­ti­on die­ser Schrift­zei­chen aus Mil­lers Aus­ga­be.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Valas, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 20. Januar 1971

Tonaufnahme

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Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 2. Sit­zung (20. Ja­nu­ar 1971)

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Deutsch

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

[23] Wenn ich die­se Blät­ter ge­sucht habe, dann nicht, um mich zu ver­ge­wis­sern, son­dern um mich zu be­ru­hi­gen, hin­sicht­lich des­sen, was ich das letz­te Mal ge­äu­ßert habe und wo­von ich zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt noch nicht den Text habe. Dar­über habe ich mich eben be­schwert.

Es kom­men mir Be­mer­kun­gen der fol­gen­den Art zu – da­für muss ich mich nicht an­stren­gen: Es hat sich ge­zeigt, dass an be­stimm­ten Punk­ten mei­nes Dis­kur­ses vom letz­ten Mal ei­ni­ge sich ge­fragt ha­ben – wie sie sich aus­drü­cken –, wor­auf ich da­mit hin­aus­will.

Noch an­de­re Be­mer­kun­gen sind mir üb­ri­gens zu­ge­kom­men, näm­lich dass man hin­ten im Saal schlecht ver­steht. Ich wer­de mich an­stren­gen; das letz­te Mal wuss­te ich das ab­so­lut nicht, ich glaub­te, wir hät­ten eine ge­nau­so gute Akus­tik wie im Hör­saal da­vor. Wenn man mir bit­te in dem Mo­ment, in dem mei­ne Stim­me ge­gen mei­nen Wil­len lei­ser wird, ein Zei­chen ge­ben wür­de, wer­de ich ver­su­chen, mein Bes­tes zu ge­ben.

Man hat sich letz­tes Mal also an be­stimm­ten Wen­de­punk­ten fra­gen kön­nen, wor­auf ich da­mit hin­aus­will. Wirk­lich, die­se Art Fra­ge scheint mir, um be­deut­sam zu sein, doch reich­lich ver­früht zu sein, was aber kei­nes­wegs heißt, dass es sich um Per­so­nen han­delt, die man au­ßer Acht las­sen könn­te, es sind sehr ver­sier­te Per­so­nen, von de­nen mir die­se Be­mer­kung be­rich­tet wur­de, mit­un­ter in al­ler Ruhe von ih­nen selbst. Man wür­de sich viel­leicht mehr ein­las­sen – ge­ra­de an­ge­sichts des­sen, was ich das letz­te Mal vor­ge­bracht habe –, wenn man sich frag­te, von wo ich aus­ge­he oder so­gar, von wo ich Sie aus­ge­hen las­sen möch­te. Das hat be­reits zwei Be­deu­tun­gen. Das be­deu­tet viel­leicht „ir­gend­wo­hin ge­hen“, das kann aber auch hei­ßen, „Sie von dort zu ver­ja­gen, wo Sie sind“.

Die­ses wor­auf ich da­mit hin­aus­will ist je­den­falls ein gu­tes Bei­spiel für das, was ich zum Be­geh­ren des An­de­ren vor­brin­ge: Che vuoi?, was will er? Wenn man das so­gleich sa­gen kann, fühlt man sich of­fen­bar sehr viel | [24] woh­ler. Bei die­ser Ge­le­gen­heit kann man den Träg­heits­fak­tor kon­sta­tie­ren, den die­ses Che vuoi? dar­stellt, zu­min­dest dann, wenn man dar­auf ant­wor­ten kann. Eben des­halb be­müht man sich in ei­ner Ana­ly­se, die­se Fra­ge in der Schwe­be zu las­sen.

Das letz­te Mal habe ich je­doch klar­ge­stellt, dass ich hier nicht in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers bin. Wes­halb ich mich letzt­lich ver­pflich­tet glau­be, auf die­se Fra­ge zu ant­wor­ten. Ich soll sa­gen, sa­gen wir: war­um ich ge­spro­chen habe.

Ich habe vom Schein ge­spro­chen und ich habe et­was ge­sagt, was nicht so oft zu hö­ren ist.

Zu al­ler­erst habe ich dar­auf in­sis­tiert, habe ich den Nach­druck dar­auf ge­legt, dass der Schein, der sich für das aus­gibt, was er ist, die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit ist. Es gibt ein be­stimm­tes „Ich spre­che“, wo­durch das be­wirkt wird. Und dar­an zu er­in­nern, ist nicht über­flüs­sig, um die­se Wahr­heit, die in sol­chem Maße lo­gi­sche Schwie­rig­kei­ten be­rei­tet, rich­tig zu ver­or­ten.

Dar­an zu er­in­nern ist umso wich­ti­ger, als, wenn es bei Freud – um da­mit ei­nen be­stimm­ten Ton zu be­zeich­nen –, wenn es bei Freud et­was gibt, was re­vo­lu­tio­när ist – vor der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung die­ses Wor­tes habe ich be­reits ge­warnt –, aber es ist si­cher, dass, wenn es ei­nen As­pekt gab, un­ter dem Freud re­vo­lu­tio­när war, dann den, dass er eine be­stimm­te Funk­ti­on in den Vor­der­grund ge­rückt hat – die auch die­je­ni­ge ist (das ist hier üb­ri­gens das ein­zi­ge Ele­ment, das er ge­mein­sam hat­te), die auch das Ele­ment ist, das Marx ein­ge­bracht hat –, näm­lich die, eine be­stimm­te An­zahl von Tat­sa­chen als Sym­pto­me auf­zu­fas­sen.

Die Di­men­si­on des Sym­ptoms be­steht dar­in, dass es spricht. Es spricht so­gar zu den­je­ni­gen, die nicht hören/verstehen kön­nen. Es sagt nicht al­les, auch zu den­je­ni­gen nicht, die hören/verstehen kön­nen.

Die­se Be­för­de­rung des Sym­ptoms, eben das ist die Keh­re, die wir in ei­nem be­stimm­ten Re­gis­ter durch­le­ben, das, sa­gen wir, rund um das The­ma der Er­kennt­nis seit Jahr­hun­der­ten schnur­rend wei­ter­läuft.

Wir kön­nen al­ler­dings nicht sa­gen, dass wir un­ter dem Ge­sichts­punkt der Er­kennt­nis völ­lig ohne et­was da­ste­hen. Und man spürt wohl, was es in der Er­kennt­nis­theo­rie an Ver­al­te­tem gibt, wenn es dar­um geht, die Vor­ge­hens­wei­se zu er­klä­ren, die durch die For­mu­lie­run­gen der Wis­sen­schaft ge­bil­det wird und wo­für die phy­si­ka­li­sche Wis­sen­schaft ge­gen­wär­tig Mo­del­le lie­fert.

Dass wir, par­al­lel zu die­ser Ent­wick­lung der Wis­sen­schaft, in ei­ner Po­si­ti­on sind, die man da­durch kenn­zeich­nen kann, dass sie auf dem Weg ei­ner be­stimm­ten Wahr­heit ist, eben dies zeigt eine ge­wis­se He­te­ro­ge­ni­tät des Sta­tus un­se­rer bei­den Re­gis­ter an – ab­ge­se­hen da­von, dass in mei­ner Leh­re, und | [25] nur da, der Ver­such ge­macht wird, de­ren Ko­hä­renz auf­zu­zei­gen. Was nicht selbst­ver­ständ­lich ist oder nur für die­je­ni­gen selbst­ver­ständ­lich ist, die dem in die­ser Pra­xis der Ana­ly­se et­was hin­zu­fü­gen, hin­sicht­lich des Scheins. Das ist das, was ich heu­te zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­chen wer­de.

Ich habe noch et­was Zwei­tes ge­sagt. Der Schein ist nicht nur ein Be­zugs­punkt und we­sent­lich, um die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit zu be­zeich­nen; ohne die­sen Be­zug ist es über­dies un­mög­lich, das, wor­um es beim Dis­kurs geht, nä­her zu kenn­zeich­nen.

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleiner

Vier Dis­kur­se (Se­mi­nar 17)

Das, was den Dis­kurs de­fi­niert, zu­min­dest habe ich im letz­ten Jahr ver­sucht, die­sem Aus­druck da­durch Ge­wicht zu ver­lei­hen, dass ich vier da­von de­fi­niert habe, an die ich letz­tes Mal nur er­in­nern konn­te, nur, glau­be ich, an de­ren Ti­tel er­in­nern konn­te, al­ler­dings flüch­tig, wo­bei ei­ni­ge na­tür­lich den Ein­druck hat­ten, den Bo­den un­ter den Fü­ßen zu ver­lie­ren. Was tun? Ich wer­de die Dar­le­gung des­sen, wor­um es geht, nicht noch ein­mal vor­neh­men, auch nicht im Schnell­durch­gang, ob­gleich ich spä­ter na­tür­lich dar­auf zu­rück­kom­men muss und zei­gen muss, was da ist. In den Ant­wor­ten der letz­ten Aus­ga­be von Sci­li­cet, Ra­dio­pho­nie ge­nannt, habe ich ge­zeigt – man möge sich dar­auf be­zie­hen –, wor­um es da­bei geht, wor­in die­se Funk­ti­on des Dis­kur­ses be­steht, wie ich sie letz­tes Jahr dar­ge­legt habe. Er wird durch vier be­vor­zug­te Plät­ze ge­stützt, von de­nen ge­nau ei­ner un­be­nannt blieb und zwar der­je­ni­ge, der je­dem die­ser Dis­kur­se den Ti­tel gibt, ab­hän­gig von sei­nem Be­set­zer. Wenn an ei­nem be­stimm­ten Platz der Her­ren­si­gni­fi­kant ist, spre­che ich vom Dis­kurs des Herrn. Wenn er von ei­nem be­stimm­ten Wis­sen be­setzt wird, spre­che ich von <dem Dis­kurs> der Uni­ver­si­tät. Wenn das Sub­jekt in sei­ner Spal­tung, Grün­de­rin des Un­be­wuss­ten, an die­sem Platz ist, spre­che ich vom Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin. Und schließ­lich, wenn die Mehr­lust ihn be­setzt, spre­che ich vom Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers.

Die­sen in ge­wis­ser Wei­se emp­find­li­chen Platz – den­je­ni­gen oben links, für die­je­ni­gen, die da­ge­we­sen sind und sich noch dar­an er­in­nern –, die­sen Platz, der hier im Her­ren­dis­kurs vom Si­gni­fi­kan­ten als Herrn be­setzt ist, S1, die­sen noch nicht be­zeich­ne­ten Platz, ich be­zeich­ne ihn mit sei­nem Na­men, mit dem Na­men, den er ver­dient: das ist ge­nau der Platz des Scheins.

Das be­sagt, nach dem, was ich letz­tes Mal ge­äu­ßert habe, wie sehr der Si­gni­fi­kant, wenn ich so sa­gen kann, hier an sei­nem Platz ist. Von da­her der Er­folg des Dis­kur­ses des Herrn, ein Er­folg, der es je­doch durch­aus ver­dient, dass man ihm ei­nen Mo­ment lang Auf­merk­sam­keit schenkt, denn wer kann schließ­lich glau­ben, ir­gend­ein Herr habe je­mals durch Ge­walt ge­herrscht? Vor al­lem zu Be­ginn, denn schließ­lich – wie He­gel uns in die­ser be­wun­derns­wer­ten Es­ca­mo­ta­ge in Er­in­ne­rung bringt – ist ein Mensch so­viel wert wie ein an­de­rer. Und wenn der Dis­kurs des Herrn die Li­nie bil­det, die Struk­tur, den star­ken Punkt, um den her­um meh­re­re Zi­vi­li­sa­tio­nen ge­ord­net sind, dann des­halb, weil die Trieb­fe­der eben durch­aus von an­de­rer Ord­nung ist von der der Ge­walt.

[26] Das heißt nicht, dass wir in ir­gend­ei­ner Wei­se si­cher wä­ren, dass in die­sen Tat­sa­chen, von de­nen man sa­gen muss, dass wir sie nur mit äu­ßers­ter Vor­sicht ar­ti­ku­lie­ren kön­nen, dass – so­bald wir sie mit ir­gend­ei­nem Aus­druck be­nen­nen: pri­mi­tiv, prä­lo­gisch, ar­cha­isch oder was auch im­mer, von wel­cher Art auch im­mer, ar­cha­isch, ar­chē –, dass hier­in der An­fang läge; war­um? Und war­um wäre das nicht auch ein Ab­fall, die­se pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten? Aber das kann durch nichts ent­schie­den wer­den. Was si­cher ist, ist dies, dass sie uns zei­gen, dass es nicht ob­li­ga­to­risch ist, dass die Din­ge sich zu­erst ab­hän­gig vom Dis­kurs des Herrn ein­rich­ten. Die my­thisch-ri­tu­el­le Kon­fi­gu­ra­ti­on – was die bes­te Art ist, sie zu be­zeich­nen – im­pli­ziert nicht zwangs­läu­fig die Ar­ti­ku­la­ti­on des Her­ren­dis­kur­ses. Gleich­wohl muss man sa­gen, dass es eine be­stimm­te Form von Ali­bi ist, dass es, wenn wir uns der­ma­ßen für das in­ter­es­sie­ren, was nicht der Dis­kurs des Herrn ist, dass dies in den meis­ten Fäl­len ein Aus­weich­ma­nö­ver ist – wäh­rend man sich da­mit be­fasst, be­fasst man sich nicht mit et­was an­de­rem.

Der Her­ren­dis­kurs ist je­doch eine we­sent­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on, und die Art, in der ich das ge­sagt habe, soll­te et­was sein, wo­mit ei­ni­ge – ich sage nicht Sie alle –, ei­ni­ge sich be­schäf­ti­gen soll­ten, um sich den Kopf zu zer­bre­chen.

Weil das, wor­um es geht – auch dies habe ich das letz­te Mal deut­lich her­vor­ge­ho­ben –, weil al­les, was an Neu­em ein­tref­fen kann und was man im­mer schon, was ein­tref­fen kann von dem, was man im­mer schon re­vo­lu­tio­när nennt – wo­bei man den Nach­druck auf das Tem­pe­ra­ment legt, das man hier ein­brin­gen soll­te –, weil all dies nur in ei­ner Ver­än­de­rung, in ei­ner Ver­schie­bung des Dis­kur­ses be­stehen kann, näm­lich auf je­dem die­ser Plät­ze, <die> ich ge­wis­ser­ma­ßen, um ein Bild zu ge­ben – aber zu wel­cher Art von Ver­dum­mung kann das Bild füh­ren! –, die ich durch vier Näp­fe, wenn man so sa­gen kann, ver­an­schau­li­chen möch­te, von de­nen je­der sei­nen Na­men hät­te, so­wie durch die Art, wie in die­sen Näp­fen eine be­stimm­te An­zahl von Ter­mi­ni glei­tet, na­ment­lich der, den ich als S1 un­ter­schie­den habe, S2, in­so­fern S2 an dem Punkt, an dem wir sind, ei­nen be­stimm­ten Wis­sens­kor­pus bil­det, dann das a, in­so­fern es un­mit­tel­ba­re Kon­se­quenz des Her­ren­dis­kur­ses ist, und das $, das im Her­ren­dis­kurs die­sen Platz [un­ten links] be­setzt, ei­nen Platz, von dem wir heu­te noch spre­chen wer­den, und den ich be­reits be­nannt habe, der näm­lich der Platz der Wahr­heit ist.

Die Wahr­heit ist nicht das Ge­gen­teil des Scheins. Die Wahr­heit, wenn ich so sa­gen darf, ist die­je­ni­ge Di­men­si­on oder die­je­ni­ge dem­an­si­on, d-e-m-a-n – wenn sie mir ge­stat­ten, ein neu­es Wort zu bil­den, um die­se Näp­fe zu be­zeich­nen –, die­je­ni­ge dem­an­si­on, die zu der­je­ni­gen des Scheins in ei­ner stren­gen Be­zie­hung steht, die­je­ni­ge dem­an­si­on, ich habe es Ih­nen be­reits ge­sagt, von der letz­te­re – die dem­an­si­on des Scheins – ge­stützt wird. Nun, es wird je­doch et­was von dem an­ge­zeigt, wo der Schein her­kommt.

[27] Es ist klar, dass die <fol­gen­de> Fra­ge viel­leicht ein biss­chen da­ne­ben­liegt, eine, nun ja, die mir auf ganz in­di­rek­ten We­gen zu­ge­kom­men ist, von zwei jun­gen Köp­fen – die ich grü­ße, falls sie heu­te noch da sind, sie mö­gen nicht ge­kränkt sein, dass man im Vor­bei­ge­hen et­was ge­hört hat –, die sich ge­fragt ha­ben, da­bei of­fen­bar be­däch­tig die Müt­ze schüt­telnd: „Ist das ein ge­fähr­li­cher Idea­list?“ [Ge­läch­ter] Bin ich ein ge­fähr­li­cher Idea­list?

Die­se Fra­ge scheint mir gänz­lich da­ne­ben zu lie­gen. [Ge­läch­ter] Denn ich habe da­mit be­gon­nen – und mit wel­cher Be­to­nung, ich wür­de sa­gen, dass ich das Ge­gen­teil des­sen ge­sagt habe, was ich ge­nau zu sa­gen hat­te –, den Ak­zent dar­auf zu set­zen, dass der Dis­kurs das Ar­te­fakt ist. Was ich da­mit an­bah­ne, ist ge­nau das Ge­gen­teil, da der Schein das Ge­gen­teil des Ar­te­fakts ist. Ich habe be­reits dar­auf auf­merk­sam ge­macht, in der Na­tur, da wim­melt es von Schein. Die Fra­ge –; so­bald es nicht mehr um Er­kennt­nis geht, so­bald man nicht mehr glaubt, dass wir et­was auf dem Wege der Wahr­neh­mung er­ken­nen, aus der wir ir­gend­ei­ne Quint­essenz ex­tra­hie­ren wür­den, son­dern durch ei­nen Ap­pa­rat, näm­lich durch den Dis­kurs, stellt sich die Fra­ge der Idee nicht mehr.

Als die Idee zum ers­ten Male in Er­schei­nung trat, war sie üb­ri­gens ein we­nig bes­ser ver­or­tet als nach den Glanz­leis­tun­gen von Bi­schof Ber­ke­ley. Da­bei ging es um Pla­ton, der sich frag­te, wo das Rea­le des­sen sei, was ge­nannt wird: ein Pferd. Sei­ne Idee von der Idee war die Wich­tig­keit die­ser Be­nen­nung. Bei die­ser ver­schie­den­ar­ti­gen und ver­gäng­li­chen Sa­che, die im Üb­ri­gen voll­kom­men dun­kel ist, zu sei­ner Zeit mehr noch als zu der un­se­ren, be­steht da die ge­sam­te Rea­li­tät ei­nes Pfer­des nicht in die­ser Idee, in­so­fern das heißt: im Si­gni­fi­kan­ten „ein Pferd“?

Man muss nicht glau­ben, dass Aris­to­te­les, weil er den Rea­li­täts­ak­zent auf das In­di­vi­du­um setzt, des­halb sehr viel wei­ter ist. Das In­di­vi­du­um, das be­sagt ge­nau: das, was man nicht sa­gen kann. Und bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt – wenn Aris­to­te­les nicht der wun­der­ba­re Lo­gi­ker wäre, der er ist, der den ein­zig­ar­ti­gen Schritt ge­macht hat, den ent­schei­den­den Schritt, dank des­sen wir für das, was eine ar­ti­ku­lier­te Fol­ge von Si­gni­fi­kan­ten ist, ei­nen Be­zugs­punkt ha­ben – könn­te man sa­gen, dass er sich in sei­ner Art, das an­zu­ge­hen, was die Ou­sia ist, an­ders ge­sagt das Rea­le, wie ein Mys­ti­ker ver­hält. Das Ei­gen­tüm­li­che der Ou­sia, so sagt er selbst, be­steht dar­in, dass sie auf kei­ne Wei­se at­tri­bu­iert wer­den kann, sie ist nicht sag­bar. Was nicht sag­bar ist, ist ge­nau das, was mys­tisch ist. Es scheint zwar, dass er von die­ser Sei­te nicht im Über­fluss hat, er über­lässt aber den Platz dem Mys­ti­ker.

Es ist of­fen­kun­dig, dass die Lö­sung der Fra­ge der Idee nicht Pla­ton ein­fal­len konn­te. All das fin­det sei­ne Lö­sung von der Sei­te der Funk­ti­on und der Va­ria­blen her.

[28] Wenn klar ist, dass, wenn es et­was gibt, was ich bin, dass es dann dies ist, dass ich kein No­mi­na­list bin. Ich mei­ne da­mit, dass ich nicht da­von aus­ge­he, dass der Name et­was ist, das ein­fach so auf Rea­les auf­ge­tra­gen wird. Und man muss wäh­len. Wenn man No­mi­na­list ist, muss man den dia­lek­ti­schen Ma­te­ria­lis­mus ganz und gar zu­rück­wei­sen, der­art, dass al­les in al­lem die no­mi­na­lis­ti­sche Tra­di­ti­on – die streng ge­nom­men die ein­zi­ge Idea­lis­mus­ge­fahr ist, die sich in ei­nem Dis­kurs wie dem mei­nen hier er­ge­ben kann – ganz of­fen­sicht­lich zu­rück­ge­wie­sen ist.

Es geht nicht dar­um, Rea­list in dem Sin­ne zu sein, wie man es im Mit­tel­al­ter war, der Uni­ver­sa­li­en­rea­lis­mus, son­dern es geht dar­um, zu be­zeich­nen, auf­zu­zei­gen, dass un­ser Dis­kurs, un­ser wis­sen­schaft­li­cher Dis­kurs, das Rea­le nur un­ter der Be­din­gung fin­det, dass es von der Funk­ti­on des Scheins ab­hängt. Die Wir­kun­gen der Ar­ti­ku­la­ti­on des Scheins, der al­ge­brai­schen Ar­ti­ku­la­ti­on, mei­ne ich, und da­bei geht es nur um Buch­sta­ben, das ist der ein­zi­ge Ap­pa­rat, mit des­sen Hil­fe wir das be­zeich­nen, was real ist. Was real ist, ist das, was in die­sem Schein ein Loch macht, in die­sem ar­ti­ku­lier­ten Schein, der der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs ist. Der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs schrei­tet vor­an, ohne sich über­haupt noch da­mit zu be­schäf­ti­gen, ob er Schein ist oder nicht. Es geht nur dar­um, dass sein Netz­werk, sein Netz, sein lat­ti­ce, wie man sagt, die rich­ti­gen Lö­cher am rich­ti­gen Platz er­schei­nen lässt. Er hat kei­ne Re­fe­renz au­ßer dem Un­mög­li­chen, zu dem sei­ne Ab­lei­tun­gen füh­ren – die­ses Un­mög­li­che ist das Rea­le. Der Dis­kurs­ap­pa­rat, in­so­fern er in sei­ner Stren­ge auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt, das ist das, wo­mit wir in der Phy­sik et­was an­zie­len, was das Rea­le ist.

Das ist für uns wich­tig, bei dem, was uns be­trifft, näm­lich dem Feld der Wahr­heit. Und war­um ist das Feld der Wahr­heit – das sich nur so kenn­zeich­nen lässt – das, was uns an­geht? Ich wer­de ver­su­chen, das heu­te zu ar­ti­ku­lie­ren.

Was uns be­trifft, so ha­ben wir es mit et­was zu tun, was da­von Re­chen­schaft ab­legt, dass es sich von die­ser Po­si­ti­on des Rea­len in der Phy­sik un­ter­schei­det. Die­ses Et­was, was wi­der­steht, was nicht durch­läs­sig ist für ei­nen Sinn, der Fol­ge un­se­res Dis­kur­ses ist, das nennt sich Phan­tas­ma. Und was zu prü­fen ist, sind sei­ne Gren­zen, ist sei­ne Struk­tur, ist die Funk­ti­on. Die Be­zie­hung von ei­nem der Ter­me in ei­nem Dis­kurs, vom a – der Mehr­lust – zum $ des Sub­jekts, näm­lich ge­nau der Punkt, der im Dis­kurs des Herrn aus­ge­sperrt wird (rom­pu), das ist das, was wir in sei­ner Funk­ti­on zu un­ter­su­chen ha­ben, wenn in | [29] der ganz ent­ge­gen­ge­setz­ten Po­si­ti­on, der­je­ni­gen, wo das klei­ne a die­sen Platz ein­nimmt, es das Sub­jekt ist, das ge­gen­über­steht. An die­sem Platz, wo es be­fragt wird, muss das Phan­tas­ma sei­nen Sta­tus an­neh­men, sei­nen Sta­tus, der eben durch den An­teil der Un­mög­lich­keit de­fi­niert ist, den es in der ana­ly­ti­schen Be­fra­gung gibt.

Um auf­zu­klä­ren, was es da­mit auf sich hat, wor­auf ich da­mit hin­aus­will, will ich zu dem über­ge­hen, was ich heu­te von dem, wor­um es bei der ana­ly­ti­schen Theo­rie geht, kenn­zeich­nen will. Aus die­sem Grun­de kom­me ich nicht dar­auf zu­rück, über­sprin­ge ich eine Funk­ti­on, die sich in ei­ner be­stimm­ten Sprech­wei­se aus­drückt, die ich hier habe, wenn ich mich an Sie wen­de. Ich kann hier je­doch nur dies tun, dass ich Ihre Auf­merk­sam­keit auf das Fol­gen­de len­ke: Wenn ich Sie das letz­te Mal mit ei­nem Aus­druck an­ge­spro­chen habe, der vie­len durch­aus zu Recht als frech er­schei­nen konn­te, mit dem der ge­press­ten Mehr­lust (plus-de-jouir pres­sé), müss­te ich dann über eine Art Ka­vi­ar spre­chen oder über ein ge­press­tes, ge­drück­tes Si­gnal? Das hat je­doch ei­nen Sinn, ei­nen Sinn, der sich auf das be­zieht, was mein Dis­kurs be­wahrt, der in kei­nem Fall den Cha­rak­ter des­sen hat, was Freud als den Dis­kurs des Füh­rers be­zeich­net hat.

Ge­nau auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses, den Freud zu Be­ginn der zwan­zi­ger Jah­re in Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se ar­ti­ku­liert hat, gibt es et­was, wo­von sich be­mer­kens­wer­ter­wei­se her­aus­ge­stellt hat, dass es den Ur­sprung des Nazi-Phä­no­mens bil­det.

Freud Massenpsychologie Ichideal

Freuds Sche­ma der Iden­ti­fi­zie­rung in der Mas­se, aus: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se

Be­zie­hen Sie sich auf das Sche­ma, das er in die­sem Ar­ti­kel ver­wen­det, am Ende des Ka­pi­tels Die Iden­ti­fi­zie­rung. Fast im Klar­text wer­den Sie hier die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem gro­ßen I und dem a an­ge­zeigt se­hen. Wirk­lich, das Sche­ma scheint dazu ge­macht zu sein, um hier die la­can­schen Zei­chen ein­zu­tra­gen.

Das, was sich in ei­ner Rede an den An­de­ren als ein Du wen­det, lässt die Iden­ti­fi­zie­rung mit et­was auf­tau­chen, was man das mensch­li­che Idol nen­nen kann. Wenn ich letz­tes Mal vom ro­ten Blut als dem Blut ge­spro­chen habe, das ganz ver­geb­lich ge­gen den Schein vor­ge­bracht wird, dann eben des­halb, weil man, wie Sie ge­se­hen ha­ben, um das Idol um­zu­stür­zen nicht vor­an­schrei­ten konn­te, ohne so­fort da­nach des­sen Platz ein­zu­neh­men – was be­kannt­lich das ist, was sich bei ei­nem be­stimm­ten Typ von Mär­ty­rern zu­ge­tra­gen hat. Dazu kommt es in­so­fern, als in je­dem Dis­kurs, der ans Du ap­pel­liert, et­was eine ge­tarn­te, ge­hei­me Iden­ti­fi­zie­rung her­vor­ruft, die kei­ne an­de­re ist als die mit die­sem rät­sel­haf­ten Ob­jekt, das gar nichts sein kann, die ganz klei­ne Mehr­lust von Hit­ler, die viel­leicht nicht wei­ter ging als sein Schnurr­bart. Das ist das, was aus­ge­reicht hat, um Leu­te zu kris­tal­li­sie­ren, die nichts Mys­ti­sches hat­ten, die all das wa­ren, was in den Pro­zess des Dis­kur­ses des Ka­pi­ta­lis­ten am stärks­ten ver­wi­ckelt ist, mit­samt dem, was da­mit ein­her­geht an Hin­ter­fra­gung der Mehr­lust in Ge­stalt des Mehr­werts. Es ging dar­um, ob man da­von auf ei­nem be­stimm­ten Ni­veau noch sein Stück­chen ab­be­kä­me, und das ist eben das, was ge­nügt hat, um die­sen Iden­ti­fi­zie­rungs­ef­fekt her­vor­zu­ru­fen.

[30] Es ist ein­fach amü­sant, dass dies die Ge­stalt ei­ner Idea­li­sie­rung der Ras­se an­ge­nom­men hat, also des­sen, was hier­in am we­nigs­ten ver­wi­ckelt war. Man kann je­doch her­aus­fin­den, von wo die­ser Fik­ti­ons­cha­rak­ter aus­geht, man kann es fin­den. Man muss ein­fach sa­gen, dass die­se Ideo­lo­gie kei­nes­wegs nö­tig ist, da­mit ein Ras­sis­mus sich her­aus­bil­det, dass hier­für eine Mehr­lust ge­nügt, die als sol­che an­er­kannt wird. Und wenn ir­gend­je­mand sich ein we­nig für das in­ter­es­siert, was sich er­eig­nen kann, wird er gut dar­an tun, sich zu sa­gen, dass der Ras­sis­mus in al­len For­men, in­so­fern eine Mehr­lust durch­aus ge­nügt, um ihn zu stüt­zen, eben das ist, was jetzt an der Ta­ges­ord­nung ist, dass er das ist, was uns in den kom­men­den Jah­ren be­vor­steht. Sie wer­den bes­ser be­grei­fen war­um, wenn ich Ih­nen das sage, was uns die Theo­rie, die au­then­ti­sche Aus­übung der ana­ly­ti­schen Theo­rie, in Be­zug auf das, wor­um es bei der Mehr­lust geht, zu for­mu­lie­ren ge­stat­tet.

Man stellt sich vor, dass man et­was sagt, wenn man sagt, dass Freud dies ein­ge­bracht hat, dass al­lem, wor­um es beim Dis­kurs geht, die Se­xua­li­tät zu­grun­de liegt. Man sagt das, wenn man ein ganz klein we­nig von dem be­rührt ist, was ich über die Wich­tig­keit des Dis­kur­ses für die De­fi­ni­ti­on des Un­be­wuss­ten äu­ße­re, und dann ach­tet man nicht dar­auf, dass ich noch nicht an­ge­spro­chen habe, was es mit die­sem Aus­druck auf sich hat: Se­xua­li­tät, se­xu­el­les Ver­hält­nis (rap­port se­xu­el).

Es ist merk­wür­dig, si­cher­lich; nur von ei­nem ein­zi­gen Stand­punkt aus ist es nicht merk­wür­dig – vom Stand­punkt der Schar­la­ta­ne­rie, der in un­se­rer Ge­sell­schaft jede the­ra­peu­ti­sche Ak­ti­on an­lei­tet –, es ist merk­wür­dig, dass man nicht be­merkt hat, dass eine gan­ze Welt liegt zwi­schen dem Aus­druck „Se­xua­li­tät“, über­all dort, wo er an­fängt, wo er auch nur an­fängt, die Ge­stalt ei­ner bio­lo­gi­schen Sub­stanz an­zu­neh­men – und ich möch­te Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen, wenn man ir­gend­wo an­fan­gen kann, zu er­fas­sen, wel­che Be­deu­tung das hat, dann am ehes­ten auf der Sei­te der Bak­te­ri­en –, dass eine gan­ze Welt liegt zwi­schen die­sem und dem, wor­um es bei dem geht, was Freud über die Be­zie­hun­gen äu­ßert, die das Un­be­wuss­te ent­hüllt. Wel­ches auch im­mer das Ge­stol­per sein mag, dem auch er in die­ser Ord­nung hat un­ter­lie­gen kön­nen – was Freud vom Funk­tio­nie­ren des Un­be­wuss­ten ent­hüllt, hat nichts Bio­lo­gi­sches.

Nur durch das, was man „se­xu­el­les Ver­hält­nis“ nennt, hat dies das Recht, sich „Se­xua­li­tät“ zu nen­nen, das ist im Üb­ri­gen völ­lig le­gi­tim – bis zu dem Mo­ment, wo man sich der Se­xua­li­tät be­dient, um da­mit et­was an­de­res zu be­zeich­nen, näm­lich das, was man in der Bio­lo­gie stu­diert, näm­lich das Chro­mo- | [31] som und sei­ne Kom­bi­na­tio­nen XY oder XX oder XX, XY. Das hat ab­so­lut nichts mit dem zu tun, wor­um es geht, und was ei­nen voll­kom­men aus­sprech­ba­ren Na­men hat und was so ge­nannt wird: die Be­zie­hun­gen von Mann und Frau. Man soll­te von die­sen bei­den Ter­mi­ni in ih­rer vol­len Be­deu­tung aus­ge­hen, mit dem, was das an Ver­hält­nis ein­schließt.

Denn es ist sehr merk­wür­dig, wenn man die klei­nen zag­haf­ten Ver­su­che sieht, die die Leu­te ma­chen, um im Rah­men ei­nes be­stimm­ten Ap­pa­ra­tes zu den­ken, dem der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on, sie neh­men wahr, dass durch das Lie­bes­spiel, das man uns als kon­flikt­haft dar­stellt, nicht al­les ge­re­gelt ist, und sie hät­ten gern et­was an­de­res, et­was Nicht-Kon­flikt­haf­tes – das ent­spannt. Und nun ja, sie neh­men bei­spiels­wei­se dies wahr, dass man kei­nes­wegs die phal­li­sche Pha­se ab­war­tet, um ein klei­nes Mäd­chen von ei­nem klei­nen Jun­gen zu un­ter­schei­den, sie sind kei­nes­wegs gleich. Das wun­dert sie.

Und dann wei­se ich Sie auf Fol­gen­des hin: Da ich Sie erst im Mo­nat Fe­bru­ar wie­der­tref­fe, am zwei­ten Mitt­woch im Fe­bru­ar, wer­den Sie viel­leicht die Zeit ha­ben, et­was zu le­sen – wenn ich aus­nahms­wei­se ein Buch emp­feh­le, wird das die Auf­la­ge stei­gen las­sen –, et­was, das Sex and Gen­der heißt, and Gen­der, das ist auf Eng­lisch, Ent­schul­di­gung! Das ist von ei­nem ge­wis­sen Stol­ler. Es ist sehr in­ter­es­sant, das zu le­sen, un­ter zwei As­pek­ten. Zu­nächst, weil es über ein wich­ti­ges The­ma, das der Trans­se­xu­el­len, eine Rei­he von sehr gut be­ob­ach­te­ten Fäl­len bie­tet, samt ih­ren fa­mi­lia­len Ent­spre­chun­gen. Sie wis­sen viel­leicht, dass der Trans­se­xua­lis­mus ge­nau aus dem sehr en­er­gi­schen Be­geh­ren be­steht, mit al­len Mit­teln zum an­de­ren Ge­schlecht über­zu­wech­seln, und sei es, wenn man auf der männ­li­chen Sei­te ist, dass man sich ope­rie­ren lässt. Dar­um geht es. Die­ser Trans­se­xua­lis­mus – mit den Ko­or­di­na­ten, den Be­ob­ach­tun­gen, die es da gibt, wer­den Sie si­cher­lich Vie­les ler­nen, denn das sind ab­so­lut brauch­ba­re Be­ob­ach­tun­gen.

Sie wer­den hier zu­gleich dies ler­nen: den un­er­gie­bi­gen, den völ­lig un­er­gie­bi­gen Cha­rak­ter des dia­lek­ti­schen Ap­pa­rats, mit dem der Au­tor die­ses Bu­ches die­se Fra­gen an­geht, was dazu führt, dass ganz di­rekt die größ­ten Schwie­rig­kei­ten auf­tau­chen, de­nen er dann be­geg­net, wenn er die­se Fäl­le er­klä­ren will. Zu den über­ra­schends­ten Din­gen ge­hört, dass er dem psy­cho­ti­schen As­pekt die­ser Fäl­le ganz aus dem Wege geht, na­tür­lich des­halb, weil ihm je­der Be­zugs­punkt fehlt, da ihm die Lacan’sche Ver­wer­fung nie zu Oh­ren ge­kom­men ist, mit der sich so­fort und sehr leicht die Ge­stalt die­ser Fäl­le er­klä­ren lässt. Aber das ist nicht wich­tig.

Das Wich­ti­ge ist dies, dass, um von Gen­der-Iden­ti­tät zu spre­chen (iden­tité de gen­re) – was nichts an­de­res ist als das, was ich eben mit die­sem Ter­mi­nus aus­ge­drückt habe: „der Mann“ und „die Frau“ –, dass klar ist, dass die Fra­ge sich nicht auf das be­zieht, was hier­aus be­reits früh­zei­tig ent­steht, son­dern dass sie da­von aus­ge­hend ge­stellt wird, dass es im Er­wach­se­nen­al­ter zum Schick­sal der spre­chen­den We­sen ge­hört, sich un­ter Män­nern und Frau­en auf­zu­tei­len, und dass man sich klar­ma­chen muss – um den Ak­zent zu ver­ste­hen, der auf die­se Din­ge, auf die­se In­stanz ge­setzt wird –, dass das, was den Mann | [32] de­fi­niert, sein Ver­hält­nis zur Frau ist, und um­ge­kehrt. Und dass bei die­sen De­fi­ni­tio­nen des Man­nes und der Frau nichts es uns ge­stat­tet, sie von der ge­sam­ten Spre­cher­fah­rung zu abs­tra­hie­ren, ein­schließ­lich der­je­ni­gen in den In­sti­tu­tio­nen, in de­nen sie sich aus­drü­cken, näm­lich der Ehe.

Wenn man nicht ver­steht, dass es im Er­wach­se­nen­al­ter dar­um geht, den Mann zu ma­chen (de fai­re-hom­me); dass hier­durch das Ver­hält­nis zur an­de­ren Sei­te her­ge­stellt wird; dass in die­sem Lich­te zu Be­ginn – aus­ge­hend von dem, was eine grund­le­gen­de Be­zie­hung ist – al­les be­fragt wird, was im Ver­hal­ten des Kin­des als et­was ge­deu­tet wer­den kann, was sich bei­spiels­wei­se auf die­ses „den Mann ma­chen“ hin aus­rich­tet; und dass ei­nes der we­sent­li­chen Kor­re­la­te des­sen, den Mann zu ma­chen, dar­in be­steht, dem Mäd­chen ein Zei­chen zu ge­ben, dass man es ist; dass wir hier, um es klar zu sa­gen, von vorn­her­ein in der Di­men­si­on des Scheins ver­or­tet sind.

Aber auch, al­les zeugt von dem – ein­schließ­lich der üb­li­chen, über­all zu fin­den­den Hin­wei­se auf das se­xu­el­le Balz­ver­hal­ten haupt­säch­lich bei den hö­he­ren Säu­ge­tie­ren, aber auch bei den, bei ei­ner sehr, sehr gro­ßen An­zahl von An­sich­ten, die wir sehr, sehr ent­fernt im tie­ri­schen Phy­lum ha­ben kön­nen –, was beim se­xu­el­len Ver­hält­nis den we­sent­li­chen Cha­rak­ter von et­was zeigt, was man ganz auf die­je­ni­ge Ebe­ne be­schrän­ken soll­te, auf der wir dar­an an­gren­zen – die nichts mit ei­ner zel­lu­lä­ren Ebe­ne zu tun hat, ob sie nun chro­mo­so­mal sei oder nicht, und auch nicht mit ei­ner or­ga­ni­schen Ebe­ne, ob es sich nun, die Go­na­de be­tref­fend, um die Mehr­deu­tig­keit die­ses oder je­nen Trakts han­de­le oder nicht –, näm­lich auf eine etho­lo­gi­sche Ebe­ne, die eben dies ist: im stren­gen Sin­ne die ei­nes Scheins. In­so­fern, als das Männ­chen – am häu­figs­ten das Männ­chen, das Weib­chen ist hier­bei nicht ab­we­send, weil das Weib­chen ge­nau das Sub­jekt ist, das von die­sem Balz­ver­hal­ten er­reicht wird –, in­so­fern, als es Balz­ver­hal­ten gibt, <kommt es zu> et­was, was sei­ner Funk­ti­on nach si­cher­lich se­xu­el­le Ko­pu­la­ti­on heißt, was sei­nen Sta­tus aber durch Ele­men­te von be­son­de­rer Iden­ti­tät er­hält.

Es ist ge­wiss, dass das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten mü­he­los ei­nen Be­zugs­punkt im Balz­ver­hal­ten fin­det, wie es auf tie­ri­schem Ni­veau de­fi­niert ist. Es ist ge­wiss, dass das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten dar­in be­steht, die­sen tie­ri­schen Schein in ge­wis­ser Wei­se auf­recht­zu­er­hal­ten. Das ein­zi­ge, wo­durch es sich da­von un­ter­schei­det, ist dies, dass die­ser Schein in ei­nem Dis­kurs trans­por­tiert wird und dass es die­se Ebe­ne des Dis­kur­ses ist, ein­zig die­se Ebe­ne des Dis­kur­ses, auf der er zu ei­ner, wenn Sie ge­stat­ten, ge­wis­sen Wir­kung ge­bracht wird, die nicht vom Schein wäre. Das heißt, dass es vor­kommt – statt die ex­qui­si­te tie­ri­sche Höf­lich­keit zu ha­ben –, dass es bei Män­nern vor­kommt, eine Frau zu ver­ge­wal­ti­gen oder um­ge­kehrt. An den Gren­zen des Dis­kur­ses, in­so­fern er sich be­müht, ge­nau die­sen Schein auf­recht­zu­er­hal­ten, gibt es von Zeit zu Zeit et­was Rea­les – das ist das, was man | [33] pas­sa­ge à l’acte nennt. Ich sehe kei­ne bes­se­re Stel­le, um das, was das be­deu­tet, zu be­zeich­nen. Be­ach­ten Sie, dass die pas­sa­ge à l’acte in den meis­ten Fäl­len sorg­fäl­tig ver­mie­den wird, dazu kommt es nur durch ei­nen Zu­fall, ei­nen Un­fall.

Und das ist hier wohl auch eine Ge­le­gen­heit, um zu er­läu­tern, wor­um es bei dem geht, was ich von der pas­sa­ge à l’acte seit lan­gem un­ter­schei­de, näm­lich beim ac­ting out: den Schein auf die Büh­ne über­ge­hen zu las­sen, ihn auf Büh­nen­ni­veau zu brin­gen, dar­aus ein Bei­spiel zu ma­chen. Das ist das, was in die­ser Ord­nung ac­ting out heißt. Man nennt das auch Lei­den­schaft.

Aber (hier bin ich ge­zwun­gen, schnell vor­wärts­zu­ge­hen) Sie wer­den be­mer­ken, dass man hier­bei (und da­bei so, wie ich die Din­ge ge­ra­de er­klärt habe) gut dies zei­gen, gut dies be­zeich­nen kann (das ist das, was ich die gan­ze Zeit ge­sagt habe), näm­lich Fol­gen­des: Wenn der Dis­kurs in­so­fern da ist, als er den Ein­satz des­sen ge­stat­tet, wor­um es bei der Mehr­lust geht, näm­lich (hier gehe ich aufs Gan­ze), dann ist das ge­nau das, was dem se­xu­el­len Dis­kurs un­ter­sagt ist. Es gibt kei­nen se­xu­el­len Akt. Ich habe das be­reits meh­re­re Male zum Aus­druck ge­bracht, hier gehe ich es un­ter ei­nem an­de­ren Blick­win­kel an.

Und dies wur­de ab­so­lut spür­bar ge­macht durch die – wirk­lich mas­si­ve – Öko­no­mie der ana­ly­ti­schen Theo­rie, durch das, wor­auf Freud ge­sto­ßen ist, er zu­erst, und so un­schul­dig, wenn ich so sa­gen darf, dass er Sym­ptom ist, das heißt, dass er die Din­ge bis zu dem Punkt vor­an­treibt, wo sie uns an­ge­hen, auf der Ebe­ne der Wahr­heit. Der Ödi­pus-My­thos, wer sieht nicht, dass er not­wen­dig ist, um das Rea­le zu be­zeich­nen, denn das ist ge­nau das, was er zu tun be­an­sprucht. Oder ge­nau­er: Das, wor­auf der Theo­re­ti­ker re­du­ziert ist, wenn er die­sen Hy­per­my­thos for­mu­liert, ist dies, dass das Rea­le im stren­gen Sin­ne sich wor­in ver­kör­pert? im se­xu­el­len Ge­nie­ßen, als was? als un­mög­lich, denn das, was der Ödi­pus be­zeich­net, ist das my­thi­sche We­sen, des­sen Ge­nie­ßen das Ge­nie­ßen von was wäre? das al­ler Frau­en.

Dass ein sol­cher Ap­pa­rat hier ge­wis­ser­ma­ßen vom Dis­kurs selbst auf­ge­nö­tigt wird, ist das denn nicht das si­chers­te Ge­gen­stück zu dem, was ich als Theo­rie äu­ße­re, be­zo­gen auf die Vor­rang­stel­lung des Dis­kur­ses, be­zo­gen auf all das, wor­um es beim Ge­nie­ßen ge­nau geht? Was die ana­ly­ti­sche Theo­rie ar­ti­ku­liert, ist et­was, des­sen Cha­rak­ter, als Ob­jekt er­fass­bar, eben das ist, was ich als Ob­jekt klein a be­zeich­ne, in­so­fern es durch eine Rei­he güns­ti­ger or­ga­ni­scher Kon­tin­gen­zen – Brust, Ex­kre­ment, Blick oder Stim­me – dazu ge­langt, den Platz aus­zu­fül­len, der als der der Mehr­lust de­fi­niert ist.

Was be­haup­tet die Theo­rie, wenn nicht Fol­gen­des: Et­was, was dazu ten­diert –; die­ses Ver­hält­nis der Mehr­lust – ein Ver­hält­nis, in des­sen Na­men in un­se­rer ge­sam­ten ana­ly­ti­schen Be­ob­ach­tung die Funk­ti­on der Mut­ter an ei­nen der­art be­stim­men­den Punkt ge­langt –; die­se Mehr­lust wird nur da­durch nor­ma­li­siert, dass ein Ver­hält­nis | [34] zum se­xu­el­len Ge­nie­ßen her­ge­stellt wird, bis auf dies, dass die­ses Ge­nie­ßen, die­ses se­xu­el­le Ge­nie­ßen nur for­mu­liert wird, nur ar­ti­ku­liert wird vom Phal­lus her, in­so­fern er des­sen Si­gni­fi­kant ist. Der Phal­lus, je­mand hat mal ge­schrie­ben, das sei der­je­ni­ge Si­gni­fi­kant, der das Feh­len des Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­nen wür­de. Das ist ab­surd, et­was Der­ar­ti­ges habe ich nie­mals ar­ti­ku­liert. Der Phal­lus ist ganz streng das se­xu­el­le Ge­nie­ßen, in­so­fern es ko­or­di­niert ist, in­so­fern es fest ver­bun­den ist mit ei­nem Schein. Das ist ge­nau das, was ge­schieht, und das ist et­was, bei dem es ziem­lich merk­wür­dig ist, wenn man sieht, wie alle Ana­ly­ti­ker sich be­mü­hen, den Blick da­von ab­zu­wen­den. Statt auf die­sen Wen­de­punkt im­mer grö­ße­ren Nach­druck ge­legt zu ha­ben, auf die­se Kri­se der phal­li­schen Pha­se, ist ih­nen viel­mehr al­les recht, sie zu ver­mei­den, die Kri­se: die Wahr­heit, mit der nicht ei­nes die­ser jun­gen spre­chen­den We­sen nicht fer­tig wer­den muss, näm­lich, dass es wel­che gibt, die kei­nen ha­ben. Dop­pel­tes Vor­drin­gen zum Man­gel: weil es wel­che gibt, die kei­nen ha­ben, und au­ßer­dem fehl­te die­se Wahr­heit bis da­hin.

Die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung be­steht nicht dar­in, sich für ei­nen Mann oder eine Frau zu hal­ten, son­dern dem Rech­nung zu tra­gen, dass es Frau­en gibt – was den Jun­gen an­geht –, und dass es Män­ner gibt – was das Mäd­chen an­geht. Und wich­tig ist nicht ein­mal so sehr, was sie er­le­ben, wich­tig ist eine rea­le Si­tua­ti­on, wenn Sie ge­stat­ten. Das ist dies, dass für die Män­ner das Mäd­chen der Phal­lus ist, und dass es das ist, was sie kas­triert. Dass für die Frau­en der Jun­ge das­sel­be ist, der Phal­lus, und das ist das, was sie eben­falls kas­triert, weil sie nur ei­nen Pe­nis er­wer­ben und weil das ein Fehl­schlag ist. Der Jun­ge und das Mäd­chen ge­hen Ri­si­ken zu­nächst nur durch die Dra­men ein, die sie aus­lö­sen – ei­nen Mo­ment lang sind sie der Phal­lus. Das ist das Rea­le, das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, in­so­fern die­ses Ge­nie­ßen als sol­ches ab­ge­trennt ist, das ist der Phal­lus, an­ders ge­sagt der Name-des-Va­ters – wo­bei sei­ner­zeit ei­ni­ge from­me Per­so­nen an der Gleich­set­zung die­ser bei­den Ter­mi­ni An­stoß ge­nom­men ha­ben.

Es gibt je­doch et­was, was die Mühe lohnt, ein we­nig mehr Nach­druck dar­auf zu le­gen. Was ist der An­teil, der also fun­die­rend ist, in die­ser Ope­ra­ti­on des Scheins wie der­je­ni­gen, die wir so­eben auf der Ebe­ne des Mann-Frau-Ver­hält­nis­ses de­fi­niert ha­ben, was ist der Platz des Scheins, des ar­chai­schen Scheins? Das ist si­cher­lich das, wo­für es die Mühe lohnt, noch ein we­nig mehr das Mo­ment des­sen fest­zu­hal­ten, was die Frau re­prä­sen­tiert.

Die Frau ist – in die­ser Be­zie­hung, in die­sem Ver­hält­nis – für den Mann ge­nau die Stun­de der Wahr­heit. Die Frau ist hin­sicht­lich des se­xu­el­len Ge­nie­ßens in der Po­si­ti­on, die Äqui­va­lenz des Ge­nie­ßens und des Scheins zu in­ter­punk­tie­ren (ponc­tu­er). Und eben dar­in be­steht der Ab­stand, in dem sich ihr ge­gen­über der Mann be­fin­det. Wenn ich von der Stun­de der Wahr­heit ge­spro­chen habe, dann des­halb, weil die ge­sam­te Bil­dung | [35] des Man­nes dazu da ist, dar­auf zu ant­wor­ten, in­dem er, al­lem und je­dem zum Trotz, den Sta­tus sei­nes Scheins auf­recht­erhält. Für den Mann ist es si­cher­lich leich­ter, auf der Ebe­ne der Ri­va­li­tät mit ir­gend­ei­nen Feind kon­fron­tiert zu sein, als mit der Frau kon­fron­tiert zu sein, in­so­fern sie die Stüt­ze die­ser Wahr­heit ist, des­sen, dass es im Ver­hält­nis des Man­nes zur Frau Schein gibt. Dass der Schein hier für den Mann das Ge­nie­ßen ist, heißt nun aber, hin­läng­lich dar­auf zu ver­wei­sen, dass das Ge­nie­ßen Schein ist. Weil er an der Über­schnei­dung die­ser bei­den Ar­ten des Ge­nie­ßens ist, er­lei­det der Mann das Un­be­ha­gen des Ver­hält­nis­ses, das man als se­xu­ell be­zeich­net, am stärks­ten. Wie mal je­mand sag­te: „Die­se Lüs­te, die man phy­sisch nennt“.

Im Ge­gen­satz hier­zu weiß nie­mand an­ders als die Frau – denn dar­in ist sie die An­de­re –, weiß nie­mand an­ders bes­ser als die Frau, was vom Ge­nie­ßen und vom Schein dis­junk­tiv ist, denn sie ist die Prä­senz des­sen, was sie weiß, näm­lich dass Ge­nie­ßen und Schein, auch wenn sie in ei­ner Di­men­si­on des Dis­kur­ses gleich­wer­tig sind, sich den­noch in der Er­fah­rung (dans l’épreuve) un­ter­schei­den, dass die Frau für den Mann ganz ein­fach die Wahr­heit dar­stellt, die ein­zi­ge näm­lich, die dem Schein sei­nen Platz als sol­chen ge­ben kann.

Man muss sa­gen, al­les, was man zu uns dar­über ge­sagt hat, was die Trieb­fe­der des Un­be­wuss­ten sei, stellt nichts an­de­res dar als das Grau­en vor die­ser Wahr­heit. Das ist na­tür­lich das, was ich mich be­mü­he, was ich ver­su­che, heu­te für Sie zu ent­fal­ten, so wie man ja­pa­ni­sche Blu­men macht, und was zu hö­ren viel­leicht nicht für alle be­son­ders an­ge­nehm ist. Das ist das, was für ge­wöhn­lich un­ter das Re­gis­ter des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes ge­packt wird, wo­durch man dann, mit die­sem klei­nen Eti­kett, ru­hig ist – man kann es bei­sei­te las­sen, man muss nie wie­der et­was dar­über sa­gen, au­ßer, dass es da ist und dass man ihm von Zeit zu Zeit eine klei­ne Re­ve­renz er­weist.

Aber dass die Frau die Wahr­heit des Man­nes ist, dass die­se alte Ge­schich­te mit dem Sprich­wort, wenn es dar­um geht, et­was zu ver­ste­hen, näm­lich das Cher­chez la femme, dem man na­tür­lich eine po­li­zei­li­che Deu­tung gibt, dass dies et­was ganz an­de­res ist, näm­lich dass man, wenn man die Wahr­heit ei­nes Man­nes ha­ben will, gut dar­an täte, zu wis­sen, wer sei­ne Frau ist, ich mei­ne hier sei­ne Ehe­frau, und war­um nicht? Das ist der ein­zi­ge Ort, wo das ei­nen Sinn hat, was je­mand aus mei­ner Um­ge­bung mal die Per­so­nen­waa­ge ge­nannt hat. Um eine Per­son zu ge­wich­ten, gibt es nichts Bes­se­res, als sei­ne Frau zu wie­gen – wenn es um ei­nen Mann geht.

Wenn es um eine Frau geht, ist das nicht das­sel­be. Denn die Frau hat eine sehr, sehr gro­ße Frei­heit …

Zu­hö­rer: Lau­ter!

La­can: Was ist los?

Zu­hö­rer: Man ver­steht nichts!

La­can: Sie ver­ste­hen nichts?

Zu­hö­rer: Nein!

La­can [sehr laut]: Ich habe ge­sagt: Die Frau hat eine sehr gro­ße Frei­heit hin­sicht­lich des Scheins. [Ge­läch­ter] Es ge­lingt ihr, selbst ei­nem Mann Ge­wicht zu ver­lei­hen, der kei­nes hat.

[36] Das sind, das sind na­tür­lich Wahr­hei­ten, die man im Lau­fe der Jahr­hun­der­te be­reits seit lan­gem ganz klar fest­ge­stellt hat, die aber, wenn ich so sa­gen darf, im­mer nur von Mund zu Mund mit­ge­teilt wer­den. [Ge­läch­ter] Und eine gan­ze Li­te­ra­tur ist ge­schaf­fen wor­den und exis­tiert; man müss­te ihre Aus­ma­ße ken­nen. Na­tür­lich ist das nur von In­ter­es­se, wenn man die bes­te nimmt. Bei­spiels­wei­se je­man­den, um den sich ir­gend­wann mal je­mand küm­mern müss­te, näm­lich Bal­ta­sar Gra­cián, der ein be­deu­ten­der Je­su­it war und der Din­ge ge­schrie­ben hat, die zu den in­tel­li­gen­tes­ten ge­hö­ren, die man schrei­ben kann. De­ren In­tel­li­genz ist in­so­fern ab­so­lut au­ßer­ge­wöhn­lich, als al­les, wor­um es geht – näm­lich das her­bei­zu­füh­ren, was man die Hei­lig­keit des Man­nes nen­nen kann –, als er al­les in ei­nem Wort zu­sam­men­fasst; was zu­sam­men­fasst?, sein Buch über den Hof­mann – in ei­nem Wort, Dop­pel­punkt: ein Hei­li­ger sein.

Das ist der ein­zi­ge Punkt der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on, wo das Wort Hei­li­ger die­sel­be Be­deu­tung hat wie im Chi­ne­si­schen, sheng-ren. No­tie­ren Sie sich die­sen Punkt, weil ich die­sen Be­zug, da es heu­te wirk­lich spät ist, weil ich ihn heu­te nicht ein­füh­ren wer­de; ich wer­den Ih­nen in die­sem Jahr ei­ni­ge klei­ne Hin­wei­se zu den Ur­sprün­gen des chi­ne­si­schen Den­kens ge­ben. Wie auch im­mer.

Ja, eine Sa­che ist mir klar­ge­wor­den, näm­lich dass ich viel­leicht nur des­halb La­ca­nia­ner bin, weil ich frü­her Chi­ne­sisch ge­lernt habe. Da­mit will ich sa­gen, dass mir klar­ge­wor­den ist, als ich Sa­chen die­ser Art wie­der­las, Sa­chen, die ich mal durch­ge­se­hen hat­te, je­doch sto­ckend, das heißt wie ein Dumm­kopf, mit Esels­oh­ren, dass mir, als ich sie jetzt wie­der­las, klar­ge­wor­den ist, dass das ja auf der­sel­ben Ebe­ne liegt wie das, was ich er­zäh­le.

Ich weiß nicht. Ich gebe ein Bei­spiel. Im Men­ci­us, was ei­nes der grund­le­gen­den ka­no­ni­schen Bü­cher des chi­ne­si­schen Den­kens ist, gibt es ei­nen Ty­pen – der üb­ri­gens sein Schü­ler ist, das ist nicht er –, der an­fängt, Sa­chen wie die­se hier zu äu­ßern: „Was Sie nicht auf der Sei­te des yan fin­den“, das ist die Rede, der Dis­kurs, „su­chen Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res Geis­tes (es­prit).“ Nun, ich über­set­ze für Sie es­prit, das ist xin, aber das meint: das, was er mit xin be­zeich­ne­te – was „das Herz“ be­deu­tet –, was er da­mit be­zeich­ne­te, war wirk­lich l’esprit, der Geist* von He­gel. Aber, nun ja, das wür­de ein ganz klein we­nig mehr an Er­läu­te­run­gen ver­lan­gen. „Und wenn Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res Geis­tes fin­den, su­chen Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res zhi“, das heißt des­sen, was die Je­sui­ten so über­set­zen, so gut sie konn­ten, wo­bei Ih­nen ein we­nig der Atem aus­geht, „Ih­res Emp­fin­dungs­ver­mö­gens“. Ich ver­wei­se Sie nur des­halb auf die­se Ab­stu­fung, um zu Ih­nen über die Un­ter­schei­dung zu spre­chen, die es ganz streng zwi­schen dem gibt, was ar­ti­ku­liert wird – dem, was zum Dis­kurs ge­hört –, und | [37] dem, was zum Geist ge­hört, zu­min­dest was das We­sent­li­che an­geht. Wenn Sie nicht be­reits auf der Ebe­ne des Spre­chens fün­dig ge­wor­den sind, ist es aus­sichts­los; ver­su­chen Sie nicht, an­ders­wo zu su­chen, auf der Ebe­ne der Ge­füh­le.

Meng­zi, Men­ci­us, wi­der­spricht sich, das ist eine Tat­sa­che, aber es geht dar­um, auf wel­chem Wege und war­um.

Dies, um Ih­nen zu sa­gen, wenn man in ge­wis­ser Wei­se den Dis­kurs ganz in den Vor­der­grund stellt, ist das kei­nes­wegs et­was, was uns zu Ar­chais­men zu­rück­keh­ren lässt, denn zu je­ner Zeit, zur Zeit von Men­ci­us, war der Dis­kurs be­reits voll­kom­men ar­ti­ku­liert und kon­sti­tu­iert. Durch Be­zü­ge auf ein pri­mi­ti­ves Den­ken lässt sich das nicht be­grei­fen; ich weiß wirk­lich nicht, was das ist, ein pri­mi­ti­ves Den­ken.

Eine sehr viel kon­kre­te­re Sa­che, die wir in un­se­rer Reich­wei­te ha­ben, ist das, was Un­ter­ent­wick­lung ge­nannt wird. Aber dies, die Un­ter­ent­wick­lung, ist nicht ar­cha­isch, je­der weiß, dass das durch die Aus­wei­tung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft er­zeugt wor­den ist. Ich möch­te so­gar noch mehr sa­gen. Was man wahr­nimmt und was man im­mer deut­li­cher wahr­neh­men wird, ist dies, dass die Un­ter­ent­wick­lung sehr ge­nau die Be­din­gung für den ka­pi­ta­lis­ti­schen Fort­schritt ist. Ein Be­weis da­für ist, un­ter ei­nem be­stimm­ten Blick­win­kel, die Ok­to­ber­re­vo­lu­ti­on selbst. Man muss aber se­hen, dass das, wor­auf wir uns ein­stel­len müs­sen, eine Un­ter­ent­wick­lung ist, die im­mer of­fen­sicht­li­cher sein wird und im­mer aus­ge­dehn­ter.

Kurz ge­sagt, es geht dar­um, dass wir Fol­gen­des prü­fen: Wenn der Schlüs­sel für die un­ter­schied­li­chen Pro­ble­me, die sich uns stel­len wer­den, nicht dar­in be­steht, dass wir uns auf die Ebe­ne die­ser Wir­kung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ar­ti­ku­la­ti­on be­ge­ben – die ich letz­tes Jahr im Schat­ten ge­las­sen habe und Ih­nen mit dem Dis­kurs des Herrn nur de­ren Wur­zel ge­ge­ben habe –, wer­de ich in die­sem Jahr viel­leicht ein we­nig mehr da­von ge­ben kön­nen.

Es wäre gut –; man muss se­hen, was wir aus dem her­aus­ho­len kön­nen, was ich eine un­ter­ent­wi­ckel­te Lo­gik nen­nen möch­te. Das ist das, was ich vor Ih­nen zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­che, „zu Ih­rer bes­se­ren Ver­wen­dung“, wie es in den chi­ne­si­schen Tex­ten heißt.

Französisch/Deutsch mit Anmerkungen

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

[23] Si je cher­chais ces feuilles, ce n’est pas pour m’assurer, mais me ras­su­rer, de ce que j’ai énon­cé la der­niè­re fois, dont je n’ai pas le tex­te à cet­te heu­re-ci.

Wenn ich die­se Blät­ter ge­sucht habe, dann nicht, um mich zu ver­ge­wis­sern, son­dern um mich zu be­ru­hi­gen, hin­sicht­lich des­sen, was ich letz­tes Mal ge­äu­ßert habe und wo­von ich zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt noch nicht den Text habe.

Je vi­ens de m’en plaind­re.

Dar­über habe ich mich eben be­schwert.

Il me re­vi­ent des pro­pos – je n’ai au­cu­ne pei­ne à me don­ner pour ça – du type de ce­lui-ci :

Es kom­men mir Be­mer­kun­gen der fol­gen­den Art zu – da­für muss ich mich nicht an­stren­gen:

Il se trouve que cer­ta­ins se sont de­man­dés en quel­ques points de mon dis­cours de la der­niè­re fois, com­me ils s’expriment, où je veux en ve­nir.

Es hat sich ge­zeigt, dass an be­stimm­ten Punk­ten mei­nes Dis­kur­ses vom letz­ten Mal ei­ni­ge sich ge­fragt ha­ben – wie sie sich aus­drü­cken –, wor­auf ich da­mit hin­aus­will.

D’autres pro­pos me sont re­ve­nus, d’ailleurs, qu’on en­tend mal au fond de la salle.

Noch an­de­re Be­mer­kun­gen sind mir üb­ri­gens zu­ge­kom­men, näm­lich dass man hin­ten im Saal schlecht ver­steht.

Je vais m’efforcer, je ne le sa­vais ab­so­lu­ment pas la der­niè­re fois, je croyais qu’on avait une aus­si bon­ne acous­tique que dans l’amphithéâtre pré­cé­dent.

Ich wer­de mich an­stren­gen; das letz­te Mal wuss­te ich das ab­so­lut nicht, ich glaub­te, wir hät­ten eine ge­nau­so gute Akus­tik wie im Hör­saal da­vor.

Si on veut bien me fai­re si­gne au mo­ment où mal­gré moi ma voix baisse­ra, j’essaierai de fai­re de mon mieux.

Wenn man mir bit­te in dem Mo­ment, in dem mei­ne Stim­me ge­gen mei­nen Wil­len lei­ser wird, ein Zei­chen ge­ben wür­de, wer­de ich ver­su­chen, mein Bes­tes zu ge­ben.

Donc on a pu en cer­ta­ins tour­n­ants, se de­man­der la der­niè­re fois où je veux en ve­nir.

Man hat sich letz­tes Mal also an be­stimm­ten Wen­de­punk­ten fra­gen kön­nen, wor­auf ich da­mit hin­aus­will.

À la vé­rité cet­te sor­te de ques­ti­on me pa­raît, en­fin as­sez pré­ma­tu­rée pour être si­gni­fi­ca­ti­ve, c’est-à-dire que ce sont loin d’être des per­son­nes né­g­li­ge­ab­les – ce sont des per­son­nes fort aver­ties, dont ce pro­pos m’a été rap­por­té, quel­que­fois tran­quil­le­ment par eux-mê­mes.

Wirk­lich, die­se Art Fra­ge scheint mir, um be­deut­sam zu sein, doch reich­lich ver­früht zu sein, was aber kei­nes­wegs heißt, dass es sich um Per­so­nen han­delt, die man au­ßer Acht las­sen könn­te, es sind sehr ver­sier­te Per­so­nen, von de­nen mir die­se Be­mer­kung be­rich­tet wur­de, mit­un­ter in al­ler Ruhe von ih­nen selbst.

Il se­rait peut-être – étant don­né jus­tement ce que j’ai avan­cé la der­niè­re fois – plus im­pli­qué de se de­man­der d’où je pars, ou même d’où je veux vous fai­re par­tir.

Man wür­de sich viel­leicht mehr ein­las­sen – ge­ra­de an­ge­sichts des­sen, was ich das letz­te Mal vor­ge­bracht habe –, wenn man sich frag­te, von wo ich aus­ge­he oder so­gar, von wo ich Sie aus­ge­hen las­sen möch­te.

Déjà ça, ça a deux sens.

Das hat be­reits zwei Be­deu­tun­gen.

Ça veut peut-être dire « al­ler quel­que part », puis ça peut aus­si vou­loir dire « déca­nil­ler d’où vous êtes ».

Das be­deu­tet viel­leicht „ir­gend­wo­hin ge­hen“, das kann aber auch hei­ßen, „Sie von dort zu ver­ja­gen, wo Sie sind“.

Ce d’où je veux en ve­nir est en tout cas fort ex­em­p­lai­re de ce que j’avance con­cer­nant le dé­sir de l’Autre : Che vuoi ?, qu’est-ce qu’il veut ?

Die­ses wor­auf ich da­mit hin­aus­will ist je­den­falls ein gu­tes Bei­spiel für das, was ich zum Be­geh­ren des An­de­ren vor­brin­ge: Che vuoi?, was will er?1

Évi­dem­ment quand on peut le dire tout de sui­te, on est beau­coup plus dans son | [24] as­si­et­te.

Wenn man das so­fort sa­gen kann, fühlt man sich of­fen­bar sehr viel woh­ler.

C’est une oc­ca­si­on de re­mar­quer le fac­teur d’inertie que con­sti­tue ce Che vuoi ? au mo­ins quand on peut y répond­re.

Bei die­ser Ge­le­gen­heit kann man den Träg­heits­fak­tor kon­sta­tie­ren, den die­ses Che vuoi? dar­stellt, zu­min­dest dann, wenn man dar­auf ant­wor­ten kann.

C’est bien pour ça que dans l’analyse, on s’efforce de lais­ser cet­te ques­ti­on en sus­pens.

Eben des­halb be­müht man sich in ei­ner Ana­ly­se, die­se Fra­ge in der Schwe­be zu las­sen.

Néan­mo­ins j’ai bien pré­cisé la der­niè­re fois que je ne suis pas ici dans la po­si­ti­on de l’analyste.

Das letz­te Mal habe ich je­doch klar­ge­stellt, dass ich hier nicht in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers bin.

De sor­te qu’en som­me, à cet­te ques­ti­on je me crois ob­li­gé de répond­re.

Wes­halb ich mich letzt­lich ver­pflich­tet glau­be, auf die­se Fra­ge zu ant­wor­ten.

Je dois dire ce – di­sons – ce pour­quoi j’ai par­lé.

Ich soll sa­gen, sa­gen wir: war­um ich ge­spro­chen habe.

J’ai par­lé du sem­blant et j’ai dit quel­que cho­se qui ne court pas les rues.

Ich habe vom Schein ge­spro­chen und ich habe et­was ge­sagt, was nicht so oft zu hö­ren ist.

Tout d’abord j’ai in­sis­té, j’ai ap­puyé sur ceci que le sem­blant qui se don­ne pour ce qu’il est, est la fonc­tion pri­ma­i­re de la vé­rité.

Zu al­ler­erst habe ich dar­auf in­sis­tiert, habe ich den Nach­druck dar­auf ge­legt, dass der Schein, der sich für das aus­gibt, was er ist, die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit ist.

Il y a un cer­tain « Je par­le » qui fait ça.

Es gibt ein be­stimm­tes „Ich spre­che“, wo­durch das be­wirkt wird.

Et le rap­pe­ler n’est pas su­per­flu pour, à cet­te vé­rité qui fait tel­le­ment de dif­fi­cul­tés lo­gi­ques, don­ner sa jus­te si­tua­ti­on.

Und dar­an zu er­in­nern, ist nicht über­flüs­sig, um die­se Wahr­heit, die in sol­chem Maße lo­gi­sche Schwie­rig­kei­ten be­rei­tet, rich­tig zu ver­or­ten.

C’est d’autant plus im­portant à rap­pe­ler que, s’il y a dans Freud – pour dé­si­gner com­me ça un cer­tain ton – s’il y a dans Freud quel­que cho­se qui soit ré­vo­lu­ti­onn­aire : j’ai déjà mis en gar­de cont­re l’usage ab­u­sif de ce mot, mais il est cer­tain que s’il y a eu un mo­ment où Freud était ré­vo­lu­ti­onn­aire, c’est dans la me­s­u­re où il met­t­ait au pre­mier plan une fonc­tion qui est aus­si cel­le – c’est là le seul élé­ment qu’il ait de com­mun d’ailleurs – qui est aus­si cet élé­ment qu’a ap­por­té Marx : c’est à sa­voir de con­s­idé­rer un cer­tain nom­bre de faits com­me des sym­ptô­mes.

Dar­an zu er­in­nern ist umso wich­ti­ger, als, wenn es bei Freud – um da­mit ei­nen be­stimm­ten Ton zu be­zeich­nen –, wenn es bei Freud et­was gibt, was re­vo­lu­tio­när ist – vor der miss­bräuch­li­chen Ver­wen­dung die­ses Wor­tes habe ich be­reits ge­warnt –, aber es ist si­cher, dass, wenn es ei­nen As­pekt gab, un­ter dem Freud re­vo­lu­tio­när war, dann den, dass er eine be­stimm­te Funk­ti­on in den Vor­der­grund ge­rückt hat – die auch die­je­ni­ge ist (das ist hier üb­ri­gens das ein­zi­ge Ele­ment, das er ge­mein­sam hat­te), die auch das Ele­ment ist, das Marx ein­ge­bracht hat –, näm­lich die, eine be­stimm­te An­zahl von Tat­sa­chen als Sym­pto­me auf­zu­fas­sen.2

La di­men­si­on du sym­ptô­me, c’est que ça par­le.

Die Di­men­si­on des Sym­ptoms be­steht dar­in, dass es spricht.

Ça par­le même à ceux qui ne savent pas en­tendre.

Es spricht so­gar zu den­je­ni­gen, die nicht hören/verstehen kön­nen.

Ça ne dit pas tout, même à ceux qui savent.

Es sagt nicht al­les, auch zu den­je­ni­gen nicht, die hören/verstehen kön­nen.

Cet­te pro­mo­ti­on du sym­ptô­me, c’est là le tour­nant que nous vi­vons dans un cer­tain re­gist­re qui, di­sons, s’est pour­sui­vi ron­ron­nant pen­dant des siè­cles au­tour du thè­me de la con­nais­sance.

Die­se Be­för­de­rung des Sym­ptoms, eben das ist die Keh­re, die wir in ei­nem be­stimm­ten Re­gis­ter durch­le­ben, das, sa­gen wir, seit Jahr­hun­der­ten rund um das The­ma der Er­kennt­nis schnur­rend wei­ter­läuft.

Nous ne pou­vons tout de même pas dire que du point de vue de la con­nais­sance nous so­yons com­plè­te­ment dé­pour­vus.

Wir kön­nen al­ler­dings nicht sa­gen, dass wir un­ter dem Ge­sichts­punkt der Er­kennt­nis völ­lig ohne et­was da­ste­hen.

Et3 on sent bien ce qu’il y a de dé­su­et dans la théo­rie de la con­nais­sance quand il s’agit d’expliquer l’ordre de pro­cès que con­sti­tu­ent les for­mu­la­ti­ons de la sci­ence, dont la sci­ence phy­si­que don­ne des mo­dè­les, ac­tu­el­le­ment.

Und man spürt wohl, was es in der Er­kennt­nis­theo­rie an Ver­al­te­tem gibt, wenn es dar­um geht, die Vor­ge­hens­wei­se zu er­klä­ren, die durch die For­mu­lie­run­gen der Wis­sen­schaft ge­bil­det wird und wo­für die phy­si­ka­li­sche Wis­sen­schaft ge­gen­wär­tig Mo­del­le lie­fert.

Que nous so­yons, par­al­lè­le­ment à cet­te évo­lu­ti­on de la sci­ence, dans une po­si­ti­on qu’on peut qua­li­fier d’être sur la voie de quel­que vé­rité, voi­là ce qui mont­re une cer­tai­ne hé­té­ro­gé­néité de sta­tut de nos deux re­gis­tres – à ceci près que, dans mon ens­eig­ne­ment, et [25] seu­le­ment là, on s’efforce d’en mon­trer la cohé­rence.

Dass wir, par­al­lel zu die­ser Ent­wick­lung der Wis­sen­schaft, in ei­ner Po­si­ti­on sind, die man da­durch kenn­zeich­nen kann, dass sie auf dem Weg ei­ner be­stimm­ten Wahr­heit ist, eben dies zeigt eine ge­wis­se He­te­ro­ge­ni­tät des Sta­tus un­se­rer bei­den Re­gis­ter an – ab­ge­se­hen da­von, dass in mei­ner Leh­re, und nur da, der Ver­such ge­macht wird, de­ren Ko­hä­renz auf­zu­zei­gen.

Ce qui ne va pas de soi, ou qui ne va de soi que pour ceux qui, dans cet­te pra­tique de l’analyse, en ra­jou­tent quant au sem­blant.

Was nicht selbst­ver­ständ­lich ist oder nur für die­je­ni­gen selbst­ver­ständ­lich ist, die dem in die­ser Pra­xis der Ana­ly­se et­was hin­zu­fü­gen, hin­sicht­lich des Scheins.

C’est ce que j’essaierai d’articuler aujourd’hui.

Das ist das, was ich heu­te zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­chen wer­de.

J’ai dit une deu­xiè­me cho­se.

Ich habe noch et­was Zwei­tes ge­sagt.

Le sem­blant n’est pas seu­le­ment re­pé­ra­ble, es­sen­tiel, pour dé­si­gner la fonc­tion pri­ma­i­re de la vé­rité : il est im­pos­si­ble sans cet­te ré­fé­rence de qua­li­fier ce qu’il en est du dis­cours.

Der Schein ist nicht nur ein Be­zugs­punkt und we­sent­lich, um die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit zu be­zeich­nen; ohne die­sen Be­zug ist es über­dies un­mög­lich, das, wor­um es beim Dis­kurs geht, nä­her zu kenn­zeich­nen.

Ce qui dé­fi­nit le dis­cours, ce tout au mo­ins par quoi l’année der­niè­re j’ai es­sayé de don­ner un po­ids à ce ter­me, en en dé­fi­nis­sant quat­re que je n’ai pu la der­niè­re fois que rap­pe­ler, en rap­pe­ler je crois, mais hâ­ti­ve­ment, les ti­tres4, à quoi cer­ta­ins, bien sûr, ont trou­vé que là on per­dait pied.

Vier Diskurse - die vier Formeln

Vier Dis­kur­se (Se­mi­nar 17)

Das, was den Dis­kurs de­fi­niert, zu­min­dest habe ich im letz­ten Jahr ver­sucht, die­sem Aus­druck da­durch Ge­wicht zu ver­lei­hen, dass ich vier da­von de­fi­niert habe, an die ich letz­tes Mal nur er­in­nern konn­te, nur, glau­be ich, an de­ren Ti­tel er­in­nern konn­te, al­ler­dings flüch­tig, wo­bei ei­ni­ge na­tür­lich den Ein­druck hat­ten, den Bo­den un­ter den Fü­ßen zu ver­lie­ren.5

Que fai­re ?

Was tun?

Je ne vais pas re­fai­re, même à tit­re ra­pi­de, l’énoncé de ce dont il s’agit, quoi­que bien sûr j’aurai à y re­ve­nir et à mon­trer ce qui y est.

Ich wer­de die Dar­le­gung des­sen, wor­um es geht, nicht noch ein­mal vor­neh­men, auch nicht im Schnell­durch­gang, ob­gleich ich spä­ter na­tür­lich dar­auf zu­rück­kom­men muss und zei­gen muss, was da ist.

J’ai in­di­qué – qu’on s’y re­por­te – dans les ré­pon­ses di­tes Ra­dio­pho­nie du der­nier Sci­li­cet ce qu’il en est, en quoi con­sis­te cet­te fonc­tion du dis­cours tel­le que je l’ai énon­cée l’année der­niè­re.

In den Ant­wor­ten der letz­ten Aus­ga­be von Sci­li­cet, Ra­dio­pho­nie ge­nannt, habe ich ge­zeigt – man möge sich dar­auf be­zie­hen –, wor­um es da­bei geht, wor­in die­se Funk­ti­on des Dis­kur­ses be­steht, wie ich sie letz­tes Jahr dar­ge­legt habe.6

Il se sup­por­te de quat­re pla­ces pri­vilé­giées par­mi les­quel­les une d’entre el­les pré­cis­é­ment re­stait in­nom­mée, et jus­tement cel­le qui, de cha­cun de ces dis­cours, don­ne le tit­re par la fonc­tion de son oc­cup­ant.

Er wird durch vier be­vor­zug­te Plät­ze ge­stützt, von de­nen ge­nau ei­ner un­be­nannt blieb und zwar der­je­ni­ge, der je­dem die­ser Dis­kur­se den Ti­tel gibt, ab­hän­gig von sei­nem Be­set­zer.7

C’est quand le si­gni­fi­ant-maît­re est à une cer­tai­ne place que je par­le du dis­cours du maît­re.

Wenn an ei­nem be­stimm­ten Platz der Her­ren­si­gni­fi­kant ist, spre­che ich vom Dis­kurs des Herrn.

Quand un cer­tain sa­voir l’occupe aus­si, je par­le de [dis­cours de] l’université.

Wenn er von ei­nem be­stimm­ten Wis­sen be­setzt wird, spre­che ich von [dem Dis­kurs] der Uni­ver­si­tät.

Quand le su­jet dans sa di­vi­si­on, fon­da­tri­ce de l’inconscient, y est en place, que je par­le du dis­cours de l’hystérique.

Wenn das Sub­jekt in sei­ner Spal­tung, Grün­de­rin des Un­be­wuss­ten, an die­sem Platz ist, spre­che ich vom Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin.

Et en­fin, quand le plus-de-jouir l’occupe, que je par­le du dis­cours de l’analyste.

Und schließ­lich, wenn die Mehr­lust ihn be­setzt, spre­che ich vom Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers.

Cet­te place en quel­que sor­te sen­si­ble, cel­le d’en haut et à gau­che, pour ceux qui ont été là et qui s’en sou­vi­en­nent en­core, cet­te place qui est ici oc­cup­ée dans le dis­cours du maît­re par le si­gni­fi­ant en tant que maît­re, S1, cet­te place non dé­si­gnée en­core, je la dé­si­gne de son nom, du nom qu’elle mé­ri­te, c’est très pré­cis­é­ment la place du sem­blant.

Die­sen in ge­wis­ser Wei­se emp­find­li­chen Platz – den­je­ni­gen oben links, für die­je­ni­gen, die da­ge­we­sen sind und sich noch dar­an er­in­nern –, die­sen Platz, der hier im Her­ren­dis­kurs vom Si­gni­fi­kan­ten als Herrn be­setzt ist, S1, die­sen noch nicht be­zeich­ne­ten Platz, ich be­zeich­ne ihn mit sei­nem Na­men, mit dem Na­men, den er ver­dient: das ist ge­nau der Platz des Scheins.

C’est dire, après ce que j’ai énon­cé la der­niè­re fois, à quel point le si­gni­fi­ant, si je puis dire, y est à sa place.

Das be­sagt, nach dem, was ich letz­tes Mal ge­äu­ßert habe, wie sehr der Si­gni­fi­kant, wenn ich so sa­gen kann, hier an sei­nem Platz ist.

D’où le suc­cès du dis­cours du maît­re, ce suc­cès tout de même qui mé­ri­te bien qu’on y fas­se at­ten­ti­on un in­stant, car en­fin qui peut cro­i­re qu’aucun maît­re ait ja­mais ré­g­né par la force ?

Von da­her der Er­folg des Dis­kur­ses des Herrn, ein Er­folg, der es je­doch durch­aus ver­dient, dass man ihm ei­nen Mo­ment lang Auf­merk­sam­keit schenkt, denn wer kann schließ­lich glau­ben, ir­gend­ein Herr habe je­mals durch Ge­walt ge­herrscht?

Sur­tout au dé­part, par­ce qu’enfin, com­me nous le rap­pel­le He­gel dans cet ad­mi­ra­ble es­ca­mo­ta­ge : un hom­me en vaut un aut­re.

Vor al­lem zu Be­ginn, denn schließ­lich – wie He­gel uns in die­ser be­wun­derns­wer­ten Es­ca­mo­ta­ge in Er­in­ne­rung bringt – ist ein Mensch so­viel wert wie ein an­de­rer.

Et si le dis­cours du maît­re fait la li­gne, la struc­tu­re, le point fort au­tour de quoi s’ordonnent plu­sieurs ci­vi­li­sa­ti­ons, c’est que le res­sort est tout de même bien d’un aut­re ord­re que la vio­lence.

Und wenn der Dis­kurs des Herrn die Li­nie bil­det, die Struk­tur, den star­ken Punkt, um den her­um meh­re­re Zi­vi­li­sa­tio­nen ge­ord­net sind, dann des­halb, weil die Trieb­fe­der eben durch­aus von an­de­rer Ord­nung ist von der der Ge­walt.

[26] Ce n’est pas dire que nous so­yons sûrs, d’aucune fa­çon, que dans ces faits, dont il faut dire que nous ne pou­vons les ar­ti­cu­ler qu’avec la plus ex­trê­me pré­cau­ti­on, que dès que nous les éping­lons d’un ter­me quel­con­que, pri­mi­tif, pré­lo­gi­que, ar­chaïque, et quoi que ce soit de quel­que ord­re que ce soit, ar­chaïque, archē, ça se­rait le com­men­ce­ment, pour­quoi ?

Das heißt nicht, dass wir in ir­gend­ei­ner Wei­se si­cher wä­ren, dass in die­sen Tat­sa­chen, von de­nen man sa­gen muss, dass wir sie nur mit äu­ßers­ter Vor­sicht ar­ti­ku­lie­ren kön­nen, dass – so­bald wir sie mit ir­gend­ei­nem Aus­druck be­nen­nen: pri­mi­tiv, prä­lo­gisch, ar­cha­isch oder was auch im­mer, von wel­cher Art auch im­mer, ar­cha­isch, ar­chē –, dass hier­in der An­fang läge; war­um?

Et pour­quoi ça se­rait pas aus­si un dé­chet, ces so­cié­tés pri­mi­ti­ves ?

Und war­um wäre das nicht auch ein Ab­fall, die­se pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten?

Mais rien ne le tran­che.

Aber das kann durch nichts ent­schie­den wer­den.

Ce qui est cer­tain, c’est qu’elles nous mon­t­rent qu’il n’est pas ob­li­gé que les cho­ses s’établissent en fonc­tion du dis­cours du maît­re, pre­miè­re­ment.

Was si­cher ist, ist dies, dass sie uns zei­gen, dass es nicht ob­li­ga­to­risch ist, dass die Din­ge sich zu­erst ab­hän­gig vom Dis­kurs des Herrn ein­rich­ten.

La con­fi­gu­ra­ti­on my­tho-ri­tu­el­le, qui est la meilleu­re fa­çon de les éping­ler, n’implique pas for­cé­ment l’articulation du dis­cours du maît­re.

Die my­thisch-ri­tu­el­le Kon­fi­gu­ra­ti­on – was die bes­te Art ist, sie zu be­zeich­nen – im­pli­ziert nicht zwangs­läu­fig die Ar­ti­ku­la­ti­on des Her­ren­dis­kur­ses.

Néan­mo­ins, il faut le dire, c’est une cer­tai­ne for­me d’alibi que de nous in­téres­ser tel­le­ment à ce qui n’est pas le dis­cours du maît­re, dans la plu­part des cas une fa­çon de noy­er le pois­son – pen­dant qu’on s’occupe de ça, on ne s’occupe pas d’autre cho­se.

Gleich­wohl muss man sa­gen, dass es eine be­stimm­te Form von Ali­bi ist, dass es, wenn wir uns der­ma­ßen für das in­ter­es­sie­ren, was nicht der Dis­kurs des Herrn ist, dass dies in den meis­ten Fäl­len ein Aus­weich­ma­nö­ver ist – wäh­rend man sich da­mit be­schäf­tigt, be­schäf­tigt man sich nicht mit et­was an­de­rem.

Et pour­tant le dis­cours du maît­re est une ar­ti­cu­la­ti­on es­sen­ti­el­le et la fa­çon dont je l’ai dite de­v­rait être quel­que cho­se à quoi cer­ta­ins – je ne dis pas vous tous – cer­ta­ins de­v­rai­ent s’employer à romp­re leur es­prit.

Der Her­ren­dis­kurs ist je­doch eine we­sent­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on, und die Art, in der ich es ge­sagt habe, soll­te et­was sein, wo­mit ei­ni­ge – ich sage nicht Sie alle –, ei­ni­ge sich be­schäf­ti­gen soll­ten, um sich den Kopf zu zer­bre­chen.

Par­ce que ce dont il s’agit – et cela aus­si je l’ai bien ac­cen­tué la der­niè­re fois – tout ce qui peut ar­ri­ver de nou­veau et qu’on ap­pel­le de­puis tou­jours, et en in­si­stant sur le tem­pé­ra­ment qu’il con­vi­ent d’y mett­re, de ce qu’on ap­pel­le ré­vo­lu­ti­onn­aire, ne peut con­sis­ter qu’en un chan­ge­ment, qu’en un dé­pla­ce­ment du dis­cours, à sa­voir sur cha­cu­ne de ces pla­ces, je vou­d­rais en quel­que sor­te, pour fai­re image – mais à quel­le sor­te de cré­ti­ni­sa­ti­on l’image peut-elle con­du­i­re – re­pré­sen­ter par, si on peut dire, quat­re go­dets, qui au­rai­ent cha­cun leur nom, la fa­çon dont dans ces go­dets glis­sent un cer­tain nom­bre de ter­mes : nom­mé­ment ce que j’ai dis­tin­gué de S1, S2, en tant qu’au point où nous en som­mes S2 con­sti­tue un cer­tain corps de sa­voir, le a, en tant qu’il est di­rec­te­ment con­séquence du dis­cours du maît­re, le $, qui dans le dis­cours du maît­re, oc­cupe cet­te place qui est une place dont nous al­lons par­ler aujourd’hui, que j’ai déjà nom­mée, elle, qui est la place de la vé­rité.

Weil das, wor­um es geht – auch dies habe ich letz­tes Mal deut­lich her­vor­ge­ho­ben –, weil al­les, was an Neu­em ein­tref­fen kann und was man im­mer schon, was ein­tref­fen kann von dem, was man im­mer schon re­vo­lu­tio­när nennt – wo­bei man den Nach­druck auf das Tem­pe­ra­ment legt, das man hier ein­brin­gen soll­te –, weil all dies nur in ei­ner Ver­än­de­rung, in ei­ner Ver­schie­bung des Dis­kur­ses be­stehen kann, näm­lich auf je­dem die­ser Plät­ze, <die> ich ge­wis­ser­ma­ßen, um ein Bild zu ge­ben – aber zu wel­cher Art von Ver­dum­mung kann das Bild füh­ren! –, die ich durch vier Näp­fe, wenn man so sa­gen kann, ver­an­schau­li­chen möch­te, von de­nen je­der sei­nen Na­men hät­te, so­wie durch die Art, wie in die­sen Näp­fen eine be­stimm­te An­zahl von Ter­mi­ni glei­tet, na­ment­lich der, den ich als S1 un­ter­schie­den habe, S2, in­so­fern S2 an dem Punkt, an dem wir sind, ei­nen be­stimm­ten Wis­sens­kor­pus bil­det, dann das a, in­so­fern es un­mit­tel­ba­re Kon­se­quenz des Her­ren­dis­kur­ses ist, und das $, das im Her­ren­dis­kurs die­sen Platz [un­ten links] be­setzt, ei­nen Platz, von dem wir heu­te noch spre­chen wer­den, und den ich be­reits be­nannt habe, der näm­lich der Platz der Wahr­heit ist.8

La vé­rité n’est pas le con­trai­re du sem­blant.

Die Wahr­heit ist nicht das Ge­gen­teil des Scheins.

La vé­rité si je puis dire est cet­te di­men­si­on – ou cet­te « dem­an­si­on » (d.e.m.a.n…)9 si vous me per­met­tez de fai­re un nou­veau mot pour dé­si­gner ces go­dets – cet­te dem­an­si­on qui est stric­te­ment cor­ré­la­ti­ve de cel­le du sem­blant, cet­te dem­an­si­on – je vous l’ai dit – qui cet­te der­niè­re, cel­le du sem­blant, la sup­por­te.

Die Wahr­heit, wenn ich so sa­gen darf, ist die­je­ni­ge Di­men­si­on oder die­je­ni­ge dem­an­si­on, d-e-m-a-n – wenn sie mir ge­stat­ten, ein neu­es Wort zu bil­den, um die­se Näp­fe zu be­zeich­nen –, die­je­ni­ge dem­an­si­on, die zu der­je­ni­gen des Scheins in ei­ner stren­gen Be­zie­hung steht, die­je­ni­ge dem­an­si­on, ich habe es Ih­nen be­reits ge­sagt, von der letz­te­re – die dem­an­si­on des Scheins – ge­stützt wird.10

Alors, quel­que cho­se s’indique tout de même d’où veut en ve­nir ce sem­blant.

Nun, es wird je­doch et­was von dem an­ge­zeigt, wo der Schein her­kommt.11

[27] Il est clair que la ques­ti­on est peut-être un peu à côté, qui est cel­le – alors là, qui m’est re­ve­nue par des vo­ies tout à fait in­di­rec­tes – de deux jeu­nes têtes – que je sa­lue si el­les sont en­core là aujourd’hui, qu’elles ne so­i­ent pas of­fen­sées qu’on les ait en­ten­du­es au pas­sa­ge – qui se de­man­dai­ent, en hoch­ant gra­ve­ment de leur bon­net, pa­raît-il : « Est-ce que c’est un idéa­lis­te per­ni­cieux ? ». [Ge­läch­ter]

Es ist klar, dass die <fol­gen­de> Fra­ge viel­leicht ein biss­chen da­ne­ben­liegt, eine, nun ja, die mir auf ganz in­di­rek­ten We­gen zu­ge­kom­men ist, von zwei jun­gen Köp­fen – die ich grü­ße, falls sie heu­te noch da sind, sie mö­gen nicht ge­kränkt sein, dass man im Vor­bei­ge­hen et­was ge­hört hat –, die sich ge­fragt ha­ben, da­bei of­fen­bar be­däch­tig die Müt­ze schüt­telnd: „Ist das ein ge­fähr­li­cher Idea­list?“12 [Ge­läch­ter]

Est-ce que je suis un idéa­lis­te per­ni­cieux ?

Bin ich ein ge­fähr­li­cher Idea­list?

Ça me pa­raît être tout à fait à côté de la ques­ti­on ! [Ge­läch­ter]

Die­se Fra­ge scheint mir gänz­lich da­ne­ben zu lie­gen. [Ge­läch­ter]

Par­ce que j’ai com­men­cé – et avec quel ac­cent : je dirai que je di­sais le con­trai­re de ce que j’avais à dire ex­ac­te­ment – par mett­re l’accent sur ceci : que le dis­cours c’est l’artefact.

Denn ich habe da­mit be­gon­nen – und mit wel­cher Be­to­nung, ich wür­de sa­gen, dass ich das Ge­gen­teil des­sen ge­sagt habe, was ich ge­nau zu sa­gen hat­te –, den Ak­zent dar­auf zu set­zen, dass der Dis­kurs das Ar­te­fakt ist.

Ce que j’amorce avec ça, c’est ex­ac­te­ment le con­trai­re, par­ce que le sem­blant, c’est le con­trai­re de l’artefact.

Was ich da­mit an­bah­ne, ist ge­nau das Ge­gen­teil, da der Schein das Ge­gen­teil des Ar­te­fakts ist.

Com­me je l’ai fait re­mar­quer, dans la na­tu­re, le sem­blant, ça foi­son­ne.

Ich habe be­reits dar­auf auf­merk­sam ge­macht, in der Na­tur, da wim­melt es von Schein.

La ques­ti­on, dès qu’il ne s’agit plus de la con­nais­sance, dès qu’on ne croit pas que c’est par la voie de la per­cep­ti­on, dont nous ex­trai­ri­ons je ne sais quel­le quint­essence, que nous con­nais­sons quel­que cho­se, mais au mo­y­en d’un ap­pa­reil qui est le dis­cours, il n’est plus ques­ti­on de l’Idée.

Die Fra­ge –; so­bald es nicht mehr um Er­kennt­nis geht, so­bald man nicht mehr glaubt, dass wir et­was auf dem Wege der Wahr­neh­mung er­ken­nen, aus der wir ir­gend­ei­ne Quint­essenz ex­tra­hie­ren wür­den, son­dern durch ei­nen Ap­pa­rat, näm­lich durch den Dis­kurs, stellt sich die Fra­ge der Idee nicht mehr.13

La pre­miè­re fois d’ailleurs que l’Idée a fait son ap­pa­ri­ti­on, elle était un peu mieux si­tuée qu’après les ex­ploits de l’évêque Ber­ke­ley.

Als die Idee zum ers­ten Mal in Er­schei­nung trat, war sie üb­ri­gens ein we­nig bes­ser ver­or­tet als nach den Glanz­leis­tun­gen von Bi­schof Ber­ke­ley.14

C’est de Pla­ton qu’il s’agissait, et qui se de­man­dait où était le réel de ce qui était nom­mé : un che­val.

Da­bei ging es um Pla­ton, der sich frag­te, wo das Rea­le des­sen sei, was ge­nannt wird: ein Pferd.

Son idée de l’Idée c’était l’importance de cet­te dé­no­mi­na­ti­on.

Sei­ne Idee von der Idee war die Wich­tig­keit die­ser Be­nen­nung.

Dans cet­te cho­se mul­ti­ple et tran­si­toire, d’ailleurs par­fai­te­ment ob­scu­re, à son épo­que plus qu’à la nôt­re, est-ce que tou­te la réa­lité d’un che­val n’est pas dans cet­te Idée en tant que ça veut dire le si­gni­fi­ant « un che­val » ?

Bei die­ser ver­schie­den­ar­ti­gen und ver­gäng­li­chen Sa­che, die im Üb­ri­gen voll­kom­men dun­kel ist, zu sei­ner Zeit mehr noch als zu der un­se­ren, be­steht da die ge­sam­te Rea­li­tät ei­nes Pfer­des nicht in die­ser Idee, in­so­fern das heißt: im Si­gni­fi­kan­ten „ein Pferd“?

Faut pas cro­i­re, que par­ce qu’Aristote met l’accent de la réa­lité sur l’individu, il est beau­coup plus avan­cé.

Man muss nicht glau­ben, dass Aris­to­te­les, weil er den Rea­li­täts­ak­zent auf das In­di­vi­du­um setzt, des­halb sehr viel wei­ter ist.15

L’individu ça veut ex­ac­te­ment dire : ce qu’on ne peut pas dire.

Das In­di­vi­du­um, das be­sagt ge­nau: das, was man nicht sa­gen kann.16

Et jusqu’à un cer­tain point si Aris­to­te n’était pas le mer­veil­leux lo­gi­ci­en qu’il est, qui a fait là le pas uni­que, le pas dé­cisif grâce à quoi nous avons un re­pè­re con­cer­nant ce que c’est qu’une sui­te ar­ti­cu­lée de si­gni­fi­ants, on pour­rait dire que dans sa fa­çon de poin­ter ce qui est l’ou­sia, au­tre­ment dit le réel, il se com­por­te com­me un mys­tique.

Und bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt – wenn Aris­to­te­les nicht der wun­der­ba­re Lo­gi­ker wäre, der er ist, der den ein­zig­ar­ti­gen Schritt ge­macht hat, den ent­schei­den­den Schritt, dank des­sen wir für das, was eine ar­ti­ku­lier­te Fol­ge von Si­gni­fi­kan­ten ist, ei­nen Be­zugs­punkt ha­ben17 – könn­te man sa­gen, dass er sich in sei­ner Art, das an­zu­ge­hen, was die Ousia ist, an­ders ge­sagt das Rea­le, wie ein Mys­ti­ker ver­hält.18

Le prop­re de l’ou­sia – c’est lui-même qui le dit – c’est qu’elle ne peut d’aucune fa­çon être at­tri­buée, elle n’est pas di­ci­ble.

Das Ei­gen­tüm­li­che der Ou­sia, so sagt er selbst, be­steht dar­in, dass sie auf kei­ne Wei­se at­tri­bu­iert wer­den kann, sie ist nicht sag­bar.19

Ce qui n’est pas di­ci­ble, c’est pré­cis­é­ment ce qui est mys­tique.

Was nicht sag­bar ist, ist ge­nau das, was mys­tisch ist.

Seu­le­ment il sem­ble qu’il n’abonde pas de ce côté-là, mais il lais­se la place au mys­tique.

Es scheint zwar, dass er von die­ser Sei­te nicht im Über­fluss hat, aber er über­lässt den Platz dem Mys­ti­ker.

C’est évi­dent que la so­lu­ti­on de la ques­ti­on de l’Idée pou­vait pas ve­nir à Pla­ton.

Es ist of­fen­kun­dig, dass die Lö­sung der Fra­ge der Idee nicht Pla­ton ein­fal­len konn­te.

 

C’est du côté de la fonc­tion et de la va­ria­ble que tout ça trouve sa so­lu­ti­on.

All das fin­det sei­ne Lö­sung von der Sei­te der Funk­ti­on und der Va­ria­blen her.20

[28] S’il est clair, que s’il y a quel­que cho­se que je suis, c’est que je ne suis pas no­mi­na­lis­te..

Wenn klar ist, dass, wenn es et­was gibt, was ich bin, dass es dann dies ist, dass ich kein No­mi­na­list bin.21

Je veux dire que je ne pars pas de ceci : que le nom c’est quel­que cho­se qui se plaque com­me ça sur du réel

Ich mei­ne da­mit, dass ich nicht da­von aus­ge­he, dass der Name et­was ist, das ein­fach so auf Rea­les auf­ge­tra­gen wird.

Et il faut choi­sir.

Und man muss wäh­len.

Si on est no­mi­na­lis­te, il faut com­plè­te­ment re­non­cer au ma­té­ria­lis­me dialec­tique, de sor­te qu’en som­me la tra­di­ti­on no­mi­na­lis­te, qui est à pro­pre­ment par­ler le seul dan­ger d’idéalisme qui peut se pro­du­i­re ici dans un dis­cours tel que le mien, est très évi­dem­ment écar­tée.

Wenn man No­mi­na­list ist, muss man den dia­lek­ti­schen Ma­te­ria­lis­mus ganz und gar zu­rück­wei­sen, der­art, dass al­les in al­lem die no­mi­na­lis­ti­sche Tra­di­ti­on – die streng ge­nom­men die ein­zi­ge Idea­lis­mus­ge­fahr ist, die sich in ei­nem Dis­kurs wie dem mei­nen hier er­ge­ben kann – ganz of­fen­sicht­lich zu­rück­ge­wie­sen ist.

Il ne s’agit pas d’être réa­lis­te au sens où on l’était au Mo­y­en Âge, le réa­lis­me des uni­ver­saux, mais il s’agit de dé­si­gner, de poin­ter ceci, que not­re dis­cours, not­re dis­cours sci­en­ti­fi­que, ne trouve le réel qu’à ce qu’il dé­pen­de de la fonc­tion du sem­blant.

Es geht nicht dar­um, Rea­list in dem Sin­ne zu sein, wie man es im Mit­tel­al­ter war, der Uni­ver­sa­li­en­rea­lis­mus, son­dern es geht dar­um, zu be­zeich­nen, auf­zu­zei­gen, dass un­ser Dis­kurs, un­ser wis­sen­schaft­li­cher Dis­kurs, das Rea­le nur un­ter der Be­din­gung fin­det, dass es von der Funk­ti­on des Scheins ab­hängt.

Les ef­fets de l’articulation, j’entends al­gé­bri­que, du sem­blant – et com­me tel il ne s’agit que de lettres – voi­là le seul ap­pa­reil au mo­y­en de quoi nous dé­si­gnons ce qui est réel.

Die Wir­kun­gen der Ar­ti­ku­la­ti­on des Scheins, der al­ge­brai­schen Ar­ti­ku­la­ti­on, mei­ne ich, und da­bei geht es nur um Buch­sta­ben, das ist der ein­zi­ge Ap­pa­rat, mit des­sen Hil­fe wir das be­zeich­nen, was real ist.

Ce qui est réel c’est ce qui fait trou dans ce sem­blant, dans ce sem­blant ar­ti­cu­lé qu’est le dis­cours sci­en­ti­fi­que.

Was real ist, ist das, was in die­sem Schein ein Loch macht, in die­sem ar­ti­ku­lier­ten Schein, der der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs ist.

Le dis­cours sci­en­ti­fi­que pro­gres­se sans plus même se préoc­cup­er s’il est ou non sem­blant.

Der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs schrei­tet vor­an, ohne sich über­haupt noch da­mit zu be­schäf­ti­gen, ob er Schein ist oder nicht.

Il s’agit seu­le­ment que son ré­seau, que son fi­let, que son lat­ti­ce com­me on dit, fas­se ap­pa­raît­re les bons trous à la bon­ne place.

Es geht nur dar­um, dass sein Netz­werk, sein Netz, sein lat­ti­ce, wie man sagt, die rich­ti­gen Lö­cher am rich­ti­gen Platz er­schei­nen lässt.22

Il n’a de ré­fé­rence que l’impossible au­quel abou­tis­sent ses dé­duc­tions – cet im­pos­si­ble, c’est le réel.

Er hat kei­ne Re­fe­renz au­ßer dem Un­mög­li­chen, zu dem sei­ne Ab­lei­tun­gen füh­ren – die­ses Un­mög­li­che ist das Rea­le.

L’appareil du dis­cours en tant que c’est lui, dans sa ri­gueur, qui ren­cont­re les li­mi­tes de sa con­si­s­tan­ce, voi­là avec quoi nous vi­sons, dans la phy­si­que, quel­que cho­se qui est le réel.

Der Dis­kurs­ap­pa­rat, in­so­fern er in sei­ner Stren­ge auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt, das ist das, wo­mit wir in der Phy­sik et­was an­zie­len, was das Rea­le ist.

Ce qui nous im­por­te dans ce qui nous con­cer­ne, à sa­voir le champ de la vé­rité.

Das ist für uns wich­tig, bei dem, was uns be­trifft, näm­lich dem Feld der Wahr­heit.

Et pour­quoi est-ce le champ de la vé­rité, seu­le­ment ain­si qua­li­fia­ble, qui nous con­cer­ne?

Und war­um ist das Feld der Wahr­heit – das sich nur so kenn­zeich­nen lässt – das, was uns be­trifft?

Je vais es­say­er de l’articuler aujourd’hui.

Ich wer­de ver­su­chen, das heu­te zu ar­ti­ku­lie­ren.

Pour ce qui nous con­cer­ne, nous avons af­fai­re à quel­que cho­se qui se rend comp­te qu’il dif­fè­re de cet­te po­si­ti­on, dans la phy­si­que, du réel.

Was uns be­trifft, so ha­ben wir es mit et­was zu tun, was da­von Re­chen­schaft ab­legt, dass es sich von die­ser Po­si­ti­on des Rea­len in der Phy­sik un­ter­schei­det.

Ce quel­que cho­se qui ré­sis­te, qui n’est pas per­méa­ble à tout sens, qui est con­séquence de not­re dis­cours, cela s’appelle le fan­tas­me.

Die­ses Et­was, was wi­der­steht, was nicht durch­läs­sig ist für ei­nen Sinn, der Fol­ge un­se­res Dis­kur­ses ist, das nennt sich Phan­tas­ma.23

Et ce qui est à éprou­ver, ce sont ses li­mi­tes, c’est sa struc­tu­re, la fonc­tion.

Und was zu prü­fen ist, sind sei­ne Gren­zen, ist sei­ne Struk­tur, ist die Funk­ti­on.

Le rap­port, dans un dis­cours, d’un des ter­mes : du a – le plus-de-jouir – à l’$ du su­jet, soit pré­cis­é­ment le point qui dans le dis­cours du maît­re est rom­pu, voi­là ce que nous avons à éprou­ver dans sa fonc­tion, quand dans | [29] la po­si­ti­on tout op­po­sée, cel­le où le pe­tit a oc­cupe cet­te place, c’est le su­jet qui est en face.

Die Be­zie­hung von ei­nem der Ter­me in ei­nem Dis­kurs, vom a – der Mehr­lust – zum $ des Sub­jekts, näm­lich ge­nau der Punkt, der im Dis­kurs des Herrn aus­ge­sperrt wird (rom­pu), das ist das, was wir in sei­ner Funk­ti­on zu un­ter­su­chen ha­ben, wenn in der ganz ent­ge­gen­ge­setz­ten Po­si­ti­on, der­je­ni­gen, wo das klei­ne a die­sen Platz ein­nimmt, es das Sub­jekt ist, das ge­gen­über­steht.24

Cet­te place où il est in­ter­ro­gé, c’est là que le fan­tas­me doit prend­re son sta­tut, son sta­tut qui est dé­fi­ni par la part même d’impossibilité qu’il y a dans l’interrogation ana­ly­tique.

Vier Diskurse aus Radiophonie - mit Unmöglichkeit und Unvermögen

Dar­stel­lung der vier Dis­kur­se in „Ra­dio­pho­nie“

An die­sem Platz, wo es be­fragt wird, muss das Phan­tas­ma sei­nen Sta­tus an­neh­men, sei­nen Sta­tus, der eben durch den An­teil der Un­mög­lich­keit de­fi­niert ist, den es in der ana­ly­ti­schen Be­fra­gung gibt.25

Pour éc­lai­rer ce qu’il en est d’où je veux en ve­nir, j’irai à ce que je veux aujourd’hui mar­quer de ce qu’il en est de la théo­rie ana­ly­tique.

Um auf­zu­klä­ren, was es da­mit auf sich hat, wor­auf ich da­mit hin­aus­will, will ich zu dem über­ge­hen, was ich heu­te von dem, wor­um es bei der ana­ly­ti­schen Theo­rie geht, kenn­zeich­nen will.

À ce tit­re, je ne re­vi­ens pas, je sau­te par-des­sus une fonc­tion qui s’exprime d’une cer­tai­ne fa­çon de par­ler que j’ai ici, m’adressant à vous.

Aus die­sem Grun­de kom­me ich nicht dar­auf zu­rück, über­sprin­ge ich eine Funk­ti­on, die sich in ei­ner be­stimm­ten Sprech­wei­se aus­drückt, die ich hier habe, wenn ich mich an Sie wen­de.

Je ne puis fai­re néan­mo­ins que d’attirer vot­re at­ten­ti­on sur ceci : que si la der­niè­re fois je vous ai in­ter­pel­lés du ter­me, qui a pu pa­raît­re im­per­ti­nent, à com­bi­en jus­te tit­re, à beau­coup, de plus-de-jouir pres­sé, de­v­rais-je par­ler alors de quel­que es­pè­ce de ca­vi­ar, de si­gnal pres­sé ?

Ich kann hier je­doch nur dies tun, Ihre Auf­merk­sam­keit auf Fol­gen­des zu len­ken: Wenn ich Sie das letz­te Mal mit ei­nem Aus­druck an­ge­spro­chen habe, der vie­len durch­aus zu Recht als frech er­schei­nen konn­te, mit dem der ge­press­ten Mehr­lust (plus-de-jouir pres­sé), müss­te ich dann über eine Art Ka­vi­ar spre­chen oder über ein ge­press­tes, ge­drück­tes Si­gnal?

Ça a pour­tant un sens, un sens qui est ce­lui de ce que pré­ser­ve mon dis­cours, qui en au­cun cas n’a le ca­rac­tè­re de ce que Freud a dé­si­gné com­me le dis­cours du lea­der.

Das hat je­doch ei­nen Sinn, ei­nen Sinn, der sich auf das be­zieht, was mein Dis­kurs be­wahrt, der in kei­nem Fall den Cha­rak­ter des­sen hat, was Freud als den Dis­kurs des Füh­rers be­zeich­net hat.

C’est bien au ni­veau du dis­cours, au dé­but des an­nées vingt, que Freud a ar­ti­cu­lé dans Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se quel­que cho­se qui, sin­gu­liè­re­ment, s’est trou­vé être au princi­pe du phé­nomè­ne nazi.

Ge­nau auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses, den Freud zu Be­ginn der zwan­zi­ger Jah­re in Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se ar­ti­ku­liert hat, gibt es et­was, wo­von sich be­mer­kens­wer­ter­wei­se her­aus­ge­stellt hat, dass es den Ur­sprung des Nazi-Phä­no­mens bil­det.

Re­por­tez-vous au sché­ma qu’il don­ne dans cet ar­ti­cle, à la fin du cha­pit­re Iden­ti­fi­ca­ti­on.

Freud Massenpsychologie Ichideal

Freuds Sche­ma der Iden­ti­fi­zie­rung in der Mas­se, aus: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se

Be­zie­hen Sie sich auf das Sche­ma, das er in die­sem Ar­ti­kel ver­wen­det, am Ende des Ka­pi­tels Die Iden­ti­fi­zie­rung.26

Vous y ver­rez, pres­que là en clair, in­di­quées les re­la­ti­ons du grand I et du a.

Fast im Klar­text wer­den Sie hier die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem gro­ßen I und dem a an­ge­zeigt se­hen.

Vrai­ment, le sché­ma sem­ble fait pour qu’y so­i­ent por­tés les si­gnes la­ca­ni­ens.

Wirk­lich, das Sche­ma scheint dazu ge­macht zu sein, um hier die la­can­schen Zei­chen ein­zu­tra­gen.

Ce qui, dans un dis­cours, s’adresse à l’Autre com­me un Tu, fait sur­gir l’identification à quel­que cho­se qu’on peut ap­pe­ler l’idole hu­mai­ne.

Das, was sich in ei­ner Rede an den An­de­ren als ein Du wen­det, lässt die Iden­ti­fi­zie­rung mit et­was auf­tau­chen, was man das mensch­li­che Idol nen­nen kann.

Si j’ai par­lé la der­niè­re fois du sang rouge com­me étant le sang le plus vain à pro­pulser cont­re le sem­blant, c’est bien par­ce que – vous l’avez vu – on ne sau­rait s’avancer pour ren­ver­ser l’idole, sans tout aus­sitôt après prend­re sa place, com­me on sait, que c’est ce qui s’est pas­sé pour un cer­tain type de mar­tyrs !

Wenn ich letz­tes Mal vom ro­ten Blut als dem Blut ge­spro­chen habe, das ganz ver­geb­lich ge­gen den Schein vor­ge­bracht wird, dann eben des­halb, weil man, wie Sie ge­se­hen ha­ben, nicht vor­an­schrei­ten konn­te, um das Idol um­zu­stür­zen, ohne so­fort da­nach des­sen Platz ein­zu­neh­men – was be­kannt­lich das ist, was sich bei ei­nem be­stimm­ten Typ von Mär­ty­rern zu­ge­tra­gen hat.27

C’est bien dans la me­s­u­re où quel­que cho­se dans tout dis­cours qui fait ap­pel au Tu, pro­vo­que à une iden­ti­fi­ca­ti­on ca­mou­flée, se­crè­te, qui n’est que cel­le à cet ob­jet énig­ma­tique, qui peut être rien du tout, le tout pe­tit plus de jouir d’Hitler, qui n’allait peut-être pas plus loin que sa mousta­che.

Dazu kommt es in­so­fern, als in je­dem Dis­kurs, der ans Du ap­pel­liert, et­was eine ge­tarn­te, ge­hei­me Iden­ti­fi­zie­rung her­vor­ruft, die kei­ne an­de­re ist als die mit die­sem rät­sel­haf­ten Ob­jekt, das gar nichts sein kann, die ganz klei­ne Mehr­lust von Hit­ler, die viel­leicht nicht wei­ter ging als sein Schnurr­bart.

Voi­là ce qui a suf­fi à cris­tal­li­ser des gens qui… qui n’avaient rien de mys­tique, qui étai­ent tout ce qu’il y a de plus en­ga­gés dans le pro­cès du dis­cours du ca­pi­ta­lis­te, avec ce que ça com­por­te de mise en ques­ti­on du plus de jouir sous sa for­me de plus-va­lue.

Das ist das, was aus­ge­reicht hat, um Leu­te zu kris­tal­li­sie­ren28, die nichts Mys­ti­sches hat­ten, die all das wa­ren, was in den Pro­zess des Dis­kur­ses des Ka­pi­ta­lis­ten am stärks­ten ver­wi­ckelt ist, mit­samt dem, was da­mit ein­her­geht an Hin­ter­fra­gung der Mehr­lust in Ge­stalt des Mehr­werts.29

 

Il s’agissait de sa­voir si, à un cer­tain ni­veau, on au­rait… on en au­rait en­core son pe­tit bout, et c’est bien ça qui a suf­fi à pro­vo­quer cet ef­fet d’identification.

Es ging dar­um, ob man da­von auf ei­nem be­stimm­ten Ni­veau noch sein Stück­chen ab­be­kä­me, und das ist eben das, was ge­nügt hat, um die­sen Iden­ti­fi­zie­rungs­ef­fekt her­vor­zu­ru­fen.

[30] Il est amusant sim­ple­ment que ça ait pris la for­me d’une idéa­li­sa­ti­on de la race, à sa­voir de la cho­se qui dans l’occasion était la mo­ins in­téres­sée.

Es ist ein­fach amü­sant, dass dies die Ge­stalt ei­ner Idea­li­sie­rung der Ras­se an­ge­nom­men hat, also des­sen, was hier­in am we­nigs­ten ver­wi­ckelt war.

Mais on peut trou­ver d’où pro­cè­de ce ca­rac­tè­re de fic­tion, on peut le trou­ver !

Man kann je­doch her­aus­fin­den, von wo die­ser Fik­ti­ons­cha­rak­ter aus­geht, man kann es fin­den.

Ce qu’il faut dire sim­ple­ment, c’est qu’il n’y a au­cun be­soin de cet­te idéo­lo­gie pour qu’un ra­cis­me se con­sti­tue, qu’il y suf­fit d’un plus de jouir qui se re­con­nais­se com­me tel.

Man muss ein­fach sa­gen, dass die­se Ideo­lo­gie kei­nes­wegs nö­tig ist, da­mit ein Ras­sis­mus sich her­aus­bil­det, dass hier­für eine Mehr­lust ge­nügt, die als sol­che an­er­kannt wird.

Et que qui­con­que s’intéresse un peu à ce qui peut ad­ve­nir, fera bien de se dire que tou­tes les for­mes de ra­cis­me, en tant qu’un plus de jouir suf­fit très bien à le sup­por­ter : voi­là ce qui main­ten­ant est à l’ordre du jour, voi­là ce qui pour les an­nées à ve­nir nous pend au nez.

Und wenn ir­gend­je­mand sich ein we­nig für das in­ter­es­siert, was sich er­eig­nen kann, wird er gut dar­an tun, sich zu sa­gen, dass der Ras­sis­mus in al­len For­men, in­so­fern eine Mehr­lust durch­aus ge­nügt, um ihn zu stüt­zen, eben das ist, was jetzt an der Ta­ges­ord­nung ist, dass er das ist, was uns in den kom­men­den Jah­ren be­vor­steht.30

Vous al­lez mieux sai­sir pour­quoi, quand je vous dirai ce que la théo­rie, l’exercice au­then­tique de la théo­rie ana­ly­tique, nous per­met de for­mu­ler quant à ce qu’il est du plus de jouir.

Sie wer­den bes­ser be­grei­fen war­um, wenn ich Ih­nen das sage, was die Theo­rie, die au­then­ti­sche Aus­übung der ana­ly­ti­schen Theo­rie, uns in Be­zug auf das, wor­um es bei der Mehr­lust geht, zu for­mu­lie­ren ge­stat­tet.

On s’imagine, on s’imagine qu’on dit quel­que cho­se quand on dit que ce que Freud a ap­por­té, c’est la sous-ja­cence de la se­xua­lité dans tout ce qu’il en est du dis­cours.

Man stellt sich vor, dass man et­was sagt, wenn man sagt, dass Freud dies ein­ge­bracht hat, dass al­lem, wor­um es beim Dis­kurs geht, die Se­xua­li­tät zu­grun­de liegt.

On dit ça quand on a été un tout pe­tit peu tou­ché par ce que j’énonce de l’importance du dis­cours pour dé­fi­nir l’inconscient, et puis qu’on ne prend pas gar­de que j’ai pas en­core, moi, ab­or­dé ce qu’il en est de ce ter­me: se­xua­lité, rap­port se­xu­el.

Man sagt das, wenn man ein ganz klein we­nig von dem be­rührt ist, was ich über die Wich­tig­keit des Dis­kur­ses für die De­fi­ni­ti­on des Un­be­wuss­ten äu­ße­re, und dann ach­tet man nicht dar­auf, dass ich noch nicht an­ge­spro­chen habe, was es mit die­sem Aus­druck auf sich hat: Se­xua­li­tät, se­xu­el­les Ver­hält­nis (rap­port se­xu­el).

Il est étran­ge, cer­tes… il n’est pas étran­ge que d’un seul point de vue, le point de vue de la char­la­ta­ne­rie qui pré­si­de à tou­te ac­tion thé­ra­peu­tique dans not­re so­cié­té …il est étran­ge qu’on ne se soit pas aper­çu du mon­de qu’il y a ent­re le ter­me « se­xua­lité »… par­tout où il com­mence, où il com­mence seu­le­ment, à prend­re une sub­s­tan­ce bio­lo­gi­que, et je vous fe­rai re­mar­quer que s’il y a quel­que part qu’on peut com­men­cer de s’apercevoir du sens que ça a, c’est plu­tôt du côté des bac­té­ries …du mon­de qu’il y a ent­re cela, et ce dont il s’agit con­cer­nant ce que Freud énon­ce des re­la­ti­ons que l’inconscient ré­vè­le.

Es ist merk­wür­dig, si­cher­lich; nur von ei­nem ein­zi­gen Stand­punkt aus ist es nicht merk­wür­dig – vom Stand­punkt der Schar­la­ta­ne­rie, der in un­se­rer Ge­sell­schaft jede the­ra­peu­ti­sche Ak­ti­on an­lei­tet –, es ist merk­wür­dig, dass man nicht be­merkt hat, dass eine gan­ze Welt liegt zwi­schen dem Aus­druck „Se­xua­li­tät“, über­all dort, wo er an­fängt, wo er auch nur an­fängt, die Ge­stalt ei­ner bio­lo­gi­schen Sub­stanz an­zu­neh­men – und ich möch­te Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen, wenn man ir­gend­wo an­fan­gen kann, zu er­fas­sen, wel­che Be­deu­tung das hat, dann am ehes­ten auf der Sei­te der Bak­te­ri­en31 –, dass eine gan­ze Welt liegt zwi­schen die­sem und dem, wor­um es bei dem geht, was Freud über die Be­zie­hun­gen äu­ßert, die das Un­be­wuss­te ent­hüllt.

Quels que so­i­ent les tré­bu­chements au­x­quels lui-même a pu suc­com­ber dans cet ord­re, ce que Freud ré­vè­le du fonc­tion­ne­ment de l’inconscient n’a rien de bio­lo­gi­que.

Wel­ches auch im­mer das Ge­stol­per sein mag, dem auch er in die­ser Ord­nung hat un­ter­lie­gen kön­nen32 – was Freud vom Funk­tio­nie­ren des Un­be­wuss­ten ent­hüllt, hat nichts Bio­lo­gi­sches.

Ça n’a le droit de s’appeler se­xua­lité que par ce qu’on ap­pel­le rap­port se­xu­el, c’est com­plè­te­ment lé­giti­me d’ailleurs, jusqu’au mo­ment où on se sert de se­xua­lité pour dé­si­gner aut­re cho­se, à sa­voir ce qu’on étu­die en bio­lo­gie, à sa­voir le chro­mo- | [31] some et sa com­bi­nai­son XY ou XX, ou XX, XY.

Nur durch das, was man „se­xu­el­les Ver­hält­nis“ nennt, hat dies das Recht, sich „Se­xua­li­tät“ zu nen­nen, das ist im Üb­ri­gen völ­lig le­gi­tim – bis zu dem Mo­ment, wo man sich der Se­xua­li­tät be­dient, um da­mit et­was an­de­res zu be­zeich­nen, näm­lich das, was man in der Bio­lo­gie stu­diert, näm­lich das Chro­mo­som und sei­ne Kom­bi­na­tio­nen XY oder XX oder XX, XY.33

Ça n’a ab­so­lu­ment rien à fai­re avec ce dont il s’agit qui a un nom par­fai­te­ment énonça­ble, et qui s’appelle les rap­ports de l’homme et de la femme.

Das hat ab­so­lut nichts mit dem zu tun, wor­um es geht, und was ei­nen voll­kom­men aus­sprech­ba­ren Na­men hat und was so ge­nannt wird: die Be­zie­hun­gen von Mann und Frau (les rap­ports de l’homme et de la femme).

Il con­vi­ent de par­tir de ces deux ter­mes avec leur sens plein, avec ce que ça com­por­te de re­la­ti­on.

Man soll­te von die­sen bei­den Ter­mi­ni in ih­rer vol­len Be­deu­tung aus­ge­hen, mit dem, was das an Ver­hält­nis ein­schließt.

Par­ce qu’il est très étran­ge quand on voit les pe­tits es­sais tim­ides que les gens font pour pen­ser à l’intérieur des cad­res d’un cer­tain ap­pa­reil qui est ce­lui de l’institution psy­chana­ly­tique, ils s’aperçoivent que tout n’est pas ré­glé par les ébats34 qu’on nous don­ne com­me con­flic­tu­els – et ils vou­d­rai­ent bien aut­re cho­se : du non-con­flic­tu­el, ça repo­se.

Denn es ist sehr merk­wür­dig, wenn man die klei­nen zag­haf­ten Ver­su­che sieht, die die Leu­te ma­chen, um im Rah­men ei­nes be­stimm­ten Ap­pa­ra­tes zu den­ken, dem der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on, sie neh­men wahr, dass durch das Lie­bes­spiel, das man uns als kon­flikt­haft dar­stellt, nicht al­les ge­re­gelt ist, und sie hät­ten gern et­was an­de­res, et­was Nicht-Kon­flikt­haf­tes – das ent­spannt.

Et alors là, ils s’aperçoivent par ex­emp­le de ceci : c’est que on n’attend pas du tout la pha­se phal­li­que pour dis­tin­guer une pe­ti­te fil­le d’un pe­tit gar­çon, ils sont pas du tout par­eils.

Und nun ja, sie neh­men bei­spiels­wei­se dies wahr, dass man kei­nes­wegs die phal­li­sche Pha­se ab­war­tet35, um ein klei­nes Mäd­chen von ei­nem klei­nen Jun­gen zu un­ter­schei­den, sie sind kei­nes­wegs gleich.

Ils s’émerveillent !

Das wun­dert sie.

Et alors, je vous le si­gna­le par­ce que d’ici que je vous re­trouve, ça sera seu­le­ment au mois de fé­vri­er, le deu­xiè­me mer­cre­di de fé­vri­er, vous au­rez peut-être le temps de lire quel­que cho­se, pour une fois que je con­seil­le un li­v­re, ça fera mon­ter le ti­ra­ge, qui s’appelle Sex und Gen­derand Gen­der… c’est en ang­lais, par­don.

Und dann wei­se ich Sie auf Fol­gen­des hin: Da ich Sie erst im Mo­nat Fe­bru­ar wie­der­tref­fe, am zwei­ten Mitt­woch im Fe­bru­ar, wer­den Sie viel­leicht die Zeit ha­ben, et­was zu le­sen – wenn ich aus­nahms­wei­se ein Buch emp­feh­le, wird das die Auf­la­ge stei­gen las­sen –, et­was, das Sex and Gen­der heißt, and Gen­der, das ist auf Eng­lisch, Ent­schul­di­gung!

C’est d’un nom­mé Stol­ler.

Das ist von ei­nem ge­wis­sen Stol­ler.36

C’est très in­téres­sant à lire à deux points de vue.

Es ist sehr in­ter­es­sant, das zu le­sen, un­ter zwei As­pek­ten.

D’abord par­ce que ça don­ne sur un su­jet im­portant, ce­lui des trans­se­xua­lis­tes, un cer­tain nom­bre de cas très bien ob­ser­vés avec leurs cor­ré­lats fa­mi­li­aux.

Zu­nächst, weil es über ein wich­ti­ges The­ma, das der Trans­se­xu­el­len, eine Rei­he von sehr gut be­ob­ach­te­ten Fäl­len bie­tet, samt ih­ren fa­mi­lia­len Ent­spre­chun­gen.

Vous savez peut-être que le trans­se­xua­lis­me, ça con­sis­te très pré­cis­é­ment en un dé­sir très éner­gi­que de pas­ser par tous les mo­y­ens à l’autre sexe, fût-ce à se fai­re opé­rer, quand on est du côté mâle. Voi­là !

Sie wis­sen viel­leicht, dass der Trans­se­xua­lis­mus ge­nau aus dem sehr en­er­gi­schen Be­geh­ren be­steht, mit al­len Mit­teln zum an­de­ren Ge­schlecht über­zu­wech­seln, und sei es, wenn man auf der männ­li­chen Sei­te ist, dass man sich ope­rie­ren lässt. Dar­um geht es.

Ce trans­se­xua­lis­me, avec les co­or­don­nées, les ob­ser­va­tions qui sont là, vous y ap­pren­d­rez cer­tai­ne­ment beau­coup de cho­ses, car ce sont des ob­ser­va­tions tout à fait uti­li­sables.

Die­ser Trans­se­xua­lis­mus – mit den Ko­or­di­na­ten, den Be­ob­ach­tun­gen, die es da gibt, wer­den Sie si­cher­lich Vie­les ler­nen, denn das sind sind ab­so­lut brauch­ba­re Be­ob­ach­tun­gen.

Vous y ap­pren­d­rez éga­le­ment ceci, le com­plet… le ca­rac­tè­re com­plè­te­ment in­o­pé­rant de l’appareil dialec­tique avec le­quel l’auteur de ce li­v­re trai­te ces ques­ti­ons, et qui font que sur­gis­sent tout à fait di­rec­te­ment les plus gran­des dif­fi­cul­tés qu’il ren­cont­re pour ex­pli­quer ces cas.

Sie wer­den hier zu­gleich dies ler­nen: den un­er­gie­bi­gen, den völ­lig un­er­gie­bi­gen Cha­rak­ter des dia­lek­ti­schen Ap­pa­rats, mit dem der Au­tor die­ses Bu­ches die­se Fra­gen an­geht, was dazu führt, dass ganz di­rekt die größ­ten Schwie­rig­kei­ten auf­tau­chen, de­nen er dann be­geg­net, wenn er die­se Fäl­le er­klä­ren will.

Une des cho­ses les plus sur­pren­an­tes, c’est que la face psy­cho­tique de ces cas est com­plè­te­ment éludée par lui, fau­te bien en­ten­du de tout re­pè­re, la for­clu­si­on la­ca­ni­en­ne ne lui étant ja­mais par­ve­nue aux oreil­les, ce qui ex­pli­que tout de sui­te et très aisé­ment la for­me de ces cas.

Zu den über­ra­schends­ten Din­gen ge­hört, dass er dem psy­cho­ti­schen As­pekt die­ser Fäl­le ganz aus dem Wege geht, na­tür­lich des­halb, weil ihm je­der Be­zugs­punkt fehlt, da ihm die Lacan’sche Ver­wer­fung nie zu Oh­ren ge­kom­men ist, mit der sich so­fort und sehr leicht die Ge­stalt die­ser Fäl­le er­klä­ren lässt.

Mais qu’importe !

Aber das ist nicht wich­tig.

L’important est ceci, c’est que pour par­ler d’identité de gen­re, ce qui n’est rien d’autre que ce que je vi­ens d’exprimer com­me ce ter­me : « l’homme » et « la femme », il est clair que la ques­ti­on n’est po­sée de ce qui en sur­git pré­coce­ment qu’à par­tir de ceci, qu’à l’âge adul­te il est du de­s­tin des êtres par­lants de se ré­par­tir ent­re hom­mes et femmes et que pour com­prend­re l’accent qui est mis sur ces cho­ses, sur cet­te in­s­tan­ce, il faut se rend­re comp­te que ce qui dé­fi­nit | [32] l’homme c’est son rap­port à la femme, et in­ver­se­ment.

Das Wich­ti­ge ist dies, dass, um von Gen­der-Iden­ti­tät zu spre­chen (iden­tité de gen­re) – was nichts an­de­res ist als das, was ich eben mit die­sem Ter­mi­nus aus­ge­drückt habe: „der Mann“ und „die Frau“ –, dass klar ist, dass die Fra­ge sich nicht auf das be­zieht, was hier­aus be­reits früh­zei­tig ent­steht, son­dern dass sie da­von aus­ge­hend ge­stellt wird, dass es im Er­wach­se­nen­al­ter zum Schick­sal der spre­chen­den We­sen ge­hört, sich un­ter Män­nern und Frau­en auf­zu­tei­len, und dass man sich klar­ma­chen muss – um den Ak­zent zu ver­ste­hen, der auf die­se Din­ge, auf die­se In­stanz ge­setzt wird –, dass das, was den Mann de­fi­niert, sein Ver­hält­nis zur Frau ist, und um­ge­kehrt.

Que rien ne nous per­met dans ces dé­fi­ni­ti­ons de l’homme et de la femme, de les abs­trai­re de l’expérience par­lan­te com­plè­te, jus­ques et y com­pris dans les in­sti­tu­ti­ons où el­les s’expriment, à sa­voir le ma­ria­ge.

Und dass bei die­sen De­fi­ni­tio­nen des Man­nes und der Frau nichts es uns ge­stat­tet, sie von der ge­sam­ten Spre­cher­fah­rung zu abs­tra­hie­ren, ein­schließ­lich der­je­ni­gen in den In­sti­tu­tio­nen, in de­nen sie sich aus­drü­cken, näm­lich der Ehe.

Si on ne com­prend pas qu’il s’agit, à l’âge adul­te, de fai­re-hom­me, que c’est cela qui con­sti­tue la re­la­ti­on à l’autre par­tie, que c’est à la lu­miè­re, au dé­part, en par­tant de ceci qui con­sti­tue une re­la­ti­on fon­da­men­ta­le, qu’est in­ter­ro­gé tout ce qui dans le com­por­te­ment de l’enfant peut être in­ter­pré­té com­me s’orientant vers ce « fai­re-hom­me » par ex­emp­le, et que de ce « fai­re-hom­me », l’un des cor­ré­lats es­sen­tiels, c’est de fai­re si­gne à la fil­le qu’on l’est, que nous nous trou­vons pour tout dire pla­cés d’emblée dans la di­men­si­on du sem­blant.

Wenn man nicht ver­steht, dass es im Er­wach­se­nen­al­ter dar­um geht, den Mann zu ma­chen (de fai­re-hom­me); dass hier­durch das Ver­hält­nis zur an­de­ren Sei­te her­ge­stellt wird; dass in die­sem Lich­te zu Be­ginn – aus­ge­hend von dem, was eine grund­le­gen­de Be­zie­hung ist – al­les be­fragt wird, was im Ver­hal­ten des Kin­des als et­was ge­deu­tet wer­den kann, was sich bei­spiels­wei­se auf die­ses „den Mann ma­chen“ hin aus­rich­tet; und dass ei­nes der we­sent­li­chen Kor­re­la­te des­sen, den Mann zu ma­chen, dar­in be­steht, dem Mäd­chen ein Zei­chen zu ge­ben, dass man es ist; dass wir hier, um es klar zu sa­gen, von vorn­her­ein in der Di­men­si­on des Scheins ver­or­tet sind.

Mais aus­si bien… tout en té­moi­g­ne, y com­pris les ré­fé­ren­ces qui sont com­mu­nes, qui traî­nent par­tout …à la pa­ra­de se­xu­el­le chez les mam­mi­fè­res su­pé­ri­eurs princi­pa­le­ment, mais aus­si bien chez les… dans un très très grand nom­bre de vues que nous pou­vons avoir très très loin dans le phy­lum ani­mal, qui mont­re le ca­rac­tè­re es­sen­tiel, dans le rap­port se­xu­el, de quel­que cho­se qu’il con­vi­ent par­fai­te­ment de li­mi­ter au ni­veau où nous le touchons, qui n’a rien à fai­re ni avec un ni­veau cel­lu­lai­re, qu’il soit chro­mo­so­mi­que ou pas, ni avec un ni­veau or­ga­ni­que, qu’il s’agisse ou non de l’ambiguïté de tel ou tel trac­tus con­cer­nant la go­na­de, c’est à sa­voir un ni­veau étho­lo­gi­que qui est ce­lui-ci : ce­lui pro­pre­ment d’un sem­blant.

Aber auch, al­les zeugt von dem – ein­schließ­lich der üb­li­chen, über­all zu fin­den­den Hin­wei­se auf das se­xu­el­le Balz­ver­hal­ten haupt­säch­lich bei den hö­he­ren Säu­ge­tie­ren, aber auch bei den, bei ei­ner sehr, sehr gro­ßen An­zahl von An­sich­ten, die wir sehr, sehr ent­fernt im tie­ri­schen Phy­lum ha­ben kön­nen –, was beim se­xu­el­len Ver­hält­nis den we­sent­li­chen Cha­rak­ter von et­was zeigt, was man ganz auf die­je­ni­ge Ebe­ne be­schrän­ken soll­te, auf der wir dar­an an­gren­zen – die nichts mit ei­ner zel­lu­lä­ren Ebe­ne zu tun hat, ob sie nun chro­mo­so­mal sei oder nicht, und auch nicht mit ei­ner or­ga­ni­schen Ebe­ne, ob es sich nun, die Go­na­de be­tref­fend37, um die Mehr­deu­tig­keit die­ses oder je­nen Trakts han­de­le oder nicht –, näm­lich auf eine etho­lo­gi­sche Ebe­ne, die eben dies ist: im stren­gen Sin­ne die ei­nes Scheins.

C’est en tant que le mâle – le mâle le plus sou­vent, la fe­mel­le n’en est pas ab­sen­te puisqu’elle est pré­cis­é­ment le su­jet qui est att­eint par cet­te pa­ra­de – c’est en tant qu’il y a pa­ra­de que quel­que cho­se qui s’appelle co­pu­la­ti­on se­xu­el­le sans dou­te, dans sa fonc­tion, mais qui trouve son sta­tut d’éléments d’identité par­ti­cu­liers.

In­so­fern, als das Männ­chen – am häu­figs­ten das Männ­chen, das Weib­chen ist hier­bei nicht ab­we­send, weil das Weib­chen ge­nau das Sub­jekt ist, das von die­sem Balz­ver­hal­ten er­reicht wird –, in­so­fern, als es Balz­ver­hal­ten gibt, <kommt es zu> et­was, was sei­ner Funk­ti­on nach si­cher­lich se­xu­el­le Ko­pu­la­ti­on heißt, was sei­nen Sta­tus aber durch Ele­men­te von be­son­de­rer Iden­ti­tät er­hält.

Il est cer­tain que le com­por­te­ment se­xu­el hu­main trouve ré­fé­rence aisé­ment dans cet­te pa­ra­de tel­le qu’elle est dé­fi­nie au ni­veau ani­mal.

Es ist ge­wiss, dass das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten mü­he­los ei­nen Be­zugs­punkt im Balz­ver­hal­ten fin­det, wie es auf tie­ri­schem Ni­veau de­fi­niert ist.

Il est cer­tain que le com­por­te­ment se­xu­el hu­main con­sis­te dans un cer­tain main­ti­en de ce sem­blant ani­mal.

Es ist ge­wiss, dass das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten dar­in be­steht, die­sen tie­ri­schen Schein in ge­wis­ser Wei­se auf­recht­zu­er­hal­ten.

La seu­le cho­se qui l’en dif­fé­ren­cie, c’est que ce sem­blant soit véhi­cu­lé dans un dis­cours, et que c’est à ce ni­veau de dis­cours, à ce ni­veau de dis­cours seu­le­ment, qu’il est por­té vers – per­met­tez-moi – quel­que ef­fet qui ne se­rait pas du sem­blant.

Das ein­zi­ge, wo­durch es sich da­von un­ter­schei­det, ist dies, dass die­ser Schein in ei­nem Dis­kurs trans­por­tiert wird und dass es die­se Ebe­ne des Dis­kur­ses ist, ein­zig die­se Ebe­ne des Dis­kur­ses, auf der er [der Dis­kurs] zu ei­ner, wenn Sie ge­stat­ten, ge­wis­sen Wir­kung ge­bracht wird, die nicht vom Schein wäre.

Ça veut dire que, au lieu d’avoir l’exquise cour­toi­sie ani­ma­le, il ar­ri­ve… il ar­ri­ve aux hom­mes de vio­ler une femme, ou in­ver­se­ment.

Das heißt, dass es vor­kommt – statt die ex­qui­si­te tie­ri­sche Höf­lich­keit zu ha­ben –, dass es bei Män­nern vor­kommt, eine Frau zu ver­ge­wal­ti­gen oder um­ge­kehrt.

Aux li­mi­tes du dis­cours, en tant qu’il s’efforce de fai­re tenir le même sem­blant, il y a de temps en temps du réel, c’est ce qu’on ap­pel­le le | [33] pas­sa­ge à l’acte.

An den Gren­zen des Dis­kur­ses, in­so­fern er sich be­müht, ge­nau die­sen Schein auf­recht­zu­er­hal­ten, gibt es von Zeit zu Zeit et­was Rea­les – das ist das, was man pas­sa­ge à l’acte nennt.

Je ne vois pas de meilleur endroit pour dé­si­gner ce que ça veut dire.

Ich sehe kei­ne bes­se­re Stel­le, um das, was das be­deu­tet, zu be­zeich­nen.

Ob­ser­vez que dans la plu­part des cas, le pas­sa­ge à l’acte est soi­gneu­se­ment évité, ça n’arrive que par ac­ci­dent.

Be­ach­ten Sie, dass die pas­sa­ge à l’acte in den meis­ten Fäl­len sorg­fäl­tig ver­mie­den wird, dazu kommt es nur durch ei­nen Zu­fall, ei­nen Un­fall.

Et c’est bien là aus­si une oc­ca­si­on d’éclairer ce qu’il en est de ce que je dif­fé­ren­cie de­puis long­temps du pas­sa­ge à l’acte, à sa­voir l’ac­ting out, fai­re pas­ser le sem­blant sur la scè­ne, le mon­ter à la hau­t­eur de la scè­ne, en fai­re ex­emp­le.

Und das ist hier wohl auch eine Ge­le­gen­heit, um zu er­läu­tern, wor­um es bei dem geht, was ich von der pas­sa­ge à l’acte seit lan­gem un­ter­schei­de38, näm­lich beim ac­ting out: den Schein auf die Büh­ne über­ge­hen zu las­sen, ihn auf Büh­nen­ni­veau zu brin­gen, dar­aus ein Bei­spiel zu ma­chen.39

Voi­là ce qui dans cet ord­re s’appelle l’ac­ting out.

Das ist das, was in die­ser Ord­nung ac­ting out heißt.

On ap­pel­le ça en­core la pas­si­on.

Man nennt das auch Lei­den­schaft.40

Mais – là je suis for­cé d’aller vite – vous re­mar­que­rez que c’est à ce pro­pos – et là tel que je vi­ens d’éclairer les cho­ses – on peut bien poin­ter, bien dé­si­gner ceci, c’est ce que j’ai dit tout le temps : c’est que si le dis­cours est là en tant qu’il per­met l’enjeu de ce qu’il en est du plus de jouir, à sa­voir – j’y mets tout le pa­quet – c’est très pré­cis­é­ment ce qui est in­ter­dit au dis­cours se­xu­el.

Aber (hier bin ich ge­zwun­gen, schnell vor­wärts­zu­ge­hen) Sie wer­den be­mer­ken, dass man hier­bei (und da­bei so, wie ich die Din­ge ge­ra­de er­klärt habe) gut dies zei­gen, gut dies be­zeich­nen kann (das ist das, was ich die gan­ze Zeit ge­sagt habe), näm­lich Fol­gen­des: Wenn der Dis­kurs in­so­fern da ist, als er den Ein­satz des­sen ge­stat­tet, wor­um es bei der Mehr­lust geht, näm­lich (hier gehe ich aufs Gan­ze), dann ist das ge­nau das, was dem se­xu­el­len Dis­kurs un­ter­sagt ist.

Il n’y a pas d’acte se­xu­el.

Es gibt kei­nen se­xu­el­len Akt.

Je l’ai déjà ex­pri­mé plu­sieurs fois, je l’aborde ici sous un aut­re ang­le.

Ich habe das be­reits meh­re­re Male zum Aus­druck ge­bracht41, hier gehe ich es un­ter ei­nem an­de­ren Blick­win­kel an.

Et ceci est ren­du tout à fait sen­si­ble par l’économie – mais mas­si­ve ! – de la théo­rie ana­ly­tique, à sa­voir de ce que Freud a ren­con­tré, et lui d’abord, et si in­no­cem­ment, si je puis dire, que c’est en cela qu’il est sym­ptô­me, c’est-à-dire qu’il fait avan­cer les cho­ses au point où el­les nous con­cer­nent, sur le plan de la vé­rité.

Und dies wur­de ab­so­lut spür­bar ge­macht durch die – wirk­lich mas­si­ve – Öko­no­mie der ana­ly­ti­schen Theo­rie, durch das, wor­auf Freud ge­sto­ßen ist, er zu­erst, und so un­schul­dig, wenn ich so sa­gen darf, dass er Sym­ptom ist, das heißt, dass er die Din­ge bis zu dem Punkt vor­an­triebt, wo sie uns an­ge­hen, auf der Ebe­ne der Wahr­heit.

Le my­the de l’Œdipe : qui ne voit qu’il est né­ces­saire de dé­si­gner le réel, car c’est bien ce qu’il a la pré­ten­ti­on de fai­re?

Der Ödi­pus-My­thos, wer sieht nicht, dass er not­wen­dig ist, um das Rea­le zu be­zeich­nen, denn das ist ge­nau das, was er zu tun be­an­sprucht.

Ou plus ex­ac­te­ment ce à quoi le théo­ri­ci­en est ré­du­it quand il for­mu­le cet hy­per-my­the, c’est que le réel à pro­pre­ment par­ler s’incarne de quoi ? de la jouis­sance se­xu­el­le, com­me quoi ? com­me im­pos­si­ble, puis­que ce que l’Œdipe dé­si­gne, c’est l’être my­thi­que dont la jouis­sance… dont sa jouis­sance se­rait cel­le de quoi ? de tou­tes les femmes.

Oder ge­nau­er: Das, wor­auf der Theo­re­ti­ker re­du­ziert ist, wenn er die­sen Hy­per­my­thos for­mu­liert, ist dies, dass das Rea­le im stren­gen Sin­ne sich wor­in ver­kör­pert? im se­xu­el­len Ge­nie­ßen42, als was? als un­mög­lich, denn das, was der Ödi­pus be­zeich­net, ist das my­thi­sche We­sen, des­sen Ge­nie­ßen das Ge­nie­ßen von was wäre? das al­ler Frau­en.43

Qu’un ap­pa­reil sem­bla­ble soit ici en quel­que sor­te im­po­sé par le dis­cours même, est-ce que ce n’est pas là le re­cou­pe­ment le plus sûr de ce que j’énonce de théo­rie, con­cer­nant la pré­v­a­lence du dis­cours, con­cer­nant tout ce qu’il en est pré­cis­é­ment de la jouis­sance ?

Dass ein sol­cher Ap­pa­rat hier ge­wis­ser­ma­ßen vom Dis­kurs selbst auf­ge­nö­tigt wird, ist das denn nicht das si­chers­te Ge­gen­stück zu dem, was ich als Theo­rie äu­ße­re, be­zo­gen auf die Vor­rang­stel­lung des Dis­kur­ses, be­zo­gen auf all das, wor­um es beim Ge­nie­ßen ge­nau geht?

Ce que la théo­rie ana­ly­tique ar­ti­cu­le est quel­que cho­se dont le ca­rac­tè­re sai­sis­sa­ble com­me ob­jet est ce que je dé­si­gne de l’objet pe­tit a, en tant que par un cer­tain nom­bre de con­tin­gen­ces or­ga­ni­ques fa­vor­ables, il vi­ent rem­plir – sein, ex­cré­ment, re­gard ou voix – la place dé­fi­nie com­me cel­le du plus-de-jouir.

Was die ana­ly­ti­sche Theo­rie ar­ti­ku­liert, ist et­was, des­sen Cha­rak­ter, als Ob­jekt er­fass­bar, eben das ist, was ich als Ob­jekt klein a be­zeich­ne, in­so­fern es durch eine Rei­he güns­ti­ger or­ga­ni­scher Kon­tin­gen­zen – Brust, Ex­kre­ment, Blick oder Stim­me – dazu ge­langt, den Platz aus­zu­fül­len, der als der­je­ni­ge der Mehr­lust de­fi­niert ist.

Qu’est-ce que la théo­rie énon­ce ? si­non ceci : quel­que cho­se qui tend, ce rap­port du plus-de-jouir – rap­port au nom de quoi la fonc­tion de la mère vi­ent à un point tel­le­ment pré­va­lent dans tou­te not­re ob­ser­va­ti­on ana­ly­tique – le plus de jouir ne se nor­ma­li­se que d’un rap­port | [34] qu’on éta­blit à la jouis­sance se­xu­el­le, à ceci près que cet­te jouis­sance, cet­te jouis­sance se­xu­el­le ne se for­mu­le, ne s’articule que du phal­lus en tant qu’il est son si­gni­fi­ant.

Was be­haup­tet die Theo­rie, wenn nicht Fol­gen­des: Et­was, was dazu ten­diert –; die­ses Ver­hält­nis der Mehr­lust – ein Ver­hält­nis, in des­sen Na­men in un­se­rer ge­sam­ten ana­ly­ti­schen Be­ob­ach­tung die Funk­ti­on der Mut­ter an ei­nen der­art be­stim­men­den Punkt ge­langt –; die­se Mehr­lust wird nur da­durch nor­ma­li­siert, dass ein Ver­hält­nis zum se­xu­el­len Ge­nie­ßen her­ge­stellt wird, bis auf dies, dass die­ses Ge­nie­ßen, die­ses se­xu­el­le Ge­nie­ßen nur for­mu­liert wird, nur ar­ti­ku­liert wird vom Phal­lus her, in­so­fern er des­sen Si­gni­fi­kant ist.

Le phal­lus, quelqu’un a écrit un jour ceci : que ce se­rait le si­gni­fi­ant qui dé­si­gne­rait le man­que de si­gni­fi­ant.

Der Phal­lus, je­mand hat mal ge­schrie­ben, das sei der­je­ni­ge Si­gni­fi­kant, der das Feh­len des Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­nen wür­de.44

C’est ab­sur­de, je n’ai ja­mais ar­ti­cu­lé une cho­se par­eil­le.

Das ist ab­surd, et­was Der­ar­ti­ges habe ich nie­mals ar­ti­ku­liert.

Le phal­lus est très pro­pre­ment la jouis­sance se­xu­el­le en tant qu’elle est co­or­don­née, qu’elle est so­li­dai­re d’un sem­blant.

Der Phal­lus ist ganz streng das se­xu­el­le Ge­nie­ßen, in­so­fern es ko­or­di­niert ist, in­so­fern es fest ver­bun­den ist mit ei­nem Schein.

C’est bien ce qui se pas­se et c’est là ce dont il est as­sez étran­ge de voir tous les ana­lys­tes s’efforcer de dé­tour­ner leur re­gard.

Das ist ge­nau das, was ge­schieht, und das ist et­was, bei dem es ziem­lich merk­wür­dig ist, wenn man sieht, wie alle Ana­ly­ti­ker sich be­mü­hen, den Blick da­von ab­zu­wen­den.

Loin d’avoir tou­jours plus in­sis­té sur ce tour­nant, cet­te cri­se de la pha­se phal­li­que, tout leur est bon pour l’éluder : la cri­se, la vé­rité, à laquel­le il n’est pas un de ces jeu­nes êtres par­lants qui n’ait à fai­re face, c’est qu’il y en a qui n’en ont pas.

Statt auf die­sen Wen­de­punkt im­mer grö­ße­ren Nach­druck ge­legt zu ha­ben, auf die­se Kri­se der phal­li­schen Pha­se, ist ih­nen viel­mehr al­les recht, sie zu ver­mei­den, die Kri­se, die Wahr­heit, mit der nicht ei­nes die­ser jun­gen spre­chen­den We­sen nicht fer­tig wer­den muss, näm­lich, dass es wel­che gibt, die kei­nen ha­ben.

Dou­ble in­tru­si­on au man­que, par­ce que il y en a qui n’en ont pas et puis, cet­te vé­rité man­quait jusqu’à pré­sent.

Dop­pel­tes Vor­drin­gen zum Man­gel: weil es wel­che gibt, die kei­nen ha­ben, und au­ßer­dem fehl­te die­se Wahr­heit bis da­hin.

L’identification se­xu­el­le ne con­sis­te pas à se cro­i­re hom­me ou femme, mais à tenir comp­te de ce qu’il y ait des femmes, pour le gar­çon, de ce qu’il y ait des hom­mes, pour la fil­le.

Die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung be­steht nicht dar­in, sich für ei­nen Mann oder eine Frau zu hal­ten, son­dern dem Rech­nung zu tra­gen, dass es Frau­en gibt – was den Jun­gen an­geht –, und dass es Män­ner gibt – was das Mäd­chen an­geht.

Et ce qui est im­portant, ça n’est même pas tel­le­ment ce qu’ils éprou­vent, c’est une si­tua­ti­on réel­le, per­met­tez-moi.

Und wich­tig ist nicht ein­mal so sehr, was sie er­le­ben, wich­tig ist eine rea­le Si­tua­ti­on, wenn Sie ge­stat­ten.

C’est que pour les hom­mes, la fil­le c’est le phal­lus, et que c’est ça qui les chât­re.

Das ist dies, dass für die Män­ner das Mäd­chen der Phal­lus ist, und dass es das ist, was sie kas­triert.45

Que pour les femmes, le gar­çon c’est la même cho­se, le phal­lus, et c’est ça qui les chât­re aus­si, par­ce qu’elles n’acquièrent qu’un pé­nis, et que c’est raté.

Dass für die Frau­en der Jun­ge das­sel­be ist, der Phal­lus, und das ist das, was sie eben­falls kas­triert, weil sie nur ei­nen Pe­nis er­wer­ben und weil das ein Fehl­schlag ist.

Le gar­çon ni la fil­le d’abord ne cou­rent de ris­ques que par les dra­mes qu’ils dé­clen­chent : ils sont le phal­lus pen­dant un mo­ment.

Der Jun­ge und das Mäd­chen ge­hen Ri­si­ken zu­nächst nur durch die Dra­men ein, die sie aus­lö­sen – ei­nen Mo­ment lang sind sie der Phal­lus.

Voi­là le réel, le réel de la jouis­sance se­xu­el­le, en tant qu’elle est déta­chée com­me tel­le, c’est le phal­lus, au­tre­ment dit le Nom-du-Père, l’identification de ces deux ter­mes ayant en son temps scan­da­li­sé quel­ques pieu­ses per­son­nes.

Das ist das Rea­le, das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, in­so­fern die­ses Ge­nie­ßen als sol­ches ab­ge­trennt ist, das ist der Phal­lus, an­ders ge­sagt der Name-des-Va­ters – wo­bei sei­ner­zeit ei­ni­ge from­me Per­so­nen an der Gleich­set­zung die­ser bei­den Ter­mi­ni An­stoß ge­nom­men ha­ben.

Mais il y a quel­que cho­se qui vaut la pei­ne qu’on y in­sis­te un peu plus.

Es gibt je­doch et­was, was die Mühe lohnt, ein we­nig mehr Nach­druck dar­auf zu le­gen.

Quel­le est la part – donc fon­da­tri­ce – dans cet­te opé­ra­ti­on de sem­blant tel­le que cel­le que nous venons de dé­fi­nir au ni­veau du rap­port hom­me et femme, quel­le est la place du sem­blant, du sem­blant ar­chaïque ?

Was ist der An­teil, der also fun­die­rend ist, in die­ser Ope­ra­ti­on des Scheins wie der­je­ni­gen, die wir so­eben auf der Ebe­ne des Mann-Frau-Ver­hält­nis­ses de­fi­niert ha­ben, was ist der Platz des Scheins, des ar­chai­schen Scheins?

C’est as­su­ré­ment ce pour quoi il vaut la pei­ne de re­tenir un peu plus le mo­ment de ce que re­pré­sen­te la femme.

Das ist si­cher­lich das, wo­für es die Mühe lohnt, noch ein we­nig mehr das Mo­ment des­sen fest­zu­hal­ten, was die Frau re­prä­sen­tiert.

La femme, c’est pré­cis­é­ment – dans cet­te re­la­ti­on, dans ce rap­port – pour l’homme, l’heure de la vé­rité.

Die Frau ist – in die­ser Be­zie­hung, in die­sem Ver­hält­nis – für den Mann ge­nau die Stun­de der Wahr­heit.46

La femme est en po­si­ti­on, au re­gard de la jouis­sance se­xu­el­le, de ponc­tu­er l’équivalence de la jouis­sance et du sem­blant.

Die Frau ist hin­sicht­lich des se­xu­el­len Ge­nie­ßens in der Po­si­ti­on, die Äqui­va­lenz des Ge­nie­ßens und des Scheins zu in­ter­punk­tie­ren (ponc­tu­er).

C’est bien en cela que gît la di­stan­ce où se trouve d’elle, l’homme.

Und eben dar­in be­steht der Ab­stand, in dem sich ihr ge­gen­über der Mann be­fin­det.

Si j’ai par­lé de « l’heure de la vé­rité », c’est par­ce que c’est cel­le à quoi tou­te la for­ma­ti­on | [35] de l’homme est fai­te pour répond­re, en main­ten­ant en­vers et cont­re tout le sta­tut de son sem­blant.

Wenn ich von der Stun­de der Wahr­heit ge­spro­chen habe, dann des­halb, weil die ge­sam­te Bil­dung des Man­nes dazu da ist, dar­auf zu ant­wor­ten, in­dem er, al­lem und je­dem zum Trotz, den Sta­tus sei­nes Scheins auf­recht­erhält.

Il est cer­tai­ne­ment plus fa­ci­le à l’homme d’affronter au­cun en­ne­mi sur le plan de la ri­va­lité, que d’affronter la femme en tant qu’elle est le sup­port de cet­te vé­rité, de ce qu’il y a de sem­blant dans le rap­port de l’homme à la femme.

Für den Mann ist es si­cher­lich leich­ter, auf der Ebe­ne der Ri­va­li­tät mit ir­gend­ei­nen Feind kon­fron­tiert zu sein, als mit der Frau kon­fron­tiert zu sein, in­so­fern sie die Stüt­ze die­ser Wahr­heit ist, des­sen, dass es im Ver­hält­nis des Man­nes zur Frau Schein gibt.

À la vé­rité, que le sem­blant soit ici la jouis­sance pour l’homme, est suf­fi­sam­ment in­di­quer que la jouis­sance est sem­blant.

Dass der Schein hier für den Mann das Ge­nie­ßen ist, heißt nun aber, hin­läng­lich dar­auf zu ver­wei­sen, dass das Ge­nie­ßen Schein ist.

C’est par­ce qu’il est à l’intersection de ces deux jouis­san­ces que l’homme su­b­it au ma­xi­mum le ma­lai­se de ce rap­port qu’on dé­si­gne com­me se­xu­el.

Weil er an der Über­schnei­dung die­ser bei­den Ar­ten des Ge­nie­ßens ist47, er­lei­det der Mann das Un­be­ha­gen des Ver­hält­nis­ses, das man als se­xu­ell be­zeich­net, es am stärks­ten.48

Com­me di­sait l’autre: « ces plai­sirs qu’on ap­pel­le phy­si­ques ».

Wie mal je­mand sag­te: „Die­se Lüs­te, die man phy­sisch nennt“.49

Par cont­re, nul­le aut­re que la femme – car c’est en cela qu’elle est l’Autre – nul­le aut­re que la femme ne sait mieux ce qui, de la jouis­sance et du sem­blant, est dis­jonc­tif, par­ce qu’elle est la pré­sence de ce quel­que cho­se qu’elle sait, à sa­voir que jouis­sance et sem­blant, s’ils s’équivalent dans une di­men­si­on du dis­cours, n’en sont pas mo­ins dis­tincts dans l’épreuve, que la femme re­pré­sen­te pour l’homme la vé­rité tout sim­ple­ment, à sa­voir cel­le-là seu­le qui peut don­ner sa place en tant que tel­le au sem­blant50.

Im Ge­gen­satz hier­zu weiß nie­mand an­ders als die Frau – denn dar­in ist sie die An­de­re –, weiß nie­mand an­ders bes­ser als die Frau, was vom Ge­nie­ßen und vom Schein dis­junk­tiv ist, denn sie ist die Prä­senz des­sen, was sie weiß, näm­lich dass Ge­nie­ßen und Schein, auch wenn sie in ei­ner Di­men­si­on des Dis­kur­ses gleich­wer­tig sind, sich den­noch in der Er­fah­rung (dans l’épreuve) un­ter­schei­den, dass die Frau für den Mann ganz ein­fach die Wahr­heit dar­stellt, die ein­zi­ge näm­lich, die dem Schein sei­nen Platz als sol­chen ge­ben kann.51

Il faut le dire, tout ce qu’on nous a énon­cé com­me étant le res­sort de l’inconscient ne re­pré­sen­te rien que l’horreur de cet­te vé­rité.

Man muss sa­gen, al­les, was man zu uns dar­über ge­sagt hat, was die Trieb­fe­der des Un­be­wuss­ten sei, stellt nichts an­de­res dar als das Grau­en vor die­ser Wahr­heit.

C’est ça bien sûr qu’aujourd’hui, j’essaie, je ten­te de vous dé­ve­lop­per com­me on fait des fleurs ja­po­nai­ses, et qui n’est peut-être pas spé­cia­le­ment agréa­ble à tous à en­tendre.

Das ist na­tür­lich das, was ich pro­bie­re, was ich ver­su­che, heu­te für Sie zu ent­fal­ten, so wie man ja­pa­ni­sche Blu­men macht52, und was zu hö­ren viel­leicht nicht für alle be­son­ders an­ge­nehm ist.

C’est ce qu’on em­pa­quet­te d’habitude sous le re­gist­re du com­ple­xe de cas­tra­ti­on, mo­y­ennant quoi, là, avec cet­te pe­ti­te éti­quet­te, on est cal­me, on peut le lais­ser de côté, on n’a plus ja­mais rien à en dire, si­non que c’est là et qu’on lui fait une pe­ti­te ré­vé­rence de temps en temps.

Das ist das, was für ge­wöhn­lich un­ter das Re­gis­ter des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes ge­packt wird, wo­durch man dann, mit die­sem klei­nen Eti­kett, ru­hig ist – man kann es bei­sei­te las­sen, man muss nie wie­der et­was dar­über sa­gen, au­ßer, dass es da ist und dass man ihm von Zeit zu Zeit eine klei­ne Re­ve­renz er­weist.

Mais que la femme soit la vé­rité de l’homme, que cet­te vi­eil­le his­toire pro­ver­bia­le quand il s’agit de com­prend­re quel­que cho­se, le cher­chez la femme – à quoi on don­ne na­tu­rel­le­ment une in­ter­pré­ta­ti­on po­li­ciè­re – soit quel­que cho­se de tout aut­re, à sa­voir que pour avoir la vé­rité d’un hom­me, on fe­rait bien de sa­voir quel­le est sa femme, j’entends, son épou­se à l’occasion, et pour­quoi pas ?

Aber dass die Frau die Wahr­heit des Man­nes ist, dass die­se alte Ge­schich­te mit dem Sprich­wort, wenn es dar­um geht, et­was zu ver­ste­hen, näm­lich das Cher­chez la femme53, dem man na­tür­lich eine po­li­zei­li­che Deu­tung gibt, dass dies et­was ganz an­de­res ist, näm­lich dass man, wenn man die Wahr­heit ei­nes Man­nes ha­ben will, gut dar­an täte, zu wis­sen, wer sei­ne Frau ist, ich mei­ne hier sei­ne Ehe­frau, und war­um nicht?

C’est le seul endroit où ça ait un sens, ce que quelqu’un un jour dans mon en­tou­ra­ge a ap­pelé le pèse-per­son­ne.

Das ist der ein­zi­ge Ort, wo das ei­nen Sinn hat, was je­mand aus mei­ner Um­ge­bung mal die Per­so­nen­waa­ge ge­nannt hat.

Pour pe­ser une per­son­ne, rien de tel que de pe­ser sa femme, quand il s’agit d’un hom­me.

Um eine Per­son zu ge­wich­ten, gibt es nichts Bes­se­res, als sei­ne Frau zu wie­gen – wenn es um ei­nen Mann geht.

Quand il s’agit d’une femme, c’est pas la même cho­se !

Wenn es um eine Frau geht, ist das nicht das­sel­be.

Par­ce que la femme a une très très gran­de li­ber­té…

Denn die Frau hat eine sehr, sehr gro­ße Frei­heit …

Zu­hö­rer: Plus fort !

Zu­hö­rer: Lau­ter!

La­can: Qu’est-ce qu’il y a ?

La­can: Was ist los?

Zu­hö­rer: On n’entend pas !

Zu­hö­rer: Man ver­steht nichts!

La­can: Vous n’entendez pas ?

La­can: Sie ver­ste­hen nichts?

Zu­hö­rer: Non !

Zu­hö­rer: Nein!

La­can [sehr laut]: J’ai dit : la femme a une très gran­de li­ber­té à l’endroit du sem­blant ! [Ge­läch­ter]

La­can [sehr laut]: Ich habe ge­sagt: Die Frau hat eine sehr gro­ße Frei­heit hin­sicht­lich des Scheins. [Ge­läch­ter]

Elle ar­ri­ve­ra à don­ner du po­ids même à un hom­me qui n’en a au­cun.

Es ge­lingt ihr, selbst ei­nem Mann Ge­wicht zu ver­lei­hen, der kei­nes hat.

[36] C’est des… c’est des vé­rités bien sûr qui au cours des siè­cles étai­ent déjà par­fai­te­ment re­pé­rées de­puis long­temps, mais qui ne sont ja­mais di­tes que de bou­che à bou­che, si je puis dire. [Ge­läch­ter]

Das sind, das sind na­tür­lich Wahr­hei­ten, die man im Lau­fe der Jahr­hun­der­te be­reits seit lan­gem ganz klar fest­ge­stellt hat, die aber, wenn ich so sa­gen darf, im­mer nur von Mund zu Mund mit­ge­teilt wer­den. [Ge­läch­ter]

Et tou­te une lit­té­ra­tu­re est fai­te, exis­te, il s’agirait de con­naît­re son ampleur.

Und eine gan­ze Li­te­ra­tur ist ge­schaf­fen wor­den und exis­tiert; man müss­te ihre Aus­ma­ße ken­nen.

Na­tu­rel­le­ment ça n’a d’intérêt que si on prend la meilleu­re.

Na­tür­lich ist das nur von In­ter­es­se, wenn man die bes­te nimmt.

Quelqu’un par ex­emp­le, dont il faud­rait un jour que quelqu’un se char­ge, c’est Bal­ta­zar Gra­cián, qui était un jé­sui­te émi­nent, et qui a écrit de ces cho­ses par­mi les plus in­tel­li­gen­tes qu’on puis­se écri­re.

Bei­spiels­wei­se je­man­den, um den sich ir­gend­wann mal je­mand küm­mern müss­te, näm­lich Bal­ta­sar Gra­cián, der ein be­deu­ten­der Je­su­it war und der Din­ge ge­schrie­ben hat, die zu den in­tel­li­gen­tes­ten ge­hö­ren, die man schrei­ben kann.

Leur in­tel­li­gence est ab­so­lu­ment pro­di­gieu­se en ceci que tout ce dont il s’agit, à sa­voir éta­b­lir ce qu’on peut ap­pe­ler la sain­te­té de l’homme; en un mot ré­su­me-t-il – ré­su­me-t-il quoi ? – son li­v­re sur L’Homme de cour – en un mot, deux-points : être un saint.

De­ren In­tel­li­genz ist in­so­fern ab­so­lut au­ßer­ge­wöhn­lich, als al­les, wor­um es geht – näm­lich das her­bei­zu­füh­ren, was man die Hei­lig­keit des Man­nes nen­nen kann –, als er al­les in ei­nem Wort zu­sam­men­fasst; was zu­sam­men­fasst?, sein Buch über den Hof­mann – in ei­nem Wort, Dop­pel­punkt: ein Hei­li­ger sein.54

C’est le seul point de la ci­vi­li­sa­ti­on oc­ci­den­ta­le où le mot saint ait le même sens qu’en chi­nois, shéng-ren, 神聖.

Das ist der ein­zi­ge Punkt der west­li­chen Zi­vi­li­sa­ti­on, wo das Wort Hei­li­ger die­sel­be Be­deu­tung hat wie im Chi­ne­si­schen, sheng-ren.

No­tez ce point, par­ce que cet­te ré­fé­rence… par­ce que tout de même il est tard aujourd’hui, et ce n’est pas aujourd’hui que je l’introduirai, je vous fe­rai cet­te an­née quel­ques pe­ti­tes ré­fé­ren­ces aux ori­gi­nes de la pen­sée chi­noi­se.

No­tie­ren Sie sich die­sen Punkt, weil ich die­sen Be­zug, da es heu­te wirk­lich spät ist, weil ich ihn heu­te nicht ein­füh­ren wer­de; ich wer­den Ih­nen in die­sem Jahr ei­ni­ge klei­ne Hin­wei­se zu den Ur­sprün­gen des chi­ne­si­schen Den­kens ge­ben.

Quoi qu’il en soit, oui je me suis aper­çu d’une cho­se, c’est que peut-être je ne suis la­ca­ni­en que par­ce que j’ai fait du chi­nois aut­re­fois.

Wie auch im­mer. Ja, eine Sa­che ist mir klar­ge­wor­den, näm­lich dass ich viel­leicht nur des­halb La­ca­nia­ner bin, weil ich frü­her Chi­ne­sisch ge­lernt habe.

Je veux dire par là que, je m’aperçois, à re­li­re des trucs com­me ça, que j’avais par­cou­rus, mais ânon­nés en­fin com­me un nig­aud, avec des oreil­les d’âne, je me suis aper­çu à les re­li­re main­ten­ant que, en­fin c’est de plain-pied avec ce que je ra­con­te.

Da­mit will ich sa­gen, dass mir klar­ge­wor­den ist, als ich Sa­chen die­ser Art wie­der­las, Sa­chen, die ich mal durch­ge­se­hen hat­te, je­doch sto­ckend, das heißt wie ein Dumm­kopf, mit Esels­oh­ren, dass mir, als ich sie jetzt wie­der­las, klar­ge­wor­den ist, dass das ja auf der­sel­ben Ebe­ne liegt wie das, was ich er­zäh­le.

Je ne sais pas, je don­ne un ex­emp­le.

Ich weiß nicht. Ich gebe ein Bei­spiel.

Dans Men­ci­us, qui est un des li­v­res fon­da­men­taux, ca­no­ni­ques, de la pen­sée chi­noi­se, il y a un type – qui est son di­scip­le d’ailleurs, ce n’est pas lui – et qui com­mence d’énoncer des cho­ses com­me ceci : « Ce que vous ne trou­vez pas du côté du yan » – c’est « le dis­cours » – « ne le cher­chez pas du côté de vot­re es­prit. »

Im Men­ci­us, was ei­nes der grund­le­gen­den ka­no­ni­schen Bü­cher des chi­ne­si­schen Den­kens ist55, gibt es ei­nen Ty­pen – der üb­ri­gens sein Schü­ler ist, das ist nicht er –, der an­fängt, Sa­chen wie die­se hier zu äu­ßern: „Was Sie nicht auf der Sei­te des yán, 言, fin­den“, das ist die Rede, der Dis­kurs, „su­chen Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res Geis­tes (es­prit).“

En­fin je vous tra­du­is « es­prit », c’est xin, 心,mais ça veut dire qu’il dé­si­gnait par xin, qui veut dire « le cœur », ce qu’il dé­si­gnait, c’était bel et bien « l’esprit », le Geist de He­gel.

Nun, ich über­set­ze für Sie es­prit, das ist xin, aber das meint: das, was er mit xin be­zeich­ne­te – was „das Herz“ be­deu­tet –, was er da­mit be­zeich­ne­te, war wirk­lich l’esprit, der Geist* von He­gel.

Mais en­fin ça de­man­de­rait un tout pe­tit peu plus de dé­ve­lop­pe­ments.

Aber, nun ja, das wür­de ein ganz klein we­nig mehr an Er­läu­te­run­gen ver­lan­gen.

« Et si vous ne trou­vez pas du côté de vot­re es­prit, ne le cher­chez pas du côté de vot­re zhi », c’est-à-dire de… de ce que les jé­sui­tes tra­dui­sent com­me ça, com­me ils peu­vent, en per­dant un peu le souf­fle, de vot­re sen­si­bi­lité.

Und wenn Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res Geis­tes fin­den, su­chen Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res zhi“, das heißt des­sen, was die Je­sui­ten so über­set­zen, so gut sie konn­ten, wo­bei Ih­nen ein we­nig der Atem aus­geht, „Ih­res Emp­fin­dungs­ver­mö­gens“.

Je ne vous in­di­que cet éta­ge­ment que pour vous dire la dis­tinc­tion qu’il y a, très stric­te, ent­re ce qui s’articule, ce qui est du dis­cours, et | [37] ce qui est de l’esprit, du mo­ins pour l’essentiel.

Ich ver­wei­se Sie nur des­halb auf die­se Ab­stu­fung, um zu Ih­nen über die Un­ter­schei­dung zu spre­chen, die es ganz streng zwi­schen dem gibt, was ar­ti­ku­liert wird – dem, was zum Dis­kurs ge­hört –, und dem, was zum Geist ge­hört, zu­min­dest was das We­sent­li­che an­geht.

Si vous n’avez pas déjà trou­vé au ni­veau de la pa­ro­le, c’est dé­se­s­pé­ré, n’essayez pas d’aller cher­cher ail­leurs au ni­veau des sen­ti­ments.

Wenn Sie nicht be­reits auf der Ebe­ne des Spre­chens fün­dig ge­wor­den sind, ist es aus­sichts­los; ver­su­chen Sie nicht, an­ders­wo zu su­chen, auf der Ebe­ne der Ge­füh­le.

Meng-tseu, Men­ci­us, se cont­re­dit, c’est un fait, mais il s’agit de sa­voir par quel­le voie et pour­quoi.

Meng­zi, Men­ci­us, wi­der­spricht sich, das ist eine Tat­sa­che, aber es geht dar­um, auf wel­chem Wege und war­um.

Ceci pour vous dire que, d’une cer­tai­ne fa­çon mett­re au pre­mier plan tout à fait le dis­cours, c’est pas du tout quel­que cho­se qui nous fas­se re­mon­ter à des ar­chaïs­mes, par­ce que le dis­cours à cet­te épo­que, à l’époque de Men­ci­us, était déjà par­fai­te­ment ar­ti­cu­lé et con­sti­tué.

Dies, um Ih­nen zu sa­gen, wenn man in ge­wis­ser Wei­se den Dis­kurs ganz in den Vor­der­grund stellt, ist das kei­nes­wegs et­was, was uns zu Ar­chais­men zu­rück­keh­ren lässt, denn zu je­ner Zeit, zur Zeit von Men­ci­us, war der Dis­kurs be­reits voll­kom­men ar­ti­ku­liert und kon­sti­tu­iert.

Ça n’est pas au mo­y­en des ré­fé­ren­ces à une pen­sée pri­mi­ti­ve qu’on peut le com­prend­re, à la vé­rité je ne sais pas ce que c’est qu’une pen­sée pri­mi­ti­ve.

Durch Be­zü­ge auf ein pri­mi­ti­ves Den­ken lässt sich das nicht be­grei­fen; ich weiß wirk­lich nicht, was das ist, ein pri­mi­ti­ves Den­ken.

Une cho­se beau­coup plus con­crè­te que nous avons à not­re por­tée, c’est ce qu’on ap­pel­le le sous-dé­ve­lop­pe­ment.

Eine sehr viel kon­kre­te­re Sa­che, die wir in un­se­rer Reich­wei­te ha­ben, ist das, was Un­ter­ent­wick­lung ge­nannt wird.

Mais ça, le sous-dé­ve­lop­pe­ment ça n’est pas… ça n’est pas ar­chaïque, cha­cun sait que c’est pro­du­it par l’extension du règ­ne ca­pi­ta­lis­te.

Aber dies, die Un­ter­ent­wick­lung, ist nicht ar­cha­isch, je­der weiß, dass das durch die Aus­wei­tung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Herr­schaft er­zeugt wor­den ist.

Je dirai même plus : ce dont on s’aperçoit, et dont on s’apercevra de plus en plus, c’est que le sous-dé­ve­lop­pe­ment c’est très pré­cis­é­ment la con­di­ti­on du pro­grès ca­pi­ta­lis­te.

Ich möch­te so­gar noch mehr sa­gen. Was man wahr­nimmt und was man im­mer deut­li­cher wahr­neh­men wird, ist dies, dass die Un­ter­ent­wick­lung sehr ge­nau die Be­din­gung für den ka­pi­ta­lis­ti­schen Fort­schritt ist.

Sous un cer­tain ang­le, la ré­vo­lu­ti­on d’Octobre elle-même en est une preuve.

Ein Be­weis da­für ist, un­ter ei­nem be­stimm­ten Blick­win­kel, die Ok­to­ber­re­vo­lu­ti­on selbst.

Mais ce qu’il faut voir, c’est que ce à quoi nous avons à fai­re face c’est à un sous-dé­ve­lop­pe­ment qui va être de plus en plus pa­tent, de plus en plus éten­du.

Man muss aber se­hen, dass das, wor­auf wir uns ein­stel­len müs­sen, eine Un­ter­ent­wick­lung ist, die im­mer of­fen­sicht­li­cher sein wird und im­mer aus­ge­dehn­ter.

Ce qu’il s’agit en som­me, c’est que nous met­ti­ons à l’épreuve ceci : si la clef des di­vers pro­blè­mes qui vont se pro­po­ser à nous n’est pas de nous mett­re au ni­veau de cet ef­fet de l’articulation ca­pi­ta­lis­te que j’ai lais­sée dans l’ombre l’année der­niè­re, à ne vous don­ner que sa ra­ci­ne dans le dis­cours du maît­re, je pour­rai peut-être en don­ner un peu plus cet­te an­née.

Kurz ge­sagt, es geht dar­um, dass wir Fol­gen­des prü­fen: Wenn der Schlüs­sel für die un­ter­schied­li­chen Pro­ble­me, die sich uns stel­len wer­den, nicht dar­in be­steht, dass wir uns auf die Ebe­ne die­ser Wir­kung der ka­pi­ta­lis­ti­schen Ar­ti­ku­la­ti­on be­ge­ben – die ich letz­tes Jahr im Schat­ten ge­las­sen habe56 und Ih­nen mit dem Dis­kurs des Herrn nur de­ren Wur­zel ge­ge­ben habe –, wer­de ich in die­sem Jahr viel­leicht ein we­nig mehr da­von ge­ben kön­nen.

Il con­vi­en­drait… il faut voir ce que nous pou­vons ti­rer de ce que j’appellerai une lo­gi­que sous-dé­ve­lop­pée.

Es wäre gut –; man muss se­hen, was wir aus dem her­aus­ho­len kön­nen, was ich eine un­ter­ent­wi­ckel­te Lo­gik nen­nen möch­te.

C’est cela que j’essaie d’articuler de­vant vous, com­me di­sent les tex­tes chi­nois : « pour vot­re meilleur usa­ge ».

Das ist das, was ich vor Ih­nen zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­che, „zu Ih­rer bes­se­ren Ver­wen­dung“, wie es in den chi­ne­si­schen Tex­ten heißt.

Paraphrase mit Erläuterungen und Fragen

Schwar­ze Schrift: Pa­ra­phra­se
Grü­ne Schrift: mei­ne Er­läu­te­run­gen
Grün un­ter­leg­te Schrift: mei­ne Fra­gen
Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [11]: die ent­spre­chen­den Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars

Worauf Lacan hinauswill: die Kohärenz von Psychoanalyse und Wissenschaft aufzeigen

[23] Eine Fra­ge von Hö­rern der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung lau­te­te: Wor­auf La­can da­mit hin­aus­will. La­can hält die­se Fra­ge für ver­früht. Bes­ser sei es zu fra­gen: Wo­von er aus­ge­he oder so­gar: wo­von er sei­ne Hö­rer aus­ge­hen las­sen möch­te. Der Aus­druck habe zwei Be­deu­tun­gen: (a) ir­gend­wo­hin ge­hen und (b)  Sie von dort ver­ja­gen, wo Sie sind. [Von wo also möch­te La­can sei­ne Hö­rer ver­ja­gen?]

Die Fra­ge, wor­auf er hin­aus­wol­le, sei ein gu­tes Bei­spiel für die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren, also für die Fra­ge „Que vuoi?“, „Was willst du?“ Wenn man die­se Fra­ge so­gleich be­ant­wor­ten kann, | [24] fühlt man sich bes­ser. Die Ant­wort auf die­se Fra­ge ist je­doch ein Träg­heits­fak­tor. [Die Ant­wort er­schwert es, die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren auf­recht­zu­er­hal­ten, und da­mit die nach dem Be­geh­ren des Sub­jekts, also die­je­ni­ge Fra­ge, um die es in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se geht.] Des­halb be­müht man sich in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se, die Fra­ge of­fen zu las­sen. In die­sem Se­mi­nar ist La­can je­doch, wie er über sich sagt, nicht in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers, dar­auf hat­te er das letz­te Mal be­reits hin­ge­wie­sen. [In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hat­te er ge­sagt, sein Se­mi­nar habe die Struk­tur des Dis­kur­ses der Psy­cho­ana­ly­se, je­doch mit La­can in der Po­si­ti­on des Ana­ly­san­ten und mit den Zu­hö­rern in der Po­si­ti­on des Ana­ly­ti­kers.] Des­halb glaubt er sich ver­pflich­tet (sagt La­can), die Fra­ge, wor­auf er hin­aus­wol­le, dann doch zu be­ant­wor­ten.

Er legt sich die Fra­ge so zu­recht: War­um hat er ge­spro­chen?

Ich, die Wahrheit, ich spreche“

Er er­in­nert dar­an, dass er das letz­te Mal über den Schein ge­spro­chen hat­te und ge­sagt hat­te, „dass der Schein, der sich für das aus­gibt, was er ist, die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit ist“.  [Das hat­te er in der vo­ri­gen Sit­zung nicht ge­sagt, zu­min­dest nicht wört­lich.] Dies wird durch ein be­stimm­tes „Ich spre­che“ be­wirkt. [La­can hat­te in letz­ten Sit­zung die Sät­ze „Ich, die Wahr­heit, ich spre­che“ und „Ich lüge“ still­schwei­gend mit­ein­an­der gleich­ge­setzt und dann er­klärt, un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen kön­ne nichts wah­rer sein als der Satz „ich lüge“. Dem­nach ist der Schein, der sich für das aus­gibt, was er ist, die Lüge, die sich als Lüge aus­gibt.]

[Die Wahr­heit wird von La­can also auf der Sei­te des Sym­bo­li­schen, des Si­gni­fi­kan­ten ver­or­tet, nicht auf der des Rea­len. Das er­in­nert an sein Dik­tum „Die Wahr­heit hat die Struk­tur ei­ner Fik­ti­on“ (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel), was man viel­leicht auch so über­set­zen könn­te: Die Wahr­heit hat die Struk­tur ei­nes Scheins. Nicht nur stützt sich der Schein auf die Wahr­heit, son­dern auch die Wahr­heit auf den Schein.]

Das Symptom

Das Re­vo­lu­tio­nä­re an Freud be­steht dar­in, dass er eine Rei­he von Tat­sa­chen als Sym­pto­me auf­ge­fasst hat. Dies ist das ein­zi­ge Ele­ment, das er mit Marx ge­mein­sam hat [Marx hat das Sym­ptom ent­deckt, wie La­can seit 1966 im­mer wie­der sagt]. Das Sym­ptom ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass es spricht. [Es hat eine Be­deu­tung.] Das Sym­ptom spricht so­gar zu den­je­ni­gen, die nicht hören/verstehen kön­nen. [Ein Mensch geht u.a. des­halb in eine Psy­cho­ana­ly­se, weil er wis­sen will, was sein Sym­ptom be­deu­tet: Es spricht zu ihm, aber er ver­steht es nicht.] „Das Sym­ptom sagt nicht al­les, auch zu den­je­ni­gen nicht, die hören/verstehen kön­nen.“ [Im Sym­ptom ma­ni­fes­tie­ren sich nicht nur ver­dräng­te Si­gni­fi­kan­ten, in ihm ma­ni­fes­tiert sich auch das Rea­le, das heißt das, was nicht in die Form von Si­gni­fi­kan­ten ge­bracht wer­den kann, das Ge­nie­ßen (das Sym­ptom ist eine „Er­satz­be­frie­di­gung“, wie Freud sagt57). Das hat zur Fol­ge, dass auch der Psy­cho­ana­ly­ti­ker die Wahr­heit nur halb­sa­gen kann.]

Die­se Be­för­de­rung des Sym­ptoms führt zu ei­ner Keh­re im Re­gis­ter der Er­kennt­nis. [Die Er­kennt­nis­theo­rie deu­tet das Er­ken­nen, wie La­can ei­ni­ge Ab­sät­ze spä­ter sa­gen wird, nach dem Mus­ter der Wahr­neh­mung, und das heißt für ihn: ei­ner Ent­spre­chung von Sub­jekt und Ob­jekt.] „Wir kön­nen al­ler­dings nicht sa­gen, dass wir un­ter dem Ge­sichts­punkt der Er­kennt­nis völ­lig ohne et­was da­ste­hen.“ [? Sinn?] Die Er­kennt­nis­theo­rie hat et­was Ver­al­te­tes, wenn es dar­um geht, die Vor­ge­hens­wei­se der Wis­sen­schaft zu er­klä­ren, etwa der Phy­sik. [Auf­grund ih­rer Bin­dung an die Wahr­neh­mung kann sie die Schlüs­sel­rol­le der al­ge­brai­schen For­meln in den Wis­sen­schaf­ten nicht er­klä­ren, also nicht die Funk­ti­on der Schrift; das wird spä­ter in die­ser Sit­zung aus­ge­führt.]

[Eine der Po­si­tio­nen, von de­nen La­can sei­ne Hö­rer ver­ja­gen möch­te, ist of­fen­bar die der Er­kennt­nis­theo­rie.]

Par­al­lel zur Ent­wick­lung der Wis­sen­schaft sind wir [das heißt La­can] in ei­ner Po­si­ti­on, die auf dem Weg ei­ner be­stimm­ten Wahr­heit ist. [Die Par­al­le­li­tät be­steht dar­in, dass La­can, wie die Wis­sen­schaft, ei­nen Zu­gang zum Rea­len durch den Buch­sta­ben her­zu­stel­len ver­sucht; mehr dazu sagt er spä­ter in die­ser Sit­zung.] Die­se par­al­le­le Ent­wick­lung von Wis­sen­schaft und Psy­cho­ana­ly­se zeigt eine ge­wis­se He­te­ro­ge­ni­tät des Sta­tus der bei­den Re­gis­ter an. [Freud hat sich be­müht, die Psy­cho­ana­ly­se nach dem Mus­ter der Na­tur­wis­sen­schaf­ten zu ent­wi­ckeln, ist da­mit aber in Schwie­rig­kei­ten ge­ra­ten.] Nur in La­cans Leh­re (sagt La­can) | [25] wird der Ver­such ge­macht, de­ren Ko­hä­renz auf­zu­zei­gen. [La­can zeigt die Ko­hä­renz von Na­tur­wis­sen­schaf­ten und Psy­cho­ana­ly­se durch sei­ne Kon­zep­ti­on des Buch­sta­bens und des Rea­len, nicht wie Freud durch eine En­er­gie­theo­rie. In die­ser Ori­en­tie­rung an den Na­tur­wis­sen­schaf­ten be­greift La­can sich als ein­sa­mer Erbe Freuds.] Die­se Ko­hä­renz ist nur für die­je­ni­gen selbst­ver­ständ­lich, die dem in der Pra­xis der Psy­cho­ana­ly­se et­was hin­zu­fü­gen, was sich auf den Schein be­zieht. Das will er heu­te zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­chen. [Das, was sich auf den Schein (und auf die­sem Weg auf das Rea­le) be­zieht, ist der Buch­sta­be; auch die­ser Ge­dan­ke wird spä­ter in die­ser Sit­zung er­läu­tert.]

[Wor­auf La­can in die­sem Se­mi­nar hin­aus­will, könn­te Fol­gen­des sein: Er will zei­gen, dass es zwei Zu­gän­ge zum Sym­ptom gibt: das Spre­chen und da­mit die Di­men­si­on der Wahr­heit, und au­ßer­dem den Buch­sta­ben als Zu­gang zum Rea­len.]

Schein und Wahrheit im Diskurs

La­can wie­der­holt. Der Schein ist we­sent­lich, um die pri­mä­re Funk­ti­on der Wahr­heit zu be­zeich­nen. [Dies wird spä­ter in die­ser Sit­zung so er­läu­tert: die Wahr­heit ist der Schein als Schein.]

Er fügt hin­zu: Ohne die­sen Be­zug [auf das Ver­hält­nis von Schein und Wahr­heit] ist es un­mög­lich, das, wor­um es beim Dis­kurs geht, nä­her zu kenn­zeich­nen. [In den Dis­kurs­for­meln ist der Platz oben links der des Scheins, der Platz un­ten links der der Wahr­heit – die Dis­kur­se be­ru­hen also auf dem en­gen Zu­sam­men­hang zwi­schen Schein und Wahr­heit.]

Ein Dis­kurs be­ruht auf vier Plät­zen, ei­nen die­ser Plät­ze hat La­can un­be­nannt ge­las­sen, den­je­ni­gen, der dem Dis­kurs sei­nen Na­men gibt, also den Platz oben links. [Tat­säch­lich hat­te La­can die­sen Platz in Se­mi­nar 17 und in Ra­dio­pho­nie als den des Agen­ten be­zeich­net.] Die­sen Platz be­nennt La­can jetzt als Platz des Scheins. [Da die vier Dis­kur­se aus Se­mi­nar 17 alle durch den Platz des Scheins be­stimmt wer­den, hät­te ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, also eine an­de­re Struk­tur als die­se vier Dis­kur­se.]

[Wenn in den Dis­kurs­for­meln der Platz links oben der Platz des Scheins ist, dann heißt das: Die Funk­ti­on des Scheins kann durch vier Grö­ßen rea­li­siert wer­den: S1, S2, a und $. Nicht nur Si­gni­fi­kan­ten kön­nen als Schein fun­gie­ren (S1 und S2), son­dern auch die Mehr­lust bzw. das Ob­jekt a – das hat­te La­can in der vor­an­ge­hen­den Sit­zung viel­leicht mit dem Hin­weis auf das Blut der Mär­ty­rer an­ge­deu­tet. Und auch das aus­ge­stri­che­ne (ge­spal­te­ne, be­geh­ren­de) Sub­jekt kann die Funk­ti­on des Scheins über­neh­men. Das heißt ei­ner­seits: die­se vier Grö­ßen kön­nen in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis zur Wahr­heit ste­hen (zum ver­dräng­ten und zu of­fen­ba­ren­den Sinn), und sie kön­nen sich an­de­rer­seits auf das Rea­le be­zie­hen (auf das, was nicht sym­bo­li­siert wer­den kann). La­can ord­net also nicht erst im En­core-Se­mi­nar das Ob­jekt a dem Schein zu (wie Mil­ler sagt58); in dem Mo­ment, in dem er den Be­griff des Scheins ein­führt und Platz oben links im Dis­kurs als den des Scheins be­zeich­net – also in die­ser Pas­sa­ge von Se­mi­nar 18 –, ist für La­can der Schein eine der Funk­tio­nen des Ob­jekts a.]

[? In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hieß es, das „ich“ in dem Satz „ich lüge“, also der mit sich selbst iden­ti­sche Si­gni­fi­kant, sei der Schein. Kann man also sa­gen, der Platz des Scheins ist der Platz der Iden­ti­fi­zie­rung? Be­ru­hen die vier Dis­kur­se auf vier Ar­ten der Iden­ti­fi­zie­rung, auf der Iden­ti­fi­zie­rung mit S1, (z.B. „ich“), mit S2, mit a oder mit $?]

Gesellschaften mit und ohne Herrendiskurs

Da­mit wird klar, war­um der Si­gni­fi­kant am Platz oben links so sehr an sei­nem Platz ist. [Der Si­gni­fi­kant an sich selbst hat ja, wie La­can in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ge­sagt hat­te, die Funk­ti­on des Scheins, und des­halb ist er am Platz des Scheins ge­wis­ser­ma­ßen in sei­nem an­ge­stamm­ten Mi­lieu.]

Dar­aus er­klärt sich der Er­folg des Her­ren­dis­kur­ses – er bil­det die Grund­la­ge meh­re­rer Zi­vi­li­sa­tio­nen. Ein Herr herrscht nicht [pri­mär] durch Ge­walt, vor al­lem nicht zu Be­ginn, schließ­lich ist ein Mensch so viel wert wie ein an­de­rer – He­gel hat das ge­zeigt. [Das könn­te sich auf das Kon­zept der An­er­ken­nung in der Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes be­zie­hen; die wech­sel­sei­ti­ge An­er­ken­nung wäre dann die Her­stel­lung ei­ner Wert­gleich­heit zwi­schen zwei Men­schen. Ein Herr herrscht, statt durch Ge­walt, da­durch, dass der Her­ren­si­gni­fi­kant – der Be­fehl – am Platz des Scheins ist. Ein Herr herrscht durch Zu­stim­mung der Un­ter­wor­fe­nen, durch frei­wil­li­ge Knecht­schaft, wie Spi­no­za sagt.]

[26] Die so­ge­nann­ten pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten [ge­wis­ser­ma­ßen die Nicht-Zi­vi­li­sa­tio­nen] bil­den kei­nen An­fang; Be­zeich­nun­gen wie „pri­mi­ti­ve“ oder „ar­chai­sche“ oder „prä­lo­gi­sche“ Ge­sell­schaf­ten  [die sich alle auf ei­nen his­to­ri­schen An­fang be­zie­hen] sind un­halt­bar. Die­se Ge­sell­schaf­ten sind mög­li­cher­wei­se eher ein „Ab­fall“ [Res­te von un­ter­ge­gan­ge­nen „Zi­vi­li­sa­tio­nen“]; ob das tat­säch­lich so ist, lässt sich nicht ent­schei­den. Auf je­den Fall zei­gen uns die „pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten“, dass so­zia­le For­ma­tio­nen nicht zwangs­läu­fig auf dem Dis­kurs des Herrn be­ru­hen. [Die so­ge­nann­ten pri­mi­ti­ven Ge­sell­schaf­ten ha­ben kei­nen Staat und kei­ne herr­schen­de Klas­se, sie sind „ake­phal“, „kopf­los“, wie die Eth­no­lo­gen sa­gen.] Am bes­ten spricht man in Be­zug auf die­se Ge­sell­schaf­ten von ei­ner „my­thisch-ri­tu­el­len Kon­fi­gu­ra­ti­on“ [das heißt die­se So­zi­al­for­men wer­den durch das Zu­sam­men­wir­ken von My­then und Ri­tua­len zu­sam­men­ge­hal­ten]. Die my­thisch-ri­tu­el­le Kon­fi­gu­ra­ti­on ist kein Her­ren­dis­kurs. [Klei­ne War­nung am Ran­de:] Wenn man sich be­son­ders für Ge­sell­schaf­ten die­ses Typs in­ter­es­siert, ist das meist ein Aus­weich­ma­nö­ver, man in­ter­es­siert sich da­für, um sich nicht mit et­was an­de­rem zu be­fas­sen [nicht mit der ei­ge­nen Ge­sell­schaft, neh­me ich an, also nicht mit dem Her­ren­dis­kurs und des­sen Um­wand­lung in den Dis­kurs der Uni­ver­si­tät].

Das Neue, das Re­vo­lu­tio­nä­re be­steht in ei­ner Ver­schie­bung des Dis­kur­ses, der­art, dass in ei­ner Ro­ta­ti­ons­be­we­gung die vier Ter­me (S1, S2, a, $) ihre Plät­ze wech­seln, ihre „Näp­fe“. [La­can stützt sich hier wie be­reits in Se­mi­nar 17 auf die Ety­mo­lo­gie von „Re­vo­lu­ti­on“: Um­wäl­zung, Um­dre­hung.]

Die Wahr­heit [in den Dis­kurs­for­meln der Platz links un­ten] ist nicht das Ge­gen­teil des Scheins [der Platz links oben]. Die Wahr­heit ist eine be­stimm­te „dem­an­si­on“ der Spra­che, eine be­stimm­te Di­men­si­on der Spra­che, ein be­stimm­ter Platz im Dis­kurs. [„Dem­an­si­on“ ist ein Neo­lo­gis­mus, ein Kof­fer­wort aus di­men­si­on und man­si­on (Haus) – man­si­on ist sel­ten und meint vor al­lem das Haus im Sin­ne der As­tro­lo­gi. Die Spra­che ist das Haus der Wahr­heit.] Die Wahr­heit steht in Be­zie­hung zur „dem­an­si­on“ des Scheins, zum Platz des Scheins [die Spra­che ist auch das Haus des Scheins, sie ist das Haus des Ver­hält­nis­ses von Wahr­heit und Schein]. Die Wahr­heit ist die­je­ni­ge „dem­an­si­on“, von der die „dem­an­si­on“ des Scheins ge­stützt wird. [Die Be­zie­hung ist also die der Stüt­zung: die Wahr­heit stützt den Schein, und die Dis­kurs­for­meln ver­an­schau­li­chen die­se Stüt­zungs­funk­ti­on, in­dem die Wahr­heit ih­ren Platz un­ter dem des Scheins hat. Ich ver­mu­te, dass die Wahr­heit in­so­fern den Schein stützt, als die Wahr­heit die Struk­tur ei­ner Fik­ti­on hat, wie La­can seit den frü­he­ren Se­mi­na­ren sagt.] Es wird [im Schein] je­doch et­was von dem an­ge­zeigt, wo der Schein her­kommt [von der Wahr­heit, neh­me ich an].

Lacan ist nicht Nominalist, sondern Realist

[27] La­can äu­ßert sich zur Fra­ge von zwei Teil­neh­mern, ob er ein ge­fähr­li­cher Idea­list sei. Als Ant­wort ver­weist er dar­auf, dass er in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ge­sagt hat­te, der Dis­kurs sei ein Ar­te­fakt. Der Schein ist das Ge­gen­teil des Ar­te­fakts. [Hier über­setzt La­can „Idee“ of­fen­bar mit „Schein“.] In der Na­tur wim­melt es von Schein [wie La­can in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ge­sagt hat­te]. [In­so­fern der Schein et­was Na­tür­li­ches ist, steht er im Ge­gen­satz zum Ar­te­fakt als dem Künst­li­chen.]

Und wei­ter: „so­bald es nicht mehr um Er­kennt­nis geht, so­bald man nicht mehr glaubt, dass wir et­was auf dem Wege der Wahr­neh­mung er­ken­nen, aus der wir ir­gend­ei­ne Quint­essenz ex­tra­hie­ren wür­den, son­dern durch ei­nen Ap­pa­rat, näm­lich durch den Dis­kurs, stellt sich die Fra­ge der Idee nicht mehr.“ [La­can deu­tet hier „Idee“ (in „Idea­list“) im Sin­ne von Ber­ke­leys Kon­zept der idea (das eng­li­sche Wort idea). Ein Idea­list ist dem­nach je­mand, der wie Ber­ke­ley an­nimmt, dass es kei­ne ma­te­ri­el­len Sub­stan­zen gibt, son­dern ide­as, die auf Wahr­neh­mun­gen be­ru­hen. Statt von Idea­lis­mus spricht La­can hier von Er­kennt­nis, was er gleich­setzt: die Er­kennt­nis­theo­rie ori­en­tiert sich am Pa­ra­dig­ma der Wahr­neh­mung. Ge­gen­be­griff von „Er­kennt­nis“ ist für ihn „Dis­kurs“. Er ar­bei­tet also mit fol­gen­dem Be­griffs­sche­ma: Idee im Sin­ne von (eng­lisch) idea (≈ Schein, Na­tur, Wahr­neh­mung, Er­kennt­nis) ver­sus Dis­kurs (≈ Ar­te­fakt).]

La­can ver­weist auf ei­nen an­de­ren Be­griff von Idee, näm­lich den von Pla­ton [grie­chisch idea, ei­dos]. Wenn Pla­ton von der „Idee des Pfer­des“ spricht, geht es Pla­ton um die Fra­ge, was den ver­schie­den­ar­ti­gen und ver­gäng­li­chen Pfer­den ge­mein­sam ist oder zu­grun­de liegt. Und Pla­tons Ant­wort be­zog sich auf die Be­nen­nung: Die Rea­li­tät des Pfer­des, die Idee des Pfer­des, be­steht in der Be­nen­nung als „Pferd“. [Das be­zieht sich viel­leicht auf das im Kra­ty­los ent­wi­ckel­te Pro­blem, ob die Be­zie­hung zwi­schen dem Na­men und dem Sinn kon­ven­tio­nell ist oder sie wahr sein kann.]

Aris­to­te­les setzt den Rea­li­täts­ak­zent auf das In­di­vi­du­um. [Für Aris­to­te­les ist die pri­mä­re ou­sia des Pfer­des, die pri­mä­re Sub­stanz des Pfer­des, das ein­zel­ne Pferd, nicht die Gat­tung Pferd; die Gat­tung ist se­kun­där (Ka­te­go­ri­en­schrift).] Da­mit ist er nicht viel wei­ter. Das In­di­vi­du­um ist das, was man nicht sa­gen kann. [Den Ge­dan­ken, dass es kei­ne Wis­sen­schaft vom Ein­zel­nen gibt ( auf La­tei­nisch: in­di­vi­du­um est in­ef­fa­bi­le, das In­di­vi­du­um / das Ein­zel­ne ist un­greif­bar) fin­det man bei Pla­ton und Aris­to­te­les.] Was die Ou­sia an­geht [die Sub­stanz, die letz­te Rea­li­tät], „an­ders ge­sagt, das Rea­le“, ver­hält sich Aris­to­te­les [da­mit] wie ein Mys­ti­ker. [Im Zen­trum der christ­li­chen Mys­tik steht eine un­mit­tel­ba­re per­sön­li­che Got­tes­er­fah­rung, die letzt­lich nicht in Wor­te ge­bracht wer­den kann. (Das äh­nelt La­cans Auf­fas­sung des Rea­len, wo­nach das Rea­le das Nicht-Sym­bo­li­sier­ba­re ist.)] Aris­to­te­les sagt näm­lich: Die Ou­sia kann nicht at­tri­bu­iert wer­den. [Aris­to­te­les sagt, der Name für eine Ou­sia kann in ei­nem Satz nicht die Stel­le des Prä­di­kats ein­neh­men.]

Ab­ge­se­hen da­von ist Aris­to­te­les ein wun­der­ba­rer Lo­gi­ker, der den ent­schei­den­den Schritt ge­tan hat, dank des­sen wir wis­sen, was eine ar­ti­ku­lier­te Fol­ge von Si­gni­fi­kan­ten ist. [Näm­lich da­durch, wie La­can häu­fig an­merkt, dass Aris­to­te­les in der Lo­gik für Be­grif­fe Buch­sta­ben ein­setzt. Auf dem Weg über die Buch­sta­ben gibt es ei­nen Zu­gang zum Rea­len, wie La­can spä­ter in die­ser Sit­zung sa­gen wird.]

Die Lö­sung der Fra­ge der Idee konn­te nicht Pla­ton ein­fal­len; die Lö­sung war erst durch Be­zug auf Funk­tio­nen und Va­ria­blen mög­lich [d.h durch al­ge­brai­sche For­meln]. [Der Aus­druck „Funk­ti­on“ hat in der Ma­the­ma­tik eine an­de­re Be­deu­tung als in der Lo­gik. In der Ma­the­ma­tik ist eine Funk­ti­on eine Be­zie­hung zwi­schen zwei Men­gen, der­art, dass je­dem Ele­ment der ei­nen Men­ge ge­nau ein Ele­ment der an­de­ren Men­ge zu­ge­ord­net wird. Die For­mel für die ma­the­ma­ti­sche Funk­ti­on ist y = f(x), die y-Wer­te sind ab­hän­gig von den x-Wer­ten. y ist die ab­hän­gi­ge Va­ria­ble, x ist die un­ab­hän­gi­ge Va­ria­ble. In der Lo­gik ver­steht man seit Fre­ge un­ter ei­ner Funk­ti­on eine Leer­stel­le in ei­nem Aus­druck;   [2 + x2 = 11] ist als [2 + ( )2 = 11] zu schrei­ben und ( ) ist die Funk­ti­on. Die Zah­len, die man für die Funk­ti­on ein­setzt, hei­ßen „Ar­gu­men­te“. Wenn man für x ent­we­der +3 oder –3 ein­setzt, ist die Glei­chung er­füllt, die Funk­ti­on ist hier also eine  Va­ria­ble. La­can folgt hier ver­mut­lich Ernst Cas­si­rer, der in Funk­ti­ons­be­griff und Sym­bol­be­griff (1910) das ent­schei­den­de Merk­mal der mo­der­nen Na­tur­wis­sen­schaf­ten dar­in sieht, dass sie von Din­gen zu Re­la­tio­nen über­ge­hen – von Sub­stan­zen zu Funk­tio­nen, kann man auch sa­gen. Für La­can ist ent­schei­dend, dass Funk­tio­nen und Va­ria­blen die Ver­wen­dung von Buch­sta­ben vor­aus­set­zen.]

[28] Die ein­zi­ge Idea­lis­mus­ge­fahr, die es in ei­nem Dis­kurs wie dem von La­can ge­ben kön­ne, ist der No­mi­na­lis­mus (sagt La­can). Über sich selbst sagt er, er sei kein No­mi­na­list. Da­bei ver­steht er un­ter No­mi­na­lis­mus die Po­si­ti­on, dass der Name ein­fach so auf das Ding auf­ge­tra­gen wird. [Das Ver­hält­nis zwi­schen den Na­men und dem Ding – zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten (bzw. dem Sym­bo­li­schen) und dem Rea­len – ist für den No­mi­na­lis­ten äu­ßer­lich. Wenn man den „Si­gni­fi­kan­ten an sich selbst“ als Schein de­fi­niert, wie La­can es in der vo­ri­gen Sit­zung ge­tan hat­te, liegt die no­mi­na­lis­ti­sche Auf­fas­sung nahe. Ge­nau das ist aber nicht La­cans Po­si­ti­on. La­can zu­fol­ge wird das Sub­jekt da­durch kon­sti­tu­iert, dass der Si­gni­fi­kant in das Rea­le ein­greift; hier­für ist der Mus­ter­fall die Be­nen­nung, sie führt in das Rea­le den Na­men ein.59 Die Be­nen­nung ist eine Form der Iden­ti­fi­zie­rung, die sym­bo­li­sche Iden­ti­fi­zie­rung – die Bil­dung des Ichi­de­als – geht mit ei­ner „Mo­di­fi­ka­ti­on der Be­geh­rens“ ein­her, wie La­can es in Se­mi­nar 5 for­mu­liert hat­te.60 Viel­leiht ist ge­meint: Der Si­gni­fi­kant ist nur dann Schein, wenn man ihn wie der No­mi­na­list „an sich selbst“ be­trach­tet. Tat­säch­lich aber greift der Si­gni­fi­kant in das Rea­le ein und mo­di­fi­ziert es, und in­so­fern ist er kein Schein und La­can kein Idea­list. (Spä­ter in die­sem Se­mi­nar (in der Litu­ra­terre-Vor­le­sung) wird La­can den Si­gni­fi­kan­ten, der in das Rea­le ein­greift, nicht als „Si­gni­fi­kan­ten“ be­zeich­nen, son­dern als „Buch­sta­ben“.)]

Wenn man No­mi­na­list ist, muss man den dia­lek­ti­schen Ma­te­ria­lis­mus zu­rück­wei­sen. [Mit „dia­lek­ti­scher Ma­te­ria­lis­mus“ ist hier viel­leicht die Auf­fas­sung ge­meint, dass die Welt durch Ar­beit kon­sti­tu­iert wird. Die Nähe von La­can zum dia­lek­ti­schen Ma­te­ria­lis­mus be­steht dann mög­li­cher­wei­se dar­in, dass La­can der Auf­fas­sung ist, dass der Si­gni­fi­kant in das Rea­le ein­greift (und in die­ser Funk­ti­on „Buch­sta­be“ ist).]

Das Reale in der Wissenschaft: das Unmögliche der Formeln

Statt­des­sen geht es dar­um, Rea­list zu sein. Al­ler­dings nicht im Sin­ne des mit­tel­al­ter­li­chen Uni­ver­sa­li­en­rea­lis­mus [wo­nach All­ge­mein­be­grif­fe und Klas­sen kei­nes­wegs nur Zu­sam­men­fas­sun­gen von Ge­dan­ken sind, son­dern eine ei­gen­stän­di­ge on­to­lo­gi­sche Exis­tenz ha­ben]. Viel­mehr geht es dar­um auf­zu­zei­gen, dass der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs „das Rea­le nur un­ter der Be­din­gung fin­det, dass es von der Funk­ti­on des Scheins ab­hängt“.

Die Ar­ti­ku­la­ti­on des Scheins be­steht in der al­ge­brai­schen Ar­ti­ku­la­ti­on, in der Ar­ti­ku­la­ti­on des wis­sen­schaft­li­chen Dis­kur­ses mit­hil­fe von Buch­sta­ben. [Der Buch­sta­be ist in­so­fern „Schein“, als er dem Si­gni­fi­kan­ten, der rei­ne Dif­fe­renz ist, eine sicht­ba­re Ge­stalt ver­leiht.61 Jede phy­si­ka­li­sche For­mel ist dem­nach eine Ar­ti­ku­la­ti­on des Scheins. (Aus­führ­li­cher zur Funk­ti­on der Schrift in der Wis­sen­schaft äu­ßerst sich La­can in Se­mi­nar 17.62)]

Mit die­sem Buch­sta­ben­ap­pa­rat, mit die­sem Schein, wird das be­zeich­net, was real ist. Und real ist das, „was in die­sem Schein ein Loch macht“ [wo die al­ge­brai­sche Ar­ti­ku­la­ti­on in­kon­sis­tent ist, wi­der­sprüch­lich]. Der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs be­fasst sich nicht da­mit, ob er Schein ist oder nicht [ob er Schein ist oder Wahr­heit]. [Ab Se­mi­nar 11 for­mu­liert La­can das so: Des­car­tes grün­det die Wis­sen­schaft, in dem er die Be­grün­dung der ewi­gen Wahr­hei­ten der Ma­the­ma­tik auf Gott ab­schiebt; die Wis­sen­schaft stellt sich (an­ders als Kant) nicht die Fra­ge nach den Be­din­gun­gen der Mög­lich­keit des Wis­sens.63] Im wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs geht es nur dar­um, „dass sein Netz­werk (…) die rich­ti­gen Lö­cher am rich­ti­gen Platz er­schei­nen lässt“. Der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs hat kei­ne Re­fe­renz „au­ßer dem Un­mög­li­chen, zu dem sei­ne Ab­lei­tun­gen füh­ren – die­ses Un­mög­li­che ist das Rea­le“. „Der Dis­kurs­ap­pa­rat, in­so­fern er in sei­ner Stren­ge auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt, das ist das, wo­mit wir in der Phy­sik et­was an­zie­len, was das Rea­le ist.“ [Die mo­der­ne Phy­sik ar­bei­tet mit al­ge­brai­schen For­meln, das heißt letzt­lich mit Buch­sta­ben. Da­bei ist sie auf Kon­sis­tenz aus, auf Wi­der­spruchs­frei­heit, auf Sys­tem­bil­dung. Die­se Kon­sis­tenz ist nicht eine des Sinns, sie be­ruht viel­mehr auf Glei­chungs­ket­ten, ge­wis­ser­ma­ßen auf ge­re­gel­ten Buch­sta­ben­trans­for­ma­tio­nen. Die Phy­sik be­zieht sich dort auf das Rea­le, wo ihr Dis­kurs­ap­pa­rat, das Netz ih­rer al­ge­brai­schen For­meln, auf die Gren­zen der Kon­sis­tenz stößt, wo es Wi­der­sprü­che gibt („das Rea­le ist das Un­mög­li­che“). Die Kon­sis­tenz ist der Schein, die Gren­zen der Kon­sis­tenz sind das, was im Schein ein Loch macht. Der Zu­gang zum Rea­len setzt die For­ma­li­sie­rung vor­aus, da nur auf die­sem Wege Wi­der­sprü­che fi­xiert wer­den kön­nen.

Ab Se­mi­nar 9 hat­te La­can sich für die­se Struk­tur auf den Un­voll­stän­dig­keits­satz von Gö­del be­zo­gen (der be­sagt, dass nicht alle wah­ren Aus­sa­gen der Arith­me­tik in ei­nem ein­zi­gen for­ma­len Sys­tem be­wie­sen wer­den kön­nen und dass sich die Wi­der­spruchs­frei­heit der Theo­rie in die­ser Theo­rie nicht be­wei­sen lässt).64 In Se­mi­nar 17 heißt es auf die­ser Li­nie, in je­dem for­ma­li­sier­ten Feld der Wahr­heit gebe es Wahr­hei­ten, die sich nicht be­wei­sen las­sen.65 In den frü­hen Se­mi­na­ren und Auf­sät­zen hat­te La­can die­sen Ge­dan­ken so for­mu­liert: „Die Wahr­heit hat die Struk­tur ei­ner Fik­ti­on“ (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).

Das Reale in der Psychoanalyse: die Unmöglichkeit im Phantasma

Die Psy­cho­ana­ly­se be­zieht sich [wie alle Dis­kur­se] auf das Feld der Wahr­heit. [In den Dis­kurs­for­meln wird das Feld der Wahr­heit durch den Platz un­ten links re­prä­sen­tiert.] War­um ist das so? La­can will das in die­ser Sit­zung ar­ti­ku­lie­ren. [Zur Er­läu­te­rung wech­selt er von der Fra­ge der Wahr­heit zum The­ma des Rea­len. „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“, wie La­can ab Se­mi­nar 17 im­mer wie­der vor­bringt, das Sa­gen der Wahr­heit stößt auf eine Gren­ze, und das Rea­le liegt hin­ter die­ser Gren­ze.]

Das Rea­le der Psy­cho­ana­ly­se un­ter­schei­det sich vom Rea­len der Phy­sik. In der Psy­cho­ana­ly­se ist das Rea­le „Et­was, was wi­der­steht“. [Das ist eine kla­re De­fi­ni­ti­on: In der Psy­cho­ana­ly­se ist das Rea­le der Wi­der­stand. Freud de­fi­niert den Wi­der­stand so: „Was im­mer die Fort­set­zung der Ar­beit stört, ist ein Wi­der­stand„66. An­ders ge­sagt: Wi­der­stand ist das, was den Zu­gang zum Un­be­wuss­ten blo­ckiert. Ver­steht man un­ter „Wahr­heit“ die Ent­hül­lung von ver­dräng­ten Si­gni­fi­kan­ten (mit Freud: das Be­wusst­wer­den, das Er­in­nern), ist das Rea­le das, was sich dem Wahr­heits­pro­zess ent­ge­gen­setzt.] 

Das Rea­le ist das, „was nicht durch­läs­sig ist für ei­nen Sinn, der Fol­ge un­se­res Dis­kur­ses ist“. [Ich neh­me an, dass La­can hier un­ter „un­se­rem Dis­kurs“ die Deu­tung ver­steht und un­ter „Sinn“ (als Fol­ge „un­se­res Dis­kur­ses“) die durch die Deu­tung frei­ge­setz­ten Er­in­ne­run­gen und Ein­fäl­le des Pa­ti­en­ten. Der Wi­der­stand – das Rea­le – wür­de dann dar­in be­stehen, dass die Deu­tun­gen kein be­stä­ti­gen­des Ma­te­ri­al lie­fern, dass die „Ent­fes­se­lung“ der Wahr­heit durch die Deu­tung (wie La­can es in der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars for­mu­liert hat­te) sich nicht er­eig­net. Man kann das auf die De­fi­ni­ti­on des Rea­len be­zie­hen, die La­can zu­erst in Se­mi­nar 2 vor­ge­bracht hat­te: Das Rea­le ist das, was sich nicht sym­bo­li­sie­ren lässt, wo die Sym­bo­li­sie­rung auf eine Gren­ze stößt. Für die Psy­cho­ana­ly­se ist das Rea­le der Punkt, an dem es der Deu­tung nicht ge­lingt, die Wahr­heit zu ent­fes­seln, das Auf­tau­chen ver­dräng­ter Si­gni­fi­kan­ten an­zu­stif­ten.]

Das, was nicht für je­den Sinn durch­läs­sig ist, nennt sich Phan­tas­ma. Zu prü­fen sind die Gren­zen des Phan­tas­mas, sind Struk­tur und Funk­ti­on des Phan­tas­mas. [Dass das Phan­tas­ma für be­stimm­ten Sinn un­zu­gäng­lich ist, hat dem­nach nicht nur ak­zi­den­tel­le, son­dern auch struk­tu­rel­le Grün­de, es gibt eine Di­men­si­on des Phan­tas­mas, die dem Sinn im­mer wie­der­steht. Das Phan­tas­ma steht in ei­ner in­ne­ren Be­zie­hung zum Rea­len, zum Wi­der­stand.] Beim Phan­tas­ma [des­sen Struk­tur durch die For­mel ($ ◊ a) dar­ge­stellt wird] geht es um das Ver­hält­nis zwi­schen a, der Mehr­lust, und $, dem Sub­jekt. Dies ist das, was im Dis­kurs des Herrn aus­ge­sperrt wird. [Im Dis­kurs des Herrn ist das Phan­tas­ma auf der un­te­ren Eta­ge ver­or­tet, $ am Platz un­ten links, a am Platz un­ten rechts: \frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}.] | [29] Im Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se neh­men die bei­den Ter­me die ent­ge­gen­ge­setz­te Po­si­ti­on ein [hier fin­det man a und $ auf der obe­ren Eta­ge: \frac {a}{\text S_2} \:^\rightarrow \, \frac {\$}{\text S_1}]. Hier [im Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se] wird das Phan­tas­ma be­fragt und muss es sei­nen Sta­tus an­neh­men. [Dass das Phan­tas­ma in der obe­ren Zei­le ver­or­tet ist, heißt of­fen­bar: Das Phan­tas­ma wird be­fragt.]

Der Sta­tus des Phan­tas­mas ist durch die Un­mög­lich­keit de­fi­niert, die es in der ana­ly­ti­schen Be­fra­gung gibt. [Das Rea­le ist das Un­mög­li­che, sagt La­can seit Se­mi­nar 9 be­stän­dig; das Phan­tas­ma ist durch das Rea­le de­fi­niert, da­durch, dass die Auf­de­ckung des ver­bor­ge­nen Sinns (das „Er­in­nern“) auf eine Gren­ze stößt, auf ei­nen Wi­der­stand, eine Un­mög­lich­keit.]  

Darstellung der vier Diskurse in Radiophonie

Dar­stel­lung der vier Dis­kur­se in „Ra­dio­pho­nie“.

In den Dis­kurs­form­len steht der Pfeil, der vom Term links oben zum Term rechts oben führt, im­mer für die Un­mög­lich­keit, also für das Rea­le.67 In der Dar­stel­lung der Dis­kurs­for­meln in Ra­dio­pho­nie ist im Dis­kurs des Ana­ly­it­kers (wie auch in dem des Herrn) der obe­re Pfeil mit „Un­mög­lich­keit“ be­schrif­tet. Die Dis­kurs­for­meln un­ter­schei­den auf die­se Wei­se das Rea­le und die Wahr­heit: Die Wahr­heit hat ih­ren Platz un­ten links, das Rea­le ent­spricht dem obe­ren Pfeil.

Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers meint S2 am Platz der Wahr­heit: die Deu­tung (durch Pa­ti­en­ten­zi­ta­te und Ora­kel­sprü­che) in ih­rer Funk­ti­on, Wahr­heit zu ent­fes­seln (mit Freud: die Amne­sie auf­zu­he­ben). Der Pfeil von a (am Platz oben links) nach $ (am Platz oben rechts) steht für das Rea­le als das Un­mög­li­che, also für die dunk­le Sei­te im Halb­sa­gen der Wahr­heit, für das, was nicht ge­sagt wer­den kann, für den Wi­der­stand.

Die Un­mög­lich­keit be­zieht sich im Dis­kurs der Psy­cho­ana­ly­se auf das Phan­tas­ma. Wor­in be­steht die Ver­bin­dung zwi­schen der Un­mög­lich­keit (dem Rea­len, dem Wi­der­stand) und dem Phan­tas­ma?

Ich sehe drei mög­li­che Ant­wor­ten.

(1) Das Un­mög­li­che der „se­xu­el­len Rea­li­tät“

Die Un­mög­lich­keit, auf die sich der obe­re Pfeil in der For­mel für den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers be­zieht, könn­te „das Un­mög­li­che der se­xu­el­len Rea­li­tät“ sein, wie La­can sich in Se­mi­nar 12 aus­ge­drückt hat­te68, also die Tat­sa­che, dass die bio­lo­gi­sche Ge­schlechts­dif­fe­renz im Un­be­wuss­ten nicht re­prä­sen­tiert ist. Das Phan­tas­ma be­zö­ge sich dann in­so­fern auf das Un­mög­li­che, als es die Funk­ti­on hat, das Rea­le des Ge­schlechts zu ver­schlei­ern. In Se­mi­nar 12 heißt es: 

Denn das Phan­tas­ma ist nichts an­de­res als die­se Ver­bin­dung der Ent­zwei­ung* des Sub­jekts mit dem a, dank de­ren eine trü­ge­ri­sche Voll­stän­dig­keit dazu ge­langt, das zu ver­de­cken, wor­um es bei der Un­mög­lich­keit des Rea­len geht.“69

(2) Das axio­ma­ti­sche Phan­tas­ma

Viel­leicht geht es aber auch um fol­gen­den Zu­sam­men­hang.

In Se­mi­nar 14 sagt La­can, dass das Phan­tas­ma wie ein Axi­om funk­tio­niert:

Wor­in be­steht in die­ser Ord­nung des neu­ro­ti­schen Be­geh­rens die Rol­le des Phan­tas­mas? Nun, ‚Be­deu­tung der Wahr­heit‘, habe ich ge­sagt, das meint das­sel­be, wie wenn Sie [in der Lo­gik] et­was mit ei­nem gro­ßen W [für „Wahr“] ver­se­hen – rei­ne Kon­ven­ti­on in der Theo­rie, die bei­spiels­wei­se über eine be­stimm­te Men­ge ge­ge­ben wird –, wie wenn Sie et­was mit der Kon­no­ta­ti­on der Wahr­heit ver­se­hen, was Sie als Axi­om be­zeich­nen wer­den. In Ih­rer Deu­tung spielt das Phan­tas­ma kei­ne an­de­re Rol­le. Sie müs­sen es so buch­stäb­lich wie mög­lich neh­men, und was Sie zu tun ha­ben, ist dies, dass Sie in je­der Struk­tur die Trans­for­ma­ti­ons­ge­set­ze fin­den müs­sen, die die­sem Phan­tas­ma in der De­duk­ti­on der Aus­sa­gen des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses den Platz ei­nes Axi­oms si­chern. Das ist die ein­zig mög­li­che Funk­ti­on, die man, in der Öko­no­mie der Neu­ro­se, dem Phan­tas­ma ge­ben kann.“70

In der Neu­ro­se hat das Phan­tas­ma, wenn man es buch­stäb­lich nimmt, den Sta­tus ei­nes Axi­oms, aus dem sich nach be­stimm­ten Ge­set­zen der un­be­wuss­te Dis­kurs ab­lei­ten lässt. In Se­mi­nar 11 hat­te La­can vom fan­tas­me ra­di­ca­le ge­spro­chen, vom grund­le­gen­den Phan­tas­ma, Haas über­setzt mit „Wur­zel­phan­tas­ma„71, in Se­mi­nar 12 hat­te La­can den Aus­druck fan­tas­me ori­gi­nel ver­wen­det, „Ur­phan­tas­ma“ oder „Ur­phan­ta­sie„72; dar­aus wird in Se­mi­nar 14 of­fen­bar das axio­ma­ti­sche Phan­tas­ma.  

In Se­mi­nar 21 wird La­can über das Axi­om sa­gen:

Ich sage, und da­mit lie­ge ich Ih­nen in den Oh­ren: Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen. Das soll hei­ßen, ich be­kräf­ti­ge da­mit, dass es Wahr­heit nur als ma­the­ma­ti­sier­te gibt, das heißt als ge­schrie­be­ne. Das heißt, dass sie als Wahr­heit nur von Axio­men ab­hän­gig ge­macht wer­den kann. Das heißt, dass es Wahr­heit nur von dem her gibt, was kei­nen Sinn (sens) hat, das heißt von dem her, wor­aus die wei­te­ren Kon­se­quen­zen nur in des­sen Re­gis­ter zu zie­hen sind, in die­sem Fall im Re­gis­ter der ma­the­ma­ti­schen De­duk­ti­on.„73

Ein Axi­om ist et­was, was kei­nen Sinn hat; es er­mög­licht Wahr­heit, hat aber selbst kei­nen Sinn und kei­ne Wahr­heit. In der vor­an­ge­gan­gen Sit­zung von Se­mi­nar 18 hat­te La­can sich auf die Im­pli­ka­ti­on be­zo­gen und da­mit ver­mut­lich dar­auf an­ge­spielt, dass bei ei­ner Im­pli­ka­ti­on die Ge­samt­aus­sa­ge auch dann wahr sein kann, wenn der Vor­der­satz (die Prä­mis­se) falsch ist. Das ist eine ähn­li­che Struk­tur wie der axio­ma­ti­sche Auf­bau ei­ner Theo­rie.

Wenn ein Phan­tas­ma als Axi­om fun­giert, dann heißt das hier­nach, dass es selbst kei­nen Sinn hat, dass es nicht für je­den Sinn durch­läs­sig ist, dass es ge­gen die Ent­fes­se­lung der Wahr­heit durch die Deu­tung Wi­der­stand leis­tet (mit Freud: dass die Amne­sie nicht be­ho­ben wer­den kann). Statt die­ses Phan­tas­ma auf der Ebe­ne des Sinns an­zu­ge­hen, ist es „buch­stäb­lich“ zu neh­men. Aus die­ser „buch­stäb­li­chen“ Sei­te des Grund­phan­tas­mas kön­nen die die Aus­sa­gen des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses (der Sinn) ab­ge­lei­tet wer­den.

Der rea­le As­pekt des Phan­tas­ma be­stün­de dann dar­in, dass es nicht als Sinn auf­zu­fas­sen ist, son­dern buch­stäb­lich zu neh­men ist. Was könn­te das hei­ßen? 

Für La­can gibt es ein „Mo­dell-Phan­tas­ma“, wie er sagt74: die von Freud ana­ly­sier­te Phan­ta­sie­vor­stel­lung „Ein Kind wird ge­schla­gen„75, auf die La­can im­mer wie­der zu­rück­kommt. Freud re­kon­stru­iert drei Ent­wick­lungs­pha­sen die­ser Phan­ta­sie: (1) „Der Va­ter schlägt das (mir ver­hass­te) Kind“, (2) „Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen“ und (3) „Ein Kind wird ge­schla­gen“. Die zwei­te Pha­se ist, wie Freud sagt, „die wich­tigs­te und fol­gen­schwers­te„76, sie kann je­doch nicht er­in­nert wer­den. Die­se Pha­se wird von von Freud kon­stru­iert, al­ler­dings, wie er be­tont, mit „Not­wen­dig­keit„77; da­bei be­tont er, dass es um den Wort­laut die­ser Phan­ta­sie geht („Ihr Wort­laut ist jetzt also: ‚Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen.‘“78).

In La­cans Ter­mi­no­lo­gie kann man das mög­li­cher­wei­se so be­schrei­ben:
Das zwei­te Phan­tas­ma kann nicht er­in­nert wer­den: Es ist nicht für den Sinn durch­läs­sig.
Freud be­tont den Wort­laut des Phan­tas­mas: Es ist buch­stäb­lich zu neh­men.
Es kann nur kon­stru­iert wer­den: Es wird mit ei­nem gro­ßen W ver­se­hen, als wahr an­ge­nom­men.
Es han­delt sich um  die fol­gen­schwers­te der drei Phan­ta­si­en, ihre Kon­struk­ti­on ist eine Not­wen­dig­keit: Das Phan­tas­ma hat axio­ma­ti­schen Cha­rak­ter.

Die The­se, dass der Sta­tus des Phan­tas­mas im ana­ly­ti­schen Dis­kurs durch eine Un­mög­lich­keit de­fi­niert ist, be­ruht also mög­li­cher­wei­se auf fol­gen­der Ar­gu­men­ta­ti­on:
– Wahr­heit be­steht in der Auf­de­ckung ver­bor­ge­nen Sinns, aus­ge­löst durch die Deu­tung (in Freuds Spra­che: Wahr­heit be­steht im „Er­in­nern“).
– Die er­in­ner­ten und er­in­ner­ba­ren Phan­tas­men ei­nes Pa­ti­en­ten wer­den durch ein axio­ma­ti­sches Phan­tas­ma be­stimmt, sie lei­ten sich aus ihm ab.
– Das axio­ma­ti­sche Phan­tas­ma hat kei­nen Sinn und kei­ne Wahr­heit – es hat kei­nen Sinn: es kann nicht er­in­nert wer­den, Wahr­heit kann ihm nur vom Ana­ly­ti­ker zu­ge­wie­sen wer­den: es kann kann nur kon­stru­iert wer­den.
– Des­halb stößt die Pra­xis der Psy­cho­ana­ly­se (der „psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt“, wie La­can sagt) hier auf eine Gren­ze. Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Akt be­steht dar­in, durch Deu­tung ein Spre­chen des Pa­ti­en­ten zu pro­vo­zie­ren, das ei­nen ver­bor­ge­nen Sinn auf­deckt. Das axio­ma­ti­sche Phan­tas­ma kann auf die­se Wei­se je­doch nicht zum Spre­chen ge­bracht wer­den. In­so­fern ist der psy­cho­ana­ly­ti­sche Dis­kurs hier durch eine Un­mög­lich­keit be­stimmt.

Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Kur wür­de dann letzt­lich auf die Frei­le­gung die­ses Nicht-Sinns ab­zie­len, auf die Iso­lie­rung des als Axi­om fun­gie­ren­den, nicht-er­in­ner­ba­ren Phan­tas­mas in sei­ner Buch­stäb­lich­keit.

Der Pfeil der Un­mög­lich­keit führt von a am Platz oben links zu $ am Platz oben rechts, und a meint hier „Mehr­lust“. Die For­mel zeigt da­mit an, dass die mit dem Phan­tas­ma ver­bun­de­ne Un­mög­lich­keit sich auf das Ge­nie­ßen in Form der Mehr­lust be­zieht.

Wie be­zieht sich das axio­ma­ti­sche Phan­tas­ma auf die Mehr­lust?

Die zwei­te Pha­se des Mo­dell-Phan­tas­mas, also die kon­stru­ier­te Phan­ta­sie „Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen“, ist, wie Freud schreibt, „in ho­hem Gra­de lust­be­tont“, sie ist mit ei­ner „star­ken, un­zwei­deu­tig se­xu­el­len Er­re­gung“ ver­bun­den79; die mit der in­zes­tuö­sen ma­so­chis­ti­schen Phan­ta­sie­vor­stel­lung ver­bun­den „Lust­ge­füh­le„80 sind die Mehr­lust, ge­nau­er ge­sagt: ein klei­ner Er­satz für die ver­lo­re­ne Mehr­lust. La­can zu­fol­ge be­ruht die Mehr­lust in die­sem Fall auf dem Blick.81 Viel­leicht kann man sa­gen: Der „Wort­laut“ die­ses Phan­tas­mas be­zieht sich nicht auf den Sinn (ist nicht er­in­ner­bar), son­dern auf die Mehr­lust.

Die­je­ni­gen Ele­men­te des Un­be­wuss­ten, die sich nicht auf den Sinn, son­dern auf das Ge­nie­ßen be­zie­hen, wer­den von La­can spä­ter in die­sem Se­mi­nar als „Buch­sta­ben“ be­zeich­net und von den „Si­gni­fi­kan­ten“ un­ter­schie­den, die sich auf den Sinn be­zie­hen, das heißt, La­can wird den Ter­mi­nus des Buch­sta­bens, den er be­reits frü­her ver­wen­det hat­te, auf die­se Ver­wen­dung ein­schrän­ken.82 Im Phan­tas­ma „Ein Kind wird ge­schla­gen“ wäre der „Buch­sta­be“ also viel­leicht der Satz „Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen“ – die­ser Satz, in­so­fern er „buch­stäb­lich“ zu neh­men ist und mit dem Blick-Ge­nie­ßen ver­bun­den ist, mit dem Schau­t­rieb.]

(3) Der Über­tra­gungs­wi­der­stand

Man könn­te bei der Un­mög­lich­keit des Phan­tas­mas aber auch ganz ein­fach an den Über­tra­gungs­wi­der­stand den­ken, der die As­so­zia­tio­nen zum Sto­cken bringt, und der sich viel­leicht auf Scham und Schuld­ge­fühl stützt. Dann gin­ge es hier um das Ver­hält­nis zwi­schen dem Über­tra­gungs­wi­der­stand und dem Phan­tas­ma.] [? Wor­in be­steht das Ver­hält­nis zwi­schen Über­tra­gungs­wi­der­stand und Phan­tas­ma?]

Man kann die­se drei Er­klä­rungs­mög­lich­kei­ten ver­bin­den. Das Rea­le des Ge­schlechts (Un­mög­lich­keit 1) führt zur Her­aus­bil­dung ei­nes Er­sat­zes mit Ab­wehr­funk­ti­on, ei­nes Phan­tas­mas, das axio­ma­ti­schen Cha­rak­ter hat, also für den Sinn un­zu­gäng­lich ist (Un­mög­lich­keit 2); die­ses Phan­tas­ma  wie­der­um könn­te dem Über­tra­gungs­wi­der­stand (Un­mög­lich­keit 3) zu­grun­de­lie­gen.

Mehrlust im Diskurs des Führers und im Rassismus

Was ist mit plus-de-jouir pres­sé ge­meint, mit ge­press­ter Mehr­lust [wo­von La­can in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung ge­spro­chen hat­te]? Eine Art Ka­vi­ar [ein in eine Dose ge­press­tes Ge­nuss­mit­tel]? Ein ge­press­tes Si­gnal [ein ge­drück­ter Si­gnal­knopf]? [Na­tür­lich nicht.] „Ge­press­te Mehr­lust“ hat ei­nen Sinn, der sich auf et­was be­zieht, was sein (La­cans) Dis­kurs be­wahrt [in­so­fern in die­sem Dis­kurs der Be­zug auf die Mehr­lust, an­ders als im Her­ren­dis­kurs, nicht un­ter­drückt wird].

Der Dis­kurs von La­can (sagt La­can) hat auf kei­nen Fall den Cha­rak­ter des­sen, was Freud den Dis­kurs des Füh­rers nennt. [Im Dis­kurs des Füh­rers – als ei­ner Form des Her­ren­dis­kur­ses  – fin­det man die Mehr­lust am Platz rechts un­ten: rechts, das heißt auf der Sei­te des Knechts, und un­ten: un­be­wusst:\frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}.] Freud be­schreibt den Dis­kurs des Füh­rers in Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). Er stellt sich dort als et­was her­aus, was sich als der Ur­sprung des Nazi-Phä­no­mens er­wie­sen hat. Im Sche­ma über die Iden­ti­fi­zie­rung in der Mas­se zeigt Freud fast im Klar­text die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem gro­ßen I [dem Buch­sta­ben groß I] und dem a an [die Ent­spre­chung im Dis­kurs des Herrn ist die Be­zie­hung zwi­schen dem S1 und dem a].

Freud Massenpsychologie Ichideal[Das Dia­gramm stellt die li­bi­di­nö­se Kon­sti­tu­ie­rung ei­ner „pri­mä­ren Mas­se“ dar, ei­ner Mas­se, die ei­nen Füh­rer hat und nicht durch all­zu viel Or­ga­ni­sa­ti­on se­kun­där die Ei­gen­schaf­ten ei­nes In­di­vi­du­ums er­wor­ben hat, wie Freud sagt. Freud er­läu­tert das Sche­ma so: „Eine sol­che pri­mä­re Mas­se ist eine An­zahl von In­di­vi­du­en, die ein und das­sel­be Ob­jekt an die Stel­le ih­res Ichi­de­als ge­setzt ha­ben und sich in­fol­ge­des­sen in ih­rem Ich mit­ein­an­der iden­ti­fi­ziert ha­ben.“83 Zum Ver­ständ­nis ist noch die fol­gen­de Pas­sa­ge (ei­ni­ge Sei­ten zu­vor) über die Ver­liebt­heit wich­tig: Ver­liebt­heit sei mit Se­xu­al­über­schät­zung ver­bun­den. „Das Be­stre­ben, wel­ches hier das Ur­teil fälscht, ist das der Idea­li­sie­rung. Da­mit ist uns aber die Ori­en­tie­rung er­leich­tert; wir er­ken­nen, daß das Ob­jekt so be­han­delt wird wie das ei­ge­ne Ich, daß also in der Ver­liebt­heit ein grö­ße­res Maß nar­ziß­ti­scher Li­bi­do auf das Ob­jekt über­fließt. Bei man­chen For­men der Lie­bes­wahl wird es selbst au­gen­fäl­lig, daß das Ob­jekt dazu dient, ein ei­ge­nes, nicht er­reich­tes Ichi­de­al zu er­set­zen. Man liebt es we­gen der Voll­kom­men­hei­ten, die man fürs ei­ge­ne Ich an­ge­strebt hat und die man sich nun auf die­sem Um­weg zur Be­frie­di­gung sei­nes Nar­ziß­mus ver­schaf­fen möch­te.“84

Die drei waa­ge­rech­ten Li­ni­en ste­hen dem­nach für drei In­di­vi­du­en. Sie wer­den durch drei Merk­ma­le cha­rak­te­ri­siert: alle ha­ben ein in­di­vi­du­el­les Ichi­de­al (die drei schwar­zen klei­nen Krei­se links), ein in­di­vi­du­el­les Ich (die drei schwar­zen klei­nen Krei­se in der Mit­te) und ein in­di­vi­du­el­les Ob­jekt (die drei wei­ßen klei­nen Krei­se rechts). Au­ßer­dem be­zie­hen sie sich auf ein und das­sel­be äu­ße­re Ob­jekt, auf das In­di­vi­du­um, das als Füh­rer fun­giert; die Be­zie­hung zu die­sem äu­ße­ren Ob­jekts be­steht dar­in, dass die nar­ziss­ti­sche Li­bi­do der In­di­vi­du­en auf die­ses Ob­jekt über­fließt. Das Ver­hält­nis zu die­sem äu­ße­ren Ob­jekt – die nar­ziss­ti­sche Be­set­zung – wird durch die drei ge­stri­chel­ten Li­ni­en rechts dar­ge­stellt.

Sie set­zen die­ses äu­ße­re Ob­jekt an die Stel­le ih­res ei­ge­nen Ichi­de­als. Die­se Er­set­zung wird of­fen­bar eben­falls durch die ge­stri­chel­ten Li­ni­en dar­ge­stellt, die vom äu­ße­ren Ob­jekt zu den Ob­jek­ten lau­fen, so­wie durch die hier­an an­schlie­ßen­den ge­bo­ge­nen durch­ge­zo­ge­nen Li­ni­en, die vom Ob­jekt zum Ichi­de­al füh­ren.

Die drei Ichi­dea­le sind durch eine senk­rech­te ge­stri­chel­te Li­nie mit­ein­an­der ver­bun­den, die­se Li­nie stellt ver­mut­lich dar, dass die ver­schie­de­nen in­di­vi­du­el­len Ichi­dea­le au­ßer Kraft ge­setzt wor­den sind, dass sie durch ein äu­ße­res Ob­jekt er­setzt wor­den sind.

Hier­aus er­gibt sich die Iden­ti­fi­zie­rung der In­di­vi­du­en im Ich. Die Iden­ti­fi­zie­rung der drei Ichs wird durch die ge­stri­chel­te senk­rech­te Li­nie re­prä­sen­tiert, die die drei Ichs mit­ein­an­der ver­bin­det.]

La­can zu­fol­ge wer­den in die­sem Sche­ma die Be­zie­hun­gen zwi­schen dem gro­ßen I und dem a an­ge­zeigt. [Der Buch­sta­ben groß I ist La­cans Kür­zel für das Ichi­de­al (etwa im Sche­ma des um­ge­kehr­ten Blu­men­strau­ßes).  Bei der Bil­dung des Ichi­de­als wird eine „In­si­gnie“ des An­de­ren über­nom­men, wie La­can zu­nächst sagt, ein „ein­zi­ger Zug“, wie es spä­ter heißt. Man kann das I auch als Strich le­sen und da­mit als Sym­bol für den ein­zi­gen Zug (sagt La­can ir­gend­wo). Der Buch­sta­be klein a steht für die Mehr­lust und zu­gleich für das Ob­jekt a, ein vom Kör­per ab­ge­trenn­tes und da­mit äu­ße­res Ob­jekt, das den Platz der Mehr­lust ein­nimmt.]

In der Rede, die sich an den An­de­ren als ein Du wen­det, taucht die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem mensch­li­chen Idol auf. [In der Du-Be­zie­hung er­eig­net sich es un­ter be­stimm­ten Um­stän­den die von Freud be­schrie­be­ne Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Füh­rer, mit ei­nem Idol, mit ei­nem idea­li­sier­ten an­de­ren. Für den sym­bo­li­schen As­pekt die­ser Iden­ti­fi­zie­rung steht der Buch­sta­be groß I (Ichi­de­al). Das Ichi­de­al be­ruht auf der Be­zie­hung zum An­de­ren und wird des­halb im Gra­phen des Be­geh­rens auch I(A) ge­schrie­ben.]

La­can er­in­nert dar­an, dass er das letz­te Mal ge­sagt hat­te, das Blut wer­de ver­geb­lich ge­gen den Schein vor­ge­bracht, da man, um das Idol um­zu­stür­zen, nicht vor­an­schrei­ten konn­te, ohne so­fort da­nach des­sen Platz ein­zu­neh­men; dies hat sich bei ei­nem be­stimm­ten Typ von Mär­ty­rern zu­ge­tra­gen. [Der Schein wird hier von La­can also mit dem Idol gleich­ge­setzt und das Idol mit groß I, das heißt mit dem Ichi­de­al.] [? Kann man also sa­gen, der Si­gni­fi­kant ist dann Schein, wenn er als Ichi­de­al fun­giert?] [Der Mär­ty­rer wird tra­di­tio­nell mit dem Blut zu­sam­men­ge­bracht. „Das Blut der Mär­ty­rer ist der Same der Kir­che“, sagt Ter­tul­li­an; im Deut­schen wer­den Mär­ty­rer auch „Blut­zeu­gen“ ge­nannt.] [? Wel­che Mär­ty­rer hat­ten ver­sucht, Ido­le zu stür­zen? Als Bei­spie­le fal­len mir nur po­li­ti­sche Mär­ty­rer ein: Rosa Lu­xem­burg, die Ge­schwis­ter Scholl, Che Gue­va­ra, Ós­car Rome­ro usw. Meint La­can mit dem „be­stimm­ten Typ von Mär­ty­rern“ sol­che po­li­ti­schen Mär­ty­er? ] Dies des­halb, weil in je­dem Dis­kurs, der an ein Du ap­pel­liert, et­was eine ge­hei­me Iden­ti­fi­zie­rung her­vor­ruft, näm­lich die mit dem rät­sel­haf­ten Ob­jekt, mit der Mehr­lust. [Die Er­set­zung des ers­ten Ichi­de­als durch das zwei­te Ichi­de­al (bei­spiels­wei­se des idea­li­sier­ten Herr­schers durch den idea­li­sier­ten po­li­ti­schen Mär­ty­rer) be­ruht auf ei­nem ver­mit­teln­den Ele­ment, auf der Mehr­lust bzw. dem Ob­jekt a. Im Fal­le der Mär­ty­rer ist die­se ver­mit­teln­de Mehr­lust ihr Leid, als ab­ge­trenn­tes Par­ti­al­ob­jekt auf­ge­fasst: ihr Blut. Liest man Freuds Sche­ma mit La­can, wird die Ver­mitt­lungs­funk­ti­on des Ob­jekts a im Dia­gramm durch das „äu­ße­re Ob­jekt“ (rechts) dar­ge­stellt; Freuds Dia­gramm zeigt dann, dass die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Ichi­de­al (lin­ke Sei­te) ver­mit­telt ist durch die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Mehr­lust des äu­ße­ren Ob­jekts (rech­te Sei­te).]

[Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Ob­jekt a als Aus­wurf, als Rest, ist La­can zu­fol­ge die Po­si­ti­on des Ma­so­chis­ten.85 An­ders ge­sagt, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem idea­li­sier­ten Füh­rer hat eine ma­so­chis­ti­sche Grund­la­ge; hier­auf ver­weist auch das Bei­spiel des Mär­ty­rers.]

Die Mehr­lust [von Freuds „äu­ße­rem Ob­jekt“] kann ein Nichts sein [im dop­pel­ten Sinn von „ge­ring­fü­gig“ und „Ver­lust“], etwa die ganz klei­ne Mehr­lust von Hit­ler. [Das könn­te man auf die Er­regt­heit be­zie­hen, die für Hit­lers Rhe­to­rik cha­rak­te­ris­tisch ist; sei­ne An­spra­chen sind ge­wis­ser­ma­ßen ge­brems­te Wut­an­fäl­le.] Das hat aus­ge­reicht, um Leu­te zu „kris­tal­li­sie­ren“. [„Kris­tal­li­sa­ti­on“ ist ein Be­griff von Stendhal, er meint in etwa das, was Freud als „Über­schät­zung des Lie­bes­ob­jekts“ be­zeich­net. Hit­ler wur­de idea­li­siert, und die­se Idea­li­sie­rung be­ruh­te auf der Iden­ti­fi­zie­rung mit sei­ner win­zi­gen Mehr­lust.] Es hat aus­ge­reicht, um sol­che Leu­te zu „kris­tal­li­sie­ren“, die nichts Mys­ti­sches hat­ten, die in den Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten be­son­ders stark ver­wi­ckelt wa­ren, mit­samt der Hin­ter­fra­gung der Mehr­lust in Ge­stalt des Mehr­werts. [Man den­ke an die Un­ter­stüt­zung der NSDAP vor der Macht­er­grei­fung durch Groß­un­ter­neh­mer und Spit­zen­ma­na­ger wie Al­fred Hu­gen­berg, Ernst von Bor­sig, Fritz Thys­sen und die Lei­ter der Ver­ei­nig­ten Stahl­wer­ke, Ernst Kir­dorf und Al­bert Vög­ler. Die Mehr­lust wird in Ge­stalt des Mehr­werts „be­fragt“, in­so­fern ver­mut­lich, als der Mehr­wert re­inves­tiert wer­den muss und un­ter die­sem Ge­sichts­punkt ein Ge­nuss­ver­lust ist.] Es ging dar­um, von die­ser Mehr­lust [Hit­lers] ein Stück­chen ab­zu­be­kom­men, und das hat ge­nügt, um die Iden­ti­fi­zie­rung [mit die­ser Mehr­lust] her­vor­zu­ru­fen.

[Der Schein, so hieß es in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung, ist der Si­gni­fi­kant an sich selbst, der mit sich selbst iden­ti­sche Si­gni­fi­kant; im Satz „Ich lüge“ ist „ich“ der Si­gni­fi­kant, der ein Schein ist. Von da­her stell­te sich die Fra­ge, ob La­can un­ter dem Schein die Iden­ti­fi­zie­rung ver­steht. Die Pas­sa­ge über Freuds Kon­zept des Füh­rer­dis­kur­ses spricht ein we­nig da­für. Die Iden­ti­fi­zie­rung, sagt er hier, hat nicht nur mit dem Ichi­de­al zu tun (nicht nur mit dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, S1), son­dern auch mit der Mehr­lust, mit a, es gibt auch eine Iden­ti­fi­zie­rung mit der Mehr­lust. Die Iden­ti­fi­zie­rung kann also ver­schie­de­ne For­men an­neh­men, es gibt die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Si­gni­fi­kan­ten „ich“  (vo­ri­ge Sit­zung), also mit dem Ichi­de­al, mit dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten (S1), und es gibt die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Mehr­lust, mit a.] 

[? Ist die fol­gen­de Deu­tung halt­bar: Un­ter Schein ver­steht La­can die Iden­ti­fi­zie­rung, und die Iden­ti­fi­zie­rung ist eine Be­zie­hung zwi­schen S1 und a – ?]

[30] Dass dies die Ge­stalt ei­ner Idea­li­sie­rung der Ras­se an­ge­nom­men hat, ist amü­sant, da sie hier­in am we­nigs­ten ver­wi­ckelt war. [Die Ras­se wur­de von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten als bio­lo­gi­sche Grö­ße de­fi­niert, und die Bio­lo­gie spielt bei der Kon­sti­tu­ie­rung der Mehr­lust die ge­rings­te Rol­le.] Man muss her­aus­fin­den, von wo die­ser Fik­ti­ons­cha­rak­ter [der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ras­sen­ideo­lo­gie] aus­ging. Ein Ras­sis­mus ent­steht auch ohne eine sol­che Ideo­lo­gie. Für die Ent­ste­hung ei­nes Ras­sis­mus ge­nügt eine Mehr­lust, die als sol­che an­er­kannt wird [? die ei­ner Grup­pe zu­ge­schrie­ben wird?]. Der Ras­sis­mus, in­so­fern eine Mehr­lust ge­nügt, um ihn zu stüt­zen, steht auf der Ta­ges­ord­nung, er steht uns be­vor; das lässt sich vom Kon­zept der Mehr­lust aus be­grei­fen. [Das wird von La­can spä­ter in Te­le­vi­si­on (1973) so er­läu­tert: Die jouis­sance wird auf dem Feld des An­de­ren ver­or­tet, und zwar so, dass wir da­von ge­trennt sind. Das heißt, das Ge­nie­ßen wird dem An­de­ren zu­ge­schrie­ben (man den­ke etwa an den au­gen­blick­li­chen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten der Re­pu­bli­ka­ner, Do­nald Trump, und sei­ne Be­mer­kung über Me­xi­ka­ner als Ver­ge­wal­ti­ger). Zu­gleich wird der An­de­re für un­ter­ent­wi­ckelt ge­hal­ten, und das hat zur Fol­ge, dass ihm un­se­re Art des Ge­nie­ßens auf­ge­zwun­gen wird. Hin­zu kom­me, dass in un­se­rer Art des Ge­nie­ßens al­les ein­zig durch die Mehr­lust be­stimmt wird. Wenn ich das recht ver­ste­he, be­ruht der Ras­sis­mus La­can zu­fol­ge dar­auf, dass wir den An­de­ren zwin­gen, auf un­se­re Wei­se zu ge­nie­ßen, auf dem Wege der Mehr­lust.]

Sexualität

Freud wird die Ein­sicht zu­ge­schrie­ben, dass dem Dis­kus die Se­xua­li­tät zu­grun­de liegt. Die­je­ni­gen, die La­can fol­gen, wie­der­ho­len das, ach­ten aber nicht dar­auf, dass La­can bis­lang noch nicht er­läu­tert hat, was er un­ter Se­xua­li­tät ver­steht und was un­ter dem se­xu­el­lem Ver­hält­nis (rap­port se­xu­el).

Zwi­schen der Auf­fas­sung der Se­xua­li­tät als ei­ner bio­lo­gi­schen Sub­stanz und Freuds Kon­zep­ti­on der Se­xua­li­tät liegt eine gan­ze Welt. [Das knüpft viel­leicht an die Be­mer­kung über Sub­stanz und Funk­ti­on an, die La­can frü­her in die­ser Sit­zung ge­macht hat. Die Se­xua­li­tät ist für Freud kei­ne Sub­stanz, son­dern eine Re­la­ti­on. Un­ter ei­ner Sub­stanz (ou­sia) ver­steht Aris­to­te­les pri­mär den Or­ga­nis­mus.] Die Se­xua­li­tät als bio­lo­gi­sche Sub­stanz kann man zu­erst bei den Bak­te­ri­en er­fas­sen [wie Woll­man und Ja­cob ge­zeigt ha­ben, in La se­xua­lité des bac­te­ries, 1959]. Um Se­xua­li­tät im Sin­ne der Bio­lo­gie geht es auch bei den Ver­hält­nis­sen zwi­schen Chro­mo- | [31] so­men, XY oder XX.

Mit den Freud­schen Ein­sich­ten in das se­xu­el­le Ver­hält­nis hat das nichts zu tun. Freud be­greift die Se­xua­li­tät als eine Be­zie­hung; die Se­xua­li­tät ist vom „se­xu­el­len Ver­hält­nis“ aus zu be­grei­fen. Die Se­xua­li­tät im Sin­ne von Freud ist eine Be­zie­hung, de­ren Cha­rak­ter vom Un­be­wuss­ten ent­hüllt wird. Das Un­be­wuss­te, wie Freud es ent­hüllt, hat nichts Bio­lo­gi­sches – trotz ge­le­gent­li­cher Aus­rut­scher von Freud in die­se Rich­tung.

Beziehungen von Mann und Frau

Wor­um es bei Freud geht, das wird so ge­nannt: „die Be­zie­hun­gen von Mann und Frau“ (les rap­ports de l’homme et de la femme). „Man soll­te von die­sen bei­den Ter­mi­ni in ih­rer vol­len Be­deu­tung aus­ge­hen, mit dem, was das an Ver­hält­nis ein­schließt.“ [Aus­gangs­punkt für die Re­kon­struk­ti­on des Be­griffs „Se­xua­li­tät“ soll­ten die bei­den Ter­mi­ni „der Mann“ und „die Frau“ in ih­rer vol­len Be­deu­tung sein, und zu die­ser vol­len Be­deu­tung ge­hört vor al­lem die Be­zie­hung zwi­schen ih­nen – zur Be­deu­tung des Ter­mi­nus „der Mann“ ge­hört, dass der Mann sich auf die Frau be­zieht, zur Be­deu­tung des Ter­mi­nus „die Frau“, dass die Frau sich auf den Mann be­zieht. La­can wird hier­bei nicht ste­hen­blei­ben; dies ist je­doch der ers­te Schritt in der Re­kon­struk­ti­on des Be­griffs „Se­xua­li­tät“ im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se: die Ter­mi­ni „Mann“ und „Frau“ sind als Re­la­tio­nen zu be­grei­fen, nicht als Sub­stan­zen, nicht als Or­ga­nis­men. Der­je­ni­ge, der von La­can vor­läu­fig „der Mann“ ge­nannt wird, ist die Be­zie­hung zu dem, was La­can vor­läu­fig „die Frau“ nennt, und um­ge­kehrt.]

La­can be­zieht sich dann auf Ver­su­che, die Se­xua­li­tät, das se­xu­el­le Ver­hält­nis, im Rah­men der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on zu be­grei­fen [ohne Au­to­ren zu nen­nen]. Das Lie­bes­spiel wird hier als et­was Kon­flikt­haf­tes be­grif­fen; es wird wahr­ge­nom­men, dass durch das Lie­bes­spiel nicht al­les ge­re­gelt ist. Ge­wünscht wird et­was Nicht-Kon­flikt­haf­tes.  [La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich wie­der ein­mal auf das Kon­zept ei­ner „ge­ni­ta­len Lie­be“, die durch „Ob­la­ti­vi­tät“ ge­kenn­zeich­net wäre, durch die Be­reit­schaft zu ge­ben. Die­ses Leit­bild war seit den 1920er Jah­ren von Mit­glie­dern der So­cié­té Psy­chana­ly­tique de Pa­ris (SPP) ent­wi­ckelt wor­den86, in­so­fern also im Rah­men der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on; nach 1945 wur­de es vor al­lem von Mau­rice Bou­vet (ei­nem Mit­glied der SPP) aus­ge­ar­bei­tet.87 Im Wör­ter­buchs der Psy­cho­ana­ly­se von Laplanche/Pontalis heißt es hier­zu: „Die zeit­ge­nös­si­sche Ver­wen­dung des Be­griffs ‚ge­ni­ta­le Lie­be‘ ist häu­fig von dem Ge­dan­ken ei­ner voll­stän­di­gen Trieb­be­frie­di­gung be­glei­tet, so­gar von der Lö­sung je­des Kon­flikts (‚Kurz ge­sagt, die ge­ni­ta­le Be­zie­hung ist ohne Ge­schich­te‘, so wur­de ge­schrie­ben.).“88 Zur Ob­la­ti­vi­tät hat La­can sich häu­fig kri­tisch ge­äu­ßert, zu­erst in Die Fa­mi­lie von 193889, au­ßer­dem bei­spiels­wei­se im Poe-Auf­satz von 195790, in Die Len­kung der Kur von 196191 und zu­letzt in Se­mi­nar 1192.]

Die­se Au­to­ren neh­men au­ßer­dem wahr, dass man nicht die phal­li­sche Pha­se ab­war­tet [die meist auf das Al­ter von vier bis fünf Jah­ren da­tiert wird], um ein klei­nes Mäd­chen von ei­nem klei­nen Jun­gen zu un­ter­schei­den; „sie sind kei­nes­wegs gleich“, und das wun­dert sie. [Ge­meint ist hier of­fen­bar nicht die so­zia­le Zu­schrei­bung be­stimm­ter Ei­gen­schaf­ten zu den bei­den bio­lo­gi­schen Ge­schlech­tern, son­dern das be­ob­acht­ba­re Ver­hal­ten von Jun­gen und Mäd­chen – viel­leicht aber auch bei­des.] [? Fin­det man das im er­wähn­ten Auf­satz von Bou­vet?]

Gender identity

La­can be­zieht sich an­schlie­ßend auf den Be­griff der gen­der iden­ti­ty, [den John Mo­ney er­fun­den hat und] den Ro­bert Stol­ler  in Sex and Gen­der (1968) ver­wen­det, ei­ner Stu­die über Trans­se­xua­lis­mus, also über das Be­geh­ren, mit al­len Mit­teln zum an­de­ren Ge­schlecht über­zu­wech­seln, und sei es durch eine Ope­ra­ti­on. Er emp­fiehlt die Lek­tü­re; Stol­lers Un­ter­su­chung ent­hal­te vie­le gute Be­ob­ach­tun­gen. Der „dia­lek­ti­sche Ap­pa­rat“ [? Was meint das hier?], mit dem der Au­tor die auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen zu be­ant­wor­ten ver­su­che, sei je­doch un­zu­rei­chend. Vor al­lem ent­ge­he dem Au­tor der psy­cho­ti­sche As­pekt die­ser Fäl­le. Mit La­cans Er­klä­rung der Psy­cho­se durch die Ver­wer­fung [des Na­mens-des-Va­ters] las­se sich die Ge­stalt die­ser Fäl­le leicht er­klä­ren. [Der psy­cho­ti­sche As­pekt be­steht für La­can viel­leicht in der Ge­wiss­heit des Trans­se­xu­el­len in Be­zug auf das ei­ge­ne Ge­schlecht, im Ge­gen­satz zum Neu­ro­ti­ker, für den das ei­ge­ne Ge­schlecht der Ge­gen­stand ei­ner Fra­ge ist:  „Bin ich eine rich­ti­ge Frau?“ „Bin ich hin­rei­chend männ­lich?“.93]

Wenn man von Gen­der-Iden­ti­tät spricht (iden­tité de gen­re) [wie Stol­ler], mei­ne man da­mit eben das, was er, La­can, zu­vor als „der Mann“ und „der Frau“ be­zeich­net hat­te. [La­can hat­te ge­sagt, wenn man Se­xua­li­tät mit Freud be­grei­fen wol­le, müs­se man von den Be­zie­hun­gen zwi­schen „dem Mann“ und „der Frau“ aus­ge­hen. Da­mit be­zieht er sich, wie er jetzt noch ein­mal aus­drück­lich sagt, nicht auf das bio­lo­gi­sche Ge­schlecht, son­dern afuf das, was Stol­ler – im Ge­gen­satz zum bio­lo­gi­schen Ge­schlecht – als gen­der iden­ti­ty be­zeich­net, als Gen­der-Iden­ti­tät.]

[Stol­ler ar­bei­tet mit der von John Mo­ney ge­präg­ten Op­po­si­ti­on von gen­der iden­ti­ty und gen­der role und be­ruft sich auf Freud. In Sex and gen­der schreibt er:
„Gen­der-Iden­ti­tät (gen­der iden­ti­ty) be­ginnt mit dem Wis­sen und dem Be­wusst­sein, ob be­wusst oder un­be­wusst, dass man ei­nem Ge­schlecht (sex) an­ge­hört und nicht dem an­de­ren. Ge­schlechts­rol­le (gen­der role) ist das äu­ßer­li­che Ver­hal­ten, wel­ches man in der Ge­sell­schaft zeigt, die Rol­le, die man spielt, ins­be­son­de­re mit an­de­ren Men­schen.“94
Gen­der iden­ti­ty ist für Stol­ler also ein be­wuss­tes oder un­be­wuss­tes Wis­sen, und zwar über über das ei­ge­ne sex, über das ei­ge­ne bio­lo­gi­sche Ge­schlecht.]

[Wenn La­can von „dem Mann“ und „der Frau“ spricht, meint er dann wie Stol­ler das un­be­wuss­te Wis­sen von der Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­nem bio­lo­gi­schen Ge­schlecht? Si­cher­lich nicht, denn es gibt kein un­be­wuss­tes Wis­sen von der bio­lo­gi­schen Ge­schlechts­dif­fe­renz, wie La­can mit Freud be­tont.]

Wenn man wie Stol­ler von Gen­der-Iden­ti­tät spricht bzw. wie La­can von dem Mann und der Frau, geht es nicht um das, was sich be­reits in frü­her Kind­heit er­gibt, son­dern pri­mär um das Er­wach­se­nen­al­ter. [Freuds The­se über die Se­xua­li­tät der Kin­der war so er­folg­reich, dass La­can sich ge­nö­tigt sieht, den Stab in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung zu bie­gen: Wenn man von dem Mann und der Frau spricht, geht es nicht um die Kind­heit, son­dern um das Er­wach­se­nen­al­ter.] Im Er­wach­se­nen­al­ter ge­hört es zum Schick­sal der spre­chen­den We­sen [der Men­schen also], sich un­ter Män­ner und Frau­en auf­zu­tei­len. [Für Stol­ler heißt das: Im Er­wach­se­nen­al­ter kommt es dazu, dass In­di­vi­du­en sich selbst ei­nem der bei­den bio­lo­gi­schen Ge­schlech­ter zu­ord­nen; wenn man La­can folgt, kann das nicht ge­meint sein.] Da­bei ist das, was den Mann kenn­zeich­net, | [32] sein Ver­hält­nis zur Frau und um­ge­kehrt. [Die Gen­der-Iden­ti­tät „des Man­nes“ bzw. „der Frau“ be­steht also in der Be­zie­hung zum Ge­gen­ge­schlecht, vor­läu­fig for­mu­liert.]

Es ist nicht mög­lich, die­se De­fi­ni­ti­on als Mann oder Frau von der ge­sam­ten Spre­cher­fah­rung zu abs­tra­hie­ren. Zu die­ser Spre­cher­fah­rung ge­hört auch die In­sti­tu­ti­on, in der die De­fi­ni­tio­nen des Man­nes und der Frau sich aus­drü­cken, näm­lich die Ehe. [Die Ehe ist eine der bei­den Ach­sen der Ver­wandt­schaft (die zwei­te ist die der Ab­stam­mung), und die Ver­wandt­schaft ist für Lévi-Strauss eine sym­bo­li­sche Ord­nung. Das kann man auch so aus­drü­cken: Die Ehe ist eine In­sti­tu­ti­on, die auf der Spra­che be­ruht. Zur Il­lus­tra­ti­on den­ke man etwa an den per­for­ma­ti­ven Akt, durch den die Ehe voll­zo­gen wird, das Ja-Wort, oder an die mit der Ehe ver­bun­de­ne Na­mens­ge­bung für die Ehe­part­ner und die Kin­der. Im Rah­men von La­cans lau­fen­der Ar­gu­men­ta­ti­on wäre be­son­ders re­le­vant, dass „Ehe­mann“ und „Ehe­frau“ re­la­tio­na­le Ter­mi­ni sind – gibt’s kei­ne Gat­tin, gibt’s auch kei­nen Gat­ten, und um­ge­kehrt.]

Der Schein in der sexuellen Beziehung: „den Mann geben“

Im Er­wach­se­nen­al­ter geht es dar­um, de fai­re-hom­me: den Mann zu ma­chen, den Mann zu ge­ben, den Mann dar­zu­stel­len, den Mann zu spie­len [bzw. die Frau zu ge­ben.] [Das sind die ty­pi­schen und idea­len Ver­hal­tens­wei­sen der Ge­schlech­ter bis hin zur Ko­pu­la­ti­on, von de­nen im Phal­lus-Auf­satz die Rede ist.95] Durch die­ses Den-Mann-Ge­ben wird das Ver­hält­nis zur an­de­ren Sei­te her­ge­stellt.

Von hier aus wird im Ver­hal­ten des Kin­des al­les be­fragt, was sich bei­spiels­wei­se auf die­ses „den Mann ma­chen“ hin aus­rich­tet. [Von da­her kommt es ge­wis­ser­ma­ßen rück­wir­kend dazu, dass Kin­der sich be­reits vor der phal­li­schen Pha­se als Jun­gen und Mäd­chen un­ter­schei­den, dass sie nicht gleich sind.]

Ei­nes der we­sent­li­chen Kor­re­la­te des­sen, den Mann zu ge­ben, be­steht [also] dar­in, dem Mäd­chen ein Zei­chen zu ge­ben, dass man ein Mann ist. Da­mit sind wir in der Di­men­si­on des Scheins. Die­se Ebe­ne des Scheins lässt sich, wie be­kannt, bei vie­len Tier­ar­ten be­ob­ach­ten, vor al­lem bei hö­he­ren Säu­ge­tie­ren, und wird dort als Balz­ver­hal­ten be­schrie­ben. Die­se Ebe­ne des Scheins hat mit der zel­lu­lä­ren Ebe­ne der bio­lo­gi­schen Se­xua­li­tät nichts zu tun, also bei­spiels­wei­se nichts mit den Chro­mo­so­men, und auch nichts mit der Ebe­ne der Ge­schlechts­or­ga­ne, der Go­na­den [also nichts mit Ho­den und Ei­er­stö­cken].

Die Ebe­ne des Scheins ist die Ebe­ne, die von der Etho­lo­gie be­schrie­ben wird, von der Ver­hal­tens­for­schung. [Der Schein ist hier das Balz­ver­hal­ten, zum Schein ge­hört dem­nach nicht nur der Si­gni­fi­kant an sich selbst, wie es in der ers­ten Sit­zung ge­hört, son­dern auch die ima­gi­nä­re Di­men­si­on. Da­mit fes­tigt sich die Ver­mu­tung, dass der Schein das Nicht-Rea­le ist: Sym­bo­li­sches und Ima­gi­nä­res.] Beim Balz­ver­hal­ten ist am häu­figs­ten das Männ­chen im Spiel, und das Weib­chen ist das­je­ni­ge „Sub­jekt“ (!), an das sich die­ses Ver­hal­ten wen­det, die Adres­sa­tin. Durch das Balz­ver­hal­ten kommt es zur se­xu­el­len Ko­pu­la­ti­on. Das, was „Ko­pu­la­ti­on“ ge­nannt wird, er­hält sei­nen Sta­tus durch Ele­men­te be­son­de­rer Art. [? Wel­che be­son­de­ren Ele­men­te sind ge­meint? Dass Sper­mi­en des Männ­chens so in den Kör­per des Weib­chens ein­ge­bracht wer­den, dass sie Ei­zel­len be­fruch­ten kön­nen?]

Es ist si­cher, dass das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten mit dem Balz­ver­hal­ten der [an­de­ren] Tie­re vie­les ge­mein­sam hat; auch im mensch­li­chen Se­xu­al­ver­hal­ten geht es dar­um, [in der Be­zie­hung zum an­de­ren bio­lo­gi­schen Ge­schlecht] ei­nen Schein auf­recht­zu­er­hal­ten. [Der Schein im mensch­li­chen Se­xu­al­ver­hal­ten be­steht viel­leicht, all­ge­mein ge­sagt, in der Dar­stel­lung der Ge­schlech­ter­po­la­ri­tät und da­mit in der In­sze­nie­rung der Kom­ple­men­ta­ri­tät der Ge­schlech­ter.]

Der Diskurs in der sexuellen Beziehung

Das mensch­li­che Se­xu­al­ver­hal­ten un­ter­schei­det sich je­doch vom Se­xu­al­ver­hal­ten an­de­rer Tie­re, und zwar da­durch, dass der Schein in ei­nem Dis­kurs trans­por­tiert wird. [Der ima­gi­nä­re Schein ist mit dem Sym­bo­li­schen ver­knüpft.] [? Was meint hier „Dis­kurs“? Be­zieht sich der Satz ganz all­ge­mein auf das Spre­chen oder auf das in Se­mi­nar 17 ent­wi­ckel­te Kon­zept des Dis­kur­ses? Oder si­gna­li­siert La­can hier, dass es ihm in Se­mi­nar 18 dar­um ge­hen wird, eine Theo­rie des Dis­kur­ses der Se­xua­li­tät zu ent­wi­ckeln (die For­meln der Se­xu­ie­rung)?]

Das Reale in der sexuellen Beziehung: die Vergewaltigung als „passage à l’acte“

Es ist ein­zig die­se Ebe­ne des Dis­kur­ses, auf der der Schein zu ei­ner Wir­kung ge­bracht wird, die nicht vom Schein wäre, bei­spiels­wei­se dazu, dass ein Mann eine Frau ver­ge­wal­tigt oder um­ge­kehrt, im Ge­gen­satz zur ex­qui­si­ten tie­ri­schen Höf­lich­keit. [Aus­gangs­punkt ei­ner Ver­ge­wal­ti­gung ist in der Re­gel, „den Mann zu ge­ben“, also der Schein. Die­ses „den Mann ge­ben“ schlägt um in Ge­walt, in eine nicht-kom­ple­men­tä­re Be­zie­hung. Bei „Höf­lich­keit“ (cour­teoi­sie) soll man ver­mut­lich an die Wen­dung „ei­ner Frau den Hof ma­chen“ den­ken (fai­re la cour à une femme); die Höf­lich­keit wäre also das Balz­ver­hal­ten. (Gibt es auch un­ter nicht-mensch­li­chen Tie­ren Ver­ge­wal­ti­gung? Ob­wohl hier bei vie­len se­xu­el­len Prak­ti­ken Ge­walt ins Spiel kommt, Zwang ge­gen den Kör­per, ist es of­fen­bar schwie­rig, Bei­spie­le von Ver­ge­wal­ti­gung zu fin­den, vgl. die­sen Ar­ti­kel.)] Nor­ma­ler­wei­se be­müht sich der Dis­kurs, den Schein auf­recht­zu­er­hal­ten. [Das Spre­chen (?) stützt die kom­ple­men­tä­re In­sze­nie­rung der Ge­schlech­ter.] An den Gren­zen des Dis­kur­ses, der ver­sucht, den Schein auf­recht zu er­hal­ten, gibt es von Zeit zu Zeit et­was Rea­les, et­was, was | [33] pas­sa­ge à l’acte ge­nannt wird [näm­lich eine Ver­ge­wal­ti­gung]; es gibt kei­ne bes­se­re Stel­le, um das, was eine pas­sa­ge à l’acte ist, zu be­zeich­nen. [Die fran­zö­si­schen Psych­ia­ter ver­stan­den vor La­can un­ter pas­sa­ge à l’acte (wört­lich „Über­gang zur Tat“) eine spon­ta­ne ge­walt­tä­ti­ge Hand­lung, für die der Tä­ter nicht zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­den kann, häu­fig am Ran­de der Psy­cho­se. La­can er­klärt pas­sa­ge à l’acte ab Se­mi­nar 10 so: Das Sub­jekt ist mit dem Be­geh­ren des An­de­ren kon­fron­tiert, dies löst Angst aus, und das führt dazu, dass sich das Sub­jekt mit dem Ob­jekt a iden­ti­fi­ziert. Die­se Iden­ti­fi­zie­rung hat die Form ei­nes ag­gres­si­ven oder selbst­zer­stö­re­ri­schen Ver­hal­tens, etwa ei­nes Selbst­mord­ver­suchs.] In den meis­ten Fäl­len wird die Ver­ge­wal­ti­gung sorg­fäl­tig ver­mie­den, zu ihr kommt es meist durch Zu­fall, durch ei­nen Un­fall. [Eine pas­sa­ge à l’acte er­folgt spon­tan. Plan­mä­ßi­ge Ver­ge­wal­ti­gun­gen, etwa sol­che, wie sie seit Jahr­tau­sen­den im Ver­lauf von Krie­gen prak­ti­ziert wer­den, sind dem­nach kei­ne pas­sa­ges à l’acte.]

Von der pas­sa­ge à l’acte ist das ac­ting out zu un­ter­schei­den. Beim ac­ting out lässt man den Schein auf die Büh­ne über­ge­hen und macht dar­aus ein Bei­spiel. Man nennt das auch Lei­den­schaft. [Ver­mut­lich im Sin­ne von: Das ac­ting out hat die Form ei­nes lei­den­schaft­li­chen Auf­tritts; es be­steht dar­in, dass je­mand je­man­dem „eine Sze­ne macht“. Im Angst-Se­mi­nar hat­te La­can ge­sagt, das ac­ting out be­stehe dar­in, dass der Bock auf die Büh­ne steigt. Der Bock ver­kör­pert das Be­geh­ren; wenn er auf die Büh­ne steigt, wen­det er sich an die Zu­schau­er, wen­det sich das be­geh­ren­de Sub­jekt an den An­de­ren. Im Fal­le des ac­ting out  be­steht der Schein in ei­nem Ver­hal­ten, das als Si­gni­fi­kant fun­giert, das sich an den An­de­ren wen­det, um ge­deu­tet zu wer­den.] [? Was ist da­mit ge­meint, dass man im ac­ting out aus dem Schein ein „Bei­spiel“ macht?]

Diskurs und Mehrlust, sexueller Diskurs und Untersagung der Mehrlust

Der Dis­kurs ist in­so­fern da, als er den Ein­satz des­sen ge­stat­tet, wor­um es bei der Mehr­lust geht. [Der Dis­kurs dient letzt­lich der Ge­win­nung von Mehr­lust, Freud wür­de sa­gen: der Be­frie­di­gung po­ly­morph-per­ver­ser Trieb­re­gun­gen, mit La­can: als Er­satz für ei­nen Ge­nuss­man­gel. Auf die­ser The­se be­ruht die Kon­struk­ti­on der vier Dis­kur­se in Se­mi­nar 17.]

Dem se­xu­el­len Dis­kurs hin­ge­gen ist die Mehr­lust un­ter­sagt. [Der se­xu­el­le Dis­kurs stützt sich auf ein Ver­bot (auf das In­zest­ver­bot) und da­mit grün­det er sich auf die Spra­che.]

Darstellung des unmöglichen Genießens (des Realen) durch einen Mythos

Es gibt kei­nen Ge­schlechts­akt / kei­nen se­xu­el­len Akt.“ La­can er­in­nert dar­an, dass er die­se The­se be­reits frü­her mehr­fach vor­ge­tra­gen hat [zu­erst in Se­mi­nar 14]. [Wenn bio­lo­gi­sche Män­ner und bio­lo­gi­sche Frau­en mit­ein­an­der Sex ha­ben, er­zeugt dies nicht die Ge­wiss­heit, zum ei­nen oder zum an­de­ren Ge­schlecht zu ge­hö­ren.] Er will das jetzt un­ter ei­nem an­de­ren Blick­win­kel an­ge­hen.

Dass es kei­nen se­xu­el­len Akt gibt, wird durch die Öko­no­mie der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie spür­bar ge­macht, näm­lich da­durch, dass Freud die Din­ge bis zur Ebe­ne der Wahr­heit vor­an­ge­trie­ben hat, und zwar so un­schul­dig, dass er Sym­ptom ist. [Bei die­ser Ar­ti­ku­la­ti­on wuss­te Freud nicht, was er tat, und man kann sei­ne Aus­sa­gen deu­ten.]

Der Ödi­pus­my­thos ist not­wen­dig, um das Rea­le zu be­zeich­nen. [Die­ser Satz kon­den­siert drei The­sen: (1) Die Be­zie­hung auf das Rea­le ist ein not­wen­di­ges Ele­ment der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie. (2) Der Ödi­pus­my­thos ist Freuds Art und Wei­se, sich auf das Rea­le zu be­zie­hen. (3) Zur Er­läu­te­rung be­zieht sich La­can im Fol­gen­den auf den Ur­va­ter in To­tem und Tabu. Das heißt: Der Ur­va­ter­my­thos ist eine Ver­si­on des Ödi­pus­my­thos.] Der Rea­le ver­kör­pert sich hier im se­xu­el­len Ge­nie­ßen [in der se­xu­el­len Lust, in der „Se­xu­al­erre­gung“, wie Freud sagt], in­so­fern es un­mög­lich ist [also in ei­ner un­mög­li­chen se­xu­el­len Lust], denn der Ödi­pus­my­thos [der My­thos vom Ur­va­ter] be­zeich­net das my­thi­sche We­sen, das alle Frau­en ge­nießt. [Be­reits in den Se­mi­na­ren 14 und 17 hat­te La­can ge­sagt, der Ur­va­ter, der alle Frau­en ge­nießt und der ge­tö­tet wird, sym­bo­li­sie­re das Ge­nie­ßen, in­so­fern es un­mög­lich ist. Da­mit be­zieht La­can sich nicht auf die Quan­ti­tät, son­dern die Qua­li­tät, wie er 1976 in ei­nem Vor­trag er­läu­tern wird: Män­ner kön­nen nur mit be­stimm­ten Frau­en zum Or­gas­mus kom­men, nur mit Frau­en, die ih­rem höchst in­di­vi­du­el­len Phan­tas­ma ent­spre­chen. Dar­in un­ter­schei­den sich mensch­li­che Männ­chen von vie­len an­de­ren Männ­chen, die tat­säch­lich mit al­len Weib­chen ko­pu­lie­ren kön­nen, so wie ein Stier alle Kühe ei­ner Rin­der­her­de be­sprin­gen kann und zum Be­sprin­gen be­lie­bi­ger an­de­rer Kühe ver­mie­tet wer­den kann. Vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.] Die­ser Ap­pa­rat [die­ser Be­zug auf ein un­mög­li­ches Ge­nie­ßen] wird vom Dis­kurs selbst auf­ge­nö­tigt. [Dies ist die „Öko­no­mie“ der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie. Für Freud ist der „öko­no­mi­sche Ge­sichts­punkt“ der­je­ni­ge, der sich auf die Er­re­gungs­quan­ti­tä­ten be­zieht, für La­can be­steht er dar­in, dass die Er­re­gungs­ab­läu­fe durch den Be­zug auf ei­nen Man­gel be­stimmt sind, auf ein un­mög­li­ches Ge­nie­ßen. Die Ebe­ne der Wahr­heit, bis zu der Freud die Din­ge vor­an­ge­trie­ben hat, wäre also der Be­zug auf ein un­mög­li­ches se­xu­el­les Ge­nie­ßen. Die Wahr­heit be­steht hier im Be­zug auf eine Un­mög­lich­keit, das heißt durch­aus auf et­was Rea­les, al­ler­dings in my­thi­scher Dar­stel­lung.]

[Dass es kei­nen se­xu­el­len Akt gibt, wird in der Freud­schen Theo­rie dem­nach durch die Fi­gur des Ur­va­ters dar­ge­stellt, in­so­fern er die Ge­stalt ei­nes un­mög­li­chen Ge­nie­ßens ist. An die Stel­le des se­xu­el­len Akts tritt bei den Men­schen dem­nach der Be­zug auf ein un­mög­li­ches Ge­nie­ßen, das durch den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten sym­bo­li­siert wird. Und der „Schein“ des se­xu­el­len Ver­hal­tens (den Mann ge­ben usw.) ist das Ver­schlei­ern des Be­zugs auf das un­mög­li­che Ge­nie­ßen, das Ver­hül­len von et­was Rea­lem.]

Zwei Arten des Genießen: Mehrlust und sexuelles Genießen

Dies [näm­lich Freuds My­thos vom Ur­va­ter] ist das Ge­gen­stück zu dem, was er, La­can, [statt als My­thos] als Theo­rie for­mu­liert hat: über die Vor­rang­stel­lung des Dis­kur­ses be­zo­gen auf das Ge­nie­ßen [wor­in La­can nicht No­mi­na­list ist]. [La­cans Auf­fas­sung über De­ter­mi­na­ti­on des Ge­nie­ßens durch den Dis­kurs, der Lüs­te und der Er­re­gungs­ab­läu­fe durch die Spra­che, be­zieht sich eben­falls auf ein un­mög­li­ches, also rea­les Ge­nie­ßen.] Bei der Vor­rang­stel­lung des Dis­kur­ses im Ver­hält­nis zum [nicht-se­xu­el­len] Ge­nie­ßen geht es um das, was La­can als Ob­jekt a be­zeich­net, näm­lich um et­was, was als Ob­jekt fass­bar ist und durch eine Rei­he or­ga­ni­scher Zu­fäl­le da­hin ge­langt, den Platz der Mehr­lust aus­zu­fül­len: Brust, Ex­kre­ment, Blick und Stim­me. [Um es fest­zu­hal­ten: das Ob­jekt a be­setzt den Platz der Mehr­lust. Es kann als „Äqui­va­lent des Ge­nie­ßens“ fun­gie­ren, das im An­de­ren (dem Ort des Un­be­wuss­ten) ver­lo­ren ist, wie La­can es in Se­mi­nar 16 for­mu­liert hat­te.96]

[? Ist also der My­thos vom Ur­va­ter ein Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, und geht es La­can in die­sem Se­mi­nar dar­um, die­sem Dis­kurs mit den For­meln der Se­xu­ie­rung eine we­ni­ger my­thi­sche Fas­sung zu ge­ben?]

Das Ver­hält­nis der Mehr­lust ist ein Ver­hält­nis, in des­sen Na­men in der ge­sam­ten ana­ly­ti­schen Be­ob­ach­tung die Funk­ti­on der Mut­ter an ei­nen be­stim­men­den Platz ge­langt. [Die Mut­ter ist für Freud  das ver­lo­re­ne Ob­jekt, La­cans Ob­jek­te a fun­gie­ren als Er­satz für den (Genuss-)Verlust, den Freud als den Ver­lust der Mut­ter be­zeich­net.]

[In­wie­fern geht es beim Ob­jekt a dar­um, dass der Dis­kurs beim Ge­nie­ßen eine Vor­rang­stel­lung hat? In­so­fern, als der Dis­kurs in Ge­stalt des Ver­bots, das über die Mut­ter ver­hängt wird, zu ei­nem Ge­nuss­ver­lust führt (der Mehr­lust), der von den Ob­jek­ten a re­prä­sen­tiert wird, mit der Fol­ge, dass die ge­sam­te Dy­na­mik der Dis­kur­se durch den Be­zug auf den Ge­nuss­ver­lust or­ga­ni­siert ist.]

Wie wird die Mehr­lust nor­ma­li­siert [wie wird sie in den Dienst des he­te­ro­se­xu­el­len ge­ni­ta­len Akt ge­bracht97]? Da­durch, dass ein Ver­hält­nis  [der Mehr­lust] | [34] zur jouis­sance se­xu­el­le her­ge­stellt wird.

[In Se­mi­nar 13 (Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, 1965/66) hat­te La­can den Be­griff jouis­sance  aus­ge­hend vom eng­li­schen Ter­mi­nus se­xu­al en­joy­ment er­läu­tert. Es sei schwie­rig, sagt er hier, „eine Stüt­ze für et­was zu ge­ben, was ein Äqui­va­lent für un­ser fran­zö­si­sches Wort jouis­sance ist; en­joy­ment hat nicht die­sel­ben Re­so­nan­zen wie jouis­sance, man müss­te es ge­wis­ser­ma­ßen mit dem Aus­druck Lust* kom­bi­nie­ren, der viel­leicht ein biss­chen bes­ser wäre“98. Statt von „Lust“ spricht Freud auch von „Lust­emp­fin­dung“ oder „Lust­be­frie­di­gung“ oder „Trieb­be­frie­di­gung“ oder „Er­re­gung“. Mit der jouis­sance se­xu­el­le be­wegt man sich also im Feld von „se­xu­el­ler Lust“, „se­xu­el­ler Lust­emp­fin­dung“, „se­xu­el­ler Trieb­be­frie­di­gung“, „se­xu­el­ler Er­re­gung“. Statt von „Lust“ spricht Freud auch vom „Ge­nuss„99; die Über­set­zung von jouis­sance se­xu­el­le mit „se­xu­el­lem Ge­nuss“ ist also nicht so weit von Freud ent­fernt, wie man zu­nächst den­ken mag.]

Die Mehr­lust wird da­durch he­te­ro­se­xu­ell nor­ma­li­siert, dass eine Ver­bin­dung zur se­xu­el­len Lust her­ge­stellt wird. [In Se­mi­nar 19 (… oder schlim­mer, 1971/72) wird La­can den Be­griff des se­xu­el­len Ge­nie­ßens pro­ble­ma­ti­sie­ren und durch den der phal­li­schen Funk­ti­on er­set­zen: das so­ge­nann­te se­xu­el­le Ge­nie­ßen ist kein se­xu­el­les Ge­nie­ßen, da es sich nicht auf das bio­lo­gi­sche Ge­gen­ge­schlecht be­zieht.100]

Die­se Ver­bin­dung wie­der­um [zwi­schen den bei­den Lustar­ten, Mehr­lust ei­ner­seits und se­xu­el­ler Lust an­de­rer­seits] wird da­durch her­bei­ge­führt, dass die se­xu­el­le Lust vom Phal­lus her ar­ti­ku­liert wird, als dem Si­gni­fi­kan­ten der se­xu­el­len Lust, des se­xu­el­len Ge­nie­ßens [wo­bei zu be­ach­ten ist, dass der Phal­lus nicht der Si­gni­fi­kant des se­xu­el­len Ge­nie­ßens schlecht­hin ist, son­dern der Si­gni­fi­kant des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, in­so­fern es un­mög­lich ist, wie La­can in Se­mi­nar 14 aus­ge­führt hat­te101 (der Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung, heißt es im Phal­lus-Auf­satz). Die Bil­dung die­ses Si­gni­fi­kan­ten macht es mög­lich, dass die Ob­jek­te a bzw. die Mehr­lust ge­wis­ser­ma­ßen als Er­satz da­für ein­sprin­gen – die Mehr­lust bil­det ei­nen Er­satz für und eine Ab­wehr ge­gen das un­ter­sag­te Ge­nie­ßen, das durch den Phal­lus sym­bo­li­siert wird. In Se­mi­nar 11 wur­de das so for­mu­liert: „Das Ob­jekt a ist et­was, von dem als Or­gan das Sub­jekt sich zu sei­ner Kon­sti­tu­ie­rung ge­trennt hat. Die­ses Ob­jekt gilt als Sym­bol des Man­gels, das heißt des Phal­lus, nicht des Phal­lus an sich, son­dern in­so­fern er als Man­gel fun­giert.„102 La­cans Sym­bol für die­se Be­zie­hung ist \frac {\textit a}{-\phi}. (Die Zei­chen­fol­ge mi­nus klein phi, –φ, ist La­cans Sym­bol für die Kas­tra­ti­on: der mit ei­nem Mi­nus­zei­chen ver­se­he­ne ima­gi­nä­re Phal­lus).103 Auf die­se Wei­se wird das se­xu­el­le Ge­nie­ßens mit der Mehr­lust ver­bun­den, wird die Mehr­lust nor­miert oder nor­ma­li­siert. La­can re­kon­stru­iert hier mög­li­cher­wei­se ei­nen Zu­sam­men­hang, den Freud als „Vor­lust“ be­zeich­net – die Er­re­gun­gen der ero­ge­nen Zo­nen (≈ Mehr­lust) be­kommt eine Vor­be­rei­tungs­funk­ti­on für die ge­ni­ta­len Er­re­gun­gen (≈ se­xu­el­les Ge­nie­ßen).104]

Der Phallus, das Reale des sexuellen Genießens und der Schein

Der Phal­lus ist nicht der Si­gni­fi­kant, der das Feh­len des Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­nen wür­de; so et­was habe er nie be­haup­tet, sagt La­can über sich. [Hat er doch, seit Se­mi­nar 8 mehr­fach; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.]

Der Phal­lus ist das se­xu­el­le Ge­nie­ßen, in­so­fern es mit ei­nem Schein ver­bun­den ist.  [Im Phal­lus-Auf­satz heißt es, dass die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ge­schlech­tern durch den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten ver­mit­telt sind; hier­durch kom­me es 

zur In­ter­ven­ti­on ei­nes Schei­nens (pa­raît­re), das an die Stel­le des Ha­bens ge­setzt wird, um es auf der ei­nen Sei­te zu schüt­zen, um auf der an­de­ren Sei­te des­sen Man­gel zu mas­kie­ren, und wel­ches zur Fol­ge hat, dass es die idea­len oder ty­pi­schen Ma­ni­fes­ta­tio­nen des Ver­hal­tens bei­der Ge­schlech­ter ganz in die Ko­mö­die pro­ji­ziert, bis zur äu­ßers­ten Gren­ze im Akt der Ko­pu­la­ti­on.“105

Ich neh­me an, dass man pa­raît­re mit sem­blant gleich­set­zen kann. Der Schein wäre dann auf der Ebe­ne des ty­pi­schen Ver­hal­tens zu ver­or­ten, ein­schließ­lich des Ver­hal­tens in der Ko­pu­la­ti­on. Die­ses Ver­hal­ten ist in­so­fern ein Schein, als es ei­nen Er­satz dar­stellt – es tritt an die Stel­le der Ha­ben-Nicht­ha­ben-Op­po­si­ti­on und da­mit des Phal­lus. Der Schein ist eine Ha­bens-Me­ta­pher, ei­ner Phal­lus-Me­ta­pher, beim Mann um das Ha­ben zu schüt­zen, bei der Frau, um das Nicht­ha­ben, den Man­gel, zu ver­schlei­ern. Im Phal­lus-Auf­satz nennt La­can dies (mit ei­nem Aus­druck von Joan Ri­viè­re) die „Mas­ke­ra­de“.106 Der Phal­lus ist also nicht der Schein, er ist der Si­gni­fi­kant des­sen, was durch den Schein ka­schiert wird. Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, in­so­fern es um ei­nen Man­gel her­um or­ga­ni­siert ist; die­ser Man­gel wird durch den Schein ver­deckt: durch das ty­pi­sche und idea­li­sier­te Ver­hal­ten der Ge­schlech­ter, durch die Ge­schlechts­rol­le, durch das Balz­ver­hal­ten, durch die Mas­ke­ra­de.]

Ent­schei­dend hier­für ist die Kri­se der phal­li­schen Pha­se, die dar­in be­steht, dass der klei­ne Mensch mit der Wahr­heit fer­tig wer­den muss, dass es wel­che gibt, die kei­nen [Pe­nis] ha­ben. [Die­se Funk­ti­on wird von La­can seit Se­mi­nar 4 „Pri­va­ti­on“ ge­nannt und durch ein gro­ßes grie­chi­sches Phi, Φ, sym­bo­li­siert, auch „sym­bo­li­scher Phal­lus“ ge­nannt. Die Pri­va­ti­on be­steht dar­in, dass das Ver­hält­nis zum Pen­is­or­gan durch das Sche­ma haben/nichthaben sub­jek­ti­viert wird, wo­durch der sym­bolishe Phal­lus ent­steht.] Dies ist ein dop­pel­tes Vor­drin­gen zum Man­gel. Ers­tens in­so­fern es wel­che gibt, die kei­nen [Pe­nis] ha­ben. Und zwei­tens in­so­fern, als die­se Wahr­heit bis da­hin fehl­te. [Auf die­sem Wege ent­steht ein Si­gni­fi­kant für ein Feh­len, und das ist für La­can die grund­le­gen­de Funk­ti­on des Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten, also der Sub­jek­ti­vie­rung des Pe­nis mit dem Sche­ma Haben/Nichthaben.] Je­doch wird die Kri­se der phal­li­schen Pha­se von den Psy­cho­ana­ly­ti­kern zu­neh­mend ver­mie­den. [Der Schein – das ty­pi­sche Ver­hal­ten der Ge­schlech­ter bis hin zur Ko­pu­la­ti­on, die Gen­der-Iden­ti­tät – dient dazu, den Man­gel zu ver­ber­gen, der durch den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten kon­sti­tu­iert wird.]

Die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung be­steht nicht dar­in, sich für ei­nen Mann oder für eine Frau zu hal­ten. Sie be­steht dar­in, dem Rech­nung zu tra­gen, dass es Frau­en gibt – was den Jun­gen an­geht –, und dass es Män­ner gibt – was das Mäd­chen an­geht.  [Zwei Un­ter­schie­de ge­gen­über Stol­ler sind fest­zu­hal­ten: La­can spricht nicht, wie Stol­ler, von se­xu­el­ler „Iden­ti­tät“, son­dern von se­xu­el­ler „Iden­ti­fi­zie­rung“ (es gibt im­mer et­was, was jen­seits der Iden­ti­fi­zie­rung ist, nicht je­doch et­was, was jen­seits der Iden­ti­tät ist). Und: Die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung be­steht nicht in ei­nem Wis­sen über das ei­ge­ne Ge­schlecht, son­dern in ei­ner Be­zie­hung zu Mit­glie­dern des an­de­ren Ge­schlecht.]

[Da­mit drängt sich na­tür­lich die Fra­ge auf, wie die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung im Fal­le der Ho­mo­se­xua­li­tät zu be­stim­men ist, aber an die­ser Stel­le sagt La­can nichts dazu.]

[Der Über­gang vom vor­letz­ten zum letz­ten Satz deu­tet an, dass die Kri­se der phal­li­schen Pha­se, die Kon­sti­tu­ie­rung ei­nes Sym­bols des Feh­lens (für ei­nen Man­gels im Ge­nie­ßen), die Be­din­gung da­für ist, dass Män­ner be­rück­sich­ti­gen kön­nen, dass es Frau­en gibt, und um­ge­kehrt.]

Da­bei ist nicht so sehr wich­tig, was Jun­gen und Mäd­chen er­le­ben [ver­mut­lich: auf der ima­gi­nä­ren und auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne], son­dern eine „rea­le Si­tua­ti­on“ [ver­mut­lich: eine Si­tua­ti­on, die sich auf eine Un­mög­lich­keit be­zieht, auf das Rea­le.] Die rea­le Si­tua­ti­on be­steht dar­in, dass für die Män­ner das Mäd­chen der Phal­lus ist, und dass es das ist, was die Män­ner kas­triert, und für Frau­en ist der Jun­ge das­sel­be, näm­lich der Phal­lus. [Zu be­ach­ten ist, dass die Be­zie­hung bis zu die­sem Punkt als sym­me­trisch dar­ge­stellt wird.]

[In Se­mi­nar 14 hat­te La­can die fol­gen­den The­sen ent­wi­ckelt:
– Die Kas­tra­ti­on be­steht in ei­nem Man­gel des Ge­nie­ßen, ei­nem „Loch“ im Ge­nie­ßen.107 Die­ser Ge­nuss­man­gel wird der klas­si­schen Psy­cho­ana­ly­se zu­fol­ge durch das Mas­tur­ba­ti­ons­ver­bot her­bei­ge­führt, La­can spricht vor­sich­ti­ger von ei­ner „Ne­ga­ti­vie­rung“ des Ge­nie­ßens.108
– Die Ne­ga­ti­vie­rung des Ge­nie­ßens rich­tet sich auf ein be­stimm­tes Or­gan, den Pe­nis; der Man­gel im Ge­nie­ßen wird des­halb durch den Pe­nis ver­kör­pert. Der Phal­lus wird so zum „Zei­chen der Kas­tra­ti­on“109, der „Sub­trak­ti­on“ des Ge­nie­ßens110.
– Der Ge­nuss­man­gel, her­vor­ge­ru­fen durch die Ne­ga­ti­on des Ge­nie­ßens des ei­ge­nen Kör­pers, er­mög­licht den Über­gang vom Ge­nie­ßen des ei­ge­nen Kör­pers dazu, dass das Ge­nie­ßen sich im Ge­schlechts­akt auf ein Ob­jekt be­zie­hen kann, er­mög­licht also den Über­gang vom jouir (ge­nie­ßen) zum jouir de (et­was oder je­man­den ge­nie­ßen).111 Die­ses Ob­jekt ist nicht der Part­ner, nicht die an­de­re Per­son, son­dern der Phal­lus – der Se­xu­al­part­ner fun­giert als Phal­lus­me­ta­pher (und der Phal­lus wie­der­um als Me­ta­pher für das sub­tra­hier­te Ge­nie­ßen).112 Die Be­din­gung für die ge­ni­ta­le Nor­ma­li­sie­rung ist also das Durch­lau­fen der Kas­tra­ti­on. 113 Wie sich das von der Sei­te des Man­nes aus dar­stellt, er­zählt die bi­bli­sche Schöp­fungs­ge­schich­te. Die Frau, so heißt es dort, ist aus ei­nem Kör­per­teil des Man­nes ge­macht; aus Scham­haf­tig­keit wird die­ser Kör­per­teil als „Rip­pe“ be­zeich­net.114]

Hier­durch wird die Frau eben­falls kas­triert, in­so­fern näm­lich, als sie nur ei­nen Pe­nis er­wirbt und das ein Fehl­schlag ist. [Der Phal­lus ist durch­aus der Pe­nis, heißt es in Se­mi­nar 14, je­doch un­ter dem As­pekt der De­tu­me­s­zenz, des Ab­schwel­lens. Die Frau be­zieht sich im Ge­schlechts­akt also auf die Kas­tra­ti­on, auf das un­mög­li­che Ge­nie­ßen, in­so­fern sie mit der De­tu­me­s­zenz des Man­nes kon­fron­tiert ist; für sie ist die De­tu­me­s­zenz des Pe­nis der Si­gni­fi­kant des Man­gels im Ge­nie­ßen.115]

Der Jun­ge und das Mäd­chen ge­hen Ri­si­ken zu­nächst nur durch die Dra­men ein, die sie aus­lö­sen – ei­nen Mo­ment lang sind sie [für­ein­an­der] der Phal­lus.“  [In Se­mi­nar 14 spricht La­can vom „Dra­ma der Sub­jek­ti­vie­rung des Ge­schlechts“ – viel­leicht ist das hier ge­meint.116] [? Wel­cher Mo­ment ist ge­meint?]

Dies ist das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, in­so­fern die­ses Ge­nie­ßen ab­ge­löst ist, näm­lich der Phal­lus; an­ders ge­sagt: Das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens – des ab­ge­lös­ten Ge­nie­ßens – ist der Phal­lus. [La­can kommt auf sei­ne Be­mer­kung zu­rück – vier Sät­ze zu­vor –, dass die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­ner „rea­len Si­tua­ti­on“ ver­bun­den ist. Die se­xu­el­le Iden­ti­fi­zie­rung als „Mann“ oder „Frau“ ist in­so­fern eine „rea­le Si­tua­ti­on“, als das se­xu­el­le Ge­nie­ßen mit dem Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten ver­bun­den ist. 

[Das se­xu­el­le Ge­nie­ßen ist ab­ge­löst, La­cans um­schreibt da­mit die Form des Ge­nie­ßen, die er sonst als „phal­li­sches Ge­nie­ßen“ be­zeich­net. Die­ses Ge­nie­ßen wird als et­was er­lebt, was von dem mit dem Kör­per ver­bun­de­nen Ge­nie­ßen ge­trennt ist, als „pa­ra­si­tä­res Ge­nie­ßen“, wie La­can auch sagt.117]

[Das Rea­le des phal­li­schen Ge­nie­ßens ist der Phal­lus. Das Rea­le be­steht für La­can dar­in, dass die Sym­bo­li­sie­rung an eine Gren­ze stößt, und die Gren­ze be­steht in die­sem Fal­le dar­in, dass es im Un­be­wuss­ten kei­ne Si­gni­fi­kan­ten für die bio­lo­gi­sche Ge­schlechts­dif­fe­renz gibt. Der Phal­lus springt ge­wis­ser­ma­ßen hier­für ein und da­mit ver­weist da­mit auf das Rea­le. In­so­fern ist das phal­li­sche Ge­nie­ßen mit dem Rea­len ver­knüpft. Der Bei­schlaf ist in­so­fern eine „rea­le Si­tua­ti­on“, als er sich auf die Un­mög­lich­keit ei­ner Sym­bo­li­sie­rung be­zieht: auf die Un­mög­lich­keit, sich un­be­wusst auf ei­nen Part­ner des an­de­ren Ge­schlechts als Mit­glied des an­de­ren Ge­schlechts zu be­zie­hen. „Es gibt kei­nen Ge­schlechts­akt.“]

Das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens ist der Phal­lus, „an­ders ge­sagt der Name-des-Va­ters“; an der Gleich­set­zung die­ser bei­den Ter­mi­ni ha­ben frü­her ei­ni­ge An­stoß ge­nom­men. [La­can stützt sich hier auf das Kon­zept der Va­ter­me­tapher, das er in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958) ent­wi­ckelt hat­te. Die dort vor­ge­stell­te For­mel soll zei­gen, wie Ödi­pus­kom­plex und Kas­tra­ti­ons­kom­plex zu­sam­men­hän­gen: Die Bil­dung der Va­ter­me­tapher, das heißt, die Er­set­zung der Be­zie­hung zum Be­geh­ren der Mut­ter durch die Be­zie­hung zum Na­men-des-Va­ters  (lin­ke Sei­te der For­mel, Ödi­pus­kom­plex) läuft hin­aus auf die Kon­sti­tu­ie­rung des Phal­lus als Si­gni­fi­kant für das Be­geh­ren des An­de­ren (rech­te Sei­te der For­mel, Kas­tra­ti­ons­kom­plex): \frac {\text {Name-des-Vaters}}{\text {Begehren der Mutter}} \cdot \frac {\text {Begehren der Mutter}}{\text {dem Subjekt signifiziert}} \rightarrow \text {\small{Name-des-Vaters}} \left( \frac {\text {A}}{\text {Phallus}} \right) . Die Funk­ti­on des Phal­lus fällt dem­nach zu­sam­men mit der Ein­schrei­bung des Ge­set­zes (des In­zest­ver­bots) in die Se­xua­li­tät.]

[In der vor­an­ge­hen­den Sit­zung hat­te La­can den Na­men-des-Va­ters auf den Schein des Don­ners be­zo­gen, hier fun­giert er als das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens: Der Schein des Don­ners ver­deckt das Rea­le (das Un­mög­li­che) des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, des­sen Si­gni­fi­kant der Name-des-Va­ters ist. Auch der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des Rea­len des se­xu­el­len Ge­nie­ßens, der Schein, durch den in die­sem Fall dies Rea­le ver­deckt wird, ist das „den Mann ge­ben“ oder „die Frau ge­ben“, die Ko­mö­die der ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Ver­hal­tens.]

[? Name-des-Va­ters und Phal­lus sind Si­gni­fi­kan­ten, die sich auf das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens be­zie­hen. Der Si­gni­fi­kant an sich selbst ist Schein. Heißt das, Name-des-Va­ters und Phal­lus sind Schein?]

[Um es fest­zu­hal­ten: Die „Se­xu­ie­rung“ (wie La­can spä­ter sa­gen wird) be­ruht nicht auf dem Ver­hält­nis zum ei­ge­nen bio­lo­gi­schen Ge­schlecht oder zum an­de­ren bio­lo­gi­schen Ge­schlecht. Die Se­xu­ie­rung be­ruht auf der Spra­che, ge­nau­er: auf der Kon­sti­tu­ie­rung ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Man­gels, des Feh­lens, und zwar bei bei­den Ge­schlech­ter. Das Ma­te­ri­al für die Bil­dung die­ses Si­gni­fi­kan­ten ist der Pe­nis, der als be­droht oder als feh­lend auf­ge­fasst wird  und hier­durch zum Si­gni­fi­kan­ten wird. Mit­hil­fe die­ses Mi­nus-Si­gni­fi­kan­ten be­zie­hen Män­ner sich auf Frau­en und Frau­en sich auf Män­ner.]

Unterschiedliches Verhältnis von Mann und Frau zur Kastration

In der Be­zie­hung zwi­schen Mann und Frau gibt es eine Ope­ra­ti­on des Scheins. [Eine sol­che Ope­ra­ti­on des Scheins ist das Balz­ver­hal­ten, wie er frü­her in die­ser Sit­zung hieß, das idea­le oder ty­pi­sche Ver­hal­ten der Ge­schlech­ter, wie es im Phal­lus-Auf­satz heißt.]

Wel­chen Platz hat dar­in der Schein, der ar­chai­sche Schein? [Mit dem „ar­chai­schen Schein“ könn­te der Phal­lus ge­meint sein. Im Phal­lus-Auf­satz spricht La­can vom „Si­mu­la­crum“, das der Phal­lus „für die Men­schen der An­ti­ke war„118. Ein Si­mu­la­crum ist ein  Ab­bild oder Trug­bild, auch ein Schein; ein si­mu­la­c­re de com­bat ist ein „Schein­ge­fecht“. La­can be­zieht sich da­mit auf den It­hy­phal­los, das Bild oder die Sta­tue des eri­gier­ten Pe­nis und des­sen Funk­ti­on in den Mys­te­ri­en­kul­ten. Der Schein be­stün­de dann dar­in, dass die Part­ner für­ein­an­der die Funk­ti­on des Phal­lus rea­li­sie­ren, als Sym­bol für den Man­gel des Ge­nie­ßens.]

Um die Fra­ge zu be­ant­wor­ten, soll be­stimmt wer­den, was die Frau [für den Mann] re­prä­sen­tiert. Die Frau ist für den Mann die Stun­de der Wahr­heit, und zwar in­so­fern, als sie hin­sicht­lich des se­xu­el­len Ge­nie­ßens in der Po­si­ti­on ist, die Äqui­va­lenz des Ge­nie­ßens und des Scheins zu in­ter­punk­tie­ren (ponc­tu­er).

[Der Aus­druck „in­ter­punk­tie­ren“ hat zwei ent­ge­gen­ge­setz­te Be­deu­tun­gen: (a) un­ter­strei­chen, be­to­nen, (b) eine Zä­sur her­stel­len. Ei­ni­ge Sät­ze spä­ter sagt La­can, nie­mand wis­se bes­ser als die Frau, dass Ge­nie­ßen und Schein dis­junk­tiv sind. Also ist hier ge­meint: Die Frau ist für den Mann in­so­fern die Stun­de der Wahr­heit, als sie die Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein, an wel­cher der Mann il­lu­sio­när fest­hält, in Fra­ge stellt und die Kluft zwi­schen dem Ge­nie­ßen und dem Schein ak­zen­tu­iert.

Un­ter „Wahr­heit“ (im Un­ter­schied zum „Wis­sen“) ver­steht La­can den Man­gel im Wis­sen (im Un­be­wuss­ten); die­ser Man­gel be­steht dar­in, dass es kei­nen Si­gni­fi­kan­ten der bio­lo­gi­schen Ge­schlechts­dif­fe­renz gibt. Der Si­gni­fi­kan­ten die­ses Man­gels ist der Phal­lus; der Phal­lus ist ein „Gno­mon“ (Zei­ger ei­ner Son­nen­uhr), das vom Sub­jekt „auf­ge­rich­tet wird, um ihm [dem Sub­jekt] zu je­der Stun­de den Punkt der Wahr­heit zu be­zeich­nen“119 Die „Stun­de der Wahr­heit“ ist also ver­mut­lich der Mo­ment, in dem sich der Man­gel ei­nes Wis­sens über die Ge­schlechts­dif­fe­renz mas­siv be­merk­bar macht.

Auf wel­che Wei­se pro­ble­ma­ti­siert die Frau die schein­ba­re Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein? In Se­mi­nar 14 (1966/67) merkt La­can an, dass sich die um­gangs­sprach­li­che Wen­dung von der „Stun­de der Wahr­heit“ im psy­cho­ana­ly­ti­schen Kon­text meist auf den Ge­schlechts­akt be­zieht, und er weist dar­auf hin, dass man hier­bei das Be­geh­ren vom Ge­nie­ßen un­ter­schei­den muss.120 Also deu­tet La­can hier ver­mut­lich an, dass die Frau die Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein im Ver­lauf des Ge­schlechts­akts in Fra­ge stellt.

In Se­mi­nar 17 (Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se) heißt es, die Vor­ge­hens­wei­se der Hys­te­ri­ke­rin be­steht dar­in, den Phal­lus (den Pe­nis) ei­ner an­de­ren zu über­las­sen, um selbst wei­ter be­geh­ren zu kön­nen.121 Falls das ge­meint ist, be­stün­de die Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein in der An­glei­chung des se­xu­el­len Ge­nie­ßens an die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, und sie wür­de die­se Äqui­va­lenz da­durch auf­bre­chen, dass sie das Un­be­frie­digt­sein vor­zieht.

In Ra­dio­pho­nie (1970) kann man le­sen:

Nie­mand weiß bes­ser als die Hys­te­ri­ka, dass es kei­ne Äs­the­sie des ent­ge­gen­ge­setz­ten Ge­schlechts (kei­ne Er­kennt­nis im bi­bli­schen Sin­ne) gibt, Re­chen­schaft zu ge­ben vom an­geb­li­chen Ge­schlechts­ver­hält­nis.“122

Da La­can die Po­si­ti­on der Hys­te­ri­ke­rin und die der Frau bis­wei­len par­al­le­li­siert, neh­me ich an, dass der Schein all­ge­mei­ner in der Il­lu­si­on des Ge­schlechts­ver­hält­nis­ses, also der Kom­ple­men­ta­ri­tät be­steht, so­wie in der An­glei­chung des Ge­schlechts­akts an das Mo­dell der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung.

Im Auf­satz über weib­li­che Se­xua­li­tät (1958) heißt es:

Kei­nes­wegs ent­spricht die­sem Be­geh­ren die Pas­si­vi­tät des Akts, viel­mehr er­scheint die weib­li­che Se­xua­li­tät als die Be­mü­hung ei­nes Ge­nie­ßens, ein­ge­hüllt in sei­ne ei­ge­ne Kon­ti­nui­tät (de­ren sym­bo­li­schen Bruch viel­leicht jede Be­schnei­dung an­zeigt), sich in Ri­va­li­tät mit dem Be­geh­ren zu rea­li­sie­ren, das die Kas­tra­ti­on beim Mann frei­setzt, in­dem sie ihm im Phal­lus sei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt.“123

Das weib­li­che Ge­nie­ßen ist eine Be­mü­hung, die sich in Ri­va­li­tät mit dem Be­geh­ren des Man­nes be­fin­det, wo­bei sein Be­geh­ren durch den Phal­lus be­stimmt wird, durch den Si­gni­fi­kan­ten der Kas­tra­ti­on. Au­ßer­dem wird an­ge­deu­tet, dass das weib­li­che Ge­nie­ßen nicht so ein­schnei­dend durch die Spra­che struk­tu­riert ist wie das männ­li­che. In­ter­punk­ti­on der Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein könn­te von hier aus hei­ßen: Im Ge­schlechts­akt stellt die Frau durch ihre Art des se­xu­el­len Ge­nie­ßens das durch den Phal­lus struk­tu­rier­te Be­geh­ren des Man­nes in Fra­ge und da­mit ihre Funk­ti­on, für ih­ren Part­ner der Phal­lus zu sein.

In Se­mi­nar 14 (1966/67) führt La­ca­an aus, dass die Kom­ple­men­ta­ri­täts­il­lu­si­on des Man­nes dar­auf be­ruht, dass die Frau für ihn ein phal­li­sches Ob­jekt ist.124

In­wie­fern ist sie für ihn im Ge­schlechts­akt ein phal­li­sches Ob­jekt? In Se­mi­nar 15 (1968) heißt es hier­zu:

Es ist ab­so­lut klar, dass wir ver­lo­ren ge­hen, wenn wir von der Idee aus­ge­hen, der Psy­cho­ana­ly­ti­ker sei je­mand, der das bes­ser als an­de­re er­ken­nen kann, in dem Sin­ne, dass er über die­se gan­ze Sa­che, über das, wor­um es beim Ge­schlechts­akt / beim se­xu­el­len Akt geht, so­wie bei dem Sta­tus, der sich dar­aus er­gibt, dass er den Ab­stand hät­te, der dazu füh­ren wür­de, dass er hier­über die Er­kennt­nis hät­te. Dar­um geht es ab­so­lut nicht. Das ist auch der Grund, wes­halb er nicht Par­tei zu er­grei­fen hat, bei der Fra­ge, ob der Akt na­tür­lich ist oder nicht, wann er es ist und wann er es nicht ist.
Der Psy­cho­ana­ly­ti­ker rich­tet ein­fach eine Er­fah­rung ein, zu der er sei­nen Senf hin­zu­zu­ge­ben hat, im Na­men der drit­ten Funk­ti­on, die die­ses Ob­jekt a ist, das bei der De­ter­mi­na­ti­on des Be­geh­rens die Schlüs­sel­rol­le spielt, die dazu führt, dass es tat­säch­lich das ist, wor­auf sich die Be­schwer­de der Frau be­zieht, bei der Be­dräng­nis, in die sie der Voll­zug ih­res Ge­nie­ßens bringt, in ih­rem Ver­hält­nis zu dem, wor­um es beim Akt geht, ich kann sehr weit ge­hen, ich kann sa­gen, ‚was man ihr auf­nö­tigt‘ – das sieht üb­ri­gens so aus, als wür­de ich hier eine fe­mi­nis­ti­sche For­de­rung auf­stel­len, aber glau­ben sie das nur nicht, es ist weit­aus mehr als das, das ist in der Struk­tur –, das, wo­durch die Frau be­zeich­net wird, in der sub­jek­ti­ven Dra­ma­ti­sie­rung des­sen, wor­um es beim se­xu­el­len Akt geht, der ihr die Funk­ti­on des Ob­jekts a auf­nö­tigt, in­so­fern durch die­se Funk­ti­on das mas­kiert wird, wor­um es geht, näm­lich eine Höh­lung, eine Lee­re, die­se Sa­che, die im Zen­trum fehlt, die Sa­che näm­lich, die ich zu sym­bo­li­sie­ren ver­sucht habe und wo­von man sa­gen kann, dass es scheint, dass der Mann und die Frau mit­ein­an­der (en­sem­ble) – und be­ach­ten Sie die Wahl der Aus­drü­cke, de­rer ich mich be­dient habe –  nichts zu tun ha­ben (rien à voir).
An­ders aus­ge­drückt, da sie ih­rer­seits kei­nen Grund hat, die Funk­ti­on des Ob­jekts a zu ak­zep­tie­ren, führt das bei die­ser Ge­le­gen­heit ein­fach dazu, dass sie, be­zo­gen auf ihr Ge­nie­ßen und sei­ne Sus­pen­die­rung im Ver­hält­nis zum Akt, die Po­tenz / das Ver­mö­gen der Täu­schung be­merkt, ei­ner Täu­schung je­doch, die nicht die ihre ist, die et­was an­de­res ist, die hier­bei eben ge­nau durch die Ein­set­zung des  Be­geh­rens des Man­nes auf­ge­nö­tigt wird.
Was der Mann sei­ner­seits ent­deckt, ist nichts an­de­res als dies, dass es bei ihm die Im­po­tenz / das Un­ver­mö­gen gibt, et­was an­de­res an­zu­stre­ben als was? als ein Wis­sen na­tür­lich. Si­cher­lich gibt es ir­gend­wo und von An­fang an – um uns Hirn­ge­spins­ten über die Ent­wick­lung hin­zu­ge­ben – ein be­stimm­tes Wis­sen über das Ge­schlecht. Aber das ist es nicht, wor­um es geht. Es geht nicht dar­um, dass alle männ­li­chen oder weib­li­chen Kin­der Emp­fin­dun­gen hät­ten, die von ih­nen durch­aus er­fasst wer­den und die sie mehr oder we­ni­ger gut ka­na­li­sie­ren kön­nen. Bei dem, was zu er­rei­chen ist, beim Wis­sen über ein Ge­schlecht, geht es ge­nau dar­um, dass man nie­mals das Wis­sen über das an­de­re Ge­schlecht hat.
Be­zo­gen auf das Wis­sen über ein Ge­schlecht sieht es auf der männ­li­chen Sei­te sehr viel schlech­ter aus als auf der weib­li­chen.
Glau­ben Sie nicht, wenn ich sage, dass es kei­nen se­xu­el­len Akt gibt, dass ich da­mit et­was sage, was be­deu­tet, dass sich al­les un­ter der fol­gen­den Über­schrift ab­spielt: ‚Das ra­di­ka­le Schei­tern‘. Sa­gen wir, um die Din­ge auf der Ebe­ne der psy­cho­ana­ly­ti­schen Er­fah­rung an­zu­ge­hen, dass sie uns be­weist, um auf die­ser Ebe­ne zu blei­ben – Sie se­hen, das ich hier eine Ein­schrän­kung ma­che –, dass das Wis­sen über ein Ge­schlecht für den Mann, wenn es sich also um das sei­ne han­delt, zur Er­fah­rung der Kas­tra­ti­on führt, das heißt zu ei­ner be­stimm­ten Wahr­heit, näm­lich der sei­ner Im­po­tenz, sei­ner Im­po­tenz, et­was zu rea­li­sie­ren, sa­gen wir: et­was Vol­les zu rea­li­sie­ren, näm­lich den se­xu­el­len Akt.
Sie se­hen, dass all dies ziem­lich weit füh­ren kann, näm­lich zu die­sem hüb­schen li­te­ra­ri­schen Hin- und Her­schwin­gen zwi­schen der Po­tenz der Lüge ei­ner­seits und der Wahr­heit der Im­po­tenz an­de­rer­seits. Es gibt eine Über­kreu­zung.
Sie se­hen also, wie leicht all dies auf eine Art Weis­heit hin­aus­lau­fen könn­te, ja auf eine Art Sexo­lo­gie, wie man sa­gen wür­de, auf ir­gend­et­was, was mit Hil­fe ei­ner Mei­nungs­um­fra­ge be­ant­wor­tet wer­den könn­te.
Das, wor­auf ich Sie auf­merk­sam ma­chen möch­te, ist eben das, wor­um es geht, um zu prä­zi­sie­ren, wor­um es sich beim Psy­cho­ana­ly­ti­ker han­delt, näm­lich dass ei­nem klar wird, dass er kein Recht hat, auf ir­gend­ei­ner Ebe­ne die­se Dia­lek­tik zwi­schen Wis­sen und Wahr­heit zu ar­ti­ku­lie­ren, um dar­aus eine Sum­me zu bil­den, eine Bi­lanz, eine To­ta­li­sie­rung durch Re­gis­trie­ren ir­gend­ei­nes Schei­terns, denn dar­um geht es nicht. Nie­mand ist in der Lage, das zu be­herr­schen, wor­um es geht, und das ist nichts an­de­res als die In­ter­fe­renz der Funk­ti­on des Sub­jekts in Be­zug auf das, wor­um es bei die­sem Akt geht, von dem wir nicht ein­mal sa­gen kön­nen, wo in un­se­rer Er­fah­rung, ich mei­ne in un­se­rer ana­ly­ti­schen Er­fah­rung, sein Be­zug spür­bar ist, sa­gen wir nicht sein na­tür­li­cher Be­zug, denn der ver­schwin­det hier, son­dern sein bio­lo­gi­scher Be­zug.“125

Im se­xu­el­len Akt hat die Frau für den Mann die Funk­ti­on des Ob­jekts a, des­je­ni­gen Ob­jekts, das die Funk­ti­on hat, ein Feh­len zu ver­schlei­ern (des­sen Si­gni­fi­kant der Phal­lus ist). Die Frau hat kei­nen Grund, die­se Funk­ti­on zu ak­zep­tie­ren. Da­mit kommt es zu Schwie­rig­kei­ten mit ih­rer jouis­sance, mit ih­rem Ge­nie­ßen bis hin zur Sus­pen­die­rung ih­res Or­gas­mus (also zur so­ge­nann­ten Fri­gi­di­tät). Das hat zur Fol­ge, dass sie die „Po­tenz der Täu­schung“ be­merkt; da­mit könn­te un­ter an­de­rem ge­meint sein, dass ihr klar wird, dass sie die Mög­lich­keit hat, se­xu­el­le Er­re­gung und Or­gas­mus vor­zu­täu­schen und da­mit auf ih­ren Part­ner ein­zu­wir­ken. Die­se Täu­schung steht kei­nes­wegs in ih­rem Be­lie­ben, sie wird ihr durch das Be­geh­ren des Man­nes auf­ge­nö­tigt, ge­nau da­mit er­füllt sie für ihn die Funk­ti­on des Ob­jekts a, des Er­sat­zes für ein feh­len­des Ge­nie­ßen, also die Funk­ti­on des Phal­lus (der Mann hat nicht die Mög­lich­keit die­ser Täu­schung, in­so­fern ist die Frau po­ten­ter). Auf der Sei­te des Man­nes gibt es eine Im­po­tenz, die dar­in be­steht, dass er nur ein „Wis­sen“ über das an­de­re Ge­schlecht an­stre­ben kann (mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist). Im Un­be­wuss­ten gibt es je­doch kein Wis­sen über das an­de­re Ge­schlecht (wie Freud im­mer wie­der be­tont hat), eben dar­in be­steht die Kas­tra­ti­on. Die Ent­hül­lung die­ses Man­gels im Wis­sen nennt La­can „Wahr­heit“. Die Be­zie­hun­gen Män­ner und Frau­en sind nicht die von Men­gen (en­sem­bles), sie bil­den kei­ne ge­ord­ne­ten Paa­re S1 – S2. Der Ana­ly­sant bringt den Psy­cho­ana­ly­ti­ker in die Po­si­ti­on des su­jet sup­po­sé sa­voir, des Sub­jekts, dem Wis­sen (über die Wahr­heit des Ge­schlechts) un­ter­stellt wird, aber über die­se Wahr­heit hat er kein Wis­sen.

Die In­ter­punk­ti­on der Äqui­va­lenz von Ge­nie­ßen und Schein durch die Frau könn­te also dar­in be­stehen, dass sie ihr Ge­nie­ßen (ihre se­xu­el­le Er­re­gung bis hin zum Or­gas­mus) vor­täuscht, was heißt, dass für sie ihr Ge­nie­ßen an­ders­wo ist.

Die ge­sam­te Bil­dung | [35] des Man­nes ist dazu da, auf die Stun­de der Wahr­heit da­mit zu ant­wor­ten, dass er den Sta­tus sei­nes Scheins auf­recht­erhält [dass er an dem Phan­tas­ma fest­hält, durch das die Frau für ihn an den Platz des Ob­jekts a ge­bracht wird, als Ab­wehr der Kas­tra­ti­on]. Für ihn ist es leich­ter, auf der Ebe­ne der Ri­va­li­tät mit ei­nem Feind kon­fron­tiert zu sein, als mit der Frau, in­so­fern sie die Stüt­ze die­ser Wahr­heit ist, näm­lich, dass es im Ver­hält­nis des Man­nes zu Frau Schein gibt. Der Schein ist hier für den Mann das Ge­nie­ßen, das heißt, dass das Ge­nie­ßen Schein ist. [Das könn­te hei­ßen: Das Ge­nie­ßen der Frau ist für den Mann am Platz des Ob­jekts a (des Er­sat­zes für das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen) und eben hier­durch wird in­du­ziert, dass die Frau ihr Ge­nie­ßen vor­täuscht.]

Weil der Mann an der Über­schnei­dung die­ser bei­den Ar­ten des Ge­nie­ßens ver­or­tet ist [des se­xu­el­len Ge­nie­ßens (des­sen Un­mög­lich­keit durch den Phal­lus sym­bo­li­siert wird) und der Mehr­lust (die sich im Ob­jekt a ma­te­ria­li­siert], er­lei­det er das Un­be­ha­gen des so­ge­nann­ten se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses am stärks­ten. [La­can spielt hier viel­leicht auf Freuds Be­mer­kung im Un­be­ha­gen in der Kul­tur an, et­was im We­sen der Se­xu­al­funk­ti­on ver­sa­ge uns viel­leicht die vol­le Be­frie­di­gung. Im Phal­lus-Auf­satz (1958) hat­te La­can ge­schrie­ben, dass Frau­en das Feh­len der se­xu­el­len Be­frie­di­gung bes­ser er­tra­gen als Män­ner.126] [? Wor­in be­steht die Über­schnei­dung die­ser bei­den Ar­ten des Ge­nie­ßens? Dar­in, dass sein se­xu­el­les Ge­nie­ßen dar­an ge­bun­den ist, dass das Ge­nie­ßen auf der Sei­te der Frau für ihn die Funk­ti­on des Ob­jekts a hat, des Platz­hal­ters für die (im­mer ver­lo­re­ne) Mehr­lust? Er­lei­det er das „Un­be­ha­gen“ des­halb stär­ker, weil er für sein se­xu­el­les Ge­nie­ßen stär­ker auf das (not­falls vor­ge­täusch­te) Ge­nie­ßen auf der Sei­te der Frau an­ge­wie­sen ist als um­ge­kehrt?]  „Die­se Lüs­te, die man phy­sisch nennt“ [wie Co­let­te sagt].

Nie­mand weiß bes­ser als die Frau, was vom Ge­nie­ßen und vom Schein dis­junk­tiv ist; dar­in ist sie die An­de­re. [Im Auf­satz über weib­li­che Se­xua­li­tät (ge­schrie­ben 1958) hieß es, in der phal­lo­zen­tri­schen Dia­lek­tik sei die Frau die ab­so­lut An­de­re.] Denn die Frau ist die Prä­senz des­sen, was sie weiß, näm­lich dass Ge­nie­ßen und Schein, auch wenn sie in ei­ner Di­men­si­on des Dis­kur­ses gleich­wer­tig sind, sich dans l’épreuve, in der „Er­pro­bung“, in der Er­fah­rung, den­noch un­ter­schei­den.

[Ge­nie­ßen und Schein sind in der Di­men­si­on des Dis­kur­ses gleich­wer­tig, das ist die Po­si­ti­on des Man­nes; er nimmt also die Po­si­ti­on des Dis­kur­ses ein, und der Dis­kurs wird vom Schein be­stimmt (in den Dis­kurs­for­meln ist dies der Platz oben links). Von der Di­men­si­on des Dis­kur­ses ist die nicht-dis­kur­si­ve „Er­fah­rung“ oder „Er­pro­bung“ zu un­ter­schei­den, ihr er­schließt sich der Un­ter­schied von Ge­nie­ßen und Schein. Die­se Er­fah­rung ist nicht dem Mann zu­gäng­lich, wohl aber der Frau.]

[Auf der Ebe­ne der All­tags­er­fah­rung könn­te da­mit ge­meint sein, dass es ihr leicht fällt, das männ­li­che Ge­ha­be zu durch­schau­en, wäh­rend ein Mann Schwie­rig­kei­ten hat, das weib­li­che Ge­tue lä­cher­lich zu fin­den. Im Hin­ter­grund steht viel­leicht Freuds The­se, dass die Frau die Kas­tra­ti­on als ge­ge­ben ak­zep­tiert.127 Dazu passt, dass es bei Frau­en kei­nen Fe­ti­schis­mus gibt, also kei­ne Ver­leug­nung der Kas­tra­ti­on.128]

[? Um wel­che Er­fah­rung geht es? Im Auf­satz über weib­li­che Se­xua­li­tät wirft La­can die Fra­ge auf, ob die Ver­mitt­lung der Se­xua­li­tät durch den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten tat­säch­lich die ge­sam­te Trieb­struk­tur der Frau ka­na­li­siert, ins­be­son­de­re den in­stinct ma­ter­nel; dar­aus, dass al­les Ana­ly­sier­ba­re se­xu­ell ist, fol­ge ja nicht, dass al­les Se­xu­el­le ana­ly­sier­bar sei. Die For­mu­lie­rung könn­te sich auch auf das „weib­li­che Ge­nie­ßen“ be­zie­hen – La­can be­tont im­mer wie­der, dass selbst die weib­li­chen Psy­cho­ana­ly­ti­ker hier­über nichts zu sa­gen wis­sen.129 Will er sa­gen, dass es vom weib­li­chen Ge­nie­ßen kei­nen „Dis­kurs“ gibt, wohl aber eine Er­fah­rung?]

[? Man könn­te hier auch an die Stel­le in Freuds Un­be­ha­gen in der Kul­tur den­ken, wo es heißt, dass die Frau­en ge­gen die Kul­tur die In­ter­es­sen der Fa­mi­lie ver­tre­ten.130 Ver­sucht La­can hier, die­se The­se um­zu­ar­bei­ten?131]

[? Meint der Se­mi­nar­ti­tel „Über ei­nen Dis­kus, der nicht vom Schein wäre“ also dies: „Ist es mög­lich, über die Er­fah­rung der Frau, dass Ge­nie­ßen und Schein un­ter­schie­den sind, ein al­ter­na­ti­ves Dis­kurs­kon­zept zu ent­wi­ckeln, die For­mel ei­nes Dis­kur­ses, an dem ge­wis­ser­ma­ßen am Platz oben links nicht der Schein stün­de?“ – ? Sind die For­meln der Se­xu­ie­rung mög­li­cher­wei­se die For­meln ei­nes Dis­kur­ses, der in die­sem Sin­ne nicht vom Schein wäre?]

Von da­her stellt die Frau für den Mann die Wahr­heit dar, die­je­ni­ge näm­lich, die dem Schein sei­nen Platz ge­ben kann. [„Wahr­heit“ meint bei La­can die Of­fen­ba­rung ei­nes Man­gels im Wis­sen (im Un­be­wuss­ten), des Wis­sens über die Zwei­ge­schlecht­lich­keit; die­sen Man­gel nennt La­can „Kas­tra­ti­on“.132 Die Frau hat für den Mann die Funk­ti­on des Ob­jekts a und die­ses Ob­jekt hat die Funk­ti­on des Scheins: es ver­schlei­ert die Kas­tra­ti­on. Die Frau kann dem Schein sei­nen Platz ge­ben: sie kann ihn mit der Wahr­heit der Kas­tra­ti­on kon­fron­tie­ren.] Die Trieb­fe­der des Un­be­wuss­ten ist nichts an­de­res als das Grau­en vor die­ser Wahr­heit. Das ist das, was für ge­wöhn­lich als Kas­tra­ti­ons­kom­plex eti­ket­tiert wird.133 Die­ses Eti­kett be­ru­higt, weil man dann nicht mehr dar­über sa­gen muss [man muss sich dann nicht mehr da­mit aus­ein­an­der­set­zen, dass die Zwei­ge­schlecht­lich­keit im Un­be­wuss­ten nicht re­prä­sen­tiert ist].

Dass die Frau die Wahr­heit des Man­nes ist, kann man mit dem Sprich­wort Cher­chez la femme aus­drü­cken, „Su­chen Sie die Frau!“. Wen man die Wahr­heit ei­nes Man­nes ha­ben will, soll­te man wis­sen, wer sei­ne Frau ist, sei­ne Ehe­frau. [Die Ehe­frau fun­giert als Ob­jekt a, das Ob­jekt a dient der Ab­wehr der Kas­tra­ti­on, die Of­fen­ba­rung der Kas­tra­ti­on ist die Wahr­heit; in­so­fern ver­weist die Ehe­frau auf die Wahr­heit des Man­nes.] Um eine Per­son zu ge­wich­ten, gibt es nichts Bes­se­res, als sei­ne Frau zu wie­gen – wenn es um ei­nen Mann geht. [? Was heißt das kon­kret? Ein Bei­spiel?] [Spä­ter, im RSI-Se­mi­nar, wird La­can sa­gen: Eine Frau ist ein Sym­ptom des Man­nes134; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.]

Wenn es um eine Frau geht, ist es nicht das­sel­be. Denn die Frau hat eine gro­ße Frei­heit hin­sicht­lich des Scheins – es ge­lingt ihr, selbst ei­nem Mann Ge­wicht zu ver­lie­hen, der kei­nes hat. [? Was ist da­mit ge­meint?]

Mencius und das Primat des Diskurses

[36] La­can ver­weist auf Bal­tha­sar Gra­cián, Der Hof­mann: es geht dar­um, sagt Gra­cián, die Hei­lig­keit des Man­nes her­bei­zu­füh­ren, ein Hei­li­ger zu sein. [Das ist La­cans Zu­spit­zung; die For­mu­lie­rung fin­det sich nicht bei Gra­cián. Zwei Jah­re spä­ter, in Te­le­vi­si­on, wird La­can über den Ana­ly­ti­ker sa­gen, er sei ein Hei­li­ger, und zwar in­so­fern, als er für den­je­ni­gen, der in Ana­ly­se geht, ei­nen Ab­fall dar­stellt, ei­nen Aus­wurf, den Aus­schluss der jouis­sance, der (Un-)Lust jen­seits des Lust­prin­zips. Dies, um es dem Pa­ti­en­ten zu er­mög­li­chen, ihn als Ur­sa­che des Be­geh­rens zu neh­men, als Ob­jekt a.]

Im Chi­ne­si­schen heißt „Hei­li­ger“ sheng-ren.

La­can sagt über sich, dass er viel­leicht nur des­we­gen La­ca­nia­ner ge­wor­den sei, weil er frü­her Chi­ne­sisch ge­lernt hat. Das lie­ge auf der­sel­ben Ebe­ne wie das, was er [im Se­mi­nar] er­zählt. Im Men­ci­us sagt ei­ner von des­sen Schü­lern: „Was Sie nicht auf der Sei­te des yan fin­den, der Rede, des Dis­kur­ses, su­chen Sie es nicht auf der Sei­te ih­res xin, ih­res Geis­tes (es­prit). Und wenn Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res Geis­tes fin­den, su­chen Sie es nicht auf der Sei­te Ih­res zhi, ih­res Emp­fin­dungs­ver­mö­gens.“ Es wird dort also streng un­ter­schie­den zwi­schen dem Dis­kurs und | [37] dem Geist. Wenn Sie nicht auf der Ebe­ne des Spre­chens fün­dig ge­wor­den sind, su­chen sie es nicht auf der Ebe­ne der Ge­füh­le. [An­ders ge­sagt: Ein Psy­cho­ana­ly­ti­ker soll­te vom Spre­chen des Pa­ti­en­ten aus­ge­hen und not­falls ge­dul­dig war­ten, bis in der „frei­en As­so­zia­ti­on“ ein un­er­war­te­ter Si­gni­fi­kant auf­taucht; auch wenn die Angst auf die An­nä­he­rung an ein Ob­jekt a ver­weist, zei­gen die  Af­fek­te nicht den Weg zum Un­be­wuss­ten, sie er­mög­li­chen es nicht, den Sinn der Sym­pto­me zu ent­zif­fern.]

Men­ci­us wi­der­spricht sich [ver­mut­lich kann man er­gän­zen: „wie es in der Se­kun­där­li­te­ra­tur zu Recht heißt“]. Es geht je­doch dar­um, wie und war­um er sich wi­der­spricht.

Wenn man [wie der Schü­ler von Men­ci­us] den Dis­kurs in den Vor­der­grund rückt, kehrt man da­mit kei­nes­wegs zu Ar­chais­men zu­rück [wahr­schein­lich kann man ein­schie­ben: „wie ir­gend­je­mand be­haup­tet hat“]. Zu Zei­ten von Men­ci­us war der Dis­kurs be­reits voll­kom­men ar­ti­ku­liert, mit „pri­mi­ti­vem Den­ken“ hat das nichts zu tun.

Kommentar

Mi­cha­el Gün­ter schreibt am 6. Mai 2017:

Hal­lo Herr Nemitz,

schon beim Le­sen der 2. Sit­zung hat­te ich un­ten ste­hen­de An­wort auf die Sinn­fra­ge im Kopf:

Wir kön­nen al­ler­dings nicht sa­gen, dass wir un­ter dem Ge­sichts­punkt der Er­kennt­nis völ­lig ohne et­was da­ste­hen.“ [? Sinn?] 

(Se­mi­nar XVIII, 2 Sit­zung)

Je dis, même si je ne sais pas ce que je dis, seu­le­ment je le sais que je ne le sais pas.“

Ich sage, selbst wenn ich nicht weiß, was ich sage, weiß ich aber dies, dass ich es nicht weiß.“

 (Se­mi­nar XVIII, 3. Sit­zung)

Rein lo­gisch bleibt die Sinn-Fra­ge na­tür­lich er­hal­ten, etwa in­dem man den obi­gen Satz ne­giert:
„Ich sage nicht, selbst wenn ich weiß, was ich nicht sage, weiß ich aber nicht je­nes, dass ich es weiß.“

In­halt­lich bleibt La­can we­sent­lich nä­her bei Be­ckett, als bei Joy­ce – wo­bei bei­de Po­si­tio­nen rich­tig sind.
Be­ckett be­wegt sich im Rah­men des „dire“/Sagens; Joy­ce ist eher „parle“/Sprechen, wo­bei par­ler (ho­mo­nym) auch Vor­trag be­deu­tet – La­can hält sich hier ge­schickt in der Mit­te – wohl be­wusst – er sagt et­was, wor­über er nicht spre­chen kann und re­det dar­über.

In­ter­es­sant wird es dann beim Halb-Sa­gen, ist es et­was wor­über man nur etwas/nichts sa­gen kann oder et­was, wor­über man spre­chen muss, ohne et­was dazu sa­gen zu kön­nen (wie etwa beim Ge­schlechts­ver­kehr)?

VG

 

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Anmerkungen

  1. Die Wen­dung Que vuoi? (Was willst du?), La­cans For­mel für die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren, er­scheint zum ers­ten Mal in Se­mi­nar 4 (in der Sit­zung vom 6. Fe­bru­ar 1957; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 198 f.) La­can be­zieht sich hier­für auf ei­nen 1772 er­schie­ne­nen Ro­man von Jac­ques Ca­zot­te, Le dia­ble amou­re­ux (Der ver­lieb­te Teu­fel). Der Ich-Er­zäh­ler, Al­va­re, be­rich­tet, wie er ein­mal in Nea­pel den Teu­fel be­schwor und die­ser ihm in ver­schie­de­nen Ge­stal­ten er­schien. Die ers­te Er­schei­nungs­form war ein Ka­mel­kopf, und die­ser Kopf frag­te den Hel­den: „Que vuoi?“ „Was willst du?“ (Vgl. Jac­ques Ca­zot­te: Der ver­lieb­te Teu­fel. Über­setzt von Franz Kal­ten­beck. In­sel, Frank­furt am Main 1999. Eine äl­te­re Über­set­zung, er­stellt von Edu­ard von Bü­low, 1838, fin­det man im In­ter­net hier.
    In den Schrif­ten er­scheint die For­mu­lie­rung in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten (Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 352 f.), ei­nem Vor­trag von 1960, der 1966 ver­öf­fent­licht wur­de.
  2. Marx hat das Sym­ptom ent­deckt, sagt und und schreibt La­can im­mer wie­der. Zum ers­ten Mal for­mu­liert er die­sen Ge­dan­ken in ei­nem Text von 1966 in den Écrits:
    „Es ist schwer nicht zu se­hen, dass be­reits vor der Psy­cho­ana­ly­se eine Di­men­si­on ein­ge­führt wor­den ist, die man als die des Sym­ptoms be­zeich­nen könn­te, das von da­her ar­ti­ku­liert wird, dass es die Wie­der­kehr der Wahr­heit als sol­cher in der Spal­te ei­nes Wis­sens dar­stellt.
    Da­bei han­delt es sich nicht um das klas­si­sche Pro­blem des Irr­tums, son­dern um eine kon­kre­te Ma­ni­fes­ta­ti­on, die ‚kli­nisch‘ ein­ge­schätzt wer­den muss, und wor­in sich nicht ein Man­gel der Re­prä­sen­ta­ti­on ent­hüllt, son­dern eine Wahr­heit, die ei­nen an­de­ren Be­zug hat als das –  Re­prä­sen­ta­ti­on oder nicht –, des­sen schö­ne Ord­nung zu stö­ren ihr ge­lun­gen ist.
    In die­sem Sin­ne kann man sa­gen, dass die­se Di­men­si­on in der Kri­tik von Marx klar dif­fe­ren­ziert wor­den ist, auch wenn sie dort nicht ex­pli­zit for­mu­liert wor­den ist.“ (Du su­jet en­fin en ques­ti­on (1966). In: J.L.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 229–236, hier : S. 234, mei­ne Über­set­zung)
    In den Se­mi­na­ren äu­ßert er die­se The­se zu­erst in Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67):
    „Ich möch­te hier sa­gen, für heu­te, in der Zeit, die mir heu­te Mit­tag zu­ge­wie­sen ist, dass es von da­her ist, von die­sem Feld Ein – die­sem fik­ti­ven Ein, die­sem Ein, an das sich eine gan­ze ana­ly­ti­sche Theo­rie klam­mert, de­ren Trug­schluss Sie mich die letz­ten Male mehr­fach kri­ti­sie­ren ge­hört ha­ben –, es ist wich­tig zu be­haup­ten, dass von da­her, von die­sem Feld, das als Ein be­zeich­net wird, als Ein num­me­riert wird – das nicht als ver­ei­ni­gend auf­ge­fasst wird, zu­min­dest so­lan­ge nicht, wie wir da­für nicht den Be­weis ge­lie­fert ha­ben –, dass von da­her jede Wahr­heit spricht. Für uns Ana­ly­ti­ker und so­gar für vie­le an­de­re – noch be­vor wir auf­ge­taucht sind, wenn auch nicht sehr lan­ge da­vor, für ein Den­ken, das auf et­was zu­rück­geht, was wir schließ­lich mit Na­men nen­nen kön­nen: die mar­xis­ti­sche Wen­de – hat die Wahr­heit kei­ne an­de­re Ge­stalt als das Sym­ptom. Das Sym­ptom, das heißt die Si­gni­fi­kanz der Dis­kor­d­an­zen zwi­schen dem Rea­len und dem, wo­für es sich aus­gibt. Die Ideo­lo­gie, wenn Sie so wol­len, un­ter ei­ner Be­din­gung, näm­lich dass Sie bei die­sem Aus­druck so weit ge­hen, die Wahr­neh­mung selbst in ihn ein­zu­schlie­ßen.“ (Sit­zung vom 10. Mai 1967, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la)
  3. Mil­ler tran­skri­biert mit „mais“.
  4. Mil­ler: „le tit­re d’un“; auf der Au­dio­auf­nah­me ist deut­lich „les ti­tres“ zu hö­ren.
  5. La­can be­zieht sich auf Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se.
  6. J. La­can: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J.L.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 5–54.
  7. Stimmt nicht. In Se­mi­nar 17 hat­te La­can die­sen Platz zu­nächst als den des Be­geh­rens (dé­sir) be­zeich­net (Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970, vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 106) dann als den des Agen­ten (agent) (Sit­zung vom 10. Juni 1970, vgl. Ver­si­on Mil­ler S. 196). Auch in Ra­dio­pho­nie wird der Platz oben links als der des Agen­ten be­zeich­net (a.a.O., S. 49).
  8. Zur Er­läu­te­rung der vier Ter­me vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel: Die Dis­kurs­ele­ment S1, S2, a, $: am Bei­spiel von Freuds Ver­ges­sen des Na­mens „Si­gno­rel­li“.
  9. Mil­ler tran­skri­biert mit „de­men­si­on“; La­can buch­sta­biert die ers­ten fünf Buch­sta­ben, auf der Ton­band­auf­nah­me ist klar zu hö­ren, dass der vier­te Buch­sta­be ein a ist.
  10. Das fran­zö­si­sche Wort man­si­on meint das „Haus“, v.a. in der As­tro­lo­gie. Ver­mut­lich spielt La­can mit dem­an­si­on auf eine For­mu­lie­rung von Hei­deg­ger an: „Die Spra­che ist der Be­zirk (temp­lum), d. h. das Haus des Seins.“ (M. Hei­deg­ger: Wozu Dich­ter? (1926) In: Ders.: Holz­we­ge. Ge­samt­aus­ga­be, Bd. 5. Klos­ter­mann, Frank­furt am Main 1977, S. 310)
  11. Die For­mu­lie­rung „d’où veut en ve­nir ce sem­blant“ (wo der Schein her­kommt) ist viel­leicht eine An­spie­lung auf die zu Be­ginn der Sit­zung er­wähn­te Fra­ge, „où je veux en ve­nir“ (wor­auf ich da­mit hin­aus­will).
  12. In der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hat­te La­can ge­sagt: „Das kommt na­tür­lich vom Him­mel, weil ich Idea­list bin, hier je­den­falls.“ (Ver­si­on Mil­ler, S. 14)
  13. La­can be­zieht sich wie­der auf die Fra­ge, ob er ein ge­fähr­li­cher „Idea­list“ sei und er deu­tet „Idea­list“, im ers­ten Schritt, als „An­hän­ger der Auf­fas­sun­gen von Ber­ke­ley“. Ein Idea­list ist dem­nach je­mand, der wie Ber­ke­ley an­nimmt, dass ide­as auf Wahr­neh­mun­gen be­ru­hen und für den gilt: esse est per­ci­pi (Sein ist Wahr­nom­men­wer­den).
  14. Ge­or­ge Ber­ke­ley (1685–1753), Phi­lo­soph der Auf­klä­rung, Ver­tre­ter des Sen­sua­lis­mus. Haupt­werk: A Trea­tise Con­cer­ning the Princi­ples ov Hu­man Know­ledge (1710).
    Zu Ber­ke­ley hat­te sich La­can aus­führ­li­cher in Se­mi­nar 16 ge­äu­ßert (Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, 1968/69), in der Sit­zung vom 30. April 1969 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 282, 285f., 289).
  15. Im Fol­gen­den geht es um den Be­griff Ou­sia bei Aris­to­te­les, des­sen, was letzt­lich wirk­lich ist. Ou­sia wird meist mit „Sub­stanz“ über­setzt, Al­ter­na­ti­ven sind „We­sen­heit“ oder „Rea­li­tät“. Für Aris­to­te­les ist der ty­pi­sche Fall ei­ner pri­mä­re Sub­stanz ein ein­zel­ner Or­ga­nis­mus, bei­spiels­wei­se ein ein­zel­nes Pferd oder ein ein­zel­ner Mensch (zu­min­dest gilt das für die Ka­te­go­ri­en­schrift).
  16. An­spie­lung auf ei­nen Ge­dan­ken, den man bei Pla­ton und Aris­to­te­les fin­det und der meist la­tei­nisch for­mu­liert wird: in­di­vi­du­um est in­ef­fa­bi­le (das In­di­vi­du­um ist un­greif­bar), es gibt kei­ne Wis­sen­schaft vom Ein­zel­nen.
  17. Näm­lich da­durch, dass er in der Lo­gik für Be­grif­fe Buch­sta­ben ver­wen­det hat.
  18. Im Zen­trum der christ­li­chen Mys­tik steht eine un­mit­tel­ba­re per­sön­li­che Got­tes­er­fah­rung, die letzt­lich nicht Wor­te ge­bracht wer­den kann.
  19. La­cans Be­mer­kung be­zieht sich ver­mut­lich auf den fol­gen­den Satz aus Aris­to­te­les’ Ka­te­go­ri­en­schrift:
    „Sub­stanz (ou­sia) aber ist die haupt­säch­lich und an ers­ter Stel­le und vor­züg­lich ge­nann­te, die we­der von ei­nem Zu­grun­de­lie­gen­den (hy­po­kei­me­non) aus­ge­sagt wird, noch in ei­nem Zu­grun­de­lie­gen­den ist, zum Bei­spiel der in­di­vi­du­el­le Mensch oder das in­di­vi­du­el­le Pferd.“ (Aris­to­te­les, Ka­te­go­ri­en, Ka­pi­tel 5)
    Der Ter­mi­nus „Zu­grun­de­lie­gen­des“ (Hy­po­kei­me­non) ist ein Be­griff der Gram­ma­tik bzw. der Lo­gik. Ge­meint ist das, von dem et­was aus­ge­sagt wird, in spä­te­rer Ter­mi­no­lo­gie ist dies das Sub­jekt ei­nes Sat­zes bzw. ei­ner Aus­sa­ge. In dem Satz „Hun­de sind Säu­ge­tie­re“ ist „Hun­de“ das Zu­grund­lie­gen­de, das Hy­po­kei­me­non, das Sub­jekt. Das was von „Hun­den“ aus­ge­sagt wird, ist, dass sie Säu­ge­tie­re sind; spä­ter wird man sa­gen: „Säu­ge­tie­re“ ist das At­tri­but oder das Prä­di­kat.
    Der zi­tier­te Satz von Aris­to­te­les be­sagt dem­nach: Eine Sub­stanz ist das, des­sen Name in ei­nem Satz vom Typ Sub­jekt-Prä­di­kat nicht die Prä­di­kat­stel­le be­set­zen kann.
    La­cans Be­mer­kung, dass die Ou­sia, Aris­to­te­les zu­fol­ge, auf kei­ne Wei­se at­tri­bu­iert wer­den kön­ne, ist mehr­deu­tig. Da­mit könn­te ge­meint sein, dass sie nicht als At­tri­but ver­wen­det wer­den kann, nicht als Prä­di­kat. Mög­li­cher­wei­se ist aber das Ge­gen­teil ge­meint, dass die Sub­stanz nicht die Sub­jekt­stel­le ein­neh­men kann. Und schließ­lich könn­te bei­des ge­meint sein.
  20. La­can stützt sich hier mög­li­cher­wei­se auf Ernst Cas­si­rer, der im Über­gang von Ding­be­grif­fen zu Re­la­ti­ons­be­grif­fen – von Sub­stan­zen zu Funk­tio­nen -– das ent­schei­den­de Merk­mal der mo­der­nen Na­tur­wis­sen­schaf­ten sieht. Vgl. Ernst Cas­si­rer: Sub­stanz­be­griff und Funk­ti­ons­be­griff. Un­ter­su­chun­gen über die Grund­fra­gen der Er­kennt­nis­kri­tik. Bru­no Cas­si­rer, Ber­lin 1910.
  21. Un­ter No­mi­na­lis­mus ver­steht man in der Phi­lo­so­phie meist die Po­si­ti­on, dass die Er­kennt­nis sich auf sinn­lich wahr­nehm­ba­re Ein­zel­din­ge be­zieht und dass Be­grif­fe und Aus­sa­gen auf die Wahr­neh­mung zu­rück­zu­füh­ren sind, um Er­kennt­nis­se zu er­mög­li­chen.
    In der Zu­sam­men­fas­sung von Se­mi­nar 14 hat­te La­can ge­schrie­ben:
    „Fünf­hun­dert Jah­re No­mi­na­lis­mus wür­den als Wi­der­stand ge­deu­tet wer­den und wä­ren ver­trie­ben, wenn po­li­ti­sche Be­din­gun­gen nicht noch die­je­ni­gen ver­sam­melt hät­ten, die nur über­le­ben, um kund­zu­tun, dass das Zei­chen nichts an­ders ist als Re­prä­sen­ta­ti­on.“ (La lo­gi­que du fan­tas­me. Comp­te ren­du du sé­min­aire 1966–1967 (1969). In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 323–328, hier: S. 327 f.)
  22. Mit ei­nem Netz im Sin­ne der Ma­the­ma­tik ar­bei­tet La­can im Auf­satz über Poes Der ent­wen­de­te Brief dort in der Par­en­the­se der Par­en­the­sen, ei­nem Zu­satz von 1966. In Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, un­ter­sucht La­can die Struk­tur der Ent­frem­dung als Klein­sche Grup­pe, die eben­falls ein Netz dar­stellt.
  23. La­cans For­mel für das Phan­tas­ma ist $ ◊ a.
  24. Im Her­ren­dis­kurs ist a am Platz un­ten rechts und $ am Platz un­ten links; die bei­den Ter­me des Phan­tas­mas sind in­so­fern aus­ge­sperrt, als sie hier der un­te­ren, un­be­wuss­ten Ebe­ne zu­ge­ord­net sind. Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist a oben links und $ oben rechts.
  25. In der Dar­stel­lung der vier Dis­kur­se in Ra­dio­pho­nie ist im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers (wie auch in dem des Herrn) der Pfeil zwi­schen a und $ mit „Un­mög­lich­keit“ be­schrif­tet (a.a.O., S. 49).
  26. Das Sche­ma steht am Ende des nächs­ten Ka­pi­tels, Ver­liebt­heit und Hyp­no­se. Vgl. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 108.
    La­can hat­te das Sche­ma u.a. in den Se­mi­na­ren 8 und 11 kom­men­tiert (Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 7. Juni 1961, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 427 f.; Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 24. Juni 1964, Ver­si­on Miller/Haas, S. 286 f.).
  27. La­can spielt hier dar­auf an, dass der Mär­ty­rer tra­di­tio­nell mit dem Blut zu­sam­men­ge­bracht wird. „Das Blut der Mär­ty­rer ist der Same der Kir­che“, sagt Ter­tul­li­an; im Deut­schen wer­den Mär­ty­rer seit dem 17. Jahr­hun­dert auch „Blut­zeu­gen“ ge­nannt.
  28. Ver­mut­lich be­zieht La­can sich hier auf Stend­hals Be­griff der Kris­tal­li­sie­rung, der in etwa Freuds Kon­zept der Über­schät­zung des Lie­bes­ob­jekts ent­spricht (De l’amour, 1822).
  29. Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten
    In Se­mi­nar 17 spricht La­can vom „mo­der­nen Herrn, den man Ka­pi­ta­lis­ten nennt“ (17. De­zem­ber 1969; Ver­si­on Mil­ler, S. 34).
    Er er­in­nert hier an Freuds Un­ter­schei­dung in der Traum­deu­tung zwi­schen dem „Un­ter­neh­mer“ des Traums (den Ta­ges­res­ten) und dem „Ka­pi­ta­lis­ten“ des Traums (dem un­be­wuss­ten Wunsch) und be­zieht sie „auf das Ver­hält­nis des Ka­pi­ta­lis­mus zur Funk­ti­on des Herrn“ so­wie auf die Mehr­lust (18. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 111).
    Die For­mu­lie­rung „Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten“ ver­wen­det er in Se­mi­nar 17 ein­mal, und zwar in die­ser Pas­sa­ge: „Um das zu se­hen, hat man nicht ge­war­tet, bis der Dis­kurs des Herrn sich gänz­lich ent­wi­ckelt hat, um im Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten mit sei­ner ku­rio­sen Ko­pu­la­ti­on mit der Wis­sen­schaft sein letz­tes Wort zu zei­gen.“ (10. März 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 126; über­setzt von Ger­hard Schmitz)
    Schließ­lich spricht er von der „ka­pi­ta­len Mu­ta­ti­on“, „die dem Dis­kurs des Herrn sei­nen ka­pi­ta­lis­ti­schen Stil ver­leiht“ (Sit­zung vom 10. Juni 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 195).
    Wei­ter aus­ge­ar­bei­tet hat La­can sei­ne Über­le­gun­gen zum Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten in ei­nem Vor­trag in Mai­land von 1972 (J. La­can: Du dis­cours psy­chana­ly­tique. Dis­cours de Jac­ques La­can à l’Université de Mi­lan le 12 mai 1972. In: La­can in Ita­lia 1953–1978. Mai­land: La Sa­la­man­dra 1978, S. 32–55). Eine PDF-Da­tei des Vor­trags­tex­tes fin­det man auf der Sei­te der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se, Pa­ris, hier.
    Der Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten wird hier durch fol­gen­de For­mel dar­ge­stellt wer­den.

    Diskurs des Kapitalisten 3Hier zum Ver­gleich alle fünf Dis­kurs­for­meln:
    Fünf DiskurseVer­ein­facht lässt sich der Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten so dar­stel­len:
    \frac {\text {\$}}{\text S_1} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}
    Se­kun­där­li­te­ra­tur: Ul­rich Her­manns: Dis­cours ca­pi­ta­lis­te und Plus-de-jouir. Zur öko­no­mi­schen Ter­mi­no­lo­gie von Jac­ques La­can 1969–1972. Pe­ras, Düs­sel­dorf 2011.–  Samo Tomšič: The ca­pi­ta­list un­con­scious. Marx and La­can. Ver­so, Lon­don 2015.

  30. In Te­le­vi­si­on (1974) er­läu­tert La­can das so:
    “ – Wie kom­men Sie üb­ri­gens dazu, mit sol­cher Si­cher­heit ein Zu­neh­men des Ras­sis­mus vor­aus­zu­se­hen? Und war­um, zum Teu­fel, es sa­gen?
    – Weil ich es über­haupt nicht ko­misch fin­de, aber weil es wahr ist.
    In der Ver­wir­rung un­se­rer Lust (jouis­sance) gibt es nur den An­de­ren, der sie si­tu­iert, doch so, daß wir da­von ge­trennt sind. Da­her Phan­tas­men, die un­be­kannt wa­ren, als man sich nicht misch­te.
    Die­sen An­de­ren bei sei­ner Art von Lust zu be­las­sen, wäre nur mög­lich, wenn man ihm nicht un­se­re auf­zwän­ge, ihn nicht für ei­nen Un­ter­ent­wi­ckel­ten hiel­te.
    Da nun dazu das Pre­kä­re un­se­rer Art und Wei­se hin­zu­kommt, die sich nun­mehr al­lein von der Mehr­lust her si­tu­iert, ja, die sich gar nicht mehr an­ders äu­ßert, war­um da hof­fen, daß sich die er­küns­tel­te Hu­ma­ni­sie­re­rei fort­setzt, in die sich un­se­re Aus­beu­tung klei­det?“ (J. L.: Te­le­vi­si­on. Über­setzt von Jut­ta Pras­se und Hin­rich Lüh­mann. In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Ber­lin 1988, S. 55–98, hier: S. 85.
  31. In Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, be­zieht sich La­can für die­se The­se aus­drück­lich auf das Buch von Elie Woll­man und François Ja­cob: La se­xua­lité des bac­te­ries. Édi­ti­ons Mas­son, Pa­ris 1959, ge­nau­er, auf die eng­li­sche Über­set­zung die­ser Ar­beit: Se­xua­li­ty and the ge­ne­tics of bac­te­ria. Aca­de­mic press, New York 1961 (Sit­zung vom 23. April 1974).
  32. Man den­ke etwa dar­an, das Freud in den Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie zu­nächst die Ver­mu­tung ge­äu­ßert hat­te, dass die Se­xu­al­erre­gung sich auf die Wir­kung der Schild­drü­se zu­rück­füh­ren lässt, und dass er die­se Pas­sa­ge in der Auf­la­ge von 1920 ge­stri­chen hat (Vgl. Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 37–145, hier: S. 120.)
  33. Bei Säu­ge­tie­ren und In­sek­ten ha­ben Männ­chen ein X-Chro­mo­som und ein Y-Chro­mo­som und Weib­chen zwei X-Chro­mo­so­men.
  34. Mil­ler: „dé­bats“; auf der Ton­auf­nah­me hört man gut „les ébats“.
  35. Die phal­li­sche Pha­se oder Stu­fe wird üb­li­cher­wei­se dem Al­ter von vier und fünf Jah­ren zu­ge­rech­net.
  36. Ro­bert Stol­ler: Sex and gen­der: On the de­ve­lop­ment of mas­cu­lin­i­ty and fe­mi­n­in­i­ty. Sci­ence Hou­se, New York 1968.
  37. Vgl. Freud: „Dass die Se­xu­al­erre­gung in be­ach­tens­wer­tem Gra­de un­ab­hän­gig von der Pro­duk­ti­on der Ge­schlechts­stof­fe sein kann, schei­nen die Be­ob­ach­tun­gen an männ­li­chen Kas­tra­ten zu er­ge­ben, bei de­nen ge­le­gent­lich die Li­bi­do der Be­ein­träch­ti­gung durch die Ope­ra­ti­on ent­geht (…). Über­dies weiß man ja längst, dass Krank­hei­ten, wel­che die Pro­duk­ti­on der mensch­li­chen Ge­schlechts­zel­len ver­nich­tet ha­ben, die Li­bi­do und Po­tenz des nun ste­ri­len In­di­vi­du­ums un­ge­schä­digt las­sen. Es ist dann kei­nes­wegs so ver­wun­der­lich, wie C. Rie­ger es hin­stellt, daß der Ver­lust der Keim­drü­sen im rei­fe­ren Al­ter ohne wei­te­ren Ein­fluß auf das see­li­sche Ver­hal­ten des In­di­vi­du­ums blei­ben kann.“ (Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie, a.a.O., S. 118 f.)
  38. Ac­ting out und pas­sa­ge à l’acte
    Ac­ting out ist die eng­li­sche Über­set­zung von Freuds Ter­mi­nus des „Agie­rens“. Freud ver­wen­det den Aus­druck sel­ten, es scheint nur drei Be­le­ge zu ge­ben.
    In der Dora-Ana­ly­se (1905) heißt es:
    „So wur­de ich denn von der Über­tra­gung über­rascht und we­gen des X, in dem ich sie an Herrn K. er­in­ner­te, räch­te sie sich an mir, wie sie sich an Herrn K. rä­chen woll­te, und ver­ließ mich, wie sie sich von ihm ge­täuscht und ver­las­sen glaub­te. Sie agier­te so ein we­sent­li­ches Stück ih­rer Er­in­ne­run­gen und Phan­ta­si­en, an­statt es in der Kur zu re­pro­du­zie­ren.“ (S.F.: Bruch­stück ei­ner Hys­te­rie-Ana­ly­se (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 6. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 83–186, hier: S. 183, Her­vor­he­bung im Ori­gi­nal)
    Auf­fäl­lig ist, dass Freud den Aus­druck „agie­ren“ tran­si­tiv ver­wen­det: „et­was agie­ren“, ana­log zu „et­was er­in­nern“.
    In Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten (1914) er­läu­tert Freud die Tech­nik der Wi­der­stands­deu­tung und un­ter­schei­det Fäl­le, bei de­nen hier­durch wie bei der Hyp­no­se Er­in­ne­run­gen frei­ge­setzt wer­den und sol­che, bei de­nen es nicht dazu kommt.
    „Hal­ten wir uns zur Kenn­zeich­nung des Un­ter­schie­des an den letz­te­ren Ty­pus, so dür­fen wir sa­gen, der Ana­ly­sier­te er­in­ne­re über­haupt nichts von dem Ver­ges­se­nen und Ver­dräng­ten, son­dern er agie­re es. Er re­pro­du­ziert es nicht als Er­in­ne­rung, son­dern als Tat, er  wie­der­holt es, ohne na­tür­lich zu wis­sen, daß er es wie­der­holt.“ (S. Freud: Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. X. Ima­go, Lon­don 1946, S. 125–136, hier: S. 129, Her­vor­he­bun­gen im Ori­gi­nal)  (In den Collec­ted Works wird „son­dern er agie­re es“ über­setzt mit „but acts it out“.)
    Bei­spiels­wei­se er­in­nert sich der Ana­ly­sier­te nicht dar­an, dass er ge­gen die El­tern trot­zig und un­gläu­big war, son­dern er ver­hält sich so ge­gen­über dem Psy­cho­ana­ly­ti­ker. (A.a.O., S. 133)
    Im Ab­riss der Psy­cho­ana­ly­se (1938) liest man:
    „Ein an­de­rer Vor­teil der Über­tra­gung ist noch, dass der Pa­ti­ent uns in ihr mit plas­ti­scher Deut­lich­keit ein wich­ti­ges Stück sei­ner Le­bens­ge­schich­te vor­führt, über das er uns wahr­schein­lich sonst nur un­ge­nü­gen­de Aus­kunft ge­ge­ben hät­te. Er agiert gleich­sam vor uns, an­statt uns zu be­rich­ten.“ (Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. 17. Ima­go, Lon­don 1941, S. 64–140, hier: S. 101)
    Freud „agie­ren“ ist, wie ge­sagt, mit ac­töing out ins Eng­li­sche über­setzt wor­den. Eine ent­schei­den­de Rol­le hat hier­bei ein Auf­satz von Otto Fe­ni­chel ge­spielt: Neu­rotic ac­ting out. In: Psy­cho­ana­ly­tic Re­view, 32. Jg. (1945), S. 197–206.
    (Üb­ri­gens ist Fe­ni­chels „ac­ting out“ mit „aus­agie­ren“ ins Deut­sche über­setzt wor­den (Ders.: Neu­ro­ti­sches Aus­agie­ren. Über­setzt von Ul­rich Schön­le­ber. In: O.F.: Auf­sät­ze. Band II. v. Klaus La­er­mann. Ull­stein, Frank­furt am Main 1985, S. 340–349).)
    Im Fran­zö­si­schen heißt das „Agie­ren“ pas­sa­ge à l’acte (wört­lich „Über­gang zur Hand­lung“).
    La­can be­greift das ac­ting out als eine schein­bar un­mo­ti­vier­te Hand­lung, de­ren Grund­la­ge die Über­tra­gung, in­ner­halb oder au­ßer­halb ei­ner Ana­ly­se (vgl. Semi­nar 5, Sit­zung vom 21. Mai 1958, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 496; Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 23. Ja­nu­ar 1963; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 159). In ei­ner Ana­ly­se ist ein ac­ting out eine Bot­schaft des Pa­ti­en­ten an den Ana­ly­ti­ker; durch die­se Hand­lung ver­weist der Pa­ti­ent den Anay­ti­ker auf et­was, was in der Deu­tung ge­fehlt hat und ver­langt er eine ge­naue­re Ant­wort. (Vgl. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 25. Juni 1958, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 577; Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 31. Mai 1961, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 411)
    In Freuds Ana­ly­se der jun­gen Ho­mo­se­xu­el­len be­steht das ac­ting out (La­can zu­fol­ge) dar­in, dass die Pa­ti­en­tin mit der von ihr ver­ehr­ten Dame un­ter dem Fens­ter ih­res Va­ters pro­vo­ka­tiv spa­zie­ren­geht.
    Pas­sa­ge à l’acte ist ein Be­griff der fran­zö­si­schen Psych­ia­trie, er be­zeich­net dort den Vor­gang, dass ge­walt­tä­ti­ge Ge­dan­ken in die Tat um­ge­setzt wer­den, etwa zu Be­ginn ei­nes psy­cho­ti­schen Schubs. Wenn eine Hand­lung eine pas­sa­ge à l’acte ist, gilt der Tä­ter als nicht ver­ant­wort­lich. Freuds Ter­mi­nus des „Agie­rens“ ist an­fangs mit pas­sa­ge à l’acte über­setzt wor­den und war dann ein Syn­onym für ac­ting out. (Vgl. Dy­lan Evans: Wör­ter­buch der La­can­schen Psy­cho­ana­ly­se. Tu­ria und Kant, Wien 2002, S. 217)
    La­can hin­ge­gen un­ter­schei­det das ac­ting out von der pas­sa­ge à l’acte (zu­erst in Se­mi­nar 10 von 1962/63, Die Angst, v.a. in der Sit­zung vom 23. Ja­nu­ar 1963; vgl. auch das Sche­ma „Hem­mung – Sym­ptom – Angst“ in Se­mi­nar 10, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 102 und 419).
    Die pas­sa­ge à l’acte hin­ge­gen ist  ein Ver­hal­ten, mit dem das Sub­jekt die sym­bo­li­sche Ebe­ne zu­rück­weist, ver­wirft. In der Fall­stu­die über die jun­ge Ho­mo­se­xu­el­le be­steht die pas­sa­ge à l’acte im plötz­li­chen Sprung der jun­gen Ho­mo­se­xu­el­len von ei­ner Brü­cke, also in ei­nem un­ge­plan­ten Selbst­mord­ver­such. Das Sub­jekt ist mit dem Be­geh­ren des An­de­ren kon­fron­tiert (die jun­ge Ho­mo­se­xu­el­le, am Arm ih­rer Dame, mit dem zor­ni­gen Blick des Va­ters), die­ses Be­geh­ren kann vom Sub­jekt nicht sym­bo­li­siert wer­den, dies ruft eine un­er­träg­li­che Angst her­vor, und an­ge­trie­ben von die­ser Angst re­agiert es im­pul­siv, in­dem es sich mit dem Ob­jekt iden­ti­fi­ziert, das es für den An­de­ren ist, mit dem Ob­jekt a.
    Se­kun­där­li­te­ra­tur: Alan Ro­wan: The place of ac­ting out in psy­cho­ana­ly­sis. In: Psy­cho­ana­ly­ti­sche Per­spec­tie­ven (Bel­gi­en), 2000, Nr. 41/42, S. 83–100.– What does La­can say about … ac­ting out? In: La­can On­line. 19. De­zem­ber 2010.
  39. In Se­mi­nar 10, Die Angst (1962/63), hat­te La­can ge­sagt: „Der Bock, der auf die Büh­ne (scè­ne) springt, ist das ac­ting out. Das ac­ting out, von dem ich spre­che, ist die um­ge­kehr­te Be­we­gung zu dem, wo­nach das mo­der­ne Thea­ter trach­tet, näm­lich dass die Schau­spie­ler in den Saal hin­ab­stei­gen, dass die Zu­schau­er auf die Büh­ne stei­gen und dort sa­gen, was sie zu sa­gen ha­ben.“ (Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 30. Ja­nu­ar 1963, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 176.
  40. Pas­si­on meint nicht nur „Lei­den­schaft“, son­dern auch „Lei­den“; La­can spricht ge­le­gent­lich von der „Pas­si­on des Si­gni­fi­kan­ten“, von dem durch den Si­gni­fi­kan­ten er­fah­re­nen Leid – mir ist nicht klar, ob das hier ge­meint ist, etwa im Sin­ne von „das durch das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten her­vor­ge­ru­fe­ne Leid“.
  41. Zum ers­ten Mal in Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (1966/67), in der Sit­zung vom 12. April 1967. Hier heißt es: „Das gro­ße Ge­heim­nis der Psy­cho­ana­lys­se be­steht dar­in, dass es kei­nen Ge­schlechts­akt (acte se­xu­el) gibt.“
  42. Freuds Ter­mi­nus ist „Se­xu­al­erre­gung“; vgl. Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie, dar­in der Ab­schnitt „Das Pro­blem der Se­xu­al­erre­gung“, a.a.O., S. 117–120.
  43. La­can be­zieht sich hier auf Freuds Kon­zept des Ur­va­ter­mor­des. Vgl. S. Freud: To­tem und Tabu (19121913). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 287444.
    Dar­in heißt es: „Die Dar­win­sche Ur­hor­de hat na­tür­lich kei­nen Raum für die An­fän­ge des Tot­emis­mus. Ein ge­walt­tä­ti­ger, ei­fer­süch­ti­ger Va­ter, der alle Weib­chen für sich be­hält und die her­an­wach­sen­den Söh­ne ver­treibt, nichts wei­ter.“ (A.a.O., S. 425)
    In den Se­mi­na­ren 14 und 17 hat­te La­can ge­sagt, der Ur­va­ter sym­bo­li­sie­re das Ge­nie­ßen, in­so­fern es un­mög­lich ist (vgl. Se­mi­nar 14, La lo­gi­que du phan­tas­me, Sit­zung vom 26. April 1967; Se­mi­nar 17, L’envers de la psy­chana­ly­se, Sit­zung vom 18. März 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 143).
  44. Vgl. hier­zu den Blog­ar­ti­kel Der Phal­lus, ein feh­len­der Si­gni­fi­kant.
  45. La­can stützt sich hier auf: Otto Fe­ni­chel: Die sym­bo­li­sche Glei­chung: Mäd­chen = Phal­lus (1936). In: Ders.: Auf­sät­ze. Band II. Hg. v. Klaus La­er­mann. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1985, S. 9–25.
    La­can be­zieht sich häu­fig auf die­sen Text, in den Se­mi­na­ren zu­erst in Se­mi­nar 4 (Sit­zung vom 6. Fe­bru­ar 1957, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 196), in den Schrif­ten zu­erst in Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 9–71, hier: S. 50.
  46. Zur „Stun­de der Wahr­heit“ heißt es in Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas (Sit­zung vom 21. Juni 1967):
    „Es möge ge­nü­gen, dar­an zu er­in­nern, dass das Be­geh­ren kei­nes­wegs et­was ist, des­sen Wahr­heit ganz ein­fach zu de­fi­nie­ren wäre. Denn die Wahr­heit des Be­geh­rens, das ist spür­bar. Da­mit ha­ben wir be­stän­dig zu tun, denn des­we­gen kom­men die Leu­te zu uns, be­zo­gen auf das, was Ih­nen zu­stößt, wenn das Be­geh­ren bei dem an­kommt, was man ‚die Stun­de der Wahr­heit‘ nennt. Das be­deu­tet: Ich habe et­was sehr be­gehrt, was auch im­mer es sein mag, ich ste­he da­vor, ich kann es ha­ben. Und da ge­schieht ein Un­fall.
    Ja, das Be­geh­ren – ich habe be­reits ver­sucht, es zu er­klä­ren – ist Man­gel. Das habe nicht ich er­fun­den, das weiß man seit sehr lan­ger Zeit; man hat dar­aus an­de­re Schluss­fol­ge­run­gen ge­zo­gen, aber da­von ist man aus­ge­gan­gen, weil man nur von da aus­ge­hen kann. Bei So­kra­tes ist das Be­geh­ren sei­nem We­sen nach Man­gel. Und das hat ei­nen Sinn, näm­lich dass es kein Ob­jekt gibt, an dem das Be­geh­ren sich be­frie­di­gen könn­te, auch wenn es Ob­jek­te gibt, die Ur­sa­chen des Be­geh­rens sind.
    Was wird in der Stun­de der Wahr­heit aus dem Be­geh­ren? Aus die­sen wohl­be­kann­ten Un­fäl­len zieht die Weis­heit ih­ren Vor­teil und prahlt da­mit, es als Wahn­sinn zu er­ach­ten, und um dann alle Ar­ten von diä­te­ti­schen Maß­nah­men zu er­grei­fen, um da­vor ge­schützt zu sein, ich mei­ne vor dem Be­geh­ren. Nun ja.
    Das Pro­blem be­steht nur dar­in, dass es ei­nen Mo­ment gibt, in dem das Be­geh­ren be­geh­rens­wert ist, näm­lich wenn es um das geht, was sich nicht ohne Grund für die Aus­füh­rung des Ge­schlechts­akts er­eig­net. Und da be­steht dann der Irr­tum, der be­trächt­li­che Irr­tum dar­in zu glau­ben, dass das Be­geh­ren eine Funk­ti­on hat, die man in das Phy­sio­lo­gi­sche ein­fügt. Man glaubt, dass das Un­be­wuss­te hier nur die Ver­wir­rung bei­steu­ert. Das ist ein Irr­tum. […] Aber man sieht sehr gut, dass das den­noch ein Irr­tum ist, der selbst in die be­schla­gens­ten Geis­ter tief ein­ge­schrie­ben bleibt, ich mei­ne die Psy­cho­ana­ly­ti­ker. Es ist sehr selt­sam, dass man nicht be­greift, dass das, was schließ­lich als Maß des Be­geh­rens er­scheint, als Pro­be auf das Be­geh­ren, an­ders ge­sagt, mein Gott, die Erek­ti­on, nun ja, mein Gott, das hat nichts mit dem Be­geh­ren zu tun. Das Be­geh­ren kann per­fekt funk­tio­nie­ren, ins Spiel kom­men, mit all sei­nen Aus­wir­kun­gen, ohne da­von in ir­gend­ei­ner Wei­se be­glei­tet zu sein. Die Erek­ti­on – um sie zu ver­or­ten – ist ein Phä­no­men, das auf dem Weg des Ge­nie­ßens ist. Ich will sa­gen, dass die Erek­ti­on selbst be­reits Ge­nie­ßen ist und dass eer­for­der­lich ist, da­mit der Ge­schlechts­akt voll­zo­gen wird, dass man  ge­ra­de nicht bei die­sem au­to­ero­ti­schen Ge­nie­ßen ste­hen­bleibt.“
    Die Rede von der „Stun­de der Wahr­heit“ ist dem­nach eine all­tags­sprach­li­che Wen­dung, die sich auf den Ge­schlechts­akt be­zieht und dar­auf, dass es hier­bei ei­nen Un­fall gibt. Man be­zieht das auf das Be­geh­ren, auch Psy­cho­ana­ly­ti­ker tun das, aber bei der Erek­ti­on geht es nicht um das Be­geh­ren, son­dern um das Ge­nie­ßen.
    In Ra­dio­pho­nie fin­det man zur „Stun­de der Wahr­heit“ die­se Be­mer­kung:
    „Es ist es, dies Rea­le, wenn die Stun­de der Wahr­heit vor­über ist, das sich auf­plus­tern wird bis zur nächs­ten Kri­se, nach­dem es wie­der Glanz ge­fun­den hat.“ (A.a.O., S. 45)
  47. Mög­li­cher­wei­se ist das se­xu­el­le Ge­nie­ßen und die Mehr­lust ge­meint. In Ra­dio­pho­nie heißt es über das „an­geb­li­che se­xu­el­le Ver­hält­nis“: „Das Ge­nie­ßen, auf das es sich stützt, ist wie je­des an­de­re von der Mehr­lust her ar­ti­ku­liert“ (a.a.O., S. 40, Über­set­zung ge­än­dert).
  48. Viel­leicht eine An­spie­lung auf die fol­gen­de Pas­sa­ge in Freuds Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930):
    „Das Se­xu­al­le­ben des Kul­tur­men­schen ist doch schwer ge­schä­digt, es macht mit­un­ter den Ein­druck ei­ner in Rück­bil­dung be­find­li­chen Funk­ti­on, wie un­ser Ge­biß und un­se­re Kopf­haa­re als Or­ga­ne zu sein schei­nen. Man hat wahr­schein­lich ein Recht an­zu­neh­men, daß sei­ne Be­deu­tung als Quel­le von Glücks­emp­fin­dun­gen, also in der Er­fül­lung un­se­res Le­bens­zwe­ckes, emp­find­lich nach­ge­las­sen hat. Manch­mal glaubt man zu er­ken­nen, es sei nicht al­lein der Druck der Kul­tur, son­dern et­was am We­sen der Funk­ti­on selbst ver­sa­ge uns die vol­le Be­frie­di­gung und drän­ge uns auf an­de­re Wege.“ (In: S. Freud: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Tascs­hen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 234 f.)
  49. La­can be­zieht sich auf Co­let­te, der Satz lau­tet bei ihr: „Ces plai­sirs qu’on nom­me, à la lé­gè­re, phy­si­ques.“ („Die­se Freuden/Lüste, die man so leicht­hin phy­sisch nennt.“) Die For­mu­lie­rung er­scheint zu­erst in ih­rem Ro­man Le Blé en her­be (Die grü­ne Saat). Flamma­ri­on, Pa­ris 1923 (es gibt zwei Über­set­zun­gen: Phil und Vin­ca. Über­setzt von Lis­sy Ra­de­ma­cher. Kie­pen­heu­er, Pots­dam 1928; Er­wa­chen­de Her­zen. Über­setzt von Ste­fa­nie Neu­mann. Zsol­nay, Wien 1952). Co­let­te spielt dar­auf an im Ti­tel ih­res Buchs Ces Plai­sirs … Fe­ren­c­zi, Pa­ris 1932; eine über­ar­bei­te­te Fas­sung die­ses Werks er­schien 1941 un­ter dem Ti­tel Le pur et l’impur (dt.: Die­se Freu­den. Über­setzt von Ma­ria Des­sau­er. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1983).
  50. Mil­ler: „sa place au sem­blant en tant que tel­le“; auf der Au­dio­auf­nah­me ist deut­lich zu hö­ren „en tant que tel­le au sem­blant“.
  51. In den Rich­tungs­wei­sen­den The­men­vor­schlä­gen für ei­nen Kon­gress über weib­li­che Se­xua­li­tät (ge­schrie­ben 1958, ver­öf­fent­licht 1962) heißt es:
    „An ge­nau der Stel­le gilt es zu fra­gen, ob die phal­li­sche Ver­mitt­lung all das ka­na­li­siert, was sich an Trieb­haf­ten bei der Frau ma­ni­fes­tie­ren kann, und ins­be­son­de­re den ge­sam­ten Strom des müt­ter­li­chen Trie­bes (in­stinct ma­ter­nel). War­um soll man hier nicht be­haup­ten, dass die Tat­sa­che, dass al­les, was ana­ly­sier­bar ist, se­xu­ell sei, nicht be­inhal­tet, dass al­les, was se­xu­ell ist, der Ana­ly­se zu­gäng­lich sei?“ (In: J.L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 239–256, hier: 245)
    Und:
    „Wenn man wie­der von die­sem Schleier­ef­fekt aus­geht, um dar­auf die Po­si­ti­on des Ob­jekts zu be­zie­hen, wird man ah­nen, wie die­se mons­trö­se Ver­be­griff­li­chung, de­ren ana­ly­ti­sche Ak­ti­va wei­ter oben be­fragt wur­den, in sich zu­sam­men­sin­ken kann. Viel­leicht ist da­mit ein­fach nur ge­meint, dass al­les der Frau zu­ge­rech­net wer­den kann, in­so­fern sie in der phal­lo­zen­tri­schen Dia­lek­tik den ab­so­lu­ten An­de­ren re­prä­sen­tiert.“ (A.a.O., S. 247)
  52. La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich auf ge­fal­te­te Pa­pier­blu­men.
  53. “Su­chen Sie die Frau“.
  54. La­can be­zieht sich an­schei­nend auf: Bal­ta­sar Gra­cián: El Dis­cre­to. 1646. dt.: Der klu­ge Welt­mann. Über­setzt von Se­bas­ti­an Neu­meis­ter. Ver­lag Neue Kri­tik, Frank­furt am Main 1996.
    Viel­leicht ist aber auch die­ses Werk ge­meint: B. Gra­cián: Orá­cu­lo ma­nu­al y arte de pru­den­cia. 1647. Dt.: Han­d­o­ra­kel und Kunst der Welt­klug­heit. Die Über­set­zung von Ar­thur Scho­pen­hau­er fin­det man im In­ter­net hier.
    Dass es dar­um geht, ein Hei­li­ger zu sein, ist eine Zu­spit­zung in La­cans ei­ge­nen Wor­ten; wört­lich fin­det man das in kei­nem der bei­den Bü­cher.

    Zwei Jah­re spä­ter wird La­can über den Ana­ly­ti­ker sa­gen, er sei ein Hei­li­ger, und zwar in­so­fern, als er für den­je­ni­gen, der in Ana­ly­se geht, ei­nen Ab­fall dar­stellt, ei­nen Aus­wurf, den Aus­schluss der jouis­sance. Dies, um es dem Pa­ti­en­ten zu er­mög­li­chen, ihn als Ur­sa­che des Be­geh­rens zu neh­men, als Ob­jekt a. (Vgl. J. La­can: Te­le­vi­si­on (1973). In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 55–95, zum Hei­li­gen: S. 70–72.)
  55. Men­ci­us“ meint nicht nur den chi­ne­si­schen Phi­lo­so­phen, son­dern auch, wie hier, sein Werk.
    Der ei­gent­li­che Name des Phi­lo­so­phen ist Meng K’o (oder Mong Ko oder Meng Ke); meist wird er je­doch Meng­zi ge­nannt, was „Phi­lo­soph Meng“ heißt (und was auch so ge­schrie­ben wird: Meng Zi, Meng-Tse, Meng Tse, Meng-Tse, Mong Dsi); die la­ti­ni­sier­te Fas­sung die­ses Na­mens ist Men­ci­us oder Men­zi­us.
    Auf Men­ci­us hat­te La­can sich be­reits in Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, be­zo­gen, in der Sit­zung vom 6. Juli 1960; vgl. Ver­si­on Miller/Haas, S. 373, 388.
  56. Ge­meint ist der „Dis­kurs des Ka­pi­ta­lis­ten“, ein Ter­mi­nus, den La­can in Se­mi­nar 17 ver­wen­det (Sit­zung vom 11. März 1970, vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 126) so­wie in  Ra­dio­pho­nie (a.a.O., S. 27).
  57. Vgl. etwa S. Freud: Die „kul­tu­rel­le“ Se­xu­al­mo­ral und die mo­der­ne Ner­vo­si­tät (1908). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 9–32, hier:  S.17.
  58. Vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: De la na­tu­re des sem­blants, Cours 1991/92, Sit­zung vom 8. Ja­nu­ar 1992, im In­ter­net hier, S. 44.
  59. Vgl. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 7. April 1965; Über­set­zung in die­sem Blog hier.
  60. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 19. März 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 357.
  61. Vgl. Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 6. De­zem­ber 1961.
  62. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 20. Mai 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 184–187.
  63. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 29. Ja­nu­ar 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 42 f.; Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 16. Juni 1965; J. La­can: Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit (1965). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 401–428, hier: S. 413.
  64. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962; Se­mi­nar 13, Sit­zun­gen vom 1. De­zem­ber 1965 und vom 20. April 1966 (die Sit­zung vom 1. De­zem­ber ent­spricht die­sem Auf­satz: Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit. In: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 401–428, zu Gö­del: S. 408); Se­mi­nar 16, Sit­zun­gen vom 11. De­zem­ber 1968 und vom 8. Ja­nu­ar 1969 (Ver­si­on Mil­ler, S. 86 und 97 f.).
  65. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zun­gen vom 14. Ja­nu­ar 1970, vom 20. Mai 1970 und vom 10. Juni 1970 (Ver­si­on Mil­ler S. 50, 189 f., 203).
  66. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 495.
  67. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 10. Juni 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 203.
  68. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 19. Mai 1965.
  69. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 16. Juni 1965, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  70. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 21. Juni 1967, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  71. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 24. Juni 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 288.
  72. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 19. Mai 1965.
  73. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 11. De­zem­ber 1973, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  74. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 21. Juni 1967.
  75. S. Freud: „Ein Kind wird ge­schla­gen“ (Bei­trag zur Kennt­nis der Ent­ste­hung se­xu­el­ler Per­ver­sio­nen) (1919). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 229–254.
  76. Ein Kind wird ge­schla­gen“, a.a.O., S. 237.
  77. Ein Kind wird ge­schla­gen“, a.a.O., S. 237.
  78. Ein Kind wird ge­schla­gen“, a.a.O., S. 237.
  79. Ein Kind wird ge­schla­gen“, a.a.O., S. 237.
  80. Ein Kind wird ge­schla­gen“, a.a.O., S. 231.
  81. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 21. Juni 1967.
  82. Vgl. Sit­zung vom 12. Mai 1971, „Litu­ra­terre“; Über­set­zung in die­sem Blog hier.
  83. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se. In: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 108.
  84. A.a.O., S. 105.
  85. Vgl. Kant mit Sade und die­sen Blog­ar­ti­kel, oder auch Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 14. Juni 1967.
  86. Vgl. Chris­ti­ne Ra­gou­cy: L’oblativité: pre­miè­res con­tro­ver­ses. In: Psy­chana­ly­se 1/2007 (Nr. 8), S. 29–41, im In­ter­net hier.
  87. Vgl. Mau­rice Bou­vet: La cli­ni­que psy­chana­ly­tique: la re­la­ti­on d’objet. In: Sacha Nacht (Hg.): La psy­chana­ly­se d’aujourd’hui. Band 1. Mit ei­nem Vor­wort von Er­nest Jo­nes. Pres­ses uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pa­ris 1956, S. 41–121.
  88. Jean La­plan­che, Jean-Bert­rand Pon­ta­lis: Ar­ti­kel „Ge­ni­ta­le Lie­be“. In: Dies.: Das Vo­ka­bu­lar der Psy­cho­ana­ly­se. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 166; die Ein­fü­gung in Klam­mern ist im Ori­gi­nal, der in der Klam­mer zi­tier­te Satz stammt von Mau­rice Bou­vet aus dem oben er­wähn­ten Ar­ti­kel: Bou­vet, a.a.O., S. 61.
  89. Vgl. J. La­can: Die Fa­mi­lie. Über­setzt von Fried­rich Kitt­ler. In: J.L.: Schrif­ten III. Hg. von Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten und Frei­burg i.Br. 1980, S. 39–100, hier: S. 68.
  90. J.L.: Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“. Über­setzt von Ro­dol­phe Gas­ché. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. von Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 7–60, hier: S. 53.
  91. J.L.: Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 109.
  92. J.L.: Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se. Das Se­mi­nar, Buch XI (1964). Über­setzt von Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten 1978, Sit­zung vom 4. März 1964, Ver­si­on Miller/Haas, S. 110; Sit­zung vom 20. Mai 1964, Ver­si­on Miller/Haas, S. 205 (in Ver­si­on Miller/Haas ist die­se Sit­zung irr­tüm­lich auf den 29. Mai 1964 da­tiert).
  93. Vgl. Ge­ne­viè­ve Mo­rel: Am­bi­guïtés se­xu­el­les. Se­xua­ti­on et psy­cho­se. An­thro­pos, Pa­ris 2000, S. 71.
  94. Zi­tiert nach dem Ar­ti­kel über Stol­ler in der deutsch­spra­chi­gen Wi­ki­pe­dia, Über­set­zung ge­än­dert.
  95. Vgl. J. La­can: Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 192–204, hier: S. 203.
  96. Vgl. Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 26. März 1969; Ver­si­on Mil­ler, S. 248.
  97. In Se­mi­nar 14 be­zeich­net La­can die Ori­en­tie­rung am he­te­ro­se­xu­el­len ge­ni­ta­len Akt als „nor­miert“ (vgl. Sit­zung vom 24. Mai 1967).
  98. Sit­zung vom 27. April 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la, „Lust“ im Ori­gi­nal deutsch.
  99. Den Aus­druck „Ge­nuss“ fin­det man mehr­fach im Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930).
  100. In der Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1972 heißt es,  „se­xu­el­les Ge­nie­ßen“ und „phal­li­sche Funk­ti­on“ sei­en pro­vi­so­risch als das­sel­be an­zu­se­hen (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 46). In der Sit­zung vom 3. Fe­bru­ar 1972 er­klärt La­can, das „phal­li­sche Ge­nie­ßen“ sei kei­nes­wegs das „se­xu­el­le Ge­nie­ßen“, da es nicht durch die (bio­lo­gi­sche) se­xu­el­le Po­la­ri­tät spe­zi­fi­ziert sei (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 70).
  101. Vgl. Sit­zung vom 8. März 1967. La­can spricht dort nur vom „Ge­nie­ßen“, nicht vom „se­xu­el­len Ge­nie­ßen“, be­zieht sich da­mit aber auf den Bei­schlaf. In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 14 ver­wen­det er für die­se Art des Ge­nie­ßens den Aus­druck „se­xu­el­les Ge­nie­ßen“ (14. Juni 1967).
  102. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 4. März 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 110, Über­set­zung ge­än­dert.
  103. Vgl. etwa die For­meln in Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 19. April 1961, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 307; Se­mi­nar 10, Sit­zung vom 28. No­vem­ber 1962, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 55.
    In Se­mi­nar 11 heißt es: „Das Ob­jekt a ist ein Et­was, von dem als Or­gan das Sub­jekt sich ge­trennt hat zu sei­ner Kon­sti­tu­ie­rung. Die­ses Ob­jekt gilt als Sym­bol des Man­gels, das heißt des Phal­lus, und zwar nicht des Phal­lus an sich, son­dern des Phal­lus, in­so­fern er ei­nen Man­gel, ein Feh­len dar­stellt.“ (Sit­zung vom 4. März 1964, Ver­si­on Miller/Haas S. 110.
  104. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 38–145, hier: S. 115 f.
  105. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 203, Über­set­zung ge­än­dert.
  106. Hier die ge­sam­te Pas­sa­ge:
    „Man kann je­doch, wenn man sich an die Funk­ti­on des Phal­lus hält, die Struk­tu­ren auf­zei­gen, de­nen die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ge­schlech­tern un­ter­wor­fen sein wer­den. Sa­gen wir, dass sich die­se Be­zie­hun­gen um ein Sein und ein Ha­ben dre­hen wer­den, die sich da­durch, dass sie sich auf ei­nen Si­gni­fi­kan­ten be­zie­hen, den Phal­lus, die ge­gen­läu­fi­ge Wir­kung ha­ben, auf der ei­nen Sei­te in die­sem Si­gni­fi­kan­ten dem Sub­jekt Rea­li­tät zu ver­lei­hen, auf der an­de­ren Sei­te die Be­zie­hun­gen, die es zu be­deu­ten gilt, zu ir­rea­li­sie­ren.
    Dies durch die In­ter­ven­ti­on ei­nes Schei­nens (pa­raît­re), das an die Stel­le des Ha­bens ge­setzt wird, um es auf der ei­nen Sei­te zu schüt­zen, um auf der an­de­ren Sei­te des­sen Man­gel zu mas­kie­ren, und wel­ches zur Fol­ge hat, dass es die idea­len oder ty­pi­schen Ma­ni­fes­ta­tio­nen des Ver­hal­tens bei­der Ge­schlech­ter ganz in die Ko­mö­die pro­ji­ziert, bis zur äu­ßers­ten Gren­ze im Akt der Ko­pu­la­ti­on.
    Die­se Idea­le ge­win­nen ihre Kraft aus dem An­spruch, den sie zu be­frie­di­gen ver­mö­gen, und der stets ein An­spruch auf Lie­be ist, mit­samt sei­nem Kom­ple­ment, der Re­duk­ti­on des Be­geh­rens auf den An­spruch.
    So pa­ra­dox die­se For­mu­lie­rung auch er­schei­nen mag, wir be­haup­ten, dass die Frau, um der Phal­lus zu sein, das heißt der Si­gni­fi­kant des Be­geh­rens des An­de­ren, ei­nen we­sent­li­chen Teil ih­rer Weib­lich­keit, na­ment­lich all ihre At­tri­bu­te, in die Mas­ke­ra­de zu­rück­drängt. Um des­sent­wil­len, was sie nicht ist, möch­te sie be­gehrt und zu­gleich ge­liebt wer­den. Für ihr ei­ge­nes Be­geh­ren je­doch fin­det sie den Si­gni­fi­kan­ten im Kör­per des­je­ni­gen, an den ihr Lie­bes­an­spruch sich rich­tet. Si­cher­lich darf man nicht ver­ges­sen, dass das Or­gan, da es die­se Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on über­nimmt, den Wert ei­nes Fe­tischs er­hält. Doch für die Frau bleibt das Er­geb­nis, dass im sel­ben Ob­jekt eine Lie­bes­er­fah­rung, die sie als sol­che (sie­he oben) idea­li­ter des­sen be­raubt, was das Ob­jekt gibt, und ein Be­geh­ren, das dar­in sei­nen Si­gni­fi­kan­ten fin­det, zu­sam­men­lau­fen.“ (Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 203, Über­set­zung ge­än­dert)
    Für den Be­griff „Mas­ke­ra­de“ ver­weist La­can an an­de­ren Stel­len auf Joan Ri­viè­re: Wom­an­li­ness as a mas­quer­ade. In: The In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis, 10. Jg. (1929), S. 303313. Es gibt zwei deut­sche Über­set­zun­gen: Weib­lich­keit als Mas­ke. In: In­ter­na­tio­na­le Zeit­schrift für Psy­cho­ana­ly­se, 15. Jg. (1929), S. 285296 (der Name des Über­set­zers wird hier nicht ge­nannt); Weib­lich­keit als Mas­ke­ra­de. Über­setzt von Ur­su­la Rieth. In: Li­lia­ne Weiss­berg (Hg.): Weib­lich­keit als Mas­ke­ra­de. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1994, S. 3447.
  107. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 12. April 1967.
  108. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zun­gen vom  12. und 19. April 1967.
  109. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 25. Ja­nu­ar 1967.
  110. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 12. April 1967.
  111. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 31. Mai 1967.
  112. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 7. Juni 1967.
  113. Vgl. Weib­li­che Se­xua­li­tät, a.a.O., S. 248; Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 24. Mai 1967.
  114. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 19. April und 24. Mai 1967.
  115. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 24. Mai 1967.
  116. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 26. April 1967, „la dra­me de la sub­jec­tiva­ti­on du sexe“. Die For­mu­lie­rung fin­det sich in Ver­si­on rue CB (hier, vier­ter Satz), nicht in Ver­si­on Sta­fer­la, wo mit „tra­me“ statt mit „dra­me“ tran­skri­biert wird.
  117. Vgl.  Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, Sit­zung vom 11. Juni 1974.
  118. Vgl. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 198.
  119. La­can, Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit, a.a.O., S. 428.
  120. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 21. Juni 1967.
  121. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 84 f.; Über­set­zung und Er­läu­te­rung in die­sem Blog­ar­ti­kel.
  122. A.a.O., S. 40, Ein­fü­gung in run­den Klam­mern von La­can.
  123. J. La­can: Rich­tung­wei­sen­de The­men­vor­schlä­ge für ei­nen Kon­gress über weib­li­che Se­xua­li­tät (1958). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek, S. 239–256, hier: S. 251 f., Über­set­zung ge­än­dert.
  124. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 12. April 1967.
  125. Se­mi­nar 15, Sit­zung vom 27. März 1968, mei­ne Über­set­zung.
  126. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 203.
  127. S. Freud: Über die weib­li­che Se­xua­li­tät (1931). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 273–292, hier: S. 279.
  128. Vgl. Mil­ler, De la na­tu­re des sem­blants, a.a.O., Sit­zung vom 29. Ja­nu­ar 1992, S. 67.
  129. Etwa im Auf­satz über weib­li­che Se­xua­li­tät so­wie in Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 24. Mai 1967.
  130. Vgl. Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur, a.a.O., S. 233.
  131. Wie Mil­ler an­deu­tet; vgl. De la na­tu­re des sem­blants, a.a.O., 29. Ja­nu­ar 1992, S. 75–77.
  132. Vgl. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 19. Mai 1965.
  133. In Se­mi­nar 12 wird das so for­mu­liert: „Ein Wis­sen also flüch­tet sich ir­gend­wo hin, an den Ort, den wir so nen­nen kön­nen, und war­um nicht, denn wir fin­den da nur die al­ten Wege wie­der, an ei­nen Ort der ur­sprüng­li­chen Scham, im Ver­hält­nis zu dem das ge­sam­te Wis­sen in ei­nem un­über­schreit­ba­ren Schre­cken (hor­reur) er­stellt wird, im Hin­blick auf den Ort, an dem das Ge­heim­nis des Ge­schlechts liegt.“ (Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 19. Mai 1965)
  134. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1975.

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