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Aufrichtigkeit/Unaufrichtigkeit — 4 Kommentare

  1. lie­ber herr nemitz, auf der su­che nach tex­ten von Ih­nen bin ich auf die­sen blog ge­sto­ßen und sehr be­geis­tert! am liebs­ten wür­de ich mich jetzt stun­den­lang in die lek­tü­re der tex­te ver­tie­fen … vie­le grü­ße und – dan­ke! ihre ehe­ma­li­ge kol­le­gin aus mar­burg su­san­ne maurer

  2. Hal­lo Herr Nemitz,
    wie Sie auch bin ich ein La­can-be­geis­te­ter. Ihr an­re­gen­der Blog ist mir eine will­kom­me­ne Hil­fe­stel­lung, um dem kryp­tisch an­mu­ten­de Theo­rie­ge­rüst La­cans nä­her zu kom­men. Ich möch­te je­doch be­to­nen, dass ich kein aus­üben­der Ana­ly­ti­ker bin, viel­mehr ein in­ter­es­sier­ter Laie. Den­noch möch­te ich mich dazu au­to­ri­sie­ren, eine klei­ne Be­mer­kung zu ei­ner Ih­rer In­ter­pre­ta­ti­on zu ma­chen, wel­che ich für kor­rek­tur­be­dürf­tig hal­te. Es han­delt sich um Ihre Deu­tung in dem Es­say zur Auf­rich­tig­keit zu fol­gen­dem Text­aus­schnitt: J. La­can: Dis­cours de Rome. In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 155.
    Ihre Deu­tung des Schlus­ses, zu der Sie be­to­nen, dass es sich mehr um eine Ver­mu­tung han­delt, ist mir plau­si­bel, je­doch an ei­nem, wie ich fin­de, ent­schei­den­den Punkt ge­nau um­ge­kehrt. Um dies zu er­klä­ren möch­te ich eine Ver­an­schau­li­chung an­füh­ren, die mir dazu in den Sinn kam; Dem Schü­ler wird vom Leh­rer eine Ab­lei­tungs­re­gel bei­ge­bracht, um die Stei­ge­rungs­wer­te ei­ner Funk­ti­on zu er­mit­teln. Die­se wen­det der Schü­ler -nach ein we­nig Übung durch­aus er­folg­reich- selbst­ver­ständ­lich auch an (=Rou­ti­ne). Wie und War­um die­se Re­gel funk­tio­niert bleibt ihm je­doch schlei­er­haft (=Ge­heim­nis­se). Statt­des­sen spricht er die­ses Ge­heim­wis­sen dar­über dem Leh­rer zu. Nun könn­te der Schü­ler aber auch bit­ten, dass Ge­heim­nis ent­lüf­tet zu be­kom­men gar Re­chen­schaft (in der Ma­the­ma­tik wohl in Form ei­nes Be­wei­ses) ver­lan­gen. Der Schü­ler wälzt die­se Mög­lich­keit aber von sich ab, ver­här­tend bzw. er­leich­ternd, in­dem bzw. da­durch dass, er nur dem Leh­rer das Ta­lent dazu zuspricht.(Den Be­griff des Ta­len­tes fin­de ich sehr pas­send, da er sehr stark ist. Die Be­grif­fe „Fä­hig­keit“ oder „An­eig­nung“ wä­ren zu schwach, da sie im­pli­zie­ren, dass ich mir die­se Fä­hig­keit auch an­eig­nen kann. Je­der kennt da­ge­gen die Bin­sen­weis­heit, dass Ta­lent nicht er­lern­bar sei, also man hat es oder eben nicht.) Sie mer­ken wo­mög­lich schon, wor­auf ich mit mei­ner „Um­keh­rung“ hin­aus will; Nicht (nur) die Lehr­ana­ly­ti­ker (=Leh­rer) im­mu­ni­sie­ren sich ge­gen eine Kri­tik an ih­rer Tä­tig­keit durch Be­ru­fung auf das Ta­lent, son­dern der „rea­le Mensch“ (=Schü­ler) selbst. So spricht La­can ja auch da­von, dass der „rea­le Mensch“ die Ta­len­te un­ter­bringt ( wie ich an­neh­me, den Lehr­ana­ly­ti­kern zu­spricht). Auch kann ich mir so bes­ser erklären,weshalb La­can von ei­nem rea­len Men­schen spricht, was ja tri­vi­al zu sein scheint (wie soll­te ein MEnsch nicht real sein). Viel­leicht um dar­auf an­zu­spie­len, dass es die Be­sit­zer der Ge­heim­nis­se (=Lehr­ana­ly­ti­ker) gar nicht ge­ben muss. Dar­auf spielt, glau­be ich, La­can auch mit sei­ner ab­schlie­ßen­den Poin­te an. („selbst wenn es auf der Welt kei­ne mehr da­von gäbe, die sie (Die Lehr­ana­ly­ti­ker) sich selbst zu ent­de­cken vor­be­hal­ten“). Ana­log dazu mein Schul­bei­spiel; frag­te der SChü­ler nur ein­mal, wür­de er er­ken­nen, dass es der Leh­rer selbst nicht weiß bzw. wenn er ein Be­weis lie­fern könn­te, nicht mehr län­ger Hü­ter ei­nes Ge­heim­nis­ses wäre.
    Wenn Ih­nen die­ser As­pekt so durch­aus be­wusst war, möch­te ich le­dig­lich be­mer­ken, dass die ihre Aus­füh­rung miss­ver­ständ­lich sein kann. Falls sie mei­ne kri­ti­sche Be­mer­kung für un­schlüs­sig oder tri­vi­al hal­ten, wür­de ich mich freu­en eine Be­grün­dung hier­für zu bekommen. 

    Mit Dank für Ihre Auf­merk­sam­keit ver­blei­be ich mit Bes­ten Grü­ßen, Fe­lix Tax

    • Lie­ber Herr Tax,
      dan­ke für Ih­ren raf­fi­nier­ten Lö­sungs­vor­schlag. Nein, auf die­se Mög­lich­keit war ich nicht ge­kom­men. Sie ge­fällt mir.
      Es grüßt Sie
      Rolf Nemitz

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