Graf des Begehrens

Das Signifikat: die durch den Signifikanten modifizierte Strebung

Reisterassen Yünnan ChinaReis­teras­sen in Yunn­an, Chi­na

Was ver­steht La­can un­ter dem Si­gni­fi­kat?

Fragestellung

In Die Be­deu­tung des Phal­lus (1958) schreibt La­can: Der Phal­lus

ist der Si­gni­fi­kant, der be­stimmt ist, die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen in ih­rer Ge­samt­heit zu be­zeich­nen, so­weit der Si­gni­fi­kant die­se kon­di­tio­niert durch sei­ne Ge­gen­wart als Si­gni­fi­kant.“1

Der Satz ist schwer ver­ständ­lich. Eine ers­tes Pro­blem be­steht dar­in, dass der Aus­druck „Si­gni­fi­kant“ hier in drei ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen ver­wen­det wird. Um sie aus­ein­an­der­zu­hal­ten, ver­se­he ich sie mit In­di­zes. Der Phal­lus

ist der Si­gni­fi­kant1, der be­stimmt ist, die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen in ih­rer Ge­samt­heit zu be­zeich­nen, so­weit der Si­gni­fi­kant2 die­se kon­di­tio­niert durch sei­ne Ge­gen­wart als Si­gni­fi­kant3.“

Si­gni­fi­kant1 be­zieht sich auf ei­nen be­stimm­ten Si­gni­fi­kan­ten, auf den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten.
Si­gni­fi­kant2 meint Si­gni­fi­kan­ten schlecht­hin, sa­gen wir: die Spra­che un­ter dem As­pekt ih­rer for­ma­len und pho­ne­ti­schen Ei­gen­schaf­ten.
Si­gni­fi­kant3 meint den Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern er dem Sub­jekt auf be­stimm­te Wei­se ge­gen­wär­tig ist.

Die Stel­le wird et­was zu­gäng­li­cher, wenn man sie so um­schreibt:

Die Spra­che qua Si­gni­fi­kant ruft Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen her­vor, und zwar da­durch, dass der Si­gni­fi­kant auf be­stimm­te Wei­se ge­gen­wär­tig ist. Der Phal­lus ist ein Spe­zi­al­si­gni­fi­kant; er be­zeich­net die Ge­samt­heit der durch die Si­gni­fi­kan­ten her­vor­ge­ru­fe­nen Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen.“

Das Zi­tat ent­hält meh­re­re The­sen:
– Die Si­gni­fi­kan­ten ha­ben Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen.
– Die Si­gni­fi­kan­ten ha­ben Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen durch die Ge­gen­wart der Si­gni­fi­kan­ten als Si­gni­fi­kan­ten.
– Die Si­gni­fi­kan­ten ha­ben nicht nur ein­zel­ne Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen, son­dern dar­über hin­aus ei­nen Si­gni­fi­kats­ef­fekt ins­ge­samt.
– Der Phal­lus ist ein Si­gni­fi­kant.
– Der Phal­lus-Si­gni­fi­kant be­zeich­net die Si­gni­fi­kats­ef­fek­te der Si­gni­fi­kan­ten in ih­rer Ge­samt­heit.

Was meint hier „Si­gni­fi­kat“? In­wie­fern ist das Si­gni­fi­kat ein Ef­fekt? Wor­in be­steht die Ge­samt­heit der Si­gni­fi­kats­ef­fek­te?

Um die­se Fra­gen zu be­ant­wor­ten, gebe ich im Fol­gen­den ei­nen Über­blick dar­über, was La­can bis zum Zeit­punkt die­ses Vor­trags, also 1958, un­ter „Si­gni­fi­kat“ ver­steht. Die in den ers­ten bei­den Ab­schnit­ten („An­nä­he­rung“ und „Vier Kon­zep­te …“) dar­ge­stell­ten Zu­sam­men­hän­ge fin­det man so ähn­lich auch in der Se­kun­där­li­te­ra­tur; der drit­te Ab­schnitt („Was ist ein Si­gni­fi­kat?“) bringt, so­weit ich es über­bli­cke, et­was Neu­es. Am Schluss kom­me ich auf den ein­gangs zi­tier­ten Satz zu­rück.

Der Begriff des Signifikats

Annäherung

Zu­nächst zur Ter­mi­no­lo­gie.
Si­gni­fié, was in der Re­gel mit „Si­gni­fi­kat“ über­setzt wird, meint wört­lich „das Si­gni­fi­zier­te“.
– In den frü­hen Tex­ten ver­wen­det La­can die Aus­drü­cke „Si­gni­fi­kat“ (si­gni­fié) und „Be­deu­tung“ (si­gni­fi­ca­ti­on) häu­fig syn­onym.
– Ein drit­ter Ter­mi­nus in die­sem Wort­feld ist sens (Sinn); sens (Sinn) hat eine wei­te­re Be­deu­tung als si­gni­fi­ca­ti­on; als Syn­onym für Si­gni­fi­kat ver­wen­det La­can sens vor al­lem im Zu­sam­men­hang sei­ner Theo­rie der Me­ta­pher, auf die ich un­ten noch ein­ge­hen wer­de.2
– Von si­gni­fi­ca­ti­on ist si­gni­fi­an­ce zu un­ter­schei­den, Si­gni­fi­kanz. La­can ver­steht dar­un­ter die Funk­ti­on oder die Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten; er ver­wen­det si­gni­fi­an­ce als Ge­gen­be­griff zu si­gni­fi­ca­ti­on.3

Eine Be­deu­tung ver­weist im­mer auf an­de­re Be­deu­tun­gen und nie auf die Sa­che selbst; La­can wird nicht müde, die­se The­se sei­nen Hö­rern und Le­sern ein­zu­schär­fen.4

Meist aber geht es ihm, wenn er sich auf Be­deu­tun­gen bzw. Si­gni­fi­ka­te be­zieht, um de­ren Ver­hält­nis zum Si­gni­fi­kan­ten. Die wich­tigs­ten The­sen hier­zu sind:

(1) Die Un­ter­schei­dung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat ist grund­le­gend für die Psy­cho­ana­ly­se – die­se The­se trägt er zu­erst 1953 vor, im Dis­cours de Rome5 so­wie in Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se6; aus­ge­ar­bei­tet wird die­ser Ge­dan­ke vor al­lem in Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, so­wie in dem Auf­satz Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud von 1957.

(2) Die Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat hat man sich nicht so vor­zu­stel­len, dass der Si­gni­fi­kant ein be­reits exis­tie­ren­des Si­gni­fi­kat se­kun­där re­prä­sen­tiert.7 Die mit ei­nem Si­gni­fi­kan­ten ver­bun­de­nen Si­gni­fi­ka­te sind he­te­ro­gen.8 Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat ste­hen in ei­nem dia­lek­ti­schen Ver­hält­nis zu­ein­an­der.9 In der Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat hat der Si­gni­fi­kant das Pri­mat, den Vor­rang.10

(3) Die Be­zie­hung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat wird von der Psy­cho­ana­ly­se ver­kannt; sie re­du­ziert das Un­be­wuss­te meist auf Si­gni­fi­ka­te, tat­säch­lich aber wird es stär­ker von Si­gni­fi­kan­ten als von Si­gni­fi­ka­ten be­stimmt.11

Aus­ge­hend von der Un­ter­schei­dung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat wer­den von La­can ver­schie­de­ne Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se theo­re­tisch re­kon­stru­iert.
– Die Ver­drän­gung ist eine Dis­kor­danz von Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat.12
– Das Sym­ptom ist der Si­gni­fi­kant ei­nes ver­dräng­ten Si­gni­fi­kats, es be­steht aus Si­gni­fi­kan­ten, un­ter de­nen Si­gni­fi­ka­te in be­stän­di­ger Be­we­gung sind.13
– Die Neu­ro­se ist eine sym­bo­li­sche Ord­nung mit der Du­pli­zi­tät von Si­gni­fi­kat und Si­gni­fi­kant14; we­sent­lich ist für sie ein letz­ter Si­gni­fi­kant, der die Quel­le ei­ner Be­deu­tung ist.15
– Die Hys­te­rie ist eine Fra­ge, die um ei­nen Si­gni­fi­kan­ten zen­triert ist, des­sen Si­gni­fi­kat rät­sel­haft ist.16
– In der Psy­cho­se fal­len Si­gni­fi­kan­ten und Si­gni­fi­ka­te aus­ein­an­der, hier stößt man auf Si­gni­fi­ka­te ohne Si­gni­fi­kan­ten (auf un­aus­sprech­li­che Be­deu­tun­gen) so­wie auf Si­gni­fi­kan­ten ohne Si­gni­fi­kat (auf for­ma­le Struk­tu­ren, etwa Rei­hen­bil­dun­gen).17
– Die Deu­tung hat die Auf­ga­be, Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat zu­sam­men­zu­brin­gen18; die Psy­cho­ana­ly­se ist ein Ent­zif­fern von Si­gni­fi­kan­ten ohne vor­aus­ge­setz­tes Si­gni­fi­kat.19

Vier Konzepte zum Primat des Signifikanten gegenüber dem Signifikat

Das Primat des Signifikanten gegenüber dem Signifikat

Der Si­gni­fi­kant hat ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat das Pri­mat; die­se The­se über­nimmt La­can von Lévi-Strauss. Wor­in be­steht für La­can die­ses Pri­mat? Im Psy­cho­se-Se­mi­nar gibt er hier­auf meh­re­re Ant­wor­ten:
– Wenn ein Si­gni­fi­kant ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten er­setzt, ent­steht hier­durch ein neu­es Si­gni­fi­kat; La­can nennt die­se Be­deu­tungs­er­zeu­gung durch Sub­sti­tu­ti­on „Me­ta­pher“.
– Die Kom­bi­na­ti­on von Si­gni­fi­kan­ten im zeit­li­chen Nach­ein­an­der hat die Funk­ti­on, ein Si­gni­fi­kat zu um­krei­sen und da­bei un­zu­gäng­lich zu hal­ten. Die­ser Me­cha­nis­mus wird von La­can als „Me­to­ny­mie“ be­zeich­net.
– Bei der Her­vor­brin­gung ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te im zeit­li­chen Nach­ein­an­der ver­än­dert sich mit je­dem hin­zu­kom­men­den Ele­ment das Si­gni­fi­kat der ge­sam­ten Ket­te; fi­xiert wird das Si­gni­fi­kat der Ket­te rück­wir­kend, und zwar da­durch, dass ein Si­gni­fi­kant die Funk­ti­on des Letztele­ments hat.
– To­po­lo­gisch kann die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf das Si­gni­fi­kat als point de ca­pi­ton dar­ge­stellt wer­den, als Pols­ter­stich.

In spä­te­ren Tex­ten wer­den die­se The­sen aus­ge­ar­bei­tet

Metonymie und Metapher

Ro­man Ja­kobson zu­fol­ge ge­hört je­des sprach­li­che Zei­chen zu zwei ver­schie­de­nen Sys­tem­an­ord­nun­gen, zur Kom­bi­na­ti­on und zur Sub­sti­tu­ti­on. Ein Zei­chen er­scheint nur in Kom­bi­na­ti­on mit an­de­ren Zei­chen. Je­des Zei­chen er­setzt mög­li­che an­de­re Zei­chen, die an sei­ner Stel­le hät­ten aus­ge­wählt wer­den kön­nen. Auf die­sen bei­den Ach­sen be­ruht, Ja­kobson zu­fol­ge, der Ge­gen­satz von Me­to­ny­mie und Me­ta­pher so­wie, in der Psy­cho­ana­ly­se, der Ge­gen­satz zwi­schen, ei­ner­seits, Ver­dich­tung und Ver­schie­bung und, an­de­rer­seits, Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik.20

La­can greift Ja­kobsons The­sen im Psy­cho­se-Se­mi­nar auf21 und deu­tet sie so: Die Me­to­ny­mie be­steht in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­kom­bi­na­ti­on, die die Funk­ti­on hat, ein ver­schwun­de­nes Si­gni­fi­kat un­zu­gäng­lich hal­ten. Im Auf­satz Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder Die Ver­nunft seit Freud (1957) stellt er die Struk­tur der Me­to­ny­mie durch die­se For­mel dar:

f (S … Sꞌ) S ≅ S (–) s.

Sie ist so zu le­sen22: Die Funk­ti­on (f) des Si­gni­fi­kan­ten (S rechts ne­ben der lin­ken Klam­mer), Si­gni­fi­kan­ten mit­ein­an­der zu ver­knüp­fen (S …Sꞌ) ist gleich­wer­tig da­mit (≅), dass zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten (S) und dem Si­gni­fi­kat (s) die Bar­re, die Sper­re (–) auf­recht­erhal­ten bleibt. In der An­wen­dung auf das Feld der Psy­cho­ana­ly­se be­zieht La­can die Me­to­ny­mie häu­fig auf den Ob­jekt­wech­sel, so­fern er nicht mit ei­ner Um­struk­tu­rie­rung des Be­geh­rens ver­bun­den ist.

Die Me­ta­pher be­steht für La­can dar­in, dass ein Si­gni­fi­kant durch ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten er­setzt wird, was zur Fol­ge hat, dass ein neu­es Si­gni­fi­kat ent­steht. In Das Drän­gen des Buch­sta­bens schreibt er das so:

{f} \left( \frac {\text S'}{\text S} \right) \text{\normalsize {S}} \cong \text{\normalsize {S (+) s}}

Die Funk­ti­on (f) des Si­gni­fi­kan­ten (S rechts ne­ben der lin­ken Klam­mer), ei­nen Si­gni­fi­kan­ten (S un­ter dem „Bruch­strich“) durch ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten (Sꞌ) zu er­set­zen (–), ist gleich­wer­tig da­mit (≅), dass ein Si­gni­fi­kant (S) eine neue (+) Be­deu­tung (s) er­zeugt, was dar­auf be­ruht, dass die Sperre/Barre über­wun­den wird  (+).23

Die rückwirkende Bestimmung des Signifikats einer Signifikantenkette durch das Ende der Kette

Mit dem Kon­zept der Me­ta­pher ver­sucht La­can, die Be­deu­tungs­er­zeu­gung in der Di­men­si­on der Syn­chro­nie zu be­grei­fen, der Sprach­struk­tur. Der Si­gni­fi­kant greift auch auf der dia­chro­nen Ebe­ne in das Si­gni­fi­kat ein, im zeit­li­chen Nach­ein­an­der des Spre­chens. La­cans The­se hier­zu lau­tet: Das letz­te Ele­ment ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te – ge­wis­ser­ma­ßen der Punkt – de­ter­mi­niert rück­wir­kend das Si­gni­fi­kat des Sat­zes. Er er­läu­tert das am Bei­spiel ei­ner Sze­ne aus Ra­ci­nes Dra­ma Atha­lia. Der Heer­füh­rer Ab­ner sagt zu Joad, dem Ho­he­pries­ter: „Ja, ich kom­me in sei­nen Tem­pel, den Ewi­gen an­zu­be­ten.“

Ja, ich kom­me in sei­nen Tem­pel … Ver­ges­sen Sie nicht, was für eine Per­son das ist, die sich hier ein we­nig drän­gelnd prä­sen­tiert, es ist je­ner, der Ab­ner heißt. Es han­delt sich um ei­nen Of­fi­zier der Kö­ni­gin na­mens Atha­lia, die der Ge­schich­te ih­ren Ti­tel gibt und die al­les, was sich da ab­spielt, hin­rei­chend do­mi­niert, um die Haupt­per­son zu sein. Wenn ei­ner ih­rer Sol­da­ten an­fängt, Ja, ich kom­me in sei­nen Tem­pel … zu sa­gen, weiß man nicht im ge­rings­ten, wozu das füh­ren wird. Das kann ge­nau­so gut mit gleich­gül­tig was zu Ende ge­hen – Ja, ich kom­me in sei­nen Tem­pel, … den Ho­he­pries­ter fest­zu­neh­men zum Bei­spiel. Es muß wirk­lich zu Ende sein, da­mit man weiß, wor­um es geht. Der Satz exis­tiert nur voll­endet und sein Sinn kommt ihm nach­träg­lich. Wir müs­sen ganz am Ende an­ge­langt sein, das heißt bei die­sem fa­mo­sen Ewi­gen.

Wir sind da, in der Ord­nung der Si­gni­fi­kan­ten, und ich hof­fe, daß ich Sie habe spü­ren las­sen, was das ist, die Kon­ti­nui­tät des Si­gni­fi­kan­ten. Eine Si­gni­fi­kan­ten­ein­heit hat eine ge­wis­se durch­lau­fen­de Schlei­fe zur Vor­aus­set­zung, die de­ren ver­schie­de­ne Ele­men­te si­tu­iert.“24

Das Si­gni­fi­kat des Sat­zes wird durch die Ab­fol­ge der Si­gni­fi­kan­ten be­stimmt, Pe­ter schlägt Paul meint et­was an­de­res als Paul schlägt Pe­ter, in­so­fern wirkt der Si­gni­fi­kant auf das Si­gni­fi­kat ein. Aber nicht nur das. Mit je­dem Si­gni­fi­kan­ten, der hin­zu­kommt, ver­än­dert sich die Be­deu­tung des Sat­zes: Pe­ter schlägt hat eine an­de­re Be­deu­tung als Pe­ter schlägt Paul und Pe­ter schlägt Paul meint et­was an­de­res als Pe­ter schlägt Paul et­was vor; das Si­gni­fi­kat glei­tet un­ter den Si­gni­fi­kan­ten. Vom letz­ten Ele­ment der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te gibt es eine Rück­kop­pe­lungs­schlei­fe zum Si­gni­fi­kat der ge­sam­ten Ket­te; im Bei­spiel Pe­ter schlägt Paul et­was vor ist „vor“ in ei­ner Schluss­po­si­ti­on, da­durch ver­än­dert es rück­wir­kend die Be­deu­tung von „schlägt“ und fi­xiert zu­gleich das Si­gni­fi­kat des ge­sam­ten Sat­zes.

Topologie: Der Polsterstich bzw. Stepppunkt

Saussure Schema-der-zwei-WellenIn Sas­su­res Grund­fra­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft fin­det man ne­ben­ste­hen­de Zeich­nung.25 A steht für die vage Mas­se der Vor­stel­lun­gen, B für die chao­ti­sche Mas­se der Lau­te. Die senk­rech­ten ge­stri­chel­ten Li­ni­en re­prä­sen­tie­ren die Spra­che. Das Sche­ma zeigt, dass die Spra­che drei Funk­tio­nen hat: sie zer­teilt die Vor­stel­lungs­mas­se in dis­kre­te Ein­hei­ten, in Si­gni­fi­ka­te (z.B. in die Be­grif­fe Baum, Strauch, Haus usw.), sie zer­teilt die Laut­mas­se in dis­kre­te Ein­hei­ten, in Si­gni­fi­kan­ten (etwa in die Pho­nem­fol­gen (baʊ̯m), (ʃtraʊ̯x), (haʊ̯s), und sie sorgt da­für, dass Si­gni­fi­ka­te und Si­gni­fi­kan­ten ein­an­der ent­spre­chen, dass sie „Zei­chen“ bil­det (dass bei­spiels­wei­se die Laut­fol­ge (baʊ̯m) sich auf den Be­griff Baum be­zieht).

Das Sche­ma be­ruht auf der Vor­stel­lung, dass Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat Punkt für Punkt ein­an­der ent­spre­chen, und La­can kri­ti­siert die­se Un­ter­stel­lung – das Si­gni­fi­kat ei­nes Sat­zes ist eine Ge­samt­be­deu­tung. Sie er­gibt sich nicht durch die Ad­di­ti­on der ein­zel­nen Wort­be­deu­tun­gen, sie wird viel­mehr rück­wir­kend da­durch fi­xiert, dass die Ket­te ein Ende hat. Trotz die­ses Ein­wands lässt La­can sich von der Zeich­nung zu ei­ner to­po­lo­gi­schen Me­ta­pher an­re­gen, zum Bild des point de ca­pi­ton, des Pols­ter­stichs oder Stepp­punkts. In La­cans Um­deu­tung ste­hen die bei­den ho­ri­zon­ta­len Wel­len für Pols­ter und Be­zug, die senk­rech­ten ge­stri­chel­ten Li­ni­en re­prä­sen­tie­ren den Stich, der da­für sorgt, das Pols­ter und Be­zug nicht ge­gen­ein­an­der ver­rut­schen.

Die Pols­ter­stich­funk­ti­on ist für La­can die Funk­ti­on von Spe­zi­al­si­gni­fi­kan­ten. Die­se grei­fen in das chao­ti­sche Si­gni­fi­kat ein, so­dass es fi­xiert wird und sich da­bei zu­gleich ver­än­dert. Auch die­sen Ge­dan­ken il­lus­triert er durch die Sze­ne aus Atha­lia, aus der ich be­reits zi­tiert habe. In sei­ner Ant­wort auf Ab­ner bringt Joad, der Ho­he­pries­ter, der den Auf­stand plant, die Got­tes­furcht ins Spiel. Dar­auf­hin ist Ab­ner wie ver­wan­delt; er schließt sich Joad an. La­can er­klärt das so: Ab­ners zahl­rei­che und im Wi­der­streit mit­ein­an­der lie­gen­de Be­fürch­tun­gen wer­den durch Joa­ds In­ter­ven­ti­on ge­gen eine ein­zi­ge Furcht aus­ge­tauscht, ge­gen die Got­tes­furcht, die nicht ei­gent­lich eine Furcht ist, son­dern Mut und Treue zu ei­ner Sa­che.

Das Wort „Got­tes­furcht“ ist für La­can ein Si­gni­fi­kant. Die kon­fu­sen Be­fürch­tun­gen des Heer­füh­rers bil­den für ihn das chao­ti­sche Si­gni­fi­kat. Der Si­gni­fi­kant „Got­tes­furcht“ in­ter­ve­niert in die­ses Si­gni­fi­kat: er fi­xiert es und er mo­di­fi­ziert es. An­ders ge­sagt: der Si­gni­fi­kant „Got­tes­furcht“ fun­giert als Pols­ter­stich.

Im Feld der Psy­cho­ana­ly­se, sagt La­can, gibt es eine klei­ne An­zahl von Si­gni­fi­kan­ten mit Pols­ter­stich-Funk­ti­on. Der wich­tigs­te un­ter ih­nen ist der Name-des-Va­ters (auch „sym­bo­li­scher Va­ter“ ge­nannt), in Freud­scher Be­griff­lich­keit: der Va­ter als Re­prä­sen­tant des In­zest­ver­bots.26

Die Integration der Konzepte

In Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, ver­sucht La­can, sei­ne ver­schie­de­nen The­sen über das Pri­mat des Si­gni­fi­kan­ten ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat mit­ein­an­der zu ver­bin­den.

Polsterstich - Seminar 5 - Miller Gondek S. 15In der Sit­zung vom 6. No­vem­ber 1957 stellt er den Pols­ter­stich durch die ne­ben­ste­hen­de Zeich­nung dar.27 Eine der bei­den Pfeil­li­ni­en steht für die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, die an­de­re für die Ket­te der Si­gni­fi­ka­te; das Sche­ma soll il­lus­trie­ren, dass die bei­den Ket­ten an ge­nau zwei Punk­ten mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Spä­te­ren Er­läu­te­run­gen des Sche­mas kann man ent­neh­men, dass die von links nach rechts füh­ren­de Pfeil für die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te steht, der huf­ei­sen­för­mig von rechts nach links füh­ren­de Pfeil für die Ket­te der Si­gni­fi­ka­te. In der Se­kun­där­li­te­ra­tur ist strit­tig, was hier mit point de ca­pi­ton ge­meint ist, der rech­te Schnitt­punkt, der lin­ke Schnitt­punkt oder, wie ich an­neh­me, die ge­sam­te Fi­gur.

Polsterstich 2 - Seminar 5 - Miller Gondek S. 17Noch in der­sel­ben Sit­zung wird das Sche­ma des Pols­ter­stichs um­ge­deu­tet und aus­ge­baut (sie­he Ab­bil­dung rechts). Die bei­den lan­gen Pfeil­li­ni­en ste­hen jetzt für Si­gni­fi­kan­ten­ket­ten. Die von mir blau ge­färb­te, von rechts nach links ver­lau­fen­de Li­nie stellt die Ket­te des kon­kre­ten oder ra­tio­na­len Dis­kur­ses vor, das Spre­chen im ge­wöhn­li­chen Sin­ne des Wor­tes. Für den kon­kre­ten Dis­kurs ist cha­rak­te­ris­tisch, dass er mit fes­ten Se­man­te­men ver­bun­den ist und dass sich in ihm nur we­ni­ge Sinn­schöp­fun­gen er­eig­nen. Der kon­kre­te Dis­kurs ent­spricht Freuds Se­kun­där­pro­zess, als Be­we­gung ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te auf­ge­fasst. Die grü­ne, na­he­zu kreis­för­mig von links nach rechts ver­lau­fen­de Li­nie steht für eine Ket­te von Si­gni­fi­kan­ten, die für die Ef­fek­te von Me­ta­pher und der Me­to­ny­mie durch­läs­sig ist, bis hin zur Ebe­ne der Pho­neme; auf die­ser Si­gni­fi­kan­ten­li­nie sind Sinn­schöp­fun­gen durch Sub­sti­tu­tio­nen mög­lich. Die­se Li­nie ent­spricht Freuds Pri­mär­pro­zess.

Der lin­ke Kreu­zungs­punkt, γ, steht für die Bot­schaft. Der Sinn, der in der pho­n­e­mi­schen (grü­nen) Ket­te durch Sub­sti­tu­tio­nen er­zeugt wird, tritt an die­ser Stel­le in der Ket­te des ra­tio­na­len Dis­kur­ses ans Licht, etwa in Form ei­nes Ver­spre­chers. Der rech­te Kreu­zungs­punkt, α, re­prä­sen­tiert den Code, d.h. eine An­häu­fung der bis­he­ri­gen Sinn­schöp­fun­gen.28 Der Code ist im An­de­ren als Ort des Spre­chens ver­or­tet, im ver­ste­hen­den Adres­sa­ten als ei­nem un­ver­meid­li­chen Be­zugs­punkt je­den Spre­chens, selbst noch des Mo­no­logs.

Die un­te­re Quer­ver­bin­dung, zwi­schen β und βꞌ, steht für ei­nen Kurz­schluss, der da­für sorgt, dass der kon­kre­te oder ra­tio­na­le Dis­kurs den Kon­takt mit der pho­n­e­mi­schen Ket­te ver­mei­det, was zur Fol­ge hat, dass kei­ne neu­en Be­deu­tun­gen er­zeugt wer­den. In Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che heißt die­ser Typ des Spre­chens „lee­res Spre­chen“, im Sche­ma wird es durch die Ver­bin­dung δꞌ-β-βꞌ-δ re­prä­sen­tiert.

Der Punkt βꞌ steht für das „me­to­ny­mi­sche Ob­jekt“, an­ders ge­sagt, für das ver­schwun­de­ne Si­gni­fi­kat. Um die­ses ver­schwun­de­ne Si­gni­fi­kat dreht sich der kon­kre­te Dis­kurs, auf­grund des Kurz­schlus­ses β-βꞌ meist in der Wei­se, dass der Zu­gang zu ihm ver­sperrt bleibt.

Das Sche­ma ver­bin­det also die To­pik des Pols­ter­stichs mit den Kon­zep­ten von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie. Bei der wei­te­ren Aus­ar­bei­tung des Sche­mas wird es mit der rück­wir­ken­den Be­stim­mung des Si­gni­fi­kats ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te durch das letz­te Ele­ment ver­bun­den.

Polsterstich 3 - Seminar 5 - Miller Gondek Seite 105Das ne­ben­ste­hen­de Dia­gramm zeigt die­se nächs­te Ent­wick­lungs­stu­fe des Pols­ter­stichs. Die huf­ei­sen­för­mi­ge Li­nie (1–2-3) steht für die In­ten­ti­on des Sub­jekts; die von links nach rechts zei­gen­de Li­nie (I-II-III) re­prä­sen­tiert die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te.29 Die drei Seg­men­te der bei­den Li­ni­en ent­spre­chen drei Pha­sen, die von bei­den Li­ni­en gleich­zei­tig durch­lau­fen wer­den; Seg­ment ara­bisch 1 wird gleich­zei­tig mit Seg­ment rö­misch I rea­li­siert usw. Der ers­te Ab­schnitt der In­ten­ti­ons­li­nie, Ab­schnitt 1, re­prä­sen­tiert das Be­dürf­nis des Sub­jekts. Das ers­te Seg­ment der Si­gni­fi­kan­ten­li­nie, Ab­schnitt I, re­prä­sen­tiert die Si­gni­fi­kan­ten, die vom Sub­jekt hier­bei mo­bi­li­siert wer­den.

Der Si­gni­fi­kant pro­gre­diert zu­gleich mit der In­ten­ti­on, bis bei­de die­se Kreu­zun­gen er­rei­chen, A und M, de­ren Nütz­lich­keit, um den re­tro­ak­ti­ven Ef­fekt des sich schlie­ßen­den Sat­zes zu ver­ste­hen, ich Ih­nen be­reits un­ter­stri­chen habe.“30

In der zwei­ten Pha­se wird die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te über M hin­aus fort­ge­setzt (Seg­ment II wird rea­li­siert). Be­vor sie auf den Punkt A trifft, ist ihre Be­deu­tung noch schwan­kend; La­can par­al­le­li­siert das mit dem tas­ten­den Sprach­ge­brauch des Kin­des. Die von A zu M füh­ren­de Pfeil­li­nie re­prä­sen­tiert die Rück­wir­kung des Satz­en­des auf die Bot­schaft (messa­ge), auf das Si­gni­fi­kat des Sat­zes. Der Schnitt­punkt A be­zieht sich also nicht nur auf den An­de­ren als Sitz des Codes; im Ver­hält­nis zur Si­gni­fi­kan­ten­ket­te I-II steht A zu­gleich für das Ende ei­nes Sat­zes.

La­can be­tont, dass die Pols­ter­stich-Me­ta­pher pro­ble­ma­tisch ist:

“Die Auf­spie­ßung, von der ich spre­che, der Step­punkt, ist nur eine my­thi­sche An­ge­le­gen­heit, denn nie­mand hat je­mals eine Be­deu­tung auf ei­nen Si­gni­fi­kan­ten spie­ßen kön­nen. Was man um­ge­kehrt ma­chen kann, ist, ei­nen Si­gni­fi­kan­ten auf ei­nen Si­gni­fi­kan­ten spie­ßen und se­hen, was das gibt. In die­sem Fall ge­schieht stets et­was Neu­es, das mit­un­ter ge­nau­so un­er­war­tet ist wie eine che­mi­sche Re­ak­ti­on, näm­lich die Ent­ste­hung ei­ner neu­en Be­deu­tung.“31

Das Pri­mat des Si­gni­fi­kan­ten ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat wird nicht da­durch rea­li­siert, dass ein ein­zel­ner Si­gni­fi­kant das Si­gni­fi­kat fi­xiert. Der Si­gni­fi­kant in­ter­ve­niert in das Si­gni­fi­kat auf dem Um­weg über die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten; er er­zeugt neue Si­gni­fi­ka­te durch Sub­sti­tu­ti­on von Si­gni­fi­kan­ten (Me­ta­pher) und er ver­sperrt den Zu­gang zum Si­gni­fi­kat durch Kom­bi­na­ti­on (Me­to­ny­mie).

Was ist ein Signifikat?

Be­deu­tun­gen be­zie­hen sich auf Be­deu­tun­gen; der Si­gni­fi­kant hat in­so­fern den Vor­rang ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat, als Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen den Zu­gang zum Si­gni­fi­kat ver­sper­ren oder neue Si­gni­fi­ka­te er­schaf­fen. Aber was ver­steht La­can un­ter ei­nem Si­gni­fi­kat? Im Fol­gen­den zeich­ne ich nach, wie sich der Be­griff von Se­mi­nar 2 bis Se­mi­nar 5 ent­wi­ckelt.

Seminar 2

Wor­in be­steht die Be­deu­tung, das Si­gni­fi­kat ei­nes Traums?

Sie ha­ben ges­tern abend hö­ren kön­nen, wie jene Il­lu­si­on ex­po­niert wur­de, die bei den Le­sern Freuds nicht sel­ten an­zu­tref­fen ist, daß man im­mer das­sel­be Si­gni­fi­kat wie­der­fin­det, und zwar ein Si­gni­fi­kat von ziem­lich kur­zer Reich­wei­te, so als ob das Be­geh­ren des Traums / der Traum­wunsch, den Freud uns in der Traum­deu­tung* be­zeich­net, sich am Ende in der Form der in der Tat kur­zen Lis­te von Trie­ben zu­sam­men­fas­sen lie­ße.

Da­mit is­tʼs nichts.“(268)32

Man­che ver­ste­hen un­ter dem Si­gni­fi­kat den Traum­wunsch bzw. das Be­geh­ren des Traums und letzt­lich den Trieb. La­can weist die Vor­stel­lung zu­rück, dass das Be­geh­ren des Traums sich auf eine Lis­te von Trie­ben re­du­zie­ren lässt. Hält er es gleich­wohl für mög­lich, dass das Si­gni­fi­kat in ei­nem Wunsch be­steht, ei­nem Be­geh­ren, ei­nem Trieb? Das bleibt hier of­fen.

Seminar 3

La­can fasst ei­ni­ge Er­geb­nis­se von Se­mi­nar 2 zu­sam­men:

Sie er­in­nern sich, daß es in der Lin­gu­is­tik den Si­gni­fi­kan­ten und das Si­gni­fi­kat gibt, und daß der Si­gni­fi­kant im Sin­ne des Ma­te­ri­als der Spra­che auf­zu­fas­sen ist. Die Fal­le, das Loch, in das man nicht fal­len darf, ist zu glau­ben, daß das Si­gni­fi­kat die Ob­jek­te sind, die Sa­chen. Das Si­gni­fi­kat ist et­was ganz an­de­res – das ist die Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on), von der ich Ih­nen er­klärt habe, dank dem hei­li­gen Au­gus­ti­nus, der ge­nau­so gut Lin­gu­ist ist wie Herr Ben­ve­nis­te, daß sie im­mer auf die Be­deu­tung ver­weist, das heißt auf eine an­de­re Be­deu­tung.“ (41 f.)33

Das Si­gni­fi­kat ist nicht die Sa­che son­dern die Be­deu­tung – Si­gni­fi­kat (si­gni­fié) und Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) wer­den hier aus­drück­lich gleich­ge­setzt. Man könn­te auch über­set­zen mit „Si­gni­fi­zier­tes“ (si­gni­fié) und „Be­deu­tungs­ge­bung“ (si­gni­fi­ca­ti­on).

Spä­ter im Se­mi­nar be­müht sich La­can, Saus­su­res Un­ter­schei­dung von Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat auf die drei Re­gis­ter des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len zu be­zie­hen.

Und dann gibt es die Be­deu­tung, wel­che im­mer auf die Be­deu­tung ver­weist. Frei­lich, der Si­gni­fi­kant kann sich dar­in ver­fan­gen von dem Au­gen­blick an, wo Sie ihm eine Be­deu­tung ge­ben, Sie ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten als Si­gni­fi­kan­ten schaf­fen, et­was in die­ser Be­deu­tungs­funk­ti­on. Des­halb kann man von der Spra­che spre­chen. Aber die Auf­tei­lung Si­gni­fi­kant-Si­gni­fi­kat wird sich im­mer re­pro­du­zie­ren. Dass die Be­deu­tung ih­rem We­sen nach ima­gi­när ist, dar­an ist nicht zu zwei­feln. Sie ist, wie das Ima­gi­nä­re, letzt­lich im­mer schwin­dend, denn sie ist streng ge­bun­den an das, was Sie in­ter­es­siert, das heißt an das, wor­in Sie sich ver­fan­gen ha­ben. Wüß­ten Sie, daß Hun­ger und Lie­be das­sel­be sind, so wä­ren Sie, wie alle Tie­re, wirk­lich mo­ti­viert. Aber dank der Exis­tenz des Si­gni­fi­kan­ten reißt Sie ihre klei­ne per­sön­li­che Be­deu­tung – die auch ganz hoff­nungs­los gat­tungs­ge­bun­den ist, mensch­lich, all­zu mensch­lich – viel wei­ter fort.“ (66)

La­can wech­selt hier von der Un­ter­schei­dung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Be­deu­tung um­stands­los zur Un­ter­schei­dung zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat; hier wer­den Be­deu­tung und Si­gni­fi­kat gleich­ge­setzt:

Die Be­deu­tung, also das Si­gni­fi­kat, ist ima­gi­när und zwar des­halb, weil sie an das ge­bun­den ist an das, „was Sie in­ter­es­siert“, an das, was ei­nen „wirk­lich mo­ti­viert“, näm­lich an Hun­ger und Lie­be. Mit Hun­ger und Lie­be sind hier of­fen­bar na­tür­li­che Be­dürf­nis­se ge­meint. Die Be­dürf­nis­be­frie­di­gung wird, La­can zu­fol­ge, durch die Be­zie­hung zu Bil­dern ge­steu­ert und ist in die­sem Sin­ne ima­gi­när. Un­ter Be­deu­tung wer­den hier, in ers­ter An­nä­he­rung, die In­ter­es­sen und Mo­ti­ve ver­stan­den. Das si­gni­fié ist das Si­gni­fi­zier­te, das wor­auf das Spre­chen ab­zielt, das, was ei­nen in­ter­es­siert. Die­se „klei­ne per­sön­li­che Be­deu­tung“ wird durch den Si­gni­fi­kan­ten um­ge­formt und be­kommt da­durch eine ganz neue Trag­wei­te.

In ei­ner der Fol­ge­sit­zun­gen heißt es:

Bei der Neu­ro­se bleibt man im­mer in der sym­bo­li­schen Ord­nung, mit die­ser Du­pli­zi­tät des Si­gni­fi­kats und des Si­gni­fi­kan­ten, die das­je­ni­ge ist, was Freud über­setzt als neu­ro­ti­schen Kom­pro­miß.“ (126)

Der neu­ro­ti­sche Kom­pro­miss ist das Sym­ptom als Kom­pro­miss zwi­schen dem Trieb und dem Ver­bot des Über-Ichs. La­can deu­tet hier den Trieb als Si­gni­fi­kat (als das Signifizierte)und das Über-Ich als Si­gni­fi­kant.

Das Si­gni­fi­kat (si­gni­fié), das sind nicht die ganz ro­hen Din­ge, schon da ge­ge­ben in ei­ner auf die Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) hin of­fe­nen Ord­nung. Die Be­deu­tung, das ist der mensch­li­che Dis­kurs, so­fern er im­mer auf eine an­de­re Be­deu­tung ver­weist. Saus­su­re bil­det in sei­nen be­rühm­ten Lin­gu­is­tik­vor­le­sun­gen ein Sche­ma ab mit ei­nem Flie­ßen, das die Be­deu­tung ist, und ei­nem an­de­ren, das der Dis­kurs ist, das, was wir ver­neh­men.“ (142)

An die­ser Stel­le hat der Aus­druck „Be­deu­tung“ (si­gni­fi­ca­ti­on) ei­nen ge­gen­über dem Aus­druck „Si­gni­fi­kat“ (si­gni­fié) leicht ver­scho­be­nen Ak­zent. Si­gni­fi­ca­ti­on zielt hier pri­mär auf den Ver­wei­sungs­cha­rak­ter der si­gni­fiés; mög­li­cher­wei­se meint La­can mit „Be­deu­tung“ (si­gni­fi­ca­ti­on) vor al­lem die Be­zie­hung von Si­gni­fi­kat zu Si­gni­fi­kat, von si­gni­fié zu si­gni­fié, ohne dass si­gni­fi­ca­ti­on und si­gni­fié von ihm in die­ser Pha­se streng un­ter­schie­den wer­den.

Das Si­gni­fi­kat bzw. die Be­deu­tung, ist kei­ne na­tür­li­che Be­deu­tung; das Si­gni­fi­kat, die Be­deu­tung be­ruht im­mer schon auf dem Dis­kurs, da­mit auf den Si­gni­fi­kan­ten; das Si­gni­fi­kat ist Be­deu­tung-ei­nes-Dis­kur­ses.

Wenn die Psy­cho­ana­ly­se uns et­was lehrt, wenn die· Psy­cho­ana­ly­se et­was Neu­es dar­stellt, so liegt das ge­ra­de dar­an, daß die Ent­wick­lung des Men­schen in kei­ner Wei­se di­rekt de­du­zier­bar ist aus der Kon­struk­ti­on, aus den In­ter­fe­ren­zen, aus der Zu­sam­men­set­zung der Be­deu­tun­gen, das heißt aus den In­stink­ten.“ (224)

Die Be­deu­tun­gen wer­den hier mit den In­stink­ten gleich­ge­setzt: Die Ent­wick­lung des Men­schen ist nicht ab­leit­bar aus der Zu­sam­men­set­zung der Be­deu­tun­gen, das heißt aus den In­stink­ten.

Eine Sei­te spä­ter liest man:

Es gibt kei­ne an­de­re wis­sen­schaft­li­che De­fi­ni­ti­on der Sub­jek­ti­vi­tät als von der Mög­lich­keit her, den Si­gni­fi­kan­ten für End­zwe­cke hand­zu­ha­ben, die rein si­gni­fi­kant sind und nicht si­gni­fi­ka­tiv, das heißt, die kei­ner­lei di­rek­te Be­zie­hung aus­drü­cken, die der Ord­nung des Ap­pe­tits an­ge­hö­ren wür­de.“ (225)

Mit „si­gni­fi­ka­tiv“ meint La­can: auf die si­gni­fi­ca­ti­on be­zo­gen, auf die Be­deu­tung. Das, was „si­gni­fi­ka­tiv“ ist, be­zieht sich auf die Ord­nung des Ap­pe­tits.

In der fol­gen­den Sit­zung heißt es:

Das In­ter­es­se, das Be­geh­ren, das Ver­lan­gen, wel­ches das Sub­jekt ei­ner Be­deu­tung ent­ge­gen­bringt, führt dazu, de­ren Ty­pus, de­ren Guß­form, de­ren Prä­for­ma­ti­on im Re­gis­ter der In­stinkt­be­zie­hun­gen zu su­chen, in de­nen die­ses Sub­jekt kor­re­la­tiv zum Ob­jekt er­scheint. Da­her die Kon­struk­ti­on der Theo­rie der In­stink­te, Fun­da­men­te, auf de­nen die ana­ly­ti­sche Ent­de­ckung be­ruht. Tage und Vor­le­sun­gen lang habe ich mit al­len Mit­teln ver­sucht, Sie ah­nen zu las­sen, was wir vor­läu­fig die Au­to­no­mie des Si­gni­fi­kan­ten wer­den nen­nen kön­nen, daß es näm­lich Ge­set­ze gibt, die ihm ei­gen sind.“ (232)

Dies ist, den­ke ich, eine Schlüs­sel­stel­le, um La­cans Be­griff des Si­gni­fi­kats bzw. des Si­gni­fi­zier­ten (si­gni­fié) so­wie der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) zu ver­ste­hen. Das Sub­jekt bringt der Be­deu­tung ein In­ter­es­se, ein Be­geh­ren, ein Ver­lan­gen ent­ge­gen. Das Si­gni­fi­kat ist hier das Si­gni­fi­zier­te als das, wor­auf sich das Be­geh­ren rich­tet, Be­geh­ren hier in ei­nem all­ge­mei­nen Sinn, der auch den Trieb und das Be­dürf­nis um­fasst. Das Si­gni­fi­kat, das Si­gni­fi­zier­te ist hier das An­ge­streb­te, das Be­gehr­te, das Ob­jekt des Be­geh­rens.

Das könn­te ei­nen dazu brin­gen, sagt La­can, die Guß­form der Be­deu­tung im In­stinkt zu se­hen. Es kommt je­doch dar­auf, die Au­to­no­mie des Si­gni­fi­kan­ten zu se­hen. La­can un­ter­schei­det des­halb an an­de­ren Stel­len den ima­gi­när ge­steu­er­ten In­stinkt vom Trieb, der durch Si­gni­fi­kan­ten be­stimmt wird. Heißt das, die Be­deu­tung ist auf den Trieb zu be­zie­hen, nicht auf den In­stinkt?

Kurz dar­auf heißt es:

Die Be­zie­hung des Be­geh­rens ver­steht sich zu­nächst als we­sent­lich ima­gi­när. Von da her ge­ra­ten wir hin zum Ka­ta­log der In­stink­te, ih­rer Äqui­va­len­te und ih­res In­ein­an­der­mün­dens. Hal­ten wir lie­ber inne, um uns zu fra­gen, ob das nur bio­lo­gi­sche Ge­set­ze sind, die eine ge­wis­se An­zahl von Be­deu­tun­gen für das mensch­li­che Sub­jekt in­stinkt­haft in­ter­es­sant ma­chen. Was ist dar­in der An­teil, der vom Si­gni­fi­kan­ten kommt?

Tat­säch­lich greift der Si­gni­fi­kant, mit dem Spiel und dem Drän­gen, die ihm zu ei­gen sind, in alle In­ter­es­sen des Men­schen ein – so tief, so pri­mi­tiv, so ele­men­tar wir sie auch an­neh­men mö­gen.“ (233 f.)

Un­ter dem Be­geh­ren ver­steht La­can zu die­sem Zeit­punkt noch An­trie­be oder Stre­bun­gen je­der Art: Be­dürf­nis, In­stinkt, Trieb, Wunsch, In­ter­es­se, Mo­tiv. Wenn das Be­geh­ren durch Bil­der re­gu­liert wird, also ima­gi­nä­ren Cha­rak­ter hat, wird es als In­stinkt be­zeich­net.

Auch hier ver­bin­det La­can den Be­griff des In­stinkts mit dem der Be­deu­tung; er fragt: han­delt es sich um bio­lo­gi­sche Ge­set­ze, die eine be­stimm­te An­zahl von Be­deu­tun­gen in­stinkt­haft in­ter­es­sant ma­chen? Die Ant­wor­tet ist ne­ga­tiv, die­se Sicht­wei­se wür­de die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf die In­ter­es­sen ver­ken­nen. Man muss se­hen, dass die Be­deu­tung nicht rein bio­lo­gisch be­stimmt wird, son­dern auch durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten.

Das Si­gni­fi­kat ist dem­nach das Be­gehr­te, wo­bei fest­zu­hal­ten ist, dass das Be­geh­ren durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten mo­dif­ziert wird.

Im­mer noch in der­sel­ben Sit­zung sagt La­can:

Es gibt eine an­de­re Form von Ab­wehr als jene, wel­che eine ver­bo­te­ne Stre­bung (ten­dance) oder Be­deu­tung her­vor­ruft.“ (239, Über­set­zung ge­än­dert)

Die Stre­bung wird hier mit der Be­deu­tung par­al­le­li­siert. Das „oder“ ist mehr­deu­tig. Es könn­te sich um eine Rei­hung han­deln: eine Stre­bung oder aber eine Be­deu­tung. Es könn­te aber auch eine Er­läu­te­rung ge­meint sein: eine Stre­bung, auch Be­deu­tung ge­nannt.

Die fol­gen­de Pas­sa­ge setzt ei­nen an­de­ren Ak­zent:

Was gibt es Ur­sprüng­li­che­res als di­rek­ten Aus­druck ei­ner Be­deu­tung, das heißt ei­nes Be­geh­rens, als das, was Freud über sei­ne letz­te klei­ne Toch­ter be­rich­tet? – jene, die seit­her ei­nen so in­ter­es­san­ten Platz in der Ana­ly­se ein­ge­nom­men hat – Anna. Anna Freud – die Din­ge sind, Sie se­hen es, im Rein­zu­stand – spricht in ih­rem Schlaf – Erd­beer, Hoch­beer, Ei­er­speis, Papp. Das ist et­was, das Si­gni­fi­kat im Rein­zu­stand zu sein scheint.“ (269 f.)

Be­deu­tung und Be­geh­ren wer­den hier gleich­ge­setzt. Eine Be­deu­tung ist ein Be­geh­ren, aber nicht das Be­geh­ren schlecht­hin, son­dern ein be­stimm­tes Be­geh­ren, ein Be­geh­ren, das sich auf et­was Be­stimm­tes rich­tet. Der Be­griff des Si­gnif­kats bzw. der Be­deu­tung schwankt zwi­schen dem Be­geh­ren, das sch auf et­was Be­stimm­tes rich­tet und dem Be­gehr­ten.

Die Schwan­kung lässt sich auf­lö­sen, wenn man fragt, wor­auf sich das Be­geh­ren rich­tet. Das Be­geh­ren des Kin­des be­steht dar­in, be­gehrt zu wer­den, schreibt La­can im Psy­cho­se-Auf­satz von 1958.34

Wie be­greift La­can an der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le den Zu­sam­men­hang zwi­schen Be­deu­tung und Si­gni­fi­kat? Ver­wen­det er die Ter­mi­ni hier syn­onym oder ist ge­meint: Das Si­gni­fi­kat ist der Aus­druck ei­ner Be­deu­tung?35

Eine ex­pli­zi­te Zu­ord­nung zwi­schen Be­deu­tung und Be­geh­ren nimmt La­can auch in der fol­gen­den Be­mer­kung vor:

die Ele­men­tar­be­deu­tun­gen, wel­che wir Be­geh­ren nen­nen, oder Ge­fühl, oder Af­fek­ti­vi­tät, die­se Fluk­tua­tio­nen, die­se Schat­ten, so­gar Re­so­nan­zen, be­sit­zen eine ge­wis­se Dy­na­mik, die sich nur auf der Ebe­ne des Si­gni­fi­kan­ten er­klärt, so­fern er struk­tu­rie­rend ist.“ (308)

Be­geh­ren, Ge­fühl und Af­fek­ti­vi­tät sind ele­men­ta­re Be­deu­tun­gen. Die­se Be­deu­tun­gen wer­den durch den Si­gni­fi­kan­ten struk­tu­riert; der Si­gni­fi­kant ver­leit die­sen Be­deu­tun­gen eine be­stimm­te Dy­na­mik.

An­schlie­ßend kom­men­tiert La­can Saus­su­res Zeich­nung mit den bei­den Wel­len. Die obe­re Wel­le steht bei Saus­su­re für Ge­dan­ken oder Vor­stel­lun­gen.

Das ist das, was wir un­se­rer­seits pro­vi­so­risch die ge­fühls­mä­ßi­ge Mas­se des Stroms des Dis­kur­ses nen­nen wer­den, kon­fu­se Mas­se, in der Ein­hei­ten in Er­schei­nung tre­ten, In­seln, ein Bild, ein Ob­jekt, ein Ge­fühl, ein Schrei, ein Ruf. Das ist ein Kon­ti­nu­um, wäh­rend dar­un­ter der Si­gni­fi­kant ist als rei­ne Ket­te des Dis­kur­ses, Auf­ein­an­der­fol­ge von Wor­ten, wo nichts iso­lier­bar ist.“ (308)

Der Roh­stoff, der durch die Spra­che in Si­gni­fi­ka­te ver­wan­delt wird, ist die ge­fühls­mä­ßi­ge Mas­se des Stroms des Dis­kur­ses, dazu ge­hö­ren Bil­der, Ob­jek­te, Ge­füh­le, Schreie, Ap­pel­le.

In den My­then geht es um Si­gni­fi­kan­ten, die die Funk­ti­on ha­ben, die chao­ti­sche Men­ge der Si­gni­fi­ka­te in eine Ord­nung zu brin­gen. Wie das funk­tio­niert, er­läu­tert La­can an Ra­ci­nes Tra­gö­die Atha­lia. Der Ho­he­pries­ter Joad sagt zu dem un­ent­schlos­se­nen Feld­herr Ab­ner:

In Ehr­furcht sei­nem hei­li­gen Wil­len un­ter­wor­fen,
Fürch­te ich Gott, lie­ber Ab­ner, und habe sonst kei­ne Furcht.“36

Joa­ds An­ru­fung der Got­tes­furcht hat zur Fol­ge, dass Ab­ners kon­fu­se Ge­fühls­la­ge sich ord­net und er sich Joad (der den Auf­stand ge­gen die Kö­ni­gin plant) an­schließt.

La­can be­greift die Stre­bun­gen, Af­fek­te und Bil­der, die sich in Ab­ners wi­der­strei­ten, als Si­gni­fi­ka­te, Joa­ds Rede von der Got­tes­furcht als Si­gni­fi­kan­ten. Der Si­gni­fi­kant „Got­tes­furcht“ hat für Ab­ner die Funk­ti­on, Ord­nung in sei­ne wir­ren Si­gni­fi­ka­te zu brin­gen und ein neu­es Si­gni­fi­kat zu er­zeu­gen, so dass er weiß, was er zu tun hat, eine neue Ge­fühls­la­ge, die auf et­was Be­stimm­tes aus­ge­rich­tet ist.

Ei­ni­ge Si­gni­fi­kan­ten sind dar­auf spe­zia­li­sert, die Ord­nung der Si­gni­fi­ka­te her­zu­stel­len. Sie wer­den von La­can points de ca­pi­tons ge­nannt, „Stepp­punk­te“ oder bes­ser „Pols­ter­sti­che“.37 Ein we­sent­li­cher point de ca­pi­ton ist der Name des Va­ters, die Ka­te­go­rie der Va­ter­schaft als Schlüs­sel­si­gni­fi­kant des pa­tro­zen­tri­schen Ver­wandt­schafts­sys­tems.

Zu­sam­men­fas­sung

In Se­mi­nar 3 ver­steht La­can un­ter dem Si­gni­fi­kat bzw. dem Si­gni­fi­zier­ten (si­gni­fié) oder der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) Stre­bun­gen ver­schie­de­ner Art: In­ter­es­sen, Mo­ti­ve, Trie­be, Be­gier­den, Be­dürf­nis­se, Ge­füh­le, Af­fek­te (z.B. die Be­fürch­tun­gen des Feld­herrn Ab­ner aus Atha­lia), aber auch das von die­sen Stre­bun­gen An­ge­ziel­te, das Be­gehr­te.  

Ent­schei­dend ist für ihn, dass die­se An­trie­be beim Men­schen kei­nen rein bio­lo­gi­schen oder phy­sio­lo­gi­schen Cha­rak­ter ha­ben, dass sie viel­mehr durch den Si­gni­fi­kan­ten struk­tu­riert sind, wo­durch sie eine spe­zi­el­le Dy­na­mik er­hal­ten. Das Pri­mat des Si­gni­fi­kan­ten ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat be­steht dem­nach dar­in, dass der Si­gni­fi­kant in die Stre­bun­gen, in die na­tür­li­chen Be­deu­tun­gen ein­greift und sie mo­di­fi­ziert. Das Si­gni­fi­kat, so kann man hier­aus schlie­ßen, ist eine durch den Si­gni­fi­kan­ten mo­di­fi­zier­te Stre­bung, manch­mal auch de­ren Ob­jekt. In Freuds Be­griff­lich­keit: das Si­gni­fi­kat be­ruht auf ei­nem Trieb­schick­sal.38

Seminar 4

In Se­mi­nar 4 kommt La­can auf Saus­su­res Wel­len­sche­ma zu­rück und ver­ein­facht es zum Sche­ma zwei­er Par­al­le­len.

Ich habe den Ver­lauf des Si­gni­fi­kan­ten oder des kon­kre­ten Dis­kur­ses zum Bei­spiel und den Ver­lauf des Si­gni­fi­kats, wor­in und als was sich die Kon­ti­nui­tät des Er­le­bens, der Fluß der Stre­bun­gen bei ei­nem Sub­jekt und zwi­schen den Sub­jek­ten dar­stellt, be­reits in eine Art par­al­le­le Über­ein­an­der­le­gung ver­setzt.

_______________________ Si­gni­fi­kant
_______________________ Si­gni­fi­kat

Sche­ma der Par­al­le­len“ (53)39

Das Si­gni­fi­kat stellt die Kon­ti­nui­tät des Er­le­bens dar, den Fluss der Stre­bun­gen, so­wohl beim ein­zel­nen Sub­jekt als auch zwi­schen Sub­jek­ten.

Ei­ni­ge Sät­ze spä­ter heißt es:

Die­ses Sche­ma be­inhal­tet, daß das, was Si­gni­fi­kant von et­was ist, in je­dem Au­gen­blick Si­gni­fi­kant von et­was an­de­rem wer­den kann, und daß al­les, was sich in der Lust auf … (en­vie), der Stre­bung (ten­dance) und der Li­bi­do des Sub­jekts dar­stellt, stets vom Ab­druck ei­nes Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net ist – was nicht aus­schließt, daß es viel­leicht et­was an­de­res im Trieb (pul­si­on) oder in der Lust auf … ge­ben könn­te, et­was, das nicht vom Ab­druck des Si­gni­fi­kan­ten ge­zeich­net ist, aber wir ha­ben kei­nen Zu­gang dazu. Der Si­gni­fi­kant wird in die na­tür­li­che Be­we­gung (mou­ve­ment) ein­ge­führt, ins Be­geh­ren (dé­sir) oder in den de­mand, ein Wort, auf das die eng­li­sche Spra­che wie auf ei­nen pri­mi­ti­ven Aus­druck ei­nes Ver­lan­gens (ap­pe­tit) zu­rück­greift, wo­bei sie es als For­de­rung (exi­gence) qua­lif­ziert, ob­gleich das Ver­lan­gen als sol­ches nicht von den ei­ge­nen Ge­set­zen des Si­gni­fi­kan­ten ge­prägt ist.“ (53, Über­set­zung ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Die Pas­sa­ge be­zieht sich auf eine Rei­he von Stre­bun­gen, die nicht nä­her von­ein­an­der ab­ge­grenzt wer­den: Lust-auf-et­was, Trieb, Be­geh­ren, Ap­pe­tit. La­can nennt sie auch die „na­tür­li­chen Be­we­gun­gen“. Der Be­griff mou­ve­ment, Be­we­gung, geht zu­rück auf das la­tei­ni­sche Verb mo­ve­re, aus dem auch „Mo­tiv“ her­vor­ge­gan­gen ist, der Be­weg­grund. Statt von Stre­bun­gen kann man auch von na­tür­li­chen Mo­ti­ven spre­chen.

In die na­tür­li­chen Stre­bun­gen oder na­tür­li­chen Mo­ti­ve wird der Si­gni­fi­kant ein­ge­führt. An­ders ge­sagt, die Stre­bun­gen oder Mo­ti­ve wer­den durch die An­pas­sung an die Be­din­gun­gen des Spre­chens um­ge­formt. Die Li­bi­do ist kei­ne na­tür­li­che Stre­bung, son­dern eine durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten um­ge­form­te Stre­bung.

Im Trieb oder in der Lust-auf-et­was gibt es auch eine Di­men­si­on, so ver­mu­tet La­can, die nicht vom Si­gni­fi­kan­ten ge­prägt ist. „Wir“, d. h. die Psy­cho­ana­ly­ti­ker, ha­ben je­doch kei­nen Zu­gang zu ihr.

Sze­nen­wech­sel. Was ist der Hei­li­ge Geist?

Er ist ganz ge­wiß das, was Freud uns un­ter dem Wort To­des­trieb ge­bracht hat. Es han­delt sich um jene Gren­ze des Si­gni­fi­kats, die von kei­nem Le­be­we­sen je er­reicht wird (…).“ (53)

Der To­des­trieb ist die Gren­ze des Si­gni­fi­kats, des Si­gni­fi­zier­ten – un­ter dem Si­gni­fi­kat wird hier of­fen­bar der Trieb ver­stan­den.

Kurz da­nach heißt es:

Was der Exis­tenz des Si­gni­fi­kan­ten, sei­ner An­we­sen­heit in der Welt, zu­grun­de liegt, wer­den wir in un­ser Sche­ma als eine wirk­sa­me Ober­flä­che des Si­gni­fi­kan­ten ein­fü­gen, wor­in die­ser ge­wis­ser­ma­ßen das wi­der­spie­gelt, was man das letz­te Wort des Si­gni­fi­kats, das heißt des Le­bens, des Er­leb­ten, des Stro­mes der Emo­tio­nen und des li­bi­di­nö­sen Stro­mes, nen­nen kann.“ (54)

Das Si­gni­fi­kat, das vom Si­gni­fi­kan­ten Si­gni­fi­zier­te ist das Le­ben, das Er­leb­te, der Fluss der Emo­tio­nen und der Li­bi­do, so­fern sie vom Si­gni­fi­kan­ten ge­prägt sind.

Zu­sam­men­fas­sung

Auch in Se­mi­nar 4 ist das si­gni­fié (Si­gni­fi­kat, Si­gni­fi­zier­tes) eine Stre­bung: Kon­ti­nui­tät des Er­le­bens, Fluss der Stre­bun­gen, Lust-auf-et­was, Trieb, Be­geh­ren, Ap­pe­tit, Le­ben, Er­leb­tes, Emo­tio­nen, Li­bi­do – all dies An­trie­be sind Si­gni­fi­kat un­ter der Vor­aus­set­zung, dass der Si­gni­fi­kant auf sie ein­ge­wirkt hat. Die­se Ten­den­zen ha­ben ver­mut­lich auch eine na­tür­li­che Di­men­si­on, un­ab­hän­gig vom Si­gni­fi­kan­ten, zu ihr hat der Psy­cho­ana­ly­ti­ker je­doch kei­nen Zu­gang.

Seminar 5

In der Sit­zung vom 13. No­vem­ber 1957 for­dert La­can sei­ne Hö­rer auf, ei­nen sei­ner Auf­sät­ze zu stu­die­ren:

Dar­auf muß ich be­stehen, daß Sie alle die Bei­spie­le zur Kennt­nis neh­men, die ich in L’Instance de la lett­re (Das Drän­gen des Buch­sta­bens) an­ge­ge­ben habe, für das, was ich die we­sent­li­chen Funk­tio­nen des Si­gni­fi­kan­ten nen­ne, in­so­fern durch die­se die Pflug­schar des Si­gni­fi­kan­ten im Rea­len das Si­gni­fi­kat aus­hebt, es buch­stäb­lich evo­ziert, es her­vor­tre­ten läßt, es hand­habt, es er­zeugt. Es han­delt sich um die Funk­tio­nen der Me­ta­pher und der Metonymie.“(32)40

Die Pflug­schar des Si­gni­fi­kan­ten hebt im Rea­len das Si­gni­fi­kat aus, das Si­gni­fi­zier­te. Un­ter dem Rea­len ver­steht er hier ver­mut­lich die na­tür­li­chen An­trie­be, Mo­ti­ve, Be­gier­den usw. Der Si­gni­fi­kant durch­pflügt die­sen Bo­den und hier­durch ent­steht das Si­gni­fi­kat. Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht La­can dem­nach die sprach­lich struk­tu­rier­ten Ge­füh­le, Be­gier­den, Trie­be, Li­bi­do­flüs­se usw.

Kurz nach die­ser Sit­zung, im De­zem­ber 1957 und Ja­nu­ar 1958, schreibt La­can den Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht. Das Sub­jekt, heißt es hier, stellt im Un­be­wuss­ten die Fra­ge nach sei­ner Exis­tenz; es stellt sie mit­hil­fe von dis­kre­ten Ele­men­ten:

Dies ist ent­schei­dend, denn ge­nau die­se Ele­men­te ha­ben wir in der lin­gu­is­ti­schen Ana­ly­se als Si­gni­fi­kan­ten zu iso­lie­ren, und ge­nau da sind sie im Rein­zu­stand in ih­rer Funk­ti­on zu be­grei­fen am un­wahr­schein­lichs­ten und wahr­schein­lichs­ten Punkt zu­gleich. (…)

– am wahr­schein­lichs­ten Punkt, weil nur da auf un­zwei­deu­ti­ge Wei­se ihre Funk­ti­on, die Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) in das Si­gni­fi­kat (si­gni­fié) ein­zu­füh­ren, dem sie ihre Struk­tur auf­zwin­gen, er­schei­nen kann.

Denn ge­wiß, die Fur­chen, die der Si­gni­fi­kant in der rea­len Welt auf­wirft, ho­len, um sie brei­ter zu ma­chen, die auf­klaf­fen­den Stel­len, die die­se je­nem als sei­end an­bie­tet, so daß eine Am­bi­gui­tät fort­be­stehen kann, will man fest­stel­len, ob der Si­gni­fi­kant da nicht etwa dem Ge­setz des Si­gni­fi­kats folgt.“41

Si­gni­fi­kat bzw. Si­gni­fi­zier­tes (si­gni­fié) und Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) wer­den hier aus­nahms­wei­se deut­lich von­ein­an­der un­ter­schie­den. Die Si­gni­fi­kan­ten ha­ben die Funk­ti­on, in das Si­gni­fi­kat, in das Si­gni­fi­zier­te die Be­deu­tung ein­zu­füh­ren. Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht La­can an der zi­tier­ten Stel­le die „rea­le Welt“ (eine Auf­fas­sung, der er an­sons­ten wi­der­spricht), also ver­mut­lich die vor­sprach­li­chen Stre­bun­gen. Die rea­le Welt des Si­gni­fi­kats ist durch auf­klaf­fen­de Stel­len ge­kenn­zeich­net: da­mit könn­ten die Kör­per­öff­nun­gen ge­meint sein.

In die rea­le Welt des Si­gni­fi­zier­ten führt der Si­gni­fi­kant die Be­deu­tung ein: da­durch, dass die Stre­bun­gen, die Si­gni­fi­ka­te, vom Si­gni­fi­kan­ten ge­prägt wer­den, ent­ste­hen Be­deu­tun­gen.

Die Ter­mi­no­lo­gie ist also in­sta­bil. Zu­nächst heißt es: Der Si­gni­fi­kant greift in das Rea­le ein und er­zeugt hier­durch das Si­gni­fi­kat. Kurz da­nach schreibt er: Der Si­gni­fi­kant greift in das Si­gni­fi­kat ein und er­zeugt hier­durch die Be­deu­tung. Ge­meint ist das­sel­be und das Ar­gu­ment ist klar: Der Si­gni­fi­kant greift in die na­tür­li­chen Stre­bun­gen ein und ver­wan­delt sie. Die vom Si­gni­fi­kan­ten ge­präg­ten Stre­bun­gen wer­den mal als Si­gni­fi­kat bzw. Be­deu­tung, mal als Be­deu­tung im Un­ter­schied zum Si­gni­fi­kat be­zeich­net.

Auch in Se­mi­nar 5 be­zieht La­can sich auf das Sche­ma des Pols­ter­stichs:

Nun kann aber das, was wir hier auf sei­ten des An­spruchs in Be­tracht zie­hen müs­sen, ge­ra­de nicht mit der Be­frie­di­gung des Be­dürf­nis­ses zu­sam­men­ge­wor­fen wer­den, da eben die Aus­übung ei­nes je­den Si­gni­fi­kan­ten die Ma­ni­fes­ta­ti­on die­ses Be­dürf­nis­ses ver­wan­delt. Mit Hil­fe des Si­gni­fi­kan­ten wird ihm ein Mi­ni­mum an Ver­wand­lung – an Me­ta­pher, um al­les zu sa­gen – bei­ge­bracht, wes­halb das, was be­deu­tet wird, et­was jen­seits des ro­hen Be­dürf­nis­ses ist, durch den Ge­brauch des Si­gni­fi­kan­ten neu mo­del­liert ist. Seit­dem, seit die­sem An­fang ist das, was in die Schöp­fung des Si­gni­fi­kats ein­tritt, nicht rei­ne und schlich­te Über­set­zung des Be­dürf­nis­ses, son­dern Auf­nah­me, Wie­der­auf­nah­me, Neu­mo­del­lie­rung des Be­dürf­nis­ses, Er­schaf­fung ei­nes Be­geh­rens an­ders als das Be­dürf­nis. Es ist das Be­dürf­nis plus der Si­gni­fi­kant. Ge­nau­so wie der So­zia­lis­mus, wie Le­nin sag­te, wahr­schein­lich et­was sehr Sym­pa­thi­sches ist, aber die per­fek­te Ge­mein­schaft hat über­dies die Elek­tri­fi­zie­rung, ge­nau­so gibt es hier im Aus­druck des Be­dürf­nis­ses über­dies den Si­gni­fi­kan­ten.“ (106)

Das Be­dürf­nis wird in An­sprü­chen ar­ti­ku­liert, in For­de­run­gen nach Be­dürf­nis­be­frie­di­gung (und nach Lie­be). Durch den An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung wird das Be­dürf­nis nicht ein­fach re­prä­sen­tiert. Da­durch, dass das Be­dürf­nis durch den Fil­ter des An­spruchs hin­durch muss, wird es ver­wan­delt. Nach der Ar­ti­ku­la­ti­on des An­spruchs ist es kein na­tür­li­ches Be­dürf­nis mehr, son­dern ein Be­geh­ren, das sich vom Be­dürf­nis un­ter­schei­det, ein durch den Si­gni­fi­kan­ten trans­for­mier­tes Be­dürf­nis. Die Ver­wand­lung des Be­dürf­nis­ses durch den An­spruch ist eine Me­ta­pher, im Sin­ne von: eine Neu­schöp­fung. So wie der Kom­mu­nis­mus So­wjet­macht plus Elek­tri­fi­zie­rung ist, so ist das Be­geh­ren Be­dürf­nis plus Si­gni­fi­kant.

Mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on nä­hert La­can den Be­griff des durch den Si­gni­fi­kan­ten ver­wan­del­ten Be­geh­rens an den Be­griff des Si­gni­fi­kats an. In Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten hat­te er aus­ge­führt, dass die Me­ta­pher eine Neu­schöp­fung ist, und zwar die Neu­schöp­fung ei­nes Si­gni­fi­kats bzw. ei­nes Sinns. In der zu­letzt zi­tier­ten Pas­sa­ge ist das, was durch die Me­ta­pher neu er­zeugt wird, ein Be­geh­ren, das sich vom na­tür­li­chen Be­dürf­nis un­ter­schei­det. Of­fen­bar ist das Si­gni­fi­kat bzw. der Sinn iden­tisch mit dem durch den Si­gni­fi­kan­ten um­ge­wan­del­ten Be­dürf­nis, zu­min­dest sind bei­de mit blo­ßem Auge kaum von­ein­an­der zu un­ter­schei­den.

Polsterstich 3 - Seminar 5 - Miller Gondek Seite 105In ei­ner spä­te­ren Sit­zung ver­weist La­can auf das ne­ben­ste­hen­de Sche­ma, das ich in die­sem Ar­ti­kel be­reits vor­ge­stellt habe, und er­läu­tert den Punkt M.

 „Es hängt näm­lich mit der Na­tur und mit dem Ef­fekt des Si­gni­fi­kan­ten zu­sam­men, daß das, was hier in M an­kommt, sich als Si­gni­fi­kat prä­sen­tiert, das heißt als et­was, das aus der Trans­for­ma­ti­on, der Bre­chung des Be­geh­rens durch sei­nen Durch­gang durch den Si­gni­fi­kan­ten, ge­macht ist. Aus die­sem Grun­de sind die­se bei­den Li­ni­en über­kreuzt. Das hat das Ziel, Sie die Tat­sa­che spü­ren zu las­sen, daß das Be­geh­ren sich durch den Si­gni­fi­kan­ten aus­drückt und durch ihn hin­durch­geht.“ (173)

Am Punkt M über­kreuzt sich die Li­nie des Si­gni­fi­kan­ten (I-II-III) mit der Li­nie der In­ten­ti­on oder des Be­geh­rens (1–2-3); der Be­griff des Be­geh­rens hat zu die­sem Zeit­punkt des Se­mi­nars noch nicht die en­ge­re Be­deu­tung, die er we­ni­ge Sit­zun­gen spä­ter er­hal­ten wird, er meint hier noch Stre­bun­gen je­der Art: Be­dürf­nis­se, Trie­be, Lust auf et­was usw. Das Si­gni­fi­kat ist am Punkt M lo­ka­li­siert, was hei­ßen soll: das Si­gni­fi­kat ent­steht da­durch, dass das Be­geh­ren durch den Si­gni­fi­kan­ten um­ge­formt wird – das Si­gni­fi­kat ist eine durch den Si­gni­fi­kan­ten ver­wan­del­te Stre­bung.

Wel­ches Si­gni­fi­kat hat der Si­gni­fi­kant Mut­ter, d.h. die Mut­ter als Wech­sel von An­we­sen­heit und Ab­we­sen­heit?

Die Mut­ter geht, die Mut­ter kommt. (…) Die Fra­ge ist (für das Kind) – wel­ches ist das Si­gni­fi­kat? Was ist das, was sie, die­se da will? Ich hät­te gern, daß ich es bin, den sie will, aber es ist schon deut­lich, daß es nicht nur mich gibt, den sie will.“ (203)

Als Si­gni­fi­kat be­zeich­net La­can hier das, was die Mut­ter will, nicht ihre Stre­bung, son­dern den Ge­gen­stand die­ser Stre­bung, den Ge­gen­stand oder den Ziel­punkt ih­res Wil­lens, als Si­gni­fi­zier­te.

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung heißt es über die Frau:

Die Tat­sa­che, daß sie wie im üb­ri­gen auch der Mann sich in die Welt des Si­gni­fi­kan­ten ein­schrei­ben muß, wird bei ihr durch die­ses Be­geh­ren un­ter­stri­chen, das als Si­gni­fi­kat stets in ei­nem ge­wis­sen Ab­stand, in ei­ner Rand­zo­ne zu was auch im­mer blei­ben muß, das sich auf ein na­tür­li­ches Be­dürf­nis be­zie­hen könn­te.“ (337 f.)

Das Be­geh­ren wird hier mit dem Si­gni­fi­kat gleich­ge­setzt. Das Be­geh­ren als Si­gni­fi­kat ist je­nes Be­geh­ren, das sich durch die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten vom na­tür­li­chen Be­dürf­nis un­ter­schei­det.

Das Si­gni­fi­kat und der Man­gel

In ei­ner der letz­ten Sit­zun­gen des Se­mi­nars ver­bin­det La­can den Be­griff des Si­gni­fi­kats mit dem des Man­gels:

Weit da­von ent­fernt, daß das Sys­tem des An­spruchs per­fekt sei, in vol­lem Er­trag oder in vol­lem Ge­brauch, wird auf sei­nem Hin­ter­grund die Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf das Sub­jekt ein­ge­führt, die Prä­gung (mar­que) des Sub­jekts durch den Si­gni­fi­kan­ten und die Di­men­si­on des Man­gels, ein­ge­führt in das Sub­jekt durch die­sen Si­gni­fi­kan­ten.

Die­ser ein­ge­führ­te Man­gel wird als sol­cher im Sys­tem des Si­gni­fi­kan­ten sym­bo­li­siert als Wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf das Sub­jekt, das heißt das Si­gni­fi­kat. Im ei­gent­li­chen Sin­ne kommt das Si­gni­fi­kat nicht so sehr aus den Tie­fen, als ob das Le­ben in Be­deu­tun­gen er­blüh­te, son­dern aus der Spra­che und aus dem Si­gni­fi­kan­ten, der in das Le­ben jene Art Wir­kung ein­drückt, die sich Si­gni­fi­kat nennt.“ (545 f., Über­set­zung ge­än­dert)

Der Be­griff des Si­gni­fi­kats wird hier re­vi­diert: der Be­griff wird auf­ge­spal­ten. Das Si­gni­fi­kat ist ers­tens das durch Si­gni­fi­kan­ten um­ge­wan­del­te Be­dürf­nis. Das Si­gni­fi­kat ist zwei­tens der hier­bei ent­ste­hen­de Man­gel. Die Ein­prä­gung des Si­gni­fi­kan­ten in das Le­ben hat eine be­stimm­te Wir­kung, die­se Wir­kung ist das Si­gni­fi­kat. Die Ein­prä­gung des Si­gni­fi­kan­ten in das le­ben­di­ge Sub­jekt, also die Bil­dung des Si­gni­fi­kats, läuft dar­auf hin­aus, in das Sub­jekt die Di­men­si­on des Man­gels ein­zu­füh­ren; das Si­gni­fi­kat in die­ser zwei­ten Be­deu­tung ist der Man­gel. Der durch den Si­gni­fi­kan­ten in das Sub­jekt ein­ge­führ­te Man­gel wird durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten sym­bo­li­siert, durch den Phal­lus.

Graf des Begehrens - Signifikat des Anderen und Begehren gefärbtIm Gra­fen des Be­geh­rens wird die­se Auf­spal­tung durch die Sym­bo­le s(A) und d re­prä­sen­tiert (Sche­ma zum Ver­grö­ßern an­kli­cken).42 Das Sym­bol s(A) meint: „Si­gni­fi­kat des An­de­ren“, das vom An­de­ren kom­men­de Si­gni­fi­kat, d.h. das durch den An­spruch trans­for­mier­ten Be­dürf­nis. Der Buch­sta­be d steht für dé­sir, Be­geh­ren; durch die Ein­prä­gung des Si­gni­fi­kan­ten in die Be­dürf­nis­se, also durch die Bil­dung des Si­gni­fi­kats (s(A), ent­steht ein Man­gel; das Be­geh­ren ist die Form, in der die­ser Man­gel be­strebt ist, sich jen­seits des An­spruchs An­er­ken­nung zu ver­schaf­fen, durch Be­zie­hung zum Be­geh­ren des An­de­ren und durch den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten.

s(A) ist der Schnitt­punkt drei­er Li­ni­en: der von $ aus­ge­hen­den Be­dürf­nis­li­nie (grün), der Li­nie des An­spruchs auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung (blau) und der Li­nie der Ein­wir­kung des An­de­ren auf das Si­gni­fi­kat. Das Be­geh­ren, d (gelb), ist jen­seits des Si­gni­fi­kats des An­de­ren ver­or­tet, im obe­ren Teil des Gra­fen.

Zu­sam­men­fas­sung

Im Se­mi­nar 5 knüpft La­can an den Ge­dan­ken an, den er in den vor­an­ge­gan­ge­nen Se­mi­na­ren be­reits ent­wi­ckelt hat­te: Der Si­gni­fi­kant greift in die na­tür­li­chen Stre­bun­gen ein und mo­di­fi­ziert sie; die um­ge­wan­del­te Stre­bung ist das Si­gni­fi­kat, das Si­gni­fi­zier­te.

Fol­gen­de Be­stim­mun­gen wer­den in hin­zu­ge­fügt:
– Der Weg, auf dem der Si­gni­fi­kant in den An­trieb ein­greift, ist der An­spruch, d.h. die For­de­rung nach Be­dürf­nis­be­frie­di­gung und nach Lie­be (nach An­we­sen­heit).
– Die Um­wand­lung des Be­dürf­nis­ses durch den An­spruch ist eine Me­ta­pher, sie führt zur Neu­schöp­fung ei­nes Si­gni­fi­kats.
– Be­dürf­nis, Si­gni­fi­kat und Be­geh­ren wer­den im Ver­lauf des Se­mi­nars zu­neh­mend schär­fer un­ter­schie­den, am Ende des Se­mi­nars wer­den sie so ver­wen­det: Der Si­gni­fi­kant greift durch den An­spruch in das na­tür­li­che Be­dürf­nis ein; durch die In­ter­ven­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten ver­wan­delt sich das Be­dürf­nis in das Si­gni­fi­kat; die Um­wand­lung der Be­dürf­nis­se durch den Si­gni­fi­kan­ten hat ei­nen Ge­samt­ef­fekt: den Man­gel, das Be­geh­ren ist letzt­lich der Man­gel.
– Es gibt ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der die­sen Man­gel sym­bo­li­siert; dies ist der Phal­lus.

Freud und Sartre als Quellen dieses Signifikatsbegriffs

La­can ist auch bei Be­griff des Si­gni­fi­kats Freu­dia­ner. Für Freud be­steht die Be­deu­tung ei­nes Sym­ptoms im un­ter­drück­ten Trieb. Für La­can heißt das:
– Der Trieb (die Stre­bung, das Be­geh­ren usw.) wird durch die Spra­che trans­for­miert.
– Der un­ter­drück­te Trieb ist kein na­tür­li­cher Trieb, son­dern ein ra­di­kal durch die Spra­che um­ge­wan­del­ter Trieb.
– Das Be­geh­ren (der Be­griff wird von La­can zu die­sem Zeit­punkt nicht vom Trieb un­ter­schie­den) ist in­ter­sub­jek­tiv ver­fasst, es be­zieht sich auf den An­de­ren und be­steht letzt­lich im Be­geh­ren, be­gehrt zu wer­den. In Freud­scher Ter­mi­no­lo­gie: die Li­bi­do­be­set­zung ist zu­gleich ak­tiv und pas­siv.

Die Ver­bin­dung von Freuds Kon­zep­ti­on der Sym­ptom­be­deu­tung mit Saus­su­res Be­griff des Si­gni­fi­kats über­nimmt La­can von Sart­re. In des­sen Skiz­ze ei­ner Theo­rie der Emo­tio­nen (1939) heißt es:

Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Deu­tung be­greift das be­wuss­te Phä­no­men als die sym­bo­li­sche Ver­wirk­li­chung ei­nes von der Zen­sur ver­dräng­ten Be­geh­rens. Hal­ten wir fest, dass für das Be­wusst­sein die­ses Be­geh­ren nicht in sei­ner sym­bo­li­schen Rea­li­sie­rung ent­hal­ten ist. So­weit es durch un­ser Be­wusst­sein und in ihm exis­tiert, ist es ein­zig das, wo­für es sich aus­gibt: Emo­ti­on, Wunsch nach Schlaf, Dieb­stahl, Lor­beer­pho­bie usw. Wenn es an­ders wäre und wenn wir auch nur ein im­pli­zi­tes Be­wusst­sein un­se­res wah­ren Be­geh­rens hät­ten, wä­ren wir un­auf­rich­tig und der Psy­cho­ana­ly­ti­ker fasst es nicht so auf. Dar­aus folgt, dass die Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) un­se­res be­wuss­ten Ver­hal­tens die­sem Ver­hal­ten völ­lig äu­ßer­lich ist oder, wenn man das lie­ber will, das Si­gni­fi­kat vom Si­gni­fi­kan­ten gänz­lich ab­ge­schnit­ten.“43

Sart­re re­fe­riert hier die von ihm ab­ge­lehn­te Theo­rie der Psy­cho­ana­ly­se. Das ver­dräng­te Be­geh­ren gilt dem­nach dem Psy­cho­ana­ly­ti­ker als Si­gni­fi­kat, das be­wuss­te Ver­hal­ten als Si­gni­fi­kant. Ich weiß nicht, ob dies der ers­te Ver­such ist, Saus­su­res Be­grif­fe auf die Psy­cho­ana­ly­se an­zu­wen­den, aber si­cher­lich ist es ein sehr frü­hes Un­ter­neh­men die­ser Art. Auch den Be­griff des Schnitts, der spä­ter bei La­can eine gro­ße Rol­le spie­len wird, wird hier be­reits an­ge­deu­tet: das Si­gni­fi­kat ist vom Si­gni­fi­kan­ten ab­ge­schnit­ten.

Sat­re zu­fol­ge be­greift der Psy­cho­ana­ly­ti­ker das Ver­hält­nis zwi­schen dem Si­gni­fi­kat und dem Si­gni­fi­kan­ten als ein Kau­sal­ver­hält­nis, bei dem das Si­gni­fi­kat die Rol­le der Ur­sa­che spielt, der Si­gni­fi­kant die der Wir­kung.44 Dar­in zeigt sich der Ab­stand zwi­schen die­ser Auf­fas­sung der Psy­cho­ana­ly­se und La­can. La­can sieht es um­ge­kehrt: der Si­gni­fi­kant ver­ur­sacht das Be­geh­ren, das Si­gni­fi­kat.

Die Bedeutung des Phallus

Die zu Be­ginn zi­tier­te Be­mer­kung über den Phal­lus wird da­mit, den­ke ich, nach­voll­zieh­bar. Der Satz lau­te­te: Der Phal­lus

ist der Si­gni­fi­kant, der be­stimmt ist, die Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen in ih­rer Ge­samt­heit zu be­zeich­nen, so­weit der Si­gni­fi­kant die­se kon­di­tio­niert durch sei­ne Ge­gen­wart als Si­gni­fi­kant.“

Der Si­gni­fi­kant, die Spra­che, wirkt auf das klei­ne Men­schen­we­sen ein.

Die Ein­wir­kung der Spra­che führt zu ei­ner Mo­di­fi­ka­ti­on der na­tür­li­chen Be­dürf­nis­se. Das Sub­jekt passt sich an die Be­din­gun­gen des Spre­chens an; hie­durch ver­än­dert sich sei­ne An­triebs­struk­tur.

Der Weg, auf dem dies ge­schieht („die Ge­gen­wart des Si­gni­fi­kan­ten als Si­gni­fi­kant“) ist der An­spruch, die For­de­rung nach Be­dürf­nis­be­frie­di­gung und nach Lie­be.

Die durch den Si­gni­fi­kan­ten um­ge­wan­del­te Stre­bung be­zeich­net La­can als „Si­gni­fi­kat“. Das Si­gni­fi­kat ist also eine Wir­kung, ein Ef­fekt der Ein­prä­gung des Si­gni­fi­kan­ten in das Be­dürf­nis. Für das durch den Si­gni­fi­kan­ten trans­for­mier­te Be­dürf­nis re­ser­viert La­can in Se­mi­nar 5 zu­neh­mend den Be­griff des Be­geh­rens; das Si­gni­fi­kat ist das Be­geh­ren.

Die Stre­bun­gen wer­den durch den Si­gni­fi­kan­ten nicht nur um­ge­wan­delt; ihre Trans­for­ma­ti­on ist, in ge­ne­ti­scher Be­trach­tung, mit ei­nem Ver­lust ver­bun­den, ei­nem Op­fer, struk­tu­rell ge­se­hen: mit ei­nem Man­gel. Die Ge­samt­heit der durch den Si­gni­fi­kan­ten er­zeug­ten Si­gni­fi­kats­wir­kun­gen ist der Man­gel.

Der durch den Si­gni­fi­kan­ten (die Spra­che) her­vor­ge­ru­fe­ne Man­gel wird durch ei­nen Spe­zi­al­si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net: durch den Phal­lus.

Der Phal­lus-Si­gni­fi­kant ist dazu be­stimmt; er wird vom Kind nicht spon­tan ge­bil­det, son­dern durch die sym­bo­li­sche Ord­nung tra­diert, ins­be­son­de­re durch den Pa­tro­zen­tris­mus des Ver­wandt­schafts­sys­tems.

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Anmerkungen

  1. Die Be­deu­tung des Phal­lus, Schrif­ten II, S. 126. Der Vor­trag wur­de am 8. Mai 1958 ge­hal­ten und 1966 zu­erst ver­öf­fent­licht. – Im Ori­gi­nal: „Car c’est le si­gni­fi­ant de­sti­né à dé­si­gner dans leur en­sem­ble les ef­fets de si­gni­fié, en tant que le si­gni­fi­ant les con­di­ti­on­ne par sa pré­sence de si­gni­fi­ant.“ Écrits, 690.
  2. Auf Fre­ges Un­ter­schei­dung zwi­schen Sinn und Be­deu­tung be­zieht La­can sich erst spä­ter, erst­mals in Se­mi­nar 12, in der Sit­zung vom 2. Juni 1965.
  3. Vgl. in Se­mi­nar 3: „Eine gan­ze phä­no­me­no­lo­gi­sche An­ma­ßung, die weit über das Feld der Psy­cho­ana­ly­se hin­aus­geht, und die dort nur herrscht, so­fern sie auch an­ders­wo herrscht, be­ruht auf der Ver­wechs­lung des Be­reichs der Si­gni­fi­kanz (si­gni­fi­an­ce) und des Be­reichs der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on). Von Ar­bei­ten aus­ge­hend, die als Un­ter­su­chun­gen über die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten äu­ßerst ri­go­ros sind, glei­tet die vor­geb­lich psy­cho­lo­gi­sche Phä­no­me­no­lo­gie hin­über zum Be­reich der Be­deu­tung.“ (Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 227, Über­set­zung ge­än­dert; Turn­heim über­setzt si­gni­fi­an­ce mit „Be­deu­ten“.)
    In Das Drän­gen des Buch­sta­bens heißt es: „Sꞌ be­zeich­net in dem Kon­text den pro­duk­ti­ven Term der si­gni­fi­kan­ten Wir­kung (oder Si­gni­fi­kanz) (…)“ (Schrif­ten II, S. 41)
    In Se­mi­nar 12 über­setzt La­can Fre­ges Be­griffs­op­po­si­ti­on von „Sinn“ und „Be­deu­tung“ mit sens und si­gni­fi­an­ce (Sit­zung vom 16. Juni 1965). 
  4. Vgl. etwa Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 328; Va­ri­an­tes de cure-type, Écrits, S. 352; Das Freud’sche Ding, S. 32 f.; Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 42, 142, 163; Das Drän­gen den Buch­sta­ben, Schrif­ten II, S. 22.
  5. J. La­can: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 137.
  6. Schrif­ten I, S. 114, Vor­trag von 1953, ver­öff. 1956.
  7. Vgl. Se­mi­nar 1, S. 328; Das Drän­gen, Schrif­ten II, S. 22.
  8. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 338.
  9. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 263 f.
  10. Vgl. etwa Das Se­mi­nar über E. A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“, Schrif­ten II, S. 28, 46.
  11. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 260, 305; Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, Schrif­ten II, S. 103.
  12. Vgl. Ein­füh­rung zum Kom­men­tar von Jean Hyp­po­li­te über die „Ver­nei­nung“ von Freud, Schrif­ten III, S. 182.
  13. Vgl. Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se, Schrif­ten I, S. 122; Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 171.
  14. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 126.
  15. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 294 f.
  16. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 226.
  17. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 16, 30, 42, 68, 120 f., 236.
  18. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 96.
  19. Jeu­nesse de Gide, Écrits, S. 747 f.
  20. In Two as­pects of lan­guage and two ty­pes of apha­sic dis­tur­ban­ces (1956) schreibt Ja­kobson:

    A com­pe­ti­ti­on bet­ween both de­vices, me­to­ny­mic and me­ta­pho­ric, is ma­ni­fest in any sym­bo­lic pro­cess, eit­her in­tra­per­so­nal or so­ci­al. Thus in an in­qui­ry into the struc­tu­re of dreams, the de­cisi­ve ques­ti­on is, whe­ther the sym­bols and the tem­po­ral se­quen­ces used are ba­sed on con­ti­gui­ty (Freud’s me­to­ny­mic ‚dis­pla­ce­ment‘ and syn­ec­dochic ‚con­den­sa­ti­on‘) or on si­mi­la­ri­ty (Freud’s ‚iden­ti­fi­ca­ti­on and sym­bo­lism‘).” (In: Ders. und Mor­ris Hal­le: Fun­da­men­tals of lan­guage. Mou­ton & Co, ’s-Gra­ven­ha­ge (Den Haag) 1956, dar­in Teil II, S. 53–82, hier: S. 80 f.)

    Die ver­öf­fent­lich­te deut­sche Über­set­zung die­ser Pas­sa­ge ent­hält ei­nen Feh­ler: „dis­pla­ce­ment“ wird hier mit „Ver­drän­gung“ ins Deut­sche ge­bracht, statt, wie es rich­tig wäre, mit „Ver­schie­bung“ („Ver­drän­gung“ wäre re­pres­si­on). Man liest hier:

    Eine ge­wis­se Ri­va­li­tät zwi­schen den me­to­ny­mi­schen und me­ta­pho­ri­schen Dar­stel­lungs­wei­sen kommt bei je­dem sym­bo­li­schen Pro­zeß, gleich­gül­tig ob es sich um ei­nen in­tra­per­so­nel­len oder um ei­nen so­zia­len han­delt, zum Vor­schein.

    So ist es auch bei der Un­ter­su­chung von Traum­struk­tu­ren eine ent­schei­den­de Fra­ge, ob die Sym­bo­le und die zeit­li­che Rei­hen­fol­ge auf Kon­ti­gui­tät (Freuds me­to­ny­mi­sche ‚Ver­drän­gung‘ und syn­ek­doch­ei­sche ‚Ver­dich­tung‘) oder auf Si­mi­la­ri­tät (Freuds ‚Iden­ti­fi­zie­rung‘ und ‚Sym­bo­lis­mus‘) be­ru­hen.“ (R. Ja­kobson: Zwei Sei­ten der Spra­che und zwei Ty­pen apha­ti­scher Stö­run­gen (1956). Über­setzt von Ge­org Fried­rich Mei­er, Über­ar­bei­tung der Über­set­zung durch Wolf­gang Raible. In: R. Ja­kobson: Auf­sät­ze zur Lin­gu­is­tik und Poe­tik. Hg. v. Wolf­gang Raible. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1979, S.117–141, im In­ter­net hier; der zi­tier­te Satz fin­det sich auf S. 137 f. Die­se Über­set­zung be­ruht auf der Über­set­zung von Fun­da­men­tals of lan­guage durch Ge­org Fried­rich Mei­er, die, un­ter dem Ti­tel Grund­la­gen der Spra­che, 1960 im Aka­de­mie-Ver­lag er­schien.)

    Mei­ne Über­set­zung:

    Eine Ri­va­li­tät zwi­schen den bei­den Me­cha­nis­men, me­to­ny­mi­schen und me­ta­pho­ri­schen, ma­ni­fes­tiert sich in je­dem sym­bo­li­schen Pro­zess, sei er in­tra­per­so­nal oder so­zi­al. So lau­tet bei der Er­for­schung der Struk­tur der Träu­me die ent­schei­den­de Fra­ge, ob die Sym­bo­le und die ver­wen­de­ten zeit­li­chen Se­quen­zen auf Kon­ti­gui­tät be­ru­hen (Freuds me­to­ny­mi­sche ‚Ver­schie­bung‘ und syn­ek­doch­ei­sche ‚Ver­dich­tung‘) oder auf Ähn­lich­keit (Freuds ‚Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik‘).“

  21. Zu­erst in der Sit­zung vom 2. Mai 1956.
  22. Für die Ent­zif­fe­rung der For­meln stüt­ze ich mich auf Nancy/Lacoue-Labarthe und mo­di­fi­zie­re sie et­was. Vgl. Jean-Luc Nan­cy, Phil­ip­pe La­coue-La­bart­he: Le tit­re de la lett­re. (Une lec­tu­re de La­can). Ga­li­lée, Pa­ris 1973, S. 100.
  23. Die bei­den For­meln fin­det man in Schrif­ten II, S. 40 f.
  24. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 310, Über­set­zung ge­än­dert.
  25. Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­fra­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft (1916). Hg. v. Charles Bal­ly u. Al­bert Seche­haye. De Gruy­ter, Ber­lin 1967, S. 133.
  26. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 308–317.
  27. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 15.
  28. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 31.
  29. Vgl. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 104–107.
  30. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, 105.
  31. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 229.
  32. Die Sei­ten­an­ga­be in Klam­mern be­zieht sich auf Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, Ver­si­on Miller/Metzger.
  33. Die Sei­ten­an­ga­ben in Klam­mern be­zie­hen sich hier und im Fol­gen­den auf Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, Ver­si­on Miller/Turnheim.
  34. Über eine Fra­ge, die je­der mög­l­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, Schrif­ten II, S. 87.
  35. In Se­mi­nar 4 weist La­can dar­auf hin, dass die ge­nann­ten Ob­jekt für Anna Freud al­le­samt ver­bo­ten sind; ihr Be­geh­ren ist das Be­geh­ren nach et­was Un­mög­li­chem, und die Un­mög­lich­keit be­steht in ei­nem Ver­bot, das auf die sym­bo­li­sche Ord­nung ver­weist. (Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 216 f.) 
  36. Zi­tiert in Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 313.
  37. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 310–317.
  38. Vgl. S. Freud: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915).
  39. Die Sei­ten­an­ga­ben in Klam­mern be­zie­hen sich hier und im Fol­gen­den auf Se­mi­nar 4 von 1956/57, Die Ob­jekt­be­zie­hung, Ver­si­on Miller/Gondek.
  40. Die Sei­ten­an­ga­ben in Klam­mern be­zie­hen sich hier und im Fol­gen­den auf Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, Ver­si­on Miller/Gondek.
  41. Schrif­ten II, S. 82 f.
  42. Dia­gramm aus Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens, Schrif­ten II, S. 193; die Fär­bung ist von mir.
  43. Jean-Paul Sart­re: Es­quis­se d’une théo­rie des émo­ti­ons (1939). Her­mann, Pa­ris 1995, S. 61, mei­ne Über­set­zung.- Dt.: J.-P. Sart­re: Skiz­ze ei­ner Theo­rie der Emo­tio­nen. Über­setzt von Trau­gott Kö­nig. In: Ders.: Die Tran­szen­denz des Ego. Phi­lo­so­phi­sche Es­sais 1931–1939. Ro­wohlt, Rein­bek 1994, S. 255–322, hier: S. 284.
  44. A.a.O., frz. S. 65, dt. S. 286 f.

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