Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 6. Sitzung (17. März 1971), Übersetzung

Philipp Otto Runge, Wir Drei
1805, Öl auf Leinwand, 100 x 122 cm,  1931 verbrannt

Seminar XVIII (1971): Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre
6. Sitzung, 17. März 1971
Übersetzt von Rolf Nemitz

Vollständige Übersetzung von Seminar 18 auf der Grundlage von Version Staferla, Version Espaces Lacan und einer Tonaufnahme

In Millers Version des Seminars ist dies Kapitel VI, „D’une fonction à ne pas écrire“ („Über eine Funktion, die nicht zu schreiben ist“), S. 95–11.

Die Übersetzung wird zweimal gebracht, einmal nur deutsch, einmal in einer Interlinearversion: ein Satz französisch, ein Satz deutsch.

Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme und auf größere Abweichungen in Millers Version; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben und Erläuterungen.

Seminar 18 wird in diesem Blog bis zum Frühjahr 2017 vollständig übersetzt werden, etwa jeden Monat erscheint die Übersetzung einer weiteren Sitzung.

Einen Überblick über die verschiedenen Ausgaben von Seminar 18 findet man hier, Links zu Übersetzungen weiterer Sitzungen des Seminars hier.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott für großzügige Hilfe beim Übersetzen und in Sachen Logik und an Vincent Platini für die Aufschlüsselung einiger rätselhafter französischer Wendungen.

Textgrundlage

Grundlage der Übersetzung ist:

Version Staferla von Seminar 18:
Jacques Lacan: D’un discours qui ne serait pas du semblant. Auf der Website staferla.free.fr, PDF-Datei, Fassung vom 25.10.2015, hier

Die Lacan-Seminare auf der Staferla-Website werden von Zeit zu Zeit überarbeitet, ohne dass dies kenntlich gemacht wird. Aus diesem Grunde habe ich oben das Datum der von mir verwendeten Fassung angegeben.1 Zur Sicherheit habe ich diese Fassung der Staferla-Version hier gespeichert.

Die Transkription der Staferla-Version wurde von mir mit einer Tonbandaufnahme der Sitzung und mit der von Jacques-Alain Miller erstellten (redaktionell bearbeiteten) Version verglichen und an wenigen Stellen geändert. Wortwiederholungen, bei denen offenkundig ist, dass Lacan nach einer Formulierung sucht, habe ich gestrichen. Der Schnitt der Sätze (Punkt oder Semikolon oder Komma) sowie die Orthografie wurden bisweilen verändert. Die Gliederung in Absätze ist von mir.

Die Tonaufnahme findet man auf der Website von Patrick Valas, valas.fr, hier. Millers Version ist: J. Lacan: Le séminaire, livre XVIII. D’un discours qui ne serait pas du semblant. 1971. Textherstellung Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 2007.

Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.

Der Schrägsstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.

Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.

Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.

Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text.

¿Gelb markierte und von umgekehrten Fragezeichen eingeklammerte Passagen der Übersetzung¿ weisen darauf hin, dass die Übersetzung hier sehr unsicher ist.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift, z.B. [10], verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe des Seminars.

Sitzung vom 17. März 1971

Tonaufnahme

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Jacques Lacan, Seminar 18, D’un discours qui ne serait pas du semblant (1971), 6. Sitzung (17. März 1971)

Es fehlen etwa die letzten zehn Minuten, die Aufnahme geht bis „Et après“ im Satz „Et après, comment savoir si c’est nécessaire ou pas?“ (in Millers Version ist das S. 109, zweite Zeile von unten).

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Deutsch

[95] Versteht man mich dahinten in der letzten Reihe? Versteht man mich da, in der vierten Reihe da? Wunderbar! Zumindest atmet man, das ist ja schon etwas. Das kann wirkungsvollere Beziehungen erlauben. Beispielweise könnte ich gegebenenfalls jemanden bitten, rauszugehen. [Gelächter] Äußerstenfalls könnte ich eine Nervenzusammenbruch kriegen und selber gehen. [Gelächter] Nun ja, im anderen Hörsaal ähnelte das ein bisschen zu sehr der überwiegenden Zahl der Fälle, bei denen man deshalb glaubt, es gäbe ein sexuelles Verhältnis, weil man in ein Schächtelchen eingezwängt ist. [Gelächter]

Das wird es mir gestatten, Sie zu bitten, den Finger zu heben. Wer sind diejenigen [Gelächter], die auf meine ausdrückliche Empfehlung hin die Anstrengung unternommen haben, die Seiten 31 bis 40 von dem wiederzulesen, was man als meine Écrits bezeichnet? [Gelächter] Heben Sie doch mal den Finger, hier kann man den Finger heben. Viele sind das ja nicht gerade. [Gelächter]

Ich weiß nicht, ob ich jetzt nicht den Nervenzusammenbruch kriege [Gelächter] und ganz einfach gehe, denn schließlich braucht man minimale Ressourcen, um jemanden zu fragen, welche Beziehung er möglicherweise in diesen Seiten hat spüren können, in diesen gelesenen Seiten, zu dem, wovon ich gesagt habe, dass ich hier darüber gesprochen habe, nämlich über den Phallus. Wer ist in der Stimmung – schauen Sie, ich bin nett, ich rufe niemanden auf –, wer ist in der Stimmung, etwas darüber zu sagen, nämlich dies, warum nicht, dass es fast kein Mittel gibt, das zu bemerken?

Hat jemand vielleicht die Freundlichkeit, mir ein kleines Stück der Überlegungen mitzuteilen, zu denen ihn, ich sage nicht: diese Seiten inspirieren konnten, sondern das, was ich das letzte Mal über das gesagt habe, worum es darin meiner Meinung nach geht?

Marie, hören Sie, haben Sie diese Seiten wiedergelesen? Sie haben sie nicht wiedergelesen?

Teilnehmerin: Nein!

Lacan: Ach hauen Sie doch ab! [Gelächter]

[96] Also das ist ja wirklich ärgerlich. Ich werde Ihnen die Lektüre jedoch nicht abnehmen, das ist wirklich zu viel verlangt. Aber nun ja, ich nehme es, wie es kommt. Es wundert mich trotzdem ein kleines bisschen, es wundert mich ein kleines bisschen, dass ich keine Antwort erhalten kann, außer wenn ich mit Sticheleien anfange. Ja. Das ist doch sehr ärgerlich.

Auf diesen Seiten spreche ich exakt nur von der Funktion des Phallus, insofern sie in einem bestimmten Diskurs artikuliert wird. Und dennoch war das nicht in der Zeit, in der ich auch nur damit angefangen hatte, diese ganze Vielfalt [von Diskursen] zu konstruieren, diese tetraedische Kombinatorik mit den vier Spitzen, die ich Ihnen letztes Jahr vorgestellt habe. Und ich konstatiere dennoch, dass man von dieser Ebene her nicht sagen kann, von dieser Ebene, sage ich, meiner Konstruktion, und auch von dieser Zeit her, wenn Sie wollen –; nun ja, ich habe meinen Schlag gelenkt, wenn ich so sagen kann. Ich habe meinen Schlag gelenkt – das heißt schon viel, zielen können, das ist es bereits [Gelächter] –, derart, dass er mir jetzt nicht danebenzutreffen scheint, ich meine in einem fortgeschritteneren Stadium dieser Konstruktion.

Natürlich, als ich das letzte Mal gesagt habe – so lasse ich mich gehen, vor allem, wenn man ein bisschen den Anschein erwecken muss, zu atmen –, ich habe das letzte Mal gesagt, dass ich mich bewundere; ich hoffe, dass Sie das nicht buchstäblich genommen haben. Was ich bewunderte war vielmehr, dass die Trasse / die Zeichnung (la tracé), die ich zu einem Zeitpunkt gemacht hatte, als ich erst anfing, als Bezugspunkt eine bestimmte Furche auszuheben, jetzt nicht einfach zu verwerfen ist und mich nicht mit Scham erfüllt. Damit habe ich das letzte Jahr beendet, und das ist ziemlich bemerkenswert, ja man kann davon vielleicht sogar ein kleines Etwas mitnehmen, so einen Ansatz von Ermutigung, weiterzumachen.

Es ist ganz erstaunlich, dass all das hier vom Signifikanten fischbar ist, wenn ich so sagen kann, denn das ist eben das, worum es geht. Von diesem Seminar über den „Gestohlenen Brief“ aus bin ich zum Fischen gekommen, wovon ich denke, dass schließlich seit einiger Zeit die Tatsache, dass ich es, nicht wahr, an den Anfang gestellt habe, unter Außerachtlassung jeder Chronologie, vielleicht gezeigt hat, dass es nötig war, dass ich die Idee hatte, dass dies insgesamt die beste Art wäre, in meine Schriften einzuführen.

Also die Bemerkung, die ich [darin] über den berühmten Mann mache, who dares all things, those unbecoming as well as those becoming a man, es ist ja gewiss, wenn ich auf eben diesem Moment beharre, um zu sagen, wenn man es nicht wörtlich übersetzt – „das, was eines Mannes unwürdig wie auch das, was seiner würdig ist“ –, dann zeigt das, dass als Block | [97] genommen die unaussprechliche, beschämende Seite, die nicht gesagt wird, bezogen auf das, was einen Mann betrifft, schließlich durchaus da ist – um es klar zu sagen: der Phallus; und dass klar ist, dass, wenn man das zurückführt, indem man es in zwei Stücke teilt, „das, was eines Mannes würdig ist, wie auch das, was seiner unwürdig ist“ –;  es ist klar, dass das, worauf ich hier beharre, dass es nicht dasselbe ist zu sagen, the robber’s knowledge of the loser’s knowledge of the robber, „das Wissen des Diebs über das Wissen des Bestohlenen über den Dieb“, dass dieses Element: zu wissen, dass er weiß, das heißt ein Wissen, das durch eine bestimmte Phantasie aufgenötigt wird, nämlich dass dies eben der Mann wäre, der alles wagt – das ist hier, wie Dupin sofort sagt, der Schlüssel zur Situation.

Ich sage das und ich werde nicht darauf zurückkommen, denn, offen gesagt, das, worauf ich Sie hingewiesen habe, hätte jemandem, der sich die Mühe gemacht hätte, unmittelbar erlauben können, über einen solchen Text den größten Teil der Artikulationen vorzubringen, die ich heute in einer zweiten Phase vielleicht zu entwickeln, zu entrollen, zu konstruieren hätte, wie Sie, wenn Sie wollen, nach dem Anhören dessen sehen werden, was zu sagen mir dann mehr oder weniger gelungen sein wird, und was sich dort insgesamt durchaus bereits geschrieben fand, und nicht nur dort geschrieben fand, mit allen notwendigen Artikulationen, denselben, durch die ich glaube, Sie hindurchführen zu müssen. Also ist alles, was da ist, nicht nur ausgesiebt, sondern verbunden, gut gemacht aus diesen Signifikanten, die für eine stärker ausgearbeitete Bedeutung zur Verfügung stehen. Kurz, die einer Lehre, für die es, wie ich sagen kann, keinen Präzedenzfall gibt, außer Freud selbst, und genau insofern, als er den Präzedenzfall auf eine Weise definiert, dass man darin die Struktur in ihren Unmöglichkeiten lesen muss.

Kann man sagen, dass strenggenommen Freud beispielsweise die Unmöglichkeit des sexuellen Verhältnisses nicht als solche formuliert? Ich tue es einfach deshalb, weil es ganz einfach zu sagen ist. Das ist lang und breit geschrieben, das ist in dem geschrieben, was Freud schreibt; man muss es nur lesen. Nur werden Sie gleich sehen, warum Sie es nicht lesen. Ich versuche es zu sagen, zu sagen, warum ich es lese.

Der Brief also, ein Brief, der purloined ist, der nicht etwa „gestohlen“ ist, sondern, wie ich es erläutere, damit fange ich an, der einen Umweg machen wird oder, wie ich es übersetze, La lettre en souffrance, „Der unzustellbare Brief“, so fängt das an, und er endet damit, dieser kleine Schrieb, dass er dennoch seinen Bestimmungsort (destination) erreicht. Und wenn Sie es lesen, ich hoffe, dass es ein klein bisschen mehr sein werden, die es von hier bis zu unserem nächsten Treffen lesen werden, was erst in einer Ewigkeit sein wird. Weil das alles gut kalkuliert ist, zweiter und dritter Mittwoch; ich habe sie ausgesucht, weil das im Monat April in die Osterferien fällt, deshalb werden Sie mich erst im Mai wiedersehen. Das wird Ihnen die Zeit geben, die vierzig Seiten des Gestohlenen Briefs zu lesen.

[98] Am Ende liegt mir daran, das hervorzuheben, was davon das Wesentliche ist und weshalb die Übersetzung mit Der gestohlene Brief nicht gut ist. The purloined letter, das bedeutet ja doch, das bedeutet, dass er dennoch an seinen Bestimmungsort gelangt. Und den Bestimmungsort gebe ich an, ich gebe ihn als den grundlegenden Bestimmungsort eines jeden Briefes an. Er kommt, sagen wir, nicht etwa bei diesem an und auch nicht bei dieser, sondern bei dem, der hier nichts verstehen kann – in diesem Falle bei der Polizei, die wohlgemerkt völlig unfähig ist, hier irgendetwas zu verstehen, wie ich auf vielen Seiten herausstelle und erläutere, und genau deshalb war sie auch nicht in der Lage, ihn zu finden –, bei dem, der bei diesem Substrat, diesem Briefmaterial nichts verstehen kann.

All das wird sehr schön gesagt; diese Erfindung, diese Erdichtung von Poe – großartig. Der Brief ist wohlgemerkt außerhalb der Reichweite der Explikation des Raumes, denn das ist das, worum es geht. Das ist das, was der Präfekt sagen wird, dann das, was die Polizei zunächst sagen wird, nämlich dass all das, was beim Minister ist – angesichts dessen, dass man sich sicher ist, dass der Brief dort ist, dass er da ist, damit er ihn immer in Reichweite hat, man sagt, warum –, dass der Raum buchstäblich von einem Kontrollnetz überzogen worden ist. Das ist amüsant, nicht wahr, wenn ich mich hier so gehen lasse, ich weiß nicht, jedes Mal, wenn ich dann doch von Zeit zu Zeit ein wenig meinen Neigungen nachgebe, warum nicht, <gelange ich> zu solchen Überlegungen über den Raum – dieser berühmte Raum, der seit geraumer Zeit, seit Descartes, für unsere Logik die sperrigste Sache von der Welt ist. Das ist aber immerhin so eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, wenn es schon nötig ist, es als eine Art Randbemerkung hinzuzufügen; das ist das, was ich als die Dimension des Imaginären isoliere.

Es gibt wirklich Leute, die sich den Kopf zerbrechen, nicht unbedingt wegen dieser Schrift, wegen anderer Schriften, oder die bisweilen sogar Notizen aufbewahrt haben, von dem, was ich früher mal habe sagen können, beispielsweise über die Identifizierung, das war in den Jahren 61/62. Ich muss sagen, dass all meine Zuhörer an etwas anderes gedacht haben, außer – ich weiß nicht – ein oder zwei, die ganz von außen kamen, die nicht wussten, was da genau ablief. Ich habe da vom einzigen Zug gesprochen. Und jetzt zerbricht man sich also den Kopf darüber, was durchaus legitim ist, wo man diesen einzigen Zug einordnen soll: auf der Seite des Symbolischen oder des Imaginären oder, warum nicht, des Realen?

Wie auch immer, so etwas, das wird so markiert: ein senkrechter Strich, ein einziger Zug* – denn natürlich habe ich das bei Freud aufgefischt –, der einige Fragen aufwirft, wie ich Ihnen bereits das letzte Mal ein wenig nahegebracht habe, mit der Bemerkung, dass es völlig unmöglich ist, | [99] irgendetwas Haltbares über diese Zweiteilung [in Logik und Mathematik] zu schreiben, die für die Mathematiker so schwierig, so problematisch ist, nämlich, kann alles auf reine Logik reduziert werden, das heißt auf einen Diskurs, der sich auf eine wohldefinierte Struktur stützt? Gibt es nicht ein absolut wesentliches Element, das übrigbleibt, was auch immer wir anstellen mögen, um es in diese Struktur einzuzwängen, es zu reduzieren, das dennoch übrigbleibt, ein letzter Kern, der als Intuition / als Anschauung bezeichnet wird?

Gewiss, das ist die Frage, von der Descartes ausgegangen ist; ich meine, dass er darauf aufmerksam gemacht hat, nämlich dass die mathematische Begründung ihm zufolge nichts Wirksames, Schöpferisches oder was auch immer aus der Ordnung der Begründung bezieht, sondern einzig ihr Ausgangspunkt, nämlich eine ursprüngliche Anschauung, diejenige, die er annimmt, die er einsetzt mit seiner ursprünglichen Unterscheidung zwischen dem Ausgedehnten und dem Denken. Gewiss, dieser kartesische Gegensatz, der mehr von einem Denker als von einem Mathematiker gebildet worden ist – von jemandem, der gewiss nicht unfähig war, in der Mathematik etwas zu leisten, wie die Wirkungen bewiesen haben –, ist natürlich von den Mathematikern selbst weiter angereichert worden. Das ist sicherlich das erste Mal, dass zur Mathematik etwas auf dem Wege der Philosophie gekommen ist. Denn ich möchte Sie bitten, dies zu beachten, was mir sehr sicher zu sein scheint – man möge mir widersprechen, wenn man kann, es wäre leicht, jemanden zu finden, der in dieser Frage kompetenter ist als ich –, es ist doch verblüffend, dass die Mathematiker der Antike ihren Weg verfolgt haben, ohne auch nur im Geringsten all dem Beachtung zu schenken, was sich in den Schulen der Weisheit ereignen konnte, in den Schulen der Philosophie, in welchen auch immer. Heutzutage ist das nicht mehr so, jetzt, wo der kartesische Impuls, bezogen auf die Unterscheidung zwischen dem Angeschauten und dem Begründeten, etwas ist, was die Mathematik selbst in starkem Maße umgetrieben hat.

In dieser Hinsicht kann ich nicht anders als auf eine Ader zu stoßen, was an etwas liegt, was in einer gewissen Beziehung zu dem steht, was ich hier versuche, in dem Feld, um das es geht.

Mir scheint nämlich, dass die Bemerkung, die Bemerkung, die ich vorbringen kann, von dem Punkt aus, an dem ich bin, zu den Beziehungen zwischen dem Sprechen und dem Geschriebenen, bezogen auf das, was die Funktion des Geschriebenen, zumindest an dieser ersten Kante, an Besonderem hat, bezogen auf jeden Diskurs, dass diese Bemerkung vielleicht so ist, dass sie dazu führt, dass die Mathematiker sich über das klarwerden, worauf ich beispielsweise das letzte Mal hingewiesen habe, dass nämlich selbst die Anschauung des euklidischen Raumes etwas dem Geschriebenen zu verdanken hat.

Andererseits, falls es so ist – da ich versuchen will, das für Sie ein bisschen weiter voranzutreiben –, falls das, was man in der Mathematik „logische Untersuchung“ nennt, „Reduktion <der> mathematischen Operation auf die Logik“, falls dies etwas ist, was keinesfalls geht, was keine andere | [100] Stütze haben kann – um das festzustellen, genügt es, die Geschichte zu verfolgen – als die Manipulation kleiner und großer Buchstaben, verschiedener Partien von Alphabeten, ich meine griechische oder deutsche Buchstaben, mehrerer Partien unterschiedlicher Alphabete, dann ist jede Manipulation, mit der in der mathematischen Begründung die logische Reduktion voranschreitet, auf diese Stütze angewiesen.

Wie ich Ihnen zum wiederholten Male sage, sehe ich keinen wesentlichen Unterschied zu dem, was lange Zeit, während einer ganzen Epoche, im 17. und 18. Jahrhundert, für das mathematische Denken die Schwierigkeit gebildet hat, nämlich die Notwendigkeit der Zeichnung (tracé) für den euklidischen Beweis – dass zumindest eines dieser Dreiecke hier gezeichnet ist. Worüber alle in Aufregung geraten: ist dieses Dreieck, das gezeichnet worden sein wird, das allgemeine Dreieck oder ein besonderes Dreieck? Es ist jedoch völlig klar, dass es immer besonders ist, und dass das, was Sie für das Dreieck im allgemeinen beweisen – nämlich immer dieselbe Geschichte, drei Winkel, die zusammen zwei rechte ausmachen –, nun, es ist klar, dass Sie nicht sagen dürfen, dass dieses Dreieck nicht das Recht hat, ebenso gut ein gleichschenkliges Rechtwinkliges oder ein Gleichseitiges zu sein. Es ist also immer besonders, das hat die Mathematiker enorm beschäftigt.

Ich übergehe natürlich – das ist hier nicht der Ort, daran zu erinnern, wir sind nicht hier, um in Gelehrsamkeit zu machen –, ich übergehe, über wen und wen das verläuft, seit Descartes, Leibniz und anderen, das geht bis zu Husserl; sie scheinen mir jedoch niemals diesen harten Punkt gesehen zu haben, dass die Schrift von zwei Seiten her da ist, dass sie das Intuitionierte und das Begründete homogenisiert, dass die Schrift – anders gesagt kleine Buchstaben – eine Funktion hat, die nicht weniger intuitiv ist als das, was der gute Euklid gezeichnet hat (traçait). Dabei ginge es durchaus darum, herauszufinden, warum man denkt, dass sich das unterscheidet.

Ich weiß nicht, ob ich Sie darauf hinweisen muss, dass die Konsistenz des Raumes, des euklidischen Raumes, des Raumes, der mit seinen drei Dimensionen abgeschlossen ist, auf ganz andere Weise, so scheint mir, definiert werden muss. Wenn Sie zwei Punkte nehmen, so haben diese den gleichen Abstand zueinander, wenn ich so sagen kann, der Abstand des ersten Punktes vom zweiten ist der gleiche wie der des zweiten zum ersten. Sie können drei davon nehmen und dafür sorgen, dass das weiterhin stimmt, dass also jeder den gleichen Abstand zu jedem der beiden anderen Punkte hat. Sie können vier davon nehmen und dafür sorgen, dass das immer noch stimmt. Ich weiß nicht, ich habe nie gehört, dass ausdrücklich darauf hingewiesen wird. Sie können fünf davon nehmen, und jetzt übereilen Sie sich nicht, um zu sagen, dass Sie auch diese in gleichen Abstand zu jedem der vier anderen bringen können, da Ihnen das nicht gelingen wird, | [101] zumindest nicht in unserem euklidischen Raum. Damit Sie diese fünf Punkte im gleichen Abstand, Sie verstehen mich recht, zu jedem der anderen Punkte haben, ist es nötig, dass Sie eine fünfte, eine vierte Dimension erzeugen. Das ist es. Sicherlich, das geht mühelos, buchstäblich, und dann hält das sehr gut, man kann beweisen, dass ein vierdimensionaler Raum völlig kohärent ist; ganz in dem Maße, wie man die Verbindung seiner Kohärenz mit der Kohärenz der reellen Zahlen zeigen kann, in eben dem Maße hat er Bestand. Aber schließlich ist es eine Tatsache, dass sich die Anschauung bereits jenseits des Tetraeders auf den Buchstaben stützen muss.

Ich habe mich darauf gestürzt, um Ihnen zu sagen, weil ich gesagt habe, dass der Brief, der seinen Bestimmungsort erreicht, derjenige Brief ist, der bei der Polizei ankommt, die hier nichts begreift, und dass die Polizei, wie Sie wissen, nicht erst gestern entstanden ist, nicht wahr –  drei Spieße auf dem Boden, drei Spieße auf dem Campus –, wenn Sie ein bisschen von dem kennen, was Hegel geschrieben hat, dann wissen Sie, dass das der Staat ist. Der Staat und die Polizei, für jemanden, der ein ganz klein bisschen nachgedacht hat, und man kann nicht sagen, dass Hegel hier schlecht positioniert ist, ist das genau dasselbe.

Das beruht auf einer tetraedischen Struktur, anders gesagt, sobald wir etwas wie den Buchstaben befragen, müssen wir von meinen kleinen Schemata vom letzten Jahr ausgehen, die, wie Sie sich erinnern werden, so gemacht waren.

 

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Diskurs des Herrn, Diagramm mit sechs Pfeilen aus Verison G.T.

Dies ist der Diskurs des Herrn, wie Sie sich vielleicht erinnern, der dadurch charakterisiert ist, dass von den sechs Kanten des Tetraeders eine unterbrochen ist.

In dem Maße, wie man diese Strukturen sich drehen lässt, über die vier | [102] Kanten der kreisförmigen Anordnung, die im Tetraeder einander folgen – das ist eine Bedingung –, die in in derselben Richtung ineinandergreifen, in der Richtung, dass wenn eine sich dreht, jede beliebige der beiden anderen, der drei anderen <folgt>, stellt sich die Variation dessen her, worum es bei der Struktur des Diskurses geht, genau insofern als sie auf einem bestimmten Konstruktionsniveau beruht, diesem tetraedischen nämlich, diesem tetraedischen, mit dem man sich nicht begnügen kann, sobald man die Instanz des Buchstabens auftauchen lässt. Und eben deshalb, weil man sich nicht damit begnügen kann, gibt es – wenn man auf ihrer Ebene bleibt – unter diesen Seiten, die einen Kreis bilden, immer eine, die unterbrochen ist.

Von daher ergibt sich dann, dass in einer Welt, wie sie durch einen bestimmten Tetraeder strukturiert ist, den man an mehr als einem Ende des Feldes wiederfindet, ein Brief an seinem Bestimmungsort nur ankommt, um das zu finden, was ich in meinem Diskurs über den Gestohlenen Brief mit dem Terminus des Subjekts bezeichne, das keineswegs unter dem Vorwand, dass wir mit der Struktur einige Schritte vorankommen, auf irgendeine Weise zu eliminieren oder zurückzuziehen ist, und bei dem man eben von Folgendem ausgehen muss, nämlich, wenn das, was wir mit dem Terminus des Unbewussten entdeckt haben, einen Sinn hat, dann ist das Subjekt, ich wiederhole es, irreduzibel, wir können es nicht, selbst auf dieser Ebene, nicht in Rechnung stellen. Aber das Subjekt zeichnet sich durch seine ganz spezielle Dummheit aus. Das ist das, was im Text von Poe zählt, und zwar deshalb, weil es nicht belanglos ist, dass derjenige, über den er bei dieser Gelegenheit Scherze macht, der König ist, der sich hier in der Funktion des Subjekts manifestiert. Er versteht absolut nichts, und seine gesamte Polizeistruktur kann nichts anderes ausrichten, als dass der Brief nicht einmal in seine Reichweite gelangt, da es ja die Polizei ist, die ihn schützt, und sie nichts damit anfangen kann. Ich betone sogar, wenn man ihn in ihren Akten wiederfände, wäre das für einen Historiker nutzlos. Auf einigen Seiten von dem, was ich über diesen Brief schreibe, kann man sagen, dass es sehr wahrscheinlich nur die Königin ist, die weiß, was der Brief bedeutet, und dass alles, was sein Gewicht ausmacht, in Folgendem besteht: Wenn die einzige Person, die daran interessiert ist, nämlich das Subjekt, wenn also der König ihn in Händen hielte, würde er nur dies verstehen, dass er sicherlich einen Sinn hat, dass dieser Sinn aber – und darin besteht der Skandal – ihm, dem Subjekt, entgeht. Der Terminus des Skandals oder auch des Widerspruchs ist auf diesen vier kleinen letzten Seiten, die ich Ihnen zu lesen gegeben hatte, ganz richtig platziert, ich betone das.

Es ist klar, dass einzig aufgrund der Zirkulation des Briefes der Minister – da es hier doch einige gegeben hat, die früher mal Poe gelesen haben, müssen Sie wissen, dass in die Sache ein Minister verwickelt ist, derjenige, der den Brief geklaut hat –, dass der Minister im Verlauf des Ortswechsels besagten Briefes Veränderungen zeigt wie ein sterbender Fisch, Farbveränderungen, | [103] und dass in Wahrheit die wesentliche Funktion des Briefes – auf die mein gesamter Text vielleicht ein wenig zu üppig anspielt, aber um sich verständlich zu machen, kann man gar nicht zu sehr auf etwas beharren  –, dass diese Funktion sich darauf bezieht, dass der Brief eine feminisierende Wirkung hat.

Aber von dem Moment an, als er ihn, den Brief, nicht mehr hat, wird er selbst wieder, sobald er ihn nicht mehr hat, gewissermaßen in derjenigen Dimension wiederhergestellt, die sein gesamter Plan ihm verschaffen sollte, in der eines Mannes, der alles riskiert. Und ich insistiere auf dieser Wendung des Geschehens, derjenigen, mit der die Poe’sche Aussage endet, nämlich dass in diesem Moment die Sache erscheint, monstrum horrendum, wie im Text gesagt wird, das, was er für die Königin hatte sein wollen, die das natürlich in Rechnung gestellt hatte, denn sie hatte ja versucht, ihn wiederzuerlangen, diesen Brief, aber schließlich wurde mit ihm das Spiel fortgesetzt.

Jetzt ist unser Dupin an der Reihe, das heißt der Schlauste der Schlauen, derjenige, dem Poe die Rolle zuweist, die Rolle, uns mit etwas zu bewerfen, was ich ganz absichtlich so nennen möchte, ich betone das in diesem Text, der uns etwas Sand in die Augen werfen soll, dass wir nämlich glauben, dass es das gibt, den Schlausten der Schlauen, dass er wirklich alles begreift, alles weiß, dass er, der im Tetraeder steckt, begreifen kann, wie dieser gemacht ist.

Ich habe mich ziemlich ironisch geäußert über diese sicherlich sehr gekonnten Dinge, nämlich diese Wortspiele mit ambitus, mit religio und mit honesti homines, um zu zeigen und um einfach zu sagen, dass ich, was mich angeht, das kleine Tier ein bisschen weiter gesucht habe, nicht wahr, und dass es in Wahrheit irgendwo ist.

Es ist irgendwo, und wenn man Poe folgt, kann man sich die Frage stellen, ob Poe das wohl mitbekommen hat. Nämlich dass der Brief allein schon deswegen, weil er in Dupins Hände übergegangen ist, jetzt ihn wiederum hinreichend feminisiert hat, sodass Dupin gegenüber dem Minister – von dem er weiß, dass er ihn eben dessen beraubt hat, was es diesem erlauben könnte, weiterhin seine Rolle zu spielen, falls er jemals notwendig wäre, die Karten aufzudecken –, dass Dupin sich in genau diesem Moment nicht zurückhalten kann und ihm gegenüber dies bekundet – ihm gegenüber, der glaubt, bereits jedermann hinreichend von seiner Gnade abhängig gemacht zu haben, um keine weitere Spur zu hinterlassen –, dass Dupin ihm  in dem Billet, mit dem er den gestohlenen Brief ersetzt hat, die folgende Botschaft sendet: „Un destin si funeste“, nun ja, Sie kennen den Text, „S’il n’est digne d’Atrée est digne de Thyeste, „Ein so verhängnisvolles Schicksal / Wenn es nicht eines Atreus würdig ist, ist es eines Thyestes würdig“.

Die Frage, wenn ich so sagen darf, ist die, sich darüber klarzuwerden, wenn ich so sagen darf, ob Poe hierbei wohl die Tragweite dessen mitbekommt, dass Dupin in dieser Botschaft jenseits aller Möglichkeiten – denn Gott weiß, ob es jemals geschehen wird, dass der Minister ihn hervorholt, seinen Brief, und ihm im selben Moment die Luft rausgelassen wird / und er abgeschlafft ist (se trouve dégonflé) –, um Ihnen zu sagen, dass die Kastration hier, so wie sie in der Schwebe bleibt, vollkommen realisiert ist.

[104] Ich verweise auch auf diese Perspektive, die mir nicht, nun ja, nicht im Vorhinein geschrieben zu sein scheint. Das verleiht dem nur einen umso größeren Wert, was Dupin als Botschaft an denjenigen schreibt, den er gerade dessen beraubt hat, was dieser für seine Macht hält. Dieses Hühnchen, dass es bei dem Gedanken an das jubelt, was geschehen wird, wenn der Betroffene, zu welchem Zweck?, davon Gebrauch machen muss – was man sagen kann, ist, dass Dupin genießt. Nun, eben das ist die Frage, die Frage, die ich letztes Mal angeschnitten habe, als ich Ihnen sagte, ist das dasselbe, der Erzähler und derjenige, der schreibt? Unbestreitbar ist, dass der Erzähler, das Subjekt der Aussage, derjenige, der spricht, dass dies Poe ist. Genießt Poe das Genießen von Dupin oder von anderswo? Ich werde mich bemühen, Ihnen eben das heute zu zeigen.

Ich spreche zu Ihnen über den Gestohlenen Brief, wie ich ihn selbst artikuliert habe. Damit ist das eine Illustration, die ich für die Frage geben kann, die ich letztes Mal aufgeworfen habe – ist das nicht etwas radikal Verschiedenes, derjenige, der schreibt, und derjenige, der in seinem Namen in etwas Geschriebenem als Erzähler spricht?

Auf dieser Ebene ist das spürbar. Denn was auf der Ebene des Erzählers geschieht, ist letztlich das, was ich so nennen könnte – ich entschuldige mich, auf dem demonstrativen Charakter dieses kleinen Essays zu beharren –, nämlich dass das, was da demonstriert wird, letztlich die vollkommenste Kastration ist. Alle sind gleichermaßen betrogen, und niemand weiß davon das Geringste, eben das ist das Wunder.

Der König schläft natürlich von Anfang an, und bis ans Ende seiner Tage wird er auf beiden Ohren schlafen.

Die Königin macht sich nicht klar, dass es nahezu unvermeidlich ist, dass sie nach diesem Minister verrückt werden wird; jetzt – wo sie ihn in der Hand hat [Gelächter], wo sie ihn kastriert hat, nicht wahr –  ist das eine Liebe. [Ab „jetzt“ mit ironischem Pathos gesprochen.]

Der Minister, das stimmt nun wirklich, er ist ja erledigt, aber letztlich lässt ihn das kalt, nicht wahr, denn wie ich irgendwo sehr gut erklärt habe, entweder – oder. Entweder es gefällt ihm, der Geliebte der Königin zu werden, und das müsste angenehm sein – jedenfalls im Prinzip, das gefällt nicht jedem. Oder wenn er wirklich für sie eines dieser Gefühle hat, die von der Ordnung dessen sind, was ich das einzige hellsichtige Gefühl nenne, nämlich der Hass, wie ich Ihnen sehr gut erklärt habe, wenn er sie also hasst, wird sie ihn deshalb um so mehr lieben, und das wird es ihm gestatten, so weit zu gehen, dass in ihm schließlich doch der Verdacht aufkommt, dass der Brief schon seit langem nicht mehr da ist. Weil er sich natürlich täuschen wird. Er wird sich sagen, wenn man mit ihm so weit geht, dann deshalb, weil man sich der Dinge sicher ist, also wird er seinen kleinen Wisch rechtzeitig öffnen. Aber in keinem Fall wird es von da aus | [105] zu dem kommen, was gewünscht wird, nämlich den Minister lächerlich zu machen, lächerlich wird er nicht sein.

Gut, das ist es. Das ist das, was mir zu sagen gelungen ist über das, was ich geschrieben habe; und ich möchte Ihnen sagen,  dass dies seine Tragweite von daher bekommt, dass es unlesbar ist. Das ist – wenn Sie mir noch weiter folgen wollen – der Punkt, den ich versuchen werde, weiter auszuführen.

Ich sage es Ihnen sofort, wie so viele Leute, denn das sind Leute von Welt, die einzigen, die in der Lage sind, mir zu sagen, was sie denken, zu dem, was ich Ihnen andrehe. Das war der Moment, in dem meine Schriften noch nicht erschienen waren, sie haben mir ihre fachmännische Ansicht mitgeteilt, „hier versteht man gar nichts“, haben sie mir gesagt. Beachten Sie, dass das viel ist. Etwas, bei dem man nichts versteht, das ist die ganze Hoffnung, das ist das Zeichen, dass man betroffen ist. Ein Glück, dass man nichts verstanden hat! Weil man immer nur das verstehen kann, was man natürlich bereits im Kopf hat. Aber ich möchte doch versuchen, das ein bisschen besser zu artikulieren.

Es genügt nicht, absichtlich unverständliche Dinge zu schreiben, sondern man muss sehen, warum das Unlesbare einen Sinn hat. Ich möchte Sie zunächst darauf aufmerksam machen, dass unsere ganze Sache, nämlich die Geschichte mit dem sexuellen Verhältnis, nicht wahr, sich darum dreht, dass Sie glauben könnten, dass das geschrieben ist, denn es ist ja so, dass man bei dem, was man in der Psychoanalyse gefunden hat, doch auf etwas Geschriebenes verwiesen wird.

Der Ödipus ist ein geschriebener Mythos, und ich will sogar noch mehr sagen, das ist genau das einzige, was für ihn spezifisch ist; man hätte wirklich irgendeinen beliebigen nehmen können, vorausgesetzt, dass er geschrieben ist. Die Besonderheit eines Mythos, der geschrieben ist – darauf hat bereits Claude Lévi-Strauss aufmerksam gemacht –, besteht darin, dass er, wenn man ihn schreibt, nur eine einzige Form hat, wohingegen die Besonderheit des Mythos darin besteht – wie das gesamte Werk von Lévi-Strauss demonstriert –, eine sehr, sehr große Anzahl davon zu haben; das ist das, was ihn als Mythos konstituiert und nicht als geschriebenen Mythos.

Nun, dieser geschriebene Mythos könnte sehr gut so aufgefasst werden, dass er insgesamt die Niederschrift dessen wäre, worum es beim sexuellen Verhältnis geht. Ich möchte Sie jedoch auf bestimmte Dinge aufmerksam machen.

[106] Schauen Sie, das heißt – und deshalb ist es nicht gleichgültig, dass ich von diesem Text ausgegangen bin –, das heißt, wenn dieser Brief in diesem Zusammenhang diese Funktion haben kann, diese verweiblichende Funktion, nicht wahr?, das heißt, bezogen auf das, was ich Ihnen darüber gesagt habe, das heißt, dass der geschriebene Mythos, der Ödipus, eben dazu da ist, um uns zu zeigen, dass es undenkbar ist, „die Frau“ zu sagen. Das ist undenkbar, warum? Weil man nicht „alle Frauen“ sagen kann. Man kann nicht „alle Frauen“ sagen, weil das in diesen Mythos nur im Namen dessen eingeführt wird, dass der Vater „alle Frauen“ besitzt, was offensichtlich das Zeichen einer Unmöglichkeit ist.

Was ich andererseits, bezogen auf diesen Gestohlenen Brief, hervorhebe, ist dies, wenn es nur „eine Frau“ gibt, anders ausgedrückt, wenn die Funktion von „die Frau“ nur durch das umgesetzt wird, was der große Mathematiker Brouwer – im Zusammenhang dessen, was ich Ihnen eben über die mathematische Diskussion gesagt habe, vorgetragen habe – als „Viel-Einheit“ bezeichnet, nämlich dies, dass es eine Funktion gibt, die strenggenommen die ist, dass da der Vater ist. Der Vater ist da, um sich in seiner radikalen Funktion anerkennen zu lassen, in derjenigen, die er immer manifestiert hat, jedes Mal, wenn es beispielsweise um den Monotheismus ging – es ist nicht ohne Bedeutung, dass Freud hier gestrandet ist.

Das heißt, dass es eine absolut wesentliche Funktion gibt, der man vorbehalten sollte, strenggenommen am Ursprung der Schrift zu stehen, und das ist das, was ich das „Nicht-mehr-als-eins“ (pas-plus-d’un) nennen werde.

Aristoteles macht sicherlich ganz und gar hinreißende, beachtliche Anstrengungen, wie er das für gewöhnlich tut, um uns das durch Stufen zugänglich zu machen, gemäß seinem Prinzip, das man ja als das Prinzip des stufenweisen Rückstiegs qualifizieren kann, von Ursache zu Ursache und von Wesenheit zu Wesenheit – und da werden Sie wohl irgendwo anhalten müssen. Ja, das ist das Nette bei den griechischen Philosophen, dass sie wirklich für Dumme sprachen. Von daher die Entwicklung der Funktion des Subjekts.

Das Nicht-mehr-als-eins stellt sich auf völlig originelle Weise dar. Ohne Nicht-mehr-als-eins können Sie ja nicht einmal damit anfangen, die Reihe der ganzen Zahlen zu schreiben – ich werden Ihnen das das nächste Mal an der Tafel zeigen –, damit es ein Ein gibt und dann, damit Sie danach nur noch die Lippen zu schürzen brauchen, jedes Mal, wenn Sie wieder anfangen wollen, so dass das jedes Mal eins mehr ergibt, aber nicht dasselbe. Hingegen sind all diejenigen, die sich so wiederholen, dieselben; sie können addiert werden, man nennt das „arithmetische Reihe“.

[107] Aber kommen wir auf das zurück, was uns bei diesem Thema wesentlich zu sein scheint, bezogen auf das sexuelle Genießen. Das heißt, dass es nicht – das ist eine Erfahrung, die aus einer Struktur gemacht ist, was auch immer ihre besonderen Bedingungen sein müssen – , das heißt, dass es mit dem sexuellen Genießen so ist, dass es nicht geschrieben werden kann, und dass sich daraus die strukturelle Vielfalt ergibt, zunächst die Tetrade, in der etwas sich abzeichnet, wodurch sie verortet wird, aber untrennbar von einer gewissen Anzahl von Funktionen, die insgesamt nichts mit dem zu tun haben, was den Sexualpartner spezifizieren kann, ihn im allgemeinen spezifizieren kann.

Die Struktur ist so, dass der Mann als solcher – insofern er funktioniert – kastriert ist, und andererseits existiert etwas, was auf der Ebene der weiblichen Partnerin ist und was man einfach mit diesen Strich zeichnen könnte, bei dem ich hierbei auf die Tragweite, auf die gesamte Funktion dieses Buchstabens hinweise, dass „Die Frau“ nichts – falls sie existiert und genau deshalb existiert sie nicht –, das heißt, dass sie als „Die Frau“ nichts mit dem Gesetz zu tun hat.

Nun, wie soll man das, was passiert ist, auffassen – man macht ja doch Liebe, oder? Man macht ja doch Liebe, und von dem Moment an, in dem man sich dafür interessiert, nimmt man <das> wahr, man verwendet Zeit darauf. Und in Wahrheit hat man sich vielleicht immer dafür interessiert, nur haben wir für die Art und Weise, in der man sich früher dafür interessiert  hat, den Schlüssel verloren. Aber was uns angeht, mitten im wissenschaftlichen Zeitalter, in seiner Blüte, wir nehmen das, worum es dabei geht, durch Freud wahr. Und das ist was? Wenn es darum geht, das sexuelle Verhältnis durch Symbole zu strukturieren, funktionieren zu lassen, was bildet dafür ein Hindernis? Dies, dass sich das Genießen darin einmischt.  

Lässt sich das sexuelle Genießen direkt behandeln? Das geht nicht, und zwar insofern – mehr wollen wir nicht sagen –, als es das Sprechen gibt. Der Diskurs beginnt von daher, dass es da eine Kluft gibt. Dabei kann man nicht stehenbleiben, ich meine, dass ich jede Position des Ursprungs ablehne, und schließlich hindert uns nichts daran zu sagen, dass diese Kluft sich deshalb herstellt, weil der Diskurs beginnt. Das ist, was das Ergebnis angeht, völlig gleichgültig. Sicher ist dies, dass der Diskurs in der Kluft impliziert ist, und da es keine Metasprache gibt, kann er da nicht herauskommen.

Was ich gerade über die Symbolisierung des sexuellen Genießens vorbringe, wird dadurch offensichtlich, dass es seinen gesamten Symbolismus von wo entlehnt?, von etwas, womit es nichts zu tun hat, nämlich vom Genießen, insofern es verboten ist, durch bestimmte verworrene Dinge, | [108] die aber gar nicht so verworren sind, denn es ist uns gelungen, das vollkommen mit dem Begriff des Lustprinzips zu artikulieren, was nur einen Sinn haben kann: „nicht zu viel Genießen“. Denn der Stoff aller Arten des Genießens grenzt an das Leiden, das ist das Kleid, woran man es erkennt – wenn die Pflanze nicht offenkundig leiden würde, wüssten wir nicht, dass sie lebt.

Es ist also klar, dass die Tatsache –, dass das sexuelle Genießen zu seiner Strukturierung nur den Bezug auf das Verbot des Genießens gefunden hat, auf das Verbot, insofern es genannt wird, eines Genießens jedoch, das keines ist, das diejenige Dimension des Genießens ist, die strenggenommen das tödliche Genießen ist.

Anders ausgedrückt, dass das sexuelle Genießen seine Struktur von dem Verbot hernimmt, das sich auf das Genießen bezieht, das sich auf den eigenen Körper richtet, das heißt genau an dem Grat und an der Grenze, wo es an das tödliche Genießen angrenzt. Und es trifft die Dimension des Sexuellen nur dadurch, dass es das Verbot auf denjenigen Körper bezieht, aus dem der eigene Körper hervorgeht, das heißt auf den Körper der Mutter. Nur dadurch wird das, worum es beim sexuellen Genießen geht, im Diskurs strukturiert, und das ist das einzige, was hier das Gesetz beisteuern kann. Die Partnerin ist hierbei tatsächlich auf eine reduziert, aber nicht auf eine beliebige: auf diejenige, die dich in die Welt gesetzt hat. Und um diesen Punkt herum wird alles konstruiert, was artikuliert werden kann, sobald wir uns auf eine Weise, die verbalisierbar ist, wieder auf dieses Feld begeben. Wenn wir weiter vorangekommen sind, werde ich darauf zurückkommen, wie das Wissen dazu gelangt, wie ein Genießen zu funktionieren; hier können wir das überspringen.

Die Frau als solche ist in einer Position, in der sich auf einzigartige Weise versammelt, dass sie, so möchte ich sagen, Untertanin (sujette) des Sprechens ist. Die Umwege erspare ich Ihnen natürlich. Dass das Sprechen das ist, wodurch eine Wahrheitsdimension eingesetzt wird – die Unmöglichkeit dieses sexuellen Verhältnisses –, das ist auch das, was die Reichweite des Sprechens ausmacht, insofern natürlich, als es alles kann, außer, an dem Punkt zu dienen, durch den es bedingt ist. Das Sprechen bemüht sich, die Frau auf die Unterwerfung (sujétion) zu reduzieren, das heißt, aus ihr etwas zu machen, wovon man Zeichen von Intelligenz erwartet, wenn ich mich so ausdrücken kann. Aber natürlich handelt es sich hier nicht um ein reales Wesen, um es deutlich zu sagen. „Die Frau“ ist hierbei, wie dieser Text gut demonstriert Die Frau, ich will sagen das An-sich der Frau, Die Frau, so als könnte man sagen „alle Frauen“; „die Frau“ – ich insistiere, die nicht existiert –, das ist genau die Letter, die Letter, insofern sie der Signifikant ist, dass es keinen Anderen gibt: S(Ⱥ).

[109] Und dazu möchte ich für Sie, bevor ich Sie verlasse, doch eine Anmerkung machen, mit der die logische Konfiguration dessen nachgezeichnet wird, was ich hier gerade vorbringe.

In der aristotelischen Logik haben Sie die Bejahungen, ich schreibe sie nicht mit den Buchstaben, die in der formalen Logik üblich sind, ich schreibe nicht A, ich schreibe das „bejahende Universale“ [U.A. für „universelle affirmative“] und ich schreibe das „verneinende  Universale“ [U.N. für „universelle négative“], das bedeutet das hier. Hier schreibe ich „bejahende Partikuläre“ [P.A. für „particulière affirmative“] und „verneinende Partikuläre“ [P.N. für „particulière négative“].

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Ich mache darauf aufmerksam, dass auf der Ebene der aristotelischen Artikulation zwischen diesen beiden Polen – da diese Aussagekategorien Aristoteles entlehnt sind –, zwischen diesen beiden Polen die [grundlegende] logische Unterscheidung getroffen wird.

Die universale bejahende Aussage äußert ein Wesen (essence).

schema-von-peirce

Quadrantenschema von Peirce

Ich habe in der Vergangenheit oft genug auf dem bestanden, worum es bei der Aussage „Jeder Strich ist senkrecht“ geht und dass sie völlig damit vereinbar ist, dass es keinen Strich gibt – das Wesen ist wesentlich in der Logik verortet, es ist reine Aussage des Diskurses. 

Die logische Unterscheidung, ihre in dieser Artikulation wesentliche Achse, ist genau diese Schrägachse, die ich gerade hier eingetragen habe. Nichts richtet sich gegen eine irgendwie identifizierbare logische Aussage außer der Bemerkung „Es gibt welche, die nicht ….“, partikuläre verneinende Aussage. Es gibt Striche, die nicht senkrecht sind, das ist der einzige Widerspruch, der gegen die Affirmation vorgebracht werden kann, dass dies [dass Striche senkrecht sind] eine Wesenstatsache ist.

Und die beiden anderen Terme sind im Funktionieren der aristotelischen Logik ganz und gar sekundär. Nämlich „Es gibt welche, die …“, partikuläre bejahende Aussage. Und danach, wie soll man wissen, ob das notwendig ist oder nicht? Das beweist nichts. Und zu sagen „Es gibt nicht welche, die …“ | [110] – was nicht dasselbe ist wie zu sagen „Es gibt welche, die nicht …“ –, das heißt, die universale verneinende Aussage „Es gibt nicht welche, die …“, nun, das beweist auch nichts, das ist eine Tatsache.

Worauf ich Sie aufmerksam machen kann, ist das, was passiert, wenn man von dieser aristotelischen Logik zu ihrer Umformung in die mathematische Logik übergeht, in diejenige Logik, die mithilfe von etwas gemacht ist, was man als Quantoren bezeichnet. Beschimpfen Sie mich nicht, denn Sie werden mich gleich nicht mehr verstehen, ich werde zunächst schreiben, und das ist eben das, worum es geht. 

Die universale Aussage – ich habe „universale bejahende Aussage“ gesagt –  wird jetzt mit dieser nicht-verbalisierbaren Notation geschrieben, ∀, denn das ist ein umgekehrtes A. Ich sage „umgekehrtes A“, das heißt, das gehört nicht zur Rede, das gehört zum Geschriebenen. Das ist jedoch, wie Sie sehen werden, ein Signal um zu schwätzen.

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik [?]

∀x.F(x): universale bejahende Aussage.

∃x.F(x): partikuläre bejahende Aussage.

Dieses hier, ∀x.F(x) – ich will ausdrücken, dass das eine Verneinung ist, wie kann ich das tun? Es wundert mich, dass das nie wirklich so, wie ich es tun werde, artikuliert worden ist. Nämlich dass Sie den Negationsstrich über das F(x) setzen müssen und nicht – wie es üblicherweise gemacht wird – über beide <Bestandteile des Ausdrucks>:

\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}.

Sie werden sehen warum.

Und hier, bei ∃x.F(x), müssen sie den Strich über das ∃x setzen:

\overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}}. [?]

Ich setzte hier jetzt selbst einen Strich, der mit dem gleichwertig ist, der dort war [im Schema der aristotelischen Logik]; und da der Strich, der dort war, die Vierergruppe in zwei Bereiche aufteilte, führt er hier auf andere Weise zu einer Zweiteilung.

vier-propositionen-im-vergleich

Die beiden Aufteilungen der Vierergruppen

x

Ich behaupte nun, dass bei dieser Art des Schreibens eben alles davon abhängt, dass man es in Bezug auf das Geschriebene sagen kann. Und dass die Aufteilung in zwei Ausdrücke, die durch einen Punkt verbunden sind, was so geschrieben wird, ∀x.F(x), den Wert hat, zu sagen, dass man über jedes x sagen kann – das ist das Signal des umgekehrten A: ∀ –, dass es dem genügt, was F(x) geschrieben wird, dass es [unter dem Aspekt des Geschriebenen] hier nicht fehl am Platz ist.

[111] Das gleiche <gilt für die partikuläre bejahende Aussage ∃x.F(x) >, jedoch mit einem anderen Akzent, nämlich dass es Schreibbares gibt. Das heißt, dass der Akzent des Geschriebenen hier liegt: Es existieren x, die Sie in dem F(x) funktionieren lassen können. Wovon Sie also dann sprechen, wenn es um das geht, was man hier die quantifizierende Umwandlung der partikulären Aussage durch Quantoren nennt: ∃x.F(x).

Hingegen ist durchaus wahr, dass sich die Verschiebung der Aufteilung um das Geschriebene dreht. Nämlich dass sich bei dem, was in die erste zugängliche Ebene [die erste Spalte?] gesetzt wird, für die universale Aussage nichts geändert hat, sie hat immer noch einen Wert, auch wenn es nicht derselbe Wert ist.

Hier hingegen [in der rechten Spalte] geht es darum, sich den Nicht-Wert der universalen verneinenden Aussage [\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}] klarzumachen. Denn was hier angezeigt wird, ist dies, dass man, von welchem x auch immer Sie sprechen, nicht F(x) schreiben darf.

Und dass ebenso für die partikuläre verneinende Aussage gilt, dass – ebenso wie hier [in der linken Spalte] das x geschrieben werden konnte, wie es in dieser Formel [∃x.F(x)] zulässig war, schreibbar war – hier [in der rechten Spalte] einfach dies gesagt wird, dass es nicht schreibbar ist.

Was soll das heißen? Das heißt, dass das, was von diesen beiden Strukturierungen [U.A. und P.N.?] in gewisser Weise vernachlässigt oder wertlos geblieben ist, nämlich die universale verneinende Aussage, die universale verneinende Aussage, insofern sie [in der Quantorenlogik] diejenige ist, die zu sagen ermöglicht „Dieses [F] darf nicht geschrieben werden, wenn Sie von irgendeinem x sprechen“, anders gesagt, dass hier [in der Quantorenlogik] ein wesentlicher Schnitt funktioniert.

Nun, das ist eben das, um das herum sich das artikuliert, worum es beim sexuellen Verhältnis geht. Die Frage bezieht sich auf das, was in der Funktion F(x) nicht geschrieben werden kann, von dem Moment an, wo dies, die Funktion F(x), selbst nicht zu schreiben ist.

Das heißt, dass sie das ist, was ich gesagt habe, eben geäußert habe, nämlich der Punkt, um den herum sich das drehen wird, was wir wiederaufnehmen werden, wenn ich Sie in zwei Monaten wiedersehe, nämlich dass sie im strengen Sinne das ist, was „unlesbar“ genannt wird.

Französisch/deutsch mit Anmerkungen

 

[95] Est-ce qu’on m’entend là bas dans le fond, au dernier rang ?

Versteht man mich dahinten in der letzten Reihe?

Est-ce qu’on m’entend là, au quatrième rang là ?

Versteht man mich da, in der vierten Reihe da?

Formidable !

Wunderbar!

Au moins on respire, c’est déjà ça !

Zumindest atmet man, das ist ja schon etwas.

Ça peut permettre des rapports plus efficaces.

Das kann wirkungsvollere Beziehungen erlauben.

Par exemple, dans un cas, je pourrai demander à quelqu’un de sortir. [Gelächter]

Beispielweise könnte ich gegebenenfalls jemanden bitten, rauszugehen. [Gelächter]

À la limite je pourrai faire une crise de nerfs, m’en aller moi-même. [Gelächter]

Äußerstenfalls könnte ich eine Nervenzusammenbruch kriegen und selber gehen. [Gelächter]

Enfin, dans l’autre amphi ça ressemblait un peu trop au plus grand nombre de cas où on croit qu’il existe un rapport sexuel, parce qu’on est coincé dans une boî-boîte. [Gelächter]

Nun ja, im anderen Hörsaal ähnelte das ein bisschen zu sehr der überwiegenden  Zahl der Fälle, bei denen man deshalb glaubt, es gäbe ein sexuelles Verhältnis, weil man in ein Schächtelchen eingezwängt ist. [Gelächter]

Ça va me permettre de vous demander de lever le doigt !

Das wird es mir gestatten, Sie zu bitten, den Finger zu heben.

Quels sont ceux [Gelächter] qui, sur ma suggestion expresse ont fait l’effort de relire les pages 31 à 40 de ce qu’on appelle mes Écrits ? [Gelächter]

Wer sind diejenigen [Gelächter], die auf meine ausdrückliche Empfehlung hin die Anstrengung unternommen haben, die Seiten 31 bis 40 von dem wiederzulesen, was man als meine Écrits bezeichnet? [Gelächter] 1?

Levez le doigt, ici on peut lever le doigt.

Heben Sie doch mal den Finger, hier kann man den Finger heben.

Il n’y en a pas tellement que ça ! [Gelächter]

Viele sind das ja nicht gerade. [Gelächter]

Je ne sais pas si je ne vais pas faire la crise de nerfs [Gelächter] et m’en aller tout simplement, puisqu’en somme il faut avoir des ressources minimes pour demander à quelqu’un quel rapport il a pu éventuellement sentir de ces pages, de ces pages lues, à ce dont j’ai dit que j’y parlais, à savoir du phallus.

Ich weiß nicht, ob ich jetzt nicht den Nervenzusammenbruch kriege [Gelächter] und ganz einfach gehe, denn schließlich braucht man minimale Ressourcen, um jemanden zu fragen, welche Beziehung er möglicherweise in diesen Seiten hat spüren können, in diesen gelesenen Seiten, zu dem, wovon ich gesagt habe, dass ich hier darüber gesprochen habe, nämlich über den Phallus.

Qui est-ce qui se sent d’humeur – voyez je suis gentil, je n’interpelle personne – qui est-ce qui se sent d’humeur à en dire quelque chose, voire ceci – pourquoi pas ? – qu’il y a guère moyen de s’en apercevoir ?

Wer ist in der Stimmung – schauen Sie, ich bin nett, ich rufe niemanden auf –, wer ist in der Stimmung, etwas darüber zu sagen, nämlich dies, warum nicht, dass es fast kein Mittel gibt, das zu bemerken?2

Est-ce que quelqu’un aurait la gentillesse de me communiquer un petit bout de réflexion qu’a pu lui inspirer – je ne dis pas : ces pages, mais ce que la dernière fois j’ai dit de ce en quoi elles consistaient à mon gré.

Hat jemand vielleicht die Freundlichkeit, mir ein kleines Stück der Überlegungen mitzuteilen, zu denen ihn, ich sage nicht: diese Seiten inspirieren konnten, sondern das, was ich das letzte Mal über das gesagt habe, worum es darin meiner Meinung nach geht?

Marie, écoutez, vous, est-ce que vous les avez relues ces pages ?

Marie, hören Sie, haben Sie diese Seiten wiedergelesen?

Vous les avez pas relues ?

Sie haben sie nicht wiedergelesen?

Teilnehmerin: Non!

Teilnehmerin: Nein!

Lacan: Foutez le camp ! [Gelächter]

Lacan: Ach hauen Sie doch ab! [Gelächter]

[96] Bon enfin, c’est bien ennuyeux.

Also das ist ja wirklich ärgerlich.

C’est tout de même pas moi qui vais vous en faire la lecture, ça c’est vraiment trop me demander.

Ich werde Ihnen die Lektüre jedoch nicht abnehmen, das ist wirklich zu viel verlangt.

Mais enfin, je prends ça au hasard.

Aber nun ja, ich nehme es, wie es kommt.

Je suis un tout petit peu étonné quand même, je suis un tout petit peu étonné de ne pas pouvoir, sauf à entrer dans l’ordre de la taquinerie, obtenir une réponse.

Es wundert mich trotzdem ein kleines bisschen, es wundert mich ein kleines bisschen, dass ich keine Antwort erhalten kann, außer wenn ich mit Sticheleien anfange.

Oui ! C’est tout de même très ennuyeux.

Ja. Das ist doch sehr ärgerlich.

Je ne parle très précisément dans ces pages, que de la fonction du phallus en tant qu’elle s’articule, qu’elle s’articule dans un certain discours.

Auf diesen Seiten spreche ich exakt nur von der Funktion des Phallus, insofern sie in einem bestimmten Diskurs artikuliert wird.

Et c’était pourtant pas le temps où j’avais encore même ébauché de construire toute cette variété, cette combinaison tétraédrique, à quatre sommets, que je vous ai présentée l’année dernière.

Und dennoch war das nicht in der Zeit, in der ich auch nur damit angefangen hatte, diese ganze Vielfalt [von Diskursen] zu konstruieren, diese tetraedische Kombinatorik mit den vier Spitzen, die ich Ihnen letztes Jahr vorgestellt habe.

Et je constate pourtant que dès ce niveau on ne peut pas dire – dès ce niveau dis-je, de ma construction – dès ce temps si vous voulez aussi, eh bien j’ai dirigé mon coup si je puis dire.

Und ich konstatiere dennoch, dass man von dieser Ebene her nicht sagen kann, von dieser Ebene, sage ich, meiner Konstruktion, und auch von dieser Zeit her, wenn Sie wollen –; nun ja, ich habe meinen Schlag gelenkt, wenn ich so sagen kann.

J’ai dirigé mon coup – c’est beaucoup dire, pouvoir tirer, c’est déjà ça [Gelächter] – de façon telle qu’il ne me paraisse pas maintenant porter à faux, je veux dire dans un stade plus avancé de cette construction.

Ich habe meinen Schlag gelenkt – das heißt schon viel, zielen können, das ist es bereits [Gelächter] –, derart, dass er mir jetzt nicht danebenzutreffen scheint, ich meine in einem fortgeschritteneren Stadium dieser Konstruktion.

Bien sûr, quand j’ai dit la dernière fois – je me laisse aller comme ça, surtout quand il faut un peu faire semblant de respirer – j’ai dit la dernière fois que je m’admirais, j’espère que vous n’avez tout de même pas pris ça au pied de la lettre.

Natürlich, als ich das letzte Mal gesagt habe – so lasse ich mich gehen, vor allem, wenn man ein bisschen den Anschein erwecken muss, zu atmen –, ich habe das letzte Mal gesagt, dass ich mich bewundere; ich hoffe, dass Sie das nicht buchstäblich genommen haben.

Ce que j’admirais, c’était en effet plutôt le tracé que j’avais fait dans le temps où je commençais seulement à faire un certain sillon en fonction de repères, qui soit pas maintenant nettement à rejeter, enfin qui ne me fasse pas honte.

Was ich bewunderte war vielmehr, dass die Trasse / die Zeichnung (la tracé), die ich zu einem Zeitpunkt gemacht hatte, als ich erst anfing, als Bezugspunkt eine bestimmte Furche auszuheben, jetzt nicht einfach zu verwerfen ist und mich nicht mit Scham erfüllt.

C’est là-dessus que j’ai terminé l’année dernière, et c’est assez remarquable, voire même on peut peut-être y prendre un petit quelque chose, une ébauche comme ça d’encouragement à continuer.

Damit habe ich das letzte Jahr beendet, und das ist ziemlich bemerkenswert, ja man kann davon vielleicht sogar ein kleines Etwas mitnehmen, so einen Ansatz von Ermutigung, weiterzumachen.3

Qu’il soit tout à fait frappant que tout ce qui y est pêchable si je puis dire, de signifiant, parce que ça, c’est bien de ça qu’il s’agit.

Es ist ganz erstaunlich, dass all das hier vom Signifikanten fischbar ist, wenn ich so sagen kann, denn das ist eben das, worum es geht.

Je suis venu à la pêche de ce « séminaire sur La Lettre volée », dont je pense qu’après tout – depuis un temps – le fait que je l’aie mis en tête – n’est-ce pas, en dépit de toute chronologie – montrait peut-être qu’il fallait… que j’avais l’idée que c’était en somme la meilleure façon d’introduire à mes Écrits.

Von diesem Seminar über den „Gestohlenen Brief“ aus bin ich zum Fischen gekommen, wovon ich denke, dass schließlich seit einiger Zeit die Tatsache, dass ich es, nicht wahr, an den Anfang gestellt habe, unter Außerachtlassung jeder Chronologie, vielleicht gezeigt hat, dass es nötig war, dass ich die Idee hatte, dass dies insgesamt die beste Art wäre, in meine Schriften einzuführen.

Alors la remarque que je fais, sur ce fameux homme : « who dares all things, those unbecoming as well as those becoming a man » il est bien certain que si j’insiste à ce moment là pour dire que de ne pas le traduire littéralement… « ce qui est indigne aussi bien que ce qui est digne d’un homme » …montre que c’est dans son bloc | [97] que le côté indicible, honteux, qui ne se dit pas, quant à ce qui concerne un homme, enfin est bien là – pour tout dire le phallus – et que il est clair que ramener ça, en le fragmentant en deux : « ce qui est digne d’un homme aussi bien que ce qui est indigne de lui » il est clair que ce que sur quoi j’insiste ici, que c’est pas la même chose de dire : « the robber’s knowledge of the loser’s knowledge of the robber », « la connaissance qu’a le voleur de la connaissance qu’a le volé de son voleur » que cet élément de « savoir qu’il sait », à savoir : savoir imposé d’un certain fantasme, que ce soit justement : « l’homme qui ose tout », c’est là, comme tout de suite le dit Dupin, la clé de la situation.

Also die Bemerkung, die ich [darin] über den berühmten Mann mache, who dares all things, those unbecoming as well as those becoming a man4, es ist ja gewiss, wenn ich auf eben diesem Moment beharre, um zu sagen, wenn man es nicht wörtlich übersetzt – „das, was eines Mannes unwürdig wie auch das, was seiner würdig ist“ –, dann zeigt das, dass als Block genommen die unaussprechliche, beschämende Seite, die nicht gesagt wird, bezogen auf das, was einen Mann betrifft, schließlich durchaus da ist – um es klar zu sagen: der Phallus5; und dass klar ist, dass, wenn man das zurückführt, indem man es in zwei Stücke teilt, „das, was eines Mannes würdig ist, wie auch das, was seiner unwürdig ist“ –;  es ist klar, dass das, worauf ich hier beharre, dass es nicht dasselbe ist zu sagen, the robber’s knowledge of the loser’s knowledge of the robber6, „das Wissen des Diebs über das Wissen des Bestohlenen über den Dieb“, dass dieses Element: zu wissen, dass er weiß, das heißt ein Wissen, das durch eine bestimmte Phantasie aufgenötigt wird, nämlich dass dies eben der Mann wäre, der alles wagt – das ist hier, wie Dupin sofort sagt, der Schlüssel zur Situation.

Je dis ça et je vais pas y revenir, car à vrai dire ce que je vous indiquais aurait pu, pour quelqu’un qui s’en serait donné la peine, permettre directement, sur un texte comme ça, d’avancer la plupart des articulations que j’aurais peut-être à développer, à dérouler, à construire aujourd’hui… comme vous allez le voir – si vous voulez bien – dans un second temps, après avoir entendu ce que j’aurai plus ou moins réussi à dire …se trouvait en somme déjà bel et bien écrit là, et non seulement écrit là avec toutes, et les mêmes, articulations nécessaires, celles par lesquelles je crois devoir vous promener.

Ich sage das und ich werde nicht darauf zurückkommen, denn, offen gesagt, das, worauf ich Sie hingewiesen habe, hätte jemandem, der sich die Mühe gemacht hätte, unmittelbar erlauben können, über einen solchen Text den größten Teil der Artikulationen vorzubringen, die ich heute in einer zweiten Phase vielleicht zu entwickeln, zu entrollen, zu konstruieren hätte, wie Sie, wenn Sie wollen, nach dem Anhören dessen sehen werden, was zu sagen mir dann mehr oder weniger gelungen sein wird, und was sich dort insgesamt dufrchaus bereits geschrieben fand, und nicht nur dort geschrieben fand, mit allen notwendigen Artikulationen, denselben, durch die ich glaube, Sie hindurchführen zu müssen.

Donc tout ce qui est là, est non seulement tamisé mais lié, est bien fait de ces signifiants disponibles pour une signification plus élaborée.

Also ist alles, was da ist, nicht nur ausgesiebt, sondern verbunden, gut gemacht aus diesen Signifikanten, die für eine stärker ausgearbeitete Bedeutung zur Verfügung stehen.

Celle en somme d’un enseignement que je peux dire sans précédent, autre que Freud lui-même, et justement en tant qu’il définit la précédente de façon telle qu’il faut en lire la structure dans ses impossibilités.

Kurz, die einer Lehre, für die es, wie ich sagen kann, keinen Präzedenzfall gibt, außer Freud selbst, und genau insofern, als er den Präzedenzfall auf eine Weise definiert, dass man darin die Struktur in ihren Unmöglichkeiten lesen muss.

Peut-on dire qu’à proprement parler, par exemple Freud formule cette impossibilité du rapport sexuel non pas comme tel ?

Kann man sagen, dass strenggenommen Freud beispielsweise die Unmöglichkeit des sexuellen Verhältnisses nicht als solche formuliert?

Je le fais simplement parce que c’est tout simple à dire.

Ich tue es einfach deshalb, weil es ganz einfach zu sagen ist.

C’est écrit en long et en large, c’est écrit dans ce que Freud écrit, il n’y a qu’à le lire.

Das ist lang und breit geschrieben, das ist in dem geschrieben, was Freud schreibt; man muss es nur lesen.

Seulement vous allez voir tout à l’heure pourquoi vous ne le lisez pas.

Nur werden Sie gleich sehen, warum Sie es nicht lesen.

J’essaie de le dire, de dire pourquoi moi je le lis.

Ich versuche es zu sagen, zu sagen, warum ich es lese.

La lettre donc, « purloined » non pas « volée » mais comme je l’explique – je commence par là – qui va faire un détour, ou comme je le traduis moi : « La lettre en souffrance », ça commence comme ça, et ça se termine, ce petit écrit, par ceci qu’elle arrive pourtant à destination.

Der Brief also, ein Brief, der purloined ist, der nicht etwa „gestohlen“ ist, sondern, wie ich es erläutere, damit fange ich an, der einen Umweg machen wird oder, wie ich es übersetze, La lettre en souffrance, „Der unzustellbare Brief“, so fängt das an7, und er endet damit, dieser kleine Schrieb, dass er dennoch seinen Bestimmungsort (destination) erreicht.8

Et si vous le lisez, j’espère qu’il y en aura un petit peu plus qui le liront d’ici que je vous revoie, ce qui ne sera pas avant une paye.

Und wenn Sie es lesen, ich hoffe, dass es ein klein bisschen mehr sein werden, die es von hier bis zu unserem nächsten Treffen lesen werden, was erst in einer Ewigkeit sein wird.

Parce que tout ça c’est très bien calculé : deuxième et troisième mercredi, je les ai choisis parce que pour le mois d’avril, ça tombe pendant les vacances de Pâques, alors vous ne me reverrez qu’en mai.

Weil das alles gut kalkuliert ist, zweiter und dritter Mittwoch, ich habe sie ausgesucht, weil das im Monat April in die Osterferien fällt, deshalb werden Sie mich erst im Mai wiedersehen.

Ça donnera le temps de lire les 40 pages de « La Lettre volée ».

Das wird Ihnen die Zeit geben, die vierzig Seiten des Gestohlenen Briefs zu lesen.

[98] À la fin je tiens à souligner ce qui en est l’essentiel, et pourquoi la traduction « La Lettre volée » n’est pas la bonne : « The purloined letter » ça veut quand même dire, ça veut dire que quand même elle arrive à destination.

Am Ende liegt mir daran, das hervorzuheben, was davon das Wesentliche ist und weshalb die Übersetzung mit Der gestohlene Brief nicht gut ist. The purloined letter, das bedeutet ja doch, das bedeutet, dass er dennoch an seinen Bestimmungsort gelangt.

Et la destination, je la donne, je la donne comme la destination fondamentale de toute lettre, je veux dire épistole.

Und den Bestimmungsort gebe ich an, ich gebe ihn als den grundlegenden Bestimmungsort eines jeden Briefes an.

Elle arrive, disons même pas à celui ni à celle, à ce qui ne peut rien y comprendre : à la police en l’occasion, qui bien entendu est tout à fait incapable d’y comprendre quoi que ce soit… comme je le souligne et je l’explique en de nombreuses pages : justement c’est même pour ça qu’elle était même pas capable de la trouver …à ce substrat, ce matériel de la lettre.

Er kommt, sagen wir, nicht etwa bei diesem an und auch nicht bei dieser, sondern bei dem, der hier nichts verstehen kann – in diesem Falle bei der Polizei, die wohlgemerkt völlig unfähig ist, hier irgendetwas zu verstehen, wie ich auf vielen Seiten herausstelle und erläutere, und genau deshalb war sie auch nicht in der Lage, ihn zu finden –, bei dem, der bei diesem Substrat, diesem Briefmaterial nichts verstehen kann.

Tout ça est dit très joliment, cette invention, cette forgerie de Poe, magnifique.

All das wird sehr schön gesagt; diese Erfindung, diese Erdichtung von Poe – großartig.

La lettre est bien entendu hors de la portée de l’explication de l’espace, puisque c’est de ça qu’il s’agit.

Der Brief ist wohlgemerkt außerhalb der Reichweite der Explikation des Raumes, denn das ist das, worum es geht.

C’est ça que le préfet vient dire, enfin ce que la police vient dire d’abord, c’est que tout ce qui est chez le ministre, étant donné qu’on est sûr que la lettre y est, qu’elle est là pour qu’il l’ait toujours à portée de la main, on dit pourquoi, que l’espace a été littéralement quadrillé.

Das ist das, was der Präfekt sagen wird, dann das, was die Polizei zunächst sagen wird, nämlich dass all das, was beim Minister ist – angesichts dessen, dass man sich sicher ist, dass der Brief dort ist, dass er da ist, damit er ihn immer in Reichweite hat, man sagt, warum –, dass der Raum buchstäblich von einem Kontrollnetz überzogen worden ist.

C’est amusant – hein ? – de me livrer là, comme ça, je ne sais pas, à chaque fois que je me laisse – tout de même de temps en temps – un peu aller dans les pentes, pourquoi pas, à quelques considérations comme ça sur l’espace, ce fameux espace qui est bien – pour notre logique – depuis un bon moment, depuis Descartes – la chose la plus encombrante du monde.

Das ist amüsant, nicht wahr, wenn ich mich hier so gehen lasse, ich weiß nicht, jedes Mal, wenn ich dann doch von Zeit zu Zeit ein wenig meinen Neigungen nachgebe, warum nicht, <gelange ich> zu solchen Überlegungen über den Raum – dieser berühmte Raum, der seit geraumer Zeit, seit Descartes, für unsere Logik die sperrigste Sache von der Welt ist.

C’est bien tout de même une occasion comme ça d’en parler, si tant est qu’il faille l’ajouter comme une note en marge, c’est ce que j’isole comme la dimension de l’Imaginaire.

Das ist aber immerhin so eine Gelegenheit, darüber zu sprechen, wenn es schon nötig ist, es als eine Art Randbemerkung hinzuzufügen; das ist das, was ich als die Dimension des Imaginären isoliere.

Il y a quand même des gens qui se tracassent, pas forcément sur cet écrit là, sur d’autres, ou même aussi quelquefois qui ont gardé des notes de ce que j’ai pu dire dans un temps, par exemple sur l’identification, c’était les années 61–62.

Es gibt wirklich Leute, die sich den Kopf zerbrechen, nicht unbedingt wegen dieser Schrift, wegen anderer Schriften, oder die bisweilen sogar Notizen aufbewahrt haben, von dem, was ich früher mal habe sagen können, beispielsweise über die Identifizierung, das war in den Jahren 61/62.9

Je dois dire que tous mes auditeurs pensaient à autre chose, sauf – je sais pas – un ou deux qui venaient tout à fait du dehors, qui ne savaient pas ce qui se passait exactement.

ich muss sagen, dass all meine Zuhörer an etwas anderes gedacht haben, außer – ich weiß nicht – ein oder zwei, die ganz von außen kamen, die nicht wussten, was da genau ablief.

J’y ai parlé du trait unaire.

Ich habe da vom einzigen Zug gesprochen.

Alors on se tracasse maintenant – non sans que ce soit légitime – pour savoir : ce trait unaire où est-ce qu’il faut le mettre : du côté du Symbolique ou de l’Imaginaire – et pourquoi pas du Réel ?

Und jetzt zerbricht man sich also den Kopf darüber, was durchaus legitim ist, wo man diesen einzigen Zug einordnen soll: auf der Seite des Symbolischen oder des Imaginären oder, warum nicht, des Realen?

Quoiqu’il en soit, tel que, c’est comme ça que ça se marque : un bâton, ein einziger Zug – car c’est bien sûr dans Freud que j’ai été le pêcher – qui pose quelques questions, comme je vous l’ai déjà un peu introduit la dernière fois par cette remarque qu’il était tout à fait impossible | [99] de penser quoi que ce soit qui tienne debout sur cette bipartition si difficile, si problématique pour les mathématiciens, qui est à savoir : est-ce que tout peut être réductible à la logique pure, c’est-à-dire à un discours qui se soutient d’une structure bien déterminée ?

Wie auch immer, so etwas, das wird so markiert: ein senkrechter Strich, ein einziger Zug* – denn natürlich habe ich das bei Freud aufgefischt10 –, der einige Fragen aufwirft, wie ich Ihnen bereits das letzte Mal ein wenig nahegebracht habe, mit der Bemerkung, dass es völlig unmöglich ist, irgendetwas Haltbares über diese Zweiteilung [in einerseits Logik und andererseits Mathematik] zu schreiben, die für die Mathematiker so schwierig, so problematisch ist, nämlich, kann alles auf reine Logik reduziert werden, das heißt auf einen Diskurs, der sich auf eine wohldefinierte Struktur stützt?

Est-ce qu’il n’y a pas un élément absolument essentiel qui reste – quoi que nous fassions pour l’enserrer de cette structure, le réduire – qui tout de même reste un dernier noyau, et qu’on appelle intuition.

Gibt es nicht ein absolut wesentliches Element, das übrigbleibt, was auch immer wir anstellen mögen, um es in diese Struktur einzuzwängen, es zu reduzieren, das dennoch übrigbleibt, ein letzter Kern, der als Intuition / als Anschauung bezeichnet wird?

Assurément c’est la question dont Descartes est parti, je veux dire que ce qu’il a fait remarquer, c’est que le raisonnement mathématique, à son gré, ne tirait rien d’efficace, de créateur, de quoi que ce fût qui fut de l’ordre du raisonnement, mais seulement son départ, à savoir une intuition originale et qui est celle qu’il pose, institue, de sa distinction originelle de l’étendue et de la pensée.

Gewiss, das ist die Frage, von der Descartes ausgegangen ist; ich meine, dass er darauf aufmerksam gemacht hat, nämlich dass die mathematische Begründung ihm zufolge nichts Wirksames, Schöpferisches oder was auch immer aus der Ordnung der Begründung bezieht, sondern einzig ihr Ausgangspunkt, nämlich eine ursprüngliche Anschauung, diejenige, die er annimmt, die er einsetzt mit seiner ursprünglichen Unterscheidung zwischen dem Ausgedehnten und dem Denken.

Bien sûr, cette opposition cartésienne, d’être faite plus par un penseur que par un mathématicien, non pas certes incapable de produire en mathématiques, comme les effets s’en sont prouvés, a été bien sûr bien plus enrichie par les mathématiciens eux-mêmes.

Gewiss, dieser kartesische Gegensatz, der mehr von einem Denker als von einem Mathematiker gebildet worden ist – von jemandem, der gewiss nicht unfähig war, in der Mathematik etwas zu leisten, wie die Wirkungen bewiesen haben –, ist natürlich von den Mathematikern selbst weiter angereichert worden.

C’est bien la première fois que quelque chose venait aux mathématiques par la voie de la philosophie.

Das ist sicherlich das erste Mal, dass zur Mathematik etwas auf dem Wege der Philosophie gekommen ist.

Car je vous prierai de remarquer cette chose qui me semble à moi très certaine… qu’on me contredise si on le peut, il serait facile de trouver là-dessus plus compétent que moi …il est tout de même très frappant que les mathématiciens de l’Antiquité aient, eux, poursuivis leur marche sans avoir le moindre égard à tout ce qui pouvait se passer dans les écoles de sagesse, dans les écoles – quelles qu’elles fussent – de philosophie.

Denn ich möchte Sie bitten, dies zu beachten, was mir sehr sicher zu sein scheint – man möge mir widersprechen, wenn man kann, es wäre leicht, jemanden zu finden, der in dieser Frage kompetenter ist als ich –, es ist doch verblüffend, dass die Mathematiker der Antike ihren Weg verfolgt haben, ohne auch nur im Geringsten all dem Beachtung zu schenken, was sich in den Schulen der Weisheit ereignen konnte, in den Schulen der Philosophie, in welchen auch immer.

Il n’en est pas de même de nos jours où assurément l’impulsion cartésienne, concernant la distinction de l’intuitionné et du raisonné, est une chose qui a fortement travaillé la mathématique elle-même.

Heutzutage ist das nicht mehr so, jetzt, wo der kartesische Impuls, bezogen auf die Unterscheidung zwischen dem Angeschauten und dem Begründeten, etwas ist, was die Mathematik selbst in starkem Maße umgetrieben hat.11

C’est bien en cela que je ne peux pas ne pas y trouver une veine, un effet de quelque chose qui a un certain rapport avec ce qu’ici, sur le champ dont il s’agit, je tente.

In dieser Hinsicht kann ich nicht anders als auf eine Ader zu stoßen, was an etwas liegt, was in einer gewissen Beziehung zu dem steht, was ich hier versuche, in dem Feld, um das es geht.

C’est qu’il me semble que la remarque, la remarque que je peux faire du point où je suis, sur les rapports entre la parole et l’écrit, de ce qu’il y a, au moins dans cette première arête, sur ce qu’il y a de spécial dans la fonction de l’écrit au regard de tout discours, est de nature peut-être à faire que les mathématiciens s’aperçoivent de ce que par exemple j’ai indiqué la dernière fois : que l’intuition même de l’espace euclidien doit quelque chose à l’écrit.

Mir scheint nämlich, dass die Bemerkung, die Bemerkung, die ich vorbringen kann, von dem Punkt aus, an dem ich bin, zu den Beziehungen zwischen dem Sprechen und dem Geschriebenen, bezogen auf das, was die Funktion des Geschriebenen, zumindest an dieser ersten Kante, an Besonderem hat, bezogen auf jeden Diskurs, dass diese Bemerkung vielleicht so ist, dass sie dazu führt, dass die Mathematiker sich über das klarwerden, worauf ich beispielsweise das letzte Mal hingewiesen habe, dass nämlich selbst die Anschauung des euklidischen Raumes etwas dem Geschriebenen zu verdanken hat.

D’autre part, si – comme je vais essayer de vous le pousser un peu plus loin – ce qu’on appelle en mathématique « recherche logique », « réduction logique », « l’opération mathématicienne », c’est quelque chose qui en tout cas ne va pas, ne saurait avoir d’autre | [100] support – il suffit pour le constater de suivre l’histoire – que la manipulation de petites ou de grandes lettres, de lots alphabétiques divers, je veux dire lettres grecques ou lettres germaniques, plusieurs lots alphabétiques, toute manipulation qui avance la réduction logistique dans le raisonnement mathématique nécessite ce support.

Andererseits, falls es so ist – da ich versuchen will, das für Sie ein bisschen weiter voranzutreiben –, falls das, was man in der Mathematik „logische Untersuchung“ nennt, „Reduktion <der> mathematischen Operation auf die Logik“, falls dies etwas ist, was keinesfalls geht, was keine andere Stütze haben kann – um das festzustellen, genügt es, die Geschichte zu verfolgen – als die Manipulation kleiner und großer Buchstaben12, verschiedener Partien von Alphabeten, ich meine griechische oder deutsche Buchstaben13, mehrerer Partien unterschiedlicher Alphabete, dann ist jede Manipulation, mit der in der mathematischen Begründung die logische Reduktion voranschreitet, auf diese Stütze angewiesen.

Comme je vous le répète, je ne vois pas la différence essentielle avec ce qui était longtemps, pendant toute une époque, XVIIème, XVIIIème siècles, la difficulté de la pensée mathématicienne, à savoir la nécessité du tracé pour la démonstration euclidienne : qu’au moins un de ces triangles soit là tracé.

Wie ich Ihnen zum wiederholten Male sage, sehe ich keinen wesentlichen Unterschied zu dem, was lange Zeit, während einer ganzen Epoche, im 17. und 18. Jahrhundert, für das mathematische Denken die Schwierigkeit gebildet hat, nämlich die Notwendigkeit der Zeichnung (tracé) für den euklidischen Beweis – dass zumindest eines dieser Dreiecke hier gezeichnet ist.

À partir de quoi chacun s’affole : ce triangle qui aura été tracé, est-ce le triangle général, ou un triangle particulier ?

Worüber alle in Aufregung geraten: ist dieses Dreieck, das gezeichnet worden sein wird, das allgemeine Dreieck oder ein besonderes Dreieck?

Car il est bien clair qu’il est toujours particulier, et que ce que vous démontrez pour le triangle en général, à savoir – toujours la même histoire – à savoir que les trois angles qui font deux droits, ben il est clair qu’il faut pas que vous disiez que ce triangle n’a pas le droit d’être aussi bien rectangle, isocèle à la fois, ou équilatéral.

Es ist jedoch völlig klar, dass es immer besonders ist, und dass das, was Sie für das Dreieck im allgemeinen beweisen – nämlich immer dieselbe Geschichte, drei Winkel, die zusammen zwei rechte ausmachen –, nun, es ist klar, dass Sie nicht sagen dürfen, dass dieses Dreieck nicht das Recht hat, ebenso gut ein gleichschenkliges Rechtwinkliges oder ein Gleichseitiges zu sein.

Donc il est toujours particulier, ça a énormément mathématiciens.

Es ist also immer besonders, das hat die Mathematiker enorm beschäftigt.14

Je vous passe bien sûr – ce n’est pas l’endroit de le rappeler ici, on est pas là pour faire de l’érudition – à travers quel et quel ça coule, depuis Descartes, Leibniz ou d’autres, ça va jusqu’à Husserl ; ils me semblent n’avoir jamais vu cet os tout de même : que l’écriture est là des deux côtés, elle est bien homogénéisant l’intuitionné et le raisonné, que l’écriture – en d’autres termes : des petites lettres – n’a pas de fonction moins intuitive que ce que traçait le bon Euclide.

Ich übergehe natürlich – das ist hier nicht der Ort, daran zu erinnern, wir sind nicht hier, um in Gelehrsamkeit zu machen –, ich übergehe, über wen und wen das verläuft, seit Descartes, Leibniz und anderen, das geht bis zu Husserl15; sie scheinen mir jedoch niemals diesen harten Punkt gesehen zu haben, dass die Schrift von zwei Seiten her da ist, dass sie das Intuitionierte und das Begründete homogenisiert, dass die Schrift – anders gesagt kleine Buchstaben – eine Funktion hat, die nicht weniger intuitiv ist als das, was der gute Euklid gezeichnet hat (traçait).16

Il s’agirait quand même de savoir pourquoi on pense que ça fait une différence.

Dabei ginge es durchaus darum, herauszufinden, warum man denkt, dass sich das unterscheidet.

Je ne sais pas si je dois vous faire remarquer que la consistance de l’espace, de l’espace euclidien, de l’espace qui se ferme sur ses trois dimensions, me semble devoir être définie d’une bien autre façon.

Ich weiß nicht, ob ich Sie darauf hinweisen muss, dass die Konsistenz des Raumes, des euklidischen Raumes, des Raumes, der mit seinen drei Dimensionen abgeschlossen ist, auf ganz andere Weise, so scheint mir, definiert werden muss.

Si vous prenez deux points : ils sont à égale distance l’un de l’autre si je puis dire, la distance est la même du premier au second que du second au premier.

Wenn Sie zwei Punkte nehmen, so haben diese den gleichen Abstand zueinander, wenn ich so sagen kann, der Abstand des ersten Punktes vom zweiten ist der gleiche wie der des zweiten zum ersten.

Vous pouvez en prendre trois et faire que ce soit encore vrai, à savoir que chacun est à égale distance de chacun des deux autres.

Sie können drei davon nehmen und dafür sorgen, dass das weiterhin stimmt, dass also jeder den gleichen Abstand zu jedem der beiden anderen Punkte hat.

Vous pouvez en prendre quatre et faire que ce soit encore vrai.

Sie können vier davon nehmen und dafür sorgen, dass das immer noch stimmt.

Je ne sais pas, je n’ai jamais entendu pointer ça expressément.

Ich weiß nicht, ich habe nie gehört, dass ausdrücklich darauf hingewiesen wird.

Vous pouvez en prendre cinq, ne vous précipitez pas pour dire que là aussi vous pouvez les mettre à égale distance de chacun des quatre autres, parce que – | [101] tout au moins dans notre espace euclidien – vous n’y arriverez pas.  

Sie können fünf davon nehmen, und jetzt übereilen Sie sich nicht, um zu sagen, dass Sie auch diese in gleichen Abstand zu jedem der vier anderen bringen können, da Ihnen das nicht gelingen wird, zumindest nicht in unserem euklidischen Raum.17

Il faut, pour que vous ayez ces cinq points à égale distance – vous m’entendez bien – chacun de tous les autres, que vous fabriquiez une cinquième… une quatrième dimension. Voilà !

Damit Sie diese fünf Punkte im gleichen Abstand, Sie verstehen mich recht, zu jedem der anderen Punkte haben, ist es nötig, dass Sie eine fünfte, eine vierte Dimension erzeugen. Das ist es.

Bien sûr c’est très aisé à la lettre, et puis ça tient très bien, on peut démontrer qu’un espace à quatre dimensions est parfaitement cohérent dans toute la mesure où on peut montrer le lien de sa cohérence à la cohérence des nombres réels; c’est dans cette mesure même qu’il se soutient.

Sicherlich, das geht mühelos, buchstäblich, und dann hält das sehr gut, man kann beweisen, dass ein vierdimensionaler Raum völlig kohärent ist; ganz in dem Maße, wie man die Verbindung seiner Kohärenz mit der Kohärenz der reellen Zahlen zeigen kann, in eben dem Maße hat er Bestand.18

Mais enfin, c’est un fait que, au-delà du tétraèdre déjà, l’intuition a à se supporter de la lettre.

Aber schließlich ist es eine Tatsache, dass sich die Anschauung bereits jenseits des Tetraeders19 auf den Buchstaben stützen muss.

Je me suis lancé là-dedans pour vous dire, parce que j’ai dit que la lettre qui arrive à destination c’est la lettre qui arrive à la police, qui n’y comprend rien, et que la police, comme vous le savez, elle n’est pas née d’hier n’est-ce pas : trois piques comme ça sur le sol, trois piques sur le campus, pour peu que vous connaissiez un petit peu ce qu’a écrit Hegel, vous saurez que c’est l’État.

Ich habe mich darauf gestürzt, um Ihnen zu sagen, weil ich gesagt habe, dass der Brief, der seinen Bestimmungsort erreicht, derjenige Brief ist, der bei der Polizei ankommt, die hier nichts begreift, und dass die Polizei, wie Sie wissen, nicht erst gestern entstanden ist, nicht wahr –  drei Spieße auf dem Boden, drei Spieße auf dem Campus.20 –, wenn Sie ein bisschen von dem kennen, was Hegel geschrieben hat, dann wissen Sie, dass das der Staat ist.

L’État et la police, ben pour quelqu’un qui a un tout petit peu réfléchi – on peut pas dire que Hegel là-dessus soit si mal placé – c’est exactement la même chose.

Der Staat und die Polizei, für jemanden, der ein ganz klein bisschen nachgedacht hat, und man kann nicht sagen, dass Hegel hier schlecht positioniert ist, ist das genau dasselbe.21

Ça repose sur une structure tétraédrique, en d’autres termes dès que nous mettons en question quelque chose comme la lettre, il faut que nous sortions de mes petits schémas de l’année dernière, qui étaient faits comme vous vous en souvenez comme ça :

Das beruht auf einer tetraedischen Struktur, anders gesagt, sobald wir etwas wie den Buchstaben befragen, müssen wir von meinen kleinen Schemata vom letzten Jahr ausgehen, die, wie Sie sich erinnern werden, so gemacht waren.

Voilà le discours du Maître, comme vous vous en souvenez peut-être, caractérisé par ceci que des six arêtes du tétraèdre, une est rompue.

herrendiskurs-mit-sechs-pfeilen-version-g-t

Diskurs des Herrn, Diagramm mit sechs Pfeilen aus Version G.T.

Dies ist der Diskurs des Herrn, wie Sie sich vielleicht erinnern, der dadurch charakterisiert ist, dass von den sechs Kanten des Tetraeders eine unterbrochen ist.22

C’est dans la mesure où on fait tourner ces structures sur les quatre | [102] arêtes du circuit… qui dans le tétraèdre se suivent – c’est une condition – s’emmanchent dans le même sens, dans ce sens que tourne en rond une, n’importe laquelle des deux autres, des trois autres …que la variation s’établit de ce qu’il en est de la structure du discours, très précisément en tant qu’elle reste à un certain niveau de construction qui est celui tétraédrique, celui tétraédrique dont on ne saurait se contenter dès lors qu’on fait surgir l’instance de la lettre.

In dem Maße, wie man diese Strukturen sich drehen lässt, über die vier Kanten der kreisförmigen Anordnung, die im Tetraeder einander folgen – das ist eine Bedingung –, die in in derselben Richtung ineinandergreifen, in der Richtung, dass wenn eine sich dreht, jede beliebige der beiden anderen, der drei anderen <folgt>, stellt sich die Variation dessen her, worum es bei der Struktur des Diskurses geht, genau insofern als sie auf einem bestimmten Konstruktionsniveau beruht, diesem tetraedischen nämlich, diesem tetraedischen, mit dem man sich nicht begnügen kann, sobald man die Instanz des Buchstabens auftauchen lässt.

C’est même parce qu’on ne saurait s’en contenter, qu’à rester à son niveau il y a toujours un de ces côtés qui fait cercle, qui se rompt.

Und eben deshalb, weil man sich nicht damit begnügen kann, gibt es – wenn man auf ihrer Ebene bleibt – unter diesen Seiten, die einen Kreis bilden, immer eine, die unterbrochen ist.23

Alors c’est de là qu’il résulte que dans un monde, tel qu’il est structuré par un certain tétraèdre qu’on retrouve à plus d’un bout de champ, une lettre n’arrive à destination qu’à trouver celui que dans mon discours sur La Lettre volée, je désigne du terme du sujet, qui n’est pas du tout à éliminer d’aucune façon ni à retirer sous prétexte que nous faisons quelques pas dans la structure, et dont il faut tout de même bien partir de ceci : c’est que si ce que nous avons découvert sous le terme d’« inconscient » a un sens, le sujet – je vous le répète, irréductible, nous ne pouvons pas, même à ce niveau, ne pas en tenir compte.

Von daher ergibt sich dann, dass in einer Welt, wie sie durch einen bestimmten Tetraeder strukturiert ist, den man an mehr als einem Ende des Feldes wiederfindet, ein Brief an seinem Bestimmungsort nur ankommt, um das zu finden, was ich in meinem Diskurs über den Gestohlenen Brief mit dem Terminus des Subjekts bezeichne, das keineswegs unter dem Vorwand, dass wir mit der Struktur einige Schritte vorankommen, auf irgendeine Weise zu eliminieren oder zurückzuziehen ist, und bei dem man eben von Folgendem ausgehen muss, nämlich, wenn das, was wir mit dem Terminus des Unbewussten entdeckt haben, einen Sinn hat, dann ist das Subjekt, ich wiederhole es, irreduzibel, wir können es nicht, selbst auf dieser Ebene, nicht in Rechnung stellen.24

Mais le sujet se distingue de sa toute spéciale imbécillité.

Aber das Subjekt zeichnet sich durch seine ganz spezielle Dummheit aus.25

C’est ce qui compte dans le texte de Poe, du fait que celui sur lequel il badine à cette occasion, ce n’est pas pour rien que c’est le Roi qui ici se manifeste en fonction de sujet.

Das ist das, was im Text von Poe zählt, und zwar deshalb, weil es nicht belanglos ist, dass derjenige, über den er bei dieser Gelegenheit Scherze macht, der König ist, der sich hier in der Funktion des Subjekts manifestiert.

Il ne comprend absolument rien et toute sa structure policière ne fera pas néanmoins que la lettre n’arrive même pas à sa portée, étant donné que c’est la police qui la garde et qu’elle ne peut rien en faire.

Er versteht absolut nichts, und seine gesamte Polizeistruktur kann nichts anderes ausrichten, als dass der Brief nicht einmal in seine Reichweite gelangt, da es ja die Polizei ist, die ihn schützt, und sie nichts damit anfangen kann.

Je souligne même, que dût-on la retrouver dans ses dossiers, ça ne peut pas servir à l’historien.

Ich betone sogar, wenn man ihn in ihren Akten wiederfände, wäre das für einen Historiker nutzlos.26

Dans telle ou telle page de ce que j’écris à propos de cette lettre, on peut dire qu’il n’y a très probablement que la Reine qui sait ce qu’elle veut dire, et que tout ce qui fait son poids, c’est que si la seule personne que ça intéresse, à savoir le sujet, si le Roi l’avait en main, il n’y comprendrait que ceci : c’est qu’elle a sûrement un sens et que c’est en ça qu’est le scandale, que c’est un sens qui – à lui, le sujet – lui échappe.

Auf einigen Seiten von dem, was ich über diesen Brief schreibe, kann man sagen, dass es sehr wahrscheinlich nur die Königin ist, die weiß, was der Brief bedeutet, und dass alles, was sein Gewicht ausmacht, in Folgendem besteht: Wenn die einzige Person, die daran interessiert ist, nämlich das Subjekt, wenn also der König ihn in Händen hielte, würde er nur dies verstehen, dass er sicherlich einen Sinn hat, dass dieser Sinn aber – und darin besteht der Skandal – ihm, dem Subjekt, entgeht.

Le terme de « scandale », ou encore de « contradiction », est à la bonne place dans ces quatre petites dernières pages que je vous avais données à lire, je souligne.

Der Terminus des Skandals oder auch des Widerspruchs ist auf diesen vier kleinen letzten Seiten, die ich Ihnen zu lesen gegeben hatte, ganz richtig platziert, ich betone das.27

Il est clair que c’est uniquement en fonction de cette circulation de la lettre que le ministre… puisque ici il y en a eu quand même quelques-uns qui ont autrefois lu Poe, vous devez savoir qu’il y a un ministre dans le coup, celui qui a barboté la lettre …que le ministre nous montre au cours du déplacement de ladite lettre, des variations – tel le poisson mourrant28 – des variations de sa couleur, | [103] et à la vérité que sa fonction essentielle – que tout mon texte joue peut-être un petit trop abondamment, mais on ne saurait trop insister pour se faire entendre – joue sur le fait que la lettre a un effet féminisant.

Es ist klar, dass einzig aufgrund der Zirkulation des Briefes der Minister – da es hier doch einige gegeben hat, die früher mal Poe gelesen haben, müssen Sie wissen, dass in die Sache ein Minister verwickelt ist, derjenige, der den Brief geklaut hat –, dass der Minister im Verlauf des Ortswechsels besagten Briefes Veränderungen zeigt wie ein sterbender Fisch, Farbveränderungen, und dass in Wahrheit die wesentliche Funktion des Briefes – auf die mein gesamter Text vielleicht ein wenig zu üppig anspielt, aber um sich verständlich zu machen, kann man gar nicht zu sehr auf etwas beharren –, dass diese Funktion sich darauf bezieht, dass der Brief eine feminisierende Wirkung hat.

Mais dès qu’il ne l’a plus la lettre, il redevient lui-même dès qu’il ne l’a plus, le voici en quelque sorte restitué à la dimension, justement, que tout son dessein était fait pour se donner à lui-même, celle de l’homme qui ose n’importe quoi.

Aber von dem Moment an, als er ihn, den Brief, nicht mehr hat, wird er selbst wieder, sobald er ihn nicht mehr hat, gewissermaßen in derjenigen Dimension wiederhergestellt, die sein gesamter Plan ihm verschaffen sollte, in der eines Mannes, der alles riskiert.

Et j’insiste sur ce virage de ce qui se passe, c’est ce sur quoi se termine cet énoncé poesque, c’est que c’est à ce moment-là que la chose apparaît, monstrum horrendum, comme on dit dans le texte : ce qu’il avait voulu être pour la Reine, qui bien sûr en a tenu compte puisqu’elle a essayé de la ravoir cette lettre, mais enfin avec lui le jeu se tenait.

Und ich insistiere auf dieser Wendung des Geschehens, derjenigen, mit der die Poe’sche Aussage endet, nämlich dass in diesem Moment die Sache erscheint, monstrum horrendum29, wie im Text gesagt wird, das, was er für die Königin hatte sein wollen, die das natürlich in Rechnung gestellt hatte, denn sie hatte ja versucht, ihn wiederzuerlangen, diesen Brief, aber schließlich wurde mit ihm das Spiel fortgesetzt.

C’est pour notre Dupin, à savoir le malin des malins, celui auquel Poe donne le rôle, le rôle de nous jeter quelque chose qui s’appellerait assez volontiers – je le souligne dans ce texte – quelque poudre aux yeux, à savoir que nous croyions que le malin des malins ça existe, à savoir que lui vraiment comprend, sait tout, qu’en étant dans le tétraèdre, il peut comprendre comment il est fait.

Jetzt ist unser Dupin an der Reihe, das heißt der Schlauste der Schlauen, derjenige, dem Poe die Rolle zuweist, die Rolle, uns mit etwas zu bewerfen, was ich ganz absichtlich so nennen möchte, ich betone das in diesem Text, der uns etwas Sand in die Augen werfen soll30, dass wir nämlich glauben, dass es das gibt, den Schlausten der Schlauen, dass er wirklich alles begreift, alles weiß, dass er, der im Tetraeder steckt, begreifen kann, wie dieser gemacht ist.

J’ai assez ironisé sur ces choses certainement très habiles, qui sont les jeux de mots autour d’ambitus, de religio ou d’honesti hommes, pour montrer et dire simplement quant à moi, que je cherchais un peu plus loin la petite bête, n’est-ce pas, et qu’à la vérité elle est quelque part.

Ich habe mich ziemlich ironisch geäußert über diese sicherlich sehr gekonnten Dinge, nämlich diese Wortspiele mit ambitus, mit religio und mit honesti homines31, um zu zeigen und um einfach zu sagen, dass ich, was mich angeht, das kleine Tier ein bisschen weiter gesucht habe, nicht wahr, und dass es in Wahrheit irgendwo ist.

Elle est quelque part, à suivre Poe on peut se poser la question de savoir si Poe s’en est bien aperçu.

Es ist irgendwo, und wenn man Poe folgt, kann man sich die Frage stellen, ob Poe das wohl mitbekommen hat.

À savoir que le seul fait d’être passée entre les mains de Dupin, la lettre l’a féminisé à son tour assez pour que, à l’endroit du ministre, tel qu’il sait pourtant l’avoir privé de ce qui pourrait lui permettre de continuer à jouer son rôle si jamais il faut en abattre les cartes, c’est précisément à ce moment-là que Dupin ne peut pas se contenir et manifeste à l’endroit de celui qui se croit déjà suffisamment avoir mis à sa merci quiconque, pour ne pas laisser plus de trace, qu’il lui envoie ce message dans le billet qu’il a substitué à la lettre dérobée : « Un destin si funeste – enfin, vous savez le texte – s’il n’est digne d’Atrée, est digne de Thyeste ».

Nämlich dass der Brief allein schon deswegen, weil er in Dupins Hände übergegangen ist, jetzt ihn wiederum hinreichend feminisiert hat, sodass Duplin gegenüber dem Minister – von dem er weiß, dass er ihn eben dessen beraubt hat, was es diesem erlauben könnte, weiterhin seine Rolle zu spielen, falls er jemals notwendig wäre, die Karten aufzudecken –, dass Dupin sich in genau diesem Moment nicht zurückhalten kann und ihm gegenüber dies bekundet – ihm gegenüber, der glaubt, bereits jedermann hinreichend von seiner Gnade abhängig gemacht zu haben, um keine weitere Spur zu hinterlassen –, dass Dupin ihm  in dem Billet, mit dem er den gestohlenen Brief ersetzt hat, die folgende Botschaft sendet: „Un destin si funeste“, nun ja, Sie kennen den Text, „S’il n’est digne d’Atrée est digne de Thyeste, „Ein so verhängnisvolles Schicksal / Wenn es nicht eines Atreus würdig ist, ist es eines Thyestes würdig“.32

La question, si je puis dire, est de s’apercevoir, si je puis dire, si Poe dans l’occasion s’aperçoit bien de la portée de ceci, de ce que Dupin dans ce message au-delà de toutes les possibilités, car Dieu sait si jamais ça arrivera que le ministre la sorte sa lettre et se trouve du même coup dégonflé, pour vous dire que la castration soit là – comme elle est suspendue – parfaitement réalisée.

Die Frage, wenn ich so sagen darf, ist die, sich darüber klarzuwerden, wenn ich so sagen darf, ob Poe hierbei wohl die Tragweite dessen mitbekommt, dass Dupin in dieser Botschaft jenseits aller Möglichkeiten – denn Gott weiß, ob es jemals geschehen wird, dass der Minister ihn hervorholt, seinen Brief, und ihm im selben Moment die Luft rausgelassen wird / und er abgeschlafft ist (se trouve dégonflé) –, um Ihnen zu sagen, dass die Kastration hier, so wie sie in der Schwebe bleibt, vollkommen realisiert ist.33

[104] J’indique aussi cette perspective qui ne me paraît pas… enfin pas écrite d’avance.

Ich verweise auch auf diese Perspektive, die mir nicht, nun ja, nicht im Vorhinein geschrieben zu sein scheint.

Ça ne donne que plus de prix à ce que Dupin écrit comme message à celui qu’il vient de priver de ce qu’il croit être son pouvoir.

Das verleiht dem nur einen umso größeren Wert, was Dupin als Botschaft an denjenigen schreibt, den er gerade dessen beraubt hat, was dieser für seine Macht hält.

Ce petit poulet, qu’il jubile à la pensée de ce qui se passera quand l’intéressé – à quelle fin ? – aura à en faire usage, ce qu’on peut dire c’est que Dupin jouit.

Dieses Hühnchen, dass es bei dem Gedanken an das jubelt, was geschehen wird, wenn der Betroffene, zu welchem Zweck?, davon Gebrauch machen muss – was man sagen kann, ist, dass Dupin genießt.

Or c’est là qu’est la question, la question que j’amorçais la dernière fois en vous disant :  « Est-ce que c’est la même chose le narrateur et celui qui écrit ? ».

Nun, eben das ist die Frage, die Frage, die ich letztes Mal angeschnitten habe, als ich Ihnen sagte, ist das dasselbe, der Erzähler und derjenige, der schreibt?

Ce qui est incontestable c’est que le narrateur, le sujet de l’énoncé, celui qui parle, c’est Poe.

Unbestreitbar ist, dass der Erzähler, das Subjekt der Aussage, derjenige, der spricht, dass dies Poe ist.

Est-ce que Poe jouit de la jouissance de Dupin, ou d’ailleurs ?

Genießt Poe das Genießen von Dupin oder von anderswo?

C’est là ce qu’aujourd’hui je vais m’efforcer de vous montrer.

Ich werde mich bemühen, Ihnen eben das heute zu zeigen.

Je vous parle de La Lettre volée telle que je l’ai articulée moi-même.

Ich spreche zu Ihnen über den Gestohlenen Brief, wie ich ihn selbst artikuliert habe.

C’est là une illustration que je peux donner à la question que j’ai posée la dernière fois : « Est-ce que ce n’est pas radicalement différent celui qui écrit, et celui qui parle en son nom au titre du narrateur dans un écrit ? »

Damit ist das eine Illustration, die ich für die Frage geben kann, die ich letztes Mal aufgeworfen habe – ist das nicht etwas radikal Verschiedenes, derjenige, der schreibt, und derjenige, der in seinem Namen in etwas Geschriebenem als Erzähler spricht?

À ce niveau c’est sensible.

Auf dieser Ebene ist das spürbar.

Car ce qui se passe au niveau du narrateur, c’est en fin de compte ce que je pourrais appeler – je m’excuse d’insister sur le caractère démonstratif de ce petit essai – c’est qu’à la fin du compte, c’est la plus parfaite castration qui est démontrée.

Denn was auf der Ebene des Erzählers geschieht, ist letztlich das, was ich so nennen könnte – ich entschuldige mich, auf dem demonstrativen Charakter dieses kleinen Essays zu beharren –, nämlich dass das, was da demonstriert wird, letztlich die vollkommenste Kastration ist.

Tout le monde est également cocu, et personne n’en sait rien, c’est ça la merveille.

Alle sind gleichermaßen betrogen, und niemand weiß davon das Geringste, eben das ist das Wunder.

Le Roi bien sûr dort depuis le début et dormira jusqu’à la fin de ses jours sur ses deux oreilles.

Der König schläft natürlich von Anfang an, und bis ans Ende seiner Tage wird er auf beiden Ohren schlafen.

La Reine ne se rend pas compte qu’il est à peu près fatal qu’elle devienne folle de ce ministre, maintenant qu’elle le tient [Gelächter], qu’elle l’a châtré – hein ? – c’est un amour ! [Ab „maintenant“ mit ironischem Pathos gesprochen.]

Die Königin macht sich nicht klar, dass es nahezu unvermeidlich ist, dass sie nach diesem Minister verrückt werden wird; jetzt – wo sie ihn in der Hand hat [Gelächter], wo sie ihn kastriert hat, nicht wahr –  ist das eine Liebe. [Ab „jetzt“ mit ironischem Pathos gesprochen.34

Le ministre, ça c’est bien vrai : pour être fait il est fait, mais en fin de compte ça ne lui fait ni chaud ni froid – hein ? – parce que comme je l’ai très bien expliqué quelque part, de deux choses l’une.

Der Minister, das stimmt nun wirklich, er ist ja erledigt, aber letztlich lässt ihn das kalt, nicht wahr, denn wie ich irgendwo sehr gut erklärt habe, entweder – oder.

Ou il lui plaît de devenir l’amant de la Reine et ça devrait être agréable, en principe on dit ça : ça plaît pas à tout le monde.

Entweder es gefällt ihm, der Geliebte der Königin zu werden, und das müsste angenehm sein – jedenfalls im Prinzip, das gefällt nicht jedem.

Ou si vraiment il a pour elle un de ces sentiments qui sont de l’ordre de ce que j’appelle moi le seul sentiment lucide, à savoir la haine, comme je vous l’ai très bien expliqué, s’il la hait, elle l’en aimera d’autant plus, et ça lui permettra d’aller si loin, qu’il finira quand même par se douter que la lettre, elle n’est plus là depuis longtemps.

Oder wenn er wirklich für sie eines dieser Gefühle hat, die von der Ordnung dessen sind, was ich das einzige hellsichtige Gefühl nenne, nämlich der Hass, wie ich Ihnen sehr gut erklärt habe, wenn er sie also hasst, wird sie ihn deshalb um so mehr lieben, und das wird es ihm gestatten, so weit zu gehen, dass in ihm schließlich doch der Verdacht aufkommt, dass der Brief schon seit langem nicht mehr da ist.

Parce qu’il se trompera naturellement.

Weil er sich natürlich täuschen wird.

Il se dira que si on va si loin avec lui, c’est qu’on est sûr des choses, alors il ouvrira son petit papelard à temps.

Er wird sich sagen, wenn man mit ihm so weit geht, dann deshalb, weil man sich der Dinge sicher ist, also wird er seinen kleinen Wisch rechtzeitig öffnen.

Mais en aucun cas il ne reviendra | [105] à ce qui est la chose souhaitée, c’est que le ministre qu’on veut ridiculiser, il ne le sera pas.

Aber in keinem Fall wird es von da aus zu dem kommen, was gewünscht wird, nämlich den Minister lächerlich zu machen, lächerlich wird er nicht sein.

Bon, eh bien voilà ! Voilà ce que je réussis à dire à propos de ce que j’ai écrit, et ce que je voudrais vous dire c’est que ça prend sa portée de ce que c’est illisible.

Gut, das ist es. Das ist das, was mir zu sagen gelungen ist über das, was ich geschrieben habe; und ich möchte Ihnen sagen,  dass dies seine Tragweite von daher bekommt, dass es unlesbar ist. 

C’est là le point, si vous voulez bien encore m’entendre, que je vais essayer de développer.

Das ist – wenn Sie mir noch weiter folgen wollen – der Punkt, den ich versuchen werde, weiter auszuführen.

Comme beaucoup de gens, je vous le dis tout de suite parce que ce sont des gens du monde, les seuls qui soient capables de me dire ce qu’ils pensent à propos de ce que je leur refile.

Ich sage es Ihnen sofort, wie so viele Leute, denn das sind Leute von Welt, die einzigen, die in der Lage sind, mir zu sagen, was sie denken, zu dem, was ich Ihnen andrehe.

C’était le moment où mes Écrits n’étaient pas encore parus, ils m’ont donné leur point de vue de techniciens : « On n’y comprend rien » qu’ils m’ont dit.

Das war der Moment, in dem meine Schriften noch nicht erschienen waren, sie haben mir ihre fachmännische Ansicht mitgeteilt, „hier versteht man gar nichts“, haben sie mir gesagt.

Remarquez que c’est beaucoup.

Beachten Sie, dass das viel ist.

Quelque chose auquel on ne comprend rien, c’est tout l’espoir, c’est le signe qu’on en est affecté.

Etwas, bei dem man nichts versteht, das ist die ganze Hoffnung, das ist das Zeichen, dass man betroffen ist.

Heureusement qu’on n’a rien compris !

Ein Glück, dass man nichts verstanden hat!

Parce que on ne peut jamais comprendre que ce que bien sûr on a déjà dans la tête.

Weil man immer nur das verstehen kann, was man natürlich bereits im Kopf hat.

Mais enfin, je voudrais essayer d’articuler ça un peu mieux.

Aber ich möchte doch versuchen, das ein bisschen besser zu artikulieren.

Il suffit pas d’écrire des choses exprès incompréhensibles, mais de voir pourquoi l’illisible a un sens.

Es genügt nicht, absichtlich unverständliche Dinge zu schreiben, sondern man muss sehen, warum das Unlesbare einen Sinn hat.

Je vous ferai remarquer d’abord que toute notre affaire qui est l’histoire du rapport sexuel, n’est-ce pas, tourne autour de ceci que vous pourriez croire que c’est écrit puisqu’en somme, c’est ce qu’on a trouvé dans la psychanalyse, on est tout de même bien référé à un écrit.

Ich möchte Sie zunächst darauf aufmerksam machen, dass unsere ganze Sache, nämlich die Geschichte mit dem sexuellen Verhältnis, nicht wahr, sich darum dreht, dass Sie glauben könnten, dass das geschrieben ist, denn es ist ja so, dass man bei dem, was man in der Psychoanalyse gefunden hat, doch auf etwas Geschriebenes verwiesen wird.

L’Œdipe35 c’est un mythe écrit et je dirai même plus, c’est très exactement la seule chose qui le spécifie ; on aurait pu prendre exactement n’importe lequel, pourvu qu’il soit écrit.

Der Ödipus ist ein geschriebener Mythos, und ich will sogar noch mehr sagen, das ist genau das einzige, was für ihn spezifisch ist; man hätte wirklich irgendeinen beliebigen nehmen können, vorausgesetzt, dass er geschrieben ist.36

Le propre d’un mythe qui est écrit, comme l’a fait remarquer déjà Claude Lévi-Strauss, c’est que de l’écrire, il n’a qu’une seule forme, alors que le propre du mythe, comme c’est toute l’œuvre de Lévi-Strauss de le démontrer, c’est d’en avoir une très très grande quantité, c’est ça qui le constitue comme mythe, et non comme mythe écrit.

Die Besonderheit eines Mythos, der geschrieben ist – darauf hat bereits Claude Lévi-Strauss aufmerksam gemacht –, besteht darin, dass er, wenn man ihn schreibt, nur eine einzige Form hat, wohingegen die Besonderheit des Mythos darin besteht – wie das gesamte Werk von Lévi-Strauss demonstriert –, eine sehr, sehr große Anzahl davon zu haben; das ist das, was ihn als Mythos konstituiert und nicht als geschriebenen Mythos.37

Alors ce mythe écrit pourrait très bien passer pour être en somme l’inscription de ce qu’il en est du rapport sexuel.

Nun, dieser geschriebene Mythos könnte sehr gut so aufgefasst werden, dass er insgesamt die Niederschrift dessen wäre, worum es beim sexuellen Verhältnis geht.

Je voudrais tout de même vous faire remarquer certaines choses.

Ich möchte Sie jedoch auf bestimmte Dinge aufmerksam machen.

[106] Voilà, c’est que c’est pour ça qu’il n’est pas indifférent que je sois parti de ce texte, c’est que si cette lettre en l’occasion peut avoir cette fonction, cette fonction féminisante, n’est-ce pas ? – c’est que par rapport à ce que je vous ai dit de ceci : que le mythe écrit – l’Œdipe38 – est fait très exactement pour nous pointer que c’est impensable de dire : la femme.

Schauen Sie, das heißt – und deshalb ist es nicht gleichgültig, dass ich von diesem Text ausgegangen bin –, das heißt, wenn dieser Brief in diesem Zusammenhang diese Funktion haben kann, diese verweiblichende Funktion, nicht wahr?, das heißt, bezogen auf das, was ich Ihnen darüber gesagt habe, das heißt, dass der geschriebene Mythos, der Ödipus, eben dazu da ist, um uns zu zeigen, dass es undenkbar ist, „die Frau“ zu sagen.

C’est impensable – pourquoi ?

Das ist undenkbar, warum?

Parce que on ne peut pas dire « toutes les femmes ».

Weil man nicht „alle Frauen“ sagen kann.

On peut pas dire « toutes les femmes » parce que ce n’est introduit dans ce mythe qu’au nom de ceci : que le Père possède toutes les femmes, ce qui est manifestement le signe d’une impossibilité.

Man kann nicht „alle Frauen“ sagen, weil das in diesen Mythos nur im Namen dessen eingeführt wird, dass der Vater „alle Frauen“ besitzt, was offensichtlich das Zeichen einer Unmöglichkeit ist.39

D’autre part, ce que je souligne à propos de cette Lettre volée, c’est que s’il n’y a qu’une femme, qu’en d’autres termes la fonction de la femme ne se déploie que de ce que le grand mathématicien Brouwer – dans le contexte de ce que je vous ai énoncé, avancé, tout à l’heure sur la discussion mathématique – appelle la « multi-unité », à savoir ceci : qu’il y a une fonction qui serait à très proprement parler celle que le Père est là.

Was ich andererseits, bezogen auf diesen Gestohlenen Brief, hervorhebe, ist dies, wenn es nur „eine Frau“ gibt, anders ausgedrückt, wenn die Funktion von „die Frau“ nur durch das umgesetzt wird, was der große Mathematiker Brouwer40 – im Zusammenhang dessen, was ich Ihnen eben über die mathematische Diskussion gesagt habe, vorgetragen habe – als „Viel-Einheit“ bezeichnet, nämlich dies, dass es eine Funktion gibt, die strenggenommen die ist, dass da der Vater ist.41

Le Père est là pour s’y faire reconnaître dans sa fonction radicale, dans celle qu’il a toujours manifestée… et chaque fois qu’il s’est agi du monothéisme par exemple, ce n’est pas pour rien que Freud vient échouer là.

Der Vater ist da, um sich in seiner radikalen Funktion anerkennen zu lassen, in derjenigen, die er immer manifestiert hat, jedes Mal, wenn es beispielsweise um den Monotheismus ging – es ist nicht ohne Bedeutung, dass Freud hier gestrandet ist.42

C’est qu’il y a une fonction tout à fait essentielle qu’il convient de réserver comme étant à l’origine, à très proprement parler, de l’écrit, c’est ce que j’appellerai le « pas plus d’un ».

Das heißt, dass es eine absolut wesentliche Funktion gibt, der man vorbehalten sollte, strenggenommen am Ursprung der Schrift zu stehen, und das ist das, was ich das „Nicht-mehr-als-eins“ (pas-plus-d’un) nennen werde.

Aristote bien sûr, fait des efforts tout à fait ravissants, considérables, comme il en fait d’habitude, pour nous rendre ça accessible par échelon, au nom de son principe qu’on peut qualifier comme ça de principe de la remontée de l’échelle, de cause en cause, et d’être en être ; il faudra bien que vous vous arrêtiez quelque part.

Aristoteles macht sicherlich ganz und gar hinreißende, beachtliche Anstrengungen, wie er das für gewöhnlich tut, um uns das durch Stufen zugänglich zu machen, gemäß seinem Prinzip, das man ja als das Prinzip des stufenweisen Rückstiegs qualifizieren kann, von Ursache zu Ursache und von Wesenheit zu Wesenheit – und da werden Sie wohl irgendwo anhalten müssen.

Enfin c’est ce qu’il y a de très gentil chez les philosophes grecs, c’est qu’ils parlaient vraiment pour des imbéciles.

Ja, das ist das Nette bei den griechischen Philosophen, dass sie wirklich für Dumme sprachen.

D’où le développement de la fonction du sujet.

Von daher die Entwicklung der Funktion des Subjekts.

C’est d’une façon tout à fait originelle que le « pas plus d’un » se pose.

Das Nicht-mehr-als-eins stellt sich auf völlig originelle Weise dar.

Sans « pas plus d’un », ben vous ne pouvez même pas commencer à écrire la série des nombres entiers – je vous montrerai ça au tableau la prochaine fois – pour qu’il y ait un 1 et puis que vous n’ayez plus ensuite qu’à crever la bouche en rond chaque fois que vous voulez recommencer, pour que, à chaque fois ça fasse un de plus, mais pas le même.

Ohne Nicht-mehr-als-eins können Sie ja nicht einmal damit anfangen, die Reihe der ganzen Zahlen zu schreiben – ich werden Ihnen das das nächste Mal an der Tafel zeigen –, damit es ein Ein gibt und dann, damit Sie danach nur noch die Lippen zu schürzen brauchen, jedes Mal, wenn Sie wieder anfangen wollen, so dass das jedes Mal eins mehr ergibt, aber nicht dasselbe.43 

Par contre, tout ceux qui se répètent ainsi sont les mêmes ; ils peuvent s’additionner, on appelle ça la série arithmétique.

Hingegen sind all diejenigen, die sich so wiederholen, dieselben; sie können addiert werden, man nennt das „arithmetische Reihe“.44

[107] Mais revenons à ce qui nous paraît essentiel à ce sujet, concernant la jouissance sexuelle.

Aber kommen wir auf das zurück, was uns bei diesem Thema wesentlich zu sein scheint, bezogen auf das sexuelle Genießen.

C’est qu’il n’y a… expérience faite d’une structure, quels qu’en doivent être les conditionnements particuliers …c’est que la jouissance sexuelle se trouve ne pas pouvoir être écrite, et c’est de cela que résulte la multiplicité structurale, et d’abord la tétrade, dans laquelle quelque chose se dessine qui la situe, mais inséparable d’un certain nombre de fonctions qui n’ont en somme rien à faire avec ce qui peut spécifier, spécifier dans le général, le partenaire sexuel.

Das heißt, dass es nicht – das ist eine Erfahrung, die aus einer Struktur gemacht ist, was auch immer ihre besonderen Bedingungen sein müssen – , das heißt, dass es mit dem sexuellen Genießen so ist, dass es nicht geschrieben werden kann, und dass sich daraus die strukturelle Vielfalt ergibt, zunächst die Tetrade45, in der etwas sich abzeichnet, wodurch sie verortet wird, aber untrennbar von einer gewissen Anzahl von Funktionen, die insgesamt nichts mit dem zu tun haben, was den Sexualpartner spezifizieren kann, ihn im allgemeinen spezifizieren kann.

La structure est telle que l’homme comme tel – en tant qu’il fonctionne – est châtré, et d’autre part quelque chose existe qui est au niveau du partenaire féminin, et qu’on pourrait simplement tracer de ce trait, sur lequel je pointe la portée, toute la fonction de cette lettre en l’occasion, que « La femme » n’a rien à faire – si elle existe, et justement c’est pour ça qu’elle n’existe pas – c’est qu’en tant que « La femme », elle, n’a rien à faire avec la loi.

Die Struktur ist so, dass der Mann als solcher – insofern er funktioniert – kastriert ist, und andererseits existiert etwas, was auf der Ebene der weiblichen Partnerin ist und was man einfach mit diesen Strich zeichnen könnte, bei dem ich hierbei auf die Tragweite, auf die gesamte Funktion dieses Buchstabens hinweise, dass „Die Frau“ nichts – falls sie existiert und genau deshalb existiert sie nicht –, das heißt, dass sie als „Die Frau“ nichts mit dem Gesetz zu tun hat.

Alors comment concevoir ce qui s’est passé – on fait quand même l’amour, hein ?

Nun, wie soll man das, was passiert ist, auffassen – man macht ja doch Liebe, oder?

On fait quand même l’amour et on s’aperçoit46 à partir du moment où on s’y intéresse on y met le temps.

Man macht ja doch Liebe, und von dem Moment an, in dem man sich dafür interessiert, nimmt man <das> wahr, man verwendet Zeit darauf.

Et à la vérité on s’y est peut-être toujours intéressé, seulement nous avons perdu la clé de la façon dont on s’y est intéressé précédemment.

Und in Wahrheit hat man sich vielleicht immer dafür interessiert, nur haben wir für die Art und Weise, in der man sich früher dafür interessiert hat, den Schlüssel verloren.

Mais pour nous, au cœur, dans l’efflorescence de l’ère scientifique, nous apercevons ce qu’il en est par Freud.

Aber was uns angeht, mitten im wissenschaftlichen Zeitalters, in seiner Blüte, wir nehmen wir das, worum es dabei geht, durch Freud wahr.

C’est quoi ?

Und das ist was?

Quand il s’agit de structurer, de faire fonctionner au moyen de symboles, le rapport sexuel, qu’est-ce qui y fait obstacle ?

Wenn es darum geht, das sexuelle Verhältnis durch Symbole zu strukturieren, funktionieren zu lassen, was bildet dafür ein Hindernis?

C’est que la jouissance s’en mêle.

Dies, dass sich das Genießen darin einmischt. 

La jouissance sexuelle est-elle traitable directement ?

Lässt sich das sexuelle Genießen direkt behandeln?47

Elle ne l’est pas, et c’est en cela – ne disons rien de plus – qu’il y a la parole.

Das geht nicht, und zwar insofern – mehr wollen wir nicht sagen –, als es das Sprechen gibt.

Le discours commence de ce qu’il y ait là, béance.

Der Diskurs beginnt von daher, dass es da eine Kluft gibt.

On ne peut pas en rester là, je veux dire que je me refuse à toute position d’origine, et qu’après tout rien ne nous empêche de dire que c’est parce que le discours commence que la béance se produit.

Dabei kann man nicht stehenbleiben, ich meine, dass ich jede Position des Ursprungs ablehne, und schließlich hindert uns nichts daran zu sagen, dass diese Kluft sich deshalb herstellt, weil der Diskurs beginnt.

C’est tout à fait indifférent pour le résultat.

Das ist, was das Ergebnis angeht, völlig gleichgültig.

Ce qu’il y a de certain, c’est que le discours est impliqué dans la béance et comme il n’y a pas de métalangage, il ne saurait en sortir.

Sicher ist dies, dass der Diskurs in der Kluft impliziert ist, und da es keine Metasprache gibt, kann er da nicht herauskommen.

La symbolisation de la jouissance sexuelle, ce qui rend évident ce que je suis en train d’en articuler c’est qu’elle emprunte tout son symbolisme – à quoi ? – à ce qui ne la concerne pas, à savoir à la jouissance en tant qu’elle est interdite par certaines choses confuses – confuses | [108] mais pas tellement que ça – car nous sommes arrivés à l’articuler parfaitement sous le nom du principe du plaisir, ce qui ne peut avoir qu’un sens : « pas trop de jouissance ».

Was ich gerade über die Symbolisierung des sexuellen Genießens vorbringe, wird dadurch offensichtlich, dass es seinen gesamten Symbolismus von wo entlehnt?, von etwas, womit es nichts zu tun hat, nämlich vom Genießen, insofern es verboten ist, durch bestimmte verworrene Dinge, die aber gar nicht so verworren sind, denn es ist uns gelungen, das vollkommen mit dem Begriff des Lustprinzips zu artikulieren, was nur einen Sinn haben kann: „nicht zu viel Genießen“.

Parce que l’étoffe de toutes les jouissances confine à la souffrance, c’est même à ça que nous reconnaissons l’habit – si la plante ne souffrait pas manifestement, nous ne saurions pas qu’elle est vivante.

Denn der Stoff aller Arten des Genießens grenzt an das Leiden, das ist das Kleid, woran man es erkennt – wenn die Pflanze nicht offenkundig leiden würde, wüssten wir nicht, dass sie lebt.48  

 

Il est donc clair que le fait que la jouissance sexuelle n’ait trouvé pour se structurer que la référence à l’interdit, en tant que nommé, de la jouissance, mais d’une jouissance qui n’est pas telle, qui est cette dimension de la ,jouissance qui est à proprement parler la jouissance mortelle.

Es ist also klar, dass die Tatsache –, dass das sexuelle Genießen zu seiner Strukturierung nur den Bezug auf das Verbot des Genießens gefunden hat, auf das Verbot, insofern es genannt wird, eines Genießens jedoch, das keines ist, das diejenige Dimension des Genießens ist, die strenggenommen das tödliche Genießen ist.

En d’autres termes que sa structure, la jouissance sexuelle la prenne de l’interdit porté sur la jouissance dirigée sur le corps propre, c’est-à-dire très précisément en ce point d’arête et de frontière où elle confine à la jouissance mortelle.

Anders ausgedrückt, dass das sexuelle Genießen seine Struktur von dem Verbot hernimmt, das sich auf das Genießen bezieht, das sich auf den eigenen Körper richtet, das heißt genau an dem Grat und an der Grenze, wo es an das tödliche Genießen angrenzt. 

Et elle ne rejoint la dimension du sexuel qu’à porter l’interdit sur le corps, dont le corps propre sort, à savoir sur le corps de la mère.

Und es trifft nur dadurch auf die Dimension des Sexuellen, dass es das Verbot auf denjenigen Körper bezieht, aus dem der eigene Körper hervorgeht, das heißt auf den Körper der Mutter.

Ce n’est que par là que se structure, qu’est rejoint dans le discours, ce qui seul peut y apporter la loi, ce qu’il en est de la jouissance sexuelle.

Nur dadurch wird das, worum es beim sexuellen Genießen geht, im Diskurs strukturiert, und das ist das einzige, was hier das Gesetz beisteuern kann.

La partenaire en l’occasion est bien en effet réduit à une, mais pas n’importe laquelle : celle qui t’a pondu.

Die Partnerin ist hierbei tatsächlich auf eine reduziert, aber nicht auf eine beliebige: auf diejenige, die dich in die Welt gesetzt hat.

Et c’est autour de ça que se construit tout ce qui peut s’articuler dès que nous rentrons dans ce champ d’une façon qui soit verbalisable.

Und um diesen Punkt herum wird alles konstruiert, was artikuliert werden kann, sobald wir uns auf eine Weise, die verbalisierbar ist, wieder auf dieses Feld begeben.

Quand nous nous avancerons plus loin, je reviendrai sur la façon dont le savoir vient à fonctionner comme un jouir ; nous pouvons ici passer.

Wenn wir weiter vorangekommen sind, werde ich darauf zurückkommen, wie das Wissen dazu gelangt, wie ein Genießen zu funktionieren; hier können wir das überspringen.

La femme comme telle se trouve dans cette position uniquement rassemblée de ceci qu’elle est, je dirai sujette à la parole.

Die Frau als solche ist in einer Position, in der sich auf einzigartige Weise versammelt, dass sie, so möchte ich sagen, Untertanin (sujette) des Sprechens ist.

Bien sûr, je vous épargne les détours.

Die Umwege erspare ich Ihnen natürlich.

Que la parole soit ce qui instaure une dimension de vérité – l’impossibilité de ce rapport sexuel – c’est bien aussi ce qui fait la portée de la parole en ceci bien sûr qu’elle peut tout, sauf servir au point où elle est occasionnée.

Dass das Sprechen das ist, wodurch eine Wahrheitsdimension eingesetzt wird – die Unmöglichkeit dieses sexuellen Verhältnisses –, das ist auch das, was die Reichweite des Sprechens ausmacht, insofern natürlich, als es alles kann, außer, an dem Punkt zu dienen, durch den es bedingt ist.

La parole s’efforce de réduire la femme à la sujétion, c’est-à-dire d’en faire quelque chose dont on attend des signes d’intelligence, si je puis m’exprimer ainsi.

Das Sprechen bemüht sich, die Frau auf die Unterwerfung (sujétion) zu reduzieren, das heißt, aus ihr etwas zu machen, wovon man Zeichen von Intelligenz erwartet, wenn ich mich so ausdrücken kann.

Mais bien sûr, ce n’est là d’aucun être réel qu’il s’agit ici, pour dire le mot.

Aber natürlich handelt es sich hier nicht um ein reales Wesen, um es deutlich zu sagen.

La femme en l’occasion …comme ce texte est fait pour le démontrer… La femme …je veux dire l’en-soi de la femme… La femme …comme si on pouvait dire toutes les femmesLa femme – j’insiste – qui n’existe pas …c’est justement la lettre, la lettre en tant qu’elle est le signifiant qu’il n’y a pas d’Autre: S(Ⱥ).

„Die Frau“ ist hierbei, wie dieser Text gut demonstriert Die Frau, ich will sagen das An-sich der Frau, Die Frau, so als könnte man sagen „alle Frauen“; „die Frau“ – ich insistiere, die nicht existiert –, das ist genau die Letter, die Letter, insofern sie der Signifikant ist, dass es keinen Anderen gibt: S(Ⱥ)49

[109] Et c’est là-dessus que je voudrai – avant de vous quitter – quand même vous énoncer une remarque qui dessine la configuration logique de ce que je suis en train d’avancer.

Und dazu möchte ich für Sie, bevor ich Sie verlasse, doch eine Anmerkung machen, mit der die logische Konfiguration dessen nachgezeichnet wird, was ich hier gerade vorbringe.

Dans la logique aristotélicienne, vous avez les « affirmatives »… je ne les mets pas avec les lettres qui sont d’usage habituel dans la logique formelle, je ne mets pas A …j’écris ça universelle affirmative, et j’écris ça universelle négative, c’est ce que ça veut dire.

In der aristotelischen Logik haben Sie die Bejahungen, ich schreibe sie nicht mit den Buchstaben, die in der formalen Logik üblich sind, ich schreibe nicht A, ich schreibe das „bejahende Universale“ [U.A. für „universelle affirmative“] und ich schreibe das „verneinende Universale“ [U.N. für „universelle  négative“], das bedeutet das hier.50

J’écris ici particulière affirmative et particulière négative.

Hier schreibe ich „bejahende Partikuläre“ [P.A. für „particulière affirmative“] und „verneinende Partikuläre“ [P.N. für „particulière négative“].51

Je fais remarquer qu’au niveau de l’articulation aristotélicienne, c’est entre ces deux pôles, puisque c’est à Aristote que ces catégories propositionnelles sont empruntées, c’est entre ces deux pôles que se fait la discrimination logique :

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Ich mache darauf aufmerksam, dass auf der Ebene der aristotelischen Artikulation zwischen diesen beiden Polen – da diese Aussagekategorien Aristoteles entlehnt sind –, zwischen diesen beiden Polen die [grundlegende] logische Unterscheidung getroffen wird.52

L’universelle affirmative énonce une essence.

Die allgemeine bejahende Aussage äußert ein Wesen (essence).

J’ai assez souvent insisté dans le passé sur ce qu’il en est de l’énoncé « tout trait est vertical » et qu’il est parfaitement compatible avec ceci : qu’il n’existe aucun trait – l’essence se situe essentiellement dans la logique, elle est pur énoncé de discours.

schema-von-peirce

Quadrantenschema von Peirce

Ich habe in der Vergangenheit oft genug auf dem bestanden, worum es bei der Aussage „Jeder Strich ist senkrecht“ geht und dass sie völlig damit vereinbar ist, dass es keinen Strich gibt53 – das Wesen ist wesentlich in der Logik verortet, es ist reine Aussage des Diskurses.54 

La discrimination logique, son axe essentiel dans cette articulation, est très exactement cet axe oblique que je viens ici de noter.

Die logische Unterscheidung, ihre in dieser Artikulation wesentliche Achse, ist genau diese Schrägachse, die ich gerade hier eingetragen habe.55

Rien ne va contre un énoncé logique quelconque identifiable si ce n’est la remarque que « Il y en a qui… pas » : particulière négative.

Nichts richtet sich gegen eine irgendwie identifizierbare logische Aussage außer der Bemerkung „Es gibt welche, die nicht ….“, partikuläre Verneinung.56

Il y en a des traits qui ne sont pas verticaux, c’est la seule contradiction qui puisse se faire contre l’affirmation que c’est un fait d’essence.

Es gibt Striche, die nicht senkrecht sind, das ist der einzige Widerspruch, der gegen die Affirmation vorgebracht werden kann, dass dies [dass Striche senkrecht sind] eine Wesenstatsache ist.57

Et les deux autres termes sont, dans le fonctionnement de la logique aristotélicienne, tout à fait secondaires.

Und die beiden anderen Terme sind im Funktionieren der aristotelischen Logik ganz und gar sekundär.

À savoir : « Il y en a qui… » : affirmative particulière.

Nämlich „Es gibt welche, die …“, partikuläre Bejahung.

Et après, comment savoir si c’est nécessaire ou pas ?

Und danach, wie soll man wissen, ob das notwendig ist oder nicht?58

Ça ne prouve rien !

Das beweist nichts.

Et de dire : « Il y en a pas qui… », ce qui n’est | [110] pas la même chose que de dire : « Il y en a qui… pas », c’est-à-dire l’universelle négative « Il y en a pas qui… », ben ça prouve rien non plus, c’est un fait.

Und zu sagen „Es gibt nicht welche, die …“ – was nicht dasselbe ist wie zu sagen „Es gibt welche, die nicht …“ –, das heißt, die universale verneinende Aussage „Es gibt nicht welche, die …“, nun, das beweist auch nichts, das ist eine Tatsache.59

Ce que je peux vous faire remarquer c’est ce qui se passe quand, de cette logique aristotélicienne, nous passons à leur transposition dans la logique mathématique, celle qui s’est faite par la voie de ce qu’on appelle les quantificateurs.

Worauf ich Sie aufmerksam machen kann, ist das, was passiert, wenn man von dieser aristotelischen Logik zu ihrer Umformung in die mathematische Logik übergeht, in diejenige Logik, die mithilfe von etwas gemacht ist, was man als Quantoren bezeichnet.60

Ne m’engueulez pas parce que vous n’allez plus m’entendre, je vais d’abord écrire, et justement c’est de ça qu’il s’agit.

Beschimpfen Sie mich nicht, denn Sie werden mich gleich nicht mehr verstehen, ich werde zunächst schreiben, und das ist eben das, worum es geht.

L’universelle, je disais l’universelle affirmative va maintenant s’écrire de cette notation inverbalisable : ∀, puisque c’est un A renversé.

Die allgemeine Aussage – ich habe „bejahende allgemeine Aussage“ gesagt –  wird jetzt mit dieser nicht-verbalisierbaren Notation geschrieben, ∀, denn das ist ein umgekehrtes A.61

Je dis « A renversé », enfin c’est pas du discours, c’est de l’écrit.

Ich sage „umgekehrtes A“, das heißt, das gehört nicht zur Rede, das gehört zum Geschriebenen.62

Mais c’est un signal – comme vous allez le voir – pour jaspiner :

Das ist jedoch, wie Sie sehen werden, ein Signal um zu schwätzen.

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik [?]

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik [?]

∀x.F(x) : universelle affirmative.

∀x.F(x): universale bejahende Aussage.

∃x.F(x) : particulière affirmative.

∃x.F(x): partikuläre bejahende Aussage.63

Ça, ∀x.F(x), je veux exprimer que c’est une négative, comment le puis-je ?

Dieses hier, ∀x.F(x) – ich will ausdrücken, dass das eine Verneinung ist, wie kann ich das tun?

Je suis frappé de ceci que ça n’a jamais été vraiment articulé comme je vais le faire.

Es wundert mich, dass das nie wirklich so, wie ich es tun werde, artikuliert worden ist.

C’est qu’il faut que vous mettiez la barre de la négation au-dessus de F(x), et non pas du tout au-dessus – comme il se fait habituellement – des deux.

Nämlich dass Sie den Negationsstrich über das F(x) setzen müssen und nicht – wie es üblicherweise gemacht wird – über beide [Bestandteile des Ausdrucks]:\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}.

Vous allez voir pourquoi.

Sie werden sehen warum.64

Et ici, ∃x.F(x), c’est sur ∃x que vous devez mettre la barre : F(x).

Und hier, bei ∃x.F(x), müssen Sie den Strich über das ∃x setzen: \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}}. [?]65

Je mets ici maintenant moi-même une barre équivalente à celle qui était ici, et comme celle qui était ici séparait en deux zones le groupe des quatre, ici, c’est d’une façon différente qu’elle répartit par deux.

vier-propositionen-im-vergleich

Die beiden Aufteilungen der Vierergruppen

Ich setzte hier jetzt selbst einen Strich, der mit dem gleichwertig ist, der dort war [im Schema der aristotelischen Logik]; und da der Strich, der dort war, die Vierergruppe in zwei Bereiche aufteilte, führt er hier auf andere Weise zu einer Zweiteilung.66

Ce que j’avance, c’est que dans cette façon d’écrire justement, tout tient à ce qu’on peut le dire à propos de l’écrit.

Ich behaupte nun, dass bei dieser Art des Schreibens eben alles davon abhängt, dass man es in Bezug auf das Geschriebene sagen kann.67

Et que la distinction en deux termes unis par un point de ce qui est ainsi écrit ∀x.F(x), a cette valeur de dire qu’on peut dire de tout x – c’est le signal de l’A renversé : ∀– qu’il satisfait à ce qui est écrit : F(x), qu’il n’y est pas déplacé.

vier-propositionen-ua-uswUnd dass die Aufteilung in zwei Ausdrücke, die durch einen Punkt verbunden sind, was so geschrieben wird, ∀x.F(x), den Wert hat, zu sagen, dass man über jedes x sagen kann – das ist das Signal des umgekehrten A: ∀ –, dass es dem genügt, was F(x) geschrieben wird:, dass es [unter dem Aspekt des Geschriebenen] hier nicht fehl am Platz ist.68

[111] De même, mais avec un accent différent, c’est qu’il y ait de l’inscriptible.

Das gleiche <gilt für die partikuläre bejahende Aussage ∃x.F(x) >, jedoch mit einem anderen Akzent, nämlich dass es Schreibbares gibt.

À savoir que c’est ici que porte l’accent de l’écrit, il existe des x que vous pouvez faire fonctionner dans l’« F(x) ».

Das heißt, dass der Akzent des Geschriebenen hier liegt: Es existieren x, die Sie in dem F(x) funktionieren lassen können.69

Dont alors vous parlez, qu’il s’agit, dans ce qu’on appelle ici la transposition quantificatrice, au moyen des quantificateurs de la particulière : ∃x.F(x).

Wovon Sie also dann sprechen, wenn es um das geht, was man hier die quantifizierende Umwandlung der partikulären Aussage durch Quantoren nennt: ∃x.F(x).

Par contre, il est si vrai que c’est autour de l’écrit que pivote le déplacement de la répartition.

Hingegen ist durchaus wahr, dass sich die Verschiebung der Aufteilung um das Geschriebene dreht.

C’est à savoir que pour ce qui est mis au premier plan, recevable, rien n’a changé pour l’universelle, elle est toujours de prix, encore que ce ne soit pas le même prix.

Nämlich dass sich bei dem, was in die erste zugängliche Ebene [die erste Spalte?] gesetzt wird, für die universale Aussage nichts geändert hat, sie hat immer noch einen Wert, auch wenn es nicht derselbe Wert ist.70

Par contre ce dont il s’agit ici consiste à s’apercevoir de la non-valeur de l’universelle négative.

Hier hingegen [in der rechten Spalte] geht es darum, sich den Nicht-Wert der universalen verneinenden Aussage [\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}] klarzumachen.71

Puisque là ce qui tique c’est que, de quelque x que vous parliez, il ne faut pas écrire F(x).

Denn was hier angezeigt wird, ist dies, dass man, von welchem x auch immer Sie sprechen, nicht F(x) schreiben darf.72

Et que de même pour la particulière négative, il y a ceci, que de même qu’ici le x73 pouvait s’écrire, était recevable, inscriptible dans cette formule, ici simplement, ce qui est dit, c’est qu’il n’est pas inscriptible.

Und dass ebenso für die partikuläre verneinende Aussage gilt, dass – ebenso wie hier [in der linken Spalte] das x geschrieben werden konnte, wie es in dieser Formel [∃x.F(x)] zulässig war, schreibbar war – hier [in der rechten Spalte] einfach dies gesagt wird, dass es nicht schreibbar ist.74

Qu’est-ce à dire ?

Was soll das heißen?

 

C’est que, ce qui de ces deux structurations est resté en quelque sorte négligé, sans valeur, à savoir l’universelle négative, l’universelle négative en tant qu’elle est celle qui permet de dire « il ne faut pas écrire ceci si vous parlez d’un x quelconque » en d’autres termes que c’est ici que fonctionne une coupure essentielle.

Das heißt, dass das, was von diesen beiden Strukturierungen [U.A. und P.N.?] in gewisser Weise vernachlässigt oder wertlos geblieben ist, nämlich die universale verneinende Aussage, die universale verneinende Aussage, insofern sie [in der Quantorenlogik] diejenige ist, die zu sagen ermöglicht „Dieses [F] darf nicht geschrieben werden, wenn Sie von irgendeinem x sprechen“, anders gesagt, dass hier [in der Quantorenlogik] ein wesentlicher Schnitt funktioniert.75

 

Eh bien, c’est cela même autour de quoi s’articule ce qu’il en est du rapport sexuel.

Nun, das ist eben das, um das herum sich das artikuliert, worum es beim sexuellen Verhältnis geht.

 

La question est de ce qui ne peut pas s’écrire dans la fonction F(x), à partir du moment où ceci, la fonction F(x), est elle-même à ne pas écrire.

Die Frage bezieht sich auf das, was in der Funktion F(x) nicht geschrieben werden kann, von dem Moment an, wo dies, die Funktion F(x), selbst nicht zu schreiben ist.76

 

C’est-à-dire qu’elle est ce que j’ai dit, tout à l’heure énoncé… ce qui est le point autour duquel va tourner ce que nous reprendrons quand je vous reverrai dans deux mois …à savoir qu’elle est à proprement parler ce qui s’appelle illisible.

Das heißt, dass sie das ist, was ich gesagt habe, eben geäußert habe, nämlich der Punkt, um den herum sich das drehen wird, was wir wiederaufnehmen werden, wenn ich Sie in zwei Monaten wiedersehe, nämlich dass sie im strengen Sinne das ist, was „unlesbar“ genannt wird.

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Anmerkungen

  1. Vgl. J. Lacan: Das Seminar über „Der gestohlene Brief“. In: Ders.: Schriften I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2016, S. 12–73, hier: S.36–49.
  2. Vermutlich im Sinne von „dass es fast kein Mittel gibt, zu bemerken, dass es um den Phallus geht“.
  3. Die Scham (honte) ist Thema der letzten Vorlesung von Seminar 17 von 1969/70, Die Kehrseite der Psychoanalyse, Sitzung vom 17. Juni 1970.
  4. Poe-Zitat in: Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 39.
  5. Der Gegensatz von „unbecoming“ und „becoming a man“ lässt sich auch deuten als Gegensatz von „aufhören, ein Mann zu sein“ und „ein Mann werden“.
  6. Poe-Zitat in Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 39.
  7. Vgl. Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 34.
  8. Gondek (wie auch andere) übersetzt destination mit „Schickungsort“ (a.a.O., S. 49), offenbar um auf destin, „Schicksal“, anzuspielen. Aber was ist ein „Schickungsort“?
  9. Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung.
  10. S. Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 100.
  11. Anspielung auf die Grundlagenkrise der Mathematik und den Gegensatz zwischen Intuitionismus und Formalismus.
  12. Das ist die Position des Formalismus.
  13. Mit „deutschen Buchstaben“ könnte die Kurrentschrift gemeint sein, die etwa zur Bezeichnung von Vektoren und komplexen Zahlen verwendet wurde.
  14. Dieses Problem ist Ausgangpunkt des Schematismuskapitels in Kants Kritik der reinen Vernunft (B 176 – B 187).
  15. Lacan bezieht sich auf: Edmund Husserl: Die Frage nach dem Ursprung der Geometrie als intentional-historisches Problem. In: Revue internationale de philosophie, Brüssel, 1. Jg. (1939), S. 203–225. Vgl. hierzu: Jacques Derrida: Husserls Weg in die Geschichte am Leitfaden der Geometrie. Ein Kommentar zur Beilage III der „Krisis“ (1962). Fink, München 1987.
  16. Das erinnert an Kants Begriff des „Schemas“ in der Kritik der reinen Vernunft, „Von dem Schematismus der reinen Verstandesbegriffe“ (B 176 ff.). Das Schema vermittelt bei Kant zwischen Anschauung und Begriff. Im Identifizierungsseminar hatte Lacan gesagt, er suche nach einer besseren Grundlage für den Schematismus (vgl. Seminar 9, Sitzung vom 14. März 1962.
  17. Drei Punkte, die denselben Abstand zueinander haben, ergeben ein gleichseitiges Dreieck. Vier Punkte, die dieses Kriterium erfüllen, bilden einen Tetraeder.
  18. Die reellen Zahlen umfassen die rationalen Zahlen und die irrationalen Zahlen. Rationale Zahlen sind Zahlen, die sich durch Brüche ganzer Zahlen ausdrücken lassen, also durch ein Verhältnis (= Ratio) ganzer Zahlen; irrationale Zahlen sind solche, die sich nicht so darstellen lassen, zum Beispiel \sqrt {2} oder die Kreiszahl π.
  19. Im Tetraeder können vier Punkte denselben Abstand voneinander haben.
  20. Wenn man drei Spieße mit der Spitze gegeneinander lehnt, bilden sie einen Tetraeder.
    Den Hinweis auf die drei Spieße als Symbol der Ordnung findet man bereits in Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten (Sitzung vom 5. März 1958; Version Miller/Gondek, S. 314).
  21. Über die Polizei schreibt Hegel in den Grundlinien der Philosophie des Rechts, §§ 231–249. „Polizei“ (geschrieben „Policey“) ist der ältere deutsche Ausdruck für das, was man heute „Verwaltung“ nennt. Auf diese Hegelpassage bezieht Lacan sich auch in Seminar 23 von 1975/76, Das Sinthom, in der Sitzung vom 18. November 1975.
  22. Dies ist Lacans erste Darstellung des Herrendiskurses mit sechs Pfeilen.
    Ich entnehme die Zeichnung Version G.T. von Seminar 18 (S. 100), da sie die beste Darstellung gibt (wobei zu beachten ist, dass diese Transkripton auf einer Tonaufnahme beruht, das Diagramm wurde hier also nicht von der Tafel abgeschrieben). In der Staferla-Version gibt es nur fünf Verbindungen (obwohl im Text von sechsen die Rede ist), in Millers Version ist die obere Verbindung kein Pfeil, sondern nur eine Linie (obwohl Lacan von gerichteten Linien spricht, also von Pfeilen), und wie in der Staferla-Version fehlt auch bei Miller der sechste Pfeil.
    Unter den „Kanten“ des „Tetraeders“ versteht Lacan demnach die sechs Verbindungslinien zwischen den vier Termen der Diskursformel; er verwendet den Ausdruck hier zum ersten Mal.
    Die Darstellung mit den sechs Pfeilen erinnert – sicherlich mit Absicht – an das „logische Quadrat“ der mittelalterlichen Logik:

    logisches-quadratIn Seminar 17 (Die Kehrseite der Psychoanalyse, 1969/70) hatte Lacan die Terme des Herrendiskurses in der letzten Sitzung durch fünf Linien ohne Pfeil verbunden (vgl. Sitzung vom 17. Juni 1970, Version Miller S. 213) – falls man den Transkriptionen trauen darf.
    In Radiophonie sind alle vier Diskursformeln mit zwei Pfeilen versehen:

    vier-diskurse-in-radiophonieEiner führt von links oben nach rechts oben, der andere von rechts unten nach links unten; der untere Pfeil ist gekrümmt (ist die Krümmung eine Alternativdarstellung der unterbrochenen Linie?). Beim Diskurs des Herrn und beim Diskurs des Analytikers ist der obere Pfeil mit „Unmöglichkeit“ beschriftet, beim Diskurs der Universität und beim Diskurs der Hysterikerin heißt der untere gekrümmte Pfeil „Unvermögen“.
    Aus der Darstellung in Radiophonie geht nicht hervor, ob die Bezeichnungen der Pfeile für alle vier Diskurse gelten sollen (vgl. J. Lacan: Radiophonie. In: Ders.: Radiophonie. Television. Quadriga, Weinheim 1988, S. 5–54, hier: S. 49).

  23. Ist dies immer die Verbindung, die von rechts unten nach links unten führt?
  24. Lacans Strukturalismus ist ein Strukturalismus mit Subjekt.
    Ein Brief erreicht immer seinen Bestimmungsort, ich vermute, dass damit die Wiederkehr des Verdrängten gemeint ist – keine Verdrängung ohne Wiederkehr des Verdrängten.
  25. Lacan bezieht sich auf diesen Satz: „Sagen wir, dass der König hier durch die natürliche Amphibologie zum Heiligen mit der Einfalt belehnt wird, die direkt am Subjekt festzumachen ist.“ (Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 45)
  26. „Nichtsdestoweniger ist eine Polizeiakte immer Objekt eines Vorbehalts gewesen,  für den sich schlecht erklären lässt, dass er weit über den Kreis der Historiker hinausgreift.“ (Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 45)
  27. Der Brief stellt das „Zeichen von Widerspruch und Skandal“ dar, in dem Sinne, „in dem das Evangelium sagt, es müsse kommen ohne Rücksicht auf das Unglück dessen, der sein Träger sein wird“ (Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 38)
  28. Miller: „courant“, die Audioaufnahme ermöglicht keine Entscheidung, zumindest mir nicht, vgl. 53:09.
  29. Lateinisch, „das grauenhafte Ungeheuer“.
  30. Bezogen auf Dupin spricht Lacan im Poe-Aufsatz vom „Gefühl von Sand in den Augen“ (Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 19).
  31. Vgl. Das Seminar über „Der gestohlene Brief“, a.a.O., S. 24.
  32. Das Zitat ist aus der Tragödie Atrée et Thyeste (1707) von Prosper Jolyot de Crébillon. Bei Poe liest man „un dessein si funeste“ (ein so verhängnisvoller Plan), Lacan zitiert das im Poe-Aufsatz zunächst korrekt (J. Lacan: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 14), schreibt dann aber, bei der Wiederholung des Zitats im selben Aufsatz, „un destin si funeste“ (ein so verhängnisvolles Schicksal) (Écrits, a.a.O., S. 40). In der hier übersetzten Sitzung von Seminar 18 verwendet Lacan die abgewandelte Fassung des Zitats, also „destin“ statt „dessein“. Miller ändert in seiner Edition von Seminar 18 „destin“ zu „dessein“, ebenso im Poe-Aufsatz in seiner Neuausgabe der Écrits von 1999. Gasché hatte in seiner Übersetzung des Poe-Aufsatzes die Stelle ebenfalls korrigiert, also „dessein“ geschrieben (J. Lacan: Schriften I. Hg. v. Norbert Haas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973, S. 40). Gondek verwendet in seiner Neuübersetzung an dieser Stelle korrigierend „dessein“ (S. 48), und er weist zähneknirschend darauf hin, dass er gezwungen ist, sich an Millers Neuausgabe der Écrits zu halten (vgl. Gondeks protestierende Anmerkung in: J. Lacan: Schriften I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2016, S. 677).
    Atreus und Thyestes sind Gestalten der griechisches Mythologie: zwei Brüder, die, um Macht zu gewinnen, jedes Verbrechen begehen, auch Mord.
  33. Der Brief enthält eine Botschaft jenseits aller Möglichkeiten, die Botschaft bezieht sich auf das Unmögliche, also auf das Reale.
  34. Vgl. diese Bemerkung von Lacan: „Warum gibt man denn nicht zu, dass es, wenn es keine Virilität gibt, die nicht durch die Kastration abgesegnet ist, ein kastrierter Liebhaber oder ein toter Mann (ja beide in einem ist), der sich für die Frau hinter dem Schleier verbirgt, um dort ihre Anbetung zu erheischen – eben von demselben Ort jenseits des mütterlichen Ebenbildes aus,  von dem ihr die Drohung einer Kastration gekommen ist, die sie nicht real betrifft.“ (J. Lacan: Richtungweisende Themenvorschläge für einen Kongress über die weibliche Sexualität. In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 239–253, hier: 249. Dieser Text wurde 1958 geschrieben und 1962 veröffentlicht.
  35. Lacan, auf der Tonaufnahme gut hörbar, „L’Œdipe“; Miller ändert in seiner Ausgabe des Seminars „L’Œdipe“ zu „Totem et Tabou“, da Lacan hier wie auch sonst öfter „Totem und Tabu“ meint, wenn er „L’Œdipe“ sagt.
  36. Unter dem Ödipusmythos versteht Lacan hier Freuds Mythos vom Urvater in Totem und Tabu, wie bereits in der zweiten Sitzung dieses Seminars (20. Januar 1971). Vgl. S. Freud: Totem und Tabu (19121913). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 287444, den Mythos vom Urvater findet man hier v.a. S. 425427.
  37. Vgl. Claude Lévi-Strauss: Die Struktur der Mythen. In: Ders.: Strukturale Anthropologie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1969, S. 226–254.
  38. Miller ändert wieder zu „Totem et Tabou“.
  39. Freuds Formulierung lautet „alle Weibchen“: „Die Darwinsche Urhorde hat natürlich keinen Raum für die Anfänge des Totemismus. Ein gewalttätiger, eifersüchtiger Vater, der alle Weibchen für sich behält und die heranwachsenden Söhne vertreibt, nichts weiter.“ (Totem und Tabu, a.a.O., S. 425)
    In den Seminaren 14 und 17 hatte Lacan gesagt, der Urvater symbolisiere das Genießen, insofern es unmöglich ist (vgl. Seminar 14, La logique du phantasme, Sitzung vom 26. April 1967; Seminar 17, L’envers de la psychanalyse, Sitzung vom 18. März 1970, Version Miller, S. 143). Hierauf hatte Lacan sich bereits in der zweiten Sitzung dieses Seminars (20. Januar 1971) sowie in der vierten Sitzung (17. Februar 1971) bezogen.
    Lacan deutet die Formulierung klassisch psychoanalytisch: die All-Macht („alle Weibchen“) ist die Umkehrung der Ohnmacht / des Unvermögens (impuissance),wie etwa im Identifizierungsseminar, wo es über den allmächtigen (also imaginären) Vater heißt: „das Subjekt der imaginären Allmacht“ ist „das umgekehrte Bild der Ohnmacht“ (Sitzung vom 28. Februar 1962), und er geht dann einen Schritt weiter: das Unvermögen ist wiederum die andere Seite der Unmöglichkeit (dies ist der Grundgedanke der Darstellung der Diskursformeln in Radiophonie, a.a.O., S. 49).
  40. Luitzen E.J. Brouwer (1881–1966), Begründer des Intuitionismus.
  41. Der Grundgedanke des Intuitionismus besteht darin, dass Gebilde wie etwa „die natürlichen Zahlen“ nicht als gegebene Ganzheiten zu verstehen sind, als Mengen, sondern dass sie operativ aufzufassen sind, als zu konstruierende Gebilde.
  42. Anspielung auf S. Freud: Der Mann Moses und die monotheistische Religion. Drei Abhandlungen (1939).
  43. Auch diese Bemerkung erinnert an das Schematismuskapitel in Kants Kritik der reinen Vernunft. Zu den Schemata der reinen Verstandesbegriffe, so heißt es hier, gehört die Zeitreihe (B 184 f.).
  44. Der Begriff der arithmetischen Reihe baut auf dem der arithmetischen Folge auf. Eine arithmetische Folge ist eine Liste von Zahlen, die sich immer um den gleichen Wert voneinander unterscheiden. Beginnt man beispielsweise mit 2 und fügt man beispielsweise immer 3 hinzu, erhält man die arithmetische Folge 2, 5, 8, 11 usw. Addiert man die Glieder einer arithmetischen Folge, erhält man eine arithmetische Reihe; im Beispiel ist dies 2, 7, 15, 26 usw.
    Lacan bezieht sich auf die arithmetische Folge der natürlichen Zahlen: 1, 2, 3, 4 usw., sie beginnt mit 1, der konstant hinzugefügte Wert ist 1. Addiert man die Glieder dieser Folge, erhält man die arithmetische Reihe 1, 3, 6, 10 usw.
    Mit „diejenigen, die sich wiederholen, sind dieselben“ könnte gemeint sein, dass in einer arithmetischen Folge die Differenzen zwischen den Gliedern gleich sind.
  45. Eine Tetrade ist ein Verbindung von vier Bestandteilen.
  46. Miller ergänzt: „on s’aperçoit de ce qui fait difficulté“.
  47. Für Wilhelm Reich war die „orgastische Potenz“ das letzte Ziel der psychoanalytischen Therapie und Prophylaxe (vgl. W. Reich: Die Funktion des Orgasmus. Zur Psychopathologie und zur Soziologie des Geschlechtslebens. Internationaler psychoanalytischer Verlag, Wien 1927).
  48. Diese Bemerkung deutet an, dass die Pflanze genießt, ein Thema, dass Lacan später in dem Vortrag Die Dritte (1974) beschäftigen wird.
  49. „Letter“ soll hier, wie in Gaschés Übersetzung von Lacans Poe-Aufsatz, die Mehrdeutigkeit des französischen Worts lettre nachbilden, was zugleich „Brief“ und „Buchstabe“ meint. Vgl. J. Lacan: Das Seminar über E.A. Poes „Der entwendete Brief“. Übersetzt von Rodolphe Gasché. In: J. Lacan: Schriften I. Hg. v. Norbert Haas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 7–60, hier: S. 22 und öfter.
  50. Lacan schreibt hierbei U.A. und U.N. an die Tafel.
    Bejahende Universale, d.h. universale bejahende Aussage: eine Aussage vom Typ „Alle S sind P“, z.B. „Alle Menschen sind sterblich“.
    Verneinende Universale, d.h. universale verneinende Aussage: eine Aussage vom Typ „Alle S sind nicht P“ bzw. „Kein S ist P“, z.B. „Alle Menschen sind nicht sterblich“ bzw. „Kein Mensch ist sterblich“.
    „S“ steht hier für das logische Subjekt, „P“ für das logische Prädikat.
  51. Dazu schreibt Lacan „P.A.“ und „P.N.“ an die Tafel.
    Bejahende Partikuläre = partikuläre bejahende Aussage: eine Aussage vom Typ „Einige S sind P“ oder „Es gibt S, die P sind“, z.B. „Einige Menschen sind sterblich“ oder „Es gibt Menschen, die sterblich sind“.
    Verneinende Partikuläre = partikuläre verneinende Aussage: eine Aussage vom Typ „Einige S sind nicht P“ oder „Es gibt S, die nicht P sind“, z.B. „Es gibt Menschen, die nicht sterblich sind“ oder „Einige Menschen sind nicht sterblich“.
    Aus Gründen der besseren Verständlichkeit übersetze ich im Folgenden „l’universelle“ statt mit „die Universale“ mit „die allgemeine Aussage“, „la particulière“ statt mit „die Partikuläre“ mit „die partikuläre Aussage“.
  52. Aus den anschließenden Bemerkungen geht hervor, dass hier die Pole der universalen Bejahung (U.A.) und der partikulären Verneinung (P.N.) gemeint sind. Zwischen diesen beiden Aussagearten gibt es, wie die klassische formale Logik sagt, einen kontradiktorischen Gegensatz, d.h. eine der beiden Aussagen muss wahr sein und die andere muss falsch sein. Einen kontradiktorischen Gegensatz gibt es außerdem zwischen der universalen Verneinung und der partikulären Bejahung; für die aristotelische Logik ist dieser Gegensatz jedoch, Lacan zufolge, weniger relevant.
    Mit dieser Betrachtungsweise sind wir im Bereich der sogenannten Aussagenlogik, d.h. derjenigen Logik, in der die Beziehungen zwischen Aussagen untersucht werden, wobei die Aussagen als Einheiten betrachtet werden, die entweder wahr oder falsch sind.
  53. Das bezieht sich auf das Quadrantenschema von Peirce, das Lacan in Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung, vorgestellt hatte und auf dass er sich im laufenden Seminar 18 bereits in der Sitzung vom 17. Februar 1971 bezogen hatte.
    Die universale bejahende Aussage wird hier durch die beiden oberen Quadranten repräsentiert. Die Aussage „alle Striche sind senkrecht“ ist auch für den oberen rechten Quadranten wahr.
  54. Man kann vermuten, dass – wie Lacan annimmt – der kontradiktorische Gegensatz zwischen der universalen Verneinung und der partikulären Bejahung für die aristotelische Logik deshalb weniger grundlegend ist, weil der Gegensatz sich hier nicht auf das Wesen bezieht.
  55. Gemeint ist die Beziehung zwischen der universalen bejahenden Aussage (U.A. oben links) und der partikulären verneinenden Aussage (P.N. unten rechts).
  56. Unter einer „irgendwie identifizierbaren logischen Aussage“ versteht Lacan hier offenbar die universale Bejahung.
  57. Der Begriff des Wesens wird hier von Lacan mit den Mitteln der Logik rekontruiert. Dass etwas eine Wesenstatsache ist, meint, dass eine Aussage „für alle“ gilt.
  58. Wenn beispielsweise gilt, „Einige Menschen sind sterblich“, weiß man nicht, ob das Sterblichsein notwendig ist oder nicht.
  59. Das eingeschobene „Es gibt welche, die nicht … “ ist die partikuläre verneinende Aussage.
  60. Die Quantorenlogik (oder Prädikatenlogik) wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Gottlob Frege und Charles Sanders Peirce entwickelt, unabhängig voneinander. Peirce, der den Terminus eingeführt hat, spricht von „quantifiers“.
  61. Das Symbol ∀ wurde 1934 von Gerhard Gentzen eingeführt.
  62. Anders gesagt: ∀ ist ein Buchstabe.
  63. Das Symbol ∀ heißt „Allquantor“. Das Symbol ∃ trägt den Namen „Existenzquantor“. x ist eine Individuenvariable, das Symbol x steht für ein beliebiges Element einer Menge. F ist das Prädikat; statt F kann auch ein anderer Buchstabe verwendet werden.
    ∀ meint: „Alle Elemente einer Menge“ oder „Jedes Element einer Menge“. ∀x wird so gelesen: „Für alle x gilt“.
    Das Symbol ∃ meint „Es existiert“. Der Ausdruck ∃x wird als „es existiert mindestens ein“ gelesen.
    F(x) meint: „die Eigenschaft F trifft auf das Element zu“, „die Eigenschaft F gilt für das Element“.
    Der Ausdruck ∀x.F(x) kann demnach so gelesen werden: „Für alle x gilt, dass die Eigenschaft F auf x zutrifft.“
    Und ∃x.F(x) lässt sich so lesen: „Es existiert mindestens ein Element, für das gilt, dass die Eigenschaft F auf es zutrifft.“
    Will man die Aussage „Alle Menschen sind sterblich“ in einen Ausdruck der Quantorenlogik umformen, wird, grob gesagt,  der Ausdruck „Alle“ in das Symbol ∀ verwandelt, der Ausdruck „Menschen“ in das Symbol x und der Ausdruck „sterblich“ in das Symbol F (oder einen anderen Buchstaben). Etwas genauer: Man muss 
    „Alle Menschen sind sterblich“ zunächst in die folgende Aussage übersetzen „Für alle Menschen gilt: Mensch ist sterblich“. An die Stelle des „Für alle … gilt“ tritt dann das Symbol ∀x. Aus „Menschen“ wird das Symbol x, d.h. die Menschen werden auf die formale Eigenschaft reduziert, dass es sich bei ihnen um eine Menge handelt, die aus Elementen besteht, und es wird ein beliebiges Element aus dieser Menge herausgepickt. Aus „sind sterblich“ wird das Prädikat F(x).
    Bezieht man sich auf die Aussage „Einige Menschen sind sterblich“ entspricht das Symbol ∃x dem Ausdruck „Einige sind“.
  64. Lacan bereitet hier die isolierte Negation der Quantoren vor, die für die Formeln der Sexuierung, die er in dieser Sitzung zu entwickeln beginnt, charakteristisch sein wird. Ob Lacans Notationsweise mehr als eine bloße Schreibkonvention ist – ob sie mit neuen Operationen einhergeht –, lässt sich zu diesem Zeitpunkt der Theorieentwicklung noch nicht absehen.
    Dadurch, dass sowohl der gesamte Ausdruck als auch das Prädikat negiert werden kann, erhält man für die Allaussage wie für die Existenzaussage jeweils vier Formen, was bei herkömmlicher Notation so aussieht:
    – ohne Negation: \forall \text {x.F(x)}, {\exists \text {x.}} {\text {F(x)}}
    – mit Negation des Prädikats: \forall \text {x.} \overline {\text {F(x)}}, {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    – mit Negation des Gesamtausdrucks: \overline {\forall \text {x.F(x)}}, \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    – mit Negation sowohl des Gesamtausdrucks als auch des Prädikats: \overline {\forall \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}, \overline {\exists \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}
    insgesamt also acht Aussageformen.
    Von diesen acht Formen gelten in der Prädikatenlogik jeweils zwei als logisch äquivalent, jeder Allaussage entspricht genau eine Existenzaussaaage und umgekehrt.
    \forall \text {x.F(x)}  äquivalent zu  \overline {\exists \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}
    \forall \text {x.} \overline {\text {F(x)}} äquivalent zu \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    \overline {\forall \text {x.F(x)}} äquivalent zu {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    \overline {\forall \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}} äquivalent zu {\exists \text {x.}} {\text {F(x)}}
    Hierdurch bleiben vier logisch unterschiedliche Formen übrig.
    In der üblichen Notation bezieht der Negationsstrich sich nicht nur auf den Quantor, sondern, wenn der Quantor negiert wird, zugleich auf den gesamten Ausdruck; inhaltlich aber wird die Negation primär auf den Quantor bezogen – wenn beispielsweise eine Allaussage insgesamt negiert wird, meint dies, dass das Prädikat nicht universal ist.
    Die Negation kann man statt durch einen Querstrich über den Buchstaben auch durch einen Negationshaken ¬ notieren, der vor die Buchstaben gesetzt wird. Der Ausdruck mit Negation des Gesamtausdrucks und Negation des Prädikats sieht dann für den Allquantor so aus: ¬(∀x.¬F(x))
  65. Die Anweisung, den Negationsstrich über ∃x zu setzen, ist, logisch gesehen, falsch. Der Ausdruck \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}} soll die Umformung der partikulär verneinenden Aussage in die Sprache der Quantorenlogik sein, das ist er aber nicht. Vielmehr entspricht \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}} (in  herkömmlicher Notation: \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}) der universal verneinenden Aussage, der Ausdruck sagt also dasselbe wie  \forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}. Umgangssprachlich formuliert: Ich behaupte dasselbe, wenn ich sage „Alle Götter sind nicht sterblich“ und wenn ich sage „Es gibt keinen Gott, der sterblich ist“.
    Die Umformung der partikulär verneinenden Aussage in die Quantorenlogik ergibt den folgenden Ausdruck: \exists \text {x}.\overline {\text {F(x)}}. Es müsste also heißen „Und hier, bei ∃x.F(x), müssen Sie den Strich über das F(x) setzen.“
    Bringt Lacan hier etwas durcheinander? Verspricht er sich? Sagt er, dass der Strich über  das F(x) gesetzt werden muss und liegt der Fehler bei der Transkription?
    Die Anweisung, den Strich über das ∃x zu setzen, findet sich in allen sechs  Transkriptionen dieses Seminars, die ich eingesehen habe. Die Tonaufnahme auf der Website von Patrick Valas ermöglicht keine Klärung, sie bricht vorher ab.
    Im Hintergrund steht hier möglicherweise die Tatsache, dass Freud die Verneinung mit der Negation der Existenz zusammenbringt. Die Verneinung hat Freud zufolge u.a. die Aufgabe, einer Vorstellung die Existenz in der Realität zu bestreiten, das Scheitern des Versuchs zu bekunden, ein dem Vorgestellten entsprechendes Objekt wiederzufinden, zu konstatieren, dass es nicht mehr vorhanden ist (vgl. S. Freud: Die Verneinung (1925). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 371–377).
  66. In die Anschreibung der Aussage-Arten der aristotelischen Logik hatte Lacan eine Diagonale eingetragen, zwischen der universalen bejahenden Aussage und der partikulären verneinenden Aussage. Bei der Anschreibung der vier Aussage-Arten in der Quantorenlogik trägt er zwischen die linke und die rechte Seite einen senkrechten Strich ein (falls man den Diagrammen in den Transkriptionen trauen darf).
  67. Die Quantorenlogik ist demnach eine Logik, die sich auf das Geschriebene bezieht.
  68. Die universale bejahende Aussage bezieht sich für Lacan unter dem Aspekt auf das Schreiben, dass (bei gegebenem x) das Prädikat geschrieben werden kann, hier also F.
  69. Die partikuläre bejahende Aussage bezieht sich auf andere Weise auf das Geschriebene, sie antwortet gewissermaßen auf die Frage „Gibt es Schreibbares?“ (und nicht  auf die Frage „Kann ein bestimmtes Prädikat geschrieben werden?“).
  70. Dieser Satz bezieht sich auf das Verhältnis zwischen der aristotelischen Fassung der universalen bejahenden Aussage und ihrer Umwandlung in einen Ausdruck der Quantorenlogik.
  71. Auch in der Quantorenlogik hat die universale bejahende Aussage noch einen Wert, das meint offenbar: Das Prädikat wird bejaht. „Sie hat keinen WertW würde dann bedeuten: das Prädikat wird verneint.
  72. Das, was geschrieben oder nicht geschrieben werden kann, ist im Falle der universalen Aussage das Prädikat, also F.
  73. Version Staferla hat hier einen Doppelpunkt statt des x; ich habe das korrigiert nach den Versionen ALI und Miller.
  74. Das, was im Falle der partikulären Aussage geschrieben oder nicht geschrieben werden kann, ist das x (und nicht das Prädikat). Diese Formulierung spricht dafür, dass Lacan bei der partikulären verneinenden Aussage tatsächlich den Existenzquantor negiert.
  75. In der aristotelischen Logik liegt der wesentliche Schnitt zwischen der universalen bejahenden Aussage und der partikulären verneinenden Aussage, in der Quantorenlogik liegt er zwischen der universalen bejahenden Aussage und der universalen verneinenden Aussage.
  76. Der logische Zugang zum sexuellen Verhältnis stützt sich also auf die universale verneinende Aussage, aristotelisch: auf „Alle S sind nicht P“ (oder „Kein S ist P“), quantorenlogisch: auf \forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}, also darauf, dass ein bestimmtes Prädikat nicht geschrieben werden kann. Dabei wird dieses Prädikat als „Funktion“ gedeutet: Für alle x gilt, dass die Funktion F nicht geschrieben werden kann.

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