Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 8. Sitzung (19. Mai 1971), Übersetzung

Ed­ward Hop­per, Room in New York, 1932, Öl auf Lein­wand, 74 x 93 cm
Shal­don Mu­se­um of Art, Uni­ver­si­ty of Ne­bras­ka, Lin­coln (Ne­bras­ka), USA

Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
8. Sit­zung, 19. Mai 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge von Ver­si­on Sta­fer­la, Ver­s­ti­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel VIII, „L’homme et la femme et la lo­gi­qe“ („Der Mann und die Frau und die Lo­gik“), S. 129–144.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe beim Über­set­zen und in Sa­chen Lo­gik und Ma­the­ma­tik!

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Va­las, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­mi­nai­re, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­t­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 17. März 1971

Tonaufnahme

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Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 8. Sit­zung (19. Mai 1971)

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Deutsch

[129] Wenn ich ohne Um­schwei­fe mit dem be­gin­ne, was ich Ih­nen zu sa­gen habe, könn­te das so aus­ge­drückt wer­den, dass in dem, was wir aus­ge­hend von ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs er­kun­den – in die­sem Fal­le aus­ge­hend von dem mei­nen, dem mei­nen in­so­fern, als es der des Ana­ly­ti­kers ist –, dass, sa­gen wir, hier­durch Funk­tio­nen de­ter­mi­niert wer­den, an­ders aus­ge­drückt: dass die Funk­tio­nen nur aus­ge­hend von ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs de­ter­mi­niert sind. Nun, auf die­ser Ebe­ne der Funk­tio­nen, die durch ei­nen be­stimm­ten Dis­kurs de­ter­mi­niert sind, kann ich die fol­gen­de Äqui­va­lenz auf­stel­len: Das Ge­schrie­be­ne ist das Ge­nie­ßen.

Na­tür­lich lässt sich das nur in­ner­halb die­ser ers­ten Ar­ti­ku­la­ti­on der Funk­tio­nen un­ter­brin­gen, die von ei­nem Dis­kurs de­ter­mi­niert sind; sa­gen wir, dass das in­ner­halb die­ser Funk­tio­nen ex­akt den­sel­ben Platz ein­nimmt.

Und war­um ist das so ganz schroff ge­äu­ßert wor­den? Nun, da­mit Sie es über­prü­fen. Es stimmt, dass Sie das im­mer ir­gend­wo­hin füh­ren wird, vor­zugs­wei­se so­gar zu et­was Ex­ak­tem.

Das ent­hebt mich na­tür­lich nicht der Sor­ge, Sie auf ge­eig­ne­ten We­gen dar­in ein­zu­füh­ren, also auf We­gen, die das nicht für mich be­grün­den, an­ge­sichts des­sen, von wo aus ich zu Ih­nen spre­che, son­dern auf sol­chen, durch die sich das er­klä­ren lässt.

Ich neh­me an – ich neh­me nicht zwangs­läu­fig an –, dass ich mich hier im­mer an Ana­ly­ti­ker wen­de; für die Üb­ri­gen ist dies eben das, was dazu führt, dass man mei­nem Dis­kurs nicht leicht fol­gen kann, ge­nau in­so­fern näm­lich, als es et­was gibt, was auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses des Ana­ly­ti­kers ei­nem be­stimm­ten Ty­pus des Auf­schrei­bens im Wege steht.

[130] Die­ses Auf­schrei­ben ist je­doch das, was ich hin­ter­las­se, es ist das, was ich vor­schla­ge. Es ist das, wo­von ich hof­fe, dass es durch­ge­hen wird, dass es von ei­nem Punkt aus durch­ge­hen wird, von wo aus, wenn man so sa­gen kann, der ana­ly­ti­sche Dis­kurs ei­nen neu­en Auf­schwung nimmt.

Nun, es geht also dar­um, spür­bar zu ma­chen, wie die Über­mitt­lung ei­nes Buch­sta­bens / ei­nes Brie­fes / ei­ner Let­ter (lett­re) zu et­was in Be­zie­hung steht, das für die Or­ga­ni­sa­ti­on jed­we­den Dis­kur­ses we­sent­lich und grund­le­gend ist, näm­lich zum Ge­nie­ßen.

Da­für muss ich Sie na­tür­lich je­des Mal auf die Sa­che ein­stim­men. Wie an­ders lässt sich das tun als in der Wei­se, dass das grund­le­gen­de Bei­spiel, von dem ich aus­ge­gan­gen bin, in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wird, dass ich näm­lich mei­ne Schrif­ten aus­drück­lich da­mit er­öff­ne, die Let­ter als sol­che zu un­ter­su­chen un­ter wel­chem Ge­sichts­punkt? In­so­fern sie, das habe ich ge­sagt, eine fe­mi­ni­sie­ren­de Wir­kung hat. Die­se Let­ter also, das letz­te Mal habe ich das noch ein­mal her­vor­ge­ho­ben, funk­tio­niert in­so­fern auf ganz spe­zi­el­le Wei­se, als über ih­ren In­halt nie­mand et­was weiß und bis zum Ende der Er­zäh­lung auch nie­mand et­was dar­über wis­sen wird.

Die­se Let­ter ist in­so­fern sehr ex­em­pla­risch, als na­tür­lich nur ei­nem Ein­fäl­ti­gen nicht die Idee ge­kom­men ist – und ich den­ke so­gar, selbst ei­nem Ein­fäl­ti­gen ist sie ge­kom­men –, dass die­se Let­ter et­was so Sum­ma­ri­sches, so Gro­bes ist, wie et­was, was das Zeug­nis des­sen trü­ge, was man ge­mein­hin als se­xu­el­les Ver­hält­nis be­zeich­net. Ob­schon das von ei­nem Mann ge­schrie­ben ist, der zum ho­hen Adel ge­hört, wie das ge­sagt und her­vor­ge­ho­ben wird, von ei­nem ho­hen Ad­li­gen und an eine Kö­ni­gin ge­rich­tet ist, so ist doch of­fen­kun­dig, dass es ist –, dass es nicht das ist, was das Dra­ma aus­macht, und dass die­se Let­ter –, dass es zum Ver­hal­ten ei­nes Ho­fes ge­hört, wenn ich so sa­gen kann, das heißt zum Ver­hal­ten von et­was – das ist die bes­te De­fi­ni­ti­on, die man da­von ge­ben kann –, was sich auf die Dis­tri­bu­ti­on des Ge­nie­ßens grün­det, dass es zum Ver­hal­ten ei­nes Ho­fes ge­hört, dass bei die­ser Dis­tri­bu­ti­on der Hof dem, was man im en­ge­ren Sin­ne als se­xu­el­les Ver­hält­nis be­zeich­net, sei­nen Rang zu­weist, und das heißt ganz of­fen­kun­dig: den nied­rigs­ten. Die Diens­te, die in die­ser Hin­sicht eine Dame von Adel von ei­nem La­kai­en emp­fan­gen kann, hebt hier nie­mand als be­mer­kens­wert her­vor.

Bei der Kö­ni­gin al­ler­dings, eben weil es die Kö­ni­gin ist, müs­sen die Din­ge ei­nen an­de­ren Ak­zent an­neh­men. Aber zu­nächst ein­mal wird an­ge­nom­men – das ent­spricht der Er­fah­rung –, dass ein Mann von Ge­burt je­mand ist, der von sei­ner Ras­se her, wenn ich so sa­gen darf, an ei­ner Li­ai­son sei­ner Gat­tin nur in­so­weit An­stoß zu neh­men weiß, als da­bei der An­stand ins Spiel kommt, das heißt For­men, die re­spek­tiert wer­den. Das ein­zi­ge, was hier ei­nen Ein­wand her­vor­ru­fen könn­te, ist na­tür­lich die Ein­füh­rung un­ehe­li­cher Kin­der in die Ab­stam­mungs­li­nie, aber selbst das kann letzt­lich der Ver­jün­gung des Ge­blü­tes die­nen.

[131] Wo hier of­fen­kun­dig zu se­hen ist – in ei­nem Rah­men, der, auch wenn er Ih­nen in der heu­ti­gen Ge­sell­schaft nicht spe­zi­ell ver­ge­gen­wär­tigt wird, dar­um für das, was bei der Er­klä­rung der so­zia­len Ver­hält­nis­se zu be­den­ken ist, nicht we­ni­ger ex­em­pla­risch und grund­le­gend ist –, wo­bei zu se­hen ist, sage ich ganz ganz kurz, dass nichts so sehr wie eine auf das Künst­li­che ge­grün­de­te Ord­nung ge­eig­net ist, hier das Ele­ment er­schei­nen zu las­sen, das für sie an­schei­nend ge­nau das ist, was im Rea­len als un­re­du­zier­bar er­schei­nen muss, näm­lich die Funk­ti­on des Be­dürf­nis­ses. Wenn ich Ih­nen ge­sagt habe, dass es eine Ord­nung gibt, in der es durch­aus sei­nen Platz hat, dass ein Sub­jekt, so hoch plat­ziert es auch sein mag, sich die­sen Teil des un­re­du­zier­ba­ren Ge­nie­ßens vor­be­hält, den von da­her mi­ni­ma­len Teil, dass er nicht sub­li­miert wer­den kann, wie Freud es aus­drück­lich ar­ti­ku­liert, ein­zig also in ei­ner Ord­nung, die sich auf das Ar­te­fakt grün­det – und ich habe das spe­zi­fi­ziert: der Hof in­so­fern er das Ar­te­fakt des Adels durch das zwei­te Ar­te­fakt ei­ner ge­ord­ne­ten Dis­tri­bu­ti­on des Ge­nie­ßens ver­dop­pelt –, nur hier kann das Be­dürf­nis auf an­stän­di­ge Wei­se sei­nen Platz fin­den. Das Be­dürf­nis, das aus­drück­lich als sol­ches spe­zi­fi­ziert ist, ist das se­xu­el­le Be­dürf­nis.

Je­doch das, was ei­ner­seits das Na­tür­li­che zu spe­zi­fi­zie­ren scheint und das zu sein scheint, was, möch­te ich sa­gen, vom Stand­punkt ei­ner ins­ge­samt bio­lo­gi­schen Theo­re­ti­sie­rung des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses aus das, was dar­aus her­vor­ge­hen muss, näm­lich die Re­pro­duk­ti­on, von ei­nem Be­dürf­nis aus­ge­hen las­sen könn­te  –; wir stel­len fest, dass das Ar­te­fakt, auch wenn es ei­ner­seits für eine be­stimm­te ers­te Theo­rie­bil­dung be­frie­di­gend ist, doch of­fen­kun­dig an­de­rer­seits Raum da­für lässt, dass die Re­pro­duk­ti­on in die­sem Fal­le auch nicht eine, möch­te ich sa­gen, in An­füh­rungs­zei­chen „le­gi­ti­me“ Re­pro­duk­ti­on sein kann.

Die­ses Be­dürf­nis, die­ses Ir­re­du­zi­b­le im se­xu­el­len Ver­hält­nis, man kann si­cher­lich ein­räu­men, dass es im­mer exis­tiert, und Freud be­stä­tigt das. Si­cher ist aber, dass es nicht mess­bar ist, so­lan­ge es nicht aus­drück­lich <ge­schieht>, und es kann nur im Ar­te­fakt ge­mes­sen wer­den, im Ar­te­fakt der Be­zie­hung zum An­de­ren mit gro­ßem A. Es ist <je­doch> nicht mess­bar, und eben die­ses Ele­ment der Un­be­stimmt­heit ist es, wo un­ter­zeich­net wird, was es an Grund­le­gen­dem gibt, näm­lich ge­nau dies, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis als Ver­hält­nis nicht auf­schreib­bar ist, nicht ge­grün­det wer­den kann.

Das ist eben das, wor­in die Let­ter – die Let­ter, von der ich aus­ge­he, um da­mit mei­ne Schrif­ten zu er­öff­nen – durch das be­zeich­net wird, was sie ist, und durch das, wor­in sie all das an­zeigt, was Freud selbst ent­wi­ckelt, näm­lich dass die Let­ter, wenn wenn sie zu et­was dient, was von der Ord­nung des Ge­schlechts (sexe) ist, dann ist das si­cher­lich nicht ein se­xu­el­les Ver­hält­nis, son­dern ein, sa­gen wir, „se­xu­ier­tes“ Ver­hält­nis.

Der Un­ter­schied zwi­schen bei­den ist fol­gen­der, näm­lich – das ist das, was Freud de­mons­triert, was er an Ent­schei­den­dem bei­ge­tra­gen hat –, dass wir durch Ver­mitt­lung des Un­be­wuss­ten er­ah­nen, dass all das, was zur Spra­che (lan­ga­ge) ge­hört, mit dem Ge­schlecht zu tun hat, in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis zum Ge­schlecht steht, je­doch ge­nau in­so­fern, als das se­xu­el­le Ver­hält­nis, zu­min­dest bis zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt, dar­in auf kei­ne Wei­se auf­ge­schrie­ben wer­den kann.

[132] Die an­geb­li­che Se­xua­li­sie­rung durch die Freud’sche Leh­re – des­sen, wor­um es bei den­je­ni­gen Funk­tio­nen geht, die man als „sub­jek­tiv“ be­zeich­nen kann, un­ter der Be­din­gung, sie rich­tig zu ver­or­ten, sie von der Ord­nung der Spra­che her zu ver­or­ten –, die an­geb­li­che Se­xua­li­sie­rung be­steht we­sent­lich dar­in, dass das, was aus der Spra­che her­vor­ge­hen müss­te, näm­lich dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis auf ir­gend­ei­ne Wei­se dar­in auf­ge­schrie­ben wer­den kann, ge­nau sein Schei­tern zeigt, und zwar fak­tisch: es ist nicht auf­schreib­bar.

Sie se­hen hier be­reits et­was funk­tio­nie­ren, was zu die­sem Ab­wei­chungs­ef­fekt, zu die­sem Spal­tungs­ef­fekt ge­hört, näm­lich zu dem, wo­mit wir es re­gel­mä­ßig im­mer zu tun ha­ben, und eben des­halb müs­sen Sie sich dar­in ge­wis­ser­ma­ßen bil­den. Heißt das, dass ich bei­spiels­wei­se dies äu­ße­re, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis ge­nau in dem Maße ist, wie et­was schei­tert, und zwar dar­an schei­tert, dass es in der Spra­che „aus­ge­sagt“ wird? Was ich je­doch ge­sagt habe, ist ge­ra­de nicht „aus­ge­sagt“, son­dern „auf­schreib­bar“, in­so­fern auf­schreib­bar, als es da­für, dass es eine Funk­ti­on gibt, er­for­der­lich ist, dass sich aus der Spra­che et­was her­stel­len kann, was als sol­ches aus­drück­lich die Schrei­bung (éc­ri­tu­re) der Funk­ti­on ist, näm­lich et­was, was ich für Sie be­reits mehr als ein­mal auf ganz ein­fa­che Wei­se sym­bo­li­siert habe, näm­lich dies: F in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis zu x [F(x)].

In dem Au­gen­blick also, in dem man sagt, dass die Spra­che et­was ist, was vom se­xu­el­len Ver­hält­nis kei­ne Re­chen­schaft ab­legt – in­wie­fern legt sie da­von kei­ne Re­chen­schaft ab? In­so­fern als sie bei dem Auf­schrei­ben, das zu kom­men­tie­ren sie in der Lage ist, nicht be­wir­ken kann, dass die­ses Auf­schrei­ben das ist – denn eben dar­in be­steht es –, dass es das ist, was ich de­fi­nie­re als ef­fek­ti­ves Auf­schrei­ben von et­was, was das se­xu­el­le Ver­hält­nis in­so­fern wäre, als es die bei­den Pole in ein Ver­hält­nis bräch­te, die bei­den Ter­me, die vom Mann und von der Frau her ti­tu­liert wer­den wür­den, in­so­fern die­ser Mann und die­se Frau Ge­schlech­ter sind, die je­weils als männ­lich und weib­lich spe­zi­fi­ziert sind – bei wem, bei was? Bei ei­nem We­sen, das spricht, an­ders ge­sagt, das, in­dem es die Spra­che be­wohnt, dazu ge­langt, da­von den Ge­brauch zu ma­chen, der eben der des Spre­chens ist.

In­so­fern ist es nicht un­wich­tig, die Let­ter im ei­gent­li­chen Sin­ne her­aus­zu­stel­len, als in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis ste­hend, dem Ver­hält­nis der Frau zu dem, was sich vom ge­schrie­be­nen Ge­setz in den Kon­text ein­schreibt, in dem die Sa­che statt­fin­det, von da­her näm­lich, dass sie, mit dem Ti­tel der Kö­ni­gin, das Bild der Frau ist, in­so­fern sie mit dem Kö­nig ver­ehe­licht ist. In­so­fern hier et­was un­an­ge­mes­sen sym­bo­li­siert ist, ty­pi­scher­wei­se be­zo­gen auf das Ver­hält­nis als se­xu­el­les – und nicht ohne Grund kann es eben nur in We­sen ver­kör­pert wer­den, die der Fik­ti­on an­ge­hö­ren –, in­so­fern nimmt dies, nimmt die Tat­sa­che, dass eine Let­ter an sie ge­rich­tet ist, den Wert an, den ich so be­zeich­ne – um mich selbst zu le­sen, um mich mit mei­nen ei­ge­nen Be­mer­kun­gen zu äu­ßern: „die­ses Zei­chen“, es geht um die Let­ter, „ist eben das der Frau, von da­her, dass sie ihr Sein in ihm gel­tend macht, da­durch, dass sie es au­ßer­halb des Ge­set­zes grün­det, von dem sie, | [133] durch die Wir­kung ih­rer Ur­sprün­ge, stets in der Po­si­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, ja des Fe­tischs in Schran­ken ge­hal­ten wird“. Es ist klar, dass ohne die Ein­füh­rung der Psy­cho­ana­ly­se eine sol­che Äu­ße­rung – die je­doch die ist, von der, möch­te ich sa­gen, der Auf­stand der Frau aus­geht –, dass eine sol­che Äu­ße­rung, die be­sagt, dass das Ge­setz sie auf­grund der Wir­kung ih­rer Ur­sprün­ge stets auf die Po­si­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, ja des Fe­tischs ein­schränkt, dass eine sol­che Äu­ße­rung na­tür­lich, ich wie­der­ho­le es, au­ßer­halb der Ein­füh­rung der Psy­cho­ana­ly­se nicht vor­ge­bracht wer­den könn­te.

Also ge­nau da­durch, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis, wenn ich so sa­gen kann, ver­staat­lich ist – das heißt da­durch, dass es im Ver­hält­nis des Kö­nigs und der Kö­ni­gin ver­kör­pert ist, wo­mit die fik­tio­na­le Struk­tur der Wahr­heit zur Gel­tung ge­bracht wird –, eben da­durch er­hält die Let­ter ihre Funk­ti­on, ihre Wir­kung, die si­cher­lich von da­her auf­tritt, dass die Let­ter zur Schwä­che in Be­zie­hung steht, zu der Schwä­che, die da­durch ge­kenn­zeich­net ist, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis auf eine Wei­se ge­för­dert wird, die in ge­wis­sem Sin­ne will­kür­lich und fik­tiv ist, und dass eben dies der Punkt ist, wo die Let­ter ihre Fra­ge stellt und so­mit ih­ren Wert er­hält.

Das ist hier im­mer­hin eine Ge­le­gen­heit – den­ken Sie nicht, dass das ir­gend­wie di­rekt an das an­schließt, wor­an ich ge­ra­de er­in­nert habe, aber we­gen des Punk­tes, zu dem ich Sie füh­ren möch­te, sind Sprün­ge und Ver­schie­bun­gen die­ser Art wirk­lich er­for­der­lich –, das ist eine Ge­le­gen­heit, um her­vor­zu­he­ben, dass sich hier na­tür­lich be­stä­tigt, dass sich be­stä­tigt, dass die Wahr­heit nur von ei­ner Fik­ti­ons­struk­tur aus vor­an­schrei­tet. Das heißt, dass es sei­nem We­sen nach ge­nau da­her rührt, dass ir­gend­wo eine Fik­ti­ons­struk­tur ge­för­dert wird, die ei­gent­lich das We­sen der Spra­che ist, dass von da­her et­was sich her­stel­len kann, näm­lich was? Aber ge­nau die­se Art des Be­fra­gens, die­se Art des Be­drän­gens, des Ein­klem­men, wo­durch die Wahr­heit, wenn ich so sa­gen darf, an den Fuß der Mau­er der Ve­ri­fi­ka­ti­on ge­stellt wird. Das ist nichts an­de­res als die Di­men­si­on der Wis­sen­schaft.

Wor­in sich schließ­lich ge­nau zeigt, dass der Weg, von dem her – wenn ich so sa­gen kann – der Weg be­grün­det wird, auf dem wir die Wis­sen­schaft vor­an­schrei­ten se­hen, dass er so be­schaf­fen ist, dass die Rol­le, die hier die Lo­gik spielt, kei­nes­wegs ge­ring ist. Was auch im­mer der ur­sprüng­lich, fun­da­men­tal, grund­le­gend fik­ti­ve Cha­rak­ter des­sen sein mag, wor­aus das Ma­te­ri­al be­steht, durch das die Spra­che ar­ti­ku­liert wird, es ist klar, dass es ei­nen Weg gibt, der als Ve­ri­fi­ka­ti­on be­zeich­net wird, der­je­ni­ge näm­lich, der sich dem wid­met, das zu er­fas­sen, wo die Fik­ti­on, wenn ich so sa­gen kann, ins Stol­pern ge­rät, und das, was sie zu ei­nem Halt bringt. Es ist klar, dass hier, wo­durch auch im­mer es uns mög­lich war, den Fort­schritt der Lo­gik auf­zu­schrei­ben, und sie wer­den gleich se­hen, was das be­deu­tet, ich mei­ne den ge­schrie­be­nen Weg, auf dem sie Fort­schrit­te ge­macht hat, es ist klar, dass die­ses Wi­der­la­ger sehr wirk­sam ist, von da­her, dass es sich ins In­ne­re des Sys­tems der Fik­ti­on ein­schreibt; es heißt: der Wi­der­spruch.

Wenn die Wis­sen­schaft al­lem An­schein auf ganz an­de­re Wei­se als auf den We­gen der Tau­to­lo­gie Fort­schrit­te ge­macht hat, so tut dies der Reich­wei­te mei­ner Be­mer­kung kei­nen Ab­bruch, dass näm­lich die von ei­nem be­stimm­ten Punkt aus an die Wahr­heit vor­ge­brach­te For­de­rung, ve­ri­fi­zier­bar zu sein, ge­nau das ist, was dazu ge­zwun­gen hat, alle | [134] Ar­ten von an­de­ren, an­geb­lich in­tui­ti­ven, Prä­mis­sen auf­zu­ge­ben. Und dass wenn –; ich wer­de heu­te nicht dar­auf zu­rück­kom­men, ich habe hin­rei­chend auf der Cha­rak­te­ris­tik all des­sen be­stan­den, was auf die­sem Wege vor­an­ge­gan­gen ist, was ihn ge­bahnt hat, bei­spiels­wei­se für die Newton’sche Ent­de­ckung. Eben ge­nau von da­her kommt es, dass kei­ne Fik­ti­on sich als be­frie­di­gend er­wie­sen hat, bis auf die­je­ni­ge, die jede In­an­spruch­nah­me der In­tui­ti­on ge­ra­de auf­ge­ben soll­te und die sich da­bei an ein be­stimm­tes Auf­schreib­ba­res hal­ten soll­te. Dies also dazu, in­wie­fern wir uns dem wid­men müs­sen, wor­um es beim Auf­schreib­ba­ren in die­sem Ver­hält­nis zur Ve­ri­fi­zie­rung geht.

Um na­tür­lich mit dem zu en­den, was ich in Der ge­stoh­le­ne Brief über die Wir­kung der Let­ter ge­sagt habe – was habe ich aus­drück­lich ge­sagt? Dass er die­je­ni­gen fe­mi­ni­siert, die sich da­bei in ei­ner be­stimm­ten Po­si­ti­on be­fin­den, der­je­ni­gen näm­lich, „in sei­nem Schat­ten“ zu sein. Na­tür­lich, hier rührt man dar­an, wie wich­tig der Be­griff „Funk­ti­on des Schat­tens“ ist, in­so­fern be­reits das letz­te Mal in dem, was ich Ih­nen ge­gen­über ge­äu­ßert habe über das, was ge­nau et­was Ge­schrie­be­nes ist – ich mei­ne über et­was, was sich in ei­ner buch­stäb­li­chen (lit­té­ra­le) oder li­te­ra­ri­schen Form dar­ge­stellt hat –, in­so­fern dar­in der Schat­ten, um her­vor­ge­bracht zu wer­den, eine Licht­quel­le braucht. Si­cher.

Und was ich ge­tan hat­te, war für Sie nur von dem her spür­bar, was mit der Auf­klä­rung* ein­her­geht, war von et­was her spür­bar, was Fik­ti­ons­struk­tur be­wahrt. Ich spre­che na­tür­lich von der his­to­ri­sche Epo­che, die nicht un­be­deu­tend ge­we­sen ist und in Be­zug auf die es für uns nütz­lich sein kann – das ist hier der Fall, und das ist das, was ich tue –, ihre Wege nach­zu­zeich­nen oder sie wie­der ein­zu­schla­gen. Aber von sich her ist klar, dass das, wo­durch das Licht ge­macht ist, ge­nau das ist, was von dem Feld aus­geht, das sich selbst als das der Wahr­heit de­fi­niert. Und als sol­ches kommt es dazu, dass das Licht, das es in je­dem Mo­ment ver­brei­tet, selbst eine Wir­kung ha­ben muss­te, die sich dar­in aus­wirkt, dass das, was hier Un­durch­sich­tig­keit er­zeugt, ei­nen Schat­ten wirft, und dass es die­ser Schat­ten ist, der Wir­kung zeigt, und dass wir die­se Wahr­heit selbst stets auf ihre Fik­ti­ons­struk­tur hin be­fra­gen müs­sen.

Auf die­se Wei­se stellt sich letzt­end­lich her­aus – wie in die­sem Ge­schrie­be­nen aus­drück­lich ge­äu­ßert wird –, dass der Brief na­tür­lich nicht der Frau, de­ren An­schrift er trägt, Ge­nü­ge tut, in­dem er sei­nen Be­stim­mungs­ort er­reicht, son­dern dem Sub­jekt, also, um es noch ein­mal zu de­fi­nie­ren, ganz ge­nau dem, was im Phan­tas­ma ge­spal­ten ist, also der Rea­li­tät, in­so­fern sie durch eine Fik­ti­ons­struk­tur er­zeugt wird.

Auf die­se Wei­se en­det tat­säch­lich die Er­zäh­lung, zu­min­dest so, wie ich sie in ei­nem zwei­ten Text, dem mei­nen, wie­der­ge­be, und da­von müs­sen wir aus­ge­hen, um noch wei­ter zu be­fra­gen, was es mit der Let­ter auf sich hat. Und ge­nau in­so­fern, als das nie ge­tan wor­den ist, muss ich selbst, um es zu tun, die­se Rede über den Buch­sta­ben ver­län­gern. Also.

[135] Man muss je­doch da­von aus­ge­hen, dass ich Sie nicht ohne Grund dazu auf­ru­fe, nichts von dem zu ver­säu­men, was in der Ord­nung der Lo­gik pro­du­ziert wird.

Dies si­cher­lich nicht, da­mit Sie sich ver­pflich­ten, wenn man so sa­gen kann, all de­ren Kon­struk­tio­nen und Um­we­ge zu ver­fol­gen. Son­dern des­halb, weil nir­gend­wo sonst wie in die­sen Kon­struk­tio­nen, die sich selbst als sol­che be­ti­teln, die zur „sym­bo­li­schen Lo­gik“ ge­hö­ren, nir­gend­wo sonst er­scheint bes­ser das De­fi­zit je­der Mög­lich­keit der Re­fle­xi­on. Ich mei­ne, dass nichts ver­wor­re­ner ist – das ist all­ge­mein be­kannt, nicht wahr –, als eine Ein­füh­rung in ein Lehr­buch der Lo­gik.

Die Un­mög­lich­keit, die es für die Lo­gik gibt, sich selbst auf be­gründ­ba­re Wei­se dar­zu­stel­len, ist et­was ab­so­lut Ver­blüf­fen­des. Von da­her ist die Er­fah­rung, die­se Lehr­bü­cher zu le­sen – und na­tür­lich sind sie umso fes­seln­der, je mo­der­ner sie sind, je mehr sie auf der Höhe des­sen sind, was ef­fek­tiv, was wirk­lich ef­fek­tiv ei­nen Fort­schritt der Lo­gik dar­stellt, der in dem Pro­jekt be­steht, das, was „lo­gi­sche Ar­ti­ku­la­ti­on“ ge­nannt wird, auf­zu­schrei­ben –, wo­bei die Ar­ti­ku­la­ti­on der Lo­gik selbst nicht in der Lage ist, ihre ei­ge­nen Zie­le oder ihr Prin­zip zu de­fi­nie­ren oder ir­gend­et­was, was ei­nem The­ma auch nur ähn­lich sieht. Das ist wirk­lich son­der­bar, und ge­nau dar­in ist das wirk­lich sug­ges­tiv.

Denn das ist hier eben das, was es loh­nen wür­de, dass man sich dar­an macht, es zu ver­tie­fen, zu ver­tie­fen, wor­um es da­bei geht, wor­um es bei et­was geht, was sich si­cher­lich nur von der Spra­che her ver­or­tet, und zu be­grei­fen, dass, wenn in die­ser Spra­che viel­leicht nichts von dem, was im­mer nur un­ge­schickt vor­ge­bracht wird – als et­was, was von die­ser Spra­che, sa­gen wir, kein kor­rek­ter Ge­brauch ist –, dass dies viel­leicht nur des­halb ge­äu­ßert wer­den kann, weil es nicht be­grün­det wer­den kann oder sich nur auf ganz ver­wor­re­ne Wei­se be­grün­den lässt, durch alle mög­li­chen Ver­su­che, wie etwa die­je­ni­gen, die dar­in be­stehen, die Spra­che in eine Ob­jekt­spra­che und eine Me­taspra­che auf­zu­tei­len, was ganz das Ge­gen­teil des­sen ist, was dann durch al­les Fol­gen­de de­mons­triert wird, näm­lich dass es kei­nen Au­gen­blick lang mög­lich ist, über die­se an­geb­li­che Ob­jekt­spra­che zu spre­chen, ohne da­bei na­tür­lich et­was zu ver­wen­den, was kei­nes­wegs eine Me­taspra­che, son­dern durch­aus eine Spra­che ist, näm­lich die Um­gangs­spra­che.

Aber in eben die­sem Schei­tern kann sich das an­kün­di­gen, wor­um es bei der­je­ni­gen Ar­ti­ku­la­ti­on geht, die ge­nau im engs­ten Ver­hält­nis zum Funk­tio­nie­ren der Spra­che steht, das heißt bei der fol­gen­den Ar­ti­ku­la­ti­on, näm­lich dass das Ver­hält­nis, das se­xu­el­le Ver­hält­nis, nicht ge­schrie­ben wer­den kann.

[136] Un­ter die­sem As­pekt also und ein­zig zu dem Zweck, wenn ich so sa­gen kann, ei­ni­ge Be­we­gun­gen zu ma­chen, die uns an die Di­men­si­on er­in­nern, in der wir uns fort­be­we­gen, möch­te ich dar­an er­in­nern, näm­lich dar­an, wie sich zu­nächst das dar­stellt, wo­durch die Bahn der Lo­gik er­öff­net wird, das heißt als for­ma­le Lo­gik, näm­lich bei Aris­to­te­les.

Na­tür­lich wer­de ich das für Sie nicht wie­der­auf­neh­men, auch wenn das sehr in­struk­tiv wäre, aber schließ­lich kann je­der von Ih­nen sich ja ganz ein­fach die Mühe ma­chen, die Ers­te Ana­ly­tik zu öff­nen. Sie mö­gen die­se Wie­der­auf­nah­me über­prü­fen, sie mö­gen also die Ers­te Ana­ly­tik öff­nen, und sie wer­den se­hen, was ein Syl­lo­gis­mus ist. Und vom Syl­lo­gis­mus muss man schließ­lich aus­ge­hen, zu­min­dest grei­fe ich die Din­ge an die­ser Stel­le wie­der auf, denn da­mit habe ich bei un­se­rem vor­letz­ten Tref­fen ge­en­det.

Ich möch­te ihn nicht in der Wei­se wie­der­auf­neh­men, dass ich ihn, denn da­für ist die Zeit zu be­grenzt, dass ich ihn durch sämt­li­che For­men des Syl­lo­gis­mus ex­em­pli­fi­zie­re. Es möge uns ge­nü­gen, rasch zur Gel­tung zu brin­gen, wor­um es bei der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge (l’Universelle) und bei der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­ge (la Par­ti­cu­liè­re) geht und bei­de ganz ein­fach in ih­rer be­ja­hen­den Form. Ich wer­de den­je­ni­gen Syl­lo­gis­mus neh­men, der Dar­ii ge­nannt wird, das heißt den­je­ni­gen, der aus ei­ner be­ja­hen­den all­ge­mei­nen Aus­sa­ge und aus zwei <be­ja­hen­den> par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­gen be­steht, und ich wer­de Sie an all das er­in­nern, wor­um es bei ei­ner be­stimm­ten Art, die Din­ge dar­zu­stel­len, geht.

Sie soll­ten ein­fach wis­sen, dass hier ir­gend­et­was über­haupt nur da­durch funk­tio­nie­ren kann, dass im Rah­men des Dis­kur­ses et­was er­setzt wird, dass der Si­gni­fi­kant durch das Loch er­setzt wird, das da­durch er­zeugt wird, dass er durch den Buch­sta­ben er­setzt wird.

Denn wenn wir äu­ßern, um uns nur mit dem Dar­ii zu be­fas­sen und um die Ter­mi­ni von Aris­to­te­les zu ver­wen­den, „Je­der Mensch ist gut“, dann ge­hört das „je­der Mensch“ zur all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, und ich habe Ih­nen ge­gen­über hin­rei­chend be­tont, ich habe Sie je­den­falls hin­rei­chend vor­be­rei­tet, um es zu ver­ste­hen, so dass ich ohne Wei­te­res dar­an er­in­nern kann, dass die all­ge­mei­ne Aus­sa­ge, um Be­stand zu ha­ben, nicht auf die Exis­tenz ir­gend­ei­nes Men­schen an­ge­wie­sen ist. „Je­der Mensch ist gut“ kann be­deu­ten, dass es nur gute Men­schen gibt, al­les was nicht gut ist, ist halt kein Mensch. Zwei­te Ar­ti­ku­la­ti­on: „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen.“ Drit­te Ar­ti­ku­la­ti­on, die sich „Kon­klu­si­on“ nennt, wo­bei die zwei­te der Un­ter­satz ist: „Ei­ni­ge Tie­re sind also gut.“

Es ist klar, dass dies spe­zi­ell nur durch die Ver­wen­dung des Buch­sta­bens halt­bar ist, aus dem Grun­de, dass klar ist, dass es, au­ßer wenn sie durch ei­nen Buch­sta­ben ge­stützt wird, kei­ne Äqui­va­lenz gibt zwi­schen dem „Alle Men­schen“ – dem „Alle Men­schen“, dem Sub­jekt der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, das hier die Rol­le von dem spielt, was man als Mit­tel­be­griff be­zeich­net – und dem­sel­ben Mit­tel­be­griff an der Stel­le, an der er als At­tri­but ver­wen­det wird, näm­lich in „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen“. Denn in Wahr­heit ver­langt die­se Un­ter­schei­dung, die es ver­dient, ge­trof­fen zu wer­den, gleich­wohl be­trächt­li­che Sorg­falt.

Wenn der Mensch von „Alle Men­schen“ das Sub­jekt ist, im­pli­ziert er eine Funk­ti­on ei­ner all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, die ihm als Stüt­ze eben nur sei­nen sym­bo­li­schen Sta­tus gibt, näm­lich dass et­was „Mensch“ ge­nannt wird. | [137] Un­ter den Ar­ten des At­tri­buts und um die Aus­sa­ge „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen“ zu stüt­zen, ist es na­tür­lich an­ge­mes­sen – das ist das ein­zi­ge, was sie un­ter­schei­det –, dass man sagt, dass das, was wir beim Tier „Mensch“ nen­nen, eben ge­nau jene Tier­art ist, von der die Spra­che be­wohnt wird.

Na­tür­lich lässt sich in die­sem Mo­ment die Be­haup­tung be­grün­den, dass der Mensch gut ist. Das ist eine Ein­schrän­kung (li­mi­ta­ti­on). Das ist sehr ge­nau in­so­fern eine Ein­schrän­kung, als das, wor­auf sich grün­den kann, dass der Mensch gut ist, da­von ab­hängt – was seit lan­gem be­wie­sen ist und be­reits vor Aris­to­te­les –, dass die Idee des Gu­ten nur von der Spra­che aus ein­ge­führt wer­den kann. Für Pla­ton bil­det die­se Idee das Fun­da­ment der Spra­che: Es gibt kei­ne Spra­che, kei­ne mög­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on – denn für Pla­ton ist die Spra­che die Welt der Ide­en –, es gibt kei­ne mög­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on ohne die­se pri­mä­re Idee des Gu­ten.

Es ist durch­aus mög­lich, das, wor­um es in der Spra­che beim Gu­ten geht, auf an­de­re Wei­se zu be­fra­gen, und in die­sem Fal­le ein­fach die Kon­se­quen­zen ab­lei­ten zu müs­sen, die sich dar­aus für die all­ge­mei­ne Be­haup­tung er­ge­ben, dass der Mensch gut ist. Wie Sie wis­sen, ist es das, was Meng­zi tut, den ich nicht ohne Grund in mei­nen letz­ten Vor­trä­gen hier ein­ge­bracht habe.

Gut“, was heißt das? Gut wo­für? Oder heißt das ein­fach, zu sa­gen, wie seit lan­gem ge­sagt wird: „Sie sind gut“? Wenn die Din­ge an ei­nem be­stimm­ten Punkt an­an­ge­kom­men sind, bei der In­fra­ge­stel­lung des­sen, was Wahr­heit und auch was Dis­kurs ist, dann ist da­bei viel­leicht die­ser Ak­zent­wech­sel wirk­sam, der beim Ge­brauch des Wor­tes „gut“ vor­ge­nom­men wer­den konn­te. „Gut“, „gut“ – kein Be­darf, dies durch „gut für den Dienst“, „gut, um in den Krieg zu zie­hen“ zu spe­zi­fi­zie­ren, da­mit wird zu­viel dar­über ge­sagt. Das „Sie sind gut“ hat sei­nen ab­so­lu­ten Wert.

Das ist tat­säch­lich die zen­tra­le Ver­bin­dung, die es vom „gut“ zum Dis­kurs gibt: So­bald Sie eine be­stimm­te Dis­kurs­art be­woh­nen, nun, dann sind Sie da­für gut, dass er Sie kom­man­diert.

Eben von da­her wer­den wir zur Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ge­bracht, bei dem ich be­tont habe, dass er nicht an sich der Spra­che in­ne­wohnt, und dass die Spra­che nur eine be­stimm­te An­zahl von Dis­kur­sen kom­man­diert, nun ja, ich mei­ne: er­mög­lich, und dass all die­je­ni­gen Dis­kur­se, die ich zu­min­dest bis jetzt für Sie ar­ti­ku­liert habe, ins­be­son­de­re im letz­ten Jahr, dass kei­ner von ih­nen die Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten eli­mi­niert.

Zu sa­gen „Ei­ni­ge Tie­re sind gut“ ist un­ter die­sen Be­din­gun­gen of­fen­kun­dig kei­nes­wegs eine Kon­klu­si­on, die ein­fach for­mal wäre. Und dar­an liegt es, dass ich eben her­vor­ge­ho­ben habe, dass der Ge­brauch der Lo­gik, was auch im­mer sie selbst dar­über äu­ßern mag, sich kei­nes­wegs auf eine Tau­to­lo­gie re­du­zie­ren lässt.

Dass ei­ni­ge Tie­re gut sind, be­schränkt sich ge­ra­de nicht auf die­je­ni­gen, | [138] die Men­schen sind, wie die Exis­tenz der­je­ni­gen im­pli­ziert, die man als Haus­tie­re be­zeich­net. Und nicht um­sonst habe ich seit ei­ni­ger Zeit be­tont, dass man nicht sa­gen kann, sie wür­den vom Spre­chen kei­nen Ge­brauch ma­chen. Wenn ih­nen die Spra­che fehlt, und na­tür­lich weit mehr noch die Trieb­fe­dern des Dis­kur­ses feh­len, dann heißt das kei­nes­wegs, dass sie nicht dem Spre­chen un­ter­wor­fen sind. Das ist so­gar das, wo­durch sie sich aus­zeich­nen und was sie zu Pro­duk­ti­ons­mit­teln macht.

Das öff­net uns, wie Sie se­hen, eine Tür, die uns ein ganz klein biss­chen wei­ter füh­ren könn­te. Ich möch­te Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass –; ich über­las­se es Ih­rem Nach­den­ken, dass in den Ge­bo­ten, die man als De­ka­log be­zeich­net, die Frau hier­an as­si­mi­liert wird, und zwar in fol­gen­der Ge­stalt: „Du sollst nicht be­geh­ren dei­nes Nächs­ten Frau, noch sein Rind noch sei­nen Esel.“ Und dann gibt es eine Auf­zäh­lung, die sich eben ge­nau auf die Pro­duk­ti­ons­mit­tel be­zieht. Dies nicht, um Ih­nen Ge­le­gen­heit zum Ki­chern, son­dern zum Nach­den­ken zu ge­ben, in­dem Sie das, wor­auf ich Sie hier am Ran­de auf­merk­sam ma­che, mit dem zu­sam­men­füh­ren, was ich frü­her über das sa­gen woll­te, was sich in den Ge­bo­ten aus­ge­drückt hat, nichts an­de­res näm­lich als die Ge­set­ze des Spre­chens – wo­durch ihre Re­le­vanz ein­ge­schränkt wird. Aber es ist eben sehr wich­tig, die Re­le­vanz der Din­ge ein­zu­schrän­ken, wenn man wis­sen will, war­um sie tat­säch­lich wirk­sam sind.

Gut. Nun ja, nach­dem dies ge­sagt ist – wie ich’s halt ge­konnt habe, näm­lich durch eine Bah­nung, die ja wie ge­wöhn­lich also die ist, die ich ge­zwun­gen bin, mit dem um­ge­kehr­ten gro­ßen A des Büf­fel­kopfs vor­zu­neh­men [∀], des Bull­do­zers –, gehe ich nun zur nächs­ten Etap­pe über, zu dem, was der Fort­schritt der Lo­gik uns auf­zu­schrei­ben ge­stat­tet.

Sie wis­sen, dass et­was pas­siert ist, was im Üb­ri­gen – es ist sehr, sehr schön. Dass es so ein biss­chen mehr als etwa zwei­tau­send Jah­re ge­war­tet hat, bis et­was pas­siert ist, was als Neu­schrei­bung des ers­ten Ver­suchs be­zeich­net wird, des ers­ten Ver­suchs, der dar­in be­steht, an der rich­ti­gen Stel­le Lö­cher an­zu­brin­gen, das heißt Ter­mi­ni durch Buch­sta­ben zu er­set­zen, Ter­mi­ni, die als „ma­jor“ und „mi­nor“ be­zeich­net wer­den, <nein> als „äu­ße­rer“ und „mitt­le­rer Ter­mi­nus“, Ter­mi­ni, die als „äu­ße­rer“ und „mitt­le­rer Ter­mi­nus“ be­zeich­net wer­den; „ma­jor“ und „mi­nor“ sind Aus­sa­gen, bit­te ent­schul­di­gen Sie die­sen Ver­spre­cher. Also, Sie wis­sen, dass wir mit der Lo­gik, die durch die Ge­set­ze von De Mor­gan und Boo­le ein­ge­führt wor­den ist, zu For­meln ge­langt sind, die von ih­nen nur ein­ge­führt wur­den und nicht bis zum End­punkt vor­an­ge­trie­ben wur­den, zu so­ge­nann­ten Quan­to­ren­for­meln. [Wäh­rend die­ser Be­mer­kung ent­steht im Hör­saal be­trächt­li­cher Lärm.]

Teil­neh­mer: Man ver­steht nichts!

La­can: Wer ver­steht nicht? Nie­mand? [Lärm] Seit wann ver­ste­hen Sie mich nicht? [Lärm]

Teil­neh­mer: Wenn Sie an der Ta­fel ste­hen. [Lärm]

La­can: Ach ja, bis jetzt ging das also? Ich bin Ih­nen dank­bar, dass Sie mir das in dem Mo­ment sa­gen, in dem es nicht mehr geht. Also hö­ren Sie, jetzt wer­de ich schnell schrei­ben und dann wer­de ich hier­her zu­rück­kom­men. [Ge­läch­ter]

Vier Aus­sa­ge­ar­ten mit Quan­to­ren

[139] Also gut. Ich habe ge­ra­de die­se klei­nen Rin­ge ge­macht, um Ih­nen zu zei­gen, dass der Strich nicht ein Strich zwi­schen zwei F(x) ist, was üb­ri­gens ab­so­lut nichts be­deu­ten wür­de, und dass der Strich, den Sie in der rech­ten Spal­te zwi­schen je­der, zwi­schen je­dem der Paa­re von F(x) fin­den, dass die­ser Strich ein­zig mit dem­je­ni­gen F(x) ver­bun­den ist, das hier dar­un­ter steht, also des­sen Ne­ga­ti­on be­deu­tet.

Die Zeit schrei­tet schnel­ler vor­an als ich ver­mu­tet habe, der­art, dass mich das viel­leicht zwin­gen wird, ein klein we­nig ab­zu­kür­zen.

Die Frucht der Ope­ra­ti­on des voll­stän­di­gen Auf­schrei­bens, die­je­ni­ge, die den Fort­schritt der Ma­the­ma­tik er­laubt hat, ihn an­ge­regt hat, be­steht dar­in, dass von da­her, dass die Ma­the­ma­tik durch die Al­ge­bra dazu ge­langt ist, gänz­lich ge­schrie­ben zu wer­den, die Idee hat auf­kom­men kön­nen, sich des Buch­sta­bens für et­was an­de­res zu be­die­nen als da­für, Lö­cher zu ma­chen, das heißt, un­se­re vier Aus­sa­ge­ar­ten auf an­de­re Wei­se zu schrei­ben, in­so­fern sie um das „Alle“ und um das „Ei­ni­ge“ zen­triert sind, um Wör­ter also, bei de­nen es wirk­lich nicht schwie­rig wäre, Ih­nen zu zei­gen, wel­che Mehr­deu­tig­kei­ten von ih­nen ge­stützt wer­den. Also, von die­ser Idee aus hat man das ge­schrie­ben, was sich zu­nächst als Sub­jekt dar­stell­te. Un­ter der Be­din­gung, es mit die­sem um­ge­kehr­ten gro­ßen A zu ver­se­hen [∀], konn­ten wir es als äqui­va­lent mit „Alle x“ auf­fas­sen, und von da­her ging es dar­um, zu wis­sen, in wel­chem Maße ein be­stimm­tes „Alle x“ ei­nem Funk­ti­ons­ver­hält­nis ge­nü­gen konn­te.

Ich den­ke, dass ich hier nicht her­vor­he­ben muss – al­ler­dings ist wohl doch nö­tig, dass ich es tue, ohne das wür­de all dies hier als leer er­schei­nen –, dass die Sa­che in der Ma­the­ma­tik wirk­lich ih­ren vol­len Sinn hat, dass näm­lich ge­nau in­so­fern, als wir uns an den Buch­sta­ben hal­ten – wo die Macht der Ma­the­ma­tik liegt –, dass die­ses x rechts, in­so­fern es un­be­kannt ist, zu Recht als et­was be­haup­tet wer­den kann oder nicht be­haup­tet wer­den kann, das sei­nen Platz in dem fin­den kann, was sich als die Funk­ti­on er­weist, die auf ihn ant­wor­tet, das heißt dort, wo eben die­ses x als Va­ria­ble auf­ge­fasst wird.

Um schnell vor­an­zu­kom­men – denn ich sage Ih­nen, die Zeit schrei­tet vor­an –, möch­te ich es ver­an­schau­li­chen.

Ich habe her­vor­ge­ho­ben, ich habe es ge­sagt, ich habe es ge­äu­ßert, dass die­ses x, das links steht, näm­lich in dem „∀ von x“, eine Un­be­kann­te ist. Neh­men wir bei­spiels­wei­se die Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des. Kann ich für jede Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des schrei­ben, dass die Wur­zel sich in die Funk­ti­on ein­schrei­ben lässt, durch die das x als Va­ria­ble de­fi­niert wird, näm­lich als die­je­ni­ge Funk­ti­on, von der her die re­el­len Zah­len ein­ge­setzt wer­den?

Für die­je­ni­gen, die hier ab­so­lut nicht mit­kom­men, für die all das tat­säch­lich eine noch nie ge­hör­te Spra­che ist, hebe ich her­vor, dass die re­el­len Zah­len, je­den­falls für die­se da, alle Zah­len sind, die sie ken­nen [Ge­läch­ter], das heißt ein­schließ­lich der ir­ra­tio­na­len Zah­len, auch wenn sie nicht wis­sen, was das ist. [Ge­läch­ter] Sie mö­gen ein­fach wis­sen, dass man mit den re­el­len Zah­len jetzt durch ist, man hat ih­nen ei­nen Sta­tus ver­lie­hen. Da sie nicht ah­nen, was | [140] die ima­gi­nä­ren Zah­len sind, wei­se ich sie dar­auf hin, nur um ih­nen eine Idee da­von zu ge­ben, dass es sich lohnt, eine Funk­ti­on von re­el­len Zah­len zu bil­den. Gut. Nun ja, es ist völ­lig klar, dass es nicht stimmt, dass man für alle x, also für jede Wur­zel der Glei­chung zwei­ten Gra­des, sa­gen kann, dass jede Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des die Funk­ti­on er­füllt, auf der die re­el­len Zah­len be­ru­hen – ganz ein­fach des­halb, weil es Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die ima­gi­nä­re Zah­len sind, die <also> nicht der Funk­ti­on der re­el­len Zah­len an­ge­hö­ren.

Gut. Was ich für Sie her­vor­he­ben möch­te, ist dies, dass man glaubt, da­mit ge­nug dar­über ge­sagt zu ha­ben. Eben nicht! Man hat nicht ge­nug dar­über ge­sagt, denn so­wohl für das, was zu den Be­zie­hun­gen von „Alle x“ ge­hört, als auch für das Ver­hält­nis, mit dem man glaubt, das „Ei­ni­ge“ er­set­zen zu kön­nen – näm­lich, wo­mit man sich ge­le­gent­lich be­gnü­gen kann, näm­lich dass es Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die die Funk­ti­on der re­el­len Zahl er­fül­len, und dass es auch Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die sie nicht er­fül­len -, aber im ei­nen wie im an­de­ren Fal­le ist das, was sich dar­aus er­gibt, weit da­von ent­fernt, dass wir hier die rein for­ma­le Trans­po­si­ti­on, die voll­stän­di­ge Ho­mo­lo­gie der all­ge­mei­nen und der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­gen se­hen kön­nen, der be­ja­hen­den wie der ver­nei­nen­den.

Das heißt dass –; das be­deu­tet nicht, dass die Funk­ti­on nicht wahr ist – was kann das be­deu­ten, dass eine Funk­ti­on nicht wahr ist? Von dem Mo­ment an, in dem Sie eine Funk­ti­on schrei­ben, ist sie, die­se Funk­ti­on, das was sie ist, selbst wenn sie über die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len weit hin­aus­reicht. Und das be­deu­tet, dass ich – be­zo­gen auf die Un­be­kann­te, die durch die Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des ge­bil­det wird –, dass ich, um sie hier zu ver­or­ten, nicht die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len schrei­ben kann, und das ist et­was an­de­res als die all­ge­mei­ne ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, de­ren Ei­gen­schaf­ten im Üb­ri­gen durch­aus be­reits so wa­ren, dass wir sie in der Schwe­be lie­ßen, wie ich sei­ner­zeit hin­rei­chend be­tont habe.

Auf der Ebe­ne des „Es exis­tiert ein x“ ist da­mit ge­nau das­sel­be. Es exis­tiert ein x, bei dem –; es exis­tie­ren be­stimm­te x, be­stimm­te Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des, bei de­nen ich die so­ge­nann­te Funk­ti­on der re­el­len Zah­len schrei­ben kann und sa­gen kann, dass sie sie er­fül­len. Es gibt an­de­re, bei de­nen es zwar nicht dar­um geht, die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len zu be­strei­ten, bei de­nen ich die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len je­doch nicht schrei­ben kann.

Gut, und das wird uns in die drit­te Etap­pe ein­füh­ren, näm­lich die­je­ni­ge, bei der es ins­ge­samt um all das geht, was ich Ih­nen heu­te ge­sagt habe, die­je­ni­ge, die na­tür­lich dazu da ist, um Sie ein­zu­füh­ren.

[141] Wie Sie ja ge­se­hen ha­ben, ist es so, dass ich ganz na­tür­lich dazu über­ge­he – wo­bei ich mich auf die Er­in­ne­rung an das ver­las­se, was neu zu ar­ti­ku­lie­ren ist –, dass ich dazu über­ge­gan­gen bin, es zu schrei­ben, näm­lich dass die Funk­ti­on mit ih­rem klei­nen Strich dar­über et­was sym­bo­li­siert hat, was hin­sicht­lich des­sen, was ich tat­säch­lich zu sa­gen hat­te, völ­lig un­ge­eig­net war.

Sie ha­ben viel­leicht be­merkt, dass mir über­haupt nicht in den Sinn ge­kom­men ist – zu­min­dest bis jetzt nicht, und auch Ih­nen nicht –, zu den­ken, dass der Ne­ga­ti­ons­strich viel­leicht nicht in der rech­ten, son­dern in der lin­ken Spal­te et­was zu tun hat­te, zu sa­gen hat­te. Ver­su­chen wir es. Wel­chen Nut­zen kann man dar­aus zie­hen?

Was kann man dar­über zu sa­gen ha­ben, dass die Funk­ti­on nicht va­ri­ie­ren wür­de, nen­nen wir sie, wie zu­fäl­lig, „Φ von x“, und wenn man et­was ein­setzt, was wir bis jetzt nie tun muss­ten, näm­lich den Ne­ga­ti­ons­strich.

Sie kann ge­sagt oder aber ge­schrie­ben wer­den. Be­gin­nen wir da­mit, sie zu sa­gen:
– Nicht von al­len x kann die Funk­ti­on „Phi von x“ auf­ge­schrie­ben wer­den.
– Von kei­nem exis­tie­ren­den x kann die Funk­ti­on „Phi von x“ auf­ge­schrie­ben wer­den.

So also. Ich habe noch nicht ge­sagt, ob das auf­schreib­bar ist oder nicht, wenn ich mich aber so aus­drü­cke, äu­ße­re ich et­was, des­sen ein­zi­ge Re­fe­renz die Exis­tenz des Ge­schrie­be­nen ist.

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}

Ne­ga­ti­on des All­quan­tors

\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}

Ne­ga­ti­on des Exis­tenz­quan­tors

Um es klar zu sa­gen, zwi­schen die­sen bei­den Ne­ga­tio­nen liegt eine Welt. Die­je­ni­ge Ne­ga­ti­on, die be­wirkt, dass ich sie nicht schrei­be, dass ich sie aus­schlie­ße – und wie sich frü­her ein­mal je­mand, der ein ganz aus­ge­zeich­ne­ter Gram­ma­ti­ker war, aus­ge­drückt hat –, die­se Ne­ga­ti­on hat ver­wer­fen­den Cha­rak­ter (est for­clu­sif): die Funk­ti­on wird nicht ge­schrie­ben wer­den, ich will nichts da­von wis­sen. Die an­de­re ist dis­kord­an­zi­ell (di­s­cor­d­an­ti­el­le). Es ist nicht in­so­fern, als es ein „alle x“ gäbe, dass ich „Phi von x“ schrei­ben kann oder nicht schrei­ben kann. Es ist nicht in­so­fern als dies gilt, „es exis­tiert ein x“, dass ich „Phi von x“ schrei­ben kann oder nicht schrei­ben kann.

[142] Das ist ganz ge­nau das, was uns ins In­ne­re der Un­mög­lich­keit führt, zu schrei­ben, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.

Denn nach­dem lan­ge Zeit, be­zo­gen auf die­ses Ver­hält­nis, die wohl­be­kann­ten Struk­tu­ren der Fik­ti­on fort­be­stan­den ha­ben, die­je­ni­gen, auf de­nen ins­be­son­de­re alle Re­li­gio­nen be­ru­hen, sind wir zur Fun­die­rung des­sen ge­langt, und zwar durch die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, dass die­ses Ver­hält­nis nicht ohne drit­ten Ter­mi­nus geht, der ge­nau ge­sagt der Phal­lus ist.

Na­tür­lich höre ich, wenn ich so sa­gen kann, wie sich ein be­stimm­tes Be­griffs­ver­mö­gen ar­ti­ku­liert: „Hey, mit die­sem drit­ten Ter­mi­nus geht das ganz von al­lein!“ – es gibt ja ei­nen drit­ten Ter­mi­nus, und des­halb muss es ein Ver­hält­nis ge­ben!

Nicht-me­dia­ler Cha­rak­ter des drit­ten Ter­mi­nus

Es ist na­tür­lich sehr schwie­rig, das zu ver­bild­li­chen, zu zei­gen, dass es et­was Un­be­kann­tes gibt, das hier [das lin­ke x im Dia­gramm] der Mann ist, dass es et­was Un­be­kann­tes gibt, das hier [das rech­te x im Dia­gramm] die Frau ist, und dass der drit­te Ter­mi­nus als drit­ter Ter­mi­nus eben ge­nau da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass er ge­ra­de kein Me­di­um ist, dass wenn man ihn mit ei­nem der bei­den Ter­mi­ni ver­bin­det, mit dem Ter­mi­nus des Man­nes bei­spiels­wei­se, man si­cher sein kann, dass er nicht mit dem an­de­ren kom­mu­ni­zie­ren wird und um­ge­kehrt, dass es hier spe­zi­ell dies ist, was das Cha­rak­te­ris­ti­kum des drit­ten Ter­mi­nus aus­macht.

Und na­tür­lich, auch wenn man ei­nes Ta­ges die Funk­ti­on des At­tri­buts er­fun­den hat, war­um soll­te das nicht dazu in Be­zie­hung ste­hen, in den ers­ten lä­cher­li­chen Schrit­ten der Struk­tur des Scheins, dass je­der Mann phal­lisch ist und jede Frau es nicht ist? Nun, was eta­bliert wer­den muss, ist et­was ganz an­de­res. Näm­lich dass „man­cher Mann“ es aus­ge­hend von dem ist, was hier durch die zwei­te For­mel aus­ge­drückt wird, aus­ge­hend da­von, dass er es nicht in­so­fern ist, als er par­ti­ku­lär ist – der Mann ist phal­li­sche Funk­ti­on, in­so­fern er „je­der Mann“ ist. Aber wie Sie wis­sen, muss man die größ­ten Zwei­fel he­gen hin­sicht­lich der Tat­sa­che, dass der „je­der Mann“ exis­tiert. Eben dar­um geht es, näm­lich dass er es nur qua „je­der Mann“ sein kann, das heißt qua Si­gni­fi­kant, nichts mehr.

Und dass hin­ge­gen das, was ich ge­äu­ßert habe, was ich Ih­nen ge­sagt habe, dies ist, dass es für die Frau ge­nau um das Ge­gen­teil geht, was von der dis­kord­an­zi­el­len Aus­sa­ge oben aus­ge­drückt wird, von der­je­ni­gen, | [143] die ich nur ge­schrie­ben habe – wenn ich so sa­gen kann –, ohne sie zu schrei­ben, da ich für Sie her­vor­he­be, dass es um eine dis­kord­an­zi­el­le geht, die nur durch die Aus­sa­ge un­ter­stützt wird, näm­lich dass die Frau im se­xu­el­len Ver­hält­nis ih­ren Platz nur aus­fül­len kann, dass sie es nur sein kann qua „eine Frau“ – wie ich be­reits deut­lich be­tont habe, gibt es nicht „jede Frau“.

Was ich heu­te an­bah­nen woll­te, für Sie ver­an­schau­li­chen woll­te, ist dies, dass die Lo­gik das Kenn­zei­chen der se­xu­el­len Sack­gas­se trägt, und dass Sie, wenn Sie ihr in ih­rer Be­we­gung fol­gen, in ih­rem Fort­schritt, das heißt in dem Feld, in dem sie nicht das Ge­rings­te zu tun zu ha­ben scheint mit dem, wor­um es bei dem geht, was von un­se­rer Er­fah­rung her ar­ti­ku­liert wird, also von der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung her, dass Sie hier die­sel­ben Sack­gas­sen wie­der­fin­den wer­den, die­sel­ben Hin­der­nis­se, die­sel­ben Lü­cken, kurz ge­sagt, die­sel­be Ab­we­sen­heit der Schlie­ßung ei­nes grund­le­gen­den Drei­ecks.

Ich wund­re mich, dass die Din­ge, ich mei­ne die Zeit, so schnell vor­an­ge­schrit­ten sind bei dem, was ich für Sie heu­te an­zu­bah­nen hat­te, und dass ich mich jetzt un­ter­bre­chen muss. Ich den­ke, dass es Ih­nen viel­leicht leicht­fal­len wird, be­vor wir uns am zwei­ten Mitt­woch des Mo­nats Juni wie­der­se­hen, sich selbst über die An­ge­mes­sen­heit von dem hier klar­zu­wer­den, wor­aus bei­spiels­wei­se her­vor­geht, dass, be­zo­gen auf den Sta­tus des Man­nes, et­was nur da­durch ge­grün­det wer­den kann – ich sage: an­ge­sichts der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung –, dass auf künst­li­che Wei­se, auf my­thi­sche Wei­se die­ser „je­der Mann“ kon­stru­iert wird, mit die­sem Un­ter­stell­ten, mit dem my­thi­schen Va­ter aus To­tem und Tabu, das heißt mit dem, der in der Lage ist, dem Ge­nie­ßen al­ler Frau­en zu ge­nü­gen.

Aber um­ge­kehrt gibt es in der Po­si­ti­on der Frau die Kon­se­quen­zen des­sen, dass sie sich nur aus­ge­hend da­von, „eine Frau“ zu sein, in das ein­set­zen kann, was von da­her auf­schreib­bar ist, es nicht zu sein, das heißt was von dem her, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht, auf­klaf­fend bleibt.

Und dass dies ein­tritt, was so gut les­bar ist in dem, wor­um es bei der wirk­lich wert­vol­len Funk­ti­on der Hys­te­ri­ke­rin­nen geht: Die Hys­te­ri­ke­rin­nen sind die­je­ni­gen, die über das, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht, die Wahr­heit sa­gen. Es ist schwer zu se­hen, wie der Weg der Psy­cho­ana­ly­se hät­te ge­bahnt wer­den kön­nen, wenn wir sie nicht ge­habt hät­ten. Dass die Neu­ro­se, dass zu­min­dest eine Neu­ro­se, ich wer­de es glei­cher­ma­ßen für die an­de­re de­mons­trie­ren, dass eine Neu­ro­se ganz streng der Punkt ist, an dem die Wahr­heit ei­nes Schei­terns ar­ti­ku­liert wird, die über­all an­ders als da, wo die Wahr­heit ge­sagt wird, nicht we­ni­ger wahr ist, da­von müs­sen wir aus­ge­hen, um der Freud’schen Ent­de­ckung ih­ren Sinn zu ver­lei­hen.

Was die Hys­te­ri­ke­rin ar­ti­ku­liert, ist na­tür­lich dies, dass sie, be­zo­gen dar­auf, den „je­der Mann“ zu ge­ben, dass sie dazu ge­nau­so in der Lage ist wie der „je­der Mann“ selbst, mit­hil­fe der Vor­stel­lungs­kraft näm­lich. Von da­her hat sie also kei­nen Be­darf da­nach.

Falls sie das aber zu­fäl­lig in­ter­es­siert, der Phal­lus – also das, in Be­zug wor­auf sie sich, wie Freud hin­rei­chend be­tont hat, als kas­triert auf­fasst –, hat sie es durch den Fort­schritt der Be­hand­lung, der ana­ly­ti­schen Be­hand­lung, nur da­mit zu tun, denn man darf nicht glau­ben, dass sie auf ih­rer Sei­te nicht die­ses Ge­nie­ßen hat. Und dass sie sich dann, wenn sie sich zu­fäl­lig für das se­xu­el­le Ver­hält­nis in­ter­es­siert, für die­ses drit­te Ele­ment in­ter­es­sie­ren muss, für den Phal­lus. Und da sie sich nur in­so­fern da­für in­ter­es­sie­ren kann, als im Ver­hält­nis zum Mann nicht si­cher ist, ob er selbst ei­nen hat, des­halb rich­tet sich ihre ge­sam­te Po­li­tik auf das, was ich so nen­ne: da­von „zu­min­dest ei­nen (au moins un)“ zu ha­ben.

Mit die­sem Be­griff des „zu­min­dest ei­ner“, da­mit, mein Gott, schlie­ße ich, da die Uhr mir die Gren­ze an­zeigt. Sie wer­den se­hen, dass ich ihn spä­ter na­tür­lich in ei­nen Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang zu brin­gen ha­ben wer­de mit dem, was Sie dort [an der Ta­fel] na­tür­lich be­reits ar­ti­ku­liert se­hen, näm­lich mit der Funk­ti­on des „eins mehr (un en plus)“, die es üb­ri­gens nur hier gibt, nicht wahr, so wie ich sie das letz­te Mal ge­schrie­ben habe: un en pe­lu­ce. [Ge­läch­ter] Es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass ich das so ge­schrie­ben habe, ich den­ke, dass dies bei ei­ni­gen im­mer­hin ge­wis­se Echos her­vor­ru­fen kann.

Sche­ma Hom­moi­n­zin

Das „zu­min­dest ein“ (l’„au moins un“) als we­sent­li­che Funk­ti­on des Ver­hält­nis­ses, in­so­fern hier­durch die Frau in Be­zie­hung zum ter­nä­ren Schlüs­sel­punkt der phal­li­schen Funk­ti­on ver­or­tet wird, wir wer­den es auf fol­gen­de Wei­se schrei­ben, da es et­was in­au­gu­riert, da es ge­nau die Di­men­si­on in­au­gu­riert, auf der ich für ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­stan­den habe: „l’hommoinzin“.

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Französisch/deutsch mit Anmerkungen

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[129] Si je com­mence par l’abrupt en som­me de ce que j’ai à vous dire, ça pour­rait s’exprimer ain­si : c’est que dans ce que nous ex­plo­rons, à par­tir d’un cer­tain dis­cours – dans l’occasion le mien – le mien en tant que c’est ce­lui de l’analyste, di­sons que ça dé­ter­mi­ne des fonc­tions, en d’autres ter­mes que les fonc­tions ne sont dé­ter­mi­nées qu’à par­tir d’un cer­tain dis­cours.

Wenn ich ohne Um­schwei­fe mit dem be­gin­ne, was ich Ih­nen zu sa­gen habe, könn­te das so aus­ge­drückt wer­den, dass in dem, was wir aus­ge­hend von ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs er­kun­den – in die­sem Fal­le aus­ge­hend dem mei­nen, dem mei­nen in­so­fern, als es der des Ana­ly­ti­kers ist –, dass, sa­gen wir, hier­durch Funk­tio­nen de­ter­mi­niert wer­den, an­ders aus­ge­drückt: dass die Funk­tio­nen nur aus­ge­hend von ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs de­ter­mi­niert sind.

Alors, à ce ni­veau des fonc­tions dé­ter­mi­nées par un cer­tain dis­cours, je peux éta­b­lir l’équivalence que l’écrit, c’est la jouis­sance.

Nun, auf die­ser Ebe­ne der Funk­tio­nen, die durch ei­nen be­stimm­ten Dis­kurs de­ter­mi­niert sind, kann ich die fol­gen­de Äqui­va­lenz auf­stel­len: Das Ge­schrie­be­ne ist das Ge­nie­ßen.1

Na­tu­rel­le­ment ça n’est ca­sa­ble qu’à l’intérieur de cet­te pre­miè­re ar­ti­cu­la­ti­on des fonc­tions dé­ter­mi­nées par un dis­cours ; di­sons que ça ti­ent ex­ac­te­ment la même place à l’intérieur de ces fonc­tions.

Na­tür­lich lässt sich das nur in­ner­halb die­ser ers­ten Ar­ti­ku­la­ti­on der Funk­tio­nen un­ter­brin­gen, die von ei­nem Dis­kurs de­ter­mi­niert sind; sa­gen wir, dass das in­ner­halb die­ser Funk­tio­nen ex­akt den­sel­ben Platz ein­nimmt.

Ceci étant énon­cé com­me ça tout ab­rupt, pour­quoi ?

Und war­um ist das so ganz schroff ge­äu­ßert wor­den?

Ben, pour que vous le met­tiez à l’épreuve.

Nun, da­mit Sie es über­prü­fen.

C’est vrai que ça vous mè­ne­ra tou­jours quel­que part, et même, de pré­fé­rence, à quel­que cho­se d’exact.

Es stimmt, dass Sie das im­mer ir­gend­wo­hin füh­ren wird, vor­zugs­wei­se so­gar zu et­was Ex­ak­tem.

Ceci bien sûr ne me dis­pen­se pas du soin de vous y in­tro­du­i­re par les vo­ies qui con­vi­en­nent, à savoir cel­les, non pas qui le ju­s­ti­fi­ent pour moi, étant don­né d’où je vous par­le, mais cel­les par les­quel­les ça peut s’expliquer.

Das ent­hebt mich na­tür­lich nicht der Sor­ge, Sie auf ge­eig­ne­ten We­gen dar­in ein­zu­füh­ren, also auf We­gen, die das nicht für mich be­grün­den, an­ge­sichts des­sen, von wo aus ich zu Ih­nen spre­che, son­dern auf sol­chen, durch die sich das er­klä­ren lässt.

Je sup­po­se – je ne sup­po­se pas for­cé­ment – que je m’adresse ici tou­jours à des ana­lys­tes, au res­te c’est bien ce qui fait que mon dis­cours n’est pas fa­ci­le­ment sui­vi, c’est très pré­cisé­ment en tant qu’il y a quel­que cho­se qui au ni­veau du dis­cours de l’analyste, fait obst­a­cle à un cer­tain type d’inscription.

Ich neh­me an – ich neh­me nicht zwangs­läu­fig an –, dass ich mich hier im­mer an Ana­ly­ti­ker wen­de; für die Üb­ri­gen ist dies eben das, was dazu führt, dass man mei­nem Dis­kurs nicht leicht fol­gen kann, ge­nau in­so­fern näm­lich, als es et­was gibt, was auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses des Ana­ly­ti­kers ei­nem be­stimm­ten Ty­pus des Auf­schrei­bens im Wege steht.

[130] Cet­te in­scrip­ti­on pour­tant, c’est ce que je lais­se, c’est ce que je pro­po­se.

Die­ses Auf­schrei­ben ist je­doch das, was ich hin­ter­las­se, es ist das, was ich vor­schla­ge.

C’est ce que j’espère qui pas­se­ra, qui pas­se­ra d’un point d’où, si l’on peut dire, le dis­cours ana­ly­tique pren­ne un nou­vel élan.

Es das, wo­von ich hof­fe, dass es durch­ge­hen wird, dass es von ei­nem Punkt aus durch­ge­hen wird, von wo aus, wenn man so sa­gen kann, der ana­ly­ti­sche Dis­kurs ei­nen neu­en Auf­schwung nimmt.

Alors, il s’agit donc de rend­re sen­si­ble com­ment la trans­mis­si­on d’une lett­re a un rap­port avec quel­que cho­se d’essentiel, de fon­da­men­tal, dans l’organisation du dis­cours quel qu’il soit, à savoir la jouis­sance.

Nun, es geht also dar­um, spür­bar zu ma­chen, wie die Über­mitt­lung ei­nes Buch­sta­bens / ei­nes Brie­fes / ei­ner Let­ter (lett­re) zu et­was in Be­zie­hung steht, das für die Or­ga­ni­sa­ti­on jed­we­den Dis­kur­ses we­sent­lich und grund­le­gend ist, näm­lich zum Ge­nie­ßen.2

Pour ça bien sûr, il faut que – à chaque fois – je vous met­te au ton de la cho­se.

Da­für muss ich Sie na­tür­lich je­des Mal auf die Sa­che ein­stim­men.

Com­ment le fai­re, si ce n’est à rap­pe­ler l’exemple de base dont je suis par­ti, c’est à savoir que c’est très ex­pres­sé­ment d’étudier la lett­re com­me tel­le… en tant que quoi ? en tant que – je l’ai dit – elle a un ef­fet fé­mi­ni­sant …que j’ouvre mes Écrits.

Wie an­ders lässt sich das tun als in der Wei­se, dass das grund­le­gen­de Bei­spiel, von dem ich aus­ge­gan­gen bin, in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wird, dass ich näm­lich mei­ne Schrif­ten aus­drück­lich da­mit er­öff­ne, die Let­ter als sol­che zu un­ter­su­chen3 un­ter wel­chem Ge­sichts­punkt? In­so­fern sie, das habe ich ge­sagt, eine fe­mi­ni­sie­ren­de Wir­kung hat.

Cet­te lett­re en som­me, je l’ai re­sou­li­gné en­co­re la der­niè­re fois, elle fonc­tion­ne très spé­ci­fi­que­ment en ceci que per­son­ne ne sait rien de son con­te­nu et que jusqu’à la fin du con­te per­son­ne n’en sau­ra rien.

Die­se Let­ter also, das letz­te Mal habe ich das noch ein­mal her­vor­ge­ho­ben, funk­tio­niert in­so­fern auf ganz spe­zi­el­le Wei­se, als über ih­ren In­halt nie­mand et­was weiß und bis zum Ende der Er­zäh­lung auch nie­mand et­was dar­über wis­sen wird.

Elle est très ex­em­plai­re en ceci que na­tu­rel­le­ment il n’y a qu’au benêt – et en­co­re, je pen­se que même au benêt l’idée ne lui est pas ve­nue – que cet­te lett­re est quel­que cho­se d’aussi som­mai­re, d’aussi gros­sier que quel­que cho­se qui por­te­rait le té­moi­gna­ge de ce qu’on ap­pel­le com­mu­n­é­ment un rap­port se­xu­el.

Die­se Let­ter ist in­so­fern sehr ex­em­pla­risch, als na­tür­lich nur ei­nem Ein­fäl­ti­gen nicht die Idee ge­kom­men ist – und ich den­ke so­gar, selbst ei­nem Ein­fäl­ti­gen ist sie ge­kom­men –, dass die­se Let­ter et­was so Sum­ma­ri­sches, so Gro­bes ist, wie et­was, was das Zeug­nis des­sen trü­ge, was man ge­mein­hin als se­xu­el­les Ver­hält­nis be­zeich­net.

En­co­re que ce soit écrit par un hom­me et il est dit et c’est sou­li­gné, par un Grand, par un Grand et à une Rei­ne, il est évi­dent qu’il est… que c’est pas ça qui fait un dra­me, et que cet­te lett­re, qu’il est de la te­nue d’une Cour… si je puis dire, c’est-à-dire de quel­que cho­se de fon­dé – c’est la meilleu­re dé­fi­ni­ti­on qu’on en puis­se don­ner – sur la dis­tri­bu­ti­on de la jouis­sance …il est de la te­nue d’une Cour que dans cet­te dis­tri­bu­ti­on, elle met­te ce qu’on ap­pel­le à pro­pre­ment par­ler le rap­port se­xu­el à son rang, c’est-à-dire bien évi­dem­ment le plus bas.

Ob­schon das von ei­nem Mann ge­schrie­ben ist, der zum ho­hen Adel ge­hört, wie das ge­sagt und her­vor­ge­ho­ben wird, von ei­nem ho­hen Ad­li­gen und an eine Kö­ni­gin ge­rich­tet ist, so ist doch of­fen­kun­dig, dass es ist –, dass es nicht das ist, was das Dra­ma aus­macht, und dass die­se Let­ter –, dass es zum Ver­hal­ten ei­nes Ho­fes ge­hört, wenn ich so sa­gen kann, das heißt zum Ver­hal­ten von et­was – das ist die bes­te De­fi­ni­ti­on, die man da­von ge­ben kann –, was sich auf die Dis­tri­bu­ti­on des Ge­nie­ßens grün­det, dass es zum Ver­hal­ten ei­nes Ho­fes ge­hört, dass bei die­ser Dis­tri­bu­ti­on der Hof dem, was man im en­ge­ren Sin­ne als se­xu­el­les Ver­hält­nis be­zeich­net, sei­nen Rang zu­weist, und das heißt ganz of­fen­kun­dig: den nied­rigs­ten.

Per­son­ne n’y relè­ve com­me no­ta­bles les ser­vices qu’une gran­de dame peut à ce tit­re re­ce­voir d’un laquais.

Die Diens­te, die in die­ser Hin­sicht eine Dame von Adel von ei­nem La­kai­en emp­fan­gen kann, hebt hier nie­mand als be­mer­kens­wert her­vor.

Avec la Rei­ne, bien sûr, et jus­te­ment par­ce que c’est la Rei­ne, les cho­ses doiv­ent prend­re un aut­re ac­cent.

Bei der Kö­ni­gin al­ler­dings, eben weil es die Kö­ni­gin ist, müs­sen die Din­ge ei­nen an­de­ren Ak­zent an­neh­men.

Mais d’abord donc, il est posé – ce qui est d’expérience – qu’un hom­me né, c’est ce­lui qui, si je puis dire de race, ne sau­rait prend­re om­bra­ge d’une li­ai­son de son épou­se, qu’à la me­su­re de sa dé­cence, c’est-à-dire des for­mes re­spec­tées.

Aber zu­nächst ein­mal wird an­ge­nom­men – das ent­spricht der Er­fah­rung –, dass ein Mann von Ge­burt je­mand ist, der von sei­ner Ras­se her, wenn ich so sa­gen darf, an ei­ner Li­ai­son sei­ner Gat­tin nur in­so­weit An­stoß zu neh­men weiß, als da­bei der An­stand ins Spiel kommt, das heißt For­men, die re­spek­tiert wer­den.

La seu­le cho­se qui pour­rait y fai­re ob­jec­tion est bien sûr l’introduction de bâ­tards dans la li­gnée, mais même ça après tout, ça peut ser­vir à un ra­jeu­nis­se­ment d’un sang.

Das ein­zi­ge, was hier ei­nen Ein­wand her­vor­ru­fen könn­te, ist na­tür­lich die Ein­füh­rung un­ehe­li­cher Kin­der in die Ab­stam­mungs­li­nie, aber selbst das kann letzt­lich der Ver­jün­gung des Ge­blü­tes die­nen.

[131] Où se voit évi­dem­ment ici, dans un cad­re qui, pour ne pas vous être spé­cia­le­ment pré­sen­ti­fié dans la so­cié­té ac­tu­el­le, n’en est pas moins ex­em­plai­re et fon­da­men­tal pour ce qui est de rai­son­ner des rap­ports so­ci­aux, à quoi se voit, dis-je en som­me que, il n’y a rien de tel qu’un ord­re fon­dé sur l’artifice pour y fai­re ap­pa­raît­re cet élé­ment qui lui en ap­pa­rence, est jus­te­ment ce­lui qui doit pa­raît­re ir­ré­duc­ti­ble dans le réel, à savoir la fonc­tion du be­so­in.

Wo hier of­fen­kun­dig zu se­hen ist – in ei­nem Rah­men, der, auch wenn er Ih­nen in der heu­ti­gen Ge­sell­schaft nicht spe­zi­ell ver­ge­gen­wär­tigt wird, dar­um für das, was bei der Er­klä­rung der so­zia­len Ver­hält­nis­se zu be­den­ken ist, nicht we­ni­ger ex­em­pla­risch und grund­le­gend ist –, wo­bei zu se­hen ist, sage ich ganz ganz kurz, dass nichts so sehr wie eine auf das Künst­li­che ge­grün­de­te Ord­nung ge­eig­net ist, hier das Ele­ment er­schei­nen zu las­sen, das für sie an­schei­nend ge­nau das ist, was im Rea­len als un­re­du­zier­bar er­schei­nen muss, näm­lich die Funk­ti­on des Be­dürf­nis­ses.

Si je vous ai dit que, il y a un ord­re dans le­quel il est tout à fait mis à sa place, qu’un su­jet – si haut pla­cé qu’il soit – se ré­ser­ve cet­te part de jouis­sance ir­ré­duc­ti­ble, la part mi­ni­ma­le, à ne pas pou­voir être sub­li­mée, com­me s’exprime Freud ex­pres­sé­ment, seul un ord­re fon­dé sur l’artefact, j’ai spé­ci­fié la Cour pour au­tant qu’elle re­dou­ble l’artefact déjà de la no­bles­se, de ce se­cond ar­te­fact d’une dis­tri­bu­ti­on or­don­née de la jouis­sance …et c’est seu­le­ment là que peut dé­cem­ment trou­ver sa place le be­so­in.

Wenn ich Ih­nen ge­sagt habe, dass es eine Ord­nung gibt, in der es durch­aus sei­nen Platz hat, dass ein Sub­jekt, so hoch plat­ziert es auch sein mag, sich die­sen Teil des un­re­du­zier­ba­ren Ge­nie­ßens vor­be­hält, den von da­her mi­ni­ma­len Teil, dass er nicht sub­li­miert wer­den kann, wie Freud es aus­drück­lich ar­ti­ku­liert, ein­zig also in ei­ner Ord­nung, die sich auf das Ar­te­fakt grün­det – und ich habe das spe­zi­fi­ziert: der Hof in­so­fern er das Ar­te­fakt des Adels durch das zwei­te Ar­te­fakt ei­ner ge­ord­ne­ten Dis­tri­bu­ti­on des Ge­nie­ßens ver­dop­pelt –, nur hier kann das Be­dürf­nis auf an­stän­di­ge Wei­se sei­nen Platz fin­den.

Le be­so­in ex­pres­sé­ment spé­ci­fié com­me tel est le be­so­in se­xu­el.

Das Be­dürf­nis, das aus­drück­lich als sol­ches spe­zi­fi­ziert ist, ist das se­xu­el­le Be­dürf­nis.

Seu­le­ment ce qui pa­raît d’un côté spé­ci­fier le na­tu­rel, être ce qui, je di­rai, du point de vue d’une thé­o­ri­sa­ti­on en som­me bio­lo­gi­que du rap­port se­xu­el pour­rait fai­re par­tir d’un be­so­in ce qui doit en ré­sul­ter, à savoir la re­pro­duc­tion, nous con­sta­tons que si l’artefact est sa­tis­faisant à une cer­tai­ne thé­o­ri­sa­ti­on pri­mai­re d’un côté, de l’autre il lais­se évi­dem­ment la place à ceci, c’est que la re­pro­duc­tion peut aus­si bien dans ce cas n’être pas la re­pro­duc­tion je di­rai – ent­re guil­le­mets – « lé­gi­ti­me ».

Je­doch das, was ei­ner­seits das Na­tür­li­che zu spe­zi­fi­zie­ren scheint und das zu sein scheint, was, möch­te ich sa­gen, vom Stand­punkt ei­ner ins­ge­samt bio­lo­gi­schen Theo­re­ti­sie­rung des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses aus das, was dar­aus her­vor­ge­hen muss, näm­lich die Re­pro­duk­ti­on, von ei­nem Be­dürf­nis aus­ge­hen las­sen könn­te –; wir stel­len fest, dass das Ar­te­fakt, auch wenn es ei­ner­seits für eine be­stimm­te ers­te Theo­rie­bil­dung be­frie­di­gend ist, doch of­fen­kun­dig an­de­rer­seits Raum da­für lässt, dass die Re­pro­duk­ti­on in die­sem Fal­le auch nicht eine, möch­te ich sa­gen, in An­füh­rungs­zei­chen „le­gi­ti­me“ Re­pro­duk­ti­on sein kann.

Ce be­so­in, cet ir­ré­duc­ti­ble dans le rap­port se­xu­el, on peut ad­mett­re bien sûr qu’il exis­te tou­jours, et Freud l’affirme.

Die­ses Be­dürf­nis, die­ses Ir­re­du­zi­b­le im se­xu­el­len Ver­hält­nis, man kann si­cher­lich ein­räu­men, dass es im­mer exis­tiert, und Freud be­stä­tigt das.

Mais ce qu’il y a de cer­tain, c’est que, il n’est pas me­sura­ble tant qu’il n’est pas ex­pres­sé­ment, et il ne peut l’être que dans l’artefact, dans l’artefact de la re­la­ti­on à l’Autre avec un grand A.

Si­cher ist aber, dass es nicht mess­bar ist, so­lan­ge es nicht aus­drück­lich <ge­schieht>, und es kann nur im Ar­te­fakt ge­mes­sen wer­den, im Ar­te­fakt der Be­zie­hung zum An­de­ren mit gro­ßem A.4

Il n’est pas me­sura­ble, et c’est bien cet élé­ment d’indétermination où se si­gne ce qu’il y a de fon­da­men­tal, c’est très pré­cisé­ment que le rap­port se­xu­el n’est pas in­scrip­ti­ble, n’est pas fon­da­ble com­me rap­port.

Es ist <je­doch> nicht mess­bar, und eben die­ses Ele­ment der Un­be­stimmt­heit ist es, wo un­ter­zeich­net wird, was es an Grund­le­gen­dem gibt, näm­lich ge­nau dies, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis als Ver­hält­nis nicht auf­schreib­bar ist, nicht ge­grün­det wer­den kann.

C’est bien en quoi la lett­re, la lett­re dont je pars pour en ou­vr­ir mes Écrits, se dé­si­gne de ce qu’elle est, et de ce en quoi elle in­di­que tout ce que Freud lui-même dé­ve­lop­pe, c’est que si elle sert quel­que cho­se qui est de l’ordre du sexe, c’est non pas cer­tes un rap­port se­xu­el, mais un rap­port, di­sons, se­xué.

Das ist eben das, wor­in die Let­ter – die Let­ter, von der ich aus­ge­he, um da­mit mei­ne Schrif­ten zu er­öff­nen – durch das be­zeich­net wird, was sie ist, und durch das, wor­in sie all das an­zeigt, was Freud selbst ent­wi­ckelt, näm­lich dass die Let­ter, wenn sie zu et­was dient, was von der Ord­nung des Ge­schlechts (sexe) ist, dann ist das si­cher­lich nicht ein se­xu­el­les Ver­hält­nis, son­dern ein, sa­gen wir, „se­xu­ier­tes“ Ver­hält­nis.

La dif­fé­rence ent­re les deux est cel­le-ci, c’est que – c’est ce que Freud dé­mont­re, ce qu’il a ap­por­té de dé­cisif – c’est que par l’intermédiaire de l’inconscient nous ent­re­vo­yons que tout ce qui est du lan­ga­ge a af­fai­re avec le sexe, est dans un cer­tain rap­port avec le sexe, mais très pré­cisé­ment en ceci que le rap­port se­xu­el ne peut, du moins jusqu’à l’heure pré­sen­te, d’aucune fa­çon s’y in­scri­re.

Der Un­ter­schied zwi­schen bei­den ist fol­gen­der, näm­lich – das ist das, was Freud de­mons­triert, was er an Ent­schei­den­dem bei­ge­tra­gen hat –, dass wir durch Ver­mitt­lung des Un­be­wuss­ten er­ah­nen, dass all das, was zur Spra­che (lan­ga­ge) ge­hört, mit dem Ge­schlecht zu tun hat, in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis zum Ge­schlecht steht, je­doch ge­nau in­so­fern, als das se­xu­el­le Ver­hält­nis, zu­min­dest bis zum ge­gen­wär­ti­gen Zeit­punkt, dar­in auf kei­ne Wei­se auf­ge­schrie­ben wer­den kann.

[132] La pré­ten­due se­xua­li­sa­ti­on par la doc­tri­ne freu­di­en­ne… de ce qu’il en est des fonc­tions qu’on peut ap­pe­ler sub­jec­tives, à con­di­ti­on de les bien si­tu­er, de les si­tu­er de l’ordre du lan­ga­ge …la pré­ten­due se­xua­li­sa­ti­on con­sis­te es­sen­ti­el­le­ment en ceci que ce qui dev­rait ré­sul­ter du lan­ga­ge, à savoir que la re­la­ti­on se­xu­el­le d’une fa­çon quel­con­que puis­se s’y in­scri­re, mont­re pré­cisé­ment – et ceci dans le fait – mont­re son échec : elle n’est pas in­scrip­ti­ble.

Die an­geb­li­che Se­xua­li­sie­rung durch die Freud’sche Leh­re – des­sen, wor­um es bei den­je­ni­gen Funk­tio­nen geht, die man als „sub­jek­tiv“ be­zeich­nen kann, un­ter der Be­din­gung, sie rich­tig zu ver­or­ten, sie von der Ord­nung der Spra­che her zu ver­or­ten –, die an­geb­li­che Se­xua­li­sie­rung be­steht we­sent­lich dar­in, dass das, was aus der Spra­che her­vor­ge­hen müss­te, näm­lich dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis auf ir­gend­ei­ne Wei­se dar­in auf­ge­schrie­ben wer­den kann, ge­nau sein Schei­tern zeigt, und zwar fak­tisch: es ist nicht auf­schreib­bar.

Vous voy­ez déjà là fonc­tion­ner ceci qui fait par­tie de cet ef­fet d’écart, cet ef­fet de di­vi­si­on, qui est ce­lui au­quel nous avons ré­gu­liè­re­ment tou­jours af­fai­re, et c’est bien pour cela qu’il faut en quel­que sor­te vous y for­mer.

Sie se­hen hier be­reits et­was funk­tio­nie­ren, was zu die­sem Ab­wei­chungs­ef­fekt , zu die­sem Spal­tungs­ef­fekt ge­hört, näm­lich zu dem, wo­mit wir es re­gel­mä­ßig im­mer zu tun ha­ben, und eben des­halb müs­sen Sie sich dar­in ge­wis­ser­ma­ßen bil­den.

C’est que j’énonce par ex­emp­le ceci : que le rap­port se­xu­el, c’est jus­te­ment dans la me­su­re où quel­que cho­se échoue, échoue à ce qu’il soit… est-ce « énon­cé » dans le lan­ga­ge ?

Heißt das, dass ich bei­spiels­wei­se dies äu­ße­re, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis ge­nau in dem Maße ist, wie et­was schei­tert, und zwar dar­an schei­tert, dass es in der Spra­che „aus­ge­sagt“ wird?

Mais jus­te­ment ça n’est pas « énon­cé » que j’ai dit : c’est « in­scrip­ti­ble » … in­scrip­ti­ble en ceci que ce qui est exi­gi­b­le pour qu’il y ait fonc­tion, c’est que du lan­ga­ge, quel­que cho­se puis­se se pro­du­i­re qui est l’écriture ex­pres­sé­ment – com­me tel­le – de la fonc­tion, à savoir ce quel­que cho­se que déjà je vous ai plus d’une fois sym­bo­li­sé de la fa­çon la plus simp­le, à savoir ceci : F dans un cer­tain rap­port avec x [F(x)].

Was ich je­doch ge­sagt habe, ist ge­ra­de nicht „aus­ge­sagt“, son­dern „auf­schreib­bar“, in­so­fern auf­schreib­bar, als es da­für, dass es eine Funk­ti­on gibt, er­for­der­lich ist, dass sich aus der Spra­che et­was her­stel­len kann, was als sol­ches aus­drück­lich die Schrei­bung (éc­ri­tu­re) der Funk­ti­on ist, näm­lich et­was, was ich für Sie be­reits mehr als ein­mal auf ganz ein­fa­che Wei­se sym­bo­li­siert habe, näm­lich dies: F in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis zu x [F(x)].5

Donc, au mo­ment de dire que le lan­ga­ge, c’est ce quel­que cho­se qui ne rend pas comp­te du rap­port se­xu­el, il n’en rend pas comp­te – en quoi ? – en ceci que de l’inscription qu’il est ca­pa­ble de com­men­ter, il ne peut fai­re que cet­te in­scrip­ti­on soit – car c’est en cela que cela con­sis­te – soit ce que je dé­fi­nis com­me in­scrip­ti­on ef­fec­tive de quel­que cho­se qui se­rait le rap­port se­xu­el en tant qu’il met­trait en rap­port les deux pô­les, les deux ter­mes qui s’intituleraient de l’homme et de la femme, en tant que cet hom­me et cet­te femme sont des se­xes re­spec­tive­ment spé­ci­fiés du mas­cu­lin et du fé­mi­nin – chez qui, chez quoi ? – chez un être qui par­le, au­tre­ment dit, qui ha­bi­tant le lan­ga­ge, se trouve en ti­rer cet usa­ge qui est ce­lui de la pa­ro­le.

In dem Au­gen­blick also, in dem man sagt, dass die Spra­che et­was ist, was vom se­xu­el­len Ver­hält­nis kei­ne Re­chen­schaft ab­legt – in­wie­fern legt sie da­von kei­ne Re­chen­schaft ab? In­so­fern als sie bei dem Auf­schrei­ben, das zu kom­men­tie­ren sie in der Lage ist, nicht be­wir­ken kann, dass die­ses Auf­schrei­ben das ist – denn eben dar­in be­steht es –, dass es das ist, was ich de­fi­nie­re als ef­fek­ti­ves Auf­schrei­ben von et­was, was das se­xu­el­le Ver­hält­nis in­so­fern wäre, als es die bei­den Pole in ein Ver­hält­nis bräch­te, die bei­den Ter­me, die vom Mann und von der Frau her ti­tu­liert wer­den wür­den, in­so­fern die­ser Mann und die­se Frau Ge­schlech­ter sind, die je­weils als männ­lich und weib­lich spe­zi­fi­ziert sind – bei wem, bei was? Bei ei­nem We­sen, das spricht, an­ders ge­sagt, das, in­dem es die Spra­che be­wohnt, dazu ge­langt, da­von den Ge­brauch zu ma­chen, der eben der des Spre­chens ist.

C’est en cela que ici ce n’est pas rien que de mett­re en avant la lett­re, à pro­pre­ment par­ler com­me dans un cer­tain rap­port, rap­port de la femme avec ce qui de Loi écri­te, s’inscrit dans le con­tex­te où la cho­se se place, à savoir, du fait qu’elle est – au tit­re de Rei­ne – l’image de la femme com­me con­join­te au Roi.

In­so­fern ist es nicht un­wich­tig, die Let­ter im ei­gent­li­chen Sin­ne her­aus­zu­stel­len, als in ei­nem be­stimm­ten Ver­hält­nis ste­hend, dem Ver­hält­nis der Frau zu dem, was sich vom ge­schrie­be­nen Ge­setz in den Kon­text ein­schreibt, in dem die Sa­che statt­fin­det, von da­her näm­lich, dass sie, mit dem Ti­tel der Kö­ni­gin, das Bild der Frau ist, in­so­fern sie mit dem Kö­nig ver­ehe­licht ist.

C’est en tant que quel­que cho­se est im­pro­pre­ment ici sym­bo­li­sé, et ty­pi­que­ment au­tour du rap­port com­me se­xu­el… et il n’est pas vain que pré­cisé­ment il ne puis­se être in­car­né que dans des êtres de fic­tion …c’est en tant que ceci, que le fait qu’une lett­re lui soit adres­sée, prend la val­eur que je dé­si­gne pour me lire, pour m’énoncer dans mes pro­pres pro­pos : « ce si­gne », « ce si­gne – il s’agit de la lett­re – est bien ce­lui de la femme pour ce qu’elle y fait va­loir son être, en le fon­dant hors de la Loi, qui la con­ti­ent | [133] tou­jours de par l’effet des ori­gi­nes, en po­si­ti­on de si­gni­fi­ant, voi­re de féti­che.

In­so­fern hier et­was un­an­ge­mes­sen sym­bo­li­siert ist, ty­pi­scher­wei­se be­zo­gen auf das Ver­hält­nis als se­xu­el­les – und nicht ohne Grund kann es eben nur in We­sen ver­kör­pert wer­den, die der Fik­ti­on an­ge­hö­ren –, in­so­fern nimmt dies, nimmt die Tat­sa­che, dass eine Let­ter an sie ge­rich­tet ist, den Wert an, den ich so be­zeich­ne – um mich selbst zu le­sen, um mich mit mei­nen ei­ge­nen Be­mer­kun­gen zu äu­ßern: „die­ses Zei­chen“, es geht um die Let­ter, „ist eben das der Frau, von da­her, dass sie ihr Sein in ihm gel­tend macht, da­durch, dass sie es au­ßer­halb des Ge­set­zes grün­det, von dem sie, durch die Wir­kung ih­rer Ur­sprün­ge, stets in der Po­si­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, ja des Fe­tischs in Schran­ken ge­hal­ten wird“6.

Il est clair que sans l’introduction de la psy­chana­ly­se, une tel­le énon­cia­ti­on, qui est pour­tant cel­le dont pro­cè­de, je di­rai la ré­vol­te de la femme, une tel­le énon­cia­ti­on que de dire que la Loi la con­ti­ent tou­jours de par l’effet de ses ori­gi­nes en po­si­ti­on de si­gni­fi­ant, voi­re de féti­che, ne sau­rait – bien en­t­en­du, je le ré­pè­te – hors de l’introduction de la psy­chana­ly­se être énon­cée.

Es ist klar, dass ohne die Ein­füh­rung der Psy­cho­ana­ly­se eine sol­che Äu­ße­rung – die je­doch die ist, von der, möch­te ich sa­gen, der Auf­stand der Frau aus­geht –, dass eine sol­che Äu­ße­rung, die be­sagt, dass das Ge­setz sie auf­grund der Wir­kung ih­rer Ur­sprün­ge stets auf die Po­si­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, ja des Fe­tischs ein­schränkt, dass eine sol­che Äu­ße­rung na­tür­lich, ich wie­der­ho­le es, au­ßer­halb der Ein­füh­rung der Psy­cho­ana­ly­se nicht vor­ge­bracht wer­den könn­te.

Donc, c’est pré­cisé­ment en ceci que le rap­port se­xu­el est – si je puis dire – éta­ti­sé, c’est-à-dire en étant in­car­né dans ce­lui du Roi et de la Rei­ne, met­tant en val­eur, de la vé­rité la struc­tu­re de fic­tion, c’est à par­tir de là que prend fonc­tion, ef­fet, la lett­re, qui se pose sû­re­ment d’être en rap­port avec la dé­fi­ci­ence, la dé­fi­ci­ence mar­quée d’une cer­tai­ne pro­mo­ti­on en quel­que sor­te ar­bi­trai­re et fic­tive du rap­port se­xu­el, et que c’est là que prenant sa val­eur, elle pose sa ques­ti­on.

Also ge­nau da­durch, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis, wenn ich so sa­gen kann, ver­staat­lich ist – das heißt da­durch, dass es im Ver­hält­nis des Kö­nigs und der Kö­ni­gin ver­kör­pert ist, wo­mit die fik­tio­na­le Struk­tur der Wahr­heit zur Gel­tung ge­bracht wird –, eben da­durch er­hält die Let­ter ihre Funk­ti­on, ihre Wir­kung, die si­cher­lich von da­her auf­tritt, dass die Let­ter zur Schwä­che in Be­zie­hung steht, zu der Schwä­che, die da­durch ge­kenn­zeich­net ist, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis auf eine Wei­se ge­för­dert wird, die in ge­wis­sem Sin­ne will­kür­lich und fik­tiv ist, und dass eben dies der Punkt ist, wo die Let­ter ihre Fra­ge stellt und so­mit ih­ren Wert er­hält.

C’est tout de même une oc­ca­si­on ici… ne con­sidé­rez pas que ceci s’emmanche en quel­que sor­te d’une fa­çon di­rec­te sur ce que je vi­ens de rap­pe­ler mais ces sor­tes de sauts, de dé­ca­lages, sont pro­pre­ment né­ces­sités par le point où je veux vous mene’est une oc­ca­si­on de mar­quer qu’ici se con­fir­me bien sûr, se con­fir­me ceci que la vé­rité ne pro­gres­se que d’une struc­tu­re de fic­tion.

Das ist hier im­mer­hin eine Ge­le­gen­heit – den­ken Sie nicht, dass das ir­gend­wie di­rekt an das an­schließt, wor­an ich ge­ra­de er­in­nert habe, aber we­gen des Punk­tes, zu dem ich Sie füh­ren möch­te, sind Sprün­ge und Ver­schie­bun­gen die­ser Art wirk­lich er­for­der­lich –, das ist eine Ge­le­gen­heit, um her­vor­zu­he­ben, dass sich hier na­tür­lich be­stä­tigt, dass sich be­stä­tigt, dass die Wahr­heit nur von ei­ner Fik­ti­ons­struk­tur aus vor­an­schrei­tet.

C’est à savoir que jus­te­ment, dans son es­sence, c’est de ce que se pro­meuve quel­que part une struc­tu­re de fic­tion, laquel­le est pro­pre­ment l’essence même du lan­ga­ge, que quel­que cho­se peut se pro­du­i­re, qui est quoi ? mais jus­te­ment, cet­te sor­te d’interrogation, cet­te sor­te de pres­se, de ser­ra­ge, qui met la vé­rité, si je puis dire, au pied du mur de la vé­ri­fi­ca­ti­on.

Das heißt, dass es sei­nem We­sen nach ge­nau da­her rührt, dass ir­gend­wo eine Fik­ti­ons­struk­tur ge­för­dert wird, die ei­gent­lich das We­sen der Spra­che ist, dass von da­her et­was sich her­stel­len kann, näm­lich was? Aber ge­nau die­se Art des Be­fra­gens, die­se Art des Be­drän­gens, des Ein­klem­men, wo­durch die Wahr­heit, wenn ich so sa­gen darf, an den Fuß der Mau­er der Ve­ri­fi­ka­ti­on ge­stellt wird.

Ça n’est rien d’autre que la di­men­si­on de la sci­ence.

Das ist nichts an­de­res als die Di­men­si­on der Wis­sen­schaft.7

En quoi se mont­re jus­te­ment en­fin que la voie dont se ju­s­ti­fie si je puis dire, la voie dont nous vo­yons que la sci­ence pro­gres­se, c’est que la part qu’y prend la lo­gi­que n’est pas min­ce.

Wor­in sich schließ­lich ge­nau zeigt, dass der Weg, von dem her – wenn ich so sa­gen kann – der Weg be­grün­det wird, auf dem wir die Wis­sen­schaft vor­an­schrei­ten se­hen, dass er so be­schaf­fen ist, dass die Rol­le, die hier die Lo­gik spielt, kei­nes­wegs ge­ring ist.

Quel que soit le ca­rac­tè­re ori­gi­nel­le­ment, fon­da­men­ta­le­ment, fon­ciè­re­ment fic­tif de ce qui fait le ma­té­ri­el dont s’articule le lan­ga­ge, il est clair qu’il y a une voie qui s’appelle de vé­ri­fi­ca­ti­on, c’est cel­le qui s’attache à sai­sir où la fic­tion si je puis dire bute, et ce qui l’arrête.

Was auch im­mer der ur­sprüng­lich, fun­da­men­tal, grund­le­gend fik­ti­ve Cha­rak­ter des­sen sein mag, wor­aus das Ma­te­ri­al be­steht, durch das die Spra­che ar­ti­ku­liert wird, es ist klar, dass es ei­nen Weg gibt, der als Ve­ri­fi­ka­ti­on be­zeich­net wird, der­je­ni­ge näm­lich, der sich dem wid­met, das zu er­fas­sen, wo die Fik­ti­on, wenn ich so sa­gen kann, ins Stol­pern ge­rät, und das zu er­fas­sen, was sie zu ei­nem Halt bringt.

Il est clair qu’ici, quel que soit ce que nous a per­mis d’inscrire – et vous ver­rez tout à l’heure ce que ça veut dire – le pro­grès de la lo­gi­que, je veux dire la voie écri­te par où elle a pro­gres­sé, il est clair que cet­te bu­tée est tout à fait ef­fi­cace de s’inscrire à l’intérieur même du sys­tè­me de la fic­tion, elle s’appelle la con­tra­dic­tion.

Es ist klar, dass hier, wo­durch auch im­mer es uns mög­lich war, den Fort­schritt der Lo­gik auf­zu­schrei­ben, und sie wer­den gleich se­hen, was das be­deu­tet, ich mei­ne den ge­schrie­be­nen Weg, auf dem sie Fort­schrit­te ge­macht hat, es ist klar, dass die­ses Wi­der­la­ger sehr wirk­sam ist, von da­her, dass es sich ins In­ne­re des Sys­tems der Fik­ti­on ein­schreibt; es heißt: der Wi­der­spruch.8

Que si la sci­ence ap­pa­rem­ment a pro­gres­sé bien au­tre­ment que par les vo­ies de la tau­to­lo­gie, ça n’ôte rien à la por­tée de ma re­mar­que, à savoir que la mise en de­meu­re, por­tée d’un cer­tain point, à la vé­rité d’être vé­ri­fia­ble, c’est pré­cisé­ment cela qui a for­cé d’abandonner tou­tes | [134] sor­tes d’autres pré­mis­ses pré­tendument in­tui­ti­ves.

Wenn die Wis­sen­schaft al­lem An­schein nach auf ganz an­de­re Wei­se als auf den We­gen der Tau­to­lo­gie Fort­schrit­te ge­macht hat, so tut dies der Reich­wei­te mei­ner Be­mer­kung kei­nen Ab­bruch, dass näm­lich die von ei­nem be­stimm­ten Punkt aus an die Wahr­heit vor­ge­brach­te For­de­rung, ve­ri­fi­zier­bar zu sein, ge­nau das ist, was dazu ge­zwun­gen hat, alle Ar­ten von an­de­ren, an­geb­lich in­tui­ti­ven, Prä­mis­sen auf­zu­ge­ben.

Et que si… je ne vais pas y re­ve­nir aujourd’hui, j’ai suf­fi­sam­ment in­sis­té sur la ca­rac­té­ris­tique de tout ce qui a pré­cédé, frayé la voie, à la dé­cou­ver­te new­to­ni­en­ne par ex­emp­le.

Und dass wenn –; ich wer­de heu­te nicht dar­auf zu­rück­kom­men, ich habe hin­rei­chend auf der Cha­rak­te­ris­tik all des­sen be­stan­den, was auf die­sem Wege vor­an­ge­gan­gen ist, was ihn ge­bahnt hat, bei­spiels­wei­se für die Newton’sche Ent­de­ckung.

C’est bien très pré­cisé­ment de ce que au­cu­ne fic­tion ne s’avérait sa­tis­fais­an­te, aut­re qu’une d’entre el­les qui pré­cisé­ment de­vait aban­don­ner tout re­cours à l’intuition et s’en tenir à un cer­tain in­scrip­ti­ble.

Eben ge­nau von da­her kommt es, dass kei­ne Fik­ti­on sich als be­frie­di­gend er­wie­sen hat, bis auf die­je­ni­ge, die jede In­an­spruch­nah­me der In­tui­ti­on ge­ra­de auf­ge­ben soll­te und die sich da­bei an ein be­stimm­tes Auf­schreib­ba­res hal­ten soll­te.

C’est donc en quoi nous avons à nous at­ta­cher à ce qu’il en est de l’inscriptible dans ce rap­port à la vé­ri­fi­ca­ti­on.

Dies also dazu, in­wie­fern wir uns dem wid­men müs­sen, wor­um es beim Auf­schreib­ba­ren in die­sem Ver­hält­nis zur Ve­ri­fi­zie­rung geht.

Pour en fi­nir bien sûr avec ce que j’ai dit de l’effet de la lett­re dans La Lett­re vo­lée, qu’ai-je dit ex­pres­sé­ment ?

Um na­tür­lich mit dem zu en­den, was ich in Der ge­stoh­le­ne Brief über die Wir­kung der Let­ter ge­sagt habe – was habe ich aus­drück­lich ge­sagt?

C’est qu’elle fé­mi­ni­se ceux qui se trou­vent en être dans une po­si­ti­on qui est cel­le d’être « à son om­bre ».

Dass er die­je­ni­gen fe­mi­ni­siert, die sich da­bei in ei­ner be­stimm­ten Po­si­ti­on be­fin­den, der­je­ni­gen näm­lich, „in sei­nem Schat­ten“9 zu sein.

Bien sûr, c’est là que se tou­che l’importance de cet­te no­ti­on : « fonc­tion de l’ombre », pour au­tant que déjà la der­niè­re fois dans ce que je vous ai énon­cé de ce qu’est pré­cisé­ment un écrit, je veux dire de quel­que cho­se qui se pré­sen­tait sous for­me lit­té­ra­le, ou lit­tér­ai­re, l’ombre pour être pro­du­i­te a be­so­in d’une sour­ce de lu­miè­re… Oui !

Na­tür­lich, hier rührt man dar­an, wie wich­tig der Be­griff „Funk­ti­on des Schat­tens“ ist, in­so­fern be­reits das letz­te Mal in dem, was ich Ih­nen ge­gen­über ge­äu­ßert habe über das, was ge­nau et­was Ge­schrie­be­nes ist – ich mei­ne über et­was, was sich in ei­ner buch­stäb­li­chen (lit­té­ra­le) oder li­te­ra­ri­schen Form dar­ge­stellt hat –, in­so­fern dar­in der Schat­ten, um her­vor­ge­bracht zu wer­den, eine Licht­quel­le braucht. Si­cher.

Et ce que j’avais fait ne vous a été sen­si­ble que de ce que com­por­te l’Auf­klä­rung, de quel­que cho­se qui gar­de struc­tu­re de fic­tion.

Und was ich ge­tan hat­te, war für Sie nur von dem her spür­bar, was mit der Auf­klä­rung* ein­her­geht, war von et­was her spür­bar, was Fik­ti­ons­struk­tur be­wahrt.10

Je par­le de l’époque his­to­ri­que bien sûr, qui n’a pas été min­ce, et dont il nous peut être uti­le – il l’est ici, et c’est ce que je fais – d’en re­tra­cer les vo­ies, ou de les re­prend­re.

Ich spre­che na­tür­lich von der his­to­ri­sche Epo­che, die nicht un­be­deu­tend ge­we­sen ist und in Be­zug auf die es für uns nütz­lich sein kann – das ist hier der Fall, und das ist das, was ich tue –, ihre Wege nach­zu­zeich­nen oder sie wie­der ein­zu­schla­gen.

Mais en elle-même il est clair que ce qui fait la lu­miè­re, c’est pré­cisé­ment de ce qui part de ce champ qui se dé­fi­nit lui-même com­me étant ce­lui de la vé­rité.

Aber von sich her ist klar, dass das, wo­durch das Licht ge­macht ist, ge­nau das ist, was von dem Feld aus­geht, das sich selbst als das der Wahr­heit de­fi­niert.

Et c’est com­me tel­le, en tant que tel­le, que la lu­miè­re qu’il ré­pand à chaque in­stant, dût-elle même avoir cet ef­fet ef­fi­cace de ce que ce qui y fait opa­cité pro­jet­te une om­bre et que c’est cet­te om­bre qui por­te ef­fet, que cet­te vé­rité elle-même nous avons tou­jours à l’interroger sur sa struc­tu­re de fic­tion.

Und als sol­ches kommt es dazu, dass das Licht, das es in je­dem Mo­ment ver­brei­tet, selbst eine Wir­kung ha­ben muss­te, die sich dar­in aus­wirkt, dass das, was hier Un­durch­sich­tig­keit er­zeugt, ei­nen Schat­ten wirft, und dass es die­ser Schat­ten ist, der Wir­kung zeigt, und dass wir die­se Wahr­heit selbst stets auf ihre Fik­ti­ons­struk­tur hin be­fra­gen müs­sen.11

C’est ain­si qu’en fin de comp­te il res­sort que com­me c’est énon­cé ex­pres­sé­ment dans cet écrit, la lett­re, bien sûr, ce n’est pas à la femme dont elle por­te l’adresse, qu’elle sa­tis­fait en ar­ri­vant à sa de­sti­na­ti­on, mais au su­jet, à savoir très pré­cisé­ment – pour le re­dé­fi­nir – à ce qui est di­vi­sé dans le fan­tas­me, c’est-à-dire à la réa­lité en tant qu’engendrée par une struc­tu­re de fic­tion.

Auf die­se Wei­se stellt sich letzt­end­lich her­aus – wie in die­sem Ge­schrie­be­nen aus­drück­lich ge­äu­ßert wird –, dass der Brief na­tür­lich nicht der Frau, de­ren An­schrift er trägt, Ge­nü­ge tut, in­dem er sei­nen Be­stim­mungs­ort er­reicht, son­dern dem Sub­jekt, also, um es noch ein­mal zu de­fi­nie­ren, ganz ge­nau dem, was im Phan­tas­ma ge­spal­ten ist, also der Rea­li­tät, in­so­fern sie durch eine Fik­ti­ons­struk­tur er­zeugt wird.

C’est bien ain­si que se clôt le con­te, tout au moins tel que dans un se­cond tex­te, ce­lui qui est le mien, je le re­fais, et c’est de là que nous de­vons par­tir pour réin­ter­ro­ger plus loin ce qu’il en est de la lett­re.

Auf die­se Wei­se en­det tat­säch­lich die Er­zäh­lung, zu­min­dest so, wie ich sie in ei­nem zwei­ten Text, dem mei­nen, wie­der­ge­be, und da­von müs­sen wir aus­ge­hen, um noch wei­ter zu be­fra­gen, was es mit der Let­ter auf sich hat.

C’est très pré­cisé­ment dans la me­su­re où ceci n’a ja­mais été fait que, pour le fai­re, je dois pro­lon­ger moi-même ce dis­cours sur la lett­re. Voi­là.

Und ge­nau in­so­fern, als das nie ge­tan wor­den ist, muss ich selbst, um es zu tun, die­se Rede über den Buch­sta­ben ver­län­gern. Also.

[135] Ce dont il faut par­tir est tout de même ceci, c’est que ce n’est pas en vain que je vous som­me de ne rien man­quer de ce qui se pro­du­it dans l’ordre de la lo­gi­que.

Man muss je­doch da­von aus­ge­hen, dass ich Sie nicht ohne Grund dazu auf­ru­fe, nichts von dem zu ver­säu­men, was in der Ord­nung der Lo­gik pro­du­ziert wird.

Ça n’est cer­tes pas pour que vous vous ob­li­giez, si l’on peut dire, à en sui­v­re les con­struc­tions et les dé­tours.

Dies si­cher­lich nicht, da­mit Sie sich ver­pflich­ten, wenn man so sa­gen kann, all de­ren Kon­struk­tio­nen und Um­we­ge zu ver­fol­gen.

C’est en ceci que, nul­le part com­me dans ces con­struc­tions qui s’intitulent el­les-mê­mes d’être de la « lo­gi­que sym­bo­li­que », nul­le part n’apparaît mieux le dé­fi­cit de tou­te pos­si­bi­lité de réfle­xi­on.

Son­dern des­halb, weil nir­gend­wo sonst wie in die­sen Kon­struk­tio­nen, die sich selbst als sol­che be­ti­teln, die zur „sym­bo­li­schen Lo­gik“ ge­hö­ren, nir­gend­wo sonst er­scheint bes­ser das De­fi­zit je­der Mög­lich­keit der Re­fle­xi­on.

Je veux dire que rien n’est plus em­bar­ras­sé, c’est bien con­nu n’est-ce pas, que l’introduction d’un traité de lo­gi­que.

Ich mei­ne, dass nichts ver­wor­re­ner ist – das ist all­ge­mein be­kannt, nicht wahr –, als eine Ein­füh­rung in ein Lehr­buch der Lo­gik.

L’impossibilité qu’a la lo­gi­que de se po­ser elle-même d’une fa­çon ju­s­ti­fia­ble est quel­que cho­se de tout à fait frap­pant.

Die Un­mög­lich­keit, die es für die Lo­gik gibt, sich selbst auf be­gründ­ba­re Wei­se dar­zu­stel­len, ist et­was ab­so­lut Ver­blüf­fen­des.

C’est à ce tit­re que l’expérience de la lec­tu­re de ces traités, et ils sont d’autant plus sai­sis­sants bien sûr à me­su­re qu’ils sont plus mo­der­nes, qu’ils sont plus dans l’en-avant de ce qui con­sti­tue ef­fec­tive­ment, et bien ef­fec­tive­ment, un pro­grès de la lo­gi­que, qu’il est ce­lui d’un pro­jet de l’inscription de ce qui s’appelle « ar­ti­cu­la­ti­on lo­gi­que », l’articulation de la lo­gi­que elle-même étant in­ca­pa­ble de dé­fi­nir elle-même ni ses buts, ni son prin­ci­pe, ni quoi que ce soit qui res­sem­ble même à une ma­tiè­re.

Von da­her ist die Er­fah­rung, die­se Lehr­bü­cher zu le­sen – und na­tür­lich sind sie umso fes­seln­der, je mo­der­ner sie sind, je mehr sie auf der Höhe des­sen sind, was ef­fek­tiv, was wirk­lich ef­fek­tiv ei­nen Fort­schritt der Lo­gik dar­stellt, der in dem Pro­jekt be­steht, das, was „lo­gi­sche Ar­ti­ku­la­ti­on“ ge­nannt wird, auf­zu­schrei­ben –, wo­bei die Ar­ti­ku­la­ti­on der Lo­gik selbst nicht in der Lage ist, ihre ei­ge­nen Zie­le oder ihr Prin­zip zu de­fi­nie­ren oder ir­gend­et­was, was ei­nem The­ma auch nur äh­lich sieht.

C’est fort étran­ge et c’est pré­cisé­ment en ceci que c’est fort sug­ges­tif.

Das ist wirk­lich son­der­bar, und ge­nau dar­in ist das wirk­lich sug­ges­tiv.

Car c’est bien là ce qui vaud­rait de tou­cher d’approfondir, d’approfondir ce qu’il en est, ce qu’il en est de quel­que cho­se qui ne se si­tue as­su­ré­ment que du lan­ga­ge, et de sai­sir que si peut-être dans ce lan­ga­ge, rien de ce qui ne s’avance ja­mais que ma­l­adroi­te­ment com­me n’étant de ce lan­ga­ge, di­sons un usa­ge cor­rect, ne peut très pré­cisé­ment s’énoncer qu’à ne pas pou­voir se ju­s­ti­fier, ou ne se ju­s­ti­fier que de la fa­çon la plus con­fu­se par tou­tes sor­tes de ten­ta­ti­ves qui sont par ex­emp­le cel­les qui con­sis­tent à di­vi­ser le lan­ga­ge en un lan­ga­ge-ob­jet et un mé­tal­an­ga­ge, ce qui est tout le con­trai­re de ce que dé­mont­re tou­te la sui­te, à savoir qu’il n’y a pas mo­y­en un seul in­stant de par­ler de ce lan­ga­ge pré­tendument ob­jet sans user bien sûr, non pas d’un mé­tal­an­ga­ge, mais bel et bien du lan­ga­ge qui est le lan­ga­ge cou­rant.

Denn das ist hier eben das, was es loh­nen wür­de, dass man sich dar­an macht, es zu ver­tie­fen, zu ver­tie­fen, wor­um es da­bei geht, wor­um es bei et­was geht, was sich si­cher­lich nur von der Spra­che her ver­or­tet, und zu be­grei­fen, dass, wenn in die­ser Spra­che viel­leicht nichts von dem, was im­mer nur un­ge­schickt vor­ge­bracht wird – als et­was, was von die­ser Spra­che, sa­gen wir, kein kor­rek­ter Ge­brauch ist –, dass dies viel­leicht nur des­halb ge­äu­ßert wer­den kann, weil es nicht be­grün­det wer­den kann oder sich nur auf ganz ver­wor­re­ne Wei­se be­grün­den lässt, durch alle mög­li­chen Ver­su­che, wie etwa die­je­ni­gen, die dar­in be­stehen, die Spra­che in eine Ob­jekt­spra­che und eine Me­taspra­che auf­zu­tei­len, was ganz das Ge­gen­teil des­sen ist, was dann durch al­les Fol­gen­de de­mons­triert wird, näm­lich dass es kei­nen Au­gen­blick lang mög­lich ist, über die­se an­geb­li­che Ob­jekt­spra­che zu spre­chen, ohne da­bei na­tür­lich et­was zu ver­wen­den, was kei­nes­wegs eine Me­taspra­che, son­dern durch­aus eine Spra­che ist, näm­lich die Um­gangs­spra­che.

Mais dans cet échec même peut se dé­non­cer ce qu’il en est de l’articulation qui pré­cisé­ment a le rap­port le plus étroit avec le fonc­tion­ne­ment du lan­ga­ge, c’est-à-dire l’articulation sui­van­te : c’est à savoir que le rap­port, le rap­port se­xu­el, ne peut pas être écrit.

Aber in eben die­sem Schei­tern kann sich das an­kün­di­gen, wor­um es bei der­je­ni­gen Ar­ti­ku­la­ti­on geht, die ge­nau im engs­ten Ver­hält­nis zum Funk­tio­nie­ren der Spra­che steht, das heißt bei der fol­gen­den Ar­ti­ku­la­ti­on, näm­lich dass das Ver­hält­nis, das se­xu­el­le Ver­hält­nis, nicht ge­schrie­ben wer­den kann.

[136] Donc à ce tit­re et à seu­le fin, si je puis dire, de fai­re quel­ques mou­ve­ments qui nous rap­pel­lent la di­men­si­on dans laquel­le nous nous dé­pla­çons, je rap­pel­lerai ceci, à savoir com­ment d’abord se pré­sen­te ce qui in­au­gu­re le tra­cé de la lo­gi­que, à savoir com­me lo­gi­que for­mel­le, et dans Aris­to­te.

Un­ter die­sem As­pekt also und ein­zig zu dem Zweck, wenn ich so sa­gen kann, ei­ni­ge Be­we­gun­gen zu ma­chen, die uns an die Di­men­si­on er­in­nern, in der wir uns fort­be­we­gen, möch­te ich dar­an er­in­nern, näm­lich dar­an, wie sich zu­nächst das dar­stellt, wo­durch die Bahn der Lo­gik er­öff­net wird, das heißt als for­ma­le Lo­gik, näm­lich bei Aris­to­te­les.

Bien sûr je ne vais pas pour vous, re­prend­re… en­co­re que ce se­rait très in­struc­tif, mais après tout, cha­cun de vous peut bien se don­ner seu­le­ment la pei­ne d’ouvrir les Pre­miers Ana­ly­ti­ques.

Na­tür­lich wer­de ich das für Sie nicht wie­der­auf­neh­men, auch wenn das sehr in­struk­tiv wäre, aber schließ­lich kann je­der von Ih­nen sich ja ganz ein­fach die Mühe ma­chen, die Ers­te Ana­ly­tik zu öff­nen.

Qu’ils se met­tent à l’épreuve de cet­te re­pri­se, qu’ils ou­vrent donc les Pre­miers Ana­ly­ti­ques, et ils y ver­ront ce qu’est le syl­lo­gis­me.

Sie mö­gen die­se Wie­der­auf­nah­me über­prü­fen, sie mö­gen also die Ers­te Ana­ly­tik öff­nen, und sie wer­den se­hen, was ein Syl­lo­gis­mus ist.12

Et le syl­lo­gis­me après tout il faut bien en par­tir, du moins est-ce là que je re­prends les cho­ses, puis­que, à not­re avant-der­niè­re ren­cont­re, c’est là-des­sus que j’ai ter­mi­né.

Und vom Syl­lo­gis­mus muss man schließ­lich aus­ge­hen, zu­min­dest grei­fe ich die Din­ge an die­ser Stel­le wie­der auf, denn da­mit habe ich bei un­se­rem vor­letz­ten Tref­fen ge­en­det.

Je ne veux pas le re­prend­re en l’exemplifiant – car pour ceci le temps nous li­mi­te – en l’exemplifiant de tou­tes les for­mes de syl­lo­gis­me.

Ich möch­te ihn nicht in der Wei­se wie­der­auf­neh­men, dass ich ihn, denn da­für ist die Zeit zu be­grenzt, dass ich ihn durch sämt­li­che For­men des Syl­lo­gis­mus ex­em­pli­fi­zie­re.

Qu’il nous suf­fi­se de mett­re en val­eur ra­pi­de­ment ce qu’il en est de l’Universelle et de la Par­ti­cu­liè­re, et dans leur for­me, tout sim­ple­ment af­fir­ma­ti­ve.

Es möge uns ge­nü­gen, rasch zur Gel­tung zu brin­gen, wor­um es bei der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge (l’Universelle) und bei der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­ge (la Par­ti­cu­liè­re) geht und bei­de ganz ein­fach in ih­rer be­ja­hen­den Form.13

Je vais prend­re le syl­lo­gis­me dit dar­ii, c’est-à-dire fait d’une Uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve et de deux Par­ti­cu­liè­res, et je vais vous rap­pe­ler tout ce qu’il en est d’une cer­tai­ne fa­çon de pré­sen­ter les cho­ses.

Ich wer­de den­je­ni­gen Syl­lo­gis­mus neh­men, der Dar­ii ge­nannt wird, das heißt den­je­ni­gen, der aus ei­ner be­ja­hen­den all­ge­mei­nen Aus­sa­ge und aus zwei <be­ja­hen­den> par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­gen be­steht, und ich wer­de Sie an all das er­in­nern, wor­um es bei ei­ner be­stimm­ten Art, die Din­ge dar­zu­stel­len, geht.14

Sa­chez sim­ple­ment que, ici rien en au­cun cas ne peut fonc­tion­ner que de sub­sti­tu­er dans la tra­me du dis­cours, de sub­sti­tu­er au si­gni­fi­ant le trou fait de le rem­pla­cer par la lett­re.

Sie soll­ten ein­fach wis­sen, dass hier ir­gend­et­was über­haupt nur da­durch funk­tio­nie­ren kann, dass im Rah­men des Dis­kur­ses et­was er­setzt wird, dass der Si­gni­fi­kant durch das Loch er­setzt wird, das da­durch er­zeugt wird, dass er durch den Buch­sta­ben er­setzt wird.

Car si nous énonçons ceci – pour ne nous oc­cup­er que de dar­ii – que, pour em­ploy­er les ter­mes d’Aristote : – « Tout hom­me est bon », le « tout hom­me » est de l’universelle – et je vous ai as­sez sou­li­gné, as­sez pré­pa­rés en tout cas à en­t­end­re ceci que je peux, sans plus, le rap­pe­ler – que l’universelle n’a, pour tenir, be­so­in de l’existence d’aucun hom­me.

Denn wenn wir äu­ßern, um uns nur mit dem Dar­ii zu be­fas­sen und um die Ter­mi­ni von Aris­to­te­les zu ver­wen­den, „Je­der Mensch ist gut“, dann ge­hört das „je­der Mensch“ zur all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, und ich habe Ih­nen ge­gen­über hin­rei­chend be­tont, ich habe Sie je­den­falls hin­rei­chend vor­be­rei­tet, um es zu ver­ste­hen, so dass ich ohne Wei­te­res dar­an er­in­nern kann, dass die all­ge­mei­ne Aus­sa­ge, um Be­stand zu ha­ben, nicht auf die Exis­tenz ir­gend­ei­nes Men­schen an­ge­wie­sen ist.15

« Tout hom­me est bon » peut vou­loir dire qu’il n’y a d’homme que bon, tout ce qui n’est pas bon n’est pas hom­me, n’est-ce pas ?

Je­der Mensch ist gut“ kann be­deu­ten, dass es nur gute Men­schen gibt, al­les was nicht gut ist, ist halt kein Mensch.

Deu­xiè­me ar­ti­cu­la­ti­on : « Quel­ques ani­maux sont des hom­mes ».

Zwei­te Ar­ti­ku­la­ti­on: „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen.“

Troi­siè­me ar­ti­cu­la­ti­on, qui s’appelle con­clu­si­on, la se­con­de étant la mi­neu­re : « Quel­ques ani­maux sont donc bons ».

Drit­te Ar­ti­ku­la­ti­on, die sich „Kon­klu­si­on“ nennt, wo­bei die zwei­te der Un­ter­satz ist: „Ei­ni­ge Tie­re sind also gut.“

Il est clair que ceci spé­ci­fi­que­ment ne ti­ent que de l’usage de la lett­re pour la rai­son que, il est clair que, sauf à les sup­por­ter d’une lett­re, il n’y a pas d’équivalence ent­re le « Tout hom­me »… le « Tout hom­me » su­jet de l’Universelle qui ici joue le rôle de ce qu’on ap­pel­le « le mo­y­en ter­me » …et ce même mo­y­en ter­me à la place où il est em­ployé com­me at­tri­but, à savoir que « Quel­ques ani­maux sont des hom­mes ».

Es ist klar, dass dies spe­zi­ell nur durch die Ver­wen­dung des Buch­sta­bens halt­bar ist, aus dem Grun­de, dass klar ist, dass es, au­ßer wenn sie durch ei­nen Buch­sta­ben ge­stützt wird, kei­ne Äqui­va­lenz gibt zwi­schen dem „Alle Men­schen“ – dem „Alle Men­schen“, dem Sub­jekt der all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, das hier die Rol­le von dem spielt, was man als Mit­tel­be­griff be­zeich­net – und dem­sel­ben Mit­tel­be­griff an der Stel­le, an der er als At­tri­but ver­wen­det wird, näm­lich in „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen“.16

Car à la vé­rité cet­te dis­tinc­tion qui mé­ri­te d’être fai­te, de­man­de néan­moins beau­coup de so­ins.

Denn in Wahr­heit ver­langt die­se Un­ter­schei­dung, die es ver­dient, ge­trof­fen zu wer­den, gleich­wohl be­trächt­li­che Sorg­falt.

L’homme de « Tout hom­me », quand il est le su­jet, im­pli­que une fonc­tion d’une Uni­ver­sel­le qui ne lui don­ne pour sup­port très pré­cisé­ment que son sta­tut sym­bo­li­que, à savoir que quel­que cho­se s’énonce « l’homme ».

Wenn der Mensch von „Alle Men­schen“ das Sub­jekt ist, im­pli­ziert er eine Funk­ti­on ei­ner all­ge­mei­nen Aus­sa­ge, die ihm als Stüt­ze eben nur sei­nen sym­bo­li­schen Sta­tus gibt, näm­lich dass et­was „Mensch“ ge­nannt wird.

[137] Sous les es­pè­ces de l’attribut et pour sou­ten­ir que « Quel­ques ani­maux sont des hom­mes », il con­vi­ent bien sûr – c’est la seu­le cho­se qui les dis­tin­gue – d’énoncer que ce que nous ap­pe­lons « hom­me » chez l’animal, est bien pré­cisé­ment cet­te es­pè­ce d’animal qui se trouve ha­bi­ter le lan­ga­ge.

Un­ter den Ar­ten des At­tri­buts und um die Aus­sa­ge „Ei­ni­ge Tie­re sind Men­schen“ zu stüt­zen, ist es na­tür­lich an­ge­mes­sen – das ist das ein­zi­ge, was sie un­ter­schei­det –, dass man sagt, dass das, was wir beim Tier „Mensch“ nen­nen, eben ge­nau jene Tier­art ist, von der die Spra­che be­wohnt wird.

Bien sûr, il est à ce mo­ment-là ju­s­ti­fia­ble de po­ser que « l’homme est bon ».

Na­tür­lich lässt sich in die­sem Mo­ment die Be­haup­tung be­grün­den, dass der Mensch gut ist.17

C’est une li­mi­ta­ti­on.

Das ist eine Ein­schrän­kung (li­mi­ta­ti­on).

C’est une li­mi­ta­ti­on très pré­cisé­ment en ceci que ce sur quoi peut se fon­der que l’homme soit bon ti­ent à ceci, mis en évi­dence ceci de­pu­is long­temps et d’avant Aris­to­te, que l’idée du « bon » ne sau­rait s’instaurer que du lan­ga­ge.

Das ist sehr ge­nau in­so­fern eine Ein­schrän­kung, als das, wor­auf sich grün­den kann, dass der Mensch gut ist, da­von ab­hängt – was seit lan­gem be­wie­sen ist und be­reits vor Aris­to­te­les –, dass die Idee des Gu­ten nur von der Spra­che aus ein­ge­führt wer­den kann.18

Pour Pla­ton elle en est au fon­de­ment : il n’y a pas de lan­ga­ge, d’articulation pos­si­ble – puis­que pour Pla­ton le lan­ga­ge c’est le mon­de des Idées – il n’y a pas d’articulation pos­si­ble sans cet­te idée pri­mai­re du bien.

Für Pla­ton bil­det die­se Idee das Fun­da­ment der Spra­che: Es gibt kei­ne Spra­che, kei­ne mög­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on – denn für Pla­ton ist die Spra­che die Welt der Ide­en –, es gibt kei­ne mög­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on ohne die­se pri­mä­re Idee des Gu­ten.

Il est tout à fait pos­si­ble d’interroger au­tre­ment ce qu’il en est du bon dans le lan­ga­ge, et sim­ple­ment dans ce cas, d’avoir à dé­du­i­re les con­séquen­ces qui en ré­sul­te­ront pour la po­si­ti­on uni­ver­sel­le de ceci que « l’homme est bon ».

Es ist durch­aus mög­lich, das, wor­um es in der Spra­che beim Gu­ten geht, auf an­de­re Wei­se zu be­fra­gen, und in die­sem Fal­le ein­fach die Kon­se­quen­zen ab­lei­ten zu müs­sen, die sich dar­aus für die all­ge­mei­ne Be­haup­tung er­ge­ben, dass der Mensch gut ist.

Com­me vous le sa­vez, c’est ce que fait Meng-tzu que je n’ai pas avan­cé pour rien ici dans mes der­niè­res con­fé­ren­ces.

Wie Sie wis­sen, ist es das, was Meng­zi tut, den ich nicht ohne Grund in mei­nen letz­ten Vor­trä­gen hier ein­ge­bracht habe.19

« Bon » qu’est-ce à dire ?

Gut“, was heißt das?

Bon à quoi ?

Gut wo­für?

Ou est-ce sim­ple­ment dire, com­me ça se dit de­pu­is quel­que temps : « vous êtes bon ».

Oder heißt das ein­fach, zu sa­gen, wie seit lan­gem ge­sagt wird: „Sie sind gut“?

Si les cho­ses en sont ve­nues à un cer­tain point que, dans la mise en ques­ti­on de ce qui est vé­rité et aus­si bien dis­cours, c’est bien peut-être en ef­fet ce chan­ge­ment d’accent qui a pu être pris quant à l’usage du mot « bon ».

Wenn die Din­ge an ei­nem be­stimm­ten Punkt ge­kom­men sind, bei der In­fra­ge­stel­lung des­sen, was Wahr­heit und auch was Dis­kurs ist, dann ist da­bei viel­leicht die­ser Ak­zent­wech­sel wirk­sam, der beim Ge­brauch des Wor­tes „gut“ vor­ge­nom­men wer­den konn­te.20

Bon, Bon ! Pas be­so­in de spé­ci­fier : « bon pour le ser­vice », « bon pour al­ler au cas­se-pipe », c’est trop en dire.

Gut“, „gut“ – kein Be­darf, dies durch „gut für den Dienst“, „gut, um in den Krieg zu zie­hen“ zu spe­zi­fi­zie­ren, da­mit wird zu­viel dar­über ge­sagt.

Le « vous êtes bon » a sa val­eur ab­so­lue.

Das „Sie sind gut“ hat sei­nen ab­so­lu­ten Wert.

En fait c’est ça le lien cen­tral qu’il y a du « bon » au dis­cours : dès que vous ha­bi­tez un cer­tain type de dis­cours, ben vous êtes bon pour qu’il vous com­man­de.

Das ist tat­säch­lich die zen­tra­le Ver­bin­dung, die es vom „gut“ zum Dis­kurs gibt: So­bald Sie eine be­stimm­te Dis­kurs­art be­woh­nen, nun, dann sind Sie da­für gut, dass er Sie kom­man­diert.21

C’est bien en cela que nous som­mes con­du­its à la fonc­tion du si­gni­fi­ant maît­re, dont j’ai sou­li­gné qu’il n’est pas in­hé­rent en soi au lan­ga­ge, et que le lan­ga­ge ne com­man­de – en­fin, je veux dire, ne rend pos­si­ble – qu’un cer­tain nom­bre dé­ter­mi­né de dis­cours et que tous ceux qu’au moins jusqu’à pré­sent, je vous ai ar­ti­cu­lés spé­cia­le­ment l’année der­niè­re, qu’aucun d’entre eux n’élimine la fonc­tion du si­gni­fi­ant maît­re.

Eben von da­her wer­den wir zur Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ge­bracht, bei dem ich be­tont habe, dass er nicht an sich der Spra­che in­ne­wohnt, und dass die Spra­che nur eine be­stimm­te An­zahl von Dis­kur­sen kom­man­diert, nun ja, ich mei­ne: er­mög­lich, und dass all die­je­ni­gen Dis­kur­se, die ich zu­min­dest bis jetzt für Sie ar­ti­ku­liert habe, ins­be­son­de­re im letz­ten Jahr, dass kei­ner von ih­nen die Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten eli­mi­niert.22

Dire que « quel­ques ani­maux sont bons » est évi­dem­ment dans ces con­di­ti­ons pas du tout une con­clu­si­on sim­ple­ment for­mel­le.

Zu sa­gen „Ei­ni­ge Tie­re sind gut“ ist un­ter die­sen Be­din­gun­gen of­fen­kun­dig kei­nes­wegs eine Kon­klu­si­on, die ein­fach for­mal wäre.23

Et c’est en ça que je sou­li­gnais tout à l’heure que l’usage de la lo­gi­que, quoi que, elle-même, elle puis­se énon­cer, n’est pas du tout à ré­du­i­re à une tau­to­lo­gie.

Und dar­an liegt es, dass ich eben her­vor­ge­ho­ben habe, dass der Ge­brauch der Lo­gik, was auch im­mer sie selbst dar­über äu­ßern mag, sich kei­nes­wegs auf eine Tau­to­lo­gie re­du­zie­ren lässt.

Que « quel­ques ani­maux so­i­ent bons », jus­te­ment ne se li­mi­te pas à ceux qui | [138] sont des hom­mes, com­me l’implique l’existence de ceux qu’on ap­pel­le les ani­maux do­mes­ti­ques.

Dass ei­ni­ge Tie­re gut sind, be­schränkt sich ge­ra­de nicht auf die­je­ni­gen, die Men­schen sind, wie die Exis­tenz der­je­ni­gen im­pli­ziert, die man als Haus­tie­re be­zeich­net.

Et ce n’est pas pour rien que de­pu­is un temps j’ai sou­li­gné qu’on ne peut pas dire qu’ils n’aient pas l’usage de la pa­ro­le.

Und nicht um­sonst habe ich seit ei­ni­ger Zeit be­tont, dass man nicht sa­gen kann, sie wür­den vom Spre­chen kei­nen Ge­brauch ma­chen.

S’il leur man­que le lan­ga­ge, et bien en­t­en­du bien plus : les res­sorts du dis­cours, ça les rend pas pour au­tant moins su­jets à la pa­ro­le.

Wenn ih­nen die Spra­che fehlt, und na­tür­lich weit mehr noch die Trieb­fe­dern des Dis­kur­ses feh­len, dann heißt das kei­nes­wegs, dass sie nicht dem Spre­chen un­ter­wor­fen sind.

C’est même ça qui les dis­tin­gue et qui les fait mo­y­ens de pro­duc­tion.

Das ist so­gar das, wo­durch sie sich aus­zeich­nen und was sie zu Pro­duk­ti­ons­mit­teln macht.

Ceci, com­me vous le voy­ez, nous ou­vre une por­te qui nous mè­ne­rait un tout pe­tit peu loin.

Das öff­net uns, wie Sie se­hen, eine Tür, die uns ein ganz klein biss­chen wei­ter füh­ren könn­te.

Je vous fe­rai re­mar­quer que je li­v­re à vot­re mé­di­ta­ti­on que dans les com­man­de­ments dits du Dé­ca­lo­gue, la femme est as­si­milée aux sus­dits [mo­y­ens de pro­duc­tion], sous la for­me sui­van­te : « Tu ne con­voi­te­ras pas la femme de ton pro­chain, ni son bœuf, ni son âne. »

Ich möch­te Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass –; ich über­las­se es Ih­rem Nach­den­ken, dass in den Ge­bo­ten, die man als De­ka­log be­zeich­net, die Frau hier­an as­si­mi­liert wird, und zwar in fol­gen­der Ge­stalt: „Du sollst nicht be­geh­ren dei­nes Nächs­ten Frau, noch sein Rind noch sei­nen Esel.“

Et en­fin il y a une énu­mé­ra­ti­on qui est très pré­cisé­ment cel­le des mo­y­ens de pro­duc­tion.

Und dann gibt es eine Auf­zäh­lung, die sich eben ge­nau auf die Pro­duk­ti­ons­mit­tel be­zieht.24

Ceci n’est pas pour vous don­ner l’occasion de ri­ca­ner mais de réflé­chir, en rappro­chant ce que je vous fais re­mar­quer là en pas­sant, de ce qu’autrefois j’avais bien vou­lu dire de ce qui s’exprimait dans les com­man­de­ments, à savoir rien d’autre que les lois de la pa­ro­le, ce qui li­mi­te leur in­té­rêt.

Dies nicht, um Ih­nen Ge­le­gen­heit zum Ki­chern, son­dern zum Nach­den­ken zu ge­ben, in­dem Sie das, wor­auf ich Sie hier am Ran­de auf­merk­sam ma­che, mit dem zu­sam­men­füh­ren, was ich frü­her über das sa­gen woll­te, was sich in den Ge­bo­ten aus­ge­drückt hat, nichts an­de­res näm­lich als die Ge­set­ze des Spre­chens25 – wo­durch ihre Re­le­vanz ein­ge­schränkt wird.

Mais il est très im­portant jus­te­ment de li­mi­ter l’intérêt des cho­ses pour savoir pour­quoi, vrai­ment, el­les port­ent.

Aber es ist eben sehr wich­tig, die Re­le­vanz der Din­ge ein­zu­schrän­ken, wenn man wis­sen will, war­um sie tat­säch­lich wirk­sam sind.

Bon, eh bien ceci étant dit, ma foi com­me j’ai pu, c’est-à-dire par un fra­ya­ge, en­fin qui est com­me d’habitude n’est-ce pas, ce­lui que je suis for­cé de fai­re du grand A ren­ver­sé : ∀ de la tête de buf­fle, du Bull­do­zer, je pas­se à l’étape sui­van­te, à savoir à ce que nous per­met d’inscrire le pro­grès de la lo­gi­que.

Gut. Nun ja, nach­dem dies ge­sagt ist – wie ich’s halt ge­konnt habe, näm­lich durch eine Bah­nung, die ja wie ge­wöhn­lich also die ist, die ich ge­zwun­gen bin, mit dem um­ge­kehr­ten gro­ßen A des Büf­fel­kopfs vor­zu­neh­men [∀], des Bull­do­zers26 –, gehe ich nun zur nächs­ten Etap­pe über, zu dem, was der Fort­schritt der Lo­gik uns auf­zu­schrei­ben ge­stat­tet.

Vous sa­vez qu’il est ar­ri­vé quel­que cho­se… ce qui d’ailleurs… il est très très beau.

Sie wis­sen, dass et­was pas­siert ist, was im Üb­ri­gen – es ist sehr, sehr schön.

Que ça ait at­ten­du quel­que cho­se com­me un peu plus de deux mil­le ans …qu’il est ar­ri­vé quel­que cho­se qui s’appelle une réin­scrip­ti­on de ce pre­mier es­sai fait par le mo­y­en des trous por­tés à la bon­ne place, à savoir par le rem­pla­ce­ment des ter­mes par des lettres, des ter­mes dits ma­jeur et mi­neur… ex­trè­me et mo­y­en ter­mes ! les ter­mes dits « ex­trê­me et mo­y­ens ter­me » : ma­jeu­re et mi­neu­re étant des pro­po­si­ti­ons, je vous de­man­de par­don de ce lap­sus.

Dass es so ein biss­chen mehr als etwa zwei­tau­send Jah­re ge­war­tet hat, bis et­was pas­siert ist, was als Neu­schrei­bung des ers­ten Ver­suchs be­zeich­net wird, des ers­ten Ver­suchs, der dar­in be­steht, an der rich­ti­gen Stel­le Lö­cher an­zu­brin­gen, das heißt Ter­mi­ni durch Buch­sta­ben zu er­set­zen, Ter­mi­ni, die als „ma­jor“ und „mi­nor“ be­zeich­net wer­den, <nein> als „äu­ße­rer“ und „mitt­le­rer Ter­mi­nus“, Ter­mi­ni, die als „äu­ße­rer“ und „mitt­le­rer Ter­mi­nus“ be­zeich­net wer­den; „ma­jor“ und „mi­nor“ sind Aus­sa­gen, bit­te ent­schul­di­gen Sie die­sen Ver­spre­cher.27

Alors vous sa­vez qu’avec la lo­gi­que in­au­gu­rée par les lois de Mor­gan et Boo­le, nous som­mes ar­ri­vés… in­au­gu­rée seu­le­ment par eux, et non pas pous­sée à son der­nier point …nous som­mes ar­ri­vés aux for­mu­les di­tes des quan­ti­fi­ca­teurs. [Wäh­rend die­ser Be­mer­kung ent­steht im Hör­saal be­trächt­li­cher Lärm.]

Also, Sie wis­sen, dass wir mit der Lo­gik, die durch die Ge­set­ze von De Mor­gan und Boo­le ein­ge­führt wor­den ist, zu For­meln ge­langt sind, die von ih­nen nur ein­ge­führt wur­den und nicht bis zum End­punkt vor­an­ge­trie­ben wur­den, zu so­ge­nann­ten Quan­to­ren­for­meln.28 [Wäh­rend die­ser Be­mer­kung ent­steht im Hör­saal be­trächt­li­cher Lärm.]

Teil­neh­mer: On n’entend rien!

Teil­neh­mer: Man ver­steht nichts!

La­can: Qui est-ce qui n’entend pas ? Per­son­ne ? [Lärm] Il y a long­temps que vous ne m’entendez pas ? [Lärm]

La­can: Wer ver­steht nicht? Nie­mand? [Lärm] Seit wann ver­ste­hen Sie mich nicht? [Lärm]

Teil­neh­mer: Quand vous êtes au ta­blea. [Lärm]

Teil­neh­mer: Wenn Sie an der Ta­fel ste­hen. [Lärm]

La­can: Ah oui, donc jusqu’à pré­sent ça al­lait ?

La­can: Ach ja, bis jetzt ging das also?

Je vous suis re­con­nais­sant de me le dire au mo­ment où ça ne va plus.

Ich bin Ih­nen dank­bar, dass Sie mir das in dem Mo­ment sa­gen, in dem es nicht mehr geht.

Alors écou­tez, moi je vais écri­re ra­pi­de­ment et puis je vais re­ve­nir là. [Ge­läch­ter]

Also hö­ren Sie, jetzt wer­de ich schnell schrei­ben und dann wer­de ich hier­her zu­rück­kom­men. [Ge­läch­ter]

[139] Bon alors, je vi­ens de fai­re ces pe­tits ronds pour vous mon­trer que la bar­re n’est pas une bar­re ent­re deux F(x), ce qui ne vou­d­rait d’ailleurs ab­so­lu­ment rien dire, et que la bar­re que vous trou­vez dans la co­lon­ne de droi­te ent­re cha­cun, cha­cu­ne des pai­res de F(x), cet­te bar­re est liée uni­que­ment à l’F(x) qui ici est en des­sous, c’est-à-dire si­gni­fie sa né­ga­ti­on.

Vier Aus­sa­ge­ar­ten mit Quan­to­ren

Also gut. Ich habe ge­ra­de die­se klei­nen Rin­ge ge­macht, um Ih­nen zu zei­gen, dass der Strich nicht ein Strich zwi­schen zwei F(x) ist, was üb­ri­gens ab­so­lut nichts be­deu­ten wür­de, und dass der Strich, den Sie in der rech­ten Spal­te zwi­schen je­der, zwi­schen je­dem der Paa­re von F(x) fin­den, dass die­ser Strich ein­zig mit dem­je­ni­gen F(x) ver­bun­den ist, das hier dar­un­ter steht, also des­sen Ne­ga­ti­on be­deu­tet.

L’heure s’avance plus que je ne le de­vinais, de sor­te que ça va peut-être me forcer d’abréger un pe­tit peu.

Die Zeit schrei­tet schnel­ler vor­an als ich ver­mu­tet habe, der­art, dass mich das viel­leicht zwin­gen wird, ein klein we­nig ab­zu­kür­zen.

Le fruit de l’opération d’inscription com­plè­te, cel­le qu’a per­mis, sug­gé­ré, le pro­grès de la ma­thé­ma­tique, c’est de ce que la ma­thé­ma­tique soit ar­ri­vée par l’algèbre à s’écrire ent­iè­re­ment, que l’idée a pu ve­nir de se ser­vir de la lett­re pour aut­re cho­se que pour fai­re des trous, c’est-à-dire à écri­re au­tre­ment nos quat­re es­pè­ces de pro­po­si­ti­ons, en tant qu’elles sont cen­trées du « Tout », du « quel­que », à savoir de mots dont il ne se­rait vrai­ment pas dif­fi­ci­le de vous mon­trer quel­les am­bi­guïtés ils sup­port­ent.

Die Frucht der Ope­ra­ti­on des voll­stän­di­gen Auf­schrei­bens, die­je­ni­ge, die den Fort­schritt der Ma­the­ma­tik er­laubt hat, ihn an­ge­regt hat, be­steht dar­in, dass von da­her, dass die Ma­the­ma­tik durch die Al­ge­bra dazu ge­langt ist, gänz­lich ge­schrie­ben zu wer­den, die Idee hat auf­kom­men kön­nen, sich des Buch­sta­bens für et­was an­de­res zu be­die­nen als da­für, Lö­cher zu ma­chen29, das heißt, un­se­re vier Aus­sa­ge­ar­ten auf an­de­re Wei­se zu schrei­ben, in­so­fern sie um das „Alle“ und um das „Ei­ni­ge“ zen­triert sind, um Wör­ter also, bei de­nen es wirk­lich nicht schwie­rig wäre, Ih­nen zu zei­gen, wel­che Mehr­deu­tig­kei­ten von ih­nen ge­stützt wer­den.

Alors, à par­tir de cet­te idée on a écrit ce qui se pré­sen­tait d’abord com­me su­jet.

Also, von die­ser Idee aus hat man das ge­schrie­ben, was sich zu­nächst als Sub­jekt dar­stell­te.30

À con­di­ti­on de l’affecter de ce grand A ren­ver­sé : ∀, nous pou­vi­ons le prend­re pour équi­va­lent à « Tout x » et que dès lors ce dont il s’agissait, c’était de savoir dans quel­le me­su­re un cer­tain « Tout x » pou­vait sa­tis­fai­re à un rap­port de fonc­tion.

Un­ter der Be­din­gung, es mit die­sem um­ge­kehr­ten gro­ßen A zu ver­se­hen [∀], konn­ten wir es als äqui­va­lent mit „Alle x“ auf­fas­sen, und von da­her ging es dar­um, zu wis­sen, in wel­chem Maße ein be­stimm­tes „Alle x“ ei­nem Funk­ti­ons­ver­hält­nis ge­nü­gen konn­te.31

Je pen­se que je n’ai pas be­so­in ici de sou­li­gner… pour­tant il faut bien que je le fas­se, sans ça tout ceci pa­raî­trait vide …que la cho­se a tout à fait son plein sens en ma­thé­ma­ti­ques, à savoir que jus­te­ment en tant que nous res­tons dans la lett­re où gît le pou­voir de la ma­thé­ma­tique, cet x de droi­te en tant qu’il est in­con­nu, peut lé­gi­ti­me­ment être posé, ou pas posé, com­me pou­vant trou­ver sa place dans ce qui se trouve être la fonc­tion qui lui répond, c’est à savoir là où ce même x est pris com­me va­ria­ble.

Ich den­ke, dass ich hier nicht her­vor­he­ben muss – al­ler­dings ist wohl doch nö­tig, dass ich es tue, ohne das wür­de all dies hier als leer er­schei­nen –, dass die Sa­che in der Ma­the­ma­tik wirk­lich ih­ren vol­len Sinn hat, dass näm­lich ge­nau in­so­fern, als wir uns an den Buch­sta­ben hal­ten – wo die Macht der Ma­the­ma­tik liegt –, dass die­ses x rechts, in­so­fern es un­be­kannt ist, zu Recht als et­was be­haup­tet wer­den kann oder nicht be­haup­tet wer­den kann, das sei­nen Platz in dem fin­den kann, was sich als die Funk­ti­on er­weist, die auf ihn ant­wor­tet, das heißt dort, wo eben die­ses x als Va­ria­ble auf­ge­fasst wird.32

Pour al­ler vite, par­ce que je vous dis l’heure avan­ce, je vais l’illustrer.

Um schnell vor­an­zu­kom­men – denn ich sage Ih­nen, die Zeit schrei­tet vor­an –, möch­te ich es ver­an­schau­li­chen.

J’ai sou­li­gné, je l’ai dit, je l’ai énon­cé, que l’x qui est à gau­che, dans l’∀ de x nom­mé­ment, est une in­con­nue.

Ich habe her­vor­ge­ho­ben, ich habe es ge­sagt, ich habe es ge­äu­ßert, dass die­ses x, das links steht, näm­lich in dem „∀ von x“, eine Un­be­kann­te ist.33

Pre­n­ons par ex­emp­le la ra­ci­ne d’une équa­ti­on du se­cond de­gré.

Neh­men wir bei­spiels­wei­se die Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des.34

Est-ce que je peux écri­re pour tou­te ra­ci­ne d’une équa­ti­on du se­cond de­gré, qu’elle peut s’inscrire dans cet­te fonc­tion qui dé­fi­nit l’x com­me va­ria­ble, cel­le dont s’instituent les nom­bres réels ?

Kann ich für jede Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des schrei­ben, dass die Wur­zel sich in die Funk­ti­on ein­schrei­ben lässt, durch die das x als Va­ria­ble de­fi­niert wird, näm­lich als die­je­ni­ge Funk­ti­on, von der her die re­el­len Zah­len ein­ge­setzt wer­den?35

Pour ceux qui se­rai­ent tout à fait com­me ça, pour qui tout ça se­rait vrai­ment un lan­ga­ge en­co­re ja­mais en­t­en­du, je sou­li­gne que les nom­bres réels, c’est en tout cas pour ceux-là, tous les nom­bres qu’ils con­nais­sent [Ge­läch­ter], à savoir, y com­pris les nom­bres ir­ra­ti­on­nels même s’ils ne sa­vent pas ce que c’est. [Ge­läch­ter]

Für die­je­ni­gen, die hier ab­so­lut nicht mit­kom­men, für die all das tat­säch­lich eine noch nie ge­hör­te Spra­che ist, hebe ich her­vor, dass die re­el­len Zah­len, je­den­falls für die­se da, alle Zah­len sind, die sie ken­nen [Ge­läch­ter], das heißt ein­schließ­lich der ir­ra­tio­na­len Zah­len, auch wenn sie nicht wis­sen, was das ist. [Ge­läch­ter]

Qu’ils sa­chent sim­ple­ment qu’avec les nom­bres réels, en­fin on en a fini : on leur a don­né un sta­tut.

Sie mö­gen ein­fach wis­sen, dass man mit den re­el­len Zah­len jetzt durch ist, man hat ih­nen ei­nen Sta­tus ver­lie­hen.36

Com­me ils ne soupçon­nent pas ce que c’est que | [140] les nom­bres ima­gi­nai­res, je ne leur in­di­que que pour leur don­ner l’idée que ça vaut la pei­ne de fai­re une fonc­tion des nom­bres réels. Bon !

Da sie nicht ah­nen, was die ima­gi­nä­ren Zah­len sind, wei­se ich sie dar­auf hin, nur um ih­nen eine Idee da­von zu ge­ben, dass es sich lohnt, eine Funk­ti­on von re­el­len Zah­len zu bil­den. Gut.

Eh ben, il est tout à fait clair qu’il n’est pas vrai que pour « Tout x », à savoir tou­te ra­ci­ne de l’équation du se­cond de­gré, on puis­se dire que tou­te ra­ci­ne de l’équation du se­cond de­gré sa­tis­fas­se à la fonc­tion dont se fon­dent les nom­bres réels, tout sim­ple­ment par­ce qu’il y a des ra­ci­nes de l’équation du se­cond de­gré qui sont des nom­bres ima­gi­nai­res, qui ne font pas par­tie de la fonc­tion des nom­bres réels.

Nun ja, es ist völ­lig klar, dass es nicht stimmt, dass man für alle x, also für jede Wur­zel der Glei­chung zwei­ten Gra­des, sa­gen kann, dass jede Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des die Funk­ti­on er­füllt, auf der die re­el­len Zah­len be­ru­hen37 – ganz ein­fach des­halb, weil es Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die ima­gi­nä­re Zah­len sind, die <also> nicht der Funk­ti­on der re­el­len Zah­len an­ge­hö­ren.38

Bon, ce que je veux vous sou­li­gner c’est ceci : c’est qu’avec ça on croit en avoir as­sez dit.

Gut. Was ich für Sie her­vor­he­ben möch­te, ist dies, dass man glaubt, da­mit ge­nug dar­über ge­sagt zu ha­ben.

Eh bien, non !

Eben nicht!

On n’en a pas as­sez dit car aus­si bien pour ce qui est des rap­ports de « Tout x » que du rap­port qu’on croit pou­voir sub­sti­tu­er au « Quel­que », à savoir – dont on peut se sa­tis­fai­re dans l’occasion – à savoir qu’il exis­te des ra­ci­nes de l’équation du se­cond de­gré qui sa­tis­font à la fonc­tion du nom­bre réel, et aus­si qu’il exis­te des ra­ci­nes de l’équation du se­cond de­gré qui n’y sa­tis­font pas, mais dans un cas com­me dans l’autre, ce qui en ré­sul­te… loin que nous puis­si­ons voir ici la trans­po­si­ti­on pu­re­ment for­mel­le, l’homologie com­plè­te des Uni­ver­sel­les et des Par­ti­cu­liè­res, af­fir­ma­ti­ves et né­ga­ti­ves re­spec­tive­ment

Man hat nicht ge­nug dar­über ge­sagt, denn so­wohl für das, was zu den Be­zie­hun­gen von „Alle x“ ge­hört, als auch für das Ver­hält­nis, mit dem man glaubt, das „Ei­ni­ge“ er­set­zen zu kön­nen – näm­lich, wo­mit man sich ge­le­gent­lich be­gnü­gen kann, näm­lich dass es Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die die Funk­ti­on der re­el­len Zahl er­fül­len, und dass es auch Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des gibt, die sie nicht er­fül­len39 -, aber im ei­nen wie im an­de­ren Fal­le ist das, was sich dar­aus er­gibt, weit da­von ent­fernt, dass wir hier die rein for­ma­le Trans­po­si­ti­on, die voll­stän­di­ge Ho­mo­lo­gie der all­ge­mei­nen und der par­ti­ku­lä­ren Aus­sa­gen se­hen kön­nen, der be­ja­hen­den wie der ver­nei­nen­den.40

C’est que, ce que ceci veut dire c’est non pas que la fonc­tion n’est pas vraie… qu’est-ce que ça peut vou­loir dire qu’une fonc­tion n’est pas vraie ?

Das heißt dass –; das be­deu­tet nicht, dass die Funk­ti­on nicht wahr ist – was kann das be­deu­ten, dass eine Funk­ti­on nicht wahr ist?

Du mo­ment que vous écri­vez une fonc­tion, elle est ce qu’elle est, cet­te fonc­tion, même si elle dé­bor­de de beau­coup la fonc­tion des nom­bres réels.

Von dem Mo­ment an, in dem Sie eine Funk­ti­on schrei­ben, ist sie, die­se Funk­ti­on, das was sie ist, selbst wenn sie über die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len weit hin­aus­reicht.41

Ceci veut dire que con­cer­nant l’inconnue que con­sti­tue la ra­ci­ne de l’équation du se­cond de­gré, je ne peux pas écri­re pour l’y lo­ger, la fonc­tion des nom­bres réels, ce qui est bien aut­re cho­se que l’Universelle né­ga­ti­ve, dont les pro­prié­tés d’ailleurs étai­ent déjà bien fai­tes pour nous la fai­re mett­re en sus­pens, com­me je l’ai as­sez sou­li­gné en son temps.

Und das be­deu­tet, dass ich – be­zo­gen auf die Un­be­kann­te, die durch die Wur­zel ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des ge­bil­det wird –, dass ich, um sie hier zu ver­or­ten, nicht die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len schrei­ben kann, und das ist et­was an­de­res als die all­ge­mei­ne ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, de­ren Ei­gen­schaf­ten im Üb­ri­gen durch­aus be­reits so wa­ren, dass wir sie in der Schwe­be lie­ßen, wie ich sei­ner­zeit hin­rei­chend be­tont habe.42

Il en est ex­ac­te­ment de même au ni­veau de « il exis­te un x ».

Auf der Ebe­ne des „Es exis­tiert ein x“ ist da­mit ge­nau das­sel­be.

Il exis­te un x à pro­pos du­quel, il exis­te cer­ta­ins x, cer­tai­nes ra­ci­nes de l’équation du se­cond de­gré à pro­pos des­quel­les je peux écri­re la fonc­tion dite des nom­bres réels en disant qu’elles y sa­tis­font.

Es exis­tiert ein x, bei dem –; es exis­tie­ren be­stimm­te x, be­stimm­te Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des, bei de­nen ich die so­ge­nann­te Funk­ti­on der re­el­len Zah­len schrei­ben kann und sa­gen kann, dass sie sie er­fül­len.

Il en est d’autres à pro­pos des­quel­le il ne s’agit pas de nier la fonc­tion des nom­bres réels, mais à pro­pos des­quel­les je ne peux pas écri­re la fonc­tion des nom­bres réels.

Es gibt an­de­re, bei de­nen es zwar nicht dar­um geht, die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len zu be­strei­ten, bei de­nen ich die Funk­ti­on der re­el­len Zah­len je­doch nicht schrei­ben kann.43

Eh bien c’est ça qui va nous in­tro­du­i­re dans la troi­siè­me étape qui est cel­le en som­me de tout ce que je vi­ens de vous dire aujourd’hui, qui est fai­te bien sûr pour vous in­tro­du­i­re.

Gut, und das wird uns in die drit­te Etap­pe ein­füh­ren, näm­lich die­je­ni­ge, bei der es ins­ge­samt um all das geht, was ich Ih­nen heu­te ge­sagt habe, die­je­ni­ge, die na­tür­lich dazu da ist, um Sie ein­zu­füh­ren.

[141] C’est que com­me vous l’avez bien vu, je glis­se tout na­tu­rel­le­ment… à me fier au sou­ve­nir de ce qu’il s’agit de réar­ti­cu­ler …j’ai glis­sé à l’écrire, à savoir que la fonc­tion, avec sa pe­ti­te bar­re au-des­sus, sym­bo­li­sait quel­que cho­se de tout à fait in­ep­te au re­gard de ce que j’avais ef­fec­tive­ment à dire.

Wie Sie ja ge­se­hen ha­ben, ist es so, dass ich ganz na­tür­lich dazu über­ge­he – wo­bei ich mich auf die Er­in­ne­rung an das ver­las­se, was neu zu ar­ti­ku­lie­ren ist –, dass ich dazu über­ge­gan­gen bin, es zu schrei­ben, näm­lich dass die Funk­ti­on mit ih­rem klei­nen Strich dar­über et­was sym­bo­li­siert hat, was hin­sicht­lich des­sen, was ich tat­säch­lich zu sa­gen hat­te, völ­lig un­ge­eig­net war.44

Vous avez peut-être re­mar­qué que, il m’est même pas venu à l’idée – au moins jusqu’à pré­sent, à vous non plus – de pen­ser que la bar­re de la né­ga­ti­on, peut-être avait quel­que cho­se à fai­re, à dire, dans la co­lon­ne non pas de droi­te, mais de gau­che.

Sie ha­ben viel­leicht be­merkt, dass mir über­haupt nicht in den Sinn ge­kom­men ist – zu­min­dest bis jetzt nicht, und auch Ih­nen nicht –, zu den­ken, dass der Ne­ga­ti­ons­strich viel­leicht nicht in der rech­ten, son­dern in der lin­ken Spal­te et­was zu tun hat­te, zu sa­gen hat­te.45

Es­sayons. Quel par­ti peut-on ti­rer ?

Ver­su­chen wir es. Wel­chen Nut­zen kann man dar­aus zie­hen?

Qu’est-ce qu’on peut avoir à dire à pro­pos de ceci que la fonc­tion ne va­rie­r­ait pas, ap­pe­lons-la « Φ de », com­me par ha­sard, et à mett­re, ce que nous n’avons ja­mais eu à fai­re jusqu’à pré­sent, la bar­re de la né­ga­ti­on.

Was kann man dar­über zu sa­gen ha­ben, dass die Funk­ti­on nicht va­ri­ie­ren wür­de, nen­nen wir sie, wie zu­fäl­lig, „Φ von x“46, und wenn man et­was ein­setzt, was wir bis jetzt nie tun muss­ten, näm­lich den Ne­ga­ti­ons­strich.47

Elle peut être dite ou bien écri­te.

Sie kann ge­sagt oder aber ge­schrie­ben wer­den.48

Com­mençons par la dire :
– Ce n’est pas de tout x que la fonc­tion Phi de x peut s’inscrire.
– Ce n’est pas d’un x exis­tant que la fonc­tion Phi de x peut s’écrire.

Be­gin­nen wir da­mit, sie zu sa­gen:
– Nicht von al­len x kann die Funk­ti­on „Phi von x“ auf­ge­schrie­ben wer­den.49
– Von kei­nem exis­tie­ren­den x kann die Funk­ti­on „Phi von x“ auf­ge­schrie­ben wer­den.50

Voi­là ! Je n’ai en­co­re pas dit si c’était in­scrip­ti­ble ou pas, mais à m’exprimer ain­si, j’énonce quel­que cho­se qui n’a de ré­fé­rence que l’existence de l’écrit.

So also. Ich habe noch nicht ge­sagt, ob das auf­schreib­bar ist oder nicht, wenn ich mich aber so aus­drü­cke, äu­ße­re ich et­was, des­sen ein­zi­ge Re­fe­renz die Exis­tenz des Ge­schrie­be­nen ist.

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}

Ne­ga­ti­on des All­quan­tors

 \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}

Ne­ga­ti­on des Exis­tenz­quan­tors

 

Pour tout dire, il y a un mon­de ent­re les deux né­ga­ti­ons.

Um es klar zu sa­gen, zwi­schen die­sen bei­den Ne­ga­tio­nen liegt eine Welt.51

Cel­le qui fait que je ne l’écris pas, que je l’exclus, et com­me s’est ex­pri­mé aut­re­fois quelqu’un qui était un gram­mai­ri­en as­sez fin, c’est for­clu­sif : la fonc­tion ne sera pas écri­te, je ne veux rien en savoir.

Die­je­ni­ge Ne­ga­ti­on, die be­wirkt, dass ich sie nicht schrei­be, dass ich sie aus­schlie­ße – und wie sich frü­her ein­mal je­mand, der ein ganz aus­ge­zeich­ne­ter Gram­ma­ti­ker war, aus­ge­drückt hat –, die­se Ne­ga­ti­on hat ver­wer­fen­den Cha­rak­ter (est for­clu­sif): die Funk­ti­on wird nicht ge­schrie­ben wer­den, ich will nichts da­von wis­sen.52

L’autre est di­s­cor­d­an­ti­el­le.

Die an­de­re ist dis­kord­an­zi­ell (di­s­cor­d­an­ti­el­le).53

Ce n’est pas en tant que il y au­rait un « tout x » que je peux écri­re ou ne pas écri­re « Φ de x ».

Es ist nicht in­so­fern, als es ein „alle x“ gäbe, dass ich „Phi von x“ schrei­ben kann oder nicht schrei­ben kann.54

Ce n’est pas en tant qu’ « il exis­te un x » que je peux écri­re ou ne pas écri­re « Φ de x ».

Es ist nicht in­so­fern als dies gilt, „es exis­tiert ein x“, dass ich „Phi von x“ schrei­ben kann oder nicht schrei­ben kann.55

[142] Ceci est très pro­pre­ment ce qui nous met au cœur de l’impossibilité d’écrire ce qu’il en est du rap­port se­xu­el.

Das ist ganz ge­nau das, was uns ins In­ne­re der Un­mög­lich­keit führt, zu schrei­ben, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.56

Car après qu’aient sub­sis­té pen­dant des temps con­cer­nant ce rap­port, les struc­tu­res de fic­tion bien con­nues, cel­les sur les­quel­les re­po­sent tou­tes les re­li­gi­ons en par­ti­cu­lier, nous en som­mes ve­nus, ceci de par l’expérience ana­ly­tique, à la fon­da­ti­on de ceci que ce rap­port ne va pas sans tiers ter­me, qui est à pro­pre­ment par­ler le phal­lus.

Denn nach­dem lan­ge Zeit, be­zo­gen auf die­ses Ver­hält­nis, die wohl­be­kann­ten Struk­tu­ren der Fik­ti­on fort­be­stan­den ha­ben, die­je­ni­gen, auf de­nen ins­be­son­de­re alle Re­li­gio­nen be­ru­hen, sind wir zur Fun­die­rung des­sen ge­langt, und zwar durch die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, dass die­ses Ver­hält­nis nicht ohne drit­ten Ter­mi­nus geht, der ge­nau ge­sagt der Phal­lus ist.57

Bien en­t­en­du, j’entends, si je puis dire, une cer­tai­ne com­pre­net­te se for­mu­ler : « eh, avec ce tiers ter­me, ça va tout seul !  Jus­te­ment il y a un tiers ter­me, c’est pour ça qu’il doit y avoir un rap­port ! »

Na­tür­lich höre ich, wenn ich so sa­gen kann, wie sich ein be­stimm­tes Be­griffs­ver­mö­gen ar­ti­ku­liert: „Hey, mit die­sem drit­ten Ter­mi­nus geht das ganz von al­lein! Es gibt ja ei­nen drit­ten Ter­mi­nus, und des­halb muss es ein Ver­hält­nis ge­ben!“

C’est très dif­fi­ci­le, bien sûr, d’imager ça, de mon­trer : – qu’il y a quel­que cho­se d’inconnu qui est là l’homme, – qu’il y a quel­que cho­se d’inconnu qui est là la femme, – et que le tiers ter­me, en tant que tiers ter­me, il est très pré­cisé­ment ca­rac­té­ri­sé par ceci, c’est que jus­te­ment, il n’est pas un mé­di­um : que si on le re­lie à l’un des deux ter­mes, le ter­me de l’homme par ex­emp­le on peut être cer­tain qu’il ne com­mu­ni­que­ra pas avec l’autre et in­ver­se­ment, que c’est spé­ci­fi­que­ment là ce qui est la ca­rac­té­ris­tique du tiers ter­me.

Nicht-me­dia­ler Cha­rak­ter des drit­ten Ter­mi­nus

Es ist na­tür­lich sehr schwie­rig, das zu ver­bild­li­chen, zu zei­gen, dass es et­was Un­be­kann­tes gibt, das hier [das lin­ke x im Dia­gramm] der Mann ist, dass es et­was Un­be­kann­tes gibt, das hier [das rech­te x im Dia­gramm] die Frau ist, und dass der drit­te Ter­mi­nus als drit­ter Ter­mi­nus eben ge­nau da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass er ge­ra­de kein Me­di­um ist58, dass wenn man ihn mit ei­nem der bei­den Ter­mi­ni ver­bin­det, mit dem Ter­mi­nus des Man­nes bei­spiels­wei­se, man si­cher sein kann, dass er nicht mit dem an­de­ren kom­mu­ni­zie­ren wird und um­ge­kehrt, dass es hier spe­zi­ell dies ist, was das Cha­rak­te­ris­ti­kum des drit­ten Ter­mi­nus aus­macht.59

Que bien en­t­en­du, si même on a in­ven­té un jour la fonc­tion de l’attribut, pour­quoi que ce se­rait-il pas en rap­port, dans les pre­miers pas ri­di­cu­les de la struc­tu­re de sem­blant, que tout hom­me est phal­li­que, tou­te femme ne l’est pas ?

Und na­tür­lich, auch wenn man ei­nes Ta­ges die Funk­ti­on des At­tri­buts er­fun­den hat, war­um soll­te das nicht dazu in Be­zie­hung ste­hen, in den ers­ten lä­cher­li­chen Schrit­ten der Struk­tur des Scheins, dass je­der Mann phal­lisch ist und jede Frau es nicht ist?60

Or ce qui est à éta­b­lir c’est bien aut­re cho­se.

Nun, was eta­bliert wer­den muss, ist et­was ganz an­de­res.

C’est que « quel­que hom­me » l’est, à par­tir de ceci qu’exprime ici la se­con­de for­mu­le, à par­tir de ceci que ça n’est pas en tant que par­ti­cu­lier qu’il l’est – l’homme est fonc­tion phal­li­que en tant qu’il est « tout hom­me ».

Näm­lich dass „man­cher Mann“ es aus­ge­hend von dem ist, was hier durch die zwei­te For­mel aus­ge­drückt wird, aus­ge­hend da­von, dass er es nicht in­so­fern ist, als er par­ti­ku­lär ist – der Mann ist phal­li­sche Funk­ti­on, in­so­fern er „je­der Mann“ ist.61

Mais com­me vous le sa­vez, il y a les plus grands dou­tes à por­ter sur le fait que le « tout hom­me » exis­te.

Aber wie Sie wis­sen, muss man die größ­ten Zwei­fel he­gen hin­sicht­lich der Tat­sa­che, dass der „je­der Mann“ exis­tiert.62

C’est ça l’enjeu : c’est qu’il ne peut l’être qu’au tit­re de « tout hom­me », c’est-à-dire d’un si­gni­fi­ant, rien de plus.

Eben dar­um geht es, näm­lich dass er es nur qua „je­der Mann“ sein kann, das heißt qua Si­gni­fi­kant, nichts mehr.63

Et que par cont­re ce que j’ai énon­cé, ce que je vous ai dit, c’est que pour la femme l’enjeu est ex­ac­te­ment le con­trai­re, à savoir ce qu’exprime l’énoncé di­s­cor­d­an­tiel du haut, ce­lui | [143] que je n’ai écrit – si je puis dire – que sans l’écrire, puis­que je vous sou­li­gne qu’il s’agit d’un di­s­cor­d­an­tiel qui ne se sou­ti­ent que de l’énoncé, c’est que La femme ne peut rem­plir sa place dans le rap­port se­xu­el, elle ne peut l’être qu’au tit­re d’« une femme » – com­me je l’ai fort­e­ment ac­cen­tué, il n’y a pas de « tou­te femme ».

Und dass hin­ge­gen das, was ich ge­äu­ßert habe, was ich Ih­nen ge­sagt habe, dies ist, dass es für die Frau ge­nau um das Ge­gen­teil geht, näm­lich um das, was von der dis­kord­an­zi­el­len Aus­sa­ge oben aus­ge­drückt wird, von der­je­ni­gen, die ich nur ge­schrie­ben habe – wenn ich so sa­gen kann –, ohne sie zu schrei­ben, da ich für Sie her­vor­he­be, dass es um eine dis­kord­an­zi­el­le geht, die nur durch die Aus­sa­ge un­ter­stützt wird, näm­lich dass die Frau im se­xu­el­len Ver­hält­nis ih­ren Platz nur aus­fül­len kann, dass sie es nur sein kann qua „eine Frau“64 –  wie ich be­reits deut­lich be­tont habe, gibt es nicht „jede Frau“.65

Ce que j’ai vou­lu aujourd’hui fray­er, vous il­lus­trer, c’est que la lo­gi­que por­te la mar­que de l’impasse se­xu­el­le, et qu’à la sui­v­re dans son mou­ve­ment, dans son pro­grès, c’est-à-dire dans le champ où elle pa­raît avoir le moins af­fai­re avec ce qui est en jeu dans ce qui s’articule de not­re ex­pé­ri­ence, à savoir l’expérience ana­ly­tique, vous y re­trou­ve­r­ez les mê­mes im­pas­ses, les mê­mes obst­a­cles, les mê­mes béan­ces, et pour tout dire la même ab­sence de fer­me­tu­re d’un tri­ang­le fon­da­men­tal.

Was ich heu­te an­bah­nen woll­te, für Sie ver­an­schau­li­chen woll­te, ist dies, dass die Lo­gik das Kenn­zei­chen der se­xu­el­len Sack­gas­se trägt, und dass Sie, wenn Sie ihr in ih­rer Be­we­gung fol­gen, in ih­rem Fort­schritt, das heißt in dem Feld, in dem sie nicht das Ge­rings­te zu tun zu ha­ben scheint mit dem, wor­um es bei dem geht, was von un­se­rer Er­fah­rung her ar­ti­ku­liert wird, also von der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung her, dass Sie hier die­sel­ben Sack­gas­sen wie­der­fin­den wer­den, die­sel­ben Hin­der­nis­se, die­sel­ben Lü­cken, kurz ge­sagt, die­sel­be Ab­we­sen­heit der Schlie­ßung ei­nes grund­le­gen­den Drei­ecks.66

Je m’étonne que les cho­ses, je veux dire le temps, ai­ent avan­cé si vite, avec ce que j’avais à vous fray­er aujourd’hui et que je doi­ve main­tenant m’interrompre.

Ich wund­re mich, dass die Din­ge, ich mei­ne die Zeit, so schnell vor­an­ge­schrit­ten sind bei dem, was ich für Sie heu­te an­zu­bah­nen hat­te, und dass ich mich jetzt un­ter­bre­chen muss.

Je pen­se qu’il vous sera fa­ci­le peut-être, dès avant que nous nous re­vo­yons le deu­xiè­me mer­credi du mois de juin, de vous aper­ce­voir vous-même de la con­ven­an­ce de ceci d’où ré­sul­te par ex­emp­le que rien ne peut être fon­dé du sta­tut de l’homme – je par­le : vu de l’expérience ana­ly­tique – qu’à fai­re ar­ti­fi­ci­el­le­ment, my­thi­que­ment, ce « tout hom­me » avec ce­lui, pré­su­mé, le père my­thi­que du To­tem et Ta­bou, à savoir ce­lui qui est ca­pa­ble de sa­tis­fai­re à la jouis­sance de tou­tes les femmes.

Ich den­ke, dass es Ih­nen viel­leicht leicht­fal­len wird, be­vor wir uns am zwei­ten Mitt­woch des Mo­nats Juni wie­der­se­hen, sich selbst über die An­ge­mes­sen­heit von dem hier klar­zu­wer­den, wor­aus bei­spiels­wei­se her­vor­geht, dass, be­zo­gen auf den Sta­tus des Man­nes, et­was nur da­durch ge­grün­det wer­den kann – ich sage: an­ge­sichts der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung –, dass auf künst­li­che Wei­se, auf my­thi­sche Wei­se die­ser „je­der Mann“ kon­stru­iert wird, mit die­sem Un­ter­stell­ten, mit dem my­thi­schen Va­ter aus To­tem und Tabu, das heißt mit dem, der in der Lage ist, dem Ge­nie­ßen al­ler Frau­en zu ge­nü­gen.67

Mais in­ver­se­ment, ce sont les con­séquen­ces dans la po­si­ti­on de la femme de ceci, que ce n’est qu’à par­tir d’être « une femme » qu’elle puis­se s’instituer dans ce qui est in­scrip­ti­ble de ne pas l’être, c’est-à-dire re­stant béant de ce qu’il en est du rap­port se­xu­el.

Aber um­ge­kehrt gibt es in der Po­si­ti­on der Frau die Kon­se­quen­zen des­sen, dass sie sich nur aus­ge­hend da­von, „eine Frau“ zu sein, in das ein­set­zen kann, was von da­her auf­schreib­bar ist, es nicht zu sein, das heißt was von dem her, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht, auf­klaf­fend bleibt.

Et qu’il ar­ri­ve ceci, si li­si­ble dans ce qu’il en est de la fonc­tion com­bi­en pré­cieu­se des hys­té­ri­ques : les hys­té­ri­ques sont cel­les qui sur ce qu’il en est du rap­port se­xu­el, di­sent la vé­rité.

Und dass dies ein­tritt, was so gut les­bar ist in dem, wor­um es bei der wirk­lich wert­vol­len Funk­ti­on der Hys­te­ri­ke­rin­nen geht: Die Hys­te­ri­ke­rin­nen sind die­je­ni­gen, die über das, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht, die Wahr­heit sa­gen.

On voit mal com­ment au­rait pu se fray­er cet­te voie de la psy­chana­ly­se si nous ne les avi­ons pas eues.

Es ist schwer zu se­hen, wie der Weg der Psy­cho­ana­ly­se hät­te ge­bahnt wer­den kön­nen, wenn wir sie nicht ge­habt hät­ten.

Que la név­ro­se, qu’une név­ro­se tout au moins – je le dé­mon­tre­rai éga­le­ment pour l’autre – qu’une név­ro­se ne soit stric­te­ment le point où s’articule la vé­rité d’un échec, qui n’est pas moins vrai par­tout ail­leurs que là où la vé­rité est dite, c’est de là que nous de­vons par­tir pour don­ner son sens à la dé­cou­ver­te freu­di­en­ne.

Dass die Neu­ro­se, dass zu­min­dest eine Neu­ro­se, ich wer­de es glei­cher­ma­ßen für die an­de­re de­mons­trie­ren68, dass eine Neu­ro­se ganz streng der Punkt ist, an dem die Wahr­heit ei­nes Schei­terns ar­ti­ku­liert wird, die über­all an­ders als da, wo die Wahr­heit ge­sagt wird, nicht we­ni­ger wahr ist, da­von müs­sen wir aus­ge­hen, um der Freud’schen Ent­de­ckung ih­ren Sinn zu ver­lei­hen.

Ce que l’hystérique ar­ti­cu­le c’est bien sûr ceci : que pour ce qui est de fai­re le « tout hom­me », elle en est aus­si ca­pa­ble que le « tout hom­me » lui-même, à savoir par l’imagination.

Was die Hys­te­ri­ke­rin ar­ti­ku­liert, ist na­tür­lich dies, dass sie, be­zo­gen dar­auf, den „je­der Mann“ zu ge­ben, dass sie dazu ge­nau­so in der Lage ist wie der „je­der Mann“ selbst, mit­hil­fe der Vor­stel­lungs­kraft näm­lich.69

Donc de ce fait, elle n’en a pas be­so­in.

Von da­her hat sie also kei­nen Be­darf da­nach.

Mais que si | [144] par ha­sard ça l’intéresse, le phal­lus – à savoir ce dont elle se conçoit com­me châ­trée, com­me Freud l’a as­sez sou­li­gné – que par le pro­grès du trai­te­ment, du trai­te­ment ana­ly­tique, elle n’en a que fai­re puis­que cet­te jouis­sance il faut pas cro­i­re qu’elle l’a pas de son côté.

Falls sie das aber zu­fäl­lig in­ter­es­siert, der Phal­lus – also das, in Be­zug wor­auf sie sich, wie Freud hin­rei­chend be­tont hat, als kas­triert auf­fasst –, hat sie es durch den Fort­schritt der Be­hand­lung, der ana­ly­ti­schen Be­hand­lung, nur da­mit zu tun, denn man darf nicht glau­ben, dass sie auf ih­rer Sei­te nicht die­ses Ge­nie­ßen hat.

Et que si par ha­sard le rap­port se­xu­el l’intéresse, il faut qu’elle s’intéresse à cet élé­ment tiers, le phal­lus.

Und dass sie sich dann, wenn sie sich zu­fäl­lig für das se­xu­el­le Ver­hält­nis in­ter­es­siert, für die­ses drit­te Ele­ment in­ter­es­sie­ren muss, für den Phal­lus.

Et com­me elle ne peut s’y in­téres­ser que par rap­port à l’homme, en tant qu’il n’est pas sûr qu’il y en ait même un, tou­te sa po­li­tique sera tour­née vers ce que j’appelle en avoir « au moins un ».

Und da sie sich nur in­so­fern da­für in­ter­es­sie­ren kann, als im Ver­hält­nis zum Mann nicht si­cher ist, ob er selbst ei­nen hat, des­halb rich­tet sich ihre ge­sam­te Po­li­tik auf das, was ich so nen­ne: da­von „zu­min­dest ei­nen (au moins un)“ zu ha­ben.

 Cet­te no­ti­on de l’« au moins un », c’est là-des­sus – mon Dieu – que je ter­mi­ne, par­ce que l’heure m’indique la li­mi­te.

Mit die­sem Be­griff des „zu­min­dest ei­ner“, da­mit, mein Gott, schlie­ße ich, da die Uhr mir die Gren­ze an­zeigt.

Vous ver­rez que j’aurai par la sui­te, bien sûr à la mett­re en fonc­tion avec ce que déjà bien sûr vous voy­ez là déjà ar­ti­cu­lé, à savoir cel­le de l’« un en plus », qui n’est pas ail­leurs qu’ici, n’est-ce pas, tel que je l’ai écrit la der­niè­re fois : « un en pe­lu­ce » [Ge­läch­ter].

Sie wer­den se­hen, dass ich ihn spä­ter na­tür­lich in ei­nen Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang zu brin­gen ha­ben wer­de mit dem, was Sie dort [an der Ta­fel] na­tür­lich be­reits ar­ti­ku­liert se­hen, näm­lich mit der Funk­ti­on des „eins mehr (un en plus)“, die es üb­ri­gens nur hier gibt, nicht wahr, so wie ich sie das letz­te Mal ge­schrie­ben habe: un en pe­lu­ce.70 [Ge­läch­ter]

Ce n’est pas pour rien que je l’ai écrit ain­si, je pen­se que ça peut tout de même pour cer­ta­ins sou­le­ver cer­ta­ins échos.

Es ist nicht ohne Be­deu­tung, dass ich das so ge­schrie­ben habe, ich den­ke, dass dies bei ei­ni­gen im­mer­hin ge­wis­se Echos her­vor­ru­fen kann.

L’« au moins un » com­me fonc­tion es­sen­ti­el­le du rap­port en tant qu’il si­tue la femme par rap­port au point ter­nai­re clé de la fonc­tion phal­li­que, nous l’écrirons de cet­te fa­çon – par­ce qu’elle est in­au­gu­ra­le, in­au­gu­ra­le d’une di­men­si­on qui est très pré­cisé­ment cel­le sur laquel­le j’ai in­sis­té pour un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant – « l’hommoinzin ».

Sche­ma Hom­moi­n­zin

Das „zu­min­dest ein“ (l’„au moins un“) als we­sent­li­che Funk­ti­on des Ver­hält­nis­ses, in­so­fern hier­durch die Frau in Be­zie­hung zum ter­nä­ren Schlüs­sel­punkt der phal­li­schen Funk­ti­on ver­or­tet wird, wir wer­den es auf fol­gen­de Wei­se schrei­ben, da es et­was in­au­gu­riert, da es ge­nau die Di­men­si­on in­au­gu­riert, auf der ich für ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre, be­stan­den habe: „l’hommoinzin“.71

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Anmerkungen

  1. Das er­in­nert an eine Be­mer­kung in ei­ner frü­he­ren Sit­zung von Se­mi­nar 18: „Der Phal­lus ist ganz streng das se­xu­el­le Ge­nie­ßen, in­so­fern es ko­or­di­niert ist, in­so­fern es fest ver­bun­den ist mit ei­nem Schein.“ (Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 34).
    La­can spielt of­fen­bar an auf den Be­griff der funk­tio­na­len Äqui­va­lenz: das Ge­schrie­be­ne und das Ge­nie­ßen er­fül­len die­sel­be Funk­ti­on.
  2. In den For­meln der vier Dis­kur­se wird das Ge­nie­ßen durch den Buch­sta­ben a re­prä­sen­tiert, für „Mehr­lust“.
  3. La­can be­zieht sich, wie be­reits in den bei­den vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zun­gen, auf sei­nen Auf­satz Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“. In: J.L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 12–73.
  4. Ich ver­mu­te, dass ge­meint ist: „es könn­te nur im Ar­te­fakt ge­mes­sen wer­den“.
  5. In der Ma­the­ma­tik ver­steht man un­ter ei­ner Funk­ti­on ein Ver­hält­nis zwi­schen zwei Men­gen, die je­dem Ele­ment der ei­nen Men­ge ge­nau ein Ele­ment der an­de­ren Men­ge zu­ord­net. Die um­ge­kehr­te Be­zie­hung gilt nicht.
  6. Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 37, Über­set­zung ge­än­dert.
    La­can weicht hier vom Text der Écrits (bzw. der Schrif­ten) ab. Dort heißt es nicht „ses ori­gi­nes“ (ih­rer Ur­sprün­ge), son­dern „des ori­gi­nes“ (der Ur­sprün­ge).
    „Ori­gi­ne“ meint auch „Her­kunft“, „Ab­stam­mung“.
  7. Das er­in­nert an das No­vum Or­ga­num von Fran­cis Ba­con, in dem häu­fig von „ve­ri­ta­tis in­qui­si­tio“ die Rede ist, vom „Ver­hör der Wahr­heit“.
  8. Das könn­te hei­ßen: Der ent­schei­den­de Ver­bin­dungs­punkt der Wis­sen­schaft mit der Lo­gik ist die For­de­rung nach Wi­der­spruchs­frei­heit wis­sen­schaft­li­cher Theo­ri­en.
  9. Das Se­mi­nar über „Der ge­stoh­le­ne Brief“, a.a.O., S. 37.
  10. An­spie­lung auf die im Be­griff siè­cle des Lu­miè­res („Jahr­hun­dert der Auf­klä­rung“, wört­lich „Jahr­hun­dert der Lich­ter“) ent­hal­te­ne Licht­m­e­ta­pher.
  11. Viel­leicht eine An­spie­lung auf La­cans Dik­tum „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“ – die Wahr­heit wirft ge­wis­ser­ma­ßen ei­nen Schat­ten.
  12. Ein Syl­lo­gis­mus ist ein lo­gi­scher Schluss; in ei­nem Syl­lo­gis­mus wird aus Prä­mis­sen eine Schluss­fol­ge­rung (Kon­se­quenz) ge­zo­gen, die wahr sein muss, falls die Prä­mis­sen wahr sind.
  13. La­can spricht von „l’Universelle“ und meint da­mit das all­ge­mei­ne Ur­teil bzw. die all­ge­mei­ne Aus­sa­ge (bzw. das uni­ver­sa­le Ur­teil, die uni­ver­sa­le Aus­sa­ge); und er spricht von „la Par­ti­cu­liè­re“, wo­mit das par­ti­ku­lä­re Ur­teil bzw. die par­ti­ku­lä­re Aus­sa­ge ge­meint ist.
    Eine uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge ist bei­spiels­wei­se „Alle Bäu­me sind ver­holzt“, die ent­spre­chen­de par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge ist „Ei­ni­ge Bäu­me sind ver­holzt“.
  14. Ein Syl­lo­gis­mus im Mo­dus Dar­ii hat die Form:
       Alle A sind B.
       Ei­ni­ge C sind A.
        Dar­aus folgt: Ei­ni­ge C sind B.
    Z.B.
        Alle Rin­der sind Wie­der­käu­er.
        Ei­ni­ge Säu­ge­tie­re sind Rin­der.
        Dar­aus folgt: Ei­ni­ge Säu­ge­tie­re sind Wie­der­käu­er.
    Die Be­zeich­nung als „Dar­ii“ be­zieht sich auf die Vo­kal­fol­ge A-I-I; A steht für die all­ge­mei­ne be­ja­hen­de Auss­ge, I für die par­ti­ku­lä­re be­ja­hen­de Aus­sa­ge.
  15. Die Aus­sa­ge „Alle Men­schen sind gut“ steht nicht im Wi­der­spruch zur Aus­sa­ge „Es gibt kei­nen Men­schen“. Vgl. Sit­zung vom 17. März 1971.
  16. La­can be­zieht sich auf fol­gen­des Bei­spiel:
       Ober­satz (pro­po­si­tio ma­jor): Alle A sind B (Alle Men­schen sind sterb­lich)
       Un­ter­satz (pro­po­si­tio mi­nor): Ei­ni­ge C sind A (Alle Tie­re sind Men­schen)
       Kon­klu­si­on: Ei­ni­ge C sind B (Ei­ni­ge Tie­re sind sterb­lich)
    Hier­in fun­giert „Men­schen“ als Mit­tel­be­griff (ter­mi­nus me­di­us) , wo­mit ge­meint ist, dass „Men­schen“ in bei­den Prä­mis­sen auf­taucht, so­wohl im Ober­satz als auch im Un­ter­satz. Die Kom­po­nen­te „sterb­lich“ wird als „Ober­be­griff“ (ter­mi­nus ma­jor) be­zeich­net, da sie – be­schränkt man sich auf die Prä­mis­sen – nur im Ober­satz ver­wen­det wird, der Aus­druck „Tie­re“ heißt „Un­ter­be­griff“ (ter­mi­nus mi­nor), da er nur im Un­ter­satz er­scheint.
    Ober­be­griff und Un­ter­be­griff zu­sam­men wer­den auch als „äu­ße­re Be­grif­fe“ (ter­mi­ni ex­tre­mi) be­zeich­net.
  17. Der Mensch ist gut“ ist eine uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge, man kann sie um­for­mu­lie­ren in „Alle Men­schen sind gut“.
  18. Mit „Li­mi­ta­ti­on“ ist hier of­fen­bar ge­meint, dass der Mensch in ei­ner be­schränk­ten Hin­sicht gut ist, näm­lich für die Spra­che.
  19. Über Meng­zi hat­te La­can in den Sit­zun­gen vom 20. Ja­nu­ar, vom 10. Fe­bru­ar und vom 17. Fe­bru­ar ge­spro­chen.
  20. La­can spielt dar­auf an, dass das grie­chi­sche Wort aretē (gut) ur­sprüng­lich „taug­lich sein für et­was“ be­deu­te­te, „ge­eig­net sein zu et­was“.
  21. Hier ver­wen­det La­can „gut“ im Sin­ne von „gut sein für et­was“, „ge­eig­net sein für et­was“, näm­lich für ei­nen Dis­kurs, dies ist die „Li­mi­ta­ti­on“ des­sen, dass „der Mensch“ gut ist.
  22. Un­ter dem Her­ren­si­gn­fiikan­ten ver­steht La­can ei­nen Si­gni­fi­kan­ten mit Kom­man­dofunk­ti­on, mit Be­fehls­funk­ti­on.
    Will La­can mit die­sem Satz an­deu­ten, dass das Kon­zept des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten u.a. ein Ver­such ist, den Platon’schen Ide­en­be­griff sprach­theo­re­tisch zu re­kon­stru­ie­ren?
  23. Ei­ni­ge Tie­re sind gut“ ist eine par­ti­ku­lä­re Aus­sa­ge, das Sub­jekt ist hier kei­ne rein sym­bo­li­sche Kon­struk­ti­on wie in der uni­ver­sa­len Aus­sa­ge.
  24. Vgl. 2. Mo­ses 20, 17:
    Ein­heits­über­set­zung 1980: „Du sollst nicht nach dem Haus dei­nes Nächs­ten ver­lan­gen. Du sollst nicht nach der Frau dei­nes Nächs­ten ver­lan­gen, nach sei­nem Skla­ven oder sei­ner Skla­vin, sei­nem Rind oder sei­nem Esel oder nach ir­gend­et­was, das dei­nem Nächs­ten ge­hört.“
    Buber/Rosenzweig-Übersetzung: „Be­geh­re nicht das Haus dei­nes Ge­nos­sen, Be­geh­re nicht das Weib dei­nes Ge­nos­sen, sei­nen Knecht, sei­ne Magd, sei­nen Och­sen, sei­nen Esel, noch al­lir­gend was dei­nes Ge­nos­sen ist.“ –
    Und 5. Mo­ses 5, 21:
    Ein­heits­über­set­zung 1980: „du sollst nicht nach der Frau dei­nes Nächs­ten ver­lan­gen und du sollst nicht das Haus dei­nes Nächs­ten be­geh­ren, nicht sein Feld, sei­nen Skla­ven oder sei­ne Skla­vin, sein Rind oder sei­nen Esel, nichts, was dei­nem Nächs­ten ge­hört.“
    Buber/Rosenzweig-Übersetzung: „Und be­geh­re nicht das Weib dei­nes Ge­nos­sen, und las­se dich nicht lüs­ten nach dem Haus dei­nes Ge­nos­sen, sei­nem Feld und sei­nem Knecht und sei­ner Magd, sei­nem Och­sen und sei­nem Esel, und was al­les dei­nes Ge­nos­sen ist.“ 
  25. Vgl. Se­mi­nar 7, Sit­zung vom 16. De­zem­ber 1959; Ver­si­on Miller/Haas, S. 86 f.
  26. Das US-ame­ri­ka­ni­sche Wort bull­do­zer er­scheint Ende des 19. Jahr­hun­derts und geht auf das Verb bull­do­ze zu­rück, „je­man­den ein­schüch­tern“, ein bull­do­zer ist zu­nächst ein bul­ly (Schlä­ger, Rauf­bold, Ty­rann), der an­de­re ein­schüch­tert. Die äl­te­re Schreib­wei­se ist bull­do­ser, viel­leicht un­ter Be­zie­hung auf dose (Do­sis); der bull­do­ser wäre dann ein bul­ly, der an­de­ren eine „Do­sis“ ver­passt, der sie ver­prü­gelt. Als Be­zeich­nung für eine Pla­nier­rau­pe fin­det man den Aus­druck zu­erst in den 1930er Jah­ren. Vgl. The Ox­ford Dic­tio­na­ry of Word Orig­ins, 2nd edi­ti­on, 2010, hier.
    Bul­ly meint im 16. Jahr­hun­dert „Ge­lieb­ter“ oder „Ge­lieb­te“. Im Sin­ne von „Schlä­ger“ wird der Aus­druck ab der zwei­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts ver­wen­det; ob die­se Ver­wen­dung auf bull zu­rück­geht, ist nicht ge­si­chert. Vgl. On­line Ety­mo­lo­gy Dic­tio­na­ry, hier.
  27. La­can hät­te sich nicht kor­ri­gie­ren müs­sen, er hät­te zu „ter­mes dit ma­jeur et mi­neurnur „et mo­y­en“ hin­zu­fü­gen müs­sen.
    Die bei­den Prä­mis­sen wer­den la­tei­nisch als pro­po­si­tio ma­jor und als pro­po­si­tio mi­nor be­zeich­net, auf deutsch hei­ßen sie Ober­satz und Un­ter­satz, auf fran­zö­sisch pro­po­si­ti­on ma­jeu­re und pro­po­si­ti­on mi­neu­re. Die Be­grif­fe dar­in sind, auf la­tei­nisch, ter­mi­nus ma­jor, ter­mi­nus mi­nor und ter­mi­nus me­di­us, auf deutsch Ober­be­griff, Un­ter­be­griff und Mit­tel­be­griff, auf fran­zö­sisch ter­me ma­jeur, ter­me mi­neur und ter­me mo­y­en. Ober­be­griff und Un­ter­be­griff zu­sam­men wer­den auf la­tei­nisch als ter­mi­ni ex­tre­mi be­zeich­net, auf deutsch als äu­ße­re Be­grif­fe, auf fran­zö­sisch als ter­mes ex­trè­mes. Es gibt also ei­nen ter­me mo­y­en und zwei ter­mes ex­trè­mes.
  28. Auf das Werk von Boo­le und De Mor­gan be­zieht La­can sich zu­erst in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, 1961/62 (Sit­zung vom 11. April 1962). In Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67, ent­wi­ckelt er in meh­re­ren Sit­zun­gen das Dia­gramm „Ich den­ke nicht oder ich bin nicht“, das an die De Mor­gan­schen Ge­set­ze an­knüpft.
  29. La­can spielt hier auf das ers­te al­ge­brai­sche Lo­gik­kal­kül an: Ge­or­ge Boo­le, The Ma­the­ma­ti­cal Ana­ly­sis of Lo­gic (1847).
  30. Ge­meint ist hier das Sub­jekt im Sin­ne der Lo­gik, d.h. der ers­te Be­stand­teil ei­ner lo­gi­schen Aus­sa­ge, z.B. „Alle Men­schen“ in „Alle Men­schen sind sterb­lich“.
  31. La­can deu­tet hier den zwei­ten Teil des Aus­drucks, das Prä­di­kat, als Funk­ti­ons­ver­hält­nis.
  32. La­can stellt sich den Auf­bau ei­ner prä­di­ka­ten­lo­gi­schen Aus­sa­ge so vor, dass der lin­ke Teil (Für alle x gilt, Für ei­ni­ge x gilt) eine Va­ria­ble ent­hält und der rech­te Teil eine Funk­ti­on die­ser Va­ria­blen, und er nimmt an, wie man im Fol­gen­den se­hen wird, dass die Va­ria­blen Zah­len­ar­ten ent­spre­chen (etwa den re­el­len Zah­len oder den ima­gi­nä­ren Zah­len) und dass die Funk­tio­nen so be­schaf­fen sind, dass sie die­se Zah­len­ar­ten er­zeu­gen. Dies wie­der­um be­zieht er auf die vier Aus­sa­ge­ar­ten, d.h., er ver­sucht, die Prä­di­ka­ten­lo­gik duch Be­zug auf Zah­len­klas­sen zu ver­an­schau­li­chen.
  33. Das be­zieht sich auf die Mög­lich­keit, eine Un­be­kann­te in ei­ner Glei­chung als Va­ria­ble ei­nes Funk­ti­ons­aus­drucks zu deu­ten.
  34. Eine Glei­chung zwei­ten Gra­des (oder qua­dra­ti­sche Glei­chung) ist eine Glei­chung, de­ren höchs­te Po­tenz 2 ist, bei­spiels­wei­se x2 = 4. Un­ter der Wur­zel ei­ner sol­chen Glei­chung ver­steht La­can, dass die Glei­chung so auf­ge­löst wird, dass x ge­fun­den wird, in die­sem Fal­le also x1 = 2, x2 = –2.
  35. Die re­el­len Zah­len um­fas­sen die ra­tio­na­len Zah­len und die ir­ra­tio­na­len Zah­len. Ra­tio­na­le Zah­len sind Zah­len, die sich durch Brü­che gan­zer Zah­len aus­drü­cken las­sen, also durch ein Ver­hält­nis (= Ra­tio) gan­zer Zah­len; ir­ra­tio­na­le Zah­len sind sol­che, die sich nicht so dar­stel­len las­sen, zum Bei­spiel \small \sqrt {2} oder die Kreis­zahl π.
    La­can nimmt also an, dass es eine Funk­ti­on gibt, durch wel­che die re­el­len Zah­len ein­ge­setzt wer­den.
  36. Of­fen­bar will La­can hier sa­gen, dass der Sta­tus der re­el­len Zah­len in­ner­halb der Ma­the­ma­tik ge­klärt ist, das es hier­zu kei­ne wich­ti­gen of­fe­nen Fra­gen gibt. Ob er da­mit recht hat, ent­zieht sich mei­ner Kennt­nis.
  37. Auch hier also wie­der die The­se, dass die re­el­len Zah­len durch eine be­stimm­te Funk­ti­on fun­diert wer­den.
  38. Eine ima­gi­nä­re Zahl ist eine Zahl, de­ren Qua­drat eine ne­ga­ti­ve re­el­le Zahl ist, bei­spiels­wei­se \sqrt {-1}. Statt von „ima­gi­nä­ren Zah­len“ sprach man frü­her von „un­mög­li­chen Zah­len“ (vgl. La­can: „Das Rea­le ist das Un­mög­li­che“).
    Auf ima­gi­nä­re Zah­len be­zieht La­can sich erst­mals in Se­mi­nar 6, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, 1958/59 (Sit­zung vom 22. April 1959), er sagt hier, das mensch­li­che Le­ben kön­ne als ein Kal­kül de­fi­niert wer­den, des­sen Null ir­ra­tio­nal wäre, und er fügt hin­zu, dies sei eine ma­the­ma­ti­sche Me­ta­pher und der Aus­druck „ir­ra­tio­nal“ be­zie­he sich auf eine ima­gi­nä­re Zahl, \sqrt {-1}. Er er­läu­tert dann, dass er dar­un­ter ei­nen Si­gni­fi­kan­ten ver­steht, der nicht sub­jek­ti­viert wer­den kann. (Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler S. 387 f.)
    Im Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud’schen Un­be­wuss­ten (ge­schrie­ben 1962) heißt es über \sqrt {-1}: „Es ist das, was dem Sub­jekt fehlt, um sich durch sein Co­gi­to aus­ge­schöpft zu den­ken, näm­lich das, was es an Un­denk­ba­rem ist“, ein „Feh­len im Meer der Ei­gen­na­men“ (J. La­can: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 358). Nä­her aus­ge­führt wird das in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, 1961/62, in den Sit­zun­gen vom 10. Ja­nu­ar 1962 und vom 2. April 1962.
    Der Aus­druck „Funk­ti­on der re­el­len Zah­len“ steht hier für die Funk­ti­on, durch die – wie La­can an­nimmt – die re­el­len Zah­len de­fi­niert wer­den kön­nen.
  39. Nor­ma­ler­wei­se wür­de man sa­gen, es gibt Wur­zeln, die re­ell sind. La­can sagt statt­des­sen, es gibt Wur­zeln, die die Funk­ti­on der re­el­len Zahl er­fül­len – vor dem Hin­ter­grund sei­ner The­se, dass die re­el­len Zah­len durch eine be­stimm­te Funk­ti­on de­fi­niert wer­den.
  40. La­can sieht in der quan­to­ren­lo­gi­schen For­mu­lie­rung der vier Auss­ge­ar­ten nicht eine glat­te Über­set­zung der aris­to­te­li­schen Fas­sung der Aus­sa­ge­ar­ten.
    La­can macht den Ver­such, die prä­di­ka­ten­lo­gi­sche Kon­zep­ti­on der Aus­sa­gen ma­the­ma­tisch zu ver­an­schau­li­chen. Hier­bei wird der lin­ke Teil ei­ner Aus­sa­ge als Quan­ti­fi­zie­rung ei­ner Un­be­kann­ten ge­deu­tet (Alle x/einige x); der rech­te Teil wird als Funk­ti­on ge­deu­tet, durch wel­che Zah­len­ar­ten de­fi­niert wer­den. Der Zu­sam­men­hang der bei­den Sei­ten ei­nes Aus­drucks be­ruht auf der Fi­gur „Die Funk­ti­on ant­wor­tet auf die Va­ria­ble“.
  41. An­ders ge­sagt, eine Funk­ti­on kann we­der wahr noch falsch sein.
    Un­ter ei­ner Funk­ti­on, die über die Funk­ti­on der rel­len Zah­len weit hin­aus­reicht, ver­steht er of­fen­bar eine Funk­ti­on, die nicht nur die re­el­len Zah­len, son­dern bei­spiels­wei­se auch die kom­ple­xen de­fi­niert.
  42. Die all­ge­mei­ne ver­nei­nen­de Aus­sa­ge, die La­can hier zu­rück­weist, könn­te so lau­ten: „Alle Wur­zeln ei­ner Glei­chung zwei­ten Gra­des sind nicht re­ell“.
    Hier be­ginnt die zwei­te Etap­pe der ma­the­ma­ti­schen Ver­an­schau­li­chung: La­can fängt an, sei­ne Idee von den Zah­len­be­rei­chen, die durch Funk­tio­nen de­fi­niert wer­den, mit den Quan­to­ren zu ver­bin­den.
  43. Un­ter dem Nicht­schrei­ben­kön­nen ei­ner Funk­ti­on ver­steht La­can hier, dass eine be­stimm­te Zah­len­klas­se (näm­lich die der Wur­zeln zwei­ten Gra­des) nicht auf eine spe­zi­el­le Funk­ti­on (näm­lich die der re­el­len Zah­len) re­du­zier­bar ist.
  44. La­can be­zieht sich auf die Ne­ga­ti­on des zwei­ten Teils des Aus­drucks, also auf die Ne­ga­ti­on von F(x). Die Ne­ga­ti­on des Prä­di­kats bzw. der Funk­ti­on ist un­ge­eig­net.
  45. Un­ter der rech­ten Spal­te ver­steht La­can hier den zwei­ten Teil­aus­druck, also F(x), das Prä­di­kat, die Funk­ti­on; mit der lin­ken Spal­te sind die ers­ten bei­den Teil­aus­drü­cke ge­meint, also∀x und ∃x, die Quan­to­ren­kom­po­nen­ten.
  46. In den Aus­sa­gen ∀x.Fx und ∃x.Fx wird Fx durch Φx er­setzt – an­ders ge­sagt, die Funk­ti­on, die nicht zwi­schen Be­ja­hung und Ver­nei­nung va­ri­iert, ist Φx. Dar­aus er­ge­ben sich, im ers­ten Schritt, die Aus­drü­cke ∀x.Φx und ∃xx.
  47. Der Ne­ga­ti­ons­strich soll jetzt über die lin­ke Sei­te der bei­den Aus­drü­cke ge­setzt wer­den, also über „∀x“ und „∃x“, was die ne­gier­ten Quan­to­ren \overline {\forall \text {x}} und \overline {\exists \text {x}} er­gibt.
  48. Sie“ ist hier ver­mut­lich die Ne­ga­ti­on.
  49. Das ent­spricht der ge­schrie­be­nen Aus­sa­ge \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}. Die­ser Aus­druck be­zieht sich auf die Sei­te der Frau, wie La­can in der nächs­ten Sit­zung aus­drück­lich sa­gen wird.
  50. Das ent­spricht der ge­schrie­be­nen Aus­sa­ge \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}. Die­ser Aus­druck be­zieht sich auf die Sei­te des Man­nes, wie es in der nächs­ten Sit­zung aus­drück­lich hei­ßen wird.

    An die­ser Stel­le be­ginnt die Ent­wick­lung der so­ge­nann­ten For­meln der Se­xu­ie­rung, die La­can dann in Se­mi­nar 19 aus­führ­lich be­schäf­ti­gen wird (… oder schlim­mer, 1971/72). In L’étourdit (ge­schrie­ben 1972, ver­öf­fent­licht 1973) so­wie in Se­mi­nar 20, En­co­re (1972/73), kommt er auf die For­meln zu­rück (L’étourdit, in: J.L.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 449–495; En­co­re, Sit­zung vom 13. März 1973).
    Bei die­sem ers­ten Ver­such in Se­mi­nar 18 sind die Ne­ga­ti­ons­stri­che noch et­was an­ders zu­ge­ord­net als in der end­gül­ti­gen Ver­si­on.
    La­can stellt die End­fas­sung zu­erst in Se­mi­nar 19 vor (Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1972, Ver­si­on Mil­ler S. 39), sie sieht so aus:

    \exists \text {x}. \overline {\Phi \text {x}}       \overline {\exists \text {x}}. \overline {\Phi \text {x}}
    \forall \text {x}. \Phi \text {x}       \overline {\forall \text {x}}. \Phi \text {x}

    Die bei­den lin­ken For­meln be­zie­hen sich auf die männ­li­che Sei­te, die bei­den rech­ten auf die weib­li­che Sei­te.

  51. Ge­meint ist ver­mut­lich: Bei der Ne­ga­ti­on der Quan­to­ren und bei der Ne­ga­ti­on der Prä­di­ka­te (bzw. Funk­tio­nen) han­delt es sich um un­ter­schied­li­che Ar­ten der Ne­ga­ti­on.
  52. Ge­meint ist hier die Ne­ga­ti­on der Funk­ti­on, also des zwei­ten Teils der bei­den Aus­drü­cke, d.h. die Ne­ga­ti­on von Φx in \forall \text {x}. \overline {\Phi \text {x}} und \exists \text {x}. \overline {\Phi \text {x}}.
    Die Ne­gie­rung des Prä­di­kats hat ver­wer­fen­den Cha­rak­ter, und die Ver­wer­fung be­steht dar­in, dass die vom Prä­di­kat be­zeich­ne­te Funk­ti­on nicht ge­schrie­ben wird. Zwei­te Er­läu­te­rung der Ver­wer­fung: „ich will nichts da­von wis­sen“.
  53. Ge­meint ist (so neh­me ich an) die Ne­ga­ti­on des ers­ten Teils der bei­den Aus­drü­cke – die Ne­ga­ti­on der Quan­to­ren –, also die Ne­ga­ti­on von ∀x und ∃x in den Aus­sa­gen \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} und \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}.

    Die Un­ter­schei­dung zwi­schen der ver­wer­fen­den und der dis­kord­an­zi­el­len Ne­ga­ti­on stammt von Edu­ard Pi­chon und Jac­ques Da­mo­u­ret­te (vgl. Jac­ques Da­mo­u­ret­te, Édouard Pi­chon: Des mots à la pen­sée. Es­sai de gram­mai­re de la lan­gue françai­se. D’Artrey, Pa­ris 19111940). Eine ver­wer­fen­de Ne­ga­ti­on ist bei­spiels­wei­se „ne – per­son­ne“ in dem Satz Il n y a per­son­ne ici (Nie­mand ist hier). Eine dis­kord­an­zi­el­le Ne­ga­ti­on ist etwa das „ne“ in Je crains qu’il ne vi­en­ne (Ich fürch­te, dass er kommt); im Deut­schen gibt es hier­zu kei­ne Ent­spre­chung.
    In den Schrif­ten be­zieht La­can sich auf die Gram­ma­tik von Da­mo­u­ret­te und Pi­chon zu­erst in Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se (ver­öf­fent­licht 1956), in: J.L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 303 f.), in den Se­mi­na­ren zu­erst in Se­mi­nar 3, Die Psy­cho­sen, 1955/56 (Sit­zung vom 5. Mai 1956, Ver­si­on Miller/Turnheim S. 320 f.).
    Auf die von Da­mo­u­ret­te und Pi­chon ge­trof­fe­ne Un­ter­schei­dung zwi­schen der „ver­wer­fen­den“ und der „dis­kord­an­zi­el­len Ne­ga­ti­on“ ver­weist er zu­erst in Se­mi­nar 6, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, 1958/59 (Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1958, Ver­si­on Mil­ler, S. 105 f.); das dis­kord­an­zi­el­le ne ist dem­nach der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts des Äu­ße­rungs­vor­gangs (énon­cia­ti­on). In den Se­mi­na­ren kommt La­can oft dar­auf zu­rück, in den Écrits und den Au­tres écrits wird die­se Un­ter­schei­dung nicht ver­wen­det.

  54. Die Ne­ga­ti­on be­zieht sich auf je­den Fall auf „alle“. Die Funk­ti­on Φx kann ge­schrie­ben wer­den oder nicht ge­schrie­ben wer­den, an­ders ge­sagt, sie kann ne­giert wer­den oder nicht ne­giert wer­den. Das ent­spricht den ge­schrie­be­nen Aus­sa­gen \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} und \overline {\forall \text {x}}.\overline {\Phi \text {x}}.
  55. Die Ne­ga­ti­on be­zieht sich auf je­den Fall auf den Exis­tenz­quan­tor; das Prä­di­kat (die Funk­ti­on) kann ne­giert wer­den oder auch nicht. Das ent­spricht den ge­schrie­be­nen Aus­sa­gen \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} und \overline {\exists \text {x}}.\overline {\Phi \text {x}}.
  56. Die Un­mög­lich­keit, das se­xu­el­le Ver­hält­nis zu schrei­ben, kann ge­schrie­ben wer­den: durch die Ne­ga­ti­on der Quan­to­ren.
  57. In Freud­scher Ter­mi­no­lo­gie und stark ver­ein­facht: Das se­xu­el­le Ver­hält­nis be­ruht auf der Kas­tra­ti­ons­angst des Man­nes und dem Pe­nis­neid der Frau.
  58. An­spie­lung auf den ter­mi­nus me­di­us – den Mit­tel­be­griff – im Syl­lo­gis­mus.
  59. Män­ner und Frau­en be­zie­hen sich auf un­ter­schied­li­che Wei­se auf den Phal­lus: Män­ner als „es gibt nicht“, Frau­en als „nicht alle“.
  60. Die ers­te Idee (die von La­can zu­rück­ge­wie­sen wird) be­steht ge­wis­ser­ma­ßen dar­in, die Ne­ga­ti­on auf den Phal­lus zu set­zen: auf das Prä­di­kat, auf die Funk­ti­on.
  61. An­ders for­mu­liert: In­wie­weit ist der Mann phal­lisch (in­wie­weit ist er „phal­li­sche Funk­ti­on“, Φx)? Nicht in­so­weit er „man­cher Mann“ ist (Ne­ga­ti­on des Exis­tenz­quan­tors: \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}), son­dern in­so­fern er „je­der Mann“ ist (Af­fir­ma­ti­on des All­quan­tors: \forall \text {x}.\Phi \text {x}).
    Für die Sei­te des Man­nes las­sen sich in Se­mi­nar 18 also die­se bei­den For­meln er­schlie­ßen (wenn man sich an den ge­spro­che­nen Text hält, nur die ers­te wird of­fen­bar auf die Ta­fel ge­schrie­ben):

    \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} (ge­schrie­ben)
    \forall \text {x}.\Phi \text {x} (nur ge­sagt)

    Zu be­ach­ten ist, dass die bei­den Aus­sa­gen über den Mann zu­ein­an­der im Wi­der­spruch ste­hen (wenn man sich auf die üb­li­che Lo­gik be­zieht).
    In der end­gül­ti­gen Fas­sung der Se­xu­ie­rungs­for­meln wird die Sei­te des Man­nes so aus­se­hen:

    \exists \text {x}. \overline {\Phi \text {x}}
    \forall \text {x}.\Phi \text {x}

    Sta­bil ist also für die Sei­te des Man­nes die Zu­ord­nung des af­fir­mier­ten All­quan­tors zur af­fir­mier­ten phal­li­schen Funk­ti­on: \forall \text {x}. \Phi \text {x}. In Se­mi­nar 18 wird sie nur ge­spro­chen, in Se­mi­nar 19 auch ge­schrie­ben.

  62. An­ders for­mu­liert: Eine All­aus­sa­ge ent­hält kei­ne Exis­tenz­be­haup­tung; hier weicht La­can von der eta­blier­ten Lo­gik ab.
  63. In der For­mel ∀x.Φx steht ∀x also nicht für „sämt­li­che Män­ner“, son­dern für den Mann als Si­gni­fi­kan­ten, für Den Mann.
  64. Nur als „eine Frau“ kann sie im se­xu­el­len Ver­hält­nis ih­ren Platz ein­neh­men – die ent­spre­chen­de For­mel wird von La­can of­fen­bar nicht an der Ta­fel no­tiert, sie dürf­te so aus­se­hen: \exists \text {x}. \Phi \text {x}.
    Es gibt (be­zo­gen auf die Funk­ti­on des Phal­lus) nicht „jede Frau“, was so zu sym­bo­li­sie­ren ist: \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}.
    Für die weib­li­che Sei­te las­sen sich in Se­mi­nar 18 also die­se For­meln an­ge­ben, die ers­te wird nur ge­spro­chen, die zwei­te wird ge­schrie­ben:

    \exists \text {x}. \Phi \text {x} (nur ge­sagt)
    \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} (ge­schrie­ben)

    In der end­gül­ti­gen Ver­si­on der Se­xu­ie­rungs­for­meln wird die Sei­te der Frau so aus­se­hen:

    \overline {\exists \text {x}}. \overline {\Phi \text {x}}
    \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}

    Sta­bil ist also, was die Sei­te der Frau an­geht, die Zu­ord­nung des ne­gier­ten All­quan­tors zur af­fir­mier­ten phal­li­schen Funk­ti­on: \overline {\forall \text {x}}. \Phi \text {x}. Sie wird so­wohl in Se­mi­nar 18 als auch in Se­mi­nar 19 ge­schrie­ben.

    Stellt man man die männ­li­che und die weib­li­che Sei­te ge­gen­über (links männ­lich, rechts weib­lich), er­gibt sich für Se­mi­nar 18 das fol­gen­de Bild:

    \overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} (ge­schrie­ben)      \exists \text {x}. \Phi \text {x} (nur ge­sagt)
    \forall \text {x}.\Phi \text {x} (nur ge­sagt)         \overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} (ge­schrie­ben)

    Da­mit ist ist viel­leicht klar, in­wie­fern es für die Frau ge­nau um das Ge­gen­teil geht wie für den Mann: auf der Sei­te des Man­nes wird der Exis­tenz­quan­tor ne­giert (ge­schrie­ben) und der All­quan­tor af­fir­miert (ge­sagt), auf der Sei­te der Frau wird der Exis­tenz­quan­tor af­fir­miert (ge­sagt) und der All­quan­tor ne­giert (ge­schrie­ben).

    Hier noch ein­mal zum be­que­men Ver­gleich die end­gül­ti­ge Fas­sung der Se­xu­ie­rungs­for­meln in Se­mi­nar 19:

    \exists \text {x}. \overline {\Phi \text {x}}       \overline {\exists \text {x}}. \overline {\Phi \text {x}}
    \forall \text {x}. \Phi \text {x}       \overline {\forall \text {x}}. \Phi \text {x}

    Was sich ver­än­dert, sind die Exis­tenz­aus­sa­gen, die All­aus­sa­gen hin­ge­gen blei­ben von der ers­ten bis zur letz­ten Fas­sung er­hal­ten.

  65. Auf der Sei­te der Frau liegt die Ne­ga­ti­on auf dem All­quan­tor, nicht auf dem Exis­tenz­quan­tor.
  66. In­wie­fern ist die Lo­gik auf die­sel­be Wei­se struk­tu­riert wie die „se­xu­el­len Sack­gas­sen“? Ich neh­me an, dass La­can sich hier auf die Dis­kre­panz von All­aus­sa­gen und Exis­tenz­aus­sa­gen be­zieht, die nur durch das Ein­set­zen von Buch­sta­ben über­brückt wer­den kann. 
    Die Rede vom nicht-ge­schlos­se­nen Drei­eck er­in­nert an das chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen si in ei­ner frü­he­ren Sit­zung die­ses Se­mi­nars (17. Fe­bru­ar 1971):

  67. Der Be­zug auf „je­der Mann“ (oder auf „alle Män­ner“) ist fun­die­rend für den Sta­tus des Man­nes, und der „je­der Mann“ wird durch den my­thi­schen Ur­va­ter re­prä­sen­tiert, der in der Lage ist, dem Ge­nie­ßen al­ler Frau­en zu ge­nü­gen. Die For­mel ∀x.Φx auf der Sei­te des Man­nes re­prä­sen­tiert dem­nach in Se­mi­nar 18 die Be­zie­hung zum Ur­va­ter. In der end­gül­ti­gen Fas­sung der Se­xu­ie­rungs­for­meln wird die Be­zie­hung zum Ur­va­ter duch eine an­de­re For­mel dar­ge­stellt, durch \exists \text {x}. \overline {\Phi \text {x}}.
  68. Die an­de­re Neu­ro­se ist die Zwangs­neu­ro­se.
  69. Vgl. in ei­ner frü­he­ren Sit­zung die­ses Se­mi­nars die Be­mer­kung, dass der Schein im se­xu­el­len Ver­hält­nis für die männ­li­che Sei­te dar­in be­steht, „den Mann zu ma­chen“, „den Mann zu ge­ben“ (de fai­re hom­me), ähn­lich dem Balz­ver­hal­ten bei den Tie­ren (Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971).
  70. In der Schreib­wei­se Hun-en-pe­lu­ce in der Sit­zung vom 12. Mai 1971. Zu­erst in Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67 (Sit­zung vom 23. No­vem­ber 1966): Um eine Men­ge zu bil­den, braucht es, au­ßer den Ele­men­ten der Men­ge, ein wei­te­res Ele­ment, das bei­spiels­wei­se durch den Kreis um die Ele­men­te her­um re­prä­sen­tiert wird; La­can sym­bo­li­siert es mit (+1). Die­ses zu­sätz­li­che Ele­ment ist ei­nes, das den Ele­men­ten fehlt, das also zu­gleich „eins we­ni­ger“ (−1) ist.
    Der Ge­dan­ke geht auf Se­mi­nar 9 zu­rück, dort noch ohne die­se Ter­mi­no­lo­gie (Sit­zung vom 9. Mai 1962).
    Pe­lu­ce ist ein Neo­lo­gis­mus, der an pe­lu­che (Plüsch) er­in­nert. Un en pe­lu­che ist „ei­ner im/mit Plüsch“, der „Plüsch-Ei­ner“.
  71. „L’‚au moins un‘“ und „l’hommoinzin“ sind laut­gleich.
    Das Sche­ma ist of­fen­bar so zu le­sen: Ein Mann be­zieht sich auf eine Frau ver­mit­tels des Phal­lus, wo­bei der Phal­lus „un en plus“ ist (un en pe­lu­ce), eins mehr; eine Frau be­zieht sich auf ei­nen Mann eben­falls ver­mit­tels des Phal­lus, je­doch so, dass der Phal­lus hier­bei „au moins un“ ist (hom­moi­n­zin), zu­in­dest ei­ner. Der Be­griff hom­moi­n­zin wird in der an­schlie­ßen­den Sit­zung nä­her aus­ge­führt wer­den. 
    Die Schreib­wei­se hom­moi­n­zin über­neh­me ich aus Ver­si­on Mil­ler des Se­mi­nars, S. 144 (Sta­fer­la hat hier­für in die­ser Si­tung hom­moi­n­zun, in der fol­gen­den dann hom­moi­zin). Das Dia­gramm ist aus Ver­si­on Sta­fer­la.
    Der Exis­tenz­quan­tor wird auch ge­deu­tet als „Es gibt zu­min­dest ein“.
    „L’hommoinzin“ kann auch als „l’homme moins un“ ver­stan­den wer­den (der Mann mi­nus eins), of­fen­bar in An­spie­lung auf das, was Freud als „Pe­nis­neid“ be­zeich­net.
    Das Paar „un en plus“ und „au moins un“ spielt mit dem Ge­gen­satz von plus und mi­nus.

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