Phallus

Der imaginäre und der symbolische Phallus (1957–1959)

Mysterienvilla (zu Jacques Lacan über den Phallus)Fresko in der Villa der Mysterien in der Nähe von Pompeji, 1. Jh. v. Chr.

Was versteht Lacan unter dem Phallus? Ich gebe einen Überblick über den Theoriestand von 1957 bis 1959, danach zitiere und kommentiere ich Lacans Bemerkungen zum oben reproduzierten Bild.1

Signifikant

Der Phallus ist ein Signifikant, Lacan wird nicht müde, das zu betonen. Das meint, in erster Annäherung: In der Psychoanalyse geht es meist nicht um den Penis in seiner biologischen oder physiologischen Realität.

Hier gibt es eine erste terminologische Schwierigkeit. Manchmal verwendet Lacan den Ausdruck „Phallus“ auch für den Penis, aber das ist lockerer Sprachgebrauch. Mit dem „realen Phallus“ meint er den Penis als Organ der Triebbefriedigung.

Lacan unterscheidet den imaginären vom symbolischen Phallus. Hier stößt man gegen einen weiteren terminologischen Stolperstein. Lacan bezeichnet manchmal speziell den symbolischen Phallus als Signifikanten, manchmal aber auch den imaginären Phallus. Beispielsweise heißt es in Seminar 4:

„Mit anderen Worten, insofern der imaginäre Phallus eine signifikante Hauptrolle (un rôle signifiant majeur) spielt, stellt sich die Situation wie folgt dar. Der Signifikant – es ist nicht so, das jedes Subjekt ihn dank seines Geschlechts oder seiner Veranlagungen oder seiner Fröhlichkeit bei der Geburt erfindet. Der Signifikant existiert. Daß die Rolle des Phallus als Signifikant untergründet vorhanden ist, steht außer Zweifel (…).“2

Der imaginäre Phallus spielt eine rôle signifiant majeur, der Kontext, zeigt, dass mit signifiant hier nicht „bedeutsam“ gemeint ist, sondern „signifikantenmäßig“; man könnte auch übersetzen mit: Der imaginäre Phallus spielt eine größere Signifikantenrolle, eine größere Rolle als Signifikant.

In Seminar 6 liest man:

„Ich habe dann die beiden möglichen Formen gegenübergestellt, die die Beziehung des Subjekts zum Phallus-Signifikanten annehmen kann, durch Einführung einer wesentlichen Unterscheidung, die zwischen ‚der Phallus sein‘ und ‚den Phallus haben‘.“3

Die Position „der Phallus sein“ ist die Identifizierung mit dem imaginären Phallus als Objekt des Begehrens der Mutter. Die Beziehung zum imaginären Phallus ist eine Beziehung des Subjekts zum Phallus als Signifikanten. Also wird der imaginäre Phallus hier als Signifikant bezeichnet.

In Semnar 8 liest man:

„Nun gut, versuchen wir da Ordnung hineinzubringen und sehen wir, weshalb es notwendig ist, daß ich auf dieser Ambiguität oder dieser Polarität, wenn Sie so wollen, beharre. Diese die Funktion des Signifikanten Phallus betreffende Polarität besteht zwischen zwei äußersten Gliedern, dem Symbolischen und dem Imaginären.“4

In Bezug auf den Phallus-Signifikanten gibt es eine Polarität zwischen dem Symbolischen und dem Imaginären, zwischen dem symbolischen Phallus und dem imaginären Phallus.

Im Aufsatz Subversion des Subjekts spricht Lacan, bezogen auf den imaginären Phallus, vom „imaginären Signifikanten“5. Er präsentiert hier sogar ein Symbol für diesen imaginären Signifikanten, \sqrt {-1}, die imaginäre Zahl.6

Der Phallus-Signifikant ist nicht identisch mit dem symbolischen Phallus.7 Wenn Lacan vom Phallus-Signifikanten spricht, steht man immer neu vor der Aufgabe, herauszufinden, ob der imaginäre oder der symbolische Phallus gemeint ist.

Realer Phallus

Mit dem realen Phallus oder, häufiger, mit dem realen Penis meint Lacan den Penis als Ort des „realen Genießens“8, als Sitz von Erregungen und als Instrument der Triebbefriedigung.9 Lacan betont, dass die an den Penis gebundenen Erregungen für das Kind schwer zu integrieren sind; schon früh – zur Zeit seiner Dissertation von 1932 – hatte er darauf hingewiesen, dass die erste orgasmische Empfindung beim Paranoiker einen verheerenden Charakter haben kann.10

Imaginärer Phallus

Kulturgeschichtlich ist der Phallus ein Standbild als Symbol für das Leben und den Trieb. Auch ein Dildo oder ein Vibrator ist ein Phallus. Ein Phallus dieses Typs – Standbild, Bild, Werkzeug, Phantasievorstellung – ist ein imaginärer Phallus.

Im Bereich der Psychoanalyse ist der imaginäre Phallus der Phallus in der spiegelbildlichen Beziehung zum anderen. Das kleine Mädchen bezieht sich auf kleine Jungen als ihr Spiegelbild und empfindet sich in dieser Beziehung als Wesen, dem etwas fehlt – auf der Ebene des Körperbildes. Der „Penisneid“ ist eine Beziehung zum imaginären Phallus.11

Der kleine Junge vergleicht seinen Penis mit dem seines Vaters und empfindet das Organ, mit dem er selbst ausgestattet ist, als mangelhaft. Der Bezug zum Penis ist hier in eine Rivalitätsbeziehung eingebettet; der Phallus fungiert als imaginärer Phallus.

Den Terminus „imaginärer Phallus“ verwendet Lacan zuerst 1956:

„Man sagt uns, daß die Forderung einer Mutter darin besteht, sich einen imaginären Phallus zu verschaffen, und man erklärt uns sehr gut, daß ihr Kind ihr als hinreichend realer Träger für diese imaginäre Verlängerung dient.“12

„Imaginär“ meint, dass er zur Ordnung des Bildhaften gehört, genauer: dass er sich auf die Spiegelung des eigenen Körpers im Bild des Körpers des anderen bezieht. Statt vom „imaginären Phallus“ spricht Lacan deshalb auch vom image phallique, vom „phallischen Bild“, vom „Phallusbild“.13 Als Abkürzung für den imaginären Phallus verwendet er ab 1958 den griechischen Buchstaben φ, klein phi.14

In Lacans Rekonstruktion der präödipalen Phase ist der imaginäre Phallus das Objekt des Begehrens der Mutter sowie der Phallus, den das Kind der Mutter zuschreibt, also der Phallus der sogenannten „phallischen Mutter“.

Die präödipale Position des Kindes ist dadurch charakterisiert, dass das Kind begehrt, von der Mutter begehrt zu werden.15 Es versucht, das Begehren der Mutter zu ködern.16 Es erfasst vage, was das Objekt ihres Begehrens sein könnte, der Phallus.17 Es versucht, dieses Objekt zu sein, es will „der Phallus sein“18, der imaginäre Phallus als Objekt des Begehrens der Mutter. Im Hintergrund steht hier Freuds Konzept des Penisneids sowie Freuds These von der symbolischen Gleichung Kind = Phallus.19

In Lacans Re-Interpretation von Freuds Fallstudie über den „kleinen Hans“ erscheint der imaginäre Phallus als ein Objekt, das zugleich abwesend und anwesend ist: wenn es da ist, ist es weg und wenn es weg ist, ist es da; es ist zugleich da und nicht da; es ist überall und nirgends.20 Der Gegensatz von Abwesenheit und Anwesenheit ist hier nicht fixiert. Auf dieselbe Weise beschreibt Lacan den imaginären Phallus in seiner Re-Interpretation einer Traumanalyse von Ella Sharpe.21

Bei der bekannten Funktion des Phallus als Bild des Prestiges, des imponierenden Auftretens, der Stärke, der Virilität geht es, in Lacans Begrifflichkeit, um den imaginären Phallus, ebenso beim Phallus als Bezugspunkt für Vorstellungen der Minderwertigkeit, des Versagens, der Verstümmelung.

Die von Melanie Klein herausgearbeiteten Phantasien des Kindes über den allmächtigen Penis des Vaters im Leib der Mutter beziehen sich, in Lacans Perspektive, auf den imaginären Phallus. Der Phallus erscheint bei Melanie Klein als Partialobjekt, das für das Kind zum Gegenstand von Hass, Neid und Zerstörungsphantasien wird, auf das sich sein Begehren richtet, es oral einzuverleiben, was wiederum die Angst vor dem introjizierten bösen Penis zur Folge hat usw.22 Lacan betont die Begrenztheit dieser Konzeption: die Verbindung des Phallus mit dem Kastrationskomplex wird zum Verschwinden gebracht.23

Warum spielt der Phallus im Unbewussten eine so große Rolle? Nicht aufgrund seiner imaginären Funktion, sondern aufgrund seiner Verbindung mit der symbolischen Ordnung, also der Ordnung von Recht und Gesetz:

„Eben die Besonderheiten der symbolischen Ordnung verleihen (…) zum Beispiel jenem Element des Imaginären das Phallus heißt, seine Überwertigkeit.“24

Die Prädominanz des Phallus im Unbewussten beruht auf dem androzentrischen und patrozentrischen Charakter der symbolischen Ordnung.

Kastration

Der Penis wird zum Gegenstand der Kastrationsvorstellung, beim Mädchen: der Vorstellung, dass ihm der Penis fehlt, Freuds „Penisneid“, beim Jungen: dass der Penis, den er hat, unzureichend ist und dass er ihm fehlen könnte.

Als Objekt der Kastratonsvorstellung ist der Penis imaginär. Sein imaginärer Charakter besteht darin, dass er an die Vorstellung der körperlichen Verstümmelung gebunden ist, die sich wiederum auf das Bild des ganzen Körpers stützt.

Die Kastration ist eine symbolische Aktion, in einem doppelten Sinne. Sie besteht erstens in der Vorstellung, dass etwas entfernt wird und durch etwas anderes ersetzt wird, durch etwas besseres, wodurch es zu einem Element des Gabentauschs wird. Sie ist zweitens in dem Sinne symbolisch, als sie eine Sanktion darstellt, eine Strafe, durch die das Gesetz zur Geltung gebracht wird; sie bezieht sich auf eine „symbolische Schuld“25, eine Schuld gegenüber der symbolischen Ordnung mit dem Inzestverbot als ihrem Grundgesetz.26

Der Kastrationskomplex hat zur Folge, dass der imaginäre Phallus in den symbolischen Phallus verwandelt wird.27 Der sexuelle Antrieb wird mit den beiden Achsen der symbolischen Ordnung verbunden, mit dem Tausch und mit dem Gesetz. Dies ermöglicht es dem Kind, die heterosexuelle Position einzunehmen.

Das Mädchen entwickelt die Vorstellung, dass ihm etwas fehlt (der imaginäre Phallus). In dem Maße, in dem es die Überzeugung aufgibt, ihn selbst zu haben, kann es vom Vater, der über den realen Penis verfügt, als Gabe ein reales Kind erhalten, ein Kind als Objekt der Befriedigung. Damit ist das Mädchen in der typischen heterosexuellen Position; es braucht nur noch ein wenig Geduld, wie Lacan sagt, damit sich an die Stelle des Vaters derjenige setzen kann, der dieselbe Rolle ausfüllt, die des Vaters, und ihm tatsächlich ein Kind gibt.28

Lacans Paradigma für die Kastration beim Jungen ist die Phantasie des „kleinen Hans“, dass ein Installateur kommt, der ihm etwas abschraubt und ihm dafür etwas anderes gibt. 29 Die Vorstellung, dass der Penis abgenommen wird und dass der Vater in der Lage ist, einen anderen dafür zu geben, ist die Bedingung dafür, dass er in die gesellschaftliche Zirkulation eingehen kann, in den Gabentausch Kind gegen Phallus.30

Der Agent der Kastration ist der „reale Vater“. Damit ist in Seminar 4 gemeint: die Kastration lässt sich nicht auf eine Phantasievorstellung reduzieren. Sie beruht auf der Intervention eines bestimmten Individuums; diese Intervention kann stattfinden oder nicht stattfinden.31 In Seminar 5 entwickelt Lacan das Konzept des „realen Vaters“ weiter: damit der Ödipuskomplex untergehen kann, muss der Vater als potenter Vater in die Beziehung zwischen Mutter und Kind eingreifen, als derjenige, der den realen Phallus hat und der potent ist, der die Mutter sexuell befriedigen kann.32

Die Kastration ist also insgesamt eine symbolische Aktion, eine Strafe zur Durchsetzung eines Gesetzes, in bezug auf ein imaginäres Objekt, den imaginären Phallus; ihr Agent ist der reale Vater. In Seminar 4 stellt Lacan dies in einer Tabelle so dar33 :

AGENTMANGELOBJEKT
Realer VaterSymbolische KastrationImaginärer Phallus
Symbolische MutterImaginäre FrustrationReale Brust
Imaginärer VaterReale PrivationSymbolischer Phallus

Die erste Zeile ist so zu lesen:
Mangel: Symbolische Kastration.– Die Kastration ist der Vorgang, durch den ein Mangel im Register des Symbolischen hergestellt wird: eine Schuld. Dies beruht darauf, dass sie eine drohende Strafe für die Übertretung des Gesetzes ist.
Objekt: Imaginärer Phallus.– Als Ergebnis dieser phantasierten Aktion fehlt ein Objekt, der Penis. Das Fehlen wird als Verstümmelung aufgefasst, d.h. es wird auf das Bild der körperlichen Vollkommenheit bezogen. Also fungiert der Penis hier als imaginärer Phallus.
Agent: Realer Vater.– Derjenige, der die Kastration herbeiführt, ist der reale Vater, das heißt in Semnar 4: der Vater als ein konkretes Individuum, das in der Lage ist, die Mutter sexuell zu befriedigen und ihr ein Kind zu machen.

Eine ausführlichere Erläuterung der Tabelle findet man in diesem Blogbeitrag.

Ab Seminar 6 von 1959/60, Das Begehren und seine Deutung, verwendet Lacan als Kürzel für die Kastration das Zeichen (−φ), minus klein phi.34 Das kleine phi repräsentiert den imaginären Phallus, das Minuszeichen steht für die symbolische Aktion, die sich auf dieses imaginäre Objekt richtet.

Symbolischer Phallus

Den Terminus „symbolischer Phallus“ gebraucht Lacan ab 1957; als Symbol für den symbolischen Phallus verwendet er ab 1958 den griechischen Buchstaben Φ, groß Phi.35

Privation

Freud zufolge genügt die Kastrationsdrohung nicht, um beim Jungen den Untergang des Ödipuskomplexes herbeizuführen. Ein zweiter Faktor muss hinzukommen:

„Irgend einmal bekommt das auf seinen Penisbesitz stolze Kind die Genitalregion eines kleinen Mädchens zu Gesicht und muß sich von dem Mangel eines Penis bei einem ihm so ähnlichen Wesen überzeugen. Damit ist auch der eigene Penisverlust vorstellbar geworden, die Kastrationsdrohung gelangt nachträglich zur Wirkung.“36

Lacan bezeichnet den Übergang von der Vorstellung „Alle Frauen haben einen Penis“ zur Vorstellung „Mädchen und Frauen haben keinen Penis“ als „Privation“ (wörtlich „Beraubung“).

„Die Privation ist (…) die Tatsache, dass die Frau keinen Penis hat, dass sie dessen beraubt (privée) ist.“37

Das Konzept der Penislosigkeit der Frau beruht darauf, dass das Reale des Körpers mithilfe einer einfachen symbolischen Struktur aufgefasst wird: als System von Plätzen, an denen etwas anwesend oder abwesend sein kann. Der Penis ist hier ein symbolisches Objekt, etwas, was auf die Alternative von Abwesenheit und Anwesenheit reduziert wird.38 In Lacans Terminologie erscheint die Mutter dem Kind, nachdem es akzeptiert hat, dass sie keinen Penis hat, nicht als „kastriert“, sondern als „priviert“, wenn man so sagen kann. Der Phallus ist damit nicht mehr etwas, was anwesend ist, wenn er abwesend ist und abwesend, wenn er anwesend ist; vielmehr werden Abwesenheit und Abwesenheit durch die Privation fixiert: beim Mann ist er anwesend, bei der Frau ist er abwesend. Das Fehlen des Penis bei der Frau kann vom Kind als Ergebnis einer Kastration aufgefasst werden, aber das ist etwas anderes.

Die Privation der Mutter eröffnet dem Kind den Zugang zu seiner eigenen Privation:

„im Moment des normativierenden Ausgangs des Ödipus erkennt das Kind, nicht zu haben – nicht wirklich das zu haben, was es hat, das ist der Fall beim Knaben –, was es nicht hat, der Fall beim Mädchen.“39

Der Ödipuskomplex endet nicht damit, dass der Junge derjenige ist, der ihn hat und das Mädchen dasjenige, das ihn nicht hat. Beim Untergang des Ödipuskomplexes sind beide Geschlechter auf der Seite derjenigen, die ihn nicht haben, die um den Phallus „priviert“ sind.

AGENTMANGELOBJEKT
Realer VaterSymbolische KastrationImaginärer Phallus
Symbolische MutterImaginäre FrustrationReale Brust
Imaginärer VaterReale PrivationSymbolischer Phallus

Die dritte Zeile ist so zu lesen:
Mangel: Reale Privation.– Die Privation ist eine Aktion, durch die ein Mangel in Beziehung auf den Körper herbeigeführt wird und in diesem Sinne in der Dimension des Realen.
Objekt: Symbolischer Phallus.– Das Objekt, das als Ergebnis dieser Aktion fehlt, ist der Phallus. Er wird hierbei zu etwas, was anwesend und abwesend sein kann, zum symbolischen Phallus. Im Falle von Mädchen und Frauen gilt er als abwesend.
Agent: Imaginärer Vater.– Die Privation kommt dadurch zustande, dass der Vater in die Beziehung zwischen Mutter und Kind auf eine Weise eingreift, durch die er dem Kind als idealisierter allmächtiger Vater erscheint.

Durch die Privation wird der symbolische Phallus konstituiert. Der Penis fungiert (in Seminar 4) dann als symbolischer Phallus, wenn er sich auf den Gegensatz von Anwesenheit und Abwesenheit reduziert, von Minus und Plus.

„Bereits in der Opposition Plus und Minus, Anwesenheit und Abwesenheit, gibt es virtuell den Ursprung, die Geburt der Möglichkeit, die Grundbedingung einer symbolischen Ordnung.“40

Über das Mädchen heißt es, dass es finden muss, was es nicht hat.

„Was es nicht hat, was heißt das? Wir sind hier bereits auf der Stufe, auf der ein imaginäres Element in eine symbolische Dialektik eintritt. Nun ist in einer symbolischen Dialektik das, was man nicht hat, ganz ebenso existent wie alles übrige. Es ist nur einfach mit einem Minuszeichen versehen. Sie tritt also mit diesem Minus ein wie der Junge mit dem Plus. Bleibt übrig, dass es etwas geben muss, damit man ein Plus oder Minus, Anwesenheit oder Abwesenheit vorsetzen kann. Worum es geht, und was dabei im Spiel ist, ist der Phallus.“41

Der symbolische Phallus entsteht aus dem imaginären Phallus. Die Penisvorstellung wird zu etwas, was entweder mit einem Minuszeichen oder mit einem Pluszeichen versehen ist, und damit wird sie zum symbolischen Phallus – das ist zumindest die Konzeption in Seminar 4.

Der symbolische Tausch

Damit der symbolische Phallus als Grundlage der sexuellen Beziehung fungieren kann, muss er mit der symbolischen Ordnung verknüpft werden, mit der Struktur des Tauschs.

Im Rahmen einer symbolischen Ordnung hat die Opposition von Abwesenheit und Anwesenheit eine eigene symbolische Wirksamkeit. Lacan illustriert das in Seminar 4 durch das Fehlen eines Buchs in einer Bibliothek.42 Man sagt, dass man ein bestimmtes Buch ausleihen will (auf Lacanesisch: man erhebt einen Anspruch), und die Bibliothekarin erwidert, dass das Buch an seinem Platz fehlt. Das abwesende Buch ist in gewissem Sinne anwesend. Das Wissen über das Fehlen eines Buches an seinem Platz und die Auskunft darüber gehören zum Funktionieren der Bibliothek als einer symbolischen Ordnung, zum Spiel der Anschaffungen, Katalogisierungen, Ausleihen, Rückgaben und Verlustmeldungen.

Lacans zweites Beispiel für die symbolisch funktionierende Abwesenheit ist der Gabentausch.43 Wenn eine Gabe an einen anderen gegeben wird, verschwindet sie an der Stelle, an der sie zuvor anwesend war. Für den Geber ist sie jedoch nicht einfach perdu, ihre frühere Anwesenheit hinterlässt eine Spur, wie Derrida sagen würde; auch ohne Buchhaltung wird ihr Fehlen verbucht. Die Spur der Abwesenheit ist symbolisch wirksam, sie verpflichtet den Empfänger der Gabe, eine Gegengabe zu liefern.

Der Gabentausch ist die Grundlage der symbolischen Ordnung; Lacan folgt hier Marcel Mauss44 und Claude Lévi-Strauss45, und er verbindet das mit Freuds Konzept der symbolischen Gleichung: Phallus = Kind = Geschenk. Der Gabentausch, der die symbolische Ordnung fundiert, ist für Lacan der Tausch von Kind gegen Phallus. Der Phallus wird hierbei zum Instrument der symbolischen Ordnung der Tauschvorgänge.46

Worin besteht die symbolische Wirksamkeit des Phallus, sofern er abwesend ist? Das Mädchen verfügt über den symbolischen Phallus im dargestellten Sinn dann, wenn für es das Nichthaben des Phallus das Anrecht darauf begründet, ihn zu erhalten, in Gestalt des Penis eines Mannes und in Gestalt eines Kindes.47 Der Junge verfügt dann über den symbolischen Phallus, wenn für ihn sein „Haben“ des Phallus bedeutet, dass er ihn ihr zu „geben“ hat. Dies setzt voraus, dass er in der Latenzphase den Penis als Sitz von Erregungen stillgelegt hat, ihn in ein reines Symbol verwandelt hat und damit in etwas, das er auch nicht haben kann.

Der symbolische Phallus, Φ, der auf den Gegensatz von Anwesenheit und Abwesenheit reduzierte Penis, muss mit der Ordnung des Tauschs verknüpft werden. Wie geschieht das? Lacan äußert sich hierzu nicht ausdrücklich. Ich nehme an, dass er meint: durch die Kastration. Die Kastration sorgt dafür, dass der (imaginäre) Phallus mit dem Gesetz und mit der Schuld verbunden wird, das sagt Lacan ausdrücklich. Es ist diese Verbindung mit der Schuld (so nehme ich an),  wodurch der symbolische Phallus auf den Tausch bezogen wird.

Der Signifikant des Signifikats: der Urverdrängung und des Begehrens

Der Phallus ist ein Signifikant. Das Signifikat gleitet unter dem Signifikanten, sagt Lacan, anders formuliert: ein Signifikant hat keine feste Bedeutung. Von dieser Regel gibt es Ausnahmen (in der klassischen Psychoanalyse werden sie als „Symbole“ bezeichnet), und die wichtigste Ausnahme ist der Phallus. Im Aufsatz Die Bedeutung des Phallus heißt es: Der Phallus

„ist der Signifikant, der bestimmt ist, die Signifikatswirkungen in ihrer Gesamtheit zu bezeichnen, insofern der Signifikant diese konditioniert durch seine Gegenwart als Signifikant.“48

Hintergrund

Die Formulierung wird verständlich, wenn man sie Schritt für Schritt zusammensetzt.

Der Phallus ist ein Signifikant, und zwar ein Signifikant, der eine bestimmte Bedeutung hat: ein Symbol im Sinne der Psychoanalyse.

Der Signifikant konditioniert die Signifikatswirkungen. Hier ist mit „Signifikant“ etwas anderes gemeint, nämlich die Sprache. Durch die Einprägung der Sprache in die Bedürfnisse wird das Signifikat (signifié) erzeugt, das Signifizierte. Unter dem Signifikat versteht Lacan zweierlei: zum einen die durch die Einwirkung des Signifikanten umgewandelte Strebung (vgl. diesen Blogartikel), zum anderen den unbewussten Sinn eines Symptom, der aus verdrängten Signifikanten besteht.

Der Signifikant (die Sprache) konditioniert die Signifikatswirkungen durch seine Gegenwart als Signifikant. Mir ist nicht klar, was damit gemeint ist, vielleicht dies: Die Einprägung der Sprache in den lebendigen Menschen ist dauerhaft und ruft beständig Wirkungen hervor. Die Umleitung der Bedürfnisse durch die Sprache kommt fortwährend dadurch zustande, dass der Mensch seine Bedürfnisse in „Ansprüchen“ vorbringt, anders gesagt, dass er sie in Forderungen artikuliert.– Gegen diese Deutung spricht der starke Begriff „Gegenwart“, „Präsenz“, den Lacan sicherlich nicht ohne philosophische Hintergedanken verwendet. In Seminar 8 wird er sagen, der symbolische Phallus sei die „reale Präsenz“.

Die Umleitung der Bedürfnisse durch die Sprache ist verbunden mit der Urverdrängung.

„Was also in den Bedürfnissen sich entfremdet findet, bildet eine Urverdrängung*, weil es, per Hypothese, sich nicht im Anspruch zu artikulieren vermag: was aber dennoch erscheint in einem Abkömmling, der das darstellt, was sich beim Menschen als Begehren* zeigt“49.

Der Gesamteffekt der Einwirkung der Sprache auf den Menschen ist die „Umleitung der Bedürfnisse des Menschen“50. Mit der Rede vom „Bedürfnis“ orientiert Lacan sich vermutlich an Freud, der sagt, dass man in Bezug auf den Trieb, da er eine konstante Kraft ist, nicht von „Reiz“ sprechen sollte, sondern von „Bedürfnis“.51 Die Umleitung der Bedürfnisse, von der Lacan hier spricht, ist die Urverdrängung.52 Urverdrängt ist das, was nicht in einem Anspruch artikuliert werden kann. Die Urverdrängung ist „reiner Verlust“53, ein Verlust, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Das Symbol manifestiert sich als „Mord am Ding“, hieß es im sogenannten Rom-Vortrag.

Statt vom urverdrängten „Bedürfnis“ wird Lacan später vom „Mangel im Genießen“ sprechen.54 (Mit der Ausarbeitung der Unterscheidung von Begehren und Genießen beginnt Lacan 1960, zwei Jahre nach dem Phallus-Aufsatz, im Seminar über die Ethik der Psychoanalyse.)

Die Urverdrängung kann, Freud zufolge, nicht aufgehoben werden, das Urverdrängte kann nicht erinnert werden. Damit gehört die Urverdrängung zur Ordnung des Realen, denn das Reale ist das, was sich der Symbolisierung hartnäckig widersetzt (vgl. diesen Blogartikel).

Die Urverdrängung zeigt sich im Begehren; das Begehren ist ein Abkömmling der Urverdrängung. Die Urverdrängung ist ein Effekt der Einwirkung der Signifikanten auf die Bedürfnisse, das Urverdrängte ist ein unbefriedigbares Bedürfnis. Das Urverdrängte ist nicht vollständig tot, es ist teilweise höchst lebendig, insofern nämlich, als es sich in einem Abkömmling manifestiert, im Begehren. Als Begehren ist es auf der symbolischen Ebene fassbar, auf der Ebene der Ansprüche. Das Begehren ist das, was dafür sorgt, dass bestimmte Ansprüche nicht befriedigt werden; das Begehren nutzt gewissermaßen den Anspruch, um einen Mangel zu artikulieren.

Das Begehren besteht in dem Begehren, begehrt zu werden. In Seminar 5 sagt Lacan:

„Sie haben also in einer ersten Zeit, habe ich Ihnen gesagt, die Beziehung des Kindes nicht, wie man so sagt, zur Mutter, sondern zum Begehren der Mutter. Es ist ein Begehren nach einem Begehren.“55

Das Begehren (das letztlich auf die Urverdrängung zurückgeht) besteht darin, dass Ansprüche auf Nicht-Erfüllung aussind; diese Dynamik ist in die Beziehung zum Begehren auf der Seite des Anderen verwickelt.

Der Phallus als Symbol

Der Phallus symbolisiert den Verlust, den Seinsmangel. In dem wenige Monate nach dem Phallus-Vortrag verfassten Aufsatz über Ernest Jones heißt es:

„der Phallus ist der Signifikant eben des Verlusts, den das Subjekt durch die Signifikantenzerstückelung erleidet“56, „der Signifikant des Seinsmangels“57.

Dieser Verlust ist die Urverdrängung; der Phallus ist der Signifikant des Urverdrängten, er symbolisiert das „Bedürfnis“, das auf immer unbefriedigbar ist.

Der Phallus symbolisiert das Begehren des Begehrens. In Seminar 5 heißt es:

„Das, was wichtig ist für das Subjekt, was es begehrt, das Begehren als begehrtes, das Begehrte des Subjekts, wenn der Neurotiker oder der Perverse es zu symbolisieren hat, so geschieht das am Ende buchstäblich mit Hilfe des Phallus.“58

Das Begehren, begehrt zu werden, ist Begehren nach Anerkennung des Begehrens; der Phallus ist derjenige Signifikant, der die Anerkennung des Begehrens ermöglicht. In Seminar 5 heißt es:

„Die konstituierende Funktion des Phallus in der Dialektik der Einführung des Subjekts in seine schlichte und einfache Existenz und in seine sexuelle Position läßt sich unmöglich herleiten, wenn wir daraus nicht den fundamentalen Signifikanten machen, wodurch das Begehren des Subjekts sich als solches die Anerkennung zu verschaffen hat, ob es sich um den Mann oder ob es sich um die Frau handelt.“59

 Und in Seminar 6:

„Der Phallus ist nichts anderes als der Signifikant des Begehrens des Begehrens. Das Begehren hat kein anderes Objekt als den Signifikanten seiner Anerkennung.“60

Also symbolisiert der Phallus die Bedeutung. In Seminar 5 sagt Lacan,

„daß wir häufig annehmen müssen, daß der Phallus im Signifikantensystem von dem Moment an ins Spiel kommt, da das Subjekt im Gegensatz zum Signifikanten das Signifikat als solches, ich meine die Bedeutung, zu symbolisieren hat. (…) Der Signifikant des Signifikats im allgemeinen ist der Phallus.“61

Der Phallus symbolisiert die Bedeutung. Statt von der Bedeutung (signification) spricht Lacan hier auch vom Signifikat (signifié). Unter dem Signifikat versteht er manchmal verdrängte Signifikanten, manchmal die Umlenkung einer Strebung durch die Signifikanten (vgl. diesen Blogartikel). Hier ist das zweite gemeint: Der Phallus symbolisiert die Umlenkung der Strebungen, also die Urverdrängung der Bedürfnisse.

(In späteren Seminaren wird Lacan diese beiden Aspekte des Signifikats mit Frege als Sinn (verdrängte Signifikanten) und Bedeutung (unerreichbares Genießen) unterscheiden.62)

Der Phallus ist die Bedeutung im Sinne der letzten Bedeutung. Als Signifikant der Urverdrängung bekommt der Phallus die Funktion, beim Auftreten irgendeines Wunschobjekts dessen Äquivalenz zu erzeugen.63

Der Phallus symbolisiert die Urverdrängung; an dieser These von 1958 hält Lacan bis zum Schluss fest. 1975 sagt er in einem Vortrag: die Bedeutung des Phallus ist die Beziehung zum Realen64, anders gesagt: die Beziehung zum Urverdrängten als dem, was sich nicht symbolisieren lässt.

Der Phallus als Quelle der Verdrängung

Die Frage ist, wie die Urverdrängung, dieser Seinsmangel, mit der Verdrängung im engeren Sinne des Wortes verbunden ist und also mit dem Unbewussten als einem Signifikantenapparat. In Die Bedeutung des Phallus wird die Frage so beantwortet:

„[W]as von diesem Sein im Urverdrängten* lebendig ist, findet seinen Signifikanten, indem es vom Phallus das Kennzeichen der Verdrängung* erhält (wodurch das Unbewusste Sprache ist).“65

In Die Bedeutung des Phallus verwendet Lacan den Ausdruck „Urverdrängung“ in einem lockeren Sinn. Eigentlich gilt: Nur Signifikanten können verdrängt werden, nur „Vorstellungen“, wie Freud sagt; darin ist Lacan sich mit Freud einig66; in Freuds Terminologie: nicht der Trieb kann verdrängt werden, nur die Vorstellung, die ihn repräsentiert.67 Die Urverdrängung, von der Lacan im Phallus-Aufsatz spricht, liegt auf einer anderen Ebene, auf der der Bedürfnisse – urverdrängt sind Bedürfnisse.

Das so verstandene Urverdrängte, soweit es lebendig ist und sich im Begehren manifestiert (in der Verwirrung der Ansprüche, könnte man sagen), findet einen Signifikanten. Dieser Signifikant ist der Phallus. Durch die Verbindung zwischen der Urverdrängung und dem Phallus erhält das Urverdrängte das Kennzeichen der Verdrängung.

Ich nehme an, dass damit gemeint ist: Der Phallus ist nicht einfach verdrängt, sondern urverdrängt, jetzt im engeren Sinne des Wortes, und das heißt erstens: dieser Signifikant kann durch das Verfahren der freien Assoziation nicht ins Bewusstsein gerufen werden. Und zweitens: als urverdrängter Signifikant bildet er den Anziehungspunkt der Verdrängung und erzeugt so das Unbewusste – die Bedeutung, den Sinn der Symptome.

Der binäre Signifikant als Kern der Urverdrängung

Im Aufsatz Die Bedeutung des Phallus arbeitet Lacan nicht mit der Unterscheidung von imaginärem und symbolischem Phallus. Welcher Phallus also ist der Signifikant des Signifikats, der Phallus als Symbol der Urverdrängung und damit des Begehrens: der imaginäre, der symbolische oder der reale Phallus?

Eine Antwort gibt Lacan in Seminar 11 von 1964, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse.

„Man kann also sagen, daß es auf Leben und Tod geht zwischen dem signifiant unaire / dem unären Signifikanten und dem Subjekt als signifiant binaire / binären Signifikanten, der Ursache für sein Schwinden. Die Vorstellungsrepräsentanz ist der binäre Signifikant.

Dieser Signifikant bildet dann den zentralen Punkt der Urverdrängung* – mithin dessen, was, nachdem es ins Unbewußte übergegangen, jetzt, der Theorie Freud zufolge, jenen Anziehungs*punkt ausmacht, durch den alle weiteren Verdrängungen ermöglicht werden, alle weiteren ähnlichen Übergänge an den Ort der Unterdrückung*, den Ort dessen, was als Signifikant unter den Tisch fällt. Darum geht es bei dem Terminus Vorstellungsrepräsentanz*.“68

Den zentralen Punkt der Urverdrängung bildet der binäre Signifikant; er ist der Anziehungspunkt für die weitere Verdrängung, also für diejenige Verdrängung, die Freud als „Nachdrängen“ oder „sekundäre Verdrängung“ bezeichnet.

In Seminar 4 wird der symbolische Phallus als binärer Signifikant definiert: der symbolische Phallus ist der Penis, sofern er reduziert ist auf den Gegensatz von Anwesenheit und Abwesenheit, sofern er also binär funktioniert. In Die Bedeutung des Phallus heißt es: Signifikant der Urverdrängung ist der Phallus. In Seminar 11 erfahren wir: Signifikant der Urverdrängung ist der binäre Signifikant. Also drängt sich die Schlussfolgerung auf: Signifikant der Urverdrängung ist der Phallus als binärer Signifikant, der symbolische Phallus, der Phallus, der auf den Gegensatz von Anwesenheit und Abwesenheit reduziert ist und als Gabe im symbolischen Tausch zirkuliert.

Der Nabel des Traums und der Nicht-Sinn

Der symbolische Phallus symbolisiert das Urverdrängte. Das Urverdrängte manifestiert sich klinisch in dem, was Freud den „Nabel des Traums“ nennt69, in einem unentwirrbaren Knäuel von Traumgedanken.

Im Aufsatz über Ernest Jones schreibt Lacan:

„Von daher werden wir über diese magnetisierten Punkte der Signifikation, die seine [Jonesʼ] Bemerkung nahelegt, sagen, sie sind die Punkte der Vernabelung des Subjekts in den Schnitten des Signifikanten, wobei der grundlegendste die Urverdrängung ist, auf der Freud immer bestanden hat, nämlich die vom Diskurs provozierte Reduplikation des Subjekts, wenn sie maskiert bleibt durch das Wuchern dessen, was es als Seiendes evoziert.“70

Der Nabel des Traums bezieht sich auf die Schnitte des Signifikanten; grundlegend hierfür ist die Urverdrängung.

Den nicht deutbaren Rest, der auf das Urverdrängte verweist, bezeichnet Lacan als Nicht-Sinn. Der Nicht-Sinn steht im Gegensatz zu demjenigen Bereich des Unbewussten, der sich deuten lässt, zum Sinn.71 Die Reduplikation des Subjekts, von der Lacan im Jones-Aufsatz schreibt, ist vermutlich die Spaltung zwischen dem Sinn und dem Nicht-Sinn.

An der Zuordnung zwischen dem Urverdrängten und dem Nicht-Sinn hält Lacan fest. In Seminar 22 von 1974/75, RSI, sagt er:

„Im Symbolischen ist in der Tat etwas urverdrängt*, etwas, dem wir nie Sinn geben, obgleich wir fähig sind zu sagen, alle Menschen sind sterblich. (…) Was das/den Andere betrifft, liefert uns Freud dies – es gibt das Andere nur, wenn man es sagt, aber es ist unmöglich, es vollständig zu sagen. Es gibt ein Urverdrängtes*, ein irreduzibel Unbewußtes; das Sagen definiert sich nicht nur als unmöglich, sondern führt die Kategorie des Unmöglichen als solche ein.“72

In Seminar 8 von 1960/61, Die Übertragung, heißt es:

“Wenn man sogar, und selbst da, wo man nicht Analytiker ist, von zweifacher Symbolisierung sprechen kann, so ist das in diesem Sinn, daß die Natur des Symbols solcher Art ist, daß zwei Register notwendig daraus entspringen: dasjenige, das an die symbolische Kette gebunden ist, und dasjenige, das an die Störung, an das Wirrwarr gebunden ist, die das Subjekt imstande war, da hineinzutragen, denn da findet es auf die gewisseste Weise seinen Ort.“73

Das Subjekt wird doppelt symbolisiert: durch die symbolische Kette und durch das Wirrwar, einerseits also durch den Sinn und andererseits durch den undeutbaren Nicht-Sinn, in dem sich der urverdrängte binäre Signifikant manifestiert. Der deutbare Sinn kommt vom Anderen. Im undeutbaren Wirrwar manifestiert sich das Subjekt als das, was der Urverdrängung unterliegt, das Subjekt als Seinsmangel: es manifestiert sich in der Aphanisis, im Verschwinden des Subjekts hinter dem Signifikanten (vgl. diesen Blogbeitrag).

In Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung, erläutert Lacan das Verhältnis zwischen dem Phallus und dem Objekt a:

„Die Funktion dieses Objekts [des Objekts a] ist mit der Beziehung verbunden, durch die sich das Subjekt in der Beziehung zum Ort des Anderen – großes A – bildet, als dem Ort, wo sich die Realität des Signifikanten ordnet. An dem Punkt, wo jede Signifikanz scheitert, abgeschafft wird, am Knotenpunkt, der ‚das Begehren des Anderen‘ genannt wird, am sogenannten phallischen Punkt, insofern er die Abschaffung jeder Signifikanz bedeutet, insofern das Objekt klein a, das Objekt der Kastration, seinen Platz einnimmt. Es steht also in einer Beziehung zum Signifikanten.“74

Am Ort des Anderen – im Unbewussten – gibt es einen Punkt, an dem die Signifikanz scheitert. Damit ist, so nehme ich an, das Urverdrängte gemeint. Das Urverdrängte ist das, was auf keine Weise in Erinnerung gerufen werden kann, es besteht also aus Signifikanten, die nicht in Signifikantenbeziehungen – in die Signifikanz – eintreten können. Der Punkt, an dem die Signifikanz scheitert, ist das Begehren des Anderen. Man kann auch sagen, es handelt sich um den „phallischen Punkt“, um den Punkt des Phallus; der Phallus ist das, was dem Anderen fehlt, der Bezugspunkt des Begehrens des Anderen. Für diesen Punkt – für den urverdrängten Phallus – liefert das Objekt a einen Ersatz, und insofern ist das Objekt a das Objekt der Kastration.

Der Schnitt

In der späteren Theorieentwicklung (im Übertragungsseminar von 1960/61) wird der Phallus als fehlender Signifikant definiert.75 Er wird damit zum Gegenstück des Konzepts „Signifikant des Mangels im Anderen“, S(Ⱥ). Im Lacanschen Theoriegebäude gibt es von nun an zwei fehlende Signifikanten: einen fehlenden Signifikanten auf der Seite des anderen, S(Ⱥ), und einen fehlenden Signifikanten auf der Seite des Subjekts, Φ.

Wie kann ein fehlender Signifikant im Symbolischen verortet werden, wenn er dort doch gerade fehlt? Die Antwort lautet: durch den „Schnitt“, im Intervall zwischen den Signifikanten. In Seminar 8 heißt es:

„Aber was bedeutet dann das Φ? Resümiere ich es, um den Platz der realen Präsenz zu bezeichnen, insofern sie nur in den Intervallen dessen erscheinen kann, was der Signifikant abdeckt? Bedroht die reale Präsenz von diesen Intervallen her das gesamte Signifikantensystem? Das ist wahr. Es gibt Wahres darin.“76

Als Beispiel verweist Lacan an dieser Stelle auf den „Rattenmann“, der gezwungen ist, das Intervall zwischen Blitz und Donner durch Zählen zu überbrücken.77

Der Phallus ist die „reale Präsenz“, in theologischer Terminologie: die Realpräsenz, als Schnitt.78 Eine prägnante Manifestation des Schnitts besteht darin, dass man sich selbst oder einem anderen das Wort abschneidet oder dass man ein Gespräch abrupt beendet – das ist der theoretische Hintergrund für Lacans Technik der variablen Sitzungsdauer.

Der Schnitt wiederum kann im Imaginären erscheinen, in der Ordnung des Sichtbaren, etwa als der Spalt, durch den ein Voyeur ein Paar beobachtet, oder als der Hosenschlitz, durch den der Exhibitionist sein Organ zum Vorschein bringt.79

Ein Beispiel für den symbolischen Phallus: Ophelia

In der Hamlet-Analyse in Seminar 6 spricht Lacan über das Verhältnis von Hamlet zu Ophelia und unterscheidet dabei mehrere Stadien dieser Beziehung. In einer dieser Phasen wird Ophelia für Hamlet zum symbolischen Phallus.

Nach dem berühmten Monolog „Sein oder Nichtsein“ stößt Hamlet Ophelia grausam von sich (3. Akt, 1. Szene):

„Ich hab euch einst geliebt. (…) ich liebte euch nicht. (…) Fort mit dir in ein Nonnenhaus, was, wolltest du eine Gebärerin von Sündern sein? (…) Falls du heiratest, gebe ich dir diesen Fluch als Mitgift: Seist du auch so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du sollst der Verleumdung nicht entgehn; fort mit dir in ein Nonnenhaus (nunnery), leb wohl. (…) Auch über eure Anmalerei bin ich unterrichtet, mehr als genug. Gott gab euch ein Gesicht, und ihr macht euch ein andres, ihr tänzelt, ihr wippt und ihr lispelt, ihr mißbenennt Gottes Schöpfungen und gebt eure Lüsternheit für Unwissenheit aus; geht mir doch, ich will nichts mehr davon wissen, es hat mich irrsinnig gemacht.“80

Lacan weist darauf hin, dass nunnery im damaligen Sprachgebrauch auch das Bordell meint.81 Er deutet die Szene so:

„Ophelia wird für Hamlet die Trägerin von Kindern und aller Sünden. Sie ist diejenige, die dazu bestimmt ist, Sünder zu gebären sowie diejenige, die dann dazu bestimmt ist, unter all den Verleumdungen zusammenzubrechen. Sie wird schlicht und einfach zur Trägerin eines Lebens, dass jetzt in seinem Wesen verurteilt wird. Kurz, das was sich in diesem Moment ereignet, ist die Zerstörung oder der Verlust des Objekts, der in seinen narzisstischen Rahmen reintegriert wird.

Für das Subjekt erscheint das Objekt, wenn ich so sagen darf, außerhalb. Die Formel, die ich eben für dieses Objekt verwendet habe, zeigt Ihnen an, wovon sie das Äquivalent ist, wessen Platz sie einnimmt, und was dem Subjekt erst in dem Moment gegeben werden kann, wo dieses sich im wörtlichen Sinne opfert, wo es nicht mehr es selbst ist, wo er es mit seinem ganzen Sein zurückweist. Dieses Objekt ist auf einzigartige Weise der Phallus.

Inwiefern ist Ophelia in diesem Augenblick der Phallus? Insofern das Subjekt den Phallus als Signifikantensymbol des Lebens exteriorisiert und als solchen verwirft.“82

Ophelia wird für Hamlet zum Symbol des Lebens: der Lüsternheit, verbunden mit Fruchtbarkeit.

Dieses Lebenssymbol wird von ihm  zurückgewiesen, auf Distanz gebracht und überdies moralisch verurteilt.

Damit wird der Verlust narzisstisch reintegriert: Sie hört auf, für ihn ein Objekt des Begehrens zu sein, und der Seinsmangel, der ihm durch die Einwirkung der Sprache widerfahren ist, wird in eine planmäßige Aktivität verwandelt. Ophelia ist für Hamlet das Leben, insofern es für ihn (durch die Sprache) verloren ist – der symbolische Phallus, der Signifikant der Urverdrängung.

Das erinnert an eine Bemerkung in Lacans frühem Aufsatz über die Familie:

„Je nach der existenziellen Aktivitätsrichtung des betroffenen Subjekts, das entweder die Trennung annimmt oder seine Identität behauptet, Strebung oder Form, wird dieser Prozeß erotisiert zu Sadomasochismus oder zu Skoptophilie (das Begehren, zu sehen oder gesehen zu werden). Als solcher neigt er dazu, der Verdrängung zu verfallen, die der normalen Sexualitätsreifung korrelativ ist, und dabei einen Teil der narzißtischen Struktur mit sich zu reißen.“83

Die Trennung kann angenommen oder zurückgewiesen werden. Der symbolische Phallus ist der Signifikant, durch dessen Bildung es möglich ist, die Trennung anzunehmen, den Verlust.

Zur Terminologie ist festzuhalten: der Phallus ist der Signifikant des durch die Einwirkung des Signifikanten urverdrängten Bedürfnisses (Phallus-Aufsatz, 1958), der Symbol des Lebens, das verworfen wird (Seminar 6, 1959), der Signifikant des Mangels im Genießen (Seminar 14, 1967).

Der Grundgedanke ist: An die Stelle des fehlenden Signifikanten für die Zweigeschlechtlichkeit tritt im Unbewussten ein Signifikanten des urverdrängten Bedürfnisses (des Mangels im Genießen); dieser Signifikant hält die Verdrängung in Gang.

Beziehungen zwischen dem imaginären, dem symbolischen und dem realen Phallus

Bezogen auf das Mädchen ist der Penis, um den es im Ödipuskomplex zunächst geht, der imaginäre Phallus.

Für das Mädchen wird der Vater zu demjenigen, der ihn ihr geben kann; der Phallus wird damit zu einer symbolischen Größe: zu einer Gabe. Diese Phallus-Gabe wiederum verwandelt sich, wenn der Ausgang der Norm entspricht, ins Reale: der Vater wird zu demjenigen, der real den Phallus hat und real das Kind geben kann. Eben darin besteht für das Mädchen der Ödipuskomplex. Der Vater ist für es zunächst ein Liebesobjekt, er wird dann zu demjenigen, der ihr das Objekt der Befriedigung gibt, das Objekt der natürlichen Beziehung des Gebärens von Kindern. Von da aus braucht sie nur noch ein wenig Geduld, damit sich an die Stelle des Vaters derjenige setzen kann, der dieselbe Rolle ausfüllt, die des Vaters, indem er ihr tatsächlich ein Kind gibt.84

Lacan über das Fresko in der Mysterienvilla

Was ist der Phallus? Zur Beantwortung dieser Frage bezieht Lacan sich zwei Mal auf die Fresken in der Villa der Mysterien in der Nähe von Pompeji: in Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten, und im Aufsatz Die Bedeutung des Phallus von 1958. Weder in den Écrits noch in den Schriften noch in der Miller-Version von Seminar 5 noch in der Gondek-Übersetzung dieser Ausgabe findet man hierzu eine Abbildung. Es geht um das zu Beginn dieses Artikels bereits reproduzierte Bild, das ich hier noch einmal wiedergebe (ein Video mit allen Fresken der Villa und mit einer Führung auf italienisch findet man hier).

Mysterienvilla (zu Jacques Lacan über den Phallus)Links sieht man, kniend, die Initiandin, wie sie ihre Arme nach einem Gegenstand ausstreckt. Dieses Objekt wird von einem lila Tuch verhüllt. Unter dem Tuch, so nehmen die Experten an, verbirgt sich eine Phallus-Skulptur, möglicherweise auch eine Herme, ein Pfeiler mit Phallus und Armansätzen. Mit der rechten Hand berührt die Kniende das Tuch, sie ist dabei, es zu entfernen.

Millet, KornschwingerDas verschleierte Bildnis steht in einem Worfelkorb, auch „Kornschwinge“ genannt, einem Werkzeug zum Sichten des Getreides, ähnlich dem Korb in der nebenstehenden Abbildung.85

Auf der rechten Seite des Freskos sieht man eine geflügelte Frau mit Stiefeln. Den Kopf hat sie von der Phallusenthüllung weggedreht. Mit der linken Hand wehrt sie die Szene ab, mit der Rechten schwingt sie eine Peitsche oder einen Stock. Dieses Wesen, so vermuten die Spezialisten, könnte Aidos sein, die Göttin der Scham.

In Seminar 5 sagt Lacan hierzu:

„Es ist ganz und gar auffällig zu sehen, daß auf den in einer bemerkenswerten Vollständigkeit bewahrten seltenen Fresken, denen aus der Villa der Mysterien in Pompeji, sehr genau direkt neben dem Ort, an dem die Entwicklung des Phallus dargestellt wird, gewisse Arten von Dämonen auftauchen, dargestellt in beeindruckender Größe, in natürlicher Höhe, die wir durch eine gewisse Anzahl von Übereinstimmungen identifizieren können. Es gibt eine davon auf einer Vase aus dem Louvre und an einigen anderen Plätzen. Diese geflügelten, gestiefelten, nicht behelmten Dämonen, aber fast, und auf jeden Fall mit einem flagellum bewaffnet, beginnen, die rituelle Strafe auf eine der Kandidatinnen oder Initiantinnen anzuwenden, die in dem Bild sind. So taucht die Phantasievorstellung der Flagellation in der direktesten Form und in der unmittelbarsten Verknüpfung mit der Entschleierung des Phallus auf.“86

Flagellum ist das lateinische Wort für die Peitsche. Ein Moment der Initiation ist die Enthüllung des Phallus durch die Initiandin, und die Dämonin der Scham antwortet hieraus damit, dass sie die Initiandin schlägt, was in der angrenzenden Szene dargestellt wird:

Mysterienvilla: Szene der Flagellation (zu Jacques Lacan über den Phallus)Im Vortrag Die Bedeutung des Phallus heißt es, dass der Phallus

„kraft seiner Turgeszenz das Bild des Lebensflusses ist, soweit dieser in die (in der) Zeugung eingeht.“87

Turgeszenz ist die Anschwellung; das Bild des erigierten Penis repräsentiert den Lebensfluss qua Zeugungsvermögen. Die Bezeichnung als Bild macht klar, dass hier der imaginäre Phallus gemeint ist. Das ist Allgemeinwissen: die Statue eines erigierten Penis, ein Phallus, symbolisiert die Fruchtbarkeit. Lacan fährt fort:

„Alle diese Vorstellungen verschleiern aber immer noch die Tatsache, dass er seine Rolle nur verschleiert spielen kann, und das heißt seinerseits nur als Zeichen der Latenz, mit der alles Bedeutbare (signifiante) geschlagen ist, sobald es in der Signifikantenfunktion aufgehoben* ist.“88

Lacan lenkt die Aufmerksamkeit auf den Schleier, unter dem der Phallus verborgen ist. Mit „Schleier“ meint er in der Regel die Kleidung.89 Der Phallus, so lautet Lacans These, kann seine Rolle nur verschleiert spielen. Man muss also zwei Funktionen des Phallus unterscheiden: den unverschleierten Phallus und den verschleierten Phallus. Der unverschleierte Phallus ist der imaginäre Phallus. Der verschleierte Phallus ist der symbolische Phallus, das hatte Lacan am Beispiel des Fetischismus erläutert.90 Der unverschleierte Phallus, das sind etwa die Phallusstatuen, wie man sie in Pompeji an Eingangstüren und an Straßenkreuzungen gefunden hat; der unverschleierte Phallus, das phallische Bild, ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Der verschleierte Phallus, also der symbolische Phallus, hat eine andere Bedeutung. Der Phallus kann seine Rolle nur verschleiert spielen: die entscheidende Bedeutung des Phallus ist nicht die des unverhüllten, also imaginären Phallus, nicht die Fruchtbarkeit, sondern die des verhüllten, also des symbolischen Phallus.

Der verschleierte Phallus ist ein Zeichen: er hat eine feste Bedeutung.

Der verschleierte Phallus ist das Zeichen der Latenz. Lacan spielt hier auf den Freudschen Begriff der Latenzperiode an, also auf die Phase zwischen dem Untergang der kindlichen Sexualität und dem Wiedererwachen der Sexualität in der Pubertät.91 Der verhüllte Phallus symbolisiert nicht die Fruchtbarkeit, sondern, in erster Annäherung, die Latenz, mit Freud könnte man sagen: die Triebunterdrückung oder besser: einen bestimmten Aspekt der Triebunterdrückung.

Alles Bedeutbare (signifiante) wird irgendwann in der Signifikantenfunktion aufgehoben. Die Übersetzung von signifiante mit „Bedeutbares“ ist kühn, trifft aber vermutlich den gemeinten Sinn. An anderer Stelle spricht Lacan vom signifiable, vom „Signifizierbaren“. In Seminar 1 heißt es:

„Wenn man vom Signifikat spricht, denkt man an die Sache, während es sich doch um die Bedeutung handelt. Nichtsdestoweniger sagen wir, immer wenn wir sprechen, durch das Signifikat hindurch die Sache, das Bedeutbare (le signifiable).“92

Mit signifiante dürfte etwas Ähnliches gemeint sein: das signifiante ist das, worauf sich die Signifikanten letztlich beziehen, das Bedeutbare. Das Bedeutbare ist die Strebung: das Bedürfnis, der Trieb, beide Begriffe in umgangssprachlichem Sinne genommen. Im Kontext ist das Bedeutbare der Lebensfluss, der in die Zeugung eingeht; wenn man begrifflich nicht allzu streng ist, kann man sagen: der Sexualtrieb.

Die Signifikantenfunktion bezieht sich auf das Bedeutbare. Die Strebung (der Lebensfluss, der in die Zeugung eingeht, der Sexualtrieb) funktioniert im Zusammenhang der Sprache.

Durch die Signifikantenfunktion wird das Bedeutbare aufgehoben,  im Hegelschen Sinne des Wortes. Die Bedürfnisse werden in Ansprüchen artikuliert. Hierdurch werden sie vernichtet (die Urverdrängung ist reiner Verlust); sie werden aber zugleich aufbewahrt (die Urverdrängung manifestiert sich im Begehren) und auf eine höhere Ebene gehoben (der Lebensfluss, der Sexualtrieb wird mit der symbolischen Ordnung verknüpft, mit dem Gesetz, mit dem Inzestverbot). Um es als zeitlichen Vorgang zu deuten: die Sexualtriebe werden am Ende des Ödipuskomplexes negiert, in der Latenzzeit werden sie aufbewahrt, in der Pubertät erscheinen sie wieder, in transformierter Gestalt.

Der Schleier negiert: er macht unsichtbar. Der Schleier bewahrt auf: das Verhüllte bleibt erhalten. Nach der Enthüllung hat das Enthüllte einen anderen Status als vorher: es ist jetzt das Endlich-ans-Licht-Getretene, das Offenbarte.

Der Begriff der Latenz wird von Lacan von seiner Bindung an eine bestimmte Entwicklungsphase gelöst. Durch die Sprache wird alles Bedeutbare von Latenz geschlagen.

Der Phallus ist das Zeichen dieser Latenz. In seiner Verschleiertheit symbolisiert er, dass der Lebensfluss, der sich auf die Zeugung bezieht, von Latenz geschlagen ist und zwar – darauf kommt es Lacan an – durch die Sprache, durch den Signifikanten.

Im Phallus-Aufsatz heißt es anschließend:

„Der Phallus ist der Signifikant dieser Aufhebung* selbst, die er durch sein Verschwinden inauguriert (initiiert). Daher taucht der Dämon des Αιδως (Aidôs) (Scham) gerade in dem Augenblick auf, in dem der Phallus in den antiken Mysterien enthüllt wird (vgl. das berühmte Gemälde in der Villa von Pompeji).

Er wird dann zum Balken, der in der Hand dieses Dämons das Signifizierte (signifié) schlägt und es dadurch als bastardhafte Nachkommenschaft seiner Signifikantenverkettung kennzeichnet.“93

Der Phallus ist der Signifikant der Aufhebung des Bedeutbaren durch die Signifikantenfunktion. Der Phallus symbolisiert, dass das Bedeutbare (das Bedürfnis, der Lebensfluss, der Sexualtrieb) in der Signifikantenfunktion (aufgrund des Anspruchs) aufgehoben ist. Der Phallus ist der Signifikant, der einen bestimmten Spracheffekt symbolisiert: die Urverdrängung und die Aufbewahrung des Urverdrängten im Begehren.

Die Aufhebung des Bedeutbaren in der Signifikantenfunktion wird durch das Verschwinden des Phallus inauguriert bzw. initiiert. Dadurch, dass der Phallus verhüllt wird, beginnt er als Signifikant zu funktionieren, der die Latenz symbolisiert, die Urverdrängung und das Begehren. Lacan spielt hier mit dem Doppelsinn von „initiieren“: Das Funktionieren des Phallus als Latenzsymbol wird durch die Verhüllung auf den Weg gebracht, dadurch, dass das Kind sich nicht mehr nackt zeigen darf; die Verhüllung steht in einem Zusammenhang mit der Initiation im Sinne eines Übergangsrituals.

Lacan bezieht sich dann auf die Fresken der Mysterienvilla. Sie stellen eine Initiation dar, die Einweihung in einen Mysterienkult. Eines der Bilder zeigt, wie der Phallus nicht verhüllt, sondern enthüllt wird.

Das geflügelte Wesen rechts neben dem noch verhüllten Phallus ist vermutlich die Dämonin der Scham, Aidos. Sie erscheint deshalb, so deutet Lacan an, weil die Entschleierung die Scham verletzt. Die Dämonin agiert gewissermaßen als Schutzpatronin des verhüllten Phallus, sie sorgt dafür, dass der Phallus seine Hauptfunktion erfüllen kann, Symbol der Latenz zu sein (symbolischer Phallus), dass er nicht auf ein Fruchtbarkeitssymbol reduziert wird (imaginärer Phallus). Das Schamgefühl sorgt dafür, dass wir unsere Genitalien durch Kleider verhüllen; hierdurch werden sie zum symbolischen Phallus, zu dem, was unter dem Tuch anwesend oder abwesend ist.

Lacan bezieht sich dann auf das Verhältnis zwischen der Dämonin der Scham in ihrem Verhältnis zu der rechts anschließenden Szene. Die Dämonin schlägt mit ihrer Geißel eine kniende Initiandin auf den entblößten Rücken.

Mysterienvilla Flagellation 2 (zu Jacques Lacan über den Phallus)

Der Phallus erscheint hier ein zweites Mal, als Geißel in der Hand der Dämonin.

Er nimmt dabei die Gestalt einer barre an, eines Stabs. Dieser Phallus-Stab schlägt das Signifizierte, das Signifikat. Unter dem Signifikat versteht Lacan die durch die Sprache modifizierte Strebung, verbildlicht durch den Körper der Initiandin; vgl. diesen Blogartikel. Die Schlageszene symbolisiert die Einprägung der Sprache in den Lebensfluss. Nach dem Geschlagenwerden wird man Striemen auf dem Rücken der Frau sehen, auch diese könnte man als barres bezeichnen, als Striche.

Die Barre steht bei Lacan für die Verdrängung, entsprechend dieser Notation: \frac{\text S}{s}  , der Signifikant (S) über dem Signifikat (s); die Barre ist der Strich zwischen S und s, zwischen Signifikant und Signifikat, die Sperre, die das Signifikat in der Position der Verdrängung hält.94

Die Gleichsetzung zwischen Phallus und Barre verweist darauf, dass die Verdrängung, also die Sperre, die Barre, vom urverdrängten Signifikanten in Gang gehalten wird, vom symbolischen Phallus.

Das Signifikat wird von der Dämonin der Scham geschlagen: die Scham ist einer der Faktoren der Verdrängung.

Das Signifikat ist ein Bastard der Signifikantenverkettung. Die Rede vom Bastard – vom Kind unehelicher Herkunft – bringt die Verwandtschaftsbeziehungen ins Spiel und damit das Gesetz und dessen Übertretung. Das Signifikat – die durch die Einwirkung der Sprache modifizierte Strebung – steht in Verbindung mit der symbolischen Ordnung und ihrem Kern, der patrozentrischen Verwandtschaftsstruktur.

Familienwappen der Herzoge von Vendôme mit Schrägbalken (zu Jacques Lacan über den Phallus)

Familienwappen der Herzoge von Vendôme mit Schrägbalken

In der Wappenkunst des Adels konnte die Bastardschaft eines Sohnes dadurch anerkannt werden, dass er das Wappen des Vaters erhielt. Dieses Wappen wurde mit einem Schrägbalken versehen, um zu kennzeichnen, dass die Herkunft illegitim war, also keine Erbansprüche begründete. Im Französischen heißt der Schrägbalken la barre. 

Das Signifizierte, das Signifikat ist der bastardhafte Nachkomme der Signifikantenkette; dies wird vom Phallus symbolisiert, wenn er als Barre auftritt. Das Begehren ist der illegitime Sprössling dieses Paares: des Begehrens, von der Mutter begehrt zu werden, symbolisiert durch den Phallus, und des vom Vater repräsentierten Gesetzes.

Neufassung eines Beitrags, den ich am 13. Januar 2011 unter dem Titel „Der Phallus als L–rst-ll-“ veröffentlicht hatte.

Verwandte Beiträge

Anmerkungen

  1. Vor allem:

    Seminar 4 von 1956/57, Die Objektbeziehung;
    Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten, darin vor allem die Sitzungen vom 23. April und vom 18. Juni 1958;
    Seminar 6 von 1958/59, Das Begehren und seine Deutung;
    Die Bedeutung des Phallus (Vortrag von Mai 1958, veröffentlicht 1966), Schriften II, S. 119–132;
    À la mémoire d’Ernest Jones. Sur sa théorie du symbolisme (geschrieben Anfang 1959, veröffentlicht 1960), Écrits, S.  697–717.

  2. Sitzung vom 27. Februar 1957, Version Miller/Gondek, S. 225.
  3. Seminar 6, Version Miller, S. 256.
  4. Seminar 8, Version Miller/Gondek, S. 294.
  5. J. Lacan: Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freudschen Unbewussten. Übersetzt von Chantal Creusot und Norbert Haas. In: J. Lacan: Schriften II. Hg. v. Norbert Haas. Walter-Verlag, Olten u.a. 1978, S. 165-204, hier: S. 199. Der Aufsatz beruht auf einem Vortrag von 1960, wurde 1962 geschrieben und 1966 veröffentlicht. Zur Datierung auf das Jahr 1962 vgl. den Hinweis von Jacques-Alain Miller in seiner Ausgabe von Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 602.
  6. A.a.O., S. 198 f.
  7. So sieht es auch Dylan Evans in seinem Lacan-Wörterbuch. Vgl. D. Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse. Übersetzt von Gabriella Burkhart. Turia + Kant, Wien 2002, S. 226.
    Bruce Fink setzt den symbolischen Phallus mit dem Phallus-Signifikanten gleich; das lässt sich nicht halten. Vgl. Fink: Der Zwangsneurotiker „verliert eine Sache, um eine andere zu gewinnen; er wird also dazu gebracht, seine narzisstische (imaginäre) Verbindung mit seinem Penis – den Lacan den imaginären Phallus, φ, nennt, den Penis, der narzisstisch besetzt ist – und die autoerotische Lust, die er ihm bereitet, aufzugeben, und etwas auf der sozialen, symbolischen Ebene zu gewinnen. Er gibt φ für Φ auf, den Phallus als Signifikanten, als den gesellschaftlich anerkannten Signifikanten von Wert und des Begehrens.“ (Bruce Fink: Eine klinische Einführung in die Lacansche Psychoanalyse. Theorie und Technik (1997). Übersetzt von Erik M. Vogt. Turia + Kant, Wien 2005, S. 229)
  8. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 287.
  9. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 266.
    Vom „realen Phallus“ spricht Lacan beispielsweise in Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 179; Seminar 6, Version Miller, S. 160; Seminar 8, Version Miller/Gondek, S. 469.
  10. Vgl. Seminar 4, Version Mller/Gondek, S. 307 f..
  11. Vgl. etwa Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 238 f.
  12. Seminar 3, Sitzung vom 4. Juli 1956, Version Miller/Turnheim, S. 375.
  13. Der Begriff „imaginärer Phallus“ wird in Seminar 3 (1955-56) nur einmal verwendet (an der zitierten Stelle, Version Miller/Turnheim, S. 375). In Seminar 4 (1956/57) wird der Begriff ausführlich entwickelt (der Terminus erscheint hier zuerst in Version Miller/Gondek, S. 134); statt vom „imaginären Phallus“ ist hier auch vom „phallischen Bild“ die Rede.
    In den Écrits ist der Ausdruck „imaginärer Phallus“ nicht zu finden; Lacan verwendet hier die Bezeichnung image phallique, „Phallusbild“:
    Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht (1958), Schriften II, S. 85;
    Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freudschen Unbewussten (Vortrag von 1960, veröffentlicht 1966), Schriften II, S. 200.
    Einen Überblick über die Gesamtentwicklung des Phallus-Konzepts bei Lacan findet man in: Pierre Bruno, Fabienne Guillen: Phallus et fonction phallique. Érès, Toulouse 2012, S 37-85.
  14. Der griechische Buchstabe φ (klein phi) für den imaginären Phallus erscheint zuerst in dem Aufsatz Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht (1958) (vgl. das Schema in Schriften II, S. 86).
    Was die Seminare angeht, wird der Buchstabe φ in Seminar 5 (1957/58) eingeführt (vgl. das Diagramm der zwei Dreiecke, Version Miller/Gondek, S. 185, 214, 266, 304, außerdem das Diagramm des Stepppunkts auf S. 234 und schließlich die Nennung des Buchstabens klein phi im gesprochenen Text, S. 353).
  15. Vgl. Lacan, Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, Schriften II, S. 87; Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 233.
  16. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 266.
  17. Vgl. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 203 f.
  18. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 218.
  19. Freud „Das Mädchen gleitet – man möchte sagen: längs einer symbolischen Gleichung – vom Penis auf das Kind hinüber, sein Ödipuskomplex gipfelt in dem lange festgehaltenen Wunsch, vom Vater ein Kind als Geschenk zu erhalten, ihm ein Kind zu gebären.“ (S. Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (1924). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 250) Früher hatte Freud geschrieben: „Ausgangspunkt dieser Erörterungen kann der Anschein werden, daß in den Produktionen des Unbewußten – Einfällen, Phantasien und Symptomen – die Begriffe Kot (Geld, Geschenk), Kind und Penis schlecht auseinandergehalten und leicht miteinander vertauscht werden.“ (S. Freud: Über Triebumsetzungen, insbesondere der Analerotik (1917). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 7. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 126)
  20. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 243, 247, 284.
  21. Vgl. Seminar 6, Version Miller, Sitzungen vom 14. Januar 1959 bis einschließlich 11. Februar 1959.
  22. Vgl. Melanie Klein: Die Psychoanalyse des Kindes (1932). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1987, S. 241-245.
  23. Vgl. Über eine Frage, die jeder möglichen Behandlung der Psychose vorausgeht, Schriften II, S. 88. Ausführlich befasst Lacan sich mit der Reduktion des Phallus auf den imaginären Phallus in Seminar 5, in den Sitzungen vom 4., 11., 18. und 25. Juni 1958, in Auseinandersetzung mit einem Aufsatz von Maurice Bouvet, Incidences thérapeutiques de la prise de conscience de l’envie de pénis dans la névrose obsessionelle.
  24. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 236.
  25. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 41.
  26. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 260.
  27. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 309.
  28. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 239 f.
  29. Vgl. S. Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben (1909). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 8. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 9-123.
    Es geht um zwei Phantasien von Hans:
    Phantasie vom 11. April: „Ich bin der Badewanne, da kommt der Schlosser und schraubt sie los. Da nimmt er einen großen Bohrer und stoßt mich in den Bauch.“ (A.a.O., S. 60)
    Phantasie vom 2. Mai: „Es ist der Installateur gekommen und hat mir mit einer Zange zuerst den Podl weggenommen und hat mir dann einen andern gegeben und dann den Wiwimacher. Er hat gesagt: Laß den Podl sehen und ich habʼ mich umdrehen müssen und er hat ihn weggenommen und dann hat er gesagt: Laß den Wiwimacher sehen.“ (A.a.O., S. 86)
    Freud äußerst sich hierzu auf den Seiten 88, 92, 108 und 111 der Studienausgabe.
  30. Lacan kommentiert die Installateurs-Phantasie in Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 272 f., 315, 354, 391-394, 412, 415, 430 f., 480 f.; Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 222.
  31. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 261 f.
  32. Vgl. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 226-228.
  33. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, die Tabelle S. 317 und die Vorformen dieser Tabelle auf den Seiten 67 und 235.
  34. Zuerst in der Sitzung vom 29. April 1959, Version Miller, S. 413.
  35. Die Opposition von imaginärem und symbolischem Phallus wird von Lacan in Seminar 4 (1956/57) entwickelt.
    Der Ausdruck „symbolischer Phallus“ erscheint erstmals in Seminar 4, dort in der Sitzung vom 30. Januar 1957 (Version Miller/Gondek, S. 179). Die Symbole φ und Φ, klein phi für den imaginären Phallus und groß Phi für den symbolischen Phallus, verwendet Lacan ab Seminar 5; das große Phi zuerst in der Sitzung vom 26. März 1958 (Version Miller/Gondek, S. 370).
    In den Écrits verwendet Lacan den Ausdruck „symbolischer Phallus“ einmal, in Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freudschen Unbewussten (vgl. Schriften II, S. 200).
    Die Symbole φ und Φ findet man in den Écrits zuerst in Remarque sur le rapport de Daniel Lagache, dort einmal (Écrits, S. 683; Vortrag von 1958, Endfassung 1960, veröffentlicht 1961), dann, häufig, in Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens (Vortrag von 1960, veröffentlicht 1966); Lacan verwendet hier einmal das Symbol φ ohne Zusatz (Schriften II, S. 200), meist aber schreibt er hier (−φ), minus phi. In den Autres écrits stößt man weder auf den Ausdruck „phallus imaginaire“ noch auf „phallus symbolique“ noch auf die Symbole φ, −φ oder Φ.
  36. S. Freud: Der Untergang des Ödipuskomplexes (1924). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 247
  37. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 258.
  38. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 259.
  39. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 202.
  40. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 77, Übersetzung geändert nach Version Staferla. In der deutschen Übersetzung findet man für „plus et moins“ „mehr und weniger“, was den Sinn verkennt, nämlich den Gegensatz von Anwesenheit und Abwesenheit.
  41. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 144, Übersetzung geändert.
  42. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 43.
  43. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 177, 179.
  44. M. Mauss: Essai sur le don (1923/24); dt. zuerst: Die Gabe. Übersetzt von Eva Moldenhauer. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968.
  45. C. Lévi-Strauss: Les structures élementaires de la parenté (1947); dt. zuerst: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft. Übers. v. Eva Moldenhauer. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981.
  46. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 178-181, 236 f.
  47. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 180.
  48. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 126, Übersetzung geändert
  49. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 126.
  50. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 126.
  51. Vgl. S. Freud: Triebe und Triebschicksale (1915). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 75-102, hier: S. 82.
  52. Freud: „Wir haben also Grund, eine Urverdrängung anzunehmen, eine erste Phase der Verdrängung, die darin besteht, daß der psychischen (Vorstellungs-)Repräsentanz des Triebes die Übernahme ins Bewußte versagt wird. Mit dieser ist eine Fixierung gegeben; die betreffende Repräsentanz bleibt von da an unveränderlich bestehen und der Trieb an sie gebunden. (…) Die zweite Stufe der Verdrängung, die eigentliche Verdrängung, betrifft psychische Abkömmlinge der verdrängten Repräsentanz oder solche Gedankenzüge, die, anderswoher stammend, in assoziative Beziehung zu ihr geraten sind. Wegen dieser Beziehung erfahren diese Vorstellungen dasselbe Schicksal wie das Urverdrängte. Die eigentliche Verdrängung ist also ein Nachdrängen.“ S. Freud: Die Verdrängung (1915). In: Ders.: Studienausgabe Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 109, Einfügung in runden Klammern von Freud.
  53. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 127.
  54. In Seminar 14 heißt es, der wesentliche Mangel wird deshalb vom Penis symbolisiert, weil er in Form der Detumeszenz den Mangel des Genießens materialisiert, das vom Lustprinzip herzurühren scheint (Sitzung vom 8. März 1967).
  55. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 233.
  56. À la mémoire d’Ernest Jones, a.a.O., S. 714.
  57. À la mémoire d’Ernest Jones, a.a.O., S. 710.
  58. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 284.
  59. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 324.
  60. Seminar 6, Version Miller, S. 564, meine Übersetzung.
  61. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 284.
  62. Vgl. Seminar 18, Sitzung vom 9. Juni 1971; Version Miller, S. 148.
  63. Vgl. Lacan, Leitsätze für einen Kongress über weibliche Sexualität. In: Schriften III, S. 228; geschrieben 1958, veröffentlicht 1962.
  64. Vgl. J. Lacan: Conférence à Genève sur le symptôme (1975). In: Pas-tout Lacan, S. 1678.
  65. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 129, Einfügung in Klammern von Lacan, Übersetzung geändert.
  66. Vgl. Seminar 6, Version Miller/Gondek, S. 54.
  67. S. Freud: Das Unbewusste (1915). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 136.
  68. Seminar 11, Version Miller/Gondek, S. 229.
  69. Freud: „Jeder Traum hat mindestens eine Stelle, an welcher er unergründlich ist, gleichsam einen Nabel, durch den er mit dem Unerkannten zusammenhängt.“ S. Freud: Die Traumdeutung (1900). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 2. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 130 Fn. 2. Und: „In den bestgedeuteten Träumen muss man oft eine Stelle im Dunkel lassen, weil man bei der Deutung merkt, dass dort ein Knäuel von Traumgedanken anhebt, der sich nicht entwirren will, aber auch zum Trauminhalt keine weiteren Beiträge geliefert hat. Dies ist dann der Nabel des Traums, die Stelle, an der er dem Unerkannten aufsitzt.“ A.a.O., S. 503.
  70. À la mémoire d’Ernest Jones. Sur sa théorie du symbolique. In: Écrits, S.  710, meine Übersetzung. Der Aufsatz wurde Januar bis März 1959 geschrieben und 1960 veröffentlicht.
  71. Vgl. Seminar 11, Version Miller/Haas, das Diagramm auf S. 222.
  72. Seminar 22, 17. Dezember 1974, Kleiner-Übersetzung, S. 13, Übersetzung geändert.
  73. Seminar 8, Version Miller/Gondek, S. 290.
  74. Seminar 9, Sitzung vom 27. Juni 1962; meine Übersetzung nach Version Staferla.
  75. Vgl. Seminar 8 von 1960/61, Die Übertragung: Der Andere ist dadurch konstituiert, dass es irgendwo einen fehlenden Signifikanten gibt, und der Phallus ist das Zeichen der Abwesenheit (12. April 1961; Version Miller/Gondek, S. 289); Φ kommt an den Platz des fehlenden Signifikanten (19. April 1961; Version Miller/Gondek S. 297); in Φ muss das Subjekt den fehlenden Signifikanten erkennen können (3. Mai 1961; Version Miller/Gondek, S. 333). In Seminar 16 von 1968/69, Von einem Anderen zum anderen, erläutert Lacan den Begriff des Phallus als fehlendem Signifikanten ausführlich in der zweien Hälfte der Sitzung vom 14. Mai 1969.
  76. Seminar 8, Version Miller/Gondek, S 323 f.
  77. Vgl. S. Freud: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose (1909).
  78. Das Konzept des Schnitts entwickelt Lacan ab Seminar 6, ab dem 20. Mai 1959.
  79. Vgl. Seminar 6, Version Miller, S. 495 f.
  80. William Shakespeare: Hamlet. Englisch/Deutsch. Übersetzt von Holger M. Klein. Reclam jun., Stuttgart 1985, S. 165.
  81. Vgl. Seminar 6, Version Miller/Gondek, S. 381.– Holger Klein führt in seinem Hamlet-Kommentar ebenfalls diese Zweitbedeutung auf: William Shakespeare. Hamlet. Bd. 2. Kommentar. Verfasst von Holger M. Klein. Reclam jun., Stuttgart 1984, S. 282.
  82. Seminar 6, Version Miller, S. 380, meine Übersetzung, die letzten beiden Sätze geändert nach Version Staferla.
  83. Lacan: Die Familie. In: Schriften III, S. 90.
  84. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 240.
  85. Jean-François Millet, Le vanneur (Der Kornschwinger), 1846/47.
  86. Seminar 5, Version Miller/Gondek, S. 410.
  87. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 128.
  88. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 128, Einfügung in eckigen Klammern von mir.
  89. Vgl. etwa Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 181-183.
  90. Vgl. Seminar 4, Version Miller/Gondek, S. 181-183.
  91. Vgl. S. Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 84-86.
  92. Seminar 1, Version Miller/Hamacher, S. 310, Übersetzung geändert.
  93. Die Bedeutung des Phallus, a.a.O., S. 128 f., Einfügungen in runden Klammern im Original, in eckigen Klammern von mir. Das Wort „Scham“ ist im Original deutsch, Übersetzung geändert.
  94. Vgl. Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten oder die Vernunft seit Freud, Schriften II, S. 40.

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