Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 4. Sitzung (17. Februar 1971), Übersetzung

Bal­t­hus (Balt­ha­zar Klos­s­ow­ski), Les en­fants Hu­bert et Thé­rè­se Blan­chard, 1937 
Öl auf Lein­wand, 125 x 130 cm, Mu­sée Pi­cas­so, Pa­ris

Jac­ques La­can:
Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
4. Sit­zung, 17. Fe­bru­ar 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge der Ver­si­on Sta­fer­la, der Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel IV, „L’écrit et la vé­rité“ („Das Ge­schrie­be­ne und die Wahr­heit“), S. 55–75.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe beim Über­set­zen und an Fran­zis­ka Nemitz, mei­ne Toch­ter, für Aus­künf­te zum Ja­pa­ni­schen.

Eine von Ul­rich Kob­bé ver­fass­te Über­set­zung die­ser Se­mi­nar­sit­zung fin­det man auf der Web­site „La­can et le mon­de chi­nois“.

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung ist:

Ver­si­on Sta­fer­la von Se­mi­nar 18:
Jac­ques La­can: D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. Auf der Web­site staferla.free.fr, PDF-Da­tei, Fas­sung vom 25.10.2015, hier

Die La­can-Se­mi­na­re auf der Sta­fer­la-Web­site wer­den von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, ohne dass dies kennt­lich ge­macht wird. Aus die­sem Grun­de habe ich oben das Da­tum der von mir ver­wen­de­ten Fas­sung an­ge­ge­ben.1 Zur Si­cher­heit habe ich die­se Fas­sung der Sta­fer­la-Ver­si­on hier ge­spei­chert.

Die Tran­skrip­ti­on der Sta­fer­la-Ver­si­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­band­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ver­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Va­las, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­mi­nai­re, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­t­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Die chi­ne­si­schen Schrift­zei­chen wur­den aus der Sta­fer­la-Ver­si­on über­nom­men, die Tran­skrip­ti­on die­ser Schrift­zei­chen aus Mil­lers Aus­ga­be.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 17. Februar 1971

Tonaufnahme

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Jac­ques La­can, Se­mi­nar 18, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant (1971), 4. Sit­zung (17. Fe­bru­ar 1971)

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Deutsch

[An der Ta­fel1]

mencius-spruch

[55] Das ist der Name des Au­tors die­ser klei­nen For­mel [zeigt auf lin­ke Ko­lum­ne]:

孟子

[Die senk­rech­ten Ko­lum­nen, die von oben nach un­ten ge­le­sen wer­den und von rechts nach links an­ge­ord­net sind, wer­den hier und im Fol­gen­den waa­ge­recht dar­ge­stellt.]

Die­se klei­ne For­mel, zu der –, ob­wohl sie etwa 250 vor Chris­tus ge­schrie­ben wur­de, in Chi­na, wie Sie se­hen, in Ka­pi­tel 2 von Buch IV, der zwei­te Teil, aber manch­mal wird das an­ders ein­ge­ord­net und dann ist es Teil VIII von Buch I, der zwei­te Teil, Ab­satz 26 –, von Meng­zi, der von den Je­sui­ten Men­ci­us ge­nannt wur­de, das sind die­je­ni­gen, die ge­macht ha­ben –; lan­ge vor der Zeit, als es Si­no­lo­gen gab, das heißt An­fang des 19. Jahr­hun­derts, nicht vor­her.

[56] Ich hat­te das Glück, das ers­te Buch zu er­wer­ben, in dem man eine chi­ne­si­sche Druck­plat­te ver­bun­den fin­det – das ist kei­nes­wegs das­sel­be wie das ers­te Buch, in dem es zu­gleich chi­ne­si­sche und eu­ro­päi­sche Schrift­zei­chen ge­ge­ben hat –, das ist das ers­te Buch, in dem es eine chi­ne­si­sche Druck­plat­te zu­sam­men mit ge­schrie­be­nen Sa­chen, ge­druck­ten Sa­chen, die von uns kom­men, ge­ge­ben hat. Das ist eine Über­set­zung der Fa­beln von Äsop. Das ist 1840 er­schie­nen und es rühmt sich zu Recht, das ers­te Buch zu sein, in dem die­se Ver­bin­dung her­ge­stellt wur­de.

1840, Sie wer­den sa­gen, das ist un­ge­fähr das Da­tum, von dem an es Si­no­lo­gen ge­ge­ben hat. Wie ei­ni­ge sich viel­leicht er­in­nern, wa­ren die Je­sui­ten <zu die­sem Zeit­punkt> be­reits sehr lan­ge in Chi­na. Fast ist es ih­nen ge­lun­gen, eine Ver­bin­dung zwi­schen Chi­na und dem her­zu­stel­len, was sie als Mis­sio­na­re re­prä­sen­tier­ten. Sie ha­ben sich je­doch ein we­nig von den chi­ne­si­schen Ri­tua­len be­ein­dru­cken las­sen, und wie Sie viel­leicht wis­sen, hat ih­nen das Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ge­wis­se Un­an­nehm­lich­kei­ten mit Rom ein­ge­bracht, das in die­sem Fall kei­nen be­son­de­ren po­li­ti­schen Scharf­sinn ge­zeigt hat. So­was pas­siert Rom.

Nun, bei Vol­taire – falls Sie Vol­taire le­sen, aber na­tür­lich liest nie­mand mehr Vol­taire, Sie ma­chen wirk­lich ei­nen Feh­ler, da gibt’s al­ler­hand –, bei Vol­taire gibt es, und zwar ge­nau in Das Jahr­hun­dert Lud­wigs XIV. und dort als An­hang, glau­be ich, das ist ein ei­ge­ne Streit­schrift, eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung des Ri­ten­streits, eine Dar­stel­lung, der ge­gen­über vie­le Din­ge in der Ge­schichts­wis­sen­schaft jetzt in ei­ner Ab­stam­mungs­po­si­ti­on sind.

Wie dem auch sei, es geht also um Men­ci­us, und Men­ci­us hat das hier [an der Ta­fel] ge­schrie­ben.

Denn ich habe es an die Ta­fel ge­schrie­ben, um da­mit an­zu­fan­gen; das ist ei­gent­lich nicht Teil mei­nes Vor­trags heu­te, und dar­um wer­de ich es pünkt­lich vor halb eins un­ter­brin­gen. Ich will Ih­nen sa­gen oder ich wer­de ver­su­chen, Sie spü­ren zu las­sen, was das heißt, und das wird uns dann zu dem füh­ren, was der ei­gent­li­che Ge­gen­stand ist, zu dem ich mich heu­te äu­ßern will, näm­lich: Bei dem, was uns be­schäf­tigt, was ist da die Funk­ti­on der Schrift (éc­ri­tu­re)?

Denn die Schrift gibt es in Chi­na seit un­vor­denk­li­chen Zei­ten. Ich mei­ne da­mit: Lan­ge be­vor wir im en­ge­ren Sin­ne <ge­schrie­be­ne> Wer­ke ha­ben, gab es be­reits seit äu­ßerst lan­ger Zeit die Schrift; man kann nicht ab­schät­zen, wie lan­ge es sie be­reits gab. In Chi­na spielt die Schrift bei ei­ner ge­wis­sen Rei­he von Din­gen, die sich er­eig­net ha­ben, | [57] eine ab­so­lu­te Schlüs­sel­rol­le, und das ist für das, was wir über die Funk­ti­on der Schrift den­ken kön­nen, ziem­lich er­hel­lend.

Si­cher ist, dass die Schrift eine ganz ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt hat bei der Stüt­zung von et­was, wozu wir eben die­sen und kei­nen an­de­ren Zu­gang ha­ben, näm­lich ei­ner Art von So­zi­al­struk­tur, die sich sehr lan­ge ge­hal­ten hat und von wo­her man bis in jüngs­te Zeit schlie­ßen konn­te, dass es für das, was in Chi­na ge­stützt wur­de, eine ganz an­de­re Ab­stam­mung gab als die­je­ni­ge, die bei uns ent­stan­den ist, ins­be­son­de­re durch ei­nes die­ser Phy­la, das für uns von be­son­de­rem In­ter­es­se ist, das phi­lo­so­phi­sche Phyl­um, in­so­fern es, dar­auf habe ich letz­tes Jahr hin­ge­wie­sen, ei­nen Kno­ten­punkt dar­stellt für das Ver­ständ­nis des­sen, wor­um es beim Dis­kurs des Herrn geht.

So also wird die­se In­schrift aus­ge­spro­chen.

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[An der Ta­fel, ers­te Ko­lum­ne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Wie ich Ih­nen be­reits das letz­te Mal an der Ta­fel ge­zeigt habe, be­zeich­net dies [天] den Him­mel, das wird tian aus­ge­spro­chen. Tian xia [天 下], das be­deu­tet „un­ter dem Him­mel“, „al­les, was un­ter dem Him­mel ist“. Das hier [之] ist ein De­ter­mi­na­tiv, zhi, es geht um et­was, was un­ter dem Him­mel ist. Was un­ter dem Him­mel ist, ist das, was an­schlie­ßend kommt. Was Sie da se­hen [言], ist nichts an­de­res als die Be­zeich­nung des Spre­chens (pa­ro­le), die wir hier­bei yan aus­spre­chen. Yan xing [言 性], das habe ich be­reits das letz­te Mal an die Ta­fel ge­schrie­ben und Sie da­bei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ses xing eben ei­nes der Ele­men­te ist, die uns in die­sem Jahr be­schäf­ti­gen wer­den, in­so­fern der Aus­druck, der ihm am nächs­ten kommt, der der Na­tur ist. Und ye [也] ist et­was, wo­mit ein Satz ab­ge­schlos­sen wird, ohne da­mit zu sa­gen, dass es sich im stren­gen Sin­ne um et­was von der Ord­nung des­sen han­delt, was wir als „ist“ oder als „sein“ äu­ßern; das ist ein Ab­schluss oder sa­gen wir eine In­ter­punk­ti­on, denn, da die Din­ge von rechts nach links ge­schrie­ben wer­den, geht der Satz hier [in der zwei­ten Ko­lumm­ne von rechts] wei­ter.

[An der Ta­fel, zwei­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

Der Satz wird hier mit ei­nem ze [則] fort­ge­setzt, was „in­fol­ge­des­sen“ be­deu­tet oder was auf je­den Fall die Kon­se­quenz an­zeigt.

[An der Ta­fel, ers­te Ko­lum­ne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Schau­en wir also, wor­um es sich han­delt. Yan [言] be­deu­tet nichts an­de­res als „Spra­che (lan­ga­ge)“, aber wie alle Aus­drü­cke, die in der chi­ne­si­schen Spra­che (lan­gue) ge­äu­ßert wer­den, kann auch die­ser Aus­druck im Sin­ne ei­nes Verbs ver­wen­det wer­den; das kann also zu­gleich „das Spre­chen“ und „das, was spricht“ be­deu­ten. Und das was sagt? Das wäre in die­sem Fall das, was folgt, näm­lich xing [性], „die Na­tur“, „das, was von der Na­tur un­ter dem Him­mel spricht“. Und das ye [也] wäre eine In­ter­punk­ti­on.

[58] Nichts­des­to­we­ni­ger se­hen Sie, und dar­in ist es in­ter­es­sant, sich mit ei­nem Satz der ge­schrie­be­nen Spra­che (lan­gue) zu be­fas­sen, dass Sie die Din­ge an­ders schnei­den könn­ten und sa­gen könn­ten: „das Spre­chen“, ja „die Spra­che (lan­ga­ge)“, denn wenn es dar­um gin­ge, spe­zi­ell das Spre­chen zu be­zeich­nen, hät­ten wir ein et­was an­de­res Schrift­zei­chen; auf der Ebe­ne, wie es also hier ge­schrie­ben ist, kann die­ses Schrift­zei­chen so­wohl „Spre­chen“ als auch „Spra­che“ be­deu­ten. Mehr­deu­tig­kei­ten die­ser Art sind bei der Ver­wen­dung des­sen, was ge­schrie­ben wird, wirk­lich ab­so­lut grund­le­gend, und das macht sei­ne Trag­wei­te aus.

Denn wie ich Ih­nen be­reits ge­sagt habe, wie ich Ih­nen be­reits zu Be­ginn mei­nes Dis­kur­ses in die­sem Jahr und spe­zi­el­ler beim letz­ten Mal ge­sagt habe, be­kommt die Spra­che (lan­ga­ge) ihre Trag­wei­te von da­her, dass bei al­lem, was zur Spra­che ge­hört, die Re­fe­renz im­mer in­di­rekt ist. Wir könn­ten also auch sa­gen: „die Spra­che – in­so­fern sie in der Welt ist, un­ter dem Him­mel ist –, die Spra­che ist das, wo­durch xing [性] ge­macht wird, die Na­tur“, denn die­se Na­tur ist nicht ir­gend­ei­ne Na­tur, zu­min­dest bei Meng­zi nicht, es geht ge­nau um die Na­tur des spre­chen­den We­sens, des­je­ni­gen We­sens, bei dem es ihm in ei­ner an­de­ren Pas­sa­ge dar­um geht, zu prä­zi­sie­ren, dass es ei­nen Un­ter­schied gibt zwi­schen die­ser Na­tur und der Na­tur des Tie­res, ei­nen Un­ter­schied, so fügt er hin­zu, so hebt er mit zwei Aus­drü­cken her­vor, die eben das be­deu­ten, was sie be­deu­ten: „ei­nen un­end­li­chen Un­ter­schied“. Und der viel­leicht der ist, der dort [an der Ta­fel] de­fi­niert ist. Sie wer­den üb­ri­gens se­hen – ob wir nun die eine oder die an­de­re Über­set­zung neh­men, die Stoß­rich­tung des­sen, was im Er­geb­nis ge­sagt wird, wird da­durch nicht ver­än­dert.

Ze [則]  also, das ist „die Fol­ge“, „folg­lich“. Gu, das ist hier [故] – gu, „folg­lich“, das ist „ver­ur­sacht durch“, denn „Ur­sa­che“ be­deu­tet nichts an­de­res.

Wel­ches auch im­mer die Mehr­deu­tig­keit sein mag, | [59] die ein be­stimm­tes Buch, näm­lich die­ses Men­ci­us on the mind, das heißt ein Buch, er­stellt von ei­nem ge­wis­sen Ri­chards, der si­cher­lich kein Neu­ling war –. Ri­chards und Og­den wa­ren die bei­den füh­ren­den Köp­fe ei­ner aus Eng­land stam­men­den und mit der bes­ten Tra­di­ti­on der eng­li­schen Phi­lo­so­phie ganz und gar über­ein­stim­men­den Po­si­ti­on, die zu Be­ginn die­ses Jahr­hun­derts die als „lo­gi­scher Po­si­ti­vis­mus“ be­zeich­ne­te Leh­re ent­wi­ckelt ha­ben und de­ren Haupt­werk den Ti­tel The mea­ning of mea­ning trägt. Das ist ein Buch, auf das Sie be­reits in mei­nen Schrif­ten eine An­spie­lung fin­den wer­den, mit ei­ner ge­wis­sen ab­wer­ten­den Hal­tung mei­ner­seits. The mea­ning of mea­ning be­deu­tet „Der Sinn des Sinns“. Der lo­gi­sche Po­si­ti­vis­mus geht von der For­de­rung aus, dass ein Text ei­nen greif­ba­ren Sinn hat, was ihn zu der Po­si­ti­on bringt, dass eine ge­wis­se An­zahl von phi­lo­so­phi­schen Äu­ße­run­gen in ge­wis­ser Wei­se ent­wer­tet sind, auf Grund der Tat­sa­che, dass sie, bei der Su­che nach ih­rem Sinn, kein greif­ba­res Re­sul­tat lie­fern. An­ders aus­ge­drückt, so­bald ein phi­lo­so­phi­scher Text er­tappt wird, bei ei­nem De­likt des Nicht-Sinns in fla­gran­ti er­tappt wird, wird er eben da­für aus dem Spiel her­aus­ge­nom­men.

Es ist nur zu klar, dass dies eine Art und Wei­se ist, die Din­ge zu­sam­men­zu­strei­chen, die es kaum er­mög­licht, sich zu­recht­zu­fin­den, denn wenn wir von dem Prin­zip aus­ge­hen, dass et­was, was kei­nen Sinn hat, für die Ent­wick­lung ei­nes Dis­kur­ses nicht we­sent­lich sein kann, dann ver­lie­ren wir ganz schlicht den Fa­den.

Ich sage na­tür­lich nicht, dass eine sol­che For­de­rung kei­ne Vor­ge­hens­wei­se wäre, son­dern dass ein sol­ches Vor­ge­hen uns in ge­wis­ser Wei­se jede Ar­ti­ku­la­ti­on ver­bie­tet, de­ren Sinn nicht greif­bar ist. Das ist et­was, was bei­spiel­wei­se dazu füh­ren kann, dazu bei­spiels­wei­se, dass wir kei­nen Ge­brauch mehr vom ma­the­ma­ti­schen Dis­kurs ma­chen kön­nen, der nach dem Zeug­nis der qua­li­fi­zier­tes­ten Lo­gi­ker da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass es sein kann, dass wir ihm an die­sen oder je­nen Punk­ten kei­nen Sinn mehr ge­ben kön­nen, was ihn nicht dar­an hin­dert, eben der­je­ni­ge Dis­kurs zu sein, der sich von al­len Dis­kur­sen mit der größ­ten Stren­ge ent­wi­ckelt.

Von da­her be­fin­den wir uns üb­ri­gens an ei­nem Punkt, bei dem es ganz und gar we­sent­lich ist, ihn her­vor­zu­he­ben, und zwar im Hin­blick auf die Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen.

[An der Ta­fel, zwei­te und drit­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

故 者 以 利 為 本

[Gu zhe i li wei ben.]

Also, es geht um gu [故]. Es geht um gu, und dies als i wei [以 為], denn ich habe Ih­nen be­reits ge­sagt, dass die­ses wei, das in be­stimm­ten Fäl­len „han­deln“ be­deu­ten kann, so­gar et­was be­deu­ten kann, was von | [60] der Ord­nung des Ma­chens ist, auch wenn das nicht je­des be­lie­bi­ge Ma­chen ist. Das i [以] hier hat die Be­deu­tung von so et­was wie „mit“. Das heißt „mit dem wir vor­ge­hen wer­den“ – als was? als li [利], das ist hier das Wort, auf das ich zei­ge, ich zei­ge es Ih­nen, dass li, ich wie­der­ho­le es, dass die­ses li „Ge­winn“ be­deu­tet, „Zins“, „Pro­fit“.

Und es ist umso be­mer­kens­wer­ter, als Men­ci­us in sei­nem ers­ten Ka­pi­tel, wor­in er sich ei­nem be­stimm­ten Prin­zen vor­stellt – nicht so wich­tig, aus wel­chem der Rei­che, die da­mals das bil­de­ten, was man spä­ter die Strei­ten­den Rei­che nann­te –, als Men­ci­us die­sem Prin­zen ge­gen­über, der ihn um Rat bit­tet, die­sem Prin­zen ge­gen­über an­merkt, er sei nicht dazu da, um ihn das zu leh­ren, was un­ser Ge­setz aus­macht, das al­len ge­gen­wär­tig ist, also dar­über, was für das Wachs­tums des Reich­tums des Rei­ches güns­tig ist und ins­be­son­de­re für das Wachs­tum des­sen, was wir den Mehr­wert nen­nen wür­den. Wenn es ei­nen Sinn gibt, den man dem li nach­träg­lich ge­ben kann, dann geht es eben dar­um.

Nun, hier ist wirk­lich be­mer­kens­wert, zu se­hen, was Men­ci­us hier­bei an­merkt, näm­lich dass es, aus­ge­hend also von die­sem Spre­chen, das die Na­tur ist, oder wenn Sie so wol­len von dem Spre­chen, das die Na­tur be­trifft, dass es dar­um ge­hen wird, zur Ur­sa­che zu ge­lan­gen, in­so­fern die er­wähn­te Ur­sa­che das li ist..

[An der Ta­fel, zwei­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

Was gu er [故 而] be­deu­tet, das ist et­was, was so et­was wie „und“ be­deu­tet und zu­gleich et­was wie „aber“. Er i i [而 已 矣], „das ist nur das“, und da­mit man nicht dar­an zwei­felt, hat das i, das am Ende steht, das ein kon­klu­si­ves i ist, hat die­ses i den­sel­ben Ak­zent wie „nur“: „das ist i und das ge­nügt“.

Und hier er­lau­be ich mir, ins­ge­samt zu er­ken­nen, „dass – was die Wir­kun­gen des Dis­kur­ses an­geht, was das an­geht, was un­ter dem Him­mel ist –, dass das, was als Trieb­kraft dar­aus her­vor­geht, nichts an­de­res ist als die Funk­ti­on der Ur­sa­che, in­so­fern sie die Mehr­lust ist“.

Sie wer­den se­hen, dass Sie, um sich auf die­sen Text von Meng­zi zu be­zie­hen, da­für zwei Mög­lich­kei­ten ha­ben. Sie kön­nen ihn sich als ei­nen Teil der ins­ge­samt sehr, sehr gu­ten Aus­ga­be be­schaf­fen, die da­von Ende des 19. Jahr­hun­derts von ei­nem Je­sui­ten her­aus­ge­ge­ben wur­de, ei­nem ge­wis­sen Wie­ger, in ei­ner Aus­ga­be der Quat­re Li­v­res fon­da­men­taux du Con­fu­cia­nis­me, der Vier grund­le­gen­den Bü­cher des Kon­fu­zia­nis­mus. Sie ha­ben eine wei­te­re Mög­lich­keit, näm­lich sich die­ses Men­ci­us on the mind zu  be­sor­gen, das bei Ke­gan Paul in Lon­don er­schie­nen ist. Ich weiß nicht, ob es da­von zur Zeit vie­le Ex­em­pla­re gibt, die noch avail­able [ver­füg­bar] sind, wie man sagt, aber schließ­lich lohnt es die Mühe, war­um nicht?, eins zu be­sor­gen – für die­je­ni­gen, die dar­an in­ter­es­siert sind, sich auf et­was so Grund­le­gen­des zu be­zie­hen – für eine ge­wis­se Auf­hel­lung ei­ner Re­fle­xi­on über die Spra­che, die die Ar­beit ei­nes Neo­po­si­tivs­ten ist und die ge­wiss nicht zu ver­nach­läs­si­gen ist. Das Men­ci­us on the mind also, von Ri­chards, er­hält man in Lon­don bei Ke­gan Paul. All die­je­ni­gen, die sich also die Mühe ma­chen möch­ten, da­von – wenn sie sich den Band nicht be­schaf­fen kön­nen – eine Pho­to­ko­pie zu be­kom­men, wer­den von da­her eine Rei­he von Be­zü­gen viel­leicht bes­ser ver­ste­hen, die ich hier in die­sem Jahr her­stel­len wer­de, denn ich wer­de dar­auf zu­rück­kom­men.

[61] Über den Ur­sprung der Spra­che zu spre­chen, ist also et­was an­de­res als über ihre Ver­bin­dung mit dem zu spre­chen, was ich un­ter­rich­te, mit dem, was ich un­ter­rich­te, in Über­ein­stim­mung mit dem, was ich ar­ti­ku­lie­re, was ich im letz­ten Jahr als den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ar­ti­ku­liert habe.

Denn das ist Ih­nen nicht un­be­kannt, die Sprach­wis­sen­schaft hat mit Hum­boldt mit ei­ner Art von Ver­bot be­gon­nen, sich die Fra­ge nach dem Ur­sprung der Spra­che zu stel­len, an­dern­falls man sich ge­wiss ver­ir­re. Es ist kei­ne Klei­nig­keit, dass je­mand auf den Ge­dan­ken ge­kom­men ist, mit­ten in der Pe­ri­ode der ge­ne­ti­schen My­thi­sie­rung – das war der Stil zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts –, dass er be­haup­tet hat, dass hin­sicht­lich der Spra­che nichts je­mals ein­ge­ord­net, be­grün­det, ar­ti­ku­liert wer­den kön­ne, wenn man nicht zu­nächst da­mit be­gin­ne, die Fra­gen nach dem Ur­sprung zu ver­bie­ten.

Das ist ein Bei­spiel, dem man an­ders­wo hät­te fol­gen sol­len, das hät­te uns eine Men­ge Hirn­ge­spins­te er­spart, von der Art der­je­ni­gen, die man als pri­mi­ti­vis­tisch be­zeich­nen kann – nichts pri­mi­ti­vi­siert das Den­ken so wie der Be­zug aufs Pri­mi­ti­ve. Es ist das Den­ken selbst, das re­gel­mä­ßig auf das Maß des­sen re­gre­diert, was es vor­gibt, als pri­mi­tiv zu ent­hül­len.

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Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers

Der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers – Ich muss es Ih­nen wohl sa­gen, da Sie es ins­ge­samt nicht ver­stan­den ha­ben –, der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist nichts an­de­res als die Lo­gik des Han­delns.

Sie ha­ben es nicht ver­stan­den, war­um nicht? Weil in dem, was ich letz­tes Jahr mit den klei­nen Buch­sta­ben an der Ta­fel ar­ti­ku­liert habe, in die­ser Form: das a über S2, und zu dem, was auf der Ebe­ne des Ana­ly­san­ten ge­schieht, näm­lich die Funk­ti­on des Sub­jekts, in­so­fern es aus­ge­stri­chen ist [$], und in­so­fern das, was es pro­du­ziert, Si­gni­fi­kan­ten sind, und nicht ir­gend­wel­che: Her­ren­si­gni­fi­kan­ten [S1]. Weil es ge­schrie­ben war und so ge­schrie­ben war – denn ich habe es im­mer wie­der ge­schrie­ben –, eben des­halb ha­ben Sie es nicht ver­stan­den.

Dar­in un­ter­schei­det sich das Ge­schrie­be­ne vom Spre­chen, und man muss wie­der Spre­chen dar­an­ge­ben und es ernst­haft da­mit ein­fet­ten – aber na­tür­lich nicht ohne grund­sätz­li­che Schwie­rig­kei­ten –, da­mit es ver­stan­den wird. Man kann also jede Men­ge Sa­chen schrei­ben, | [62] ohne dass das an ir­gend­ein Ohr ge­langt. Gleich­wohl ist es ge­schrie­ben.

Eben des­halb habe ich mei­ne Schrif­ten so ge­nannt, wie ich es ge­tan habe. Dar­an ha­ben dann emp­find­sa­me Leu­te An­stoß ge­nom­men und kei­nes­wegs ir­gend­wel­che. Es ist sehr merk­wür­dig, dass die Per­son, bei der das buch­stäb­lich Krämp­fe her­vor­ge­ru­fen hat, eine Ja­pa­ne­rin war; ich wer­de spä­ter noch et­was dazu sa­gen. Na­tür­lich, hier hat das bei nie­man­dem Krämp­fe aus­ge­löst; die Ja­pa­ne­rin, von der ich ge­spro­chen habe, ist nicht da. Und je­der Be­lie­bi­ge, der aus die­ser Tra­di­ti­on kommt, könn­te hier­bei ver­ste­hen, den­ke ich, war­um sich die­se Art von Em­pö­rungs­ef­fekt her­ge­stellt hat.

Na­tür­lich wird der Weg zum Ge­schrie­be­nen vom Spre­chen aus ge­bahnt. Wenn ich mei­ne Schrif­ten eben so ti­tu­liert habe, dann des­halb, weil sie ei­nen Ver­such dar­stel­len, ei­nen Ver­such in Ge­schrie­be­nem, wie hin­rei­chend da­durch an­ge­zeigt wird, dass das auf Gra­phen hin­aus­läuft. Das Är­ger­li­che ist, dass die Leu­te, die mich kom­men­tie­ren wol­len, gleich von den Gra­phen aus­ge­hen. Sie ha­ben Un­recht, die Gra­phen sind nur ver­ständ­lich in Ab­hän­gig­keit, möch­te ich sa­gen, von der kleins­ten Stil­wir­kung der er­wähn­ten Schrif­ten, die da­für ge­wis­ser­ma­ßen die Zu­gangs­stu­fen bil­den. Wo­durch das Ge­schrie­be­ne – das Ge­schrie­be­ne für sich al­lein ge­nom­men, ob es nun um die­ses Sche­ma geht oder um je­nes, um das­je­ni­ge, das man L nennt, oder um wel­ches auch im­mer oder um den gro­ßen Gra­phen selbst – Ge­le­gen­heit für alle Ar­ten von Miss­ver­ständ­nis­sen bie­tet.

Wor­um es geht, ist ein Spre­chen, na­tür­lich in­so­fern und weil es dar­auf ab­zielt, den Weg zu die­sen Gra­phen zu bah­nen, dar­um geht es. Man soll­te die­ses Spre­chen aber nicht ver­ges­sen, des­halb nicht, weil es eben die­ses Spre­chen ist, das von der ana­ly­ti­schen Re­gel re­flek­tiert wird, die da – wie Sie wis­sen – lau­tet: „Spre­chen Sie, spre­chen Sie, wet­ten Sie.“ Es ge­nügt, dass Sie schwat­zen, das ist die Büch­se, aus der alle Ga­ben der Spra­che kom­men, das ist eine Büch­se der Pan­do­ra.

Wel­che Be­zie­hung also zu die­sen Gra­phen? Die­se Gra­phen na­tür­lich – noch nie hat je­mand ge­wagt, so weit zu ge­hen –, die­se Gra­phen zei­gen Ih­nen kei­nes­wegs ir­gend­was an, was es ge­stat­ten wür­de, zum Ur­sprung der Spra­che zu­rück­zu­keh­ren. Wenn es eins gibt, was sich hier so­fort zeigt, dann ist es dies, dass die Gra­phen ihn nicht nur nicht lie­fern, son­dern dass sie ihn auch nicht ver­spre­chen.

Das, wor­um es heu­te ge­hen wird, ist die Si­tua­ti­on im Ver­hält­nis zu der Wahr­heit, die aus dem her­vor­geht, was man freie As­so­zia­ti­on nennt, an­ders ge­sagt, aus ei­ner frei­en Ver­wen­dung des Spre­chens. Dar­über habe ich im­mer nur mit Iro­nie ge­spro­chen; es gibt ge­nau­so we­nig freie As­so­zia­ti­on wie man sa­gen könn­te, dass in ei­ner ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on eine ge­bun­de­ne Va­ria­ble frei ist; und die vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs de­fi­nier­te Funk­ti­on ist of­fen­kun­dig nicht frei, sie ist ge­bun­den. Sie ist durch Be­din­gun­gen ge­bun­den, die ich auf die Schnel­le als die des psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts be­zeich­nen möch­te.

In wel­chem Ab­stand mein ana­ly­ti­scher Dis­kurs, wie er hier durch die­se ge­schrie­be­ne Be­stim­mung de­fi­niert ist, in wel­chem Ab­stand er vom psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­nett | [63] ist, das bil­det ge­nau das, was wir mei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­heit mit ei­ner ge­wis­sen An­zahl von psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­net­ten nen­nen wer­den. Auch scheint die­sen Leu­ten die­se De­fi­ni­ti­on des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses – um an­zu­zei­gen, wo ich da­mit ste­he – nicht an die Be­din­gun­gen des ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts an­ge­passt zu sein. Nun, was mein Dis­kurs um­reißt, das lie­fert, sa­gen wir, zu­min­dest ei­nen Teil der Be­din­gun­gen, die das ana­ly­ti­sche Ka­bi­nett kon­sti­tu­ie­ren.

Zu er­mes­sen, was man tut, wenn man sich in eine Psy­cho­ana­ly­se be­gibt, das ist et­was, was wirk­lich Ge­wicht hat, was aber, was mich an­geht, je­den­falls da­durch an­ge­zeigt wird, dass ich stets zahl­rei­che vor­be­rei­ten­de Ge­sprä­che füh­re.

Eine from­me Per­son, die ich nicht an­ders be­zeich­nen wer­de, fand, so scheint es den letz­ten Echos zu­fol­ge, das heißt nach den Echos von vor drei Mo­na­ten, zu­min­dest war es für sie ein un­halt­ba­res Un­ter­fan­gen, die Über­tra­gung auf das Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird (su­jet sup­po­sé savoir), zu grün­den, da die Me­tho­de an­de­rer­seits im­pli­ziert, dass die Über­tra­gung sich, be­zo­gen auf den ein­zel­nen Fall, auf die voll­stän­di­ge Ab­we­sen­heit von Vor­an­nah­men stützt. Das Sub­jekt, dem un­ter­stellt wird, was zu wis­sen?, wür­de ich mir er­lau­ben, die­se Per­son zu fra­gen – ob dem Psy­cho­ana­ly­ti­ker un­ter­stellt wer­den soll zu wis­sen, was er tut, und ob er es tat­säch­lich weiß?

Von da aus wird man ver­ste­hen, dass ich mei­ne Fra­gen zur Über­tra­gung auf eine be­stimm­te Wei­se stel­le, etwa in Die Len­kung der Kur, was ein Text ist, bei dem ich mit Ver­gnü­gen sehe, dass in mei­ner Schu­le – denn es ge­schieht et­was Neu­es, näm­lich dass man sich in mei­ner Schu­le un­ter dem Ti­tel ei­ner Schu­le an die Ar­beit macht, das ist im­mer­hin ein Schritt, der im­mer­hin ziem­lich neu ist, so dass man ihn her­vor­he­ben soll­te –, ich habe nicht ohne Ver­gnü­gen fest­stel­len kön­nen, dass man er­kannt hat, dass ich in die­sem Text, was die Über­tra­gung an­geht, kei­nes­wegs zu ei­ner Ent­schei­dung kom­me. Eben da­durch, dass man sagt, „das Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird“, so wie ich es de­fi­nie­re, ist die Fra­ge –, bleibt die Fra­ge völ­lig of­fen, ob dem Ana­ly­ti­ker un­ter­stellt wer­den kann, zu wis­sen, was er tut.

Um es in ge­wis­ser Wei­se als Aus­gangs­punkt zu neh­men, als Aus­gangs­punkt für das, was heu­te ge­äu­ßert wer­den wird und wo­für die­ses klei­ne chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen: 厶 (si) –.

si-ohne-ziffern

si

Denn das ist ei­nes da­von – ich be­dau­re sehr, dass die Krei­de es mir nicht er­laubt, die Ak­zen­te zu set­zen, die der Pin­sel er­laubt –, das ist ei­nes da­von, das ei­nen  Sinn hat, um den For­de­run­gen der lo­gi­schen Po­si­ti­vis­ten zu ge­nü­gen, das ist ein Sinn, von dem Sie se­hen wer­den, dass er ganz und gar mehr­deu­tig ist, | [64] da es zu­gleich „durch­trie­ben“ be­deu­tet, dass es au­ßer­dem „per­sön­lich“ im Sin­ne von „pri­vat“ be­deu­tet, und dann hat es noch ei­ni­ge wei­te­re Be­deu­tun­gen. Was mir aber be­mer­kens­wert scheint, ist sei­ne ge­schrie­be­ne Form, und sei­ne ge­schrie­be­ne Form wird mir so­gleich er­lau­ben, Ih­nen zu sa­gen, wo die Ter­mi­ni ver­or­tet sind, um die her­um mein Dis­kurs sich heu­te dre­hen wird.

liWenn wir hier ir­gend­wo das plat­zie­ren, was ich im wei­tes­ten Sin­ne fol­gen­der­ma­ßen nen­ne – Sie wer­den se­hen, dass das weit ist, ich muss sa­gen, dass mir nicht not­wen­dig zu sein scheint, das ich das her­vor­he­be – : die Wir­kun­gen der Spra­che, dann kön­nen wir hier das hin­set­zen, wor­um es geht, näm­lich wo sie ihr Prin­zip her­neh­men. Da, wo sie ihr Prin­zip her­neh­men, in Be­zug dar­auf ent­hüllt der ana­ly­ti­sche Dis­kurs et­was, dass er ein ein Nicht / ein Schritt (un pas) ist. Ich wer­de ver­su­chen, das in Er­in­ne­rung zu ru­fen, auch wenn es für die Ana­ly­se um ers­te Wahr­hei­ten geht. Von da wer­de ich so­gleich aus­ge­hen.

Hier hät­ten wir dann das Fak­tum des Ge­schrie­be­nen.

Heut­zu­ta­ge ist es wich­tig – aus­ge­hend von be­stimm­ten Äu­ße­run­gen, die ge­macht wor­den sind und die dar­auf hin­aus­lau­fen, sehr be­dau­er­li­che Ver­wir­run­gen zu stif­ten –, dar­an zu er­in­nern, dass das Ge­schrie­be­ne trotz al­lem im Ver­hält­nis zu jed­we­der Sprach­funk­ti­on nicht pri­mär ist, son­dern se­kun­där, dass es aber gleich­wohl ohne das Ge­schrie­be­ne in kei­ner Wei­se mög­lich ist, auf das zu­rück­zu­kom­men, das zu be­fra­gen, was sich in ers­ter Li­nie aus der Wir­kung der Spra­che als sol­cher er­gibt, an­ders ge­sagt aus der sym­bo­li­schen Ord­nung, das heißt der Di­men­si­on, um Ih­nen Ver­gnü­gen zu be­rei­ten – aber Sie wis­sen, dass ich den Aus­druck der dem­an­si­on ein­ge­führt habe: der dem­an­si­on, die Woh­nung, der Ort des An­de­ren der Wahr­heit.

Ich weiß, dass die­se dem­an­si­on bei ei­ni­gen Fra­gen auf­ge­wor­fen hat; die Echos da­von sind mir zu Oh­ren ge­kom­men. Nun ja, wenn dem­an­si­on tat­säch­lich ein neu­er Aus­druck ist, den ich fa­bri­ziert habe, und wenn er noch kei­nen Sinn hat, nun, dann heißt das, dass es Ih­nen zu­kommmt, ihm ei­nen Sinn zu ge­ben. Die dem­an­si­on der Wahr­heit zu  be­fra­gen, der Wahr­heit in ih­rer Blei­be, das ist et­was – da ist der Ter­mi­nus, die Neu­heit des­sen, was ich heu­te ein­füh­re –, was nur durch das Ge­schrie­be­ne ge­macht wird, durch das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern es so ist, dass nur vom Ge­schrie­be­nen her die Lo­gik kon­sti­tu­iert wird.

[65] Hier also das, was ich an die­sem Punkt mei­nes dies­jäh­ri­gen Dis­kur­ses ein­füh­re: Eine Fra­ge der Lo­gik gibt es nur aus­ge­hend vom Ge­schrie­be­nen, in­so­fern das Ge­schrie­be­ne ge­ra­de nicht die Spra­che (lan­ga­ge) ist. Und dar­auf be­zieht sich mei­ne Aus­sa­ge, dass es kei­ne Me­taspra­che gibt, dass näm­lich das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern es sich von der Spra­che un­ter­schei­det, da ist, um uns zu zei­gen, dass die Spra­che in­so­fern vom Ge­schrie­be­nen her be­fragt wird, als das Ge­schrie­be­ne nicht die Spra­che ist, es aber nur kon­stru­iert wird, nur fa­bri­ziert wird von sei­nem Be­zug auf die Spra­che her.

Nach­dem ich dies dar­ge­legt habe, was den Vor­teil hat, Ih­nen mein Ziel, mei­ne Ab­sicht zu­gäng­lich zu ma­chen, gehe ich wie­der von dem aus, was sich auf die­sen Punkt be­zieht. Die­ser Punkt , der von der Ord­nung je­ner Über­ra­schung ist, durch wel­che der Um­keh­r­ef­fekt si­gna­li­siert wird, des­sen Ver­bin­dung der Wahr­heit mit dem Wis­sen ich zu de­fi­nie­ren ver­sucht habe, und den ich mit die­sen Aus­drü­cken for­mu­lier­te habe, dass es beim spre­chen­den We­sen kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.

Es hat eine ers­te Be­din­gung ge­ge­ben, die uns das so­fort se­hen las­sen könn­te, näm­lich dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis, wie je­des an­de­res Ver­hält­nis, letzt­lich nur vom Ge­schrie­be­nen her Be­stand hat. Das We­sent­li­che des Ver­hält­nis­ses ist eine Ab­bil­dung, a wird ab­ge­bil­det auf b [a → b], und wenn Sie es nicht a und b schrei­ben, ha­ben Sie es nicht mit dem Ver­hält­nis als sol­chem zu tun. Das be­sagt nicht, dass sich im Rea­len nicht Din­ge er­eig­nen. Aber mit wel­chem Recht wür­den Sie das als Ver­hält­nis be­zeich­nen?

Die­se grob­ge­strick­te Sa­che wür­de be­reits hin­rei­chen, um, sa­gen wir, be­greif­lich zu ma­chen, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, aber das wür­de nichts dar­an än­dern, dass es ei­nem nicht ge­lingt, es zu schrei­ben.

Au­ßer­dem möch­te ich sa­gen, es gibt et­was, was man be­reits seit ge­rau­mer Zeit tut, dass man es näm­lich so schreibt: ♂ ♀, wo­bei man sich klei­ner Pla­ne­ten­zei­chen be­dient, also das Ver­hält­nis des­sen, was männ­lich ist, zu dem, was weib­lich ist.

Und ich möch­te so­gar sa­gen, dass seit ei­ni­ger Zeit, dank des Fort­schritts, den der  Ge­brauch des Mi­kro­skop er­mög­licht hat –; denn ver­ges­sen wir nicht, dass man vor Swam­mer­dam nicht die ge­rings­te Vor­stel­lung da­von ha­ben konn­te. Da­mit kann, so scheint es, die Tat­sa­che ar­ti­ku­liert wer­den, dass das Ver­hält­nis – so kom­plex es sein mag, nicht wahr, [66] so  mei­o­tisch der Vor­gang da­bei sein mag, durch den die so­ge­nann­ten go­na­di­sche­ne Zel­len ein Mo­dell für die Be­fruch­tung lie­fern, von der die Fort­pflan­zung aus­geht –, nun, es scheint, dass da tat­säch­lich et­was ge­grün­det ist, eta­bliert ist, was es er­laubt, auf ei­ner be­stimm­ten, als bio­lo­gisch be­zeich­ne­ten Ebe­ne das zu ver­or­ten, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.

Das Selt­sa­me ist si­cher­lich – und letzt­lich, mein Gott, so sehr nun auch wie­der nicht, aber ich möch­te Ih­nen die Di­men­si­on der Selt­sam­keit der Sa­che vor Au­gen füh­ren –, dass die Dua­li­tät und die Suf­fi­zi­enz die­ses Ver­hält­nis­ses im­mer schon ihr Mo­dell ha­ben, ich habe Ih­nen das beim letz­ten Mal in Er­in­ne­rung ge­ru­fen, an­läss­lich der klei­nen chi­ne­si­schen Zei­chen.

Es gibt hier ei­nes da­von – ich wur­de plötz­lich un­ge­dul­dig, Ih­nen Zei­chen zu zei­gen, das sah so aus, als dien­te das ein­zig dazu, Sie zu be­ein­dru­cken –, nun, das yin, das ich Ih­nen das letz­te Mal nicht an­ge­schrie­ben habe, das ist hier: 陰, und das yang, so, ich wie­der­ho­le es, nicht wahr, so, noch ein klei­ner Strich hier: 陽.

Das yin und das yang, das männ­li­che und das weib­li­che Prin­zip, das ist schließ­lich kei­ne Ei­gen­tüm­lich­keit der chi­ne­si­schen Tra­di­ti­on, das ist et­was, was Sie über­all wie­der­fin­den, in je­der Art des Nach­den­kens über die Ver­hält­nis­se von Ak­ti­on und Pas­si­on, über das For­ma­le und das Sub­stan­ti­el­le, über Pu­ru­sha, den Geist, und Pra­kri­ti, ir­gend­ei­ne ver­weib­lich­te Ma­te­rie. Die­ses all­ge­mei­ne Mo­dell des Ver­hält­nis­ses von Männ­li­chem und Weib­li­chem ist eben das, was seit je, seit lan­gem die Si­tu­ie­rung heim­sucht, die Si­tu­ie­rung des spre­chen­den We­sens in Be­zug auf die Kräf­te der Welt, die­je­ni­gen, die tian xia sind, un­ter dem Him­mel.

[65] Man soll­te das ganz und gar Neue her­vor­he­ben, das, was ich den Über­ra­schungs­ef­fekt ge­nannt habe, man soll­te be­grei­fen, was aus dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs her­vor­ge­gan­gen ist, was im­mer es wert sein mag, dass es näm­lich un­halt­bar ist, in ir­gend­ei­ner Wei­se an die­ser Dua­li­tät als et­was Hin­rei­chen­dem fest­zu­hal­ten.

Das heißt, dass die so­ge­nann­te Funk­ti­on des Phal­lus – die nun wirk­lich die­je­ni­ge ist, die höchst un­be­hol­fen ge­hand­habt wird, die aber da ist, die in dem, war­um es geht, funk­tio­niert, nicht nur von ei­ner Er­fah­rung her, die mit et­was ver­bun­den ist, das als ab­wei­chend, als pa­tho­lo­gisch an­zu­se­hen wäre, son­dern <von ei­ner Er­fah­rung her>, die als sol­che für die Ein­set­zung des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses we­sent­lich ist –, durch die­se Funk­ti­on des Phal­lus ist seit­her die se­xu­el­le Bi­po­la­ri­tät un­halt­bar, auf eine Wei­se un­halt­bar, durch die sich buch­stäb­lich das ver­flüch­tigt, wor­um es bei dem geht, was über die­ses Ver­hält­nis ge­schrie­ben wer­den kann.

Man muss das, wor­um es bei die­ser In­tru­si­on des Phal­lus geht, von dem un­ter­schei­den, was ei­ni­ge glaub­ten, mit dem Aus­druck „Si­gni­fi­kan­ten­man­gel“ über­set­zen zu kön­nen. Wor­um es geht, ist nicht ein Si­gni­fi­kan­ten­man­gel, son­dern et­was, was das Hin­der­nis für ein Ver­hält­nis bil­det.

Der Phal­lus, auch wenn die Be­to­nung auf ein Or­gan ge­legt wird, be­zeich­net kei­nes­wegs das „Pe­nis“ ge­nann­te Or­gan mit sei­ner Phy­sio­lo­gie und auch nicht die Funk­ti­on, die man ihm, si­cher­lich mit ei­ner ge­wis­sen Wahr­schein­lich­keit, als die der Be­gat­tung zu­schrei­ben kann. Er zielt auf ganz un­zwei­deu­ti­ge Wei­se, wenn man sich auf die ana­ly­ti­schen Tex­te be­zieht, auf sein Ver­hält­nis zum Ge­nie­ßen. Und dar­in un­ter­schei­den sie ihn von der phy­sio­lo­gi­schen Funk­ti­on: Es gibt – das ist das, wo­von an­ge­nom­men wird, dass es die Funk­ti­on des Phal­lus kon­sti­tu­iert –, es gibt ein Ge­nie­ßen, das in die­sem Ver­hält­nis, das sich vom se­xu­el­len Ver­hält­nis un­ter­schei­det, was kon­sti­tu­iert?, das, was wir sei­ne Wahr­heits­be­din­gung nen­nen wer­den.

Der Blick­win­kel, un­ter dem das Or­gan er­fasst wird, das, ver­gli­chen mit dem, was es da­mit bei der Ge­samt­heit der Le­be­we­sen auf sich hat, kei­nes­wegs an die­se be­son­de­re Form ge­bun­den ist –. Wenn Sie die Viel­falt der Be­gat­tungs­or­ga­ne ken­nen wür­den, die es bei den In­sek­ten gibt, könn­ten Sie –  das ist im­mer­hin das Prin­zip von et­was, was im­mer von Nut­zen ist, näm­lich das Er­stau­nen, um das Rea­le zu be­fra­gen –, könn­ten Sie si­cher­lich dar­über stau­nen, dass es bei den Wir­bel­tie­ren auf die­se spe­zi­el­le Wei­se funk­tio­niert.

Es han­delt sich hier um das Or­gan, in­so­fern – ich muss hier wohl zü­gig vor­an­ge­hen, denn schließ­lich will ich mich nicht ewig da­bei auf­hal­ten und al­les wie­der­auf­neh­men, man möge sich auf die Tex­te be­zie­hen, über die ich eben ge­spro­chen habe, Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht; der Phal­lus, das ist das Or­gan, in­so­fern er das weib­li­che Ge­nie­ßen ist – ist, es geht um das Sein.

[68] Dar­auf be­ruht und dar­in be­steht die Un­ver­ein­bar­keit von Sein und Ha­ben. In die­sem Text wird das mit ei­ner ge­wis­sen Be­harr­lich­keit wie­der­holt, wo­bei ge­wis­se sti­lis­ti­sche Ak­zen­te ge­setzt wer­den, wozu ich wie­der­ho­le, dass sie, um vor­an­zu­kom­men, eben­so wich­tig sind wie die Gra­phen, zu de­nen sie hin­füh­ren. Und dann hat­te ich da auf dem be­rühm­ten Kon­gress von Royau­mont ei­ni­ge Leu­te vor mir, die sich lus­tig mach­ten: Nun ja, wenn das al­les ist, wenn es um Sein und Ha­ben geht, das schien Ih­nen kei­ne gro­ße Trag­wei­te zu ha­ben, das Sein und das Ha­ben, man wählt sie, nicht wahr. Das ist je­doch das, was Kas­tra­ti­on ge­nannt wird.

Was ich vor­schla­ge, ist Fol­gen­des, näm­lich zu pos­tu­lie­ren, dass die Spra­che (lan­ga­ge) – nicht wahr, wir set­zen sie hier­hin – das ihr vor­be­hal­te­ne Feld in die­ser Kluft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses hat , wie der Phal­lus es of­fen­lässt. Wo­bei an­ge­nom­men wird, dass das, was er hier ein­führt, kei­nes­wegs zwei Ter­mi­ni sind, die vom Männ­chen und vom Weib­chen her de­fi­niert sind, son­dern von ei­ner Wahl her, die es zwi­schen Ter­mi­ni gibt, die eine ganz an­de­re Na­tur und Funk­ti­on ha­ben und die „Sein“ und „Ha­ben“ ge­nannt wer­den.

Wo­durch die­ser Ab­stand be­wie­sen wird, was ihn stützt, was ihn ab­so­lut evi­dent und de­fi­ni­tiv macht, ist Fol­gen­des – wo­bei man den Un­ter­schied of­fen­bar nicht be­merkt hat –, näm­lich die Er­set­zung des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses durch das, was se­xu­el­les Ge­setz ge­nannt wird. Eben da ist der Ab­stand, in den sich ein­schreibt, dass es nichts Ge­mein­sa­mes gibt zwi­schen <ei­ner­seits> dem, was man über ein Ver­hält­nis aus­sa­gen kann, das in­so­fern ein Ge­setz bil­den wür­de, als es in ir­gend­ei­ner Form von der Ab­bil­dung ab­hin­ge, wie sie am ehes­ten von der ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on er­fasst wird, und <an­de­rer­seits> ei­nem Ge­setz, das mit dem ge­sam­ten Re­gis­ter des­sen zu­sam­men­hängt, was sich Be­geh­ren nennt, was sich Un­ter­sa­gung nennt, des­sen, wo­durch her­aus­ge­stellt wird, dass die Ver­bin­dung, ja die Iden­ti­tät – wie ich zu sa­gen ge­wagt habe – die­ses Be­geh­rens und die­ses Ge­set­zes ge­nau von der  Kluft des ein­ge­schrie­be­nen Ge­set­zes ab­hängt.

Und das, wo­durch ent­spre­chend pos­tu­liert wird, für all das, was von der Sprach­wir­kung ab­hängt, von all dem, wo­durch die dem­an­si­on der Wahr­heit von ei­ner Fik­ti­onstruk­tur her ein­ge­setzt wird –. Die alt­her­ge­brach­te Ent­spre­chung von Ri­tus und My­thos – es ist eine lä­cher­li­che Schwach­heit, dar­über zu sa­gen, der My­thos sei ein­fach der Kom­men­tar des Ri­tu­als, et­was, was dazu dient, es zu stüt­zen, es zu er­klä­ren. Wo sie sich doch ge­mäß ei­ner To­po­lo­gie zu­ein­an­der ver­hal­ten, über die ich mich be­reits seit län­ge­rem aus­führ­lich ver­brei­tet habe, so­dass ich nicht dar­an er­in­nern muss: Ri­tu­al und My­thos sind wie Vor­der­sei­te und Rück­sei­te, un­ter der Be­din­gung, dass Vor­der- und Rück­sei­te kon­ti­nu­ier­lich mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Dass im ana­ly­ti­schen Dis­kurs die­ser Rest­my­thos auf­recht­erhal­ten wird, der als der­je­ni­ge des Ödi­pus be­zeich­net wird, Gott weiß war­um, der aber tat­säch­lich der aus To­tem und Tabu ist, wo die­ser My­thos ver­zeich­net ist, der ganz und gar Freuds Er­fin­dung ist, der des Ur­va­ters, in­so­fern er | [65] alle Frau­en ge­nießt, das ist der Punkt, den wir dar­auf­hin be­fra­gen müs­sen – aus et­was grö­ße­rer Ent­fer­nung, von der Lo­gik her, vom Ge­schrie­be­nen her –, was er be­deu­tet.

schema-von-peirce

Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce

Schon vor ziem­lich lan­ger Zeit habe ich hier das Sche­ma von Peir­ce über die Aus­sa­gen ein­ge­führt, in­so­fern sie sich in vier Grup­pen auf­tei­len: in uni­ver­sa­le, par­ti­ku­lä­re, be­ja­hen­de und ver­nei­nen­de, wo­bei die bei­den Ter­mi­ni, die bei­den Paa­re von Ter­mi­ni un­ter­ein­an­der aus­ge­tauscht wer­den.

Je­der weiß, wenn man sagt, „alle x sind y“, wenn das Sche­ma von Peir­ce – Charles San­ders – von In­ter­es­se ist, dann, um auf­zu­zei­gen, um als not­wen­dig zu de­fi­nie­ren, <dass die Aus­sa­ge>, dass je­des Et­was mit ir­gend­ei­nem At­tri­but aus­ge­stat­tet ist, auch dann, wenn es über­haupt kein x gibt, eine völ­lig zu­läs­si­ge uni­ver­sa­le Po­si­ti­on ist. In der klei­nen For­mel, dem klei­nen Sche­ma von Peir­ce, ich er­in­ne­re Sie dar­an, ha­ben wir hier [1] eine Rei­he von ver­ti­ka­len Stri­chen, hier [4] ha­ben wir kei­ne ver­ti­ka­len Stri­che, <hier [3] ha­ben wir schrä­ge Stri­che>, hier [2] ha­ben wir eine klei­ne Mi­schung aus bei­den, und dar­an, dass die Spe­zi­fik die­ser oder je­ner Aus­sa­ge sich aus der Ver­bin­dung von zwei­en die­ser Fel­der er­gibt, und dass man, wenn man die bei­den Qua­dran­ten [1 und 4] zu­sam­men­nimmt, sa­gen kann: „Alle Stri­che sind ver­ti­kal“ – wenn sie nicht ver­ti­kal sind, gibts kei­nen Strich. Um die ver­nei­nen­de <Aus­sa­ge> zu bil­den, <“Alle Stri­che sind nicht ver­ti­kal“ bzw. “Kein Strich ist ver­ti­kal“>, muss man die­se bei­den hier [3 und 4] ver­ei­ni­gen: Ent­we­der es gibt <über­haupt> kei­nen Strich oder es gibt kei­ne ver­ti­ka­len Stri­che.

Was der My­thos vom Ge­nie­ßen al­ler Frau­en be­zeich­net, ist dies, dass es das „alle Frau­en“ nicht gibt. Es gibt kein Uni­ver­sa­les der Frau. Das ist das, was durch eine Be­fra­gung des Phal­lus – und nicht des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses – ge­setzt wird, be­zo­gen dar­auf, wor­um es bei dem Ge­nie­ßen geht, das er kon­sti­tu­iert, habe ich doch ge­sagt, dies sei das weib­li­che Ge­nie­ßen.

Von die­sen Äu­ße­run­gen her ha­ben sich eine Rei­he von Fra­gen ra­di­kal ver­scho­ben / sind eine Rei­he von Fra­gen ra­di­kal ver­fehlt.

Es ist durch­aus mög­lich, dass es ein Wis­sen des­je­ni­gen Ge­nie­ßens gibt, das man se­xu­ell nennt, ein Wis­sen, das sich die­ser „ge­wis­sen Frau“ zu­schrei­ben lässt. Die Sa­che | [70] ist nicht un­denk­bar, in man­chen Ecken gibt es my­thi­sche Spu­ren die­ser Art. Die Sa­chen, die Tan­tra ge­nannt wer­den – man sagt, dass das da prak­ti­ziert wird.

Es ist je­doch klar – wenn Sie mir ge­stat­ten, mei­nen Ge­dan­ken so aus­zu­drü­cken –, dass die Ge­schick­lich­keit der Flö­ten­spie­le­rin­nen seit ge­rau­mer Zeit viel of­fen­sicht­li­cher ist.

Nicht um mit der Ob­szö­ni­tät zu spie­len, brin­ge ich das an die­sem Punkt vor, son­dern weil es hier je­man­den gibt, wie ich an­neh­me, weil es hier zu­min­dest eine Per­son gibt, die weiß, was es heißt, Flö­te zu spie­len, näm­lich die Per­son, die mich kürz­lich dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat – be­zo­gen auf das Flö­ten­spiel, aber man kann das glei­cher­ma­ßen über jede Be­nut­zung ei­nes In­stru­ments sa­gen –, wel­che Spal­tung des Kör­pers not­wen­dig ist, um ir­gend­ein In­stru­ment zu ver­wen­den. Ich mei­ne ei­nen Bruch der Syn­er­gie. Es ge­nügt, mit ir­gend­ei­nem In­stru­ment um­zu­ge­hen. Stel­len Sie sich auf ein Paar Ski­er und Sie wer­den so­fort se­hen, dass Ihre Syn­er­gi­en ge­bro­chen wer­den müs­sen. Neh­men Sie ei­nen Golf­schlä­ger – in letz­ter Zeit kommt das bei mir vor, ich habe wie­der an­ge­fan­gen –, da ist es das Glei­che, nicht wahr, es gibt zwei Ar­ten von Be­we­gun­gen, die Sie gleich­zei­tig aus­füh­ren müs­sen, und an­fangs ge­lingt Ih­nen das ab­so­lut nicht, da das syn­er­ge­tisch nicht ein­fach so funk­tio­niert. Die Per­son, die mich an­läss­lich der Flö­te an die­se Sa­che er­in­nert hat, hat­te mich eben­so dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass Sie beim Ge­sang, bei dem es an­schei­nend kein In­stru­ment gibt, und dar­in ist der Ge­sang be­son­ders in­ter­es­sant, dass Sie auch hier Ih­ren Kör­per auf­spal­ten müs­sen, dass Sie hier, da­mit Sie sin­gen kön­nen, zwei Sa­chen tei­len, die völ­lig ver­schie­den sind, die aber für ge­wöhn­lich ab­so­lut syn­er­ge­tisch sind, näm­lich den An­satz der Stim­me (pose de la voix) und die At­mung. Gut, die­se Grund­wahr­hei­ten, an die man mich nicht er­in­nern muss­te, da ich, wie be­reits ge­sagt, dies­be­züg­lich mei­ne letz­te Er­fah­rung mit dem Golf­schlä­ger hat­te, das ist et­was, was als Fra­ge of­fen lässt, ob es noch ir­gend­wo ein Wis­sen über das Phal­lus-In­stru­ment gibt.

Nur, das Phal­lus-In­stru­ment, das ist kein In­stru­ment wie an­de­re, das ist wie beim Ge­sang, das Phal­lus-In­stru­ment, ich habe Ih­nen be­reits ge­sagt, dass es kei­nes­falls mit dem Pe­nis zu ver­wech­seln ist. Der Pe­nis wird durch das Ge­setz re­gu­liert, das heißt durch das Be­geh­ren, das heißt durch die Mehr­lust, das heißt durch die Ur­sa­che des Be­geh­rens, das heißt durch das Phan­tas­ma.

Und dies, das un­ter­stell­te Wis­sen der Frau, die wis­sen wür­de, da stößt sie auf  eine Schwie­rig­keit / auf ei­nem Kno­chen (os), auf eben den­je­ni­gen, der dem Or­gan fehlt, wenn Sie mir ge­stat­ten, in die­ser Wei­se fort­zu­fah­ren. [Ge­läch­ter] Denn bei be­stimm­ten Tie­ren gibt es das, ei­nen Kno­chen, aber ja. Hier gibt es ein Feh­len, das ist ein feh­len­der Kno­chen; das ist nicht der Phal­lus, das ist das Be­geh­ren und sein Funk­tio­nie­ren. Dar­aus er­gibt sich, eine Frau hat ei­nen Be­weis | [70] für ihre Ein­fü­gung in das Ge­setz – für das, was ei­nen Er­satz für das Ver­hält­nis bil­det – nur durch das Be­geh­ren des Man­nes.

Es ge­nügt be­reits eine ganz ge­rin­ge ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, um dar­über Ge­wiss­heit zu ha­ben: Das Be­geh­ren des Man­nes ist, wie ich eben ge­sagt habe, an sei­ne Ur­sa­che ge­bun­den, näm­lich an die Mehr­lust, oder es ist auch – wie ich es vie­le Male aus­ge­drückt habe, wenn es sei­ne Quel­le in dem Feld hat, von dem al­les aus­geht: der Sprach­wir­kung – im Be­geh­ren des An­de­ren also. Und die Frau, bei die­ser Ge­le­gen­heit be­greift man, dass eben sie die An­de­re ist. Al­ler­dings ist sie die An­de­re ei­nes ganz an­de­ren Be­reichs, ei­nes ganz an­de­ren Re­gis­ters als dem ih­res Wis­sens, wor­in auch im­mer es be­stehen mag.

Hier wird also das phal­li­sche In­stru­ment – in An­füh­rungs­zei­chen – als „Ur­sa­che“ der Spra­che an­ge­nom­men, ich habe nicht ge­sagt: als „Ur­sprung“.

Und hier, trotz der fort­ge­schrit­te­nen Zeit – mein Gott, ich wer­de schnell ma­chen –, möch­te ich auf die Spur ver­wei­sen, die man da­von ha­ben kann, näm­lich das Auf­recht­erhal­ten, was im­mer man da­von hal­ten mag, des Ver­bots von ob­szö­nen Wör­tern. Und da ich weiß, dass es hier Leu­te gibt, die et­was er­war­ten, was ich ih­nen ver­spro­chen habe, näm­lich dass ich auf Eden, Eden, Eden an­spie­le und sage, war­um ich nicht die­se, wie heißt das noch­mal, die­se Din­ger un­ter­schrei­be, die Pe­ti­tio­nen, die sich dar­auf be­zie­hen. Si­cher­lich geht es nicht dar­um, dass mei­ne Wert­schät­zung für die­sen Ver­such ge­ring wäre; auf sei­ne Wei­se ist er mit dem mei­ner Schrif­ten ver­gleich­bar, ab­ge­se­hen da­von, dass er sehr viel hoff­nungs­lo­ser ist. Es ist völ­lig hoff­nungs­los, das phal­li­sche In­stru­ment zu ver­sprach­li­chen. Und da ich es als et­was an­se­he, das un­ter die­sem Ge­sichts­punkt ohne Hoff­nung ist, den­ke ich auch, dass sich um ei­nen sol­chen Ver­such her­um nur Miss­ver­ständ­nis­se ent­wi­ckeln kön­nen. Sie se­hen, dass mei­ne Wei­ge­rung sich hier auf ei­nen hoch­theo­re­ti­schen Ge­sichts­punkt be­zieht.

Wor­auf ich da­mit hin­aus­will, ist Fol­gen­des: Von wo aus be­fragt man die Wahr­heit? Denn die Wahr­heit kann al­les sa­gen, was sie will, das ist das Ora­kel. Das gibt es im­mer schon, und da­nach kann man sich nur noch durch­wursch­teln.

Al­ler­dings gibt es eine neue Tat­sa­che, nicht wahr? Die ers­te neue Tat­sa­che, seit das Ora­kel funk­tio­niert, also seit je, das ist eine mei­ner Schrif­ten, die neue Tat­sa­che, die sich Die Freud’sche Sa­che nennt, wo ich auf et­was hin­ge­wie­sen habe, was noch nie je­mand ge­sagt hat, nicht wahr; nur, da das ge­schrie­ben ist, ha­ben Sie es na­tür­lich nicht ver­stan­den – ich habe ge­sagt, dass die Wahr­heit „ich (Je)“ sagt.

[72] Wenn Sie die­ser Art po­le­mi­scher Üp­pig­keit ihr Ge­wicht ge­ge­ben hät­ten, die­ser Üp­pig­keit, die ich her­ge­stellt habe, um in sol­cher Wei­se die Wahr­heit zu prä­sen­tie­ren, ich weiß nicht ein­mal mehr, was ich ge­schrie­ben habe, so et­was wie „ins Zim­mer zu­rück­keh­rend, in ei­nem Klir­ren des Spie­gels“, das hät­te Ih­nen viel­leicht die Oh­ren öff­nen kön­nen. Die­ser Lärm von zer­bre­chen­den  Spie­geln in et­was Ge­schrie­be­nem, ver­blüfft Sie das nicht? Da­bei ist es ziem­lich gut ge­schrie­ben, das ist eben das, was man Stil nennt. Das hät­te Ih­nen si­cher­lich ge­hol­fen, zu be­grei­fen, was mit „die Wahr­heit sagt ‚Ich‘“ ge­meint ist – da­mit ist ge­meint, dass man zu ihr „Du“ sa­gen kann. Und ich wer­de Ih­nen er­klä­ren, wozu das gut ist.

Sie wer­den na­tür­lich glau­ben, dass ich Ih­nen sa­gen wer­de, dass das für den Dia­log gut ist. Es ist lan­ge her, dass ich ge­sagt habe, ei­nen Dia­log gibt es nicht, und mit der Wahr­heit na­tür­lich noch we­ni­ger. Nichts­des­to­we­ni­ger, wenn Sie et­was le­sen, was sich die Me­ta­ma­the­ma­tik von Lo­ren­zen nennt, ich habe es mit­ge­bracht, das ist bei Gaut­hi­er-Vil­lars und Mou­ton er­schie­nen, gut, und dann wer­de ich Ih­nen so­gar die Sei­te an­ge­ben, auf der Sie raf­fi­nier­te Sa­chen fin­den. Das sind Dia­lo­ge, das sind ge­schrie­be­ne Dia­lo­ge, das heißt, dass ein und der­sel­be bei­de Re­pli­ken schreibt. Das ist ein ziem­lich spe­zi­el­ler Dia­log, doch das ist sehr in­struk­tiv. Sie soll­ten sich auf Sei­te 22 be­zie­hen. Das ist sehr in­struk­tiv, und ich könn­te es auf mehr als eine Wei­se über­set­zen, un­ter an­de­rem, in­dem ich mich mei­nes Seins und mei­nes Ha­bens von vor­hin be­die­ne.

Ich wer­de je­doch ein­fa­cher vor­ge­hen, um Sie an et­was zu er­in­nern, wor­auf ich be­reits den Ak­zent ge­setzt habe, dass näm­lich die an­geb­li­chen Pa­ra­do­xi­en, bei de­nen sich die klas­si­sche Lo­gik auf­hält, ins­be­son­de­re die des „Ich lüge“, erst von dem Mo­ment an halt­bar sind, in dem sie ge­schrie­ben sind. Es ist voll­kom­men klar, dass „Ich lüge“ zu sa­gen, et­was ist, was kei­ne Schwie­rig­keit macht– da man schließ­lich nichts an­de­res tut als das, war­um soll­te man es nicht sa­gen? Was be­deu­tet das? Dass es hier nur dann, wenn es ge­schrie­ben ist, eine Pa­ra­do­xie gibt, denn dann sagt man: „Wie nun, lü­gen Sie oder spre­chen Sie die Wahr­heit?“

Das ist ge­nau das­sel­be wie das, wor­auf ich Sie frü­her ein­mal auf­merk­sam ge­macht habe, näm­lich zu schrei­ben: „<Die­ser Aus­druck de­fi­niert> die kleins­te Zahl, die mit mehr als fünf­zehn Wör­tern ge­schrie­ben wird.“ Sie se­hen hier kei­ne Schwie­rig­keit, wenn ich es Ih­nen sage. Wenn es ge­schrie­ben ist, zäh­len Sie nach, Sie se­hen dann, dass es in dem, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, nur drei­zehn gibt. Ab­zäh­len aber lässt sich das nur dann, wenn es ge­schrie­ben ist.

Denn wenn das auf ja­pa­nisch ge­schrie­ben ist, wet­te ich, dass sie sie nicht zäh­len kön­nen. Denn da stel­len Sie sich schon die Fra­ge, es gibt klei­ne Stü­cke, etwa so, ein Quä­ken, klei­ne o und klei­ne ua, bei de­nen Sie sich fra­gen wer­den, ob man das ans Wort an­hän­gen muss oder ob man es ab­lö­sen muss und als ei­ge­nes | [73] Wort zäh­len muss – das ist nicht mal ein Wort, das ist eh, das ist so. [Ge­läch­ter]

Nur wenn es ge­schrie­ben ist, lässt es sich zäh­len.

Nun, die Wahr­heit, Sie wer­den be­mer­ken, dass Sie, ge­nau wie in der Me­ta­ma­the­ma­tik von Lo­ren­zen, wenn Sie pos­tu­lie­ren, dass man in Be­zug auf den­sel­ben Punkt nicht zu­gleich „ja“ und „nein“ sa­gen kann, dann ge­win­nen Sie – Sie wer­den gleich se­hen, was Sie ge­win­nen –, wenn Sie aber dar­auf wet­ten, dass es „ja“ oder aber „nein“ ist, dann ver­lie­ren Sie. Schau­en Sie bei Lo­ren­zen nach; ich wer­de es Ih­nen aber so­fort ver­an­schau­li­chen.

Ich be­gin­ne so: „Es ist nicht wahr“, sage ich der Wahr­heit, „dass du zu­gleich wahr sprichst und lügst.“

Die Wahr­heit kann vie­les ant­wor­ten; da Sie es sind, die sie ant­wor­ten las­sen, kos­tet Sie das gar nichts. Das führt in je­dem Fall zum sel­ben Er­geb­nis, aber ich füh­re es Ih­nen im Ein­zel­nen vor, um mich eng an Lo­ren­zen zu hal­ten.

Sie sagt: „Ich spre­che wahr.“

Sie ant­wor­ten ihr: „Das lass ich dich nicht sa­gen!“ [Ge­läch­ter]

Dann, um Sie zu ver­ar­schen, sagt sie Ih­nen: „Ich lüge.“

Wor­auf Sie ant­wor­ten: „Jetzt hab ich ge­won­nen, ich weiß, dass du dir wi­der­sprichst.“

Das ist ge­nau das, was Sie beim Un­be­wuss­ten ent­de­cken, das geht nicht dar­über hin­aus. Dass das Un­be­wuss­te im­mer die Wahr­heit sagt und dass es lügt, ist von ihm aus voll­kom­men ver­tret­bar, Sie müs­sen es ein­fach nur wis­sen.

Was lehrt Sie das? Dass Sie von der Wahr­heit nur dann et­was wis­sen, wenn sie sich ent­fes­selt. Denn sie hat sich ent­fes­selt, sie hat Ihre Ket­te zer­bro­chen; auch dann, als Sie ihr sag­ten, die Kon­junk­ti­on sei ganz und gar nicht halt­bar, hat sie Ih­nen bei­de Sa­chen zu­gleich ge­sagt.

Aber neh­men Sie das Ge­gen­teil an, näm­lich dass Sie ihr ge­sagt ha­ben: „Du sprichst die Wahr­heit oder du lügst.“

Nun ja, dann ha­ben Sie die Kos­ten zu tra­gen. Denn, was ant­wor­tet sie Ih­nen?: „Ich stim­me dir zu, ich fess­le mich. Du sagst mir ‚du sprichst wahr oder du lügst‘, und tat­säch­lich, das ist wohl wahr.“

Nur, in die­sem Fall, da wis­sen Sie nichts, Sie wis­sen nichts über das, was sie Ih­nen ge­sagt hat, denn sie spricht wahr oder sie lügt, der­art, dass Sie ver­lie­ren.

Ich weiß nicht, ob sich das Ih­nen in sei­ner Stich­hal­tig­keit er­schließt, aber das be­deu­tet et­was, wo­mit wir stän­dig Er­fah­run­gen ma­chen, näm­lich dass die Tat­sa­che, dass sie sich ver­wei­gert, die Wahr­heit, dass mir das zu et­was nüt­ze ist. Eben da­mit ha­ben wir es in der Ana­ly­se stän­dig zu tun, und dass sie auf­gibt, dass sie die Ket­te ak­zep­tiert, wel­che auch im­mer, nun ja, da bin ich mit mei­nem La­tein am Ende. An­ders ge­sagt, das – das lässt für mich zu wün­schen üb­rig / das lässt mich be­geh­ren (ça me lais­se à dé­si­rer). Das lässt mich be­geh­ren, dass lässt mich in mei­ner Po­si­ti­on des Su­chen­den / des For­dern­den / des Fra­gen­den (de­man­deur), denn ich täu­sche mich, wenn ich den­ke, dass ich eine Wahr­heit ab­han­deln kann, die ich doch nur als ent­fes­sel­te er­ken­nen kann. Sie zei­gen auf, an wel­cher Ent­fes­se­lung (déchaînement/déchet-nement) Sie teil­ha­ben.

[74] Es gibt et­was, was es ver­dient, in die­sem Zu­sam­men­hang her­vor­ge­ho­ben zu wer­den, und das ist die Funk­ti­on von et­was, das ich be­reits seit lan­gem ganz be­hut­sam aufs Korn neh­me und was sich „Frei­heit“ nennt.

Es kommt vor, dass es Leu­te gibt, die ver­mit­tels des Phan­tas­mas be­stimm­te Ver­fah­ren aus­tüf­teln, durch die zwar nicht die Wahr­heit selbst, aber zu­min­dest der Phal­lus ge­zähmt wer­den könn­te. Ich wer­de Ih­nen nicht sa­gen, in wel­che Viel­falt von Ein­zel­hei­ten sich Ela­bo­ra­te die­ser Art aus­brei­ten kön­nen. Es gibt je­doch et­was ganz Er­staun­li­ches, das ist, dass, ab­ge­se­hen von ei­nem ge­wis­sen Man­gel an Se­rio­si­tät, der viel­leicht das ist, was es an So­li­des­tem gibt, um die Per­ver­si­on zu de­fi­nie­ren; nun ja, die­se ele­gan­ten Lö­sun­gen, es ist klar, dass die Per­so­nen, für die das se­ri­ös ist, die­se gan­ze klei­ne Sa­che –.

Weil, mein Gott, die Spra­che, das zählt für sie, das Ge­schrie­be­ne eben­so, und sei es nur des­halb, weil das die lo­gi­sche Be­fra­gung er­mög­licht. Denn letzt­lich, was ist die Lo­gik, wenn nicht die­se ab­so­lut sa­gen­haf­te Pa­ra­do­xie, die nur durch das Ge­schrie­be­ne er­mög­licht wird, dass man die Wahr­heit als Re­fe­rent nimmt? Da­mit kom­mu­ni­ziert man of­fen­sicht­lich. Wenn man be­ginnt, die ers­ten, die al­ler­ers­ten For­meln der Aus­sa­gen­lo­gik an­zu­ge­ben, nimmt man als Re­fe­renz, dass es Aus­sa­gen gibt, die als wahr ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen und an­de­re, die als falsch ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen, da­mit be­ginnt der Be­zug auf die Wahr­heit. Sich auf die Wahr­heit zu be­zie­hen, das heißt, das ab­so­lut Fal­sche an­zu­neh­men, das heißt ein Fal­sches, auf das man sich als sol­ches be­zie­hen könn­te.

Die se­riö­sen Leu­te – ich kom­me auf das zu­rück, was ich da­bei bin aus­zu­füh­ren –, de­nen sich die­se ele­gan­ten Lö­sun­gen an­bie­ten, die in der Zäh­mung des Phal­lus be­stün­den, nun ja, es ist ei­gen­ar­tig, dass sie es sind, die sich dem ver­wei­gern. Und war­um, wenn nicht, um das zu be­wah­ren, was „Frei­heit“ ge­nannt wird, in­so­fern sie mit der Nicht-Exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses ge­nau iden­tisch ist.

Denn letzt­lich – muss man wirk­lich dar­auf hin­wei­sen, dass die­ses Ver­hält­nis von Mann und Frau, in­so­fern es durch das Ge­setz, durch das so­ge­nann­te se­xu­el­le Ge­setz, ra­di­kal fal­si­fi­ziert ist, et­was ist, was gleich­wohl be­geh­ren lässt (lais­se à dé­si­rer), dass es für ei­nen je­den sei­ne eine jede gibt, um ihm zu ent­spre­chen?

Wenn das ge­schieht, was soll man dann sa­gen? Ge­wiss nicht, dass das et­was Na­tür­li­ches sei, da es in die­ser Hin­sicht kei­ne Na­tur gibt, da Die Frau nicht exis­tiert. Dass sie exis­tiert, ist ein Frau­en­t­raum, das ist ja der Traum, aus dem Don Juan her­vor­ge­gan­gen ist. Wenn es ei­nen Mann gäbe, für den Die Frau exis­tiert, wäre das ein Wun­der. Man wäre sich Be­geh­rens die­ses Man­nes si­cher. Das ist ein weib­li­ches | [75] Hirn­ge­spinst.

Da­für, dass ein Mann sei­ne Frau fin­det, was gibt es da­für an­de­res au­ßer der ro­man­ti­schen For­mel „das war Schick­sal“, „das stand ge­schrie­ben“?

Ein­mal mehr sind wir an die­sem Kreuz­weg an­ge­langt, an dem, wor­über ich Ih­nen ge­sagt habe, dass ich das, wor­um es beim wah­ren Sei­gneur geht, zum Um­fal­len brin­gen wer­de, bei dem Typ, der et­was ist, was man, du lie­be Zeit, sehr schlecht mit hom­me über­setzt, „Mensch“ oder „Mann“, der so ein ganz klein biss­chen über dem Üb­li­chen ist, und das ist die­se Schau­kel zwi­schen dem xing  (姓) – die­ser Na­tur, wie sie durch die Sprach­wir­kung ein­ge­schrie­ben ist, in die Dis­junk­ti­on von Mann und Frau ein­ge­schrie­ben ist –, und an­de­rer­seits die­sem „es ist ge­schrie­ben“, die­ses ming (命), die­ses an­de­re Schrift­zei­chen, des­sen Ge­stalt ich Ih­nen hier be­reits ein ers­tes Mal ge­zeigt hat­te und wel­ches das ist, wo­vor die Frei­heit zu­rück­weicht.

Französisch/Deutsch mit Anmerkungen

[An der Ta­fel]

mencius-spruch

Ça, c’est le nom de l’auteur de cet­te me­nue for­mu­le…

孟子

Das ist der Name des Au­tors die­ser klei­nen For­mel [zeigt auf lin­ke Ko­lum­ne]:

孟子

[Die senk­rech­ten Ko­lum­nen, die von oben nach un­ten ge­le­sen wer­den und von rechts nach links an­ge­ord­net sind, wer­den hier und im fol­gen­den waa­ge­recht dar­ge­stellt.]

Cet­te me­nue for­mu­le, au­quel, mal­gré qu’elle ait été écri­te vers 250 avant J.C., en Chi­ne com­me vous le voy­ez, au cha­pit­re 2, au Li­v­re IV, deu­xiè­me par­tie – quel­que­fois c’est clas­sé au­tre­ment, alors dans ce cas-là ce sera la par­tie VIII, au Li­v­re IV, deu­xiè­me par­tie pa­ra­gra­phe 26 – de Meng-tzu, que les Jé­sui­tes ap­pel­lent Men­ci­us, puis­que ce sont eux qui ont fait… bien avant l’époque où il y a eu des si­no­lo­gues, c’est-à-dire le dé­but du XI­Xè­me siè­cle, pas avant.

Die­se klei­ne For­mel, zu der –, ob­wohl sie etwa 250 vor Chris­tus ge­schrie­ben wur­de, in Chi­na, wie Sie se­hen, in Ka­pi­tel 2 von Buch IV, der zwei­te Teil, aber manch­mal wird das an­ders ein­ge­ord­net und dann ist es Teil VIII von Buch I, der zwei­te Teil, Ab­satz 26 –, von Meng­zi, der von den Je­sui­ten Men­ci­us ge­nannt wur­de, das sind die­je­ni­gen, die ge­macht ha­ben –; lan­ge vor der Zeit, als es Si­no­lo­gen gab, das heißt An­fang des 19. Jahr­hun­derts, nicht vor­her.

J’ai eu le bon­heur d’acquérir le pre­mier li­v­re sur le­quel se so­i­ent trou­vées con­join­tes une plaque d’impression chi­noi­se, c’est pas tout à fait la même cho­se que le pre­mier li­v­re où il y ait eu à la fois des ca­rac­tè­res chi­nois et des ca­rac­tè­res eu­ro­péens, c’est le pre­mier li­v­re où il y a eu une plaque d’impression chi­noi­se avec des cho­ses écri­tes, des cho­ses im­pri­mées, de not­re crû.

Ich hat­te das Glück, das ers­te Buch zu er­wer­ben, in dem man eine chi­ne­si­sche Druck­plat­te ver­bun­den fin­det – das ist kei­nes­wegs das­sel­be wie das ers­te Buch, in dem es zu­gleich chi­ne­si­sche und eu­ro­päi­sche Schrift­zei­chen ge­ge­ben hat –, das ist das ers­te Buch, in dem es eine chi­ne­si­sche Druck­plat­te zu­sam­men mit ge­schrie­be­nen Sa­chen, ge­druck­ten Sa­chen, die von uns kom­men, ge­ge­ben hat.

C’est une tra­duc­tion des fables d’Ésope.

Das ist eine Über­set­zung der Fa­beln von Äsop.

Ça, c’est paru en 1840, et ça se tar­gue – à jus­te tit­re – d’être le pre­mier li­v­re où se soit réa­li­sée cet­te con­jonc­tion.

Das ist 1840 er­schie­nen und es rühmt sich zu Recht, das ers­te Buch zu sein, in dem die­se Ver­bin­dung her­ge­stellt wur­de.

1840, di­tes-vous que c’est à peu près jus­te­ment la date du mo­ment où il y a eu des si­no­lo­gues.

1840, Sie wer­den sa­gen, das ist un­ge­fähr das Da­tum, von dem an es Si­no­lo­gen ge­ge­ben hat.2

Les Jé­sui­tes étai­ent de­pu­is bien long­temps en Chi­ne, com­me peut-être cer­ta­ins s’en sou­vi­en­nent.

Wie ei­ni­ge sich viel­leicht er­in­nern, wa­ren die Je­sui­ten <zu die­sem Zeit­punkt> be­reits sehr lan­ge in Chi­na.3

Ils ont fail­li fai­re la con­jonc­tion de la Chi­ne avec ce qu’ils re­pré­sen­tai­ent au tit­re de mis­si­onnai­res.

Fast ist es ih­nen ge­lun­gen, eine Ver­bin­dung zwi­schen Chi­na und dem her­zu­stel­len, was sie als Mis­sio­na­re re­prä­sen­tier­ten.

Seu­le­ment ils se sont lais­sés un peu im­pres­si­onner par les ri­tes chi­nois, et com­me vous le sa­vez peut-être, en plein XVIIIè­me siè­cle, ça leur a fait quel­ques en­nu­is avec Rome, qui n’a pas mon­tré en l’occasion une par­ti­cu­liè­re acuité po­li­tique.

Sie ha­ben sich je­doch ein we­nig von den chi­ne­si­schen Ri­tua­len be­ein­dru­cken las­sen, und wie Sie viel­leicht wis­sen, hat ih­nen das Mit­te des 18. Jahr­hun­derts ge­wis­se Un­an­nehm­lich­kei­ten mit Rom ein­ge­bracht, das in die­sem Fall kei­nen be­son­de­ren po­li­ti­schen Scharf­sinn ge­zeigt hat.

Ça lui ar­ri­ve, à Rome.

So­was pas­siert Rom.

En­fin dans Vol­taire – si vous li­sez Vol­taire, mais bien sûr per­son­ne ne lit plus Vol­taire, vous avez bien tort, c’est tout plein de cho­ses – dans Vol­taire il y a – très ex­ac­te­ment dans Le Siè­cle de Lou­is XIV et en ap­pen­di­ce je crois, ça for­me un li­bel­le par­ti­cu­lier – un grand dé­ve­lop­pe­ment sur cet­te Que­rel­le des Ri­tes, dont beau­coup de cho­ses dans l’histoire se trou­vent main­tenant en po­si­ti­on de fi­lia­ti­on.

Nun, bei Vol­taire – falls Sie Vol­taire le­sen, aber na­tür­lich liest nie­mand mehr Vol­taire, Sie ma­chen wirk­lich ei­nen Feh­ler, da gibt’s al­ler­hand –, bei Vol­taire gibt es, und zwar ge­nau in Das Jahr­hun­dert Lud­wigs XIV.4 und dort als An­hang, glau­be ich, das ist ein ei­ge­ne Streit­schrift5, eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung des Ri­ten­streits6, eine Dar­stel­lung, der ge­gen­über vie­le Din­ge in der Ge­schichts­wis­sen­schaft jetzt in ei­ner Ab­stam­mungs­po­si­ti­on sind.

Quoi qu’il en soit donc, c’est de Men­ci­us qu’il s’agit, et Men­ci­us écrit ceci.

Wie dem auch sei, es geht also um Men­ci­us, und Men­ci­us hat das hier [an der Ta­fel] ge­schrie­ben.

Puis­que je l’ai écrit au ta­bleau pour com­men­cer, ça ne fait pas à pro­pre­ment par­ler par­tie de mon dis­cours d’aujourd’hui, c’est pour ça que je le case avant l’heure pile de midi et demi.

Denn ich habe es an die Ta­fel ge­schrie­ben, um da­mit an­zu­fan­gen; das ist ei­gent­lich nicht Teil mei­nes Vor­trags heu­te, und dar­um wer­de ich es pünkt­lich vor halb eins un­ter­brin­gen.

Je vais vous dire, ou je vais es­say­er de vous fai­re sen­tir ce que ça veut dire, et puis ça nous met­t­ra dans le bain con­cer­nant ce qui est l’objet à pro­pre­ment par­ler de ce que je veux énon­cer aujourd’hui, c’est à savoir : dans ce qui nous préoc­cupe, quel­le est la fonc­tion de l’écriture ?

Ich will Ih­nen sa­gen oder ich wer­de ver­su­chen, Sie spü­ren zu las­sen, was das heißt, und das wird uns dann zu dem füh­ren, was der ei­gent­li­che Ge­gen­stand ist, zu dem ich mich heu­te äu­ßern will, näm­lich: Bei dem, was uns be­schäf­tigt, was ist da die Funk­ti­on der Schrift (éc­ri­tu­re)?

Com­me l’écriture, ça exis­te en Chi­ne de­pu­is un temps im­mé­mo­ri­al.

Denn die Schrift gibt es in Chi­na seit un­vor­denk­li­chen Zei­ten.

Je veux dire bien avant que nous en ayons à pro­pre­ment par­ler des ouvra­ges, l’écriture exis­tait déjà de­pu­is ex­trê­me­ment long­temps, on ne peut pas éva­lu­er de­pu­is com­bi­en de temps elle exis­tait.

Ich mei­ne da­mit: Lan­ge be­vor wir im en­ge­ren Sin­ne <ge­schrie­be­ne> Wer­ke ha­ben, gab es be­reits seit äu­ßerst lan­ger Zeit die Schrift; man kann nicht ab­schät­zen, wie lan­ge es sie be­reits gab.

Cet­te éc­ri­tu­re a en Chi­ne un rôle tout à fait pi­vot, dans un cer­tain nom­bre de cho­ses qui se sont pas­sées, et c’est as­sez éclai­rant sur ce que nous pou­vons pen­ser de la fonc­tion de l’écriture.

In Chi­na spielt die Schrift bei ei­ner ge­wis­sen Rei­he von Din­gen, die sich er­eig­net ha­ben, eine ab­so­lu­te Schlüs­sel­rol­le, und das ist für das, was wir über die Funk­ti­on der Schrift den­ken kön­nen, ziem­lich er­hel­lend.

Il est cer­tain que l’écriture a joué un rôle tout à fait dé­cisif dans le sup­port de quel­que cho­se au­quel nous avons cet ac­cès-là et rien d’autre, à savoir un type de struc­tu­re so­cia­le qui s’est sou­tenu très long­temps et d’où, jusqu’à une épo­que ré­cen­te, on pou­vait con­clu­re qu’il y avait une tou­te aut­re fi­lia­ti­on quant à ce qui se sup­por­tait en Chi­ne, que ce qui s’était en­gendré chez nous, et nom­mé­ment par un de ces phyl­um qui se trou­vent nous in­téres­ser par­ti­cu­liè­re­ment, à savoir le phyl­um phi­lo­so­phi­que en tant que, je l’ai poin­té l’année der­niè­re, il est no­dal pour com­prend­re ce dont il s’agit quant au dis­cours du maît­re.

Si­cher ist, dass die Schrift eine ganz ent­schei­den­de Rol­le ge­spielt hat bei der Stüt­zung von et­was, wozu wir eben die­sen und kei­nen an­de­ren Zu­gang ha­ben, näm­lich ei­ner Art von So­zi­al­struk­tur, die sich sehr lan­ge ge­hal­ten hat und von wo­her man bis in jüngs­te Zeit schlie­ßen konn­te, dass es für das, was in Chi­na ge­stützt wur­de, eine ganz an­de­re Ab­stam­mung gab als die­je­ni­ge, die bei uns ent­stan­den ist, ins­be­son­de­re durch ei­nes die­ser Phy­la, das für uns von be­son­de­rem In­ter­es­se ist, das phi­lo­so­phi­sche Phyl­um, in­so­fern es, dar­auf habe ich letz­tes Jahr hin­ge­wie­sen, ei­nen Kno­ten­punkt dar­stellt für das Ver­ständ­nis des­sen, wor­um es beim Dis­kurs des Herrn geht.

Alors voi­là com­ment s’énonce cet ex­er­gue.

So also wird die­se In­schrift aus­ge­spro­chen.

.

[An der Ta­fel, ers­te Ko­lum­ne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye] 

.

Com­me je vous l’ai déjà mon­tré au ta­bleau la der­niè­re fois, ceci [天] dé­si­gne le ciel, ça se dit tian.

Wie ich Ih­nen be­reits das letz­te Mal an der Ta­fel ge­zeigt habe, be­zeich­net dies [天] den Him­mel, das wird tian aus­ge­spro­chen.

Tian xia [天 下], c’est « sous le ciel », « tout ce qui est sous le ciel ».

Tian xia [天 下], das be­deu­tet „un­ter dem Him­mel“, „al­les, was un­ter dem Him­mel ist“.

Ici  [之] c’est un dé­ter­mi­na­tif,  zhi, il s’agit de quel­que cho­se qui est des­sous le ciel [天 下 之].

Das hier [之] ist ein De­ter­mi­na­tiv, zhi, es geht um et­was, was un­ter dem Him­mel ist.7

Qu’est-ce qui est des­sous le ciel, c’est ce qui vi­ent après.

Was un­ter dem Him­mel ist, ist das, was an­schlie­ßend kommt.

Ce que vous voy­ez là [言] n’est aut­re cho­se que la dé­si­gna­ti­on de la pa­ro­le, que dans l’occasion nous énon­ce­rons yan.

Was Sie da se­hen [言], ist nichts an­de­res als die Be­zeich­nung des Spre­chens (pa­ro­le), die wir hier­bei yan aus­spre­chen.

Yan xing [言 性], je l’ai déjà mis au ta­bleau la der­niè­re fois, en vous si­gnalant que ce xing, c’était jus­te­ment un des élé­ments qui nous préoc­cu­p­e­ront cet­te an­née, pour au­tant que le ter­me qui en appro­che le plus c’est ce­lui de la na­tu­re.

Yan xing [言 性], das habe ich be­reits das letz­te Mal an die Ta­fel ge­schrie­ben und Sie da­bei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die­ses xing eben ei­nes der Ele­men­te ist, die uns in die­sem Jahr be­schäf­ti­gen wer­den, in­so­fern der Aus­druck, der ihm am nächs­ten kommt, der der Na­tur ist.

Et ye [也] est quel­que cho­se qui con­clut une phra­se, sans dire à pro­pre­ment par­ler qu’il s’agit de quel­que cho­se de l’ordre de ce que nous énonçons « est », « être », c’est une con­clu­si­on ou di­sons une ponc­tua­ti­on, car la phra­se con­ti­nue ici, puis­que les cho­ses s’écrivent de droi­te à gau­che :

Und ye [也] ist et­was, wo­mit ein Satz ab­ge­schlos­sen wird, ohne da­mit zu sa­gen, dass es sich im stren­gen Sin­ne um et­was von der Ord­nung des­sen han­delt, was wir als „ist“ oder als „sein“ äu­ßern; das ist ein Ab­schluss oder sa­gen wir eine In­ter­punk­ti­on, denn, da die Din­ge8 von rechts nach links ge­schrie­ben wer­den, geht der Satz hier [in der zwei­ten Ko­lumm­ne von rechts] wei­ter.

[An der Ta­fel, zwei­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

.

La phra­se con­ti­nue ici par un cer­tain ze [則], qui veut dire « par con­séquent », ou qui en tout cas in­di­que le con­séquent.

Der Satz wird hier mit ei­nem ze [則] fort­ge­setzt, was „in­fol­ge­des­sen“ be­deu­tet oder was auf je­den Fall die Kon­se­quenz an­zeigt.

Alors, vo­yons donc ce dont il s’agit.

Schau­en wir also, wor­um es sich han­delt.

Yan [言] [re­tour à la pre­miè­re co­lon­ne] ne veut rien dire d’autre que « le lan­ga­ge », mais com­me tous les ter­mes énon­cés dans la lan­gue chi­noi­se, c’est sus­cep­ti­ble aus­si d’être em­ployé au sens d’un ver­be, donc ça peut vou­loir dire à la fois « la pa­ro­le » et « ce qui par­le ».

[An der Ta­fel, ers­te Ko­lum­ne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Yan [言] be­deu­tet nichts an­de­res als „Spra­che (lan­ga­ge)“, aber wie alle Aus­drü­cke, die in der chi­ne­si­schen Spra­che (lan­gue) ge­äu­ßert wer­den, kann auch die­ser Aus­druck im Sin­ne ei­nes Verbs ver­wen­det wer­den; das kann also zu­gleich „das Spre­chen“ und „das, was spricht“ be­deu­ten.

Et qui par­le quoi ?

Und das was sagt?

Ça se­rait dans ce cas ce qui suit, à savoir xing [性], « la na­tu­re « : « ce qui par­le de la na­tu­re sous le ciel ».

Das wäre in die­sem Fall das, was folgt, näm­lich xing [性], „die Na­tur“, „das, was von der Na­tur un­ter dem Him­mel spricht“.

Et ye [也] se­rait une ponc­tua­ti­on.

Und das ye [也] wäre eine In­ter­punk­ti­on.

Néan­moins, et c’est en cela qu’il est in­téres­sant de s’occuper d’une phra­se de la lan­gue écri­te, vous voy­ez que vous pour­riez cou­per les cho­ses au­tre­ment et dire : « la pa­ro­le », voi­re « le lan­ga­ge », car s’il s’agissait de pré­ci­ser la pa­ro­le, nous au­ri­ons un aut­re ca­rac­tè­re lé­gè­re­ment dif­fé­rent, à ce ni­veau tel que donc il est ici écrit, ce ca­rac­tè­re peut aus­si bien vou­loir dire « pa­ro­le » que « lan­ga­ge ».

Nichts­des­to­we­ni­ger se­hen Sie, und dar­in ist es in­ter­es­sant, sich mit ei­nem Satz der ge­schrie­be­nen Spra­che (lan­gue) zu be­fas­sen, dass Sie die Din­ge an­ders schnei­den könn­ten und sa­gen könn­ten: „das Spre­chen“, ja „die Spra­che (lan­ga­ge)“, denn wenn es dar­um gin­ge, spe­zi­ell das Spre­chen zu be­zeich­nen, hät­ten wir ein et­was an­de­res Schrift­zei­chen; auf der Ebe­ne, wie es also hier ge­schrie­ben ist, kann die­ses Schrift­zei­chen so­wohl „Spre­chen“ als auch „Spra­che“ be­deu­ten.

Ces sor­tes d’ambiguïtés sont tout à fait fon­da­men­ta­les dans l’usage de ce qui s’écrit, très pré­cisé­ment, et c’est ce qui en fait la por­tée.

Mehr­deu­tig­kei­ten die­ser Art sind bei der Ver­wen­dung des­sen, was ge­schrie­ben wird, wirk­lich ab­so­lut grund­le­gend, und das macht sei­ne Trag­wei­te aus.

Puis­que com­me je vous l’ai fait re­mar­quer, com­me je vous l’ai fait re­mar­quer au dé­part de mon dis­cours de cet­te an­née et plus spé­cia­le­ment la der­niè­re fois, c’est très pré­cisé­ment en tant que la ré­fé­rence – quant à tout ce qui est du lan­ga­ge – est tou­jours in­di­rec­te, que le lan­ga­ge prend sa por­tée.

Denn wie ich Ih­nen be­reits ge­sagt habe, wie ich Ih­nen be­reits zu Be­ginn mei­nes Dis­kur­ses in die­sem Jahr und spe­zi­el­ler beim letz­ten Mal ge­sagt habe, be­kommt die Spra­che (lan­ga­ge) ihre Trag­wei­te von da­her, dass bei al­lem, was zur Spra­che ge­hört, die Re­fe­renz im­mer in­di­rekt ist.

Nous pour­ri­ons donc dire aus­si : « le lan­ga­ge – en tant qu’il est dans le mon­de, qu’il est sous le ciel –  le lan­ga­ge, voi­là ce qui fait xing [性], la na­tu­re », car cet­te na­tu­re n’est pas, au moins dans Meng-tzu, n’importe quel­le na­tu­re, il s’agit jus­te­ment de la na­tu­re de l’être par­lant, cel­le dont, dans un aut­re pas­sa­ge, il ti­ent à pré­ci­ser que il y a une dif­fé­rence ent­re cet­te na­tu­re et la na­tu­re de l’animal, une dif­fé­rence, ajou­te-t-il, poin­te-t-il en deux ter­mes qui veu­lent bien dire ce qu’ils veu­lent dire :  « .une dif­fé­rence in­fi­nie ».

Wir könn­ten also auch sa­gen: „die Spra­che – in­so­fern sie in der Welt ist, un­ter dem Him­mel ist –, die Spra­che ist das, wo­durch xing [性] ge­macht wird, die Na­tur“, denn die­se Na­tur ist nicht ir­gend­ei­ne Na­tur, zu­min­dest bei Meng­zi nicht, es geht ge­nau um die Na­tur des spre­chen­den We­sens, des­je­ni­gen We­sens, bei dem es ihm in ei­ner an­de­ren Pas­sa­ge dar­um geht, zu prä­zi­sie­ren, dass es ei­nen Un­ter­schied gibt zwi­schen die­ser Na­tur und der Na­tur des Tie­res, ei­nen Un­ter­schied, so fügt er hin­zu, so hebt er mit zwei Aus­drü­cken her­vor, die eben das be­deu­ten, was sie be­deu­ten: „ei­nen un­end­li­chen Un­ter­schied“.

Et qui peut-être est cel­le qui est dé­fi­nie là.

Und der viel­leicht der ist, der dort [an der Ta­fel] de­fi­niert ist.

Vous le ver­rez d’ailleurs, que nous pre­ni­ons l’une ou l’autre de ces in­ter­pré­ta­ti­ons, l’axe de ce qui va se dire com­me con­séquent n’en sera pas chan­gé.

Sie wer­den üb­ri­gens se­hen – ob wir nun die eine oder die an­de­re Über­set­zung neh­men, die Stoß­rich­tung des­sen, was im Er­geb­nis ge­sagt wird, wird da­durch nicht ver­än­dert.

Ze [則] [re­tour à la 2ème co­lon­ne] donc, c’est « la con­séquence », « en con­séquence ».

Ze [則] also, das ist „die Fol­ge“, „folg­lich“.

Gu, c’est ici [故] – gu, en con­séquence, c’est « de cau­se », car « cau­se » ne veut pas dire aut­re cho­se.

Gu, das ist hier [故] – gu, „folg­lich“, das ist „ver­ur­sacht durch“, denn „Ur­sa­che“ be­deu­tet nichts an­de­res.

Quel­le que soit l’ambiguïté que un cer­tain li­v­re, qui est ce­lui-ci : Men­ci­us on the mind, à savoir un li­v­re com­mis par un nom­mé Ri­chards, qui n’était cer­tai­ne­ment pas le der­nier venu –.

Wel­ches auch im­mer die Mehr­deu­tig­keit sein mag, die ein be­stimm­tes Buch, näm­lich die­ses Men­ci­us on the mind, das heißt ein Buch, er­stellt von ei­nem ge­wis­sen Ri­chards, der si­cher­lich kein Neu­ling war –.9

Ri­chards et Og­den sont les deux chefs de file d’une po­si­ti­on née en An­gle­terre et tout à fait con­for­me à la meilleu­re tra­di­ti­on de la phi­lo­so­phie anglai­se, qui ont con­sti­tué au dé­but de ce siè­cle la doc­tri­ne ap­pelée lo­gi­co-po­si­ti­vis­me, dont le li­v­re ma­jeur s’intitule The mea­ning of mea­ning.

Ri­chards und Og­den wa­ren die bei­den füh­ren­den Köp­fe ei­ner aus Eng­land stam­men­den und mit der bes­ten Tra­di­ti­on der eng­li­schen Phi­lo­so­phie ganz und gar über­ein­stim­men­den Po­si­ti­on, die zu Be­ginn die­ses Jahr­hun­derts die als „lo­gi­scher Po­si­ti­vis­mus“ be­zeich­ne­te Leh­re ent­wi­ckelt ha­ben und de­ren Haupt­werk den Ti­tel The mea­ning of mea­ning trägt.10

C’est un li­v­re au­quel vous trou­ve­r­ez déjà al­lu­si­on dans mes Écrits avec une cer­tai­ne po­si­ti­on dé­pré­cia­ti­ve de ma part.

Das ist ein Buch, auf das Sie be­reits in mei­nen Schrif­ten eine An­spie­lung fin­den wer­den, mit ei­ner ge­wis­sen ab­wer­ten­den Hal­tung mei­ner­seits.11

The mea­ning of mea­ning veut dire « Le sens du sens ».

The mea­ning of mea­ning be­deu­tet „Der Sinn des Sinns“.

Le lo­gi­co-po­si­ti­vis­me pro­cè­de de cet­te exi­gence qu’un tex­te ait un sens sai­sis­sa­ble, ce qui l’amène à une po­si­ti­on qui est cel­le-ci : que, un cer­tain nom­bre d’énoncés phi­lo­so­phi­ques se trou­vent en quel­que sor­te dé­va­lo­ri­sés au prin­ci­pe du fait qu’ils ne don­nent au­cun ré­sul­tat sai­sis­sa­ble quant à la re­cher­che du sens.

Der lo­gi­sche Po­si­ti­vis­mus geht von der For­de­rung aus, dass ein Text ei­nen greif­ba­ren Sinn hat, was ihn zu der Po­si­ti­on bringt, dass eine ge­wis­se An­zahl von phi­lo­so­phi­schen Äu­ße­run­gen in ge­wis­ser Wei­se ent­wer­tet sind, auf Grund der Tat­sa­che, dass sie, bei der Su­che nach ih­rem Sinn, kein greif­ba­res Re­sul­tat lie­fern.

En d’autres ter­mes, pour peu qu’un tex­te phi­lo­so­phi­que soit pris, pris en fla­grant dé­lit de non-sens, il est mis pour cela même hors de jeu.

An­ders aus­ge­drückt, so­bald ein phi­lo­so­phi­scher Text er­tappt wird, bei ei­nem De­likt des Nicht-Sinns in fla­gran­ti er­tappt wird, wird er eben da­für aus dem Spiel her­aus­ge­nom­men.

Il n’est que trop clair que c’est là une fa­çon d’élaguer les cho­ses qui ne per­met guè­re de s’y re­trou­ver, car si nous par­tons du prin­ci­pe que quel­que cho­se qui n’a pas de sens ne peut pas être es­sen­tiel dans le dé­ve­lop­pe­ment d’un dis­cours, nous per­dons le fil tout sim­ple­ment.

Es ist nur zu klar, dass dies eine Art und Wei­se ist, die Din­ge zu­sam­men­zu­strei­chen, die es kaum er­mög­licht, sich zu­recht­zu­fin­den, denn wenn wir von dem Prin­zip aus­ge­hen, dass et­was, was kei­nen Sinn hat, für die Ent­wick­lung ei­nes Dis­kur­ses nicht we­sent­lich sein kann, dann ver­lie­ren wir ganz schlicht den Fa­den.

Je ne dis pas bien sûr qu’une tel­le exi­gence ne soit un pro­cédé, mais que ce pro­cédé nous in­ter­di­se en quel­que sor­te tou­te ar­ti­cu­la­ti­on dont le sens n’est pas sai­sis­sa­ble.

Ich sage na­tür­lich nicht, dass eine sol­che For­de­rung kei­ne Vor­ge­hens­wei­se wäre, son­dern dass ein sol­ches Vor­ge­hen uns in ge­wis­ser Wei­se jede Ar­ti­ku­la­ti­on ver­bie­tet, de­ren Sinn nicht greif­bar ist.

C’est quel­que cho­se qui, par ex­emp­le, peut abou­ti­ra à ceci, à ceci par ex­emp­le que nous ne pour­rons plus fai­re usa­ge du dis­cours ma­thé­ma­tique, dont – de l’aveu des lo­gi­ci­ens les plus qua­li­fiés – ce qui le ca­rac­té­ri­se, c’est que, il se peut qu’en tel ou tel de ses points, nous ne puis­si­ons plus lui don­ner au­cun sens, ce qui ne l’empêche pas pré­cisé­ment d’être, de tous les dis­cours, ce­lui qui se dé­ve­lop­pe avec le plus de ri­gueur.

Das ist et­was, was bei­spiel­wei­se dazu füh­ren kann, dazu bei­spiels­wei­se, dass wir kei­nen Ge­brauch mehr vom ma­the­ma­ti­schen Dis­kurs ma­chen kön­nen, der nach dem Zeug­nis der qua­li­fi­zier­tes­ten Lo­gi­ker da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass es sein kann, dass wir ihm an die­sen oder je­nen Punk­ten kei­nen Sinn mehr ge­ben kön­nen, was ihn nicht dar­an hin­dert, eben der­je­ni­ge Dis­kurs zu sein, der sich von al­len Dis­kur­sen mit der größ­ten Stren­ge ent­wi­ckelt.

Nous nous trou­vons d’ailleurs de ce fait en un point qui est tout à fait es­sen­tiel à mett­re en re­li­ef con­cer­nant la fonc­tion de l’écrit.

Von da­her be­fin­den wir uns üb­ri­gens an ei­nem Punkt, bei dem es ganz und gar we­sent­lich ist, ihn her­vor­zu­he­ben, und zwar im Hin­blick auf die Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen.

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[An der Ta­fel, zwei­te und drit­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

故 者 以 利 為 本

[Gu zhe i li wei ben.]

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Donc, c’est de gu [故] qu’il s’agit.

Also, es geht um gu [故].

C’est de gu qu’il s’agit et en tant que i wei [以 為], car je vous ai déjà dit que ce wei qui peut dans cer­ta­ins cas vou­loir dire « agir » voi­re même quel­que cho­se qui est de l’ordre de « fai­re » en­co­re que ce ne soit pas n’importe le­quel.

Es geht um gu, und dies als i wei [以 為], denn ich habe Ih­nen be­reits ge­sagt, dass die­ses wei, das in be­stimm­ten Fäl­len „han­deln“ be­deu­ten kann, so­gar et­was be­deu­ten kann, was von der Ord­nung des Ma­chens ist, auch wenn das nicht je­des be­lie­bi­ge Ma­chen ist.

I [以] ici a le sens de quel­que cho­se com­me « avec ».

Das i [以] hier hat die Be­deu­tung von so et­was wie „mit“.

C’est « avec que nous al­lons pro­cé­der » – com­me quoi ? – com­me li [利], c’est ici le mot sur le­quel je vous poin­te, je vous poin­te ceci : que li, je le ré­pè­te, que ce li, qui veut dire « gain », « in­té­rêt », « pro­fit ».

Das heißt „mit dem wir vor­ge­hen wer­den“ – als was? als li [利], das ist hier das Wort, auf das ich zei­ge, ich zei­ge es Ih­nen, dass li, ich wie­der­ho­le es, dass die­ses li „Ge­winn“ be­deu­tet, „Zins“, „Pro­fit“.

Et la cho­se est d’autant plus re­mar­quable que pré­cisé­ment Men­ci­us, Men­ci­us dans son pre­mier cha­pit­re, se pré­sen­tant à un cer­tain prin­ce – peu im­por­te du­quel de ce qui con­sti­tuait alors les Royau­mes dits par la sui­te être les Royau­mes com­bat­tantsse trouve au­près de ce prin­ce – qui lui de­man­de ses con­seils – au­près de ce prin­ce, mar­quer que : il n’est pas là pour lui ens­eig­ner ce qui fait not­re loi pré­sen­te à tous, à savoir de ce qui con­vi­ent pour l’accroissement de la ri­ch­es­se du Royau­me, et nom­mé­ment de ce que nous ap­pel­le­ri­ons la plus-va­lue.

Und es ist umso be­mer­kens­wer­ter, als Men­ci­us in sei­nem ers­ten Ka­pi­tel, wor­in er sich ei­nem be­stimm­ten Prin­zen vor­stellt – nicht so wich­tig, aus wel­chem der Rei­che, die da­mals das bil­de­ten, was man spä­ter die Strei­ten­den Rei­che nann­te –, als Men­ci­us die­sem Prin­zen ge­gen­über, der ihn um Rat bit­tet, die­sem Prin­zen ge­gen­über an­merkt, er sei nicht dazu da, um ihn das zu leh­ren, was un­ser Ge­setz aus­macht, das al­len ge­gen­wär­tig ist, also dar­über, was für das Wachs­tums des Reich­tums des Rei­ches güns­tig ist und ins­be­son­de­re für das Wachs­tum des­sen, was wir den Mehr­wert nen­nen wür­den.

S’il y a un sens qu’on peut don­ner ré­troac­tive­ment à li, c’est bien de cela qu’il s’agit.

Wenn es ei­nen Sinn gibt, den man dem li nach­träg­lich ge­ben kann, dann geht es eben dar­um.

Or, c’est bien là qu’il est re­mar­quable de voir que ce que mar­que en l’occasion Men­ci­us, c’est que, à par­tir donc de cet­te pa­ro­le qui est la na­tu­re, ou si vous vou­lez de la pa­ro­le qui con­cer­ne la na­tu­re, ce dont il va s’agir c’est d’arriver à la cau­se, en tant que la­di­te cau­se, c’est li.

Nun, hier ist wirk­lich be­mer­kens­wert, zu se­hen, was Men­ci­us hier­bei an­merkt, näm­lich dass es, aus­ge­hend also von die­sem Spre­chen, das die Na­tur ist, oder wenn Sie so wol­len von dem Spre­chen, das die Na­tur be­trifft, dass es dar­um ge­hen wird, zur Ur­sa­che zu ge­lan­gen, in­so­fern die er­wähn­te Ur­sa­che das li ist.

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[An der Ta­fel, zwei­te Ko­lum­ne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.] 

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Ce qui veut dire gu er [故 而] est quel­que cho­se qui veut à la fois dire com­me « et » et com­me « mais »,

Was gu er [故 而] be­deu­tet, das ist et­was, was so et­was wie „und“ be­deu­tet und zu­gleich et­was wie „aber“.

Er i i [而 已 矣], « c’est seu­le­ment ça », et pour que on n’en dou­te pas, le i qui ter­mi­ne, qui est un i con­clu­sif, ce i a le même ac­cent que « seu­le­ment » : « c’est i, et ça suf­fit ».

Er i i [而 已 矣], „das ist nur das“, und da­mit man nicht dar­an zwei­felt, hat das i, das am Ende steht, das ein kon­klu­si­ves i ist, hat die­ses i den­sel­ben Ak­zent wie „nur“: „das ist i und das ge­nügt“.

C’est là que je me per­mets en som­me de re­con­naît­re que, pour ce qui est des ef­fets du dis­cours, pour ce qui est des­sous le ciel, ce qui en sort, en res­sort n’est aut­re que la fonc­tion de la cau­se en tant qu’elle est le plus de jouir.

Und hier er­lau­be ich mir, ins­ge­samt zu er­ken­nen, „dass, was die Wir­kun­gen des Dis­kur­ses an­geht, was das an­geht, was un­ter dem Him­mel ist, dass das, was als Trieb­kraft dar­aus her­vor­geht, nichts an­de­res ist als die Funk­ti­on der Ur­sa­che, in­so­fern sie die Mehr­lust ist„12.

Vous ver­rez, à vous ré­fé­rer à ce tex­te de Meng-tzu, vous avez deux fa­çons de le fai­re.

Sie wer­den se­hen, dass Sie, um sich auf die­sen Text von Meng­zi zu be­zie­hen, da­für zwei Mög­lich­kei­ten ha­ben.

Vous le pro­cu­rer d’une part dans l’édition en som­me très très bon­ne qui en a été don­née par un jé­sui­te de la fin du XI­Xè­me siè­cle, un nom­mé Wie­ger, dans une édi­ti­on des Quat­re Li­v­res fon­da­men­taux du Con­fu­cia­nis­me.

Sie kön­nen ihn sich als ei­nen Teil der ins­ge­samt sehr, sehr gu­ten Aus­ga­be be­schaf­fen, die da­von Ende des 19. Jahr­hun­derts von ei­nem Je­sui­ten her­aus­ge­ge­ben wur­de, ei­nem ge­wis­sen Wie­ger13, in ei­ner Aus­ga­be der Quat­re Li­v­res fon­da­men­taux du Con­fu­cia­nis­me, der Vier grund­le­gen­den Bü­cher des Kon­fu­zia­nis­mus.

Vous avez une aut­re fa­çon, c’est de vous empa­rer de ce Men­ci­us on the mind qui est paru chez Ke­gan Paul à Lond­res.

Sie ha­ben eine wei­te­re Mög­lich­keit, näm­lich sich die­ses Men­ci­us on the mind zu  be­sor­gen, das bei Ke­gan Paul in Lon­don er­schie­nen ist.14

Je ne sais pas s’il en exis­te ac­tu­el­le­ment beau­coup d’exemplaires en­co­re avail­able com­me on dit, mais après tout ça vaut la pei­ne de – pour­quoi pas ? – d’en fai­re fai­re pour ceux qui se­rai­ent cu­rieux de se re­por­ter à quel­que cho­se d’aussi fon­da­men­tal, pour un cer­tain éclai­ra­ge d’une réfle­xi­on sur le lan­ga­ge, qu’est le tra­vail d’un néo-po­si­ti­vis­te et qui n’est cer­tai­ne­ment pas né­g­li­ge­able.

Ich weiß nicht, ob es da­von zur Zeit vie­le Ex­em­pla­re gibt, die noch avail­able [ver­füg­bar] sind, wie man sagt, aber schließ­lich lohnt es die Mühe, war­um nicht?, eins zu be­sor­gen – für die­je­ni­gen, die dar­an in­ter­es­siert sind, sich auf et­was so Grund­le­gen­des zu be­zie­hen – für eine ge­wis­se Auf­hel­lung ei­ner Re­fle­xi­on über die Spra­che, die die Ar­beit ei­nes Neo­po­si­tivs­ten ist und die ge­wiss nicht zu ver­nach­läs­si­gen ist.

Le Men­ci­us on the mind donc, de Ri­chards, se pro­cu­re à Lond­res chez Ke­gan Paul.

Das Men­ci­us on the mind also, von Ri­chards, er­hält man in Lon­don bei Ke­gan Paul.

Tous ceux qui vou­dront donc de se don­ner la pei­ne d’en avoir – s’ils ne peu­vent pas se pro­cu­rer le vo­lu­me – une pho­to­co­pie, peut-être n’en com­pren­dront que mieux un cer­tain nom­bre de ré­fé­ren­ces que j’y pren­d­rai cet­te an­née car j’y re­vi­en­d­rai.

All die­je­ni­gen, die sich also die Mühe ma­chen möch­ten, da­von – wenn sie sich den Band nicht be­schaf­fen kön­nen – eine Pho­to­ko­pie zu be­kom­men, wer­den von da­her eine Rei­he von Be­zü­gen viel­leicht bes­ser ver­ste­hen, die ich hier in die­sem Jahr her­stel­len wer­de, denn ich wer­de dar­auf zu­rück­kom­men.

Aut­re cho­se donc est de par­ler de l’origine du lan­ga­ge, et aut­re cho­se de sa li­ai­son à ce que j’enseigne, à ce que j’enseigne con­for­mé­ment à ce que j’articule, que j’ai l’année der­niè­re ar­ti­cu­lé com­me le dis­cours de l’analyste.

Über den Ur­sprung der Spra­che zu spre­chen, ist also et­was an­de­res als über ihre Ver­bin­dung mit dem zu spre­chen, was ich un­ter­rich­te, mit dem, was ich un­ter­rich­te, in Über­ein­stim­mung mit dem, was ich ar­ti­ku­lie­re, was ich im letz­ten Jahr als den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ar­ti­ku­liert habe.

Car vous ne l’ignorez pas, la lin­gu­is­tique a com­men­cé avec Hum­boldt par cet­te sor­te d’interdit : de ne pas se po­ser la ques­ti­on de l’origine du lan­ga­ge, fau­te de quoi bien sûr on s’égare.

Denn das ist Ih­nen nicht un­be­kannt, die Sprach­wis­sen­schaft hat mit Hum­boldt mit ei­ner Art von Ver­bot be­gon­nen, sich die Fra­ge nach dem Ur­sprung der Spra­che zu stel­len, an­dern­falls man sich ge­wiss ver­ir­re.

Ce n’est pas rien que quelqu’un se soit avi­sé en plei­ne pé­ri­ode de my­thi­fi­ca­ti­on gé­né­tique – c’était le style au dé­but du siè­cle XI­Xè­me – ait posé que rien à ja­mais, ne se­rait si­tué, fon­dé, ar­ti­cu­lé, con­cer­nant le lan­ga­ge, si on ne com­mençait pas d’abord par in­ter­dire les ques­ti­ons de l’origine.

Es ist kei­ne Klei­nig­keit, dass je­mand auf den Ge­dan­ken ge­kom­men ist, mit­ten in der Pe­ri­ode der ge­ne­ti­schen My­thi­sie­rung – das war der Stil zu Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts –, dass er be­haup­tet hat, dass hin­sicht­lich der Spra­che nichts je­mals ein­ge­ord­net, be­grün­det, ar­ti­ku­liert wer­den kön­ne, wenn man nicht zu­nächst da­mit be­gin­ne, die Fra­gen nach dem Ur­sprung zu ver­bie­ten.

C’est un ex­emp­le qui au­rait bien dû être sui­vi ail­leurs, ça nous au­rait évité bien des élu­cu­bra­ti­ons du type de cel­les qu’on peut ap­pe­ler pri­mi­ti­vis­tes, il n’y a rien de tel que la ré­fé­rence au pri­mi­tif pour « pri­mi­ti­ver » la pen­sée.

Das ist ein Bei­spiel, dem man an­ders­wo hät­te fol­gen sol­len, das hät­te uns eine Men­ge Hirn­ge­spins­te er­spart, von der Art der­je­ni­gen, die man als pri­mi­ti­vis­tisch be­zeich­nen kann – nichts pri­mi­ti­vi­siert das Den­ken so wie der Be­zug aufs Pri­mi­ti­ve.

C’est elle-même qui ré­gres­se ré­gu­liè­re­ment à la me­su­re même de ce qu’elle pré­tend dé­cou­vr­ir com­me pri­mi­tif.

Es ist das Den­ken selbst, das re­gel­mä­ßig auf das Maß des­sen re­gre­diert, was es vor­gibt, als pri­mi­tiv zu ent­hül­len.

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Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers

 

Le dis­cours de l’analyste – faut bien que je vous le dise, puisqu’en som­me vous ne l’avez pas en­t­en­du ! – le dis­cours de l’analyste n’est rien d’autre que la lo­gi­que de l’action.

Der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers – Ich muss es Ih­nen wohl sa­gen, da Sie es ins­ge­samt nicht ver­stan­den ha­ben –, der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers ist nichts an­de­res als die Lo­gik des Han­delns.

Vous ne l’avez pas en­t­en­du – pour­quoi ?

Sie ha­ben es nicht ver­stan­den, war­um nicht?

Par­ce que dans ce que j’ai ar­ti­cu­lé l’année der­niè­re avec les pe­ti­tes lettres au ta­bleau sous cet­te for­me : le a sur S2, et de ce qui se pas­se au ni­veau de l’analysant, à savoir la fonc­tion du su­jet en tant que bar­ré [$] et en tant que ce qu’il pro­du­it, ce sont des si­gni­fi­ants, et pas n’importe les­quels : des si­gni­fi­ants maî­tres [S1].

Weil in dem, was ich letz­tes Jahr mit den klei­nen Buch­sta­ben an der Ta­fel ar­ti­ku­liert habe, in die­ser Form: das a über S2, und zu dem, was auf der Ebe­ne des Ana­ly­san­ten ge­schieht, näm­lich die Funk­ti­on des Sub­jekts, in­so­fern es aus­ge­stri­chen ist [$], und in­so­fern das, was es pro­du­ziert, Si­gni­fi­kan­ten sind, und nicht ir­gend­wel­che: Her­ren­si­gni­fi­kan­ten [S1].

C’est par­ce que c’était écrit, et écrit com­me ça – car je l’ai écrit à main­tes re­pri­ses – c’est pour cela même que vous ne l’avez pas en­t­en­du.

Weil es ge­schrie­ben war und so ge­schrie­ben war – denn ich habe es im­mer wie­der ge­schrie­ben –, eben des­halb ha­ben Sie es nicht ver­stan­den.

C’est en ça que l’écrit se dif­fé­ren­cie de la pa­ro­le, et il faut y re­mett­re de la pa­ro­le et l’en be­ur­rer sé­ri­eu­se­ment – mais na­tu­rel­le­ment non pas sans in­con­vé­ni­ents de prin­ci­pe – pour qu’il soit en­t­en­du.

Dar­in un­ter­schei­det sich das Ge­schrie­be­ne vom Spre­chen, und man muss wie­der Spre­chen dar­an­ge­ben und es ernst­haft da­mit ein­fet­ten – aber na­tür­lich nicht ohne grund­sätz­li­che Schwie­rig­kei­ten –, da­mit es ver­stan­den wird.

On peut écri­re donc des tas de cho­ses, sans que ça par­vi­en­ne à au­cu­ne oreil­le.

Man kann also jede Men­ge Sa­chen schrei­ben, ohne dass das an ir­gend­ein Ohr ge­langt.

C’est pour­tant écrit.

Gleich­wohl ist es ge­schrie­ben.

C’est même pour ça que mes Écrits, je les ai ap­pelés com­me ça.

Eben des­halb habe ich mei­ne Schrif­ten so ge­nannt, wie ich es ge­tan habe.

Ça a scan­da­li­sé, com­me ça, du mon­de sen­si­ble, et pas n’importe qui.

Dar­an ha­ben dann emp­find­sa­me Leu­te An­stoß ge­nom­men und kei­nes­wegs ir­gend­wel­che.

Il est très cu­rieux que la per­son­ne que ça a lit­té­ra­le­ment con­vul­sé soit une ja­po­nai­se ; je com­men­te­rai ça plus tard.

Es ist sehr merk­wür­dig, dass die Per­son, bei der das buch­stäb­lich Krämp­fe her­vor­ge­ru­fen hat, eine Ja­pa­ne­rin war; ich wer­de spä­ter noch et­was dazu sa­gen.

Na­tu­rel­le­ment ici ça n’a con­vul­sé per­son­ne, la ja­po­nai­se dont je par­le n’est pas là.

Na­tür­lich, hier hat das bei nie­man­dem Krämp­fe aus­ge­löst; die Ja­pa­ne­rin, von der ich ge­spro­chen habe, ist nicht da.

Et n’importe qui, qui est de cet­te tra­di­ti­on, sau­rait – je pen­se – à l’occasion com­prend­re pour­quoi cet­te es­pè­ce d’effet d’insurrection s’est pro­du­it.

Und je­der Be­lie­bi­ge, der aus die­ser Tra­di­ti­on kommt, könn­te hier­bei ver­ste­hen, den­ke ich, war­um sich die­se Art von Em­pö­rungs­ef­fekt her­ge­stellt hat.

C’est de la pa­ro­le bien sûr que se fraie la voie vers l’écrit.

Na­tür­lich wird der Weg zum Ge­schrie­be­nen vom Spre­chen aus ge­bahnt.

Mes Écrits si je les ai in­ti­tu­lés com­me ça, c’est qu’ils re­pré­sen­tent une ten­ta­ti­ve, une ten­ta­ti­ve d’écrit, com­me c’est suf­fi­sam­ment mar­qué par ceci que ça abou­tit à des gra­phes.

Wenn ich mei­ne Schrif­ten eben so ti­tu­liert habe, dann des­halb, weil sie ei­nen Ver­such dar­stel­len, ei­nen Ver­such in Ge­schrie­be­nem, wie hin­rei­chend da­durch an­ge­zeigt wird, dass das auf Gra­phen hin­aus­läuft.

L’ennui, c’est que c’est que les gens qui pré­ten­dent me com­men­ter par­tent tout de sui­te des gra­phes.

Das Är­ger­li­che ist, dass die Leu­te, die mich kom­men­tie­ren wol­len, gleich von den Gra­phen aus­ge­hen.15

Ils ont tort, les gra­phes ne sont com­pré­hen­si­bles qu’en fonc­tion, je di­rai du moi­nd­re ef­fet de style des dits Écrits, qui en sont en quel­que sor­te les mar­ches d’accès

Sie ha­ben Un­recht, die Gra­phen sind nur ver­ständ­lich in Ab­hän­gig­keit, möch­te ich sa­gen, von der kleins­ten Stil­wir­kung der er­wähn­ten Schrif­ten, die da­für ge­wis­ser­ma­ßen die Zu­gangs­stu­fen bil­den.

Mo­y­ennant quoi l’écrit – l’écrit re­pris à soi tout seul, qu’il s’agisse de tel ou tel sché­ma, ce­lui qu’on ap­pel­le L ou n’importe quoi, ou du grand gra­phe lui-même – pré­sen­te l’occasion de tou­tes sor­tes de ma­len­ten­dus.

Wo­durch das Ge­schrie­be­ne – das Ge­schrie­be­ne für sich al­lein ge­nom­men, ob es nun um die­ses Sche­ma geht oder um je­nes, um das­je­ni­ge, das man L nennt, oder um wel­ches auch im­mer oder um den gro­ßen Gra­phen selbst – Ge­le­gen­heit für alle Ar­ten von Miss­ver­ständ­nis­sen bie­tet.

C’est d’une pa­ro­le qu’il s’agit, en tant bien sûr et pour­quoi, qu’elle tend à fray­er la voie à ces gra­phes qu’il s’agit.

Wor­um es geht, ist ein Spre­chen, na­tür­lich in­so­fern und weil es dar­auf ab­zielt, den Weg zu die­sen Gra­phen zu bah­nen, dar­um geht es.

Mais il con­vi­ent de ne pas ou­blier cet­te pa­ro­le, pour la rai­son qu’elle est cel­le même ce qui se réflé­chit de la règ­le ana­ly­tique, qui est com­me vous le sa­vez : « par­lez, par­lez, pa­riez16 ».

Man soll­te die­ses Spre­chen aber nicht ver­ges­sen, des­halb nicht, weil es eben die­ses Spre­chen ist, das von der ana­ly­ti­schen Re­gel re­flek­tiert wird, die da – wie Sie wis­sen – lau­tet: „Spre­chen Sie, spre­chen Sie, wet­ten Sie.“

Il suf­fit que vous pa­ro­liez, voi­là la boî­te d’où sort­ent tous les dons du lan­ga­ge, c’est une boî­te de Pan­do­ra.

Es ge­nügt, dass Sie schwat­zen, das ist die Büch­se, aus der alle Ga­ben der Spra­che kom­men, das ist eine Büch­se der Pan­do­ra.

Quel rap­port donc, avec ces gra­phes ?

Wel­che Be­zie­hung also zu die­sen Gra­phen?

Ces gra­phes bien sûr – per­son­ne n’a en­co­re osé al­ler jus­que-là – ces gra­phes ne vous in­di­quent en rien quoi que ce soit qui per­met­te de fai­re re­tour à l’origine du lan­ga­ge.

Die­se Gra­phen na­tür­lich – noch nie hat je­mand ge­wagt, so weit zu ge­hen –, die­se Gra­phen zei­gen Ih­nen kei­nes­wegs ir­gend­was an, was es ge­stat­ten wür­de, zum Ur­sprung der Spra­che zu­rück­zu­keh­ren.

S’il y a une cho­se qui y pa­raît tout de sui­te c’est que non seu­le­ment ils ne la li­v­rent pas, mais qu’ils ne la pro­met­tent pas non plus.

Wenn es eins gibt, was sich hier so­fort zeigt, dann ist es dies, dass die Gra­phen ihn nicht nur nicht lie­fern, son­dern dass sie ihn auch nicht ver­spre­chen.

Ce dont il va s’agir aujourd’hui est de la si­tua­ti­on par rap­port à la vé­rité qui ré­sul­te de ce qu’on ap­pel­le « la libre as­so­cia­ti­on », au­tre­ment dit un libre em­ploi de la pa­ro­le.

Das, wor­um es heu­te ge­hen wird, ist die Si­tua­ti­on im Ver­hält­nis zu der Wahr­heit, die aus dem her­vor­geht, was man freie As­so­zia­ti­on nennt, an­ders ge­sagt, aus ei­ner frei­en Ver­wen­dung des Spre­chens.

Je n’en ai ja­mais par­lé qu’avec iro­nie : il n’y a pas plus de libre as­so­cia­ti­on qu’on ne pour­rait dire qu’est libre une va­ria­ble liée dans une fonc­tion ma­thé­ma­tique, et la fonc­tion dé­fi­nie par le dis­cours ana­ly­tique n’est bien évi­dem­ment pas libre, elle est liée.

Dar­über habe ich im­mer nur mit Iro­nie ge­spro­chen; es gibt ge­nau­so we­nig freie As­so­zia­ti­on wie man sa­gen könn­te, dass in ei­ner ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on eine ge­bun­de­ne Va­ria­ble frei ist; und die vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs de­fi­nier­te Funk­ti­on ist of­fen­kun­dig nicht frei, sie ist ge­bun­den.

Elle est liée par des con­di­ti­ons que je dé­si­gne­rai ra­pi­de­ment com­me cel­les du ca­bi­net ana­ly­tique.

Sie ist durch Be­din­gun­gen ge­bun­den, die ich auf die Schnel­le als die des psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts be­zeich­nen möch­te.

À quel­le dis­tan­ce est mon dis­cours ana­ly­tique, tel qu’il est ici dé­fi­ni par cet­te dis­po­si­ti­on écri­te, à quel­le dis­tan­ce est-il du ca­bi­net ana­ly­tique, c’est pré­cisé­ment ce qui con­sti­tue ce que nous ap­pel­le­rons mon dis­sen­ti­ment d’avec un cer­tain nom­bre de ca­bi­nets ana­ly­ti­ques.

In wel­chem Ab­stand mein ana­ly­ti­scher Dis­kurs, wie er hier durch die­se ge­schrie­be­ne Be­stim­mung de­fi­niert ist, in wel­chem Ab­stand er vom psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­nett ist, das bil­det ge­nau das, was wir mei­ne Mei­nungs­ver­schie­den­heit mit ei­ner ge­wis­sen An­zahl von psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­net­ten nen­nen wer­den.

Aus­si cet­te dé­fi­ni­ti­on du dis­cours ana­ly­tique – pour poin­ter là où j’en suis – ne leur pa­raît pas s’accommoder aux con­di­ti­ons du ca­bi­net ana­ly­tique.

Auch scheint die­sen Leu­ten die­se De­fi­ni­ti­on des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses – um an­zu­zei­gen, wo ich da­mit ste­he – nicht an die Be­din­gun­gen des ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts an­ge­passt zu sein.

Or, ce que mon dis­cours des­si­ne, di­sons à tout le moins, li­v­re une par­tie des con­di­ti­ons qui con­sti­tu­ent le ca­bi­net ana­ly­tique.

Nun, was mein Dis­kurs um­reißt, das lie­fert, sa­gen wir, zu­min­dest ei­nen Teil der Be­din­gun­gen, die das ana­ly­ti­sche Ka­bi­nett kon­sti­tu­ie­ren.

Me­su­rer ce qu’on fait quand on ent­re dans une psy­chana­ly­se, c’est quel­que cho­se qui a bien son im­port­an­ce, mais en tout cas, quant à moi, qui s’indique dans le fait que je pro­cè­de tou­jours à de nom­breux entre­ti­ens pré­li­mi­nai­res.

Zu er­mes­sen, was man tut, wenn man sich in eine Psy­cho­ana­ly­se be­gibt, das ist et­was, was wirk­lich Ge­wicht hat, was aber, was mich an­geht, je­den­falls da­durch an­ge­zeigt wird, dass ich stets zahl­rei­che vor­be­rei­ten­de Ge­sprä­che füh­re.

Une per­son­ne pieu­se que je ne dé­si­gne­rai pas au­tre­ment, trou­vait – pa­raît-il – aux der­niers échos, en­fin à des échos d’il y a trois mois, au moins y avait-il une ga­geu­re in­tenable pour elle à fon­der le trans­fert sur le su­jet sup­po­sé savoir, puis­que par ail­leurs la mé­tho­de im­pli­que qu’il se sou­ti­en­ne d’une ab­sence to­ta­le de préju­gés quant au cas.

Eine from­me Per­son, die ich nicht an­ders be­zeich­nen wer­de, fand, so scheint es den letz­ten Echos zu­fol­ge, das heißt nach den Echos von vor drei Mo­na­ten, zu­min­dest war es für sie ein un­halt­ba­res Un­ter­fan­gen, die Über­tra­gung auf das Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird (su­jet sup­po­sé savoir), zu grün­den, da die Me­tho­de an­de­rer­seits im­pli­ziert, dass die Über­tra­gung sich, be­zo­gen auf den ein­zel­nen Fall, auf die voll­stän­di­ge Ab­we­sen­heit von Vor­an­nah­men stützt.17

Le su­jet sup­po­sé savoir quoi ?, alors me per­met­trai-je de de­man­der à cet­te per­son­ne si le psy­chana­lys­te doit être sup­po­sé savoir ce qu’il fait et s’il le sait ef­fec­tive­ment ?

Das Sub­jekt, dem un­ter­stellt wird, was zu wis­sen?, wür­de ich mir er­lau­ben, die­se Per­son zu fra­gen – ob dem Psy­cho­ana­ly­ti­ker un­ter­stellt wer­den soll zu wis­sen, was er tut, und ob er es tat­säch­lich weiß?

À par­tir de là on com­pren­dra que je pose d’une cer­tai­ne fa­çon mes ques­ti­ons sur le trans­fert dans La di­rec­tion de la cure par ex­emp­le, qui est un tex­te au­quel je vois avec plai­sir que dans mon éco­le, puisqu’il se pas­se quel­que cho­se de nou­veau, c’est que dans mon éco­le on se met à tra­vail­ler au tit­re d’une éco­le, c’est là quand même un pas quand même as­sez nou­veau pour être re­le­vé, j’ai pu cons­ta­ter non sans plai­sir qu’on s’était aper­çu que dans ce tex­te, je ne tran­che au­cu­n­e­ment de ce qu’est le trans­fert.

Von da aus wird man ver­ste­hen, dass ich mei­ne Fra­gen zur Über­tra­gung auf eine be­stimm­te Wei­se stel­le, etwa in Die Len­kung der Kur18, was ein Text ist, bei dem ich mit Ver­gnü­gen sehe, dass in mei­ner Schu­le – denn es ge­schieht et­was Neu­es, näm­lich dass man sich in mei­ner Schu­le un­ter dem Ti­tel ei­ner Schu­le an die Ar­beit macht, das ist im­mer­hin ein Schritt, der im­mer­hin ziem­lich neu ist, so dass man ihn her­vor­he­ben soll­te –, ich habe nicht ohne Ver­gnü­gen fest­stel­len kön­nen, dass man er­kannt hat, dass ich in die­sem Text, was die Über­tra­gung an­geht, kei­nes­wegs zu ei­ner Ent­schei­dung kom­me.

C’est très pré­cisé­ment en disant le su­jet sup­po­sé savoir tel que je le dé­fi­nis, que la ques­ti­on est … tout à fait res­te ent­iè­re de savoir si l’analyste peut être sup­po­sé savoir ce qu’il fait.

Eben da­durch, dass man sagt, „das Sub­jekt, dem Wis­sen un­ter­stellt wird“, so wie ich es de­fi­nie­re, ist die Fra­ge –, bleibt die Fra­ge völ­lig of­fen, ob dem Ana­ly­ti­ker un­ter­stellt wer­den kann, zu wis­sen, was er tut.

Pour en quel­que sor­te prend­re au dé­part, dé­part de ce qui aujourd’hui va être énon­cé, et pour le­quel ce pe­tit ca­rac­tè­re chi­nois : 厶 (si).

si-ohne-ziffern

si

Um es in ge­wis­ser Wei­se als Aus­gangs­punkt zu neh­men, als Aus­gangs­punkt für das, was heu­te ge­äu­ßert wer­den wird und wo­für die­ses klei­ne chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen: 厶 (si) –.

Car c’en est un… je re­g­ret­te beau­coup que la craie ne me per­met­te pas de mett­re les ac­cents que per­met le pin­ceau …c’en est un qui a un sens, pour sa­tis­fai­re aux exi­gen­ces des lo­gi­co-po­si­ti­vis­tes, c’est un sens dont vous al­lez voir qu’il est plei­ne­ment am­bi­gu puisqu’il veut à la fois dire « re­tors », qu’il veut dire aus­si « per­son­nel », au sens de « pri­vé », et puis il en a en­co­re quel­ques au­tres.

Denn das ist ei­nes da­von – ich be­dau­re sehr, dass die Krei­de es mir nicht er­laubt, die Ak­zen­te zu set­zen, die der Pin­sel er­laubt –, das ist ei­nes da­von, das ei­nen  Sinn hat, um den For­de­run­gen der lo­gi­schen Po­si­ti­vis­ten zu ge­nü­gen, das ist ein Sinn, von dem Sie se­hen wer­den, dass er ganz und gar mehr­deu­tig ist, da es zu­gleich „durch­trie­ben“ be­deu­tet, dass es au­ßer­dem „per­sön­lich“ im Sin­ne von „pri­vat“ be­deu­tet, und dann hat es noch ei­ni­ge wei­te­re Be­deu­tun­gen.

Mais ce qui me pa­raît re­mar­quable, c’est sa for­me écri­te, et sa for­me écri­te va me per­mett­re tout de sui­te de vous dire où se pla­cent les ter­mes au­tour des­quels va tour­ner mon dis­cours d’aujourd’hui.

Was mir aber be­mer­kens­wert scheint, ist sei­ne ge­schrie­be­ne Form, und sei­ne ge­schrie­be­ne Form wird mir so­gleich er­lau­ben, Ih­nen zu sa­gen, wo die Ter­mi­ni ver­or­tet sind, um die her­um mein Dis­kurs sich heu­te dre­hen wird.

Si nous pla­ci­ons quel­que part ici ce que j’appelle au sens le plus lar­ge – vous al­lez voir que c’est lar­ge, je dois dire que je n’ai pas be­so­in, il me sem­ble, de le sou­li­gner – les ef­fets de lan­ga­ge, c’est ici que nous au­ri­ons à mett­re ce dont il s’agit, à savoir où ils pren­nent leur prin­ci­pe.

siWenn wir hier ir­gend­wo das plat­zie­ren, was ich im wei­tes­ten Sin­ne fol­gen­der­ma­ßen nen­ne – Sie wer­den se­hen, dass das weit ist, ich muss sa­gen, dass mir nicht not­wen­dig zu sein scheint, das ich das her­vor­he­be – : die Wir­kun­gen der Spra­che, dann kön­nen wir hier das hin­set­zen, wor­um es geht, näm­lich wo sie ihr Prin­zip her­neh­men.

Là où ils pren­nent leur prin­ci­pe, c’est en cela que le dis­cours ana­ly­tique est ré­vé­la­teur de quel­que cho­se, qu’il est un pas.

Da, wo sie ihr Prin­zip her­neh­men, in Be­zug dar­auf ent­hüllt der ana­ly­ti­sche Dis­kurs et­was, dass er ein Nicht / ein Schritt (un pas) ist.19

Je vais es­say­er de le rap­pe­ler, en­co­re qu’il s’agisse pour l’analyse de vé­rités pre­miè­res.

Ich wer­de ver­su­chen, das in Er­in­ne­rung zu ru­fen, auch wenn es für die Ana­ly­se um ers­te Wahr­hei­ten geht.

C’est par là que je vais com­men­cer tout de sui­te.

Von da wer­de ich so­gleich aus­ge­hen.

Nous au­ri­ons ici alors le fait de l’écrit.

Hier hät­ten wir dann das Fak­tum des Ge­schrie­be­nen.

Il est très im­portant à not­re épo­que, et à par­tir de cer­ta­ins énon­cés qui ont été faits et qui ten­dent à éta­b­lir de très re­g­ret­ta­bles con­fu­si­ons, de rap­pe­ler que tout de même l’écrit est non pas pre­mier mais se­cond par rap­port à tou­te fonc­tion du lan­ga­ge, et que néan­moins sans l’écrit, il n’est d’aucune fa­çon pos­si­ble de re­ve­nir à ques­ti­on­ner ce qui ré­sul­te au pre­mier chef de l’effet de lan­ga­ge com­me tel, au­tre­ment dit de l’ordre sym­bo­li­que, c’est à savoir la di­men­si­on pour vous fai­re plai­sir, mais vous sa­vez que j’ai in­tro­du­it le ter­me de dem­an­si­on, la dem­an­si­on, la ré­si­dence, le lieu de l’Autre de la vé­rité.

Heut­zu­ta­ge ist es wich­tig – aus­ge­hend von be­stimm­ten Äu­ße­run­gen, die ge­macht wor­den sind und die dar­auf hin­aus­lau­fen, sehr be­dau­er­li­che Ver­wir­run­gen zu stif­ten –, dar­an zu er­in­nern, dass das Ge­schrie­be­ne trotz al­lem im Ver­hält­nis zu jed­we­der Sprach­funk­ti­on nicht pri­mär ist, son­dern se­kun­där, dass es aber gleich­wohl ohne das Ge­schrie­be­ne in kei­ner Wei­se mög­lich ist, auf das zu­rück­zu­kom­men, das zu be­fra­gen, was sich in ers­ter Li­nie aus der Wir­kung der Spra­che als sol­cher er­gibt, an­ders ge­sagt aus der sym­bo­li­schen Ord­nung20, das heißt der Di­men­si­on, um Ih­nen Ver­gnü­gen zu be­rei­ten – aber Sie wis­sen, dass ich den Aus­druck der dem­an­si­on ein­ge­führt habe21: der dem­an­si­on, die Woh­nung, der Ort des An­de­ren der Wahr­heit.

Je sais que cet­te « dem­an­si­on »  a fait ques­ti­on pour cer­ta­ins, les échos m’en sont re­ve­nus.

Ich weiß, dass die­se dem­an­si­on bei ei­ni­gen Fra­gen auf­ge­wor­fen hat; die Echos da­von sind mir zu Oh­ren ge­kom­men.

Eh bien si « dem­an­si­on » est en ef­fet un ter­me nou­veau que j’ai fa­bri­qué et s’il n’a pas en­co­re de sens, eh bien ça veut dire que c’est à vous que ça re­vi­ent de lui en don­ner un.

Nun ja, wenn dem­an­si­on tat­säch­lich ein neu­er Aus­druck ist, den ich fa­bri­ziert habe, und wenn er noch kei­nen Sinn hat, nun, dann heißt das, dass es Ih­nen zu­kommmt, ihm ei­nen Sinn zu ge­ben.

In­ter­ro­ger la dem­an­si­on de la vé­rité, de la vé­rité dans sa de­meu­re, c’est quel­que cho­se – là est le ter­me, la nou­veau­té de ce que j’introduis aujourd’hui – qui ne se fait que par l’écrit, et par l’écrit en tant que ceci : qu’il n’est que de l’écrit que se con­sti­tue la lo­gi­que.

Die dem­an­si­on der Wahr­heit zu  be­fra­gen, der Wahr­heit in ih­rer Blei­be, das ist et­was – da ist der Ter­mi­nus, die Neu­heit des­sen, was ich heu­te ein­füh­re –, was nur durch das Ge­schrie­be­ne ge­macht wird, durch das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern es so ist, dass nur vom Ge­schrie­be­nen her die Lo­gik kon­sti­tu­iert wird.

Voi­ci ce que j’introduis en ce point de mon dis­cours de cet­te an­née, il n’y a de ques­ti­on lo­gi­que qu’à par­tir de l’écrit, en tant que l’écrit n’est jus­te­ment pas le lan­ga­ge.

Hier also das, was ich an die­sem Punkt mei­nes dies­jäh­ri­gen Dis­kur­ses ein­füh­re: Eine Fra­ge der Lo­gik gibt es nur aus­ge­hend vom Ge­schrie­be­nen, in­so­fern das Ge­schrie­be­ne ge­ra­de nicht die Spra­che (lan­ga­ge) ist.

Et c’est en cela que j’ai énon­cé qu’il n’y a pas de mé­tal­an­ga­ge, que l’écrit même en tant qu’il se dis­tin­gue du lan­ga­ge est là pour nous mon­trer que, si c’est de l’écrit que s’interroge le lan­ga­ge, c’est jus­te­ment en tant que l’écrit ne l’est pas, mais qu’il ne se con­struit, ne se fa­bri­que, que de sa ré­fé­rence au lan­ga­ge.

Und dar­auf be­zieht sich mei­ne Aus­sa­ge, dass es kei­ne Me­taspra­che gibt, dass näm­lich das Ge­schrie­be­ne, in­so­fern es sich von der Spra­che un­ter­schei­det, da ist, um uns zu zei­gen, dass die Spra­che in­so­fern vom Ge­schrie­be­nen her be­fragt wird, als das Ge­schrie­be­ne nicht die Spra­che ist, es aber nur kon­stru­iert wird, nur fa­bri­ziert wird von sei­nem Be­zug auf die Spra­che her.22

Après avoir posé ceci qui a l’avantage de vous fray­er ma vi­sée, mon des­sein, je re­pars de ceci qui con­cer­ne ce point :

Nach­dem ich dies dar­ge­legt habe, was den Vor­teil hat, Ih­nen mein Ziel, mei­ne Ab­sicht zu­gäng­lich zu ma­chen, gehe ich wie­der von dem aus, was sich auf die­sen Punkt be­zieht.

Ce point qui est de l’ordre de cet­te sur­pri­se par où se si­gna­le l’effet de re­brous­se­ment dont j’ai es­sayé de dé­fi­nir la jonc­tion de la vé­rité au savoir, et que j’ai énon­cé en ces ter­mes,  qu’il n’y a pas de rap­port se­xu­el chez l’être par­lant.

Die­ser Punkt, der von der Ord­nung je­ner Über­ra­schung ist, durch wel­che der Um­keh­r­ef­fekt si­gna­li­siert wird, des­sen Ver­bin­dung der Wahr­heit mit dem Wis­sen ich zu de­fi­nie­ren ver­sucht habe, und den ich mit die­sen Aus­drü­cken for­mu­lier­te habe, dass es beim spre­chen­den We­sen kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.

23

Il y a eu une pre­miè­re con­di­ti­on qui pour­rait tout de sui­te nous le fai­re voir, c’est que le rap­port se­xu­el, com­me tout aut­re rap­port, au der­nier ter­me ça ne sub­sis­te que de l’écrit.

Es hat eine ers­te Be­din­gung ge­ge­ben, die uns das so­fort se­hen las­sen könn­te, näm­lich dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis, wie je­des an­de­res Ver­hält­nis, letzt­lich nur vom Ge­schrie­be­nen her Be­stand hat.

L’essentiel du rap­port, c’est une ap­p­li­ca­ti­on, a ap­p­li­qué sur b [a → b], et si vous ne l’écrivez pas a et b, vous ne te­nez pas le rap­port en tant que tel.

Das We­sent­li­che des Ver­hält­nis­ses ist eine Ab­bil­dung, a wird ab­ge­bil­det auf b [a → b], und wenn Sie es nicht a und b schrei­ben, ha­ben Sie es nicht mit dem Ver­hält­nis als sol­chem zu tun.24

Ça ne veut pas dire qu’il ne se pas­se pas des cho­ses dans le réel.

Das be­sagt nicht, dass sich im Rea­len nicht Din­ge er­eig­nen.

Mais au nom de quoi l’appelleriez-vous rap­port ?

Aber mit wel­chem Recht wür­den Sie das als Ver­hält­nis be­zeich­nen?

Cet­te cho­se, gros­se com­me tout, suf­fi­rait déjà à rend­re, di­sons con­ceva­ble, qu’il n’y ait pas de rap­port se­xu­el, mais ça ne tran­che­r­ait en rien le fait qu’on n’arrive pas à l’écrire.

Die­se grob­ge­strick­te Sa­che wür­de be­reits hin­rei­chen, um, sa­gen wir, be­greif­lich zu ma­chen, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, aber das wür­de nichts dar­an än­dern, dass es ei­nem nicht ge­lingt, es zu schrei­ben.

Je di­rai même plus, il y a quel­que cho­se qu’on a fait déjà de­pu­is un bout de temps, c’est de l’écrire com­me ça : ♂ → ♀, en se ser­vant de pe­tits si­gnes pla­né­taires, à savoir rap­port de ce qui est mâle à ce qui est fe­mel­le.

Au­ßer­dem möch­te ich sa­gen, es gibt et­was, was man be­reits seit ge­rau­mer Zeit tut, dass man es näm­lich so schreibt: ♂ ♀, wo­bei man sich klei­ner Pla­ne­ten­zei­chen be­dient, also das Ver­hält­nis des­sen, was männ­lich ist, zu dem, was weib­lich ist.

Et je di­rai même que de­pu­is un cer­tain temps, grâce au pro­grès qu’a per­mis l’usage du mi­cro­scope, car n’oublions pas qu’avant Swam­mer­dam, on ne pou­vait en avoir au­cu­ne es­pè­ce d’idée.

Und ich möch­te so­gar sa­gen, dass seit ei­ni­ger Zeit, dank des Fort­schritts, den der  Ge­brauch des Mi­kro­skop er­mög­licht hat –; denn ver­ges­sen wir nicht, dass man vor Swam­mer­dam nicht die ge­rings­te Vor­stel­lung da­von ha­ben konn­te.25

Ceci peut sem­bler ar­ti­cu­ler le fait que le rap­port, si com­ple­xe soit-il, n’est-ce pas, si méio­tique qu’en soit le pro­cès par où des cel­lu­les di­tes go­na­di­ques don­nent un mo­dè­le de la fé­con­da­ti­on d’où pro­cè­de la re­pro­duc­tion, eh bien, il sem­ble qu’en ef­fet quel­que cho­se soit là fon­dé, éta­b­li, qui per­met­te de si­tu­er à un cer­tain ni­veau dit bio­lo­gi­que ce qu’il en est du rap­port se­xu­el.

Da­mit kann, so scheint es, die Tat­sa­che ar­ti­ku­liert wer­den, dass das Ver­hält­nis – so kom­plex es sein mag, nicht wahr, so mei­o­tisch der Vor­gang da­bei sein mag, durch den die so­ge­nann­ten go­na­di­sche­ne Zel­len ein Mo­dell für die Be­fruch­tung lie­fern, von der die Fort­pflan­zung aus­geht –, nun, es scheint, dass da tat­säch­lich et­was ge­grün­det ist, eta­bliert ist, was es er­laubt, auf ei­ner be­stimm­ten, als bio­lo­gisch be­zeich­ne­ten Ebe­ne das zu ver­or­ten, wor­um es beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht.

L’étrange as­su­ré­ment – et après tout, mon Dieu, pas tel­le­ment tel, mais je vou­d­rais évo­quer pour vous la di­men­si­on d’étrangeté de la cho­se – c’est que la dua­lité et la suf­fi­sance de ce rap­port ont de­pu­is tou­jours leur mo­dè­le, je vous l’ai évo­qué la der­niè­re fois à pro­pos des pe­tits si­gnes chi­nois.

Das Selt­sa­me ist si­cher­lich – und letzt­lich, mein Gott, so sehr nun auch wie­der nicht, aber ich möch­te Ih­nen die Di­men­si­on der Selt­sam­keit der Sa­che vor Au­gen füh­ren –, dass die Dua­li­tät und die Suf­fi­zi­enz die­ses Ver­hält­nis­ses im­mer schon ihr Mo­dell ha­ben, ich habe Ih­nen das beim letz­ten Mal in Er­in­ne­rung ge­ru­fen, an­läss­lich der klei­nen chi­ne­si­schen Zei­chen.

Il y en a un là… je me suis tout d’un coup im­pa­ti­en­té de vous mon­trer des si­gnes, ça avait l’air d’être fait uni­que­ment pour vous épa­ter …eh ben, le yin que je ne vous ai pas fait la der­niè­re fois, le voi­là :  陰, et le yang, voi­là , je le ré­pè­te n’est-ce pas, voi­là, un aut­re pe­tit trait ici: 陽.

Es gibt hier ei­nes da­von – ich wur­de plötz­lich un­ge­dul­dig, Ih­nen Zei­chen zu zei­gen, das sah so aus, als dien­te das ein­zig dazu, Sie zu be­ein­dru­cken –, nun, das yin, das ich Ih­nen das letz­te Mal nicht an­ge­schrie­ben habe, das ist hier: 陰, und das yang, so, ich wie­der­ho­le es, nicht wahr, so, noch ein klei­ner Strich hier: 陽.

Le yin et le yang, les prin­ci­pes mâle et fe­mel­le, voi­là ce qui après tout n’est pas par­ti­cu­lier à la tra­di­ti­on chi­noi­se, voi­là ce que vous re­trou­vez dans tou­te es­pè­ce de co­gi­ta­ti­on con­cer­nant les rap­ports de l’action et de la pas­si­on, con­cer­nant le for­mel et le sub­stan­tiel, con­cer­nant Pu­ru­sha, l’esprit, et Pra­kri­ti, je ne sais quel­le ma­tiè­re fe­mel­li­sée.

Das yin und das yang, das männ­li­che und das weib­li­che Prin­zip, das ist schließ­lich kei­ne Ei­gen­tüm­lich­keit der chi­ne­si­schen Tra­di­ti­on, das ist et­was, was Sie über­all wie­der­fin­den, in je­der Art des Nach­den­kens über die Ver­hält­nis­se von Ak­ti­on und Pas­si­on, über das For­ma­le und das Sub­stan­ti­el­le, über Pu­ru­sha, den Geist, und Pra­kri­ti, ir­gend­ei­ne ver­weib­lich­te Ma­te­rie.26

Le mo­dè­le gé­né­ral de ce rap­port du mâle au fe­mel­le est bien ce qui han­te de­pu­is tou­jours, de­pu­is long­temps le re­pé­ra­ge, le re­pé­ra­ge de l’être par­lant con­cer­nant les forces du mon­de, cel­les qui sont tian xia, sous le ciel.

Die­ses all­ge­mei­ne Mo­dell des Ver­hält­nis­ses von Männ­li­chem und Weib­li­chem ist eben das, was seit je, seit lan­gem die Si­tu­ie­rung heim­sucht, die Si­tu­ie­rung des spre­chen­den We­sens in Be­zug auf die Kräf­te der Welt, die­je­ni­gen, die tian xia sind, un­ter dem Him­mel.

Il con­vi­ent de mar­quer ceci de tout à fait nou­veau, ce que j’ai ap­pelé l’effet de sur­pri­se : de com­prend­re ce qui est sor­ti, quoi que cela vail­le, du dis­cours ana­ly­tique, c’est qu’il est in­tenable d’en res­ter d’aucune fa­çon à cet­te dua­lité com­me suf­fi­san­te.

Man soll­te das ganz und gar Neue her­vor­he­ben, das, was ich den Über­ra­schungs­ef­fekt ge­nannt habe, man soll­te be­grei­fen, was aus dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs her­vor­ge­gan­gen ist, was im­mer es wert sein mag, dass es näm­lich un­halt­bar ist, in ir­gend­ei­ner Wei­se an die­ser Dua­li­tät als et­was Hin­rei­chen­dem fest­zu­hal­ten.

C’est que la fonc­tion dite du phal­lus… qui est à vrai dire la plus ma­l­adroi­te­ment ma­niée, mais qui est là, qui fonc­tion­ne dans ce qu’il en est, non pas seu­le­ment d’une ex­pé­ri­ence, liée à ce je ne sais quoi qui se­rait à con­sidé­rer com­me dé­vi­ant, com­me pa­tho­lo­gi­que, mais qui est es­sen­tiel com­me tel à l’institution du dis­cours ana­ly­tique …cet­te fonc­tion du phal­lus rend dé­sor­mais in­tenable cet­te bi­po­la­rité se­xu­el­le, et in­tenable d’une fa­çon qui lit­té­ra­le­ment vo­la­ti­li­se ce qu’il en est de ce qui peut s’écrire de ce rap­port.

Das heißt, dass die so­ge­nann­te Funk­ti­on des Phal­lus – die nun wirk­lich die­je­ni­ge ist, die höchst un­be­hol­fen ge­hand­habt wird, die aber da ist, die in dem, war­um es geht, funk­tio­niert, nicht nur von ei­ner Er­fah­rung her, die mit et­was ver­bun­den ist, das als ab­wei­chend, als pa­tho­lo­gisch an­zu­se­hen wäre, son­dern <von ei­ner Er­fah­rung her>, die als sol­che für die Ein­set­zung des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses we­sent­lich ist –, durch die­se Funk­ti­on des Phal­lus ist seit­her die se­xu­el­le Bi­po­la­ri­tät un­halt­bar, auf eine Wei­se un­halt­bar, durch die sich buch­stäb­lich das ver­flüch­tigt, wor­um es bei dem geht, was über die­ses Ver­hält­nis ge­schrie­ben wer­den kann.

Il faut dis­tin­guer ce qu’il en est de cet­te in­tru­si­on du phal­lus, de ce que cer­ta­ins ont cru pou­voir tra­du­i­re du ter­me de « man­que de si­gni­fi­ant ».

Man muss das, wor­um es bei die­ser In­tru­si­on des Phal­lus geht, von dem un­ter­schei­den, was ei­ni­ge glaub­ten, mit dem Aus­druck „Si­gni­fi­kan­ten­man­gel“ über­set­zen zu kön­nen.

Ça n’est pas du man­que de si­gni­fi­ant qu’il s’agit, mais de l’obstacle fait à un rap­port.

Wor­um es geht, ist nicht ein Si­gni­fi­kan­ten­man­gel, son­dern et­was, was das Hin­der­nis für ein Ver­hält­nis bil­det.

Le phal­lus, en met­tant l’accent sur un or­ga­ne, ne dé­si­gne nul­le­ment l’organe dit « pé­nis », avec sa phy­sio­lo­gie, ni même la fonc­tion qu’on peut – ma foi ! – lui at­tri­buer avec quel­que vrai­sem­blan­ce, com­me étant cel­le de la co­pu­la­ti­on.

Der Phal­lus, auch wenn die Be­to­nung auf ein Or­gan ge­legt wird, be­zeich­net kei­nes­wegs das „Pe­nis“ ge­nann­te Or­gan mit sei­ner Phy­sio­lo­gie und auch nicht die Funk­ti­on, die man ihm, si­cher­lich mit ei­ner ge­wis­sen Wahr­schein­lich­keit, als die der Be­gat­tung zu­schrei­ben kann.

Il vise de la fa­çon la moins am­bi­guë, si on se rap­por­te aux tex­tes ana­ly­ti­ques, son rap­port à la jouis­sance.

Er zielt auf ganz un­zwei­deu­ti­ge Wei­se, wenn man sich auf die ana­ly­ti­schen Tex­te be­zieht, auf sein Ver­hält­nis zum Ge­nie­ßen.

Et c’est en cela qu’ils le dis­tin­guent de la fonc­tion phy­sio­lo­gi­que : il y a – c’est cela qui se pose com­me con­sti­tu­ant la fonc­tion du phal­lus – il y a une jouis­sance qui con­sti­tue dans ce rap­port, dif­fé­rent du rap­port se­xu­el, – quoi ? – ce que nous ap­pel­le­rons sa con­di­ti­on de vé­rité.

Und dar­in un­ter­schei­den sie ihn von der phy­sio­lo­gi­schen Funk­ti­on: Es gibt – das ist das, wo­von an­ge­nom­men wird, dass es die Funk­ti­on des Phal­lus kon­sti­tu­iert –, es gibt ein Ge­nie­ßen, das in die­sem Ver­hält­nis, das sich vom se­xu­el­len Ver­hält­nis un­ter­schei­det, was kon­sti­tu­iert?, das, was wir sei­ne Wahr­heits­be­din­gung nen­nen wer­den.

L’angle sous le­quel est pris l’organe, qui au re­gard de ce qu’il en est de l’ensemble des vi­vants n’est nul­le­ment lié à cet­te for­me par­ti­cu­liè­re.

Der Blick­win­kel, un­ter dem das Or­gan er­fasst wird, das, ver­gli­chen mit dem, was es da­mit bei der Ge­samt­heit der Le­be­we­sen auf sich hat, kei­nes­wegs an die­se be­son­de­re Form ge­bun­den ist –.

Si vous sa­viez la va­rié­té des or­ga­nes de co­pu­la­ti­on qui exis­te chez les in­sec­tes, vous pour­riez… ce qui est après tout le prin­ci­pe de ce qui est tou­jours d’un bon usa­ge, à savoir l’étonnement, pour in­ter­ro­ger le réel …vous pour­riez cer­tai­ne­ment en ef­fet vous éton­ner que ce soit par­ti­cu­liè­re­ment com­me ça que ça fonc­tion­ne chez les ver­té­brés.

Wenn Sie die Viel­falt der Be­gat­tungs­or­ga­ne ken­nen wür­den, die es bei den In­sek­ten gibt, könn­ten Sie –  das ist im­mer­hin das Prin­zip von et­was, was im­mer von Nut­zen ist, näm­lich das Er­stau­nen, um das Rea­le zu be­fra­gen –, könn­ten Sie si­cher­lich dar­über stau­nen, dass es bei den Wir­bel­tie­ren auf die­se spe­zi­el­le Wei­se funk­tio­niert.

Il s’agit ici de l’organe en tant… il faut bien qu’ici j’aille vite, car je ne vais pas en­fin… m’éterniser, tout re­prend­re, qu’on se re­por­te aux tex­tes dont je par­lais tout à l’heure : La Di­rec­tion de la Cure et les Prin­ci­pes de son Pou­voir …le phal­lus c’est l’organe en tant qu’il est – e.s.t : il s’agit de l’être – en tant qu’il est la jouis­sance fé­mi­ni­ne.

Es han­delt sich hier um das Or­gan, in­so­fern – ich muss hier wohl zü­gig vor­an­ge­hen, denn schließ­lich will ich mich nicht ewig da­bei auf­hal­ten und al­les wie­der­auf­neh­men, man möge sich auf die Tex­te be­zie­hen, über die ich eben ge­spro­chen habe, Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht; der Phal­lus, das ist das Or­gan, in­so­fern er das weib­li­che Ge­nie­ßen ist – ist, es geht um das Sein.

Voi­là où et en quoi ré­si­de l’incompatibilité de l’être et de l’avoir.

Dar­auf be­ruht und dar­in be­steht die Un­ver­ein­bar­keit von Sein und Ha­ben.

Dans ce tex­te, ceci est ré­pé­té avec une cer­tai­ne in­sis­tan­ce, et en y met­tant cer­ta­ins ac­cents de style, dont je ré­pè­te qu’ils sont aus­si im­port­ants pour che­mi­ner que les gra­phes à quoi ils abou­tis­sent.

In die­sem Text wird das mit ei­ner ge­wis­sen Be­harr­lich­keit wie­der­holt, wo­bei ge­wis­se sti­lis­ti­sche Ak­zen­te ge­setzt wer­den, wozu ich wie­der­ho­le, dass sie, um vor­an­zu­kom­men, eben­so wich­tig sind wie die Gra­phen, zu de­nen sie hin­füh­ren.

Et voi­là, j’avais en face de moi, com­me ça au fa­meux Con­grès de Royau­mont, quel­ques per­son­nes qui ri­ca­naient : En­fin si tout est là, s’il s’agit de l’être et de l’avoir, ça leur pa­rais­sait n’avoir pas gran­de por­tée, l’être et l’avoir on les choi­sit hein !

Und dann hat­te ich da auf dem be­rühm­ten Kon­gress von Royau­mont27 ei­ni­ge Leu­te vor mir, die sich lus­tig mach­ten: Nun ja, wenn das al­les ist, wenn es um Sein und Ha­ben geht, das schien Ih­nen kei­ne gro­ße Trag­wei­te zu ha­ben, das Sein und das Ha­ben, man wählt sie, nicht wahr.

C’est pour­tant ça qui s’appelle la cas­tra­ti­on.

Das ist je­doch das, was Kas­tra­ti­on ge­nannt wird.

Ce que je pro­po­se est ceci, c’est de po­ser que le lan­ga­ge – n’est-ce pas, nous le met­tons là – a son champ ré­ser­vé dans cet­te béan­ce du rap­port se­xu­el , tel­le que la lais­se ou­ver­te le phal­lus.28

Was ich vor­schla­ge, ist Fol­gen­des, näm­lich zu pos­tu­lie­ren, dass die Spra­che (lan­ga­ge) – nicht wahr, wir set­zen sie hier­hin – das ihr vor­be­hal­te­ne Feld in die­ser Kluft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses hat , wie der Phal­lus es of­fen­lässt.29

En po­sant que ce qu’il y in­tro­du­it : ça n’est, non pas deux ter­mes qui se dé­fi­nis­sent du mâle et du fe­mel­le, mais de ce choix qu’il y a ent­re des ter­mes d’une na­tu­re et d’une fonc­tion bien dif­fé­ren­tes qui s’appellent l’être et l’avoir.

Wo­bei an­ge­nom­men wird, dass das, was er hier ein­führt, kei­nes­wegs zwei Ter­mi­ni sind, die vom Männ­chen und vom Weib­chen her de­fi­niert sind, son­dern von ei­ner Wahl her, die es zwi­schen Ter­mi­ni gibt, die eine ganz an­de­re Na­tur und Funk­ti­on ha­ben und die „Sein“ und „Ha­ben“ ge­nannt wer­den.

Ce qui le prouve, ce qui le sup­por­te, ce qui rend ab­so­lu­ment évi­den­te, dé­fi­ni­ti­ve, cet­te dis­tan­ce, c’est ceci – ceci dont il ne sem­ble pas qu’on ait re­mar­qué la dif­fé­rence – c’est la sub­sti­tu­ti­on au rap­port se­xu­el de ce qui s’appelle la loi se­xu­el­le.

Wo­durch die­ser Ab­stand be­wie­sen wird, was ihn stützt, was ihn ab­so­lut evi­dent und de­fi­ni­tiv macht, ist Fol­gen­des – wo­bei man den Un­ter­schied of­fen­bar nicht be­merkt hat –, näm­lich die Er­set­zung des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses durch das, was se­xu­el­les Ge­setz ge­nannt wird.

C’est là qu’est cet­te dis­tan­ce où s’inscrit qu’il n’y a rien de com­mun ent­re ce qu’on peut énon­cer d’un rap­port qui fe­rait loi en tant qu’il relè­ve, sous une for­me quel­con­que, de l’application tel­le qu’au plus près la ser­re la fonc­tion ma­thé­ma­tique, et une loi qui est cohé­ren­te à tout le re­gist­re de ce qui s’appelle le dé­sir, de ce qui s’appelle in­ter­dic­tion, de ce qui sou­li­gne que c’est de la béan­ce même de l’interdiction in­scri­te que relè­ve la con­jonc­tion, voi­re l’identité – com­me j’ai osé l’énoncer – de ce dé­sir et de cet­te loi.

Eben da ist der Ab­stand, in den sich ein­schreibt, dass es nichts Ge­mein­sa­mes gibt zwi­schen <ei­ner­seits> dem, was man über ein Ver­hält­nis aus­sa­gen kann, das in­so­fern ein Ge­setz bil­den wür­de, als es in ir­gend­ei­ner Form von der Ab­bil­dung ab­hin­ge, wie sie am ehes­ten von der ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on er­fasst wird30, und <an­de­rer­seits> ei­nem Ge­setz, das mit dem ge­sam­ten Re­gis­ter des­sen zu­sam­men­hängt, was sich Be­geh­ren nennt, was sich Un­ter­sa­gung nennt, des­sen, wo­durch her­aus­ge­stellt wird, dass die Ver­bin­dung, ja die Iden­ti­tät – wie ich zu sa­gen ge­wagt habe – die­ses Be­geh­rens und die­ses Ge­set­zes ge­nau von der  Kluft des ein­ge­schrie­be­nen Ge­set­zes ab­hängt.

Et ce qui pose cor­ré­la­ti­ve­ment pour tout ce qui relè­ve de l’effet de lan­ga­ge, de tout ce qui in­stau­re la dem­an­si­on de la vé­rité d’une struc­tu­re de fic­tion.

Und das, wo­durch ent­spre­chend pos­tu­liert wird, für all das, was von der Sprach­wir­kung ab­hängt, von all dem, wo­durch die dem­an­si­on der Wahr­heit von ei­ner Fik­ti­onstruk­tur her ein­ge­setzt wird –.

La cor­ré­la­ti­on de tou­jours du rite et du my­the, dont c’est fai­bles­se ri­di­cu­le de dire que le my­the se­rait sim­ple­ment le com­men­taire du rite, ce qui est fait pour le sou­ten­ir, pour l’expliquer.

Die alt­her­ge­brach­te Ent­spre­chung von Ri­tus und My­thos – es ist eine lä­cher­li­che Schwach­heit, dar­über zu sa­gen, der My­thos sei ein­fach der Kom­men­tar des Ri­tu­als, et­was, was dazu dient, es zu stüt­zen, es zu er­klä­ren.

Alors que c’en est, se­lon une to­po­lo­gie qui est cel­le à laquel­le j’ai fait de­pu­is as­sez long­temps déjà un sort pour n’avoir pas be­so­in de la rap­pe­ler, le rite et le my­the sont com­me l’endroit et com­me l’envers, à cet­te con­di­ti­on que cet endroit et cet en­vers so­i­ent en con­ti­nuité.

Wo sie sich doch ge­mäß ei­ner To­po­lo­gie zu­ein­an­der ver­hal­ten, über die ich mich be­reits seit län­ge­rem aus­führ­lich ver­brei­tet habe, so­dass ich nicht dar­an er­in­nern muss: Ri­tu­al und My­thos sind wie Vor­der­sei­te und Rück­sei­te, un­ter der Be­din­gung, dass Vor­der- und Rück­sei­te kon­ti­nu­ier­lich mit­ein­an­der ver­bun­den sind.

Le main­ti­en dans le dis­cours ana­ly­tique de ce my­the ré­si­du­el qui s’appelle ce­lui de l’Œdipe, Dieu sait pour­quoi, qui est en fait ce­lui de To­tem et Ta­bou où s’inscrit ce my­the tout en­t­ier de l’invention de Freud, du père pri­mor­di­al en tant qu’il jouit de tou­tes les femmes, c’est tout de même là que nous de­vons in­ter­ro­ger d’un peu plus loin, de la lo­gi­que, de l’écrit, ce qu’il veut dire.

Dass im ana­ly­ti­schen Dis­kurs die­ser Rest­my­thos auf­recht­erhal­ten wird, der als der­je­ni­ge des Ödi­pus be­zeich­net wird, Gott weiß war­um, der aber tat­säch­lich der aus To­tem und Tabu ist, wo die­ser My­thos ver­zeich­net ist, der ganz und gar Freuds Er­fin­dung ist, der des Ur­va­ters, in­so­fern er alle Frau­en ge­nießt, das ist der Punkt, den wir dar­auf­hin be­fra­gen müs­sen – aus et­was grö­ße­rer Ent­fer­nung, von der Lo­gik her, vom Ge­schrie­be­nen her –, was er be­deu­tet.31

Il y a bien long­temps que j’ai in­tro­du­it ici le sché­ma de Peir­ce con­cer­nant les pro­po­si­ti­ons en tant qu’elles se di­vi­sai­ent en quat­re : en uni­ver­sel­les, par­ti­cu­liè­res, af­fir­ma­ti­ves et né­ga­ti­ves, les deux ter­mes, les deux cou­ples de ter­mes s’échangeant.

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Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce

Schon vor ziem­lich lan­ger Zeit habe ich hier das Sche­ma von Peir­ce über die Aus­sa­gen ein­ge­führt, in­so­fern sie sich in vier Grup­pen auf­tei­len: in uni­ver­sa­le, par­ti­ku­lä­re, be­ja­hen­de und ver­nei­nen­de, wo­bei die bei­den Ter­mi­ni, die bei­den Paa­re von Ter­mi­ni un­ter­ein­an­der aus­ge­tauscht wer­den.32

Cha­cun sait que de dire que : « tout x est y », si le sché­ma de Peir­ce – Charles San­ders – a un in­té­rêt, c’est de le mon­trer, c’est que de dé­fi­nir com­me né­ces­sai­re que tout quel­que cho­se soit pour­vu de tel at­tri­but, est une po­si­ti­on uni­ver­sel­le par­fai­te­ment re­ceva­ble sans qu’il y ait pour au­tant au­cun x.

Je­der weiß, wenn man sagt, „alle x sind y“, wenn das Sche­ma von Peir­ce – Charles San­ders – von In­ter­es­se ist, dann, um auf­zu­zei­gen, um als not­wen­dig zu de­fi­nie­ren, <dass die Aus­sa­ge>, dass je­des Et­was mit ir­gend­ei­nem At­tri­but aus­ge­stat­tet ist, auch dann, wenn es über­haupt kein x gibt, eine völ­lig zu­läs­si­ge uni­ver­sa­le Po­si­ti­on ist.

Dans la pe­ti­te for­mu­le, le pe­tit sché­ma de Peir­ce, je vous rap­pel­le : ici [2] nous avons un cer­tain nom­bre de traits ver­ti­caux, ici [1 et 4] nous n’en avons au­cun, ici [3] nous avons un pe­tit mé­lan­ge des deux, et que c’est du chevau­che­ment de deux de ces ca­ses que ré­sul­te la spé­ci­fi­cité de tel­le ou tel­le de ces pro­po­si­ti­ons, et que c’est à ras­sem­bler ces deux qua­drants [1 et 2] qu’on peut dire : tout trait est ver­ti­cal, s’il n’est pas ver­ti­cal, il n’y a pas de trait.

In der klei­nen For­mel, dem klei­nen Sche­ma von Peir­ce, ich er­in­ne­re Sie dar­an, ha­ben wir hier [2] eine Rei­he von ver­ti­ka­len Stri­chen, hier [1 und 4] ha­ben wir kei­ne ver­ti­ka­len Stri­che, <hier [4] ha­ben wir schrä­ge Stri­che>, hier [3] ha­ben wir eine klei­ne Mi­schung aus bei­den, und dar­an, dass die Spe­zi­fik die­ser oder je­ner Aus­sa­ge sich aus der Ver­bin­dung von zwei­en die­ser Fel­der er­gibt, und dass man, wenn man die bei­den Qua­dran­ten [1 und 2] zu­sam­men­nimmt, sa­gen kann: „Alle Stri­che sind ver­ti­kal“ – wenn sie nicht ver­ti­kal sind, gibts kei­nen Strich.33

Pour fai­re la né­ga­ti­ve, ce sont ces deux [1 et 4] là qu’il faut ré­un­ir : ou bien il n’y a pas de trait, ou bien il n’y en a pas de ver­ti­caux.

Um die ver­nei­nen­de <Aus­sa­ge> zu bil­den, <“Alle Stri­che sind nicht ver­ti­kal“ bzw. “Kein Strich ist ver­ti­kal“>, muss man die­se bei­den hier [1 und 4] ver­ei­ni­gen: Ent­we­der es gibt <über­haupt> kei­nen Strich oder es gibt kei­ne ver­ti­ka­len Stri­che.

Ce que dé­si­gne le my­the de la jouis­sance de tou­tes les femmes, c’est que le « tou­tes les femmes », il n’y en a pas.

Was der My­thos vom Ge­nie­ßen al­ler Frau­en be­zeich­net, ist dies, dass es das „alle Frau­en“ nicht gibt.

Il n’y a pas d’universel de la femme.

Es gibt kein Uni­ver­sa­les der Frau.

Voi­là ce que pose un ques­ti­on­ne­ment du phal­luset non pas du rap­port se­xu­el – quant à ce qu’il en est de la jouis­sance qu’il con­sti­tue, puis­que j’ai dit que c’était la jouis­sance fé­mi­ni­ne.

Das ist das, was durch eine Be­fra­gung des Phal­lus – und nicht des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses – ge­setzt wird, be­zo­gen dar­auf, wor­um es bei dem Ge­nie­ßen geht, das er kon­sti­tu­iert, habe ich doch ge­sagt, dies sei das weib­li­che Ge­nie­ßen.

C’est à par­tir de ces énon­cés qu’un cer­tain nom­bre de ques­ti­ons se trou­vent ra­di­ca­le­ment dé­pla­cées.

Von die­sen Äu­ße­run­gen her ha­ben sich eine Rei­he von Fra­gen ra­di­kal ver­scho­ben / sind eine Rei­he von Fra­gen ra­di­kal ver­fehlt.

Après tout il est pos­si­ble qu’il y ait un savoir de la jouis­sance qu’on ap­pel­le se­xu­el­le qui soit le fait de cet­te « cer­tai­ne femme ».

Es ist durch­aus mög­lich, dass es ein Wis­sen des­je­ni­gen Ge­nie­ßens gibt, das man se­xu­ell nennt, ein Wis­sen, das sich die­ser „ge­wis­sen Frau“ zu­schrei­ben lässt.

La cho­se n’est pas im­pensa­ble, il y en a com­me ça des tra­ces my­thi­ques dans les co­ins.

Die Sa­che ist nicht un­denk­bar, in man­chen Ecken gibt es my­thi­sche Spu­ren die­ser Art.

Les cho­ses qui s’appellent le Tan­tra, on dit que ça se pra­tique.

Die Sa­chen, die Tan­tra ge­nannt wer­den – man sagt, dass das da prak­ti­ziert wird.

Il est tout de même clair que de­pu­is un bon bout de temps, si vous me per­met­tez d’exprimer ain­si ma pen­sée, l’habileté des jou­eu­ses de flû­te est beau­coup plus pa­ten­te.

Es ist je­doch klar – wenn Sie mir ge­stat­ten, mei­nen Ge­dan­ken so aus­zu­drü­cken –, dass die Ge­schick­lich­keit der Flö­ten­spie­le­rin­nen seit ge­rau­mer Zeit viel of­fen­sicht­li­cher ist.34

C’est pas pour jou­er de l’obscénité que j’avance ça en ce point, c’est que, il y a ici, et je le sup­po­se, il y a au moins ici une per­son­ne qui sait ce que c’est que de jou­er de la flû­te, c’est la per­son­ne qui ré­cem­ment me fai­sait re­mar­quer à pro­pos de ce jeu de la flû­te – mais on peut le dire aus­si à pro­pos de tout usa­ge d’instrument – quel­le di­vi­si­on du corps l’usage d’un in­stru­ment, quel qu’il soit, rend né­ces­sai­re.

Nicht um mit der Ob­szö­ni­tät zu spie­len, brin­ge ich das an die­sem Punkt vor, son­dern weil es hier je­man­den gibt, wie ich an­neh­me, weil es hier zu­min­dest eine Per­son gibt, die weiß, was es heißt, Flö­te zu spie­len, näm­lich die Per­son, die mich kürz­lich dar­auf auf­merk­sam ge­macht hat – be­zo­gen auf das Flö­ten­spiel, aber man kann das glei­cher­ma­ßen über jede Be­nut­zung ei­nes In­stru­ments sa­gen –, wel­che Spal­tung des Kör­pers not­wen­dig ist, um ir­gend­ein In­stru­ment zu ver­wen­den.

Je veux dire rup­tu­re de syn­er­gie.

Ich mei­ne ei­nen Bruch der Syn­er­gie.

Il suf­fit de fai­re de n’importe quel in­stru­ment.

Es ge­nügt, mit ir­gend­ei­nem In­stru­ment um­zu­ge­hen.

Met­tez-vous sur une pai­re de skis, vous ver­rez tout de sui­te que vos syn­er­gies doiv­ent être rom­pu­es.

Stel­len Sie sich auf ein Paar Ski­er und Sie wer­den so­fort se­hen, dass Ihre Syn­er­gi­en ge­bro­chen wer­den müs­sen.

Pre­nez une can­ne de golf – ça m’arrive ces der­niers temps : j’ai re­com­men­cé – c’est pareil, hein : il y a deux ty­pes de mou­ve­ments qu’il faut que vous fas­siez en même temps, vous n’y ar­ri­vez au dé­but ab­so­lu­ment pas par­ce que syn­er­gi­que­ment ça ne s’arrange pas com­me ça.

Neh­men Sie ei­nen Golf­schlä­ger – in letz­ter Zeit kommt das bei mir vor, ich habe wie­der an­ge­fan­gen –, da ist es das Glei­che, nicht wahr, es gibt zwei Ar­ten von Be­we­gun­gen, die Sie gleich­zei­tig aus­füh­ren müs­sen, und an­fangs ge­lingt Ih­nen das ab­so­lut nicht, da das syn­er­ge­tisch nicht ein­fach so funk­tio­niert.

La per­son­ne qui m’a bien rap­pelé la cho­se à pro­pos de la flû­te, me fai­sait éga­le­ment re­mar­quer que pour le chant, où en ap­pa­rence il n’y a pas d’instrument, c’est en ça que le chant est par­ti­cu­liè­re­ment in­téres­sant, c’est que là aus­si il faut que vous di­vi­siez vot­re corps, que vous y di­vi­siez deux cho­ses qui sont tout à fait dis­tinc­tes pour que vous puis­siez chan­ter, mais qui d’habitude sont ab­so­lu­ment syn­er­gi­ques, à savoir la pose de la voix et la re­spi­ra­ti­on.

Die Per­son, die mich an­läss­lich der Flö­te an die­se Sa­che er­in­nert hat, hat­te mich eben­so dar­auf auf­merk­sam ge­macht, dass Sie beim Ge­sang, bei dem es an­schei­nend kein In­stru­ment gibt, und dar­in ist der Ge­sang be­son­ders in­ter­es­sant, dass Sie auch hier Ih­ren Kör­per auf­spal­ten müs­sen, dass Sie hier, da­mit Sie sin­gen kön­nen, zwei Sa­chen tei­len, die völ­lig ver­schie­den sind, die aber für ge­wöhn­lich ab­so­lut syn­er­ge­tisch sind, näm­lich den An­satz der Stim­me (pose de la voix) und die At­mung.

Bon, ces vé­rités pre­miè­res qui n’ont pas eu be­so­in de m’être rap­pelées, puis­que aus­si bien je vous di­sais que j’en avais ma der­niè­re ex­pé­ri­ence avec la can­ne de golf, c’est ce qui lais­se ou­ver­te com­me une ques­ti­on si il y a en­co­re quel­que part un savoir de l’instrument phal­lus.

Gut, die­se Grund­wahr­hei­ten, an die man mich nicht er­in­nern muss­te, da ich, wie be­reits ge­sagt, dies­be­züg­lich mei­ne letz­te Er­fah­rung mit dem Golf­schlä­ger hat­te, das ist et­was, was als Fra­ge of­fen lässt, ob es noch ir­gend­wo ein Wis­sen über das Phal­lus-In­stru­ment gibt.

Seu­le­ment l’instrument phal­lus, c’est pas un in­stru­ment com­me les au­tres, c’est com­me pour le chant, l’instrument phal­lus, je vous ai déjà dit qu’il est pas du tout à con­fond­re avec le pé­nis.

Nur, das Phal­lus-In­stru­ment, das ist kein In­stru­ment wie an­de­re, das ist wie beim Ge­sang, das Phal­lus-In­stru­ment, ich habe Ih­nen be­reits ge­sagt, dass es kei­nes­falls mit dem Pe­nis zu ver­wech­seln ist.

Le pé­nis lui, il se règ­le sur la loi : c’est-à-dire sur le dé­sir, c’est-à-dire sur le plus de jouir, c’est-à-dire sur la cau­se du dé­sir, c’est-à-dire sur le fan­tas­me.

Der Pe­nis wird durch das Ge­setz re­gu­liert, das heißt durch das Be­geh­ren, das heißt durch die Mehr­lust, das heißt durch die Ur­sa­che des Be­geh­rens, das heißt durch das Phan­tas­ma.

Et ça, le savoir sup­po­sé de la femme qui sau­rait, là elle ren­cont­re un os, jus­te­ment ce­lui qui man­que à l’organe, si vous me per­met­tez de con­ti­nu­er dans la même vei­ne. [Ge­läch­ter]

Und dies, das un­ter­stell­te Wis­sen der Frau, die wis­sen wür­de, da stößt sie auf auf eine Schwie­rig­keit / auf ei­nem Kno­chen (os), auf eben den­je­ni­gen, der dem Or­gan fehlt, wenn Sie mir ge­stat­ten, in die­ser Wei­se fort­zu­fah­ren. [Ge­läch­ter]

Par­ce que chez cer­ta­ins ani­maux, il y en a un d’os, ça oui !

Denn bei be­stimm­ten Tie­ren gibt es das, ei­nen Kno­chen, aber ja.35

 

Là il y a un man­que, c’est un os man­quant, c’est pas le phal­lus, c’est le dé­sir et son fonc­tion­ne­ment.

Hier gibt es ein Feh­len, das ist ein feh­len­der Kno­chen; das ist nicht der Phal­lus, das ist das Be­geh­ren und sein Funk­tio­nie­ren.

Il en ré­sul­te qu’une femme n’a de té­moi­gna­ge de son in­ser­ti­on dans la loi de ce qui sup­plée au rap­port, que par le dé­sir de l’homme.

Dar­aus er­gibt sich, eine Frau hat ei­nen Be­weis für ihre Ein­fü­gung in das Ge­setz – für das, was ei­nen Er­satz für das Ver­hält­nis bil­det – nur durch das Be­geh­ren des Man­nes.

Là il suf­fit d’avoir une tou­te pe­ti­te ex­pé­ri­ence ana­ly­tique pour en avoir la cer­ti­tu­de, le dé­sir de l’homme – je vi­ens de le dire – est lié à sa cau­se qui est le plus de jouir, ou qui est en­co­re com­me je l’ai ex­pri­mé main­tes fois, s’il prend sa sour­ce dans le champ d’où tout part : l’effet de lan­ga­ge, dans le dé­sir de l’Autre donc.

Es ge­nügt be­reits eine ganz ge­rin­ge ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, um dar­über Ge­wiss­heit zu ha­ben: Das Be­geh­ren des Man­nes ist, wie ich eben ge­sagt habe, an sei­ne Ur­sa­che ge­bun­den, näm­lich an die Mehr­lust, oder es ist auch – wie ich es vie­le Male aus­ge­drückt habe,  wenn es sei­ne Quel­le in dem Feld hat, von dem al­les aus­geht: der Sprach­wir­kung – im Be­geh­ren des An­de­ren also.

Et la femme à cet­te oc­ca­si­on on s’aperçoit que c’est elle qui est l’Autre.

Und die Frau, bei die­ser Ge­le­gen­heit be­greift man, dass eben sie die An­de­re ist.

Seu­le­ment elle est l’Autre d’un tout aut­re res­sort, d’un tout aut­re re­gist­re que son savoir, quel qu’il soit.

Al­ler­dings ist sie die An­de­re ei­nes ganz an­de­ren Be­reichs, ei­nes ganz an­de­ren Re­gis­ters als dem ih­res Wis­sens, wor­in auch im­mer es be­stehen mag.

Voi­là donc l’instrument phal­li­que posé – avec des guil­le­mets – com­me le « cau­se » du lan­ga­ge, je n’ai pas dit « ori­gi­ne ».

Hier wird also das phal­li­sche In­stru­ment – in An­füh­rungs­zei­chen – als „Ur­sa­che“ der Spra­che an­ge­nom­men, ich habe nicht ge­sagt: als „Ur­sprung“.

Et là mal­gré l’heure avan­cée – mon Dieu – j’irai vite, je si­gna­le­rai la tra­ce qu’on en peut avoir, à savoir le main­ti­en, quoi qu’on veuil­le, d’un in­ter­d­it sur les mots ob­scè­nes.

Und hier, trotz der fort­ge­schrit­te­nen Zeit – mein Gott, ich wer­de schnell ma­chen –, möch­te ich auf die Spur ver­wei­sen, die man da­von ha­ben kann, näm­lich das Auf­recht­erhal­ten, was im­mer man da­von hal­ten mag, des Ver­bots von ob­szö­nen Wör­tern.

Et puis­que je sais qu’il y a des gens qui m’attendent à ce quel­que cho­se que je leur ai pro­mis : de fai­re al­lu­si­on à Éden, Éden, Éden et de dire pour­quoi je si­gne pas les – com­ment qu’on ap­pel­le ça ? – les ma­ch­ins, les pé­ti­ti­ons à ce pro­pos.

Und da ich weiß, dass es hier Leu­te gibt, die et­was er­war­ten, was ich ih­nen ver­spro­chen habe, näm­lich dass ich auf Eden, Eden, Eden an­spie­le und sage, war­um ich nicht die­se, wie heißt das noch­mal, die­se Din­ger un­ter­schrei­be, die Pe­ti­tio­nen, die sich dar­auf be­zie­hen.36

C’est que ce n’est pas cer­tes que mon esti­me soit mé­dio­cre pour cet­te ten­ta­ti­ve : à sa fa­çon elle est com­pa­ra­ble à cel­le de mes Écrits, à ceci près que, elle est beau­coup plus dé­se­s­pé­rée.

Si­cher­lich geh­tes nicht dar­um, dass mei­ne Wert­schät­zung für die­sen Ver­such ge­ring wäre; auf sei­ne Wei­se ist er mit dem mei­ner Schrif­ten ver­gleich­bar, ab­ge­se­hen da­von, dass er sehr viel hoff­nungs­lo­ser ist.

Il est tout à fait dé­se­s­pé­ré de « lan­ga­gier » l’instrument phal­li­que.

Es ist völ­lig hoff­nungs­los, das phal­li­sche In­stru­ment zu ver­sprach­li­chen.37

Et c’est par­ce que je le con­sidè­re com­me en ce point sans es­poir, que je pen­se aus­si que ne peut se dé­ve­lop­per au­tour d’une tel­le ten­ta­ti­ve, que des ma­len­ten­dus.

Und da ich es als et­was an­se­he, das un­ter die­sem Ge­sichts­punkt ohne Hoff­nung ist, den­ke ich auch, dass sich um ei­nen sol­chen Ver­such her­um nur Miss­ver­ständ­nis­se ent­wi­ckeln kön­nen.

Vous voy­ez que c’est à un point hau­t­e­ment thé­o­ri­que que se place, dans l’occasion, mon re­fus.

Sie se­hen, dass mei­ne Wei­ge­rung sich hier auf ei­nen hoch­theo­re­ti­schen Ge­sichts­punkt be­zieht.

Là où je vou­d­rais en ve­nir est ceci : d’où in­ter­ro­ge-t-on la vé­rité ?

Wor­auf ich da­mit hin­aus­will, ist Fol­gen­des: Von wo aus be­fragt man die Wahr­heit?

Car la vé­rité elle peut dire tout ce qu’elle veut, c’est l’oracle.

Denn die Wahr­heit kann al­les sa­gen, was sie will, das ist das Ora­kel.

Ça exis­te de­pu­is tou­jours, et après ça on n’a plus qu’à se dé­brouil­ler.

Das gibt es im­mer schon, und da­nach kann man sich nur noch durch­wursch­teln.

Seu­le­ment, il y a un fait nou­veau, hein ?

Al­ler­dings gibt es eine neue Tat­sa­che, nicht wahr?

Pre­mier fait nou­veau de­pu­is que fonc­tion­ne l’oracle, c’est-à-dire de­pu­is tou­jours, c’est un de mes écrits, le fait nou­veau qui s’appelle La Cho­se freu­di­en­ne où j’ai in­di­qué ceci, que per­son­ne n’avait ja­mais dit hein ? – seu­le­ment com­me c’est écrit, na­tu­rel­le­ment vous ne l’avez pas en­t­en­du – j’ai dit que la vé­rité par­le « Je ».

Die ers­te neue Tat­sa­che, seit das Ora­kel funk­tio­niert, also seit je, das ist eine mei­ner Schrif­ten, die neue Tat­sa­che, die sich Die Freud’sche Sa­che nennt, wo ich auf et­was hin­ge­wie­sen habe, was noch nie je­mand ge­sagt hat, nicht wahr; nur, da das ge­schrie­ben ist, ha­ben Sie es na­tür­lich nicht ver­stan­den – ich habe ge­sagt, dass die Wahr­heit „ich (Je)“ sagt.

Si vous aviez don­né son po­ids à cet­te es­pè­ce de lu­xu­ri­an­ce po­lé­mi­que que j’ai fai­te pour pré­sen­ter la vé­rité com­me ça, je ne sais même plus ce que j’ai écrit, com­me « ren­trant dans la piè­ce dans un fra­cas de mi­ro­ir », ç’aurait peut-être pu vous ou­vr­ir les oreil­les.

Wenn Sie die­ser Art po­le­mi­scher Üp­pig­keit ihr Ge­wicht ge­ge­ben hät­ten, die­ser Üp­pig­keit, die ich her­ge­stellt habe, um in sol­cher Wei­se die Wahr­heit zu prä­sen­tie­ren, ich weiß nicht ein­mal mehr, was ich ge­schrie­ben habe, so et­was wie „ins Zim­mer zu­rück­keh­rend, in ei­nem Klir­ren des Spie­gels“, das hät­te Ih­nen viel­leicht die Oh­ren öff­nen kön­nen.38

Ce bruit des mi­ro­irs qui se cas­sent, dans un écrit, ça ne vous frap­pe pas ?

Die­ser Lärm von zer­bre­chen­den  Spie­geln in et­was Ge­schrie­be­nem, ver­blüfft Sie das nicht?

C’est pour­tant as­sez bien écrit, c’est là ce qu’on ap­pel­le l’effet de style.

Da­bei ist es ziem­lich gut ge­schrie­ben, das ist eben das, was man Stil nennt.

Ça vous au­rait cer­tai­ne­ment aidé à com­prend­re ce que ça veut dire « la vé­rité par­le ‘Je’ », ça veut dire qu’on peut lui dire « Tu ».

Das hät­te Ih­nen si­cher­lich ge­hol­fen, zu be­grei­fen, was mit „die Wahr­heit sagt ‚Ich‘“ ge­meint ist – da­mit ist ge­meint, dass man zu ihr „Du“ sa­gen kann.

Et je vais vous ex­pli­quer à quoi ça sert.

Und ich wer­de Ih­nen er­klä­ren, wozu das gut ist.

Vous al­lez cro­i­re bien sûr que je vais vous dire que ça sert au dia­lo­gue.

Sie wer­den na­tür­lich glau­ben, dass ich Ih­nen sa­gen wer­de, dass das für den Dia­log gut ist.

Il y a long­temps que j’ai dit qu’il n’y en avait pas de dia­lo­gue, et avec la vé­rité, bien sûr, en­co­re moins.

Es ist lan­ge her, dass ich ge­sagt habe, ei­nen Dia­log gibt es nicht, und mit der Wahr­heit na­tür­lich noch we­ni­ger.

Néan­moins, si vous li­sez quel­que cho­se qui s’appelle la Méta­ma­thé­ma­tique de Lo­ren­zen, je l’ai ap­por­té, c’est chez Gaut­hi­er-Vil­lars et Mou­ton, bon, et puis je vais même vous in­di­quer la page où vous ver­rez des cho­ses as­tu­cieu­ses.

Nichts­des­to­we­ni­ger, wenn Sie et­was le­sen, was sich die Me­ta­ma­the­ma­tik von Lo­ren­zen nennt, ich habe es mit­ge­bracht, das ist bei Gaut­hi­er-Vil­lars und Mou­ton er­schie­nen39, gut, und dann wer­de ich Ih­nen so­gar die Sei­te an­ge­ben, auf der Sie raf­fi­nier­te Sa­chen fin­den.

C’est des dia­lo­gues, c’est des dia­lo­gues écrits, c’est-à-dire que c’est le même qui écrit les deux ré­pli­ques.

Das sind Dia­lo­ge, das sind ge­schrie­be­ne Dia­lo­ge, das heißt, dass ein und der­sel­be bei­de Re­pli­ken schreibt.

C’est un dia­lo­gue bien par­ti­cu­lier, seu­le­ment c’est très in­struc­tif.

Das ist ein ziem­lich spe­zi­el­ler Dia­log, doch das ist sehr in­struk­tiv.

Vous vous re­port­e­rez à la page 22.

Sie soll­ten sich auf Sei­te 22 be­zie­hen.

C’est très in­struc­tif et je pour­rais le tra­du­i­re de plus d’une fa­çon, y com­pris en me ser­vant de mon être et de mon avoir de tout à l’heure.

Das ist sehr in­struk­tiv, und ich könn­te es auf mehr als eine Wei­se über­set­zen, un­ter an­de­rem, in­dem ich mich mei­nes Seins und mei­nes Ha­bens von vor­hin be­die­ne.

Mais j’irai plus sim­ple­ment pour vous rap­pe­ler cet­te cho­se sur laquel­le j’ai déjà mis l’accent, c’est à savoir qu’aucun des pré­ten­dus pa­ra­do­xes au­x­quels s’arrête la lo­gi­que clas­si­que, nom­mé­ment ce­lui du « Je mens », ne ti­ent qu’à par­tir du mo­ment où c’est écrit.

Ich wer­de je­doch ein­fa­cher vor­ge­hen, um Sie an et­was zu er­in­nern, wor­auf ich be­reits den Ak­zent ge­setzt habe, dass näm­lich die an­geb­li­chen Pa­ra­do­xi­en, bei de­nen sich die klas­si­sche Lo­gik auf­hält, ins­be­son­de­re die des „Ich lüge“, erst von dem Mo­ment an halt­bar sind, in dem sie ge­schrie­ben sind.

Il est tout à fait clair que de dire « Je mens » est une cho­se qui ne fait au­cun obst­a­cle, étant don­né qu’on ne fait que ça, alors pour­quoi ne le di­rait-on pas ?

Es ist voll­kom­men klar, dass „Ich lüge“ zu sa­gen, et­was ist, was kei­ne Schwie­rig­keit macht– da man schließ­lich nichts an­de­res tut als das, war­um soll­te man es nicht sa­gen?

Qu’est-ce que ça veut dire ?

Was be­deu­tet das?

Que c’est seu­le­ment quand c’est écrit que là il y a pa­ra­do­xe, car on dit là: «Ben, vous men­tez ou bien vous di­tes vrai ? »

Dass es hier nur dann, wenn es ge­schrie­ben ist, eine Pa­ra­do­xie gibt, denn dann sagt man: „Wie nun, lü­gen Sie oder spre­chen Sie die Wahr­heit?“

C’est ex­ac­te­ment la même cho­se que je vous ai fait re­mar­quer dans son temps, que d’écrire « le plus pe­tit nom­bre qui s’écrive en plus de quin­ze mots ».

Das ist ge­nau das­sel­be wie das, wor­auf ich Sie frü­her ein­mal auf­merk­sam ge­macht habe, näm­lich zu schrei­ben: „<Die­ser Aus­druck de­fi­niert> die kleins­te Zahl, die mit mehr als fünf­zehn Wör­tern ge­schrie­ben wird.“40

Vous ne voy­ez là au­cun obst­a­cle, quand je vous le dis.

Sie se­hen hier kei­ne Schwie­rig­keit, wenn ich es Ih­nen sage.

Si c’est écrit, vous les comp­tez, vous vous aper­ce­vez qu’il n’y en a que trei­ze, dans ce que je vi­ens de dire.

Wenn es ge­schrie­ben ist, zäh­len Sie nach, Sie se­hen dann, dass es in dem, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, nur drei­zehn gibt.41

Mais ça ne se comp­te que si c’est écrit.

Ab­zäh­len aber lässt sich das nur dann, wenn es ge­schrie­ben ist.

Par­ce que si c’est écrit en ja­po­nais, je vous dé­fie de les comp­ter. ja

Denn wenn das auf ja­pa­nisch ge­schrie­ben ist, wet­te ich, dass sie sie nicht zäh­len kön­nen.42

Par­ce que là vous vous po­sez quand même la ques­ti­on, il y a des pe­tits bouts, com­me ça, de va­gis­se­ments, des pe­tits o et des pe­tits oua, dont vous vous de­man­de­rez s’il faut le col­ler au mot, ou s’il faut le déta­cher et le comp­ter pour un mot, c’est même pas un mot, c’est « eh », c’est com­me ça. [Ge­läch­ter]

Denn da stel­len Sie sich schon die Fra­ge, es gibt klei­ne Stü­cke, etwa so, ein Quä­ken, klei­ne o und klei­ne ua, bei de­nen Sie sich fra­gen wer­den, ob man das ans Wort an­hän­gen muss oder ob man es ab­lö­sen muss und als ei­ge­nes Wort zäh­len muss – das ist nicht mal ein Wort, das ist eh, das ist so. [Ge­läch­ter]43

Seu­le­ment quand c’est écrit, c’est comp­ta­ble.

Nur wenn es ge­schrie­ben ist, lässt es sich zäh­len.

Alors la vé­rité, vous vous aper­ce­v­rez qu’exactement com­me dans La méta­ma­thé­ma­tique de Lo­ren­zen, si vous po­sez qu’on ne peut pas à la fois dire « oui » et « non » sur le même point, là vous ga­g­nez – vous ver­rez tout à l’heure ce que vous ga­g­nez – mais si vous mi­sez que c’est ou « oui » ou « non », là vous per­dez.

Nun, die Wahr­heit, Sie wer­den be­mer­ken, dass Sie, ge­nau wie in der Me­ta­ma­the­ma­tik von Lo­ren­zen, wenn Sie pos­tu­lie­ren, dass man in Be­zug auf den­sel­ben Punkt nicht zu­gleich „ja“ und „nein“ sa­gen kann, dann ge­win­nen Sie – Sie wer­den gleich se­hen, was Sie ge­win­nen –, wenn Sie aber dar­auf wet­ten, dass es „ja“ oder aber „nein“ ist44, dann ver­lie­ren Sie.

Ré­fé­rez-vous à Lo­ren­zen, mais je vais vous l’illustrer tout de sui­te.

Schau­en Sie bei Lo­ren­zen nach; ich wer­de es Ih­nen aber so­fort ver­an­schau­li­chen.

Je pose : « Il n’est pas vrai » dis-je à la vé­rité « que tu dis vrai et que tu men­tes en même temps. »

Ich be­gin­ne so: „Es ist nicht wahr“, sage ich der Wahr­heit, „dass du zu­gleich wahr sprichst und lügst.“

La vé­rité peut répond­re bien des cho­ses, puis­que c’est vous qui la fai­tes répond­re, ça ne vous coû­te rien.

Die Wahr­heit kann vie­les ant­wor­ten; da Sie es sind, die sie ant­wor­ten las­sen, kos­tet Sie das gar nichts.

De tou­te fa­çon, ça va abou­tir au même ré­sul­tat, mais je vous le dé­tail­le pour res­ter col­lé au Lo­ren­zen.

Das führt in je­dem Fall zum sel­ben Er­geb­nis, aber ich füh­re es Ih­nen im Ein­zel­nen vor, um mich eng an Lo­ren­zen zu hal­ten.

Elle dit : « Je dis vrai! ».

Sie sagt: „Ich spre­che wahr.“

Vous lui répon­dez : « Je te le fais pas dire! » [Ge­läch­ter]

Sie ant­wor­ten ihr: „Das lass ich dich nicht sa­gen!“ [Ge­läch­ter]

Alors pour vous em­mer­der, elle vous dit : « Je mens .»

Dann, um Sie zu ver­ar­schen, sagt sie Ih­nen: „Ich lüge.“

À quoi vous répon­dez : « Main­tenant, j’ai ga­gné, je sais que tu te cont­re­dis ! »

Wor­auf Sie ant­wor­ten: „Jetzt hab ich ge­won­nen, ich weiß, dass du dir wi­der­sprichst.“

C’est ex­ac­te­ment ce que vous dé­cou­vrez avec l’inconscient, ça n’a pas plus de por­tée.

Das ist ge­nau das, was Sie beim Un­be­wuss­ten ent­de­cken, das geht nicht dar­über hin­aus.

Que l’inconscient dise tou­jours la vé­rité et qu’il men­te, c’est, de chez lui, par­fai­te­ment sou­tenable, c’est sim­ple­ment à vous de le savoir.

Dass das Un­be­wuss­te im­mer die Wahr­heit sagt und dass es lügt, ist von ihm aus voll­kom­men ver­tret­bar, Sie müs­sen es ein­fach nur wis­sen.

Qu’est-ce que ça vous ap­prend ?

Was lehrt Sie das?

Que la vé­rité, vous n’en sa­vez quel­que cho­se que quand elle se dé­chaî­ne.

Dass Sie von der Wahr­heit nur dann et­was wis­sen, wenn sie sich ent­fes­selt.

Car elle s’est dé­chaî­née, elle a bri­sé vot­re chaî­ne, elle vous a dit les deux cho­ses aus­si bien, quand vous di­siez que la con­jonc­tion n’était point sou­tenable.

Denn sie hat sich ent­fes­selt, sie hat Ihre Ket­te zer­bro­chen; auch dann, als Sie ihr sag­ten, die Kon­junk­ti­on sei ganz und gar nicht halt­bar, hat sie Ih­nen bei­de Sa­chen zu­gleich ge­sagt.45

Mais sup­po­sez le con­trai­re, que vous lui ayez dit : « Ou tu dis vrai, ou tu mens. »

Aber neh­men Sie das Ge­gen­teil an, näm­lich dass Sie ihr ge­sagt ha­ben: „Du sprichst die Wahr­heit oder du lügst.“46

Ben là, vous en êtes pour vos frais.

Nun ja, dann ha­ben Sie die Kos­ten zu tra­gen.

Par­ce que, qu’est-ce qu’elle vous répond : « Je te l’accorde, je m’enchaîne.

Denn, was ant­wor­tet sie Ih­nen?: „Ich stim­me dir zu, ich fess­le mich.

Tu me dis ‘ou tu dis vrai ou tu mens’, et en ef­fet ça c’est bien vrai. »

Du sagst mir ‚du sprichst wahr oder du lügst‘, und tat­säch­lich, das ist wohl wahr.“

Seu­le­ment alors là, vous sa­vez rien, vous sa­vez rien de ce qu’elle vous a dit, puis­que ou elle dit vrai ou elle ment, de sor­te que vous êtes per­dant.

Nur, in die­sem Fall, da wis­sen Sie nichts, Sie wis­sen nichts über das, was sie Ih­nen ge­sagt hat, denn sie spricht wahr oder sie lügt, der­art, dass Sie ver­lie­ren.

Ceci, je ne sais pas si ça vous ap­pa­raît dans sa per­ti­nence, mais ça veut dire ceci dont nous avons con­stam­ment l’expérience, c’est que qu’elle se re­fu­se la vé­rité, alors ça me sert à quel­que cho­se.

Ich weiß nicht, ob sich das Ih­nen in sei­ner Stich­hal­tig­keit er­schließt, aber das be­deu­tet et­was, wo­mit wir stän­dig Er­fah­run­gen ma­chen, näm­lich dass die Tat­sa­che, dass sie sich ver­wei­gert, die Wahr­heit, dass mir das zu et­was nüt­ze ist.

C’est à ça que nous avons tout le temps af­fai­re dans l’analyse et qu’elle s’abandonne, qu’elle ac­cep­te la chaî­ne, quel­le qu’elle soit, eh bien, j’y perds mon la­tin.

Eben da­mit ha­ben wir es in der Ana­ly­se stän­dig zu tun, und dass sie auf­gibt, dass sie die Ket­te ak­zep­tiert, wel­che auch im­mer, nun ja, da bin ich mit mei­nem La­tein am Ende.

Au­tre­ment dit ça… ça me lais­se à dé­si­rer.

An­ders ge­sagt, das – das lässt für mich zu wün­schen üb­rig / das lässt mich be­geh­ren (ça me lais­se à dé­si­rer).

Ça me lais­se à dé­si­rer, ça me lais­se dans ma po­si­ti­on de de­man­deur, puis­que je me trom­pe de pen­ser que je puis trai­ter d’une vé­rité que je ne puis re­con­naît­re qu’au tit­re de dé­chaî­née.

Das lässt mich be­geh­ren, dass lässt mich in mei­ner Po­si­ti­on des Su­chen­den / des For­dern­den / des Fra­gen­den (de­man­deur), denn ich täu­sche mich, wenn ich den­ke, dass ich eine Wahr­heit ab­han­deln kann, die ich doch nur als ent­fes­sel­te er­ken­nen kann.

Vous mont­rez de quel dé­chet-ne­ment47 vous par­ti­ci­pez.

Sie zei­gen auf, an wel­cher Ent­fes­se­lung (déchaînement/déchet-nement) Sie teil­ha­ben.

Il y a quel­que cho­se qui mé­ri­te d’être re­le­vé dans ce rap­port, c’est la fonc­tion de ce quel­que cho­se dont il y a long­temps que je le mets tout douce­ment com­me ça sur la sel­let­te, et qui se dé­nom­me la li­ber­té.

Es gibt et­was, was es ver­dient, in die­sem Zu­sam­men­hang her­vor­ge­ho­ben zu wer­den, und das ist die Funk­ti­on von et­was, das ich be­reits seit lan­gem ganz be­hut­sam aufs Korn neh­me und was sich „Frei­heit“ nennt.

Il ar­ri­ve qu’à tra­vers le fan­tas­me, il y en ait qui élu­cu­brent de cer­tai­nes fa­çons où, si­non la vé­rité elle-même du moins le phal­lus, pour­rait être appri­voi­sé.

Es kommt vor, dass es Leu­te gibt, die ver­mit­tels des Phan­tas­mas be­stimm­te Ver­fah­ren aus­tüf­teln, durch die zwar nicht die Wahr­heit selbst, aber zu­min­dest der Phal­lus ge­zähmt wer­den könn­te.

Je ne vous di­rai pas dans quel­les va­rié­tés de dé­tails ces sor­tes d’élucubrations peu­vent s’étaler.

Ich wer­de Ih­nen nicht sa­gen, in wel­che Viel­falt von Ein­zel­hei­ten sich Ela­bo­ra­te die­ser Art aus­brei­ten kön­nen.

Mais il y a une cho­se très frap­pan­te, c’est que, mis à part une cer­tai­ne sor­te de man­que de sé­rieux qui est peut-être ce qu’il y a de plus so­li­de pour dé­fi­nir la per­ver­si­on, eh ben, ces so­lu­ti­ons élé­gan­tes, il est clair que les per­son­nes pour qui ça c’est sé­rieux, tou­te cet­te me­nue af­fai­re –.

Es gibt je­doch et­was ganz Er­staun­li­ches, das ist, dass, ab­ge­se­hen von ei­nem ge­wis­sen Man­gel an Se­rio­si­tät, der viel­leicht das ist, was es an So­li­des­tem gibt, um die Per­ver­si­on zu de­fi­nie­ren; nun ja, die­se ele­gan­ten Lö­sun­gen, es ist klar, dass die Per­so­nen, für die das se­ri­ös ist, die­se gan­ze klei­ne Sa­che –.

Par­ce que – mon Dieu ! – le lan­ga­ge, ça comp­te pour el­les, aus­si l’écrit, ne se­rait-ce que par­ce que ça per­met l’interrogation lo­gi­que.

Weil, mein Gott, die Spra­che, das zählt für sie, das Ge­schrie­be­ne eben­so, und sei es nur des­halb, weil das die lo­gi­sche Be­fra­gung er­mög­licht.

Car en fin de comp­te, qu’est-ce que c’est que la lo­gi­que si ce n’est ce pa­ra­do­xe ab­so­lu­ment fa­bu­leux que ne per­met que l’écrit, de prend­re la vé­rité com­me ré­fé­rent ?

Denn letzt­lich, was ist die Lo­gik, wenn nicht die­se ab­so­lut sa­gen­haf­te Pa­ra­do­xie, die nur durch das Ge­schrie­be­ne er­mög­licht wird, dass man die Wahr­heit als Re­fe­rent nimmt?

C’est évi­dem­ment par ça qu’on com­mu­nie.

Da­mit kom­mu­ni­ziert man of­fen­sicht­lich.

Quand on com­mence par don­ner les pre­miè­res, tou­tes pre­miè­res for­mu­les de la lo­gi­que pro­po­si­ti­onnel­le, on prend com­me ré­fé­rence qu’il y a des pro­po­si­ti­ons qui peu­vent se mar­quer du vrai et d’autres qui peu­vent se mar­quer du faux, c’est avec ça que com­mence la ré­fé­rence à la vé­rité.

Wenn man be­ginnt, die ers­ten, die al­ler­ers­ten For­meln der Aus­sa­gen­lo­gik an­zu­ge­ben, nimmt man als Re­fe­renz, dass es Aus­sa­gen gibt, die als wahr ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen und an­de­re, die als falsch ge­kenn­zeich­net wer­den kön­nen, da­mit be­ginnt der Be­zug auf die Wahr­heit.

Se ré­fé­rer à la vé­rité, c’est po­ser le faux ab­so­lu, c’est-à-dire un faux au­quel on pour­rait se ré­fé­rer com­me tel.

Sich auf die Wahr­heit zu bez­das heißt, das ab­so­lut Fal­sche an­zu­neh­men, das heißt ein Fal­sches, auf das man sich als sol­ches be­zie­hen könn­te.

Les per­son­nes sé­ri­eu­ses – je re­prends ce que je suis en train de dire – au­x­quel­les se pro­po­sent ces so­lu­ti­ons élé­gan­tes qui se­rai­ent appri­voi­se­ment du phal­lus, ben c’est cu­rieux, c’est el­les qui se re­fu­sent.

Die se­riö­sen Leu­te – ich kom­me auf das zu­rück, was ich da­bei bin aus­zu­füh­ren –, de­nen sich die­se ele­gan­ten Lö­sun­gen an­bie­ten, die in der Zäh­mung des Phal­lus be­stün­den, nun ja, es ist ei­gen­ar­tig, dass sie es sind, die sich dem ver­wei­gern.

Et pour­quoi, si­non pour pré­ser­ver ce qui s’appelle la li­ber­té, en tant qu’elle est pré­cisé­ment iden­tique à cet­te non-exis­tence du rap­port se­xu­el.

Und war­um, wenn nicht, um das zu be­wah­ren, was „Frei­heit“ ge­nannt wird, in­so­fern sie mit der Nicht-Exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses ge­nau iden­tisch ist.

Car en­fin, est-il be­so­in d’indiquer que ce rap­port de l’homme et de la femme, en tant qu’il est de par la loi – la loi dite se­xu­el­le – ra­di­ca­le­ment faus­sé, c’est ce quel­que cho­se qui quand même lais­se à dé­si­rer qu’à cha­cun il y ait sa cha­cu­ne, pour lui répond­re.

Denn letzt­lich – muss man wirk­lich dar­auf hin­wei­sen, dass die­ses Ver­hält­nis von Mann und Frau, in­so­fern es durch das Ge­setz, durch das so­ge­nann­te se­xu­el­le Ge­setz, ra­di­kal fal­si­fi­ziert ist48, et­was ist, was gleich­wohl be­geh­ren lässt (lais­se à dé­si­rer), dass es für ei­nen je­den sei­ne eine jede gibt, um ihm zu ent­spre­chen?49

Si ça ar­ri­ve, qu’est-ce qu’on dira ?

Wenn das ge­schieht, was soll man dann sa­gen?

Non cer­tes que c’était là cho­se na­tu­rel­le, puisqu’il n’y a pas à cet égard de na­tu­re puis­que La femme n’existe pas.

Ge­wiss nicht, dass das et­was Na­tür­li­ches sei, da es in die­ser Hin­sicht kei­ne Na­tur gibt, da Die Frau nicht exis­tiert.

Qu’elle exis­te, c’est un rêve de femme, mais c’est le rêve d’où est sor­ti Don Juan.

Dass sie exis­tiert, ist ein Frau­en­t­raum, das ist ja der Traum, aus dem Don Juan her­vor­ge­gan­gen ist.

S’il y avait un hom­me pour qui La femme exis­te, ce se­rait une mer­veil­le !

Wenn es ei­nen Mann gäbe, für den Die Frau exis­tiert, wäre das ein Wun­der.

On se­rait sûr de son dé­sir.

Man wäre sich des Be­geh­rens die­ses Man­nes si­cher.

C’est une élu­cu­bra­ti­on fé­mi­ni­ne.

Das ist ein weib­li­ches Hirn­ge­spinst.

Pour que un hom­me trouve sa femme, quoi d’autre si­non la for­mu­le ro­man­tique : « C’était fa­tal, c’était écrit ».

Da­für, dass ein Mann sei­ne Frau fin­det, was gibt es da­für an­de­res au­ßer der ro­man­ti­schen For­mel „das war Schick­sal“, „das stand ge­schrie­ben“?

Une fois de plus, nous voi­là ve­nus à ce car­re­four qui est ce­lui où je vous ai dit que je fe­rai bas­cu­ler ce qu’il en est du vrai sei­gneur, du type qui est – ce qu’on tra­du­it, fort mal ma foi, par l’homme – com­me ça un tout pe­tit peu au-des­sus du com­mun, c’est cet­te bas­cu­le ent­re le xing (姓), cet­te na­tu­re tel­le qu’elle est in­scri­te par l’effet de lan­ga­ge, in­scri­te dans cet­te dis­jonc­tion de l’homme et de la femme, – et d’autre part ce « c’est écrit », ce ming (命), cet aut­re ca­rac­tè­re, dont je vous ai déjà une pre­miè­re fois mon­tré ici la for­me, qui est ce­lui de­vant le­quel la li­ber­té re­cu­le.

Ein­mal mehr sind wir an die­sem Kreuz­weg an­ge­langt, an dem, wor­über ich Ih­nen ge­sagt habe, dass ich das, wor­um es beim wah­ren Sei­gneur geht, zum Um­fal­len brin­gen wer­de, bei dem Typ, der et­was ist, was man, du lie­be Zeit, sehr schlecht mit hom­me über­setzt, „Mensch“ oder „Mann“, der so ein ganz klein biss­chen über dem Üb­li­chen ist, und das ist die­se Schau­kel zwi­schen dem xing  (姓) – die­ser Na­tur, wie sie durch die Sprach­wir­kung ein­ge­schrie­ben ist, in die Dis­junk­ti­on von Mann und Frau ein­ge­schrie­ben –, und an­de­rer­seits die­sem „es ist ge­schrie­ben“, die­ses ming (命), die­ses an­de­re Schrift­zei­chen, des­sen Ge­stalt ich Ih­nen hier be­reits ein ers­tes Mal ge­zeigt hat­te und wel­ches das ist, wo­vor die Frei­heit zu­rück­weicht.50

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Anmerkungen

  1. Der chi­ne­si­sche Text wird von oben nach un­ten und von rechts nach links ge­le­sen. Ich ent­neh­me ihn: Guy Fle­cher: Plus de chi­ne. In: Jean-Ma­rie Ja­din, Mar­cel Rit­ter (Hg.): La jouis­sance au fil de l’enseignement de La­can. Érès, Tou­lou­se 2009, S. 300–316, hier: S. 302, im In­ter­net hier.
  2. Als Be­grün­der der Si­no­lo­gie gilt Jean Pier­re Abel-Ré­musat, er er­hielt 1814 ei­nen Lehr­stuhl für chi­ne­si­sche Stu­di­en am Col­lè­ge de Fran­ce; sie­he hier.
  3. Je­sui­ten gab es seit Ende des 16. Jahr­hun­derts in Chi­na; sie­he hier.
  4. Le Siè­cle de Lou­is XIV. Er­schie­nen 1751. Dt.: Das Jahr­hun­dert Lu­de­wigs des XIV. 1752.
  5. Tat­säch­lich han­delt es sich um Ka­pi­tel 29, das letz­te Ka­pi­tel des Buchs.
  6. Der Ri­ten­streit war eine von etwa 1619 bis 1744 dau­ern­de Aus­ein­an­der­set­zung über die Form der christ­li­chen Mis­si­on, vor al­lem in Chi­na und In­di­en.
  7. Ein De­ter­mi­na­tiv ist ein Schrift­zei­chen, das an­gibt, zu wel­cher Be­griffs­art ein Wort ge­hört, und das selbst stumm ist.
  8. Ge­meint sind die Ko­lum­nen.
  9. Ivor Arm­strong Ri­chards: Men­ci­us on the mind. Ex­pe­ri­ments in mul­ti­ple de­fi­ni­ti­on. Ke­gan Paul, Lon­don 1932.
  10. Charles Kay Og­den, Ivor Arm­strong Ri­chards, mit Bei­trä­gen von F. G. Crooks­hank und Bro­nislaw Ma­li­now­ski : The mea­ning of mea­ning. A stu­dy of the in­flu­ence of lan­gua­ge upon thought and of the sci­ence of sym­bo­lism. Ke­gan Paul, Trench, Trub­ner and Co., Lon­don 1923.
  11. Vgl. J. La­can: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se (Vor­trag von 1953, ver­öf­fent­licht 1956). Über­setzt von Klaus La­er­mann. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169, hier: S. 111.
  12. Dies scheint La­cans Über­set­zung von Meng­zis
    Spruch zu sein, wes­halb ich hier An­füh­rungs­zei­chen ein­fü­ge.

    La­can über­setzt of­fen­bar so (ich ver­su­che, sei­ne ver­schie­de­nen Hin­wei­se zu syn­the­ti­sie­ren):

    Ers­te Spal­te:
    天 下 之 言 性 也
    Tian xia zhi yan xing ye
    – Tian xia:
    al­les, was un­ter dem Him­mel ist
    – zhi: [De­ter­mi­na­tiv]
    – yan: das Spre­chen / das, was spricht
    – xing: Na­tur
    – ye: [In­ter­punk­ti­on]
    „Bei alem, was un­ter dem Him­mel ist, macht das Spre­chen die Na­tur [des Men­schen] aus“

    Zwei­te Spal­te:
    則 故 而 已 矣
    ze gu er i i.
    – ze:
    in­fol­ge­des­sen
    – gu: ver­ur­sacht durch
    – gu er: und, aber
    – er i i: das ist nur das und das ge­nügt
    „in­fol­ge­des­sen hat sie kei­ne an­de­re Wir­kung hat als die“

    Drit­te Spal­te:
    故 者 以 利 為 本
    Gu zhe i li wei ben.
    – Gu: Ur­sa­che
    – zhe: ?
    – i: mit
    – li: Ge­winn, Zins, Pro­fit [Mehr­wert, Mehr­lust]
    – wei: han­deln, ma­chen
    – ben: ?
    „als Trieb­kraft / als Ur­sa­che den Ge­winn [den Mehr­wert, die Mehr­lust] her­vor­zu­brin­gen.“
    Hin­wei­se zur Über­set­zung fin­det man in:
    Fle­cher, Guy: Plus de Chi­ne [Zum Chi­ne­si­schen in Se­mi­nar 18]. In: Jean-Ma­rie Ja­din, Mar­cel Rit­ter (Hg.): La jouis­sance au fil de l’enseignement de La­can. Érès, Tou­lou­se 2009, S. 300–316, In­er­net hier; ders.: Re­tour sur un tra­duc­tion de Men­ci­us par La­can. In: Web­site „La­can et le mon­de chi­nois“, 2009, hier.
    Sé­ra­phin Cou­vr­eur, des­sen Über­set­zung La­can vor­lag, über­setzt die Pas­sa­ge so:
    „Über­all un­ter dem Him­mel, wenn man von der Na­tur spricht, will man von den na­tür­li­chen Wir­kun­gen spre­chen. Die na­tür­li­chen Wir­kun­gen ha­ben zu­nächst die­se Be­son­der­heit, dass sie spon­ton er­fol­gen.“ (mei­ne Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen)
    Und hier eine neue­re Über­set­zung (Anne Cheng: His­toire de la pen­sée chi­noi­se. Seuil, Pa­ris 1997, S. 159):
    „Über­all un­ter dem Him­mel, wenn man von der Na­tur spricht, geht es tat­säch­lich nur um eine ur­sprüng­li­che Ge­ge­ben­heit. Nun, die ur­sprüng­li­che Ge­ge­ben­heit hat ihre Wur­zel im Pro­fi­ta­blen.“  (Mei­ne Über­set­zung aus dem Fran­zö­si­schen)
    Bei­de Zi­ta­te aus: Fle­cher, Re­tour sur un tra­duc­tion, a.a.O.
    La­cans Men­ci­us-Über­set­zung er­in­nert an Hei­deg­gers Über­set­zun­gen und Deu­tun­gen von Sprü­chen der Vor­so­kra­ti­ker. Ei­nen die­ser Tex­te – Hei­deg­gers Lo­gos (He­ra­klit, Frag­ment 50), 1951 – hat­te La­can 1956 ins Fran­zö­si­sche über­setzt, hier.

  13. An­mer­kung in der Sta­fer­la-Ver­si­on von Se­mi­nar 18: „Lap­sus. Es han­delt sich nicht um Léon Wie­ger, son­dern um Sé­ra­phin Cou­vr­eur (ei­nen an­de­ren Je­sui­ten­pa­ter), des­sen Über­set­zung La­can ver­wen­det. Vgl. den Ar­ti­kel von Thi­er­ry Flo­ren­tin auf der Web­site ‚La­can et le mon­de chi­nois‘.“
    Der Ti­tel ist: Les quat­re li­v­res = Sis­hu. Avec un com­men­taire ab­ré­gé en chi­nois, une dou­ble tra­duc­tion en français et en la­tin et un vo­ca­bu­lai­re des lettres et des noms pro­pres par Sé­ra­phin Cou­vr­eur, S. J. Im­pri­me­rie de la Mis­si­on Ca­tho­li­que, Ho Kien Fou 1895.
  14. Deut­sche Über­set­zun­gen:
    – Mong Dsi. Über­setzt von Ri­chard Wil­helm. Di­ede­richs, Jena 1916 (zahl­rei­che Auf­la­gen, die ak­tu­el­le Aus­ga­be die­ser Über­set­zung ist: Mong Dsi: Die Lehr­ge­sprä­che des Meis­ters Meng K’o. Di­ede­richs, Mün­chen 1994).
    – Dem Men­schen ge­recht. Ein Men­ci­us-Le­se­buch. Über­setzt von Hen­rik Jä­ger. Am­mann, Zü­rich 2010.
  15. Die Schrif­ten en­den ab der zwei­ten Auf­la­ge mit ei­nem von Jac­ques-Alain Mil­ler ver­fass­ten „Kom­men­tar zu den gra­phi­schen Dar­stel­lun­gen“ (J. La­can: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 454–461).
  16. Ver­si­on Mil­ler: „ap­pa­riez“ (paa­ren Sie). Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung.
  17. Ver­si­on Sta­fer­la zu­fol­ge be­zieht La­can sich hier auf den Psy­cho­ana­ly­ti­ker Xa­vier Au­douard. Die­ser, ein frü­he­rer Je­su­it, war bei La­can in ei­ner Lehr­ana­ly­se; sie­he hier. Aus­ge­führt hat er sei­ne Po­si­ti­on in: X. Au­douard: La non-psy­chana­ly­se ou l’ouverture. Édi­ti­ons l’Étincelle, Mon­tréal 1979.
  18. J. La­can: Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht (ge­schrie­ben 1960, ver­öf­fent­licht 1961). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145.
  19. Das „Nicht“ dürf­te das In­zest­ver­bot sein und der „Schritt“ viel­leicht, mit Lévi-Strauss, der Über­gang von der Na­tur zur Kul­tur.
  20. Die Po­si­ti­on von (Fak­tum des Ge­schrie­be­nen) im Ver­hält­nis zu (Spra­che als Ur­sa­che) und (Wir­kun­gen der Spra­che) soll of­fen­bar an­deu­ten, dass  , das Fak­tum des Ge­schrie­be­nen, im Ver­hält­nis zur Spra­che und ih­ren Wir­kun­gen (  und ) se­kun­där ist, dass das Ge­schrie­be­ne sich aber zu­gleich auf die Spra­che und ihre Wir­kun­gen zu­rück­be­zieht und sie auf­klärt.
  21. In der Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971.
  22. Um es als Syl­lo­gis­mus zu for­mu­lie­ren:
    – Die Wahr­heit hat eine man­si­on, eine Blei­be (näm­lich die Spra­che).
    – Die Blei­be der Wahr­heit (der Zu­sam­men­hang von Spra­che und Wahr­heit) kann nur von der Lo­gik her be­fragt wer­den.
    – Die Lo­gik be­ruht auf Ge­schrie­be­nem.
    – Also kann der Zu­sam­men­hang von Spra­che und Wahr­heit nur mit­hil­fe von Ge­schrie­be­nem be­fragt wer­den.
  23. Die The­se „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ hat­te La­can zu­erst in Se­mi­nar 16 von 1968/69 vor­ge­tra­ge­nen, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, in der Sit­zung vom 12. März 1969; Ver­si­on Mil­ler, S. 226.
    Die Zu­ord­nun­gen zu den drei Plät­zen des Schrift­zei­chen si sind dem­nach in die­ser Sit­zung:
    Wir­kung der Spra­che: es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis
    Prin­zip (Ur­sa­che) der Sprach­wir­kun­gen: ein pas, ein Nicht/ ein Schritt; die Kluft des seu­el­len Ver­hält­nis­ses, wie der Phal­lus sie of­fen­bart
    Fak­tum des Ge­schrie­be­nen.
    Die Be­zie­hung zwi­schen und  ist eine von Ur­sa­che und Wir­kung. Das „nicht“ hat zur Fol­ge, dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt.
    Das Ge­schrie­be­ne und da­mit die Lo­gik be­zieht sich se­kun­där auf die Spra­che.
    Man muss hier be­rück­sich­ti­gen, dass die Zu­ord­nun­gen zu den drei Plät­zen un­si­cher sind – La­can sagt je­weils „hier“ und zeigt auf eine Stel­le.
  24. La­can spricht hier von der Ab­bil­dung im Sin­ne der Men­gen­leh­re. Eine Ab­bil­dung ist eine Be­zie­hung zwi­schen zwei Men­gen, die da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, das je­dem Ele­ment der ei­nen Men­ge ge­nau ein Ele­ment der an­de­ren Men­ge zu­ge­ord­net ist.
  25. Jan Swamm­dam (1637–1680), nie­der­län­di­scher Na­tur­for­scher, ver­wen­de­te als ei­ner der ers­ten das Mi­kro­skop und ent­deck­te das Ova­ri­al­fol­li­kel.
  26. “Pu­ru­sha“ und „Pra­kri­ti“ sind Be­grif­fe der in­di­schen My­tho­lo­gie.
  27. Auf dem Kol­lo­qui­um von Royau­mont hat­te La­can 1958 den Text Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht vor­ge­tra­gen.
  28. In Ver­si­on Mil­ler gibt es kei­ne Zu­ord­nun­gen zu den bei­den Plät­zen von Sche­ma si.
  29. Die Zu­ord­nung der For­mu­lie­run­gen zu den Plät­zen ist un­si­cher, man fin­det sie in Ver­si­on Sta­fer­la, nicht in Ver­si­on Mil­ler.
  30. In der Ma­the­ma­tik sind die Be­grif­fe „Ab­bil­dung“ und „Funk­ti­on“ syn­onym.
  31. Vgl. S. Freud: To­tem und Tabu (19121913). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 287444.
    Dar­in heißt es: „Die Dar­win­sche Ur­hor­de hat na­tür­lich kei­nen Raum für die An­fän­ge des To­te­m­is­mus. Ein ge­walt­tä­ti­ger, ei­fer­süch­ti­ger Va­ter, der alle Weib­chen für sich be­hält und die her­an­wach­sen­den Söh­ne ver­treibt, nichts wei­ter.“ (A.a.O., S. 425)
    In den Se­mi­na­ren 14 und 17 hat­te La­can ge­sagt, der Ur­va­ter sym­bo­li­sie­re das Ge­nie­ßen, in­so­fern es un­mög­lich ist (vgl. Se­mi­nar 14, La lo­gi­que du phan­tas­me, Sit­zung vom 26. April 1967; Se­mi­nar 17, L’envers de la psy­chana­ly­se, Sit­zung vom 18. März 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 143).
  32. Das Sche­ma von Peir­ce hat­te La­can in Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, ein­ge­führt und aus­führ­lich kom­men­tiert.
    Die Un­ter­schei­dung und Kom­bi­na­ti­on der vier Aus­sa­ge-Ar­ten stammt aus der Lo­gik der Scho­las­tik.
    Uni­ver­sa­le Aus­sa­gen (auch All­aus­sa­gen ge­nannt) sind sol­che, die sich auf alle Fäl­le be­zie­hen und des­halb mit „alle“ be­gin­nen; z.B. „Alle Hun­de sind bis­sig“.
    Par­ti­ku­lä­re Aus­sa­gen be­zie­hen sich auf ei­ni­ge Fäl­le und be­gin­nen mit „ei­ni­ge“ oder „man­che“: „Ei­ni­ge Hun­de sind bis­sig“.
    In be­ja­hen­den (oder af­fir­ma­ti­ven) Aus­sa­gen wird ein Merk­mal zu­ge­spro­chen, in ver­nei­nen­den (oder ne­ga­ti­ven) Aus­sa­gen wird es ab­ge­spro­chen: „Hun­de sind bis­sig“ ver­sus „Hun­de sind nicht bis­sig“.
    Durch Kom­bi­na­ti­on er­hält man vier Aus­sa­ge-Ar­ten, in der mit­tel­al­ter­li­chen Lo­gik wer­den sie mit A, E, I, O be­zeich­net:
    Uni­ver­sal be­ja­hend (A): „Alle Hun­de sind bis­sig.“
    Uni­ver­sal ver­nei­nend (E): „Alle Hun­de sind nicht bis­sig“ bzw. „Kein Hund ist bis­sig“.
    Par­ti­ku­lär be­ja­hend (I): „Ei­ni­ge Hun­de sind bis­sig.“
    Par­ti­ku­lär ver­nei­nend (O): „Ei­ni­ge Hun­de sind nicht bis­sig.“
    In der von mir ver­wen­de­ten Ver­si­on des Dia­gramms von Peir­ce be­zie­hen sich die Buch­sta­ben A, E, I und O auf die­se Klas­si­fi­ka­ti­on.
  33. Be­zo­gen auf das Sche­ma von Peir­ce heißt das bei­spiels­wei­se, dass die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge „Alle Stri­che sind ver­ti­kal“, also A, so­wohl für den Qua­dran­ten oben links zu­trifft (mit ver­ti­ka­len Stri­chen) als auch für den Qua­dran­ten oben rechts (ohne Stri­che).
  34. Jou­er de la flû­te, um­gangs­sprach­lich für „Fel­la­tio prak­ti­zie­ren“, „je­man­dem ei­nen bla­sen“.
  35. Ge­meint ist der Pe­nis­kno­chen.
  36. Pier­re Guyo­tat: Éden, Éden, Éden. Ro­man. Mit Vor­wor­ten von Mi­chel Lei­ris, Ro­land Barthes und Phil­ip­pe Sollers. Gal­li­mard, Pa­ris 1970. Wer­bung und Ver­kauf des Bu­ches an Min­der­jäh­ri­ge wur­den vom fran­zö­si­schen In­nen­mi­nis­te­ri­um ver­bo­ten, hier­ge­gen wand­te sich eine Pe­ti­ti­on, die von zahl­rei­chen pro­mi­nen­ten Künst­lern, Wis­sen­schaft­lern und Po­li­ti­kern un­ter­zeich­net wur­de. 1981 wur­de das Ver­bot auf­ge­ho­ben. Deutsch: Eden, Eden, Eden. Über­setzt von Hol­ger Fock. Dia­pha­nes, Zü­rich 2015.
  37. Das „phal­li­sche In­stru­ment“ ist der Pe­nis als Ko­pu­la­ti­ons­or­gan.
    Im Hin­ter­grund steht hier La­cans Theo­rie der Sub­li­mie­rung, wie sie in Se­mi­nar 7 über die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se ent­wi­ckelt wird. Der Künst­ler er­setzt das „das Ding“ und das „na­tür­li­che Ob­jekt“ durch das ge­schaf­fe­ne Ob­jekt, und zwar so, dass hier­bei „das Ding“ evo­ziert wird; dies setzt vor­aus, dass er das Ver­bot, das auf ihm liegt, an­er­kennt.
  38. Die Stel­le lau­tet: „Man spürt da­bei, dass es [das Ich] von ei­ner Mi­nu­te zur an­de­ren zu­sam­men­bre­chen wird, als ein Klir­ren von Glas­scher­ben alle dar­über un­ter­rich­tet, dass das Un­glück so­eben den gro­ßen Sa­lon­spie­gel er­eilt hat, den Go­lem des Nar­ziss­mus, in gro­ßer Hast her­auf­be­schwo­ren, um ihm Hil­fe zu leis­ten, wo­mit er sei­nen Ein­zug ge­hal­ten hat.“ (J. La­can: Das Freud’sche Ding oder Der Sinn ei­ner Rück­kehr zu Freud in der Psy­cho­ana­ly­se (1955). Über­setzt von Mo­ni­ka Ma­ger. Tu­ria und Kant, Wien 2005, S. 28, Über­set­zung ge­än­dert)
  39. Paul Lo­ren­zen: Me­ta­ma­the­ma­tik. Bi­blio­gra­phi­sches In­sti­tut, Mann­heim 1962. Die fran­zö­si­sche Über­set­zung, von Jean Blai­ze Gri­ze, er­schien 1967.
  40. Der mit die­sem Aus­druck ver­bun­de­ne Wi­der­spruch wird Ber­ry-Pa­ra­do­xon ge­nannt. Der Wi­der­spruch be­steht dar­in, dass der Aus­druck eine be­stimm­te Zahl zu­gleich de­fi­niert und nicht de­fi­niert. Er de­fi­niert eine be­stimm­te Zahl, und zwar da­durch, dass sie die kleins­te Zahl ist, die mit mehr als fünf­zehn Wör­tern ge­schrie­ben wer­den kann. Nun be­steht der Aus­druck aber aus we­ni­ger als fünf­zehn Wör­tern, und er de­fi­niert mit die­sen Wör­tern die­se be­stimm­te Zahl. Also ist die von dem Aus­druck de­fi­nier­te Zahl zu­gleich die kleins­te Zahl, die mit mehr als fünf­zehn Wör­tern ge­schrie­ben wer­den kann, und nicht die­se Zahl.
    In den Se­mi­na­ren 13 und 14 hat­te La­can sich auf eine an­de­re Fas­sung die­ser Pa­ra­do­xie be­zo­gen. Es geht um ei­nen Ta­fel­an­schrieb, der so lau­tet: „1,2,3,4 – die kleins­te gan­ze Zahl, die nicht an die­se Ta­fel ge­schrie­ben ist“ (vgl. Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 20. April 1966; Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 16. No­vem­ber 1966).
  41. Im Fran­zö­si­schen sind es hier zwölf Wör­ter, im Deut­schen elf.
  42. In den mo­der­nen eu­ro­päi­schen Schrif­ten gibt es Ab­stän­de zwi­schen den Wör­tern, so dass man die Wör­ter leicht ab­zäh­len kann, selbst dann, wenn man der Spra­che nicht mäch­tig ist. In der ja­pa­ni­schen Schrift­spra­che ist es an­ders. Die Schrift­zei­chen ste­hen für Sil­ben. Zwi­schen den Sil­ben­schrift­zei­chen gibt es Ab­stän­de, nicht je­doch zwi­schen mehr­sil­bi­gen Wör­tern. Das hat zur Fol­ge, dass je­mand, der die Spra­che nicht be­herrscht, zwar die Sil­ben, nicht aber die Wör­ter zäh­len kann.
  43. Im ge­schrie­be­nen Ja­pa­nisch gibt es Par­ti­kel, die die gram­ma­ti­sche Funk­ti­on vor­an­ge­hen­der Zei­chen spe­zi­fi­zie­ren und bei de­nen man sich fra­gen kann, ob sie zu­sam­men mit den vor­an­ge­hen­den Zei­chen ein Wort bil­den oder ob es sich bei ih­nen um ei­gen­stän­di­ge Wör­ter han­delt. Ein Bei­spiel ist das Zei­chen は (ha).
    „Ich sin­ge“ heißt auf Ja­pa­nisch 私は歌う, wa­ta­shi ha utau.
    私 (wa­ta­shi) be­deu­tet „ich“.
    は (ha) hat die Funk­ti­on, vor­an­ge­hen­de Schrift­zei­chen als gram­ma­ti­sches Sub­jekt zu kenn­zeich­nen.
    歌う (utau) be­deu­tet „sin­gen“.
    Das zwei­te Schrift­zei­chen, は (ha), wird, wenn es die an­ge­ge­be­ne gram­ma­ti­sche Funk­ti­on hat, ua aus­ge­spro­chen; das spricht da­für, dass es La­can un­ter an­de­rem um die­ses Zei­chen geht. Die Fra­ge ist in die­sem Fall, ob das は (ha) zu­sam­men mit dem vor­an­ge­hen­den Schrift­zei­chen – 私 (wa­ta­shi) – ein Wort bil­det oder ob es sich bei は (ha) um ein ei­ge­nes Wort han­delt.
  44. Ge­meint ist hier das nicht-aus­schlie­ßen­de Oder, das auch  „in­klu­si­ves Oder“ heißt und im Fran­zö­si­schen auch ou lo­gi­que ge­nannt wird, „lo­gi­sches Oder“. Das heißt, es kann auch bei­des ge­wählt wer­den, so­wohl „ja“ als auch „nein“.
  45. Die Kon­junk­ti­on ist „ich lüge UND ich spre­che die Wahr­heit“.
    Als die Wahr­heit sag­te „ich lüge“, hat sie zu­gleich die Wahr­heit ge­sagt und ge­lo­gen.
  46. Ver­mut­lich mit in­klu­si­vem Oder.
  47. Ein Kof­fer­wort, das ich Ver­si­on Mil­ler ent­neh­me; man fin­det es nicht in Ver­si­on Sta­fer­la. Zu­sam­men­ge­setzt aus „dé­chaî­ne­ment“ (Ent­fes­se­lung) und „dé­chet“ (Ab­fall).
  48. La­can kommt auf sei­ne Be­mer­kung zu­rück, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis (das Ver­hält­nis von Mann und Frau) durch das se­xu­el­le Ge­setz er­setzt wor­den ist.
  49. Dass es für ei­nen je­den sei­ne eine jede gibt, ist eben das, was La­can in die­ser Sit­zung zu­vor als „Ab­bil­dung“ oder „Funk­ti­on“ be­zeich­net hat­te.
  50. La­can spielt mit die­sem Satz auf Sche­ma si an, auf das Ver­hält­nis zwi­schen der Spra­che als Ur­sa­che, der Sprach­wir­kung (es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis) und der Schrift.

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