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Das Begehren des Analytikers — 4 Kommentare

  1. Das „Ver­le­gen von Flie­sen“ und das „Ab­fas­sen ei­ner Steu­er­erklä­rung“ trifft ei­nen we­sent­li­chen Punkt, denn bei­des er­scheint (zu­min­dest mir) ähn­lich lang­wei­lig wie La­cans Ge­dan­ken­gän­ge. So fas­zi­nie­rend wie ich als jun­ger Mensch die Freud-Lek­tü­re fand, so lang­wei­lig fin­de ich als al­ter Ana­ly­ti­ker die La­can-Lek­tü­re. Wor­an das nur lie­gen mag?

    • Ja, wor­an? Gute Frage.
      Wel­che Rol­le könn­te die Iden­ti­fi­zie­rung „ich als al­ter Ana­ly­ti­ker“ spielen?

  2. Hal­lo, du schreibst und schreibst … Ich bin be­ein­druckt. Der Satz „Ich habe das nicht stu­diert“ be­schäf­tigt mich. Was be­deu­tet das in die­sem Zu­sam­men­hang? Das ist ein für mich in­ter­es­san­ter Satz … Wann darf oder kann man et­was zu ei­ner Sa­che sa­gen? Was heisst das: et­was stu­diert ha­ben? Wahr­schein­lich rede ich nicht zur Sa­che – des­halb Tschüss. Und: Al­les Gute fürs neue Jahr. Hannelore

    • Dan­ke Han­ne­lo­re, auch dir al­les Gute für 2014!

      Das habe ich nicht stu­diert“: den Satz mei­ne ich, be­zo­gen auf La­can, ganz aka­de­misch, also phi­lo­lo­gisch & bü­ro­kra­tisch. „La­can stu­die­ren“ ist für mich ein hand­werk­li­ches Vor­ge­hen, mit viel Rou­ti­ne und ei­ni­gen Über­ra­schun­gen, nicht viel an­ders als das Ver­le­gen von Flie­sen oder das Ver­fas­sen ei­ner Steuererklärung. 

      Das Ge­gen­teil, also „Das habe ich stu­diert“, wür­de ich – be­zo­gen auf das The­ma „La­cans Kon­zep­ti­on des Be­geh­rens des Ana­ly­ti­kers“ – sa­gen, wenn ich fol­gen­de Ar­beits­schrit­te ab­sol­viert hätte:
      – La­cans Be­mer­kun­gen zum Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers zu­sam­men­tra­gen, ei­ni­ger­ma­ßen voll­stän­dig, was mit den PDF-Da­tei­en der Se­mi­na­re und der Écrits und der Au­tres écrits leicht mög­lich ist. Ar­beits­auf­wand: ca. 2 Tage, Er­geb­nis: eine Lis­te von Zi­ta­ten auf Französisch.
      – Zu die­ser Zi­tat­lis­te die deut­schen Über­set­zun­gen raus­su­chen, die Über­set­zun­gen über­prü­fen, die nicht ins Deut­sche über­setz­ten Pas­sa­gen selbst schrift­lich über­set­zen (an­ders ver­ste­he ich das Fran­zö­sisch der Écrits nicht). Ca. 2 Tage.
      – La­cans Ide­en zu die­sem The­ma in ei­ge­nen Wor­ten zu­sam­men­fas­sen. Ca. 2 Tage.
      – We­nigs­tens ein kon­kre­tes Bei­spiel für das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers fin­den – viel­leicht hät­te ich dazu so­gar eine Ana­ly­ti­ke­rin oder ei­nen Ana­ly­ti­ker be­fragt. Dauer?
      – Eine ers­te gro­be Idee ent­wi­ckeln, was La­can un­ter dem Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers ver­steht – eine, die sich si­cher­lich im Lauf der Zeit ver­än­dern wür­de. Ent­steht nebenher.
      – Mir ein Ur­teil dar­über bil­den, ob die Deu­tung von Fink bzw. Mil­ler halt­bar ist. Läuft ne­ben­her ab.
      – Ei­nen Ar­ti­kel zum Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers für die­sen Blog schrei­ben, ver­mut­lich ein­ge­schränkt auf be­stimm­te Tex­te, da­mit mich das nicht ewig be­schäf­tigt. Ca. 3 Tage.
      – In letz­ter Se­kun­de die Se­kun­där­li­te­ra­tur in mei­nem Re­gal und auf mei­ner Fest­plat­te zu die­sem The­ma durch­se­hen, vor al­lem Jac­ques-Alain Mil­lers Vor­le­sun­gen; in die­sem be­son­de­ren Fall wohl auch, wel­che wei­te­re Spe­zi­al­li­te­ra­tur es zu die­sem The­ma gibt, mir ei­ni­ges da­von be­sor­gen, es le­sen und mei­nen Ar­ti­kel ent­spre­chend über­ar­bei­ten. Wenn ich das erst dann ma­che, wenn der Ar­ti­kel fast fer­tig ist, ist das ver­blüf­fend we­nig Lese-Auf­wand. Ca. 2 Tage. 

      Ge­schätz­ter Ar­beits­auf­wand: vier­zehn Tage. Es dau­ert länger,
      – wenn die an­fangs er­stell­te Lis­te von Zi­ta­ten sehr um­fang­reich ist (nicht, sa­gen wir, 20 son­dern 50 Zi­ta­te und mehr),
      – wenn ich in Wis­sens­lü­cken fal­le, die ich nicht schnell mal ne­ben­her aus­bes­sern kann,
      – wenn La­cans For­mu­lie­run­gen be­son­ders rät­sel­haft sind und sich häufen.
      Wenn mei­ne Wis­sens­lü­cken zu groß sind, kann ich es mir leis­ten – an­ders als ein Hand­wer­ker (und an­ders als ein Uni­ver­si­täts­mensch, der sei­ne Ver­öf­fent­li­chungs­lis­te ver­län­gern muss) -, das Halb­fer­tig­pro­dukt lie­gen zu las­sen und es erst in ein paar Mo­na­ten oder so­gar Jah­ren fer­tig zu stel­len – oder auch nie.

      Hät­te ich nach die­sen vier­zehn Ta­gen be­grif­fen, was La­can mit „Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers“ meint? Ver­mut­lich nur in Um­ris­sen und mit Irr­tü­mern, aber das wür­de mich nicht stö­ren; im Lauf der Zeit wür­de sich das ver­bes­sern, da ich mich ja wei­ter mit La­can be­fas­se. Mit „Das habe ich stu­diert“ mei­ne ich nicht „das habe ich be­grif­fen“, son­dern „ich habe das nicht aus der Se­kun­där­li­te­ra­tur, son­dern aus der La­can-Lek­tü­re und da­bei ein Pro­gramm ab­ge­ar­bei­tet, das mir eine ers­te Ori­en­tie­rung verschafft“.

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