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Der Schnitt, das Reale und die Innenacht — 3 Kommentare

  1. Hal­lo Herr Nemitz,

    wie im­mer su­per – ich mar­kie­re hier mal mei­ne Stolpersteine:
    „Der Si­gni­fi­kant de­ter­mi­niert das Sub­jekt und hier­durch be­kommt das Sub­jekt eine Struk­tur.“ – so­weit klar.

    Eine Form, wie der Si­gni­fi­kant das Sub­jekt de­ter­mi­niert, ist die Iden­ti­fi­zie­rung; die Struk­tur des Sub­jekts kon­zen­triert sich ge­wis­ser­ma­ßen in der Identifizierung.“

    Den Über­gang zu ei­ner Form ver­ste­he ich nicht, fin­de sie nicht im Text (aber ggf. bin ich auch zu müde, da 5.30 Uhr auf­ge­stan­den) – wel­che an­de­ren For­men stün­den denn noch of­fen, also sol­che die de­ter­mi­nie­ren, aber nicht identifizieren?

    In der mensch­li­chen Pra­xis stellt es sich so dar, dass der Si­gni­fi­kant des­halb in das Rea­le ein­tre­ten kann, weil das Rea­le uns ge­wis­ser­ma­ßen na­tür­li­che Flä­chen an­bie­tet. [Dies ist eine spon­tan sich auf­drän­gen­de, aber ir­re­füh­ren­de Vorstellung.]“

    Rich­tig, La­can ist zu nah bei Hei­deg­ger, als dass er be­haup­ten wür­de, dass das Sein sich kreu­zen könnte!

    Eine Form der Li­nie ist die sich selbst über­schnei­den­de Li­nie, eine Schlin­ge (bou­cle).“

    Ich glau­be an ge­nau die­sem Punkt macht La­can den Ta­schen­spie­ler – und nicht be­zo­gen auf „cou­per“, wie sie anmerkten!
    Je nach Ein­satz fin­det sich zu bou­cle vie­les, was ho­mo­nym ist, etwa: http://de.pons.com/%C3%BCbersetzung/franz%C3%B6sisch-deutsch/boucle

    Be­son­ders in­ter­es­sant fin­de ich la bou­cler – den Mund hal­ten, aber auch: bou­cle de rap­pel – Ab­seil­sch­lin­ge, wo­bei rap­pe­ler ei­nen ganz an­de­ren Kon­text hat und nahe dem Ap­pell steht. 

    Dies hat zur Fol­ge, dass der Si­gni­fi­kant sich wie­der­holt, und erst durch die Wie­der­ho­lung, die zu­min­dest ein­mal er­fol­gen muss, wird er über­haupt erst Si­gni­fi­kant [hier dürf­te Der­ri­da sein Kon­zept der ur­sprüng­li­chen Wie­der­ho­lung ent­lie­hen haben].“

    Sehe ich auch so, nur „Schi­zo­phre­ne“ glau­ben, dass eine ein­ma­li­ge Än­de­rung der Regeln/Ausnahmen von den Re­geln, neue Re­geln darstellen!
    Bzgl. Der­ri­da will ich mich fest­le­gen, da mir da der Back­ground fehlt – aber bei J.L. Nan­cy fin­de ich so­vie­le Über­schnei­dungs­punk­te (Schlei­fen), dass es fast schon weh tut.…

    • Hal­lo Herr Günter, 

      gibt es an­de­re For­men, in de­nen der Si­gni­fi­kant das Sub­jekt de­ter­mi­niert, als die Iden­ti­fi­zie­rung? Dan­ke für die Frage!

      Muss man nicht sa­gen, eine sol­che an­de­re Form ist der An­spruch? Und eine wei­te­re Form ist das Vo­ka­bu­lar, der „Si­gni­fi­kan­ten­schatz“? So wird es im „Gra­phen des Be­geh­rens“ dar­ge­stellt, im un­te­ren Stock­werk: die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung ver­läuft über An­sprü­che (un­te­re Quer­li­nie) mit­hil­fe des Vo­ka­bu­lars (Schnitt­punkt rechts); dies hat die Iden­ti­fi­zie­rung zur Fol­ge (End­punkt un­ten links), und die Iden­ti­fi­zie­rung führt zur Spal­tung des Sub­jekts (An­fangs­punkt un­ten rechts) -?

      Und wenn man ins obe­re Stock­werk des Gra­phen hin­auf­klet­tert, gibt es dann nicht wei­te­re sub­jekt-de­ter­mi­nie­ren­de Si­gni­fi­kan­ten­for­men? Die Fra­ge des Sub­jekts bzw. das Sub­jekt als Fra­ge? Das Phan­tas­ma – das be­steht ja nicht nur aus dem Ob­jekt a (das kein Si­gni­fi­kant ist), son­dern auch aus den Si­gni­fi­kan­ten, die die­ses Ob­jekt ge­wis­ser­ma­ßen ein­krei­sen? Und schließ­lich das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten (S(Ⱥ) am Schnitt­punkt oben links) – de­ter­mi­niert der Si­gni­fi­kant das Sub­jekt nicht auch in­so­fern, als be­stimmm­te Si­gni­fi­kan­ten fehlen?

      Was ist mit dem Phal­lus? Wenn die­ser Si­gni­fi­kant als Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Ob­jekt des Be­geh­rens der Mut­ter ge­bil­det wird (For­mel der Va­ter-Me­ta­pher im Psy­cho­se-Auf­satz), er­mög­licht das doch ge­ra­de das Auf­ge­ben der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem (ima­gi­nä­ren) Phal­lus. Oder?

      Und die Wie­der­ho­lung? Ist das nicht eine wei­te­re Form des Si­gni­fi­kan­ten? Und de­ter­mi­niert sie nicht das Subjekt?

      • Hal­lo Herr Nemitz,

        dan­ke für die aus­führ­li­che Antwort/Suchhilfe!
        Die ge­nann­ten Text­stel­len muss ich mir erst­mal an­schau­en, vllt. sehe ich dann klarer…
        Ne­ben­bei muss ich ge­ste­hen, dass ich La­can fast 20 Jah­re links lie­gen liess – trotz des wirk­lich tol­len In­puts ih­rer­seits, den ich da­mals an der Frank­fur­ter Uni von ih­nen erhielt!
        In Er­man­ge­lung tie­fer­ge­hen­der Kennt­nis­se, stellt sich für mich je­doch noch die Fra­ge, ob die Wie­der­ho­lung (fast hät­te ich hin­ter dem i ein e ver­ges­sen…), wirk­lich eine wei­te­re Form des Si­gni­fi­kan­ten ist oder die aus­schlies­li­che, die ihn erst als sol­chen kon­sti­tu­tiert (was nicht si­gni­fi­zier­bar ist – also ohne eine Schlei­fe im Re­gis­ter des Sym­bo­li­schen ge­dreht zu ha­ben pas­siert, wäre doch der Ein­bruch des Rea­len – eben als je­nes „We­ni­ger-als-Nichts“, auf das Szi­zek in sei­nem 1400-Sei­ten He­gel­buch ab­zu­he­ben scheint – das ich noch nicht fer­tig ge­le­sen habe…).
        Wie ge­sagt, ich bin lek­tü­re­mä­ßig Licht­jah­re weit von ih­nen ent­fernt, den­noch deucht mich, dass das er­wähn­te „Vo­ka­bu­lar“ in Sum­me we­nig mit der er­wähn­ten Spal­tung zu tun hat – wo soll­te man die Spal­tung an­set­zen, bei ei­nem, zwei oder mehr Si­gni­fi­kan­ten – der Hin­weis auf den Phal­lus ist gut, set­ze ich ihn als 1:2 kom­me ich ma­the­ma­tisch zwar nicht auf we­ni­ger als Nichts – rea­li­ter ist ein Hal­bes aber auch kein Ding!

        VG
        M. Günter

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