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Lacans Konzeption des Todestriebs — 3 Kommentare

  1. PS: mir wird ger­ade klar, dass mit meinem vorste­hen­den Ver­such deine Frage, was kreation­is­tis­che Sub­lim­ierung heißt, nicht hin­re­ichend und nur soweit beant­wortet ist, wie von dir bere­its unter „Die Sub­lim­ierung ist eine Umbil­dung des Tode­striebs“ und „…durch das Gute, …durch das Schöne“ bere­its aus­ge­führt. Kön­nen wir ergänzen: Die Sub­lim­ierung des Tode­striebs durch die Zer­störung?
    Kön­nen wir die Zer­störung selb­st als eine Sub­lim­ierung des Tode­striebs auf­fassen, die die Sig­nifikan­ten­kette als eine Schöp­fung aus dem Nichts eines Schnittes ermöglicht?
    Es bleibt die Frage athe­is­tisch kreation­is­tisch denken?

    • Lieber Eck­hard,
      danke für deine aus­führlichen Ergänzun­gen zu diesem Beitrag!
      Was deine Fra­gen ange­ht, so kann ich sie erst ein­mal nur auf mich wirken lassen.
      Das Biss­chen, das ich nach diesem Artikel über den Tode­strieb neu hinzugel­ernt habe, find­est du in dem Beitrag „Der zweite Tod — ein Beispiel“.
      Her­zlich grüßt dich: Rolf

  2. Lieber Rolf,
    welch ein flash! Ich habe die Ethik mehrfach gele­sen — und immer noch fall­en die Scheuk­lap­pen wie Schup­pen, vom „Jen­seits des Lust­prinzips“.
    Ein Ver­such zu dein­er „Frage: Was meint er (Lacan) damit…, dass (4) Freuds Begriff des Tode­striebs (ist) eine kreation­is­tis­che Sub­lim­ierung, wie bei Sade. (246, 257) ist“? Ich denke hier kön­nte auf eine for­male Entsprechung des Begriffs des Tode­striebs Freuds mit dem Sys­tem hingedeutet sein, das Sade Papst Pius VI. zuschreibt. (S. 254f.)

    Wenn (4) „Der Tode­strieb (ist) nicht nur ein Wille zur Zer­störung, son­dern zugle­ich ein Wille zur Neuschöp­fung,… Schöp­fung aus dem Nichts. (257) ist, so ist dies zwar eine sehr deut­liche, sig­nifikan­ten-the­o­retisch begrün­dete Ver­schiebung gegenüber dem freud­schen, ener­getisch begrün­de­ten Tode­strieb, mit der aber m. E. dessen „Unter­schei­dung zwis­chen zwei Trieb­grup­pen, Leben­strieben und Tode­strieben“ nur zum Teil „indi­rekt zurück­gewiesen“ wird (siehe deine Erläuterung). Auch für Freud ist „der Tode­strieb (ist) zugle­ich Leben­strieb; Zer­stören und Neuschaf­fen sind zwei Seit­en ein und der­sel­ben Dynamik….“ insofern auch er das gle­ichzeit­ige Vorkom­men bei­der Triebe, bei­der Seit­en als Mis­chungsver­hält­nis betont und weniger als „rein“, allein vork­om­mende Triebe denkt. Ist dieser Aspekt bei ihm nicht bere­its mit der Ein­führung des Destruk­tion­striebes als Ref­erenz auf Sabi­na Spiel­reins „Die Destruk­tion als Ursache des Wer­dens“ angelegt? Geht davon vielle­icht sog­ar die vor­ge­nan­nte Ver­schiebung Lacans aus?

    Dass die „Ein­führung des Sig­nifikan­ten (als absoluter) Anfang“, dass sich die Sig­nifikan­ten­kette durch Zer­störung als eine „Schöp­fung aus dem Nichts,… auf das ex nihi­lo…, (auf) eine Fig­ur der christlichen The­olo­gie“ grün­det (257) und das „ein athe­is­tis­ches Denken“… „kreation­is­tisch sein (muss)“ trift wie ein „Blitz“: Das – in den christlich-fun­da­men­tal­is­tis­chen und evan­ge­likalen Strö­mungen in den USA starke – Kreation­stis­che athe­is­tisch denken, und sich „damit der evo­lu­tion­s­the­o­retis­chen Erk­lärung der Entste­hung von Denken und Bewusst­sein“ wider­set­zen, da sie dann „von Anfang an im Spiel waren, (und) also einen Schöpfer­gott…, implizieren“ (258); kreation­stisch athe­is­tisch denken, um den homo faber, den Pro­duzen­ten und die Pro­duk­tion als „orig­i­nalen Bere­ich… ein­er Kreation es nihi­lo“ als „„Evo­lu­tion der Materie“ her­vorge­hen zu lassen“, die „die Organ­i­sa­tio­nen des Sig­nifikan­ten in die natür­liche Welt einge­führt“. (Siehe S. 259)

    In Bezug darauf fand ich deine Aus­führun­gen zu „Der Tode­strieb ist im Inneren des Wis­senschafts­diskurs­es wirk­sam“ und zur oft missver­standen „Ethik der Psy­cho­analyse“, recht knapp. Vielle­icht sind dazu noch Ver­weise inner­halb des Blocks möglich.
    Mit großem Dank und her­zlichen Gruß
    Eck­hard Bär, Kas­sel

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