Lacans Schemata

Erläuterung von Lacans optischem Modell

Magritte - Le reproduction interditeRené Mag­rit­te, La re­pro­duc­tion in­ter­d­i­te, 1937
Öl auf Lein­wand, 79 x 65,5 cm 
Mu­se­um Boi­j­mans van Beu­nin­gen, Rot­ter­dam

Im Auf­satz An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Laga­che (ge­schrie­ben 1960) il­lus­triert La­can das Ver­hält­nis zwi­schen dem sym­bo­li­schen Ichi­de­al (idéal du moi) und dem ima­gi­nä­ren Ide­al-Ich (moi idéal) in drei auf­ein­an­der auf­bau­en­den Ab­bil­dun­gen; die ent­spre­chen­de Pas­sa­ge habe ich auf die­ser Web­site über­setzt. Zur Ori­en­tie­rung beim Le­sen der Über­set­zung gebe ich hier eine Be­schrei­bung von Ab­bil­dung 2.1

Das Mo­dell der um­ge­kehr­ten Blu­men­va­se ist La­cans äl­tes­tes gra­phi­sches Sche­ma; es wird von ihm über vie­le Jah­re hin­weg aus­ge­ar­bei­tet. Zu­erst ver­wen­det er es in Se­mi­nar 1 von 1953/54, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten. Die im Laga­che-Auf­satz ver­öf­fent­lich­te Ver­si­on ist nur eine Zwi­schen­sta­ti­on, auch spä­ter wird das Dia­gramm von ihm wei­ter mo­di­fi­ziert, vor al­lem in Se­mi­nar 10 über die Angst von 1962/63.2

Die Hauptidee

Die wich­tigs­ten Ele­men­te des Sche­mas sind
– das Auge mit der Be­zeich­nung $ (links oben),
– die rech­te, auf­recht­ste­hen­de Vase mit der Be­zeich­nung i′(a),
– der Punkt I (oben rechts).
$ steht für das spre­chen­de Sub­jekt, das sich, auf­grund des Spre­chens, durch ein Un­be­wuss­tes aus­zeich­net,
i′(a) ist die Ab­kür­zung für das (ima­gi­nä­re) Ide­al-Ich (moi idéal),
I ist das Sym­bol für das (sym­bo­li­sche) Ichi­de­al (idéal du moi).
Das Sche­ma soll zei­gen,
– die Be­zie­hung des Sub­jekts ($) zum Ide­al-Ich (i′(a] ist durch die Be­zie­hung zum Ichi­de­al (I) ver­mit­telt,
– die Ver­än­de­rung der Be­zie­hung zum Ide­al-Ich muss in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur den Weg über die Re­kon­struk­ti­on des Ichi­de­als ge­hen,
– das Ima­gi­nä­re kann durch Spre­chen ver­än­dert wer­den
– es gibt et­was, was auch auf die­sem Wege nicht er­fasst wer­den kann: die um­ge­kehr­te Po­si­ti­on der rea­len Vase: das Rea­le.

In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, wird der Grund­ge­dan­ke, den das op­ti­sche Mo­dell in Sze­ne setzt, so for­mu­liert,

dass aus­ge­hend von die­ser klei­nen Dif­fe­renz, in­so­fern sie die­sel­be Sa­che ist wie das gro­ße I, das Ichi­de­al, dass sich da­von aus­ge­hend, ob das Sub­jekt als Trä­ger die­ses ein­zi­gen Zugs kon­sti­tu­iert ist oder nicht, die ge­sam­te nar­ziss­ti­sche Stre­bung ak­kom­mo­die­ren kann.“3

Aus­ge­hend vom Ichi­de­al wird die nar­ziss­ti­sche Stre­bung re­or­ga­ni­siert. Das Sym­bo­li­sche in­ter­ve­niert hier in das Ima­gi­nä­re.

Der Apparat

Das Mo­dell setzt ins­ge­samt fol­gen­de Ele­men­te zu­ein­an­der in Be­zie­hung:
– Ei­nen sphä­ri­schen Spie­gel, d.h. ei­nen Hohl­spie­gel in der Form ei­nes Ku­gel­ab­schnitts4.
– Ei­nen Plan­spie­gel, also ei­nen fla­chen oder ebe­nen Spie­gel. Der Plan­spie­gel steht ge­gen­über dem Hohl­spie­gel und wird in der Ab­bil­dung als „Mi­ro­ir“ (Spie­gel) be­zeich­net, zu­sätz­lich trägt er den Buch­sta­ben A.
– Vor dem Hohl­spie­gel steht ein Kas­ten (C); der Mit­tel­punkt sei­ner Ober­sei­te liegt im Zen­trum des Hohl­spie­gels, zum Hohl­spie­gel hin ist er of­fen.
– Im Kas­ten ist, ver­kehrt her­um, eine Vase an­ge­bracht.
– Auf dem Kas­ten steht ein Blu­men­strauß, der mit a be­zeich­net ist.
– Schließ­lich gibt es ei­nen Be­ob­ach­ter; er wird durch ein Auge dar­ge­stellt, das mit dem Kür­zel $ ver­se­hen ist5; sei­nen Platz hat der Be­ob­ach­ter oben am Rand des Hohl­spie­gels, und zwar so, dass er auf den Plan­spie­gel schaut.

Der Raum rechts ne­ben dem Flach­spie­gel hat eine dop­pel­te Funk­ti­on. In ihn ist das ein­ge­zeich­net, was im Spie­gel zu se­hen ist. In man­chen Kon­tex­ten steht er aber auch für den rea­len Raum hin­ter dem Spie­gel – man kann um den Spie­gel her­um­lau­fen.

Die Nei­gung des Plan­spie­gels ist ver­stell­bar.

Meist wird der Plan­spie­gel von La­can als ge­wöhn­li­cher Spie­gel be­schrie­ben, an ei­ner Stel­le aber als Ein­weg­spie­gel, der, wenn man ihn von hin­ten be­trach­tet – im Sche­ma von rechts –, trans­pa­rent ist, so dass man durch ihn hin­durch den Blu­men­strauß sieht.

Das Mo­dell in­sze­niert ei­nen tech­ni­schen Trick. Er be­ruht dar­auf, dass der sphä­ri­sche Spie­gel ein re­el­les Bild des ver­deck­ten rea­len Ge­gen­stan­des er­zeugt, also der Vase. Ein re­el­les Bild ist ein op­ti­scher Ef­fekt, der un­ter be­stimm­ten Um­stän­den vom Be­trach­ter für ei­nen rea­len Ge­gen­stand ge­hal­ten wird; die­se Il­lu­si­on wird von Ma­gi­ern aus­ge­nutzt, wenn sie ei­nen Ti­ger auf die Büh­ne zau­bern.

Die Zeich­nung ist vor al­lem des­halb schwer ver­ständ­lich, weil das re­el­le Bild der Vase nicht ein­ge­zeich­net ist.

Optisches Modell Fig 3Eine Dar­stel­lung des re­el­len Bil­des fin­det man in der vor­her­ge­hen­den und der fol­gen­den Zeich­nung, also in den Ab­bil­dun­gen 1 und 3 des Auf­sat­zes. In Ab­bil­dung 3 (sie­he oben) trägt das re­el­le Bild der Vase die Be­zeich­nung i(a). Die Aus­las­sung in Ab­bil­dung 2 soll dar­auf hin­wei­sen, dass das re­el­le Bild für den Be­ob­ach­ter durch den Blu­men­strauß ver­deckt ist.

Die bei­den durch­ge­zo­ge­nen Li­ni­en, die vom Bauch der um­ge­kehr­ten Vase aus­ge­hen, auf den Hohl­spie­gel tref­fen, von dort aus bei den Stän­geln des Blu­men­strau­ßes zu­sam­men­lau­fen, ge­ben den Strah­len­ver­lauf an, durch den die Il­lu­si­on des re­el­len Bil­des er­zeugt wird. Das re­el­le Bild ent­steht an dem Punkt, an dem die Strah­len auf der Höhe der Stän­gel zu­sam­men­tref­fen. Die von den Stän­geln aus­ge­hen­den Strah­len, die auf den Plan­spie­gel fal­len, zei­gen an, dass das re­el­le Bild der Vase im Plan­spie­gel re­flek­tiert wird.

Die Il­lu­si­on der um­ge­kehr­ten Vase ist nur in ei­nem be­stimm­ten Be­reich sicht­bar, in dem Ko­nus, der durch die Li­ni­en x-x′ und y-y′ be­grenzt wird.

Der Blu­men­strauß und der Plan­spie­gel sind dem Blick des Be­ob­ach­ters di­rekt zu­gäng­lich. Der Kas­ten ist für ihn durch den Blu­men­strauß ver­deckt, die rea­le Vase und das re­el­le Bild der Vase sind für ihn un­sicht­bar. Auch den Hohl­spie­gel kann er nicht se­hen, da er an des­sen Rand plat­ziert ist und von ihm weg­schaut.

Re­el­le Bil­der kön­nen von Spie­geln re­flek­tiert wer­den. In La­cans op­ti­schem Mo­dell wird das re­el­le Bild der um­ge­kehr­ten Vase – also i(a) – vom Flach­spie­gel A auf­ge­fan­gen. Be­din­gung für die­se Spie­ge­lung ist, dass der Flach­spie­gel im Ko­nus x-x′ und y-y′ plat­ziert ist.

Der Be­ob­ach­ter (das Auge) sieht im Flach­spie­gel das, was in der Ab­bil­dung rechts von die­sem Spie­gel ein­ge­zeich­net ist: eine auf­recht ste­hen­de Vase, die auf ei­nem Kas­ten steht und Blu­men ent­hält. Die im Spie­gel er­blick­te Vase trägt die Be­zeich­nung i′(a), der im Spie­gel ge­se­he­ne Blu­men­strauß die Be­zeich­nung a′; der hoch­ge­stell­te Strich steht für die Vir­tua­li­tät die­ser En­ti­tä­ten, also da­für, dass es sich um Spie­gel­bil­der han­delt.

Rechts vom Flach­spie­gel gibt es den Punkt S,I. Er steht für den vir­tu­el­len Be­trach­ter, d.h. für den Punkt hin­ter dem Spie­gel, von dem aus sich das Ob­jekt – die Vase mit den Blu­men – so dar­stel­len wür­de, wie es im Spie­gel er­scheint (ab­ge­se­hen von der Spie­gel­ver­kehrt­heit). An­ge­nom­men, in ei­nem Flach­spie­gel wird ein Ball ge­spie­gelt, der halb weiß, halb schwarz ist und der so ge­dreht ist, dass er im Spie­gel­bild als voll­stän­dig weiß er­scheint. Der rea­le Be­trach­ter, der di­rekt auf den Ball schaut, sieht ein teils wei­ßes, teils schwar­zes Ob­jekt, schaut er in den Spie­gel, sieht er ein rein wei­ßes Ob­jekt. An­ge­nom­men, der Spie­gel ist eine Ein­weg­schei­be, dann gibt es im rea­len Raum hin­ter dem Spie­gel eine Li­nie, von der aus ein rea­ler Be­trach­ter durch den Spie­gel hin­durch den rea­len Ball als voll­stän­dig wei­ßes Ob­jekt wahr­neh­men wür­de, je nach Ent­fer­nung in un­ter­schied­li­cher Grö­ße. Auf die­ser Li­nie gibt es ei­nen Punkt, von dem aus er den Ball in der­sel­ben Grö­ße sieht, wie der Be­trach­ter auf der an­de­ren Sei­te des Spie­gels. Die­ser Punkt ist der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters.

Der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters kann, von der Po­si­ti­on des rea­len Be­ob­ach­ters aus ge­se­hen, durch den Spie­gel ver­deckt sein oder au­ßer­halb des Spie­gels lie­gen. Im Mo­dell der um­ge­kehr­ten Blu­men­va­se liegt der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters für den rea­len Be­trach­ter au­ßer­halb des Spie­gels. Hier­für steht die ge­stri­chel­te ho­ri­zon­ta­le Li­nie zwi­schen $ und S: wenn der rea­le Be­ob­ach­ter (das Auge, $) sich ober­halb die­ser Li­nie po­si­tio­niert, liegt der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters (S, I ) au­ßer­halb des vom rea­len Be­ob­ach­ter ge­se­he­nen Spie­gels.

Da­mit der Be­ob­ach­ter die Il­lu­si­on der um­ge­kehr­ten Blu­men­va­se im Flach­spie­gel wahr­neh­men kann, muss der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters in dem Ko­nus lie­gen, in dem die Il­lu­si­on sicht­bar ist (Li­ni­en x-x′ und y-y′). Der rea­le Be­ob­ach­ter muss sich je­doch nicht in die­sem Be­reich auf­hal­ten, er kann die Il­lu­si­on, mit­hil­fe des Flach­spie­gels, ge­wis­ser­ma­ßen von der Sei­te aus ein­se­hen.

Die Nei­gung des Plan­spie­gels ist ver­stell­bar. Wenn sich die Nei­gung ver­schiebt, ver­än­dert sich da­mit der Punkt des vir­tu­el­len Be­ob­ach­ters.

Das, was der Be­ob­ach­ter im Spie­gel sieht – ob sich die Il­lu­si­on der um­ge­kehr­ten Vase für ihn her­stellt oder nicht –, hängt also von zwei ver­än­der­li­chen Grö­ßen ab: von der Nei­gung des Spie­gels und von sei­ner ei­ge­nen Po­si­ti­on ge­gen­über dem Spie­gel.

Die Entsprechungen

Das Sche­ma kann auf un­ter­schied­li­che Wei­se ge­le­sen wer­den: als Mo­dell für die Struk­tur des psy­chi­schen Ap­pa­rats, als Mo­dell für die Ent­wick­lung des Sub­jekts und schließ­lich als Mo­dell für die psy­cho­ana­ly­ti­sche Be­hand­lung, für die „Kur“, wie die La­ca­nia­ner sa­gen. Die­se Mehr­deu­tig­keit ist be­ab­sich­tigt, das Sche­ma soll es er­mög­li­chen, zwi­schen die­sen drei Sicht­wei­sen Ver­bin­dun­gen her­zu­stel­len.

Das Auge steht für das „aus­ge­sperr­te Sub­jekt“ (su­jet bar­ré), dar­ge­stellt durch ein aus­ge­stri­che­nes S (S bar­ré), ein S mit ei­nem Schräg­strich, also durch das Zei­chen $. (Das Auge steht also auf kei­nen Fall für das Se­hen.) Das aus­ge­sperr­te Sub­jekt ist nicht das In­di­vi­du­um, nicht die Per­son, nicht der Mensch, son­dern die­je­ni­ge Form der Sub­jek­ti­vi­tät, auf de­ren Re­kon­struk­ti­on und An­nah­me eine Psy­cho­ana­ly­se ab­zielt. Das Sub­jekt ist von ei­nem kon­sti­tu­ie­ren­den Teil von sich aus­ge­perrt, vom Un­be­wuss­ten, und da­durch ist es ge­spal­ten – wäh­rend es spricht, sagt es nicht nur das, was es sa­gen will; es spricht zu­gleich, in sei­nen Sym­pto­men, Ver­spre­chern, Träu­men, Ver­hal­tens­mus­tern usw., auf ei­ner zwei­ten Ebe­ne und gibt da­bei Äu­ße­run­gen von sich, de­ren Sinn es nicht ver­steht.

So wie das be­wuss­te Spre­chen sich im­mer an ei­nen Adres­sa­ten als Sprecher/Hörer wen­det, be­zieht sich auch das un­be­wuss­te Spre­chen, La­can zu­fol­ge, auf ei­nen An­de­ren. Das Sub­jekt des Un­be­wuss­ten ist eine Fra­ge; mit der Fra­ge re­agiert das Sub­jekt auf die rät­sel­haf­ten Auf­trä­ge und Ver­bo­te des An­de­ren.

Der Kas­ten re­prä­sen­tiert den Kör­per.

Und die um­ge­kehr­te rea­le Vase, die mit der Öff­nung nach un­ten zeigt? Dazu äu­ßerst La­can sich nicht, man kann es aber er­schlie­ßen. Die um­ge­kehr­te Po­si­ti­on der rea­len Vase ist das, was im Spie­gel nicht er­scheint, also das, was we­der im Sym­bo­li­schen re­prä­sen­tiert wird (im Spie­gel, A) noch im Ima­gi­nä­ren (als Bild des an­de­ren, i‘(a]. Also ist die rea­le Vase, in­so­fern sie mit der Öff­nung nach un­ten zeigt, das Rea­le. Das Rea­le ist das, was der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­steht und was auch ima­gi­när nicht re­prä­sen­tiert wer­den kann.6

Das re­el­le Bild der Vase wür­de, wenn es ein­ge­zeich­net wäre, die Be­zeich­nung i(a) tra­gen (vgl. Ab­bil­dung 3). Die Klein­schrei­bung ver­weist dar­auf, dass die­se For­ma­ti­on zum Ima­gi­nä­ren ge­hört. Die Ab­kür­zung i(a) steht im op­ti­schen Mo­dell für das Ide­al-Ich (moi idéal). Die Zei­chen­fol­ge i(a) ver­weist auf image de l′autre, Bild des an­de­ren, und da­mit auf die Ent­ste­hung des Ide­al-Ichs durch die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Bild des Mit­men­schen, das uns un­ser ei­ge­nes Bild als Ge­stalt, als Ganz­heit, prä­sen­tiert; die­se Iden­ti­fi­zie­rung geht zu­rück auf der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ei­ge­nen Spie­gel­bild als der ar­chai­schen Form des Ide­al-Ichs. La­can re­kon­stru­iert hier Freuds Be­haup­tung, das Ich sei die Pro­jek­ti­on ei­ner Ober­flä­che7: das Ide­al-Ich, die Grund­la­ge des Ichs, ent­steht durch die Pro­jek­ti­on der Ober­flä­che ei­nes Kör­pers, so wie das re­el­le Bild der Vase durch die Pro­jek­ti­on der Ober­flä­che der Vase mit­hil­fe ei­nes Hohl­spie­gels er­zeugt wird.

Das re­el­le Bild der Vase ist um­ge­kehrt. In der ima­gi­nä­ren Re­prä­sen­ta­ti­on wird das Rea­le ver­kannt.

Der Hohl­spie­gel steht für eine Funk­ti­on des Cor­tex, also der Groß­hirn­rin­de. Sie ist, so ver­mu­tet La­can, der Sitz der Funk­ti­on, Wahr­neh­mungs­rei­ze zu Bil­dern der Ganz­heit zu or­ga­ni­sie­ren und sie af­fek­tiv zu be­set­zen.8

Der Blu­men­strauß steht für Ob­jek­te, Be­gier­den, Trie­be und Stre­bun­gen: für das Rea­le.9 Der Blu­men­strauß hat das Sym­bol a, und die Be­deu­tung die­ses Sym­bols ist in den Jah­ren, in de­nen das op­ti­sche Mo­dell ent­wi­ckelt wird, in Ent­wick­lung be­grif­fen. In Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, ist das Ob­jekt des Be­geh­rens das Ob­jekt im Phan­tas­ma; es bil­det ei­nen Er­satz für das, des­sen das Sub­jekt durch sei­nen Be­zug zur Spra­che be­raubt ist10; zu die­sem Zeit­punkt gibt es für La­can drei Ar­ten von Ob­jek­ten des Be­geh­rens: die prä­ge­ni­ta­len Ob­jek­te, den Phal­lus und den Wahn11. 1961, zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung des Laga­che-Vor­trags, ist das Ob­jekt des Be­geh­rens das Par­tial­ob­jekt.12

Das Ide­al-Ich (i(a] wird durch eine Vase re­prä­sen­tiert, ei­nen Be­häl­ter, das Ob­jekt (a) durch ei­nen Blu­men­strauß. Da­mit soll viel­leicht an­ge­deu­tet wer­den, dass die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Ich und den rea­len Ob­jek­ten auf dem Sche­ma von In­nen und Au­ßen be­ruht.

Das (nicht ein­ge­zeich­ne­te) re­el­le Bild der Vase um­fasst den rea­len Blu­men­strauß. Das Ide­al-Ich (das letzt­lich auf das Spie­gel­bild zu­rück­geht) bil­det den Rah­men, in­ner­halb des­sen die Ob­jek­te wahr­ge­nom­men und an­ge­gan­gen wer­den. Die äu­ße­ren rea­len Ob­jek­te wer­den von den in­ne­ren ima­gi­nä­ren Bil­dern über­la­gert und erst hier­durch ge­win­nen sie für das be­geh­ren­de In­di­vi­du­um ihre ag­gres­si­ve oder se­xu­el­le At­trak­ti­vi­tät. Wenn das rea­le Ob­jekt – ein be­stimm­tes In­di­vi­du­um – das in­ne­re Bild sät­tigt, er­füllt, ent­steht die Ver­liebt­heit. Wenn das Ob­jekt als der­je­ni­ge er­scheint, der das Sub­jekt um sein ei­ge­nes Bild be­trügt, ent­steht der Hass. Das gilt eben­so für die Par­tial­ob­jek­te, die rea­le Brust bei­spiels­wei­se wird mit dem Bild der Brust ver­mischt und hier­durch zu ei­nem ero­ti­schen oder ag­gres­si­ven Ob­jekt.

Das vom Hohl­spie­gel er­zeug­te re­el­le Bild ist für den Be­ob­ach­ter durch den Blu­men­strauß ver­deckt, das re­el­le Bild der Vase ist nicht ein­ge­zeich­net. Die Vase steht für das Ide­al-Ich, das dem Sub­jekt nicht zu­gäng­lich ist, es be­steht aus den „Ver­haf­tun­gen an ima­gi­nä­re Fi­xie­run­gen, die der sym­bo­li­schen Ent­wick­lung sei­ner Ge­schich­te nicht an­ver­wan­delt wer­den konn­ten – das be­deu­tet, daß das trau­ma­tisch war„13.

Der Plan­spie­gel ver­tritt den sym­bo­li­schen An­de­ren oder „groß An­de­ren“, den mit ei­nem gro­ßen A ge­schrie­be­nen An­de­ren (A). Der An­de­re ist der Adres­sat des spre­chen­den Sub­jekts in ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on, näm­lich als Ort, an dem das Sub­jekt auf das be­reits exis­tie­ren­de Sprach­sys­tem und auf die dar­auf ge­grün­de­te sym­bo­li­sche Ord­nung trifft. Die­ses Sys­tem wird in je­dem Spre­chen ins Spiel ge­bracht und die Be­deu­tungs­ef­fek­te die­ses Sys­tems kön­nen von der In­ten­ti­on des Spre­chers oder des Adres­sa­ten nicht kon­trol­liert wer­den.

In der the­ra­peu­ti­schen Deu­tung des Sche­mas steht Plan­spie­gel vor al­lem für den Ana­ly­ti­ker in sei­ner Funk­ti­on, für den Pa­ti­en­ten „der An­de­re als Ort des Spre­chens“ zu sein, d.h. der­je­ni­ge, an den er sich in sei­nem Spre­chen wen­det – der Zu­hö­rer – und der ge­le­gent­lich ant­wor­tet.

Der Plan­spie­gel re­prä­sen­tiert im op­ti­schen Mo­dell also kei­nes­wegs das Ima­gi­nä­re, wie La­cans Kon­zep­ti­on des Spie­gel­sta­di­ums es na­he­le­gen könn­te, ge­nau­so we­nig wie das Auge für das Se­hen steht.

Die Po­si­ti­on des Au­ges im Ver­hält­nis zum Plan­spie­gel steht für die Po­si­ti­on des spre­chen­den Sub­jekts im Ver­hält­nis zum An­de­ren, da­für, wel­chen Platz das spre­chen­de Sub­jekt im Ver­hält­nis zur sym­bo­li­schen Ord­nung ein­nimmt und da­mit für das Ver­hält­nis des Spre­chens zum be­reits exis­tie­ren­den Sprach­sys­tem.

Un­ter dem Sub­jekt (dem Auge) kann man sich eine Sub­jek­ti­vi­tät vor­stel­len, die dar­in be­steht, be­stimm­te For­de­run­gen vom An­de­ren zu emp­fan­gen und selbst be­stimm­te For­de­run­gen zu ar­ti­ku­lie­ren, die hier aber nur in­so­fern von In­ter­es­se ist, als durch die For­de­run­gen be­stimm­te Be­gier­den ab­ge­spal­ten wer­den, eben sol­che, die nicht be­an­sprucht wer­den kön­nen.

In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se rich­tet der Pa­ti­ent an den Ana­ly­ti­ker den An­spruch, ge­sund zu wer­den oder auch Wis­sen zu er­wer­ben; durch sol­che An­sprü­che wird der Ana­ly­ti­ker in die Po­si­ti­on des An­de­ren ge­bracht, d.h. er wird für den Pa­ti­en­ten zum Sitz sprach­li­cher und kul­tu­rel­ler Codes, etwa der Vor­stel­lun­gen dar­über, wie zu spre­chen ist oder was nor­mal und was pa­tho­lo­gisch oder wel­che Mei­nung als Wis­sen zu gel­ten hat. Der Pa­ti­ent (vor­aus­ge­setzt, er ist kein Psy­cho­ti­ke­Fr) rich­tet an den Ana­ly­ti­ker au­ßer­dem sei­nen Lie­bes­an­spruch, bei­spiels­wei­se in Ge­stalt der For­de­rung, je­der­zeit er­reich­bar zu sein; als Adres­sat des Lie­bes­an­spruchs ist der Ana­ly­ti­ker das Ob­jekt der Über­tra­gung.

Die Nei­gung des Spie­gels wird von der Stim­me des an­de­ren kom­man­diert.14 Da­mit ist hier nicht die Stim­me als Par­tial­ob­jekt ge­meint, die­ses Kon­zept wird von La­can erst spä­ter ent­wi­ckelt, in Se­mi­nar 10 von 1962/63, Die Angst. Ich ver­mu­te, dass La­can sich hier auf das Spre­chen des An­de­ren be­zieht, auf die Art bei­spiels­wei­se zu ant­wor­ten oder Fra­gen zu stel­len. Der Ana­ly­ti­ker hat die Auf­ga­be, sich den An­sprü­chen des Pa­ti­en­ten zu ent­zie­hen, er soll ein Spie­gel ohne Ober­flä­che sein, in dem sich nichts re­flek­tiert, und dies wird im Sche­ma durch den Wech­sel in der Nei­gung des Spie­gels re­prä­sen­tiert.

Wenn der Spie­gel sich auch nur ein we­nig neigt, kommt es nicht zur Il­lu­si­on der um­ge­kehr­ten Vase, wird also bei­spiels­wei­se der rea­le an­de­re nicht zu ei­nem se­xu­ell at­trak­ti­ven Ob­jekt.

Die Ver­än­de­rung der Nei­gung des Spie­gels durch die „Stim­me“ führt dazu, dass un­ter­schied­li­che Ob­jek­te in ihm sicht­bar wer­den. Dies steht da­für, dass im Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur die un­ter­schied­li­chen Ent­wick­lungs­pha­sen der Li­bi­do ins Spiel kom­men und da­mit de­ren Ob­jek­te: das Be­geh­ren kann in Form po­ly­morph-per­ver­ser Par­ti­al­trie­be er­schei­nen, die sich auf die so­ge­nann­ten Par­tial­ob­jek­te rich­ten, so­wie in sei­nem Ver­hält­nis zum Phal­lus.

Das (rechts ein­ge­zeich­ne­te) Bild, das für den Be­ob­ach­ter im Plan­spie­gel sicht­bar ist – für das Sub­jekt durch die Ver­mitt­lung der Spra­che –, be­steht aus ei­ner Kom­bi­na­ti­on von zwei vir­tu­el­len Bil­dern, von zwei Spie­gel­bil­dern. Das Bild setzt sich zu­sam­men aus a′ als dem vir­tu­el­len Bild des rea­len Ob­jekts, also dem Spie­gelbild des rea­len Blu­men­strau­ßes, und aus i′(a) als dem vir­tu­el­len Bild­des Ide­al-Ichs, also aus dem Spie­gelbild des re­el­len Bil­des der Vase.

Der Strich nach dem a bzw. dem i, wo­durch die­se zu a′ bzw. i′ wer­den, ver­weist auf den vir­tu­el­len Cha­rak­ter die­ser Grö­ßen, an­ders ge­sagt dar­auf, dass es sich um Spie­gel­bil­der han­delt, also um Grö­ßen, die durch den An­de­ren, durch das Sprach­sys­tem ver­mit­telt sind. Mit dem „vir­tu­el­len Bild“ ist hier die Ver­ba­li­sie­rung ge­meint. In ei­ner Ana­ly­se geht es u.a. dar­um, dass das Sub­jekt ei­nen Zu­gang zu den trau­ma­ti­schen ima­gi­nä­ren Fi­xie­run­gen ge­winnt (zu i(a] und zu den da­durch ge­präg­ten Ob­jekt­be­zie­hun­gen (zu a). Die­ser Zu­gang wird durch das Spre­chen er­mög­licht, und die­ses Spre­chen voll­zieht sich durch die Ver­mitt­lung des Ana­ly­ti­kers, der hier in der Po­si­ti­on des An­de­ren ist (des Spie­gels). „Durch die ge­spro­che­ne Auf­nah­me sei­ner Ge­schich­te be­gibt sich das Sub­jekt auf den Weg der Rea­li­sie­rung sei­nes ver­stüm­mel­ten Ima­gi­nä­ren“15, wo­bei „es sei­ne Ge­schich­te in der ers­ten Per­son ein­be­kennt“16.

Das Sym­bo­li­sche (der Plan­spie­gel) steht in Be­zie­hung zum Ima­gi­nä­ren (zum Blu­men­strauß und zum Bild des Blu­men­strau­ßes in der Vase) und zum Rea­len (zur rea­len Vase, die mit der Öff­nung nach un­ten zeigt) – das op­ti­sche Mo­dell ist ein frü­her Ver­such, die Be­zie­hung zwi­schen dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len durch eine To­pik dar­zu­stel­len.17

Die Buch­sta­ben S und I (oben rechts) be­zie­hen sich auf den­sel­ben Punkt. Sie ste­hen für das Bild des Be­ob­ach­ters im Plan­spie­gel, also da­für, wie das Sub­jekt für sich selbst im An­de­ren, in der Spra­che er­scheint.

Der Buch­sta­be S re­prä­sen­tiert das vir­tu­el­le Sub­jekt, also das Sub­jekt, so wie es im Spie­gel des An­de­ren er­scheint, im Spie­gel der Spra­che. Das I steht für das Ichi­de­al; die Groß­schrei­bung ver­weist dar­auf, dass es zum Sym­bo­li­schen ge­hört.  Zur Be­grün­dung die­ser Zu­ord­nung von S und I vgl. die­sen Blog­ein­trag. Die Ne­ben­ein­an­der­stel­lung be­sagt: Das Sub­jekt ist als Trä­ger des Ichi­de­als kon­sti­tu­iert.

S steht für das Sub­jekt, so­weit es in der Spra­che er­scheint. Das Sub­jekt ist für La­can kei­nes­wegs mit sei­nen sprach­li­chen Ma­ni­fes­ta­tio­nen iden­tisch. In der Spra­che hat das Sub­jekt ei­nen Zu­gang nur zu sei­nen An­sprü­chen (sei­nen For­de­run­gen), nicht di­rekt zu sei­nem Be­geh­ren. Der Zu­gang zum Sub­jekt über die Spra­che ist also pro­ble­ma­tisch, aber es ist der Weg, auf dem die Psy­cho­ana­ly­se be­ruht.

Das Ichi­de­al ist der Punkt, von dem aus das Sub­jekt spricht. Das Ichi­de­al ent­steht da­durch, dass das Sub­jekt Va­ter oder Mut­ter be­gehrt und dass die­ses Be­geh­ren, als An­spruch ar­ti­ku­liert, zu­rück­ge­wie­sen wird. Das Sub­jekt ver­ar­bei­tet die Zu­rück­wei­sung durch Iden­ti­fi­zie­rung: da­durch, dass es vom Ob­jekt des Be­geh­rens ei­nen Si­gni­fi­kan­ten über­nimmt, den es an sei­ne Stel­le setzt: das Ichi­de­al. Das Ichi­de­al sagt ihm, was es heißt, ein Mann oder eine Frau zu sein.

Die Ver­wand­lung des An­de­ren in ei­nen Si­gni­fi­kan­ten be­steht dar­in, dass das Sub­jekt von ihm In­si­gni­en sei­ner All­macht über­nimmt, dass es ei­nen „ein­zi­gen Zug“ von ihm ko­piert.18 „Wie er räus­pert und wie er spuckt, das habt ihr ihm glück­lich ab­ge­guckt“, heißt es bei Schil­ler in Wal­len­steins La­ger. Das Ichi­de­al be­ruht auf ei­ner Il­lu­si­on, es geht da­mit ein­her, dass ver­kannt wird, dass der An­de­re kei­nes­wegs all­mäch­tig ist, son­dern selbst ein „ver­sperr­tes Sub­jekt“, ein Sub­jekt, das der Ver­drän­gung und der Wie­der­kehr des Ver­dräng­ten un­ter­liegt, das also et­was „sagt“ – in Sym­pto­men, Fehl­hand­lun­gen, Ticks usw. –, wo­von er nichts weiß.

S und I be­zie­hen sich auf den sel­ben Punkt. Das Ichi­de­al ist eine Me­ta­pher, eine Er­set­zung. Es er­setzt den Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts. Man könn­te die­sen Punkt auch so be­zeich­nen: I/S, wo­bei der Quer­strich als eine Art Bruch­strich zu le­sen wäre: I über S. Vgl. hier­zu den Blog­ar­ti­kel Die For­mel der Me­ta­pher.

Der Punkt S,I liegt in­ner­halb des durch die Li­ni­en x-x′ und y-y′ an­ge­zeig­ten Ke­gels. D. h. das in der Spra­che er­schei­nen­de Sub­jekt ist an dem Ort, von dem aus sich für es – ver­mit­telt durch die Spra­che (den Flach­spie­gel) – die Il­lu­si­on her­stellt: die Über­la­ge­rung des rea­len Ob­jekts (a′) mit dem ima­gi­nä­ren Bild (i′(a], also bei­spiels­wei­se die ag­gres­si­ve Fas­zi­na­ti­on durch ei­nen Ri­va­len.

Die Poin­te des Mo­dells be­steht dar­in, dass die Be­zie­hung zwi­schen dem Ide­al-Ich und dem Ob­jekt des Be­geh­rens durch die Po­si­ti­on des Ichi­de­als re­gu­liert wird; die ima­gi­nä­re Iden­ti­fi­zie­rung (und da­mit die Ob­jekt­be­zie­hung) wird von der sym­bo­li­schen Iden­ti­fi­zie­rung aus be­stimmt. Der Zu­gang zum Ichi­de­al wie­der­um wird durch durch das Sprach­sys­tem re­gu­liert, also durch A, also bei­spiels­wei­se durch das er­wor­be­ne Vo­ka­bu­lar, so­wie durch die Po­si­ti­on des Sub­jekts.

Wenn der Be­ob­ach­ter sich selbst im Spie­gel wahr­neh­men will – wenn das Sub­jekt durch das Spre­chen ei­nen Zu­gang zu sei­nen sym­bo­li­schen Iden­ti­fi­zie­run­gen fin­den will, um die Ab­hän­gig­keit von der ver­in­ner­lich­ten Au­to­ri­tät zu ver­rin­gern, plump ge­sagt, um her­aus­zu­fin­den, was es selbst ei­gent­lich will –, dann muss er sei­ne Po­si­ti­on ver­än­dern oder der Plan­spie­gel muss ge­dreht wer­den. Eben das ge­schieht in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se.

Das Ziel der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur be­steht dar­in, dass das Sub­jekt die Ein­wir­kung des Ichi­de­als auf das Sub­jekt re­kon­stru­iert; hier­zu ist es not­wen­dig, dass es das Ichi­de­al (das der Über­tra­gung zu­grun­de liegt) als das sei­ne an­nimmt, es in sein Spre­chen auf­nimmt, also ge­wis­ser­ma­ßen auf die Sei­te des I hin­über­wan­dert. Von die­ser Po­si­ti­on aus kann der Be­ob­ach­ter, wenn der Spie­gel ge­dreht wird, se­hen, dass die Vase nur ein Re­flex ei­nes rea­len Bil­des ist; von die­ser Po­si­ti­on aus hat das Sub­jekt ei­nen Zu­gang dazu, dass die Ein­heit­lich­keit des Ichs ein Trug­bild ist und dass es die Be­zie­hun­gen zu den Ob­jek­ten von die­sem Trug­bild aus or­ga­ni­siert. Die­se Po­si­ti­on kann es nur in dem Maße ein­neh­men, wie der Ana­ly­ti­ker auf­hört, für ihn der die Wahr­heit ga­ran­tie­ren­de An­de­re zu sein (wenn sich der Plan­spie­gel dreht), in­dem es ak­zep­tiert, dass der An­de­re selbst ein „ver­sperr­tes Sub­jekt“ ist (vgl. Ab­bil­dung 3).

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Anmerkungen

  1. Dia­gramm aus: J. La­can: An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Laga­che „Psy­cho­ana­ly­se und Struk­tur der Per­sön­lich­keit“. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 146–191, her: S. 179.
  2. La­cans Kon­zep­ti­on des op­ti­schen Sche­mas ent­wi­ckelt sich in drei Pha­sen. Die ers­te Pha­se be­ginnt mit Se­mi­nar 1, in dem das Sche­ma ein­ge­führt wird:
    Se­mi­nar 1, 1953/54, S. 102–107, 115 f., 119, 136, 160–164, 176–194, 200 f., 205 f., 211 f., 232–240, 246–249, 253 f., 354–357.
    Die­ses Se­mi­nar wur­de 1975 ver­öf­fent­licht, also nach dem Laga­che-Auf­satz. Wie weit die Zeich­nun­gen in die­ser Edi­ti­on des Se­mi­nars den Ori­gi­nal­zeich­nun­gen an der Ta­fel ent­spre­chen, ist schwer zu sa­gen.
    Ohne grö­ße­re Än­de­run­gen vor­zu­neh­men, kommt La­can an fol­gen­den Stel­len auf das op­ti­sche Mo­dell zu­rück:
    Se­mi­nar 2, 1954/55, S. 142;
    Se­mi­nar 5, 1957/58, S. 146;
    Se­mi­nar 6, 1958/59, 12.11.1958, 7.1.1959, 11.2.1959; 18.3.1959.
    Die zwei­te Pha­se in der Ent­wick­lung des Mo­dells be­ginnt mit dem Laga­che-Vor­trag, in dem es zum ers­ten Mal öf­fent­lich vor­ge­stellt wird. Der Vor­trag wur­de 1958 ge­hal­ten, die End­re­dak­ti­on des Tex­tes er­folg­te 1960, die Ver­öf­fent­li­chung lag im Jahr 1961. Die­se Ver­si­on des Sche­mas wird kom­men­tiert in
    Se­mi­nar 8, 1960/61, S. 290 f., 422–24, 428–34, 454–457.
    Die drit­te Pha­se ist der Kom­men­tar in
    Se­mi­nar 10, 1962/63, S. 54 f., 63–65, 120 f., 131 f., 148–151, 172. Das Sche­ma wird hier mit dem Kon­zept des Ob­jekts a und der ima­gi­nä­ren Kas­tra­ti­on ver­bun­den.
    – Vgl. auch Se­mi­nar 11, 1964, S. 151; Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 25. Mai 1966
    Die Sei­ten­an­ga­ben zu den Se­mi­na­ren be­zie­hen sich auf die Über­set­zun­gen der Mil­ler-Edi­ti­on, bei Se­mi­nar 6 auf die Mil­ler-Aus­ga­be.
  3. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962.
  4. Der sphä­ri­sche Spie­gel wird im Sche­ma als Teil ei­nes Ovals dar­ge­stellt, statt, wie es rich­tig wäre, als Kreis­ab­schnitt.
  5. In der Ab­bil­dung wird das S von ei­nem Schräg­strich durch­ge­stri­chen, nicht wie hier im Text aus tech­ni­schen Grün­den von ei­nem senk­rech­ten Strich.
  6. Vgl. Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 80; Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225. Vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel.
  7. Vgl. S. Freud: Das Ich und das Es (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 2000, S. 294.
  8. Vgl. Se­mi­nar 1, S. 106, und La­can: Some re­flec­tions on the Ego. In: In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis, 34. Jg. (1953), S. 11–17, hier: 13.
  9. Vgl. Se­mi­nar 1, S. 105 f.
  10. vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 366.
  11. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 452 f.
  12. Vgl. Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 290.
  13. Se­mi­nar 1, S. 355 f.
  14. Se­mi­nar 1, S. 181.
  15. Se­mi­nar 1, S. 356
  16. Se­mi­nar 1, S. 356
  17. Vgl. Se­bas­ti­an Lei­kert: La­can und die Ober­flä­che. Zu ei­nem Spie­gel­sta­di­um ohne Spie­gel. In: Clau­dia Blüm­le, Anne von der Hei­den (Hg.): Blick­zäh­mung und Au­gent­äu­schung. Zu Jac­ques La­cans Bild­theo­rie. Dia­pha­nes, Zü­rich 2005, S. 91–102, hier: S. 99.
  18. Vgl. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 2000, S. 100.

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