Franz Kaltenbeck: Wiedergeburt zum Schlimmeren. David Foster Wallaces vergebliche Versuche, dem Existenzschmerz zu entkommen

Beckett, Warten auf GodotDa­vid Fos­ter Wal­lace konn­te den Schmerz, der ihn um­brin­gen soll­te, kli­nisch be­schrei­ben. Das, was La­can „Sin­t­home“ nennt, die Ver­knüp­fung künst­le­ri­scher Schöp­fung mit ei­ner das Sub­jekt vor dem psy­cho­ti­schen Ab­grund ret­ten­den Struk­tur, ist ihm zu­min­dest in sei­nem letz­ten Ro­man, Der blei­che Kö­nig, nicht ge­lun­gen. Was hat­te sich die­sem mäch­ti­gen Schrift­stel­ler in den Weg ge­stellt?

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Franz Kaltenbeck: Die gesellschaftliche Verleugnung des Realen

Beckett, Warten auf Godot Das Rea­le der Ge­sell­schaft äu­ßert sich un­ter an­de­rem dann, wenn eine Ge­sell­schaft für die Ge­fah­ren, die ihre das Le­ben er­hal­ten­den Funk­tio­nen be­dro­hen, blind wird und die Men­schen ihre Pa­nik durch ein­stim­mi­ge Mas­sen­be­we­gun­gen aus­zu­schal­ten ver­su­chen. Zum Bei­spiel fürch­tet die Mehr­heit der Fran­zo­sen die Im­mi­gra­ti­on der sy­ri­schen Kriegs­flücht­lin­ge in ihr Land viel mehr als die im­mer rea­lis­ti­scher wer­den­de Pro­gno­se, dass nach den nächs­ten Wah­len der Front Na­tio­nal an die Macht kom­men könn­te. Ist der Be­griff der Ver­leug­nung ge­eig­net, um ei­nen sol­chen Vor­gang zu er­fas­sen? Oder be­nö­tigt man an­de­re Be­grif­fe, etwa den des Akts? Oder den der Aus­lö­schung des Wis­sens?

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Franz Kaltenbeck: Verstoßene Kinder

Beckett, Warten auf Godot Franz Kal­ten­beck un­ter­sucht die Funk­ti­on des ver­sto­ße­nen Kin­des in Be­cketts End­spiel und in Shake­speares Win­ter­mär­chen und be­zieht sie auf ei­nen Fall von Kinds­mord.

Foto: Sa­mu­el Be­ckett: War­ten auf Go­dot. St. Lou­is Ac­tors Stu­dio 2013, Re­gie: Bob­by Mil­ler. Mit Ter­ry Med­dows (Es­tra­gon), Hay­den Ben­be­nek (Jun­ge) und Gary Way­ne (Vla­di­mir).

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Franz Kaltenbeck: Die Gewalt der Melancholie nach David Foster Wallace oder Die Grenzen der Verschlüsselung

Das Reale 149 x 149 pxIn dem Ro­man Un­end­li­cher Spaß schil­dert Da­vid Fos­ter Wal­lace eine Form der De­pres­si­on, an der er selbst ge­lit­ten hat; Franz Kal­ten­beck nennt sie „psy­cho­ti­sche Me­lan­cho­lie“. Hier­bei geht es um die Er­fah­rung des Rea­len: die Schmer­zen sind un­er­träg­lich und sie kön­nen nicht kom­mu­ni­ziert wer­den. Über sei­nen un­voll­ende­ten Ro­man Der blei­che Kö­nig sagt Wal­lace, er habe die Struk­tur ei­nes Tor­na­dos. Kal­ten­beck zu­fol­ge ver­kno­tet sich hier die Struk­tur des Werks mit dem Sym­ptom des Au­tors. Da­durch ent­steht ein „Sin­t­hom“ im Sin­ne von La­can, al­ler­dings ei­nes, bei dem das Schrei­ben kei­ne hei­len­de Kraft hat.

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Franz Kaltenbeck: Geschlecht und Symptom

Franz-Kaltenbeck 149 x 149 pxFranz Kal­ten­beck sieht die Ge­fahr, dass das Gen­der-Kon­zept die von La­can ent­wi­ckel­te Lo­gik der Se­xu­ie­rung ver­drängt und das heißt vor al­lem: die Ab­grün­de die­ses Pro­zes­ses. Das Sub­jekt schreibt sich das Ge­schlecht meist selbst zu; die Wahl des Ge­schlechts geht kaum je­mals ohne Sym­ptom­bil­dung von­stat­ten. Ur­sa­che der Sym­pto­me ist nicht die Se­xua­li­tät, son­dern de­ren fal­sche Ver­knüp­fung mit den von La­can her­aus­ge­ar­bei­te­ten Be­zugs­grö­ßen: dem An­de­ren, der Spra­che, der Wahr­heit, dem Wis­sen und dem Ge­nie­ßen.
Der Au­tor er­läu­tert eine sol­che Ver­knüp­fung am Bei­spiel von Kaf­ka. Die­ser ver­dank­te es der Lie­be zu ei­ner Frau, dass er das Fan­tas­ma über­schrei­ten und auf sub­li­me Wei­se vom Trieb spre­chen konn­te, von ei­nem mys­ti­schen Ge­nie­ßen. Eine Frau kam für ihn an den Platz der Wahr­heit.

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