Mangel im Anderen

Die Unordnung der symbolischen Ordnung

Compagnie de la mère folle - zu: Mangel im AnderenStan­der der Com­pa­gnie de la mère fol­le de Di­jon
(Ge­sell­schaft der när­ri­schen Mut­ter von Di­jon)
Frank­reich, 17. Jahr­hun­dert. Von die­ser Sei­te.

Der Be­griff „sym­bo­li­sche Ord­nung“ ge­hört zu den sta­bils­ten Ele­men­ten von La­cans be­weg­li­chem Theo­rie­ge­fü­ge. Was ist in „sym­bo­li­sche Ord­nung“ mit „Ord­nung“ ge­meint? In den Auf­sät­zen liest man den Be­griff zu­erst in Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che von 1953, ei­ner Ar­beit, die 1956 ver­öf­fent­licht wur­de. Zu­letzt fin­det man den Be­griff in Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht, ei­nem Vor­trag von 1958, der 1962 im Druck er­schien. Das ist kein so lan­ger Zeit­raum. In den Se­mi­na­ren je­doch ver­wen­det La­can den Be­griff vom An­fang bis fast zum Ende, vom ers­ten Se­mi­nar an, dem von 1953/54, bis ein­schließ­lich Se­mi­nar 21 von 1973/74.1

Die sym­bo­li­sche Ord­nung ist kei­nes­wegs eine Norm oder et­was Vor­bild­li­ches oder eine kon­flikt­mi­ni­mie­ren­de Auf­ge­räum­theit. Das Sym­bo­li­sche ist in­so­fern eine Ord­nung, als es ein ei­gen­stän­di­ges „Re­gis­ter“ dar­stellt, wie La­can auch sagt. François Bal­mès bringt es auf den Punkt:

Den Aus­druck ‚sym­bo­li­sche Ord­nung‘ soll­te man ver­mei­den, we­gen der Miss­ver­ständ­nis­se, zu de­nen er in die­sen Zei­ten ei­ner ag­gres­si­ven Rück­kehr zur mo­ra­li­schen Ord­nung An­lass gibt. ‚Ord­nung‘ be­sagt, im be­rech­tig­ten Sin­ne des Aus­drucks, nicht mehr als ‚spe­zi­fi­sche Di­men­si­on‘. Es geht nicht um eine Ord­nung, die zu re­spek­tie­ren oder zu be­fol­gen wäre, noch we­ni­ger um ein Ide­al, dem man ent­spre­chen müss­te, und es geht auch nicht um eine Har­mo­nie. Was be­sagt das Sym­bo­li­sche im Sin­ne von La­can denn an­de­res, als die we­sent­li­che Un­ord­nung, die aus der Ver­bin­dung der Spra­che mit dem Se­xu­el­len her­vor­geht?“2

Das Sym­bo­li­sche ist nicht nur be­frie­dend.

Wenn „man das Prin­zip auf­gibt, dass das Sym­bo­li­sche zu­gleich Ord­nung und ra­di­ka­le Un­ord­nung ist, bleibt von La­can nichts üb­rig – und viel­leicht nichts von der Psy­cho­ana­ly­se.“3

Wor­in be­steht die Un­ord­nung? Dar­in, dass die Zwei­ge­schlecht­lich­keit im Un­be­wuss­ten kei­nen Re­prä­sen­tan­ten hat.4

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Anmerkungen

  1. Von der „sym­bo­li­schen Ord­nung“ spricht La­can in den Se­mi­na­ren 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10, 12, 13, 14, 16, 18 und 21.
  2. François Bal­mès: Nom-du-Père et struc­tu­re. In: Ders.: Struc­tu­re, lo­gi­que, alié­na­ti­on. Re­cher­ches en psy­chana­ly­se. Érès, Tou­lou­se 2011, S. 11–29, hier: S. 16.
  3. Ebd., S. 29.
  4. Vgl. Se­mi­nar 14, 18. Ja­nu­ar 1967.

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