Wahrheit

14 Thesen über die Wahrheit des Subjekts

Hei­rats­an­trag auf ei­nem Bas­ket­ball­feld wäh­rend ei­ner Spiel­pau­se (echt?)

Zwei­te Ver­si­on. Eine ers­te Fas­sung die­ses Ar­ti­kels er­schien am 3. Ja­nu­ar 2014.

Das Sub­jekt wird durch das Spre­chen und die Spra­che kon­sti­tu­iert, und das heißt für La­can: es grün­det sich nicht nur auf die Be­zie­hung zu Wör­tern und zum Sinn – zum  Si­gni­fi­kan­ten und zum Si­gni­fi­kat –, son­dern auch auf das Ver­hält­nis zur Wahr­heit. „Die Wahr­heit“, heißt es 1970 im Se­mi­nar Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, „wir ge­hen zum Prin­zip zu­rück, ist von den Sprach­wir­kun­gen, als sol­che ge­nom­men, ganz si­cher nicht zu tren­nen.“1

Das gro­ße Ge­heim­nis der Psy­cho­ana­ly­se be­steht dar­in, so er­fährt man im Se­mi­nar Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung von 1959/60, dass es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt2; da­mit ist ge­meint: Es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der die Wahr­heit ga­ran­tie­ren könn­te (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Das Ge­heim­nis der Psy­cho­ana­ly­se ist ein Ge­heim­nis über die Wahr­heit.

Im Fol­gen­den keh­re ich zum Aus­gangs­punkt zu­rück und re­fe­rie­re La­cans Wahr­heits­kon­zep­ti­on in sei­nem pro­gram­ma­ti­schen Auf­satz von 1953, Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Die Sei­ten­an­ga­ben be­zie­hen sich auf Schrif­ten I3, die Über­set­zung ist von mir.4 Es folgt eine Zu­sam­men­fas­sung. Den Ab­schluss bil­den zwei Er­gän­zun­gen: The­sen von La­can über Wahr­heit aus den Jah­ren 1954 und 1956.  

Die Thesen

(1) Das Sub­jekt wird durch die Su­che nach Wahr­heit kon­sti­tu­iert.

Das Sub­jekt geht über das In­di­vi­du­um hin­aus: es reicht so weit wie die Wahr­heit, die es er­lan­gen kann (vgl. 104). Das

Sub­jekt kon­sti­tu­iert sich durch die Su­che nach Wahr­heit“ (154).

Dies ist also La­cans frü­her Sub­jekt­be­griff. Das Sub­jekt ist das­je­ni­ge Sei­en­de, das nach Wahr­heit sucht, nach der Wahr­heit über sich selbst.

(2) In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se geht es dar­um, dass eine zen­sier­te Wahr­heit wie­der­ge­fun­den wird, die be­reits an­ders­wo ge­schrie­ben ist.

Was ist mit Wahr­heits­su­che ge­meint?

Das Un­be­wuss­te ist das Ka­pi­tel mei­ner Ge­schich­te, das als Leer­stel­le mar­kiert ist oder von ei­ner Lüge be­setzt wird, es ist das zen­sier­te Ka­pi­tel. Die Wahr­heit kann je­doch wie­der­ge­fun­den wer­den, meist steht sie be­reits an­ders­wo ge­schrie­ben.“ (98)

In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se ver­sucht der Pa­ti­ent, eine Wahr­heit, die zen­siert wor­den ist, wie­der­zu­fin­den. Die­se Wahr­heits­su­che stützt sich auf Si­gni­fi­kan­ten – auf rät­sel­haf­te Zei­chen –, in de­nen die Zen­sur um­gan­gen wur­de und in de­nen die Wahr­heit sich be­reits an­deu­tungs­wei­se zeigt: kör­per­li­che Sym­pto­me, Kind­heits­er­in­ne­run­gen, Be­son­der­hei­ten des Vo­ka­bu­lars, Fa­mi­li­en­le­gen­den. 

Das In­di­vi­du­um ist in­so­fern ein Sub­jekt, als es die Wahr­heit über sich selbst sucht, und das heißt, in­so­fern es sich be­müht, be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten zu ent­zif­fern.

(3) Wahr­heit wird durch das Spre­chen kon­sti­tu­iert.

Wie kann der Pa­ti­ent die Wahr­heit über sich selbst fin­den? Wie kann es un­ver­ständ­li­che Si­gni­fi­kan­ten ent­zif­fern? Durch das Spre­chen. Das Spre­chen ist im Prin­zip Ap­pell an die Wahr­heit (vgl. 85).

Selbst wenn der Dis­kurs [des Pa­ti­en­ten in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se] nichts kom­mu­ni­ziert, re­prä­sen­tiert er die Exis­tenz der Kom­mu­ni­ka­ti­on; selbst wenn er das Of­fen­sicht­li­che leug­net, be­jaht er, dass das Spre­chen die Wahr­heit kon­sti­tu­iert“ (89 f.).

Durch das Spre­chen wird in der ak­tu­el­len Rea­li­tät der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur die Wahr­heit be­zeugt und eben hier­durch wird die Wahr­heit ge­grün­det (vgl. 95). Wahr­heit wird durch das Spre­chen also nicht re­prä­sen­tiert, son­dern kon­sti­tu­iert.

Die schöp­fe­ri­sche Funk­ti­on des Spre­chens be­steht nicht nur dar­in, dass es Sinn er­zeugt, son­dern auch dar­in, dass es Wahr­heit her­vor­bringt, dass es Täu­schun­gen auf­hebt und Rät­sel auf­löst.

Un­ter dem Sub­jekt ver­steht La­can das­je­ni­ge Sei­en­de, das nach Wahr­heit sucht – nach der Wahr­heit über sich selbst –, wo­bei die Wahr­heit durch das Spre­chen kon­sti­tu­iert wird. Nur durch das Spre­chen kann es dem Sub­jekt ge­lin­gen, be­stimm­te Selbst­täu­schun­gen auf­zu­he­ben und rät­sel­haf­te Zei­chen zu ent­zif­fern.

(4) Die Wahr­heit des Sub­jekts be­ruht auf der Wirk­sam­keit des Spre­chens.

Wenn das Sub­jekt un­ter dem Ein­fluss ei­ner Dro­ge, „Wahr­heits­se­rum“ ge­nannt, über sei­ne Ge­schich­te ora­kelt, hat dies nichts mit Wahr­heit zu tun; wenn das, was es da­bei sagt, auf­ge­zeich­net und ihm vom Arzt mit­ge­teilt wird, kann die Wahr­heit, da sie das Sub­jekt

in die­ser ent­frem­de­ten Form er­reicht, nicht die­sel­ben Wir­kun­gen ha­ben wie das psy­cho­ana­ly­ti­sche Ge­spräch (in­ter­lo­cu­ti­on).“ (97)

La­can bin­det den Be­griff der Wahr­heit also an eine be­stimm­te Form der Kau­sa­li­tät, an die Wirk­sam­keit des Spre­chens.5 Die durch das Spre­chen kon­sti­tu­ier­te Wahr­heit (über das Sub­jekt) hat Wir­kun­gen.

(5) Die Wahr­heit wird im Spre­chen in­so­fern kon­sti­tu­iert, als das Spre­chen in­ter­sub­jek­tiv ver­fasst ist.

In der zu­letzt zi­tier­ten Pas­sa­ge wird die Wirk­sam­keit des Spre­chens dar­an ge­bun­den, dass es die Form ei­nes Ge­sprächs an­nimmt, ei­ner in­ter­lo­cu­ti­on.

Über den Auf­satz Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­ti­on der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit6, den er 1945 ver­öf­fent­licht hat­te, sagt La­can:

Hier wird be­wie­sen, dass es die vom Sub­jekt in der Zeit zum Be­grei­fen an­ti­zi­pier­te Ge­wiss­heit ist, die, durch die Hast, die den Mo­ment des Schlie­ßens über­stürzt, beim an­de­ren die Ent­schei­dung de­ter­mi­niert, die die ei­ge­ne Be­we­gung des Sub­jekts zu Irr­tum oder Wahr­heit macht.“ (129)

Der Ar­ti­kel über die drei Ge­fan­ge­nen soll zei­gen, dass die Hast des Sub­jekts die Ent­schei­dung der bei­den Mit­ge­fan­ge­nen be­stimmt und dass de­ren Ent­schei­dung wie­der­um fest­legt, ob die Be­we­gung des Sub­jekts in Rich­tung Aus­gang ein Irr­tum oder eine Wahr­heit ist. Die Kon­sti­tu­ie­rung der Wahr­heit im Spre­chen voll­zieht sich in der Be­zie­hung zum an­de­ren – zum An­de­ren mit gro­ßem A, wie La­can ab 1955 sa­gen wird.7

Das Sub­jekt ist das­je­ni­ge Sei­en­de, das nach der Wahr­heit (über sich selbst) sucht, in­dem es sich be­müht, Selbst­täu­schun­gen auf­zu­he­ben und den Sinn be­stimm­ter Si­gni­fi­kan­ten zu ent­zif­fern. Die Wahr­heits­su­che er­folgt in ei­nem Spre­chen, das sich an den an­de­ren rich­tet (in spä­te­rer Ter­mi­no­lo­gie: an den An­de­ren). Nur durch die­sen Be­zug hat das Spre­chen be­stimm­te Wir­kun­gen, etwa die Auf­lö­sung oder Mil­de­rung von Sym­pto­men.

(6) Die Wahr­heit des Sub­jekts hat ih­ren Ort nicht im Psy­cho­ana­ly­ti­ker.

Die Wahr­heits­su­che des Sub­jekts ist nur wirk­sam, wenn sie sich an ei­nen an­der­ne rich­tet, an den Psy­cho­ana­ly­ti­ker. Wel­che Funk­ti­on hat er ge­nau?

Man­che Psy­cho­ana­ly­ti­ker le­gen zu Be­ginn der Be­hand­lung ei­nen Zeit­punkt für das Ende der Ana­ly­se fest. La­can hält das für falsch, sein Ein­wand lau­tet:

die Fest­set­zung ei­nes Zeit­punkts für das Ende [der Ana­ly­se] kommt ei­ner ver­räum­li­chen­den Pro­jek­ti­on gleich, in der es [das Sub­jekt] be­reits von sich ent­frem­det ist: von dem Mo­ment an, in dem die Frist sei­ner Wahr­heit vor­aus­ge­se­hen wer­den kann, was auch im­mer ihr in der da­zwi­schen­lie­gen­den In­ter­sub­jek­ti­vi­tät zu­sto­ßen mag, ist es so, dass die Wahr­heit be­reits da ist, d.h. dass wir im Sub­jekt sein ur­sprüng­li­ches Trug­bild wie­der­her­stel­len,  in­so­fern es sei­ne Wahr­heit in uns setzt, und dass wir, wenn wir sie mit un­se­rer Au­to­ri­tät sank­tio­nie­ren, sei­ne Ana­ly­se in ei­ner Ab­ir­rung in­stal­lie­ren, die in ih­ren Er­geb­nis­sen un­mög­lich zu kor­ri­gie­ren sein wird. (…)

Die an­ti­zi­pier­te Fest­set­zung ei­nes En­des [der Ana­ly­se], ers­te Form der ak­ti­ven In­ter­ven­ti­on, von Freud selbst ein­ge­setzt (pro pu­dor!) [wel­che Schan­de!], wel­ches auch die di­vina­to­ri­sche Si­cher­heit (di­vina­to­risch im ei­gent­li­chen Sin­ne des Wor­tes) sein mag, die der Ana­ly­ti­ker be­zeu­gen mag, wenn er sei­nem Bei­spiel folgt, wird das Sub­jekt stets in der Ent­frem­dung von sei­ner Wahr­heit be­las­sen.“ (156, Ein­schü­be in run­den Klam­mern von La­can)

Wenn der Ana­ly­ti­ker die Ana­ly­se vor­ab ter­mi­niert, wird das Wahr­heits­ge­sche­hen als et­was be­han­delt, des­sen Er­geb­nis im Vor­hin­ein be­stimm­bar ist. Da­mit wird un­ter­stellt, dass die Wahr­heit be­reits da ist, und zwar auf Sei­ten des Ana­ly­ti­kers. Ge­nau dies ist je­doch die ur­sprüng­li­che Täu­schung des Sub­jekts, der Kern der Neu­ro­se: dass die Wahr­heit auf Sei­ten der Au­to­ri­tät zu ver­or­ten ist.

(7) Die Funk­ti­on des Ana­ly­ti­kers be­steht nicht dar­in, dass er ein letz­tes Wort gibt.

Die Macht des Wit­zes be­steht in der Poin­te,

in der der Hu­mor, in der bös­ar­ti­gen An­mut des frei­en Geis­tes, eine Wahr­heit sym­bo­li­siert, die nicht ihr letz­tes Wort sagt.“ (110)

Ein­zi­ger Grund für den Zu­sam­men­bruch des Wit­zes: die Pla­ti­tü­de der Wahr­heit, die er­klärt wird.“ (111)

Ab 1970 wird La­can die­sen Ge­dan­ken, be­zo­gen auf die psy­cho­ana­ly­ti­sche Deu­tung, so for­mu­lie­ren: Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen (vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel).

Die Funk­ti­on des Psy­cho­ana­ly­ti­kers be­steht nicht dar­in, dass er das letz­te Wort sagt, nicht dar­in, dass er den end­gül­ti­gen Sinn der Sym­pto­me of­fen­bart.

(8) Die Funk­ti­on des Ana­ly­ti­kers be­steht dar­in, durch Nicht-Han­deln die Ver­wirk­li­chung der Wahr­heit des Sub­jekts zu len­ken. 

Dies sind zwei ne­ga­ti­ve Be­stim­mun­gen zur Funk­ti­on des Ana­ly­ti­kers: die Wahr­heit hat ih­ren Ort nicht im Ana­ly­ti­ker (son­dern im Pa­ti­en­ten), der Ana­ly­ti­ker  hat nicht die Auf­ga­be, ein letz­tes Wort zu sa­gen, eine end­gül­ti­ge Deu­tung zu lie­fern. Wor­in be­steht, po­si­tiv for­mu­liert, sei­ne Auf­ga­be?

Die Psy­cho­ana­ly­se ist

eine dia­lek­ti­sche Be­zie­hung, in der das Nicht-Han­deln des Ana­ly­ti­kers den Dis­kurs des Sub­jekts zur Ver­wirk­li­chung sei­ner Wahr­heit lenkt“ (152 f.).

Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Dis­kurs ist ein Fort­schrei­ten in der Wahr­heit (vgl. 159). Die Wahr­heit des Sub­jekts wird im Ver­lauf des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses „ver­wirk­licht“, „rea­li­siert“, sie wird im Ver­lauf der Kur her­ge­stellt.

Der Ana­ly­ti­ker lenkt die­sen Pro­zess, und er lenkt ihn durch Nicht-Han­deln. In der eta­blier­ten Ter­mi­no­lo­gie der Psy­cho­ana­ly­se ist dies die „Ab­sti­nenz-Re­gel“: der Ana­ly­ti­ker soll sich wei­gern, die Wün­sche und For­de­run­gen sei­ner Pa­ti­en­ten zu be­frie­di­gen, und eben hier­durch er­mög­licht er es dem Pa­ti­en­ten, sei­ne Wahr­heit zu rea­li­sie­ren.

Der ers­te Un­ter­ti­tel des Rom-Vor­trags lau­tet Pa­ro­le plei­ne et pa­ro­le vide dans la réa­li­sa­ti­on psy­chana­ly­tique du su­jet8, „Vol­les Spre­chen und lee­res Spre­chen in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Rea­li­sie­rung des Sub­jekts“. In den Schrif­ten wird „réa­li­sa­ti­on“ mit „Dar­stel­lung“ über­setzt: „Vol­les Spre­chen und lee­res Spre­chen in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Dar­stel­lung des Sub­jekts“ (84). Das ver­kehrt den Sinn ins Ge­gen­teil. „Dar­stel­lung“ setzt vor­aus, dass das Sub­jekt be­reits da ist, dass es be­reits Rea­li­tät hat und durch das Spre­chen se­kun­där re­prä­sen­tiert wird. Ge­nau das ist nicht ge­meint. La­cans The­se lau­tet: Das Sub­jekt wird durch das Spre­chen er­zeugt, kon­sti­tu­iert; es ver­wirk­licht sich durch das Spre­chen, es rea­li­siert sich im Spre­chen.

Ver­wen­det der Über­set­zer den Be­griff „Dar­stel­lung“ wie in der Che­mie, also im Sin­ne der Her­stel­lung ei­ner Ver­bin­dung oder ei­nes Ele­ments? Wer wäre dann der Che­mi­ker? Stellt ein Ana­ly­ti­ker in sei­nem Ka­bi­nett das Sub­jekt ähn­lich dar, wie ein Che­mi­ker in sei­nem La­bor rei­nes Si­li­ci­um dar­stellt? Wohl kaum.

(9) Wahr­heit wird im Spre­chen durch den Glau­ben des an­de­ren an die Wahr­heit ei­nes Zeug­nis­ses kon­sti­tu­iert.

Selbst wenn der Dis­kurs [des Pa­ti­en­ten in der Psy­cho­ana­ly­se] (…) dazu be­stimmt ist zu täu­schen, spe­ku­liert er auf den Glau­ben an das Zeug­nis.“ (89 f.)

Der Pa­ti­ent er­hebt im Spre­chen ei­nen Wahr­heits­an­spruch, selbst dann, wenn er lügt. Der Wahr­heits­an­spruch wen­det sich an den an­de­ren, an den Ana­ly­ti­ker. Der an­de­re ist in der Po­si­ti­on des­je­ni­gen, der die Be­haup­tung glau­ben soll.

In ei­nem be­schei­de­nen Sinn ist der Psy­cho­ana­ly­ti­ker also durch­aus ein Ort der Wahr­heit: in­so­fern er für den Pa­ti­en­ten der­je­ni­ge ist, der das, was er, der Pa­ti­ent, sagt, glau­ben soll.

In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se geht es also in dop­pel­ter Wei­se um die Wahr­heit.

Zum ei­nen sucht der Pa­ti­ent im Spre­chen nach der Wahr­heit über sich selbst; durch das Spre­chen möch­te er das Rät­sel sei­ner Sym­pto­me ent­zif­fern und Selbst­täu­schun­gen auf­he­ben. Wahr­heit ist hier die Auf­he­bung ei­ner Täu­schung durch Auf­de­ckung ei­nes ver­bor­ge­nen Sinns.

Zum an­de­ren möch­te er, dass der Ana­ly­ti­ker ihm glaubt, dass er also das, was der Pa­ti­ent sagt, für wahr hält. Der Ana­ly­ti­ker fun­giert hier­bei – in der Per­spek­ti­ve des Pa­ti­en­ten – als Zeu­ge der Wahr­heit, als der­je­ni­ge, der be­zeugt, dass der Pa­ti­ent die Wahr­heit spricht. Die­se Funk­ti­on über­nimmt der Ana­ly­ti­ker in je­dem Fall, un­ab­hän­gig da­von, ob er tat­säch­lich glaubt, was der Pa­ti­ent ihm er­zählt, un­ab­hän­gig auch da­von, ob er sich täuscht, wenn er das Ge­sag­te glaubt. Wahr­heit ist hier ein Gel­tungs­an­spruch (wie Ha­ber­mas es nennt), und ein Gel­tungs­an­spruch ist ein Ap­pell dar­an, dass das Ge­sag­te vom an­de­ren ge­glaubt wird.

Die­se bei­den Wahr­heits­be­zü­ge sind mit­ein­an­der ver­schränkt. Um im Spre­chen die ei­ge­ne Wahr­heit fin­den zu kön­nen, muss der Pa­ti­ent den Ana­ly­ti­ker an den Platz des­je­ni­gen set­zen, der ihm glaubt, der also be­zeugt, dass er, der Pa­ti­ent, die Wahr­heit fin­det.

(10) Der Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist in­so­fern der Herr der Wahr­heit, als er den Dis­kurs des Sub­jekts in­ter­punk­tiert.

Der Ana­ly­ti­ker

bleibt Herr der Wahr­heit, de­ren Fort­schritt die­ser Dis­kurs [des Sub­jekts] ist. Vor al­lem ist er der­je­ni­gen, der, wie wir ge­sagt ha­ben, des­sen Dia­lek­tik in­ter­punk­tiert.“ (159)

Die „In­ter­punk­ti­on“ des Dis­kur­ses durch den Ana­ly­ti­ker be­steht nicht in Er­klä­run­gen, son­dern in ei­nem „mmhmmh“ oder „ahja“, in der Wie­der­ho­lung von For­mu­lie­run­gen des Pa­ti­en­ten oder, bei frei­er Sit­zungs­dau­er, im Be­en­den der Sit­zung. Mit sol­chen Zä­su­ren mar­kiert der Ana­ly­ti­ker, dass im Spre­chen des Pa­ti­en­ten eine ver­bor­ge­ne Wahr­heit ins Spiel kam.  

(11) In der Psy­cho­ana­ly­se geht es um Wahr­heit, nicht um Ex­akt­heit.

Um die Wahr­heit des Sub­jekts zu er­rei­chen, setzt sich der Ana­ly­ti­ker bis­wei­len über die Ex­akt­heit der Tat­sa­chen hin­weg.

Im Fal­le des „Rat­ten­manns“9 wird das Hei­rats­ver­bot fak­tisch von der Mut­ter ver­hängt, von Freud dem Pa­ti­en­ten ge­gen­über aber so in­ter­pre­tiert, als gehe es vom ver­stor­be­nen Va­ter aus. Der Wahr­heits­be­zug die­ser Deu­tung zeigt sich in ih­rer Wirk­sam­keit: sie sorgt da­für, dass die ent­schei­den­den To­des­sym­bo­le auf­tre­ten, die das Sub­jekt nar­ziss­tisch an den to­ten Va­ter und an die ver­ehr­te Dame bin­den (vgl. 128, 146).

La­can knüpft hier an Freuds The­se an, dass die Wahr­heit ei­ner vom Ana­ly­ti­ker dem Pa­ti­en­ten mit­ge­teil­ten Kon­struk­ti­on sich dar­in zeigt, dass sie bei die­sem Er­in­ne­run­gen her­vor­ruft, die die Kon­struk­ti­on be­stä­ti­gen und er­gän­zen.10  

Der Ana­ly­ti­ker be­zieht sich also in fol­gen­der Wei­se auf die Wahr­heit des Pa­ti­en­ten, auf den Pa­ti­en­ten als Sub­jekt:

– Durch Nicht-Han­deln – durch Ab­sti­nenz – er­mög­licht er dem Pa­ti­en­ten die Ver­wirk­li­chung sei­ner Wahr­heit.

– Für den Pa­ti­en­ten ist er der Adres­sat des Spre­chens und da­mit der­je­ni­ge, der die Wahr­heit der Rede des Pa­ti­en­ten be­zeugt.

– Durch „In­ter­punk­tio­nen“ greift er in das Spre­chen des Pa­ti­en­ten ein.

(12) Die Wahr­heit des Sub­jekts wird durch das „vol­le Spre­chen“ kon­sti­tu­iert.

Nicht je­des Spre­chen des Pa­ti­en­ten be­zieht sich auf Wahr­heit. Un­ter dem Wahr­heits­ge­sichts­punkt trifft La­can die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem „lee­ren“ und dem „vol­len“ Spre­chen.

Ka­te­go­risch ge­sagt: in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Ana­mne­se geht es nicht um Rea­li­tät, son­dern um Wahr­heit; denn es ist die Wir­kung des vol­len Spre­chens, die Kon­tin­genz des Ver­gan­ge­nen neu zu ord­nen, in­dem es ihr den Sinn ei­ner zu­künf­ti­gen Not­wen­dig­keit gibt, wie sie kon­sti­tu­iert wird durch das biss­chen Frei­heit, mit dem das Sub­jekt sie ver­ge­gen­wär­tigt.“ (94 f.)

Das In­di­vi­du­um ist in­so­fern Sub­jekt, als sich sein Spre­chen auf Wahr­heit be­zieht, auf die Wahr­heit über sich selbst; die­se Wahr­heit ist kei­ne Rea­li­tät, son­dern eine Rea­li­sie­rung – sie wird durch das Spre­chen ver­wirk­licht, aber nur dann, wenn es kein „lee­res“, son­dern ein „vol­les Spre­chen“ ist.

La­cans Mus­ter­bei­spiel für das vol­le Spre­chen ist der fol­gen­de Dia­log:

A sagt zu B: „Du bist mei­ne Frau.“
B ant­wor­tet A: „Du bist mein Mann.“11

Der Sen­der von „Du bist mei­ne Frau“ ist An­dre­as. Er emp­fängt sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft, näm­lich „Ich bin ihr Mann“. Er emp­fängt sie von der An­de­ren, von Brit­ta, und zwar in um­ge­kehr­ter Form: „Du bist mein Mann“. Die Wahr­heit von An­dre­as lau­tet: „Ich bin Brit­t­as Mann.“ Die­se Wahr­heit wird im Spre­chen in­ter­sub­jek­tiv kon­sti­tu­iert, als Bot­schaft über das Sub­jekt An­dre­as, die die­ser von der An­de­ren emp­fängt, von Brit­ta, und die es von ihr über­nimmt.

Die­se Art des Spre­chens hat eine be­stimm­te Wirk­sam­keit: es ver­wan­delt den Spre­cher; An­dre­as’  Trans­for­ma­ti­on be­steht dar­in, dass er zu ei­nem Ehe­mann wird (vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel).

Durch ein Spre­chen die­ses Typs wird ein Wahr­heits­be­zug her­ge­stellt; das vol­le Spre­chen heißt des­halb auch  „wah­res Spre­chen“ (124, 145).

Das vol­le oder wah­re Spre­chen, mit dem das Sub­jekt sich in der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­an­kert, ist kein Sprech­akt, son­dern ein Ge­sprächs­akt.

Im Ver­lauf ei­ner Psy­cho­ana­ly­se geht es dar­um, dass der Pa­ti­ent durch sein Spre­chen sol­che Man­da­te ins Spiel bringt, die Auf­trä­ge, aus de­nen sei­ne Ge­schich­te be­steht, mit Ba­diou kann man sa­gen: die Wahr­heits­er­eig­nis­se.

Das In­di­vi­du­um ist in­so­fern ein Sub­jekt, als es nach Wahr­heit sucht (nach der Wahr­heit über sich selbst). Die­se Wahr­heit wird im Spre­chen her­ge­stellt, al­ler­dings nicht in je­dem Spre­chen, nur in ei­nem Spre­chen, das sich an ei­nen an­de­ren rich­tet, der das ge­sag­te glau­ben soll. Sie wird auch nicht in je­dem Spre­chen rea­li­siert, das sich an ei­nen an­de­ren wen­det, nur in ei­nem sol­chem, bei dem die Man­da­te, die das Sub­jekt im Ver­lauf sei­ner Ge­schich­te er­hal­ten hat, evo­ziert wer­den, Be­ru­fun­gen vom Typ „Du bist mein Mann“.

(13) Das vol­les Spre­chen kon­sti­tu­iert Wahr­heit als Ge­schich­te.

Das vol­le Spre­chen hat eine be­stimm­te Zeit­lich­keit. Das ge­gen­wär­ti­ge Spre­chen ord­net die Ver­gan­gen­heit neu, so dass sie zur Vor­be­rei­tung der an­ge­streb­ten Zu­kunft wird; durch ei­nen Akt der Frei­heit wer­den die Zu­fäl­le der Ver­gan­gen­heit zur not­wen­di­gen Vor­aus­set­zung der Zu­kunft.

La­can stützt sich hier auf Hei­deg­gers Kon­zep­ti­on des Da­seins (des Sub­jekts) als ge­wor­fe­ner Ent­wurf, als auf eine Ver­gan­gen­heit ge­stütz­ter Be­zug auf eine an­ge­streb­te Zu­kunft12; bei Sart­re wird hier­aus die mensch­li­chen Rea­li­tät als Pro­jekt13.

Auf­grund die­ser Zeit­lich­keit des vol­len Spre­chens ist die Wahr­heit des Sub­jekts die „Wahr­heit sei­ner Ge­schich­te“ (104).  

(14) Die Kon­sti­tu­ie­rung der Wahr­heit durch das Spre­chen ist we­der wahr noch falsch.

Die Mehr­deu­tig­keit der hys­te­ri­schen Of­fen­ba­rung der Ver­gan­gen­heit be­ruht nicht so sehr dar­auf, dass ihr In­halt zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len schwankt, denn sie ist so­wohl im ei­nen wie im an­de­ren ver­or­tet. Sie be­steht auch nicht dar­in, dass sie lü­gen­haft ist. Sie be­steht dar­in, dass sie uns die Ge­burt der Wahr­heit im Spre­chen prä­sen­tiert, und dass wir uns da­durch an der Rea­li­tät des­sen sto­ßen, was we­der wahr noch falsch ist. Zu­min­dest ist da das Be­un­ru­hi­gends­te ih­res Pro­blems.“ (94)

Die hys­te­ri­sche Of­fen­ba­rung der Ver­gan­gen­heit prä­sen­tiert uns die Ge­burt der Wahr­heit im Spre­chen. Da der Grund der Wahr­heit au­ßer­halb von Wahr­heit und Falsch­heit liegt, kon­fron­tiert sie uns mit et­was, das we­der wahr noch falsch ist.  

Den Grund der Wahr­heit, der we­der wahr noch falsch ist, wird La­can spä­ter als das Rea­le be­zeich­nen, spe­zi­ell als „Buch­sta­be“ – der Buch­sta­be (in die­sem Ver­ständ­nis) ge­hört nicht zum Sym­bo­li­schen, son­dern zum Rea­len.14

Zusammenfassung: drei Wahrheitsdimensionen und der Grund der Wahrheit

Das Spre­chen in der Psy­cho­ana­ly­se be­zieht sich in drei Wei­sen auf Wahr­heit.

In ei­ner Psy­cho­ana­ly­se ver­sucht der Pa­ti­ent, durch Spre­chen die Wahr­heit über sich selbst zu fin­den: er be­müht sich, Rät­sel zu ent­zif­fern – die Rät­sel sei­ner Träu­me und Sym­pto­me –, und er ar­bei­tet dar­an, sei­ne Selbst­täu­schun­gen auf­zu­lö­sen.

Hier­zu be­nö­tigt er den Psy­cho­ana­ly­ti­ker: ei­nen an­de­ren, den er an den Platz des­je­ni­gen setzt, der ihm glaubt – der glaubt, dass das, was der Pa­ti­ent sagt, wahr ist. In­so­fern fun­giert der Ana­ly­ti­ker als Zeu­ge der Wahr­heit.

Das Spre­chen des Pa­ti­en­ten be­zieht sich auf die Man­da­te, die ihm im Ver­lauf sei­ner Ge­schich­te er­teilt wur­den, mit Ba­diou zu spre­chen: auf Wahr­heits­er­eig­nis­se.

Die Wahr­heit hat ei­nen Grund, der we­der wahr noch falsch ist.

Ergänzungen

(1) Wahr­heit ent­steht durch An­er­ken­nung.

Eine Er­gän­zung fin­det man in Se­mi­nar 1 von 1953/54, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten:

Das vol­le Spre­chen ist das­je­ni­ge, das die Wahr­heit so vi­siert, so bil­det, wie sie sich in der An­er­ken­nung des ei­nen durch den an­de­ren her­stellt. Das vol­le Spre­chen ist Spre­chen, das be­wirkt. ei­nes der Sub­jek­te be­fin­det sich, nach­her, an­ders als es vor­her war. Des­halb kann die­se Di­men­si­on in der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung nicht über­gan­gen wer­den.“ (Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 140 f.)

Die Wahr­heit stellt sich durch die wech­sel­sei­ti­ge An­er­ken­nung her. Das vol­le Spre­chen – das Er­hal­ten ei­nes Man­dats – ist ein Akt des An­er­kannt­wer­dens.

(2) Die Di­men­si­on der Wahr­heit wird durch den Na­men des Va­ters ein­ge­führt.

In Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, er­klärt La­can,

daß die Ana­ly­se ab­so­lut un­trenn­bar ist von ei­ner grund­le­gen­den Fra­ge über die Art, wie die Wahr­heit in das Le­ben des Men­schen ein­tritt. Die Di­men­si­on der Wahr­heit ist mys­te­ri­ös, un­er­klär­lich, nichts er­laubt in ent­schie­de­ner Wei­se, ihre Not­wen­dig­keit zu er­fas­sen, denn der Mensch fin­det sich sehr gut mit der Nicht-Wahr­heit ab. Ich wer­de ver­su­chen, Ih­nen zu zei­gen, daß es eben die­se Fra­ge ist, die Freud bis zum Ende in Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on quält. (…) Die neu­er­li­che Fra­ge­stel­lung über die Per­son des Mo­ses, über sei­ne hy­po­the­ti­sche Furcht,  hat kei­nen an­de­ren Grund, als auf die Fra­ge zu ant­wor­ten, auf wel­chem Weg die Di­men­si­on der Wahr­heit le­ben­dig ins Le­ben ein­tritt, in die Öko­no­mie des Men­schen. Freud ant­wor­tet, daß dies durch die Ver­mitt­lung der letz­ten Be­deu­tung der Idee des Va­ters ge­schieht.“15

Wie wird der Wahr­heits­be­zug in das Le­ben ei­nes Men­schen ein­ge­führt? Die­se Fra­ge hat Freud um­ge­trie­ben. La­cans Ant­wort lau­tet: durch den Na­men-des-Va­ters. Eine ent­schei­den­de Funk­ti­on des Va­ters be­steht dar­in, dass man ihm glaubt, und man glaubt ihm dann, wenn die Mut­ter ihm glaubt. Die­se The­se ent­wi­ckelt La­can in Se­mi­nar 4 und in Se­mi­nar 5.

Kommentare

Kom­men­ta­re zu die­sem Ar­ti­kel fin­det man hier.

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Anmerkungen

  1. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 70.
  2. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 353.
  3. J. La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Klaus Laermann.In: Ders.: J. La­can: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169.
  4. Über­set­zung nach: J. La­can: Fonc­tion et champ de la pa­ro­le et du lan­ga­ge en psy­chana­ly­se. In: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 237–322. La­cans Auf­satz be­ruht auf ei­nem Vor­trag von 1953 und wur­de 1956 ver­öf­fent­licht. Für die Aus­ga­be der Écrits im Jahr 1966 wur­de der Text an ei­ni­gen Stel­len über­ar­bei­tet; die Be­mer­kun­gen zur Wahr­heit, die ich im Fol­gen­den re­fe­rie­re, fin­det sich sämt­lich be­reits in der Ver­si­on von 1956. Die Ver­si­on von 1956 fin­det man hier auf der Sei­te der Éco­le la­ca­ni­en­ne de psy­chana­ly­se.
  5. Auf die „sym­bo­li­sche Wirk­sam­keit“ be­zieht La­can sich be­reits im Auf­satz Das Spie­gel­sta­di­um als Bild­ner der Ich­funk­ti­on (1949);  er ver­weist dort auf Lévi-Straus­sʼ Auf­satz Die Wirk­sam­keit der Sym­bo­le (1949); vgl. Schrif­ten I, S. 65.
  6. Schrif­ten III, S. 101–121.
  7. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem An­de­ren und dem an­de­ren wird von La­can in Se­mi­nar 2 ein­ge­führt, in der Sit­zung vom 25. Mai 1955.
  8. Écrits, 247.
  9. S. Freud: Be­mer­kun­gen über ei­nen Fall von Zwangs­neu­ro­se (1909).
  10. S. Freud: Kon­struk­tio­nen in der Ana­ly­se (1937).
  11. Vgl. Funk­ti­on und Feld, a.a.O., S. 141; Va­ri­an­tes de la cure-type (1955), Écrits, S. 351.
  12. Sein und Zeit, §§ 31, 79.
  13. Al­lent­hal­ben in Das Sein und das Nichts.
  14. Vgl. J. La­can, Litu­ra­terre (1971), Über­set­zung mit Er­läu­te­run­gen in die­sem Blog hier.
  15. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 253 f.

Kommentare

14 Thesen über die Wahrheit des Subjekts — 2 Kommentare

  1. Dan­ke für den span­nen­den Ar­ti­kel. Es ge­fällt mir, dass die Ab­schnit­te ver­ständ­lich sind, ohne dass die La­can-Zi­ta­te ge­le­sen wer­den müs­sen. Dei­nen Text ver­ste­he ich recht gut, La­cans Äus­se­run­gen nur an­satz­wei­se.
    Sich be­frei­en von Selbst­täu­schun­gen: auch aus­ser­halb ei­ner Psy­cho­ana­ly­se ver­sucht man das ja sein Le­ben lang. Ob sich die Wahr­heit über sich selbst nur durch eine Psy­cho­ana­ly­se kon­sti­tu­ie­ren kann?
    So habe ich die Rol­le ei­nes Psy­cho­the­ra­peu­ten noch nicht ge­se­hen: als eine Art Hel­fer bei der Ge­burt der Wahr­heit über sich selbst. Viel­leicht nicht das bes­te Bild. Ich könn­te mir auch ei­nen Berg von Gerümpel/Gegenständen (nütz­li­ches wie un­nüt­zes Zeug) vor­stel­len, in dem der Kli­ent bzw. die Kli­en­tin steckt und aus dem er sich be­frei­en will. Der The­ra­peut wäre der­je­ni­ge, der mit sei­ner Ta­schen­lam­pe die be­son­ders ge­lun­ge­nen Hand­grif­fe bzw. Mass­nah­men be­leuch­tet.
    Über den letz­ten Ab­schnitt (dem Va­ter glau­ben) muss ich noch nach­den­ken.

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