Jacques Lacan
Seminar IX, Die Identifizierung
(XV) Sitzung vom 28. März 1962
Übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Max Kleiner und Rolf Nemitz
Zuletzt aktualisiert am 2. Mai 2026
Das Wrack von Shackletons »Endurance«,
1915 gesunken, 2026 gefunden von einem Tauchroboter, Bild von hier
Allgemeines zur Übersetzung
Das Seminar hat 26 Sitzungen. Etwa alle zwei Monate erscheint auf „Lacan entziffern“ die Übersetzung einer weiteren Sitzung. Die bereits veröffentlichten Übersetzungen von Sitzungen dieses Seminars findet man hier.
Die Übersetzung wird zweimal gebracht, zunächst nur deutsch, dann gegenüberstellend: Satz für Satz französisch/deutsch.
Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben, Belege und inhaltliche Erläuterungen.
Die Übersetzung stützt sich auf folgende Vorlagen:
– Stenotypie des Seminars auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse, hier
– Jacques Lacan: L’identification, dit ‚Séminaire IX„. Prononcé à Ste. Anne en 1961–1962. Herausgegeben und erstellt von Michel Roussan. Mit Anmerkungen, kritischem Apparat und Index. Paris 1992. Nicht im Buchhandel, beziehbar durch den Herausgeber, m.roussan2@free.fr
Ausgaben des Identifizierungs-Seminars im Internet:
– französisch: hier (Stenotypie), hier (Staferla), hier (ALI) S. 1547–1966, hier (Chollet), hier (rue CB),
– englische Übersetzungen: hier (Cormac Gallagher), hier (Ben Hooson),
– von Gallagher gelesene Audioaufnahme seiner Übersetzung hier.
Eine von Jacques-Alain Miller herausgegebene offizielle Edition des Seminars gibt es nicht.
Vielen Dank an Peter Müller (Psychoanalytiker in Karlsruhe) für die Überlassung seiner Übersetzung dieses Seminars!
Zur Notation
– Zahlen in geschweiften Klammern und grauer Schrift, z.B. {10}, verweisen auf die Seiten der Transkription, die Roussan als „Daktylographie 1“ bezeichnet; diese Seitenzahlen sind am Rand seiner Ausgabe angegeben und beginnen dort mit einer linken eckigen Klammer, also etwa mit „[10“. Daktylographie 1 ist die Transkription, die man auf der Seite der ELP findet (mit Ausnahme der 20. Sitzung), hier.
– Ein doppelter Bindestrich, also: --, markiert, dass an dieser Stelle ein Satz grammatisch unvollständig abbricht.
– Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.
– Der Schrägstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.
– Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.
– Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.
– Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text. .
Sitzung vom 28. März 1962
Deutsch
Abb. 1: Torus mit D, (D+d), φ, a
# {1} Dieses Schema ist nicht Gegenstand meines heutigen Vortrags, es dient lediglich dazu, dessen Ziel für Sie greifbar zu machen, nur als ein Bezugspunkt, der Ihnen zeigt, wozu uns die Topologie dieser Fläche dient, dieser Torus genannten Fläche, insofern ihre konstitutive Krümmung – die diese Kehren und Wiederkehren notwendig macht – uns am besten eine Vorstellung von dem Gesetz vermitteln kann, dem das Subjekt im Prozess der Identifizierung unterworfen ist.
Endgültig wird uns das natürlich erst dann klar werden, wenn wir alles, was der Torus darstellt, tatsächlich durchlaufen haben und <gesehen haben>, wie sehr er der dem Subjekt eigenen Dialektik angemessen ist, insofern dies eine Dialektik der Identifizierung ist.
Als Bezugspunkt also – und damit Sie jederzeit, wenn ich diesen oder jenen Punkt hervorhebe, wenn ich einen bestimmten Aspekt betone, den Grad an Orientierung mitbekommen, wenn ich so sagen darf, im Hinblick auf ein bestimmtes zu erreichendes Ziel, den Grad an Relevanz dessen, was ich in diesem Moment vorbringe –, als Bezugspunkt also möchte ich Ihnen sagen, dass sich im Grenzfall das, was auf den Torus eingetragen werden kann, soweit dies für uns von Nutzen sein kann, annähernd so symbolisieren lässt, dass diese Form, diese eingezeichneten Kreise und die zu den einzelnen Kreisen |{2} gehörenden Buchstaben es uns sogleich anzeigen werden.
Der Torus scheint offenbar einen besonderen Wert zu haben. Sie sollten nicht glauben, dies sei die einzige nicht-sphärische Form einer Fläche, die für uns von Interesse sein könnte. Das ist bei der Geometrie, um die es sich handelt, noch deutlicher, denn die Geometrie, um die es in der algebraischen Topologie geht, stellt sich selbst als die Geometrie von Figuren dar, die aus Gummi sind. Es kann vorkommen, dass die Autoren dieses Gummi ins Spiel bringen, dieses rubber, wie man auf Englisch sagt, um dem Hörer eine Vorstellung von dem zu vermitteln, worum es geht. Es geht um Figuren, die verformt werden können und die durch alle Verformungen hindurch in einem konstanten Verhältnis bleiben. Der Torus muss sich hier nicht unbedingt in seiner ausgefüllten Form präsentieren. |{3} Sie sollten nicht glauben, dass – unter den Flächen, die man definiert, die man definieren muss, denjenigen, die uns im Wesentlichen interessieren: die geschlossenen Flächen, insofern das Subjekt sich jedenfalls selbst als etwas Geschlossenes darstellt, die geschlossenen Flächen, wie einfallsreich auch immer Sie sein mögen (Sie sehen, dass das gesamte Feld für die exorbitantesten Erfindungen offen ist) –, Sie sollten übrigens nicht glauben, dass sich die Vorstellungskraft dem Anfertigen dieser weichen komplexen Formen bereitwillig hingibt, Formen, die sich einrollen, die sich mit sich selbst verknoten. Sie müssen nur versuchen, sich mit der Knotentheorie vertraut zu machen, und Sie werden sehen, wie schwierig es bereits ist, sich die einfachsten Kombinationen vorzustellen.
Und selbst damit werden Sie nicht weit kommen, denn es lässt sich beweisen, dass Sie jede geschlossene Fläche, so komplex sie auch sein mag, durch geeignete Verfahren auf etwas reduzieren können, das nicht weiter gehen kann als eine Sphäre, ausgestattet mit einigen Anhängseln, darunter solchen, die im Falle des Torus als ein angefügter Henkel dargestellt werden, als ein zu einer Sphäre hinzugefügter Henkel, wie ich es Ihnen kürzlich an die Tafel gezeichnet habe, ein Henkel, der ausreicht, um die Sphäre und den Henkel, unter dem Gesichtspunkt des topologischen Werts, in einen Torus zu verwandeln. Alles lässt sich also darauf reduzieren, dass zur Form einer Sphäre eine gewisse Anzahl von Henkeln hinzugefügt wird |{4} sowie eine Reihe von weiteren möglichen Formen.

Abb. 2: Geschlossene Kreuzhaube1
Ich hoffe, dass ich Sie in der Sitzung vor den Ferien an diese Form heranführen kann, die recht amüsant ist – aber wenn ich daran denke, dass die meisten von Ihnen hier ihre Existenz nicht einmal erahnen! Es ist das, was man auf Englisch eine cross-cap nennt oder was man mit dem französischen Wort mitre bezeichnen kann, Mitra.
Abb. 3: Torus mit Schnitt AB
Also, stellen Sie sich einen Torus vor, der die Eigenschaft haben soll, irgendwo bei seiner Drehung seine Fläche umzukehren, ich meine, dass an einer Stelle, die hier liegt, zwischen zwei Punkten A und B, dass die äußere Fläche --, dass die vordere Fläche die hintere Fläche durchquert, die Flächen überkreuzen sich. Ich kann Sie hier nur darauf hinweisen. Das hat recht merkwürdige Eigenschaften und kann für uns sogar ziemlich exemplarisch sein, da es jedenfalls eine Fläche ist, die die Eigenschaft hat, dass die Außenfläche, wenn Sie so wollen, in Kontinuität mit der Innenseite steht, indem sie in das Innere des Objekts übergeht und somit in einer einzigen Runde zur anderen Seite der Fläche, von der sie ausgegangen ist, zurückkehren kann.
Abb. 4: Möbiusband
Das ist etwas, das sich ganz leicht herstellen lässt, am einfachsten in der Weise, wenn Sie es mit einem Papierstreifen machen, dass sie so vorgehen, dass sie ihn nehmen und ihn so verdrehen, dass sein Rand mit dem gegenüberliegenden Rand verklebt und dabei umgedreht wird. Sie werden sehen, dass dies eine Fläche ist, die tatsächlich nur eine |{5} Seite hat, in dem Sinne, dass etwas, das auf ihr entlangläuft, in einer bestimmten Richtung niemals auf eine Grenze stößt und von einer Seite zur anderen übergeht (passe), ohne dass Sie in irgendeinem Moment erfassen könnten, wo der Trick (le tour de passe-passe) stattgefunden hat.
Es gibt hier also die Möglichkeit – auf der Fläche einer beliebigen Sphäre, wenn sie verwendet wird, um eine Fläche zu realisieren und zu vereinfachen, wie komplex sie auch sein mag –, die Möglichkeit dieser Form hier. Fügen wir noch die Möglichkeit von Löchern hinzu. Sie können nicht darüber hinausgehen, das heißt, wie komplex die Fläche, die Sie sich vorstellen, auch sein mag, ich meine beispielsweise, wie komplex die Fläche die Sie herzustellen haben, auch sein mag, Sie werden niemals etwas finden können, das komplexer ist als dies. Deshalb hat der Bezug auf den Torus gewissermaßen etwas Natürliches, als der einfachsten, intuitiv am besten zugänglichen Form.
Das kann uns etwas lehren. Hierzu habe ich Ihnen gesagt, welche Bedeutung wir per Konvention, per Kunstgriff, zwei Arten von kreisförmigen Schleifen geben konnten, insofern sie hier eine Sonderstellung haben.
Abb. 5: Torus mit Erzeugerkreis
Die Schleife, die das umrundet, was man, wenn es ein Rotationstorus ist, den Erzeugerkreis des Torus nennen kann, sie ist dazu prädestiniert – da sie in der Lage ist, sich unbegrenzt zu wiederholen, gewissermaßen dieselbe und immer verschieden –, uns das |{6} Insistieren des Signifikanten zu repräsentieren, insbesondere das Insistieren des repetitiven Anspruchs des Neurotikers.

Abb. 6: Torus mit Erzeugerkreis und Kreis d
Andererseits das, was in dieser Folge von Runden impliziert ist, nämlich eine Zirkularität [d], die zwar durchlaufen, vom Subjekt jedoch nicht wahrgenommen wird, und die uns eine passive, offensichtliche und für das intuitive Empfinden in gewisser Weise maximale Symbolisierung dessen anbietet, was im Terminus des unbewussten Begehrens bereits enthalten ist, insofern das Subjekt dessen Wegen und Pfaden folgt, ohne es zu wissen. Durch all diese Ansprüche hindurch ist es, dieses unbewusste Begehren, in gewisser Weise für sich allein die Metonymie all dieser Ansprüche.
Und Sie sehen hier die lebendige Verkörperung der Bezüge, an die ich Sie während des ganzen Verlaufs meiner Darlegungen herangeführt und gewöhnt habe, insbesondere die der Metapher und der Metonymie. Hier findet die Metonymie gewissermaßen ihre sinnfälligste Anwendung, als etwas, das sich durch das Begehren manifestiert, insofern wir das Begehren als das artikulieren, was in der Folge sämtlicher Ansprüche unterstellt wird, insofern sie repetitiv sind.

Abb. 7: Torus mit den Kreisen D und d
Wir haben hier etwas, bei dem Sie sehen, dass der hier beschriebene Kreis es verdient, dass wir ihm das Symbol groß D zuweisen, als Symbol für den Anspruch (demande). Dieses Etwas, das sich auf den inneren Kreis bezieht [d], muss wohl mit dem zu tun haben, was ich das metonymische Begehren nennen möchte.

Abb. 8: Torus mit den Kreisen D und (D+d)
Nun, |{7} unter diesen Kreisen – die Probe können wir machen – gibt es einen besonderen Kreis [D+d], der leicht zu beschreiben ist, das ist derjenige Kreis, der, ausgehend von der Außenseite des Torus, einen Weg findet, sich, nicht einfach zu schließen, indem er den Torus wie einen Henkel umschließt [D], auch nicht einfach , indem er durch das zentrale Loch verläuft [d], sondern indem er das zentrale Loch einhüllt, ohne jedoch jedoch durch das zentrale Loch zu verlaufen. Dieser Kreis hier hat die Besonderheit, beides auf einmal zu tun: er geht hindurch und er hüllt es ein. Er besteht also aus der Addition dieser beiden Kreise, das heißt, er repräsentiert D+d. Die Addition des Anspruchs [D] und des Begehrens [d] erlaubt uns in gewisser Weise, den Anspruch zusammen mit dem zu symbolisieren, was ihm zugrunde liegt, dem Begehren.
Was interessiert uns daran? Daran interessiert uns Folgendes: Wenn wir zu einer elementaren Dialektik kommen, und zwar der des Gegensatzes zwischen zwei Ansprüchen, und wenn ich im Inneren des einen Torus durch einen anderen, analogen Kreis den Anspruch des Anderen symbolisiere, mitsamt dem, was er für uns an entweder-oder mit sich führt – entweder das, was ich beanspruche, oder das, was du beanspruchst –, dann gibt es eine Nicht-Koinzidenz der Ansprüche. Im Alltag sehen wir das ständig. Dies, um daran zu erinnern, dass wir – unter den speziellen Bedingungen, auf der Ebene, auf der wir sie in der Analyse suchen und befragen – Folgendes berücksichtigen müssen, |{8} nämlich die Mehrdeutigkeit, die mit der Verwendung des Ausdrucks oder stets verbunden ist, des Ausdrucks der Disjunktion, der in der Logik folgendermaßen symbolisiert wird: A v B.
Von diesem oder gibt es zwei Verwendungen.Nicht ohne Grund legt die Logik großes Gewicht darauf und bemüht sich, wenn ich so sagen darf, ihm stets die Werte der Mehrdeutigkeit zu bewahren, nämlich um die Verbindung eines inklusiven oder mit einem exklusiven oder aufzuzeigen.

Abb. 9: Links: inklusives Oder, rechts: exklusives Oder
Wobei das oder, das sich beispielsweise auf diese beiden Kreise bezieht, zweierlei bedeuten kann. Die Wahl zwischen einem dieser beiden Kreise. Aber bedeutet das, bezogen auf die Position des oder, dass es einfach eine Ausschließung gibt? Nein. Sie sehen, dass der Kreis, in den ich dieses oder einfügen werde, das enthält, was man den Durchschnitt nennt, in der Logik durch ein ∩ symbolisiert.
Die Beziehung des Begehrens zu einem bestimmten Durchschnitt, der bestimmten Gesetzen unterliegt, wird nicht einfach so genannt, um das in den Raum zu werfen, als matter of fact, was man den Vertrag nennen kann, die Übereinstimmung der Ansprüche.
Abb. 10: Kreise 1 und 1 mit Überschneidungsbereich 2
Abb. 11: Kreise 1 und 1 mit Überschneidungsbereich 2 auf einem Torus
Dies wird – angesichts der tiefgehenden Heterogeneität, die es zwischen diesem Feld [1] und jenem Feld [2] gibt – hinreichend durch Folgendes symbolisiert: hier haben wir mit der Schließung der Fläche [1] zu tun und dort streng genommen mit ihrer inneren Leere [2].
Damit wird uns ein Modell angeboten, das uns zeigt, dass es um etwas anderes |{9} geht als darum, den Teil zu erfassen, der den Ansprüchen gemeinsam ist. Anders gesagt, für uns wird es darum gehen, herauszufinden, inwieweit diese Form es uns ermöglicht, die Konstituenten des Begehrens als solche zu symbolisieren, insofern das Begehren für das Subjekt das ist, was es auf dem Wege des Anspruchs zu konstituieren hat.
Abb. 12: Torus mit D, (D+d), a
Zuallererst weise ich Sie darauf hin, dass es zwei Punkte gibt, zwei Dimensionen, die wir in diesem Kreis hervorheben können, in diesem Kreis, der in der Topologie des Torus besonders bedeutsam ist. Das ist einerseits die Strecke, die den Mittelpunkt der zentralen Leere mit dem Punkt verbindet, der als eine Art Tangente definiert werden kann, wodurch eine Ebene, die den Torus schneidet, es uns erlauben wird, diesen besonderen Kreis [D+d] auf einfachste Weise herauszulösen. Damit wird uns die Definition, das Maß des klein a als Objekt des Begehrens geliefert..

Abb. 13: Torus mit D, (D+d), φ, a
Andererseits, während es selbst [das klein a] nur durch Bezug auf den Durchmesser dieses außergewöhnlichen Kreises lokalisierbar und definierbar ist, ist es hingegen der Radius, die Hälfte wenn Sie so wollen, dieses Durchmessers, worin wir das sehen werden, was die Triebfeder, das letzte Maß für die Beziehung des Subjekts zum Begehren ist, nämlich das klein phi [φ] als Symbol für den Phallus. Das ist das, worauf wir abzielen und was seinen Sinn, seine Anwendbarkeit und seine Reichweite durch den Weg erhalten wird, den wir zuvor durchlaufen haben werden, damit es uns gelingt, genau dieses Bild für Sie handhabbar und spürbar zu machen |{10} und es bis zu einem gewissen Punkt mit einer wirklichen strukturalen Intensität zu versehen.
Wobei klar ist, dass das Subjekt – in dem, womit wir es <in der Analyse> zu tun haben, mit unserem Partner, der dabei an uns appelliert, den wir vor uns haben in Gestalt dieses Appells und das, was vor uns spricht –, dass nur das, was wir als das Subjekt definieren und skandieren können, dass nur das sich identifiziert.
Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn das Denken gerät ja leicht ins Schleudern. Warum, wenn man es nicht so genau nimmt, sollte man nicht sagen, dass der Trieb sich identifiziert und dass ein Bild sich identifiziert? Sich identifizieren kann zu Recht nur gesagt werden, der Ausdruck Identifizierung wird in das Denken von Freud erst von dem Moment an eingeführt, in dem man diese Identifizierung in gewissem Maße, auch wenn das bei Freud nicht artikuliert ist, als die Dimension des Subjekts auffassen kann – was nicht heißt, dass dies uns nicht viel weiter führt als das Subjekt.
Auch hier besteht der Beweis darin (ich erinnere Sie daran, wobei man nicht wissen kann, ob ich es in den Voraussetzungen, den Prämissen oder in der Zukunft meines Diskurses aufzeige), dass die erste Form der Identifizierung – und diejenige, auf die man sich mit welcher Leichtigkeit, mit welchem Papageiengeschwätz bezieht! –, dass dies diejenige Identifizierung ist, welche, wie man sagt, einverleibt oder auch – womit man zur Ungenauigkeit der ersten Formulierung eine Konfusion hinzufügt – Beschränken wir uns |{11} auf das einverleibt, was noch die bessere ist.
Wie mit dieser ersten Form der Identifizierung auch nur beginnen, wo Ihnen mit einer solchen Formulierung doch nicht der geringste Hinweis, nicht der geringste Anhaltspunkt gegeben wird – außer einem vage metaphorischen –, was damit wohl gemeint sein könnte.
Entweder haben die Wörter keine Bedeutung oder sie haben eine, und wenn man von Einverleibung spricht, dann doch wohl deshalb, weil sich etwas auf der Ebene des Körpers herstellen muss. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr die Dinge weit genug vorantreiben kann – ich hoffe es jedenfalls, wir haben Zeit vor uns, um so weit zu kommen, wenn wir von unserem Ausgangspunkt aus weitergehen –, weit genug vorantreiben kann, um der Einverleibung der ersten Identifizierung ihre volle Bedeutung und ihre wahre Bedeutung zu geben. Sie werden sehen, es gibt kein anderes Mittel, sie ins Spiel zu bringen als durch eine Thematik, die bereits ausgearbeitet worden ist, und dies seit den ältesten mythischen, ja religiösen Traditionen, unter dem Begriff des mystischen Leibes.
Unmöglich, die Dinge nicht in der Spannweite anzugehen, die von der anfänglichen semitischen Konzeption ausgeht: vom ursprünglichen Vater bis hin zu all jenen, die von ihm abstammen, gibt es eine Identität des Körpers. Am anderen Ende jedoch gibt es, wie Sie wissen, den Begriff, den ich gerade genannt habe, den des mystischen Leibes, insofern sich durch einen Leib eine Kirche bildet. Und nicht ohne Grund bezieht sich Freud – um für uns die Identität des Ichs (moi) in seinen Beziehungen zu dem zu definieren, was er |{12} hierbei Massenpsychologie* nennt –, auf die Körperlichkeit der Kirche.
Aber wie kann ich Sie dazu bringen, von hier auszugehen, ohne dass ich allen möglichen Verwirrungen Vorschub leiste und Sie dazu bringe zu glauben, dass dies, wie der Ausdruck mystisch hinreichend anzeigt, auf ganz anderen Wegen erfolgt als auf jenen, auf die unsere Erfahrung uns hinführen möchte. Nur rückwirkend, indem wir gewissermaßen auf die notwendigen Bedingungen unserer Erfahrung zurückkommen, werden wir uns einen Zugang zu dem schaffen können, was uns jeder Versuch, die Realität der Identifizierung in ihrer ganzen Fülle anzugehen, an Voraussetzungen nahelegt.
Der Zugang, den ich mit der zweiten Form der Identifizierung gewählt habe, ist also nicht zufällig, sondern erfolgt deshalb, weil diese Identifizierung, vermittels des Zugangs über den reinen Signifikanten, dadurch greifbar ist, dass wir auf klare und rationale Weise einen Weg erfassen können, um in das hereinzukommen, was sie bedeutet, die Identifizierung des Subjekts, insofern das Subjekt den unären Zug in die Welt setzt, oder vielmehr: insofern der unäre Zug, einmal herausgelöst, das Subjekt als dasjenige erscheinen lässt, was zählt, in beiden Bedeutungen des Ausdrucks. Die Bandbreite der Mehrdeutigkeit, die Sie dieser Formulierung geben können: das, was zählt – sicherlich aktiv, aber auch das, was ganz einfach in der Realität zählt, dasjenige, das wirklich zählt, das natürlich Zeit brauchen wird, um sich in seinem Zählen wiederzufinden, exakt |{13} die Zeit, die wir brauchen werden, um all das zu durchlaufen, was ich Ihnen hier soeben skizziert habe –, diese Bandbreite wird für Sie ihre volle Bedeutung bekommen.
Shackleton und seine Gefährten in der Antarktis – mehrere hundert Kilometer von der Küste entfernt, Forscher, die der größten Frustration ausgesetzt sind, die sich nicht nur auf die Ausfälle [an Nährstoffen] bezieht, die inzwischen mehr oder weniger geklärt sind, denn das ist ein bereits etwa fünfzig Jahre alter Text, auf die mehr oder weniger geklärten Ausfälle durch eine spezielle Ernährung, die zu diesem Zeitpunkt noch in der Erprobungsphase ist, sondern auch, wie man sagen kann, desorientiert in einer Landschaft, die, wenn ich so sagen darf, noch jungfräulich ist, von der menschlichen Vorstellungskraft noch nicht besiedelt, es wird genügen, dass das menschliche Netzwerk seine Wege hindurchgezogen hat, damit sie nicht mehr leer ist, zu Beginn jedoch ist sie es –, Shackleton also berichtet uns in Notizen, die zu lesen wirklich einzigartig ist, dass sie immer einen mehr zählten als sie waren, dass sie sich [in ihrem Zählen] nicht wiederfanden. Man fragte sich immer wieder, wo der Fehlende geblieben war, der Fehlende, der nicht fehlte, außer von daher, dass jede Bemühung des Abzählens ihnen immer wieder suggerierte, dass es einen mehr gab, also einen weniger. Sie stoßen hier im Reinzustand auf das Erscheinen des Subjekts, das nichts anderes ist als dies, als die Möglichkeit eines zusätzlichen Signifikanten, eines weiteren einen, wodurch es selbst feststellt, dass es einen gibt, der fehlt.
Wenn ich Ihnen das in Erinnerung rufe, dann einfach um zu zeigen – in einer Dialektik, welche die äußersten Termini enthält –, wo wir unseren Weg verorten, und wo Sie |{14} werden glauben können und sich bisweilen sogar fragen, ob wir nicht bestimmte Bezugspunkte vergessen.
Sie können sich beispielsweise sogar fragen, welchen Zusammenhang es zwischen dem Weg gibt, den ich Sie habe durchlaufen lassen, und den beiden Termini, mit denen wir zu tun hatten, mit denen wir es beständig zu tun haben, jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, dem des Anderen und dem des Dings. Sicherlich, das Subjekt selbst ist letztlich für das Ding bestimmt, aber sein Gesetz, genauer sein Fatum, besteht darin, dass es diesen Weg nur beschreiben kann im Durchgang durch den Anderen, insofern der Andere vom Signifikanten markiert ist. Und im Diesseits dieses notwendigen Durchgangs durch den Signifikanten konstituieren sich als solche das Begehren und sein Objekt.
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Französisch/deutsch
Abb. 1: Torus mit D, (D+d), φ, a
{1} Ce schéma n’est pas l’objet de mon discours d’aujourd’hui, il ne sert qu’à vous en faire saisir la visée, que de repère qui vous indique à quoi nous sert la topologie de cette surface, de cette surface appelée tore, pour autant que son inflexion constituante, ce qui nécessite ces tours et ces retours, est ce qui peut nous suggérer le mieux la loi à laquelle le sujet est soumis dans le processus de l’identification.
Dieses Schema ist nicht Gegenstand meines heutigen Vortrags, es dient lediglich dazu, dessen Ziel für Sie greifbar zu machen, nur als ein Bezugspunkt, der Ihnen zeigt, wozu uns die Topologie dieser Fläche dient, dieser Torus genannten Fläche, insofern ihre konstitutive Krümmung – die diese Kehren und Wiederkehren notwendig macht – uns am besten eine Vorstellung von dem Gesetz vermitteln kann, dem das Subjekt im Prozess der Identifizierung unterworfen ist.
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Ceci bien sûr ne pourra finalement nous apparaître que quand nous aurons effectivement fait le tour de tout ce qu’il représente, et jusqu’à quel point il convient à la dialectique propre au sujet en tant qu’elle est dialectique de l’identification.
Endgültig wird uns das natürlich erst dann klar werden, wenn wir alles, was der Torus darstellt, tatsächlich durchlaufen haben und <gesehen haben>, wie sehr er der dem Subjekt eigenen Dialektik angemessen ist, insofern dies eine Dialektik der Identifizierung ist.
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À titre donc de repère – et pour que quand je mettrai en valeur tel ou tel point, que j’accentuerai tel relief, vous enregistriez, si je puis dire, à chaque instant le degré d’orientation, le degré de pertinence, par rapport à un certain but à atteindre, de ce qu’à cet instant j’avancerai – je vous dirai qu’à la limite ce qui peut s’inscrire sur ce tore, pour autant que cela peut nous servir, va à peu près se symboliser ainsi, que cette forme, ces cercles dessinés, ces lettres attenantes |{2} à chacun de ces cercles, vont nous le désigner à l’instant.
Als Bezugspunkt also – und damit Sie jederzeit, wenn ich diesen oder jenen Punkt hervorhebe, wenn ich einen bestimmten Aspekt betone, den Grad an Orientierung mitbekommen, wenn ich so sagen darf, im Hinblick auf ein bestimmtes zu erreichendes Ziel, den Grad an Relevanz dessen, was ich in diesem Moment vorbringe –, als Bezugspunkt also möchte ich Ihnen sagen, dass sich im Grenzfall das, was auf den Torus eingetragen werden kann, soweit dies für uns von Nutzen sein kann, annähernd so symbolisieren lässt, dass diese Form, diese eingezeichneten Kreise und die zu den einzelnen Kreisen gehörenden Buchstaben es uns sogleich anzeigen werden.
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Le tore, sans doute, paraît avoir une valeur privilégiée.
Der Torus scheint offenbar einen besonderen Wert zu haben.
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Ne croyez pas que ce soit la seule forme de surface non sphérique qui soit capable de nous intéresser.
Sie sollten nicht glauben, dies sei die einzige nicht-sphärische Form einer Fläche, die für uns von Interesse sein könnte.
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Je ne saurais trop encourager ceux qui ont pour cela quelque penchant, quelque facilité, à se rapporter à ce qu’on appelle topologie algébrique, et aux formes qu’elle vous propose dans ce quelque chose qui, si vous le voulez, par rapport à la géométrie classique, celle que vous gardez inscrite au fond de vos culottes du fait de votre passage dans l’enseignement secondaire, se présente exactement dans l’analogie de ce que j’essaie de vous faire sur le plan symbolique : ce que j’ai appelé une logique élastique, une logique souple.
Denjenigen, die eine gewisse Neigung oder einen leichten Zugang dazu haben, kann ich nur wärmstens empfehlen, sich mit dem zu befassen, was algebraische Topologie genannt wird, und mit den Formen, die sie Ihnen bietet, in diesem Etwas, das sich, wenn Sie wollen – verglichen mit der klassischen Geometrie (derjenigen, die immer noch, da Sie die Sekundarstufe durchlaufen haben, auf Ihrem Hosenboden geschrieben steht) –, das sich genau in Analogie zu dem darstellt, was ich für Sie auf der symbolischen Ebene zu machen versuche: das, was ich als elastische Logik, als biegsame Logik bezeichnet habe.2
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Cela, c’est encore plus manifeste pour la géométrie dont il s’agit, car la géométrie dont il s’agit dans la topologie algébrique se présente elle-même comme la géométrie des figures qui sont en caoutchouc.
Das ist bei der Geometrie, um die es sich handelt, noch deutlicher, denn die Geometrie, um die es in der algebraischen Topologie geht, stellt sich selbst als die Geometrie von Figuren dar, die aus Gummi sind.
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Il est possible que les auteurs fassent intervenir ce caoutchouc, ce rubber comme on dit en anglais, pour bien mettre dans l’esprit de l’auditeur ce dont il s’agit.
Es kann vorkommen, dass die Autoren dieses Gummi ins Spiel bringen, dieses rubber, wie man auf Englisch sagt, um dem Hörer eine Vorstellung von dem zu vermitteln, worum es geht.
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Il s’agit de figures déformables et qui à travers toutes les déformations restent en rapport constant.
Es geht um Figuren, die verformt werden können und die durch alle Verformungen hindurch in einem konstanten Verhältnis bleiben.
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Ce tore n’est pas forcé de se présenter ici dans sa forme bien remplie.
Der Torus muss sich hier nicht unbedingt in seiner ausgefüllten Form präsentieren.3
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{3} Ne croyez pas que – parmi les surfaces qu’on définit, qu’on doit définir, qui sont celles qui nous intéressent essentiellement: les surfaces closes, pour autant qu’en tout cas le sujet se présente lui-même comme quelque chose de clos, les surfaces closes, quelle que soit votre ingéniosité (vous voyez qu’il y a tout le champ ouvert aux inventions les plus exorbitantes) –, ne croyez pas d’ailleurs que l’imagination s’y prête de si bon gré, au forgeage de ces formes souples, complexes, qui s’enroulent, se nouent avec elles-mêmes.
Sie sollten nicht glauben, dass – unter den Flächen, die man definiert, die man definieren muss, denjenigen, die uns im Wesentlichen interessieren: die geschlossenen Flächen, insofern das Subjekt sich jedenfalls selbst als etwas Geschlossenes darstellt, die geschlossenen Flächen, wie einfallsreich auch immer Sie sein mögen (Sie sehen, dass das gesamte Feld für die exorbitantesten Erfindungen offen ist) –, Sie sollten übrigens nicht glauben, dass sich die Vorstellungskraft dem Anfertigen dieser weichen komplexen Formen bereitwillig hingibt, Formen, die sich einrollen, die sich mit sich selbst verknoten.4
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Vous n’avez qu’à essayer de vous assouplir à la théorie des nœuds pour vous apercevoir combien il est difficile déjà de se représenter les combinaisons les plus simples.
Sie müssen nur versuchen, sich mit der Knotentheorie vertraut zu machen, und Sie werden sehen, wie schwierig es bereits ist, sich die einfachsten Kombinationen vorzustellen.5
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Encore ceci ne vous mènera-t-il pas loin, car on démontre que toute surface close, si compliquée soit-elle, vous arriverez toujours à la réduire par des procédés appropriés à quelque chose qui ne peut pas aller plus loin qu’une sphère pourvue de quelques appendices, parmi lesquels justement ceux qui, du tore, s’y représentent comme poignée annexée, une poignée ajoutée à une sphère, telle que je vous l’ai dessinée récemment au tableau, une poignée suffisant à transformer la sphère et la poignée en un tore, du point de vue de la valeur topologique.
Und selbst damit werden Sie nicht weit kommen, denn es lässt sich beweisen, dass Sie jede geschlossene Fläche, so komplex sie auch sein mag, durch geeignete Verfahren auf etwas reduzieren können, das nicht weiter gehen kann als eine Sphäre, ausgestattet mit einigen Anhängseln, darunter solchen, die im Falle des Torus als ein angefügter Henkel dargestellt werden, als ein zu einer Sphäre hinzugefügter Henkel, wie ich es Ihnen kürzlich an die Tafel gezeichnet habe, ein Henkel, der ausreicht, um die Sphäre und den Henkel, unter dem Gesichtspunkt des topologischen Werts, in einen Torus zu verwandeln.6
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Donc tout peut se réduire à l’adjonction, à la forme d’une sphère, avec un certain nombre de poignées, |{4} plus un certain nombre d’autres formes éventuelles.
Alles lässt sich also darauf reduzieren, dass zur Form einer Sphäre eine gewisse Anzahl von Henkeln hinzugefügt wird sowie eine Reihe von weiteren möglichen Formen.
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Abb. 2: Geschlossene Kreuzhaube 7
J’espère que la séance avant les vacances je pourrai vous initier à cette forme qui est bien amusante – mais quand je pense que la plupart d’entre vous ici n’en soupçonnent même pas l’existence !
Ich hoffe, dass ich Sie in der Sitzung vor den Ferien an diese Form heranführen kann, die recht amüsant ist – aber wenn ich daran denke, dass die meisten von Ihnen hier ihre Existenz nicht einmal erahnen!
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C’est ce qu’on appelle en anglais un cross-cap, ou ce qu’on peut désigner par le mot français de mitre.
Es ist das, was man auf Englisch eine cross-cap nennt oder was man mit dem französischen Wort mitre bezeichnen kann, Mitra.
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Abb. 3: Torus mit Schnitt AB
Enfin, supposez un tore qui aurait pour propriété quelque part sur son tour d’inverser sa surface, je veux dire qu’à un endroit qui se place ici entre deux points A et B, la surface extérieure traverse… la surface qui est en avant traverse la surface qui est en arrière, les surfaces s’entrecroisent l’une l’autre.
Also, stellen Sie sich einen Torus vor, der die Eigenschaft haben soll, irgendwo bei seiner Drehung seine Fläche umzukehren, ich meine, dass an einer Stelle, die hier liegt, zwischen zwei Punkten A und B, dass die äußere Fläche --, dass die vordere Fläche die hintere Fläche durchquert, die Flächen überkreuzen sich.
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Je ne peux que vous l’indiquer ici.
Ich kann Sie hier nur darauf hinweisen.
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Cela a des propriétés bien curieuses, et cela peut être même pour nous assez exemplaire, pour autant qu’en tout cas c’est une surface qui a cette propriété que la surface externe, elle, si vous voulez, se trouve en continuité avec la face interne en passant à l’intérieur de l’objet, et donc peut revenir en un seul tour de l’autre côté de la surface d’où elle est partie.
Das hat recht merkwürdige Eigenschaften und kann für uns sogar ziemlich exemplarisch sein, da es jedenfalls eine Fläche ist, die die Eigenschaft hat, dass die Außenfläche, wenn Sie so wollen, in Kontinuität mit der Innenseite steht, indem sie in das Innere des Objekts übergeht und somit in einer einzigen Runde zur anderen Seite der Fläche, von der sie ausgegangen ist, zurückkehren kann.
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Abb. 4: Möbiusband
C’est là chose très facile à réaliser, de la façon la plus simple, quand vous faites avec une bande de papier ce qui consiste à la prendre, et à la tordre de façon à ce que son bord soit collé au bord extrême en étant renversé.
Das ist etwas, das sich ganz leicht herstellen lässt, am einfachsten in der Weise, wenn Sie es mit einem Papierstreifen machen, dass sie so vorgehen, dass sie ihn nehmen und ihn so verdrehen, dass sein Rand mit dem gegenüberliegenden Rand verklebt und dabei umgedreht wird.8
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Vous vous apercevez que c’est une surface qui n’a effectivement qu’une |{5} seule face, en ce sens que quelque chose qui s’y promène ne rencontre jamais, dans un certain sens, aucune limite, qui passe d’un côté à l’autre sans que vous puissiez saisir à aucun instant où le tour de passe-passe s’est réalisé.
Sie werden sehen, dass dies eine Fläche ist, die tatsächlich nur eine Seite hat, in dem Sinne, dass etwas, das auf ihr entlangläuft, in einer bestimmten Richtung niemals auf eine Grenze stößt und von einer Seite zur anderen übergeht (passe), ohne dass Sie in irgendeinem Moment erfassen könnten, wo der Trick (le tour de passe-passe) stattgefunden hat.
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Donc il y a là la possibilité, sur la surface d’une sphère quelconque comme venant à réaliser, à simplifier une surface, si compliquée soit-elle, la possibilité de cette forme là.
Es gibt hier also die Möglichkeit – auf der Fläche einer beliebigen Sphäre, wenn sie verwendet wird, um eine Fläche zu realisieren und zu vereinfachen, wie komplex sie auch sein mag –, die Möglichkeit dieser Form hier.
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Ajoutons-y la possibilité de trous.
Fügen wir noch die Möglichkeit von Löchern hinzu.
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Vous ne pouvez pas aller au-delà, c’est-à-dire que quelque compliquée que <soit> la surface que vous imaginiez, je veux dire par exemple quelque compliquée que soit la surface que vous ayez à faire, vous ne pourrez jamais trouver quelque chose de plus compliqué que ça.
Sie können nicht darüber hinausgehen, das heißt, wie komplex die Fläche, die Sie sich vorstellen, auch sein mag, ich meine beispielsweise, wie komplex die Fläche die Sie herzustellen haben, auch sein mag, Sie werden niemals etwas finden können, das komplexer ist als dies.
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De sorte qu’il y a un certain naturel à la référence au tore comme à la forme la plus simple, intuitivement la plus accessible.
Deshalb hat der Bezug auf den Torus gewissermaßen etwas Natürliches, als der einfachsten, intuitiv am besten zugänglichen Form.
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Ceci peut nous enseigner quelque chose.
Das kann uns etwas lehren.
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Là-dessus je vous ai dit la signification que nous pouvions donner par convention, artifice, à deux types de lacs circulaires, pour autant qu’ils y sont privilégiés.
Hierzu habe ich Ihnen gesagt, welche Bedeutung wir per Konvention, per Kunstgriff, zwei Arten von kreisförmigen Schleifen geben konnten, insofern sie hier eine Sonderstellung haben.
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Abb. 5: Torus mit Erzeugerkreis
Celui qui fait le tour de ce qu’on peut appeler le cercle générateur du tore, s’il est un tore de révolution, pour autant que susceptible de se répéter indéfiniment, en quelque sorte le même et toujours différent, il est bien fait pour représenter pour nous l’insistance signi|{6}fiante, et spécialement l’insistance de la demande répétitive du névrosé.
Die Schleife, die das umrundet, was man, wenn es ein Rotationstorus ist, den Erzeugerkreis des Torus nennen kann, sie ist dazu prädestiniert – da sie in der Lage ist, sich unbegrenzt zu wiederholen, gewissermaßen dieselbe und immer verschieden –, uns das Insistieren des Signifikanten zu repräsentieren, insbesondere das Insistieren des repetitiven Anspruchs des Neurotikers.9
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Abb. 6: Torus mit Erzeugerkreis und Kreis d
D’autre part, ce qui est impliqué dans cette succession de tours, à savoir une circularité accomplie [d] tout en étant inaperçue par le sujet, qui se trouve pour nous offrir une symbolisation passive, évidente et en quelque sorte maxima quant à la sensibilité intuitive de ce qui est impliqué dans les termes mêmes de désir inconscient, pour autant que le sujet en suit les voies et les chemins sans le savoir.10
Andererseits das, was in dieser Folge von Runden impliziert ist, nämlich eine Zirkularität [d], die zwar durchlaufen, vom Subjekt jedoch nicht wahrgenommen wird, und die uns eine passive, offensichtliche und für das intuitive Empfinden in gewisser Weise maximale Symbolisierung dessen anbietet, was im Terminus des unbewussten Begehrens bereits enthalten ist, insofern das Subjekt dessen Wegen und Pfaden folgt, ohne es zu wissen.
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À travers toutes ces demandes, il est en quelque sorte à lui seul, ce désir inconscient, la métonymie de toutes ces demandes.
Durch all diese Ansprüche hindurch ist es, dieses unbewusste Begehren, in gewisser Weise für sich allein die Metonymie all dieser Ansprüche.
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Et vous voyez là l’incarnation vivante de ces références auxquelles je vous ai assouplis, habitués tout au long de mon discours, nommément celles de la métaphore et de la métonymie.
Und Sie sehen hier die lebendige Verkörperung der Bezüge, an die ich Sie während des ganzen Verlaufs meiner Darlegungen herangeführt und gewöhnt habe, insbesondere die der Metapher und der Metonymie.11
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Ici, la métonymie trouve en quelque sorte son application la plus sensible comme étant manifestée par le désir en tant que le désir est ce que nous articulons comme supposé dans la succession de toutes les demandes en tant qu’elles sont répétitives.
Hier findet die Metonymie gewissermaßen ihre sinnfälligste Anwendung, als etwas, das sich durch das Begehren manifestiert, insofern wir das Begehren als das artikulieren, was in der Folge sämtlicher Ansprüche unterstellt wird, insofern sie repetitiv sind.
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Abb. 7: Torus mit den Kreisen D und d
Nous nous trouvons devant quelque chose où vous voyez que le cercle ici décrit mérite que nous l’affections du symbole grand D, en tant que symbole de la demande.
Wir haben hier etwas, bei dem Sie sehen, dass der hier beschriebene Kreis es verdient, dass wir ihm das Symbol groß D zuweisen, als Symbol für den Anspruch (demande).
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Ce quelque chose concernant le cercle intérieur doit bien avoir affaire avec ce que j’appellerai le désir métonymique.
Dieses Etwas, das sich auf den inneren Kreis bezieht [d], muss wohl mit dem zu tun haben, was ich das metonymische Begehren nennen möchte.
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Abb. 8: Torus mit den Kreisen D und (D+d)
Eh bien, |{7} il y a parmi ces cercles – l’essai que nous pouvons en faire – un cercle privilégié [D+d] qui est facile à décrire : c’est le cercle qui, partant de l’extérieur du tore, trouve le moyen de se boucler, non pas simplement en insérant le tore dans son épaisseur de poignée, non pas simplement de passer à travers le trou central, mais d ’envelopper le trou central sans pour autant passer par le trou central.
Nun, unter diesen Kreisen – die Probe können wir machen – gibt es einen besonderen Kreis [D+d], der leicht zu beschreiben ist, das ist derjenige Kreis, der, ausgehend von der Außenseite des Torus, einen Weg findet, sich, nicht einfach zu schließen, indem er den Torus wie einen Henkel umschließt [D], auch nicht einfach , indem er durch das zentrale Loch verläuft [d], sondern indem er das zentrale Loch einhüllt, ohne jedoch jedoch durch das zentrale Loch zu verlaufen.
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Ce cercle là a le privilège de faire les deux à la fois : il passe à travers et il l’enveloppe.
Dieser Kreis hier hat die Besonderheit, beides auf einmal zu tun: er geht hindurch und er hüllt es ein.
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Il est donc fait de l’addition de ces deux cercles, c’est-à-dire il représente (D+d).
Er besteht also aus der Addition dieser beiden Kreise, das heißt, er repräsentiert D+d.
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L’addition de la demande et du désir en quelque sorte nous permet de symboliser la demande avec sa sous-jacence de désir.
Die Addition des Anspruchs [D] und des Begehrens [d] erlaubt uns in gewisser Weise, den Anspruch zusammen mit dem zu symbolisieren, was ihm zugrunde liegt, dem Begehren.
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Quel est l’intérêt de ceci ?
Was interessiert uns daran?
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L’intérêt de ceci est que si nous aboutissons à une dialectique élémentaire, à savoir celle de l’opposition de deux demandes, si c’est à l’intérieur de ce même tore que je symbolise par un autre cercle analogue la demande de l’Autre, avec ce qu’il va comporter pour nous de ou… ou… – ou ce que je demande, ou ce que tu demandes – il y a non coïncidence des demandes.
Daran interessiert uns Folgendes: Wenn wir zu einer elementaren Dialektik kommen, und zwar der des Gegensatzes zwischen zwei Ansprüchen, und wenn ich im Inneren des einen Torus durch einen anderen, analogen Kreis den Anspruch des Anderen symbolisiere, mitsamt dem, was er für uns an entweder-oder mit sich führt – entweder das, was ich beanspruche, oder das, was du beanspruchst –, dann gibt es eine Nicht-Koinzidenz der Ansprüche.
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Nous voyons ça tous les jours dans la vie quotidienne.
Im Alltag sehen wir das ständig.
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Ceci pour rappeler que dans les conditions privilégiées, au niveau où nous allons la chercher, l’interroger dans l’analyse, il faut que nous nous souvenions de ceci, à |{8} savoir de l’ambiguïté qu’il y a toujours dans l’usage même du terme ou, ou bien, ce terme de la disjonction symbolisé en logique ainsi : A v B.
Dies, um daran zu erinnern, dass wir – unter den speziellen Bedingungen, auf der Ebene, auf der wir sie in der Analyse suchen und befragen – Folgendes berücksichtigen müssen, nämlich die Mehrdeutigkeit, die mit der Verwendung des Ausdrucks oder stets verbunden ist, des Ausdrucks der Disjunktion, der in der Logik folgendermaßen symbolisiert wird: A v B.
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Il y a deux usages de ce ou… ou…
Von diesem oder gibt es zwei Verwendungen.
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Ce n’est pas pour rien que la logique marquerait tous ses efforts et, si je puis dire, fait effort pour lui conserver toujours les valeurs de l’ambiguïté, à savoir pour montrer la connexion d’un ou… ou… inclusif, avec un ou… ou… exclusif.
Nicht ohne Grund legt die Logik großes Gewicht darauf und bemüht sich, wenn ich so sagen darf, ihm stets die Werte der Mehrdeutigkeit zu bewahren, nämlich um die Verbindung eines inklusiven oder mit einem exklusiven oder aufzuzeigen.
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Abb. 9: Links: inklusives Oder, rechts: exklusives Oder
Que le ou… ou… concernant par exemple ces deux cercles peut vouloir dire deux choses.
Wobei das oder, das sich beispielsweise auf diese beiden Kreise bezieht, zweierlei bedeuten kann.
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Le choix entre un des deux de ces cercles.
Die Wahl zwischen einem dieser beiden Kreise.
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Mais est-ce que cela veut dire que simplement, quant à la position du ou… ou…, il y ait exclusion ? Non.
Aber bedeutet das, bezogen auf die Position des oder, dass es einfach eine Ausschließung gibt? Nein.
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Ce que vous voyez, c’est que le cercle dans lequel je vais introduire ce ou… ou… comporte ce que l’on appelle l’intersection symbolisée en logique par ∩.
Sie sehen, dass der Kreis, in den ich dieses oder einfügen werde, das enthält, was man den Durchschnitt nennt, in der Logik durch ein ∩ symbolisiert.12
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Le rapport du désir avec une certaine intersection comportant certaines lois n’est pas simplement appelé pour mettre sur le terrain, matter of fact, ce qu’on peut appeler le contrat, l’accord des demandes.
Die Beziehung des Begehrens zu einem bestimmten Durchschnitt, der bestimmten Gesetzen unterliegt, wird nicht einfach so genannt, um das in den Raum zu werfen, als matter of fact, was man den Vertrag nennen kann, die Übereinstimmung der Ansprüche.
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Abb. 10: Kreise 1 und 1 mit Überschneidungsbereich 2
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Abb. 11: Kreise 1 und 1 mit Überschneidungsbereich 2 auf einem Torus
C’est, étant donné l’hétérogénéité profonde qu’il y a entre ce champ [1] et celui-ci [2], suffisamment symbolisé par ceci: ici nous avons affaire à la fermeture de la surface [1], et là à proprement parler à son vide interne [2].
Dies wird – angesichts der tiefgehenden Heterogeneität, die es zwischen diesem Feld [1] und jenem Feld [2] gibt – hinreichend durch Folgendes symbolisiert: hier haben wir mit der Schließung der Fläche [1] zu tun und dort streng genommen mit ihrer inneren Leere [2].
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C’est cela qui nous propose un modèle qui nous montre qu’il s’agit |{9} d’autre chose que de saisir la partie commune entre les demandes.
Damit wird uns ein Modell angeboten, das uns zeigt, dass es um etwas anderes geht als darum, den Teil zu erfassen, der den Ansprüchen gemeinsam ist.
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En d’autres termes, il s’agira pour nous de savoir dans quelle mesure cette forme peut nous permettre de symboliser comme tels les constituants du désir, pour autant que le désir, pour le sujet, est ce quelque chose qu’il a à constituer sur le chemin de la demande.
Anders gesagt, für uns wird es darum gehen, herauszufinden, inwieweit diese Form es uns ermöglicht, die Konstituenten des Begehrens als solche zu symbolisieren, insofern das Begehren für das Subjekt das ist, was es auf dem Wege des Anspruchs zu konstituieren hat.
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Abb. 12: Torus mit D, (D+d), a
D’ores et déjà je vous indique qu’il y a deux points, deux dimensions que nous pouvons privilégier dans ce cercle particulièrement significatif dans la topologie du tore.
Zuallererst weise ich Sie darauf hin, dass es zwei Punkte gibt, zwei Dimensionen, die wir in diesem Kreis hervorheben können, in diesem Kreis, der in der Topologie des Torus besonders bedeutsam ist.
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C’est, d’une part, la distance qui rejoint le centre du vide central avec ce point qui se trouve être, qui peut se définir comme une sorte de tangence grâce à quoi un plan recoupant le tore va nous permettre de dégager de la façon la plus simple ce cercle privilégié.
Das ist einerseits die Strecke, die den Mittelpunkt der zentralen Leere mit dem Punkt verbindet, der als eine Art Tangente definiert werden kann, wodurch eine Ebene, die den Torus schneidet, es uns erlauben wird, diesen besonderen Kreis [D+d] auf einfachste Weise herauszulösen.
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C’est cela qui nous donnera la définition, la mesure du petit a en tant qu’objet du désir.
Damit wird uns die Definition, das Maß des klein a als Objekt des Begehrens geliefert.
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Abb. 13: Torus mit D, (D+d), φ, a
D’autre part, ceci pour autant qu’il n’est lui-même repérable, définissable que par rapport au diamètre même de ce cercle exceptionnel, c’est dans le rayon, dans la moitié si vous voulez de ce diamètre, que nous verrons ce qui est le ressort, la mesure dernière du rapport du sujet au désir, à savoir le petit phi [φ] en tant que symbole du phallus.
Andererseits, während es selbst [das klein a] nur durch Bezug auf den Durchmesser dieses außergewöhnlichen Kreises lokalisierbar und definierbar ist, ist es hingegen der Radius, die Hälfte wenn Sie so wollen, dieses Durchmessers, worin wir das sehen werden, was die Triebfeder, das letzte Maß für die Beziehung des Subjekts zum Begehren ist, nämlich das klein phi [φ] als Symbol für den Phallus.
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Voilà ce vers quoi nous tendons, et ce qui prendra son sens, son applicabilité et sa portée du chemin que nous aurons parcouru avant, pour nous permettre de parvenir à rendre pour vous maniable, sensible |{10} et jusqu’à un certain point suggestif d’une véritable intensité structurale, cette image même.
Das ist das, worauf wir abzielen und was seinen Sinn, seine Anwendbarkeit und seine Reichweite durch den Weg erhalten wird, den wir zuvor durchlaufen haben werden, damit es uns gelingt, genau dieses Bild für Sie handhabbar und spürbar zu machen und es bis zu einem gewissen Punkt mit einer wirklichen strukturalen Intensität zu versehen.
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Ceci dit, il est bien entendu que le sujet – dans ce à quoi nous avons affaire : à notre partenaire qui nous appelle en ça, que nous avons devant nous sous la forme de cet appel, et ce qui vient parler devant nous – seul ce qu’on peut définir et scander comme le sujet, seul cela s’identifie.
Wobei klar ist, dass das Subjekt – in dem, womit wir es <in der Analyse> zu tun haben, mit unserem Partner, der dabei an uns appelliert, den wir vor uns haben in Gestalt dieses Appells und das, was vor uns spricht –, dass nur das, was wir als das Subjekt definieren und skandieren können, dass nur das sich identifiziert .
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Ça vaut la peine de le rappeler parce que, après tout, la pensée glisse facilement.
Es lohnt sich, daran zu erinnern, denn das Denken gerät ja leicht ins Schleudern.
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Pourquoi, si on ne met pas les points sur les i, ne dirait-on pas que la pulsion s’identifie, et qu’une image s’identifie ?
Warum, wenn man es nicht so genau nimmt, sollte man nicht sagen, dass der Trieb sich identifiziert und dass ein Bild sich identifiziert?
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Ne peut être dit avec justesse s’identifier, ne s’introduit dans la pensée de Freud le terme d’identification, qu’à partir du moment où on peut à un degré quelconque, même si ce n’est pas articulé dans Freud, considérer comme la dimension du sujet – cela ne veut pas dire que ça ne nous mène pas beaucoup plus loin que le sujet – cette identification.
Sich identifizieren kann zu Recht nur gesagt werden, der Ausdruck Identifizierung wird in das Denken von Freud erst von dem Moment an eingeführt, in dem man diese Identifizierung in gewissem Maße, auch wenn das bei Freud nicht artikuliert ist, als die Dimension des Subjekts auffassen kann – was nicht heißt, dass dies uns nicht viel weiter führt als das Subjekt.
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La preuve, là aussi – je vous rappelle ceci, dont on ne peut savoir si c’est dans les antécédents, les prémisses, ou dans le futur de mon discours que je le pointe – c’est que la première forme d’identification et celle à laquelle on se réfère, avec quelle légèreté, quel psittacisme de sansonnet, c’est l’identification qui, nous dit-on, incorpore, ou encore – ajoutant une confusion à l’imprécision de la première formule – introjecte.
Auch hier besteht der Beweis darin (ich erinnere Sie daran, wobei man nicht wissen kann, ob ich es in den Voraussetzungen, den Prämissen oder in der Zukunft meines Diskurses aufzeige), dass die erste Form der Identifizierung – und diejenige, auf die man sich mit welcher Leichtigkeit, mit welchem Papageiengeschwätz bezieht! –, dass dies diejenige Identifizierung ist, welche, wie man sagt, einverleibt oder auch – womit man zur Ungenauigkeit der ersten Formulierung eine Konfusion hinzufügt – introjiziert.13
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Contentons-|{11}nous d’incorpore, qui est la meilleure.
Beschränken wir uns auf das einverleibt, was noch die bessere ist.
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Comment même commencer par cette première forme d’identification ? alors que pas la moindre indication, pas le moindre repère, sinon vaguement métaphorique, ne vous est donné dans une telle formule, sur ce que ça peut même vouloir dire.
Wie mit dieser ersten Form der Identifizierung auch nur beginnen, wo Ihnen mit einer solchen Formulierung doch nicht der geringste Hinweis, nicht der geringste Anhaltspunkt gegeben wird – außer einem vage metaphorischen –, was damit wohl gemeint sein könnte.
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Ou bien les mots n’ont aucun sens, ou bien ils en ont un, et si on parle d’incorporation, c’est bien parce qu’il doit se produire quelque chose au niveau du corps.
Entweder haben die Wörter keine Bedeutung oder sie haben eine, und wenn man von Einverleibung spricht, dann doch wohl deshalb, weil sich etwas auf der Ebene des Körpers herstellen muss.
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Je ne sais si je pourrai cette année pousser les choses assez loin – je l’espère tout de même, nous avons du temps devant nous pour arriver, revenant de là d’où nous partons – à donner son plein sens, et son sens véritable à cette incorporation de la première identification.
Ich weiß nicht, ob ich in diesem Jahr die Dinge weit genug vorantreiben kann – ich hoffe es jedenfalls, wir haben Zeit vor uns, um so weit zu kommen, wenn wir von unserem Ausgangspunkt aus weitergehen –, weit genug vorantreiben kann, um der Einverleibung der ersten Identifizierung ihre volle Bedeutung und ihre wahre Bedeutung zu geben.
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Vous le verrez, il n’y a aucun autre moyen de la faire intervenir, sinon de la rejoindre par une thématique qui a déjà été élaborée, et depuis les traditions les plus antiques, mythiques, voire religieuses, sous le terme de corps mystique.
Sie werden sehen, es gibt kein anderes Mittel, sie ins Spiel zu bringen als durch eine Thematik, die bereits ausgearbeitet worden ist, und dies seit den ältesten mythischen, ja religiösen Traditionen, unter dem Begriff des mystischen Leibes.14
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Impossible de ne pas prendre les choses dans l’empan qui va de la conception sémitique primitive : il y a, du père de toujours à tous ceux qui descendent de lui, identité de corps.
Unmöglich, die Dinge nicht in der Spannweite anzugehen, die von der anfänglichen semitischen Konzeption ausgeht: vom ursprünglichen Vater bis hin zu all jenen, die von ihm abstammen, gibt es eine Identität des Körpers.
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Mais à l’autre bout, vous savez, il y a la notion que je viens d’appeler par son nom, celle de corps mystique, pour autant que c’est d’un corps que se constitue une église.
Am anderen Ende jedoch gibt es, wie Sie wissen, den Begriff, den ich gerade genannt habe, den des mystischen Leibes, insofern sich durch einen Leib eine Kirche bildet.
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Et ça n’est pas pour rien que Freud, pour définir pour nous l’identité du moi dans ses rapports avec ce qu’il appelle à |{12} l’occasion Massenpsychologie, se réfère à la corporéité de l’Église.
Und nicht ohne Grund bezieht sich Freud – um für uns die Identität des Ichs (moi) in seinen Beziehungen zu dem zu definieren, was er hierbei Massenpsychologie* nennt –, auf die Körperlichkeit der Kirche.15
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Mais comment vous faire partir de là sans prêter à toutes les confusions et croire que, comme le terme de mystique l’indique assez, c’est sur de tout autres chemins que ceux où notre expérience voudrait nous entraîner ?
Aber wie kann ich Sie dazu bringen, von hier auszugehen, ohne dass ich allen möglichen Verwirrungen Vorschub leiste und Sie dazu bringe zu glauben, dass dies, wie der Ausdruck mystisch hinreichend anzeigt, auf ganz anderen Wegen erfolgt als auf jenen, auf die unsere Erfahrung uns hinführen möchte.
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Ce n’est que rétroactivement, en quelque sorte revenant sur les conditions nécessaires de notre expérience, que nous pourrons nous introduire dans ce que nous suggère d’antécédence toute tentative d’aborder, dans sa plénitude, la réalité de l’identification.
Nur rückwirkend, indem wir gewissermaßen auf die notwendigen Bedingungen unserer Erfahrung zurückkommen, werden wir uns einen Zugang zu dem schaffen können, was uns jeder Versuch, die Realität der Identifizierung in ihrer ganzen Fülle anzugehen, an Voraussetzungen nahelegt.16
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L’abord donc que j’ai choisi dans la deuxième forme de l’identification n’est pas de hasard, c’est parce que cette identification est saisissable, sous le mode de l’abord par le signifiant pur, par le fait que nous pouvons saisir d’une façon claire et rationnelle, un biais pour entrer dans ce que ça veut dire, l’identification du sujet, pour autant que le sujet met au monde le trait unaire… , plutôt: que le trait unaire, une fois détaché, fait apparaître le sujet comme celui qui compte, au double sens du terme.
Der Zugang, den ich mit der zweiten Form der Identifizierung gewählt habe, ist also nicht zufällig, sondern erfolgt deshalb, weil diese Identifizierung, vermittels des Zugangs über den reinen Signifikanten, dadurch greifbar ist, dass wir auf klare und rationale Weise einen Weg erfassen können, um in das hereinzukommen, was sie bedeutet, die Identifizierung des Subjekts, insofern das Subjekt den unären Zug in die Welt setzt, oder vielmehr: insofern der unäre Zug, einmal herausgelöst, das Subjekt als dasjenige erscheinen lässt, was zählt, in beiden Bedeutungen des Ausdrucks.17
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L’ampleur de l’ambiguïté que vous pouvez donner à cette formule… celui qui compte: activement sans doute, mais aussi celui qui compte tout simplement dans la réalité, celui qui compte vraiment, qui évidemment va mettre du temps à se retrouver dans son compte, exactement |{13} le temps que nous mettrons pour parcourir tout ce que je viens ici de vous désigner …aura pour vous son plein sens.
Die Bandbreite der Mehrdeutigkeit, die Sie dieser Formulierung geben können: das, was zählt – sicherlich aktiv, aber auch das, was ganz einfach in der Realität zählt, dasjenige, das wirklich zählt, das natürlich Zeit brauchen wird, um sich in seinem Zählen wiederzufinden, exakt die Zeit, die wir brauchen werden, um all das zu durchlaufen, was ich Ihnen hier soeben skizziert habe –, diese Bandbreite wird für Sie ihre volle Bedeutung bekommen.
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Shackleton et ses compagnons dans l’Antarctique, à plusieurs centaines de kilomètres de la côte, explorateurs livrés à la plus grande frustration, celle qui ne tient pas seulement aux carences plus ou moins élucidées à ce moment – car c’est un texte déjà d’une cinquantaine d’années –, aux carences plus ou moins élucidées d’une alimentation spéciale qui est encore à l’épreuve à ce moment, mais qu’on peut dire désorientés dans un paysage, si je puis dire encore vierge, non encore habité par l’imagination humaine – il suffira que le réseau humain ait sillonné ses chemins pour qu’il ne soit plus vide, mais au début, il l’est –, nous rapporte, dans des notes bien singulières à lire, qu’ils se comptaient toujours un de plus qu’ils n’étaient, qu’ils ne s’y retrouvaient pas.
Shackleton und seine Gefährten in der Antarktis – mehrere hundert Kilometer von der Küste entfernt, Forscher, die der größten Frustration ausgesetzt sind, die sich nicht nur auf die Ausfälle [an Nährstoffen] bezieht, die inzwischen mehr oder weniger geklärt sind, denn das ist ein bereits etwa fünfzig Jahre alter Text, auf die mehr oder weniger geklärten Ausfälle durch eine spezielle Ernährung, die zu diesem Zeitpunkt noch in der Erprobungsphase ist, sondern auch, wie man sagen kann, desorientiert in einer Landschaft, die, wenn ich so sagen darf, noch jungfräulich ist, von der menschlichen Vorstellungskraft noch nicht besiedelt, es wird genügen, dass das menschliche Netzwerk seine Wege hindurchgezogen hat, damit sie nicht mehr leer ist, zu Beginn jedoch ist sie es –, Shackleton also berichtet uns in Notizen, die zu lesen wirklich einzigartig ist, dass sie immer einen mehr zählten als sie waren, dass sie sich [in ihrem Zählen] nicht wiederfanden.18
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On se demandait toujours où était passé le manquant, le manquant qui ne manquait pas sinon de ceci que tout effort de compte leur suggérait toujours qu’il y en avait un de plus, donc un de moins.
Man fragte sich immer wieder, wo der Fehlende geblieben war, der Fehlende, der nicht fehlte, außer von daher, dass jede Bemühung des Abzählens ihnen immer wieder suggerierte, dass es einen mehr gab, also einen weniger.
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Vous touchez là l’apparition, à l’état nu, du sujet qui n’est rien que cela, que la possibilité d’un signifiant de plus, d’un un en plus, grâce à quoi il constate lui-même qu’il y en a un qui manque.
Sie stoßen hier im Reinzustand auf das Erscheinen des Subjekts, das nichts anderes ist als dies, als die Möglichkeit eines zusätzlichen Signifikanten, eines weiteren einen, wodurch es selbst feststellt, dass es einen gibt, der fehlt.
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Si je vous rappelle cela c ’est simplement pour pointer, dans une dialectique comportant les termes les plus extrêmes, où nous situons notre chemin, et où vous |{14} pourrez croire et quelquefois vous demander même si nous n’oublions pas certaines références.
Wenn ich Ihnen das in Erinnerung rufe, dann einfach um zu zeigen – in einer Dialektik, welche die äußersten Termini enthält –, wo wir unseren Weg verorten, und wo Sie werden glauben können und sich bisweilen sogar fragen, ob wir nicht bestimmte Bezugspunkte vergessen.
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Vous pouvez par exemple vous demander même quel rapport il y a, entre le chemin que je vous ai fait parcourir et ces deux termes auxquels nous avons eu affaire…, nous avons affaire constamment mais à des moments différents, de l’Autre et de la Chose.
Sie können sich beispielsweise sogar fragen, welchen Zusammenhang es zwischen dem Weg gibt, den ich Sie habe durchlaufen lassen, und den beiden Termini, mit denen wir zu tun hatten, mit denen wir es beständig zu tun haben, jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten, dem des Anderen und dem des Dings.19
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Bien sûr, le sujet lui-même au dernier terme est destiné à la Chose, mais sa loi, son fatum plus exactement, est que, ce chemin, qu’il ne peut décrire que par le passage par l’Autre, en tant que l’Autre est marqué du signifiant.
Sicherlich, das Subjekt selbst ist letztlich für das Ding bestimmt, aber sein Gesetz, genauer sein Fatum, besteht darin, dass es diesen Weg nur beschreiben kann im Durchgang durch den Anderen, insofern der Andere vom Signifikanten markiert ist.20
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Et c’est dans l’en-deçà de ce passage nécessaire par le signifiant que se constituent comme tels le désir et son objet.
Und im Diesseits dieses notwendigen Durchgangs durch den Signifikanten konstituieren sich als solche das Begehren und sein Objekt..
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Verwandte Beiträge auf „Lacan entziffern“
Anmerkungen
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algebraische Topologie: Auf diesen Zweig der Topologie hatte sich Lacan bereits in der vorhergehenden Sitzung mit dem Begriff der Fundamentalgruppe bezogen (vgl. 21. März 1962, S. {1}). Vgl. etwa Jean Dieudonné: A history of algebraic and differential topology. 1900 –1960. Birkhäuser, Boston 2009.
-
Torus: Ein Torus kann in der Topologie auf zwei verschiedenen Weisen untersucht werden, er kann auf seine Oberfläche reduziert werden (sogenannter Hohltorus), es können aber auch die Punkte berücksichtigt werden, die sich sozusagen innerhalb des Schlauchs befinden (sogenannter Volltorus).
-
die geschlossenen Flächen: Geschlossene Flächen sind Flächen ohne Rand, also Flächen, auf denen man gewissermaßen beliebig weit laufen kann, ohne an eine Kante zu kommen. Sphäre und Torus sind Beispiele für geschlossene Flächen. Bringt man in einer Sphäre ein Loch an oder zerschneidet man einen Torus entlang einem „vollen“ oder „leeren“ Kreis, erhält man Flächen mit Rand.
-
Knotentheorie: Dies ist Lacans erster Hinweis auf die Knotentheorie, die ab Seminar 20, Encore (1972/73), für die Entwicklung seiner Theorie grundlegend sein wird.
-
Torus als Sphäre mit Henkel: Vgl. Sitzungen vom 14. März 1962, S. {21}, und vom 21. März 1962, S. {9}.
-
Papierstreifen: Lacan beschreibt hier die Herstellung eines Möbiusbandes. Eine Kreuzhaube entsteht aus einem Möbiusband dadurch, dass man den Rand des Möbiusbandes durch eine Scheibe schließt. Vgl. etwa dieses Video.
-
das Insistieren des repetitiven Anspruchs des Neurotikers: Vgl. Sitzung vom 7. März 1962, S. {8], S. {15–24}.
-
passive: Hier gibt es möglicherweise einen Hörfehler; Roussan notiert am Rand: <facile?>.
-
Metapher und Metonymie: Vgl. J. Lacan: Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten oder die Vernunft seit Freud (1957). In: Ders.: Schriften. Band I.Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2016, S. 582–626.
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Das Symbol ∩ wird nicht in der Logik, sondern in der Mengenlehre verwendet, für die Elemente, die zwei Mengen gemeinsam sind.
-
einverleibt: Freud verwendet den Ausdruck zum ersten Mal hier:
„Eine erste solche prägenitale Sexualorganisation ist die orale oder, wenn wir wollen, kannibalische. Die Sexualtätigkeit ist hier von der Nahrungsaufnahme noch nicht gesondert, Gegensätze innerhalb derselben nicht differenziert. Das Objekt der einen Tätigkeit ist auch das der anderen, das Sexualziel besteht in der Einverleibung des Objektes, dem Vorbild dessen, was späterhin als Identifizierung eine so bedeutsame psychische Rolle spielen wird.“
(Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Ergänzung von 1914, GW 5, S. 98, Hervorhebungen von Freud)Weitere Verwendungen von „Einverleibung“ bzw. „einverleiben“ findet man hier: Trauer und Melancholie (1917), GW 10, S. 436; Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921), GW 13, S. 116; Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (1933), GW 15, S. 69.
Introjiziert: Der Terminus Introjektion wurde von Sándor Ferenczi in die Psychoanalyse eingeführt (in: S. Ferenczi: Introjektion und Übertragung. Eine psychoanalytische Studie. In: Jahrbuch für psychoanalytische und psychologische Forschungen, Bd. I, 1909, S. 422–457; Nachdruck bei Deuticke, Leipzig u.a. 1910, im Internet hier). Freud hat den Begriff von Ferenczi übernommen; dies ist Freuds erste Verwendung:
„Es nimmt die dargebotenen Objekte, insofern sie Lustquellen sind, in sein Ich auf, introjiziert sich dieselben (nach dem Ausdrucke Ferenczis) und stößt anderseits von sich aus, was ihm im eigenen Innern Unlustanlaß wird. (Siehe später den Mechanismus der Projektion.)“
(Triebe und Triebschicksale, 1915, GW 10, S. 228)
In Massenpsychologie- und Ich-Analyse (1921) stellt Freud die Verbindung zwischen Introjektion und Identifizierung her:
„Das aus diesen drei Quellen Gelernte können wir dahin zusammenfassen, daß erstens die Identifizierung die ursprünglichste Form der Gefühlsbindung an ein Objekt ist, zweitens daß sie auf regressivem Wege zum Ersatz für eine libidinöse Objektbindung wird, gleichsam durch Introjektion des Objekts ins Ich, und daß sie drittens bei jeder neu wahrgenommenen Gemeinsamkeit mit einer Person, die nicht Objekt der Sexualtriebe ist, entstehen kann. Je bedeutsamer diese Gemeinsamkeit ist, desto erfolgreicher muß diese partielle Identifizierung werden können und so dem Anfang einer neuen Bindung entsprechen.“ (GW 13, S. 118)
Der Gegensatz von Projektion und Introjektion wird dann zentral für Melanie Klein (Analysantin und Schülerin von Ferenczi).
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mystischer Leib: Hierauf hatte Lacan sich bereits in der Sitzung vom 14. März 1962, S. {3}, bezogen.
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Körperlichkeit der Kirche: In Massenpsychologie und Ich-Analyse stellt Freud Kirche und Heer als Beispiele für organisierte Massen vor, dabei stellt er allerdings keine direkte Beziehung zwischen Kirche und Körper her, er verweist nur allgemein auf „libidinöse Bindungen“.
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notwendige Bedingungen unserer Erfahrung: Anspielung auf Kants Transzendentalphilosophie als Wissenschaft von den notwendigen Bedingungen der Erfahrung.
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zweite Form der Identifizierung: Die Identifizierung, die der neurotischen Symptombildung zugrunde liegt: Übernahme des Leidenssymptoms der geliebten oder gehassten Person (eines „einzigen Zugs“) im Rahmen des Ödipuskomplexes (vgl. Freud, Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921, GW 13, S. 116 f.).
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Shackleton: Ernest Shackleton (1874–1924), britischer Antarktisforscher. In dessen Bericht über die Endurance-Expedition heißt es:
„When I look back at those days I have no doubt that Providence guided us, not only across those snowfields, but across the storm-white sea that separated Elephant Island from our landing-place on South Georgia. I know that during that long and racking march of thirty-six hours over the unnamed mountains and glaciers of South Georgia it seemed to me often that we were four, not three. I said nothing to my companions on the point, but afterwards Worsley said to me, »Boss, I had a curious feeling on the march that there was another person with us. « Crean confessed to the same idea. One feels »the dearth of human words, the roughness of mortal speech« in trying to describe things intangible, but a record of our journeys would be incomplete without a reference to a subject very near to our hearts.“
(Ernest Shackleton: South. The story of Shackleton’s last expedition 1914–1917. Heinemann, London 1919 (im Internet hier), Chapter X, „Across South Georgia“, S. 209)
Auf Shackletons „Zählfehler“ bezieht sich T.S. Eliot in The Waste Land (1922). Darin finden sich die Zeilen:
„Who is the third who walks always beside you?
When I count, there are only you and I together
But when I look ahead up the white road
There is always another one walking beside you
Gliding wrapt in a brown mantle, hooded
I do not know whether a man or a woman
—But who is that on the other side of you?“In einer Anmerkung hierzu schreibt Eliot:
„The following lines were stimulated by the account of one of the Antarctic expeditions (I forget which, but I think one of Shackleton’s): it was related that the party of explorers, at the extremity of their strength, had the constant delusion that there was one more member than could actually be counted. “ (von hier)
Shackleton zählt vier statt drei, das erinnert an die Erzählung von den drei Männern im Feuerofen im Buch Daniel der hebräischen Bibel:
„Aber die drei Männer, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, fielen hinab in den glühenden Feuerofen, gebunden wie sie waren. Da entsetzte sich der König Nebukadnezar, fuhr auf und sprach zu seinen Räten: Haben wir nicht drei Männer gebunden in das Feuer werfen lassen? Sie antworteten und sprachen zum König: Ja, König. Er antwortete und sprach: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen, und sie sind unversehrt; und der vierte sieht aus, als wäre er ein Sohn der Götter.“
(Daniel 3, Lutherbibel 2017, Verse 23–25)
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Anderer: Die Unterscheidung zwischen dem imaginären anderen (mit kleinem a) und dem symbolischen Anderen (mit großem A) hatte Lacan eingeführt in Seminar 2, Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse (1954/55), in der Sitzung vom 25. Mai 1955.
Ding: Der Begriff des Dings wurde von ihm eingeführt in Seminar 7, Die Ethik der Psychoanalyse (1959/60), in der Sitzung vom 9. Dezember 1959.
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Fatum: vom lateinischen Verb fari, „sagen“, „voraussagen“.
