Michel Bousseyroux
Was einen dazu bringt, die Zunge rauszustrecken
Über „L’étourdit“
Zuletzt aktualisiert am 1. September 2026
Michel Bousseyroux:
Was einen dazu bringt, die Zunge rauszustrecken
Übersetzt von Rolf Nemitz
Sitzung des Seminars Qu’enseigne la psychanalyse (Saison 5), in Toulouse am 20. Dezember 2025. Video von hier. Transkription: Mensuel de l’EPFCL-France 194, mars 2026, im Internet hier. (EPFCL: École de Psychanalyse des Forums du Champ lacanien France)
Die im Mensuel veröffentlichte Transkription weicht von dem dem im Video zu hörenden Vortrag leicht ab. Die Übersetzung folgt Mensuel-Version.
Einfügungen in runden Klammern sind von Bousseyroux, in eckigen Klammern vom Übersetzer.
Worte mit Sternchen*: im Original deutsch.
Anmerkungen mit „A.d.Ü.“ sind vom Übersetzer, die übrigen Anmerkungen sind von Bousseyroux.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Michel Bousseyroux und EPFCL.
Hauptthema des Vortrags ist Lacans Aufsatz „L’étourdit“. Die deutsche Übersetzung dieses Textes, erstellt von Max Kleiner, findet man auf „Lacan entziffern“ hier.
Deutsch
Ich habe einen Gedanken für Pierre Bruno, mit dem ich noch gestern die Psychoanalyse und das Leben neu erfunden habe. Ich vergesse nicht seinen unschätzbaren Essai über die Passion von Antonin Artaud, der sich 1947 in Rodez aus seiner Abscheu vor Vater-Mutter befreite, indem er sich, durch seiner Poesie ohne Herkunft, einen Körper erfand.
Ein enormer theoretischer Text…
Was lehrt die Psychoanalyse? Staffel 5. Fünf Jahre in Folge dieselbe Frage – du liebe Zeit, was für eine Hartnäckigkeit! Ja, es bedarf einer verdammten Portion Hartnäckigkeit, einer wirklichen Beharrlichkeit, wenn man sagen will, was die Psychoanalyse lehrt. Sie lehrt, was kein Lehrstoff ist: das Reale. Die Psychoanalyse handelt nicht nur vom Unmöglichen, also vom Realen, sondern sie behandelt es, sie schlägt hierzu die Behandlung vor und führt sie durch. Dieses Unmögliche, Lacan wollte es durch das behandeln, was als Einziges gelehrt werden kann: das Mathem, welches das ist, was vom Mathematisierbaren nur in Sackgassen formuliert werden kann und das über die Topologie verläuft [passe par], also die Analyse der bizarren Orte, die von den Sprechenden bewohnt werden, diese Höhlen der Sprache, als da sind die Kreuzhaube, auch Mitra genannt, und die Kleinsche Flasche, deren Innen ihr Außen ist.
Heute werden ich zu Ihnen wieder über einen enormen Text mit dem Titel „L’étourdit“ sprechen, dessen Lektüre mich immer noch dazu bringt, die Zunge rauszustrecken, so wie andere bei einer Schwierigkeit die Stirn runzeln oder sich auf die Lippen beißen, und worin Lacan erklärt, dass die Analyse – sofern die Deutung einen bestimmten Schnitt herbeiführt – die Struktur des Phantasmas modifizieren kann, ganz einfach. Darin liest man Ungeheuerlichkeiten wie: „Es gibt kein sexuelles Verhältnis.“ Die Ungeheuerlichkeit eines „n’y a pas“ [„gibt kein“], die uns dazu bringt, „hi ! han ! appât“ zu stammeln „i-a Lockreiz“.1 Das verlockt kein bisschen. Nada. Nix. Dieses nix, das Lacan aus dem bodenlosen Brunnen schöpft, in dem das Sagen von Freud das Gesagte des Unbewussten als Quelle nimmt, sorgt dafür, dass – ich will es mit Georges Bataille sagen, bei dem, das sollten wir nicht vergessen, Lacan gesucht hat, „was sich der Erklärung entzieht“: das Unmögliche –, dieses nix, sage ich, sorgt dafür, dass die Erotik zum Lachen bringt und in Panik versetzt, was Bertolucci in seinem Letzten Tango in Paris und Oshima in seinem Reich der Sinne auf die Spitze getrieben haben.
… der in der Praxis verankert ist
„L’étourdit“ ist ein Text von unglaublicher theoretischer Hyperkomplexität, der darum nicht weniger in Lacans klinischer Praxis verankert ist. Lacan sagt es gleich zu Beginn des Textes: er schrieb ihn anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Gründung des Krankenhauses Henri-Rousselle, das – als Abteilung im Sainte-Anne-Krankenhaus – 1922 von Édouard Toulouse gegründet wurde und das der erste freie psychiatrische Dienst in Frankreich war. Lacan war dort von Professor Georges Daumézon aufgenommen worden, um „die Vorstellung durchzuführen [passer la présentation]“.2 Lacan sagt es in der Weise wie man sagt: passer le grand oral, „die große mündliche Prüfung absolvieren“. Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass diese Formulierung an die „Passe“ denken lässt. Das würde darauf hindeuten, dass Lacan seine Krankenvorstellung, die er jeden Freitag in Sainte-Anne durchführte, als eine Passe betrachtete, von der er im Übrigen sagte, sie müsse, wie das Meer, immer wieder neu begonnen werden, eine Passe, bei der er sich als passeur begriff, als Fährmann der Logopathie des Kranken, insofern dieser wie jeder andere (und der Verrückte mehr noch als der Neurotiker) unter der Sprache leidet, einer Sprache, von der Lacan sagen wird, sie sei ein Parasit und sogar ein Schanker, pathognomonisch für den Fluch über dem Geschlecht. Lacan kommt am Ende von „L’étourdit“ darauf zurück, wo er schreibt: „Ich grüße das Henri-Rousselle, dem ich nicht vergesse, dass es mir einen Ort bietet, um für das Spiel des Sagens mit dem Gesagten eine klinische Demonstration zu geben.“ Nichts Geringeres als das. Lacan vergisst nicht, Henri-Rousselle zu würdigen, den Namen der offenen Abteilung von Sainte-Anne, die ihm fünfzig Jahre lang, vom 4. November 1929 bis zum 10. Oktober 1980, jeden Freitag von Oktober bis Juni im Magnan-Hörsaal den Raum bot, um das „für das Spiel des Sagens mit dem Gesagten eine klinische Demonstration zu geben“. Und mit diesem letzten Satz zu schließen: „Wo habe ich besser spüren lassen, dass sich am unmöglich zu Sagenden das Reale misst – in der Praxis?“ Die Krankenvorstellung ist für Lacan also tatsächlich der Ort, an dem sich am besten spürbar machen lässt, dass sich in der Praxis das Reale an dem misst, was zu sagen unmöglich ist. Was die Unmöglichkeit angeht, das sexuelle Verhältnis zu schreiben, so ist das eine andere Sache, die sich aus dem ergibt, was Lacan im Seminar …oder schlimmer als den „Blödsinn“ der phallischen Funktion bezeichnet.
Die Jouissance, eine Art Morse
Denn es gibt einen Lacan, der mit seinen Sexuierungs-Mathemen dem „Blödsinn“3, wie er sagt, die Zunge rausstreckt, jenem Blödsinn, in den man gerät, wenn man sich der wesentlichen Funktion der Sprache nähert, all das auszufüllen, was dadurch, dass es kein sexuelles Verhältnis geben kann, klaffend offen bleibt. Das Kind streckt denen die Zunge raus, die ihm Blödsinn aufschwatzen wollen. Demokrit, so scheint es, streckte dem Blödsinn des Realen die Zunge raus, damit man darüber lache. Ich werde darauf zurückkommen. Wir erinnern uns an Einstein, der schon sehr früh dem Sprechenlernen die Zunge rausstreckte (er sprach erst mit vier Jahren, holte das aber später reichlich nach, um es uns zu demonstrieren), der an seinem zweiundsiebzigten Geburtstag, am 14. März 1951, den Paparazzi, die er verabscheute, demonstrativ die Zunge rausstreckte. Einstein war ein Mann mit lockerem Hypoglossus (motorischer Nerv der Zunge)! Der Fotograf Arthur Sasse hatte den Reflex, auf den Auslöser zu drücken, daher das Kultfoto. Einstein kaufte neun Abzüge, um sie an seine Freunde zu schicken.
Auch Lacan hatte, an seinem einundsiebzigsten Geburtstag, am 13. April 1972, allen Grund, die Zunge rauszustrecken. 1970 hatte er Félix Guattari, einen Lacano-Marxisten seiner École, gebeten, für seine Zeitschrift Scilicet einen Artikel über Deleuze zu schreiben. Dieser Text sollte dort nicht erscheinen. Das war der Punkt, an dem Lacan klar wurde, dass Guattari ihm das Maschinen-Unbewusste seiner Theorie des Realen als reine Produktion von Fluss-Schnitten entgegenhielt. Der Wolf war im Schafstall und zeigte Mitte Februar 1972 seine Zähne, als der Anti-Ödipus zum Ereignis wurde. In Unterhandlungen wird Deleuze offenbaren, dass sein „Draußen“ die Masse der jungen Leute war, die die Psychoanalyse satt hatten. Ich habe es nicht satt, Lacanianer zu sein. Dem deleuzianischen Gaswerk des Körpers ohne Organe streckt Lacan die Zunge raus, wenn er in „L’étourdit“ schreibt: „Es gibt kein sexuelles Verhältnis, da das Bewohnen der Sprache ja auch das ist, was für unseren Körper zum Organ wird, ein Organ, das ihn, da sie ihm auf diese Weise ex-sistiert, in seiner Funktion determiniert, und dies schon bevor es sie findet, was uns darauf reduziert, zu finden, dass unser Körper nicht ohne andere Organe ist und dass uns die Funktion, die sie für einen jeden hat, Probleme bereitet, von woher das schizophren Gesagte, in seinem Außer-Diskurs genommen, seine Spezifik hat.“4 Unser Körper ist nicht ohne Organe, und was uns Probleme bereitet, ist deren Funktion für einen jeden, da die Sprache, die für unseren Körper zum Organ wird, diese Funktion determiniert. Deleuze und Guattari wissen durchaus, dass Lacan längst nicht mehr bei dem familialistischen Unbewussten ist, das den Mangel in Konserven bringt. 1972 befasst Lacan sich mit dem Unbewussten, das sich genießt und schnurrt, wie die Katze von Mutter Michel, die ihre Katze übrigens zur Melodie von tradéridadéridéra verloren hat. Es geht ihm um all die von lalangue genossenen Signifikanten, die uns auf der Zunge liegen und die um ein Nichts davon entfernt sind, herauszukommen. Es ist dies, das genossene Wort, der Schwarm genossener Wörter, der mir auf der Zunge liegt, der mich dazu bringt, sie rauszustrecken, wenn lalangue, in einem Wort, mich außer Atem bringt, da ich ihr so sehr hinterherlaufe!
Es gibt eine, die ihre Zunge nicht im Zaum hält, und das ist die Nichtalle. Die Nichtalle ist überbordend. Die Nichtalle ist ein Außenborder. Sie streckt die Zunge über Bord. Die Nichtalle steht da wie angewurzelt, mit ihrer erektilen Chamäleonzunge, die sie hinausschleudert, jenseits des Phallus. Boris Vian hat völlig recht: „Die Zunge ist ein Geschlechtsorgan, das man gelegentlich zum Sprechen benutzt“ – nachdem es dem Kleinkind zum Sabbern gedient hat. Das ist Madame Edwarda. Georges Bataille alias Pierre Angélique begegnet ihr in der nackten Nacht der Rue Saint-Denis, ich zitiere: „Inmitten eines Schwarms von Mädchen streckte Madame Edwarda, nackt, die Zunge raus.“ Hans Bellmer, der für die 1965 erschienene und 2001 von Pauvert neu aufgelegte Ausgabe zwölf Radierungen anfertigte, zeichnet sie mit dieser vor Speichel triefenden Zunge, die Bataille unmittelbar nach diesem Satz platzierte: „Der Tod selbst war mit von der Partie, da die Nacktheit des Bordells das Messer des Schlachters heraufbeschwört“, auf einer Seite, die zwischen den Seiten 34 und 37 in eine Reihe von Auslassungspunkten eingefügt ist (ich habe vierhundertdreiundzwanzig gezählt!). Sie springt Ihnen ins Auge, die weiße Bedeutung dieser Punkte, die, auf dem weißen Vélin de Rives, auf dem die Worte sich entziehen, dem Gedanken die Zunge rausstrecken, so sehr erstickt Bataille angesichts des schamlosen Sagens dieses obszönen Freudenmädchens. Diese Seite, nur mit Punkten gefüllt, gegenüber von Edwardas heraushängender Zunge, ist ein Gedicht ohne Sprache. Ich denke an Ghérasim Luca5, an seine Poesie ohne Sprache, die den Buchstaben mit Schlägen von Klangfäusten sprengt. Die Jouissance ist ein Art Morsecode: eine Verschlüsselung, die nur aus Strichen und Punkten besteht.
Es existieren Linien ohne Punkte. Mathematisch bilden sie das Möbiusband. Sie zeichnen die französischen Gärten einer straff gezogenen Topologie, die sich jedoch nicht ordnen lassen, ohne dass sich, auf englische Weise, ein Punkt außerhalb der Linie davonschleicht. Denn wenn uns die Topologie von „L’étourdit“ den Mund offenstehen lässt, dann deshalb, weil Lacan dort dem ersten Klassizismus seiner Rom-Rede die Zunge rausstreckt, als er darauf bedacht war, auf den von Freud eröffneten Wegen einen französischen Garten anzulegen. In „L’étourdit“ geht es um das, was es nicht gibt, das sexuelle Verhältnis. Mehr noch aber geht es um das, was es gibt. Was es gibt, ist das Sagen, die Tatsache, dass man sagt, das Ereignis, welches sich durch den Akt des Sagens ereignet. Dass man sagt, bleibt vergessen hinter dem, was gesagt wird, in dem, was verstanden wird. Das Sagen, die Tatsache, dass man sagt, und die in dem, was man sagt, vergessen bleibt, dies ist das, was die Analyse wieder zur Existenz erwecken muss. Denn von der Existenz zeugt allein das Sagen. Das Sagen bezeugt – vom darin ex-sistieren her, von dem her, was nicht zur dit-mension der Wahrheit gehört und was an das Reale rührt –, dass, sie ganz zu sagen, alles über sie zu sagen, absolut unmöglich ist.
Warum ich Lacanianer bin
Hinter den Kulissen höre ich Leute sagen: Lacan ist veraltet, nicht mehr angesagt. Und Freud, ist der veraltet? Und Sokrates, ist der veraltet? Ja, das ist veraltet, das ist von vorgestern. Diese Leute sagen: da sind wir nicht mehr. Aber wo sind wir jetzt? Beim DSM-5 und bei den NDD, den neurologischen Entwicklungsstörungen. Wir sind bei den Antworten auf alles und das sofort, dank dir, ChatGPT. Wir sind bei einer in Toulouse geborenen Senatorin, Jocelyne Guidez, die mit drei weiteren Senatoren einen Änderungsantrag einreicht, um die Kostenübernahme zu streichen, für Behandlungsmaßnahmen „jeder Praxis, die sich auf die Psychoanalyse beruft“, da diese über keinerlei wissenschaftliche Validierung verfügt, insbesondere bei der Behandlung von NDD. Was sie vor dem Senat angeprangert hat, ist die Validität des Sagens eines Psychologen, der sich auf die Psychoanalyse berief und der sie persönlich berührt hat. Daher ihr Hass auf Psychologen, die sich auf die Psychoanalyse berufen. Lassen wir das beiseite [passons]. Auf was berufe ich mich, wenn ich Ihnen sage, dass Lacan redivivus bleibt, dass er in meiner Praxis wieder zum Leben erwacht ist? Was in meiner Art, die Psychoanalyse zu denken, bringt mich dazu, das zu sagen? Von woher sage ich es?
Um darauf zu antworten, rufe ich eine Episode meines psychoanalytischen Abenteuers in die Existenz, eine Episode, die Sie zurückversetzen wird in die Vorgeschichte … unserer Schule. Es geschah in einem Augenblick, in dem eine Wette, ein Alles-oder-Nichts, das es wert war, riskiert zu werden, von mir eingegangen werden musste. Eine Wette worauf? Auf die Liebe zu Lacan, der noch da war, während für andere in meinem Umfeld Lacan tot war, sie hatten ihn bereits abgeschrieben und beerdigt. Ich gehörte zu jenen, die 1980/1981, als Lacan sein Schul-Schiff auf Grund gesetzt hatte, mit ihm und seinem Begehren, zu entschulen, weitermachen wollten, um einen neuen Erstarrungseffekt zu vermeiden. Ich spreche zu Ihnen von einer Zeit, welche, wie Charles Aznavour singt, die unter Zwanzigjährigen, was sage ich? welche die unter mindestens dreimal Zwanzigjährigen nicht kennen können. Das ist fünfundvierzig Jahre her, ich war vierunddreißig. Es war ein Jahr nach der Auf-lösung seiner Schule durch Lacan, die in seinem Brief vom 5. Januar 1980 besiegelt und von ihm am 8. Januar an der juristischen Fakultät in der Rue Saint-Jacques verlesen worden war, mit all dem Trubel, der darauf folgte und der im Laufe des Jahres 1980 und darüber hinaus zum Zerfall der gesamten lacanianischen Gemeinschaft führte. Ich erinnere grob an den Ablauf der Ereignisse, wie er im Almanach de la dissolution beschrieben wird.6 Im Seminar vom 15. Januar 1980 appelliert Lacan an die „Menge von Leuten“, die, wie er sagte, „[ihn] brauchen“, die „ihm genug glauben, um es [ihm] schriftlich zu sagen“. Ich gehörte zu Tausenden und mehr, als ich ihm am nächsten Tag schrieb, dass ich mit ihm weitermachen wollte – ich wusste, dass an diesem Tag in Toulouse Pierre Bruno, André Vals, Marie-Jean Sauret und einige andere dasselbe taten. Und wir waren wie bei einem Rendezvous der Liebenden beim Opernball, die sich wiederfinden, wenn sie ihre Masken fallen lassen: das war nicht er, und sie war es übrigens auch nicht. Lacan wurde zum Mann, der mit Briefen überschüttet wurde. Er antwortete ihnen, er antwortete mir. Er lud uns am 21. Februar 1980 ein, „unter [s]einer Ägide“ – so stand es auf der Karte, die ich erhielt – die Cause freudienne neu zu gestalten und die vorhersehbare Erstarrung dabei zu vermeiden. Es galt, die Gegenerfahrung zu dieser „gänzlich erledigten“ Schule zu schaffen, zu der die École freudienne de Paris geworden war.
Die Gegenerfahrung scheiterte. Seine letzte Vorlesung reservierte Lacan für seine lateinamerikanischen Leser, von denen er sagte, sie seien diejenigen seiner Schüler, die er nicht selbst ausgebildet hatte. Terminal Caracas, am 12. Juli 1980 eröffnete Lacan hier das erste Internationale Treffen des Champ freudien. Das bedeutete eine Abwechslung zum Pariser Sumpf, wo die Denunziationen und Verleumdungen immer schlimmere Ausmaße annahmen und wo die Obszönität der Gruppe die Cause freudienne schnell zunichte gemacht hatte. Denn wenn Lacan geglaubt hatte, seine arme Schule auflösen zu können, dann deshalb, weil er dachte, sie sei durch das Sagen seiner Lehre borromäisch verknotet und sein Sagen würde ausreichen, um diese Verbindung aufzulösen; er wusste aber auch – wie er am 15. März 1980 erklärte, vor den Mitgliedern seiner Schule, die er ein letztes Mal im Hotel PLM Saint-Jacques versammelt hatte, um deren rechtliche Auflösung zu verkünden –, dass im Gegensatz hierzu die Gruppe unmöglich aufzulösen ist. Mein Unternehmen ist verzweifelt, hatte er bereits in „L’étourdit“ gesagt, „denn es ist unmöglich, dass die Psychoanalytiker eine Gruppe bilden“7, eine Unmöglichkeit, die deren Reales begründet. Die Obszönität des Realen der Gruppe als etwas unmöglich Aufzulösendes, dies ist das, was den Vorschlag der Cause freudienne als Feld einer Gegen-Erfahrung zunichte gemacht hat.
Einige, die ihn zuvor in den Himmel gelobt hatten, wollten – wie Jenny Aubry – Lacan zum Neurologen schleppen, um bei ihm Demenz, Aphasie und eine Dejerine-Agraphie diagnostizieren zu lassen (Lacan konnte nicht mehr schreiben). Andere wollten ihn vor Gericht zerren. Der Gipfel war die Kehrtwende des Mannes, durch den der Skandal ins Rollen kam, Charles Melman, für Miller der „absolute Verräter“ – für mich keineswegs: in einem Brief vom 7. Dezember 1980 enthüllte Melman das Geheimnis. Da er nicht länger über den Betrug schweigen konnte, den Miller, sein Analysant, ihm gestanden hatte, warf Melman ihn hinaus und enthüllte, dass Miller Lacan seit dem 5. Januar 1980 beim Verfassen seiner Texte geholfen hatte – Millers Neigung, Lacan zu phagozytieren, ging so weit, dass sie ihn dazu brachte, sich zuzuschreiben, was Lacan gesagt hatte. Es stimmt zwar, dass Lacan bei der Feier zur rechtlichen Auflösung seiner Schule im Lateinamerika-Haus am 27. September 1980 anderswo war. Dennoch unterzeichnete Lacan am 19. Januar 1981 die Satzung der neuen École de la Cause freudienne. Daraufhin begab ich mich zu Colette Soler, die dort stellvertretende Direktorin war, um sie zu befragen, wie die Lage tatsächlich war. Sie versicherte mir, dass Lacan bei vollem Verstand war und dass er ihr für die École de la Cause freudienne gerade einen Scheck ausgestellt hatte.
Vor diesem Hintergrund, einer Panik an Bord und dem Motto Delenda est Carthago bei den Millerianern, erhielt ich – wie alle die Tausend der Cause freudienne – einen Brief mit dem Briefkopf der École de la Cause freudienne, 5 rue de Lille, von Lacan unterzeichnet, vom 26. Januar 1981, in dem ich Folgendes las:.
„Seit einem Monat habe ich mich von allem zurückgezogen – abgesehen von meiner Praxis. Ich habe wenig Lust, aufzurühren, was ich fühle. Wohl eine Art Scham. Die über einen großen Kladderadatsch: man erlebt da jemanden, den er zwanzig Jahre lang und länger tatsächlich in den Vordergrund gestellt hat, wie er aufsteht und dem alten Mann eine Handvoll Sägemehl in die Augen wirft, einem Mann, der … usw. Die Erfahrung hat ihren Preis, denn im Voraus kann man sich das nicht vorstellen. Diese Obszönität hat die Cause zunichte gemacht. Es wäre gut, wenn man einen Vorhang davorzöge.“
Und ich lese:
„Dies ist die École meiner Schüler, jener, die mich noch lieben. Ich öffne ihr so bald wie möglich die Türen. Ich sage: für die Tausend. Das ist das Risiko wert. Dies ist der einzig mögliche – und anständige – Ausweg. Ein Forum (der École) wird von mir einberufen werden, in dem alles diskutiert werden wird – dies ohne mich. Das Ergebnis werde ich gutheißen.“
Nun kann ich meine Frage beantworten. Warum bin ich Lacanianer? Weil ich auf zwei Kleinanzeigen geantwortet habe, im Februar 1980 und im Januar 1981! Die Worte der Kleinanzeige vom 26. Januar 1981, „diejenigen, die mich noch lieben“, lösten im explosiven Milieu der Lacanianer einen Aufschrei aus. Wie konnte Lacan sich an jene seiner Schüler wenden, die ihn noch liebten, um die Gründung dieser neuen Schule zu rechtfertigen, von der er sagte, sie sei nicht die seine, sondern die seiner Schüler? War wirklich er es, der sie geschrieben hatte? War es nicht Jacques-Alain Miller, der sie ihm eingeflüstert hatte? Hatte Lacan den Verstand verloren? Wie auch immer, bei Lacan waren die Liebe und die Schule in der Tat miteinander verbunden. Als ich diese Worte las, erschütterten sie mich. Ich liebte ihn noch immer. Ich ging die Wette erneut ein. Umgehend antwortete ich auf seinen Brief vom 26. Januar 1981, dass ich in die Schule seiner Schüler, die ihn noch lieben, eintreten wolle – ich schrieb ihm das umgehend, ich, der ich ihn sechs Monate zuvor verlassen hatte. Es war an einem Tag im Sommer 1980, während einer umwerfenden Sitzung, die die letzte war. An diesem Tag verließ ich Lacan, verließ ich seine Couch, verließ ich meinen Analytiker, es war vorbei; ich sagte ihm, es ist vorbei, ich werde nicht wiederkommen, und er … schickte mich zu Boden.
Die Eskapade
Man muss sagen, man muss sagen, wie du sagst, Jacques, lieber Jacques Brel, wenn du in „La Fanette“ singst, dass man uns nichts beibringt; Paris war menschenleer und weinte unter dem Juli. Man muss sagen, als ich die Treppe der Rue de Lille Nr. 5 hinunterstürmte, war ich aus der Bahn geworfen, allein, wirklich allein, ohne Lacan, ohne das, was er für mich, den Analysanten, gewesen war, all die Jahre lang. Ich wusste: dies nie wieder, nie wieder diese flüchtigen und blitzartigen Momente, in denen ich ihm viermal in der Woche ich weiß nicht mehr was sagte, was für mich jedoch so wesentlich war, so lebenswichtig, so unglaublich erschütternd. Das war von all dem das Ende. „Was bleibt von all dem? Sagt es mir“, singt Charles Trenet. Über das, was von unserer Liebe bleibt, darüber wird Didier Castanet zu uns am 7. Februar sprechen. Was mir davon bleibt, ich sage es Ihnen. Von all dem bleibt der transfer, ohne das abschließende t, ein stummes „ch-ch-ch-u“, eine zersplitterte gestohlene Letter auf der Eisenbahnstrecke des Begehrens. Was bleibt von all dem? Ich sage es Ihnen: von all dem bleibt meine Eisenbahn als Analysant, der durch den roten Trans-Europa-Express von Le Capitole läuft (Vorläufer des TGV inOui), den ich jede Woche nahm, um 5 Uhr 56 Uhr in Paris-Austerlitz anzukommen. Von diesem transfer ohne t, von seiner zertrümmerten gestohlenen Letter, bleibt ein Zug namens la mourre de Lacan. Selbst nachdem ich aufgehört hatte, diesen Zug zu nehmen, der mit 200 Kilometern pro Stunde dahinraste, war ich bereit, dorthin zu fahren, in die École, deren Schere-Stein-Papier er dadurch ins Rollen brachte, dass er denjenigen, die ihn noch lieben, die Türen weit öffnete. Das war das Angebot: eine neue Schule, die er adoptieren würde, eine Schule derjenigen, die ihn noch genug lieben, um in den fahrenden Zug einzusteigen, ohne ihn, der auf dem Bahnsteig zurückblieb.
Aber welche Liebe? Die Liebe des Vaters!? Des alten Vaters Lacan, den man beiseite schieben, in den Ruhestand versetzen wollte; als Ehrenvorsitzender jener Ècole freudienne de Paris, die er gegründet und geleitet hatte und deren Ruder nun die Dolto-Clique übernehmen wollte? Man weiß, dass Lacan sich dem bis zum Schluss hartnäckig widersetzte. Im Gegenteil, Lacan a père-sévéré, Lacan hat durchgehalten / als Vater hart durchgegriffen. Da die Gegen-Erfahrung gescheitert war, beharrte er darauf [il a persévéré], eine Schule seiner Schüler zu wollen … die ihn noch lieben. Aber zielt die Analyse, so werden Sie einwenden, nicht vielmehr darauf ab, die Liebe zu diesem Vater, der den Neurotiker zu einem Gläubigen macht, loszukriegen? Lacans Angebot – denn das war es, nicht eine Forderung, es war sein allerletztes Angebot, das er an jenem 26. Januar 1981 machte und das da lautete: Los denn, gründet eine Schule, die des Neuen, das es in der Liebe gibt, würdig ist. Keine Schule der Fans von Jacques-Alain, von Colette oder von Pierre. Geht dieses Risiko ein. Gründet eure Schule. Nicht mehr meine, die eure. Wagt es, wenn ihr mich noch liebt, wagt die Chance, dass ein Ansatz gewonnen werde, um die Psychoanalyse noch einmal neu zu erfinden. Es ist dieses Angebot, das mich heute noch dazu bringt, ihn zu lesen, mich mit seinen Seminaren und Schriften auseinanderzusetzen. Es ist dieses Angebot, das mich noch dazu bringt, die Psychoanalyse für morgen zu schreiben. Dieses noch, das mir von ihm noch bleibt, ist sein Name im verlassenen Paris an einem Mittwoch im Sommer 1980.
Warum bleibe ich, auch heute noch, Lacanianer? Weil für mich Lacan nicht als historisches Denkmal abgelegt ist. Er wird es niemals sein. Mein Wunsch, Psychoanalyse zu lehren, entspringt dem Wunsch, das, was ich von ihm gelernt habe, für meine Analysanten redivivus zu machen. Hätte ich ihn fallen lassen wie eine alte löchrige Socke, die nicht mehr ganz bei Sinnen ist, hätte ich gewartet, dass er krepiert, sodass meine Analyse faktisch endete, dann hätte ich meine Analyse, möchte ich sagen, schlecht beendet, wirklich schlecht beendet. Ich habe nicht darauf gewartet, dass der böse Wind ihn davonträgt. An jenem Tag, dem für immer Anderen Tag, an dem ich kam, um ihm zu sagen, dass ich gehe, wusste ich, was mich erwartete: dass er mir eine Abfuhr erteilt. Denn das Problem des Endes der Analyse besteht nicht darin, dass man weiß, was den Anderen erwartet – der Tod –, und dass man nur darauf warten muss, dass er eintritt, um das Ende endlich hinter sich zu haben. Es geht darum zu wissen, was das Subjekt am Ende seiner Analyse erwartet: die Scabeaustration, die Kastration der Leiter, des escabeau, die, wie Lacan schreibt, „nur durch die Eskapade erreicht wird“8. Die Scabeaustration erreicht man nur durch das Entrinnen [échappée]. Man spricht von einer échappée belle, einem „schönen Entrinnen“, um zu sagen, dass man einer Gefahr knapp entronnen ist, dass man aus einer heiklen Situation herausgekommen ist. Beim Jeu de Paume sprach man von einem „schönen Entrinnen“, wenn man einen Ball knapp verfehlt hatte. Das Wort Eskapade stammt aus dem Italienischen, una scappata; man sagt fare una scappata a casa, um auszudrücken, dass man auf einen Sprung nach Hause fährt. Im Reitsport ist ein Pferd, das eine Eskapade macht, ein Pferd, das sich weigert zu gehorchen. Man sagt, es macht einen Ausbruch [écart]. Das Unbewusste ist dieses Pferd, das Ausbrüche macht, sprachliche Ausbrüche, die einen aus dem Sattel werfen, und die Analyse ist eine Praxis des Ausbrechens, der Erfüllung* der Ausbrüche von lalangue. An jenem Tag, an dem es sich erfüllte, bin ich nicht „schön entronnen“, habe ich den Ball nicht knapp verfehlt. Was die Eskapade betrifft, so war das Ausbrechen, das das Ende meiner Analyse mich vollziehen ließ, groß, sehr groß. Eine Analyse endet nicht mit einem „schönen Entrinnen“. Wenn sie eine Scabeaustration bewirkt, vollzieht sich der Schritt auf der Trittleiter, den sie verfehlen lässt, nur durch die Eskapade … im borromäischen Sinne, die nur gelingt, wenn sie durch das richtige Loch hindurchführt [passer]. Aus Erfahrung wissen wir, es gibt Knoten, die man nicht verfehlen kann, Knoten, die man sich in der Zunge macht [au bout de la langue], angefangen bei jenen, die man sich als Analysant macht, sobald man auf der Couch dazu kommt, etwas zu sagen, indem man einfach versucht, der Grundregel zu folgen. Lacan, so viel ist sicher, das war in jeder Sitzung die Eskapade. Dass man dem Realen des Ausbrechens nicht entkommen kann, habe ich aus la mia scappata gelernt.
In der Nachträglichkeit meiner Eskapaden halte ich zwei Dinge fest, zwei Dinge meiner Analyse mit Lacan und aus seinen Seminaren, die ich während der gesamten Zeit meiner Analyse besucht habe. Erstens: Vor der Struktur kann man nicht davonlaufen. Zweitens: Nicht alles lässt sich aus der Praxis lernen. Das ist die These von „L’étourdit“. Es gibt etwas, das man nicht aus der Praxis lernt, nämlich die Struktur. Was von der Struktur gelernt wird, verläuft [passe] über die Topologie. Wir sollten nicht vergessen, was das griechische Wort mathēma bedeutet: „das, was gelernt wird“..
Praxis dessen, was gesagt wird, und Praxis des Sagens
Gewiss, die Psychoanalyse ist eine Praxis, eine Praxis und keine Wissenschaft, doch sie lehrt den Psychoanalytiker nicht alles. Praxis zu haben, ein alter Hase zu sein, wie man sagt, reicht für ihn nicht aus, um sich im analytischen Diskurs zu halten. Die Psychoanalyse ist eine Praxis des Schwätzens, die das, was in einer Psychoanalyse gesagt wird, ernst nimmt. Was dort gesagt wird, lehrt uns viel darüber, was Sprechen ist und über die Wirkungen des Sprechens in Bezug auf das Reale. Die Praxis lehrt uns vor allem, was die psychoanalytische Klinik ist und worauf sie sich stützt, in erster Linie auf die psychiatrische Klinik und auf die Nosographie, die die Psychiater konstruiert haben, vor allem französische und deutsche Psychiater des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Praxis konfrontiert uns mit der Klinik des Falls und mit ihren Typen, als da sind Neurose, Psychose und Perversion, deren Mechanismen Freud unterschieden hat: Verdrängung, Verwerfung und Verleugnung.
Aber was versteht Lacan unter „Struktur“, wenn er sagt, dass sie das ist, was man nicht aus der Praxis lernt? Es ist klar, dass man die Struktur nicht mit den klinischen Strukturen des Freud’schen Triptychons verwechseln darf, die man sehr wohl aus der Praxis lernt. Wenn sie sich nicht aus der Praxis lernen lässt – wodurch, woher lernt man sie dann? Lacan präzisiert das auf Seite 478 von „L’étourdit“. Sie lässt sich aus dem erlernen, was „keine Theorie“ ist und was „[s]eine Topologie“ ist, die „Rechenschaft davon ablegen muss, dass es unter den Schnitten des Diskurses welche gibt, die so sind, dass sie die Struktur, die er ursprünglich empfängt, modifizieren.“
Lassen Sie uns die Formulierung auseinanderfalten. Es gibt etwas, das man nicht aus der Praxis lernt, das aber dennoch keine Theorie ist und das man, Lacan zufolge, aus seiner Topologie lernt, aus der seinigen: es ist die Struktur, über die er zwei Seiten zuvor, auf Seite 476, gesagt hatte: „Die Struktur ist das Reale, das in der Sprache zu Tage tritt.“ In der Sprache gibt es Reales, ein Unmögliches, das wodurch zu Tage tritt? Lacan sagt es mit diesen Worten: durch „dieses Sagen, das meine Topologie ist“: dieses Reale ist das, was man Struktur nennt.
Die Struktur ist das Reale, das in der Sprache zu Tage tritt, und dieses Reale lässt sich erfassen, so erklärt Lacan, mit Hilfe des Sagens seiner Topologie. Durch die Topologie der Höhlen, die von den Sprechenden seit Anbeginn der Menschheit bewohnt werden, lässt sich das Reale der Struktur, das in der Sprache zu Tage tritt, erfassen.
Von daher müssen wir zweierlei Praktiken unterscheiden: die Praxis des Gesagten, nämlich die Praxis der psychoanalytischen Klinik, insofern sie sich auf das Gesagte bezieht, auf das, was in einer Analyse gesagt wird; und die Praxis des Sagens, die für Lacan seine Topologie ist. Die Praxis des Psychoanalytikers ist demnach so zu begreifen: als eine Praxis des Sagens und des Schnitts, den die Topologie lehrt. Auf Seite 486 von „L’étourdit“ spricht Lacan von „der Topologie unserer Praxis des Sagens“, deren Reales „das Sagen von Cantor“ passiert, ein Sagen, durch das sich erklärt, dass, auf dem Torus der Neurose, das ungerade Transfinite der sich wiederholenden Runden des Anspruchs durch die doppelte Runde des Schnitts des Begehrens geschlossen wird. Eine Topologie – eine Wissenschaft der Löcher, der Anordnungen von Löchern, wie sie der Torus, die Kreuzhaube, das Möbiusband, die Boysche Fläche und die Kleinsche Flasche darstellen – ist daher erforderlich, um von diesem Realen Rechenschaft abzulegen. Anders als die Theorie ist sie nicht nicht von einem Jenseits des Realen her anzunehmen. Sie muss Rechenschaft ablegen von der psychoanalytischen Einwirkung auf das, was den Stoff der Erfahrung ausmacht. Genauer gesagt muss sie davon Rechenschaft ablegen, muss sie erklären und begründen, dass es unter den Schnitten des Diskurses solche gibt, die die Struktur modifizieren. Das ist der entscheidende Punkt. Es geht darum, Rechenschaft abzulegen von den Modifikationen der Struktur, die durch die Deutung, als Schnitt des Diskurses aufgefasst, ermöglicht werden, ein Schnitt, dessen Schließung zur Wirkung hat, die Struktur zu modifizieren, und zwar genau die Struktur des Phantasmas. Die Struktur, die des Phantasmas, ist demnach modifizierbar, und diese Modifikation, sofern sie stattfindet, bestimmt den Ausgang der Analyse, so wie Lacan ihn versteht, als diese Wende bei der Passage zum Analytiker, in dem, was er die Passe nennt.
Aber, so werden Sie mir sagen, wie lässt sich dieser Schnitt bewerkstelligen, wie macht man ihn in der Praxis, im konkreten Verlauf einer Sitzung? Ich antworte: darüber weiß ich verdammt noch mal gar nichts. Vom Schnitt gibt es kein Savoir-faire. Denn er unterliegt keinem technischen Verfahren, dessen Ablauf man festlegen kann; er erfordert nicht den Erwerb einer Kompetenz, er kennt weder die Berechnung noch eine bestimmte Vorgehensweise: er entspringt dem Akt, dort, wo der Analytiker nicht denkt. Es gibt keine praktiko-praktische oder praktiko-theoretische Gebrauchsanleitung für den Schnitt; man lernt ihn weder vor Ort noch an der Tafel. Ob das Skalpell des Akts auf das Phantasma eingewirkt hat oder nicht, lässt sich nur anhand seiner Auswirkungen im Dispositiv der Passe feststellen, wo die doppelte Runde des Sagens der beiden passeurs – der beiden „Fährleute“ – das ist, wodurch allein das Reale bezeugt wird. Seine Auswirkung auf die Struktur erfordert ein wenig Topologie.
Die Frage lautet nun: Was ist diese Modifikation der Struktur, von der die Topologie Rechenschaft ablegt, insofern ein bestimmter Schnitt die Struktur verändert? Lacan nimmt einerseits an, dass die Struktur sich modifizieren lässt und dass das Endziel einer Psychoanalyse darin besteht, sie zu modifizieren. Und andererseits, dass es die Topologie ist, ausschließlich sie, die diese Struktur verändern kann, durch einen Schnitt, von dem sie selbst Rechenschaft ablegen kann. Was ist dieser Schnitt, der die Struktur modifizieren kann? In der mathematischen Theorie der Flächen, Analysis Situs genannt, korrespondiert die Modifikation der Struktur der von Poincaré vorgenommenen Unterscheidung zwischen zwei Varietäten von Flächen, den einseitigen und den zweiseitigen Flächen. So kann man auf der Fläche der Kreuzhaube, die nur eine Seite und einen Rand hat, zwei Arten von Schnitten anbringen, die sich um seine zentrale Singularität herum in sich selbst schließen. Entweder man nimmt einen Schnitt von zwei Runden vor, der sie in zwei heterogene Teile zertrennt: der eine Teil, der eine einzige Seite und einen Rand behält, ist das Möbiusband des Subjekts; der andere, mit zwei Seiten, ist die Kopeke des Begehrens, deren Zahl symbolisch und deren Kopf imaginär ist. Oder man nimmt einen anderen Schnitt vor, der – diesmal mit einer einzigen Runde – die gesamte Kreuzhaube in den Janus mit zwei Gesichtern des Objekts a verwandelt; das ist das Subjekt, das sich dann als doppelgesichtig sieht. Diese topologische Modifikation der Struktur durch den Schnitt der Deutung, den der psychoanalytische Akt vollzieht, entspricht dem, was Lacan in seinem „Vorschlag zum Psychoanalytiker der École“ als Wende bezeichnet, bei der das Subjekt sieht, wie die Gewissheit, die es aus seinem Phantasma schöpfte, kentert. Die Passe ist das operative Feld dieses „Kenterns“ der Gewissheit, die das Begehren aus dem Phantasma schöpft. Diese Wende vollzieht sich [passe par] durch die topologische Externalisierung des Objekts a. Die Psychoanalyse bezieht ihren Wert daraus, diese Externalisierung herbeizuführen; durch das Sagen seiner Topologie macht Lacan sich zu deren Extrahierer. Dir, du Nachtschwärmer, offenbart sie das, dem du den Rücken zukehrst: dein „Extérieur nuit“ [Außen, Nacht], das, was Bernard Lavilliers für dich singt: „Du, der Streuner, der du in der Rue des Lombards nach einem Blues sucht, du, der du ein Staubkorn im Auge hast, du, der sich stets mit einem spöttischen Lachen herauszieht, du, der sich versenkt in die Abfalleimehr, -mehr, -mehr [dans les poubelles, belles, belles].“
Einen borromäischen Garten anlegen
Lacan unterzeichnet seinen Text überraschenderweise mit „Belœil, 14. Juli 72“. Es folgen, als Kolophon, die merkwürdigen Zeilen, die ich Ihnen vorlese: „Belœil, bei dem man denken kann, dass mir Charles I., obwohl nicht von meiner Linie, gefehlt hat, jedoch nicht, wie man wissen möge, Coco, zwangsläufig Schönauge, als Bewohner des Nachbargasthofes, der dreifarbige Ara nämlich, den ich, ohne sein Geschlecht erkunden zu müssen, als Hetero klassifizieren musste – da man ihn sprechend nennt.“ Der Teufel steckt im Detail. Belœil ist der Name des prächtigen Schlosses der Familie der Prinzen von Ligne in Belgien, deren Prinz Charles-Joseph de Ligne, den Lacan seltsamerweise Charles I. nennt, der Verfasser des 1781 erschienenen Werks Coup d’œil sur Belœil ist. Er war ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber und schuf, neben den berühmten französischen Gärten des Schlosses, einen Park im englischen Stil. Doch der Name Belœil ist nicht nur ein Ortsname, das ist auch „Coco, zwangsläufig Belœil“, der dreifarbige Ara des Nachbargasthofs, über den Lacan sagt, er habe sein Geschlecht nicht erkunden müssen, um ihn als „als Hetero zu klassifizieren – da man ihn sprechend nennt.“ Ich stelle mir gern vor, wie Coco, zwangsläufig Belœil, die Zunge rausstreckt und immer wieder schreit: „Jaco! Jaco! Es gibt kein sexuelles Verhältnis!!!“.
Jean-Claude Milner9 hat die nationale Färbung dieses Postskriptums interpretiert (der 14. Juli, Nationalfeiertag, der dreifarbige Ara), und dies so, dass er Charles I. mit de Gaulle gleichsetzt (in dessen Linie Lacan sich, wie er sagt, nicht wiedererkennen kann), Coco Belœil mit den „Cocos“ der PCF, die nur mit einem Auge sieht und nur die Stimme ihres Herrn hört, und den dreifarbigen sprechenden Papagei mit Frankreich, das zu den Franzosen spricht, jenes La France, das ebenso wie Die Frau nicht existiert. Milner sagt, dass Charles I., Coco und der Ara, seiner Sexuierung nach hetero, borromäisch zu viert verknotet sind, durch den Signifikanten „Garten à la française“, den Lacan, wie er in „L’étourdit“10 sagt, zehn Jahre lang sorgfältig angelegt hat. Ohne dieses „à la française“ löst sich alles auf. Milner deutet das Postskriptum als Abschied Lacans von seinen Bemühungen, einen Garten à la française anzulegen. Hier ist er gerade dabei, die Grenze zu einem anderen Garten zu passieren, zu einem Garten à la borroméenne..
Zum Lachen
Eine Seite zuvor erwähnt Lacan Demokrit von Abdera (noch einer, der veraltet ist), den Philosophen aus Methusalems Zeiten, der legendärerweise dem Realen die Zunge rausstreckte. Er dachte, da das Reale nun einmal ist was es ist, ohne Sinn, dass es besser wäre, darüber zu lachen. Er ist der Erfinder des Atomismus, der erste, der sagte, das Atom sei dieses unteilbare Stück von radikal Realem, das sich unmöglich zerschneiden lässt. Lacan spricht hierbei vom den, ein griechischen Neologismus, den Demokrit aus mēden extrahiert, dem griechischen Wort für nichts. Das Atom ist „den“, nicht einmal nichts. Bereits am 12. Februar 1964 hatte Lacan in Seminar XI darüber gesprochen.11 Nicht das mēden ist wesentlich, sondern das den: etwas zwischen dem Sein und dem Nichtsein, „vielleicht nichts, aber nicht nichts“. Bei Demokrit gibt es keinen Platz für die Ontologie, seine Forschung ist de-ontologisch. Das ist das, was Lacan interessiert, eine De-Ontologie des Analytikers, der sich das „Entsein“ zur Aufgabe macht: er muss sich zu nichts oder fast nichts machen – klein a. Das Atom ist dieses vielleicht nichts, aber nicht nichts, dessen ontologischer Skandal Demokrit zum Lachen bringt. Es ist „der blinde Passagier [passager clandestin], dessen clam“, schreibt Lacan (clam bedeutet im Lateinischen „ohne Wissen von“), „jetzt unser Schicksal bestimmt“. Lacan greift, in unserer Sprache, den joke von Demokrit auf, der aus mēden das mē entfernt: er wirft den letzten Buchstaben des Wortes rien [nichts] über Bord, das n, wodurch die Interjektion hein! zu hören ist, die in ihrem Sturz [chute]oder ihrem „Pst!“ [chut !] – wie das stumme t von transfert – in Stücke zerplatzt … vor Lachen. Man lache [rie] über Coco Belœil, man lache über Edwarda, zwei Heteros mit scharfer Zunge. Lacan streckt den papageienhaften Nachplapperern des Nachbargasthofs, wo man Lacan à la française serviert, die Zunge raus. Man bedient sich dermaßen damit, dass man, wie Lacan ironisch anmerkt, „seit einiger Zeit kofferwortet soweit das Auge reicht“.
Dass man lacht über das „nicht mal nichts“, das die Ursache für all das ist, was bewirkt, dass man ist wie man ist, das könnte es sein, seine Analyse zu beenden. Nicht, dass man über das nix in schallendes Gelächter ausbricht wie der hungrige Vampir aus der schrägen Deliveroo-Werbung. Nein, am Ende muss man einfach darüber kichern. Ein Buchstabe fehlt, um das Nichts des Seins zu schreiben, das im Text der Welt fehlt. Am Ende kicherst du darüber, wenn du weißt, dass die Welt das ist, dass du dein Leben damit verbracht [passé] hat, es jede Nacht neu zu erschaffen, „Oh, du Verrückter, der du jeden Abend bis tief in die Nacht die Hoffnung bewahrst, die Hoffnung auf ein andres Leben“, singt noch immer Bernard Lavilliers, „– Noch eine Stunde, man weiß ja nie! – Der Tag bricht an, und du kannst nichts dagegen tun.“ Die wahnsinnige Grausamkeit des frühen Morgen, sie ist es, die dir, oh Verrückter der Nacht, die Zunge rausstreckt …
Um das Unbewusste zu lesen, dafür genügt es nicht, früh aufzustehen. Beim Unbewussten ist man im Dunst eines fahlen Morgens, sei es der Morgen, an dem man aufsteht, oder der, an dem man nach einer schlaflosen Nacht zu Bett geht. Wer versucht, im Nebel zu lesen, streckt die Zunge raus. Außer man ist Japaner, der, um es zu sagen, in seiner Sprache einen großartigen Ausdruck hat: kūki wo yomu, was mit „die Luft lesen“ übersetzt wird.12
Die Luft lesen von dem, was gesagt wird, in dem, was verstanden wird, darum bemüht sich der Analytiker. Von dem, was in der Luft von Fukushima zu lesen ist, dazu ist er verpflichtet.
Voilà.
.
Französisch/deutsch
J’ai une pensée pour Pierre Bruno, avec qui, hier encore, je réinventais la psychanalyse et la vie.
Ich habe einen Gedanken für Pierre Bruno, mit dem ich noch gestern die Psychoanalyse und das Leben neu erfunden habe.13
.
Je n’oublie pas son inestimable essai sur la passion d’Antonin Artaud, qui en 1947 à Rodez se sortit de son exécration du Père-Mère en s’inventant un corps grâce à sa poésie sans parenté.
Ich vergesse nicht seinen unschätzbaren Essai über die Passion von Antonin Artaud, der sich 1947 in Rodez aus seiner Abscheu vor Vater-Mutter befreite, indem er sich, durch seiner Poesie ohne Herkunft, einen Körper erfand.14
.
Un texte théoriquement énorme…
Ein enormer theoretischer Text…
.
Qu’enseigne la psychanalyse ? Saison 5. Cinq ans d’affilée la même question, ouh là quelle obstination !
Was lehrt die Psychoanalyse? Staffel 5. Fünf Jahre in Folge dieselbe Frage – du liebe Zeit, was für eine Hartnäckigkeit!
.
Oui, il faut une fichue dose d’obstination, une vraie ténacité pour vouloir dire ce qu’enseigne la psychanalyse.
Ja, es bedarf einer verdammten Portion Hartnäckigkeit, einer wirklichen Beharrlichkeit, wenn man sagen will, was die Psychoanalyse lehrt.
.
Elle enseigne ce qui n’est pas matière d’enseignement, le réel.
Sie lehrt, was kein Lehrstoff ist: das Reale.
.
Non seulement la psychanalyse traite de l’impossible qu’est le réel, mais elle le traite, elle en propose, elle en effectue le traitement.
Die Psychoanalyse handelt nicht nur vom Unmöglichen, also vom Realen, sondern sie behandelt es, sie schlägt hierzu die Behandlung vor und führt sie durch.
.
Cet impossible, Lacan a voulu le traiter par ce qui est seul à pouvoir s’enseigner, le mathème, qui est ce qui du mathématisable ne se formule qu’en impasses et qui passe par la topologie, soit l’analyse des lieux bizarroïdes que les parlants habitent, ces grottes du langage que sont le cross-cap encore appelé la mitre et la bouteille de Klein dont le dedans est son dehors.
Dieses Unmögliche, Lacan wollte es durch das behandeln, was als Einziges gelehrt werden kann: das Mathem, welches das ist, was vom Mathematisierbaren nur in Sackgassen formuliert werden kann und das über die Topologie verläuft [passe par], also die Analyse der bizarren Orte, die von den Sprechenden bewohnt werden, diese Höhlen der Sprache, als da sind die Kreuzhaube, auch Mitra genannt, und die Kleinsche Flasche, deren Innen ihr Außen ist.15
.
Aujourd’hui, je vais vous reparler d’un texte énorme, intitulé « L’étourdit », dont la lecture me fait encore tirer la langue, comme d’autres devant une difficulté froncent les sourcils ou se mordent les lèvres, et dans lequel Lacan explique que l’analyse, à condition que l’interprétation y opère une certaine coupure, peut modifier la structure du fantasme, tout simplement.
Heute werden ich zu Ihnen wieder über einen enormen Text mit dem Titel „L’étourdit“ sprechen, dessen Lektüre mich immer noch dazu bringt, die Zunge rauszustrecken, so wie andere bei einer Schwierigkeit die Stirn runzeln oder sich auf die Lippen beißen, und worin Lacan erklärt, dass die Analyse – sofern die Deutung einen bestimmten Schnitt herbeiführt – die Struktur des Phantasmas modifizieren kann, ganz einfach.16
.
On y lit des énormités comme : « Il n’y a pas de rapport sexuel. »
Darin liest man Ungeheuerlichkeiten wie: „Es gibt kein sexuelles Verhältnis.“
.
Énormité d’un « n’y a pas » qui nous fait ânonner « hi ! han ! appât 17 ».
Die Ungeheuerlichkeit eines „n’y a pas“ [„gibt kein“], die uns dazu bringt, „hi ! han ! appât“ zu stammeln, „i-a Lockreiz“.18
.
Ça appâte que dalle. Macache. Wallou.
Das verlockt kein bisschen. Nada. Nix.19
.
Ce wallou, que Lacan tire du puits sans fond où le dire de Freud prend de source le dit de l’inconscient, fait que – je vais le dire avec Georges Bataille chez qui, ne l’oublions pas, Lacan est allé chercher « ce à quoi l’explication se dérobe » : l’Impossible –, ce wallou, dis-je, fait que l’érotisme prête à rire et à l’affolement, ce que Bertolucci dans son Dernier tango à Paris et Oshima dans son Empire des sens ont porté au bout du bout.
Dieses nix, das Lacan aus dem bodenlosen Brunnen schöpft, in dem das Sagen von Freud das Gesagte des Unbewussten als Quelle nimmt, sorgt dafür, dass – ich will es mit Georges Bataille sagen, bei dem, das sollten wir nicht vergessen, Lacan gesucht hat, „was sich der Erklärung entzieht“: das Unmögliche –, dieses nix, sage ich, sorgt dafür, dass die Erotik zum Lachen bringt und in Panik versetzt, was Bertolucci in seinem Letzten Tango in Paris und Oshima in seinem Reich der Sinne auf die Spitze getrieben haben.20.
.
… dans la pratique
… der in der Praxis verankert ist
« L’étourdit » est un texte d’une incroyable hypercomplexité théorique et qui n’est pas moins ancré dans la pratique clinique de Lacan.
„L’étourdit“ ist ein Text von unglaublicher theoretischer Hyperkomplexität, der darum nicht weniger in Lacans klinischer Praxis verankert ist.
.
Lacan le dit, au tout début du texte : il l’a écrit à l’occasion des cinquante ans de la création, en 1922 dans l’hôpital Sainte-Anne par Édouard Toulouse, de l’hôpital Henri-Rousselle, qui fut le premier service libre de psychiatrie en France.
Lacan sagt es gleich zu Beginn des Textes: er schrieb ihn anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Gründung des Krankenhauses Henri-Rousselle, das – als Abteilung im Sainte-Anne-Krankenhaus – 1922 von Édouard Toulouse gegründet wurde und das der erste freie psychiatrische Dienst in Frankreich war.21
.
Lacan y fut accueilli par le professeur Georges Daumézon pour y « passer la présentation 22 ».
Lacan war dort von Professor Georges Daumézon aufgenommen worden, um „die Vorstellung durchzuführen [passer la présentation]“.
.
Lacan le dit comme on dit passer le grand oral.
Lacan sagt es in der Weise wie man sagt: passer le grand oral, „die große mündliche Prüfung absolvieren“.
.
Il ne vous aura pas échappé que cette façon de dire fait penser à la passe.
Es wird Ihnen nicht entgangen sein, dass diese Formulierung an die „Passe“ denken lässt.
.
Cela indiquerait que Lacan considérait que sa présentation, qu’il passait tous les vendredis à Sainte-Anne, était une passe, dont au demeurant il a dit qu’elle doit être, comme la mer, toujours recommencée, une passe dont il estimait avoir à se firae le passeur, comme passeur de la logopathie du malade, pour autant que comme tout un chacun (et le fou plus que le névrosé) il pâtit du langage, langage dont Lacan dira que c’est un parasite et même un chancre, pathognomonique de la malédiction sur le sexe.
Das würde darauf hindeuten, dass Lacan seine Krankenvorstellung, die er jeden Freitag in Sainte-Anne durchführte, als eine Passe betrachtete, von der er im Übrigen sagte, sie müsse, wie das Meer, immer wieder neu begonnen werden, eine Passe, bei der er sich als passeur begriff, als Fährmann der Logopathie des Kranken, insofern dieser wie jeder andere (und der Verrückte mehr noch als der Neurotiker) unter der Sprache leidet, einer Sprache, von der Lacan sagen wird, sie sei ein Parasit und sogar ein Schanker, pathognomonisch für den Fluch über dem Geschlecht.23
.
Lacan y revient à la fin de « L’étourdit », où il écrit : « Je salue Henri-Rousselle dont je n’oublie pas qu’il m’offre lieu à, ce jeu du dire au dit, en faire démonstration clinique. »
Lacan kommt am Ende von „L’étourdit“ darauf zurück, wo er schreibt: „Ich grüße das Henri-Rousselle, dem ich nicht vergesse, dass es mir einen Ort bietet, um für das Spiel des Sagens mit dem Gesagten eine klinische Demonstration zu geben.“24
.
Rien de moins que cela.
Nichts Geringeres als das.
.
Lacan n’oublie pas de saluer Henri- Rousselle, le nom du service ouvert de Sainte-Anne qui lui a offert, chaque vendredi, d’octobre à juin, à l’amphithéâtre Magnan, durant cinquante ans, du 4 novembre 1929 au 10 octobre 1980, lieu à « faire démonstration clinique » du « jeu du dire au dit ».
Lacan vergisst nicht, Henri-Rousselle zu würdigen, den Namen der offenen Abteilung von Sainte-Anne, die ihm fünfzig Jahre lang, vom 4. November 1929 bis zum 10. Oktober 1980, jeden Freitag von Oktober bis Juni im Magnan-Hörsaal den Raum bot, um für das „Spiel des Sagens mit dem Gesagten eine klinische Demonstration zu geben“.
.
Et de conclure par cette dernière phrase : « Où ai-je mieux fait sentir qu’à l’impossible à dire se mesure le réel – dans la pratique ? »
Und mit diesem letzten Satz zu schließen: „Wo habe ich besser spüren lassen, dass sich am unmöglich zu Sagenden das Reale misst – in der Praxis?“
.
La présentation de malade est donc bien pour Lacan le lieu à faire le mieux sentir que le réel se mesure dans la pratique à l’impossible à dire.
Die Krankenvorstellung ist für Lacan also tatsächlich der Ort, an dem sich am besten spürbar machen lässt, dass sich in der Praxis das Reale an dem misst, was zu sagen unmöglich ist.
.
Quant à l’impossible à écrire le rapport sexuel, c’est une autre affaire, qui découle de ce que Lacan appelle, dans le séminaire … Ou pire, « la connerie » de la fonction phallique.
Was die Unmöglichkeit angeht, das sexuelle Verhältnis zu schreiben, so ist das eine andere Sache, die sich aus dem ergibt, was Lacan im Seminar …oder schlimmer als den „Blödsinn“ der phallischen Funktion bezeichnet.25
.
La jouissance c’est du morse
Die Jouissance, eine Art Morse
Car il y a un Lacan qui, avec ses mathèmes de la sexuation, tire la langue à « la connerie 26 », comme il dit, dans quoi on entre quand on approche de la fonction essentielle du langage, qui est de remplir tout ce qui laisse béant qu’il ne puisse y avoir de rapport sexuel.
Denn es gibt einen Lacan, der mit seinen Sexuierung-Mathemen dem „Blödsinn“, wie er sagt, die Zunge rausstreckt, jenem Blödsinn, in den man gerät, wenn man sich der wesentlichen Funktion der Sprache nähert, all das auszufüllen, was dadurch, dass es kein sexuelles Verhältnis geben kann, klaffend offen bleibt.
.
L’enfant tire la langue à qui veut lui faire gober des conneries.
Das Kind streckt denen die Zunge raus, die ihm Blödsinn aufschwatzen wollen.
.
Démocrite, paraît-il, tirait la langue à la connerie du réel, pour qu’on en rie.
Demokrit, so scheint es, streckte dem Blödsinn des Realen die Zunge raus, damit man darüber lache.
.
J’y reviendrai.
Ich werde darauf zurückkommen.
.
On se souvient d’Einstein, lui qui a très tôt tiré la langue à l’apprentissage de la parole (il n’a parlé qu’à quatre ans, mais s’est largement rattrapé après pour nous en démontrer), qui à son soixante-douzième anniversaire, le 14 mars 1951, tire ostensiblement la langue aux paparazzis qu’il exècre.
Wir erinnern uns an Einstein, der schon sehr früh dem Sprechenlernen die Zunge rausstreckte (er sprach erst mit vier Jahren, holte das aber später reichlich nach, um es uns zu demonstrieren), der an seinem zweiundsiebzigten Geburtstag, am 14. März 1951, den Paparazzi, die er verabscheute, demonstrativ die Zunge rausstreckte.
.
Einstein était un décoincé de l’hypoglosse (le nerf moteur de la langue) !
Einstein war ein Mann mit lockerem Hypoglossus (motorischer Nerv der Zunge)!
.
Le photographe Arthur Sasse eut le réflexe de déclencher son appareil – d’où la photo cultissime.
Der Fotograf Arthur Sasse hatte den Reflex, auf den Auslöser zu drücken, daher das Kultfoto.
.
Einstein en achètera neuf tirages pour en envoyer à ses amis.
Einstein kaufte neun Abzüge, um sie an seine Freunde zu schicken.
.
Lacan aussi, à son soixante et onzième anniversaire, le 13 avril 1972, avait bien des raisons de tirer la langue.
Auch Lacan hatte, an seinem einundsiebzigsten Geburtstag, am 13. April 1972, allen Grund, die Zunge rauszustrecken.
.
Il avait demandé en 1970 à Félix Guattari, un lacano-marxiste de son école, de lui écrire pour sa revue Scilicet un article sur Deleuze.
1970 hatte er Félix Guattari, einen Lacano-Marxisten seiner École, gebeten, für seine Zeitschrift Scilicet einen Artikel über Deleuze zu schreiben.
.
Ce texte n’y paraîtra pas.
Dieser Text sollte dort nicht erscheinen.
.
C’est là que Lacan s’aperçut que Guattari lui opposait l’inconscient-machine de sa théorie du réel comme pure production de flux-coupures.
Das war der Punkt, an dem Lacan klar wurde, dass Guattari ihm das Maschinen-Unbewusste seiner Theorie des Realen als reine Produktion von Fluss-Schnitten entgegenhielt.
.
Le loup était dans la bergerie et il montra les crocs à la mi-février 1972 quand L’Anti-Œdipe fit événement.
Der Wolf war im Schafstall und zeigte Mitte Februar 1972 seine Zähne, als der Anti-Ödipus zum Ereignis wurde.27
.
Deleuze avouera dans Pourparlers que son Dehors était la masse des jeunes qui en ont marre de la psychanalyse.
In Unterhandlungen wird Deleuze offenbaren, dass sein „Draußen“ die Masse der jungen Leute war, die die Psychoanalyse satt hatten.28
.
Je n’en ai pas marre d’être lacanien.
Ich habe es nicht satt, Lacanianer zu sein.
.
Lacan tire la langue à l’usine à gaz du corps sans organes deleuzien lorsqu’il écrit dans « L’étourdit » ceci : « Il n’y a pas de rapport sexuel du fait que d’habiter le langage c’est aussi bien ce qui pour notre corps fait organe, organe qui, pour ainsi lui ex-sister, le détermine de sa fonction, ce dès avant qu’il la trouve, ce qui nous réduit à trouver que notre corps n’est pas sans autres organes et que leur fonction à chacun nous fait problème, ce dont se spécifie le dit schizophrène pris dans son hors-discours 29 . »
Dem deleuzianischen Gaswerk des Körpers ohne Organe streckt Lacan die Zunge raus, wenn er in „L’étourdit“ schreibt: „Es gibt kein sexuelles Verhältnis, da das Bewohnen der Sprache ja auch das ist, was für unseren Körper zum Organ wird, ein Organ, das ihn, da sie ihm auf diese Weise ex-sistiert, in seiner Funktion determiniert, und dies schon bevor es sie findet, was uns darauf reduziert, zu finden, dass unser Körper nicht ohne andere Organe ist und dass die Funktion, die sie für einen jeden hat, Probleme bereitet, von woher das schizophren Gesagte, in seinem Außer-Diskurs genommen, seine Spezifik hat.“
.
Notre corps n’est pas sans organes et c’est leur fonction à chacun qui nous fait problème, de ce que le langage, qui fait pour notre corps organe, la détermine.
Unser Körper ist nicht ohne Organe, und was uns Probleme bereitet, ist deren Funktion für einen jeden, da die Sprache, die für unseren Körper zum Organ wird, diese Funktion determiniert.
.
Deleuze et Guattari savent très bien que Lacan n’en est plus du tout à l’inconscient familialiste qui met le manque en conserve.
Deleuze und Guattari wissen durchaus, dass Lacan längst nicht mehr bei dem familialistischen Unbewussten ist, das den Mangel in Konserven bringt.
.
Lacan en est, en 1972, à l’inconscient qui se jouit et qui ronronne comme le chat de la mère Michel, qui d’ailleurs l’a perdu sur l’air du tradéridadéridéra.
1972 befasst Lacan sich mit dem Unbewussten, das sich genießt und schnurrt, wie die Katze von Mutter Michel, die ihre Katze übrigens zur Melodie von tradéridadéridéra verloren hat.30
.
Il en est à tous ces signifiants jouis de lalangue que nous avons sur le bout de la langue et dont il s’en faut d’un rien pour qu’ils sortent.
Es geht ihm um all die von lalangue genossenen Signifikanten, die uns auf der Zunge liegen und die um ein Nichts davon entfernt sind, herauszukommen.
.
C’est lui, le mot joui, l’essaim de mots jouis que j’ai sur le bout de la langue, qui me la fait tirer, quand lalangue, en un mot, me fait m’essouffler à tant courir après lui !
Es ist dies, das genossene Wort, der Schwarm genossener Wörter, der mir auf der Zunge liegt, der mich dazu bringt, sie rauszustrecken, wenn lalangue, in einem Wort, mich außer Atem bringt, da ich ihr so sehr hinterherlaufe!
.
Il y en a une qui n’a pas la langue dans sa poche, c’est la pastoute.
Es gibt eine, die ihre Zunge nicht im Zaum hält, und das ist die Nichtalle.
.
La pastoute déborde.
Die Nichtalle ist überbordend.
.
La pastoute est un hors-bord.
Die Nichtalle ist ein Außenborder.
.
Elle tire la langue hors bord.
Sie streckt die Zunge über Bord.
.
La pastoute se tient là plantée, avec sa langue érectile de caméléon qu’elle catapulte au-delà du phallus.
Die Nichtalle steht da wie angewurzelt, mit ihrer erektilen Chamäleonzunge, die sie hinausschleudert, jenseits des Phallus.
.
Boris Vian a bien raison : la langue est un organe sexuel dont on se sert occasionnellement pour parler, après qu’elle a servi à bavocher au tout-petit.
Boris Vian hat völlig recht: „Die Zunge ist ein Geschlechtsorgan, das man gelegentlich zum Sprechen benutzt“ – nachdem es dem Kleinkind zum Sabbern gedient hat.31
.
C’est Madame Edwarda.
Das ist Madame Edwarda.32
.
Georges Bataille alias Pierre Angélique la rencontre dans la nuit nue de la rue Saint-Denis, je cite : « Au milieu d’un essaim de filles, Madame Edwarda, nue, tirait la langue. »
Georges Bataille alias Pierre Angélique begegnet ihr in der nackten Nacht der Rue Saint-Denis, ich zitiere: „Inmitten eines Schwarms von Mädchen streckte Madame Edwarda, nackt, die Zunge raus.“
.
Hans Bellmer, qui a gravé 12 cuivres pour l’édition de 1965 rééditée en 2001 par Pauvert, la dessine avec cette langue dégoulinante de bave, que Bataille a placée juste après cette phrase : « La mort elle-même était de la fête, en ceci que la nudité du bordel appelle le couteau du boucher », sur une page intercalée entre les pages 34 et 37 dans une série de points de suspension (j’en ai compté quatre cent vingt-trois !).
Hans Bellmer, der für die 1965 erschienene und 2001 von Pauvert neu aufgelegte Ausgabe zwölf Radierungen anfertigte, zeichnet sie mit dieser vor Speichel triefenden Zunge, die Bataille unmittelbar nach diesem Satz platzierte: „Der Tod selbst war mit von der Partie, da die Nacktheit des Bordells das Messer des Schlachters heraufbeschwört“, auf einer Seite, die zwischen den Seiten 34 und 37 in eine Reihe von Auslassungspunkten eingefügt ist (ich habe vierhundertdreiundzwanzig gezählt!).
.
Vous saute aux yeux le sens blanc de ces points qui, sur le blanc du Vélin de Rives où les mots se dérobent, tirent la langue à la pensée, tant Bataille suffoque face au dire impudent de cette fille de joie obscène.
Sie springt Ihnen ins Auge, die weiße Bedeutung dieser Punkte, die, auf dem weißen Vélin de Rives, auf dem die Worte sich entziehen, dem Gedanken die Zunge rausstrecken, so sehr erstickt Bataille angesichts des schamlosen Sagens dieses obszönen Freudenmädchens.
.
Cette page remplie seulement de points face à la langue pendante d’Edwarda est un poème sans langue.
Diese Seite, nur mit Punkten gefüllt, gegenüber von Edwardas heraushängender Zunge, ist ein Gedicht ohne Sprache.
.
Je pense à Ghérasim Luca 33 , à sa poésie sans langue qui dynamite la lettre à coups de poings-sons.
Ich denke an Ghérasim Luca, an seine Poesie ohne Sprache, die den Buchstaben mit Schlägen von Klangfäusten sprengt.
.
La jouissance c’est du morse : un chiffrage fait que de traits et de points.
Die Jouissance ist ein Art Morse: eine Verschlüsselung, die nur aus Strichen und Punkten besteht.
.
Il existe des lignes sans points.
Es existieren Linien ohne Punkte.
.
Elles constituent mathématiquement la bande à Mœbius.
Mathematisch bilden sie das Möbiusband.
.
Elles dessinent les jardins à la française d’une topologie tirée au cordeau mais qui ne s’ordonnent pas sans qu’un point hors ligne y file à l’anglaise.
Sie zeichnen die französischen Gärten einer straff gezogenen Topologie, die sich jedoch nicht ordnen lassen, ohne dass sich, auf englische Weise, ein Punkt außerhalb der Linie davonschleicht.
.
Car si la topologie de « L’étourdit » nous en fait baver, c’est que Lacan y tire la langue au premier classicisme de son discours de Rome, lorsqu’il prenait soin de faire jardin à la française des voies ouvertes par Freud.
Denn wenn uns die Topologie von „L’étourdit“ den Mund offenstehen lässt, dann deshalb, weil Lacan dort dem ersten Klassizismus seiner Rom-Rede die Zunge rausstreckt, als er darauf bedacht war, auf den von Freud eröffneten Wegen einen französischen Garten anzulegen.34
.
Dans « L’étourdit », il est question de ce qu’il n’y a pas, le rapport sexuel.
In „L’étourdit“ geht es um das, was es nicht gibt, das sexuelle Verhältnis.
.
Mais il y est encore plus question de ce qu’il y a.
Mehr noch aber geht es um das, was es gibt.
.
Ce qu’il y a, c’est le dire, le fait qu’on dise, l’événement qui a lieu de l’acte de dire.
Was es gibt, ist das Sagen, die Tatsache, dass man sagt, das Ereignis, welches sich durch den Akt des Sagens ereignet.
.
Qu’on dise reste oublié derrière ce qui se dit dans ce qui s’entend.
Dass man sagt, bleibt vergessen hinter dem, was gesagt wird, in dem, was verstanden wird.35
.
Le dire, le fait qu’on dise qui, dans ce qu’on dit, reste oublié, c’est ce que l’analyse a à rappeler à l’existence.
Das Sagen, die Tatsache, dass man sagt, und die in dem, was man sagt, vergessen bleibt, dies ist das, was die Analyse wieder zur Existenz erwecken muss.
.
Car de l’existence seul le dire est témoin.
Denn von der Existenz zeugt allein das Sagen.
.
Le dire témoigne, d’y ex-sister, de ce qui n’est pas de la dit-mension de la vérité et qui touche au réel que toute la dire, la dire toute, c’est absolument impossible.
Das Sagen bezeugt – vom darin ex-sistieren her, von dem her, was nicht zur dit-mension der Wahrheit gehört und was an das Reale rührt –, dass, sie ganz zu sagen, alles über sie zu sagen, absolut unmöglich ist.
.
Pourquoi je suis lacanien
Warum ich Lacanianer bin
J’en entends, dans les coulisses, qui disent : Lacan c’est daté, plus dans le coup.
Hinter den Kulissen höre ich Leute sagen: Lacan ist veraltet, nicht mehr angesagt.
.
Et Freud alors, c’est daté ?
Und Freud, ist der veraltet?
.
Et Socrate, c’est daté ?
Und Sokrates, ist der veraltet?
.
Oui, ça date, ça date de demain la veille.
Ja, das ist veraltet, das ist von vorgestern.
.
Ils disent : on n’en est plus là.
Diese Leute sagen: da sind wir nicht mehr.
.
Mais on en est où ?
Aber wo sind wir jetzt?
.
Au DSM 5 et aux TND, les troubles du neurodéveloppement.
Beim DSM-5 und bei den NDD, den neurologischen Entwicklungsstörungen.
.
On en est aux réponses à tout et tout de suite, grâce à toi, ChatGPT.
Wir sind bei den Antworten auf alles und das sofort, dank dir, ChatGPT.
.
On en est à une sénatrice née à Toulouse, Jocelyne Guidez, qui, avec trois autres sénateurs, dépose un amendement pour dérembourser les actes de soins de « toute pratique se réclamant de la psychanalyse », de ce qu’elle ne dispose d’aucune validation scientifique, particulièrement pour soigner les TND.
Wir sind bei einer in Toulouse geborenen Senatorin, Jocelyne Guidez, die mit drei weiteren Senatoren einen Änderungsantrag einreicht, um die Kostenübernahme zu streichen, für Behandlungsmaßnahmen „jeder Praxis, die sich auf die Psychoanalyse beruft“, da diese über keinerlei wissenschaftliche Validierung verfügt, insbesondere bei der Behandlung von NDD.
.
Ce qu’elle a dénoncé, devant le Sénat, c’est la validité du dire d’un psychologue se réclamant de la psychanalyse qui l’a personnellement touchée.
Was sie vor dem Senat angeprangert hat, ist die Validität des Sagens eines Psychologen, der sich auf die Psychoanalyse berief und der sie persönlich berührt hat.
.
De là sa haine des psys qui se réclament de la psychanalyse.
Daher ihr Hass auf Psychologen, die sich auf die Psychoanalyse berufen.
.
Passons.
Lassen wir das beiseite [passons].
.
De quoi je me réclame quand je vous dis que Lacan reste redivivus, revenu à la vie dans ma pratique ?
Auf was berufe ich mich, wenn ich Ihnen sage, dass Lacan redivivus bleibt, dass er in meiner Praxis wieder zum Leben erwacht ist?
.
Qu’est-ce qui dans ma façon de penser la psychanalyse me le fait dire ?
Was in meiner Art, die Psychoanalyse zu denken, bringt mich dazu, das zu sagen?
.
D’où je le dis ?
Von woher sage ich es?
.
Pour répondre, je rappelle à l’existence un épisode de mon aventure psychanalytique qui va vous faire remonter à la préhistoire… de notre école.
Um darauf zu antworten, rufe ich eine Episode meines psychoanalytischen Abenteuers in die Existenz, eine Episode, die Sie zurückversetzen wird in die Vorgeschichte … unserer Schule.
.
Cela s’est joué à l’instant où un pari, un quitte ou double qui valait d’être risqué, fut par moi à prendre.
Es geschah in einem Augenblick, in dem eine Wette, ein Alles-oder-Nichts, das es wert war, riskiert zu werden, von mir eingegangen werden musste
.
À prendre sur quoi ?
Eine Wette worauf?
.
Sur l’amour pour Lacan encore-là, là où pour d’autres que je côtoyais, Lacan, c’était mort : ils l’avaient déjà liquidé et enterré.
Auf die Liebe zu Lacan, der noch da war, während für andere in meinem Umfeld Lacan tot war, sie hatten ihn bereits abgeschrieben und beerdigt.
.
Je fus de ceux qui, en 1980-1981, alors que Lacan avait envoyé par le fond son navire École, voulurent poursuivre avec lui et son désir de d’écoler, de prévenir un nouvel effet de colle.
Ich gehörte zu jenen, die 1980/1981, als Lacan sein Schul-Schiff auf Grund gesetzt hatte, mit ihm und seinem Begehren, zu entschulen, weitermachen wollten, um einen neuen Erstarrungseffekt zu vermeiden.
.
Je vous parle d’un temps, comme le chante Charles Aznavour, que les moins de vingt ans, que dis-je ? de trois fois vingt ans au moins, ne peuvent pas connaître.
Ich spreche zu Ihnen von einer Zeit, welche, wie Charles Aznavour singt, die unter Zwanzigjährigen, was sage ich? welche die unter mindestens dreimal Zwanzigjährigen nicht kennen können.36
.
Cela fait quarante-cinq ans ; j’en avais trente-quatre.
Das ist fünfundvierzig Jahre her, ich war vierunddreißig.
.
C’était un an après la dis-solution par Lacan de son école, signée dans sa lettre du 5 janvier 1980 et lue par lui à la faculté de droit rue Saint-Jacques, le 8 janvier, avec tout le patatras qui s’ensuivit et qui fit se disloquer durant l’année 1980 et au-delà toute la communauté lacanienne.
Es war ein Jahr nach der Auf-lösung seiner Schule durch Lacan, die in seinem Brief vom 5. Januar 1980 besiegelt und von ihm am 8. Januar an der juristischen Fakultät in der Rue Saint-Jacques verlesen worden war, mit all dem Trubel, der darauf folgte und der im Laufe des Jahres 1980 und darüber hinaus zum Zerfall der gesamten lacanianischen Gemeinschaft führte.
.
Je rappelle, en gros, le cours des événements rapporté dans l’Almanach de la dissolution 37 .
Ich erinnere grob an den Ablauf der Ereignisse, wie er im Almanach de la dissolution beschrieben wird.
.
Lors du séminaire du 15 janvier 1980, Lacan fait appel au « tas de gens » qui, dit-il, ont « besoin de [lui] », qui « le croient assez pour le [lui] dire par écrit ».
Im Seminar vom 15. Januar 1980 appelliert Lacan an die „Menge von Leuten“, die, wie er sagte, „[ihn] brauchen“, die „ihm genug glauben, um es [ihm] schriftlich zu sagen“.
.
Je fus des Mille et plus à lui écrire le lendemain que je voulais poursuivre avec lui – je sus que ce jour-là Pierre Bruno, André Vals, Marie- Jean Sauret et quelques autres à Toulouse en firent de même.
Ich gehörte zu Tausenden und mehr, als ich ihm am nächsten Tag schrieb, dass ich mit ihm weitermachen wollte – ich wusste, dass an diesem Tag in Toulouse Pierre Bruno, André Vals, Marie-Jean Sauret und einige andere dasselbe taten.
.
Et nous fûmes comme au rendez-vous des amoureux lors du bal de l’Opéra se retrouvant quand ils laissent tomber leur masque : ce n’était pas lui, elle non plus d’ailleurs.
Und wir waren wie bei einem Rendezvous der Liebenden beim Opernball, die sich wiederfinden, wenn sie ihre Masken fallen lassen: das war nicht er, und sie war es übrigens auch nicht.38
.
Lacan devint l’homme couvert de lettres.
Lacan wurde zum Mann, der mit Briefen überschüttet wurde.
.
Il leur répondit, il me répondit.
Er antwortete ihnen, er antwortete mir.
.
Il nous invitait, le 21 février 1980, à innover, « sous [s]on égide » disait le carton que je reçus, la Cause freudienne et à y éviter la colle assurée.
Er lud uns am 21. Februar 1980 ein, „unter [s]einer Ägide“ – so stand es auf der Karte, die ich erhielt – die Cause freudienne neu zu gestalten und die vorhersehbare Erstarrung dabei zu vermeiden.
.
Il fallait faire naître la contre-expérience de cette école « archi-finie » qu’était devenue l’École freudienne de Paris.
Es galt, die Gegenerfahrung zu dieser „gänzlich erledigten“ Schule zu schaffen, zu der die École freudienne de Paris geworden war.
.
La contre-expérience capota.
Die Gegenerfahrung scheiterte.
.
Son ultime conférence, Lacan la réserva à ses lecteurs d’Amérique latine, qu’il dira être ses élèves qu’il n’a pas élevés lui-même.
Seine letzte Vorlesung reservierte Lacan für seine lateinamerikanischen Leser, von denen er sagte, sie seien diejenigen seiner Schüler, die er nicht selbst ausgebildet hatte.
.
Terminal Caracas, Lacan y inaugura le 12 juillet 1980 la première Rencontre internationale du Champ freudien.
Terminal Caracas, am 12. Juli 1980 eröffnete Lacan hier das erste Internationale Treffen des Champ freudien.
.
Cela le changeait du marécage parisien où, les dénonciations et diffamations allant de pire en pire, l’obscénité du groupe avait vite eu raison de la Cause freudienne.
Das bedeutete eine Abwechslung zum Pariser Sumpf, wo die Denunziationen und Verleumdungen immer schlimmere Ausmaße annahmen und wo die Obszönität der Gruppe die Cause freudienne schnell zunichte gemacht hatte.
.
Car si Lacan avait cru pouvoir dissoudre sa pauvre école, c’était parce qu’il pensait qu’elle était par le dire de son enseignement nouée borroméennement et que son dire allait suffire à en dissoudre le lien ; il savait aussi, comme il le déclara le 15 mars 1980 devant les membres de son école une dernière fois réunis par lui à l’hôtel PLM Saint-Jacques pour en prononcer la dissolution juridique, que le groupe, en revanche, est impossible à dissoudre.
Denn wenn Lacan geglaubt hatte, seine arme Schule auflösen zu können, dann deshalb, weil er dachte, sie sei durch das Sagen seiner Lehre borromäisch verknotet und sein Sagen würde ausreichen, um diese Verbindung aufzulösen; er wusste aber auch – wie er am 15. März 1980 erklärte, vor den Mitgliedern seiner Schule, die er ein letztes Mal im Hotel PLM Saint-Jacques versammelt hatte, um deren rechtliche Auflösung zu verkünden –, dass im Gegensatz hierzu die Gruppe unmöglich aufzulösen ist.
.
Mon entreprise est désespérée, avait-il déjà dit dans « L’étourdit », « parce qu’il est impossible que les psychanalystes forment un groupe 39 », impossible qui en fonde le réel.
Mein Unternehmen ist verzweifelt, hatte er bereits in „L’étourdit“ gesagt, „denn es ist unmöglich, dass die Psychoanalytiker eine Gruppe bilden“, eine Unmöglichkeit, die deren Reales begründet.
.
C’est l’obscénité de ce réel du groupe comme impossible à dissoudre qui a eu raison de la proposition de la Cause freudienne comme Champ de contre-expérience.
Die Obszönität des Realen der Gruppe als etwas unmöglich Aufzulösendes, dies ist das, was den Vorschlag der Cause freudienne als Feld einer Gegen-Erfahrung zunichte gemacht hat.
.
Certains, qui l’avaient porté aux nues, voulaient, comme Jenny Aubry, traîner Lacan chez le neurologue pour diagnostiquer sa démence, son aphasie, son agraphie de Dejerine (Lacan n’arrivait plus à écrire).
Einige, die ihn zuvor in den Himmel gelobt hatten, wollten – wie Jenny Aubry – Lacan zum Neurologen schleppen, um bei ihm Demenz, Aphasie und eine Dejerine-Agraphie diagnostizieren zu lassen (Lacan konnte nicht mehr schreiben).
.
D’autres voulaient le traîner en justice.
Andere wollten ihn vor Gericht zerren.
.
Le comble fut le revirement de l’homme par qui le scandale arrive, Charles Melman, le « traître absolu » pour Miller – pas du tout pour moi : dans une lettre du 7 décembre 1980, Melman découvrait le pot aux roses.
Der Gipfel war die Kehrtwende des Mannes, durch den der Skandal ins Rollen kam, Charles Melman, für Miller der „absolute Verräter“ – für mich keineswegs: in einem Brief vom 7. Dezember 1980 enthüllte Melman das Geheimnis.
.
Ne pouvant plus se taire sur la fraude que Miller, son analysant, lui avait avouée, Melman le fout dehors et révèle qu’il a aidé Lacan à écrire ses textes depuis le 5 janvier 1980 – la propension de Miller à phagocyter Lacan ira jusqu’à le faire s’attribuer ce qu’il a dit.
Da er nicht länger über den Betrug schweigen konnte, den Miller, sein Analysant, ihm gestanden hatte, warf Melman ihn hinaus und enthüllte, dass Miller Lacan seit dem 5. Januar 1980 beim Verfassen seiner Texte geholfen hatte – Millers Neigung, Lacan zu phagozytieren, ging so weit, dass sie ihn dazu brachte, sich zuzuschreiben, was Lacan gesagt hatte.
.
Il est vrai qu’à la fête pour la dissolution juridique de son école à la Maison d’Amérique latine, le 27 septembre 1980, Lacan était ailleurs.
Es stimmt zwar, dass Lacan bei der Feier zur rechtlichen Auflösung seiner Schule im Lateinamerika-Haus am 27. September 1980 anderswo war.
.
Pourtant, le 19 janvier 1981, Lacan signait les statuts de la nouvelle École de la Cause freudienne.
Dennoch unterzeichnete Lacan am 19. Januar 1981 die Satzung der neuen École de la Cause freudienne.
.
Sur ce, je me rendis chez Colette Soler qui en était la directrice adjointe pour l’interroger sur ce qu’il en était.
Daraufhin begab ich mich zu Colette Soler, die dort stellvertretende Direktorin war, um sie zu befragen, wie die Lage tatsächlich war.
.
Elle m’assura que Lacan avait toute sa tête et qu’il venait de lui signer un chèque pour l’École de la Cause freudienne.
Sie versicherte mir, dass Lacan bei vollem Verstand war und dass er ihr für die École de la Cause freudienne gerade einen Scheck ausgestellt hatte.
.
C’est dans ce contexte de panique à bord et de Delenda est Carthago chez les millériens que, comme tous les Mille de la Cause freudienne, je reçus une lettre à en-tête de l’École de la Cause freudienne, 5 rue de Lille, signée de Lacan du 26 janvier 1981, où je lus ceci :
Vor diesem Hintergrund, einer Panik an Bord und dem Motto Delenda est Carthago bei den Millerianern, erhielt ich – wie alle die Tausend der Cause freudienne – einen Brief mit dem Briefkopf der École de la Cause freudienne, 5 rue de Lille, von Lacan unterzeichnet, vom 26. Januar 1981, in dem ich Folgendes las:
.
Voilà un mois que j’ai coupé avec tout – ma pratique exceptée.
„Seit einem Monat habe ich mich von allem zurückgezogen – abgesehen von meiner Praxis.
.
J’ai peu envie d’agiter ce que je ressens.
Ich habe wenig Lust, aufzurühren, was ich fühle.
.
Soit une sorte de honte.
Wohl eine Art Scham.
.
Celle d’un patatras : alors on en vit un, qu’il avait vraiment privilégié vingt ans et plus, se lever et lancer une poignée de sciure dans les yeux du vieux bonhomme qui… etc.
Die über einen großen Kladderadatsch: man erlebt da jemanden, den er zwanzig Jahre lang und länger tatsächlich in den Vordergrund gestellt hat, wie er aufsteht und dem alten Mann eine Handvoll Sägemehl in die Augen wirft, einem Mann, der … usw.
.
L’expérience a son prix, car ça ne s’imagine pas à l’avance.
Die Erfahrung hat ihren Preis, denn im Voraus kann man sich das nicht vorstellen.
.
Cette obscénité a eu raison de la Cause.
Diese Obszönität hat die Cause zunichte gemacht.
.
Il serait bien qu’un rideau soit tiré là-dessus.
Es wäre gut, wenn man einen Vorhang davorzöge.“
.
Et je lis :
Und ich lese:
.
Ceci est l’École de mes Élèves, ceux qui m’aiment encore.
„Dies ist die École meiner Schüler, jener, die mich noch lieben.
.
J’en ouvre aussi-tôt les portes.
Ich öffne ihr so bald wie möglich die Türen.
.
Je dis : aux Mille.
Ich sage: für die Tausend.
.
Cela vaut d’être risqué.
Das ist das Risiko wert.
.
C’est la seule sortie possible – et décente.
Dies ist der einzig mögliche – und anständige – Ausweg.
.
Un forum (de l’École) sera par moi convoqué, où tout sera à débattre – ce sans moi.
Ein Forum (der École) wird von mir einberufen werden, in dem alles diskutiert werden wird – dies ohne mich.
.
J’en apprécierai le produit.
Das Ergebnis werde ich gutheißen.“
.
Je peux maintenant répondre à ma question.
Nun kann ich meine Frage beantworten.
.
Pourquoi je suis lacanien ?
Warum bin ich Lacanianer?
.
Parce que j’ai répondu à deux petites annonces, en février 1980 et en janvier 1981 !
Weil ich auf zwei Kleinanzeigen geantwortet habe, im Februar 1980 und im Januar 1981!
.
Les mots de la petite annonce du 26 janvier 1981, « ceux qui m’aiment encore », provoquèrent un tollé dans le milieu éruptif des lacaniens.
Die Worte der Kleinanzeige vom 26. Januar 1981, „diejenigen, die mich noch lieben“, lösten im explosiven Milieu der Lacanianer einen Aufschrei aus.
.
Comment Lacan pouvait-il en appeler à ceux de ses élèves qui l’aimaient encore pour justifier le lancement de cette nouvelle école qu’il disait n’être pas la sienne mais celle de ses élèves ?
Wie konnte Lacan sich an jene seiner Schüler wenden, die ihn noch liebten, um die Gründung dieser neuen Schule zu rechtfertigen, von der er sagte, sie sei nicht die seine, sondern die seiner Schüler?
.
Était-ce bien lui qui l’avait écrite ?
War wirklich er es, der sie geschrieben hatte?
.
N’était-ce pas Jacques-Alain Miller qui la lui avait soufflée ?
War es nicht Jacques-Alain Miller, der sie ihm eingeflüstert hatte?
.
Lacan avait-il perdu la boule ?
Hatte Lacan den Verstand verloren?
.
Qu’importe, l’amour et l’école étaient bel et bien par Lacan liés.
Wie auch immer, bei Lacan waren die Liebe und die Schule in der Tat miteinander verbunden.
.
Ces mots, lorsque je les lus, me chavirèrent.
Als ich diese Worte las, erschütterten sie mich.
.
Je l’aimais encore.
Ich liebte ihn noch immer.
.
Je refis le pari.
Ich ging die Wette erneut ein.
.
Je répondis sur-le-champ à sa lettre du 26 janvier 1981 que je voulais entrer dans l’école de ses élèves qui l’aiment encore – je le lui écrivis sur-le-champ, moi qui six mois avant l’avais quitté.
Umgehend antwortete Ich auf seinen Brief vom 26. Januar 1981, dass ich in die Schule seiner Schüler, die ihn noch lieben, eintreten wolle – ich schrieb ihm das umgehend, ich, der ich ihn sechs Monate zuvor verlassen hatte.
.
C’était un jour de l’été 1980, lors d’une séance renversante, qui fut la dernière.
Es war an einem Tag im Sommer 1980, während einer umwerfenden Sitzung, die die letzte war.
.
Ce jour-là, j’ai quitté Lacan, j’ai quitté son divan, j’ai quitté mon analyste, c’était fini ; je lui ai dit c’est fini, je ne reviendrai pas et il… m’envoya au tapis.
An diesem Tag verließ ich Lacan, verließ ich seine Couch, verließ ich meinen Analytiker, es war vorbei; ich sagte ihm, es ist vorbei, ich werde nicht wiederkommen, und er … schickte mich zu Boden..
.
L’escapade
Die Escapade
Faut dire, faut dire, comme tu dis Jacques, cher Jacques Brel quand tu chantes la Fanette, qu’on ne nous apprend pas ; Paris était désert et pleurait sous juillet.
Man muss sagen, man muss sagen, wie du sagst, Jacques, lieber Jacques Brel, wenn du in „La Fanette“ singst, dass man uns nichts beibringt; Paris war menschenleer und weinte unter dem Juli.40
.
Faut dire que, quand j’ai dévalé l’escalier du 5 rue de Lille, j’étais comme deux ronds de flan, seul, vraiment seul, sans Lacan, sans ce qu’il avait été pour moi, analysant, toutes ces années-là.
Man muss sagen, als ich die Treppe der Rue de Lille Nr. 5 hinunterstürmte, war ich aus der Bahn geworfen, allein, wirklich allein, ohne Lacan, ohne das, was er für mich, den Analysanten, gewesen war, all die Jahre lang.
.
Je savais que plus jamais ça, plus jamais ces moments furtifs et fulgurants où, quatre fois par semaine, je lui disais je ne sais plus quoi mais qui était pour moi si essentiel, si vital, si incroyablement secouant.
Ich wusste: dies nie wieder, nie wieder diese flüchtigen und blitzartigen Momente, in denen ich ihm viermal in der Woche ich weiß nicht mehr was sagte, was für mich jedoch so wesentlich war, so lebenswichtig, so unglaublich erschütternd.
.
C’était la fin de tout cela.
Das war von all dem das Ende.
.
« Que reste-t-il de tout cela ? Dites-le-moi », chante Charles Trenet.
„Was bleibt von all dem? Sagt es mir“, singt Charles Trenet.41
.
De ce qui reste de notre amour, Didier Castanet nous parlera le 7 février.
Über das, was von unserer Liebe bleibt, darüber wird Didier Castanet zu uns am 7. Februar sprechen.42
.
Ce qui me reste, je vous le dis.
Was mir davon bleibt, ich sage es Ihnen.
.
De tout cela reste le transfer, sans le t final, muet chu, lettre volée en éclats sur la voie ferrée du désir.
Von all dem bleibt der transfer, ohne das abschließende t, ein stummes „ch-ch-ch-u“, eine zersplitterte gestohlene Letter auf der Eisenbahnstrecke des Begehrens.
.
Que reste-t-il de tout cela ?
Was bleibt von all dem?
.
Je vous le dis : de tout cela reste mon chemin de fer d’analysant filant par le Trans-Europ-Express rouge du Capitole (ancêtre du TGV inOui) que je prenais chaque semaine, pour arriver à 5 heures 56 à Paris Austerlitz.
Ich sage es Ihnen: von all dem bleibt meine Eisenbahn als Analysant, der durch den roten Trans-Europa-Express von Le Capitole läuft (Vorläufer des TGV inOui), den ich jede Woche nahm, um 5 Uhr 56 Uhr in Paris-Austerlitz anzukommen.
.
De ce transfer sans le t-là, de sa lettre volée en éclats, reste un train nommé la mourre de Lacan.
Von diesem transfer ohne t, von seiner zertrümmerten gestohlenen Letter, bleibt ein Zug namens la mourre de Lacan.43
.
Même après avoir cessé de le prendre, ce train qui fonçait à 200 à l’heure, j’étais prêt à y aller, dans l’École dont il lançait le caillou-papier-ciseaux en en ouvrant grand les portes à ceux qui l’aiment encore.
Selbst nachdem ich aufgehört hatte, diesen Zug zu nehmen, der mit 200 Kilometern pro Stunde dahinraste, war ich bereit, dorthin zu fahren, in die École, deren Schere-Stein-Papier er dadurch ins Rollen brachte, dass er denjenigen, die ihn noch lieben, die Türen weit öffnete.
.
Telle était l’offre : une nouvelle école, celle, qu’il adoptait, de ceux qui l’aiment encore assez pour monter dans le train en marche sans lui qui sur le quai restait.
Das war das Angebot: eine neue Schule, die er adoptieren würde, eine Schule derjenigen, die ihn noch genug lieben, um in den fahrenden Zug einzusteigen, ohne ihn, der auf dem Bahnsteig zurückblieb.
.
Mais quel amour ?
Aber welche Liebe?
.
L’amour du père ! ?
Die Liebe des Vaters!?
.
Du vieux père Lacan qu’on voulait ranger des voitures, mettre à la retraite comme président d’honneur de cette École freudienne de Paris qu’il avait fondée, dirigée et dont la clique à Dolto voulait maintenant prendre la barre ?
Des alten Vaters Lacan, den man beiseite schieben, in den Ruhestand versetzen wollte; als Ehrenvorsitzender jener Ècole freudienne de Paris, die er gegründet und geleitet hatte und deren Ruder nun die Dolto-Clique übernehmen wollte?
.
On sait que Lacan s’y est jusqu’au bout obstinément refusé.
Man weiß, dass Lacan sich dem bis zum Schluss hartnäckig widersetzte.
.
Au contraire, Lacan a père-sévéré.
Im Gegenteil, Lacan a père-sévéré, Lacan hat durchgehalten / als Vater hart durchgegriffen.
.
La contre-expérience ayant foiré, il a persévéré à vouloir une école de ses élèves… qui l’aiment encore.
Da die Gegen-Erfahrung gescheitert war, beharrte er darauf [il a persévéré], eine Schule seiner Schüler zu wollen … die ihn noch lieben.
.
Mais l’analyse, objecterez-vous, ne vise-t-elle pas au contraire à bazarder l’amour pour ce père qui fait du névrosé un dévot ?
Aber zielt die Analyse, so werden Sie einwenden, nicht vielmehr darauf ab, die Liebe zu diesem Vater, der den Neurotiker zu einem Gläubigen macht, loszukriegen?
.
L’offre de Lacan – c’en était une, pas une demande, c’était sa toute dernière, qu’il faisait ce 26 janvier 1981 et qui était : allez-y, faites une école digne du nouveau qu’il y a dans l’amour.
Lacans Angebot – denn das war es, nicht eine Forderung, es war sein allerletztes Angebot, das er an jenem 26. Januar 1981 machte und das da lautete: Los denn, gründet eine Schule, die des Neuen, das es in der Liebe gibt, würdig ist.
.
Pas une école des fans de Jacques-Alain, de Colette ou de Pierre.
Keine Schule der Fans von Jacques-Alain, von Colette oder von Pierre.
.
Prenez ce risque.
Geht dieses Risiko ein.
.
Faites votre école.
Gründet eure Schule.
.
Plus la mienne, la vôtre.
Nicht mehr meine, die eure.
.
Risquez, si vous m’aimez encore, risquez la chance qu’une amorce soit conquise pour réinventer encore la psychanalyse.
Wagt es, wenn ihr mich noch liebt, wagt die Chance, dass ein Ansatz gewonnen werde, um die Psychoanalyse noch einmal neu zu erfinden.
.
C’est cette offre qui, là aujourd’hui encore, me fait le lire, me fait travailler ses séminaires, ses écrits.
Es ist dieses Angebot, das mich heute noch dazu bringt, ihn zu lesen, mich mit seinen Seminaren und Schriften auseinanderzusetzen.
.
C’est elle qui me fait encore écrire pour demain la psychanalyse.
Es ist dieses Angebot, das mich noch dazu bringt, die Psychoanalyse für morgen zu schreiben.
.
Cet encore qui de lui me reste encore, c’est son Nom dans Paris désert un mercredi de l’été 1980.
Dieses noch, das mir von ihm noch bleibt, ist sein Name im verlassenen Paris an einem Mittwoch im Sommer 1980.
.
Pourquoi, aujourd’hui encore, lacanien je reste ?
Warum bleibe ich, auch heute noch, Lacanianer?
.
Parce que pour moi Lacan n’est pas classé monument historique.
Weil für mich Lacan nicht als historisches Denkmal abgelegt ist.
.
Il ne le sera jamais.
Er wird es niemals sein.
.
Mon désir d’enseigner la psychanalyse se motive du désir de rendre encore redivivus pour mes analysants ce que de lui j’ai appris.
Mein Wunsch, Psychoanalyse zu lehren, entspringt dem Wunsch, das, was ich von ihm gelernt habe, für meine Analysanten redivivus zu machen.
.
Si je l’avais quitté comme une vieille chaussette trouée qui n’a plus toute sa tête, si j’avais attendu qu’il crève pour que, de fait, mon analyse prît fin, là je dirais que j’ai mal, bien mal fini mon analyse.
Hätte ich ihn fallen lassen wie eine alte löchrige Socke, die nicht mehr ganz bei Sinnen ist, hätte ich gewartet, dass er krepiert, sodass meine Analyse faktisch endete, dann hätte ich meine Analyse, möchte ich sagen, schlecht beendet, wirklich schlecht beendet.
.
Je n’ai pas attendu que le vent mauvais l’emporte.
Ich habe nicht darauf gewartet, dass der böse Wind ihn davonträgt.
.
Ce jour-là, Autre à jamais, où je suis venu lui dire que je m’en vais, je savais ce qui m’attendait : qu’il me rembarre.
An jenem Tag, dem für immer Anderen Tag, an dem ich kam, um ihm zu sagen, dass ich gehe, wusste ich, was mich erwartete: dass er mir eine Abfuhr erteilt.
.
Car le problème de la fin d’analyse n’est pas de savoir ce qui attend l’Autre, la mort, et de n’avoir qu’à attendre qu’elle arrive pour de la fin être enfin quitte.
Denn das Problem des Endes der Analyse besteht nicht darin, dass man weiß, was den Anderen erwartet – der Tod –, und dass man nur darauf warten muss, dass er eintritt, um das Ende endlich hinter sich zu haben.
.
C’est de savoir ce qui, à la fin de son analyse, attend le sujet : la scabeaustration, la castration de l’escabeau, qui, écrit Lacan, « ne s’accomplit que de l’escapade 44 ».
Es geht darum zu wissen, was das Subjekt am Ende seiner Analyse erwartet: die Scabeaustration, die Kastration der Leiter, des escabeau, die, wie Lacan schreibt, „nur durch die Eskapade erreicht wird“.45
.
La scabeaustration ne s’accomplit que de l’échappée.
Die Scabeaustration erreicht man nur durch das Entrinnen [échappée].
.
On la dit belle pour dire qu’on a échappé de peu à un danger, qu’on s’est sorti d’une situation délicate.
Man spricht von einer échappée belle, einem „schönen Entrinnen“, um zu sagen, dass man einer Gefahr knapp entronnen ist, dass man aus einer heiklen Situation herausgekommen ist.
.
Une échappée belle se disait au jeu de paume d’une balle qu’on a manquée.
Beim Jeu de Paume sprach man von einem „schönen Entrinnen“, wenn man einen Ball knapp verfehlt hatte.
.
Le mot escapade vient de l’italien una scappata ; on dit fare una scappata a casa pour dire faire un saut à la maison.
Das Wort Eskapade stammt aus dem Italienischen, una scappata; man sagt fare una scappata a casa, um auszudrücken, dass man auf einen Sprung nach Hause fährt.
.
Un cheval qui fait une escapade est, en équitation, un cheval qui refuse d’obéir.
Im Reitsport ist ein Pferd, das eine Eskapade macht, ein Pferd, das sich weigert zu gehorchen.
.
On dit qu’il fait un écart.
Man sagt, es macht einen Ausbruch [écart].
.
L’inconscient est ce cheval qui fait des écarts, des écarts de langage qui vous désarçonnent, et l’analyse est une pratique de l’écart, d’accomplissement (Erfüllung) des écarts de lalangue.
Das Unbewusste ist dieses Pferd, das Ausbrüche macht, sprachliche Ausbrüche, die einen aus dem Sattel werfen, und die Analyse ist eine Praxis des Ausbrechens, der Erfüllung* der Ausbrüche von lalangue.
.
Ce jour-là où ça s’est accompli, je ne l’ai pas échappé belle, je n’ai pas manqué la balle.
An jenem Tag, an dem es sich erfüllte, bin ich nicht „schön entronnen“, habe ich den Ball nicht knapp verfehlt.
.
Pour l’escapade, il fut grand, très grand l’écart que ma fin d’analyse me fit faire.
Was die Eskapade betrifft, so war das Ausbrechen, das das Ende meiner Analyse mich vollziehen ließ, groß, sehr groß.
.
Une analyse ne se finit pas sur une échappée belle.
Eine Analyse endet nicht mit einem „schönen Entrinnen“.
.
Si scabeaustration elle opère, la marche d’escabeau qu’elle fait louper ne s’accomplit que de l’escapade… borroméenne, qui ne réussit qu’à passer par le bon trou.
Wenn sie eine Scabeaustration bewirkt, vollzieht sich der Schritt auf der Trittleiter, den sie verfehlen lässt, nur durch die Eskapade … im borromäischen Sinne, die nur gelingt, wenn sie durch das richtige Loch hindurchführt [passer].
.
On le sait d’expérience, il y a des nœuds auxquels on ne loupe pas, des nœuds qu’on se fait au bout de la langue, à commencer par ceux qu’analysant on se fait dès que, sur le divan, on vient se dire, à simplement tenter de suivre la règle fondamentale.
Aus Erfahrung wissen wir, es gibt Knoten, die man nicht verfehlen kann, Knoten, die man sich in der Zunge macht [au bout de la langue], angefangen bei jenen, die man sich als Analysant macht, sobald man auf der Couch dazu kommt, etwas zu sagen, indem man einfach versucht, der Grundregel zu folgen.
.
Lacan, c’est sûr, c’était l’escapade à chaque séance.
Lacan, so viel ist sicher, das war in jeder Sitzung die Eskapade.
.
Qu’on n’échappe pas au réel de l’écart est ce que j’ai appris de la mia scappata.
Dass man dem Realen des Ausbrechens nicht entkommen kann, habe ich aus la mia scappata gelernt.
.
Je retiens, dans l’après-coup de mes escapades, deux choses de mon analyse avec Lacan et de ses séminaires que j’ai suivis pendant toute mon analyse.
In der Nachträglichkeit meiner Eskapaden halte ich zwei Dinge fest, zwei Dinge meiner Analyse mit Lacan und aus seinen Seminaren, die ich während der gesamten meiner Analyse besucht habe.
.
Un : de la structure on ne prend pas la poudre d’escampette.
Erstens: Vor der Struktur kann man nicht davonlaufen.
.
Deux : tout ne s’apprend pas de la pratique.
Zweitens: Nicht alles lässt sich aus der Praxis lernen.
.
C’est la thèse de « L’étourdit ».
Das ist die These von „L’étourdit“.
.
Il y a ce qui ne s’apprend pas de la pratique et qui est la structure.
Es gibt etwas, das man nicht aus der Praxis lernt, nämlich die Struktur.46
.
Ce qui de la structure s’apprend passe par la topologie.
Was von der Struktur gelernt wird, verläuft [passe] über die Topologie.
.
N’oublions pas qu’en grec mathema désigne « ce qui s’apprend ».
Wir sollten nicht vergessen, was das griechische Wort mathēma bedeutet: „das, was gelernt wird“.
.
Pratique de ce qui se dit et pratique du dire
Praxis dessen, was gesagt wird, und Praxis des Sagens
Certes, la psychanalyse est une pratique, une pratique et pas une science, mais elle n’apprend pas tout au psychanalyste.
Gewiss, die Psychoanalyse ist eine Praxis, eine Praxis und keine Wissenschaft, doch sie lehrt den Psychoanalytiker nicht alles.
.
Avoir de la pratique, avoir de la bouteille comme on dit, ne lui suffit pas pour se sustenter dans le discours analytique.
Praxis zu haben, ein alter Hase zu sein, wie man sagt, reicht für ihn nicht aus, um sich im analytischen Diskurs zu halten.
.
La psychanalyse est une pratique de bavardage qui prend au sérieux ce qu’on dit dans une psychanalyse.
Die Psychoanalyse ist eine Praxis des Schwätzens, die das, was in einer Psychoanalyse gesagt wird, ernst nimmt.
.
Ce qu’on y dit nous apprend bien des choses sur ce que c’est que parler et sur les effets de réel du parler.
Was dort gesagt wird, lehrt uns viel darüber, was Sprechen ist und über die Wirkungen des Sprechens in Bezug auf das Reale
.
La pratique nous apprend avant tout ce qu’est la clinique psychanalytique et ce sur quoi elle s’appuie, à savoir d’abord la clinique psychiatrique et la nosographie que les psychiatres, principalement français et allemands du XIXe et de la première moitié du XXe siècle, ont construites.
Die Praxis lehrt uns vor allem, was die psychoanalytische Klinik ist und worauf sie sich stützt, in erster Linie auf die psychiatrische Klinik und auf die Nosographie, die die Psychiater konstruiert haben, vor allem französische und deutsche Psychiater des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
.
La pratique nous confronte à la clinique du cas et à ses types que sont la névrose, la psychose et la perversion, tels que Freud en a différencié les mécanismes, le refoulement, la forclusion et le démenti.
Die Praxis konfrontiert uns mit der Klinik des Falls und mit ihren Typen, als da sind Neurose, Psychose und Perversion, deren Mechanismen Freud unterschieden hat: Verdrängung, Verwerfung und Verleugnung.
.
Mais alors, qu’est-ce que Lacan entend par « la structure » quand il nous dit que c’est ce qui ne s’apprend pas de la pratique ?
Aber was versteht Lacan unter „Struktur“, wenn er sagt, dass sie das ist, was man nicht aus der Praxis lernt?
.
Il est clair qu’on ne peut pas confondre la structure avec les structures cliniques du triptyque freudien qui, elles, s’apprennent de la pratique.
Es ist klar, dass man die Struktur nicht mit den klinischen Strukturen des Freud’schen Triptychons verwechseln darf, die man sehr wohl aus der Praxis lernt.
.
Si elle ne s’apprend pas de la pratique, de quoi, d’où s’apprend-elle ?
Wenn sie sich nicht aus der Praxis lernen lässt – wodurch, woher lernt man sie dann?
.
Lacan le précise page 478 de « L’étourdit ».
Lacan präzisiert das auf Seite 478 von „L’étourdit“.
.
Elle s’apprend de ce qui « n’est pas théorie » et qui est « [s]a topologie », laquelle « doit tenir compte de ce que, coupures du discours, il y en a de telles qu’elles modifient la structure qu’il accueille d’origine. »
Sie lässt sich aus dem erlernen, was „keine Theorie“ ist und was „[s]eine Topologie“ ist, die „Rechenschaft davon ablegen muss, dass es unter den Schnitten des Diskurses welche gibt, die so sind, dass sie die Struktur, die er ursprünglich empfängt, modifizieren.“
.
Déplions la formulation.
Lassen Sie uns die Formulierung auseinanderfalten.
.
Il y a ce qui ne s’apprend pas de la pratique, qui n’est pas pour autant théorie et qui, pour Lacan, s’apprend de sa topologie, la sienne : c’est la structure, dont il vient de dire, deux pages avant, page 476 :
Es gibt etwas, das man nicht aus der Praxis lernt, das aber dennoch keine Theorie ist und das man, Lacan zufolge, aus seiner Topologie lernt, aus der seinigen: es ist die Struktur, über die er zwei Seiten zuvor, auf Seite 476, gesagt hatte:
.
« La structure, c’est le réel qui se fait jour dans le langage. »
„Die Struktur ist das Reale, das in der Sprache zu Tage tritt. “
.
Il y a dans le langage du réel, un impossible qui se fait jour grâce, Lacan le dit en ces termes, à « ce dire qu’est ma topologie » : ce réel, c’est ce qu’on appelle la structure.
In der Sprache gibt es Reales, ein Unmögliches, das wodurch zu Tage tritt? Lacan sagt es mit diesen Worten: durch „dieses Sagen, das meine Topologie ist“: dieses Reale ist das, was man Struktur nennt.
.
La structure, c’est le réel qui se fait jour dans le langage et ce réel s’appréhende, soutient Lacan, grâce au dire de sa topologie.
Die Struktur ist das Reale, das in der Sprache zu Tage tritt, und dieses Reale lässt sich erfassen, so erklärt Lacan, mit Hilfe des Sagens seiner Topologie.
.
C’est par la topologie des grottes que les parlants habitent depuis l’aube de l’humain que le réel de la structure qui se fait jour dans le langage s’appréhende.
Durch die Topologie der Höhlen, die von den Sprechenden seit Anbeginn der Menschheit bewohnt werden, lässt sich das Reale der Struktur, das in der Sprache zu Tage tritt, erfassen.
.
Il nous faut dès lors distinguer deux sortes de pratiques : la pratique du dit, qui est la pratique de la clinique psychanalytique en tant qu’elle porte sur le dit, ce qui se dit dans une analyse ; et la pratique du dire qu’est pour Lacan sa topologie.
Von daher müssen wir zweierlei Praktiken unterscheiden: die Praxis des Gesagten, nämlich die Praxis der psychoanalytischen Klinik, insofern sie sich auf das Gesagte bezieht, auf das, was in einer Analyse gesagt wird; und die Praxis des Sagens, die für Lacan seine Topologie ist.
.
La pratique du psychanalyste est alors à concevoir comme une pratique du dire et de la coupure que la topologie enseigne.
Die Praxis des Psychoanalytikers ist demnach so zu begreifen: als eine Praxis des Sagens und des Schnitts, den die Topologie lehrt.
.
Lacan parle, page 486 de « L’étourdit », de « la topologie de notre pratique du dire », dont le réel passe par « le dire de Cantor », celui par lequel s’explique que le transfini impair des tours de la demande, qui se répète, se boucle sur le tore de la névrose du double tour de la coupure du désir.
Auf Seite 486 von „L’étourdit“ spricht Lacan von „der Topologie unserer Praxis des Sagens“, deren Reales „das Sagen von Cantor“ passiert, ein Sagen, durch das sich erklärt, dass, auf dem Torus der Neurose, das ungerade Transfinite der sich wiederholenden Runden des Anspruchs durch die doppelte Runde des Schnitts des Begehrens geschlossen wird.
.
Une topologie, une science des trous, des organisations de trous que sont le tore, le cross-cap, la bande de Möbius, la surface de Boy et la bouteille de Klein, se nécessite donc pour rendre compte de ce réel.
Eine Topologie – eine Wissenschaft der Löcher, der Anordnungen von Löchern, wie sie der Torus, die Kreuzhaube, das Möbiusband, die Boysche Fläche und die Kleinsche Flasche darstellen – ist daher erforderlich, um von diesem Realen Rechenschaft abzulegen.
.
Elle n’est pas à poser, comme l’est la théorie, d’un au-delà du réel.
Anders als die Theorie ist sie nicht von einem Jenseits des Realen her anzunehmen.
.
Elle doit rendre compte de l’opération psychanalytique sur ce qui fait l’étoffe de l’expérience.
Sie muss Rechenschaft ablegen von der psychoanalytischen Einwirkung auf das, was den Stoff der Erfahrung ausmacht.
.
Plus précisément, elle doit rendre compte, expliquer, justifier de ce que, des coupures du discours, il y en a de telles qu’elles modifient la structure.
Genauer gesagt muss sie davon Rechenschaft ablegen, muss sie erklären und begründen, dass es unter den Schnitten des Diskurses solche gibt, die die Struktur modifizieren.
.
Là est le point capital.
Das ist der entscheidende Punkt.
.
Il s’agit de rendre compte des modifications de la structure que permet l’interprétation conçue comme coupure du discours, coupure dont la fermeture a pour effet de modifier la structure, précisément la structure du fantasme.
Es geht darum, Rechenschaft abzulegen von den Modifikationen der Struktur, die durch die Deutung, als Schnitt des Diskurses aufgefasst, ermöglicht werden, ein Schnitt, dessen Schließung zur Wirkung hat, die Struktur zu modifizieren, und zwar genau die Struktur des Phantasmas.
.
La structure, celle du fantasme, est donc modifiable, et cette modification, si elle a lieu, détermine l’issue de l’analyse telle que Lacan la conçoit comme ce virage du passage à l’analyste dans ce qu’il appelle la passe.
Die Struktur, die des Phantasmas, ist demnach modifizierbar, und diese Modifikation, sofern sie stattfindet, bestimmt den Ausgang der Analyse, so wie Lacan ihn versteht, als diese Wende bei der Passage zum Analytiker, in dem, was er die Passe nennt.
.
Mais alors, me direz-vous, comment se fait cette coupure, comment la fait-on dans la pratique, dans le concret d’une séance ?
Aber, so werden Sie mir sagen, wie lässt sich dieser Schnitt bewerkstelligen, wie macht man ihn in der Praxis, im konkreten Verlauf einer Sitzung?
.
Je réponds : je n’en sais fichtre rien.
Ich antworte: darüber weiß ich verdammt noch mal gar nichts.
.
Il n’y a pas de savoir-faire de la coupure.
Vom Schnitt gibt es kein Savoir-faire.
.
Car elle ne relève pas du procédé technique dont on peut établir le processus ; elle ne nécessite pas l’acquisition d’une compétence, elle ignore le calcul, le mode opératoire : elle procède de l’acte, là où l’analyste ne pense pas.
Denn er unterliegt keinem technischen Verfahren, dessen Ablauf man festlegen kann; er erfordert nicht den Erwerb einer Kompetenz, er kennt weder die Berechnung noch eine bestimmte Vorgehensweise: er entspringt dem Akt, dort, wo der Analytiker nicht denkt.
.
Il n’y a pas de mode d’emploi pratico-pratique ou pratico-théorique de la coupure ; elle ne s’apprend ni sur le tas, ni au tableau noir.
Es gibt keine praktiko-praktische oder praktiko-theoretische Gebrauchsanleitung für den Schnitt; man lernt ihn weder vor Ort noch an der Tafel.
.
Que le bistouri de l’acte ait ou n’ait pas opéré le fantasme ne s’authentifie que par ses effets dans le dispositif de la passe où c’est le tour double du dire des deux passeurs qui du réel seul témoigne.
Ob das Skalpell des Akts auf das Phantasma eingewirkt hat oder nicht, lässt sich nur anhand seiner Auswirkungen im Dispositiv der Passe feststellen, wo die doppelte Runde des Sagens der beiden passeurs – der beiden „Fährleute“ – das ist, wodurch allein das Reale bezeugt wird.
.
Son opération sur la structure requiert un peu de topologie.
Seine Auswirkung auf die Struktur erfordert ein wenig Topologie.
.
La question à présent est la suivante : quelle est cette modification de la structure dont rend compte la topologie en tant qu’une certaine coupure la modifie ?
Die Frage lautet nun: Was ist diese Modifikation der Struktur, von der die Topologie Rechenschaft ablegt, insofern ein bestimmter Schnitt die Struktur verändert?
.
Lacan considère, d’une part, que la structure est modifiable et qu’une psychanalyse a pour visée finale de la modifier.
Lacan nimmt einerseits an, dass die Struktur sich modifizieren lässt und dass das Endziel einer Psychoanalyse darin besteht, sie zu modifizieren.
.
Et d’autre part que c’est la topologie, elle seule, qui, par une coupure dont elle est à même de rendre compte, peut la modifier.
Und andererseits, dass es die Topologie ist, ausschließlich sie, die diese Struktur verändern kann, durch einen Schnitt, von dem sie selbst Rechenschaft ablegen kann.
.
Quelle est cette coupure qui peut modifier la structure ?
Was ist dieser Schnitt, der die Struktur modifizieren kann?
.
La modification de la structure correspond, dans la théorie mathématique des surfaces appelée Analysis Situs, à la distinction faite par Poincaré entre deux variétés de surfaces, les surfaces unilatères et les surfaces bilatères.
In der mathematischen Theorie der Flächen, Analysis Situs genannt, korrespondiert die Modifikation der Struktur der von Poincaré vorgenommenen Unterscheidung zwischen zwei Varietäten von Flächen, den einseitigen und den zweiseitigen Flächen.
.
Ainsi, sur la surface du cross-cap, qui n’a qu’une face et qu’un bord, on peut opérer deux sortes de coupures se fermant sur elles-mêmes autour de sa singularité centrale.
So kann man auf der Fläche der Kreuzhaube, die nur eine Seite und einen Rand hat, zwei Arten von Schnitten anbringen, die sich um seine zentrale Singularität herum in sich selbst schließen.
.
Ou bien on opère une coupure à double tour qui la sépare en deux parties hétérogènes : l’une, qui garde une seule face et un bord, est la bande de Möbius du sujet ; l’autre, à double face, est le kopeck du désir dont le pile est symbolique et le face est imaginaire.
Entweder man nimmt einen Schnitt von zwei Runden vor, der sie in zwei heterogene Teile zertrennt: der eine Teil, der eine einzige Seite und einen Rand behält, ist das Möbiusband des Subjekts; der andere, mit zwei Seiten, ist die Kopeke des Begehrens, deren Zahl symbolisch und deren Kopf imaginär ist.
.
Ou bien, par une autre coupure qui, d’un tour cette fois unique, transforme tout le cross-cap en Janus à double face de l’objet a, c’est le sujet qui alors se voit bifront.
Oder man nimmt einen anderen Schnitt vor, der – diesmal mit einer einzigen Runde – die gesamte Kreuzhaube in den Janus mit zwei Gesichtern des Objekts a verwandelt; das ist das Subjekt, das sich dann als doppelgesichtig sieht.
.
Cette modification topologique de la structure par la coupure de l’interprétation qu’opère l’acte psychanalytique correspond à ce que Lacan appelle, dans sa « Proposition sur le psychanalyste de l’École », le virage où le sujet voit chavirer l’assurance qu’il prenait de son fantasme.
Diese topologische Modifikation der Struktur durch den Schnitt der Deutung, den der psychoanalytische Akt vollzieht, entspricht dem, was Lacan in seinem „Vorschlag zum Psychoanalytiker der École“ als Wende bezeichnet, bei der das Subjekt sieht, wie die Gewissheit, die es aus seinem Phantasma schöpfte, kentert.47
.
La passe est le champ opératoire de ce « chavirement » de l’assurance que prend le désir dans le fantasme.
Die Passe ist das operative Feld dieses „Kenterns“ der Gewissheit, die das Begehren aus dem Phantasma schöpft.
.
Ce virage passe par l’extériorisation topologique de l’objet a.
Diese Wende vollzieht sich [passe par] durch die topologische Externalisierung des Objekts a.
.
La psychanalyse prend sa valeur d’opérer cette extériorisation, dont Lacan se fait, par le dire de sa topologie, l’extracteur.
Die Psychoanalyse bezieht ihren Wert daraus, diese Externalisierung herbeizuführen; durch das Sagen seiner Topologie macht Lacan sich zu deren Extrahierer.
.
Elle te révèle ce à quoi, noctambule, tu tournes le dos, ton Extérieur nuit, celui que chante pour toi Bernard Lavilliers, toi le rôdeur qui cherche un blues dans la rue des Lombards, toi qui as une poussière dans l’œil, toi qui t’en tires toujours en ricanant, toi qui t’en vas dans les poubelles, belles, belles.
Dir, du Nachtschwärmer, offenbart sie das, dem du den Rücken zukehrst: dein „Extérieur nuit“ [Außen, Nacht], das, was Bernard Lavilliers für dich singt: „Du, der Streuner, der du in der Rue des Lombards nach einem Blues sucht, du, der du ein Staubkorn im Auge hast, du, der sich stets mit einem spöttischen Lachen herauszieht, du, der sich versenkt in die Abfalleimehr, -mehr, -mehr [dans les poubelles, belles, belles].“48
.
Faire jardin à la borroméenne
Einen borromäischen Garten anlegen
Lacan signe étonnamment son texte « Belœil, le 14 juillet 72 ».
Lacan unterzeichnet seinen Text überraschenderweise mit „Belœil, 14. Juli 72“.
.
Suivent ces lignes curieuses en guise de colophon, que je vous lis :
Es folgen, als Kolophon, die merkwürdigen Zeilen, die ich Ihnen vorlese:
.
« Belœil où l’on peut penser que Charles 1er quoique pas de ma ligne, m’a fait défaut, mais non, qu’on le sache, Coco, forcément Belœil, d’habiter l’auberge voisine, soit l’ara tricolore que sans avoir à explorer son sexe, j’ai dû classer comme hétéro –, de ce qu’on le dise parlant. »
„Belœil, bei dem man denken kann, dass mir Charles I., obwohl nicht von meiner Linie, gefehlt hat, jedoch nicht, wie man wissen möge, Coco, zwangsläufig Schönauge, als Bewohner des Nachbargasthofes, der dreifarbige Ara nämlich, den ich, ohne sein Geschlecht erkunden zu müssen, als Hetero klassifizieren musste – da man ihn sprechend nennt.“
.
Le diable est dans les détails.
Der Teufel steckt im Detail.
.
Belœil est le nom du somptueux château en Belgique de la famille des princes de Ligne, dont le prince Charles-Joseph de Ligne, que Lacan nomme étrangement Charles 1er, est l’auteur de Coup d’œil sur Belœil publié en 1781.
Belœil ist der Name des prächtigen Schlosses der Familie der Prinzen von Ligne in Belgien, deren Prinz Charles-Joseph de Ligne, den Lacan seltsamerweise Charles I. nennt, der Verfasser des 1781 erschienenen Werks Coup d’œil sur Belœil ist.
.
Il était un passionné de jardins et il a créé, à côté des célèbres jardins à la française de ce château, un parc dans le style anglais.
Er war ein leidenschaftlicher Gartenliebhaber und schuf, neben den berühmten französischen Gärten des Schlosses, einen Park im englischen Stil.
.
Mais ce nom Belœil n’est pas qu’un nom de lieu, c’est aussi « Coco, forcément Belœil », l’ara tricolore de l’auberge voisine, dont Lacan dit qu’il n’a pas eu besoin d’explorer son sexe pour le « classer hétéro – de ce qu’on le dise être parlant. »
Doch der Name Belœil ist nicht nur ein Ortsname, das ist auch „Coco, zwangsläufig Belœil“, der dreifarbige Ara des Nachbargasthofs, über den Lacan sagt, er habe sein Geschlecht nicht erkunden müssen, um ihn als „als Hetero zu klassifizieren – da man ihn sprechend nennt.“
.
Il me plaît d’imaginer Coco, forcément Belœil, qui tire la langue et hurle en boucle « Jaco ! Jaco ! y’a pas d’rapport sexuel !!! »
Ich stelle mir gern vor, wie Coco, zwangsläufig Belœil, die Zunge rausstreckt und immer wieder schreit: „Jaco! Jaco! Es gibt kein sexuelles Verhältnis!!!“
.
Jean-Claude Milner 49 a interprété la coloration nationale de ce post-scriptum (le 14 juillet, fête nationale, l’ara tricolore) en identifiant Charles 1er à de Gaulle (en la ligne duquel Lacan dit ne pas se reconnaître), Coco Belœil aux cocos du PCF qui ne voit que d’un œil et n’écoute que la voix de son maître, et le perroquet parleur tricolore à la France qui parle aux Français, La France qui, comme La femme, n’existe pas.
Jean-Claude Milner hat die nationale Färbung dieses Postskriptums interpretiert (der 14. Juli, Nationalfeiertag, der dreifarbige Ara), und dies so, dass er Charles I. mit de Gaulle gleichsetzt (in dessen Linie Lacan sich, wie er sagt, nicht wiedererkennen kann), Coco Belœil mit den „Cocos“ der PCF, die nur mit einem Auge sieht und nur die Stimme ihres Herrn hört, und den dreifarbigen sprechenden Papagei mit Frankreich, das zu den Franzosen spricht, jenes La France, das ebenso wie Die Frau nicht existiert.50
.
Milner dit que Charles 1er, Coco et l’ara hétéro de sa sexuation sont borroméennement noués à quatre par le signifiant « jardin à la française », que Lacan, dans « L’étourdit 51 », dit avoir dix ans pris soin de faire.
Milner sagt, dass Charles I., Coco und der Ara, seiner Sexuierung nach hetero, borromäisch zu viert verknotet sind, durch den Signifikanten „Garten à française“, den Lacan, wie er in „L’étourdit“ sagt, zehn Jahre lang sorgfältig angelegt hat.
.
Sans ce « à la française » tout se défait.
Ohne dieses „à la française“ löst sich alles auf.
.
Milner interprète ce post-scriptum comme un adieu de Lacan à ses efforts de faire jardin à la française.
Milner deutet das Postskriptum als Abschied Lacans von seinen Bemühungen, einen Garten à la française anzulegen.
.
Le voici qui est en train de passer à un faire jardin à la… borroméenne.
Hier ist er gerade dabei, die Grenze zu einem anderen Garten zu passieren, zu einem Garten à la borroméenne.
.
Qu’on en rie
Zum Lachen
Une page avant, Lacan évoque Démocrite d’Abdère (encore un qui date), le philosophe du temps de Mathusalem qui légendairement tirait la langue au réel.
Eine Seite zuvor erwähnt Lacan Demokrit von Abdera (noch einer, der veraltet ist), den Philosophen aus Methusalems Zeiten, der legendärerweise dem Realen die Zunge rausstreckte.
.
Il pensait que, le réel étant ce qu’il est, dénué de sens, il vaut mieux en rire.
Er dachte, da das Reale nun einmal ist was es ist, ohne Sinn, dass es besser wäre, darüber zu lachen.
.
Il est l’inventeur de l’atomisme, le premier à avoir dit que l’atome est cet insécable bout de réel radical impossible à couper.
Er ist der Erfinder des Atomismus, der erste, der sagte, das Atom sei dieses unteilbare Stück von radikal Realem, das sich unmöglich zerschneiden lässt.
.
Lacan y parle du den, un néologisme grec que Démocrite extrait de méden, le mot grec qui veut dire rien.
Lacan spricht hierbei vom den, ein griechischen Neologismus, den Demokrit aus mēden extrahiert, dem griechischen Wort für nichts.
.
L’atome c’est den, même pas rien.
Das Atom ist „den“, nicht einmal nichts.
.
Lacan en avait déjà parlé le 12 février 1964, dans le Séminaire XI 52 .
Bereits am 12. Februar 1964 hatte Lacan in Seminar XI darüber gesprochen.53
.
Ce n’est pas le méden qui est essentiel, c’est le den : quelque chose entre l’être et le non-être, « peut-être rien, mais pas rien ».
Nicht das mēden ist wesentlich, sondern das den: etwas zwischen dem Sein und dem Nichtsein, „vielleicht nichts, aber nicht nichts“.
.
Il n’y a pas de place pour l’ontologie chez Démocrite, sa recherche est dé-ontologique.
Bei Demokrit gibt es keinen Platz für die Ontologie, seine Forschung ist de-ontologisch.
.
C’est ce qui intéresse Lacan, une dé-ontologie de l’analyste qui se fait un devoir de désêtre : il a à se faire rien, ou presque – petit a.
Das ist das, was Lacan interessiert, eine De-Ontologie des Analytikers, der sich das „Entsein“ zur Aufgabe macht: er muss sich zu nichts oder fast nichts machen – klein a.
.
L’atome est ce peut-être rien mais pas rien dont le scandale ontologique fait rire Démocrite.
Das Atom ist dieses vielleicht nichts, aber nicht nichts, dessen ontologischer Skandal Demokrit zum Lachen bringt.
.
C’est « le passager clandestin dont le clam », écrit Lacan (clam en latin signifie « à l’insu de »), « fait maintenant notre destin ».
Es ist „der blinde Passagier [passager clandestin], dessen clam“, schreibt Lacan (clam bedeutet im Lateinischen „ohne Wissen von“), „jetzt unser Schicksal bestimmt“.
.
Lacan refait, dans notre langue, le joke de Démocrite retirant le mé de méden : il envoie par-dessus bord le n de la lettre finale du mot « rien » par où s’entend l’interjection exclamative hein ! qui dans sa chute ou son chut ! – comme le t muet du transfert – vole en éclats… de rire.
Lacan greift, in unserer Sprache, den joke von Demokrit auf, der aus mēden das mē entfernt: er wirft den letzten Buchstaben des Wortes rien [nichts] über Bord, das n, wodurch die Interjektion hein! zu hören ist, die in ihrem Sturz [chute] oder ihrem „Pst!“ [chut !] – wie das stumme t von transfert – in Stücke zerplatzt … vor Lachen.
.
Qu’on rie de Coco Belœil, qu’on rie d’Edwarda, deux hétéros à la langue bien pendue.
Man lache [rie] über Coco Belœil, man lache über Edwarda, zwei Heteros mit scharfer Zunge.
.
Lacan tire la langue aux psittacisants de l’auberge voisine où l’on sert du Lacan « à la française ».
Lacan streckt den papageienhaften Nachplapperern des Nachbargasthofs, wo man Lacan à la française serviert, die Zunge raus.
.
On en sert tellement que, ironise Lacan, « on movalise depuis un moment à perte de vue ».
Man bedient sich dermaßen damit, dass man, wie Lacan ironisch anmerkt, „seit einiger Zeit kofferwortet soweit das Auge reicht“.54
.
Qu’on rie du « même pas rien » qu’est la cause de tout ça qui fait qu’on est comme on est, ça pourrait être ça, finir son analyse.
Dass man lacht über das „nicht mal nichts“, das die Ursache für all das ist, was bewirkt, dass man ist wie man ist, das könnte es sein, seine Analyse zu beenden.
.
Non que du wallou on rie aux éclats comme le vampire affamé de la pub décalée pour Deliveroo.
Nicht, dass man über das nix in schallendes Gelächter ausbricht wie der hungrige Vampir aus der schrägen Deliveroo-Werbung.
.
Non, on finit à la fin par en pouffer.
Nein, am Ende muss man einfach darüber kichern.
.
Une lettre manque pour écrire le rien de l’être qui manque au texte du monde.
Ein Buchstabe fehlt, um das Nichts des Seins zu schreiben, das im Text der Welt fehlt.
.
Tu en pouffes à la fin de savoir que le monde est ce que tu as passé ta vie à refaire chaque nuit, « Oh ! forcené, qui tous les soirs jusqu’au bout de la nuit garde l’espoir, l’espoir d’une autre vie », chante encore Bernard Lavilliers, « – Encore une heure on sait jamais ! – Le jour se lève et t’y peux rien. »
Am Ende kicherst du darüber, wenn du weißt, dass die Welt das ist, dass du dein Leben damit verbracht [passé] hat, es jede Nacht neu zu erschaffen, „Oh, du Verrückter, der du jeden Abend bis tief in die Nacht die Hoffnung bewahrst, die Hoffnung auf ein andres Leben“, singt noch immer Bernard Lavilliers, „– Noch eine Stunde, man weiß ja nie! – Der Tag bricht an, und du kannst nichts dagegen tun.“
.
La folle cruauté du petit matin, c’est elle qui, ô forcené de la nuit, te tire la langue…
Die wahnsinnige Grausamkeit des frühen Morgen, sie ist es, die dir, oh Verrückter der Nacht, die Zunge rausstreckt …
.
Pour lire l’inconscient il ne suffit pas de se lever tôt.
Um das Unbewusste zu lesen, dafür genügt es nicht, früh aufzustehen.
.
Avec l’inconscient, on est dans la brume d’un petit matin blême, qu’il soit celui où l’on se lève ou celui où l’on se couche après une nuit blanche.
Beim Unbewussten ist man im Dunst eines fahlen Morgens, sei es der Morgen, an dem man aufsteht, oder der, an dem man nach einer schlaflosen Nacht zu Bett geht.
.
Qui cherche à lire dans le brouillard tire la langue.
Wer versucht, im Nebel zu lesen, streckt die Zunge raus.
.
Sauf un Japonais qui dans sa langue a une expression formidable pour dire ça : Kûki wo Yomu, qu’on traduit par « lire l’air 55 ».
Außer man ist Japaner, der, um es zu sagen, in seiner Sprache einen großartigen Ausdruck hat: kūki wo yomu, was mit „die Luft lesen“ übersetzt wird.
.
Lire l’air de ce qui se dit dans ce qui s’entend est ce à quoi l’analyste s’emploie.
Die Luft lesen von dem, was gesagt wird, in dem, was verstanden wird, darum bemüht sich der Analytiker.
.
De ce qui se lit dans l’air de Fukushima il est l’obligé.
Von dem, was in der Luft von Fukushima zu lesen ist, dazu ist er verpflichtet.
.
Voilà.
Voilà.
.
Über den Autor
Michel Bousseyroux, geboren 1946, ist Psychoanalytiker und Psychiater in Toulouse und Mitglied der École de Psychanalyse des Forums du Champ lacanien (EPFCL) und ihrer Internationale. Von 2003 bis 2023 war er Herausgeber der Zeitschrift L’En-Je lacanien bei Èrès.
Buchveröffentlichungen:
∙ Lacan c’est du chinois ? Pulsion, fantasme, structure. Éditions Nouvelles du Champ lacanien, Paris 2026
∙ Un silence pour appui. Anacrouse de l’analyste. Éditions Nouvelles du Champ lacanien, Paris 2024
∙ Psychanalyser le pas-comme-tout-le-monde. Essai de clinique psychanalytique. Éditions Nouvelles du Champ lacanien, Paris 2022
∙ Trois essais sur la sexualité mystique. Marie de la Trinité, Simone Weil, Thérèse Neumann. Éditions Nouvelles du Champ lacanien, Paris 2020
∙ „Tu es cela“. Sinthome, poème et identité. Éditions Nouvelles du Champ lacanien, Paris 2019
∙ La réson depuis Lacan. Essai de psychanalyse. Stilus, Paris 2018
∙ Penser la psychanalyse avec Lacan. Marcher droit sur un cheveu. Érès, Toulouse 2016
∙ Lacan le Borroméen. Creuser le noeud. Érès, Toulouse 2014
∙ Au risque de la topologie et de la poésie. Élargir la psychanalye. Érès, Toulouse 2011
∙ Théorie des psychoses. Théorie de la psychanalyse. Association L’En-Je lacanien, Toulouse 2005
∙ Figures du pire. Logique d’un choix, éthique d’un pari (Dante, Hölderlin, Beckett, Blanchot, etc.). Presses Universitaires du Miral, Toulouse 2000
∙ Psychanalyse … ou religion? Du réel au sens, pratique d’une antinomie. Érès, Toulouse 1991
∙ A-bords de la père-version. Presses Universitaires du Mirail, Toulouse 1990
Verwandte Beiträge auf „Lacan entziffern“
- Jacques Lacan: L’étourdit – Der Betäubte oder die Umläufe des Gesagten. Übersetzt von Max Kleiner
- Erik Porge: Schnitt und Wiederkehr als Grundlagen der psychoanalytischen Klinik
- Erik Porge: Schnitte
- Rolf Nemitz: Die Kreuzhaube und die Struktur des Phantasmas
Anmerkungen
-
Lacan, Das Seminar, Buch IX, … oder schlimmer, Turia und Kant, Wien 2026, S. 27
-
Lacan, „L’étourdit“, in Autres écrits, Paris, Le Seuil, 2001, S. 449.
-
Lacan, Le Séminaire, Livre XIX, … Ou pire, op. cit., p. 29
-
Luca, La Poésie sans langue, Paris, Éditions Corti, 2025.
-
Almanach de la dissolution, Paris, Navarin, coll. « Bibliothèque des Analytica », 1986.
-
Lacan, « Joyce le Symptôme », dans Autres écrits, op. cit., p. 567.
-
J.- C. Milner, « Lacan à l’envers d’un post-scriptum », Le Diable probablement, n° 9, 2011, p. 78-84.
-
Lacan, Le Séminaire, Livre XI, Les Quatre Concepts fondamentaux de la psychanalyse, Paris, Le Seuil, 1973, p. 61-62.
-
Ich danke Xavier Doumen dafür, dass er mir dies beigebracht hat.
-
A.d.Ü.:
-
A.d.Ü.:
Vgl. Pierre Bruno: Antonin Artaud, réalité et poésie. Harmattan, Paris 1999
-
A.d.Ü.:
das Mathem: Der Terminus „mathème“ ist ein von Lacan gebildeter Neologismus, den er zum ersten Mal in Seminar 19, … oder schlimmer, verwendet, in der Sitzung vom 15. Dezember 1971 (Version Miller/Gondek S. 27).
-
A.d.Ü.:
L’étourdit: J. Lacan, „L’étourdit“, geschrieben 1972, zuerst veröffentlicht in: Scilicet Nr. 4. 1973, S. 5–52, Le Seuil, Paris (hier), wieder aufgenommen in: J. Lacan: Autres écrits. Le Seuil, Paris 2001, S. 449-495. Deutsche Übersetzung von Max Kleiner, „L’étourdit – Der Betäubte oder die Umläufe des Gesagten“, auf Lacan entziffern hier.
-
Lacan, Le Séminaire, Livre XIX, … Ou pire, Paris, Le Seuil, 2011, p. 27.
-
Lacan, Das Seminar, Buch IX, … oder schlimmer, Turia und Kant, Wien 2026, S. 27.
-
A.d.Ü.
macache: Aus dem maghrebinischen Arabisch makanch („es gibt nicht“).
wallou: Umgangssprachlich für „nichts“, siehe hier.
-
A.d.Ü.:
in dem das Sagen von Freud das Gesagte des Unbewussten als Quelle nimmt: Vgl. L’étourdit, Autres écrits S. 454.
Georges Bataille: Vgl. G. Bataille: L’impossible (zuerst 1962), zweite Auflage von Haine de la poèsie (zuerst 1947). Dt.: Das Unmögliche. Übersetzt von Brigitte Weidmann. Zuerst Hanser, München 1987.
-
A.d.Ü.:
freier psychiatrischer Dienst: Psychiatrischer Dienst, der nicht auf Zwangseinweisung beruht und bei dem die Patienten grundsätzlich selbst entscheiden können, die Behandlung zu beenden.
-
Lacan, „L’étourdit“, in Autres écrits, Paris, Le Seuil, 2001, S. 449.
-
A.d.Ü.:
sie müsse, wie das Meer, immer wieder neu begonnen werden: Vgl. J. Lacan: L’acte psychanalytique. Compte rendu du séminaire 1967–1968. In: Ders.: Autres écrits. Seuil, Paris 2001, S. 376.
-
A.d.Ü.:
-
A.d.Ü.:
Vgl. Seminar 19, Sitzung vom 15. Dezember 1971, Version Miller S. 32 f.
-
J. Lacan, Le Séminaire, Livre XIX, … Ou pire, op. cit., p. 29.
-
A.d.Ü.:
Gilles Deleuze, Félix Guattari: L’Anti-Œdipe. Minuit, Paris 1972. Dt.: Anti-Ödipus. Übersetzt von Bernd Schwibs. Zuerst Suhrbier, Winterthur 1974.
-
A.d.Ü.:
G. Deleuze: Pourparlers. 1972 – 1990. Minuit, Paris 1990. Dt.: Unterhandlungen: 1972–1990. Übersetzt von Gustav Roßler. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993.
-
A.d.Ü.:
das sich genießt und schnurrt, wie die Katze: In dem Vortrag Die Dritte (ein Text von 1974) spricht Lacan über das Schnurren der Katze, an dem sich erkennen lässt, dass sie genießt (meine Übersetzung des Vortrags findet man hier).
Mutter Michel: französisches Kinderlied, Text hier, Video mit Gesang z.B. hier.
-
A.d.Ü.:
Boris Vian in seiner zuerst 1949 erschienenen Textsammlung „Les Fourmis“.
-
A.d.Ü.:
George Bataille: Madame Edwarda (Erzählung). Zuerst veröffentlicht unter dem Pseudonym Pierre Angélique bei Édition du Solitaire 1941. Dt.: Madame Edwarda. Übersetzt von Marion Luckow. Zuerst in: G.B.: Das obszöne Werke. Rowohlt, Reinbek 1977.
-
Luca, La Poésie sans langue, Paris, Éditions Corti, 2025.
-
A.d.Ü.:
erster Klassizismus seiner Rom-Rede: Die Bezeichnung dieser Phase von Lacans Theorieentwicklung als „erster Klassizismus“ stammt von Jean-Claude Milner: Das helle Werk. Lacan, die Wissenschaft, die Philosophie. Übersetzt vn Regina Karl und Anouk Luhn. Turia und Kant, Wien 2014 (frz. zuerst 1998), darin Kapitel III, „Lacans erster Klassizismus“, S. 99–150.
-
A.d.Ü.:
-
A.d.Ü.:
Chanson La Bohème, Text von Jacques Plante, Musik von Charles Aznavour, 1965, Text hier, Video mit Aznavour als Sänger hier.
-
Almanach de la dissolution, Paris, Navarin, coll. « Bibliothèque des Analytica », 1986.
-
A.d.Ü.:
Ähnlich formuliert es Lacan in Seminar 18, Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre, in der Sitzung vom 9. Juni 1971 (vgl. Version Miller/Gondek S. 189). Anspielung auf eine Erzählung von Alphonse Allais: Un drame bien parisien (1891): Ein Ehepaar, Raoul und Marguerite, verabredet sich zu einem Maskenball; sie wissen, welche Masken sie dort tragen werden. Auf dem Ball verabreden sie sich, maskiert, zum Essen und dort lassen sie die Masken fallen.
„Beide stießen gleichzeitig einen Schrei der Verblüffung aus, denn sie erkannten sich nicht. Er war nicht Raoul. Sie war nicht Marguerite.“ (Meine Übersetzung)
-
A.d.Ü.:
„La Fanette“, Chanson, Text und Melodie von Jacques Brel, 1965, Text hier, Video mit Brel als Sängeer hier. Das Lied enthält die Zeilen:
– „Faut dire / Qu’on ne nous apprend pas / À se méfier de tout“ (Man muss sagen, / dass man uns nicht beibringt, / allem zu misstrauen),
– „La plage était déserte et mentait sous juillet“ (Der Strand war verlassen und trog unter dem Juli). -
A.d.Ü.:
Que reste-t-il de tout cela, Chanson von 1942, Text von Charles Trenet, Musik von Charles Trenet und Léo Chauliac, Text hier, Tonaufnahme mit Trenet als Sänger hier.
-
A.d.Ü.:
Titel von Castanets Vortrag: Que reste-t-il de notre amour, am 14. Februar 2026, Sitzung des Seminars Qu’enseigne la psychanalyse ? (Saison 5), Text hier.
-
A.d.Ü.:
la mourre: Ratespiel mit Fingern. Zwei Spieler stehen sich gegenüber und tun zwei Dinge: Jeder zeigt eine Hand mit 0 bis 5 Fingern; jeder ruft laut eine Zahl, nämlich seine Vermutung über die Summe der gezeigten Finger beider Spieler. Das passiert gleichzeitig und sehr schnell. Vom italienischen Morra.
Zugleich eine Anspielung auf den doppelsinnigen Titel von Lacans Seminar 24 (1976/77): „L’insu que sait de l’une-bévue s’aile à mourre“ (Das Ungewusste, das Ein-Versehen weiß, flügelt sich zum Knobeln / Der Misserfolg des Unbewuss[ten], das ist die Liebe). Die deutsche Übersetzung dieses Seminars durch Max Kleiner findet man auf „Lacan entziffern“ hier.
-
J. Lacan, « Joyce le Symptôme », dans Autres écrits, op. cit., p. 567.
-
J. Lacan: Joyce das Symptom (II). Übersetzung auf „Lacan entziffern“ hier.
-
A.d.Ü.:
-
A.d.Ü.:
Eine deutsche Übersetzung durch Ulrike Oudée Dünkelsbühler des „Vorschlags vom 9. Oktober 1967 über den Psychoanalytiker der École“ gibt es auf „Lacan entziffern“ hier.
-
A.d.Ü.:
Das Chanson wurde 1986 veröffentlicht, Text und Musik sind von Lavilliers, den Text findet man hier, ein Video mit Lavilliers als Sänger gibt es hier.
-
J.- C. Milner, « Lacan à l’envers d’un post-scriptum », Le Diable probablement, n° 9, 2011, p. 78-84.
-
A.d.Ü.:
Coco: In der französischen Umgangssprache ist coco eine abwertende Bezeichnung für „Kommunist“.
-
Lacan, Le Séminaire, Livre XI, Les Quatre Concepts fondamentaux de la psychanalyse, Paris, Le Seuil, 1973, p. 61-62.
-
Lacan, Das Seminar, Buch XI, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse, übersetzt von Norbert Haas, Turia und Kant, Wien 2015, S. 70.
-
A.d.Ü.:
