Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 5. Sitzung (10. März 1971), Übersetzung

Pe­ter Paul Ru­bens Die rö­mi­sche Barm­her­zig­keit
um 1612, Öl auf Lein­wand, 141 x 180 cm, Ere­mi­ta­ge, Sankt Pe­ters­burg, Russ­land

Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
5. Sit­zung, 10. März 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge von Ver­si­on Sta­fer­la, Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel V, „L’écrit et la pa­ro­le“ („Das Ge­schrie­be­ne und das Spre­chen“), S. 77–94.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re fAb­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe beim Über­set­zen, an Fran­zis­ka Nemitz, mei­ne Toch­ter, für Aus­künf­te zum Ja­pa­ni­schen, und an Vin­cent Pla­ti­ni für eine Auf­klä­rung zu „Cro­chet!“.

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Valas, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Die chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen wur­den aus der Sta­fer­la-Ver­si­on über­nom­men, die Tran­skrip­ti­on die­ser Schrift­zei­chen aus Mil­lers Aus­ga­be.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 1o. März 1971

Tonaufnahme

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Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 5. Sit­zung (10. März 1971).

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Deutsch

[La­can schreibt an die Ta­fel „L’achose“.]

[77] Bin ich? Bin ich an­we­send, wenn ich zu Ih­nen spre­che?

Die Sa­che, de­rent­we­gen ich mich an Sie wen­de, soll­te da sein. Nun, es ge­nügt zu sa­gen, dass la cho­se [die Sa­che, das Ding] nur l’achose [das Un­ding] ge­schrie­ben wer­den kann, wie ich das eben an die Ta­fel ge­schrie­ben habe, was hei­ßen soll, dass sie dort, wo sie ih­ren Platz ein­nimmt, ab­we­send ist.

Oder ge­nau­er, dass das Ob­jekt, das die­sen Platz ein­nimmt, als Weg­ge­nom­me­nes – in­so­fern es weg­ge­nom­men ist, die­ses Ob­jekt –, dass es an die­sem Platz, dass es hier nur den se­xu­el­len Akt lässt, so wie ich ihn ak­zen­tu­ie­re, das heißt die Kas­tra­ti­on. Von da kann ich nur be­zeu­gen – ge­stat­ten Sie –, dass là na lyse, Da-na-Lyse, ir­gend­was ist. Aber ein­zig par là, ein­zig da-durch, von dem her, was da be­trifft, –  ich sage da be­trifft, là, da, die Kas­tra­ti­on –, kann man sa­gen: „Oh, là, là!“ / „Ach da!“ [Ge­läch­ter]

Das phi­lo­so­phi­sche Ge­schwätz (bara­tin ) ist nicht nichts – das Ge­schwätz fet­tet ein (le bara­tin ça barat­te) –, ich sage nichts Schlech­tes dar­über, es hat lan­ge zu et­was ge­dient, aber seit ei­ni­ger Zeit er­mü­det es uns. Es hat dazu ge­führt, das être-là [Da-sein] zu pro­du­zie­ren, was man manch­mal be­schei­de­ner mit la pré­sence, die An­we­sen­heit, ins Fran­zö­si­sche über­setzt, wo­bei man bis­wei­len „le­ben­dig“ hin­zu­fügt, kurz das, was bei den Ge­lehr­ten „Da­sein*“ heißt. Mit Ver­gnü­gen habe ich das in ei­nem Text wie­der­ge­fun­den – ich wer­de Ih­nen gleich sa­gen, in wel­chem, und auch den Au­gen­blick, in dem ich ihn wie­der­ge­le­sen habe –, in ei­nem Text von mir; und mit Über­ra­schung habe ich ge­se­hen, dass das schon eine Ewig­keit her ist, die­se For­mel, die ich da­mals für Leu­te ge­äu­ßert habe, die nun mal ein biss­chen schwer­hö­rig wa­ren: „Iss dein Da­sein*.“ Wie auch im­mer, wir wer­den gleich dar­auf zu­rück­kom­men.

Das phi­lo­so­phi­sche Ge­schwätz ist gar nicht so in­ko­hä­rent. Es ver­kör­pert die­se An­we­sen­heit – das Da­sein – nur in ei­nem Dis­kurs, den es be­ginnt, durch die epochē ge­ra­de zu ent­kör­pern. Sie ken­nen das, die epochē, die Ein­klam­me­rung, et­was an­de­res be­deu­tet das nicht; das ist al­ler­dings bes­ser, weil es über­haupt nicht die­sel­be Struk­tur hat, auf Grie­chisch ist das je­doch bes­ser. Der­art, dass | [78] of­fen­sicht­lich ist, dass die ein­zi­ge Wei­se, da zu sein, dar­in be­steht, sich in Klam­mern zu set­zen. Wir nä­hern uns dem, was ich Ih­nen heu­te im We­sent­li­chen zu sa­gen habe.

Wenn es auf der Ebe­ne von l’achose ein Loch gibt, dann lässt Sie das be­reits ah­nen, dass das viel­leicht eine Art und Wei­se ist, es zu ver­bild­li­chen, die­ses Loch, dass das nur in der Art ge­lingt, in wel­cher?, wäh­len wir ei­nen ziem­lich lä­cher­li­chen Ver­gleich: nur in der Art die­ses Flecks auf der Netz­haut, auf den sich ein­zu­las­sen das Auge nicht die ge­rings­te Lust hat, wenn es, nach­dem es in die Son­ne ge­blickt hat, ihn zu­nächst über die Land­schaft spa­zie­ren führt. Es sieht hier nicht sein Da­sein – ist ja nicht ver­rückt, die­ses Auge. Es gibt für Sie eine gan­ze Men­ge Au­gen­zwin­kern / Klein­scher Fla­schen (une foule de bou­teil­les de Klein d’œil).

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Klein­sche Fla­sche

Kein phi­lo­so­phi­sches Ge­schwätz, bei dem Sie gut spü­ren, dass es hier nur sei­ne uni­ver­si­tä­re Auf­ga­be er­füllt, de­ren Gren­zen ich Ih­nen letz­tes Jahr an­zu­ge­ben ver­sucht habe, üb­ri­gens zu­gleich mit den Gren­zen des­sen, was Sie von in­nen her ma­chen kön­nen, und sei es die Re­vo­lu­ti­on.

Be­sag­te „An­we­sen­heit“ als „lo­go­zen­trisch“ zu kri­ti­sie­ren, wie man es ge­tan hat; die Idee des, wie es heißt, „in­spi­rier­ten Spre­chens“ zu kri­ti­sie­ren, des­halb, weil man über das in­spi­rier­te Spre­chen si­cher­lich la­chen kann; die ge­sam­te Dumm­heit, in die ein be­stimm­ter Dis­kurs sich ver­irrt hat, dem Spre­chen zur Last zu le­gen und uns zu ei­ner my­thi­schen „Ur­schrift“ zu füh­ren, die ein­zig durch das ge­bil­det wird, was man zu­recht als ei­nen be­stimm­ten blin­den Fleck an­sieht, den man in al­lem, was über die Schrift ge­dacht wor­den ist, kri­ti­sie­ren kann – all das bringt we­nig. Man spricht im­mer nur von et­was an­de­rem (d’autre cho­se), um von l’achose zu spre­chen.

Was ich da­mals ge­sagt habe, darf man nicht über­trei­ben. Mit dem „vol­len Spre­chen“ habe ich den Mund nicht zu voll ge­nom­men, und ich den­ke doch, dass die gro­ße Mehr­heit un­ter Ih­nen nicht ge­hört hat, dass ich in ir­gend­ei­ner Wei­se dar­auf Be­zug ge­nom­men habe. Über das vol­le Spre­chen habe ich ge­sagt, dass es – das sind die glück­li­chen Fun­de in der Spra­che, sie sind im­mer recht hübsch –, dass es die Funk­ti­on von l’achose er­füllt, das an der Ta­fel steht. Das Spre­chen, an­ders ge­sagt, geht im­mer über den Spre­cher hin­aus, der Spre­cher ist ein Ge­spro­che­ner, das ist ja wohl das, was ich seit ei­ni­ger Zeit äu­ße­re.

Von wo­her wird man des­sen ge­wahr? Das ist das, was ich im Se­mi­nar die­ses Jah­res eben auf­zei­gen möch­te. Ma­chen Sie sich doch mal klar: Hier­bei, bei dem „ich möch­te“, bin ich seit den zwan­zig Jah­ren, die das dau­ert.

Das ist na­tür­lich des­halb so, weil ichs schließ­lich nicht nicht ge­sagt habe, das ist seit lan­gem of­fen­sicht­lich. Das ist zu­nächst in­so­fern of­fen­sicht­lich, als Sie da sind, da­mit ich es Ih­nen zei­ge; wenn das, was ich sage, stimmt, ist Ihr Da­sein al­ler­dings nicht be­weis­kräf­ti­ger als das mei­ne. Was ich Ih­nen | [79] seit ei­ni­ger Zeit zei­ge (mont­re), ge­nügt nicht, da­mit Sie es se­hen, ich muss es be­wei­sen (dé­mont­re). Be­wei­sen heißt hier­bei: sa­gen, was ich ge­zeigt habe. Na­tür­lich nicht ir­gend­was. Aber ich habe Ih­nen l’achose nicht ein­fach so ge­zeigt, l’achose, das wird ge­ra­de nicht ge­zeigt, das wird be­wie­sen. Nun, ich wer­de Ihre Auf­merk­sam­keit auf Sa­chen len­ken kön­nen, die ich ge­zeigt habe, in­so­fern Sie sie nicht ge­se­hen ha­ben, da­mit sie be­wie­sen wer­den kön­nen.

Um die Kar­te auf­zu­de­cken, um die es heu­te geht, wer­den wir sie in der gan­zen Mehr­deu­tig­keit, die das dar­stel­len kann, „das Ge­schrie­be­ne“ (l’écrit) nen­nen.

Ge­schrie­be­nes (l’écrits), man kann nicht ge­ra­de sa­gen, dass ich Sie da­mit über­schüt­tet habe, ich mei­ne, dass man es mir wirk­lich ex­tra­hie­ren muss­te, das, was ich ei­nes schö­nen Ta­ges zu­sam­men­ge­stellt habe, in der ins­ge­samt voll­stän­di­gen Un­fä­hig­keit, in der ich mich be­fand, mich Psy­cho­ana­ly­ti­kern ver­ständ­lich zu ma­chen, ich mei­ne selbst den­je­ni­gen, die ein­fach da­bei­ge­blie­ben wa­ren, da sie sich nicht an­ders­wo ein­schif­fen konn­ten. Letzt­end­lich wur­de mir klar, dass es jede Men­ge an­de­rer Leu­te gab, die sich für das in­ter­es­sier­ten, was ich ge­sagt hat­te – ein klei­ner An­fang Ih­res ab­we­sen­den Da­seins –, so­dass ich die­ses Ge­schrie­be­ne, die­se Écrits, vom Sta­pel ge­las­sen habe. Und dann, nun ja, sind sie ins­ge­samt in ei­nem weit grö­ße­ren Kreis kon­su­miert wor­den als in dem, den Sie ins­ge­samt dar­stel­len, wenn ich den Zah­len glau­ben darf, die mein Ver­le­ger mir gibt.

Das ist ein merk­wür­di­ges Phä­no­men, bei dem es sich lohnt, in­ne­zu­hal­ten, da es ja so ist, dass das  – um mich an das zu hal­ten, was ich im­mer tue –  ge­nau im Be­reich ei­ner völ­lig fi­xier­ba­ren Er­fah­rung liegt, die ich mich je­den­falls zu ar­ti­ku­lie­ren be­müht habe, ge­ra­de in letz­ter Zeit, im letz­ten Jahr, als ich ver­sucht habe, das, was den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers cha­rak­te­ri­siert, in sei­ner Struk­tur zu ver­or­ten. Das be­ruht also auf die­ser Ver­wen­dung, der mei­ni­gen, die nicht den An­spruch er­hebt, eine Welt­an­schau­ung zu lie­fern, son­dern ein­fach das zu sa­gen, was, wie mir scheint, Ana­ly­ti­kern selbst­ver­ständ­lich ge­sagt wer­den kann.

Dazu habe ich zehn Jah­re lang an ei­nem recht be­kann­ten Ort, der sich Sain­te Anne nennt, ei­nen Dis­kurs ge­hal­ten, der ge­wiss kei­nes­wegs vor­gab, Ge­schrie­be­nes an­ders zu ver­wen­den als auf ganz prä­zi­se Wei­se, näm­lich so, wie ich es heu­te zu de­fi­nie­ren ver­su­chen wer­de. | [80] Die­je­ni­gen, die das kon­sti­tu­ie­ren, was an Zeu­gen die­ser Zeit ge­blie­ben ist, kön­nen da­ge­gen kei­nen Ein­wand er­he­ben. Da­von gibt es in die­sem Hör­saal zwar nicht mehr vie­le, das ist klar, aber im­mer­hin ei­ni­ge – oh, aber das kann man nicht an den Fin­gern ei­ner Hand ab­zäh­len. Die­je­ni­gen, die die ers­ten Mo­na­te da wa­ren, kön­nen be­zeu­gen, dass das, was ich da ge­macht habe, mit ei­ner Ge­duld, ei­ner Be­hut­sam­keit, ei­ner Sanft­heit, mit Bein­krei­sen, mit Arm­krei­sen, dass ich für sie Teil für Teil und Stück für Stück Sa­chen kon­stru­iert habe, die sich „Gra­phen“ nen­nen. Ei­ni­ge da­von trei­ben sich rum, Sie kön­nen sie leicht wie­der­fin­den, auf­grund der Ar­beit von je­man­dem, für des­sen Hin­ga­be ich mich be­dan­ke und dem ich es über­las­sen habe, ganz nach sei­nem Be­lie­ben ein sys­te­ma­ti­sches Ver­zeich­nis zu er­stel­len, in des­sen Text Sie leicht fin­den kön­nen, auf wel­chen Sei­ten man die­se Gra­phen fin­det; das wird es Ih­nen er­spa­ren, her­um­zu­su­chen. Aber das sieht man – wenn man nichts tut als dies, kann man be­reits fest­stel­len, dass es Din­ge gibt, die nicht so sind wie der üb­ri­ge ge­druck­te Text.

Die­se Gra­phen, die Sie da se­hen, sind na­tür­lich nicht ohne eine klei­ne Schwie­rig­keit, Schwie­rig­keit wo­für?, für die In­ter­pre­ta­ti­on na­tür­lich. Sie soll­ten wis­sen, dass das für die­je­ni­gen, für die ich sie kon­stru­iert hat­te, kei­ne be­son­de­re Schwie­rig­keit dar­stel­len konn­te; vor dem Fort­set­zen der Rich­tung ei­ner Li­nie, ih­rer Über­kreu­zung mit ir­gend­ei­ner an­de­ren und der An­ga­be des klei­nen Buch­sta­bens, den ich an die Über­kreu­zung ge­setzt habe, habe ich eine hal­be Stun­de lang, drei Vier­tel Stun­den lang ge­re­det, um zu er­klä­ren, wor­um es ging.

Ich be­har­re dar­auf, aber si­cher­lich nicht, um mir das, was ich ge­tan habe, als Ver­dienst an­zu­rech­nen, vor al­lem des­we­gen nicht, weil mir das ge­fal­len hat, nie­mand hat mich dar­um ge­be­ten, eher im Ge­gen­teil [Ge­läch­ter], son­dern des­we­gen, weil wir da­mit zum Kern des­sen kom­men, was über das Ge­schrie­be­ne (écrit), ja über die Schrift (éc­ri­tu­re) –; also stel­len Sie sich vor, das das das­sel­be ist. Man spricht über die Schrift ein­fach so, als ob das un­ab­hän­gig vom Ge­schrie­be­nen wäre, und das macht den Dis­kurs bis­wei­len sehr ver­wor­ren. Im Üb­ri­gen lässt schon der Aus­druck -ure,  der hin­zu­ge­fügt wird, gut spü­ren, um was für ei­nen ei­gen­ar­ti­gen Suff (bitu­re) es sich da­bei han­delt.

Es ist si­cher, um von l’achose zu spre­chen, wie sie da ist, nun ja, das müss­te Ih­nen be­reits ganz von sich aus klar­ma­chen, dass ich – sa­gen wir nicht mehr – als Ap­pa­rat die Stüt­ze des Ge­schrie­be­nen neh­men muss­te, in Ge­stalt des Gra­phen.

Die Ge­stalt des Gra­phen, es lohnt sich, sie zu be­trach­ten. Neh­men wir hier, ich weiß nicht, ir­gend­ei­nen, den letz­ten da, den gro­ßen, den­je­ni­gen, den Sie wo fin­den?, ich, ich weiß nicht mehr, wo er ist, wo er sich rum­treibt, ich glau­be, das ist in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens. Das Ding, das so aus­sieht, | [81] wo es hier die in Klam­mern hin­zu­ge­füg­ten Buch­sta­ben gibt, aus­ge­stri­che­nes S, Pun­ze und das gro­ße D des An­spruchs [$ ◊ D], und hier das gro­ße S des Si­gni­fi­kan­ten, der Trä­ger­si­gni­fi­kant, Funk­ti­on des aus­ge­stri­che­nen A [S(Ⱥ)].1

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Graph des Be­geh­rens, ver­ein­fach­tes Sche­ma

Sie ver­ste­hen wohl, wenn die Schrift zu et­was die­nen kann, dann ge­nau des­halb, weil sie sich vom Spre­chen (pa­ro­le) un­ter­schei­det, von dem Spre­chen, das sich auf et­was stüt­zen kann. Das Spre­chen über­setzt bei­spiels­wei­se nicht S(Ⱥ). Al­ler­dings, wenn es sich dar­auf stützt, und wäre es nur auf die­se Form, muss es sich na­tür­lich dar­an er­in­nern, dass die­se Form nicht geht, ohne dass hier die an­de­re Li­nie, die die ers­te über­schnei­det, an die­sem Über­schnei­dungs­punkt durch das klei­ne s und das gro­ße A ge­kenn­zeich­net ist [s(A)], dass es hier [un­ten links am Ende des Pfeils] ein gro­ßes I gibt. Ich ent­schul­di­ge mich für die­ses Aus­ho­len, aber im­mer­hin ha­ben ei­ni­ge die­se Fi­gur hin­rei­chend im Kopf, so­dass es für sie aus­reicht, und was die an­de­ren an­geht, mein Gott, so mö­gen sie sich auf die ent­spre­chen­de Sei­te be­zie­hen. Ganz si­cher kann man nicht um­hin – zu­min­dest durch dies, durch die­se Fi­gur –, sich, sa­gen wir, an­ge­sta­chelt zu füh­len, auf die For­de­rung zu ant­wor­ten, auf das, was sie ver­langt, wenn Sie an­fan­gen, sie zu in­ter­pre­tie­ren.

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Graph des Be­geh­rens, aus: Sub­ver­si­on des Be­geh­rens und Dia­lek­tik des Sub­jekts

Al­les hängt na­tür­lich von der Be­deu­tung ab, die Sie dem gro­ßen A ge­ben. Da­für gibt es ei­nen Vor­schlag in der­je­ni­gen der Schrif­ten, in die ich ihn ein­ge­fügt habe. Und da­mit sind die Be­deu­tun­gen, die sich für alle üb­ri­gen [Be­stand­tei­le des Gra­phen] auf­nö­ti­gen, be­reits re­la­tiv ein­ge­schränkt.

Es ist si­cher, dass das Ei­gen­tüm­li­che des­sen, was Ih­nen si­cher­lich seit­her, den­ke ich, als hin­rei­chend prä­zi­siert er­scheint, näm­lich dass die­ser Graph – die­ser hier wie alle üb­ri­gen Gra­phen, und nicht nur mei­ne, ich wer­de Ih­nen das gleich sa­gen –, dass die­ser Graph eben das re­prä­sen­tiert, was man in der ent­wi­ckel­ten Spra­che, die uns die Be­fra­gung der Ma­the­ma­tik durch die Lo­gik nach und nach ge­ge­ben hat, was man in die­ser Spra­che eine To­po­lo­gie nennt.

Kei­ne To­po­lo­gie ohne Schrift.

Sie ha­ben viel­leicht so­gar be­mer­ken kön­nen, falls Sie je­mals wirk­lich dazu ge­kom­men sind, die Ana­ly­ti­ken von Mon­sieur Aris­to­te­les zu öff­nen, dass es da ei­nen klei­nen An­fang von To­po­lo­gie gibt, und dass das eben dar­in be­steht, in das Ge­schrie­be­ne Lö­cher zu ma­chen. „Alle Tie­re sind | [82] sterb­lich“ – Sie neh­men „Tie­re“ weg und Sie neh­men „sterb­lich“ weg und an die Stel­le set­zen Sie den Gip­fel des Ge­schrie­be­nen, hier ganz ein­fach ei­nen Buch­sta­ben.

Viel­leicht stimmt es ja, dass ih­nen [den Grie­chen] das da­durch er­leich­tert wor­den ist, dass sie ir­gend­ei­ne spe­zi­el­le Af­fi­ni­tät zum Buch­sta­ben hat­ten, man kann nicht so recht sa­gen wie. Dazu kön­nen Sie sich auf sehr, sehr fes­seln­de Din­ge be­zie­hen, wie sie von Mon­sieur Ja­mes Fé­vri­er ge­sagt wor­den sind, über so ei­nen Kunst­griff, ei­nen Schwin­del, eine Ge­walt­sam­keit, die im Hin­blick auf das, was man ziem­lich ver­nünf­tig „die Nor­men der Schrift“ nen­nen kann – die Nor­men, nicht das Enor­me, auch wenn bei­des stimmt –, die von den Nor­men der Schrift aus ge­se­hen die Er­fin­dung der Lo­gik dar­stellt.

Ich möch­te heu­te ne­ben­bei an­deu­ten, dass das et­was zu tun hat mit dem Fak­tum, sa­gen wir, von Eu­klid. Also, da ich Ih­nen das nur ne­ben­bei zu­wer­fen kann, da das schließ­lich zu über­prü­fen ist, sehe ich nicht, war­um ich nicht auch, war­um ich nicht so von Zeit zu Zeit – so­gar Leu­ten, die in ei­ner be­stimm­ten Ma­te­rie sehr be­wan­dert sind – ei­nen klei­nen Vor­schlag ma­chen soll­te, über den sie mög­li­cher­wei­se la­chen wer­den, da sie das be­reits seit lan­gem be­merkt ha­ben. Es ist nicht zu se­hen, war­um sie’s nicht tat­säch­lich be­merkt ha­ben soll­ten, nicht be­merkt ha­ben soll­ten, dass ein Drei­eck – denn das ist der An­fang2 –, dass ein Drei­eck nichts an­de­res ist, aber wirk­lich nichts an­de­res, als eine Schrift (éc­ri­tu­re) oder ge­nau­er als et­was Ge­schrie­be­nes (écrit). Und da­ge­gen ist kein Ein­wand, dass hier „gleich“ als „me­trisch su­per­po­nier­bar“ de­fi­niert wird. Das ist et­was Ge­schrie­be­nes – wo­bei das me­trisch Su­per­po­nier­ba­re schwatz­bar ist, was ab­so­lut nicht vom Ge­schrie­be­nen ab­hängt, was von Ih­nen ab­hängt, den Schwät­zern. Wie auch im­mer Sie das Drei­eck schrei­ben mö­gen, selbst wenn Sie es so ma­chen, wer­den Sie die Ge­schich­te mit dem gleich­schenk­li­gen Drei­eck be­wei­sen, näm­lich wenn es zwei glei­che Sei­ten hat, sind die bei­den an­de­ren Win­kel gleich. Es ge­nügt Ih­nen, es ge­macht zu ha­ben, die­ses klei­ne Ge­schrie­be­ne, denn das ist nie­mals viel bes­ser als so, wie ich sie ge­ra­de ge­schrie­ben habe, die Fi­gur ei­nes gleich­schenk­li­gen Drei­ecks.

Das wa­ren Leu­te, die ein Ta­lent fürs Ge­schrie­be­ne hat­ten, nicht wahr! Das geht aber nicht weit – man könn­te viel­leicht ein biss­chen wei­ter ge­hen.

Re­gis­trie­ren wir vor­erst, re­gis­trie­ren wir je­den­falls dies, dass sie sehr deut­lich ge­se­hen ha­ben, dass das nur ein Pos­tu­lat war, und dass das kei­ne an­de­re De­fi­ni­ti­on hat als die­se, näm­lich dass es in der For­de­rung liegt, in der For­de­rung, die an den Zu­hö­rer ge­rich­tet wird – man darf nicht so­fort „ab­ge­hakt“ sa­gen –, in die­ser For­de­rung; das ist et­was, was sich dem Dis­kurs nicht al­lein schon we­gen des Gra­phen auf­nö­tigt.

Die Grie­chen schei­nen da­mit also ei­nen sehr raf­fi­nier­ten Um­gang ge­habt zu ha­ben, eine sub­ti­le Re­duk­ti­on des­sen, was sich be­reits an ver­schie­de­nen Ar­ten von Schrift in der Welt her­um­trieb. | [83] Das war un­ge­heu­er brauch­bar. Es ist völ­lig klar, dass es eine Fra­ge der Em­pi­rie nicht ohne die Stüt­ze der Schrift gibt, und, wenn Sie mir das Wort ge­stat­ten, nicht ein­mal eine des ge­rings­ten Em­pi­ris­mus.

Wenn Sie mir hier eine Ex­tra­po­la­ti­on ge­stat­ten, be­zo­gen auf die Spur, der ich fol­ge – ich will sa­gen, dass ich Ih­nen den Ho­ri­zont an­zei­gen möch­te, das fer­ne Ziel, von dem all das an­ge­lei­tet wird. Na­tür­lich ist das nur dann be­rech­tigt, wenn sich zeigt, dass die per­spek­ti­vi­schen Li­ni­en tat­säch­lich kon­ver­gie­ren; was jetzt kommt, wird Ih­nen das zei­gen.

Am An­fang“, „en archē“, wie sie sa­gen – das hat nichts mit ir­gend­ei­ner Zeit­lich­keit zu tun, da die­se dar­aus erst her­vor­geht –, „am An­fang ist das Wort / das Spre­chen (la pa­ro­le)“. Aber das Spre­chen, es gibt durch­aus Chan­cen, dass in Zei­ten, die noch kei­ne Jahr­hun­der­te wa­ren – stel­len Sie sich vor, nur für uns sind das Jahr­hun­der­te, rück­wir­kend, durch die Ra­dio­kar­bon­me­tho­de und ei­ni­ge an­de­re Ge­schich­ten die­ser Art, die von der Schrift aus­ge­hen –, also wäh­rend ei­nes Bruch­teils von et­was, was man nicht die Zeit nen­nen kann, des aiōn –; der Äon der Äo­nen, wie es heißt, es gab eine Zeit, in der man sich an Din­gen die­ser Art be­rausch­te. Sie hat­ten durch­aus ihre Grün­de, sie wa­ren nä­her dran als wir.

Nun, das Spre­chen hat Sa­chen ge­macht, Sa­chen, die si­cher­lich im­mer we­ni­ger von ihm un­ter­scheid­bar wa­ren, des­halb, weil sie sei­ne Wir­kun­gen wa­ren.

Die Schrift, was heißt das? Biss­chen ein­gren­zen muss man das schon. Es ist völ­lig klar und si­cher, wenn man sieht, was üb­li­cher­wei­se Schrift ge­nannt wird, dass das et­was ist, was sich in ge­wis­ser Wei­se auf das Spre­chen aus­wirkt.

Über die Wohn­statt des Spre­chens ha­ben wir, den­ke ich, die letz­ten Male be­reits ge­nug Din­ge ge­sagt, um zu se­hen, dass un­se­re Ent­de­ckung doch zu­min­dest eng da­mit ver­knüpft ist, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, so wie ich es de­fi­niert habe. Oder, wenn Sie so wol­len, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis das Spre­chen selbst ist. Ge­ben Sie zu, dass das im­mer­hin ein biss­chen zu wün­schen (dé­si­rer) üb­rig lässt; im Üb­ri­gen den­ke ich, dass Sie ein Stück dar­über wis­sen. Dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, habe ich be­reits in der Form fest­ge­hal­ten, dass es ge­gen­wär­tig kei­ne Re­la­ti­on gibt, kei­ner­lei Mo­dus <es zu schrei­ben>.

Wer weiß, es gibt Leu­te, die träu­men, dass das ei­nes Ta­ges ge­schrie­ben wird, war­um denn nicht, die Fort­schrit­te der Bio­lo­gie – im­mer­hin ist ja Mon­sieur Ja­cob da, ein biss­chen? Viel­leicht wird | [84] es ei­nes Ta­ges nicht mehr die ge­rings­te Fra­ge über das Sper­ma­to und das Ovu­lum ge­ben – sie sind für­ein­an­der ge­schaf­fen, das wird, wie man sagt, ge­schrie­ben sein; da­mit habe ich die Vor­le­sung vom letz­ten Mal be­en­det. In die­sem Au­gen­blick wer­den Sie mir was er­zäh­len, nicht wahr? Man kann Sci­ence-Fic­tion ver­fas­sen, nicht wahr? Ver­su­chen Sie das mal, das ist schwer zu schrei­ben. War­um nicht, das ist die Art, wie man die Din­ge vor­an­bringt.

Wie auch im­mer es ge­gen­wär­tig da­mit sein mag, was ich sa­gen will, ist dies, dass es nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ohne et­was in Funk­ti­on tre­ten zu las­sen, was ein biss­chen ko­misch ist, da man aus­ge­rech­net über sein Ge­schlecht nichts weiß, näm­lich das, was man den Phal­lus nennt. Wenn all das, was ei­nem zu schrei­ben ge­lingt –; ich dan­ke der Per­son, die mir die Sei­te an­ge­ge­ben hat, auf der in mei­nen Schrif­ten steht, wor­um es beim Be­geh­ren des Man­nes geht: gro­ßes Phi von klein a ge­schrie­ben [Φ(a)] – Φ ist der Phal­lus-Si­gni­fi­kant, dies für die Per­so­nen, die glau­ben, dass der Phal­lus der Si­gni­fi­kan­ten­man­gel ist, ich weiß, dass das in den Kar­tel­len dis­ku­tiert wird. So also. Und das Be­geh­ren der Frau – die Schrif­ten sind mir egal, oder? –, das schreibt sich durch­ge­stri­che­nes A, in Klam­mern klein phi [Ⱥ(φ)], was der Phal­lus ist, da wo man sich vor­stellt, dass er ist: der klei­ne Pi­pi­mann.

Das ist das, was ei­nem bes­ser zu schrei­ben ge­lingt nach – mein Gott –,  nach et­was, was wir ein­fach von dem her be­nen­nen, was hier wohl das Fak­tum ist, ei­nen – ei­nen be­stimm­ten Mo­ment der Wis­sen­schaft er­reicht zu ha­ben. Ein Mo­ment der Wis­sen­schaft, et­was, was durch eine Rei­he von ge­schrie­be­nen Ko­or­di­na­ten ge­kenn­zeich­net ist, dar­un­ter an ers­ter Stel­le die For­mel, die Mon­sieur New­ton ge­schrie­ben hat, be­zo­gen auf das, was un­ter dem Na­men des Gra­vi­ta­ti­ons­fel­des ge­führt wird, das et­was rein Ge­schrie­be­nes ist. Nie­man­dem ist es bis­her ge­lun­gen, ir­gend­ei­ne sub­stan­ti­el­le Stüt­ze, ei­nen Schat­ten von Wahr­schein­lich­keit dem zu ge­ben, was die­ses Ge­schrie­be­ne aus­sagt, das bis heu­te ein har­ter Bro­cken zu sein scheint. Denn es ist nicht ge­lun­gen, es in ein Sche­ma von an­de­ren Fel­dern zu in­te­grie­ren, bei de­nen man sub­stan­ti­el­le­re Vor­stel­lun­gen hat. Das elek­tro­ma­gne­ti­sche Feld, das er­gibt ein Bild, nicht wahr – der Ma­gne­tis­mus ist im­mer ein biss­chen ani­ma­lisch. Das Gra­vi­ta­ti­ons­feld hin­ge­gen nicht. Das ist eine ko­mi­sche Sa­che. Wenn ich den­ke, dass die­se Her­ren da – und bald die­se Da­men und Her­ren –, die an die­sem ab­so­lut er­ha­be­nen Ort spa­zie­ren gin­gen, der si­cher­lich eine der Ver­kör­pe­run­gen des Se­xu­al­ob­jekts ist, der Mond, wenn ich den­ke, dass sie ein­fach durch et­was Ge­schrie­be­nes ge­tra­gen dort­hin­ge­hen, dann gibt das viel Hoff­nung.

So­gar in dem Feld, in dem das für uns brauch­bar sein könn­te, näm­lich dem Be­geh­ren. Aber das ist nichts, was von heu­te auf mor­gen ge­schieht, nicht wahr? Trotz der Psy­cho­ana­ly­se ge­schieht das nicht von heu­te auf mor­gen.

Hier also das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern das et­was ist, wor­über man spre­chen kann. In­wie­fern?

[85] Es gibt da eine Sa­che, die mich er­staunt, ob­wohl das in ei­nem ver­dammt gu­ten Buch zu Pa­pier ge­bracht wird, in ei­nem Buch, das bei Ar­mand Co­lin er­schie­nen ist, denn das ist wirk­lich al­les, was es gibt, von dem, was ganz leicht zu fin­den ist, das ist in dem ich weiß nicht wie­vie­len Syn­the­se-Kon­gress, und das heißt ganz ein­fach, ganz ar­tig Die Schrift. Das ist eine Rei­he von Auf­sät­zen, die mit ei­nem Text von Mé­traux be­ginnt, die­sem lie­ben ver­stor­be­nen Mé­traux, der ein aus­ge­zeich­ne­ter und wirk­lich ein­falls­rei­cher Mensch war, das be­ginnt mit ei­ner Sa­che von Mé­traux, in der er aus­führ­lich über die Schrift der Os­ter­in­sel spricht, das ist wirk­lich hin­rei­ßend. Er geht ein­fach von der Tat­sa­che aus, dass es, was ihn an­geht, ab­so­lut nichts gibt, was er ver­stan­den hät­te, dass es je­doch ei­ni­ge an­de­re gibt, de­nen das et­was bes­ser ge­lun­gen ist, dass sich dar­über na­tür­lich dis­ku­tie­ren lässt, dass aber sei­ne Be­mü­hun­gen, die ma­ni­fest ohne je­den Er­folg ge­we­sen sind, eben das sind, was ihn dazu au­to­ri­siert, tat­säch­lich über das zu spre­chen, was die an­de­ren mit dis­ku­ta­blem Er­folg her­aus­ho­len konn­ten. Das ist wirk­lich eine wun­der­ba­re Ein­füh­rung, sehr ge­eig­net, um Sie auf die Ebe­ne der Be­schei­den­heit zu brin­gen. Und hier­nach be­zie­hen sich un­zäh­li­ge Bei­trä­ge auf die un­ter­schied­li­chen Ar­ten von Schrift, und ins­ge­samt ist das, mein Gott, ziem­lich ver­nünf­tig.

Das ist ziem­lich ver­nünf­tig, das ist si­cher­lich, nun ja, das ist nicht so­fort pas­siert, das ist nicht so­fort pas­siert; und wir wer­den se­hen, war­um es nicht so­fort pas­siert ist, dass man über die Schrift ziem­lich ver­nünf­ti­ge Sa­chen sagt. Wäh­rend die­ser Zeit brauch­te es si­cher­lich ernst­haf­te Ein­schüch­te­rungs­ef­fek­te, die zu de­nen ge­hö­ren, die sich aus die­sem ver­fluch­ten Aben­teu­er er­ge­ben, das wir „Wis­sen­schaft“ nen­nen; und in die­sem Hör­saal gibt es nicht ei­nen un­ter uns, mich na­tür­lich ein­ge­schlos­sen, der auch nur die ge­rings­te Idee da­von ha­ben könn­te, wo­hin das füh­ren wird. Gut, also wei­ter.

Man wird sich so ein biss­chen über Fra­gen der Um­welt­ver­schmut­zung auf­re­gen, über Fra­gen der Zu­kunft, über eine Rei­he von Dumm­hei­ten die­ser Art, und die Wis­sen­schaft führt ir­gend­wel­che klei­nen Pos­sen auf, bei de­nen es im Grun­de kei­nes­wegs nutz­los wäre, klar zu se­hen, wor­in bei­spiels­wei­se ihr Ver­hält­nis zur Schrift be­steht, das könn­te hel­fen.

Wie auch im­mer, die Lek­tü­re die­ser be­reits gut zehn Jah­re al­ten gro­ßen Samm­lung über die Schrift, das ist et­was – ver­gli­chen mit dem, was in der Lin­gu­is­tik zu­sam­men­ge­schrie­ben wird – , was wirk­lich Luft gibt, da schöpft man Atem. Das ist nicht ab­so­lu­ter Stuss, das ist so­gar sehr ge­sund.

Es steht au­ßer Fra­ge, dass Ih­nen von da aus in den Sinn kommt, dass die Sa­che | [86] der Schrift in Fol­gen­dem be­steht – was ei­gent­lich nach nichts aus­sieht, aber da das über­all ge­schrie­ben ist und nie­mand es liest, lohnt es den­noch, ge­sagt zu wer­den –, dass die Schrift aus Wort­vor­stel­lun­gen be­steht, aus der Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern. Das müss­te Ih­nen doch et­was sa­gen: Wort­vor­stel­lung*. Freud schreibt das, und er sagt – aber na­tür­lich la­chen alle und man sieht durch­aus, dass Freud nicht mit La­can über­ein­stimmt –, dass dies der Se­kun­där­pro­zess ist. Es ist trotz­dem blöd, dass Sie sich, wenn Sie viel­leicht so im Ver­kehr ste­hen, in ih­ren Ge­dan­ken – aber na­tür­lich, Sie ha­ben Ge­dan­ken, ei­ni­ge et­was Zu­rück­ge­blie­be­ne ha­ben so­gar Er­kennt­nis­se –, da bil­den Sie sich ein, dass Sie sich Wör­ter vor­stel­len. Das ist doch zum Tot­la­chen! Doch im Ernst: Die Wort­vor­stel­lung / die Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern (la re­pré­sen­ta­ti­on de mots), das ist die Schrift.

Und die­se wirk­lich ganz ein­fa­che Sa­che, mir scheint, dass man nicht die Kon­se­quen­zen dar­aus ge­zo­gen hat, die hier je­doch sicht­bar sind, näm­lich dass alle Spra­chen, die et­was ver­wen­den, was man als Fi­gu­ren auf­fas­sen kann, die man dann ich weiß nicht wie nennt: Pik­to­gram­me, Ideo­gram­me, das ist un­glaub­lich, das hat ab­so­lut ver­rück­te Fol­gen ge­habt. Es gibt Leu­te, die sich ein­ge­bil­det ha­ben, dass man mit der Lo­gik – also mit der Ma­ni­pu­la­ti­on der Schrift – ein Mit­tel fin­den wür­de, um was zu ha­ben? new ide­as, neue Ide­en! Als gäbe es nicht be­reits ge­nug da­von!

Aber wie auch im­mer die­ses Pik­to­gramm, die­ses Ideo­gramm be­schaf­fen sein mag, wenn wir eine Schrift stu­die­ren, dann ein­zig in­so­fern – dazu gibt es kei­ne Aus­nah­me –, als es von dem her, was es bild­lich dar­zu­stel­len scheint, auf eine be­stimm­te Wei­se aus­ge­spro­chen wird. Von da­her, dass es Ihre Mut­ti mit zwei Zit­zen dar­zu­stel­len scheint, , spricht es sich wu aus, und da­nach ma­chen Sie dar­aus al­les, was Sie wol­len, al­les, was wu aus­ge­spro­chen wird. Was küm­mert es Sie dann, dass es zwei Zit­zen hat und Ihre Mut­ti dar­stellt?

Es gibt ei­nen ge­wis­sen, ich weiß nicht mehr wie, Xu Shen, das ist nicht erst von ges­tern, ver­ste­hen Sie, Sie fin­den das un­ge­fähr zu Be­ginn des christ­li­chen Zeit­al­ters, das nennt sich Shuo-wen, was ge­nau dies ist: „Das, was ge­sagt wird, in­so­fern es ge­schrie­ben ist“. Denn wen, 文, heißt „ge­schrie­ben“, nicht wahr? | [87] So! Ver­su­chen Sie doch mal, das zu schrei­ben, denn für Chi­ne­sen ist das das Zei­chen der Zi­vi­li­sa­ti­on. Und au­ßer­dem stimmt das.

Also, „Wort­vor­stel­lung“ / „Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern“, das  be­deu­tet et­was, das be­deu­tet, dass das Wort be­reits da ist, und zwar be­vor Sie dar­aus die ge­schrie­be­ne Re­prä­sen­ta­ti­on ma­chen, mit all dem, was sie mit sich führt.

Was sie mit sich führt, ist et­was, was der Herr, der Shuo-wen ver­fasst hat, be­reits zu Be­ginn un­se­res Zeit­al­ters ent­deckt hat, das heißt, dass eine der we­sent­lichs­ten Trieb­fe­dern der Schrift das ist, was er so nennt – was er glaubt so nen­nen zu müs­sen –, da er noch Vor­ur­tei­le hat, das lie­be Kerl­chen: er bil­det sich ein, dass es ge­schrie­be­ne Zei­chen gibt, die der Sa­che, die vom Wort be­zeich­net wird, ähn­lich sind.

Dies bei­spiel­wei­se – ich bräuch­te Platz, um es zu schrei­ben. Das, und das [人], nicht wahr? Was ist das?

Teil­neh­mer: Das ist ein Mann.

La­can: Ah, was die al­les wis­sen! Man hat ih­nen da­von schon was bei­ge­bracht, das ist of­fen­sicht­lich. Das hier, das ist für Sie ein Mann? Was gibt es an Dar­ge­stell­tem?

Teil­neh­mer: Das ist mein Leh­rer, der das ge­sagt hat.

La­can: Was?

Teil­neh­mer: Das ist mein Leh­rer, der das ge­sagt hat.

La­can: Das ist Ihr Leh­rer, der Ih­nen das ge­sagt hat! Was ich mei­ne, ist: In­wie­fern ist das ein Bild des Man­nes?

Teil­neh­mer: Das ist ein Phal­lus.

La­can: Von mir aus gern, war­um nicht? Es gibt Träu­mer. Ich sehe hier eher ei­nen Schritt. War­um nicht ?

Es gibt da et­was Lus­ti­ges, nicht wahr, näm­lich dass man sie, die­se Zei­chen, im­mer­hin seit den yin hat – die yin, eine Ewig­keit her, nicht wahr? Das hat da also be­reits zwei­tau­send Jah­re zu­sam­men­ge­bracht, aber da­vor, nicht wahr, und die­se Zei­chen hat man im­mer noch. Was be­weist, dass sie, was die Schrift an­geht, doch ei­ni­ges dar­über wuss­ten. Man fin­det sie auf Schild­krö­ten­pan­zern; es gab Leu­te, Wahr­sa­ger, Leu­te wie wir [Ge­läch­ter], die das so, an­läss­lich von Din­gen, die sich er­eig­net hat­ten, auf den Schild­krö­ten­pan­zer krit­zel­ten, um das, um das schrift­lich zu kom­men­tie­ren. Das hat wahr­schein­lich eine grö­ße­re Wir­kung aus­ge­übt, als Sie glau­ben möch­ten. | [88] Aber egal.

Aber es gibt tat­säch­lich et­was, das vage äh­nelt. Ich weiß nicht, war­um ich Ih­nen das er­zähl­te, ich er­zähl Ih­nen das, weil ich mich trei­ben las­se, da­bei gibt es noch Sa­chen, die ich Ih­nen sa­gen muss, trotz­dem lass ich mich hier trei­ben; aber na ja, was solls, gut. Also es gibt et­was, was Ih­nen auf die­se Wei­se zu­gäng­lich ist, was durch­aus pas­sie­ren könn­te, nicht wahr? Ach ist das nicht süß!

Gut, man folgt ihr [der Schrift], weil, weil Sie wis­sen, die Schrift, das lässt Sie nicht von heu­te auf mor­gen los. Wenn Sie mit dem Au­dio­vi­su­el­len rech­nen, kön­nen Sie sich fest­klam­mern, da­mit ha­ben Sie ein wei­te­res Stück der Schrift. Denn ich sa­gen Ih­nen, dass das der Trä­ger der Wis­sen­schaft ist. Die Wis­sen­schaft wird ih­ren Trä­ger nicht ein­fach so auf­ge­ben. Es sind je­doch klei­ne Krit­ze­lei­en, durch die Ihr Schick­sal sich, wie zu Zei­ten der Yin, ent­schei­den wird, klei­ne Krit­ze­lei­en, die die Ty­pen da in ih­rer Ecke ma­chen, Ty­pen wie ich, da­von gibts eine Men­ge.

Und jetzt fol­gen Sie mir mal, fol­gen Sie mir durch die Epo­chen, Sie stei­gen zum Tchou hin­ab, zum Tchou 1, zum Tchou 2 und dann ha­ben Sie die Ts’in, die Epo­che, in der man die Bü­cher ver­brennt. Das war ein Typ! Er ließ die Bü­cher ver­bren­nen. Er hat­te ein paar Din­ge be­grif­fen, die­ser Tsin; das war ein Kai­ser. Das hat nicht mal zwan­zig Jah­re ge­dau­ert, die Schrift kam so­fort wie­der in Gang, und umso gründ­li­cher.

Nun ja, ich er­spa­re Ih­nen die un­ter­schied­li­chen For­men der chi­ne­si­schen Schrift, denn das ist wirk­lich groß­ar­tig, die we­sent­li­che Be­zie­hung der Schrift zu dem, was den Auf­schrei­ben dient: zum Ka­l­a­mos. Aber ich möch­te nicht auf das vor­grei­fen, was uns, be­zo­gen auf den Wert des In­stru­ments, das Ka­l­a­mos bie­tet. Gut, man folgt dem, nicht wahr, und dann, am Ende, was fin­det man da? Man fin­det kei­nes­wegs den­je­ni­gen, den Sie er­war­tet ha­ben, den lie­ben sü­ßen Klei­nen da, der ren ge­nannt wird, 人.

Ob ich nun gut oder schlecht aus­spre­che, je­den­falls habe ich nicht den Ton ge­setzt; ich ent­schul­di­ge mich, nicht wahr, falls es hier ei­nen Chi­ne­sen gibt. Sie sind da sehr emp­find­lich. Der Ton, das ist so­gar das, was den –, eine der Wei­sen, den Pri­mat des Spre­chens zu be­wei­sen. Näm­lich dass über die vier ge­gen­wär­tig üb­li­chen Wei­sen – das heißt nicht, dass in der chi­ne­si­schen Welt –, die vier üb­li­chen Wei­sen, das passt gut, hi zu sa­gen, das be­deu­tet ja wirk­lich vier Din­ge auf ein­mal, und zwar sol­che, die kei­nes­wegs ohne Be­zie­hung zu­ein­an­der sind. Also, ich wer­de mich nicht hin­rei­ßen las­sen; viel­leicht wer­de ich es Ih­nen dann sa­gen – ich wer­de mich oft dar­auf be­zie­hen –, wenn ich die vier Aus­spra­chen von hi rich­tig ge­übt habe. Es gibt ì, í, î und es gibt ï – so also! Und das hat kei­nes­wegs den­sel­ben Sinn, aber ich hal­te mich hier an ei­nen äu­ßerst ge­bil­de­ten Men­schen, dass das im Sprach­be­wusst­sein durch­aus ei­nen Platz ein­nimmt. Ich will sa­gen, dass der Ton | [89] selbst – und in­so­fern muss man sich das mehr als ein­mal an­schau­en, be­vor man vom Ar­bi­trä­ren spricht – …

Teil­neh­mer: Lau­ter!

La­can: … – dass der Ton selbst – hörst du mich, Jen­ny? –, dass der Ton selbst für sie ei­nen be­zeich­nen­den, sub­stan­ti­el­len Wert hat. Und war­um soll­te man sich da­ge­gen sträu­ben, wo  es doch eine Spra­che gibt, die weit mehr in un­se­rer Reich­wei­te ist, das Eng­li­sche, de­ren mo­du­la­to­ri­sche Wir­kun­gen of­fen­kun­dig ab­so­lut ver­füh­re­risch sind.

Na­tür­lich wäre es ganz und gar miss­bräuch­lich, zu sa­gen, dass das ein Ver­hält­nis zum Sinn (sens) hat, nur muss man da­für dem Wort „Sinn“ ein Ge­wicht ver­lei­hen, das es nicht hat, weil das Mi­ra­kel, das Wun­der, das Et­was, das be­weist, dass aus Spra­che et­was zu ma­chen ist, ich mei­ne den Witz, ex­akt auf dem Non­sens be­ruht.

Denn schließ­lich, wenn man sich auf ei­ni­ge an­de­re Schrif­ten be­zieht, die da zum Dreck ge­bracht wor­den sind (pou­bel­li­qués), hät­te man sich viel­leicht sa­gen kön­nen, dass es wohl nicht von un­ge­fähr ist, dass ich ge­schrie­ben habe Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten. Ich habe nicht ge­sagt Das Drän­gen des Si­gni­fi­kan­ten, die­ser teu­re Lacan’sche Si­gni­fi­kant, was man sagt, was man sagt, was man sagt, wenn man sa­gen will, dass ich ihn il­le­gi­ti­mer­wei­se Saus­su­re ge­stoh­len habe.

Ja, dass der Traum ein Re­bus ist, wie Freud sagt, das ist na­tür­lich nicht das, was mich ei­nen ein­zi­gen Mo­ment lang da­von ab­brin­gen wird, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che struk­tu­riert ist. Nur ist das eine Spra­che, in de­ren Mit­te ihr Ge­schrie­be­nes er­schie­nen ist. Das be­deu­tet na­tür­lich nicht, dass man den ge­rings­ten Glau­ben schen­ken muss – und wann wür­den wir es tun, nicht wahr? – die­sen Ge­stal­ten, die in den Träu­men her­um­spa­zie­ren, [das ist klar] seit wir wis­sen, dass das Wort­vor­stel­lun­gen sind, denn das ist ein Re­bus, so wird über­setzt, in dem, was Freud die Ge­dan­ken* des Un­be­wuss­ten nennt.

Und was kann das hei­ßen, was kann das hei­ßen, dass Sie ei­nen Ver­spre­cher, eine Fehl­hand­lung, ein Miss­lin­gen in ei­ner Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens, nein, aber was kann das hei­ßen wol­len, dass Sie drei Mal in den­sel­ben fünf Mi­nu­ten – ich sage Ih­nen das, denn das ist durch­aus kein Bei­spiel, mit dem ich ei­nen mei­ner Pa­ti­en­ten of­fen­ba­re, aber nun ja, es ist nicht lan­ge her, dass ei­ner mei­ner Pa­ti­en­ten mir ge­gen­über fünf Mi­nu­ten lang – wo­bei er sich je­des Mal ver­bes­ser­te und lach­te, aber das ließ ihn kalt, nicht wahr – sei­ne Mut­ter als ‚mei­ne Frau‘ be­zeich­net hat. „Das ist nicht mei­ne Frau, denn mei­ne Frau“ usw., und so ging das fünf Mi­nu­ten lang, er hat das si­cher­lich zwan­zig Mal wie­der­holt. Aber was gibt es an Ver­fehl­tem bei die­sesm Spre­chen? Wo ich mich doch ab­mü­he, zu sa­gen, dass das doch in Wirk­lich­keit das ge­lun­ge­ne Spre­chen ist! Er hat sie so ge­nannt, weil sei­ne Mut­ter sei­ne Frau war, nicht wahr. Er hat sie so ge­nannt, wie es sein muss­te.

Dann gibt es et­was Ver­fehl­tes ein­zig in Be­zug wor­auf? In Be­zug auf das, was die Schlau­ber­ger der „Ur­schrift“ – der Schrift, die im­mer schon in der Welt ist – dem Spre­chen zu­grun­de­le­gen. Ko­mi­sche Übung, nicht wahr? Von mir aus gern! Eine Funk­ti­on des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses be­steht dar­in, die Kar­ten | [90] so durch­ein­an­der­zu­brin­gen. Na bit­te, je­der er­füllt sei­ne Funk­ti­on, auch ich die mei­ne, und auch sie hat ihre Wir­kun­gen, hof­fe ich.

Gut. Also wir ha­ben eine neue Ge­stalt des Fort­schritts, die das Zur-Welt-Kom­men ist, das Auf­tau­chen –, das ist ein Er­satz für die­se Idee der Evo­lu­ti­on, die auf obers­ter tie­ri­scher Ent­wick­lungs­stu­fe zu die­sem Be­wusst­sein führt, das uns kenn­zeich­net, dank des­sen wir in je­nem Glan­ze leuch­ten, der Ih­nen be­kannt ist. Also er­scheint Pro­gram­mie­rung in der Welt.

Nun, ich wer­de mich die­ser Be­mer­kung, dass Pro­gram­mie­rung ohne die Schrift tat­säch­lich nicht denk­bar wäre, nur be­mäch­ti­gen, um an­de­rer­seits dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass das Sym­ptom – Ver­spre­cher, Fehl­hand­lung, Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens – nur ge­stützt wird, nur ei­nen Sinn hat, wenn Sie von der Idee aus­ge­hen, dass das, was Sie zu sa­gen ha­ben, pro­gram­miert ist, das heißt zu schrei­ben ist. Si­cher­lich, wenn er statt „mei­ne Mut­ter“ „mei­ne Frau“ schreibt, gibt es kei­nen Zwei­fel, dass es sich um ei­nen Lap­sus han­delt; ei­nen Lap­sus aber gibt es nur als lap­sus ca­la­mi, selbst wenn es sich um ei­nen lap­sus lin­guae han­delt. Denn die Spra­che, die weiß sehr gut, was sie zu tun hat, das ist ein klei­ner Phal­lus, der ganz nett kit­zelt, wenn sie et­was zu sa­gen hat, nun, dann sagt sie es. Be­reits ein ge­wis­ser Äsop hat ge­sagt, sie sei zu­gleich das Bes­te und das Schlimms­te. Das be­deu­tet vie­les.

Wie auch im­mer, wenn Sie wol­len, wer­den Sie es mir glau­ben, an­ge­sichts des Zu­stan­des der Mü­dig­keit, den Sie si­cher­lich bei mir spü­ren, nach­dem ich mir die gan­zen Sa­chen über die Schrift zu Ge­mü­te ge­führt habe, von An­fang bis Ende, nicht wahr. Denn das tue ich, nicht wahr. Ich hal­te mich für ver­pflich­tet, das zu tun – das ein­zi­ge , was ich nie be­han­delt habe, ist das Über-Ich [Ge­läch­ter] –, ich hal­te mich für ver­pflich­tet, das von An­fang bis Ende zu le­sen, so ist das, um si­cher zu sein, um bei Din­gen si­cher zu sein, die mei­ne ganz all­täg­li­che Er­fah­rung mir bei­ge­bracht hat, mir be­weist. Aber schließ­lich habe ich den­noch Re­spekt vor den Ge­lehr­ten. Viel­leicht gibt es ei­nen, der da et­was auf­ge­fischt hat, was ge­gen mei­ne Er­fah­rung geht. Und wirk­lich, war­um nicht? Das ist eine Er­fah­rung, die so be­grenzt ist, so eng, so kurz, da sie sich letzt­lich auf das ana­ly­ti­sche Ka­bi­nett be­schränkt, dass es viel­leicht durch­aus ei­nen ge­wis­sen Be­darf gibt, sich zu in­for­mie­ren. Kurz, dies, ich muss sa­gen, dass ich es nie­man­dem auf­zwin­gen kann, aber ins­ge­samt wird das nicht gern ge­se­hen.

Es gibt noch eine an­de­re Sa­che: Le Dé­bat sur les éc­ri­tures et les hié­ro­gly­phes au XVIIè­me et au XVIIIè­me siè­cle (Die Dis­kus­si­on über die Schrif­ten und die Hie­ro­gly­phen im 17. und 18. Jahr­hun­dert). Sie wer­den sich dar­auf stür­zen, hof­fe ich, aber Sie wer­den es viel­leicht nicht fin­den, da ich selbst es mir aus ei­ner Bi­blio­thek ho­len las­sen muss­te. Das ist eine Sa­che von der Bi­blio­t­hèque gé­né­ra­le de l’École pra­tique des Hau­tes étu­des, si­xiè­me | [91] sec­tion, und ich se­hen den Hin­weis „S.E.V.P.E.N.“, das heißt, das muss eine Ver­lags­or­ga­ni­sa­ti­on sein, „13 rue du Four, Pa­ris“, falls es das über­haupt gibt. Nun, die­se Ar­beit von Ma­de­lei­ne Da­vid – von Zeit zu Zeit soll­ten Sie sich auch die Mühe ma­chen, et­was zu le­sen, Sie könn­ten das le­sen. Gut, wei­ter.

Denn für das, was ich Ih­nen end­lich sa­gen will, was ich Ih­nen end­lich sa­gen will, näm­lich dass die Schrift, und da­bei wer­den wir für heu­te blei­ben, dass die Schrift ins­ge­samt et­was ist, was sich vor­fin­det, auf­grund die­ser Re­prä­sen­ta­ti­on des Spre­chens, auf dem ich, wie Sie ja se­hen, nicht in­sis­tiert habe. Re­prä­sen­ta­ti­on, das be­deu­tet auch Rück­wir­kung (ré­per­cus­sion), denn es ist über­haupt nicht si­cher, dass es ohne die Schrift Wör­ter ge­ben wür­de – viel­leicht ist es die Re­prä­sen­ta­ti­on, durch die sie als sol­che ge­macht wer­den, die­se Wör­ter. Wenn Sie sich ein biss­chen an ei­ner Spra­che wie der­je­ni­gen ab­ge­ar­bei­tet ha­ben wer­den, die ich eben­falls ge­ra­de ler­ne – und in die­sem Fall bin ich mir ab­so­lut nicht si­cher, dass das eine Wir­kung des Über-Ichs ist –, die ja­pa­ni­sche Spra­che, nun, dann wird Ih­nen klar wer­den, dass eine Schrift auf eine Spra­che ein­wir­ken kann.

Und so wie sie be­schaf­fen ist, die­se me­lo­diö­se Spra­che, wun­der­bar in ih­rer Schmieg­sam­keit und ih­rem Ein­falls­reich­tum, wenn ich den­ke, dass das eine Spra­che ist, in der die Ad­jek­ti­ve kon­ju­giert wer­den und dass ich bis zu mei­nem Al­ter ge­war­tet habe, um das zu mei­ner Ver­fü­gung zu ha­ben, dann weiß ich wirk­lich nicht, was ich bis hier­her ge­macht habe. Ich habe nach nichts an­de­rem ge­strebt als da­nach, dass die Ad­jek­ti­ve kon­ju­giert wer­den, und nach ei­ner Spra­che, in der die Fle­xio­nen die­ses ab­so­lut Wun­der­ba­re ha­ben, dass sie ganz al­lein spa­zie­ren ge­hen.

Das, was „Mo­nem“ ge­nannt wird, hier kön­nen Sie es mit­ten­drin än­dern. Sie ver­pas­sen ihm eine chi­ne­si­sche Aus­spra­che, völ­lig an­ders als die ja­pa­ni­sche Aus­spra­che, was so aus­sieht, dass Sie, wenn Sie mit ei­nem chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen kon­fron­tiert sind, dann ha­ben Sie – falls Sie ein­ge­weiht sind, aber na­tür­lich wis­sen das nur die Ein­hei­mi­schen –, dann spre­chen Sie es On-Yomi [chi­ne­sisch] oder Kun-Yomi [ja­pa­nisch] aus, ab­hän­gig von den je­wei­li­gen Be­din­gun­gen, die im­mer sehr prä­zi­se sind. Und für ei­nen Ty­pen, der so wie ich da­hin ge­langt, gibt es kei­ne Chan­ce zu wis­sen, wel­che von bei­den er wäh­len muss.

Mehr noch, Sie kön­nen zwei chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen ha­ben; wenn Sie sie Kun-Yomi aus­spre­chen, d.h. auf Ja­pa­nisch, sind Sie ab­so­lut nicht in der Lage zu sa­gen, zu wel­chem die­ser chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen die ers­te Sil­be des­sen, was Sie sa­gen, ge­hört und zu wel­chem die letz­te ge­hört, und die in der Mit­te noch we­ni­ger, nicht wahr; es sind die bei­den chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen zu­sam­men, die Ih­nen die mehr­sil­bi­ge ja­pa­ni­sche Aus­spra­che dik­tie­ren, die man voll­kom­men ver­steht, eine Aus­spra­che, die auf bei­de Schrift­zei­chen gleich­zei­tig ant­wor­tet. Denn stel­len Sie sich nicht vor, mit der Be­grün­dung, dass ein chi­ne­si­sches Schrift­zei­chen, wenn Sie es chi­ne­sisch aus­spre­chen, On-Yomi, im Prin­zip ei­ner Sil­be ent­spricht, | [92] dann sieht man wirk­lich nicht, wenn sie es ja­pa­nisch le­sen, war­um man sich für ver­pflich­tet hiel­te, die­se Wort­vor­stel­lung in Sil­ben zu zer­le­gen.

Nun, dar­aus kön­nen Sie viel ler­nen. Dar­aus ler­nen Sie viel dar­über, dass die ja­pa­ni­sche Spra­che sich von ih­rer Schrift ge­nährt hat. Sie hat sich wie ge­nährt? Lin­gu­is­tisch na­tür­lich, das heißt an dem Punkt, wo die Lin­gu­is­tik die Spra­che be­ein­flusst, das heißt im­mer im Ge­schrie­be­nen.

Denn es muss Ih­nen ja ge­sagt wer­den, dass na­tür­lich, dass in die Au­gen springt, dass Mon­sieur de Saus­su­re ein­zig des­halb an­nä­he­rungs­wei­se in der Lage war, die Si­gni­fi­kan­ten als ar­bi­trär zu be­zeich­nen, weil es sich um ge­schrie­be­ne Fi­gu­ra­tio­nen han­del­te. Wie hät­te er sei­nen klei­nen Quer­strich (bar­re) ma­chen kön­nen mit den Sa­chen dar­un­ter und den Sa­chen dar­über, die ich hin­rei­chend ge­braucht und miss­braucht habe, wenn es kei­ne Schrift ge­ge­ben hät­te?

All dies, um Sie dar­an zu er­in­nern, dass, wenn ich sage, dass es kei­ne Met­a­spra­che gibt, dass das ins Auge springt. Ich brau­che Ih­nen nur ei­nen ma­the­ma­ti­schen Be­weis vor­zu­füh­ren, da­mit Sie se­hen, dass ich ge­zwun­gen bin, dar­über zu schwat­zen, denn das ist et­was Ge­schrie­be­nes, und ohne das wür­de es nicht rü­ber­kom­men.

Wenn ich dar­über spre­che, ist das kei­nes­wegs Met­a­spra­che. Das, was man als Rede be­zeich­net, was die Ma­the­ma­ti­ker selbst, wenn Sie eine lo­gi­sche Theo­rie er­läu­tern, als Rede be­zeich­nen, als all­ge­mei­ne Rede, als ge­wöhn­li­che Rede, das ist die Funk­ti­on des Spre­chens, in­so­fern es an­ge­wen­det wird, na­tür­lich nicht auf völ­lig un­be­grenz­te, un­dis­zi­pli­nier­te Wei­se, das ist das, was ich eben „be­wei­sen“ ge­nannt habe, aber die Spra­che ist hier das, wor­um es geht, die Schrift ist das, wor­um es geht, das, wor­über ge­spro­chen wird. Es gibt in dem Sin­ne kei­ne Met­a­spra­che, dass man über die Spra­che im­mer nur aus­ge­hend von der Schrift spricht.

Nun ja, ich sage Ih­nen all das – ich muss sa­gen, all das er­mü­det mich nicht, aber wenn Sie wol­len, er­mü­det mich das trotz­dem ein biss­chen.

Wenn Sie wol­len, wer­den Sie mir glau­ben, was ich mir heu­te früh ge­sagt habe, als ich auf­wach­te. Nach­dem ich bis um eins Ma­de­lei­ne Da­vid ge­le­sen hat­te, habe ich mir ge­sagt, dass es im­mer­hin ab­so­lut nicht ohne Grund war, dass mei­ne Schrif­ten mit Le Sé­min­aire sur „La Lett­re vo­lée“ be­gon­nen ha­ben, mit dem Se­mi­nar über den „Ent­wen­de­ten Brief“. La lett­re wird hier in ei­nem an­de­ren Sinn auf­ge­fasst als in L’instance de la lett­re dans l’inconscient (Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten), näm­lich in dem des Briefs. | [93] Ich bin nicht frisch, ich bin spät ins Bett ge­gan­gen, nach Mit­ter­nacht, und Glo­ria wird Ih­nen be­zeu­gen, dass ich mich von acht Uhr bis halb zehn mit dem Wie­der­le­sen des Se­mi­nars über den „Ent­wen­de­ten Brief“ her­um­ge­schla­gen habe. Das ist eine Sa­che, die der Mühe wert war, das ist eine Sa­che, die ein biss­chen raf­fi­niert ist. Ich lese mich nie­mals wie­der, aber wenn ich mich wie­der­le­se, kön­nen Sie sich nicht vor­stel­len, wie ich mich be­wun­de­re. [Ge­läch­ter] Of­fen­kun­dig hat­te ich mir Mühe ge­ge­ben, ich hat­te da eine ziem­lich aus­ge­feil­te Sa­che ver­fasst, die nicht schlecht war, die pas­siert ist, die pas­siert ist –; als ich es ge­macht habe, ich weiß nicht mehr wann, es gibt das Da­tum, da war das im­mer vor der, vor der Ka­nail­le von Sain­te Anne. Da­nach habe ich es aus­ge­feilt, an ei­nem Ort, den ich ans Ende ge­setzt habe, ich bin ge­wis­sen­haft: San Ca­scia­no, in der Nähe von Flo­renz, das hat mir ziem­lich den Ur­laub ver­dor­ben. Na ja, wis­sen Sie, ich habe eine Nei­gung dazu, mir den Ur­laub zu ver­der­ben.

Hö­ren Sie, es ist spät, nicht wahr, und letzt­lich glau­be ich, dass es bes­ser wäre, wenn ich das nächs­te Mal zu Ih­nen dar­über spre­che. Aber schließ­lich, viel­leicht, wer weiß, wird Sie das dazu an­re­gen, es zu le­sen. Und trotz al­lem wäre es bes­ser, Ih­nen nicht so­fort zu sa­gen, wo­hin man ge­hen muss – ich wer­de es aber den­noch tun. Ich wer­de es den­noch tun, denn es gibt Leu­te, die mög­li­cher­wei­se nicht mit­be­kom­men ha­ben, dass am Ende, wo ich vom ver­lo­re­nen Brief spre­che, wo ich dar­über spre­che, über die Funk­ti­on des Brie­fes –.

Sie er­in­nern sich viel­leicht, die­ser Brief, den die Kö­ni­gin emp­fängt – viel­leicht ha­ben Sie die be­tref­fen­de Er­zäh­lung von Poe ge­le­sen –, den die Kö­ni­gin emp­fängt, das ist ein Brief, der im­mer­hin ein biss­chen merk­wür­dig ist: Man er­fährt nie, was drin­steht. Ge­nau das ist das We­sent­li­che, dass man nie er­fährt, was drin­steht. Und dass so­gar nichts da­ge­gen­spricht, dass sie die ein­zi­ge ist, die es letzt­lich weiß. Im Üb­ri­gen, wenn sie die Po­li­zei dar­auf an­setzt, ver­ste­hen Sie, ist es durch­aus not­wen­dig, dass sie die Vor­stel­lung hat, dass das kei­nes­falls ir­gend­je­man­dem Aus­künf­te ge­ben kann. Es gibt nur eine Sa­che, näm­lich dass si­cher ist, dass das ei­nen Sinn hat. Und da das von ei­nem ge­wis­sen Her­zog von so­und­so kommt, der sich an sie ge­wandt hat, wenn es dem Kö­nig, ih­rem gu­ten Herrn, in die Hän­de fällt, selbst wenn auch er hier nichts ver­steht, wird er sich sa­gen, „wie auch im­mer, da ist et­was faul“. Und Gott weiß, wo das hin­füh­ren kann, ich be­dau­re die al­ten Ge­schich­ten, zu de­nen das frü­her ge­führt hat, das brach­te eine Kö­ni­gin aufs Scha­fott, sol­che Sa­chen. Also gut.

Dazu, dazu kann ich Ih­nen nicht die Sa­che vor­tra­gen, die ich über das ver­fasst habe, was Poe ver­fasst hat, mit dem Ti­tel The pur­loi­ned let­ter, den ich an­nä­he­rungs­wei­se mit la lett­re en souf­fran­ce über­setzt habe, der un­zu­stell­ba­re Brief. Nun ja, le­sen Sie das zum nächs­ten Mal, nicht wahr – denn das wird es mir viel­leicht ge­stat­ten, da­mit fort­zu­fah­ren, das her­aus­zu­brin­gen, um Sie zu un­ter­stüt­zen, was Sie in mei­ner heu­ti­gen Rede kon­ver­gie­ren se­hen, von Sei­te 31 der Écrits bis zum Schluss.

Wo­von ich spre­che, wenn ich von dem spre­che, wor­um es geht, Sie ha­ben viel­leicht vage da­von spre­chen ge­hört, wel­che Wir­kung die Ver- | [94] schie­bun­gen die­ses Brie­fes ha­ben, sein Wech­sel von Hand zu Hand. Sie wis­sen, der Mi­nis­ter hat ihn der Kö­ni­gin sti­bitzt, wo­nach Du­pin ein­greift, Du­pin, das Poe’sche Ge­nie, nicht wahr, der Schlaus­te der Schlau­en, der gar nicht so schlau ist. Aber Poe ist schlau, das heißt, dass Poe der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ist.

Ich stel­le Ih­nen eine klei­ne Fra­ge und öff­ne hier eine Klam­mer. Der Er­zäh­ler der Ge­schich­te – das hat eine sehr all­ge­mei­ne Reich­wei­te –, ist er der­je­ni­ge, der sie schreibt? Stel­len Sie sich die­se Fra­ge bei­spiels­wei­se, wenn Sie Proust le­sen. Es ist wirk­lich not­wen­dig, sie zu stel­len, denn ohne das sind Sie auf­ge­schmis­sen. Sie glau­ben, dass der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ein ein­fa­cher Je­mand ist, ein biss­chen asth­ma­tisch, und al­les in al­lem in sei­nen Aben­teu­ern ziem­lich blöd, nicht wahr, das muss man wohl sa­gen, nicht wahr. Je­doch, wenn Sie sich auf Proust ein­ge­las­sen ha­ben, dann ha­ben Sie über­haupt nicht den Ein­druck, dass das in ir­gend­ei­ner Wei­se blöd ist. Das liegt nicht an dem, was Proust über den Er­zäh­ler sagt, was er schreibt, ist et­was an­de­res. Nun ja, ge­hen wir wei­ter.

Von Sei­te 31 bis zu ei­ner be­stimm­ten Sei­te, Sie wer­den se­hen, wenn ich vom Brief spre­che, von sei­ner Be­för­de­rung, von der Art, wie der Mi­nis­ter ihn der Kö­ni­gin ge­nom­men hat, oder dass Du­pin den Staf­fel­stab vom Mi­nis­ter über­nimmt, und dar­über, wel­che Fol­gen es hat, der Be­sit­zer (dé­ten­teur) die­ses Brie­fes zu sein. Das ist ein ei­gen­ar­ti­ges Wort, nicht wahr, das be­deu­tet viel­leicht, die Mög­lich­keit der dé­ten­te zu ha­ben, der Ent­span­nung. Die­ser Brief, Sie wer­den se­hen, wor­über ich von die­ser bis zu die­ser Sei­te spre­che.

Ich bin der­je­ni­ge, der das ge­schrie­ben hat – wuss­te ich, was ich tat? Nun, ich werd’s Ih­nen nicht sa­gen.

Das, wo­von ich spre­che, ist der Phal­lus. Und ich möch­te so­gar mehr sa­gen: Nie hat je­mand bes­ser dar­über ge­spro­chen.

Des­halb bit­te ich Sie, sich dar­auf zu be­zie­hen, Sie wer­den da­bei et­was ler­nen.

Französisch/deutsch mit Anmerkungen

[La­can schreibt an die Ta­fel „L’achose“.]

[77] Suis-je ?

Bin ich?

Suis-je pré­sent quand je vous par­le ?

Bin ich an­we­send, wenn ich zu Ih­nen spre­che?

Faud­rait que la cho­se à pro­pos de quoi je m’adresse à vous fût là.

Die Sa­che, de­rent­we­gen ich mich an Sie wen­de, soll­te da sein.

Or c’est as­sez dire que la cho­se ne puis­se s’écrire que « l’achose », com­me je vi­ens de l’écrire au ta­bleau, ce qui veut dire qu’elle est ab­sen­te là où elle ti­ent sa place.

Nun, es ge­nügt zu sa­gen, dass la cho­se [die Sa­che, das Ding] nur l’achose  [das Un­ding] ge­schrie­ben wer­den kann, wie ich das eben an die Ta­fel ge­schrie­ben habe, was hei­ßen soll, dass sie dort, wo sie ih­ren Platz ein­nimmt, ab­we­send ist.3

Ou plus ex­ac­te­ment, que l’objet qui ti­ent cet­te place, ôté – ôté, cet ob­jet – n’y lais­se à cet­te place, n’y lais­se que l’acte se­xu­el tel que je l’accentue, c’est-à-dire la cas­tra­ti­on.

Oder ge­nau­er, dass das Ob­jekt, das die­sen Platz ein­nimmt, als Weg­ge­nom­me­nes – in­so­fern es weg­ge­nom­men ist, die­ses Ob­jekt –, dass es an die­sem Platz, dass es hier nur den se­xu­el­len Akt lässt, so wie ich ihn ak­zen­tu­ie­re, das heißt die Kas­tra­ti­on.4

Je ne puis té­moi­g­ner de là – per­met­tez-moi – que « là n’a lyse »5 est quoi que ce soit.

Von da kann ich nur be­zeu­gen – ge­stat­ten Sie –, dass là na lyse6, Da-na-Lyse, ir­gend­was ist.7

Mais seu­le­ment par là, de ce qui « là » con­cer­ne – je dis « là » con­cer­ne : « là », la cas­tra­ti­on – c’est le cas de le dire : « Oh! là là ! » [Ge­läch­ter]

Aber ein­zig par là, ein­zig da-durch, von dem her, was da be­trifft, –  ich sage da be­trifft, là, da, die Kas­tra­ti­on –, kann man sa­gen: „Oh, là, là!“  / „Ach da!“ [Ge­läch­ter]

Le bara­tin phi­lo­so­phi­que c’est pas rien – le bara­tin ça barat­te – je ne dis pas de mal, il a ser­vi long­temps à quel­que cho­se, mais de­puis un temps il nous fa­ti­gue.

Das phi­lo­so­phi­sche Ge­schwätz (bara­tin ) ist nicht nichts – das Ge­schwätz fet­tet ein (le bara­tin ça barat­te8) –, ich sage nichts Schlech­tes dar­über, es hat lan­ge zu et­was ge­dient, aber seit ei­ni­ger Zeit er­mü­det es uns.

Il a abou­ti à pro­du­i­re « l’être-là », qu’on tra­du­it quel­que­fois en français plus mo­de­s­tement : « la pré­sence », qu’on y ajou­te ou non vi­van­te, en­fin bref ce qui pour les sa­vants s’appelle le « Da­sein ».

Es hat dazu ge­führt, das être-là [Da-sein] zu pro­du­zie­ren, was man manch­mal be­schei­de­ner mit la pré­sence, die An­we­sen­heit, ins Fran­zö­si­sche über­setzt, wo­bei man bis­wei­len „le­ben­dig“ hin­zu­fügt, kurz das, was bei den Ge­lehr­ten „Da­sein*“ heißt.9

Je l’ai re­trou­vé avec plai­sir dans un tex­te – je vous dirai le­quel tout à l’heure, ain­si que le mo­ment où je l’ai relu – un tex­te de moi, je me suis aper­çu avec sur­pri­se que ça date d’une paye, cet­te for­mu­le que j’avais énon­cée en son temps pour des gens com­me ça, un peu durs de la feuil­le : « Man­ge ton Da­sein »

Mit Ver­gnü­gen habe ich das in ei­nem Text wie­der­ge­fun­den – ich wer­de Ih­nen gleich sa­gen, in wel­chem, und auch den Au­gen­blick, in dem ich ihn wie­der­ge­le­sen habe –, in ei­nem Text von mir; und mit Über­ra­schung habe ich ge­se­hen, dass das schon eine Ewig­keit her ist, die­se For­mel, die ich da­mals für Leu­te ge­äu­ßert habe, die nun mal ein biss­chen schwer­hö­rig wa­ren: „Iss dein Da­sein*.“10

Qu’importe, nous y re­vi­en­drons tout à l’heure.

Wie auch im­mer, wir wer­den gleich dar­auf zu­rück­kom­men.

Le bara­tin phi­lo­so­phi­que n’est pas si in­cohé­rent.

Das phi­lo­so­phi­sche Ge­schwätz ist gar nicht so in­ko­hä­rent.

Il ne l’incarne cet­te pré­sence, l’être-là, que dans un dis­cours qu’il com­mence par – jus­tement – dé­sin­car­ner par l’ἐποχή.

Es ver­kör­pert die­se An­we­sen­heit – das Da­sein – nur in ei­nem Dis­kurs, den es be­ginnt durch die epochē ge­ra­de zu ent­kör­pern.11

Vous savez ça, l’ἐποχή, la mise ent­re par­en­t­hè­ses, c’est tout sim­ple­ment ça que ça veut dire, c’est quand même mieux, par­ce que ça n’a pas tout à fait la même struc­tu­re, c’est tout de même mieux en grec.

Sie ken­nen das, die epochē, die Ein­klam­me­rung, et­was an­de­res be­deu­tet das nicht; das ist al­ler­dings bes­ser, weil es über­haupt nicht die­sel­be Struk­tur hat, auf Grie­chisch ist das je­doch bes­ser.

De sor­te que il | [78] est ma­ni­fes­te que la seu­le fa­çon d’être là n’a lieu qu’à se mett­re ent­re par­en­t­hè­ses.

Der­art, dass of­fen­sicht­lich ist, dass die ein­zi­ge Wei­se, da zu sein, dar­in be­steht, sich in Klam­mern zu set­zen.

Nous appro­chons de ce que j’ai à vous dire es­sen­ti­el­le­ment aujourd’hui.

Wir nä­hern uns dem, was ich Ih­nen heu­te im We­sent­li­chen zu sa­gen habe.

S’il y a trou au ni­veau de l’achose, ça vous lais­se déjà pres­sen­tir que c’est peut-être une fa­çon de le fi­gu­rer ce trou que ça n’arrive que sous le mode – de quoi ? – pre­nons une com­pa­rai­son bien dé­r­i­soi­re : que sous le mode de cet­te ta­che ré­ti­ni­en­ne dont l’œil n’a pas la moind­re en­vie de s’empêtrer quand, après qu’il ait fixé le soleil, tout d’abord il le pro­mè­ne sur le paysa­ge.

Wenn es auf der Ebe­ne von l’achose ein Loch gibt, dann lässt Sie das be­reits ah­nen, dass das viel­leicht eine Art und Wei­se ist, es zu ver­bild­li­chen, die­ses Loch, dass das nur in der Art ge­lingt, in wel­cher?, wäh­len wir ei­nen ziem­lich lä­cher­li­chen Ver­gleich: nur in der Art die­ses Flecks auf der Netz­haut, auf den sich ein­zu­las­sen das Auge nicht die ge­rings­te Lust hat, wenn es, nach­dem es in die Son­ne ge­blickt hat, ihn zu­nächst über die Land­schaft spa­zie­ren führt.

Il n’y voit pas son être-là, pas fou cet œil.

Es sieht hier nicht sein Da­sein – ist ja nicht ver­rückt, die­ses Auge.

Il y a pour vous, tou­te une foule de bou­teil­les de Klein d’œil.

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Klein­sche Fla­sche

Es gibt für Sie eine gan­ze Men­ge Au­gen­zwin­kern / Klein­scher Fla­schen (une foule de bou­teil­les de Klein d’œil).12

Pas de bara­tin phi­lo­so­phi­que, dont vous sen­tez bien qu’il ne rem­plit là que son of­fice uni­ver­si­taire, dont j’ai es­sayé l’année der­niè­re de vous don­ner les li­mi­tes, en même temps d’ailleurs que les li­mi­tes de ce que vous pou­vez fai­re de l’intérieur, fût-ce la ré­vo­lu­ti­on.

Kein phi­lo­so­phi­sches Ge­schwätz, bei dem Sie gut spü­ren, dass es hier nur sei­ne uni­ver­si­tä­re Auf­ga­be er­füllt, de­ren Gren­zen ich Ih­nen letz­tes Jahr an­zu­ge­ben ver­sucht habe, üb­ri­gens zu­gleich mit den Gren­zen des­sen, was Sie von in­nen her ma­chen kön­nen, und sei es die Re­vo­lu­ti­on.13

derrida-de-la-grammatologieDé­non­cer – com­me ça c’est fait – dé­non­cer com­me lo­go­cen­tris­te la­di­te « pré­sence », l’idée com­me on dit de la pa­ro­le in­spi­rée, au nom de ceci que la pa­ro­le in­spi­rée, bien sûr on peut en rire, mett­re à la char­ge de la pa­ro­le tou­te la sot­ti­se où s’est éga­ré un cer­tain dis­cours et nous em­me­ner vers une my­thi­que ar­chi-éc­ri­tu­re, uni­que­ment con­sti­tuée de ce qu’on per­çoit – à jus­te tit­re – com­me un cer­tain point aveug­le, qu’on peut dé­non­cer dans tout ce qui s’est co­gité sur l’écriture, tout ça n’avance guè­re.

Be­sag­te „An­we­sen­heit“ als „lo­go­zen­trisch“ zu kri­ti­sie­ren, wie man es ge­tan hat; die Idee des, wie es heißt, „in­spi­rier­ten Spre­chens“ zu kri­ti­sie­ren, des­halb, weil man über das in­spi­rier­te Spre­chen si­cher­lich la­chen kann; die ge­sam­te Dumm­heit, in die ein be­stimm­ter Dis­kurs sich ver­irrt hat, dem Spre­chen zur Last zu le­gen und uns zu ei­ner my­thi­schen „Ur­schrift“ zu füh­ren, die ein­zig durch das ge­bil­det wird, was man zu­recht als ei­nen be­stimm­ten blin­den Fleck an­sieht, den man in al­lem, was über die Schrift ge­dacht wor­den ist, kri­ti­sie­ren kann – all das bringt we­nig.14

On ne par­le ja­mais que d’autre cho­se pour par­ler de l’achose.

Man spricht im­mer nur von et­was an­de­rem (d’autre cho­se), um von l’achose zu spre­chen.

Ce que j’ai dit – moi – en son temps… faut pas ab­u­ser.

Was ich da­mals ge­sagt habe, darf man nicht über­trei­ben.

J’en ai pas plein la bou­che de la pa­ro­le plei­ne et je pen­se quand même que la gran­de ma­jo­rité d’entre vous ne m’ont en­ten­du d’aucune fa­çon en fai­re état. 

Mit dem „vol­len Spre­chen“ habe ich den Mund nicht zu voll ge­nom­men15, und ich den­ke doch, dass die gro­ße Mehr­heit un­ter Ih­nen nicht ge­hört hat, dass ich in ir­gend­ei­ner Wei­se dar­auf Be­zug ge­nom­men habe.16

Ce que j’ai dit de la pa­ro­le plei­ne, c’est qu’elle rem­plit – ça, c’est les trou­vail­les du lan­ga­ge, el­les sont as­sez jo­lies tou­jours – elle rem­plit la fonc­tion de l’achose qui est au ta­bleau.

Über das vol­le Spre­chen habe ich ge­sagt, dass es – das sind die glück­li­chen Fun­de in der Spra­che, sie sind im­mer recht hübsch –, dass es die Funk­ti­on von l’achose er­füllt, das an der Ta­fel steht.17

La pa­ro­le, en d’autres ter­mes, dé­pas­se le par­leur tou­jours, le par­leur est un par­lé, voi­là tout de même ce que de­puis un temps j’énonce.

Das Spre­chen, an­ders ge­sagt, geht im­mer über den Spre­cher hin­aus, der Spre­cher ist ein Ge­spro­che­ner, das ist ja wohl das, was ich seit ei­ni­ger Zeit äu­ße­re.

D’où s’en aper­çoit-on ?

Von wo­her wird man des­sen ge­wahr?

C’est ce que je vou­d­rais, com­me ça, in­di­quer dans le sé­min­aire de cet­te an­née.

Das ist das, was ich im Se­mi­nar die­ses Jah­res eben auf­zei­gen möch­te.

Vous vous ren­dez comp­te, j’en suis à… à « je vou­d­rais », de­puis 20 ans que ça dure.

Ma­chen Sie sich doch mal klar: Hier­bei, bei dem „ich möch­te“, bin ich seit den zwan­zig Jah­ren, die das dau­ert.18

Na­tu­rel­le­ment, c’est com­me ça par­ce que, après tout, je l’ai pas pas dit : il y a long­temps que c’est pa­tent.

Das ist na­tür­lich des­halb so, weil ichs schließ­lich nicht nicht ge­sagt habe, das ist seit lan­gem of­fen­sicht­lich.

C’est pa­tent d’abord en ce que vous êtes là, pour que je vous le mont­re, seu­le­ment voi­là, si c’est vrai ce que je dis, vot­re être-là n’est pas plus pro­bant que le mien.

Das ist zu­nächst in­so­fern of­fen­sicht­lich, als Sie da sind, da­mit ich es Ih­nen zei­ge; wenn das, was ich sage, stimmt, ist Ihr Da­sein al­ler­dings nicht be­weis­kräf­ti­ger als das mei­ne.

Ce que je vous | [79] mont­re de­puis un bout de temps ne suf­fit pas pour que vous le voy­iez, il faut que je le dé­mont­re.

Was ich Ih­nen seit ei­ni­ger Zeit zei­ge (mont­re), ge­nügt nicht, da­mit Sie es se­hen, ich muss es be­wei­sen (dé­mont­re).

Dé­mon­trer dans l’occasion, c’est dire ce que je mon­trais.

Be­wei­sen heißt hier­bei: sa­gen, was ich ge­zeigt habe.

Na­tu­rel­le­ment pas n’importe quoi.

Na­tür­lich nicht ir­gend­was.

Mais je vous mon­trais pas l’achose com­me ça, l’achose jus­tement ça ne se mont­re pas, ça se dé­mont­re.

Aber ich habe Ih­nen l’achose nicht ein­fach so ge­zeigt, l’achose, das wird ge­ra­de nicht ge­zeigt, das wird be­wie­sen.

Alors je pour­rai vous at­ti­rer vot­re at­ten­ti­on sur des cho­ses que je mon­trais, en tant que vous ne les avez pas vues, pour ce qu’elles pour­rai­ent dé­mon­trer.

Nun, ich wer­de Ihre Auf­merk­sam­keit auf Sa­chen len­ken kön­nen, die ich ge­zeigt habe, in­so­fern Sie sie nicht ge­se­hen ha­ben, da­mit sie be­wie­sen wer­den kön­nen.

Pour abatt­re la car­te dont il s’agit aujourd’hui, nous l’appellerons, dans tou­te l’ambiguïté que ça peut re­pré­sen­ter : l’écrit.

Um die Kar­te auf­zu­de­cken, um die es heu­te geht, wer­den wir sie in der gan­zen Mehr­deu­tig­keit, die das dar­stel­len kann, „das Ge­schrie­be­ne“ (l’écrit) nen­nen.

L’écrits quand même on peut pas dire que je vous en ai ac­ca­blés, je veux dire qu’il a vrai­ment fal­lu qu’on me les ex­traie ceux que j’ai ras­sem­blés un beau jour, dans l’incapacité en som­me to­ta­le où j’étais de me fai­re en­tendre des psy­chana­lys­tes, j’entends : même de ceux-là qui étai­ent res­tés agré­gés [sic], com­me ça, par­ce qu’ils avai­ent pas pu s’embarquer ail­leurs.

Ge­schrie­be­nes (l’écrits), man kann nicht ge­ra­de sa­gen, dass ich Sie da­mit über­schüt­tet habe, ich mei­ne, dass man es mir wirk­lich ex­tra­hie­ren muss­te, das, was ich ei­nes schö­nen Ta­ges zu­sam­men­ge­stellt habe, in der ins­ge­samt voll­stän­di­gen Un­fä­hig­keit, in der ich mich be­fand, mich Psy­cho­ana­ly­ti­kern ver­ständ­lich zu ma­chen, ich mei­ne selbst den­je­ni­gen, die ein­fach da­bei­ge­blie­ben wa­ren, da sie sich nicht an­ders­wo ein­schif­fen konn­ten.19

img009.jpgÀ la fin des fins, il m’est ap­pa­ru qu’il y avait tel­le­ment d’autres gens qu’eux qui s’intéressaient à ce que je di­sais, un pe­tit com­men­ce­ment de vot­re être-là ab­sent, que ces « Écrits » je les ai lâ­chés.

Letzt­end­lich wur­de mir klar, dass es jede Men­ge an­de­rer Leu­te gab, die sich für das in­ter­es­sier­ten, was ich ge­sagt hat­te – ein klei­ner An­fang Ih­res ab­we­sen­den Da­seins –, so­dass ich die­ses Ge­schrie­be­ne, die­se Écrits, vom Sta­pel ge­las­sen habe.

Et puis ma foi, ils se sont con­som­més dans un beau­coup plus vas­te cer­cle que, en som­me, ce que vous re­pré­sen­tez, si j’en crois les chif­fres que me don­ne mon édi­teur.

Und dann, nun ja, sind sie ins­ge­samt in ei­nem weit grö­ße­ren Kreis kon­su­miert wor­den als in dem, den Sie ins­ge­samt dar­stel­len, wenn ich den Zah­len glau­ben darf, die mein Ver­le­ger mir gibt.

C’est un drô­le de phé­nomè­ne, et qui vaut bien qu’on s’y ar­rête, si tant est que pour m’en tenir à ce que je fais tou­jours, c’est très ex­ac­te­ment au­tour d’une ex­pé­ri­ence par­fai­te­ment fix­able et qu’en tout cas je me suis ef­for­cé d’articuler, pré­cis­é­ment aux der­niers temps, l’année der­niè­re, en es­sayant de si­tu­er dans sa struc­tu­re ce qui ca­rac­té­ri­se le dis­cours de l’analyste.

Das ist ein merk­wür­di­ges Phä­no­men, bei dem es sich lohnt, in­ne­zu­hal­ten, da es ja so ist, dass das  – um mich an das zu hal­ten, was ich im­mer tue –  ge­nau im Be­reich ei­ner  völ­lig fi­xier­ba­ren Er­fah­rung liegt, die ich mich je­den­falls zu ar­ti­ku­lie­ren be­müht habe, ge­ra­de in letz­ter Zeit, im letz­ten Jahr, als ich ver­sucht habe, das, was den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers cha­rak­te­ri­siert, in sei­ner Struk­tur zu ver­or­ten.20

C’est donc en rai­son de cet em­ploi, le mien, qui n’a au­cu­ne pré­ten­ti­on à four­nir une con­cep­ti­on du mon­de, mais seu­le­ment de dire ce qu’il me sem­ble qu’il va de soi de pou­voir dire à des ana­lys­tes.

Das be­ruht also auf die­ser Ver­wen­dung, der mei­ni­gen, die nicht den An­spruch er­hebt, eine Welt­an­schau­ung zu lie­fern, son­dern ein­fach das zu sa­gen, was, wie mir scheint, selbst­ver­ständ­lich ge­sagt wer­den kann.

Au­tour de ça, j’ai fait pen­dant dix ans, dans un endroit as­sez con­nu qui s’appelle Sain­te Anne, un dis­cours qui ne pré­ten­dait cer­tes d’aucune fa­çon à user de l’écrit au­tre­ment que d’une fa­çon très pré­cise, qui est cel­le que je vais es­say­er aujourd’hui de dé­fi­nir.

Dazu habe ich zehn Jah­re lang an ei­nem recht be­kann­ten Ort, der sich Sain­te Anne nennt21, ei­nen Dis­kurs ge­hal­ten, der ge­wiss kei­nes­wegs vor­gab, Ge­schrie­be­nes an­ders zu ver­wen­den als auf ganz prä­zi­se Wei­se, näm­lich so, wie ich es heu­te zu de­fi­nie­ren ver­su­chen wer­de.

[80] Ceux qui en con­sti­tu­ent ce qui res­te de té­mo­ins de cet­te épo­que ne peu­vent pas s’élever cont­re.

Die­je­ni­gen, die das kon­sti­tu­ie­ren, was an Zeu­gen die­ser Zeit ge­blie­ben ist, kön­nen da­ge­gen kei­nen Ein­wand er­he­ben.

Il n’y en a tout de même plus beau­coup dans cet­te salle, bien sûr, mais tout de même quel­ques-uns – oh mais ça doit pas se comp­ter sur les doigts de la main. 

Da­von gibt es in die­sem Hör­saal zwar nicht mehr vie­le, das ist klar, aber im­mer­hin ei­ni­ge – oh, aber das kann man nicht an den Fin­gern ei­ner Hand ab­zäh­len.22

Ceux qui étai­ent là les pre­miers mois …ils peu­vent té­moi­g­ner que ce que j’y ai fait, avec une pa­ti­ence, un mé­nage­ment, une douceur, des ronds de bras, des ronds de jam­be, j’ai con­struit pour eux piè­ce à piè­ce, et morceau par morceau, des cho­ses qui s’appellent des gra­phes.

Die­je­ni­gen, die die ers­ten Mo­na­te da wa­ren, kön­nen be­zeu­gen, dass das, was ich da ge­macht habe, mit ei­ner Ge­duld, ei­ner Be­hut­sam­keit, ei­ner Sanft­heit, mit Bein­krei­sen, mit Arm­krei­sen23, dass ich für sie Teil für Teil und Stück für Stück Sa­chen kon­stru­iert habe, die sich „Gra­phen“ nen­nen.

Il y en a quel­ques-uns qui voguent, vous pou­vez les re­trou­ver très fa­ci­le­ment grâce au tra­vail de quelqu’un, au dé­voue­ment du­quel je fais hom­mage, et au­quel j’ai lais­sé fai­re, com­plè­te­ment à son gré, un in­dex rai­son­né, dans le tex­te du­quel vous pou­vez trou­ver aisé­ment à quel­les pa­ges on trouve ces gra­phes, ça vous évi­te­ra de fouil­ler.

Ei­ni­ge da­von trei­ben sich rum, Sie kön­nen sie leicht wie­der­fin­den, auf­grund der Ar­beit von je­man­dem, für des­sen Hin­ga­be ich mich be­dan­ke und dem ich es über­las­sen habe, ganz nach sei­nem Be­lie­ben ein sys­te­ma­ti­sches Ver­zeich­nis zu er­stel­len, in des­sen Text Sie leicht fin­den kön­nen, auf wel­chen Sei­ten man die­se Gra­phen fin­det24; das wird es Ih­nen er­spa­ren, her­um­zu­su­chen.

Mais ça se voit, rien qu’en faisant ça on peut déjà re­mar­quer qu’il y a des cho­ses qui ne sont pas com­me le res­te du tex­te im­pri­mé.

Aber das sieht man – wenn man nichts tut als dies, kann man be­reits fest­stel­len, dass es Din­ge gibt, die nicht so sind wie der üb­ri­ge ge­druck­te Text.

Ces gra­phes que vous voy­ez là ne sont pas, bien sûr, sans offrir une pe­ti­te dif­fi­cul­té – de quoi ? – mais d’interprétation, bien sûr.

Die­se Gra­phen, die Sie da se­hen, sind na­tür­lich nicht ohne eine klei­ne Schwie­rig­keit, Schwie­rig­keit wo­für?, für die In­ter­pre­ta­ti­on na­tür­lich.

Sa­chez que, pour ceux pour qui je les ai con­struits, ça pou­vait pas même fai­re un pli : avant d’avancer la di­rec­tion d’une li­gne, son croi­se­ment avec tel­le aut­re, l’indication de la pe­ti­te lett­re que je met­t­a­is à ce croi­se­ment, je par­lais une demi-heu­re, trois-quarts d’heure, pour ju­s­ti­fier ce dont il s’agissait.

Sie soll­ten wis­sen, dass das für die­je­ni­gen, für die ich sie kon­stru­iert hat­te, kei­ne be­son­de­re Schwie­rig­keit dar­stel­len konn­te; vor dem Fort­set­zen der Rich­tung ei­ner Li­nie, ih­rer Über­kreu­zung mit ir­gend­ei­ner an­de­ren und der An­ga­be des klei­nen Buch­sta­bens, den ich an die Über­kreu­zung ge­setzt habe, habe ich eine hal­be Stun­de lang, drei Vier­tel Stun­den lang ge­re­det, um zu er­klä­ren, wor­um es ging.

J’insiste, bien sûr non pas pour me fai­re un mé­ri­te de ce que j’ai fait… dans le fond par­ce que ça m’a plu, per­son­ne ne me le de­man­dait, c’est même plu­tôt le con­trai­re [Ge­läch­ter] …mais par­ce que nous ent­rons là, avec ça, au vif de ce que sur l’écrit, voi­re sur l’écriture… alors fi­gu­rez-vous que c’est la même cho­se.

Ich be­har­re dar­auf, aber si­cher­lich nicht, um mir das, was ich ge­tan habe, als Ver­dienst an­zu­rech­nen, vor al­lem des­we­gen nicht, weil mir das ge­fal­len hat, nie­mand hat mich dar­um ge­be­ten, eher im Ge­gen­teil [Ge­läch­ter], son­dern des­we­gen, weil wir da­mit zum Kern des­sen kom­men, was über das Ge­schrie­be­ne (écrit), ja über die Schrift (éc­ri­tu­re) –; also stel­len Sie sich vor, dass das das­sel­be ist.

On par­le de l’écriture com­me ça, com­me si c’était in­dé­pen­dant de l’écrit, c’est ce qui rend quel­que­fois le dis­cours très em­barr­as­sé.

Man spricht über die Schrift ein­fach so, als ob das un­ab­hän­gig vom Ge­schrie­be­nen wäre, und das macht den Dis­kurs bis­wei­len sehr ver­wor­ren.

D’ailleurs ce ter­me « ure », com­me ça, qui s’ajoute, fait bien sen­tir, en­fin de quel­le drô­le de bitu­re il s’agit en l’occasion.

Im Üb­ri­gen lässt schon der Aus­druck -ure,  der hin­zu­ge­fügt wird, gut spü­ren, um was für ei­nen ei­gen­ar­ti­gen Suff (bitu­re) es sich da­bei han­delt.25

Ce qu’il y a de cer­tain, c’est que pour par­ler de l’achose com­me elle est là, eh ben ça de­v­rait déjà, à soi tout seul, vous éc­lai­rer que j’ai dû prend­re – ne di­sons rien de plus – pour ap­pa­reil, le sup­port de l’écrit, sous la for­me du gra­phe.

Es ist si­cher, um von l’achose zu spre­chen, wie sie da ist, nun ja, das müss­te Ih­nen be­reits ganz von sich aus klar­ma­chen, dass ich – sa­gen wir nicht mehr – als Ap­pa­rat die Stüt­ze des Ge­schrie­be­nen neh­men muss­te, in Ge­stalt des Gra­phen.

La for­me du gra­phe, ça vaut la pei­ne de la re­gar­der.

Die Ge­stalt des Gra­phen, es lohnt sich, sie zu be­trach­ten.

Pre­nons là – je ne sais pas, n’importe le­quel, le der­nier là, le grand, ce­lui que vous al­lez trou­ver, je ne sais plus où – moi – où il est, où il vogue, je crois que c’est dans « Sub­ver­si­on du su­jet et dialec­tique du dé­sir ».

Neh­men wir hier, ich weiß nicht, ir­gend­ei­nen, den letz­ten da, den gro­ßen, den­je­ni­gen, den Sie wo fin­den?, ich, ich weiß nicht mehr, wo er ist, wo er sich rum­treibt, ich glau­be, das ist in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens.26

Le ma­chin qui fait com­me ça, | [81] dans le­quel ici il y a les lettres ajou­tées ent­re par­en­t­hè­ses, S bar­ré poinçon et le grand D de la de­man­de [$ ◊ D], et ici le grand S du si­gni­fi­ant, le Si­gni­fi­ant por­teur, fonc­tion de l’A bar­ré [S(Ⱥ)].27

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Graph des Be­geh­rens, ver­ein­fach­tes Sche­ma

Das Ding, das so aus­sieht, wo es hier die in Klam­mern hin­zu­ge­füg­ten Buch­sta­ben gibt, aus­ge­stri­che­nes S, Pun­ze und das gro­ße D des An­spruchs [$ ◊ D], und hier das gro­ße S des Si­gni­fi­kan­ten, der Trä­ger­si­gni­fi­kant, Funk­ti­on des aus­ge­stri­che­nen A [S(Ⱥ)].

Vous com­pre­nez bien que si l’écriture, ça peut ser­vir à quel­que cho­se, c’est jus­tement que c’est dif­fé­rent de la pa­ro­le, de la pa­ro­le qui peut « s’appuyer sur ».

Sie ver­ste­hen wohl, wenn die Schrift zu et­was die­nen kann, dann ge­nau des­halb, weil sie sich vom Spre­chen (pa­ro­le) un­ter­schei­det, von dem Spre­chen, das sich auf et­was stüt­zen kann.

La pa­ro­le ne tra­du­it pas S(Ⱥ) par ex­emp­le.

Das Spre­chen über­setzt bei­spiels­wei­se nicht S(Ⱥ).

Seu­le­ment si elle s’appuie sur ça, ne se­rait-ce que cet­te for­me, bien sûr, elle doit se sou­ve­nir que cet­te for­me ne va pas sans qu’ici l’autre li­gne re­cou­pant la pre­miè­re se mar­que à ce point d’intersection du pe­ti­te s et du grand A lui-même [s(A)], qu’il y ait ici un grand I.

Al­ler­dings, wenn es sich dar­auf stützt, und wäre es nur auf die­se Form, muss es sich na­tür­lich dar­an er­in­nern, dass die­se Form nicht geht, ohne dass hier die an­de­re Li­nie, die die ers­te über­schnei­det, an die­sem Über­schnei­dungs­punkt durch das klei­ne s und das gro­ße A ge­kenn­zeich­net ist [s(A)], dass es hier [un­ten links am Ende des Pfeils] ein gro­ßes I gibt. 

Je m’excuse de ces em­pié­te­ments, mais après tout cer­ta­ins ont as­sez cet­te fi­gu­re dans la tête pour que ça leur suf­fi­se et pour les au­tres – mon Dieu – qu’ils se re­por­tent à la bon­ne page.

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Graph des Be­geh­rens, aus: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens

Ich ent­schul­di­ge mich für die­ses Aus­ho­len, aber im­mer­hin ha­ben ei­ni­ge die­se Fi­gur hin­rei­chend im Kopf, so­dass es für sie aus­reicht, und was die an­de­ren an­geht, mein Gott, so mö­gen sie sich auf die ent­spre­chen­de Sei­te be­zie­hen.

Ce qu’il y a de cer­tain, c’est qu’on ne peut pas ne pas – au mo­ins par là, par cet­te fi­gu­re – se sen­tir di­sons sol­li­cités de répond­re à l’exigence de ce qu’elle com­man­de, quand vous com­men­cez de l’interpréter.

Ganz si­cher kann man nicht um­hin – zu­min­dest durch dies, durch die­se Fi­gur –, sich, sa­gen wir, an­ge­sta­chelt zu füh­len, auf die For­de­rung zu ant­wor­ten, auf das, was sie ver­langt, wenn Sie an­fan­gen, sie zu in­ter­pre­tie­ren.

Tout dé­pend bien sûr du sens que vous al­lez don­ner au grand A.

Al­les hängt na­tür­lich von der Be­deu­tung ab, die Sie dem gro­ßen A ge­ben.

Il y en a un de pro­po­sé dans l’écrit où il se trouve que je l’ai in­sé­ré.

Da­für gibt es ei­nen Vor­schlag in der­je­ni­gen der Schrif­ten, in die ich ihn ein­ge­fügt habe.28

Et alors les sens qui s’imposent pour tous les au­tres ne sont pas li­bres d’un grand écart.

Und da­mit sind die Be­deu­tun­gen, die sich für alle üb­ri­gen [Be­stand­tei­le des Gra­phen] auf­nö­ti­gen, be­reits re­la­tiv ein­ge­schränkt.

Ce qui est cer­tain, c’est que c’est le prop­re de ce qui – en­fin, je pen­se – vous ap­pa­raît cer­tes, de­puis, suf­fi­sam­ment pré­cisé, à sa­voir que ce gra­phe – ce­lui-là com­me tous les au­tres, et pas seu­le­ment les mi­ens, je vais vous dire ça dans un in­stant – que ce gra­phe, ce que ça re­pré­sen­te, c’est ce qu’on ap­pel­le, dans le lan­ga­ge évo­lué que nous a peu à peu don­né le ques­ti­on­ne­ment de la ma­t­hé­ma­tique par la lo­gi­que, ce qu’on ap­pel­le une to­po­lo­gie.

Es ist si­cher, dass das Ei­gen­tüm­li­che des­sen, was Ih­nen si­cher­lich seit­her, den­ke ich, als hin­rei­chend prä­zi­siert er­scheint, näm­lich dass die­ser Grap – die­ser hier wie alle üb­ri­gen Gra­phen, und nicht nur mei­ne, ich wer­de Ih­nen das gleich sa­gen –, dass die­ser Graph eben das re­prä­sen­tiert, was man in der ent­wi­ckel­ten Spra­che, die uns die Be­fra­gung der Ma­the­ma­tik durch die Lo­gik nach und nach ge­ge­ben hat, was man in die­ser Spra­che eine To­po­lo­gie nennt.

Pas de to­po­lo­gie sans éc­ri­tu­re.

Kei­ne To­po­lo­gie ohne Schrift.

Vous avez peut-être même pu re­mar­quer, si ja­mais vous êtes vrai­ment al­lés ou­vrir les « Ana­ly­ti­ques » de Mon­sieur Aris­to­te, que là il y a un pe­tit com­men­ce­ment de la to­po­lo­gie, et que ça con­sis­te pré­cis­é­ment à fai­re des trous dans l’écrit.

Sie ha­ben viel­leicht so­gar be­mer­ken kön­nen, falls Sie je­mals wirk­lich dazu ge­kom­men sind, die Ana­ly­ti­ken von Mon­sieur Aris­to­te­les29 zu öff­nen, dass es da ei­nen klei­nen An­fang von To­po­lo­gie gibt, und dass das eben dar­in be­steht, in das Ge­schrie­be­ne Lö­cher zu ma­chen.

« Tous les ani­maux sont | [82] mor­tels » : vous souf­flez « les ani­maux » et vous souf­flez « mor­tels », et vous met­tez à la place le com­ble de l’écrit, ici une lett­re tou­te simp­le.

Alle Tie­re sind sterb­lich“ – Sie neh­men „Tie­re“ weg und Sie neh­men „sterb­lich“ weg und an die Stel­le set­zen Sie den Gip­fel des Ge­schrie­be­nen, hier ganz ein­fach ei­nen Buch­sta­ben.

C’est peut-être ben vrai – hein ? – que ça leur a été fa­ci­lité par je ne sais quel­le af­fi­nité par­ti­cu­liè­re qu’ils avai­ent avec la lett­re, on ne peut pas bien dire com­ment.

Viel­leicht stimmt es ja, dass ih­nen [den Grie­chen] das da­durch er­leich­tert wor­den ist, dass sie ir­gend­ei­ne spe­zi­el­le Af­fi­ni­tät zum Buch­sta­ben hat­ten, man kann nicht so recht sa­gen wie.

fevrier-hisotire-de-lecriture-1948Là-des­sus vous pou­vez vous re­por­ter à des cho­ses très, très at­tach­an­tes, com­me l’a dit M. Ja­mes Fé­vri­er, sur je ne sais quel ar­ti­fice, tru­quage, for­ça­ge, que con­sti­tu­ent au re­gard de ce qu’on peut as­sez sai­ne­ment ap­pe­ler les nor­mes de l’écriture – les nor­mes, pas l’énorme, quoi­que les deux so­i­ent vrais – au re­gard des nor­mes de l’écriture, l’invention de la lo­gi­que.

Dazu kön­nen Sie sich auf sehr, sehr fes­seln­de Din­ge be­zie­hen, wie sie von Mon­sieur Ja­mes Fé­vri­er ge­sagt wor­den sind, über so ei­nen Kunst­griff, ei­nen Schwin­del, eine Ge­walt­sam­keit, die im Hin­blick auf das, was man ziem­lich ver­nünf­tig „die Nor­men der Schrift“ nen­nen kann – die Nor­men, nicht das Enor­me30, auch wenn bei­des stimmt –, die von den Nor­men der Schrift aus ge­se­hen die Er­fin­dung der Lo­gik dar­stellt.31

Je vous sug­gè­re en pas­sant, aujourd’hui ceci : c’est que ça a quel­que cho­se à fai­re avec le fait, di­sons d’Euclide.

Ich möch­te heu­te ne­ben­bei an­deu­ten, dass das et­was zu tun hat mit dem Fak­tum, sa­gen wir, von Eu­klid.32

Voi­là, par­ce que je peux vous je­ter ça qu’en pas­sant, puis­que après tout c’est à con­trô­ler, je ne vois pas pour­quoi moi aus­si, pour­quoi de temps en temps, je ne fe­rais pas – même aux gens très calés dans une cer­tai­ne ma­tiè­re – com­me ça une pe­ti­te sug­ges­ti­on dont ils ri­ront peut-être par­ce qu’ils s’en se­ront aper­çus de­puis long­temps.

Also, da ich Ih­nen das nur ne­ben­bei zu­wer­fen kann, da das schließ­lich zu über­prü­fen ist, sehe ich nicht, war­um ich nicht auch, war­um ich nicht so von Zeit zu Zeit – so­gar Leu­ten, die in ei­ner be­stimm­ten Ma­te­rie sehr be­wan­dert sind – ei­nen klei­nen Vor­schlag ma­chen soll­te, über den sie mög­li­cher­wei­se la­chen wer­den, da sie das be­reits seit lan­gem be­merkt ha­ben.

On ne voit pas pour­quoi en ef­fet ils s’en se­rai­ent pas aper­çus, ils ne se se­rai­ent pas aper­çus de ceci qu’un tri­ang­le – puis­que c’est ça le dé­part – qu’un tri­ang­le, c’est pas aut­re cho­se – mais rien d’autre – qu’une éc­ri­tu­re, ou un écrit ex­ac­te­ment.

Es ist nicht zu se­hen, war­um sie’s nicht tat­säch­lich be­merkt ha­ben soll­ten, nicht be­merkt ha­ben soll­ten, dass ein Drei­eck – denn das ist der An­fang –, dass ein Drei­eck nichts an­de­res ist, aber wirk­lich nichts an­de­res als eine Schrift (éc­ri­tu­re) oder ge­nau­er als et­was Ge­schrie­be­nes (écrit).

Et que c’est pas par­ce que on y dé­fi­nit « égal » com­me « mé­tri­que­ment su­per­po­sable » que ça va cont­re.

Und da­ge­gen ist kein Ein­wand, dass hier „gleich“33 als „me­trisch su­per­po­nier­bar“ de­fi­niert wird.34

C’est un écrit, où le mé­tri­que­ment su­per­po­sable est ja­spin­ab­le, ce qui dé­pend ab­so­lu­ment pas de l’écrit35, ce qui dé­pend de vous, les ja­spi­n­eurs.

Das ist et­was Ge­schrie­be­nes – wo­bei das me­trisch Su­per­po­nier­ba­re schwatz­bar ist, was ab­so­lut nicht vom Ge­schrie­be­nen ab­hängt, was von Ih­nen ab­hängt, den Schwät­zern.

De quel­que fa­çon que vous écri­viez le tri­ang­le, même si vous le fai­tes com­me ça, vous dé­mon­tre­rez l’histoire du tri­ang­le iso­cè­le, à sa­voir que s’il a deux co­tés égaux, les deux au­tres an­gles sont égaux.

Wie auch im­mer Sie das Drei­eck schrei­ben mö­gen, selbst wenn Sie es so ma­chen, wer­den Sie die Ge­schich­te mit dem gleich­schenk­li­gen Drei­eck be­wei­sen, näm­lich wenn es zwei glei­che Sei­ten hat, sind die bei­den an­de­ren Win­kel36 gleich.

Il vous suf­fit de l’avoir fait ce pe­tit écrit, par­ce que c’est ja­mais beau­coup meilleur que la fa­çon dont je vi­ens de l’écrire, la fi­gu­re d’un tri­ang­le iso­cè­le.

Es ge­nügt Ih­nen, es ge­macht zu ha­ben, die­ses klei­ne Ge­schrie­be­ne, denn das ist nie­mals viel bes­ser als so, wie ich sie ge­ra­de ge­schrie­ben habe, die Fi­gur ei­nes gleich­schenk­li­gen Drei­ecks.

C’étaient des gens qui avai­ent des dons pour l’écrit, hein !

Das wa­ren Leu­te, die ein Ta­lent fürs Ge­schrie­be­ne hat­ten, nicht wahr!

Ça va pas loin ça, on pour­rait peut-être al­ler un peu plus loin.

Das geht aber nicht weit – man könn­te viel­leicht ein biss­chen wei­ter ge­hen.

Pour l’instant en­re­gi­s­trons, en­re­gi­s­trons ceci en tout cas, c’est qu’ils se sont très bien aper­çus de ce que ce n’était qu’un pos­tu­lat, et que ça n’a pas d’autre dé­fi­ni­ti­on que ceci : c’est que c’est dans la de­man­de – dans la de­man­de qu’on fait à l’auditeur – il ne faut pas tout de sui­te dire « cro­chet ! », dans cet­te de­man­de, c’est ce qui ne s’impose pas au dis­cours du seul fait du gra­phe.

Re­gis­trie­ren wir vor­erst, re­gis­trie­ren wir je­den­falls dies, dass sie sehr deut­lich ge­se­hen ha­ben, dass das nur ein Pos­tu­lat37 war, und dass das kei­ne an­de­re De­fi­ni­ti­on38 hat als die­se, näm­lich dass es in der For­de­rung liegt, in der For­de­rung, die an den Zu­hö­rer ge­rich­tet wird – man darf nicht so­fort „Schluss da­mit!“ sa­gen39 –, in die­ser For­de­rung; das ist et­was, was sich dem Dis­kurs nicht al­lein schon we­gen des Gra­phen auf­nö­tigt.40

Les Grecs sem­blent donc avoir eu un ma­nie­ment très as­tu­cieux, une ré­duc­tion sub­ti­le de ce qui déjà cou­rait le mon­de sous les es­pè­ces de l’écriture.

Die Grie­chen schei­nen da­mit also ei­nen sehr raf­fi­nier­ten Um­gang ge­habt zu ha­ben, eine sub­ti­le Re­duk­ti­on des­sen, was sich be­reits an ver­schie­de­nen Ar­ten von Schrift in der Welt her­um­trieb.

[83] Ça ser­vait va­che­ment.

Das war un­ge­heu­er brauch­bar.

Il est tout à fait clair qu’il n’est pas ques­ti­on d’empire – et si vous me per­met­tez le mot, même du moind­re em­pi­ris­me – sans le sup­port de l’écriture.

Es ist völ­lig klar, dass es eine Fra­ge der Em­pi­rie nicht ohne die Stüt­ze der Schrift gibt41, und, wenn Sie mir das Wort ge­stat­ten, nicht ein­mal eine des ge­rings­ten Em­pi­ris­mus.

Si vous me per­met­tez là, une ex­tra­po­la­ti­on par rap­port à la vei­ne que je suis, je veux dire que je vais vous in­di­quer l’horizon, la vi­sée loin­tai­ne, qui gui­de tout ça.

Wenn Sie mir hier eine Ex­tra­po­la­ti­on ge­stat­ten, be­zo­gen auf die Spur, der ich fol­ge – ich will sa­gen, dass ich Ih­nen den Ho­ri­zont an­zei­gen möch­te, das fer­ne Ziel, von dem all das an­ge­lei­tet wird.

Bien sûr, ça ne se ju­s­ti­fie que si les li­gnes per­spec­tives s’avèrent con­ver­ger ef­fec­tive­ment ; c’est la sui­te qui vous le mon­tre­ra.

Na­tür­lich ist das nur dann be­rech­tigt, wenn sich zeigt, dass die per­spek­ti­vi­schen Li­ni­en tat­säch­lich kon­ver­gie­ren; was jetzt kommt, wird Ih­nen das zei­gen.

« Au com­men­ce­ment, έν αρχῆ [en ar­chéi] », com­me ils di­sent – ce qui n’a rien à fai­re avec quel­que tem­po­ra­lité que ce soit, puisqu’elle en dé­coule « Au com­men­ce­ment est la pa­ro­le ».

Am An­fang“, „en archē“, wie sie sa­gen – das hat nichts mit ir­gend­ei­ner Zeit­lich­keit zu tun, da die­se dar­aus erst her­vor­geht –, „am An­fang ist das Wort / das Spre­chen (la pa­ro­le)“.42

Mais la pa­ro­le, il y a tout de même bien des chan­ces que pen­dant des temps qui n’étaient pas en­core des siè­cles… fi­gu­rez-vous, ce ne sont des siè­cles que pour nous, grâce au car­bo­ne ra­di­ant et à quel­ques au­tres his­toires de cet­te es­pè­ce, ré­troac­tives, qui par­tent de l’écriture …en­fin pen­dant un bout de quel­que cho­se qu’on peut ap­pe­ler – pas le temps – l’αἰών [aiôn], l’αἰών des αἰών com­me ils di­sent, il y avait un temps où on se gar­ga­ri­sait avec des trucs com­me ça.

Aber das Spre­chen, es gibt durch­aus Chan­cen, dass in Zei­ten, die noch kei­ne Jahr­hun­der­te wa­ren – stel­len Sie sich vor, nur für uns sind das Jahr­hun­der­te, rück­wir­kend, durch die Ra­dio­kar­bon­me­tho­de und ei­ni­ge an­de­re Ge­schich­ten die­ser Art, die von der Schrift aus­ge­hen –, also wäh­rend ei­nes Bruch­teils von et­was, was man nicht die Zeit nen­nen kann, des aiōn –; der Äon der Äo­nen, wie es heißt, es gab eine Zeit, in der man sich an Din­gen die­ser Art be­rausch­te.43

Ils avai­ent bien leurs rai­sons, ils ai­ent plus près que nous.

Sie hat­ten durch­aus ihre Grün­de, sie wa­ren nä­her dran als wir.44

En­fin la pa­ro­le a fait des cho­ses, des cho­ses qui étai­ent sû­re­ment de mo­ins en mo­ins dis­cern­ab­les d’elle, de ce qu’elles étai­ent ses ef­fets.

Nun, das Spre­chen hat Sa­chen ge­macht, Sa­chen, die si­cher­lich im­mer we­ni­ger von ihm un­ter­scheid­bar wa­ren, des­halb, weil sie sei­ne Wir­kun­gen wa­ren.

Qu’est-ce que ça veut dire l’écriture ?

Die Schrift, was heißt das?

Faut quand même cer­ner un peu.

Biss­chen ein­gren­zen muss man das schon.

Il est tout à fait clair et cer­tain, quand on voit ce qu’il est cou­rant d’appeler l’écriture, que c’est quel­que cho­se qui en quel­que sor­te se ré­per­cu­te sur la pa­ro­le.

Es ist völ­lig klar und si­cher, wenn man sieht, was üb­li­cher­wei­se Schrift ge­nannt wird, dass das et­was ist, was sich in ge­wis­ser Wei­se auf das Spre­chen aus­wirkt.

Sur l’habitat de la pa­ro­le, nous avons, je pen­se, as­sez déjà les der­niè­res fois dit des cho­ses, pour voir que not­re dé­cou­ver­te à tout le mo­ins ça s’articule étroi­te­ment avec le fait qu’il n’y a pas de rap­port se­xu­el, tel que je l’ai dé­fi­ni.

Über die Wohn­statt des Spre­chens ha­ben wir, den­ke ich, die letz­ten Male be­reits ge­nug Din­ge ge­sagt45, um zu se­hen, dass un­se­re Ent­de­ckung doch zu­min­dest eng da­mit ver­knüpft ist, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, so wie ich es de­fi­niert habe.

Ou, si vous vou­lez, que le rap­port se­xu­el, c’est la pa­ro­le elle-même.

Oder, wenn Sie so wol­len, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis das Spre­chen selbst ist.

Avou­ez que quand même ça lais­se un peu à dé­si­rer, d’ailleurs je pen­se que vous en savez un bout.

Ge­ben Sie zu, dass das im­mer­hin ein biss­chen zu wün­schen (dé­si­rer) üb­rig lässt; im Üb­ri­gen den­ke ich, dass Sie ein Stück dar­über wis­sen.

Qu’il n’y ait pas de rap­port se­xu­el, je l’ai déjà fixé sous cet­te for­me qu’il n’y a de re­la­ti­on, au­cun mode ac­tu­el­le­ment.

Dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, habe ich be­reits in der Form fest­ge­hal­ten, dass es ge­gen­wär­tig kei­ne Re­la­ti­on gibt, kei­ner­lei Mo­dus <es zu schrei­ben>.

Qui sait, il y a des gens qui rê­vent qu’un jour ça s’écrira : pour­quoi pas – hein ? – les pro­grès de la bio­lo­gie… M. Ja­cob est tout de même là, un peu ?

Wer weiß, es gibt Leu­te, die träu­men, dass das ei­nes Ta­ges ge­schrie­ben wird, war­um denn nicht, die Fort­schrit­te der Bio­lo­gie – im­mer­hin ist ja Mon­sieur Ja­cob da, ein biss­chen?46

Peut-être qu’un | [84] jour, il n’y aura plus la moind­re ques­ti­on sur le sper­ma­to et l’ovule, ils sont faits l’un pour l’autre, ça sera écrit, com­me on dit, c’est là-des­sus que j’ai ter­mi­né la leçon de la der­niè­re fois.

Viel­leicht wird es ei­nes Ta­ges nicht mehr die ge­rings­te Fra­ge über das Sper­ma­to47 und das Ovu­lum ge­ben – sie sind für­ein­an­der ge­schaf­fen, das wird, wie man sagt, ge­schrie­ben sein; da­mit habe ich die Vor­le­sung vom letz­ten Mal be­en­det.

À ce mo­ment-là vous m’en di­rez des nou­vel­les, n’est-ce pas ?

In die­sem Au­gen­blick wer­den Sie mir was er­zäh­len, nicht wahr?

On peut fai­re de la sci­ence-fic­tion, hein ?

Man kann Sci­ence-Fic­tion ver­fas­sen, nicht wahr?48

Es­say­ez cel­le-là, c’est dif­fi­ci­le à écri­re.

Ver­su­chen Sie das mal, das ist schwer zu schrei­ben.

Pour­quoi pas, c’est com­me ça qu’on fait avan­cer les cho­ses.

War­um nicht, das ist die Art, wie man die Din­ge vor­an­bringt.

Quoi qu’il en soit ac­tu­el­le­ment, c’est ce que je veux dire, c’est que ça ne peut pas s’écrire sans fai­re entrer en fonc­tion quel­que cho­se d’un peu drô­le – par­ce que jus­tement on ne sait rien de son sexe – ce qui s’appelle le phal­lus.

Wie auch im­mer es ge­gen­wär­tig da­mit sein mag, was ich sa­gen will, ist dies, dass es nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ohne et­was in Funk­ti­on tre­ten zu las­sen, was ein biss­chen ko­misch ist, da man aus­ge­rech­net über sein Ge­schlecht nichts weiß, näm­lich das, was man den Phal­lus nennt.

Si tout ce qu’on ar­ri­ve à écri­re – je re­mer­cie la per­son­ne qui m’a don­né la page où dans mes « Écrits » il y a ce qu’il en est du dé­sir de l’homme, écrit grand phi de (a) [Φ(a)], Φ c’est le si­gni­fi­ant phal­lus, ceci pour les per­son­nes qui cro­i­ent que le phal­lus, c’est le man­que de si­gni­fi­ant, je sais que ça se dis­cu­te dans les car­tels49. Voi­là !

Wenn all das, was ei­nem zu schrei­ben ge­lingt –; ich dan­ke der Per­son, die mir die Sei­te an­ge­ge­ben hat, auf der in mei­nen Schrif­ten steht, wor­um es beim Be­geh­ren des Man­nes geht: gro­ßes Phi von klein a ge­schrie­ben [Φ(a)]50  – Φ ist der Phal­lus-Si­gni­fi­kant, dies für die Per­so­nen, die glau­ben, dass der Phal­lus der Si­gni­fi­kan­ten­man­gel ist, ich weiß, dass das in den Kar­tel­len51 dis­ku­tiert wird. So also.

Et le dé­sir de la femme – je m’en fous moi des « Écrits », hein ? – ça s’écrit A bar­ré par­en­t­hè­se du phi [Ⱥ(ϕ)] qui est le phal­lus là où on s’imagine qu’il est : le pe­tit pipi.

Und das Be­geh­ren der Frau – die Schrif­ten sind mir egal, oder? –, das schreibt sich durch­ge­stri­che­nes A, in Klam­mern klein phi [Ⱥ(φ)], was der Phal­lus ist, da wo man sich vor­stellt, dass er ist: der klei­ne Pi­pi­mann.52

Voi­là ce qu’on ar­ri­ve à écri­re de mieux après – mon Dieu ! – quel­que cho­se que nous ap­pel­le­rons sim­ple­ment de ce que se­rait, com­me ça, le fait d’être par­ve­nu à… à un cer­tain mo­ment sci­en­ti­fi­que.

Das ist das, was ei­nem bes­ser zu schrei­ben ge­lingt nach – mein Gott –,  nach et­was, was wir ein­fach von dem her be­nen­nen, was hier wohl das Fak­tum ist, ei­nen – ei­nen be­stimm­ten Mo­ment der Wis­sen­schaft er­reicht zu ha­ben.

Un mo­ment sci­en­ti­fi­que, ça se ca­rac­té­ri­se par un cer­tain nom­bre de co­or­don­nées écri­tes au pre­mier rang des­quel­les la for­mu­le que M. New­ton a écri­te, con­cer­nant ce dont il s’agit sous le nom de champ de la gra­vi­ta­ti­on, qui est un pur écrit.

Ein Mo­ment der Wis­sen­schaft, et­was, was durch eine Rei­he von ge­schrie­be­nen Ko­or­di­na­ten ge­kenn­zeich­net ist, dar­un­ter an ers­ter Stel­le die For­mel, die Mon­sieur New­ton ge­schrie­ben hat, be­zo­gen auf das, was un­ter dem Na­men des Gra­vi­ta­ti­ons­fel­des ge­führt wird, das et­was rein Ge­schrie­be­nes ist.53

Per­son­ne n’est en­core ar­ri­vé à don­ner un sup­port sub­stan­tiel quel­con­que, une om­bre de vrai­sem­blan­ce à ce qu’énonce cet écrit, qui sem­ble jusqu’à pré­sent être un peu dur.

Nie­man­dem ist es bis­her ge­lun­gen, ir­gend­ei­ne sub­stan­ti­el­le Stüt­ze, ei­nen Schat­ten von Wahr­schein­lich­keit dem zu ge­ben, was die­ses Ge­schrie­be­ne aus­sagt, das bis heu­te ein har­ter Bro­cken zu sein scheint.

Car on n’arrive pas à le ré­sor­ber dans un sché­ma d’autres champs où, com­me ça, on a des idées plus sub­stan­ti­el­les.

Denn es ist nicht ge­lun­gen, es in ein Sche­ma von an­de­ren Fel­dern zu in­te­grie­ren, bei de­nen man sub­stan­ti­el­le­re Vor­stel­lun­gen hat.54

Le champ élec­tro­ma­gné­tique ça fait image, hein, le ma­gné­tis­me, c’est tou­jours un peu ani­mal.

Das elek­tro­ma­gne­ti­sche Feld, das er­gibt ein Bild, nicht wahr – der Ma­gne­tis­mus ist im­mer ein biss­chen ani­ma­lisch.

Le champ de la gra­vi­ta­ti­on lui, l’est pas.

Das Gra­vi­ta­ti­ons­feld hin­ge­gen nicht.

C’est un drô­le de ma­chin.

Das ist eine ko­mi­sche Sa­che.

Quand je pen­se que ces mes­sieurs-là, et bi­en­tôt ces mes­sieurs-da­mes qui se bal­a­dai­ent dans cet endroit ab­so­lu­ment sub­li­me, qui est cer­tai­ne­ment une des in­car­na­ti­ons de l’objet se­xu­el, la lune, quand je pen­se qu’ils y vont sim­ple­ment por­tés par un écrit, ça lais­se beau­coup d’espoir.

Wenn ich den­ke, dass die­se Her­ren da – und bald die­se Da­men und Her­ren –, die an die­sem ab­so­lut er­ha­be­nen Ort spa­zie­ren gin­gen, der si­cher­lich eine der Ver­kör­pe­run­gen des Se­xu­al­ob­jekts ist, der Mond, wenn ich den­ke, dass sie ein­fach durch et­was Ge­schrie­be­nes ge­tra­gen dort­hin­ge­hen, dann gibt das viel Hoff­nung.

Même dans le champ où ça pour­rait nous ser­vir, à sa­voir le dé­sir.

So­gar in dem Feld, in dem das für uns brauch­bar sein könn­te, näm­lich dem Be­geh­ren.

En­fin, c’est pas pour de­main, hein ?

Aber das ist nichts, was von heu­te auf mor­gen ge­schieht, nicht wahr?

Mal­gré la psy­chana­ly­se, c’est pas pour de­main.

Trotz der Psy­cho­ana­ly­se ge­schieht das nicht von heu­te auf mor­gen.

Voi­là donc l’écrit, en tant que c’est quel­que cho­se dont on peut par­ler.

Hier also das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern das et­was ist, wor­über man spre­chen kann.

En quoi ?

In­wie­fern?

lecriture-et-la-psychologie-des-peuples[85] Il y a une cho­se dont je m’étonne, en­core que jus­tement ça vi­ent sous la plu­me dans un sa­cré bou­quin qui est paru chez Ar­mand Co­lin, en­fin c’est vrai­ment tout ce qu’il y a de plus fa­ci­le à trou­ver, c’est dans je ne sais quel com­bi­en­tiè­me Con­grès de Syn­t­hè­se, et ça s’appelle, tout sim­ple­ment tout gen­ti­ment « L’écriture ».

Es gibt da eine Sa­che, die mich er­staunt, ob­wohl das in ei­nem ver­dammt gu­ten Buch zu Pa­pier ge­bracht wird, in ei­nem Buch, das bei Ar­mand Co­lin er­schie­nen ist, denn das ist wirk­lich al­les, was es gibt, von dem, was ganz leicht zu fin­den ist, das ist in dem ich weiß nicht wie­vie­len Syn­the­se-Kon­gress, und das heißt ganz ein­fach, ganz ar­tig Die Schrift.55

C’est une sui­te de rap­ports qui com­mence par un de Mé­traux, ce cher et déf­unt Mé­traux qui était un hom­me ex­cel­lent et vrai­ment as­tu­cieux, ça com­mence par un truc de Mé­traux où il par­le beau­coup de l’écriture de l’île de Pâques, en­fin, c’est ra­vis­sant.

Das ist eine Rei­he von Auf­sät­zen, die mit ei­nem Text von Mé­traux be­ginnt, die­sem lie­ben ver­stor­be­nen Mé­traux, der ein aus­ge­zeich­ne­ter und wirk­lich ein­falls­rei­cher Mensch war, das be­ginnt mit ei­ner Sa­che von Mé­traux, in der er aus­führ­lich über die Schrift der Os­ter­in­sel spricht, das ist wirk­lich hin­rei­ßend.56

Il part sim­ple­ment du fait qu’il n’y a vrai­ment ab­so­lu­ment rien com­pris quant à lui, mais qu’il y en a quel­ques au­tres qui ont un peu mieux réus­si, que na­tu­rel­le­ment c’est dis­cu­ta­ble mais en­fin que ses ef­forts, qui ma­ni­fes­tement ont été ab­so­lu­ment sans suc­cès, so­i­ent là ce qui l’autorise à par­ler en ef­fet de ce que les au­tres ont pu en ti­rer avec un suc­cès dis­cu­ta­ble.

Er geht ein­fach von der Tat­sa­che aus, dass es, was ihn an­geht, ab­so­lut nichts gibt, was er ver­stan­den hät­te, dass es je­doch ei­ni­ge an­de­re gibt, de­nen das et­was bes­ser ge­lun­gen ist, dass sich dar­über na­tür­lich dis­ku­tie­ren lässt, dass aber sei­ne Be­mü­hun­gen, die ma­ni­fest ohne je­den Er­folg ge­we­sen sind, eben das sind, was ihn dazu au­to­ri­siert, tat­säch­lich über das zu spre­chen, was die an­de­ren mit dis­ku­ta­blem Er­folg her­aus­ho­len konn­ten.

C’est tout à fait une in­tro­duc­tion mer­veil­leu­se et bien fai­te pour vous pla­cer sur le plan de la mo­de­s­tie.

Das ist wirk­lich eine wun­der­ba­re Ein­füh­rung, sehr ge­eig­net, um Sie auf die Ebe­ne der Be­schei­den­heit zu brin­gen.

À la sui­te de quoi, d’innombrables com­mu­ni­ca­ti­ons por­tent sur cha­cu­ne des éc­ri­tures, et après tout – mon Dieu – c’est as­sez sen­sé.

Und hier­nach be­zie­hen sich un­zäh­li­ge Bei­trä­ge auf die un­ter­schied­li­chen Ar­ten von Schrift, und ins­ge­samt ist das, mein Gott, ziem­lich ver­nünf­tig.

C’est as­sez sen­sé, c’est cer­tai­ne­ment, en­fin, ça n’est pas venu tout de sui­te, ça n’est pas venu tout de sui­te et nous al­lons voir pour­quoi ça n’est pas venu tout de sui­te qu’on dise des cho­ses as­sez sen­sées sur l’écriture.

Das ist ziem­lich ver­nünf­tig, das ist si­cher­lich, nun ja, das ist nicht so­fort pas­siert, das ist nicht so­fort pas­siert; und wir wer­den se­hen, war­um es nicht so­fort pas­siert ist, dass man über die Schrift ziem­lich ver­nünf­ti­ge Sa­chen sagt.

Il a fal­lu sû­re­ment, pen­dant ce temps-là, de sé­rieux ef­fets d’intimidation qui sont de ceux qui ré­sul­tent de cet­te sa­crée aven­ture que nous ap­pe­lons la sci­ence, et il n’y a pas un seul d’entre nous dans cet­te salle, moi y com­pris bien sûr, qui peut avoir la moind­re es­pè­ce d’idée de ce qui va en ar­ri­ver.

Wäh­rend die­ser Zeit brauch­te es si­cher­lich ernst­haf­te Ein­schüch­te­rungs­ef­fek­te, die zu de­nen ge­hö­ren, die sich aus die­sem ver­fluch­ten Aben­teu­er er­ge­ben, das wir „Wis­sen­schaft“ nen­nen; und in die­sem Hör­saal gibt es nicht ei­nen un­ter uns, mich na­tür­lich ein­ge­schlos­sen, der auch nur die ge­rings­te Idee da­von ha­ben könn­te, wo­hin das füh­ren wird.

Bon ! en­fin, pas­sons…

Gut, also wei­ter.

On va s’agiter un pe­tit peu com­me ça au­tour de la pol­lu­ti­on, de l’avenir, un cer­tain nom­bre de fou­tai­ses com­me ça, et la sci­ence joue quel­ques pe­ti­tes far­ces, pour les­quel­les il ne se­rait dans le fond pas tout à fait inu­ti­le de voir bien par ex­emp­le quel est son rap­port avec l’écriture, ça pour­rait ser­vir.

Man wird sich so ein biss­chen über Fra­gen der Um­welt­ver­schmut­zung auf­re­gen, über Fra­gen der Zu­kunft, über eine Rei­he von Dumm­hei­ten die­ser Art, und die Wis­sen­schaft führt ir­gend­wel­che klei­nen Pos­sen auf, bei de­nen es im Grun­de kei­nes­wegs nutz­los wäre, klar zu se­hen, wor­in bei­spiels­wei­se ihr Ver­hält­nis zur Schrift be­steht, das könn­te hel­fen.

Quoi qu’il en soit, la lec­tu­re de ce grand re­cueil, qui date déjà d’une bon­ne di­zai­ne d’années, sur l’écriture, est quel­que cho­se – au re­gard de ce qui se pond dans la lin­gu­is­tique – de vé­ri­ta­ble­ment aéré, on re­spi­re.

Wie auch im­mer, die Lek­tü­re die­ser be­reits gut zehn Jah­re al­ten gro­ßen Samm­lung über die Schrift, das ist et­was – ver­gli­chen mit dem, was in der Lin­gu­is­tik zu­sam­men­ge­schrie­ben wird – , was wirk­lich Luft gibt, da schöpft man Atem.

C’est pas la con­ne­rie ab­so­lue, c’est même très salu­bre.

Das ist nicht ab­so­lu­ter Stuss, das ist so­gar sehr ge­sund.

Il n’est même pas ques­ti­on, au sor­tir de là, qu’il vous vi­en­ne à l’idée que l’affaire | [86] de l’écriture ne con­sis­te pas en ceci, qui n’a l’air de rien com­me ça, mais com­me c’est écrit par­tout et que per­son­ne ne le lit, ça vaut quand même la pei­ne d’être dit : que l’écriture c’est des re­pré­sen­ta­ti­ons de mots.

Es steht au­ßer Fra­ge, dass Ih­nen von da aus in den Sinn kommt, dass die Sa­che der Schrift nicht in Fol­gen­dem be­steht – was ei­gent­lich nach nichts aus­sieht, aber da das über­all ge­schrie­ben ist und nie­mand es liest, lohnt es den­noch, ge­sagt zu wer­den –, dass die Schrift aus Wort­vor­stel­lun­gen be­steht, aus der Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern.57

Ça de­v­rait quand même vous dire quel­que cho­se : Wort­vor­stel­lung.

Das müss­te Ih­nen doch et­was sa­gen: Wort­vor­stel­lung*.

Freud écrit ça, et il dit que… mais na­tu­rel­le­ment tout le mon­de ri­go­le, et on voit bien que Freud n’est pas d’accord avec La­can …c’est le pro­ces­sus se­con­d­ai­re.

Freud schreibt das, und er sagt – aber na­tür­lich la­chen alle und man sieht durch­aus, dass Freud nicht mit La­can über­ein­stimmt –, dass dies der Se­kun­där­pro­zess ist.58

C’est quand même em­bêtant que, com­me ça, dans la cir­cu­la­ti­on peut-être dans vos pen­sées… bien sûr vous avez des pen­sées, vous avez – même cer­ta­ins, un peu ar­rié­rés – des con­nais­san­ces. …alors vous vous ima­gi­nez que vous vous re­pré­sen­tez des mots.

Es ist trotz­dem blöd, dass Sie sich, wenn Sie viel­leicht so im Ver­kehr ste­hen, in ih­ren Ge­dan­ken – aber na­tür­lich, Sie ha­ben Ge­dan­ken, ei­ni­ge et­was Zu­rück­ge­blie­be­ne ha­ben so­gar Er­kennt­nis­se –, da bil­den Sie sich ein, dass Sie sich Wör­ter vor­stel­len.

C’est à se tord­re!

Das ist doch zum Tot­la­chen!

Par­ce que so­yons sé­rieux : la re­pré­sen­ta­ti­on de mots, c’est l’écriture !

Doch im Ernst: Die Wort­vor­stel­lung / die Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern (la re­pré­sen­ta­ti­on de mots), das ist die Schrift.

Et cet­te cho­se simp­le com­me bon­jour, il me sem­ble qu’on n’en a pas tiré les con­séquen­ces qui sont pour­tant là vi­si­bles, c’est que de tou­tes les lan­gues qui usent de quel­que cho­se qu’on peut prend­re pour des fi­gu­res, et alors qu’on ap­pel­le je ne sais com­ment, moi : des pic­to­gram­mes, des idéo­gram­mes, c’est in­croya­ble, ça a abou­ti à des con­séquen­ces ab­so­lu­ment fol­les : il y a des gens qui se sont ima­gi­né que, avec de la lo­gi­que – c’est-à-dire de la ma­ni­pu­la­ti­on de l’écriture – on trou­ver­ait un mo­y­en pour avoir – quoi ? – new ide­as, de nou­vel­les idées !

Und die­se wirk­lich ganz ein­fa­che Sa­che, mir scheint, dass man nicht die Kon­se­quen­zen dar­aus ge­zo­gen hat, die hier je­doch sicht­bar sind, näm­lich dass alle Spra­chen, die et­was ver­wen­den, was man als Fi­gu­ren auf­fas­sen kann, die man dann ich weiß nicht wie nennt: Pik­to­gram­me, Ideo­gram­me, das ist un­glaub­lich, das hat ab­so­lut ver­rück­te Fol­gen ge­habt. Es gibt Leu­te, die sich ein­ge­bil­det ha­ben, dass man mit der Lo­gik – also mit der Ma­ni­pu­la­ti­on der Schrift – ein Mit­tel fin­den wür­de, um was zu ha­ben? new ide­as, neue Ide­en!

Com­me s’il n’y en avait pas déjà as­sez com­me ça.

Als gäbe es nicht be­reits ge­nug da­von!

Mais en­fin quel qu’il soit, ce pic­to­gram­me, cet idéo­gram­me, si nous étu­di­ons une éc­ri­tu­re, c’est uni­que­ment en ceci – il n’y a au­cu­ne ex­cep­ti­on – c’est que du fait de ce qu’il a l’air de fi­gu­rer, il se pro­non­ce com­me ça.

Aber wie auch im­mer die­ses Pik­to­gramm, die­ses Ideo­gramm be­schaf­fen sein mag, wenn wir eine Schrift stu­die­ren, dann ein­zig in­so­fern – dazu gibt es kei­ne Aus­nah­me –, als es von dem her, was es bild­lich dar­zu­stel­len scheint, auf eine be­stimm­te Wei­se aus­ge­spro­chen wird.

Du fait qu’il a l’air de fi­gu­rer vot­re ma­man avec deux té­ti­nes 恶, il se pro­non­ce wu, et après ça, vous en fai­tes tout ce que vous vou­lez, tout ce qui se pro­non­ce wu.

wu

Von da­her, dass es Ihre Mut­ti mit zwei Zit­zen dar­zu­stel­len scheint, , spricht es sich wu aus, und da­nach ma­chen Sie dar­aus al­les, was Sie wol­len, al­les, was wu aus­ge­spro­chen wird.

Alors, qu’est-ce que ça peut fout­re, qu’il ait deux té­ti­nes et qu’il soit vot­re ma­man en fi­gu­re ?

Was küm­mert es Sie dann, dass es zwei Zit­zen hat und Ihre Mut­ti dar­stellt?59

II y a un nom­mé je ne sais plus com­ment, Xu Shen, ça date pas d’hier, vous com­pre­nez, vous trou­ver­ez ça à peu près au dé­but de l’ère chré­ti­en­ne, ça s’appelle le « Shuo-wen » c’est-à-dire jus­tement le « Ce qui se dit, en tant qu’écrit ».

Es gibt ei­nen ge­wis­sen, ich weiß nicht mehr wie, Xu Shen, das ist nicht erst von ges­tern, ver­ste­hen Sie, Sie fin­den das un­ge­fähr zu Be­ginn des christ­li­chen Zeit­al­ters, das nennt sich Shuo-wen, was ge­nau dies be­deu­tet: „Das, was ge­sagt wird, in­so­fern es ge­schrie­ben ist“.60

Car wen, 文, c’est « écrit », hein ? Voi­là !

wen

Denn wen, 文, heißt „ge­schrie­ben“, nicht wahr? So!

[87] Tâchez quand même de l’écrire, par­ce que pour les Chi­nois c’est le si­gne de la ci­vi­li­sa­ti­on.

Ver­su­chen Sie doch mal, das zu schrei­ben, denn für Chi­ne­sen ist das das Zei­chen der Zi­vi­li­sa­ti­on.

Et en plus, c’est vrai.

Und au­ßer­dem stimmt das.

Alors « re­pré­sen­ta­ti­on de mot » ça veut dire quel­que cho­se, ça veut dire que le mot est déjà là, et avant que vous en fas­siez la re­pré­sen­ta­ti­on écri­te, avec tout ce qu’elle com­por­te.

Also, „Wort­vor­stel­lung“, „Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern“, das  be­deu­tet et­was, das be­deu­tet, dass das Wort be­reits da ist, und zwar be­vor Sie dar­aus die ge­schrie­be­ne Re­prä­sen­ta­ti­on ma­chen, mit all dem, was sie mit sich führt.

Ce qu’elle com­por­te, c’est ce que le mon­sieur du « Shuo­wen » avait déjà dé­cou­vert au dé­but de not­re âge, c’est que l’un des res­sorts les plus es­sen­tiels de l’écriture c’est ce qu’il ap­pel­le  – ce qu’il croit de­voir ap­pe­ler – par­ce qu’il a en­core des préju­gés le cher mi­gnon : il s’imagine qu’il y a des si­gnes écrits qui res­sem­blent à la cho­se que le mot dé­si­gne.

Was sie mit sich führt, ist et­was, was der Herr, der Shuo-wen ver­fasst hat, be­reits zu Be­ginn un­se­res Zeit­al­ters ent­deckt hat, das heißt, dass eine der we­sent­lichs­ten Trieb­fe­dern der Schrift das ist, was er so nennt – was er glaubt so nen­nen zu müs­sen –, da er noch Vor­ur­tei­le hat, das lie­be Kerl­chen: er bil­det sich ein, dass es ge­schrie­be­ne Zei­chen gibt, die der Sa­che, die vom Wort be­zeich­net wird, ähn­lich sind.

Ça par ex­emp­le : il faud­rait que j’ai de la place pour l’écrire.

Dies bei­spiel­wei­se – ich bräuch­te Platz, um es zu schrei­ben.

Ça, ça, [人],hein?

ren

Das, und das [人], nicht wahr?

Qu’est-ce que c’est ça?

Was ist das?

X – C’est un hom­me !

Teil­neh­mer: Das ist ein Mann.

La­can – Ah ! ce qu’ils en savent !

La­can: Ah, was die al­les wis­sen!

On leur en a appris déjà, c’est évi­dent!

Man hat ih­nen da­von schon was bei­ge­bracht, das ist of­fen­sicht­lich.

C’est un hom­me, ça pour vous ?

 Das hier, das ist für Sie ein Mann?

Qu’est-ce qu’il y a de re­pré­sen­té ?

Was gibt es an Dar­ge­stell­tem?

X – C’est mon prof qui l’a dit…

Teil­neh­mer: Das ist mein Leh­rer, der das ge­sagt hat.

La­can – Quoi ?

La­can: Was?

X –  C’est mon prof qui l’a dit…

Teil­neh­mer: Das ist mein Leh­rer, der das ge­sagt hat.

La­can – C’est vot­re prof qui vous l’a dit !

La­can: Das ist Ihr Leh­rer, der Ih­nen das ge­sagt hat!

Ce que je veux dire c’est : en quoi c’est une image de l’homme ?

Was ich mei­ne, ist: In­wie­fern ist das ein Bild des Man­nes?

X – C’est un phal­lus…

Teil­neh­mer: Das ist ein Phal­lus.

La­can – Moi je veux bien – et pour­quoi pas ? – il y a des rê­veurs.

La­can: Von mir aus gern, war­um nicht? Es gibt Träu­mer.

Moi j’y vois plu­tôt un ent­re­jam­be.

Ich sehe hier eher ei­nen Schritt.

Pour­quoi pas ?

War­um nicht ?

Il y a une cho­se mar­ran­te, hein, c’est que quand même on les a, ces si­gnes, de­puis les yin – les yin, y a une paye, hein ?

Es gibt da et­was Lus­ti­ges, nicht wahr, näm­lich dass man sie, die­se Zei­chen, im­mer­hin seit den yin hat – die yin, eine Ewig­keit her, nicht wahr?

Ça fait en­core, alors là deux mil­le ans de dé­cro­chés, mais d’avant, hein, et on en a en­core de ces si­gnes.

Das hat da also be­reits zwei­tau­send Jah­re zu­sam­men­ge­bracht, aber da­vor, nicht wahr, und die­se Zei­chen hat man im­mer noch.

Ce qui prouve que quand même pour l’écriture, ils en sa­vai­ent un bout.

Was be­weist, dass sie, was die Schrift an­geht, dcoh ei­ni­ges dar­über wuss­ten.

On les trouve sur les écail­les de tor­tu­es, il y avait des gens, des de­vins, des gens com­me nous [Ge­läch­ter], qui gra­phouil­lai­ent – ça com­me ça, à côté d’autres cho­ses qui s’étaient pas­sées – sur l’écaille de tor­tue, pour le… pour le com­men­ter en écrit.

Man fin­det sie auf Schild­krö­ten­pan­zern; es gab Leu­te, Wahr­sa­ger, Leu­te wie wir [Ge­läch­ter], die das so, an­läss­lich von Din­gen, die sich er­eig­net hat­ten, auf den Schild­krö­ten­pan­zer krit­zel­ten, um das, um das schrift­lich zu kom­men­tie­ren.

Ça a pro­bable­ment don­né plus d’effet que vous ne croy­ez.

Das hat wahr­schein­lich eine grö­ße­re Wir­kung aus­ge­übt, als Sie glau­ben möch­ten.

[88] En­fin qu’importe.

Aber egal.

Mais il y a quel­que cho­se en ef­fet qui res­sem­ble va­gue­ment.

Aber es gibt tat­säch­lich et­was, das vage äh­nelt.61

Je ne sais pas pour­quoi je vous ra­con­te ça, je vous ra­con­te ça par­ce que je me lais­se ent­raî­ner, j’ai en­core des trucs à vous dire, je me lais­se ent­raî­ner quand même là… en­fin tant pis ! c’est fait, bon !

Ich weiß nicht, war­um ich Ih­nen das er­zähl­te, ich er­zähl Ih­nen das, weil ich mich trei­ben las­se, da­bei gibt es noch Sa­chen, die ich Ih­nen sa­gen muss, trotz­dem lass ich mich hier trei­ben; aber na ja, was solls, gut.

Alors il y a quel­que cho­se que vous voy­ez com­me ça, qui pour­rait bien pas­ser, hein ?

Also es gibt et­was, was Ih­nen auf die­se Wei­se zu­gäng­lich ist, was durch­aus pas­sie­ren könn­te, nicht wahr?

Ah ! qu’il est mi­gnon !

Ach ist das nicht süß!62

Bon, on le suit par­ce que, par­ce que vous savez l’écriture, ça ne vous lâche pas du jour au len­de­main,

Gut, man folgt ihr [der Schrift], weil, weil Sie wis­sen, die Schrift, das lässt Sie nicht von heu­te auf mor­gen los.

Si vous comp­tez sur l’audiovisuel, vous pou­vez vous ac­cro­cher, vous en avez pour en­core un bout de l’écriture.

Wenn mit dem Au­dio­vi­su­el­len rech­nen, kön­nen Sie sich fest­klam­mern, da­mit ha­ben Sie ein wei­te­res Stück der Schrift.

Puis­que je vous dis que c’est le sup­port de la sci­ence.

Denn ich sa­gen Ih­nen, dass das der Trä­ger der Wis­sen­schaft ist.

La sci­ence va pas quit­ter son sup­port com­me ça.

Die Wis­sen­schaft wird ih­ren Trä­ger nicht ein­fach so auf­ge­ben.

C’est quand même dans des pe­tits gra­phouil­la­ges que va se jou­er vot­re sort, com­me au temps des Yin, des pe­tits gra­phouil­la­ges que les ty­pes font dans leur coin, des ty­pes dans mon gen­re, il y en a des tas.

Es sind je­doch klei­ne Krit­ze­lei­en, durch die Ihr Schick­sal sich, wie zu Zei­ten der Yin, ent­schei­den wird, klei­ne Krit­ze­lei­en, die die Ty­pen da in ih­rer Ecke ma­chen, Ty­pen wie ich, da­von gibts eine Men­ge.

Alors vous me sui­vez, vous me sui­vez épo­que par épo­que, vous de­scen­dez aux Tchou, aux Tchou 1, aux Tchou 2 et puis après ça vous avez les Tsin, l’époque où on brû­le les li­v­res.

Und jetzt fol­gen Sie mir mal, fol­gen Sie mir durch die Epo­chen, Sie stei­gen zum Tchou hin­ab, zum Tchou 1, zum Tchou 2 und dann ha­ben Sie die Ts’in, die Epo­che, in der man die Bü­cher ver­brennt.63

Ça c’était un type !

Das war ein Typ!

Il fai­sait brû­ler les li­v­res !

Er ließ die Bü­cher ver­bren­nen.64

Il avait com­pris des trucs ce Tsin, c’était un em­per­eur.

Er hat­te ein paar Din­ge be­grif­fen, die­ser Tsin; das war ein Kai­ser.

Ça a pas duré vingt ans, aus­sitôt l’écriture repar­tait, et d’autant plus soi­g­née.

Das hat nicht mal zwan­zig Jah­re ge­dau­ert, die Schrift kam so­fort wie­der in Gang, und umso gründ­li­cher.65

kalamos-aus-bambus

Ka­l­a­moi aus Bam­bus

En­fin je vous pas­se les for­mes di­ver­ses d’écriture chi­noi­se, par­ce que c’est ab­so­lu­ment su­per­be le rap­port es­sen­tiel de l’écriture à ce qui sert à in­scri­re : le ca­la­me.

Nun ja, ich er­spa­re Ih­nen die un­ter­schied­li­chen For­men der chi­ne­si­schen Schrift, denn das ist wirk­lich groß­ar­tig: die we­sent­li­che Be­zie­hung der Schrift zu dem, was dem Auf­schrei­ben dient: zum Ka­l­a­mos.66

En­fin, je ne veux pas an­ti­ci­per sur ce que ça nous don­ne quant à la val­eur d’instrument, le ca­la­me.

Aber ich möch­te nicht auf das vor­grei­fen, was uns, be­zo­gen auf den Wert des In­stru­ments, das Ka­l­a­mos bie­tet.

Ben on suit ça hein, et puis alors au bout, qu’est-ce qu’on trouve ?

Gut, man folgt dem, nicht wahr, und dann, am Ende, was fin­det man da?

On trouve pas du tout ce­lui que vous at­ten­diez, le cher pe­tit mi­gnon, là qu’on ap­pel­le le « ren » .

Man fin­det kei­nes­wegs den­je­ni­gen, den Sie er­war­tet ha­ben, den lie­ben sü­ßen Klei­nen da, der ren ge­nannt wird, 人.67

Je pro­non­ce bien ou je pro­non­ce mal, en tout cas j’ai pas mis le ton, je m’en ex­cu­se n’est-ce pas, s’il y a un Chi­nois ici.

Ob ich nun gut oder schlecht aus­spre­che, je­den­falls habe ich nicht den Ton ge­setzt; ich ent­schul­di­ge mich, nicht wahr, falls es hier ei­nen Chi­ne­sen gibt.

Ils sont très sen­si­bles à ça. 

Sie sind da sehr emp­find­lich.

Le ton, c’est même ce qui prouve la… une des fa­çons de prou­ver la primau­té de la pa­ro­le.

Der Ton, das ist so­gar das, was den –, eine der Wei­sen, den Pri­mat des Spre­chens zu be­wei­sen.

C’est que sur les quat­re fa­çons cou­ran­tes ac­tu­el­le­ment – ça veut pas dire que dans le mon­de chi­nois – les quat­re fa­çons cou­ran­tes de dire – jus­tement ça tom­be bien – de dire « hi », ben ça veut dire quat­re cho­ses à la fois, et qui ne sont pas du tout sans rap­port.

Näm­lich dass über die vier ge­gen­wär­tig üb­li­chen Wei­sen – das heißt nicht, dass in der chi­ne­si­schen Welt –, die vier üb­li­chen Wei­sen, das passt gut, hi zu sa­gen, das be­deu­tet ja wirk­lich vier Din­ge auf ein­mal, und zwar sol­che, die kei­nes­wegs ohne Be­zie­hung zu­ein­an­der sind.

En­fin je vais pas me lais­ser ent­raî­ner, peut-être que je vous le dirai, j’en fe­rai sou­vent état, quand je me se­rai bien ex­er­cé à leurs quat­re pro­non­cia­ti­ons de hi.

Also, ich wer­de mich nicht hin­rei­ßen las­sen; viel­leicht wer­de ich es Ih­nen dann sa­gen – ich wer­de ich oft dar­auf be­zie­hen –, wenn ich die vier Aus­spra­chen von hi rich­tig ge­übt habe.

Il y a ì, í, î, il y a ï, voi­là.

Es gibt ì, í, î und es gibt ï – so also!

Et ça a pas du tout le même sens, mais je ti­ens d’un hom­me fort let­tré que ça ti­ent de la place dans la con­sci­ence lin­gu­is­tique.

Und das hat kei­nes­wegs den­sel­ben Sinn, aber ich hal­te mich hier an ei­nen äu­ßerst ge­bil­de­ten Men­schen, dass das im Sprach­be­wusst­sein durch­aus ei­nen Platz ein­nimmt.68

Je veux dire que le ton | [89] lui-même, et c’est en ça qu’il faut re­gar­der ça plus d’une fois avant de par­ler d’arbitraire…

Ich will sa­gen, dass der Ton selbst – und in­so­fern muss man sich das mehr als ein­mal an­schau­en, be­vor man vom Ar­bi­trä­ren spricht – …

X – Plus fort !

Teil­neh­mer: Lau­ter!

La­can – … – que le ton lui-même – tu m’entends, Jen­ny ? – que le ton lui-même a pour eux une val­eur in­di­ca­ti­ve, sub­stan­ti­el­le..

La­can: … dass der Ton selbst – hörst du mich, Jen­ny69? –, dass der Ton selbst für sie ei­nen be­zeich­nen­den, sub­stan­ti­el­len Wert hat.

Et pour­quoi ré­pug­ner à ça, quand il y a une lan­gue beau­coup plus à not­re por­tée, l’anglais, dont les ef­fets mo­du­la­toires sont évi­dem­ment tout à fait sé­du­i­s­ants

Und war­um soll­te man sich da­ge­gen sträu­ben, wo  es doch eine Spra­che gibt, die weit mehr in un­se­rer Reich­wei­te ist, das Eng­li­sche, de­ren mo­du­la­to­ri­sche Wir­kun­gen of­fen­kun­dig ab­so­lut ver­füh­re­risch sind.

Bien sûr na­tu­rel­le­ment, ça se­rait tout à fait ab­u­sif de dire que ça a un rap­port avec le sens, seu­le­ment pour ça faut ac­cor­der au mot « sens », un po­ids qu’il n’a pas, puis­que le mi­ra­cle, la mer­veil­le, le quel­que cho­se qui prouve que du lan­ga­ge il y a quel­que cho­se à fai­re – je veux dire le mot d’esprit – ça repo­se sur le non­sen­se70 pré­cis­é­ment.

Na­tür­lich wäre es ganz und gar miss­bräuch­lich, zu sa­gen, dass das ein Ver­hält­nis zum Sinn (sens) hat, nur muss man da­für dem Wort „Sinn“ ein Ge­wicht ver­lei­hen, das es nicht hat, weil das Mi­ra­kel, das Wun­der, das Et­was, das be­weist, dass aus Spra­che et­was zu ma­chen ist, ich mei­ne den Witz, ex­akt auf dem Non­sens be­ruht.

Par­ce qu’enfin si on se réfè­re à quel­ques au­tres écrits qui ont été là pou­bel­li­qués, on au­rait peut-être pu se dire que c’est quand même pas pour rien que j’ai écrit « L’Instance de la lett­re dans l’Inconscient ».

Denn schließ­lich, wenn man sich auf ei­ni­ge an­de­re Schrif­ten be­zieht, die da zum Dreck ge­bracht wor­den sind (pou­bel­li­qués71), hät­te man sich viel­leicht sa­gen kön­nen, dass es wohl nicht von un­ge­fähr ist, dass ich ge­schrie­ben habe Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten.

J’ai pas dit : « l’instance du si­gni­fi­ant » ce cher si­gni­fi­ant la­ca­ni­en, qu’on dit, qu’on dit, qu’on dit, qu’on dit, quand on veut dire que je l’ai ravi in­dû­ment à Saus­su­re.

Ich habe nicht ge­sagt Das Drän­gen des Si­gni­fi­kan­ten, die­ser teu­re Lacan’sche Si­gni­fi­kant, was man sagt, was man sagt, was man sagt, wenn man sa­gen will, dass ich ihn il­le­gi­ti­mer­wei­se Saus­su­re ge­stoh­len habe.

Oui, que le rêve soit un ré­bus, dit Freud, na­tu­rel­le­ment c’est pas ça qui me fera dé­mord­re un seul in­stant que l’inconscient est struc­tu­ré com­me un lan­ga­ge.

Ja, dass der Traum ein Re­bus ist, wie Freud sagt, das ist na­tür­lich nicht das, was mich ei­nen ein­zi­gen Mo­ment lang da­von ab­brin­gen wird, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che struk­tu­riert ist.72

Seu­le­ment c’est un lan­ga­ge au mi­lieu de quoi est ap­pa­ru son écrit.

Nur ist das eine Spra­che, in de­ren Mit­te ihr Ge­schrie­be­nes er­schie­nen ist.

Ça veut pas dire bien sûr, qu’il faut fai­re la moind­re foi – et quand la fe­ri­ons-nous, n’est-ce pas ? – à ces fi­gu­res qui se ba­la­dent dans les rê­ves, dès que nous sa­vons que ce sont des re­pré­sen­ta­ti­ons de mots, puis­que c’est un ré­bus, c’est ain­si que ça se tra­du­it dans ce que Freud ap­pel­le les pen­sées – les pen­sées : die Ge­dan­ken – de l’inconscient.

Das be­deu­tet na­tür­lich nicht, dass man den ge­rings­ten Glau­ben schen­ken muss – und wann wür­den wir es tun, nicht wahr? – die­sen Ge­stal­ten, die in den Träu­men her­um­spa­zie­ren,  [das ist klar] seit wir wis­sen, dass das Wort­vor­stel­lun­gen sind, denn das ist ein Re­bus, so wird über­setzt, in dem, was Freud die Ge­dan­ken* des Un­be­wuss­ten nennt.

Et qu’est-ce que ça peut vou­loir dire… qu’est-ce que ça peut vou­loir dire qu’un lap­sus, un acte man­qué, ra­ta­ge de quel­que psy­cho­pa­tho­lo­gie de la vie quo­ti­di­en­ne …non mais qu’est-ce que ça peut vou­loir dire que vous ap­pe­liez trois fois dans les mê­mes cinq mi­nu­tes… je vous dis ça, par­ce que c’est quand même pas un ex­emp­le où je dé­voi­le un de mes pa­ti­ents73, mais en­fin c’est en ef­fet il n’y a pas long­temps, qu’un de mes pa­ti­ents m’a, pen­dant cinq mi­nu­tes, à chaque fois en se re­pren­ant et en ri­go­lant, mais ça ne lui fait ni chaud ni fro­id, hein, a ap­pelé sa mère : « ma femme », « C’est pas ma femme, par­ce que ma femme, etc. », et il a con­ti­n­ué pen­dant cinq mi­nu­tes, il l’a bien ré­pé­té vingt fois.

Und was kann das hei­ßen , was kann das hei­ßen , dass Sie ei­nen Ver­spre­cher, eine Fehl­hand­lung, ein Miss­lin­gen in ei­ner Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens74, nein, aber was kann das hei­ßen wol­len, dass Sie drei Mal in den­sel­ben fünf Mi­nu­ten – ich sage Ih­nen das, denn das ist durch­aus kein Bei­spiel, mit dem ich ei­nen mei­ner Pa­ti­en­ten of­fen­ba­re, aber nun ja, es ist nicht lan­ge her, dass ei­ner mei­ner Pa­ti­en­ten mir ge­gen­über fünf Mi­nu­ten lang – wo­bei er sich je­des Mal ver­bes­ser­te und lach­te, aber das ließ ihn kalt, nicht wahr – sei­ne Mut­ter als ‚mei­ne Frau‘ be­zeich­net hat. „Das ist nicht mei­ne Frau, denn mei­ne Frau“ usw., und so ging das fünf Mi­nu­ten lang, er hat das si­cher­lich zwan­zig Mal wie­der­holt.

Mais qu’est-ce que ça a de « man­qué » cet­te pa­ro­le ?

Aber was gibt es an Ver­fehl­tem bei die­sesm Spre­chen?

Alors que je me tue à dire que c’est vrai­ment la pa­ro­le réus­sie, tout de même !

Wo ich mich doch ab­mü­he, zu sa­gen, dass das doch in Wirk­lich­keit das ge­lun­ge­ne Spre­chen ist!

Il l’a ap­pelée com­me ça par­ce que sa mère était sa femme, quoi !

Er hat sie so ge­nannt, weil sei­ne Mut­ter sei­ne Frau war, nicht wahr.

Il l’appelait com­me il fal­lait !

Er hat sie so ge­nannt, wie es sein muss­te.

Alors il n’y a de man­qué que par rap­port à quoi ?

Dann gibt es et­was Ver­fehl­tes ein­zig in Be­zug wor­auf?

Par rap­port à ce que les me­nus as­tu­cieux de « l’archi-écriture » – l’écriture qui est là de­puis tou­jours dans le mon­de – pré­fi­gu­rent de la pa­ro­le.

In Be­zug auf das, was die Schlau­ber­ger der „Ur­schrift“ – der Schrift, die im­mer schon in der Welt ist – dem Spre­chen zu­grun­de­le­gen.

Drô­le d’exercice, hein ?

Ko­mi­sche Übung, nicht wahr?

Moi je veux bien !

Von mir aus gern!

C’est une fonc­tion du dis­cours uni­ver­si­taire de | [90] brouil­ler les car­tes com­me ça.

Eine Funk­ti­on des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses be­steht dar­in, die Kar­ten so durch­ein­an­der­zu­brin­gen.

Alors cha­cun rem­plit sa fonc­tion, moi aus­si la mi­en­ne, elle a aus­si ses ef­fets, je l’espère.

Na bit­te, je­der er­füllt sei­ne Funk­ti­on, auch ich die mei­ne, und auch sie hat ihre Wir­kun­gen, hof­fe ich.

Bon. Alors nous avons une nou­vel­le fi­gu­re du pro­grès qui est l’issue dans le mon­de, l’émergence.

Gut. Also wir ha­ben eine neue Ge­stalt des Fort­schritts, die das Zur-Welt-Kom­men ist, die Emer­genz. 

C’est un sub­sti­tut don­né à cet­te idée de l’évolution qui abou­tit com­me vous le savez, au haut de l’échelle ani­ma­le, à cet­te con­sci­ence qui nous ca­rac­té­ri­se, grâce à quoi nous bril­lons de l’éclat que vous savez.

Das ist ein Er­satz für die­se Idee der Evo­lu­ti­on, die auf obers­ter tie­ri­scher Ent­wick­lungs­stu­fe zu die­sem Be­wusst­sein führt, das uns kenn­zeich­net, dank des­sen wir in je­nem Glan­ze leuch­ten, der Ih­nen be­kannt ist.

Alors il ap­pa­raît dans le mon­de de la pro­gram­ma­ti­on.

Also er­scheint Pro­gram­mie­rung in der Welt.

En­fin, je ne m’emparerai de cet­te re­mar­que qu’en ef­fet il n’y au­rait pas de pro­gram­ma­ti­on con­cev­a­ble sans éc­ri­tu­re, que pour fai­re re­mar­quer d’un aut­re côté que le sym­ptô­me, lap­sus, acte man­qué, psy­cho­pa­tho­lo­gie de la vie quo­ti­di­en­ne, n’a… en­fin, ne se sou­ti­ent, n’a de sens, que si vous par­tez de l’idée que ce que vous avez à dire est pro­gram­mé, c’est-à-dire à écri­re.

Nun, ich wer­de mich die­ser Be­mer­kung, dass Pro­gram­mie­rung ohne die Schrift tat­säch­lich nicht denk­bar wäre, nur be­mäch­ti­gen, um an­de­rer­seits dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass das Sym­ptom – Ver­spre­cher, Fehl­hand­lung, Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens – nur ge­stützt wird, nur ei­nen Sinn hat, wenn Sie von der Idee aus­ge­hen, dass das, was Sie zu sa­gen ha­ben, pro­gram­miert ist, das heißt zu schrei­ben ist.75

Bien sûr s’il écrit « ma femme » au lieu de « ma mère », ça ne fait au­cun dou­te qu’il y a un lap­sus, mais il n’y a de lap­sus que ca­la­mi, même quand c’est un lap­sus lin­guae.

Si­cher­lich, wenn er „mei­ne Frau“ schreibt, statt „mei­ne Mut­ter“, gibt es kei­nen Zwei­fel, dass es sich um ei­nen Lap­sus han­delt; ei­nen Lap­sus aber gibt es nur als lap­sus ca­la­mi, selbst wenn es sich um ei­nen lap­sus lin­guae han­delt76

Par­ce que la lan­gue, elle, elle sait très bien ce qu’elle a à fai­re, c’est un pe­tit phal­lus tout à fait gen­ti­ment cha­touillant, quand elle a à dire quel­que cho­se, ben, elle le dit.

Denn die Spra­che, die weiß sehr gut, was sie zu tun hat, das ist ein klei­ner Phal­lus, der ganz nett kit­zelt, wenn sie et­was zu sa­gen hat, nun, dann sagt sie es.

C’est déjà un nom­mé Éso­pe qui avait dit que c’était à la fois le meilleur et la plus mau­vai­se.

Be­reits ein ge­wis­ser Äsop hat ge­sagt, sie sei zu­gleich das Bes­te und das Schlimms­te.77

Ça veut dire bien des cho­ses.

Das be­deu­tet vie­les.

Quoi qu’il en soit, vous m’en cro­irez si vous vou­lez, étant don­né l’état de fa­ti­gue où vous me sen­tez cer­tai­ne­ment, après m’être tapé les mach­ins sur l’écriture, de bout en bout hein, par­ce que je fais ça, hein.

Wie auch im­mer, wenn Sie wol­len, wer­den Sie es mir glau­ben, an­ge­sichts des Zu­stan­des der Mü­dig­keit, den Sie si­cher­lich bei mir spü­ren, nach­dem ich mir die gan­zen Sa­chen über die Schrift zu Ge­mü­te ge­führt habe, von An­fang bis Ende, nicht wahr, denn das tue ich, nicht wahr.

Je me crois ob­li­gé de fai­re ça – la seu­le cho­se dont je n’ai ja­mais traité, c’est du sur­moi [Ge­läch­ter] – je me crois ob­li­gé de lire ça de bout en bout, c’est com­me ça, pour être sûr, sûr de cho­ses que m’a appris, que me dé­mont­re mon ex­pé­ri­ence la plus quo­ti­di­en­ne.

Ich hal­te mich für ver­pflich­tet, das zu tun – das ein­zi­ge, was ich nie be­han­delt habe, ist das Über-Ich [Ge­läch­ter] –, ich hal­te mich für ver­pflich­tet, das von An­fang bis Ende zu le­sen, so ist das, um si­cher zu sein, um bei Din­gen si­cher zu sein, die mir mei­ne ganz all­täg­li­che Er­fah­rung bei­ge­bracht hat, mir be­weist. 

Mais en­fin quand même, j’ai du re­spect pour les sa­vants.

Aber schließ­lich habe ich den­noch Re­spekt vor den Ge­lehr­ten.

Il y en a peut-être un qui au­rait dé­got­té quel­que cho­se là, qui irait cont­re mon ex­pé­ri­ence.

Viel­leicht gibt es ei­nen, der da et­was auf­ge­fischt hat, was ge­gen mei­ne Er­fah­rung geht.

Et en ef­fet pour­quoi pas ?

Und wirk­lich, war­um nicht?

C’est une ex­pé­ri­ence si li­mitée, si étroi­te, si cour­te, de se li­mi­ter au ca­bi­net ana­ly­tique, en fin de comp­te, qu’il y a peut-être quand même un cer­tain be­soin de s’informer.

Das ist eine Er­fah­rung, die so be­grenzt ist, so eng, so kurz, da sie sich letzt­lich auf das ana­ly­ti­sche Ka­bi­nett be­schränkt, dass es viel­leicht durch­aus ei­nen ge­wis­sen Be­darf gibt, sich zu in­for­mie­ren.

En­fin, ça, je dois dire que je ne peux l’imposer à per­son­ne, mais dans l’ensemble c’est mal vu.

Kurz, dies, ich muss sa­gen, dass ich es nie­man­dem auf­zwin­gen kann, aber ins­ge­samt wird das nicht gern ge­se­hen.78

madeleine-david-le-debatIl y a un aut­re truc : Le Dé­bat sur les éc­ri­tures et les hié­ro­gly­phes au XVIIè­me et au XVIIIè­me siè­cle.

Es gibt noch eine an­de­re Sa­che: Le Dé­bat sur les éc­ri­tures et les hié­ro­gly­phes au XVIIè­me et au XVIIIè­me siè­cle (Die Dis­kus­si­on über die Schrif­ten und die Hie­ro­gly­phen im 17. und 18. Jahr­hun­dert).

Vous al­lez j’espère vous ruer, mais vous n’allez peut-être pas le trou­ver, par­ce que moi-même j’ai dû me le fai­re ve­nir d’une bi­blio­t­hèque.

Sie wer­den sich dar­auf stür­zen, hof­fe ich, aber Sie wer­den es viel­leicht nicht fin­den, da ich selbst es mir aus ei­ner Bi­blio­thek ho­len las­sen muss­te.

C’est une cho­se qui est de la « Bi­blio­t­hèque gé­né­ra­le de l’École pra­tique des Hau­tes étu­des, si­xiè­me | [91] sec­tion », et je vois l’indication « S.E.V.P.E.N. », c’est à-dire ça doit être une or­ga­ni­sa­ti­on d’édition « 13 rue du Four, Pa­ris », si tout de même ça exis­te.79

Das ist eine Sa­che von der Bi­blio­t­hèque gé­né­ra­le de l’École pra­tique des Hau­tes étu­des, si­xiè­me sec­tion, und ich se­hen den Hin­weis „S.E.V.P.E.N.“, das heißt, das muss eine Ver­lags­or­ga­ni­sa­ti­on sein, „13 rue du Four, Pa­ris“, falls es das über­haupt gibt.

Eh bien cet ou­vra­ge de Ma­de­lei­ne Da­vidfaud­rait aus­si que de temps en temps vous vous don­niez la pei­ne de lire quel­que cho­se, vous pour­riez lire ça. 

Nun, die­se Ar­beit von Ma­de­lei­ne Da­vid – von Zeit zu Zeit soll­ten Sie sich auch die Mühe ma­chen, et­was zu le­sen, Sie könn­ten das le­sen.

En­fin pas­sons.

Gut, wei­ter.

Par­ce que pour ce que je vais ache­ver de vous dire, ce que je vais ache­ver de vous dire que l’écriture – c’est là que nous en res­te­rons pour aujourd’hui – que l’écriture en som­me est quel­que cho­se qui se trouve, du fait d’être cet­te re­pré­sen­ta­ti­on de la pa­ro­le sur laquel­le, vous le voy­ez bien, je n’ai pas in­sis­té.

Denn für das, was ich Ih­nen end­lich sa­gen will, was ich Ih­nen end­lich sa­gen will, näm­lich dass die Schrift, und da­bei wer­den wir für heu­te blei­ben, dass die Schrift ins­ge­samt et­was ist, was sich vor­fin­det, auf­grund die­ser Re­prä­sen­ta­ti­on des Spre­chens, auf dem ich, wie Sie ja se­hen, nicht in­sis­tiert habe.

Re­pré­sen­ta­ti­on ça si­gni­fie aus­si ré­per­cus­sion : par­ce qu’il n’est pas du tout sûr que sans l’écriture il y au­rait des mots, c’est peut-être la re­pré­sen­ta­ti­on qui les fait en tant que tels, ces mots.

Re­prä­sen­ta­ti­on, das be­deu­tet auch Rück­wir­kung (ré­per­cus­sion), denn es ist über­haupt nicht si­cher, dass es ohne die Schrift Wör­ter ge­ben wür­de – viel­leicht ist es die Re­prä­sen­ta­ti­on, durch die sie als sol­che ge­macht wer­den, die­se Wör­ter.

Quand vous vous se­rez un peu frot­tés à une lan­gue com­me cel­le que je suis en train d’apprendre aus­si là, et en ef­fet dont je ne suis pas après tout ab­so­lu­ment sûr dans ce cas-là que c’est un ef­fet de sur­moi, la lan­gue ja­po­nai­se, eh bien vous vous aper­ce­v­rez alors de ce qu’une éc­ri­tu­re, ça peut tra­vail­ler une lan­gue.

Wenn Sie sich ein biss­chen an ei­ner Spra­che wie der­je­ni­gen ab­ge­ar­bei­tet ha­ben wer­den, die ich eben­falls ge­ra­de ler­ne – und in die­sem Fall bin ich mir ab­so­lut nicht si­cher, dass das eine Wir­kung des Über-Ichs ist –, die ja­pa­ni­sche Spra­che, nun, dann wird Ih­nen klar wer­den, dass eine Schrift auf eine Spra­che ein­wir­ken kann.

Et tel­le qu’elle est fai­te, cet­te lan­gue mé­lo­dieu­se, qui est mer­veil­leu­se de sou­ples­se et d’ingéniosité – quand je pen­se que c’est une lan­gue où les ad­jec­tifs se con­ju­guent, et que j’ai at­ten­du jusqu’à mon âge pour avoir ça à ma dis­po­si­ti­on, je ne sais vrai­ment pas ce que j’ai fait jusqu’ici.

Und so wie sie be­schaf­fen ist, die­se me­lo­diö­se Spra­che, wun­der­bar in ih­rer Schmieg­sam­keit und ih­rem Ein­falls­reich­tum, wenn ich den­ke, dass das eine Spra­che ist, in der die Ad­jek­ti­ve kon­ju­giert wer­den und dass ich bis zu mei­nem Al­ter ge­war­tet habe, um das zu mei­ner Ver­fü­gung zu ha­ben, dann weiß ich wirk­lich nicht, was ich bis hier­her ge­macht habe.

Moi, je n’aspirais qu’à ça : que les ad­jec­tifs se con­ju­guent – et une lan­gue où les fle­xi­ons ont ceci d’absolument mer­veil­leux : qu’elles se pro­mè­nent tou­tes seu­les.

Ich habe nach nichts an­de­rem ge­strebt als da­nach, dass die Ad­jek­ti­ve kon­ju­giert wer­den, und nach ei­ner Spra­che, in der die Fle­xio­nen die­ses ab­so­lut Wun­der­ba­re ha­ben, dass sie ganz al­lein spa­zie­ren ge­hen.

Ce qu’on ap­pel­le le « monè­me », là au mi­lieu, lui vous pou­vez le chan­ger.

Das, was „Mo­nem“ ge­nannt wird, hier kön­nen Sie es mit­ten­drin än­dern.80

Vous lui fou­tez une pro­non­cia­ti­on chi­noi­se, tout à fait dif­fé­ren­te de la pro­non­cia­ti­on ja­po­nai­se, de sor­te que quand vous êtes en pré­sence d’un ca­rac­tè­re chi­nois, vous avez – si vous êtes in­itié, mais na­tu­rel­le­ment il n’y a que les na­tu­rels qui le savent – vous le pro­non­cez « on-yomi » ou « kun-yomi » se­lon les cas, qui sont tou­jours très pré­cis.

Sie ver­pas­sen ihm eine chi­ne­si­sche Aus­spra­che, völ­lig an­ders als die ja­pa­ni­sche Aus­spra­che, was so aus­sieht, dass Sie, wenn Sie mit ei­nem chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen kon­fron­tiert sind, dann ha­ben Sie – falls Sie ein­ge­weiht sind, aber na­tür­lich wis­sen das nur die Ein­hei­mi­schen –, dann spre­chen Sie es On-Yomi [chi­ne­sisch] oder Kun-Yomi [ja­pa­nisch] aus, ab­hän­gig von den je­wei­li­gen Be­din­gun­gen, die im­mer sehr prä­zi­se sind.

Et pour le type qui ar­ri­ve là com­me moi, pas ques­ti­on de sa­voir le­quel des deux il faut choi­sir

Und für ei­nen Ty­pen, der so wie ich da­hin ge­langt, gibt es kei­ne Chan­ce zu wis­sen, wel­che von bei­den er wäh­len muss.

En plus, vous pou­vez avoir deux ca­rac­tè­res chi­nois; si vous les pro­non­cez « kun-yomi », c’est-à-dire à la ja­po­nai­se, vous êtes ab­so­lu­ment hors d’état de dire au­quel de ces ca­rac­tè­res chi­nois ap­par­ti­ent la pre­miè­re syl­la­be de ce que vous di­tes, et au­quel ap­par­ti­ent la der­niè­re, cel­le du mi­lieu bien sûr en­core bien mo­ins n’est-ce pas, c’est l’ensemble des deux ca­rac­tè­res chi­nois qui vous dic­te la pro­non­cia­ti­on ja­po­nai­se à plu­sieurs syl­la­bes, qu’on en­tend elle par­fai­te­ment, pro­non­cia­ti­on qui répond aux deux ca­rac­tè­res à la fois.

Mehr noch, Sie kön­nen zwei chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen ha­ben; wenn Sie sie Kun-Yomi aus­spre­chen, d.h. auf Ja­pa­nisch, sind Sie ab­so­lut nicht in der Lage zu sa­gen, zu wel­chem die­ser chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen die ers­te Sil­be des­sen, was Sie sa­gen, ge­hört und zu wel­chem die letz­te ge­hört, und die in der Mit­te noch we­ni­ger, nicht wahr; es sind die bei­den chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen zu­sam­men, die Ih­nen die mehr­sil­bi­ge ja­pa­ni­sche Aus­spra­che dik­tie­ren, die man voll­kom­men ver­steht, eine Aus­spra­che, die auf bei­de Schrift­zei­chen gleich­zei­tig ant­wor­tet.

Car ne vous ima­gi­nez pas, sous pré­tex­te qu’un ca­rac­tè­re chi­nois ça cor­re­spond en princi­pe à une syl­la­be, quand vous le pro­non­cez à la chi­noi­se : « on-yomi », si vous le li­sez à la ja­po­nai­se, | [92] on ne voit en ef­fet pas pour­quoi cet­te re­pré­sen­ta­ti­on de mots on se cro­irait ob­li­gé de la dé­com­po­ser en syl­la­bes.

Denn stel­len Sie sich nicht vor, mit der Be­grün­dung, dass ein chi­ne­si­sches Schrift­zei­chen, wenn Sie es chi­ne­sisch aus­spre­chen, On-Yomi, im Prin­zip ei­ner Sil­be ent­spricht,  dann sieht man wirk­lich nicht, wenn sie es ja­pa­nisch le­sen, war­um man sich für ver­pflich­tet hiel­te, die­se Wort­vor­stel­lung in Sil­ben zu zer­le­gen.

En­fin, ça vous en ap­prend beau­coup.

Nun, dar­aus kön­nen Sie viel ler­nen.

Ça vous ap­prend beau­coup sur ceci : que la lan­gue ja­po­nai­se elle s’est nour­rie de son éc­ri­tu­re.

Dar­aus ler­nen Sie viel dar­über, dass die ja­pa­ni­sche Spra­che sich von ih­rer Schrift ge­nährt hat.

Elle s’est nour­rie en quoi ?

Sie hat sich wie ge­nährt?

Au tit­re lin­gu­is­tique bien sûr, c’est-à-dire au point où la lin­gu­is­tique att­eint la lan­gue, c’est-à-dire tou­jours dans l’écrit.

Lin­gu­is­tisch na­tür­lich, das heißt an dem Punkt, wo die Lin­gu­is­tik die Spra­che be­ein­flusst, das heißt im­mer im Ge­schrie­be­nen.

Par­ce qu’il faut bien vous dire que na­tu­rel­le­ment, que ceci qui sau­te aux yeux, c’est que si M. de Saus­su­re s’est trou­vé re­la­ti­ve­ment en état de qua­li­fier d’« ar­bi­trai­res » les si­gni­fi­ants, c’est uni­que­ment en rai­son de ceci : qu’il s’agissait de fi­gu­ra­ti­ons écri­tes.

Denn es muss Ih­nen ja ge­sagt wer­den, dass na­tür­lich, dass in die Au­gen springt, dass Mon­sieur de Saus­su­re ein­zig des­halb an­nä­he­rungs­wei­se in der Lage war, die Si­gni­fi­kan­ten als ar­bi­trär zu be­zeich­nen, weil es sich um ge­schrie­be­ne Fi­gu­ra­tio­nen han­del­te.

saussure-diagramm-signifie-signifiant

Saus­su­res Quer­strich

Com­ment est-ce qu’il au­rait pu fai­re sa pe­ti­te bar­re avec les trucs du des­sous et les trucs du des­sus, dont j’ai suf­fi­sam­ment usé et ab­u­sé, s’il y avait pas d’écriture ?

Wie hät­te er sei­nen klei­nen Quer­strich (bar­re) ma­chen kön­nen mit den Sa­chen dar­un­ter und den Sa­chen dar­über, die ich hin­rei­chend ge­braucht und miss­braucht habe, wenn es kei­ne Schrift ge­ge­ben hät­te?81

Tout ceci pour vous rap­pe­ler que quand je dis qu’il y a pas de mé­tal­an­ga­ge, ça sau­te aux yeux.

All dies, um Sie dar­an zu er­in­nern, dass, wenn ich sage, dass es kei­ne Met­a­spra­che gibt, dass das ins Auge springt.

Il suf­fit que je vous fas­se une dé­mons­tra­ti­on ma­t­hé­ma­tique, vous ver­rez bien que je suis for­cé de dis­cour­ir des­sus par­ce que c’est un écrit, sans ça ça ne pas­se­rait pas.

Ich brau­che Ih­nen nur ei­nen ma­the­ma­ti­schen Be­weis vor­zu­füh­ren, da­mit Sie se­hen, dass ich ge­zwun­gen bin, dar­über zu schwat­zen, denn das ist et­was Ge­schrie­be­nes, und ohne das wür­de es nicht rü­ber­kom­men.

Si j’en par­le, c’est pas du tout du mé­tal­an­ga­ge.

Wenn ich dar­über spre­che, ist das kei­nes­wegs Met­a­spra­che.

Ce qu’on ap­pel­le, ce que les ma­t­hé­ma­ti­ci­ens eux-mê­mes, quand ils ex­po­sent une théo­rie lo­gi­que, ap­pel­lent le dis­cours, le dis­cours com­mun, le dis­cours or­dinaire, c’est la fonc­tion de la pa­ro­le, en tant que bien sûr elle s’applique, non pas d’une fa­çon tout à fait il­li­mitée, in­di­sci­pli­née, c’est ce que j’ai ap­pelé tout à l’heure « dé­mon­trer », bien sûr, mais le lan­ga­ge c’est là ce dont il s’agit, l’écriture est ce dont il s’agit, ce dont on par­le.

Das, was man als Rede be­zeich­net, was die Ma­the­ma­ti­ker selbst, wenn Sie eine lo­gi­sche Theo­rie er­läu­tern, als Rede be­zeich­nen, als all­ge­mei­ne Rede, als ge­wöhn­li­che Rede, das ist die Funk­ti­on des Spre­chens, in­so­fern es an­gew­na­tür­lich nicht auf völ­lig un­be­grenz­te, un­dis­zi­pli­nier­te Wei­se, das ist das, was ich eben „be­wei­sen“ ge­nannt habe, aber die Spra­che ist hier das, wor­um es geht82, die Schrift ist das, wor­um es geht, das, wor­über ge­spro­chen wird.

Il n’y a au­cun mé­tal­an­ga­ge en ce sens où on ne par­le ja­mais du lan­ga­ge qu’à par­tir de l’écriture.

Es gibt in dem Sin­ne kei­ne Met­a­spra­che, dass man über die Spra­che im­mer nur aus­ge­hend von der Schrift spricht.

Alors je vous dis tout ça, tout ça je dois dire que moi ça ne me fa­ti­gue pas, quoi­que si vous vou­lez, ça me fa­ti­gue quand même un peu.

Nun ja, ich sage Ih­nen all das – ich muss sa­gen, all das er­mü­det mich nicht, aber wenn Sie wol­len, er­mü­det mich das trotz­dem ein biss­chen.

Vous m’en cro­irez si vous vou­lez, ce que je me suis dit ce ma­tin en me ré­veil­lant.

Wenn Sie wol­len, wer­den Sie mir glau­ben, was ich mir heu­te früh ge­sagt habe, als ich auf­wach­te.

Après avoir lu Ma­de­lei­ne Da­vid jusqu’à une heu­re – je me suis dit que quand même ce n’était pas ab­so­lu­ment pour rien que mes « Écrits » com­mençai­ent par « le sé­min­aire sur La Lett­re vo­lée ».

Nach­dem ich bis um eins Ma­de­lei­ne Da­vid ge­le­sen hat­te, habe ich mir ge­sagt, dass es im­mer­hin ab­so­lut nicht ohne Grund war, dass mei­ne Schrif­ten mit Le Sé­min­aire sur „La Lett­re vo­lée“ be­gon­nen ha­ben, mit dem Se­mi­nar über den „Ent­wen­de­ten Brief“.

La lett­re, c’est pris là dans un aut­re sens que ce­lui de « L’instance de la lett­re dans l’inconscient » : la lett­re, l’épistole.

La lett­re wird hier in ei­nem an­de­ren Sinn auf­ge­fasst als in L’instance de la lett­re dans l’inconscient (Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten), näm­lich in dem des Briefs.

[93] Je suis pas frais, je me suis cou­ché tard, après mi­nuit, en­fin Glo­ria vous té­moi­g­ne­ra que je me suis tapé de 8 heu­res à 9 heu­res et de­mie la relec­tu­re du sé­min­aire sur La Lett­re vo­lée.

Ich bin nicht frisch, ich bin spät ins Bett ge­gan­gen, nach Mit­ter­nacht, und Glo­ria83 wird Ih­nen be­zeu­gen, dass ich mich von acht Uhr bis halb zehn mit dem Wie­der­le­sen des Se­mi­nars über den „Ent­wen­de­ten Brief“ her­um­ge­schla­gen habe.

C’est une cho­se qui va­lait la pei­ne, c’est une cho­se un peu as­tu­cieu­se.

Das ist eine Sa­che, die der Mühe wert war, das ist eine Sa­che, die ein biss­chen raf­fi­niert ist.

Je me re­lis ja­mais, mais quand je me re­lis, vous pou­vez pas sa­voir ce que je m’admire ! [Ge­läch­ter]

Ich lese mich nie­mals wie­der, aber wenn ich mich wie­der­le­se, kön­nen Sie sich nicht vor­stel­len, wie ich mich be­wun­de­re. [Ge­läch­ter]

Évi­dem­ment je me suis don­né de la pei­ne, j’avais fait un truc qui était as­sez chi­a­dé, qui était pas mal, qui est pas­sé, qui est pas­sé quand je l’ai fait, je sais plus il y a la date, c’était tou­jours de­vant la… la ca­na­il­le de Sain­te Anne.

Of­fen­kun­dig hat­te ich mir Mühe ge­ge­ben, ich hat­te da eine ziem­lich aus­ge­feil­te Sa­che ver­fasst, die nicht schlecht war, die pas­siert ist, die pas­siert ist –; als ich es ge­macht habe, ich weiß nicht mehr wann, es gibt das Da­tum, da war das im­mer vor der, vor der Ka­nail­le von Sain­te Anne.

En­fin j’ai chi­a­dé ça dans un endroit que je mets à la fin, je suis con­sci­en­cieux : San Ca­scia­no, aux en­vi­rons de Flo­rence, ça m’a bien gâ­ché mes va­can­ces.

Da­nach habe ich es aus­ge­feilt, an ei­nem Ort, den ich ans Ende ge­setzt habe, ich bin ge­wis­sen­haft: San Ca­scia­no, in der Nähe von Flo­renz, das hat mir ziem­lich den Ur­laub ver­dor­ben.

En­fin vous savez j’ai un pen­chant à ça, à gâcher mes va­can­ces.

Na ja, wis­sen Sie, ich habe eine Nei­gung dazu, mir den Ur­laub zu ver­der­ben.

Écou­tez, il est tard n’est-ce pas, et après tout je crois que ça vaut mieux que je vous en par­le la pro­chai­ne fois.

Hö­ren Sie, es ist spät, nicht wahr, und letzt­lich glau­be ich, dass es bes­ser wäre, wenn ich das nächs­te Mal zu Ih­nen dar­über spre­che.

Mais en­fin peut-être – qui sait ? – ça vous ten­te­ra de le lire.

Aber schließ­lich, viel­leicht, wer weiß, wird Sie das dazu an­re­gen, es zu le­sen.

Et mal­gré tout vaud­rait mieux pas vous dire où il faut al­ler tout de sui­te, je vais le fai­re quand même.

Und trotz al­lem wäre es bes­ser, Ih­nen nicht so­fort zu sa­gen, wo­hin man ge­hen muss – ich wer­de es aber den­noch tun.

Je vais le fai­re quand même par­ce que, il y en a qui pour­rai­ent ne pas s’en aper­ce­voir que, à la fin, en par­lant de La Lett­re vo­lée, quand je par­le de ça, la fonc­tion de la lett­re –.

Ich wer­de es den­noch tun, denn es gibt Leu­te, die mög­li­cher­wei­se nicht mit­be­kom­men ha­ben, dass am Ende, wo ich vom ver­lo­re­nen Brief spre­che, wo ich dar­über spre­che, über die Funk­ti­on des Brie­fes –.

Vous vous sou­ve­nez peut-être, cet­te lett­re que la Rei­ne reçoit, vous avez peut-être lu le con­te de Poe en ques­ti­on, la Rei­ne reçoit, c’est une lett­re un peu drô­le, quand même : on ne sau­ra ja­mais ce qu’il y a dedans.

Sie er­in­nern sich viel­leicht, die­ser Brief, den die Kö­ni­gin emp­fängt – viel­leicht ha­ben Sie die be­tref­fen­de Er­zäh­lung von Poe ge­le­sen –, den die Kö­ni­gin emp­fängt, das ist ein Brief, der im­mer­hin ein biss­chen merk­wür­dig ist: Man er­fährt nie, was drin­steht.

C’est jus­tement ça qui est es­sen­tiel : c’est ce qu’on ne sau­ra ja­mais ce qu’il y a dedans. 

Ge­nau das ist das We­sent­li­che, dass man nie er­fährt, was drin­steht.84

Et que même, rien ne cont­re­dit ceci : qu’il n’y a qu’elle qui le sa­che en fin de comp­te.

Und dass so­gar nichts da­ge­gen­spricht, dass sie die ein­zi­ge ist, die es letzt­lich weiß.

D’ailleurs, pour lan­cer la po­li­ce là-des­sus, vous com­pre­nez, il faut quand même que elle ait bien l’idée qu’en au­cun cas ça ne peut don­ner de rens­eig­ne­ments à per­son­ne.

Im Üb­ri­gen, wenn sie die Po­li­zei dar­auf an­setzt, ver­ste­hen Sie, ist es durch­aus not­wen­dig, dass sie die Vor­stel­lung hat, dass das kei­nes­falls ir­gend­je­man­dem Aus­künf­te ge­ben kann.

Il n’y a qu’un truc, c’est qu’il est cer­tain que ça a un sens.

Es gibt nur eine Sa­che, näm­lich dass si­cher ist, dass das ei­nen Sinn hat.85

Et com­me ça vi­ent d’un cer­tain Duc de je-ne-sais-pas-quoi qui s’est adres­sé à elle, si le Roi – son bon Maît­re – met la main là-des­sus, même s’il n’y com­prend rien lui non plus, il se dira : « Quand même ! il y a quel­que cho­se de lou­che ! ».

Und da das von ei­nem ge­wis­sen Her­zog von so­und­so kommt, der sich an sie ge­wandt hat, wenn es dem Kö­nig, ih­rem gu­ten Herrn, in die Hän­de fällt, selbst wenn auch er hier nichts ver­steht, wird er sich sa­gen, „wie auch im­mer, da ist et­was faul“.

Et Dieu sait où ça peut con­du­i­re, je re­g­ret­te les vi­eil­les his­toires que ça fai­sait aut­re­fois, ça con­du­i­sait une Rei­ne à l’échafaud, des mach­ins com­me ça.

Und Gott weiß, wo das hin­füh­ren kann, ich be­dau­re die al­ten Ge­schich­ten, zu de­nen das frü­her ge­führt hat, das brach­te eine Kö­ni­gin aufs Scha­fott, sol­che Sa­chen.

Bon alors.

Also gut.

Là-des­sus, là-des­sus je peux pas vous fai­re le ma­chin que j’ai fait sur ce qu’a fait Poe, sous le tit­re « The pur­loi­ned let­ter », que j’ai tra­du­it com­me ça ap­pro­xi­ma­ti­ve­ment : « La lett­re en souf­fran­ce ».

Dazu, dazu kann ich Ih­nen nicht die Sa­che vor­tra­gen, die ich über das ver­fasst habe, was Poe ver­fasst hat, mit dem Ti­tel The pur­loi­ned let­ter, den ich an­nä­he­rungs­wei­se mit la lett­re en souf­fran­ce über­setzt habe, der un­zu­stell­ba­re Brief,86

Eh bien li­sez ça d’ici la pro­chai­ne fois, hein, par­ce que ça me per­met­t­ra peut-être de con­ti­nu­er à sor­tir, à vous ap­puy­er, ce que vous voy­ez con­ver­ger dans mon dis­cours d’aujourd’hui, de la page 31 des « Écrits », jusqu’à la fin.

Nun ja, le­sen Sie das zum nächs­ten Mal, nicht wahr – denn das wird es mir viel­leicht ge­stat­ten, da­mit fort­zu­fah­ren, das her­aus­zu­brin­gen, um Sie zu un­ter­stüt­zen, was Sie in mei­ner heu­ti­gen Rede kon­ver­gie­ren se­hen, von Sei­te 31 der Écrits bis zum Schluss.87

Ce dont je par­le, en par­lant de ce dont il s’agit, vous avez peut-être va­gue­ment en­ten­du par­ler de l’effet des dé­p­la- | [94] ce­ments de cet­te lett­re, de ses chan­ge­ments de mains. 

Wo­von ich spre­che, wenn ich von dem spre­che, wor­um es geht, Sie ha­ben viel­leicht vage da­von spre­chen ge­hört, wel­che Wir­kung die Ver­schie­bun­gen die­ses Brie­fes ha­ben, sein Wech­sel von Hand zu Hand.

Vous savez, le mi­nist­re l’a bar­bo­tée à la Rei­ne, après quoi Du­pin, Du­pin le gé­nie poïen n’est-ce pas, le futé des fu­tés, qui n’est pas tel­le­ment futé que ça.

Sie wis­sen, der Mi­nis­ter hat ihn der Kö­ni­gin sti­bitzt, wo­nach Du­pin <ein­greift>, Du­pin, das Poe’sche Ge­nie, nicht wahr, der Schlaus­te der Schlau­en, der gar nicht so schlau ist.

Mais Poe lui, est futé, c’est-à-dire que Poe, lui, c’est le nar­ra­teur de l’histoire.

Aber Poe ist schlau, das heißt, dass Poe der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ist.

Je vous pose une pe­ti­te ques­ti­on, là j’ouvre une par­en­t­hè­se : « le nar­ra­teur de l’histoire – ça a une por­tée très gé­né­ra­le – est-il ce­lui qui l’écrit ? »

Ich stel­le Ih­nen eine klei­ne Fra­ge und öff­ne hier eine Klam­mer. Der Er­zäh­ler der Ge­schich­te – das hat eine sehr all­ge­mei­ne Reich­wei­te –, ist er der­je­ni­ge, der sie schreibt?88

Po­sez-vous cet­te ques­ti­on par ex­emp­le en li­sant Proust.

Stel­len Sie sich die­se Fra­ge bei­spiels­wei­se, wenn Sie Proust le­sen.

C’est très né­ces­saire de la po­ser, sans ça vous êtes fou­tus.

Es ist wirk­lich not­wen­dig, sie zu stel­len, denn ohne das sind Sie auf­ge­schmis­sen.

Vous croy­ez que le nar­ra­teur de l’histoire est un simp­le qui­dam com­me ça, un peu asth­ma­tique, et som­me tou­te as­sez con dans ses aven­tures, quoi, il faut bien le dire, quoi !

Sie glau­ben, dass der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ein ein­fa­cher Je­mand ist, ein biss­chen asth­ma­tisch, und al­les in al­lem in sei­nen Aben­teu­ern ziem­lich blöd, nicht wahr, das muss man wohl sa­gen, nicht wahr.

Seu­le­ment vous n’avez pas du tout l’impression quand vous avez pra­ti­qué Proust, que ce soit con du tout.

Je­doch, wenn Sie sich auf Proust ein­ge­las­sen ha­ben, dann ha­ben Sie über­haupt nicht den Ein­druck, dass das in ir­gend­ei­ner Wei­se blöd ist.

Ce n’est pas ce que Proust dit du nar­ra­teur, c’est aut­re cho­se qu’il écrit.

Das liegt nicht an dem, was Proust über den Er­zäh­ler sagt, was er schreibt, ist et­was an­de­res.

En­fin pas­sons.

Nun ja, ge­hen wir wei­ter.

De la page 31 à tel­le page, vous ver­rez quand je par­le de la lett­re, de sa véhi­cu­la­ti­on, de la fa­çon dont le mi­nist­re l’a pri­se à la Rei­ne ou que Du­pin prend le re­lais du mi­nist­re, et de ce qu’il y a com­me con­séquence d’être le dé­ten­teur de cet­te lett­re.

Von Sei­te 31 bis zu ei­ner be­stimm­ten Sei­te, Sie wer­den se­hen, wenn ich vom Brief spre­che, von sei­ner Be­för­de­rung, von der Art, wie der Mi­nis­ter ihn der Kö­ni­gin ge­nom­men hat, oder dass Du­pin den Staf­fel­stab vom Mi­nis­ter über­nimmt, und dar­über, wel­che Fol­gen es hat, der Be­sit­zer (dé­ten­teur) die­ses Brie­fes zu sein.

C’est un drô­le de mot hein ? ça veut peut-être dire « avoir la pos­si­bi­lité de la dé­ten­te »,

Das ist ein ei­gen­ar­ti­ges Wort, nicht wahr, das be­deu­tet viel­leicht, die Mög­lich­keit der dé­ten­te zu ha­ben, der Ent­span­nung.

Cet­te lett­re, vous ver­rez que de cet­te page à cet­te page, ce dont je par­le.

Die­ser Brief, Sie wer­den se­hen, wor­über ich von die­ser bis zu die­ser Sei­te spre­che.

Je suis ce­lui qui l’a écri­te, est-ce que je sa­vais ce que je fai­sais ?

Ich bin der­je­ni­ge, der das ge­schrie­ben hat – wuss­te ich, was ich tat?

Ben, je vous le dirai pas. 

Nun, ich werd’s Ih­nen nicht sa­gen.

Ce dont je par­le, c’est du phal­lus.

Das, wo­von ich spre­che, ist der Phal­lus.

Et je dirai même mieux : per­son­ne n’en a ja­mais mieux par­lé.

Und ich möch­te so­gar mehr sa­gen: Nie hat je­mand bes­ser dar­über ge­spro­chen.

C’est pour ça que je vous prie de vous y re­por­ter, ça vous ap­pren­dra quel­que cho­se.

Des­halb bit­te ich Sie, sich dar­auf zu be­zie­hen, Sie wer­den da­bei et­was ler­nen.

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Anmerkungen

  1. Ab­bil­dung des Gra­phen des Be­geh­rens aus Mil­lers Ver­si­on von Se­mi­nar 18: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007, S. 81.
  2. Die To­po­lo­gie baut auf der Geo­me­trie (und der Men­gen­leh­re) auf; in der eu­kli­di­schen Geo­me­trie ist das Drei­eck die ein­fachs­te Fi­gur in der Ebe­ne, die von ge­ra­den Li­ni­en be­grenzt wird.
  3. La cho­se und l’achose wer­den auf glei­che Wei­se aus­ge­spro­chen.
  4. Die Kas­tra­ti­on ist für La­can die­je­ni­ge Ope­ra­ti­on, die es er­mög­licht, den Ob­jekt­man­gel als Wir­kung des Si­gnif­kan­ten, der Spra­che, zu sym­bo­li­sie­ren.
  5. Ich ver­wen­de hier die Tran­skrip­ti­on von Mil­ler; in Ver­si­on Sta­fer­la fin­det man „la na­ly­se“
  6. Lyse ist die „Ly­sis“, die „Auf­lö­sung“. Là n’a lyse heißt wört­lich „da hat (nicht) Auf­lö­sung“.
  7. Mög­li­cher­wei­se eine An­spie­lung auf den Be­griff der Da­seins­ana­ly­se (Binswan­ger).
  8. Wört­lich: „das Ge­schwätz, das but­tert“
  9. Un­ter „Da­sein“ ver­steht Hei­deg­ger in Sein und Zeit den Men­schen, das Sub­jekt; soll hei­ßen: die Seins­wei­se des Men­schen ist die, „da“ zu sein.
  10. J. La­can: Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“. Über­setzt von Ro­dol­phe Gas­ché. In: Ders.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 7–60, hier: S. 40, Über­set­zung ge­än­dert.
  11. Das grie­chi­sche Wort epochē meint (wie La­can sagt) „Ein­klam­me­rung“. In der Stoa ist da­mit die Ur­teil­sen­hal­tung ge­meint. Husserl ver­wen­det den Aus­druck für die Au­ßer­kraft­set­zung der Vor­an­nah­men über die äu­ße­re Welt und da­mit für die Grund­ope­ra­ti­on der phä­no­me­no­lo­gi­schen Phi­lo­so­phie. Hei­deg­gers Sein und Zeit, in dem der Be­griff des Da­seins ent­wi­ckelt wird, knüpft an Husserl an und da­mit an die phä­no­me­no­lo­gi­sche epochē.
  12. Un­über­setz­ba­res Wort­spiel mit der Laut­ähn­lich­keit von clin in clin d’œil (Au­gen­zwin­kern, Blin­zeln) und Klein in bou­teil­les de Klein (Klein­sche Fla­schen). Mit Zwin­kern oder Blin­zeln ist hier das mehr­ma­li­ge schnel­le Öff­nen und Schlie­ßen des Au­ges ge­meint; durch den Wech­sel von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit wird das Auge zum Ob­jekt a, zum „Blick“, wie La­can sagt (zum Ver­hält­nis von Auge und Blick vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Die Klein­sche Fla­sche dient La­can u.a. dazu, das Ob­jekt a als Ef­fekt der Ein­wir­kung der Spra­che auf das Rea­le dar­zu­stel­len (aus­führ­lich in Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, hat­te er sich erst­mals auf die­ses Ob­jekt be­zo­gen).
    Die nach dem Ma­the­ma­ti­ker Fe­lix Klein be­nann­te Klein­sche Fla­sche ist eine nicht- ori­en­tier­ba­re Flä­che, d.h. eine Flä­che, bei der man, wie bei ei­nem Mö­bi­us­band, kon­ti­nu­ier­lich von der Vor­der­sei­te zur Rück­sei­te über­ge­hen kann, ohne auf eine Kan­te zu sto­ßen; an­ders als das Mö­bi­us­band hat sie kei­nen Rand. Wenn man das zwei­di­men­sio­na­le Ob­jekt Klein­sche Fla­sche in den drei­di­men­sio­na­len Raum ein­bet­tet, führt dies zu ei­ner Selbst­durch­drin­gung; im vier­di­men­sio­na­len Raum ver­schwin­det die Selbst­durch­drin­gung.
  13. La­can be­zieht sich auf das Kon­zept der vier Dis­kur­se, das er im vor­an­ge­hen­den Se­mi­nar ent­wi­ckelt hat­te (Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se). Ei­ner die­ser vier Dis­kur­se ist der Dis­kurs der Uni­ver­si­tät. Eine „Re­vo­lu­ti­on“ (wört­lich „Um­wäl­zung“) be­steht für La­can in der Ro­ta­ti­ons­be­we­gung, durch die eine Dis­kurs­art in eine an­de­re über­führt wird.
  14. Die­se Be­mer­kung be­zieht sich auf Jac­ques Der­ri­da: De la gram­ma­to­lo­gie. Mi­nuit, Pa­ris 1968; dt.: Gram­ma­to­lo­gie. Über­setzt von Hans-Jörg Rhein­ber­ger und Hanns Zisch­ler. Suhr­kamp, Frank­furt am Mein 1983.
  15. Der Ge­gen­satz von „lee­rem“ und „vol­lem Spre­chen“ wird ein­ge­führt in La­cans Auf­sat­ze Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se (Vor­trag von 1953, ver­öf­fent­licht 1956), über­setzt von Klaus La­er­mann, in: Ders.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169, der ers­te Teil die­ses Auf­sat­zes hat den Ti­tel „Lee­res Spre­chen und vol­les Spre­chen in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Dar­stel­lung des Sub­jekts“ (a.a.O., S. 84).
  16. In den Se­mi­na­ren hat­te La­can den Be­griff „vol­les Spre­chen“ (mit Aus­nah­me von Se­mi­nar 4) bis zu Se­mi­nar 6 (1958/59) ver­wen­det und da­nach noch zwei­mal: ein­mal in Se­mi­nar 13 (5. Ja­nu­ar 1966) und ein wei­te­res Mal in Se­mi­nar 16: (13. No­vem­ber 1968).
    In den von La­can ver­öf­fent­lich­ten Tex­ten er­scheint der Aus­druck „pa­ro­le plei­ne“, au­ßer in Funk­ti­on und Feld des Spre­chens, in:  
    Ant­wort auf den Kom­men­tar von Jean Hip­po­ly­te über die „Ver­nei­nung“ von Freud (ge­schrie­ben 1956). Über­setzt von Ur­su­la Rütt-Förs­ter. In: J. La­can: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten 1980, S. 201–219, hier: 201
    Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht (ge­schrie­ben 1960). In: J. La­can: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 139. 
    Mau­rice Mer­leau-Pon­ty (ge­schrie­ben 1961). Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag Ol­ten 1980, S. 237–249, hier: S. 245.
  17. Den Aus­druck l’achose ver­wen­det La­can zu­erst im Jahr 1970. Vgl. Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 20. Mai 1970 (Ver­si­on Mil­ler S. 186) so­wie Ra­dio­pho­nie, ein Ra­dio-In­ter­view des­sel­ben Jah­res (J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J. La­can: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 5–54, hier: S. 8).
  18. Dies ist in der of­fi­zi­el­len Zäh­lung das acht­zehn­te Se­mi­nar. In den bei­den Jah­ren da­vor hat­te La­can zwei Se­mi­na­re in klei­ne­rem Krei­se ab­ge­hal­ten, die nicht ste­no­gra­fiert wor­den sind – gibt zwan­zig.
  19. La­can ver­öf­fent­lich­te die Schrif­ten auf­grund der In­itia­ti­ve von François Wahl, dem für die Hu­man­wis­sen­schaf­ten ver­ant­wort­li­chen Lek­tor des Seuil-Ver­lags und ein frü­he­rer Pa­ti­ent von La­can (vgl. Eli­sa­beth Rou­di­nes­co. Jac­ques La­can. Be­richt über ein Le­ben, Ge­schich­te ei­nes Denk­sys­tems. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Kie­pen­heu­er und Witsch, Köln 1996,  Sieb­ter Teil, Ka­pi­tel III: „Die Écrits, Por­trät ei­nes Her­aus­ge­bers“).
    Mit dem Hin­weis auf sei­ne Un­fä­hig­keit, sich Psy­cho­ana­ly­ti­kern ver­ständ­lich zu ma­chen, be­zieht La­can sich ver­mut­lich auf den Ent­zug der Er­laub­nis, als Lehr­ana­ly­ti­ker tä­tig zu sein, durch die So­cié­té françai­se de psy­chana­ly­se Ende 1963.
  20. La­can be­zieht sich auf sei­ne Dar­stel­lung des Dis­kur­ses des Ana­ly­ti­kers in Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se.
  21. La­can hielt die ers­ten zehn Se­mi­na­re am Sain­te-Anne-Kran­ken­haus in Pa­ris.
  22. Heißt das „mehr als fünf“ oder „nie­mand“?
  23. Rond de bras (Arm­kreis) und rond de jam­be (Bein­kreis) sind Fach­be­grif­fe des Bal­letts.
  24. Das be­zieht sich auf Jac­ques-Alain Mil­ler, der für La­cans Écrits ei­nen An­hang ver­fasst hat, zu dem ein sys­te­ma­ti­sches Ver­zeich­nis der Haupt­be­grif­fe ge­hört so­wie ein Kom­men­tar zu den gra­phi­schen Dar­stel­lun­gen (vgl. J. La­can: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 442–474).
  25. Bitu­re oder bit­tu­re ist der durch­hän­gen­de Teil der An­ker­ket­te vom Schiffs­deck bis zum An­ker­grund. Die um­gangs­sprach­li­che Wen­dung prend­re une bitu­re (wört­lich „eine An­ker­ket­te neh­men“) meint „sich ei­nen an­sau­fen“ (ist die Ver­bin­dung „sich ei­nen Durch­hän­ger ver­schaf­fen“?). Von da­her hat bitu­re auch die Be­deu­tung von „Suff“ im Sin­ne der Be­trun­ken­heit.
  26. Vgl. J. La­can: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 355.
    Den so­ge­nann­ten Gra­phen des Be­geh­rens hat­te La­can zu­nächst in Se­mi­nar 5 und Se­mi­nar 6 ent­wi­ckelt.
    Eine Er­läu­te­rung des Gra­phen fin­det man in die­sem Blog­bei­trag.
  27. Ab­bil­dung des ver­ein­fach­ten Gra­phen des Be­geh­rens aus Mil­lers Ver­si­on von Se­mi­nar 18, a.a.O., S. 81.
  28. Schnitt­punkt A be­zeich­net den „Ort des The­sau­rus [tré­sor]  des Si­gni­fi­kan­ten“, heißt es in Sub­ver­si­on des Sub­jekts (a.a.O., S. 341), also der Ort des „Si­gni­fi­kan­ten­schat­zes“ (in Ana­lo­gie zu „Wort­schatz“).
  29. Es gibt zwei Ana­ly­ti­ken von Aris­to­te­les, die „Ers­te Ana­ly­tik“ (gr. Ana­ly­ti­ka pro­te­ra, lat. Ana­ly­ti­ca prio­ra), auch „Leh­re vom lo­gi­schen Schluss“ ge­nannt, so­wie die „Zwei­te Ana­ly­tik“ (gr. Ana­ly­ti­ka hys­te­ra, lat. Ana­ly­ti­ca pos­te­rio­ra), die auch „Leh­re vom Be­weis“ heißt. La­can meint hier aber spe­zi­ell die Ers­te Ana­ly­tik, wie in der Sit­zung vom 19. Mai 1971 deut­lich wer­den wird, es geht spe­zi­ell um den Syl­lo­gis­mus.
  30. Les nor­mes (die Nor­men) und l’énorme (das Enor­me) sind laut­gleich.
  31. Ja­mes G. Fé­vri­er: His­toire de l’écriture. Payot, Pa­ris 1948, gänz­lich über­ar­bei­te­te Auf­la­ge Payot 1959.
  32. Da­mit wech­selt La­can von der To­po­lo­gie als ei­ner nicht-eu­kli­di­schen Geo­me­trie zur eu­kli­di­schen Geo­me­trie.
  33. Ge­meint ist die Gleich­heit zwei­er Drei­ecke.
  34. Die me­tri­sche Su­per­po­si­ti­on be­steht ge­wis­ser­ma­ßen dar­in, dass man eine Ko­pie des Drei­ecks her­stellt, das zwei­te Drei­eck aus­schnei­det und das ers­te Drei­eck da­mit ab­deckt. Für La­can heißt das ver­mut­lich, dass die Su­per­po­si­ti­on zum ima­gi­nä­ren Re­gis­ter ge­hört, nicht zum sym­bo­li­schen.
  35. Auf der Au­dio­auf­nah­me ist „l’écrit“ gut zu hö­ren; Mil­ler än­dert zu „l’écart“.
  36. Ge­meint sind die bei­den Win­kel, die dem Win­kel ge­gen­über­lie­gen, der durch die bei­den glei­chen Schen­kel ge­bil­det wird.
  37. Pos­tu­lat“ ist ein Be­griff der Geo­me­trie von Eu­klid.
  38. Auch „De­fi­ini­ti­on“ ist ein Be­griff von Eu­klid.
  39. Cro­chet“ (wört­lich „Ha­ken“, hier mit „Schluss da­mit!“ über­setzt) ist mög­li­cher­wei­se eine An­spie­lung auf Sen­dun­gen vom Typ ra­dio-cro­chet bzw. télé-cro­chet, Ge­sangs­wett­be­wer­ben im Ra­dio bzw. im Fern­se­hen. Bei der ers­ten Sen­dung die­ses Typs, Le Cro­chet ra­dio­pho­ni­que in den 1930er Jah­ren, wur­den die Kan­di­da­ten sym­bo­lisch an Ha­ken auf­ge­hängt. Der Aus­druck Ra­dio-cro­chet wur­de durch den US-Film Mil­li­ons in the Air (1935) po­pu­la­ri­siert, der in Frank­reich un­ter dem Ti­tel Ra­dio-Cro­chet ver­trie­ben wur­de. Die Wör­ter en­re­gis­trer (auf­zeich­nen, re­gis­trie­ren) und au­di­teur (Zu­hö­rer) wei­sen in die­se Rich­tung.
  40. Da­mit könn­te ge­meint sein: Bei ei­nem gleich­schenk­li­gen Drei­eck gibt es den Win­kel zwi­schen den bei­den gleich­lan­gen Schen­keln und die bei­den ge­gen­über­lie­gen­den Win­kel; die ge­gen­über­lie­gen­den Win­kel sind gleich. Ihre Gleich­heit ist nur ein Pos­tu­lat, eine For­de­rung, sie nö­tigt sich nicht al­lein schon durch die Zeich­nung auf – die ge­zeich­ne­ten Win­kel sind im­mer un­gleich. Die­ses The­ma be­schäf­tigt Pla­ton, bei­spiels­wei­se im Sieb­ten Brief am Bei­spiel des Krei­ses (342a–343e).
  41. Viel­leicht in­so­fern, als qua­li­ta­ti­ve Da­ten schrift­lich auf­ge­zeich­net wer­den müs­sen und als quan­ti­ta­ti­ve Da­ten ge­mes­sen wer­den müs­sen, was be­reits zwei For­men des Ge­schrie­be­nen vor­aus­setzt: die der Mes­sung und die der Auf­zeich­nung.
  42. An­spie­lung auf den An­fang des Jo­han­nes­evan­ge­li­ums: „Am An­fang war das Wort.“ (Jo­han­nes 1, 1). Hier­auf hat­te La­can sich be­reits in der Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar 1971 be­zo­gen.
  43. Das grie­chi­sche Wort aiōn wird meist mit „Ewig­keit“ oder „Zeit­al­ter“ über­setzt.
    La­can spielt hier auf den Ge­gen­sagtz von „Zeit“ und „Ewig­keit“ an (ein The­ma von Ko­jè­ves Kom­men­tar zu He­gels Phän­me­no­lo­gie des Geis­tes).
    Da­bei spielt er auf eine Wen­dung im Neu­en Tes­ta­ment an, im Brief des Pau­lus an die Ephe­ser (3, 21). Die grie­chi­sche Wen­dung lau­tet eis tous aio­nas ton aiōnōn, die Vul­ga­ta über­setzt mit in sae­cu­la sae­culo­rum, die Lu­ther-Über­set­zung von 2017 hat „von Ewig­keit zu Ewig­keit“.
  44. Was heißt „ils ai­ent plus près que nous“? Bei der Über­set­zung muss­te ich ra­ten, den Sinn ver­ste­he ich nicht.
  45. Den Aus­druck ha­bi­tat (den ich mit „Wohn­statt“ über­setzt habe) ver­wen­det La­can hier zum ers­ten Mal in die­sem Se­mi­nar; in frü­he­ren Sit­zun­gen war die Rede von der dem­an­si­on des Spre­chens (Sit­zun­gen vom 20. Ja­nu­ar und vom 17. Fe­bru­ar 1971.
  46. Ge­meint ist der Bio­lo­ge François Ja­cob, der 1965 den No­bel­preis in Me­di­zin er­hal­ten hat­te (zu­sam­men mit Jac­ques Mo­nod und An­dré Lwoff). Auf Ja­cobs Stu­die über die Se­xua­li­tät der Bak­te­ri­en hat­te La­can sich be­reits in der zwei­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars be­zo­gen, ohne ihn als Au­tor zu nen­nen (Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971; Elie Woll­man und François Ja­cob: La se­xua­lité des bac­te­ries. Édi­ti­ons Mas­son, Pa­ris 1959). In Se­mi­nar 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, wird La­can sich aus­drück­lich auf die­se Ar­beit be­zie­hen, ge­nau­er, auf die eng­li­sche Über­set­zung (Se­xua­li­ty and the ge­ne­tics of bac­te­ria. Aca­de­mic press, New York 1961) (vgl. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 23. April 1974).
    Ver­mut­lich  spielt La­can mit die­ser For­mu­lie­rung auf den Be­griff des Da­seins an.
  47. Sper­ma­to als Sub­stan­tiv ist ein Neo­lo­gis­mus von La­can. Er trennt das Prä­fix sper­ma­to– (Sa­men-) von  sper­ma­to­zoïde  (Sper­ma­to­zoon) ab und ver­wen­det es als Sub­stan­tiv.
  48. In dem Vor­trag Die Drit­te (1974) wird La­can sa­gen:
    „Trotz al­lem könn­te das Rea­le durch­aus au­ßer Kon­trol­le ge­ra­ten, vor al­lem seit es den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs als Stüt­ze hat. Das ist so­gar eine der Ver­fah­rens­we­sen des­sen, was man Sci­ence-Fic­tion nennt, wor­über ich sa­gen muss, dass ich das nie lese, aber in den Ana­ly­sen wird mir oft er­zählt, was drin steht, das kann man sich nicht vor­stel­len: die Eu­ge­nik, die Eu­tha­na­sie, kurz, alle Ar­ten von ver­schie­de­nen Eu-Scher­zen.“ (Jac­ques La­can: Die Drit­te. Über­setzt von Rolf Nemitz, nach der Tran­skrip­ti­on auf der Web­site von Pa­trick Valas. In: Web­site „La­can ent­zif­fern“, 6.10. 2016,
    URL: http://lacan-entziffern.de/reales/jacques-lacan-die-dritte-uebersetzung/, ab­ge­ru­fen am 31.10.2016)
    Mög­li­cher­wei­se will La­can auch hier ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem „Schrei­ben des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses“ und der Eu­ge­nik an­deu­ten.
  49. Mil­ler hat hier „ca­fés“ statt „car­tels“; die Au­dio­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung.
  50. Vgl. J. La­can: An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Lag­a­che „Psy­cho­ana­ly­se und Struk­tur der Per­sön­lich­keit“. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 146–191, hier: S. 189.
  51. Mit car­tel be­zeich­net La­can die Ar­beits­grup­pen der von ihm ge­grün­de­ten Éco­le freu­dien­ne de Pa­ris. Sie sol­len drei bis fünf Mit­glie­der ha­ben, im Ide­al­fall vier, au­ßer­dem ei­nen Grup­pen­lei­ter. Im Alt­fran­zö­si­schen meint car­tel „vier“. Die Be­zeich­nung spielt ver­mut­lich au­ßer­dem auf car­tel im Sin­ne ei­nes Her­aus­for­de­rungs­briefs an so­wie auf car­tel in dem Sin­ne, den das Wort auch im Deut­schen hat, also der Über­ein­kunft, auf Kon­kur­renz zu ver­zich­ten.
  52. Die Stel­le lau­tet so: „Die Funk­ti­on Φ des ver­lo­re­nen Si­gni­fi­kan­ten, wo­für das Sub­jekt sei­nen Phal­lus op­fert, die Form Φ(a) des männ­li­chen Be­geh­rens, Ⱥ(φ) des Be­geh­rens er Frau, füh­ren uns zu die­sem Ende der Ana­ly­se, de­ren Apo­rie Freud uns in der Kas­tra­ti­on hin­ter­las­sen hat.“ (A.a.O., S. 189)
  53. Ge­meint ist New­tons Gra­vi­ta­ti­ons­glei­chung \text F = \gamma \frac {\text m _1 \text m _2}{\text r^2}.
    Die Gra­vi­ta­ti­ons­kraft F, wel­che zwei Mas­sen m1 und m2 auf­ein­an­der aus­üben, ist pro­por­tio­nal zum Pro­dukt der bei­den Mas­sen und um­ge­kehrt pro­por­tio­nal zum Qua­drat des Ab­stands ih­rer Schwer­punk­te, r. Der Aus­druck γ (gam­ma) ist eine Gra­vi­ta­ti­ons­kon­stan­te.
  54. Un­ter „Fel­dern“ ver­steht La­can hier die vier grund­le­gen­den Wech­sel­wir­kun­gen: Gra­via­ti­on, Elek­tro­ma­gne­tis­mus, star­ke Wech­sel­wir­kung (oder star­ke Kern­kraft) und schwa­che Wech­sel­wir­kung (oder schwa­che Kern­kraft). Drei die­ser Wech­sel­wir­kun­gen (Elek­tro­ma­gne­tis­mus, star­ke und schwa­che Wech­sel­wir­kung) kön­nen durch Quan­ten­feld­theo­ri­en er­klärt wer­den, nicht je­doch die Gra­vi­ta­ti­on.
  55. L’écriture et la psy­cho­lo­gie des peu­ples. XXIIè­me se­mai­ne de syn­t­hè­se. Ar­mand Co­lin, Pa­ris 1963.
    In der Gram­ma­to­lo­gie be­zeich­net Der­ri­da die­sen Text als wich­ti­ge An­re­gung (a.a.O., S. 7, Fn. 1).
  56. Al­fred Mé­traux: Les pri­mi­tifs. Si­gnaux et sym­bo­les, a.a.O., S. 9–19.
  57. Der Satz ist ver­wir­rend. La­can sagt: ‚Ih­nen kommt in den Sinn, dass die Schrift nicht aus Wort-Re­prä­sen­ta­tio­nen be­steht.‘ Er meint je­doch das Ge­gen­teil, näm­lich dass man nach der Lek­tü­re auf den Ge­dan­ken kommt, dass die Schrift duch­aus aus Wort-Re­prä­sen­ta­tio­nen be­steht.
  58. Vgl. etwa S. Freud: Das Un­be­wuss­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 119–173, hier: S. 159–162.
  59. An­ders ge­sagt: das Ideo­gramm funk­tio­niert als Wort­vor­stel­lung, es re­prä­sen­tiert ein be­stimm­tes Wort.
  60. Xu Shen, ge­stor­ben 120 n. Chr., ver­fass­te das Shuo­wen jie­zi, das ers­te Zei­chen­le­xi­kon der chi­ne­si­schen Schrift.
  61. Wenn man wie Xu Shen an­nimmt, dass die Zei­chen der Sa­che ähn­lich sind, ist das nicht ein­fach Un­sinn, es ver­fehlt je­doch die Haupt­sa­che.
  62. Ge­meint ist das Schrift­zei­chen, wie aus ei­ner spä­te­ren Be­mer­kung her­vor­geht.
  63. Tchou (oder Zhou): Zhou-Dy­nas­tie, 11. Jh. v. Chr. bis 256 v. Chr. Die Zhou-Dy­nas­tie wird in zwei Pe­ri­oden un­ter­teilt, die frü­hen west­li­chen Zhou (11. Jh. bis 771 v. Chr.) und die spä­ten öst­li­chen Zhou (770–256 v. Chr.).
    Ts’in (oder Qin): Qin-Dy­nas­tie, 221–207 v.Chr.
    Nach dem Hin­ab­stei­gens ins Tchou be­wegt sich La­can also in Rich­tung Ge­gen­wart.
  64. Der ers­te Kai­ser von Chi­na, Qin Shi­huang­di (259–210 v.Chr.), ließ im Jah­re 213 v.Chr. Bü­cher ver­bren­nen, vor al­lem sol­che des Kon­fu­zia­nis­mus.
  65. Die Qin-Dy­nas­tie dau­er­te von 221 bis 207 v.Chr.
  66. Grie­chisch ka­l­a­mos, la­tei­nisch ca­la­mus: Schreib­rohr.
    Of­fen­bar will La­can an­deu­ten, dass die un­ter­schied­li­chen For­men der chi­ne­si­schen Schrift mit den un­ter­schied­li­chen Ar­ten der Schreib­ge­rä­te zu tun ha­ben.
  67. Ich fol­ge hier Ver­si­on Mil­ler; in Ver­si­on Sta­fer­la fin­det man hier wen (statt ren) und das Schrift­zei­chen文.
  68. Die vier Töne sind ein Cha­rak­te­ris­ti­kum des Hoch­chi­ne­si­schen, der of­fi­zi­el­len Spra­che der Volks­re­pu­blik Chi­na.
  69. Mög­li­cher­wei­se Jen­ny Au­bry.
  70. Non­sen­se wird von La­can hier eng­lisch aus­ge­spro­chen.
  71. pou­bel­li­qués, ein von La­can ge­bil­de­tes Kof­fer­wort aus pu­bliés (ver­öf­fent­licht) und pou­bel­le (Ab­fall­ei­mer).
  72. Vgl. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 280 f., 398.
  73. Mil­ler: „Je sais pas pour­quoi je vous dis ça, par­ce  que c’est un examp­le où je dé­voi­le un de mes pa­ti­ens.“ (Ich weiß nicht, war­um ich Ih­nen das sage, denn das ist ein Bei­spiel, mit dem ich  ei­nen mei­ner Pa­ti­en­ten bloß­stel­le.) Die Au­diouf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung.
  74. Vgl. S. Freud: Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens (1904). In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke, chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Band 4. Ima­go, Lon­don 1947.
  75. Mit dem Hin­weis auf den Schrift­cha­rak­ter der Pro­gram­mie­rung spielt La­can viel­leicht auf eine Be­mer­kng von Der­ri­da an. Im ers­ten Ka­pi­tel der Gram­ma­to­lo­gie heißt es:
    „Im Hin­blick auf die ele­men­tars­ten In­for­ma­ti­ons­pro­zes­se in der le­ben­den Zel­le spricht auch der Bio­lo­ge heu­te von Schrift und Pro­gramm. Und end­lich wird der gan­ze, vom ky­ber­ne­ti­schen Pro­gramm ein­ge­nom­me­ne Be­reich – ob ihm nun we­sens­mä­ßig Gren­zen ge­setzt sind oder nicht – ein Be­reich der Schrift sein.“ (A.a.O., S. 21)
  76. Lap­sus ca­la­mi ist der la­tei­ni­sche Aus­druck für „Schreib­feh­ler“, „Schreib­ver­se­hen“ (ca­la­mus ist das Schreib­rohr); lap­sus lin­guae meint Sprach­feh­ler“.
  77. Im Ae­sop-Ro­man – ei­nem an­ti­ken Ro­man über den Dich­ter Ae­sop – wird er­zählt, dass der Skla­ve Ae­sop von sei­nem Herrn auf­ge­for­dert wur­de, zu­nächst das bes­te und dann das schlech­tes­te Ge­richt auf­zu­ti­schen. Bei­de Male ser­vier­te er Zun­ge (griech. glōs­sa, lat. lin­gua), mit der Be­grün­dung, die Spra­che (eben­falls glōs­sa bzw. lin­gua) sei zu­gleich das Bes­te und das Schlech­tes­te.
  78. Mög­li­cher­wei­se im Sinn von: „Es wird nicht gern ge­se­hen, dass man sich so aus­führ­lich in­for­miert.
  79. Der ge­naue Ti­tel ist: Ma­de­lei­ne V.-David: Le Dé­bat sur les éc­ri­tures et l’hiéroglyphe aux XVI­Ie et XVIIIe siè­cles et l’application de la no­ti­on de dé­chif­fre­ment aux éc­ri­tures mor­tes. Bi­blio­t­hèque gé­né­ra­le de l’École pra­tique des Hau­tes étu­des. VIè­me sec­tion. S.E.V.P.E.N., Pa­ris 1965.
    Auch auf die­ser Ar­beit hat­te Der­ri­da in der Gram­ma­to­lo­gie als An­re­gung hin­ge­wie­sen (a.a.O., S. 7, Fn. 1).
  80. Mo­nem“ ist der Ter­mi­nus des fran­zö­si­schen Sprach­wis­sen­schaft­lers An­dré Mar­ti­net für die kleins­te be­deu­tungs­tra­gen­de Ein­heit, also für das Ge­bil­de, das im Deut­schen meist„Morphem“ ge­nannt wird.
  81. Der Quer­strich (bar­re) ist der waa­ge­rech­te Strich zwi­schen Si­gni­fi­kat und Si­gni­fi­kant in Saus­su­res Dar­stel­lung des Zei­chens.
    In Das Drän­gen des Buch­sta­bens hat­te La­can die­sen Strich als Sper­re ge­deu­tet, die das Si­gni­fi­kat in der Ver­drän­gung hält.
    Ne­ben­ste­hen­des Dia­gramm aus: Fer­di­nand de Saus­su­re: Cours de la lin­gu­is­tique gé­né­ra­le. Hg. v. Charles Bail­ly und Al­bert Seche­haye. Payot, Lau­sanne 1916, S. 158.
  82. Die Rede von der Spra­che ist mög­li­cher­wei­se ein Ver­spre­cher, der an­schlie­ßend durch „Schrift“ kor­ri­giert wird.
  83. Glo­ria Gon­za­lez-Yero­dia, La­cans Se­kre­tä­rin.
  84. Vgl. Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“, a.a.O., S. 26.
  85. Im Poe-Auf­satz wird der Brief als „rei­ner Si­gni­fi­kant“ (pur si­gni­fi­ant) be­zeich­net (a.a.O., S. 14, 32), wo­mit ver­mut­lich ge­meint ist, dass man nur weiß, dass er ein Si­gni­fi­kat hat (ei­nen Sinn), aber nicht, wel­ches.
  86. La lett­re en souf­fran­ce heißt wört­lich: „der Brief im Lei­den“; von La­can wird der Aus­druck auch im Sin­ne von „der Brief, der Lei­den her­vor­ruft“ ver­wen­det: der Brief ist ak­tiv, die Per­so­nen sind pas­siv.
  87. In der Gas­ché-Über­set­zung, a.a.O., S. 29–41.
  88. Wor­um geht es La­can bei der Un­ter­schei­bung zwi­schen dem Er­zäh­ler der Ge­schich­te und dem­je­ni­gen, der die Ge­schich­te schreibt, und wor­in be­steht die all­ge­mei­ne Reich­wei­te die­ser Un­ter­schei­dung?
    Ers­te Fra­ge: Was ver­steht er hier un­ter dem Er­zäh­ler der Ge­schich­te?
    Poes Er­zäh­lung Der ent­wen­de­te Brief hat die Form ei­nes Ge­sprächs zwi­schen drei Per­so­nen: die eine ist Du­pin, die an­de­re der Prä­fekt der Pa­ri­ser Po­li­zei, „Mon­sieur G“ ge­hei­ßen, die drit­te ist der Ich-Er­zäh­ler, der kei­nen Na­men hat; man er­fährt nur, dass er ein Frend von Du­pin ist. Im ers­ten Teil er­zählt der Ich-Er­zäh­ler dem Le­ser, wie der Prä­fekt et­was er­zählt, näm­lich wie der Mi­nis­ter der Kö­ni­gin ei­nen Brief stahl und wie es der Po­li­zei nicht ge­lang, ihn vom Mi­nis­ter zu­rück­zu­steh­len; Du­plin und der Ich-Er­zäh­ler über­neh­men hier die Rol­le von kom­men­tie­ren­den Zu­hö­rern. Im zwei­ten Teil er­zählt der Ich-Er­zäh­ler dem Le­ser, wie Du­pin et­was er­zählt, näm­lich wie er dem Mi­nis­ter den Brief stahl; dies­mal fun­gie­ren der Prä­fekt und der Ich-Er­äh­ler als kom­men­tie­ren­de Zu­hö­rer. Es gibt also ei­nen Er­zäh­ler der Er­zäh­lung Der ent­wen­de­te Brief (der in die­ser Er­zäh­lung selbst als Fi­gur er­scheint) und in­ner­halb die­ser Er­zäh­lung tre­ten zwei er­zähl­te Er­zäh­ler auf, der Prä­fekt und Du­pin. In­ner­halb der vom Er­zäh­ler er­zähl­ten Welt fun­giert er, der Er­zäh­ler, nicht als Er­zäh­ler, son­dern als Zu­hö­rer.
    Wen also meint La­can, wenn er sagt, Poe sei der Er­zäh­ler der Ge­schich­te?
    Im Poe-Auf­satz be­zeich­net er aus­drück­lich den Ich-Er­zäh­ler als den Er­zäh­ler der Ge­schich­te, er spricht hier von der „Er­zäh­lung des Freun­des und Ver­trau­ten Du­pins, den wir fort­an ge­ne­rell als den Er­zäh­ler der Ge­schich­te be­zeich­nen“ (a.a.O., S. 17). Falls die­se Sprach­re­ge­lung in die­ser Sit­zung von Se­mi­nar 18 noch gilt (und da­von soll­te man aus­ge­hen, da La­can sei­nen Auf­satz ge­ra­de wie­der­le­sen hat), heißt das: Poe ist der Er­zäh­ler der Ge­schich­te, näm­lich der Ich-Er­zäh­ler, der Freund von Du­pin. Was könn­te da­mit ge­meint sein?
    Ich ver­mu­te, dass Poe für La­can in­so­fern der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ist, als hier der Ich-Er­zäh­ler als Poes Ich fun­giert. Für La­can gibt es das Ich im­mer in ei­ner Dopp­lung, etwa zwi­schen Ich (moi) und dem Bild des an­de­ren oder Ideal­ich (image de l’autre, moi idéal) im „Gra­phen des Be­geh­rens“, man könn­te des­halb auch sa­gen, Poe ist das Ich (moi) und der Ich-Er­zäh­ler das Bild des an­de­ren.
    Dann wäre die Be­mer­kung „Poe ist schlau, das heißt, dass Poe der Er­zäh­ler der Ge­schich­te ist“ ein Hin­weis auf die nar­ziss­ti­sche (ima­gi­nä­re) Di­men­si­on des Ichs. 
    Wer ist für La­can der­je­ni­ge, der die Ge­schich­te schreibt? Ei­nen Wink gibt viel­leicht eine Be­mer­kung von La­can im Poe-Auf­satz. Hier heißt es über den Brief (die Let­ter, den Buch­sta­ben), dass er „das wahr­haf­ti­ge Sub­jekt der Er­zäh­lung ist: da der Brief ei­nen Um­weg ge­hen kann, hat er ei­nen Weg, der ihm ei­gen ist“ (a.a.O., S. 28).
    Also will La­can in Se­mi­nar 18 mög­li­cher­wei­se an­deu­ten, dass es der Brief ist, der die Ge­schich­te schreibt.
    In wel­chem Sin­ne ist der Brief das Sub­jekt? Zieht man die For­mel her­an, dass ein Si­gni­fi­kant das ist, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird (zu­erst in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, von 1961/62), wäre die Be­we­gung des Briefs (der Wie­der­ho­lungs­zwang) die Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung, durch die das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird.
    Mit dem Un­ter­schied zwi­schen dem Er­zäh­ler der Ge­schich­te und dem­je­ni­gen, der die Ge­schich­te schreibt, könn­te La­can sich also auf den Un­ter­schied zwi­schen dem Ich (moi) und dem Sub­jekt be­zie­hen, zwi­schen dem Ich-Er­zäh­ler, der als Poes Ich fun­giert, und der Be­we­gung des Briefs als der­je­ni­gen Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung, durch die das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird.
    Die all­ge­mei­ne Reich­wei­te die­ser Un­ter­schei­dung be­zö­ge ich dann auf die Re­le­vanz der Un­ter­schei­dung zwi­schen Ich und Sub­jekt.

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