Jacques Lacan: Joyce das Symptom I (Übersetzung)

Laszlo Moholy-Nagy - Diagramm zu Finnegans Wake - 1946Laszlo Moholy-Nagy, Diagramm zu Finnegans Wake (1946), von hier

Im Folgenden findet man meine Übersetzung von Lacans Vortrag Joyce le Symptôme I. Es handelt sich um die erste veröffentlichte deutsche Übersetzung.

Einen Kommentar zu Joyce das Symptom I findet man in diesem Blog hier. Die Übersetzung der zweiten Fassung dieses Textes, Joyce das Symptom II, steht hier.

Vorbemerkung zur Übersetzung

Der Vortrag wurde von ihm an einem Bloomsday gehalten, am 16. Juni 1975 zur Eröffnung des 5. internationalen James-Joyce-Symposiums in Paris, im großen Amphitheater der Sorbonne. Die schriftliche Fassung von Joyce das Symptom I wurde von Jacques-Alain Miller erstellt, auf der Grundlage von Notizen von Eric Laurent; sie erschien zuerst in L’âne, 1982, Nr. 6. Die Zwischenüberschriften sind von Miller.1

Die Übersetzung bezieht sich auf den auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse veröffentlichten Text; die von Jacques-Alain Miller in seiner Ausgabe von Seminar 23 veröffentlichte Version von Joyce le symptôme I weicht hiervon leicht ab.

Die römische I verweist darauf, dass es eine zweite Fassung gibt: den von Lacan für die Veröffentlichung vollständig neu geschriebenen Text Joyce das Symptom II. Die beiden Versionen haben keinen Satz gemeinsam.

Ich bringe den Text von Joyce das Symptom I hier doppelt, zunächst nur auf deutsch, damit man ihn in der Art lesen kann, wie man einen Vortrag hört, dann auf französisch und deutsch, abwechselnd Satz für Satz, mit meinen erläuternden Anmerkungen.

Vorschläge zur Verbesserung der Übersetzung sind willkommen!

Die Übersetzung gehört in den Umkreis des Seminar-23-Kommentars, den ich in diesem Blog zu veröffentlichen begonnen habe (einen Überblick findet man hier), und der sich auf die laufenden Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin zu diesem Seminar stützt.

Beim Übersetzen haben mir Gerhard Herrgott und Eva Maria Jobst sehr geholfen und Norbert Finzsch hat mir unverhofft „fortahmen“ geschenkt – herzlichen Dank an alle!

Rolf Nemitz

Jacques Lacan: Joyce das Symptom I

Deutsch

Heute bin ich nicht in meiner besten Verfassung, aus allen möglichen Gründen.

Mit Einverständnis von Jacques Aubert, dessen Insistieren es geschuldet ist, dass Sie mich hier sehen – Jacques Aubert, der ein bedeutender Joycianer ist und dessen Dissertation über die Joycesche Ästhetik ein äußerst empfehlenswertes Werk ist –, habe ich Joyce das Symptom als Titel gewählt.

Sie werden mir verzeihen, darüber Joyce einen Moment lang zu poursticher [poursuivre (fortsetzen) + pasticher (nachahmen)], ihn fortzuahmen – das wird nicht dauern –, den Joyce von Finnegans Wake, das der Traum ist, der Traum, den er hinterlässt, als ein Endpunkt gesetzt, ein Endpunkt wofür? Das ist das, was ich versuchen möchte zu sagen. Dieser Traum setzt dem Werk ein Ende, fin, Finnegans, weil es nicht besser gemacht werden kann.

Ich fange nochmal an. Warum wollen, dass die Fäulnis, die der Mensch pourspère [pourrir (verfaulen) + espérer (erhoffen) + prospérer (gedeihen)]  das klingt wie „hoffend verfaulen“ –, warum wollen, dass die journiture [journal (Zeitung) + fourniture (Lieferung) + nourriture (Nahrung)], die uns mit Nachrichten enfourne [enfourner (einschieben, verschlingen), Assonanz mit informer (informieren)], korrekt meinen Titel übermittelt? Jacques Lacan, sie wissen nicht mal, was das ist, Jules Lacue würde es auch tun – das ist übrigens die englische Aussprache dessen, was wir, in unserer Sprache, den Schwanz nennen [Lacue / la queue, der Schwanz]. Warum sollten sie Joyce das Symptom drucken? Jacques Aubert teilt ihnen das mit, und sie machen daraus Jacques das Symbol. Für sie ist das natürlich Jacke wie Hose.

Vom Sym, das ptomt, zum Sym, das bolt, was kann das schon ausmachen an Abrahams bosom, wo der Ganz-Verfaulte sich wiederfinden wird in seiner Natur als bonneriche [bonne (gut) + riche (reich)], in alle étournité [éternité (Ewigkeit) + tour (Runde) + étourderie (Gedankenlosigkeit) + étourdi (betäubt)]?

Ich berichtige jedoch. Ptom, p’titom [petit homme, kleiner Mann], p’titbonhomme [kleines Männchen] ist noch lebendig in der Sprache, die sich, neben anderen Sprachen, verpflichtet glaubte, die zusammenkommende Sache zu ptomen. Denn das ist es, was das bedeutet.

Beziehen Sie sich auf das etymologische Wörterbuch von Bloch und von Wartburg, das ziemlich zuverlässig ist, Sie lesen dort, dass das Symptom zunächst „sinthome“ geschrieben wurde.

Joyce das sinthome bildet eine Homophonie mit sainteté, der Heiligkeit, in bezug auf die einige hier sich vielleicht daran erinnern, dass ich sie televisioniert habe.

Wenn man dieser Referenz im besagten Bloch und von Wartburg folgt und ein bisschen weiterliest, erfährt man, dass es Rabelais war, der aus dem sinthome das symptomate gemacht hat. Das ist keineswegs erstaunlich, er war Arzt, und in der medizinischen Sprache musste „Symptom“ bereits seinen Platz haben, aber sicher ist das nicht. Wenn ich diese Linie weiterverfolge, würde ich sagen, dass er etwas symptraumatisiert.

Worauf es mir ankommt, ist nicht, Finnegans Wake zu imitieren, dieser Aufgabe wird man niemals gewachsen sein, sondern zu sagen, inwiefern ich mit der Formulierung dieses Titels, Joyce das Symptom, Joyce nichts geringeres gebe als seinen Eigennamen, in dem er sich, wie ich annehme, in der Dimension der Benennung wiedererkannt hätte.

Das ist eine Vermutung: er hätte sich wiedererkannt, wenn ich heute mit ihm noch sprechen könnte. Er wäre ein Hundertjähriger, und das ist nicht das Übliche, es ist nicht üblich, das Leben so lange fortzusetzen, das wäre ein merkwürdiger Zusatz / eine seltsame Addition / eine eigenartige Rechnung.

Begegnung

Aus einem ziemlich erbärmlichen Milieu kommend, genau gesagt aus dem Stanislas, ein „Priesterkind“, nicht wahr, wie Joyce – aber ein Kind von Priestern, die weniger seriös waren als die seinen, die Jesuiten waren, weiß Gott, was er daraus zu machen gewusst hat –, kurz, aus diesem erbärmlichen Milieu auftauchend, bin ich mit siebzehn Jahren, dank der Tatsache, dass ich bei Adrienne Monnier ein und ausging, Joyce begegnet. Genauso wie ich, als ich zwanzig war, der ersten Lesung der französischen Übersetzung, die von Ulysses erschienen war, beigewohnt habe.

Das sind die Zufälle, die uns hin und her werfen und aus denen wir – denn wir sind es, die es als solches flechten – unser Schicksal machen. Wir machen daraus unser Schicksal, weil wir sprechen. Wir glauben, dass wir sagen, was wir wollen, aber es ist das, was die anderen gewollt haben, insbesondere unsere Familie, die uns spricht; verstehen Sie hier dieses “uns” als direktes Objekt. Wir werden gesprochen, und dadurch machen wir aus den Zufällen, die uns zustoßen, etwas Verkettetes, Gewebtes. Und tatsächlich gibt es einen sich durchziehenden Faden, wir nennen das unser Schicksal. So dass es sicherlich kein Zufall ist – auch wenn es schwierig ist, den Verbindungsfaden wiederzufinden –, dass ich James Joyce in Paris begegnet bin, als er da war, er blieb ja noch eine Weile.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich meine Geschichte erzähle, aber ich denke, ich tue es nur James Joyce zu Ehren.

Universität und Analyse

Ich habe in meiner Existenz, die unstet ist wie die von jedermann, immer eine ungeheure Menge, einen wirklich hohen Stapel, eine ungeheure Menge von Büchern herumgeschleppt, wobei der Joyce-Stapel nicht höher ist als so – die anderen, das sind die Bücher über Joyce. Diese habe ich immer mal wieder gelesen, ich habe mir jedoch in letzter Zeit, Jacques Aubert wird mein Zeuge sein, eine ganze Menge davon reingezogen.

Ich habe hier mehr sehen können als nur Unterschiede, vielmehr ein einzigartiges Gleichmaß in der Art, wie Joyce rezipiert wird, was auf der verzerrenden Perspektive beruht, in der er aufgefasst wird.

In Übereinstimmung mit dem, wovon Joyce selbst wusste, dass es ihm nach seinem Tode zustoßen würde, dominieren dabei die Universitätsgelehrten. Es sind fast ausschließlich Hochschullehrer, die sich mit Joyce beschäftigen.

Das ist völlig verblüffend. Joyce sagt: „Was ich schreibe, wird nicht aufhören, den Universitätsleuten Arbeit zu verschaffen.“ Und er hoffte nichts weniger als dies: ihnen Arbeit zu geben bis zur Auslöschung der Universität. Diesen Weg ist das tatsächlich gegangen. Und es ist offenkundig, dass das nur möglich ist, weil der Text von Joyce von Problemen wimmelt, die absolut fesselnd sind, faszinierend, sodass ein Hochschullehrer daran etwas zu knabbern hat.

Ich bin kein Universitätsmensch, auch wenn man mich als Professor, Maître und mit welchen Scherzen sonst noch tituliert. Ich bin ein Analytiker, ein analyste. Das bildet sogleich eine Homophonie, nicht wahr, mit den vier Meister-Annalisten, über die sich Joyce in Finnegans ausbreitet, die die Grundlagen für die Annalen Irlands gelegt haben. Ich bin eine andere Art analyste.

Vom Analytiker, der danach aufgetaucht ist, kann man nicht gerade behaupten, dass Joyce in ihn verknallt gewesen sei. Ich habe es nur geahnt, aber glaubwürdige Autoren, die Joyce gut kannten, die zu seinen Freunden gehörten, erklären bereitwillig, dass, wenn er freudened hat, wenn er dieses fredonnement, dieses Gesumm gefreudelt hat, dann mit Abneigung. Ich nehme an, dass das stimmt.

Den Beleg dafür finde ich darin, dass es in der Konstellation des Traumes, aus dem es kein Erwachen gibt – trotz des letzten Wortes, Wake –, dass es im Geflecht der Personen von Finnegans diese beiden Zwillinge gibt, Shem – Sie werden mir erlauben, ihn Shemptom zu nennen – und Shaun. Ich hoffe, das wird so ausgesprochen, denn dazu habe ich Jacques Aubert nicht zu Rate gezogen, der mich, was die Aussprache angeht, während der Herstellung dieses Gebräus phantastisch unterstützt hat. Es gibt also den Shemptom und den Shaun. Sie sind verknotet – nichts Verknoteteres als Zwillinge. Es ist der andere, nicht Shem, den er als the penman etikettiert, als Federfuchser, als Schreiberling, es ist Shaun, dem Joyce den Doktor Jones anheftet. Dabei handelt es sich um jenen Analytiker, dem Freud, der wusste, was er tat, die Aufgabe übertrug, seine Biographie zu verfassen. Er kannte ihn gut, d.h. er war sich sicher, dass Jones hier nicht die geringste Phantasie investieren würde, dass er sich nicht erlauben würde, unter anderem, den Strich anzubringen, den Biss zu versetzen, den agenbite of inwit. Irgendwo im Ulysses spricht Stephen Dedalus vom agenbite of inwit, vom Biss des ensoi, des Insich, so übersetzt man das ins Französische, ich weiß nicht warum, obwohl das eher den wit meint, den inneren wit, den Biss des Witzes, den Biss des Unbewussten. Mit Jones war Freud ruhig, er wusste, dass seine Biographie eine Hagiographie werden würde.

Klar, dass Joyce besagten Jones shaunisiert, wenn ich so sagen kann, gibt uns eine Vorstellung davon, wie wichtig es ist, wie mal jemand gesagt hat, Ernest zu sein. Weitaus mehr als Joyce trug Jones vor sich her – ich sage Ihnen das, weil ich ihm begegnet bin –, dass er Ernest hieß, aber das war sicherlich wegen des Stücks von Wilde mit diesem so erstaunlichen Titel, den Jones groß herausstellt. Mehr als einmal erscheint in Finnegans der Verweis darauf, wie wichtig es ist, sich Ernst zu nennen.

Das Abonnement auf das Unbewusste gekündigt

All dies diente nur dazu, sich dem anzunähern, dass es nicht dasselbe ist, „Joyce das Sinthom“ oder „Joyce das Symbol“ zu sagen. Ich sage „Joyce das Symptom“ – das heißt, dass das Symptom es abschafft, das Symbol, wenn ich auf dieser Linie weitermachen darf.

Das ist nicht nur Joyce das Symptom, das ist Joyce, wenn ich so sagen darf, insofern sein Abonnement auf das Unbewussten gekündigt war.

Lesen Sie Finnegans Wake, Sie werden mitbekommen, dass das etwas ist, was nicht etwa nur in jeder Zeile, sondern in jedem Wort mit dem pun spielt, einem sehr, sehr speziellen pun. Lesen Sie es, es gibt nicht ein einziges Wort, das nicht wie die ersten gemacht ist, deren Ton ich Ihnen mit „pourspère“ zu geben versucht habe, aus drei oder vier Wörtern gebildet, die so verwendet werden, dass sie Funken erzeugen, Pailletten. Das ist sicherlich faszinierend, obgleich in Wahrheit der Sinn, in dem Sinn, den wir ihm üblicherweise geben, hier einen Verlust erleidet.

Monsieur Clive Hart spricht in Structure and motif of Finnegans Wake von etwas Enttäuschendem in der Art, wie Joyce von dieser Art pun Gebrauch macht. Monsieur Atherton bezieht das in seinem Buch The books at the wake auf the unforeseen, auf das Unvorhergesehene. Dieses pun, das ist eher das portmanteau, das Kofferwort im Sinne von Lewis Carroll, worin dieser ein Vorläufer ist, und da er auf ihn zweifellos ziemlich spät gestoßen ist, musste Joyce, so resümiert Atherton, sich davon ein wenig gestört fühlen.

Lesen Sie einige Seiten aus Finnegans Wake, ohne zu verstehen zu versuchen – das liest sich. Das liest sich, aber deshalb, worauf mich jemand aus meinem Umfeld aufmerksam gemacht hat, weil man spürt, dass das Genießen desjenigen, der es geschrieben hat, gegenwärtig ist. Man fragt sich – zumindest fragte das die erwähnte Person –, warum Joyce das veröffentlicht hat. Warum hat er dieses work, das siebzehn Jahre lang in progress war, schließlich schwarz auf weiß herausgebracht?

Ein Glück, dass es davon nur eine einzige Ausgabe gibt, dadurch ist es möglich, wenn man es zitiert, die Zeile auf der richtigen Seite anzugeben, d.h. auf der Seite, die immer dieselbe Zahl tragen wird. Wenn es nötig wäre, dass es, wie die anderen Bücher, mit unterschiedlichen Seitenzählungen herausgegeben würde, was müsste man nicht alles anstellen, um sich hier zurechtzufinden! Aber dass er es veröffentlicht hat, das ist das, womit ich ihn, wenn er da wäre, zu überzeugen hoffte, dass er Joyce das Symptom sein wollte, insofern er davon, vom Symptom, den Apparat, die Essenz, die Abstraktion liefert. Denn wenn etwas die von Clive Hart notierte Tatsache erklärt, dass man, wenn man seinen Schritten folgt, am Ende ermüdet ist, dann ist es eben dies, dass Ihre eigenen Symptome erwiesenermaßen das einzige sind, was bei einem jeden von Ihnen das Interesse auf sich lenkt. Das Symptom bei Joyce ist ein Symptom, das Sie auf keine Weise betrifft. Es ist insofern das Symptom, als ganz und gar ausgeschlossen ist, dass es irgendetwas von Ihrem eigenen Unbewussten fesselt. Ich glaube, das ist der Sinn dessen, was mir die Person sagte, die mich dazu befragt hat, warum er es veröffentlicht hat.

obwohl nur mit der Sprache spielend

Man sollte diese Befragung des Haupt- und Endwerkes fortsetzen, des Werkes, dem Joyce schließlich vorbehalten hat, als seine Trittleiter zu fungieren. Denn sein Ausgangspunkt war, dass er jemand sein wollte, dessen Name, und zwar genau der Name, auf immer überleben würde. „Auf immer“ meint, dass er einen historischen Einschnitt darstellt. Noch nie war Literatur wie diese gemacht worden. „Literatur“ – um das Gewicht dieses Wortes hervorzuheben, will ich die Äquivokation nennen, mit der Joyce oft spielt: letter, litter. Der Buchstabe ist Abfall. Nun, wenn es nicht diese sehr spezielle Art Rechtschreibung gäbe, die des Englischen, drei Viertel der Effekte von Finnegans wären verloren.

Den extremsten Fall kann ich Ihnen nennen, dank Jacques Aubert übrigens: Who ails, und danach tongue, im Englischen wie langue geschrieben, tongue, dann ein rätselhaftes Wort, coddeau, „Who ails tongue coddeau a space of dumbillsilly?“ Wenn ich auf diesen Schrieb gestoßen wäre, hätte ich dann das Folgende wahrgenommen, ja oder nein: „Où est ton cadeau, espèce d’imbécile?“ „Wo ist dein Geschenk, du Blödmann?“

Das Unglaubliche ist, dass diese Homophonie, die hier translinguistischen Charakter hat, nur durch einen Buchstaben gestützt wird, der mit der Rechtschreibung der englischen Sprache konform geht. Sie wüssten nicht, dass „who“ in „où“ ungewandelt werden kann, wenn Sie nicht wüssten, dass „who“ im interrogativen Sinn so ausgesprochen wird. Es gibt etwas Zweideutiges in diesem phonetischen Sprachgebrauch, was ich auch so schreiben würde: f, a, u, n, e [faune (Faun), homophon mit phone]. Das Fauneske / das Phoneske der Sache beruht gänzlich auf dem Buchstaben, also auf etwas, was für die Sprache nicht wesentlich ist, etwas, was durch die Zufälle der Geschichte geflochten wurde. Dass jemand einen so ungewöhnlichen Gebrauch davon macht, ist an sich eine Befragung dessen, was es mit der Sprache auf sich hat.

Ich habe gesagt, dass das Unbewusste strukturiert ist wie eine Sprache. Es ist merkwürdig, dass ich über jemand, der strikt nur mit der Sprache spielt, auch sagen kann, dass sein Abonnement auf das Unbewusste gekündigt war, auch wenn er sich, unter anderen Sprachen, derjenigen bedient, die nicht seine ist – denn seine ist ja gerade eine von der Karte ausgelöschte Sprache, nämlich das Gälische, von dem er einige Brocken kannte, hinreichend, um sich zu orientieren, aber nicht viel mehr –, die also nicht seine ist, sondern die der Eindringlinge, der Unterdrücker. Joyce hat gesagt, in Irland habe man einen Herrn und eine Herrin, wobei der Herr das britische Empire ist und die Herrin die katholische, apostolische und römische Heilige Kirche und beide zur selben Art von Plage gehören. Das lässt sich eben in dem feststellen, was aus Joyce das Symptom macht, das reine Symptom dessen, worum es beim Verhältnis zur Sprache geht, insofern man es auf das Symptom reduziert, nämlich auf das, was sie zur Wirkung hat, wenn man diese Wirkung nicht analysiert, ich gehe noch weiter, sofern man es sich versagt, mit irgendeiner der Äquivokationen zu spielen, die bei jedermann das Unbewusste in Bewegung versetzen würden.

Das Genießen, nicht das Unbewusste

Wenn der Leser fasziniert ist, dann deshalb, weil Joyce schließlich, in Übereinstimmung mit diesem Namen, der auf den von Freud ein Echo gibt, ein Verhältnis zur joy hat, zur jouissance, zum Genießen, wenn es in lalangue, nämlich in Englisch geschrieben ist, weil dieses Gelüst, dieses Genießen das einzige ist, was wir von seinem Text einfangen können. Da ist das Symptom. Das Symptom, insofern nichts es mit dem verbindet, was lalangue selbst macht, womit er diesen Schussfaden, diese Streifen, diese Verflechtung der Erde und der Luft stützt, womit er Chamber music eröffnet, sein erstes publiziertes Buch, ein Gedichtband. Das Symptom ist rein das, was durch lalangue bedingt wird, aber Joyce erhebt es auf bestimmte Weise zur Potenz der Sprache, ohne dass deswegen irgendetwas davon analysierbar wäre; das ist das, was verblüfft und im wörtlichen Sinne interdit, „untersagt“, in dem Sinne, in dem man sagt, je reste interdit, mir verschlägt es die Sprache.

Dass man das Wort interdire verwendet, „untersagen“, „verbieten“, um „verblüffen“ zu sagen, „in sprachloses Staunen versetzen“, hat durchaus sein Gewicht. Das ist das, was die Substanz dessen bildet, was Joyce beisteuert und wodurch die Literatur nach ihm in gewisser Weise nicht mehr das sein kann, was sie vorher war.

Es ist nicht ohne Bedeutung, dass Ulysses etwas Homerisches ansaugt, obwohl es zwischen dem, was im Ulysses geschieht, und dem, worum es in der Odyssee geht, nicht die geringste Beziehung gibt, auch wenn Joyce die Kommentatoren auf dieses Gebiet gelockt hat. Stephen Dedalus an Telemachos anzugleichen Man zerbricht sich den Kopf, wenn man das Bündel der Odyssee-Kommentare trägt. Und wie kann man sagen, Bloom sei auf irgendeine Weise für Stephen – der mit ihm nichts zu tun hat, außer dass er von Zeit zu Zeit in Dublin seinen Weg kreuzt – der Vater? Doch nur deshalb, weil bereits Joyce zeigt und durchaus darauf verweist, dass die gesamte psychische Realität, d.h. das Symptom, letztlich von einer Struktur abhängt, in der der Name-des-Vaters ein unbedingtes Element ist.

Der borromäische Vater

Der Vater als Name und als derjenige, der benennt, das ist nicht das gleiche. Der Vater ist dieses vierte Element – ich beziehe mich hier auf etwas, was nur ein Teil meiner Zuhörer in Erwägung gezogen haben kann –, dieses vierte Element, ohne das im Knoten des Symbolischen, des Imaginären und des Realen nichts möglich ist.

Es gibt jedoch noch eine andere Weise, das vierte Element zu benennen, und das ist es, was ich heute dem Namen-des-Vaters aufsetze, im Maße, in dem Joyce davon zeugt, das nämlich, was man das Sinthom nennen sollte. Insofern das Unbewusste verknotet ist mit dem Sinthom – welches das ist, was es bei jedem Individuum an Einzigartigem gibt –, kann man sagen, dass Joyce, wie irgendwo geschrieben wurde, sich mit dem individual identifiziert. Er ist derjenige, der sich dadurch auszeichnet, am äußersten Punkt gewesen zu sein, um in sich das Symptom zu verkörpern, das, wodurch er jedem möglichen Tod entgeht, da er sich auf eine Struktur reduziert hat, die eben die des lom ist, wenn Sie mir erlauben, das ganz einfach so zu schreiben: l, o, m.

Auf diese Weise zirkuliert er als etwas, was für eine gewisse Anzahl von Praktiken einen Schlusspunkt setzt. Er setzt einen Endpunkt. Aber wie soll man den Sinn dieses „Endpunkts“ verstehen?

Es ist verblüffend, dass Clive Hart das Zyklische und das Kreuz hervorhebt, als im Wesentlichen das, woran Joyce sich bindet. Einige unter Ihnen wissen, dass ich mit diesem Kreis und diesem Kreuz den borromäischen Knoten zeichne. Joyce darüber zu befragen, was dieser Knoten hervorbringt, nämlich die Ambiguität von drei und vier, nämlich das, woran er haften blieb, woran er gebunden blieb: an die Befragung von Vico, an schlimmere Sachen, an das Gespräch mit den Geistern, das Atherton übrigens unter der allgemeinen Rubrik des spiritualism einordnet, was mich erstaunt, denn ich habe das bis jetzt spiritisme genannt. Es ist sicherlich überraschend zu sehen, dass dies hierbei in Finnegans zur Kategorie des Symptoms beiträgt, wie ich annehme.

Das ist nicht alles, denn es ist schwierig, nicht diese Fiktion zu berücksichtigen, die man unter der Rubrik Initiation einordnen kann. Worin besteht das, was in diesem Register und unter diesem Ausdruck zirkuliert? Wie viele Vereinigungen, die sich mit Flaggen bewaffnen, deren Bedeutung sie nicht verstehen! Dass Joyce sich an Isis Unveiled von Madame Blavatsky ergötzt hat, ist eine Sache, die ich von Atherton erfahre und die mich verblüfft. Die Form geistiger Debilität, die jede Initiation mit sich bringt, ist das, was mich als erstes ergreift und lässt mich das vielleicht unterschätzen. Ich muss dazu sagen, dass ich, kurz nach der Zeit, als ich, dem Himmel sei Dank, Joyce begegnet bin, einen gewissen Renè Guénon aufgesucht habe, der nicht mehr wert war als das, was es in Sachen Initiation an Schlimmstem gibt. Hi han a pas [il n‘y en a pas (es gibt (davon) keine) + hi han (I-Ah)], zu schreiben wie der Ruf des Esels, auf den Joyce anspielt als zentralen Punkt dieser vier Terme, nämlich Norden, Süden, Osten und Westen, als Kreuzungspunkt des Kreuzes – es ist ein Esel, der das stützt, Gott weiß, dass Joyce in Finnegans davon viel Aufhebens macht.

Aber gleichwohl, wie soll man Finnegans, diesen Traum, als fini, als abgeschlossen bezeichnen, wenn schon sein letztes Wort nur mit dem ersten wieder verbunden werden kann, wo das the, mit dem es endet, sich mit dem riverrun verknüpft, mit dem es beginnt, was auf das Zirkuläre verweist –? Um es ganz klar zu sagen, wie konnte Joyce derart das verfehlen, was ich gegenwärtig vom Knoten einführe?

Damit führe ich etwas Neues ein, was nicht nur von der Begrenzung des Symptoms Rechenschaft ablegt, sondern auch von dem, was bewirkt, dass das Symptom seine Grenzen daher hat, dass es mit dem Körper verknotet ist, d.h. mit dem Imaginären, dass es auch mit dem Realen verknotet ist und als drittes mit dem Unbewussten. Von einem Knoten kann man deshalb sprechen, weil es auf seine Grenzen trifft, von einem Knoten, der sicherlich etwas ist, was zerknautscht werden und die Form eines Knäuels annehmen kann, was aber, wenn es entfaltet wird, seine Form bewahrt, seine Form als Knoten, und damit zugleich seine Ex-sistenz.

Das ist das, was ich mir erlauben werde, in meinen Parcours des nächsten Jahres einzuführen, wobei ich mich auf Joyce stütze, unter anderen.

Französisch/deutsch mit erläuternden Anmerkungen

Je ne suis pas dans ma meilleure forme aujourd’hui, pour toutes sortes de raisons.

Heute bin ich nicht in meiner besten Verfassung, aus allen möglichen Gründen.

Avec l’agrément de Jacques Aubert, à l’insistance duquel vous devez de me voir ici – Jacques Aubert qui est un éminent joycien, et dont la thèse sur l’esthétique de Joyce est un ouvrage éminemment recommandable –, j’ai pris comme titre – Joyce le symptôme.

Mit Einverständnis von Jacques Aubert, dessen Insistieren es geschuldet ist, dass Sie mich hier sehen – Jacques Aubert, der ein bedeutender Joycianer ist und dessen Dissertation über die Joycesche Ästhetik ein äußerst empfehlenswertes Werk ist2 –, habe ich Joyce das Symptom als Titel gewählt.

Là-dessus, vous allez me pardonner de poursticher un moment – cela ne va pas durer – Joyce, le Joyce de Finnegans Wake, qui est le rêve, le rêve qu’il lègue mis comme un terme – un terme à quoi ?

Sie werden mir verzeihen, darüber Joyce einen Moment lang zu poursticher [poursuivre (fortsetzen) + pasticher (nachahmen)], ihn fortzuahmen – das wird nicht dauern –, den Joyce von Finnegans Wake3, das der Traum ist, der Traum, den er hinterlässt, als ein Endpunkt gesetzt, ein Endpunkt wofür?

C’est ce que je voudrais essayer de dire.

Das ist das, was ich versuchen möchte zu sagen.

Ce rêve met, à l’œuvre, fin, Finnegans, de ne pouvoir mieux faire.

Dieser Traum setzt dem Werk ein Ende, fin, Finnegans, weil es nicht besser gemacht werden kann.

Je reprends – pourquoi vouloir que la pourriture dont l’homme pourspère – qui sonne comme « pourrir en espérant » – pourquoi vouloir que la journiture qui nous enfourne de nouvelles, transmettre correctement mon titre ?

Ich fange nochmal an. Warum wollen, dass die Fäulnis, die der Mensch pourspère [pourrir (verfaulen) + espérer (erhoffen) + prospérer (gedeihen)] – das klingt wie „hoffend verfaulen“ –, warum wollen, dass die journiture [journal (Zeitung) + fourniture (Lieferung) + nourriture (Nahrung)], die uns mit Nachrichten enfourne [enfourner (einschieben, verschlingen), Assonanz mit informer (informieren)], korrekt meinen Titel übermittelt?

Jacques Lacan, ils ne savent même pas ce que c’est, Jules Lacue ça ferait aussi bien – c’est d’ailleurs la prononciation anglaise de ce que nous appelons, dans la langue nôtre, la queue.

Jacques Lacan, sie wissen nicht mal, was das ist, Jules Lacue würde es auch tun – das ist übrigens die englische Aussprache dessen, was wir, in unserer Sprache, den Schwanz nennen [Lacue / la queue, der Schwanz].

Pourquoi imprimeraient-ils Joyce le symptôme ?

Warum sollten sie Joyce das Symptom drucken?

Jacques Aubert le leur communique, alors ils foutent Jacques le symbole.

Jacques Aubert teilt ihnen das mit, und sie machen daraus Jacques das Symbol.

Tout ça, bien sûr, pour eux, c’est du kif.

Für sie ist das natürlich Jacke wie Hose.

Du sym qui ptôme au sym qui bole, qu’est-ce que ça peut bien faire au bosom d’Abraham, où le tout-pourri se retrouvera en sa nature de bonneriche pour l’étournité ?

Vom Sym, das ptomt, zum Sym, das bolt, was kann das schon ausmachen an Abrahams bosom, wo der Ganz-Verfaulte sich wiederfinden wird in seiner Natur als bonneriche [bonne (gut) + riche (reich)], in alle étournité [éternité (Ewigkeit) + tour (Runde) + étourderie (Gedankenlosigkeit) + étourdi (betäubt)]?

Je rectifie pourtant –, ptom, p’titom, p’titbonhomme vit encore, dans la langue, qui s’est crue obligée, entre autres langues, de ptômer la chose coïncidente.

Ich berichtige jedoch. Ptom, p’titom [petit homme, kleiner Mann], p’titbonhomme [kleines Männchen] ist noch lebendig in der Sprache, die sich, neben anderen Sprachen, verpflichtet glaubte, die zusammenkommende Sache zu ptomen.4

Car c’est ce que ça veut dire.

Denn das ist es, was das bedeutet.

Référez-vous au Bloch et von Wartburg, dictionnaire étymologique, qui est d’une assiette solide, vous y lisez que le symptôme s’est d’abord écrit sinthome.

Beziehen Sie sich auf das etymologische Wörterbuch von Bloch und von Wartburg, das ziemlich zuverlässig ist, Sie lesen dort, dass das Symptom zunächst „sinthome“ geschrieben wurde.5

Joyce le sinthome fait homophonie avec la sainteté, dont quelques personnes ici peut-être se souviennent que je l’ai télévisionnée.

Joyce das sinthome bildet eine Homophonie mit der sainteté, der Heiligkeit, in bezug auf die einige hier sich vielleicht daran erinnern, dass ich sie televisioniert habe.6

Si on poursuit un peu la lecture de cette référence dans le Bloch et von Wartburg en question, on s’aperçoit que c’est Rabelais qui du sinthome fait le symptomate.

Wenn man dieser Referenz im besagten Bloch und von Warburg folgt und ein bisschen weiterliest, erfährt man, dass es Rabelais war, der aus dem sinthome das symptomate gemacht hat.7

Ce n’est pas étonnant, c’est un médecin, et symptôme devait avoir déjà sa place dans le langage médical, mais ce n’est pas sûr.

Das ist keineswegs erstaunlich, er war Arzt, und in der medizinischen Sprache musste „Symptom“ bereits seinen Platz haben, aber sicher ist das nicht.

Si je continue dans la même veine, je dirai qu’il symptraumatise quelque chose.

Wenn ich diese Linie weiterverfolge, würde ich sagen, dass er etwas symptraumatisiert.

L’important n’est pas pour moi de pasticher Finnegans Wake – on sera toujours en dessous de la tâche –, c’est de dire en quoi, je donne à Joyce, en formulant ce titre, Joyce le symptôme, rien de moins que son nom propre, celui où je crois qu’il se serait reconnu dans la dimension de la nomination.

Worauf es mir ankommt, ist nicht, Finnegans Wake zu imitieren, dieser Aufgabe wird man niemals gewachsen sein, sondern zu sagen, inwiefern ich mit der Formulierung dieses Titels, Joyce das Symptom, Joyce nichts geringeres gebe als seinen Eigennamen, in dem er sich, wie ich annehme, in der Dimension der Benennung wiedererkannt hätte.8

C’est une supposition – il se serait reconnu si je pouvais aujourd’hui lui parler encore.

Das ist eine Vermutung: er hätte sich wiedererkannt, wenn ich heute mit ihm noch sprechen könnte.

Il serait centenaire, et ce n’est pas l’usage – ce n’est pas l’usage de poursuivre la vie aussi longtemps, ce serait une drôle d’addition.

Er wäre ein Hundertjähriger, und das ist nicht das Übliche, es ist nicht üblich, das Leben so lange fortzusetzen, das wäre ein merkwürdiger Zusatz / eine seltsame Addition / eine eigenartige Rechnung.

Rencontre

Begegnung

Sortant d’un milieu assez sordide, Stanislas pour le nommer – enfant de curé, quoi, comme Joyce, mais de curés moins sérieux que les siens, qui étaient des jésuites, et dieu sait ce qu’il a su en faire – bref, émergeant de ce milieu sordide, il se trouve qu’à dix-sept ans, grâce au fait que je fréquentais chez Adrienne Monnier, j’ai rencontré Joyce.

Aus einem ziemlich erbärmlichen Milieu kommend, genau gesagt aus dem Stanislas9, ein „Priesterkind“, nicht wahr, wie Joyce10 – aber ein Kind von Priestern, die weniger seriös waren als die seinen, die Jesuiten waren, weiß Gott, was er daraus zu machen gewusst hat –, kurz, aus diesem erbärmlichen Milieu auftauchend, bin ich mit siebzehn Jahren, dank der Tatsache, dass ich bei Adrienne Monnier11 ein und ausging, Joyce begegnet.

De même que j’ai assisté, quand j’avais vingt ans, à la première lecture de la traduction française qui était sortie d’Ulysse.

Genauso wie ich, als ich zwanzig war, der ersten Lesung der französischen Übersetzung, die von Ulysses erschienen war, beigewohnt habe.12

Ce sont les hasards qui nous poussent à droite et à gauche, et dont nous faisons – car c’est nous qui le tressons comme tel – notre destin.

Das sind die Zufälle, die uns hin und her werfen und aus denen wir – denn wir sind es, die es als solches flechten – unser Schicksal machen.

Nous en faisons notre destin, parce que nous parlons.

Wir machen daraus unser Schicksal, weil wir sprechen.

Nous croyons que nous disons ce que nous voulons, mais c’est ce qu’ont voulu les autres, plus particulièrement notre famille, qui nous parle.

Wir glauben, dass wir sagen, was wir wollen, aber es ist das, was die anderen gewollt haben, insbesondere unsere Familie, die uns spricht;

Entendez-là ce nous comme un complément direct.

verstehen Sie hier dieses „uns“ als direktes Objekt.13

Nous sommes parlés, et à cause de ça, nous faisons, des hasards qui nous poussent, quelque chose de tramé.

Wir werden gesprochen, und dadurch machen wir aus den Zufällen, die uns zustoßen, etwas Eingefädeltes.

Et en effet, il y a une trame – nous appelons ça notre destin.

Und tatsächlich gibt es einen sich durchziehenden Faden, wir nennen das unser Schicksal.

De sorte que ce n’est sûrement pas par hasard, quoiqu’il soit difficile d’en retrouver le fil, que j’ai rencontré James Joyce à Paris, alors qu’il y était, pour un bout de temps encore.

So dass es sicherlich kein Zufall ist – auch wenn es schwierig ist, den Verbindungsfaden wiederzufinden –, dass ich James Joyce in Paris begegnet bin, als er da war, er blieb ja noch eine Weile.14

Je m’excuse de raconter mon histoire.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich meine Geschichte erzähle,

Mais je pense que je ne le fais qu’en hommage à James Joyce.

aber ich denke, ich tue es nur James Joyce zu Ehren.

Université et Analyse

Universität und Analyse

J’ai toujours trimbalé dans mon existence, errante comme celle de tout le monde, une quantité énorme – il y en a haut comme ça – une quantité énorme de livres dans lesquels ceux de Joyce ne vont pas plus haut que ça – les autres ce sont ceux sur Joyce.

Ich habe in meiner Existenz, die unstet ist wie die von jedermann, immer eine ungeheure Menge, einen wirklich hohen Stapel, eine ungeheure Menge von Büchern herumgeschleppt, wobei der Joyce-Stapel nicht höher ist als so – die anderen, das sind die Bücher über Joyce.

Ceux-là, je les lisais de temps en temps, mais je m’en suis appliqué, Jacques Aubert en sera le témoin, une tripotée tous ces temps-ci.

Diese habe ich immer mal wieder gelesen, ich habe mir jedoch in letzter Zeit, Jacques Aubert wird mein Zeuge sein, eine ganze Menge davon reingezogen.

J’ai pu y voir plus que des differences – un balancement singulier dans la façon dont Joyce est reçu, et qui part du biais dont il est pris.

Ich habe hier mehr sehen können als nur Unterschiede, vielmehr ein einzigartiges Gleichmaß in der Art, wie Joyce rezipiert wird, was auf der verzerrenden Perspektive beruht, in der er aufgefasst wird.

Conformément à ce que Joyce lui-même savait qu’il lui arriverait dans le posthume, c’est l’universitaire qui domine.

In Übereinstimmung mit dem, wovon Joyce selbst wusste, dass es ihm nach seinem Tode zustoßen würde, dominieren dabei die Universitätsgelehrten.

C’est à peu près exclusivement l’universitaire qui s’occupe de Joyce.

Es sind fast ausschließlich Hochschullehrer, die sich mit Joyce beschäftigen.

C’est tout à fait frappant.

Das ist völlig verblüffend.

Joyce dit : « Ce que j’écris ne cessera pas de donner du travail aux universitaires. »

Joyce sagt: „Was ich schreibe, wird nicht aufhören, den Universitätsleuten Arbeit zu verschaffen.“15

Et il n’espérait rien de moins que de leur donner de l’occupation jusqu’à l’extinction de l’université.

Und er hoffte nichts weniger als dies: ihnen Arbeit zu geben bis zur Auslöschung der Universität.

Ça en prend bien le chemin.

Diesen Weg ist das tatsächlich gegangen.

Et il est évident que cela ne peut se faire que parce que le texte de Joyce foisonne de problèmes tout à fait captivants, fascinants, à se mettre sous la dent pour l’universitaire.

Und es ist offenkundig, dass das nur möglich ist, weil der Text von Joyce von Problemen wimmelt, die absolut fesselnd sind, faszinierend, sodass ein Hochschullehrer daran etwas zu knabbern hat.

Je ne suis pas un universitaire, contrairement à ce qu’on me donne du professeur, du maître, et autres badinages.

Ich bin kein Universitätsmensch, auch wenn man mich als Professor, Maître und mit welchen Scherzen sonst noch tituliert.

Je suis un analyste.

Ich bin ein Analytiker, ein analyste.

Cela fait tout de suite homophonie, n’est-ce pas, avec les quatre maîtres annalistes, dont Joyce dans Finnegans fait grand état, et qui ont fondé les bases des annales de l’Irlande.

Das bildet sogleich eine Homophonie, nicht wahr, mit den vier Meister-Annalisten, über die sich Joyce in Finnegans ausbreitet, die die Grundlagen für die Annalen Irlands gelegt haben.16

Je suis une autre espèce d’analyste.

Ich bin eine andere Art analyste.

De l’analyste qui, depuis, a émergé, on ne peut pas dire que Joyce ait été mordu.

Vom Analytiker, der danach aufgetaucht ist17, kann man nicht gerade behaupten, dass Joyce in ihn verknallt gewesen sei.

Des auteurs dignes de foi, qui connaissaient bien Joyce – moi, je l’ai entrevue, qui étaient de ses amis, avancent volontiers que s’il a « freudened », s’il a freudenedé ce fredonnement, c’était avec aversion.

Ich habe es nur geahnt, aber glaubwürdige Autoren, die Joyce gut kannten, die zu seinen Freunden gehörten, erklären bereitwillig, dass, wenn er freudened hat, wenn er dieses fredonnement, dieses Gesumm gefreudelt hat, dann mit Abneigung.

Je crois que c’est vrai.

Ich nehme an, dass das stimmt.

J’en trouverai le témoignage dans le fait que dans la constellation du rêve dont il n’y a pas d’éveil, malgré le dernier mot, Wake, dans la trame des personnages de Finnegans, il y a ces deux jumeaux – Shem, vous me permettrez de l’appeler Shemptôme – et Shaun.

Den Beleg dafür finde ich darin, dass es in der Konstellation des Traumes, aus dem es kein Erwachen gibt – trotz des letzten Wortes, Wake –, dass es im Geflecht der Personen von Finnegans diese beiden Zwillinge gibt, Shem – Sie werden mir erlauben, ihn Shemptom zu nennen – und Shaun.

C’est comme ça, j’espère, que ça se prononce, parce que je n’ai pas consulté là-dessus Jacques Aubert, qui, pour la prononciation, m’a rudement bien soutenu pendant ce brassage.

Ich hoffe, das wird so ausgesprochen, denn dazu habe ich Jacques Aubert nicht zu Rate gezogen, der mich, was die Aussprache angeht, während der Herstellung dieses Gebräus phantastisch unterstützt hat.

Il y a donc le Shemptôme et le Shaum.

Es gibt also den Shemptom und den Shaun.

Ils sont noués – rien de plus noués que des jumeaux.

Sie sind verknotet – nichts Verknoteteres als Zwillinge.

C’est à l’autre – pas à Shem, qu’il appelle, en lui additionnant un épinglage, the penman, le plumitif – c’est à Shaun que Joyce épingle le docteur Jones.

Es ist der andere, nicht Shem, den er als the penman etikettiert, als Federfuchser, als Schreiberling, es ist Shaun, dem Joyce den Doktor Jones anheftet.18

Il s’agit de cet analyste auquel Freud, qui savait ce qu’il faisait, a donné la charge de faire sa biographie.

Dabei handelt es sich um jenen Analytiker, dem Freud, der wusste, was er tat, die Aufgabe übertrug, seine Biographie zu verfassen.19

Il le connaissait bien, c’est-à-dire qu’il était sûr que Jones n’y mettrait pas la moindre fantaisie, qu’il ne se permettrait pas, entre autres, de mettre la touche, la morsure, l’agenbite of inwit.

Er kannte ihn gut, d.h. er war sich sicher, dass Jones hier nicht die geringste Phantasie investieren würde, dass er sich nicht erlauben würde, unter anderem, den Strich anzubringen, den Biss zu versetzen, den agenbite of inwit.20

Quelque part dans Ulysse, Stephen Dedalus parle d’agenbite of inwit, de la morsure – on traduit ça en français, je ne sais pas pourquoi – de l’ensoi, alors que ça veut plutôt dire le wit, le wit intérieur, la morsure du mot d’esprit, la morsure de l’inconscient.

Irgendwo im Ulysses spricht Stephen Dedalus vom agenbite of inwit, vom Biss des ensoi, des Insich, so übersetzt man das ins Französische, ich weiß nicht warum, obwohl das eher den wit meint, den inneren wit, den Biss des Witzes, den Biss des Unbewussten.21

Avec Jones, Freud était tranquille – il savait que sa biographie serait une hagiographie.

Mit Jones war Freud ruhig, er wusste, dass seine Biographie eine Hagiographie werden würde.

Évidemment, que Joyce Shaunise, si je puis dire, le Jones en question, c’est ce qui nous donne l’idée de l’importance, comme dit l’autre, d’être Ernest.

Klar, dass Joyce besagten Jones shaunisiert, wenn ich so sagen kann, gibt uns eine Vorstellung davon, wie wichtig es ist, wie mal jemand gesagt hat, Ernest zu sein.

Beaucoup plus que Joyce, Jones – je vous le dis parce que je l’ai rencontré – faisait la petite bouche sur le fait de s’appeler Ernest.

Weitaus mehr als Joyce trug Jones vor sich her – ich sage Ihnen das, weil ich ihm begegnet bin22 –, dass er Ernest hieß.

Mais c’était sans doute à cause de la pièce de ce titre, si étonnante, de Wilde, dont Jones fait grand état.

aber das war sicherlich wegen des Stücks von Wilde mit diesem so erstaunlichen Titel, den Jones groß herausstellt.23

Plus d’une fois dans Finnegans surgit cette référence à l’importance de s’appeler Ernest.

Mehr als einmal erscheint in Finnegans der Verweis darauf, wie wichtig es ist, sich Ernst zu nennen.

Désabonné à l’inconscient…

Das Abonnement auf das Unbewusste gekündigt

Tout cela n’a porté que d’approcher ceci, que ce n’est pas la même chose de dire Joyce le sinthome ou bien Joyce le symbole.

All dies diente nur dazu, sich dem anzunähern, dass es nicht dasselbe ist, „Joyce das Sinthom“ oder „Joyce das Symbol“ zu sagen.

Je dis Joyce le symptom – c’est que, le symptôme, le symbole, il l’abolit, si je puis continuer dans cette veine.

Ich sage „Joyce das Symptom“ – das heißt, dass das Symptom es abschafft, das Symbol, wenn ich auf dieser Linie weitermachen darf.24

Ce n’est pas seulement Joyce le symptôme, c’est Joyce en tant que, si je puis dire, désabonné à l’inconscient.

Das ist nicht nur Joyce das Symptom, das ist Joyce, wenn ich so sagen darf, insofern sein Abonnement auf das Unbewussten gekündigt war.25

Lisez Finnegans Wake.

Lesen Sie Finnegans Wake,

Vous vous apercevrez que c’est quelque chose qui joue, pas à chaque ligne, mais à chaque mot, sur le pun, un pun très, très particulier.

Sie werden mitbekommen, dass das etwas ist, was nicht etwa nur in jeder Zeile, sondern in jedem Wort mit dem pun26 spielt, einem sehr, sehr speziellen pun.

Lisez-le, il n’y a pas un seul mot qui ne soit fait comme les premiers dont j’ai essayé de vous donner le ton avec « pourspère », fait de trois ou quatre mots qui se trouvent, par leur usage, faire étincelle, paillette.

Lesen Sie es, es gibt nicht ein einziges Wort, das nicht wie die ersten gemacht ist, deren Ton ich Ihnen mit „pourspère“ zu geben versucht habe, aus drei oder vier Wörtern gebildet, die so verwendet werden, dass sie Funken erzeugen, Pailletten.

C’est sans doute fascinant, quoiqu’à la vérité, le sens, au sens que nous lui donnons d’habitude, y perd.

Das ist sicherlich faszinierend, obgleich in Wahrheit der Sinn, in dem Sinn, den wir ihm üblicherweise geben, hier einen Verlust erleidet.27

M. Clive Hart, dans Structure and Motif of Finnegans Wake, parle de je ne sais quoi de décevant dans l’usage que Joyce fait de ce type de pun.

Monsieur Clive Hart spricht in Structure and motif of Finnegans Wake von etwas Enttäuschendem in der Art, wie Joyce von dieser Art pun Gebrauch macht.28

M. Atherton, dans son livre The Books at the wake, réfère ça à the unforeseen, l’imprévu.

Monsieur Atherton bezieht das in seinem Buch The books at the wake auf the unforeseen, auf das Unvorhergesehene.29

Ce pun, c’est plutôt le porte-manteau au sens de Lewis Carroll, en quoi celui-ci est un précurseur – et pour l’avoir sans doute rencontré assez tard, Joyce a dû, résume Atherton, s’en trouver quelque peu importuné.

Dieses pun, das ist eher das portmanteau, das Kofferwort im Sinne von Lewis Carroll, worin dieser ein Vorläufer ist, und da er auf ihn zweifellos ziemlich spät gestoßen ist, musste Joyce, so resümiert Atheron, sich davon ein wenig gestört fühlen.30

Lisez des pages de Finnegans Wake, sans chercher à comprendre – ça se lit.

Lesen Sie einige Seiten aus Finnegans Wake, ohne zu verstehen zu versuchen – das liest sich.

Ça se lit, mais comme me le faisait remarquer quelqu’un de mon voisinage, c’est parce qu’on sent présente la jouissance de celui qui a écrit ça.

Das liest sich, aber deshalb, worauf mich jemand aus meinem Umfeld aufmerksam gemacht hat, weil man spürt, dass das Genießen desjenigen, der es geschrieben hat, gegenwärtig ist.

Ce qu’on se demande – tout au moins ce que demandait la personne en question –, c’est pourquoi Joyce a publié. [Miller-Version in Seminar 23: l’a publié]

Man fragt sich – zumindest fragte das die erwähnte Person –, warum Joyce das veröffentlicht hat.

Pourquoi ce Work qui a été dix sept ans in progress, l’a- t-il enfin sorti noir sur blanc ?

Warum hat er dieses work, das siebzehn Jahre lang in progress war, schließlich schwarz auf weiß herausgebracht?31

C’est une chance qu’il y en ait une seule édition, ce qui permet de désigner, quand on le cite, la ligne à la bonne page, c’est-à-dire à la page qui ne portera jamais que le même numéro.

Ein Glück, dass es davon nur eine einzige Ausgabe gibt, dadurch ist es möglich, wenn man es zitiert, die Zeile auf der richtigen Seite anzugeben, d.h. auf der Seite, die immer dieselbe Zahl tragen wird.

S’il fallait que, comme les autres livres, ce soit édité sous des paginations diverses, où irait-on pour s’y retrouver !

Wenn es nötig wäre, dass es, wie die anderen Bücher, mit unterschiedlichen Seitenzählungen herausgegeben würde, was müsste man nicht alles anstellen, um sich hier zurechtzufinden!

Mais qu’il l’ait publié, c’est ce dont j’espérerais, s’il était là, le convaincre qu’il voulait être Joyce le symptôme, en tant que, le symptôme, il en donne l’appareil, l’essence, l’abstraction.

Aber dass er es veröffentlicht hat, das ist das, womit ich ihn, wenn er da wäre, zu überzeugen hoffte, dass er Joyce das Symptom sein wollte, insofern er davon, vom Symptom, den Apparat, die Essenz, die Abstraktion liefert.

Car si quelque chose rend compte du fait noté par Clive Hart, qu’à suivre ses pas, on s’en trouve à la fin, fatigué, c’est bien ceci qui prouve que vos symptômes à vous, c’est la seule chose qui chez chacun porte l’intérêt.

Denn wenn etwas die von Clive Hart notierte Tatsache erklärt, dass man, wenn man seinen Schritten folgt, am Ende ermüdet ist, dann ist es eben dies, dass Ihre eigenen Symptome erwiesenermaßen das einzige sind, was bei einem jeden von Ihnen das Interesse auf sich lenkt.

Le symptôme chez Joyce est un symptôme qui ne vous concerne en rien.

Das Symptom bei Joyce ist ein Symptom, das Sie auf keine Weise betrifft.

C’est le symptôme en tant qu’il n’y a aucune chance qu’il accroche quelque chose de votre inconscient à vous.

Es ist insofern das Symptom, als ganz und gar ausgeschlossen ist, dass es irgendetwas von Ihrem eigenen Unbewussten fesselt.

Je crois que c’est là le sens de ce que me disait la personne qui m’interrogeait sur pourquoi il l’avait publié.

Ich glaube, das ist der Sinn dessen, was mir die Person sagte, die mich dazu befragt hat, warum er es veröffentlicht hat.

… bien que ne jouant que sur le langage

obwohl nur mit der Sprache spielend

Esacbeaux

Escabeau, Larousse Universel 1922

Il faudrait continuer ce questionnement de l’œuvre majeure et terminale, de l’œuvre à quoi en somme Joyce a réservé la fonction d’être son escabeau.

Man sollte diese Befragung des Haupt- und Endwerkes fortsetzen, des Werkes, dem Joyce schließlich vorbehalten hat, als seine Leiter zu fungieren.32

Car de départ, il a voulu être quelqu’un dont le nom, très précisément le nom, survivrait à jamais.

Denn sein Ausgangspunkt war, dass er jemand sein wollte, dessen Name, und zwar genau der Name, auf immer überleben würde.

À jamais veut dire qu’il marque une date.

„Auf immer“ meint, dass er einen historischen Einschnitt darstellt.

On avait jamais fait de littérature comme ça.

Noch nie war Literatur wie diese gemacht worden.

Et pour, ce mot littérature, en souligner le poids, je dirai l’équivoque sur quoi souvent Joyce joue – letter, litter.

„Literatur“ – um das Gewicht dieses Wortes hervorzuheben, will ich die Äquivokation nennen, mit der Joyce oft spielt: letter33, litter34.

La lettre est déchet.

Der Buchstabe ist Abfall.

Or, s’il n’y avait pas ce type d’orthographe si spéciale qui est celui de la langue anglaise, les trois quarts des effets de Finnegans seraient perdus.

Nun, wenn es nicht diese sehr spezielle Art Rechtschreibung gäbe, die des Englischen, drei Viertel der Effekte von Finnegans wären verloren.

Le plus extrême, je peux vous le dire – le devant d’ailleurs à Jacques Aubert – Who ails, après ça tongue, écrit comme langue en anglais, tongue, un mot ensuite, énigmatique, coddeau – « Who ails tongue coddeau a space of dumbillsilly ? » Si j’avais rencontré cet écrit, aurais-je ou non perçu – « Où est ton cadeau, espèce d’imbécile ? »

Den extremsten Fall kann ich Ihnen nennen, dank Jacques Aubert übrigens: Who ails, und danach tongue, im Englischen wie langue geschrieben, tongue, dann ein rätselhaftes Wort, coddeau, „Who ails tongue coddeau a space of dumbillsilly?“ Wenn ich auf diesen Schrieb gestoßen wäre, hätte ich dann das Folgende wahrgenommen, ja oder nein: „Où est ton cadeau, espèce d’imbécile?“ [„Wo ist dein Geschenk, du Blödmann?“]35

L’inouï, c’est que cette homophonie en l’occasion translinguistique ne se supporte que d’une lettre conforme à l’orthographe de la langue anglaise.

Das Unglaubliche ist, dass diese Homophonie, die hier translinguistischen Charakter hat, nur durch einen Buchstaben gestützt wird, der mit der Rechtschreibung der englischen Sprache konform geht.

Vous ne sauriez pas que Who peut se transformer en si vous ne saviez que Who au sens interrogatif se prononce ainsi.

Sie wüssten nicht, dass „who“ in „où“ ungewandelt werden kann, wenn Sie nicht wüssten, dass „who“ im interrogativen Sinn so ausgesprochen wird.

Il y a je ne sais quoi d’ambigu dans cet usage phonétique, que j’écrirais aussi bien f.a.u.n.e.

Es gibt etwas Zweideutiges in diesem phonetischen Sprachgebrauch, was ich auch so schreiben würde: f, a, u, n, e [faune (Faun), homophon mit phone].

Le faunesque de la chose repose tout entier sur la lettre, à savoir sur quelque chose qui n’est pas essentiel à la langue, qui est quelque chose de tressé par les accidents de l’histoire.

Das Fauneske / das Phoneske der Sache beruht gänzlich auf dem Buchstaben, also auf etwas, was für die Sprache nicht wesentlich ist, etwas, was durch die Zufälle der Geschichte geflochten wurde.

Que quelqu’un en fasse un usage prodigieux, interroge en soi ce qu’il en est du langage.

Dass jemand einen so ungewöhnlichen Gebrauch davon macht, ist an sich eine Befragung dessen, was es mit der Sprache auf sich hat.

J’ai dit que l’inconscient est structuré comme un langage.

Ich habe gesagt, dass das Unbewusste strukturiert ist wie eine Sprache.

Il est étrange que je puisse dire aussi désabonné de l’inconscient quelqu’un qui ne joue strictement que sur le langage – quoiqu’il se serve de la langue entre autres qui est, non pas la sienne – car la sienne est justement une langue effacée de la carte, à savoir le gaélique, dont il savait quelques petits bouts, assez pour s’orienter, mais pas beaucoup plus – non pas la sienne donc, mais celle des envahisseurs, des oppresseurs.

Es ist merkwürdig, dass ich über jemand, der strikt nur mit der Sprache spielt, auch sagen kann, dass sein Abonnement auf das Unbewusste gekündigt war, auch wenn er sich, unter anderen Sprechen, derjenigen bedient, die nicht seine ist – denn seine ist ja gerade eine von der Karte ausgelöschte Sprache, nämlich das Gälische, von dem er einige Brocken kannte, hinreichend, um sich zu orientieren, aber nicht viel mehr –, die also nicht seine ist, sondern die der Eindringlinge, der Unterdrücker.

Joyce a dit qu’en Irlande on avait un maître et une maîtresse, le maître étant l’Empire britannique, et la maîtresse la Sainte Église catholique, apostolique et romaine, les deux étant du même genre de fléau.

Joyce hat gesagt, in Irland habe man einen Herrn und eine Herrin, wobei der Herr das britische Empire ist und die Herrin die katholische, apostolische und römische Heilige Kirche und beide zur selben Art von Plage gehören.

C’est bien ce qui se constate dans ce qui fait de Joyce le symptôme, le symptôme pur de ce qu’il en est du rapport au langage, en tant qu’on le réduit au symptôme – à savoir, à ce qu’il a pour effet, quand cet effet on ne l’analyse pas – je dirai plus, qu’on s’interdit de jouer d’aucune des équivoques qui émouvraient l’inconscient chez quiconque.

Das lässt sich eben in dem feststellen, was aus Joyce das Symptom macht, das reine Symptom dessen, worum es beim Verhältnis zur Sprache geht, insofern man es auf das Symptom reduziert, nämlich auf das, was sie zur Wirkung hat, wenn man diese Wirkung nicht analysiert, ich gehe noch weiter, sofern man es sich versagt, mit irgendeiner der Äquivokationen zu spielen, die bei jedermann das Unbewusste in Bewegung versetzen würden.

La jouissance, non l’inconscient

Das Genießen, nicht das Unbewusste

Si le lecteur est fasciné, c’est de ceci que, conformément à ce nom qui fait écho à celui de Freud, après tout, Joyce a un rapport à joy, la jouissance, s’il est écrit dans lalangue qui est l’anglaise – que cette jouasse, cette jouissance est la seule chose que de son texte nous puissions attraper.

Wenn der Leser fasziniert ist, dann deshalb, weil Joyce schließlich, in Übereinstimmung mit diesem Namen, der auf den von Freud ein Echo gibt36, ein Verhältnis zur joy hat, zur jouissance, zum Genießen, wenn es in lalangue, nämlich in Englisch geschrieben ist, weil dieses Gelüst37, dieses Genießen das einzige ist, was wir von seinem Text einfangen können.38

Là est le symptôme.

Da ist das Symptom.

Le symptôme en tant que rien ne le rattache à ce qui fait lalangue elle-même dont il supporte cette trame, ces stries, ce tressage de terre et d’air dont il ouvre Chamber music, son premier livre publié, livre de poèmes.

Das Symptom, insofern nichts es mit dem verbindet, was lalangue selbst macht, womit er diesen Schussfaden, diese Streifen, diese Verflechtung der Erde und der Luft stützt, womit er Chamber music eröffnet, sein erstes publiziertes Buch, ein Gedichtband.39

Le symptôme est purement ce que conditionne lalangue, mais d’une certaine façon, Joyce le porte à la puissance du langage, sans que pour autant rien n’en soit analysable, c’est ce qui frappe, et littéralement interdit – au sens où l’on dit – je reste interdit.

Das Symptom ist rein das, was durch lalangue bedingt wird, aber Joyce erhebt es auf bestimmte Weise zur Potenz der Sprache, ohne dass deswegen irgendetwas davon analysierbar wäre; das ist das, was verblüfft und im wörtlichen Sinne interdit, „untersagt“, in dem Sinne, in dem man sagt, je reste interdit, mir verschlägt es die Sprache.

Qu’on emploie le mot interdire pour dire stupéfaire a toute sa portée.

Dass man das Wort interdire verwendet, „untersagen“, „verbieten“, um „verblüffen“ zu sagen, „in sprachloses Staunen versetzen“, hat durchaus sein Gewicht.

C’est là ce qui fait la substance de ce que Joyce apporte, et par quoi d’une certaine façon, la littérature ne peut plus être après lui ce qu’elle était avant.

Das ist das, was die Substanz dessen bildet, was Joyce beisteuert und wodurch die Literatur nach ihm in gewisser Weise nicht mehr das sein kann, was sie vorher war.

Ce n’est pas pour rien que Ulysse aspire, aspire un quelque chose d’homérique, bien qu’il n’y ait pas le moindre rapport, quoique Joyce ait lancé les commentateurs sur ce terrain, entre ce qui se passe dans Ulysse et ce qu’il en est de l’Odyssée.

Es ist nicht ohne Bedeutung, dass Ulysses etwas Homerisches ansaugt, obwohl es zwischen dem, was im Ulysses geschieht, und dem, worum es in der Odyssee geht, nicht die geringste Beziehung gibt, auch wenn Joyce die Kommentatoren auf dieses Gebiet gelockt hat.

Assimiler Stephen Dedalus à Télémaque…

Stephen Dedalus an Telemachos anzugleichen

On se casse la tête à porter le faisceau du commentaire sur l’Odyssée.

Man zerbricht sich den Kopf, wenn man das Bündel der Odyssee-Kommentare trägt.

Et comment dire que Bloom soit en quoi que ce soit, pour Stephen, qui n’a rien à faire avec lui, sauf de le croiser de temps en temps dans Dublin, son père ? –

Und wie kann man sagen, Bloom sei auf irgendeine Weise für Stephen – der mit ihm nichts zu tun hat, außer dass er von Zeit zu Zeit in Dublin seinen Weg kreuzt – der Vater?

Si ce n’est que déjà Joyce pointe, et se trouve dénoter que toute la réalité psychique, c’est-à-dire le symptôme, dépende, au dernier terme, d’une structure où le Nom-du-Père est un élément inconditionné.

Doch nur deshalb, weil bereits Joyce zeigt und durchaus darauf verweist, dass die gesamte psychische Realität, d.h. das Symptom, letztlich von einer Struktur abhängt, in der der Name-des-Vaters ein unbedingtes Element ist.

Le Père borroméen

Der borromäische Vater

Le père comme nom et comme celui qui nomme, ce n’est pas pareil.

Der Vater als Name und als derjenige, der benennt, das ist nicht das gleiche.

Le père est cet élément quart – j’évoque là quelque chose dont seulement une partie de mes auditeurs peuvent avoir le délibéré – cet élément quart sans lequel rien n’est possible dans le nœud du symbolique, de l’imaginaire et du réel.

Der Vater ist dieses vierte Element – ich beziehe mich hier auf etwas, was nur ein Teil meiner Zuhörer in Erwägung gezogen haben kann –, dieses vierte Element, ohne das im Knoten des Symbolischen, des Imaginären und des Realen nichts möglich ist.40

Mais il y a une autre façon de l’appeler, et c’est là que je coiffe aujourd’hui ce qu’il en est du Nom-du-Père au degré où Joyce en témoigne – de ce qu’il convient d’appeler le sinthome.

Es gibt jedoch noch eine andere Weise, das vierte Element zu benennen, und das ist es, was ich heute dem Namen-des-Vaters aufsetze, im Maße, in dem Joyce davon zeugt, das nämlich, was man das Sinthom nennen sollte.

C’est en tant que l’inconscient se noue au sinthome, qui est ce qu’il y a de singulier chez chaque individu, qu’on peut dire que Joyce, comme il est écrit quelque part, s’identifie à l’individual.

Insofern das Unbewusste verknotet ist mit dem Sinthom – welches das ist, was es bei jedem Individuum an Einzigartigem gibt –, kann man sagen, dass Joyce, wie irgendwo geschrieben wurde, sich mit dem individual41 identifiziert.

Il est celui qui se privilégie d’avoir été au point extrême pour incarner en lui le symptôme, ce par quoi il échappe à toute mort possible, de s’être réduit à une structure qui est celle même de lom, si vous me permettez de l’écrire tout simplement d’un l.o.m.

Er ist derjenige, der sich dadurch auszeichnet, am äußersten Punkt gewesen zu sein, um in sich das Symptom zu verkörpern, das, wodurch er jedem möglichen Tod entgeht, da er sich auf eine Struktur reduziert hat, die eben die des lom ist, wenn Sie mir erlauben, das ganz einfach so zu schreiben: l, o, m.42

C’est ainsi qu’il se véhicule, comme quelque chose qui met un point final à un certain nombre d’exercices.

Auf diese Weise zirkuliert er als etwas, was für eine gewisse Anzahl von Praktiken einen Schlusspunkt setzt.

Il met un terme.

Er setzt einen Endpunkt.

Mais comment entendre le sens de ce « terme » ?

Aber wie soll man den Sinn dieses „Endpunkts“ verstehen?

Il est frappant que Clive Hart mette l’accent sur le cyclique et sur la croix comme étant substantiellement ce à quoi Joyce se rattache.

Es ist verblüffend, dass Clive Hart das Zyklische und das Kreuz hervorhebt, als im Wesentlichen das, woran Joyce sich bindet.

Certains d’entre vous savent qu’avec ce cercle et cette croix, je dessine le nœud borroméen.

Einige unter Ihnen wissen, dass ich mit diesem Kreis und diesem Kreuz den borromäischen Knoten zeichne.

Interroger Joyce sur ceci, que ce nœud produit, à savoir l’ambiguïté du 3 et du 4, à savoir ce à quoi il restait collé, attaché, à l’interrogation de Vico, à des choses pires, à la conversation avec les esprits, qu’Atherton range d’ailleurs sous le titre général de spiritualism, ce qui m’étonne, car j’avais appelé ça jusqu’à présent spiritisme.

Joyce darüber zu befragen, was dieser Knoten hervorbringt, nämlich die Ambiguität von drei und vier, nämlich das, woran er haften blieb, woran er gebunden blieb: an die Befragung von Vico, an schlimmere Sachen, an das Gespräch mit den Geistern, das Atherton übrigens unter der allgemeinen Rubrik des spiritualism einordnet, was mich erstaunt, denn ich habe das bis jetzt spiritisme genannt.43

Il est assurément surprenant de voir qu’à l’occasion, cela contribue dans Finnegans au titre du symptôme, je crois.

Es ist sicherlich überraschend zu sehen, dass dies hierbei in Finnegans zur Kategorie des Symptoms beiträgt, wie ich annehme.

Ce n’est pas tout, car il est difficile de ne pas tenir compte de cette fiction qu’on peut mettre sous la rubrique de l’initiation.

Das ist nicht alles, denn es ist schwierig, nicht diese Fiktion zu berücksichtigen, die man unter der Rubrik Initiation einordnen kann.

En quoi consiste ce qui se véhicule sous ce registre et sous ce terme ?

Worin besteht das, was in diesem Register und unter diesem Ausdruck zirkuliert?

Combien d’associations qui se font arme de drapeaux dont ils ne comprennent pas le sens ?

Wie viele Vereinigungen, die sich mit Flaggen bewaffnen, deren Bedeutung sie nicht verstehen!

Que Joyce se soit délecté à Isis Unveiled de Mme Blavatski est une chose que j’apprends d’Atherton, et qui me sidère.

Dass Joyce sich an Isis Unveiled von Madame Blavatsky44 ergötzt hat, ist eine Sache, die ich von Atherton erfahre und die mich verblüfft.

La forme de débilité mentale que comporte toute initiation est ce qui, moi, me saisit d’abord, et me la fait peut-être sous-estimer.

Die Form geistiger Debilität, die jede Initiation mit sich bringt, ist das, was mich als erstes ergreift und lässt mich das vielleicht unterschätzen.

Il faut dire que, peu après le temps où j’avais fait, grâce au ciel, la rencontre de Joyce, j’allais trouver un nommé René Guénon qui ne valait pas plus cher que ce qu’il y a de pire en fait d’initiation.

Ich muss dazu sagen, dass ich, kurz nach der Zeit, als ich, dem Himmel sei Dank, Joyce begegnet bin, einen gewissen Renè Guénon aufgesucht habe, der nicht mehr wert war als das, was es in Sachen Initiation an Schlimmstem gibt.45

Hi han a pas, à écrire comme celui de l’âne à quoi Joyce fait allusion comme au point central de ces quatre termes qui sont le Nord, le Sud, l’Est et l’Ouest, comme au point de croisée de la croix – c’est un âne qui le supporte, Dieu sait que Joyce en fait état dans Finnegans.

Hi han a pas [il n‘y en a pas (es gibt (davon) keine) + hi han (I-Ah)], zu schreiben wie der Ruf des Esels, auf den Joyce anspielt als zentralen Punkt dieser vier Terme, nämlich Norden, Süden, Osten und Westen, als Kreuzungspunkt des Kreuzes – es ist ein Esel, der das stützt, Gott weiß, dass Joyce in Finnegans davon viel Aufhebens macht.

Mais quand même Finnegans, ce rêve, comment le dire fini, puisque déjà son dernier mot ne peut se rejoindre qu’au premier, le the sur lequel il se termine se raccolant au riverrun dont il se débute, ce qui indique le circulaire ?

Aber gleichwohl, wie soll man Finnegans, diesen Traum, als fini, als abgeschlossen bezeichnen, wenn schon sein letztes Wort nur mit dem ersten wieder verbunden werden kann, wo das the, mit dem es endet, sich mit dem riverrun verknüpft, mit dem es beginnt, was auf das Zirkuläre verweist – ?

Pour tout dire, comment Joyce a-t-il pu manquer à ce point ce qu’actuellement j’introduis du nœud ?

Um es ganz klar zu sagen, wie konnte Joyce derart das verfehlen, was ich gegenwärtig vom Knoten einführe?

Ce faisant j’introduis quelque chose de nouveau, qui rend compte non seulement de la limitation du symptôme, mais de ce qui fait que c’est de se nouer au corps, c’est-à-dire à l’imaginaire, de se nouer aussi au réel, et comme tiers à l’inconscient, que le symptôme a ses limites.

Damit führe ich etwas Neues ein, was nicht nur von der Begrenzung des Symptoms Rechenschaft ablegt, sondern auch von dem, was bewirkt, dass das Symptom seine Grenzen daher hat, dass es mit dem Körper verknotet ist, d.h. mit dem Imaginären, dass es auch mit dem Realen verknotet ist und als drittes mit dem Unbewussten.

C’est parce qu’il rencontre ses limites qu’on peut parler du nœud, qui est quelque chose qui assurément se chiffonne, peut prendre la forme d’un peloton, mais qui, une fois déplié, garde sa forme – sa forme de nœud – et du même coup son ex-sistence.

Von einem Knoten kann man deshalb sprechen, weil es auf seine Grenzen trifft, von einem Knoten, der sicherlich etwas ist, was zerknautscht werden und die Form eines Knäuels annehmen kann, was aber, wenn es entfaltet wird, seine Form bewahrt, seine Form als Knoten, und damit zugleich seine Ex-sistenz.46

C’est ce que je me permettrai d’introduire dans mon cheminement de l’année prochaine, en prenant appui sur Joyce, entre autres.

Das ist das, was ich mir erlauben werde, in meinen Parcours des nächsten Jahres einzuführen, wobei ich mich auf Joyce stütze, unter anderen.47

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Anmerkungen

  1. Joyce le symptôme I erschien außerdem in:
    Jacques Aubert (Hg.): Joyce avec Lacan. Navarin, Paris 1987, S. 21–30,
    – Jacques Lacan: Seminar 23, Version Miller 2005, S. 161–169 (ohne den Zusatz „I“ im Titel).
    Im Internet auf der Seite der École lacanienne de psychanalyse hier.
    – Eine englische Übersetzung von Joyce le symptôme I durch Aaron Benanav findet man hier und hier.
  2. J. Aubert: Introduction à l’esthétique de James Joyce. Didier, Paris 1973
  3. 1923 bis 1939 in Paris geschrieben, Arbeitstitel Work in Progress, 1939 bei Faber & Faber in London veröffentlicht.
  4. Das griechische Wort symptôm besteht aus sym, „zusammen“ und ptôma, „Fall“, meint also das, was zusammenfällt, was zusammen auftritt.
  5. Oscar Bloch, Walther von Wartburg: Dictionnaire étymologique de la langue française. Presses Universitaires de France, Paris; die 1. Auflage erschien 1932, die 7. Auflage 1975,  die neueste Taschenbuchausgabe ist von 2008.
  6. Vgl. J. Lacan: Television (1973). In: Ders.: Radiophonie. Television. Quadriga, Weinheim u.a. 1988, S. 55–95, zum Heiligen: S. 70–72.
  7. Rabelais hat den Wechsel zum am Griechischen orientierten Spachgebrauch – „Symptom“ – vollzogen.
  8. Die Dimension der Benennung ist vermutlich die Identifizierung.
  9. Gemeint ist die von Lacan besuchte katholische Privatschule, das von Marianisten geleitete Collège Stanislas.
  10. Ein von Priestern erzogenes Kind.
  11. Pariser Buchhändlerin und Verlegerin, in deren Buchhandlung öffentliche Lesungen stattfanden.
  12. Ulysses erschien zuerst 1922 auf englisch bei Sylvia Beach in Paris. Die erste französische Übersetzung (von Auguste Morel) wurde 1924 begonnen und als Buch 1929 im Verlag von Adrienne Monnier veröffentlicht.
  13. Complément direct oder complément d’objet direct ist ein Begriff der Grammatik. Das complément direct ist von einem direkten transitiven Verb abhängig. Gemeint ist: parler soll transitiv aufgefasst werden, das nous in qui nous parle steht im Akkusativ.
  14. Joyce lebte von 1920 bis 1940 in Paris. Der Titel des Kongressbandes – also vermutlich auch bereits des Kongresses – bezieht sich darauf: Jacques Aubert, Maria Jolas (Hg.): Joyce & Paris. 1902 1920-1940 1975. Actes du 5. Symposium International James Joyce, Paris 16 – 20 juin 1975. Publications de l’Université de Lille, Éditions du C.N.R.S., Paris 1979.
  15. Joyce in einem Interview: „‚Warum haben Sie das Buch ((Finnegans Wake)) gerade so geschrieben?‘ wollte jemand anderes wissen. ‚Um die Kritiker dreihundert Jahre lang zu beschäftigen.‘“ (Richard Ellmann: James Joyce. Vermutlich: Revidierte und ergänzte Ausgabe, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996 (?), S. 1033) – und zum französischen Übersetzer des Ulysses, der den Plan des Buches haben wollte, sagte Joyce: „Wenn ich alles sofort preisgäbe, würde ich meine Unsterblichkeit verlieren. Ich habe so viele Rätsel und Geheimnisse hineingesteckt, dass es die Professoren jahrhundertelang in Streit darüber halten wird, was ich wohl gemeint habe, und nur so sichert man sich seine Unsterblichkeit.“ (Ellmann, S. 773)
  16. Annalisten sind diejenigen, die die Annalen schreiben, also Geschichtsschreiber.
  17. Gemeint ist der Psychoanalytiker.
  18. Shem das Shemptom steht also für Joyce den Schreiber, für Joyce das Symptom; Shaun entspricht Jones und damit vermutlich dem Symbol.
    Vgl. Geneviève Morels Erläuterung von Joyce das Symptom I in: Dies.: La loi de la mère. Essai sur le sinthome sexuel. Economica, Anthropos, Paris 2008, S. 84–86.

    Die Verbindung zwischen Jones und dem Symbol wird duch dessen Theorie der Symbolik nahegelegt, auf die sich Lacan in Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache zustimmend bezieht (vgl. E. Jones: Die Theorie der Symbolik (1916). In: Ders.: Die Theorie der Symbolik und andere Aufsätze. Ullstein, Frankfurt am Main u.a. 1978, S. 50–114. Hierzu J. Lacan: Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse (Vortrag von 1953, veröffentlicht 1956, überarbeitet 1966). In: Schriften II, S. 137 f.) und auf die er 1960 kritisch zurückkommt (vgl. J. Lacan: À la mémoire d’Ernest Jones: Sur sa théorie du symbolisme (1960). In: Ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 697–717).

  19. Ernest Jones (1879-1958), Autor von: Sigmund Freud, Life and Work. 3 Bde. Hogarth, London 1953–1957. Vollständige deutsche Übersetzung: Das Leben und Werk von Sigmund Freud. 3 Bde. Übers. v. Katherine Jones und Gertrud Meili-Doretzki. Huber, Bern 1960–1962. Ein Nachdruck dieser Übersetzung erschien 1984 bei dtv, München, mit verändertem Titel: Sigmund Freud. Leben und Werk.
  20. Morel vermutet, dass gemeint ist, Jones würde es sich nicht erlauben, mit dem Äquivok zu spielen (Witze zu machen) und das Unbewusste in Bewegung zu versetzen. Vgl. Morel, a.a.O. Es könnte aber auch gemeint sein, dass Jones nicht wagen würde, Freud zu kritisieren, ihm ein schlechtes Gewissen zumachen.
  21. „agenbite of unwit“: Ulysses, Penguin Modern Classics 2000, S. 313. Der mittelenglische Ausdruck „ayenbite of inwit“ meint „again-biting of inner wit“, den Gewissensbiss; siehe diesen Artikel in der englischen Wikipedia. Wollschläger übersetzt mit „Gewissensbisse“. J. Joyce: Ulysses. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979, S. 338.
  22. Lacan verweist in seinem Aufsatz über Ernest Jones auf zwei persönliche Begegnungen und einen Brief von Jones an Lacan.
    1936 traf Lacan Jones auf dem 14. Kongress der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung in Marienbad, wo Lacan eine erste Fassung seiner Darstellung des Spiegelstadiums vortrug. Lacan zufolge unterbrach Jones, damals Präsident der IPV und als solcher der Kongressleiter, Lacans Vortrag nach zehn Minuten. Vgl. Elisabeth Roudinesco: Jacques Lacan. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, S. 181 f.
    Lacan erinnert sich außerdem an einen Besuch bei Jones in Elsted, ein Dorf in West Sussex, während der Zeit, als Jones am ersten Band der Freud-Biographie arbeitete. Der erste Band erschien 1953, vielleicht bezieht Lacan sich auf seinen England-Aufenthalt im Jahr 1945.
    Schließlich verweist er auf einen Brief von Jones an Lacan aus dem Jahr 1957, in Jones sich dafür entschuldigte, eine Einladung in Lacans Landhaus nicht annehmen zu können. (Vgl. Écrits, S. 697)
  23. Oscar Wilde, The Importance of Being Earnest, Theaterstück, Uraufführung 1895.

    Über die Ernsthaftigkeit von Jones schreibt Lacan in seinem Jones-Aufsatz: „Wenn er [Jones] verfehlt, hier seinen Weg zu finden, so ist das in zwei Schritten / zu zwei Zeiten ganz offenkundig, wo der Fehler seines Ausgangspunkts unseres Erachtens in dieser sehr verfänglichen Umkehrung in seinem Denken besteht, durch die sein Bedürfnis nach Ernsthaftem für die Analyse sich, ohne dass er das analysiert, das Ernsthafte des Bedürfnisses zunutze macht (par quoi son besoin de sérieux pour l’analyse s’y prévaut, sans qu’il l’analyse, du sérieux du besoin).
    Davon davon zeugt dieser Satz seiner Kontroverse mit Silberer:
    ‚Wenn es in der Psychoanalyse, oder ganz einfach in einer genetischen Psychologie, welcher auch immer, irgendeine Wahrheit gibt, dann müssen die primären Komplexe, die sich im Symbolismus manifestieren, die beiden beständigen Quellen des geistigen Lebens sein [Anm. Lacan: must be, Hervorhebung von uns] und das gerade Gegenteil reiner Stilfiguren.‘ Eine Bemerkung, die auf eine bestimmte Kontingenz abzielt, die Silberer in der Anwendung von Symbolen wie auch in den Wiederholungen, denen sie Konsistenz geben, ganz richtig feststellt [Anm. Lacan: Jones geht so weit, die Waffe der Analyse zu verwenden, indem er den Gebrauch des Ausdrucks ‚ephemer‘ als Symptom enthüllt, obwohl er in diesem Kontext von Silberer logisch gerechtfertigt ist.], um ihr die Konstanz primären Bedürfnisse in der Entwicklung entgegenzusetzen (beispielsweise oraler Bedürfnisse, deren zunehmende Förderung Jones unterstützen wird).“ (À la mémoire d’Ernest Jones. Sur sa théorie du symbolisme. In: Écrits, S. 703 f., meine Übersetzung)

    Die Ernsthaftigkeit von Ernest Jones besteht also darin, dass er, um der Psychoanalyse eine solide Grundlage zu verschaffen, die Bedürfnisse zum Fundament erklärt und die Signifikantenbeziehungen zu bloßen Stilfiguren abwertet.

  24. Anders gesagt: das Joycesche Symptom ist – anders als ein Symbol – nicht deutbar.
  25. Diese These ist zuerst von C. G. Jung vorgebracht worden, der über Ulysses schreibt, „jeder Satz ist eine Pointe“, „es ist kein Traum und keine Offenbarung des Unbewussten“. Carl Gustav Jung: Ulysses. Ein Monolog. In: Ders.: Wirklichkeit der Seele. Rascher, Zürich 1934, S. 132–169, hier: S. 136 und 156 (auch in: C. G. Jung: Über das Phänomen des Geistes in Kunst und Wissenschaft. Gesammelte Werke, Bd. 15. Walter-Verlag, Olten 1971, S. 121–149). Nach: Michael Turnheim: Lacans sinthome. In: Ders.: Mit der Vernunft schlafen. diaphanes, Zürich und Berlin 2009, S. 55–75, hier: S. 62 Fn. 15.
  26. Englisch für „Wortspiel“.
  27. Die Wortspiele können nicht, wie es in der Psychoanalyse üblich ist, auf einen unbewussten Sinn bezogen werden. Hierdurch „entgleist“ die Wahrheit, wie es in Seminar 23 heißt (Version Miller 2005, S. 23): es ist nicht möglich, das Verdrängte zu enthüllen.
  28. Clive Hart: Structure and motif of Finnegans Wake. Faber & Faber, London 1962.
  29. James S. Atherton: The books at the wake. A study of literary allusions in James Joyce’s Finnegans Wake. Faber & Faber, London 1959.
  30. Portmanteau ist ein im Englischen gebräuchliches Wort für Reisekoffer. Mit portmanteau bezeichnet Lewis Carroll Wörter, die aus mehreren Wörtern zusammengesetzt sind. Man findet das zuerst in Through the Looking-Glass (1871), wo Humpty Dumpty Alice erklärt, das Wort „slithy“ bedeute „lithe (biegsam) and slimy (schleimig)“. “You see it’s like a portmanteau—there are two meanings packed up into one word.” Die deutsche Übersetzung ist “Kofferwort”.
  31. Work in Progress war Joyces Arbeitstitel für Finnegans Wake.
  32. In Joyce das Symptom II bezieht Lacan sich ausführlich auf das escabeau, das S.K.beau, den Signifikanten des Schönen.
    Escabeau ist der Schemel, die Trittleiter, die Stehleiter. In der Ballade Finnegan’s Wake, auf die Joyces Finnegans Wake anspielt, fällt Tim Finnegan betrunken von einer Leiter (ladder) und stirbt; sein Leichnam wird zur Totenwache (wake) aufgebahrt. Wegen dieser Verbindung übersetze ich escabeau mit „Leiter“ statt mit „Schemel“. Für die Leiter wählt Lacan nicht échelle, sondern escabeau, da in escabeau das Wort beau enthalten ist, „schön“.
  33. Buchstabe.
  34. Abfall.
  35. Vgl. hierzu Thelma Sowley, La lettre dans l’œuvre de Joyce.
  36. Freud – Freude – joyJoyce.
  37. Jouasse: Slangausdruck für „äußerstes Glück“, von jouer, spielen.
  38. Lalangue: Neologismus von Lacan für die Muttersprache im Sinne von: das Sprechen der Mutter, mit dem das Kind konfrontiert ist, gezeichnet durch Äquivokationen und die enge Verbindung zum Genießen (der Erregung). Lacan verwendet den Ausdruck „lalangue“ zum ersten Mal am 4. November 1971, im ersten Vortrag einer Vortragsreihe mit dem Titel Le savoir de l’analyste (Das Wissen des Analytikers). Vgl. J.Lacan: Ich spreche zu den Wänden. Turia + Kant, Wien u.a. 2013, S. 18.
  39. Chamber music, 1907, dt. Kammermusik. Das erste Gedicht beginnt so: „Strings in the earth and air / Make music sweet; / Strings by the river where / The willows meet.“
  40. Der Vater ist der vierte Ring in einem borromäischen Viererknoten. Ein borromäischer Knoten (Mathematiker sagen: ein borromäischer Ring) ist ein Knoten aus Ringen, die so zusammengefügt sind, dass beim Auftrennen eines beliebigen Rings alle Ringe auseinanderfallen. Von borromäischen Knoten spricht Lacan zum ersten Mal in Seminar 19 von 1971/72, … oder noch schlimmer. Der Vater als vierter Ring in einem borromäischen Viererknoten ist ein Thema von Seminar 22 von 1974/75, RSI.
  41. Englisch für „der/das Einzelne“.
  42. Wird lom als Wort ausgesprochen, hört man das französische Wort l’homme, „der Mensch“, „der Mann“, buchstabiert man, hört man den jüdischen Gottesnamen Elohim.
  43. Glaube an Geister heißt im Englischen spiritualism, im Französischen spiritisme. Der französische Ausdruck spiritualisme meint etwas anderes, nämlich „Philosophie des Geistes“.
  44. Helena Petrovna Blavatsky: Isis unveiled : A Master-Key to the Mysteries of Ancient and Modern Science and Theology. New York 1877, Schlüsselwerk der Theosophie.
  45. René Guénon, 1886-1951; in Wikipedia wird er als „Metaphysiker“ bezeichnet (aber was heißt das?), auch als „Esoteriker“, siehe den deutschen Wikipedia-Artikel hier, den französischen hier.
  46. Unter Ex-sistenz versteht Lacan, wie er in Seminar 22, RSI, erläutert, die Äußerlichkeit der Ringe des borromäischen Knotens im Verhältnis zueinander: dass sie nicht verschmolzen sind, sondern sich aneinander stoßen und dass sie nicht wie die Glieder einer Kette direkt miteinander verbunden sind. Durch das Zerknäulen des Knotens kommt es nicht zu einer Verschmelzung der Ringe.
  47. Lacan bezieht sich auf Seminar 23 von 1975/76, Le sinthome, Das Sinthom.

Kommentare

Jacques Lacan: Joyce das Symptom I (Übersetzung) — 2 Kommentare

  1. … und noch ein Kommentar zu FN 45: Heidegger beschreibt die Metaphysik als das „Sichentziehen […] des Philosophierens als des menschlichen Tuns in das Dunkel des Wesens des Menschen“. Ich finde das im Zusammenhang mit René Guénon eine ziemlich passende Beschreibung.

  2. Anmerkung zu Fußnote 9: Stanislaus ist ja auch der Name seines Vaters, seine père-version, also kommt er auch aus dem „stanislas“des Vaters. Im Übrigen kann ich Ihnen zu der meisterhaften Übersetzung nur gratulieren!

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