Lacans Begriffe

Einziger/einzelner Zug (II): der Grund der Wiederholung

Ritzen (Lacan über einziger Zug, einzelner Zug, trait unaire)Foto aus dem Blog Sum­mer nights von „Vik­to­ria, 17 Jah­re alt, Sin­gle, Fett &‘nd Häss­lich“
Blog­ein­trag „Rit­zen ge­gen den Schmerz“ vom 15. Juli 2013

Was ver­steht La­can un­ter dem trait un­aire, dem „ein­zel­nen Zug“, wie Freud sagt?1

In ei­nem frü­he­ren Ar­ti­kel habe ich ei­ni­ge Stel­len zum trait un­aire aus dem­je­ni­gen Se­mi­nar über­setzt, in dem La­can den Be­griff ein­führt, Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung. Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug wird hier pri­mär als der Grund des Ichi­de­als dar­ge­stellt. An­ders ist die Per­spek­ti­ve in Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­lye; der ein­zel­ne Zug er­scheint hier vor al­lem als Grund der Wie­der­ho­lung, ohne dass die frü­he­re Sicht zu­rück­ge­wie­sen wird.

Im Fol­gen­den stel­le ich im ein­zel­nen dar, wie La­can den Aus­druck in Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se ver­wen­det. Ich zi­tie­re und kom­men­tie­re zu­nächst alle Pas­sa­gen, in de­nen der Ter­mi­nus er­scheint; die Rei­hen­fol­ge ist chro­no­lo­gisch. Es folgt eine sys­te­ma­ti­sie­ren­de Zu­sam­men­stel­lung, dicht an La­cans Text. Den Ab­schluss bil­det eine „Re­la­tiv kur­ze Zu­sam­men­fas­sung und Zu­spit­zung“, eine Art Ein­krei­sung in Rich­tung auf eine De­fi­ni­ti­on.

Zi­tier­wei­se

Die Zi­ta­te aus Se­mi­nar 17 sind aus der Über­set­zung von Ger­hard Schmitz, die sich auch aber nicht nur auf die von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­ne Ver­si­on be­zieht. In den An­mer­kun­gen ver­wei­se ich auf die­se bei­den Aus­ga­ben mit „Schmitz“ und „Mil­ler“.

Schmitz = Jac­ques La­can: Das Se­mi­nar, Buch XVII. Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70). Über­set­zung von Ger­hard Schmitz, auf der Grund­la­ge der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­ben, 1991 bei Seuil er­schie­ne­nen Ver­si­on so­wie ei­ner Tran­skrip­ti­on. 1. Fas­sung Juli 1997. Nicht im Buch­han­del er­schie­nen, zu be­zie­hen über das La­can-Ar­chiv Bre­genz.

Mil­ler = Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVII. L’envers de la psy­chana­ly­se. 1969–1970. Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 1991

In den Zi­ta­ten aus Se­mi­nar 17 sind Ein­fü­gun­gen in ecki­gen und in spit­zen Klam­mern von Ger­hard Schmitz. Die Fett­schrei­bung von „ein­zi­ger Zug“ ist von mir. Wör­ter mit ei­nem Stern* sind im Ori­gi­nal deutsch.

Chronologische Zusammenstellung

14. Januar 1970

Einziger Zug als Ursprung der Wiederholung und des Signifikanten

Wie al­les an den Tat­sa­chen, der Er­fah­rung, der Kli­nik uns zeigt: die Wie­der­ho­lung ist gegrün­det auf eine Wie­der­kehr des Ge­nie­ßens. Und das, was dies­be­züg­lich von Freud selbst im eigentli­chen Sin­ne ar­ti­ku­liert wird, ist, daß, in eben­die­ser Wie­der­ho­lung, sich et­was er­zeugt, was Fehl [dé­faut], was Schei­tern ist.

Ich habe hier sei­ner­zeit her­vor­ge­ho­ben, daß das ver­wandt ist mit den Aus­sa­gen Kier­ke­gaar­ds. Selbst im Hin­blick dar­auf, daß es aus­drück­lich und als sol­ches wie­der­holt wird, daß es von der Wie­der­ho­lung ge­zeich­net ist, wüß­te das, was sich wie­der­holt, in be­zug auf das, was es wie­der­holt, nichts an­de­res zu sein denn als Ver­lust. Als Ver­lust des­sen, was im­mer Sie wol­len, als Ver­lust an Schnel­lig­keit — es gibt et­was, das Ver­lust ist. Auf die­sem Ver­lust in­sis­tiert Freud von An­fang an, seit den Ar­ti­ku­la­tio­nen, die ich hier zu­sam­men­fas­se: In der Wie­derholung selbst gibt es Schwund [dé­per­di­ti­on] an Ge­nie­ßen.

Ge­nau da hat im Freud­schen Dis­kurs die Funk­ti­on des ver­lo­re­nen Ob­jekts ih­ren Ur­sprung. Und den­noch ist es nicht nö­tig (Anm.) dar­an zu er­in­nern, daß der ge­sam­te Text Freuds sich aus­drück­lich um den Ma­so­chis­mus dreht, der al­lein in Ge­stalt der Di­men­si­on der Su­che nach die­sem rui­nö­sen Ge­nie­ßen ge­dacht wird.

Hier­zu kommt jetzt das, was La­can bei­steu­ert. Das be­trifft jene Wie­der­ho­lung, jene Identifizie­rung des Ge­nie­ßens. Da ent­leh­ne ich dem Text Freuds, um ihm ei­nen Sinn zu ge­ben, der in ihm nicht poin­tiert wird, die Funk­ti­on des einzigen/unären Zu­ges, d.h. der ein­fachs­ten Form von Markie­rung, die, ei­gent­lich ge­sagt, der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten ist. Und ich be­haup­te folgen­des — das im Text Freuds nicht zu se­hen ist, durch den Psy­cho­ana­ly­ti­ker aber auf kei­ne Wei­se ausge­schlossen, ge­mie­den, zu­rück­ge­wie­sen wer­den darf: Al­les, was uns, uns Ana­ly­ti­ker, als Wis­sen be­trifft, hat im einzigen/unären Zug sei­nen Ur­sprung.“2

An­mer­kung von Ger­hard Schmitz: „Mit­schrift: Ur­sprung. <Ab­satz> So­weit Freud. Fü­gen wir dem hin­zu, daß es den­noch nicht nö­tig ist“

Bei der Wie­der­ho­lung geht es um die Wie­der­kehr des Ge­nie­ßens; in Freud­scher Spra­che: beim Wie­der­ho­lungs­zwang – dem The­ma von Jen­seits des Lust­prin­zips (1920) – geht es um die Wie­der­kehr ei­ner Trieb­be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips, ei­ner mit Un­lust ein­her­ge­hen­den Trieb­be­frie­di­gung.3

Da­bei kommt es zu ei­nem Feh­len, ei­nem Schei­tern, ei­nem Ver­lust: zu ei­nem Schwund an Ge­nie­ßen. Das an­ge­ziel­te Ge­nie­ßen wird ver­fehlt. Was sich also letzt­lich wie­der­holt, ist ein Ver­lust, ein Ge­nuss-Ver­lust.

Freud hat das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen, sagt La­can, als „ver­lo­re­nes Ob­jekt“ be­zeich­net. In Trau­er und Me­lan­cho­lie (1917) spricht Freud von der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „auf­ge­ge­be­nen Ob­jekt“, dem „ver­las­se­nen Ob­jekt“ so­wie vom „Ob­jekt­ver­lust“4; in Das Ich und das Es (1923) heißt es, bei der Me­lan­cho­lie wer­de ein „ver­lo­re­nes Ob­jekt“ im Ich wie­der auf­ge­rich­tet.5

Zum Ma­so­chis­mus schreibt Freud in den Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905), die Schmerz- und Un­lus­ter­re­gung tra­ge eine Kom­po­nen­te zur Er­re­gung des Se­xu­al­triebs bei6; in Das öko­no­mi­sche Pro­blem des Ma­so­chis­mus (1924) kommt er dar­auf zu­rück und er­gänzt:

Die­se li­bi­di­nö­se Mit­er­re­gung bei Schmerz- und Un­lust­span­nung wäre ein in­fan­ti­ler phy­sio­lo­gi­scher Me­cha­nis­mus, der spä­ter­hin ver­siegt. Sie wür­de in den ver­schie­de­nen Se­xu­al­kon­sti­tu­tio­nen eine ver­schie­den gro­ße Aus­bil­dung er­fah­ren, je­den­falls die phy­sio­lo­gi­sche Grund­la­ge ab­ge­ben, die dann als ero­ge­ner Ma­so­chis­mus psy­chisch über­baut wird.“7

Der Ma­so­chis­mus ist dem­nach ein psy­chi­scher Über­bau, der auf ei­nen phy­sio­lo­gi­schen Me­cha­nis­mus ab­zielt, der mit Schmerz- und Un­lus­ter­re­gun­gen ver­bun­de­nen ist und der ver­siegt ist – mit La­can: auf ein ver­lo­re­nes Ob­jekt.

Was steu­ert La­can hier­zu bei (fragt La­can, der hier über sich selbst in der drit­ten Po­si­ti­on spricht)? La­cans Bei­trag ist die Fra­ge nach der Iden­ti­fi­zie­rung des Ge­nie­ßens. Wenn das Ge­nie­ßen wie­der­holt wer­den soll, muss es auf ir­gend­ei­ne Wei­se iden­ti­fi­ziert wer­den.

Für die Iden­ti­fi­zie­rung des Ge­nie­ßens ver­wen­det La­can Freuds For­mu­lie­rung vom „ein­zi­gen Zug“. In Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1920) heißt es, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem un­zu­gäng­li­chen Lie­bes- und Hass­ob­jekt be­steht in der Ent­leh­nung ei­nes „ein­zi­gen Zugs“8. La­can über­setzt den Aus­druck mit trait un­aire. Er ver­steht dar­un­ter nicht, dass die­ser Zug ein ein­zi­ger ist – es gibt meh­re­re –, son­dern dass er ein ein­zel­ner ist, ein ab­zähl­bar ein­zel­ner; Schmitz über­setzt trait un­aire des­halb mit „unä­rer Zug“. Der trait un­aire ist, La­can zu­fol­ge, die ein­fachs­te Form der Mar­kie­rung. In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, in dem er den Be­griff trait un­aire ein­führt, ist sein Mus­ter­bei­spiel der Strich in ei­ner Strich­lis­te; man kann trait un­aire also auch mit „Ein­zel­strich“ über­set­zen. Wenn La­can vom trait un­aire spricht, meint er nicht den „ein­zi­gen“, son­dern den „ein­zel­nen Zug“.9

Freud zu­fol­ge ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ver­lo­re­nen Ob­jekt die mit ei­nem „ein­zi­gen Zug“; La­can knüpft hier­an an und be­stimmt, was er un­ter dem ver­lo­re­nen Ob­jekt ver­steht (den Ge­nuss­ver­lust), was un­ter dem ein­zi­gen, also ein­zel­nen Zug (die ele­men­ta­re Mar­kie­rung) und wor­in ihre Ver­bin­dung be­steht (in der Wie­der­ho­lung).

Der ein­zel­ne Zug liegt auch den­je­ni­gen Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dun­gen zu­grun­de, die als „das Un­be­wuss­te“ be­zeich­net wer­den, also dem „Wis­sen“, mit dem der Psy­cho­ana­ly­ti­ker es zu tun hat.10

In wel­chem Ver­hält­nis steht der ein­zel­ne Zug zum Sym­bo­li­schen, zur Spra­che? Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten, sagt La­can an der zi­tier­ten Stel­le. Ist der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten selbst ein Si­gni­fi­kant? In den Se­mi­na­ren 9 und 11 hat­te La­can den trait un­aire als pri­mä­ren Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net. Es ist nicht zu er­ken­nen, ob La­can hier dar­an fest­hält. Ist ge­meint: Der ein­zel­ne Zug ist kein Si­gni­fi­kant, son­dern des­sen Grund­la­ge? Er ge­hört nicht zum Sym­bo­li­schen, son­dern fun­diert es?

Einziger Zug als Verbindung zwischen Wissen und Genießen

Et­was spä­ter heißt es in der­sel­ben Sit­zung:

Die­ses Wis­sen zeigt hier sei­ne Wur­zel, und zwar da­durch, daß es sich, in der Wie­der­ho­lung und an­fangs in der Form des einzigen/unären Zu­ges, als das Mit­tel des Ge­nie­ßens er­weist — des Ge­nie­ßens, ge­nau ge­sagt, in­so­fern es die Gren­zen über­schrei­tet, die, un­ter dem Be­griff der Lust, den üb­li­chen Span­nun­gen des Le­bens auf­er­legt sind.

Was, um wei­ter La­can zu fol­gen, aus die­sem For­ma­lis­mus her­vor­geht, ist, wie wir ge­ra­de ge­sagt ha­ben, daß es Ver­lust an Ge­nie­ßen gibt. Und an eben­dem Platz die­ses Ver­lus­tes, den die Wie­derholung her­einbringt, se­hen wir die Funk­ti­on des ver­lo­re­nen Ob­jekts er­schei­nen, des­sen, was ich das a nen­ne. Was drängt sich uns da­mit auf, wenn nicht jene For­mel, daß, auf der elementar­sten Ebe­ne, der der Aufzwin­gung des ein­zi­gen Zugs, das ar­bei­ten­de Wis­sen, sa­gen wir: eine En­tro­pie er­zeugt?“11

Das Wis­sen, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se sich be­fasst, ist ein Mit­tel zum Ge­nie­ßen (jouis­sance), ein Ge­nuss­mit­tel, in Freuds Ter­mi­no­lo­gie: das Un­be­wuss­te dient der Trieb­be­frie­di­gung. Bei die­sem Ge­nie­ßen wer­den die Gren­zen der Lust (plai­sir) über­schrit­ten wer­den; das Un­be­wuss­te dient ei­ner Trieb­be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips.

Der Ver­bin­dung zwi­schen dem Wis­sen (dem Un­be­wuss­ten) und dem Ge­nie­ßen (der Trieb­be­frie­di­gung) wird an­fäng­lich durch den ein­zi­gen Zug her­ge­stellt.

Die Wie­der­ho­lung zielt auf ein Ge­nie­ßen. Die­ses Ge­nie­ßen kann aber nicht er­reicht wer­den; in­so­fern er­zeugt die Wie­der­ho­lung ei­nen Ver­lust. An der Stel­le die­ses Ver­lusts er­scheint die Grö­ße, die von La­can als Ob­jekt a be­zeich­net wird (auch hier spricht er über sich selbst in der drit­ten Per­son). Das Ob­jekt a re­prä­sen­tiert den ver­lo­re­nen Ge­nuss.

La­can spielt dann auf Freuds Kon­zep­ti­on der psy­chi­schen En­er­gie an. En­er­gie ist die Fä­hig­keit, Ar­beit zu leis­ten. Das Wis­sen (das Un­be­wuss­te) ist ein „ar­bei­ten­des Wis­sen“. In der Traum­deu­tung spricht Freud von „Ver­dich­tungs­ar­beit“ und „Ver­schie­bungs­ar­beit12; also voll­zieht sich die Ar­beit des Wis­sens ver­mut­lich im Her­stel­len von Ver­dich­tung und Ver­schie­bung, von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie.13 Das Bil­den von Me­ta­phern und Me­to­ny­mi­en hat die Funk­ti­on, ein Ge­nie­ßen her­bei­zu­füh­ren.

Die ele­men­ta­re Ebe­ne ist hier­bei die Auf­zwin­gung des ein­zel­nen Zugs. Auf die­ser ele­men­ta­ren Ebe­ne (der des ein­zel­nen Zugs) er­zeugt das ar­bei­ten­de Wis­sen (das Un­be­wuss­te) ei­nen ir­rever­si­blen En­er­gie­ver­lust, eine En­tro­pie; auch die­sen Be­griff über­nimmt La­can von Freud, der in der Wolfs­mann-Ana­ly­se (1918) so­wie in Die end­li­che und die un­end­li­che Ana­ly­se (1937) von „En­tro­pie“ bzw. von „psy­chi­scher En­tro­pie“ spricht.14 Der En­er­gie­ver­lust be­steht dar­in, dass das an­ge­ziel­te Ge­nie­ßen nicht er­reicht wer­den kann und dass die­ses Ver­feh­len ir­rever­si­bel ist.

Der ein­zel­ne Zug ist auf ei­ner ele­men­ta­ren Ebe­ne zu ver­or­ten; er ist in­so­fern ele­men­tar, als der den Si­gni­fi­kan­ten zu­grun­de liegt. Auf die­ser ele­men­ta­ren Ebe­ne, der des ein­zel­nen Zu­ges, wird ein Ge­nuss­ver­lust er­zeugt.

Genießen als Markierung

Kurz da­nach heißt es:

Das Le­be­we­sen, das nor­mal funk­tio­niert, schnurrt in der Lust. Auch wenn das Ge­nie­ßen be­acht­lich ist und sich da­durch be­stä­tigt, daß es die Sank­ti­on des einzigen/unären Zu­ges und der Wie­der­ho­lung be­sitzt, von der es dann als Mar­kierung einge­richtet wird — auch wenn sich das er­zeugt, kann es doch nur durch eine ganz schwa­che Ab­weichung in Rich­tung auf das Ge­nie­ßen entste­hen. Al­les in al­lem wer­den die­se Ab­weichungen nie ex­trem sein, selbst in den Prak­ti­ken nicht, die ich ge­ra­de er­wähnt habe.

Es geht nicht um eine Über­tre­tung, ei­nen Ein­bruch in ein Feld, das na­mens der Einfahrvorschrif­ten [ro­da­ges] für die le­bens­wich­ti­gen re­gu­la­ti­ven Ap­pa­ra­te un­ter­sagt wäre. Tat­säch­lich er­langt das Ge­nie­ßen nur in je­nem En­tro­pie-Ef­fekt, je­nem Schwund ei­nen Sta­tus, nur da zeigt es sich. Eben­des­halb habe ich es zu­nächst mit­tels des Be­griffs Mehr­lust*, plus-de-jouir, ein­ge­führt. Ge­rade da­durch, daß es in der Di­men­si­on des Ver­lusts wahr­ge­nom­men wird — et­was macht es not­wendig, das, was zu­nächst ne­ga­ti­ve Zahl ist, zu, wenn ich so sa­gen darf, kom­pen­sie­ren —, ge­ra­de da­durch hat die­ses ge­wis­se Et­was, das an die Wan­dun­gen der Glo­cke ge­schla­gen, das dort wider­gehallt hat, Ge­nie­ßen ge­macht, und zwar zu wie­der­ho­len­des Ge­nie­ßen. Al­lein die Di­men­si­on der En­tro­pie ver­leiht hier dem Ge­stalt, daß es eine Mehr­lust gibt, die wie­der­erlangt wer­den soll.

Und ge­nau das ist die Di­men­si­on, durch die die Ar­beit not­wen­dig wird, das ar­bei­ten­de Wis­sen, in­so­fern als es, ers­tens, ob es das nun weiß oder nicht, vom einzigen/unären Zug ab­hängt, und [zwei­tens], in Fol­ge da­von, von all dem, was sich an Si­gni­fi­kan­ten wird ar­ti­ku­lie­ren kön­nen. Von da ausge­hend rich­tet sich jene Di­men­si­on des Ge­nie­ßens ein, die so zwei­deu­tig ist beim sprechen­den Sein, das eben­so­gut auch theo­retisieren und eine Re­li­gi­on dar­aus ma­chen kann, in der Apa­thie zu le­ben, und die Apa­thie, das ist der He­do­nis­mus. Es kann dar­aus gut eine Re­li­gi­on ma­chen, und den­noch weiß je­der, daß das, wo­von es, in sei­ner Mas­se selbst — Mas­senpsychologie* beti­telt Freud zur sel­ben Zeit eine sei­ner Schrif­ten — be­seelt wird, das, wo­von es ge­quält, wo­durch es aus ei­ner an­deren Wis­sens­ord­nung ge­macht ist als jene har­mo­ni­sie­ren­den Wis­sen, die die Um­welt* mit der Innen­welt* ver­knüp­fen, daß das die Funk­ti­on der Mehr­lust als sol­che ist.

Eben­da ist das Loch, die Kluft, die zwei­fel­los zu­nächst durch eine ge­wis­se An­zahl von Ob­jek­ten ge­füllt wird, die auf ge­wis­se Wei­se im vor­aus an­ge­paßt sind, dazu ge­macht, als Pfrop­fen zu die­nen. Eben­da zwei­fel­los bleibt eine klas­si­sche ana­ly­ti­sche Pra­xis ste­hen, in­dem sie die­se di­ver­sen Ter­mi­ni oral, anal, sko­pisch, ja, gar vo­kal her­aus­stellt. Das sind die di­ver­sen Na­men, mit de­nen wir das als Ob­jekt bezeich­nen kön­nen, was es mit dem a auf sich hat — das a aber, als sol­ches, ist im ei­gent­li­chen Sin­ne das, was sich dar­aus er­gibt, daß das Wis­sen, sei­nem Ur­sprung nach, sich auf die Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung redu­ziert.

Die­ses Wis­sen ist Mit­tel des Ge­nie­ßens. Und, ich wie­der­ho­le es, wenn es ar­bei­tet, ist das, was es er­zeugt, En­tro­pie. Die­se En­tro­pie, die­ser Punkt des Ver­lusts, ist der ein­zi­ge Punkt, der ein­zi­ge re­gu­lä­re Punkt, über den wir Zu­gang ha­ben zu dem, was es mit dem Ge­nie­ßen auf sich hat. Dar­in über­setzt, schließt und mo­ti­viert sich das, was es mit der In­zi­denz des Si­gni­fi­kan­ten in der Be­stimmung des spre­chen­den Seins auf sich hat.

Das hat mit sei­nem Spre­chen we­nig zu tun. Das hat mit der Struk­tur zu tun, wel­che sich zu­rich­tet [sʼap­pa­reil­le]. Das mensch­li­che Sein [Lʼêt­re hu­main], das man zwei­fel­los so nennt, weil es nur der Hu­mus der Spra­che ist, hat sich je­nem Ap­pa­rat nur an-zu­spre­chen [sʼap­pa­ro­ler].

Mit et­was so Simp­lem wie mei­nen vier klei­nen Zei­chen habe ich Sie mög­li­cher­wie­se ge­ra­de dar­auf ge­sto­ßen, daß es ge­nügt, daß die­ser einzige/unäre Zug, daß wir ihm die Ge­sell­schaft ei­nes an­dern Zu­ges, S2 nach S1, ver­schaf­fen, da­mit wir durch eben­so zu­läs­si­ge Si­gni­fi­kan­ten (Anm.) bestim­men kön­nen, was es mit sei­nem Sinn <ei­ner­seits>, an­de­rer­seits mit sei­ner Ein­fü­gung in das Ge­nießen des An­dern auf sich hat — mit dem, wo­durch er das Mit­tel des Ge­nie­ßens ist.“15

An­mer­kung Ger­hard Schmitz: „Mit­schrift: — zu­läs­sig auch die­ser Si­gni­fi­kant — [Mil­ler: pour que des si­gni­fi­ants aus­si li­ci­tes, nous puis­si­ons si­tu­er ce quʼil en est / Mit­schrift: pour que nous puis­si­ons si­tu­er, ce si­gni­fi­ant aus­si li­ci­te, ce quʼil en est“

Man muss Lust (plai­sir) und Ge­nie­ßen (jouis­sance) von­ein­an­der un­ter­schei­den. Das nor­mal funk­tio­nie­ren­de Le­be­we­sen schnurrt in der vom Lust­prin­zip re­gu­lier­ten Lust, es strebt nach Ent­span­nung und es ver­sucht, Un­lust zu ver­mei­den. Et­was an­de­res ist das Ge­nie­ßen, das mit der Wie­der­ho­lung ver­bun­den ist, d.h. die Trieb­be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips, eine Be­frie­di­gung, die als Un­lust er­fah­ren wird.

Das Ge­nie­ßen stützt sich auf den ein­zel­nen Zug und auf die Wie­der­ho­lung, es be­sitzt de­ren „Sank­ti­on“, de­ren Zu­stim­mung, Be­wil­li­gung.

Durch die Be­zie­hung zum ein­zel­nen Zug wird das Ge­nie­ßen als eine Mar­kie­rung ein­ge­rich­tet. Das Ge­nie­ßen ist eine Mar­kie­rung – mit die­ser Be­mer­kung ver­or­tet La­can den ein­zel­nen Zug mög­li­cher­wei­se auf der Sei­te des Ge­nie­ßens, nicht auf der des Si­gni­fi­kan­ten.

Die Ab­wei­chung von der Lust in Rich­tung auf das Ge­nie­ßen, also die Ab­wei­chung in Rich­tung Un­lust, ist im­mer nur ge­ring; cha­rak­te­ris­tisch für das Ge­nie­ßen ist der Ge­nuss­ver­lust, die En­tro­pie. Aus die­sem Grund hat­te La­can, so sagt er, das Ge­nie­ßen (in Se­mi­nar 16) als „Mehr­lust“ ein­ge­führt, mit eben die­sem deut­schen Ter­mi­nus, in An­spie­lung auf den Marx­schen Be­griff des Mehr­werts.16 Mehr­lust meint: Ge­nuss­ver­lust.

Freud spricht vom „Lust­ge­winn“17; der mit den Sym­pto­men ver­bun­de­ne Lust­ge­winn ist ein be­schei­de­ner Er­satz für die Trieb­un­ter­drü­ckung. Den „Ge­winn“ be­greift Marx als Bruch­teil des „Mehr­werts“ (plus-va­lue), und der Mehr­wert ist ein Wert, der nicht nur dem Ar­bei­ter ver­lo­ren­geht (sagt La­can), son­dern auch dem Ka­pi­ta­lis­ten, der ei­nen gro­ßen Teil da­von re­inves­tie­ren muss. Aus dem „Mehr­wert“ wird bei La­can die „Mehr­lust“, im Sin­ne der ver­lo­re­nen Lust oder bes­ser des ver­lo­re­nen Ge­nie­ßens. Im Fran­zö­si­schen heißt „Mehr­wert“ plus-val­eur, La­can über­setzt des­halb den (von ihm neu ge­bil­de­ten) Aus­druck „Mehr­lust“ mit plus-de-jouir.

Mehr­lust, Ge­nuss­ver­lust, das heißt: es gibt hier nicht nur so et­was wie eine ne­ga­ti­ve zahl, son­dern auch das Be­stre­ben, die­ses Mi­nus zu kom­pen­sie­ren, es aus­zu­glei­chen. Hier­durch kommt es zur Wie­der­ho­lung.

Das ar­bei­ten­de Wis­sen – die Ope­ra­ti­ons­wei­se des Un­be­wuss­ten – hängt pri­mär vom ein­zel­nen Zug ab, se­kun­där von den Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fun­gen. Die­ses ar­bei­ten­de Wis­sen hat die Funk­ti­on, das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen zu kom­pen­sie­ren.

Aus­ge­hend vom ein­zel­nen Zug und von den Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dun­gen kommt es beim spre­chen­den We­sen dazu, dass die Be­zie­hun­gen zum Ge­nie­ßen mehr­deu­tig sind. Men­schen kön­nen eine Re­li­gi­on dar­aus ma­chen, das Ge­nie­ßen – das Pa­thos, das Lei­den, die Un­lust – zu ver­mei­den, um statt­des­sen in der Lust, grie­chisch: in der hēdonḗ, zu le­ben, in der Apa­thie. Die Lust be­ruht auf der har­mo­ni­schen Über­ein­stim­mung von In­nen­welt und Um­welt. Bei den meis­ten funk­tio­niert das je­doch an­ders. Bei ih­nen ist nicht ein har­mo­nie­si­chern­des Wis­sen an der Ar­beit, son­dern ein Wis­sen, das auf Mehr­lust ab­zielt, auf die Kom­pen­sa­ti­on des Ge­nuss­ver­lusts.

Der Ge­nuss­ver­lust ist ein Loch, eine Kluft. Die­ses Loch wird durch die­je­ni­gen Ob­jek­te ge­stopft, die in der Psy­cho­ana­ly­se als „Par­ti­al­ob­jek­te“ be­zeich­net wer­den: Brust, Kot, Blick und Stim­me; La­can nennt sie „Ob­jek­te a“. Im Kern funk­tio­nie­ren sie so: Das Wis­sen (das Un­be­wuss­te) re­du­ziert sich auf eine Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung; die­se Si­gni­fi­kan­ten­ver­knüp­fung dient ei­ner Be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips; die­ser Be­frie­di­gungs­ver­such miss­lingt, es kommt zu ei­nem Ge­nuss­ver­lust; die Ob­jek­te a ver­kör­pern die­sen Ver­lust. Nur vom Ver­lust her ha­ben wir ei­nen Zu­gang zum Ge­nie­ßen, und die­ser Ver­lust geht auf die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten zu­rück.

Die­ser Ver­lust be­ruht we­ni­ger auf dem Spre­chen als viel­mehr auf der Struk­tur der Spra­che. Dem­nach ist der ein­zi­ge Zug nicht als eine letz­te Ur­sa­che auf­zu­fas­sen; im Hin­ter­grund sei­ner Wirk­sam­keit steht die Ein­wir­kung der Sprach­struk­tur auf den spre­chen­den Men­schen.

Die For­meln der vier Dis­kur­se, die La­can in Se­mi­nar 17 ent­wi­ckelt, stel­len die Ver­bin­dun­gen von vier klei­nen Zei­chen dar, S1 (Her­ren­si­gni­fi­kant),  S2 (Wis­sen), a (Ob­jekt a, Mehr­lust) und $ (ge­spal­te­nes Sub­jekt). An der zi­tier­ten Stel­le wird der ein­zel­ne Zug von La­can of­fen­bar mit S1 par­al­le­li­siert, ein wei­te­rer ein­zel­ner Zug mit S2 – wie das ge­meint ist, habe ich nicht ver­stan­den, und die Tran­skrip­ti­on ist an die­ser Stel­le un­si­cher.

Wie auch im­mer, die vier klei­nen Zei­chen, zu­sam­men mit dem ein­zel­nen Zug, er­mög­li­chen es, sich dar­über klar zu wer­den, was es ei­ner­seits mit dem Sinn auf sich hat (der sich auf den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten stützt, S1), an­de­rer­seits mit dem „Ge­nie­ßen des An­de­ren“, dem durch das un­be­wuss­te Wis­sen (S2) er­zeug­ten Ge­nuss­ver­lust (a). Dem­nach be­zieht sich der ein­zel­ne Zug auf die bei­den Sei­ten des Sym­ptoms: ei­ner­seits auf den Sinn des Sym­ptoms18 und an­de­rer­seits auf die mit dem Sym­ptom ver­bund­nen „Er­satz­be­frie­di­gun­gen„19, die letzt­lich auf den Ver­lust ver­wei­sen.

Der ein­zel­ne Zug ist zu­gleich die Grund­la­ge des Sinns und der Wie­der­ho­lung.

11. Februar 1970

Ein Buchstabe, Erinnerung an das Hereinbrechen eines Genießens

Freud hat den Sub­jek­ten ge­sagt: Spre­chen Sie, spre­chen Sie nur, ma­chen Sie’s doch wie die Hys­te­ri­ka, wir wer­den schon se­hen, was für ein Wis­sen das ist, auf das Sie sto­ßen, und auch die Art und Wei­se, in der Sie nach ihm ge­strebt ha­ben oder, im Ge­gen­teil, in der Sie es zurückwei­sen, wir wer­den se­hen, was pas­siert. Und das hat ihn not­wen­di­ger­wei­se zu die­ser Ent­de­ckung ge­führt, die er das ‚Jen­seits des Lust­prin­zips‘ nennt. Es ist die fol­gen­de: daß das We­sent­li­che an dem, was de­terminiert, wo­mit man bei der Er­for­schung des Un­be­wuß­ten zu tun hat — daß das die Wie­der­ho­lung ist.

Die Wie­der­ho­lung, das be­deu­tet nicht: das, was man be­en­det hat, das be­ginnt man von vorn, wie die Ver­dau­ung oder ir­gend­ei­ne an­de­re phy­sio­lo­gi­sche Funk­ti­on. Die Wie­der­ho­lung ist eine prä­zi­se Be­zeich­nung ei­nes Zu­ges, von dem ich Ih­nen an Freuds Text her­aus­ge­ar­bei­tet habe, daß er iden­tisch ist mit dem einzigen/unären Zug, dem klei­nen Strich, dem Ele­ment der Schrift, ei­nes Zu­ges, in­so­fern er ei­nen Ein­bruch des Ge­nie­ßens ins Ge­dächt­nis ruft.

Ge­nau des­halb ist es vor­stell­bar, daß die Lust in ih­rer Re­gel und ih­rem Prin­zip über­tre­ten wird, wes­halb sie der Un­lust weicht. Mehr ist nicht zu sa­gen: nicht zwangs­läu­fig dem Schmerz, nein, der Un­lust, was nichts an­de­res heißt als: dem Ge­nie­ßen.“20

Freud hat sei­ne Pa­ti­en­ten auf­ge­for­dert, zu spre­chen. Durch das Spre­chen soll ein be­stimm­tes Wis­sen ans Licht ge­bracht wer­den, das Un­be­wuss­te. Auf die­sem Wege ist er auf den Wie­der­ho­lungs­zwang ge­sto­ßen. Die­ser be­steht, Freud zu­fol­ge, dar­in, dass das Un­be­wuss­te auf ein „Jen­seits des Lust­prin­zips“ ab­zielt (wie der Ti­tel der ein­schlä­gi­gen Ar­beit lau­tet), auf eine Trieb­be­frie­di­gung, die vom Ich als Un­lust er­fah­ren wird.

Der Wie­der­ho­lungs­zwang wird durch den trait un­aire er­mög­licht, den „ein­zi­gen Zug“ oder „ein­zel­nen Zug“ oder „unä­ren Zug“.

Trait un­aire kann auch mit „Ein­zel­strich“ über­setzt wer­den: der ein­zel­ne Zug ist ein Ele­ment der Schrift. Das grie­chi­sche Wort für „Buch­sta­be“, stoich­ei­on, meint auch „Ele­ment“. La­can spielt hier auf sei­nen Be­griff des Buch­sta­ben an, wie er ihn im Poe-Auf­satz21 und in Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten ent­wi­ckelt hat­te. Der ein­zel­ne Zug – der Buch­sta­be – ist die Grund­la­ge des Si­gni­fi­kan­ten. Ist der Buch­sta­be ein Si­gni­fi­kant?

Wel­che Funk­ti­on hat die­ser Buch­sta­be, die­ser ein­zel­ne Zug? Er ruft et­was ins Ge­dächt­nis, und zwar ein Her­ein­bre­chen des Ge­nie­ßens. Dies ist dem­nach die Iden­ti­fi­zie­rung des Ge­nie­ßens, von der La­can frü­her in die­sem Se­mi­nar ge­spro­chen hat­te: die Er­in­ne­rung an ei­nen Ge­nuss­ein­bruch. In Freuds Ter­mi­no­lo­gie: der ein­zel­ne Zug ist die „Dau­er­spur“ ei­ner „Er­re­gung“.22

Der ein­zel­ne Zug er­mög­licht es, dass das Lust­prin­zip ver­letzt wird, dass also eine Be­frie­di­gung an­ge­strebt wird, die das Ich als Un­lust re­gis­triert.

Die als Un­lust er­leb­te Trieb­be­frie­di­gung nennt La­can jouis­sance, Ge­nie­ßen. Der Ma­so­chis­mus wird tra­di­tio­nell auf „Schmerz­lust“ zu­rück­ge­führt, und Freud über­nimmt das.23 Der Schmerz ist je­doch nur eine Spe­zi­al­form der Un­lust, die Schmerz­lust nur eine be­son­de­re Ge­stalt des Ge­nie­ßens.

Der ein­zel­ne Zug er­mög­licht also die Er­in­ne­rung an ei­nen Ge­nuss­ein­bruch. Da­mit ist er die Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung, die dar­auf ab­zielt, die­ses Ge­nie­ßen noch ein­mal zu er­fah­ren. Durch den ein­zel­nen Zug ge­lingt es auch tat­säch­lich, ein Ge­nie­ßen jen­seits des Lust­prin­zips her­bei­zu­füh­ren. Die­se Ge­nie­ßen – Freuds „Er­satz­be­frie­di­gung“ – ist je­doch be­schei­den. Ins­ge­samt wird in der Wie­der­ho­lung der Ge­nuss­ver­lust be­stän­dig aufs Neue re­pro­du­ziert.

20. Mai 1970

Selbstbenennung

Das ist die ver­ord­ne­te Ein­klei­dung der grund­le­gen­den Tat­sa­che, daß in ei­ner my­thi­schen Ver­eini­gung (Anm. 1) zwi­schen dem Mann und der Frau kein Platz mögli­ch ist, der als ge­schlechtlicher de­fi­niert wäre.

Ge­nau da ist, was wir im psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs wahr­neh­men — das ver­ei­ni­gen­de Ein, das All-Ein —, nicht das, wor­um es bei der Iden­ti­fi­zie­rung geht. Die Schlüs­sel-, die Haupt-Iden­tifi­zierung, das ist der ein­zi­ge Zug, das ist das [als] ein mar­kier­te Sein.

Vor jeg­li­cher Be­för­de­rung [pro­mo­ti­on] ir­gend­ei­nes Sei­en­den, setzt sich, auf­grund der Tat­sa­che ei­nes sin­gu­lä­ren ein, des­sen, was die Mar­kie­rung trägt, von die­sem Au­gen­blick an die Sprachwir­kung, und der ers­te Af­fekt. Ge­nau dar­an er­in­nern die For­meln, die ich an die Ta­fel ge­schrieben habe.24

\frac {\text {1}}{\text {1+1}} \text {\normalsize { = ?}} \qquad \frac {\text {ich bin ein}}{\text {ich denke = also bin ich ein}}

Ir­gend­wo iso­liert sich die­ses Et­was, das das co­gi­to nur mar­kiert, auch es, mit­tels des ein­zi­gen Zu­ges, den man dem Ich den­ke un­ter­stel­len kann, um zu sa­gen: Also: ich bin. Hier ist be­reits der Spal­tungs­ef­fekt mar­kiert, der ei­nes Ich bin, das das Ich bin mar­kiert vom ein eli­diert, denn na­tür­lich schreibt Descar­tes sich in eine scho­las­ti­sche Tra­di­ti­on ein, aus der er sich mit­tels ei­ner akro­ba­ti­schen Dre­hung be­freit, die mit­nich­ten ver­ach­tet wer­den darf als aus ei­ner plötzli­chen Einge­bung her­aus ent­stan­den.

Üb­ri­gens läßt sich das Ich den­ke al­lein in Zu­sam­men­hang mit die­ser ers­ten Set­zung [po­si­ti­on pre­miè­re] des Ich bin schrei­ben. Sie er­in­nern sich, wie ich es seit lan­gem schrei­be: Ich den­ke:Also bin ich.‘ Die­ses Also bin ich ist ein Ge­dan­ke. Es stützt sich un­end­lich viel bes­ser da­durch, daß es sein Cha­rak­te­ris­ti­kum als Wis­sen trägt, das nicht hin­ausgeht über das Ich bin mar­kiert vom ein, das Sin­gu­lä­re, das Ein­zig­ar­ti­ge wes­sen? — die­ser Wir­kung, die [das] Ich den­ke ist.

Aber auch da gibt es ei­nen In­ter­punk­ti­ons­feh­ler, den ich vor lan­ger Zeit so aus­ge­drückt habe: Das ergo, das nichts an­de­res ist als das ego, um das es geht, ist ne­ben das co­gi­to zu stel­len. Das Ich den­ke also: ‚Ich bin‘, eben­dies ver­leiht der For­mel ih­ren wah­ren Be­deu­tungs­ge­halt. Die Ur­sache, das ergo, ist Ge­dan­ke. Da liegt der Aus­gang, der ge­nom­men wer­den muß von der Wir­kung des­sen, wor­um es in der ein­fachs­ten Ord­nung geht, mit­tels de­rer die (Anm. 2) Sprach­wir­kung sich aus­übt auf der Ebe­ne des Er­schei­nens des ein­zi­gen Zu­ges.

Si­cher, der ein­zi­ge Zug ist nie al­lein. Also ist die Tat­sa­che, daß er sich wie­der­holt — daß er sich wie­derholt, weil er nie der­sel­be ist —, ei­gent­lich die Ord­nung selbst: die, um die es geht da­durch, daß die Spra­che an­we­send und, schon wirk­sam, be­reits da ist.“25

An­mer­kung 1 von Ger­hard Schmitz: „Im Orig.: uni­on my­thi­que, was auf die unio mys­ti­ca an­spielt.“

An­mer­kung 2 von Ger­hard Schmitz: „Mit­schrift: daß die“

Bei der Iden­ti­fi­zie­rung, mit der die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, geht es nicht um das ver­ei­ni­gen­de Ein. Die­se Iden­ti­fi­zie­rung er­mög­licht nicht die Ver­ei­ni­gung zwi­schen dem Mann und der Frau – die Iden­ti­fi­zie­rung ist nicht eine Iden­ti­fi­zie­rung als Mann, der sich auf Frau­en schlecht­hin be­zieht, bzw. die Iden­ti­fi­zie­rung als Frau, die sich auf Män­ner schlecht­hin be­zieht.

Die Haupt­i­den­ti­fi­zie­rung ist viel­mehr die mit dem trait un­aire, mit dem ein­zel­nen Zug. Durch die­se Iden­ti­fi­zie­rung, durch die­se Mar­kie­rung, wird ein Sein – wird ein mensch­li­ches We­sen – als „eins“ mar­kiert.

Bei der Mar­kie­rung als „eins“ geht es um Sin­gu­la­ri­tät, nicht um To­ta­li­tät. Das spre­chen­de We­sen wird zu ei­nem ab­zähl­ba­ren je Ei­nen, ana­log dem Strich in ei­ner Strich­lis­te, nicht etwa zu ei­nem Gan­zen.

Ein sin­gu­lä­res Ei­nes zu wer­den, ist die pri­mä­re Wir­kung der Spra­che und zu­gleich der ers­te Af­fekt – die ur­sprüng­li­che Sprach­wir­kung geht mit Ge­nie­ßen ein­her.

La­can ver­weist hier­zu auf die fol­gen­den For­meln:

\frac {\text {1}}{\text {1+1}} \text {\normalsize { = ?}} \qquad \frac {\text {ich bin ein}}{\text {ich denke = also bin ich ein}}

Mit die­sen For­meln kom­men­tiert er Des­car­tes’ Sen­tenz „Ich den­ke, also bin ich“. La­cans Be­mer­kun­gen sind an die­ser Stel­le so kom­pakt, dass ich sie satz­wei­se noch ein­mal zi­tie­re und por­ti­ons­wei­se er­läu­te­re (drei Punk­te vor ei­nem Zi­tat zei­gen im Fol­gen­den an, dass es an das vor­an­ge­hen­de lü­cken­los an­schließt).

Ir­gend­wo wird die­ses Et­was iso­liert, das das co­gi­to nur mar­kiert, auch es mit­tels des ein­zi­gen Zugs, den man dem ‚ich den­ke‘ un­ter­stel­len kann, um zu sa­gen ‚Also: ich bin.‘“

Dem Ich den­ke (in der rech­ten For­mel un­ten) ist der ein­zel­ne Zug zu un­ter­stel­len.

Das wird nach­voll­zieh­bar, wenn man die fol­gen­de Pas­sa­ge aus Se­mi­nar 9 hin­zu­zieht, aus der­je­ni­gen Sit­zung, in der La­can erst­mals Des­car­tes’ Dik­tum durch die Zei­chen­fol­ge „1+1“ sym­bo­li­siert. Hier heißt es,

in der­je­ni­gen Iden­ti­fi­zie­rung, die mit dem ein­zel­nen Zug her­ge­stellt wird – gibt es da­von nicht ge­nug, um die­sen un­denk­ba­ren und un­mög­li­chen Punkt des Ich den­ke zu stüt­zen, zu­min­dest in Ge­stalt der ra­di­ka­len Dif­fe­renz? Wenn wir die­ses Ich den­ke durch 1 dar­stel­len – ich wie­der­ho­le es für Sie: in­so­fern es uns nur in­so­fern in­ter­es­siert, als es in ei­ner Be­zie­hung zu dem steht, was im Ur­sprung der Be­nen­nung ge­schieht, in­so­fern es das ist, was an der Ge­burt des Sub­jekts be­tei­ligt ist –, ist das Sub­jekt das, was sich be­nennt.“26

Im Ich den­ke be­nennt sich das Sub­jekt – es be­nennt sich als „ich“ und als Den­ken­der, es ver­leiht sich ge­wis­ser­ma­ßen den Na­men „Ich der Den­ken­de“. Die Selbst­be­nen­nung ist eine be­stimm­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung, sie ist letzt­lich Iden­ti­fi­zie­rung mit der ra­di­ka­len Dif­fe­renz, mit dem in­halts­lo­sen Ver­schie­den­sein, mit dem ein­zel­nen Zug. Des­halb kann die Selbst­be­nen­nung Ich den­ke auf den ein­zel­nen Zug re­du­ziert wer­den, und des­halb kann sie durch die Zahl 1 re­prä­sen­tiert wer­den.

Der ein­zel­ne Zug liegt also nicht nur der Wie­der­ho­lung zu­grun­de, son­dern auch dem Ich (dem Ichi­de­al, in spä­te­rer Ter­mi­no­lo­gie: dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten).

Ich keh­re zu­rück zu Se­mi­nar 17.

… „Hier ist be­reits der Spal­tungs­ef­fekt mar­kiert, der ei­nes Ich bin, das das Ich bin mar­kiert vom ein eli­diert, denn na­tür­lich schreibt Descar­tes sich in eine scho­las­ti­sche Tra­di­ti­on ein, aus der er sich mit­tels ei­ner akro­ba­ti­schen Dre­hung be­freit, die mit­nich­ten ver­ach­tet wer­den darf als aus ei­ner plötzli­chen Einge­bung her­aus ent­stan­den.“

La­can folgt Des­car­tes’ For­mel „Ich den­ke, also bin ich“ und geht vom Ich den­ke zum bin ich über bzw. zum ich bin (im Fran­zö­si­schen und im La­tei­ni­schen kommt es nicht zur Um­keh­rung der Wort­stel­lung).

Das Ich bin eli­diert das Ich bin mar­kiert vom Ein, es ver­drängt die Be­zie­hung zum ein­zel­nen Zug. La­can hebt die Ver­drän­gung auf und schreibt in der rech­ten For­mel un­ter den Bruch­strich des­halb nicht Ich bin, son­dern Ich bin ei­ner, was hei­ßen soll: ich bin vom Ein mar­kiert, ich bin vom ein­zel­nen Zug ge­kenn­zeich­net.

Da zwi­schen dem Ich bin und dem Ich bin ei­ner eine Be­zie­hung der Ver­drän­gung be­steht, geht es hier um die Spal­tung des Sub­jekts, um die Spal­tung zwi­schen dem Ver­drän­gen­den Ich bin und dem Ver­dräng­ten Ich bin ein.

Das Er­geb­nis ist bis hier­her: So­wohl das ich den­ke als auch das ich bin be­zie­hen sich auf den ein­zel­nen Zug. Re­prä­sen­tiert man den ein­zel­nen Zug durch die Zahl 1, kann man Des­car­tes’ Sen­tenz des­halb als 1 + 1 schrei­ben (lin­ke For­mel un­ten). Ich neh­me an, das sich das ich den­ke auf die Selbst­be­nen­nung be­zieht und das ich bin auf die die Wie­der­ho­lung und das Ge­nie­ßen.

… „Üb­ri­gens läßt sich das Ich den­ke al­lein in Zu­sam­men­hang mit die­ser ers­ten Set­zung [po­si­ti­on pre­miè­re] des Ich bin schrei­ben.“

Das be­zieht sich ver­mut­lich auf das Ich bin ein rechts über dem Bruch­strich. Das Ich bin ist das, was zu­erst ge­setzt wird, es ist die Art und Wei­se, wie sich das Ich den­ke, also bin ich im Be­wusst­sein zu­nächst dar­stellt. In die­se Rich­tung geht die fol­gen­de Be­mer­kung aus Se­mi­nar 5:

Das car­te­si­sche Co­gi­to wird wirk­lich nicht im Be­wußt­sein ei­nes je­den von uns als ein ich den­ke, also bin ich, son­dern als ein ich bin wie ich den­ke er­probt, was na­tür­lich da­hin­ter ein ich den­ke wie ich atme un­ter­stellt.“27

In Se­mi­nar 17 heißt es: Das ich bin ein wird ver­drängt und er­setzt durch das ich bin. Also stellt sich das Ich den­ke, also bin ich im Be­wusst­sein zu­nächst als ich bin dar. Hier­für steht in der rech­ten For­mel, so ver­mu­te ich, das Ich bin ein über dem Bruch­strich. Ich bin ein ver­weist auf den ein­zel­nen Zug, in der lin­ken For­mel wird da­für des­halb die Zahl 1 ge­schrie­ben.

… „Sie er­in­nern sich, wie ich es seit lan­gem schrei­be: Ich den­ke:Also bin ich‘. Die­ses Also bin ich ist ein Ge­dan­ke. Es stützt sich un­end­lich viel bes­ser da­durch, daß es sein Cha­rak­te­ris­ti­kum als Wis­sen trägt, das nicht hin­ausgeht über das Ich bin mar­kiert vom ein, das Sin­gu­lä­re, das Ein­zig­ar­ti­ge wes­sen? — die­ser Wir­kung, die [das] Ich den­ke ist.“

Nach­dem er sich zum Ich den­ke und zum Ich bin ge­äu­ßert hat, be­zieht La­can sich nun auf das also, das sie ver­bin­det. Da­bei nimmt er eine Deu­tung durch In­ter­punk­ti­on vor. Das Ich den­ke, also bin ich ist zu le­sen als Ich den­ke: „Also bin ich.“ Die­se In­ter­punk­ti­on fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 14, dort auf la­tei­nisch: Co­gi­to: „Ergo sum.“28

Die­se Um­ak­zen­tu­ie­rung zielt dar­auf ab, sagt La­can, das Also bin ich als Ge­dan­ke her­aus­zu­stel­len, als Wis­sen, und da­durch wird es bes­ser ge­stützt, bes­ser als bei Des­car­tes.

Das als Wis­sen ge­kenn­zeich­ne­te Also bin ich geht nicht hin­aus über das Ich bin mar­kiert vom ein. La­can wie­der­holt hier die The­se, dass das Ich bin aus ei­ner Eli­si­on des Ich bin vom ein her­vor­geht. Ich bin mar­kiert vom ein ist das Sin­gu­lä­re, das Ein­zig­ar­ti­ge – durch die Mar­kie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ge­winnt das Sub­jekt sei­ne Sin­gu­la­ri­tät. Die Sin­gu­la­ri­tät des Sub­jekts ist in ih­rem Ur­sprung nicht die ei­ner sin­gu­lä­ren Ge­schich­te und auch nicht die Sin­gu­la­ri­tät ei­nes Cha­rak­ters, son­dern die Sin­gu­la­ri­tät ei­ner Mar­kie­rung.

… „Aber auch da gibt es ei­nen In­ter­punk­ti­ons­feh­ler, den ich vor lan­ger Zeit so aus­ge­drückt habe: Das ergo, das nichts an­de­res ist als das ego, um das es geht, ist ne­ben das co­gi­to zu stel­len. Das Ich den­ke also: ‚Ich bin‘, eben­dies ver­leiht der For­mel ih­ren wah­ren Be­deu­tungs­ge­halt. Die Ur­sache, das ergo, ist Ge­dan­ke. Da liegt der Aus­gang, der ge­nom­men wer­den muß von der Wir­kung des­sen, wor­um es in der ein­fachs­ten Ord­nung geht, mit­tels de­rer die (Anm. 2) Sprach­wir­kung sich aus­übt auf der Ebe­ne des Er­schei­nens des ein­zi­gen Zu­ges.“

An­mer­kung 2 von Ger­hard Schmitz: „Mit­schrift: daß die“

Die von La­can zu­nächst vor­ge­schla­ge­ne In­ter­punk­ti­on ist noch feh­ler­haft. Die For­mel ist nicht so zu schrei­ben: Ich den­ke: „Also bin ich“, son­dern so: Ich den­ke also: „Ich bin.“ Auf La­tei­nisch: Co­gi­to ergo: „Sum.“

Erst da­mit ist man beim wah­ren Be­deu­tungs­ge­halt von Des­car­tes’ Wen­dung an­ge­kom­men. In der Fas­sung, Ich den­ke also: ‚Ich bin‘, rückt das also auf die Sei­te des Ge­dan­kens, des Spre­chens. Das also (ergo) steht für die Ur­sa­che. Dem­nach meint „Ich den­ke also“: „Das Den­ken bzw. das Spre­chen fun­giert als Ur­sa­che.“ Das Spre­chen ist eine Ur­sa­che, und die ein­fachs­te Wir­kung des Spre­chens ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug. Dar­um – um die Kau­sa­li­tät des Spre­chens durch den ein­zel­nen Zug – geht es in der ele­men­tars­ten Ord­nung.

La­can nimmt hier eine psy­cho­ana­ly­tisch in­spi­rier­te Deu­tung von Des­car­tes’ Dik­tum vor, eine Deu­tung durch Ver­schie­bung, man könn­te sa­gen: eine me­to­ny­mi­sche Deu­tung. In der Nor­mal­fas­sung ist das ergo („also“), ver­gli­chen mit dem co­gi­to („ich den­ke“) und dem sum („ich bin“), ein re­la­tiv un­be­ton­tes Ele­ment. In La­cans In­ter­pre­ta­ti­on wird der Ak­zent ver­scho­ben, das un­be­ton­te Wort wird zum Si­gni­fi­kan­ten mit dem größ­ten Ge­wicht.

In Se­mi­nar 13 gibt es eine Be­mer­kung über Des­car­tes’ ergo, die in eine ähn­li­che Rich­tung geht. Aus­gangs­punkt ist hier Freuds Be­griff der „zwei­ten Nie­der­schrift“29 (im Fran­zö­si­schen dou­ble in­scrip­ti­on) und die Dar­stel­lung der zwei­ten Nie­der­schrift durch ein Mö­bi­us­band bzw. durch den Rand ei­nes Mö­bi­us­ban­des. Da­nach heißt es:

… des­halb ist es nicht sinn­los, noch ein­mal zu sa­gen, dass sich bei der Prü­fung des Schrei­bens Ich den­ke, also bin ich die­ses sich so liest, dass der Ge­dan­ke das Sein nur da­durch grün­det, dass er sich im Spre­chen ver­kno­tet, in dem jede Ope­ra­ti­on an das We­sen der Spra­che rührt.

Wenn Hei­deg­ger uns ir­gend­wo, für sei­ne Zwe­cke, das co­gi­to sum ge­lie­fert hat, muss man dazu an­mer­ken, dass er den Satz al­ge­brai­siert, und wir ha­ben das Recht, das Üb­ri­ge her­vor­zu­he­ben: co­gi­to ergo wor­in er­scheint, dass nichts ge­spro­chen wird, au­ßer in­dem es sich auf die Ur­sa­che stützt.

Nun, die­se Ur­sa­che ist das, was das soll Ich der Freud­schen For­mel ver­deckt ((„Wo Es war, soll Ich wer­den“)), die, in­dem sie de­ren Sinn/Richtung um­kehrt, die Pa­ra­do­xie ei­nes Im­pe­ra­tivs her­vor­sprin­gen lässt, der mich dazu drängt, mei­ne ei­ge­ne Kau­sa­li­tät an­zu­neh­men. Ich bin je­doch nicht Ur­sa­che mei­ner selbst, und dies nicht des­halb nicht, um das Ge­schöpf zu sein – für den Schöp­fer gilt das­sel­be. Ich ver­wei­se Sie hier­zu auf Au­gus­ti­nus, De tri­ni­ta­te, auf die Vor­re­de. Die spi­no­zis­ti­sche „Ur­sa­che sei­ner selbst“ kann den Na­men Got­tes über­neh­men, sie ist ein An­de­res Ding. Aber über­las­sen wir das die­sen bei­den Wör­ter, die wir nur ins Spiel brin­gen, um fest­zu­hal­ten, dass sie auch ein an­de­res Ding ist als das Al­les und dass die­ser Gott, da er auf die­se Wei­se an­ders ist, kei­nes­wegs der Gott des Pan­the­is­mus ist.

Man muss bei die­sem Ego, das Des­car­tes her­vor­hebt, in ei­ni­gen sei­ner la­tei­ni­schen Tex­te eine ge­wis­se Über­flüs­sig­keit sei­ner Funk­ti­on her­aus­stel­len – ein The­ma für die Ex­ege­se, das ich je­nen über­las­se, die sich dem hier als Spe­zia­lis­ten wid­men kön­nen. In die­sem Ego ist der Punkt zu fin­den, wo es das zu sein bleibt, was er sich gibt, um vom Gott der Re­li­gi­on ab­hän­gig zu sein.

Merk­wür­di­ger Sturz des ergo: das ego ist eins mit die­sem Gott.“ (Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 1. De­zem­ber 1965; Ver­si­on Sta­fer­la vom 16.8.2013, S. 8, mei­ne Über­set­zung)

In der zi­tier­ten Pas­sa­ge be­zieht La­can sich auf fol­gen­de Be­mer­kung von Hei­deg­ger:

Des­car­tes, dem man die Ent­de­ckung des co­gi­to sum als Aus­gangs­ba­sis des neu­zeit­li­chen phi­lo­so­phi­schen Fra­gens zu­schreibt, un­ter­such­te das co­gi­ta­re des ego – in ge­wis­sen Gren­zen. Da­ge­gen läßt er das sum völ­lig un­er­ör­tert, wenn­gleich es eben­so ur­sprüng­lich an­ge­setzt wird wie das co­gi­to.“ (M. Hei­deg­ger: Sein und Zeit. Nie­mey­er, Tü­bin­gen 1979, § 10, S. 45 f.)

Das Verb al­gé­bri­ser, „al­ge­brai­sie­ren“, „die Al­ge­bra an­wen­den“, ent­hält bri­ser, „zer­bre­chen“.

Freuds Sen­tenz „Wo Es war, soll Ich wer­den“ fin­det man in: S. Freud: Neue Fol­ge der Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­lyse (1933). In: Ders.: Stu­di­en­aus­gabe, Bd. 1. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 516.[/note]

… „Si­cher, der ein­zi­ge Zug ist nie al­lein. Also ist die Tat­sa­che, daß er sich wie­der­holt — daß er sich wie­derholt, weil er nie der­sel­be ist —, ei­gent­lich die Ord­nung selbst: die, um die es geht da­durch, daß die Spra­che an­we­send und, schon wirk­sam, be­reits da ist.“

Der ein­zi­ge Zug ist nie al­lein, er wie­der­holt sich. In die­ser Wie­der­ho­lung ist er nie der­sel­be.

Die Wie­der­ho­lung ist die Ord­nung selbst, die­je­ni­ge Ord­nung, die dar­in be­steht, dass die Spra­che da ist und be­reits wirk­sam ist. Die Wie­der­ho­lung ist dem­nach die Zeit der Sprach­ord­nung.

Was er­fährt man in die­ser dop­pelt zi­tier­ten Pas­sa­ge über den ein­zel­nen Zug?

Der ein­zel­ne Zug ist eine be­stimm­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung und zwar die ent­schei­den­de Iden­ti­fi­zie­rung.

Durch die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug wird das spre­chen­de We­sen als „eins“ mar­kiert, als Sin­gu­la­ri­tät (in Se­mi­nar 9 wird dies durch die Be­nen­nung mit dem Ei­gen­na­men er­läu­tert).

Durch den ein­zel­nen Zug ein sin­gu­lä­res Eins zu wer­den, dies ist die pri­mä­re Wir­kung der Spra­che und der ers­te Af­fekt.

In Des­car­tes’ For­mel Ich den­ke, also bin ich ist dem Ich den­ke der ein­zel­ne Zug zu un­ter­stel­len, denn das Ich den­ke ist, wie La­can in Se­mi­nar 9 er­läu­tert, eine Form der Be­nen­nung, und die Selbst­be­nen­nung ist an der Ge­burt des Sub­jekts be­tei­ligt30; die Selbst­be­nen­nung ist eine Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­nem ein­zel­nen Zug.

In Ich den­ke, also bin ich be­ruht auch das bin ich (bzw. das ich bin) auf dem ein­zel­nen Zug, es be­ruht auf der Eli­si­on des Ich bin mar­kiert vom Ein bzw. auf der Eli­si­on des Ich bin ei­ner, ich bin vom ein­zel­nen Zug mar­kiert. Ich neh­me an, dass es beim ich bin um das Ge­nie­ßen und die Wie­der­ho­lung geht.

Der ein­zel­ne Zug ver­klam­mert also das Ich den­ke (die Selbst­be­nen­nung, den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, den Sinn) und das Ich bin (das Ge­nie­ßen und die Wie­der­ho­lung und da­mit das un­be­wuss­te Wis­sen als Mit­tel des Ge­nie­ßens).

Durch die Mar­kie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ge­winnt das Sub­jekt sei­ne Sin­gu­la­ri­tät.

Das Spre­chen ist eine Ur­sa­che und die ein­fachs­te Wir­kung des Spre­chens ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug. Der ein­zel­ne Zug ist die ein­fachs­te Kau­sa­li­tät des Spre­chens.

Der ein­zel­ne Zug ist nie al­lein, er wie­der­holt sich. Er wie­der­holt sich, weil er nie der­sel­be ist.

Erste Manifestation der Zahl

An­schlie­ßend wird der Aus­druck \frac {\text {1}}{\text {1+1}} \text {\normalsize { = ?}} von La­can wei­ter­ent­wi­ckelt, bis er sich schließ­lich in ei­nen Aus­druck ver­wan­delt, in der die Zahl 1 auf den Buch­sta­ben a be­zo­gen wird. Da­nach heißt es:

Das ist, auf ge­wis­se Wei­se, nur eine lo­ka­le Ar­ti­ku­la­ti­on. Si­cher er­hebt sie nicht den An­spruch, durch eine fes­te und ge­si­cher­te Pro­por­ti­on zu ent­schei­den, was es mit der Ef­fek­ti­vi­tät der alleran­fäng­lichsten Ma­ni­fes­ta­ti­on der Zahl auf sich hat, näm­lich dem ein­zi­gen Zug. Sie soll nur dar­an er­in­nern, was es mit der Wis­sen­schaft auf sich hat, so wie wir sie jetzt, wenn ich so sa­gen darf, auf dem Hals ha­ben — will sa­gen, in un­se­rer Welt auf eine Wei­se ge­gen­wär­tig, die al­les, was sich über ei­nen Erkenntnisef­fekt spe­ku­lie­ren läßt, um vie­les über­trifft.“31

Die neue For­mel ver­bin­det die Zahl 1 und den Buch­sta­ben a, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug und das ver­lo­re­ne Ob­jekt (bzw. die Mehr­lust als Ver­such, den Ge­nuss­ver­lust zu kom­pen­sie­ren). Bei­de wer­den, durch Ite­ra­ti­on, auf die Wie­der­ho­lung be­zo­gen.

Die ers­te Ma­ni­fes­ta­ti­on der Zahl ist der ein­zel­ne Zug. So hat­te La­can den ein­zel­nen Zug im Se­mi­nar über die Iden­ti­fi­zie­rung er­läu­tert: durch den Strich in ei­ner Strich­lis­te als Ele­men­tar­form des Zäh­lens.

10. Juni 1970

Grundlage der Subjektspaltung in Genießen und Körper

Das Ge­nie­ßen ist ganz ge­nau kor­re­la­tiv zur ers­ten Form des Ins-Spiel-kom­mens des­sen, was ich die Mar­kie­rung nen­ne, den ein­zi­gen Zug, der Mar­kie­rung zum Tode ist, wenn Sie ihr ei­nen Sinn ver­lei­hen wol­len. Be­ach­ten Sie gut, daß al­les erst Sinn an­nimmt, wenn der Tod ins Spiel kommt.

Aus­ge­hend von der Spal­tung, der Tren­nung zwi­schen dem Ge­nie­ßen und dem Kör­per, der von jetzt an mor­ti­fi­ziert ist, von dem Mo­ment an, wo es das Spiel der Ein­schrei­bun­gen gibt, Markie­rung des ein­zi­gen Zugs, stellt sich die Fra­ge. Man braucht nicht dar­auf zu war­ten, daß das Sub­jekt sich als gut ver­bor­gen of­fen­bart hat auf der Ebe­ne der Wahr­heit des Herrn. Die Spal­tung des Sub­jekts ist zwei­fel­los nichts ande­res als die ra­di­ka­le Zwei­deu­tig­keit, die sich an den Be­griff der Wahr­heit selbst hef­tet.“32

Wenn der ein­zel­ne Zug, also die Mar­kie­rung, ins Spiel kommt, kor­re­liert das mit dem Ge­nie­ßen. Ge­nau­er ge­sagt: Das Ge­nie­ßen kor­re­liert der ers­ten Form, in der der ein­zel­ne Zug wirk­sam wird. Ist da­mit die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung ge­meint?

Der ein­zel­ne Zug ist aber nicht nur mit dem Ge­nie­ßen ver­bun­den, er ist zu­gleich eine Mar­kie­rung zum Tode, zur Mor­ti­fi­zie­rung des Kör­pers. Das heißt wohl: Der ein­zel­ne Zug ist mit ei­nem Ge­nuss­ver­lust ver­bun­den.

Der ein­zel­ne Zug ist dann eine Mar­kie­rung zum Tode, wenn man ihm ei­nen Sinn ver­lei­hen will. Mir ist nicht klar, wie das ge­meint ist. Be­zieht sich La­can auf den Sinn auf der Sei­te des Sub­jekts oder auf die Sinn­ge­bung duch den Theo­re­ti­ker?

Mit dem ein­zel­nen Zug – mit der Ein­schrei­bung der Mar­kie­rung – kommt es zu ei­ner Spal­tung zwi­schen dem Ge­nie­ßen und dem ab­ge­tö­te­ten Kör­per. Mög­li­cher­wei­se ist dies ge­meint: Der ab­ge­tö­te­te Kör­per ist der Kör­per, der vom Lust­prin­zip be­stimmt wird. Die Herr­schaft des Lust­prin­zips wird durch den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten be­fes­tigt, durch die sym­bo­li­sche Iden­ti­fi­zie­rung. Das Ge­nie­ßen wird durch die Ar­beit des Un­be­wuss­ten an­ge­zielt und als Ver­lust re­pro­du­ziert. – ?

Die Spal­tung des Sub­jekts ist die Zwei­deu­tig­keit, die sich an den Be­griff der Wahr­heit hef­tet. Die Zwei­deu­tig­keit der Wahr­heit be­steht dar­in, so ver­mu­te ich, dass sie auf den Sinn des Sym­ptoms zielt und da­mit die an­de­re Sei­te des Sym­ptoms ver­fehlt, das Ge­nie­ßen, ge­nau­er: den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Sym­ptom als Er­satz­be­frie­di­gung und dem vom Ob­jekt a ver­kör­per­ten Ge­nuss­ver­lust.

17. Juni 1970

Grundlage des Herrensignifikanten

Nun, die­se klei­nen mehr oder we­ni­ger ge­flü­gel­ten (Anm.) Ter­me, S1, S2, a, $, ich sage Ih­nen, sie kön­nen bei ei­ner sehr gro­ßen Zahl von Be­zie­hun­gen dien­lich sein. Man muß sich nur mit ih­rer Hand­ha­bung ver­traut ma­chen.

Zum Bei­spiel kann man, aus­ge­hend vom ein­zi­gen Zug, in­so­fern als man sich mit ihm be­gnü­gen kann, ver­su­chen, sich nach dem Funk­tio­nie­ren des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zu fra­gen. Nun, das ist ab­so­lut brauch­bar, wenn Sie, in­dem Sie es struk­tu­ral nur gut be­grün­den, mer­ken, daß man nicht all­zu­viel Auf­hebens ma­chen muß von der gan­zen gro­ßen Ko­mö­die des Kampfs auf Le­ben und Tod ums rei­ne An­er­ken­nen und sei­nem Aus­gang. Im Ge­gen­satz zu dem, was man dar­aus ge­schlossen hat, daß man die Din­ge auf der Ebe­ne des von Na­tur aus Wah­ren be­fragt, gibt es in der Stel­lung des Knechts/Sklaven kei­ne Kon­tin­genz. Es gibt die Not­wen­dig­keit, daß, im Wis­sen, sich et­was pro­du­ziert, das den Herrensignifi­kanten ver­tritt.“33

An­mer­kung von Ger­hard Schmitz: „Mit­schrift: dienst­eif­ri­gen [Mil­ler: ailés / Mit­schrift: zé­lés]“

Aus­ge­hend vom ein­zel­nen Zug kann man ver­su­chen, sich nach dem Funk­tio­nie­ren des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zu fra­gen. Was sieht man, wenn man den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten aus­ge­hend vom ein­zi­gen Zug be­fragt? Of­fen­bar dies, dass es die Not­wen­dig­keit gibt, dass sich im Wis­sen et­was her­stellt, was den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ver­tritt, was das Glei­ten der Be­deu­tung zu ei­nem Halt bringt.

Vom ein­zel­nen Zug aus ist im Feld der Psy­cho­ana­ly­se also nicGraf des Begehrens mit Polsterstichht nur das Wis­sen zu re­kon­stru­ie­ren (das Un­be­wuss­te), son­dern auch der Her­ren­si­gni­fi­kant (das Ichi­de­al). So­wohl S2 als auch S1 be­ru­hen auf dem ein­zel­nen Zug.

Eine frü­he Ver­si­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, sagt La­can in Se­mi­nar 17, ist der Pols­ter­stich oder Stepp­punkt.34 Der Pols­ter­stich (im Gra­phen des Be­geh­rens die grü­nen Li­ni­en in der Ab­bil­dung rechts) hat die Funk­ti­on, das Si­gni­fi­kat zu sta­bi­li­sie­ren; im Gra­phen wird das Si­gni­fi­kat durch den Kreu­zungs­punkt un­ten links dar­ge­stellt, s(A), das vom An­de­ren kom­men­de Si­gni­fi­kat (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Also hat der Her­ren­si­gni­fi­kant die Funk­ti­on, Sinn zu fi­xie­ren.

Systematisierende Zusammenstellung

Über­ar­bei­te­te Fas­sung vom 28. Ja­nu­ar 2016

Trait un­aire“ meint „ein­zel­ner Zug“, „ein­zel­ner Strich“.

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Lie­bes­ob­jekt be­schränkt sich Freud zu­fol­ge auf die Über­nah­me ei­nes „ein­zi­gen Zugs“. La­can über­setzt „einziger Zug“ mit „trait uai­re“, was „einzelner Zug“ meint oder „ein­zel­ner Strich“. Schmitz über­setzt trait un­aire mit „unä­rer Zug“35, unär im Un­ter­schied zu bi­när, ter­när usw.

Un­ter trait un­aire ver­steht La­can nicht, dass die­ser Zug ein ein­zi­ger ist, son­dern dass er ein ein­zel­ner ist, in der Wei­se wie eine Strich­lis­te aus ei­ner Fol­ge von ein­zel­nen Stri­chen be­steht (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). „Einziger Zug“ wäre „trait uni­que“ oder „trait sin­gu­lier“.

 

Der ein­zel­ne Zug ist ein Ele­ment der Schrift, ein Buch­sta­be.

Der ein­zel­ne Zug ist ein Ele­ment der Schrift.36 Das heißt ver­mut­lich: Der ein­zel­ne Zug ist kein Si­gni­fi­kant, der sich auf die Wor­te der ge­spro­che­nen Spra­che be­zieht, er ver­knüpft sich nicht auf der Grund­la­ge pho­ne­ti­scher Ähn­lich­kei­ten. Er ist viel­mehr eine Ein­schrei­bung in den ge­nie­ßen­den Kör­per, eine Mar­kie­rung. In Freuds Ter­mi­no­lo­gie: Der ein­zel­ne Zug ist eine „Dau­er­spur“37.

 

Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten und der Zahl.

Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten.38 Alle Si­gni­fi­kan­ten las­sen sich letzt­lich dar­auf  re­du­zie­ren, je ei­ner zu sein; „Yadl’Un“ wird La­can das in Se­mi­nar 19 nen­nen (… ou pire, 1971/72)39, zu deutsch: „’S gibt Ein“40. In der Pas­sa­ge aus Se­mi­nar 17 ist nicht zu er­ken­nen, ob La­can den Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten selbst als Si­gni­fi­kan­ten auf­fasst.

Die ers­te Ma­ni­fes­ta­ti­on der Zahl ist der ein­zel­ne Zug.41 Man den­ke an La­cans Er­läu­te­rung des ein­zel­nen Zugs durch die Ker­ben auf ei­nem Kerb­stock in Se­mi­nar 9.

 

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ist die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung.

Der Be­griff des ein­zel­nen Zugs be­zieht sich auf eine Iden­ti­fi­zie­rung, und zwar auf die ent­schei­den­de Iden­ti­fi­zie­rung. Das Spre­chen ist eine Ur­sa­che, und die ein­fachs­te Wir­kung des Spre­chens ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug. Der ein­zel­ne Zug ist die ein­fachs­te Kau­sa­li­tät des Spre­chens.42

Der ein­zel­ne Zug ist die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung.43

 

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ist die Iden­ti­fi­zie­rung da­mit, Ei­ner zu sein – ein ab­zähl­bar Ein­zel­ner.

Durch die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug wird das spre­chen­de We­sen als „eins“ mar­kiert, als Sin­gu­la­ri­tät.44 Mit Sin­gu­la­ri­tät ist hier nicht Ein­zig­ar­tig­keit ge­meint. Die Sin­gu­la­ri­tät, von der La­can hier spricht, hat ih­ren Ur­sprung nicht in ei­ner sin­gu­lä­ren Ge­schich­te und nicht in der Be­son­der­heit ei­nes Cha­rak­ters, sie ist im Kern die Sin­gu­la­ri­tät, die dar­in be­steht, ein zähl­bar Ei­ner zu sein, etwa ei­nes von meh­re­ren Ge­schwis­tern.

 

Der ein­zel­ne Zug ist die Grund­la­ge des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten und da­mit des Sinns.

Aus­ge­hend vom ein­zel­nen Zug kann man ver­su­chen, sich nach dem Funk­tio­nie­ren des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zu fra­gen. Was sieht man, wenn man den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten aus­ge­hend vom ein­zi­gen Zug be­fragt? Of­fen­bar dies, dass es die Not­wen­dig­keit gibt, dass sich im Wis­sen et­was her­stellt, was den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ver­tritt.45

Vom ein­zel­nen Zug aus ist also nicht nur das Wis­sen zu re­kon­stru­ie­ren (das Un­be­wuss­te), son­dern auch der Her­ren­si­gni­fi­kant (das Ichi­de­al als Grund­la­ge des ver­steh­ba­ren Sinns). So­wohl S2 (Wis­sen) als auch S1 (Her­ren­si­gni­fi­kant) be­ru­hen auf dem ein­zel­nen Zug.

Eine frü­he Ver­si­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ist der Pols­ter­stich oder Stepp­punkt. 46 Der Pols­ter­stich hat die Funk­ti­on, das Si­gni­fi­kat zu fi­xie­ren; im Gra­phen des Be­geh­rens wird das Si­gni­fi­kat durch den Kreu­zungs­punkt s(A) dar­ge­stellt. Also hat der Her­ren­si­gni­fi­kant die Funk­ti­on, Sinn zu sta­bi­li­sie­ren.

 

Der ein­zel­ne Zug ist die Er­in­ne­rung an ein Ge­nie­ßen.

Da­mit das Wie­der­ho­len des Ge­nie­ßens mög­lich ist, muss das Ge­nie­ßen iden­ti­fi­ziert wer­den. Die Iden­ti­fi­zie­rung des in der Wie­der­ho­lung an­ge­streb­ten Ge­nie­ßens be­ruht auf ei­ner Art Mar­kie­rung.47

Der ein­zel­ne Zug ruft das Her­ein­bre­chen ei­nes Ge­nie­ßens in Er­in­ne­rung.48

Das Ge­nie­ßen stützt sich auf den ein­zel­nen Zug und wird hier­durch als Mar­kie­rung ein­ge­rich­tet.49

Durch den ein­zel­nen Zug ein sin­gu­lä­res Eins zu wer­den, ist die pri­mä­re Wir­kung der Spra­che und der ers­te Af­fekt.50 Die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung, durch die das Sub­jekt ein sin­gu­lä­res Ei­nes wird, ist dem­nach mit ei­nem Af­fekt ver­bun­den, mit ei­nem Ge­nie­ßen.

Wenn der ein­zel­ne Zug ins Spiel kommt, kor­re­liert das mit dem Ge­nie­ßen. Ge­nau­er ge­sagt: Das Ge­nie­ßen kor­re­liert der ers­ten Form, in der der ein­zi­ge Zug wirk­sam wird.51

Freud spricht von der „Dau­er­spur“ ei­ner „Er­re­gung“.52 Aus der „Dau­er­spur“ wird bei La­can der ein­zi­ge Zug, aus der „Er­re­gung“ das Ge­nie­ßen. „Der ein­zi­ge Zug er­in­nert an den Ein­bruch ei­nes Ge­nie­ßens“ lässt sich also so über­set­zen: Der ein­zi­ge Zug ist die Dau­er­spur ei­ner Er­re­gung.

 

Der ein­zel­ne Zug er­mög­licht ein Ge­nie­ßen.

In der vom ein­zel­nen Zug er­mög­lich­ten Wie­der­ho­lung wird eine Kom­pen­sa­ti­on für den Ge­nuss­ver­lust an­ge­strebt53

Der ein­zel­ne Zug er­mög­licht die Wie­der­ho­lung und das Ge­nie­ßen, also eine Be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips.54

Das muss man fest­hal­ten: Der ein­zel­ne Zug zielt nicht nur auf die Wie­der­ho­lung ei­nes Ge­nie­ßens, er er­mög­licht auch die Wie­der­ho­lung und das Ge­nie­ßen.

Freud spricht von der mit dem Sym­ptom ver­bun­de­nen „Er­satz­be­frie­di­gung“55 Die mit dem Sym­ptom ver­bun­de­ne Er­satz­be­frie­di­gung (die ei­nen Ver­lust ist) ist häu­fig eine Be­frie­di­gung jen­seits des Lust­prin­zips, also mit Un­lust ver­bun­den. Das Ge­nie­ßen, das der ein­zi­ge Zug er­mög­lich

 

Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des Wis­sens, und das Wis­sen dient dem Ge­nie­ßen.

Der ein­zel­ne Zug liegt auch den­je­ni­gen Si­gni­fi­kan­ten­ver­bin­dun­gen zu­grun­de, die als „das Un­be­wuss­te“ be­zeich­net wer­den, also dem „Wis­sen“, mit dem der Psy­cho­ana­ly­ti­ker es zu tun hat.56

Der ein­zel­ne Zug stellt den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen her. Er ver­bin­det das Wis­sen (das Un­be­wuss­te, da­mit das Sym­bo­li­sche) mit dem Ge­nie­ßen.57

Das ar­bei­ten­de Wis­sen hängt pri­mär vom ein­zel­nen Zug ab.58 Falls La­can un­ter der Wis­sens­ar­beit Ver­dich­tung und Ver­schie­bung ver­steht, Me­ta­pher und Me­to­ny­mie, wür­de das be­deu­ten, dass der ein­zel­ne Zug nicht nur die Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung und des Stre­bens nach Mehr­lust ist, son­dern auch von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie (wo­bei man die Wie­der­ho­lung als eine Form der Me­to­ny­mie auf­fas­sen kann).

In Freuds Be­griff­lich­keit: Das Un­be­wuss­te dient der Trieb­be­frie­di­gung, und das Un­be­wuss­te be­ruht auf Dau­er­spu­ren der Er­re­gung. 

 

Das Ge­nie­ßen, das er­langt wer­den soll, ist un­er­reich­bar.

Bei der Wie­der­ho­lung geht es um die Wie­der­kehr des Ge­nie­ßens. Da­bei kommt es zu ei­nem Feh­len, ei­nem Schei­tern, ei­nem Ver­lust: zu ei­nem Schwund an Ge­nie­ßen. Was sich also letzt­lich wie­der­holt, ist der Ver­lust. Freud hat das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen – das in der Wie­der­ho­lung an­ge­ziel­te aber ver­fehl­te Ge­nie­ßen – als „ver­lo­re­nes Ob­jekt“ be­zeich­net.59

Ich ver­ste­he den Zu­sam­men­hang so: Die mit dem Sym­ptom ver­bun­de­ne Er­satz­be­frie­di­gung (er­mög­licht durch den ein­zi­gen Zug) ist, ver­gli­chen mit dem an­ge­streb­ten Ge­nie­ßen, ge­ring­fü­gig. Letzt­lich ver­weist sie auf den Ver­lust an Ge­nie­ßen.

La­can re­kon­stru­iert Freuds „ver­lo­re­nes Ob­jekt“ in zwei Zü­gen:
– Die Spra­che führt ei­nen Ge­nuss­ver­lust her­bei, der in der Wie­der­ho­lung re­pro­du­ziert wird.
– Der Ge­nuss­ver­lust wird von be­stimm­ten Ob­jek­ten re­prä­sen­tiert. Sie kön­nen die­se Funk­ti­on des­halb über­neh­men, weil sie (durch ei­nen „Schnitt“) ab­ge­trennt sind, wie Brust und Kot.

 

Der ein­zel­ne Zug ist die Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung, und er ist dar­in nie der­sel­be.

Der Be­griff des ein­zel­nen Zugs ist von der Wie­der­ho­lung und vom Ge­nie­ßen aus an­zu­ge­hen. Die Wie­der­ho­lung zielt auf ein Ge­nie­ßen – auf ein Ge­nie­ßen, das sys­te­ma­tisch ver­fehlt wird.60

Der ein­zel­ne Zug ist die Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung. Nun wird in der Wie­der­ho­lung das an­ge­streb­te Ge­nie­ßen aber ver­fehlt. In­so­fern ist der ein­zel­ne Zug die Grund­la­ge des Ge­nuss­ver­lusts.61

Der ein­zel­ne Zug ist nie al­lein, er wie­der­holt sich. Er wie­der­holt sich, weil er nie der­sel­be ist.62

Der ein­zel­ne Zug ist ver­mut­lich in­so­fern nie der­sel­be als er auf die Wie­der­ho­lung ei­nes Ge­nie­ßens ab­zielt, das je­des­mal ver­fehlt wird.

 

Der ein­zel­ne Zug und die vier Dis­kurs­ele­men­te S1, S2, a und $

Die vier Zei­chen S1, S2, a und $ er­mög­li­chen es, zu­sam­men mit dem ein­zel­nen Zug, sich über Sinn und Ge­nie­ßen klar­zu­wer­den63

Ich neh­me an, dass Fol­gen­des ge­meint ist: Die vier Zei­chen S1, S2, a und $ ge­stat­ten es, die bei­den Sei­ten des Sym­ptoms zu be­grei­fen: den Sinn des Sym­ptoms, auf den die Deu­tung ab­zielt, und au­ßer­dem das mit dem Sym­ptom an­ge­ziel­te Ge­nie­ßen, das in der Er­satz­be­frie­di­gung ver­fehlt wird. Der Sinn wird er­mög­licht durch S1; der S1 be­ruht auf dem ein­zel­nen Zug. Das un­be­wuss­te Wis­sen, S2, dient der Pro­duk­ti­on des Ge­nie­ßens; auch das un­be­wuss­te Wis­sen be­ruht auf dem ein­zel­nen Zug. Das Sub­jekt, $, ist das ver­lo­re­ne Ge­nie­ßen, rei­ner Ver­lust. Der Re­prä­sen­tant die­ses Ver­lusts ist das Ob­jekt a.

 

Die Mor­ti­fi­zie­rung

Der ein­zel­ne Zug ist aber nicht nur mit dem Ge­nie­ßen ver­bun­den, er ist zu­gleich eine Mar­kie­rung zum Tode, zur Mor­ti­fi­zie­rung des Kör­pers. Der ein­zel­ne Zug ist dann eine Mar­kie­rung zum Tode.64

Mit dem ein­zel­nen Zug – mit der Ein­schrei­bung der Mar­kie­rung – kommt es also zu ei­ner Spal­tung zwi­schen dem Ge­nie­ßen und dem ab­ge­tö­te­ten Kör­per.65

 

Die Spal­tung des Sub­jekts und die Wahr­heit

Die Spal­tung des Sub­jekts ist die Zwei­deu­tig­keit, die sich an den Be­griff der Wahr­heit hef­tet.66

Die Zwei­deu­tig­keit der Wahr­heit be­steht dar­in, so neh­me ich an, dass sie auf den Sinn des Sym­ptoms zielt und da­mit die an­de­re Sei­te des Sym­ptoms ver­fehlt, das Ge­nie­ßen, das in der Er­satz­be­frie­di­gung ver­fehl­te Ge­nie­ßen.

 

Im „Ich den­ke, also bin ich“ liegt der ein­zel­ne Zug so­wohl dem „Ich den­ke“ zu­grun­de (qua Selbst­be­nen­nung) als auch dem „ich bin“ (dem Ge­nie­ßen und der Wie­der­ho­lung), vor al­lem aber dem „also“, der Spra­che als Ur­sa­che.

In Des­car­tes’ For­mel Ich den­ke, also bin ich ist dem Ich den­ke der ein­zi­ge Zug zu un­ter­stel­len, denn das Ich den­ke ist, wie La­can in Se­mi­nar 9 er­läu­tert hat­te (10. Ja­nu­ar 1962), eine Form der Be­nen­nung; die Selbst­be­nen­nung ist eine Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­nem ein­zel­nen Zug.67

In Ich den­ke, also bin ich be­ruht auch das bin ich bzw. das ich bin auf dem ein­zel­nen Zug, es be­ruht auf der Eli­si­on des Ich bin mar­kiert vom Ein bzw. vom Ich bin ei­ner, ich bin vom ein­zel­nen Zug mar­kiert.68

Wenn man den ein­zel­nen Zug durch die Zahl 1 sym­bo­li­siert, kann Ich den­ke, also bin ich durch 1+1 dar­ge­stellt wer­den.69

Relativ kurze Zusammenfassung und Zuspitzung

Über­ar­bei­te­te Fas­sung vom 28. Ja­nu­ar 2016

Eine der drei For­men der Iden­ti­fi­zie­rung ist, Freud zu­fol­ge, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ver­lo­re­nen Lie­bes­ob­jekt. Die­se Iden­ti­fi­zie­rung ist, wie Freud schreibt, die mit ei­nem „ein­zel­nen Zug“. Sie be­steht bei­spiels­wei­se dar­in, dass das Mäd­chen vom ge­lieb­ten Va­ter, der sich ent­zieht, des­sen Hus­ten über­nimmt.

La­can über­setzt Freuds „ein­zel­ner Zug“ mit „trait un­aire“, was „ein­zel­ner Zug“ be­deu­tet, nicht „ein­zi­ger Zug“ („ein­zi­ger Zug“ wäre „trait uni­que“ oder „trait sin­gu­lier“). Der ein­zel­ne Zug ist ein ab­zähl­bar ein­zel­ner Zug, das Ele­ment ei­ner Men­ge von Zü­gen. La­cans Mo­dell für den ein­zel­nen Zug in Se­mi­nar 9, wo er den Be­griff ein­führt, ist der Strich in ei­ner Strich­lis­te. Man kann trait un­aire auch mit „Ein­zel­strich“ über­set­zen.

Da­mit be­zieht La­can sich auf Saus­su­res Kon­zept von der Dif­fe­ren­tia­li­tät der Spra­che. Letz­te Grund­la­ge für das Funk­tio­nie­ren der Spra­che als Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem ist die Dif­fe­renz, der ein­zi­ge Zug ist die Dif­fe­renz als sol­che, die ab­so­lu­te Dif­fe­renz.

La­cans Grund­ge­dan­ke, be­zo­gen auf den ein­zel­nen Zug, scheint zu sein: Da­mit ein Mensch zu ei­nem spre­chen­den We­sen wird, muss die Dif­fe­renz in sei­nen Kör­per ein­ge­schrie­ben wer­den, und zwar die ab­so­lu­te Dif­fe­renz. Das heißt, die kör­per­ge­bun­de­nen Er­re­gungs­ab­läu­fe müs­sen an die Dif­fe­renz schlecht­hin an­ge­passt und ent­spre­chend mo­di­fi­ziert wer­den. Das Funk­tio­nie­ren der ab­so­lu­ten Dif­fe­renz in den Er­re­gungs­ab­läu­fen des Kör­pers nennt er „Iden­ti­fi­zie­rung mit dem trait un­aire“, mit dem ein­zi­gen Zug, mit dem ein­zel­nen Zug, mit dem Ein­zel­strich, mit dem Unärs­trich.

Der ein­zel­ne Zug, sagt La­can, ist ein Ele­ment der Schrift, also ein Buch­sta­be. Da­mit ist wohl ge­meint: Der ein­zel­ne Zug ist kein Si­gni­fi­kant, der sich auf die ge­spro­che­ne Spra­che be­zieht, son­dern die Grund­la­ge die­ser Si­gni­fi­kan­ten. „Der ein­zel­ne Zug ist ein Buch­sta­be“ heißt ver­mut­lich nicht, dass er ein Buch­sta­be wie der Buch­sta­be A ist, denn das A be­zieht sich auf die ge­spro­che­ne Spra­che. Man muss den Buch­sta­ben A noch wei­ter zer­le­gen, in sei­ne drei Be­stand­tei­le, und dann lan­det man beim Ein­zel­strich, beim trait un­aire.

Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern je­der Si­gni­fi­kant letzt­lich dar­auf re­du­ziert wer­den kann, je ei­ner zu sein (das wird in Se­mi­nar 19 breit aus­ge­führt).

Der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung der Zahl, die na­tür­li­chen Zah­len kön­nen ge­wis­ser­ma­ßen auf Strich­lis­ten zu­rück­ge­führt wer­den, auf das Hin­zu­fü­gen von Ein­hei­ten. Man vgl. hier­zu La­cans Re­zep­ti­on von Fre­ges Theo­rie der na­tür­li­chen Zah­len (in Se­mi­nar 12 und im Bal­ti­more-Vor­trag).

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ist die ent­schei­den­de Form der Iden­ti­fi­zie­rung; La­can be­zeich­net sie (in den Se­mi­na­ren 12 und 15) als pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung. Der Freud-Be­zug ist also ver­wi­ckelt: Mit „ein­zel­ner Zug“ be­zieht La­can sich auf Freuds zwei­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung; Freud un­ter­schei­det die­se Art der Iden­ti­fi­zie­rung von der pri­mä­ren Iden­ti­fi­zie­rung, näm­lich der vor­ö­di­pa­len Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ge­lieb­ten und idea­li­sier­ten Va­ter. La­can bringt bei­des zu­sam­men. Ich ver­mu­te, dass für ihn die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug in­so­fern pri­mär ist, als sie die Ur­ver­drän­gung her­bei­führt. In wel­cher Wei­se kommt bei der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug der Va­ter ins Spiel? Dar­auf ge­ben die hier aus­ge­wer­te­ten Pas­sa­gen kei­nen Hin­weis.

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug ist die Iden­ti­fi­zie­rung da­mit, Ei­ner zu sein – ein ab­zähl­bar Ein­zel­ner. Dies ist eine der In­no­va­tio­nen von La­can (zu­erst in Se­mi­nar 9): Er führt ei­nen neu­en Be­griff der Iden­ti­fi­zie­rung ein, die Iden­ti­fi­zie­rung da­mit, je ei­ner zu sein, sich als ei­ner zu zäh­len.

Die Iden­ti­fi­zie­rung, „Eins“ zu sein, ist die Iden­ti­fi­zie­rung da­mit, eine Ein­heit zu sein – aber nicht eine Ein­heit im Sin­ne ei­ner To­ta­li­tät, ei­ner Ganz­heit, son­dern ei­ner Ein­heit im Sin­ne von „je ei­ner“, „ei­ner von meh­re­ren“, „Ele­ment ei­ner Men­ge“. Man kann das, den­ke ich, „In­di­vi­dua­ti­on“ nen­nen, so­fern man dar­un­ter nicht ver­steht, zu ei­ner un­teil­ba­ren Ganz­heit zu wer­den, son­dern zu et­was Zähl­ba­rem zu wer­den. „Er zählt die Häup­ter sei­ner Lie­ben“, heißt es in Schil­lers Lied von der Glo­cke; mit die­ser Ope­ra­ti­on sind sei­ne Lie­ben für ihn In­di­vi­du­en, im Sin­ne von: Ele­men­te ei­ner Men­ge (und der Zäh­len­de ist ge­wis­ser­ma­ßen der Kreis um die Men­ge, in La­cans Ter­mi­no­lo­gie: −1). So­fern ich mich da­mit iden­ti­fi­zie­re, ein von mei­nem Va­ter Ab­ge­zähl­ter zu sein – um im Bei­spiel zu blei­ben –, iden­ti­fi­zie­re ich mich mit dem ein­zi­gen Zug, mit dem ein­zel­nen Zug, mit dem Zug, durch den ich ein Ein­zel­ner bin.

In Se­mi­nar 12 ver­ar­bei­tet La­can Fre­ges Theo­rie der na­tür­li­chen Zah­len.70 Na­tür­li­che Zah­len sind die gan­zen po­si­ti­ven Zah­len von Eins bis Un­end­lich oder von Null bis Un­end­lich. Die na­tür­li­chen Zah­len be­ru­hen auf der Nach­fol­ger­be­zie­hung „plus Eins“, also letzt­lich auf der Eins, und die Eins wie­der­um – so liest La­can Fre­ge – be­ruht auf der Be­zie­hung zur Null (vgl. hier­zu auch La­cans Bal­ti­more-Vor­trag). Von da­her ist klar, dass die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Eins zu­gleich der Be­zug auf die Null ist – auf den Man­gel, auf den Ver­lust. Das ich mich da­mit iden­ti­zie­re, je ei­ner zu sein, heißt, dass ich mich da­mit iden­ti­fi­zie­re, feh­len zu kön­nen, tot sein zu kön­nen.

Der ein­zel­ne Zug ist die Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung. In­wie­fern?

Der ein­zel­ne Zug ist die Er­in­ne­rung an den Ein­bruch ei­nes Ge­nie­ßens (Freud spricht von der „Dau­er­spur“ ei­ner „Er­re­gung“). Der ein­zel­ne Zug er­in­nert nicht nur an ein Ge­nie­ßen, er er­mög­licht auch ein Ge­nie­ßen jen­seits des Lust­prin­zips. Denn der ein­zel­ne Zug ist der Ur­sprung des „Wis­sens“ (des Un­be­wuss­ten als Ver­knüp­fung von Si­gni­fi­kan­ten), und die­ses „Wis­sen“ dient dem Ge­nie­ßen (das Un­be­wuss­te hat die Funk­ti­on der Trieb­be­frie­di­gung). Durch die Ar­beit die­ses Wis­sens – Ver­dich­tung und Ver­schie­bung, Me­ta­pher und Me­to­ny­mie – wird tat­säch­lich ein Ge­nie­ßen jen­seits des Lust­prin­zips er­reicht, „Er­satz­be­frie­di­gung“ nennt es Freud, etwa die mit ei­nem Sym­ptom ver­bun­de­ne Er­re­gung. Die­ses Ge­nie­ßen jen­seits des Lust­pri­nips ist je­doch be­schei­den – das in der Wie­der­ho­lung an­ge­ziel­te Ge­nie­ßen kann nicht er­reicht wer­den. Die Wie­der­ho­lung er­zeugt also letzt­lich ei­nen Ver­lust an Ge­nie­ßen. Sie re­pro­du­ziert be­stän­dig den Ver­lust, den sie auf­he­ben will. Der Re­prä­sen­tant die­ses ir­re­du­zi­blen Ver­lusts ist das Ob­jekt a, das Par­ti­al­ob­jekt, um das die Phan­tas­men her­um or­ga­ni­siert sind.

Ausblick: das Litoral

Der ein­zel­ne Zug ist ein „Ele­ment der Schrift“71, an­ders ge­sagt: ein Buch­sta­be.

Ein Jahr spä­ter, in Litu­ra­terre (1971), wird La­can den Buch­sta­ben mit ei­nem Be­griff der Geo­lo­gen als „Li­to­ral“ be­zeich­nen.72 Ein Li­to­ral ist eine Ufer­zo­ne. La­can ver­steht dar­un­ter die Gren­ze zwi­schen zwei he­te­ro­ge­nen Be­rei­chen, zwi­schen dem Wis­sen (dem Sym­bo­li­schen) und dem Ge­nie­ßen (dem Rea­len). In Litu­ra­terre ver­or­tet er den Buch­sta­ben ein­deu­tig auf der Sei­te des Rea­len, den Si­gni­fi­kan­ten auf der Sei­te des Sym­bo­li­schen.

Eine Über­set­zung von Litu­ra­terre mit er­läu­tern­den An­mer­kun­gen fin­det man in die­sem Blog hier.

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Anmerkungen

  1. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1920). In: Ders: Stu­di­en­aus­gabe, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 99 f.
  2. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1970; Schmitz, S. 54 f.; Mil­ler, S. 51 f.
  3. Vgl. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213–272.
  4. S. Freud: Trau­er und Me­lan­cho­lie (1917). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 193–212, hier: 203
  5. S. Freud: Das Ich und das Es (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 273–330, hier: 296.
  6. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 109 f.
  7. S. Freud: Das öko­no­mi­sche Pro­blem des Ma­so­chis­mus (1924). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 339–354, hier: S. 347.
  8. Freud, Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se, a.a.O., S. 100.
  9. Vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel: Einziger/einzelner Zug (I): der Grund der Wie­der­ho­lung.
  10. Zur Gleich­set­zung von „Wis­sen“ und „Un­be­wuss­tem“ vgl. in die­sem Blog den Ar­ti­kel Wis­sen, S2: das Un­be­wuss­te.
  11. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1970; Schmitz, S. 56; Mil­ler, S. 54.
  12. Vgl. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, dar­in die Ka­pi­tel „Die Ver­dich­tungs­ar­beit“, S. 282 ff., und „Die Ver­schie­bungs­ar­beit“, S. 305.
  13. Vgl. J. La­can: Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud (1957). In: Ders.: Schrif­ten II, S. 15–55.
  14. S. Freud: Aus der Ge­schich­te ei­ner in­fan­ti­len Neu­ro­se (1918). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 8. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 125–232, hier: 226.– S. Freud: Die end­li­che und die un­end­li­che Ana­ly­se (1937). In: Ders.: Schrif­ten zur Be­hand­lungs­tech­nik. Stu­di­en­aus­ga­be, Er­gän­zungs­band. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 351–392, hier: 382.
  15. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1970; Schmitz, S. 58 f.; Mil­ler, S. 56 f.
  16. Vgl. Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 13. No­vem­ber 1968; Ver­si­on Mil­ler, S. 17. Das deut­sche Wort „Mehr­lust“ wird zu­erst in der Sit­zung vom 20. No­vem­ber 1968 ver­wen­det; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 29.
  17. Vgl. etwa S. Freud: Der Witz und sei­ne Be­zie­hung zum Un­be­wuss­ten (1905): das Wert­vol­le des Wit­zes ist der „Lust­ge­winn“, den er bringt (S. Freud: Ge­sam­mel­te Wer­ke. Chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Bd. 6. Ima­go, Lon­don 1940, S. 27).
  18. Vgl. S. Freud: Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se. 17. Vor­le­sung: „Der Sinn der Sym­pto­me“. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 1. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 258–272.
  19. Vgl. etwa: S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: 237.
  20. Se­mi­nar 17, 11. Fe­bru­ar 1970; Schmitz, S. 83; Mil­ler, S. 89.
  21. J. La­can: Das Se­mi­nar über E. A. Poes „Der ent­wen­dete Brief“ (1957). Übers. v. Ro­dol­phe Ga­sché. In: La­can, Schrif­ten I, S. 7–60.
  22. Vgl. Freud, Jen­seits des Lust­prin­zips, a.a.O., S. 235.
  23. Vgl. etwa Freud, Das öko­no­mi­sche Pro­blem des Ma­so­chis­mus, a.a.O., S. 345 f.
  24. Das Fra­ge­zei­chen in der fol­gen­den For­mel fin­det sich so in den Ver­sio­nen Mil­ler und LAB, eben­so in den Ver­sio­nen Chol­let und GUYo­mard-Kokh, wo­bei die For­mel dort leicht ab­weicht. In der Über­set­zung von Ger­hard Schmitz (die sich vor al­lem auf Ver­si­on Mil­ler be­zieht) fehlt das Fra­ge­zei­chen.
  25. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 20. Mai 1970; Schmitz, S. 160 f., Über­set­zung ge­än­dert; Mil­ler, S. 180 f.
  26. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 10. Ja­nu­ar 1962; Ver­si­on Sta­fer­la vom 19.12.2009, S. 138, mei­ne Über­set­zung.
  27. Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 11. De­zem­ber 1957; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 124.
  28. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 14. De­zem­ber 1966; Ver­si­on Sta­fer­la vom 6.8.2013, S. 48.
  29. S. Freud: Das Un­be­wuss­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 119–173, hier: S. 132 f.
  30. Vgl. Sit­zung vom 10. Ja­nu­ar 1962.
  31. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 20. Mai 1970; Schmitz, S. 163; Mil­ler, S. 184.
  32. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 10. Juni 1970; Schmitz, S. 189; Mil­ler S. 206.
  33. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970; Schmitz S. 200; Mil­ler, S. 218.
  34. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970; Schmitz, S. 201 / Mil­ler, S. 219.
  35. Vgl. etwa Schmitz, S. 54 f. / Mil­ler, S. 51 f.
  36. Vgl. 11. Fe­bru­ar 1970; Schmitz, S. 83; Mil­ler, S. 89.
  37. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000,  S. 213–272, hier: S. 235.
  38. Vgl. Schmitz, S. 54 f. / Mil­ler, S. 51 f.
  39. Ein­ge­führt wird „Yadl’Un“ in der Sit­zung vom 15. März 1972; vgl. Ver­si­on Mil­ler S. 127.
  40. Vgl. Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 10.
  41. Vgl. Schmitz, S. 163 / Mil­ler, S. 184.
  42. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  43. Vgl. Se­mi­na­re 12 und 15; die Be­le­ge fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel, zu Be­ginn.
  44. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  45. Vgl. Schmitz, S. 200 / Mil­ler, S. 218.
  46. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970; Schmitz, S. 201 / Mil­ler, S. 219.
  47. Vgl. Schmitz, S. 54 f. / Mil­ler, S. 51 f.
  48. Vgl. Schmitz, S. 83 / Mil­ler, S. 89.
  49. Vgl. Schmitz, S. 58 f. / Mil­ler, S. 56 f.
  50. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  51. Vgl. Schmitz, S. 189 / Mil­ler, S. 206.
  52. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000,  S. 213–272, hier: S. 235.
  53. Vgl. Schmitz, S. 58 f. / Mil­ler, S. 56 f.
  54. Vgl. Schmitz, S. 83 / Mil­ler, S. 89.
  55. Vgl. Freud, Jen­seits des Lust­prin­zips, a.a.O., S. 220.
  56. Vgl. Schmitz, S. 54 f./Miller, S. 51 f.
  57. Vgl. Schmitz, S. 56 / Mil­ler, S. 54.
  58. Vgl. Schmitz, S. 58 f./Miller, S. 56 f.
  59. Vgl. Schmitz, S. 54 f.; Mil­ler, S. 51 f.
  60. Vgl. Schmitz, S. 54 f. / Mil­ler, S. 51 f.
  61. Vgl. Schmitz, S. 56 / Mil­ler, S. 54.
  62. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  63. Vgl. Schmitz, S. 58 f. / Mil­ler, S. 56 f.
  64. Vgl. Schmitz, S. 189 / Mil­ler, S. 206.
  65. Vgl. Schmitz, S. 189 / Mil­ler, S. 206.
  66. Vgl. Schmitz, S. 189 / Mil­ler, S. 206.
  67. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  68. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  69. Vgl. Schmitz, S. 160 f. / Mil­ler, S. 180 f.
  70. Gott­lob Fre­ge: Die Grund­la­gen der Arith­me­tik (1884).
  71. Se­mi­nar 17, 11. Fe­bru­ar 1970; Schmitz, S. 83; Mil­ler, S. 89.
  72. Litu­ra­terre gibt es in zwei Ver­sio­nen. La­can trug den Text zu­nächst in Se­mi­nar 18 vor („Über ei­nem Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“), in der Sit­zung vom 12. Mai 1971 (vgl. J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVIII. Dʼun dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Text­her­stel­lung von Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007, S. 113–127). Eine leicht ver­än­der­te Fas­sung er­schien im sel­ben Jahr in der Zeit­schrift Lit­té­ra­ture, nach­ge­druckt in J. La­can: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 11–20.

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