Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 6. Sitzung (17. März 1971), Übersetzung

Phil­ipp Otto Run­ge, Wir Drei
1805, Öl auf Lein­wand, 100 x 122 cm,  1931 ver­brannt

Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
6. Sit­zung, 17. März 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge von Ver­si­on Sta­fer­la, Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel VI, „D’une fonc­tion à ne pas écri­re“ („Über eine Funk­ti­on, die nicht zu schrei­ben ist“), S. 95–11.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe beim Über­set­zen und in Sa­chen Lo­gik und an Vin­cent Pla­ti­ni für die Auf­schlüs­se­lung ei­ni­ger rät­sel­haf­ter fran­zö­si­scher Wen­dun­gen.

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Va­las, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­mi­nai­re, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­t­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 17. März 1971

Tonaufnahme

.

Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 6. Sit­zung (17. März 1971)

Es feh­len etwa die letz­ten zehn Mi­nu­ten, die Auf­nah­me geht bis „Et après“ im Satz „Et après, com­ment savoir si c’est né­ces­sai­re ou pas?“ (in Mil­lers Ver­si­on ist das S. 109, zwei­te Zei­le von un­ten).

.

Deutsch

[95] Ver­steht man mich da­hin­ten in der letz­ten Rei­he? Ver­steht man mich da, in der vier­ten Rei­he da? Wun­der­bar! Zu­min­dest at­met man, das ist ja schon et­was. Das kann wir­kungs­vol­le­re Be­zie­hun­gen er­lau­ben. Bei­spiel­wei­se könn­te ich ge­ge­be­nen­falls je­man­den bit­ten, raus­zu­ge­hen. [Ge­läch­ter] Äu­ßers­ten­falls könn­te ich eine Ner­ven­zu­sam­men­bruch krie­gen und sel­ber ge­hen. [Ge­läch­ter] Nun ja, im an­de­ren Hör­saal äh­nel­te das ein biss­chen zu sehr der über­wie­gen­den Zahl der Fäl­le, bei de­nen man des­halb glaubt, es gäbe ein se­xu­el­les Ver­hält­nis, weil man in ein Schäch­tel­chen ein­ge­zwängt ist. [Ge­läch­ter]

Das wird es mir ge­stat­ten, Sie zu bit­ten, den Fin­ger zu he­ben. Wer sind die­je­ni­gen [Ge­läch­ter], die auf mei­ne aus­drück­li­che Emp­feh­lung hin die An­stren­gung un­ter­nom­men ha­ben, die Sei­ten 31 bis 40 von dem wie­der­zu­le­sen, was man als mei­ne Écrits be­zeich­net? [Ge­läch­ter] He­ben Sie doch mal den Fin­ger, hier kann man den Fin­ger he­ben. Vie­le sind das ja nicht ge­ra­de. [Ge­läch­ter]

Ich weiß nicht, ob ich jetzt nicht den Ner­ven­zu­sam­men­bruch krie­ge [Ge­läch­ter] und ganz ein­fach gehe, denn schließ­lich braucht man mi­ni­ma­le Res­sour­cen, um je­man­den zu fra­gen, wel­che Be­zie­hung er mög­li­cher­wei­se in die­sen Sei­ten hat spü­ren kön­nen, in die­sen ge­le­se­nen Sei­ten, zu dem, wo­von ich ge­sagt habe, dass ich hier dar­über ge­spro­chen habe, näm­lich über den Phal­lus. Wer ist in der Stim­mung – schau­en Sie, ich bin nett, ich rufe nie­man­den auf –, wer ist in der Stim­mung, et­was dar­über zu sa­gen, näm­lich dies, war­um nicht, dass es fast kein Mit­tel gibt, das zu be­mer­ken?

Hat je­mand viel­leicht die Freund­lich­keit, mir ein klei­nes Stück der Über­le­gun­gen mit­zu­tei­len, zu de­nen ihn, ich sage nicht: die­se Sei­ten in­spi­rie­ren konn­ten, son­dern das, was ich das letz­te Mal über das ge­sagt habe, wor­um es dar­in mei­ner Mei­nung nach geht?

Ma­rie, hö­ren Sie, ha­ben Sie die­se Sei­ten wie­der­ge­le­sen? Sie ha­ben sie nicht wie­der­ge­le­sen?

Teil­neh­me­rin: Nein!

La­can: Ach hau­en Sie doch ab! [Ge­läch­ter]

[96] Also das ist ja wirk­lich är­ger­lich. Ich wer­de Ih­nen die Lek­tü­re je­doch nicht ab­neh­men, das ist wirk­lich zu viel ver­langt. Aber nun ja, ich neh­me es, wie es kommt. Es wun­dert mich trotz­dem ein klei­nes biss­chen, es wun­dert mich ein klei­nes biss­chen, dass ich kei­ne Ant­wort er­hal­ten kann, au­ßer wenn ich mit Sti­che­lei­en an­fan­ge. Ja. Das ist doch sehr är­ger­lich.

Auf die­sen Sei­ten spre­che ich ex­akt nur von der Funk­ti­on des Phal­lus, in­so­fern sie in ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs ar­ti­ku­liert wird. Und den­noch war das nicht in der Zeit, in der ich auch nur da­mit an­ge­fan­gen hat­te, die­se gan­ze Viel­falt [von Dis­kur­sen] zu kon­stru­ie­ren, die­se te­tra­edi­sche Kom­bi­na­to­rik mit den vier Spit­zen, die ich Ih­nen letz­tes Jahr vor­ge­stellt habe. Und ich kon­sta­tie­re den­noch, dass man von die­ser Ebe­ne her nicht sa­gen kann, von die­ser Ebe­ne, sage ich, mei­ner Kon­struk­ti­on, und auch von die­ser Zeit her, wenn Sie wol­len –; nun ja, ich habe mei­nen Schlag ge­lenkt, wenn ich so sa­gen kann. Ich habe mei­nen Schlag ge­lenkt – das heißt schon viel, zie­len kön­nen, das ist es be­reits [Ge­läch­ter] –, der­art, dass er mir jetzt nicht da­ne­ben­zu­tref­fen scheint, ich mei­ne in ei­nem fort­ge­schrit­te­ne­ren Sta­di­um die­ser Kon­struk­ti­on.

Na­tür­lich, als ich das letz­te Mal ge­sagt habe – so las­se ich mich ge­hen, vor al­lem, wenn man ein biss­chen den An­schein er­we­cken muss, zu at­men –, ich habe das letz­te Mal ge­sagt, dass ich mich be­wun­de­re; ich hof­fe, dass Sie das nicht buch­stäb­lich ge­nom­men ha­ben. Was ich be­wun­der­te war viel­mehr, dass die Tras­se / die Zeich­nung (la tra­cé), die ich zu ei­nem Zeit­punkt ge­macht hat­te, als ich erst an­fing, als Be­zugs­punkt eine be­stimm­te Fur­che aus­zu­he­ben, jetzt nicht ein­fach zu ver­wer­fen ist und mich nicht mit Scham er­füllt. Da­mit habe ich das letz­te Jahr be­en­det, und das ist ziem­lich be­mer­kens­wert, ja man kann da­von viel­leicht so­gar ein klei­nes Et­was mit­neh­men, so ei­nen An­satz von Er­mu­ti­gung, wei­ter­zu­ma­chen.

Es ist ganz er­staun­lich, dass all das hier vom Si­gni­fi­kan­ten fisch­bar ist, wenn ich so sa­gen kann, denn das ist eben das, wor­um es geht. Von die­sem Se­mi­nar über den „Ge­stoh­le­nen Brief“ aus bin ich zum Fi­schen ge­kom­men, wo­von ich den­ke, dass schließ­lich seit ei­ni­ger Zeit die Tat­sa­che, dass ich es, nicht wahr, an den An­fang ge­stellt habe, un­ter Au­ßer­acht­las­sung je­der Chro­no­lo­gie, viel­leicht ge­zeigt hat, dass es nö­tig war, dass ich die Idee hat­te, dass dies ins­ge­samt die bes­te Art wäre, in mei­ne Schrif­ten ein­zu­füh­ren.

Also die Be­mer­kung, die ich [dar­in] über den be­rühm­ten Mann ma­che, who da­res all things, tho­se un­be­co­m­ing as well as tho­se be­co­m­ing a man, es ist ja ge­wiss, wenn ich auf eben die­sem Mo­ment be­har­re, um zu sa­gen, wenn man es nicht wört­lich über­setzt – „das, was ei­nes Man­nes un­wür­dig wie auch das, was sei­ner wür­dig ist“ –, dann zeigt das, dass als Block | [97] ge­nom­men die un­aus­sprech­li­che, be­schä­men­de Sei­te, die nicht ge­sagt wird, be­zo­gen auf das, was ei­nen Mann be­trifft, schließ­lich durch­aus da ist – um es klar zu sa­gen: der Phal­lus; und dass klar ist, dass, wenn man das zu­rück­führt, in­dem man es in zwei Stü­cke teilt, „das, was ei­nes Man­nes wür­dig ist, wie auch das, was sei­ner un­wür­dig ist“ –;  es ist klar, dass das, wor­auf ich hier be­har­re, dass es nicht das­sel­be ist zu sa­gen, the robber’s know­ledge of the loser’s know­ledge of the rob­ber, „das Wis­sen des Diebs über das Wis­sen des Be­stoh­le­nen über den Dieb“, dass die­ses Ele­ment: zu wis­sen, dass er weiß, das heißt ein Wis­sen, das durch eine be­stimm­te Phan­ta­sie auf­ge­nö­tigt wird, näm­lich dass dies eben der Mann wäre, der al­les wagt – das ist hier, wie Du­pin so­fort sagt, der Schlüs­sel zur Si­tua­ti­on.

Ich sage das und ich wer­de nicht dar­auf zu­rück­kom­men, denn, of­fen ge­sagt, das, wor­auf ich Sie hin­ge­wie­sen habe, hät­te je­man­dem, der sich die Mühe ge­macht hät­te, un­mit­tel­bar er­lau­ben kön­nen, über ei­nen sol­chen Text den größ­ten Teil der Ar­ti­ku­la­tio­nen vor­zu­brin­gen, die ich heu­te in ei­ner zwei­ten Pha­se viel­leicht zu ent­wi­ckeln, zu ent­rol­len, zu kon­stru­ie­ren hät­te, wie Sie, wenn Sie wol­len, nach dem An­hö­ren des­sen se­hen wer­den, was zu sa­gen mir dann mehr oder we­ni­ger ge­lun­gen sein wird, und was sich dort ins­ge­samt durch­aus be­reits ge­schrie­ben fand, und nicht nur dort ge­schrie­ben fand, mit al­len not­wen­di­gen Ar­ti­ku­la­tio­nen, den­sel­ben, durch die ich glau­be, Sie hin­durch­füh­ren zu müs­sen. Also ist al­les, was da ist, nicht nur aus­ge­siebt, son­dern ver­bun­den, gut ge­macht aus die­sen Si­gni­fi­kan­ten, die für eine stär­ker aus­ge­ar­bei­te­te Be­deu­tung zur Ver­fü­gung ste­hen. Kurz, die ei­ner Leh­re, für die es, wie ich sa­gen kann, kei­nen Prä­ze­denz­fall gibt, au­ßer Freud selbst, und ge­nau in­so­fern, als er den Prä­ze­denz­fall auf eine Wei­se de­fi­niert, dass man dar­in die Struk­tur in ih­ren Un­mög­lich­kei­ten le­sen muss.

Kann man sa­gen, dass streng­ge­nom­men Freud bei­spiels­wei­se die Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses nicht als sol­che for­mu­liert? Ich tue es ein­fach des­halb, weil es ganz ein­fach zu sa­gen ist. Das ist lang und breit ge­schrie­ben, das ist in dem ge­schrie­ben, was Freud schreibt; man muss es nur le­sen. Nur wer­den Sie gleich se­hen, war­um Sie es nicht le­sen. Ich ver­su­che es zu sa­gen, zu sa­gen, war­um ich es lese.

Der Brief also, ein Brief, der pur­loi­ned ist, der nicht etwa „ge­stoh­len“ ist, son­dern, wie ich es er­läu­te­re, da­mit fan­ge ich an, der ei­nen Um­weg ma­chen wird oder, wie ich es über­set­ze, La lett­re en souf­fran­ce, „Der un­zu­stell­ba­re Brief“, so fängt das an, und er en­det da­mit, die­ser klei­ne Schrieb, dass er den­noch sei­nen Be­stim­mungs­ort (de­sti­na­ti­on) er­reicht. Und wenn Sie es le­sen, ich hof­fe, dass es ein klein biss­chen mehr sein wer­den, die es von hier bis zu un­se­rem nächs­ten Tref­fen le­sen wer­den, was erst in ei­ner Ewig­keit sein wird. Weil das al­les gut kal­ku­liert ist, zwei­ter und drit­ter Mitt­woch; ich habe sie aus­ge­sucht, weil das im Mo­nat April in die Os­ter­fe­ri­en fällt, des­halb wer­den Sie mich erst im Mai wie­der­se­hen. Das wird Ih­nen die Zeit ge­ben, die vier­zig Sei­ten des Ge­stoh­le­nen Briefs zu le­sen.

[98] Am Ende liegt mir dar­an, das her­vor­zu­he­ben, was da­von das We­sent­li­che ist und wes­halb die Über­set­zung mit Der ge­stoh­le­ne Brief nicht gut ist. The pur­loi­ned let­ter, das be­deu­tet ja doch, das be­deu­tet, dass er den­noch an sei­nen Be­stim­mungs­ort ge­langt. Und den Be­stim­mungs­ort gebe ich an, ich gebe ihn als den grund­le­gen­den Be­stim­mungs­ort ei­nes je­den Brie­fes an. Er kommt, sa­gen wir, nicht etwa bei die­sem an und auch nicht bei die­ser, son­dern bei dem, der hier nichts ver­ste­hen kann – in die­sem Fal­le bei der Po­li­zei, die wohl­ge­merkt völ­lig un­fä­hig ist, hier ir­gend­et­was zu ver­ste­hen, wie ich auf vie­len Sei­ten her­aus­stel­le und er­läu­te­re, und ge­nau des­halb war sie auch nicht in der Lage, ihn zu fin­den –, bei dem, der bei die­sem Sub­strat, die­sem Brief­ma­te­ri­al nichts ver­ste­hen kann.

All das wird sehr schön ge­sagt; die­se Er­fin­dung, die­se Er­dich­tung von Poe – groß­ar­tig. Der Brief ist wohl­ge­merkt au­ßer­halb der Reich­wei­te der Ex­pli­ka­ti­on des Rau­mes, denn das ist das, wor­um es geht. Das ist das, was der Prä­fekt sa­gen wird, dann das, was die Po­li­zei zu­nächst sa­gen wird, näm­lich dass all das, was beim Mi­nis­ter ist – an­ge­sichts des­sen, dass man sich si­cher ist, dass der Brief dort ist, dass er da ist, da­mit er ihn im­mer in Reich­wei­te hat, man sagt, war­um –, dass der Raum buch­stäb­lich von ei­nem Kon­troll­netz über­zo­gen wor­den ist. Das ist amü­sant, nicht wahr, wenn ich mich hier so ge­hen las­se, ich weiß nicht, je­des Mal, wenn ich dann doch von Zeit zu Zeit ein we­nig mei­nen Nei­gun­gen nach­ge­be, war­um nicht, <ge­lan­ge ich> zu sol­chen Über­le­gun­gen über den Raum – die­ser be­rühm­te Raum, der seit ge­rau­mer Zeit, seit Des­car­tes, für un­se­re Lo­gik die sper­rigs­te Sa­che von der Welt ist. Das ist aber im­mer­hin so eine Ge­le­gen­heit, dar­über zu spre­chen, wenn es schon nö­tig ist, es als eine Art Rand­be­mer­kung hin­zu­zu­fü­gen; das ist das, was ich als die Di­men­si­on des Ima­gi­nä­ren iso­lie­re.

Es gibt wirk­lich Leu­te, die sich den Kopf zer­bre­chen, nicht un­be­dingt we­gen die­ser Schrift, we­gen an­de­rer Schrif­ten, oder die bis­wei­len so­gar No­ti­zen auf­be­wahrt ha­ben, von dem, was ich frü­her mal habe sa­gen kön­nen, bei­spiels­wei­se über die Iden­ti­fi­zie­rung, das war in den Jah­ren 61/62. Ich muss sa­gen, dass all mei­ne Zu­hö­rer an et­was an­de­res ge­dacht ha­ben, au­ßer – ich weiß nicht – ein oder zwei, die ganz von au­ßen ka­men, die nicht wuss­ten, was da ge­nau ab­lief. Ich habe da vom ein­zi­gen Zug ge­spro­chen. Und jetzt zer­bricht man sich also den Kopf dar­über, was durch­aus le­gi­tim ist, wo man die­sen ein­zi­gen Zug ein­ord­nen soll: auf der Sei­te des Sym­bo­li­schen oder des Ima­gi­nä­ren oder, war­um nicht, des Rea­len?

Wie auch im­mer, so et­was, das wird so mar­kiert: ein senk­rech­ter Strich, ein ein­zi­ger Zug* – denn na­tür­lich habe ich das bei Freud auf­ge­fischt –, der ei­ni­ge Fra­gen auf­wirft, wie ich Ih­nen be­reits das letz­te Mal ein we­nig na­he­ge­bracht habe, mit der Be­mer­kung, dass es völ­lig un­mög­lich ist, | [99] ir­gend­et­was Halt­ba­res über die­se Zwei­tei­lung [in Lo­gik und Ma­the­ma­tik] zu schrei­ben, die für die Ma­the­ma­ti­ker so schwie­rig, so pro­ble­ma­tisch ist, näm­lich, kann al­les auf rei­ne Lo­gik re­du­ziert wer­den, das heißt auf ei­nen Dis­kurs, der sich auf eine wohl­de­fi­nier­te Struk­tur stützt? Gibt es nicht ein ab­so­lut we­sent­li­ches Ele­ment, das üb­rig­bleibt, was auch im­mer wir an­stel­len mö­gen, um es in die­se Struk­tur ein­zu­zwän­gen, es zu re­du­zie­ren, das den­noch üb­rig­bleibt, ein letz­ter Kern, der als In­tui­ti­on / als An­schau­ung be­zeich­net wird?

Ge­wiss, das ist die Fra­ge, von der Des­car­tes aus­ge­gan­gen ist; ich mei­ne, dass er dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat, näm­lich dass die ma­the­ma­ti­sche Be­grün­dung ihm zu­fol­ge nichts Wirk­sa­mes, Schöp­fe­ri­sches oder was auch im­mer aus der Ord­nung der Be­grün­dung be­zieht, son­dern ein­zig ihr Aus­gangs­punkt, näm­lich eine ur­sprüng­li­che An­schau­ung, die­je­ni­ge, die er an­nimmt, die er ein­setzt mit sei­ner ur­sprüng­li­chen Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Aus­ge­dehn­ten und dem Den­ken. Ge­wiss, die­ser kar­te­si­sche Ge­gen­satz, der mehr von ei­nem Den­ker als von ei­nem Ma­the­ma­ti­ker ge­bil­det wor­den ist – von je­man­dem, der ge­wiss nicht un­fä­hig war, in der Ma­the­ma­tik et­was zu leis­ten, wie die Wir­kun­gen be­wie­sen ha­ben –, ist na­tür­lich von den Ma­the­ma­ti­kern selbst wei­ter an­ge­rei­chert wor­den. Das ist si­cher­lich das ers­te Mal, dass zur Ma­the­ma­tik et­was auf dem Wege der Phi­lo­so­phie ge­kom­men ist. Denn ich möch­te Sie bit­ten, dies zu be­ach­ten, was mir sehr si­cher zu sein scheint – man möge mir wi­der­spre­chen, wenn man kann, es wäre leicht, je­man­den zu fin­den, der in die­ser Fra­ge kom­pe­ten­ter ist als ich –, es ist doch ver­blüf­fend, dass die Ma­the­ma­ti­ker der An­ti­ke ih­ren Weg ver­folgt ha­ben, ohne auch nur im Ge­rings­ten all dem Be­ach­tung zu schen­ken, was sich in den Schu­len der Weis­heit er­eig­nen konn­te, in den Schu­len der Phi­lo­so­phie, in wel­chen auch im­mer. Heut­zu­ta­ge ist das nicht mehr so, jetzt, wo der kar­te­si­sche Im­puls, be­zo­gen auf die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem An­ge­schau­ten und dem Be­grün­de­ten, et­was ist, was die Ma­the­ma­tik selbst in star­kem Maße um­ge­trie­ben hat.

In die­ser Hin­sicht kann ich nicht an­ders als auf eine Ader zu sto­ßen, was an et­was liegt, was in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung zu dem steht, was ich hier ver­su­che, in dem Feld, um das es geht.

Mir scheint näm­lich, dass die Be­mer­kung, die Be­mer­kung, die ich vor­brin­gen kann, von dem Punkt aus, an dem ich bin, zu den Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Spre­chen und dem Ge­schrie­be­nen, be­zo­gen auf das, was die Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen, zu­min­dest an die­ser ers­ten Kan­te, an Be­son­de­rem hat, be­zo­gen auf je­den Dis­kurs, dass die­se Be­mer­kung viel­leicht so ist, dass sie dazu führt, dass die Ma­the­ma­ti­ker sich über das klar­wer­den, wor­auf ich bei­spiels­wei­se das letz­te Mal hin­ge­wie­sen habe, dass näm­lich selbst die An­schau­ung des eu­kli­di­schen Rau­mes et­was dem Ge­schrie­be­nen zu ver­dan­ken hat.

An­de­rer­seits, falls es so ist – da ich ver­su­chen will, das für Sie ein biss­chen wei­ter vor­an­zu­trei­ben –, falls das, was man in der Ma­the­ma­tik „lo­gi­sche Un­ter­su­chung“ nennt, „Re­duk­ti­on <der> ma­the­ma­ti­schen Ope­ra­ti­on auf die Lo­gik“, falls dies et­was ist, was kei­nes­falls geht, was kei­ne an­de­re | [100] Stüt­ze ha­ben kann – um das fest­zu­stel­len, ge­nügt es, die Ge­schich­te zu ver­fol­gen – als die Ma­ni­pu­la­ti­on klei­ner und gro­ßer Buch­sta­ben, ver­schie­de­ner Par­ti­en von Al­pha­be­ten, ich mei­ne grie­chi­sche oder deut­sche Buch­sta­ben, meh­re­rer Par­ti­en un­ter­schied­li­cher Al­pha­be­te, dann ist jede Ma­ni­pu­la­ti­on, mit der in der ma­the­ma­ti­schen Be­grün­dung die lo­gi­sche Re­duk­ti­on vor­an­schrei­tet, auf die­se Stüt­ze an­ge­wie­sen.

Wie ich Ih­nen zum wie­der­hol­ten Male sage, sehe ich kei­nen we­sent­li­chen Un­ter­schied zu dem, was lan­ge Zeit, wäh­rend ei­ner gan­zen Epo­che, im 17. und 18. Jahr­hun­dert, für das ma­the­ma­ti­sche Den­ken die Schwie­rig­keit ge­bil­det hat, näm­lich die Not­wen­dig­keit der Zeich­nung (tra­cé) für den eu­kli­di­schen Be­weis – dass zu­min­dest ei­nes die­ser Drei­ecke hier ge­zeich­net ist. Wor­über alle in Auf­re­gung ge­ra­ten: ist die­ses Drei­eck, das ge­zeich­net wor­den sein wird, das all­ge­mei­ne Drei­eck oder ein be­son­de­res Drei­eck? Es ist je­doch völ­lig klar, dass es im­mer be­son­ders ist, und dass das, was Sie für das Drei­eck im all­ge­mei­nen be­wei­sen – näm­lich im­mer die­sel­be Ge­schich­te, drei Win­kel, die zu­sam­men zwei rech­te aus­ma­chen –, nun, es ist klar, dass Sie nicht sa­gen dür­fen, dass die­ses Drei­eck nicht das Recht hat, eben­so gut ein gleich­schenk­li­ges Recht­wink­li­ges oder ein Gleich­sei­ti­ges zu sein. Es ist also im­mer be­son­ders, das hat die Ma­the­ma­ti­ker enorm be­schäf­tigt.

Ich über­ge­he na­tür­lich – das ist hier nicht der Ort, dar­an zu er­in­nern, wir sind nicht hier, um in Ge­lehr­sam­keit zu ma­chen –, ich über­ge­he, über wen und wen das ver­läuft, seit Des­car­tes, Leib­niz und an­de­ren, das geht bis zu Hus­serl; sie schei­nen mir je­doch nie­mals die­sen har­ten Punkt ge­se­hen zu ha­ben, dass die Schrift von zwei Sei­ten her da ist, dass sie das In­tui­tio­nier­te und das Be­grün­de­te ho­mo­ge­ni­siert, dass die Schrift – an­ders ge­sagt klei­ne Buch­sta­ben – eine Funk­ti­on hat, die nicht we­ni­ger in­tui­tiv ist als das, was der gute Eu­klid ge­zeich­net hat (tra­çait). Da­bei gin­ge es durch­aus dar­um, her­aus­zu­fin­den, war­um man denkt, dass sich das un­ter­schei­det.

Ich weiß nicht, ob ich Sie dar­auf hin­wei­sen muss, dass die Kon­sis­tenz des Rau­mes, des eu­kli­di­schen Rau­mes, des Rau­mes, der mit sei­nen drei Di­men­sio­nen ab­ge­schlos­sen ist, auf ganz an­de­re Wei­se, so scheint mir, de­fi­niert wer­den muss. Wenn Sie zwei Punk­te neh­men, so ha­ben die­se den glei­chen Ab­stand zu­ein­an­der, wenn ich so sa­gen kann, der Ab­stand des ers­ten Punk­tes vom zwei­ten ist der glei­che wie der des zwei­ten zum ers­ten. Sie kön­nen drei da­von neh­men und da­für sor­gen, dass das wei­ter­hin stimmt, dass also je­der den glei­chen Ab­stand zu je­dem der bei­den an­de­ren Punk­te hat. Sie kön­nen vier da­von neh­men und da­für sor­gen, dass das im­mer noch stimmt. Ich weiß nicht, ich habe nie ge­hört, dass aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wird. Sie kön­nen fünf da­von neh­men, und jetzt über­ei­len Sie sich nicht, um zu sa­gen, dass Sie auch die­se in glei­chen Ab­stand zu je­dem der vier an­de­ren brin­gen kön­nen, da Ih­nen das nicht ge­lin­gen wird, | [101] zu­min­dest nicht in un­se­rem eu­kli­di­schen Raum. Da­mit Sie die­se fünf Punk­te im glei­chen Ab­stand, Sie ver­ste­hen mich recht, zu je­dem der an­de­ren Punk­te ha­ben, ist es nö­tig, dass Sie eine fünf­te, eine vier­te Di­men­si­on er­zeu­gen. Das ist es. Si­cher­lich, das geht mü­he­los, buch­stäb­lich, und dann hält das sehr gut, man kann be­wei­sen, dass ein vier­di­men­sio­na­ler Raum völ­lig ko­hä­rent ist; ganz in dem Maße, wie man die Ver­bin­dung sei­ner Ko­hä­renz mit der Ko­hä­renz der re­el­len Zah­len zei­gen kann, in eben dem Maße hat er Be­stand. Aber schließ­lich ist es eine Tat­sa­che, dass sich die An­schau­ung be­reits jen­seits des Te­tra­eders auf den Buch­sta­ben stüt­zen muss.

Ich habe mich dar­auf ge­stürzt, um Ih­nen zu sa­gen, weil ich ge­sagt habe, dass der Brief, der sei­nen Be­stim­mungs­ort er­reicht, der­je­ni­ge Brief ist, der bei der Po­li­zei an­kommt, die hier nichts be­greift, und dass die Po­li­zei, wie Sie wis­sen, nicht erst ges­tern ent­stan­den ist, nicht wahr –  drei Spie­ße auf dem Bo­den, drei Spie­ße auf dem Cam­pus –, wenn Sie ein biss­chen von dem ken­nen, was He­gel ge­schrie­ben hat, dann wis­sen Sie, dass das der Staat ist. Der Staat und die Po­li­zei, für je­man­den, der ein ganz klein biss­chen nach­ge­dacht hat, und man kann nicht sa­gen, dass He­gel hier schlecht po­si­tio­niert ist, ist das ge­nau das­sel­be.

Das be­ruht auf ei­ner te­tra­edi­schen Struk­tur, an­ders ge­sagt, so­bald wir et­was wie den Buch­sta­ben be­fra­gen, müs­sen wir von mei­nen klei­nen Sche­ma­ta vom letz­ten Jahr aus­ge­hen, die, wie Sie sich er­in­nern wer­den, so ge­macht wa­ren.

 

herrendiskurs-mit-sechs-pfeilen-version-g-t

Dis­kurs des Herrn, Dia­gramm mit sechs Pfei­len aus Ve­ri­son G.T.

Dies ist der Dis­kurs des Herrn, wie Sie sich viel­leicht er­in­nern, der da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass von den sechs Kan­ten des Te­tra­eders eine un­ter­bro­chen ist.

In dem Maße, wie man die­se Struk­tu­ren sich dre­hen lässt, über die vier | [102] Kan­ten der kreis­för­mi­gen An­ord­nung, die im Te­tra­eder ein­an­der fol­gen – das ist eine Be­din­gung –, die in in der­sel­ben Rich­tung in­ein­an­der­grei­fen, in der Rich­tung, dass wenn eine sich dreht, jede be­lie­bi­ge der bei­den an­de­ren, der drei an­de­ren <folgt>, stellt sich die Va­ria­ti­on des­sen her, wor­um es bei der Struk­tur des Dis­kur­ses geht, ge­nau in­so­fern als sie auf ei­nem be­stimm­ten Kon­struk­ti­ons­ni­veau be­ruht, die­sem te­tra­edi­schen näm­lich, die­sem te­tra­edi­schen, mit dem man sich nicht be­gnü­gen kann, so­bald man die In­stanz des Buch­sta­bens auf­tau­chen lässt. Und eben des­halb, weil man sich nicht da­mit be­gnü­gen kann, gibt es – wenn man auf ih­rer Ebe­ne bleibt – un­ter die­sen Sei­ten, die ei­nen Kreis bil­den, im­mer eine, die un­ter­bro­chen ist.

Von da­her er­gibt sich dann, dass in ei­ner Welt, wie sie durch ei­nen be­stimm­ten Te­tra­eder struk­tu­riert ist, den man an mehr als ei­nem Ende des Fel­des wie­der­fin­det, ein Brief an sei­nem Be­stim­mungs­ort nur an­kommt, um das zu fin­den, was ich in mei­nem Dis­kurs über den Ge­stoh­le­nen Brief mit dem Ter­mi­nus des Sub­jekts be­zeich­ne, das kei­nes­wegs un­ter dem Vor­wand, dass wir mit der Struk­tur ei­ni­ge Schrit­te vor­an­kom­men, auf ir­gend­ei­ne Wei­se zu eli­mi­nie­ren oder zu­rück­zu­zie­hen ist, und bei dem man eben von Fol­gen­dem aus­ge­hen muss, näm­lich, wenn das, was wir mit dem Ter­mi­nus des Un­be­wuss­ten ent­deckt ha­ben, ei­nen Sinn hat, dann ist das Sub­jekt, ich wie­der­ho­le es, ir­re­du­zi­bel, wir kön­nen es nicht, selbst auf die­ser Ebe­ne, nicht in Rech­nung stel­len. Aber das Sub­jekt zeich­net sich durch sei­ne ganz spe­zi­el­le Dumm­heit aus. Das ist das, was im Text von Poe zählt, und zwar des­halb, weil es nicht be­lang­los ist, dass der­je­ni­ge, über den er bei die­ser Ge­le­gen­heit Scher­ze macht, der Kö­nig ist, der sich hier in der Funk­ti­on des Sub­jekts ma­ni­fes­tiert. Er ver­steht ab­so­lut nichts, und sei­ne ge­sam­te Po­li­zei­struk­tur kann nichts an­de­res aus­rich­ten, als dass der Brief nicht ein­mal in sei­ne Reich­wei­te ge­langt, da es ja die Po­li­zei ist, die ihn schützt, und sie nichts da­mit an­fan­gen kann. Ich be­to­ne so­gar, wenn man ihn in ih­ren Ak­ten wie­der­fän­de, wäre das für ei­nen His­to­ri­ker nutz­los. Auf ei­ni­gen Sei­ten von dem, was ich über die­sen Brief schrei­be, kann man sa­gen, dass es sehr wahr­schein­lich nur die Kö­ni­gin ist, die weiß, was der Brief be­deu­tet, und dass al­les, was sein Ge­wicht aus­macht, in Fol­gen­dem be­steht: Wenn die ein­zi­ge Per­son, die dar­an in­ter­es­siert ist, näm­lich das Sub­jekt, wenn also der Kö­nig ihn in Hän­den hiel­te, wür­de er nur dies ver­ste­hen, dass er si­cher­lich ei­nen Sinn hat, dass die­ser Sinn aber – und dar­in be­steht der Skan­dal – ihm, dem Sub­jekt, ent­geht. Der Ter­mi­nus des Skan­dals oder auch des Wi­der­spruchs ist auf die­sen vier klei­nen letz­ten Sei­ten, die ich Ih­nen zu le­sen ge­ge­ben hat­te, ganz rich­tig plat­ziert, ich be­to­ne das.

Es ist klar, dass ein­zig auf­grund der Zir­ku­la­ti­on des Brie­fes der Mi­nis­ter – da es hier doch ei­ni­ge ge­ge­ben hat, die frü­her mal Poe ge­le­sen ha­ben, müs­sen Sie wis­sen, dass in die Sa­che ein Mi­nis­ter ver­wi­ckelt ist, der­je­ni­ge, der den Brief ge­klaut hat –, dass der Mi­nis­ter im Ver­lauf des Orts­wech­sels be­sag­ten Brie­fes Ver­än­de­run­gen zeigt wie ein ster­ben­der Fisch, Farb­ver­än­de­run­gen, | [103] und dass in Wahr­heit die we­sent­li­che Funk­ti­on des Brie­fes – auf die mein ge­sam­ter Text viel­leicht ein we­nig zu üp­pig an­spielt, aber um sich ver­ständ­lich zu ma­chen, kann man gar nicht zu sehr auf et­was be­har­ren  –, dass die­se Funk­ti­on sich dar­auf be­zieht, dass der Brief eine fe­mi­ni­sie­ren­de Wir­kung hat.

Aber von dem Mo­ment an, als er ihn, den Brief, nicht mehr hat, wird er selbst wie­der, so­bald er ihn nicht mehr hat, ge­wis­ser­ma­ßen in der­je­ni­gen Di­men­si­on wie­der­her­ge­stellt, die sein ge­sam­ter Plan ihm ver­schaf­fen soll­te, in der ei­nes Man­nes, der al­les ris­kiert. Und ich in­sis­tie­re auf die­ser Wen­dung des Ge­sche­hens, der­je­ni­gen, mit der die Poe’sche Aus­sa­ge en­det, näm­lich dass in die­sem Mo­ment die Sa­che er­scheint, mons­trum hor­ren­dum, wie im Text ge­sagt wird, das, was er für die Kö­ni­gin hat­te sein wol­len, die das na­tür­lich in Rech­nung ge­stellt hat­te, denn sie hat­te ja ver­sucht, ihn wie­der­zu­er­lan­gen, die­sen Brief, aber schließ­lich wur­de mit ihm das Spiel fort­ge­setzt.

Jetzt ist un­ser Du­pin an der Rei­he, das heißt der Schlaus­te der Schlau­en, der­je­ni­ge, dem Poe die Rol­le zu­weist, die Rol­le, uns mit et­was zu be­wer­fen, was ich ganz ab­sicht­lich so nen­nen möch­te, ich be­to­ne das in die­sem Text, der uns et­was Sand in die Au­gen wer­fen soll, dass wir näm­lich glau­ben, dass es das gibt, den Schlaus­ten der Schlau­en, dass er wirk­lich al­les be­greift, al­les weiß, dass er, der im Te­tra­eder steckt, be­grei­fen kann, wie die­ser ge­macht ist.

Ich habe mich ziem­lich iro­nisch ge­äu­ßert über die­se si­cher­lich sehr ge­konn­ten Din­ge, näm­lich die­se Wort­spie­le mit am­bi­tus, mit re­li­gio und mit ho­nes­ti ho­mi­nes, um zu zei­gen und um ein­fach zu sa­gen, dass ich, was mich an­geht, das klei­ne Tier ein biss­chen wei­ter ge­sucht habe, nicht wahr, und dass es in Wahr­heit ir­gend­wo ist.

Es ist ir­gend­wo, und wenn man Poe folgt, kann man sich die Fra­ge stel­len, ob Poe das wohl mit­be­kom­men hat. Näm­lich dass der Brief al­lein schon des­we­gen, weil er in Du­pins Hän­de über­ge­gan­gen ist, jetzt ihn wie­der­um hin­rei­chend fe­mi­ni­siert hat, so­dass Du­pin ge­gen­über dem Mi­nis­ter – von dem er weiß, dass er ihn eben des­sen be­raubt hat, was es die­sem er­lau­ben könn­te, wei­ter­hin sei­ne Rol­le zu spie­len, falls er je­mals not­wen­dig wäre, die Kar­ten auf­zu­de­cken –, dass Du­pin sich in ge­nau die­sem Mo­ment nicht zu­rück­hal­ten kann und ihm ge­gen­über dies be­kun­det – ihm ge­gen­über, der glaubt, be­reits je­der­mann hin­rei­chend von sei­ner Gna­de ab­hän­gig ge­macht zu ha­ben, um kei­ne wei­te­re Spur zu hin­ter­las­sen –, dass Du­pin ihm  in dem Bil­let, mit dem er den ge­stoh­le­nen Brief er­setzt hat, die fol­gen­de Bot­schaft sen­det: „Un de­s­tin si fu­nes­te“, nun ja, Sie ken­nen den Text, „S’il n’est di­g­ne d’Atrée est di­g­ne de Thy­es­te, „Ein so ver­häng­nis­vol­les Schick­sal / Wenn es nicht ei­nes Atreus wür­dig ist, ist es ei­nes Thy­es­tes wür­dig“.

Die Fra­ge, wenn ich so sa­gen darf, ist die, sich dar­über klar­zu­wer­den, wenn ich so sa­gen darf, ob Poe hier­bei wohl die Trag­wei­te des­sen mit­be­kommt, dass Du­pin in die­ser Bot­schaft jen­seits al­ler Mög­lich­kei­ten – denn Gott weiß, ob es je­mals ge­sche­hen wird, dass der Mi­nis­ter ihn her­vor­holt, sei­nen Brief, und ihm im sel­ben Mo­ment die Luft raus­ge­las­sen wird / und er ab­ge­schlafft ist (se trouve dé­gon­flé) –, um Ih­nen zu sa­gen, dass die Kas­tra­ti­on hier, so wie sie in der Schwe­be bleibt, voll­kom­men rea­li­siert ist.

[104] Ich ver­wei­se auch auf die­se Per­spek­ti­ve, die mir nicht, nun ja, nicht im Vor­hin­ein ge­schrie­ben zu sein scheint. Das ver­leiht dem nur ei­nen umso grö­ße­ren Wert, was Du­pin als Bot­schaft an den­je­ni­gen schreibt, den er ge­ra­de des­sen be­raubt hat, was die­ser für sei­ne Macht hält. Die­ses Hühn­chen, dass es bei dem Ge­dan­ken an das ju­belt, was ge­sche­hen wird, wenn der Be­trof­fe­ne, zu wel­chem Zweck?, da­von Ge­brauch ma­chen muss – was man sa­gen kann, ist, dass Du­pin ge­nießt. Nun, eben das ist die Fra­ge, die Fra­ge, die ich letz­tes Mal an­ge­schnit­ten habe, als ich Ih­nen sag­te, ist das das­sel­be, der Er­zäh­ler und der­je­ni­ge, der schreibt? Un­be­streit­bar ist, dass der Er­zäh­ler, das Sub­jekt der Aus­sa­ge, der­je­ni­ge, der spricht, dass dies Poe ist. Ge­nießt Poe das Ge­nie­ßen von Du­pin oder von an­ders­wo? Ich wer­de mich be­mü­hen, Ih­nen eben das heu­te zu zei­gen.

Ich spre­che zu Ih­nen über den Ge­stoh­le­nen Brief, wie ich ihn selbst ar­ti­ku­liert habe. Da­mit ist das eine Il­lus­tra­ti­on, die ich für die Fra­ge ge­ben kann, die ich letz­tes Mal auf­ge­wor­fen habe – ist das nicht et­was ra­di­kal Ver­schie­de­nes, der­je­ni­ge, der schreibt, und der­je­ni­ge, der in sei­nem Na­men in et­was Ge­schrie­be­nem als Er­zäh­ler spricht?

Auf die­ser Ebe­ne ist das spür­bar. Denn was auf der Ebe­ne des Er­zäh­lers ge­schieht, ist letzt­lich das, was ich so nen­nen könn­te – ich ent­schul­di­ge mich, auf dem de­mons­tra­ti­ven Cha­rak­ter die­ses klei­nen Es­says zu be­har­ren –, näm­lich dass das, was da de­mons­triert wird, letzt­lich die voll­kom­mens­te Kas­tra­ti­on ist. Alle sind glei­cher­ma­ßen be­tro­gen, und nie­mand weiß da­von das Ge­rings­te, eben das ist das Wun­der.

Der Kö­nig schläft na­tür­lich von An­fang an, und bis ans Ende sei­ner Tage wird er auf bei­den Oh­ren schla­fen.

Die Kö­ni­gin macht sich nicht klar, dass es na­he­zu un­ver­meid­lich ist, dass sie nach die­sem Mi­nis­ter ver­rückt wer­den wird; jetzt – wo sie ihn in der Hand hat [Ge­läch­ter], wo sie ihn kas­triert hat, nicht wahr –  ist das eine Lie­be. [Ab „jetzt“ mit iro­ni­schem Pa­thos ge­spro­chen.]

Der Mi­nis­ter, das stimmt nun wirk­lich, er ist ja er­le­digt, aber letzt­lich lässt ihn das kalt, nicht wahr, denn wie ich ir­gend­wo sehr gut er­klärt habe, ent­we­der – oder. Ent­we­der es ge­fällt ihm, der Ge­lieb­te der Kö­ni­gin zu wer­den, und das müss­te an­ge­nehm sein – je­den­falls im Prin­zip, das ge­fällt nicht je­dem. Oder wenn er wirk­lich für sie ei­nes die­ser Ge­füh­le hat, die von der Ord­nung des­sen sind, was ich das ein­zi­ge hell­sich­ti­ge Ge­fühl nen­ne, näm­lich der Hass, wie ich Ih­nen sehr gut er­klärt habe, wenn er sie also hasst, wird sie ihn des­halb um so mehr lie­ben, und das wird es ihm ge­stat­ten, so weit zu ge­hen, dass in ihm schließ­lich doch der Ver­dacht auf­kommt, dass der Brief schon seit lan­gem nicht mehr da ist. Weil er sich na­tür­lich täu­schen wird. Er wird sich sa­gen, wenn man mit ihm so weit geht, dann des­halb, weil man sich der Din­ge si­cher ist, also wird er sei­nen klei­nen Wisch recht­zei­tig öff­nen. Aber in kei­nem Fall wird es von da aus | [105] zu dem kom­men, was ge­wünscht wird, näm­lich den Mi­nis­ter lä­cher­lich zu ma­chen, lä­cher­lich wird er nicht sein.

Gut, das ist es. Das ist das, was mir zu sa­gen ge­lun­gen ist über das, was ich ge­schrie­ben habe; und ich möch­te Ih­nen sa­gen,  dass dies sei­ne Trag­wei­te von da­her be­kommt, dass es un­les­bar ist. Das ist – wenn Sie mir noch wei­ter fol­gen wol­len – der Punkt, den ich ver­su­chen wer­de, wei­ter aus­zu­füh­ren.

Ich sage es Ih­nen so­fort, wie so vie­le Leu­te, denn das sind Leu­te von Welt, die ein­zi­gen, die in der Lage sind, mir zu sa­gen, was sie den­ken, zu dem, was ich Ih­nen an­dre­he. Das war der Mo­ment, in dem mei­ne Schrif­ten noch nicht er­schie­nen wa­ren, sie ha­ben mir ihre fach­män­ni­sche An­sicht mit­ge­teilt, „hier ver­steht man gar nichts“, ha­ben sie mir ge­sagt. Be­ach­ten Sie, dass das viel ist. Et­was, bei dem man nichts ver­steht, das ist die gan­ze Hoff­nung, das ist das Zei­chen, dass man be­trof­fen ist. Ein Glück, dass man nichts ver­stan­den hat! Weil man im­mer nur das ver­ste­hen kann, was man na­tür­lich be­reits im Kopf hat. Aber ich möch­te doch ver­su­chen, das ein biss­chen bes­ser zu ar­ti­ku­lie­ren.

Es ge­nügt nicht, ab­sicht­lich un­ver­ständ­li­che Din­ge zu schrei­ben, son­dern man muss se­hen, war­um das Un­les­ba­re ei­nen Sinn hat. Ich möch­te Sie zu­nächst dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass un­se­re gan­ze Sa­che, näm­lich die Ge­schich­te mit dem se­xu­el­len Ver­hält­nis, nicht wahr, sich dar­um dreht, dass Sie glau­ben könn­ten, dass das ge­schrie­ben ist, denn es ist ja so, dass man bei dem, was man in der Psy­cho­ana­ly­se ge­fun­den hat, doch auf et­was Ge­schrie­be­nes ver­wie­sen wird.

Der Ödi­pus ist ein ge­schrie­be­ner My­thos, und ich will so­gar noch mehr sa­gen, das ist ge­nau das ein­zi­ge, was für ihn spe­zi­fisch ist; man hät­te wirk­lich ir­gend­ei­nen be­lie­bi­gen neh­men kön­nen, vor­aus­ge­setzt, dass er ge­schrie­ben ist. Die Be­son­der­heit ei­nes My­thos, der ge­schrie­ben ist – dar­auf hat be­reits Clau­de Lévi-Strauss auf­merk­sam ge­macht –, be­steht dar­in, dass er, wenn man ihn schreibt, nur eine ein­zi­ge Form hat, wo­hin­ge­gen die Be­son­der­heit des My­thos dar­in be­steht – wie das ge­sam­te Werk von Lévi-Strauss de­mons­triert –, eine sehr, sehr gro­ße An­zahl da­von zu ha­ben; das ist das, was ihn als My­thos kon­sti­tu­iert und nicht als ge­schrie­be­nen My­thos.

Nun, die­ser ge­schrie­be­ne My­thos könn­te sehr gut so auf­ge­fasst wer­den, dass er ins­ge­samt die Nie­der­schrift des­sen wäre, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht. Ich möch­te Sie je­doch auf be­stimm­te Din­ge auf­merk­sam ma­chen.

[106] Schau­en Sie, das heißt – und des­halb ist es nicht gleich­gül­tig, dass ich von die­sem Text aus­ge­gan­gen bin –, das heißt, wenn die­ser Brief in die­sem Zu­sam­men­hang die­se Funk­ti­on ha­ben kann, die­se ver­weib­li­chen­de Funk­ti­on, nicht wahr?, das heißt, be­zo­gen auf das, was ich Ih­nen dar­über ge­sagt habe, das heißt, dass der ge­schrie­be­ne My­thos, der Ödi­pus, eben dazu da ist, um uns zu zei­gen, dass es un­denk­bar ist, „die Frau“ zu sa­gen. Das ist un­denk­bar, war­um? Weil man nicht „alle Frau­en“ sa­gen kann. Man kann nicht „alle Frau­en“ sa­gen, weil das in die­sen My­thos nur im Na­men des­sen ein­ge­führt wird, dass der Va­ter „alle Frau­en“ be­sitzt, was of­fen­sicht­lich das Zei­chen ei­ner Un­mög­lich­keit ist.

Was ich an­de­rer­seits, be­zo­gen auf die­sen Ge­stoh­le­nen Brief, her­vor­he­be, ist dies, wenn es nur „eine Frau“ gibt, an­ders aus­ge­drückt, wenn die Funk­ti­on von „die Frau“ nur durch das um­ge­setzt wird, was der gro­ße Ma­the­ma­ti­ker Brou­wer – im Zu­sam­men­hang des­sen, was ich Ih­nen eben über die ma­the­ma­ti­sche Dis­kus­si­on ge­sagt habe, vor­ge­tra­gen habe – als „Viel-Ein­heit“ be­zeich­net, näm­lich dies, dass es eine Funk­ti­on gibt, die streng­ge­nom­men die ist, dass da der Va­ter ist. Der Va­ter ist da, um sich in sei­ner ra­di­ka­len Funk­ti­on an­er­ken­nen zu las­sen, in der­je­ni­gen, die er im­mer ma­ni­fes­tiert hat, je­des Mal, wenn es bei­spiels­wei­se um den Mo­no­the­is­mus ging – es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass Freud hier ge­stran­det ist.

Das heißt, dass es eine ab­so­lut we­sent­li­che Funk­ti­on gibt, der man vor­be­hal­ten soll­te, streng­ge­nom­men am Ur­sprung der Schrift zu ste­hen, und das ist das, was ich das „Nicht-mehr-als-eins“ (pas-plus-d’un) nen­nen wer­de.

Aris­to­te­les macht si­cher­lich ganz und gar hin­rei­ßen­de, be­acht­li­che An­stren­gun­gen, wie er das für ge­wöhn­lich tut, um uns das durch Stu­fen zu­gäng­lich zu ma­chen, ge­mäß sei­nem Prin­zip, das man ja als das Prin­zip des stu­fen­wei­sen Rück­stiegs qua­li­fi­zie­ren kann, von Ur­sa­che zu Ur­sa­che und von We­sen­heit zu We­sen­heit – und da wer­den Sie wohl ir­gend­wo an­hal­ten müs­sen. Ja, das ist das Net­te bei den grie­chi­schen Phi­lo­so­phen, dass sie wirk­lich für Dum­me spra­chen. Von da­her die Ent­wick­lung der Funk­ti­on des Sub­jekts.

Das Nicht-mehr-als-eins stellt sich auf völ­lig ori­gi­nel­le Wei­se dar. Ohne Nicht-mehr-als-eins kön­nen Sie ja nicht ein­mal da­mit an­fan­gen, die Rei­he der gan­zen Zah­len zu schrei­ben – ich wer­den Ih­nen das das nächs­te Mal an der Ta­fel zei­gen –, da­mit es ein Ein gibt und dann, da­mit Sie da­nach nur noch die Lip­pen zu schür­zen brau­chen, je­des Mal, wenn Sie wie­der an­fan­gen wol­len, so dass das je­des Mal eins mehr er­gibt, aber nicht das­sel­be. Hin­ge­gen sind all die­je­ni­gen, die sich so wie­der­ho­len, die­sel­ben; sie kön­nen ad­diert wer­den, man nennt das „arith­me­ti­sche Rei­he“.

[107] Aber kom­men wir auf das zu­rück, was uns bei die­sem The­ma we­sent­lich zu sein scheint, be­zo­gen auf das se­xu­el­le Ge­nie­ßen. Das heißt, dass es nicht – das ist eine Er­fah­rung, die aus ei­ner Struk­tur ge­macht ist, was auch im­mer ihre be­son­de­ren Be­din­gun­gen sein müs­sen – , das heißt, dass es mit dem se­xu­el­len Ge­nie­ßen so ist, dass es nicht ge­schrie­ben wer­den kann, und dass sich dar­aus die struk­tu­rel­le Viel­falt er­gibt, zu­nächst die Te­tra­de, in der et­was sich ab­zeich­net, wo­durch sie ver­or­tet wird, aber un­trenn­bar von ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Funk­tio­nen, die ins­ge­samt nichts mit dem zu tun ha­ben, was den Se­xu­al­part­ner spe­zi­fi­zie­ren kann, ihn im all­ge­mei­nen spe­zi­fi­zie­ren kann.

Die Struk­tur ist so, dass der Mann als sol­cher – in­so­fern er funk­tio­niert – kas­triert ist, und an­de­rer­seits exis­tiert et­was, was auf der Ebe­ne der weib­li­chen Part­ne­rin ist und was man ein­fach mit die­sen Strich zeich­nen könn­te, bei dem ich hier­bei auf die Trag­wei­te, auf die ge­sam­te Funk­ti­on die­ses Buch­sta­bens hin­wei­se, dass „Die Frau“ nichts – falls sie exis­tiert und ge­nau des­halb exis­tiert sie nicht –, das heißt, dass sie als „Die Frau“ nichts mit dem Ge­setz zu tun hat.

Nun, wie soll man das, was pas­siert ist, auf­fas­sen – man macht ja doch Lie­be, oder? Man macht ja doch Lie­be, und von dem Mo­ment an, in dem man sich da­für in­ter­es­siert, nimmt man <das> wahr, man ver­wen­det Zeit dar­auf. Und in Wahr­heit hat man sich viel­leicht im­mer da­für in­ter­es­siert, nur ha­ben wir für die Art und Wei­se, in der man sich frü­her da­für in­ter­es­siert  hat, den Schlüs­sel ver­lo­ren. Aber was uns an­geht, mit­ten im wis­sen­schaft­li­chen Zeit­al­ter, in sei­ner Blü­te, wir neh­men das, wor­um es da­bei geht, durch Freud wahr. Und das ist was? Wenn es dar­um geht, das se­xu­el­le Ver­hält­nis durch Sym­bo­le zu struk­tu­rie­ren, funk­tio­nie­ren zu las­sen, was bil­det da­für ein Hin­der­nis? Dies, dass sich das Ge­nie­ßen dar­in ein­mischt.  

Lässt sich das se­xu­el­le Ge­nie­ßen di­rekt be­han­deln? Das geht nicht, und zwar in­so­fern – mehr wol­len wir nicht sa­gen –, als es das Spre­chen gibt. Der Dis­kurs be­ginnt von da­her, dass es da eine Kluft gibt. Da­bei kann man nicht ste­hen­blei­ben, ich mei­ne, dass ich jede Po­si­ti­on des Ur­sprungs ab­leh­ne, und schließ­lich hin­dert uns nichts dar­an zu sa­gen, dass die­se Kluft sich des­halb her­stellt, weil der Dis­kurs be­ginnt. Das ist, was das Er­geb­nis an­geht, völ­lig gleich­gül­tig. Si­cher ist dies, dass der Dis­kurs in der Kluft im­pli­ziert ist, und da es kei­ne Me­taspra­che gibt, kann er da nicht her­aus­kom­men.

Was ich ge­ra­de über die Sym­bo­li­sie­rung des se­xu­el­len Ge­nie­ßens vor­brin­ge, wird da­durch of­fen­sicht­lich, dass es sei­nen ge­sam­ten Sym­bo­lis­mus von wo ent­lehnt?, von et­was, wo­mit es nichts zu tun hat, näm­lich vom Ge­nie­ßen, in­so­fern es ver­bo­ten ist, durch be­stimm­te ver­wor­re­ne Din­ge, | [108] die aber gar nicht so ver­wor­ren sind, denn es ist uns ge­lun­gen, das voll­kom­men mit dem Be­griff des Lust­prin­zips zu ar­ti­ku­lie­ren, was nur ei­nen Sinn ha­ben kann: „nicht zu viel Ge­nie­ßen“. Denn der Stoff al­ler Ar­ten des Ge­nie­ßens grenzt an das Lei­den, das ist das Kleid, wor­an man es er­kennt – wenn die Pflan­ze nicht of­fen­kun­dig lei­den wür­de, wüss­ten wir nicht, dass sie lebt.

Es ist also klar, dass die Tat­sa­che –, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen zu sei­ner Struk­tu­rie­rung nur den Be­zug auf das Ver­bot des Ge­nie­ßens ge­fun­den hat, auf das Ver­bot, in­so­fern es ge­nannt wird, ei­nes Ge­nie­ßens je­doch, das kei­nes ist, das die­je­ni­ge Di­men­si­on des Ge­nie­ßens ist, die streng­ge­nom­men das töd­li­che Ge­nie­ßen ist.

An­ders aus­ge­drückt, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen sei­ne Struk­tur von dem Ver­bot her­nimmt, das sich auf das Ge­nie­ßen be­zieht, das sich auf den ei­ge­nen Kör­per rich­tet, das heißt ge­nau an dem Grat und an der Gren­ze, wo es an das töd­li­che Ge­nie­ßen an­grenzt. Und es trifft die Di­men­si­on des Se­xu­el­len nur da­durch, dass es das Ver­bot auf den­je­ni­gen Kör­per be­zieht, aus dem der ei­ge­ne Kör­per her­vor­geht, das heißt auf den Kör­per der Mut­ter. Nur da­durch wird das, wor­um es beim se­xu­el­len Ge­nie­ßen geht, im Dis­kurs struk­tu­riert, und das ist das ein­zi­ge, was hier das Ge­setz bei­steu­ern kann. Die Part­ne­rin ist hier­bei tat­säch­lich auf eine re­du­ziert, aber nicht auf eine be­lie­bi­ge: auf die­je­ni­ge, die dich in die Welt ge­setzt hat. Und um die­sen Punkt her­um wird al­les kon­stru­iert, was ar­ti­ku­liert wer­den kann, so­bald wir uns auf eine Wei­se, die ver­ba­li­sier­bar ist, wie­der auf die­ses Feld be­ge­ben. Wenn wir wei­ter vor­an­ge­kom­men sind, wer­de ich dar­auf zu­rück­kom­men, wie das Wis­sen dazu ge­langt, wie ein Ge­nie­ßen zu funk­tio­nie­ren; hier kön­nen wir das über­sprin­gen.

Die Frau als sol­che ist in ei­ner Po­si­ti­on, in der sich auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se ver­sam­melt, dass sie, so möch­te ich sa­gen, Un­ter­ta­nin (su­jet­te) des Spre­chens ist. Die Um­we­ge er­spa­re ich Ih­nen na­tür­lich. Dass das Spre­chen das ist, wo­durch eine Wahr­heits­di­men­si­on ein­ge­setzt wird – die Un­mög­lich­keit die­ses se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses –, das ist auch das, was die Reich­wei­te des Spre­chens aus­macht, in­so­fern na­tür­lich, als es al­les kann, au­ßer, an dem Punkt zu die­nen, durch den es be­dingt ist. Das Spre­chen be­müht sich, die Frau auf die Un­ter­wer­fung (su­jé­ti­on) zu re­du­zie­ren, das heißt, aus ihr et­was zu ma­chen, wo­von man Zei­chen von In­tel­li­genz er­war­tet, wenn ich mich so aus­drü­cken kann. Aber na­tür­lich han­delt es sich hier nicht um ein rea­les We­sen, um es deut­lich zu sa­gen. „Die Frau“ ist hier­bei, wie die­ser Text gut de­mons­triert Die Frau, ich will sa­gen das An-sich der Frau, Die Frau, so als könn­te man sa­gen „alle Frau­en“; „die Frau“ – ich in­sis­tie­re, die nicht exis­tiert –, das ist ge­nau die Let­ter, die Let­ter, in­so­fern sie der Si­gni­fi­kant ist, dass es kei­nen An­de­ren gibt: S(Ⱥ).

[109] Und dazu möch­te ich für Sie, be­vor ich Sie ver­las­se, doch eine An­mer­kung ma­chen, mit der die lo­gi­sche Kon­fi­gu­ra­ti­on des­sen nach­ge­zeich­net wird, was ich hier ge­ra­de vor­brin­ge.

In der aris­to­te­li­schen Lo­gik ha­ben Sie die Be­ja­hun­gen, ich schrei­be sie nicht mit den Buch­sta­ben, die in der for­ma­len Lo­gik üb­lich sind, ich schrei­be nicht A, ich schrei­be das „be­ja­hen­de Uni­ver­sa­le“ [U.A. für „uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve“] und ich schrei­be das „ver­nei­nen­de  Uni­ver­sa­le“ [U.N. für „uni­ver­sel­le né­ga­ti­ve“], das be­deu­tet das hier. Hier schrei­be ich „be­ja­hen­de Par­ti­ku­lä­re“ [P.A. für „par­ti­cu­liè­re af­fir­ma­ti­ve“] und „ver­nei­nen­de Par­ti­ku­lä­re“ [P.N. für „par­ti­cu­liè­re né­ga­ti­ve“].

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Dier vier Aus­sa­ge­ar­ten in der aris­to­te­li­schen Lo­gik

Ich ma­che dar­auf auf­merk­sam, dass auf der Ebe­ne der aris­to­te­li­schen Ar­ti­ku­la­ti­on zwi­schen die­sen bei­den Po­len – da die­se Aus­sa­ge­ka­te­go­ri­en Aris­to­te­les ent­lehnt sind –, zwi­schen die­sen bei­den Po­len die [grund­le­gen­de] lo­gi­sche Un­ter­schei­dung ge­trof­fen wird.

Die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge äu­ßert ein We­sen (es­sence).

schema-von-peirce

Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce

Ich habe in der Ver­gan­gen­heit oft ge­nug auf dem be­stan­den, wor­um es bei der Aus­sa­ge „Je­der Strich ist senk­recht“ geht und dass sie völ­lig da­mit ver­ein­bar ist, dass es kei­nen Strich gibt – das We­sen ist we­sent­lich in der Lo­gik ver­or­tet, es ist rei­ne Aus­sa­ge des Dis­kur­ses. 

Die lo­gi­sche Un­ter­schei­dung, ihre in die­ser Ar­ti­ku­la­ti­on we­sent­li­che Ach­se, ist ge­nau die­se Schrä­gach­se, die ich ge­ra­de hier ein­ge­tra­gen habe. Nichts rich­tet sich ge­gen eine ir­gend­wie iden­ti­fi­zier­ba­re lo­gi­sche Aus­sa­ge au­ßer der Be­mer­kung „Es gibt wel­che, die nicht ….“, par­ti­ku­lä­re ver­nei­nen­de Aus­sa­ge. Es gibt Stri­che, die nicht senk­recht sind, das ist der ein­zi­ge Wi­der­spruch, der ge­gen die Af­fir­ma­ti­on vor­ge­bracht wer­den kann, dass dies [dass Stri­che senk­recht sind] eine We­sen­stat­sa­che ist.

Und die bei­den an­de­ren Ter­me sind im Funk­tio­nie­ren der aris­to­te­li­schen Lo­gik ganz und gar se­kun­där. Näm­lich „Es gibt wel­che, die …“, par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge. Und da­nach, wie soll man wis­sen, ob das not­wen­dig ist oder nicht? Das be­weist nichts. Und zu sa­gen „Es gibt nicht wel­che, die …“ | [110] – was nicht das­sel­be ist wie zu sa­gen „Es gibt wel­che, die nicht …“ –, das heißt, die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge „Es gibt nicht wel­che, die …“, nun, das be­weist auch nichts, das ist eine Tat­sa­che.

Wor­auf ich Sie auf­merk­sam ma­chen kann, ist das, was pas­siert, wenn man von die­ser aris­to­te­li­schen Lo­gik zu ih­rer Um­for­mung in die ma­the­ma­ti­sche Lo­gik über­geht, in die­je­ni­ge Lo­gik, die mit­hil­fe von et­was ge­macht ist, was man als Quan­to­ren be­zeich­net. Be­schimp­fen Sie mich nicht, denn Sie wer­den mich gleich nicht mehr ver­ste­hen, ich wer­de zu­nächst schrei­ben, und das ist eben das, wor­um es geht. 

Die uni­ver­sa­le Aus­sa­ge – ich habe „uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge“ ge­sagt –  wird jetzt mit die­ser nicht-ver­ba­li­sier­ba­ren No­ta­ti­on ge­schrie­ben, ∀, denn das ist ein um­ge­kehr­tes A. Ich sage „um­ge­kehr­tes A“, das heißt, das ge­hört nicht zur Rede, das ge­hört zum Ge­schrie­be­nen. Das ist je­doch, wie Sie se­hen wer­den, ein Si­gnal um zu schwät­zen.

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik

Die vier Aus­sa­ge­ar­ten in der Quan­to­ren­lo­gik [?]

∀x.F(x): uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge.

∃x.F(x): par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge.

Die­ses hier, ∀x.F(x) – ich will aus­drü­cken, dass das eine Ver­nei­nung ist, wie kann ich das tun? Es wun­dert mich, dass das nie wirk­lich so, wie ich es tun wer­de, ar­ti­ku­liert wor­den ist. Näm­lich dass Sie den Ne­ga­ti­ons­strich über das F(x) set­zen müs­sen und nicht – wie es üb­li­cher­wei­se ge­macht wird – über bei­de <Be­stand­tei­le des Aus­drucks>:

\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}.

Sie wer­den se­hen war­um.

Und hier, bei ∃x.F(x), müs­sen sie den Strich über das ∃x set­zen:

\overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}}. [?]

Ich setz­te hier jetzt selbst ei­nen Strich, der mit dem gleich­wer­tig ist, der dort war [im Sche­ma der aris­to­te­li­schen Lo­gik]; und da der Strich, der dort war, die Vie­rer­grup­pe in zwei Be­rei­che auf­teil­te, führt er hier auf an­de­re Wei­se zu ei­ner Zwei­tei­lung.

vier-propositionen-im-vergleich

Die bei­den Auf­tei­lun­gen der Vie­rer­grup­pen

x

Ich be­haup­te nun, dass bei die­ser Art des Schrei­bens eben al­les da­von ab­hängt, dass man es in Be­zug auf das Ge­schrie­be­ne sa­gen kann. Und dass die Auf­tei­lung in zwei Aus­drü­cke, die durch ei­nen Punkt ver­bun­den sind, was so ge­schrie­ben wird, ∀x.F(x), den Wert hat, zu sa­gen, dass man über je­des x sa­gen kann – das ist das Si­gnal des um­ge­kehr­ten A: ∀ –, dass es dem ge­nügt, was F(x) ge­schrie­ben wird, dass es [un­ter dem As­pekt des Ge­schrie­be­nen] hier nicht fehl am Platz ist.

[111] Das glei­che <gilt für die par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge ∃x.F(x) >, je­doch mit ei­nem an­de­ren Ak­zent, näm­lich dass es Schreib­ba­res gibt. Das heißt, dass der Ak­zent des Ge­schrie­be­nen hier liegt: Es exis­tie­ren x, die Sie in dem F(x) funk­tio­nie­ren las­sen kön­nen. Wo­von Sie also dann spre­chen, wenn es um das geht, was man hier die quan­ti­fi­zie­ren­de Um­wand­lung der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­ge durch Quan­to­ren nennt: ∃x.F(x).

Hin­ge­gen ist durch­aus wahr, dass sich die Ver­schie­bung der Auf­tei­lung um das Ge­schrie­be­ne dreht. Näm­lich dass sich bei dem, was in die ers­te zu­gäng­li­che Ebe­ne [die ers­te Spal­te?] ge­setzt wird, für die uni­ver­sa­le Aus­sa­ge nichts ge­än­dert hat, sie hat im­mer noch ei­nen Wert, auch wenn es nicht der­sel­be Wert ist.

Hier hin­ge­gen [in der rech­ten Spal­te] geht es dar­um, sich den Nicht-Wert der uni­ver­sa­len ver­nei­nen­den Aus­sa­ge [\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}] klar­zu­ma­chen. Denn was hier an­ge­zeigt wird, ist dies, dass man, von wel­chem x auch im­mer Sie spre­chen, nicht F(x) schrei­ben darf.

Und dass eben­so für die par­ti­ku­lä­re ver­nei­nen­de Aus­sa­ge gilt, dass – eben­so wie hier [in der lin­ken Spal­te] das x ge­schrie­ben wer­den konn­te, wie es in die­ser For­mel [∃x.F(x)] zu­läs­sig war, schreib­bar war – hier [in der rech­ten Spal­te] ein­fach dies ge­sagt wird, dass es nicht schreib­bar ist.

Was soll das hei­ßen? Das heißt, dass das, was von die­sen bei­den Struk­tu­rie­run­gen [U.A. und P.N.?] in ge­wis­ser Wei­se ver­nach­läs­sigt oder wert­los ge­blie­ben ist, näm­lich die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, in­so­fern sie [in der Quan­to­ren­lo­gik] die­je­ni­ge ist, die zu sa­gen er­mög­licht „Die­ses [F] darf nicht ge­schrie­ben wer­den, wenn Sie von ir­gend­ei­nem x spre­chen“, an­ders ge­sagt, dass hier [in der Quan­to­ren­lo­gik] ein we­sent­li­cher Schnitt funk­tio­niert.

Nun, das ist eben das, um das her­um sich das ar­ti­ku­liert, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht. Die Fra­ge be­zieht sich auf das, was in der Funk­ti­on F(x) nicht ge­schrie­ben wer­den kann, von dem Mo­ment an, wo dies, die Funk­ti­on F(x), selbst nicht zu schrei­ben ist.

Das heißt, dass sie das ist, was ich ge­sagt habe, eben ge­äu­ßert habe, näm­lich der Punkt, um den her­um sich das dre­hen wird, was wir wie­der­auf­neh­men wer­den, wenn ich Sie in zwei Mo­na­ten wie­der­se­he, näm­lich dass sie im stren­gen Sin­ne das ist, was „un­les­bar“ ge­nannt wird.

Französisch/deutsch mit Anmerkungen

 

[95] Est-ce qu’on m’entend là bas dans le fond, au der­nier rang ?

Ver­steht man mich da­hin­ten in der letz­ten Rei­he?

Est-ce qu’on m’entend là, au qua­triè­me rang là ?

Ver­steht man mich da, in der vier­ten Rei­he da?

For­mi­da­ble !

Wun­der­bar!

Au moins on re­spi­re, c’est déjà ça !

Zu­min­dest at­met man, das ist ja schon et­was.

Ça peut per­mett­re des rap­ports plus ef­fi­caces.

Das kann wir­kungs­vol­le­re Be­zie­hun­gen er­lau­ben.

Par ex­emp­le, dans un cas, je pour­rai de­man­der à quelqu’un de sor­tir. [Ge­läch­ter]

Bei­spiel­wei­se könn­te ich ge­ge­be­nen­falls je­man­den bit­ten, raus­zu­ge­hen. [Ge­läch­ter]

À la li­mi­te je pour­rai fai­re une cri­se de nerfs, m’en al­ler moi-même. [Ge­läch­ter]

Äu­ßers­ten­falls könn­te ich eine Ner­ven­zu­sam­men­bruch krie­gen und sel­ber ge­hen. [Ge­läch­ter]

En­fin, dans l’autre am­phi ça res­sem­blait un peu trop au plus grand nom­bre de cas où on croit qu’il exis­te un rap­port se­xu­el, par­ce qu’on est co­in­cé dans une boî-boî­te. [Ge­läch­ter]

Nun ja, im an­de­ren Hör­saal äh­nel­te das ein biss­chen zu sehr der über­wie­gen­den  Zahl der Fäl­le, bei de­nen man des­halb glaubt, es gäbe ein se­xu­el­les Ver­hält­nis, weil man in ein Schäch­tel­chen ein­ge­zwängt ist. [Ge­läch­ter]

Ça va me per­mett­re de vous de­man­der de le­ver le doigt !

Das wird es mir ge­stat­ten, Sie zu bit­ten, den Fin­ger zu he­ben.

Quels sont ceux [Ge­läch­ter] qui, sur ma sug­ges­ti­on ex­pres­se ont fait l’effort de re­li­re les pa­ges 31 à 40 de ce qu’on ap­pel­le mes Écrits ? [Ge­läch­ter]

Wer sind die­je­ni­gen [Ge­läch­ter], die auf mei­ne aus­drück­li­che Emp­feh­lung hin die An­stren­gung un­ter­nom­men ha­ben, die Sei­ten 31 bis 40 von dem wie­der­zu­le­sen, was man als mei­ne Écrits be­zeich­net? [Ge­läch­ter] 1?

Le­vez le doigt, ici on peut le­ver le doigt.

He­ben Sie doch mal den Fin­ger, hier kann man den Fin­ger he­ben.

Il n’y en a pas tel­le­ment que ça ! [Ge­läch­ter]

Vie­le sind das ja nicht ge­ra­de. [Ge­läch­ter]

Je ne sais pas si je ne vais pas fai­re la cri­se de nerfs [Ge­läch­ter] et m’en al­ler tout sim­ple­ment, puisqu’en som­me il faut avoir des res­sour­ces mi­ni­mes pour de­man­der à quelqu’un quel rap­port il a pu éven­tu­el­le­ment sen­tir de ces pa­ges, de ces pa­ges lues, à ce dont j’ai dit que j’y par­lais, à savoir du phal­lus.

Ich weiß nicht, ob ich jetzt nicht den Ner­ven­zu­sam­men­bruch krie­ge [Ge­läch­ter] und ganz ein­fach gehe, denn schließ­lich braucht man mi­ni­ma­le Res­sour­cen, um je­man­den zu fra­gen, wel­che Be­zie­hung er mög­li­cher­wei­se in die­sen Sei­ten hat spü­ren kön­nen, in die­sen ge­le­se­nen Sei­ten, zu dem, wo­von ich ge­sagt habe, dass ich hier dar­über ge­spro­chen habe, näm­lich über den Phal­lus.

Qui est-ce qui se sent d’humeur – voy­ez je suis gen­til, je n’interpelle per­son­ne – qui est-ce qui se sent d’humeur à en dire quel­que cho­se, voi­re ceci – pour­quoi pas ? – qu’il y a guè­re mo­y­en de s’en aper­ce­voir ?

Wer ist in der Stim­mung – schau­en Sie, ich bin nett, ich rufe nie­man­den auf –, wer ist in der Stim­mung, et­was dar­über zu sa­gen, näm­lich dies, war­um nicht, dass es fast kein Mit­tel gibt, das zu be­mer­ken?2

Est-ce que quelqu’un au­rait la gen­til­les­se de me com­mu­ni­quer un pe­tit bout de réfle­xi­on qu’a pu lui in­spi­rer – je ne dis pas : ces pa­ges, mais ce que la der­niè­re fois j’ai dit de ce en quoi el­les con­sis­tai­ent à mon gré.

Hat je­mand viel­leicht die Freund­lich­keit, mir ein klei­nes Stück der Über­le­gun­gen mit­zu­tei­len, zu de­nen ihn, ich sage nicht: die­se Sei­ten in­spi­rie­ren konn­ten, son­dern das, was ich das letz­te Mal über das ge­sagt habe, wor­um es dar­in mei­ner Mei­nung nach geht?

Ma­rie, écou­tez, vous, est-ce que vous les avez re­lues ces pa­ges ?

Ma­rie, hö­ren Sie, ha­ben Sie die­se Sei­ten wie­der­ge­le­sen?

Vous les avez pas re­lues ?

Sie ha­ben sie nicht wie­der­ge­le­sen?

Teil­neh­me­rin: Non!

Teil­neh­me­rin: Nein!

La­can: Fou­tez le camp ! [Ge­läch­ter]

La­can: Ach hau­en Sie doch ab! [Ge­läch­ter]

[96] Bon en­fin, c’est bien en­nuyeux.

Also das ist ja wirk­lich är­ger­lich.

C’est tout de même pas moi qui vais vous en fai­re la lec­tu­re, ça c’est vrai­ment trop me de­man­der.

Ich wer­de Ih­nen die Lek­tü­re je­doch nicht ab­neh­men, das ist wirk­lich zu viel ver­langt.

Mais en­fin, je prends ça au ha­sard.

Aber nun ja, ich neh­me es, wie es kommt.

Je suis un tout pe­tit peu éton­né quand même, je suis un tout pe­tit peu éton­né de ne pas pou­voir, sauf à entrer dans l’ordre de la taqui­ne­rie, ob­tenir une ré­pon­se.

Es wun­dert mich trotz­dem ein klei­nes biss­chen, es wun­dert mich ein klei­nes biss­chen, dass ich kei­ne Ant­wort er­hal­ten kann, au­ßer wenn ich mit Sti­che­lei­en an­fan­ge.

Oui ! C’est tout de même très en­nuyeux.

Ja. Das ist doch sehr är­ger­lich.

Je ne par­le très pré­cisé­ment dans ces pa­ges, que de la fonc­tion du phal­lus en tant qu’elle s’articule, qu’elle s’articule dans un cer­tain dis­cours.

Auf die­sen Sei­ten spre­che ich ex­akt nur von der Funk­ti­on des Phal­lus, in­so­fern sie in ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs ar­ti­ku­liert wird.

Et c’était pour­tant pas le temps où j’avais en­co­re même ébau­ché de con­strui­re tou­te cet­te va­rié­té, cet­te com­bi­nai­son té­traéd­ri­que, à quat­re som­mets, que je vous ai pré­sen­tée l’année der­niè­re.

Und den­noch war das nicht in der Zeit, in der ich auch nur da­mit an­ge­fan­gen hat­te, die­se gan­ze Viel­falt [von Dis­kur­sen] zu kon­stru­ie­ren, die­se te­tra­edi­sche Kom­bi­na­to­rik mit den vier Spit­zen, die ich Ih­nen letz­tes Jahr vor­ge­stellt habe.

Et je cons­ta­te pour­tant que dès ce ni­veau on ne peut pas dire – dès ce ni­veau dis-je, de ma con­struc­tion – dès ce temps si vous vou­lez aus­si, eh bien j’ai di­ri­gé mon coup si je puis dire.

Und ich kon­sta­tie­re den­noch, dass man von die­ser Ebe­ne her nicht sa­gen kann, von die­ser Ebe­ne, sage ich, mei­ner Kon­struk­ti­on, und auch von die­ser Zeit her, wenn Sie wol­len –; nun ja, ich habe mei­nen Schlag ge­lenkt, wenn ich so sa­gen kann.

J’ai di­ri­gé mon coup – c’est beau­coup dire, pou­voir ti­rer, c’est déjà ça [Ge­läch­ter] – de fa­çon tel­le qu’il ne me pa­rais­se pas main­tenant por­ter à faux, je veux dire dans un sta­de plus avan­cé de cet­te con­struc­tion.

Ich habe mei­nen Schlag ge­lenkt – das heißt schon viel, zie­len kön­nen, das ist es be­reits [Ge­läch­ter] –, der­art, dass er mir jetzt nicht da­ne­ben­zu­tref­fen scheint, ich mei­ne in ei­nem fort­ge­schrit­te­ne­ren Sta­di­um die­ser Kon­struk­ti­on.

Bien sûr, quand j’ai dit la der­niè­re fois – je me lais­se al­ler com­me ça, sur­tout quand il faut un peu fai­re sem­blant de re­spi­rer – j’ai dit la der­niè­re fois que je m’admirais, j’espère que vous n’avez tout de même pas pris ça au pied de la lett­re.

Na­tür­lich, als ich das letz­te Mal ge­sagt habe – so las­se ich mich ge­hen, vor al­lem, wenn man ein biss­chen den An­schein er­we­cken muss, zu at­men –, ich habe das letz­te Mal ge­sagt, dass ich mich be­wun­de­re; ich hof­fe, dass Sie das nicht buch­stäb­lich ge­nom­men ha­ben.

Ce que j’admirais, c’était en ef­fet plu­tôt le tra­cé que j’avais fait dans le temps où je com­mençais seu­le­ment à fai­re un cer­tain sil­lon en fonc­tion de re­pè­res, qui soit pas main­tenant net­te­ment à re­je­ter, en­fin qui ne me fas­se pas hon­te.

Was ich be­wun­der­te war viel­mehr, dass die Tras­se / die Zeich­nung (la tra­cé), die ich zu ei­nem Zeit­punkt ge­macht hat­te, als ich erst an­fing, als Be­zugs­punkt eine be­stimm­te Fur­che aus­zu­he­ben, jetzt nicht ein­fach zu ver­wer­fen ist und mich nicht mit Scham er­füllt.

C’est là-des­sus que j’ai ter­mi­né l’année der­niè­re, et c’est as­sez re­mar­quable, voi­re même on peut peut-être y prend­re un pe­tit quel­que cho­se, une ébau­che com­me ça d’encouragement à con­ti­nu­er.

Da­mit habe ich das letz­te Jahr be­en­det, und das ist ziem­lich be­mer­kens­wert, ja man kann da­von viel­leicht so­gar ein klei­nes Et­was mit­neh­men, so ei­nen An­satz von Er­mu­ti­gung, wei­ter­zu­ma­chen.3

Qu’il soit tout à fait frap­pant que tout ce qui y est pêcha­ble si je puis dire, de si­gni­fi­ant, par­ce que ça, c’est bien de ça qu’il s’agit.

Es ist ganz er­staun­lich, dass all das hier vom Si­gni­fi­kan­ten fisch­bar ist, wenn ich so sa­gen kann, denn das ist eben das, wor­um es geht.

Je suis venu à la pêche de ce « sé­mi­nai­re sur La Lett­re vo­lée », dont je pen­se qu’après tout – de­pu­is un temps – le fait que je l’aie mis en tête – n’est-ce pas, en dé­pit de tou­te chro­no­lo­gie – mon­trait peut-être qu’il fal­lait… que j’avais l’idée que c’était en som­me la meilleu­re fa­çon d’introduire à mes Écrits.

Von die­sem Se­mi­nar über den „Ge­stoh­le­nen Brief“ aus bin ich zum Fi­schen ge­kom­men, wo­von ich den­ke, dass schließ­lich seit ei­ni­ger Zeit die Tat­sa­che, dass ich es, nicht wahr, an den An­fang ge­stellt habe, un­ter Au­ßer­acht­las­sung je­der Chro­no­lo­gie, viel­leicht ge­zeigt hat, dass es nö­tig war, dass ich die Idee hat­te, dass dies ins­ge­samt die bes­te Art wäre, in mei­ne Schrif­ten ein­zu­füh­ren.

Alors la re­mar­que que je fais, sur ce fa­meux hom­me : « who da­res all things, tho­se un­be­co­m­ing as well as tho­se be­co­m­ing a man » il est bien cer­tain que si j’insiste à ce mo­ment là pour dire que de ne pas le tra­du­i­re lit­té­ra­le­ment… « ce qui est in­di­g­ne aus­si bien que ce qui est di­g­ne d’un hom­me » …mont­re que c’est dans son bloc | [97] que le côté in­di­ci­b­le, hon­teux, qui ne se dit pas, quant à ce qui con­cer­ne un hom­me, en­fin est bien là – pour tout dire le phal­lus – et que il est clair que ra­me­ner ça, en le frag­men­tant en deux : « ce qui est di­g­ne d’un hom­me aus­si bien que ce qui est in­di­g­ne de lui » il est clair que ce que sur quoi j’insiste ici, que c’est pas la même cho­se de dire : « the robber’s know­ledge of the loser’s know­ledge of the rob­ber », « la con­nais­sance qu’a le vo­leur de la con­nais­sance qu’a le volé de son vo­leur » que cet élé­ment de « savoir qu’il sait », à savoir : savoir im­po­sé d’un cer­tain fan­tas­me, que ce soit jus­te­ment : « l’homme qui ose tout », c’est là, com­me tout de sui­te le dit Du­pin, la clé de la si­tua­ti­on.

Also die Be­mer­kung, die ich [dar­in] über den be­rühm­ten Mann ma­che, who da­res all things, tho­se un­be­co­m­ing as well as tho­se be­co­m­ing a man4, es ist ja ge­wiss, wenn ich auf eben die­sem Mo­ment be­har­re, um zu sa­gen, wenn man es nicht wört­lich über­setzt – „das, was ei­nes Man­nes un­wür­dig wie auch das, was sei­ner wür­dig ist“ –, dann zeigt das, dass als Block ge­nom­men die un­aus­sprech­li­che, be­schä­men­de Sei­te, die nicht ge­sagt wird, be­zo­gen auf das, was ei­nen Mann be­trifft, schließ­lich durch­aus da ist – um es klar zu sa­gen: der Phal­lus5; und dass klar ist, dass, wenn man das zu­rück­führt, in­dem man es in zwei Stü­cke teilt, „das, was ei­nes Man­nes wür­dig ist, wie auch das, was sei­ner un­wür­dig ist“ –;  es ist klar, dass das, wor­auf ich hier be­har­re, dass es nicht das­sel­be ist zu sa­gen, the robber’s know­ledge of the loser’s know­ledge of the rob­ber6, „das Wis­sen des Diebs über das Wis­sen des Be­stoh­le­nen über den Dieb“, dass die­ses Ele­ment: zu wis­sen, dass er weiß, das heißt ein Wis­sen, das durch eine be­stimm­te Phan­ta­sie auf­ge­nö­tigt wird, näm­lich dass dies eben der Mann wäre, der al­les wagt – das ist hier, wie Du­pin so­fort sagt, der Schlüs­sel zur Si­tua­ti­on.

Je dis ça et je vais pas y re­ve­nir, car à vrai dire ce que je vous in­di­quais au­rait pu, pour quelqu’un qui s’en se­rait don­né la pei­ne, per­mett­re di­rec­te­ment, sur un tex­te com­me ça, d’avancer la plu­part des ar­ti­cu­la­ti­ons que j’aurais peut-être à dé­ve­lop­per, à dé­rou­ler, à con­strui­re aujourd’hui… com­me vous al­lez le voir – si vous vou­lez bien – dans un se­cond temps, après avoir en­t­en­du ce que j’aurai plus ou moins réus­si à dire …se trou­vait en som­me déjà bel et bien écrit là, et non seu­le­ment écrit là avec tou­tes, et les mê­mes, ar­ti­cu­la­ti­ons né­ces­sai­res, cel­les par les­quel­les je crois de­voir vous prome­ner.

Ich sage das und ich wer­de nicht dar­auf zu­rück­kom­men, denn, of­fen ge­sagt, das, wor­auf ich Sie hin­ge­wie­sen habe, hät­te je­man­dem, der sich die Mühe ge­macht hät­te, un­mit­tel­bar er­lau­ben kön­nen, über ei­nen sol­chen Text den größ­ten Teil der Ar­ti­ku­la­tio­nen vor­zu­brin­gen, die ich heu­te in ei­ner zwei­ten Pha­se viel­leicht zu ent­wi­ckeln, zu ent­rol­len, zu kon­stru­ie­ren hät­te, wie Sie, wenn Sie wol­len, nach dem An­hö­ren des­sen se­hen wer­den, was zu sa­gen mir dann mehr oder we­ni­ger ge­lun­gen sein wird, und was sich dort ins­ge­samt duf­rchaus be­reits ge­schrie­ben fand, und nicht nur dort ge­schrie­ben fand, mit al­len not­wen­di­gen Ar­ti­ku­la­tio­nen, den­sel­ben, durch die ich glau­be, Sie hin­durch­füh­ren zu müs­sen.

Donc tout ce qui est là, est non seu­le­ment ta­mi­sé mais lié, est bien fait de ces si­gni­fi­ants dis­po­ni­bles pour une si­gni­fi­ca­ti­on plus éla­bo­rée.

Also ist al­les, was da ist, nicht nur aus­ge­siebt, son­dern ver­bun­den, gut ge­macht aus die­sen Si­gni­fi­kan­ten, die für eine stär­ker aus­ge­ar­bei­te­te Be­deu­tung zur Ver­fü­gung ste­hen.

Cel­le en som­me d’un ens­eig­ne­ment que je peux dire sans pré­cé­dent, aut­re que Freud lui-même, et jus­te­ment en tant qu’il dé­fi­nit la pré­cé­den­te de fa­çon tel­le qu’il faut en lire la struc­tu­re dans ses im­pos­si­bi­lités.

Kurz, die ei­ner Leh­re, für die es, wie ich sa­gen kann, kei­nen Prä­ze­denz­fall gibt, au­ßer Freud selbst, und ge­nau in­so­fern, als er den Prä­ze­denz­fall auf eine Wei­se de­fi­niert, dass man dar­in die Struk­tur in ih­ren Un­mög­lich­kei­ten le­sen muss.

Peut-on dire qu’à pro­pre­ment par­ler, par ex­emp­le Freud for­mu­le cet­te im­pos­si­bi­lité du rap­port se­xu­el non pas com­me tel ?

Kann man sa­gen, dass streng­ge­nom­men Freud bei­spiels­wei­se die Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses nicht als sol­che for­mu­liert?

Je le fais sim­ple­ment par­ce que c’est tout simp­le à dire.

Ich tue es ein­fach des­halb, weil es ganz ein­fach zu sa­gen ist.

C’est écrit en long et en lar­ge, c’est écrit dans ce que Freud écrit, il n’y a qu’à le lire.

Das ist lang und breit ge­schrie­ben, das ist in dem ge­schrie­ben, was Freud schreibt; man muss es nur le­sen.

Seu­le­ment vous al­lez voir tout à l’heure pour­quoi vous ne le li­sez pas.

Nur wer­den Sie gleich se­hen, war­um Sie es nicht le­sen.

J’essaie de le dire, de dire pour­quoi moi je le lis.

Ich ver­su­che es zu sa­gen, zu sa­gen, war­um ich es lese.

La lett­re donc, « pur­loi­ned » non pas « vo­lée » mais com­me je l’explique – je com­mence par là – qui va fai­re un dé­tour, ou com­me je le tra­du­is moi : « La lett­re en souf­fran­ce », ça com­mence com­me ça, et ça se ter­mi­ne, ce pe­tit écrit, par ceci qu’elle ar­ri­ve pour­tant à de­sti­na­ti­on.

Der Brief also, ein Brief, der pur­loi­ned ist, der nicht etwa „ge­stoh­len“ ist, son­dern, wie ich es er­läu­te­re, da­mit fan­ge ich an, der ei­nen Um­weg ma­chen wird oder, wie ich es über­set­ze, La lett­re en souf­fran­ce, „Der un­zu­stell­ba­re Brief“, so fängt das an7, und er en­det da­mit, die­ser klei­ne Schrieb, dass er den­noch sei­nen Be­stim­mungs­ort (de­sti­na­ti­on) er­reicht.8

Et si vous le li­sez, j’espère qu’il y en aura un pe­tit peu plus qui le li­ront d’ici que je vous re­vo­ie, ce qui ne sera pas avant une paye. 

Und wenn Sie es le­sen, ich hof­fe, dass es ein klein biss­chen mehr sein wer­den, die es von hier bis zu un­se­rem nächs­ten Tref­fen le­sen wer­den, was erst in ei­ner Ewig­keit sein wird.

Par­ce que tout ça c’est très bien cal­cu­lé : deu­xiè­me et troi­siè­me mer­credi, je les ai choi­sis par­ce que pour le mois d’avril, ça tom­be pen­dant les va­can­ces de Pâques, alors vous ne me re­ver­rez qu’en mai. 

Weil das al­les gut kal­ku­liert ist, zwei­ter und drit­ter Mitt­woch, ich habe sie aus­ge­sucht, weil das im Mo­nat April in die Os­ter­fe­ri­en fällt, des­halb wer­den Sie mich erst im Mai wie­der­se­hen.

Ça don­ne­ra le temps de lire les 40 pa­ges de « La Lett­re vo­lée ».

Das wird Ih­nen die Zeit ge­ben, die vier­zig Sei­ten des Ge­stoh­le­nen Briefs zu le­sen.

[98] À la fin je ti­ens à sou­li­gner ce qui en est l’essentiel, et pour­quoi la tra­duc­tion « La Lett­re vo­lée » n’est pas la bon­ne : « The pur­loi­ned let­ter » ça veut quand même dire, ça veut dire que quand même elle ar­ri­ve à de­sti­na­ti­on.

Am Ende liegt mir dar­an, das her­vor­zu­he­ben, was da­von das We­sent­li­che ist und wes­halb die Über­set­zung mit Der ge­stoh­le­ne Brief nicht gut ist. The pur­loi­ned let­ter, das be­deu­tet ja doch, das be­deu­tet, dass er den­noch an sei­nen Be­stim­mungs­ort ge­langt.

Et la de­sti­na­ti­on, je la don­ne, je la don­ne com­me la de­sti­na­ti­on fon­da­men­ta­le de tou­te lett­re, je veux dire épis­to­le.

Und den Be­stim­mungs­ort gebe ich an, ich gebe ihn als den grund­le­gen­den Be­stim­mungs­ort ei­nes je­den Brie­fes an.

Elle ar­ri­ve, di­sons même pas à ce­lui ni à cel­le, à ce qui ne peut rien y com­prend­re : à la po­li­ce en l’occasion, qui bien en­t­en­du est tout à fait in­ca­pa­ble d’y com­prend­re quoi que ce soit… com­me je le sou­li­gne et je l’explique en de nom­breu­ses pa­ges : jus­te­ment c’est même pour ça qu’elle était même pas ca­pa­ble de la trou­ver …à ce sub­strat, ce ma­té­ri­el de la lett­re.

Er kommt, sa­gen wir, nicht etwa bei die­sem an und auch nicht bei die­ser, son­dern bei dem, der hier nichts ver­ste­hen kann – in die­sem Fal­le bei der Po­li­zei, die wohl­ge­merkt völ­lig un­fä­hig ist, hier ir­gend­et­was zu ver­ste­hen, wie ich auf vie­len Sei­ten her­aus­stel­le und er­läu­te­re, und ge­nau des­halb war sie auch nicht in der Lage, ihn zu fin­den –, bei dem, der bei die­sem Sub­strat, die­sem Brief­ma­te­ri­al nichts ver­ste­hen kann.

Tout ça est dit très jo­li­ment, cet­te in­ven­ti­on, cet­te for­ge­rie de Poe, ma­gni­fi­que.

All das wird sehr schön ge­sagt; die­se Er­fin­dung, die­se Er­dich­tung von Poe – groß­ar­tig.

La lett­re est bien en­t­en­du hors de la por­tée de l’explication de l’espace, puis­que c’est de ça qu’il s’agit.

Der Brief ist wohl­ge­merkt au­ßer­halb der Reich­wei­te der Ex­pli­ka­ti­on des Rau­mes, denn das ist das, wor­um es geht.

C’est ça que le pré­fet vi­ent dire, en­fin ce que la po­li­ce vi­ent dire d’abord, c’est que tout ce qui est chez le mi­nist­re, étant don­né qu’on est sûr que la lett­re y est, qu’elle est là pour qu’il l’ait tou­jours à por­tée de la main, on dit pour­quoi, que l’espace a été lit­té­ra­le­ment qua­dril­lé.

Das ist das, was der Prä­fekt sa­gen wird, dann das, was die Po­li­zei zu­nächst sa­gen wird, näm­lich dass all das, was beim Mi­nis­ter ist – an­ge­sichts des­sen, dass man sich si­cher ist, dass der Brief dort ist, dass er da ist, da­mit er ihn im­mer in Reich­wei­te hat, man sagt, war­um –, dass der Raum buch­stäb­lich von ei­nem Kon­troll­netz über­zo­gen wor­den ist.

C’est amusant – hein ? – de me li­v­rer là, com­me ça, je ne sais pas, à chaque fois que je me lais­se – tout de même de temps en temps – un peu al­ler dans les pen­tes, pour­quoi pas, à quel­ques con­sidé­ra­ti­ons com­me ça sur l’espace, ce fa­meux es­pace qui est bien – pour not­re lo­gi­que – de­pu­is un bon mo­ment, de­pu­is Des­car­tes – la cho­se la plus en­com­bran­te du mon­de.

Das ist amü­sant, nicht wahr, wenn ich mich hier so ge­hen las­se, ich weiß nicht, je­des Mal, wenn ich dann doch von Zeit zu Zeit ein we­nig mei­nen Nei­gun­gen nach­ge­be, war­um nicht, <ge­lan­ge ich> zu sol­chen Über­le­gun­gen über den Raum – die­ser be­rühm­te Raum, der seit ge­rau­mer Zeit, seit Des­car­tes, für un­se­re Lo­gik die sper­rigs­te Sa­che von der Welt ist.

C’est bien tout de même une oc­ca­si­on com­me ça d’en par­ler, si tant est qu’il fail­le l’ajouter com­me une note en mar­ge, c’est ce que j’isole com­me la di­men­si­on de l’Imaginaire.

Das ist aber im­mer­hin so eine Ge­le­gen­heit, dar­über zu spre­chen, wenn es schon nö­tig ist, es als eine Art Rand­be­mer­kung hin­zu­zu­fü­gen; das ist das, was ich als die Di­men­si­on des Ima­gi­nä­ren iso­lie­re.

Il y a quand même des gens qui se tra­cas­sent, pas for­cé­ment sur cet écrit là, sur d’autres, ou même aus­si quel­que­fois qui ont gar­dé des no­tes de ce que j’ai pu dire dans un temps, par ex­emp­le sur l’identification, c’était les an­nées 61–62.

Es gibt wirk­lich Leu­te, die sich den Kopf zer­bre­chen, nicht un­be­dingt we­gen die­ser Schrift, we­gen an­de­rer Schrif­ten, oder die bis­wei­len so­gar No­ti­zen auf­be­wahrt ha­ben, von dem, was ich frü­her mal habe sa­gen kön­nen, bei­spiels­wei­se über die Iden­ti­fi­zie­rung, das war in den Jah­ren 61/62.9

Je dois dire que tous mes au­di­teurs pen­sai­ent à aut­re cho­se, sauf – je sais pas – un ou deux qui ve­n­aient tout à fait du de­hors, qui ne sa­vai­ent pas ce qui se pas­sait ex­ac­te­ment.

ich muss sa­gen, dass all mei­ne Zu­hö­rer an et­was an­de­res ge­dacht ha­ben, au­ßer – ich weiß nicht – ein oder zwei, die ganz von au­ßen ka­men, die nicht wuss­ten, was da ge­nau ab­lief.

J’y ai par­lé du trait un­ai­re.

Ich habe da vom ein­zi­gen Zug ge­spro­chen.

Alors on se tra­cas­se main­tenant – non sans que ce soit lé­gi­ti­me – pour savoir : ce trait un­ai­re où est-ce qu’il faut le mett­re : du côté du Sym­bo­li­que ou de l’Imaginaire – et pour­quoi pas du Réel ?

Und jetzt zer­bricht man sich also den Kopf dar­über, was durch­aus le­gi­tim ist, wo man die­sen ein­zi­gen Zug ein­ord­nen soll: auf der Sei­te des Sym­bo­li­schen oder des Ima­gi­nä­ren oder, war­um nicht, des Rea­len?

Quoiqu’il en soit, tel que, c’est com­me ça que ça se mar­que : un bâ­ton, ein ein­zi­ger Zug – car c’est bien sûr dans Freud que j’ai été le pêcher – qui pose quel­ques ques­ti­ons, com­me je vous l’ai déjà un peu in­tro­du­it la der­niè­re fois par cet­te re­mar­que qu’il était tout à fait im­pos­si­ble | [99] de pen­ser quoi que ce soit qui ti­en­ne de­bout sur cet­te bi­par­ti­ti­on si dif­fi­ci­le, si pro­b­lé­ma­tique pour les ma­thé­ma­ti­ci­ens, qui est à savoir : est-ce que tout peut être ré­duc­ti­ble à la lo­gi­que pure, c’est-à-dire à un dis­cours qui se sou­ti­ent d’une struc­tu­re bien dé­ter­mi­née ?

Wie auch im­mer, so et­was, das wird so mar­kiert: ein senk­rech­ter Strich, ein ein­zi­ger Zug* – denn na­tür­lich habe ich das bei Freud auf­ge­fischt10 –, der ei­ni­ge Fra­gen auf­wirft, wie ich Ih­nen be­reits das letz­te Mal ein we­nig na­he­ge­bracht habe, mit der Be­mer­kung, dass es völ­lig un­mög­lich ist, ir­gend­et­was Halt­ba­res über die­se Zwei­tei­lung [in ei­ner­seits Lo­gik und an­de­rer­seits Ma­the­ma­tik] zu schrei­ben, die für die Ma­the­ma­ti­ker so schwie­rig, so pro­ble­ma­tisch ist, näm­lich, kann al­les auf rei­ne Lo­gik re­du­ziert wer­den, das heißt auf ei­nen Dis­kurs, der sich auf eine wohl­de­fi­nier­te Struk­tur stützt?

Est-ce qu’il n’y a pas un élé­ment ab­so­lu­ment es­sen­tiel qui res­te – quoi que nous fas­si­ons pour l’enserrer de cet­te struc­tu­re, le ré­du­i­re – qui tout de même res­te un der­nier noyau, et qu’on ap­pel­le in­tui­ti­on.

Gibt es nicht ein ab­so­lut we­sent­li­ches Ele­ment, das üb­rig­bleibt, was auch im­mer wir an­stel­len mö­gen, um es in die­se Struk­tur ein­zu­zwän­gen, es zu re­du­zie­ren, das den­noch üb­rig­bleibt, ein letz­ter Kern, der als In­tui­ti­on / als An­schau­ung be­zeich­net wird?

As­su­ré­ment c’est la ques­ti­on dont Des­car­tes est par­ti, je veux dire que ce qu’il a fait re­mar­quer, c’est que le rai­son­ne­ment ma­thé­ma­tique, à son gré, ne ti­rait rien d’efficace, de créa­teur, de quoi que ce fût qui fut de l’ordre du rai­son­ne­ment, mais seu­le­ment son dé­part, à savoir une in­tui­ti­on ori­gi­na­le et qui est cel­le qu’il pose, in­sti­tue, de sa dis­tinc­tion ori­gi­nel­le de l’étendue et de la pen­sée.

Ge­wiss, das ist die Fra­ge, von der Des­car­tes aus­ge­gan­gen ist; ich mei­ne, dass er dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat, näm­lich dass die ma­the­ma­ti­sche Be­grün­dung ihm zu­fol­ge nichts Wirk­sa­mes, Schöp­fe­ri­sches oder was auch im­mer aus der Ord­nung der Be­grün­dung be­zieht, son­dern ein­zig ihr Aus­gangs­punkt, näm­lich eine ur­sprüng­li­che An­schau­ung, die­je­ni­ge, die er an­nimmt, die er ein­setzt mit sei­ner ur­sprüng­li­chen Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Aus­ge­dehn­ten und dem Den­ken.

Bien sûr, cet­te op­po­si­ti­on car­té­si­en­ne, d’être fai­te plus par un pen­seur que par un ma­thé­ma­ti­ci­en, non pas cer­tes in­ca­pa­ble de pro­du­i­re en ma­thé­ma­ti­ques, com­me les ef­fets s’en sont prou­vés, a été bien sûr bien plus en­ri­chie par les ma­thé­ma­ti­ci­ens eux-mê­mes.

Ge­wiss, die­ser kar­te­si­sche Ge­gen­satz, der mehr von ei­nem Den­ker als von ei­nem Ma­the­ma­ti­ker ge­bil­det wor­den ist – von je­man­dem, der ge­wiss nicht un­fä­hig war, in der Ma­the­ma­tik et­was zu leis­ten, wie die Wir­kun­gen be­wie­sen ha­ben –, ist na­tür­lich von den Ma­the­ma­ti­kern selbst wei­ter an­ge­rei­chert wor­den.

C’est bien la pre­miè­re fois que quel­que cho­se ve­n­ait aux ma­thé­ma­ti­ques par la voie de la phi­lo­so­phie.

Das ist si­cher­lich das ers­te Mal, dass zur Ma­the­ma­tik et­was auf dem Wege der Phi­lo­so­phie ge­kom­men ist.

Car je vous prie­r­ai de re­mar­quer cet­te cho­se qui me sem­ble à moi très cer­tai­ne… qu’on me cont­re­di­se si on le peut, il se­rait fa­ci­le de trou­ver là-des­sus plus com­pé­tent que moi …il est tout de même très frap­pant que les ma­thé­ma­ti­ci­ens de l’Antiquité ai­ent, eux, pour­sui­vis leur mar­che sans avoir le moi­nd­re égard à tout ce qui pou­vait se pas­ser dans les écoles de sa­g­es­se, dans les écoles – quel­les qu’elles fus­sent – de phi­lo­so­phie.

Denn ich möch­te Sie bit­ten, dies zu be­ach­ten, was mir sehr si­cher zu sein scheint – man möge mir wi­der­spre­chen, wenn man kann, es wäre leicht, je­man­den zu fin­den, der in die­ser Fra­ge kom­pe­ten­ter ist als ich –, es ist doch ver­blüf­fend, dass die Ma­the­ma­ti­ker der An­ti­ke ih­ren Weg ver­folgt ha­ben, ohne auch nur im Ge­rings­ten all dem Be­ach­tung zu schen­ken, was sich in den Schu­len der Weis­heit er­eig­nen konn­te, in den Schu­len der Phi­lo­so­phie, in wel­chen auch im­mer.

Il n’en est pas de même de nos jours où as­su­ré­ment l’impulsion car­té­si­en­ne, con­cer­nant la dis­tinc­tion de l’intuitionné et du rai­son­né, est une cho­se qui a fort­e­ment tra­vail­lé la ma­thé­ma­tique elle-même.

Heut­zu­ta­ge ist das nicht mehr so, jetzt, wo der kar­te­si­sche Im­puls, be­zo­gen auf die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem An­ge­schau­ten und dem Be­grün­de­ten, et­was ist, was die Ma­the­ma­tik selbst in star­kem Maße um­ge­trie­ben hat.11

C’est bien en cela que je ne peux pas ne pas y trou­ver une vei­ne, un ef­fet de quel­que cho­se qui a un cer­tain rap­port avec ce qu’ici, sur le champ dont il s’agit, je ten­te.

In die­ser Hin­sicht kann ich nicht an­ders als auf eine Ader zu sto­ßen, was an et­was liegt, was in ei­ner ge­wis­sen Be­zie­hung zu dem steht, was ich hier ver­su­che, in dem Feld, um das es geht.

C’est qu’il me sem­ble que la re­mar­que, la re­mar­que que je peux fai­re du point où je suis, sur les rap­ports ent­re la pa­ro­le et l’écrit, de ce qu’il y a, au moins dans cet­te pre­miè­re arête, sur ce qu’il y a de spé­ci­al dans la fonc­tion de l’écrit au re­gard de tout dis­cours, est de na­tu­re peut-être à fai­re que les ma­thé­ma­ti­ci­ens s’aperçoivent de ce que par ex­emp­le j’ai in­di­qué la der­niè­re fois : que l’intuition même de l’espace eu­cli­di­en doit quel­que cho­se à l’écrit.

Mir scheint näm­lich, dass die Be­mer­kung, die Be­mer­kung, die ich vor­brin­gen kann, von dem Punkt aus, an dem ich bin, zu den Be­zie­hun­gen zwi­schen dem Spre­chen und dem Ge­schrie­be­nen, be­zo­gen auf das, was die Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen, zu­min­dest an die­ser ers­ten Kan­te, an Be­son­de­rem hat, be­zo­gen auf je­den Dis­kurs, dass die­se Be­mer­kung viel­leicht so ist, dass sie dazu führt, dass die Ma­the­ma­ti­ker sich über das klar­wer­den, wor­auf ich bei­spiels­wei­se das letz­te Mal hin­ge­wie­sen habe, dass näm­lich selbst die An­schau­ung des eu­kli­di­schen Rau­mes et­was dem Ge­schrie­be­nen zu ver­dan­ken hat.

D’autre part, si – com­me je vais es­say­er de vous le pous­ser un peu plus loin – ce qu’on ap­pel­le en ma­thé­ma­tique « re­cher­che lo­gi­que », « ré­duc­tion lo­gi­que », « l’opération ma­thé­ma­ti­ci­en­ne », c’est quel­que cho­se qui en tout cas ne va pas, ne sau­rait avoir d’autre | [100] sup­port – il suf­fit pour le cons­ta­ter de sui­v­re l’histoire – que la ma­ni­pu­la­ti­on de pe­ti­tes ou de gran­des lettres, de lots al­pha­bé­ti­ques di­vers, je veux dire lettres grec­ques ou lettres ger­ma­ni­ques, plu­sieurs lots al­pha­bé­ti­ques, tou­te ma­ni­pu­la­ti­on qui avan­ce la ré­duc­tion lo­gis­tique dans le rai­son­ne­ment ma­thé­ma­tique né­ces­si­te ce sup­port.

An­de­rer­seits, falls es so ist – da ich ver­su­chen will, das für Sie ein biss­chen wei­ter vor­an­zu­trei­ben –, falls das, was man in der Ma­the­ma­tik „lo­gi­sche Un­ter­su­chung“ nennt, „Re­duk­ti­on <der> ma­the­ma­ti­schen Ope­ra­ti­on auf die Lo­gik“, falls dies et­was ist, was kei­nes­falls geht, was kei­ne an­de­re Stüt­ze ha­ben kann – um das fest­zu­stel­len, ge­nügt es, die Ge­schich­te zu ver­fol­gen – als die Ma­ni­pu­la­ti­on klei­ner und gro­ßer Buch­sta­ben12, ver­schie­de­ner Par­ti­en von Al­pha­be­ten, ich mei­ne grie­chi­sche oder deut­sche Buch­sta­ben13, meh­re­rer Par­ti­en un­ter­schied­li­cher Al­pha­be­te, dann ist jede Ma­ni­pu­la­ti­on, mit der in der ma­the­ma­ti­schen Be­grün­dung die lo­gi­sche Re­duk­ti­on vor­an­schrei­tet, auf die­se Stüt­ze an­ge­wie­sen.

Com­me je vous le ré­pè­te, je ne vois pas la dif­fé­rence es­sen­ti­el­le avec ce qui était long­temps, pen­dant tou­te une épo­que, XVIIè­me, XVIIIè­me siè­cles, la dif­fi­cul­té de la pen­sée ma­thé­ma­ti­ci­en­ne, à savoir la né­ces­sité du tra­cé pour la dé­mons­tra­ti­on eu­cli­di­en­ne : qu’au moins un de ces tri­angles soit là tra­cé.

Wie ich Ih­nen zum wie­der­hol­ten Male sage, sehe ich kei­nen we­sent­li­chen Un­ter­schied zu dem, was lan­ge Zeit, wäh­rend ei­ner gan­zen Epo­che, im 17. und 18. Jahr­hun­dert, für das ma­the­ma­ti­sche Den­ken die Schwie­rig­keit ge­bil­det hat, näm­lich die Not­wen­dig­keit der Zeich­nung (tra­cé) für den eu­kli­di­schen Be­weis – dass zu­min­dest ei­nes die­ser Drei­ecke hier ge­zeich­net ist.

À par­tir de quoi cha­cun s’affole : ce tri­ang­le qui aura été tra­cé, est-ce le tri­ang­le gé­né­ral, ou un tri­ang­le par­ti­cu­lier ?

Wor­über alle in Auf­re­gung ge­ra­ten: ist die­ses Drei­eck, das ge­zeich­net wor­den sein wird, das all­ge­mei­ne Drei­eck oder ein be­son­de­res Drei­eck?

Car il est bien clair qu’il est tou­jours par­ti­cu­lier, et que ce que vous dé­mont­rez pour le tri­ang­le en gé­né­ral, à savoir – tou­jours la même his­toire – à savoir que les trois angles qui font deux droits, ben il est clair qu’il faut pas que vous di­siez que ce tri­ang­le n’a pas le droit d’être aus­si bien rectang­le, iso­cè­le à la fois, ou équi­la­té­ral.

Es ist je­doch völ­lig klar, dass es im­mer be­son­ders ist, und dass das, was Sie für das Drei­eck im all­ge­mei­nen be­wei­sen – näm­lich im­mer die­sel­be Ge­schich­te, drei Win­kel, die zu­sam­men zwei rech­te aus­ma­chen –, nun, es ist klar, dass Sie nicht sa­gen dür­fen, dass die­ses Drei­eck nicht das Recht hat, eben­so gut ein gleich­schenk­li­ges Recht­wink­li­ges oder ein Gleich­sei­ti­ges zu sein.

Donc il est tou­jours par­ti­cu­lier, ça a énor­mé­ment ma­thé­ma­ti­ci­ens.

Es ist also im­mer be­son­ders, das hat die Ma­the­ma­ti­ker enorm be­schäf­tigt.14

Je vous pas­se bien sûr – ce n’est pas l’endroit de le rap­pe­ler ici, on est pas là pour fai­re de l’érudition – à tra­vers quel et quel ça coule, de­pu­is Des­car­tes, Leib­niz ou d’autres, ça va jusqu’à Hus­serl ; ils me sem­blent n’avoir ja­mais vu cet os tout de même : que l’écriture est là des deux côtés, elle est bien ho­mo­gé­néi­sant l’intuitionné et le rai­son­né, que l’écriture – en d’autres ter­mes : des pe­ti­tes lettres – n’a pas de fonc­tion moins in­tui­ti­ve que ce que tra­çait le bon Eu­cli­de.

Ich über­ge­he na­tür­lich – das ist hier nicht der Ort, dar­an zu er­in­nern, wir sind nicht hier, um in Ge­lehr­sam­keit zu ma­chen –, ich über­ge­he, über wen und wen das ver­läuft, seit Des­car­tes, Leib­niz und an­de­ren, das geht bis zu Hus­serl15; sie schei­nen mir je­doch nie­mals die­sen har­ten Punkt ge­se­hen zu ha­ben, dass die Schrift von zwei Sei­ten her da ist, dass sie das In­tui­tio­nier­te und das Be­grün­de­te ho­mo­ge­ni­siert, dass die Schrift – an­ders ge­sagt klei­ne Buch­sta­ben – eine Funk­ti­on hat, die nicht we­ni­ger in­tui­tiv ist als das, was der gute Eu­klid ge­zeich­net hat (tra­çait).16

Il s’agirait quand même de savoir pour­quoi on pen­se que ça fait une dif­fé­rence.

Da­bei gin­ge es durch­aus dar­um, her­aus­zu­fin­den, war­um man denkt, dass sich das un­ter­schei­det.

Je ne sais pas si je dois vous fai­re re­mar­quer que la con­sis­tan­ce de l’espace, de l’espace eu­cli­di­en, de l’espace qui se fer­me sur ses trois di­men­si­ons, me sem­ble de­voir être dé­fi­nie d’une bien aut­re fa­çon.

Ich weiß nicht, ob ich Sie dar­auf hin­wei­sen muss, dass die Kon­sis­tenz des Rau­mes, des eu­kli­di­schen Rau­mes, des Rau­mes, der mit sei­nen drei Di­men­sio­nen ab­ge­schlos­sen ist, auf ganz an­de­re Wei­se, so scheint mir, de­fi­niert wer­den muss.

Si vous pre­nez deux points : ils sont à éga­le dis­tan­ce l’un de l’autre si je puis dire, la dis­tan­ce est la même du pre­mier au se­cond que du se­cond au pre­mier.

Wenn Sie zwei Punk­te neh­men, so ha­ben die­se den glei­chen Ab­stand zu­ein­an­der, wenn ich so sa­gen kann, der Ab­stand des ers­ten Punk­tes vom zwei­ten ist der glei­che wie der des zwei­ten zum ers­ten.

Vous pou­vez en prend­re trois et fai­re que ce soit en­co­re vrai, à savoir que cha­cun est à éga­le dis­tan­ce de cha­cun des deux au­tres.

Sie kön­nen drei da­von neh­men und da­für sor­gen, dass das wei­ter­hin stimmt, dass also je­der den glei­chen Ab­stand zu je­dem der bei­den an­de­ren Punk­te hat.

Vous pou­vez en prend­re quat­re et fai­re que ce soit en­co­re vrai.

Sie kön­nen vier da­von neh­men und da­für sor­gen, dass das im­mer noch stimmt.

Je ne sais pas, je n’ai ja­mais en­t­en­du poin­ter ça ex­pres­sé­ment.

Ich weiß nicht, ich habe nie ge­hört, dass aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wird.

Vous pou­vez en prend­re cinq, ne vous pré­ci­pi­tez pas pour dire que là aus­si vous pou­vez les mett­re à éga­le dis­tan­ce de cha­cun des quat­re au­tres, par­ce que – | [101] tout au moins dans not­re es­pace eu­cli­di­en – vous n’y ar­ri­ve­r­ez pas. 

Sie kön­nen fünf da­von neh­men, und jetzt über­ei­len Sie sich nicht, um zu sa­gen, dass Sie auch die­se in glei­chen Ab­stand zu je­dem der vier an­de­ren brin­gen kön­nen, da Ih­nen das nicht ge­lin­gen wird, zu­min­dest nicht in un­se­rem eu­kli­di­schen Raum.17

Il faut, pour que vous ayez ces cinq points à éga­le dis­tan­ce – vous m’entendez bien – cha­cun de tous les au­tres, que vous fa­bri­quiez une cin­quiè­me… une qua­triè­me di­men­si­on. Voi­là !

Da­mit Sie die­se fünf Punk­te im glei­chen Ab­stand, Sie ver­ste­hen mich recht, zu je­dem der an­de­ren Punk­te ha­ben, ist es nö­tig, dass Sie eine fünf­te, eine vier­te Di­men­si­on er­zeu­gen. Das ist es.

Bien sûr c’est très aisé à la lett­re, et puis ça ti­ent très bien, on peut dé­mon­trer qu’un es­pace à quat­re di­men­si­ons est par­fai­te­ment cohé­rent dans tou­te la me­su­re où on peut mon­trer le lien de sa cohé­rence à la cohé­rence des nom­bres réels; c’est dans cet­te me­su­re même qu’il se sou­ti­ent.

Si­cher­lich, das geht mü­he­los, buch­stäb­lich, und dann hält das sehr gut, man kann be­wei­sen, dass ein vier­di­men­sio­na­ler Raum völ­lig ko­hä­rent ist; ganz in dem Maße, wie man die Ver­bin­dung sei­ner Ko­hä­renz mit der Ko­hä­renz der re­el­len Zah­len zei­gen kann, in eben dem Maße hat er Be­stand.18

Mais en­fin, c’est un fait que, au-delà du té­traèd­re déjà, l’intuition a à se sup­por­ter de la lett­re.

Aber schließ­lich ist es eine Tat­sa­che, dass sich die An­schau­ung be­reits jen­seits des Te­tra­eders19 auf den Buch­sta­ben stüt­zen muss.

Je me suis lan­cé là-de­dans pour vous dire, par­ce que j’ai dit que la lett­re qui ar­ri­ve à de­sti­na­ti­on c’est la lett­re qui ar­ri­ve à la po­li­ce, qui n’y com­prend rien, et que la po­li­ce, com­me vous le sa­vez, elle n’est pas née d’hier n’est-ce pas : trois pi­ques com­me ça sur le sol, trois pi­ques sur le cam­pus, pour peu que vous con­nais­siez un pe­tit peu ce qu’a écrit He­gel, vous sau­rez que c’est l’État.

Ich habe mich dar­auf ge­stürzt, um Ih­nen zu sa­gen, weil ich ge­sagt habe, dass der Brief, der sei­nen Be­stim­mungs­ort er­reicht, der­je­ni­ge Brief ist, der bei der Po­li­zei an­kommt, die hier nichts be­greift, und dass die Po­li­zei, wie Sie wis­sen, nicht erst ges­tern ent­stan­den ist, nicht wahr –  drei Spie­ße auf dem Bo­den, drei Spie­ße auf dem Cam­pus.20 –, wenn Sie ein biss­chen von dem ken­nen, was He­gel ge­schrie­ben hat, dann wis­sen Sie, dass das der Staat ist.

L’État et la po­li­ce, ben pour quelqu’un qui a un tout pe­tit peu réflé­chi – on peut pas dire que He­gel là-des­sus soit si mal pla­cé – c’est ex­ac­te­ment la même cho­se.

Der Staat und die Po­li­zei, für je­man­den, der ein ganz klein biss­chen nach­ge­dacht hat, und man kann nicht sa­gen, dass He­gel hier schlecht po­si­tio­niert ist, ist das ge­nau das­sel­be.21

Ça re­po­se sur une struc­tu­re té­traéd­ri­que, en d’autres ter­mes dès que nous met­tons en ques­ti­on quel­que cho­se com­me la lett­re, il faut que nous sor­ti­ons de mes pe­tits sché­mas de l’année der­niè­re, qui étai­ent faits com­me vous vous en sou­ve­nez com­me ça :

Das be­ruht auf ei­ner te­tra­edi­schen Struk­tur, an­ders ge­sagt, so­bald wir et­was wie den Buch­sta­ben be­fra­gen, müs­sen wir von mei­nen klei­nen Sche­ma­ta vom letz­ten Jahr aus­ge­hen, die, wie Sie sich er­in­nern wer­den, so ge­macht wa­ren.

Voi­là le dis­cours du Maît­re, com­me vous vous en sou­ve­nez peut-être, ca­rac­té­ri­sé par ceci que des six arêtes du té­traèd­re, une est rom­pue.

herrendiskurs-mit-sechs-pfeilen-version-g-t

Dis­kurs des Herrn, Dia­gramm mit sechs Pfei­len aus Ver­si­on G.T.

Dies ist der Dis­kurs des Herrn, wie Sie sich viel­leicht er­in­nern, der da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass von den sechs Kan­ten des Te­tra­eders eine un­ter­bro­chen ist.22

C’est dans la me­su­re où on fait tour­ner ces struc­tu­res sur les quat­re | [102] arêtes du cir­cuit… qui dans le té­traèd­re se suiv­ent – c’est une con­di­ti­on – s’emmanchent dans le même sens, dans ce sens que tourne en rond une, n’importe laquel­le des deux au­tres, des trois au­tres …que la va­ria­ti­on s’établit de ce qu’il en est de la struc­tu­re du dis­cours, très pré­cisé­ment en tant qu’elle res­te à un cer­tain ni­veau de con­struc­tion qui est ce­lui té­traéd­ri­que, ce­lui té­traéd­ri­que dont on ne sau­rait se con­ten­ter dès lors qu’on fait sur­gir l’instance de la lett­re.

In dem Maße, wie man die­se Struk­tu­ren sich dre­hen lässt, über die vier Kan­ten der kreis­för­mi­gen An­ord­nung, die im Te­tra­eder ein­an­der fol­gen – das ist eine Be­din­gung –, die in in der­sel­ben Rich­tung in­ein­an­der­grei­fen, in der Rich­tung, dass wenn eine sich dreht, jede be­lie­bi­ge der bei­den an­de­ren, der drei an­de­ren <folgt>, stellt sich die Va­ria­ti­on des­sen her, wor­um es bei der Struk­tur des Dis­kur­ses geht, ge­nau in­so­fern als sie auf ei­nem be­stimm­ten Kon­struk­ti­ons­ni­veau be­ruht, die­sem te­tra­edi­schen näm­lich, die­sem te­tra­edi­schen, mit dem man sich nicht be­gnü­gen kann, so­bald man die In­stanz des Buch­sta­bens auf­tau­chen lässt.

C’est même par­ce qu’on ne sau­rait s’en con­ten­ter, qu’à res­ter à son ni­veau il y a tou­jours un de ces côtés qui fait cer­cle, qui se rompt.

Und eben des­halb, weil man sich nicht da­mit be­gnü­gen kann, gibt es – wenn man auf ih­rer Ebe­ne bleibt – un­ter die­sen Sei­ten, die ei­nen Kreis bil­den, im­mer eine, die un­ter­bro­chen ist.23

Alors c’est de là qu’il ré­sul­te que dans un mon­de, tel qu’il est struc­tu­ré par un cer­tain té­traèd­re qu’on re­trouve à plus d’un bout de champ, une lett­re n’arrive à de­sti­na­ti­on qu’à trou­ver ce­lui que dans mon dis­cours sur La Lett­re vo­lée, je dé­si­gne du ter­me du su­jet, qui n’est pas du tout à éli­mi­ner d’aucune fa­çon ni à re­ti­rer sous pré­tex­te que nous fai­sons quel­ques pas dans la struc­tu­re, et dont il faut tout de même bien par­tir de ceci : c’est que si ce que nous avons dé­cou­vert sous le ter­me d’« in­con­sci­ent » a un sens, le su­jet – je vous le ré­pè­te, ir­ré­duc­ti­ble, nous ne pou­vons pas, même à ce ni­veau, ne pas en tenir comp­te.

Von da­her er­gibt sich dann, dass in ei­ner Welt, wie sie durch ei­nen be­stimm­ten Te­tra­eder struk­tu­riert ist, den man an mehr als ei­nem Ende des Fel­des wie­der­fin­det, ein Brief an sei­nem Be­stim­mungs­ort nur an­kommt, um das zu fin­den, was ich in mei­nem Dis­kurs über den Ge­stoh­le­nen Brief mit dem Ter­mi­nus des Sub­jekts be­zeich­ne, das kei­nes­wegs un­ter dem Vor­wand, dass wir mit der Struk­tur ei­ni­ge Schrit­te vor­an­kom­men, auf ir­gend­ei­ne Wei­se zu eli­mi­nie­ren oder zu­rück­zu­zie­hen ist, und bei dem man eben von Fol­gen­dem aus­ge­hen muss, näm­lich, wenn das, was wir mit dem Ter­mi­nus des Un­be­wuss­ten ent­deckt ha­ben, ei­nen Sinn hat, dann ist das Sub­jekt, ich wie­der­ho­le es, ir­re­du­zi­bel, wir kön­nen es nicht, selbst auf die­ser Ebe­ne, nicht in Rech­nung stel­len.24

Mais le su­jet se dis­tin­gue de sa tou­te spé­cia­le im­bé­cil­lité.

Aber das Sub­jekt zeich­net sich durch sei­ne ganz spe­zi­el­le Dumm­heit aus.25

C’est ce qui comp­te dans le tex­te de Poe, du fait que ce­lui sur le­quel il ba­di­ne à cet­te oc­ca­si­on, ce n’est pas pour rien que c’est le Roi qui ici se ma­ni­fes­te en fonc­tion de su­jet.

Das ist das, was im Text von Poe zählt, und zwar des­halb, weil es nicht be­lang­los ist, dass der­je­ni­ge, über den er bei die­ser Ge­le­gen­heit Scher­ze macht, der Kö­nig ist, der sich hier in der Funk­ti­on des Sub­jekts ma­ni­fes­tiert.

Il ne com­prend ab­so­lu­ment rien et tou­te sa struc­tu­re po­li­ciè­re ne fera pas néan­moins que la lett­re n’arrive même pas à sa por­tée, étant don­né que c’est la po­li­ce qui la gar­de et qu’elle ne peut rien en fai­re.

Er ver­steht ab­so­lut nichts, und sei­ne ge­sam­te Po­li­zei­struk­tur kann nichts an­de­res aus­rich­ten, als dass der Brief nicht ein­mal in sei­ne Reich­wei­te ge­langt, da es ja die Po­li­zei ist, die ihn schützt, und sie nichts da­mit an­fan­gen kann.

Je sou­li­gne même, que dût-on la re­trou­ver dans ses dos­siers, ça ne peut pas ser­vir à l’historien.

Ich be­to­ne so­gar, wenn man ihn in ih­ren Ak­ten wie­der­fän­de, wäre das für ei­nen His­to­ri­ker nutz­los.26

Dans tel­le ou tel­le page de ce que j’écris à pro­pos de cet­te lett­re, on peut dire qu’il n’y a très pro­ba­ble­ment que la Rei­ne qui sait ce qu’elle veut dire, et que tout ce qui fait son po­ids, c’est que si la seu­le per­son­ne que ça in­téres­se, à savoir le su­jet, si le Roi l’avait en main, il n’y com­pren­d­rait que ceci : c’est qu’elle a sû­re­ment un sens et que c’est en ça qu’est le scan­da­le, que c’est un sens qui – à lui, le su­jet – lui éch­ap­pe.

Auf ei­ni­gen Sei­ten von dem, was ich über die­sen Brief schrei­be, kann man sa­gen, dass es sehr wahr­schein­lich nur die Kö­ni­gin ist, die weiß, was der Brief be­deu­tet, und dass al­les, was sein Ge­wicht aus­macht, in Fol­gen­dem be­steht: Wenn die ein­zi­ge Per­son, die dar­an in­ter­es­siert ist, näm­lich das Sub­jekt, wenn also der Kö­nig ihn in Hän­den hiel­te, wür­de er nur dies ver­ste­hen, dass er si­cher­lich ei­nen Sinn hat, dass die­ser Sinn aber – und dar­in be­steht der Skan­dal – ihm, dem Sub­jekt, ent­geht.

Le ter­me de « scan­da­le », ou en­co­re de « con­tra­dic­tion », est à la bon­ne place dans ces quat­re pe­ti­tes der­niè­res pa­ges que je vous avais don­nées à lire, je sou­li­gne.

Der Ter­mi­nus des Skan­dals oder auch des Wi­der­spruchs ist auf die­sen vier klei­nen letz­ten Sei­ten, die ich Ih­nen zu le­sen ge­ge­ben hat­te, ganz rich­tig plat­ziert, ich be­to­ne das.27

Il est clair que c’est uni­que­ment en fonc­tion de cet­te cir­cu­la­ti­on de la lett­re que le mi­nist­re… puis­que ici il y en a eu quand même quel­ques-uns qui ont aut­re­fois lu Poe, vous de­vez savoir qu’il y a un mi­nist­re dans le coup, ce­lui qui a bar­bo­té la lett­re …que le mi­nist­re nous mont­re au cours du dé­pla­ce­ment de la­di­te lett­re, des va­ria­ti­ons – tel le pois­son mour­rant28 – des va­ria­ti­ons de sa cou­leur, | [103] et à la vé­rité que sa fonc­tion es­sen­ti­el­le – que tout mon tex­te joue peut-être un pe­tit trop abon­d­am­ment, mais on ne sau­rait trop in­sis­ter pour se fai­re en­t­end­re – joue sur le fait que la lett­re a un ef­fet fé­mi­ni­sant.

Es ist klar, dass ein­zig auf­grund der Zir­ku­la­ti­on des Brie­fes der Mi­nis­ter – da es hier doch ei­ni­ge ge­ge­ben hat, die frü­her mal Poe ge­le­sen ha­ben, müs­sen Sie wis­sen, dass in die Sa­che ein Mi­nis­ter ver­wi­ckelt ist, der­je­ni­ge, der den Brief ge­klaut hat –, dass der Mi­nis­ter im Ver­lauf des Orts­wech­sels be­sag­ten Brie­fes Ver­än­de­run­gen zeigt wie ein ster­ben­der Fisch, Farb­ver­än­de­run­gen, und dass in Wahr­heit die we­sent­li­che Funk­ti­on des Brie­fes – auf die mein ge­sam­ter Text viel­leicht ein we­nig zu üp­pig an­spielt, aber um sich ver­ständ­lich zu ma­chen, kann man gar nicht zu sehr auf et­was be­har­ren –, dass die­se Funk­ti­on sich dar­auf be­zieht, dass der Brief eine fe­mi­ni­sie­ren­de Wir­kung hat.

Mais dès qu’il ne l’a plus la lett­re, il re­de­vi­ent lui-même dès qu’il ne l’a plus, le voi­ci en quel­que sor­te re­sti­tué à la di­men­si­on, jus­te­ment, que tout son des­sein était fait pour se don­ner à lui-même, cel­le de l’homme qui ose n’importe quoi.

Aber von dem Mo­ment an, als er ihn, den Brief, nicht mehr hat, wird er selbst wie­der, so­bald er ihn nicht mehr hat, ge­wis­ser­ma­ßen in der­je­ni­gen Di­men­si­on wie­der­her­ge­stellt, die sein ge­sam­ter Plan ihm ver­schaf­fen soll­te, in der ei­nes Man­nes, der al­les ris­kiert.

Et j’insiste sur ce vi­ra­ge de ce qui se pas­se, c’est ce sur quoi se ter­mi­ne cet énon­cé poes­que, c’est que c’est à ce mo­ment-là que la cho­se ap­pa­raît, mons­trum hor­ren­dum, com­me on dit dans le tex­te : ce qu’il avait vou­lu être pour la Rei­ne, qui bien sûr en a tenu comp­te puisqu’elle a es­sayé de la ra­voir cet­te lett­re, mais en­fin avec lui le jeu se te­n­ait.

Und ich in­sis­tie­re auf die­ser Wen­dung des Ge­sche­hens, der­je­ni­gen, mit der die Poe’sche Aus­sa­ge en­det, näm­lich dass in die­sem Mo­ment die Sa­che er­scheint, mons­trum hor­ren­dum29, wie im Text ge­sagt wird, das, was er für die Kö­ni­gin hat­te sein wol­len, die das na­tür­lich in Rech­nung ge­stellt hat­te, denn sie hat­te ja ver­sucht, ihn wie­der­zu­er­lan­gen, die­sen Brief, aber schließ­lich wur­de mit ihm das Spiel fort­ge­setzt.

C’est pour not­re Du­pin, à savoir le ma­lin des ma­lins, ce­lui au­quel Poe don­ne le rôle, le rôle de nous je­ter quel­que cho­se qui s’appellerait as­sez vo­lon­tiers – je le sou­li­gne dans ce tex­te – quel­que poud­re aux yeux, à savoir que nous croyions que le ma­lin des ma­lins ça exis­te, à savoir que lui vrai­ment com­prend, sait tout, qu’en étant dans le té­traèd­re, il peut com­prend­re com­ment il est fait.

Jetzt ist un­ser Du­pin an der Rei­he, das heißt der Schlaus­te der Schlau­en, der­je­ni­ge, dem Poe die Rol­le zu­weist, die Rol­le, uns mit et­was zu be­wer­fen, was ich ganz ab­sicht­lich so nen­nen möch­te, ich be­to­ne das in die­sem Text, der uns et­was Sand in die Au­gen wer­fen soll30, dass wir näm­lich glau­ben, dass es das gibt, den Schlaus­ten der Schlau­en, dass er wirk­lich al­les be­greift, al­les weiß, dass er, der im Te­tra­eder steckt, be­grei­fen kann, wie die­ser ge­macht ist.

J’ai as­sez iro­ni­sé sur ces cho­ses cer­tai­ne­ment très ha­bi­les, qui sont les jeux de mots au­tour d’am­bi­tus, de re­li­gio ou d’ho­nes­ti hom­mes, pour mon­trer et dire sim­ple­ment quant à moi, que je cher­chais un peu plus loin la pe­ti­te bête, n’est-ce pas, et qu’à la vé­rité elle est quel­que part.

Ich habe mich ziem­lich iro­nisch ge­äu­ßert über die­se si­cher­lich sehr ge­konn­ten Din­ge, näm­lich die­se Wort­spie­le mit am­bi­tus, mit re­li­gio und mit ho­nes­ti ho­mi­nes31, um zu zei­gen und um ein­fach zu sa­gen, dass ich, was mich an­geht, das klei­ne Tier ein biss­chen wei­ter ge­sucht habe, nicht wahr, und dass es in Wahr­heit ir­gend­wo ist.

Elle est quel­que part, à sui­v­re Poe on peut se po­ser la ques­ti­on de savoir si Poe s’en est bien aper­çu.

Es ist ir­gend­wo, und wenn man Poe folgt, kann man sich die Fra­ge stel­len, ob Poe das wohl mit­be­kom­men hat.

À savoir que le seul fait d’être pas­sée ent­re les mains de Du­pin, la lett­re l’a fé­mi­ni­sé à son tour as­sez pour que, à l’endroit du mi­nist­re, tel qu’il sait pour­tant l’avoir pri­vé de ce qui pour­rait lui per­mett­re de con­ti­nu­er à jou­er son rôle si ja­mais il faut en abatt­re les car­tes, c’est pré­cisé­ment à ce mo­ment-là que Du­pin ne peut pas se con­tenir et ma­ni­fes­te à l’endroit de ce­lui qui se croit déjà suf­fi­sam­ment avoir mis à sa mer­ci qui­con­que, pour ne pas lais­ser plus de tra­ce, qu’il lui en­vo­ie ce mes­sa­ge dans le bil­let qu’il a sub­sti­tué à la lett­re dé­ro­bée : « Un de­s­tin si fu­nes­te – en­fin, vous sa­vez le tex­te – s’il n’est di­g­ne d’Atrée, est di­g­ne de Thy­es­te ».

Näm­lich dass der Brief al­lein schon des­we­gen, weil er in Du­pins Hän­de über­ge­gan­gen ist, jetzt ihn wie­der­um hin­rei­chend fe­mi­ni­siert hat, so­dass Du­plin ge­gen­über dem Mi­nis­ter – von dem er weiß, dass er ihn eben des­sen be­raubt hat, was es die­sem er­lau­ben könn­te, wei­ter­hin sei­ne Rol­le zu spie­len, falls er je­mals not­wen­dig wäre, die Kar­ten auf­zu­de­cken –, dass Du­pin sich in ge­nau die­sem Mo­ment nicht zu­rück­hal­ten kann und ihm ge­gen­über dies be­kun­det – ihm ge­gen­über, der glaubt, be­reits je­der­mann hin­rei­chend von sei­ner Gna­de ab­hän­gig ge­macht zu ha­ben, um kei­ne wei­te­re Spur zu hin­ter­las­sen –, dass Du­pin ihm  in dem Bil­let, mit dem er den ge­stoh­le­nen Brief er­setzt hat, die fol­gen­de Bot­schaft sen­det: „Un de­s­tin si fu­nes­te“, nun ja, Sie ken­nen den Text, „S’il n’est di­g­ne d’Atrée est di­g­ne de Thy­es­te, „Ein so ver­häng­nis­vol­les Schick­sal / Wenn es nicht ei­nes Atreus wür­dig ist, ist es ei­nes Thy­es­tes wür­dig“.32

La ques­ti­on, si je puis dire, est de s’apercevoir, si je puis dire, si Poe dans l’occasion s’aperçoit bien de la por­tée de ceci, de ce que Du­pin dans ce mes­sa­ge au-delà de tou­tes les pos­si­bi­lités, car Dieu sait si ja­mais ça ar­ri­ve­ra que le mi­nist­re la sor­te sa lett­re et se trouve du même coup dé­gon­flé, pour vous dire que la cas­tra­ti­on soit là – com­me elle est sus­pen­due – par­fai­te­ment réa­li­sée.

Die Fra­ge, wenn ich so sa­gen darf, ist die, sich dar­über klar­zu­wer­den, wenn ich so sa­gen darf, ob Poe hier­bei wohl die Trag­wei­te des­sen mit­be­kommt, dass Du­pin in die­ser Bot­schaft jen­seits al­ler Mög­lich­kei­ten – denn Gott weiß, ob es je­mals ge­sche­hen wird, dass der Mi­nis­ter ihn her­vor­holt, sei­nen Brief, und ihm im sel­ben Mo­ment die Luft raus­ge­las­sen wird / und er ab­ge­schlafft ist (se trouve dé­gon­flé) –, um Ih­nen zu sa­gen, dass die Kas­tra­ti­on hier, so wie sie in der Schwe­be bleibt, voll­kom­men rea­li­siert ist.33

[104] J’indique aus­si cet­te per­spec­tive qui ne me pa­raît pas… en­fin pas écri­te d’avance.

Ich ver­wei­se auch auf die­se Per­spek­ti­ve, die mir nicht, nun ja, nicht im Vor­hin­ein ge­schrie­ben zu sein scheint.

Ça ne don­ne que plus de prix à ce que Du­pin écrit com­me mes­sa­ge à ce­lui qu’il vi­ent de pri­ver de ce qu’il croit être son pou­voir.

Das ver­leiht dem nur ei­nen umso grö­ße­ren Wert, was Du­pin als Bot­schaft an den­je­ni­gen schreibt, den er ge­ra­de des­sen be­raubt hat, was die­ser für sei­ne Macht hält.

Ce pe­tit pou­let, qu’il ju­bi­le à la pen­sée de ce qui se pas­se­ra quand l’intéressé – à quel­le fin ? – aura à en fai­re usa­ge, ce qu’on peut dire c’est que Du­pin jouit.

Die­ses Hühn­chen, dass es bei dem Ge­dan­ken an das ju­belt, was ge­sche­hen wird, wenn der Be­trof­fe­ne, zu wel­chem Zweck?, da­von Ge­brauch ma­chen muss – was man sa­gen kann, ist, dass Du­pin ge­nießt.

Or c’est là qu’est la ques­ti­on, la ques­ti­on que j’amorçais la der­niè­re fois en vous disant :  « Est-ce que c’est la même cho­se le nar­ra­teur et ce­lui qui écrit ? ».

Nun, eben das ist die Fra­ge, die Fra­ge, die ich letz­tes Mal an­ge­schnit­ten habe, als ich Ih­nen sag­te, ist das das­sel­be, der Er­zäh­ler und der­je­ni­ge, der schreibt?

Ce qui est in­con­tes­ta­ble c’est que le nar­ra­teur, le su­jet de l’énoncé, ce­lui qui par­le, c’est Poe.

Un­be­streit­bar ist, dass der Er­zäh­ler, das Sub­jekt der Aus­sa­ge, der­je­ni­ge, der spricht, dass dies Poe ist.

Est-ce que Poe jouit de la jouis­sance de Du­pin, ou d’ailleurs ?

Ge­nießt Poe das Ge­nie­ßen von Du­pin oder von an­ders­wo?

C’est là ce qu’aujourd’hui je vais m’efforcer de vous mon­trer.

Ich wer­de mich be­mü­hen, Ih­nen eben das heu­te zu zei­gen.

Je vous par­le de La Lett­re vo­lée tel­le que je l’ai ar­ti­cu­lée moi-même.

Ich spre­che zu Ih­nen über den Ge­stoh­le­nen Brief, wie ich ihn selbst ar­ti­ku­liert habe.

C’est là une il­lus­tra­ti­on que je peux don­ner à la ques­ti­on que j’ai po­sée la der­niè­re fois : « Est-ce que ce n’est pas ra­di­ca­le­ment dif­fé­rent ce­lui qui écrit, et ce­lui qui par­le en son nom au tit­re du nar­ra­teur dans un écrit ? »

Da­mit ist das eine Il­lus­tra­ti­on, die ich für die Fra­ge ge­ben kann, die ich letz­tes Mal auf­ge­wor­fen habe – ist das nicht et­was ra­di­kal Ver­schie­de­nes, der­je­ni­ge, der schreibt, und der­je­ni­ge, der in sei­nem Na­men in et­was Ge­schrie­be­nem als Er­zäh­ler spricht?

À ce ni­veau c’est sen­si­ble.

Auf die­ser Ebe­ne ist das spür­bar.

Car ce qui se pas­se au ni­veau du nar­ra­teur, c’est en fin de comp­te ce que je pour­rais ap­pe­ler – je m’excuse d’insister sur le ca­rac­tè­re dé­mons­tra­tif de ce pe­tit es­sai – c’est qu’à la fin du comp­te, c’est la plus par­fai­te cas­tra­ti­on qui est dé­mon­trée.

Denn was auf der Ebe­ne des Er­zäh­lers ge­schieht, ist letzt­lich das, was ich so nen­nen könn­te – ich ent­schul­di­ge mich, auf dem de­mons­tra­ti­ven Cha­rak­ter die­ses klei­nen Es­says zu be­har­ren –, näm­lich dass das, was da de­mons­triert wird, letzt­lich die voll­kom­mens­te Kas­tra­ti­on ist.

Tout le mon­de est éga­le­ment cocu, et per­son­ne n’en sait rien, c’est ça la mer­veil­le.

Alle sind glei­cher­ma­ßen be­tro­gen, und nie­mand weiß da­von das Ge­rings­te, eben das ist das Wun­der.

Le Roi bien sûr dort de­pu­is le dé­but et dor­mi­ra jusqu’à la fin de ses jours sur ses deux oreil­les.

Der Kö­nig schläft na­tür­lich von An­fang an, und bis ans Ende sei­ner Tage wird er auf bei­den Oh­ren schla­fen.

La Rei­ne ne se rend pas comp­te qu’il est à peu près fa­tal qu’elle de­vi­en­ne fol­le de ce mi­nist­re, main­tenant qu’elle le ti­ent [Ge­läch­ter], qu’elle l’a châ­tré – hein ? – c’est un amour ! [Ab „main­tenant“ mit iro­ni­schem Pa­thos ge­spro­chen.]

Die Kö­ni­gin macht sich nicht klar, dass es na­he­zu un­ver­meid­lich ist, dass sie nach die­sem Mi­nis­ter ver­rückt wer­den wird; jetzt – wo sie ihn in der Hand hat [Ge­läch­ter], wo sie ihn kas­triert hat, nicht wahr –  ist das eine Lie­be. [Ab „jetzt“ mit iro­ni­schem Pa­thos ge­spro­chen.34

Le mi­nist­re, ça c’est bien vrai : pour être fait il est fait, mais en fin de comp­te ça ne lui fait ni chaud ni fro­id – hein ? – par­ce que com­me je l’ai très bien ex­pli­qué quel­que part, de deux cho­ses l’une.

Der Mi­nis­ter, das stimmt nun wirk­lich, er ist ja er­le­digt, aber letzt­lich lässt ihn das kalt, nicht wahr, denn wie ich ir­gend­wo sehr gut er­klärt habe, ent­we­der – oder.

Ou il lui plaît de de­ve­nir l’amant de la Rei­ne et ça dev­rait être agréa­ble, en prin­ci­pe on dit ça : ça plaît pas à tout le mon­de.

Ent­we­der es ge­fällt ihm, der Ge­lieb­te der Kö­ni­gin zu wer­den, und das müss­te an­ge­nehm sein – je­den­falls im Prin­zip, das ge­fällt nicht je­dem.

Ou si vrai­ment il a pour elle un de ces sen­ti­ments qui sont de l’ordre de ce que j’appelle moi le seul sen­ti­ment lu­ci­de, à savoir la hai­ne, com­me je vous l’ai très bien ex­pli­qué, s’il la hait, elle l’en ai­me­ra d’autant plus, et ça lui per­met­t­ra d’aller si loin, qu’il fi­ni­ra quand même par se dou­ter que la lett­re, elle n’est plus là de­pu­is long­temps.

Oder wenn er wirk­lich für sie ei­nes die­ser Ge­füh­le hat, die von der Ord­nung des­sen sind, was ich das ein­zi­ge hell­sich­ti­ge Ge­fühl nen­ne, näm­lich der Hass, wie ich Ih­nen sehr gut er­klärt habe, wenn er sie also hasst, wird sie ihn des­halb um so mehr lie­ben, und das wird es ihm ge­stat­ten, so weit zu ge­hen, dass in ihm schließ­lich doch der Ver­dacht auf­kommt, dass der Brief schon seit lan­gem nicht mehr da ist.

Par­ce qu’il se trom­pe­ra na­tu­rel­le­ment.

Weil er sich na­tür­lich täu­schen wird.

Il se dira que si on va si loin avec lui, c’est qu’on est sûr des cho­ses, alors il ou­vr­i­ra son pe­tit pa­pel­ard à temps.

Er wird sich sa­gen, wenn man mit ihm so weit geht, dann des­halb, weil man sich der Din­ge si­cher ist, also wird er sei­nen klei­nen Wisch recht­zei­tig öff­nen.

Mais en au­cun cas il ne re­vi­en­dra | [105] à ce qui est la cho­se so­u­haitée, c’est que le mi­nist­re qu’on veut ri­di­cu­li­ser, il ne le sera pas.

Aber in kei­nem Fall wird es von da aus zu dem kom­men, was ge­wünscht wird, näm­lich den Mi­nis­ter lä­cher­lich zu ma­chen, lä­cher­lich wird er nicht sein.

Bon, eh bien voi­là ! Voi­là ce que je réus­sis à dire à pro­pos de ce que j’ai écrit, et ce que je vou­d­rais vous dire c’est que ça prend sa por­tée de ce que c’est il­li­si­ble.

Gut, das ist es. Das ist das, was mir zu sa­gen ge­lun­gen ist über das, was ich ge­schrie­ben habe; und ich möch­te Ih­nen sa­gen,  dass dies sei­ne Trag­wei­te von da­her be­kommt, dass es un­les­bar ist. 

C’est là le point, si vous vou­lez bien en­co­re m’entendre, que je vais es­say­er de dé­ve­lop­per.

Das ist – wenn Sie mir noch wei­ter fol­gen wol­len – der Punkt, den ich ver­su­chen wer­de, wei­ter aus­zu­füh­ren.

Com­me beau­coup de gens, je vous le dis tout de sui­te par­ce que ce sont des gens du mon­de, les seuls qui so­i­ent ca­pa­bles de me dire ce qu’ils pen­sent à pro­pos de ce que je leur re­fi­le.

Ich sage es Ih­nen so­fort, wie so vie­le Leu­te, denn das sind Leu­te von Welt, die ein­zi­gen, die in der Lage sind, mir zu sa­gen, was sie den­ken, zu dem, was ich Ih­nen an­dre­he.

C’était le mo­ment où mes Écrits n’étaient pas en­co­re pa­rus, ils m’ont don­né leur point de vue de tech­ni­ci­ens : « On n’y com­prend rien » qu’ils m’ont dit.

Das war der Mo­ment, in dem mei­ne Schrif­ten noch nicht er­schie­nen wa­ren, sie ha­ben mir ihre fach­män­ni­sche An­sicht mit­ge­teilt, „hier ver­steht man gar nichts“, ha­ben sie mir ge­sagt.

Re­mar­quez que c’est beau­coup.

Be­ach­ten Sie, dass das viel ist.

Quel­que cho­se au­quel on ne com­prend rien, c’est tout l’espoir, c’est le si­gne qu’on en est af­fec­té.

Et­was, bei dem man nichts ver­steht, das ist die gan­ze Hoff­nung, das ist das Zei­chen, dass man be­trof­fen ist.

Heu­reu­se­ment qu’on n’a rien com­pris !

Ein Glück, dass man nichts ver­stan­den hat!

Par­ce que on ne peut ja­mais com­prend­re que ce que bien sûr on a déjà dans la tête.

Weil man im­mer nur das ver­ste­hen kann, was man na­tür­lich be­reits im Kopf hat.

Mais en­fin, je vou­d­rais es­say­er d’articuler ça un peu mieux.

Aber ich möch­te doch ver­su­chen, das ein biss­chen bes­ser zu ar­ti­ku­lie­ren.

Il suf­fit pas d’écrire des cho­ses ex­près in­com­pré­hen­si­bles, mais de voir pour­quoi l’illisible a un sens.

Es ge­nügt nicht, ab­sicht­lich un­ver­ständ­li­che Din­ge zu schrei­ben, son­dern man muss se­hen, war­um das Un­les­ba­re ei­nen Sinn hat.

Je vous fe­rai re­mar­quer d’abord que tou­te not­re af­fai­re qui est l’histoire du rap­port se­xu­el, n’est-ce pas, tourne au­tour de ceci que vous pour­riez cro­i­re que c’est écrit puisqu’en som­me, c’est ce qu’on a trou­vé dans la psy­chana­ly­se, on est tout de même bien ré­fé­ré à un écrit.

Ich möch­te Sie zu­nächst dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass un­se­re gan­ze Sa­che, näm­lich die Ge­schich­te mit dem se­xu­el­len Ver­hält­nis, nicht wahr, sich dar­um dreht, dass Sie glau­ben könn­ten, dass das ge­schrie­ben ist, denn es ist ja so, dass man bei dem, was man in der Psy­cho­ana­ly­se ge­fun­den hat, doch auf et­was Ge­schrie­be­nes ver­wie­sen wird.

L’Œdipe35 c’est un my­the écrit et je di­rai même plus, c’est très ex­ac­te­ment la seu­le cho­se qui le spé­ci­fie ; on au­rait pu prend­re ex­ac­te­ment n’importe le­quel, pour­vu qu’il soit écrit.

Der Ödi­pus ist ein ge­schrie­be­ner My­thos, und ich will so­gar noch mehr sa­gen, das ist ge­nau das ein­zi­ge, was für ihn spe­zi­fisch ist; man hät­te wirk­lich ir­gend­ei­nen be­lie­bi­gen neh­men kön­nen, vor­aus­ge­setzt, dass er ge­schrie­ben ist.36

Le prop­re d’un my­the qui est écrit, com­me l’a fait re­mar­quer déjà Clau­de Lévi-Strauss, c’est que de l’écrire, il n’a qu’une seu­le for­me, alors que le prop­re du my­the, com­me c’est tou­te l’œuvre de Lévi-Strauss de le dé­mon­trer, c’est d’en avoir une très très gran­de quan­ti­té, c’est ça qui le con­sti­tue com­me my­the, et non com­me my­the écrit.

Die Be­son­der­heit ei­nes My­thos, der ge­schrie­ben ist – dar­auf hat be­reits Clau­de Lévi-Strauss auf­merk­sam ge­macht –, be­steht dar­in, dass er, wenn man ihn schreibt, nur eine ein­zi­ge Form hat, wo­hin­ge­gen die Be­son­der­heit des My­thos dar­in be­steht – wie das ge­sam­te Werk von Lévi-Strauss de­mons­triert –, eine sehr, sehr gro­ße An­zahl da­von zu ha­ben; das ist das, was ihn als My­thos kon­sti­tu­iert und nicht als ge­schrie­be­nen My­thos.37

Alors ce my­the écrit pour­rait très bien pas­ser pour être en som­me l’inscription de ce qu’il en est du rap­port se­xu­el.

Nun, die­ser ge­schrie­be­ne My­thos könn­te sehr gut so auf­ge­fasst wer­den, dass er ins­ge­samt die Nie­der­schrift des­sen wäre, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.

Je vou­d­rais tout de même vous fai­re re­mar­quer cer­tai­nes cho­ses.

Ich möch­te Sie je­doch auf be­stimm­te Din­ge auf­merk­sam ma­chen.

[106] Voi­là, c’est que c’est pour ça qu’il n’est pas in­dif­fé­rent que je sois par­ti de ce tex­te, c’est que si cet­te lett­re en l’occasion peut avoir cet­te fonc­tion, cet­te fonc­tion fé­mi­ni­s­an­te, n’est-ce pas ? – c’est que par rap­port à ce que je vous ai dit de ceci : que le my­the écrit – l’Œdipe38 – est fait très ex­ac­te­ment pour nous poin­ter que c’est im­pensa­ble de dire : la femme.

Schau­en Sie, das heißt – und des­halb ist es nicht gleich­gül­tig, dass ich von die­sem Text aus­ge­gan­gen bin –, das heißt, wenn die­ser Brief in die­sem Zu­sam­men­hang die­se Funk­ti­on ha­ben kann, die­se ver­weib­li­chen­de Funk­ti­on, nicht wahr?, das heißt, be­zo­gen auf das, was ich Ih­nen dar­über ge­sagt habe, das heißt, dass der ge­schrie­be­ne My­thos, der Ödi­pus, eben dazu da ist, um uns zu zei­gen, dass es un­denk­bar ist, „die Frau“ zu sa­gen.

C’est im­pensa­ble – pour­quoi ?

Das ist un­denk­bar, war­um?

Par­ce que on ne peut pas dire « tou­tes les femmes ».

Weil man nicht „alle Frau­en“ sa­gen kann.

On peut pas dire « tou­tes les femmes » par­ce que ce n’est in­tro­du­it dans ce my­the qu’au nom de ceci : que le Père pos­sè­de tou­tes les femmes, ce qui est ma­ni­fes­te­ment le si­gne d’une im­pos­si­bi­lité.

Man kann nicht „alle Frau­en“ sa­gen, weil das in die­sen My­thos nur im Na­men des­sen ein­ge­führt wird, dass der Va­ter „alle Frau­en“ be­sitzt, was of­fen­sicht­lich das Zei­chen ei­ner Un­mög­lich­keit ist.39

D’autre part, ce que je sou­li­gne à pro­pos de cet­te Lett­re vo­lée, c’est que s’il n’y a qu’une femme, qu’en d’autres ter­mes la fonc­tion de la femme ne se dé­plo­ie que de ce que le grand ma­thé­ma­ti­ci­en Brou­wer – dans le con­tex­te de ce que je vous ai énon­cé, avan­cé, tout à l’heure sur la dis­cus­sion ma­thé­ma­tique – ap­pel­le la « mul­ti-unité », à savoir ceci : qu’il y a une fonc­tion qui se­rait à très pro­pre­ment par­ler cel­le que le Père est là.

Was ich an­de­rer­seits, be­zo­gen auf die­sen Ge­stoh­le­nen Brief, her­vor­he­be, ist dies, wenn es nur „eine Frau“ gibt, an­ders aus­ge­drückt, wenn die Funk­ti­on von „die Frau“ nur durch das um­ge­setzt wird, was der gro­ße Ma­the­ma­ti­ker Brou­wer40 – im Zu­sam­men­hang des­sen, was ich Ih­nen eben über die ma­the­ma­ti­sche Dis­kus­si­on ge­sagt habe, vor­ge­tra­gen habe – als „Viel-Ein­heit“ be­zeich­net, näm­lich dies, dass es eine Funk­ti­on gibt, die streng­ge­nom­men die ist, dass da der Va­ter ist.41

Le Père est là pour s’y fai­re re­con­naît­re dans sa fonc­tion ra­di­ca­le, dans cel­le qu’il a tou­jours ma­ni­fes­tée… et chaque fois qu’il s’est agi du mo­no­t­héis­me par ex­emp­le, ce n’est pas pour rien que Freud vi­ent échou­er là.

Der Va­ter ist da, um sich in sei­ner ra­di­ka­len Funk­ti­on an­er­ken­nen zu las­sen, in der­je­ni­gen, die er im­mer ma­ni­fes­tiert hat, je­des Mal, wenn es bei­spiels­wei­se um den Mo­no­the­is­mus ging – es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass Freud hier ge­stran­det ist.42

C’est qu’il y a une fonc­tion tout à fait es­sen­ti­el­le qu’il con­vi­ent de ré­ser­ver com­me étant à l’origine, à très pro­pre­ment par­ler, de l’écrit, c’est ce que j’appellerai le « pas plus d’un ».

Das heißt, dass es eine ab­so­lut we­sent­li­che Funk­ti­on gibt, der man vor­be­hal­ten soll­te, streng­ge­nom­men am Ur­sprung der Schrift zu ste­hen, und das ist das, was ich das „Nicht-mehr-als-eins“ (pas-plus-d’un) nen­nen wer­de.

Aris­to­te bien sûr, fait des ef­forts tout à fait ra­vis­sants, con­sidé­ra­bles, com­me il en fait d’habitude, pour nous rend­re ça ac­ces­si­ble par éche­lon, au nom de son prin­ci­pe qu’on peut qua­li­fier com­me ça de prin­ci­pe de la re­mon­tée de l’échelle, de cau­se en cau­se, et d’être en être ; il fau­dra bien que vous vous ar­rêtiez quel­que part.

Aris­to­te­les macht si­cher­lich ganz und gar hin­rei­ßen­de, be­acht­li­che An­stren­gun­gen, wie er das für ge­wöhn­lich tut, um uns das durch Stu­fen zu­gäng­lich zu ma­chen, ge­mäß sei­nem Prin­zip, das man ja als das Prin­zip des stu­fen­wei­sen Rück­stiegs qua­li­fi­zie­ren kann, von Ur­sa­che zu Ur­sa­che und von We­sen­heit zu We­sen­heit – und da wer­den Sie wohl ir­gend­wo an­hal­ten müs­sen.

En­fin c’est ce qu’il y a de très gen­til chez les phi­lo­so­phes grecs, c’est qu’ils par­lai­ent vrai­ment pour des im­bé­ci­les.

Ja, das ist das Net­te bei den grie­chi­schen Phi­lo­so­phen, dass sie wirk­lich für Dum­me spra­chen.

D’où le dé­ve­lop­pe­ment de la fonc­tion du su­jet.

Von da­her die Ent­wick­lung der Funk­ti­on des Sub­jekts.

C’est d’une fa­çon tout à fait ori­gi­nel­le que le « pas plus d’un » se pose.

Das Nicht-mehr-als-eins stellt sich auf völ­lig ori­gi­nel­le Wei­se dar.

Sans « pas plus d’un », ben vous ne pou­vez même pas com­men­cer à écri­re la sé­rie des nom­bres en­t­iers – je vous mon­tre­rai ça au ta­bleau la pro­chai­ne fois – pour qu’il y ait un 1 et puis que vous n’ayez plus en­sui­te qu’à crever la bou­che en rond chaque fois que vous vou­lez re­com­men­cer, pour que, à chaque fois ça fas­se un de plus, mais pas le même.

Ohne Nicht-mehr-als-eins kön­nen Sie ja nicht ein­mal da­mit an­fan­gen, die Rei­he der gan­zen Zah­len zu schrei­ben – ich wer­den Ih­nen das das nächs­te Mal an der Ta­fel zei­gen –, da­mit es ein Ein gibt und dann, da­mit Sie da­nach nur noch die Lip­pen zu schür­zen brau­chen, je­des Mal, wenn Sie wie­der an­fan­gen wol­len, so dass das je­des Mal eins mehr er­gibt, aber nicht das­sel­be.43 

Par cont­re, tout ceux qui se ré­pè­tent ain­si sont les mê­mes ; ils peu­vent s’additionner, on ap­pel­le ça la sé­rie arith­mé­tique.

Hin­ge­gen sind all die­je­ni­gen, die sich so wie­der­ho­len, die­sel­ben; sie kön­nen ad­diert wer­den, man nennt das „arith­me­ti­sche Rei­he“.44

[107] Mais re­ven­ons à ce qui nous pa­raît es­sen­tiel à ce su­jet, con­cer­nant la jouis­sance se­xu­el­le.

Aber kom­men wir auf das zu­rück, was uns bei die­sem The­ma we­sent­lich zu sein scheint, be­zo­gen auf das se­xu­el­le Ge­nie­ßen.

C’est qu’il n’y a… ex­pé­ri­ence fai­te d’une struc­tu­re, quels qu’en doiv­ent être les con­di­ti­onne­ments par­ti­cu­liers …c’est que la jouis­sance se­xu­el­le se trouve ne pas pou­voir être écri­te, et c’est de cela que ré­sul­te la mul­ti­pli­cité struc­tu­ra­le, et d’abord la té­tra­de, dans laquel­le quel­que cho­se se des­si­ne qui la si­tue, mais in­sé­pa­ra­ble d’un cer­tain nom­bre de fonc­tions qui n’ont en som­me rien à fai­re avec ce qui peut spé­ci­fier, spé­ci­fier dans le gé­né­ral, le par­ten­ai­re se­xu­el.

Das heißt, dass es nicht – das ist eine Er­fah­rung, die aus ei­ner Struk­tur ge­macht ist, was auch im­mer ihre be­son­de­ren Be­din­gun­gen sein müs­sen – , das heißt, dass es mit dem se­xu­el­len Ge­nie­ßen so ist, dass es nicht ge­schrie­ben wer­den kann, und dass sich dar­aus die struk­tu­rel­le Viel­falt er­gibt, zu­nächst die Te­tra­de45, in der et­was sich ab­zeich­net, wo­durch sie ver­or­tet wird, aber un­trenn­bar von ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Funk­tio­nen, die ins­ge­samt nichts mit dem zu tun ha­ben, was den Se­xu­al­part­ner spe­zi­fi­zie­ren kann, ihn im all­ge­mei­nen spe­zi­fi­zie­ren kann.

La struc­tu­re est tel­le que l’homme com­me tel – en tant qu’il fonc­tion­ne – est châ­tré, et d’autre part quel­que cho­se exis­te qui est au ni­veau du par­ten­ai­re fé­mi­nin, et qu’on pour­rait sim­ple­ment tra­cer de ce trait, sur le­quel je poin­te la por­tée, tou­te la fonc­tion de cet­te lett­re en l’occasion, que « La femme » n’a rien à fai­re – si elle exis­te, et jus­te­ment c’est pour ça qu’elle n’existe pas – c’est qu’en tant que « La femme », elle, n’a rien à fai­re avec la loi.

Die Struk­tur ist so, dass der Mann als sol­cher – in­so­fern er funk­tio­niert – kas­triert ist, und an­de­rer­seits exis­tiert et­was, was auf der Ebe­ne der weib­li­chen Part­ne­rin ist und was man ein­fach mit die­sen Strich zeich­nen könn­te, bei dem ich hier­bei auf die Trag­wei­te, auf die ge­sam­te Funk­ti­on die­ses Buch­sta­bens hin­wei­se, dass „Die Frau“ nichts – falls sie exis­tiert und ge­nau des­halb exis­tiert sie nicht –, das heißt, dass sie als „Die Frau“ nichts mit dem Ge­setz zu tun hat.

Alors com­ment con­ce­voir ce qui s’est pas­sé – on fait quand même l’amour, hein ?

Nun, wie soll man das, was pas­siert ist, auf­fas­sen – man macht ja doch Lie­be, oder?

On fait quand même l’amour et on s’aperçoit46 à par­tir du mo­ment où on s’y in­téres­se on y met le temps.

Man macht ja doch Lie­be, und von dem Mo­ment an, in dem man sich da­für in­ter­es­siert, nimmt man <das> wahr, man ver­wen­det Zeit dar­auf.

Et à la vé­rité on s’y est peut-être tou­jours in­téres­sé, seu­le­ment nous avons per­du la clé de la fa­çon dont on s’y est in­téres­sé pré­cé­dem­ment.

Und in Wahr­heit hat man sich viel­leicht im­mer da­für in­ter­es­siert, nur ha­ben wir für die Art und Wei­se, in der man sich frü­her da­für in­ter­es­siert hat, den Schlüs­sel ver­lo­ren.

Mais pour nous, au cœur, dans l’efflorescence de l’ère sci­en­ti­fi­que, nous aper­ce­vons ce qu’il en est par Freud.

Aber was uns an­geht, mit­ten im wis­sen­schaft­li­chen Zeit­al­ters, in sei­ner Blü­te, wir neh­men wir das, wor­um es da­bei geht, durch Freud wahr.

C’est quoi ?

Und das ist was?

Quand il s’agit de struc­tu­rer, de fai­re fonc­tion­ner au mo­y­en de sym­bo­les, le rap­port se­xu­el, qu’est-ce qui y fait obst­a­cle ?

Wenn es dar­um geht, das se­xu­el­le Ver­hält­nis durch Sym­bo­le zu struk­tu­rie­ren, funk­tio­nie­ren zu las­sen, was bil­det da­für ein Hin­der­nis?

C’est que la jouis­sance s’en mêle.

Dies, dass sich das Ge­nie­ßen dar­in ein­mischt. 

La jouis­sance se­xu­el­le est-elle trai­ta­ble di­rec­te­ment ?

Lässt sich das se­xu­el­le Ge­nie­ßen di­rekt be­han­deln?47

Elle ne l’est pas, et c’est en cela – ne di­sons rien de plus – qu’il y a la pa­ro­le.

Das geht nicht, und zwar in­so­fern – mehr wol­len wir nicht sa­gen –, als es das Spre­chen gibt.

Le dis­cours com­mence de ce qu’il y ait là, béan­ce.

Der Dis­kurs be­ginnt von da­her, dass es da eine Kluft gibt.

On ne peut pas en res­ter là, je veux dire que je me re­fu­se à tou­te po­si­ti­on d’origine, et qu’après tout rien ne nous em­pêche de dire que c’est par­ce que le dis­cours com­mence que la béan­ce se pro­du­it.

Da­bei kann man nicht ste­hen­blei­ben, ich mei­ne, dass ich jede Po­si­ti­on des Ur­sprungs ab­leh­ne, und schließ­lich hin­dert uns nichts dar­an zu sa­gen, dass die­se Kluft sich des­halb her­stellt, weil der Dis­kurs be­ginnt.

C’est tout à fait in­dif­fé­rent pour le ré­sul­tat.

Das ist, was das Er­geb­nis an­geht, völ­lig gleich­gül­tig.

Ce qu’il y a de cer­tain, c’est que le dis­cours est im­pli­qué dans la béan­ce et com­me il n’y a pas de mé­tal­an­ga­ge, il ne sau­rait en sor­tir.

Si­cher ist dies, dass der Dis­kurs in der Kluft im­pli­ziert ist, und da es kei­ne Me­taspra­che gibt, kann er da nicht her­aus­kom­men.

La sym­bo­li­sa­ti­on de la jouis­sance se­xu­el­le, ce qui rend évi­dent ce que je suis en train d’en ar­ti­cu­ler c’est qu’elle em­pr­un­te tout son sym­bo­lis­me – à quoi ? – à ce qui ne la con­cer­ne pas, à savoir à la jouis­sance en tant qu’elle est in­ter­d­i­te par cer­tai­nes cho­ses con­fu­ses – con­fu­ses | [108] mais pas tel­le­ment que ça – car nous som­mes ar­ri­vés à l’articuler par­fai­te­ment sous le nom du prin­ci­pe du plai­sir, ce qui ne peut avoir qu’un sens : « pas trop de jouis­sance ».

Was ich ge­ra­de über die Sym­bo­li­sie­rung des se­xu­el­len Ge­nie­ßens vor­brin­ge, wird da­durch of­fen­sicht­lich, dass es sei­nen ge­sam­ten Sym­bo­lis­mus von wo ent­lehnt?, von et­was, wo­mit es nichts zu tun hat, näm­lich vom Ge­nie­ßen, in­so­fern es ver­bo­ten ist, durch be­stimm­te ver­wor­re­ne Din­ge, die aber gar nicht so ver­wor­ren sind, denn es ist uns ge­lun­gen, das voll­kom­men mit dem Be­griff des Lust­prin­zips zu ar­ti­ku­lie­ren, was nur ei­nen Sinn ha­ben kann: „nicht zu viel Ge­nie­ßen“.

Par­ce que l’étoffe de tou­tes les jouis­sances con­fi­ne à la souf­fran­ce, c’est même à ça que nous re­con­nais­sons l’habit – si la plan­te ne souf­frait pas ma­ni­fes­te­ment, nous ne sau­ri­ons pas qu’elle est vi­van­te.

Denn der Stoff al­ler Ar­ten des Ge­nie­ßens grenzt an das Lei­den, das ist das Kleid, wor­an man es er­kennt – wenn die Pflan­ze nicht of­fen­kun­dig lei­den wür­de, wüss­ten wir nicht, dass sie lebt.48  

 

Il est donc clair que le fait que la jouis­sance se­xu­el­le n’ait trou­vé pour se struc­tu­rer que la ré­fé­rence à l’interdit, en tant que nom­mé, de la jouis­sance, mais d’une jouis­sance qui n’est pas tel­le, qui est cet­te di­men­si­on de la ‚jouis­sance qui est à pro­pre­ment par­ler la jouis­sance mor­tel­le.

Es ist also klar, dass die Tat­sa­che –, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen zu sei­ner Struk­tu­rie­rung nur den Be­zug auf das Ver­bot des Ge­nie­ßens ge­fun­den hat, auf das Ver­bot, in­so­fern es ge­nannt wird, ei­nes Ge­nie­ßens je­doch, das kei­nes ist, das die­je­ni­ge Di­men­si­on des Ge­nie­ßens ist, die streng­ge­nom­men das töd­li­che Ge­nie­ßen ist.

En d’autres ter­mes que sa struc­tu­re, la jouis­sance se­xu­el­le la pren­ne de l’interdit por­té sur la jouis­sance di­ri­gée sur le corps prop­re, c’est-à-dire très pré­cisé­ment en ce point d’arête et de fron­tiè­re où elle con­fi­ne à la jouis­sance mor­tel­le.

An­ders aus­ge­drückt, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen sei­ne Struk­tur von dem Ver­bot her­nimmt, das sich auf das Ge­nie­ßen be­zieht, das sich auf den ei­ge­nen Kör­per rich­tet, das heißt ge­nau an dem Grat und an der Gren­ze, wo es an das töd­li­che Ge­nie­ßen an­grenzt. 

Et elle ne re­joint la di­men­si­on du se­xu­el qu’à por­ter l’interdit sur le corps, dont le corps prop­re sort, à savoir sur le corps de la mère.

Und es trifft nur da­durch auf die Di­men­si­on des Se­xu­el­len, dass es das Ver­bot auf den­je­ni­gen Kör­per be­zieht, aus dem der ei­ge­ne Kör­per her­vor­geht, das heißt auf den Kör­per der Mut­ter.

Ce n’est que par là que se struc­tu­re, qu’est re­joint dans le dis­cours, ce qui seul peut y ap­por­ter la loi, ce qu’il en est de la jouis­sance se­xu­el­le.

Nur da­durch wird das, wor­um es beim se­xu­el­len Ge­nie­ßen geht, im Dis­kurs struk­tu­riert, und das ist das ein­zi­ge, was hier das Ge­setz bei­steu­ern kann.

La par­ten­ai­re en l’occasion est bien en ef­fet ré­du­it à une, mais pas n’importe laquel­le : cel­le qui t’a pon­du.

Die Part­ne­rin ist hier­bei tat­säch­lich auf eine re­du­ziert, aber nicht auf eine be­lie­bi­ge: auf die­je­ni­ge, die dich in die Welt ge­setzt hat.

Et c’est au­tour de ça que se con­struit tout ce qui peut s’articuler dès que nous ren­trons dans ce champ d’une fa­çon qui soit ver­ba­li­sa­ble.

Und um die­sen Punkt her­um wird al­les kon­stru­iert, was ar­ti­ku­liert wer­den kann, so­bald wir uns auf eine Wei­se, die ver­ba­li­sier­bar ist, wie­der auf die­ses Feld be­ge­ben.

Quand nous nous avan­ce­rons plus loin, je re­vi­en­d­rai sur la fa­çon dont le savoir vi­ent à fonc­tion­ner com­me un jouir ; nous pou­vons ici pas­ser.

Wenn wir wei­ter vor­an­ge­kom­men sind, wer­de ich dar­auf zu­rück­kom­men, wie das Wis­sen dazu ge­langt, wie ein Ge­nie­ßen zu funk­tio­nie­ren; hier kön­nen wir das über­sprin­gen.

La femme com­me tel­le se trouve dans cet­te po­si­ti­on uni­que­ment ras­sem­blée de ceci qu’elle est, je di­rai su­jet­te à la pa­ro­le.

Die Frau als sol­che ist in ei­ner Po­si­ti­on, in der sich auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se ver­sam­melt, dass sie, so möch­te ich sa­gen, Un­ter­ta­nin (su­jet­te) des Spre­chens ist.

Bien sûr, je vous éparg­ne les dé­tours.

Die Um­we­ge er­spa­re ich Ih­nen na­tür­lich.

Que la pa­ro­le soit ce qui in­stau­re une di­men­si­on de vé­rité – l’impossibilité de ce rap­port se­xu­el – c’est bien aus­si ce qui fait la por­tée de la pa­ro­le en ceci bien sûr qu’elle peut tout, sauf ser­vir au point où elle est oc­ca­si­onnée.

Dass das Spre­chen das ist, wo­durch eine Wahr­heits­di­men­si­on ein­ge­setzt wird – die Un­mög­lich­keit die­ses se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses –, das ist auch das, was die Reich­wei­te des Spre­chens aus­macht, in­so­fern na­tür­lich, als es al­les kann, au­ßer, an dem Punkt zu die­nen, durch den es be­dingt ist.

La pa­ro­le s’efforce de ré­du­i­re la femme à la su­jé­ti­on, c’est-à-dire d’en fai­re quel­que cho­se dont on at­tend des si­gnes d’intelligence, si je puis m’exprimer ain­si.

Das Spre­chen be­müht sich, die Frau auf die Un­ter­wer­fung (su­jé­ti­on) zu re­du­zie­ren, das heißt, aus ihr et­was zu ma­chen, wo­von man Zei­chen von In­tel­li­genz er­war­tet, wenn ich mich so aus­drü­cken kann.

Mais bien sûr, ce n’est là d’aucun être réel qu’il s’agit ici, pour dire le mot.

Aber na­tür­lich han­delt es sich hier nicht um ein rea­les We­sen, um es deut­lich zu sa­gen.

La femme en l’occasion …com­me ce tex­te est fait pour le dé­mon­trer… La femme …je veux dire l’en-soi de la femme… La femme …com­me si on pou­vait dire tou­tes les femmesLa femme – j’insiste – qui n’existe pas …c’est jus­te­ment la lett­re, la lett­re en tant qu’elle est le si­gni­fi­ant qu’il n’y a pas d’Autre: S(Ⱥ).

Die Frau“ ist hier­bei, wie die­ser Text gut de­mons­triert Die Frau, ich will sa­gen das An-sich der Frau, Die Frau, so als könn­te man sa­gen „alle Frau­en“; „die Frau“ – ich in­sis­tie­re, die nicht exis­tiert –, das ist ge­nau die Let­ter, die Let­ter, in­so­fern sie der Si­gni­fi­kant ist, dass es kei­nen An­de­ren gibt: S(Ⱥ)49

[109] Et c’est là-des­sus que je vou­d­rai – avant de vous quit­ter – quand même vous énon­cer une re­mar­que qui des­si­ne la con­fi­gu­ra­ti­on lo­gi­que de ce que je suis en train d’avancer.

Und dazu möch­te ich für Sie, be­vor ich Sie ver­las­se, doch eine An­mer­kung ma­chen, mit der die lo­gi­sche Kon­fi­gu­ra­ti­on des­sen nach­ge­zeich­net wird, was ich hier ge­ra­de vor­brin­ge.

Dans la lo­gi­que aris­to­té­li­ci­en­ne, vous avez les « af­fir­ma­ti­ves »… je ne les mets pas avec les lettres qui sont d’usage ha­b­i­tu­el dans la lo­gi­que for­mel­le, je ne mets pas A …j’écris ça uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve, et j’écris ça uni­ver­sel­le né­ga­ti­ve, c’est ce que ça veut dire.

In der aris­to­te­li­schen Lo­gik ha­ben Sie die Be­ja­hun­gen, ich schrei­be sie nicht mit den Buch­sta­ben, die in der for­ma­len Lo­gik üb­lich sind, ich schrei­be nicht A, ich schrei­be das „be­ja­hen­de Uni­ver­sa­le“ [U.A. für „uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve“] und ich schrei­be das „ver­nei­nen­de Uni­ver­sa­le“ [U.N. für „uni­ver­sel­le  né­ga­ti­ve“], das be­deu­tet das hier.50

J’écris ici par­ti­cu­liè­re af­fir­ma­ti­ve et par­ti­cu­liè­re né­ga­ti­ve.

Hier schrei­be ich „be­ja­hen­de Par­ti­ku­lä­re“ [P.A. für „par­ti­cu­liè­re af­fir­ma­ti­ve“] und „ver­nei­nen­de Par­ti­ku­lä­re“ [P.N. für „par­ti­cu­liè­re né­ga­ti­ve“].51

Je fais re­mar­quer qu’au ni­veau de l’articulation aris­to­té­li­ci­en­ne, c’est ent­re ces deux pô­les, puis­que c’est à Aris­to­te que ces ca­té­go­ries pro­po­si­ti­onnel­les sont em­pr­un­tées, c’est ent­re ces deux pô­les que se fait la dis­cri­mi­na­ti­on lo­gi­que :

Dier vier Aussagearten in der aristotelischen Logik

Dier vier Aus­sa­ge­ar­ten in der aris­to­te­li­schen Lo­gik

Ich ma­che dar­auf auf­merk­sam, dass auf der Ebe­ne der aris­to­te­li­schen Ar­ti­ku­la­ti­on zwi­schen die­sen bei­den Po­len – da die­se Aus­sa­ge­ka­te­go­ri­en Aris­to­te­les ent­lehnt sind –, zwi­schen die­sen bei­den Po­len die [grund­le­gen­de] lo­gi­sche Un­ter­schei­dung ge­trof­fen wird.52

L’universelle af­fir­ma­ti­ve énon­ce une es­sence.

Die all­ge­mei­ne be­ja­hen­de Aus­sa­ge äu­ßert ein We­sen (es­sence).

J’ai as­sez sou­vent in­sis­té dans le pas­sé sur ce qu’il en est de l’énoncé « tout trait est ver­ti­cal » et qu’il est par­fai­te­ment com­pa­ti­ble avec ceci : qu’il n’existe au­cun trait – l’essence se si­tue es­sen­ti­el­le­ment dans la lo­gi­que, elle est pur énon­cé de dis­cours.

schema-von-peirce

Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce

Ich habe in der Ver­gan­gen­heit oft ge­nug auf dem be­stan­den, wor­um es bei der Aus­sa­ge „Je­der Strich ist senk­recht“ geht und dass sie völ­lig da­mit ver­ein­bar ist, dass es kei­nen Strich gibt53 – das We­sen ist we­sent­lich in der Lo­gik ver­or­tet, es ist rei­ne Aus­sa­ge des Dis­kur­ses.54 

La dis­cri­mi­na­ti­on lo­gi­que, son axe es­sen­tiel dans cet­te ar­ti­cu­la­ti­on, est très ex­ac­te­ment cet axe ob­li­que que je vi­ens ici de no­ter.

Die lo­gi­sche Un­ter­schei­dung, ihre in die­ser Ar­ti­ku­la­ti­on we­sent­li­che Ach­se, ist ge­nau die­se Schrä­gach­se, die ich ge­ra­de hier ein­ge­tra­gen habe.55

Rien ne va cont­re un énon­cé lo­gi­que quel­con­que iden­ti­fia­ble si ce n’est la re­mar­que que « Il y en a qui… pas » : par­ti­cu­liè­re né­ga­ti­ve.

Nichts rich­tet sich ge­gen eine ir­gend­wie iden­ti­fi­zier­ba­re lo­gi­sche Aus­sa­ge au­ßer der Be­mer­kung „Es gibt wel­che, die nicht ….“, par­ti­ku­lä­re Ver­nei­nung.56

Il y en a des traits qui ne sont pas ver­ti­caux, c’est la seu­le con­tra­dic­tion qui puis­se se fai­re cont­re l’affirmation que c’est un fait d’essence.

Es gibt Stri­che, die nicht senk­recht sind, das ist der ein­zi­ge Wi­der­spruch, der ge­gen die Af­fir­ma­ti­on vor­ge­bracht wer­den kann, dass dies [dass Stri­che senk­recht sind] eine We­sen­stat­sa­che ist.57

Et les deux au­tres ter­mes sont, dans le fonc­tion­ne­ment de la lo­gi­que aris­to­té­li­ci­en­ne, tout à fait se­con­dai­res.

Und die bei­den an­de­ren Ter­me sind im Funk­tio­nie­ren der aris­to­te­li­schen Lo­gik ganz und gar se­kun­där.

À savoir : « Il y en a qui… » : af­fir­ma­ti­ve par­ti­cu­liè­re.

Näm­lich „Es gibt wel­che, die …“, par­ti­ku­lä­re Be­ja­hung.

Et après, com­ment savoir si c’est né­ces­sai­re ou pas ?

Und da­nach, wie soll man wis­sen, ob das not­wen­dig ist oder nicht?58

Ça ne prouve rien !

Das be­weist nichts.

Et de dire : « Il y en a pas qui… », ce qui n’est | [110] pas la même cho­se que de dire : « Il y en a qui… pas », c’est-à-dire l’universelle né­ga­ti­ve « Il y en a pas qui… », ben ça prouve rien non plus, c’est un fait.

Und zu sa­gen „Es gibt nicht wel­che, die …“ – was nicht das­sel­be ist wie zu sa­gen „Es gibt wel­che, die nicht …“ –, das heißt, die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge „Es gibt nicht wel­che, die …“, nun, das be­weist auch nichts, das ist eine Tat­sa­che.59

Ce que je peux vous fai­re re­mar­quer c’est ce qui se pas­se quand, de cet­te lo­gi­que aris­to­té­li­ci­en­ne, nous pas­sons à leur trans­po­si­ti­on dans la lo­gi­que ma­thé­ma­tique, cel­le qui s’est fai­te par la voie de ce qu’on ap­pel­le les quan­ti­fi­ca­teurs.

Wor­auf ich Sie auf­merk­sam ma­chen kann, ist das, was pas­siert, wenn man von die­ser aris­to­te­li­schen Lo­gik zu ih­rer Um­for­mung in die ma­the­ma­ti­sche Lo­gik über­geht, in die­je­ni­ge Lo­gik, die mit­hil­fe von et­was ge­macht ist, was man als Quan­to­ren be­zeich­net.60

Ne m’engueulez pas par­ce que vous n’allez plus m’entendre, je vais d’abord écri­re, et jus­te­ment c’est de ça qu’il s’agit.

Be­schimp­fen Sie mich nicht, denn Sie wer­den mich gleich nicht mehr ver­ste­hen, ich wer­de zu­nächst schrei­ben, und das ist eben das, wor­um es geht.

L’universelle, je di­sais l’universelle af­fir­ma­ti­ve va main­tenant s’écrire de cet­te no­ta­ti­on in­ver­ba­li­sa­ble : ∀, puis­que c’est un A ren­ver­sé.

Die all­ge­mei­ne Aus­sa­ge – ich habe „be­ja­hen­de all­ge­mei­ne Aus­sa­ge“ ge­sagt –  wird jetzt mit die­ser nicht-ver­ba­li­sier­ba­ren No­ta­ti­on ge­schrie­ben, ∀, denn das ist ein um­ge­kehr­tes A.61

Je dis « A ren­ver­sé », en­fin c’est pas du dis­cours, c’est de l’écrit.

Ich sage „um­ge­kehr­tes A“, das heißt, das ge­hört nicht zur Rede, das ge­hört zum Ge­schrie­be­nen.62

Mais c’est un si­gnal – com­me vous al­lez le voir – pour jaspi­ner :

Das ist je­doch, wie Sie se­hen wer­den, ein Si­gnal um zu schwät­zen.

Die vier Aussagearten in der Quantorenlogik [?]

Die vier Aus­sa­ge­ar­ten in der Quan­to­ren­lo­gik [?]

∀x.F(x) : uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve.

∀x.F(x): uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge.

∃x.F(x) : par­ti­cu­liè­re af­fir­ma­ti­ve.

∃x.F(x): par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge.63

Ça, ∀x.F(x), je veux ex­pri­mer que c’est une né­ga­ti­ve, com­ment le puis-je ?

Die­ses hier, ∀x.F(x) – ich will aus­drü­cken, dass das eine Ver­nei­nung ist, wie kann ich das tun?

Je suis frap­pé de ceci que ça n’a ja­mais été vrai­ment ar­ti­cu­lé com­me je vais le fai­re.

Es wun­dert mich, dass das nie wirk­lich so, wie ich es tun wer­de, ar­ti­ku­liert wor­den ist.

C’est qu’il faut que vous met­tiez la bar­re de la né­ga­ti­on au-des­sus de F(x), et non pas du tout au-des­sus – com­me il se fait ha­b­i­tu­el­le­ment – des deux.

Näm­lich dass Sie den Ne­ga­ti­ons­strich über das F(x) set­zen müs­sen und nicht – wie es üb­li­cher­wei­se ge­macht wird – über bei­de [Be­stand­tei­le des Aus­drucks]:\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}.

Vous al­lez voir pour­quoi.

Sie wer­den se­hen war­um.64

Et ici, ∃x.F(x), c’est sur ∃x que vous de­vez mett­re la bar­re : F(x).

Und hier, bei ∃x.F(x), müs­sen Sie den Strich über das ∃x set­zen: \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}}. [?]65

Je mets ici main­tenant moi-même une bar­re équi­va­len­te à cel­le qui était ici, et com­me cel­le qui était ici sé­pa­rait en deux zo­nes le grou­pe des quat­re, ici, c’est d’une fa­çon dif­fé­ren­te qu’elle ré­par­tit par deux.

vier-propositionen-im-vergleich

Die bei­den Auf­tei­lun­gen der Vie­rer­grup­pen

Ich setz­te hier jetzt selbst ei­nen Strich, der mit dem gleich­wer­tig ist, der dort war [im Sche­ma der aris­to­te­li­schen Lo­gik]; und da der Strich, der dort war, die Vie­rer­grup­pe in zwei Be­rei­che auf­teil­te, führt er hier auf an­de­re Wei­se zu ei­ner Zwei­tei­lung.66

Ce que j’avance, c’est que dans cet­te fa­çon d’écrire jus­te­ment, tout ti­ent à ce qu’on peut le dire à pro­pos de l’écrit.

Ich be­haup­te nun, dass bei die­ser Art des Schrei­bens eben al­les da­von ab­hängt, dass man es in Be­zug auf das Ge­schrie­be­ne sa­gen kann.67

Et que la dis­tinc­tion en deux ter­mes unis par un point de ce qui est ain­si écrit ∀x.F(x), a cet­te val­eur de dire qu’on peut dire de tout x – c’est le si­gnal de l’A ren­ver­sé : ∀– qu’il sa­tis­fait à ce qui est écrit : F(x), qu’il n’y est pas dé­pla­cé.

vier-propositionen-ua-uswUnd dass die Auf­tei­lung in zwei Aus­drü­cke, die durch ei­nen Punkt ver­bun­den sind, was so ge­schrie­ben wird, ∀x.F(x), den Wert hat, zu sa­gen, dass man über je­des x sa­gen kann – das ist das Si­gnal des um­ge­kehr­ten A: ∀ –, dass es dem ge­nügt, was F(x) ge­schrie­ben wird:, dass es [un­ter dem As­pekt des Ge­schrie­be­nen] hier nicht fehl am Platz ist.68

[111] De même, mais avec un ac­cent dif­fé­rent, c’est qu’il y ait de l’inscriptible.

Das glei­che <gilt für die par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge ∃x.F(x) >, je­doch mit ei­nem an­de­ren Ak­zent, näm­lich dass es Schreib­ba­res gibt.

À savoir que c’est ici que por­te l’accent de l’écrit, il exis­te des x que vous pou­vez fai­re fonc­tion­ner dans l’« F(x) ».

Das heißt, dass der Ak­zent des Ge­schrie­be­nen hier liegt: Es exis­tie­ren x, die Sie in dem F(x) funk­tio­nie­ren las­sen kön­nen.69

Dont alors vous par­lez, qu’il s’agit, dans ce qu’on ap­pel­le ici la trans­po­si­ti­on quan­ti­fi­catri­ce, au mo­y­en des quan­ti­fi­ca­teurs de la par­ti­cu­liè­re : ∃x.F(x).

Wo­von Sie also dann spre­chen, wenn es um das geht, was man hier die quan­ti­fi­zie­ren­de Um­wand­lung der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­ge durch Quan­to­ren nennt: ∃x.F(x).

Par cont­re, il est si vrai que c’est au­tour de l’écrit que pi­vo­te le dé­pla­ce­ment de la ré­par­ti­ti­on.

Hin­ge­gen ist durch­aus wahr, dass sich die Ver­schie­bung der Auf­tei­lung um das Ge­schrie­be­ne dreht.

C’est à savoir que pour ce qui est mis au pre­mier plan, re­ceva­ble, rien n’a chan­gé pour l’universelle, elle est tou­jours de prix, en­co­re que ce ne soit pas le même prix.

Näm­lich dass sich bei dem, was in die ers­te zu­gäng­li­che Ebe­ne [die ers­te Spal­te?] ge­setzt wird, für die uni­ver­sa­le Aus­sa­ge nichts ge­än­dert hat, sie hat im­mer noch ei­nen Wert, auch wenn es nicht der­sel­be Wert ist.70

Par cont­re ce dont il s’agit ici con­sis­te à s’apercevoir de la non-val­eur de l’universelle né­ga­ti­ve.

Hier hin­ge­gen [in der rech­ten Spal­te] geht es dar­um, sich den Nicht-Wert der uni­ver­sa­len ver­nei­nen­den Aus­sa­ge [\forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}] klar­zu­ma­chen.71

Puis­que là ce qui tique c’est que, de quel­que x que vous par­liez, il ne faut pas écri­re F(x).

Denn was hier an­ge­zeigt wird, ist dies, dass man, von wel­chem x auch im­mer Sie spre­chen, nicht F(x) schrei­ben darf.72

Et que de même pour la par­ti­cu­liè­re né­ga­ti­ve, il y a ceci, que de même qu’ici le x73 pou­vait s’écrire, était re­ceva­ble, in­scrip­ti­ble dans cet­te for­mu­le, ici sim­ple­ment, ce qui est dit, c’est qu’il n’est pas in­scrip­ti­ble.

Und dass eben­so für die par­ti­ku­lä­re ver­nei­nen­de Aus­sa­ge gilt, dass – eben­so wie hier [in der lin­ken Spal­te] das x ge­schrie­ben wer­den konn­te, wie es in die­ser For­mel [∃x.F(x)] zu­läs­sig war, schreib­bar war – hier [in der rech­ten Spal­te] ein­fach dies ge­sagt wird, dass es nicht schreib­bar ist.74

Qu’est-ce à dire ?

Was soll das hei­ßen?

 

C’est que, ce qui de ces deux struc­tu­ra­ti­ons est res­té en quel­que sor­te né­g­li­gé, sans val­eur, à savoir l’universelle né­ga­ti­ve, l’universelle né­ga­ti­ve en tant qu’elle est cel­le qui per­met de dire « il ne faut pas écri­re ceci si vous par­lez d’un x quel­con­que » en d’autres ter­mes que c’est ici que fonc­tion­ne une coupu­re es­sen­ti­el­le.

Das heißt, dass das, was von die­sen bei­den Struk­tu­rie­run­gen [U.A. und P.N.?] in ge­wis­ser Wei­se ver­nach­läs­sigt oder wert­los ge­blie­ben ist, näm­lich die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, in­so­fern sie [in der Quan­to­ren­lo­gik] die­je­ni­ge ist, die zu sa­gen er­mög­licht „Die­ses [F] darf nicht ge­schrie­ben wer­den, wenn Sie von ir­gend­ei­nem x spre­chen“, an­ders ge­sagt, dass hier [in der Quan­to­ren­lo­gik] ein we­sent­li­cher Schnitt funk­tio­niert.75

 

Eh bien, c’est cela même au­tour de quoi s’articule ce qu’il en est du rap­port se­xu­el.

Nun, das ist eben das, um das her­um sich das ar­ti­ku­liert, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.

 

La ques­ti­on est de ce qui ne peut pas s’écrire dans la fonc­tion F(x), à par­tir du mo­ment où ceci, la fonc­tion F(x), est elle-même à ne pas écri­re.

Die Fra­ge be­zieht sich auf das, was in der Funk­ti­on F(x) nicht ge­schrie­ben wer­den kann, von dem Mo­ment an, wo dies, die Funk­ti­on F(x), selbst nicht zu schrei­ben ist.76

 

C’est-à-dire qu’elle est ce que j’ai dit, tout à l’heure énon­cé… ce qui est le point au­tour du­quel va tour­ner ce que nous re­pren­drons quand je vous re­ver­rai dans deux mois …à savoir qu’elle est à pro­pre­ment par­ler ce qui s’appelle il­li­si­ble.

Das heißt, dass sie das ist, was ich ge­sagt habe, eben ge­äu­ßert habe, näm­lich der Punkt, um den her­um sich das dre­hen wird, was wir wie­der­auf­neh­men wer­den, wenn ich Sie in zwei Mo­na­ten wie­der­se­he, näm­lich dass sie im stren­gen Sin­ne das ist, was „un­les­bar“ ge­nannt wird.

Verwandte Beiträge

Anmerkungen

  1. Vgl. J. La­can: Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“. In: Ders.: Schrif­ten I. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2016, S. 12–73, hier: S.36–49.
  2. Ver­mut­lich im Sin­ne von „dass es fast kein Mit­tel gibt, zu be­mer­ken, dass es um den Phal­lus geht“.
  3. Die Scham (hon­te) ist The­ma der letz­ten Vor­le­sung von Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 17. Juni 1970.
  4. Poe-Zi­tat in: Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 39.
  5. Der Ge­gen­satz von „un­be­co­m­ing“ und „be­co­m­ing a man“ lässt sich auch deu­ten als Ge­gen­satz von „auf­hö­ren, ein Mann zu sein“ und „ein Mann wer­den“.
  6. Poe-Zi­tat in Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 39.
  7. Vgl. Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 34.
  8. Gon­dek (wie auch an­de­re) über­setzt de­sti­na­ti­on mit „Schi­ckungs­ort“ (a.a.O., S. 49), of­fen­bar um auf de­s­tin, „Schick­sal“, an­zu­spie­len. Aber was ist ein „Schi­ckungs­ort“?
  9. Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung.
  10. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 100.
  11. An­spie­lung auf die Grund­la­gen­kri­se der Ma­the­ma­tik und den Ge­gen­satz zwi­schen In­tui­tio­nis­mus und For­ma­lis­mus.
  12. Das ist die Po­si­ti­on des For­ma­lis­mus.
  13. Mit „deut­schen Buch­sta­ben“ könn­te die Kur­rent­schrift ge­meint sein, die etwa zur Be­zeich­nung von Vek­to­ren und kom­ple­xen Zah­len ver­wen­det wur­de.
  14. Die­ses Pro­blem ist Aus­gang­punkt des Sche­ma­tis­mus­ka­pi­tels in Kants Kri­tik der rei­nen Ver­nunft (B 176 – B 187).
  15. La­can be­zieht sich auf: Ed­mund Hus­serl: Die Fra­ge nach dem Ur­sprung der Geo­me­trie als in­ten­tio­nal-his­to­ri­sches Pro­blem. In: Re­vue in­ter­na­tio­na­le de phi­lo­so­phie, Brüs­sel, 1. Jg. (1939), S. 203–225. Vgl. hier­zu: Jac­ques Der­ri­da: Hus­serls Weg in die Ge­schich­te am Leit­fa­den der Geo­me­trie. Ein Kom­men­tar zur Bei­la­ge III der „Kri­sis“ (1962). Fink, Mün­chen 1987.
  16. Das er­in­nert an Kants Be­griff des „Sche­mas“ in der Kri­tik der rei­nen Ver­nunft, „Von dem Sche­ma­tis­mus der rei­nen Ver­stan­des­be­grif­fe“ (B 176 ff.). Das Sche­ma ver­mit­telt bei Kant zwi­schen An­schau­ung und Be­griff. Im Iden­ti­fi­zie­rungs­se­mi­nar hat­te La­can ge­sagt, er su­che nach ei­ner bes­se­ren Grund­la­ge für den Sche­ma­tis­mus (vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 14. März 1962.
  17. Drei Punk­te, die den­sel­ben Ab­stand zu­ein­an­der ha­ben, er­ge­ben ein gleich­sei­ti­ges Drei­eck. Vier Punk­te, die die­ses Kri­te­ri­um er­fül­len, bil­den ei­nen Te­tra­eder.
  18. Die re­el­len Zah­len um­fas­sen die ra­tio­na­len Zah­len und die ir­ra­tio­na­len Zah­len. Ra­tio­na­le Zah­len sind Zah­len, die sich durch Brü­che gan­zer Zah­len aus­drü­cken las­sen, also durch ein Ver­hält­nis (= Ra­tio) gan­zer Zah­len; ir­ra­tio­na­le Zah­len sind sol­che, die sich nicht so dar­stel­len las­sen, zum Bei­spiel \sqrt {2} oder die Kreis­zahl π.
  19. Im Te­tra­eder kön­nen vier Punk­te den­sel­ben Ab­stand von­ein­an­der ha­ben.
  20. Wenn man drei Spie­ße mit der Spit­ze ge­gen­ein­an­der lehnt, bil­den sie ei­nen Te­tra­eder.
    Den Hin­weis auf die drei Spie­ße als Sym­bol der Ord­nung fin­det man be­reits in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten (Sit­zung vom 5. März 1958; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 314).
  21. Über die Po­li­zei schreibt He­gel in den Grund­li­ni­en der Phi­lo­so­phie des Rechts, §§ 231–249. „Po­li­zei“ (ge­schrie­ben „Po­li­cey“) ist der äl­te­re deut­sche Aus­druck für das, was man heu­te „Ver­wal­tung“ nennt. Auf die­se He­gel­pas­sa­ge be­zieht La­can sich auch in Se­mi­nar 23 von 1975/76, Das Sint­hom, in der Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975.
  22. Dies ist La­cans ers­te Dar­stel­lung des Her­ren­dis­kur­ses mit sechs Pfei­len.
    Ich ent­neh­me die Zeich­nung Ver­si­on G.T. von Se­mi­nar 18 (S. 100), da sie die bes­te Dar­stel­lung gibt (wo­bei zu be­ach­ten ist, dass die­se Tran­skrip­ton auf ei­ner Ton­auf­nah­me be­ruht, das Dia­gramm wur­de hier also nicht von der Ta­fel ab­ge­schrie­ben). In der Sta­fer­la-Ver­si­on gibt es nur fünf Ver­bin­dun­gen (ob­wohl im Text von sech­sen die Rede ist), in Mil­lers Ver­si­on ist die obe­re Ver­bin­dung kein Pfeil, son­dern nur eine Li­nie (ob­wohl La­can von ge­rich­te­ten Li­ni­en spricht, also von Pfei­len), und wie in der Sta­fer­la-Ver­si­on fehlt auch bei Mil­ler der sechs­te Pfeil.
    Un­ter den „Kan­ten“ des „Te­tra­eders“ ver­steht La­can dem­nach die sechs Ver­bin­dungs­li­ni­en zwi­schen den vier Ter­men der Dis­kurs­for­mel; er ver­wen­det den Aus­druck hier zum ers­ten Mal.
    Die Dar­stel­lung mit den sechs Pfei­len er­in­nert – si­cher­lich mit Ab­sicht – an das „lo­gi­sche Qua­drat“ der mit­tel­al­ter­li­chen Lo­gik:

    logisches-quadratIn Se­mi­nar 17 (Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, 1969/70) hat­te La­can die Ter­me des Her­ren­dis­kur­ses in der letz­ten Sit­zung durch fünf Li­ni­en ohne Pfeil ver­bun­den (vgl. Sit­zung vom 17. Juni 1970, Ver­si­on Mil­ler S. 213) – falls man den Tran­skrip­tio­nen trau­en darf.
    In Ra­dio­pho­nie sind alle vier Dis­kurs­for­meln mit zwei Pfei­len ver­se­hen:

    vier-diskurse-in-radiophonieEi­ner führt von links oben nach rechts oben, der an­de­re von rechts un­ten nach links un­ten; der un­te­re Pfeil ist ge­krümmt (ist die Krüm­mung eine Al­ter­na­tiv­dar­stel­lung der un­ter­bro­che­nen Li­nie?). Beim Dis­kurs des Herrn und beim Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist der obe­re Pfeil mit „Un­mög­lich­keit“ be­schrif­tet, beim Dis­kurs der Uni­ver­si­tät und beim Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin heißt der un­te­re ge­krümm­te Pfeil „Un­ver­mö­gen“.
    Aus der Dar­stel­lung in Ra­dio­pho­nie geht nicht her­vor, ob die Be­zeich­nun­gen der Pfei­le für alle vier Dis­kur­se gel­ten sol­len (vgl. J. La­can: Ra­dio­pho­nie. In: Ders.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Wein­heim 1988, S. 5–54, hier: S. 49).

  23. Ist dies im­mer die Ver­bin­dung, die von rechts un­ten nach links un­ten führt?
  24. La­cans Struk­tu­ra­lis­mus ist ein Struk­tu­ra­lis­mus mit Sub­jekt.
    Ein Brief er­reicht im­mer sei­nen Be­stim­mungs­ort, ich ver­mu­te, dass da­mit die Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten ge­meint ist – kei­ne Ver­drän­gung ohne Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten.
  25. La­can be­zieht sich auf die­sen Satz: „Sa­gen wir, dass der Kö­nig hier durch die na­tür­li­che Am­phi­bo­lo­gie zum Hei­li­gen mit der Ein­falt be­lehnt wird, die di­rekt am Sub­jekt fest­zu­ma­chen ist.“ (Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 45)
  26. Nichts­des­to­we­ni­ger ist eine Po­li­zei­ak­te im­mer Ob­jekt ei­nes Vor­be­halts ge­we­sen,  für den sich schlecht er­klä­ren lässt, dass er weit über den Kreis der His­to­ri­ker hin­aus­greift.“ (Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 45)
  27. Der Brief stellt das „Zei­chen von Wi­der­spruch und Skan­dal“ dar, in dem Sin­ne, „in dem das Evan­ge­li­um sagt, es müs­se kom­men ohne Rück­sicht auf das Un­glück des­sen, der sein Trä­ger sein wird“ (Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 38)
  28. Mil­ler: „cou­rant“, die Au­dio­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung, zu­min­dest mir nicht, vgl. 53:09.
  29. La­tei­nisch, „das grau­en­haf­te Un­ge­heu­er“.
  30. Be­zo­gen auf Du­pin spricht La­can im Poe-Auf­satz vom „Ge­fühl von Sand in den Au­gen“ (Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 19).
  31. Vgl. Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 24.
  32. Das Zi­tat ist aus der Tra­gö­die Atrée et Thy­es­te (1707) von Pro­sper Jo­lyot de Cré­bil­lon. Bei Poe liest man „un des­sein si fu­nes­te“ (ein so ver­häng­nis­vol­ler Plan), La­can zi­tiert das im Poe-Auf­satz zu­nächst kor­rekt (J. La­can: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 14), schreibt dann aber, bei der Wie­der­ho­lung des Zi­tats im sel­ben Auf­satz, „un de­s­tin si fu­nes­te“ (ein so ver­häng­nis­vol­les Schick­sal) (Écrits, a.a.O., S. 40). In der hier über­setz­ten Sit­zung von Se­mi­nar 18 ver­wen­det La­can die ab­ge­wan­del­te Fas­sung des Zi­tats, also „de­s­tin“ statt „des­sein“. Mil­ler än­dert in sei­ner Edi­ti­on von Se­mi­nar 18 „de­s­tin“ zu „des­sein“, eben­so im Poe-Auf­satz in sei­ner Neu­aus­ga­be der Écrits von 1999. Ga­s­ché hat­te in sei­ner Über­set­zung des Poe-Auf­sat­zes die Stel­le eben­falls kor­ri­giert, also „des­sein“ ge­schrie­ben (J. La­can: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1973, S. 40). Gon­dek ver­wen­det in sei­ner Neu­über­set­zung an die­ser Stel­le kor­ri­gie­rend „des­sein“ (S. 48), und er weist zäh­ne­knir­schend dar­auf hin, dass er ge­zwun­gen ist, sich an Mil­lers Neu­aus­ga­be der Écrits zu hal­ten (vgl. Gon­deks pro­tes­tie­ren­de An­mer­kung in: J. La­can: Schrif­ten I. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2016, S. 677).
    Atreus und Thy­es­tes sind Ge­stal­ten der grie­chi­sches My­tho­lo­gie: zwei Brü­der, die, um Macht zu ge­win­nen, je­des Ver­bre­chen be­ge­hen, auch Mord.
  33. Der Brief ent­hält eine Bot­schaft jen­seits al­ler Mög­lich­kei­ten, die Bot­schaft be­zieht sich auf das Un­mög­li­che, also auf das Rea­le.
  34. Vgl. die­se Be­mer­kung von La­can: „War­um gibt man denn nicht zu, dass es, wenn es kei­ne Vi­ri­li­tät gibt, die nicht durch die Kas­tra­ti­on ab­ge­seg­net ist, ein kas­trier­ter Lieb­ha­ber oder ein to­ter Mann (ja bei­de in ei­nem ist), der sich für die Frau hin­ter dem Schlei­er ver­birgt, um dort ihre An­be­tung zu er­hei­schen – eben von dem­sel­ben Ort jen­seits des müt­ter­li­chen Eben­bil­des aus,  von dem ihr die Dro­hung ei­ner Kas­tra­ti­on ge­kom­men ist, die sie nicht real be­trifft.“ (J. La­can: Rich­tung­wei­sen­de The­men­vor­schlä­ge für ei­nen Kon­gress über die weib­li­che Se­xua­li­tät. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 239–253, hier: 249. Die­ser Text wur­de 1958 ge­schrie­ben und 1962 ver­öf­fent­licht.
  35. La­can, auf der Ton­auf­nah­me gut hör­bar, „L’Œdipe“; Mil­ler än­dert in sei­ner Aus­ga­be des Se­mi­nars „L’Œdipe“ zu „To­tem et Ta­bou“, da La­can hier wie auch sonst öf­ter „To­tem und Tabu“ meint, wenn er „L’Œdipe“ sagt.
  36. Un­ter dem Ödi­pus­my­thos ver­steht La­can hier Freuds My­thos vom Ur­va­ter in To­tem und Tabu, wie be­reits in der zwei­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars (20. Ja­nu­ar 1971). Vgl. S. Freud: To­tem und Tabu (19121913). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 287444, den My­thos vom Ur­va­ter fin­det man hier v.a. S. 425427.
  37. Vgl. Clau­de Lévi-Strauss: Die Struk­tur der My­then. In: Ders.: Struk­tu­ra­le An­thro­po­lo­gie. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1969, S. 226–254.
  38. Mil­ler än­dert wie­der zu „To­tem et Ta­bou“.
  39. Freuds For­mu­lie­rung lau­tet „alle Weib­chen“: „Die Dar­win­sche Ur­hor­de hat na­tür­lich kei­nen Raum für die An­fän­ge des To­te­m­is­mus. Ein ge­walt­tä­ti­ger, ei­fer­süch­ti­ger Va­ter, der alle Weib­chen für sich be­hält und die her­an­wach­sen­den Söh­ne ver­treibt, nichts wei­ter.“ (To­tem und Tabu, a.a.O., S. 425)
    In den Se­mi­na­ren 14 und 17 hat­te La­can ge­sagt, der Ur­va­ter sym­bo­li­sie­re das Ge­nie­ßen, in­so­fern es un­mög­lich ist (vgl. Se­mi­nar 14, La lo­gi­que du phan­tas­me, Sit­zung vom 26. April 1967; Se­mi­nar 17, L’envers de la psy­chana­ly­se, Sit­zung vom 18. März 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 143). Hier­auf hat­te La­can sich be­reits in der zwei­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars (20. Ja­nu­ar 1971) so­wie in der vier­ten Sit­zung (17. Fe­bru­ar 1971) be­zo­gen.
    La­can deu­tet die For­mu­lie­rung klas­sisch psy­cho­ana­ly­tisch: die All-Macht („alle Weib­chen“) ist die Um­keh­rung der Ohn­macht / des Un­ver­mö­gens (im­puis­sance),wie etwa im Iden­ti­fi­zie­rungs­se­mi­nar, wo es über den all­mäch­ti­gen (also ima­gi­nä­ren) Va­ter heißt: „das Sub­jekt der ima­gi­nä­ren All­macht“ ist „das um­ge­kehr­te Bild der Ohn­macht“ (Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962), und er geht dann ei­nen Schritt wei­ter: das Un­ver­mö­gen ist wie­der­um die an­de­re Sei­te der Un­mög­lich­keit (dies ist der Grund­ge­dan­ke der Dar­stel­lung der Dis­kurs­for­meln in Ra­dio­pho­nie, a.a.O., S. 49).
  40. Luit­zen E.J. Brou­wer (1881–1966), Be­grün­der des In­tui­tio­nis­mus.
  41. Der Grund­ge­dan­ke des In­tui­tio­nis­mus be­steht dar­in, dass Ge­bil­de wie etwa „die na­tür­li­chen Zah­len“ nicht als ge­ge­be­ne Ganz­hei­ten zu ver­ste­hen sind, als Men­gen, son­dern dass sie ope­ra­tiv auf­zu­fas­sen sind, als zu kon­stru­ie­ren­de Ge­bil­de.
  42. An­spie­lung auf S. Freud: Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on. Drei Ab­hand­lun­gen (1939).
  43. Auch die­se Be­mer­kung er­in­nert an das Sche­ma­tis­mus­ka­pi­tel in Kants Kri­tik der rei­nen Ver­nunft. Zu den Sche­ma­ta der rei­nen Ver­stan­des­be­grif­fe, so heißt es hier, ge­hört die Zeit­rei­he (B 184 f.).
  44. Der Be­griff der arith­me­ti­schen Rei­he baut auf dem der arith­me­ti­schen Fol­ge auf. Eine arith­me­ti­sche Fol­ge ist eine Lis­te von Zah­len, die sich im­mer um den glei­chen Wert von­ein­an­der un­ter­schei­den. Be­ginnt man bei­spiels­wei­se mit 2 und fügt man bei­spiels­wei­se im­mer 3 hin­zu, er­hält man die arith­me­ti­sche Fol­ge 2, 5, 8, 11 usw. Ad­diert man die Glie­der ei­ner arith­me­ti­schen Fol­ge, er­hält man eine arith­me­ti­sche Rei­he; im Bei­spiel ist dies 2, 7, 15, 26 usw.
    La­can be­zieht sich auf die arith­me­ti­sche Fol­ge der na­tür­li­chen Zah­len: 1, 2, 3, 4 usw., sie be­ginnt mit 1, der kon­stant hin­zu­ge­füg­te Wert ist 1. Ad­diert man die Glie­der die­ser Fol­ge, er­hält man die arith­me­ti­sche Rei­he 1, 3, 6, 10 usw.
    Mit „die­je­ni­gen, die sich wie­der­ho­len, sind die­sel­ben“ könn­te ge­meint sein, dass in ei­ner arith­me­ti­schen Fol­ge die Dif­fe­ren­zen zwi­schen den Glie­dern gleich sind.
  45. Eine Te­tra­de ist ein Ver­bin­dung von vier Be­stand­tei­len.
  46. Mil­ler er­gänzt: „on s’aperçoit de ce qui fait dif­fi­cul­té“.
  47. Für Wil­helm Reich war die „or­gas­ti­sche Po­tenz“ das letz­te Ziel der psy­cho­ana­ly­ti­schen The­ra­pie und Pro­phy­la­xe (vgl. W. Reich: Die Funk­ti­on des Or­gas­mus. Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie und zur So­zio­lo­gie des Ge­schlechts­le­bens. In­ter­na­tio­na­ler psy­cho­ana­ly­ti­scher Ver­lag, Wien 1927).
  48. Die­se Be­mer­kung deu­tet an, dass die Pflan­ze ge­nießt, ein The­ma, dass La­can spä­ter in dem Vor­trag Die Drit­te (1974) be­schäf­ti­gen wird.
  49. Let­ter“ soll hier, wie in Ga­s­chés Über­set­zung von La­cans Poe-Auf­satz, die Mehr­deu­tig­keit des fran­zö­si­schen Worts lett­re nach­bil­den, was zu­gleich „Brief“ und „Buch­sta­be“ meint. Vgl. J. La­can: Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“. Über­setzt von Ro­dol­phe Ga­s­ché. In: J. La­can: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 7–60, hier: S. 22 und öf­ter.
  50. La­can schreibt hier­bei U.A. und U.N. an die Ta­fel.
    Be­ja­hen­de Uni­ver­sa­le, d.h. uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge: eine Aus­sa­ge vom Typ „Alle S sind P“, z.B. „Alle Men­schen sind sterb­lich“.
    Ver­nei­nen­de Uni­ver­sa­le, d.h. uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge: eine Aus­sa­ge vom Typ „Alle S sind nicht P“ bzw. „Kein S ist P“, z.B. „Alle Men­schen sind nicht sterb­lich“ bzw. „Kein Mensch ist sterb­lich“.
    „S“ steht hier für das lo­gi­sche Sub­jekt, „P“ für das lo­gi­sche Prä­di­kat.
  51. Dazu schreibt La­can „P.A.“ und „P.N.“ an die Ta­fel.
    Be­ja­hen­de Par­ti­ku­lä­re = par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge: eine Aus­sa­ge vom Typ „Ei­ni­ge S sind P“ oder „Es gibt S, die P sind“, z.B. „Ei­ni­ge Men­schen sind sterb­lich“ oder „Es gibt Men­schen, die sterb­lich sind“.
    Ver­nei­nen­de Par­ti­ku­lä­re = par­ti­ku­lä­re ver­nei­nen­de Aus­sa­ge: eine Aus­sa­ge vom Typ „Ei­ni­ge S sind nicht P“ oder „Es gibt S, die nicht P sind“, z.B. „Es gibt Men­schen, die nicht sterb­lich sind“ oder „Ei­ni­ge Men­schen sind nicht sterb­lich“.
    Aus Grün­den der bes­se­ren Ver­ständ­lich­keit über­set­ze ich im Fol­gen­den „l’universelle“ statt mit „die Uni­ver­sa­le“ mit „die all­ge­mei­ne Aus­sa­ge“, „la par­ti­cu­liè­re“ statt mit „die Par­ti­ku­lä­re“ mit „die par­ti­ku­lä­re Aus­sa­ge“.
  52. Aus den an­schlie­ßen­den Be­mer­kun­gen geht her­vor, dass hier die Pole der uni­ver­sa­len Be­ja­hung (U.A.) und der par­ti­ku­lä­ren Ver­nei­nung (P.N.) ge­meint sind. Zwi­schen die­sen bei­den Aus­sa­ge­ar­ten gibt es, wie die klas­si­sche for­ma­le Lo­gik sagt, ei­nen kon­tra­dik­to­ri­schen Ge­gen­satz, d.h. eine der bei­den Aus­sa­gen muss wahr sein und die an­de­re muss falsch sein. Ei­nen kon­tra­dik­to­ri­schen Ge­gen­satz gibt es au­ßer­dem zwi­schen der uni­ver­sa­len Ver­nei­nung und der par­ti­ku­lä­ren Be­ja­hung; für die aris­to­te­li­sche Lo­gik ist die­ser Ge­gen­satz je­doch, La­can zu­fol­ge, we­ni­ger re­le­vant.
    Mit die­ser Be­trach­tungs­wei­se sind wir im Be­reich der so­ge­nann­ten Aus­sa­gen­lo­gik, d.h. der­je­ni­gen Lo­gik, in der die Be­zie­hun­gen zwi­schen Aus­sa­gen un­ter­sucht wer­den, wo­bei die Aus­sa­gen als Ein­hei­ten be­trach­tet wer­den, die ent­we­der wahr oder falsch sind.
  53. Das be­zieht sich auf das Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce, das La­can in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, vor­ge­stellt hat­te und auf dass er sich im lau­fen­den Se­mi­nar 18 be­reits in der Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 be­zo­gen hat­te.
    Die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge wird hier durch die bei­den obe­ren Qua­dran­ten re­prä­sen­tiert. Die Aus­sa­ge „alle Stri­che sind senk­recht“ ist auch für den obe­ren rech­ten Qua­dran­ten wahr.
  54. Man kann ver­mu­ten, dass – wie La­can an­nimmt – der kon­tra­dik­to­ri­sche Ge­gen­satz zwi­schen der uni­ver­sa­len Ver­nei­nung und der par­ti­ku­lä­ren Be­ja­hung für die aris­to­te­li­sche Lo­gik des­halb we­ni­ger grund­le­gend ist, weil der Ge­gen­satz sich hier nicht auf das We­sen be­zieht.
  55. Ge­meint ist die Be­zie­hung zwi­schen der uni­ver­sa­len be­ja­hen­den Aus­sa­ge (U.A. oben links) und der par­ti­ku­lä­ren ver­nei­nen­den Aus­sa­ge (P.N. un­ten rechts).
  56. Un­ter ei­ner „ir­gend­wie iden­ti­fi­zier­ba­ren lo­gi­schen Aus­sa­ge“ ver­steht La­can hier of­fen­bar die uni­ver­sa­le Be­ja­hung.
  57. Der Be­griff des We­sens wird hier von La­can mit den Mit­teln der Lo­gik re­kon­tru­iert. Dass et­was eine We­sen­stat­sa­che ist, meint, dass eine Aus­sa­ge „für alle“ gilt. 
  58. Wenn bei­spiels­wei­se gilt, „Ei­ni­ge Men­schen sind sterb­lich“, weiß man nicht, ob das Sterb­lich­sein not­wen­dig ist oder nicht.
  59. Das ein­ge­scho­be­ne „Es gibt wel­che, die nicht … “ ist die par­ti­ku­lä­re ver­nei­nen­de Aus­sa­ge.
  60. Die Quan­to­ren­lo­gik (oder Prä­di­ka­ten­lo­gik) wur­de Ende des 19. Jahr­hun­derts von Gott­lob Fre­ge und Charles San­ders Peir­ce ent­wi­ckelt, un­ab­hän­gig von­ein­an­der. Peir­ce, der den Ter­mi­nus ein­ge­führt hat, spricht von „quan­ti­fiers“.
  61. Das Sym­bol ∀ wur­de 1934 von Ger­hard Gent­zen ein­ge­führt.
  62. An­ders ge­sagt: ∀ ist ein Buch­sta­be.
  63. Das Sym­bol ∀ heißt „All­quan­tor“. Das Sym­bol ∃ trägt den Na­men „Exis­tenz­quan­tor“. x ist eine In­di­vi­du­en­va­ria­ble, das Sym­bol x steht für ein be­lie­bi­ges Ele­ment ei­ner Men­ge. F ist das Prä­di­kat; statt F kann auch ein an­de­rer Buch­sta­be ver­wen­det wer­den.
    ∀ meint: „Alle Ele­men­te ei­ner Men­ge“ oder „Je­des Ele­ment ei­ner Men­ge“. ∀x wird so ge­le­sen: „Für alle x gilt“.
    Das Sym­bol ∃ meint „Es exis­tiert“. Der Aus­druck ∃x wird als „es exis­tiert min­des­tens ein“ ge­le­sen.
    F(x) meint: „die Ei­gen­schaft F trifft auf das Ele­ment zu“, „die Ei­gen­schaft F gilt für das Ele­ment“.
    Der Aus­druck ∀x.F(x) kann dem­nach so ge­le­sen wer­den: „Für alle x gilt, dass die Ei­gen­schaft F auf x zu­trifft.“
    Und ∃x.F(x) lässt sich so le­sen: „Es exis­tiert min­des­tens ein Ele­ment, für das gilt, dass die Ei­gen­schaft F auf es zu­trifft.“
    Will man die Aus­sa­ge „Alle Men­schen sind sterb­lich“ in ei­nen Aus­druck der Quan­to­ren­lo­gik um­for­men, wird, grob ge­sagt,  der Aus­druck „Alle“ in das Sym­bol ∀ ver­wan­delt, der Aus­druck „Men­schen“ in das Sym­bol x und der Aus­druck „sterb­lich“ in das Sym­bol F (oder ei­nen an­de­ren Buch­sta­ben). Et­was ge­nau­er: Man muss 
    „Alle Men­schen sind sterb­lich“ zu­nächst in die fol­gen­de Aus­sa­ge über­set­zen „Für alle Men­schen gilt: Mensch ist sterb­lich“. An die Stel­le des „Für alle … gilt“ tritt dann das Sym­bol ∀x. Aus „Men­schen“ wird das Sym­bol x, d.h. die Men­schen wer­den auf die for­ma­le Ei­gen­schaft re­du­ziert, dass es sich bei ih­nen um eine Men­ge han­delt, die aus Ele­men­ten be­steht, und es wird ein be­lie­bi­ges Ele­ment aus die­ser Men­ge her­aus­ge­pickt. Aus „sind sterb­lich“ wird das Prä­di­kat F(x).
    Be­zieht man sich auf die Aus­sa­ge „Ei­ni­ge Men­schen sind sterb­lich“ ent­spricht das Sym­bol ∃x dem Aus­druck „Ei­ni­ge sind“.
  64. La­can be­rei­tet hier die iso­lier­te Ne­ga­ti­on der Quan­to­ren vor, die für die For­meln der Se­xu­ie­rung, die er in die­ser Sit­zung zu ent­wi­ckeln be­ginnt, cha­rak­te­ris­tisch sein wird. Ob La­cans No­ta­ti­ons­wei­se mehr als eine blo­ße Schreib­kon­ven­ti­on ist – ob sie mit neu­en Ope­ra­tio­nen ein­her­geht –, lässt sich zu die­sem Zeit­punkt der Theo­rie­ent­wick­lung noch nicht ab­se­hen.
    Da­durch, dass so­wohl der ge­sam­te Aus­druck als auch das Prä­di­kat ne­giert wer­den kann, er­hält man für die All­aus­sa­ge wie für die Exis­tenz­aus­sa­ge je­weils vier For­men, was bei her­kömm­li­cher No­ta­ti­on so aus­sieht:
    – ohne Ne­ga­ti­on: \forall \text {x.F(x)}, {\exists \text {x.}} {\text {F(x)}}
    – mit Ne­ga­ti­on des Prä­di­kats: \forall \text {x.} \overline {\text {F(x)}}, {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    – mit Ne­ga­ti­on des Ge­samt­aus­drucks: \overline {\forall \text {x.F(x)}}, \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    – mit Ne­ga­ti­on so­wohl des Ge­samt­aus­drucks als auch des Prä­di­kats: \overline {\forall \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}, \overline {\exists \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}
    ins­ge­samt also acht Aus­sa­ge­for­men.
    Von die­sen acht For­men gel­ten in der Prä­di­ka­ten­lo­gik je­weils zwei als lo­gisch äqui­va­lent, je­der All­aus­sa­ge ent­spricht ge­nau eine Exis­tenz­aus­saaa­ge und um­ge­kehrt.
    \forall \text {x.F(x)}  äqui­va­lent zu \overline {\exists \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}}
    \forall \text {x.} \overline {\text {F(x)}} äqui­va­lent zu \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    \overline {\forall \text {x.F(x)}} äqui­va­lent zu {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}
    \overline {\forall \text {x.}} \overline {\overline {\text {F(x)}}} äqui­va­lent zu {\exists \text {x.}} {\text {F(x)}}
    Hier­durch blei­ben vier lo­gisch un­ter­schied­li­che For­men üb­rig.
    In der üb­li­chen No­ta­ti­on be­zieht der Ne­ga­ti­ons­strich sich nicht nur auf den Quan­tor, son­dern, wenn der Quan­tor ne­giert wird, zu­gleich auf den ge­sam­ten Aus­druck; in­halt­lich aber wird die Ne­ga­ti­on pri­mär auf den Quan­tor be­zo­gen – wenn bei­spiels­wei­se eine All­aus­sa­ge ins­ge­samt ne­giert wird, meint dies, dass das Prä­di­kat nicht uni­ver­sal ist.
    Die Ne­ga­ti­on kann man statt durch ei­nen Quer­strich über den Buch­sta­ben auch durch ei­nen Ne­ga­ti­ons­haken ¬ no­tie­ren, der vor die Buch­sta­ben ge­setzt wird. Der Aus­druck mit Ne­ga­ti­on des Ge­samt­aus­drucks und Ne­ga­ti­on des Prä­di­kats sieht dann für den All­quan­tor so aus: ¬(∀x.¬F(x))
  65. Die An­wei­sung, den Ne­ga­ti­ons­strich über ∃x zu set­zen, ist, lo­gisch ge­se­hen, falsch. Der Aus­druck \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}} soll die Um­for­mung der par­ti­ku­lär ver­nei­nen­den Aus­sa­ge in die Spra­che der Quan­to­ren­lo­gik sein, das ist er aber nicht. Viel­mehr ent­spricht \overline {\exists \text {x}}.{\text {F(x)}} (in  her­kömm­li­cher No­ta­ti­on: \overline {\exists \text {x.}} \overline {\text {F(x)}}) der uni­ver­sal ver­nei­nen­den Aus­sa­ge, der Aus­druck sagt also das­sel­be wie  \forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}. Um­gangs­sprach­lich for­mu­liert: Ich be­haup­te das­sel­be, wenn ich sage „Alle Göt­ter sind nicht sterb­lich“ und wenn ich sage „Es gibt kei­nen Gott, der sterb­lich ist“.
    Die Um­for­mung der par­ti­ku­lär ver­nei­nen­den Aus­sa­ge in die Quan­to­ren­lo­gik er­gibt den fol­gen­den Aus­druck: \exists \text {x}.\overline {\text {F(x)}}. Es müss­te also hei­ßen „Und hier, bei ∃x.F(x), müs­sen Sie den Strich über das F(x) set­zen.“
    Bringt La­can hier et­was durch­ein­an­der? Ver­spricht er sich? Sagt er, dass der Strich über  das F(x) ge­setzt wer­den muss und liegt der Feh­ler bei der Tran­skrip­ti­on?
    Die An­wei­sung, den Strich über das ∃x zu set­zen, fin­det sich in al­len sechs  Tran­skrip­tio­nen die­ses Se­mi­nars, die ich ein­ge­se­hen habe. Die Ton­auf­nah­me auf der Web­site von Pa­trick Va­las er­mög­licht kei­ne Klä­rung, sie bricht vor­her ab.
    Im Hin­ter­grund steht hier mög­li­cher­wei­se die Tat­sa­che, dass Freud die Ver­nei­nung mit der Ne­ga­ti­on der Exis­tenz zu­sam­men­bringt. Die Ver­nei­nung hat Freud zu­fol­ge u.a. die Auf­ga­be, ei­ner Vor­stel­lung die Exis­tenz in der Rea­li­tät zu be­strei­ten, das Schei­tern des Ver­suchs zu be­kun­den, ein dem Vor­ge­stell­ten ent­spre­chen­des Ob­jekt wie­der­zu­fin­den, zu kon­sta­tie­ren, dass es nicht mehr vor­han­den ist (vgl. S. Freud: Die Ver­nei­nung (1925). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 371–377).
  66. In die An­schrei­bung der Aus­sa­ge-Ar­ten der aris­to­te­li­schen Lo­gik hat­te La­can eine Dia­go­na­le ein­ge­tra­gen, zwi­schen der uni­ver­sa­len be­ja­hen­den Aus­sa­ge und der par­ti­ku­lä­ren ver­nei­nen­den Aus­sa­ge. Bei der An­schrei­bung der vier Aus­sa­ge-Ar­ten in der Quan­to­ren­lo­gik trägt er zwi­schen die lin­ke und die rech­te Sei­te ei­nen senk­rech­ten Strich ein (falls man den Dia­gram­men in den Tran­skrip­tio­nen trau­en darf).
  67. Die Quan­to­ren­lo­gik ist dem­nach eine Lo­gik, die sich auf das Ge­schrie­be­ne be­zieht.
  68. Die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge be­zieht sich für La­can un­ter dem As­pekt auf das Schrei­ben, dass (bei ge­ge­be­nem x) das Prä­di­kat ge­schrie­ben wer­den kann, hier also F.
  69. Die par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge be­zieht sich auf an­de­re Wei­se auf das Ge­schrie­be­ne, sie ant­wor­tet ge­wis­ser­ma­ßen auf die Fra­ge „Gibt es Schreib­ba­res?“ (und nicht  auf die Fra­ge „Kann ein be­stimm­tes Prä­di­kat ge­schrie­ben wer­den?“).
  70. Die­ser Satz be­zieht sich auf das Ver­hält­nis zwi­schen der aris­to­te­li­schen Fas­sung der uni­ver­sa­len be­ja­hen­den Aus­sa­ge und ih­rer Um­wand­lung in ei­nen Aus­druck der Quan­to­ren­lo­gik.
  71. Auch in der Quan­to­ren­lo­gik hat die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge noch ei­nen Wert, das meint of­fen­bar: Das Prä­di­kat wird be­jaht. „Sie hat kei­nen WertW wür­de dann be­deu­ten: das Prä­di­kat wird ver­neint.
  72. Das, was ge­schrie­ben oder nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ist im Fal­le der uni­ver­sa­len Aus­sa­ge das Prä­di­kat, also F.
  73. Ver­si­on Sta­fer­la hat hier ei­nen Dop­pel­punkt statt des x; ich habe das kor­ri­giert nach den Ver­sio­nen ALI und Mil­ler.
  74. Das, was im Fal­le der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­ge ge­schrie­ben oder nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ist das x (und nicht das Prä­di­kat). Die­se For­mu­lie­rung spricht da­für, dass La­can bei der par­ti­ku­lä­ren ver­nei­nen­den Aus­sa­ge tat­säch­lich den Exis­tenz­quan­tor ne­giert.
  75. In der aris­to­te­li­schen Lo­gik liegt der we­sent­li­che Schnitt zwi­schen der uni­ver­sa­len be­ja­hen­den Aus­sa­ge und der par­ti­ku­lä­ren ver­nei­nen­den Aus­sa­ge, in der Quan­to­ren­lo­gik liegt er zwi­schen der uni­ver­sa­len be­ja­hen­den Aus­sa­ge und der uni­ver­sa­len ver­nei­nen­den Aus­sa­ge.
  76. Der lo­gi­sche Zu­gang zum se­xu­el­len Ver­hält­nis stützt sich also auf die uni­ver­sa­le ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, aris­to­te­lisch: auf „Alle S sind nicht P“ (oder „Kein S ist P“), quan­to­ren­lo­gisch: auf \forall \text {x}.\overline {\text {F(x)}}, also dar­auf, dass ein be­stimm­tes Prä­di­kat nicht ge­schrie­ben wer­den kann. Da­bei wird die­ses Prä­di­kat als „Funk­ti­on“ ge­deu­tet: Für alle x gilt, dass die Funk­ti­on F nicht ge­schrie­ben wer­den kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.