Jacques Lacan
Seminar IX, Die Identifizierung
(XVIII) Sitzung vom 2. Mai 1962
Übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Max Kleiner und Rolf Nemitz
Zuletzt aktualisiert am 29. September 2026

Piero del Pollaiuolo: Apollo und Daphne,
ca. 1470–1480, Öl auf Holz, 29,5 x 20 cm, National Gallery London
Allgemeines zur Übersetzung
Das Seminar hat 26 Sitzungen. Etwa alle zwei Monate erscheint auf „Lacan entziffern“ die Übersetzung einer weiteren Sitzung. Die bereits veröffentlichten Übersetzungen von Sitzungen dieses Seminars findet man hier.
Die Übersetzung wird zweimal gebracht, zunächst nur deutsch, dann gegenüberstellend: Satz für Satz französisch/deutsch.
Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben, Belege und inhaltliche Erläuterungen.
Die Übersetzung stützt sich auf folgende Vorlagen:
– Stenotypie des Seminars auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse, hier
– Jacques Lacan: L’identification, dit „Séminaire IX“. Prononcé à Ste. Anne en 1961–1962. Herausgegeben und erstellt von Michel Roussan. Mit Anmerkungen, kritischem Apparat und Index. Paris 1992. Nicht im Buchhandel, beziehbar durch den Herausgeber, m.roussan2@free.fr
Ausgaben des Identifizierungs-Seminars im Internet:
– französisch: hier (Stenotypie), hier (Staferla), hier (ALI) S. 1547–1966, hier (Chollet), hier (rue CB),
– englische Übersetzungen: hier (Cormac Gallagher), hier (Ben Hooson),
– von Gallagher gelesene Audioaufnahme seiner Übersetzung hier.
Eine von Jacques-Alain Miller herausgegebene offizielle Edition des Seminars gibt es nicht.
Vielen Dank an Peter Müller (Psychoanalytiker in Karlsruhe) für die Überlassung seiner Übersetzung dieses Seminars!
Zur Notation
– Zahlen in geschweiften Klammern und grauer Schrift, z.B. {10}, verweisen auf die Seiten der Transkription, die Roussan als „Daktylographie 1“ bezeichnet; diese Seitenzahlen sind am Rand seiner Ausgabe angegeben und beginnen dort mit einer linken eckigen Klammer, also etwa mit „[10“. Daktylographie 1 ist die Transkription, die man auf der Seite der ELP findet (mit Ausnahme der 20. Sitzung), hier.
– Ein doppelter Bindestrich, also: --, markiert, dass an dieser Stelle ein Satz grammatisch unvollständig abbricht.
– Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.
– Der Schrägstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.
– Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.
– Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.
– Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text. .
Sitzung vom 2. Mai 1962
Deutsch
Jacques Lacan:
{1} Nicht unbedingt in der Absicht, Sie zu schonen, weder Sie noch sonst jemandem, kam mir der Gedanke, heute, bei dieser ersten Sitzung der Wiederaufnahme – in einem Moment, in dem wir, um die Behandlung dieses schwierigen Themas zu einem Ende zu bringen, noch einen Lauf von zwei Monaten vor uns haben –, kam mir der Gedanke, bei dieser Wiederaufnahme eine Art Staffelübergabe vorzunehmen. Ich möchte sagen, dass ich schon lange den Wunsch hatte, nicht einfach nur jemandem von Ihnen, sondern gerade Frau Aulagnier das Wort zu erteilen.
Schon sehr lange denke ich darüber nach, denn das war am Tag nach einem Vortrag, den sie in einer unserer wissenschaftlichen Sitzungen gehalten hat. Bei diesem Vortrag haben einige von Ihnen darin, die leider nicht hier sind – aufgrund einer Art Kurzsichtigkeit, die für bestimmte Positionen charakteristisch ist, die ich im Übrigen mandarinal nenne, da dieser Ausdruck inzwischen Karriere gemacht hat –, irgendeine Rückkehr zum Buchstaben Freuds zu erkennen geglaubt; für meine Ohren hingegen hatte es so geklungen, als handhabe Frau Aulagnier mit besonderer Treffsicherheit und Schärfe die Unterscheidung von Anspruch und Begehren, eine Unterscheidung, die zu diesem Zeitpunkt bereits lange gereift war.
{2} Immerhin gibt es eine gewisse Chance, dass man seine eigene Nachkommenschaft selbst besser erkennt, als es die anderen tun, und tatsächlich gab es eine Person, die diesbezüglich mit mir übereinstimmte: Frau Aulagnier selbst. Ich bedauere also, dass ich so lange gebraucht habe, ihr das Wort zu erteilen – vielleicht das sicherlich überzogene Gefühl von etwas, das uns uns auf den Fersen ist und beständig drängt vorwärtszukommen.
Heute also werden wir für einen Augenblick eine Art Schleife machen, die darin besteht, den Weg über das zu nehmen, was im Geist von jemandem unter Ihnen antworten und Frucht tragen kann, in Bezug auf den Weg, den wir zusammen durchlaufen haben; er ist bereits lang, seit jenem Augenblick, den ich erwähne. Und ganz speziell an dem Überschneidungspunkt, an der Kreuzung, die sich im Geist von Frau Aulagnier hinsichtlich dessen gebildet hat, was ich kürzlich über die Angst gesagt habe, kam es dazu, dass sie mir seit einigen Sitzungen angeboten hat, hier einen Beitrag zu leisten.
Es geschieht also aufgrund einer Gelegenheit, die nicht mehr und nicht weniger wert ist als eine andere, nämlich aufgrund des Gefühls, Ihnen genau zur rechten Zeit über die Angst des Psychotikers etwas mitzuteilen zu haben – und dies in engstem Zusammenhang mit dem, was Frau Aulagnier, ebenso wie Sie hier, von dem gehört hat, was ich in diesem Jahr über die Identifizierung vorbringe –, dass sie Ihnen etwas bringen wird, das sie sorgfältig genug vorbereitet hat, um den Text damit aufzufüllen.
Sie hatte die Güte, mir diesen Text zur Kenntnis zu geben; |{3} ich meine, dass ich ihn gestern mit ihr durchgesehen habe, und dass ich, so muss ich sagen, nichts anderes tun zu müssen glaubte, als sie zu ermutigen, ihn Ihnen vorzutragen. Ich bin mir sicher, dass er ein ausgezeichnetes Medium ist, und darunter verstehe ich etwas, das kein Durchschnitt dessen ist, was, wie ich glaube, die empfindlichsten Ohren, die besten unter Ihnen, hören können, und was auch nicht der Art und Weise entspricht, wie die Dinge aufgrund dieses Hörens aufgenommen werden können. Ich werde also, nachdem sie diesen Text konzipiert hat, sagen, wie ich diese Etappe – die das, was sie uns bringt, darstellen soll – verwenden möchte, welchen Gebrauch ich im weiteren Verlauf davon machen möchte.
Piera Aulagnier:
Bei der letzten Provinzialtagung befassten sich mehrere Beiträge mit der Frage, ob man verschiedene Arten von Angst definieren könne. So fragte man sich, ob man beispielsweise der psychotischen Angst einen besonderen Status geben solle. Ich möchte gleich sagen, dass ich etwas anderer Ansicht bin; die Angst – ob sie beim sogenannten normalen Subjekt, beim Neurotiker oder beim Psychotiker auftritt – scheint mir auf eine spezifische und identische Situation des Ichs (moi) zu antworten, und eben das scheint mir eines ihrer charakteristischen Merkmale zu sein.
Bezogen auf das, was man die Position des Subjekts gegenüber der Angst nennen könnte, hat man etwa bei der Psychose Folgendes sehen können: Wenn man nicht versucht, die existierenden Beziehungen zwischen Affekt und Verbalisierung genauer zu definieren, kann man zu einer Art Paradoxie gelangen, die sich so ausdrücken ließe: Einerseits wäre der Psychotiker jemand, der in besonderem Maße der Angst ausgesetzt ist – in der spiegelbildlichen Antwort, die er beim Analytiker hervorrufen würde, wäre genau eine der wesentlichen Schwierigkeiten der Kur zu suchen –, andererseits wurde uns gesagt, er sei unfähig, seine Angst anzuerkennen, er halte sie auf Abstand, er entfremde sich von ihr.
Damit formuliert man eine Position, die – wenn man nicht versucht, etwas weiterzugehen – unhaltbar ist. Denn was könnte es bedeuten, die Angst anzuerkennen? Sie wartet nicht darauf und muss um das Ich zu überschwemmen, nicht benannt werden, und ich verstehe nicht, was man damit meinen könnte, wenn man sagt, das Subjekt hat Angst, ohne es zu wissen. Man kann sich fragen, ob es nicht gerade das Eigentümliche der Angst ist, nicht benannt zu werden. Die Diagnose, die Benennung, kann nur vonseiten des Anderen kommen, von demjenigen, dem sie gegenübertritt; das Subjekt hingegen ist selbst der Affekt Angst, es erlebt sie durch und durch, und gerade diese Durchdringung, diese Erfassung seines Ichs, das sich darin auflöst, hindert es an der Vermittlung durch das Sprechen (denken Sie an die Hemmung und an das Ausagieren).
Auf dieser Ebene kann man eine erste Parallele zwischen zwei Zuständen ziehen, die mir, so verschieden sie auch sein mögen, zwei |{4} extreme Positionen des Ichs darzustellen scheinen, sowohl entgegengesetzt wie auch komplementär, ich spreche vom Orgasmus. In diesem zweiten Fall gibt es dieselbe tiefe Unvereinbarkeit zwischen der Möglichkeit, ihn zu erleben, und derjenigen, den notwendigen Abstand einzunehmen, um ihn im hic et nunc der ihn auslösenden Situation anzuerkennen und zu definieren. Zu sagen, dass man Angst hat, weist selbst schon darauf hin, dass man zum affektiven Erleben einen gewissen Abstand gewinnen konnte; es zeigt, dass das Ich bereits eine gewisse Beherrschung und Objektivität erlangt hat, gegenüber einem Affekt, in Bezug auf den man von diesem Moment an bezweifeln kann, ob er noch den Namen Angst verdient. Ich muss hier nicht an die metaphorische, vermittelnde Funktion des Sprechens erinnern ebenso wenig an die Kluft, die zwischen einem affektiven Erleben und seiner verbalen Übersetzung besteht. Von dem Augenblick an, in dem der Mensch seine Affekte in Worte fasst, macht er ja etwas anderes daraus; durch das Sprechen, durch ein Kommunikationsmittel, lässt er sie in den Bereich der Beziehung und der Intentionalität eintreten, er verwandelt das, was auf der Ebene des Körpers erlebt wurde und was als solches letztlich etwas Nonverbales bleibt, in etwas Kommunizierbares. Wir wissen alle, dass zu sagen, man liebe jemanden, nur sehr entfernte Ähnlichkeiten zu dem hat, was aufgrund dieser Liebe auf der körperlichen Ebene empfunden wird. Jemandem zu sagen, dass man ihn begehrt, heißt – wie Herr Lacan uns in Erinnerung gerufen hat –, ihn in unser grundlegendes Phantasma einzuschließen. Es heißt zweifellos auch, daraus das Zeugnis zu machen, den Zeugen unseres eigenen Signifikanten Was auch immer wir darüber sagen mögen, alles weist uns auf den Abstand hin, der zwischen diesen beiden Größen besteht, zwischen dem Affekt als verinnerlichter körperlicher Emotion – als etwas, dessen tiefste Quelle in dem liegt, was sich per definitionem nicht in Worte fassen lässt, ich meine das Phantasma – und dem Sprechen, das sich uns damit in seiner ganzen Funktion als Metapher zeigt.
Wenn das Sprechen der unverzichtbare Zauberschlüssel ist, der uns allein den Eintritt in die Welt der Symbolisierung ermöglichen kann, nun, dann denke ich, dass die Angst gerade jenem „Moment dazwischen“ entspricht, in dem dieser Schlüssel keine Tür mehr öffnet, in dem das Ich dem gegenübertreten muss, was hinter oder vor jeder Symbolisierung liegt, wo das erscheint, was keinen Namen hat, diese geheimnisvolle Figur, dieser Ort, aus dem ein Begehren hervorkommt, das man nicht mehr erfassen kann, in dem sich für das Subjekt eine |{5} Kollision zwischen Phantasma und Realität ereignet: das Symbolische verschwindet, um dem Phantasma als solchem Platz zu machen, das Ich löst sich darin auf, und diese Auflösung nennen wir Angst.
Sicher ist, dass der Psychotiker nicht auf die Analyse wartet, um die Angst kennenzulernen; ebenso ist sicher, dass auf diesem Gebiet für jedes Subjekt die analytische Beziehung ein Feld ist, das eine Sonderstellung hat. Das braucht uns nicht zu verwundern, wenn man zugesteht, dass die Angst die engsten Beziehungen zur Identifizierung hat. Wenn es nun bei der Identifizierung um etwas geht, das sich auf der Ebene des Begehrens abspielt, um das Begehren des Subjekts in Beziehung zum Begehren des Anderen, dann wird offensichtlich, dass die Hauptquelle der Angst in der Analyse in dem zu suchen sein wird, was genau ihr Wesen ausmacht: in der Tatsache, dass in diesem Falle der Andere jemand ist, dessen grundlegendstes Begehren darin besteht, nicht zu begehren, jemand, der eben dadurch, dass er alle möglichen Projektionen zulässt, sie auch in ihrer phantasmatischen Subjektivität enthüllt und das Subjekt immer wieder dazu zwingt, sich die Frage zu stellen, worin das Begehren des Analytikers besteht: ein stets vorausgesetztes, niemals definiertes Begehren, das eben dadurch jederzeit zu jenem Ort des Anderen werden kann, aus dem für den Analysierten die Angst entspringt.
Bevor wir jedoch versuchen, die Parameter der angstauslösenden Situation zu bestimmen – Parameter, die nur ausgehend von den spezifischen Problemen der Identifizierung Kontur gewinnen können –, kann man sich zunächst eine eher deskriptive Frage stellen, nämlich: Was meinen wir, wenn wir von oraler Angst, von Kastrationsangst oder von Todesangst sprechen?
Zu versuchen, diese verschiedenen Termini auf der Ebene einer Art quantitativer Abstufung voneinander zu unterscheiden, ist unmöglich: Es gibt kein Angstometer. Man hat nicht wenig oder viel Angst; entweder man hat Angst oder man hat keine. Der einzige Weg, auf dieser Ebene zu einer Antwort zu gelangen, besteht darin, uns an den Platz zu stellen, der uns zukommt, an den Platz dessen, der allein die Angst des Subjekts definieren kann – ausgehend von dem, was diese Angst ihm signalisiert. Obgleich es stimmt, wie Herr Lacan bemerkt hat, dass es sehr schwierig ist, auf der Ebene des Subjekts von der Angst als Signal zu sprechen, so scheint mir doch sicher zu sein, dass ihr Auftreten den Anderen bezeichnet und signalisiert, als Quelle, als Ort, an dem sie entstanden ist, und in diesem Zusammenhang ist es vielleicht nicht überflüssig, |{6} daran zu erinnern, dass es keinen Affekt gibt, den wir beim anderen schlechter ertragen, als die Angst, und dass es keinen Affekt gibt, bei dem wir eher Gefahr laufen, auf parallele Weise zu antworten. So kann etwa der Sadismus, die Aggressivität, beim Partner eine entgegengesetzte Reaktion hervorrufen, eine masochistische oder eine passive; Angst kann nur Flucht oder Angst auslösen. Es gibt hier eine Reziprozität der Antwort, die durchaus eine Frage aufwirft.
Herr Lacan hat sich gegen den von mehreren unternommen Versuch gewandt, nach einem „Inhalt der Angst“ zu suchen. Das erinnert mich an etwas, das er einmal über etwas ganz anderes gesagt hat: Wenn man aus einem Hut ein Kaninchen herauszuziehen will, muss man es vorher hineingesteckt haben. Nun, ich frage mich, ob die Angst nicht gerade dann erscheint, nicht nur, wenn das Kaninchen herausgekommen ist, sondern wenn es, um Gras zu fressen, losgelaufen ist, wenn der Hut nur noch etwas darstellt, das an den Torus erinnert, das jedoch einen dunklen Ort umschließt, aus dem jeder benennbare Inhalt verdampft ist und demgegenüber das Ich keinen Orientierungspunkt mehr hat, denn das Erste, was man über die Angst sagen kann, ist dies, dass ihr Auftreten ein Zeichen für den momentanen Zusammenbruch jedes möglichen Bezugspunktes für die Identifizierung ist. Nur von da aus lässt sich vielleicht die Frage beantworten, die ich zu den verschiedenen Bezeichnungen, die wir der Angst geben können, gestellt habe, und das nicht auf der Ebene der Definition eines Inhalts, denn das Kennzeichnende für das Subjekt, das in Angst ist, besteht darin, könnte man sagen, seinen Inhalt verloren zu haben.
Mit anderen Worten, mir scheint nicht, dass man über die Angst als solche sprechen könnte. Um ein Beispiel zu nehmen, möchte ich sagen, dass mir dies ebenso falsch erschiene, als wollte man ein Zwangssymptom so definieren, dass man auf der Ebene der unwillkürlichen Bewegung bleibt, durch die es repräsentiert werden kann. Die Angst kann uns nur dann etwas über sie selbst lehren, wenn wir sie als Konsequenz, als Ergebnis einer Sackgasse betrachten, in der sich das Ich befindet, als Zeichen für ein Hindernis, das zwischen den beiden parallelen und grundlegenden Linien entstanden ist, deren Beziehungen den Schlussstein der gesamten menschlichen Struktur bilden, nämlich der Identifizierung und der Kastration. Ich werde versuchen, die Beziehungen zwischen diesen beiden strukturierenden Bezugspunkten bei den verschiedenen Subjekten zu skizzieren, um eine Definition dessen zu versuchen, was die Angst ist und worüber sie uns, je nach Fall, |{7} Aufschluss gibt.
Im Seminar vom 4. April, auf das ich mich während des gesamten Vortrags beziehe, sagte uns Herr Lacan, die Kastration könne als ein Übergang verstanden werden zwischen dem, was es im Subjekt als natürliche Stütze des Begehrens gibt, und jener Einsetzung durch das Gesetz, durch das es zu dem Pfand werden wird, durch das es sich an der Stelle bezeichnen wird, an der es sich als Begehren zu manifestieren hat.
Dieser Übergang soll es ermöglichen, die Äquivalenz von Penis und Phallus zu erreichen, das heißt, dass das, was als körperliche Erregung gegeben war, zu einem Signifikanten werden muss, ihm Platz machen muss, denn nur vom Subjekt her und niemals von einem Partialobjekt her, ob nun der Penis oder ein anderes, kann das Wort Begehren irgendeinen Sinn erhalten. „Das Subjekt beansprucht und der Phallus begehrt“, sagte Herr Lacan; der Phallus, niemals jedoch der Penis. Der Penis selbst ist nur ein Instrument im Dienste des Phallus- Signifikanten; und wenn er ein sehr störrisches Instrument sein kann, dann eben deshalb, weil er als Phallus das Subjekt bezeichnet; und damit das funktioniert, muss der Andere ihn anerkennen, ihn wählen, und zwar nicht aufgrund dieser natürlichen Stütze, sondern insofern er als Subjekt der Signifikant ist, den der Andere von seinem eigenen Platz als Signifikant aus anerkennt.
Was den masturbatorischen Akt und den Koitus auf der Ebene der Jouissance unterscheidet, ein offensichtlicher, physiologisch jedoch nicht erklärbarer Unterschied, ist eben dies, dass der Koitus – sofern es den beiden Partnern im Verlaufe ihrer Geschichte möglich war, ihre Kastration auf sich zu nehmen – dazu führt, dass das Subjekt im Augenblick des Orgasmus nicht etwa, wie einige gesagt haben, eine Art Urverschmelzung wiederfindet – denn es ist ja nicht einzusehen, warum die höchste Jouissance, die der Mensch erfahren kann, notwendigerweise mit einer ebenso totalen Regression verbunden sein sollte –, sondern, im Gegenteil, in dem es jenen privilegierten Moment erreicht, in dem es für einen Augenblick jene stets gesuchte und stets entgleitende Identifizierung erreicht, in der es, das Subjekt, vom anderen als Objekt seines tiefsten Begehrens anerkannt wird, zugleich aber aufgrund der Jouissance des anderen diesen als denjenigen anerkennen kann, der es als phallischen Signifikanten konstituiert. In diesem einzigartigen Augenblick können Anspruch und Begehren einen flüchtigen Moment lang |{8} zusammenfallen, und eben das verleiht dem Ich jene identifikatorische Entfaltung, aus der die Jouissance ihre Quelle bezieht.
Man darf nicht vergessen, dass, wenn in diesem Augenblick Anspruch und Begehren zusammenfallen, die Jouissance dennoch die Quelle der tiefsten Unbefriedigtheit in sich trägt, denn wenn das Begehren vor allem Begehren nach Kontinuität ist, ist die Jouissance per definitionem etwas Augenblickliches. Das hat zur Folge, dass sich der Abstand zwischen Begehren und Anspruch sogleich wiederherstellt, sowie die Unbefriedigtheit, die ebenfalls eine Gewähr für das Fortdauern des Anspruchs ist.
Wenn es aber Trugbilder der Angst gibt, so gibt es noch weitaus mehr Trugbilder der Jouissance, denn damit diese identifikatorische Situation, die Quelle der wirklichen Jouissance, möglich wird, müssen die beiden Partner das entscheidende Hindernis überwunden haben, das ihnen droht: dass für einen oder für beide der Spieleinsatz auf das Partialobjekt fixiert geblieben ist, als Einsatz einer dualen Beziehung, in der sie als Subjekte keinen Platz haben. Denn alles, was mit der Kastration verbunden ist, zeigt uns ja, dass es dabei keineswegs darum geht, die Furcht auszudrücken, man könnte ihn ihm abschneiden, selbst wenn das die Form ist, in der das Subjekt sie verbalisieren kann; worum es geht, ist die Furcht, dass man ihn ihm lässt und ihm alles Übrige abschneidet, das heißt, dass man es auf seinen Penis oder auf das Partialobjekt, Träger und Quelle der Lust, abgesehen hat und es als Subjekt verneint und verkennt. Deshalb steht die Angst nicht nur in engen Beziehungen zur Jouissance, sondern deshalb ist eben eine der Situationen, die am leichtesten Angst erzeugen, die, in der das Subjekt und der Andere auf ihrer Ebene aufeinandertreffen müssen.
Wir wollen nun versuchen zu sehen, auf welche Hindernisse das Subjekt auf dieser Ebene stoßen kann. Sie stellen nichts anderes dar als die eigentlichen Quellen jeder Angst. Dafür müssen wir uns auf das beziehen, was wir die prägenitalen Objektbeziehungen nennen, auf jene für das Schicksal des Subjekts ganz besonders entscheidende Phase, in der die Vermittlung zwischen dem Subjekt und dem anderen, zwischen Anspruch und Begehren, sich um jenes Objekt herum vollzog, dessen Platz und Definition höchst ambivalent geblieben sind und das als Partialobjekt bezeichnet wird.
{9} Die Beziehung zwischen dem Subjekt und diesem Partialobjekt ist nichts anderes als die Beziehung des Subjekts zu seinem eigenen Körper, und von dieser Beziehung, die für jeden Menschen grundlegend bleibt, nimmt die gesamte Bandbreite dessen, was unter den Begriff der Objektbeziehung fällt, ihren Ausgang und wird durch sie geprägt.
Ob man nun die orale, die anale oder die phallische Phase genauer betrachtet, man trifft dort auf dieselben Koordinaten. Wenn ich die orale Phase auswähle, dann einfach deshalb, weil sie mir für den Psychotiker, über den wir gleich sprechen werden, der fruchtbare Moment dessen zu sein scheint, was ich an anderer Stelle die Eröffnung der Psychose genannt habe.
Wodurch können wir sie definieren? Durch einen Anspruch, der, so sagt man uns, von Anfang an Anspruch auf etwas anderes ist. Ebenso durch eine Antwort, die nicht nur, und zwar offensichtlich, Antwort auf etwas anderes ist, sondern – und das scheint mir ein sehr wichtiger Punkt zu sein – die das ist, was einen Schrei, vielleicht einen Ruf, als Anspruch und als Begehren konstituiert. Wenn die Mutter auf die Schreie des Kindes antwortet, erkennt sie sie an, indem sie sie als Anspruch konstituiert; gravierender jedoch ist, dass sie sie auf der Ebene des Begehrens interpretiert: als Begehren des Kindes, sie bei sich zu haben, als Begehren, ihr etwas wegzunehmen, als Begehren, sie anzugreifen, was auch immer; es ist sicher, dass der Andere durch seine Antwort dem Schrei des Bedürfnisses die Dimension Begehren verleihen wird und dass das Begehren, mit dem das Kind besetzt wird, zunächst immer das Ergebnis einer projektiven Deutung ist, die einzig vom mütterlichen Begehren abhängt, von ihrem eigenen Phantasma. Seinen Einzug in die Welt des Begehrens hält das Subjekt auf dem Weg über das Unbewusste des Anderen. Sein eigenes Begehren wird es vor allem als Antwort konstituieren müssen, als ein Akzeptieren oder ein Verweigern, den Platz einzunehmen, den ihm das Unbewusste des Anderen zuweist.
Mir scheint, dass die erste Phase des entscheidenden Mechanismus der oralen Beziehung, nämlich der projektiven Identifizierung, von der Mutter ausgeht; auf der Ebene des Begehrens gibt es eine erste, von ihr ausgehende Projektion; das Kind wird sich damit identifizieren müssen oder gegen eine Identifizierung, die es als entstrukturierend empfinden kann, ankämpfen und sie verneinen müssen.
Und in diesem ersten Stadium der menschlichen Entwicklung ist es ebenfalls die Antwort, die es dem Subjekt geben kann, die ihm die Entdeckung dessen ermöglicht, was sich hinter seinem Anspruch verbirgt. |{10} Von diesem Moment an wird die Jouissance – die nicht auf die phallische Organisation wartet, um ins Spiel zu kommen – den Aspekt einer Offenbarung annehmen, den sie immer behalten wird; denn wenn die Frustration dem Subjekt den Abstand bezeichnet, der zwischen Bedürfnis und Begehren existiert, so enthüllt ihm umgekehrt die Jouissance – indem sie auf das antwortet, was nicht formuliert worden war – das, was jenseits des Anspruchs liegt, das heißt das Begehren. Was aber sehen wir in dem, was die orale Beziehung ausmacht? Vor allem, dass für beide Partner Anspruch und Antwort um die Partialbeziehung Mund – Brust herum signifiziert werden. Diese Ebene können wir die des Signifikats nennen, die Antwort wird auf der Ebene der Mundhöhle eine Absorptionsaktivität hervorrufen, Quelle der Lust; ein äußeres Objekt, die Milch, wird zu körpereigener Substanz. Daraus bezieht die Absorption ihre Bedeutung und ihre Wichtigkeit.
Ausgehend von dieser ersten Antwort wird die Suche nach der Absorptionsaktivität, Quelle von Lust, zum Ziel des Anspruchs werden. Was das Begehren betrifft, so wird man es anderswo suchen müssen, obwohl es sich ausgehend von genau dieser Antwort, von genau dieser Erfahrung der Bedürfnisbefriedigung konstituieren wird.
Denn wenn die Beziehung Mund – Brust und die Aktivität Absorption – Nahrung die Zähler der Gleichung sind, durch welche die orale Beziehung repräsentiert wird, so gibt es auch noch einen Nenner, jenen, der die Beziehung Kind – Mutter ins Spiel bringt, und dort kann das Begehren einen Platz finden. Wenn, wie ich denke, die Aktivität des Stillens – je nach der Besetzung, deren Gegenstand sie von beiden Seiten ist, aufgrund des Kontakts und der körperlichen Erfahrungen auf der Ebene des Körpers im weitesten Sinne, die sie dem Kind ermöglicht, gerade durch ihre sich wiederholende Skandierung – die grundlegende, die wesentliche Phase des oralen Stadiums repräsentiert, dann muss man daran erinnern, dass kaum irgendwo so sehr wie hier das Sprichwort zu stimmen scheint, das da sagt: „Wie man gibt, ist wichtiger als was man gibt.“ Dank oder aufgrund dieser Art des Gebens wird das Kind, je nach dem, was dies ihm vom mütterlichen Begehren enthüllen wird, den Unterschied zwischen einer Nahrungsgabe und einer Liebesgabe erfassen.
Parallel zur Absorption der Nahrung wird sich dann im Nenner unserer Gleichung die Absorption oder besser die Introjektion eines relationalen Signifikanten abzeichnen, das heißt, parallel zur Nahrungsabsorption wird es eine Introjektion einer |{11} phantasmatischen Beziehung geben, in der das Kind und der andere durch ihre unbewussten Begehren repräsentiert werden. Nun, wenn der Zähler leicht mit dem Pluszeichen versehen werden kann, so kann der Nenner im selben Moment mit dem Minuszeichen ausgestattet werden. Dieser Unterschied der Vorzeichen gibt der Brust ihren Platz als Signifikant, denn genau aus diesem Abstand zwischen Anspruch und Begehren, ausgehend von dem Ort, an dem die Frustration auftaucht, entspringt und erhebt sich ein jeder Signifikant.
Ausgehend von dieser Gleichung, die sich mutatis mutandis für die verschiedenen Phasen der Entwicklung des Subjekts rekonstruieren ließe, gibt es vier Möglichkeiten; sie führen zu dem, was man Normalität, Neurose, Perversion und Psychose nennt.
Ich werde versuchen, sie schematisch darzustellen – wobei ich sie natürlich etwas karikaturhaft vereinfache – und die Beziehungen zu betrachten, die in den einzelnen Fällen zwischen Identifizierung und Angst bestehen.
Der erste dieser Wege ist sicherlich der utopischste. Das ist der Weg, bei dem wir uns vorstellen müssen, dass das Kind in der Nahrungsgabe die begehrte Liebesgabe finden kann. Die Brust und die Antwort der Mutter können dann zu Symbolen von etwas anderem werden; das Kind wird in die symbolische Welt eintreten können und wird den Durchlauf der Signifikantenkette akzeptieren können; auf die orale Beziehung als Absorptionsaktivität kann dann verzichtet werden, und das Subjekt wird sich zu dem hin entwickeln, was man eine normative Lösung nennt.
Allerdings, damit das Kind diese Kastration auf sich nehmen kann, damit es auf die Lust verzichten kann, die ihm die Brust bietet, abhängig von diesem kleinen Schuldschein, von diesem unsicheren Wechsel auf die Zukunft, dafür ist es notwendig, dass die Mutter ihre eigene Kastration auf sich nehmen konnte; von diesem Moment an muss in dieser sogenannten dualen Beziehung bereits der dritte Term, der Vater, als Referenz für die Mutter gegenwärtig sein. Nur in diesem Falle wird das, was sie beim Kind suchen wird, nicht eine Befriedigung auf der Ebene einer körperlichen Erogenität sein, die aus ihm ein phallisches Äquivalent macht, sondern eine Beziehung, durch die sie, indem sie als Mutter konstituiert wird, zugleich als Frau des Vaters anerkannt wird.
Dann wird die Nahrungsgabe für sie das reine Symbol einer Liebesgabe sein, und weil diese Liebesgabe gerade nicht die phallische Gabe sein wird, die das Subjekt begehrt, wird das Kind seine Beziehung zum Anspruch aufrechterhalten können. Den Phallus wird es anderswo suchen müssen; es wird in den |{12} Kastrationskomplex eintreten, der allein es ihm ermöglichen kann, sich mit etwas anderem zu identifizieren als mit einem ausgestrichenen Subjekt (sujet barré).
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass für die Mutter selbst die Kastration etwas geblieben ist, das sie nur unzureichend auf sich genommen hat. Dann droht jedes Objekt, das für den anderen Quelle einer Lust und Ziel eines Anspruchs sein kann, für sie zu dem von ihr begehren phallischen Äquivalent zu werden. Da jedoch die Brust eine privilegierte Existenz nur in Abhängigkeit von demjenigen hat, für den sie unerlässlich ist, nämlich für das Kind, sehen wir, wie sich die Äquivalenz Kind – Phallus herstellt, die im Zentrum der Entstehung der meisten neurotischen Strukturen steht.
Das Subjekt wird sich dann im Verlauf seiner Entwicklung immer wieder dem Dilemma des Seins oder Habens stellen müssen, unabhängig davon, welches körperliche Objekt – Brust, Fäzes, Penis – zum phallischen Träger wird.
Entweder wird es sich mit demjenigen identifizieren müssen, der ihn hat – doch weil es das Stadium des natürlichen Trägers nicht überschreiten konnte, da es nicht den Zugang zum Symbolischen finden konnte, wird für es das Haben immer ein den Anderen kastriert haben bedeuten –, oder es wird auf das Haben verzichten, und dann wird es sich mit dem Phallus als Objekt des Begehrens des anderen identifizieren, dann jedoch darauf verzichten müssen, selbst das Subjekt des Begehrens zu sein.
Dieser Identifizierungskonflikt – dazwischen, der Agent der Kastration zu sein oder das Subjekt zu werden, das sie erleidet – definiert das ständige Wechseln, die Frage, die auf der Ebene der Identifizierung stets gegenwärtig ist und die klinisch als Neurose bezeichnet wird.
Die dritte Möglichkeit ist diejenige, der wir bei der Perversion begegnen. Wenn letztere als das Negativ der Neurose definiert worden ist, so finden wir diesen strukturellen Gegensatz auch auf der Ebene der Identifizierung wieder. Der Perverse ist derjenige, der den Identifizierungskonflikt abgelenkt hat. Auf der von uns gewählten, der oralen Ebene, werden wir sagen, dass sich das Subjekt in der Perversion so konstituiert, als hätte die Aktivität der Absorption keinen anderen Zweck als den, es selbst zu dem Objekt zu machen, das dem Anderen eine phallische Jouissance ermöglicht. Der Perverse hat nicht den Phallus und ist nicht der Phallus, er ist das ambivalente Objekt, das einem Begehren dient, das nicht das seine ist, er kann seine Jouissance nur aus dieser eigentümlichen Situation ziehen, in der die einzige Identifizierung, die ihm möglich ist, darin besteht, dass er sich nicht mit dem Anderen und nicht mit dem Phallus identifiziert, sondern mit jenem Objekt, dessen Aktivität einem Phallus, dessen Zugehörigkeit er letztlich nicht kennt, die |{13} Jouissance verschafft. Man könnte sagen, das Begehren des Perversen besteht darin, auf den phallischen Anspruch zu antworten. Um ein banales Beispiel zu nehmen, würde ich sagen, dass die Jouissance des Sadisten, um hervorzutreten, eines Anderen bedarf, für den die Lust dadurch entsteht, dass er, der Sadist, sich zur Peitsche macht.
Wenn ich von einem phallischen Anspruch gesprochen habe – was ein Wortspiel ist –, dann deshalb, weil für den Perversen der andere keine Existenz hat, außer als beinahe anonymer Träger eines Phallus, für den der Perverse seine Opferrituale vollzieht.
Die perverse Antwort geht immer mit einer Verneinung des anderen als Subjekt einher; die perverse Identifizierung ist immer abhängig vom Objekt als Quelle der Jouissance, für einen ebenso mächtigen wie phantasmatischen Phallus.
Es gibt da noch ein Wort, dass ich über die Perversion im Allgemeinen sagen möchte. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, sie zu definieren, wenn wir auf der Ebene bleiben, die wir, in Anführungszeichen, „sexuell“ nennen könnten, obwohl die klassischen Auffassungen zu diesem Thema uns dahin zu führen scheinen. Die Perversion ist – und mir scheint, dass ich darin den Freud’schen Auffassungen sehr nahe bleibe – eine Perversion auf der Ebene der Jouissance; der Körperteil, der, um sie zu erlangen, ins Spiel gebracht wird, ist gleichgültig. Wenn ich das Misstrauen von Herrn Lacan gegenüber dem, was man Genitalität nennt, teile, dann deshalb, weil es äußerst gefährlich ist, eine anatomische Analyse vorzunehmen. Der anatomisch normalste Koitus kann ebenso neurotisch oder ebenso pervers sein wie das, was man einen prägenitalen Trieb nennt. Was für Normalität, Neurose oder Perversion bezeichnend ist, können Sie nur auf der Ebene der Beziehung zwischen dem Ich und seiner Identifizierung sehen, durch welche die Jouissance ermöglicht oder nicht ermöglicht wird.
Wollte man die Diagnose der Perversion allein den sexuellen Perversionen vorbehalten, würde man damit nicht nur nichts erreichen – denn eine rein symptomatische Diagnose hat noch nie etwas gebracht –, sondern wir wären außerdem gezwungen anzuerkennen, dass es nur sehr wenige Neurotiker gibt, die ihr entgehen. Und Sie werden die Lösung auch nicht auf der Ebene eines Schuldgefühls finden, von dem der Perverse frei wäre; zumindest meines Wissens gibt es keinen Menschen, der glücklich genug wäre, nicht zu wissen, was Schuldgefühl ist. |{14} Die einzige Möglichkeit, sich der Perversion zu nähern, besteht darin, sie dort zu definieren, wo sie ist, nämlich auf der Ebene eines Beziehungsverhaltens. Beim Zwangsneurotiker ist der Sadismus keineswegs immer unbekannt oder immer in Schach gehalten. Was er bei diesem bedeutet, ist ja das Fortbestehen dessen, was man eine anale Beziehung nennt, also eine Beziehung, in der es darum geht, zu besitzen oder besessen zu werden, eine Beziehung, in der die Liebe, die man empfindet oder deren Objekt man ist, dem Subjekt nur abhängig von diesem Besitz bedeutet werden kann, der geradezu bis zur Zerstörung des Objekts gehen kann. Man könnte sagen, der Zwangsneurotiker ist wirklich derjenige, der gut bestraft, weil er gut liebt: Er ist derjenige, für den die Prügel, die er vom Vaters erhalten hat, das bevorzugte Kennzeichen seiner Liebe geblieben ist, und der immer jemanden sucht, dem er sie geben oder von dem er sie empfangen kann. Hat er sie jedoch empfangen oder gegeben und sich vergewissert, dass man ihn liebt, wird er die Jouissance in einer anderen Art von Beziehung zu demselben Objekt suchen; und unabhängig davon, ob diese Beziehung nun oral, anal oder vaginal hergestellt wird, wird sie in dem von mir gemeinten Sinne nicht pervers sein – und dieser Sinn scheint mir der einzige zu sein, der verhindern kann, dass man einer großen Zahl von Neurotikern oder einer großen Zahl unserer Mitmenschen das Etikett pervers anheftet.
Der Sadismus wird zur Perversion, wenn die Prügel nicht mehr als Liebeszeichen gesucht oder verabreicht werden, sondern wenn sie als solche vom Subjekt mit der einzigen Möglichkeit gleichgesetzt werden, einen Phallus genießen zu lassen, und wenn der Anblick dieser Jouissance für den Perversen zu dem einzigen Weg wird, der seiner eigenen Jouissance offensteht.
Man hat viel über die Aggressivität gesprochen, aus der der Exhibitionismus angeblich hervorgeht. Man zeigt ihn, um den anderen anzugreifen, sicherlich; man darf jedoch nicht vergessen, dass der Exhibitionist davon überzeugt ist, dass diese Aggression für den anderen eine Quelle der Jouissance ist.
Wenn der Zwangsneurotiker eine exhibitionistische Strebung verspürt, versucht er – so könnte man sagen –, den anderen zu täuschen: Er zeigt, was der andere, seiner Meinung nach, nicht hat und was er begehrt; er zeigt das, was für ihn tatsächlich die engsten Beziehungen zur Aggressivität hat. Denken Sie an das, was beim Rattenmann geschieht, die Jouissance des toten Vaters ist seine geringste Sorge. Dem toten Vater das zu zeigen, wovon dieser – der Rattenmann – glaubt, der tote Vater habe begehrt, es ihm phantasmatisch zu entreißen, das ist |{15} durchaus etwas, das man Aggressivität nennt, und aus dieser Aggressivität bezieht der Zwangsneurotiker seine Jouissance.
Der Perverse hingegen sucht seine eigene Jouissance immer nur auf dem Weg über eine fremde Jouissance. Eben das ist die Perversion: dieser Zickzackweg, dieser Umweg, der dazu führt dass sein Ich, was immer es tut, stets im Dienste einer anonymen phallischen Macht steht. Es ist ihm gleichgültig, wer das Objekt ist; es genügt ihm, dass es fähig ist zu genießen, dass er es zum Träger dieses Phallus machen kann, gegenüber dem er sich immer identifizieren wird, und zwar ausschließlich als dem Objekt, von dem er annimmt, dass er ihm die Jouissance verschaffen kann. Deshalb ist – im Gegensatz zu dem, was man bei der Neurose sieht – die perverse Identifizierung, ebenso wie ihr Objektbeziehungstypus, etwas, das durch die Stabilität auffällt, die Einheit.
Und damit kommen wir zur vierten Möglichkeit, die am schwersten zu fassen ist, zur Psychose.
Der Psychotiker ist ein Subjekt, dessen Anspruch vom Anderen niemals symbolisiert worden ist, für das Reales und Symbolisches, Phantasma und Realität niemals voneinander abgegrenzt werden konnten, da es keinen Zugang zu jener dritten Dimension finden konnte, die allein die unerlässliche Unterscheidung zwischen diesen beiden Ebenen ermöglicht, nämlich zum Imaginären. Doch hier sind wir genötigt – selbst wenn wir versuchen, die Dinge so weit wie möglich zu vereinfachen –, uns ganz an den Anfang der Geschichte des Subjekts zu begeben, noch vor der oralen Beziehung, nämlich zum Augenblick der Empfängnis.
Die erste Amputation, die der Psychotiker erleidet, findet vor seiner Geburt statt: Für seine Mutter ist er das Objekt ihres eigenen Stoffwechsels, die Beteiligung des Vaters wird von ihr negiert, ist unannehmbar. Von diesem Moment an und während der gesamten Schwangerschaft ist er das Partialobjekt, das auf der Ebene ihres Körpers einen phantasmatischen Mangel ausfüllt. Und von seiner Geburt an wird die Rolle, die sie ihm dann zuweist, darin bestehen, Zeuge der Verneinung ihrer eigenen Kastration zu sein. Das Kind ist, im Gegensatz zu dem, was man häufig gesagt hat, nicht der Phallus der Mutter; es ist der Zeuge dafür, dass die Brust der Phallus ist, was nicht dasselbe ist. Und damit die Brust der Phallus ist und zwar ein allmächtiger Phallus, muss die Antwort, die sie gibt, vollkommen und umfassend sein. Der Anspruch des Kindes kann nur als etwas anerkannt werden, das Anspruch auf Nahrung ist; die Dimension |{16} Begehren muss, auf der Ebene des Subjekts, verneint werden, und was die Mutter des Psychotikers kennzeichnet, ist das dem Kind auferlegte vollständige Verbot, Subjekt irgendeines Begehrens zu sein.
Man sieht dann bereits von diesem Moment an, wie sich für den Psychotiker seine besondere Beziehung zum Sprechen konstituieren wird; wie es ihm von Beginn an unmöglich sein wird, seine Beziehung zum Anspruch aufrechtzuerhalten. Wenn sich die Antwort immer nur an ihn als zu ernährender Mund, als Partialobjekt richtet, dann versteht man, dass für ihn jeder Anspruch im Augenblick seiner Formulierung den Tod des Begehrens in sich trägt. Da es vom Anderen nicht symbolisiert worden ist, wird es dazu gebracht werden, in der Antwort Symbolisches und Reales zur Deckung zu bringen. Da es, was immer es verlangt, immer die Nahrung ist, die man ihm gibt, wird die Nahrung als solche für ihn zum Schlüsselsignifikanten werden. Von diesem Moment an wird das Symbolische in das Reale einbrechen. Statt dass die Nahrungsgabe ihr symbolisiertes Äquivalent in der Liebesgabe findet, wird sich für ihn jede Liebesgabe nur durch eine orale Absorption signifizieren können. Den anderen zu lieben oder von ihm geliebt zu werden, wird sich für ihn in Begriffe der Oralität übersetzen: ihn zu absorbieren oder von ihm absorbiert zu werden. Es wird für ihn immer einen grundlegenden Widerspruch zwischen Anspruch und Begehren geben. Denn entweder hält er an seinem Anspruch fest und sein Anspruch zerstört ihn als Subjekt eines Begehrens – er muss sich als Subjekt entfremden, um sich zu einem Mund, zu einem zu ernährenden Objekt zu machen. Oder er wird versuchen, sich mehr schlecht als recht als Subjekt zu konstituieren, und er wird gezwungen sein, den körperlichen Teil seiner selbst zu entfremden, als Quelle von Lust und als Ort einer Antwort, die für ihn mit jedem Versuch von Autonomie unvereinbar ist.
Der Psychotiker ist stets gezwungen, seinen Körper als Träger seines Ichs zu entfremden oder einen Körperteil als Träger einer Möglichkeit von Jouissance zu entfremden. Wenn ich hier den Ausdruck der Identifizierung nicht verwende, dann deshalb, weil ich glaube, dass er sich auf die Psychose nicht anwenden lässt. Die Identifizierung impliziert, in meiner Sicht, die Möglichkeit einer Objektbeziehung, in der das Begehren des Subjekts und das Begehren des Anderen miteinander im Konflikt stehen, jedoch als zwei konstitutive Pole der Beziehung existieren.
In der Psychose müsste man den Anderen und sein Begehren auf der Ebene der phantasmatischen Beziehung des Subjekts zu seinem eigenen Körper definieren. Ich werde das hier nicht tun, das würde uns von unserem Thema wegbringen, |{17} von der Angst. Im Gegensatz zu dem, was man glauben könnte, ist tatsächlich sie es, worüber ich während des ganzen Vortrags gesprochen habe.
Nun, was haben wir gesehen? Ob es sich um das sogenannte normale Subjekt, um den Neurotiker oder um den Perversen handelt, jeder Versuch einer Identifizierung kann nur ausgehend von dem erfolgen, was sich jemand – ob wahr oder falsch, spielt keine Rolle – vom Begehren des anderen vorstellt. Ganz gleich, ob Sie das sogenannte normale Subjekt, den Neurotiker oder den Perversen nehmen, Sie haben gesehen, dass es immer darum geht, sich gemäß dem oder im Gegensatz zu dem zu identifizieren, was das Subjekt für das Begehren des anderen hält. Solange dieses Begehren imaginiert und phantasiert werden kann, wird das Subjekt darin die notwendigen Orientierungspunkte finden, um dieses Begehren zu definieren, sei es mit ihm als Objekt des Begehrens des anderen oder als Objekt, das sich weigert, es zu sein. In beiden Fällen ist es selbst jemand, der sich definieren und wiederfinden kann.
Doch von dem Moment an, in dem das Begehren des Anderen zu etwas Geheimnisvollem wird, zu etwas Undefinierbarem, enthüllt sich hier dem Subjekt, dass es gerade das Begehren des Anderen war, durch das es als Subjekt konstituiert wurde. Was es wiederfinden wird, was sich angesichts dieses Nichts in diesem Moment enthüllen wird, ist sein grundlegendes Phantasma; denn Objekt des Begehrens des Anderen zu sein, ist nur insofern eine aushaltbare Situation, als wir dieses Begehren benennen und in Abhängigkeit von unserem eigenen Begehren formen können.
Doch zum Objekt eines Begehrens zu werden, dem wir keinen Namen mehr geben können, heißt, dass wir selber zu einem Objekt werden, dessen Insignien keinen Sinn mehr haben, da sie für den anderen unentzifferbar sind. Genau dieser Moment, in dem das Ich in einem Spiegel einen Bezug nimmt, der ihm ein Bild zurückwirft, das keine identifizierbare Bedeutung mehr hat, eben das ist die Angst. Wenn wir sie oral, anal oder phallisch nennen, versuchen wir lediglich zu bestimmen, welches die Insignien waren, mit denen sich das Ich ausstattete, um sich zu erkennen zu geben. Wenn nur wir selbst das tun können – insofern wir das sind, was im Spiegel erscheint –, dann deshalb, weil wir die Einzigen sind, die sehen können, welcher Art diese Insignien sind, die man uns nicht zu erkennen vorwirft. Denn wenn die Angst, wie ich zu Beginn sagte, der Affekt ist, der am leichtesten eine reziproke Antwort hervorzurufen droht, dann eben deshalb, weil wir |{18} von diesem Moment an für den anderen zu dem werden, dessen Insignien ebenso rätselhaft sind, ebenso unmenschlich. In der Angst wird nicht nur das Ich aufgelöst, sondern auch der andere als identifikatorische Stütze.
In diesem Sinne möchte ich mich auf den Standpunkt stellen, dass Jouissance und Angst die beiden Extrempositionen sind, die das Ich einnehmen kann. In der ersten tauschen das Ich und der andere für einen Augenblick ihre Insignien aus, erkennen sich als zwei Signifikanten, deren geteilte Jouissance einen Augenblick lang die Identität der Begehren sichert. In der Angst lösen sich das Ich und der andere auf, werden sie annulliert, in einer Situation, in der das Begehren verloren geht, da es nicht benannt werden kann.
Wenn wir nun, um zu schließen, zur Psychose übergehen, werden wir sehen, dass die Dinge etwas anders liegen. Natürlich ist auch hier die Angst nichts anderes als das Zeichen für den Verlust jeglicher möglichen Orientierung für das Ich. Doch die Quelle, aus der hier die Angst entsteht, ist endogen, es ist der Ort, wo das Begehren des Subjekts auftauchen kann; für den Psychotiker ist sein Begehren die bevorzugte Quelle jeder Angst.
Wenn es stimmt, dass der andere uns konstituiert, indem er uns als Objekt des Begehrens anerkennt, dass seine Antwort uns den Abstand zwischen Anspruch und Begehren bewusst werden lässt und dass wir durch diese Öffnung in die Welt der Signifikanten eintreten, dann ist für den Psychotiker dieser Andere derjenige, der ihm niemals etwas anderes bedeutet hat als ein Loch, eine Leere genau im Zentrum seines Seins. Das Verbot, das ihm hinsichtlich des Begehrens auferlegt wurde, hat zur Folge, dass die Antwort für ihn, zwischen Anspruch und Begehren, nicht etwa einen Abstand erfahrbar gemacht hat, sondern eine grundlegende Antinomie; und aus diesem Abstand, der keine Öffnung ist, sondern ein Abgrund, ist nicht der Signifikant zu Tage getreten, sondern das Phantasma, das heißt das, was jene Kollision zwischen Symbolischem und Realem hervorruft, die wir Psychose nennen.
Für den Psychotiker – und ich entschuldige mich dafür, dass ich mich an einfache Formeln halte – ist der andere auf der Ebene seines eigenen Körpers introjiziert, auf der Ebene von allem, was sich um dieses primäre Aufklaffen herum befindet, das allein das ist, was ihn als Subjekt bezeichnet.
Die Angst ist für ihn an jene besonderen Momente gebunden, in denen, |{19} ausgehend von diesem Aufklaffen, etwas erscheint, das sich Begehren nennen ließe; denn damit das Subjekt das Begehren auf sich nehmen könnte, müsste es akzeptieren, sich an dem einzigen Platz zu positionieren, von dem aus es „ich“ sagen könnte, das heißt: sich mit diesem Aufklaffen zu identifizieren, das, aufgrund des Verbots des anderen, der einzige Platz ist, an dem es als Subjekt anerkannt wird. Durch jegliches Begehren kann es nur auf eine Verneinung seiner selbst oder auf eine Verneinung des anderen verwiesen werden.
Doch insofern der andere für den Psychotiker auf der Ebene seines eigenen Körpers introjiziert ist und diese Introjektion das Einzige ist, was es ihm, dem Psychotiker, zu leben ermöglicht – ich habe an anderer Stelle gesagt, dass für den Psychotiker die einzige Möglichkeit, sich mit einem vereinheitlichten imaginären Körper zu identifizieren, darin bestünde, sich mit dem Schatten zu identifizieren, den ein Körper, der nicht der seine wäre, vor ihm werfen würde –, insofern wäre jedes Verschwinden des anderen für ihn das Äquivalent einer Selbstverstümmelung, die ihn nur auf sein eigenes grundlegendes Drama verweisen würde.
Wenn wir die Quellen, die die Angst auslösen, beim Neurotiker von unserem Schweigen her finden können, so beim Psychotiker ausgehend von unserem Sprechen und unserer Anwesenheit. Alles, was ihm bewusst machen kann, dass wir als von ihm verschieden existieren, als autonome Subjekte, die eben dadurch ihn selbst als Subjekt anerkennen können, wird für ihn zu etwas, das seine Angst auslösen kann. Solange er spricht, wiederholt er lediglich einen Monolog, der uns auf der Ebene des introjizierten Anderen situiert, des Anderen, der ihn konstituiert. Doch sobald er dazu kommt, zu uns zu sprechen, werden wir – insofern wir als Objekt zu dem Ort werden können, an dem er sein Begehren anerkennen muss –, werden wir sehen, wie seine Angst ausgelöst wird, denn begehren heißt, sich als Subjekt konstituieren zu müssen, und für ihn ist der einzige Platz, von dem aus er dies tun kann, jener, der ihn auf seinen Abgrund verweist.
Doch auch hier kann man wie Sie sehen, abschließend sagen, dass die Angst in dem Moment erscheint, in dem das Begehren aus dem Subjekt etwas macht, das einen Mangel an Sein darstellt, einen Mangel, sich zu benennen.
Es gibt einen Punkt, den ich nicht behandelt habe und den ich beiseite lassen werde, was ich bedaure, denn er ist für mich grundlegend, und ich hätte ihn gern behandeln können. Leider hätte ich, um ihn einbeziehen zu können, den Gegenstand, den ich zu behandeln versucht habe, besser beherrschen müssen, ich meine das Phantasma. Auch das Phantasma ist eng mit der Identifizierung und der Angst verbunden, so sehr, dass ich hätte sagen können, dass die Angst |{20} in dem Moment erscheint, in dem das reale Objekt nur noch in seiner phantasmatischen Bedeutung erfasst werden kann; dass von diesem Moment an jede mögliche Identifizierung des Ichs sich auflöst und die Angst erscheint.
Doch wenn es auch dieselbe Geschichte ist, so ist es doch nicht derselbe Vortrag, und für heute werde ich hier aufhören. Doch bevor ich diesen Vortrag abschließe, möchte ich Ihnen ein ganz kurzes klinisches Beispiel für die Quellen der Angst beim Psychotiker geben.
Ich werde Ihnen über die Geschichte nichts Weiteres sagen, außer dass es sich um einen ausgeprägt schizophrenen wahnhaften Patienten handelt, der mehrfach hospitalisiert wurde. In den ersten Sitzungen geht es um eine Darstellung seines Wahns, eines ziemlich klassischen Wahns, er nennt es „das Problem des Robotermenschen“.
Und dann, in einer Sitzung, in der es wie zufällig um das Problem des Kontakts und des Sprechens geht, erklärt er mir, dass das, was er nicht ertragen kann, „die Form der Forderung (demande)“ ist, dass „der Händedruck ein Fortschritt gegenüber den verbal grüßenden Kulturen ist, in denen das Sprechen die Dinge verfälscht und es das Verstehen verhindert, in denen das Sprechen wie ein sich drehendes Rad ist, bei dem jeder zu unterschiedlichen Zeitpunkten einen Teil des Rades sehen würde, und wenn man dann zu kommunizieren versucht, ist es zwangsläufig falsch, es gibt immer eine Verschiebung.“ In derselben Sitzung, in dem Moment, wo er zum Problem des Sprechens der Frau kommt, sagt er plötzlich zu mir: „Was mich beunruhigt, ist etwas, das man mir über Amputierte gesagt hat, dass sie durch das Glied, das sie nicht mehr haben, Dinge empfinden würden.“ Und in diesem Moment beginnt dieser Mann, dessen Diskurs in seiner wahnhaften Gestalt eine Präzision von mathematischer Exaktheit bewahrt, nach Worten zu suchen, sich zu verhaspeln, und er sagt mir, dass er seinen Gedanken nicht mehr folgen kann, und schließlich formuliert er diesen Satz, den ich für das Körperbild des Psychotikers wirklich interessant finde: „Ein Phantom, das wäre ein Mensch ohne Glied und ohne Körper, der allein durch seine Intelligenz falsche Empfindungen von einem Körpers wahrnehmen würde, den er nicht hat … Das, das macht mir eine Riesenangst.“
Falsche Empfindungen von einem Körper wahrnehmen würde, den er nicht hat: Dieser Satz wird in der Sitzung danach seinen Sinn finden, als er zu mir kommt, um mir zu sagen, dass er die Sitzungen abbrechen will, dass es nicht mehr auszuhalten ist, dass es ungesund und gefährlich ist; und das Ungesunde und |{21} Gefährliche, das, was eine Angst hervorruft, die während dieser ganzen Sitzung massiv zu spüren sein wird, ist dies: „Mir ist klargeworden, dass Sie mich verführen wollen und dass Ihnen das gelingen könnte.“ Ihm ist klargeworden, dass ausgehend von diesen falschen Empfindungen von einem Körper, den er nicht hat, sein Begehren hervortreten könnte, und dann müsste er diesen Mangel, der sein Körper ist, anerkennen und auf sich nehmen; er müsste dem ins Auge sehen, was für den Menschen, wenn es nicht symbolisiert werden konnte, unerträglich ist: der Kastration als solcher.
Immer noch in dieser Sitzung wird er selbst sagen – besser, als ich es könnte –, wo für ihn die Quelle der Angst liegt: „Sie haben Angst, sich in einem Spiegel zu betrachten, denn der Spiegel, der verändert sich je nach den Augen, die ihn betrachten; man weiß nicht recht, was man da sehen wird. Wenn Sie einen vergoldeten Spiegel kaufen, ist es besser …“ Man hat den Eindruck, dass er sichergehen will, dass die Veränderungen auf der Seite des Spiegels liegen.
Sie sehen also, die Angst tritt in dem Moment auf, in dem er befürchtet, ich könnte zu einem Objekt des Begehrens werden, denn von diesem Moment an würde das Hervortreten seines Begehrens für ihn die Notwendigkeit implizieren, das auf sich zu nehmen, was ich den fundamentalen Mangel genannt habe, der ihn konstituiert.
Von diesem Moment an tritt die Angst hervor, denn seine Position als Phantom, als Roboter, lässt sich nicht mehr aufrechterhalten, er läuft Gefahr, seine falschen Empfindungen eines Körpers, den er nicht anerkennen kann, nicht länger verleugnen zu können. Was seine Angst auslöst, ist genau der Augenblick, in dem er sich – angesichts des Hereinbrechens seines Begehrens – fragt, welches Bild von sich selbst ihm der Spiegel zurückwerfen wird, und er weiß, dass dieses Bild das des Mangels zu sein droht, der Leere, dessen, was keinen Namen hat, dessen, was jede wechselseitige Anerkennung unmöglich macht und was wir – Zuschauer und unfreiwillige Autoren des Dramas – Angst nennen.
Ende des Vortrags von Piera Aulagnier.
Der zweite Teil der Übersetzung dieser Sitzung folgt in etwa einem Monat.
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Französisch/deutsch
Jacques Lacan:
{1} Ce n’est pas forcément dans l’idée de vous ménager, ni vous ni personne, que j’ai pensé aujourd’hui, pour cette séance de reprise, à un moment qui est une course de deux mois que nous avons devant nous pour finir de traiter ce sujet difficile, que j’ai pensé à faire pour cette reprise une sorte de relais.
Nicht unbedingt in der Absicht, Sie zu schonen, weder Sie noch sonst jemandem, kam mir der Gedanke, heute, bei dieser ersten Sitzung der Wiederaufnahme – in einem Moment, in dem wir, um die Behandlung dieses schwierigen Themas zu einem Ende zu bringen, noch einen Lauf von zwei Monaten vor uns haben –, kam mir der Gedanke, bei dieser Wiederaufnahme eine Art Staffelübergabe vorzunehmen.
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Je veux dire qu’il y a longtemps que j’avais envie, non seulement de donner la parole à quelqu’un d’entre vous, mais même précisément de la donner à madame Aulagnier.
Ich möchte sagen, dass ich schon lange den Wunsch hatte, nicht einfach nur jemandem von Ihnen, sondern gerade Frau Aulagnier das Wort zu erteilen.
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Il y a très longtemps que j’y pense, puisque c’est au lendemain d’une communication qu’elle a faite à une de nos séances scientifiques.
Schon sehr lange denke ich darüber nach, denn das war am Tag nach einem Vortrag, den sie in einer unserer wissenschaftlichen Sitzungen gehalten hat.1
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Cette communication, je ne sais pourquoi certains d’entre vous, qui ne sont pas là malheureusement, en raison d’une espèce de myopie caractéristique de certaines positions que j’appelle par ailleurs mandarinales, puisque ce terme a fait fortune, ont cru voir je ne sais quel retour à la lettre de Freud, alors qu’à mon oreille il m’avait semblé que madame Aulagnier, avec une particulière pertinence et acuité, maniait la distinction, longuement mûrie déjà à ce moment-là, de la demande et du désir.
Bei diesem Vortrag haben einige von Ihnen darin, die leider nicht hier sind – aufgrund einer Art Kurzsichtigkeit, die für bestimmte Positionen charakteristisch ist, die ich im Übrigen mandarinal nenne, da dieser Ausdruck inzwischen Karriere gemacht hat –, irgendeine Rückkehr zum Buchstaben Freuds zu erkennen geglaubt; für meine Ohren hingegen hatte es so geklungen, als handhabe Frau Aulagnier mit besonderer Treffsicherheit und Schärfe die Unterscheidung von Anspruch und Begehren, eine Unterscheidung, die zu diesem Zeitpunkt bereits lange gereift war.2
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{2} Il y a tout de même quelque chance qu’on reconnaisse mieux soi-même sa propre postérité que ne le font les autres ; aussi bien il y avait une personne qui était d’accord avec moi là-dessus : c’était madame Aulagnier elle-même.
Immerhin gibt es eine gewisse Chance, dass man seine eigene Nachkommenschaft selbst besser erkennt, als es die anderen tun, und tatsächlich gab es eine Person, die diesbezüglich mit mir übereinstimmte: Frau Aulagnier selbst.
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Je regrette donc d’avoir mis si longtemps à lui donner la parole… peut-être le sentiment, excessif d’ailleurs, de quelque chose qui toujours nous presse et nous talonne pour avancer.
Ich bedauere also, dass ich so lange gebraucht habe, ihr das Wort zu erteilen – vielleicht das sicherlich überzogene Gefühl von etwas, das uns uns auf den Fersen ist und beständig drängt vorwärtszukommen.
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Justement, aujourd’hui nous allons un instant faire cette sorte de boucle qui consiste à passer par ce qui, dans l’esprit de quelqu’un d’entre vous, peut répondre, fructifier, concernant le chemin que nous avons parcouru ensemble – il est grand déjà, depuis ce moment que j’évoque – et c’est très spécialement à ce recoupement, ce carrefour constitué dans l’esprit de madame Aulagnier, sur ce que j’ai dit récemment sur l’angoisse, qu’il se trouve qu’elle m’a offert depuis quelques séances d’intervenir ici.
Heute also werden wir für einen Augenblick eine Art Schleife machen, die darin besteht, den Weg über das zu nehmen, was im Geist von jemandem unter Ihnen antworten und Frucht tragen kann, in Bezug auf den Weg, den wir zusammen durchlaufen haben; er ist bereits lang, seit jenem Augenblick, den ich erwähne. Und ganz speziell an dem Überschneidungspunkt, an der Kreuzung, die sich im Geist von Frau Aulagnier hinsichtlich dessen gebildet hat, was ich kürzlich über die Angst gesagt habe, kam es dazu, dass sie mir seit einigen Sitzungen angeboten hat, hier einen Beitrag zu leisten.3
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C’est donc en raison d’une opportunité qui vaut ce qu’aurait valu une autre : le sentiment d’avoir quelque chose à vous communiquer, et tout à fait à point, sur l’angoisse du psychotique, et ceci dans le rapport le plus étroit de ce qu’elle a entendu, comme vous, de ce que je professe cette année de l’identification, qu’elle va vous apporter quelque chose qu’elle a préparé assez soigneusement pour en avoir comblé le texte.
Es geschieht also aufgrund einer Gelegenheit, die nicht mehr und nicht weniger wert ist als eine andere, nämlich aufgrund des Gefühls, Ihnen genau zur rechten Zeit über die Angst des Psychotikers etwas mitzuteilen zu haben – und dies in engstem Zusammenhang mit dem, was Frau Aulagnier, ebenso wie Sie hier, von dem gehört hat, was ich in diesem Jahr über die Identifizierung vorbringe –, dass sie Ihnen etwas bringen wird, das sie sorgfältig genug vorbereitet hat, um den Text damit aufzufüllen.
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Ce texte, elle a eu la bonté de m’en faire part, |{3} je veux dire que je l’ai regardé avec elle hier, et que je n’ai cru, je dois dire, que devoir l’encourager à vous le présenter.
Sie hatte die Güte, mir diesen Text zur Kenntnis zu geben; ich meine, dass ich ihn gestern mit ihr durchgesehen habe, und dass ich, so muss ich sagen, nichts anderes tun zu müssen glaubte, als sie zu ermutigen, ihn Ihnen vorzutragen.
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Je suis sûr qu’il représente un excellent médium, et j’entends par là quelque chose qui n’est pas une moyenne de ce que, je crois, les oreilles les plus sensibles, les meilleures d’entre vous, peuvent entendre, et de la façon dont les choses peuvent être reprises, en raison de cette écoute.
Ich bin mir sicher, dass er ein ausgezeichnetes Medium ist, und darunter verstehe ich etwas, das kein Durchschnitt dessen ist, was, wie ich glaube, die empfindlichsten Ohren, die besten unter Ihnen, hören können, und was auch nicht der Art und Weise entspricht, wie die Dinge aufgrund dieses Hörens aufgenommen werden können.4
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Je dirai donc, après qu’elle ait conçu ce texte, quel usage j’entends donner à cette étape que doit constituer ce qu’elle nous apporte, quel usage j’entends lui donner dans la suite.
Ich werde also, nachdem sie diesen Text konzipiert hat, sagen, wie ich diese Etappe – die das, was sie uns bringt, darstellen soll – verwenden möchte, welchen Gebrauch ich im weiteren Verlauf davon machen möchte.
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Piera Aulagnier:
Angoisse et identification
Angst und Identifizierung5
Lors des dernières Journées Provinciales, un certain nombre d’interventions ont porté sur la question de savoir si on pouvait définir différents types d’angoisse.
Bei der letzten Provinzialtagung befassten sich mehrere Beiträge mit der Frage, ob man verschiedene Arten von Angst definieren könne.
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C’est ainsi qu’on s’est demandé si l’on devait donner, par exemple, un statut particulier à l’angoisse psychotique.
So fragte man sich, ob man beispielsweise der psychotischen Angst einen besonderen Status geben solle.
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Je dirai tout de suite que je suis d’un avis un peu différent : l’angoisse, qu’elle apparaisse chez le sujet dit normal, chez le névrosé ou chez le psychotique, me paraît répondre à une situation spécifique et identique du moi, et c’est même là ce qui me paraît être un de ses traits caractéristiques.
Ich möchte gleich sagen, dass ich etwas anderer Ansicht bin; die Angst – ob sie beim sogenannten normalen Subjekt, beim Neurotiker oder beim Psychotiker auftritt – scheint mir auf eine spezifische und identische Situation des Ichs (moi) zu antworten, und eben das scheint mir eines ihrer charakteristischen Merkmale zu sein.
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Quant à ce qu’on pourrait appeler la position du sujet vis-à-vis de l’angoisse, dans la psychose par exemple, on a pu voir que si on n’essaye pas de mieux définir les rapports existants entre affect et verbalisation, on peut arriver à une sorte de paradoxe qui s’exprimerait ainsi : d’une part le psychotique serait quelqu’un de particulièrement sujet à l’angoisse – c’est même dans la réponse en miroir qu’il susciterait chez l’analyste que serait à chercher une des difficultés majeures de la cure –, d’autre part on nous a dit qu’il serait incapable de reconnaître son angoisse, qu’il la tiendrait à distance, s’en aliénerait.
Bezogen auf das, was man die Position des Subjekts gegenüber der Angst nennen könnte, hat man etwa bei der Psychose Folgendes sehen können: Wenn man nicht versucht, die existierenden Beziehungen zwischen Affekt und Verbalisierung genauer zu definieren, kann man zu einer Art Paradoxie gelangen, die sich so ausdrücken ließe: Einerseits wäre der Psychotiker jemand, der in besonderem Maße der Angst ausgesetzt ist – in der spiegelbildlichen Antwort, die er beim Analytiker hervorrufen würde, wäre genau eine der wesentlichen Schwierigkeiten der Kur zu suchen –, andererseits wurde uns gesagt, er sei unfähig, seine Angst anzuerkennen, er halte sie auf Abstand, er entfremde sich von ihr.
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On énonce par là une position insoutenable si on n’essaye pas d’aller un peu plus loin.
Damit formuliert man eine Position, die – wenn man nicht versucht, etwas weiterzugehen – unhaltbar ist.
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En effet, que pourrait bien signifier reconnaître l’angoisse ?
Denn was könnte es bedeuten, die Angst anzuerkennen?
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Elle n’attend pas, et n’a pas besoin d’être nommée pour submerger le moi, et je ne comprends pas ce qu’on pourrait vouloir dire en disant que le sujet est angoissé sans le savoir.
Sie wartet nicht darauf und muss um das Ich zu überschwemmen, nicht benannt werden, und ich verstehe nicht, was man damit meinen könnte, wenn man sagt, das Subjekt hat Angst, ohne es zu wissen.
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On peut se demander si le propre de l’angoisse n’est pas justement de ne pas se nommer.
Man kann sich fragen, ob es nicht gerade das Eigentümliche der Angst ist, nicht benannt zu werden.
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Le diagnostic, l’appellation, ne peut venir que du côté de l’Autre, de celui face à qui elle apparaît ; lui, le sujet, il est l’affect angoisse, il la vit totalement, et c’est bien cette imprégnation, cette capture de son moi qui s’y dissout, qui lui empêche la médiation de la parole (Pensez à l’inhibition et à l’acting-out).
Die Diagnose, die Benennung, kann nur vonseiten des Anderen kommen, von demjenigen, dem sie gegenübertritt; das Subjekt hingegen ist selbst der Affekt Angst, es erlebt sie durch und durch, und gerade diese Durchdringung, diese Erfassung seines Ichs, das sich darin auflöst, hindert es an der Vermittlung durch das Sprechen (denken Sie an die Hemmung und an das Ausagieren).
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On peut à ce niveau faire un premier parallèle entre deux états qui, pour différents qu’ils soient, me paraissent représenter deux |{4} positions extrêmes du moi, aussi opposées que complémentaires : je veux parler de l’orgasme.
Auf dieser Ebene kann man eine erste Parallele zwischen zwei Zuständen ziehen, die mir, so verschieden sie auch sein mögen, zwei |{4} extreme Positionen des Ichs darzustellen scheinen, sowohl entgegengesetzt wie auch komplementär, ich spreche vom Orgasmus.6
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Il y a dans ce deuxième cas la même incompatibilité profonde entre la possibilité de le vivre et celle de prendre la distance nécessaire pour le reconnaître et le définir dans l’hic et nunc de la situation le déclenchant.
In diesem zweiten Fall gibt es dieselbe tiefe Unvereinbarkeit zwischen der Möglichkeit, ihn zu erleben, und derjenigen, den notwendigen Abstand einzunehmen, um ihn im hic et nunc der ihn auslösenden Situation anzuerkennen und zu definieren.
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Dire qu’on est angoissé indique en soi d’avoir déjà pu prendre une certaine distance par rapport au vécu affectif ; cela montre que le moi a déjà acquis une certaine maîtrise et objectivité vis-à-vis d’un affect dont, à partir de ce moment, on peut douter qu’il mérite encore le nom d’angoisse.
Zu sagen, dass man Angst hat, weist selbst schon darauf hin, dass man zum affektiven Erleben einen gewissen Abstand gewinnen konnte; es zeigt, dass das Ich bereits eine gewisse Beherrschung und Objektivität erlangt hat, gegenüber einem Affekt, in Bezug auf den man von diesem Moment an bezweifeln kann, ob er noch den Namen Angst verdient.
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Je n’ai pas besoin ici de rappeler le rôle métaphorique, médiateur, de la parole ni l’écart existant entre un vécu affectif et sa traduction verbale.
Ich muss hier nicht an die metaphorische, vermittelnde Funktion des Sprechens erinnern ebenso wenig an die Kluft, die zwischen einem affektiven Erleben und seiner verbalen Übersetzung besteht.
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À partir du moment où l’homme met en mots ses affects, il en fait justement autre chose, il en fait, par la parole, un moyen de communication, il les fait entrer dans le domaine de la relation et de l’intentionnalité, il transforme en communicable ce qui a été vécu au niveau du corps et qui, comme tel, en dernière analyse, reste quelque chose de l’ordre du non verbal.
Von dem Augenblick an, in dem der Mensch seine Affekte in Worte fasst, macht er ja etwas anderes daraus; durch das Sprechen, durch ein Kommunikationsmittel, lässt er sie in den Bereich der Beziehung und der Intentionalität eintreten, er verwandelt das, was auf der Ebene des Körpers erlebt wurde und was als solches letztlich etwas Nonverbales bleibt, in etwas Kommunizierbares.
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Nous savons tous que dire qu’on aime quelqu’un n’a que de très lointains rapports avec ce qui est, en fonction de ce même amour, ressenti au niveau corporel.
Wir wissen alle, dass zu sagen, man liebe jemanden, nur sehr entfernte Ähnlichkeiten zu dem hat, was aufgrund dieser Liebe auf der körperlichen Ebene empfunden wird.
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Dire à quelqu’un qu’on le désire, nous rappelait Monsieur Lacan, c’est l’inclure dans notre fantasme fondamental.
Jemandem zu sagen, dass man ihn begehrt, heißt – wie Herr Lacan uns in Erinnerung gerufen hat –, ihn in unser grundlegendes Phantasma einzuschließen.7
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C’est aussi sans doute en faire le témoignage, le témoin de notre propre signifiant.
Es heißt zweifellos auch, daraus das Zeugnis zu machen, den Zeugen unseres eigenen Signifikanten
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Quoi que nous puissions dire à ce sujet, tout est fait pour nous montrer l’écart existant entre l’affect en tant qu’émotion corporelle, intériorisée, en tant que quelque chose qui tire sa source la plus profonde de ce qui par définition ne peut s’exprimer en mots – je veux parler du fantasme –, et la parole qui nous apparaît ainsi dans toute sa fonction de métaphore.
Was auch immer wir darüber sagen mögen, alles weist uns auf den Abstand hin, der zwischen diesen beiden Größen besteht, zwischen dem Affekt als verinnerlichter körperlicher Emotion – als etwas, dessen tiefste Quelle in dem liegt, was sich per definitionem nicht in Worte fassen lässt, ich meine das Phantasma – und dem Sprechen, das sich uns damit in seiner ganzen Funktion als Metapher zeigt.
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Si la parole est la clef magique indispensable qui seule peut nous permettre d’entrer dans le monde de la symbolisation, eh bien, je pense que justement l’angoisse répond à ce « moment entre » où cette clef n’ouvre plus aucune porte, où le moi a à affronter ce qui est derrière ou avant toute symbolisation, où ce qui apparaît est ce qui n’a pas de nom, cette figure mystérieuse, ce lieu d’où surgit un désir que l’on ne peut plus appréhender, où se produit pour le sujet un |{5} télescopage entre fantasme et réalité : le symbolique s’évanouit pour laisser la place au fantasme en tant que tel, le moi s’y dissout, et c’est cette dissolution que nous appelons l’angoisse.
Wenn das Sprechen der unverzichtbare Zauberschlüssel ist, der uns allein den Eintritt in die Welt der Symbolisierung ermöglichen kann, nun, dann denke ich, dass die Angst gerade jenem „Moment dazwischen“ entspricht, in dem dieser Schlüssel keine Tür mehr öffnet, in dem das Ich dem gegenübertreten muss, was hinter oder vor jeder Symbolisierung liegt, wo das erscheint, was keinen Namen hat, diese geheimnisvolle Figur, dieser Ort, aus dem ein Begehren hervorkommt, das man nicht mehr erfassen kann, in dem sich für das Subjekt eine Kollision zwischen Phantasma und Realität ereignet: das Symbolische verschwindet, um dem Phantasma als solchem Platz zu machen, das Ich löst sich darin auf, und diese Auflösung nennen wir Angst.
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Il est certain que le psychotique n’attend pas l’analyse pour connaître l’angoisse ; il est certain aussi que pour tout sujet, la relation analytique est, dans ce domaine, un terrain privilégié.
Sicher ist, dass der Psychotiker nicht auf die Analyse wartet, um die Angst kennenzulernen; ebenso ist sicher, dass auf diesem Gebiet für jedes Subjekt die analytische Beziehung ein Feld ist, das eine Sonderstellung hat.
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Cela n’est pas pour nous étonner, si l’on admet que l’angoisse a les rapports les plus étroits avec l’identification.
Das braucht uns nicht zu verwundern, wenn man zugesteht, dass die Angst die engsten Beziehungen zur Identifizierung hat.
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Or, si dans l’identification il s’agit de quelque chose qui se passe au niveau du désir, désir du sujet par rapport au désir de l’Autre, il devient évident que la source majeure de l’angoisse en analyse va se trouver dans ce qui en est l’essence même : le fait que l’Autre est dans ce cas quelqu’un dont le désir le plus fondamental est de ne pas désirer, quelqu’un qui par cela même, s’il permet toutes les projections possibles, les dévoile aussi dans leur subjectivité fantasmatique, et oblige le sujet à se poser périodiquement la question de ce qui est le désir de l’analyste : désir toujours présumé, jamais défini, et par là même pouvant à tout instant devenir ce lieu de l’Autre d’où surgit pour l’analysé l’angoisse.
Wenn es nun bei der Identifizierung um etwas geht, das sich auf der Ebene des Begehrens abspielt, um das Begehren des Subjekts in Beziehung zum Begehren des Anderen, dann wird offensichtlich, dass die Hauptquelle der Angst in der Analyse in dem zu suchen sein wird, was genau ihr Wesen ausmacht: in der Tatsache, dass in diesem Falle der Andere jemand ist, dessen grundlegendstes Begehren darin besteht, nicht zu begehren, jemand, der eben dadurch, dass er alle möglichen Projektionen zulässt, sie auch in ihrer phantasmatischen Subjektivität enthüllt und das Subjekt immer wieder dazu zwingt, sich die Frage zu stellen, worin das Begehren des Analytikers besteht: ein stets vorausgesetztes, niemals definiertes Begehren, das eben dadurch jederzeit zu jenem Ort des Anderen werden kann, aus dem für den Analysierten die Angst entspringt.8
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Mais avant d’essayer de définir les paramètres de la situation anxiogène, paramètres qui ne peuvent se dessiner qu’à partir des problèmes propres à l’identification, on peut se poser une première question d’ordre plus descriptif qui est celle-ci : qu’entendons-nous quand nous parlons d’angoisse orale, de castration, de mort ?
Bevor wir jedoch versuchen, die Parameter der angstauslösenden Situation zu bestimmen – Parameter, die nur ausgehend von den spezifischen Problemen der Identifizierung Kontur gewinnen können –, kann man sich zunächst eine eher deskriptive Frage stellen, nämlich: Was meinen wir, wenn wir von oraler Angst, von Kastrationsangst oder von Todesangst sprechen?
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Essayer de différencier ces différents termes au niveau d’une sorte d’étalonnage quantitatif est impossible : il n’y a pas d’angoissomètre.
Zu versuchen, diese verschiedenen Termini auf der Ebene einer Art quantitativer Abstufung voneinander zu unterscheiden, ist unmöglich: Es gibt kein Angstometer.
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On n’est pas peu ou très angoissé, on l’est ou on ne l’est pas.
Man hat nicht wenig oder viel Angst; entweder man hat Angst oder man hat keine.
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La seule voie permettant une réponse à ce niveau est celle de nous placer à la place qui nous revient, celle de celui qui seul peut définir l’angoisse du sujet à partir de ce que cette angoisse lui signale.
Der einzige Weg, auf dieser Ebene zu einer Antwort zu gelangen, besteht darin, uns an den Platz zu stellen, der uns zukommt, an den Platz dessen, der allein die Angst des Subjekts definieren kann – ausgehend von dem, was diese Angst ihm signalisiert.9
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S’il est vrai, comme l’a fait remarquer monsieur Lacan, qu’il est fort difficile de parler de l’angoisse en tant que signal au niveau du sujet, il me paraît certain que son apparition désigne, signale l’Autre en tant que source, en tant que lieu d’où elle a surgi, et il n’est peut-être pas inutile |{6} de rappeler à ce propos qu’il n’existe pas d’affect que nous supportions plus mal chez l’autre que l’angoisse, qu’il n’y a pas d’affect auquel nous ne risquions plus de répondre de façon parallèle.
Obgleich es stimmt, wie Herr Lacan bemerkt hat, dass es sehr schwierig ist, auf der Ebene des Subjekts von der Angst als Signal zu sprechen, so scheint mir doch sicher zu sein, dass ihr Auftreten den Anderen bezeichnet und signalisiert, als Quelle, als Ort, an dem sie entstanden ist, und in diesem Zusammenhang ist es vielleicht nicht überflüssig, daran zu erinnern, dass es keinen Affekt gibt, den wir beim anderen schlechter ertragen, als die Angst, und dass es keinen Affekt gibt, bei dem wir eher Gefahr laufen, auf parallele Weise zu antworten.10
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Le sadisme, l’agressivité peut par exemple susciter chez le partenaire une réaction inverse, masochique ou passive ; l’angoisse ne peut provoquer que la fuite ou l’angoisse.
So kann etwa der Sadismus, die Aggressivität, beim Partner eine entgegengesetzte Reaktion hervorrufen, eine masochistische oder eine passive; Angst kann nur Flucht oder Angst auslösen.
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Il y a ici une réciprocité de réponse qui n’est pas sans poser une question.
Es gibt hier eine Reziprozität der Antwort, die durchaus eine Frage aufwirft.
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Monsieur Lacan s’est insurgé contre cette tentative faite par plusieurs, qui serait la recherche d’un « contenu de l’angoisse ».
Herr Lacan hat sich gegen den von mehreren unternommen Versuch gewandt, nach einem „Inhalt der Angst“ zu suchen.11
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Cela me rappelle ce qu’il avait dit à propos de tout autre chose : que pour sortir un lapin d’un chapeau, encore fallait-il l’y avoir mis.
Das erinnert mich an etwas, das er einmal über etwas ganz anderes gesagt hat: Wenn man aus einem Hut ein Kaninchen herauszuziehen will, muss man es vorher hineingesteckt haben.12
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Eh bien, je me demande si l’angoisse n’apparaît pas justement, non seulement quand le lapin est sorti, mais quand il s’en est allé brouter l’herbe, quand le chapeau ne représente que quelque chose qui rappelle le tore, mais qui entoure un lieu noir dont tout contenu nommable s’est évaporé, face auquel le moi n’a plus aucun point de repère, car la première chose que l’on puisse dire de l’angoisse, c’est que son apparition est signe de l’écroulement momentané de tout repère identificatoire possible.
Nun, ich frage mich, ob die Angst nicht gerade dann erscheint, nicht nur, wenn das Kaninchen herausgekommen ist, sondern wenn es; um Gras zu fressen, losgelaufen ist, wenn der Hut nur noch etwas darstellt, das an den Torus erinnert, das jedoch einen dunklen Ort umschließt, aus dem jeder benennbare Inhalt verdampft ist und demgegenüber das Ich keinen Orientierungspunkt mehr hat, denn das Erste, was man über die Angst sagen kann, ist dies, dass ihr Auftreten ein Zeichen für den momentanen Zusammenbruch jedes möglichen Bezugspunktes für die Identifizierung ist.
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C’est seulement en partant de là qu’on peut répondre peut-être à la question que je posais quant aux différentes dénominations que nous pouvons donner à l’angoisse, et non pas au niveau de la définition d’un contenu, le propre du sujet angoissé étant, pourrait-on dire, d’avoir perdu son contenu.
Nur von da aus lässt sich vielleicht die Frage beantworten, die ich zu den verschiedenen Bezeichnungen, die wir der Angst geben können, gestellt habe, und das nicht auf der Ebene der Definition eines Inhalts, denn das Kennzeichnende für das Subjekt, das in Angst ist, besteht darin, könnte man sagen, seinen Inhalt verloren zu haben.
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Il ne me semble pas, en d’autres termes, que l’on puisse traiter de l’angoisse en tant que telle.
Mit anderen Worten, mir scheint nicht, dass man über die Angst als solche sprechen könnte.
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Pour prendre un exemple, je dirai que faire cela me paraîtrait aussi faux que vouloir définir un symptôme obsessionnel en restant au niveau du mouvement automatique qui peut le représenter.
Um ein Beispiel zu nehmen, möchte ich sagen, dass mir dies ebenso falsch erschiene, als wollte man ein Zwangssymptom so definieren, dass man auf der Ebene der unwillkürlichen Bewegung bleibt, durch die es repräsentiert werden kann.13
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L’angoisse ne peut nous apprendre quelque chose sur elle-même que si nous la considérons comme la conséquence, le résultat d’une impasse où se trouve le moi, signe pour nous d’un obstacle surgi entre ces deux lignes parallèles et fondamentales dont les rapports forment la clef de voûte de toute la structure humaine, soit : l’identification et la castration.
Die Angst kann uns nur dann etwas über sie selbst lehren, wenn wir sie als Konsequenz, als Ergebnis einer Sackgasse betrachten, in der sich das Ich befindet, als Zeichen für ein Hindernis, das zwischen den beiden parallelen und grundlegenden Linien entstanden ist, deren Beziehungen den Schlussstein der gesamten menschlichen Struktur bilden, nämlich der Identifizierung und der Kastration.14
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C’est les rapports entre ces deux pivots structurants chez les différents sujets que je vais essayer d’esquisser pour tenter une définition de ce qu’est l’angoisse, et ce dont, selon les cas, elle nous donne |{7} le témoignage.
Ich werde versuchen, die Beziehungen zwischen diesen beiden strukturierenden Bezugspunkten bei den verschiedenen Subjekten zu skizzieren, um eine Definition dessen zu versuchen, was die Angst ist und worüber sie uns, je nach Fall, Aufschluss gibt.
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Monsieur Lacan, dans le séminaire du 4 Avril auquel je me réfère tout au long de cet exposé, nous a dit que la castration pouvait se concevoir comme un passage transitionnel entre ce qui est dans le sujet en tant que support naturel du désir, et cette habilitation par la loi grâce à quoi il va devenir le gage par où il va se désigner à la place où il a à se manifester comme désir.
Im Seminar vom 4. April, auf das ich mich während des gesamten Vortrags beziehe, sagte uns Herr Lacan, die Kastration könne als ein Übergang verstanden werden zwischen dem, was es im Subjekt als natürliche Stütze des Begehrens gibt, und jener Einsetzung durch das Gesetz, durch das es zu dem Pfand werden wird, durch das es sich an der Stelle bezeichnen wird, an der es sich als Begehren zu manifestieren hat.15
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Ce passage transitionnel est ce qui doit permettre d’atteindre l’équivalence pénis-phallus, c’est-à-dire que ce qui était, en tant qu’émoi corporel, doit devenir, céder la place à un signifiant, car ce n’est qu’à partir du sujet, et jamais à partir d’un objet partiel, pénis ou autre, que peut prendre un sens quelconque le mot désir.
Dieser Übergang soll es ermöglichen, die Äquivalenz von Penis und Phallus zu erreichen, das heißt, dass das, was als körperliche Erregung gegeben war, zu einem Signifikanten werden muss, ihm Platz machen muss, denn nur vom Subjekt her und niemals von einem Partialobjekt her, ob nun der Penis oder ein anderes, kann das Wort Begehren irgendeinen Sinn erhalten.
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« Le sujet demande et le phallus désire », disait monsieur Lacan ; le phallus, mais jamais le pénis.
„Das Subjekt beansprucht und der Phallus begehrt“, sagte Herr Lacan; der Phallus, niemals jedoch der Penis.16
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Le pénis, lui, n’est qu’un instrument au service du signifiant phallus ; et s’il peut être un instrument fort indocile, c’est justement parce que, en tant que phallus, c’est le sujet qu’il désigne; et pour que ça marche, il faut que l’Autre justement le reconnaisse, le choisisse, non pas en fonction de ce support naturel, mais pour autant qu’il est, en tant que sujet, le signifiant que l’Autre reconnaît, de sa propre place de signifiant.
Der Penis selbst ist nur ein Instrument im Dienste des Phallus- Signifikanten; und wenn er ein sehr störrisches Instrument sein kann, dann eben deshalb, weil er als Phallus das Subjekt bezeichnet; und damit das funktioniert, muss der Andere ihn anerkennen, ihn wählen, und zwar nicht aufgrund dieser natürlichen Stütze, sondern insofern er als Subjekt der Signifikant ist, den der Andere von seinem eigenen Platz als Signifikant aus anerkennt.
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Ce qui différencie, sur le plan de la jouissance, l’acte masturbatoire du coït, différence évidente mais impossible à expliquer physiologiquement, c’est bien que le coït, pour autant que les deux partenaires aient pu dans leur histoire assumer leur castration, fait qu’au moment de l’orgasme le sujet va retrouver, non pas comme certains l’ont dit une sorte de fusion primitive – car après tout on ne voit pas pourquoi la jouissance la plus profonde que l’homme puisse éprouver devrait forcément être liée à une régression tout aussi totale – mais au contraire ce moment privilégié où pour un instant il atteint cette identification toujours cherchée et toujours fuyante où il est, lui sujet, reconnu par l’autre comme l’objet de son désir le plus profond, mais où en même temps, grâce à la jouissance de l’autre, il peut le reconnaître comme celui qui le constitue en tant que signifiant phallique.
Was den masturbatorischen Akt und den Koitus auf der Ebene der Jouissance unterscheidet, ein offensichtlicher, physiologisch jedoch nicht erklärbarer Unterschied, ist eben dies, dass der Koitus – sofern es den beiden Partnern im Verlaufe ihrer Geschichte möglich war, ihre Kastration auf sich zu nehmen – dazu führt, dass das Subjekt im Augenblick des Orgasmus nicht etwa, wie einige gesagt haben, eine Art Urverschmelzung wiederfindet – denn es ist ja nicht einzusehen, warum die höchste Jouissance, die der Mensch erfahren kann, notwendigerweise mit einer ebenso totalen Regression verbunden sein sollte –, sondern, im Gegenteil, in dem es jenen privilegierten Moment erreicht, in dem es für einen Augenblick jene stets gesuchte und stets entgleitende Identifizierung erreicht, in der es, das Subjekt, vom anderen als Objekt seines tiefsten Begehrens anerkannt wird, zugleich aber aufgrund der Jouissance des anderen diesen als denjenigen anerkennen kann, der es als phallischen Signifikanten konstituiert.
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Dans cet instant unique demande et désir peuvent pendant un instant fugitif |{8} coïncider, et c’est cela qui donne au moi cet épanouissement identificatoire dont tire sa source la jouissance.
In diesem einzigartigen Augenblick können Anspruch und Begehren einen flüchtigen Moment lang zusammenfallen, und eben das verleiht dem Ich jene identifikatorische Entfaltung, aus der die Jouissance ihre Quelle bezieht.
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Ce qu’il ne faut pas oublier c’est que si dans cet instant demande et désir coïncident, la jouissance porte toutefois en elle la source de l’insatisfaction la plus profonde, car si le désir est avant tout désir de continuité, la jouissance est par définition quelque chose d’instantané.
Man darf nicht vergessen, dass, wenn in diesem Augenblick Anspruch und Begehren zusammenfallen, die Jouissance dennoch die Quelle der tiefsten Unbefriedigtheit in sich trägt, denn wenn das Begehren vor allem Begehren nach Kontinuität ist, ist die Jouissance per definitionem etwas Augenblickliches.
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C’est cela qui fait que tout de suite se rétablit l’écart entre désir et demande, et l’insatisfaction qui est aussi gage de la pérennité de la demande.
Das hat zur Folge, dass sich der Abstand zwischen Begehren und Anspruch sogleich wiederherstellt, sowie die Unbefriedigtheit, die ebenfalls eine Gewähr für das Fortdauern des Anspruchs ist.
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Mais s’il y a des simulacres de l’angoisse, il y a encore bien plus de simulacres de jouissance, car pour que cette situation identificatoire, source de la vraie jouissance, soit possible, encore faut-il que les deux partenaires aient évité l’obstacle majeur qui les guette, et qui est que pour l’un des deux, ou pour les deux, l’enjeu soit resté fixé sur l’objet partiel, enjeu d’une relation duelle où eux, en tant que sujets, n’ont pas de place.
Wenn es aber Trugbilder der Angst gibt, so gibt es noch weitaus mehr Trugbilder der Jouissance, denn damit diese identifikatorische Situation, die Quelle der wirklichen Jouissance, möglich wird, müssen die beiden Partner das entscheidende Hindernis überwunden haben, das ihnen droht: dass für einen oder für beide der Spieleinsatz auf das Partialobjekt fixiert geblieben ist, als Einsatz einer dualen Beziehung, in der sie als Subjekte keinen Platz haben.
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Car ce que nous montre tout ce qui est lié à la castration c’est bien que, loin d’exprimer la crainte qu’on le lui coupe, même si c’est ainsi que le sujet peut le verbaliser, ce dont il s’agit c’est de la crainte qu’on le lui laisse et qu’on lui coupe tout le reste, c’est-à-dire qu’on en veuille à son pénis ou à l’objet partiel, support et source du plaisir, et qu’on le nie, qu’on le méconnaisse en tant que sujet.
Denn alles, was mit der Kastration verbunden ist, zeigt uns ja, dass es dabei keineswegs darum geht, die Furcht auszudrücken, man könnte ihn ihm abschneiden, selbst wenn das die Form ist, in der das Subjekt sie verbalisieren kann; worum es geht, ist die Furcht, dass man ihn ihm lässt und ihm alles Übrige abschneidet, das heißt, dass man es auf seinen Penis oder auf das Partialobjekt, Träger und Quelle der Lust, abgesehen hat und es als Subjekt verneint und verkennt.
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C’est pour cela que l’angoisse a non seulement des rapports étroits avec la jouissance, mais qu’une des situations les plus facilement anxiogènes, est bien celle où le sujet et l’Autre ont à s’affronter à son niveau.
Deshalb steht die Angst nicht nur in engen Beziehungen zur Jouissance, sondern deshalb ist eben eine der Situationen, die am leichtesten Angst erzeugen, die, in der das Subjekt und der Andere auf ihrer Ebene aufeinandertreffen müssen.
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Nous allons alors essayer de voir quels sont les obstacles que le sujet peut rencontrer sur ce plan.
Wir wollen nun versuchen zu sehen, auf welche Hindernisse das Subjekt auf dieser Ebene stoßen kann.
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Ils ne représentent pas autre chose que les sources mêmes de toute angoisse.
Sie stellen nichts anderes dar als die eigentlichen Quellen jeder Angst.
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Pour cela, nous aurons à nous reporter à ce que nous appelons les relations d’objet prégénitales, à cette époque, entre toutes déterminante pour le destin du sujet, où la médiation entre le sujet et l’autre, entre demande et désir, s’est faite autour de cet objet dont la place et la définition restaient fort ambiguës, et qui est dit l’objet partiel.
Dafür müssen wir uns auf das beziehen, was wir die prägenitalen Objektbeziehungen nennen, auf jene für das Schicksal des Subjekts ganz besonders entscheidende Phase, in der die Vermittlung zwischen dem Subjekt und dem anderen, zwischen Anspruch und Begehren, sich um jenes Objekt herum vollzog, dessen Platz und Definition höchst ambivalent geblieben sind und das als Partialobjekt bezeichnet wird.17
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{9} La relation entre le sujet et cet objet partiel n’est pas autre chose que la relation du sujet à son propre corps et c’est à partir de cette relation, qui reste pour tout humain fondamentale, que prend son point de départ et se moule toute la gamme de ce qui est inclus dans le terme de relation d’objet.
Die Beziehung zwischen dem Subjekt und diesem Partialobjekt ist nichts anderes als die Beziehung des Subjekts zu seinem eigenen Körper, und von dieser Beziehung, die für jeden Menschen grundlegend bleibt, nimmt die gesamte Bandbreite dessen, was unter den Begriff der Objektbeziehung fällt, ihren Ausgang und wird durch sie geprägt.
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Que l’on s’arrête à la phase orale, anale ou phallique, on y rencontre les mêmes coordonnées.
Ob man nun die orale, die anale oder die phallische Phase genauer betrachtet, man trifft dort auf dieselben Koordinaten.
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Si je choisis la phase orale c’est simplement parce que, pour le psychotique dont nous parlerons tout à l’heure, elle me paraît être moment fécond de ce que j’ai appelé ailleurs l’ouverture de la psychose.
Wenn ich die orale Phase auswähle, dann einfach deshalb, weil sie mir für den Psychotiker, über den wir gleich sprechen werden, der fruchtbare Moment dessen zu sein scheint, was ich an anderer Stelle die Eröffnung der Psychose genannt habe.
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Par quoi pouvons-nous la définir ?
Wodurch können wir sie definieren?
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Par une demande qui, dès le début, nous dit-on, est demande d’autre chose.
Durch einen Anspruch, der, so sagt man uns, von Anfang an Anspruch auf etwas anderes ist.
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Par une réponse aussi, qui est non seulement, et d’une façon évidente, réponse à autre chose, mais est – et c’est un point qui me paraît fort important – ce qui constitue ce qui est un cri, un appel peut-être, comme demande et comme désir.
Ebenso durch eine Antwort, die nicht nur, und zwar offensichtlich, Antwort auf etwas anderes ist, sondern – und das scheint mir ein sehr wichtiger Punkt zu sein – die das ist, was einen Schrei, vielleicht einen Ruf, als Anspruch und als Begehren konstituiert.
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Quand la mère répond aux cris de l’enfant, elle les reconnaît en les constituant comme demande, mais ce qui est plus grave, c’est qu’elle les interprète sur le plan du désir : désir de l’enfant de l’avoir auprès de lui, désir de lui prendre quelque chose, désir de l’agresser, peu importe… ce qui est certain, c’est que par sa réponse, l’Autre va donner la dimension désir au cri du besoin, et que ce désir dont l’enfant est investi est toujours au début le résultat d’une interprétation projective, fonction du seul désir maternel, de son propre fantasme.
Wenn die Mutter auf die Schreie des Kindes antwortet, erkennt sie sie an, indem sie sie als Anspruch konstituiert; gravierender jedoch ist, dass sie sie auf der Ebene des Begehrens interpretiert: als Begehren des Kindes, sie bei sich zu haben, als Begehren, ihr etwas wegzunehmen, als Begehren, sie anzugreifen, was auch immer; es ist sicher, dass der Andere durch seine Antwort dem Schrei des Bedürfnisses die Dimension Begehren verleihen wird und dass das Begehren, mit dem das Kind besetzt wird, zunächst immer das Ergebnis einer projektiven Deutung ist, die einzig vom mütterlichen Begehren abhängt, von ihrem eigenen Phantasma.
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C’est par le biais de l’inconscient de l’Autre que le sujet fait son entrée dans le monde du désir.
Seinen Einzug in die Welt des Begehrens hält das Subjekt auf dem Weg über das Unbewusste des Anderen.
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Son propre désir à lui, il aura avant tout à le constituer en tant que réponse, en tant qu’acceptation ou refus de prendre la place que l’inconscient de l’Autre lui désigne.
Sein eigenes Begehren wird es vor allem als Antwort konstituieren müssen, als ein Akzeptieren oder ein Verweigern, den Platz einzunehmen, den ihm das Unbewusste des Anderen zuweist.
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Il me semble que le premier temps du mécanisme clé de la relation orale, qui est l’identification projective, part de la mère : il y a une première projection sur le plan du désir, qui vient d’elle ; l’enfant aura à s’y identifier ou à combattre, à nier une identification qu’il pourra sentir comme déstructurante.
Mir scheint, dass die erste Phase des entscheidenden Mechanismus der oralen Beziehung, nämlich der projektiven Identifizierung, von der Mutter ausgeht; auf der Ebene des Begehrens gibt es eine erste, von ihr ausgehende Projektion; das Kind wird sich damit identifizieren müssen oder gegen eine Identifizierung, die es als entstrukturierend empfinden kann, ankämpfen und sie verneinen müssen.18
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Et à ce premier stade de l’évolution humaine, c’est aussi la réponse qu’il pourra faire au sujet qui lui permet la découverte de ce que cache sa demande.
Und in diesem ersten Stadium der menschlichen Entwicklung ist es ebenfalls die Antwort, die es dem Subjekt geben kann, die ihm die Entdeckung dessen ermöglicht, was sich hinter seinem Anspruch verbirgt.
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{10} Dès ce moment la jouissance, qui n’attend pas l’organisation phallique pour entrer en jeu, prendra ce côté révélation qu’elle gardera toujours ; car si la frustration est ce qui signifie au sujet l’écart existant entre besoin et désir, la jouissance, par la marche inverse, lui dévoile, en répondant à ce qui n’était pas formulé, ce qui est au-delà de la demande, c’est-à-dire le désir.
Von diesem Moment an wird die Jouissance – die nicht auf die phallische Organisation wartet, um ins Spiel zu kommen – den Aspekt einer Offenbarung annehmen, den sie immer behalten wird; denn wenn die Frustration dem Subjekt den Abstand bezeichnet, der zwischen Bedürfnis und Begehren existiert, so enthüllt ihm umgekehrt die Jouissance – indem sie auf das antwortet, was nicht formuliert worden war – das, was jenseits des Anspruchs liegt, das heißt das Begehren.
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Or que voyons-nous dans ce qu’est la relation orale ?
Was aber sehen wir in dem, was die orale Beziehung ausmacht?
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Avant tout : que demande et réponse se signifient, pour les deux partenaires, autour de la relation partielle bouche-sein.
Vor allem, dass für beide Partner Anspruch und Antwort um die Partialbeziehung Mund – Brust herum signifiziert werden.
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Ce niveau, nous pourrons l’appeler celui du signifié : la réponse va provoquer au niveau de la cavité orale une activité d’absorption, source de plaisir; un objet externe, le lait, va devenir substance propre, corporelle.
Diese Ebene können wir die des Signifikats nennen, die Antwort wird auf der Ebene der Mundhöhle eine Absorptionsaktivität hervorrufen, Quelle der Lust; ein äußeres Objekt, die Milch, wird zu körpereigener Substanz.
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L’absorption, c’est de là qu’elle tire son importance et sa signification.
Daraus bezieht die Absorption ihre Bedeutung und ihre Wichtigkeit.
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À partir de cette première réponse, c’est la recherche de cette activité d’absorption, source de plaisir, qui va devenir le but de la demande.
Ausgehend von dieser ersten Antwort wird die Suche nach der Absorptionsaktivität, Quelle von Lust, zum Ziel des Anspruchs werden.
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Quant au désir, c’est ailleurs qu’il va falloir le chercher, bien que ce soit à partir de cette même réponse, de cette même expérience d’assouvissement du besoin qu’il va se constituer.
Was das Begehren betrifft, so wird man es anderswo suchen müssen, obwohl es sich ausgehend von genau dieser Antwort, von genau dieser Erfahrung der Bedürfnisbefriedigung konstituieren wird.
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En effet, si la relation bouche-sein et l’activité absorption-nourriture sont les numérateurs de l’équation représentant la relation orale, il y a aussi un dénominateur : celui qui met en cause la relation enfant-mère, et c’est là que peut se situer le désir.
Denn wenn die Beziehung Mund – Brust und die Aktivität Absorption – Nahrung die Zähler der Gleichung sind, durch welche die orale Beziehung repräsentiert wird, so gibt es auch noch einen Nenner, jenen, der die Beziehung Kind – Mutter ins Spiel bringt, und dort kann das Begehren einen Platz finden.
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Si, comme je le pense, l’activité d’allaitement, en fonction de l’investissement dont elle est de part et d’autre l’objet à cause du contact et des expériences corporelles au niveau du corps pris au sens large, qu’elle permet à l’enfant représente par sa scansion répétitive même, la phase fondamentale, essentielle du stade oral, il faut bien rappeler que jamais autant qu’ici, ne semble éclatant de vérité le proverbe qui dit : « La façon de donner vaut mieux que ce qu’on donne. »
Wenn, wie ich denke, die Aktivität des Stillens – je nach der Besetzung, deren Gegenstand sie von beiden Seiten ist, aufgrund des Kontakts und der körperlichen Erfahrungen auf der Ebene des Körpers im weitesten Sinne, die sie dem Kind ermöglicht, gerade durch ihre sich wiederholende Skandierung – die grundlegende, die wesentliche Phase des oralen Stadiums repräsentiert, dann muss man daran erinnern, dass kaum irgendwo so sehr wie hier das Sprichwort zu stimmen scheint, das da sagt: „Wie man gibt, ist wichtiger als was man gibt.“
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Grâce, ou à cause de cette façon de donner, en fonction de ce que cela lui révélera du désir maternel, l’enfant va appréhender la différence entre don de nourriture et don d’amour.
Dank oder aufgrund dieser Art des Gebens wird das Kind, je nach dem, was dies ihm vom mütterlichen Begehren enthüllen wird, den Unterschied zwischen einer Nahrungsgabe und einer Liebesgabe erfassen.
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Parallèlement à l’absorption de nourriture, nous verrons alors se dessiner, au dénominateur de notre équation, l’absorption, ou mieux l’introjection d’un signifiant relationnel, c’est-à-dire que parallèlement à l’absorption de nourriture, il y aura introjection d’une relation fantasma|{20}tique où lui et l’autre seront représentés par leurs désirs inconscients.
Parallel zur Absorption der Nahrung wird sich dann im Nenner unserer Gleichung die Absorption oder besser die Introjektion eines relationalen Signifikanten abzeichnen, das heißt, parallel zur Nahrungsabsorption wird es eine Introjektion einer phantasmatischen Beziehung geben, in der das Kind und der andere durch ihre unbewussten Begehren repräsentiert werden.
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Or, si le numérateur peut facilement être investi du signe « + », le dénominateur peut au même moment être investi du signe « – ».
Nun, wenn der Zähler leicht mit dem Pluszeichen versehen werden kann, so kann der Nenner im selben Moment mit dem Minuszeichen ausgestattet werden.
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C’est cette différence de signe qui donne au sein sa place de signifiant, car c’est bien de cet écart entre demande et désir, à partir de ce lieu d’où surgit la frustration, que trouve sa genèse, que se dégage tout signifiant.
Dieser Unterschied der Vorzeichen gibt der Brust ihren Platz als Signifikant, denn genau aus diesem Abstand zwischen Anspruch und Begehren, ausgehend von dem Ort, an dem die Frustration auftaucht, entspringt und erhebt sich ein jeder Signifikant.
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À partir de cette équation qui mutatis mutandis se pourrait reconstituer pour les différentes phases de l’évolution du sujet, quatre éventualités sont possibles ; elles aboutissent à ce qu’on appelle : la normalité, la névrose, la perversion, la psychose.
Ausgehend von dieser Gleichung, die sich mutatis mutandis für die verschiedenen Phasen der Entwicklung des Subjekts rekonstruieren ließe, gibt es vier Möglichkeiten; sie führen zu dem, was man Normalität, Neurose, Perversion und Psychose nennt.
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J’essayerai de les schématiser, en les simplifiant bien sûr d’une façon un peu caricaturale, et de voir les rapports existant dans chaque cas entre identification et angoisse.
Ich werde versuchen, sie schematisch darzustellen – wobei ich sie natürlich etwas karikaturhaft vereinfache – und die Beziehungen zu betrachten, die in den einzelnen Fällen zwischen Identifizierung und Angst bestehen.
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La première de ces voies est sans doute la plus utopique.
Der erste dieser Wege ist sicherlich der utopischste.
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C’est celle où nous aurons à imaginer que l’enfant puisse trouver dans le don de nourriture le don d’amour désiré.
Das ist der Weg, bei dem wir uns vorstellen müssen, dass das Kind in der Nahrungsgabe die begehrte Liebesgabe finden kann.
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Le sein et la réponse maternelle pourront alors devenir symboles d’autre chose ; l’enfant entrera dans le monde symbolique et il pourra accepter le défilé de la chaîne signifiante ; la relation orale, en tant qu’activité d’absorption, pourra être abandonnée, et le sujet évoluera vers ce qu’on appelle une solution normative.
Die Brust und die Antwort der Mutter können dann zu Symbolen von etwas anderem werden; das Kind wird in die symbolische Welt eintreten können und wird den Durchlauf der Signifikantenkette akzeptieren können; auf die orale Beziehung als Absorptionsaktivität kann dann verzichtet werden, und das Subjekt wird sich zu dem hin entwickeln, was man eine normative Lösung nennt.
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Mais, pour que l’enfant puisse assumer cette castration, qu’il puisse renoncer au plaisir que lui offre le sein en fonction de ce petit billet, de cette traite aléatoire sur le futur, il est nécessaire que la mère ait elle-même pu assumer sa propre castration ; il faut dès ce moment, que dès cette relation dite duelle, le troisième terme, le père, soit présent en tant que référence maternelle.
Allerdings, damit das Kind diese Kastration auf sich nehmen kann, damit es auf die Lust verzichten kann, die ihm die Brust bietet, abhängig von diesem kleinen Schuldschein, von diesem unsicheren Wechsel auf die Zukunft, dafür ist es notwendig, dass die Mutter ihre eigene Kastration auf sich nehmen konnte; von diesem Moment an muss in dieser sogenannten dualen Beziehung bereits der dritte Term, der Vater, als Referenz für die Mutter gegenwärtig sein.
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Seulement dans ce cas ce qu’elle cherchera chez l’enfant ne sera pas une satisfaction au niveau d’une érogénéité corporelle qui en fait un équivalent phallique, mais une relation qui, en la constituant comme mère, la reconnaît tout autant comme femme du père.
Nur in diesem Falle wird das, was sie beim Kind suchen wird, nicht eine Befriedigung auf der Ebene einer körperlichen Erogenität sein, die aus ihm ein phallisches Äquivalent macht, sondern eine Beziehung, durch die sie, indem sie als Mutter konstituiert wird, zugleich als Frau des Vaters anerkannt wird.
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Le don de nourriture sera alors pour elle le pur symbole d’un don d’amour, et parce que ce don d’amour ne sera pas justement le don phallique que le sujet désire, l’enfant pourra maintenir son rapport à la demande.
Dann wird die Nahrungsgabe für sie das reine Symbol einer Liebesgabe sein, und weil diese Liebesgabe gerade nicht die phallische Gabe sein wird, die das Subjekt begehrt, wird das Kind seine Beziehung zum Anspruch aufrechterhalten können.
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Le phallus, il aura à le chercher ailleurs, il entrera dans le |{12} complexe de castration qui seul peut lui permettre de s’identifier à autre chose qu’à un Sujet Barré.
Den Phallus wird es anderswo suchen müssen; es wird in den Kastrationskomplex eintreten, der allein es ihm ermöglichen kann, sich mit etwas anderem zu identifizieren als mit einem ausgestrichenen Subjekt (sujet barré).
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La deuxième éventualité, c’est que pour la mère elle-même la castration soit restée quelque chose de mal assumé.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass für die Mutter selbst die Kastration etwas geblieben ist, das sie nur unzureichend auf sich genommen hat.
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Alors tout objet capable d’être pour l’autre la source d’un plaisir et le but d’une demande risque de devenir pour elle l’équivalent phallique qu’elle désire.
Dann droht jedes Objekt, das für den anderen Quelle einer Lust und Ziel eines Anspruchs sein kann, für sie zu dem von ihr begehrten phallischen Äquivalent zu werden.
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Mais, pour autant que le sein n’a pas d’existence privilégiée sinon en fonction de celui à qui il est indispensable, soit l’enfant, nous voyons se faire cette équivalence enfant-phallus qui est au centre de la genèse de la plupart des structures névrotiques.
Da jedoch die Brust eine privilegierte Existenz nur in Abhängigkeit von demjenigen hat, für den sie unerlässlich ist, nämlich für das Kind, sehen wir, wie sich die Äquivalenz Kind – Phallus herstellt, die im Zentrum der Entstehung der meisten neurotischen Strukturen steht.
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Le sujet alors, au cours de son évolution, aura toujours à affronter le dilemme de l’être ou de l’avoir, quel que soit l’objet corporel, sein, fèces, pénis, qui devient le support phallique.
Das Subjekt wird sich dann im Verlauf seiner Entwicklung immer wieder dem Dilemma des Seins oder Habens stellen müssen, unabhängig davon, welches körperliche Objekt – Brust, Fäzes, Penis – zum phallischen Träger wird.
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Ou bien il aura à s’identifier à celui qui l’a, mais faute d’avoir pu dépasser le stade du support naturel faute d’avoir pu accéder au symbolique, l’avoir signifiera toujours pour lui un avoir châtré l’Autre, ou bien il renoncera à l’avoir, il s’identifiera alors au phallus en tant qu’objet du désir de l’autre, mais devra alors renoncer à être, lui, le sujet du désir.
Entweder wird es sich mit demjenigen identifizieren müssen, der ihn hat – doch weil es das Stadium des natürlichen Trägers nicht überschreiten konnte, da es nicht den Zugang zum Symbolischen finden konnte, wird für es das Haben immer ein den Anderen kastriert haben bedeuten –, oder es wird auf das Haben verzichten, und dann wird es sich mit dem Phallus als Objekt des Begehrens des anderen identifizieren, dann jedoch darauf verzichten müssen, selbst das Subjekt des Begehrens zu sein.
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Ce conflit identificatoire, entre être l’agent de la castration ou devenir le sujet qui la subit, est ce qui définit cette alternance continuelle, cette question toujours présente au niveau de l’identification qui cliniquement s’appelle une névrose.
Dieser Identifizierungskonflikt – dazwischen, der Agent der Kastration zu sein oder das Subjekt zu werden, das sie erleidet – definiert das ständige Wechseln, die Frage, die auf der Ebene der Identifizierung stets gegenwärtig ist und die klinisch als Neurose bezeichnet wird.
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La troisième éventualité est celle que nous rencontrons dans la perversion.
Die dritte Möglichkeit ist diejenige, der wir bei der Perversion begegnen.
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Si cette dernière a été définie comme le négatif de la névrose, cette opposition structurale, nous la retrouvons au niveau de l’identification.
Wenn letztere als das Negativ der Neurose definiert worden ist, so finden wir diesen strukturellen Gegensatz auch auf der Ebene der Identifizierung wieder.19
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Le pervers est celui qui a détourné le conflit identificatoire.
Der Perverse ist derjenige, der den Identifizierungskonflikt abgelenkt hat.
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Sur le plan que nous avons choisi, l’oral, nous dirons que dans la perversion le sujet se constitue comme si l’activité d’absorption n’avait d’autre but que de faire de lui l’objet permettant à l’Autre une jouissance phallique.
Auf der von uns gewählten, der oralen Ebene, werden wir sagen, dass sich das Subjekt in der Perversion so konstituiert, als hätte die Aktivität der Absorption keinen anderen Zweck als den, es selbst zu dem Objekt zu machen, das dem Anderen eine phallische Jouissance ermöglicht.
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Le pervers n’a pas et n’est pas le phallus : il est cet objet ambigu qui sert un désir qui n’est pas le sien, il ne peut tirer sa jouissance que dans cette situation étrange où la seule identification qui lui soit possible est celle qui le fait s’identifier, non pas à l’Autre ni au phallus, mais à cet objet dont l’activité procure la |{13} jouissance à un phallus dont, en définitive, il ignore l’appartenance.
Der Perverse hat nicht den Phallus und ist nicht der Phallus, er ist das ambivalente Objekt, das einem Begehren dient, das nicht das seine ist, er kann seine Jouissance nur aus dieser eigentümlichen Situation ziehen, in der die einzige Identifizierung, die ihm möglich ist, darin besteht, dass er sich nicht mit dem Anderen und nicht mit dem Phallus identifiziert, sondern mit jenem Objekt, dessen Aktivität einem Phallus, dessen Zugehörigkeit er letztlich nicht kennt, die Jouissance verschafft.
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On pourrait dire que le désir du pervers est de répondre à la demande phallique.
Man könnte sagen, das Begehren des Perversen besteht darin, auf den phallischen Anspruch zu antworten.
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Pour prendre un exemple banal, je dirai que la jouissance du sadique a besoin, pour apparaître, d’un Autre pour qui, en se faisant fouet, surgisse le plaisir.
Um ein banales Beispiel zu nehmen, würde ich sagen, dass die Jouissance des Sadisten, um hervorzutreten, eines Anderen bedarf, für den die Lust dadurch entsteht, dass er, der Sadist, sich zur Peitsche macht.
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Si j’ai parlé de demande phallique, ce qui est un jeu de mots, c’est que pour le pervers l’autre n’a pas d’existence, sinon en tant que support presque anonyme d’un phallus pour lequel le pervers accomplit ses rites sacrificiels.
Wenn ich von einem phallischen Anspruch gesprochen habe – was ein Wortspiel ist –, dann deshalb, weil für den Perversen der andere keine Existenz hat, außer als beinahe anonymer Träger eines Phallus, für den der Perverse seine Opferrituale vollzieht.20
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La réponse perverse porte toujours en elle une négation de l’autre en tant que sujet ; l’identification perverse se fait toujours en fonction de l’objet source de jouissance, pour un phallus aussi puissant que fantasmatique.
Die perverse Antwort geht immer mit einer Verneinung des anderen als Subjekt einher; die perverse Identifizierung ist immer abhängig vom Objekt als Quelle der Jouissance, für einen ebenso mächtigen wie phantasmatischen Phallus.
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Il y a encore un mot que je voudrais dire sur la perversion en général.
Es gibt da noch ein Wort, dass ich über die Perversion im Allgemeinen sagen möchte.21
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Je ne pense pas qu’il soit possible de la définir si on reste sur le plan que nous pourrions, entre guillemets, appeler « sexuel », bien que ce soit à ça que semblent nous mener les vues classiques en cette matière.
Ich glaube nicht, dass es möglich ist, sie zu definieren, wenn wir auf der Ebene bleiben, die wir, in Anführungszeichen, „sexuell“ nennen könnten, obwohl die klassischen Auffassungen zu diesem Thema uns dahin zu führen scheinen.
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La perversion est – et en cela il me semble rester très proche des vues freudiennes – une perversion au niveau de la jouissance ; peu importe la partie corporelle mise en jeu pour l’obtenir.
Die Perversion ist – und mir scheint, dass ich darin den Freud’schen Auffassungen sehr nahe bleibe – eine Perversion auf der Ebene der Jouissance; der Körperteil, der, um sie zu erlangen, ins Spiel gebracht wird, ist gleichgültig.
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Si je partage la méfiance de monsieur Lacan sur ce qu’on appelle la génitalité, c’est qu’il est fort dangereux de faire de l’analyse anatomique.
Wenn ich das Misstrauen von Herrn Lacan gegenüber dem, was man Genitalität nennt, teile, dann deshalb, weil es äußerst gefährlich ist, eine anatomische Analyse vorzunehmen.
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Le coït le plus anatomiquement normal peut être aussi névrotique ou aussi pervers que ce qu’on appelle une pulsion prégénitale.
Der anatomisch normalste Koitus kann ebenso neurotisch oder ebenso pervers sein wie das, was man einen prägenitalen Trieb nennt.
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Ce qui signe la normalité, la névrose ou la perversion, ce n’est qu’au niveau du rapport entre le moi et son identification, permettant ou non la jouissance, que vous pouvez le voir.
Was für Normalität, Neurose oder Perversion bezeichnend ist, können Sie nur auf der Ebene der Beziehung zwischen dem Ich und seiner Identifizierung sehen, durch welche die Jouissance ermöglicht oder nicht ermöglicht wird.
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Si on voulait réserver le diagnostic de perversion aux seules perversions sexuelles, non seulement on n’aboutirait à rien, car un diagnostic purement symptomatique n’a jamais rien voulu dire, mais encore nous serions obligés de reconnaître qu’il y a bien peu de névrosés alors qui y échappent.
Wollte man die Diagnose der Perversion allein den sexuellen Perversionen vorbehalten, würde man damit nicht nur nichts erreichen – denn eine rein symptomatische Diagnose hat noch nie etwas gebracht –, sondern wir wären außerdem gezwungen anzuerkennen, dass es nur sehr wenige Neurotiker gibt, die ihr entgehen.
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Et ce n’est pas non plus au niveau d’une culpabilité dont le pervers serait exempt que vous trouverez la solution : il n’y a pas, tout au moins à ma connaissance, d’être humain assez heureux pour ignorer |{14} ce qu’est la culpabilité.
Und Sie werden die Lösung auch nicht auf der Ebene eines Schuldgefühls finden, von dem der Perverse frei wäre; zumindest meines Wissens gibt es keinen Menschen, der glücklich genug wäre, nicht zu wissen, was Schuldgefühl ist.
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La seule façon d’approcher la perversion, c’est celle d’essayer de la définir là où elle est, soit: au niveau d’un comportement relationnel.
Die einzige Möglichkeit, sich der Perversion zu nähern, besteht darin, sie dort zu definieren, wo sie ist, nämlich auf der Ebene eines Beziehungsverhaltens.
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Le sadisme est loin d’être toujours méconnu ou toujours tenu en brèche chez l’obsessionnel.
Beim Zwangsneurotiker ist der Sadismus keineswegs immer unbekannt oder immer in Schach gehalten.
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Ce qu’il signifie chez lui, c’est bien la persistance de ce qu’on appelle une relation anale : soit une relation où il s’agit de posséder ou d’être possédé, une relation où l’amour que l’on éprouve, ou dont on est l’objet, ne peut être signifié au sujet qu’en fonction de cette possession qui peut justement aller jusqu’à la destruction de l’objet.
Was er bei diesem bedeutet, ist ja das Fortbestehen dessen, was man eine anale Beziehung nennt, also eine Beziehung, in der es darum geht, zu besitzen oder besessen zu werden, eine Beziehung, in der die Liebe, die man empfindet oder deren Objekt man ist, dem Subjekt nur abhängig von diesem Besitz bedeutet werden kann, der geradezu bis zur Zerstörung des Objekts gehen kann.
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L’obsessionnel, pourrait-on dire, est vraiment celui qui châtie bien parce qu’il aime bien : il est celui pour qui la fessée du père est restée la marque privilégiée de son amour et qui recherche toujours quelqu’un à qui la donner, ou de qui la recevoir.
Man könnte sagen, der Zwangsneurotiker ist wirklich derjenige, der gut bestraft, weil er gut liebt: Er ist derjenige, für den die Prügel, die er vom Vaters erhalten hat, das bevorzugte Kennzeichen seiner Liebe geblieben ist, und der immer jemanden sucht, dem er sie geben oder von dem er sie empfangen kann.
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Mais, l’ayant reçue ou donnée, s’étant assuré qu’on l’aime, la jouissance, c’est dans un autre type de rapport au même objet qu’il la cherchera, et que ce rapport se fasse oralement, analement ou vaginalement, il ne sera pas pervers dans le sens où je l’entends, et qui me paraît le seul qui puisse éviter de mettre l’étiquette pervers sur un grand nombre de névrosés ou sur un grand nombre de nos semblables.
Hat er sie jedoch empfangen oder gegeben und sich vergewissert, dass man ihn liebt, wird er die Jouissance in einer anderen Art von Beziehung zu demselben Objekt suchen; und unabhängig davon, ob diese Beziehung nun oral, anal oder vaginal hergestellt wird, wird sie in dem von mir gemeinten Sinne nicht pervers sein – und dieser Sinn scheint mir der einzige zu sein, der verhindern kann, dass man einer großen Zahl von Neurotikern oder einer großen Zahl unserer Mitmenschen das Etikett pervers anheftet.
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Le sadisme devient une perversion quand la fessée n’est plus recherchée ou donnée comme signe d’amour, mais quand elle est en tant que telle assimilée par le sujet à la seule possibilité existant de faire jouir un phallus et la vue de cette jouissance devient la seule voie offerte au pervers pour sa propre jouissance.
Der Sadismus wird zur Perversion, wenn die Prügel nicht mehr als Liebeszeichen gesucht oder verabreicht werden, sondern wenn sie als solche vom Subjekt mit der einzigen Möglichkeit gleichgesetzt werden, einen Phallus genießen zu lassen, und wenn der Anblick dieser Jouissance für den Perversen zu dem einzigen Weg wird, der seiner eigenen Jouissance offensteht.
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On a beaucoup parlé de l’agressivité dont l’exhibitionnisme tirerait sa source.
Man hat viel über die Aggressivität gesprochen, aus der der Exhibitionismus angeblich hervorgeht.
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On le montre pour agresser l’autre, sans doute, mais ce qu’il ne faut pas oublier c’est que l’exhibitionniste est convaincu que cette agression est une source de jouissance pour l’autre.
Man zeigt ihn, um den anderen anzugreifen, sicherlich; man darf jedoch nicht vergessen, dass der Exhibitionist davon überzeugt ist, dass diese Aggression für den anderen eine Quelle der Jouissance ist.
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L’obsessionnel, lorsqu’il vit une tendance exhibitionniste, essaye, pourrait-on dire, de leurrer l’autre : il montre ce qu’il pense que l’autre n’a pas et convoite, il montre ce qui a pour lui, en effet, les rapports les plus étroits avec l’agressivité.
Wenn der Zwangsneurotiker eine exhibitionistische Strebung verspürt, versucht er – so könnte man sagen –, den anderen zu täuschen: Er zeigt, was der andere, seiner Meinung nach, nicht hat und was er begehrt; er zeigt das, was für ihn tatsächlich die engsten Beziehungen zur Aggressivität hat.
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Pensez à ce qui se passe chez l’Homme aux rats : la jouissance du père mort est le dernier de ses soucis.
Denken Sie an das, was beim Rattenmann geschieht, die Jouissance des toten Vaters ist seine geringste Sorge.
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Montrer au père mort ce que celui-ci – l’Homme aux rats – pense que le père mort aurait désiré lui arracher fantasmatiquement, voilà |{15} bien quelque chose qui s’appelle agressivité, et de cette agressivité l’obsessionnel tire sa jouissance.
Dem toten Vater das zu zeigen, wovon dieser – der Rattenmann – glaubt, der tote Vater habe begehrt, es ihm phantasmatisch zu entreißen, das ist durchaus etwas, das man Aggressivität nennt, und aus dieser Aggressivität bezieht der Zwangsneurotiker seine Jouissance.22
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Le pervers, lui, ce n’est jamais qu’à travers une jouissance étrangère qu’il cherche la sienne.
Der Perverse hingegen sucht seine eigene Jouissance immer nur auf dem Weg über eine fremde Jouissance.
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La perversion, c’est justement ça : ce cheminement en zigzag, ce détour qui fait que son moi est toujours, quoi qu’il fasse, au service d’une puissance phallique anonyme.
Eben das ist die Perversion: dieser Zickzackweg, dieser Umweg, der dazu führt dass sein Ich, was immer es tut, stets im Dienste einer anonymen phallischen Macht steht.
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Peu lui importe qui est l’objet, il lui suffira qu’il soit capable de jouir, qu’il puisse en faire le support de ce phallus face à qui il s’identifiera toujours, et seulement comme à l’objet présumé capable de lui procurer la jouissance.
Es ist ihm gleichgültig, wer das Objekt ist; es genügt ihm, dass es fähig ist zu genießen, dass er es zum Träger dieses Phallus machen kann, gegenüber dem er sich immer identifizieren wird, und zwar ausschließlich als dem Objekt, von dem er annimmt, dass er ihm die Jouissance verschaffen kann.
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C’est pour cela que, contrairement à ce qu’on voit dans la névrose, l’identification perverse, comme son type de relation d’objet, est quelque chose dont ce qui frappe c’est la stabilité, l’unité.
Deshalb ist – im Gegensatz zu dem, was man bei der Neurose sieht – die perverse Identifizierung, ebenso wie ihr Objektbeziehungstypus, etwas, das durch die Stabilität auffällt, die Einheit.
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Et nous arrivons maintenant à la quatrième éventualité, la plus difficile à saisir : c’est la psychose.
Und damit kommen wir zur vierten Möglichkeit, die am schwersten zu fassen ist, zur Psychose.
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Le psychotique est un sujet dont la demande n’a jamais été symbolisée par l’Autre, pour qui réel et symbolique, fantasme et réalité, n’ont jamais pu être délimités, faute d’avoir pu accéder à cette troisième dimension qui seule permet cette différenciation indispensable entre ces deux niveaux, soit : l’imaginaire.
Der Psychotiker ist ein Subjekt, dessen Anspruch vom Anderen niemals symbolisiert worden ist, für das Reales und Symbolisches, Phantasma und Realität niemals voneinander abgegrenzt werden konnten, da es keinen Zugang zu jener dritten Dimension finden konnte, die allein die unerlässliche Unterscheidung zwischen diesen beiden Ebenen ermöglicht, nämlich zum Imaginären.
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Mais ici, même en essayant de simplifier au maximum les choses, nous sommes obligés de nous situer au début même de l’histoire du sujet, avant la relation orale, c’est-à-dire au moment de la conception.
Doch hier sind wir genötigt – selbst wenn wir versuchen, die Dinge so weit wie möglich zu vereinfachen –, uns ganz an den Anfang der Geschichte des Subjekts zu begeben, noch vor der oralen Beziehung, nämlich zum Augenblick der Empfängnis.
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La première amputation que subit le psychotique se passe avant sa naissance : il est pour sa mère l’objet de son propre métabolisme, la participation paternelle est par elle niée, inacceptable.
Die erste Amputation, die der Psychotiker erleidet, findet vor seiner Geburt statt: Für seine Mutter ist er das Objekt ihres eigenen Stoffwechsels, die Beteiligung des Vaters wird von ihr negiert, ist unannehmbar.
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Il est dès ce moment, et pendant toute la grossesse, l’objet partiel venant combler un manque fantasmatique au niveau de son corps.
Von diesem Moment an und während der gesamten Schwangerschaft ist er das Partialobjekt, das auf der Ebene ihres Körpers einen phantasmatischen Mangel ausfüllt.
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Et dès sa naissance, le rôle qui lui sera par elle assigné sera celui d’être le témoin de la négation de sa castration, à elle, la mère.
Und von seiner Geburt an wird die Rolle, die sie ihm dann zuweist, darin bestehen, Zeuge der Verneinung ihrer eigenen Kastration zu sein.
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L’enfant, contrairement à ce qu’on a souvent dit, n’est pas le phallus de la mère, il est le témoin que le sein est le phallus, ce qui n’est pas la même chose.
Das Kind ist, im Gegensatz zu dem, was man häufig gesagt hat, nicht der Phallus der Mutter; es ist der Zeuge dafür, dass die Brust der Phallus ist, was nicht dasselbe ist.
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Et pour que le sein soit le phallus, et un phallus tout puissant, il faut que la réponse qu’il apporte soit parfaite et totale.
Und damit die Brust der Phallus ist und zwar ein allmächtiger Phallus, muss die Antwort, die sie gibt, vollkommen und umfassend sein.
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La demande de l’enfant ne pourra être reconnue pour rien d’autre qui ne soit demande de nourriture ; la dimension |{16} désir au niveau du sujet doit être niée, et ce qui caractérise la mère du psychotique c’est l’interdiction totale faite à l’enfant d’être le sujet d’aucun désir.
Der Anspruch des Kindes kann nur als etwas anerkannt werden, das Anspruch auf Nahrung ist; die Dimension Begehren muss, auf der Ebene des Subjekts, verneint werden, und was die Mutter des Psychotikers kennzeichnet, ist das dem Kind auferlegte vollständige Verbot, Subjekt irgendeines Begehrens zu sein.
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On voit alors dès ce moment comment va se constituer pour le psychotique sa relation particulière à la parole ; comment dès le début il lui sera impossible de maintenir sa relation à la demande.
Man sieht dann bereits von diesem Moment an, wie sich für den Psychotiker seine besondere Beziehung zum Sprechen konstituieren wird; wie es ihm von Beginn an unmöglich sein wird, seine Beziehung zum Anspruch aufrechtzuerhalten.
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En effet, si la réponse ne s’adresse jamais à lui qu’en tant que bouche à nourrir, qu’en tant qu’objet partiel, on comprend que pour lui toute demande, au moment même de sa formulation, porte en elle la mort du désir.
Wenn sich die Antwort immer nur an ihn als zu ernährender Mund, als Partialobjekt richtet, dann versteht man, dass für ihn jeder Anspruch im Augenblick seiner Formulierung den Tod des Begehrens in sich trägt.
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Faute d’avoir été symbolisée par l’Autre, il sera, lui, amené à faire coïncider dans la réponse symbolique et réel.
Da es vom Anderen nicht symbolisiert worden ist, wird es dazu gebracht werden, in der Antwort Symbolisches und Reales zur Deckung zu bringen.
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Puisque, quoi qu’il demande, c’est de la nourriture qu’on lui donne, ce sera la nourriture en tant que telle qui deviendra pour lui le signifiant clé.
Da es, was immer es verlangt, immer die Nahrung ist, die man ihm gibt, wird die Nahrung als solche für ihn zum Schlüsselsignifikanten werden.
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Le symbolique dès ce moment fera irruption dans le réel.
Von diesem Moment an wird das Symbolische in das Reale einbrechen.
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Au lieu que le don de nourriture trouve son équivalent symbolisé dans le don d’amour, pour lui tout don d’amour ne pourra se signifier que par une absorption orale.
Statt dass die Nahrungsgabe ihr symbolisiertes Äquivalent in der Liebesgabe findet, wird sich für ihn jede Liebesgabe nur durch eine orale Absorption signifizieren können.
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Aimer l’autre ou en être aimé se traduira pour lui en termes d’oralité, l’absorber ou en être absorbé.
Den anderen zu lieben oder von ihm geliebt zu werden, wird sich für ihn in Begriffe der Oralität übersetzen: ihn zu absorbieren oder von ihm absorbiert zu werden.
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Il y aura pour lui toujours une contradiction fondamentale entre demande et désir, car : ou bien il maintient sa demande, et sa demande le détruit en tant que sujet d’un désir, il doit s’aliéner en tant que sujet pour se faire bouche, objet à nourrir, ou bien il cherchera à se constituer en tant que sujet, tant bien que mal, et il sera obligé d’aliéner la partie corporelle de lui-même, source de plaisir et lieu d’une réponse incompatible pour lui avec toute tentative d’autonomie.
Es wird für ihn immer einen grundlegenden Widerspruch zwischen Anspruch und Begehren geben. Denn entweder hält er an seinem Anspruch fest und sein Anspruch zerstört ihn als Subjekt eines Begehrens – er muss sich als Subjekt entfremden, um sich zu einem Mund, zu einem zu ernährenden Objekt zu machen. Oder er wird versuchen, sich mehr schlecht als recht als Subjekt zu konstituieren, und er wird gezwungen sein, den körperlichen Teil seiner selbst zu entfremden, als Quelle von Lust und als Ort einer Antwort, die für ihn mit jedem Versuch von Autonomie unvereinbar ist.
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Le psychotique est toujours obligé d’aliéner son corps en tant que support de son moi, ou d’aliéner une partie corporelle en tant que support d’une possibilité de jouissance.
Der Psychotiker ist stets gezwungen, seinen Körper als Träger seines Ichs zu entfremden oder einen Körperteil als Träger einer Möglichkeit von Jouissance zu entfremden.
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Si je n’emploie pas ici le terme d’identification, c’est que justement je crois que dans la psychose il n’est pas applicable.
Wenn ich hier den Ausdruck der Identifizierung nicht verwende, dann deshalb, weil ich glaube, dass er sich auf die Psychose nicht anwenden lässt.
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L’identification, dans mon optique, implique la possibilité d’une relation d’objet où le désir du sujet et le désir de l’Autre sont en situation conflictuelle, mais existent en tant que deux pôles constitutifs de la relation.
Die Identifizierung impliziert, in meiner Sicht, die Möglichkeit einer Objektbeziehung, in der das Begehren des Subjekts und das Begehren des Anderen miteinander im Konflikt stehen, jedoch als zwei konstitutive Pole der Beziehung existieren.
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Dans la psychose, l’Autre et son désir, c’est au niveau de la relation fantasmatique du sujet à son propre corps qu’il faudrait les définir.
In der Psychose müsste man den Anderen und sein Begehren auf der Ebene der phantasmatischen Beziehung des Subjekts zu seinem eigenen Körper definieren.
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Je ne le ferai pas ici, cela nous éloignerait de notre sujet qui |{17} est l’angoisse.
Ich werde das hier nicht tun, das würde uns von unserem Thema wegbringen, von der Angst.
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Contrairement à ce qu’on pourrait croire, c’est bien d’elle que j’ai parlé tout au long de cet exposé.
Im Gegensatz zu dem, was man glauben könnte, ist tatsächlich sie es, worüber ich während des ganzen Vortrags gesprochen habe.
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{17} Comme je l’ai dit au début, ce n’est qu’à partir des paramètres de l’identification qu’il me semblait possible de l’atteindre.
{17} Wie ich zu Beginn sagte, schien es mir nur ausgehend von den Parametern der Identifizierung möglich, zu ihr zu gelangen.
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Or qu’avons-nous vu ?
Nun, was haben wir gesehen?
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Que ce soit chez le sujet dit normal, chez le névrosé ou chez le pervers, toute tentative d’identification ne peut se faire qu’à partir de ce qu’il imagine, vrai ou faux peu importe, du désir de l’autre.
Ob es sich um das sogenannte normale Subjekt, um den Neurotiker oder um den Perversen handelt, jeder Versuch einer Identifizierung kann nur ausgehend von dem erfolgen, was sich jemand – ob wahr oder falsch, spielt keine Rolle – vom Begehren des anderen vorstellt.
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Que vous preniez le sujet dit normal, le névrosé ou le pervers, vous avez vu qu’il s’agit toujours de s’identifier en fonction, ou contre ce qu’il pense être le désir de l’autre.
Ganz gleich, ob Sie das sogenannte normale Subjekt, den Neurotiker oder den Perversen nehmen, Sie haben gesehen, dass es immer darum geht, sich gemäß dem oder im Gegensatz zu dem zu identifizieren, was das Subjekt für das Begehren des anderen hält.
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Tant que ce désir peut être imaginé, fantasmé, le sujet va y trouver les repères nécessaires à le définir, lui, en tant qu’objet du désir de l’autre ou en tant qu’objet refusant de l’être.
Solange dieses Begehren imaginiert und phantasiert werden kann, wird das Subjekt darin die notwendigen Orientierungspunkte finden, um dieses Begehren zu definieren, sei es mit ihm als Objekt des Begehrens des anderen oder als Objekt, das sich weigert, es zu sein.
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Dans les deux cas il est, lui, quelqu’un qui peut se définir, se retrouver.
In beiden Fällen ist es selbst jemand, der sich definieren und wiederfinden kann.
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Mais à partir du moment où le désir de l’Autre devient quelque chose de mystérieux, d’indéfinissable, ce qui se dévoile là au sujet c’est que c’était justement ce désir de l’Autre qui le constituait en tant que sujet.
Doch von dem Moment an, in dem das Begehren des Anderen zu etwas Geheimnisvollem wird, zu etwas Undefinierbarem, enthüllt sich hier dem Subjekt, dass es gerade das Begehren des Anderen war, durch das es als Subjekt konstituiert wurde.
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Ce qu’il retrouvera, ce qui se démasquera à ce moment face à ce néant, c’est son fantasme fondamental ; c’est qu’être l’objet du désir de l’Autre n’est une situation soutenable que pour autant que, ce désir, nous puissions le nommer, le façonner en fonction de notre propre désir.
Was es wiederfinden wird, was sich angesichts dieses Nichts in diesem Moment enthüllen wird, ist sein grundlegendes Phantasma; denn Objekt des Begehrens des Anderen zu sein, ist nur insofern eine aushaltbare Situation, als wir dieses Begehren benennen und in Abhängigkeit von unserem eigenen Begehren formen können.
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Mais devenir l’objet d’un désir auquel nous ne pouvons plus donner de nom, c’est devenir nous-même un objet dont les enseignes n’ont plus de sens, puisqu’elles sont pour l’autre indéchiffrables.
Doch zum Objekt eines Begehrens zu werden, dem wir keinen Namen mehr geben können, heißt, dass wir selber zu einem Objekt werden, dessen Insignien keinen Sinn mehr haben, da sie für den anderen unentzifferbar sind.
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Ce moment précis, où le moi se réfère dans un miroir qui lui renvoie une image qui n’a plus de signification identifiable, c’est cela l’angoisse.
Genau dieser Moment, in dem das Ich in einem Spiegel einen Bezug nimmt, der ihm ein Bild zurückwirft, das keine identifizierbare Bedeutung mehr hat, eben das ist die Angst.
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En l’appelant orale, anale ou phallique, nous ne faisons qu’essayer de définir quelles étaient les enseignes dont le moi se parait pour se faire reconnaître.
Wenn wir sie oral, anal oder phallisch nennen, versuchen wir lediglich zu bestimmen, welches die Insignien waren, mit denen sich das Ich ausstattete, um sich zu erkennen zu geben.
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Si ce n’est que nous, en tant que ce qui apparaît dans le miroir, qui pouvons le faire, c’est que nous sommes les seuls à pouvoir voir de quel type sont ces enseignes qu’on nous accuse de ne plus reconnaître.
Wenn nur wir selbst das tun können – insofern wir das sind, was im Spiegel erscheint –, dann deshalb, weil wir die Einzigen sind, die sehen können, welcher Art diese Insignien sind, die man uns nicht zu erkennen vorwirft.
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Car si, comme je le disais au début, l’angoisse est l’affect qui, le plus facilement, risque de provoquer une réponse réciproque, c’est bien qu’à partir |18} de ce moment nous devenons pour l’autre celui dont les enseignes sont tout aussi mystérieuses, tout aussi inhumaines.
Denn wenn die Angst, wie ich zu Beginn sagte, der Affekt ist, der am leichtesten eine reziproke Antwort hervorzurufen droht, dann eben deshalb, weil wir von diesem Moment an für den anderen zu dem werden, dessen Insignien ebenso rätselhaft sind, ebenso unmenschlich.
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Dans l’angoisse, ce n’est pas seulement le moi qui est dissout, c’est aussi l’autre en tant que support identificatoire.
In der Angst wird nicht nur das Ich aufgelöst, sondern auch der andere als identifikatorische Stütze.
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Dans ce même sens, je me placerai en disant que la jouissance et l’angoisse sont les deux positions extrêmes où peut se situer le moi.
In diesem Sinne möchte ich mich auf den Standpunkt stellen, dass Jouissance und Angst die beiden Extremenpositionen sind, die das Ich einnehmen kann.
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Dans la première, le moi et l’autre pour un instant échangent leurs enseignes, se reconnaissent comme deux signifiants dont la jouissance partagée assure pendant un instant l’identité des désirs.
In der ersten tauschen das Ich und der andere für einen Augenblick ihre Insignien aus, erkennen sich als zwei Signifikanten, deren geteilte Jouissance einen Augenblick lang die Identität der Begehren sichert.
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Dans l’angoisse, le moi et l’autre se dissolvent, sont annulés dans une situation où le désir se perd, faute de pouvoir être nommé.
In der Angst lösen sich das Ich und der andere auf, werden sie annulliert, in einer Situation, in der das Begehren verloren geht, da es nicht benannt werden kann.
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Si maintenant, pour conclure, nous passons à la psychose, nous verrons que les choses sont un peu différentes.
Wenn wir nun, um zu schließen, zur Psychose übergehen, werden wir sehen, dass die Dinge etwas anders liegen.
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Bien sûr, ici aussi l’angoisse n’est pas autre chose que le signe de la perte pour le moi, de tout repère possible.
Natürlich ist auch hier die Angst nichts anderes als das Zeichen für den Verlust jeglicher möglichen Orientierung für das Ich.
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Mais la source d’où naît l’angoisse est ici endogène : c’est le lieu d’où peut surgir le désir du sujet, c’est son désir qui, pour le psychotique, est la source privilégiée de toute angoisse.
Doch die Quelle, aus der hier die Angst entsteht, ist endogen, es ist der Ort, wo das Begehren des Subjekts auftauchen kann; für den Psychotiker ist sein Begehren die bevorzugte Quelle jeder Angst.
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S’il est vrai que c’est l’autre qui nous constitue en nous reconnaissant comme objet de désir, que sa réponse est ce qui nous fait prendre conscience de l’écart existant entre demande et désir, et que c’est par cette brèche que nous entrons dans le monde des signifiants, eh bien, pour le psychotique, cet Autre est celui qui ne lui a jamais signifié autre chose qu’un trou, qu’un vide au centre même de son être.
Wenn es stimmt, dass der andere uns konstituiert, indem er uns als Objekt des Begehrens anerkennt, dass seine Antwort uns den Abstand zwischen Anspruch und Begehren bewusst werden lässt und dass wir durch diese Öffnung in die Welt der Signifikanten eintreten, dann ist für den Psychotiker dieser Andere derjenige, der ihm niemals etwas anderes bedeutet hat als ein Loch, eine Leere genau im Zentrum seines Seins.
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L’interdiction qui lui a été faite quant au désir fait que la réponse lui a fait appréhender, non pas un écart, mais une antinomie fondamentale entre demande et désir, et de cet écart, qui n’est pas une brèche mais un gouffre, ce qui s’est fait jour ce n’est pas le signifiant mais le fantasme, soit : ce qui provoque le télescopage entre symbolique et réel, que nous appelons psychose.
Das Verbot, das ihm hinsichtlich des Begehrens auferlegt wurde, hat zur Folge, dass die Antwort für ihn, zwischen Anspruch und Begehren, nicht etwa einen Abstand erfahrbar gemacht hat, sondern eine grundlegende Antinomie; und aus diesem Abstand, der keine Öffnung ist, sondern ein Abgrund, ist nicht der Signifikant zu Tage getreten, sondern das Phantasma, das heißt das, was jene Kollision zwischen Symbolischem und Realem hervorruft, die wir Psychose nennen.
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Pour le psychotique – et je m’excuse de m’en tenir à de simples formules –, l’autre est introjecté au niveau de son propre corps, au niveau de tout ce qui entoure cette béance première qui, seule, est ce qui le désigne en tant que sujet.
Für den Psychotiker – und ich entschuldige mich dafür, dass ich mich an einfache Formeln halte – ist der andere auf der Ebene seines eigenen Körpers introjiziert, auf der Ebene von allem, was sich um dieses primäre Aufklaffen herum befindet, das allein das ist, was ihn als Subjekt bezeichnet.
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L’angoisse est pour lui liée à ces moments spécifiques où, à |{19} partir de cette béance, apparaît quelque chose qui pourrait se nommer désir, car pour qu’il puisse l’assumer, il faudrait que le sujet accepte de se situer à la seule place d’où il puisse dire je, soit : qu’il s’identifie à cette béance qui, en fonction de l’interdiction de l’autre, est la seule place où il soit reconnu comme sujet.
Die Angst ist für ihn an jene besonderen Momente gebunden, in denen, ausgehend von diesem Aufklaffen, etwas erscheint, das sich Begehren nennen ließe; denn damit das Subjekt das Begehren auf sich nehmen könnte, müsste es akzeptieren, sich an dem einzigen Platz zu positionieren, von dem aus es „ich“ sagen könnte, das heißt: sich mit diesem Aufklaffen zu identifizieren, das, aufgrund des Verbots des anderen, der einzige Platz ist, an dem es als Subjekt anerkannt wird.
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Tout le désir ne peut le renvoyer qu’à une négation de lui-même ou à une négation de l’autre.
Durch jegliches Begehren kann es nur auf eine Verneinung seiner selbst oder auf eine Verneinung des anderen verwiesen werden.
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Mais, pour autant que l’autre est introjecté au niveau de son propre corps, que cette introjection est la seule chose qui lui permette de vivre – j’ai dit ailleurs que, pour le psychotique, la seule possibilité de s’identifier à un corps imaginaire unifié serait celle de s’identifier à l’ombre que projetterait devant lui un corps qui ne serait pas le sien – toute disparition de l’autre serait pour lui l’équivalent d’une automutilation qui ne ferait que le renvoyer à son propre drame fondamental.
Doch insofern der andere für den Psychotiker auf der Ebene seines eigenen Körpers introjiziert ist und diese Introjektion das Einzige ist, was es ihm, dem Psychotiker, zu leben ermöglicht – ich habe an anderer Stelle gesagt, dass für den Psychotiker die einzige Möglichkeit, sich mit einem vereinheitlichten imaginären Körper zu identifizieren, darin bestünde, sich mit dem Schatten zu identifizieren, den ein Körper, der nicht der seine wäre, vor ihm werfen würde –, insofern wäre jedes Verschwinden des anderen für ihn das Äquivalent einer Selbstverstümmelung, die ihn nur auf sein eigenes grundlegendes Drama verweisen würde.
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Si, chez le névrosé c’est à partir de notre silence que nous pouvons trouver les sources déclenchant son angoisse, chez le psychotique, c’est à partir de notre parole, de notre présence.
Wenn wir die Quellen, die die Angst auslösen, beim Neurotiker von unserem Schweigen her finden können, so beim Psychotiker ausgehend von unserem Sprechen und unserer Anwesenheit.
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Tout ce qui peut lui faire prendre conscience que nous existons en tant que différents de lui, en tant que sujets autonomes et qui par là même pouvons le reconnaître, lui, comme sujet, devient ce qui peut déclencher son angoisse.
Alles, was ihm bewusst machen kann, dass wir als von ihm verschieden existieren, als autonome Subjekte, die eben dadurch ihn selbst als Subjekt anerkennen können, wird für ihn zu etwas, das seine Angst auslösen kann.
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Tant qu’il parle, il ne fait que répéter un monologue qui nous situe au niveau de cet Autre introjecté qui le constitue.
Solange er spricht, wiederholt er lediglich einen Monolog, der uns auf der Ebene des introjizierten Anderen situiert, des Anderen, der ihn konstituiert.
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Mais qu’il vienne à nous parler, alors, pour autant que nous pouvons, en tant qu’objet, devenir le lieu où il a à reconnaître son désir, nous verrons se déclencher son angoisse, car désirer c’est avoir à se constituer comme sujet, et pour lui la seule place d’où il puisse le faire est celle qui le renvoie à son gouffre.
Doch sobald er dazu kommt, zu uns zu sprechen, werden wir – insofern wir als Objekt zu dem Ort werden können, an dem er sein Begehren anerkennen muss –, werden wir sehen, wie seine Angst ausgelöst wird, denn begehren heißt, sich als Subjekt konstituieren zu müssen, und für ihn ist der einzige Platz, von dem aus er dies tun kann, jener, der ihn auf seinen Abgrund verweist.
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Mais ici encore, en conclusion, vous le voyez, on peut dire que l’angoisse apparaît au moment où le désir fait du sujet quelque chose qui est un manque à être, un manque à se nommer.
Doch auch hier kann man, wie Sie sehen, abschließend sagen, dass die Angst in dem Moment erscheint, in dem das Begehren aus dem Subjekt etwas macht, das einen Mangel an Sein darstellt, einen Mangel, sich zu benennen.
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Il y a un point que je n’ai pas traité et que je laisserai de côté – je le regrette, car il est pour moi fondamental et j’aurais voulu pouvoir le faire.
Es gibt einen Punkt, den ich nicht behandelt habe und den ich beiseite lassen werde, was ich bedaure, denn er ist für mich grundlegend, und ich hätte ihn gern behandeln können.
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Malheureusement il aurait fallu, pour que je puisse l’inclure, que j’aie plus de maîtrise vis-à-vis du sujet que j’ai essayé de traiter –, je veux parler du fantasme.
Leider hätte ich, um ihn einbeziehen zu können, den Gegenstand, den ich zu behandeln versucht habe, besser beherrschen müssen, ich meine das Phantasma.
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Lui aussi est intimement lié à l’identification et à l’angoisse, à tel point que j’aurais pu dire que l’angoisse |{20} apparaît au moment où l’objet réel ne peut plus être appréhendé que dans sa signification fantasmatique ; que c’est dès ce moment que toute identification possible du moi se dissout et qu’apparaît l’angoisse.
Auch das Phantasma ist eng mit der Identifizierung und der Angst verbunden, so sehr, dass ich hätte sagen können, dass die Angst |{20} in dem Moment erscheint, in dem das reale Objekt nur noch in seiner phantasmatischen Bedeutung erfasst werden kann; dass von diesem Moment an jede mögliche Identifizierung des Ichs sich auflöst und die Angst erscheint.
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Mais si c’est la même histoire ce n’est pas le même discours, et pour aujourd’hui je m’arrêterai ici.
Doch wenn es auch dieselbe Geschichte ist, so ist es doch nicht derselbe Vortrag, und für heute werde ich hier aufhören.
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Mais avant de conclure ce discours, je voudrais vous apporter un exemple clinique très court sur les sources d’angoisse chez le psychotique.
Doch bevor ich diesen Vortrag abschließe, möchte ich Ihnen ein ganz kurzes klinisches Beispiel für die Quellen der Angst beim Psychotiker geben.
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Je ne vous dirai rien d’autre de l’histoire sinon qu’il s’agit d’un grand schizophrène, délirant, interné à différentes reprises.
Ich werde Ihnen über die Geschichte nichts Weiteres sagen, außer dass es sich um einen ausgeprägt schizophrenen wahnhaften Patienten handelt, der mehrfach hospitalisiert wurde.
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Les premières séances sont un exposé de son délire, délire assez classique : c’est ce qu’il appelle le problème de l’homme robot.
In den ersten Sitzungen geht es um eine Darstellung seines Wahns, eines ziemlich klassischen Wahns, er nennt es „das Problem des Robotermenschen“.
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Et puis dans une séance où, comme par hasard, il est question du problème du contact et de la parole, où il m’explique que ce qu’il ne peut supporter c’est « la forme de la demande », que « la poignée de main est un progrès sur les civilisations saluantes, verbales, où la parole ça fausse les choses, ça empêche de comprendre, où la parole c’est comme une roue qui tourne où chacun verrait une partie de la roue à des moments différents, et alors quand on essaye de communiquer c’est forcément faux, il y a toujours un décalage ».
Und dann, in einer Sitzung, in der es wie zufällig um das Problem des Kontakts und des Sprechens geht, erklärt er mir, dass das, was er nicht ertragen kann, „die Form der Forderung (demande)“ ist, dass „der Händedruck ein Fortschritt gegenüber den verbal grüßenden Kulturen ist, in denen das Sprechen die Dinge verfälscht und es das Verstehen verhindert, in denen das Sprechen wie ein sich drehendes Rad ist, bei dem jeder zu unterschiedlichen Zeitpunkten einen Teil des Rades sehen würde, und wenn man dann zu kommunizieren versucht, ist es zwangsläufig falsch, es gibt immer eine Verschiebung.“
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Dans cette même séance, au moment où il aborde le problème de la parole de la femme, il me dit tout à coup : « Ce qui m’inquiète, c’est ce qu’on m’a dit sur les amputés : qu’ils sentiraient des choses pra le membre qu’ils n’ont plus ».
In derselben Sitzung, in dem Moment, wo er zum Problem des Sprechens der Frau kommt, sagt er plötzlich zu mir: „Was mich beunruhigt, ist etwas, das man mir über Amputierte gesagt hat, dass sie durch das Glied, das sie nicht mehr haben, Dinge empfinden würden.“
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Et à ce moment, cet homme dont le discours garde dans sa forme délirante une dimension de précision d’une exactitude mathématique, commence à chercher ses mots, à s’embrouiller, me dit ne plus pouvoir suivre ses pensées, et finalement il prononce cette phrase que je trouve vraiment intéressante quant à ce qu’est pour le psychotique son image du corps : « un fantôme, ce serait un homme sans membre et sans corps qui, par son intelligence seule, percevrait des sensations fausses d’un corps qu’il n’a pas…
Und in diesem Moment beginnt dieser Mann, dessen Diskurs in seiner wahnhaften Gestalt eine Präzision von mathematischer Exaktheit bewahrt, nach Worten zu suchen, sich zu verhaspeln, und er sagt mir, dass er seinen Gedanken nicht mehr folgen kann, und schließlich formuliert er diesen Satz, den ich für das Körperbild des Psychotikers wirklich interessant finde: „Ein Phantom, das wäre ein Mensch ohne Glied und ohne Körper, der allein durch seine Intelligenz falsche Empfindungen von einem Körpers wahrnehmen würde, den er nicht hat …
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Ça, ça m’inquiète énormément. »
Das, das macht mir eine Riesenangst.“
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Percevrait des sensations fausses d’un corps qu’il n’a pas : cette phrase va trouver son sens à la séance d’après, quand il viendra me voir pour me dire qu’il veut interrompre les séances, que ce n’est plus supportable, que c’est malsain et dangereux, et ce qui est malsain et |{21} dangereux, ce qui suscite une angoisse qui, pendant toute cette séance, se fera lourdement sentir, c’est que « je me suis rendu compte que vous voulez me séduire et que vous pourriez y arriver ».
Falsche Empfindungen von einem Körper wahrnehmen würde, den er nicht hat: Dieser Satz wird in der Sitzung danach seinen Sinn finden, als er zu mir kommt, um mir zu sagen, dass er die Sitzungen abbrechen will, dass es nicht mehr auszuhalten ist, dass es ungesund und gefährlich ist; und das Ungesunde und Gefährliche, das, was eine Angst hervorruft, die während dieser ganzen Sitzung massiv zu spüren sein wird, ist dies: „Mir ist klargeworden, dass Sie mich verführen wollen und dass Ihnen das gelingen könnte.“
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Ce dont il s’est rendu compte, c’est qu’à partir de ces sensations fausses d’un corps qu’il n’a pas pourrait surgir son désir, et alors il aurait à reconnaître, à assumer ce manque qui est son corps ; il aurait à regarder ce qui, faute d’avoir pu être symbolisé, n’est pas supportable à l’homme : la castration en tant que telle.
Ihm ist klargeworden, dass ausgehend von diesen falschen Empfindungen von einem Körper, den er nicht hat, sein Begehren hervortreten könnte, und dann müsste er diesen Mangel, der sein Körper ist, anerkennen und auf sich nehmen; er müsste dem ins Auge sehen, was für den Menschen, wenn es nicht symbolisiert werden konnte, unerträglich ist: der Kastration als solcher.
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Toujours dans cette même séance il dira lui-même, mieux que je ne pourrais le faire, où est pour lui la source de l’angoisse :
Immer noch in dieser Sitzung wird er selbst sagen – besser, als ich es könnte –, wo für ihn die Quelle der Angst liegt:
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« Vous avez peur de vous regarder dans un miroir, car le miroir ça change selon les yeux qui le regardent, on ne sait pas trop ce qu’on va y voir.
„Sie haben Angst, sich in einem Spiegel zu betrachten, denn der Spiegel, der verändert sich je nach den Augen, die ihn betrachten; man weiß nicht recht, was man da sehen wird.
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Si vous achetez un miroir doré c’est mieux… »
Wenn Sie einen vergoldeten Spiegel kaufen, ist es besser …“
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On a l’impression que ce dont il veut s’assurer, c’est que les changements sont du côté du miroir.
Man hat den Eindruck, dass er sichergehen will, dass die Veränderungen auf der Seite des Spiegels liegen.
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Vous le voyez : l’angoisse apparaît au moment où il craint que je ne puisse devenir un objet de désir, car à partir de ce moment-là, le surgissement de son désir impliquerait pour lui la nécessité d’assumer ce que j’ai appelé le manque fondamental qui le constitue.
Sie sehen also, die Angst tritt in dem Moment auf, in dem er befürchtet, ich könnte zu einem Objekt des Begehrens werden, denn von diesem Moment an würde das Hervortreten seines Begehrens für ihn die Notwendigkeit implizieren, das auf sich zu nehmen, was ich den fundamentalen Mangel genannt habe, der ihn konstituiert.
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À partir de ce moment l’angoisse surgit, car sa position de fantôme, de robot, n’est plus soutenable: il risque de ne plus pouvoir nier ses sensations fausses d’un corps qu’il ne peut reconnaître.
Von diesem Moment an tritt die Angst hervor, denn seine Position als Phantom, als Roboter, lässt sich nicht mehr aufrechterhalten, er läuft Gefahr, seine falschen Empfindungen eines Körpers, den er nicht anerkennen kann, nicht länger verleugnen zu können.
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Ce qui provoque son angoisse, c’est bien le moment précis où, face à l’irruption de son désir, il se demande quelle image de lui-même va lui renvoyer le miroir, et cette image il sait qu’elle risque d’être celle du manque, du vide, de ce qui n’a pas de nom, de ce qui rend impossible toute reconnaissance réciproque et que nous, spectateurs et auteurs involontaires du drame, appelons angoisse.
Was seine Angst auslöst, ist genau der Augenblick, in dem er sich – angesichts des Hereinbrechens seines Begehrens – fragt, welches Bild von sich selbst ihm der Spiegel zurückwerfen wird, und er weiß, dass dieses Bild das des Mangels zu sein droht, der Leere, dessen, was keinen Namen hat, dessen, was jede wechselseitige Anerkennung unmöglich macht und was wir – Zuschauer und unfreiwillige Autoren des Dramas – Angst nennen.
Ende des Vortrags von Piera Aulagnier.
Der zweite Teil der Übersetzung dieser Sitzung folgt in etwa einem Monat.
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Anmerkungen
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Gemeint ist Piera Aulagniers Vortrag bei den „Journées provinciales“ der Société française de psychanalyse in La Salpêtrière vom 31. März und 1. April 1962 zum Thema der Angst. Auf dieses Treffen hatte sich Lacan im Identifizierungs-Seminar bereits in der Sitzung vom 4. April 1962 bezogen (siehe dort S. {1}).
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mandarinal: Ein Mandarin ist ein hoher Amtsträger im chinesischen Kaiserreich. In Frankreich bezeichnet man einen mächtigen Universitätsprofessor, Gelehrten oder Intellektuellen seit spätestens Beginn des 20. Jahrhunderts als „Mandarin“. 1954 erschien Simone de Beauvoirs Roman Les Mandarins, der in der Pariser Intellektuellenszene der Nachkriegszeit spielt (deutscher Titel: Die Mandarins von Paris, 1955). Eine Parole der Studenten um 1968 war „Fin des mandarins!“ (Schluss mit den Mandarins!).
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was ich kürzlich über die Angst gesagt habe: Vgl. Identifizierungs-Seminar, Sitzung vom 4. April 1962.
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Medium: Offenbar geht es Lacan hier darum, dass „médium“ im Sinne von „vermittelndes Element“ verstanden werden soll, nicht im Sinne etwa von „Durchschnitt“.
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Der Text dieses Vortrags wurde später veröffentlicht in: Rivista sperimentale di Freniatria e Medicina legale delle Alienazioni mentali, 1965, 89, fasc. 1, S. 13–30, dort mit dem folgenden Hinweis: „Dieser Text ist die Transkription eines Vortrags, der im Seminar von Dr. J. Lacan im Mai 1962 gehalten wurde. Wir bitten zu entschuldigen, dass wir an der Formulierung nichts geändert haben, die dazu bestimmt war, rein mündlich zu sein.“
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zwei extreme Positionen: zum einen die Angst, zum anderen der Orgasmus.
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Vgl. Seminar 6, Das Begehren und seine Deutung:
„Zu jemandem zu sagen Ich begehre Sie heißt sehr genau, ihm zu sagen Ich beziehe Sie in mein fundamentales Phantasma ein.“
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der Analysierte (l’analysé): In Frankreich bezeichnete man den Patienten einer Analyse zunächst nebeneinander als patient, malade, sujet und analysé. Lacan wird ab 1967 l’analysant verwenden („der Analysierende“), in Anspielung auf und in Abgrenzung vom englischen Terminus analysand („der zu Analysierende“). Außerhalb des lacanianischen Milieus ist im Französischen die Bezeichnung als l’analysé auch heute noch üblich.
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uns an den Platz zu stellen, der uns zukommt: an den Platz des Analytikers.
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Über die Angst als Signal hatte Lacan in der Sitzung vom 4. April 1962 gesprochen, S. {24 f.}. Der Begriff des Angstsignals wurde von Freud eingeführt in Hemmung, Symptom und Angst (1926) (vgl. GW 14, S. 111–205).
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In den Seminaren und in den Écrits gibt es für Lacans Einwand keinen Beleg. Möglicherweise bezieht Aulagnier sich auf eine Bemerkung von Lacan bei der Provinzialtagung über die Angst.
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Man findet die Formulierung zuerst in Seminar 2, Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse, Sitzung vom 15. Dezember 1954, Version Miller/Metzger S. 82. Im Identifizierungs-Seminar hatte Lacan sich hierauf am 24. Januar 1962, S. {3}, bezogen.
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mouvement automatique, unwillkürlichen Bewegung: Begriff der französischen Psychiatrie, im Gegensatz zur willentlichen Bewegung.
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In der Sitzung vom 10. Januar 1962 hatte Lacan Descartes’ „Ich denke, also bin ich“ so gedeutet: Das „ich denke“ steht für die Identifizierung und das „ich bin“ für den imaginären Phallus (a.a.O., S. {30}). In der Sitzung vom 21. Februar 1962 hieß es, im Identifizierung-Seminar gehe es um „die besondere Funktion des Phallus bei der Identifizierung des Subjekts“ (S. {3}).
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Vgl. Sitzung vom 4. April 1962, S. {17 f.}.
durch das es: Ein möglicher Bezug für das „es“ („il“): das Subjekt, die Stütze, das Begehren – nicht: das Gesetz; vom Sinn her würde wohl am besten passen: der Phallus – obwohl er explizit hier nicht erwähnt ist.
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Vgl. Sitzung vom 4. April 1962, S.S. {23}.
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Der Begriff des Partialobjekts geht auf Karl Abraham und Melanie Klein zurück. Abraham sprach in Versuch einer Entwicklungsgeschichte der Libido auf Grund der Psychoanalyse seelischer Störungen (1924, im Internet hier) von „Partialliebe“ und von der Liebe zu einem „Teil des Objektes“ bzw. einem einzelnen Körperteil. Der Terminus part-object wurde von Melanie Klein eingeführt in: A Contribution to the Psychogenesis of Manic-Depressive States (1935, im Internet hier). In den deutschen Übersetzungen von Kleins Arbeiten findet man neben „Partialobjekt“ auch „Teilobjekt“.
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Der Begriff „projektive Identifizierung“ wurde von Melanie Klein in die Psychoanalyse eingeführt, in dem Aufsatz Notes on Some Schizoid Mechanisms (zuerst 1946, im Internet hier dort eher beiläufig, in der überarbeiteten Fassung von 1952 fügte sie hinzu: „I suggest for these processes the term ‚projective identification‘ “).
Der Abwehrmechanismus der projektiven Identifizierung ist eine Verbindung von Spaltung, Projektion und Identifizierung. Zur Abwehr der Angst wird hierbei ein bestimmte Teil des Selbst (etwa der Todestrieb) abgespalten und auf ein äußeres Objekt projiziert (etwa auf die Mutter); das Objekt wird hierdurch in Besitz genommen, beherrscht; das Objekt.wird nicht mehr als separates Individuum empfunden, sondern als das böse Selbst. Melanie Klein schreibt:
„Die phantasierten Angriffe auf die Mutter folgen zwei Hauptlinien: eine ist die vorwiegend orale Regung, sie auszusagen, zu beißen und den mütterlichen Körper auszuhöhlen, und seines guten Inhalts zu berauben (…); die andere Angriffslinie stammt von den analen und urethralen Regungen her und schließt die Ausstoßung gefährlicher Substanzen (Exkremente) aus dem Selbst in die Mutter hinein ein. Zusammen mit diesen schädigenden Exkrementen, die im Haß ausgestoßen werden, werden abgespaltene Teile des Ichs auf die Mutter oder, wie ich besser sagten sollte, in die Mutter hineinprojiziert. Diese Exkremente und bösen Teile des Selbst sollen nicht nur das Objekt verletzten, sondern es auch kontrollieren und in Besitz nehmen. Insoweit die Mutter die bösen Teile des Selbst zu enthalten scheint, wird sie nicht als ein separates Individuum, sondern als das böse Selbst empfunden.
Ein großer Teil des Hasses gegen das Selbst wird nun auf die Mutter gelenkt. Das führt zu einer besonderen Art von Identifizierung, die das Urbild einer aggressiven Objektbeziehung darstellt. Ich schlage für diesen Prozess den Ausdruck ‚projektive Identifikation‘ vor. Wenn Projektion hauptsächlich dem Wunsche des Kindes entspringt, die Mutter zu verletzen und zu kontrollieren, dann wird sie als eine Verfolgerin empfunden. Diese Identifizierung eines Objekts mit dem gehaßten Teil des Selbst trägt in psychotischen Erkrankungen zu der Intensität des Hasses auf andere Menschen bei. Was das Ich betrifft, so wird es durch die übertriebene Spaltung und Ausstoßung von Ichteilen in die äußere Welt außerordentlich geschwächt. Denn das aggressive Element in den Gefühlen und in der Persönlichkeit ist auf das engste im Erleben mit Kraft Potenz, Stärke, Wissen und vielen anderen wünschenswerten Qualitäten verbunden.“
(M. Klein: Bemerkungen über einige schizoide Mechanismen. Übers. v. Hans A. Thorner. In: M.K.: Das Seelenleben des Kleinkindes und andere Beiträge zur Psychoanalyse. Klett-Cottaa, Stuttgart 2. Aufl. 1983, S. 131–163, hier: S. 140 f.)
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In den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905) schreibt Freud:
„Die Symptome bilden sich also zum Teil auf Kosten abnormer Sexualität; die Neurose ist sozusagen das Negativ der Perversion.“ (GW 5, S. 65)
Und in Freuds Meine Ansicht über die Rolle der Sexualität in der Ätiologie der Neurosen (1906) heißt es:
„Da fast alle perversen Triebe der infantilen Anlage als symptombildende Kräfte bei der Neurose nachweisbar sind, sich aber bei ihr im Zustande der Verdrängung befinden, konnte ich die Neurose als das ‚Negativ‘ der Perversion bezeichnen.“ (GW 5, S. 157)
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Worin besteht die Doppeldeutigkeit von demande phallique? Vermutlich in der Doppeltheit von subjektivem und objektivem Bezug: Anspruch/Forderung des Phallus an das Subjekt – Anspruch/Forderung des Subjekts nach einem Phallus.
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1967 werden zwei Artikel von Piera Aulagnier über Perversion erscheinen, beide unter dem Namen Piera Aulagnier-Spairani:
– La perversion comme structure. In: L’Inconscient. Revue de psychanalyse, Nr. 2, S. 11–41;
– Remarques sur la féminité et ses avatars. In: P. Aulagnier-Spairani u.a.: Le désir et la perversion. Seuil, Paris, S. 53–89. -
Rattenmann: Vgl. S. Freud: Bemerkungen über einen Fall von Zwangsneurose, GW 7, S. 425 f.; im Identifizierungs-Seminar hatte Lacan diese Szene zwei Mal kommentiert: am 21. März 1962, S. {16 f.}, und am 4. April 1962, S. {21}.
