Phallus

Der imaginäre und der symbolische Phallus (1957–1959)

Mysterienvilla (zu Jacques Lacan über den Phallus)Fres­ko in der Vil­la der Mys­te­ri­en in der Nähe von Pom­pe­ji, 1. Jh. v. Chr.

Was ver­steht La­can un­ter dem Phal­lus? Ich gebe ei­nen Über­blick über den Theo­rie­stand von 1957 bis 1959, da­nach zi­tie­re und kom­men­tie­re ich La­cans Be­mer­kun­gen zum oben re­pro­du­zier­ten Bild.1

Signifikant

Der Phal­lus ist ein Si­gni­fi­kant, La­can wird nicht müde, das zu be­to­nen. Das meint, in ers­ter An­nä­he­rung: In der Psy­cho­ana­ly­se geht es meist nicht um den Pe­nis in sei­ner bio­lo­gi­schen oder phy­sio­lo­gi­schen Rea­li­tät.

Hier gibt es eine ers­te ter­mi­no­lo­gi­sche Schwie­rig­keit. Manch­mal ver­wen­det La­can den Aus­druck „Phal­lus“ auch für den Pe­nis, aber das ist lo­cke­rer Sprach­ge­brauch. Mit dem „rea­len Phal­lus“ meint er den Pe­nis als Or­gan der Trieb­be­frie­di­gung.

La­can un­ter­schei­det den ima­gi­nä­ren vom sym­bo­li­schen Phal­lus. Hier stößt man ge­gen ei­nen wei­te­ren ter­mi­no­lo­gi­schen Stol­per­stein. La­can be­zeich­net manch­mal spe­zi­ell den sym­bo­li­schen Phal­lus als Si­gni­fi­kan­ten, manch­mal aber auch den ima­gi­nä­ren Phal­lus. Bei­spiels­wei­se heißt es in Se­mi­nar 4:

Mit an­de­ren Wor­ten, in­so­fern der ima­gi­nä­re Phal­lus eine si­gni­fi­kan­te Haupt­rol­le (un rôle si­gni­fi­ant ma­jeur) spielt, stellt sich die Si­tua­ti­on wie folgt dar. Der Si­gni­fi­kant – es ist nicht so, das je­des Sub­jekt ihn dank sei­nes Ge­schlechts oder sei­ner Ver­an­la­gun­gen oder sei­ner Fröh­lich­keit bei der Ge­burt er­fin­det. Der Si­gni­fi­kant exis­tiert. Daß die Rol­le des Phal­lus als Si­gni­fi­kant un­ter­grün­det vor­han­den ist, steht au­ßer Zwei­fel (…).„2

Der ima­gi­nä­re Phal­lus spielt eine rôle si­gni­fi­ant ma­jeur, der Kon­text, zeigt, dass mit si­gni­fi­ant hier nicht „be­deut­sam“ ge­meint ist, son­dern „si­gni­fi­kan­ten­mä­ßig“; man könn­te auch über­set­zen mit: Der ima­gi­nä­re Phal­lus spielt eine grö­ße­re Si­gni­fi­kan­ten­rol­le, eine grö­ße­re Rol­le als Si­gni­fi­kant.

In Se­mi­nar 6 liest man:

Ich habe dann die bei­den mög­li­chen For­men ge­gen­über­ge­stellt, die die Be­zie­hung des Sub­jekts zum Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten an­neh­men kann, durch Ein­füh­rung ei­ner we­sent­li­chen Un­ter­schei­dung, die zwi­schen ‚der Phal­lus sein‘ und ‚den Phal­lus ha­ben‘.“3

Die Po­si­ti­on „der Phal­lus sein“ ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ima­gi­nä­ren Phal­lus als Ob­jekt des Be­geh­rens der Mut­ter. Die Be­zie­hung zum ima­gi­nä­ren Phal­lus ist eine Be­zie­hung des Sub­jekts zum Phal­lus als Si­gni­fi­kan­ten. Also wird der ima­gi­nä­re Phal­lus hier als Si­gni­fi­kant be­zeich­net.

In Sem­nar 8 liest man:

Nun gut, ver­su­chen wir da Ord­nung hin­ein­zu­brin­gen und se­hen wir, wes­halb es not­wen­dig ist, daß ich auf die­ser Am­bi­gui­tät oder die­ser Po­la­ri­tät, wenn Sie so wol­len, be­har­re. Die­se die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten Phal­lus be­tref­fen­de Po­la­ri­tät be­steht zwi­schen zwei äu­ßers­ten Glie­dern, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren.“4

In Be­zug auf den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten gibt es eine Po­la­ri­tät zwi­schen dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren, zwi­schen dem sym­bo­li­schen Phal­lus und dem ima­gi­nä­ren Phal­lus.

Im Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts spricht La­can, be­zo­gen auf den ima­gi­nä­ren Phal­lus, vom „ima­gi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten„5. Er prä­sen­tiert hier so­gar ein Sym­bol für die­sen ima­gi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten, \sqrt {-1}, die ima­gi­nä­re Zahl.6

Der Phal­lus-Si­gni­fi­kant ist nicht iden­tisch mit dem sym­bo­li­schen Phal­lus.7 Wenn La­can vom Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten spricht, steht man im­mer neu vor der Auf­ga­be, her­aus­zu­fin­den, ob der ima­gi­nä­re oder der sym­bo­li­sche Phal­lus ge­meint ist.

Realer Phallus

Mit dem rea­len Phal­lus oder, häu­fi­ger, mit dem rea­len Pe­nis meint La­can den Pe­nis als Ort des „rea­len Ge­nie­ßens“8, als Sitz von Er­re­gun­gen und als In­stru­ment der Trieb­be­frie­di­gung.9 La­can be­tont, dass die an den Pe­nis ge­bun­de­nen Er­re­gun­gen für das Kind schwer zu in­te­grie­ren sind; schon früh – zur Zeit sei­ner Dis­ser­ta­ti­on von 1932 – hat­te er dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die ers­te or­gas­mi­sche Emp­fin­dung beim Pa­ra­noi­ker ei­nen ver­hee­ren­den Cha­rak­ter ha­ben kann.10

Imaginärer Phallus

Kul­tur­ge­schicht­lich ist der Phal­lus ein Stand­bild als Sym­bol für das Le­ben und den Trieb. Auch ein Dil­do oder ein Vi­bra­tor ist ein Phal­lus. Ein Phal­lus die­ses Typs – Stand­bild, Bild, Werk­zeug, Phan­ta­sie­vor­stel­lung – ist ein ima­gi­nä­rer Phal­lus.

Im Be­reich der Psy­cho­ana­ly­se ist der ima­gi­nä­re Phal­lus der Phal­lus in der spie­gel­bild­li­chen Be­zie­hung zum an­de­ren. Das klei­ne Mäd­chen be­zieht sich auf klei­ne Jun­gen als ihr Spie­gel­bild und emp­fin­det sich in die­ser Be­zie­hung als We­sen, dem et­was fehlt – auf der Ebe­ne des Kör­per­bil­des. Der „Pe­nis­neid“ ist eine Be­zie­hung zum ima­gi­nä­ren Phal­lus.11

Der klei­ne Jun­ge ver­gleicht sei­nen Pe­nis mit dem sei­nes Va­ters und emp­fin­det das Or­gan, mit dem er selbst aus­ge­stat­tet ist, als man­gel­haft. Der Be­zug zum Pe­nis ist hier in eine Ri­va­li­täts­be­zie­hung ein­ge­bet­tet; der Phal­lus fun­giert als ima­gi­nä­rer Phal­lus.

Den Ter­mi­nus „ima­gi­nä­rer Phal­lus“ ver­wen­det La­can zu­erst 1956:

Man sagt uns, daß die For­de­rung ei­ner Mut­ter dar­in be­steht, sich ei­nen ima­gi­nä­ren Phal­lus zu ver­schaf­fen, und man er­klärt uns sehr gut, daß ihr Kind ihr als hin­rei­chend rea­ler Trä­ger für die­se ima­gi­nä­re Ver­län­ge­rung dient.“12

Ima­gi­när“ meint, dass er zur Ord­nung des Bild­haf­ten ge­hört, ge­nau­er: dass er sich auf die Spie­ge­lung des ei­ge­nen Kör­pers im Bild des Kör­pers des an­de­ren be­zieht. Statt vom „ima­gi­nä­ren Phal­lus“ spricht La­can des­halb auch vom image phal­li­que, vom „phal­li­schen Bild“, vom „Phal­lus­bild“.13 Als Ab­kür­zung für den ima­gi­nä­ren Phal­lus ver­wen­det er ab 1958 den grie­chi­schen Buch­sta­ben φ, klein phi.14

In La­cans Re­kon­struk­ti­on der präö­di­pa­len Pha­se ist der ima­gi­nä­re Phal­lus das Ob­jekt des Be­geh­rens der Mut­ter so­wie der Phal­lus, den das Kind der Mut­ter zu­schreibt, also der Phal­lus der so­ge­nann­ten „phal­li­schen Mut­ter“.

Die präö­di­pa­le Po­si­ti­on des Kin­des ist da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass das Kind be­gehrt, von der Mut­ter be­gehrt zu wer­den.15 Es ver­sucht, das Be­geh­ren der Mut­ter zu kö­dern.16 Es er­fasst vage, was das Ob­jekt ih­res Be­geh­rens sein könn­te, der Phal­lus.17 Es ver­sucht, die­ses Ob­jekt zu sein, es will „der Phal­lus sein“18, der ima­gi­nä­re Phal­lus als Ob­jekt des Be­geh­rens der Mut­ter. Im Hin­ter­grund steht hier Freuds Kon­zept des Pe­nis­neids so­wie Freuds The­se von der sym­bo­li­schen Glei­chung Kind = Phal­lus.19

In La­cans Re-In­ter­pre­ta­ti­on von Freuds Fall­stu­die über den „klei­nen Hans“ er­scheint der ima­gi­nä­re Phal­lus als ein Ob­jekt, das zu­gleich ab­we­send und an­we­send ist: wenn es da ist, ist es weg und wenn es weg ist, ist es da; es ist zu­gleich da und nicht da; es ist über­all und nir­gends.20 Der Ge­gen­satz von Ab­we­sen­heit und An­we­sen­heit ist hier nicht fi­xiert. Auf die­sel­be Wei­se be­schreibt La­can den ima­gi­nä­ren Phal­lus in sei­ner Re-In­ter­pre­ta­ti­on ei­ner Traum­ana­ly­se von Ella Shar­pe.21

Bei der be­kann­ten Funk­ti­on des Phal­lus als Bild des Pres­ti­ges, des im­po­nie­ren­den Auf­tre­tens, der Stär­ke, der Vi­ri­li­tät geht es, in La­cans Be­griff­lich­keit, um den ima­gi­nä­ren Phal­lus, eben­so beim Phal­lus als Be­zugs­punkt für Vor­stel­lun­gen der Min­der­wer­tig­keit, des Ver­sa­gens, der Ver­stüm­me­lung.

Die von Me­la­nie Klein her­aus­ge­ar­bei­te­ten Phan­ta­si­en des Kin­des über den all­mäch­ti­gen Pe­nis des Va­ters im Leib der Mut­ter be­zie­hen sich, in La­cans Per­spek­ti­ve, auf den ima­gi­nä­ren Phal­lus. Der Phal­lus er­scheint bei Me­la­nie Klein als Par­ti­al­ob­jekt, das für das Kind zum Ge­gen­stand von Hass, Neid und Zer­stö­rungs­phan­ta­si­en wird, auf das sich sein Be­geh­ren rich­tet, es oral ein­zu­ver­lei­ben, was wie­der­um die Angst vor dem in­tro­ji­zier­ten bö­sen Pe­nis zur Fol­ge hat usw.22 La­can be­tont die Be­grenzt­heit die­ser Kon­zep­ti­on: die Ver­bin­dung des Phal­lus mit dem Kas­tra­ti­ons­kom­plex wird zum Ver­schwin­den ge­bracht.23

War­um spielt der Phal­lus im Un­be­wuss­ten eine so gro­ße Rol­le? Nicht auf­grund sei­ner ima­gi­nä­ren Funk­ti­on, son­dern auf­grund sei­ner Ver­bin­dung mit der sym­bo­li­schen Ord­nung, also der Ord­nung von Recht und Ge­setz:

Eben die Be­son­der­hei­ten der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­lei­hen (…) zum Bei­spiel je­nem Ele­ment des Ima­gi­nä­ren das Phal­lus heißt, sei­ne Über­wer­tig­keit.“24

Die Prä­do­mi­nanz des Phal­lus im Un­be­wuss­ten be­ruht auf dem an­dro­zen­tri­schen und pa­tro­zen­tri­schen Cha­rak­ter der sym­bo­li­schen Ord­nung.

Kastration

Der Pe­nis wird zum Ge­gen­stand der Kas­tra­ti­ons­vor­stel­lung, beim Mäd­chen: der Vor­stel­lung, dass ihm der Pe­nis fehlt, Freuds „Pe­nis­neid“, beim Jun­gen: dass der Pe­nis, den er hat, un­zu­rei­chend ist und dass er ihm feh­len könn­te.

Als Ob­jekt der Kas­tra­tons­vor­stel­lung ist der Pe­nis ima­gi­när. Sein ima­gi­nä­rer Cha­rak­ter be­steht dar­in, dass er an die Vor­stel­lung der kör­per­li­chen Ver­stüm­me­lung ge­bun­den ist, die sich wie­der­um auf das Bild des gan­zen Kör­pers stützt.

Die Kas­tra­ti­on ist eine sym­bo­li­sche Ak­ti­on, in ei­nem dop­pel­ten Sin­ne. Sie be­steht ers­tens in der Vor­stel­lung, dass et­was ent­fernt wird und durch et­was an­de­res er­setzt wird, durch et­was bes­se­res, wo­durch es zu ei­nem Ele­ment des Ga­ben­tauschs wird. Sie ist zwei­tens in dem Sin­ne sym­bo­lisch, als sie eine Sank­ti­on dar­stellt, eine Stra­fe, durch die das Ge­setz zur Gel­tung ge­bracht wird; sie be­zieht sich auf eine „sym­bo­li­sche Schuld“25, eine Schuld ge­gen­über der sym­bo­li­schen Ord­nung mit dem In­zest­ver­bot als ih­rem Grund­ge­setz.26

Der Kas­tra­ti­ons­kom­plex hat zur Fol­ge, dass der ima­gi­nä­re Phal­lus in den sym­bo­li­schen Phal­lus ver­wan­delt wird.27 Der se­xu­el­le An­trieb wird mit den bei­den Ach­sen der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­bun­den, mit dem Tausch und mit dem Ge­setz. Dies er­mög­licht es dem Kind, die he­te­ro­se­xu­el­le Po­si­ti­on ein­zu­neh­men.

Das Mäd­chen ent­wi­ckelt die Vor­stel­lung, dass ihm et­was fehlt (der ima­gi­nä­re Phal­lus). In dem Maße, in dem es die Über­zeu­gung auf­gibt, ihn selbst zu ha­ben, kann es vom Va­ter, der über den rea­len Pe­nis ver­fügt, als Gabe ein rea­les Kind er­hal­ten, ein Kind als Ob­jekt der Be­frie­di­gung. Da­mit ist das Mäd­chen in der ty­pi­schen he­te­ro­se­xu­el­len Po­si­ti­on; es braucht nur noch ein we­nig Ge­duld, wie La­can sagt, da­mit sich an die Stel­le des Va­ters der­je­ni­ge set­zen kann, der die­sel­be Rol­le aus­füllt, die des Va­ters, und ihm tat­säch­lich ein Kind gibt.28

La­cans Pa­ra­dig­ma für die Kas­tra­ti­on beim Jun­gen ist die Phan­ta­sie des „klei­nen Hans“, dass ein In­stal­la­teur kommt, der ihm et­was ab­schraubt und ihm da­für et­was an­de­res gibt. 29 Die Vor­stel­lung, dass der Pe­nis ab­ge­nom­men wird und dass der Va­ter in der Lage ist, ei­nen an­de­ren da­für zu ge­ben, ist die Be­din­gung da­für, dass er in die ge­sell­schaft­li­che Zir­ku­la­ti­on ein­ge­hen kann, in den Ga­ben­tausch Kind ge­gen Phal­lus.30

Der Agent der Kas­tra­ti­on ist der „rea­le Va­ter“. Da­mit ist in Se­mi­nar 4 ge­meint: die Kas­tra­ti­on lässt sich nicht auf eine Phan­ta­sie­vor­stel­lung re­du­zie­ren. Sie be­ruht auf der In­ter­ven­ti­on ei­nes be­stimm­ten In­di­vi­du­ums; die­se In­ter­ven­ti­on kann statt­fin­den oder nicht statt­fin­den.31 In Se­mi­nar 5 ent­wi­ckelt La­can das Kon­zept des „rea­len Va­ters“ wei­ter: da­mit der Ödi­pus­kom­plex un­ter­ge­hen kann, muss der Va­ter als po­ten­ter Va­ter in die Be­zie­hung zwi­schen Mut­ter und Kind ein­grei­fen, als der­je­ni­ge, der den rea­len Phal­lus hat und der po­tent ist, der die Mut­ter se­xu­ell be­frie­di­gen kann.32

Die Kas­tra­ti­on ist also ins­ge­samt eine sym­bo­li­sche Ak­ti­on, eine Stra­fe zur Durch­set­zung ei­nes Ge­set­zes, in be­zug auf ein ima­gi­nä­res Ob­jekt, den ima­gi­nä­ren Phal­lus; ihr Agent ist der rea­le Va­ter. In Se­mi­nar 4 stellt La­can dies in ei­ner Ta­bel­le so dar33 :

AGENTMANGELOBJEKT
Rea­ler Va­terSym­bo­li­sche Kas­tra­ti­onIma­gi­nä­rer Phal­lus
Sym­bo­li­sche Mut­terIma­gi­nä­re Frus­tra­ti­onRea­le Brust
Ima­gi­nä­rer Va­terRea­le Pri­va­ti­onSym­bo­li­scher Phal­lus

Die ers­te Zei­le ist so zu le­sen:
Man­gel: Sym­bo­li­sche Kas­tra­ti­on.– Die Kas­tra­ti­on ist der Vor­gang, durch den ein Man­gel im Re­gis­ter des Sym­bo­li­schen her­ge­stellt wird: eine Schuld. Dies be­ruht dar­auf, dass sie eine dro­hen­de Stra­fe für die Über­tre­tung des Ge­set­zes ist.
Ob­jekt: Ima­gi­nä­rer Phal­lus.– Als Er­geb­nis die­ser phan­ta­sier­ten Ak­ti­on fehlt ein Ob­jekt, der Pe­nis. Das Feh­len wird als Ver­stüm­me­lung auf­ge­fasst, d.h. es wird auf das Bild der kör­per­li­chen Voll­kom­men­heit be­zo­gen. Also fun­giert der Pe­nis hier als ima­gi­nä­rer Phal­lus.
Agent: Rea­ler Va­ter.– Der­je­ni­ge, der die Kas­tra­ti­on her­bei­führt, ist der rea­le Va­ter, das heißt in Sem­nar 4: der Va­ter als ein kon­kre­tes In­di­vi­du­um, das in der Lage ist, die Mut­ter se­xu­ell zu be­frie­di­gen und ihr ein Kind zu ma­chen.

Eine aus­führ­li­che­re Er­läu­te­rung der Ta­bel­le fin­det man in die­sem Blog­bei­trag.

Ab Se­mi­nar 6 von 1959/60, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, ver­wen­det La­can als Kür­zel für die Kas­tra­ti­on das Zei­chen (−φ), mi­nus klein phi.34 Das klei­ne phi re­prä­sen­tiert den ima­gi­nä­ren Phal­lus, das Mi­nus­zei­chen steht für die sym­bo­li­sche Ak­ti­on, die sich auf die­ses ima­gi­nä­re Ob­jekt rich­tet.

Symbolischer Phallus

Den Ter­mi­nus „sym­bo­li­scher Phal­lus“ ge­braucht La­can ab 1957; als Sym­bol für den sym­bo­li­schen Phal­lus ver­wen­det er ab 1958 den grie­chi­schen Buch­sta­ben Φ, groß Phi.35

Privation

Freud zu­fol­ge ge­nügt die Kas­tra­ti­ons­dro­hung nicht, um beim Jun­gen den Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes her­bei­zu­füh­ren. Ein zwei­ter Fak­tor muss hin­zu­kom­men:

Ir­gend ein­mal be­kommt das auf sei­nen Pe­nis­be­sitz stol­ze Kind die Ge­ni­tal­re­gi­on ei­nes klei­nen Mäd­chens zu Ge­sicht und muß sich von dem Man­gel ei­nes Pe­nis bei ei­nem ihm so ähn­li­chen We­sen über­zeu­gen. Da­mit ist auch der ei­ge­ne Pe­nis­ver­lust vor­stell­bar ge­wor­den, die Kas­tra­ti­ons­dro­hung ge­langt nach­träg­lich zur Wir­kung.“36

La­can be­zeich­net den Über­gang von der Vor­stel­lung „Alle Frau­en ha­ben ei­nen Pe­nis“ zur Vor­stel­lung „Mäd­chen und Frau­en ha­ben kei­nen Pe­nis“ als „Pri­va­ti­on“ (wört­lich „Be­rau­bung“).

Die Pri­va­ti­on ist (…) die Tat­sa­che, dass die Frau kei­nen Pe­nis hat, dass sie des­sen be­raubt (pri­vée) ist.“37

Das Kon­zept der Pe­nis­lo­sig­keit der Frau be­ruht dar­auf, dass das Rea­le des Kör­pers mit­hil­fe ei­ner ein­fa­chen sym­bo­li­schen Struk­tur auf­ge­fasst wird: als Sys­tem von Plät­zen, an de­nen et­was an­we­send oder ab­we­send sein kann. Der Pe­nis ist hier ein sym­bo­li­sches Ob­jekt, et­was, was auf die Al­ter­na­ti­ve von Ab­we­sen­heit und An­we­sen­heit re­du­ziert wird.38 In La­cans Ter­mi­no­lo­gie er­scheint die Mut­ter dem Kind, nach­dem es ak­zep­tiert hat, dass sie kei­nen Pe­nis hat, nicht als „kas­triert“, son­dern als „pri­viert“, wenn man so sa­gen kann. Der Phal­lus ist da­mit nicht mehr et­was, was an­we­send ist, wenn er ab­we­send ist und ab­we­send, wenn er an­we­send ist; viel­mehr wer­den Ab­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit durch die Pri­va­ti­on fi­xiert: beim Mann ist er an­we­send, bei der Frau ist er ab­we­send. Das Feh­len des Pe­nis bei der Frau kann vom Kind als Er­geb­nis ei­ner Kas­tra­ti­on auf­ge­fasst wer­den, aber das ist et­was an­de­res.

Die Pri­va­ti­on der Mut­ter er­öff­net dem Kind den Zu­gang zu sei­ner ei­ge­nen Pri­va­ti­on:

im Mo­ment des nor­ma­ti­vie­ren­den Aus­gangs des Ödi­pus er­kennt das Kind, nicht zu ha­ben – nicht wirk­lich das zu ha­ben, was es hat, das ist der Fall beim Kna­ben –, was es nicht hat, der Fall beim Mäd­chen.“39

Der Ödi­pus­kom­plex en­det nicht da­mit, dass der Jun­ge der­je­ni­ge ist, der ihn hat und das Mäd­chen das­je­ni­ge, das ihn nicht hat. Beim Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes sind bei­de Ge­schlech­ter auf der Sei­te der­je­ni­gen, die ihn nicht ha­ben, die um den Phal­lus „pri­viert“ sind.

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Rea­ler Va­terSym­bo­li­sche Kas­tra­ti­onIma­gi­nä­rer Phal­lus
Sym­bo­li­sche Mut­terIma­gi­nä­re Frus­tra­ti­onRea­le Brust
Ima­gi­nä­rer Va­terRea­le Pri­va­ti­onSym­bo­li­scher Phal­lus

Die drit­te Zei­le ist so zu le­sen:
Man­gel: Rea­le Pri­va­ti­on.– Die Pri­va­ti­on ist eine Ak­ti­on, durch die ein Man­gel in Be­zie­hung auf den Kör­per her­bei­ge­führt wird und in die­sem Sin­ne in der Di­men­si­on des Rea­len.
Ob­jekt: Sym­bo­li­scher Phal­lus.– Das Ob­jekt, das als Er­geb­nis die­ser Ak­ti­on fehlt, ist der Phal­lus. Er wird hier­bei zu et­was, was an­we­send und ab­we­send sein kann, zum sym­bo­li­schen Phal­lus. Im Fal­le von Mäd­chen und Frau­en gilt er als ab­we­send.
Agent: Ima­gi­nä­rer Va­ter.– Die Pri­va­ti­on kommt da­durch zu­stan­de, dass der Va­ter in die Be­zie­hung zwi­schen Mut­ter und Kind auf eine Wei­se ein­greift, durch die er dem Kind als idea­li­sier­ter all­mäch­ti­ger Va­ter er­scheint.

Durch die Pri­va­ti­on wird der sym­bo­li­sche Phal­lus kon­sti­tu­iert. Der Pe­nis fun­giert (in Se­mi­nar 4) dann als sym­bo­li­scher Phal­lus, wenn er sich auf den Ge­gen­satz von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit re­du­ziert, von Mi­nus und Plus.

Be­reits in der Op­po­si­ti­on Plus und Mi­nus, An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit, gibt es vir­tu­ell den Ur­sprung, die Ge­burt der Mög­lich­keit, die Grund­be­din­gung ei­ner sym­bo­li­schen Ord­nung.“40

Über das Mäd­chen heißt es, dass es fin­den muss, was es nicht hat.

Was es nicht hat, was heißt das? Wir sind hier be­reits auf der Stu­fe, auf der ein ima­gi­nä­res Ele­ment in eine sym­bo­li­sche Dia­lek­tik ein­tritt. Nun ist in ei­ner sym­bo­li­schen Dia­lek­tik das, was man nicht hat, ganz eben­so exis­tent wie al­les üb­ri­ge. Es ist nur ein­fach mit ei­nem Mi­nus­zei­chen ver­se­hen. Sie tritt also mit die­sem Mi­nus ein wie der Jun­ge mit dem Plus. Bleibt üb­rig, dass es et­was ge­ben muss, da­mit man ein Plus oder Mi­nus, An­we­sen­heit oder Ab­we­sen­heit vor­set­zen kann. Wor­um es geht, und was da­bei im Spiel ist, ist der Phal­lus.“41

Der sym­bo­li­sche Phal­lus ent­steht aus dem ima­gi­nä­ren Phal­lus. Die Pe­nis­vor­stel­lung wird zu et­was, was ent­we­der mit ei­nem Mi­nus­zei­chen oder mit ei­nem Plus­zei­chen ver­se­hen ist, und da­mit wird sie zum sym­bo­li­schen Phal­lus – das ist zu­min­dest die Kon­zep­ti­on in Se­mi­nar 4.

Der symbolische Tausch

Da­mit der sym­bo­li­sche Phal­lus als Grund­la­ge der se­xu­el­len Be­zie­hung fun­gie­ren kann, muss er mit der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­knüpft wer­den, mit der Struk­tur des Tauschs.

Im Rah­men ei­ner sym­bo­li­schen Ord­nung hat die Op­po­si­ti­on von Ab­we­sen­heit und An­we­sen­heit eine ei­ge­ne sym­bo­li­sche Wirk­sam­keit. La­can il­lus­triert das in Se­mi­nar 4 durch das Feh­len ei­nes Buchs in ei­ner Bi­blio­thek.42 Man sagt, dass man ein be­stimm­tes Buch aus­lei­hen will (auf La­ca­ne­sisch: man er­hebt ei­nen An­spruch), und die Bi­blio­the­ka­rin er­wi­dert, dass das Buch an sei­nem Platz fehlt. Das ab­we­sen­de Buch ist in ge­wis­sem Sin­ne an­we­send. Das Wis­sen über das Feh­len ei­nes Bu­ches an sei­nem Platz und die Aus­kunft dar­über ge­hö­ren zum Funk­tio­nie­ren der Bi­blio­thek als ei­ner sym­bo­li­schen Ord­nung, zum Spiel der An­schaf­fun­gen, Ka­ta­lo­gi­sie­run­gen, Aus­lei­hen, Rück­ga­ben und Ver­lust­mel­dun­gen.

La­cans zwei­tes Bei­spiel für die sym­bo­lisch funk­tio­nie­ren­de Ab­we­sen­heit ist der Ga­ben­tausch.43 Wenn eine Gabe an ei­nen an­de­ren ge­ge­ben wird, ver­schwin­det sie an der Stel­le, an der sie zu­vor an­we­send war. Für den Ge­ber ist sie je­doch nicht ein­fach per­du, ihre frü­he­re An­we­sen­heit hin­ter­lässt eine Spur, wie Der­ri­da sa­gen wür­de; auch ohne Buch­hal­tung wird ihr Feh­len ver­bucht. Die Spur der Ab­we­sen­heit ist sym­bo­lisch wirk­sam, sie ver­pflich­tet den Emp­fän­ger der Gabe, eine Ge­gen­ga­be zu lie­fern.

Der Ga­ben­tausch ist die Grund­la­ge der sym­bo­li­schen Ord­nung; La­can folgt hier Mar­cel Mauss44 und Clau­de Lévi-Strauss45, und er ver­bin­det das mit Freuds Kon­zept der sym­bo­li­schen Glei­chung: Phal­lus = Kind = Ge­schenk. Der Ga­ben­tausch, der die sym­bo­li­sche Ord­nung fun­diert, ist für La­can der Tausch von Kind ge­gen Phal­lus. Der Phal­lus wird hier­bei zum In­stru­ment der sym­bo­li­schen Ord­nung der Tausch­vor­gän­ge.46

Wor­in be­steht die sym­bo­li­sche Wirk­sam­keit des Phal­lus, so­fern er ab­we­send ist? Das Mäd­chen ver­fügt über den sym­bo­li­schen Phal­lus im dar­ge­stell­ten Sinn dann, wenn für es das Nicht­ha­ben des Phal­lus das An­recht dar­auf be­grün­det, ihn zu er­hal­ten, in Ge­stalt des Pe­nis ei­nes Man­nes und in Ge­stalt ei­nes Kin­des.47 Der Jun­ge ver­fügt dann über den sym­bo­li­schen Phal­lus, wenn für ihn sein „Ha­ben“ des Phal­lus be­deu­tet, dass er ihn ihr zu „ge­ben“ hat. Dies setzt vor­aus, dass er in der La­tenz­pha­se den Pe­nis als Sitz von Er­re­gun­gen still­ge­legt hat, ihn in ein rei­nes Sym­bol ver­wan­delt hat und da­mit in et­was, das er auch nicht ha­ben kann.

Der sym­bo­li­sche Phal­lus, Φ, der auf den Ge­gen­satz von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit re­du­zier­te Pe­nis, muss mit der Ord­nung des Tauschs ver­knüpft wer­den. Wie ge­schieht das? La­can äu­ßert sich hier­zu nicht aus­drück­lich. Ich neh­me an, dass er meint: durch die Kas­tra­ti­on. Die Kas­tra­ti­on sorgt da­für, dass der (ima­gi­nä­re) Phal­lus mit dem Ge­setz und mit der Schuld ver­bun­den wird, das sagt La­can aus­drück­lich. Es ist die­se Ver­bin­dung mit der Schuld (so neh­me ich an),  wo­durch der sym­bo­li­sche Phal­lus auf den Tausch be­zo­gen wird.

Der Signifikant des Signifikats: der Urverdrängung und des Begehrens

Der Phal­lus ist ein Si­gni­fi­kant. Das Si­gni­fi­kat glei­tet un­ter dem Si­gni­fi­kan­ten, sagt La­can, an­ders for­mu­liert: ein Si­gni­fi­kant hat kei­ne fes­te Be­deu­tung. Von die­ser Re­gel gibt es Aus­nah­men (in der klas­si­schen Psy­cho­ana­ly­se wer­den sie als „Sym­bo­le“ be­zeich­net), und die wich­tigs­te Aus­nah­me ist der Phal­lus. Im Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus heißt es: Der Phal­lus

ist der Si­gni­fi­kant, der be­stimmt ist, die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen in ih­rer Ge­samt­heit zu be­zeich­nen, in­so­fern der Si­gni­fi­kant die­se kon­di­tio­niert durch sei­ne Ge­gen­wart als Si­gni­fi­kant.“48

Hin­ter­grund

Die For­mu­lie­rung wird ver­ständ­lich, wenn man sie Schritt für Schritt zu­sam­men­setzt.

Der Phal­lus ist ein Si­gni­fi­kant, und zwar ein Si­gni­fi­kant, der eine be­stimm­te Be­deu­tung hat: ein Sym­bol im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se.

Der Si­gni­fi­kant kon­di­tio­niert die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen. Hier ist mit „Si­gni­fi­kant“ et­was an­de­res ge­meint, näm­lich die Spra­che. Durch die Ein­prä­gung der Spra­che in die Be­dürf­nis­se wird das Si­gni­fi­kat (si­gni­fié) er­zeugt, das Si­gni­fi­zier­te. Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht La­can zwei­er­lei: zum ei­nen die durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten um­ge­wan­del­te Stre­bung (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel), zum an­de­ren den un­be­wuss­ten Sinn ei­nes Sym­ptom, der aus ver­dräng­ten Si­gni­fi­kan­ten be­steht.

Der Si­gni­fi­kant (die Spra­che) kon­di­tio­niert die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen durch sei­ne Ge­gen­wart als Si­gni­fi­kant. Mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist, viel­leicht dies: Die Ein­prä­gung der Spra­che in den le­ben­di­gen Men­schen ist dau­er­haft und ruft be­stän­dig Wir­kun­gen her­vor. Die Um­lei­tung der Be­dürf­nis­se durch die Spra­che kommt fort­wäh­rend da­durch zu­stan­de, dass der Mensch sei­ne Be­dürf­nis­se in „An­sprü­chen“ vor­bringt, an­ders ge­sagt, dass er sie in For­de­run­gen ar­ti­ku­liert.– Ge­gen die­se Deu­tung spricht der star­ke Be­griff „Ge­gen­wart“, „Prä­senz“, den La­can si­cher­lich nicht ohne phi­lo­so­phi­sche Hin­ter­ge­dan­ken ver­wen­det. In Se­mi­nar 8 wird er sa­gen, der sym­bo­li­sche Phal­lus sei die „rea­le Prä­senz“.

Die Um­lei­tung der Be­dürf­nis­se durch die Spra­che ist ver­bun­den mit der Ur­ver­drän­gung.

Was also in den Be­dürf­nis­sen sich ent­frem­det fin­det, bil­det eine Ur­ver­drän­gung*, weil es, per Hy­po­the­se, sich nicht im An­spruch zu ar­ti­ku­lie­ren ver­mag: was aber den­noch er­scheint in ei­nem Ab­kömm­ling, der das dar­stellt, was sich beim Men­schen als Be­geh­ren* zeigt“49.

Der Ge­samt­ef­fekt der Ein­wir­kung der Spra­che auf den Men­schen ist die „Um­lei­tung der Be­dürf­nis­se des Men­schen“50. Mit der Rede vom „Be­dürf­nis“ ori­en­tiert La­can sich ver­mut­lich an Freud, der sagt, dass man in Be­zug auf den Trieb, da er eine kon­stan­te Kraft ist, nicht von „Reiz“ spre­chen soll­te, son­dern von „Be­dürf­nis“.51 Die Um­lei­tung der Be­dürf­nis­se, von der La­can hier spricht, ist die Ur­ver­drän­gung.52 Ur­ver­drängt ist das, was nicht in ei­nem An­spruch ar­ti­ku­liert wer­den kann. Die Ur­ver­drän­gung ist „rei­ner Ver­lust“53, ein Ver­lust, der nicht rück­gän­gig ge­macht wer­den kann. Das Sym­bol ma­ni­fes­tiert sich als „Mord am Ding“, hieß es im so­ge­nann­ten Rom-Vor­trag.

Statt vom ur­ver­dräng­ten „Be­dürf­nis“ wird La­can spä­ter vom „Man­gel im Ge­nie­ßen“ spre­chen.54 (Mit der Aus­ar­bei­tung der Un­ter­schei­dung von Be­geh­ren und Ge­nie­ßen be­ginnt La­can 1960, zwei Jah­re nach dem Phal­lus-Auf­satz, im Se­mi­nar über die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se.)

Die Ur­ver­drän­gung kann, Freud zu­fol­ge, nicht auf­ge­ho­ben wer­den, das Ur­ver­dräng­te kann nicht er­in­nert wer­den. Da­mit ge­hört die Ur­ver­drän­gung zur Ord­nung des Rea­len, denn das Rea­le ist das, was sich der Sym­bo­li­sie­rung hart­nä­ckig wi­der­setzt (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).

Die Ur­ver­drän­gung zeigt sich im Be­geh­ren; das Be­geh­ren ist ein Ab­kömm­ling der Ur­ver­drän­gung. Die Ur­ver­drän­gung ist ein Ef­fekt der Ein­wir­kung der Si­gni­fi­kan­ten auf die Be­dürf­nis­se, das Ur­ver­dräng­te ist ein un­be­frie­dig­ba­res Be­dürf­nis. Das Ur­ver­dräng­te ist nicht voll­stän­dig tot, es ist teil­wei­se höchst le­ben­dig, in­so­fern näm­lich, als es sich in ei­nem Ab­kömm­ling ma­ni­fes­tiert, im Be­geh­ren. Als Be­geh­ren ist es auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne fass­bar, auf der Ebe­ne der An­sprü­che. Das Be­geh­ren ist das, was da­für sorgt, dass be­stimm­te An­sprü­che nicht be­frie­digt wer­den; das Be­geh­ren nutzt ge­wis­ser­ma­ßen den An­spruch, um ei­nen Man­gel zu ar­ti­ku­lie­ren.

Das Be­geh­ren be­steht in dem Be­geh­ren, be­gehrt zu wer­den. In Se­mi­nar 5 sagt La­can:

Sie ha­ben also in ei­ner ers­ten Zeit, habe ich Ih­nen ge­sagt, die Be­zie­hung des Kin­des nicht, wie man so sagt, zur Mut­ter, son­dern zum Be­geh­ren der Mut­ter. Es ist ein Be­geh­ren nach ei­nem Be­geh­ren.“55

Das Be­geh­ren (das letzt­lich auf die Ur­ver­drän­gung zu­rück­geht) be­steht dar­in, dass An­sprü­che auf Nicht-Er­fül­lung aus­sind; die­se Dy­na­mik ist in die Be­zie­hung zum Be­geh­ren auf der Sei­te des An­de­ren ver­wi­ckelt.

Der Phal­lus als Sym­bol

Der Phal­lus sym­bo­li­siert den Ver­lust, den Seins­man­gel. In dem we­ni­ge Mo­na­te nach dem Phal­lus-Vor­trag ver­fass­ten Auf­satz über Er­nest Jo­nes heißt es:

der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant eben des Ver­lusts, den das Sub­jekt durch die Si­gni­fi­kan­ten­zer­stü­cke­lung er­lei­det“56, „der Si­gni­fi­kant des Seins­man­gels“57.

Die­ser Ver­lust ist die Ur­ver­drän­gung; der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des Ur­ver­dräng­ten, er sym­bo­li­siert das „Be­dürf­nis“, das auf im­mer un­be­frie­dig­bar ist.

Der Phal­lus sym­bo­li­siert das Be­geh­ren des Be­geh­rens. In Se­mi­nar 5 heißt es:

Das, was wich­tig ist für das Sub­jekt, was es be­gehrt, das Be­geh­ren als be­gehr­tes, das Be­gehr­te des Sub­jekts, wenn der Neu­ro­ti­ker oder der Per­ver­se es zu sym­bo­li­sie­ren hat, so ge­schieht das am Ende buch­stäb­lich mit Hil­fe des Phal­lus.“58

Das Be­geh­ren, be­gehrt zu wer­den, ist Be­geh­ren nach An­er­ken­nung des Be­geh­rens; der Phal­lus ist der­je­ni­ge Si­gni­fi­kant, der die An­er­ken­nung des Be­geh­rens er­mög­licht. In Se­mi­nar 5 heißt es:

Die kon­sti­tu­ie­ren­de Funk­ti­on des Phal­lus in der Dia­lek­tik der Ein­füh­rung des Sub­jekts in sei­ne schlich­te und ein­fa­che Exis­tenz und in sei­ne se­xu­el­le Po­si­ti­on läßt sich un­mög­lich her­lei­ten, wenn wir dar­aus nicht den fun­da­men­ta­len Si­gni­fi­kan­ten ma­chen, wo­durch das Be­geh­ren des Sub­jekts sich als sol­ches die An­er­ken­nung zu ver­schaf­fen hat, ob es sich um den Mann oder ob es sich um die Frau han­delt.“59

 Und in Se­mi­nar 6:

Der Phal­lus ist nichts an­de­res als der Si­gni­fi­kant des Be­geh­rens des Be­geh­rens. Das Be­geh­ren hat kein an­de­res Ob­jekt als den Si­gni­fi­kan­ten sei­ner An­er­ken­nung.“60

Also sym­bo­li­siert der Phal­lus die Be­deu­tung. In Se­mi­nar 5 sagt La­can,

daß wir häu­fig an­neh­men müs­sen, daß der Phal­lus im Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem von dem Mo­ment an ins Spiel kommt, da das Sub­jekt im Ge­gen­satz zum Si­gni­fi­kan­ten das Si­gni­fi­kat als sol­ches, ich mei­ne die Be­deu­tung, zu sym­bo­li­sie­ren hat. (…) Der Si­gni­fi­kant des Si­gni­fi­kats im all­ge­mei­nen ist der Phal­lus.“61

Der Phal­lus sym­bo­li­siert die Be­deu­tung. Statt von der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) spricht La­can hier auch vom Si­gni­fi­kat (si­gni­fié). Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht er manch­mal ver­dräng­te Si­gni­fi­kan­ten, manch­mal die Um­len­kung ei­ner Stre­bung durch die Si­gni­fi­kan­ten (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Hier ist das zwei­te ge­meint: Der Phal­lus sym­bo­li­siert die Um­len­kung der Stre­bun­gen, also die Ur­ver­drän­gung der Be­dürf­nis­se.

(In spä­te­ren Se­mi­na­ren wird La­can die­se bei­den As­pek­te des Si­gni­fi­kats mit Fre­ge als Sinn (ver­dräng­te Si­gni­fi­kan­ten) und Be­deu­tung (un­er­reich­ba­res Ge­nie­ßen) un­ter­schei­den.62)

Der Phal­lus ist die Be­deu­tung im Sin­ne der letz­ten Be­deu­tung. Als Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung be­kommt der Phal­lus die Funk­ti­on, beim Auf­tre­ten ir­gend­ei­nes Wunsch­ob­jekts des­sen Äqui­va­lenz zu er­zeu­gen.63

Der Phal­lus sym­bo­li­siert die Ur­ver­drän­gung; an die­ser The­se von 1958 hält La­can bis zum Schluss fest. 1975 sagt er in ei­nem Vor­trag: die Be­deu­tung des Phal­lus ist die Be­zie­hung zum Rea­len64, an­ders ge­sagt: die Be­zie­hung zum Ur­ver­dräng­ten als dem, was sich nicht sym­bo­li­sie­ren lässt.

Der Phal­lus als Quel­le der Ver­drän­gung

Die Fra­ge ist, wie die Ur­ver­drän­gung, die­ser Seins­man­gel, mit der Ver­drän­gung im en­ge­ren Sin­ne des Wor­tes ver­bun­den ist und also mit dem Un­be­wuss­ten als ei­nem Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rat. In Die Be­deu­tung des Phal­lus wird die Fra­ge so be­ant­wor­tet:

[W]as von die­sem Sein im Ur­ver­dräng­ten* le­ben­dig ist, fin­det sei­nen Si­gni­fi­kan­ten, in­dem es vom Phal­lus das Kenn­zei­chen der Ver­drän­gung* er­hält (wo­durch das Un­be­wuss­te Spra­che ist).“65

In Die Be­deu­tung des Phal­lus ver­wen­det La­can den Aus­druck „Ur­ver­drän­gung“ in ei­nem lo­cke­ren Sinn. Ei­gent­lich gilt: Nur Si­gni­fi­kan­ten kön­nen ver­drängt wer­den, nur „Vor­stel­lun­gen“, wie Freud sagt; dar­in ist La­can sich mit Freud ei­nig66; in Freuds Ter­mi­no­lo­gie: nicht der Trieb kann ver­drängt wer­den, nur die Vor­stel­lung, die ihn re­prä­sen­tiert.67 Die Ur­ver­drän­gung, von der La­can im Phal­lus-Auf­satz spricht, liegt auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne, auf der der Be­dürf­nis­se – ur­ver­drängt sind Be­dürf­nis­se.

Das so ver­stan­de­ne Ur­ver­dräng­te, so­weit es le­ben­dig ist und sich im Be­geh­ren ma­ni­fes­tiert (in der Ver­wir­rung der An­sprü­che, könn­te man sa­gen), fin­det ei­nen Si­gni­fi­kan­ten. Die­ser Si­gni­fi­kant ist der Phal­lus. Durch die Ver­bin­dung zwi­schen der Ur­ver­drän­gung und dem Phal­lus er­hält das Ur­ver­dräng­te das Kenn­zei­chen der Ver­drän­gung.

Ich neh­me an, dass da­mit ge­meint ist: Der Phal­lus ist nicht ein­fach ver­drängt, son­dern ur­ver­drängt, jetzt im en­ge­ren Sin­ne des Wor­tes, und das heißt ers­tens: die­ser Si­gni­fi­kant kann durch das Ver­fah­ren der frei­en As­so­zia­ti­on nicht ins Be­wusst­sein ge­ru­fen wer­den. Und zwei­tens: als ur­ver­dräng­ter Si­gni­fi­kant bil­det er den An­zie­hungs­punkt der Ver­drän­gung und er­zeugt so das Un­be­wuss­te – die Be­deu­tung, den Sinn der Sym­pto­me.

Der binäre Signifikant als Kern der Urverdrängung

Im Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus ar­bei­tet La­can nicht mit der Un­ter­schei­dung von ima­gi­nä­rem und sym­bo­li­schem Phal­lus. Wel­cher Phal­lus also ist der Si­gni­fi­kant des Si­gni­fi­kats, der Phal­lus als Sym­bol der Ur­ver­drän­gung und da­mit des Be­geh­rens: der ima­gi­nä­re, der sym­bo­li­sche oder der rea­le Phal­lus?

Eine Ant­wort gibt La­can in Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se.

Man kann also sa­gen, daß es auf Le­ben und Tod geht zwi­schen dem si­gni­fi­ant un­aire / dem unä­ren Si­gni­fi­kan­ten und dem Sub­jekt als si­gni­fi­ant bin­aire / bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten, der Ur­sa­che für sein Schwin­den. Die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz ist der bi­nä­re Si­gni­fi­kant.

Die­ser Si­gni­fi­kant bil­det dann den zen­tra­len Punkt der Ur­ver­drän­gung* – mit­hin des­sen, was, nach­dem es ins Un­be­wuß­te über­ge­gan­gen, jetzt, der Theo­rie Freud zu­fol­ge, je­nen An­zie­hungs*punkt aus­macht, durch den alle wei­te­ren Ver­drän­gun­gen er­mög­licht wer­den, alle wei­te­ren ähn­li­chen Über­gän­ge an den Ort der Un­ter­drü­ckung*, den Ort des­sen, was als Si­gni­fi­kant un­ter den Tisch fällt. Dar­um geht es bei dem Ter­mi­nus Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz*.“68

Den zen­tra­len Punkt der Ur­ver­drän­gung bil­det der bi­nä­re Si­gni­fi­kant; er ist der An­zie­hungs­punkt für die wei­te­re Ver­drän­gung, also für die­je­ni­ge Ver­drän­gung, die Freud als „Nach­drän­gen“ oder „se­kun­dä­re Ver­drän­gung“ be­zeich­net.

In Se­mi­nar 4 wird der sym­bo­li­sche Phal­lus als bi­nä­rer Si­gni­fi­kant de­fi­niert: der sym­bo­li­sche Phal­lus ist der Pe­nis, so­fern er re­du­ziert ist auf den Ge­gen­satz von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit, so­fern er also bi­när funk­tio­niert. In Die Be­deu­tung des Phal­lus heißt es: Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung ist der Phal­lus. In Se­mi­nar 11 er­fah­ren wir: Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung ist der bi­nä­re Si­gni­fi­kant. Also drängt sich die Schluss­fol­ge­rung auf: Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung ist der Phal­lus als bi­nä­rer Si­gni­fi­kant, der sym­bo­li­sche Phal­lus, der Phal­lus, der auf den Ge­gen­satz von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit re­du­ziert ist und als Gabe im sym­bo­li­schen Tausch zir­ku­liert.

Der Nabel des Traums und der Nicht-Sinn

Der sym­bo­li­sche Phal­lus sym­bo­li­siert das Ur­ver­dräng­te. Das Ur­ver­dräng­te ma­ni­fes­tiert sich kli­nisch in dem, was Freud den „Na­bel des Traums“ nennt69, in ei­nem un­ent­wirr­ba­ren Knäu­el von Traum­ge­dan­ken.

Im Auf­satz über Er­nest Jo­nes schreibt La­can:

Von da­her wer­den wir über die­se ma­gne­ti­sier­ten Punk­te der Si­gni­fi­ka­ti­on, die sei­ne [Jo­nesʼ] Be­mer­kung na­he­legt, sa­gen, sie sind die Punk­te der Verna­be­lung des Sub­jekts in den Schnit­ten des Si­gni­fi­kan­ten, wo­bei der grund­le­gends­te die Ur­ver­drän­gung ist, auf der Freud im­mer be­stan­den hat, näm­lich die vom Dis­kurs pro­vo­zier­te Re­du­pli­ka­ti­on des Sub­jekts, wenn sie mas­kiert bleibt durch das Wu­chern des­sen, was es als Sei­en­des evo­ziert.“70

Der Na­bel des Traums be­zieht sich auf die Schnit­te des Si­gni­fi­kan­ten; grund­le­gend hier­für ist die Ur­ver­drän­gung.

Den nicht deut­ba­ren Rest, der auf das Ur­ver­dräng­te ver­weist, be­zeich­net La­can als Nicht-Sinn. Der Nicht-Sinn steht im Ge­gen­satz zu dem­je­ni­gen Be­reich des Un­be­wuss­ten, der sich deu­ten lässt, zum Sinn.71 Die Re­du­pli­ka­ti­on des Sub­jekts, von der La­can im Jo­nes-Auf­satz schreibt, ist ver­mut­lich die Spal­tung zwi­schen dem Sinn und dem Nicht-Sinn.

An der Zu­ord­nung zwi­schen dem Ur­ver­dräng­ten und dem Nicht-Sinn hält La­can fest. In Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, sagt er:

Im Sym­bo­li­schen ist in der Tat et­was ur­ver­drängt*, et­was, dem wir nie Sinn ge­ben, ob­gleich wir fä­hig sind zu sa­gen, alle Men­schen sind sterb­lich. (…) Was das/den An­de­re be­trifft, lie­fert uns Freud dies – es gibt das An­de­re nur, wenn man es sagt, aber es ist un­mög­lich, es voll­stän­dig zu sa­gen. Es gibt ein Ur­ver­dräng­tes*, ein ir­re­du­zi­bel Un­be­wuß­tes; das Sa­gen de­fi­niert sich nicht nur als un­mög­lich, son­dern führt die Ka­te­go­rie des Un­mög­li­chen als sol­che ein.“72

In Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung, heißt es:

“Wenn man so­gar, und selbst da, wo man nicht Ana­ly­ti­ker ist, von zwei­fa­cher Sym­bo­li­sie­rung spre­chen kann, so ist das in die­sem Sinn, daß die Na­tur des Sym­bols sol­cher Art ist, daß zwei Re­gis­ter not­wen­dig dar­aus ent­sprin­gen: das­je­ni­ge, das an die sym­bo­li­sche Ket­te ge­bun­den ist, und das­je­ni­ge, das an die Stö­rung, an das Wirr­warr ge­bun­den ist, die das Sub­jekt im­stan­de war, da hin­ein­zu­tra­gen, denn da fin­det es auf die ge­wis­ses­te Wei­se sei­nen Ort.“73

Das Sub­jekt wird dop­pelt sym­bo­li­siert: durch die sym­bo­li­sche Ket­te und durch das Wirr­war, ei­ner­seits also durch den Sinn und an­de­rer­seits durch den un­deut­ba­ren Nicht-Sinn, in dem sich der ur­ver­dräng­te bi­nä­re Si­gni­fi­kant ma­ni­fes­tiert. Der deut­ba­re Sinn kommt vom An­de­ren. Im un­deut­ba­ren Wirr­war ma­ni­fes­tiert sich das Sub­jekt als das, was der Ur­ver­drän­gung un­ter­liegt, das Sub­jekt als Seins­man­gel: es ma­ni­fes­tiert sich in der Apha­ni­sis, im Ver­schwin­den des Sub­jekts hin­ter dem Si­gni­fi­kan­ten (vgl. die­sen Blog­bei­trag).

In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, er­läu­tert La­can das Ver­hält­nis zwi­schen dem Phal­lus und dem Ob­jekt a:

Die Funk­ti­on die­ses Ob­jekts [des Ob­jekts a] ist mit der Be­zie­hung ver­bun­den, durch die sich das Sub­jekt in der Be­zie­hung zum Ort des An­de­ren – gro­ßes A – bil­det, als dem Ort, wo sich die Rea­li­tät des Si­gni­fi­kan­ten ord­net. An dem Punkt, wo jede Si­gni­fi­kanz schei­tert, ab­ge­schafft wird, am Kno­ten­punkt, der ‚das Be­geh­ren des An­de­ren‘ ge­nannt wird, am so­ge­nann­ten phal­li­schen Punkt, in­so­fern er die Ab­schaf­fung je­der Si­gni­fi­kanz be­deu­tet, in­so­fern das Ob­jekt klein a, das Ob­jekt der Kas­tra­ti­on, sei­nen Platz ein­nimmt. Es steht also in ei­ner Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten.“74

Am Ort des An­de­ren – im Un­be­wuss­ten – gibt es ei­nen Punkt, an dem die Si­gni­fi­kanz schei­tert. Da­mit ist, so neh­me ich an, das Ur­ver­dräng­te ge­meint. Das Ur­ver­dräng­te ist das, was auf kei­ne Wei­se in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wer­den kann, es be­steht also aus Si­gni­fi­kan­ten, die nicht in Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen – in die Si­gni­fi­kanz – ein­tre­ten kön­nen. Der Punkt, an dem die Si­gni­fi­kanz schei­tert, ist das Be­geh­ren des An­de­ren. Man kann auch sa­gen, es han­delt sich um den „phal­li­schen Punkt“, um den Punkt des Phal­lus; der Phal­lus ist das, was dem An­de­ren fehlt, der Be­zugs­punkt des Be­geh­rens des An­de­ren. Für die­sen Punkt – für den ur­ver­dräng­ten Phal­lus – lie­fert das Ob­jekt a ei­nen Er­satz, und in­so­fern ist das Ob­jekt a das Ob­jekt der Kas­tra­ti­on.

Der Schnitt

In der spä­te­ren Theo­rie­ent­wick­lung (im Über­tra­gungs­se­mi­nar von 1960/61) wird der Phal­lus als feh­len­der Si­gni­fi­kant de­fi­niert.75 Er wird da­mit zum Ge­gen­stück des Kon­zepts „Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren“, S(Ⱥ). Im La­can­schen Theo­rie­ge­bäu­de gibt es von nun an zwei feh­len­de Si­gni­fi­kan­ten: ei­nen feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten auf der Sei­te des an­de­ren, S(Ⱥ), und ei­nen feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten auf der Sei­te des Sub­jekts, Φ.

Wie kann ein feh­len­der Si­gni­fi­kant im Sym­bo­li­schen ver­or­tet wer­den, wenn er dort doch ge­ra­de fehlt? Die Ant­wort lau­tet: durch den „Schnitt“, im In­ter­vall zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten. In Se­mi­nar 8 heißt es:

Aber was be­deu­tet dann das Φ? Re­sü­mie­re ich es, um den Platz der rea­len Prä­senz zu be­zeich­nen, in­so­fern sie nur in den In­ter­val­len des­sen er­schei­nen kann, was der Si­gni­fi­kant ab­deckt? Be­droht die rea­le Prä­senz von die­sen In­ter­val­len her das ge­sam­te Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem? Das ist wahr. Es gibt Wah­res dar­in.“76

Als Bei­spiel ver­weist La­can an die­ser Stel­le auf den „Rat­ten­mann“, der ge­zwun­gen ist, das In­ter­vall zwi­schen Blitz und Don­ner durch Zäh­len zu über­brü­cken.77

Der Phal­lus ist die „rea­le Prä­senz“, in theo­lo­gi­scher Ter­mi­no­lo­gie: die Re­al­prä­senz, als Schnitt.78 Eine prä­gnan­te Ma­ni­fes­ta­ti­on des Schnitts be­steht dar­in, dass man sich selbst oder ei­nem an­de­ren das Wort ab­schnei­det oder dass man ein Ge­spräch ab­rupt be­en­det – das ist der theo­re­ti­sche Hin­ter­grund für La­cans Tech­nik der va­ria­blen Sit­zungs­dau­er.

Der Schnitt wie­der­um kann im Ima­gi­nä­ren er­schei­nen, in der Ord­nung des Sicht­ba­ren, etwa als der Spalt, durch den ein Voy­eur ein Paar be­ob­ach­tet, oder als der Ho­sen­schlitz, durch den der Ex­hi­bi­tio­nist sein Or­gan zum Vor­schein bringt.79

Ein Beispiel für den symbolischen Phallus: Ophelia

In der Ham­let-Ana­ly­se in Se­mi­nar 6 spricht La­can über das Ver­hält­nis von Ham­let zu Ophe­lia und un­ter­schei­det da­bei meh­re­re Sta­di­en die­ser Be­zie­hung. In ei­ner die­ser Pha­sen wird Ophe­lia für Ham­let zum sym­bo­li­schen Phal­lus.

Nach dem be­rühm­ten Mo­no­log „Sein oder Nicht­sein“ stößt Ham­let Ophe­lia grau­sam von sich (3. Akt, 1. Sze­ne):

Ich hab euch einst ge­liebt. (…) ich lieb­te euch nicht. (…) Fort mit dir in ein Non­nen­haus, was, woll­test du eine Ge­bä­re­rin von Sün­dern sein? (…) Falls du hei­ra­test, gebe ich dir die­sen Fluch als Mit­gift: Seist du auch so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du sollst der Ver­leum­dung nicht ent­gehn; fort mit dir in ein Non­nen­haus (nun­nery), leb wohl. (…) Auch über eure An­ma­le­rei bin ich un­ter­rich­tet, mehr als ge­nug. Gott gab euch ein Ge­sicht, und ihr macht euch ein and­res, ihr tän­zelt, ihr wippt und ihr lis­pelt, ihr miß­be­nennt Got­tes Schöp­fun­gen und gebt eure Lüs­tern­heit für Un­wis­sen­heit aus; geht mir doch, ich will nichts mehr da­von wis­sen, es hat mich irr­sin­nig ge­macht.“80

La­can weist dar­auf hin, dass nun­nery im da­ma­li­gen Sprach­ge­brauch auch das Bor­dell meint.81 Er deu­tet die Sze­ne so:

Ophe­lia wird für Ham­let die Trä­ge­rin von Kin­dern und al­ler Sün­den. Sie ist die­je­ni­ge, die dazu be­stimmt ist, Sün­der zu ge­bä­ren so­wie die­je­ni­ge, die dann dazu be­stimmt ist, un­ter all den Ver­leum­dun­gen zu­sam­men­zu­bre­chen. Sie wird schlicht und ein­fach zur Trä­ge­rin ei­nes Le­bens, dass jetzt in sei­nem We­sen ver­ur­teilt wird. Kurz, das was sich in die­sem Mo­ment er­eig­net, ist die Zer­stö­rung oder der Ver­lust des Ob­jekts, der in sei­nen nar­ziss­ti­schen Rah­men re­inte­griert wird.

Für das Sub­jekt er­scheint das Ob­jekt, wenn ich so sa­gen darf, au­ßer­halb. Die For­mel, die ich eben für die­ses Ob­jekt ver­wen­det habe, zeigt Ih­nen an, wo­von sie das Äqui­va­lent ist, wes­sen Platz sie ein­nimmt, und was dem Sub­jekt erst in dem Mo­ment ge­ge­ben wer­den kann, wo die­ses sich im wört­li­chen Sin­ne op­fert, wo es nicht mehr es selbst ist, wo er es mit sei­nem gan­zen Sein zu­rück­weist. Die­ses Ob­jekt ist auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se der Phal­lus.

In­wie­fern ist Ophe­lia in die­sem Au­gen­blick der Phal­lus? In­so­fern das Sub­jekt den Phal­lus als Si­gni­fi­kan­ten­sym­bol des Le­bens ex­te­rio­ri­siert und als sol­chen ver­wirft.“82

Ophe­lia wird für Ham­let zum Sym­bol des Le­bens: der Lüs­tern­heit, ver­bun­den mit Frucht­bar­keit.

Die­ses Le­bens­sym­bol wird von ihm  zu­rück­ge­wie­sen, auf Di­stanz ge­bracht und über­dies mo­ra­lisch ver­ur­teilt.

Da­mit wird der Ver­lust nar­ziss­tisch re­inte­griert: Sie hört auf, für ihn ein Ob­jekt des Be­geh­rens zu sein, und der Seins­man­gel, der ihm durch die Ein­wir­kung der Spra­che wi­der­fah­ren ist, wird in eine plan­mä­ßi­ge Ak­ti­vi­tät ver­wan­delt. Ophe­lia ist für Ham­let das Le­ben, in­so­fern es für ihn (durch die Spra­che) ver­lo­ren ist – der sym­bo­li­sche Phal­lus, der Si­gni­fi­kant der Ur­ver­drän­gung.

Das er­in­nert an eine Be­mer­kung in La­cans frü­hem Auf­satz über die Fa­mi­lie:

Je nach der exis­ten­zi­el­len Ak­ti­vi­täts­rich­tung des be­trof­fe­nen Sub­jekts, das ent­we­der die Tren­nung an­nimmt oder sei­ne Iden­ti­tät be­haup­tet, Stre­bung oder Form, wird die­ser Pro­zeß ero­ti­siert zu Sa­do­ma­so­chis­mus oder zu Skop­top­hi­lie (das Be­geh­ren, zu se­hen oder ge­se­hen zu wer­den). Als sol­cher neigt er dazu, der Ver­drän­gung zu ver­fal­len, die der nor­ma­len Se­xua­li­täts­rei­fung kor­re­la­tiv ist, und da­bei ei­nen Teil der nar­ziß­ti­schen Struk­tur mit sich zu rei­ßen.“83

Die Tren­nung kann an­ge­nom­men oder zu­rück­ge­wie­sen wer­den. Der sym­bo­li­sche Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant, durch des­sen Bil­dung es mög­lich ist, die Tren­nung an­zu­neh­men, den Ver­lust.

Zur Ter­mi­no­lo­gie ist fest­zu­hal­ten: der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten ur­ver­dräng­ten Be­dürf­nis­ses (Phal­lus-Auf­satz, 1958), der Sym­bol des Le­bens, das ver­wor­fen wird (Se­mi­nar 6, 1959), der Si­gni­fi­kant des Man­gels im Ge­nie­ßen (Se­mi­nar 14, 1967).

Der Grund­ge­dan­ke ist: An die Stel­le des feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten für die Zwei­ge­schlecht­lich­keit tritt im Un­be­wuss­ten ein Si­gni­fi­kan­ten des ur­ver­dräng­ten Be­dürf­nis­ses (des Man­gels im Ge­nie­ßen); die­ser Si­gni­fi­kant hält die Ver­drän­gung in Gang.

Beziehungen zwischen dem imaginären, dem symbolischen und dem realen Phallus

Be­zo­gen auf das Mäd­chen ist der Pe­nis, um den es im Ödi­pus­kom­plex zu­nächst geht, der ima­gi­nä­re Phal­lus.

Für das Mäd­chen wird der Va­ter zu dem­je­ni­gen, der ihn ihr ge­ben kann; der Phal­lus wird da­mit zu ei­ner sym­bo­li­schen Grö­ße: zu ei­ner Gabe. Die­se Phal­lus-Gabe wie­der­um ver­wan­delt sich, wenn der Aus­gang der Norm ent­spricht, ins Rea­le: der Va­ter wird zu dem­je­ni­gen, der real den Phal­lus hat und real das Kind ge­ben kann. Eben dar­in be­steht für das Mäd­chen der Ödi­pus­kom­plex. Der Va­ter ist für es zu­nächst ein Lie­bes­ob­jekt, er wird dann zu dem­je­ni­gen, der ihr das Ob­jekt der Be­frie­di­gung gibt, das Ob­jekt der na­tür­li­chen Be­zie­hung des Ge­bä­rens von Kin­dern. Von da aus braucht sie nur noch ein we­nig Ge­duld, da­mit sich an die Stel­le des Va­ters der­je­ni­ge set­zen kann, der die­sel­be Rol­le aus­füllt, die des Va­ters, in­dem er ihr tat­säch­lich ein Kind gibt.84

Lacan über das Fresko in der Mysterienvilla

Was ist der Phal­lus? Zur Be­ant­wor­tung die­ser Fra­ge be­zieht La­can sich zwei Mal auf die Fres­ken in der Vil­la der Mys­te­ri­en in der Nähe von Pom­pe­ji: in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, und im Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus von 1958. We­der in den Écrits noch in den Schrif­ten noch in der Mil­ler-Ver­si­on von Se­mi­nar 5 noch in der Gon­dek-Über­set­zung die­ser Aus­ga­be fin­det man hier­zu eine Ab­bil­dung. Es geht um das zu Be­ginn die­ses Ar­ti­kels be­reits re­pro­du­zier­te Bild, das ich hier noch ein­mal wie­der­ge­be (ein Vi­deo mit al­len Fres­ken der Vil­la und mit ei­ner Füh­rung auf ita­lie­nisch fin­det man hier).

Mysterienvilla (zu Jacques Lacan über den Phallus)Links sieht man, kni­end, die In­iti­an­din, wie sie ihre Arme nach ei­nem Ge­gen­stand aus­streckt. Die­ses Ob­jekt wird von ei­nem lila Tuch ver­hüllt. Un­ter dem Tuch, so neh­men die Ex­per­ten an, ver­birgt sich eine Phal­lus-Skulp­tur, mög­li­cher­wei­se auch eine Her­me, ein Pfei­ler mit Phal­lus und Arm­an­sät­zen. Mit der rech­ten Hand be­rührt die Kni­en­de das Tuch, sie ist da­bei, es zu ent­fer­nen.

Millet, KornschwingerDas ver­schlei­er­te Bild­nis steht in ei­nem Worfel­korb, auch „Korn­schwin­ge“ ge­nannt, ei­nem Werk­zeug zum Sich­ten des Ge­trei­des, ähn­lich dem Korb in der ne­ben­ste­hen­den Ab­bil­dung.85

Auf der rech­ten Sei­te des Fres­kos sieht man eine ge­flü­gel­te Frau mit Stie­feln. Den Kopf hat sie von der Phallu­s­ent­hül­lung weg­ge­dreht. Mit der lin­ken Hand wehrt sie die Sze­ne ab, mit der Rech­ten schwingt sie eine Peit­sche oder ei­nen Stock. Die­ses We­sen, so ver­mu­ten die Spe­zia­lis­ten, könn­te Ai­dos sein, die Göt­tin der Scham.

In Se­mi­nar 5 sagt La­can hier­zu:

Es ist ganz und gar auf­fäl­lig zu se­hen, daß auf den in ei­ner be­mer­kens­wer­ten Voll­stän­dig­keit be­wahr­ten sel­te­nen Fres­ken, de­nen aus der Vil­la der Mys­te­ri­en in Pom­pe­ji, sehr ge­nau di­rekt ne­ben dem Ort, an dem die Ent­wick­lung des Phal­lus dar­ge­stellt wird, ge­wis­se Ar­ten von Dä­mo­nen auf­tau­chen, dar­ge­stellt in be­ein­dru­cken­der Grö­ße, in na­tür­li­cher Höhe, die wir durch eine ge­wis­se An­zahl von Über­ein­stim­mun­gen iden­ti­fi­zie­ren kön­nen. Es gibt eine da­von auf ei­ner Vase aus dem Lou­vre und an ei­ni­gen an­de­ren Plät­zen. Die­se ge­flü­gel­ten, ge­stie­fel­ten, nicht be­helm­ten Dä­mo­nen, aber fast, und auf je­den Fall mit ei­nem fla­gel­lum be­waff­net, be­gin­nen, die ri­tu­el­le Stra­fe auf eine der Kan­di­da­tin­nen oder In­iti­an­tin­nen an­zu­wen­den, die in dem Bild sind. So taucht die Phan­ta­sie­vor­stel­lung der Fla­gel­la­ti­on in der di­rek­tes­ten Form und in der un­mit­tel­bars­ten Ver­knüp­fung mit der Ent­schleie­rung des Phal­lus auf.“86

Fla­gel­lum ist das la­tei­ni­sche Wort für die Peit­sche. Ein Mo­ment der In­itia­ti­on ist die Ent­hül­lung des Phal­lus durch die In­iti­an­din, und die Dä­mo­nin der Scham ant­wor­tet hier­aus da­mit, dass sie die In­iti­an­din schlägt, was in der an­gren­zen­den Sze­ne dar­ge­stellt wird:

Mysterienvilla: Szene der Flagellation (zu Jacques Lacan über den Phallus)Im Vor­trag Die Be­deu­tung des Phal­lus heißt es, dass der Phal­lus

kraft sei­ner Tur­ges­zenz das Bild des Le­bens­flus­ses ist, so­weit die­ser in die (in der) Zeu­gung ein­geht.“87

Tur­ges­zenz ist die An­schwel­lung; das Bild des eri­gier­ten Pe­nis re­prä­sen­tiert den Le­bens­fluss qua Zeu­gungs­ver­mö­gen. Die Be­zeich­nung als Bild macht klar, dass hier der ima­gi­nä­re Phal­lus ge­meint ist. Das ist All­ge­mein­wis­sen: die Sta­tue ei­nes eri­gier­ten Pe­nis, ein Phal­lus, sym­bo­li­siert die Frucht­bar­keit. La­can fährt fort:

Alle die­se Vor­stel­lun­gen ver­schlei­ern aber im­mer noch die Tat­sa­che, dass er sei­ne Rol­le nur ver­schlei­ert spie­len kann, und das heißt sei­ner­seits nur als Zei­chen der La­tenz, mit der al­les Be­deut­ba­re (si­gni­fi­an­te) ge­schla­gen ist, so­bald es in der Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on auf­ge­ho­ben* ist.“88

La­can lenkt die Auf­merk­sam­keit auf den Schlei­er, un­ter dem der Phal­lus ver­bor­gen ist. Mit „Schlei­er“ meint er in der Re­gel die Klei­dung.89 Der Phal­lus, so lau­tet La­cans The­se, kann sei­ne Rol­le nur ver­schlei­ert spie­len. Man muss also zwei Funk­tio­nen des Phal­lus un­ter­schei­den: den un­ver­schlei­er­ten Phal­lus und den ver­schlei­er­ten Phal­lus. Der un­ver­schlei­er­te Phal­lus ist der ima­gi­nä­re Phal­lus. Der ver­schlei­er­te Phal­lus ist der sym­bo­li­sche Phal­lus, das hat­te La­can am Bei­spiel des Fe­ti­schis­mus er­läu­tert.90 Der un­ver­schlei­er­te Phal­lus, das sind etwa die Phal­luss­ta­tu­en, wie man sie in Pom­pe­ji an Ein­gangs­tü­ren und an Stra­ßen­kreu­zun­gen ge­fun­den hat; der un­ver­schlei­er­te Phal­lus, das phal­li­sche Bild, ist ein Frucht­bar­keits­sym­bol. Der ver­schlei­er­te Phal­lus, also der sym­bo­li­sche Phal­lus, hat eine an­de­re Be­deu­tung. Der Phal­lus kann sei­ne Rol­le nur ver­schlei­ert spie­len: die ent­schei­den­de Be­deu­tung des Phal­lus ist nicht die des un­ver­hüll­ten, also ima­gi­nä­ren Phal­lus, nicht die Frucht­bar­keit, son­dern die des ver­hüll­ten, also des sym­bo­li­schen Phal­lus.

Der ver­schlei­er­te Phal­lus ist ein Zei­chen: er hat eine fes­te Be­deu­tung.

Der ver­schlei­er­te Phal­lus ist das Zei­chen der La­tenz. La­can spielt hier auf den Freud­schen Be­griff der La­tenz­pe­ri­ode an, also auf die Pha­se zwi­schen dem Un­ter­gang der kind­li­chen Se­xua­li­tät und dem Wie­der­erwa­chen der Se­xua­li­tät in der Pu­ber­tät.91 Der ver­hüll­te Phal­lus sym­bo­li­siert nicht die Frucht­bar­keit, son­dern, in ers­ter An­nä­he­rung, die La­tenz, mit Freud könn­te man sa­gen: die Trieb­un­ter­drü­ckung oder bes­ser: ei­nen be­stimm­ten As­pekt der Trieb­un­ter­drü­ckung.

Al­les Be­deut­ba­re (si­gni­fi­an­te) wird ir­gend­wann in der Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on auf­ge­ho­ben. Die Über­set­zung von si­gni­fi­an­te mit „Be­deut­ba­res“ ist kühn, trifft aber ver­mut­lich den ge­mein­ten Sinn. An an­de­rer Stel­le spricht La­can vom si­gni­fia­ble, vom „Si­gni­fi­zier­ba­ren“. In Se­mi­nar 1 heißt es:

Wenn man vom Si­gni­fi­kat spricht, denkt man an die Sa­che, wäh­rend es sich doch um die Be­deu­tung han­delt. Nichts­des­to­we­ni­ger sa­gen wir, im­mer wenn wir spre­chen, durch das Si­gni­fi­kat hin­durch die Sa­che, das Be­deut­ba­re (le si­gni­fia­ble).“92

Mit si­gni­fi­an­te dürf­te et­was Ähn­li­ches ge­meint sein: das si­gni­fi­an­te ist das, wor­auf sich die Si­gni­fi­kan­ten letzt­lich be­zie­hen, das Be­deut­ba­re. Das Be­deut­ba­re ist die Stre­bung: das Be­dürf­nis, der Trieb, bei­de Be­grif­fe in um­gangs­sprach­li­chem Sin­ne ge­nom­men. Im Kon­text ist das Be­deut­ba­re der Le­bens­fluss, der in die Zeu­gung ein­geht; wenn man be­griff­lich nicht all­zu streng ist, kann man sa­gen: der Se­xu­al­trieb.

Die Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on be­zieht sich auf das Be­deut­ba­re. Die Stre­bung (der Le­bens­fluss, der in die Zeu­gung ein­geht, der Se­xu­al­trieb) funk­tio­niert im Zu­sam­men­hang der Spra­che.

Durch die Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on wird das Be­deut­ba­re auf­ge­ho­ben,  im He­gel­schen Sin­ne des Wor­tes. Die Be­dürf­nis­se wer­den in An­sprü­chen ar­ti­ku­liert. Hier­durch wer­den sie ver­nich­tet (die Ur­ver­drän­gung ist rei­ner Ver­lust); sie wer­den aber zu­gleich auf­be­wahrt (die Ur­ver­drän­gung ma­ni­fes­tiert sich im Be­geh­ren) und auf eine hö­he­re Ebe­ne ge­ho­ben (der Le­bens­fluss, der Se­xu­al­trieb wird mit der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­knüpft, mit dem Ge­setz, mit dem In­zest­ver­bot). Um es als zeit­li­chen Vor­gang zu deu­ten: die Se­xu­al­trie­be wer­den am Ende des Ödi­pus­kom­ple­xes ne­giert, in der La­tenz­zeit wer­den sie auf­be­wahrt, in der Pu­ber­tät er­schei­nen sie wie­der, in trans­for­mier­ter Ge­stalt.

Der Schlei­er ne­giert: er macht un­sicht­bar. Der Schlei­er be­wahrt auf: das Ver­hüll­te bleibt er­hal­ten. Nach der Ent­hül­lung hat das Ent­hüll­te ei­nen an­de­ren Sta­tus als vor­her: es ist jetzt das End­lich-ans-Licht-Ge­tre­te­ne, das Of­fen­bar­te.

Der Be­griff der La­tenz wird von La­can von sei­ner Bin­dung an eine be­stimm­te Ent­wick­lungs­pha­se ge­löst. Durch die Spra­che wird al­les Be­deut­ba­re von La­tenz ge­schla­gen.

Der Phal­lus ist das Zei­chen die­ser La­tenz. In sei­ner Ver­schlei­ert­heit sym­bo­li­siert er, dass der Le­bens­fluss, der sich auf die Zeu­gung be­zieht, von La­tenz ge­schla­gen ist und zwar – dar­auf kommt es La­can an – durch die Spra­che, durch den Si­gni­fi­kan­ten.

Im Phal­lus-Auf­satz heißt es an­schlie­ßend:

Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant die­ser Auf­he­bung* selbst, die er durch sein Ver­schwin­den in­au­gu­riert (in­iti­iert). Da­her taucht der Dä­mon des Αιδως (Ai­dôs) (Scham) ge­ra­de in dem Au­gen­blick auf, in dem der Phal­lus in den an­ti­ken Mys­te­ri­en ent­hüllt wird (vgl. das be­rühm­te Ge­mäl­de in der Vil­la von Pom­pe­ji).

Er wird dann zum Bal­ken, der in der Hand die­ses Dä­mons das Si­gni­fi­zier­te (si­gni­fié) schlägt und es da­durch als bas­tard­haf­te Nach­kom­men­schaft sei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ver­ket­tung kenn­zeich­net.“93

Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant der Auf­he­bung des Be­deut­ba­ren durch die Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on. Der Phal­lus sym­bo­li­siert, dass das Be­deut­ba­re (das Be­dürf­nis, der Le­bens­fluss, der Se­xu­al­trieb) in der Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on (auf­grund des An­spruchs) auf­ge­ho­ben ist. Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant, der ei­nen be­stimm­ten Spra­ch­ef­fekt sym­bo­li­siert: die Ur­ver­drän­gung und die Auf­be­wah­rung des Ur­ver­dräng­ten im Be­geh­ren.

Die Auf­he­bung des Be­deut­ba­ren in der Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on wird durch das Ver­schwin­den des Phal­lus in­au­gu­riert bzw. in­iti­iert. Da­durch, dass der Phal­lus ver­hüllt wird, be­ginnt er als Si­gni­fi­kant zu funk­tio­nie­ren, der die La­tenz sym­bo­li­siert, die Ur­ver­drän­gung und das Be­geh­ren. La­can spielt hier mit dem Dop­pel­sinn von „in­iti­ie­ren“: Das Funk­tio­nie­ren des Phal­lus als La­tenz­sym­bol wird durch die Ver­hül­lung auf den Weg ge­bracht, da­durch, dass das Kind sich nicht mehr nackt zei­gen darf; die Ver­hül­lung steht in ei­nem Zu­sam­men­hang mit der In­itia­ti­on im Sin­ne ei­nes Über­gangs­ri­tu­als.

La­can be­zieht sich dann auf die Fres­ken der Mys­te­ri­en­vil­la. Sie stel­len eine In­itia­ti­on dar, die Ein­wei­hung in ei­nen Mys­te­ri­en­kult. Ei­nes der Bil­der zeigt, wie der Phal­lus nicht ver­hüllt, son­dern ent­hüllt wird.

Das ge­flü­gel­te We­sen rechts ne­ben dem noch ver­hüll­ten Phal­lus ist ver­mut­lich die Dä­mo­nin der Scham, Ai­dos. Sie er­scheint des­halb, so deu­tet La­can an, weil die Ent­schleie­rung die Scham ver­letzt. Die Dä­mo­nin agiert ge­wis­ser­ma­ßen als Schutz­pa­tro­nin des ver­hüll­ten Phal­lus, sie sorgt da­für, dass der Phal­lus sei­ne Haupt­funk­ti­on er­fül­len kann, Sym­bol der La­tenz zu sein (sym­bo­li­scher Phal­lus), dass er nicht auf ein Frucht­bar­keits­sym­bol re­du­ziert wird (ima­gi­nä­rer Phal­lus). Das Scham­ge­fühl sorgt da­für, dass wir un­se­re Ge­ni­ta­li­en durch Klei­der ver­hül­len; hier­durch wer­den sie zum sym­bo­li­schen Phal­lus, zu dem, was un­ter dem Tuch an­we­send oder ab­we­send ist.

La­can be­zieht sich dann auf das Ver­hält­nis zwi­schen der Dä­mo­nin der Scham in ih­rem Ver­hält­nis zu der rechts an­schlie­ßen­den Sze­ne. Die Dä­mo­nin schlägt mit ih­rer Gei­ßel eine kni­en­de In­iti­an­din auf den ent­blöß­ten Rü­cken.

Mysterienvilla Flagellation 2 (zu Jacques Lacan über den Phallus)

Der Phal­lus er­scheint hier ein zwei­tes Mal, als Gei­ßel in der Hand der Dä­mo­nin.

Er nimmt da­bei die Ge­stalt ei­ner bar­re an, ei­nes Stabs. Die­ser Phal­lus-Stab schlägt das Si­gni­fi­zier­te, das Si­gni­fi­kat. Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht La­can die durch die Spra­che mo­di­fi­zier­te Stre­bung, ver­bild­licht durch den Kör­per der In­iti­an­din; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel. Die Schla­ge­sze­ne sym­bo­li­siert die Ein­prä­gung der Spra­che in den Le­bens­fluss. Nach dem Ge­schla­gen­wer­den wird man Strie­men auf dem Rü­cken der Frau se­hen, auch die­se könn­te man als bar­res be­zeich­nen, als Stri­che.

Die Bar­re steht bei La­can für die Ver­drän­gung, ent­spre­chend die­ser No­ta­ti­on: \frac{\text S}{s}  , der Si­gni­fi­kant (S) über dem Si­gni­fi­kat (s); die Bar­re ist der Strich zwi­schen S und s, zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat, die Sper­re, die das Si­gni­fi­kat in der Po­si­ti­on der Ver­drän­gung hält.94

Die Gleich­set­zung zwi­schen Phal­lus und Bar­re ver­weist dar­auf, dass die Ver­drän­gung, also die Sper­re, die Bar­re, vom ur­ver­dräng­ten Si­gni­fi­kan­ten in Gang ge­hal­ten wird, vom sym­bo­li­schen Phal­lus.

Das Si­gni­fi­kat wird von der Dä­mo­nin der Scham ge­schla­gen: die Scham ist ei­ner der Fak­to­ren der Ver­drän­gung.

Das Si­gni­fi­kat ist ein Bas­tard der Si­gni­fi­kan­ten­ver­ket­tung. Die Rede vom Bas­tard – vom Kind un­ehe­li­cher Her­kunft – bringt die Ver­wandt­schafts­be­zie­hun­gen ins Spiel und da­mit das Ge­setz und des­sen Über­tre­tung. Das Si­gni­fi­kat – die durch die Ein­wir­kung der Spra­che mo­di­fi­zier­te Stre­bung – steht in Ver­bin­dung mit der sym­bo­li­schen Ord­nung und ih­rem Kern, der pa­tro­zen­tri­schen Ver­wandt­schafts­struk­tur.

Familienwappen der Herzoge von Vendôme mit Schrägbalken (zu Jacques Lacan über den Phallus)

Fa­mi­li­en­wap­pen der Her­zo­ge von Ven­dô­me mit Schräg­bal­ken

In der Wap­pen­kunst des Adels konn­te die Bas­tard­schaft ei­nes Soh­nes da­durch an­er­kannt wer­den, dass er das Wap­pen des Va­ters er­hielt. Die­ses Wap­pen wur­de mit ei­nem Schräg­bal­ken ver­se­hen, um zu kenn­zeich­nen, dass die Her­kunft il­le­gi­tim war, also kei­ne Erb­an­sprü­che be­grün­de­te. Im Fran­zö­si­schen heißt der Schräg­bal­ken la bar­re. 

Das Si­gni­fi­zier­te, das Si­gni­fi­kat ist der bas­tard­haf­te Nach­kom­me der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te; dies wird vom Phal­lus sym­bo­li­siert, wenn er als Bar­re auf­tritt. Das Be­geh­ren ist der il­le­gi­ti­me Spröss­ling die­ses Paa­res: des Be­geh­rens, von der Mut­ter be­gehrt zu wer­den, sym­bo­li­siert durch den Phal­lus, und des vom Va­ter re­prä­sen­tier­ten Ge­set­zes.

Neu­fas­sung ei­nes Bei­trags, den ich am 13. Ja­nu­ar 2011 un­ter dem Ti­tel „Der Phal­lus als L–rst-ll-“ ver­öf­fent­licht hat­te.

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Anmerkungen

  1. Vor al­lem:

    Se­mi­nar 4 von 1956/57, Die Ob­jekt­be­zie­hung;
    Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, dar­in vor al­lem die Sit­zun­gen vom 23. April und vom 18. Juni 1958;
    Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung;
    Die Be­deu­tung des Phal­lus (Vor­trag von Mai 1958, ver­öf­fent­licht 1966), Schrif­ten II, S. 119–132;
    À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes. Sur sa théo­rie du sym­bo­lis­me (ge­schrie­ben An­fang 1959, ver­öf­fent­licht 1960), Écrits, S.  697–717.

  2. Sit­zung vom 27. Fe­bru­ar 1957, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 225.
  3. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 256.
  4. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 294.
  5. J. La­can: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten. Über­setzt von Chan­tal Creu­sot und Nor­bert Haas. In: J. La­can: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1978, S. 165–204, hier: S. 199. Der Auf­satz be­ruht auf ei­nem Vor­trag von 1960, wur­de 1962 ge­schrie­ben und 1966 ver­öf­fent­licht. Zur Da­tie­rung auf das Jahr 1962 vgl. den Hin­weis von Jac­ques-Alain Mil­ler in sei­ner Aus­ga­be von Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 602.
  6. A.a.O., S. 198 f.
  7. So sieht es auch Dy­lan Evans in sei­nem La­can-Wör­ter­buch. Vgl. D. Evans: Wör­ter­buch der La­can­schen Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Ga­bri­el­la Burk­hart. Tu­ria + Kant, Wien 2002, S. 226.
    Bruce Fink setzt den sym­bo­li­schen Phal­lus mit dem Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten gleich; das lässt sich nicht hal­ten. Vgl. Fink: Der Zwangs­neu­ro­ti­ker „ver­liert eine Sa­che, um eine an­de­re zu ge­win­nen; er wird also dazu ge­bracht, sei­ne nar­ziss­ti­sche (ima­gi­nä­re) Ver­bin­dung mit sei­nem Pe­nis – den La­can den ima­gi­nä­ren Phal­lus, φ, nennt, den Pe­nis, der nar­ziss­tisch be­setzt ist – und die au­to­ero­ti­sche Lust, die er ihm be­rei­tet, auf­zu­ge­ben, und et­was auf der so­zia­len, sym­bo­li­schen Ebe­ne zu ge­win­nen. Er gibt φ für Φ auf, den Phal­lus als Si­gni­fi­kan­ten, als den ge­sell­schaft­lich an­er­kann­ten Si­gni­fi­kan­ten von Wert und des Be­geh­rens.“ (Bruce Fink: Eine kli­ni­sche Ein­füh­rung in die La­can­sche Psy­cho­ana­ly­se. Theo­rie und Tech­nik (1997). Über­setzt von Erik M. Vogt. Tu­ria + Kant, Wien 2005, S. 229) 
  8. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 287.
  9. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 266.
    Vom „rea­len Phal­lus“ spricht La­can bei­spiels­wei­se in Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 179; Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 160; Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 469.
  10. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Mller/Gondek, S. 307 f..
  11. Vgl. etwa Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 238 f.
  12. Se­mi­nar 3, Sit­zung vom 4. Juli 1956, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 375.
  13. Der Be­griff „ima­gi­nä­rer Phal­lus“ wird in Se­mi­nar 3 (1955–56) nur ein­mal ver­wen­det (an der zi­tier­ten Stel­le, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 375). In Se­mi­nar 4 (1956/57) wird der Be­griff aus­führ­lich ent­wi­ckelt (der Ter­mi­nus er­scheint hier zu­erst in Ver­si­on Miller/Gondek, S. 134); statt vom „ima­gi­nä­ren Phal­lus“ ist hier auch vom „phal­li­schen Bild“ die Rede.
    In den Écrits ist der Aus­druck „ima­gi­nä­rer Phal­lus“ nicht zu fin­den; La­can ver­wen­det hier die Be­zeich­nung image phal­li­que, „Phal­lus­bild“:
    Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958), Schrif­ten II, S. 85;
    Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten (Vor­trag von 1960, ver­öf­fent­licht 1966), Schrif­ten II, S. 200.
    Ei­nen Über­blick über die Ge­samt­ent­wick­lung des Phal­lus-Kon­zepts bei La­can fin­det man in: Pierre Bru­no, Fa­bi­en­ne Guil­len: Phal­lus et fonc­tion phal­li­que. Érès, Tou­lou­se 2012, S 37–85.
  14. Der grie­chi­sche Buch­sta­be φ (klein phi) für den ima­gi­nä­ren Phal­lus er­scheint zu­erst in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958) (vgl. das Sche­ma in Schrif­ten II, S. 86).
    Was die Se­mi­na­re an­geht, wird der Buch­sta­be φ in Se­mi­nar 5 (1957/58) ein­ge­führt (vgl. das Dia­gramm der zwei Drei­ecke, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 185, 214, 266, 304, au­ßer­dem das Dia­gramm des Stepp­punkts auf S. 234 und schließ­lich die Nen­nung des Buch­sta­bens klein phi im ge­spro­che­nen Text, S. 353).
  15. Vgl. La­can, Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, Schrif­ten II, S. 87; Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 233.
  16. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 266.
  17. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 203 f.
  18. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 218.
  19. Freud „Das Mäd­chen glei­tet – man möch­te sa­gen: längs ei­ner sym­bo­li­schen Glei­chung – vom Pe­nis auf das Kind hin­über, sein Ödi­pus­kom­plex gip­felt in dem lan­ge fest­ge­hal­te­nen Wunsch, vom Va­ter ein Kind als Ge­schenk zu er­hal­ten, ihm ein Kind zu ge­bä­ren.“ (S. Freud: Der Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes (1924). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 250) Frü­her hat­te Freud ge­schrie­ben: „Aus­gangs­punkt die­ser Er­ör­te­run­gen kann der An­schein wer­den, daß in den Pro­duk­tio­nen des Un­be­wuß­ten – Ein­fäl­len, Phan­ta­si­en und Sym­pto­men – die Be­grif­fe Kot (Geld, Ge­schenk), Kind und Pe­nis schlecht aus­ein­an­der­ge­hal­ten und leicht mit­ein­an­der ver­tauscht wer­den.“ (S. Freud: Über Trie­bum­set­zun­gen, ins­be­son­de­re der Ana­lero­tik (1917). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 126) 
  20. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 243, 247, 284.
  21. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, Sit­zun­gen vom 14. Ja­nu­ar 1959 bis ein­schließ­lich 11. Fe­bru­ar 1959.
  22. Vgl. Me­la­nie Klein: Die Psy­cho­ana­ly­se des Kin­des (1932). Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1987, S. 241–245.
  23. Vgl. Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, Schrif­ten II, S. 88. Aus­führ­lich be­fasst La­can sich mit der Re­duk­ti­on des Phal­lus auf den ima­gi­nä­ren Phal­lus in Se­mi­nar 5, in den Sit­zun­gen vom 4., 11., 18. und 25. Juni 1958, in Aus­ein­an­der­set­zung mit ei­nem Auf­satz von Mau­rice Bou­vet, In­ci­den­ces thé­ra­peu­ti­ques de la pri­se de con­sci­ence de l’envie de pé­nis dans la né­v­ro­se ob­ses­sio­nel­le.
  24. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 236.
  25. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 41.
  26. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 260.
  27. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 309.
  28. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 239 f.
  29. Vgl. S. Freud: Ana­ly­se der Pho­bie ei­nes fünf­jäh­ri­gen Kna­ben (1909). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 8. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 9–123.
    Es geht um zwei Phan­ta­si­en von Hans:
    Phan­ta­sie vom 11. April: „Ich bin der Ba­de­wan­ne, da kommt der Schlos­ser und schraubt sie los. Da nimmt er ei­nen gro­ßen Boh­rer und stoßt mich in den Bauch.“ (A.a.O., S. 60)
    Phan­ta­sie vom 2. Mai: „Es ist der In­stal­la­teur ge­kom­men und hat mir mit ei­ner Zan­ge zu­erst den Podl weg­ge­nom­men und hat mir dann ei­nen an­dern ge­ge­ben und dann den Wi­wi­ma­cher. Er hat ge­sagt: Laß den Podl se­hen und ich habʼ mich um­dre­hen müs­sen und er hat ihn weg­ge­nom­men und dann hat er ge­sagt: Laß den Wi­wi­ma­cher se­hen.“ (A.a.O., S. 86)
    Freud äu­ßerst sich hier­zu auf den Sei­ten 88, 92, 108 und 111 der Stu­di­en­aus­ga­be.
  30. La­can kom­men­tiert die In­stal­la­teurs-Phan­ta­sie in Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 272 f., 315, 354, 391–394, 412, 415, 430 f., 480 f.; Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 222.
  31. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 261 f.
  32. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 226–228.
  33. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, die Ta­bel­le S. 317 und die Vor­for­men die­ser Ta­bel­le auf den Sei­ten 67 und 235.
  34. Zu­erst in der Sit­zung vom 29. April 1959, Ver­si­on Mil­ler, S. 413.
  35. Die Op­po­si­ti­on von ima­gi­nä­rem und sym­bo­li­schem Phal­lus wird von La­can in Se­mi­nar 4 (1956/57) ent­wi­ckelt.
    Der Aus­druck „sym­bo­li­scher Phal­lus“ er­scheint erst­mals in Se­mi­nar 4, dort in der Sit­zung vom 30. Ja­nu­ar 1957 (Ver­si­on Miller/Gondek, S. 179). Die Sym­bo­le φ und Φ, klein phi für den ima­gi­nä­ren Phal­lus und groß Phi für den sym­bo­li­schen Phal­lus, ver­wen­det La­can ab Se­mi­nar 5; das gro­ße Phi zu­erst in der Sit­zung vom 26. März 1958 (Ver­si­on Miller/Gondek, S. 370).
    In den Écrits ver­wen­det La­can den Aus­druck „sym­bo­li­scher Phal­lus“ ein­mal, in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten (vgl. Schrif­ten II, S. 200).
    Die Sym­bo­le φ und Φ fin­det man in den Écrits zu­erst in Re­mar­que sur le rap­port de Da­ni­el Lag­a­che, dort ein­mal (Écrits, S. 683; Vor­trag von 1958, End­fas­sung 1960, ver­öf­fent­licht 1961), dann, häu­fig, in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens (Vor­trag von 1960, ver­öf­fent­licht 1966); La­can ver­wen­det hier ein­mal das Sym­bol φ ohne Zu­satz (Schrif­ten II, S. 200), meist aber schreibt er hier (−φ), mi­nus phi. In den Au­tres écrits stößt man we­der auf den Aus­druck „phal­lus ima­gin­aire“ noch auf „phal­lus sym­bo­li­que“ noch auf die Sym­bo­le φ, −φ oder Φ.
  36. S. Freud: Der Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes (1924). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 247
  37. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 258.
  38. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 259.
  39. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 202.
  40. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 77, Über­set­zung ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la. In der deut­schen Über­set­zung fin­det man für „plus et mo­ins“ „mehr und we­ni­ger“, was den Sinn ver­kennt, näm­lich den Ge­gen­satz von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit.
  41. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 144, Über­set­zung ge­än­dert.
  42. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 43.
  43. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 177, 179.
  44. M. Mauss: Es­sai sur le don (1923/24); dt. zu­erst: Die Gabe. Über­setzt von Eva Mol­den­hau­er. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1968.
  45. C. Lévi-Strauss: Les struc­tures éle­men­taires de la par­en­té (1947); dt. zu­erst: Die ele­men­ta­ren Struk­tu­ren der Ver­wandt­schaft. Übers. v. Eva Mol­den­hau­er. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1981.
  46. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 178–181, 236 f.
  47. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 180.
  48. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 126, Über­set­zung ge­än­dert
  49. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 126.
  50. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 126.
  51. Vgl. S. Freud: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 75–102, hier: S. 82.
  52. Freud: „Wir ha­ben also Grund, eine Ur­ver­drän­gung an­zu­neh­men, eine ers­te Pha­se der Ver­drän­gung, die dar­in be­steht, daß der psy­chi­schen (Vorstellungs-)Repräsentanz des Trie­bes die Über­nah­me ins Be­wuß­te ver­sagt wird. Mit die­ser ist eine Fi­xie­rung ge­ge­ben; die be­tref­fen­de Re­prä­sen­tanz bleibt von da an un­ver­än­der­lich be­stehen und der Trieb an sie ge­bun­den. (…) Die zwei­te Stu­fe der Ver­drän­gung, die ei­gent­li­che Ver­drän­gung, be­trifft psy­chi­sche Ab­kömm­lin­ge der ver­dräng­ten Re­prä­sen­tanz oder sol­che Ge­dan­ken­zü­ge, die, an­ders­wo­her stam­mend, in as­so­zia­ti­ve Be­zie­hung zu ihr ge­ra­ten sind. We­gen die­ser Be­zie­hung er­fah­ren die­se Vor­stel­lun­gen das­sel­be Schick­sal wie das Ur­ver­dräng­te. Die ei­gent­li­che Ver­drän­gung ist also ein Nach­drän­gen.“ S. Freud: Die Ver­drän­gung (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 109, Ein­fü­gung in run­den Klam­mern von Freud.
  53. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 127.
  54. In Se­mi­nar 14 heißt es, der we­sent­li­che Man­gel wird des­halb vom Pe­nis sym­bo­li­siert, weil er in Form der De­tu­me­s­zenz den Man­gel des Ge­nie­ßens ma­te­ria­li­siert, das vom Lust­prin­zip her­zu­rüh­ren scheint (Sit­zung vom 8. März 1967).
  55. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 233.
  56. À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes, a.a.O., S. 714.
  57. À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes, a.a.O., S. 710.
  58. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 284.
  59. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 324.
  60. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 564, mei­ne Über­set­zung.
  61. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 284.
  62. Vgl. Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 9. Juni 1971; Ver­si­on Mil­ler, S. 148.
  63. Vgl. La­can, Leit­sät­ze für ei­nen Kon­gress über weib­li­che Se­xua­li­tät. In: Schrif­ten III, S. 228; ge­schrie­ben 1958, ver­öf­fent­licht 1962.
  64. Vgl. J. La­can: Con­fé­rence à Genè­ve sur le sym­ptô­me (1975). In: Pas-tout La­can, S. 1678.
  65. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 129, Ein­fü­gung in Klam­mern von La­can, Über­set­zung ge­än­dert.
  66. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 54.
  67. S. Freud: Das Un­be­wuss­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 136.
  68. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 229.
  69. Freud: „Je­der Traum hat min­des­tens eine Stel­le, an wel­cher er un­er­gründ­lich ist, gleich­sam ei­nen Na­bel, durch den er mit dem Un­er­kann­ten zu­sam­men­hängt.“ S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 130 Fn. 2. Und: „In den best­ge­deu­te­ten Träu­men muss man oft eine Stel­le im Dun­kel las­sen, weil man bei der Deu­tung merkt, dass dort ein Knäu­el von Traum­ge­dan­ken an­hebt, der sich nicht ent­wir­ren will, aber auch zum Traum­in­halt kei­ne wei­te­ren Bei­trä­ge ge­lie­fert hat. Dies ist dann der Na­bel des Traums, die Stel­le, an der er dem Un­er­kann­ten auf­sitzt.“ A.a.O., S. 503.
  70. À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes. Sur sa théo­rie du sym­bo­li­que. In: Écrits, S.  710, mei­ne Über­set­zung. Der Auf­satz wur­de Ja­nu­ar bis März 1959 ge­schrie­ben und 1960 ver­öf­fent­licht.
  71. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, das Dia­gramm auf S. 222.
  72. Se­mi­nar 22, 17. De­zem­ber 1974, Klei­ner-Über­set­zung, S. 13, Über­set­zung ge­än­dert.
  73. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 290.
  74. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 27. Juni 1962; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  75. Vgl. Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung: Der An­de­re ist da­durch kon­sti­tu­iert, dass es ir­gend­wo ei­nen feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten gibt, und der Phal­lus ist das Zei­chen der Ab­we­sen­heit (12. April 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 289); Φ kommt an den Platz des feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten (19. April 1961; Ver­si­on Miller/Gondek S. 297); in Φ muss das Sub­jekt den feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten er­ken­nen kön­nen (3. Mai 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 333). In Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, er­läu­tert La­can den Be­griff des Phal­lus als feh­len­dem Si­gni­fi­kan­ten aus­führ­lich in der zwei­en Hälf­te der Sit­zung vom 14. Mai 1969.
  76. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S 323 f.
  77. Vgl. S. Freud: Be­mer­kun­gen über ei­nen Fall von Zwangs­neu­ro­se (1909).
  78. Das Kon­zept des Schnitts ent­wi­ckelt La­can ab Se­mi­nar 6, ab dem 20. Mai 1959.
  79. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 495 f.
  80. Wil­liam Shake­speare: Ham­let. Englisch/Deutsch. Über­setzt von Hol­ger M. Klein. Re­clam jun., Stutt­gart 1985, S. 165.
  81. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 381.– Hol­ger Klein führt in sei­nem Ham­let-Kom­men­tar eben­falls die­se Zweit­be­deu­tung auf: Wil­liam Shake­speare. Ham­let. Bd. 2. Kom­men­tar. Ver­fasst von Hol­ger M. Klein. Re­clam jun., Stutt­gart 1984, S. 282.
  82. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 380, mei­ne Über­set­zung, die letz­ten bei­den Sät­ze ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  83. La­can: Die Fa­mi­lie. In: Schrif­ten III, S. 90.
  84. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 240.
  85. Jean-François Mil­let, Le van­neur (Der Korn­schwin­ger), 1846/47.
  86. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 410.
  87. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 128.
  88. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 128, Ein­fü­gung in ecki­gen Klam­mern von mir.
  89. Vgl. etwa Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 181–183.
  90. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 181–183.
  91. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 84–86.
  92. Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 310, Über­set­zung ge­än­dert.
  93. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 128 f., Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern im Ori­gi­nal, in ecki­gen Klam­mern von mir. Das Wort „Scham“ ist im Ori­gi­nal deutsch, Über­set­zung ge­än­dert.
  94. Vgl. Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud, Schrif­ten II, S. 40.

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