Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 10. Sitzung (16. Juni 1971), Übersetzung

Jackson Pollock: Male and Female
1942–43, Öl auf Leinwand, 186 x 124 cm, Philadelphia Museum of Art

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Seminar XVIII (1971): Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre
10. Sitzung, 16. Juni 1971
Übersetzt von Rolf Nemitz

Vollständige Übersetzung von Seminar 18 auf der Grundlage der Version Staferla, der Version Espaces Lacan und einer Tonaufnahme

Zehnte und letzte Folge. Die Übersetzung von Seminar 18 ist damit abgeschlossen.

In Millers Version des Seminars ist dies Kapitel X, „Du mythe que Freud a forgé“(„Über den Mythos, den Freud ersonnen hat“), S. 163–178.

Die Übersetzung wird zweimal gebracht, einmal nur deutsch, einmal in einer Interlinearversion: ein Satz französisch, ein Satz deutsch.

Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme und auf größere Abweichungen in Millers Version; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben und Erläuterungen.

Einen Überblick über die verschiedenen Ausgaben von Seminar 18 findet man hier, Links zu Übersetzungen weiterer Sitzungen des Seminars hier.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott für sorgfältige und großzügige Hilfe beim Übersetzen auch dieser Sitzung und damit des gesamten Seminars! Unsere Arbeitsweise: Wir sind die von mir übersetzten Texte Satz für Satz zusammen noch einmal durchgegangen. Pro Lacan-Sitzung waren das drei Treffen zu drei Stunden, für das gesamte Seminar also 90 Stunden.

Textgrundlage

Grundlage der Übersetzung dieser Sitzung ist:

Version Espaces Lacan von Seminar 18.
Transkription einer Tonaufnahme auf der Seite „Espaces Lacan“
(space.freud.pagesperso-orange.fr), HTML-Format

Die Transkription wurde von mir mit einer Tonaufnahme der Sitzung und mit der von Jacques-Alain Miller erstellten (redaktionell bearbeiteten) Version verglichen und nur an wenigen Stellen geändert; allerdings ist die Tonaufnahme dieser Sitzung, die man auf der Website von Patrick Valas findet, unvollständig, sie registriert nur die erste Hälfte der Sitzung. Wortwiederholungen, bei denen offenkundig ist, dass Lacan nach einer Formulierung sucht, habe ich gestrichen. Der Schnitt der Sätze (Punkt oder Semikolon oder Komma) sowie die Orthografie wurden bisweilen geändert. Die Gliederung in Absätze ist von mir.

Die Tonaufnahme findet man auf der Website von Patrick Valas, valas.fr, hier. Millers Version ist: J. Lacan: Le séminaire, livre XVIII. D’un discours qui ne serait pas du semblant. 1971. Textherstellung Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 2007.

Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.

Der Schrägsstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.

Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals. In langen unübersichtlichen Sätzen verwende ich runde Klammern auch dazu, die Satzkonstruktion überschaubar zu machen.

Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.

Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text.

¿Gelb markierte und von umgekehrten Fragezeichen eingeklammerte Passagen der Übersetzung¿ weisen darauf hin, dass die Übersetzung hier sehr unsicher ist.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift, z.B. [10], verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe des Seminars.

Sitzung vom 9. Juni 1971

Tonaufnahme

Die Tonaufnahme dieser Sitzung ist unvollständig, sie erfasst nur die erste Hälfte der Sitzung. .

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Deutsch

[163] Ich werde heute versuchen, den Sinn des Weges zu bestimmen, auf dem ich Sie in diesem Jahr geführt habe, unter dem Titel Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre.

Diese Hypothese – denn dieser Titel ist Ihnen im Konditional präsentiert worden –, diese Hypothese ist die, von der her jeder Diskurs sich begründet.

Vergessen Sie nicht, dass ich im Jahr davor versucht habe, in vier typischen Diskursen diejenigen Diskurse zu artikulieren, mit denen Sie es zu tun haben, in einer bestimmten etablierten Ordnung, die sich selbst natürlich nur für die Geschichte begründet. Wenn ich sie in vier aufgebrochen habe, so ist dies etwas, was ich glaube, durch die Erläuterung begründet zu haben, die ich dazu gegeben habe, sowie durch die Form, die in einer Schrift, die paradoxerweise Radiophonie heißt – aber so paradox ist das nun auch wieder nicht, falls Sie gehört haben, was ich das letzte Mal gesagt habe –; eine bestimmte Ordnung also in dieser Schrift bringt Ihnen die Termini in Erinnerung. Von dem Gleiten her, das immer synkopiert ist, von dem Gleiten der vier Termini her, bei denen es immer zwei gibt, die eine Lücke bilden, von daher habe ich diese Diskurse – die ich als Diskurs des Herrn bezeichnet habe, als Diskurs der Universität, als Diskurs, den ich mit dem Terminus der Hysterikerin ausgezeichnet habe, und als Diskurs des Analytikers –, von daher habe ich sie geordnet.

Diese Diskurse haben die Eigenschaft, dass sie immer ihren Anordnungspunkt haben, der im Übrigen auch der ist, woran ich sie festmache, von daher, dass sie so sind, dass sie vom Schein ausgehen.

Was zeichnet den analytischen Diskurs aus, sodass er derjenige ist, der es uns insgesamt gestattet, die Diskurse, indem wir sie so artikulieren, auch in vier grundlegende Anordnungen aufzuteilen?

Es ist paradox, es ist eigenartig, dass eine derartige Äußerung sich als etwas darstellt, das am Ende dessen ist, was derjenige ermöglicht hat, der am Ursprung des analytischen Diskurses steht, nämlich Freud. | [164] Ermöglicht hat er es nicht dadurch, dass er von nichts ausging. Er hat es von dem aus ermöglicht, was sich als etwas darstellt – das habe ich oftmals artikuliert –, was das Prinzip eben dieses Diskurses ist, nämlich das, was begünstigt wird durch ein bestimmtes Wissen, durch das die Verbindung der Wahrheit mit dem Wissen aufgeklärt wird.

Es ist wirklich außergewöhnlich, dass gerade diejenigen, die, wenn sie in einer bestimmten Perspektive erfasst werden, die wir dadurch definieren könnten, dass sie sich an der Gesellschaft ausrichtet, dass also diejenigen, die sich in dieser Perspektive als Behinderte darstellen, seien wir freundlicher, als Hinkende – man weiß ja, dass Schönheit hinkt –, nämlich die Neurotiker, insbesondere die Hysterikerinnen und die Zwangsneurotiker, dass also sie es sind, von denen dieser überwältigende Lichtstreif ausgeht, ausgegangen ist, der in Länge und Breite die demansion durchquert, die durch die Sprache bedingt ist.

Die Funktion, die die Wahrheit ist, ja gelegentlich –. [Unterbrechung durch Lärm im Hörsaal]

X: Hören Sie auf zu fotografieren!

Lacan: Was ist los? Was gibt es? Bitte? Könnte ich verstehen, was man mir sagt?

X: Es geht nicht um Sie, aber da werden gerade Fotos gemacht.

Lacan: Wenn mir jemand etwas zu sagen hat, möge er es mir gegenüber ganz präzise äußern!

Jeder kennt den Platz, den das in den Äußerungen von Freud einnimmt, sogar diese Kristallisierung, die das ist, was wir in ihrer modernen Form kennen, was wir von der Religion kennen, insbesondere von der jüdisch-christlichen Tradition, auf die sich alles bezieht, was Freud über die Religionen geäußert hat.

Das hängt zusammen, ich erinnere daran, mit der Operation der Subversion dessen, was sich bis dahin aus alter Tradition unter dem Titel der Erkenntnis aufrechterhalten hatte, und diese Operation geht auf den Begriff des Symptoms zurück.

Es ist historisch wichtig sich klarzumachen, dass nicht darin die Neuartigkeit der von Freud realisierten Einführung in die Psychoanalyse besteht; der Begriff des Symptoms, wie ich mehrfach hervorgehoben habe, und da es sehr leicht ist, ihn beim Lesen desjenigen auszumachen, der dafür verantwortlich ist, nämlich Marx –.

Was es in der Erkenntnistheorie an fundamentalem Betrug gibt, diese Dimension des Scheins, die den Betrug einführt, der als solcher von der marxistischen Subversion angeprangert wird, die Tatsache, dass das, was angeprangert wird, immer in einer bestimmten Tradition steht, die ihren Höhepunkt mit dem Hegel’schen Diskurs erreicht hat, dass hier ein gewisser Schein die Funktion von Gewicht und Maß übernommen hat, wenn ich so sagen kann, ein Schein, der für bare Münze zu nehmen ist. Und es ist nicht ohne Bedeutung, dass ich diese Metaphern verwende, denn des Geld, das Kapital als solches, ist der Angelpunkt, um den sich diese Kritik dreht, die das auf dem Fetisch beruhen | [165] lässt, was eine Wiederkehr des Denkens wieder an seinen Platz stellen muss, und zwar genau als Schein.

Das Eigentümliche dieser Bemerkung ist jedoch auch dazu geeignet, uns wahrnehmen zu lassen, dass es nicht hinreicht, dass in dieser Kritik etwas geäußert wird, in dieser Kritik, die als Wahrheit auftritt, in deren Namen der Mehrwert auftaucht, der Mehrwert gefördert wird, als Triebfeder dessen, wodurch das auf seinen Schein reduziert wird, was bis dahin durch eine Reihe von absichtlichen Verkennungen gestützt wurde; dass es nicht hinreicht, möchte ich anmerken, und die Geschichte beweist es, dass sich dieses Hereinbrechen der Wahrheit vollzieht, damit dann das, was sich auf diesen Diskurs stützt, gestürzt wird.

Dieser Diskurs, den wir bei dieser Gelegenheit „kapitalistisch“ nennen könnten, insofern er eine Ausformung des Herrendiskurses ist, findet hier vielmehr faktisch seine Ergänzung. Es scheint, dass es dem kapitalistischen Diskurs durch die Erkenntnis der Funktion des Mehrwerts keineswegs schlechter geht und dass er von daher nicht weniger Bestand hat, und dass auch der in einem Herrendiskurs fortgeführte Kapitalismus genau das ist, was die politischen Folgen zu unterscheiden scheint, die daraus in Gestalt einer politischen Revolution hervorgegangen sind, die aus der marxistischen Kritik dessen hervorgegangen sind, worum es bei einem bestimmten Diskurs des Scheins geht.

Darum werde ich mich hier nicht breit über das auslassen, was es mit der historischen Mission auf sich hat, die hierdurch im Marxismus oder zumindest in seinen Manifesten den Proletariern zugewiesen wird. Es gibt hier, möchte ich sagen, einen Rest an humanistischer Entifizierung, die, indem sie aus dem Proletarier eben denjenigen macht, der in diesem Mechanismus am meisten ausgeraubt wird, und nichtsdestoweniger dabei zeigt, das etwas fortbesteht, was ihn in diesem Zustand der Beraubung tatsächlich fortbestehen lässt; und dass die Tatsache, dass er die Stütze dessen ist, was in Form des Mehrwerts hergestellt wird, dennoch nichts ist, was ihn in irgendeiner Weise von der Artikulation dieses Diskurses befreit.

Damit führt diese Kritik uns zu einer Befragung zurück, die sich auf das bezieht, was ursprünglicher sein könnte und was sich am Ursprung jedes Diskurses finden würde, insofern er Diskurs des Scheins ist.

Dies ist es auch, womit uns das, was ich mit dem Terminus der Mehrlust artikuliert habe, auf das verweist, was im Freudschen Diskurs befragt wird, als etwas, was das Verhältnis von etwas in Frage stellt, was im strengen Sinne und aufs Neue als Wahrheit im Gegensatz zu einem Schein artikuliert wird, und diese Wahrheit, dieser Gegensatz und diese Dialektik von Wahrheit und Schein ist – wenn das, was Freud sagt, einen Sinn hat – auf der Ebene dessen verortet, was ich mit dem Ausdruck des sexuellen Verhältnisses bezeichnet habe.

[166] Kurz, ich habe zu artikulieren gewagt,  ich habe es gewagt, dazu anzustiften, dass man sich klar darüber wird, dass, wenn diese Enthüllung, die uns durch das Wissen des Neurotikers in Bezug auf etwas geliefert wird, <einen Sinn hat, dann kann dies> nichts anderes sein als das, was so artikuliert wird: Es gibt kein sexuelles Verhältnis.

Was heißt das? Sicherlich nicht, dass die Sprache <es nicht sagen kann>, da ich es ja bereits sage; „es gibt kein sexuelles Verhältnis“, das ist etwas, was gesagt werden kann, da es jetzt gesagt ist. Aber natürlich genügt es nicht, es zu sagen, es muss auch noch motiviert werden. Und die Motive nehmen wir aus unserer Erfahrung, die von dem sich durchziehenden Faden dessen erfasst wird, was sich an diese grundlegende Kluft klammert, und dieser sich durchziehende Faden verknotet sich. Er geht wesentlich von etwas aus, das in dem, was den Diskurs des Neurotikers ergibt, um diese Leere gewickelt ist.

Das letzte Mal habe ich – ich habe es Sie spüren lassen, hinreichend hervorgehoben –, habe ich versucht, von etwas Geschriebenem aus zu skizzieren, wie sich das, worum es beim Ausgangspunkt dieses Fadens geht, verorten lässt. Heute habe ich sicherlich nicht die Absicht – die Sache ist jenseits der Grenzen all dessen, was im begrenzten Raum eines Seminars gesagt werden kann –, nicht die Absicht, über das <zu sprechen>, was der Neurotiker von seinem Verhältnis zu diesem Abstand anzeigt, sondern über das, was die Mythen <besagen>, von denen her sich die Mythen geordnet haben, wenn ich so sagen kann, die Freud ersonnen hat, nicht immer unter dem Diktat, wohl aber als Echo auf den Diskurs des Neurotikers.

Um das in so kurzer Zeit tun zu können, muss man von diesem wirklich zentralen Punkt ausgehen, der auch ein Rätselpunkt des psychoanalytischen Diskurses ist, des psychoanalytischen Diskurses, insofern er hier nur auf diesen letzten Diskurs achtet, auf denjenigen, der nicht Diskurs vom Schein wäre. Er achtet auf einen Diskurs, der nur das wäre, der aber auch nur das ist, möchte ich sagen, was angezeigt wird, nur die Grenze ist, die dem Diskurs aufgezwungen ist, wenn es um das sexuelle Verhältnis geht. Ich habe versucht – was mich angeht, an dem Punkt, an dem ich damit bin, von dem aus ich alles vorbringe, was davon weiter formuliert werden könnte –, Ihnen zu sagen, dass es von seinem Scheitern auf der Ebene einer Logik herrührt, einer Logik, die sich auf das stützt, worauf jede Logik sich stützt, nämlich auf die Schrift (écriture).

Es ist klar, dass das Werk von Freud ein geschriebenes Werk ist, aber ebenso auch, dass das, was von diesen Schriften umrissen wird, etwas ist, was von einer verhüllten, dunklen Wahrheit umgeben ist, derjenigen, die sich darin äußert, dass ein sexuelles Verhältnis, so wie es in einen wie auch immer gearteten Vollzug übergeht, nur von dieser Verbindung her gestützt wird, nur von ihr her einen Platz einnimmt, nämlich ausgehend von der Verbindung von Genießen und Schein, die Kastration heißt.

Dass wir sie im Diskurs des Neurotikers in jedem Moment wiederauftauchen sehen, jedoch in Gestalt einer Furcht, eines Vermeidens, genau darin bleibt die Kastration rätselhaft; dass, kurz gesagt, keine ihrer Realisierungen in sehr unterschiedlichen, unbeständigen, schillernden Gestalten oder auch die Erkundung der Psychopathologie – zumindest der analysierbaren Erscheinung dieser Psychopathologie, die ihm durch Ausflüge in | [167] die Ethnologie ermöglicht werden – davon unberührt bleibt, dass wir das, wodurch sich all das auszeichnet, was als Kastration evoziert wird, dass wir es in welcher Form sehen? immer in Form eines Vermeidens.

Wenn der Neurotiker, wenn ich so sagen darf, das notwendige Hereinbrechen dessen bezeugt, was ich soeben als die Verbindung von Genießen und Schein bezeichnet habe, die sich als Kastration darstellt, so zeigt er sich eben darin in gewisser Weise unfähig.

Und wenn all das, was es an Initiationsritualen gibt, die, wie Sie wissen –; und wenn Sie es nicht wissen, müssen Sie nur die einschlägigen Arbeiten lesen. Und um zwei davon zu nehmen, die Produkte aus dem Inneren des analytischen Feldes sind, verweise ich Sie auf Problems of bisexuality as reflected in circoncision, das heißt Probleme der Bisexualität, wie sie sich in der Beschneidung darstellen, von Herman Nunberg, erschienen in [unverständlich], das heißt letztlich bei Imago Pusblishing in London, und andererseits eine Arbeit mit dem Titel Symbolische Wunden von Bruno Bettelheim. Sie werden hier (ausgebreitet in seiner ganzen Mehrdeutigkeit, in seinem fundamentalen Schwanken) gewissermaßen das Zögern des analytischen Denkens sehen, zwischen einer erklärenden Anordnung, die aus einer Kastrationsfurcht (die völlig in Stich gelassen wird und gewissermaßen dem Glück oder dem Unglück überlassen wird, ganz wie Sie möchten) die daraus Unfälle macht, in denen sich etwas darstellt, das, in diesem Register erfasst, nur die Wirkung irgendeines Missverständnisses wäre (das eben der Springquell von Vorurteilen wäre, von Ungeschicklichkeiten, von etwas Korrigierbarem), und im Gegensatz hierzu einem Denken, das mitbekommen hat, dass es hier etwas gibt, dessen Konstanz (zumindest in einer ungeheuren Anzahl von Produktionen, die wir in sämtlichen Registern aufzeichnen können, ob diese Kataloge nun mehr oder weniger gut gemacht sind, seien es die der Ethnologie oder die der Psychopathologie, an die ich gerade erinnert habe, oder noch andere), dessen Konstanz uns damit konfrontiert, dass sich dies auf etwas bezieht (und Freud bringt es gelegentlich zum Ausdruck, im Unbehagen in der Kultur weiß er es sehr gut zu sagen), sich auf etwas bezieht, im Verhältnis zu dem letztlich gar nicht mehr so neu ist, was ich mit dem „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ formuliert habe.

Er weist darauf hin, er weist natürlich, wie er es für gewöhnlich tut, in Termini darauf hin, die völlig klar sind, dass sich hierbei zweifellos, genau in Bezug auf das sexuelle Verhältnis, eine bestimmte Fatalität einschreibt, die hier all das notwendig macht, was dann, um es klar zu sagen, als die Mittel erscheinen, als die Brücken, die Stege, die Gebäude, die Konstruktionen, die, angesichts des Ausfallens des sexuellen Verhältnisses (insofern in einer Art Umkehrung der Perspektive jeder mögliche Diskurs letztlich nur als | [168] Symptom erscheinen würde), die im Inneren dieses sexuellen Verhältnisses dafür sorgen (unter Bedingungen, die wir für gewöhnlich auf die Vorgeschichte beziehen, auf die außerhistorischen Bereiche), die unter diesen Bedingungen in gewisser Weise den Erfolg dessen ermöglichen würden, was an Künstlichem für diesen Mangel als Ersatz eingebracht werden könnte, für den Mangel, der in das sprechende Wesen insgesamt eingeschrieben ist (ohne dass wir wissen können, ob es deshalb so ist, weil es sprechend ist, oder im Gegenteil deshalb, weil der Ursprung darin besteht, dass das Verhältnis nicht sprechbar ist), dass etwas für all diejenigen ausgearbeitet werden muss, die die Sprache bewohnen, dass für sie sich etwas entwickeln muss, wodurch, in Gestalt der Kastration, die Kluft ausgefüllt wird, die in diesem Etwas gelassen wird, was gleichwohl wesentlich ist, biologisch wesentlich ist für die Reproduktion dieser Lebewesen, damit ihre Rasse fruchtbar bleibt.

Das ist eben wirklich das Problem, dem sich all das zu stellen scheint, worum es bei den Initiationsritualen geht. Dass zu diesen Initiationsritualen solche Manipulationen, Operationen, Einschnitte, Beschneidungen gehören, die sich auf das Organ richten und ihre Markierungen eben genau auf dasjenige Organ setzen, das wir als Symbol fungieren sehen, in dem, was sich uns durch die analytische Erfahrung als etwas darstellt, was über die Besonderheit eines Organs weit hinausgeht, da es der Phallus ist, und der Phallus insofern, als sich auf dieses Dritte hin all das ordnet, wodurch das Genießen insgesamt in eine Sackgasse gebracht wird, die aus dem Mann und der Frau, sofern wir sie mit einem einfachen biologischen Etikett definieren können, diese Wesen macht, die eben gerade mit dem sexuellen Genießen Schwierigkeiten haben, in einer Weise, die sich von allen anderen Arten des Genießens unterscheidet.

Das ist eben das, worum es geht, und es ist das, wovon wir ausgehen müssen, wenn wir wollen, dass für das, was durch den analytischen Diskurs eröffnet wird, die richtige Richtung beibehalten wird.

Falls etwas existiert – das wird uns unterstellt –, etwas Definiertes, so ist es das, was wir die Kastration nennen, die das Privileg hätte, dem zu begegnen, dessen Unentscheidbares den Grund des sexuellen Verhältnisses ausmacht, insofern das Genießen hier geordnet werden muss.

Bezogen auf das, was nicht unvermeidbar zu sein scheint, und ich spreche über diese Aussagen, steht die Dramaturgie des Zwangs (contrainte) – die nun einmal den Alltag des analytischen Diskurses ausmacht – völlig im Gegensatz. Das ist eine Bemerkung, die den Wert des zweiten Buches ausmacht, von Bruno Bettelheim, auf das ich Sie hingewiesen habe und das offensichtlich völlig im Gegensatz zu dem steht, was das einzig Wichtige ist: Es geht nicht darum, das, worum es bei den Initiationsritualen geht, in die Vorgeschichte zurückzustoßen. Die Initiationsrituale wie all das, bei dem uns der Sinn danach stehen mag, es in die Vorgeschichte zurückzustoßen, sie sind da, es gibt sie immer, überall auf der Welt sind sie lebendig. Es gibt noch | [169] Australier, die sich beschneiden lassen, die eine Subinzision an sich vornehmen lassen, es gibt ganze Gebiete der Zivilisation, in denen die Beschneidung herrscht, und zu verkennen, dass diese Praktiken in einem sogenannten aufgeklärten Jahrhundert nicht nur fortbestehen, sondern in Blüte stehen, dass es mit ihnen sehr gut steht –. Offensichtlich müssen wir von da ausgehen, um zu bemerken, dass dies keine denkbare Dramaturgie des Zwangs ist, welche auch immer, dass es kein Beispiel dafür gibt, dass es sich nur um Zwang handelt.

Es geht außerdem darum, was „Zwang“ bedeutet. Ein Zwang ist immer etwas von einer ganz anderen Ordnung als dem angeblichen Vorherrschen einer angeblichen physischen oder sonstigen Überlegenheit. Er wird eben genau durch Signifikanten gestützt. Und wenn solche Subjekte sich dem Gesetz, der Regel besagter Signifikanten unterwerfen wollen, dann hat das Gründe, und diese Gründe sind das, was für uns wichtig ist. Und hier müssen wir vielmehr danach fragen, worin das Entgegenkommen besteht – um einen Ausdruck zu verwenden, der, auch wenn er uns geradewegs zur Hysterikerin führt, nichtsdestoweniger von äußerst allgemeiner Tragweite ist –, das Entgegenkommen, das dazu führt, dass sehr wohl das fortbesteht, und zwar in vollkommen historischen Zeiten, was man uns als etwas darstellt, dessen Bild bereits von sich aus unerträglich wäre. Und es könnte tatsächlich für diesen oder jenen unerträglich sein, und das ist genau das, worum es geht, nämlich zu wissen warum.

Und hier nehme ich meinen Faden wieder auf.

Indem wir diesem Faden folgen, geben wir dem einen Sinn, was von der Sprache (langage) in dem artikuliert wird, was ich dieses unveröffentliche Sprechen (parole inédite) nennen möchte, unveröffentlicht jedenfalls bis zu einer bestimmten Epoche, die durchaus historisch und in unserer Reichweite ist, dieses unveröffentlichte Sprechen, das sich insgesamt als etwas darstellt, das zum Teil immer unveröffentlicht bleiben muss – es gibt keine andere Definition, die für das Unbewussten zu geben wäre.

Kommen wir damit zur Hysterikerin, da ich gern von der Hysterikerin ausgehe, um zu versuchen, das zu sehen, wohin dieser Faden uns führt.

Die Hysterikerin, aber sie werden mich fragen – na ja, ich hoffe, dass nicht – jedenfalls, was ist das? Schließlich, na ja, eben das ist der Sinn des analytischen Diskurses. Das heißt, dass auf eine derartige Frage, was ist das, was bedeutet das, die Hysterikerin in Person –? Mir scheint, dass ich lange genug ausgehend vom Imaginären gearbeitet habe, um darauf hinzuweisen, dass „in Person“ – um einfach an das zu erinnern, was bereits im Terminus „Person“ geschrieben ist –, das bedeutet „in Maske“. Welchen Sinn das hat, dazu kann zu Beginn keine Antwort gegeben werden. | [170] Auf die Frage „Was ist die Hysterikerin?“ ist die Antwort des analytischen Diskurses: „Das werden Sie noch sehen.“ Sie werden es genau dann sehen, wenn Sie dem folgen, wohin sie uns führt.

Gewiss, ohne die Hysterikerin wäre nirgendwo zutage getreten, worum es bei dem geht, was ich anschreibe. Denn ich schreibe an. Ich versuche, Ihnen die erste logische Skizze dessen zu geben, worum es jetzt geht, dessen, was ich „Φ von x“ schreibe, was nämlich dies ist, dass das Genießen, die Variable in der mit x angeschriebenen Funktion, durch das Verhältnis zu diesem Φ verortet ist, das hier den Phallus bezeichnet – zentrale Entdeckung oder eher Wiederentdeckung oder, wie Sie wollen, Wiedertaufe. Denn wie ich Ihnen letztes Mal gezeigt habe, der Terminus ist übernommen vom Phallus als Schein, der in den Mysterien enthüllt wird, und das nicht zufällig.

Um das gut zu spüren [Störung im Hörsaal] [unverständlich] der Spott [unverständlich].

Das ist der Gipfel der Paradoxie, denn das besteht genau darin, dass der Angelpunkt, das Zentrum von allem, was vom sexuellen Genießen geordnet oder eingeschränkt werden kann, auf den Schein des Phallus bezogen wird, dass es das ist, wohin Freud uns führt, seit den ersten Annäherungen an die Hysterikerinnen, seit den Studien über Hysterie.

Das letzte Mal habe ich Folgendes artikuliert: dass insgesamt – um die Dinge von dem Punkt her anzugehen, der tatsächlich befragt werden kann, von dem her, worum es im ganz gewöhnlichen Diskurs geht –; dass insgesamt, wenn wir das, worauf die Linguistik uns hinweist, nicht etwa bis zu Ende führen wollen, sondern es einfach extrapolieren wollen, wenn wir uns nämlich klarmachen, dass nichts von dem, was die Sprache zu tun erlaubt, je etwas anderes ist als Metapher oder aber Metonymie; dass das, was jedes Sprechen gleich welcher Art in einem bestimmten Moment zu denotieren vorgibt, immer nur auf eine Konnotation verweist; dass es dann – wenn es etwas gibt, was letztlich als das angezeigt werden kann, was von jeder zusammengesetzten Funktion der Sprache denotiert wird, ich habe es Ihnen das letzte Mal gesagt –, dass es dann nur eine Bedeutung* gibt, *die Bedeutung des Phallus*.

Das ist hier das einzige, was von der Sprache denotiert wird, sicherlich denotiert wird, ohne dass hierauf jemals etwas antworten könnte. Denn wenn es eben etwas gibt, was den Phallus charakterisiert, dann ist es gerade nicht, der Signifikant des Mangels zu sein, wie einige geglaubt haben, einige meiner Worte verstehen zu können, sondern in jedem Fall sicherlich das zu sein, wovon keinerlei Sprechen ausgeht.

Sinn* und Bedeutung* – von da aus, letztes Mal habe ich daran erinnert, von diesem Gegensatz aus, der von einem Logiker artikuliert wurde, der wirklich etwas Neues eingeführt hat, nämlich von Frege –, Sinn* und Bedeutung* definieren Bezüge, die weiter gehen als die von Konnotation und Denotation. Viele Dinge in diesem Artikel, mit dem Frege die beiden Seiten des Sinns* und der Bedeutung* einführt, viele Dinge sind festzuhalten, insbesondere für einen Analytiker. Denn ohne Bezug auf die Logik, der sich natürlich nicht mit der klassischen Logik, mit der aristotelischen Logik begnügen kann, ohne Bezug auf die Logik ist es sicherlich unmöglich, bei den Themen, die ich angehe, den richtigen Punkt zu finden.  

[171] Der Hinweis von Frege dreht sich gänzlich darum, dass wir, wenn wir an einen bestimmten Punkt des wissenschaftliche Diskurses gelangt sind, dass wir dann Tatsachen wie beispielsweise folgende konstatieren, nicht wahr: Ist es dasselbe, „Venus“ zu sagen, oder sie auf zweierlei Weise zu benennen, so wie sie lange bezeichnet wurde, „Abendstern“ und „Morgenstern“? Ist es dasselbe, „Sir Walter Scott“ zu sagen“ oder zu sagen „der Autor von Waverley“? Diejenigen, die es nicht wissen, möchte ich darauf hinweisen, dass er tatsächlich der Verfasser jenes Werkes ist, das Waverley heißt. Bei der Untersuchung dieser Unterscheidung wird Frege klar, dass es nicht möglich ist, „Sir Walter Scott“ in allen Fällen durch „der Autor von Waverley“ zu ersetzen. Hierbei trifft er die Unterscheidung, dass „der Autor von Waverley“ einen Sinn* transportiert, und dass „Sir Walter Scott“ eine Bedeutung* bezeichnet.

Wenn man mit Leibniz fordert, dass salva veritate, die Wahrheit zu erhalten ist, dann ist klar, dass man fordern muss, dass all das, was als Element einer äquivalenten Bedeutung* bezeichnet wird, einander gleichermaßen ersetzen kann. Und wenn man die Sache prüft? Ich werde sie sofort überprüfen, auf den Wegen, die Frege selbst gebahnt hat. König Georg III. – mir ist gleich, ob es Georg III. oder Georg IV. war, das hat in diesem Falle nur wenig Bedeutung – fragte, wollte wissen, ob Sir Walter Scott der Autor von Waverley sei. Wenn wir „der Autor von Waverley“ durch „Sir Walter Scott“ ersetzen, erhalten wir den folgenden Satz: König Georg III. wollte wissen, ob Sir Walter Scott Sir Walter Scott sei – was offensichtlich keineswegs denselben Sinn hat. Ausgehend von dieser einfachen Bemerkung, einer logischen Operation, führt Frege seine grundlegende Unterscheidung von Sinn* und Bedeutung* ein.

Es ist völlig klar, dass diese Bedeutung* natürlich auf eine Bedeutung* verweist, die stets weiter entfernt ist.

Was ihn angeht, so hält er sicherlich inne bei der Unterscheidung zwischen dem, was er „ungerade Rede“ und „gerade Rede“ nennt. Insofern es ein Nebensatz ist, in dem die Frage von König Georg III. formuliert wird, müssen wir hier den eigenständigen Sinn* der beiden Ausdrücke festhalten und dürfen wir „der Autor von Waverley“ keinesfalls durch „Sir Walter Scott“ ersetzen.

Aber das ist natürlich ein Kunstgriff, das ist ein Kunstgriff, der für uns –, der uns auf den Weg bringt, nämlich dass „Sir Walter Scott“ hier ein Name ist, und auch, dass Monsieur Carnap, als er die Frage der Bedeutung* aufgreift, sie mit dem Ausdruck „Nominatum“ übersetzt, womit er genau da ausrutscht, wo er nicht hätte ausrutschen dürfen. Denn das ist genau das, was es uns erlauben kann, weiter zu gehen, aber sicherlich nicht in dieselbe Richtung wie Monsieur Carnap. Das ist diejenige die sich darauf bezieht, was der Name bedeutet.

Es ist für uns hier sehr einfach, die Verbindung zu dem herzustellen, worauf ich vorhin hingewiesen habe. Ich habe Sie darauf hingewiesen, dass der Phallus nicht antwortet. Nun ja, dies führt uns zu dem Punkt, den ich hier betonen möchte, nämlich dass der Name – der Name* und das noun, aber nur auf der Ebene des Eigennamens sieht man die Dinge –, dass der Name, wie mal jemand gesagt hat, das ist, was aufruft. Aber zu was? Das ist das, was zum Sprechen aufruft. Und eben darin besteht die Sonderstellung des Phallus, nämlich dass man ihn noch so sehr aufrufen kann, er wird nie etwas sagen.

Nur dies gibt dann dem seinen Sinn, was ich seinerzeit „Vatermetapher“ genannt habe, und eben dorthin führt uns die Hysterikerin. Die Vatermetapher, ich meine da, wo ich sie eingeführt habe, das heißt auf der Ebene meines Artikels Über die Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, die Vatermetapher habe ich in das allgemeine Schema eingefügt, das daraus extrahiert ist, dass das, was die Linguistik uns über die Metapher sagt, an das angenähert wird, was die Erfahrung des Unbewussten uns von der Verdichtung liefert. Ich habe geschrieben S über S1, multipliziert mit S1 über dem kleinen s

\frac {\text S}{\text S_1} \cdot \frac {\text S_1}{\text s}

ich habe mich, wie ich gleichermaßen in Das Drängen des Buchstabens geschrieben habe, stark auf diejenige Seite der Metapher gestützt, die darin besteht, einen Sinn hervorzubringen.

\frac {\text S_1}{\text {\$'}} \cdot \frac {\text {\$'}}{x} \rightarrow \text{\normalsize {S}} \left( \frac {\text {1}}{s} \right)
Formel der Metapher in „Über eine Frage …“1

 

{f} \left( \frac {\text S'}{\text S} \right) \text{\normalsize {S}} \cong \text{\normalsize {S (+) s}}
Formel der Metapher in „Das Drängen des Buchstabens …“2

Wenn „der Autor von Waverley“ Sinn* ist, dann genau deshalb, weil „der Autor von Waverley“ etwas anderes ersetzt, nämlich die anfängliche Bedeutung*, von der Frege glaubt, sie am Namen „Sir Walter Scott“ festmachen zu können.

Aber nun ja, ich habe die Vatermetapher nicht nur unter diesem Blickwinkel ins Auge gefasst. Wenn ich irgendwo geschrieben habe, dass der Name-des-Vaters der Phallus ist – und Gott weiß, welche Schauder des Entsetzens das bei einigen frommen Seelen hervorgerufen hat –, dann eben deshalb, weil ich es damals nicht besser artikulieren konnte. Es ist klar, dass das der Phallus ist, gewiss, aber dass das dennoch der Name-des-Vaters ist.

Wenn das, was Vater genannt wird, Name-des-Vaters, wenn das ein Name ist, der eine Wirksamkeit hat, dann genau deshalb, weil jemand sich erhebt um zu antworten. Unter dem Blickwinkel dessen, was sich hinsichtlich der Determination der Psychose von Schreber ereignet hat, konnte ich den Namen-des-Vaters zu Recht als Signifikanten verorten, als Signifikanten, der in der Lage ist, dem Begehren der Mutter einen Sinn zu geben. Aber auf der Ebene dessen, worum es geht, wenn es, sagen wir, die Hysterikerin ist, die ihn auffordert, dann geht es darum, dass jemand spricht.

Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass, wenn Freud bisweilen versucht hat, ein wenig näher an die Funktion des Vaters heranzukommen, die für den analytischen Diskurs so wesentlich ist, dass man dann in gewissem Sinne sagen kann, dass diese Funktion das Produkt dieses Diskurses ist. Wenn ich den analytischen Diskurs für Sie so geschrieben habe, | [173] klein a über S2, das heißt der Analytiker über dem, was er durch den Neurotiker an Wissen hat, der Analytiker, der das Subjekt befragt [→ $], um hier etwas einzuführen, dann kann man sagen, dass der Herrensignifikant [S1] des analytischen Diskurses bis jetzt eben der Name-des-Vaters ist.

\frac {a}{\text S_2} \:^\rightarrow \, \frac {\$}{\text S_1}
Diskurs des Analytikers

Es ist äußerst merkwürdig, dass es den analytischen Diskurs gebraucht hat, damit sich Fragen dazu stellen. Was ist ein Vater? Freud zögert nicht, zu artikulieren, dass dies hier der Name schlechthin ist, der den Glauben einschließt. Das ist die Art, wie er sich ausdrückt. Dennoch könnten wir vielleicht ein ganz klein bisschen mehr davon wünschen (désirer). Letztlich, um die Dinge ganz dicht an der biologischen Ebene zu nehmen, man kann sich ohne Weiteres vorstellen, dass die Reproduktion der menschlichen Gattung – das ist bereits gemacht worden, das ist über die Einbildungskraft eines Romanciers bereits hinausgegangen –, dass sie sich ohne irgendeine Art von Einwirkung eines Wesens vollzieht, das mit dem Titel des Vaters bezeichnet wird. Die künstliche Befruchtung wäre nicht ohne Grund da.

Was macht letztlich, und nicht erst seit gestern, die Gegenwart des Wesens (essence) des Vaters aus? Und selbst wir Analytiker, wissen wir denn überhaupt, was das ist? Ich möchte Sie jedoch darauf aufmerksam machen, dass in der analytischen Erfahrung der Vater immer nur eine Bezugsgröße ist. Wir deuten diese oder jene Beziehung zum Vater. Analysieren wir jemals jemanden als Vater? Man zeige mir einen Fallbericht. Der Vater ist ein Terminus der analytischen Deutung – auf ihn bezieht sich etwas.

Im Lichte dieser Bemerkungen, die –, wenn Sie mir erlauben, dass ich abkürze –, würde ich dennoch gern für Sie das verorten, worum es beim Ödipusmythos geht.

Der Ödipusmythos macht in gewisser Weise Ärger, da er sozusagen das Primat des Vaters einführt, sodass er eine Art Reflex des Patriarchats wäre. Ich möchte Sie etwas spüren lassen, was – nun ja –, das, worin er zumindest mir keineswegs ein Reflex des Patriarchats zu sein scheint, weit davon entfernt. Er bringt für uns nur dies zum Vorschein, einen Punkt zunächst, durch den die Kastration durch einen logischen Zugang eingekreist werden könnte, auf eine Weise, die ich als numerierbar bezeichnen möchte. | [174] Der Vater ist nicht nur kastriert, sondern genau gesagt, er ist derart kastriert, dass er nur eine Nummer ist. Völlig klar wird das von den Dynastien angezeigt. Eben habe ich zu Ihnen über einen König gesprochen, von dem ich nicht mehr richtig wusste, wie er heißt, Georg III. oder Georg IV. Bedenken Sie, dass das, was gerade das Typischste der Repräsentation der Vaterschaft zu sein scheint, nämlich das Königtum, dass sich das so vollzieht: Georg I., Georg II., Georg III., Georg IV.

Aber nun ja, es ist ganz offensichtlich, dass die Frage damit nicht erschöpft ist, dass es nicht nur Nummer gibt, es gibt auch Zahl. Um es klar zu sagen, hier sehe ich den Punkt, an dem die Reihe der natürlichen Zahlen erfasst wird, wie man sich ausdrückt – und wie man sich gar nicht so schlecht ausdrückt, denn Sie sehen, das ist ganz nah bei der Natur. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass – da man am Horizont immer die Geschichte heraufbeschwört, was wohlgemerkt ein Grund ist, den stärksten Verdacht zu hegen –, ich möchte Sie einfach darauf aufmerksam machen, dass das Matriarchat, wie man sich ausdrückt, keineswegs an die Grenzen der Geschichte zurückgedrängt werden muss. Das Matriarchat besteht wesentlich darin, dass es, was die Mutter angeht – wie Freud bei Gelegenheit herausstreicht –, keinen Zweifel gibt. Man kann seine Mutter gelegentlich in der U-Bahn verlieren, das ist klar, aber immerhin gibt es keinen Zweifel daran, wer die Mutter ist. Genauso wenig gibt es einen Zweifel daran, wer die Mutter der Mutter ist, und so weiter. In ihrer Abstammungslinie ist die Mutter, so möchte ich sagen, unzählbar. Sie ist in allen richtigen Bedeutungen des Ausdrucks unzählba. Sie lässt sich nicht zählen, da es keinen Ausgangspunkt gibt – auch wenn die weibliche Linie notwendigerweise völlig geordnet ist, ist es nicht möglich, sie von irgendetwas ausgehen zu lassen.

Auf der andren Seite möchte ich Sie auf etwas hinweisen, was etwas zu sein scheint, worauf man nun wirklich sehr häufig stößt, da es schließlich nicht selten ist, nicht wahr, es ist überhaupt nicht selten, dass man seinen Großvater als Vater haben kann, ich meine als wahren Vater, und sogar seinen Urgroßvater. Ja.

Als in der ersten Linie der Erzväter die Leute, wie uns gesagt wird, ungefähr 900 Jahre lang lebten – ich habe das kürzlich wiedergelesen, das ist sehr pikant, das ist ein wirklich sensationeller Schwindel, das ist alles dazu da, damit hier die beiden unmittelbaren Vorfahren von Noah genau in dem Augenblick tot sind, in dem sich die Sintflut ereignet. Das ist, wie man sieht, sorgfältig ausgefeilt. Nun ja, lassen wir das beiseite, das soll Ihnen einfach den Zusammenhang klarmachen, um den es beim Vater geht.

Sehen Sie, was sich von daher für das ergibt, was ich Ihnen gesagt habe, da die Zeit voranschreitet, nämlich, wenn wir die Hysterikerin durch das definieren, was den Neurotiker definiert – das findet man nicht nur bei ihr –, nämlich das Vermeiden der Kastration, dann gibt es mehrere Arten, sie zu vermeiden. Die Hysterikerin hat ein einfaches Verfahren, nämlich dass sie die Kastration zur anderen Seite hin verein-| [175] seitigt, zur Seite des Partners – sagen wir, die Hysterikerin braucht den kastrierten Partner. Das ist klar – dass er kastriert ist, ist bei der Hysterikerin grundlegend ist für die Möglichkeit des Genießens.

Aber das ist noch zu viel. Wenn er kastriert wäre, gäbe es vielleicht eine kleine Chance, denn die Kastration ist ja eben das, was ich vorhin als das definiert habe, wodurch das sexuelle Verhältnis ermöglicht wird. Es ist notwendig, dass er nur das ist, was anstelle des Phallus antwortet.

Also, da Freud selbst uns anzeigt, ich werde Ihnen sagen, auf welcher Seite, uns anzeigt, dass alles, was er als Mythos ausarbeitet – das bezieht sich auf Moses, „Ich werde sie hier nicht der Kritik unterziehen“, sagt er über das, was er selbst geschrieben hat. Zu dem Zeitpunkt, an dem er es veröffentlicht, 1938, sagt er über seine historische Hypothese, also die von Sellin, die von ihm erneuert wurde: „denn alle erreichten Ergebnisse“, sagt die Übersetzerin, „bilden die psychologischen Ableitungen, die sich daraus herleiten und die sich beständig darauf beziehen“ – wie Sie sehen, ergibt das keinen Sinn. Auf Deutsch hat das einen Sinn, nämlich, „denn sie bilden die Voraussetzung der psychologischen Erörterungen, die von ihnen ausgehen und immer wieder auf sie zurückkommen“. Das wird ja tatsächlich unter dem Diktat der Hysterikerin – nicht ausgearbeitet, denn der Ödipus ist von Freud niemals wirklich ausgearbeitet worden –, er wird gewissermaßen am Horizont angezeigt, im Rauch, wenn man so sagen kann, im Rauch dessen, was als Opfer der Hysterikerin aufsteigt.

Betrachten wir jedoch näher, was diese Benennung jetzt bedeutet, diese Antwort auf den Appell des Vaters im Ödipus.

Wenn ich Ihnen vorhin gesagt habe, dass hierdurch die Folge der natürlichen Zahlen eingeführt wird, dann heißt das, dass wir hier das haben, was sich in der neueren logischen Ausarbeitung dieser Folge, der von Peano, als notwendig erwiesen hat, nämlich nicht einfach die Tatsche der Nachfolge. Wenn man versucht, die Möglichkeit einer solchen Folge zu axiomatisieren, stößt man, um den Nachfolger zu postulieren, auf die Notwendigkeit der Null. Die Minimalaxiome von Peano – ich beharre nicht auf allem, was am Rande an Kommentaren und Perfektionierungen produziert werden konnte –, aber die letzte Formel ist die, durch welche die Null postuliert wird, als etwas, das für diese Folge notwendig ist, ohne die sie in keiner Weise axiomatisiert wäre und ohne die sie also, wie ich vornhin gesagt habe, unzählbar wäre.

Die logische Entsprechung zur Funktion des Vaters ist genau dies: die Funktion der Null, die allzu oft vergessen wird.

Ich kann das nur Rande machen und sehr schnell. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass wir ins zweite Jahrtausend im Jahre 2000 | [176] eintreten, soviel ich weiß. Wenn Sie das einfach akzeptieren – andererseits können Sie das auch nicht akzeptieren –, aber wenn Sie das einfach akzeptieren, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass hierfür notwendig ist, dass es ein Jahr Null nach Christi Geburt gegeben hat. Das ist etwas, das die Autoren des republikanischen Kalenders vergessen hatten – das erste Jahr wurde von ihnen als „Jahr I der Republik“ bezeichnet.

Diese Null ist für jeden chronologischen Naturbezug wirklich wesentlich. Und dann verstehen wir, was der Vatermord bedeutet.

Es ist eigenartig, es ist seltsam, nicht wahr, dass dieser Vatermord niemals erscheint, selbst in den Dramen nicht, wie jemand zutreffend herausgestellt hat, der darüber ein Kapitel geschrieben hat, das gar nicht schlecht ist, dass selbst in den Dramen niemals –. Kein Dramatiker hat jedenfalls gewagt, wie der Autor sich ausdrückt, den absichtlichen Mord an einem Vater durch einen Sohn zur Darstellung zu bringen; achten Sie darauf – selbst im griechischen Theater gibt es das nicht, an einem Vater als Vater.

Im Gegensatz hierzu erscheint jedoch der Terminus „Vatermord“ im Zentrum dessen, was Freud ausarbeitet, ausgehend von Gegebenheiten, die infolge der Hysterikerin und ihres Umfeldes durch die Zurückweisung der Kastration gebildet werden. Konnte „Vatermord“ sich nicht genau deshalb, wenn ich so sagen kann, dem Denken von Freud auf der Linie seiner Zugänge zur Hysterikerin aufdrängen, weil er der Ersatz für die zurückgewiesene Kastration ist?

Es ist klar, dass in der Perspektive der Hysterie der Phallus das ist, was fruchtbar ist, und dass das, was er hervorbringt, er selbst ist, wenn man so sagen kann. Die Fruchtbarkeit ist phallische Fälschung, und eben daher rührt es, dass jedes Kind Reproduktion des Phallus ist, insofern er, wenn ich mich so ausdrücken kann, mit Zeugung schwanger geht.

Aber dann ahnen wir auch, da es vom –; dass ich Ihnen die logische Unmöglichkeit der Wahl der unbefriedigten Beziehung zum sexuellen Verhältnis aufgeschrieben habe; dass es vom papludun [Nicht-mehr-als-einer] her ist, dass ich sie Ihnen bezeichnet habe; hierdurch kommt es, dass das unglaubliche Entgegenkommen von Freud gegenüber einen Monotheismus, dessen Modell er merkwürdigerweise von ganz woanders holt als aus seiner Tradition –. Für ihn muss es Echnaton sein. Auf der sexuellen Ebene ist nichts mehrdeutiger, möchte ich sagen, als dieser solare Monotheismus. Wenn man sieht, wie er strahlt, mit all seinen Strahlen, mit kleinen Händen ausgestattet, die dabei sind, die Nasenlöcher unzähliger winziger Menschenwesen zu kitzeln, Kinder des einen wie des anderen Geschlechts, wobei in dieser bildhaften Darstellung der ägyptischen Skulptur erstaunlich ist, so muss man wohl sagen, dass sie sich ähneln wie Brüder und mehr noch wie Schwestern. Wenn das Wort „sublim“ einen mehrdeutigen Sinn haben kann, dann wohl hier, da es auch nicht ohne Bedeutung ist, dass die letzten Monumentalbilder von Echnaton, die ich sehen konnte, als ich das letzte Mal ägyptischen Boden verließ, Bilder sind, die nicht nur kastriert sind, sondern die schlichtweg weiblich sind.

[177] Es ist völlig klar, wenn die Kastration ein Verhältnis zum Phallus hat, dann können wir den Phallus nicht hier bezeichnen. Ich möchte sagen, wenn ich das kleine Schema mache, das dem „nicht alle“ korrespondieren würde, als etwas, was einen bestimmten Typ der Beziehung zu „Φ von x“ bezeichnet, dass es eben in dem Sinne ist, dass die Erwählten sich dennoch auf „Φ von x“ beziehen.

Der Übergang zur, in Anführungszeichen, „maskulinen“ Vermittlung ist nur die von diesem „zumindest eins“, das ich herausgestellt habe und das wir im Peano wiederfinden, durch dieses beständig wiederholte n + 1, dasjenige, das in gewisser Weise voraussetzt, dass das vorangehende n sich auf Null reduziert. Wodurch? Eben durch den Vatermord.

Durch diese Verortung des, wenn man so sagen kann, des Umwegs, <habe ich> die ungerade* Art <angegeben> – so muss man wohl sagen, um Freges eigenen Ausdruck zu verwenden –, wie der Sinn des Vatermordes sich auf eine andere Bedeutung* bezieht.

Darauf muss ich mich heute ja beschränken, wobei ich mich dafür entschuldige, dass ich die Dinge nicht weiter vorantreiben konnte; das wird also fürs nächste Jahr sein. Ich bedaure es, dass die Dinge in diesem Jahr zwangsläufig so verstümmelt daherkamen.

Aber Sie werden sehen können, dass Totem und Tabu hingegen, nämlich das, worin das ursprüngliche Genießen auf die Seite des Vaters gebracht wird, dass dies etwas ist, worauf nicht weniger eine Vermeidung antwortet, die streng dem gleichwertig ist, worum es beim Knoten der Kastration geht, streng gleichwertig, womit eben dies angezeigt wird, dass der Zwangsneurotiker, um auf die Formel zu antworten „Es gibt kein x, das existiert, das sich in die Variable Φ von x einschreiben könnte“, so vorgeht, dass er sich einfach dadurch entzieht, dass er nicht existiert. Das ist das, woran wir, warum nicht, die Fortsetzung unseres Diskurses anknüpfen werden, der Zwangsneurotiker, insofern er verpflichtet ist, nicht zu existieren, im Hinblick auf diesen nicht weniger mythischen Vater, nämlich den von Totem und Tabu.

Wie das? Daran hängt wirklich alles, worum es bei einer bestimmten religiösen Erbauung geht und bei dem, insofern sie leider nicht reduzierbar ist, selbst nicht durch das, was Freud an seinen zweiten Mythos anhängt, an den von Totem und Tabu, nämlich nicht mehr und nicht weniger als seine zweite Topik; das ist das, was wir später für Sie entwickeln können. Denn beachten Sie, die zweite Topik, das ist ihre große Neuerung, das ist das Über-Ich. Was ist das Wesen des Über-Ichs? Damit könnte ich enden, ich könnte damit enden, Ihnen etwas in die Hand zu geben, das sie dann versuchen können, von sich aus zu handhaben.

Was ist die Anordnung des Über-Ichs? Sie hat ihren Ursprung genau in diesem mehr als mythischen Urvater, in diesem Aufruf zum reinen Genießen, und das heißt auch | [178] zur Nicht-Kastration.

Und was sagt denn dieser Vater beim Untergang des Ödipus? Er sagt, was das Über-Ich sagt. Was das Über-Ich sagt – es ist nicht ohne Bedeutung, dass ich das noch nie wirklich angepackt habe –, das ist „Genieße!“. Das ist die Anordnung, die unmöglich zu erfüllende Anordnung, die als solche am Ursprung all dessen steht, was er – so paradox Ihnen das vorkommen mag – mit dem Terminus des moralischen Bewusstseins ausarbeitet.

Um dessen Spiel, ich möchte sogar sagen dessen Spott richtig zu spüren, müssen Sie den Ekklesiastes lesen. „Genieße, solange du in dieser niederen Welt bist, genieße“, sagt der rätselhafte Autor dieses erstaunlichen Textes, „genieße mit der Frau, die du liebst“.

Das ist der Gipfel der Paradoxie, da das Hindernis eben von daher kommt, sie zu lieben.

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Französisch/deutsch                                                    

[163] Je vais essayer aujourd’hui de fixer le sens de cette route par laquelle je vous ai menés cette année sous le titre D’un discours qui ne serait pas du semblant.

Ich werde heute versuchen, den Sinn des Weges zu bestimmen, auf dem ich Sie in diesem Jahr geführt habe, unter dem Titel Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre.

Cette hypothèse – car c’est au conditionnel que ce titre vous est présenté – cette hypothèse est celle dont se justifie tout discours.

Diese Hypothese – denn dieser Titel ist Ihnen im Konditional präsentiert worden –, diese Hypothese ist die, von der her jeder Diskurs sich begründet.

N’omettez pas que l’année dernière, j’ai essayé d’articuler en quatre discours typiques, ces discours qui sont ceux auxquels vous avez affaire dans un certain ordre instauré, qui bien sûr, ne se justifie lui-même que pour l’histoire.3

Vergessen Sie nicht, dass ich im Jahr davor versucht habe, in vier typischen Diskursen diejenigen Diskurse zu artikulieren, mit denen Sie es zu tun haben, in einer bestimmten etablierten Ordnung, die sich selbst natürlich nur für die Geschichte begründet.4

Si je les ai brisés en quatre, c’est ce que je crois avoir justifié du développement que je leur ai donné et de la forme que dans un écrit dit Radiophonie, paradoxalement, mais pas tellement que cela, si vous avez entendu ce que j’ai dit la dernière fois, un certain ordre donc, dans cet écrit, vous rappelle les termes.

Wenn ich sie in vier aufgebrochen habe, so ist dies etwas, was ich glaube, durch die Erläuterung begründet zu haben, die ich dazu gegeben habe, sowie durch die Form, die in einer Schrift, die paradoxerweise Radiophonie heißt – aber so paradox ist das nun auch wieder nicht, falls Sie gehört haben, was ich das letzte Mal gesagt habe –; eine bestimmte Ordnung also in dieser Schrift bringt Ihnen die Termini in Erinnerung.5

C’est du glissement toujours syncopé, du glissement des quatre termes dont il y a toujours deux qui font béance, que ces discours que j’ai désignés nommément du discours du maître, du discours universitaire, du discours que j’ai privilégié du terme de l’hystérique et du discours de l’analyste, que je les ai ordonnés.

Von dem Gleiten her, das immer synkopiert ist, von dem Gleiten der vier Termini her, bei denen es immer zwei gibt, die eine Lücke bilden, von daher habe ich diese Diskurse – die ich als Diskurs des Herrn bezeichnet habe, als Diskurs der Universität, als Diskurs, den ich mit dem Terminus der Hysterikerin ausgezeichnet habe, und als Diskurs des Analytikers –, von daher habe ich sie geordnet.6

Ces discours ont la propriété de toujours avoir leur point d’ordonnance, qui est aussi celui d’ailleurs dont je les épingle, d’être à partir du semblant.

Diese Diskurse haben die Eigenschaft, dass sie immer ihren Anordnungspunkt haben, der im Übrigen auch der ist, woran ich sie festmache, von daher, dass sie so sind, dass sie vom Schein ausgehen.7

Qu’est-ce que le discours analytique a de privilégié d’être celui qui nous permet, en somme, les articulant ainsi, de les répartir aussi en quatre dispositions fondamentales ?

Was zeichnet den analytischen Diskurs aus, sodass er derjenige ist, der es uns insgesamt gestattet, die Diskurse, indem wir sie so artikulieren, auch in vier grundlegende Anordnungen aufzuteilen?

C’est paradoxal, c’est singulier qu’une pareille énonciation se présente, comme au terme de ce que celui qui se trouve être à l’origine du discours analytique, à savoir Freud, a permis.

Es ist paradox, es ist eigenartig, dass eine derartige Äußerung sich als etwas darstellt, das am Ende dessen ist, was derjenige ermöglicht hat, der am Ursprung des analytischen Diskurses steht, nämlich Freud.

[164] Il ne l’a pas permis à partir de rien.

Ermöglicht hat er es nicht dadurch, dass er von nichts ausging.

Il l’a permis à partir de ce qui se présente – je l’ai bien des fois articulé – comme étant au principe de ce discours même, à savoir ce qui se privilégie d’un certain savoir qui éclaire l’articulation au savoir de la vérité.

Er hat es von dem aus ermöglicht, was sich als etwas darstellt – das habe ich oftmals artikuliert –, was das Prinzip eben dieses Diskurses ist, nämlich das, was begünstigt wird durch ein bestimmtes Wissen, durch das die Verbindung der Wahrheit mit dem Wissen aufgeklärt wird.8

Il est à proprement parler prodigieux que ceux-là mêmes qui, pris d’une certaine perspective, celle que nous pourrions définir de se poser comme au regard de la société, ceux donc qui, dans cette perspective se présentent comme des infirmes, soyons plus aimables : comme des boiteux, et l’on sait que beauté boîte – à savoir les névrosés, et nommément les hystériques et les obsessionnels, que ce soit d’eux que parte, que soit parti ce trait de lumière foudroyant qui traverse de long en large la demansion que conditionne le langage.

Es ist wirklich außergewöhnlich, dass gerade diejenigen, die, wenn sie in einer bestimmten Perspektive erfasst werden, die wir dadurch definieren könnten, dass sie sich an der Gesellschaft ausrichtet, dass also diejenigen, die sich in dieser Perspektive als Behinderte darstellen, seien wir freundlicher, als Hinkende – man weiß ja, dass Schönheit hinkt –, nämlich die Neurotiker, insbesondere die Hysterikerinnen und die Zwangsneurotiker, dass also sie es sind, von denen dieser überwältigende Lichtstreif ausgeht, ausgegangen ist, der in Länge und Breite die demansion durchquert, die durch die Sprache bedingt ist.9

La fonction qu’est la vérité, voire à l’occasion … [Unterbrechung durch Lärm im Hörsaal] …

Die Funktion, die die Wahrheit ist, ja gelegentlich –. [Unterbrechung durch Lärm im Hörsaal]

X : Arrêtez de photographier…

X: Hören Sie auf zu fotografieren!

Lacan : Qu’est-ce qu’il se passe ? Qu’est-ce qu’il y a ? Pardon ? Est-ce que je pourrais entendre ce qu’on me dit ?

Lacan: Was ist los? Was gibt es? Bitte? Könnte ich verstehen, was man mir sagt?

X : C’est pas vous mais il y a des photos qui sont en train d’être prises !

X: Es geht nicht um Sie, aber da werden gerade Fotos gemacht.

Lacan : Si quelqu’un a quelque chose à me dire, qu’il me l’énonce de façon très précise !

Lacan: Wenn mir jemand etwas zu sagen hat, möge er es mir gegenüber ganz präzise äußern!

Lacan : Chacun sait la place que cela tient dans l’énonciation de Freud, voire cette cristallisation qu’est ce que nous connaissons sous sa forme moderne, ce que nous connaissons de la religion, nommément10 la tradition judéo-chrétienne sur laquelle porte tout ce qu’a énoncé Freud à propos des religions.

Lacan: Jeder kennt den Platz, den das in den Äußerungen von Freud einnimmt, sogar diese Kristallisierung, die das ist, was wir in ihrer modernen Form kennen, was wir von der Religion kennen, insbesondere von der jüdisch-christlichen Tradition, auf die sich alles bezieht, was Freud über die Religionen geäußert hat.

Ceci est cohérent, je le rappelle, avec cette opération de subversion de ce qui jusqu’alors s’était soutenu à travers toute une tradition sous le titre de la connaissance, et cette opération s’origine de la notion de symptôme.

Das hängt zusammen, ich erinnere daran, mit der Operation der Subversion dessen, was sich bis dahin aus alter Tradition unter dem Titel der Erkenntnis aufrechterhalten hatte, und diese Operation geht auf den Begriff des Symptoms zurück.

Il est important historiquement de s’apercevoir que ce n’est pas là que réside la nouveauté de l’introduction à la psychanalyse réalisée par Freud : la notion du symptôme, comme je l’ai plusieurs fois marqué et comme il est très facile de la repérer à la lecture de celui qui en est responsable, à savoir Marx.

Es ist historisch wichtig sich klarzumachen, dass nicht darin die Neuartigkeit der von Freud realisierten Einführung in die Psychoanalyse besteht; der Begriff des Symptoms, wie ich mehrfach hervorgehoben habe, und da es sehr leicht ist, ihn beim Lesen desjenigen auszumachen, der dafür verantwortlich ist, nämlich Marx –.11

Ce qu’il y a, dans la théorie de la connaissance, de fondamentale duperie, cette dimension du semblant qu’introduit la duperie dénoncée comme telle par la subversion marxiste, le fait que ce qui est dénoncé, c’est justement toujours dans une certaine tradition parvenue à son acmé avec le discours hégélien, que quelque semblant y est instauré en fonction de poids et mesure si je puis dire, à tenir pour argent comptant.

Was es in der Erkenntnistheorie an fundamentalem Betrug gibt, diese Dimension des Scheins, die den Betrug einführt, der als solche von der marxistischen Subversion angeprangert wird, die Tatsache, dass das, was angeprangert wird, immer in einer bestimmten Tradition steht, die ihren Höhepunkt mit dem Hegel’schen Diskurs erreicht hat, dass hier ein gewisser Schein die Funktion von Gewicht und Maß übernommen hat, wenn ich so sagen kann, ein Schein, der für bare Münze zu nehmen ist.

Et ce n’est pas pour rien que j’emploie ces métaphores, puisque c’est autour de l’argent, autour du capital comme tel, que joue le pivot de cette dénonciation qui fait résider dans le fétiche ce quelque | [165] chose qu’un retour de la pensée doit remettre à sa place très précisément en tant que semblant.

Und es ist nicht ohne Bedeutung, dass ich diese Metaphern verwende, denn des Geld, das Kapital als solches, ist der Angelpunkt, um den sich diese Kritik dreht, die das auf dem Fetisch beruhen lässt, was eine Wiederkehr des Denkens wieder an seinen Platz stellen muss, und zwar genau als Schein.12

Le singulier de cette remarque est tout de même fait aussi pour nous faire apercevoir qu’il ne suffit pas que quelque chose s’énonce dans cette dénonciation qui se pose comme vérité au nom de laquelle émerge, se promeut la plus-value comme étant le ressort de ce qui réduit à son semblant de ce qui jusque-là se soutenait d’un certain nombre de méconnaissances délibérées, il ne suffit pas, remarquerai-je et l’histoire le démontre, que cette irruption de la vérité se produise pour que pour autant soit abattu ce qui se soutient de ce discours.

Das Eigentümliche dieser Bemerkung ist jedoch auch dazu geeignet, uns wahrnehmen zu lassen, dass es nicht hinreicht, dass in dieser Kritik etwas geäußert wird, in dieser Kritik, die als Wahrheit auftritt, in deren Namen der Mehrwert auftaucht, der Mehrwert gefördert wird, als Triebfeder dessen, wodurch das auf seinen Schein reduziert wird, was bis dahin durch eine Reihe von absichtlichen Verkennungen gestützt wurde; dass es nicht hinreicht, möchte ich anmerken, und die Geschichte beweist es, dass sich dieses Hereinbrechen der Wahrheit vollzieht, damit dann das, was sich auf diesen Diskurs stützt, gestürzt wird.

Ce discours, que nous pourrions appeler dans l’occasion « capitaliste » en tant qu’il est détermination du discours du maître, y trouve bien en fait et bien plutôt son complément.

Dieser Diskurs, den wir bei dieser Gelegenheit „kapitalistisch“ nennen könnten, insofern er eine Ausformung des Herrendiskurses ist, findet hier vielmehr faktisch seine Ergänzung.

Il apparaît que, loin que le discours capitaliste se porte plus mal de cette reconnaissance comme telle de la fonction de la plus-value, il n’en subsiste pas moins, qu’aussi bien capitalisme repris dans un discours du maître est bien ce qui semble distinguer les suites politiques qui ont résulté, sous forme d’une révolution politique, qui ont résulté de la dénonciation marxiste de ce qu’il en est d’un certain discours du semblant.

Es scheint, dass es dem kapitalistischen Diskurs durch die Erkenntnis der Funktion des Mehrwerts keineswegs schlechter geht und dass er von daher nicht weniger Bestand hat, und dass auch der in einem Herrendiskurs fortgeführte Kapitalismus genau das ist, was die politischen Folgen zu unterscheiden scheint, die daraus in Gestalt einer politischen Revolution hervorgegangen sind, die aus der marxistischen Kritik dessen hervorgegangen sind, worum es bei einem bestimmten Diskurs des Scheins geht.13

C’est bien en quoi je ne m’appesantirai pas ici sur ce qu’il en est de la mission historique par là dévouée, dans le marxisme ou tout au moins dans ses manifestes, dévouée aux prolétaires.

Darum werde ich mich hier nicht breit über das auslassen, was es mit der historischen Mission auf sich hat, die hierdurch im Marxismus oder zumindest in seinen Manifesten den Proletariern zugewiesen wird.

Il y a là, je dirais, un reste d’entification humaniste qui en faisant du prolétaire celui bien sûr qui dans ce mécanisme se trouve le plus dépouillé, n’en montre pas moins14 que quelque chose subsiste, qui le fait subsister effectivement dans cet état de dépouillement, et que le fait qu’il soit le support de ce qui se produit sous l’espèce de la plus-value, n’est pas pour autant quelque chose qui d’aucune façon le libère15 de l’articulation de ce discours.

Es gibt hier, möchte ich sagen, einen Rest an humanistischer Entifizierung, die, indem sie aus dem Proletarier eben denjenigen macht, der in diesem Mechanismus am meisten ausgeraubt wird, und nichtsdestoweniger dabei zeigt, das etwas fortbesteht, was ihn in diesem Zustand der Beraubung tatsächlich fortbestehen lässt; und dass die Tatsache, dass er die Stütze dessen ist, was in Form des Mehrwerts hergestellt wird, dennoch nichts ist, was ihn in irgendeiner Weise von der Artikulation dieses Diskurses befreit.

C’est bien en quoi cette dénonciation nous reporte à une interrogation sur ce quelque chose qui pourrait être plus originel et qui se trouverait dans l’origine même de tout discours en tant qu’il est discours du semblant.

Damit führt diese Kritik uns zu einer Befragung zurück, die sich auf das bezieht, was ursprünglicher sein könnte und was sich am Ursprung jedes Diskurses finden würde, insofern er Diskurs des Scheins ist.

C’est bien en quoi aussi ce que j’ai articulé sous le terme de plus-de-jouir nous reporte à ce qui est interrogé dans le discours freudien comme mettant en cause le rapport de quelque chose qui s’articule à proprement parler et à nouveau comme vérité en opposition à un semblant, et cette vérité, cette opposition et cette dialectique de la vérité et du semblant se trouve, si ce que Freud a dit a un sens, située au niveau de ce que j’ai désigné du terme du rapport sexuel.

Dies ist es auch, womit uns das, was ich mit dem Terminus der Mehrlust artikuliert habe, auf das verweist, was im Freudschen Diskurs befragt wird, als etwas, was das Verhältnis von etwas in Frage stellt, was im strengen Sinne und aufs Neue als Wahrheit im Gegensatz zu einem Schein artikuliert wird, und diese Wahrheit, dieser Gegensatz und diese Dialektik von Wahrheit und Schein ist – wenn das, was Freud sagt, einen Sinn hat – auf der Ebene dessen verortet, was ich mit dem Ausdruck des sexuellen Verhältnisses bezeichnet habe.

[166] J’ai en somme osé articuler, inciter à ce qu’on s’aperçoive que si cette révélation qui nous est fournie par le savoir du névrosé concernant quelque chose n’est rien d’autre que ceci qui s’articule d’ « il n’y a pas de rapport sexuel »

Kurz, ich habe zu artikulieren gewagt, ich habe es gewagt, dazu anzustiften, dass man sich klar darüber wird, dass, wenn diese Enthüllung, die uns durch das Wissen des Neurotikers in Bezug auf etwas geliefert wird, <einen Sinn hat, dann kann dies> nichts anderes sein als das, was so artikuliert wird: Es gibt kein sexuelles Verhältnis.

Qu’est-ce que cela veut dire ?

Was heißt das? 

Non pas certes que le langage, puisque déjà je le dis, « il n’y pas de rapport sexuel », c’est quelque chose qui peut se dire, puisque maintenant c’est dit.

Sicherlich nicht, dass die Sprache <es nicht sagen kann>, da ich es ja bereits sage; „es gibt kein sexuelles Verhältnis“, das ist etwas, was gesagt werden kann, da es jetzt gesagt ist.

Mais bien sûr il ne suffit pas de le dire, il faut encore le motiver.

Aber natürlich genügt es nicht, es zu sagen, es muss auch noch motiviert werden.

Et les motifs, nous les prenons dans notre expérience prise du fil suivi de ce qui s’accroche à cette béance fondamentale et ce fil suivi, il se noue.

Und die Motive nehmen wir aus unserer Erfahrung, die von dem sich durchziehenden Faden dessen erfasst wird, was sich an diese grundlegende Kluft klammert, und dieser sich durchziehende Faden verknotet sich.

Il a son départ central, enroulé autour de ce vide dans ce qui donne le discours du névrosé.

Er geht wesentlich von etwas aus, das in dem, was den Diskurs des Neurotikers ergibt, um diese Leere gewickelt ist.16

La dernière fois, j’ai – je vous l’ai fait sentir, assez souligné – tenté d’amorcer d’un écrit comment peut se situer ce qu’il en est du point de départ de ce fil.

Das letzte Mal habe ich – ich habe es Sie spüren lassen, hinreichend hervorgehoben –, habe ich versucht, von etwas Geschriebenem aus zu skizzieren, wie sich das, worum es beim Ausgangspunkt dieses Fadens geht, verorten lässt.

J’ai l’intention aujourd’hui, non pas bien sûr – la chose est au-delà des limites de tout ce qui peut se dire dans l’espace limité d’un séminaire – non pas de ce que le névrosé indique de son rapport à cette distance, mais de ce que les mythes dont s’est ordonné, si je puis dire, non pas toujours sous la dictée, mais en écho au discours du névrosé, les mythes que Freud a forgés.

Heute habe ich sicherlich nicht die Absicht – die Sache ist jenseits der Grenzen all dessen, was im begrenzten Raum eines Seminars gesagt werden kann –, nicht die Absicht, über das <zu sprechen>, was der Neurotiker von seinem Verhältnis zu diesem Abstand anzeigt, sondern über das, was die Mythen <besagen>, von denen her sich die Mythen geordnet haben, wenn ich so sagen kann, die Freud ersonnen hat, nicht immer unter dem Diktat, wohl aber als Echo auf den Diskurs des Neurotikers.

Pour pouvoir le faire dans un temps aussi court, il faut partir de ce point vraiment central, qui est aussi un point d’énigme du discours psychanalytique, du discours psychanalytique en tant qu’il n’est ici qu’à l’écoute de ce discours dernier, de celui qui ne serait pas du discours du semblant.

Um das in so kurzer Zeit tun zu können, muss man von diesem wirklich zentralen Punkt ausgehen, der auch ein Rätselpunkt des psychoanalytischen Diskurses ist, des psychoanalytischen Diskurses, insofern er hier nur auf diesen letzten Diskurs achtet, auf denjenigen, der nicht Diskurs vom Schein wäre.

Il est à l’écoute d’un discours qui ne serait pas, mais17 qui aussi bien n’est pas, je veux dire que ce qui s’indique n’est que la limite imposée au discours quand il s’agit du rapport sexuel.

Er achtet auf einen Diskurs, der nur das wäre, der aber auch nur das ist, möchte ich sagen, was angezeigt wird, nur die Grenze ist, die dem Diskurs aufgezwungen ist, wenn es um das sexuelle Verhältnis geht.

J’ai essayé, quant à moi au point où j’en suis, d’où j’avance tout ce qui pourrait s’en formuler plus avant, de vous dire que c’est de son échec au niveau d’une logique, d’une logique qui se soutienne de ce dont toute logique se soutient, à savoir de l’écriture.

Ich habe versucht – was mich angeht, an dem Punkt, an dem ich damit bin, von dem aus ich alles vorbringe, was davon weiter formuliert werden könnte –, Ihnen zu sagen, dass es von seinem Scheitern auf der Ebene einer Logik herrührt, einer Logik, die sich auf das stützt, worauf jede Logik sich stützt, nämlich auf die Schrift (écriture).

Il est clair que18 l’œuvre de Freud est une œuvre écrite, mais aussi bien aussi que ce qu’elle dessine de ces écrits, c’est quelque chose qui entoure d’une vérité voilée, obscure, celle qui s’énonce de ceci qu’un rapport sexuel, tel qu’il passe dans un quelconque accomplissement ne se soutient, ne s’assied que de cette composition entre la jouissance et le semblant qui s’appelle la castration.

Es ist klar, dass das Werk von Freud ein geschriebenes Werk ist, aber ebenso auch, dass das, was von diesen Schriften umrissen wird, etwas ist, was von einer verhüllten, dunklen Wahrheit umgeben ist, derjenigen, die sich darin äußert, dass ein sexuelles Verhältnis, so wie es in einen wie auch immer gearteten Vollzug übergeht, nur von dieser Verbindung her gestützt wird, nur von ihr her einen Platz einnimmt, nämlich ausgehend von der Verbindung von Genießen und Schein, die Kastration heißt.19

Que nous la voyons resurgir à tout instant dans le discours du névrosé mais sous la forme d’une crainte, d’un évitement, c’est justement en cela que la castration reste énigmatique ; qu’aucune, en somme, de ses réalisations, sous des formes fort diverses, mouvantes, chatoyantes, ou aussi bien l’exploration de la psychopathologie, du phénomène analysable tout au moins de cette psychopathologie, que les excursions dans | [167] l’ethnologie le permettent, il n’en reste pas moins que ce quelque chose dont se distingue tout ce qui est évoqué comme castration, nous le voyons sous quelle forme ? sous la forme, toujours, d’un évitement.

Dass wir sie im Diskurs des Neurotikers in jedem Moment wiederauftauchen sehen, jedoch in Gestalt einer Furcht, eines Vermeidens, genau darin bleibt die Kastration rätselhaft; dass, kurz gesagt, keine ihrer Realisierungen in sehr unterschiedlichen, unbeständigen, schillernden Gestalten oder auch die Erkundung der Psychopathologie – zumindest der analysierbaren Erscheinung dieser Psychopathologie, die ihm durch Ausflüge in die Ethnologie ermöglicht werden – davon unberührt bleibt, dass wir das, wodurch sich all das auszeichnet, was als Kastration evoziert wird, dass wir es in welcher Form sehen? immer in Form eines Vermeidens.

Si le névrosé, si je puis dire témoigne de l’intrusion nécessaire de ce que j’ai appelé à l’instant cette composition de la jouissance et du semblant qui se présente comme la castration, c’est justement en ce qu’il s’y montre de quelque façon inapte.

Wenn der Neurotiker, wenn ich so sagen darf, das notwendige Hereinbrechen dessen bezeugt, was ich soeben als die Verbindung von Genießen und Schein bezeichnet habe, die sich als Kastration darstellt, so zeigt er sich eben darin in gewisser Weise unfähig.

Et, si tout ce qu’il en est des rituels d’initiation qui, comme vous le savez, et si vous ne le savez pas, vous n’avez qu’à lire les ouvrages techniques.

Und wenn all das, was es an Initiationsritualen gibt, die, wie Sie wissen –; und wenn Sie es nicht wissen, müssen Sie nur die einschlägigen Arbeiten lesen.

Et pour en prendre deux qui sont produits de l’intérieur du champ analytique lui-même, je vous désigne respectivement : Problems of bisexuality as reflected in circoncision, c’est-à-dire Problèmes de la bisexualité en tant que réfléchis dans la circoncision de Herman Nunberg, paru à […] c’est-à-dire, en fin de compte à l’Imago Publishing de Londres, et d’autre part l’ouvrage intitulé Blessures symboliques, de Bruno Bettelheim.

Und um zwei davon zu nehmen, die Produkte aus dem Inneren des analytischen Feldes sind, verweise ich Sie auf Problems of bisexuality as reflected in circoncision, das heißt Probleme der Bisexualität, wie sie sich in der Beschneidung darstellen, von Herman Nunberg, erschienen in [unverständlich], das heißt letztlich bei Imago Pusblishing in London20, und andererseits eine Arbeit mit dem Titel Symbolische Wunden von Bruno Bettelheim21.

Vous y verrez, déployée dans toute son ambiguïté, dans son flottement fondamental, l’hésitation en quelque sorte de la pensée analytique entre une ordonnance explicative qui fait d’une crainte de la castration laissée tout à fait en panne et en quelque sorte au p’tit bonheur ou malheur, comme vous voudrez, des accidents dans lesquels se présentent quelque chose qui, pris dans ce registre, ne serait que l’effet d’on ne sait quel malentendu, lui-même source jaillie de préjugés, de maladresses, de quelque chose de rectifiable ou au contraire d’une pensée qui s’aperçoit qu’il y a bien là quelque chose dont la constance, à tout le moins dans un nombre immense des productions que nous pouvons enregistrer sous tous les registres, que les catalogues soient plus ou moins bien faits, que ce soient ceux de l’ethnologie ou de la psychopathologie que j’évoquais tout à l’heure, ou d’autres, nous met en face de ceci que c’est de – et Freud l’exprime à l’occasion : il sait fort bien le dire dans Malaise dans la civilisation – c’est à propos de quelque chose qui, après tout, ne rend pas si nouveau ce que j’ai formulé de « il n’y a pas de rapport sexuel ». 22

Sie werden hier (ausgebreitet in seiner ganzen Mehrdeutigkeit, in seinem fundamentalen Schwanken) gewissermaßen das Zögern des analytischen Denkens sehen, zwischen einer erklärenden Anordnung, die aus einer Kastrationsfurcht (die völlig in Stich gelassen wird und gewissermaßen dem Glück oder dem Unglück überlassen wird, ganz wie Sie möchten) die daraus Unfälle macht, in denen sich etwas darstellt, das, in diesem Register erfasst, nur die Wirkung irgendeines Missverständnisses wäre (das eben der Springquell von Vorurteilen wäre, von Ungeschicklichkeiten, von etwas Korrigierbarem), und im Gegensatz hierzu einem Denken, das mitbekommen hat, dass es hier etwas gibt, dessen Konstanz (zumindest in einer ungeheuren Anzahl von Produktionen, die wir in sämtlichen Registern aufzeichnen können, ob diese Kataloge nun mehr oder weniger gut gemacht sind, seien es die der Ethnologie oder die der Psychopathologie, an die ich gerade erinnert habe, oder noch andere), dessen Konstanz uns damit konfrontiert, dass sich dies auf etwas bezieht (und Freud bringt es gelegentlich zum Ausdruck, im Unbehagen in der Kultur weiß er es sehr gut zu sagen), sich auf etwas bezieht, im Verhältnis zu dem letztlich gar nicht mehr so neu ist, was ich mit dem „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ formuliert habe.23

Il indique, il indique bien sûr, en des termes comme il le fait d’habitude, tout à fait clairs, que sans doute là-dessus très précisément à propos du rapport sexuel, quelque fatalité s’inscrit qui y rend nécessaire ce qui alors apparaît comme étant les moyens, les ponts, les passerelles, les édifices, les constructions pour tout dire, qui, à la carence de ce rapport sexuel pour autant qu’après tout, dans une sorte d’inversion de perspective, tout discours possible n’en apparaîtrait que comme | [168] le symptôme, qui à l’intérieur de ce rapport sexuel, ménage dans des conditions que comme à l’ordinaire nous reportons dans la préhistoire, dans les domaines extra-historiques, qui dans ces conditions-là permettrait en quelque sorte la réussite de ce qui pourrait s’établir d’artificiel, en suppléant à ce manque inscrit en somme dans l’être parlant, sans que nous puissions savoir si c’est de ce qu’il soit parlant que c’en est ainsi, ou au contraire de ce que l’origine soit que le rapport n’est pas parlable, qu’il faut que s’élabore pour tous ceux qui habitent le langage, qu’il faut que pour eux s’élabore quelque chose qui remplisse, sous la forme de la castration, la béance laissée dans ce quelque chose de pourtant essentiel, biologiquement essentiel à la reproduction de ces êtres vivants, à ce que leur race demeure féconde.

Er weist darauf hin, er weist natürlich, wie er es für gewöhnlich tut, in Termini darauf hin, die völlig klar sind, dass sich hierbei zweifellos, genau in Bezug auf das sexuelle Verhältnis, eine bestimmte Fatalität einschreibt, die hier all das notwendig macht, was dann, um es klar zu sagen, als die Mittel erscheinen, als die Brücken, die Stege, die Gebäude, die Konstruktionen, die, angesichts des Ausfallens des sexuellen Verhältnisses (insofern in einer Art Umkehrung der Perspektive jeder mögliche Diskurs letztlich nur als Symptom erscheinen würde), die im Inneren dieses sexuellen Verhältnisses dafür sorgen (unter Bedingungen, die wir für gewöhnlich auf die Vorgeschichte beziehen, auf die außerhistorischen Bereiche), die unter diesen Bedingungen in gewisser Weise den Erfolg dessen ermöglichen würden, was an Künstlichem für diesen Mangel als Ersatz eingebracht werden könnte, für den Mangel, der in das sprechende Wesen insgesamt eingeschrieben ist (ohne dass wir wissen können, ob es deshalb so ist, weil es sprechend ist, oder im Gegenteil deshalb, weil der Ursprung darin besteht, dass das Verhältnis nicht sprechbar ist), dass etwas für all diejenigen ausgearbeitet werden muss, die die Sprache bewohnen, dass für sie sich etwas entwickeln muss, wodurch, in Gestalt der Kastration, die Kluft ausgefüllt wird, die in diesem Etwas gelassen wird, was gleichwohl wesentlich ist, biologisch wesentlich ist für die Reproduktion dieser Lebewesen, damit ihre Rasse fruchtbar bleibt.

Tel est bien en effet le problème à quoi semble faire face tout ce qu’il en est des rituels d’initiation.

Das ist eben wirklich das Problem, dem sich all das zu stellen scheint, worum es bei den Initiationsritualen geht.

Que ces rituels d’initiation comprennent des manipulations, opérations, incisions, circoncisions, qui visent et mettent leur marque très précisément sur l’organe que nous voyons fonctionner comme symbole dans ce qui, par l’expérience analytique, nous est présenté comme allant bien au-delà du privilège d’un organe, puisque c’est le phallus, et le phallus en tant que c’est à ce tiers que s’ordonne tout ce qui en somme met en impasse la jouissance qui fait de l’homme et de la femme en tant que nous les définirions d’un simple épinglage biologique ces êtres qui très précisément sont, avec la jouissance sexuelle et d’une façon élective parmi toutes les autres jouissances, en difficulté avec elle.

Dass zu diesen Initiationsritualen solche Manipulationen, Operationen, Einschnitte, Beschneidungen gehören, die sich auf das Organ richten und ihre Markierungen eben genau auf dasjenige Organ setzen, das wir als Symbol fungieren sehen, in dem, was sich uns durch die analytische Erfahrung als etwas darstellt, was über die Besonderheit eines Organs weit hinausgeht, da es der Phallus ist, und der Phallus insofern, als sich auf dieses Dritte hin all das ordnet, wodurch das Genießen insgesamt in eine Sackgasse gebracht wird, die aus dem Mann und der Frau, sofern wir sie mit einem einfachen biologischen Etikett definieren können, diese Wesen macht, die eben gerade mit dem sexuellen Genießen Schwierigkeiten haben, in einer Weise, die sich von allen anderen Arten des Genießens unterscheidet.

C’est bien de cela qu’il s’agit et c’est de là que nous devons partir si nous voulons que se maintienne un sens correct à ce qui s’inaugure du discours analytique.

Das ist eben das, worum es geht, und es ist das, wovon wir ausgehen müssen, wenn wir wollen, dass für das, was durch den analytischen Diskurs eröffnet wird, die richtige Richtung beibehalten wird.

S’il existe – on nous le suppose24 – quelque chose de défini, c’est ce que nous appelons la castration qui aurait le privilège de parer à ce quelque chose dont l’indécidable fait le fond du rapport sexuel pour autant que la jouissance y doit être ordonnée.25

Falls etwas existiert – das wird uns unterstellt –, etwas Definiertes, so ist es das, was wir die Kastration nennen, die das Privileg hätte, dem zu begegnen, dessen Unentscheidbares den Grund des sexuellen Verhältnisses ausmacht, insofern das Genießen hier geordnet werden muss.26

Au regard de ceci qui ne semble pas inévitable27 – et je parle de ces énoncés –, la dramaturgie de contrainte qui fait comme ça le quotidien du discours analytique est tout à fait contraire à ceci.

Bezogen auf das, was nicht unvermeidbar zu sein scheint, und ich spreche über diese Aussagen, steht die Dramaturgie des Zwangs (contrainte) – die nun einmal den Alltag des analytischen Diskurses ausmacht – völlig im Gegensatz.

C’est une remarque et qui fait la valeur du livre second de Bruno Bettelheim que je vous ai pointé et qui est évidemment tout à fait contraire avec ceci qui est la seule chose importante : il ne s’agit pas de repousser dans la préhistoire ce qu’il en est des rituels d’initiation.

Das ist eine Bemerkung, die den Wert des zweiten Buches ausmacht, von Bruno Bettelheim, auf das ich Sie hingewiesen habe und das offensichtlich völlig im Gegensatz zu dem steht, was das einzig Wichtige ist: Es geht nicht darum, das, worum es bei den Initiationsritualen geht, in die Vorgeschichte zurückzustoßen.28

Les rituels d’initiation, comme tout ce que nous pouvons avoir envie de repousser dans la préhistoire, ils sont là, ils existent toujours, ils sont vivants de par le monde.

Die Initiationsrituale wie all das, bei dem uns der Sinn danach stehen mag, es in die Vorgeschichte zurückzustoßen, sie sind da, es gibt sie immer, überall auf der Welt sind sie lebendig.

Il y a encore des | [169] Australiens qui se font circoncire, subinciser, il y a des zones entières dans la civilisation où la circoncision règne et méconnaître que dans un siècle dit de lumière, ces pratiques, non seulement subsistent, mais sont florides, se portent fort bien –.

Es gibt noch Australier, die sich beschneiden lassen, die eine Subinzision an sich vornehmen lassen, es gibt ganze Gebiete der Zivilisation, in denen die Beschneidung herrscht, und zu verkennen, dass diese Praktiken in einem sogenannten aufgeklärten Jahrhundert nicht nur fortbestehen, sondern in Blüte stehen, dass es mit ihnen sehr gut steht –.

C’est évidemment de là que nous devons partir pour nous apercevoir que ce n’est aucune dramaturgie concevable de contrainte quelle qu’elle soit, qu’il n’y a pas d’exemple que ce soit seulement la contrainte.

Offensichtlich müssen wir von da ausgehen, um zu bemerken, dass dies keine denkbare Dramaturgie des Zwangs ist, welche auch immer, dass es kein Beispiel dafür gibt, dass es sich nur um Zwang handelt.

Il s’agit encore de savoir ce que veut dire une contrainte.

Es geht außerdem darum, was „Zwang“ bedeutet.

Une contrainte n’est jamais que quelque chose d’un tout autre ordre que la prétendue prévalence d’une prétendue supériorité physique ou autre.

Ein Zwang ist immer etwas von einer ganz anderen Ordnung als dem angeblichen Vorherrschen einer angeblichen physischen oder sonstigen Überlegenheit.

Elle se supporte précisément de signifiants.29

Er wird eben genau durch Signifikanten gestützt.

Et, si c’est à la loi, à la règle des dits signifiants que de tels sujets veulent bien se soumettre, c’est bien pour des raisons et ces raisons, c’est ce qui nous importe .

Und wenn solche Subjekte sich dem Gesetz, der Regel besagter Signifikanten unterwerfen wollen, dann hat das Gründe, und diese Gründe sind das, was für uns wichtig ist.

Et c’est là que nous devons bien plutôt interroger quelle est la complaisance, pour employer un terme qui pour nous mener tout droit à l’hystérique n’en est pas moins d’une portée extrêmement générale, la complaisance qui fait que subsiste bel et bien, et en des temps tout à fait historiques ce qu’il en est de ce qu’on nous présente comme quelque chose dont à soi seul l’image serait pas supportable.

Und hier müssen wir vielmehr danach fragen, worin das Entgegenkommen besteht – um einen Ausdruck zu verwenden, der, auch wenn er uns geradewegs zur Hysterikerin führt, nichtsdestoweniger von äußerst allgemeiner Tragweite ist –, das Entgegenkommen, das dazu führt, das dazu führt, dass sehr wohl das fortbesteht, und zwar in vollkommen historischen Zeiten, was man uns als etwas darstellt, dessen Bild bereits von sich aus unerträglich wäre.30

Et elle pourrait l’être en effet insupportable pour tel ou tel31, et justement c’est de cela qu’il s’agit, c’est de savoir pourquoi.

Und es könnte tatsächlich für diesen oder jenen unerträglich sein, und das ist genau das, worum es geht, nämlich zu wissen warum.

C’est là que je reprends mon fil.

Und hier nehme ich meinen Faden wieder auf.

C’est à suivre ce fil que nous donnons sens à ce qui s’articule du langage dans32 ce que j’appellerai cette parole inédite, en tout cas inédite jusqu’à une certaine époque qui, elle, est bel et bien historique et à notre portée, cette parole inédite et qui se présente, en somme, comme devant toujours pour une part le rester, il n’y a pas d’autre définition à donner à l’inconscient.

Indem wir diesem Faden folgen, geben wir dem einen Sinn, was von der Sprache (langage) in dem artikuliert wird, was ich dieses unveröffentliche Sprechen (parole inédite) nennen möchte, unveröffentlicht jedenfalls bis zu einer bestimmten Epoche, die durchaus historisch und in unserer Reichweite ist, dieses unveröffentlichte Sprechen, das sich insgesamt als etwas darstellt, das zum Teil immer unveröffentlicht bleiben muss – es gibt keine andere Definition, die für das Unbewussten zu geben wäre.

Venons-en maintenant à l’hystérique, puisqu’il me plaît de partir de l’hystérique pour essayer de voir où nous conduit ce fil.

Kommen wir damit zur Hysterikerin, da ich gern von der Hysterikerin ausgehe, um zu versuchen, das zu sehen, wohin dieser Faden uns führt.

L’hystérique, mais vous allez me demander, enfin j’espère bien que non en tout cas, qu’est-ce que c’est ?

Die Hysterikerin, aber sie werden mich fragen – na ja, ich hoffe, dass nicht – jedenfalls, was ist das?

Justement enfin c’est cela le sens du discours analytique.

Schließlich, na ja, eben das ist der Sinn des analytischen Diskurses.

C’est qu’à une pareille question – qu’est-ce que c’est ? qu’est-ce que ça veut dire, l’hystérique en personne ?

Das heißt, dass auf eine derartige Frage, was ist das, was bedeutet das, die Hysterikerin in Person –?

Il me semble avoir travaillé assez longtemps à partir de l’imaginaire pour indiquer qu’en personne, rappeler simplement ce qui est déjà écrit dans le terme de « personne », ça veut dire en masque.

Mir scheint, dass ich lange genug ausgehend vom Imaginären gearbeitet habe, um darauf hinzuweisen, dass „in Person“ – um einfach an das zu erinnern, was bereits im Terminus „Person“ geschrieben ist –, das bedeutet „in Maske“.33

Aucune réponse de départ ne peut être donnée de ce sens.

Welchen Sinn das hat, dazu kann zu Beginn keine Antwort gegeben werden.

[170] À la question : Qu’est-ce que l’hystérique ? la réponse du discours analytique, c’est « vous le verrez bien ».

Auf die Frage „Was ist die Hysterikerin?“ ist die Antwort des analytischen Diskurses: „Das werden Sie noch sehen.“

Vous le verrez bien justement à suivre où elle nous conduit.

Sie werden es genau dann sehen, wenn Sie dem folgen, wohin sie uns führt.

Sans l’hystérique bien sûr, ne serait nulle part venu au jour ce qu’il en est de ce que j’inscris.

Gewiss, ohne die Hysterikerin wäre nirgendwo zutage getreten, worum es bei dem geht, was ich anschreibe.

Puisque j’inscris.

Denn ich schreibe an.

J’essaie de vous donner la première ébauche logique de ce dont il s’agit maintenant, de ce que j’écris Φ de x, qui est à savoir que la jouissance, cette variable dans la fonction inscrite en x, se situe34 de ce rapport avec ce Φ qui là désigne le phallus, découverte centrale, ou plutôt redécouverte ou, comme vous voudrez, rebaptême.

Ich versuche, Ihnen die erste logische Skizze dessen zu geben, worum es jetzt geht, dessen, was ich „Φ von x“ schreibe, was nämlich dies ist, dass das Genießen, die Variable in der mit x angeschriebenen Funktion, durch das Verhältnis zu diesem Φ verortet ist, das hier den Phallus bezeichnet – zentrale Entdeckung oder eher Wiederentdeckung oder, wie Sie wollen, Wiedertaufe.35

Puisque, comme je vous l’indiquais la dernière fois, c’est du phallus en tant que semblant dévoilé dans les mystères que le terme est repris et non pas par hasard.

Denn wie ich Ihnen letztes Mal gezeigt habe, der Terminus ist übernommen vom Phallus als Schein, der in den Mysterien enthüllt wird, und das nicht zufällig.36

Pour bien en sentir du [Störung im Hörsaal37 [unverständlich] la dérision [unverständlich].

Um das gut zu spüren [Störung im Hörsaal38 [unverständlich] der Spott [unverständlich].

C’est le comble du paradoxe, puisque c’est très précisément dans le fait que c’est au semblant du phallus qu’est rapporté le point pivot, le centre de tout ce qui peut s’ordonner ou se contenir de la jouissance sexuelle que dès les premières approches des hystériques, dès les Studien über Hysterie, Freud nous amène.

Das ist der Gipfel der Paradoxie, denn das besteht genau darin, dass der Angelpunkt, das Zentrum von allem, was vom sexuellen Genießen geordnet oder eingeschränkt werden kann, auf den Schein des Phallus bezogen wird, dass es das ist, wohin Freud uns führt, seit den ersten Annäherungen an die Hysterikerinnen, seit den Studien über Hysterie.39

J’ai, la dernière fois, articulé ceci qu’en somme à prendre les choses du point qui peut en effet être interrogé de ce qu’il en est du discours le plus commun, que si nous voulons, non pas porter à son terme ce que la linguistique nous indique, mais justement l’extrapoler, à savoir nous apercevoir que rien de ce que le langage permet de faire n’est jamais que métaphore ou bien métonymie, que le quelque chose que toute parole quelle qu’elle soit prétend un instant dénoter ne fait jamais que renvoyer à une connotation et que s’il y a quelque chose qui puisse au dernier terme s’indiquer comme étant ce qui de toute fonction appareillée du langage se dénote, je vous l’ai dit la dernière fois, il n’y a qu’une Bedeutung, Die Bedeutung des Phallus.

Das letzte Mal habe ich Folgendes artikuliert: dass insgesamt – um die Dinge von dem Punkt her anzugehen, der tatsächlich befragt werden kann, von dem her, worum es im ganz gewöhnlichen Diskurs geht –; dass insgesamt, wenn wir das, worauf die Linguistik uns hinweist, nicht etwa bis zu Ende führen wollen, sondern es einfach extrapolieren wollen, wenn wir uns nämlich klarmachen, dass nichts von dem, was die Sprache zu tun erlaubt, je etwas anderes ist als Metapher oder aber Metonymie; dass das, was jedes Sprechen gleich welcher Art in einem bestimmten Moment zu denotieren vorgibt, immer nur auf eine Konnotation verweist; dass es dann – wenn es etwas gibt, was letztlich als das angezeigt werden kann, was von jeder zusammengesetzten Funktion der Sprache denotiert wird, ich habe es Ihnen das letzte Mal gesagt –, dass es dann nur eine Bedeutung* gibt, *die Bedeutung des Phallus*.40

C’est là seul ce qui est du langage dénoté, dénoté bien sûr sans que puisse jamais rien y répondre.

Das ist hier das einzige, was von der Sprache denotiert wird, sicherlich denotiert wird, ohne dass hierauf jemals etwas antworten könnte.

Puisque s’il y a bien quelque chose qui caractérise le phallus, ça n’est, non pas d’être le signifiant du manque comme certains ont cru pouvoir entendre certaines de mes paroles, mais d’être assurément en tout cas ce dont ne sort aucune parole.

Denn wenn es eben etwas gibt, was den Phallus charakterisiert, dann ist es gerade nicht, der Signifikant des Mangels zu sein, wie einige geglaubt haben, einige meiner Worte verstehen zu können, sondern in jedem Fall sicherlich das zu sein, wovon keinerlei Sprechen ausgeht.41

Sinn et Bedeutung, c’est de là, je l’ai rappelé la dernière fois, c’est de cette opposition articulée par le logicien vraiment inaugural qu’est Frege, Sinn et Bedeutung définissent des repères qui vont plus loin que ceux de connotation et de dénotation.

Sinn* und Bedeutung* – von da aus, letztes Mal habe ich daran erinnert, von diesem Gegensatz aus, der von einem Logiker artikuliert wurde, der wirklich etwas Neues eingeführt hat, nämlich von Frege –, Sinn* und Bedeutung* definieren Bezüge, die weiter gehen als die von Konnotation und Denotation.42

Beaucoup de choses dans cet article dont vraiment Frege instaure les deux versants du Sinn et de la Bedeutung, beaucoup de choses sont à retenir, et spécialement pour un analyste.

Viele Dinge in diesem Artikel, mit dem Frege die beiden Seiten des Sinns* und der Bedeutung* einführt, viele Dinge sind festzuhalten, insbesondere für einen Analytiker.

Car assurément, sans une référence logique, et qui bien sûr ne peut se suffire de la logique classique, de la logique aristotélicienne, sans une référence logique, il est impossible de trouver le point juste dans les matières que j’aborde.

Denn ohne Bezug auf die Logik, der sich natürlich nicht mit der klassischen Logik, mit der aristotelischen Logik begnügen kann, ohne Bezug auf die Logik ist es sicherlich unmöglich, bei den Themen, die ich angehe, den richtigen Punkt zu finden. 

[171] La remarque de Frege tourne toute entière autour de ceci que portés à un certain point du discours scientifique, ce que nous constatons, c’est par exemple des faits comme celui-ci, n’est-ce pas : est-ce la même chose que de dire « Vénus » ou de l’appeler de deux façons, comme elle fut longtemps désignée, « l’étoile du soir » et « l’étoile du matin » ?

Der Hinweis von Frege dreht sich gänzlich darum, dass wir, wenn wir an einen bestimmten Punkt des wissenschaftliche Diskurses gelangt sind, dass wir dann Tatsachen wie beispielsweise folgende konstatieren, nicht wahr: Ist es dasselbe, „Venus“ zu sagen, oder sie auf zweierlei Weise zu benennen, so wie sie lange bezeichnet wurde, „Abendstern“ und „Morgenstern“?

Est-ce la même chose de dire « Sir Walter Scott » ou de dire « l’auteur de Waverley » ?

Ist es dasselbe, „Sir Walter Scott“ zu sagen“ oder zu sagen „der Autor von Waverley“?43

Je vous préviens, pour ceux qui l’ignoreraient, qu’il est effectivement l’auteur de cet ouvrage qui s’appelle Waverley.

Diejenigen, die es nicht wissen, möchte ich darauf hinweisen, dass er tatsächlich der Verfasser jenes Werkes ist, das Waverley heißt.

C’est à l’examen de cette distinction que Frege s’aperçoit qu’il n’est pas possible en tous les cas de remplacer « Sir Walter Scott » par « l’auteur de Waverley ».

Bei der Untersuchung dieser Unterscheidung wird Frege klar, dass es nicht möglich ist, „Sir Walter Scott“ in allen Fällen durch „der Autor von Waverley“ zu ersetzen.44

C’est en cela qu’il distingue ceci que « l’auteur de Waverley » véhicule un sens, un Sinn et que « Sir Walter Scott » désigne une Bedeutung.

Hierbei trifft er die Unterscheidung, dass „der Autor von Waverley“ einen Sinn* transportiert, und dass „Sir Walter Scott“ eine Bedeutung* bezeichnet.45

Il est clair que si l’on pose avec Leibniz que salva veritate, sauver la vérité, il faut poser que tout ce qui se désigne comme élément d’une Bedeutung équivalente peut indifféremment se remplacer.

Wenn man mit Leibniz fordert, dass salva veritate, die Wahrheit zu erhalten ist, dann ist klar, dass man fordern muss, dass all das, was als Element einer äquivalenten Bedeutung* bezeichnet wird, einander gleichermaßen ersetzen kann.46

Et si on met la chose à l’épreuve ?

Und wenn man die Sache prüft?

Je vais tout de suite le mettre à l’épreuve selon des voies tracées par Frege lui-même :

Ich werde sie sofort überprüfen, auf den Wegen, die Frege selbst gebahnt hat.

Le roi George III – peu m’importe que ce soit George III ou George IV, ça n’a en l’occasion que peu d’importance – demandait, s’informait de savoir si Sir Walter Scott était l’auteur de Waverley.

König Georg III. – mir ist gleich, ob es Georg III. oder Georg IV. war, das hat in diesem Falle nur wenig Bedeutung – fragte, wollte wissen, ob Sir Walter Scott der Autor von Waverley sei.47

Si nous remplaçons « l’auteur de Waverley » par « Sir Walter Scott », nous obtenons la phrase suivante : le roi George III s’informait pour savoir si Sir Walter Scott était Sir Walter Scott, ce qui bien évidemment n’a absolument pas le même sens.

Wenn wir „der Autor von Waverley“ durch „Sir Walter Scott“ ersetzen, erhalten wir den folgenden Satz: König Georg III. wollte wissen, ob Sir Walter Scott Sir Walter Scott sei – was offensichtlich keineswegs denselben Sinn hat.

C’est à partir de cette simple remarque, opération logique que Frege instaure, inaugure sa distinction fondamentale du Sinn et de la Bedeutung.

Ausgehend von dieser einfachen Bemerkung, einer logischen Operation, führt Frege seine grundlegende Unterscheidung von Sinn* und Bedeutung* ein.

Il est tout à fait clair que cette Bedeutung renvoie bien sûr à une Bedeutung toujours plus lointaine.

Es ist völlig klar, dass diese Bedeutung* natürlich auf eine Bedeutung* verweist, die stets weiter entfernt ist.

Pour lui, bien sûr, il s’en arrête à la distinction de ce qu’il appelle le discours oblique et le discours direct.

Was ihn angeht, so hält er sicherlich inne bei der Unterscheidung zwischen dem, was er „ungerade Rede“ und „gerade Rede“ nennt.48

C’est pour autant que c’est dans une subordonnée, que c’est le roi George III qui demande49, que nous devons ici maintenir les Sinn dans leur droit et ne remplacer en aucun cas « l’auteur de Waverley » par « Sir Walter Scott ».

Insofern es ein Nebensatz ist, in dem die Frage von König Georg III. formuliert wird, müssen wir hier den eigenständigen Sinn* der beiden Ausdrücke festhalten und dürfen wir „der Autor von Waverley“ keinesfalls durch „Sir Walter Scott“ ersetzen.50

Mais ceci bien sûr est un artifice, c’est un artifice qui pour nous, nous met sur la voie de ceci, à savoir que « Sir Walter Scott » en l’occasion, c’est un nom, et aussi bien que quand Monsieur Carnap reprend la question de la Bedeutung, c’est par le terme nominatum qu’il le traduit, en quoi justement il glisse là où il n’aurait pas fallu glisser.

Aber das ist natürlich ein Kunstgriff, das ist ein Kunstgriff, der für uns –, der uns auf den Weg bringt, nämlich dass „Sir Walter Scott“ hier ein Name ist, und auch, dass Monsieur Carnap, als er die Frage der Bedeutung* aufgreift, sie mit dem Ausdruck „Nominatum“ übersetzt, womit er genau da ausrutscht, wo er nicht hätte ausrutschen dürfen.51

Car ceci justement est ce qui peut nous permettre d’aller plus loin, mais certainement pas dans la même direction que Monsieur Carnap.

Denn das ist genau das, was es uns erlauben kann, weiter zu gehen, aber sicherlich nicht in dieselbe Richtung wie Monsieur Carnap.

C’est celle de ce que veut dire le nom, nom : N.O.M. ! je le répète, comme la dernière fois.

Das ist diejenige die sich darauf bezieht, was der Name bedeutet.52

Il nous est très facile de faire ici le joint avec ce que j’ai indiqué tout à l’heure.

Es ist für uns hier sehr einfach, die Verbindung zu dem herzustellen, worauf ich vorhin hingewiesen habe.

Je vous ai fait remarquer que le phallus ne répondait pas.

Ich habe Sie darauf hingewiesen, dass der Phallus nicht antwortete.

Eh bien, ceci vous | [172] met sur la voie du point que je désire ici accentuer, c’est que le nom – le nom Name et le noun53, mais on ne voit bien que les choses qu’au niveau du nom propre – comme disait l’autre, le nom, c’est ce qui appelle.

Nun ja, dies führt uns zu dem Punkt, den ich hier betonen möchte, nämlich dass der Name – der Name* und das noun, aber nur auf der Ebene des Eigennamens sieht man die Dinge –, dass der Name, wie mal jemand gesagt hat, das ist, was aufruft.

Mais à quoi ?

Aber zu was?

C’est ce qui appelle à parler !

Das ist das, was zum Sprechen aufruft.

Et c’est bien ce qui fait le privilège du phallus, c’est qu’on peut l’appeler éperdument, il ne dira toujours rien.

Und eben darin besteht die Sonderstellung des Phallus, nämlich dass man ihn noch so sehr aufrufen kann, er wird nie etwas sagen.54

Seulement ceci alors donne son sens à ce que j’ai appelé en son temps la métaphore paternelle, et c’est là que nous conduit l’hystérique.

Nur dies gibt dann dem seinen Sinn, was ich seinerzeit „Vatermetapher“ genannt habe, und eben dorthin führt uns die Hysterikerin.

La métaphore paternelle, bien sûr, là où je l’ai introduite, c’est-à-dire au niveau de mon article sur la Question préalable à tout traitement possible de la psychose, je l’ai insérée dans le schéma général extrait du rapprochement de ce que nous dit la linguistique sur la métaphore avec ce que l’expérience de l’inconscient nous donne de la condensation.

Die Vatermetapher, ich meine da, wo ich sie eingeführt habe, das heißt auf der Ebene meines Artikels Über die Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, die Vatermetapher habe ich in das allgemeine Schema eingefügt, das daraus extrahiert ist, dass das, was die Linguistik uns über die Metapher sagt, an das angenähert wird, was die Erfahrung des Unbewussten uns von der Verdichtung liefert.55

J’ai écrit le S sur S1 multiplié par le S1 sur le petit s

\frac {\text S}{\text S_1} \cdot \frac {\text S_1}{\text s}

je me suis, comme j’ai écrit également dans l’Instance de la lettre, fortement appuyé sur cette face de la métaphore qui est d’engendrer un sens.56

 

\frac {\text S_1}{\text {\$'}} \cdot \frac {\text {\$'}}{x} \rightarrow \text{\normalsize {S}} \left( \frac {\text {1}}{s} \right)
Formel der Metapher in „Über eine Frage …“57

 

{f} \left( \frac {\text S'}{\text S} \right) \text{\normalsize {S}} \cong \text{\normalsize {S (+) s}}
Formel der Metapher in „Das Drängen des Buchstabens …“58

Ich habe geschrieben S über S1, multipliziert mit S1 über dem kleinen s, ich habe mich, wie ich gleichermaßen in Das Drängen des Buchstabens geschrieben habe, stark auf diejenige Seite der Metapher gestützt, die darin besteht, einen Sinn hervorzubringen.59

Si « l’auteur de Waverley » c’est Sinn, c’est très précisément parce que « l’auteur de Waverley » remplace quelque chose d’autre qui est Bedeutung initiale60 que Frege croit pouvoir épingler du nom de « Sir Walter Scott ».

Wenn „der Autor von Waverley“ Sinn* ist, dann genau deshalb, weil „der Autor von Waverley“ etwas anderes ersetzt, nämlich die anfängliche Bedeutung*, von der Frege glaubt, sie am Namen „Sir Walter Scott“ festmachen zu können.

Mais enfin il n’y a pas que sous cet angle que j’ai envisagé la métaphore paternelle.

Aber nun ja, ich habe die Vatermetapher nicht nur unter diesem Blickwinkel ins Auge gefasst.

Si j’ai écrit quelque part que le Nom-du-père, c’est le Phallus, et Dieu sait quels frémissements d’horreur ceci a évoqué dans quelques âmes pieuses, c’est précisément parce qu’à cette date je ne pouvais pas l’articuler mieux.

Wenn ich irgendwo geschrieben habe, dass der Name-des-Vaters der Phallus ist – und Gott weiß, welche Schauder des Entsetzens das bei einigen frommen Seelen hervorgerufen hat –, dann eben deshalb, weil ich es damals nicht besser artikulieren konnte.61

Ce qui est clair, c’est que c’est le Phallus bien sûr mais que c’est tout de même le Nom-du-Père.

Es ist klar, dass das der Phallus ist, gewiss, aber dass das dennoch der Name-des-Vaters ist.

Ce qui est nommé Père, le Nom-du-Père, si c’est un nom qui, lui, a une efficace, c’est précisément parce que quelqu’un se lève pour répondre.

Wenn das, was Vater genannt wird, Name-des-Vaters, wenn das ein Name ist, der eine Wirksamkeit hat, dann genau deshalb, weil jemand sich erhebt um zu antworten.

Sous l’angle de ce qui se passait pour la détermination psychotique de Schreber, c’est en tant que signifiant, signifiant capable de donner un sens au désir de la mère qu’à juste titre je pouvais situer le Nom-du-Père.

Unter dem Blickwinkel dessen, was sich hinsichtlich der Determination der Psychose von Schreber ereignet hat, konnte ich den Namen-des-Vaters zu Recht als Signifikanten verorten, als Signifikanten, der in der Lage ist, dem Begehren der Mutter einen Sinn zu geben.

Mais, au niveau de ce dont il s’agit quand c’est, disons, l’hystérique qui l’appelle, ce dont il s’agit c’est que quelqu’un parle.

Aber auf der Ebene dessen, worum es geht, wenn es, sagen wir, die Hysterikerin ist, die ihn auffordert, dann geht es darum, dass jemand spricht.

Je voudrais ici vous faire observer que si Freud a quelquefois essayé d’approcher d’un peu plus près cette fonction du Père qui est tellement essentielle au discours analytique qu’on peut dire d’une certaine façon qu’elle en est le produit.

Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass, wenn Freud bisweilen versucht hat, ein wenig näher an die Funktion des Vaters heranzukommen, die für den analytischen Diskurs so wesentlich ist, dass man dann in gewissem Sinne sagen kann, dass diese Funktion das Produkt dieses Diskurses ist.

Si je vous ai écrit le discours analytique | [173] petit a sur S2, c’est-à-dire l’analyste sur ce qu’il a de savoir par le névrosé, qui questionne le sujet pour y introduire quelque chose, on peut dire que le signifiant maître, jusqu’à présent du discours analytique, c’est bien le Nom-du-Père.

\frac {a}{\text S_2} \:^\rightarrow \, \frac {\$}{\text S_1}
Diskurs des Analytikers

Wenn ich den analytischen Diskurs für Sie so geschrieben habe, klein a über S2, das heißt der Analytiker über dem, was er durch den Neurotiker an Wissen hat, der Analytiker, der das Subjekt befragt [→ $], um hier etwas einzuführen, dann kann man sagen, dass der Herrensignifikant [S1] des analytischen Diskurses bis jetzt eben der Name-des-Vaters ist.

Il est extrêmement curieux qu’il ait fallu le discours analytique pour que là-dessus se posent les questions.

Es ist äußerst merkwürdig, dass es den analytischen Diskurs gebraucht hat, damit sich Fragen dazu stellen.

Qu’est-ce qu’un père ?

Was ist ein Vater?

Freud n’hésite pas à articuler que c’est là, c’est le nom par essence qui implique la foi62.

Freud zögert nicht, zu artikulieren, dass dies hier der Name schlechthin ist, der den Glauben einschließt.

C’est la façon dont il s’exprime.

Das ist die Art, wie er sich ausdrückt.63

Nous pourrions peut-être tout de même en désirer un petit peu plus.

Dennoch könnten wir vielleicht ein ganz klein bisschen mehr davon wünschen (désirer).

Après tout, à prendre les choses au ras niveau du biologique, on peut parfaitement concevoir que la reproduction de l’espèce humaine – ça c’est déjà fait, c’est sorti déjà de l’imagination d’un romancier – se produise sans aucune espèce d’intervention d’un être désigné sous le titre du père64.

Letztlich, um die Dinge ganz dicht an der biologischen Ebene zu nehmen, man kann sich ohne Weiteres vorstellen, dass die Reproduktion der menschlichen Gattung – das ist bereits gemacht worden, das ist über die Einbildungskraft eines Romanciers bereits hinausgegangen65 –, dass sie sich ohne irgendeine Art Einwirkung eines Wesens vollzieht, das mit dem Titel des Vaters bezeichnet wird.

L’insémination artificielle après tout ne serait pas là pour rien.

Die künstliche Befruchtung wäre nicht ohne Grund da.

Qu’est-ce qui en somme fait la présence, depuis un temps qui n’est pas d’hier, de cette essence du père ?

Was macht letztlich, und nicht erst seit gestern, die Gegenwart des Wesens (essence) des Vaters aus?

Et après tout est-ce que, nous-mêmes analystes, nous savons bien ce que c’est ?

Und selbst wir Analytiker, wissen wir denn überhaupt, was das ist?

Je voudrais tout de même vous faire remarquer ceci, c’est que dans l’expérience analytique le père n’est jamais que référentiel.

Ich möchte Sie jedoch darauf aufmerksam machen, dass in der analytischen Erfahrung der Vater immer nur eine Bezugsgröße ist.

Nous interprétons telle ou telle relation avec le père.

Wir deuten diese oder jene Beziehung zum Vater.

Est-ce que nous analysons jamais quelqu’un en tant que père ?

Analysieren wir jemals jemanden als Vater?

Qu’on m’apporte une observation !

Man zeige mir einen Fallbericht.

Le père est un terme de l’interprétation analytique – à lui se réfère quelque chose.

Der Vater ist ein Terminus der analytischen Deutung – auf ihn bezieht sich etwas.

C’est à la lumière de ces remarques, qui… si vous le voulez bien, que j’abrège, que je voudrais quand même vous situer ce qu’il en est du mythe de l’Œdipe.

Im Lichte dieser Bemerkungen, die – , wenn Sie mir erlauben, dass ich abkürze –, würde ich dennoch gern für Sie das verorten, worum es beim Ödipusmythos geht.

Le mythe de l’Œdipe fait en quelque sorte tracas, parce que soit disant il instaure la primauté du père, qu’il serait une espèce de reflet du patriarcat.

Der Ödipusmythos macht in gewisser Weise Ärger, da er sozusagen das Primat des Vaters einführt, sodass er eine Art Reflex des Patriarchats wäre.

Je voudrais vous faire sentir quelque chose, qui… enfin ce par quoi, à moi tout au moins, il me paraît pas du tout un reflet du patriarcat, bien loin de là.

Ich möchte Sie etwas spüren lassen, was – nun ja –, das, worin er zumindest mir keineswegs ein Reflex des Patriarchats zu sein scheint, weit davon entfernt.

Il nous fait apparaître seulement ceci : un point d’abord par où la castration pourrait être serrée d’un abord logique et de cette façon que je désignerai d’être numérable66.

Er bringt für uns nur dies zum Vorschein, einen Punkt zunächst, durch den die Kastration durch einen logischen Zugang eingekreist werden könnte, auf eine Weise, die ich als numerierbar bezeichnen möchte.

[174] Le père, non seulement est castré, mais il est précisément castré au point de n’être qu’un numéro.

Der Vater ist nicht nur kastriert, sondern genau gesagt, er ist derart kastriert, dass er nur eine Nummer ist.

Ceci s’indique tout à fait clairement dans les dynasties.

Völlig klar wird das von den Dynastien angezeigt.

Tout à l’heure, je vous parlais d’un roi que je ne savais plus très bien comment l’appeler George III ou George IV.

Eben habe ich zu Ihnen über einen König gesprochen, von dem ich nicht mehr richtig wusste, wie er heißt, Georg III. oder Georg IV.

Pensez que ce qui est justement, ce qui parait le plus typique de la représentation de la paternité, à savoir la royauté, c’est comme ça que ça se passe : George I, George Il, George III, George IV.

Bedenken Sie, dass das, was gerade das Typischste der Repräsentation der Vaterschaft zu sein scheint, nämlich das Königtum, dass sich das so vollzieht: Georg I., Georg II., Georg III., Georg IV.

Mais enfin il est bien évident que ça n’épuise pas la question, qu’il n’y a pas seulement numéro : il y a nombre.67

Aber nun ja, es ist ganz offensichtlich, dass die Frage damit nicht erschöpft ist, dass es nicht nur Nummer gibt, es gibt auch Zahl.

Pour tout dire, j’y vois le point d’aperception de la série des « nombres naturels », comme on s’exprime, et comme on s’exprime pas si mal, car, vous le voyez, c’est très proche de la nature.

Um es klar zu sagen, hier sehe ich den Punkt, an dem die Reihe der natürlichen Zahlen erfasst wird, wie man sich ausdrückt – und wie man sich gar nicht so schlecht ausdrückt, denn Sie sehen, das ist ganz nah bei der Natur.

Je voudrais vous faire remarquer que puisqu’on évoque toujours à l’horizon l’histoire, ce qui bien entendu est une raison de suspicion extrême, je voudrais vous faire simplement remarquer ceci : c’est que matriarcat, comme on s’exprime, n’a aucun besoin d’être repoussé aux limites de l’histoire.

Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass – da man am Horizont immer die Geschichte heraufbeschwört, was wohlgemerkt ein Grund ist, den stärksten Verdacht zu hegen –, ich möchte Sie einfach darauf aufmerksam machen, dass das Matriarchat, wie man sich ausdrückt, keineswegs an die Grenzen der Geschichte zurückgedrängt werden muss.

Le matriarcat consiste essentiellement en ceci : c’est que pour ce qui est de la mère, comme Freud le souligne à l’occasion, il n’y a pas de doute.

Das Matriarchat besteht wesentlich darin, dass es, was die Mutter angeht – wie Freud bei Gelegenheit herausstreicht –, keinen Zweifel gibt.68

On peut à l’occasion perdre sa mère dans le métro bien sûr, mais enfin il n’y a pas de doute sur qui est la mère.

Man kann seine Mutter gelegentlich in der U-Bahn verlieren, das ist klar, aber immerhin gibt es keinen Zweifel daran, wer die Mutter ist.

Il n’y a également aucun doute sur qui est la mère de la mère, et ainsi de suite.

Genauso wenig gibt es einen Zweifel daran, wer die Mutter der Mutter ist, und so weiter.

La mère, dans sa lignée, je dirai est innombrable.

In ihrer Abstammungslinie ist die Mutter, so möchte ich sagen, unzählbar.

Elle est innombrable dans tous les sens propres du terme.

Sie ist in allen richtigen Bedeutungen des Ausdrucks unzählbar.

Elle n’est pas à numérer parce qu’il n’y a pas de point de départ – la lignée maternelle a beau être nécessairement en ordre, on ne peut la faire partir de nulle part.

Sie lässt sich nicht zählen, da es keinen Ausgangspunkt gibt – auch wenn die weibliche Linie notwendigerweise völlig geordnet ist, ist es nicht möglich, sie von irgendetwas ausgehen zu lassen.

Je voudrais vous faire remarquer d’autre part, ceci qui paraît être la chose qu’on touche le plus couramment du monde, parce qu’après tout, c’est pas rare n’est-ce pas, il est pas du tout rare qu’on puisse avoir pour père son grand-père, je veux dire pour vrai père, et même son arrière grand-père. Oui.

Auf der andren Seite möchte ich Sie auf etwas hinweisen, was etwas zu sein scheint, worauf man nun wirklich sehr häufig stößt, da es schließlich nicht selten ist, nicht wahr, es ist überhaupt nicht selten, dass man seinen Großvater als Vater haben kann, ich meine als wahren Vater, und sogar seinen Urgroßvater. Ja.69

Quand les gens vivaient, comme il nous est dit dans la première lignée des patriarches aux environs de 900 ans, j’ai relu ça récemment, c’est très piquant, c’est un truquage absolument sensationnel, tout est fait pour que les deux ancêtres de Noé là les plus directs soient morts juste au moment où le Déluge se produit.

Als in der ersten Linie der Erzväter die Leute, wie uns gesagt wird, ungefähr 900 Jahre lang lebten – ich habe das kürzlich wiedergelesen, das ist sehr pikant, das ist ein wirklich sensationeller Schwindel, das ist alles dazu da, damit hier die beiden unmittelbaren Vorfahren von Noah genau in dem Augenblick tot sind, in dem sich die Sintflut ereignet.70

On voit ça : c’est fignolé.

Das ist, wie man sieht, sorgfältig ausgefeilt.

Enfin laissons ça de côté, c’est pour simplement vous mettre dans la perspective de ce qu’il en est du père.

Nun ja, lassen wir das beiseite, das soll Ihnen einfach den Zusammenhang klarmachen, um den es beim Vater geht.

De ceci, voyez-vous ce qui résulte dans ce que je vous ai dit, parce que l’heure s’avance, c’est que si nous définissons l’hystérique par ceci qui définit – ça ne lui est pas particulier – le névrosé, à savoir l’évitement de la castration, il y a plusieurs façons de l’éviter.

Sehen Sie, was sich von daher für das ergibt, was ich Ihnen gesagt habe, da die Zeit voranschreitet, nämlich, wenn wir die Hysterikerin durch das definieren, was den Neurotiker definiert – das findet man nicht nur bei ihr –, nämlich das Vermeiden der Kastration, dann gibt es mehrere Arten, sie zu vermeiden.

L’hystérique a ce procédé simple, c’est qu’elle l’uni-| [175] latéralise de l’autre côté, du côté du partenaire, disons qu’à l’hystérique, il faut le partenaire châtré.

Die Hysterikerin hat ein einfaches Verfahren, nämlich dass sie die Kastration zur anderen Seite hin vereinseitigt, zur Seite des Partners – sagen wir, die Hysterikerin braucht den kastrierten Partner.

Qu’il soit châtré, il est clair que c’est au principe de la possibilité de la jouissance de l’hystérique.

Das ist klar – dass er kastriert ist, ist bei der Hysterikerin grundlegend ist für die Möglichkeit des Genießens.

Mais c’est encore trop.

Aber das ist noch zu viel.

S’il était châtré, il aurait peut-être une petite chance, puisque la castration c’est justement ce que j’ai défini tout à l’heure comme étant ce qui permet le rapport sexuel.

Wenn er kastriert wäre, gäbe es vielleicht eine kleine Chance, denn die Kastration ist ja eben das, was ich vorhin als das definiert habe, wodurch das sexuelle Verhältnis ermöglicht wird.

Il faut qu’il soit seulement ce qui répond à la place du phallus.

Es ist notwendig, dass er nur das ist, was anstelle des Phallus antwortet.

Alors, puisque Freud lui-même nous indique, je vais vous dire à quelle page 71, nous indique que tout ce qu’il élabore comme mythe – ceci est à propos du Moïse, « Je n’en ferais pas ici la critique » dit-il de ce qu’il a lui-même écrit.

Also, da Freud selbst uns anzeigt, ich werde Ihnen sagen, auf welcher Seite, uns anzeigt dass alles, was er als Mythos ausarbeitet – das bezieht sich auf Moses, „Ich werde sie hier nicht der Kritik unterziehen“, sagt er über das, was er selbst geschrieben hat.

À la date où il le publie en 1938, sur son hypothèse historique, à savoir celle qu’il a rénovée de Sellin, « car tous les résultats acquis », dit la traductrice, « constituent les déductions psychologiques qui en dérivent et sans cesse s’y rapportent »… comme vous le voyez, ça ne veut rien dire.

Zu dem Zeitpunkt, an dem er es veröffentlicht, 1938, sagt er über seine historische Hypothese, also die von Sellin, die von ihm erneuert wurde72: „denn alle erreichten Ergebnisse“, sagt die Übersetzerin, „bilden die psychologischen Ableitungen, die sich daraus herleiten und die sich beständig darauf beziehen“73 – wie Sie sehen, ergibt das keinen Sinn.

En allemand, ça veut dire quelque chose, c’est denn sie bilden die Voraussetzung, car ils forment la supposition der psychologischen Erörterungen, des manifestations psychologiques qui, de ces données, von ihnen ausgehen, découlent et toujours de nouveau, auf sie zurückkommen, y font retour.

Auf Deutsch hat das einen Sinn, nämlich, „denn sie bilden die Voraussetzung der psychologischen Erörterungen, die von ihnen ausgehen und immer wieder auf sie zurückkommen“74.

C’est bien en effet sous la dictée de l’hystérique que, non pas s’élabore, car jamais l’Œdipe n’a été par Freud véritablement élaboré, il est indiqué en quelque sorte à l’horizon, dans la fumée, si l’on peut dire, de ce qui s’élève comme sacrifice de l’hystérique.

Das wird ja tatsächlich unter dem Diktat der Hysterikerin – nicht ausgearbeitet, denn der Ödipus ist von Freud niemals wirklich ausgearbeitet worden –, er wird gewissermaßen am Horizont angezeigt, im Rauch, wenn man so sagen kann, im Rauch dessen, was als Opfer der Hysterikerin aufsteigt.

Mais observons bien ce que veut dire maintenant cette nomination, cette réponse à l’appel du père dans l’Œdipe.

Betrachten wir jedoch näher, was diese Benennung jetzt bedeutet, diese Antwort auf den Appell des Vaters im Ödipus.

Si je vous ai dit tout à l’heure que ça introduit la série des nombres naturels, c’est que là nous avons ce qui, à la plus récente élaboration logique de cette série, à savoir celle de Peano, s’est avéré nécessaire, c’est à savoir pas simplement le fait de la succession.

Wenn ich Ihnen vorhin gesagt habe, dass hierdurch die Folge der natürlichen Zahlen eingeführt wird, dann heißt das, dass wir hier das haben, was sich in der neueren logischen Ausarbeitung dieser Folge, der von Peano, als notwendig erwiesen hat, nämlich nicht einfach die Tatsche der Nachfolge.75

Quand on essaie d’axiomatiser la possibilité d’une telle série, on rencontre la nécessité du zéro pour poser le successeur.

Wenn man versucht, die Möglichkeit einer solchen Folge zu axiomatisieren, stößt man, um den Nachfolger zu postulieren, auf die Notwendigkeit der Null.

Les axiomes minimaux de Peano – je n’insiste pas sur tout ce qui a pu se produire en commentaires, en marge et en perfectionnements – mais la dernière formule, c’est celle qui pose le zéro comme nécessaire à cette série, faute de quoi elle ne saurait d’aucune façon être axiomatisée et faute de quoi elle serait donc innombrable comme je le disais tout à l’heure.

Die Minimalaxiome von Peano – ich beharre nicht auf allem, was am Rande an Kommentaren und Perfektionierungen produziert werden konnte –, aber die letzte Formel ist die, durch welche die Null postuliert wird, als etwas, das für diese Folge notwendig ist, ohne die sie in keiner Weise axiomatisiert wäre und ohne die sie also, wie ich vornhin gesagt habe, unzählbar wäre.76

L’équivalence logique de la fonction du père est très précisément ceci, cette fonction du zéro trop souvent oubliée.77

Die logische Entsprechung zur Funktion des Vaters ist genau dies: die Funktion der Null, die allzu oft vergessen wird.

Je ne peux le faire qu’en marge et très rapidement.

Ich kann das nur Rande machen und sehr schnell.

Je vous ferai observer que nous entrerons dans le deuxième millénaire en | [176] l’an 2000 que je sache.

Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass wir ins zweite Jahrtausend im Jahre 2000 eintreten, soviel ich weiß.

Si simplement vous admettez ça, d’un autre côté vous pouvez aussi bien ne pas l’admettre, mais si simplement vous admettez ça, je vous ferai remarquer que ça rend nécessaire qu’il y ait eu un an zéro après la naissance du Christ.

Wenn Sie das einfach akzeptieren – andererseits können Sie das auch nicht akzeptieren –, aber wenn Sie das einfach akzeptieren, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass hierfür notwendig ist, dass es ein Jahr Null nach Christi Geburt gegeben hat.

C’est ce que les auteurs du calendrier républicain avaient oublié : la première année, ils l’ont appelé l’an I de la république.

Das ist etwas, das die Autoren des republikanischen Kalenders vergessen hatten – das erste Jahr wurde von ihnen als „Jahr I der Republik“ bezeichnet.78

Ce zéro est absolument essentiel à tout repérage chronologique naturel.

Diese Null ist für jeden chronologischen Naturbezug wirklich wesentlich.

Et alors nous comprenons ce que veut dire le meurtre du père.

Und dann verstehen wir, was der Vatermord bedeutet.

Il est curieux, singulier, n’est-ce pas que ce meurtre du père n’apparaisse jamais, même dans les drames, comme le fait remarquer avec pertinence quelqu’un qui a écrit là-dessus un pas mauvais chapitre, que même dans les drames, il n’y a jamais…

Es ist eigenartig, es ist seltsam, nicht wahr, dass dieser Vatermord niemals erscheint, selbst in den Dramen nicht, wie jemand zutreffend herausgestellt hat, der darüber ein Kapitel geschrieben hat, das gar nicht schlecht ist, dass selbst in den Dramen niemals –.

Aucun dramaturge enfin n’a osé, comme s’exprime l’auteur, faire représenter, manifester le meurtre délibéré d’un père par un fils, faites bien attention à ça, même dans le théâtre grec ça n’existe pas : d’un père en tant que père.

Kein Dramatiker hat jedenfalls gewagt, wie der Autor sich ausdrückt, den absichtlichen Mord an einem Vater durch einen Sohn zur Darstellung zu bringen; achten Sie darauf – selbst im griechischen Theater gibt es das nicht, an einem Vater als Vater.

Mais par contre, c’est tout de même le terme meurtre du père, qui parait au centre de ce que Freud élabore à partir des données que constitue, du fait de l’hystérique et de son bord, le refus de la castration.

Im Gegensatz hierzu erscheint jedoch der Terminus „Vatermord“ im Zentrum dessen, was Freud ausarbeitet, ausgehend von Gegebenheiten, die infolge der Hysterikerin und ihres Umfeldes durch die Zurückweisung der Kastration gebildet werden.

Est-ce que ce n’est pas justement en tant que meurtre du père ici est le substitut de cette castration refusée, que l’Œdipe a pu venir s’imposer, si je puis dire, à la pensée de Freud dans la filière de ses abords de l’hystérique.

Konnte „Vatermord“ sich nicht genau deshalb, wenn ich so sagen kann, dem Denken von Freud auf der Linie seiner Zugänge zur Hysterikerin aufdrängen, weil er der Ersatz für die zurückgewiesene Kastration ist?

Il est clair que dans la perspective hystérique, c’est le Phallus qui est fécond et que ce qu’il engendre, c’est lui-même, si l’on peut dire.

Es ist klar, dass in der Perspektive der Hysterie der Phallus das ist, was fruchtbar ist, und dass das, was er hervorbringt, er selbst ist, wenn man so sagen kann.

La fécondité est forgerie phallique et c’est bien par là que tout enfant est reproduction du phallus en tant qu’il est gros, si je puis m’exprimer ainsi, d’engendrement.79

Die Fruchtbarkeit ist phallische Fälschung, und eben daher rührt es, dass jedes Kind Reproduktion des Phallus ist, insofern er, wenn ich mich so ausdrücken kann, mit Zeugung schwanger geht.80

Mais alors nous entrevoyons aussi, puisque c’est du que je vous ai inscrit l’impossibilité logique du choix de la relation insatisfaite au rapport sexuel que c’est du papludun que je vous l’ai désigné ; c’est par là, que les incroyables complaisances de Freud81, pour un monothéisme dont il va chercher le modèle, chose très curieuse, bien ailleurs que dans sa tradition

Aber dann ahnen wir auch, da es vom –; dass ich Ihnen die logische Unmöglichkeit der Wahl der unbefriedigten Beziehung zum sexuellen Verhältnis aufgeschrieben habe; dass es vom papludun [Nicht-mehr-als-einer] her ist, dass ich sie Ihnen bezeichnet habe; hierdurch kommt es, dass das unglaubliche Entgegenkommen von Freud gegenüber einen Monotheismus, dessen Modell er merkwürdigerweise von ganz woanders holt als aus seiner Tradition –.82

Il lui faut que ce soit Akhénaton.

Für ihn muss es Echnaton sein.83

Rien n’est plus ambigu, je dirai, sur le plan sexuel que ce monothéisme solaire.

Auf der sexuellen Ebene ist nichts mehrdeutiger, möchte ich sagen, als dieser solare Monotheismus.

A le voir rayonner de tous ses rayons pourvus de petites mains qui vont chatouiller les nasaux d’innombrables menus humains, enfants de l’un et l’autre sexe dont il est, dans cette imagerie de la sculpture égyptienne84, tout à fait frappant que, c’est le cas de dire, ils se ressemblent comme des frères, mais encore plus comme des sœurs.

Wenn man sieht, wie er strahlt, mit all seinen Strahlen, mit kleinen Händen ausgestattet, die dabei sind, die Nasenlöcher unzähliger winziger Menschenwesen zu kitzeln, Kinder des einen wie des anderen Geschlechts, wobei in dieser bildhaften Darstellung der ägyptischen Skulptur erstaunlich ist, so muss man wohl sagen, dass sie sich ähneln wie Brüder und mehr noch wie Schwestern.

Echnaton, seine Ehefrau Nofretete und die drei ältesten ihrer fünf Töchter
39 x 32,5 cm, Kalkstein, Ägyptisches Museum Berlin

Si le mot sublime peut avoir son sens ambigu, c’est bien là, puisqu’aussi ce n’est pas pour rien que les dernières images monumentales, celles que j’ai pu voir la dernière fois que j’ai quitté le sol égyptien, d’Akhénaton, sont des images, non seulement châtrées, mais carrément féminines.

Kolossalstatue von Echnaton aus Ost-Karnak
Sandstein, 4 m, Ägyptisches Museum Kairo

Wenn das Wort „sublim“ einen mehrdeutigen Sinn haben kann, dann wohl hier, da es auch nicht ohne Bedeutung ist, dass die letzten Monumentalbilder von Echnaton, die ich sehen konnte, als ich das letzte Mal ägyptischen Boden verließ, Bilder sind, die nicht nur kastriert sind, sondern die schlichtweg weiblich sind.

[177] Il est tout à fait clair que si la castration a un rapport au Phallus, ça n’est pas là que nous pouvons le désigner.

Es ist völlig klar, wenn die Kastration ein Verhältnis zum Phallus hat, dann können wir den Phallus nicht hier bezeichnen.

Je veux dire que si je fais le petit schéma qui correspondrait au « pas tous » ou au « pas toutes », comme désignant un certain type de la relation au « Φ de x », c’est bien en ce sens, que c’est au « Φ de x » tout de même que se rapportent les élus.85

Ich möchte sagen, wenn ich das kleine Schema mache, das dem „nicht alle“ korrespondieren würde, als etwas, was einen bestimmten Typ der Beziehung zu „Φ von x“ bezeichnet, dass es eben in dem Sinne ist, dass die Erwählten sich dennoch auf „Φ von x“ beziehen.86

Le passage à la médiation – entre guillemets – « masculine » n’est bien celle que de cet87 « au moins un » que je soulignais et que nous retrouvons dans le Peano par ce n + 1 toujours répété, celui qui, en quelque sorte, suppose que le n qui le précède se réduit à zéro.

Der Übergang zur, in Anführungszeichen, „maskulinen“ Vermittlung ist nur die von diesem „zumindest eins“, das ich herausgestellt habe88 und das wir im Peano wiederfinden, durch dieses beständig wiederholte n + 1, dasjenige, das in gewisser Weise voraussetzt, dass das vorangehende n sich auf Null reduziert.

Par quoi ?

Wodurch?

Précisément par le meurtre du père.

Eben durch den Vatermord.

À ce repérage de, si l’on peut dire, le détour, la façon, pour employer le terme de Frege lui-même – c’est bien le cas de la dire – oblique, ungerade, dont le sens du meurtre du père se rapporte à une autre Bedeutung89.

Durch diese Verortung des, wenn man so sagen kann, des Umwegs, <habe ich> die ungerade* Art <angegeben> – so muss man wohl sagen, um Freges eigenen Ausdruck zu verwenden –, wie der Sinn des Vatermordes sich auf eine andere Bedeutung* bezieht.90

C’est là qu’il faudra bien que je me limite aujourd’hui, m’excusant de n’avoir pas pu pousser plus loin les choses, ce sera donc pour l’année prochaine.

Darauf muss ich mich heute ja beschränken, wobei ich mich dafür entschuldige, dass ich die Dinge nicht weiter vorantreiben konnte; das wird also fürs nächste Jahr sein.

Je regrette que les choses se soient cette année trouvées forcément ainsi tronquées.

Ich bedaure es, dass die Dinge in diesem Jahr zwangsläufig so verstümmelt daherkamen.

Mais vous pourrez voir que le Totem et Tabou par contre, à savoir celui qui met du côté du père la jouissance originelle, est quelque chose à quoi ne répond pas moins un évitement strictement équivalent de ce qu’il en est du nœud de la castration, strictement équivalent, ce en quoi se marque bien ceci que l’obsessionnel, pour répondre à la formule « il n’y a pas de x qui existe qui puisse s’inscrire dans la variable Φ de x », comment l’obsessionnel se dérobe simplement de ceci, de ne pas exister.91

Aber Sie werden sehen können, dass Totem und Tabu hingegen, nämlich das, worin das ursprüngliche Genießen auf die Seite des Vaters gebracht wird, dass dies etwas ist, worauf nicht weniger eine Vermeidung antwortet, die streng dem gleichwertig ist, worum es beim Knoten der Kastration geht, streng gleichwertig, womit eben dies angezeigt wird, dass der Zwangsneurotiker, um auf die Formel zu antworten „Es gibt kein x, das existiert, das sich in die Variable Φ von x einschreiben könnte“, so vorgeht, dass er sich einfach dadurch entzieht, dass er nicht existiert.92

C’est le quelque chose, auquel – pourquoi pas – nous renouerons la suite de notre discours, l’obsessionnel en tant qu’il est dans la dette de ne pas exister au regard de ce père non moins mythique qui est celui de Totem et tabou.

Das ist das, woran wir, warum nicht, die Fortsetzung unseres Diskurses anknüpfen werden, der Zwangsneurotiker, insofern er verpflichtet ist, nicht zu existieren, im Hinblick auf diesen nicht weniger mythischen Vater, nämlich den von Totem und Tabu.

Comment ?

Wie das?

C’est là que s’attache réellement tout ce qu’il en est d’une certaine édification religieuse et de ce en quoi elle n’est, hélas, pas réductible, et même pas de ce que Freud accroche à son second mythe, celui de Totem et Tabou, à savoir ni plus ni moins que sa seconde topique, c’est ce que nous pourrons vous développer ultérieurement.

Daran hängt wirklich alles, worum es bei einer bestimmten religiösen Erbauung geht und bei dem, insofern sie leider nicht reduzierbar ist, selbst nicht durch das, was Freud an seinen zweiten Mythos anhängt, an den von Totem und Tabu, nämlich nicht mehr und nicht weniger als seine zweite Topik; das ist das, was wir später für Sie entwickeln können.

Car notez-le, la seconde topique, c’est sa grande innovation, c’est le surmoi.

Denn beachten Sie, die zweite Topik, das ist ihre große Neuerung, das ist das Über-Ich.93

Quelle est l’essence du surmoi ?

Was ist das Wesen des Über-Ichs?

C’est là-dessus que je pourrais finir, je pourrais finir en vous donnant quelque chose dans le creux de la main, que vous pourrez essayer de manipuler par vous-même.

Damit könnte ich enden, ich könnte damit enden, Ihnen etwas in die Hand zu geben, das sie dann versuchen können, von sich aus zu handhaben.

Quelle est l’ordonnance du surmoi ?

Was ist die Anordnung des Über-Ichs?

Précisément elle s’origine de ce père originel plus que mythique, de cet appel comme tel à la jouissance pure, c’est-à-dire aussi | [178] à la non-castration.

Sie hat ihren Ursprung genau in diesem mehr als mythischen Urvater, in diesem Aufruf zum reinen Genießen, und das heißt auch zur Nicht-Kastration.

Et qu’est-ce que ce père en effet dit au déclin de l’Œdipe ?

Und was sagt denn dieser Vater beim Untergang des Ödipus?

Il dit ce que dit le surmoi.

Er sagt, was das Über-Ich sagt.

Ce que dit le surmoi – ce n’est pas pour rien que je l’ai encore jamais vraiment abordé – c’est : « jouis ! ».

Was das Über-Ich sagt – es ist nicht ohne Bedeutung, dass ich das noch nie wirklich angepackt habe –, das ist „Genieße!“.

Tel est l’ordre, l’ordre impossible à satisfaire, qui comme tel est à l’origine de tout ce qu’il élabore94, si paradoxal que cela puisse vous paraître, au terme de la conscience morale.

Das ist die Anordnung, die unmöglich zu erfüllende Anordnung, die als solche am Ursprung all dessen steht, was er – so paradox Ihnen das vorkommen mag – mit dem Terminus des moralischen Bewusstseins ausarbeitet.

Pour bien en sentir le jeu, je dirais même la dérision, il faut que vous lisiez l’Ecclésiaste.

Um dessen Spiel, ich möchte sogar sagen dessen Spott richtig zu spüren, müssen Sie den Ekklesiastes95 lesen.

« Jouis tant que tu es dans ce bas monde, jouis », dit l’auteur énigmatique de ce texte étonnant, « jouis avec la femme que tu aimes ».

„Genieße, solange du in dieser niederen Welt bist, genieße“, sagt der rätselhafte Autor dieses erstaunlichen Textes, „genieße mit der Frau, die du liebst“96

C’est tout le comble du paradoxe, parce que c’est justement de l’aimer que vient l’obstacle.

Das ist der Gipfel der Paradoxie, da das Hindernis eben von daher kommt, sie zu lieben.97

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Anmerkungen

  1. J. Lacan: Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht (1958). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 9–71, hier: S. 40.
  2. J. Lacan: Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten oder die Vernunft seit Freud. In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 582–626, hier: S. 610.
  3. Das „pour“ ist in der Tonaufnahme einigermaßen zu verstehen (vgl. 2ˈ00). Miller „de l’histoire“.
  4. Vgl. Seminar 17 von 1969/70, L’envers de la psychanalyse (Die Kehrseite der Psychoanalyse). Offizielle Version: Jacques Lacan: Le séminaire, livre XVII. L’envers de la psychanalyse. 19691970. Texte établi par Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 1991. Eine deutsche Übersetzung von Gerhard Schmitz findet man hier im Internet.
  5. J. Lacan: Radiophonie (1970). Übersetzt von Hans-Joachim Metzger. In: J. Lacan: Radiophonie. Television. Quadriga, Berlin 1988, S. 554.
  6. Welche beiden Terme bilden immer eine Lücke, sind synkopiert? Die beiden oberen Terme sind manifest, die beiden unteren latent; also sind vermutlich die beiden unteren gemeint, die an den Plätzen der Wahrheit (unten links) und der Produktion (unten rechts).
  7. Der Ausgangspunkt eines Diskurses ist der Platz oben links, den Lacan in Seminar 17 als den des Agenten bezeichnet hatte und den er in Seminar 18 in den des Scheins umbenennt.
  8. Das bezieht sich auf den Platz unten links, den Platz der Wahrheit, an dem im Falle des psychoanalytische Diskurses das Wissen ist, S2.
  9. Den Neologismus demansion hatte Lacan in der Sitzung vom 17. Februar 1971 eingeführt; vgl. Version Miller S. 68.
  10. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (8ˈ34). Miller: „et qui est ce que nous connaissons de la religion sous sa forme moderne, nommément …“
  11. Diese These hatte Lacan zuerst 1966 formuliert, in einem für die Écrits geschriebenen Text:
    „Es fällt schwer, nicht schon vor der Psychoanalyse eine Dimension eingeführt zu sehen, die man die des Symptoms nennen könnte und die sich dadurch artikuliert, dass sie die Wiederkehr der Wahrheit als solcher im Riss eines Wissens repräsentiert.
    Es handelt sich nicht um das klassische Problem des Irrtums, sondern um eine konkrete, ‚klinisch‘ einzuschätzende Manifestation, in der sich nicht ein Mangel an Repräsentation offenbart, sondern eine Wahrheit von einem anderen Bezug als das, Repräsentation oder nicht, wodurch sie die schöne Ordnung durcheinanderbringen wird …
    In diesem Sinne kann man sagen, dass diese Dimension, auch wenn sie darin nicht explizit gemacht wird, in der Marx’schen Kritik in einem hohen Maße differenziert ist. Und dass ein Teil der Umkehrung, die er ausgehend von Hegel vollzieht, durch die Wiederkehr (die materialistische Wiederkehr, eben weil sie ihr Gesicht und Körper gibt) der Frage der Wahrheit gebildet wird. Diese drängt sich nicht darin auf, möchten wir sagen, dass sie den Faden der List der Vernunft aufnimmt, eine subtile Form, mit der Hegel sie in Urlaub schickt, sondern indem sie diese Listen derangiert (man lese die politischen Schriften), die mit Vernunft nur herausgeputzt sind …“ (J. Lacan: Über das Subjekt endlich in Frage (1966). In: Ders.: Schriften. Band I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2016, S. 269–277, hier: S. 275, Übersetzung geändert)
  12. Lacan bezieht sich auf die Marx’sche Analyse der Wertform und des Fetischcharakters der Ware, wie zuerst bereits in den Seminaren 4 und 5. Vgl. Seminar 4 von 1956/57, Das Objekt der Psychoanalyse (Sitzung vom 21. November 1956, Version Miller/Gondek S. 24), Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten (Sitzungen vom 27 November 1957, Version Miller/Gondek S. 94), und vom 4. Dezember 1957, Version Miller/Gondek S. 113).
  13. Auf den „Diskurs des Kapitalisten“ hatte Lacan sich bereits in der zweiten und dritten Sitzung dieses Seminars bezogen; Sitzungen vom 20. Januar 1971 und vom 10. Februar 1971.
  14. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 16ˈ48). Miller: „humaniste, qui prolifère en quelque sorte sur celui qui assure la fonction de ce qui se trouve le plus dépouillé dans le capitalisme, mais qui n’en montre pas moin.“
  15. Das „le“ ist einigermaßen zu verstehen (vgl. 16ˈ40); Miller: „nous libère“.
  16. Wobei die Kluft und die Leere darin besteht, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt.
  17. Das „mais“ ist in der Tonaufnahme einigermaßen zu verstehen (vgl. 24ˈ33). Miller: „et“.
  18. „Il est claire que“ ist in der Tonaufnahme einigermaßen zu verstehen (vgl. 25ˈ51); Miller: „La lettre de“.
  19. Damit zeichnet sich ab, was Lacan unter dem „phallischen Genießen“ versteht: die Kastration; vorsichtiger formuliert: Die Kastration ist ein wichtiger Aspekt des Begriffs „phallisches Genießen“. In den Seminaren 18 bis 20 symbolisiert er das phallische Genießen mit Φx (Φ für Phallus, x für Genießen), in den Seminaren 22 und 23 mit JΦ (J für jouissance, Genießen). Der Kastrationsaspekt des phallischen Genießens besteht in der Unzugänglichkeit des Genießens des Anderen (vgl. die Fußnote weiter unten zum Begriff des Unentscheidbaren und die darin übersetzte Passage aus Seminar 16, Sitzung vom 23. April 1963).
  20. Dort im Jahre 1949. Zunächst in: The International Journal of Psycho-Analysis, 28. Jg. (1947), unter dem Titel: Circumcision and problems of bisexuality, S. 145–179.
  21. Bruno Bettelheim: Symbolic wounds. Puberty rites and the envious male. Free Press, Glencoe, Ill., 1954. Dt.: Die symbolischen Wunden. Pubertätsriten und der Neid des Mannes. Kindler, München 1975.
  22. Die Passage ist in der Tonaufnahme einigermaßen zu verstehen (vgl. 31ˈ13). Miller: „(…) une ordonnance explicative qui prend son principe d’une crainte de la castration laissée opaque, et, d’autre part, le relevé des accidents, par lesquels au petit bonheur ou malheur la chance, ce présente la castration, qui, dans ce registre, ne serait que l’effet d’on ne sait quel melentendu. Dans ce taillis de préjugés et de maladresses, d’un côté la castration est quelque chose de rectifiable, de l’autre au contraire une pensée s’aperçoit qu’il y a bien là de la constance.
    À tout les moins, un nombre immense de productions, que nous pouvons enregistrer sur tous les registres – encore que les catalogues soient plus ou moins bien faits, que ce soit ceux de l’ethnologie ou de la psychopathologie que j’évoquais tout à l’heure, et il en est d’autres – nous met en face de ceci, qu’il n y a pas de rapport sexuel.
    Freud l’exprime à l’occasion. C’est fort bien dit dans Malaisse de la civilisation, ce qui après tous ne rend pas si nouveau ce que j’ai formulé.“
  23. Vermutlich eine Anspielung auf Freuds folgende Bemerkung: „Das Sexualleben des Kulturmenschen ist doch schwer geschädigt, es macht mitunter den Eindruck einer in Rückbildung befindlichen Funktion, wie unser Gebiß und unsere Kopfhaare als Organe zu sein scheinen. Man hat wahrscheinlich ein Recht anzunehmen, daß seine Bedeutung als Quelle von Glücksempfindungen, also in der Erfüllung unseres Lebenszweckes, empfindlich nachgelassen hat. Manchmal glaubt man zu erkennen, es sei nicht allein der Druck der Kultur, sondern etwas am Wesen der Funktion selbst versage uns die volle Befriedigung und dränge uns auf andere Wege.“ (S. Freud: Das Unbehagen in der Kultur (1930). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 234 f.)
  24. Das Wort „existe“ ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 38ˈ18). Miller: „C’est – on le suppose“.
  25. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 38ˈ45). Miller: „pour autant qu’il donne la jouissance comme ordonnée“.
  26. Die Termini „unentscheidbar“ und „Unentscheidbarkeit“ wurden durch Kurt Gödels Aufsatz Über formal unentscheidbare Sätze der Principia Mathematica und verwandter Systeme (1931) zu Schlüsselbegriffen der Logik (Kopie des Aufsatzes hier, Erläuterung in diesem Artikel).
    Lacan hatte den Begriff „unentscheidbar“ zuerst in der Proposition du 9 octobre 1967 sur le psychanalyste de l’École verwendet (Autres écrits. Seuil, Paris 2001, S. 243–260, hier: S. 246), danach wieder in Seminar 15 von 1967/68, Der psychoanalytische Akt (ausführlich in der Sitzung vom 20. März 1968). In Seminar 16 von 1968/69, Von einem Anderen zum anderen, erläutert er ihn so:
    „Die Neurosen enthüllen also den Unterschied zwischen Grammatik und Logik. Es ginge darum, einen weiteren Schritt zu tun  und, so wie ich es versuche, eine Homologie zu entdecken.
    Diese Homologie liegt nicht offen zutage, die Neurosen enthüllen sie nicht auf Anhieb. Nur wenn man ein wenig Logik betrieben hat, kann man beispielsweise wissen, dass die Konsistenz eines der sichersten Systeme, nämlich der Arithmetik, von der Lokalisierung eines Unentscheidbaren abhängt. Um das zu beweisen, war eine korrekte Logik notwendig, die nicht mehr als hundert Jahre alt ist und die eine Reihe von Brüchen nachgewiesen hat.
    Nun, zwischen den Brüchen der Logik und denjenigen der Struktur des Begehrens gibt es eine Homologie, nämlich dass das Begehren letztlich Konnotation des Wissens der Verhältnisse des Mannes und der Frau ist, durch etwas, was das Überraschendste ist, nämlich das Fehlen oder Nichtfehlen eines organon, eines Werkzeugs, anders gesagt des Phallus – dass das Genießen des Werkzeugs ein Hindernis für dasjenige Genießen darstellt, welches das Genießen des Anderen ist, insofern der Andere durch einen Körper repräsentiert ist –, und, um es klar zu sagen, wie ich bereits geäußert habe, ich denke mit hinreichender Stärke, dass es nichts Strukturierbares gibt, was im eigentlichen Sinne der sexuelle Akt wäre. Wenn all das korrekt bewiesen ist, könnte es sein, dass der Kreis sich schließt und dieses Etwas hinterrücks Wahrheit mit Wissen verbindet.
    Das Denken ist genau die Vorstellungsrepräsentanz*, von der die Tatsache repräsentiert wird, dass es Unvorstellbares gibt, da es durch das Genussverbot versperrt ist. Auf welcher Ebene? auf der einfachsten, auf organischem Niveau. Diese Barriere für das Genießen ist das Lustprinzip und nichts anderes. Dass diese Barriere im Verbot der Mutter metaphorisiert wird, ist letztlich nur ein historischer Zufall, und der Ödipuskomplex selbst hängt hiervon ab.
    Aber die Frage ist tiefer verortet. Die Kastration, also das Loch im Auffassen, das Ich weiß nicht hinsichtlich des Genießens des Anderen, muss neu durchdacht werden, unter dem Blickwinkel ihres Verhältnisses zu den weitverbreiteten, allgegenwärtigen Wirkungen unserer Wissenschaft.“ (Seminar 16, Sitzung vom 23. April 1969, Version Miller S. 276 f., meine Übersetzung).
    Auch in Radiophonie (1971) hatte Lacan den Begriff ins Spiel gebracht (J. Lacan: Radiophonie. Übersetzt von Hans-Joachim Metzger. In: Ders.: Radiophonie. Television. Quadriga, Weinheim u.a. 1988, S. 5–54, hier: S. 30).
    In Seminar 19 von 1971/72, … oder schlimmer, wird er den Begriff des Unentscheidbaren dazu verwenden, die Formeln der Sexuierung zu deuten (Sitzung vom 1. Juni 1972, Version Miller S. 207–209). Und ebenso wird er in L’étourdit  (geschrieben 1972) den Begriff des Unentscheidbaren öfter verwenden (in: Autres écrits. Seuil, Paris 2001, S. 449–496, hier: S. 452, 468, 481).
  27. Version Espaces Lacan: „pas inévitabel“; ich höre etwas wie „pas écrit évitable“ (vgl. 38ˈ56). Miller: „qui ne semble pas évitable“.
  28. Anders gesagt: Bettelheim zeigt, dass es Initiationsrituale in gegenwärtigen Gesellschaften gibt, und Lacan findet das wertvoll.
  29. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 41ˈ08). Miller: „Une contrainte, la prétendue prévalence d’une prétendue supériorité physique ou autre, se supporte de signifants.“
  30. Lacan bezieht sich auf Freuds Begriff des „somatischen Entgegenkommens“, zuerst in der Dora-Analyse: „Soviel ich sehen kann, bedarf jedes hysterische Symptom des Beitrages von beiden Seiten. Es kann nicht zustande kommen ohne ein gewisses somatisches Entgegenkommen, welches von einem normalen oder krankhaften Vorgang in oder an einem Organe des Körpers geleistet wird.“ (S. Freud: Bruchstück einer Hysterie-Analyse (1905). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 6. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 83–186, hier: S. 116)
  31. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 42ˈ32). Miller: „Elle est peut-être insupportable comme telle“.
  32. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 43ˈ05). Miller: „qui s’articule dans la psychanalyse, dans“.
  33. Auf diesen Zusammenhang hatte Lacan bereits in der vorangegangenen Sitzung verwiesen (9. Juni 1971, Version Miller S. 150).
  34. Die Passage ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 46ˈ04). Miller: „ne se situe“.
  35. Demnach steht in den Formeln \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} (Frau) und \overline {\exists \text {x}}.\ \text {x} (Mann) das x für das Genießen.
  36. Sitzung vom 9. Juni 1971; vgl. Version Miller, S. 147.
  37. Kaum verständliche Passage
  38. Kaum verständliche Passage.
  39. Josef Breuer, Sigmund Freud: Studien über Hysterie (1895). In: S. Freud: Gesammelte Werke, chronologisch geordnet. Band 1. Imago, London 1952, S. 75–312.
  40. Die Unterscheidung von Denotation und Konnotation wurde von John Stuart Mill in A system of logic (1843) eingeführt (Buch I, Kapitel 2, „On names“ § 5; engl. im Internet hier, dt. im Internet hier). Der typische Fall einer Denotation ist für Mill das Anbringen eines Namens an einem Objekt in der Art einer Markierung. Zu Mills Unterscheidung von Denotation und Konnotation hatte Lacan sich ausführlicher in Seminar 12 geäußert (in den Sitzungen vom 2. Dezember 1964, vom 6. Januar 1965 und vom 7. April 1965); vgl. diesen Blogartikel.
  41. Die Auffassung, der Phallus sei der Signifikant des Mangels, hatte Lacan in diesem Seminar bereits mehrfach zurückgewiesen: in den Sitzungen vom 20. Januar 1971 (vgl. Version Miller, S. 34), vom 17. Februar 1971 (vgl. Version Miller, S. 67) und vom 10. März 1971 (vgl. Version Miller, S. 84). Vgl. hierzu diesen Blogartikel.
  42. Vgl. Gottlob Frege: Über Sinn und Bedeutung. In: Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik. Neue Folge. Band 100/1 (1892), S. 25–50; nachgedruckt in: Ders.: Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1986, S. 40–65; im Internet außerdem hier.
    Unter „Bedeutung“ versteht Frege den „Gegenstand“, auf den ein Ausdruck sich bezieht, unter „Sinn“ die „Art des Gegebenseins“ ; die Ausdrücke „Morgenstern“ und „Abendstern“ haben dieselbe Bedeutung (sie haben den Planeten Venus zum Gegenstand), sie haben aber einen unterschiedlichen Sinn (sie beziehen sich darauf, wie der Planet morgens erscheint und wie er abends erscheint).
    Auf Freges Aufsatz hatte Lacan sich erstmals in Seminar 12 bezogen, in der Sitzung vom 2. Juni 1965.
  43. Dieses Beispiel ist nicht von Frege, sondern von Bertrand Russell, aus dessen Aufsatz On denoting (1905), im Internet hier.
    Waverley, or, tis sixty years since (1814) gilt als der erste britische historische Roman.
  44. Lacan verwechselt hier Frege und Russell.
  45. Das Beispiel ist von Russell, die Begriffsopposition ist von Frege; Russell weist Freges Begriff des Sinns ausdrücklich zurück und ersetzt ihn durch „propositionale Funktion“.
  46. Salva veritate“ meint „bei unbeeinträchtigter Wahrheit“, „ohne Verlust der Wahrheit“.
    Leibniz zufolge sind zwei Ausdrücke dann identisch, wenn sie einander ersetzen können, ohne dass die Wahrheit der Aussage sich dadurch verändert. Sein Beispiel ist „Dreieck“ und „dreiseitiges Polygon“: In jeder Behauptung, die von Euklid für „Dreieck“ bewiesen wurde, kann für „Dreieck“ der Ausdruck „dreiseitiges Polygon“ eingesetzt werden, ohne dass die Wahrheit der Aussage verloren geht. Auf dieses Prinzip beziehen sich Frege in Über Sinn und Bedeutung und Russell in On denoting; Frege zitiert hierzu Leibniz, Russell bezieht sich auf das Prinzip, ohne Leibniz zu erwähnen.
    Frege formuliert von hier aus das Prinzip: Wenn man in einem Satz ein Wort durch ein Wort ersetzt, dass dieselbe Bedeutung hat, aber einen anderen Sinn, kann das auf die Bedeutung des Satzes keinen Einfluss haben.
    Er wendet die Unterscheidung von Sinn und Bedeutung nicht nur auf Eigennamen an, sondern auch auf Behauptungssätze. Der „Gedanke“ eines Satzes ist sein Sinn, der Wahrheitswert eines Satzes hingegen (ob er wahr oder falsch ist) ist seine Bedeutung. Die Sätze „Der Morgenstern ist ein Planet“ und „Der Abendstern ist ein Planet“ drücken unterschiedliche Gedanken aus. Wenn man nicht weiß, dass beide identisch sind, kann man beispielsweise den einen für wahr halten und den anderen für falsch; damit haben die beiden Sätze einen unterschiedichen Sinn. Sie sind jedoch beide wahr, und damit haben sie dieselbe Bedeutung.
  47. Dieses Beispiel findet man in Russells On denoting. (Der Fragende ist Georg IV. Durch den Roman Waverley war Walter Scott (noch ohne „Sir“) berühmt geworden; im Jahre 1815 wurde er deshalb von Georg (noch ohne „King“) zum Essen eingeladen.)
  48. Frege unterscheidet gewöhnliche Rede, gerade Rede und ungerade Rede. Ein Beispiel für die gewöhnliche Rede ist ein einfacher Behauptungssatz (etwa „Der Abendstern ist ein Planet“). Die gerade Rede ist das, was heute „wörtliche Rede“ genannt wird, also die zitierte Rede; in „Frank sagt: ‚Der Abendstern ist ein Planet‘“ ist „Der Abendstern ist ein Planet“ eine gerade Rede. Die ungerade Rede ist die indirekte Rede; in „Frank glaubt, dass der Abendstern ein Planet ist“, ist „dass der Abendstern ein Planet ist“ eine ungerade Rede. In der ungeraden Rede kann man nicht Wörter mit gleicher Bedeutung durcheinander ersetzen, man kann „Frank glaubt, dass der Abendstern ein Planet ist“ nicht durch „Frank glaubt, dass der Morgenstern ein Planet ist“ ersetzen. Grammatisch gesehen hat die indirekte Rede den Status eines Nebensatzes.
  49. Miller: „c’est dans une subordonnée interrogative que se loge ce que le roi George III demande“.
  50. Lacan formuliert hier ungenau, gemeint ist, dass die Frage von König Georg III. die Form eines Nebensatzes hat; der Nebensatz ist „ob Sir Walter Scott der Autor von Waverley sei“.
  51. Das lateinische Worte „nominatum“ bedeutet „das Genannte“ oder „das Benannte“. Es ist vom Verb „nominare“ abgeleitet, „benennen“, das wiederum auf dem Substantiv „nomen“ aufbaut, „Name“.
    Vgl. Rudolf Carnap: Meaning and Necessity: A Study in Semantics and Modal Logic. University of Chicago Press, Chicago 1948, § 28; im Internet hier und hier (dt.: Bedeutung und Notwendigkeit. Eine Studie zur Semantik und modalen Logik. Übersetzt von Wilhelm Bader. Springer, Wien u.a. 1972).
    Bereits in der ersten Sitzung dieses Seminars (13. Januar 1971) hatte Lacan sich auf Carnap bezogen, dort auf dessen Konzept des Scheinproblems (vgl. Version Miller, S. 13).
  52. Lacan wiederholt das Wort nom und buchstabiert es, um klarzustellen, dass es um nom (Name) geht und nicht um non (nein); nom und non werden gleich ausgesprochen.
  53. Version Espaces Lacan hat hier „prononcé Now?“ Ich vermute mit Miller, dass Lacan hier das englische Wort noun (Nomen, Substantiv) artikuliert. Miller: „sur la voie du ce point que je désigne ici en eccentuant la différence entre le nom name, et le nom noun“.
  54. Ich vermute, dass Lacan sich hier auf seine These aus dem Aufsatz Die Bedeutung des Phallus bezieht, dass der Phallus der Signifikant der Urverdrängung ist. Die Urverdrängung ist das, wodurch die Verdrängung in Gang gebracht wird; das Urverdrängte kann nie erinnert werden, auch nicht durch das Verfahren der „freien Assoziation“.
  55. Vgl. J. Lacan: Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht (1958). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 9–71.
    Vgl. hierzu diesen Blogartikel.
  56. Dies ist, leicht abgewandelt, die linke Seite der Formel der Metapher im Aufsatz Über eine Frage; Miller schreibt stattdessen die rechte Seite der Formel der Metapher: \text{\normalsize {S}} \left( \frac {\text {1}}{\text s} \right) .
  57. J. Lacan: Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, a.a.O., S. 40.
  58. J. Lacan: Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten oder die Vernunft seit Freud. In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 582–626, hier: S. 610.
  59. Die Vatermetapher wird im Psychose-Aufsatz so notiert:
    \frac {\text {Name-des-Vaters}}{\text {Begehren der Mutter}} \cdot \frac {\text {Begehren der Mutter}}{\text {dem Subjekt signifiziert}} \rightarrow \text {\normalsize {Name-des-Vaters}} \left( \frac {\text {A}}{\text {Phallus}} \right)
  60. Miller: „Bedeutung spéciale“.
  61. Eine ähnliche Bemerkung hatte Lacan in diesem Seminar bereits in der Sitzung vom 13. Januar 1971 gemacht (vgl. Version Miller, S. 34).
  62. Miller: „loi“.
  63. Wo?
  64. Miller: „d’intervention désignée sous le nom de Nom-du-Père“.
  65. Die ersten künstlichen Befruchtungen wurden zwischen 1940 und 1960 von Berthold P. Wiesner in London durchgeführt.
    In Aldous Huxleys Roman Brave New World (veröffentlicht 1932), werden, lässt der Staat, wenn er Kinder braucht, Frauen die Eierstöcke entfernen und Kinder in Reagenzgläsern erzeugen. In George Orwells 1984 (veröffentlicht 1948) wird von einer Gesellschaft erzählt, in der die Befruchtung, die durch Geschlechtsverkehr herbeigeführt wird, durch künstliche Befruchtung ersetzt werden soll.
  66. Miller: „numérale“.
  67. Miller: „il y a un nombre“.
  68. Freud: „Kommt dann die Kenntnis der verschiedenartigen sexuellen Beziehungen von Vater und Mutter dazu, begreift das Kind, dass pater semper incertus est [der Vater immer ungewiss ist], während die Mutter certissima [vollkommen sicher] ist, so erfährt der Familienroman eine eigentümliche Einschränkung: er begnügt sich nämlich damit, den Vater zu erhöhen, die Abkunft von der Mutter aber als etwas Unabänderliches nicht weiter in Zweifel zu ziehen.“ (S. Freud: Der Familienroman der Neurotiker (1909). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 4. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 221–226, hier: S. 225.
  69. Auf solche schief liegenden Verwandtschaftsbeziehungen weist Lacan bereits im Rom-Vortrag hin: „Wir wissen in der Tat, welche Schäden bereits, die bis zur Spaltung der Persönlichkeit des Subjekts reichen, eine gefälschte Filiation anrichten kann, wenn von der Umgebung der Zwang ausgeht, die Lüge darüber aufrechtzuerhalten. Sie können nicht geringer sein, wenn in dem Fall, dass ein Mann die Mutter der Frau heiratet, mit der er einen Sohn hat, dann dieser zum Bruder ein Kind haben wird, das Kind seiner Mutter ist. Aber wenn er alsdann – und der Fall ist nicht erfunden – von der mitfühlenden Familie einer Tochter aus einer früheren Ehe des Vaters adoptiert wird, wird er sich noch einmal als Halbbruder seiner neuen Mutter wiederfinden, und man kann sich die komplexen Gefühle vorstellen, mit denen er die Geburt eines Kindes erwarten wird, das in dieser Wiederholungssituation zugleich sein Bruder und sein Neffe sein wird.“ (Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse (1956). In: Ders.: Schriften. Band I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2016, S. 278–381, hier: S. 327)
  70. Vgl. 1. Mose 5.
  71. Miller: „je ne vous dirai tout de même pas à quelle page“.
  72. Für die These, dass Moses von den Israeliten getötet wurde, stützt Freud sich auf Ernst Sellin: Mose und seine Bedeutung für die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte. Deichert, Leipzig 1922.
  73. Die Übersetzung lautet: „Je n’en ferai pas ici la critique car tous les résultats acquis constituent les déductions psychologiques qui en dérivent et qui sans cesse s’y rapportent.“ (Sigmund Freud: Moi͏̈se et le monothéisme. Aus dem Deutschen übersetzt von Anne Berman. Gallimard, Paris 1948)
    Freud schrieb die Vorbemerkung zur dritten Abhandlung von Der Mann Moses, die von Lacan hier zitiert wird, im Jahre 1938, veröffentlicht wurde sie ein Jahr später.
  74. Vgl. S. Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Drei Abhandlungen (1939). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 455–581, hier: S. 508.
    Lacan übersetzt mit „car ils forment la supposition des manifestations psychologiques qui, de ces données, découlent et toujours de nouveau y font retours“.
  75. Die Peano-Axiome wurden 1889 von Guiseppe Peano veröffentlicht (Arithmetices principia nova methodo exposita).
  76. Peano betrachtete ursprünglich die Eins als kleinste natürliche Zahl, später die Null.
  77. Miller: „La fonction logique dont je me suis servi est trop souvent oubliée“.
  78. Das Jahr I der Republik dauerte (wenn man sich an den gregorianischen Kalender hält) vom 22. September 1792 bis zum 21. September 1793.
  79. Miller: „de son engendrement“.
  80. Anspielung auf Freuds These, dass im Unbewussten Kind und Penis gleichgesetzt werden. Freud schreibt, „daß in den Produktionen des Unbewußten – Einfällen, Phantasien und Symptomen – die Begriffe Kot (Geld, Geschenk), Kind und Penis schlecht auseinandergehalten und leicht miteinander vertauscht werden.“ (S. Freud: Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik (1917). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 7. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 123–132, hier: S. 126) Gleichsetzungen dieses Typs werden von ihm als „symbolische Gleichungen“ bezeichnet (vgl. S. Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (1924). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 243 –251, hier: S. 250.
  81. Miller: „Mais alors, puisque c’est du papludun que je vous ais désigné la possibilité logifiée du choix dans la relation insatisfaite du rapport sexuel, nous entrevoyons aussi à quoi tiennent les incroyables complaisances de Freud“.
  82. Das Konzept des papludun (nicht-mehr-als-einer) als der spezifisch weiblichen Forderung hatte Lacan in der Sitzung vom 9. Juni 1971 eingeführt (vgl. Version Miller S. 158). Jetzt wird die Papludun-Forderung der Frau als Grundlage für Freuds Orientierung am Monotheismus gedeutet: Nicht mehr als ein Gott.
  83. Bei Freud heißt er „Ikhnaton“ und „Amenhotep IV.“. Vgl. S. Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Drei Abhandlungen (1939). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 455–684, v.a. S. 471–476, 508 f.
  84. Miller: „de la structure œdipienne“.
  85. Miller: „c’est tout de même bien que les élus se rapportent au Φ de x“.
  86. Lacan kommentiert die Formel der Frau: \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} . Offenbar wird „nicht alle“ hier als „die Erwählten“ gedeutet. Die Formel kann demnach gelesen werden als „die Erwählten beziehen sich auf Φ von x“.
  87. Miller: „Le passage à la médiation, entre guillemets, n’est que la médiation de cet“.
  88. Lacan wechselt jetzt von der Seite der Frau (qua papludun, nicht mehr als einer) zur Seite des Mannes (qua au moins un, zumindest einer). Das Konzept au moins un bzw. hommoinzin hatte er zuerst am Ende der Sitzung vom 19. Mai 1971 verwendet (vgl. Version Miller S. 144).
  89. Miller: „à une Bedeutung, celle du phallus“.
  90. Nachdem der Phallus der Bedeutung zugeordnet wurde, wird der Vatermord (und damit der Name-des-Vaters) jetzt dem Sinn zugeordnet; die Auffoderung an den Vater zu antworten, bewegt sich demnach in der Ordnung des Sinns.
  91. Miller: „C’est en quoi se marque bien comment l’obsessionnel se dérobe à la formule (…). L’obsessionnel se dérobe simplement de ne pas exister.“
  92. Lacan kommentiert hier die Beziehung zwischen der Formel des Mannes, \overline {\exists \text {x}}.\ \text {x} , und der Zwangsneurose. Der Zangsneurotiker antwortet gewissermaßen auf diese Formel, und zwar dadurch, dass er sich entzieht.
  93. Vgl. S. Freud: Das Ich und das Es (1923). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 273–330, vor allem Teil III, „Das Ich und das Über-Ich (Ichideal)“, S. 296–306.
  94. Miller: „s’élabore“.
  95. Ekklesiastes oder Prediger ist ein Buch der hebräischen Bibel. Als Autor des Ekklesiastes gilt der Tradition nach König Salomo. Der hebräische Titel dieses Buchs ist Kohelet.
  96. Prediger 9,9.– Lutherbibel 2017: „Genieße das Leben mit der Frau, die du lieb hast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat“. Segond 21: „Jouis de la vie avec la femme que tu aimes pendant toute la durée de ta vie sans consistance que Dieu t’a donnée sous le soleil, pendant toute la durée de ton existence fumeuse“. Buber/Rosenzweig: „Besieh das Leben mit dem Weib, das du liebst, alle Tage deines Dunstlebens, die er dir gegeben hat unter der Sonne, all deine Dunsttage“.
    Auf diesen Spruch aus dem Ekklesiastes hatte Lacan sich bereits früher bezogen: in Seminar 10 von 1962/63, Die Angst (Sitzung vom 19. Dezember 1962, Version Miller/Gondek S. 104 f.), sowie in Seminar 16 von 1968/69, Von einem Anderen zum anderen (Sitzung vom 13. November 1968, Version Miller S. 25, Übersetzung in diesem Blog hier).
  97. Anspielung auf Freuds These über die Kluft zwischen der zärtlichen und der sinnlichen Strömung. Vgl. S. Freud: Über die allgemeinste Erniedrigung des Liebeslebens (1912). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 197–210.

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