Subjekt

Das gespaltene Subjekt, $

Dr_Jekyll_and_Mr_Hyde_poster (zu Jacques Lacan, Gespaltenes Subjekt)Il­lus­tra­ti­on zu Ro­bert Lou­is Ste­ven­son, Stran­ge Case of Dr Je­kyll and Mr Hyde (1886)

Das Sub­jekt, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, ist, La­can zu­fol­ge, ge­prägt durch eine ref­en­te, eine di­vi­si­on, ihr Sub­jekt ist ein su­jet di­vi­sé1, ein su­jet bar­ré. Was ist da­mit ge­meint?

Auf der Ebe­ne der All­tags­er­fah­rung meint su­jet bar­ré: das Sub­jekt, in­so­fern es die Er­fah­rung macht, dass es zer­ris­sen ist. Es sagt Sät­ze, die es nicht sa­gen woll­te, es tut Din­ge, die es un­be­dingt ver­mei­den woll­te, es be­gehrt et­was, was es ver­ab­scheut, es liebt Men­schen, die es ver­ach­tet, es wird durch et­was er­regt, was ihm Angst macht – usw. Das su­jet bar­ré ist das Sub­jekt, dass sich nicht als Ein­heit er­fährt, nicht als mit sich iden­tisch. Kurz, das su­jet bar­ré ist das ganz nor­ma­le Sub­jekt.

Hier et­was Theo­rie dazu.

Refente und division

Zu­nächst eine Vor­fra­ge zur Über­set­zung. Ref­en­te geht auf fend­re zu­rück, was „spal­ten“, „auf­spal­ten“ be­deu­tet; ref­en­te – ein re­la­tiv sel­te­nes Wort – ent­spricht also am ehes­ten dem deut­schen Wort „Spal­tung“. Aber wie über­setzt man  di­vi­si­on am bes­ten, geht es um die „Tei­lung“ oder um die „Spal­tung“ des Sub­jekts? Als Quel­le für den Be­griff di­vi­si­on du su­jet ver­weist La­can im­mer wie­der auf Freuds Auf­satz Die Ich­spal­tung im Ab­wehr­vor­gang (1938/40)2, er über­setzt Freuds „Ich­spal­tung“ mal mit di­vi­si­on du moi3, mal mit ref­en­te du moi4. In La­cans Sicht geht es in die­sem Text um die Spal­tung nicht des Ichs, son­dern des Sub­jekts, um die di­vi­si­on du su­jet, die wie­der­um als Spal­tung des Ob­jekts ar­ti­ku­liert wird (die Mut­ter hat ei­nen Phal­lus / hat kei­nen Phal­lus).5 Statt von der ref­en­te oder di­vi­si­on des Sub­jekts spricht er des­halb, mit dem deut­schen Aus­druck, auch von der „Spal­tung du su­jet“6 oder mit dem eng­li­schen Ter­mi­nus vom „split­ting du su­jet“ – der Freud­sche Be­griff der Ich­spal­tung ist mit split­ting of the ego ins Eng­li­sche über­setzt wor­den.7 Die bes­te Über­set­zung von di­vi­si­on du su­jet ist also die­sel­be wie die von ref­en­te du su­jet, näm­lich „Sub­jekt­spal­tung“, und das su­jet di­vi­sé ist das „ge­spal­te­ne Sub­jekt“.

Ne­ben „Spal­tung“ ver­wen­det La­can üb­ri­gens ein wei­te­res deut­sches Wort, um das Sub­jekt zu cha­rak­te­ri­sie­ren, er spricht von der „Ent­zwei­ung“ des Sub­jekts, ein Ter­mi­nus, den er aus­drück­lich von He­gel über­nimmt.8

Die Ursache der Spaltung

Wor­in also be­steht die Sub­jekt­spal­tung? In Freud­scher Ter­mi­no­lo­gie geht es um die Be­zie­hung zwi­schen dem Vor­be­wuss­ten und dem Un­be­wuss­ten.9 Wie für Freud die Dif­fe­renz von Vor­be­wuss­tem und Un­be­wuss­tem hat für La­can die Sub­jekt­spal­tung kon­sti­tu­ti­ven Cha­rak­ter. Sie ist nichts, was zum Sub­jekt der Psy­cho­ana­ly­se hin­zu­kommt, viel­mehr wird das Sub­jekt durch die Spal­tung erst her­vor­ge­bracht.10 Die Sub­jekt­spal­tung ist not­wen­dig.11 Sie ist un­auf­heb­bar; die Ein­heit des Sub­jekts kann auf kei­ne Wei­se her­ge­stellt wer­den.12

La­cans Haupt­the­se zur Sub­jekt­spal­tung lau­tet: Die Sub­jekt­spal­tung wird durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fen. Sie ist eine durch die Ak­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten er­zeug­te Spal­tung13, sie be­ruht auf der Un­ter­wer­fung des Sub­jekts un­ter die Spra­che14, das Sub­jekt „ist durch die Wir­kung der Spra­che ge­spal­ten“15. In die­sem Sin­ne ist die Sub­jekt­spal­tung eine Si­gni­fi­kan­ten-Spal­tung16, näm­lich eine durch die Si­gni­fi­kan­ten her­vor­ge­ru­fe­ne Spal­tung. Mit die­ser The­se geht La­can über Freud hin­aus. Wenn er über die Sub­jekt­spal­tung spricht, zielt er dar­auf ab, die Freud­sche Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Vor­be­wuss­ten und dem Un­be­wuss­ten auf die Ein­wir­kung der Spra­che zu­rück­zu­füh­ren.

Die Sub­jekt­spal­tung ist aber nicht nur eine Spal­tung, die durch das Spre­chen her­vor­ge­ru­fen wird, son­dern eine Spal­tung im Spre­chen. Der­je­ni­ge, der auf der Couch liegt und frei zu as­so­zi­ie­ren ver­sucht, sagt be­stän­dig mehr und an­ders als er sa­gen will: er pro­du­ziert Ver­spre­cher, er sagt Din­ge, von de­nen er sagt, dass er nicht weiß, was er sagt – dies ist eine der For­men, in de­nen die Sub­jekt­spal­tung em­pi­risch er­scheint. Für den Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist die Sub­jekt­spal­tung ein all­täg­li­ches Phä­no­men, sie „über­schwemmt ihn (…) mit ih­rer be­stän­di­gen Ma­ni­fes­ta­ti­on“17. Aber der Pa­ti­ent er­in­nert nicht nur, er wie­der­holt auch, in der Wie­der­ho­lung spre­chen ge­wis­ser­ma­ßen die Sym­pto­me. Die Spal­tung ist auch die zwi­schen dem Spre­chen im ge­wöhn­li­chen Sin­ne des Wor­tes und dem „Spre­chen“ der Sym­pto­me.

Bei Freud sind die bei­den Sei­ten der Spal­tung das Vor­be­wuss­te und das Un­be­wuss­te. Die­se Ter­mi­no­lo­gie ope­riert mit „Be­wusst­sein“ als Leit­be­griff, sie bleibt im Ban­ne der Be­wusstseins­phi­lo­so­phie. La­can re­kon­stru­iert die Sub­jekt­spal­tung mit ver­schie­de­nen Be­griffs­op­po­si­tio­nen, die den Be­zug auf das Be­wusst­sein ver­mei­den.

Das Symbol $ und das sujet barré

Das ge­spal­te­ne Sub­jekt wird von La­can durch ein gro­ßes S sym­bo­li­siert, das schräg durch­ge­stri­chen ist, also durch das Zei­chen $ (aus tech­ni­schen Grün­den ist der Strich hier senk­recht statt schräg). Die aus­drück­li­che Gleich­set­zung des Sym­bols $ mit dem „ge­spal­te­nen Sub­jekt“ fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 13 von 1965/66, Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se.18

Das Sym­bol $ wird von La­can auch noch an­ders ge­le­sen, näm­lich als su­jet bar­ré. Das ist so­gar die häu­fi­ge­re Les­wei­se. Das Verb bar­rer be­deu­tet „sper­ren“, „ab­sperr­ren“, „aus­sper­ren“ so­wie „strei­chen“, „aus­strei­chen“, „durch­strei­chen“; das su­jet bar­ré ist das ab­ge­sperr­te, aus­ge­sperr­te, aus­ge­stri­che­ne, durch­ge­stri­che­ne Sub­jekt. Wenn man La­cans Sub­jekt­be­griff nach­voll­zie­hen will, muss man sich fra­gen, wie das zu­sam­men­hängt: die ref­en­te du su­jet, das Sym­bol $ und das su­jet bar­ré. 

Ein durch­ge­stri­che­nes S fin­det man zu­erst in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, ge­schrie­ben De­zem­ber 1957 bis Ja­nu­ar 1958. Hier steht der Buch­sta­be S je­doch nicht für das Sub­jekt, son­dern für den Si­gni­fi­kan­ten; mit dem durch­ge­stri­che­nen S ist in die­sem Text ein el­i­dier­ter Si­gni­fi­kant ge­meint.19 Für das Sub­jekt ver­wen­det La­can das Sym­bol $ zu­erst in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten. In der Sit­zung vom 26. März 1958 wird das Zei­chen vor­ge­stellt und auf das Sub­jekt be­zo­gen20, in der Sit­zung vom 25. Juni 1958 er­hält es ei­nen Na­men: $ sym­bo­li­siert das „su­jet bar­ré“, heißt es jetzt.21

Die bes­te Er­läu­te­rung des Zu­sam­men­hangs zwi­schen dem durch­ge­stri­che­nen Buch­sta­ben S, dem su­jet bar­ré und dem su­jet di­vi­sé habe ich in Se­mi­nar 14 ge­fun­den (Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67). La­can schreibt dort:

Ich er­in­ne­re dar­an, was das $ be­deu­tet: Das durch­ge­stri­che­ne S (le S bar­ré) re­prä­sen­tiert, ver­tritt in die­ser For­mel das, wor­um es sich bei der Spal­tung (di­vi­si­on) des Sub­jekts dreht, die sich am Ur­sprung der ge­sam­ten Freud’schen Ent­de­ckung fin­det und die dar­in be­steht, dass das Sub­jekt von dem, wo­durch es als Funk­ti­on des Un­be­wuss­ten ei­gent­lich kon­sti­tu­iert wird, zum Teil aus­ge­sperrt (bar­ré) ist.„22

La­can spielt hier mit dem Dop­pel­sinn von bar­ré als ei­ner­seits „durch­ge­stri­chen“ und an­de­rer­seits „aus­ge­sperrt“. Der Buch­sta­be S ist bar­ré im Sin­ne von „durch­ge­stri­chen“ oder „aus­ge­stri­chen“. Die­ses Sym­bol steht für das Sub­jekt, in­so­fern es bar­ré ist, aus­ge­sperrt – das Sub­jekt ist aus­ge­sperrt von dem, wo­durch es kon­sti­tu­iert wird, wo­bei die­se Kon­siti­tu­ie­rung vom Un­be­wuss­ten ab­hängt. Der Dop­pel­sinn von bar­ré – durchgestrichen/ausgesperrt – lässt sich, so­weit ich sehe, im Deut­schen nicht nach­bil­den; die bes­te Über­set­zung für su­jet bar­ré ist des­halb wohl, lei­der, „aus­ge­sperr­tes Sub­jekt“.

Freud schreibt in Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten:

Das Ver­ges­sen von Ein­drü­cken, Sze­nen, Er­leb­nis­sen re­du­ziert sich zu­meist auf eine ‚Ab­sper­rung‘ der­sel­ben. Wenn der Pa­ti­ent von die­sem ‚Ver­ges­se­nen‘ spricht, ver­säumt er sel­ten, hin­zu­zu­fü­gen: das habe ich ei­gent­lich im­mer ge­wußt, nur nicht dar­an ge­dacht.“23

Das su­jet bar­ré ist, so könn­te man auch über­set­zen, das „ab­ge­perr­te Sub­jekt“.

In Se­mi­nar 5 heißt es: Das Sub­jekt ist

aus­ge­perrt oder nicht aus­ge­sperrt (bar­ré ou pas bar­ré), je nach Fall, das heißt je nach­dem, ob es durch die Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist oder ob wir es ein­fach als noch un­be­stimm­tes Sub­jekt be­trach­ten, noch nicht zer­teilt durch die Spal­tung*, die aus der Ak­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten re­sul­tiert“24.

Der Schräg­strich meint, dass das Sub­jekt „vom Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist“25.

Ins­ge­samt kann man das Sym­bol $ dem­nach so le­sen: Die Durch­strei­chung des S sym­bo­li­siert, dass das Sub­jekt vom Si­gni­fi­kan­ten mar­kiert ist – das S steht für das Sub­jekt, der Strich für den Si­gni­fi­kan­ten und die Durch­strei­chung des S für die Mar­kie­rung des Sub­jekts durch den Si­gni­fi­kan­ten. Die Mar­kie­rung durch den Si­gni­fi­kan­ten führt dazu, dass das Sub­jekt ein su­jet bar­ré ist, ein aus­ge­sperr­tes oder ab­ge­sperr­tes Sub­jekt, ein Sub­jekt, das kei­nen Zu­gang zu ei­nem Teil von sich hat, zu dem Teil, durch den es kon­sti­tu­iert wird, „Un­be­wuss­tes“ ge­nannt. Und dies heißt nichts an­de­res, als dass es ein ge­spal­te­nes Sub­jekt ist, ge­spal­ten zwi­schen dem Teil, zu dem es ei­nen Zu­gang hat, und dem, von dem es aus­ge­sperrt ist.

La­can liest das Sym­bol $ noch auf eine drit­te Wei­se, als „Sub­jekt im Fa­ding“, wo­mit ge­meint ist: „Sub­jekt im Ver­schwin­den“. So wird das Sym­bol in dem Auf­satz Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht ge­deu­tet, ei­nem Text, der 1960 ge­schrie­ben wur­de. La­can be­zieht die­se Deu­tung spe­zi­ell auf das durch­ge­stri­che­ne S in den For­meln ($ ◊ D) und ($ ◊ a), die zum Gra­phen des Be­geh­rens ge­hö­ren und  in Se­mi­nar 5 und 6 ent­wi­ckelt wur­den.26 Das Sub­jekt im Ver­schwin­den (im Fa­ding, in der Apha­ni­sis) ist das Sub­jekt, das da­mit kon­fron­tiert, dass ihm die Si­gni­fi­kan­ten, von de­nen es re­prä­sen­tiert wird, fremd sind, dass es dazu nicht „ich“ sa­gen kann (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).

Spaltung zwischen dem Ausgesagten und dem Äußerungsvorgang (énoncé und énonciation)

Häu­fig deu­tet La­can die bei­den Sei­ten der Sub­jekt­spal­tung als énon­ce und als énon­cia­ti­on, als „Aus­ge­sag­tes“ und als „Äu­ße­rungs­vor­gang“. In Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, be­zieht er die­se Op­po­si­ti­on aus­drück­lich auf die Sub­jekt­spal­tung.27

Un­ter dem „Aus­ge­sag­ten“ (énon­cé) ver­steht er Si­gni­fi­kan­ten­ket­ten, die sich klar er­kenn­bar auf ein Si­gni­fi­kat be­zieht, auf ei­nen Ge­samt­sinn, eine Be­deu­tung, also das Spre­chen im ge­wöhn­li­chen Sin­ne. Wenn ich sage „Gib mir mal die But­ter rü­ber“, ist das in­so­fern et­was „Aus­ge­sag­tes“, als ich das mit ei­nem nach­voll­zieh­ba­ren Sinn ver­bin­de, in­so­fern, als ich sage, was ich mei­ne. Ich be­kom­me in der Re­gel nicht mit, dass Si­gni­fi­kan­ten im Spiel sind, ich ver­ste­he un­mit­tel­bar die Be­deu­tung. Und ich ver­ste­he die Be­deu­tung des Sat­zes ins­ge­samt, ich zer­le­ge ihn nicht in sei­ne Ele­men­te.

Das Aus­ge­sag­te (énon­cé) hat häu­fig die Form des An­spruchs, der For­de­rung (de­man­de) – „Gib mir mal die But­ter rü­ber“ ist, in la­can­scher Ter­mi­no­lo­gie, ein ora­ler An­spruch.

Der „Äu­ße­rungs­vor­gang“ (énon­cia­ti­on) im Sin­ne von La­can, das sind ein­zel­ne Si­gni­fi­kan­ten, in de­nen sich das Sub­jekt zum Aus­ge­sag­ten in Be­zie­hung setzt und ei­nen Ab­stand dazu her­stellt. Das kön­nen ein­ge­scho­be­ne Wen­dun­gen wie „glau­be ich“ sein oder auch kom­ple­xe Ge­bil­de wie Fehl­leis­tun­gen, Träu­me oder Sym­pto­me. Die Si­gni­fi­kan­ten fun­gie­ren hier oft im stren­gen Sin­ne als Si­gni­fi­kan­ten im Sin­ne von La­can: ihr Sinn ist un­zu­gäng­lich, und sie sind durch die Me­cha­nis­men der Ver­dich­tung und Ver­schie­bung mit­ein­an­der ver­bun­den (von Me­ta­pher und Me­t­ony­mie, wie La­can sagt), auf der Grund­la­ge pho­ne­ti­scher Ähn­lich­kei­ten.

Im „Äu­ße­rungs­vor­gang“ ar­ti­ku­liert sich das Be­geh­ren.

Eine Ver­bin­dung zwi­schen dem „Aus­ge­sag­ten“ und dem „Äu­ße­rungs­vor­gang“ ist bei­spiels­wei­se ein Ver­spre­cher, etwa wenn ich un­ab­sicht­lich sage „Gib mir mal die Mut­ter rü­ber“. Das sinn­ori­en­tier­te Spre­chen (das „Aus­ge­sag­te“) wird für ei­nen Mo­ment, beim Si­gni­fi­kan­ten „B“, un­ter­bro­chen. Mit der Er­set­zung von B durch M schal­tet sich ein „Äu­ße­rungs­vor­gang“ ein; in ihm ma­ni­fes­tiert sich das ver­dräng­te Be­geh­ren.

Mit dem Be­griffs­paar Aus­ge­sag­tes ver­sus Äu­ße­rungs­vor­gang er­setzt La­can die Freud’sche Un­ter­schei­dung von Be­wuss­tem und Un­be­wuss­ten durch eine Op­po­si­ti­on, die sich auf das Spre­chen und die Spra­che be­zieht, die also auch ter­mi­no­lo­gisch die Bin­dung an die Be­wusstseins­phi­lo­so­phie hin­ter sich lässt.

Die Un­ter­schei­dung von Aus­ge­sag­tem und Äu­ße­rungs­vor­gang wird in Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, ein­ge­führt.28

Ein phi­lo­lo­gi­sches Rät­sel

In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, führt La­can nicht ein­fach die Op­po­si­ti­on von „énon­cé“ und „énon­cia­ti­on“, er spricht viel­mehr wie­der­holt vom „pro­cès de l’énoncé“ und vom „pro­cès de l’énonciation“, also von „Vor­gang des Aus­ge­sag­ten“ und vom „Vor­gang der Äu­ße­rung“.29 Das wirft die Fra­ge auf, ob er die Un­ter­schei­dung von „énon­cé“ und „énon­cia­ti­on“ von Ro­man Ja­kob­son über­nom­men hat. Denn in der fran­zö­si­schen Über­set­zung ei­nes Auf­sat­zes von Ja­kob­son, der zu­erst im Jahr 1957 auf Eng­lisch er­schien, fin­det man die­sel­be auf­fäl­li­ge Ter­mi­no­lo­gie: „pro­cès de l’énoncé“ und „pro­cès de l’énonciation“. Dort heißt es (die Kur­siv­schrei­bung ist von Ja­kob­son, die Fett­schrei­bung von mir):

1) Il faut dis­tin­guer ent­re l’énon­cia­ti­on elle-même (a) et son ob­jet, la ma­tiè­re énon­cèe (e) ;

2) il faut dis­tin­guer en­sui­te ent­re l’acte ou le pro­cès lui-même (C) et l’un quel­con­que de ses prot­ago­nis­tes (T) ‚agent‘ ou ‚pa­ti­ent‘ (1).

En con­séquence, quat­re ru­bri­ques doiv­ent être dis­tin­guées : un évé­ne­ment ra­con­té (nar­ra­ted event) ou pro­cès de l’énoncé (Ce), un acte de dis­cours ou pro­cès de l’énonciation (Ca), un prot­ago­nis­te du pro­cès de l’énoncé (Te), et un prot­ago­nis­te du pro­cès de l’énonciation (Ta), de­sti­na­teur ou de­sti­na­ta­ire.“30

Dass La­can das eng­li­sche Ori­gi­nal ge­le­sen hat, ist si­cher, er be­zieht sich dar­auf im Psy­cho­se-Auf­satz, der im De­zem­ber 1957 und Ja­nu­ar 1958 ge­schrie­ben wur­de31, und in Se­mi­nar 6 spielt er zwei­mal auf die­ses Auf­satz an32.

Also drängt sich die Ver­mu­tung auf, dass La­can die Op­po­si­ti­on von „énon­cé“ und „énon­cia­ti­on“ von Ja­kob­son über­nom­men hat.

Das Pro­blem be­steht dar­in, dass man die For­mu­lie­run­gen „pro­cès de l’énoncé“ und „pro­cès de l’énonciation“ nur in der fran­zö­si­schen Über­set­zung fin­det und es im eng­li­schen Ori­gi­nal hier­zu kei­ne Ent­spre­chung gibt, und dass die­se Über­set­zung erst 1963 ver­öf­fenti­cht wur­de, also meh­re­re Jah­re nach Se­mi­nar 6. In der eng­li­schen Fas­sung heißt die Pas­sa­ge:

In or­der to clas­si­fy the ver­bal ca­te­go­ries, two ba­sic dis­tinc­tions are to be ob­ser­ved:

1) speech its­elf (s), and its to­pic, the nar­ra­ted mat­ter (n);
2) the event its­elf (E), and any of its par­ti­ci­pants (P), whe­ther ‚per­for­mer‘ or ‚un­der­go­er‘.

Con­se­quent­ly four items are to be dis­tin­gu­is­hed : a nar­ra­ted event (En), a speech event (Es), a par­ti­ci­pant of the nar­ra­ted event (Pn), and a par­ti­ci­pant of the speech event (PS), whe­ther ad­dres­ser or ad­dres­see.“33

Da die deut­sche Über­set­zung auf der eng­li­schen Aus­ga­be be­ruht, fin­det man auch dort kei­ne Ent­spre­chung zu énoncé/énonciation. Man liest hier:

Bei der Klas­si­fi­ka­ti­on der Ver­bka­te­go­ri­en müs­sen zwei grund­le­gen­de Un­ter­schei­dun­gen be­ach­tet wer­den:

1) die Rede selbst (r) und ihr Ge­gen­stand, die Ma­te­rie des Be­rich­tes (b);
2) das Ge­sche­hen selbst (G) und je­der der an ihm Be­tei­lig­ten (B), sei es der ‚Agens‘ oder der ‚Pa­ti­ens‘.

Folg­lich gilt es vier Fäl­le zu un­ter­schei­den: ein be­rich­te­tes Ge­sche­hen (Gb), ei­nen Sprech­akt (Gr), ei­nen Be­tei­lig­ten am be­rich­te­ten Ge­sche­hen (Bb) und ei­nen Be­tei­lig­ten am Sprech­akt (Br), sei es der Spre­cher oder der An­ge­spro­che­ne.„34

Das Paar pro­cès de l’énoncè und pro­cès de l’énonciation ist also eine Hin­zu­fü­gung in der fran­zö­si­schen Über­set­zung. Wie kommt es, dass La­can ei­ni­ge Jah­re zu­vor ge­nau die­se For­mu­lie­rung ver­wen­det? Zu­fall? Un­wahr­schein­lich. Kann­te La­can eine frü­he Fas­sung von Ru­wets Über­set­zung? Kann­te Ru­wet La­cans Se­mi­nar? Stammt der Zu­satz „pro­cès de l’énoncé“ und „pro­cès de l’énonciation“ in der fran­zö­si­schen Über­set­zung von Ja­kob­son selbst (Ru­wet teilt mit, dass er mit Ja­kob­son über Über­set­zungs­fra­gen kom­mu­ni­ziert hat­te und dass die­ser die fer­ti­ge Über­set­zung durch­ge­se­hen hat­te)? Hat­te Ja­kob­son die­se For­mu­lie­rung zu­nächst im Ge­spräch mit La­can ver­wen­det und spä­ter in der Be­ar­bei­tung von Ru­wets Über­set­zung?

Ne­ben­bei: Ènon­cé über­setzt Ja­kob­sons nar­ra­ted event, er­zähl­tes Er­eig­nis. Das spricht da­für, dass es bes­ser ist, énon­cé mit „Aus­ge­sag­tes“ zu über­set­zen als mit „Aus­sa­ge“.

Aus­ge­sag­tes und Äu­ße­rung im Gra­phen

In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, wird das Be­griffs­paar énon­cé und énon­cia­ti­on nicht nur ein­ge­führt, son­dern auch dem so­ge­nann­ten Gra­phen des Be­geh­rens zu­ge­ord­net.

Wir sind also bei was an­ge­kom­men? Bei der Auf­fas­sung, dass die eine die­ser bei­den Li­ni­en das re­prä­sen­tiert, was sich auf den Vor­gang der Äu­ße­rung (pro­cès de l’énonciation) be­zieht, die an­de­re das, was sich auf den Vor­gang des Aus­ge­sag­ten (pro­cès de l’énoncé) be­zieht. Dass es zwei sind, das heißt nicht, dass jede eine Funk­ti­on re­prä­sen­tiert, das heißt, dass wir je­des­mal, wenn es sich um die Funk­tio­nen der Spra­che han­delt, die­se Du­pli­zi­tät wie­der­fin­den müs­sen. Sa­gen wir auch noch, dass es nicht nur zwei sind, son­dern dass sie im­mer ent­ge­gen­ge­setz­te Struk­tu­rie­run­gen ha­ben wer­den, bei­spiels­wei­se wenn die eine dis­kon­ti­nu­ier­lich ist, ist die an­de­re kon­ti­nu­ier­lich, und um­ge­kehrt.“35

Énon­cia­ti­on“ und „ènon­cé“ wer­den zwei Li­ni­en zu­ord­net. Wel­che Li­ni­en sind ge­meint? Das klärt, et­was spä­ter in der­sel­ben Sit­zung, die fol­gen­de Be­mer­kung über die Pa­ra­do­xie der Zen­sur (die dar­in be­steht, dass das Sprech­ver­bot das Ver­bo­te­ne aus­spre­chen muss, Freud hat­te ir­gend­wo dar­auf hin­ge­wie­sen):

Aber die Zen­sur ist nicht et­was, was, wie auch im­mer sie aus­ge­übt wird, durch ei­nen Fe­der­strich auf­recht­erhal­ten wer­den könn­te, da hier­bei der Äu­ße­rungs­vor­gang an­ge­zielt wird und da, um ihn zu ver­hin­dern, eine ge­wis­se Vor­kennt­nis des Vor­gangs des Aus­ge­sag­ten not­wen­dig ist, und da je­der Dis­kurs, der dazu be­stimmt ist, die­se Aus­sa­ge aus dem Vor­gang des Aus­ge­sag­ten zu ver­ban­nen, mehr oder we­ni­ger in fla­gran­ti da­bei er­tappt wer­den wird, wie er die­ses Ziel ver­letzt. Es ist die Ma­trix die­ser Un­mög­lich­keit, die auf die­ser Ebe­ne – und sie wird Ih­nen noch wei­te­re Ma­tri­zen lie­fern – durch un­se­ren Gra­phen ge­lie­fert wird.“36

Un­ser Graph“, das ist La­cans üb­li­che Be­zeich­nung für das Ge­bil­de, das in der Se­kun­där­li­te­ra­tur „Graph des Be­geh­rens“ heißt. Der Graph er­mög­licht es, eine Un­mög­lich­keit zwi­schen dem Vor­gang des Aus­ge­sag­ten (der ver­bo­te­nen Aus­sa­ge) und dem Vor­gang der Äu­ße­rung (dem Aus­spre­chen des Ver­bots) zu er­fas­sen. Dem­nach sind die bei­den Li­ni­en, die den Vor­gang des Aus­ge­sag­ten und dem Vor­gang der Äu­ße­rung re­prä­sen­tie­ren, si­cher­lich Li­ni­en des Gra­phen. Wel­che bei­den Li­ni­en? Das er­fährt man in ei­ner spä­te­ren Sit­zung die­ses Se­mi­nars. Dort heißt es über ei­nen be­stimm­ten Traum:

Die­ser Traum wird uns als ein Gan­zes ge­ge­ben. Das ist die­ses Aus­ge­sag­te (énon­cé), das sich, wenn ich so sa­gen darf, auf der un­te­ren Ebe­ne des Gra­phen her­stellt.

Das ist eine Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, die sich in ei­ner Form dar­stellt, die umso glo­ba­ler ist, als sie ge­schlos­sen ist, als sie sich ge­nau in der üb­li­chen Form der Spra­che dar­stellt, als sie et­was ist, wor­über das Sub­jekt ei­nen Be­richt ma­chen muss, eine Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on), im Ver­hält­nis zu der es sich ver­or­ten muss, et­was, das es mit all sei­nen Ak­zen­ten an Sie wei­ter­ge­ben muss, wo­bei es dem, was es Ih­nen er­zählt, mehr oder we­ni­ger zu­stim­men muss. Das heißt, dass sich ins­ge­samt auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses für den An­de­ren, der auch der Dis­kurs ist, wo das Sub­jekt ihn, die­sen Traum, an­nimmt (as­su­me), dass sich hier ins­ge­samt et­was her­stellt, was den Traum be­glei­tet und ihn in ge­wis­ser Wei­se kom­men­tiert, von der Po­si­ti­on aus, die vom Sub­jekt mehr oder we­ni­ger an­ge­nom­men wird. Das heißt, dass es sich hier, wäh­rend der Er­zäh­lung des­sen, was ge­sche­hen ist, in des­sen In­ne­rem als das Aus­ge­sag­te des Traums dar­stellt.

Hier, in dem Dis­kurs, in dem das Sub­jekt das an­nimmt, für Sie, dem es das er­zählt, wer­den wir se­hen, wie sich die ver­schie­de­nen Ele­men­te her­stel­len, die ver­schie­de­nen Ak­zen­tu­ie­run­gen, die sich im­mer auf die mehr oder we­ni­ger star­ke An­nah­me (as­somp­ti­on) durch das Sub­jekt be­zie­hen. „Es scheint mir, ich hat­te den Ein­druck, dass das in die­sem Au­gen­blick pas­siert ist.“ „In die­sem Au­gen­blick lief es so ab, als ob die­ses Sub­jekt zu­gleich ein an­de­res wäre oder sich in ein an­de­res ver­wan­del­te.“37 Das ist das, was ich eben sei­ne Ak­zen­te ge­nannt habe.

Die­se un­ter­schied­li­chen Ar­ten der An­nah­me des Traum­er­leb­nis­ses sind hier auf der­je­ni­gen Li­nie ver­or­tet, die die des ‚Ichs‘ (Je) der Äu­ße­rung ist, in­so­fern als es, be­zo­gen auf die­ses psy­chi­schen Er­eig­nis, in­so­fern es dies in sei­ne Äu­ße­rung mehr oder we­ni­ger auf­nimmt.“38

Der er­zähl­te Traum als Gan­zer ist das Aus­ge­sag­te. Die­ses Aus­ge­sag­te wird ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te im un­te­ren Stock­werk des Gra­phen zu­ge­ord­net, der­je­ni­gen Li­nie, die in der End­fas­sung des Gra­phen von „Si­gni­fi­kant“ nach „Stim­me“ führt.

Graph mit Je der énonciation

Ge­stri­chel­te Li­nie des Ichs (Je) der Äu­ße­rung

Die sprach­li­chen Ele­men­te, in de­nen der Traum­er­zäh­ler sein Ver­hält­nis zum Traum be­kun­det – „es scheint mir“, „ich hat­te den Ein­druck“ –, ge­hö­ren zur Ebe­ne der Äu­ße­rung.

Im Gra­phen wer­den sie der Li­nie des „Ichs“ (Je) der Äu­ße­rung zu­ge­ord­net; dies ist die obe­re, quer von links nach rechts ver­lau­fen­de Li­nie. In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars fin­det man zu die­ser Sit­zung das Dia­gramm rechts.39, in der End­fas­sung des Gra­phen im Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts ist dies die Li­nie, die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ führt.

In der Sta­fer­la-Ver­si­on von Se­mi­nar 6 fin­det man des­halb an die­ser Stel­le das fol­gen­de Dia­gramm des Gra­phen, in dem die un­te­re Si­gni­fi­kan­ten­li­nie mit „énon­cé“ be­zeich­net ist und die obe­re mit „énon­cia­ti­on“.

Graph mit énoncé und énonciation

Topologie der Subjektspaltung: das Möbiusband

To­po­lo­gisch wird die Spal­tung des Sub­jekts von La­can durch das Mö­bi­us­band dar­ge­stellt. Als Re­prä­sen­tant des Sub­jekts wird es in Se­mi­nar 9 ein­ge­führt40; der aus­drück­li­che Be­zug des Mö­bi­us­ban­des zur „Ent­zwei­ung“ des Sub­jekts wird zu­erst in Se­mi­nar 12 her­ge­stellt.41

Das Be­wuss­te und das Un­be­wuss­te ver­hal­ten sich zu­ein­an­der wie die bei­den Sei­ten ei­nes Mö­bi­us­ban­des: man ge­langt vom ei­nen zum an­de­ren, ohne ein Rand zu über­que­ren.

Weitere Formen der Subjektspaltung

Spaltung zwischen dem Ich und dem Symptom

Das Sym­ptom, so heißt es in Die Fa­mi­lie (1938), wur­de von Freud an­fäng­lich als ein Teil der Er­in­ne­rung ver­stan­den, der ver­drängt wur­de und im Sym­ptom zum Aus­druck kommt; wenn die Be­deu­tung des Sym­ptoms dem Pa­ti­en­ten mit­ge­teilt wird, weicht das Sym­ptom. Die spä­te­re Er­fah­rung zeig­te, dass es kom­pli­zier­ter ist: das Sub­jekt setzt der Er­hel­lung des Sym­ptoms Wi­der­stand ent­ge­gen und eine ent­schei­den­de Kraft bei der Be­hand­lung ist die af­fek­ti­ve Über­tra­gung.

Aus die­ser Etap­pe ist in­des­sen die Vor­stel­lung ge­blie­ben, daß das neu­ro­ti­sche Sym­ptom im Sub­jekt ei­nen Au­gen­blick sei­ner Er­fah­rung dar­stellt, in dem es sich nicht zu er­ken­nen ver­mag, eine Form also der Per­sön­lich­keits­spal­tung.“42

Den Be­griff der Per­sön­lich­keit wird La­can spä­ter zu­rück­wei­sen, aus der Spal­tung der Per­sön­lich­keit wird die des Sub­jekts. Die Per­sön­lich­keits­spal­tung bzw. die Sub­jekt­spal­tung ist die zwi­schen dem Ich und dem Sym­ptom.

Spaltung zwischen dem Anspruch und dem Begehren

Das Sub­jekt steht in ei­ner am­bi­va­len­ten Be­zie­hung zum An­spruch, zu den For­de­run­gen des An­de­ren43, zu den Wün­schen der El­tern. Es iden­ti­fi­ziert sich mit die­sen An­sprü­chen und bil­det dar­aus sei­ne Idea­le, zu­gleich ver­sucht es je­doch, sein Be­geh­ren jen­seits die­ser An­sprü­che zu rea­li­sie­ren, jen­seits der Iden­ti­fi­zie­rung. Eine ele­men­ta­re Ma­ni­fes­ta­ti­on die­ser Spal­tung wäre bei­spiels­wei­se: „Ich will das da – nein doch lie­ber was and­res.“ Die Op­po­si­ti­on von An­spruch und Be­geh­ren wird von La­can zu­erst ent­wi­ckelt in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten.44

Eine räum­li­che Dar­stel­lung des Ver­hält­nis­ses von An­spruch und Be­geh­ren lie­fert der Graf des Be­geh­rens45, in dem die Li­nie des Be­geh­rens zwi­schen den bei­den Li­ni­en des An­spruchs auf­ge­hängt ist.46

Eine Form der Spal­tung zwi­schen An­spruch und Be­geh­ren ist die zwi­schen dem Ge­setz und dem Be­geh­ren.

Spaltung zwischen der Identifizierung mit dem einzigen Zug (1) und dem gesuchten Subjekt (i)

In Se­mi­nar 9 er­läu­tert La­can die Sub­jekt­spal­tung an­hand von Des­car­tes‘ Co­gi­to. Dem „ich den­ke“ ent­spricht die Iden­ti­fi­zie­rung, dem „also bin ich“ ent­spricht das Sub­jekt als ge­such­tes Si­gni­fi­kat. La­can stellt hier die Iden­ti­fi­zie­rung au­ßer­dem durch die Zahl 1 dar, das ge­such­te Sub­jekt durch den Buch­sta­ben i als Sym­bol für die ima­gi­nä­re Zahl also \sqrt {-1}. Die Spal­tung des Sub­jekts ist also die zwi­schen dem „ich den­ke“ und dem „ich bin“, zwi­schen 1 und i. (Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 10. Ja­nu­ar 1965, und den Blog­ar­ti­kel La­can über den Ei­gen­na­men (I): Se­mi­nar 9.)

In Se­mi­nar 18 ar­ti­ku­liert La­can die­sen Ge­dan­ken aus­ge­hend vom Be­griff der In­ter­sub­jek­ti­vi­tät. Das la­tei­ni­sche Wort in­ter meint „zwi­schen“, die In­ter­sub­jek­ti­vi­tät ist die Be­zie­hung zwi­schen Sub­jek­ten. La­can hat­te den Be­griff an­fangs ver­wen­det und spä­ter kri­ti­siert.

In­ter, si­cher, das ist tat­säch­lich das, was ich erst spä­ter äu­ßern konn­te über eine In­ter­si­gni­fi­kanz, die dann in der Fol­ge sub­jek­ti­viert wird, wo­bei der Si­gni­fi­kant das ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt dort re­prä­sen­tiert, wo es nicht ist. Wo es re­prä­sen­tiert wird, ist das Sub­jekt ab­we­send. Und eben des­halb, weil es gleich­wohl re­prä­sen­tiert wird, ist es auf die­se Wei­se ge­spal­ten.„47

Das Sub­jekt ist ge­spal­ten zwi­schen,
– ei­ner­seits dem Si­gni­fi­kan­ten, der es für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert, al­ler­dings dort, wo es nicht ist, die­se Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hung wird vom Sub­jekt se­kun­där sub­jek­ti­viert,
– und, an­de­rer­seits, dem, was in die­ser Re­prä­sen­ta­ti­ons­be­zie­hung ab­we­send ist, was in ihr nicht re­prä­sen­tiert wird.

Das Sub­jekt wird durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert, in dem es ab­we­send ist: dies ist die Iden­ti­fi­zie­rung. Es gibt et­was, was in die­ser Re­prä­sen­ta­ti­on nicht re­prä­sen­tiert wird: das Be­geh­ren.

Das nicht-re­prä­sen­tier­te Be­geh­ren wird selbst wie­der­um re­prä­sen­tiert, durch das Ob­jekt a als dem Rest, also als das, was nicht re­prä­sen­tiert wird. Das Sub­jekt ist also ge­spal­ten zwi­schen
– dem Man­gel auf der ei­nen Sei­te, dem Sub­jekt als Lee­re, als Man­gel, als Kluft, als Loch (dem Be­geh­ren),
und zwei he­te­ro­ge­nen Re­prä­sen­ta­ti­ons­for­men:
– dem Si­gni­fi­kan­ten, der sich auf an­de­re Si­gni­fi­kan­ten be­zieht (der Iden­ti­fi­zie­rung)
– und dem Ob­jekt a (im Phan­tas­ma).

Hier­aus er­gibt sich die vier­glied­ri­ge Struk­tur, mit der La­can in Se­mi­nar 17 bei der Kon­struk­ti­on der Dis­kur­se ar­bei­tet: $, S1, S2, a.

Spaltung zwischen dem Auge und dem Blick

Die Spal­tung des Sub­jekts, so heißt es in Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se, ist die cha­rak­te­ris­ti­sche Di­men­si­on der ana­ly­ti­schen Ent­de­ckung und Pra­xis.48

Auge und Blick, dies ist für uns die Spal­tung, in der sich der Trieb auf der Ebe­ne des Seh­fel­des ma­ni­fes­tiert.“49

Auge“ steht für das geo­me­tra­le Se­hen, das Se­hen als Be­zie­hung im Raum. „Blick“ meint das Se­hen un­ter dem As­pekt nicht des Raums, son­dern des Lichts. Die­se bei­den Ebe­nen des Se­hens ver­hal­ten sich zu­ein­an­der wie Schein und Sein.50

Auf der Ebe­ne des geo­me­tra­len Se­hens ist das Sub­jekt der Geo­me­tral­punkt“51, auch „Sub­jekt der Vor­stel­lung“52 ge­nannt, näm­lich das Zen­trum des räum­li­chen Se­hens. Von ihm aus ord­net sich das Feld des Se­hens in Bild (image) und Ob­jekt, in Phai­no­me­non und No­u­me­non, in Er­schei­nung und Ding an sich.53

Auf der Ebe­ne des Se­hens als Licht ist das Sub­jekt dem von au­ßen kom­men­den Blick aus­ge­setzt. Der Blick ist der böse Blick, der nei­di­sche Blick; er sym­bo­li­siert die Kas­tra­ti­on und ist da­mit ein Ob­jekt a.54 Durch den Blick tritt das Sub­jekt ins Licht, vom Blick aus ge­se­hen, ist das Sub­jekt im Bild (ta­bleau). Um den Blick zu „zäh­men“, um ihn zu be­frie­den, gibt es ihm et­was zu se­hen: es macht sich zum Fleck (tâche) im Bild, zum Schirm (écran), zur Mas­ke, mit der es spielt.

Im Feld des Se­hens hat die Sub­jekt­spal­tung also die Form der Spal­tung zwi­schen dem geo­me­tra­len Sub­jekt und dem Sub­jekt als Fleck im Bild.

Spaltung zwischen dem unärem und dem binärem Signifikanten

Im sel­ben Se­mi­nar heißt es:.

Die­se Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz* läßt sich auf un­se­rem Sche­ma der Ur­sprungs­me­cha­nis­men der Alie­na­ti­on in je­ner ers­ten Si­gni­fi­kan­ten­kop­pe­lung lo­ka­li­sie­ren, die uns ei­nen Be­griff da­von ge­ben kann, wie das Sub­jekt zu­erst im An­dern auf­taucht, so­fern näm­lich der ers­te Si­gni­fi­kant, der ein­zel­ne Si­gni­fi­kant / le si­gni­fi­ant un­ai­re, auf dem Feld des An­dern auf­taucht und das Sub­jekt für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert, der wie­der­um die Apha­ni­sis des Sub­jekts be­wirkt.“55

Das Sub­jekt wird durch den unä­ren Si­gni­fi­kan­ten für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert. Der an­de­re Si­gni­fi­kant, „bi­nä­rer Si­gni­fi­kant“ ge­nannt, be­wirkt die apha­ni­sis des Sub­jekts, sein Ver­schwin­den.

La­can fährt fort:

Da­her die Spal­tung des Sub­jekts – wenn das Sub­jekt ir­gend­wo als Sinn auf­taucht, ma­ni­fes­tiert es sich an­ders­wo als fa­ding, als ein Schwin­den.“56

Der unä­re Si­gni­fi­kant re­prä­sen­tiert das Sub­jekt meint also: Der unä­re Si­gni­fi­kant sorgt da­für, dass das Sub­jekt als Sinn auf­taucht.

Der nächs­te Satz lau­tet:

Man kann also sa­gen, daß es auf Le­ben und Tod geht zwi­schen dem si­gni­fi­ant un­ai­re / dem unä­ren Si­gni­fi­kan­ten und dem Sub­jekt als si­gni­fi­ant bi­nai­re / bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten, der Ur­sa­che für sein Schwin­den. Die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz ist der bi­nä­re Si­gni­fi­kant.

Die­ser Si­gni­fi­kant bil­det dann den zen­tra­len Punkt der Ur­ver­drän­gung* – mit­hin des­sen, was, nach­dem es ins Un­be­wuß­te über­ge­gan­gen, jetzt, der Theo­rie Freud zu­fol­ge, je­nen An­zie­hungs*punkt aus­macht, durch den alle wei­te­ren Ver­drän­gun­gen er­mög­licht wer­den, alle wei­te­ren ähn­li­chen Über­gän­ge an den Ort der Un­ter­drü­ckung*, den Ort des­sen, was als Si­gni­fi­kant un­ter den Tisch fällt. Dar­um geht es bei dem Ter­mi­nus Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz*.“57

Der bi­nä­re Si­gni­fi­kant, als Ur­sa­che für das Ver­schwin­den des Sub­jekts, ist
– die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz,
– der zen­tra­le Punkt der Ur­ver­drän­gung, ver­ein­facht ge­sagt: der ur­ver­dräng­te Si­gni­fi­kant, das Ur­ver­dräng­te.

In Se­mi­nar 4 von 1956/57, Die Ob­jekt­be­zie­hung, führt La­can den sym­bo­li­schen Phal­lus als bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten ein, als Plus-Mi­nus-Zei­chen ge­wis­ser­ma­ßen; dem Vor­trag Die Be­deu­tung des Phal­lus kann man ent­neh­men, dass der Phal­lus der Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung ist. Der bi­nä­re Si­gni­fi­kant als Kern der Ur­ver­drän­gung ist also der sym­bo­li­sche Phal­lus. Vgl. hier­zu in die­sem Blog den Ar­ti­kel „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert.“

Die Spal­tung zwi­schen dem unä­ren und dem bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten ist eine Spal­tung des Un­be­wuss­ten. Das Un­be­wuss­te ent­steht durch Ver­drän­gung, und für Freud gibt es zwei For­men der Ver­drän­gung: die Ur­ver­drän­gung und die se­kun­dä­re Ver­drän­gung. Das, was ur­ver­drängt ist, kann durch das Ver­fah­ren der frei­en As­so­zia­ti­on nicht in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wer­den, es dient als An­zie­hungs­punkt für die se­kun­dä­re Ver­drän­gung, die ein „Nach­drän­gen“ ist, wie Freud sagt.58

Spaltung zwischen dem Sinn und dem Nicht-Sinn („Entfremdung“)

In Se­mi­nar 11 be­zeich­net La­can die Spal­tung des Sub­jekts als „Ent­frem­dung“ (alié­na­ti­on). Die bei­den Sei­ten der Spal­tung sind hier der Sinn und das Sym­ptom, in­so­fern es durch „Nicht-Sinn“ be­stimmt ist, durch Si­gni­fi­kan­ten ohne Sinn. Die Spal­tung ist also die zwi­schen zwei Si­gni­fi­kan­ten­funk­tio­nen: zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern er ei­nen Sin­n­ef­fekt er­zeugt, und dem Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern er jen­seits des Sinns funk­tio­niert.59 In Se­mi­nar 17 wird er die­se bei­den Funk­tio­nen des Si­gni­fi­kan­ten als „Her­ren­si­gni­fi­kant“ und „Wis­sen“ be­zeich­nen. Der Her­ren­si­gni­fi­kant er­zeugt den Sinn, in­dem er ein letz­tes Wort lie­fert, ei­nen „Pols­ter­stich“ oder „Stepp­punkt“, wie es in Se­mi­nar 3 ge­hei­ßen hat­te; das „Wis­sen“ – das Un­be­wuss­te – dient dem „Ge­nie­ßen“, in Freuds Ter­mi­no­lo­gie: der Trieb­be­frie­di­gung.

Spaltung zwischen dem Wissen und der Wahrheit

Des­car­tes‘ Ar­gu­men­ta­ti­on  in den Me­di­ta­tio­nen über die ers­te Phi­lo­so­phie läuft – La­can zu­fol­ge – hin­aus auf die Spal­tung zwi­schen Wis­sen und Wahr­heit. Mit Wis­sen ist die Wis­sen­schaft ge­meint, mit Wahr­heit die Ga­ran­tie letz­ter Wahr­hei­ten; Des­car­tes über­lässt die Wahr­heits­ga­ran­tie Gott und sorgt da­mit da­für, so La­can, dass die Wis­sen­schaft­ler ar­bei­ten kön­nen, ohne sich um letz­te Wahr­hei­ten küm­mern zu müs­sen. Die­se Spal­tung kon­sti­tu­iert das Sub­jekt der Wis­sen­schaft und ent­fes­selt die Pro­duk­ti­vi­tät der mo­der­nen Wis­sen­schaf­ten.60

Die aus der Wis­sen­schaft aus­ge­schlos­se­ne Wahr­heits­fra­ge kehrt je­doch wie­der, wie al­les Ver­dräng­te, und zwar im Sym­ptom. In­so­fern ist das Sub­jekt, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, das Sub­jekt der Wis­sen­schaft. Das Sub­jekt sagt mehr, als es über sich weiß, es sagt Din­ge, in de­nen sich sei­ne Wahr­heit ma­ni­fes­tiert, sein Un­be­wuss­tes. La­can ent­wi­ckelt die­se The­sen vor al­lem in Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se.61

Be­zo­gen auf das Feld der Psy­cho­ana­ly­se ist die Spal­tung in Wis­sen und Wahr­heit die in das Un­be­wuss­te (das Wis­sen) und die Kas­tra­ti­on (die Wahr­heit), die Wahr­heit ist das Feh­len ei­nes Wis­sens, die Kas­tra­ti­on ist das Feh­len ei­nes un­be­wuss­ten Wis­sens über die Zwei­ge­schlecht­lich­keit.

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Anmerkungen

  1. In den Écrits fin­det sich die For­mu­lie­rung su­jet di­vi­sé  nur ein­mal, in Die Be­deu­tung des Phal­luscrits, S. 693; Schrif­ten II, S. 129, dort mit „ge­spal­te­nes Sub­jekt“ über­setzt). In den Au­tres écrits er­scheint sie drei Mal, dar­un­ter in Ra­dio­pho­nie (Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 436; dt.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S 39, was dort mit „ge­teil­tes Sub­jekt“ über­setzt wird). In den Se­mi­na­ren ver­wen­det La­can die  Wort­fol­ge su­jet di­vi­sé erst­mals in Se­mi­nar 12.
    Die Wen­dung di­vi­si­on du su­jet ist in den Schrif­ten et­was häu­fi­ger, in den Écrits fin­det man sie etwa in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens (Écrits, S. 825; Schrif­ten II, S. 202, dort mit „Tei­lung des Sub­jekts“ über­setzt) so­wie in Die Stel­lung des Un­be­wuss­ten (Écrits, S. 840; Schrif­ten II, S. 219, auch hier „Tei­lung des Sub­jekts“), in den Au­tres écrits er­scheint die Wort­fol­ge bei­spiels­wei­se in Ra­dio­pho­nie (Au­tres écrits, S. 413; Ra­dio­pho­nie, a.a.O., S. 16). In den Se­mi­na­ren spricht La­can von An­fang an über die di­vi­si­on, auf die ge­naue Wort­fol­ge di­vi­si­on du su­jet stößt man je­doch erst­mals in Se­mi­nar 11 (Ver­si­on Mil­ler, S. 199; in Ver­si­on Miller/Haas mit „Tei­lung des Sub­jekts“ über­setzt, S. 229).
    In den Écrits fin­det man die Rede von der ref­en­te des Sub­jekts in fast al­len klas­si­schen La­can-Auf­sät­zen: Die Aus­rich­tung der Kur, Die Be­deu­tung des Phal­lus, Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens, Die Po­si­ti­on des Un­be­wuss­ten, Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit; die Rede von der ref­en­te des Sub­jekts ist in den Écrits also weit­aus häu­fi­ger als die von sei­ner di­vi­si­on. In den Se­mi­na­ren ist es um­ge­kehrt hier ist ref­en­te sel­ten (man fin­det es etwa in Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 544). La­can ver­wen­det den im Fran­zö­si­schen sel­te­ne­ren Aus­druck ref­en­te also vor al­lem in der Schrift­spra­che, den ge­wöhn­li­chen Aus­druck di­vi­si­on vor al­lem in der ge­spro­che­nen Spra­che.
  2. Vgl. S. Freud: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 389–394. La­can be­zieht sich auf die­se Ar­beit zu­erst in Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 278.
  3. Vgl. „La Di­vi­si­on, ou l’Éclatement, du moi“, Se­mi­nar 5, Ver­si­on Mil­ler, S. 235 oder auch Ver­si­on Miller/Gondek, S. 278 in der deut­schen Über­set­zung fin­det man an die­ser Stel­le La­cans Über­set­zung ins Fran­zö­si­sche.
  4. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 544.
  5. Vgl. Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 1. De­zem­ber 1965. La­can be­zieht sich für Freuds Be­griff der Ich­spal­tung an die­ser Stel­le au­ßer­dem auf des­sen Auf­sät­ze Fe­ti­schis­mus von 1927 (Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3, a.a.O., S. 379–388) so­wie Der Rea­li­täts­ver­lust bei Neu­ro­se und Psy­cho­se von 1924 (Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3, S. 355–361).
  6. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 394.
  7. Die vor­geb­li­che Aus­set­zung der Wi­der­spruchs­frei­heit auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten ist ein­fach cet­te fon­da­men­ta­le split­ting du su­jet, die­ses grund­le­gen­de split­ting des Sub­jekts“,  Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 23. März 1966, mei­ne Über­set­zung.
  8. Von der „Ent­zwei­ung“ des Sub­jekts spricht La­can vor al­lem in Se­mi­nar 12, zu­erst in der Sit­zung vom 9. Juni 1965.
  9. Vgl. Sem. 13, Sit­zung vom 23. März 1966.
  10. So spricht La­can bei­spiels­wei­se von „der Schi­ze, der Ent­zwei­ung, der ra­di­ka­len Spal­tung, in der sich das Sub­jekt kon­sti­tu­iert“, Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 9. Fe­bru­ar 1966, mei­ne Über­set­zung.
  11. Das Sub­jekt ist not­wen­di­ger­wei­se ge­spal­ten: Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 5. Ja­nu­ar 1966.
  12. In Se­mi­nar 10 spricht La­can vom „ge­spal­te­nen Sub­jekt als der un­mög­li­chen Ver­ei­ni­gung“ (Ver­si­on Miller/Gondek, S. 385, Über­set­zung ge­än­dert).
  13. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 518.
  14. Vgl. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 187.
  15. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 197, Über­set­zung ge­än­dert.
  16. Und nicht etwa eine „si­gni­fi­kan­te Spal­tung“, wie Creu­sot, Haas und We­ber in Schrif­ten II, S. 129, über­set­zen. Vgl. hier­zu in die­sem Blog den Bei­trag Die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te – eine si­gni­fi­kan­te Ket­te?
  17. Die Wis­sen­schaft und die Wahr­heit, in: Schrif­ten II, S. 233
  18. Vgl. Se­mi­nar 13, Sit­zun­gen vom 23. März und vom 4. Mai 1966.
  19. Vgl. Schrif­ten II, S. 90.
  20. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 359, 369.
  21. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Mil­ler, S. 475; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 559.
  22. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 16. No­vem­ber 1966, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  23. S. Freud: Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten (1914). In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke. Chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Bd. 10, Wer­ke aus den Jah­ren 1913–1917. Ima­go, Lon­don 1949, S. 125–136, hier: S. 127 f.
  24. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. Juni 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 518, Über­set­zung ge­än­dert.
  25. Vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958; Ver­si­on Mil­ler, S. 48 (be­zo­gen auf $ in der For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a).
  26. Vgl. J.L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 132 Fn. 16.
  27. Vgl. Se­mi­nar 7, Ver­si­on Miller/Haas, S. 364.
  28. Die Op­po­si­ti­on von Aus­ge­sag­tem und Äu­ße­rungs­vor­gang wird ein­ge­führt in Se­mi­nar 6, in der Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1958.
  29. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1958, Ver­si­on Mil­ler S. 93, 95 f.; Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1958, Ver­si­on Mil­ler S. 106.
  30. Ro­man Ja­kob­son: Les em­bra­y­eurs, les ca­té­go­ries ver­ba­les et le ver­be rus­se. In: Ders.: Es­sais de lin­gu­is­tique gé­né­ra­le. Über­setzt aus dem Eng­li­schen von Ni­co­las Ru­wet. Mi­nuit, Pa­ris 1963, S. 176–196, hier: S. 181, im In­ter­net hier.
  31. Vgl. J.L.: Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ge Über­set­zung. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 9–72, hier: S. 14.
  32. Vgl. die Hin­wei­se auf den lin­gu­is­ti­schen Fach­be­griff shif­ter in Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958, Ver­si­on Mil­ler S. 45; Sit­zung vom 13. Mai 1959, Ver­si­on Mil­ler S. 436.
  33. Ro­man Ja­kob­son: Shif­ters, ver­bal ca­te­go­ries, and the Rus­si­an verb (1957). In: Ders.: Selec­ted Wri­tings. Vol. II. Word and Lan­gua­ge. Mou­ton: The Ha­gue: Mou­ton 1971, S. 130–147, hier: S. 133 (im In­ter­net hier).
  34. Ro­man Ja­kob­son: Ver­schie­ber, Ver­bka­te­go­ri­en und das rus­si­sche Verb. In: Ders.: Form und Sinn. Sprach­wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tun­gen. Fink, Mün­chen 1974, S. 35–54, hier: S. 39; im In­ter­net hier.
  35. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1958, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 93.
  36. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1958, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 95.
  37. In Mil­lers Ver­si­on hat die­ser Satz kei­ne An­füh­rungs­zei­chen, d.h. Mil­ler deu­tet ihn als La­cans Kom­men­tar, dass sich das Sub­jekt durch die „Ak­zen­te“ wie „mir scheint“ usw. in ein an­de­res ver­wan­delt.
  38. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1959, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 167 f.
  39. Se­mi­nar 6,  Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1959, Ver­si­on Mil­ler, S. 163.
  40. vgl. Sit­zung vom 16. Mai 1962.
  41. Sit­zung vom 9. Juni 1965. Der Be­griff wird mehr­fach auf­ge­grif­fen in Se­mi­nar 13.
  42. Die Fa­mi­lie, Schrif­ten III, S. 86.
  43. Se­mi­nar 10, Ver­si­on Miller/Haas, S. 351.
  44. Zu­erst in der Sit­zung vom 4. De­zem­ber 1957.
  45. Der Graf des Be­geh­rens wird ent­wi­ckelt in den Se­mi­na­ren 5 und 6 so­wie in dem Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 402, Schrif­ten II, S. 193.
  46. Die un­te­re Si­gni­fi­kan­ten­li­nie steht für den be­wuss­ten An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, sie führt von „Si­gni­fi­kant“ nach „Stim­me“; die obe­re Si­gni­fi­kan­ten­li­nie steht für den un­be­wuss­ten Lie­bes­an­spruchs, sie ver­läuft von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on (vgl. hier­zu in die­sem Blog den Ar­ti­kel Die von „Ge­nie­ßen“ nach „Kas­tra­ti­on“ füh­ren­de Li­nie.). Zwi­schen die­sen bei­den Li­ni­en ist, in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung ver­lau­fend, die Li­nie des Be­geh­rens auf­ge­hängt, ge­kenn­zeich­net durch d für dé­sir, Be­geh­ren. Sie führt vom Schnitt­punkt oben rechts, $◊D, nach un­ten und über $◊a, das Phan­tas­ma, zum Schnitt­punkt oben links, S(Ⱥ).
  47. Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971, Ver­si­on Mil­ler, S. 10.
  48. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zun­gen vom 9. Fe­bru­ar bis zum 11. März 1964.
  49. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 79.
  50. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 99, 110.
  51. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 97.
  52. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 112) und „geo­me­tra­les Subjekt“[1. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 112 f.
  53. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 97, 113.
  54. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 112, 122.
  55. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 229 f., mit ei­nem Stern­chen ver­se­he­ne Aus­drü­cke im Ori­gi­nal deutsch. Über­set­zung ge­än­dert; der Aus­druck „un­ai­re“ meint nicht „ein­zig“ (wie Haas über­setzt), son­dern „ein­zeln“; „ein­zig“ wäre uni­que.
  56. A.a.O., S. 229, Über­set­zung ge­än­dert.
  57. A.a.O., S. 229.
  58. Freud: „Wir ha­ben also Grund, eine Ur­ver­drän­gung an­zu­neh­men, eine ers­te Pha­se der Ver­drän­gung, die dar­in be­steht, daß der psy­chi­schen (Vorstellungs-)Repräsentanz des Trie­bes die Über­nah­me ins Be­wuß­te ver­sagt wird. Mit die­ser ist eine Fi­xie­rung ge­ge­ben; die be­tref­fen­de Re­prä­sen­tanz bleibt von da an un­ver­än­der­lich be­stehen und der Trieb an sie ge­bun­den. (…) Die zwei­te Stu­fe der Ver­drän­gung, die ei­gent­li­che Ver­drän­gung, be­trifft psy­chi­sche Ab­kömm­lin­ge der ver­dräng­ten Re­prä­sen­tanz oder sol­che Ge­dan­ken­zü­ge, die, an­ders­wo­her stam­mend, in as­so­zia­ti­ve Be­zie­hung zu ihr ge­ra­ten sind. We­gen die­ser Be­zie­hung er­fah­ren die­se Vor­stel­lun­gen das­sel­be Schick­sal wie das Ur­ver­dräng­te. Die ei­gent­li­che Ver­drän­gung ist also ein Nach­drän­gen.“ (S. Freud: Die Ver­drän­gung (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 109, Ein­fü­gung in run­den Klam­mern von Freud)
  59. Vgl. Se­mi­nar 11, vor al­lem Sit­zung vom 27. Mai 1964; Die Stel­lung des Un­be­wuss­ten (Vor­trag von 1960, über­ar­bei­tet 1964, ver­öf­fent­licht 1966), Schrif­ten III, S. 205–230, hier: S. 218–221.
  60. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 29. Ja­nu­ar 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 42 f.
  61. Vgl. v.a. die Sit­zun­gen vom 19. Mai 1965, 9. Juni 1965 und 16. Juni 1965.

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