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Was ist ein Si­gni­fi­kat?

Saussure arbor Baum - Grundlagen Seite 78Saus­su­re zu­fol­ge is das Si­gni­fi­kat ein con­cept, ein Be­griff oder, wie es in der Über­set­zung heißt, eine Vor­stel­lung, Der Si­gni­fi­kant hin­ge­gen ist für Saus­su­re ein Laut­bild. Die Her­aus­ge­ber von Saus­su­res Vor­le­sun­gen zu den Grund­la­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft ha­ben die­se Auf­fas­sung durch die ne­ben­ste­hen­den Dia­gram­me il­lus­triert. Links wird das Si­gni­fi­kat durch das Wort „Baum“ re­prä­sen­tiert, rechts durch das Bild ei­nes Bau­mes; der Si­gni­fi­kant wird in bei­den Sche­ma­ta durch das la­tei­ni­sche Wort „ar­bor“ (Baum) dar­ge­stellt. Die El­lip­sen und die Pfei­le sol­len zei­gen, dass Si­gni­fi­kat und Si­gni­fi­kant zu­sam­men ein Zei­chen bil­den.1

Lacan Saussure arbreIn Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder Die Ver­nunft seit Freud (1957) ver­än­dert La­can die Zeich­nung aus Saus­su­res Grund­fra­gen: er ver­tauscht die Plät­ze von Si­gni­fi­kat und Si­gni­fi­kant (sie­he rechts). Der Si­gni­fi­kant „arb­re“ (fran­zö­sisch für „Baum“) nimmt jetzt den obe­ren Platz ein, was den Pri­mat des Si­gni­fi­kan­ten ge­gen­über dem Si­gni­fi­kat an­deu­ten soll. Au­ßer­dem ent­fernt La­can die El­lip­se und die Pfei­le – zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat gibt es kei­ne Eins-zu-Eins-Be­zie­hung.

Er er­klärt dann auch die von ihm mo­di­fi­zier­te Il­lus­tra­ti­on für feh­ler­haft und fährt fort:

Ich habe sie für mei­ne Hö­rer durch eine an­de­re er­setzt, die nur des­halb für rich­ti­ger ge­hal­ten wer­den konn­te, weil sie über­treibt, in der un­ge­hö­ri­gen Di­men­si­on, der sich der Psy­cho­ana­ly­ti­ker noch nicht ganz ver­wei­gert hat, in dem rich­ti­gen Ge­fühl, dass nur von ihr aus sein Kon­for­mis­mus ei­nen Wert hat.

Hier also die­se an­de­re:

Hommes Dames 1

auf der man sieht –  ohne den Gel­tungs­be­reich des Si­gni­fi­kan­ten, der an die­sem Ex­pe­ri­ment be­tei­ligt ist, all­zu sehr aus­zu­wei­ten, in­dem man näm­lich die no­mi­na­le Art (l’espèce no­mi­nal) ver­dop­pelt, ein­fach durch Ne­ben­ein­an­der­stel­lung zwei­er Ter­mi­ni, de­ren kom­ple­men­tä­re Be­deu­tung sich da­durch schein­bar kon­so­li­die­ren muss –, dass sich die Über­ra­schung ein­stellt, durch den Nie­der­schlag (pré­ci­pi­ta­ti­on) ei­ner un­er­war­te­ten Be­deu­tung: in dem Bild der bei­den Zwil­lings­tü­ren, die – mit der Ka­bi­ne (iso­loir), die dem west­li­chen Men­schen au­ßer­halb sei­nes Hau­ses zur Be­frie­di­gung sei­ner na­tür­li­chen Be­dürf­nis­se an­ge­bo­ten wird – den Im­pe­ra­tiv sym­bo­li­sie­ren, den er mit der gro­ßen Mehr­heit der pri­mi­ti­ven Ge­mein­schaf­ten zu tei­len scheint und der sein öf­fent­li­ches Le­ben den Ge­set­zen der uri­nä­ren Se­gre­ga­ti­on un­ter­wirft.“2

Der Si­gni­fi­kant wird von La­can ver­dop­pelt: statt ein­fach nur mit arb­re (Baum) ha­ben wir es jetzt mit dem Ge­gen­satz Hom­mes – Da­mes (Her­ren – Da­men) zu tun. Da­mit voll­zieht er eine Ope­ra­ti­on im Geis­te von Saus­su­re: der Si­gni­fi­kant hat, wie des­sen be­rühm­te The­se lau­tet, kei­ne Sub­stanz, son­dern ist nichts als die Dif­fe­renz zu den an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten3; wenn ich eine Dif­fe­renz dar­stel­len will, brau­che ich min­des­tens zwei Si­gni­fi­kan­ten.

Der Si­gni­fi­kant „arb­re“, bzw. „ar­bor“ oder „Baum“, be­zieht sich auf eine no­mi­na­le Art. Mit dem Aus­druck wird eine Pflan­zen­art eti­ket­tiert; der Baum ist kei­ne rea­le Art, die Art „Baum“ hat (ähn­lich wie die Art „Obst“) no­mi­na­len Cha­rak­ter – ein Sam­mel­su­ri­um von Pflan­zen wird un­ter Ge­sichts­punk­ten, die dem Be­ob­ach­ter wich­tig sind, un­ter die Ru­brik „Baum“ sub­su­miert.

Mit dem Wech­sel von arb­re zu Hom­mes – Da­mes voll­zieht La­can kei­nen gro­ßen Sprung. Er bleibt im Be­reich der Le­be­we­sen und wech­selt hier von ei­ner be­stimm­ten Klas­se von Pflan­zen zu ei­ner be­stimm­ten Klas­se von Tie­ren: zum Men­schen. Die­se Klas­se wie­der­um un­ter­teilt er in zwei Ar­ten, die in ei­ner kom­ple­men­tä­ren Be­zie­hung zu­ein­an­der zu ste­hen schei­nen Her­ren und Da­men.

Auf­fäl­lig ist, dass La­can die­se bei­den Klas­sen eben­falls als no­mi­na­le Ar­ten be­zeich­net. Die Zwei­ge­schlecht­lich­keit ist ein bio­lo­gi­sches Fak­tum, das wird auch von La­can nicht be­strit­ten4; also könn­te man er­war­ten, dass er Da­men und Her­ren als rea­le statt als no­mi­na­le Ar­ten ein­stuft. Of­fen­bar be­zie­hen sich die Ter­mi­ni „Da­men“ und „Her­ren“ in sei­ner Sicht nicht ein­fach auf die bio­lo­gi­schen Ge­schlech­ter.5

Da die Ter­mi­ni – die Si­gni­fi­kan­ten – „Her­ren“ und „Da­men“ sich auf zwei Kom­ple­men­tär­klas­sen be­zie­hen, bil­den sie zu­sam­men an­schei­nend eine Ganz­heit, die To­ta­li­tät der Er­wach­se­nen. Eine Ta­xo­no­mie die­ses Typs hat nor­ma­ler­wei­se zur Fol­ge, dass sich sta­bi­le Si­gni­fi­ka­te er­ge­ben.

In La­cans Dia­gramm ge­schieht je­doch et­was an­de­res. Statt der zu er­war­ten­den sche­ma­ti­schen Dar­stel­lun­gen ei­nes Man­nes und ei­ner Frau ver­blüfft die Zeich­nung mit dem Bild zwei­er glei­cher Tü­ren – Klo­tü­ren, wie man La­cans Er­läu­te­run­gen ent­neh­men kann. Die Zeich­nung ir­ri­tiert, weil sie mit der Re­prä­sen­ta­ti­ons­theo­rie des Zei­chens bricht. „Her­ren“ steht nicht für Her­ren, und „Da­men“ nicht für Da­men. Die Be­zie­hung des Si­gni­fi­kan­ten zum Si­gni­fi­kat wird aber auch nicht voll­stän­dig auf­ge­löst. Viel­mehr wird der Si­gni­fi­kant „Her­ren“ mit dem Si­gni­fi­kat Toi­let­te ver­bun­den, der Si­gni­fi­kant „Da­men“ eben­falls.

Aber nur in ers­ter An­nä­he­rung. Die bei­den Tü­ren, sagt La­can, „sym­bo­li­sie­ren“ et­was: mit den WC-Ka­bi­nen sym­bo­li­sie­ren sie ei­nen Im­pe­ra­tiv. Er be­steht in dem Ge­bot, dass die Ge­schlech­ter bei der Be­frie­di­gung ih­rer De­fä­ka­ti­ons­be­dürf­nis­se von­ein­an­der ge­trennt sein müs­sen. Die­ses Ge­setz ist, wie er an­nimmt, na­he­zu uni­ver­sell und also dem In­zest­ta­bu ver­wandt. In La­cans Dia­gramm fin­det man am Platz des Si­gni­fi­kats das Sym­bol ei­nes Ge­set­zes.6

Die WC-Ka­bi­ne ist ein iso­loir, sie dient nicht nur dazu, das In­di­vi­du­um von der Ge­mein­schaft ab­zu­son­dern, son­dern auch dazu, die bei­den Ge­schlech­ter bei der Be­frie­di­gung be­stimm­ter Be­dürf­nis­se ge­gen­ein­an­der zu iso­lie­ren. Der Tren­nungs-Im­pe­ra­tiv weist Män­nern und Frau­en un­ter­schied­li­che Plät­ze zu und in­ter­ve­niert da­mit in die Art und Wei­se, wie Men­schen ihre na­tür­li­chen Be­dürf­nis­se be­frie­di­gen. Das Si­gni­fi­kat ist nicht ein­fach ein Ge­setz, es be­steht in der Um­wand­lung der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten – durch ein Ge­setz, das die se­xu­el­len Be­zie­hun­gen re­gu­liert. Die Si­gni­fi­ka­te Frau­en und Män­ner ge­hen den Si­gni­fi­kan­ten „Da­men“ und „Her­ren“ nicht vor­aus, sie wer­den von die­sen Si­gni­fi­kan­ten nicht se­kun­där re­prä­sen­tiert. Viel­mehr spiel­ten die Si­gni­fi­kan­ten „Da­men“ und „Her­ren“ eine ak­ti­ve Rol­le bei der Er­zeu­gung des­sen, was eine Frau und was ein Mann ist.

Die­ses Si­gni­fi­kat, die Trans­for­ma­ti­on der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, ent­steht durch eine pré­ci­pi­ta­ti­on, durch eine Fäl­lung oder Prä­zi­pi­ta­ti­on im Sin­ne der Che­mie. So wie aus ei­ner Lö­sung, wenn man ge­eig­ne­te Sub­stan­zen hin­zu­fügt, be­stimm­te Stof­fe aus­schei­den und sich nie­der­schla­gen, löst sich aus dem Be­dürf­nis, wenn der Si­gni­fi­kant in es ein­greift, das Si­gni­fi­kat her­aus.7 Pré­ci­pi­ta­ti­on meint aber auch die Über­stür­zung; das Ge­bot der Tren­nung der Ge­schlech­ter er­folgt „zu früh“; mög­li­cher­wei­se spielt La­can da­mit auf den Vor­gang an, den Freud als „Zwei­zei­tig­keit der Se­xu­al­ent­wick­lung“ be­zeich­net.

La­can fährt fort:

Dies soll nicht nur, durch ei­nen Tief­schlag, die No­mi­na­lis­mus­de­bat­te zum Schwei­gen brin­gen, son­dern auch zei­gen, wie der Si­gni­fi­kant tat­säch­lich in das Si­gni­fi­kat ein­tritt, in ei­ner Form näm­lich, die, da sie nicht im­ma­te­ri­ell ist, die Fra­ge nach sei­nem Platz in der Rea­li­tät auf­wirft.“8

Das Bei­spiel soll die No­mi­na­lis­mus­de­bat­te zum Schwei­gen brin­gen, durch ei­nen Schlag un­ter die Gür­tel­li­nie, also durch Be­zug auf das uri­na­le und das ana­le Re­gis­ter so­wie auf das Ge­schlecht.

Auf den Streit zwi­schen No­mi­na­lis­ten und Rea­lis­ten, der bis auf Aris­to­te­les und Boë­thi­us zu­rück­geht, hat­te La­can sich be­reits im vor­an­ge­hen­den Satz be­zo­gen: sind die Ar­ten als no­mi­nal auf­zu­fas­sen, also blo­ße Klas­si­fi­ka­ti­ons­ras­ter, die den In­di­vi­du­en auf­er­legt wer­den, oder han­delt es sich um  rea­le, ob­jek­ti­ve En­ti­tä­ten? Der Be­griff der „no­mi­na­len Art“, den er zu­nächst zu­stim­mend ver­wen­det hat­te, wird jetzt von ihm pro­ble­ma­ti­siert und neu ge­deu­tet. Die Al­ter­na­ti­ve No­mi­na­lis­mus ver­sus Rea­lis­mus, so lau­tet die im­pli­zi­te The­se, ist falsch. Sie un­ter­stellt, dass Ar­ten ent­we­der blo­ße Be­zeich­nun­gen sind oder aber rea­le bio­lo­gi­sche We­sen­hei­ten. Tat­säch­lich ver­hält es sich je­doch so, dass die klas­si­fi­zie­ren­de Be­zeich­nung in die bio­lo­gi­sche Rea­li­tät ein­greift und sie ver­wan­delt. Die Eti­ket­tie­rung als „Her­ren“ und als „Da­men“ wird nicht von ei­nem au­ßen­ste­hen­den Be­ob­ach­ter für For­schungs­zwe­cke vor­ge­nom­men; sie in­ter­ve­niert viel­mehr in die Art und Wei­se, wie die so be­zeich­ne­ten We­sen ihr De­fä­ka­ti­ons­be­dürf­nis be­frie­di­gen, bin­det sie durch ei­nen Be­fehl an die Ge­schlechts­dif­fe­renz und ver­wan­delt da­durch die Rea­li­tät der bei­den Ar­ten.

Herren - DamenDie Poin­te von La­cans Zeich­nung be­steht dar­in, dass die Toi­let­ten­tü­ren Schild­chen ha­ben. Sein Dia­gramm zeigt nicht de­ren Be­schrif­tun­gen, wir wis­sen je­doch, dass sie die Be­zeich­nun­gen „Her­ren“ und „Da­men“ tra­gen. Der Si­gni­fi­kant hat sei­nen Platz also nicht nur im obe­ren Be­reich der Zeich­nung, über dem Quer­strich, nicht nur auf der Ebe­ne des Si­gni­fi­kan­ten; er hat sei­nen Ort zu­gleich auf der un­te­ren Eta­ge, auf der Ebe­ne des Si­gni­fi­kats. Der Si­gni­fi­kant tritt in das Si­gni­fi­kat ein. Um das zu ver­deut­li­chen, habe ich in der ne­ben­ste­hen­den Zeich­nung die Schil­der be­schrif­tet (zum Ver­grö­ßern an­kli­cken).9 In der Se­kun­där­li­te­ra­tur fin­det man die Be­haup­tung, die bei­den Tü­ren sei­en in der Rea­li­tät un­un­ter­scheid­bar10; das ver­fehlt die Poin­te von La­cans Ar­gu­ment. Die bei­den Tü­ren un­ter­schei­den sich in der Rea­li­tät: durch die In­stanz des Buch­sta­bens.

Der Si­gni­fi­kant ist nicht im­ma­te­ri­ell, er hat den Cha­rak­ter ei­nes Schrift­zugs, der auf ei­ner Toi­let­ten­tür ei­nen Platz ein­nimmt, und La­can fragt, wie man den Platz des Si­gni­fi­kan­ten in der Rea­li­tät zu be­grei­fen hat. Er lässt die Fra­ge of­fen; ich neh­me an, dass er sie so be­ant­wor­ten wür­de: Die Rea­li­tät ist das vom Si­gni­fi­kan­ten um­ge­form­te Rea­le.

Der nächs­ten Satz lau­tet:

Wenn sich den Email­le­schild­chen, die ihn (den Si­gni­fi­kan­ten) tra­gen, der blin­zeln­de Blick ei­nes Kurz­sich­ti­gen nä­hern muss, hät­te er viel­leicht recht, sich zu fra­gen, ob man eben da den Si­gni­fi­kan­ten zu se­hen hat, des­sen Si­gni­fi­kat die fei­er­li­chen bei­den Um­zü­ge im Hoch­schiff (nef su­pé­ri­eu­re) in die­sem Fal­le die letz­te Ehre er­wei­sen wür­den.“11

La­can stellt sich ei­nen kurz­sich­ti­gen und der Lan­des­spra­che nicht mäch­ti­gen Tou­ris­ten vor, der glaubt, sich im Hoch­schiff ei­ner Kir­che zu be­fin­den. Um die Schrift­zü­ge zu ent­zif­fern, tritt er nahe an die bei­den Schil­der her­an und liest die Wor­te „Da­men“ und „Her­ren“. Er fragt sich, auf wel­che Si­gni­fi­ka­te sich die­se bei­den Si­gni­fi­kan­ten­ket­ten be­zie­hen mö­gen. Er schaut sich um und er­blickt zwei Schlan­gen von Men­schen. Ein scharf­sich­ti­ges Au­gen­paar wür­de dar­in zwei Toi­let­ten­schlan­gen er­ken­nen, der Kurz­sich­ti­ge je­doch sieht zwei Trau­er­ge­fol­ge. Er fragt sich, ob das Si­gni­fi­kat des ers­ten Schrift­zugs wohl ein To­ter ist, der „Da­men“ heißt, das des an­de­ren ein To­ter na­mens „Her­ren“.

Der Kurz­sich­ti­ge stellt sich die­se Fra­ge viel­leicht mit Recht, schreibt La­can; die Si­gni­fi­ka­te von „Da­men“ und „Her­ren“ sind für La­can tat­säch­lich Tote. Die Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf die na­tür­li­chen Be­dürf­nis­se führt nicht nur zu de­ren Ver­än­de­rung, son­dern zu ei­nem Ver­lust, zu ei­nem Seins­man­gel, wie er sagt; in Freuds Be­griff­lich­keit: zur Trieb­un­ter­drü­ckung. Un­ter dem Si­gni­fi­kat ver­steht La­can das Er­geb­nis der Ein­wir­kung des Si­gni­fi­kan­ten auf das Be­dürf­nis, und die Ge­samt­heit der vom Si­gni­fi­kan­ten her­bei­ge­führ­ten Si­gni­fi­kats­ef­fek­te ist ein Ver­lust: der Tote, viel­leicht so­gar ein Er­mor­de­ter. Das Si­gni­fi­kat ist für La­can kei­nes­wegs eine Il­lu­si­on, die sich zwi­schen zwei Si­gni­fi­kan­ten her­stellt12, das Si­gni­fi­kat ist der durch den Si­gni­fi­kan­ten her­bei­ge­führ­te „Tod“.

Der Si­gni­fi­kant die­ses Ver­lusts, die­ses To­ten, ist der Phal­lus.13 Die Bar­re zwi­schen Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat, der Quer­strich zwi­schen Her­ren – Da­men und dem Sym­bol der bei­den Toi­let­ten­tü­ren ver­sperrt das Auf­tau­chen die­ses Si­gni­fi­kats: des Phal­lus als Sym­bol für den durch den Si­gni­fi­kan­ten her­bei­ge­führ­ten Man­gel.

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Anmerkungen

  1. Ab­bil­dung aus: Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­la­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft. Hg. von Charles Bal­ly u. Al­bert Seche­haye, über­setzt von Her­man Lom­mel. 2. Auf­la­ge. Wal­ter de Gruy­ter, Ber­lin 1967, S. 78.
  2. Schrif­ten II, über­setzt von Nor­bert Haas, S. 23 f., hier und im Fol­gen­den mei­ne Über­set­zung.
  3. Vgl. Grund­fra­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft, a.a.O., Teil 2, Ka­pi­tel IV, § 4 „Das Zei­chen als Gan­zes be­trach­tet“.
  4. Ge­hen Sie je­doch bit­te nicht so weit, zu sa­gen, dass das Ge­schlecht nichts Na­tür­li­ches ist.“ (Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler, S. 13, mei­ne Über­set­zung)
  5. Haas über­sieht in sei­ner Über­set­zung die An­spie­lung auf die Un­ter­schei­dung zwi­schen no­mi­na­len und rea­len Ar­ten und über­setzt es­pè­ces no­mi­na­les falsch mit „auf der Sei­te des Na­mens“.
  6. Zum Be­griff der Sym­bo­li­sie­rung an die­ser Stel­le vgl. Jean-Luc Nan­cy, Phil­ip­pe La­coue-La­bart­he: Le tit­re de la lett­re. (Une lec­tu­re de La­can). Ga­li­lée, Pa­ris 1973, S. 45.
  7. Ei­nen ähn­li­chen Ver­gleich zwi­schen Be­deu­tungs­er­zeu­gung und che­mi­scher Re­ak­ti­on fin­det man in Se­mi­nar 5: Was pas­siert, wenn man ei­nen Si­gni­fi­kan­ten durch ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten er­setzt? „In die­sem Fall ge­schieht stets et­was Neu­es, das mit­un­ter ge­nau­so un­er­war­tet ist wie eine che­mi­sche Re­ak­ti­on, näm­lich die Ent­ste­hung ei­ner neu­en Be­deu­tung.“ (Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 229.) 
  8. Schrif­ten II, S. 24.
  9. Vgl. hier­zu Bruce Fink: Rea­ding „The In­s­tan­ce of the Let­ter in the Un­con­scious“. In: Ders.: La­can to the Let­ter. Rea­ding Écrits Clo­se­ly. Uni­ver­si­ty of Min­ne­so­ta Press, Min­ne­so­ta u.a. 2004, S. 63–105, hier: S. 82 f.
  10. Vgl. Mikkel Borch-Ja­cob­sen: La­can. Le maît­re ab­so­lu. Flamma­ri­on, Pa­ris 1995, S. 210.
  11. Schrif­ten II, S. 24.
  12. Wie Borch-Ja­cob­sen meint; vgl. ders., a.a.O., S. 212.
  13. Vgl. J. La­can: Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Schrif­ten II, S. 126 f.

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