Identifizierung

Jacques Lacan über den Eigennamen (II): Seminar 12 (Übersetzung und Zusammenfassung)

Cheiron der Kentaur in Pasolinis Medea (zu: Jacques Lacan über den Eigennamen)Che­i­ron der Ken­taur (Lau­rent Ter­zieff) in dem Film Me­dea (1969)
Dreh­buch und Re­gie: Pier Pao­lo Pa­so­li­ni

Im Fol­gen­den über­set­ze ich sämt­li­che Be­mer­kun­gen La­cans über den Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 12 von 1964/1965, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se. Das Se­mi­nar ist nicht über­setzt; es gibt auch kei­ne of­fi­zi­el­le fran­zö­si­sche Aus­ga­be. Es folgt eine de­tail­lier­te sys­te­ma­ti­sie­ren­de Zu­sam­men­fas­sung so­wie ein An­hang mit ei­ni­gen der Tex­te, auf die La­can sich be­zieht.1

Die­ser Bei­trag ist der zwei­te Teil ei­ner zwei­tei­li­gen Se­rie über La­cans Kon­zep­ti­on des Ei­gen­na­mens. Den ers­ten Teil, über den Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 9, fin­det man hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für jede Men­ge Hil­fe bei der Über­set­zung, an Arndt Him­mel­reich für Links und Kor­rek­tu­ren und an Stef­fen Dietz für Kor­rek­tu­ren!

Zur Über­set­zung
Wör­ter mit Stern* sind deutsch im Ori­gi­nal.
(…) ver­weist auf Lü­cken in der Tran­skrip­ti­on.
<Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern> sind mei­ne Aus­bes­se­run­gen von La­cans Text.
[Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern] sind mei­ne Er­läu­te­run­gen.

Grund­la­ge der Über­set­zung ist die Sta­fer­la-Edi­ti­on des Se­mi­nars. Da die­se Aus­ga­be im­mer wie­der über­ar­bei­tet wird, habe ich die von mir ver­wen­de­te Fas­sung (die vom 15.5.2010) hier ge­spei­chert.

In­halt

Übersetzung

9. Dezember 1964: „Sokrates ist sterblich“

La­can spricht über den fol­gen­den klas­si­schen Syl­lo­gis­mus:

Wenn dies wahr ist: Alle Men­schen sind sterb­lich.
Und wenn dies wahr ist: So­kra­tes ist ein Mensch.
Dann ist auch dies wahr: So­kra­tes ist sterb­lich.

Ein Syl­lo­gis­mus, von dem ich hof­fe, dass es hier eine ge­wis­se Zahl Oh­ren gibt, die zur Dis­kus­si­on an­de­res zu­las­sen als die Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on), näm­lich das, was ich letz­tes Mal den Sinn (sens) ge­nannt habe.2 Die­ser Syl­lo­gis­mus hat et­was, was uns in­ne­hal­ten lässt. Die Phi­lo­so­phie hat ihn auch nicht auf An­hieb her­aus­ge­bracht und auch nicht in ei­nem rei­nen Kon­text, ein Syl­lo­gis­mus, der nir­gend­wo in den Ana­ly­ti­ca des Aris­to­te­les er­scheint, der, so neh­me ich an, sich da­vor wohl ge­hü­tet hät­te. Es war ge­wiss nicht ein­fach das Ge­fühl der Ehr­er­bie­tung oder des Re­spekts, das ihn dar­an ge­hin­dert hat, die­sen Syl­lo­gis­mus auf­zu­stel­len, von dem ein gan­zes Den­ken aus­ging, das bei der gro­ßen Men­ge der Men­schen im Spiel ist. Es ist je­doch nicht si­cher, dass in die­sem Kon­text der Ter­mi­nus ‚So­kra­tes‘ ohne Vor­sicht ein­ge­führt wer­den kann. Und das hat uns – ich neh­me hier vor­weg – zum Kern ei­ner Fra­ge ge­führt, die von der Ord­nung ge­nau der­je­ni­gen Fra­gen ist, die uns in­ter­es­sie­ren.

Es ist ein­zig­ar­tig, dass im Mo­ment des Auf­blü­hens der Sprach­wis­sen­schaft die Dis­kus­si­on dar­über, was der Ei­ge­nena­me ist, gänz­lich in der Schwe­be ge­blie­ben ist. Ich mei­ne, wenn es uns als zu­tref­fend er­scheint, dass alle Ar­ten von be­mer­kens­wer­ten Ar­bei­ten, alle Ar­ten von be­deut­sa­men Stel­lung­nah­men zur Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens <er­schie­nen sind>, und da­von ken­nen Sie, den­ke ich, eine ge­wis­se An­zahl, von Ar­bei­ten über das, was sich von selbst zu ver­ste­hen scheint, näm­lich über die ers­te Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, über die Be­nen­nung (dé­no­mi­na­ti­on) –; naja, um ein­fach das ein­zu­füh­ren, was ich sa­gen will: die Sa­che, die ver­blüfft, ist die, dass, wenn man in eine der un­ter­schied­li­chen, sehr pro­fi­lier­ten Un­ter­su­chun­gen ein­ge­führt wird, die über die­ses The­ma bis zu ei­nem wirk­li­chen, ich muss sa­gen fas­zi­nie­ren­den Wert vor­an­ge­trie­ben wor­den sind, dass über all die­je­ni­gen, die eine Auf­fas­sung ha­ben –, nun, beim Le­sen je­des Au­tors er­scheint mit sehr gro­ßer Re­gel­mä­ßig­keit, dass all das, was die an­de­ren ge­sagt ha­ben, von größ­ter Ab­sur­di­tät ist.

Das ist et­was, was wohl dazu ge­eig­net ist, uns fest­zu­hal­ten, um, so möch­te ich sa­gen, in die Fra­ge des Ei­gen­na­mens die­sen klei­nen Ge­sichts­punkt ein­zu­brin­gen, die­se klei­ne Per­spek­ti­ve, näm­lich et­was, was mit die­ser ganz ein­fa­chen Sa­che be­ginnt, ‚So­kra­tes‘.

Ich glau­be wirk­lich, dass es am Schluss kein Mit­tel ge­ben wird, die­se ers­te Auf­fas­sung zu ver­mei­den, die­sen ers­ten Be­zugs­punkt, näm­lich: ‚So­kra­tes‘ ist der Name des­je­ni­gen, der So­kra­tes heißt. Das heißt kei­nes­wegs, das­sel­be zu sa­gen, denn es gibt den ver­damm­ten Kerl, es gibt So­kra­tes den Kum­pel, es gibt So­kra­tes den De­fi­nie­rer.

Ich spre­che von der Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens, es ist un­mög­lich, ihn zu iso­lie­ren, ohne die Fra­ge zu stel­len, was auf der Ebe­ne des Ei­gen­na­mens an­ge­zeigt wird. Dass der Ei­gen­na­me die Funk­ti­on der Be­zeich­nung hat, so­gar – wie man ge­sagt hat, was aber nicht stimmt – für das In­di­vi­du­um als sol­ches; wenn man die­sen Weg ein­schlägt, ge­langt man, Sie wer­den es se­hen, zu Ab­sur­di­tä­ten.3 Dass es die­se Ver­wen­dung gibt, er­schöpft ab­so­lut nicht die Fra­ge nach dem, was im Ei­gen­na­men an­ge­zeigt wird. Sie wer­den mir sa­gen: ‚Nun sa­gen Sie es!‘ Aber eben dies macht tat­säch­lich ei­nen Um­weg not­wen­dig.

Aber si­cher­lich liegt ge­nau da der Ein­wand, den wir ge­gen­über der Schluss­fol­ge­rung ‚So­kra­tes ist sterb­lich‘ vor­zu­brin­gen ha­ben. Denn das, was sich bei So­kra­tes an­kün­digt, steht si­cher­lich in ei­ner ganz und gar pri­vi­le­gier­ten Be­zie­hung zum Tod. Denn wenn es et­was gibt, des­sen wir uns über die­sen Men­schen si­cher sind, über den wir nichts wis­sen, dann ist es dies, dass er den Tod ge­for­dert hat, und zwar mit die­sen Aus­drü­cken: ‚Nehmt mich so wie ich bin, ich, So­kra­tes der Ato­pi­sche, oder tö­tet mich.‘4 Dies si­cher, ein­deu­tig und ohne Mehr­deu­tig­keit.

Und ich den­ke, dass nur die Ver­wen­dung un­se­res klei­nen Krei­ses [näm­lich der In­ne­n­acht], der kein Eu­ler­kreis ist, son­dern ein re­for­mier­ter Eu­ler­kreis, es uns ge­stat­tet – wenn wir in ei­nem ver­schlin­gen­den Par­al­le­lis­mus al­les auf den Um­fang schrei­ben: ‚Alle Men­schen sind sterb­lich‘, ‚So­kra­tes ist sterb­lich‘ –, es uns er­mög­licht, zu be­rück­sich­ti­gen, dass die Ver­bin­dung die­ser Ober­for­meln und ih­rer Schluss­fol­ge­rung et­was ist, was es uns er­mög­li­chen wird, den Sinn in zwei Fel­der auf­zu­tei­len, näm­lich ein Feld der Be­deu­tung si­cher­lich, in dem es ganz na­tür­lich er­scheint, dass ‚So­kra­tes‘ zu die­sem ‚alle Men­schen‘ eine Par­al­le­le bil­det, was sich hier ein­fügt, und au­ßer­dem ein Feld des Sinns (sens), wel­ches sich mit dem ers­ten über­schnei­det und durch das sich für uns die Fra­ge stellt, ob wir dem ‚ist ein Mensch‘, das da­hin­ein kommt und für uns wohl mehr als für sonst je­man­den auf eine pro­ble­ma­ti­sche Wei­se, ob wir dem den Sinn ge­ben müs­sen, der in der Ver­län­ge­rung die­ser Über­schnei­dung des Sinns und der Be­deu­tung be­steht, näm­lich, ob ein Mensch zu sein, tat­säch­lich dies ist, den Tod zu for­dern, das heißt zu se­hen, durch die­ses ein­fa­che Pro­blem der Lo­gik, nur sol­che Er­wä­gun­gen in­ter­ve­nie­ren zu las­sen, die sich auf Si­gni­fi­kan­ten be­zie­hen, wie in das Spiel das her­ein­kommt, was Freud als den To­des­trieb ein­ge­führt hat.5 Auf die­ses Bei­spiel wer­de ich zu­rück­kom­men.“6

La­can fährt fort mit Be­mer­kun­gen zur To­po­lo­gie von Dan­tes Gött­li­cher Ko­mö­die und zum Ver­hält­nis von Den­ken und Spre­chen bei Pia­get und Vy­gots­kij.

16. Dezember 1964: Die Verwirrung der Linguisten

La­can kom­men­tiert die Ter­mi­ni „Si­gni­fi­kant“ und „Si­gni­fi­kat“. In der Spra­che gebe es et­was Ra­di­ka­les, in das wir als Sub­jek­te im­pli­ziert sei­en, näm­lich die Struk­tur. Das Schil­lern zwi­schen Sinn (sens) und Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) sei eine Tei­lung im In­ne­ren des Sinns (sens). Da­nach heißt es:

Weil es ein­zig die­se Ebe­ne ist, auf der sich, Sie wer­den es se­hen, wenn es um die­sen oder je­nen Typ des Wort­ge­brauchs geht, auf der sich of­fen­kun­di­ge Wi­der­sprü­che auf­lö­sen, of­fen­kun­dig ein­fach dar­in, dass sie sich ent­hül­len, in Be­zug auf die­sel­ben Wör­ter, bei­spiels­wei­se in Be­zug auf das, was man den Ei­gen­na­men nennt. Sie se­hen, die ei­nen se­hen hier das, was es an In­di­ka­tivs­tem gibt, die an­de­ren das, was es an Ar­bi­trärs­tem gibt, was also be­son­ders we­nig in­di­ka­tiv zu sei scheint, der eine das, was es an Kon­kre­tes­tem gibt, der an­de­re das, was in die ent­ge­gen­ge­setz­te Rich­tung zu ge­hen scheint, das, was es an Leers­tem gibt, der eine das, was am meis­ten mit Sinn (sens) auf­ge­la­den ist, der an­de­re das, dem er am meis­ten fehlt. Nun, um die Din­ge, se­hen Sie, in Be­zug auf eine be­stimm­te Dis­kus­si­on auf­zu­grei­fen, in ei­nem be­stimm­ten Re­gis­ter, un­ter ei­nem be­stimm­ten Blick­win­kel, die­se Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens, das ist auf völ­lig durch­sich­ti­ge Wei­se klar, ist, recht ei­gent­lich ge­spro­chen, für das, was er ist, und für das, was sein Name an­zeigt –, und das ist kei­nes­wegs, dass der Ei­gen­na­me, wie Rus­sell sagt, ein word for <a> par­ti­cu­lar ist, ein Wort für das Be­son­de­re bzw. für das Ein­zel­ne, si­cher­lich nicht, si­cher­lich nicht, Sie wer­den es se­hen.78

Es fol­gen Aus­füh­run­gen über die Tau­to­lo­gie.

6. Januar 1965: Zu Lévi-Strauss und zum Vergessen von „Signorelli“

La­can er­läu­tert den Aus­druck „Er­fah­rungs­feld der Psy­cho­ana­ly­se“ und spricht über die Über­tra­gung und den Wi­der­stand. Der Aus­gangs­punkt der Psy­cho­ana­ly­se sei kei­ne ab­ge­schlos­se­ne Ge­ge­ben­heit, son­dern das Sub­jekt, das spricht. Er fährt fort:

Wir ha­ben eine Er­fah­rung, eine Er­fah­rung, die sich alle Tage im Ka­bi­nett ei­nes je­den Ana­ly­ti­kers her­stellt – ob er es weiß oder nicht, hat kei­ner­lei Be­deu­tung –, eine Er­fah­rung, die es uns er­spart, auf die­sen Um­weg der phi­lo­so­phi­schen Kri­tik zu­rück­zu­grei­fen, in­so­fern die­se ihre ei­ge­ne Sack­gas­se be­zeugt, eine Er­fah­rung, bei der wir un­mit­tel­bar spü­ren, dass es eine Tat­sa­che ist, dass es spricht, das Sub­jekt, der Pa­ti­ent. Dass es spricht, das heißt, dass es die­se hei­se­ren oder sanf­ten Lau­te aus­sen­det, die man als das ‚Sprach­ma­te­ri­al‘ be­zeich­net, das zu­erst den Weg sei­ner Ge­dan­ken be­stimmt hat, das sie zu­erst der­art be­stimmt hat und auf eine der­art ur­sprüng­li­che Wei­se, dass es wie ein mar­kier­tes Tier die Spur da­von auf der Haut trägt, dass es zu­erst iden­ti­fi­ziert ist, durch et­was Wei­tes oder et­was Re­du­zier­tes.

Man hat jetzt aber be­grif­fen, dass das et­was sehr viel Re­du­zier­te­res ist, als man glau­ben möch­te, dass eine Spra­che sich auf ei­nem Blatt Pa­pier hält, groß wie die­ses, mit der Lis­te ih­rer Pho­neme. Und man kann gut wei­ter­hin ver­su­chen, die al­ten Spal­tun­gen bei­zu­be­hal­ten und zu sa­gen, dass es zwei Ebe­nen der Spra­che gibt, die Ebe­nen des­sen, was nichts be­deu­tet, das sind die Pho­neme, und die an­de­ren, die et­was be­deu­ten, das sind die Wör­ter.

Nun, heu­te bin ich da, um Sie dar­an zu er­in­nern, dass ers­te Ein­sich­ten in die Wir­kun­gen des Un­be­wuss­ten von Freud in den Jah­ren zwi­schen 1890 und 1900 ge­won­nen wur­den. Was hat ihm da­für das Mo­dell ge­lie­fert? Ein Ar­ti­kel von 1898 über das Ver­ges­sen ei­nes Ei­gen­na­mens, das Ver­ges­sen des Na­mens Si­gno­rel­li, dem Au­tor der be­rühm­ten Fres­ken von Or­vie­to.9 Ich möch­te Sie dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass die ers­te ma­ni­fes­te, struk­tu­rie­ren­de Wir­kung für ihn und für sein Den­ken, die den Weg öff­ne­te, dass sie sich nur her­ge­stellt hat –, und er hat es völ­lig klar auf­ge­zeigt, er hat es auf ganz aus­drück­li­che Wei­se in die­sem Ar­ti­kel ar­ti­ku­liert, von dem Sie wis­sen, dass er am An­fang des Bu­ches über Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens wie­der auf­ge­nom­men wur­de, das etwa sechs Jah­re spä­ter er­schei­nen wird. Von da ist er aus­ge­gan­gen, weil sei­ne Er­fah­rung da ih­ren Ur­sprung hat­te.

Was ver­schwin­det bei die­sem Ver­ges­sen, dass man ‚Ver­ges­sen‘ nennt, Sie se­hen hier gut, dass man von den ers­ten Schrit­ten an sei­ne Auf­merk­sam­keit im­mer auf die Be­deu­tung rich­ten muss, denn si­cher­lich ist das kein Ver­ges­sen, viel­mehr ist das Freud­sche Ver­ges­sen eine Form der Er­in­ne­rung, so­gar ihre ge­nau­es­te Form, und da wäre es bes­ser, Wor­ten wie Ver­ges­sen* zu miss­trau­en. Sa­gen wir: ein Loch.

Was ist in die­sem Loch ver­schwun­den? Das sind Pho­neme.

Das, was ihm fehlt, ist nicht Si­gno­rel­li, in­so­fern Si­gno­rel­li ihn an Din­ge er­in­nern wür­de, die ihm den Ma­gen um­dre­hen. Es gibt ge­ra­de nichts zu ver­drän­gen, Sie wer­den es se­hen, das wird bei Freud ar­ti­ku­liert. Er ver­drängt nichts, er weiß sehr gut, wor­um es geht und dass Si­gno­rel­li und die Fres­ken von Or­vie­to ihn des­halb tief be­rührt ha­ben, weil sie mit die­sen Din­gen ver­wandt sind, mit dem, was ihn am meis­ten be­schäf­tigt, die Ver­bin­dung des To­des mit der Se­xua­li­tät.

Nichts ist ver­drängt, son­dern das, was sich da­von­macht, das sind die bei­den ers­ten Sil­ben des Wor­tes Si­gno­rel­li. Und so­fort sagt er, er zeigt es auf: ‚Das steht in engs­ter Be­zie­hung zu dem, was wir se­hen, zu den Sym­pto­men.‘ In die­sem Mo­ment kennt er erst die Sym­pto­me des Hys­te­ri­kers. Es ist die Ebe­ne des Si­gni­fi­kan­ten­ma­te­ri­als, auf der sich die Er­set­zun­gen her­stel­len, die Ver­schie­bun­gen, die Ta­schen­spie­le­rei­en, die Es­ka­mo­tie­run­gen, mit de­nen man es zu tun hat, wenn man auf dem Weg ist, auf der Spur der De­ter­mi­na­ti­on des Sym­ptoms und sei­ner Ent­kno­tung.

Nur, in die­sem Mo­ment da – ob­wohl sei­ne ge­sam­te Rede uns be­zeu­gen soll, dass er an dem, wor­um es bei die­sem Phä­no­men geht, ganz nah dran ist – hört er nicht auf, bei je­der Wen­dung zu be­to­nen, wie er nur kann, das, wor­um es geht, sagt er, ist in die­sem Fall eine äu­ßer­li­che* Be­din­gung*. Se­kun­där, in ei­ner Wie­der­kehr der Fe­der (re­tour de plu­me)10, wird er sa­gen, ‚Man könn­te ge­gen mich ein­wen­den, dass es gibt‘ usw., was be­weist, an wel­chem Punkt er den Un­ter­schied zwi­schen zwei Ty­pen von Phä­no­me­nen, die sich da dif­fe­ren­zie­ren könn­ten, gut spürt, ‚es könn­te hier tat­säch­lich ei­ni­ge in­ne­re Be­zie­hun­gen ge­ben zwi­schen der Tat­sa­che, dass es sich um ein Stol­pern über den Na­men von Si­gno­rel­li han­delt, und der Tat­sa­che, dass Si­gno­rel­li‘, be­zo­gen auf die Fres­ken von Or­vie­to, denn das ist das, wor­um es geht, ‚vie­le Din­ge mit sich führt, die mich ein biss­chen mehr in­ter­es­sie­ren könn­ten, als ich selbst weiß.‘ Nichts­des­to­we­ni­ger sagt er: ‚Man könn­te ge­gen mich ein­wen­den …‘ Aber das ist al­les, was er sa­gen kann, denn er weiß gut, dass da­mit nichts ist.

Und wir wer­den uns be­mü­hen, zu se­hen, tie­fer in den Me­cha­nis­mus ein­zu­drin­gen und auf­zu­zei­gen, dass die­ser klas­si­sche Fall, die­ses ers­te in Freuds Den­ken auf­ge­tauch­te Mo­dell von et­was, das für uns ein An­fang ist, et­was Ent­schei­den­des, wir wer­den mehr im De­tail se­hen, wie man das auf­fas­sen muss, wel­che Ap­pa­ra­te sich uns auf­nö­ti­gen, um von ge­nau dem, wor­um es geht, Re­chen­schaft ab­le­gen zu kön­nen.

Dass wir hier eine ge­wis­se Hil­fe in der Tat­sa­che fin­den, dass es seit­her et­was gibt, das wir wie ei­nen Ge­gen­stand zu hand­ha­ben ge­lernt ha­ben und was Sprach­sys­tem heißt, das ist für uns si­cher­lich eine Hil­fe. Umso über­ra­schen­der ist es je­doch, dass das ers­te Zeug­nis von Freud, sei­nes Dis­kur­ses, wenn er die­ses Feld be­tritt, voll­stän­dig bei­sei­te lässt, ab­so­lut ge­zeich­net, dass sei­nem Dis­kurs ab­so­lut nichts hin­zu­zu­fü­gen ist, nur si­gn­ans und si­gna­tum ist hier hin­zu­zu­fü­gen.

Hier ist der Punkt, an dem die Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens – wie ich Ih­nen an­ge­kün­digt habe, wer­de ich dazu kom­men, mich sei­ner zu be­die­nen – si­cher­lich ge­nü­gend In­ter­es­se ge­winnt. In­ter­es­se ge­winnt sie auf­grund der Son­der­stel­lung, die er, die­ser Be­griff des Ei­gen­na­mens, im Dis­kurs der Sprach­wis­sen­schaft­ler er­obert hat. Die­je­ni­gen mö­gen zu­frie­den sein, zu de­nen ich bis jetzt haupt­säch­lich, am meis­ten ad ho­mi­nem spre­che, die Ana­ly­ti­ker mö­gen zu­frie­den sein: Es sind nicht nur Sie, die mit dem Dis­kurs Schwie­rig­kei­ten ha­ben, sie sind so­gar die­je­ni­en, die da­ge­gen am bes­ten ge­feit sind. Die Sprach­wis­sen­schaft­ler, ich sag’s Ih­nen lie­ber, mit die­sem Ei­gen­na­men, nun, sie kom­men da nicht so leicht raus!

Es ist eine be­trächt­li­che An­zahl von Wer­ken zu die­sem The­ma er­schie­nen, für uns sind sie, für uns müss­te es sehr in­ter­es­sant sein, sie im ei­gent­li­chen Sin­ne des Aus­drucks zu un­ter­su­chen, sie Ab­schnitt für Ab­schnitt durch­zu­ge­hen und sich No­ti­zen zu ma­chen. Da ich nicht al­les tun kann, hät­te ich bei­spiels­wei­se gern, dass sich je­mand dar­um küm­mert, in den so­ge­nann­ten ge­schlos­se­nen Sit­zun­gen, die ich die­ses Jahr für die­sen Kurs re­ser­viert habe, als Ver­such, die Funk­ti­on des Se­mi­nars wie­der ein­zu­füh­ren. Ein Buch bei­spiels­wei­se von Viggo Brøn­dal, Les par­ties du dis­cours, ein aus­ge­zeich­ne­tes Buch, in Ko­pen­ha­gen bei Munks­gaard er­schie­nen.11 Ein an­de­res von ei­nem Fräu­lein Sø­ren­sen, ziem­lich sym­pa­thisch, es heißt The me­a­ning of pro­per na­mes, eben­falls in Ko­pen­ha­gen er­schie­nen.12 Es gibt Orte in der Welt, wo man sich mit in­ter­es­san­ten Din­gen be­schäf­ti­gen kann, sich aber nicht ganz dem wid­men kann, die Atom­bom­be her­zu­stel­len.

Und dann gibt es The theo­ry of pro­per na­mes von Sir Alan H. Gar­di­ner, ei­nem wohl­be­kann­ten Ägyp­to­lo­gen, er­schie­nen bei Ox­ford Uni­ver­si­ty Press.13 Dies da ist be­son­ders in­ter­es­sant, und ich möch­te sa­gen, gro­ße Klas­se, denn das ist wirk­lich eine auf das The­ma des Ei­gen­na­mens zu­ge­spitz­te Sum­me – ein Kon­zen­trat des­sen, was man den Irr­tum nen­nen kann, den voll­zo­ge­nen, evi­den­ten, of­fen­kun­di­gen, aus­ge­brei­te­ten Irr­tum.

Die­ser Irr­tum ent­springt, wie vie­le an­de­re Irr­tü­mer, auf den We­gen der Wahr­heit, er geht näm­lich von ei­ner klei­nen Be­mer­kung aus, die auf den We­gen der Auf­klä­rung* ih­ren Sinn hat­te. Er weist dar­auf hin, dass John Stuart Mill in Be­zug auf die Funk­ti­on des Na­mens im all­ge­mei­nen ei­nen grund­le­gen­den Un­ter­schied ein­führt – nie­mand hat bis heu­te ge­sagt, was der Name ist, aber end­lich spricht man dar­über –, be­zo­gen auf den Na­men im all­ge­mei­nen: er hat zwei Funk­tio­nen, zu de­no­tie­ren und zu kon­no­tie­ren.14 Es gibt Na­men, die Mög­lich­kei­ten der Ent­wick­lung in sich ha­ben, die­se Art von Reich­tum, die sich De­fi­ni­ti­on nennt und durch die Sie im Le­xi­kon un­end­lich von Name zu Name ver­wie­sen wer­den. Das ist das, was kon­no­tiert. Und dann gibt es an­de­re, die dazu da sind, zu de­no­tie­ren. Ich nen­ne eine Per­son, die hier in der ers­ten oder in der letz­ten Rei­he ist, mit ih­rem Na­men, und an­schei­nend be­trifft das nur sie. Ich tue nur dies: sie zu nen­nen (dé­nom­mer).

Von da aus­ge­hend wer­den wir den Ei­gen­na­men als et­was de­fi­nie­ren, was in die Be­nen­nung ei­nes Ge­gen­stan­des nur auf­grund der ei­ge­nen Wirk­sam­keit sei­nes Lau­tes ein­greift; au­ßer­halb die­ses De­no­ta­ti­ons­ef­fekts hat er kei­ner­lei be­deu­tungs­be­zo­ge­ne (si­gni­fi­ca­ti­ve) Aus­wir­kung. Das ist das, was Mon­sieur Gar­di­ner uns lehrt.

Na­tür­lich hat das klei­ne Nach­tei­le, bei­spiels­wei­se, dass es ihn zwingt, zu­min­dest im ers­ten Schritt, sämt­li­che Ei­gen­na­men zu eli­mi­nie­ren – und sie sind zahl­reich –, die in sich selbst ei­nen Sinn ha­ben. ‚Ox­ford‘, das kön­nen sie in zwei Tei­le zer­schnei­den, das macht et­was, das be­zieht sich auf et­was, was zum Och­sen in Be­zie­hung steht und so wei­ter, ich neh­me sei­ne ei­ge­nen Bei­spie­le.15 <Die Städ­te­na­men> Ville­neuve, Ville­fran­che, all das sind Ei­gen­na­men, aber zu­gleich ha­ben sie ei­nen Sinn.16 Be­reits das schon könn­te uns ei­nen Floh ins Ohr set­zen.

Aber na­tür­lich sagt man: Dass das als Ei­gen­na­me dient, ist un­ab­hän­gig von der Be­deu­tung, die das hat.17

Un­glück­li­cher­wei­se springt in die Au­gen, wenn ein Ei­gen­na­me kei­ner­lei Be­deu­tung hät­te, dann wür­de in dem Mo­ment, wo ich je­mand je­man­dem vor­stel­le, ab­so­lut gar nichts pas­sie­ren. Denn es ist ja klar, wenn ich mich Ih­nen als ‚Jac­ques La­can‘ vor­stel­le, sage ich et­was, was für Sie so­fort eine be­stimm­te An­zahl an be­deu­tungs­be­zo­ge­nen Wir­kun­gen hat. Zu­nächst, weil ich mich Ih­nen im Rah­men ei­ner be­stimm­ten Ord­nung vor­stel­le, wenn ich in ei­ner Ge­sell­schaft bin, dann des­halb, weil ich in die­ser Ge­sell­schaft kein Un­be­kann­ter bin. An­de­rer­seits, von dem Mo­ment an, wo ich mich Ih­nen als ’Jac­ques La­can’ vor­stel­le, schließt das be­reits aus, dass das ein Ro­cke­fel­ler ist, bei­spiels­wei­se, oder der Graf von Pa­ris.18 Es gibt be­reits eine ge­wis­se Zahl von Be­zü­gen, die so­fort mit ei­nem Ei­gen­na­men ein­her­ge­hen. Es mag auch vor­kom­men, dass Sie mei­nen Na­men be­reits ir­gend­wo ge­hört ha­ben. Nun, si­cher, das rei­chert sich an. Um es deut­lich zu for­mu­lie­ren: Wenn man sagt, dass ein Ei­gen­na­me ohne Be­deu­tung ist, ist das grob feh­ler­haft. Er führt im Ge­gen­teil viel mehr noch als Be­deu­tun­gen mit sich, ge­wis­ser­ma­ßen eine Rei­he von An­kün­di­gun­gen.

In kei­nem Fall kann man als sein un­ter­schei­den­des Merk­mal die­sen Cha­rak­ter bei­spiels­wei­se des Ar­bi­trä­ren oder des Kon­ven­tio­nel­len be­zeich­nen, weil das per de­fi­ni­tio­nem die Ei­gen­schaft je­der Art von Si­gni­fi­kan­ten ist; man hat auf die­sem As­pekt der Spra­che hin­rei­chend in­sis­tiert – auf un­ge­schick­te Wei­se üb­ri­gens, in­dem man her­vor­ge­ho­ben hat, dass sie also ar­bi­trär und kon­ven­tio­nell ist. In Wirk­lich­keit ist es et­was an­de­res, wor­auf man ab­zielt, es ist et­was an­de­res, wor­um es geht.“19

Von hier aus, sagt La­can an­schlie­ßend, er­hal­ten das Mö­bi­us­band und die Klein­sche Fla­sche ih­ren Wert. Das Mö­bi­us­band ist in den drei­di­men­sio­na­len Raum ein­ge­bet­tet.

Selbst im drei­di­men­sio­na­len Raum bleibt, dass die­se Struk­tur eine be­son­de­re Qua­li­tät hat, die sie von ei­ner an­de­ren un­ter­schei­det und die fol­gen­de ist. Das, was in mei­nem Sche­ma die Um­ran­dung die­ses Ein­gangs be­setzt hat, die­ses Lochs, die­ser Öff­nung, durch die sie [die Klein­sche Fla­sche] spe­zi­fi­ziert ist und die dar­aus die­se Ober­flä­che macht, auf der die Din­ge kei­nes­wegs ori­en­tier­bar sind, weil Sie von der Vor­der­sei­te im­mer zur Rück­sei­te über­ge­hen kön­nen, der Platz die­ser Öff­nung ist für die Ei­gen­schaf­ten der Ober­flä­che we­sent­lich, struk­tu­rie­rend, er kann durch je­den be­lie­bi­gen Punkt der Ober­flä­che be­setzt wer­den. Ein biss­chen Vor­stel­lungs­kraft wird Ih­nen ge­nü­gen, um zu se­hen, dass, im Ge­gen­satz zu ei­nem Ring, ei­nem To­rus, der sich in ge­wis­ser Wei­se nur um sich selbst dre­hen kann – Sie kön­nen ihn an der­sel­ben Stel­le ru­hen las­sen, aber er dreht sich in sei­nem ge­sam­ten Ge­we­be –, dass sich hier auf völ­lig kon­trä­re Wei­se an je­dem Platz des Ge­we­bes durch ein sanf­tes Glei­ten die­ser Ring des Feh­lens her­stel­len kann, der ihm sei­ne Struk­tur ver­leiht.

Das ist ei­gent­lich das, was wir heu­te zu über­den­ken ver­su­chen, be­zo­gen auf das Phä­no­men, das als ‚Ver­ges­sen des Ei­gen­na­mens‘ be­zeich­net wird.

Die The­se ist fol­gen­de: All das, was die Theo­re­ti­ker, ins­be­son­de­re die Sprach­wis­sen­schaft­ler, über den Ei­gen­na­men zu sa­gen ver­sucht ha­ben, stol­pert dar­über, dass er si­cher­lich auf eine spe­zi­el­le­re Wei­se in­di­ka­tiv, de­no­ta­tiv ist als ein an­de­rer <Name>, dass man aber nicht in der Lage ist, zu sa­gen in­wie­fern. An­de­rer­seits, ver­gli­chen mit an­de­ren hat er ge­ra­de die fol­gen­de Ei­gen­schaft: Ob­wohl er an­schei­nend der Name ist, der ei­ner be­son­de­ren (par­ti­cu­lier) Sa­che am meis­ten zu ei­gen ist, ist er ge­nau das, was sich ver­schiebt, was wan­dert, was ver­erbt wird. Um es deut­lich zu sa­gen, wenn ich En­to­mo­lo­ge wäre, was auf der Welt wür­de ich mehr be­geh­ren, als ei­nes Ta­ges zu se­hen, dass eine Ta­ran­tel mit mei­nem Na­men ge­nannt wird?20

Was kann das hei­ßen? War­um ist der Ei­gen­na­me, ob­wohl er ge­wis­ser­ma­ßen der­je­ni­ge Teil der Rede ist, der Merk­ma­le hat, durch die er ab­so­lut spe­zi­fi­ziert ist, war­um ge­nau kann man ihn ver­wen­den – im Ge­gen­satz zu dem, was hier­zu ge­sagt wird, denn man kann sich nicht vor­stel­len, zu wel­chem Aus­glei­ten der Fe­der ein sol­ches The­ma die Sprach­wis­sen­schaft­ler hat brin­gen kön­nen –, war­um kann er, wie je­der weiß, durch­aus im Plu­ral ver­wen­det wer­den? Man sagt les Du­rand <ohne Plu­ral-s>, les Pom­mo­do­re, al­les was Sie wol­len, les Brossa­bourg bei Cour­te­li­ne, Sie er­in­nern sich: L’honneur des Brossa­bourg.21 Man kann ei­nen Na­men ver­bal ver­wen­den, in der Funk­ti­on von Ver­ben, in der Funk­ti­on von Ad­jek­ti­ven, ja von Ad­ver­bi­en, wie ich Sie viel­leicht ei­nes Ta­ges spü­ren las­sen wer­de. Was hat es da­mit auf sich, dass der Ei­gen­na­me in der Am­bi­gui­tät die­ser in­di­ka­ti­ven Funk­ti­on die Kom­pen­sa­ti­on da­für zu fin­den scheint, dass sei­ne Ei­gen­schaf­ten des Ver­wei­sens, die nicht spe­zi­ell, auch wenn sie es sind, zum si­gni­fi­ka­ti­ven Feld ge­hö­ren, zu Ei­gen­schaf­ten der Ver­schie­bung wer­den, des Sprungs?

Muss man, wie ich glau­be, sa­gen, dass Clau­de Lévi-Strauss auf die­ser Ebe­ne an­ge­kom­men ist, in sei­nem Den­ken und in dem, was er in Das wil­de Den­ken ar­ti­ku­liert, auf der Ebe­ne des Ka­pi­tels ‚Ver­all­ge­mei­ne­rung und Ver­ein­ze­lung‘ so­wie des Ka­pi­tels ‚Das In­di­vi­du­um als Art‘ – ?22 Er ver­sucht zu in­te­grie­ren, zu zei­gen, dass der Ei­gen­na­me mit nichts Spe­zi­el­le­rem ver­bun­den ist als mit dem be­wusst klas­si­fi­ka­to­ri­schen Ge­brauch, der von ge­gen­sätz­li­chen Ka­te­go­ri­en ge­macht wird, da­mit im Den­ken, in sei­ner Be­zie­hung zur Spra­che, eine be­stimm­te An­zahl von grund­le­gen­den Op­po­si­tio­nen be­stimmt wird, von suk­zes­si­ven Zer­schnei­dun­gen, von Spal­ten, die es dem wil­den Den­ken in ge­wis­sem Sin­ne ge­stat­ten, ge­nau die­sel­be Me­tho­de wie­der­zu­fin­den, wie Pla­ton sie als die­je­ni­ge an­gibt, die für die Er­schaf­fung des Be­griffs grund­le­gend ist.23 Un­ser Ei­gen­na­me wäre in die­sen klas­si­fi­ka­to­ri­schen Pro­zess letzt­lich nur als letz­ter Term ein­zu­fü­gen, als der­je­ni­ge, der die Din­ge hin­rei­chend eng mit­ein­an­der ver­bin­det, so­dass schließ­lich das In­di­vi­du­um er­reicht wird, als der im prä­zi­sen Sin­ne be­son­de­re (par­ti­cu­lier) Punkt der Art.

Es ist klar – ich bit­te Sie, sich auf die­se Ka­pi­tel zu be­zie­hen – , dass Lévi-Strauss in die­ser Be­we­gung der Auf­klä­rung, um die er sich be­müht, auf ein Hin­der­nis stößt und dass er es be­zeich­net. Er be­zeich­net es im ei­gent­li­chen Sin­ne in­so­fern, als er auf die Funk­ti­on des Na­mens­ge­bers stößt: der Ei­gen­na­me, das ist ein Name, der ge­ge­ben wird.24 Durch den Tauf­pa­ten, wer­den Sie sa­gen, und das könn­te Ih­nen ge­nü­gen, wenn Sie sich ent­schlie­ßen, aus dem Tauf­pa­ten ei­nen an­de­ren zu ma­chen.25 Nur, es gibt nicht nur den Tauf­pa­ten, es gibt auch Re­geln al­ler Art, es gibt Mo­men­te, es gibt eine gan­ze Kon­fi­gu­ra­ti­on, näm­lich eine Kon­fi­gu­ra­ti­on des Aus­tauschs und der So­zi­al­struk­tur. Hier wird Clau­de Lévi-Strauss in­ne­hal­ten, um zu sa­gen, um völ­lig zu recht zu sa­gen, dass das Pro­blem des Ei­gen­na­mens nicht be­han­delt wer­den kann, ohne ei­nen Be­zug ein­zu­füh­ren, der dem spe­zi­fisch sprach­wis­sen­schaft­li­chen Feld fremd ist, dass er nicht als Teil der Rede iso­liert wer­den kann, au­ßer­halb der Funk­ti­on, des Ge­brauchs, durch den er be­stimmt wird.26

Das ist sehr ge­nau das, wo­ge­gen ich hier ei­nen Ein­wand er­he­ben möch­te, der ei­nem an­de­ren Re­gis­ter zu­ge­hört. Es ist ge­nau­so falsch zu sa­gen, dass der Ei­gen­na­me das Fest­ma­chen, die Re­duk­ti­on auf der Ebe­ne des Ein­zel­ex­em­plars ist, durch den­sel­ben Me­cha­nis­mus, durch den man von der Gat­tung zur Art vor­an­schrei­tet und wo­durch die Klas­si­fi­ka­ti­on vor­an­ge­trie­ben wor­den ist, es ist ge­nau­so falsch, dies zu tun, und ge­nau­so ge­fähr­lich und ge­nau­so fol­gen­schwer, wie in der ma­the­ma­ti­schen Men­gen­leh­re das, was man als Teil­men­ge be­zeich­net, die nur ein ein­zi­ges Ob­jekt ent­hält, mit die­sem Ob­jekt selbst zu­sam­men­zu­wer­fen.27

Und hier ist der Punkt, an dem die­je­ni­gen, die sich täu­schen, die sich ir­ren, die­je­ni­gen, die sich sehr tief und be­harr­lich in ih­ren Irr­tum ein­gra­ben, für uns schließ­lich zu ei­nem Ge­gen­stand wer­den, an dem wir et­was de­mons­trie­ren kön­nen. Bert­rand Rus­sell hat den Ei­gen­na­men der­ma­ßen mit dem De­no­ta­tiv und dem In­di­ka­tiv iden­ti­fi­ziert, dass er schließ­lich ge­sagt hat, das De­mons­tra­ti­vum, das De­mons­tra­ti­vum that, wie er in sei­ner Spra­che sagt, ‚die­ses‘, sei der Ei­gen­na­me par ex­cel­lence.

Man fragt sich, war­um er die­sen Punkt x auf der Ta­fel, die ihm ver­traut ist, war­um er ihn nicht An­toi­ne nennt und die­ses Stück Krei­de Ho­no­ri­ne.28 War­um er­scheint uns eine der­ar­ti­ge Kon­se­quenz so­fort als ab­surd?

Es gibt meh­re­re Vor­ge­hens­wei­sen, um Sie auf den Weg zu füh­ren, auf den ich Sie brin­gen will, zu­nächst bei­spiels­we­se die­se, die Ih­nen so­gleich in die Au­gen sprin­gen kann: Das wird des­halb nie­man­dem in den Sinn kom­men, weil die­ser Punkt x, wenn ich ihn hier im Rah­men ei­ner ma­the­ma­ti­schen Be­weis­füh­rung auf die Ta­fel set­ze, es per de­fi­ni­tio­nem ge­nau in dem Maße ist, wie die­ser Punkt we­sent­lich er­setz­bar ist, und dar­um auch wer­de ich ein Stück Krei­de nie­mals Ho­no­ri­ne nen­nen.29 Hin­ge­gen könn­te ich mit die­sem Na­men das be­zeich­nen, was Di­de­rot ‚mei­nen al­ten Haus­rock‘ nann­te.30 Das ist nur ein hint, der die Funk­ti­on des Er­setz­ba­ren ein­grei­fen lässt und <um> zu­gleich, an Ort und Stel­le und für heu­te – an­ge­sichts der fort­ge­schrit­te­nen Zeit – die Ver­bin­dung her­zu­stel­len, die uns viel­leicht ge­stat­ten wird, die Din­ge das nächs­te Mal bes­ser zu ar­ti­ku­lie­ren, zu ver­ket­ten.

Ich möch­te Ih­nen sa­gen, wenn das Be­son­de­re (par­ti­cu­lier) mit ei­nem Ei­gen­na­men be­zeich­net wird, dann nicht als Ex­em­plar der Art, das ver­mit­tels ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Be­son­der­hei­ten (par­ti­cu­la­rités) als ein­zeln (uni­que) fest­ge­zurrt wird, so ex­em­pla­risch es sein mag, son­dern in dem Sin­ne, dass es un­er­setz­bar ist. Das heißt, dass es feh­len kann, dass es die Ebe­ne des Man­gels na­he­legt, die Ebe­ne des Lochs, und dass ich Jac­ques La­can nicht als In­di­vi­du­um hei­ße, son­dern als et­was, was feh­len kann – wo­durch die­ser Name wor­auf ab­zielt? Dar­auf, ei­nen an­de­ren Man­gel ab­zu­de­cken. Der Ei­gen­na­me, das ist eine vor­über­ge­hen­de (vo­lan­te) Funk­ti­on, wenn man so sa­gen kann. Wie man sagt, dass es ei­nen Teil des Per­so­nals gibt, des Per­so­nals der Spra­che in die­sem Fall, das vor­über­ge­hend be­schäf­tigt ist; er ist dazu da, um das Loch zu stop­fen, um ihm sei­nen Ver­schluss zu ge­ben, um ihm sei­ne Schlie­ßung zu ge­ben, um ihm die fal­sche Er­schei­nung des Ver­nähtseins zu ge­ben.

Dar­um ent­schul­di­ge ich mich, die Zeit ist zu weit vor­an­ge­schrit­ten, als dass ich heu­te noch lan­ge spre­chen könn­te, aber viel­leicht ist das für Sie ja eine Ge­le­gen­heit – leicht zu er­fül­len, mein Gott –, sich dem Text zu­zu­wen­den, dem­je­ni­gen Text, der das Ver­ges­sen des Ei­gen­na­mens be­trifft.31 Was wer­den Sie da se­hen?

Sie wer­den hier et­was se­hen, was sich bes­ser vor­stel­len lässt, wenn Sie von dem Be­griff aus­ge­hen, dass das Sub­jekt ei­ner be­stimm­ten An­zahl von pri­vi­le­gier­ten Punk­ten der Si­gni­fi­kan­ten­struk­tur in­ne­wohnt, die tat­säch­lich – das ist der Teil der Wahr­heit im Dis­kurs von Gar­di­ner – auf der Ebe­ne des Phon­ems an­zu­set­zen sind. Ver­mit­tels des­sen ist es an­ge­bracht, Fol­gen­des deut­lich her­vor­zu­he­ben.

Wenn Freud sich nicht an den Na­men ‚Si­gno­rel­li‘ er­in­nert hat, dann – so sagt er – auf­grund von Um­stän­den, die an­schei­nend ganz und gar äu­ßer­lich sind, völ­lig zu­fäl­lig. Er war mit ei­nem Herrn in ei­nem Wa­gen, der ihn von Ra­gu­sa zu ei­nem Ort brach­te, an dem er wie­der die Ei­sen­bahn neh­men muss­te. Wor­über spricht man? Man spricht von ei­ner be­stimm­ten An­zahl von Din­gen. Und dann gibt es Din­ge, die man nicht sagt, und war­um sagt man sie nicht? Das wer­den wir noch se­hen. Man sagt sie nicht, man sagt sie si­cher­lich nicht des­halb nicht, weil man sie ver­drängt! Ganz und gar nicht. Er ist also da­bei, mit die­sem Mann zu spre­chen, von dem die Neu­gier der Bio­gra­phen uns so­gar den Na­men auf­be­wahrt hat, das ist ein Mon­sieur Frey­hau, ein Ju­rist oder Rechts­an­walt aus Wien, und man spricht von die­sem und je­nem, und ins­be­son­de­re ruft Freud in Er­in­ne­rung, was ihm ein Freund kürz­lich er­zählt hat­te. Freud ruft es in Er­in­ne­rung und spricht von den Leu­ten die­ses Lan­des, das man ei­gent­lich nicht durch­quert, da man in Dal­ma­ti­en ist, das aber nicht weit ist, näm­lich Bos­ni­en, je­nes Bos­ni­en, dass noch alle Art Spu­ren ei­ner mus­li­mi­schen Be­völ­ke­rung be­wahrt – Bos­ni­en war dem Ot­to­ma­ni­schen Reich vor noch nicht so lan­ger Zeit ent­ris­sen wor­den.32 Freud weist dar­auf hin, bis zu wel­chem Punkt die­se Bau­ern was sind? Ach­tungs­voll, ehr­erbie­tig ge­gen­über dem­je­ni­gen, der sich um ihre Ge­sund­heit küm­mert, kurz, der un­ter ih­nen als Arzt tä­tig ist. Und das in Er­in­ne­rung ru­fend, was die­ser Freund ihm be­rich­te­te, des­sen Na­men wir eben­falls ha­ben, dies­mal dank Freud, in den An­mer­kun­gen des Ar­ti­kels von 1898, von dem ich eben ge­spro­chen habe33, dass die­se Leu­te, wenn man zu dem Er­geb­nis kommt, dass ihr An­ge­hö­ri­ger, der da ist, auf sei­nem La­ger, wahr­schein­lich ster­ben wird: ‚Herr*!‘ sagt der bos­ni­sche Bau­er, aber mit der Note von Ehr­er­bie­tung, die – in ei­nem Land mit ar­chai­scher So­zi­al­struk­tur –, mit die­ser Note von Ehr­er­bie­tung, die die­ser Name mit sich führt, mit dem be­wuss­ten Ak­zent von sei­gneur. ‚Herr*! Wir wis­sen wohl, wenn Du et­was hät­test tun kön­nen, dann wäre es ge­sche­hen, er wäre ge­heilt wor­den. Aber da Du es nicht kannst, ge­sche­hen die Din­ge so, wie Gott es will, das ist letzt­end­lich, das ist Al­lahs Wil­le.‘ Das also er­zählt Freud. Und was er­zählt er nicht?

Er er­zählt die­je­ni­gen Din­ge nicht, mein Gott, die man nicht ein­fach je­dem so er­zählt, ins­be­son­de­re nicht je­man­dem, vor dem man ge­ra­de eben die ärzt­li­che Wür­de ein biss­chen hoch­ge­hal­ten hat. Man er­zählt ihm nicht, dass der­sel­be Freund, ein Arzt in der bos­ni­schen Re­gi­on, Ih­nen ge­sagt hat, dass für die­se Leu­te der Wert des Le­bens der­ma­ßen mit der Se­xua­li­tät ver­bun­den ist, we­sent­lich mit ihr ver­bun­den ist, dass von dem Mo­ment an, wo es auf die­ser Sei­te da nichts mehr gibt, das Le­ben, nun, man könn­te sich eben­so­gut sei­ner ent­le­di­gen. Nun, das ist si­cher­lich ein Aus­druck, der Freud kei­nes­wegs gleich­gül­tig ist, un­ter wel­chem Ti­tel auch im­mer, an die­sem Wen­de­punkt sei­nes Le­bens, auf je­den Fall kann man si­cher­lich nicht sa­gen, dass dies ein Kno­ten wäre, eine Ver­bin­dung, die von ihm auf ir­gend­ei­ne Wei­se zu­rück­ge­wie­sen wür­de, und zwar ge­nau in­so­fern, als ihn das dop­pelt in­ter­es­siert.

Ers­tens sei­ne Pra­xis. Er­in­nern Sie sich an den Text – die­je­ni­gen zu­min­dest, die ihn noch frisch im Ge­dächt­nis ha­ben –, er­in­nern Sie sich an die Funk­ti­on, die durch ei­nen an­de­ren Ei­gen­na­men ein­greift, den Na­men ei­nes klei­nen Dor­fes, das am Fuße der Ver­ta­in­spit­ze liegt und das sich Tra­foi nennt, wo er ge­nau die Nach­richt vom Tode ei­nes sei­ner Pa­ti­en­ten er­hal­ten hat­te, der ein sol­ches Nach­las­sen sei­ner Man­nes­kraft nicht er­tra­gen konn­te und sich ge­tö­tet hat. Er hat­te die Nach­richt dar­über er­hal­ten, als er in Tra­foi war.

An­de­rer­seits weiß je­der gut, dass er ge­nau in die­sem Mo­ment dazu ge­bracht wur­de, über die grund­le­gen­de psy­chi­sche, struk­tu­rie­ren­de Be­deu­tung der Funk­tio­nen des Ge­schlechts nach­zu­den­ken und über die Bin­dung des Sub­jekts an all das, was dar­aus her­vor­geht.

Ge­nau in die­sem Maße wird er nicht das vor­brin­gen, was er be­rich­ten könn­te, über das, was er als Arzt sei­ner be­son­de­ren Kli­en­tel in ge­wis­sem Sin­ne als wei­te­res Merk­mal ge­ge­ben hat. Was soll das hei­ßen? Dass et­was, was nicht ver­drängt ist, was in ei­nem Dis­kurs wie­der in Er­in­ne­rung ge­ru­fen wird, in ei­nem für ihn voll­kom­men aus­for­mu­lier­ten Dis­kurs, bei dem es, um es in Er­in­ne­rung zu ru­fen, für ihn nicht nö­tig ist, ir­gend­ei­ne An­stren­gung zu ma­chen, er er­in­nert sich so­fort dar­an, als er von der Sa­che Re­chen­schaft ab­legt. Was das hei­ßen soll, dass die Wir­kun­gen kei­nes­wegs ei­ner Ver­drän­gung, son­dern ei­ner Rede, die un­ter­drückt* ist, um ge­nau den Aus­druck zu ver­wen­den, den Freuds Vo­ka­bu­lar uns zur Ver­fü­gung stellt, was das hei­ßen soll, sich für die­ses The­ma der Ar­ti­ku­la­ti­on zu in­ter­es­sie­ren, der Un­ter­schei­dung, der De­fi­ni­ti­on zwi­schen ‚un­ter­drückt*‘ und ‚ver­drängt*‘, das ist nie­mals an­ge­mes­sen ar­ti­ku­liert wor­den.

Also eine Rede*, ein dis­cours, eine Rede, auf die­se bi­zar­re Wei­se auf den Sei­den­strumpf auf­ge­näht (sur le bas de soie sou­su), im In­ne­ren und im Äu­ßern, es ist aus­ge­drückt*, wenn sie die­sem aus* nicht den Sinn ge­ben, den es im fran­zö­si­schen Wort ex­pri­mer hat, son­dern den von hin­aus*: hin­aus­brin­gen.34

Und dann was? Wie ge­schieht das? War­um ver­zieht sich das? Es ge­schieht, dass in die­sem Mo­ment et­was ge­stört wird, und das ist es, dar­auf hat Freud den Ak­zent ge­setzt, dass et­was ge­stört wird, und das hat zum Er­geb­nis, dass sich von ‚Si­gno­rel­li‘ et­was da­von­macht. Und was? Das ist dies, dass bei die­sem ein­zig­ar­ti­gen Phä­no­men, das wir hier ‚Ver­ges­sen‘ nen­nen und wor­über ich Ih­nen eben ge­sagt habe, dass es auch ein Me­cha­nis­mus des Er­in­nerns war, dass an­ge­sichts des Lochs, das durch es er­zeugt wird – je­der weiß aus Er­fah­rung, was ge­schieht, wenn wir ge­zielt den Ei­gen­na­men su­chen: dass sich, wenn wir ihn ge­ra­de nicht fin­den kön­nen, be­stimm­te Din­ge ein­stel­len.

Signorelli - Vergessen des Eigennamens - Version 1898 KopieFreuds Dia­gramm zum Ver­ges­sen des Ei­gen­na­mens Si­gno­rel­li (Ver­si­on von 1898)

Es stellt sich eine Me­ta­pher her, es stel­len sich Er­set­zun­gen her. Aber das ist eine ziem­lich ein­zig­ar­ti­ge Me­ta­pher, denn die­se Me­ta­pher ist ge­ra­de das Ge­gen­teil von der­je­ni­gen, de­ren Funk­ti­on ich für Sie ar­ti­ku­liert habe, die Funk­ti­on der Schöp­fung von Sinn, von Be­deu­tung, <hier hin­ge­gen:> Er­set­zun­gen von Lau­ten, von rei­nen Lau­ten, die sich ein­stel­len.

Und war­um bi­zar­rer­wei­se die­ses Bo von Bot­ti­cel­li, ein Aus­druck, der so nah bei Si­gno­rel­li ist, so nah, dass es da­von so­gar noch mehr gibt, als Freud ge­sagt hat. Es ist nicht nur das elli, das an der Ober­flä­che schwimmt, es ist auch das o von Si­gno­rel­li-Bol­traf­fio. Si­cher­lich wird hier der an­de­re Teil durch Tra­foi ge­lie­fert, aber es gibt auch die­ses Bo, und Freud fin­det die­ses Bo so­fort, er weiß sehr gut, wo es her­kommt, es kommt von ei­nem an­de­ren Paar von Ei­gen­na­men, näm­lich von Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na.

Und das Her von Her­ze­go­wi­na, was ist in die­ser Ge­schich­te die­ses Herr*, die­ses Herr*, um das sich also et­was dreht? Ist es nicht da, hier ver­las­se ich den Text, den Text von Freud, denn was ich Ih­nen zei­gen will, ist, dass sich hier al­les so ab­spielt, als ob auf­grund der Ak­ko­mo­da­ti­on des Sub­jekts an das Herr* – das durch das Ge­spräch eine star­ke Er­klä­rung fin­det und das das größ­te Ge­wicht er­hält, in­dem dar­aus eine ver­trau­li­che Mit­tei­lung des ei­nen Sub­jekts ge­gen­über dem an­de­ren ge­macht wird –, als ob das Bo ir­gend­wo da sei­nen Platz ge­fun­den hät­te, an ei­ner Rand­stel­le.

Und was be­zeich­net es, wenn nicht den Platz, wo das Herr*, sagt Freud (…).

Was Freud bei die­sem ers­ten Tas­ten nicht sagt, weil er es noch nicht se­hen, noch nicht ar­ti­ku­lie­ren kann, weil der Be­griff noch gar nicht ans Licht ge­kom­men ist, weil er in der ana­ly­ti­schen Theo­rie noch nicht voll auf­ge­taucht ist, was er nicht sieht, ist, dass die Ver­wir­rung, um die es hier geht, we­sent­lich an die Iden­ti­fi­zie­rung ge­bun­den ist.

Die­ser Herr*, um den es geht, und die­ser Herr*, der hier­bei sein gan­zes Ge­wicht und sei­ne gan­ze Schär­fe be­wahrt hat, der sich bei die­sem ein­fa­chen klei­nen Mann des Ge­set­zes nicht so weit ge­hen las­sen will, es mit ärzt­li­chen Ver­trau­lich­kei­ten all­zu weit zu trei­ben, das ist hier der Arzt. Der Herr*, das ist also Freud, der sich hier mit der Fi­gur ei­nes Arz­tes iden­ti­fi­ziert, wel­cher ei­nem an­de­ren ge­gen­über vor­sich­tig ist.

Aber was ver­liert er hier? Er ver­liert hier als sei­nen Schat­ten, als sein Dou­ble das, was viel­leicht nicht so sehr, wie der Text <von Freud> sagt, der Si­gnor ist. Es heißt viel­leicht, zu weit ge­hen, wie es in der Über­set­zung im­mer ge­schieht, in der Rich­tung, zu ge­ben (…). Was mich an­geht, so käme ich viel­leicht dar­auf, zu se­hen, dass das o von Si­gnor kei­nes­wegs ver­lo­ren ist und in Bol­traf­fio so­gar ver­dop­pelt wird und in die­sem Bot­ti­cel­li, und ich käme dar­auf, zu den­ken, dass das Sig so­wohl si­gn­ans ist wie Sig­mund Freud. Es ist der Platz sei­nes Be­geh­rens im ei­gent­li­chen Sin­ne, in­so­fern er der wah­re Platz sei­ner Iden­ti­fi­zie­rung ist, die hier am Punkt des Sko­toms ver­or­tet ist, dort, wo das Auge ge­wis­ser­ma­ßen ei­nen blin­den Fleck hat.

Signorelli Selbstporträt (zu: Jacques Lacan über den Eigennamen)

Luca Si­gno­rel­li, Selbstporträt[note]Dom von Or­vie­to, Ca­pel­la di San Bri­zio, am lin­ken Rand der Sze­ne mit Pre­digt und Ta­ten des An­ti­chris­ten, 1500, Ausschnitt.[/note]

Und weil all das sehr viel mit dem zu tun hat, was ich Ih­nen letz­tes Jahr hin­sicht­lich der Funk­ti­on des Blicks bei der Iden­ti­fi­zie­rung in Er­in­ne­rung ge­ru­fen habe35, über­ge­hen Sie bit­te nicht das, was im Text steht und was auch kraft­voll ar­ti­ku­liert wird und was nicht auf­ge­löst wird, näm­lich dass Freud be­merkt, dass sich in meh­re­ren Fäl­len, die er so auf­ge­zeigt hat, et­was ein­stellt, was ganz und gar ein­zig­ar­tig ist. So­gar in dem Au­gen­blick, in dem es ihm nicht ge­lingt, den Na­men die­ses von ihm so be­wun­der­ten Si­gno­rel­li wie­der­zu­fin­den, was hört da nicht auf, las­sen Sie mich mei­ner ei­ge­nen Rede vor­grei­fen, was hört da nicht auf, ihn ohne Un­ter­lass an­zu­schau­en? Ich sage ‚ich neh­me vor­weg‘, weil es nicht das ist, was Freud uns sagt. Er sagt uns, dass in die­sem Mo­ment, wäh­rend der gan­zen Zeit, in der er den Na­men von Si­gno­rel­li ge­sucht hat, bis er ihn schließ­lich wie­der­ge­fun­den hat – je­mand hat ihm die­sen Na­men ge­ge­ben, er hat ihn nicht selbst wie­der­ge­fun­den –, dass also wäh­rend die­ser gan­zen Zeit das Ge­sicht von Si­gno­rel­li, der auf den Fres­ken von Or­vie­to dar­ge­stellt ist, ir­gend­wo un­ten links und mit ver­schränk­ten Hän­den, dass das Ge­sicht von Si­gno­rel­li nicht auf­ge­hört hat, ihm ge­gen­wär­tig zu sein, mit be­son­de­rer Bril­lanz aus­ge­stat­tet.

Ich spie­le den Ball hier je­man­dem zu, der mei­ne Be­haup­tun­gen auf­merk­sam ver­folgt hat und mir kürz­lich die Fra­ge ge­stellt hat ‚Was ge­nau wol­len Sie sa­gen, was bleibt im Text Ih­res Se­mi­nars als Ge­schrie­be­nes, als Sie ge­sagt ha­ben: das Sub­jekt, von wo es sich sieht, ist nicht da, wo es sich an­blickt.‘36 Und Sie er­in­nern sich auch dar­an, dass ich Ih­nen ge­sagt habe, was das Bild (ta­bleau) ist, das wah­re Bild: es ist Blick; dass das Bild den­je­ni­gen an­blickt, der in sein Feld stürzt und zu sei­ner Beu­te wird.37 Dass der Ma­ler, in die­sem Fall Si­gno­rel­li, der­je­ni­ge ist, der den an­de­ren dazu bringt, vor ihm den Blick zu sen­ken.38

Und in eben dem Maße, in dem er in die­ser fal­schen Iden­ti­fi­zie­rung <mit dem Herrn> glänzt, in die­ser trü­ge­ri­schen Über­schnei­dung der Ober­flä­che, an der Freud sich fest­klam­mert, wo er sich zu­rück­hält und sich wei­gert, sei­ne ge­sam­te Rede zu ge­ben, das, was er da ver­liert, durch die­ses ein­ge­kreis­te Iden­ti­fi­zier­te, durch die­ses Loch des ver­lo­re­nen Na­mens, von die­sem Sign, von die­sem Sign, das durch eine Art au­ßer­ge­wöhn­li­che Schick­sals­fü­gung bis in den Ter­mi­nus hin­ein ver­kör­pert ist, das da wahr­haft ge­schrie­ben ist, als Si­gni­fi­kant ge­schrie­ben ist, was geht dar­aus her­vor?

Eben das Ge­sicht, das vor ihn pro­ji­zier­te Ge­sicht, vor den, der nicht mehr weiß, von wo aus er sich sieht, der den Punkt nicht kennt, von dem aus er sich er­blickt.

Denn die­ses S des Sche­mas, wo ich Ih­nen ge­zeigt habe, dass die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem I, von der aus sich für das Sub­jekt al­les ver­or­tet, die­ses S hat wohl­ge­merkt kei­nen Punkt.39 Es ist das, wor­in die­ses Au­ßen, das der Punkt der Ge­burt ist, der Punkt des Auf­tau­chens ei­ner Schöp­fung, die von der Ord­nung des Re­fle­xes sein kann, von der Ord­nung des­sen, was sich sieht, des­sen, was sich im Ge­hei­men or­ga­ni­siert, des­sen, was sich zu­recht­fin­det, des­sen, was sich ein­rich­tet als In­ter­sub­jek­ti­vi­tät.

Die­se plötz­li­che Be­leuch­tung, die auf dem Bild des­je­ni­gen er­schie­nen ist, des­sen Name ver­lo­ren ist, des­je­ni­gen, der da als der Man­gel ver­ge­gen­wär­tigt wird, das ist wahr­haft – und Freud lässt die Sa­che in der Schwe­be, lässt uns ge­wis­ser­ma­ßen hän­gen, ihm feh­len die Wor­te, wie man über die­ses Su­jet sagt –, das ist das Er­schei­nen des Punk­tes des Auf­tau­chens in der Welt, die­ses Ent­ste­hungs­punk­tes, durch den das, was in der Spra­che nur durch den Man­gel über­setzt wer­den kann, zum Sein kommt.“40

Ende die­ser Sit­zung.

13. Januar 1965: Begehren und Identifizierung

La­can be­rich­tet, ei­ni­ge Zu­hö­rer hät­ten ge­sagt, dass sie nicht al­les ver­ste­hen. Dies habe sei­nen Grund dar­in, sagt er, dass er nicht den ge­sam­ten Kon­text an­ge­ben kön­ne, auf den er sich stüt­ze.

Ich mei­ne das, was es mir hier ge­stat­tet, die­sem oder je­nem er­fah­re­ne­ren Teil mei­ner Zu­hö­rer­schaft auf­zu­zei­gen, wel­che ge­nau­en Ent­spre­chun­gen zu den For­meln ge­fun­den wer­den kön­nen, die aus mei­ner Er­fah­rung her­vor­ge­gan­gen sind und die bei ei­nem sol­chen Un­ter­su­chungs­weg eben nicht für alle voll­stän­dig les­bar sind. Bei­spiels­wei­se letz­tes Mal die­se Un­ter­su­chun­gen über den Ei­gen­na­men, wo das Aus­rut­schen, ja das Schei­tern, die ekla­tan­te Pa­ra­do­xie der For­meln ei­nes Den­kers uns das Kon­troll­mit­tel gibt, das uns ver­si­chert, dass wir sind – wenn wir ei­nen Punkt der Ko­hä­renz an­ge­hen, der in­ne­ren Ko­hä­renz, der Ko­hä­renz, die ich als glo­ba­le Ko­hä­renz un­se­rer ge­sam­ten Er­fah­rung be­zeich­nen könn­te, näm­lich den Punkt, den ich das letz­te Mal mit der Ka­te­go­rie der Iden­ti­fi­zie­rung vor­ge­bracht habe –, das uns das Zeug­nis gibt, dass in Be­zug auf den Ei­gen­na­men nicht nur Sprach­wis­sen­schaft­ler, son­dern auch Lo­gi­ker, ja, sa­gen wir das Wort, es ist kei­nes­wegs un­ver­dient, dass es ge­äu­ßert wird, wenn es um Bert­rand Rus­sell geht, dass auch Den­ker zö­gern, dass sie ins Rut­schen ge­ra­ten, ja sich ir­ren, wenn sie sich auf die­sen Punkt der Iden­ti­fi­zie­rung be­zie­hen, näm­lich auf die pri­vi­le­gier­te Ver­wen­dung, die vom Ei­gen­na­men ge­macht wird, als et­was, was als das aus­ge­such­te Mit­tel der In­di­ka­ti­on be­zeich­net wird, der Aus­ma­chung des Be­son­de­ren (par­ti­cu­lier), das als sol­ches er­fasst wird.

Si­cher­lich sind wir hier ver­ant­wort­lich, wir Ana­ly­ti­ker. Ich will sa­gen, dass wir nicht da­von dis­pen­siert wer­den könn­ten, un­se­ren Bei­trag zu leis­ten, wenn un­se­re Er­fah­rung es uns er­mög­licht, eine Funk­ti­on des Os­zil­lie­rens zu be­zeu­gen, des Schwan­kens, eine be­son­ders auf­schluss­rei­che Dy­na­mik zu be­zeu­gen, von der die Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens er­fasst wird, in dem, was un­ser Feld ist, das Feld der psy­cho­ana­ly­ti­schen Er­fah­rung – sie ver­dient es, so be­zeich­net zu wer­den, wie ich es tue –, und das in ge­wis­ser Wei­se in­te­grie­ren­der ist, spe­zi­fi­scher ist als je­des an­de­re, da es hier um das Sub­jekt geht.“41

Aus die­sem Grun­de sei es nicht nö­tig, heißt es im Fol­gen­den, dass alle Zu­hö­rer alle Be­zü­ge ver­ste­hen.

Die ers­te Ein­sicht, die man aus Freuds Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens ge­win­nen kön­ne, sagt er spä­ter in die­ser Sit­zung, be­zie­he sich auf den Be­deu­tungs­ef­fekt. Wenn et­was nicht geht, dann lie­ge dies dar­an, dass man man et­was be­geh­re, z.B. sei­nen Va­ter zu tö­ten; man be­geh­re et­was, was et­was be­deu­tet. Das rei­che aber nicht aus. Nicht je­des be­lie­bi­ge Be­geh­ren kön­ne dazu füh­ren, dass et­was ins Stol­pern ge­rät. Das Stol­pern be­tref­fe im­mer mein Ver­hält­nis zur Spra­che, zu­min­dest in der Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens; es sei ab­hän­gig von ei­ner Pho­nem-Sub­sti­tu­ti­on, die selbst wie­der­um eine Spur sei, und die­se Spur füh­re zu dem, wor­um es gehe, näm­lich zum Be­geh­ren.

Vom Be­geh­ren, mei­nen Va­ter zu tö­ten, wer­de ich auf den Na­men des Va­ters ver­wie­sen, denn es ist um den Na­men her­um, und kei­nes­wegs dif­fus um ein be­lie­bi­ges Strau­cheln der Wör­ter her­um, es ist im­mer auf der Ebe­ne des Na­mens, der im ei­gent­li­chen Sin­ne no­mi­na­len Evo­ka­ti­on, dass, zu­min­dest in die­sem ge­sam­ten Er­fah­rungs­feld, die Freud­sche Stand­ort­be­stim­mung voll­zo­gen wird. Nun, die­ser Name des Va­ters, wenn wir die Struk­tur der Freud­schen Er­fah­rung be­den­ken, wenn wir die Theo­rie und das Den­ken von Freud be­rück­sich­ti­gen, die­ser Name des Va­ters, da ist das Ge­heim­nis. Denn durch die­sen Na­men des Va­ters wird mein Be­geh­ren nicht nur an die­sen schmerz­haf­ten, ent­schei­den­den, ver­dräng­ten Punkt ge­führt, den hier­bei das Be­geh­ren, mei­nen Va­ter zu tö­ten, dar­stellt, son­dern noch an vie­le wei­te­re Punk­te, weil auch das Be­geh­ren, mit mei­ner Mut­ter zu schla­fen – das der Weg ist, auf dem mei­ne he­te­ro­se­xu­el­le Nor­ma­li­sie­rung sich her­stellt –, glei­cher­ma­ßen von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt ab­hän­gig ist, von dem­je­ni­gen, den ich hier, um ab­zu­kür­zen, mit dem Aus­druck Name-des-Va­ters be­zeich­net habe.

Erstausgabe 1880

Erst­aus­ga­be 1880

Nun, dies ist es, dem man in der ge­sam­ten Aus­sa­ge Freuds auf der Spur blei­ben muss, so­gar, um hier die Lö­sung für das zu se­hen, was of­fen bleibt, näm­lich für das, was er un­ge­schickt als den an­ste­cken­den Cha­rak­ter des Na­mens­ver­ges­sens be­zeich­net. Und in ei­nem Fall, näm­lich dem­je­ni­gen, der sich am Ende des ers­ten Ka­pi­tels fin­det, wird er uns et­was zei­gen, was ei­nen ers­ten Zu­gang er­öff­net.42 Si­cher­lich des­halb, weil alle, die an ei­nem be­stimm­ten Dia­log zu meh­re­ren, an ei­ner be­stimm­ten Un­ter­hal­tung be­tei­ligt sind, zu­sam­men von et­was Ge­mein­sa­mem er­fasst sind, was si­cher­lich mit ei­nem Be­geh­ren zu tun hat – nicht mit ir­gend­ei­nem, wie Sie se­hen wer­den –, ge­schieht es, dass ein be­stimm­ter Ei­gen­na­me, den alle Be­tei­lig­ten sehr gut ken­nen, weil das der Ti­tel ei­nes Bu­ches ist, von dem ich mir vor­stel­le, dass es nicht bril­lant sein dürf­te, we­der dem In­halt nach noch hin­sicht­lich der Theo­rie, und wel­ches Ben Hur heißt, aber das ist nicht so wich­tig.43 Es gibt hier ein char­man­tes jun­ges Mäd­chen, das glaub­te hier­über sa­gen zu kön­nen – eine Sa­che, um der Um­ge­bung ein biss­chen zu im­po­nie­ren –, dass es dar­in be­stimm­te we­sent­li­che Ge­dan­ken, ich weiß nicht wel­che, über die Es­se­ner ge­fun­den habe. Die­ses ‚Ben Hur‘, an das das Mäd­chen sich nicht er­in­nern kann, was der Au­tor, der uns die­ses Bei­spiel lie­fert, und der, glau­be ich, Fe­ren­c­zi ist, wenn ich mich nicht irre44 –; üb­ri­gens nicht so wich­tig, neh­men Sie ir­gend­ein Bei­spiel, und Sie wer­den im­mer die­sel­be Struk­tur fin­den. Das, wor­um es geht, was ist das? Das ist et­was, was viel­leicht in ei­ner be­stimm­ten Be­zie­hung zu ei­nem Be­geh­ren steht, das aber, wenn ich so sa­gen darf, das durch die­se Vo­ka­li­sie­rung ging, durch die­se Emis­si­on der Stim­me, die nicht zu­fäl­lig war, durch bin Hure*.

Und was ist es, wor­um es da­bei geht, wer­den Sie sa­gen. Wo ist das Wich­ti­ge, wo ist das Ent­schei­den­de? Ist es dies, dass die­se ver­steck­te Er­klä­rung, die wie ein Wie­sel durch die Ver­samm­lung läuft, zwi­schen die­sem jun­gen Mäd­chen und den jun­gen Män­nern, die es um­ge­ben, näm­lich über et­was, was die Ten­denz hät­te, die Be­gier­den ei­nes je­den her­vor­kom­men zu las­sen, wo wer­den wir die Ga­ran­tie se­hen, dass die­se Be­gier­den tat­säch­lich ei­nen ge­mein­sa­men Fak­tor ha­ben, näm­lich dass bei al­len et­was, was die Ver­kün­dung des Ei­gen­na­mens an­geht, dass bei die­ser gan­zen Ver­kün­dung die Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts – in wel­chem Ab­stand auch im­mer sich die Be­zie­hung zum Ei­gen­na­men her­stel­len mag –, dass die Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts hier­bei im Spiel ist, und da, auf die­ser Ebe­ne hält sich die Trieb­fe­der.

Nun, die Art und Wei­se, wie wir to­po­lo­gisch zu de­fi­nie­ren ha­ben, wor­um es in der Ana­ly­se geht, und was ganz of­fen­kun­dig das Aus­fin­dig­ma­chen des Be­geh­rens ist, aber nicht ir­gend­ei­nes Be­geh­rens, das nur Ent­zie­hen, Me­to­ny­mie, Me­ta­bo­lis­mus, ja Ab­wehr ist, was sei­ne ge­wöhn­lichs­te Ge­stalt ist, wenn es also dar­um geht, die­ses Be­geh­ren aus­zu­ma­chen, in dem die Ana­ly­se ihr Ende fin­den muss und vor al­lem ihre Ach­se, wenn es, wie wir am Ende des letz­ten Jah­res be­haup­tet ha­ben, das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers als sol­ches ist, das die Ach­se der Ana­ly­se bil­det45, die­ses Be­geh­ren müs­sen wir to­po­lo­gisch de­fi­nie­ren kön­nen, in Be­zie­hung zu die­sem Pass, zu die­sem Phä­no­men, das si­cher­lich mit ihm in ge­wis­ser Wei­se ver­bun­den ist und das wir hier erst zu er­fas­sen, zu ent­zif­fern be­gin­nen, dem wir uns erst an­zu­nä­hern be­gin­nen, näm­lich der Iden­ti­fi­zie­rung.“46

Ende die­ser Sit­zung.

20. Januar 1965: Der benannte Sokrates

La­can spricht über den Syl­lo­gis­mus Alle Men­schen sind sterb­lich / So­kra­tes ist ein Mensch / Also ist So­kra­tes sterb­lich. Er kon­fron­tiert die Dar­stel­lung die­ses Syl­lo­gis­mus durch Eu­ler­krei­se mit der Dar­stel­lung mit­hil­fe ei­ner In­ne­n­acht auf ei­ner Klein­schen Fla­sche. Er pro­ble­ma­ti­siert die uni­ver­sa­le und af­fir­ma­ti­ve Aus­sa­ge „Alle Men­schen sind sterb­lich“ und fährt dann fort:

Aber auch, weil man noch bei den Dis­kus­sio­nen der Scho­las­ti­ker über die­ses The­ma ist, wer­den viel­leicht wir, die wir ein we­nig mehr un­ter Druck ste­hen und die wir viel­leicht ver­mu­ten kön­nen, dass es ir­gend­wo eine Ver­ir­rung gibt, wer­den wir die Fra­ge neu stel­len, auf der Ebe­ne des Ei­gen­na­mens, und wir wer­den fra­gen, ob sich das von selbst ver­steht. Selbst wenn ein­ge­räumt wird, dass ‚alle Men­schen sind sterb­lich‘ eine Wahr­heit ist, die sich hin­rei­chend sel­ber trägt, so­dass wir den Sinn der For­mel nicht dis­ku­tie­ren wer­den, wenn wir also von da aus­ge­hen, ist es dann le­gi­tim zu sa­gen, dar­aus zu fol­gern, dar­aus ab­zu­lei­ten, dass So­kra­tes sterb­lich ist?

Denn wir ha­ben nicht ge­sagt: ‚Ir­gend­ein Mensch ist sterb­lich, der viel­leicht So­kra­tes heißt.‘ Wir ha­ben ge­sagt: ‚So­kra­tes ist sterb­lich.‘ Der Lo­gi­ker geht si­cher­lich zu schnell dar­an vor­bei. Aris­to­te­les hat die­sen Schritt kei­nes­wegs über­sprun­gen, denn er wuss­te, was er sag­te, bes­ser viel­leicht als die­je­ni­gen, die ihm ge­folgt sind. Aber in der skep­ti­schen und in der stoi­schen Schu­le ist das Bei­spiel bald üb­lich ge­wor­den. War­um ist mit ei­ner sol­chen Leich­tig­keit der Sprung ge­macht wor­den, ‚So­kra­tes ist sterb­lich‘ zu sa­gen?

Ich konn­te Sie hier nur dar­auf hin­wei­sen – weil ich ih­nen das, wie vie­le an­de­re Din­ge, letzt­lich er­spa­re –, dass auf der Ebe­ne der stoi­schen Schu­le tat­säch­lich ein Schritt ge­macht wor­den ist, von dem aus sich der Sinn, der als sol­cher dem Ter­mi­nus ‚Ei­gen­na­me‘ zu­ge­wie­sen wor­den ist, ver­än­dert hat: das ono­ma im Ge­gen­satz zur rhē­sis, näm­lich als eine der bei­den we­sent­li­chen Funk­tio­nen der Spra­che.47 Zur Zeit von Pla­ton und von Aris­to­te­les wie auch von Prot­ago­ras und auch im Kra­ty­los heißt das ono­ma, wenn es um den Ei­gen­na­men geht, das ono­ma ky­ri­on, und das meint ‚der Name schlecht­hin‘.48 Erst mit den Stoi­kern er­hält das idi­on den Vor­rang, wo­mit der Ei­gen­na­me zu dem Na­men wird, der Ih­nen ganz be­son­ders zu ei­gen ist. Und das ist es wohl, was die­sen lo­gi­schen Feh­ler er­mög­licht, denn in Wahr­heit, wenn wir an der Ori­gi­na­li­tät der Be­nen­nungs­funk­ti­on fest­hal­ten – ver­ste­hen Sie dar­un­ter, dass hier die Funk­ti­on, die dem Si­gni­fi­kan­ten ei­gen ist, bis zum Ma­xi­mum ge­stei­gert ist, die dar­in be­steht, sich nicht mit sich selbst iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen, was si­cher­lich in der Funk­ti­on der Be­nen­nung kul­mi­nie­ren wird –, dann ist die­ser So­kra­tes zu­gleich ein von sich Ge­sag­ter und ein von an­de­re Ge­sag­ter, er ist der­je­ni­ge, der sich zu So­kra­tes er­klärt, wie auch der­je­ni­ge, den an­de­re, die die Ele­men­te sei­ner Ver­wandt­schafts­li­nie bil­den, ob sie nun ver­kör­pert sind oder nicht49, den an­de­re mit dem Na­men So­kra­tes be­legt ha­ben, der also nicht auf eine Wei­se be­han­delt wer­den kann, die mit ir­gend­et­was ho­mo­gen wäre, was in der Ru­brik ‚alle Men­schen‘ ent­hal­ten sein könn­te.“50

In die­sem Syl­lo­gis­mus, heißt es da­nach, wer­de die Funk­ti­on des spre­chen­den Sub­jekts zum Ver­schwin­den ge­bracht und auch, dass es mehr als eine Wei­se gebe, sterb­lich zu sein.

27. Januar 1965: Kentauren mit Eigennamen

Ein Phi­lo­soph wer­de sa­gen, ein Ein­horn sei et­was, was nicht exis­tiert. Exis­tiert es und in wel­chem Maße?

Exis­tiert ein Ken­taur? Von dem Mo­ment an, wo er ein be­stimm­ter Ken­taur ist, Nes­sos oder Che­i­ron, exis­tiert er da ein biss­chen mehr? Das ist eine Fra­ge, die für uns das größ­te Ge­wicht hat, weil es in un­se­rer Pra­xis ge­nau dar­um geht, näm­lich um die Ein­wir­kung der Be­nen­nung in ih­rem be­griff­li­chen Sta­tus oder in ih­rem rei­nen Zu­stand beim Ei­gen­na­men, mit der wir es zu tun ha­ben, mit dem in­iti­um eben des­sen, wo­durch das Sub­jekt be­stimmt wird, in sei­ner Ge­schich­te wie in sei­ner Struk­tur wie in sei­ner Ge­gen­wart in der ana­ly­ti­schen Ope­ra­ti­on.“51

Im An­schluss geht es um Fre­ges Grund­la­gen der Arith­me­tik.

7. April 1965: Der Akt der Benennung und die Naht

La­can er­läu­tert das The­ma des Se­mi­nars: es geht um die Wir­kun­gen des Si­gni­fi­kan­ten. Der Si­gni­fi­kant de­ter­mi­nie­re das Sub­jekt da­durch, dass er es aus den Dis­kurs­ef­fek­ten ver­wer­fe. Da­nach spricht er über Pla­tons Dia­log Kra­ty­los, der eben­falls den Sta­tus des Si­gni­fi­kan­ten zum The­ma habe. Be­reits Aris­to­te­les un­ter­schei­de zwei Funk­tio­nen des Si­gni­fi­kan­ten: ono­ma, den Na­men, und rhē­sis, das Sa­gen.

Die Funk­ti­on der Be­nen­nung ver­dient es, als et­was Ur­sprüng­li­ches fest­ge­hal­ten zu wer­den. Ihr Sta­tus steht im Ge­gen­satz zur Funk­ti­on der Äu­ße­rung oder des Sat­zes, wel­chen Sat­zes auch im­mer: pro­po­si­tio­nal, de­fi­nie­rend, re­la­tio­nal, prä­di­ka­tiv, des Sat­zes, in­so­fern er uns in die wirk­sa­me Ak­ti­on des Sym­ptoms ein­führt. Er führt zu die­sem Er­grei­fen, des­sen Kul­mi­na­ti­ons­punkt die Be­griffs­bil­dung ist, et­was, was an­de­rer­seits die Funk­ti­on der Be­nen­nung of­fen lässt, in­so­fern sie in das Rea­le et­was ein­führt, was be­nennt.

Da­bei ist die Fra­ge nicht da­mit ge­löst, dass man die Be­nen­nung als eine Art und Wei­se auf­fasst, an eine Sa­che, die be­reits ge­ge­ben wäre, ein Eti­kett an­zu­hef­ten, das es er­mög­li­chen wür­de, sie wie­der­zu­er­ken­nen. Wir ha­ben be­reits hin­rei­chend dar­auf in­sis­tiert, dass die­ses Eti­kett auf kei­nen Fall als eine Ver­dop­pe­lung auf­zu­fas­sen ist, als eine Lis­te, die ein­fach von et­was er­stellt wird, was be­reits, wenn man so sa­gen kann, wohl­ge­ord­net ein­ge­la­gert wäre, wie ein Ver­zeich­nis von Re­qui­si­ten.

Die Be­nen­nung – das Eti­kett, um das es sich han­delt – geht von der Mar­kie­rung aus, geht von der Spur aus, geht von et­was aus, was in die ‚Din­ge‘ ein­tritt und sie mo­di­fi­ziert und was da­mit am Be­ginn des­sen steht, dass sie über­haupt den Sta­tus von Din­gen ha­ben.

Und dar­um ist die­se Funk­ti­on der Be­nen­nung mit ei­ner Pro­ble­ma­tik ver­bun­den, um die sich Kra­ty­los, So­kra­tes und Her­mo­ge­nes dre­hen.52 An der Wahr­heit, die über die Be­nen­nung zu äu­ßern ist, rühmt Her­mo­ge­nes die Sei­te, die sich in der Fol­ge ent­wi­ckeln wird, in­dem er näm­lich auf dem kon­ven­tio­nel­len Cha­rak­ter der Be­nen­nung in­sis­tiert, auf dem ar­bi­trä­ren Cha­rak­ter der Wahl des Phon­ems, das, in sei­ner Ma­te­ria­li­tät ge­nom­men, et­was Un­be­stimm­tes, et­was Flüch­ti­ges hat. ‚War­um dies so statt an­ders nen­nen; nichts ver­pflich­tet uns, et­was zu er­fas­sen, was man Ähn­lich­keit nen­nen könn­te, Ein­ver­ständ­nis von Wort und Ding.‘

So­kra­tes zeigt uns je­doch sehr deut­lich, So­kra­tes der Dia­lek­ti­ker, So­kra­tes der Fra­gen­de, dass er den Äu­ße­run­gen von Kra­ty­los zu­neigt, der, in ei­nem an­de­ren Ra­di­ka­lis­mus, dar­auf be­harrt, zu zei­gen, dass es kei­ne wirk­sa­me Funk­ti­on der Be­nen­nung gäbe, ent­hiel­te der Name nicht von sich her die­ses voll­kom­me­ne Ein­ver­ständ­nis mit der Sa­che, die er be­zeich­net.53

In die­ser Ope­ra­ti­on – oft­mals amü­sant, im­mer pa­ra­dox und tat­säch­lich von ei­ner Un­ge­zwun­gen­heit, die dazu ge­eig­net ist, uns von al­len mög­li­chen Vor­ur­tei­len über be­stimm­te tra­di­tio­nel­le Ge­pflo­gen­hei­ten zu be­frei­en –, die sich auf die Ent­ste­hung der Be­deu­tung be­zieht und ins­be­son­de­re auf all das, was Ety­mo­lo­gie ge­nannt wird, in die­ser Ope­ra­ti­on wird uns ge­zeigt, durch die­se Leich­tig­keit, die­se Un­ge­niert­heit, durch et­was, was fast ein Spiel ist, wo­mit vor uns die Be­fra­gung des pho­n­ema­ti­schen Si­gni­fi­kan­ten in Gang ge­setzt wird: die Art, wie in der Dis­kus­si­on die Wör­ter zer­schnit­ten wer­den, in An­spruch ge­nom­men wer­den, die Art, wie das Spiel über die Fra­ge ei­ner an­geb­li­chen Ex­pres­si­vi­tät des Phon­ems durch­ge­führt wird, dies zeigt uns si­cher­lich et­was an­de­res als das, was man für Nai­vi­tät hält. Denn ich glau­be, dass das, was Pla­ton uns in die­ser Übung zeigt, in die­ser Art der Un­ter­su­chung, als glau­be er an die pri­mä­ren Ele­men­te in den Wör­tern, dank de­rer wir sie in der Wei­se be­fra­gen könn­ten, dass sie eine Ant­wort dar­auf gä­ben, was zu be­zeich­nen sie be­stimmt sei­en, in der Art, wie er mit dem Wort sklēros spielt, was im Grie­chi­schen ‚hart‘ be­deu­tet, und wo­bei er uns dar­auf auf­merk­sam macht, dass das La­bi­al und das rh von rheō, was im Grie­chi­schen ‚flie­ßen‘ be­deu­tet, ziem­lich we­nig zu der Här­te passt, die mit dem Wort sklēro­tēs aus­zu­drü­cken ist54 –, ich glau­be, dass das, was er uns in Wahr­heit zeigt, eben die­se Übung ist, die dar­in be­steht, uns das zu zei­gen, was bei al­lem, was sich auf die­se Funk­ti­on der Be­nen­nung be­zieht, wich­tig ist: das, was er uns in sei­nem Spiel mit den Wor­ten zeigt, ist die Art, sie mit der Sche­re zu zer­schnei­den.

Das ist auch das, was an der Funk­ti­on und Exis­tenz des Na­mens we­sent­lich ist: nicht der Schnitt, son­dern, wenn man so sa­gen darf, das Ge­gen­teil, näm­lich die Naht.

Der Ei­gen­na­me, auf den ich zu Be­ginn die­ser Rede Ihre Auf­merk­sam­keit ge­lenkt hat­te – wie an­de­rer­seits zu­gleich auf die Funk­ti­on der Zahl –, der Ei­gen­na­me, rich­ten Sie ei­nen Mo­ment lang Ih­ren Blick auf das, was für ihn we­sent­lich ist. Be­reits in sei­ner Be­zeich­nung ent­hält der Ei­gen­na­me, ono­ma idi­on, die­se Zwei­deu­tig­keit, die alle Irr­tü­mer er­mög­licht hat, ei­ner­seits dies zu be­deu­ten: der Name, der je­man­dem oder ei­ner Sa­che ei­gen ist, die­sem oder je­nem Ge­gen­stand, der Name, der durch die rei­ne Funk­ti­on der De­no­ta­ti­on spe­zi­fi­ziert ist, da­durch, zu be­zeich­nen. Aber ‚ei­gen‘ meint auch ‚der ei­gent­li­che Name‘. Und ist dar­in nicht das We­sent­li­che die­ser Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens zu se­hen, dass er näm­lich un­ter al­len Na­men der­je­ni­ge ist, der uns zeigt, was der Name ist, auf eine Wei­se, die der Funk­ti­on des Na­mens am meis­ten ei­gen ist?

Nun, wenn Sie sich mit die­ser lee­ren For­mel dar­an ma­chen, das zu be­trach­ten, ich be­traue Sie da­mit – die Zeit, au­ßer­dem der tech­ni­sche Vor­fall, der mich zu Be­ginn mei­ner heu­ti­gen Rede auf­ge­hal­ten hat; mir fehlt die Zeit, um Ih­nen das mit ei­ner gro­ßen Zahl von Bei­spie­len zu ver­an­schau­li­chen. Sie wer­den se­hen, dass von al­len Na­men, wel­che es auch sein mö­gen und wel­che Aus­deh­nung wir der Funk­ti­on des Wor­tes ‚Name‘ auch ge­ben könn­ten, dass von al­len Na­men, die wir un­ter die­sem As­pekt der Be­nen­nung zu be­fra­gen ha­ben, der Ei­gen­na­me der­je­ni­ge ist, der auf die ma­ni­fes­tes­te Wei­se die­sen Zug (trait) prä­sen­tiert, der aus je­der pho­n­ema­ti­schen Ein­set­zung des Na­mens, aus dem Grün­dungs­akt des Na­mens in sei­ner be­zeich­nen­den Funk­ti­on, et­was macht, was im­mer die­se Di­men­si­on, die­se Ei­gen­schaft hat, eine Ver­kle­bung (col­la­ge) zu sein. In der Struk­tur selbst des Ei­gen­na­mens <wie sie etwa von Lévi-Strauss be­grif­fen wird> wird et­was We­sent­li­ches ge­op­fert. Die­ser vor­geb­lich be­son­de­re Name (nom par­ti­cu­lier), der dem In­di­vi­du­um ge­ge­ben wird – et­was, wor­auf die Aus­sa­ge von Clau­de Lévi-Strauss in Das wil­de Den­ken <hin­aus­läuft>, wenn er aus dem Ei­gen­na­men, den er bis zum letz­ten Punkt vor­an­treibt, bis zum End­punkt der Be­zeich­nung (de­si­gna­ti­on) des In­di­vi­du­ums, wenn er aus ihm die Poin­te und in ge­wis­sem Sin­ne die Er­fül­lung der klas­si­fi­ka­to­ri­schen Funk­ti­on macht –, nun, das ist zu par­ti­al und zu par­ti­ell. Uns fehlt das, was ich hier be­reits vor­ge­bracht habe, dass der Ei­gen­na­me im­mer an dem Punkt an­ge­bracht wer­den wird, bei dem die klas­si­fi­ka­to­ri­sche Funk­ti­on in der Ord­nung der rhē­sis ge­ra­de ins Sto­cken ge­rät – nicht vor ei­ner zu gro­ßen Be­son­der­heit (par­ti­cu­la­rité), son­dern im Ge­gen­teil vor ei­nem Riss: dem Feh­len, ei­gent­lich die­sem Loch des Sub­jekts, und dies ge­nau des­halb, um es zu­zu­nä­hen, um es zu mas­kie­ren, um es zu ver­kle­ben.

Hier be­kom­men ge­wis­se Din­ge, die im ge­schlos­se­nen Se­mi­nar ge­sagt wor­den sind, all ih­ren Wert, ins­be­son­de­re als uns je­mand hier sei­ne Er­fah­rung als li­te­ra­ri­scher Au­tor mit­ge­teilt hat und zu uns über sei­ne Schwie­rig­kei­ten mit ei­nem Ei­gen­na­men ge­spro­chen hat, der ei­ner eit­len Per­son ge­ge­ben wur­de, die al­ler­dings er­fun­den war. Der Ei­gen­na­me ist ihm nicht als et­was Will­kür­li­ches er­schie­nen, es konn­te ihr des­halb nicht ein be­lie­bi­ger ge­ge­ben wer­den. Die Art, in der die Ver­kle­bung, in der die Naht, die dazu be­stimmt ist, die­ses Loch zu mas­kie­ren – umso evi­den­ter, als es da um das Loch ging, das durch eine er­fun­de­ne Per­son re­prä­sen­tiert wur­de –, die­se Art ist hier das Zeug­nis die­ser Er­fah­rung, die auch bei all je­nen deut­lich aus­ge­prägt ist, Ro­man­ciers, Dra­ma­ti­kern, bei je­nen, die die Funk­ti­on ha­ben, Per­so­nen zu er­sin­nen, die wah­rer sind als le­ben­di­ge Per­so­nen, und die sie auf eine Wei­se be­zeich­nen müs­sen, durch die sie für uns spür­bar wer­den.

Claudel Coûfontaine-Trilogie (zu Jacques Lacan über den Eigennamen)Muss ich ein Echo frü­he­rer Pe­ri­oden mei­nes Un­ter­richts ge­ben und Sie dar­an er­in­nern, wie sehr dies in be­stimm­ten Wer­ken aus­ge­prägt ist, ins­be­son­de­re in de­nen von Clau­del? Sy­g­ne de Coû­fon­tai­ne, merk­wür­di­ge und re­so­nanz­rei­che Be­zeich­nung für die­se Per­son, die uns im Werk von Clau­del et­was ziem­lich Ein­zig­ar­ti­ges zeigt.55 Sind wir auf der Vor­der­sei­te oder auf der Rück­sei­te der christ­li­chen Of­fen­ba­rung, wenn Clau­del uns eine Art ein­zig­ar­ti­gen Chris­tus er­sinnt, in der Ge­stalt die­ser Frau, die alle De­mü­ti­gun­gen der Welt bei sich an­häuft, und die stirbt, in­dem sie Nein sagt?56 Sy­g­ne de Coû­fon­tai­ne, die in ih­rem Na­men mas­kiert die­sen ein­zig­ar­ti­gen Si­gni­fi­kan­ten trägt: der Vor­na­me, üb­ri­gens mehr­deu­tig zwi­schen dem Na­men des Vo­gels mit dem ge­bo­ge­nen Hals [cy­g­ne = „Schwan“] und der Be­zeich­nung, auch sie ei­gen, die­ses Zei­chens [si­gne], das der Welt von et­was ge­ge­ben wird, das in dem Mo­ment, in dem die­se Tri­lo­gie von Clau­del er­scheint, eine ganz ein­zig­ar­ti­ge Ak­tua­li­tät hat. Und die­ses merk­wür­di­ge ‚Coû­fon­tai­ne‘, in dem wir das Echo die­ser Form des Schwans wie­der­fin­den, wo­mit uns be­zeich­net wird, dass die wie­der ge­öff­ne­te – wenn auch um­ge­kehr­te – Quel­le ei­ner al­ten Bot­schaft auf uns zu­kommt.57 Die­ses Wort, das noch die­se Sor­ge an sich trägt, die­se Spur des ele­men­ta­ren Si­gni­fi­kan­ten, in die­sem Û mit Zir­kum­flex-Ak­zent, an dem er der­ma­ßen hing, ich habe das be­reits frü­her ge­sagt, ich habe in mei­nem Se­mi­nar dar­an er­in­nert, dass es nö­tig war, ein ty­po­gra­phi­sches Zei­chen zu gie­ßen, das für die Ma­jus­keln in der fran­zö­si­schen Spra­che nicht exis­tiert, da­mit der Zir­kum­flex, von dem das U von COÛFONTAINE ge­krönt ist, zum Druck ge­bracht wer­den konn­te.58 ‚Sir Tho­mas Pol­lock Na­geoi­re‘, was für eine Er­fin­dung!59 Denn wis­sen wir mit die­ser un­ge­wöhn­li­chen Be­zeich­nung nicht be­reits et­was, nicht so sehr über die­se Fi­gur von Der Tausch, als viel­mehr über all das, was sich im Dra­ma ab­spie­len wird?60

Die­ses ein­zig­ar­ti­ge Le­ben des Ei­gen­na­mens wer­den Sie – wenn Sie in der Lage sind, die Oh­ren zu spit­zen, wenn Sie es zu hö­ren wis­sen – in sämt­li­chen Ei­gen­na­men wie­der­fin­den, ob sie nun alt, über­lie­fert, of­fi­zi­ell sind oder ob es sol­che sind, die ein Dich­ter sich aus­den­ken kann.

In Wahr­heit glau­be ich, wenn man et­was hin­zu­fü­gen müss­te zu die­ser Art von Re­si­du­um, von Schla­cke, bei der die Per­so­nen des ge­schlos­se­nen Se­mi­nars kürz­lich zu zu­stim­men­der Auf­merk­sam­keit auf­ge­ru­fen wur­den, näm­lich zu die­sem POÔR (d) J’e – LI, wo­von die Ana­ly­se von Le­c­lai­re, was sei­nen An­teil an die­sem Er­öff­nungs­be­richt über das Un­be­wuss­te an­geht, in dem er und sein Ko­au­tor ei­ner grö­ße­ren psy­cho­ana­ly­ti­schen Hö­rer­schaft et­was zur Auf­merk­sam­keit brach­ten, was die Ori­gi­na­li­tät des­sen be­traf, was ich in der Leh­re von Freud über das Un­be­wuss­te habe her­vor­he­ben kön­nen und wor­über ich aus ei­ner si­cher­lich nicht freund­schaft­li­chen Fe­der nicht ohne Be­frie­di­gung ha­ben le­sen kön­nen, dass seit Freud je­der wuss­te, dass die Tat­sa­che der Äu­ße­rung des­sen, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che struk­tu­riert ist, seit Freud die Wie­der­ho­lung ei­ner Bin­sen­weis­heit war.61 Si­cher­lich, was mich an­geht, ist es das, was ich den­ke, selbst wenn es von da ge­kom­men ist, von dem­je­ni­gen, der vor­gibt, nur des­halb dar­über zu spre­chen, um zu wi­der­spre­chen. Nun, mein Gott, es hat wohl ei­nen Grund, dass er es her­aus­bringt, umso mehr, als die Per­son, um die es geht, und die dar­aus ei­nen Ein­wand macht, ge­gen­über dem, was ich äu­ße­re, das Be­dürf­nis ver­spürt, es durch eine Rei­he von Er­läu­te­run­gen zu kon­no­tie­ren, es zu kom­men­tie­ren, die wie durch Zu­fall sehr ge­nau das sind, was ich über den Sinn die­ser For­mel leh­re.

Es wäre viel zu sa­gen aus­ge­hend von die­sem Be­griff, von die­ser Aus­sa­ge, dass jede Be­nen­nung in ih­rem Ge­brauch von uns im­mer, be­stän­dig dar­auf be­zo­gen wer­den muss, dass sie ein Denk­mal für den Akt der Be­nen­nung ist. Nun, die­ser Akt ge­schieht nicht zu­fäl­lig. Wenn man den Kon­ven­tio­na­lis­mus be­tont, in­so­fern er ver­sucht, dem Si­gni­fi­kan­ten sei­nen Sta­tus zu ge­ben, ist man bei nur ei­ner Sei­te des Pro­blems. Kon­ven­tio­nell ist der Name für den­je­ni­gen, der die Spra­che in ih­rer ak­tu­el­len Fak­ti­zi­tät emp­fängt, in ih­rem Er­geb­nis. Aber in dem Mo­ment, in dem der Name ge­ge­ben wird, ge­nau da ist die Rol­le und die Funk­ti­on der Wahl des­je­ni­gen, den – sehr ge­ni­al und auf eine Wei­se, die letzt­lich nie­mals wie­der auf­ge­grif­fen wor­den ist –, den Kra­ty­los als ei­nen Ak­teur be­zeich­net, der bei die­ser Ge­schich­te not­wen­dig ist, näm­lich des­je­ni­gen, den er als dē­miour­gos ono­ma­tōn be­zeich­net, als Na­mens­ar­bei­ter [390e, 431e].

Er macht nicht et­was Be­lie­bi­ges und auch nicht, was er will; da­mit die Be­nen­nung auf­ge­grif­fen wird, ist et­was nö­tig, bei dem es nicht ge­nügt zu sa­gen, dies sei die all­ge­mei­ne Zu­stim­mung, denn die­se all­ge­mei­ne Zu­stim­mung im Feld ei­ner Spra­che, wer wird sie re­prä­sen­tie­ren? Die­se Be­nen­nung, sie voll­zieht sich ir­gend­wo. Wer sorgt da­für, dass sie sich ver­brei­tet?

Ich habe zu Ih­nen kürz­lich über die kol­lek­ti­ve Hel­den­tat ge­spro­chen, die das Er­schei­nen die­ses au­ßer­or­dent­li­chen Welt­raum­schwim­mers dar­stellt, wozu ich Ih­nen kurz ge­zeigt habe, was er für uns in der Ima­gi­na­ti­on zum Flie­gen brin­gen konn­te, näm­lich alle mög­li­chen ein­zig­ar­ti­gen Wei­sen, sich, so habe ich Ih­nen ge­sagt, die Funk­ti­on des Ob­jekts a vor­zu­stel­len.62 Ich habe nicht dar­auf in­sis­tiert, nicht so wich­tig, ich wer­de dar­auf zu­rück­kom­men. Aber was ist das für eine merk­wür­di­ge Sa­che, dass bis­lang nie­mand dar­an ge­dacht hat, ihn mit dem Na­men zu be­zeich­nen, wel­cher, so scheint es, der am bes­ten vor­be­rei­te­te und der am meis­ten ge­eig­ne­te ist. Wie kommt es, dass auf die­sen Ap­pell nicht ge­ant­wor­tet wur­de, also dass man so kühn ist, Leu­te ganz ru­hig als ‚Kos­mo­nau­ten‘ zu qua­li­fi­zie­ren, Leu­te, die sich in ei­nem Feld vor­wärts­be­we­gen, das si­cher­lich kein Kos­mos –, des­sen Flug­bahn zur Zeit, als es eine Kos­mo­lo­gie gab, von nie­man­dem je vor­her­ge­se­hen wur­de? War­um nen­nen wir die­sen Leo­nov nicht, we­gen des Plat­zes, den er, wenn ich so sa­gen kann, schon seit sehr lan­gem ein­nimmt, seit der Zeit, als es Leu­te gab, die für uns die Bo­ten ge­malt ha­ben, die ir­gend­wo im Welt­raum auf­tau­chen, aus­ge­stat­tet mit die­sem lä­cher­li­chen Ge­fie­der, das ihr Bild auf al­len Ge­mäl­den wirk­lich ei­gent­lich un­er­träg­lich macht – war­um nennt man ihn nicht ei­nen En­gel? Und sie­he da, Sie fin­den das zum La­chen. Gut, und das ist der Grund, war­um man ihn nicht als En­gel be­zeich­nen wird. Man wird ihn des­halb nicht als En­gel be­zeich­nen, weil je­der von Ih­nen, wie auch im­mer, sich an sei­nen gu­ten En­gel hält – bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt glau­ben Sie dar­an, ich auch. Ich glau­be dar­an, weil sie aus der Hei­li­gen Schrift nicht ge­tilgt wer­den kön­nen, was ich ein­mal Pa­ter Teil­hard de Char­din ge­gen­über be­merkt habe, der des­we­gen fast ge­weint hät­te. Da liegt auch der Un­ter­schied zwi­schen mei­nem Un­ter­richt und dem, was man als Pro­gres­si­vis­mus be­zeich­net; ich fin­de, dass die Schwä­che auf der Sei­te des Pro­gres­si­vis­mus liegt.

Die­se klei­ne Pro­be hat den­noch eine ent­schei­den­de Sei­te. Denn Sie se­hen wohl, dass man eine Neu­heit nicht ir­gend­wie nen­nen kann, selbst wenn sie ge­nau den al­ten Schlauch (out­re) mit neu­em Wein zu fül­len scheint; der out­re-ange ist im­mer da.63

Die­se Er­fah­rung mit der Be­nen­nung wür­de uns, wie Sie se­hen, auch di­rekt zur Funk­ti­on der to­ten Spra­chen füh­ren. Eine tote Spra­che ist, wie die Er­fah­rung be­weist, kei­nes­wegs eine Spra­che, mit der man nichts an­fan­gen kann. Das La­tei­ni­sche hat in dem Mo­ment, wo es eine tote Spra­che war, sehr wirk­sam als Spra­che der Kom­mu­ni­ka­ti­on ge­dient. Und eben dar­um ha­ben wir wäh­rend die­ser ge­sam­ten als Scho­las­tik be­zeich­ne­ten Pe­ri­ode au­ßer­ge­wöhn­lich gute Lo­gi­ker ha­ben kön­nen. Die rhē­sis, das funk­tio­niert be­wun­derns­wert, und viel­leicht so­gar umso bes­ser, weil sie die Her­rin des Ge­biets bleibt, die rhē­sis, das funk­tio­niert in ei­ner to­ten Spra­che be­wun­derns­wert. Die Be­nen­nung je­doch nicht. Ich habe hu­mo­ris­ti­sche Echos er­hal­ten; mein au­gen­blick­li­ches Un­ver­mö­gen hat mich dar­an ge­hin­dert, so vie­le Sei­ten durch­zu­blät­tern, wie ich es in letz­ter Zeit ge­wohnt bin; ich be­dau­re, Ih­nen nicht Ak­ten des Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils zei­gen zu kön­nen.64 Die Art, in der man hier bei­spiel­wei­se die Be­zeich­nung für ‚Au­to­bus‘ und für ‚Bar‘ aus­ge­drückt hat – die hier, so scheint es, in ei­ner Ecke funk­tio­niert hat –, nun, das lief ziem­lich schlecht. Wie bil­det man in ei­ner to­ten Spra­che neue Be­nen­nun­gen, ich mei­ne neue Be­zeich­nun­gen, die sich in eine Spra­che ein­schrei­ben?

Im Ge­gen­satz hier­zu, das gan­ze De vul­ga­ri elo­quen­tia, auf das ich mich An­fang des Jah­res in mei­nen Vor­le­sun­gen be­zo­gen habe65, ich möch­te sa­gen, die­ses Werk von Dan­te, rein be­wun­derns­wert, in dem die ei­gent­lich li­te­ra­ri­sche Funk­ti­on ver­tei­digt wird, die lin­gua gram­ma­ti­ca, die er aus sei­nem Tos­ka­ni­schen zu ma­chen ver­stand, das aus drei wei­te­ren aus­ge­wählt wur­de, le­sen Sie es, das ist we­ni­ger leicht zu be­schaf­fen als der Kra­ty­los, le­sen Sie es, und Sie wer­den se­hen, wozu Dan­te ten­diert, zu ei­ner Rea­li­tät, über die ein­zig ein Dich­ter spre­chen kann, die ei­gent­lich die die­ser Über­ein­stim­mung ist, die nur ei­nem Dich­ter zu spü­ren ge­ge­ben ist, zwi­schen der pho­n­ema­ti­schen Form, die ein Wort an­ge­nom­men hat, und die­sem Aus­tausch zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten und den Si­gni­fi­ka­ten, der die ge­sam­te Ge­schich­te des mensch­li­chen Geis­tes ist. Wie geht ein Si­gni­fi­kant un­merk­lich in eine Sei­te des Si­gni­fi­kats über, die noch nicht er­schie­nen ist? Wie ver­än­dert sich der Si­gni­fi­kant selbst grund­le­gend durch die Ent­wick­lung der Be­deu­tun­gen?

Da gibt es noch et­was, das ich nur strei­fen kann, wo­für ich Ih­nen aber zu­min­dest eine Re­fe­renz an­ge­be. Die la­tei­ni­sche cau­sa hat von dem Tag an Ge­wicht er­hal­ten, an dem Ci­ce­ro die grie­chi­sche ai­tia mit cau­sa über­setzt hat. Das ist der Wen­de­punkt, der schließ­lich dazu führt, dass die­ses fran­zö­si­sche Wort cau­se – das zu­nächst noch die ju­ris­ti­sche Cau­sa ist, die la­tei­ni­sche cau­sa –, dass es am Ende die res be­zeich­net, die Sa­che, wäh­rend die res, die Sa­che, für uns zum Wort rien ge­wor­den ist, ’nichts’.

Die­se Sprach­ge­schich­te, auch wenn sie nicht das ei­gent­li­che Feld ist, auf dem der Psy­cho­ana­ly­ti­ker zu ope­rie­ren hat, auf dem er sei­ner Pra­xis nach­zu­ge­hen hat, so zeigt sie ihm doch in je­dem Mo­ment die Wege und die Mo­del­le, mit de­nen er sei­ne Rea­li­tät er­fas­sen muss.

Und in dem Ex­po­sé, das Le­c­lai­re von POÔR (d) J’e – LI ge­ge­ben hat, in Be­zug auf wel­ches Bei­spiel, Pa­ra­dig­ma man sich ge­fragt hat: auf wel­che Sei­te ge­hört es, vor­be­wusst, un­be­wusst, ist es ein Phan­tas­ma? Ich glau­be, das Aus­gangs­bild, an das wir uns hal­ten soll­ten, um zu ver­ste­hen, wor­um es geht, ist das, dem es am nächs­ten ist und bei dem wir die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung wie­der­fin­den. Wer von den Ana­ly­ti­kern hat nicht deut­lich bei je­dem sei­ner Ana­ly­sier­ten die Rol­le ir­gend­ei­nes Ei­gen­na­mens ge­spürt, sei­nes ei­ge­nen oder des­je­ni­gen sei­nes Ehe­gat­ten, sei­ner Ehe­gat­tin, sei­ner El­tern, ja ei­ner Ge­stalt sei­nes Wahns, die Rol­le, die der Ei­gen­na­me spielt, in­so­fern er frag­men­tiert wer­den kann, sich zer­set­zen kann, sich als et­was wie­der­fin­den kann, was in den Ei­gen­na­men von je­mand an­de­rem ein­ge­fügt ist? Das POÔR (d) J’e – LI von Le­c­lai­re ist vor al­lem et­was, das als Ei­gen­na­me funk­tio­niert.

Kleinsche Flasche (zu: Jacques Lacan über den Eigennamen)

Klein­sche Fla­sche

Und wenn ich den Punkt der Klein­schen Fla­sche zu be­zeich­nen habe, an dem die­ses POÔR (d) J’e – LI ein­ge­schrie­ben wer­den muss, dann ist es der Rand, wenn ich so sa­gen kann, die Öff­nung der Um­keh­rung, durch die – um die­sen dop­pel­ten Ein­gang der Klein­schen Fla­sche von ei­ner be­lie­bi­gen Sei­te zu neh­men – im­mer die Rück­sei­te des ei­nen der Vor­der­sei­te des an­de­ren ent­spricht und um­ge­kehrt.

Schnittmuster

Schnitt­mus­ter

Und wenn Sie ein Bild wol­len, das für Sie die Funk­ti­on des POÔR (d) J’e – LI oder von was auch im­mer noch bes­ser er­füllt, das in der Ge­schich­te ei­nes un­se­rer Pa­ti­en­ten könn­te (…) dann ist das bei ei­nem Schnitt­mus­ter ( pa­tron) – das ein Stück Stoff re­prä­sen­tiert und dazu dient, bei­spiels­wei­se die Näh­te ei­nes Klei­dungs­stücks oder ei­nen Är­mel zu zer­le­gen – die spe­zi­el­le Funk­ti­on der klei­nen Buch­sta­ben, die zei­gen sol­len, was mit was zu­sam­men­ge­näht wird. Da­von aus­ge­hend kann die­se Funk­ti­on der künst­li­chen Naht er­fasst wer­den, be­grif­fen wer­den, die uns bei hin­rei­chen­der Auf­merk­sam­keit er­lau­ben könn­te, durch eine Me­tho­de, die eben die ist, die wir hier zu kre­ieren ver­su­chen, die wir Ih­nen zu­min­dest na­he­zu­le­gen ver­su­chen, die uns er­lau­ben wür­de, in die­sem Bild eine Art pri­mi­ti­ve Stüt­ze zu er­fas­sen, so­gar zu dif­fe­ren­zie­ren, in Be­zug auf das sich die Art und Wei­se, wie sich bei die­sem oder je­nem die Näh­te her­stel­len, un­ter­schei­den könn­te. Ich will da­mit sa­gen, dass sich das beim Neu­ro­ti­ker, beim Psy­cho­ti­ker und auch beim Per­ver­sen nicht am sel­ben Punkt her­stellt und nicht mit dem­sel­ben Ziel.

Keloid

Keloid

Haut mit Naht (zu Jacques Lacan über den Eigennamen)

Schnitt und Naht

Die Art und Wei­se, wie sich in der sub­jek­ti­ven Ge­schich­te die Näh­te her­stel­len, ist in Le­c­lai­res Bild, in sei­nem Pa­ra­dig­ma ty­pisch, denn das ist et­was, das sei­nen Wert aus­macht und nicht nur auf schlich­ter pho­no­lo­gi­scher Neu­gier be­ruht, näm­lich dass die­se Naht eng mit dem Er­fas­sen des­sen ver­bun­den ist, was Le­c­lai­re als die ex­qui­si­te Dif­fe­renz be­zeich­net, als sen­so­ri­sche Dif­fe­renz. Und dar­in be­steht das Spe­zi­fi­sche des zwangs­neu­ro­ti­schen Zugs (trait ob­ses­sio­nel), in die­sem neu­en Ele­ment, das dem hin­zu­ge­fügt wer­den kann, was man im ei­gent­li­chen Sin­ne als ‚Kli­nik‘ be­zeich­net, in­so­fern die Psy­cho­ana­ly­se die­sem an­ti­ken Wort der ‚Kli­nik‘ et­was hin­zu­zu­fü­gen hat. Von eben die­ser Naht wird die­se her­aus­ra­gen­de wun­de Stel­le er­fasst, die­se ver­narb­te Sei­te, fast möch­te ich sa­gen die­ses Keloid, um bis zur Me­ta­pher zu ge­hen, die­se aus­ge­such­te Stel­le, die beim Zwangs­neu­ro­ti­ker das be­zeich­net, was von der Naht er­fasst wird und bei der im ei­gent­li­chen Sin­ne die Fä­den zu zie­hen sind.

Das ist et­was, was es uns ge­stat­tet, den Aus­gangs­punkt für das zu ver­or­ten, was an­de­rer­seits als De­mons­tra­ti­on für die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten die­nen kann, was für uns aber auch die be­son­de­re Funk­ti­on be­zeich­net, die er in dem auf die­se Wei­se iso­lier­ten Bei­spiel be­setzt.

Si­cher­lich, all dies ver­langt, dass wir uns ein biss­chen Mühe ge­ben, um die­se Be­grif­fe zir­ku­lie­ren zu las­sen, die tat­säch­lich kei­nes­wegs neu sind, die sich be­reits bei Freud aus­ma­chen las­sen, und es wäre leicht – es ist nicht nö­tig, den­ke ich, für all die­je­ni­gen, die ihn ein we­nig ge­le­sen ha­ben – an­zu­ge­ben, an wel­cher Stel­le wir da­für die ho­mo­lo­gen Be­zü­ge fin­den, seit dem aber, der Ab­wehr, dem Amen, wel­ches Sa­men ist, im ‚Rat­ten­mann‘, und vie­les an­de­re.66 Aber auch wenn wir da et­was aus­ma­chen müs­sen, wo­von wir das Ge­heim­nis und die Hand­ha­bung wie­der­zu­fin­den su­chen, kön­nen wir den ge­eig­ne­ten Nut­zen dar­aus si­cher­lich nicht da­durch zie­hen, dass wir uns in der Wei­se da­von ab­wen­den, dass wir uns an das hal­ten, was uns ge­ge­ben ist, son­dern nur da­durch, dass wir, ge­mäß der For­mu­lie­rung von Freud, die Kon­struk­ti­on in Be­zug auf das Sub­jekt zu ver­fol­gen ver­su­chen.67

Die­ser Ab­stand, den im Na­men die­se Naht lässt, die er dar­stellt, wenn Sie sei­ne In­stanz zu su­chen wis­sen, wer­den sie sie ihn in al­len Na­men wie­der­fin­den.

Ödi­pus, ich neh­me ihn, weil mich letzt­lich die Tat­sa­che an­ge­regt hat, dass er wohl der ers­te ist, der uns in den Sinn kom­men kann, ‚Ödi­pus‘: ‚ge­schwol­le­ner Fuß‘, ver­steht sich das von selbst?68 Was gibt es in dem Loch zwi­schen der Schwel­lung und dem Fuß? Ge­nau den durch­bohr­ten Fuß. Von dem durch­bohr­ten Fuß wird nicht ge­sagt, dass er wie­der zu­ge­wach­sen sei. Der ge­schwol­le­ne Fuß, mit sei­nem Rät­sel, das in der Mit­te of­fen­bleibt, steht zur ge­sam­ten Ödi­pus­ge­schich­te viel­leicht stär­ker in Be­zie­hung als es zu­nächst aus­sieht.

Und weil je­mand sich da­mit amü­siert hat, in die­ser Dis­kus­si­on mei­nen Na­men zu ver­ge­gen­wär­ti­gen, war­um soll­ten wir uns nicht ein we­nig amü­sie­ren? La­can muss auf He­brä­isch ‚La­cen‘ aus­ge­spro­chen wer­den, das heißt, der Name, der die drei al­ten Kon­so­nan­ten be­wahrt, die un­ge­fähr so ge­schrie­ben wer­den: ואקל, nun, das be­deu­tet ‚und den­noch‘69.“70

Es fol­gen Aus­füh­run­gen über die To­po­lo­gie des Si­gni­fi­kan­ten an­hand des Mö­bi­us­ban­des und der Klein­schen Fla­sche.

5. Mai 1965: Das Singuläre und das Verhältnis von Null und Eins

Psy­cho­ana­ly­ti­ker zu sein, sagt La­can, sei eine ver­ant­wor­tungs­vol­le Po­si­ti­on, so­gar die ver­ant­wor­tungs­volls­te von al­len, da sie die Auf­ga­be habe, eine ra­di­ka­le ethi­sche Kon­ver­si­on her­bei­zu­füh­ren, eine, die das Sub­jekt in die Ord­nung des Be­geh­rens ein­füh­re. Die Fra­ge sei, was die Be­din­gun­gen da­für sei­en, dass je­mand sich sa­gen kön­ne: „Ich bin Psy­cho­ana­ly­ti­ker.“ Die Be­din­gun­gen da­für sei­en so spe­zi­ell, dass das „Ich bin Ana­ly­ti­ker“ in kei­nem Fall aus ei­ner In­ves­ti­tur her­vor­ge­hen kön­ne, die von au­ßen käme. La­can kün­digt an, dass er in die­ser Sit­zung die lo­gi­schen Be­din­gun­gen zu­sam­men­tra­gen wer­de, bei de­nen man sich die Fra­ge stel­le, was man vom Psy­cho­ana­ly­ti­ker an Wis­sen er­war­ten kön­ne. Da­nach heißt es:

All das, was ich seit Be­ginn die­ses Jah­res ein­ge­bracht habe, be­trifft den Platz, den wir dem ge­ben kön­nen, wor­auf sich un­se­re Tä­tig­keit be­zieht, so­fern es da­bei näm­lich um das Sub­jekt geht. Dass die­ses Sub­jekt da­durch ver­or­tet ist, cha­rak­te­ri­siert ist, dass es zur Ord­nung des Man­gels ge­hört, das habe ich ver­sucht, Sie spü­ren zu las­sen, in­dem ich es Ih­nen auf zwei Ebe­nen ge­zeigt habe, auf der des Ei­gen­na­mens und auf der der Zahl.

Dass der Sta­tus des Ei­gen­na­mens nicht als eine Kon­no­ta­ti­on ar­ti­ku­liert wer­den kann, die sich mehr und mehr dem an­nä­hert, was im Ver­lauf der klas­si­fi­ka­to­ri­schen Ein­schlie­ßung dazu füh­ren wür­de, sich auf das In­di­vi­du­um zu re­du­zie­ren, son­dern dass er im Ge­gen­teil ar­ti­ku­liert wer­den muss als das Aus­fül­len von et­was, was ei­ner an­de­ren Ord­nung an­ge­hört, näm­lich dem, was in der klas­si­schen Lo­gik sich der bi­nä­ren Be­zie­hung des All­ge­mei­nen (uni­ver­sel) zum Be­son­de­ren (par­ti­cu­lier) wi­der­setzt hat, als et­was Drit­tes, das sich nicht auf ihr Funk­tio­nie­ren re­du­zie­ren lässt, näm­lich als das Ein­zel­ne (sin­gu­lier). Die­je­ni­gen hier, die eine hin­rei­chen­de Aus­bil­dung ha­ben, um den Hin­weis zu ver­ste­hen, den ich hier auf den Ver­such gebe, das Ein­zel­ne an das All­ge­mei­ne an­zu­glei­chen71, ken­nen auch die Schwie­rig­kei­ten, die die­se An­nä­he­rung der klas­si­schen Lo­gik ent­ge­gen­setz­te.

Es ist nicht nur so, dass der Sta­tus die­ses Ein­zel­nen bes­ser in der An­nä­he­rung der mo­der­nen Lo­gik ge­ge­ben wer­den kann, viel­mehr scheint mir, dass er nur durch die For­mu­lie­rung je­ner Lo­gik er­fasst wer­den kann, zu der uns die ana­ly­ti­sche Wahr­heit und Pra­xis den Zu­gang er­öff­net, je­ner Lo­gik, die ich hier vor Ih­nen zu for­mu­lie­ren ver­su­che und die, falls ich Er­folg habe, be­zeich­net wer­den kann, wer­den könn­te als For­ma­li­sie­rung des Be­geh­rens.

Dar­um habe ich in den Be­mer­kun­gen über den Ei­gen­na­men die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass sie durch die mo­der­ne Zah­len­lo­gik ver­voll­stän­digt wer­den, wo sich auch zeigt, dass die Mög­lich­keit der Fun­die­rung der nu­me­ri­schen Ein­heit we­sent­lich in der Funk­ti­on des Man­gels wur­zelt, im Be­griff der Null, und dass sie nur da­durch den un­auf­lös­li­chen Schwie­rig­kei­ten ent­geht, die die­sem Funk­tio­nie­ren der nu­me­ri­schen Ein­heit die Idee ent­ge­gen­setzt, ihr ir­gend­ein em­pi­ri­sches Fun­da­ment zu ge­ben, durch die Funk­ti­on des letz­ten Terms, der in der In­di­vi­dua­li­tät be­stün­de.7273

An­schlie­ßend be­merkt La­can, be­zo­gen auf die Stre­bung sei es ein Feh­ler, den deut­schen Ter­mi­nus „Trieb“ mit in­stinct zu über­set­zen, denn da­durch wer­de die Stre­bung zu et­was, was dem Le­ben­di­gen zu­ge­hö­re.

Zusammenfassung

In [ecki­gen Klam­mern]: mei­ne Er­gän­zun­gen.

I. Thema des Seminars sind die Wirkungen des Signifikanten, insofern das Subjekt aus den Diskurseffekten verworfen ist, also Mangel oder Begehren ist: in welchem Verhältnis steht das Begehren zur Identifizierung?

The­ma des Se­mi­nars sind die Wir­kun­gen des Si­gni­fi­kan­ten. Der Si­gni­fi­kant de­ter­mi­niert das Sub­jekt da­durch, dass er es aus den Dis­kurs­ef­fek­ten ver­wirft [die Apha­ni­sis, vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel].74

Das Sub­jekt ge­hört zur Ord­nung des Man­gels. La­can ver­sucht in die­sem Se­mi­nar, dies auf zwei Ebe­nen zu zei­gen, auf der des Ei­gen­na­mens und auf der der Zahl.75

Das Be­geh­ren muss in Be­zie­hung zur Iden­ti­fi­zie­rung er­fasst wer­den.76

Beim Ei­gen­na­men geht es um eine be­stimm­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung.77

II. Die Benennung und die Aussage

· Die Benennung muss von der Aussage unterschieden werden.

Die Be­nen­nung ist et­was Ur­sprüng­li­ches, sie muss un­ter­schie­den wer­den von der Funk­ti­on der Äu­ße­rung oder des Sat­zes. Die Op­po­si­ti­on von Be­nen­nung und Äu­ße­rung ent­spricht dem Ge­gen­satz von ono­ma und rhē­sis in der an­ti­ken Phi­lo­so­phie so­wie der von De­no­ta­ti­on und Kon­no­ta­ti­on bei John Stuart Mill.78

· Der Name muss von der Benennung aus begriffen werden; die Benennung führt den Namen in das Reale ein.

Die Äu­ße­rung kul­mi­niert in der Be­griffs­bil­dung, die Be­nen­nung hin­ge­gen führt in das Rea­le, das be­nannt wird, den Na­men ein.79

· Es gibt zwei Formen der Benennung: mit Gattungsnamen und mit Eigennamen.

[Es gibt zwei Ar­ten von Na­men und zwei Ar­ten der Be­nen­nung: die Be­nen­nung mit Gat­tungs­na­men (z.B. „Hund“) und die mit Ei­gen­na­men (z.B. „Strup­pi“).]

· Dadurch, dass die Benennung in das Reale den Namen einführt, konstituiert sie das Ding, die Sache.

Die Be­nen­nung ist nicht so auf­zu­fas­sen, als wür­de an eine Sa­che, die be­reits ge­ge­ben wäre, ein Eti­kett an­ge­hef­tet, das es er­mög­li­chen wür­de, sie wie­der­zu­er­ken­nen. Die Be­nen­nung ist viel­mehr eine Mar­kie­rung, eine Spur, die in die „Din­ge“ ein­tritt [die noch kei­ne Din­ge sind] und sie ver­än­dert, der­art, dass sie über­haupt erst den Sta­tus von Din­gen er­hal­ten. [Die­sen Ge­dan­ken hat­te La­can zu­erst in Se­mi­nar 2 vor­ge­tra­gen, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 217; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.]80

· Benennungen müssen vom Akt des Benennens aus begriffen werden. Für denjenigen, der eine fertige Sprache übernimmt, sind die Namen konventionell, für den Benennenden hingegen sind sie nicht konventionell, die Bedeutungen stehen hier in einer inneren Beziehung zu den Phonemen.

Die Be­nen­nung ist mit ei­ner Pro­ble­ma­tik ver­bun­den, die in Pla­tons Dia­log Kra­ty­los ver­han­delt wird, mit der Fra­ge, ob die Be­nen­nun­gen kon­ven­tio­nell sind oder ob es eine Ähn­lich­keit zwi­schen den Wor­ten und den Din­gen gibt. So­kra­tes neigt der zwei­ten Po­si­ti­on zu.81

Wenn man den Kon­ven­tio­na­lis­mus be­tont, die Ar­bi­tra­ri­tät des Si­gni­fi­kan­ten, ist man nur bei ei­ner Sei­te des Pro­blems; als kon­ven­tio­nell stellt sich der Name für den­je­ni­gen dar, der die Spra­che in ih­rer ak­tu­el­len Fak­ti­zi­tät über­nimmt, in ih­rem Er­geb­nis. Wenn je­doch ein Name ver­lie­hen wird, gibt es eine Wahl, die Wahl des­je­ni­gen, den Kra­ty­los als den „Na­mens­ar­bei­ter“ be­zeich­net hat. Er kann den Na­men nicht be­lie­big wäh­len. Da­mit die Be­nen­nung auf­ge­grif­fen wird, muss es et­was ge­ben, was nicht ein­fach die all­ge­mei­ne Zu­stim­mung ist. Die Be­nen­nung muss sich ver­brei­ten. Wer sorgt da­für?82

Die Be­zie­hung zwi­schen den Pho­ne­men und der Be­deu­tung wird in die­sem Se­mi­nar „Sinn“ ge­nannt: „Sinn“ funk­tio­niert auf der Ebe­ne der Pho­neme, „Be­deu­tung“ auf der Ebe­ne der Wör­ter.83

· Der Akt des Benennens hat zum Ziel, dass der Name sich verbreitet. Die Verbreitung beruht auf der Wechselbeziehung zwischen dem Phonem und der Bedeutung.

Man kann nicht je­den be­lie­bi­gen Na­men ver­ge­ben. Bei­spiels­wei­se hät­te es nahe ge­le­gen, die Men­schen, die durch den Welt­raum flie­gen, als „En­gel“ statt als „Kos­mo­nau­ten“ zu be­zeich­nen, schließ­lich sind Bo­ten, die im Welt­raum auf­tau­chen, für uns En­gel. Wenn man die As­tro­nau­ten als „En­gel“ be­zeich­net, ruft dies je­doch Ge­läch­ter her­vor, und zwar des­halb, weil der Platz des En­gels be­setzt ist: ir­gend­wo glaubt je­der von uns an En­gel, weil sie aus der Hei­li­gen Schrift nicht ge­tilgt wer­den kön­nen.84

In ei­ner to­ten Spra­che ist es leicht, sich zu ver­stän­di­gen, das hat das La­tei­ni­sche im Mit­tel­al­ter ge­zeigt, es ist also ein­fach, eine tote Spra­che in der Funk­ti­on der rhē­sis zu ver­wen­den, des Mit­tei­lens von Aus­sa­gen. Mit der zwei­ten Funk­ti­on der Spra­che, mit der Be­nen­nung, ist es schwie­ri­ger; die la­tei­ni­schen Be­nen­nun­gen, die beim Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil be­schlos­sen wur­den, etwa für „Bar“ oder „Au­to­bus“, funk­tio­nie­ren nicht. Wie bil­det man in ei­ner to­ten Spra­che neue Be­nen­nun­gen, die sich tat­säch­lich ver­brei­ten, die sich in die­se Spra­che ein­schrei­ben?85

Man kann sich hier­für an Dan­te ori­en­tie­ren, an des­sen Werk Über die Be­red­sam­keit in der Volks­spra­che. Um Be­nen­nun­gen zu fin­den, die sich durch­set­zen, braucht man Fä­hig­kei­ten, die nur Dich­ter ha­ben, hier geht es um die Über­ein­stim­mung zwi­schen den Pho­ne­men und der Be­deu­tung, also um ge­nau das, wor­über Kra­ty­los spricht. Dich­ter su­chen nach Ei­gen­na­men, in de­nen die pho­n­ema­ti­sche Ebe­ne zum Sinn in Be­zie­hung steht.86

Die Wech­sel­wir­kung zwi­schen Si­gni­fi­kan­ten und Si­gni­fi­ka­ten macht die ge­sam­te Ge­schich­te des mensch­li­chen Geis­tes aus.87

Der durch die Pho­neme er­zeug­te Be­deu­tungs­ef­fekt ist der Sinn (sens), im Un­ter­schied zu dem durch die Wör­ter er­zeug­ten Be­deu­tungs­ef­fekt, der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on).88

· Der Name ist die Naht, die den Mangel zunäht.

Im Kra­ty­los geht es Pla­ton letzt­lich dar­um, das Zer­schnei­den der Wör­ter vor­zu­füh­ren. Der Name hat also mit dem Schnitt zu tun. Je­doch nicht in der Wei­se, dass er der Schnitt ist. Viel­mehr ant­wor­tet der Name auf den Schnitt. Der Name ist ge­wis­ser­ma­ßen die Naht, die die Funk­ti­on hat, den Schnitt zu schlie­ßen.89

[La­can hat­te die Ter­mi­ni suturer (nä­hen, ver­nä­hen, zu­sam­men­nä­hen, zu­nä­hen) und suture (Naht, Naht­stel­le, Ver­nähung) zu­erst ad hoc in Se­mi­nar 11 ver­wen­det.90 In Se­mi­nar 12 wird der Aus­druck „Naht“ von ihm erst­mals sys­te­ma­tisch ver­wen­det, da­bei be­zieht er sich auf Ob­jek­te der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie, Mö­bi­us­band, To­rus und Klein­sche Fla­sche.91 In der Zu­sam­men­fas­sung von Se­mi­nar 12 wird er schrei­ben: „Von da­her sieht man, dass das Sein des Sub­jekts die Ver­nähung ei­nes Man­gels ist.“92]

· Der Name-des-Vaters ist das Geheimnis: durch ihn wird das Begehren heterosexuell normalisiert.

Vom Be­geh­ren, mei­nen Va­ter zu tö­ten, wer­de ich auf den Na­men des Va­ters ver­wie­sen, denn die Freud­sche Stand­ort­be­stim­mung wird im­mer auf der Ebe­ne des Na­mens voll­zo­gen, der Evo­ka­ti­on des Na­mens. Die­ser Name des Va­ters ist das Ge­heim­nis. Denn durch die­sen Na­men des Va­ters wird mein Be­geh­ren an den schmerz­haf­ten Punkt ge­führt, dass ich be­geh­re, mei­nen Va­ter zu tö­ten und mit mei­ner Mut­ter zu schla­fen. Das Be­geh­ren mit mei­ner Mut­ter zu schla­fen, auf das sich die he­te­ro­se­xu­el­le Nor­ma­li­sie­rung stützt, ist von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt ab­hän­gig, den La­can als Name-des-Va­ters be­zeich­net. [Der Name al­ler Na­men ist für La­can also der Name des Va­ters.]93

III. Der Eigenname, außerhalb des Feldes der Psychoanalyse

· In Bezug auf den Eigennamen herrscht unter Sprachwissenschaftlern Verwirrung, gleichwohl ist es instruktiv, sie zu studieren.

Die sprach­wis­sen­schaft­li­chen Un­ter­su­chun­gen über den Ei­gen­na­men ha­ben den Sta­tus des Ei­gen­na­mens of­fen­ge­las­sen; je­der Au­tor kommt zu dem Er­geb­nis, dass das, was die an­de­ren ge­sagt ha­ben, ab­surd ist.94 Der Ei­gen­na­me wird von den Spe­zia­lis­ten ge­gen­sätz­lich be­stimmt: als das In­di­ka­tivs­te ver­sus als das Ar­bi­trärs­te, als das Kon­kre­tes­te ver­sus als das Leers­te; als das, was am meis­ten Sinn (sens) hat ver­sus als das, was am we­nigs­ten Sinn hat.95

Die Sprach­wis­sen­schaft­ler ha­ben mit dem Ei­gen­na­men die größ­ten Schwie­rig­kei­ten.

Zum Ei­gen­na­men emp­fiehlt La­can die lin­gu­is­ti­schen Ar­bei­ten von Viggo Brøn­dal, Les par­ties du dis­cours (1948), von Hol­ger Ste­en Sø­ren­sen, The me­a­ning of pro­per na­mes (1963) und von Alan Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes (1940, 1954).96

· Der Eigenname ist nicht der Endpunkt eines Klassifizierungsprozesses, durch den das Individuum erreicht würde (gegen Lévi-Strauss).

[La­can be­greift die Klas­si­fi­zie­rung als Teil der rhē­sis, also da­von, dass man Aus­sa­gen macht.]

Clau­de Lévi-Strauss deu­tet in Das wil­de Den­ken (1962) den Ei­gen­na­men als letz­tes Ele­ment in ei­nem Klas­si­fi­ka­ti­ons­pro­zess, der zu­neh­mend ver­fei­nert wird, Er­geb­nis ei­nes Pro­zes­ses von suk­zes­si­ven Zer­schnei­dun­gen, wie sie zu­erst in Pla­tons So­phis­tes dar­ge­stellt wur­den.97

La­can kri­ti­siert die The­se von Lévi-Strauss, dass der Ei­gen­na­me das Er­geb­nis ei­ner Klas­si­fi­ka­ti­on ist, die bis zum letz­ten Schritt vor­an­ge­trie­ben wor­den ist. [Dann da­mit wird das Be­nen­nen und das Ma­chen von Aus­sa­gen fälsch­li­cher­wei­se an­ein­an­der an­ge­gli­chen.]98

Das ist so ge­fähr­lich und so fol­gen­schwer, wie wenn man in der Men­gen­leh­re die Teil­men­ge, die nur ein Ele­ment ent­hält, mit die­sem Ele­ment gleich­setzt. [Wel­che Ge­fahr meint La­can hier?] [Lévi-Strauss zu­fol­ge bil­det je­des In­di­vi­du­um eine Un­ter­klas­se mit sich selbst als ein­zi­gem Ele­ment.]99

· Der Eigenname ist nicht von der Funktion der Bezeichnung aus zu begreifen, schon gar nicht der Bezeichnung von Individuen.

Der Ei­gen­na­me ist nicht von der Funk­ti­on der Be­zeich­nung aus zu be­grei­fen, oder gar der Be­zeich­nung von In­di­vi­du­en; wenn man das tut, kommt man zu Ab­sur­di­tä­ten. [La­can grenzt sich hier von Mill und von Rus­sell ab, wo­nach der Ei­gen­na­me der Name in der Funk­ti­on der De­no­ta­ti­on ist (Mill), der Name, der spe­zi­ell dazu dient, In­di­vi­du­en, Ein­zel­din­ge (par­ti­cu­lars) zu be­zeich­nen (Rus­sell).]100 Der Ei­gen­na­me ist nicht a word for a par­ti­cu­lar, wie Rus­sell sagt, nicht ein Wort für ein Ein­zel­ding, für ein In­di­vi­du­um. [La­can über­nimmt hier ei­nen Ein­wand von Gar­di­ner ge­gen Rus­sell.]101

Es ist rich­tig, dass der Ei­gen­na­me auf eine spe­zi­el­le­re Wei­se in­di­ka­tiv oder de­no­ta­tiv ist als an­de­re Na­men; den Sprach­wis­sen­schaft­lern ge­lingt es aber nicht zu sa­gen, in­wie­fern.102

· Der Eigenname kann nicht durch die Konventionalität bestimmt werden.

Der Ei­gen­na­me kann nicht durch die Merk­ma­le der Kon­ven­tio­na­li­tät oder der Ar­bi­tra­ri­tät be­stimmt wer­den, da die­se für je­den Si­gni­fi­kan­ten gel­ten; dar­auf hat man in der Lin­gu­is­tik hin­rei­chend in­sis­tiert.103

· Eigennamen haben Bedeutungen (gegen Gardiner).

Das Werk von Gar­di­ner über den Ei­gen­na­men [das La­can be­reits in Se­mi­nar 9 vor­ge­stell­te hat­te] ist be­son­ders in­ter­es­sant: auf­grund des dar­in aus­ge­brei­te­ten Irr­tums.104

Gar­di­ner knüpft an die Un­ter­schei­dung von kon­no­ta­ti­ven und de­no­ta­ti­ven Na­men an, die John Stuart Mill [in A sys­tem of lo­gic (1843)] ein­ge­führt hat­te. Kon­no­ta­ti­ve Na­men sind sol­che, die De­fi­ni­tio­nen ge­ben, wie in ei­nem Le­xi­kon. [Der kon­no­ta­ti­ve Name „Baum“ be­zieht sich auf die At­tri­bu­te Pflan­ze, ver­holzt usw.] Die­se De­fi­ni­tio­nen ver­wei­sen auf­ein­an­der, in ei­ner un­end­li­chen Be­we­gung. De­no­ta­ti­ve Na­men sind Na­men, die sich auf et­was be­zie­hen [ohne da­bei auf At­tri­bu­te zu ver­wei­sen], z.B. Na­men von Per­so­nen [also Ei­gen­na­men].105

Ein ers­tes Pro­blem von Gar­di­ners De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens be­steht dar­in, dass so vie­le Ei­gen­na­men ei­nen Sinn ha­ben, z.B. kann man Ox­ford in zwei Tei­le zer­schnei­den, ox und ford [Och­sen-Furt]. [La­can spielt hier auf das an, wor­auf er hin­aus will: auf den Schnitt.]106

Die­ses Pro­blem wird [von Mill und im An­schluss an ihn von Gar­di­ner] so ge­löst, dass er sagt, dass die Be­deu­tung des Ei­gen­na­mens se­kun­där ist. La­can wen­det hier­ge­gen ein: Wenn ein Ei­gen­na­me kei­ne Be­deu­tung hät­te, wür­de er dann, wenn man je­mand je­man­dem vor­stellt, nicht funk­tio­nie­ren. Wenn JL sich als „Jac­ques La­can“ vor­stellt, er­folgt dies im­mer in ei­nem be­stimm­ten so­zia­len Rah­men, in dem er in vie­len Fäl­len kein Un­be­kann­ter ist; au­ßer­dem wird da­mit aus­ge­schlos­sen, dass er je­mand an­ders ist, der be­kannt ist, z.B. Ro­cke­fel­ler. Wenn man sagt, dass der Ei­gen­na­me kei­ne Be­deu­tung hat, ist das grob feh­ler­haft. Der Ei­gen­na­me führt nicht nur Be­deu­tun­gen mit sich, son­dern ge­wis­ser­ma­ßen „An­kün­di­gun­gen“ [mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist]. [Ei­gen­na­men funk­tio­nie­ren also dif­fe­ren­ti­ell, und die­se Dif­fe­ren­tia­li­tät hat ei­nen Be­deu­tungs­ef­fekt.] [Gar­di­ner wür­de hier­auf ant­wor­ten, dass La­can sich auf das Spre­chen be­zieht, nicht auf die Spra­che, und dass der Ei­gen­na­me nur im Rah­men der Spra­che be­stimmt wer­den kann.]107

[In­ter­es­san­ter noch als die Be­deu­tung ei­nes Ei­gen­na­mens ist sein Sinn. Be­deu­tun­gen von Ei­gen­na­men lie­gen auf der Ebe­ne der Wör­ter, wie in „Ox-ford“ (Och­sen-Furt), der Sinn von Ei­gen­na­men ist ein Pho­nem-Ef­fekt.]

· Das Subjekt wohnt einer Signifikantenstruktur inne, die auf der Ebene der Phoneme anzusetzen ist (mit Gardiner).

Gar­di­ners De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens lau­tet: Der Ei­gen­na­me greift in die Be­nen­nung ei­nes Ge­gen­stan­des nur durch die Wirk­sam­keit sei­nes Lau­tes ein. Die Wahr­heit im Dis­kurs von Gar­di­ner be­steht dar­in, dass das Sub­jekt den Punk­ten ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­struk­tur in­ne­wohnt, die auf der Ebe­ne der Pho­neme an­zu­set­zen sind.108

· Der Eigenname ist nicht der eigene Name, sondern der Name im eigentlichen Sinne.

Der Ei­gen­na­me wird im Grie­chi­schen zu­nächst als ono­ma ky­ri­on be­zeich­net, als „der Name schlecht­hin“, ab der Stoa heißt er ono­ma idi­on, „der ei­ge­ne Name“, der Name, der ei­nem ganz be­son­ders zu ei­gen ist. Dies er­mög­licht ei­nen lo­gi­schen Feh­ler. Die Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens be­steht dar­in, sich nicht mit sich selbst iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen [nicht der ei­ge­ne Name zu sein], bei der Be­nen­nung ist das ma­xi­mal ge­stei­gert.109

Der Ei­gen­na­me ist ei­ner­seits der Name für das, was ei­ner be­son­de­ren Sa­che am meis­ten ei­gen ist; er ist zu­gleich et­was, was ver­erbt wird, was wei­ter­ge­ge­ben wird. Bei­spiels­wei­se wird der Ei­gen­na­me ei­nes In­sek­ten­for­schers, der ein neu­es In­sekt ent­deckt zum Teil des In­sek­ten­na­mens. Ein an­de­res Bei­spiel: man kann ei­nen Ei­gen­na­men im Plu­ral [im Fran­zö­si­schen ohne s-En­dung] ver­wen­den: les Du­rand. War­um ist das so?110

[Die ent­schei­den­de Be­deu­tung des Wor­tes „Ei­gen­na­me“ ist also: „der ei­gent­li­che Name“, der­je­ni­ge Name, der in rei­ner Form zeigt, wie ein Si­gni­fi­kant funk­tio­niert.]

[Die Vor­stel­lung, der Ei­gen­na­me sei der ganz und gar ei­ge­ne Name, ent­spricht dem Satz der Iden­ti­tät, also „A ist A“; vgl. hier­zu La­cans Aus­füh­run­gen zum Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 12: Der Satz der Iden­ti­tät ist falsch, da der Si­gni­fi­kant dif­fe­ren­ti­ell funk­tio­niert.]

[Der Ei­gen­na­me ist der ei­gent­li­che Name heißt: er funk­tio­niert wie ein Si­gni­fi­kant: er kommt von au­ßen (von ei­nem Na­mens­ge­ber); er ist dif­fe­ren­ti­ell; er funk­tio­niert auf der Pho­nem­ebe­ne; die Pho­nem­ebe­ne hat be­stimm­te Be­deu­tungs­ef­fek­te, die in die­sem Se­mi­nar „Sinn“ ge­nannt wer­den, im Un­ter­schied zur Be­deu­tung, ähn­lich Ja­kobsons „poe­ti­scher Funk­ti­on“.]

· Der Eigenname verweist auf den Namensgeber und damit auf die außerlinguistische soziale Ordnung (mit Lévi-Strauss).

Lévi-Strauss stößt auf ein Hin­der­nis, näm­lich auf die Funk­ti­on des Na­mens­ge­bers. Der Ei­gen­na­me ist ein Name, der ge­ge­ben wird, bei­spiels­wei­se durch ei­nen Tauf­pa­ten [wie in man­chen ka­tho­li­schen Ge­gen­den], durch ei­nen Pries­ter, durch ei­nen Wis­sen­schaft­ler [das sind die Bei­spie­le von Lévi-Strauss].111

Die Na­mens­ge­bung be­ruht auf Re­geln, auf ei­ner Kon­fi­gu­ra­ti­on des Aus­tauschs und der So­zi­al­struk­tur. Lévi-Strauss hat rich­tig ge­se­hen, dass das Pro­blem des Ei­gen­na­mens nicht be­han­delt wer­den kann, ohne sich auf ei­nen Be­reich zu be­zie­hen, der dem spe­zi­el­len Be­reich der Sprach­wis­sen­schaft fremd ist, er kann nicht als Teil der Rede iso­liert wer­den, au­ßer­halb des Ge­brauchs, durch den er be­stimmt wird. [Dies rich­tet sich u.a. ge­gen die Auf­fas­sung von Gar­di­ner, dem­zu­fol­ge der Ei­gen­na­me rein lin­gu­is­tisch be­stimmt wer­den muss, noch en­ger: aus­schließ­lich durch Be­zug auf die Spra­che im Ge­gen­satz zum Spre­chen.]112

· Das Benennen mit einem Eigennamen gehört zu den Tätigkeiten des Schriftstellers.

Dem Schrift­stel­ler, der ei­ner fik­ti­ven Fi­gur ei­nen Ei­gen­na­men gibt, er­scheint der Name kei­nes­wegs als will­kür­lich. Er muss ei­nen Na­men wäh­len, und die Wahl ist für ihn schwie­rig, weil es dem Na­men ge­lin­gen soll, ein Loch zu ver­kle­ben, das­je­ni­ge Loch, das von ei­ner er­fun­de­nen Per­son re­prä­sen­tiert wird; es soll so ver­klebt wer­den, dass die Per­son für uns spür­bar wird.113

Ist ein Ken­taur von dem Mo­ment an wirk­li­cher, in dem er ein be­stimm­ter Ken­taur ist, d.h. in dem er ei­nen Ei­gen­na­men hat wie „Nes­sos“ oder „Che­i­ron“?114

· Der Eigenname bezieht sich auf das Singuläre, und das Singuläre kann nicht unter das Allgemeine subsumiert werden.

Der Ei­gen­na­me ge­hört nicht zur bi­nä­ren Ord­nung des All­ge­mei­nen und des Be­son­de­ren, son­dern zu et­was Drit­tem, zum Ein­zel­nen. Das Ein­zel­ne lässt sich nicht an das All­ge­mei­ne an­glei­chen.115

· Der Satz „Sokrates ist sterblich“ kann deshalb nicht unter den Satz „Alle Menschen sind sterblich“ subsumiert werden.

Ziel ist, in die Fra­ge des Ei­gen­na­mens die psy­cho­ana­ly­ti­sche Per­spek­ti­ve ein­zu­brin­gen.116

Und da­bei kann man mit dem Syl­lo­gis­mus be­gin­nen „Alle Men­schen sind sterb­lich / So­kra­tes ist ein Mensch / Also ist So­kra­tes sterb­lich“. Das In­ter­es­se von La­can rich­tet sich auf die drit­te Aus­sa­ge, auf die Schluss­fol­ge­rung, die Kon­klu­si­on: „So­kra­tes ist sterb­lich“.117

So­kra­tes“ ist der Name des­je­ni­gen, der So­kra­tes heißt. [D.h. in die­sem Satz geht es um je­man­dem, der mit die­sem Ei­gen­na­men be­nannt wird.] Das ist et­was an­de­res, als über So­kra­tes den Kum­pel zu spre­chen oder über So­kra­tes den De­fi­nie­rer.118 Die letz­te Aus­sa­ge – die Kon­klu­si­on – muss un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ei­gen­na­mens be­trach­tet wer­den. Sie lau­tet nicht: „Ir­gend­ein Mensch ist sterb­lich, der viel­leicht So­kra­tes heißt.“ [Die Aus­sa­ge be­zieht sich di­rekt auf So­kra­tes, der durch sei­nen Ei­gen­na­men iden­ti­fi­ziert wird.] Die­ser Schritt ist, lo­gisch ge­se­hen, pro­ble­ma­tisch. Das Bei­spiel fin­det man nicht in der Ers­ten Ana­ly­tik von Aris­to­te­les [also nicht in dem Werk, in dem die Leh­re vom lo­gi­schen Schluss be­grün­det wird], es wird erst spä­ter üb­lich. La­can ver­mu­tet, dass Aris­to­te­les das Bei­spiel zu­rück­ge­wie­sen hät­te.119

So­kra­tes ist so­wohl der­je­ni­ge, der sich selbst als So­kra­tes be­zeich­net, als auch der­je­ni­ge, den an­de­re, Mit­glie­der sei­ner Ver­wandt­schaft, als So­kra­tes be­zeich­nen. Als der­je­ni­ge, der sich be­nennt und zu­gleich be­nannt wird, ist er nicht mit et­was ho­mo­gen, was in der Ru­brik ‚alle Men­schen‘ ent­hal­ten sein könn­te. [‚Alle Men­schen‘ ist ein (quan­ti­fi­zier­ter) Be­griff; ‚So­kra­tes‘ ist ein Ei­gen­na­me, der sich auf eine Sin­gu­la­ri­tät be­zieht; Be­grif­fe und Ei­gen­na­men lie­gen auf un­ter­schied­li­chen Ebe­nen. Für den Ei­gen­na­men muss man sich auf den Be­nen­nungs­vor­gang be­zie­hen, und der Be­nen­nungs­vor­gang ver­weist auf die au­ßer­sprach­li­che Ebe­ne, auf so­zia­le Zu­sam­men­hän­ge, wie Lévi-Strauss ge­sagt hat.]120

Auf der Ebe­ne der Be­deu­tung ist „So­kra­tes“ un­ter „Alle Men­schen“ sub­su­mier­bar, nicht je­doch auf der Ebe­ne des Sinns [nicht auf der Ebe­ne, auf der der Sinn ein pho­nem-in­du­zier­ter Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt ist.]121

So­kra­tes ist der­je­ni­ge, der den Tod for­dert. [Wenn man sagt, „So­kra­tes ist sterb­lich“, wehrt man da­mit ab, dass er ein sehr spe­zi­el­les Ver­hält­nis zum Tod hat­te: dass er den Tod ge­for­dert hat.] Das heißt: In „So­kra­tes ist sterb­lich“ wird der Ei­gen­na­me auf den To­des­trieb be­zo­gen.122

La­can ver­deut­licht sei­nen Ge­dan­ken, in­dem er den Syl­lo­gis­mus in ei­nen re­for­mier­ten Eu­ler­kreis ein­trägt, in eine In­ne­n­acht auf ei­ner Klein­schen Fla­sche; hier­bei geht es um den Un­ter­schied von Sinn (sens) und Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) [ein Ver­fah­ren, das ich lei­der nicht ver­stan­den habe].123

· Der Eigenname bezieht sich auf das Besondere insofern, als es unersetzbar ist, als es fehlen kann (gegen Russell).

Bei den Un­ter­su­chun­gen über den Ei­gen­na­men ge­ben das Schei­tern und die Pa­ra­do­xie der For­meln von Rus­sell das Mit­tel, um zu kon­trol­lie­ren, dass wir es mit ei­nem ent­schei­den­den Ko­hä­renz­punkt der psy­cho­ana­ly­ti­schen Er­fah­rung zu tun ha­ben, näm­lich mit der Iden­ti­fi­zie­rung. Rus­sell zu­fol­ge ist der Ei­gen­na­me das spe­zi­el­le Mit­tel der In­di­ka­ti­on [der De­no­ta­ti­on], das sich auf das In­di­vi­du­um (par­ti­cu­lier) be­zieht.124

Bert­rand Rus­sell hat ge­sagt, das De­mons­tra­ti­vum, also „die­ses“ usw., sei der Ei­gen­na­me schlecht­hin. [Er hat au­ßer­dem vor­ge­schla­gen, ei­nen Punkt auf der Ta­fel, den er im Rah­men ei­ner Be­weis­füh­rung ver­wen­det, als „John“ zu be­zeich­nen.] Man muss sich fra­gen, war­um ei­nem die­ser Vor­schlag als ab­surd er­scheint, war­um man den Punkt nicht als „An­toi­ne“ be­zeich­nen wür­de.125

Die Ant­wort lau­tet: Weil der Punkt x, den man im Rah­men ei­ner ma­the­ma­ti­schen Be­weis­füh­rung auf die Ta­fel setzt, we­sent­lich er­setz­bar ist. Ei­nem al­ten Haus­rock hin­ge­gen, an dem man (wie Di­de­rot) hängt, könn­te ich ei­nen Ei­gen­na­men ge­ben [so wie man­che Leu­te ih­ren Au­tos Ei­gen­na­men ge­ben]. Das Be­son­de­re wird mit ei­nem Ei­gen­na­men in­so­fern be­zeich­net, als es un­er­setz­bar ist. Dass es un­er­setz­bar ist, heißt aber, dass es feh­len kann. Auf die­se Wei­se be­zieht sich der Ei­gen­na­me auf den Man­gel, auf das Feh­len, auf das Loch. La­can heißt „Jac­ques La­can“ nicht als In­di­vi­du­um, son­dern als et­was, was feh­len kann.126

· [Das Singuläre ist demnach das Unersetzbare und damit das, was fehlen kann.]

IV. Zur Psychoanalyse des Eigennamens: das Vernähen des Lochs

· Es gibt einen speziellen Zugang der Psychoanalyse zum Eigennamen.

Die Ana­ly­ti­ker ha­ben zur Fra­ge des Ei­gen­na­mens et­was zu sa­gen, denn mit der Dy­na­mik des Ei­gen­na­mens ha­ben sie Er­fah­run­gen. Ihre Er­fah­run­gen sind so­gar in­te­grie­ren­der und spe­zi­fi­scher als die der Lin­gu­is­tik und der Phi­lo­so­phie, in­so­fern in den Ei­gen­na­men, mit de­nen die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, das Sub­jekt ver­wi­ckelt ist.127

Eine Fra­ge, die sich in der Pra­xis des Psy­cho­ana­ly­ti­kers stellt, lau­tet: Wel­che Wir­kung hat die Be­nen­nung in rei­nem Zu­stand, näm­lich die Be­nen­nung durch den Ei­gen­na­men? Die Be­nen­nung ist der Be­ginn des­sen, wo­durch das Sub­jekt be­stimmt wird, in sei­ner Ge­schich­te wie in sei­ner Struk­tur wie auch in der Ge­gen­wart der ana­ly­ti­schen Ope­ra­ti­on.128

Die Psy­cho­ana­ly­ti­ker sind ge­gen die Schwie­rig­kei­ten mit der Theo­rie des Ei­gen­na­mens am bes­ten ge­feit.129

· Beim Eigennamen geht es um die Einwirkung des Signifikanten.

Beim Ei­gen­na­men geht es um die Ein­wir­kung der Be­nen­nung in rei­ner Form, um den Be­ginn des­sen, wo­durch das Sub­jekt be­stimmt wird, in sei­ner Struk­tur und in sei­ner Ge­schich­te, aber auch im Ver­lauf der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur.130

· Beim Eigennamen geht es um das Verhältnis zwischen dem Begehren und der Identifizierung.

In der Ana­ly­se geht es um das Aus­fin­dig­ma­chen des Be­geh­rens, des letz­ten Be­geh­rens, des Be­geh­rens des Ana­ly­ti­kers, wie La­can in Se­mi­nar 11 ge­sagt hat­te. Die­ses Be­geh­ren muss auf die Iden­ti­fi­zie­rung be­zo­gen wer­den. Beim Ei­gen­na­men geht es um die Iden­ti­fi­zie­rung, und die­se Iden­ti­fi­zie­rung ist in un­ter­schied­li­chem Ab­stand zum Sub­jekt [d.h. zum Man­gel].131

Freuds Bei­spiel für den an­ste­cken­den Cha­rak­ter des Na­mens­ver­ges­sens ist das Ver­ges­sen ei­nes Ei­gen­na­mens – Ben Hur – durch sämt­li­che Mit­glie­der ei­ner Grup­pe. Das steht in Be­zie­hung zu ei­nem Be­geh­ren, aber die­ses Be­geh­ren geht durch eine be­stimm­te Vo­ka­li­sie­rung, durch die Emis­si­on der Stim­me: „bin Hure“. Die­se Er­klä­rung ruft die Be­gier­den der an­de­ren Mit­glie­der der Grup­pe wach und sie be­zie­hen sich auf die Iden­ti­fi­zie­rung.132

· Der Eigenname ist eine Naht, eine Verklebung, die die Funktion hat, ein Loch zu verschließen, einen Schnitt.

Der Ei­gen­na­me zielt dar­auf, ei­nen Man­gel ab­zu­de­cken, ein Loch zu stop­fen. Er hat die Funk­ti­on, dem Loch die fal­sche Er­schei­nung des Ver­nähtseins zu ge­ben.133

Der Ei­gen­na­me ist in dem Sin­ne der ei­gent­li­che Name, als die pho­n­ema­ti­sche Ein­set­zung des Na­mens, der Grün­dungs­akt der Na­mens­ge­bung eine Ver­kle­bung (col­la­ge) ist, eine Naht. [Die De­no­ta­ti­ons­funk­ti­on ist also nur eine Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens, eine zwei­te Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens ist das Ver­nä­hen oder Ver­kle­ben.]134

Der Name ist also ein Naht, und die­se Naht lässt ei­nen Ab­stand [zum Sub­jekt].135

Der Ei­gen­na­me kann auch mit ei­ner Naht ver­gli­chen wer­den, die eine her­aus­ra­gen­de wun­de Stel­le er­fasst, eine Nar­be, ja ein Keloid, also eine Nar­be mit Ge­we­be­wu­che­rung. Die­ses Keloid ist die Stel­le, die beim Zwangs­neu­ro­ti­ker von der Naht er­fasst wird, und bei der ge­wis­ser­ma­ßen die Fä­den zu zie­hen sind.136

Die­se Naht stellt sich bei Neu­ro­ti­kern, Psy­cho­ti­kern und Per­ver­sen auf un­ter­schied­li­che Wei­se her.137

Der Ei­gen­na­me kann auch mit den Buch­sta­ben auf ei­nem Schnitt­mus­ter ver­gli­chen wer­den, die an­ge­ben, was mit was zu­sam­men­ge­näht wer­den soll.138

Lévi-Strauss macht aus dem Ei­gen­na­men den End­punkt des Klas­si­fi­ka­ti­ons­pro­zes­ses, den be­son­de­ren Na­men, der dem In­di­vi­du­um ge­ge­ben wird. Die­se Auf­fas­sung ist zu be­schränkt. Es fehlt, dass der Ei­gen­na­me dann ins Spiel ge­bracht wird, wenn die Be­we­gung der Klas­si­fi­ka­ti­on ins Sto­cken ge­rät, nicht vor ei­ner zu gro­ßen Be­son­der­heit, son­dern vor ei­nem Riss, vor ei­nem Feh­len, da­vor, dass das Sub­jekt ein Loch ist. Der Ei­gen­na­me hat die Funk­ti­on, die­ses Loch zu mas­kie­ren, zu ver­nä­hen, zu ver­kleis­tern.139

· Lacans „Formalisierung des Begehrens“ zielt darauf ab, den Status des Einzelnen zu erfassen.

Der Sta­tus des Ein­zel­nen kann an­nä­he­rungs­wei­se von der mo­der­nen Lo­gik er­fasst wer­den. Er kann aber vor al­lem durch die­je­ni­ge Lo­gik er­fasst wer­den, um die La­can sich be­müht, aus­ge­hend von der psy­cho­ana­ly­ti­schen Wahr­heit und Pra­xis, und die man als „For­ma­li­sie­rung des Be­geh­rens“ be­zeich­nen könn­te.140

V. Freuds Vergessen des Eigennamens „Signorelli“

· Freuds Modell für das Funktionieren des Unbewussten war das Vergessen des Eigennamens „Signorelli“.

Freuds Mo­dell für die Ein­sicht in die Wir­kun­gen des Un­be­wuss­ten war das Ver­ges­sen ei­nes Ei­gen­na­mens, das Ver­ges­sen des Na­mens Si­gno­rel­li (S. Freud, Zum psy­chi­schen Me­cha­nis­mus der Ver­gess­lich­keit, 1898).141

· Das sogenannte Vergessen von Eigennamen ist in Wirklichkeit eine Form der Erinnerung.

Das „Ver­ges­sen“ ist auch ein Me­cha­nis­mus der Er­in­ne­rung, vor dem Loch. Das „Ver­ges­sen“ ei­nes Ei­gen­na­mens ist kein Ver­ges­sen, son­dern eine Form des Sich-Er­in­nerns, ihre ge­nau­es­te Form so­gar.142

· Das Vergessen des Eigennamens vollzieht sich auf der Ebene der Phoneme.

Das so­ge­nann­te Ver­ges­sen ei­nes Ei­gen­na­mens ist ein Loch, und in die­sem Loch ver­schwin­den Pho­neme, die ers­ten bei­den Sil­ben des Wor­tes Si­gno­rel­li, also Si­gnor.143

· Die Verdrängung des Eigennamens „Signorelli“ beruht auf Freuds Identifizierung mit dem Herrn in der Gestalt des Arztes.

Der Name Si­gno­rel­li be­zieht sich für Freud auf die Ver­bin­dung von Tod und Se­xua­li­tät, aber die­ser Zu­sam­men­hang wird von ihm nicht ver­drängt, er ist ihm be­wusst.144

Wenn Freud sich nicht an den Na­men „Si­gno­rel­li“ er­in­nert, sind die Um­stän­de fol­gen­der Art: Das, wor­über tat­säch­lich ge­spro­chen wird, ist das Ver­hält­nis der Bos­nia­ken zum Tod, die fa­ta­lis­ti­sche Ein­stel­lung, wenn ein Kran­ker nicht ge­heilt wer­den kann. Das, wor­über nicht ge­spro­chen wird, ist das Ver­hält­nis der bos­ni­schen Bau­ern zur Se­xua­li­tät, die Ein­stel­lung ‚wenn das nicht geht, könn­te man sich gleich um­brin­gen‘. Bei­des in­ter­es­siert Freud, und es ist nicht ver­drängt. Freud be­greift zu die­sem Zeit­punkt die grund­le­gen­de Funk­ti­on des Ge­schlechts. Ei­ner der Pa­ti­en­ten Freuds hat­te sich um­ge­bracht, weil er das Nach­las­sen sei­ner Man­nes­kraft nicht er­tra­gen konn­te, hier gibt es eine Ver­bin­dung von Ge­schlecht und Tod, die Freud be­wusst ist.145

Aber dann gibt es eine Stö­rung, und der Name „Si­gno­rel­li“ macht sich da­von, es er­eig­net sich also das so­ge­nann­te „Ver­ges­sen“ ei­nes Ei­gen­na­mens.146

Freud spricht über die Ehr­er­bie­tung, die – ei­nem sei­ner Be­kann­ten zu­fol­ge – die bos­ni­schen Bau­ern dem Arzt ent­ge­gen­brin­gen. Das Herr funk­tio­niert im Rah­men ei­ner Iden­ti­fi­zie­rung, ein Be­griff, über den Freud zu die­sem Zeit­punkt noch nicht ver­fügt. Der Herr ist hier der Arzt, und Freud iden­ti­fi­ziert sich mit dem Herrn in der Ge­stalt des Arz­tes, der es sei­nen Pa­ti­en­ten ge­gen­über mit den Ver­trau­lich­kei­ten nicht zu weit treibt. Er klam­mert sich an die­se fal­sche Iden­ti­fi­zie­rung und spricht mit sei­nem Rei­se­ge­fähr­ten des­halb nicht über al­les, was ihn be­wegt.147

An der Stel­le des Lochs des Ei­gen­na­mens stel­len sich Er­set­zun­gen ein, Pho­nem-Sub­sti­tu­tio­nen: Das Bo von Bol­traf­fio und Bot­ti­cel­li, das wie­der­um auf Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na ver­weist und da­mit auf das Her bzw. Herr. Die Er­set­zun­gen voll­zie­hen sich auf der Ebe­ne des Si­gni­fi­kan­ten­ma­te­ri­als: Bol­traf­fio und Bot­ti­cel­li für Si­gno­rel­li; dar­um geht es im­mer, wenn man es mit der De­ter­mi­na­ti­on des Sym­ptoms und sei­ner Ent­kno­tung zu tun hat.148

· Der verlorene Anfang des Namens „Signorelli“ verweist auf „signans“ und „Sigmund“.

Der ver­lo­re­ne An­fang des Na­mens Si­gno­rel­li ist we­ni­ger auf Si­gnor zu­rück­zu­füh­ren, wie Freud meint, als auf das sig von si­gn­ans und auf das Sig von Sig­mund Freud. Hier ist der Platz sei­nes Be­geh­rens im ei­gent­li­chen Sin­ne, der wah­re Platz sei­ner Iden­ti­fi­zie­rung, die hier am Punkt des Sko­toms ver­or­tet ist, am blin­den Fleck.149

· Das Verschwinden des Namens „Signorelli“ geht damit einher, dass der Blick von Signorelli auftaucht.

Das Ver­schwin­den des Na­mens Si­gno­rel­li geht, wie Freud be­rich­tet, da­mit ein­her, dass er das Selbst­por­trät von Si­gno­rel­li prä­gnant vor sich sieht, es schaut ihn be­stän­dig an. In eben dem Maße, in dem Freud sich an die­se fal­sche Iden­ti­fi­zie­rung klam­mert [mit dem Arzt als Herrn], in der das Loch des ver­lo­re­nen Na­mens ent­steht, des Sign, des Si­gni­fi­kan­ten, pro­ji­ziert sich das Ge­sicht vor ihn hin, er sieht sich von Si­gno­rel­li er­blickt.150

Wäh­rend Si­gno­rel­li als Man­gel ver­ge­gen­wär­tigt wird [wäh­rend sein Name ver­ges­sen wird], er­scheint zu­gleich der Punkt, durch den das, was in der Spra­che nur durch den Man­gel  wer­den kann, zum Sein kommt [näm­lich der Blick als Ob­jekt a]. 151

[Ich neh­me an, dass die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Herrn das ist, was La­can in spä­te­ren Se­mi­na­ren als „Her­ren­si­gni­fi­kan­ten“ be­zeich­nen wird (S1), dass die pho­ne­ti­schen Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen das Un­be­wuss­te sind, spä­ter von ihm „Wis­sen“ ge­nannt (S2), dass dem Na­mens­ver­ges­sen das Sub­jekt ent­spricht ($ als Fa­ding oder Apha­ni­sis); der Blick – das ist ein­deu­tig  – ist das Ob­jekt a. Dem­nach gin­ge es um die Ver­bin­dung von S1, S2, $ und a.]

Die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem I, von dem aus das Sub­jekt al­les ver­or­tet. Es ist zu­gleich der Punkt, an dem [beim Ver­ges­sen des Na­mens „Si­gno­rel­li“] et­was wie ein Re­flex auf­taucht, et­was, was sich sieht [das An­ge­schaut­wer­den von Freud durch das Ge­sicht von Si­gno­rel­li], die Ge­burt der In­ter­sub­jek­ti­vi­tät.152

VI. Topologie des Eigennamens

· Der Eigenname ist an der Öffnung der Kleinschen Flasche zu verorten.

Das Ver­ges­sen von Ei­gen­na­men ist auf die Öff­nung von nicht-ori­en­tier­ba­ren Ober­flä­chen (Mö­bi­us­band, Klein­sche Fla­sche) zu be­zie­hen, also von Ober­flä­chen, bei de­nen man kon­ti­nu­ier­lich von der Vor­der­sei­te zur Rück­sei­te über­ge­hen kann.153

Bei der Klein­schen Fla­sche ist der Ei­gen­na­me an dem Rand zu ver­or­ten, wo das In­ne­re in das Äu­ße­re über­geht bzw. das Äu­ße­re in das In­ne­re.154

VII. Einzelne Eigennamen

· Der von Claudel erfundene Eigenname „Sygne de Coûfontane“ enthält den elementaren Signifikanten.

Auf­fäl­lig ist, wel­che Ei­gen­na­men Paul Clau­del er­fin­det. Eine sei­ner Ge­stal­ten heißt „Sy­g­ne de Coû­fon­tai­ne“. Sie ist eine Art Chris­tus­ge­stalt, die alle De­mü­ti­gun­gen auf sich nimmt und stirbt, in­dem sie Nein sagt. Ihr Vor­na­me ent­hält das Wort cy­g­ne, Schwan, also der Vo­gel mit dem ge­bo­ge­nen Hals; cy­g­ne wird mit dem Wort si­gne, Zei­chen, über­la­gert, der Welt wird ein Zei­chen ge­ge­ben. Der Nach­na­me Coû­fon­tai­ne en­hält cou, den Hals; Sy­g­ne und Coû er­ge­ben zu­sam­men eine An­spie­lung auf den Schwa­nen­hals. Fon­tai­ne, Quel­le, re­agiert mit Sy­g­ne: der Welt wird aus ei­ner al­ten Quel­le eine Bot­schaft ge­ge­ben. Der Zir­kum­flex-Ak­zent auf dem û war Clau­del wich­tig. Da es da­mals kei­ne Let­tern für Ma­jus­keln mit Zir­kum­flex-Ak­zent gab, muss­te für den Druck des Dra­mas das gro­ße Û mit Zir­kum­flex-Ak­zent ei­gens ge­gos­sen wer­den. Der Zir­kum­flex-Ak­zent nimmt die Form des Schwa­nen­hal­ses auf und ent­hält die Spur des ele­men­ta­ren Si­gni­fi­kan­ten [er ist ein Ein­zel­strich, ein trait un­aire, mit Knick].155

Eine an­de­re Ei­gen­na­men-Er­fin­dung von Clau­del ist „Sir Tho­mas Pol­lock Na­geoi­re“ in dem Dra­ma Der Tausch. [Das eng­li­sche Wort pol­lock steht für den See­lachs, das fran­zö­si­sche Wort na­geoi­re meint „Flos­se“.] Durch die­se Be­zeich­nung weiß man be­reits et­was über das, was sich im Dra­ma ab­spie­len wird.156

· Der von Leclaire analysierte Name POÔR (d) J’e – LI ist vor allem ein Eigenname.

Ser­ge Le­c­lai­re hat­te in ei­ner frü­he­ren Se­mi­nar­sit­zung den Fall ei­nes Pa­ti­en­ten vor­ge­stellt, den er Phil­ip­pe nennt, und der sich den Ge­heim­na­men „POÔR (d) J’e – LI“ ge­ge­ben hat­te. Wenn man die Funk­ti­on die­ses Na­mens ver­ste­hen will, muss man von der Er­fah­rung des Psy­cho­ana­ly­ti­kers aus­ge­hen. POÔR (d) J’e – LI ist vor al­lem ein Ei­gen­na­me. Je­der Psy­cho­ana­ly­ti­ker hat bei je­dem sei­ner Ana­ly­sier­ten die Rol­le ir­gend­wel­cher Ei­gen­na­men ge­spürt, sei­nes ei­ge­nen oder sei­nes Ehe­gat­ten usw. Der Ei­gen­na­me spielt da­bei eine Rol­le, in­so­fern er frag­men­tiert wer­den kann und in et­was an­de­res ein­ge­fügt wer­den kann.157

Le­c­lai­re be­zeich­net die Nar­be, die der Ei­gen­na­me POÔR (d) J’e – LI mas­kie­ren soll, als „sen­so­ri­sche Dif­fe­renz“.158

Eine Ent­spre­chung zu POÔR (d) J’e – LI bei Freud fin­det man in der Ana­ly­se des Rat­ten­manns und sei­ner Schutz­for­meln [eine der Schutz­for­meln des Rat­ten­manns ist “Gle­ji­sa­men“, zu­sam­men­ge­setzt aus ei­nem Ana­gramm von Gi­se­la so­wie aus Amen und Sa­men].159

· Der Eigenname „Ödipus“ verweist auf die Beziehung zwischen der Durchbohrung und der Schwellung.

Der Name Ödi­pus meint „ge­schwol­le­ner Fuß“. Ödi­pus wur­den [als Kind, auf Be­fehl sei­nes Va­ters] die Füße durch­bohrt; von den durch­bohr­ten Fü­ßen wird nicht ge­sagt, dass die Lö­cher wie­der zu­ge­wach­sen sei­en. Es geht also um die Be­zie­hung zwi­schen der Durch­boh­rung und der Schwel­lung [ana­log zur Be­zie­hung zwi­schen der of­fe­nen Wun­de und der Naht].160

· Der Eigenname „Lacan“ meint auf Hebräisch „und dennoch“.

Auf He­brä­isch muss der Name La­can „La­cen“ aus­ge­spro­chen wer­den, und das meint: „und den­noch“.161

VIII. Die Ausführungen über den Eigennamen können durch die moderne Zahlenlogik vervollständigt werden.

Die Be­mer­kun­gen über den Ei­gen­na­men kön­nen durch die mo­der­ne Zahl­lo­gik ver­voll­stän­digt wer­den, wie sie von von Fre­ge in den Grund­la­gen der Arith­me­tik ent­wi­ckelt wur­de. Sie zeigt, dass die nu­me­ri­sche Ein­heit we­sent­lich in der Funk­ti­on des Man­gels wur­zelt, im Be­griff der Null.162

Anhang

Freud über abér, Abwehr, Amen und Samen beim „Rattenmann“

Freud schreibt in sei­ner Fall­stu­die über den „Rat­ten­mann“:

Das Miß­ver­ständ­nis des be­wuß­ten Den­kens läßt sich nun nicht nur an den Zwangs­ide­en selbst, son­dern auch an den Pro­duk­ten des se­kun­dä­ren Ab­wehr­kamp­fes, z.B. an den Schutz­for­meln nach­wei­sen. Hier­für kann ich zwei gute Bei­spie­le brin­gen. Un­ser Pa­ti­ent ge­brauch­te als Ab­wehr­for­mel ein rasch aus­ge­spro­che­nes aber, von ei­ner ab­wei­sen­den Hand­be­we­gung be­glei­tet. Er er­zähl­te da­mit ein­mal, die­se For­mel habe sich in letz­ter Zeit ver­än­dert; er sage nicht mehr áber, son­dern abér. Nach dem Grun­de die­ser Fort­ent­wick­lung be­fragt, gab er an, das stum­me e der zwei­ten Sil­be gebe ihm kei­ne Si­cher­heit ge­gen die ge­fürch­te­te Ein­men­gung von et­was Frem­dem und Ge­gen­sätz­li­chem, und dar­um habe er be­schlos­sen, daß e zu ak­zen­tu­ie­ren. Die­se Auf­klä­rung, ganz im Sti­le der Zwangs­neu­ro­se ge­hal­ten, er­wies sich doch als un­zu­tref­fend, sie konn­te höchs­tens den Wert ei­ner Ra­tio­na­li­sie­rung be­an­spru­chen; in Wirk­lich­keit war das abér eine An­glei­chung an Ab­wehr, wel­chen Ter­mi­nus er aus den theo­re­ti­schen Ge­sprä­chen über die Psy­cho­ana­ly­se kann­te. Die Kur war also in miß­bräuch­li­cher und de­li­rö­ser Wei­se zur Ver­stär­kung ei­ner Ab­wehr­for­mel ver­wen­det wor­den. Ein an­der­mal sprach er von sei­nem Haupt­zau­ber­wort, das er zum Schut­ze ge­gen alle An­fech­tun­gen aus den An­fangs­buch­sta­ben al­ler heil­kräf­tigs­ten Ge­be­te zu­sam­men­ge­setzt und mit ei­nem an­ge­häng­ten Amen ver­se­hen hat­te. Ich kann das Wort selbst nicht hier­her­set­zen aus Grün­den, die sich so­gleich er­ge­ben wer­den. Denn als ich es er­fuhr, muß­te ich be­mer­ken, daß es viel­mehr ein Ana­gramm des Na­mens sei­ner ver­ehr­ten Dame war; in die­sem Na­men war ein S ent­hal­ten, wel­ches er ans Ende und un­mit­tel­bar vor das an­ge­häng­te Amen ge­setzt hat­te. Er hat­te also – wir dür­fen sa­gen: sei­nen Sa­men mit der Ge­lieb­ten zu­sam­men­ge­bracht .d. h. mit ih­rer Per­son in der Vor­stel­lung ona­niert. Die­sen auf­dring­li­chen Zu­sam­men­hang hat­te er aber selbst nicht be­merkt; die Ab­wehr hat­te sich vom Ver­dräng­ten nar­ren las­sen. Üb­ri­gens ein gu­tes Bei­spiel für den Satz, daß mit der Zeit das Ab­zu­weh­ren­de sich re­gel­mä­ßig Ein­gang in das ver­schafft, wo­durch es ab­ge­wehrt wird.“163

Das Zau­ber­wort war Gle­ji­sa­men oder Gle­j­sa­men, der Vor­na­me war Gi­se­la.164

Mill über konnotative und denotative Namen

Die Un­ter­schei­dung zwi­schen kon­no­ta­ti­ven und de­no­ta­ti­ven Na­men wird von Mill so ein­ge­führt (ich zi­tie­re zu­erst die eng­li­sche Fas­sung, dann die Über­set­zung

Englisch

“§ 5. This leads us to the con­s­i­de­ra­ti­on of the third gre­at di­vi­si­on of na­mes, into con­no­ta­ti­ve and non­con­no­ta­ti­ve, the lat­ter so­me­ti­mes, but im­pro­per­ly, cal­led ab­so­lu­te. This is one of the most im­portant dis­tinc­tions which we shall have oc­ca­si­on to point out, and one of tho­se which go de­epest into the na­tu­re of lan­guage.

A non-con­no­ta­ti­ve term is one which si­gni­fies a sub­ject only, or an at­tri­bu­te only. A con­no­ta­ti­ve term is one which de­no­tes a sub­ject and im­plies an at­tri­bu­te. By a sub­ject is here me­ant any­thing which pos­ses­ses at­tri­bu­tes. Thus John, or Lon­don, or Eng­land, are na­mes which si­gni­fy a sub­ject only. Whiteness, length, vir­tue, si­gni­fy an at­tri­bu­te only. None of the­se na­mes, the­re­fo­re, are con­no­ta­ti­ve. But white, long, vir­tuous, are con­no­ta­ti­ve. The word white, de­no­tes all white things, as snow, pa­per, the foam of the sea, „c., and im­plies, or as it was ter­med by the school­men, con­no­tes [1 An­mer­kung von Mill: No­ta­re, to mark; conno­ta­re, to mark along with ; to mark one thing with or in ad­di­ti­on to ano­t­her.], the at­tri­bu­te whiteness. The word white is not pre­di­ca­ted of the at­tri­bu­te, but of the sub­jects, snow, &c. ; but when we pre­di­ca­te it of them we im­ply, or con­no­te, that the at­tri­bu­te whiteness be­longs to them. The same may be said of the other wor­ds above ci­ted. Vir­tuous, for examp­le, is the name of a class, which in­clu­des So­cra­tes, Howard, the man of Ross, and an un­de­fi­ned num­ber of other in­di­vi­du­als, past, pre­sent, and to come. The­se in­di­vi­du­als, collec­tively and sever­al­ly, can alo­ne be said with pro­prie­ty to be de­no­ted by the word : of them alo­ne can it pro­per­ly be said to be a name. But it is a name ap­p­lied to all of them in con­se­quence of an at­tri­bu­te which they pos­sess in com­mon, the at­tri­bu­te which men have agreed to call vir­tue. It is ap­p­lied to all beings that are con­s­i­de­red to pos­sess this at­tri­bu­te ; and to none which are not so con­s­i­de­red.

All con­cre­te ge­ne­ral na­mes are con­no­ta­ti­ve. The word man, for examp­le, de­no­tes Pe­ter, Paul, John, and an in­de­fi­ni­te num­ber of other in­di­vi­du­als, of whom, ta­ken as a class, it is the name. But it is ap­p­lied to them, be­cau­se they pos­sess, and to si­gni­fy that they pos­sess, cer­tain at­tri­bu­tes. The­se seem to be, cor­po­rei­ty, ani­mal life, ra­tio­na­li­ty, and a cer­tain ex­ter­nal form, which for dis­tinc­tion we call the hu­man. Every exis­ting thing, which pos­ses­sed all the­se at­tri­bu­tes, would be cal­led a man ; and any­thing which pos­ses­sed none of them, or only one, or two, or even three of them wi­thout the fourth, would not be so cal­led. For examp­le, if in the in­te­ri­or of Af­ri­ca the­re were to be dis­co­ve­r­ed a race of ani­mals pos­ses­sing re­a­son equal to that of hu­man beings, but with the form of an ele­phant, they would not be cal­led men. Swift’s Houyhn­hms were not so cal­led. Or if such new­ly-dis­co­ve­r­ed beings pos­ses­sed the form of man wi­thout any ves­ti­ge of re­a­son, it is pro­bable that some other name than that of man would be found for them. How it hap­pens that the­re can be any doubt about the mat­ter, will ap­pe­ar here­af­ter. The word man, the­re­fo­re, si­gni­fies all the­se at­tri­bu­tes, and all sub­jects which pos­sess the­se at­tri­bu­tes. But it can be pre­di­ca­ted only of the sub­jects. What we call men, are the sub­jects, the in­di­vi­du­als Sti­les and No­kes; not the qua­li­ty by which their hu­ma­ni­ty is const­tued. The name, the­re­fo­re, is said to si­gni­fy the sub­jects di­rect­ly, the at­tri­bu­tes in­di­rect­ly ; it de­no­tes the sub­jects, and im­plies, or in­vol­ves, or in­di­ca­tes, or as we shall say hence­forth, con­no­tes, the at­tri­bu­tes. It is a con­no­ta­ti­ve name.

Con­no­ta­ti­ve na­mes have hence been also cal­led de­no­mi­na­ti­ve, be­cau­se the sub­ject which they de­no­te is de­no­mi­na­ted by, or re­cei­ves a name from, the at­tri­bu­te which they con­no­te. Snow, and other ob­jects, re­cei­ve the name white, be­cau­se they pos­sess the at­tri­bu­te which is cal­led whiteness; Pe­ter, Ja­mes and others re­cei­ve the name man be­cau­se they pos­sess the at­tri­bu­tes which are con­s­i­de­red to con­sti­tu­te hu­ma­ni­ty. The at­tri­bu­te, or at­tri­bu­te, may the­re­fo­re be said to de­no­mi­na­te tho­se ob­jects, or to give them a com­mon name.

It has been seen that all con­cre­te ge­ne­ral na­mes are con­no­ta­ti­ve. Even abs­tract na­mes, though the na­mes only of at­tri­bu­tes, may in some in­s­tan­ces be just­ly con­s­i­de­red con­no­ta­ti­ve; for at­tri­bu­tes them­sel­ves may have at­tri­bu­tes ascri­bed to them; and a word which de­no­tes at­tri­bu­tes may con­no­te an at­tri­bu­te of tho­se at­tri­bu­tes. Of this de­scrip­ti­on, for examp­le, is such a word as fault; equi­va­lent to a bad or hurt­ful qua­li­ty. This word is a name com­mon to many at­tri­bu­tes, and con­no­tes hurt­ful­ness, an at­tri­bu­te of tho­se va­rious at­tri­bu­tes. When, for examp­le, we say that slow­ness in a hor­se is a fault, we do not mean that the slow mo­ve­ment, the ac­tu­al chan­ge of pla­ced of the slow hor­se, is a bad thing, but that the pro­per­ty or pecu­lia­ri­ty of the hor­se, from which it de­ri­ves that name, the qua­li­ty of being a slow mo­ver, is an un­de­s­i­ra­ble pecu­lia­ri­ty.

In re­gard to tho­se con­cre­te na­mes which are not ge­ne­ral but in­di­vi­du­al, a dis­tinc­tion must be made.

Pro­per na­mes are not con­no­ta­ti­ve: they de­no­te the in­di­vi­du­als who are cal­led by them; but they do not in­di­ca­te or im­ply any at­tri­bu­tes as be­lon­ging to tho­se in­di­vi­du­als. When we name a child by the name Paul, or a dog by the name Cae­sar, the­se na­mes are sim­ply marks used to en­ab­le tho­se in­di­vi­du­als to be made sub­jects of dis­cour­se. It may be said, in­de­ed, that we must have had some re­a­son for gi­ving them tho­se na­mes ra­ther than others; and that is true; but the name, once gi­ven, is in­de­pen­dent of the re­a­son. I man may have been na­med John, be­cau­se that was the name of his fa­ther; a town may have been na­med Dart­mouth, be­cau­se it is si­tua­ted at the mouth of the Dart. But it is no part of the si­gni­fi­ca­ti­on of the word John, that. the fa­ther of the per­son so cal­led bore the same name; nor even of the word Dart­mouth, to be si­tua­ted at the mouth of the Dart. If sand should cho­ke up the mouth of the ri­ver, or an ear­t­h­qua­ke chan­ge its cour­se, and re­mo­ve it to a di­stan­ce from the town, the name of the town would not ne­cessa­ri­ly be chan­ged. That fact, the­re­fo­re, can form no part of the si­gni­fi­ca­ti­on of the word; for other­wi­se, when the fact con­fes­sed­ly cea­sed to be true, no one would any lon­ger think of ap­p­ly­ing the name. Pro­per na­mes are at­ta­ched to the ob­jects them­sel­ves, and are not de­pen­dent on the con­ti­nu­an­ce of any at­tri­bu­te of the ob­ject.

But the­re is ano­t­her kind of na­mes, which, alt­hough they are in­di­vi­du­al na­mes, that is, pre­di­ca­ble only of one ob­ject, are re­al­ly con­no­ta­ti­ve. For, though we may give to an in­di­vi­du­al a name ut­ter­ly un­me­a­ning, which we call a pro­per name, – a word which ans­wers the pur­po­se of sho­wing what thing it is we are tal­king about, but not of tel­ling any­thing about it; yet a name pecu­li­ar to an in­di­vi­du­al is not ne­cessa­ri­ly of this de­scrip­ti­on. It may be si­gni­fi­cant of some at­tri­bu­te, or some uni­on of at­tri­bu­tes, which, being pos­ses­sed by no ob­ject but one, de­ter­mi­nes the name ex­clu­si­ve­ly to that in­di­vi­du­al. ’The sun’ is a name of this de­scrip­ti­on; ’God’, when used by a mo­no­the­ist, is ano­t­her. The­se, howe­ver, are scar­ce­ly examp­les of what we are now at­tempt­ing to il­lus­tra­te, being, in strict­ness of lan­guage, ge­ne­ral, not in­di­vi­du­al na­mes: for, howe­ver they may be in fact pre­di­ca­ble only of one ob­ject, the­re is not­hing in the me­a­ning of the wor­ds them­sel­ves which im­plies this: and ac­cord­in­gly, when we are ima­gi­ning and not af­fir­ming, we may speak of many suns; and the ma­jo­ri­ty of man­kind have be­lie­ved, and still be­lie­ve, that the­re are many gods. But it is easy to pro­du­ce wor­ds which are real in­s­tan­ces of con­no­ta­ti­ve in­di­vi­du­al na­mes. It may be part of the me­a­ning of the con­no­ta­ti­ve name its­elf, that the­re can exist but one in­di­vi­du­al pos­ses­sing the at­tri­bu­te which it con­no­tes: as, for in­s­tan­ce, ’the only son of John Sti­les’; ’the first em­peror of Rome’. Or the at­tri­bu­te con­no­ted may be a con­ne­xi­on with some de­ter­mi­na­te event, and the con­ne­xi­on may be of such a kind as only one in­di­vi­du­al could have; or may at least be such as only one in­di­vi­du­al ac­tual­ly had; and this may be im­plied in the form of the ex­pres­si­on. ’The fa­ther of So­cra­tes’ is an examp­le of the one kind (sin­ce So­cra­tes could have had two fa­thers); ’the aut­hor of the Ili­ad’, ’the mur­de­rer of Hen­ri Quat­re’ of the se­cond. For, though it is con­ceiva­ble that more per­sons than one might have par­ti­ci­pa­ted in the aut­hor­ship of the Ili­ad, or in the mur­der of Hen­ri Quat­re, the em­ploy­ment of the ar­ti­cle the[E1] im­plies that, in fact, this was not the case. What is here done by the word the, is done in other ca­ses by the con­text: thus, ’Caesar’s army’ is an in­di­vi­du­al name, if it ap­pears from the con­text that the army me­ant is that which Cae­sar com­man­ded in a par­ti­cu­lar batt­le. The still more ge­ne­ral ex­pres­si­ons, ’the Ro­man army’, or ’the Chris­ti­an army’ may be in­di­vi­dua­li­sed in a si­mi­lar man­ner. Ano­t­her case of fre­quent oc­cur­rence has al­re­ady been noti­ced; it is the fol­lo­wing. The name, being a many-wor­ded one, may con­sist, in the first place, of a ge­ne­ral name, ca­pa­ble of being af­fir­med of more things than one, but which is, in the se­cond place, so li­mi­ted be other wor­ds joi­ned with it, that the en­t­i­re ex­pres­si­on can only be pre­di­ca­ted of one ob­ject, con­sistent­ly with the me­a­ning of the ge­ne­ral term. This is ex­em­pli­fied in such an in­s­tan­ce as the fol­lo­wing: ’the pre­sent Prime Mi­nis­ter of Eng­land’. Prime Mi­nis­ter of Eng­land is a ge­ne­ral name; the at­tri­bu­tes which it con­no­tes may be pos­ses­sed by an in­de­fi­ni­te num­ber of per­sons: in suc­ces­si­on howe­ver, not si­mul­ta­neous­ly; sin­ce the me­a­ning of the name its­elf im­ports (among other things) that the­re can be only one such per­son at a time. This being the case, and the ap­p­li­ca­ti­on of the name being af­ter­wards li­mi­ted by the ar­ti­cle and the word pre­sent, to such in­di­vi­du­als as pos­sess the at­tri­bu­te at one in­di­vi­si­ble point of time, it be­co­mes ap­p­li­ca­ble only to one in­di­vi­du­al. And as this ap­pears from the me­a­ning of the name, wi­thout any ex­trin­sic pro­of, it is strict­ly an in­di­vi­du­al name.

From the pre­ce­ding ob­ser­va­tions it will ea­si­ly be collec­ted, that whene­ver the na­mes gi­ven to ob­jects con­vey any in­for­ma­ti­on, that is, whene­ver they have pro­per­ly any me­a­ning, the me­a­ning re­si­des not in what they de­no­te but in what they con­no­te. The only na­mes of ob­jects which con­no­te not­hing are pro­per na­mes; and the­se have pro­per­ly speaking, no signification.”[2. John Stuart Mill: A sys­tem of lo­gic, ra­tio­ci­na­ti­ve and in­duc­tive. Par­ker, Lon­don 1943, Buch I, Ka­pi­te 2, On na­mes, § 5, S. 37–43.]

Es folgt die Ge­schich­te von Mor­gia­na und den Krei­de­zei­chen, die ich be­reits im An­hang des ers­ten Ar­ti­kels die­ser Se­rie zi­tiert habe.

Deutsch

§. 5. Die­ses führt zu der Be­trach­tung ei­ner drit­ten gros­sen Clas­se von Na­men, der mit­be­zeich­nen­den (con­no­ta­ti­ven) und nicht­mit­be­zeich­nen­den (non-con­no­ta­ti­ven), oder, wie die letz­te­ren zu­wei­len un­rich­ti­ger­wei­se ge­nannt wer­den, ab­so­lu­ten. Dies ist eine der wich­tigs­ten Un­ter­schei­dun­gen, wel­che wir Ge­le­gen­heit ha­ben wer­den her­vor­zu­he­ben, eine von den­je­ni­gen, wel­che am tiefs­ten in die Na­tur der Spra­che ein­drin­gen.

Ein nicht­mit­be­zeich­nen­der Aus­druck ist ein sol­cher, der nur ei­nen Ge­gen­stand oder ein At­tri­but be­zeich­net. Ein mit­be­zeich­nen­der Aus­druck ist ein sol­cher, der ei­nen Ge­gen­stand be­zeich­net und ein At­tri­but ein­schliesst. Un­ter ei­nem Ge­gen­stand wird hier et­was ver­stan­den, was At­tri­bu­te be­sitzt. So sind Jo­hann, Lon­don oder Eng­land Na­men, wel­che nur ei­nen Ge­gen­stand be­deu­ten. Weis­se, Län­ge, Tu­gend be­deu­ten ein At­tri­but. Kei­ner die­ser Na­men ist da­her mit­be­zeich­nend. Aber weiss, lang, tu­gend­haft sind mit­be­zeich­nend. Das Wort weiss be­zeich­net alle weis­sen Din­ge, wie Schnee, Pa­pier, Mee­res­schaum etc. und schliesst ein, oder wie es die Scho­las­ti­ker nann­ten, mit­be­zeich­net (con­no­tirt), das At­tri­but Weis­se. Das Wort weiss wird nicht von dem At­tri­but, son­dern von den Ge­gen­stän­den Schnee etc. aus­ge­sagt; wenn wir es aber von ih­nen aus­sa­gen, so schlies­sen wir ein oder mit­be­zeich­nen, dass das At­tri­but Weis­se ih­nen zu­kommt. Das­sel­be kann von den an­de­ren oben an­ge­führ­ten Wör­tern ge­sagt wer­den. Tu­gend­haft z.B. ist der Name ei­ner Clas­se, wel­che So­kra­tes, Howard, den Mann von Ross und eine un­be­stimm­te An­zahl an­de­rer, ver­gan­ge­ner, ge­gen­wär­ti­ger und zu­künf­ti­ger In­di­vi­du­en ein­schliesst. Von die­sen In­di­vi­du­en al­lein, zu­sam­men­ge­nom­men und ein­zeln, kann man pas­sen­der­wei­se sa­gen, dass sie durch das Wort be­zeich­net wer­den; von ih­nen al­lein kann man ge­eig­ne­ter­wei­se sa­gen, dass es der Name sei. Aber es ist ein Name, der auf alle an­ge­wen­det wird in Fol­ge ei­nes At­tri­bu­tes, wel­ches ih­nen der Vor­aus­set­zung nach ge­mein­sam ist; ei­nes At­tri­bu­tes, wel­ches den Na­men Tu­gend er­hal­ten hat. Er wird auf alle We­sen an­ge­wen­det, von de­nen man glaubt, dass sie die­ses At­tri­but be­sit­zen, und auf kei­ne, von wel­chen man die­ses nicht glaubt.

Alle con­cre­te Na­men sind mit­be­zeich­nend. Das Wort Mensch z.B. be­zeich­net Pe­ter, Hans, Chris­toph und eine un­be­stimm­te An­zahl an­de­rer In­di­vi­du­en, von wel­chen es, als von ei­ner Clas­se, ein Name ist. Aber es wird auf sie an­ge­wen­det, weil sie ge­wis­se At­tri­bu­te be­sit­zen, und soll be­zeich­nen, dass sie die­sel­ben be­sit­zen. Die­se schei­nen zu sein, Kör­per­lich­keit, thie­r­i­sches Le­ben, Ver­nunft und eine ge­wis­se äus­ser­li­che Form, wel­che wir der Un­ter­schei­dung we­gen mensch­lich nen­nen. Ein je­des exis­tiren­de Ding, das die­se At­tri­bu­te be­sitzt, wür­de ein Mensch ge­nannt wer­den; und was kei­nes, oder nur ei­nes, oder zwei, oder so­gar drei die­ser At­tri­bu­te ohne das vier­te be­säs­se, wür­de nicht so ge­nannt wer­den. Wenn z.B. in dem In­nern von Afri­ka eine Thier­clas­se ent­deckt wür­de, wel­che so viel Ver­nunft als mensch­li­che We­sen, aber die Form des Ele­phan­ten be­sitzt, so wür­de man sie nicht Men­schen nen­nen. Swift’s Houyhn­hnms wur­den nicht so ge­nannt; oder wenn sol­che neu­ent­deck­ten We­sen die mensch­li­che Form ohne eine Spur Ver­nunft be­säs­sen, so wür­de wahr­schein­lich für sie ein an­de­rer Name, als der »Mensch« er­fun­den wer­den. War­um hier­über über­haupt ir­gend ein Zwei­fel be­stehen kann, wird spä­ter klar wer­den. Das Wort Mensch be­deu­tet dem­nach alle die­se At­tri­bu­te, und alle Ge­gen­stän­de, wel­che die­se At­tri­bu­te be­sit­zen; aber es kann nur von den Ge­gen­stän­den aus­ge­sagt wer­den. Was wir Men­schen nen­nen, sind die Ge­gen­stän­de, die In­di­vi­du­en, No­kes und Sti­les, nicht die Ei­gen­schaf­ten, wel­che ihre Mensch­lich­keit aus­ma­chen. Man sagt da­her von dem Na­men, dass er den Ge­gen­stand di­rect, die At­tri­bu­te in­di­rect be­deu­tet; er be­deu­tet die Ge­gen­stän­de, und schliesst ein, oder um­fasst, oder zeigt an, oder, wie wir künf­tig sa­gen wer­den, mit­be­zeich­net die At­tri­bu­te. Er ist ein mit­be­zeich­ne­ter Name.

Die con­no­ta­ti­ven Na­men wur­den auch be­nen­nen­de (de­no­mi­na­ti­ve) ge­nannt, weil der Ge­gen­stand, wel­chen sie be­zeich­nen, durch sie be­nannt wird, oder von dem At­tri­but, wel­ches sie mit­be­zeich­nen, ei­nen Na­men er­hält. Schnee und an­de­re Ge­gen­stän­de er­hal­ten den Na­men weiss, weil sie das Weis­se ge­nann­te At­tri­but be­sit­zen;[36] Jo­hann, Ma­rie und an­de­re er­hal­ten den Na­men Mensch, weil sie die die Mensch­lich­keit aus­ma­chen­den At­tri­bu­te be­sit­zen. Man kann da­her sa­gen, dass die At­tri­bu­te die­se Ge­gen­stän­de be­nen­nen oder ih­nen ei­nen ge­mein­sa­men Na­men ge­ben.

Wir wir sa­hen, so sind alle con­cre­te Ge­mein­na­men mit­be­zeich­nend. Ob­gleich nur Na­men von At­tri­bu­ten, so kön­nen doch auch abs­trac­te Na­men in man­chen Fäl­len mit al­lem Recht als mit­be­zeich­nend be­trach­tet wer­den; denn At­tri­bu­te selbst kön­nen At­tri­bu­te be­sit­zen, die ih­nen bei­ge­legt wer­den, und ein Wort, wel­ches At­tri­bu­te be­zeich­net, kann ein At­tri­but die­ser At­tri­bu­te mit­be­zeich­nen. Es ist dies z.B. der Fall mit dem Wor­te Feh­ler, gleich­be­deu­tend mit böse oder schäd­li­che Ei­gen­schaft. Die­ses Wort ist ein vie­len At­tri­bu­ten ge­mein­sa­mer Name, und mit­be­zeich­net Schäd­lich­keit, ein At­tri­but die­ser ver­schie­de­nen At­tri­bu­te. Wenn wir z.B. sa­gen, bei ei­nem Pferd ist Lang­sam­keit ein Feh­ler, so wol­len wir da­mit nicht sa­gen, dass die lang­sa­men Be­we­gung, die Orts­ver­än­de­rung des lang­sa­men Pfer­des ein zu ver­mei­den­des Ding ist, son­dern dass die Ei­gen­schaft und Ei­g­en­thüm­lich­keit des Pfer­des, wel­che ihm die­sen Na­men ver­schaf­fen die Ei­gen­schaft, sich lang­sam zu be­we­gen, eine nicht wün­schens­wert­he Ei­g­en­thüm­lich­keit ist.

In Be­zie­hung auf jene con­cre­ten Na­men, wel­che nicht all­ge­mein, son­dern in­di­vi­du­ell sind, ist eine Un­ter­schei­dung zu ma­chen.

Ei­gen­na­men sind nicht con­no­ta­tiv; sie be­zeich­nen die mit die­sem Na­men be­nann­ten In­di­vi­du­en, sie zei­gen aber nicht je­nem In­di­vi­du­en zu­ge­hö­ri­ge At­tri­bu­te an, schlies­sen sie nicht ein. Wenn wir ei­nen Kna­ben Paul oder ei­nen Hund Cä­sar nen­nen, so sind die­se Na­men blos­se Zei­chen, ver­mit­telst de­ren man jene Ge­gen­stän­de zum Ge­gen­stand der Rede ma­chen kann. Es mö­gen Grün­de vor­han­den sein, dass wir ih­nen die­se Na­men eher ge­ben als an­de­re, aber wenn der Name ein­mal ge­ge­ben ist, so ist er un­ab­hän­gig von die­sen Grün­den. Ein Mensch wur­de Jo­hann ge­nannt weil sein Va­ter so hiess; eine Stadt wur­de Dort­mund ge­nannt, weil sie an der Mün­dung der Dort liegt. Es ist kein Theil der Be­deu­tung des Wor­tes Jo­hann, dass der Va­ter der so ge­nann­ten Per­son eben­so hiess; noch ist es ein Theil der Be­deu­tung des Wor­tes Dort­mund, dass dies an der Mün­dung der Dort liegt. Wenn die Mün­dung des Flus­ses durch Sand ver­stopft, oder der Lauf des­sel­ben durch ein Erd­be­ben ver­än­dert wür­de, so müss­te der Name der Stadt nicht not­hwen­di­ger­wei­se ge­än­dert wer­den. Die­se That­sa­che kann da­her nicht ei­nen Theil der Be­deu­tung des Na­mens aus­ma­chen, denn sonst wür­de man beim Auf­hö­ren der That­sa­chen den Na­men nicht mehr an­wen­den. Ei­gen­na­men wer­den den Ge­gen­stän­den selbst an­ge­hängt, und sind un­ab­hän­gig von der Dau­er der At­tri­bu­te der Ge­gen­stän­de.

Es giebt in­des­sen eine an­de­re Art von Na­men, wel­che, ob­gleich sie in­di­vi­du­el­le, d.h. von ei­nem ein­zi­gen Ge­gen­stand aus­sag­ba­re Na­men, wirk­lich mit­be­zeich­nend sind. Denn ob­gleich wir ei­nem In­di­vi­di­um ei­nen höchst be­deu­tungs­lo­sen Na­men, ei­nen so­ge­nann­tem Ei­gen­na­men, bei­le­gen kön­nen, ein Wort, wel­ches den Zweck er­füllt, zu zei­gen, von wel­chem Ding wir spre­chen, ohne et­was an­de­res von ihm aus­zu­sa­gen: so ist doch nicht ein je­der ei­nem In­di­vi­du­um ei­ge­ne Name not­hwen­dig von die­ser Art; er kann ein At­tri­but oder eine Rei­he von At­tri­bu­ten an­deu­ten, wel­che nur im Be­sitz ei­nes ein­zi­gen Ge­gen­stan­des sind, und da­her den Na­men des In­di­vi­du­ums aus­schliess­lich be­stim­men. Die »Son­ne« ist ein sol­cher Name, eben­so »Gott« in dem mo­no­the­is­ti­schen Sin­ne. Dies sind in­des­sen kaum Bei­spie­le von dem, was wir er­ör­tern wol­len, da sie in stren­ger Spra­che all­ge­mei­ne und nicht in­di­vi­du­el­le Na­men sind; denn ob­gleich sie fac­tisch nur von ei­nem Ge­gen­stand aus­sag­bar sind, so liegt letz­te­res doch nicht in der Be­deu­tung der Wör­ter ein­ge­schlos­sen, und wenn wir nur er­dich­ten und nicht af­fir­mi­ren wol­len, so kön­nen wir von vie­len Son­nen spre­chen; eben­so hat die Mehr­zahl der Men­schen ge­glaubt und glaubt noch jetzt, dass es vie­le Göt­ter giebt. Man kann in­des­sen ohne Mühe vie­le mit­be­zeich­nen­de in­di­vi­du­el­le Na­men an­füh­ren. Es kann ein Theil der Be­deu­tung des mit­be­zeich­nen­den Na­mens selbst sein, dass nur ein In­di­vi­du­um exis­tirt, wel­ches das da­durch mit­be­zeich­ne­te At­tri­but be­sitzt, z.B. »der ein­zi­ge Sohn von John Sti­les«, »der ers­te Kai­ser von Rom«; oder das mit­be­zeich­ne­te At­tri­but kann ein Zu­sam­men­hang mit ei­nem be­stimm­ten Er­eig­niss, und der Zu­sam­men­hang der Art sein, dass ihn nur ein In­di­vi­du­um ha­ben könn­te oder we­nigs­tens in der That nur hat­te, und dies kann in der Form des Aus­drucks ein­ge­schlos­sen sein: »der Va­ter des So­kra­tes« ist ein Bei­spiel der ers­ten Art (denn So­kra­tes konn­te nicht zwei Vä­ter ha­ben); »der Sän­ger der Ili­as«, »der Mör­der von Hein­rich dem Vier­ten« sind Bei­spie­le der zwei­ten Art. Denn ob­gleich es denk­bar ist, dass bei­der Ver­fas­sung der Ilia­de oder bei dem Mor­de Hein­rich des Vier­ten meh­re­re Per­so­nen bet­hei­ligt wa­ren, so schliesst doch der Ge­brauch des Ar­ti­kels der ein, dass dies nicht der Fall war. Was hier durch den Ar­ti­kel der, ge­schieht in an­de­ren Fäl­len durch den Con­text; so ist »Cäsar’s Ar­mee« ein in­di­vi­du­el­ler Name, wenn aus dem Con­text er­sicht­lich wird, dass die ge­mein­te Ar­mee die­je­ni­ge ist, wel­che von Cä­sar in ei­ner be­son­dern Schlacht be­feh­ligt wur­de. Die noch all­ge­mei­ne­ren Aus­drü­cke »die rö­mi­sche Ar­mee« oder »die christ­li­che Ar­mee« kön­nen in ei­ner ähn­li­chen Wei­se in­di­vi­dua­li­sirt wer­den. Ein an­de­rer, häu­fig vor­kom­men­der Fall wur­de be­reits an­ge­führt, näm­lich der fol­gen­de. Der viel­wör­te­ri­ge Name kann ers­tens ein Ge­mein­na­me sein, der also an und für sich von vie­len Din­gen be­haup­tet wer­den kann, der aber zwei­tens durch so vie­le hin­zu­ge­füg­te Wör­ter so be­schränkt wird, dass in Ue­ber­ein­stim­mung mit der Be­deu­tung der all­ge­mei­nen Na­men der gan­ze Aus­druck nur von ei­nem Ge­gen­stand aus­ge­sagt wer­den kann, z.B. »der ge­gen­wär­ti­ge ers­te Mi­nis­ter von Eng­land«. Ers­ter Mi­nis­ter von Eng­land ist ein Ge­mein­na­me; die von ihm mit­be­zeich­ne­ten At­tri­bu­te kön­nen in dem Be­sitz ei­ner un­be­stimm­ten An­zahl von In­di­vi­du­en sein, wenn sie auch nicht gleich­zei­tig, son­dern nach­ein­an­der ers­te Mi­nis­ter sind, da die Be­deu­tung des Wor­tes ein­schliesst, dass es mei­ner be­stimm­ten Zeit nur eine der­ar­ti­ge Per­son ge­ben kann. Da dies also der Fall ist, und die An­wen­dung des Na­mens her­nach durch das Wort ge­gen­wär­tig auf sol­che In­di­vi­du­en be­schränkt wird, wel­che in ei­nem unt­heil­ba­ren Zeit­raum die­se At­tri­bu­te be­sit­zen, so kann es nur für ein In­di­vi­du­um ge­bracht wer­den. Da dies aus der Be­deu­tung des Na­mens er­sicht­lich ist, so ist es im strengs­ten Sin­ne ein in­di­vi­du­el­ler Name, ein Ein­zel­na­me.

Aus den vor­her­ge­hen­den Be­mer­kun­gen wird man leicht er­se­hen, dass im­mer, wenn die den Ge­gen­stän­den bei­ge­leg­ten Na­men eine In­for­ma­ti­on, eine Aus­kunft über­mit­teln, d.h. wenn sie ei­gent­lich eine Be­deu­tung ha­ben, die Be­deu­tung nicht in dem liegt, was sie be­zeich­nen, son­dern in dem was sie mit­be­zeich­nen. Die Ei­gen­na­men sind die ein­zi­gen nicht mit­be­zeich­nen­den Na­men von Ge­gen­stän­den, und die­se ha­ben, streng ge­nom­men, kei­ne Be­deu­tung.“165

Es folgt die Ge­schich­te von Mor­gia­na und den Krei­de­zei­chen, die ich be­reits im An­hang des ers­ten Ar­ti­kels die­ser Se­rie zi­tiert habe.

Gardiner über den Unterschied zwischen Eigennamen und Namen für Individuen

Ei­gen­na­men be­zie­hen sich nicht aus­schließ­lich auf In­di­vi­du­en: das ist eine der Haupt­the­sen des Buchs von Al­len Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes, das La­can be­reits in Se­mi­nar 9 vor­ge­stell­te hat­te (zwei­te er­wei­ter­te Auf­la­ge, Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, Lon­don 1954).

John Stuart Mill hält Ei­gen­na­men für eine Un­ter­men­ge der Na­men, die sich auf In­di­vi­du­en be­zie­hen (in A sys­tem of lo­gic, 1843, Buch I, Ka­pi­tel 2) , aber erst Bert­rand Rus­sell hat­te die­se Po­si­ti­on aus­führ­lich ent­wi­ckelt (in The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism, 1918). Rus­sell kommt zu dem Er­geb­nis, dass De­mons­tra­tiv­pro­no­men (wie „dies“) die wahr­haf­ten Ei­gen­na­men sind und dass „So­kra­tes“ kein Ei­gen­na­me ist; mit „Ab­sur­di­tä­ten“ dürf­ten die­se Auf­fas­sun­gen ge­meint sein.

Ge­gen die Auf­fas­sung, dass Ei­gen­na­men sich aus­schließ­lich auf In­di­vi­du­en be­zie­hen, bringt Gar­di­ner fol­gen­de Ein­wän­de vor:

(a) Nicht alle Ei­gen­na­men be­zie­hen sich auf In­di­vi­du­en.

- Meh­re­re In­di­vi­du­en ha­ben den­sel­ben Na­men, z.B. „So­kra­tes“ im al­ten Grie­chen­land oder Vor­na­men im hie­si­gen Na­mens­sys­tem, z.B. „Ma­ria“ (vgl. Gar­di­ner, S. 6). Man kann den Plu­ral von die­sen Na­men oder Vor­na­men bil­den: „die bei­den So­kra­tes­se“, „die zwei Ma­ri­as“ (vgl. S. 11).
– Ei­gen­na­men kön­nen sich auf meh­re­re In­di­vi­du­en be­zie­hen: „Uns fehlt ein neu­er Goe­the“ – der Ei­gen­na­me wird hier als All­ge­mein­na­me ver­wen­det (vgl. S. 13).
– Fa­mi­li­en­na­men (wie Nemitz) wer­den au­to­ma­tisch von den El­tern an die Kin­der wei­ter­ge­ge­ben, sie be­zie­hen sich auf die Grup­pe, sind aber den­noch kei­ne All­ge­mein­na­men wie „Baum“ oder „Pferd“ son­dern Ei­gen­na­men. „Baum“ be­zieht sich auf In­di­vi­du­en mit ähn­li­chen Ei­gen­schaf­ten, wäh­rend das ein­zi­ge Merk­mal der­je­ni­gen, die „Nemitz“ hei­ßen, dar­in be­steht, dass sie „Nemitz“ hei­ßen. Bluts­ver­wandt­schaft ist nicht not­wen­dig, zu ei­nem „Nemitz“ kann man auch durch Ad­op­ti­on oder Hei­rat wer­den. (Vgl. S. 18)
– Be­zeich­nun­gen wie „Ma­fia“ oder „Duma“ (das rus­si­sche Par­la­ment) be­zie­hen sich auf Kol­lek­ti­ve, sind aber Ei­gen­na­men (vgl. S. 23).
– Es gibt Ei­gen­na­men, die nur im Plu­ral ver­wen­det wer­den, wie „die Py­re­nä­en“, „die Al­pen“, „die Azo­ren“, „die Ple­ja­den“ (ein Stern­hau­fen). Die so be­zeich­ne­te En­ti­tät wird nicht als An­samm­lung von In­di­vi­du­en be­grif­fen, man kann nicht sa­gen „eine Py­re­näe“ (vgl. S. 24).

(b) Ei­ni­ge In­di­vi­du­al­na­men sind kei­ne Ei­gen­na­men.

Hier­zu ge­hö­ren „Son­ne“, „Höl­le“, „Him­mel“, „Null“ (vgl. S. 28).]

Lévi-Strauss über den Namensgeber

Lévi-Strauss be­zieht sich in Das wil­de Den­ken zwei­mal auf den Na­mens­ge­ber.

(1) Der Ei­gen­na­me, der auf den Na­mens­ge­ber ver­weist

Bei be­stimm­ten Stäm­men, z.B. bei den Lug­ba­ra in Ugan­da gibt es zwei ex­tre­me Ty­pen von Ei­gen­na­men. Durch die Ei­gen­na­men wer­den die In­di­vi­du­en ent­we­der ei­ner Klas­se zu­ge­ord­net oder aber sie drü­cken den Geis­tes­zu­stand des Na­mens­ge­bers aus. Ein Bei­spiel für das ers­te Ver­fah­ren ist, bei den Lug­ba­ra, der Ei­gen­na­me „Für-das-Grab“; dies ist der Name für das ers­te le­ben­de Kind nach ei­ner Rei­he von Tot­ge­bur­ten. Ein Bei­spiel für das zwei­te Ver­fah­ren ist der Ei­gen­na­me „In-Faul­heit“; er be­zieht sich dar­auf, dass die El­tern faul sind.

Im ei­nen Fall ist der Ei­gen­na­me ein Merk­mal der Iden­ti­fi­zie­rung; er be­stä­tigt durch An­wen­dung ei­ner Re­gel die Zu­ge­hö­rig­keit ei­nes In­di­vi­du­ums, das man be­nennt, zu ei­ner vor­ge­ord­ne­ten Klas­se (ei­ner so­zia­len Grup­pe in ei­nem Sys­tem von Grup­pen, ei­nem Ge­burts­sta­tus in ei­nem Sta­tus­sys­tem); im an­de­ren Fall ist der Name eine freie Schöp­fung des In­di­vi­du­ums, das be­nennt, und das mit Hil­fe des­je­ni­gen, den es be­nennt, ei­nen mo­men­ta­nen Zu­stand sei­ner ei­ge­nen Sub­jek­ti­vi­tät zum Aus­druck bringt. Kann man aber sa­gen, dass man im ei­nen oder an­de­ren Fall wirk­lich be­nennt? Es scheint, dass man nur die Wahl hat, ent­we­der den an­de­ren durch Zu­wei­sung zu ei­ner Klas­se zu iden­ti­fi­zie­ren oder durch ihn hin­durch (un­ter dem Vor­wand, ihm ei­nen Na­men zu ge­ben) sich selbst zu iden­ti­fi­zie­ren. Man be­nennt also nie­mals: man ord­net den an­de­ren ein, wenn der Name, den man ihm gibt, eine Funk­ti­on der Ei­gen­schaf­ten ist, die er hat, oder man ord­net sich selbst ein, wenn man, in dem Glau­ben, kei­ner Re­gel fol­gen zu müs­sen, den an­de­ren ‚frei‘ be­nennt, d.h. in Funk­ti­on der Ei­gen­schaf­ten, die man selbst hat. Und meis­tens tut man bei­des zu­gleich.“166

Die­se bei­den For­men der Na­mens­ge­bung sind für Lévi-Strauss also kei­ne ech­ten „Be­nen­nun­gen“, son­dern „Iden­ti­fi­zie­run­gen“, Sub­sum­tio­nen un­ter eine Klas­se. In­so­fern ist der Na­mens­ge­ber kein Be­nen­nen­der.

(2) Pries­ter und Wis­sen­schaft­ler als Na­mens­ge­ber

Den zwei­ten Hin­weis auf den Be­nen­nen­den fin­det man am Schluss des Ka­pi­tels „Das In­di­vi­du­um als Art“. Lévi-Strauss spricht hier über den Un­ter­schied zwi­schen dem Akt des Zei­gens und dem Akt des Be­zeich­nens; der Über­gang vom ei­nen zum an­de­ren ist, Lévi-Strauss zu­fol­ge, dis­kon­ti­nu­ier­lich, auch wenn jede Kul­tur die Schwel­le an­ders fest­legt.

Die Na­tur­wis­sen­schaf­ten set­zen ihre Schwel­le je nach­dem auf der Ebe­ne der Art, der Ab­art oder der Un­terab­art an. Das sind also Ter­mi­ni von un­ter­schied­li­cher All­ge­mein­heit, die je­des­mal als Ei­gen­na­men ver­stan­den wer­den. Doch der ein­ge­bo­re­ne Wei­se – und manch­mal Wis­sen­schaft­ler –, der eben­falls nach die­sem Klas­si­fi­ka­ti­ons­mo­dus ver­fährt, dehnt ihn mit­tels der glei­chen geis­ti­gen Ope­ra­ti­on bis auf das ein­zel­ne Mit­glied der so­zia­len Grup­pe aus, oder ge­nau­er, bis auf die be­son­de­re Po­si­ti­on, die die In­di­vi­du­en – von de­nen je­des eine Un­ter­klas­se bil­det – gleich­zei­tig oder nach­ein­an­der ein­neh­men kön­nen. For­mal ge­se­hen be­steht also kein grund­le­gen­der Un­ter­schied zwi­schen dem Zoo­lo­gen oder Bo­ta­ni­ker, der ei­ner neu ent­deck­ten Pflan­ze die Po­si­ti­on Ele­phan­to­pus spi­ca­tus Aubl. zu­weist, die ihr im Sys­tem be­reit­steht (auch wenn sie nicht von vorn­her­ein dar­in vor­ge­se­hen war), und dem Oma­ha-Pries­ter, der die so­zia­len Pa­ra­dig­ma­ta ei­nes neu­en Mit­glieds der Grup­pe da­durch de­fi­niert, dass er ihm den ver­füg­ba­ren Na­men Ab­ge­nutz­te-Hufe-des-al­ten-Bi­sons ver­leiht. Bei­de wis­sen, was sie tun.“167

Als Na­mens­ge­ber tre­ten hier der Wis­sen­schaft­ler und der Pries­ter auf.

Auf den Akt der Na­mens­ge­bung hat­te sich be­reits Gar­di­ner be­zo­gen. Wenn zwei Män­ner John hei­ßen, kann man sie da­durch un­ter­schei­den, dass man sich auf die un­ter­schied­li­chen Be­nen­nungs­ak­te be­zieht, durch die sie ihre Na­men er­hal­ten ha­ben.168

Lévi-Strauss über Unersetzbarkeit

Im Ka­pi­tel „Das In­di­vi­du­um als Art“ von Das wil­de Den­ken schreibt Clau­de Lévi-Strauss:

Aus bio­lo­gi­scher Sicht sind die Men­schen, die zu ein und der­sel­ben Ras­se ge­hö­ren (vor­aus­ge­setzt, die­ser Ter­mi­nus hat eine prä­zi­se Be­deu­tung), den ein­zel­nen Blü­ten ver­gleich­bar, die auf ein und dem­sel­ben Baum knos­pen, sich ent­fal­ten und ver­wel­ken: sie alle sind Spe­ci­men ei­ner Ab­art oder Un­terab­art; des­glei­chen sind alle Mit­glie­der der Art Homo sa­pi­ens lo­gisch ver­gleich­bar mit den Mit­glie­dern ei­ner be­lie­bi­gen Tier- oder Pflan­zen­art. Und doch be­wirkt das so­zia­le Le­ben in die­sem Sys­tem eine merk­wür­di­ge Um­wand­lung, denn sie ver­an­laßt je­des bio­lo­gi­sche In­di­vi­du­um zur Ent­wick­lung ei­ner Per­sön­lich­keit, ein Be­griff, der nicht mehr das Spe­ci­men in­ner­halb der Ab­art evo­ziert, son­dern viel­mehr ei­nen Typ der Art oder Ab­art, der wahr­schein­lich in der Na­tur nicht vor­kommt (ob­wohl das tro­pi­sche Mi­lieu zu­wei­len da­hin ten­diert, ihn zu ent­wer­fen) und den man ‚mono-in­di­vi­du­ell‘ nen­nen könn­te. Das, was ver­schwin­det, wenn eine Per­sön­lich­keit stirbt, be­steht in ei­ner Syn­the­se von Vor­stel­lun­gen und Ver­hal­tens­wei­sen, die eben­so ex­klu­siv und un­er­setz­bar ist wie jene, die von ei­ner Blu­men­art her­vor­ge­bracht wird, aus­ge­hend von ein­fa­chen che­mi­schen Stof­fen, die alle Ar­ten ver­wen­den. Der Ver­lust ei­nes An­ge­hö­ri­gen oder der ei­ner öf­fent­li­chen Per­sön­lich­keit, ei­nes Staats­man­nes, Schrift­stel­lers oder Künst­lers be­rührt uns also auf die glei­che Wei­se, wie wir den un­wi­der­ruf­li­chen Ver­lust ei­nes Duf­tes emp­fin­den wür­den, wenn die Rosa cen­ti­fo­lia aus­stür­be. Un­ter die­sem Ge­sichts­punkt ist es nicht falsch, wenn man sagt, daß be­stimm­te Klas­si­fi­zie­rungs­wei­sen, will­kür­lich un­ter dem Eti­kett Tot­emis­mus iso­liert, uni­ver­sell ver­wandt wer­den: bei uns hat sich die­ser ‚Tot­emis­mus‘ nur hu­ma­ni­siert. Al­les geht so vor sich, als hät­te in un­se­rer Zi­vi­li­sa­ti­on je­des In­di­vi­du­um sei­ne ei­ge­ne Per­sön­lich­keit zum ‚To­tem‘: sie ist das Be­zeich­nen­de sei­nes be­zeich­ne­ten Seins.“169

La­can könn­te die­sen Ge­dan­ken so wei­ter­ent­wi­ckelt zu ha­ben: Dem­nach ist der Ei­gen­na­me das­je­ni­ge Be­zeich­nen­de (der­je­ni­ge Typ von Si­gni­fi­kan­ten), des­sen be­zeich­ne­tes Sein (des­sen Si­gni­fi­kat) sich auf die Un­er­setz­bar­keit be­zieht.]

Verwandte Artikel

Anmerkungen

  1. Zu La­cans Theo­rie des Ei­gen­na­mens vgl. Pe­ter Wid­mer: Der Ei­gen­na­me und sei­ne Buch­sta­ben. Tran­script, Bie­le­feld 2010, v.a. S. 101–114 und 182–185.
  2. La­can hat­te in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung (2. De­zem­ber 1964) an dem eng­li­schen Satz Co­lor­less green ide­as sleep fu­rious­ly den Un­ter­schied zwi­schen Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) und Sinn (sens) er­läu­tert. Der be­rühm­te Satz stammt von Noam Chom­sky, aus des­sen Syn­tac­tic struc­tures (1957). Chom­sky ver­wen­det ihn, um den Un­ter­schied zwi­schen „be­deu­tungs­voll“ (me­a­ning­ful) und „gram­ma­tisch“ (gram­ma­ti­cal) zu er­läu­tern: der Satz Co­lor­less green ide­as sleep fu­rious­ly, sagt Chom­sky, hat kei­ne Be­deu­tung, er ist aber gram­ma­tisch, er ist gram­ma­tisch wohl­ge­bil­det.
    La­can merkt her­zu an: Die Gram­ma­ti­ka­li­tät des Sat­zes hängt da­mit zu­sam­men, dass bei­spiels­wei­se „co­lor­less“ vor „ide­as“ steht und da­mit in der Po­si­ti­on des Ad­jek­tivs ist. Die Po­si­ti­on in der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te hat Ef­fek­te, die La­can pro­vi­so­risch als „Sin­n­ef­fek­te“ be­zeich­net (ef­fets du sens). Bei­spiels­wei­se be­deu­tet im Fran­zö­si­schen „une bel­le femme“ (eine schö­ne Frau) et­was an­de­res als „une femme bel­le“; in „une bel­le femme“ ge­hört „bel­le“ ge­wis­ser­ma­ßen zur Sub­stanz von „femme“, in „une femme bel­le“ nicht; die­ser Un­ter­schied ist für La­can ein Sin­n­ef­fekt.
    Am Schluss der Sit­zung vom 2. De­zem­ber sagt La­can, die Psy­cho­ana­ly­se er­kun­de nicht das un­end­li­che Meer der Be­deu­tun­gen. Sie ent­hül­le viel­mehr, dass der Nicht-Sinn (non-sens) die Ver­wei­ge­rung ist, die der Sinn auf der Sei­te des Si­gni­fi­kats an­bie­tet. Ich neh­me an, dass da­mit ge­meint ist: Wenn wir vom Si­gni­fi­kat aus­ge­hen, ha­ben wir ei­nen Zu­gang zum Sinn, und zwar auf dem Weg über den Nicht-Sinn.
    La­can stützt sich hier, so neh­me ich an, auf Ro­man Ja­kobsons Kon­zept der poe­ti­schen Funk­ti­on: Das Prin­zip der Äqui­va­lenz (Ähn­lich­keits- und Kon­trast­be­zie­hun­gen) wird von der Ebe­ne des Pa­ra­dig­mas oder der Se­lek­ti­on auf die des Syn­tag­mas oder der Kom­bi­na­ti­on pro­ji­ziert, hier­durch wird die syn­tag­ma­ti­sche Ebe­ne mit Ähn­lich­keits­re­la­tio­nen über­zo­gen; die Dich­tung stellt die­ses Prin­zip in den Vor­der­grund und dar­auf be­ruht ihre Mehr­deu­tig­keit. Vgl. etwa R. Ja­kobson: Lin­gu­is­tik und Poe­tik (zu­erst eng­lisch 1960). In: Ders.: Poe­tik. Aus­ge­wähl­te Auf­sät­ze 1921–1971. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 83–121.– Ders. und Clau­de Lévi-Strauss: „Die Kat­zen“ von Charles Bau­de­lai­re (zu­erst fran­zö­sisch 1962). In: R. Ja­kobson: Se­mio­tik. Aus­ge­wähl­te Tex­te 1919–1982. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1992, S. 206–232.
  3. Vgl. An­hang zu die­sem Ar­ti­kel: Mill über kon­no­ta­ti­ve und de­no­ta­ti­ve Na­men.
  4. Über die „Ato­pie“ des So­kra­tes hat­te La­can in Se­mi­nar 8 ge­spro­chen, in der Sit­zung vom 11. Ja­nu­ar 1961, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 137.
    „Ato­pie“ ist wört­lich die „Ort­lo­sig­keit“; ge­meint ist: So­kra­tes ist nicht ein­zu­ord­nen, er lässt sich nicht klas­si­fi­zie­ren.
  5. Die Kon­struk­ti­on die­ser re­for­mier­ten Eu­ler­krei­se ist mir nicht klar, RN.
  6. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 9. De­zem­ber 1964; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 35–37.
  7. La­can sagt „word for par­ti­cu­lar“.
    Er be­zieht sich auf Bert­rand Rus­sell: The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism, II. Par­ti­cu­lars, pre­di­ca­tes and re­la­ti­ons. In: The Mo­nist, 28. Jg. (1918), S. 189–202.
    Deutsch: B. Rus­sell: Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus. In: ders.: Auf­sätze zur Lo­gik und Er­kennt­nis­theo­rie 1908–1918. Über­setzt von Jo­han­nes Sinn­reich. Nym­phen­bur­ger, Mün­chen 1976, S. 178–277.
    Ein Zi­tat der ein­schlä­gi­gen Pas­sa­ge auf eng­lisch und auf deutsch fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel.
  8. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 16. De­zem­ber 1964; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 59–60.
  9. S. Freud: Zum psy­chi­schen Me­cha­nis­mus der Ver­gess­lich­keit (1898). In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke. Chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Ers­ter Band. Wer­ke aus den Jah­ren 1892–1899. Ima­go, Lon­don 1952, S. 517–527; von Freud wie­der auf­ge­grif­fen in: ders.: Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens (1904), Teil I: „Ver­ges­sen von Ei­gen­na­men“. In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke. Chro­no­lo­gisch ge­ord­net. Vier­ter Band. Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens. Ima­go, Lon­don 1941, S. 5–12.
    Be­reits frü­her hat­te La­can sich mit Freuds Ana­ly­se des Ver­ges­sens des Ei­gen­na­mens „Si­gno­rel­li“ aus­ein­an­der­ge­setzt:
    Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 63–66, 71 f., 337;
    Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 283;
    Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 40–47, 59 f., 64–69;
    Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 33;
    Ein­füh­rung zum Kom­men­tar von Jean Hyp­po­li­te über die „Ver­nei­nung“ von Freud (1956), Schrif­ten III, S. 189;
    La psy­chana­ly­se et son ens­eig­ne­ment (1957), Écrits, S. 447.
  10. Da­mit könn­te ge­meint sein, dass die Be­mer­kung, um die es geht, sich in ei­ner Fuß­no­te be­fin­det. Eine Fuß­no­te des Auf­sat­zes lau­tet so: „Man wird sa­gen: eine ‚ge­such­te, ge­zwun­ge­ne‘ Er­klä­rung! In­des muss die­ser Ein­druck zu­stan­de kom­men, weil das un­ter­drück­te The­ma die Ver­bin­dung mit dem nicht un­ter­drück­ten mit al­len Mit­teln her­zu­stel­len strebt und da­bei auch den Weg der äus­ser­li­chen As­so­zia­ti­on nicht ver­schmäht. Eine ähn­li­che Zwangs­la­ge wie beim Rei­me­schmie­den.“ (Zum psy­chi­schen Me­cha­nis­mus der Ver­gess­lich­keit, GW 1, a.a.O., S. 523 Fuß­no­te)
  11. Ver­lag Ei­nar Munks­gaard, Ko­pen­ha­gen 1948.
  12. Kei­ne Frau, son­dern ein Mann: Hol­ger Ste­en Sø­ren­sen: The me­a­ning of pro­per na­mes. G. E. C. Gad, Ko­pen­ha­gen 1963.
  13. Alan H. Gar­di­ner: The theo­ry of pro­per na­mes. A con­tro­ver­si­al es­say. Lon­don, Ox­ford Uni­ver­si­ty Press 1940, er­wei­ter­te Aus­ga­be im sel­ben Ver­lag 1954. Auf die­ses Werk in der Aus­ga­be von 1954 hat­te La­can sich be­reits aus­führ­lich in Se­mi­nar 9 ge­äu­ßert; vgl. Sit­zung vom 13. De­zem­ber 1961; La­cans Be­mer­kun­gen zu Gar­di­ner in Se­mi­nar 9 sind über­setzt in die­sem Blog­ar­ti­kel.
  14. John Stuart Mill: A sys­tem of lo­gic, ra­tio­ci­na­ti­ve and in­duc­tive. In zwei Bän­den. Par­ker, Lon­don 1843, vor al­lem Buch 1, Ka­pi­tel 2, “Of na­mes“, § 5.
  15. Auf „Ox­ford“ als zwei­tei­li­gen Ei­gen­na­men be­zieht sich Gar­di­ner in The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 19.
  16. Deut­sche Ent­spre­chun­gen wä­ren etwa: Neu­stadt, Of­fen­burg.
  17. Dies ist das Ar­gu­ment von Mill. Der Name der Stadt Dart­mouth – sagt Mill – ver­weist dar­auf, dass sie an der Mün­dung der Dart liegt. Dies sei je­doch kein Teil der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on) des Wor­tes Dart­mouth, was man dar­an sehe, dass, wenn die Mün­dung ver­schüt­tet wür­de, der Name nicht not­wen­di­ger­wei­se ge­än­dert wür­de. (Vgl. John Stuart Mill: A sys­tem of lo­gic, ra­tio­ci­na­ti­ve and in­duc­tive. Par­ker, Lon­don 1843, Buch I, Ka­pi­tel 1 § 5, S. 40)
  18. Con­te de Pa­ris: Ober­haupt des Hau­ses Or­léans und in­so­fern An­wär­ter auf den Thron.
  19. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 6. Ja­nu­ar 1965; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 91–94.
  20. En­to­mo­lo­gie ist In­sek­ten­kun­de. Eine Ta­ran­tel ist kein In­sekt, son­dern eine Spin­ne. Also müss­te es hei­ßen: „wenn ich Arach­no­lo­ge wäre“.
  21. Ge­or­ges Cour­te­li­ne: L’honneur des Brossa­bourg, 1894, Kurz­thea­ter­stück. Über das im Fran­zö­si­schen feh­len­de Plu­ral-s bei Fa­mi­li­en­na­men spricht Gar­di­ner in The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 17 f.
    Im Deut­schen ist bei Per­so­nen­na­men die Plu­ral­bil­dung ohne s mög­lich, wird aber sel­ten ver­wen­det. Man fin­det etwa „die bei­den Grimm“.
  22. Clau­de Lévi-Strauss: La pen­sée sau­va­ge. Plon, Pa­ris 1962, dt.: Das wil­de Den­ken. Über­setzt von Hans Nau­mann. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1968.
  23. Vgl. Pla­tons Dia­log So­phis­tes.
  24. Vgl. An­hang zu die­sem Ar­ti­kel: Lévi-Strauss über den Na­mens­ge­ber.
  25. La­can be­zieht sich auf die in der rö­misch-ka­tho­li­schen Kir­che ver­brei­te­te Sit­te, dem Kind den Vor­na­men des Tauf­pa­ten oder der Tauf­pa­tin zu ge­ben; vgl. hier.
  26. Lévi-Strauss hat­te ge­schrie­ben:
    „So­fern die Ei­gen­na­men zu ei­nem pa­ra­dig­ma­ti­schen Gan­zen ge­hö­ren, bil­den sie also den Saum ei­nes all­ge­mei­nen Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tems: sie sind zu­gleich des­sen Ver­län­ge­rung und Gren­ze. Wenn sie auf die Büh­ne tre­ten, hebt sich der Vor­hang vor dem letz­ten Akt der lo­gi­schen Vor­stel­lung. Doch die Län­ge des Stü­ckes und die Zahl der Akte sind Tat­sa­chen der Zi­vi­li­sa­ti­on, nicht der Spra­che. Der mehr oder we­ni­ger ‚ei­ge­ne‘ Cha­rak­ter der Na­men ist nicht im­ma­nent be­stimm­bar, er hängt von dem Au­gen­blick ab, da eine Ge­sell­schaft ihr Klas­si­fi­zie­rungs­sys­tem für voll­endet er­klärt. Wenn man sagt, ein Wort wer­de als Ei­gen­na­me wahr­ge­nom­men, so sagt man, daß es auf ei­ner Ebe­ne liegt, jen­seits de­rer zwar nicht ab­so­lut, aber in­ner­halb ei­nes um­grenz­ten kul­tu­rel­len Sys­tems kei­ne Klas­si­fi­zie­rung er­for­der­lich ist. Der Ei­gen­na­me bleibt im­mer auf der Sei­te der Klas­si­fi­zie­rung.“ (Das wil­de Den­ken, a.a.O., S. 249 f.)
    Gar­di­ner hat­te er­klärt, das Pro­blem der Ei­gen­na­men sei we­sent­lich ein lin­gu­is­ti­sches Pro­blem; wenn es dar­um gehe, die we­sent­li­che Na­tur des Ei­gen­na­mens zu un­ter­su­chen, müs­se man ri­go­ros be­strei­ten, dass ein an­de­rer Zu­gang le­gi­tim sei (vgl. Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 5). Er un­ter­schei­det Spra­che (lan­guage) von Spre­chen (speech); dass die Ei­gen­na­men ein lin­gu­is­ti­sches Pro­blem sind, meint bei ihm, dass sie zur Spra­che ge­hö­ren, nicht zum Spre­chen (vgl. a.a.O., S. 26).
  27. Das rich­tet sich viel­leicht vor al­lem ge­gen die wei­ter oben zi­tier­te Be­mer­kung von Lévi-Strauss, dass je­des In­di­vi­du­um eine Un­ter­klas­se bil­det (vgl. Das wil­de Den­ken, a.a.O., S. 250). La­cans Ein­wand wür­de dann lau­ten: Das In­di­vi­du­um ge­hört zu ei­ner Un­ter­klas­se, die nur ein Ele­ment ent­hält, es ist die­ses eine Ele­ment; das In­di­vi­du­um bil­det je­doch nicht die­se Un­ter­klas­se.
  28. Rus­sell hat­te er­klärt, es sei am bes­ten, ei­nen be­stimm­ten Punkt auf der Ta­fel „John“ zu nen­nen; vgl. Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus, a.a.O., S. 199 f.
  29. Die­ser Ge­dan­ke ist viel­leicht von Lévi-Strauss in­spi­riert; vgl. An­hang in die­sem Ar­ti­kel: Lévi-Strauss über Un­er­setz­bar­keit.
  30. Vgl. De­nis Di­de­rot: Re­g­rets sur ma vi­eil­le robe de cham­bre ou avis à ceux qui ont plus de goût que de for­tu­ne (ge­schrie­ben 1768, ver­öf­fent­licht 1769), dt: Grün­de, mei­nem al­ten Haus­rock nach­zu­trau­ern.
  31. La­can be­zieht sich ab jetzt auf Freuds Auf­satz Zum psy­chi­schen Me­cha­nis­mus der Ver­gess­lich­keit, a.a.O.
  32. Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na wur­de 1908 von Ös­ter­reich-Un­garn an­nek­tiert, also zehn Jah­re nach der Ver­öf­fent­li­chung von Freuds Auf­satz über das Ver­ges­sen des Na­mens „Si­gno­rel­li“.
  33. Der In­for­mant hieß Pick; vgl. GW 1, S. 526.
  34. Die Be­deu­tung der Wen­dung sur le bas de soie sou­su ist mir nicht klar; RN.
  35. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zun­gen vom 26.2.1964, 4.3.1964, 11.3.1964, 22.4.1964, und 24.6.1964.
  36. In Se­mi­nar 11 sagt La­can über das Sche­ma des um­ge­kehr­ten Blu­men­strau­ßes: „Die­ses Sche­ma legt klar – ich un­ter­strei­che das durch den Hin­weis auf jene letz­ten Mo­men­te, die ich im Zu­sam­men­hang mit dem Schau­t­rieb noch bei­tra­gen konn­te –, daß da, wo das Sub­jekt sich sieht, das heißt wo je­nes im Sche­ma des Ich ge­ge­be­ne rea­le und um­ge­kehr­te Bild sei­nes ei­ge­nen Kör­pers sich her­aus­bil­det, nicht der Ort ist, von wo aus es sich an­blickt.“ (Ver­si­on Miller/Haas, S. 151).
  37. Vgl. La­can in Se­mi­nar 11: „Im Bild ma­ni­fes­tiert sich mit Si­cher­heit im­mer ein Blick­haf­tes. Der Künst­ler weiß dies, sei­ne Mo­ral, sein Su­chen, sein Spü­ren, sei­ne Pra­xis be­deu­ten im­mer, ob er sich nun dar­an hält oder nicht, die Wahl ei­ner be­stimm­ten Blick­wei­se. Selbst wenn Sie Bil­der vor sich ha­ben, de­nen der so­ge­nann­te Blick, den ein Au­gen­paar bil­det, fehlt, Bil­der, auf de­nen Sie kei­ne Dar­stel­lun­gen der mensch­li­chen Ge­stalt fin­den, etwa Land­schaf­ten der Hol­län­der oder Fla­men, wer­den Sie letz­ten En­des fi­li­gran­haft et­was se­hen, das für den ein­zel­nen Ma­ler so spe­zi­fisch ist, daß Sie das Ge­fühl der Ge­gen­wart ei­nes Blicks ha­ben. Das wäre hier aber nur Ob­jekt für die For­schung, viel­leicht nur Il­lu­si­on. Die Funk­ti­on des Bil­des – be­zo­gen auf den, dem der Ma­ler, buch­stäb­lich sein Bild zu se­hen gibt – be­zieht sich auf den Blick.“ (Ver­si­on Miller/Haas, S. 107)
  38. Vgl. La­can in Se­mi­nar 11: „Der Ma­ler gibt dem, der sich vor sein Bild stellt, et­was, das für ei­nen Teil der Ma­le­rei we­nigs­tens in der For­mel zu­sam­men­zu­fas­sen wäre – Du willst also se­hen. Nun gut, dann sieh das! Er gibt et­was, das eine Au­gen­wei­de sein soll, er lädt aber den, dem er sein Bild vor­setzt, ein, sei­nen Blick in die­sem zu de­po­nie­ren, wie man Waf­fen de­po­niert. Dies eben macht die pa­zi­fie­ren­de, apol­li­ni­sche Wir­kung der Ma­le­rei aus. Et­was ist nicht so sehr dem Blick, son­dern dem Auge ge­ge­ben, et­was, bei dem der Blick dran­ge­ge­ben, nie­der­ge­legt wird.“ (Ver­si­on Miller/Haas, S. 107 f.) In der Fol­ge­sit­zung heißt es: „Sie ha­ben das letz­te­mal si­cher be­merkt, daß ich, nach­dem ich ge­sagt hat­te, daß es in der Ma­le­rei eine Blick­zäh­mung gibt, das heißt, daß der Be­trach­ter sich vor der Ma­le­rei im­mer ver­an­laßt sieht, sei­nen Blick zu sen­ken, daß ich also da so­fort kor­ri­gie­rend er­gänz­te, be­stim­mend für den Ex­pres­sio­nis­mus sei gleich­wohl ein di­rek­ter Ap­pell an den Blick.“ (Ver­si­on Miller/Haas, S. 116)
  39. Ge­meint ist ver­mut­lich das Sche­ma der um­ge­kehr­ten Blu­men­va­se (das „op­ti­sche Mo­dell“) und dar­in die Buch­sta­ben­fol­ge „S, I“ oben rechts; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel. und, spe­zi­ell zu „S, I“, die­se Er­gän­zung.
  40. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 6. Ja­nu­ar 1965; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 104–115.
  41. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1965, Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 119–120.
  42. La­can be­zieht sich im Fol­gen­den auf ein Bei­spiel aus Freuds Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens. Es fin­det sich hier ab der sieb­ten, wei­ter ver­mehr­ten Auf­la­ge von 1920: Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens. In­ter­na­tio­na­ler Psy­cho­ana­ly­ti­scher Ver­lag, Wien 1920, Ka­pi­tel 3, „Ver­ges­sen von Na­men und Wort­fol­gen“, Bei­spiel 19, S. 49–51.
  43. Le­wis Wal­lace: Ben-Hur. A tale of the Christ, Ro­man von 1880; der Ti­tel der ers­ten deut­schen Über­set­zung: Ben Hur. Eine Er­zäh­lung aus der Zeit Chris­ti.
  44. Tat­säch­lich ist es Theo­dor Reik: Über kol­lek­ti­ves Ver­ges­sen. In: In­ter­na­tio­na­le Zeit­schrift für Psy­cho­ana­ly­se, 6. Jg. (1920), S. 202–215.
  45. Vgl. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 24. Juni 1964.
  46. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1965; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 143–145.
  47. Ono­ma: Name, rhē­sis: Re­den, Spre­chen. Die bei­den Funk­tio­nen der Spra­che sind dem­nach das Be­nen­nen und das Äu­ßern von Sät­zen, das ent­spricht, sehr grob, Mills Un­ter­schei­dung von De­no­ta­ti­on und Kon­no­ta­ti­on.
  48. Vgl. Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 5, 7, 15.
  49. Gar­di­ner un­ter­schei­det zwei Klas­sen von Ei­gen­na­men: ver­kör­per­te (em­bo­di­ed) und ent­kör­per­te (di­s­em­bo­di­ed) Ei­gen­na­men. Ver­kör­per­te Ei­gen­na­men sind sol­che, bei de­ren Ge­brauch man sich die In­di­vi­du­en oder Orte vor­stellt, auf die sie sich be­zie­hen, etwa wenn ich je­man­den vor­stel­le und dazu sage: „Dies ist Frank“. Ent­kör­per­te Ei­gen­na­men sind Ei­gen­na­men, bei de­nen die­ser Be­zug nicht her­ge­stellt wird, etwa, weil man sich für ihre Ety­mo­lo­gie in­ter­es­siert oder für ihre Häu­fig­keit. Ein und der­sel­be Ei­gen­na­me kann so­wohl ver­kör­pert als auch ent­kör­pert ver­wen­det wer­den. Vgl. The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 8 f.
  50. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1965, Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 163–164.
  51. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 27. Ja­nu­ar 1965; Ver­si­on Sta­fer­la, S. 214.
  52. Dies sind die drei Ge­sprächs­part­ner in Pla­tons Dia­log Kra­ty­los. Die Schlei­er­ma­cher-Über­set­zung fin­det man hier.
  53. Kra­ty­los, 383a-b, 390d, 391e, 435a-c.
  54. Vgl. Kra­ty­los, 426c-427d, 434b-435a. Statt der s/r-Alternative in sklēro­tes/sklēro­ter (434c) ver­wen­det Schlei­er­ma­cher die deut­schen Wör­ter was und war. Vgl. die eng­li­sche Über­set­zung von B. Jo­vett bei Pro­ject Gu­ten­berg hier.
    Die Lau­te l und r sind kei­ne La­bia­le.
  55. In Se­mi­nar 8 hat­te La­can Paul Clau­dels Coû­fon­tai­ne-Tri­lo­gie kom­men­tiert: Der Bür­ge (1911). Das har­te Brot (1918) und Der er­nied­rig­te Va­ter (1920). Sy­g­ne de Coû­fon­tai­ne ist die Haupt­fi­gur von Der Bür­ge.
  56. Um Sy­g­nes Nein ging es in Se­mi­nar 8 in der Sit­zung vom 3. Mai 1961; vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel.
  57. Cou meint „Hals“, fon­tai­ne ist der Brun­nen.
  58. Vgl. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 336 f.
  59. Fi­gur aus Clau­dels Thea­ter­stück L’Échange (Der Tausch), ers­te Fas­sung 1894, zwei­te Fas­sung 1951.
  60. Das eng­li­sche Wort pol­lock meint „See­lachs“, das fran­zö­si­sche Wort na­geoi­re meint „Flos­se.“
  61. POÔR (d) J’e – LI“ ist der ge­hei­me Ei­genn­na­me ei­nes Pa­ti­en­ten von Ser­ge Le­c­lai­re. Le­c­lai­re hat­te hier­über ei­ni­ge Mo­na­te zu­vor in Se­mi­nar 12 ge­spro­chen, in der Sit­zung vom 27. Ja­nu­ar 1965.
    Der Vor­trag, auf den La­can sich be­zieht, ist der von Jean La­plan­che und Ser­ge Le­c­lai­re beim sechs­ten Col­lo­qui­um von Bon­ne­val im Jahr 1960: L’inconscient, une étu­de psy­chana­ly­tique; die Tei­le III und IV sind von Le­c­lai­re.
    Der Vor­trag wur­de zu­erst ver­öf­fent­licht in Les Temps mo­der­nes, 17. Jg. (1961), Nr. 183, S. 81–99; in die­ser Ver­si­on wird die Laut­fol­ge „POÔR (d) J’e – LI“ je­doch nicht er­wähnt.
    Die Ana­ly­se des Na­mens POÔR (d) J’e – LI wird von Le­c­lai­re 1966 in die zwei­te ver­öf­fent­lich­te Ver­si­on des Bon­ne­val-Vor­trags auf­ge­nom­men: Jean La­plan­che, Ser­ge Le­c­lai­re: L’inconscient, une étu­de psy­chana­ly­tique. In: Hen­ri Ey (Hg.): L’Inconscient. VIe Col­lo­que de Bon­ne­val. Des­clée, De Brou­wer, Pa­ris 1966, S. 95–130.
    Die Er­ör­te­rung des Na­mens POÔR (d) J’e – LI wird von Le­c­lai­re 1968 wei­ter aus­ge­ar­bei­tet in sei­nem Buch Psy­chana­ly­ser; dt.: S. Le­c­lai­re: Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Pro­zess. Über­setzt von Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, Ka­pi­tel V-VII.
    Für die Schrei­bung die­ses Na­mens ori­en­tie­re ich mich an Mi­chel Bous­sey­roux: Phil­ip­pe le Clai­re, le par­lêt­re au clai­re de la lett­re. In: L’en-je la­ca­ni­en, 2008/2 (n° 11), S. 81–96, Fuß­no­te 6. Bous­sey­roux zu­fol­ge liegt im Laplanche/Leclaire-Aufsatz von 1966 der Zir­kum­flex-Ak­zent auf dem zwei­ten O, in Le­c­lai­res Buch Psy­chana­ly­ser von 1968 ist er nach vor­ne ge­rutscht, auf das ers­te O.
    In der deut­schen Über­set­zung von Psy­chana­ly­ser fin­det man die Schrei­bung „Poôr(d)j’e-li“ (a.a.O., S. 97), mit ei­ner ecki­gen statt ei­ner run­den Klam­mer um das d, was hier aus tech­ni­schen Grün­den nicht mög­lich ist.
  62. Am 18. März 1965 hat­te der so­wje­ti­sche Kos­mo­naut Ale­xei Leo­nov als ers­ter Mensch ein Raum­schiff ver­las­sen: er schweb­te frei im Welt­raum. La­can be­zog sich hier­auf in der Sit­zung vom 24. März 1965.
  63. Zu­sam­men­zie­hung aus out­re, Schlauch, und ange, En­gel, also „En­gels­schlauch“ oder „Schlau­chen­gel“. Ver­mut­lich ein Wort­spiel mit ou­tra­ge, Be­lei­di­gung.
  64. Das Zwei­te Va­ti­ka­ni­sche Kon­zil tag­te von Ok­to­ber 1962 bis De­zem­ber 1965, fand zum Zeit­punkt die­ser Vor­le­sung also noch statt.
  65. In den Sit­zun­gen vom 2. und 9. De­zem­ber 1964 hat­te La­can über Dan­tes De vul­ga­ri elo­quen­tia (1303–05) ge­spro­chen, d.h. in den bei­den ers­ten Vor­le­sun­gen des Stu­di­en­jahrs. Vgl. Dan­te: De vul­ga­ri elo­quen­tia. Über die Be­red­sam­keit in der Volks­spra­che. Lateinisch/deutsch. Über­setzt von Fran­cis Chen­e­val. Mei­ner, Ham­burg 2007.
  66. Vgl. An­hang zu die­sem Ar­ti­kel: Freud über abér, Ab­wehr, Amen und Sa­men beim „Rat­ten­mann“.
  67. La­can spielt auf Freuds Auf­satz Kon­struk­tio­nen in der Ana­ly­se (1937) an.
  68. Dem Kind Ödi­pus wur­den von sei­nem Va­ter Lai­os die Füße durch­bohrt, es hat­te des­halb ge­schwol­le­ne Füße und er­hielt so sei­nen Na­men Ödi­pus, d.h. „Schwell­fuß“.
  69. Vgl. Se­mi­nar 9, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 302.
    Ich über­neh­me hier die Schrei­bung der Sta­fer­la-Edi­ti­on. Tat­säch­lich wird der Ei­gen­na­me ‚La­can‘ in he­bräi­scher Schrift so ge­schrie­ben:  לאקאן
  70. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 7. April 1965; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 470–483.
  71. Ver­si­on Sta­fer­la ver­weist an die­ser Stel­le auf: Pierre Al­fé­ri : Guil­lau­me d’Ockham le sin­gu­lier. Édi­ti­ons de Mi­nuit, Pa­ris 1989.
  72. La­can be­zieht sich auf Gott­lob Fre­ge, Die Grund­la­gen der Arith­me­tik. Eine lo­gisch-ma­the­ma­ti­sche Un­ter­su­chung über den Be­griff der Zahl (1884). Am 27. Ja­nu­ar 1965 hat­te Yves Du­roux hier­zu im Se­mi­nar ein Re­fe­rat ge­hal­ten, mit dem Ti­tel Le nom­bre et le man­que , am 24. Fe­bru­ar hat­te Jac­ques-Alain Mil­ler ein wei­te­res Re­fe­rat über Fre­ges Ar­beit ge­hal­ten. Am 2. Juni – also nach der Sit­zung, aus der hier zi­tiert wird – wird Jac­ques-Alain Mil­ler ein zwei­tes Mal über Fre­ge spre­chen.
  73. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 5. Mai 1965; Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 542 f.
  74. Vgl. 7. April 1965.
  75. Vgl. 5. Mai 1965.
  76. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  77. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  78. Vgl. 7. April 1965.
  79. Vgl. 7. April 1965.
  80. Vgl. 7. April 1965.
  81. Vgl. 7. April 1965.
  82. Vgl. 7. April 1965.
  83. Vgl. 9. De­zem­ber 1964, hier vor al­lem die Fuß­no­te zum ers­ten Satz.

    Jede Be­nen­nung muss in ih­rem Ge­brauch dar­auf be­zo­gen wer­den, dass sie ein Denk­mal für den Akt der Be­nen­nung ist.[151. Vgl. 7. April 1965.

  84. Vgl. 7. April 1965.
  85. Vgl. 7. April 1965.
  86. Vgl. 7. April 1965.
  87. Vgl. 7. April 1965.
  88. Vgl. 9. De­zem­ber 1964 und mei­ne Fuß­no­te über Chom­sky zum ers­ten Satz.
  89. Vgl. 7. April 1965.
  90. Vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 29, 124, 125.
  91. Vgl. Se­mi­nar 12, Sit­zung vom 16. De­zem­ber 1964 (Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 66, 69, 76) und Sit­zung vom 6. Ja­nu­ar 1965 (Ver­si­on Sta­fer­la 15.5.2010, S. 98, 102, 103, 108).
  92. J. La­can: Pro­blè­mes cru­ci­aux pour la psy­chana­ly­se. Comp­te ren­du du sé­min­aire 1964–1965 (1966). In: Ders.: Au­tres écrits. Pa­ris, Seuil 2001,  S. 199–202, hier: S. 200.
  93. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  94. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  95. Vgl. 16. De­zem­ber 1964.
  96. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  97. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  98. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965, 5. Mai 1965.
  99. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  100. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  101. Vgl. 16. De­zem­ber 1964.
  102. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  103. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  104. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  105. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  106. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  107. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  108. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  109. 20. Ja­nu­ar 1965 und 7. April 1965. .
  110. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  111. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  112. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  113. Vgl. 7. April 1965.
  114. Vgl. 27. Ja­nu­ar 1965.
  115. Vgl. 5. Mai 1965.
  116. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  117. Vgl. 9. De­zem­ber 1964, 20. Ja­nu­ar 1965.
  118. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  119. Vgl. 20. Ja­nu­ar 1965.
  120. Vgl. 20. Ja­nu­ar 1965.
  121. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  122. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  123. Vgl. 9. De­zem­ber 1964.
  124. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  125. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  126. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  127. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  128. Vgl. 27. Ja­nu­ar 1965.
  129. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  130. Vgl. 27. Ja­nu­ar 1965.
  131. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  132. Vgl. 13. Ja­nu­ar 1965.
  133. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  134. Vgl. 7. April 1965.
  135. Vgl. 7. April 1965.
  136. Vgl. 7. April 1965.
  137. Vgl. 7. April 1965.
  138. Vgl. 7. April 1965.
  139. Vgl. 7. April 1965.
  140. Vgl. 5. Mai 1965.
  141. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  142. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  143. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  144. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  145. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  146. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  147. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  148. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  149. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  150. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  151. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  152. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  153. Vgl. 6. Ja­nu­ar 1965.
  154. Vgl. 7. April 1965.
  155. Vgl. 7. April 1965.
  156. Vgl. 7. April 1965.
  157. Vgl. 7. April 1965.
  158. Vgl. 7. April 1965.
  159. Vgl. 7. April 1965.
  160. Vgl. 7. April 1965.
  161. Vgl. 7. April 1965.
  162. Vgl. 5. Mai 1965.
  163. Be­mer­kun­gen über ei­nen Fall von Zwangs­neu­ro­se (1909). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 85 f.
  164. Vgl. die An­mer­kung der Her­aus­ge­ber, a.a.O., S. 86.
  165. John Stuart Mill: Sys­tem der de­duc­tiven und in­duc­tiven Lo­gik. Über­set­zung der 5. er­wei­ter­ten Auf­la­ge von 1862 durch J. Schiel. View­eg, Braun­schweig 1868, Buch 1, Ka­pi­tel 2, § 5, S. 34–39; zi­tiert nach der Aus­ga­be im In­ter­net bei:
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Mill,+John+Stuart/System+der+deduktiven+und+induktiven+Logik/1.+Buch.+Von+den+Namen+und+Urtheilen/2.+Von+den+Namen
  166. Das wil­de Den­ken, a.a.O., S. 211 f., Kur­siv­schrei­bung im Ori­gi­nal
  167. Das wil­de Den­ken, a.a.O., S. 250.
  168. Vgl. The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 15 f.
  169. Das wil­de Den­ken, a.a.O., S. 249.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.