Jacques Lacan
Seminar IX, Die Identifizierung
(XII) Sitzung vom 7. März 1962
Übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Max Kleiner und Rolf Nemitz
Zuletzt aktualisiert am 28. November 2025
Video von hier
Allgemeines zur Übersetzung
Das Seminar hat 26 Sitzungen. Etwa alle zwei Monate erscheint auf „Lacan entziffern“ die Übersetzung einer weiteren Sitzung. Die bereits veröffentlichten Übersetzungen von Sitzungen dieses Seminars findet man hier.
Die Übersetzung wird zweimal gebracht, zunächst nur deutsch, dann gegenüberstellend: Satz für Satz französisch/deutsch.
Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben, Belege und inhaltliche Erläuterungen.
Die Übersetzung stützt sich auf folgende Vorlagen:
– Stenotypie des Seminars auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse, hier
– Jacques Lacan: L’identification, dit ‚Séminaire IX“. Prononcé à Ste. Anne en 1961–1962. Herausgegeben und erstellt von Michel Roussan. Mit Anmerkungen, kritischem Apparat und Index. Paris 1992. Nicht im Buchhandel, beziehbar durch den Herausgeber, m.roussan2@free.fr
Ausgaben des Identifizierungs-Seminars im Internet:
– französisch: hier (Stenotypie), hier (Staferla), hier (ALI) S. 1547–1966, hier (Chollet), hier (rue CB),
– englische Übersetzungen: hier (Cormac Gallagher), hier (Ben Hooson),
– von Gallagher gelesene Audioaufnahme seiner Übersetzung hier.
Eine von Jacques-Alain Miller herausgegebene offizielle Edition des Seminars gibt es nicht.
Vielen Dank an Peter Müller (Psychoanalytiker in Karlsruhe) für die Überlassung seiner Übersetzung dieses Seminars!
Zur Notation
– Zahlen in geschweiften Klammern und grauer Schrift, z.B. {10}, verweisen auf die Seiten der Transkription, die Roussan als „Daktylographie 1“ bezeichnet; diese Seitenzahlen sind am Rand seiner Ausgabe angegeben und beginnen dort mit einer linken eckigen Klammer, also etwa mit „[10“. Daktylographie 1 ist die Transkription, die man auf der Seite der ELP findet (mit Ausnahme der 20. Sitzung), hier.
– Ein doppelter Bindestrich, also: --, markiert, dass an dieser Stelle ein Satz grammatisch unvollständig abbricht.
– Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.
– Der Schrägstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.
– Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.
– Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.
– Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text..
Sitzung vom 7. März 1962
Deutsch
{1} Beim Zusammenfassen der schwierigen Überlegungen, zu denen wir geführt werden und mit denen ich Sie beim letzten Mal zurückgelassen habe, als ich begann, mich, mit der Privation, dem zu nähern, was den zentralsten Punkt der Struktur der Identifizierung des Subjekts ausmacht, beim Zusammenfassen dieser Überlegungen drängte es mich, mit einer einleitenden Bemerkung erneut anzusetzen; es ist nicht meine Art, den unterbrochenen Faden gänzlich ex abrupto wiederaufzunehmen.
Diese Bemerkungen knüpften an einige der seltsamen Gestalten an, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe und die man – große oder kleine – Philosophen nannte.
Die Bemerkung lautete ungefähr so: Was uns betrifft, ist die Tatsache, dass das Subjekt sich täuscht, für uns alle, Analytiker wie Philosophen, sicherlich die grundlegende Erfahrung. Aber dass sie uns interessiert, liegt offensichtlich und, möchte ich sagen, ausschließlich daran, dass es gesagt werden kann. Und gesagt werden erweist sich als unendlich fruchtbar und in der Analyse weitaus fruchtbarer noch als anderswo, zumindest möchte man das annehmen.
Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass hervorragende Denker die Bemerkung gemacht haben, dass uns, wenn es dabei um das Reale geht, der sogenannte Weg der Berichtigung der Mittel des Wissens durchaus – das ist das mindeste, was man sagen kann – unendlich weit von dem entfernen könnte, was es zu erreichen gilt, das heißt vom Absoluten. Denn wenn es um das Reale schlechthin geht, geht es darum, das zu erreichen, was als unabhängig von all unseren Vertäuungen angestrebt wird; bei der Suche nach dem, was angestrebt wird, ist es das, |{2} was man absolut nennt – werfen Sie am Ende alles ab, also jeden Ballast.
Das, was die Kriterien der Wissenschaft festzulegen suchen, ich meine in philosophischer Perspektive, tendiert zu immer größerer Überfrachtung. Ich spreche hier nicht von jenen Gelehrten, die – weit entfernt von dem, was man glaubt – kaum jemals Zweifel hegen. Im Maße wie das der Fall ist, sind wir uns am ehesten sicher, dass sie sich dem Realen zumindest annähern.
In der philosophischen Perspektive der Wissenschaftskritik müssen wir jedoch einige Anmerkungen machen, vor allem die folgende: Der Terminus, vor dem wir uns, wenn wir mit dieser Kritik vorankommen wollen, am meisten in Acht nehmen sollten, ist der der Erscheinung (apparence), denn die Erscheinung ist keineswegs unser Feind, zumindest wenn es um das Reale geht.

Abb. 1
Nicht ich habe das, was ich Ihnen sage, in diesem einfachen kleinen Bild verkörpert [Abb. 1]; das, worin mir die Realität des Würfels gegeben ist, worin sie mir als Realität ins Auge springt, ist genau die Erscheinung dieser Figur. Wenn ich dieses Bild auf die Funktion einer optischen Täuschung reduziere, wende ich mich ganz einfach vom Würfel ab, das heißt von der Realität, die dieser Kunstgriff Ihnen zeigen soll.
Das Gleiche gilt beispielsweise für die Beziehung zu einer Frau. Jede wissenschaftliche Vertiefung dieser Beziehung wird letztlich zu Formeln führen wie dieser berühmten, die Sie sicherlich aus Colonel Bramble kennen, worin das Objekt, um das es geht, also die Frau, auf das reduziert wird, was es vom wissenschaftlichen Standpunkt aus durchaus ist: ein Agglomerat von Albuminoiden – was mit der Welt der Gefühle, die an besagtes Objekt gebunden sind, offensichtlich nicht so recht zusammenpasst.
{3} Dennoch ist völlig klar, dass das, was ich, wenn Sie gestatten, als Objekttaumel im Begehren bezeichnen möchte, diese Art von Idol, von Verehrung, in der wir uns niederwerfen oder zumindest verneigen, vor einer Hand als solcher --. Lassen Sie uns sogar annehmen, um uns zu diesem Thema, das uns von der Erfahrung geliefert wird, besser verständlich zu machen, dass es nicht an ihrer Hand liegt, denn selbst an einem Ort, der weniger endständig ist, ein bisschen höher, kann etwas Flaum auf dem Unterarm für uns plötzlich diese einzigartige Note annehmen, die uns vor der reinen Wahrnehmung seiner Existenz gewissermaßen erzittern lässt.
Mit der Realität der Frau hat das offensichtlich mehr zu tun als jede Erklärung dessen, was man sexuelle Anziehungskraft nennt, insofern natürlich, als die Erklärung der sexuellen Anziehungskraft im Prinzip voraussetzt, dass es darum geht, ihren Trug in Frage zu stellen, obgleich ihre Realität in genau diesem Trug besteht. Wenn also das Subjekt sich täuscht, kann es unter dem Gesichtspunkt des Absoluten durchaus Recht haben.
*
#Dennoch bleibt es dabei – selbst für uns, die wir uns mit dem Begehren befassen –, dass das Wort Irrtum seinen Sinn bewahrt.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle, meine eigene Schlussfolgerung einzubringen, das heißt, Ihnen das fertige Ergebnis von Überlegungen hierüber darzulegen, deren Fortsetzung eben das ist, was ich heute vorbringen möchte. Ich werde versuchen, Ihnen zu zeigen, dass sie wohlbegründet sind; denn es ist nur möglich, dem Terminus Irrtum eine Bedeutung zu geben, in jedem Bereich und nicht nur in unserem – das ist eine gewagte Behauptung, setzt aber voraus, dass ich der Auffassung bin, diese Frage umrundet zu haben (um einen Ausdruck zu verwenden, auf den ich im Verlauf meines heutigen Vortrags werde |{4} zurückkommen müssen) –, dass es sich, wenn das Wort Irrtum für das Subjekt eine Bedeutung hat, nur um einen Irrtum in seiner Zählung handeln kann. Anders gesagt, für jedes Subjekt, das nicht zählt, gilt, dass es keinen Irrtum begehen kann.
Das ist keineswegs offensichtlich; man muss eine gewisse Anzahl von Richtungen sondiert haben, um zu sehen, dass man annimmt – an diesem Punkt bin ich angelangt und ich bitte Sie, mir zu folgen –, dass es nur dies gibt, um die Sackgassen zu öffnen, die Divertikel, in denen man sich bei dieser Frage verfangen hat.
Das heißt natürlich, dass die Tätigkeit des Zählens für das Subjekt schon früh beginnt. Ich habe so einiges von jemandem wiedergelesen, von dem jeder weiß, dass ich für ihn keine besondere Vorliebe hege, trotz der großen Wertschätzung und des Respekts, den sein Werk verdient und trotz des unbestreitbaren Charmes, den seine Person ausstrahlt – ich spreche von Herrn Piaget, und dies keineswegs, um irgendjemandem davon abzuraten, ihn zu lesen. Ich habe mich also nochmals an die Lektüre von Die Entwicklung des Zahlbegriffs beim Kinde gemacht. Es ist verwirrend, dass man glauben kann, man könne den Moment, in dem bei einem Subjekt die Funktion der Zahl erscheint, dadurch entdecken, dass man ihm Fragen stellt, die in irgendeiner Weise die Antwort implizieren, selbst wenn diese Fragen mittels eines Materials gestellt werden, von dem man vielleicht annimmt, dass es den absichtsvollen Charakter der Frage ausschließt. Eines kann man sagen, bei dieser Art des Vorgehens handelt es sich letztlich wohl eher um ein Trugbild. Was das Kind zu verkennen scheint – es ist überhaupt nicht sicher, dass dies nicht genau von den |{5} Bedingungen des Experiments abhängt.
Die Stärke dieses Gebiets ist jedoch derart, dass man durchaus nicht sagen kann, dass es nicht viel zu lernen gäbe, nicht so sehr in Bezug auf das Wenige, was zu den angeblichen Stadien des Zahlerwerbs beim Kind letztlich zusammengetragen wird, als vielmehr von den grundsätzlichen Überlegungen von Herrn Piaget – der sicherlich ein weit besserer Logiker als Psychologe ist –, über die Beziehungen zwischen Psychologie und Logik. Und vor allem ein Werk – leider unauffindbar, 1942 bei Vrin erschienen, mit dem Titel Classes, relations et nombres – ist hier sehr instruktiv, weil darin die strukturellen logischen Beziehungen zwischen Klassen, Relationen und Zahlen herausgearbeitet werden, also alles, was man danach oder davor beim Kind wiederzufinden vorgibt und was offensichtlich bereits a priori konstruiert ist. Und mit vollem Recht <kann man sagen>, das Experiment zeigt uns hier nur das, was man, um es zu finden, zunächst organisiert hat.
Das ist eine Parenthese, die bestätigt, dass das Subjekt zählt, lange bevor es seine Talente auf irgendeine Sammlung anwendet, auch wenn das natürlich eine seiner ersten konkreten psychologischen Tätigkeiten ist: Sammlungen anzulegen. Als Subjekt ist es jedoch in die Komputation genannte Beziehung auf weitaus radikaler konstitutive Weise eingebunden, als man sich vorstellen mag, ausgehend vom Funktionieren seines Sensoriums und seiner Motorik.
Ein weiteres Mal übersteigt Freuds Genie die Taubheit, wenn ich so sagen darf, derer, an die er sich wendet, wie umfangreich die Hinweise auch sein mögen, die er ihnen gibt und die zum einen Ohr hinein- und |{6} zum anderen wieder hinausgehen – was sicherlich den Appell von Herrn Theodor Reik an das mystische dritte Ohr begründet, der damals <allerdings> nicht besonders inspiriert war, denn was soll ein drittes Ohr, wenn man mit den beiden, die man bereits hat, nichts hört?
Das fragliche Sensorium – wenn man dem folgt, was Freud uns lehrt –, wozu dient es? Bedeutet das für uns nicht, dass es nur dazu dient, uns zu zeigen, dass das, was im Kalkül des Subjekts bereits da ist, durchaus real ist und sehr wohl existiert? Jedenfalls ist es das, was Freud sagt, mit ihm [mit dem Sensorium] beginnt das Existenzurteil, es dient dazu, die Rechnungen / die Konten zu überprüfen – was für jemanden, den man in direkter Linie mit dem Positivismus des 19. Jahrhunderts verbindet, doch wohl eine eigenartige Position ist.
Nehmen wir also die Dinge dort wieder auf, wo wir sie zurückgelassen haben, denn es geht um das Rechnen und um die Basis und die Grundlage des Rechnens für das Subjekt: um den unären Zug.
Denn wenn die Funktion des Zählens so früh beginnt, dann sollten wir in Bezug auf das, was das Subjekt über eine höhere Zahl wissen kann, sicherlich nicht zu schnell voranschreiten. Es erscheint kaum denkbar, dass zwei und drei nicht ziemlich bald folgen. Wenn man uns aber erzählt, dass einige sogenannte primitive Stämme im Bereich der Amazonas-Mündung erst vor kurzem die Vorzüge der Zahl vier entdecken konnten und dass sie ihr Altäre errichtet haben, dann beeindruckt mich nicht die pittoreske Seite dieser „Geschichte von den Wilden“. Das scheint mir sogar selbstverständlich zu sein, denn wenn der unäre Zug das ist, was ich Ihnen sage, nämlich die Differenz, und die Differenz, die neben sich das Fortbestehen von eins, dazu eins und noch eins dazu [1+1+1] nicht nur unterstützt, sondern voraussetzt – wobei das plus nur dazu dient, das radikale Fortbestehen dieser Differenz deutlich zu markieren –, dann beginnt |{7} das Problem eben damit, dass man sie addieren kann, anders gesagt, dass zwei und drei einen Sinn haben. Wenn man das von diesem Ende her angeht, bekommt man reichlich Schwierigkeiten, das sollte einen jedoch nicht überraschen. Wenn Sie die Dinge andersherum angehen, also von der Drei ausgehen, so wie John Stuart Mill, wird es Ihnen niemals gelingen, die Eins wiederzufinden; die Schwierigkeit ist dieselbe.
Für uns hier – ich weise Sie am Rande darauf hin, mit unserer Art, die sprachlichen Tatsachen im Hinblick auf den Signifikanten-Effekt zu befragen, insofern wir gewohnt sind, diesen Signifikanten-Effekt auf der Ebene der Metonymie zu erkennen –, für uns wird es einfacher sein als für einen Mathematiker, unseren Schüler aufzufordern, in jeglicher Zahlenbedeutug einen Metonymie-Effekt zu erkennen, der virtuell, wie aus ihrem elektiven Punkt, aus nicht mehr hervorgegangen ist als aus der Abfolge einer gleichen Anzahl von Signifikanten. Dadurch, dass etwas geschieht, das allein aus der Sukzession mit der Ausdehnung x einer gewissen Anzahl von unären Zügen Sinn schlägt, kann zum Beispiel die Zahl drei Sinn ergeben, das heißt, dass dies Sinn ergibt, dass es einen hat oder nicht hat; und auf Englisch das Wort and zu schreiben, wäre vielleicht auch hier die beste Art, das Auftauchen der Zahl drei anzuzeigen, denn es hat drei Buchstaben.
Von unserem unären Zug müssen wir nicht so viel verlangen, denn wir wissen, dass auf der Ebene der Freud-Sukzession – wenn Sie mir diese Formulierung gestatten – der unäre Zug etwas bezeichnet, das für diese Erfahrung radikal und ursprünglich ist, nämlich die Einzigkeit als solche einer Runde in der Wiederholung.
{8} Ich glaube, ich habe Ihnen hinreichend deutlich gemacht, dass sich der Begriff der Wiederholungsfunktion im Unbewussten radikal von jedem natürlichen Kreislauf unterscheidet, in dem Sinne, dass das, was betont wird, nicht seine Wiederkehr ist, sondern insofern das, was vom Subjekt gesucht wird, seine signifikante Einzigkeit ist. Und insofern durch eine der Runden der Wiederholung, wenn man so sagen darf, das Subjekt markiert wurde, das nun beginnt, das zu wiederholen, was es natürlich nur wiederholen kann, da es immer nur eine Wiederholung sein wird, jedoch mit dem Ziel, jedoch mit der Absicht, durch eine seiner Runden das ursprüngliche Unäre wieder auftauchen zu lassen.
Bei dem, was ich Ihnen gerade gesagt habe, muss ich nicht eigens betonen, dass sich das bereits abspielt, bevor das Subjekt richtig zählen kann. Jedenfalls deutet nichts darauf hin, dass es nötig wäre, die Runden dessen, was es wiederholt, sehr weit zu zählen, denn es wiederholt, ohne es zu wissen.
Es ist nicht weniger wahr, dass das Faktum der Wiederholung in diesem ursprünglichen Unären verwurzelt ist und dass dieses Unäre als solches eng verbunden und koextensiv ist mit der Struktur des Subjekts selbst, insofern dieses im Freud’schen Sinne als wiederholend begriffen wird.
*
Was ich Ihnen heute zeigen will, durch ein Beispiel und mit einem Modell, das ich einführen möchte, was ich Ihnen heute also zeigen will, ist Folgendes: Es ist nicht notwendig, dass es zählen kann, damit man sagen und beweisen kann, mit welcher konstituierenden Notwendigkeit es sich in seiner Funktion als Subjekt verzählen wird. Es ist nicht notwendig, dass es zählen kann, nicht einmal, dass es zu zählen versucht, damit der Zählfehler für es als Subjekt konstituierend ist. Als solcher ist er der Fehler.
{9} Wenn die Dinge so sind, wie ich Ihnen sage, könnten Sie sich sagen, dass, auf dieser Grundlage, der Fehler lange andauern kann, und das stimmt. Es stimmt so sehr, dass es Auswirkungen nicht nur auf das Individuum hat, es wirkt sich auf die grundlegendsten Merkmale dessen aus, was man Denken nennt.
Lassen Sie uns für einen Moment das Thema des Denkens festhalten, bei dem allerdings eine gewisse Vorsicht geboten ist – Sie wissen, dass es mir daran nicht mangelt. Es ist gar nicht so sicher, dass man sich gültig darauf beziehen kann, als wäre es eine Dimension, die man im strengen Sinne als ein Gattungsmerkmal ansehen könnte. Nehmen wir es dennoch als ein solches: das Denken der menschlichen Gattung.
Es ist wohl klar, dass ich nicht ohne Grund mehr als einmal, unvermeidlicherweise, den Vorstoß gemacht habe, seit Beginn meiner Rede in diesem Studienjahr, die Funktion der Klasse und ihre Beziehung zum Universalen in Frage zu stellen, bis dahin sogar, dass dies in gewisser Weise die Kehrseite und das Gegenteil der gesamten Ausführungen ist, die ich Ihnen hier erfolgreich vorzutragen suche. Erinnern Sie sich bitte an dieser Stelle einfach nur an das, was ich Ihnen anhand der kleinen exemplarischen Kreisscheibe zu zeigen versuchte habe, auf der ich mich bemüht habe, die Beziehung des Universalen zum Partikulären sowie der bejahenden beziehungsweise der verneinenden Aussagen neu für Sie zu artikulieren.
Einheit (unité) und Gesamtheit (totalité) erscheinen hier traditionell als zusammengehörig, und nicht zufällig komme ich, um die ihnen zu Grunde liegende Kategorie aufzubrechen, immer wieder darauf zurück. Einheit und Gesamtheit, beide zusammengehörend und miteinander verbunden, in einer Beziehung, die man als die einer Inklusion bezeichnen kann, |{10} wobei die Gesamtheit eine Gesamtheit in Bezug auf die Einheiten ist, die einzelne Einheit jedoch das ist, worauf die Gesamtheit als solche sich gründet, indem sie die Einheit in Richtung dieser anderen Bedeutung zieht – entgegengesetzt zu derjenigen, die ich davon unterscheide –, nämlich die Einheit eines Ganzen (tout) zu sein.
Um diesen Punkt dreht sich das Missverständnis in der sogenannten Klassenlogik, das jahrhundertealte Missverständnis über Extension und Intension, auf das in der Tradition offenbar zunehmend Wert gelegt wurde, wenn es stimmt – um die Dinge aus der Perspektive von etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zu betrachten, aus der Feder eines Hamilton –, wenn es denn stimmt, dass dies erst ausgehend von Descartes klar formuliert wurde und dass die Logik von Port-Royal, wie Sie wissen, der Lehre von Descartes nachgebildet ist. Obendrein stimmt es nicht mal, denn es gibt ihn schon ziemlich lange, seit Aristoteles selbst, diesen Gegensatz von Umfang und Inhalt.
Man kann allerdings sagen, dass er uns beim Umgang mit Klassen Schwierigkeiten bereitet, die immer weniger gelöst sind; von daher all die Bemühungen, die die Logik unternommen hat, um den Kern des Problems anderswohin zu verlagern, etwa zur Quantifizierung der Aussagen.
Aber warum sollten wir nicht sehen, dass uns in der Struktur der Klasse selbst, der Klasse als solcher, ein neuer Ausgangspunkt geboten wird, dann nämlich, wenn wir, als grundlegende Beziehung, die der Inklusion durch die der Exklusion ersetzen? Anders gesagt, wenn wir, hinsichtlich des Subjekts, als logisch ursprünglich Folgendes ansehen – was nicht meine Entdeckung ist, was in Reichweite eines Logikers der Mittelklasse liegt –, nämlich dass die wahre Grundlage der Klasse weder ihr Umfang ist noch ihr Inhalt, dass die Klasse vielmehr stets die |{11} Klassifizierung voraussetzt. Anders gesagt, die Säugetiere beispielsweise – um sofort klarzustellen, worum es mir geht –, das ist das, was man innerhalb der Wirbeltiere durch den unären Zug Mamma ausschließt. Was heißt das? Das heißt, das ursprüngliche Faktum besteht darin, dass der unäre Zug fehlen kann, dass es zunächst Abwesenheit von Mamma gibt, und dass man <dann> sagt: Hier kann es nicht sein, dass die Mamma fehlt. Das ist das, wodurch die Klasse der Säugetiere konstituiert wird.
Betrachten Sie die Dinge dort, wo man steckengeblieben ist, das heißt, öffnen Sie doch noch einmal die Abhandlungen, um die tausend kleinen Aporien durchzugehen, die Ihnen von der formalen Logik geboten werden, und Sie werden sehen, dass dies die einzig mögliche Definition einer Klasse ist, wenn Sie ihr wirklich ihren universalen Status sichern wollen, insofern dieser, zugleich mit der Klasse, nach einer Seite hin einerseits die Möglichkeit ihrer Nichtexistenz konstituiert, die zusammen mit dieser Klasse möglich ist, denn Sie können, als dem Universalen fehlend, ebenso gültig diejenige Klasse definieren, zu der kein Individuum gehört, und das wäre dann nicht weniger eine universal konstituierte Klasse – zusammen <andererseits> mit der Versöhnung, möchte ich sagen, dieser extremen Möglichkeit mit dem normativen Wert eines jeden universalen Urteils, normativ insofern, als es jede Schlussfolgerung, die induktiv ist, also aus Erfahrung hervorgegangen ist, nur transzendieren kann.

Abb. 2
Das ist der Sinn der kleinen Kreisscheibe, die ich Ihnen vorgestellt hatte [Abb. 2], bezogen auf die Klasse, die unter den anderen gebildet werden soll, nämlich der senkrechte Strich.
Das Subjekt stellt zunächst die Abwesenheit eines solchen Strichs dar, als solches ist es selbst das Viertel oben rechts.
Der Zoologe – wenn Sie mir gestatten, so weit zu gehen – bildet die Klasse der Säugetiere nicht aus der angenommenen Gesamtheit der mütterlichen Mamma, sondern deshalb, weil er sich von der Mamma löst, kann er die Abwesenheit von Mamma identifizieren.

Abb. 3
Das Subjekt als solches ist hierbei (–1) [Abb. 3: Quadrant 1].
Ausgehend von hier, vom unären Zug, insofern er ausgeschlossen ist, legt er dann fest, dass es eine Klasse gibt, bei der es universell keine Abwesenheit von Mamma geben kann: minus minus eins, –(–1) [Abb. 3: Quadrant 2].
Und das ist der Ausgangspunkt, von dem her alles sich ordnet, vor allem in den partikulären Fällen: in dem Allerlei, da gibt es welche [Abb. 3: Quadrant 3] oder es gibt hier keine [Quadrant 4].
Ein kontradiktorischer Gegensatz stellt sich in der Diagonalen her, und das ist der einzige echte Widerspruch, der auf der Ebene der Herstellung der Dialektik universal – partikulär undverneinend – bejahend Bestand hat: durch den unären Zug.
Damit ordnet sich alles in dem Allerlei auf der unteren Ebene: es gibt welche oder es gibt keine, und dies kann nur insofern existieren, als auf der oberen Etage, durch Ausschließen des Strichs / des Zugs, die Etage der Allgültigen gebildet wird beziehungsweise dessen, was als alles gilt.
Wie zu erwarten war, ist es also das Subjekt, von dem die Privation eingeführt wird, und zwar durch den Äußerungsakt, der sich im Wesentlichen |{13} so formulieren lässt: „Se pourrait-il qu’il n’y ait mamme?“, „Könnte es nicht sein, dass es Brust gibt?“, ein ne, ein nicht, das nicht negativ ist, ein ne, das ganz streng von derselben Natur ist wie das, was man in der französischen Grammatik als „expletives ne“ bezeichnet.
„Könnte es nicht sein, dass es Mamma gibt? Pas possible – rien peut-être, Nicht möglich – nichts vielleicht“, das ist der Beginn einer jeden Äußerung des Subjekts, die sich auf das Reale bezieht.
In der ersten Runde geht es darum, die Rechte des obenstehenden „nichts“ zu wahren [Quadrant 1], denn es ist dieses „nichts“, das unten [in den Quadranten 3 und 4] das „vielleicht“ erschafft, das „kann-sein“, das heißt die Möglichkeit.
Es ist keineswegs so, dass man als Axiom sagen könnte – und darin besteht der erstaunliche Irrtum der gesamten abstrakten Deduktion des Transzendentalen –, es ist keineswegs so, dass man sagen könnte, alles Reale sei möglich, vielmehr erscheint das Reale nur ausgehend vom „nicht möglich“. Was das Subjekt sucht, ist dieses Reale als genau nicht möglich, das ist die Ausnahme.
Und dieses Reale existiert sehr wohl. Man kann sagen, dass es am Ursprung jeder Äußerung genau nur das „nicht möglich“ gibt, aber man sieht das daran, dass es das Ausgesagte des „nichts“ ist, wovon sie ausgeht.
Dies – um es klar zu sagen – wird bereits in meiner dreigliedrigen Aufzählung Privation – Frustration – Kastration gesichert und erhellt, so wie ich kürzlich angekündigt habe, dass wir sie entwickeln würden.
Und einige sind darüber beunruhigt, dass ich der Verwerfung* keinen Platz eingeräumt habe. Sie ist bereits vorher da, es ist jedoch unmöglich, von ihr auf deduzierbare Weise auszugehen. Zu sagen, dass das Subjekt sich zuerst als (–1) konstituiert, das ist ja etwas, woraus Sie ersehen können, dass wir es, wie zu erwarten, tatsächlich als verworfen* wiederfinden werden; um allerdings zu erkennen, dass dies stimmt, muss man einen tollen Trick anwenden / eine verdammte Runde drehen. Und genau das werde ich jetzt anzugehen versuchen. |{14} Dafür muss ich meine Karten auf den Tisch legen – was, wie Sie sich vorstellen können, nicht immer ohne Zittern geschieht – und Ihnen einen meiner Tricks verraten / eine meiner Runden vorführen, was ich natürlich schon lange vorbereitet habe.
Ich meine, wenn Sie im Rom-Vortrag nachschauen, werden Sie dafür bereits irgendwo den Platz angezeigt finden: ich spreche dort über die Struktur des Subjekts als der eines Rings.
--- zweite Hälfte der Übersetzung fehlt noch ---
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Französisch/Deutsch
{1} En regroupant les pensées difficiles auxquelles nous sommes amenés, sur lesquelles je vous ai laissés la dernière fois, en commençant d’aborder par la privation ce qui concerne le point le plus central de la structure de l’identification du sujet, en regroupant ces pensées je me prenais à repartir de quelque remarque introductive… il n’est pas de ma coutume de reprendre absolument ex abrupto sur le fil interrompu.
Beim Zusammenfassen der schwierigen Überlegungen, zu denen wir geführt werden und mit denen ich Sie beim letzten Mal zurückgelassen habe, als ich begann, mich, mit der Privation, dem zu nähern, was den zentralsten Punkt der Struktur der Identifizierung des Subjekts ausmacht, beim Zusammenfassen dieser Überlegungen drängte es mich, mit einer einleitenden Bemerkung erneut anzusetzen; es ist nicht meine Art, den unterbrochenen Faden gänzlich ex abrupto wiederaufzunehmen.
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Ces remarques faisaient écho à quelques-uns de ces étranges personnages dont je vous parlais la dernière fois, que l’on appelait les philosophes, grands ou petits.
Diese Bemerkungen knüpften an einige der seltsamen Gestalten an, von denen ich das letzte Mal gesprochen habe und die man – große oder kleine – Philosophen nannte.
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Cette remarque était à peu près celle-ci : en ce qui nous concerne, que le sujet se trompe, c’est assurément là, pour nous tous, analystes autant que philosophes, l’expérience inaugurale.
Die Bemerkung lautete ungefähr so: Was uns betrifft, ist die Tatsache, dass das Subjekt sich täuscht, für uns alle, Analytiker wie Philosophen, sicherlich die grundlegende Erfahrung.
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Mais qu’elle nous intéresse, nous, c’est manifestement, et je dirai exclusivement en ceci : qu’il peut se dire.
Aber dass sie uns interessiert, liegt offensichtlich und, möchte ich sagen, ausschließlich daran, dass es gesagt werden kann.1.
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Et se dire se démontre infiniment fécond, et plus spécialement fécond dans l’analyse qu’ailleurs, du moins on aime à le supposer.
Und gesagt werden erweist sich als unendlich fruchtbar und in der Analyse weitaus fruchtbarer noch als anderswo, zumindest möchte man das annehmen.
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Or n’oublions pas que la remarque a été faite par d’éminents penseurs que si, ce dont il s’agit en l’affaire, c’est du réel, la voie dite de la rectification des moyens du savoir pourrait bien, c’est le moins qu’on puisse dire, nous éloigner indéfiniment de ce qu’il s’agit d’atteindre, c’est-à-dire de l’absolu.
Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass hervorragende Denker die Bemerkung gemacht haben, dass uns, wenn es dabei um das Reale geht, der sogenannte Weg der Berichtigung der Mittel des Wissens durchaus – das ist das mindeste, was man sagen kann – unendlich weit von dem entfernen könnte, was es zu erreichen gilt, da heißt vom Absoluten.
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Car s’il s’agit du réel tout court, il s’agit de cela : il s’agit d’atteindre ce qui est visé comme indépendant de toutes nos amarres – dans la recherche de ce qui est visé, c’est ce |{2} qu’on appelle absolu – : larguez tout à la fin, toute surcharge donc.
Denn wenn es um das Reale schlechthin geht, geht es darum, das zu erreichen, das zu erreichen, was als unabhängig von all unseren Vertäuungen angestrebt wird; bei der Suche nach dem, was angestrebt wird, ist es das, was man absolut nennt – werfen Sie am Ende alles ab, also jeden Ballast.2
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C’est toujours une façon plus surchargée que tendent à établir les critères de la science, dans la perspective philosophique j’entends.
Das, was die Kriterien der Wissenschaft festzulegen suchen, ich meine in philosophischer Perspektive, tendiert zu immer größerer Überfrachtung.3
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Je ne parle pas là de ces savants qui, eux, bien loin de ce que l’on croit, ne doutent guère.
Ich spreche hier nicht von jenen Gelehrten, die – weit entfernt von dem, was man glaubt – kaum jemals Zweifel hegen.4
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C’est dans cette mesure que nous sommes les plus sûrs de ce qu’ils approchent au moins le réel.
Im Maße wie das der Fall ist, sind wir uns am ehesten sicher, dass sie sich dem Realen zumindest annähern.
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Dans la perspective philosophique de la critique de la science, nous devons, nous, faire quelques remarques, et nommément : le terme dont nous devons le plus nous méfier, pour nous avancer dans cette critique, c’est du terme d’apparence, car l’apparence est bien loin d’être notre ennemie, tout au moins quand il s’agit du réel.
In der philosophischen Perspektive der Wissenschaftskritik müssen wir jedoch einige Anmerkungen machen, vor allem die folgende: Der Terminus, vor dem wir uns, wenn wir mit dieser Kritik vorankommen wollen, am meisten in Acht nehmen sollten, ist der der Erscheinung (apparence), denn die Erscheinung ist keineswegs unser Feind, zumindest wenn es um das Reale geht.5
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Abb. 1
Ce n’est pas moi qui ai fait incarner ce que je vous dis dans cette simple petite image [Abb. 1], c’est bien dans l’apparence de cette figure que m’est donnée la réalité du cube, qu’elle me saute aux yeux comme réalité.
Nicht ich habe das, was ich Ihnen sage, in diesem einfachen kleinen Bild verkörpert [Abb. 1]; das, worin mir die Realität des Würfels gegeben ist, worin sie mir als Realität ins Auge springt, ist genau die Erscheinung dieser Figur.6
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À réduire cette image à la fonction d’illusion d’optique, je me détourne tout simplement du cube, c’est-à-dire de la réalité que cet artifice est fait pour vous montrer.
Wenn ich dieses Bild auf die Funktion einer optischen Täuschung reduziere, wende ich mich ganz einfach vom Würfel ab, das heißt von der Realität, die dieser Kunstgriff Ihnen zeigen soll.
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Il en est de même pour la relation à une femme, par exemple.
Das Gleiche gilt beispielsweise für die Beziehung zu einer Frau.
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Tout approfondissement scientifique de cette relation ira, en fin de compte, à celle des formules, comme celle, célèbre, que vous connaissez sûrement, du Colonel Bramble, qui réduit l’objet dont il s’agit, la femme en question, à ce qu’il en est juste du point de vue scientifique : un agglomérat d’albuminoïdes, ce qui évidemment n’est pas très accordé au monde de sentiments qui sont attachés audit objet.
Jede wissenschaftliche Vertiefung dieser Beziehung wird letztlich zu Formeln führen wie dieser berühmten, die Sie sicherlich aus Colonel Bramble kennen, worin das Objekt, um das es geht, also die Frau, auf das reduziert wird, was es vom wissenschaftlichen Standpunkt aus durchaus ist: ein Agglomerat von Albuminoiden – was mit der Welt der Gefühle, die an besagtes Objekt gebunden sind, offensichtlich nicht so recht zusammenpasst.7
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{3} Il est tout de même tout à fait clair que ce que j’appellerai, si vous le permettez, le vertige d’objet dans le désir : cette espèce d’idole, d’adoration qui peut nous prosterner, ou au moins nous infléchir, devant une main comme telle …
Dennoch ist völlig klar, dass das, was ich, wenn Sie gestatten, als Objekttaumel im Begehren bezeichnen möchte, diese Art von Idol, von Verehrung, in der wir uns niederwerfen oder zumindest verneigen, vor einer Hand als solcher --.
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Disons même, pour mieux nous faire entendre sur le sujet que l’expérience nous livre, que ce n’est pas parce que c’est sa main, puisqu’en un lieu même moins terminal, un peu plus haut, quelque duvet sur l’avant-bras peut prendre pour nous soudain ce goût unique qui nous fait en quelque sorte trembler devant cette appréhension pure de son existence.
Lassen Sie uns sogar annehmen, um uns zu diesem Thema, das uns von der Erfahrung geliefert wird, besser verständlich zu machen, dass es nicht an ihrer Hand liegt, denn selbst an einem Ort, der weniger endständig ist, ein bisschen höher, kann etwas Flaum auf dem Unterarm für uns plötzlich diese einzigartige Note annehmen, die uns vor der reinen Wahrnehmung seiner Existenz gewissermaßen erzittern lässt.8
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Il est bien évident que ceci a plus de rapport avec la réalité de la femme que n’importe quelle élucidation de ce que l’on appelle l’attrait sexuel, pour autant bien sûr que d’élucider l’attrait sexuel pose en principe qu’il s’agit de mettre en question son leurre, alors que ce leurre c’est sa réalité même.
Mit der Realität der Frau hat das offensichtlich mehr zu tun als jede Erklärung dessen, was man sexuelle Anziehungskraft nennt, insofern natürlich, als die Erklärung der sexuellen Anziehungskraft im Prinzip voraussetzt, dass es darum geht, ihren Trug in Frage zu stellen, obgleich ihre Realität in genau diesem Trug besteht.9
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Donc, si le sujet se trompe, il peut avoir bien raison du point de vue de l’absolu.
Wenn also das Subjekt sich täuscht, kann es unter dem Gesichtspunkt des Absoluten durchaus Recht haben.10
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Il reste quand même, et même pour nous qui nous occupons du désir, que le mot d’erreur garde son sens.
Dennoch bleibt es dabei – selbst für uns, die wir uns mit dem Begehren befassen –, dass das Wort Irrtum seinen Sinn bewahrt.
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Ici, permettez-moi de donner ce en quoi je conclus quant à moi, à savoir de vous donner comme achevé le fruit là-dessus d’une réflexion dont la suite est précisément ce que je vais avancer aujourd’hui.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle, meine eigene Schlussfolgerung einzubringen, das heißt, Ihnen das fertige Ergebnis von Überlegungen hierüber darzulegen, deren Fortsetzung eben das ist, was ich heute vorbringen möchte.
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Je vais tenter de vous en montrer le bien fondé : c’est qu’il n’est possible de donner un sens à ce terme d’erreur, en tout domaine et pas seulement dans le nôtre – c’est une affirmation osée, mais cela suppose que je considère que (pour employer une expression sur laquelle j’aurai à |{4} revenir dans le cours de ma leçon d’aujourd’hui) j’ai bien fait le tour de cette question –, il ne peut s’agir, si ce mot d’erreur a un sens pour le sujet, que d’une erreur dans son compte.
Ich werde versuchen, Ihnen zu zeigen, dass sie wohlbegründet sind; denn es ist nur möglich, dem Terminus Irrtum eine Bedeutung zu geben, in jedem Bereich und nicht nur in unserem – das ist eine gewagte Behauptung, setzt aber voraus, dass ich der Auffassung bin, diese Frage umrundet zu haben (um einen Ausdruck zu verwenden, auf den ich im Verlauf meines heutigen Vortrags werde zurückkommen müssen) –, dass es sich, wenn das Wort Irrtum für das Subjekt eine Bedeutung hat, nur um einen Irrtum in seiner Zählung handeln kann.
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Autrement dit, pour tout sujet qui ne compte pas, il ne saurait y avoir d’erreur.
Anders gesagt, für jedes Subjekt, das nicht zählt, gilt, dass es keinen Irrtum begehen kann.
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Ce n’est pas une évidence ; il faut avoir tâté dans un certain nombre de directions pour s’apercevoir qu’on croit – c’est là que j’en suis, et je vous prie de me suivre – qu’il n’y a que cela qui ouvre les impasses, les diverticules dans lesquels on s’est engagé autour de cette question.
Das ist keineswegs offensichtlich; man muss eine gewisse Anzahl von Richtungen sondiert haben, um zu sehen, dass man annimmt – an diesem Punkt bin ich angelangt und ich bitte Sie, mir zu folgen –, dass es nur dies gibt, um die Sackgassen zu öffnen, die Divertikel, in denen man sich bei dieser Frage verfangen hat.
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Ceci bien sûr veut dire que cette activité de compter, pour le sujet, cela commence tôt.
Das heißt natürlich, dass die Tätigkeit des Zählens für das Subjekt schon früh beginnt.
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J’ai fait une ample relecture de quelqu’un dont chacun sait que je n’ai pas pour lui des penchants affines, malgré la grande estime et le respect que mérite son ?uvre, et en plus le charme incontestable que répand sa personne, j’ai nommé monsieur Piaget – ce n’est pas pour déconseiller à quiconque de le lire !
Ich habe so einiges von jemandem wiedergelesen, von dem jeder weiß, dass ich für ihn keine besondere Vorliebe hege, trotz der großen Wertschätzung und des Respekts, den sein Werk verdient und trotz des unbestreitbaren Charmes, den seine Person ausstrahlt – ich spreche von Herrn Piaget, und dies keineswegs, um irgendjemandem davon abzuraten, ihn zu lesen.
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J’ai donc fait la relecture de La genèse du nombre chez l’enfant.
Ich habe mich also nochmals an die Lektüre von Die Entwicklung des Zahlbegriffs beim Kinde gemacht.11
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C’est confondant qu’on puisse croire pouvoir détecter le moment où apparaît chez un sujet la fonction du nombre en lui posant des questions qui, en quelque sorte, impliquent leur réponse, même si ces questions sont posées par l’intermédiaire d’un matériel dont on s’imagine peut-être qu’il exclut le caractère orienté de la question.
Es ist verwirrend, dass man glauben kann, man könne den Moment, in dem bei einem Subjekt die Funktion der Zahl erscheint, dadurch entdecken, dass man ihm Fragen stellt, die in irgendeiner Weise die Antwort implizieren, selbst wenn diese Fragen mittels eines Materials gestellt werden, von dem man vielleicht annimmt, dass es den absichtsvollen Charakter der Frage ausschließt.
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On peut dire une seule chose, qu’en fin de compte c’est bien plutôt d’un leurre qu’il s’agit dans cette façon de procéder.
Eines kann man sagen, bei dieser Art des Vorgehens handelt es sich letztlich wohl eher um ein Trugbild.
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Ce que l’enfant paraît méconnaître, il n’est pas du tout sûr que cela ne tienne pas du tout aux |{5} conditions mêmes de l’expérience.
Was das Kind zu verkennen scheint – es ist überhaupt nicht sicher, dass dies nicht genau von den Bedingungen des Experiments abhängt.
Mais la force de ce terrain est telle qu’on ne peut dire qu’il n’y ait pas beaucoup à instruire, non pas tellement dans le peu qui est enfin recueilli des prétendus stades de l’acquisition du nombre chez l’enfant, que des réflexions foncières de monsieur Piaget, qui est certainement bien meilleur logicien que psychologue, concernant les rapports de la psychologie et de la logique.
Die Stärke dieses Gebiets ist jedoch derart, dass man durchaus nicht sagen kann, dass es nicht viel zu lernen gäbe, nicht so sehr in Bezug auf das Wenige, was zu den angeblichen Stadien des Zahlerwerbs beim Kind letztlich zusammengetragen wird, als vielmehr von den grundsätzlichen Überlegungen von Herrn Piaget – der sicherlich ein weit besserer Logiker als Psychologe ist –, über die Beziehungen zwischen Psychologie und Logik.
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Et nommément c’est ce qui rend un ouvrage – malheureusement introuvable, paru chez Vrin en 1942, qui s’appelle Classes, relations et nombres – un ouvrage très instructif, parce que là on y met en valeur les relations structurales, logiques, entre classes, relations et nombres, à savoir tout ce qu’on prétend par la suite ou auparavant retrouver chez l’enfant qui manifestement est déjà construit a priori.
Und vor allem ein Werk – leider unauffindbar, 1942 bei Vrin erschienen, mit dem Titel Classes, relations et nombres – ist hier sehr instruktiv, weil darin die strukturellen logischen Beziehungen zwischen Klassen, Relationen und Zahlen herausgearbeitet werden, also alles, was man danach oder davor beim Kind wiederzufinden vorgibt und was offensichtlich bereits a priori konstruiert ist.12
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Et à très juste titre l’expérience ne nous montre là que ce que l’on a organisé pour [le] trouver tout d’abord.
Und mit vollem Recht <kann man sagen>, das Experiment zeigt uns hier nur das, was man, um es zu finden, zunächst organisiert hat.
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C’est une parenthèse confirmant ceci : c’est que le sujet compte, bien avant que d’appliquer ses talents à une collection quelconque, encore que, bien entendu, ce soit une de ses premières activités concrètes, psychologiques, que de constituer des collections.
Das ist eine Parenthese, die bestätigt, dass das Subjekt zählt, lange bevor es seine Talente auf irgendeine Sammlung anwendet, auch wenn das natürlich eine seiner ersten konkreten psychologischen Tätigkeiten ist: Sammlungen anzulegen.
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Mais il est impliqué comme sujet dans la relation dite du comput de façon bien plus radicalement constituante qu’on ne veut l’imaginer, à partir du fonctionnement de son sensorium et de sa motricité.
Als Subjekt ist es jedoch in die Komputation genannte Beziehung auf weitaus radikaler konstitutive Weise eingebunden, als man sich vorstellen mag, ausgehend vom Funktionieren seines Sensoriums und seiner Motorik.13
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Une fois de plus ici, le génie de Freud dépasse la surdité, si je puis dire, de ceux à qui il s’adresse, de toute l’ampleur exactement des avertissements qu’il leur donne, et qui entrent par une oreille et sortent |{6} par l’autre, ceci justifiant sans doute l’appel à la troisième oreille mystique de monsieur Theodor Reik, qui n’a pas été ce jour-là le mieux inspiré, car à quoi bon une troisième oreille, si on n’entend rien avec les deux qu’on a déjà !
Ein weiteres Mal übersteigt Freuds Genie die Taubheit, wenn ich so sagen darf, derer, an die er sich wendet, wie umfangreich die Hinweise auch sein mögen, die er ihnen gibt und die zum einen Ohr hinein- und zum anderen wieder hinausgehen – was sicherlich den Appell von Herrn Theodor Reik an das mystische dritte Ohr begründet, der damals <allerdings> nicht besonders inspiriert war, denn was soll ein drittes Ohr, wenn man mit den beiden, die man bereits hat, nichts hört?14
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Le sensorium en question, pour ce que Freud nous apprend, à quoi sert-il ?
Das fragliche Sensorium – wenn man dem folgt, was Freud uns lehrt –, wozu dient es?
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Est-ce que cela ne veut pas nous dire qu’il ne sert qu’à cela : qu’à nous montrer que ce qui est déjà là dans le calcul du sujet est bien réel, existe bien ?
Bedeutet das für uns nicht, dass es nur dazu dient, uns zu zeigen, dass das, was im Kalkül des Subjekts bereits da ist, durchaus real ist und sehr wohl existiert?
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En tout cas, c’est ce que Freud dit : c’est avec lui que commence le jugement d’existence, cela sert à vérifier les comptes, ce qui est tout de même une drôle de position pour quelqu’un qu’on rattache au droit fil du positivisme du XIXème siècle.
Jedenfalls ist es das, was Freud sagt, mit ihm [mit dem Sensorium] beginnt das Existenzurteil, es dient dazu, die Rechnungen / die Konten zu überprüfen – was für jemanden, den man in direkter Linie mit dem Positivismus des 19. Jahrhunderts verbindet, doch wohl eine eigenartige Position ist.15
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Alors, reprenons les choses où nous les laissions, puisqu’il s’agit de calcul, et de la base, et du fondement du calcul pour le sujet : le trait unaire.
Nehmen wir also die Dinge dort wieder auf, wo wir sie zurückgelassen haben, denn es geht um das Rechnen und um die Basis und die Grundlage des Rechnens für das Subjekt: um den unären Zug.
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Car bien sûr, si commence si tôt la fonction du compte, n’allons pas trop vite quant à ce que le sujet peut savoir d’un nombre plus élevé.
Denn wenn die Funktion des Zählens so früh beginnt, dann sollten wir in Bezug auf das, was das Subjekt über eine höhere Zahl wissen kann, sicherlich nicht zu schnell voranschreiten.
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Il paraît peu pensable que deux et trois ne viennent assez vite.
Es erscheint kaum denkbar, dass zwei und drei nicht ziemlich bald folgen.
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Mais quand on nous dit que certaines tribus, dites primitives, du côté de l’embouchure de l’Amazone, n’ont pu découvrir que récemment la vertu du nombre quatre et lui ont dressé des autels, ce n’est pas le côté pittoresque de cette histoire de sauvages qui me frappe.
Wenn man uns aber erzählt, dass einige sogenannte primitive Stämme im Bereich der Amazonas-Mündung erst vor kurzem die Vorzüge der Zahl vier entdecken konnten und dass sie ihr Altäre errichtet haben, dann beeindruckt mich nicht die pittoreske Seite dieser „Geschichte von den Wilden“
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Ça me paraît même aller de soi, car si le trait unaire est ce que je vous dis, à savoir la différence, et la différence non seulement qui supporte, mais qui suppose la subsistance à côté de lui de un, plus un et encore un [1+1+1] – le plus n’est en fait là que pour bien marquer la subsistance radicale de cette différence –, là où commence |{7} le problème, c’est justement qu’on puisse les additionner, autrement dit, que deux, que trois aient un sens.
Das scheint mir sogar selbstverständlich zu sein, denn wenn der unäre Zug das ist, was ich Ihnen sage, nämlich die Differenz, und die Differenz, die neben sich das Fortbestehen von eins, dazu eins und noch eins dazu [1+1+1] nicht nur unterstützt, sondern voraussetzt – wobei das plus nur dazu dient, das radikale Fortbestehen dieser Differenz deutlich zu markieren –, dann beginnt das Problem eben damit, dass man sie addieren kann, anders gesagt, dass zwei und drei einen Sinn haben.
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Pris par ce bout, cela donne beaucoup de mal, mais il ne faut pas s’en étonner.
Wenn man das von diesem Ende her angeht, bekommt man reichlich Schwierigkeiten, das sollte einen jedoch nicht überraschen.
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Si vous prenez les choses en sens contraire, à savoir que vous partiez de trois, comme le fait John Stuart Mill, vous n’arriverez plus jamais à retrouver un, la difficulté est la même.
Wenn Sie die Dinge andersherum angehen, also von der Drei ausgehen, so wie John Stuart Mill, wird es Ihnen niemals gelingen, die Eins wiederzufinden; die Schwierigkeit ist dieselbe.16
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Pour nous ici – je vous le signale en passant, avec notre façon d’interroger les faits du langage en termes d’effet de signifiant, en tant que, cet effet de signifiant, nous sommes habitués à le reconnaître au niveau de la métonymie – il nous sera plus simple qu’à un mathématicien de prier notre élève de reconnaître dans toute signification de nombre un effet de métonymie virtuellement surgi de rien de plus, et comme de son point électif, que de la succession d’un nombre égal de signifiants.
Für uns hier – ich weise Sie am Rande darauf hin, mit unserer Art, die sprachlichen Tatsachen im Hinblick auf den Signifikanten-Effekt zu befragen, insofern wir gewohnt sind, diesen Signifikanten-Effekt auf der Ebene der Metonymie zu erkennen –, für uns wird es einfacher sein als für einen Mathematiker, unseren Schüler aufzufordern, in jeglicher Zahlenbedeutung einen Metonymie-Effekt zu erkennen, der virtuell, wie aus ihrem elektiven Punkt, aus nicht mehr hervorgegangen ist als aus der Abfolge einer gleichen Anzahl von Signifikanten.
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C’est pour autant que quelque chose se passe qui fait sens de la seule succession d’étendue x d’un certain nombre de traits unaires, que le nombre trois par exemple, peut faire sens, à savoir : que cela fait sens, que cela en ait ou pas ; que d’écrire le mot and en anglais, c’est peut-être, là encore, la meilleure façon que nous ayons de montrer le surgissement du nombre trois, parce qu’il y a trois lettres.
Dadurch, dass etwas geschieht, das allein aus der Sukzession mit der Ausdehnung x einer gewissen Anzahl von unären Zügen Sinn schlägt, kann zum Beispiel die Zahl drei Sinn ergeben, das heißt, dass dies Sinn ergibt, dass es einen hat oder nicht hat; und auf Englisch das Wort and zu schreiben, wäre vielleicht auch hier die beste Art, das Auftauchen der Zahl drei anzuzeigen, denn es hat drei Buchstaben.17
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Notre trait unaire, nous n’avons pas besoin, quant à nous, de lui en demander tant, car nous savons qu’au niveau de la succession freudienne, si vous me permettez cette formule, le trait unaire désigne quelque chose qui est radical pour cette expérience, originaire : c’est l’unicité comme telle du tour dans la répétition.
Von unserem unären Zug müssen wir nicht so viel verlangen, denn wir wissen, dass auf der Ebene der Freud-Sukzession – wenn Sie mir diese Formulierung gestatten – der unäre Zug etwas bezeichnet, das für diese Erfahrung radikal und ursprünglich ist, nämlich die Einzigkeit als solche einer Runde in der Wiederholung.18
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{8} Je pense avoir suffisamment marqué pour vous que la notion de la fonction de la répétition dans l’inconscient se distingue absolument de tout cycle naturel en ce sens que ce qui est accentué ça n’est pas son retour, c’est que ce qui est recherché par le sujet, c’est son unicité signifiante.
Ich glaube, ich habe Ihnen hinreichend deutlich gemacht, dass sich der Begriff der Wiederholungsfunktion im Unbewussten radikal von jedem natürlichen Kreislauf unterscheidet, in dem Sinne, dass das, was betont wird, nicht seine Wiederkehr ist, sondern insofern das, was vom Subjekt gesucht wird, seine signifikante Einzigkeit ist.
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Et en tant qu’un des tours de la répétition, si l’on peut dire, a marqué le sujet qui se met à répéter ce qu’il ne saurait bien sûr que répéter, puisque cela ne sera jamais qu’une répétition, mais dans le but, mais au dessein, de faire ressurgir l’unaire primitif d’un de ses tours.
Und insofern durch eine der Runden der Wiederholung, wenn man so sagen darf, das Subjekt markiert wurde, das nun beginnt, das zu wiederholen, was es natürlich nur wiederholen kann, da es immer nur eine Wiederholung sein wird, jedoch mit dem Ziel, jedoch mit der Absicht, durch eine seiner Runden das ursprüngliche Unäre wieder auftauchen zu lassen.19
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Avec ce que je viens de vous dire, je n’ai pas besoin de mettre l’accent sur ceci, c’est que déjà cela joue avant que le sujet sache bien compter.
Bei dem, was ich Ihnen gerade gesagt habe, muss ich nicht eigens betonen, dass sich das bereits abspielt, bevor das Subjekt richtig zählen kann.
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En tout cas, rien n’implique qu’il ait besoin de compter très loin les tours de ce qu’il répète, puisqu’il répète sans le savoir.
Jedenfalls deutet nichts darauf hin, dass es nötig wäre, die Runden dessen, was es wiederholt, sehr weit zu zählen, denn es wiederholt, ohne es zu wissen.
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Il n’est pas moins vrai que le fait de la répétition est enraciné sur cet unaire originel, que comme tel cet unaire est étroitement accolé et coextensif à la structure même du sujet en tant qu’il est pensé comme répétant au sens freudien.
Es ist nicht weniger wahr, dass das Faktum der Wiederholung in diesem ursprünglichen Unären verwurzelt ist und dass dieses Unäre als solches eng verbunden und koextensiv ist mit der Struktur des Subjekts selbst, insofern dieses im Freud’schen Sinne als wiederholend begriffen wird.
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Ce que je vais vous montrer aujourd’hui, par un exemple et avec un modèle que je vais introduire, ce que je vais vous montrer aujourd’hui c’est ceci, c’est qu’il n’y a aucun besoin qu’il sache compter pour qu’on puisse dire et démontrer avec quelle nécessité constituante de sa fonction de sujet il va faire une erreur de compte.
Was ich Ihnen heute zeigen will, durch ein Beispiel und mit einem Modell, das ich einführen möchte, was ich Ihnen heute also zeigen will, ist Folgendes: Es ist nicht notwendig, dass es zählen kann, damit man sagen und beweisen kann, mit welcher konstituierenden Notwendigkeit es sich in seiner Funktion als Subjekt verzählen wird.
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Aucun besoin qu’il sache, ni même qu’il cherche à compter, pour que cette erreur de compte soit constituante de lui, sujet.
Es ist nicht notwendig, dass es zählen kann, nicht einmal, dass es zu zählen versucht, damit der Zählfehler für es als Subjekt konstituierend ist.
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En tant que telle, elle est l’erreur.
Als solcher ist er der Fehler.
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{9} Si les choses sont comme je vous le dis, vous devez vous dire que cette erreur peut durer longtemps, sur de telles bases, et c’est bien vrai.
Wenn die Dinge so sind, wie ich Ihnen sage, könnten Sie sich sagen, dass, auf dieser Grundlage, der Fehler lange andauern kann, und das stimmt.
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C’est tellement vrai que ce n’est pas seulement chez l’individu que cela porte son effet, cela porte ses effets dans les caractères les plus radicaux de ce qu’on appelle la pensée.
Es stimmt so sehr, dass es Auswirkungen nicht nur auf das Individuum hat, es wirkt sich auf die grundlegendsten Merkmale dessen aus, was man Denken nennt.
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Prenons pour un instant le thème de la pensée, sur lequel il y a lieu tout de même d’user de quelque prudence – vous savez que là-dessus je n’en manque pas.
Lassen Sie uns für einen Moment das Thema des Denkens festhalten, bei dem allerdings eine gewisse Vorsicht geboten ist – Sie wissen, dass es mir daran nicht mangelt.
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D’est pas tellement sûr qu’on puisse valablement s’y référer d’une façon qui soit considérée comme une dimension à proprement parler générique.
Es ist gar nicht so sicher, dass man sich gültig darauf beziehen kann, als wäre es eine Dimension, die man im strengen Sinne als ein Gattungsmerkmal ansehen könnte.
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Prenons-la pourtant comme telle : la pensée de l’espèce humaine.
Nehmen wir es dennoch als ein solches: das Denken der menschlichen Gattung.
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Il est bien clair que ce n’est pas pour rien que plus d’une fois je me suis avancé, d’une façon inévitable, à mettre en cause ici, depuis le début de mon discours de cette année, la fonction de la classe et son rapport avec l’universel, au point même que c’est en quelque sorte l’envers et l’opposé de tout ce discours que j’essaie de mener à bien devant vous.
Es ist wohl klar, dass ich nicht ohne Grund mehr als einmal, unvermeidlicherweise, den Vorstoß gemacht habe, seit Beginn meiner Rede in diesem Studienjahr, die Funktion der Klasse und ihre Beziehung zum Universalen in Frage zu stellen, bis dahin sogar, dass dies in gewisser Weise die Kehrseite und das Gegenteil der gesamten Ausführungen ist, die ich Ihnen hier erfolgreich vorzutragen suche.20
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À cet endroit, rappelez-vous seulement ce que j’essayais de vous montrer à propos du petit cadran exemplaire sur lequel j’ai essayé de réarticuler devant vous le rapport de l’universel au particulier et des propositions, respectivement affirmatives et négatives.
Erinnern Sie sich bitte an dieser Stelle einfach nur an das, was ich Ihnen anhand der kleinen exemplarischen Kreisscheibe zu zeigen versuchte habe, auf der ich mich bemüht habe, die Beziehung des Universalen zum Partikulären sowie der bejahenden beziehungsweise der verneinenden Aussagen neu für Sie zu artikulieren.
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Unité et totalité apparaissent ici dans la tradition comme solidaires, et ce n’est pas par hasard que j’y reviens toujours pour en faire éclater la catégorie fondamentale.
Einheit (unité) und Gesamtheit (totalité) erscheinen hier traditionell als zusammengehörig, und nicht zufällig komme ich, um die ihnen zu Grunde liegende Kategorie aufzubrechen, immer wieder darauf zurück.
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Unité et totalité : à la fois solidaires, liées l’une à l’autre dans ce rapport que l’on peut appeler rapport d’inclusion, |{10} la totalité étant totalité par rapport aux unités, mais l’unité étant [aussi] ce qui fonde la totalité comme telle en tirant l’unité vers cet autre sens, opposé à celui que j’en distingue, d’être l’unité d’un tout.
Einheit und Gesamtheit, beide zusammengehörend und miteinander verbunden, in einer Beziehung, die man als die einer Inklusion bezeichnen kann, wobei die Gesamtheit eine Gesamtheit in Bezug auf die Einheiten ist, die einzelne Einheit jedoch das ist, worauf die Gesamtheit als solche sich gründet, indem sie die Einheit in Richtung dieser anderen Bedeutung zieht – entgegengesetzt zu derjenigen, die ich davon unterscheide –, nämlich die Einheit eines Ganzen (tout) zu sein.
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C’est autour de cela que se poursuit ce malentendu dans la logique dite des classes : ce malentendu séculaire de l’extension et de la compréhension, dont il semble que la tradition effectivement fasse toujours plus état, s’il est vrai – à prendre les choses dans la perspective par exemple du milieu du XIXème siècle, sous la plume d’un Hamilton – s’il est vrai qu’on ne l’a bien franchement articulé qu’à partir de Descartes, et que la logique de Port-Royal, vous le savez, est calquée sur l’enseignement de Descartes.
Um diesen Punkt dreht sich das Missverständnis in der sogenannten Klassenlogik, das jahrhundertealte Missverständnis über Extension und Intension, auf das in der Tradition offenbar zunehmend Wert gelegt wurde, wenn es stimmt – um die Dinge aus der Perspektive von etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zu betrachten, aus der Feder eines Hamilton –, wenn es denn stimmt, dass dies erst ausgehend von Descartes klar formuliert wurde und dass die Logik von Port-Royal, wie Sie wissen, der Lehre von Descartes nachgebildet ist.21
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En plus, cela n’est même pas vrai, car elle est là depuis bien longtemps, et depuis Aristote lui-même, cette opposition de l’extension et de la compréhension.
Obendrein stimmt es nicht mal, denn es gibt ihn schon ziemlich lange, seit Aristoteles selbst, diesen Gegensatz von Umfang und Inhalt.
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Ce que l’on peut dire, c’est qu’elle nous fait, concernant le maniement des classes, des difficultés toujours plus irrésolues, d’où tous les efforts qu’a fait la logique pour aller porter le nerf du problème ailleurs, dans la quantification propositionnelle, par exemple.
Man kann allerdings sagen, dass er uns beim Umgang mit Klassen Schwierigkeiten bereitet, die immer weniger gelöst sind; von daher all die Bemühungen, die die Logik unternommen hat, um den Kern des Problems anderswohin zu verlagern, etwa zur Quantifizierung der Aussagen.22
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Mais pourquoi ne pas voir que, dans la structure de la classe elle-même comme telle, un nouveau départ nous est offert, si au rapport d’inclusion nous substituons un rapport d’exclusion, comme le rapport radical ?
Aber warum sollten wir nicht sehen, dass uns in der Struktur der Klasse selbst, der Klasse als solcher, ein neuer Ausgangspunkt geboten wird, dann nämlich, wenn wir, als grundlegende Beziehung, die der Inklusion durch die der Exklusion ersetzen?
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Autrement dit, si nous considérons comme logiquement originel quant au sujet ceci – que je ne découvre pas, qui est à la portée d’un logicien de classe moyenne – c’est que le vrai fondement de la classe n’est ni son extension, ni sa compréhension : que la classe suppose toujours le |{11} classement.
Anders gesagt, wenn wir, hinsichtlich des Subjekts, als logisch ursprünglich Folgendes ansehen – was nicht meine Entdeckung ist, was in Reichweite eines Logikers der Mittelklasse liegt –, nämlich dass die wahre Grundlage der Klasse weder ihr Umfang ist noch ihr Inhalt, dass die Klasse vielmehr stets die Klassifizierung voraussetzt.23
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Autrement dit, les mammifères par exemple, pour éclairer tout de suite ma lanterne, c’est ce qu’on exclut des vertébrés par le trait unaire mamme.
Anders gesagt, die Säugetiere beispielsweise – um sofort klarzustellen, worum es mir geht –, das ist das, was man innerhalb der Wirbeltiere durch den unären Zug Mamma ausschließt.
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Qu’est-ce que cela veut dire ?
Was heißt das?
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Cela veut dire que le fait primitif est que le trait unaire peut manquer, qu’il y a d’abord absence de mamme, et qu’on dit : là il ne peut se faire que la mamme manque.
Das heißt, das ursprüngliche Faktum besteht darin, dass der unäre Zug fehlen kann, dass es zunächst Abwesenheit von Mamma gibt, und dass man <dann> sagt: Hier kann es nicht sein, dass die Mamma fehlt.24
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Voilà ce qui constitue la classe mammifères.
Das ist das, wodurch die Klasse der Säugetiere konstituiert wird.
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Regardez bien les choses au pied du mur, c’est-à-dire rouvrez les traités pour en faire le tour de ces mille petites apories que vous offre la logique formelle, pour vous apercevoir que c’est la seule définition possible d’une classe, si vous voulez lui assurer vraiment son statut universel en tant qu’il constitue à la fois : d’un côté la possibilité de son inexistence, son inexistencepossible avec cette classe, car vous pouvez tout aussi valablement, manquant à l’universel, définir la classe qui ne comporte nul individu, cela n’en sera pas moins une classe constituée universellement, avec la conciliation, dis-je, de cette possibilité extrême avec la valeur normative de tout jugement universel, en tant qu’il ne peut que transcender tout inférence inductive, à savoir issue de l’expérience.
Betrachten Sie die Dinge dort, wo man steckengeblieben ist, das heißt, öffnen Sie doch noch einmal die Abhandlungen, um die tausend kleinen Aporien durchzugehen, die Ihnen von der formalen Logik geboten werden, und Sie werden sehen, dass dies die einzig mögliche Definition einer Klasse ist, wenn Sie ihr wirklich ihren universalen Status sichern wollen, insofern dieser, zugleich mit der Klasse, nach einer Seite hin einerseits die Möglichkeit ihrer Nichtexistenz konstituiert, die zusammen mit dieser Klasse möglich ist, denn Sie können, als dem Universalen fehlend, ebenso gültig diejenige Klasse definieren, zu der kein Individuum gehört, und das wäre dann nicht weniger eine universal konstituierte Klasse – zusammen <andererseits> mit der Versöhnung, möchte ich sagen, dieser extremen Möglichkeit mit dem normativen Wert eines jeden universalen Urteils, normativ insofern, als es jede Schlussfolgerung, die induktiv ist, also aus Erfahrung hervorgegangen ist, nur transzendieren kann.25
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Abb. 2
C’est là le sens du petit cadran que je vous avais représenté [Abb. 2] à propos de la classe à constituer entre les autres, à savoir le trait vertical.
Das ist der Sinn der kleinen Kreisscheibe, die ich Ihnen vorgestellt hatte [Abb. 2], bezogen auf die Klasse, die unter den anderen gebildet werden soll, nämlich der senkrechte Strich.26
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{12} Le sujet, d’abord, constitue l’absence de tel trait; comme tel, il est lui-même le quart en haut à droite.
Das Subjekt stellt zunächst die Abwesenheit eines solchen Strichs dar, als solches ist es selbst das Viertel oben rechts.27
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Le zoologiste, si vous me permettez d’aller aussi loin, ne taille pas la classe des mammifères dans la totalité assumée de la mamme maternelle ; c’est parce qu’il se détache de la mamme qu’il peut identifier l’absence de mamme.
Der Zoologe – wenn Sie mir gestatten, so weit zu gehen – bildet die Klasse der Säugetiere nicht aus der angenommenen Gesamtheit der mütterlichen Mamma, sondern deshalb, weil er sich von der Mamma löst, kann er die Abwesenheit von Mamma identifizieren.
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Abb. 3
Le sujet comme tel en l’occasion est (–1) [quadrant 1].
Das Subjekt als solches ist hierbei (–1) [Abb. 3: Quadrant 1].
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C’est à partir de là, du trait unaire en tant qu’exclu, qu’il décrète qu’il y a une classe où universellement il ne peut y avoir absence de mamme : –(–1) [quadrant 2].
Ausgehend von hier, vom unären Zug, insofern er ausgeschlossen ist, legt er dann fest, dass es eine Klasse gibt, bei der es universell keine Abwesenheit von Mamma geben kann: minus minus eins, –(–1) [Abb. 3: Quadrant 2].28
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Et c’est à partir de cela que tout s’ordonne, nommément dans les cas particuliers : dans le tout venant, il y en a [quadrant 3] ou il n’y en a pas [quadrant 4].
Und das ist der Ausgangspunkt, von dem her alles sich ordnet, vor allem in den partikulären Fällen: in dem Allerlei, da gibt es welche [Abb. 3: Quadrant 3] oder es gibt hier keine [Quadrant 4].29
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Une opposition contradictoire s’établit en diagonale, et c’est la seule vraie contradiction qui subsiste au niveau de l’établissement de la dialectique universelle–particulière, négative–affirmative : par le trait unaire.
Ein kontradiktorischer Gegensatz stellt sich in der Diagonalen her, und das ist der einzige echte Widerspruch, der auf der Ebene der Herstellung der Dialektik universal – partikulär und verneinend – bejahend Bestand hat: durch den unären Zug.30
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Tout s’ordonne donc dans le tout venant au niveau inférieur : il y en a ou il n’y en a pas, et ceci ne peut exister que pour autant qu’est constitué, par l’exclusion du trait, l’étage du tout valant ou du valant comme tout à l’étage supérieur.
Damit ordnet sich alles in dem Allerlei auf der unteren Ebene: es gibt welche oder es gibt keine, und dies kann nur insofern existieren, als auf der oberen Etage, durch Ausschließen des Strichs / des Zugs, die Etage der Allgültigen gebildet wird beziehungsweise dessen, was als alles gilt.31
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C’est donc le sujet, comme il fallait s’y attendre, qui introduit la privation, et par l’acte d’énonciation qui se formule essentiellement |{13} ainsi : « Se pourrait-il qu’il n’y ait mamme ?… » ne qui n’est pas négatif, ne qui est strictement de la même nature que ce que l’on appelle explétif dans la grammaire française.
Wie zu erwarten war, ist es also das Subjekt, von dem die Privation eingeführt wird, und zwar durch den Äußerungsakt, der sich im Wesentlichen so formulieren lässt: „Se pourrait-il qu’il n’y ait mamme?“, „Könnte es nicht sein, dass es Brust gibt?“, ein ne – ein nicht – , das nicht negativ ist, ein ne, das ganz streng von derselben Natur ist wie das, was man in der französischen Grammatik als „expletives ne“ bezeichnet.32
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« Se pourrait-il qu’il n’y ait mamme ? Pas possible… rien peut-être », c’est là le commencement de toute énonciation du sujet concernant le réel.
„Könnte es nicht sein, dass es Mamma gibt? Pas possible – rien peut-être, Nicht möglich – nichts vielleicht“, das ist der Beginn einer jeden Äußerung des Subjekts, die sich auf das Reale bezieht.33
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Dans le premier rond , il s’agit de préserver les droits du rien en haut [quadrant 1], parce que c’est lui qui crée en bas [quadrants 3 et 4] le peut-être, c’est-à-dire la possibilité.
In der ersten Runde geht es darum, die Rechte des obenstehenden „nichts“ zu wahren [Quadrant 1], denn es ist dieses „nichts“, das unten [in den Quadranten 3 und 4] das „vielleicht“ erschafft, das „kann-sein“, das heißt die Möglichkeit.
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Loin qu’on puisse dire comme un axiome – et c’est là l’erreur stupéfiante de toute la déduction abstraite du transcendantal –, loin qu’on puisse dire que tout réel est possible, ce n’est qu’à partir du pas possible que le réel prend place.
Es ist keineswegs so, dass man als Axiom sagen könnte – und darin besteht der erstaunliche Irrtum der gesamten abstrakten Deduktion des Transzendentalen –, es ist keineswegs so, dass man sagen könnte, alles Reale sei möglich, vielmehr erscheint das Reale nur ausgehend vom „nicht möglich“.
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Ce que le sujet cherche, c’est ce réel en tant que, justement, pas possible ; c’est l’exception.
Was das Subjekt sucht, ist dieses Reale als genau nicht möglich, das ist die Ausnahme.34
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Et ce réel existe, bien sûr.
Und dieses Reale existiert sehr wohl.35
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Ce que l’on peut dire, c’est qu’il n’y a justement que du pas possible à l’origine de toute énonciation, mais ceci se voit de ce que c’est de l’énoncé du rien qu’elle part.
Man kann sagen, dass es am Ursprung jeder Äußerung genau nur das „nicht möglich“ gibt, aber man sieht das daran, dass es das Ausgesagte des „nichts“ ist, wovon sie ausgeht.36
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Ceci, pour tout dire, est déjà rassuré, éclairé, dans mon énumération triple, privation–frustration–castration, telle que j’ai annoncé que nous la développerions l’autre jour.
Dies – um es klar zu sagen – wird bereits in meiner dreigliedrigen Aufzählung Privation – Frustration – Kastration gesichert und erhellt, so wie ich kürzlich angekündigt habe, dass wir sie entwickeln würden.37
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Et certains s’inquiètent que je ne fasse pas sa place à la Verwerfung.
Und einige sind darüber beunruhigt, dass ich der Verwerfung* keinen Platz eingeräumt habe.38
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Elle est là avant, mais il est impossible d’en partir d’une façon déductible.
Sie ist bereits vorher da, es ist jedoch unmöglich, von ihr auf deduzierbare Weise auszugehen.
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Dire que le sujet se constitue d’abord comme (–1), c’est bien quelque chose où vous pouvez voir qu’effectivement, comme on peut s’y attendre, c’est comme verworfen que nous allons le retrouver ; mais pour s’apercevoir que ceci est vrai, il va falloir faire un sacré tour.
Zu sagen, dass das Subjekt sich zuerst als (–1) konstituiert, das ist ja etwas, woraus Sie ersehen können, dass wir es, wie zu erwarten, tatsächlich als verworfen* wiederfinden werden; um allerdings zu erkennen, dass dies stimmt, muss man einen tollen Trick anwenden / eine verdammte Runde drehen.39
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C’est ce que je vais essayer d’amorcer maintenant.
Und genau das werde ich jetzt anzugehen versuchen.
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{14} Pour le faire, il faut que je dévoile la batterie annoncée, ce qui n’est pas toujours sans tremblement, imaginez-le bien, et que je vous sorte un de mes tours, sans doute longuement préparé.
Dafür muss ich meine Karten auf den Tisch legen – was, wie Sie sich vorstellen können, nicht immer ohne Zittern geschieht – und Ihnen einen meiner Tricks verraten / eine meiner Runden vorführen, was ich natürlich schon lange vorbereitet habe.
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Je veux dire que si vous recherchez dans le Rapport de Rome, vous en trouverez déjà la place pointée quelque part : je parle de la structure du sujet comme de celle d’un anneau.
Ich meine, wenn Sie im Rom-Vortrag nachschauen, werden Sie dafür bereits irgendwo den Platz angezeigt finden: ich spreche dort über die Struktur des Subjekts als der eines Rings.40
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--- Zweite Hälfte der Übersetzung fehlt noch ---
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Anmerkungen
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dass es gesagt werden kann: Wahrscheinlich ist mitgemeint, dass die Beziehung zwischen Täuschung und Wahrheit von den Philosophen meist nicht im Bereich des Sprechens, sondern in dem des Sichtbaren verortet wird.
Zur Beziehung zwischen Wahrheit und Sprechen vgl. Lacans Aufsatz Die Freud’sche Sache oder Sinn der Rückkehr zu Freud in der Psychoanalyse (zuerst veröffentlicht 1956). In: Ders.: Schriften. Band 1. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 472–513. Lacan lässt dort die Allegorie der Wahrheit auftreten, die aus einem Brunnen steigt und sagt: „Ich die Wahrheit, ich spreche.“
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absolut: Das Wort geht zurück auf das lateinische Verb absolvere, „loslösen“.
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Kriterien der Wissenschaft (…) in philosophischer Perspektive: Lacan bezieht sich auf den Bereich der Philosophie, der im Deutschen meist als Wissenschafttsheorie bezeichnet wird (im Französischen als philosophie des sciences, im Englischen als philosophy of science).
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Vermutlich ist gemeint, dass sie kaum jemals bezweifeln, dass sie Wissenschaft betreiben und sich nicht besonders für philosophische Diskussionen über Kriterien der Wissenschaftlichkeit interessieren. Lacan stützt sich hier möglicherweise auf die These von Gaston Bachelard, dass die verschiedenen Wissenschaften ihre eigenen Wahrheitsnormen erzeugen und dass die Philosophie den Wissenschaften zu folgen hat und nicht umgekehrt (vgl. etwa G. Bachelard: Die Bildung des wissenschaftlichen Geistes (1938). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987).
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Erscheinung: Im Original apparence, was auch „Schein“ oder „Anschein“ bedeutet. Vielleicht eine kritische Anspielung auf den im logischen Empirismus verwendeten Begriff des Scheinproblems.
das Reale: In der laufenden Sitzung wird Lacan das Reale zum ersten Mal explizit auf das logisch Unmögliche beziehen (vgl. S. {13}). In der vorhergehenden Sitzung hatte er das mit der Bemerkung angedeutet, von Kants vier Formen des Nichts sei das nihil negativum die einzig haltbare Definition des Nichts (vgl. Sitzung vom 28. Februar 1962, S. {21}); unter dem nihil negativum versteht Kant eine logische Unmöglichkeit.
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in diesem einfachen kleinen Bild: sogenannter Necker-Würfel, klassische Kippfigur, bestehend aus der Zeichnung der Kanten eines Würfels ohne optische Hinweise auf die Tiefe, was dazu führt, dass sowohl das Quadrat links unten als auch das Quadrat rechts oben als Vorderseite aufgefasst werden kann. Nach längerer Betrachtung „kippt“ der Würfel, ein Phänomen, das als Gestaltwechsel bezeichnet wird.
Soll angedeutet werden, dass die „Realität des Würfels“ (der Gestaltwechsel?) einen Zugang zum „Realen“ liefert? Zum logisch Unmöglichen?
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Colonel Bramble: Vgl. André Maurois: Les silences du Colonel Bramble (Roman). Grasset, Paris 1918 (im Internet hier), vgl. Kapitel XII, „Le bouclier d’Orion“, S. 122 (dt. : Das Schweigen des Obersten Bramble. Übersetzt von Karl Stransky. Piper, München 1929).
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Flaum: Vor dem Hintergrund des Begriffs der Privation wird man vermuten dürfen, dass es hier möglicherweise um die fetischistische Dimension der Haare einer Frau geht, in der Sicht eines männlichen Partners.
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Realität der Frau: Was hat die „Beziehung zu einer Frau“, die „Realität einer Frau“ mit einer Kippfigur zu tun? Möglicherweise bezieht Lacan sich hier auf den Zusammenhang zwischen der Privation (verstanden als „Penislosigkeit“ der Frau) und dem Fetischismus. Freud zufolge beruht der Fetischismus darauf, dass für den Fetischisten eine Frau den Penis sowohl hat als auch nicht hat – man könnte also vielleicht sagen: wie eine Kippfigur. (Vgl. S. Freud: Die Ichspaltung im Abwehrvorgang, 1938, GW 17, S. 57-62)
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Vielleicht im Sinne von: Eine Täuschung wie der Necker-Würfel liefert einen Zugang zum Absoluten im Sinne des Realen, nämlich des logisch Unmöglichen.
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Vgl. Jean Piaget und Alina Szeminska: La genèse du nombre chez l’enfant. Delachaux et Niestlé, Neuchâtel 1941, dt. : Übersetzt von H. K. Weinert. Klett, Stuttgart 1965.
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J. Piaget: Classes, relations et nombres. Essai sur les groupements de la logistique et sur la réversibilité de la pensée. Vrin, Paris 1942 (im Internet hier, von dieser Arbeit gibt es weder eine deutsche noch eine englische Übersetzung).
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Komputation: i.S.v. „Überschlagsrechnung“ – im Frz. aktuell hauptsächlich für Kalenderberechnung gebraucht.
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Vgl. Th. Reik: Listening with the third ear. The inner experience of a psychoanalyst. Farrar u.a., New York 1948; dt.: Hören mit dem dritten Ohr. Die innere Erfahrung eines Psychoanalytikers. Übersetzt von Gisela Schad. Hoffmann und Campe, Hamburg 1976.
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mit ihm: “mit dem Sensorium”, bei Freud: mit der Wahrnehmung.
Existenzurteil: Für Freud ist ein Existenzurteil ein Urteil, mit dem bejaht oder verneint wird, dass etwas, das in der Vorstellung vorhanden ist, auch in der Realität existiert; dies wird dadurch geklärt, dass geprüft wird, ob das Vorgestellte in der Wahrnehmung wiedergefunden wird. (Vgl. S. Freud: Die Verneinung (1925), GW 14, S. 9–17)
Mit den „Rechnungen“ sind also vielleicht die Vorstellungen gemeint; die Vorstellungen werden mit den Wahrnehmungen verglichen so wie man prüft, ob den Rechnungen bestimmte Lieferungen entsprechen bzw. im Sinne der doppelten Buchführung (comptabilité en partie double), des Abgleichs von Soll und Haben.
Positivismus des 19. Jahrhunderts: Für den Positivismus des 19. Jahrhunderts besteht die letzte Grundlage aller Erkenntnis aus Sinneseindrücken. Dies ändert sich mit dem logischen Positivismus des frühen 20. Jahrhunderts (auch „logischer Empirismus“ oder „Neopositivismus“ genannt), der sich die Aufgabe stellte, die Struktur empirischer Wissenschaften mithilfe der Logik zu rekonstruieren.
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Mill: Vgl. J.St. Mill: A System of Logic, Ratiocinative and Inductive (1843). Dt.: System der deductiven und inductiven Logik. Übersetzung der 5. erweiterten Auflage von 1862 durch J. Schiel. Vieweg, Braunschweig 1868 (im Internet hier), Buch 2, Kapitel 6, § 2, und Buch 3, Kapitel 24, § 5.
Zur Kritik an Mill vgl. Gottlob Frege, Die Grundlagen der Arithmetik, § 7.
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auf Englisch das Wort „and“ zu schreiben: Lacan bezieht sich hier auf eine Bemerkung von Frege, in der dieser den Unterschied zwischen den beiden Bedeutungen von Einheit anhand des deutschen Wortes „und“ erläutert; in der englischen Übersetzung steht hierfür „and“. Frege:
„Wenn ich an den Buchstaben u ein n und daran ein d füge, so sieht jeder leicht ein, dass das nicht die Zahl 3 ist. Wenn ich aber u, n und d unter den Begriff ‚Einheit‘ bringe und nun für ‚u und n und d‘ sage ‚eine Einheit und eine Einheit und noch eine Einheit‘ oder ‚1 und 1 und 1‘, so glaubt man leicht damit die 3 zu haben.“
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Freud-Sukzession: Doppelsinn von „Freud-Nachfolge“ und „Abfolge (von Einheiten) im Sinne von Freud“, nämlich Wiederholungszwang.
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Wiederholung: In früheren Sitzungen des Identifizierungs-Seminars hieß es zur Wiederholung:
– Die Wiederholung beruht auf einem Trauma, das Trauma ist ein „Buchstabe“, und die
Wiederholung dient dazu, diesen Buchstaben wieder hochkommen zu lassen (Sitzung vom 13. Dezember 1961, S. {19}).
– Die Wiederholung ist die Suche nach einer Nummer, die für das Subjekt verloren ist (Sitzung vom 20. Dezember 1961, S. {2}).
– Grund der Wiederholung: die Unmöglichkeit der Wahrnehmungsidentität (Sitzung vom 10. Januar 1962, S. {21}).> -
seit Beginn meiner Rede in diesem Studienjahr: Vgl. die Sitzungen vom 13. Dezember 1961, S. {5} f., und vom 24. Januar 1962, S. {9–13}.
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Extension und Intension: Extension (oder Umfang) eines Begriffs: die Gesamtheit der Dinge, die unter einen Begriff fallen; Intension (oder Inhalt) eines Begriffs (nicht zu verwechseln mit „Intention“!): die Merkmale, die den Dingen, die unter einen Begriff fallen, gemeinsam sind. Beispielsweise ist die Exension des Begriffs Berliner die Gesamtheit aller Einwohner Berlins, die Intension ist das Merkmal, Einwohner Berlins zu sein.
Hamilton: Vgl. William Hamilton: Chapters in logic. Lectures on modified logic, and selections from the Port Royal logic. The Wesleyan Methodist Book-Room, Toronto 1870, im Internet hier.
Logik von Port-Royal: Antoine Arnauld, Pierre Nicole: La Logique ou l’art de penser (1662); dt.: Antoine Arnauld, Pierre Nicole: Die Logik oder die Kunst des Denkens. Übersetzt von Christos Axelos. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1972.
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anderswohin zu verlagern: Mit der Quantifizierung der Aussagen durch die Prädikatenlogik erfolgt eine Art Verschiebung vom Begriff zur Aussage, aus der Extension wird gewissermaßen der Quantor, aus der Intension das Prädikat.
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Klassifizierung: Bildung der Differenz von Klassen, im Falle der Klasse der Berliner also etwa die Unterscheidung von Berlinern und Nicht-Berlinern.
Das erinnert an den Unterschied zwischen dem soziologischen Begriff der Schicht und dem Marx’schen Klassenbegriff. Eine soziale Schicht ist eine Menge von Mitgliedern mit bestimmten Merkmalen von bestimmtem Umfang. Marx zufolge sind Klassen sind vom Klassengegensatz aus zu begreifen.
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Am logischen Anfang steht für Lacan also nicht Anwesenheit eines Merkmals und auch nicht die Differenz zwischen Merkmalen, sondern die Abwesenheit eines Merkmals.
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Möglichkeit ihrer Nichtexistenz: Eine Klasse wird durch Oppositionsbildung gestiftet, nämlich so, dass innerhalb einer Gesamtheit Klassen unterschieden werden, mit und ohne ein bestimmtes Merkmal, sagen wir eine Klasse und eine Oppositionsklasse. Diese Operation kann formal auch so vollzogen werden, dass die Oppositionsklasse leer ist.
normativer Wert eines jeden universalen Urteils: Lacan bezieht sich hier auf hier auf ein (zuerst von David Hume formuliertes) klassisches Problem der Wissenschaftstheorie: Die Wissenschaften formulieren Gesetzesaussagen, d.h. universale Aussagen; diese Aussagen stützen sich auf Erfahrung, damit auf partikuläre Aussagen; der Übergang von partikulären Aussagen zu universalen Aussagen (Induktion) ist logisch nicht möglich (in diesem Sinne sind Gesetzesaussagen „normativ“). Wie kann es dann wahre Gesetzesaussagen geben?
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Kreisscheibe: Lacan hatte das Schema in der Sitzung vom 17. Januar 1962 des Identifizierungs-Seminars eingeführt, S. {22–28}.
Das Schema ist aus: Charles Sanders Peirce: Collected papers of Charles Sanders Peirce. Hg. v. Charles Hartshorne u. Paul Wiss. Band 2, Elements of logic. Belknap Press of the Harvard University Press, Cambridge, Mass. (1932), 2. Aufl. 1960, darin „The quadrant“, 2.455– 460, S. 279–283.
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Das entspricht dem Subjekt vor jeder Benennung, das Lacan in einer früheren Sitzung des Identifizierungs-Seminars durch Wurzel als minus 1 symbolisiert hatte (vgl. Sitzung vom 10. Januar 1962, S. {31}).
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Das Vorhandensein eines Merkmals ist demnach die Abwesenheit der Abwesenheit dieses Merkmals.
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Allerlei: für tout-venant, wörtlich „alles kommend“: unsortierte Menge.
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Ein kontradiktorischer Gegensatz stellt sich in der Diagonalen her: Vgl. das logische Quadrat:

(Lacan hatte dieses Schema in einer früheren Sitzung des Identifizierungs-Seminars vorgestellt, 17. Januar 1962, S. {18 f.}.)
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der Allgültigen: für tout valant, hier im Gegensatz zu tout venant.
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Privation: Lacan bezieht das Quadrantenschema jetzt auf den Begriff der Privation des Schemas Kastration – Frustration – Privation. Wenn man den Erläuterungen in Seminar 4 folgt, bezieht sich der Ausdruck „Privation“ in dieser Tabelle auf den Vorgang, dass das Kind die Vorstellung aufgibt, dass alle Menschen einen Penis haben, also darauf, dass die Mutter keinen Penis hat. Demgegenüber nimmt Lacan hier folgende Änderungen vor:
– Die Privation bezieht sich jetzt nicht auf den Penis, sondern auf die Brust, nicht auf die der oralen Phase, sondern im Sinne einer zoologischen Klassifikation.
– Ausgangspunkt ist nicht, wie in Freuds Konzeption der phallischen Phase, das „alle“ („alle Menschen haben einen Penis“), dass dann im zweiten Zug differenziert wird („einige haben …„“, „einige haben nicht …“), Ausgangspunkt ist vielmehr das „kein“ und, hierauf aufbauend, der Gegensatz zwischen „kein“ und „alle“.
expletives „ne“: Das sogenannte expletive ne repräsentiert, Lacan zufolge, das Subjekt der Äußerung (énonciation). So zuerst in Seminar 6, Das Begehren und seine Deutung, Sitzungen vom 3. und 10. Dezember 1958; Version Miller S. 96 f., 105 f. Im laufenden Identifizierungs-Seminar hatte er sich darauf bereits in der Sitzung vom 17. Januar 1962 bezogen, S. {7}.Die Äußerung „Se pourrait-il qu’il n’y ait mamme?“ verweist auf den Gegensatz zwischen Anspruch und Begehren. Der Anspruch ist die Forderung nach der Brust und damit nach Bedürfnisbefriedigung, dies gehört zur Ordnung der Frustration. Das Begehren, repräsentiert durch das expletive ne, zielt darauf ab, dass die Brust fehlt, vgl. hierzu Lacans früheren Hinweis auf die Magersucht als Beispiel für die Spaltung zwischen Bedürfnis und Begehren (Sitzung vom 28. Februar 1962, S. {3}).
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Pas possible – rien. Vermutlich geht es hier um die Übersetzung der modalen Kategorie des Unmöglichen in die ontologische Kategorie des Nichts.
peut-être: Die übliche Übersetzung ist „vielleicht“, Lacan bringt hier jedoch den Gegensatz zwischen dem Unmöglichen und dem Möglichen ins Spiel und macht damit die wörtliche Bedeutung von peut-être stark: „kann sein“. Er verklammert damit zwei Oppositionen, den modalen Gegensatz zwischen dem Unmöglichen und dem Möglichen und und den ontologischen Gegensatz zwischen dem Nichts und dem Sein.
nichts vielleicht: Vermutlich eine Anspielung auf das Erstaunen des kleinen zukünftigen Fetischisten beim Anblick der penislosen Mutter – und der erste Ansatz der Verleugnung.
das Reale: Dies ist der erste Satz von Lacan (bezogen auf alle Seminare und Schriften), in dem er das Reale auf das Unmögliche bezieht.
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Was ist hier mit „existieren“ gemeint? Hält man sich an den nächsten Satz, könnte gemeint sein, dass das Existieren auf der Äußerung beruht.
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Das „nicht möglich“ wird hier der Äußerung (énonciation) zugeordnet, das „nichts“ dem Ausgesagten (énoncé).
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Lacan hatte die Trias Privation – Frustration – Kastration in Seminar 4 von 1956/57, Die Objektbeziehung, eingeführt und dort das gesamte Seminar über entwickelt. Im laufenden Identifizierungs-Seminar hatte er sich hierauf bereits in den Sitzungen vom 17. Januar 1962 (S. {15 f.} und vom 28. Februar 1962 (S. {20 f.} bezogen.
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Lacan unterscheidet Verdrängung und Verwerfung und knüpft damit an Freud an, der geschrieben hatte:
“Eine Verdrängung ist etwas anderes als eine Verwerfung.”
(Aus der Geschichte einer infantilen Neurose (1918), GW 12, S. 111)
In den Seminaren verwendet Lacan deutschen Terminus Verwerfung zuerst in Seminar 1, Freuds technische Schriften. Dort heißt es:
„Als das Subjekt, so sagt Freud, in eine ersten Reifung oder Frühreifung infantiler Art eingetreten und reif war, um, zumindest teilweise, eine spezifisch genitale Strukturierung der Beziehung seiner Eltern wahrzunehmen, hat er die in dieser Beziehung ihm zufallende homosexuelle Position abgelehnt, er hat nicht die ödipale Situation realisiert, er hat alles, was auf der Ebene der genitalen Realisierung liegt, abgelehnt, verworfen*. Er ist zur vorausgehenden Verifizierung dieser affektiven Beziehung zurückgekehrt, er hat sich zurückbegeben auf die Position der analen Sexualtheorie.
Dies ist nicht einmal eine Verdrängung in dem Sinne, in dem ein Element, das auf einer bestimmten Ebene realisiert worden ist, sich zurückgestoßen findet. (…)
In der Struktur dessen, was dem Wolfsmann begegnet ist, ist die Verwerfung* der Realisierung der genitalen Erfahrung ein ganz und gar besonderes Moment, das Freud selbst von allen anderen unterscheidet. Einzigartige Sache, die aus der Geschichte des Subjekts ausgeschlossen ist und die es auszusprechen unfähig ist; es bedurfte, um damit zu einem Ende zu kommen, der Nötigung durch Freud. Erst jetzt hat die wiederholte Erfahrung des kindlichen Traums ihren Sinn angenommen und hat zwar nicht das Wiedererleben, aber die direkte Rekonstruktion der Geschichte des Subjekts erlaubt.“
(Seminar 1, Sitzung vom 3. Februar 1954, Version Miller/Hamacher S. 59 f.)
Eine Verdrängung zeichnet sich also dadurch aus, dass ein Element (ein Signifikant) zwei Schritte durchläuft: das Element wird zunächst auf einer bestimmten Ebene gebildet und es wird dann zurückgestoßen. Die Verwerfung ist eine Ausschließung ohne diese Abfolge von Bildung und Zurückstoßung.
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dass das Subjekt sich zunächst als (–1) konstituiert: Vgl. Sitzung vom 28. Februar 1962, S. {21}. Hiernach bedeutet (1), dass das Subjekt mit dem unären Zug markiert ist, und (–1), dass es nicht mit dem unären Zug markiert ist.
einen tollen Trick anwenden: Wortspiel mit faire un sacré tour: (a) einen tollen Trick anwenden, (b) eine verdammte Runde (auf dem Torus) drehen.
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Der Hinweis bezieht sich auf folgende Passage im Rom-Vortrag:
„Zu behaupten, dieser tödliche Sinn offenbare im Sprechen ein der Sprache äußerliches Zentrum, ist mehr als eine Metapher und manifestiert eine Struktur. Diese Struktur ist verschieden von der Verräumlichung der Kreislinie oder der Sphäre, in der man sich die Grenzen des Lebendigen und seiner Umwelt zu schematisieren gefällt. Sie entspricht eher jener relationalen Gruppe, welche die symbolische Logik topologisch als einen Ring (anneau) bezeichnet.“
(Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse. In: J. Lacan: Schriften. Band I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2016, S. 379 (Vortrag von 1953, zuerst veröffentlicht 1956).
