Jacques Lacan
Seminar IX, Die Identifizierung
(XIII) Sitzung vom 14. März 1962
Übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Max Kleiner und Rolf Nemitz
Zuletzt aktualisiert am 8. März 2026

Robert Kuo: Nephrit-Jade Doppelring.
Handgeschnitzt. 12,7 x 26,7 x 17,80 cm, 2022, von hier
Allgemeines zur Übersetzung
Das Seminar hat 26 Sitzungen. Etwa alle zwei Monate erscheint auf „Lacan entziffern“ die Übersetzung einer weiteren Sitzung. Die bereits veröffentlichten Übersetzungen von Sitzungen dieses Seminars findet man hier.
Die Übersetzung wird zweimal gebracht, zunächst nur deutsch, dann gegenüberstellend: Satz für Satz französisch/deutsch.
Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben, Belege und inhaltliche Erläuterungen.
Die Übersetzung stützt sich auf folgende Vorlagen:
– Stenotypie des Seminars auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse, hier
– Jacques Lacan: L’identification, dit ‚Séminaire IX„. Prononcé à Ste. Anne en 1961–1962. Herausgegeben und erstellt von Michel Roussan. Mit Anmerkungen, kritischem Apparat und Index. Paris 1992. Nicht im Buchhandel, beziehbar durch den Herausgeber, m.roussan2@free.fr
Ausgaben des Identifizierungs-Seminars im Internet:
– französisch: hier (Stenotypie), hier (Staferla), hier (ALI) S. 1547–1966, hier (Chollet), hier (rue CB),
– englische Übersetzungen: hier (Cormac Gallagher), hier (Ben Hooson),
– von Gallagher gelesene Audioaufnahme seiner Übersetzung hier.
Eine von Jacques-Alain Miller herausgegebene offizielle Edition des Seminars gibt es nicht.
Vielen Dank an Peter Müller (Psychoanalytiker in Karlsruhe) für die Überlassung seiner Übersetzung dieses Seminars!
Zur Notation
– Zahlen in geschweiften Klammern und grauer Schrift, z.B. {10}, verweisen auf die Seiten der Transkription, die Roussan als „Daktylographie 1“ bezeichnet; diese Seitenzahlen sind am Rand seiner Ausgabe angegeben und beginnen dort mit einer linken eckigen Klammer, also etwa mit „[10“. Daktylographie 1 ist die Transkription, die man auf der Seite der ELP findet (mit Ausnahme der 20. Sitzung), hier.
– Ein doppelter Bindestrich, also: --, markiert, dass an dieser Stelle ein Satz grammatisch unvollständig abbricht.
– Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.
– Der Schrägstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.
– Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.
– Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.
– Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text..
Sitzung vom 14. März 1962
Deutsch
{1} In dem Dialog, den ich mit Ihnen führe, gibt es zwangsläufig hiatus, saltus, casus – Gelegenheiten –, vom fatum ganz zu schweigen. Mit anderen Worten, er wird von verschiedenen Dingen unterbrochen. So haben wir zum Beispiel gestern Abend, bei der wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft, den interessanten und wichtigen Vortrag von Lagache über Sublimierung gehört. Heute Morgen hatte ich Lust, darauf zurückzukommen, andererseits war ich am Sonntag jedoch von etwas anderem ausgegangen, ich meine von einer Art Bemerkung darüber, welche Art von Forschung hier stattfindet.
Natürlich ist das eine Forschung, die bedingt ist. Wodurch? Im Augenblick durch eine bestimmte Zielsetzung, die ich so bezeichnen möchte: Abzielen auf eine Erotik. Ich halte das für legitim – nicht etwa, dass wir, wenn wir auf dem Weg sind, auf dem sie erforderlich ist, von Natur aus wesentlich dazu bestimmt wären, sie zu betreiben. Ich meine, dass wir auf diesem Weg ein wenig so wie jene sind, die im Laufe der Jahrhunderte über die Bedingungen der Wissenschaft nachgedacht haben und auf dem Weg zu dem waren, was die Wissenschaft dann tatsächlich erreicht hat – deshalb mein Hinweis auf den Kosmonauten, der seinen guten Sinn hat –, insofern das, was sie erreicht hat, sicherlich nicht unbedingt das ist, was sie bis zu einem gewissen Punkt erwartet hatte, auch wenn durch ihren Erfolg die Phasen ihrer Forschung ausgelöscht oder widerlegt wurden.
Es ist sicher, dass es bei les gens, bei den Leuten --; wir verwenden diesen Ausdruck im weitesten Sinne, es sei denn, wir gebrauchen ihn in einem etwas engeren Sinn, in dem der gentils, der Heiden, was natürlich eine merkwürdige Frage offen ließe, die nach den gentils, definiert im Verhältnis zu x – Sie wissen, von wo |{2} die Definition der gentils ausgeht –, was also die merkwürdige Frage offen ließe, wie es kommt, dass die gentils, wenn ich so sagen darf, eine sekundäre Klasse in dem Sinne darstellen, wie ich es beim letzten Mal verstanden habe: als etwas, das auf einer bestimmten früheren Auffassung basiert.
Trotzdem wäre das nicht schlecht, denn in dieser Perspektive sind die Heiden die Christenheit, und jeder weiß, dass die Christenheit als solche zu den Schwierigkeiten der Erotik ein notorisches Verhältnis hat, das heißt, dass sich die Scherereien, die der Christ mit Venus hat, nur schwer übersehen lassen, auch wenn man vorgibt, die Sache, wenn ich so sagen darf, auf die leichte Schulter zu nehmen.
Und wirklich, wenn die Grundlage des Christentums in der paulinischen Offenbarung besteht, das heißt in einem bestimmten wesentlichen Schritt, der in den Beziehungen zum Vater vollzogen wird, wenn dabei die Beziehung der Liebe zum Vater der wesentliche Schritt ist, wenn er tatsächlich die Überschreitung von allem darstellt, was die semitische Tradition an Großem begründet hat, nämlich der grundlegenden Beziehung zum Vater, der ursprünglichen Baraka, bei der ja schwer zu verkennen ist, dass das Denken von Freud daran gebunden ist, wenn auch auf widersprüchliche, verfluchende Art und Weise.
Wir können das nicht bezweifeln, denn auch wenn der Bezug auf den Ödipuskomplex die Frage offen lassen kann, so lässt doch die Tatsache, dass er seinen Diskurs mit Moses beendet hat und wie er es getan hat, keinen Zweifel daran, dass die Grundlage der christlichen Offenbarung doch wohl in dem Umstand der Gnade besteht, den Paulus auf das Gesetz folgen lässt.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Christ, und mit Grund, sich nicht auf der Höhe der Offenbarung hält, und dass er gleichwohl |{3} in einer Gesellschaft lebt, von der man sagen kann, dass ihre Rechtsgrundsätze, selbst reduziert auf die säkularste Form, dennoch direkt aus einem Katechismus hervorgegangen sind, der nicht ohne Bezug zu dieser paulinischen Offenbarung ist.
Allerdings, so wie die Meditation über den mystischen Leib nicht jedem zugänglich ist, bleibt eine Kluft offen, die dazu führt, dass sich der Christ praktisch darauf reduziert findet, was keineswegs normal und grundlegend ist, dass er zum Genießen als solchem wirklich keinen anderen Zugang mehr hat als den, Liebe zu machen. Das ist das, was ich seine Scherereien mit Venus nenne. Denn natürlich läuft es alles in allem mit dem, wie er in dieser Ordnung platziert ist, insgesamt ziemlich schlecht.
Was ich da sage, ist etwa dann sehr spürbar, wenn man die Grenzen der Christenheit hinter sich lässt und sich in die Gegenden begibt, die von der christlichen Akkulturation dominiert sind, damit meine ich nicht die Gegenden, die zum Christentum bekehrt wurden, sondern diejenigen, die die Auswirkungen der christlichen Gesellschaft erlitten haben. Ich werde mich noch lange an ein langes Gespräch erinnern, das ich in einer Nacht des Jahres 1947 mit jemandem hatte, der bei einem Ausflug in Ägypten mein Führer war. Er war das, was man einen Araber nennt. Durch seine Aufgaben sowie durch die Gegend, in der er lebte, fiel er natürlich voll und ganz unter unsere Kategorie. In seiner Rede war das sehr deutlich, diese Art von Auswirkung der Hervorhebung der Frage der Erotik. Sicherlich war er durch alle möglichen sehr alten Resonanzen seiner Sphäre darauf vorbereitet, bei der Frage nach der Rechtfertigung der Existenz sein Genießen in den Vordergrund zu stellen, die Art jedoch, wie er es in der Frau verkörperte, machte ebenso sehr den Eindruck einer Sackgasse, wie man sie sich in unser eigenen Gesellschaft nicht entblößter |{4} vorstellen kann. Insbesondere bestimmte die Forderung nach <beständiger> Erneuerung, nach unendlicher Abfolge, bedingt durch die Art der wesentlich unbefriedigenden Natur des Objekts, im Wesentlichen nicht nur seine Rede, sondern sein praktisches Leben. Eine Person, die im Wesentlichen, so hätte man in einem anderen Vokabular gesagt, aus den Normen ihrer Tradition herausgerissen war.
Wenn es um die Erotik geht: was sollen wir von diesen Normen halten? Mit anderen Worten, haben wir beispielsweise die Aufgabe, eine Rechtfertigung zu liefern für das praktische Fortbestehen der Ehe als Institution, selbst durch unsere revolutionärsten Veränderungen hindurch?
Ich glaube, es bedarf nicht all der Anstrengungen eines Westermarck, um mit allen möglichen Argumenten, sei es der Natur oder der Tradition, die Institution der Ehe zu rechtfertigen, denn sie rechtfertigt sich einfach durch ihr Fortbestehen, das wir mit eigenen Augen gesehen haben, und zwar in einer Gestalt, die ganz deutlich kleinbürgerliche Züge trägt, ihr Fortbestehen in einer Gesellschaft, die anfangs glaubte, bei der Infragestellung der grundlegenden Beziehungen weiter gehen zu können, ich meine, in der kommunistischen Gesellschaft. Es scheint ganz sicher zu sein, dass die Notwendigkeit der Ehe von den Auswirkungen dieser Revolution nicht einmal gestreift wurde.
Ist das nun eben der Bereich, in dem wir Licht ins Dunkel bringen sollten? Das glaube ich absolut nicht. Die Notwendigkeiten der Ehe erweisen sich für uns als ein genuin soziales Merkmal unserer Formung, sie lassen das Problem der sich daraus ergebenden Unbefriedigtheiten völlig offen, also des permanenten Konflikts, in dem sich das menschliche Subjekt |{5} allein schon dadurch befindet, dass es menschlich ist, mit den Auswirkungen und den Folgen dieses Gesetzes der Ehe.
Wo finden wir dafür den Beleg? Ganz einfach in der Existenz dessen, was wir feststellen, wenn wir uns mit dem Begehren befassen, ich meine, dass in den Gesellschaften – ob sie nun gut organisiert sind oder nicht, ob man darin die für die Unterbringung der Individuen notwendigen Bauten in größerer oder in geringerer Fülle herstellt – die Neurose existiert, dass wir ihre Existenz feststellen. Und dort, wo besonders befriedigende Lebensbedingungen gesichert sind, oder dort, wo die Tradition besonders stark gesichert ist, ist die Neurose keineswegs am seltensten, weit davon entfernt.
Was bedeutet die Neurose? Worin besteht für uns, wenn ich so sagen darf, die Autorität der Neurose? Das ist nicht schlicht und einfach an ihre pure Existenz gebunden. Die Position derjenigen, die dabei die Wirkungen der Neurose auf eine Art Verschiebung der menschlichen Schwäche zurückführen, ist zu einfach. Ich meine, das, was sich in der Organisation der Gesellschaft als solcher effektiv als schwach erweist, wird von ihnen auf den Neurotiker abgeschoben, über den man sagt, er sei unangepasst. Mit welchem Beweis?
Mir scheint, das Recht, die Autorität, die aus dem hervorgeht, was wir vom Neurotiker zu lernen haben, ist die Struktur, die er uns offenbart. Und was er uns letztlich offenbart – von dem Moment an, in dem wir begreifen, dass sein Begehren dasselbe ist wie das unsere, und mit Grund –, das, was er unserem Studium nach und nach offenbart, das, was die Würde des Neurotikers ausmacht, ist, dass er wissen will. Und in gewisser Weise ist er es, der die Psychoanalyse einführt. Erfinder der Psychoanalyse ist nicht Freud, sondern |{6}, wie jeder weiß, Anna O., und hinter ihr natürlich viele andere: wir alle.
Was ist es, das der Neurotiker wissen will? Hier verlangsame ich meine Sprechweise, damit Sie gut verstehen, denn jedes Wort zählt:
Er will wissen, was es in dem, wovon er die Passion ist, an Realem gibt, das heißt, was es im Signifikanteneffekt an Realem gibt.
Was natürlich voraussetzt, dass wir weit genug gekommen sind um zu wissen, dass das, was sich beim Menschen Begehren nennt, außer in der Beziehung zum Signifikanten und den Wirkungen, die sich hier einschreiben, nicht denkbar ist.
Dieser Signifikant, der er durch seine Position selber ist, das heißt als lebendige Neurose, das ist das (wenn Sie sich auf meine Definition des Signifikanten beziehen – wodurch sie übrigens umgekehrt gerechtfertigt ist: dadurch, dass sie sich anwenden lässt), das ist das, wodurch dieses Kryptogramm, also eine Neurose, ihn, den Neurotiker, als solchen zu einem Signifikanten macht und zu nichts anderem. Denn das Subjekt, dem er dient, ist ja anderswo, es ist das, was wir sein Unbewusstes nennen. Und aus diesem Grunde ist er, nach der Definition, die ich Ihnen davon gebe, als Neurose ein Signifikant: weil er ein verborgenes Subjekt repräsentiert. Aber wofür? Für nichts anderes als für einen anderen Signifikanten.
Was den Neurotiker als solchen rechtfertigt, den Neurotiker, insofern die Analyse ihn „aufwertet“ – ich lasse diesen Ausdruck, dem gestrigen Vortrag meines Freundes Lagache entlehnt, durchgehen –, ist dies, dass seine Neurose zum Aufkommen des Diskurses beiträgt, der für eine letztendlich konstituierte Erotik erforderlich ist. Er selbst weiß natürlich nichts davon und er sucht nicht danach. Und auch wir müssen ihn nur insofern |{7} suchen, als Sie hier sind, das heißt, als ich Sie über die Bedeutung der Psychoanalyse aufkläre, in Bezug auf das geforderte Aufkommen einer Erotik. Verstehen Sie es so: das Aufkommen dessen, wodurch denkbar ist, dass dem Menschen auch in diesem Bereich – und warum nicht? – derselbe Durchbruch gelingt, der im Übrigen zu diesem eigenartigen Moment des Kosmonauten in seinem Panzer führt. Weshalb Sie sich denken können, dass ich nicht einmal zu erahnen versuche, was eine zukünftige Erotik bringen könnte.
Feststeht, dass die einzigen, die auf angemessene Weise davon geträumt haben, nämlich die Dichter, immer zu ziemlich seltsamen Konstruktionen gelangt sind. Und wenn sich davon in dem, worüber ich mich recht ausführlich verbreitet habe, eine gewisse Präfiguration finden lässt, diese Ansätze, die dafür ja an einigen paradoxen Punkten der christlichen Tradition gegeben werden können, etwa der höfischen Liebe , dann diente das dazu, um für Sie die äußerst bizarren Eigenheiten beispielsweise eines bestimmten Sonetts von Arnaut Daniel hervorzuheben – woran sich die damaligen Hörer wohl erinnern werden –, die uns recht merkwürdige Perspektiven auf das eröffnen, was die Beziehungen zwischen dem Liebenden und seiner Dame tatsächlich darstellen würden.
Das ist keineswegs ein unwürdiger Vergleich mit dem, was ich über die Aspekte des Kosmonauten als Extrempunkt zu verorten suche. Natürlich kann uns der Versuch <der höfischen Liebe> als etwas erscheinen, das ein wenig an einer Mystifizierung teilhat, und außerdem ist er ins Leere gelaufen. Er ist jedoch sehr erhellend für uns, um beispielsweise zu verorten, was unter Sublimierung zu verstehen ist.
Gestern Abend habe ich daran erinnert, dass im Diskurs von Freud die Sublimierung untrennbar mit einem Widerspruch verbunden ist, dass nämlich |{8} in jeder Sublimierungs-Aktivität die Lust (jouissance), das Luststreben, fortbesteht und in gewissem Sinne realisiert wird. Dass es <bei der Sublimierung> keine Verdrängung gibt, keine Auslöschung, dass es mit der Lust nicht einmal einen Kompromiss gibt: dass es eine Paradoxie gibt, dass es eine Umleitung gibt, dass die Lust auf Wegen erreicht wird, die der Lust scheinbar zuwiderlaufen, all dies ist wirklich nur insofern denkbar, als das Medium, das in die Lust, eingreift – ein Medium, durch das ein Zugang zu ihrem Grund geliefert wird, der, wie ich Ihnen gezeigt habe, nichts anderes sein kann als das Ding –, als dieses Medium ebenfalls nur ein Signifikant sein kann.
Daher der seltsame Eindruck, den in der höfischen Liebe die Dame auf uns macht. Es kann uns nicht gelingen, daran zu glauben, da wir nicht mehr in der Lage sind, ein lebendiges Subjekt derart mit einem Signifikanten zu identifizieren, eine Person namens Beatrice mit der Weisheit und mit dem, was für Dante die Ganzheit des Wissens war, die Gesamtheit des Wissens.
Der Natur der Dinge nach ist keineswegs ausgeschlossen, dass Dante mit Beatrice tatsächlich geschlafen hat. Das ändert am Problem absolut nichts. Man glaubt zu wissen, dass es nicht so war. In der Beziehung ist das nicht grundlegend.
Nachdem diese Wegmarken gesetzt sind – was definiert einen Neurotiker?
Der Neurotiker widmet sich einer seltsamen Rückverwandlung dessen, dessen Wirkung erfährt. Der Neurotiker ist letztendlich ein Unschuldiger: er will wissen.
Um zu wissen, läuft er in die Richtung weg, die am natürlichsten ist, und natürlich wird er genau dadurch getäuscht. Der Neurotiker möchte |{9} den Signifikanten in das zurückverwandeln, wovon er das Zeichen ist. Der Neurotiker weiß nicht, und mit Grund, dass er als Subjekt Folgendes in Gang gesetzt hat: das Erscheinen des Signifikanten als Signifikant ist die primäre Auslöschungsweise des Dings, er weiß nicht, dass er es ist, das Subjekt, der, indem er sämtliche Züge des Dings auslöscht, den Signifikanten bildet.
Der Neurotiker will dieses Auslöschen auslöschen, er will bewirken, dass es nicht geschehen wäre. Eben das ist die tiefste Bedeutung des gesamten, des exemplarischen Verhaltens des Zwangsneurotikers. Worauf er immer wieder zurückkommt – natürlich ohne dessen Wirkung jemals aufheben zu können, denn jede seiner Bemühungen, sie aufzuheben, verstärkt sie nur –, das ist, dafür zu sorgen, dass dieses Auftauchen als Signifikantenfunktion nicht stattgefunden habe, dass man das wiederfindet, was es ursprünglich an Realem gibt, also das, wovon all dies das Zeichen ist.
Ich belasse das hier als Hinweis, als Ansatzpunkt, um später, in verallgemeinerter und zugleich stärker diversifizierter Form darauf zurückzukommen, entsprechend den drei Arten von Neurosen – Phobie, Hysterie und Zwang –, nachdem ich die Runde gedreht haben werde, zu der diese Vorbemerkung bestimmt ist: um mich zu meinem Diskurs zurückzubringen.
Dieser Umweg ist also geeignet, um die doppelte Zielsetzung unserer Untersuchung zu verorten und zugleich zu rechtfertigen, insofern wir ihr in diesem Jahr im Bereich der Identifizierung nachgehen: Unmöglich – auch wenn unsere Untersuchung einigen als extrem metapsychologisch erscheinen mag –, sie nicht auf genau dem Grat fortzusetzen, auf dem wir sie verfolgen, insofern die Analyse nur mit dieser äußerst eschatologischen Zielsetzung begreifbar ist wenn ich mich so ausdrücken darf, der einer Erotik.
Unmöglich aber auch, wenn Sie nicht, zumindest auf einer bestimmten |{10} Ebene, das Bewusstsein für den Sinn dieser Zielsetzung bewahren, in der Praxis auf angemessene Weise das zu tun, was Sie zu tun haben, was natürlich nicht heißt, eine Erotik zu predigen, sondern mit der Tatsache zurechtzukommen, dass es selbst bei den normalsten Leuten und bei voller und ganzer Anwendung der Normen, auch mit bestem Willen, naja, dass es da nicht läuft. Nicht nur, wie Herr de La Rochefoucauld sagte: „Es gibt gute Ehen, aber keine köstlichen“; wir können hinzufügen, dass es sich seither noch ein wenig verschlechtert hat, da es nicht einmal mehr gute gibt, will sagen: in der Perspektive des Begehrens.
Es wäre doch ein wenig unglaubwürdig, wenn in einer Versammlung von Analytikern solche Bemerkungen nicht in den Vordergrund gestellt werden könnten. Das macht Sie jedoch nicht zu Propagandisten einer neuen Erotik, es situiert für Sie das, was Sie bei jedem einzelnen Fall tun haben. Sie haben genau das tun, was jeder für sich selbst zu tun hat und wofür er mehr oder weniger Ihrer Hilfe bedarf, das heißt, in Erwartung des Kosmonauten einer zukünftigen Erotik: handwerkliche Lösungen.
*
Nehmen wir die Dinge dort wieder auf, wo wir sie letztes Mal haben liegen lassen, auf der Ebene der Privation.
Ich hoffe, ich habe mich dieses Sujet betreffend verständlich gemacht, indem ich es [dieses Subjekt] symbolisiert habe durch das minus Eins (–1): die zwangsläufig nicht gezählte Runde, die bestenfalls als Minus gezählte Runde, dann nämlich, wenn es die Runde um die Runde gemacht hat, die Runde um den Torus.

Quadrantenschema mit –1

Quadrantenschema mit –(–1)
Die Tatsache, dass ich sofort den Faden gespannt habe, der die Funktion dieses (–1) mit der logischen Grundlage jeder Möglichkeit einer universalen Bejahung verbindet, |{11} also der Möglichkeit, die Ausnahme zu begründen – und im Übrigen ist es das, wodurch die Regel gefordert wird, die Ausnahme bestätigt nicht die Regel, wie man liebenswürdigerweise sagt, sie fordert sie, sie ist ihr wahres Prinzip –, kurz, dadurch, dass ich Ihnen meine kleine Kreisfläche angezeichnet habe, dass ich Ihnen also gezeigt habe, dass die einzig wahre Sicherung der universalen Bejahung in der Ausschließung eines negativen Zuges besteht – „es gibt keinen Menschen, der nicht sterblich wäre“ –, habe ich einer Verwirrung Vorschub geleistet, die ich nun korrigieren möchte, damit Ihnen klar wird, auf welchem grundlegenden Feld ich Sie voranschreiten lasse. Ich habe Ihnen diesen Bezug geliefert, es ist jedoch klar, dass man ihn nicht für eine Ableitung des gesamten Vorgangs aus dem Symbolischen halten darf.

Quadrantenschema mit herausgelöstem –1
Der leere Teil, in dem es nichts gibt – auf dieser Ebene muss man ihn in meiner Kreisscheibe noch als abgelöst auffassen. Das (–1), das auf dieser Ebene das Subjekt ist, ist in sich selbst in keiner Weise subjektiviert, es geht noch in keiner Weise um die Frage von Wissen oder Nicht-Wissen. Damit etwas in der Art dieser Heraufkunft geschehen kann, muss ein ganzer Zyklus durchlaufen werden, wovon die Privation also nur der erste Schritt ist.
Die Privation, um die es geht, ist eine reale Privation, wofür ich --; mit der Stütze einer Anschauung, bei der Sie mir darin zustimmen werden, dass man mir wohl das Recht darauf zugestehen kann, da ich dabei lediglich den Spuren der Tradition folge, und zwar der reinsten. Wir gestehen Kant das Wesentliche seines Vorgehens zu, und was die Grundlage des Schematismus angeht, so suche ich nach einer besseren, um zu versuchen, sie für Sie spürbar und anschaulich zu machen.
Die Triebfeder dieser realen Privation habe ich jetzt geschmiedet. Erst nach einem langen Umweg also |{12} kann dem Subjekt das Wissen über seine ursprüngliche Verwerfung (rejet) zukommen. Aber bis dahin, das sage ich Ihnen gleich, wird allerhand passiert sein, sodass das Subjekt, wenn es ans Licht kommt, nicht nur weiß, dass es von diesem Wissen verworfen wird, sondern auch, dass dieses Wissen selbst zu verwerfen ist, da es sich als etwas erweisen wird, das immer entweder jenseits oder diesseits dessen ist, was zur Realisierung des Begehrens erreicht werden muss.
Mit anderen Worten, wenn das Subjekt jemals zur Identifizierung gelangt, was seit den Zeiten von Parmenides sein Ziel ist, zu der Behauptung, dass [gr.] noein kai einai, dass Denken und Sein, to auto ist, dasselbe ist, in diesem Moment wird es sich zwischen seinem Begehren und seinem Ideal unheilbar gespalten finden.
Dies ist, wenn ich so sagen darf, dazu bestimmt, das zu zeigen, was ich die objektive Struktur des besagten Torus nennen könnte. Aber warum sollte man mir diese Verwendung des Wortes objektiv verweigern, wo sie doch, bezogen auf den Bereich der Ideen, klassisch ist und noch bis zu Descartes verwendet wurde.
An dem Punkt, an dem wir jetzt also sind, und um nicht wieder darauf zurückzukommen, ist das Reale, um das es geht, vollkommen greifbar, und nur darum geht es. Was uns an dem Punkt, an dem wir jetzt sind, zur Konstruktion des Torus gebracht hat, ist die Notwendigkeit, jede der Runden als ein irreduzibel verschiedenes Eines zu definieren. Dafür, dass dies real ist, also dafür, dass diese symbolische Wahrheit – symbolisch, da sie das Rechnen, das Zählen voraussetzt – begründet ist und in die Welt Eingang findet, ist es notwendig und hinreichend, dass in diesem Realen etwas erschienen ist, nämlich der unäre Zug. Man wird verstehen, dass gegenüber diesem Einen, welches dem Ideal seine ganze Realität verleiht – das Ideal ist alles, was es im Symbolischen an Realem gibt, und das ist hinreichend –, man versteht, dass dies an den Ursprüngen des |{13} Denkens, wie man sagt, zur Zeit von Platon und bei Platon, um nicht weiter zurückzugehen, mit Anbetung und Niederwerfung einherging: das Eine war das Gute, das Schöne, das Wahre, das höchste Sein.
Die Umkehrung, der wir uns hierbei zu stellen haben, besteht darin, zu erkennen – so legitim diese Anbetung unter dem Gesichtspunkt einer affektiven Erhebung auch sein mag –, dass dieses Eine nichts anderes ist als die Realität eines ziemlich stupiden Strichs (bâton). Das ist alles. Der erste Jäger, wie ich Ihnen gesagt habe, der auf einer Antilopenrippe eine Kerbe machte, um sich schlicht daran zu erinnern, dass er zehn Mal, zwölf oder dreizehn Mal gejagt hatte, konnte nicht zählen, beachten Sie das. Und gerade deshalb war es notwendig, diese Striche zu setzen: damit die zehn, zwölf oder dreizehn – all die Male – nicht miteinander verschmelzen, wie sie es eigentlich verdient hätten.
Also, auf der Ebene der Privation, um die es geht, insofern das Subjekt zunächst objektiv diese Privation in Bezug auf das Ding ist, die Privation, von der es nicht weiß, dass es die der nicht gezählten Runde ist, von hier gehen wir wieder aus, um zu verstehen, wie es kommt – wir haben noch weitere Informationselemente –, dass es sich von daher als Begehren konstituieren wird, und dass es um die Beziehung weiß, die es zwischen dieser Konstitution und jenem Ursprung gibt, welcher es uns erlauben kann, dass wir anfangen, einige symbolische Beziehungen zu artikulieren, die dem Subjekt angemessener sind als jene, die zur Struktur seines Begehrens bisher vorgebracht wurden.
Das erlaubt uns jedoch keine Mutmaßung darüber, was vom Begriff und von der Funktion des Subjekts übrigbleiben wird, wenn wir es in eine Gleichung mit dem Begehren eingesetzt haben. Das sind wir ja gezwungen, |{14} mit ihm zu durchlaufen, nach einer Methode, die letztlich keine andere ist als die der Erfahrung – das ist der Untertitel [sic] von Hegels Phänomenologie, nämlich Wissenschaft der Erfahrung; mit den unterschiedlichen Gegebenheiten, die wir zur Verfügung haben, verfolgen wir einen analogen Weg.
*
Der nächste Schritt ist zentriert; ich könnte hier genauso gut keine Kapitelüberschrift setzen, ich tue es für didaktische Zwecke: es ist der der Frustration. Auf der Ebene der Frustration eröffnet sich für das Subjekt mit dem Anderen die Möglichkeit eines wesentlichen neuen Schritts.
Das Eine der einzelnen Runde, das Eine, durch das sich jede Wiederholung in ihrer absoluten Differenz unterscheidet, kommt zum Subjekt nicht – auch wenn seine Stütze nichts anderes ist als die des realen Strichs –, kommt zum Subjekt von keinem Himmel: für das Subjekt, mit dem wir es zu tun haben, kommt es von einer durch die Existenz des Diskursuniversums konstituierten Erfahrung, noch bevor es geboren wurde, durch die von dieser Existenz vorausgesetzte Notwendigkeit des Ortes des Anderen mit großem A, wie ich ihn früher definiert habe.
Hier wird das Subjekt das Wesentliche erwerben, das, was ich als zweite Dimension bezeichnet habe, insofern sie eine radikale Funktion seiner eigenen Verortung in ihrer Struktur ist, wobei es so ist, dass wir diese zweite Dimension metaphorisch als Torusstruktur bezeichnen, jedoch nicht ohne die Absicht, mit dieser Metapher die eigentliche Struktur der Sache zu erfassen, insofern sie, neben allen anderen Schleifen, die Existenz von solchen Schleifen konstituiert, die sich nicht auf einen Punkt reduzieren lassen, von Schleifen, die nicht verschwinden.
Es ist notwendigerweise der Andere, worin sich die Irreduzibilität der zwei Dimensionen verkörpern wird, |{15} da sie, wenn sie irgendwo spürbar ist, dies nur im Bereich des Symbolischen sein kann, denn bisher ist das Subjekt für uns nur insofern das Subjekt, als es spricht. In der Erfahrung des Symbolischen muss das Subjekt der Begrenzung seiner Verschiebungen begegnen, die es zuerst dazu bringt, die Spitze, wenn ich so sagen darf, den irreduziblen Winkel der Duplizität der beiden Dimensionen in die Erfahrung eintreten zu lassen.
Eben dafür wird mir, wie Sie sehen werden, der Schematismus des Torus äußerst dienlich sein, ausgehend von der durch die Psychoanalyse bereicherten Erfahrung und der von ihr wachgerufenen Beobachtung.
Das Objekt seines Begehrens – das Subjekt kann versuchen, es zu sagen. Es tut sogar nichts anderes. Das ist mehr als ein Äußerungsakt, das ist ein Akt der Imagination. Das ruft in ihm ein Manöver der imaginären Funktion hervor, und notwendigerweise erweist sich diese Funktion als präsent, sobald die Frustration erscheint.
Sie kennen das Gewicht, die Betonung, die ich – wie andere vor mir, vor allem der Heilige Augustinus – auf den Moment gelegt habe, in dem die Leidenschaft der Eifersucht erwacht, bei der Konstituierung der Art von Objekt, das wir als das konstruiert haben, das unseren sämtlichen Befriedigungen zugrunde liegt: das kleine Kind, von eifersüchtiger Leidenschaft erfasst, gegenüber seinem Bruder, der für es, in einem Bild, den Besitz jenes Objekts auftauchen lässt, nämlich der Brust, das bis dahin für es nur das darunter liegende, elidierte, verschleierte Objekt hinter der Wiederkehr einer Präsenz war, die mit jeder seiner Befriedigungen einherging; das Objekt, das in dem Rhythmus, in den sich die Notwendigkeit seiner ersten Abhängigkeit eingeschrieben hat und worin sie spürbar war, nur das metonymische Objekt einer jeden Wiederkehr gewesen ist: hier wird es plötzlich für das Kind ans Tageslicht befördert, mit den Wirkungen, die sich uns durch seine tödliche Blässe |{16} zeigen, ans Licht dieses Neuen: des Begehrens. Das Begehren nach dem Objekt als solchem, insofern es bis in das Fundament des Subjekts hinein einen Widerhall findet, wodurch es – weit über den Zustand als befriedigt oder unbefriedigt hinaus – erschüttert wird, als plötzlich im Innersten seines Seins bedroht, das seinen grundlegenden Mangel enthüllt und dies in Gestalt des anderen, das die Metonymie ans Licht bringt und zugleich den Verlust, den sie bedingt.
Diese Dimension des Verlusts, wesentlich für die Metonymie, Verlust des Dings im Objekt, dies ist die wahre Bedeutung der Thematik des Objekts als verloren und niemals wiedergefunden, dieselbe, die auch die Grundlage des Freud’schen Diskurses bildet und unaufhörlich wiederholt wird.
Ein Schritt mehr: Wenn wir die Metonymie noch weiter treiben, geht es, wie Sie wissen, um den Verlust von etwas Wesentlichem im Bild , in dieser Metonymie, die man das Ich (moi) nennt. An diesem Punkt der Geburt des Begehrens, an diesem Punkt der Blässe, an dem Augustinus vor dem Säugling innehält – wie Freud es achtzehn [sic] Jahrhunderte später vor seinem Enkel tun wird –, kann man fälschlicherweise sagen, das Wesen, auf das ich eifersüchtig bin, der Bruder, sei meinesgleichen (mon semblable); er ist mein Bild, in dem Sinne, in dem das Bild, um das es sich handelt, ein Bild ist, auf das sich mein Begehrens gründet. Dies ist die imaginäre Offenbarung, und das ist der Sinn und die Funktion der Frustration.
Das ist alles schon bekannt, ich erinnere nur daran als zweite Quelle der Erfahrung: nach der realen Privation die imaginäre Frustration. Aber so wie ich heute bei der realen Privation versucht habe, für Sie einzuordnen, wozu sie dient, bezogen auf den Punkt, der uns interessiert, das heißt bei der Fundierung des Symbolischen, auf gleiche Weise müssen wir hier sehen, |{17} wie dieses Bild, in dem das Begehren gründet und sich offenbart, im Symbolischen zu verorten sein wird.
Diese Verortung ist schwierig. Sie wäre natürlich ganz und gar unmöglich, wenn das Symbolische nicht bereits da wäre, wenn – wie ich immer schon und ziemlich lange in Erinnerung gerufen habe, eingehämmert habe, damit Ihnen das in den Kopf geht –, wenn der Andere und der Diskurs, in dem das Subjekt sich zu verorten hat, es nicht immer schon erwartet hätten, vor seiner Geburt, und dadurch, dass man, durch Vermittlung zumindest seiner Mutter, seiner Ernährerin, zu ihm spricht.
Die Triebfeder, um die es sich handelt – und die zugleich das ABC ist, die Kindheit unserer Erfahrung, über die man seit einiger Zeit jedoch nicht mehr hinauszugehen weiß, eben weil man sie nicht als ABC zu formalisieren weiß –, ist folgende: die Überkreuzung, der naive Austausch, der sich durch die Dimension des Anderen zwischen Begehren und Anspruch herstellt.
Wenn es, wie Sie wissen, etwas gibt, worüber man sagen kann, dass der Neurotiker zu Beginn hineingetappt ist, dann ist es diese Falle; und er wird versuchen, das Objekt seines Begehrens in den Anspruch übergehen zu lassen, vom anderen nicht etwa die Befriedigung seines Bedürfnisses – wofür der Anspruch da ist –, sondern die Befriedigung seines Begehrens zu erhalten, also davon das Objekt zu bekommen, das heißt genau das, was nicht beansprucht werden kann. Und das liegt am Ursprung dessen, was man in den Beziehungen des Subjekts zum anderen als Abhängigkeit bezeichnet.
Ebenso wird der Neurotiker versuchen – was noch paradoxer ist –, durch Anpassung seines Begehrens den Anspruch des anderen zu befriedigen. Und es gibt keine andere Bedeutung, ich meine korrekt artikulierte Bedeutung für das, was die Entdeckung der Analyse und von Freud ist: für die Existenz überhaupt des Über-Ichs. |{18} Es gibt keine andere korrekte Definition, ich meine, keine andere, die es ermöglicht, Ausrutschen und Verwirrung zu vermeiden.
Ich denke, ohne das weiter auszuführen, dass die praktischen, konkreten alltäglichen Resonanzen, also dass die Sackgasse des Neurotikers zuerst – und noch vor dem Problem der Sackgassen seines Begehrens – in dieser in jedem Moment spürbaren, massiv spürbaren Sackgasse besteht, in die Sie ihn immer wieder laufen sehen. Das möchte ich knapp so ausdrücken, dass ich sage, er braucht für sein Begehren die Sanktion eines Anspruchs.
Was verweigern Sie ihm denn, wenn nicht das, was er von Ihnen erwartet: dass sie von ihm verlangen, angemessen zu begehren – ? Ganz zu schweigen davon, was er von seiner Gattin erwartet, von seinen Eltern, von seinen Nachkommen und von all den Formen des Konformismus, die ihn umgeben.
Was können wir von daher konstruieren und wahrnehmen?

Oben: Umläufe auf einem Torus
Unten: Zwei Tori mit Verschränkung von vollem und leerem Kreis
Wenn es so ist, dass der Anspruch sich in den durchlaufenen Runden erneuert, in den vollen Kreisen um den gesamten Torus herum und in den sukzessiven Umläufen, zu denen die Wiederkehr nötigt, jedoch eingefassst in die Schleifen des Anspruchs, des Bedürfnisses, wenn es so ist (wie ich Ihnen schon zu verstehen gab: durch jeden dieser Umläufe), dass das, was uns zu sagen erlaubt, dass der elidierte Kreis (der Kreis, den ich – einfach damit Sie sehen, was ich in Bezug auf den Torus sagen will – den vollen Kreis genannt habe), dass er hier hinter all diesen Ansprüchen das metonymische Objekt materialisiert, dann ist eine topologische Konstruktion eines zweiten Torus vorstellbar, die zur Eigenschaft hat, dass sie es uns ermöglicht, dass wir uns Folgendes vorstellen: die Abbildung des Objekts des Begehrens, also des inneren leeren Kreises [Abb. 1.a] des ersten Torus [1.1], auf den vollen Kreis [1.a’] des zweiten Torus [1.2], wobei dieser volle Kreis eine Schlaufe bildet, eine dieser irreduziblen Schleifen.

Zwei ineinandergreifende Tori
{19} Umgekehrt überlagert sich der Kreis auf dem ersten Torus [1.1], der eines Anspruchs [1.b], hier, auf dem anderen Torus [1.2] – auf dem Torus, der hier für den anderen steht, den imaginären anderen der Frustration –, überlagert er sich hier mit dem leeren Kreis des anderen Torus [Abb. 2], womit er die Funktion erfüllt, diese Verschränkung zu zeigen: Begehren bei dem einen – Anspruch bei dem anderen; Anspruch bei dem einen – Begehren bei dem anderen, was der Knoten ist, in dem sich die gesamte Dialektik der Frustration verzurrt.
Diese mögliche Abhängigkeit der beiden Topologien, der des einen Torus von der des anderen, drückt letztlich nichts anderes aus als das, was das Ziel unseres Schemas ist, insofern wir ihm mit dem Torus eine Stütze geben. Das heißt, auch wenn der Raum der kantischen Anschauung, wie ich sagen möchte, durch das neu von uns eingeführte Schema als illusorisch in Klammern gesetzt werden muss, annulliert werden muss, aufgehoben* werden muss, weil die topologische Ausdehnung es uns gestattet, da wir nur die Eigenschaften der Oberfläche berücksichtigen, so sind wir uns doch des Bestehens, der Solidität, wenn ich so sagen darf, des Volumens des Systems sicher, ohne auf die Anschauung der Tiefe zurückgreifen zu müssen.

Zwei aufgeschnittene Tori
Was Sie sehen und was hierdurch verbildlicht wird, ist Folgendes: Wenn wir uns, soweit die Gewohnheiten unserer Anschauung das zulassen, in diesen Grenzen halten, dann ergibt sich daraus, dass dennoch, da es zwischen den beiden Flächen nur eine Substitution durch bijektive Abbildung gibt – wenn auch invertiert, das heißt, einmal durchgeschnitten, wird es auf der einen Fläche in dieser Richtung sein und auf der andern in der anderen –, dass es dennoch so ist, dass dies spürbar macht, sobald der Aspekt des Raumes erforderlich wird, dass diese beiden Räume, der innere und der äußere, |{20} sobald wir davon absehen, ihnen eine andere Substanz zu geben als eine topologische, derselbe Raum sind.
Was Sie in dem Schlüsselsatz ausgedrückt sehen werden, der bereits im Rom-Vortrag die Verwendung anzeigt, die ich für sie davon machen wollte, dass nämlich die Eigenschaft des Ringes, insofern er die Funktion des Subjekts in seinen Beziehungen zum anderen symbolisiert, darin besteht, dass der Raum seines Inneren und der äußere Raum derselbe sind. Von daher konstruiert das Subjekt seinen Außenraum nach dem Modell der Irreduzibilität seines Innenraums.
Was dieses Schema jedoch zeigt, ist, auf offensichtliche Weise, der Wegfall der idealen Harmonie, die vom Objekt gegenüber dem Anspruch, vom Anspruch gegenüber dem Objekt gefordert werden könnte. Eine Illusion, die, so denke ich, durch die Erfahrung ausreichend belegt wird, sodass wir das Bedürfnis verspürt haben, dieses notwendige Modell ihres notwendigen Auseinanderfallens zu konstruieren. Wir kennen davon die Triebfeder, und wenn es natürlich so aussieht, als würde ich nur langsam vorankommen, dann glauben Sie mir, dass keine Stagnation zu viel ist, wenn wir uns der nächsten Schritte sicher sein wollen.
*
#Was wir bereits wissen und was hier anschaulich dargestellt wird, ist, dass das Objekt selbst als solches, als Objekt des Begehrens, Effekt der Unmöglichkeit des Anderen ist, auf den Anspruch zu antworten. Das ist hier deutlich zu sehen, insofern als der andere, was immer sein Begehren sein mag, besagtem Anspruch nicht genügen kann und er den größten Teil der Struktur gezwungenermaßen entblößt lässt. Mit anderen Worten, dass das Subjekt nicht, wie man glaubt, vom Ganzen umhüllt ist, dass auf der Ebene des Minus des Subjekts, welches spricht, die Umwelt* nicht seine Innenwelt* einhüllt. Wenn man etwas tun könnte, um durch Bezug |{21} auf die ideale Sphäre, die ideale Kugelschale – immer schon das anschauliche und mentale Modell der Struktur eines Kosmos – das Subjekt bildlich darzustellen, dann bestünde dies vielmehr darin, das Subjekt (wenn ich mir erlauben darf, das anschauliche Bild der Sphäre für Sie weiterzutreiben und zu nutzen, Sie werden jedoch sehen, dass es dafür mehr als eine Möglichkeit gibt), dann bestünde es darin, das Subjekt durch die Existenz eines Lochs in besagter Sphäre darzustellen und seine Ergänzung durch zwei Nähte.
Nehmen wir an, auf einer kosmischen Sphäre soll das Subjekt konstituiert werden. Die Oberfläche einer unendlichen Sphäre ist eine Ebene, die Ebene der Tafel, unendlich ausgedehnt.

Unendliche Sphäre mit viereckigem Loch
Hier ist das Subjekt: ein viereckiges Loch, wie die allgemeine Gestalt meiner Haut von vorhin, diesmal jedoch als Negativ.

Erste Naht in der unendlichen Sphäre mit Loch
Ich vernähe einen Rand mit dem anderen [1], jedoch unter der Vorgabe, dass es sich um gegenüberliegende Ränder handelt und ich die beiden anderen Ränder freilasse. Daraus ergibt sich die folgende Figur, nämlich, mit der an dieser Stelle ausgefüllten Leere, zwei Löcher, die in der Sphäre mit unendlicher Oberfläche zurückbleiben.

Herausziehen der Ränder

Zweite Naht in der unendlichen Sphäre mit Loch
Jetzt muss man nur noch an jedem der Ränder dieser beiden Löcher ziehen [C], um auf der unendlichen Fläche das Subjekt zu bilden, wobei es insgesamt durch das gebildet wird was, auch wenn es einen Beutel von unendlich großem Radius hat, immer noch ein Torus ist, nämlich ein Henkel, der aus der Fläche einer Ebene herausragt [D].
*
Das bedeutet es maximal: die Beziehung des Subjekts zum großen Ganzen. Wir werden sehen, wie wir das anwenden können.
{22} Wichtig ist, hier zu verstehen, dass für die Abdeckung des Objekts durch die Form des Anspruchs – wenn der imaginäre andere auf diese Weise gebildet wird, durch Umkehrung der Funktionen des Kreises des Begehrens im Verhältnis zum Kreis des Anspruchs –, dass hierfür der andere, zur Befriedigung des Begehrens des Subjekts, als ohne Macht definiert werden muss. Ich bestehe auf diesem ohne, denn damit erscheint eine neue Form der Verneinung, eine, durch welche im strengen Sinne die Wirkungen der Frustration angezeigt werden. Ohne ist eine Verneinung, jedoch keine beliebige, das ist eine Negationsverbindung, die in der englischen Sprache gut durch die konformistische Homologie der beiden Beziehungen zwischen den beiden Signifikanten within und without materialisiert wird. Das ist eine gebundene Ausschließung, die bereits von sich aus auf ihre Umkehrung verweist.
Gehen wir noch einen Schritt weiter, den des nicht ohne. Sicherlich, in der naiven Perspektive des Begehrens wird der andere als ohne Macht eingeführt, jedoch ist das, was ihn wesentlich mit der Struktur des Begehrens verbindet, das nicht ohne: er ist auch nicht ohne Macht.
Deshalb findet sich cet Autre, dieser Andere, den wir insgesamt als Metapher für den unären Zug eingeführt haben (das heißt für das, was wir auf seiner Ebene finden und was von ihm in einer unendlichen Regression ersetzt wird, da er der Ort ist, an dem diese voneinander ganz verschiedenen Einen – wovon das Subjekt nur die Metonymie ist – aufeinander folgen), deshalb findet sich cet Autre comme un / cet Autre commun, dieser Andere als Einer / dieser gemeinsame Andere (und das Wortspiel ist Bestandteil der Formel, die ich hier verwende, um die Art und Weise zu definieren, in der ich ihn eingeführt habe), deshalb findet er sich, sobald die Notwendigkeit der Wirkungen der imaginären Frustration einmal durchlaufen ist, als derjenige wieder, der diesen einzigartigen Wert hat, denn allein er ist nicht ohne Macht; am möglichen Ursprung des Begehrens wird er als Bedingung gesetzt, auch |{23} wenn diese Bedingung in der Schwebe bleibt. Dafür ist er comme pas un, wie sonst keiner / wie nicht ein: er gibt der Minus Eins des Subjekts eine andere Funktion, die sich zuerst in der Dimension verkörpert, die Ihnen dieses wie hinreichend als die der Metapher situiert.
Mit dieser Ebene, mit der Ebene des wie sonst keiner und all dessen, was in der Folge dann davon abhängig bleibt, als dem, was ich die absolute Bedingtheit des Begehrens, genannt habe, damit werden wir es das nächste Mal zu tun haben, das heißt, mit der Ebene des dritten Terminus, mit der Einführung des Akts des Begehrens als solchem, mit seinen Beziehungen zum Subjekt einerseits, <und andererseits> mit der Wurzel dieser Macht, mit der Reartikulation der Phasen dieser Macht, wobei ich, wie Sie sehen <werden>, auf das nicht möglich werde zurückkommen müssen, um den Weg zu markieren, der bei der Einführung der Termini Macht und ohne Macht zurückgelegt wurde.
Eingedenk dessen, dass wir diese Dialektik beim nächsten Mal werden fortsetzen müssen, höre ich heute hier auf.
.
Französisch/deutsch
{1} Dans le dialogue que je poursuis avec vous, il y a forcément des hiatus, des saltus, des casus, des occasions, pour ne pas parler du fatum.
In dem Dialog, den ich mit Ihnen führe, gibt es zwangsläufig hiatus, saltus, casus – Gelegenheiten –, vom fatum ganz zu schweigen.1
.
Autrement dit, il est coupé par diverses choses.
Mit anderen Worten, er wird von verschiedenen Dingen unterbrochen.
.
Par exemple hier soir, nous avons entendu l’intéressante, l’importante communication de Lagache, à la séance scientifique de la Société, sur la sublimation.
So haben wir zum Beispiel gestern Abend, bei der wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft, den interessanten und wichtigen Vortrag von Lagache über Sublimierung gehört.2
.
Ce matin j’avais envie d’en repartir, mais d’un autre côté dimanche j’étais parti d’ailleurs, je veux dire d’une sorte de remarque sur le caractère de ce qui se poursuit ici comme recherche.
Heute Morgen hatte ich Lust, darauf zurückzukommen, andererseits war ich am Sonntag von jedoch etwas anderem ausgegangen, ich meine von einer Art Bemerkung darüber, welche Art von Forschung hier stattfindet.3
.
C’est évidemment une recherche conditionnée.
Natürlich ist das eine Forschung, die bedingt ist.
.
Par quoi ?
Wodurch ?
.
Pour l’instant, par une certaine visée que j’appellerai visée d’une érotique.
Im Augenblick durch eine bestimmte Zielsetzung, die ich so bezeichnen möchte: Abzielen auf eine Erotik.4
.
Je considère ceci comme légitime, non pas que nous soyons – de nature – essentiellement destinés à la faire quand nous sommes sur la route où elle est exigée.
Ich halte das für legitim – nicht etwa, dass wir, wenn wir auf dem Weg sind, auf dem sie erforderlich ist, von Natur aus wesentlich dazu bestimmt wären, sie zu betreiben.
.
Je veux dire que nous sommes sur cette route un peu comme, au cours des siècles, ceux qui ont médité sur les conditions de la science ont été sur la route de ce à quoi la science réussit effectivement – d’où ma référence au cosmonaute qui a bien son sens – pour autant que ce à quoi elle réussissait, n’était certainement pas forcément ce à quoi elle s’attendait jusqu’à un certain point, bien que les phases de sa recherche soient abolies, réfutées par sa réussite.
Ich meine, dass wir auf diesem Weg ein wenig so wie jene sind, die im Laufe der Jahrhunderte über die Bedingungen der Wissenschaft nachgedacht haben und auf dem Weg zu dem waren, was die Wissenschaft dann tatsächlich erreicht hat – deshalb mein Hinweis auf den Kosmonauten, der seinen guten Sinn hat –, insofern das, was sie erreicht hat, sicherlich nicht unbedingt das ist, was sie bis zu einem gewissen Punkt erwartet hatte, auch wenn durch ihren Erfolg die Phasen ihrer Forschung ausgelöscht oder widerlegt wurden.
.
Il est certain qu’il y a chez les gens… nous employons ce terme au sens le plus large, à moins que nous ne l’employions dans un sens légèrement réduit, celui des gentils, ce qui évidemment laisserait ouverte la curieuse question des gentils définis par rapport à x – vous savez d’où |{2} cette définition des gentils part –, ce qui laisserait ouverte la curieuse question de savoir comment il se trouve que les gentils représentent, si je puis dire, une classe secondaire au sens où je l’entendais la dernière fois de quelque chose de fondé sur une certaine acception antérieure.
Es ist sicher, dass es bei les gens, bei den Leuten --; wir verwenden diesen Ausdruck im weitesten Sinne, es sei denn, wir gebrauchen ihn in einem etwas engeren Sinn, in dem der gentils, der Heiden, was natürlich eine merkwürdige Frage offen ließe, die nach den gentils, definiert im Verhältnis zu x – Sie wissen, von wo die Definition der gentils ausgeht –, was also die merkwürdige Frage offen ließe, wie es kommt, dass die gentils, wenn ich so sagen darf, eine sekundäre Klasse in dem Sinne darstellen, wie ich es beim letzten Mal verstanden habe: als etwas, das auf einer bestimmten früheren Auffassung basiert.5
.
Malgré tout cela ne serait pas mal, car dans cette perspective, les gentils, c’est la chrétienté, et chacun sait que la chrétienté comme telle est dans un rapport notoire avec les difficultés de l’érotique, à savoir que les démêlés du chrétien avec Vénus sont tout de même quelque chose qu’il est assez difficile de méconnaître, encore qu’on feigne de prendre la chose, si je puis dire, par-dessus la jambe.
Trotzdem wäre das nicht schlecht, denn in dieser Perspektive sind die Heiden die Christenheit, und jeder weiß, dass die Christenheit als solche zu den Schwierigkeiten der Erotik ein notorisches Verhältnis hat, das heißt, dass sich die Scherereien, die der Christ mit Venus hat, nur schwer übersehen lassen, auch wenn man vorgibt, die Sache, wenn ich so sagen darf, auf die leichte Schulter zu nehmen.6
.
En fait, si le fond du christianisme se trouve dans la révélation paulinienne, à savoir dans un certain pas essentiel fait dans les rapports au père, si le rapport de l’amour au père en est ce pas essentiel, s’il représente vraiment le franchissement de tout ce que la tradition sémite a inauguré de grand… de ce fondamental rapport au père, de cette baraka originaire, à laquelle il est tout de même difficile de méconnaître que la pensée de Freud se rattache, fût-ce d’une façon contradictoire, malédictoire.
Und wirklich, wenn die Grundlage des Christentums in der paulinischen Offenbarung besteht, das heißt in einem bestimmten wesentlichen Schritt, der in den Beziehungen zum Vater vollzogen wird, wenn dabei die Beziehung der Liebe zum Vater der wesentliche Schritt ist, wenn er tatsächlich die Überschreitung von allem darstellt, was die semitische Tradition an Großem begründet hat, nämlich der grundlegenden Beziehung zum Vater, der ursprünglichen Baraka, bei der ja schwer zu verkennen ist, dass das Denken von Freud daran gebunden ist, wenn auch auf widersprüchliche, verfluchende Art und Weise –.7
.
Nous ne pouvons pas en douter, car si la référence à l’Œdipe peut laisser la question ouverte, le fait qu’il ait terminé son discours sur Moïse, et comme il l’a fait, ne laisse pas douteux que le fondement de la révélation chrétienne est donc bien dans ce rapport de la Grâce que Paul fait succéder à la Loi.
Wir können das nicht bezweifeln, denn auch wenn der Bezug auf den Ödipuskomplex die Frage offen lassen kann, so lässt doch die Tatsache, dass er seinen Diskurs mit Moses beendet hat und wie er es getan hat, keinen Zweifel daran, dass die Grundlage der christlichen Offenbarung doch wohl in dem Umstand der Gnade besteht, den Paulus auf das Gesetz folgen lässt.8
.
La difficulté est ceci, c’est que le chrétien ne se tient pas, et pour cause, à la hauteur de la révélation, et que pourtant il vit |{3} dans une société telle qu’on peut dire que, même réduits à la forme la plus laïque, ses principes de droit sont tout de même issus directement d’un catéchisme qui n’est pas sans rapport avec cette révélation paulinienne.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Christ, und mit Grund, sich nicht auf der Höhe der Offenbarung hält, und dass er gleichwohl in einer Gesellschaft lebt, von der man sagen kann, dass ihre Rechtsgrundsätze, selbst reduziert auf die säkularste Form, dennoch direkt aus einem Katechismus hervorgegangen sind, der nicht ohne Bezug zu dieser paulinischen Offenbarung ist.9
.
Seulement, comme la méditation du Corps mystique n’est pas à la portée de chacun, une béance reste ouverte qui fait que pratiquement le chrétien se trouve réduit à ceci, qui n’est pas tellement normal, fondamental, de n’avoir plus réellement d’autre accès à la jouissance comme telle que de faire l’amour.
Allerdings, so wie die Meditation über den mystischen Leib nicht jedem zugänglich ist, bleibt eine Kluft offen, die dazu führt, dass sich der Christ praktisch darauf reduziert findet, was keineswegs normal und grundlegend ist, dass er zum Genießen als solchem wirklich keinen anderen Zugang mehr hat als den, Liebe zu machen.10
.
C’est ce que j’appelle ses démêlés avec Vénus.
Das ist das, was ich seine Scherereien mit Venus nenne.
.
Car, bien entendu, avec ce à quoi il est placé dans cet ordre, ça s’arrange somme toute dans l’ensemble, assez mal.
Denn natürlich läuft es alles in allem mit dem, wie er in dieser Ordnung platziert ist, insgesamt ziemlich schlecht.
.
C’est très sensible, ce que je dis, par exemple dès qu’on sort des limites de la chrétienté, dès qu’on va dans les zones dominées par l’acculturation chrétienne, je veux dire non pas les zones qui ont été converties au christianisme, mais qui ont subi les effets de la société chrétienne.
Was ich da sage, ist etwa dann sehr spürbar, wenn man die Grenzen der Christenheit hinter sich lässt und sich in die Gegenden begibt, die von der christlichen Akkulturation dominiert sind, damit meine ich nicht die Gegenden, die zum Christentum bekehrt wurden, sondern diejenigen, die die Auswirkungen der christlichen Gesellschaft erlitten haben.
.
Je me souviendrai longtemps d’une longue conversation poursuivie une nuit de 1947 avec quelqu’un qui était mon guide pour une virée faite en Égypte.
Ich werde mich noch lange an ein langes Gespräch erinnern, das ich in einer Nacht des Jahres 1947 mit jemandem hatte, der bei einem Ausflug in Ägypten mein Führer war.
.
C’était ce qu’on appelle un arabe.
Er war das, was man einen Araber nennt.
.
Il était, bien entendu, par ses fonctions et aussi par la zone où il vivait, tout ce qu’il y a de plus sous le coup de notre catégorie.
Durch seine Aufgaben sowie durch die Gegend, in der er lebte, fiel er natürlich voll und ganz unter unsere Kategorie.
.
C’était très net dans son discours, cette sorte d’effet de promotion de la question érotique.
In seiner Rede war das sehr deutlich, diese Art von Auswirkung der Hervorhebung der Frage der Erotik.
.
Il était certes préparé par toutes sortes de résonances très antiques de sa sphère à mettre au premier plan de la question de la justification de l’existence sa jouissance, mais la façon dont il l’incarnait dans la femme, avait tous les caractères en impasse de ce qu’on peut imaginer de plus dénué dans notre |{4} propre société.
Sicherlich war er durch alle möglichen sehr alten Resonanzen seiner Sphäre darauf vorbereitet, bei der Frage nach der Rechtfertigung der Existenz sein Genießen in den Vordergrund zu stellen, die Art jedoch, wie er es in der Frau verkörperte, machte ebenso sehr den Eindruck einer Sackgasse, wie man sie sich in unser eigenen Gesellschaft nicht entblößter vorstellen kann.
.
L’exigence en particulier d’un renouvellement, d’une succession infinie, due au caractère de sa nature essentiellement non satisfaisante de l’objet, était bien ce qui faisait l’essentiel, non pas seulement de son discours, mais de sa vie pratique.
Insbesondere bestimmte die Forderung nach <beständiger> Erneuerung, nach unendlicher Abfolge, bedingt durch die Art der wesentlich unbefriedigenden Natur des Objekts, im Wesentlichen nicht nur seine Rede, sondern sein praktisches Leben
.
Personnage, aurait-on dit dans un autre vocabulaire, essentiellement arraché aux normes de sa tradition.
Eine Person, die im Wesentlichen, so hätte man in einem anderen Vokabular gesagt, aus den Normen ihrer Tradition herausgerissen war.
.
Quand il s’agit de l’érotique, que devons-nous penser de ces normes ?
Wenn es um die Erotik geht: was sollen wir von diesen Normen halten?
.
Autrement dit, sommes-nous chargés de donner par exemple justification à la subsistance pratique du mariage comme institution à travers même nos transformations les plus révolutionnaires ?
Mit anderen Worten, haben wir beispielsweise die Aufgabe, eine Rechtfertigung zu liefern für das praktische Fortbestehen der Ehe als Institution, selbst durch unsere revolutionärsten Veränderungen hindurch?11
.
Je crois qu’il n’y a nul besoin de tout l’effort d’un Westermarck pour justifier à travers toutes sortes d’arguments, de nature ou de tradition, l’institution du mariage, car simplement elle se justifie de sa persistance que nous avons vue sous nos yeux, et sous la forme la plus nettement marquée de traits petit-bourgeois, à travers une société qui au départ croyait pouvoir aller plus loin dans la mise en question des rapports fondamentaux, je veux dire : dans la société communiste.
Ich glaube, es bedarf nicht all der Anstrengungen eines Westermarck, um mit allen möglichen Argumenten, sei es der Natur oder der Tradition, die Institution der Ehe zu rechtfertigen, denn sie rechtfertigt sich einfach durch ihr Fortbestehen, das wir mit eigenen Augen gesehen haben, und zwar in einer Gestalt, die ganz deutlich kleinbürgerliche Züge trägt, ihr Fortbestehen in einer Gesellschaft, die anfangs glaubte, bei der Infragestellung der grundlegenden Beziehungen weiter gehen zu können, ich meine, in der kommunistischen Gesellschaft.12
.
Il semble très certain que la nécessité du mariage n’a même pas été effleurée par les effets de cette révolution.
Es scheint ganz sicher zu sein, dass die Notwendigkeit der Ehe von den Auswirkungen dieser Revolution nicht einmal gestreift wurde.
.
Est-ce que c’est à proprement parler le domaine qui est celui où nous sommes amenés à porter la lumière ?
Ist das nun eben der Bereich, in dem wir Licht ins Dunkel bringen sollten?
.
Je ne le crois absolument pas.
Das glaube ich absolut nicht.
.
Les nécessités du mariage s’avèrent pour nous être un trait proprement social de notre conditionnement : elles laissent complètement ouvert le problème des insatisfactions qui en résultent, à savoir du conflit permanent où se trouve le sujet humain, |{5} pour cela seul qu’il est humain, avec les effets, les retentissements de cette loi du mariage.
Die Notwendigkeiten der Ehe erweisen sich für uns als ein genuin soziales Merkmal unserer Formung, sie lassen das Problem der sich daraus ergebenden Unbefriedigtheiten völlig offen, also des permanenten Konflikts, in dem sich das menschliche Subjekt allein schon dadurch befindet, dass es menschlich ist, mit den Auswirkungen und den Folgen dieses Gesetzes der Ehe.
.
Qu’est-ce qui en est pour nous le témoignage ?
Wo finden wir dafür den Beleg?
.
Tout simplement l’existence de ce que nous constatons, pour autant que nous nous occupons du désir, je veux dire qu’il existe dans les sociétés, qu’elles soient bien organisées ou non, qu’on y fasse en plus ou moins grande abondance les constructions nécessaires à l’habitat des individus, nous constatons l’existence de la névrose.
Ganz einfach in der Existenz dessen, was wir feststellen, wenn wir uns mit dem Begehren befassen, ich meine, dass in den Gesellschaften – ob sie nun gut organisiert sind oder nicht, ob man darin die für die Unterbringung der Individuen notwendigen Bauten in größerer oder in geringerer Fülle herstellt – die Neurose existiert, dass wir ihre Existenz feststellen.
.
Et ça n’est pas là où les conditions de vie les plus satisfaisantes sont assurées, ni où la tradition est la plus assurée, que la névrose est la plus rare, bien loin de là.
Und dort, wo besonders befriedigende Lebensbedingungen gesichert sind, oder dort, wo die Tradition besonders stark gesichert ist, ist die Neurose keineswegs am seltensten, weit davon entfernt.
.
Qu’est-ce que veut dire la névrose ?
Was bedeutet die Neurose?
.
Quelle est pour nous l’autorité, si je puis dire, de la névrose ?
Worin besteht für uns, wenn ich so sagen darf, die Autorität der Neurose?
.
Ça n’est pas tout simplement lié à sa pure et simple existence.
Das ist nicht schlicht und einfach an ihre pure Existenz gebunden.
.
La position est trop facile de ceux qui dans ce cas rejettent ses effets à une sorte de déplacement de l’humaine faiblesse.
Die Position derjenigen, die dabei die Wirkungen der Neurose auf eine Art Verschiebung der menschlichen Schwäche zurückführen, ist zu einfach.
.
Je veux dire que ce qui s’avère effectivement de faible, dans l’organisation sociale comme telle, est reporté sur le névrosé dont on dit que c’est un inadapté.
Ich meine, das, was sich in der Organisation der Gesellschaft als solcher effektiv als schwach erweist, wird von ihnen auf den Neurotiker abgeschoben, über den man sagt, er sei unangepasst.
.
Quelle preuve ?
Mit welchem Beweis?
.
Il me semble que le droit, l’autorité qui découle de ce que nous avons à apprendre du névrosé, c’est la structure qu’il nous révèle.
Mir scheint, das Recht, die Autorität, die aus dem hervorgeht, was wir vom Neurotiker zu lernen haben, ist die Struktur, die er uns offenbart.
.
Et dans son fond, ce qu’il nous révèle, à partir du moment où nous comprenons que son désir c’est bien le même que le nôtre, et pour cause, ce qu’il vient peu à peu révéler à notre étude, ce qui fait la dignité du névrosé, c’est qu’il veut savoir.
Und was er uns letztlich offenbart – von dem Moment an, in dem wir begreifen, dass sein Begehren dasselbe ist wie das unsere, und mit Grund –, das, was er unserem Studium nach und nach offenbart, das, was die Würde des Neurotikers ausmacht, ist, dass er wissen will.
.
Et en quelque sorte c’est lui qui introduit la psychanalyse.
Und in gewisser Weise ist er es, der die Psychoanalyse einführt.
.
L’inventeur de la psychanalyse, c’est non pas Freud, mais |{6} Anna O. comme chacun sait, et bien entendu, derrière elle bien d’autres : nous tous.
Erfinder der Psychoanalyse ist nicht Freud, sondern, wie jeder weiß, Anna O., und hinter ihr natürlich viele andere: wir alle.13
.
Le névrosé veut savoir quoi ?
Was ist es, das der Neurotiker wissen will?
.
Ici je ralentis mon débit pour que vous entendiez bien, car chaque mot a son importance.
Hier verlangsame ich meine Sprechweise, damit Sie gut verstehen, denn jedes Wort zählt.
.
Il veut savoir ce qu’il y a de réel dans ce dont il est la passion, à savoir, ce qu’il y a de réel dans l’effet du signifiant.
Er will wissen, was es in dem, wovon er die Passion ist, an Realem gibt, das heißt, was es im Signifikanteneffekt an Realem gibt.14
.
Bien entendu ceci supposant que nous en sommes arrivés assez loin pour savoir que ce qui s’appelle désir dans l’être humain est impensable, sinon dans ce rapport au signifiant et les effets qui s’y inscrivent.
Was natürlich voraussetzt, dass wir weit genug gekommen sind um zu wissen, dass das, was sich beim Menschen Begehren nennt, außer in der Beziehung zum Signifikanten und den Wirkungen, die sich hier einschreiben, nicht denkbar ist.
.
Ce signifiant qu’il est lui-même par sa position, à savoir en tant que névrose vivante, c’est, si vous vous rapportez à ma définition du signifiant – c’est d’ailleurs inversement ce qui la justifie : c’est qu’elle est applicable –, ce par quoi ce cryptogramme qu’est une névrose, ce qui le fait comme tel, le névrosé, un signifiant et rien de plus.
Dieser Signifikant, der er durch seine Position selber ist, das heißt als lebendige Neurose, das ist das (wenn Sie sich auf meine Definition des Signifikanten beziehen – wodurch sie übrigens umgekehrt gerechtfertigt ist: dadurch, dass sie sich anwenden lässt), das ist das, wodurch dieses Kryptogramm, also eine Neurose, ihn, den Neurotiker, als solchen zu einem Signifikanten macht und zu nichts anderem.15
.
Car le sujet qu’il sert justement est ailleurs, c’est ce que nous appelons son inconscient.
Denn das Subjekt, dem er dient, ist ja anderswo, es ist das, was wir sein Unbewusstes nennen.
.
Et c’est pour ça qu’il est, selon la définition que je vous en donne, en tant que névrose, un signifiant : c’est qu’il représente un sujet caché.
Und aus diesem Grunde ist er, nach der Definition, die ich Ihnen davon gebe, als Neurose ein Signifikant: weil er ein verborgenes Subjekt repräsentiert.
.
Mais pour quoi ?
Aber wofür?
.
Pour rien d’autre que pour un autre signifiant.
Für nichts anderes als für einen anderen Signifikanten.
.
Que ce qui justifie le névrosé comme tel, le névrosé pour autant que l’analyse – je laisse passer ce terme emprunté au discours de mon ami Lagache hier – le « valorise », c’est pour autant que sa névrose vient contribuer à l’avènement de ce discours exigé d’une érotique enfin constituée.
Was den Neurotiker als solchen rechtfertigt, den Neurotiker, insofern die Analyse ihn „aufwertet“ – ich lasse diesen Ausdruck, dem gestrigen Vortrag meines Freundes Lagache entlehnt, durchgehen –, ist dies, dass seine Neurose zum Aufkommen des Diskurses beiträgt, der für eine letztendlich konstituierte Erotik erforderlich ist.
.
Lui, bien entendu, n’en sait rien et ne le cherche pas.
Er selbst weiß natürlich nichts davon und er sucht nicht danach.
.
Et nous aussi bien, nous n’avons à le chercher |{7} que pour autant que vous êtes ici, c’est-à-dire que je vous éclaire sur la signification de la psychanalyse par rapport à cet avènement exigé d’une érotique.
Und auch wir müssen ihn nur insofern suchen, als Sie hier sind, das heißt, als ich Sie über die Bedeutung der Psychoanalyse aufkläre, in Bezug auf das geforderte Aufkommen einer Erotik.
.
Entendez : de ce par quoi il est pensable que l’être humain fasse aussi dans ce domaine – et pourquoi pas ? – la même trouée, et qui d’ailleurs aboutit à cet instant bizarre du cosmonaute dans sa carapace.
Verstehen Sie es so: das Aufkommen dessen, wodurch denkbar ist, dass dem Menschen auch in diesem Bereich – und warum nicht? – derselbe Durchbruch gelingt, der im Übrigen zu diesem eigenartigen Moment des Kosmonauten in seinem Panzer führt.
.
Ce qui vous laisse à penser que je ne cherche même pas à entrevoir ce que pourra donner une érotique future.
Weshalb Sie sich denken können, dass ich nicht einmal zu erahnen versuche, was eine zukünftige Erotik bringen könnte.
.
Ce qu’il y a de certain, c’est que les seuls qui y aient convenablement rêvé, à savoir les poètes, ont toujours abouti à d’assez étranges constructions.
Feststeht, dass die einzigen, die auf angemessene Weise davon geträumt haben, nämlich die Dichter, immer zu ziemlich seltsamen Konstruktionen gelangt sind.
.
Et si quelque préfiguration peut s’en trouver dans ce sur quoi je me suis arrêté avec quelque longueur, les ébauches qui peuvent en être données justement dans certains points paradoxaux de la tradition chrétienne, l’amour courtois par exemple, ça a été pour vous souligner les singularités tout à fait bizarres – que ceux qui en étaient les auditeurs s’en souviennent – de certain sonnet d’Arnaut Daniel par exemple, qui nous ouvrent des perspectives bien curieuses sur ce que représenteraient effectivement les relations entre l’amoureux et sa dame.
Und wenn sich davon in dem, worüber ich mich recht ausführlich verbreitet habe, eine gewisse Präfiguration finden lässt, diese Ansätze, die dafür ja an einigen paradoxen Punkten der christlichen Tradition gegeben werden können, etwa der höfischen Liebe , dann diente das dazu, um für Sie die äußerst bizarren Eigenheiten beispielsweise eines bestimmten Sonetts von Arnaut Daniel hervorzuheben – woran sich die damaligen Hörer wohl erinnern werden –, die uns recht merkwürdige Perspektiven auf das eröffnen, was die Beziehungen zwischen dem Liebenden und seiner Dame tatsächlich darstellen würden.16
.
Cela n’est pas du tout indigne de la comparaison avec ce que j’essaie de situer comme point extrême sur les aspects du cosmonaute.
Das ist keineswegs ein unwürdiger Vergleich mit dem, was ich über die Aspekte des Kosmonauten als Extrempunkt zu verorten suche.
.
Bien sûr, la tentative peut nous apparaître participer quelque peu de la mystification, et au reste elle a tourné court.
Natürlich kann uns der Versuch <der höfischen Liebe> als etwas erscheinen, das ein wenig an einer Mystifizierung teilhat, und außerdem ist er ins Leere gelaufen.
.
Mais elle est tout à fait éclairante pour nous situer, par exemple, ce qu’il faut entendre par la sublimation.
Er ist jedoch sehr erhellend für uns, um beispielsweise zu verorten, was unter Sublimierung zu verstehen ist.
.
J’ai rappelé hier soir que la sublimation, dans le discours de Freud, est inséparable d’une contradiction, c’est à savoir |{8} que la jouissance, la visée de la jouissance, subsiste et est en un certain sens réalisée dans toute activité de sublimation.
Gestern Abend habe ich daran erinnert, dass im Diskurs von Freud die Sublimierung untrennbar mit einem Widerspruch verbunden ist, dass nämlich in jeder Sublimierungs-Aktivität die Lust (jouissance), das Luststreben, fortbesteht und in gewissem Sinne realisiert wird.17
.
Qu’il n’y a pas de refoulement, qu’il n’y a pas effacement, qu’il n’y a même pas compromis avec la jouissance : qu’il y a paradoxe, qu’il y a détour, que c’est par les voies en apparence contraires à la jouissance que la jouissance est obtenue, ceci n’est proprement pensable que, justement, pour autant que dans la jouissance le médium qui intervient – médium par où il est donné accès à son fond qui ne peut être, je vous l’ai montré, que la Chose –, que ce médium ne peut être aussi qu’un signifiant.
Dass es <bei der Sublimierung> keine Verdrängung gibt, keine Auslöschung, dass es mit der Lust nicht einmal einen Kompromiss gibt: dass es eine Paradoxie gibt, dass es eine Umleitung gibt, dass die Lust auf Wegen erreicht wird, die der Lust scheinbar zuwiderlaufen, all dies ist wirklich nur insofern denkbar, als das Medium, das in die Lust, eingreift – ein Medium, durch das ein Zugang zu ihrem Grund geliefert wird, der, wie ich Ihnen gezeigt habe, nichts anderes sein kann als das Ding –, als dieses Medium ebenfalls nur ein Signifikant sein kann.18
.
D’où cet étrange aspect que prend à nos yeux la dame dans l’amour courtois.
Daher der seltsame Eindruck, den in der höfischen Liebe die Dame auf uns macht.
.
Nous ne pouvons pas arriver à y croire, parce que nous ne pouvons plus identifier à ce point un sujet vivant à un signifiant, une personne qui s’appelle Béatrice avec la sagesse et avec ce qu’était pour Dante l’ensemble, la totalité du savoir.
Es kann uns nicht gelingen, daran zu glauben, da wir nicht mehr in der Lage sind, ein lebendiges Subjekt derart mit einem Signifikanten zu identifizieren, eine Person namens Beatrice mit der Weisheit und mit dem, was für Dante die Ganzheit des Wissens war, die Gesamtheit des Wissens.
.
Il n’est pas du tout exclu par la nature des choses que Dante ait effectivement couché avec Béatrice.
Der Natur der Dinge nach ist keineswegs ausgeschlossen, dass Dante mit Beatrice tatsächlich geschlafen hat.
.
Cela ne change absolument rien au problème.
Das ändert am Problem absolut nichts.
.
On croit savoir que pas.
Man glaubt zu wissen, dass es nicht so war.
.
Cela n’est pas fondamental dans la relation.
In der Beziehung ist das nicht grundlegend.
.
Ces marques étant posées, qu’est-ce qui définit le névrosé ?
Nachdem diese Wegmarken gesetzt sind – was definiert einen Neurotiker?
.
Le névrosé se livre à une curieuse re-transformation de ce dont il subit l’effet.
Der Neurotiker widmet sich einer seltsamen Rückverwandlung dessen, dessen Wirkung erfährt
.
Le névrosé, somme toute, est un innocent : il veut savoir.
Der Neurotiker ist letztendlich ein Unschuldiger: er will wissen.
.
Pour savoir, il s’en va dans la direction la plus naturelle, et c’est naturellement du même coup par là qu’il est leurré.
Um zu wissen, läuft er in die Richtung weg, die am natürlichsten ist, und natürlich wird er genau dadurch getäuscht.
.
Le névrosé veut |{9} retransformer le signifiant en ce dont il est le signe.
Der Neurotiker möchte den Signifikanten in das zurückverwandeln, wovon er das Zeichen ist.
.
Le névrosé ne sait pas, et pour cause, que c’est en tant que sujet qu’il a fomenté ceci : l’avènement du signifiant en tant que le signifiant est l’effaçon principal de la chose ; que c’est lui, le sujet, qui en effaçant tous les traits de la chose, fait le signifiant.
Der Neurotiker weiß nicht, und mit Grund, dass er als Subjekt Folgendes in Gang gesetzt hat: das Erscheinen des Signifikanten als Signifikant ist die primäre Auslöschungsweise des Dings, er weiß nicht, dass er es ist, das Subjekt, der, indem er sämtliche Züge des Dings auslöscht, den Signifikanten bildet.19
.
Le névrosé veut effacer cet effacement, il veut faire que ça ne soit pas arrivé.
Der Neurotiker will dieses Auslöschen auslöschen, er will bewirken, dass es nicht geschehen wäre.20
.
C’est là le sens le plus profond du comportement sommaire, exemplaire, de l’obsessionnel.
Eben das ist die tiefste Bedeutung des gesamten, des exemplarischen Verhaltens des Zwangsneurotikers.
.
Ce sur quoi il revient toujours, sans jamais bien entendu pouvoir en abolir l’effet, car chacun de ses efforts pour l’abolir ne fait que le renforcer, c’est de faire que cet avènement à la fonction de signifiant ne se soit pas produit, qu’on retrouve ce qu’il y a de réel à l’origine, à savoir, de quoi tout ça est le signe.
Worauf er immer wieder zurückkommt – natürlich ohne dessen Wirkung jemals aufheben zu können, denn jede seiner Bemühungen, sie aufzuheben, verstärkt sie nur –, das ist, dafür zu sorgen, dass dieses Auftauchen als Signifikantenfunktion nicht stattgefunden habe, dass man das wiederfindet, was es ursprünglich an Realem gibt, also das, wovon all dies das Zeichen ist.
.
Ceci, je le laisse là indiqué, amorcé, pour y revenir d’une façon généralisée et en même temps plus diversifiée, à savoir selon les trois espèces de névroses – phobie, hystérie et obsession –, après que j’aurai fait le tour auquel ce préambule est destiné : à me ramener dans mon discours.
Ich belasse das hier als Hinweis, als Ansatzpunkt, um später, in verallgemeinerter und zugleich stärker diversifizierter Form darauf zurückzukommen, entsprechend den drei Arten von Neurosen – Phobie, Hysterie und Zwang –, nachdem ich die Runde gedreht haben werde, zu der diese Vorbemerkung bestimmt ist: um mich zu meinem Diskurs zurückzubringen...
.
Ce détour donc est bien fait pour situer et justifier du même coup la double visée de notre recherche, en tant qu’elle est celle que nous poursuivons cette année sur le terrain de l’identification :
Dieser Umweg ist also geeignet, um die doppelte Zielsetzung unserer Untersuchung zu verorten und zugleich zu rechtfertigen, insofern wir ihr in diesem Jahr im Bereich der Identifizierung nachgehen:
.
Impossible – si extrêmement métapsychologique que notre recherche puisse paraître à certaines – de ne pas la poursuivre exactement sur l’arête où nous la poursuivons, pour autant que l’analyse ne se conçoit que dans cette visée des plus eschatologiques, si je puis m’exprimer ainsi, d’une érotique.
Unmöglich – auch wenn unsere Untersuchung einigen als extrem metapsychologisch erscheinen mag –, sie nicht auf genau dem Grat fortzusetzen, auf dem wir sie verfolgen, insofern die Analyse nur mit dieser äußerst eschatologischen Zielsetzung begreifbar ist wenn ich mich so ausdrücken darf, der einer Erotik.
.
Mais impossible aussi sans maintenir, au moins à un certain |{10} niveau, la conscience du sens de cette visée, de faire avec convenance dans la pratique ce que vous avez à faire, c’est-à-dire bien sûr non pas à prêcher une érotique, mais à vous débrouiller avec ce fait que, même chez les gens les plus normaux et à l’intérieur de l’application pleine et entière, et de bonne volonté, des normes, eh bien ça ne marche pas.
Unmöglich aber auch, wenn Sie nicht, zumindest auf einer bestimmten Ebene, das Bewusstsein für den Sinn dieser Zielsetzung bewahren, in der Praxis auf angemessene Weise das zu tun, was Sie zu tun haben, was natürlich nicht heißt, eine Erotik zu predigen, sondern mit der Tatsache zurechtzukommen, dass es selbst bei den normalsten Leuten und bei voller und ganzer Anwendung der Normen, auch mit bestem Willen, naja, dass es da nicht läuft.
.
Que non seulement, comme monsieur de La Rochefoucauld l’a dit : « Il y a des bons mariages, mais il n’y en a pas de délicieux », nous pouvons ajouter que depuis ça s’est détérioré un peu plus, puisqu’il n’y en a même pas de bons non plus, je veux dire: dans la perspective du désir.
Nicht nur, wie Herr de La Rochefoucauld sagte: „Es gibt gute Ehen, aber keine köstlichen“; wir können hinzufügen, dass es sich seither noch ein wenig verschlechtert hat, da es nicht einmal mehr gute gibt, will sagen: in der Perspektive des Begehrens.21
.
Il serait tout de même un peu invraisemblable que de tels propos ne puissent pas être mis au premier plan dans une assemblée d’analystes.
Es wäre doch ein wenig unglaubwürdig, wenn in einer Versammlung von Analytikern solche Bemerkungen nicht in den Vordergrund gestellt werden könnten.
.
Ceci ne vous fait pas pour autant les propagandistes d’une érotique nouvelle, ceci vous situe ce que vous avez à faire dans chaque cas particulier.
Das macht Sie jedoch nicht zu Propagandisten einer neuen Erotik, es situiert für Sie das, was Sie bei jedem einzelnen Fall tun haben.
.
Vous avez à faire exactement ce que chacun a à faire pour soi et pour lequel il a plus ou moins besoin de votre aide, à savoir, en attendant le cosmonaute de l’érotique future: des solutions artisanales.
Sie haben genau das tun, was jeder für sich selbst zu tun hat und wofür er mehr oder weniger Ihrer Hilfe bedarf, das heißt, in Erwartung des Kosmonauten einer zukünftigen Erotik: handwerkliche Lösungen.
.
Reprenons les choses où nous les avons laissées la dernière fois, à savoir au niveau de la privation.
Nehmen wir die Dinge dort wieder auf, wo wir sie letztes Mal haben liegen lassen, auf der Ebene der Privation.
.
J’espère que je me suis fait entendre, concernant ce sujet, en tant que je l’ai symbolisé par ce (–1): le tour, forcément pas compté, compté en moins dans la meilleure hypothèse, à savoir quand il a fait le tour du tour, le tour du tore.
Ich hoffe, ich habe mich dieses Sujet betreffend verständlich gemacht, indem ich es [dieses Subjekt] symbolisiert habe durch das minus Eins (–1):: die zwangsläufig nicht gezählte Runde, die bestenfalls als Minus gezählte Runde, dann nämlich, wenn es die Runde um die Runde gemacht hat, die Runde um den Torus.

Quadrantenschema mit –1

Quadrantenschema mit –(–1)
Le fait que j’ai tout de suite tendu le fil qui rapporte la fonction de ce (–1) au fondement logique de toute possibilité d’une affirmation universelle, |{11} à savoir de la possibilité de fonder l’exception – et c’est ça d’ailleurs qui exige la règle: l’exception ne confirme pas la règle, comme on le dit gentiment, elle l’exige, c’est elle qui en est le véritable principe – bref, qu’en vous traçant mon petit cadran, à savoir en vous montrant que la seule véritable assurance de l’affirmation universelle est l’exclusion d’un trait négatif : « il n’y a pas d’homme qui ne soit mortel » j’ai pu prêter à une confusion que j’entends maintenant rectifier pour que vous sachiez sur quel terrain de principe je vous fais vous avancer.
Die Tatsache, dass ich sofort den Faden gespannt habe, der die Funktion dieses (–1) mit der logischen Grundlage jeder Möglichkeit einer universalen Bejahung verbindet, also der Möglichkeit, die Ausnahme zu begründen – und im Übrigen ist es das, wodurch die Regel gefordert wird, die Ausnahme bestätigt nicht die Regel, wie man liebenswürdigerweise sagt, sie fordert sie, sie ist ihr wahres Prinzip –, kurz, dadurch, dass ich Ihnen meine kleine Kreisfläche angezeichnet habe, dass ich Ihnen also gezeigt habe, dass die einzig wahre Sicherung der universalen Bejahung in der Ausschließung eines negativen Zuges besteht – „es gibt keinen Menschen, der nicht sterblich wäre“ –, habe ich einer Verwirrung Vorschub geleistet, die ich nun korrigieren möchte, damit Ihnen klar wird, auf welchem grundlegenden Feld ich Sie voranschreiten lasse.22
.
Je vous donnais cette référence, mais il est clair qu’il ne faut pas la prendre pour une déduction du processus tout entier à partir du symbolique.
Ich habe Ihnen diesen Bezug geliefert, es ist jedoch klar, dass man ihn nicht für eine Ableitung des gesamten Vorgangs aus dem Symbolischen halten darf.
..

Quadrantenschema mit herausgelöstem –1
La part vide où il n’y a rien, dans mon cadran, il faut à ce niveau là encore la considérer comme détachée.
Der leere Teil, in dem es nichts gibt – auf dieser Ebene muss man ihn in meiner Kreisscheibe noch als abgelöst auffassen.
.
Le (–1) qu’est le sujet à ce niveau, en lui-même n’est nullement subjectivé, il n’est nullement encore question ni de savoir ni de non-savoir.
Das (–1), das auf dieser Ebene das Subjekt ist, ist in sich selbst in keiner Weise subjektiviert, es geht noch in keiner Weise um die Frage von Wissen oder Nicht-Wissen.
.
Pour que quelque chose arrive de l’ordre de cet avènement, il faut que tout un cycle soit bouclé dont la privation n’est donc que le premier pas.
Damit etwas in der Art dieser Heraufkunft geschehen kann, muss ein ganzer Zyklus durchlaufen werden, wovon die Privation also nur der erste Schritt ist.23
.
La privation dont il s’agit est privation réelle pour laquelle, avec le support d’intuition dont vous me concéderez qu’on peut bien m’en accorder le droit, puisque je ne fais là que suivre les traces mêmes de la tradition, et la plus pure.
Die Privation, um die es geht, ist eine reale Privation, wofür ich --; mit der Stütze einer Anschauung, bei der Sie mir darin zustimmen werden, dass man mir wohl das Recht darauf zugestehen kann, da ich dabei lediglich den Spuren der Tradition folge, und zwar der reinsten.24
.
On accorde à Kant l’essentiel de son procédé, et ce fondement du schématisme, j’en cherche un meilleur pour essayer de vous le rendre sensible, intuitif.
Wir gestehen Kant das Wesentliche seines Vorgehens zu, und was die Grundlage des Schematismus angeht, so suche ich nach einer besseren, um zu versuchen, sie für Sie spürbar und anschaulich zu machen.25
.
Le ressort de cette privation réelle, je l’ai forgé.
Die Triebfeder dieser realen Privation habe ich jetzt geschmiedet.
.
Ce n’est donc qu’après un long détour |{12} que peut advenir pour le sujet ce savoir de son rejet originel.
Erst nach einem langen Umweg also kann dem Subjekt das Wissen über seine ursprüngliche Verwerfung (rejet) zukommen.26
.
Mais d’ici là, je vous le dis tout de suite, il se sera passé assez de choses pour que quand il viendra au jour le sujet sache, non pas seulement que ce savoir le rejette, mais que ce savoir est lui-même à rejeter en tant qu’il s’avérera être toujours soit au-delà, soit en deçà de ce qu’il faut atteindre pour la réalisation du désir.
Aber bis dahin, das sage ich Ihnen gleich, wird allerhand passiert sein, sodass das Subjekt, wenn es ans Licht kommt, nicht nur weiß, dass es von diesem Wissen verworfen wird, sondern auch, dass dieses Wissen selbst zu verwerfen ist, da es sich als etwas erweisen wird, das immer entweder jenseits oder diesseits dessen ist, was zur Realisierung des Begehrens erreicht werden muss.
.
Autrement dit, que si jamais le sujet – ce qui est son but depuis le temps de Parménice – arrive à l’identification, à l’affirmation que c’est τὸ αὐτό, le même que de penser et être, νοεῖν καὶ εἶναι, à ce moment-là il se trouvera lui-même irrémédiablement divisé entre son désir et son idéal.
Mit anderen Worten, wenn das Subjekt jemals zur Identifizierung gelangt, was seit den Zeiten von Parmenides sein Ziel ist, zu der Behauptung, dass [gr.] noein kai einai, dass Denken und Sein, to auto ist, dasselbe ist, in diesem Moment wird es sich zwischen seinem Begehren und seinem Ideal unheilbar gespalten finden.27
.
Ceci, si je puis dire, est destiné à démontrer ce que je pourrais appeler la structure objective du tore en question.
Dies ist, wenn ich so sagen darf, dazu bestimmt, das zu zeigen, was ich die objektive Struktur des besagten Torus nennen könnte.
.
Mais pourquoi me refuserait-on cet usage du mot objectif, puisqu’il est classique, concernant le domaine des idées, et encore employé jusqu’à Descartes ?
Aber warum sollte man mir diese Verwendung des Wortes objektiv verweigern, wo sie doch, bezogen auf den Bereich der Ideen, klassisch ist und noch bis zu Descartes verwendet wurde.28
.
Au point donc où nous en sommes, et pour n’y plus revenir, ce dont il s’agit de réel est parfaitement touchable, et il ne s’agit que de cela.
An dem Punkt, an dem wir jetzt also sind, und um nicht wieder darauf zurückzukommen, ist das Reale, um das es geht, vollkommen greifbar, und nur darum geht es.
.
Ce qui nous a menés à la construction du tore au point où nous en sommes, c’est la nécessité de définir chacun des tours comme un un irréductiblement différent.
Was uns an dem Punkt, an dem wir jetzt sind, zur Konstruktion des Torus gebracht hat, ist die Notwendigkeit, jede der Runden als ein irreduzibel verschiedenes Eines zu definieren.
.
Pour que ceci soit réel, à savoir que cette vérité symbolique – puisqu’elle suppose le comput, le comptage – soit fondée, s’introduise dans le monde, il faut et il suffit que quelque chose soit apparu dans ce réel, qui est le trait unaire.
Dafür, dass dies real ist, also dafür, dass diese symbolische Wahrheit – symbolisch, da sie das Rechnen, das Zählen voraussetzt – begründet ist und in die Welt Eingang findet, ist es notwendig und hinreichend, dass in diesem Realen etwas erschienen ist, nämlich der unäre Zug.29
.
On comprendra que devant ce un, qui est ce qui donne toute sa réalité à l’idéal – l’idéal c’est tout ce qu’il y a de réel dans le symbolique, et ça suffit –, on comprend qu’aux origines de la |{13} pensée, comme on dit, au temps de Platon et chez Platon, pour ne pas remonter plus loin, ceci ait entraîné l’adoration, la prosternation: le Un était le bien, le beau, le vrai, l’être suprême.
Man wird verstehen, dass gegenüber diesem Einen, welches dem Ideal seine ganze Realität verleiht – das Ideal ist alles, was es im Symbolischen an Realem gibt, und das ist hinreichend –, man versteht, dass dies an den Ursprüngen des Denkens, wie man sagt, zur Zeit von Platon und bei Platon, um nicht weiter zurückzugehen, mit Anbetung und Niederwerfung einherging: das Eine war das Gute, das Schöne, das Wahre, das höchste Sein.30
.
Ce en quoi consiste le renversement à quoi nous sommes sollicités de faire face à cette occasion, c’est de nous apercevoir que, si légitime que puisse être cette adoration du point de vue d’une élation affective, il n’en reste pas moins que ce un n’est rien d’autre que la réalité d’un assez stupide bâton.
Die Umkehrung, der wir uns hierbei zu stellen haben, besteht darin, zu erkennen – so legitim diese Anbetung unter dem Gesichtspunkt einer affektiven Erhebung auch sein mag –, dass dieses Eine nichts anderes ist als die Realität eines ziemlich stupiden Strichs (bâton).31
.
C’est tout.
Das ist alles.
.
Le premier chasseur, je vous l’ai dit, qui sur une côte d’antilope a fait une coche pour se souvenir simplement qu’il avait chassé 10 fois, 12 ou 13 fois, il ne savait pas compter, remarquez.
Der erste Jäger, wie ich Ihnen gesagt habe, der auf einer Antilopenrippe eine Kerbe machte, um sich schlicht daran zu erinnern, dass er zehn Mal, zwölf oder dreizehn Mal gejagt hatte, konnte nicht zählen, beachten Sie das.32
.
Et c’est même pour ça qu’il était nécessaire de les mettre, ces traits: pour que le 10, 12 ou 13, toutes les fois ne se confondent pas, comme elles le méritaient pourtant, les unes dans les autres.
Und gerade deshalb war es notwendig, diese Striche zu setzen: damit die zehn, zwölf oder dreizehn – all die Male – nicht miteinander verschmelzen, wie sie es eigentlich verdient hätten.
.
Donc, au niveau de la privation dont il s’agit, en tant que le sujet est d’abord objectivement cette privation dans la chose, cette privation qu’il ne sait pas qu’il est du tour non compté, c’est de là que nous repartons pour comprendre ce qui se passe – nous avons d’autres éléments d’information –, pour que de là il vienne se constituer comme désir, et qu’il sache le rapport qu’il y a de cette constitution à cette origine, en tant qu’elle peut nous permettre de commencer d’articuler quelques rapports symboliques plus adéquats que ceux jusqu’ici promus concernant ce qu’est sa structure de désir, au sujet.
Also, auf der Ebene der Privation, um die es geht, insofern das Subjekt zunächst objektiv diese Privation in Bezug auf das Ding ist, die Privation, von der es nicht weiß, dass es die der nicht gezählten Runde ist, von hier gehen wir wieder aus, um zu verstehen, wie es kommt – wir haben noch weitere Informationselemente –, dass es sich von daher als Begehren konstituieren wird, und dass es um die Beziehung weiß, die es zwischen dieser Konstitution und jenem Ursprung gibt, welcher es uns erlauben kann, dass wir anfangen, einige symbolische Beziehungen zu artikulieren, die dem Subjekt angemessener sind als jene, die zur Struktur seines Begehrens bisher vorgebracht wurden.
.
Ceci ne nous fait pas pour autant présumer de ce qui se maintiendra de la notion, de la fonction du sujet quand nous l’aurons mis en équation de désir.
Das erlaubt uns jedoch keine Mutmaßung darüber, was vom Begriff und von der Funktion des Subjekts übrigbleiben wird, wenn wir es in eine Gleichung mit dem Begehren eingesetzt haben.
.
C’est ce que nous sommes bien forcés |{14} de parcourir avec lui, selon une méthode qui n’est que celle en somme de l’expérience – c’est le sous-titre de la Phénoménologie de Hegel : Wissenschaft der Erfahrung, science de l’expérience –, nous suivons un chemin analogue avec les données différentes qui sont celles qui nous sont offertes.
Das sind wir ja gezwungen, mit ihm zu durchlaufen, nach einer Methode, die letztlich keine andere ist als die der Erfahrung – das ist der Untertitel [sic] von Hegels Phänomenologie, nämlich Wissenschaft der Erfahrung; mit den unterschiedlichen Gegebenheiten, die wir zur Verfügung haben, verfolgen wir einen analogen Weg.33
.
Le pas suivant est centré – je pourrais aussi bien ici ne pas marquer d’un titre de chapitre, je le fais à des fins didactiques – c’est celui de la frustration.
Der nächste Schritt ist zentriert; ich könnte hier genauso gut keine Kapitelüberschrift setzen, ich tue es für didaktische Zwecke: es ist der der Frustration.34
.
C’est au niveau de la frustration que s’introduit avec l’Autre, la possibilité pour le sujet d’un nouveau pas essentiel.
Auf der Ebene der Frustration eröffnet sich für das Subjekt mit dem Anderen die Möglichkeit eines wesentlichen neuen Schritts.
.
Le un du tour unique, le un qui distingue chaque répétition dans sa différence absolue, ne vient pas au sujet – même si son support n’est rien d’autre que celui du bâton réel – ne vient pas d’aucun ciel : il vient d’une expérience constituée, pour le sujet auquel nous avons affaire, par l’existence, avant qu’il ne soit né, de l’univers du discours, par la nécessité que cette expérience suppose, du lieu de l’Autre avec le grand A, tel que je l’ai antérieurement défini.
Das Eine der einzelnen Runde, das Eine, durch das sich jede Wiederholung in ihrer absoluten Differenz unterscheidet, kommt zum Subjekt nicht – auch wenn seine Stütze nichts anderes ist als die des realen Strichs –, kommt zum Subjekt von keinem Himmel: für das Subjekt, mit dem wir es zu tun haben, kommt es von einer durch die Existenz des Diskursuniversums konstituierten Erfahrung, noch bevor es geboren wurde, durch die von dieser Existenz vorausgesetzte Notwendigkeit des Ortes des Anderen mit großem A, wie ich ihn früher definiert habe.35
.
C’est ici que le sujet va conquérir l’essentiel, ce que j’ai appelé cette seconde dimension, en tant qu’elle est fonction radicale de son propre repérage dans sa structure, si tant est que métaphoriquement, mais non sans prétendre atteindre dans cette métaphore la structure même de la chose, nous appelons structure de tore cette seconde dimension en tant qu’elle constitue parmi tous les autres, l’existence de lacs irréductibles à un point, de lacs non évanouissants.
Hier wird das Subjekt das Wesentliche erwerben, das, was ich als zweite Dimension bezeichnet habe, insofern sie eine radikale Funktion seiner eigenen Verortung in ihrer Struktur ist, wobei es so ist, dass wir diese zweite Dimension metaphorisch als Torusstruktur bezeichnen, jedoch nicht ohne die Absicht, mit dieser Metapher die eigentliche Struktur der Sache zu erfassen, insofern sie, neben allen anderen Schleifen, die Existenz von solchen Schleifen konstituiert, die sich nicht auf einen Punkt reduzieren lassen, von Schleifen, die nicht verschwinden.36
.
C’est dans l’Autre que vient nécessairement à s’incarner cette irréductibilité des deux dimensions |{15} pour autant que, si elle est quelque part sensible, ce ne peut être – puisque jusqu’à présent le sujet n’est pour nous que le sujet en tant qu’il parle – que dans le domaine du symbolique.
Es ist notwendigerweise der Andere, worin sich die Irreduzibilität der zwei Dimensionen verkörpern wird, da sie, wenn sie irgendwo spürbar ist, dies nur im Bereich des Symbolischen sein kann, denn bisher ist das Subjekt für uns nur insofern das Subjekt, als es spricht.
.
C’est dans l’expérience du symbolique que le sujet doit rencontrer la limitation de ses déplacements qui lui fait entrer d’abord dans l’expérience, la pointe, si je puis dire, l’angle irréductible de cette duplicité des deux dimensions.
In der Erfahrung des Symbolischen muss das Subjekt der Begrenzung seiner Verschiebungen begegnen, die es zuerst dazu bringt, die Spitze, wenn ich so sagen darf, den irreduziblen Winkel der Duplizität der beiden Dimensionen in die Erfahrung eintreten zu lassen.37
.
C’est à cela que va au maximum me servir le schématisme du tore, vous allez le voir, et à partir de l’expérience majorée par la psychanalyse et l’observation qu’elle éveille.
Eben dafür wird mir, wie Sie sehen werden, der Schematismus des Torus äußerst dienlich sein, ausgehend von der durch die Psychoanalyse bereicherten Erfahrung und der von ihr wachgerufenen Beobachtung.38
.
L’objet de son désir, le sujet peut entreprendre de le dire.
Das Objekt seines Begehrens – das Subjekt kann versuchen, es zu sagen.
.
Il ne fait même que cela.
Es tut sogar nichts anderes.
.
C’est plus qu’un acte d’énonciation, c’est un acte d’imagination.
Das ist mehr als ein Äußerungsakt, das ist ein Akt der Imagination.
.
Ceci suscite en lui une manœuvre de la fonction imaginaire, et d’une façon nécessaire cette fonction se révèle présente dès qu’apparaît la frustration.
Das ruft in ihm ein Manöver der imaginären Funktion hervor, und notwendigerweise erweist sich diese Funktion als präsent, sobald die Frustration erscheint.
.
Vous savez l’importance, l’accent, que j’ai mis, après d’autres, après Saint Augustin nommément, sur le moment d’éveil de la passion jalouse dans la constitution de ce type d’objet, qui est celui même que nous avons construit comme sous-jacent à chacune de nos satisfactions: le petit enfant en proie à la passion jalouse devant son frère qui, pour lui, en image, fait surgir la possession de cet objet, le sein nommément, qui jusqu’alors n’a été que l’objet sous-jacent, élidé, masqué pour lui derrière ce retour d’une présence liée à chacune de ses satisfactions; qui n’a été, dans ce rythme où s’est inscrite, où se sent la nécessité de sa première dépendance, que l’objet métonymique de chacun de ces retours: le voici soudain pour lui produit dans l’éclairage, aux effets pour nous signalés |{16} par sa pâleur mortelle, l’éclairage de ce quelque chose de nouveau qui est le désir.
Sie kennen das Gewicht, die Betonung, die ich – wie andere vor mir, vor allem der Heilige Augustinus – auf den Moment gelegt habe, in dem die Leidenschaft der Eifersucht erwacht, bei der Konstituierung der Art von Objekt, das wir als das konstruiert haben, das unseren sämtlichen Befriedigungen zugrunde liegt: das kleine Kind, von eifersüchtiger Leidenschaft erfasst, gegenüber seinem Bruder, der für es, in einem Bild, den Besitz jenes Objekts auftauchen lässt, nämlich der Brust, das bis dahin für es nur das darunter liegende, elidierte, verschleierte Objekt hinter der Wiederkehr einer Präsenz war, die mit jeder seiner Befriedigungen einherging; das Objekt, das in dem Rhythmus, in den sich die Notwendigkeit seiner ersten Abhängigkeit eingeschrieben hat und worin sie spürbar war, nur das metonymische Objekt einer jeden Wiederkehr gewesen ist: hier wird es plötzlich für das Kind ans Tageslicht befördert, mit den Wirkungen, die sich uns durch seine tödliche Blässe zeigen, ans Licht dieses Neuen: des Begehrens.39
.
Le désir de l’objet comme tel, en tant qu’il retentit jusqu’au fondement même du sujet, qu’il l’ébranle bien au-delà de sa constitution comme satisfait ou non, comme soudain menacé au plus intime de son être, comme révélant son manque fondamental, et ceci dans la forme de l’autre, comme mettant au jour à la fois la métonymie et la perte qu’elle conditionne.
Das Begehren nach dem Objekt als solchem, insofern es bis in das Fundament des Subjekts hinein einen Widerhall findet, wodurch es – weit über den Zustand als befriedigt oder unbefriedigt hinaus – erschüttert wird, als plötzlich im Innersten seines Seins bedroht, das seinen grundlegenden Mangel enthüllt und dies in Gestalt des anderen, das die Metonymie ans Licht bringt und zugleich den Verlust, der sie bedingt.40
.
Cette dimension de perte, essentielle à la métonymie, perte de la chose dans l’objet, c’est là le vrai sens de cette thématique de l’objet en tant que perdu et jamais retrouvé, le même qui est au fond du discours freudien, et sans cesse répétée.
Diese Dimension des Verlusts, wesentlich für die Metonymie, Verlust des Dings im Objekt, dies ist die wahre Bedeutung der Thematik des Objekts als verloren und niemals wiedergefunden, dieselbe, die auch die Grundlage des Freud’schen Diskurses bildet und unaufhörlich wiederholt wird.
.
Un pas de plus : si nous poussons la métonymie plus loin, vous le savez, c’est la perte de quelque chose d’essentiel dans l’image, dans cette métonymie qui s’appelle le moi,
Ein Schritt mehr: Wenn wir die Metonymie noch weiter treiben, geht es, wie Sie wissen, um den Verlust von etwas Wesentlichem im Bild, in dieser Metonymie, die man das Ich (moi) nennt.
.
À ce point de naissance du désir, à ce point de pâleur où Augustin s’arrête devant le nourrisson, comme fait Freud devant son petit-fils dix-huit siècles plus tard, c’est faussement qu’on peut dire que l’être dont je suis jaloux, le frère, est mon semblable: il est mon image, au sens où l’image dont il s’agit est image fondatrice de mon désir.
An diesem Punkt der Geburt des Begehrens, an diesem Punkt der Blässe, an dem Augustinus vor dem Säugling innehält – wie Freud es achtzehn [sic] Jahrhunderte später vor seinem Enkel tun wird –, kann man fälschlicherweise sagen, das Wesen, auf das ich eifersüchtig bin, der Bruder, sei meinesgleichen (mon semblable); er ist mein Bild, in dem Sinne, in dem das Bild, um das es sich handelt, ein Bild ist, auf das sich mein Begehrens gründet.41
.
Là est la révélation imaginaire, et c’est le sens et la fonction de la frustration.
Dies ist die imaginäre Offenbarung, und das ist der Sinn und die Funktion der Frustration.
.
Tout ceci est déjà connu, je ne fais que le rappeler comme la seconde source de l’expérience : après la privation réelle, la frustration imaginaire.
Das ist alles schon bekannt, ich erinnere nur daran als zweite Quelle der Erfahrung: nach der realen Privation die imaginäre Frustration.
.
Mais comme pour la privation réelle, j’ai aujourd’hui bien essayé de vous situer à quoi elle sert, au terme qui nous intéresse, c’est-à-dire dans la fondation du symbolique, de même nous avons ici à voir |{17} comment cette image fondatrice, révélatrice du désir, va se placer dans le symbolique.
Aber so wie ich heute bei der realen Privation versucht habe, für Sie einzuordnen, wozu sie dient, bezogen auf den Punkt, der uns interessiert, das heißt bei der Fundierung des Symbolischen, auf gleiche Weise müssen wir hier sehen, wie dieses Bild, in dem das Begehren gründet und sich offenbart, im Symbolischen zu verorten sein wird.
.
Ce placement est difficile.
Diese Verortung ist schwierig.
.
Il serait bien entendu tout à fait impossible si le symbolique n’était déjà là, si – comme je l’ai rappelé, martelé, depuis toujours et assez longtemps pour que ça vous entre dans la tête –, si l’Autre et le discours où le sujet a à se placer ne l’attendaient depuis toujours, dès avant sa naissance, et que par l’intermédiaire au moins de sa mère, de sa nourrice, on lui parle.
Sie wäre natürlich ganz und gar unmöglich, wenn das Symbolische nicht bereits da wäre, wenn – wie ich immer schon und ziemlich lange in Erinnerung gerufen habe, eingehämmert habe, damit Ihnen das in den Kopf geht –, wenn der Andere und der Diskurs, in dem das Subjekt sich zu verorten hat, es nicht immer schon erwartet hätten, vor seiner Geburt, und dadurch, dass man, durch Vermittlung zumindest seiner Mutter, seiner Ernährerin, zu ihm spricht.
.
Le ressort dont il s’agit, celui qui est à la fois le b-a ba, l’enfance de notre expérience, mais au-delà de quoi depuis quelque temps on ne sait plus aller faute justement de savoir le formaliser comme b-a-ba, est ceci, à savoir le croisement, l’échange naïf qui se produit, de par la dimension de l’Autre, entre le désir et la demande.
Die Triebfeder, um die es sich handelt – und die zugleich das ABC ist, die Kindheit unserer Erfahrung, über die man seit einiger Zeit jedoch nicht mehr hinauszugehen weiß, eben weil man sie nicht als ABC zu formalisieren weiß –, ist folgende: die Überkreuzung, der naive Austausch, der sich durch die Dimension des Anderen zwischen Begehren und Anspruch herstellt.
.
S’il y a, vous le savez, quelque chose à quoi on peut dire qu’au départ le névrosé s’est laissé prendre, c’est à ce piège, et il essaiera de faire passer dans la demande ce qui est l’objet de son désir, d’obtenir de l’autre, non pas la satisfaction de son besoin – pour quoi la demande est faite – mais la satisfaction de son désir, à savoir d’en avoir l’objet, c’est-à-dire précisément ce qui ne peut se demander.
Wenn es, wie Sie wissen, etwas gibt, worüber man sagen kann, dass der Neurotiker zu Beginn hineingetappt ist, dann ist es diese Falle; und er wird versuchen, das Objekt seines Begehrens in den Anspruch übergehen zu lassen, vom anderen nicht etwa die Befriedigung seines Bedürfnisses – wofür der Anspruch da ist –, sondern die Befriedigung seines Begehrens zu erhalten, also davon das Objekt zu bekommen, das heißt genau das, was nicht beansprucht werden kann.
.
Et c’est à l’origine de ce qu’on appelle dépendance dans les rapports du sujet à l’autre.
Und das liegt am Ursprung dessen, was man in den Beziehungen des Subjekts zum anderen als Abhängigkeit bezeichnet.
.
De même qu’il essaiera, plus paradoxalement encore, de satisfaire, par la conformation de son désir, à la demande de l’autre.
Ebenso wird der Neurotiker versuchen – was noch paradoxer ist –, durch Anpassung seines Begehrens den Anspruch des anderen zu befriedigen.
.
Et il n’y a pas d’autre sens, de sens correctement articulé j’entends, à ce qui est la découverte de l’analyse et de Freud : à l’existence du surmoi comme tel.
Und es gibt keine andere Bedeutung, ich meine korrekt artikulierte Bedeutung für das, was die Entdeckung der Analyse und von Freud ist: für die Existenz überhaupt des Über-Ichs.
.
{18} Il n’y a pas d’autre définition correcte, j’entends, pas d’autre qui permette d’échapper à des glissements confusionnels.
Es gibt keine andere korrekte Definition, ich meine, keine andere, die es ermöglicht, Ausrutschen und Verwirrung zu vermeiden.
,
Je pense, sans aller plus loin, que les résonances pratiques, concrètes de tous les jours, à savoir l’impasse du névrosé, c’est d’abord, et avant le problème des impasses de son désir, cette impasse sensible à chaque instant, grossièrement sensible, et à quoi vous le voyez toujours se buter.
Ich denke, ohne das weiter auszuführen, dass die praktischen, konkreten alltäglichen Resonanzen, also dass die Sackgasse des Neurotikers zuerst – und noch vor dem Problem der Sackgassen seines Begehrens – in dieser in jedem Moment spürbaren, massiv spürbaren Sackgasse besteht, in die Sie ihn immer wieder laufen sehen.
.
C’est ce que j’exprimerai sommairement en disant que pour son désir, il lui faut la sanction d’une demande.
Das möchte ich knapp so ausdrücken, dass ich sage, er braucht für sein Begehren die Sanktion eines Anspruchs.42
.
Qu’est-ce que vous lui refusez ? sinon cela, qu’il attend de vous : que vous lui demandiez de désirer congrûment.
Was verweigern Sie ihm denn, wenn nicht das, was er von Ihnen erwartet: dass sie von ihm verlangen, angemessen zu begehren – ?
.
Sans parler de ce qu’il attend de sa conjointe, de ses parents, de sa lignée et de tous les conformismes qui l’entourent.
Ganz zu schweigen davon, was er von seiner Gattin erwartet, von seinen Eltern, von seinen Nachkommen und von all den Formen des Konformismus, die ihn umgeben.
.
Qu’est-ce que ça nous permet de construire et d’apercevoir ?
Was können wir von daher konstruieren und wahrnehmen?
.

Oben: Umläufe auf einem Torus
Unten: Zwei Tori mit Verschränkung von vollem und leerem Kreis
Si tant est que la demande se renouvelle selon les tours parcourus, selon les cercles pleins, tout autour, et les successifs retours que nécessite la revenue, mais insérée par le lacs de la demande, du besoin, si tant est que – comme je vous l’ai laissé entendre à travers chacun de ces retours – ce qui nous permet de dire que le cercle élidé, le cercle que j’ai appelé simplement, pour que vous voyez ce que je veux dire par rapport au tore, le cercle vide, vient ici matérialiser l’objet métonymique sous toutes ces demandes, une construction topologique est imaginable d’un autre tore qui a pour propriété de nous permettre d’imaginer l’application de l’objet du désir, cercle interne vide [fig. 1.a] du premier tore [1.1], sur le cercle plein [1.a’] du second [1.2] qui constitue une boucle, un de ces lacs irréductibles.
Wenn es so ist, dass der Anspruch sich in den durchlaufenen Runden erneuert, in den vollen Kreisen um den gesamten Torus herum und in den sukzessiven Umläufen, zu denen die Wiederkehr nötigt, jedoch eingefassst in die Schleifen des Anspruchs, des Bedürfnisses, wenn es so ist (wie ich Ihnen schon zu verstehen gab: durch jeden dieser Umläufe), dass das, was uns zu sagen erlaubt, dass der elidierte Kreis (der Kreis, den ich – einfach damit Sie sehen, was ich in Bezug auf den Torus sagen will – den vollen Kreis genannt habe), dass er hier hinter all diesen Ansprüchen das metonymische Objekt materialisiert, dann ist eine topologische Konstruktion eines zweiten Torus vorstellbar, die zur Eigenschaft hat, dass sie es uns ermöglicht, dass wir uns Folgendes vorstellen: die Abbildung des Objekts des Begehrens, also des inneren leeren Kreises [Abb. 1.a] des ersten Torus [1.1], auf den vollen Kreis [1.a’] des zweiten Torus [1.2], wobei dieser volle Kreis eine Schlaufe bildet, eine dieser irreduziblen Schleifen.43.
.

Zwei ineinandergreifende Tori
{19} Inversement, le cercle sur le premier tore [1.1], d’une demande [1.b] vient ici [1.b’] se superposer dans l’autre tore [1.2] – le tore ici support de l’autre, de l’autre imaginaire de la frustration – vient ici se superposer au cercle vide de ce tore [fig. 2], c’est-à-dire remplir la fonction de montrer cette interversion: désir chez l’un, demande chez l’autre, demande de l’un, désir de l’autre, qui est le nœud où se coince toute la dialectique de la frustration.
Umgekehrt überlagert sich der Kreis auf dem ersten Torus [1.1], der eines Anspruchs [1.b], hier, auf dem anderen Torus [1.2] – auf dem Torus, der hier für den anderen steht, den imaginären anderen der Frustration –, überlagert er sich hier mit dem leeren Kreis des anderen Torus [Abb. 2], womit er die Funktion erfüllt, diese Verschränkung zu zeigen: Begehren bei dem einen – Anspruch bei dem anderen; Anspruch bei dem einen – Begehren bei dem anderen, was der Knoten ist, in dem sich die gesamte Dialektik der Frustration verzurrt.
.
Cette dépendance possible des deux topologies, celle d’un tore à celle de l’autre, n’exprime en somme rien d’autre que ce qui est le but de notre schème en tant que nous le faisons supporter par le tore.
Diese mögliche Abhängigkeit der beiden Topologien, der des einen Torus von der des anderen, drückt letztlich nichts anderes aus als das, was das Ziel unseres Schemas ist, insofern wir ihm mit dem Torus eine Stütze geben.
.
C’est que si l’espace de l’intuition kantienne, je dirais doit, grâce au nouveau schème que nous introduisons, être mis entre parenthèses, annulé, aufgehoben, comme illusoire parce que l’extension topologique du tore nous le permet, à ne considérer que les propriétés de la surface, nous sommes sûrs du maintien, de la solidité si je puis dire, du volume du système sans avoir à recourir à l’intuition de la profondeur.
Das heißt, auch wenn der Raum der kantischen Anschauung, wie ich sagen möchte, durch das neu von uns eingeführte Schema als illusorisch in Klammern gesetzt werden muss, annulliert werden muss, aufgehoben* werden muss, weil die topologische Ausdehnung es uns gestattet, da wir nur die Eigenschaften der Oberfläche berücksichtigen, so sind wir uns doch des Bestehens, der Solidität, wenn ich so sagen darf, des Volumens des Systems sicher, ohne auf die Anschauung der Tiefe zurückgreifen zu müssen.
.
Zwei aufgeschnittene Tori.
Ce que vous voyez, et ce que ceci image, c’est qu’à nous maintenir, dans toute la mesure où nos habitudes intuitives nous le permettent, dans ces limites, il en résulte que puisqu’il ne s’agit entre les deux surfaces que d’une substitution par application biunivoque – encore qu’elle soit inversée, à savoir qu’une fois découpée ce sera dans ce sens sur l’une des surfaces et dans cet autre sur l’autre – il n’en reste pas moins que ce que ceci rend sensible, c’est que du point de vue de l’espace exigé, ces deux espaces, l’intérieur et l’extérieur, |{20} à partir du moment où nous nous refusons à leur donner substance autre que topologique, sont les mêmes.
Was Sie sehen und was hierdurch verbildlicht wird, ist Folgendes: Wenn wir uns, soweit die Gewohnheiten unserer Anschauung das zulassen, in diesen Grenzen halten, dann ergibt sich daraus, dass dennoch, da es zwischen den beiden Flächen nur eine Substitution durch bijektive Abbildung gibt – wenn auch invertiert, das heißt, einmal durchgeschnitten, wird es auf der einen Fläche in dieser Richtung sein und auf der andern in der anderen –, dass es dennoch so ist, dass dies spürbar macht, sobald der Aspekt des Raumes erforderlich wird, dass diese beiden Räume, der innere und der äußere, sobald wir davon absehen, ihnen eine andere Substanz zu geben als eine topologische, derselbe Raum sind.44
.
Ce que vous verrez exprimé dans la phrase clé indique déjà dans le Rapport de Rome: l’usage que je comptais pour vous en faire, à savoir que la propriété de l’anneau, en tant qu’il symbolise la fonction du sujet dans ses rapports à l’autre, tient en ceci que l’espace de son intérieur et l’espace extérieur sont les mêmes.
Was Sie in dem Schlüsselsatz ausgedrückt sehen werden, der bereits im Rom-Vortrag die Verwendung anzeigt, die ich für sie davon machen wollte, dass nämlich die Eigenschaft des Ringes, insofern er die Funktion des Subjekts in seinen Beziehungen zum anderen symbolisiert, darin besteht, dass der Raum seines Inneren und der äußere Raum derselbe sind.45
.
Le sujet à partir de là construit son espace extérieur sur le modèle d’irréductibilité de son espace intérieur.
Von daher konstruiert das Subjekt seinen Außenraum nach dem Modell der Irreduzibilität seines Innenraums.
.
Mais ce que montre ce schéma, c’est avec évidence la carence de l’harmonie idéale qui pourrait être exigée de l’objet à la demande, de la demande à l’objet.
Was dieses Schema jedoch zeigt, ist, auf offensichtliche Weise, der Wegfall der idealen Harmonie, die vom Objekt gegenüber dem Anspruch, vom Anspruch gegenüber dem Objekt gefordert werden könnte.
.
Illusion qui est suffisamment démontrée par l’expérience, je pense, pour que nous ayons éprouvé le besoin de construire ce modèle nécessaire de leur nécessaire discordance.
Eine Illusion, die, so denke ich, durch die Erfahrung ausreichend belegt wird, sodass wir das Bedürfnis verspürt haben, dieses notwendige Modell ihres notwendigen Auseinanderfallens zu konstruieren.
.
Nous en savons le ressort et, bien entendu, si j’ai l’air de n’avancer qu’à pas de lenteur, croyez–moi, aucune stagnation n’est de trop si nous voulons nous assurer des pas suivants.
Wir kennen davon die Triebfeder, und wenn es natürlich so aussieht, als würde ich nur langsam vorankommen, dann glauben Sie mir, dass keine Stagnation zu viel ist, wenn wir uns der nächsten Schritte sicher sein wollen.
.
Ce que nous savons déjà et ce qu’il y a ici de représenté intuitivement, c’est que l’objet lui-même comme tel, en tant qu’objet du désir, est l’effet de l’impossibilité de l’Autre de répondre à la demande.
Was wir bereits wissen und was hier anschaulich dargestellt wird, ist, dass das Objekt selbst als solches, als Objekt des Begehrens, Effekt der Unmöglichkeit des Anderen ist, auf den Anspruch zu antworten.
.
C’est ce qui se voit ici manifestement dans ce sens qu’à ladite demande, quel que soit son désir, l’autre ne saurait y suffire, qu’il laisse forcément à découvert la plus grande part de la structure.
Das ist hier deutlich zu sehen, insofern als der andere, was immer sein Begehren sein mag, besagtem Anspruch nicht genügen kann und er den größten Teil der Struktur gezwungenermaßen entblößt lässt.
.
Autrement dit, que le sujet n’est pas enveloppé, comme on le croit, dans le Tout : qu’au niveau du moins du sujet qui parle, l’Umwelt n’enveloppe pas son Innenwelt.
Mit anderen Worten, dass das Subjekt nicht, wie man glaubt, vom Ganzen umhüllt ist, dass auf der Ebene des Minus des Subjekts, welches spricht, die Umwelt* nicht seine Innenwelt* einhüllt.
.
Que s’il y avait quelque chose à faire pour imaginer le sujet par rapport |{21} à la sphère idéale, depuis toujours le modèle intuitif et mental de la structure d’un cosmos, ce serait plutôt que le sujet serait, si je puis me permettre pour vous de pousser, d’exploiter – mais vous verrez qu’il y a plus d’une façon de le faire – son image intuitive, cela serait de représenter le sujet par l’existence d’un trou dans ladite sphère, et son supplément par deux sutures.
Wenn man etwas tun könnte, um durch Bezug auf die ideale Sphäre, die ideale Kugelschale – immer schon das anschauliche und mentale Modell der Struktur eines Kosmos – das Subjekt bildlich darzustellen, dann bestünde dies vielmehr darin, das Subjekt (wenn ich mir erlauben darf, das anschauliche Bild der Sphäre für Sie weiterzutreiben und zu nutzen, Sie werden jedoch sehen, dass es dafür mehr als eine Möglichkeit gibt), dann bestünde es darin, das Subjekt durch die Existenz eines Lochs in besagter Sphäre darzustellen und seine Ergänzung durch zwei Nähte.46
.
Supposons le sujet à constituer sur une sphère cosmique.
Nehmen wir an, auf einer kosmischen Sphäre soll das Subjekt konstituiert werden.
.
La surface d’une sphère infinie, c’est un plan, le plan du tableau noir indéfiniment prolongé.
Die Oberfläche einer unendlichen Sphäre ist eine Ebene, die Ebene der Tafel, unendlich ausgedehnt.47
.
Unendliche Sphäre mit viereckigem Loch
Voilà le sujet, un trou quadrangulaire, comme la configuration générale de ma peau de tout à l’heure, mais cette fois-ci en négatif.
Hier ist das Subjekt: ein viereckiges Loch, wie die allgemeine Gestalt meiner Haut von vorhin, diesmal jedoch als Negativ.48
.

Erste Naht in der unendlichen Sphäre mit Loch
Je couds un bord avec l’autre [1], mais avec cette condition que ce sont des bords opposés, que je laisse libres les deux autres bords [2].
Ich vernähe einen Rand mit dem anderen [1], jedoch unter der Vorgabe, dass es sich um gegenüberliegende Ränder handelt und ich die beiden anderen Ränder freilasse.
.
Il en résulte la figure suivante, à savoir, avec le vide comblé ici, deux trous qui restent dans la sphère de surface infinie.
Daraus ergibt sich die folgende Figur, nämlich, mit der an dieser Stelle ausgefüllten Leere, zwei Löcher, die in der Sphäre mit unendlicher Oberfläche zurückbleiben.
.
Herausziehen der Ränder

Zweite Naht in der unendlichen Sphäre mit Loch.
Il ne reste plus qu’à tirer sur chacun des bords de ces deux trous [C] pour constituer le sujet à la surface infinie, comme constitué en somme par ce qui est toujours un tore, même s’il a une besace de rayon infini, à savoir une poignée émergeant à la surface d’un plan [D].
Jetzt muss man nur noch an jedem der Ränder dieser beiden Löcher ziehen [C], um auf der unendlichen Fläche das Subjekt zu bilden, wobei es insgesamt durch das gebildet wird was, auch wenn es einen Beutel von unendlich großem Radius hat, immer noch ein Torus ist, nämlich ein Henkel, der aus der Fläche einer Ebene herausragt [D].
.
Voilà ce que cela veut dire au maximum, la relation du sujet avec le grand Tout.
Das bedeutet es maximal: die Beziehung des Subjekts zum großen Ganzen.
.
Nous verrons les applications que nous pouvons en faire.
Wir werden sehen, wie wir das anwenden können.
.
{22} Ce qui est important ici à saisir, c’est que pour ce recouvrement de l’objet à la demande, si l’autre imaginaire [est] ainsi constitué, dans l’inversion des fonctions du cercle du désir avec celui de la demande, l’autre, pour la satisfaction du désir du sujet doit être défini comme sans pouvoir.
Wichtig ist, hier zu verstehen, dass für die Abdeckung des Objekts durch die Form des Anspruchs – wenn der imaginäre andere auf diese Weise gebildet wird, durch Umkehrung der Funktionen des Kreises des Begehrens im Verhältnis zum Kreis des Anspruchs –, dass hierfür der andere, zur Befriedigung des Begehrens des Subjekts, als ohne Macht definiert werden muss.49
.
J’insiste sur ce sans, car avec lui émerge une nouvelle forme de la négation où s’indiquent à proprement parler les effets de la frustration.
Ich bestehe auf diesem ohne, denn damit erscheint eine neue Form der Verneinung, eine, durch welche im strengen Sinne die Wirkungen der Frustration angezeigt werden.50
.
Sans est une négation mais pas n’importe laquelle : c’est une négation-liaison que matérialise bien, dans la langue anglaise, l’homologie conformiste des deux rapports des deux signifiants within et without.
Ohne ist eine Verneinung, jedoch keine beliebige, das ist eine Negationsverbindung, die in der englischen Sprache gut durch die konformistische Homologie der beiden Beziehungen zwischen den beiden Signifikanten within und without materialisiert wird.51
.
C’est une exclusion liée qui déjà en soi seule indique son renversement.
Das ist eine gebundene Ausschließung, die bereits von sich aus auf ihre Umkehrung verweist.
.
Un pas de plus, faisons-le: c’est celui du pas sans.
Gehen wir noch einen Schritt weiter, den des nicht ohne.
.
L’autre, sans doute, s’introduit dans la perspective naïve du désir comme sans pouvoir, mais, essentiellement, ce qui le lie à la structure du désir, c’est le pas sans : il n’est pas non plus sans pouvoir.
Sicherlich, in der naiven Perspektive des Begehrens wird der andere als ohne Macht eingeführt, jedoch ist das, was ihn wesentlich mit der Struktur des Begehrens verbindet, das nicht ohne: er ist auch nicht ohne Macht.
.
C’est pourquoi cet Autre, que nous avons introduit en tant qu’en somme métaphore du trait unaire, c’est-à-dire de ce que nous trouvons à son niveau et qu’il remplace, dans une régression infinie, puisqu’il est le lieu où se succèdent ces un tous différents les uns des autres dont le sujet n’est que la métonymie, cet Autre comme un – et le jeu de mots fait partie de la formule que j’emploie ici pour définir le mode sous lequel je l’ai introduit – se retrouve, une fois bouclée la nécessité des effets de la frustration imaginaire, comme ayant cette valeur unique, car lui seul n’est pas sans pouvoir; il est à l’origine possible du désir posé comme condition, même |{23} si cette condition reste en suspens.
Deshalb findet sich cet Autre, dieser Andere, den wir insgesamt als Metapher für den unären Zug eingeführt haben (das heißt für das, was wir auf seiner Ebene finden und was von ihm in einer unendlichen Regression ersetzt wird, da er der Ort ist, an dem diese voneinander ganz verschiedenen Einen – wovon das Subjekt nur die Metonymie ist – aufeinander folgen), deshalb findet sich cet Autre comme un / cet Autre commun, dieser Andere als Einer / dieser gemeinsame Andere (und das Wortspiel ist Bestandteil der Formel, die ich hier verwende, um die Art und Weise zu definieren, in der ich ihn eingeführt habe), deshalb findet er sich, sobald die Notwendigkeit der Wirkungen der imaginären Frustration einmal durchlaufen ist, als derjenige wieder, der diesen einzigartigen Wert hat, denn allein er ist nicht ohne Macht; am möglichen Ursprung des Begehrens wird er als Bedingung gesetzt, auch wenn diese Bedingung in der Schwebe bleibt.
.
Pour cela, il est comme pas un : il donne au (–1) du sujet une autre fonction qui s’incarne d’abord dans cette dimension, que ce comme vous situe assez comme étant celle de la métaphore.
Dafür ist er comme pas un, wie sonst keiner / wie nicht ein: er gibt der Minus Eins des Subjekts eine andere Funktion, die sich zuerst in der Dimension verkörpert, die Ihnen dieses wie hinreichend als die der Metapher situiert.52
.
C’est à son niveau, au niveau du comme pas un et de tout ce qui va lui rester dans la suite suspendu, comme ce que j’ai appelé la conditionnalité absolue du désir, que nous aurons affaire la prochaine fois, c’est-à-dire, au niveau du troisième terme, de l’introduction de l’acte de désir comme tel, de ses rapports au sujet d’une part, à la racine de ce pouvoir, à la réarticulation des temps de ce pouvoir, pour autant que, vous le voyez, il va me falloir revenir en arrière sur le pas possible pour marquer le chemin qui a été accompli dans l’introduction des termes pouvoir et sans pouvoir.
Mit dieser Ebene, mit der Ebene des wie sonst keiner und all dessen, was in der Folge dann davon abhängig bleibt, als dem, was ich die absolute Bedingtheit des Begehrens, genannt habe, damit werden wir es das nächste Mal zu tun haben, das heißt, mit der Ebene des dritten Terminus, mit der Einführung des Akts des Begehrens als solchem, mit seinen Beziehungen zum Subjekt einerseits, <und andererseits> mit der Wurzel dieser Macht, mit der Reartikulation der Phasen dieser Macht, wobei ich, wie Sie sehen <werden>, auf das nicht möglich werde zurückkommen müssen, um den Weg zu markieren, der bei der Einführung der Termini Macht und ohne Macht zurückgelegt wurde.53
.
C’est dans la mesure où nous aurons à poursuivre cette dialectique la prochaine fois que je m’arrête ici aujourd’hui.
Eingedenk dessen, dass wir diese Dialektik beim nächsten Mal werden fortsetzen müssen, höre ich heute hier auf.
.
Verwandte Beiträge auf „Lacan entziffern“
Anmerkungen
-
hiatus: Kluft, saltus: Sprung, casus: Ungefähres, fatum: Fatalität. Vgl. Sitzung vom 28. Februar 1962, S. {20 f.}.
-
bei der wissenschaftlichen Sitzung der Gesellschaft: Gemeint ist eine der regelmäßigen „wissenschaftlichen Sitzungen“ der Société française de psychanalyse (SFP).
Lagache: Vgl. Daniel Lagache: La sublimation et les valeurs (1962). In: ders. : Œuvres, vol. 5. Presses universitaires de France, Paris 1984, S. 1–72.
-
am Sonntag: offenbar beim Schreiben des Text für diese Vorlesung.
-
Erotik: zu beziehen auf Eros in der Bedeutung von „Begehren“ (im Sinne von Lacan). Gemeint ist, wie die folgenden Sätze zeigen, eine wissenschaftliche fundierte Praxis des Begehrens.
Vgl. Freud:
„Der »Eros« des Philosophen Plato zeigt in seiner Herkunft, Leistung und Beziehung zur Geschlechtsliebe eine vollkommene Deckung mit der Liebeskraft, der Libido der Psychoanalyse, wie Nachmansohn und Pfister im Einzelnen dargelegt haben, und wenn der Apostel Paulus in dem berühmten Brief an die Korinther die Liebe über alles andere preist, hat er sie gewiß im nämlichen ‚erweiterten‘ Sinn verstanden, woraus nur zu lernen ist, daß die Menschen ihre großen Denker nicht immer ernst nehmen, auch wenn sie sie angeblich sehr bewundern.“
(Massenpsychologie und Ich-Analyse, 1921, GW 13, S. 99)
-
gentils: Das französische Wort gens (Leute) geht zurück auf das lateinische Wort gens (Volk, Stamm), im Plural: gentes. Im Kirchenlatein sind gentes „die heidnischen Völker“, „die Heiden“, im Französischen wurde hieraus gentils, „Heiden“.
im Verhältnis zu „x“: im Verhältnis zu den Christen.
Sie wissen, von wo die Definition der „gentils“ ausgeht: Möglicherweise eine Anspielung auf ein Werk von Thomas von Aquin, Summa contra gentiles (Summa gegen die Heiden, ca. 1260); mit den Heiden sind darin die Muslime gemeint.
sekundäre Klasse: In der vorhergehenden Sitzung hatte Lacan zum Begriff der Klasse zwei Thesen vorgetragen: Erstens, dass man eine Klasse ausgehend von einer Klassifizierung begreifen muss, das heißt durch Festlegen einer Klassendifferenz, bezogen auf Anwesenheit versus Abwesenheit eines Merkmals; zweitens, dass die Klasse, der das Merkmal fehlt, grundlegend ist und dass die andere Klasse von hier aus durch doppelte Negation gebildet wird (vgl. Sitzung vom 7. März 1962, S. {10 f.}). Heiden sind Nicht-Christen und das heißt, am Anfang steht die Unterscheidung von Christen und Nicht-Christen; sie sind eine sekundäre Klasse: sie sind Nicht-Christen.
-
in dieser Perspektive sind die Heiden die Christenheit: In welcher Perspektive wären die Heiden nicht etwa die Nicht-Christen, sondern die Christenheit? Bringt Lacan hier stillschweigend Hegels Einheit der Gegensätze ins Spiel?
Die Scherereien, die der Christ mit Venus hat: Dies könnte sich auch auf den Bedeutungswandel beziehen, der sich im lateinischen Beinamen der römischen Venus, nämlich „Lucifer“, „Lichtbringer“ zeigt – vgl. den Wikipedia-Artikel „Luzifer“.
auf die leichte Schulter zu nehmen: Im Original findet man hier die Redewendung par-dessus la jambe, wörtlich übersetzt: „über das Bein“ oder „oberhalb des Beines“.
-
wenn die Grundlage des Christentums in der paulinischen Offenbarung besteht: Vgl. Freud:
„Erbsünde und Erlösung durch den Opfertod wurden die Grundpfeiler der neuen, durch Paulus begründeten Religion.“
(Der Mann Moses und die monotheistische Religion, 1939, GW 16, S. 245)
-
Gnade: Vgl. Paulus:
„Die Sünde soll nicht über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.“
(Römer 6, 14, Einheitsübersetzung).
Vgl. Freud:
„Bewunderung, Ehrfurcht und Dankbarkeit dafür, dass man Gnade gefunden hat in seinen Augen – die Moses-Religion kennt keine anderen als diese positiven Gefühle gegen den Vatergott.“
(Der Mann Moses, GW 16, S. 242)
In Lacans Seminar 5, Die Bildungen des Unbewussten, heißt es über Paulus:
„Es kommt in der Tat darauf an, Schuld und das Verhältnis zum Gesetz zu unterscheiden. Es gibt ein Verhältnis des Subjekts zum Gesetz. Die Schuld indes entsteht ohne irgendeine Art Bezug auf das Gesetz. Das ist die Tatsache, die uns die analytische Erfahrung beigebracht hat.
Der naive Schritt der Dialektik vom Verhältnis der Sünde zum Gesetz ist uns im Wort des heiligen Paulus artikuliert worden, daß nämlich das Gesetz die Sünde macht.“
(Sitzung vom 2. Juli 1958, Version Miller/Gondek S. 585)
Welche Beziehung zwischen Gnade und Schwierigkeiten mit der Erotik wird hier angedeutet?
-
Katechismus: hier wohl im allgemeinen Sinn von „Lehrinhalte des christlichen Glaubens“.
nicht ohne Bezug zur paulinischen Offenbarung: Was ist gemeint? Vermutlich die Gleichheit vor dem Gesetz. Vgl. Freud in Massenpsychologie und Ich-Analyse:
„Ein demokratischer Zug geht durch die Kirche, eben weil vor Christus alle gleich sind, alle den gleichen Anteil an seiner Liebe haben.“
-
mystischer Leib: Anspielung auf Freuds These von der Einverleibung als der frühesten Form der Identifizierung (so zuerst in den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, Ergänzung von 1914, GW 5, S. 98). Zu dieser Frage hatte Lacan in einer früheren Sitzung des Seminars Apollinaires Ungeheuer Kapalu auftreten lassen mit dem Satz: „Wer frisst, ist nicht mehr allein“ (Sitzung vom 29. November 1961, S. {3}). Am 28. März 1962, S. {10 f.}, wird er auf den mystischen Leib zurückkommen. Für die christliche katholische Theologie bildet die Gemeinde der Nachfolger Jesu den mystischen Leib Christi (corpus Christi mysticum) und symbolisiert dies durch das Abendmahl.
-
Ehe: Vgl. Lacan ausführlich zur Ehe in Seminar 2, Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse, Sitzung vom 8. Juni 1955, Version Miller/Metzger‚S. 330–336.
-
Westermarck: Vgl. Eduard Westermarck: Geschichte der menschlichen Ehe. Jena 1893 (im Internet hier); ders.: Three Essays on Sex and Marriage. Macmillan, London 1934 (im Internet hier); ders.: The future of marriage in western civilisation. Macmillan, London 1937 (im Internet hier).
-
Anna O.: Vgl. S. Freud, Josef Breuer: Studien über Hysterie (1895), im Internet hier, darin die von Breuer verfasste Krankengeschichte zu Anna O. (Klarname: Bertha Pappenheim). Sie prägte den Begriff der talking cure.
-
meine Definition des Signifikanten: Die Definition lautet: Ein Signifikant ist das, wodurch für einen anderen Signifikanten das Subjekt repräsentiert wird; Lacan hatte sie zum ersten Mal im laufenden Identifizierungs-Seminar vorgebracht, in der Sitzung vom 6. Dezember 1961, S. {26}.
-
höfische Liebe: Vgl. J. Lacan: Seminar 7, Die Ethik der Psychoanalyse, Sitzungen vom 20. Januar 1960 bis zum 3. Februar 1960.
eines bestimmten Sonetts von Arnaut Daniel: Lacan bezieht sich hierauf im Ethik-Seminar in der Sitzung vom 9. März 1960, Version Miller/Haas S. 196–200. Das Sonett rät davon ab, einer Dame die einen Anilingus wünscht, die Bitte zu erfüllen. Im Internet findet man den Text im okzitanischen Original mit englischer Übersetzung hier.
-
Freud über Sublimierung: vgl. etwa Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie, GW 5, S. 79 f., 140 f. Einen Überblick über Freuds Sublimierungsbegriff gibt der Artikel „Sublimierung“ in: Jean Laplanche, Jean–Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, S. 478–481.
-
das Ding: Vgl. Seminar 7, Die Ethik der Psychoanalyse, v.a. Sitzungen vom 9. und 16. Dezember 1959. In diesem Seminar heißt es:
„Die allgemeinste Formel, die ich Ihnen von der Sublimierung gebe, ist diese – sie erhebt ein Objekt – und hier wehre ich mich nicht gegen kalauerhafte Anklänge, die mit dem Gebrauch des Terms, den ich bringen möchte, verbunden sein mögen – zur Dignität des Dings.“
(Sitzung vom 20. Januar 1960, Version Miller/Haas S. 138)
Lacans Begriff „das Ding“ geht zurück auf Freuds Entwurf einer Psychologie (1895), worin es heißt:
„Anfang der abgespaltenen Denkvorgänge ist die Urteilsbildung, auf welche das Ich durch einen Fund in seiner Organisation gelangt, durch das schon eingeführte teilweise Zusammenfallen der Wahrnehmungsbesetzungen mit Nachrichten vom eigenen Körper. Dadurch sondern sich die Wahrnehmungskomplexe in einen konstanten, unverstandenen Teil, das Ding, und einen wechselnden, verständlichen, die Eigenschaft oder Bewegung des Dinges.“
(Gesammelte Werke. Nachtragsband. Texte aus den Jahren 1885-1938. S. Fischer, Frankfurt am Main 1987, S. 462; vgl. auch 418)
-
Auslöschungsweise: für effaçon: Substantivierung des Verbs effacer, „auslöschen“; Wortspiel mit façon (Art und Weise), wie schon in der Sitzung vom 6. Dezember 1961, S. {25}.
Vgl. hierzu früher im Identifizierungs-Seminar:
„Die erste Sache also, die der Signifikant impliziert, ist die, dass die Beziehung des Zeichens zur Sache bzw. zum Ding (chose) ausgelöscht ist.“
(6. Dezember 1961, S. {23})
Und außerdem die Darstellung der drei Momente in der Artikulation des Signifikanten:
(1) Robinson findet Trittspuren auf der Insel.
(2) Man stellt fest, dass jemand die Spur ausgelöscht hat; jetzt kann man sich sicher sein, dass man es mit einem realen Subjekt zu tun hat.
(3) Wenn das Subjekt die Stelle einkreist, an der die Spur verschwunden ist, hat man es mit der Geburt des Signifikanten zu tun. (vgl. 24. Januar 1962, S. {4 f.}). -
dieses Auslöschen auslöschen: Vgl. früher im Identifizierungs-Seminar:
„Es muss Ihnen doch aufgefallen sein, womit der Zwangsneurotiker es im Wesentlichen ständig zu tun hat: mit dem Ungeschehenmachen*. Was bedeutet das, worum geht es dabei? Manifest sieht man das in seinem Verhalten: was er auslöschen will, ist das, was, während seiner gesamten Geschichte, der Annalist aufschreibt, der Annalist mit zwei n, den er in sich trägt. Es sind die Annalen der Affäre, die er auslöschen, auskratzen, auswischen möchte.“
-
François de La Rochefoucault: Maximen und Reflexionen. Übersetzung von Friedrich Hörlek. Reclam, Leipzig 1875 (im Internet hier), Maxime Nr. 111.– Aktuelle kritischen Ausgabe: Maximes suivies des Réflexions diverses. Hg. v. Jacques Truchet. Garnier, Paris 1967; in dieser Edition ist dies Maxime Nr. 113.
-
universale Bejahung: Gemeint sind affirmative All-Aussagen, Aussagen vom Typ „Alle Menschen sind sterblich“.
-
ein ganzer Zyklus: Vermutlich der Zyklus Privation – Frustration – Kastration.
-
und zwar der reinsten: Anspielung auf Kant und dessen „Kritik der reinen Vernunft“.
-
das Wesentliche seines Vorgehens: Damit könnte gemeint sein, dass Kant die Begriffe (die Kategorien) ausgehend von den Formen des Urteils entwickelt.
die Grundlage des Schematismus: Bei Kant ist die Grundlage des Schematismus die Anschauungsform der Zeit, sekundär auch der Raum. Die bessere Grundlage des Schematismus ist für Lacan die Topologie, speziell der Torus.
Vgl. Kant, Kritik der reinen Vernunft, I, „Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe“ (B 176 – B 187).
Auf Kants Schematismus-Begriff hatte Lacan sich bereits in einer früheren Sitzung des Identifizierungs-Seminars bezogen: 28. Februar 1962, S. {16}.
-
Verwerfung (rejet): Lacan bezieht sich hier vermutlich auf seine Bemerkung über Verwerfung* in der vorhergehenden Sitzung (7. März 1962, S. {13}). Lacan verwendet hier rejet, und nicht forclusion für Verwerfung – wohl ein Hinweis, dass es sich nicht um die für die Psychose maßgebliche Verwerfung eines Signifikanten handelt.
-
noein kai einai (…) to auto: Parmenides, Fragment 3:
Τὸ γὰρ αὐτὸ νοεῖν ἐστίν τε καὶ εἶναι.
Uvo Hölscher übersetzt mit:
„Denn dasselbe kann gedacht werden und sein“
(Parmenides: Vom Wesen des Seienden. Die Fragmente griechisch und deutsch. Hrsg., übersetzt und erläutert von Uvo Hölscher. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, S. 17).
Jaap Mansfeld übersetzt so:
„denn daß man es erkennt, ist dasselbe, wie daß es ist“
(J. Mansfeld: Die Vorsokratiker I. Griechisch/deutsch. Reclam, Stuttgart 1983, S. 317)
-
noch bis zu Descartes: Siehe hierzu in einer früheren Sitzung des Identifizierungs-Seminars den Hinweis auf Descartes’ Unterscheidung zwischen aktueller und objektiver Realität (6. Dezember 1961, S. {8 f.}). Vgl. Descartes, Meditationen über die Erste Philosophie, Dritte Meditation, Abschnitt 14; „realitas objectiva“ und „realitas actualis“.
-
dass in diesem Realen etwas erschienen ist, nämlich der unäre Zug: In einer früheren Sitzung des Seminars hieß es, beim unären Zug gehe es darum, dass etwas als Signifikant in das Reale eintritt; die Funktion des unären Zug sei dasselbe wie der Narzissmus der kleinen Differenzen und dasselbe wie das große I des Ichideals (vgl. 28. Februar 1962, S. {18 –20}). Das Ideal hat demnach eine imaginäre Seite, das Idealich, und eine symbolisch-reale Seite, das Ichideal bzw. den unären Zug.
-
an den Ursprüngen des Denkens, wie man sagt: Vielleicht eine Anspielung auf eine einflussreiche Arbeit von Jean-Pierre Vernant: Les origines de la pensée grecques. Das Buch erschien 1962 bei PUF, es ist unklar, ob es bereits vor dem Zeitpunkt der laufenden Sitzung des Identifizierungs-Seminars veröffentlich war (dt. Titel: Die Entstehung des griechischen Denkens. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1982). Zugleich möglicherweise eine versteckte Anspielung auf ein Werk, das Lacan zu seiner Theorie des Spiegelstadiums angeregt hat: Henri Wallon: Les origines de la pensée chez l’enfant. Paris, PUF 1945 („Die Ursprünge des Denkens beim Kind“).
-
bâton: „Stab“, im Französischen auch Bezeichnung für die senkrechten geraden Striche, die ein Kind zeichnet, wenn es schreiben lernt (siehe hier, Punkt 4). Außerdem eine vulgäre Bezeichnung für den Penis.
-
Der erste Jäger: Vgl. Sitzung vom 6. Dezember 1961, S. {17–21}.
-
Wissenschaft der Erfahrung: Dies ist nicht der Untertitel, sondern der ursprünglich geplante Titel der Phänomenologie des Geistes. Die Formulierung „Wissenschaft der Erfahrung“ findet sich in der Vorrede der Phänomenologie, die Formulierung „Wissenschaft der Erfahrung des Bewusstseins“ in der Einleitung (vgl. G.W.F. Hegel: Phänomenologie des Geistes. Werke, Bd. 3. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1986, S. 38, 80).
verfolgen wir einen analogen Weg: Ein Vorbild für das Durchlaufen von Privation, Frustration und Kastration ist demnach das Durchlaufen der Gestalten des Bewusstseins in der Phänomenologie.
-
Frustration: Damit kommt Lacan indirekt auf die Tabelle Kastration – Frustration – Privation zurück, die er in Seminar 4, Die Objektbeziehung (1956/57), entwickelt hatte.
-
Diskursuniversum: In der Logik und in der Sprachphilosophie steht dieser Terminus für die Gesamtheit der Gegenstände, auf die sich Aussagen beziehen. Lacan verwendet den Ausdruck erstmals in Seminar 3, Die Psychosen (Sitzung vom 27. Juni 1956, Version Miller/Turnheim S. 356, dort „Universum des Diskurses“).
Ort des Anderen: Diesen Begriff hatte Lacan in Seminar 5, Die Bildungen des Unbewussten, eingeführt; im Graphen des Begehrens wird der Ort des Anderen dem mit A bezeichneten Schnittpunkt unten rechts zugeordnet (vgl. Sitzung vom 5. Februar 1959, Version Miller/Gondek S. 260).
-
zweite Dimension: Gemeint ist die Fläche, speziell die des Torus, im Unterschied zum Punkt (null Dimensionen) und zur Linie (eine Dimension). Der unäre Zug entspricht der Linie.
nicht-verschwindenden Schleifen: Vgl. Identifizierungs-Seminar, Sitzung vom 7. März 1962, S. {18–20}. Die nicht verschwindenden Schleifen enthalten ein irreduzibles Loch. Das Loch der leeren Kreise bezieht sich auf das Objekt a, auf das Partialobjekt als verlorenes Objekt. Worauf bezieht sich das Loch der vollen Kreise? Möglicherweise auf den Signifikanten eines Mangels im Anderen, S(Ⱥ).
-
Spitze: Unter einer Spitze oder Kuspe versteht man in der Geometrie einen Punkt, an dem sich die Richtung einer Kurve abrupt ändert.

Der Punkt (0, 0) ist eine Spitze der Kurve x3 − y2 = 0.
Eine Spitze ist eine Form des singulären Punkts, das heißt ein irregulärer Punkt, ein Ausnahme-Punkt (vom „singulären Punkt“ wird Lacan in der nächsten Sitzung sprechen, 21. März 1962, S. {6}).
-
der Schematismus des Torus: Der Torus ist Lacans Alternative zu Kants Schematismus.
-
Augustinus: Vgl. Augustinus, Bekenntnisse, Buch I, Kapitel 7:
„Ich selbst sah einen eifersüchtigen Kleinen, und machte meine Erfahrung an ihm: noch konnte er nicht sprechen, aber bleich, mit bitterbösem Blick schaute er auf seinen Milchbruder hin.“.
(Augustinus: Bekenntnisse. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Lateinischen von Joseph Bernhart. Insel, Frankfurt am Main 1987, S. 29)
Im Original:
„Vidi ego et expertus sum zelantem parvulum : nondum loquebatur et intuebatur pallidus amaro aspectu conlactaneum suum.“
Ein Milchbruder ist ein von derselben Amme gestilltes Kind, mit dem das Subjekt nicht verwandt ist.
Auf diese Augustinus-Stelle verweist Lacan immer wieder, zuerst in Die Familie (1938) (in: J. Lacan: Schriften III. Walter-Verlag, Olten 1980, S. 39–100, übersetzt von Friedrich A. Kittler, das Augustinus-Zitat findet man dort S. 54).
-
im Innersten seines Seins bedroht, das seinen grundlegenden Mangel enthüllt: Anspielung auf das Begehren als „Seinsmangel“ (Lacan hatte Sartres Terminus manque d’être ab 1955 verwendet und ab 1957 durch manque à être ersetzt).
-
achtzehn Jahrhunderte später: Augustinus lebte von 334 bis 430, Freud ist also fünfzehn Jahrhunderte später zu datieren.
vor seinem Enkel: Vgl. S. Freud: Jenseits des Lustprinzips (1920), GW 13, S. 11–15.
-
Sanktion: Der Ausdruck hat im Französischen wie im Deutschen zwei Bedeutungen: (a) Zustimmung, Bewilligung, (b) Bestrafung oder Belohnung.
-
Abbildung: Gemeint ist hier die Abbildung (oder Funktion) im Sinne der Mengenlehre, nämlich die Beziehung zwischen zwei Mengen A und B, Definitionsmenge und Zielmenge genannt, durch die jedem Element der Definitionsmenge genau ein Element der Zielmenge zugeordnet ist.
-
bijektive Abbildung: auch bijektive Funktion oder Bijektion genannt. Beziehung zwischen zwei Mengen, bei der jedem Element der Definitionsmenge genau ein Element der Zielmenge zugeordnet ist und umgekehrt.

Dies im Unterschied zu einer surjektiven und einer injektiven Abbildung. Bei einer surjektiven Abbildung wird jedem Element der Zielmenge mindestens ein Element der Definitionsmenge zugeordnet (und das heißt: Elemente der Zielmenge können doppelt zugeordnet werden). Bei einer injektiven Abbildung ist jedem Element der Definitionsmenge genau ein Element der Zielmenge zugeordnet (und das heißt: es kann Elemente der Zielmenge geben, die nicht zugeordnet sind).
-
bereits im Rom-Vortrag. Vgl. Lacan:
„Zu behaupten, dieser tödliche Sinn offenbare im Sprechen ein der Sprache äußerliches Zentrum ist mehr als eine Metapher und manifestiert eine Struktur. Diese Struktur ist verschieden von der Verräumlichung der Kreislinie oder der Sphäre, in der man sich die Grenzen des Lebendigen und seiner Umwelt zu schematisieren gefällt: Sie entspricht eher jener relationalen Gruppe, welche die symbolische Logik topologisch als einen Ring bezeichnet.
Will man davon eine anschauliche Darstellung geben, scheint es, dass man eher als auf die Oberflächlichkeit einer Zone auf die dreidimensionale Gestalt eines Torus zurückgreifen sollte, insofern seine periphere Exteriorität und seine zentrale Exteriorität nur eine einzige Region bilden.“
(Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse (Vortrag von 1953, zuerst veröffentlicht 1956). In: J.L.: Schriften. Band I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek, Turia und Kant, Wien 2016, S. 379)
-
Nähte: „sutures“, im Sinne von Schweißnähten oder Knochennähten. J.–A. Miller wird drei Jahre später einen Vortrag in Lacans Seminar halten, in dem er das Subjekt als „Suture“ beschreibt; siehe hier.
-
unendliche Sphäre: Sphäre mit einem Durchmesser von unendlicher Ausdehnung.
-
Gestalt meiner Haut von vorhin: Lacan bezieht sich hier vermutlich auf den doppelt zerschnittenen Torus und vergisst, dass er diese Behandlung des Torus noch nicht mit dem Aufspannen einer Tierhaut auf dem Boden verglichen hatte; diesen Vergleich wird er in der Sitzung vom 11. April 1962 nachholen, S. {22 f.}. (Hinweis von Ben Hooson in seiner englischen Übersetzung des Identifizierungs-Seminars)
-
ohne Macht: Eine andere Formulierung für „ohne Macht“ (sans pouvoir) ist „Unvermögen“ (impuissance). In der vorhergehenden Sitzung hieß es, der mögliche Agent des Äußerungsvorgangs der Privation sei das Subjekt der imaginären Allmacht,
„das heißt des umgekehrten Bildes der Ohnmacht / des Unvermögens / der Impotenz (impuissance).“
(28. Februar 1962, S. {21})
-
neue Form der Verneinung: Zur Verneinung hatte Lacan sich im Identifizierungs-Seminar bereits hier geäußert:
– Sitzung vom 17. Januar 1962, S. {5–16} (Verneinung in der französischen Sprache), S. {16–28} (Verneinung in logischen Aussagen);
– Sitzung vom 21. Februar 1962, S. {10–13} („nicht ein“);
– Sitzung vom 28. Februar 1962, S. {21 f.} (Kants vier Formen des Nichts). -
konformistisch: Historisch bezeichnet „conformist“ im Englischen die Anhänger der anglikanischen Kirche, und „nonconformist“ diejenigen Protestanten, die sich nicht der anglikanischen Kirche unterwarfen.
-
dieses wie (…) als die der Metapher: Vermutlich eine Anspielung auf die Vater-Metapher.
-
Ebene des dritten Terminus: Gemeint ist die Kastration, der dritte Terminus nach Privation und Frustration.
wobei ich (…) auf das „nicht möglich“ werde zurückkommen müssen: Vgl. das „nicht möglich“ in Lacans Darstellung des Äußerungsvorgangs in der vorhergehenden Sitzung:
„Könnte es nicht sein, dass es Mamma gibt? Nicht möglich – nichts vielleicht?“, das ist der Beginn eines jeden Äußerungsvorgangs des Subjekts, der sich auf das Reale bezieht.
(Sitzung vom 7. März 1962, S. {13})
Auf die Beziehung zwischen dem Unvermögen („ohne Macht)“ und dem Unmöglichen wird Lacan in der nächsten Sitzung zurückkommen (Sitzung vom 21. März 1962, S. {14 f.}).
