Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 4. Sitzung (17. Februar 1971), Übersetzung

Lucas Cranach der Älte, Judith mit dem Haupt des Holofernes
1530, Öl auf Buchenholz, 75 x 56 cm, Jagdschloss Grunewald Berlin

Jacques Lacan:
Seminar XVIII (1971): Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre
4. Sitzung, 17. Februar 1971
Übersetzt von Rolf Nemitz

Vollständige Übersetzung von Seminar 18 auf der Grundlage der Version Staferla, der Version Espaces Lacan und einer Tonaufnahme

In Millers Version des Seminars ist dies Kapitel IV, „L’écrit et la vérité“ („Das Geschriebene und die Wahrheit“), S. 55–75.

Die Übersetzung wird zweimal gebracht, einmal nur deutsch, einmal in einer Interlinearversion: ein Satz französisch, ein Satz deutsch.

Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme und auf größere Abweichungen in Millers Version; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben und Erläuterungen.

Seminar 18 wird in diesem Blog bis zum Frühjahr 2017 vollständig übersetzt werden, etwa jeden Monat erscheint die Übersetzung einer weiteren Sitzung.

Einen Überblick über die verschiedenen Ausgaben von Seminar 18 findet man hier, Links zu Übersetzungen weiterer Sitzungen des Seminars hier.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott für großzügige Hilfe beim Übersetzen und an Franziska Nemitz, meine Tochter, für Auskünfte zum Japanischen.

Eine von Ulrich Kobbé verfasste Übersetzung dieser Seminarsitzung findet man auf der Website „Lacan et le monde chinois„.

Textgrundlage

Grundlage der Übersetzung ist:

Version Staferla von Seminar 18:
Jacques Lacan: D’un discours qui ne serait pas du semblant. Auf der Website staferla.free.fr, PDF-Datei, Fassung vom 25.10.2015, hier

Die Lacan-Seminare auf der Staferla-Website werden von Zeit zu Zeit überarbeitet, ohne dass dies kenntlich gemacht wird. Aus diesem Grunde habe ich oben das Datum der von mir verwendeten Fassung angegeben.1 Zur Sicherheit habe ich diese Fassung der Staferla-Version hier gespeichert.

Die Transkription der Staferla-Version wurde von mir mit einer Tonbandaufnahme der Sitzung und mit der von Jacques-Alain Miller erstellten (redaktionell bearbeiteten) Version verglichen und an wenigen Stellen geändert. Wortwiederholungen, bei denen offenkundig ist, dass Lacan nach einer Formulierung sucht, habe ich gestrichen. Der Schnitt der Sätze (Punkt oder Semikolon oder Komma) sowie die Orthografie wurden bisweilen verändert. Die Gliederung in Absätze ist von mir.

Die Tonaufnahme findet man auf der Website von Patrick Valas, valas.fr, hier. Millers Version ist: J. Lacan: Le séminaire, livre XVIII. D’un discours qui ne serait pas du semblant. 1971. Textherstellung Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 2007.

Die chinesischen Schriftzeichen wurden aus der Staferla-Version übernommen, die Transkription dieser Schriftzeichen aus Millers Ausgabe.

Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.

Der Schrägsstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.

Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.

Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.

Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text.

¿Gelb markierte und von umgekehrten Fragezeichen eingeklammerte Passagen der Übersetzung¿ weisen darauf hin, dass die Übersetzung hier sehr unsicher ist.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift, z.B. [10], verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe des Seminars.

Sitzung vom 17. Februar 1971

Tonaufnahme

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Jacques Lacan, Seminar 18, D’un discours qui ne serait pas du semblant (1971), 4. Sitzung (17. Februar 1971)

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Deutsch

[An der Tafel1]

mencius-spruch

[55] Das ist der Name des Autors dieser kleinen Formel [zeigt auf linke Kolumne]:

孟子

[Die senkrechten Kolumnen, die von oben nach unten gelesen werden und von rechts nach links angeordnet sind, werden hier und im Folgenden waagerecht dargestellt.]

Diese kleine Formel, zu der –, obwohl sie etwa 250 vor Christus geschrieben wurde, in China, wie Sie sehen, in Kapitel 2 von Buch IV, der zweite Teil, aber manchmal wird das anders eingeordnet und dann ist es Teil VIII von Buch I, der zweite Teil, Absatz 26 –, von Mengzi, der von den Jesuiten Mencius genannt wurde, das sind diejenigen, die gemacht haben –; lange vor der Zeit, als es Sinologen gab, das heißt Anfang des 19. Jahrhunderts, nicht vorher.

[56] Ich hatte das Glück, das erste Buch zu erwerben, in dem man eine chinesische Druckplatte verbunden findet – das ist keineswegs dasselbe wie das erste Buch, in dem es zugleich chinesische und europäische Schriftzeichen gegeben hat –, das ist das erste Buch, in dem es eine chinesische Druckplatte zusammen mit geschriebenen Sachen, gedruckten Sachen, die von uns kommen, gegeben hat. Das ist eine Übersetzung der Fabeln von Äsop. Das ist 1840 erschienen und es rühmt sich zu Recht, das erste Buch zu sein, in dem diese Verbindung hergestellt wurde.

1840, Sie werden sagen, das ist ungefähr das Datum, von dem an es Sinologen gegeben hat. Wie einige sich vielleicht erinnern, waren die Jesuiten <zu diesem Zeitpunkt> bereits sehr lange in China. Fast ist es ihnen gelungen, eine Verbindung zwischen China und dem herzustellen, was sie als Missionare repräsentierten. Sie haben sich jedoch ein wenig von den chinesischen Ritualen beeindrucken lassen, und wie Sie vielleicht wissen, hat ihnen das Mitte des 18. Jahrhunderts gewisse Unannehmlichkeiten mit Rom eingebracht, das in diesem Fall keinen besonderen politischen Scharfsinn gezeigt hat. Sowas passiert Rom.

Nun, bei Voltaire – falls Sie Voltaire lesen, aber natürlich liest niemand mehr Voltaire, Sie machen wirklich einen Fehler, da gibt’s allerhand –, bei Voltaire gibt es, und zwar genau in Das Jahrhundert Ludwigs XIV. und dort als Anhang, glaube ich, das ist ein eigene Streitschrift, eine ausführliche Darstellung des Ritenstreits, eine Darstellung, der gegenüber viele Dinge in der Geschichtswissenschaft jetzt in einer Abstammungsposition sind.

Wie dem auch sei, es geht also um Mencius, und Mencius hat das hier [an der Tafel] geschrieben.

Denn ich habe es an die Tafel geschrieben, um damit anzufangen; das ist eigentlich nicht Teil meines Vortrags heute, und darum werde ich es pünktlich vor halb eins unterbringen. Ich will Ihnen sagen oder ich werde versuchen, Sie spüren zu lassen, was das heißt, und das wird uns dann zu dem führen, was der eigentliche Gegenstand ist, zu dem ich mich heute äußern will, nämlich: Bei dem, was uns beschäftigt, was ist da die Funktion der Schrift (écriture)?

Denn die Schrift gibt es in China seit unvordenklichen Zeiten. Ich meine damit: Lange bevor wir im engeren Sinne <geschriebene> Werke haben, gab es bereits seit äußerst langer Zeit die Schrift; man kann nicht abschätzen, wie lange es sie bereits gab. In China spielt die Schrift bei einer gewissen Reihe von Dingen, die sich ereignet haben, | [57] eine absolute Schlüsselrolle, und das ist für das, was wir über die Funktion der Schrift denken können, ziemlich erhellend.

Sicher ist, dass die Schrift eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat bei der Stützung von etwas, wozu wir eben diesen und keinen anderen Zugang haben, nämlich einer Art von Sozialstruktur, die sich sehr lange gehalten hat und von woher man bis in jüngste Zeit schließen konnte, dass es für das, was in China gestützt wurde, eine ganz andere Abstammung gab als diejenige, die bei uns entstanden ist, insbesondere durch eines dieser Phyla, das für uns von besonderem Interesse ist, das philosophische Phylum, insofern es, darauf habe ich letztes Jahr hingewiesen, einen Knotenpunkt darstellt für das Verständnis dessen, worum es beim Diskurs des Herrn geht.

So also wird diese Inschrift ausgesprochen.

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[An der Tafel, erste Kolumne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Wie ich Ihnen bereits das letzte Mal an der Tafel gezeigt habe, bezeichnet dies [天] den Himmel, das wird tian ausgesprochen. Tian xia [天 下], das bedeutet „unter dem Himmel“, „alles, was unter dem Himmel ist“. Das hier [之] ist ein Determinativ, zhi, es geht um etwas, was unter dem Himmel ist. Was unter dem Himmel ist, ist das, was anschließend kommt. Was Sie da sehen [言], ist nichts anderes als die Bezeichnung des Sprechens (parole), die wir hierbei yan aussprechen. Yan xing [言 性], das habe ich bereits das letzte Mal an die Tafel geschrieben und Sie dabei darauf hingewiesen, dass dieses xing eben eines der Elemente ist, die uns in diesem Jahr beschäftigen werden, insofern der Ausdruck, der ihm am nächsten kommt, der der Natur ist. Und ye [也] ist etwas, womit ein Satz abgeschlossen wird, ohne damit zu sagen, dass es sich im strengen Sinne um etwas von der Ordnung dessen handelt, was wir als „ist“ oder als „sein“ äußern; das ist ein Abschluss oder sagen wir eine Interpunktion, denn, da die Dinge von rechts nach links geschrieben werden, geht der Satz hier [in der zweiten Kolummne von rechts] weiter.

[An der Tafel, zweite Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

Der Satz wird hier mit einem ze [則] fortgesetzt, was „infolgedessen“ bedeutet oder was auf jeden Fall die Konsequenz anzeigt.

[An der Tafel, erste Kolumne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Schauen wir also, worum es sich handelt. Yan [言] bedeutet nichts anderes als „Sprache (langage)“, aber wie alle Ausdrücke, die in der chinesischen Sprache (langue) geäußert werden, kann auch dieser Ausdruck im Sinne eines Verbs verwendet werden; das kann also zugleich „das Sprechen“ und „das, was spricht“ bedeuten. Und das was sagt? Das wäre in diesem Fall das, was folgt, nämlich xing [性], „die Natur“, „das, was von der Natur unter dem Himmel spricht“. Und das ye [也] wäre eine Interpunktion.

[58] Nichtsdestoweniger sehen Sie, und darin ist es interessant, sich mit einem Satz der geschriebenen Sprache (langue) zu befassen, dass Sie die Dinge anders schneiden könnten und sagen könnten: „das Sprechen“, ja „die Sprache (langage)“, denn wenn es darum ginge, speziell das Sprechen zu bezeichnen, hätten wir ein etwas anderes Schriftzeichen; auf der Ebene, wie es also hier geschrieben ist, kann dieses Schriftzeichen sowohl „Sprechen“ als auch „Sprache“ bedeuten. Mehrdeutigkeiten dieser Art sind bei der Verwendung dessen, was geschrieben wird, wirklich absolut grundlegend, und das macht seine Tragweite aus.

Denn wie ich Ihnen bereits gesagt habe, wie ich Ihnen bereits zu Beginn meines Diskurses in diesem Jahr und spezieller beim letzten Mal gesagt habe, bekommt die Sprache (langage) ihre Tragweite von daher, dass bei allem, was zur Sprache gehört, die Referenz immer indirekt ist. Wir könnten also auch sagen: „die Sprache – insofern sie in der Welt ist, unter dem Himmel ist –, die Sprache ist das, wodurch xing [性] gemacht wird, die Natur“, denn diese Natur ist nicht irgendeine Natur, zumindest bei Mengzi nicht, es geht genau um die Natur des sprechenden Wesens, desjenigen Wesens, bei dem es ihm in einer anderen Passage darum geht, zu präzisieren, dass es einen Unterschied gibt zwischen dieser Natur und der Natur des Tieres, einen Unterschied, so fügt er hinzu, so hebt er mit zwei Ausdrücken hervor, die eben das bedeuten, was sie bedeuten: „einen unendlichen Unterschied“. Und der vielleicht der ist, der dort [an der Tafel] definiert ist. Sie werden übrigens sehen – ob wir nun die eine oder die andere Übersetzung nehmen, die Stoßrichtung dessen, was im Ergebnis gesagt wird, wird dadurch nicht verändert.

Ze [則]  also, das ist „die Folge“, „folglich“. Gu, das ist hier [故] – gu, „folglich“, das ist „verursacht durch“, denn „Ursache“ bedeutet nichts anderes.

Welches auch immer die Mehrdeutigkeit sein mag, | [59] die ein bestimmtes Buch, nämlich dieses Mencius on the mind, das heißt ein Buch, erstellt von einem gewissen Richards, der sicherlich kein Neuling war –. Richards und Ogden waren die beiden führenden Köpfe einer aus England stammenden und mit der besten Tradition der englischen Philosophie ganz und gar übereinstimmenden Position, die zu Beginn dieses Jahrhunderts die als „logischer Positivismus“ bezeichnete Lehre entwickelt haben und deren Hauptwerk den Titel The meaning of meaning trägt. Das ist ein Buch, auf das Sie bereits in meinen Schriften eine Anspielung finden werden, mit einer gewissen abwertenden Haltung meinerseits. The meaning of meaning bedeutet „Der Sinn des Sinns“. Der logische Positivismus geht von der Forderung aus, dass ein Text einen greifbaren Sinn hat, was ihn zu der Position bringt, dass eine gewisse Anzahl von philosophischen Äußerungen in gewisser Weise entwertet sind, auf Grund der Tatsache, dass sie, bei der Suche nach ihrem Sinn, kein greifbares Resultat liefern. Anders ausgedrückt, sobald ein philosophischer Text ertappt wird, bei einem Delikt des Nicht-Sinns in flagranti ertappt wird, wird er eben dafür aus dem Spiel herausgenommen.

Es ist nur zu klar, dass dies eine Art und Weise ist, die Dinge zusammenzustreichen, die es kaum ermöglicht, sich zurechtzufinden, denn wenn wir von dem Prinzip ausgehen, dass etwas, was keinen Sinn hat, für die Entwicklung eines Diskurses nicht wesentlich sein kann, dann verlieren wir ganz schlicht den Faden.

Ich sage natürlich nicht, dass eine solche Forderung keine Vorgehensweise wäre, sondern dass ein solches Vorgehen uns in gewisser Weise jede Artikulation verbietet, deren Sinn nicht greifbar ist. Das ist etwas, was beispielweise dazu führen kann, dazu beispielsweise, dass wir keinen Gebrauch mehr vom mathematischen Diskurs machen können, der nach dem Zeugnis der qualifiziertesten Logiker dadurch charakterisiert ist, dass es sein kann, dass wir ihm an diesen oder jenen Punkten keinen Sinn mehr geben können, was ihn nicht daran hindert, eben derjenige Diskurs zu sein, der sich von allen Diskursen mit der größten Strenge entwickelt.

Von daher befinden wir uns übrigens an einem Punkt, bei dem es ganz und gar wesentlich ist, ihn hervorzuheben, und zwar im Hinblick auf die Funktion des Geschriebenen.

[An der Tafel, zweite und dritte Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

故 者 以 利 為 本

[Gu zhe i li wei ben.]

Also, es geht um gu [故]. Es geht um gu, und dies als i wei [以 為], denn ich habe Ihnen bereits gesagt, dass dieses wei, das in bestimmten Fällen „handeln“ bedeuten kann, sogar etwas bedeuten kann, was von | [60] der Ordnung des Machens ist, auch wenn das nicht jedes beliebige Machen ist. Das i [以] hier hat die Bedeutung von so etwas wie „mit“. Das heißt „mit dem wir vorgehen werden“ – als was? als li [利], das ist hier das Wort, auf das ich zeige, ich zeige es Ihnen, dass li, ich wiederhole es, dass dieses li „Gewinn“ bedeutet, „Zins“, „Profit“.

Und es ist umso bemerkenswerter, als Mencius in seinem ersten Kapitel, worin er sich einem bestimmten Prinzen vorstellt – nicht so wichtig, aus welchem der Reiche, die damals das bildeten, was man später die Streitenden Reiche nannte –, als Mencius diesem Prinzen gegenüber, der ihn um Rat bittet, diesem Prinzen gegenüber anmerkt, er sei nicht dazu da, um ihn das zu lehren, was unser Gesetz ausmacht, das allen gegenwärtig ist, also darüber, was für das Wachstums des Reichtums des Reiches günstig ist und insbesondere für das Wachstum dessen, was wir den Mehrwert nennen würden. Wenn es einen Sinn gibt, den man dem li nachträglich geben kann, dann geht es eben darum.

Nun, hier ist wirklich bemerkenswert, zu sehen, was Mencius hierbei anmerkt, nämlich dass es, ausgehend also von diesem Sprechen, das die Natur ist, oder wenn Sie so wollen von dem Sprechen, das die Natur betrifft, dass es darum gehen wird, zur Ursache zu gelangen, insofern die erwähnte Ursache das li ist..

[An der Tafel, zweite Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

Was gu er [故 而] bedeutet, das ist etwas, was so etwas wie „und“ bedeutet und zugleich etwas wie „aber“. Er i i [而 已 矣], „das ist nur das“, und damit man nicht daran zweifelt, hat das i, das am Ende steht, das ein konklusives i ist, hat dieses i denselben Akzent wie „nur“: „das ist i und das genügt“.

Und hier erlaube ich mir, insgesamt zu erkennen, „dass – was die Wirkungen des Diskurses angeht, was das angeht, was unter dem Himmel ist –, dass das, was als Triebkraft daraus hervorgeht, nichts anderes ist als die Funktion der Ursache, insofern sie die Mehrlust ist“.

Sie werden sehen, dass Sie, um sich auf diesen Text von Mengzi zu beziehen, dafür zwei Möglichkeiten haben. Sie können ihn sich als einen Teil der insgesamt sehr, sehr guten Ausgabe beschaffen, die davon Ende des 19. Jahrhunderts von einem Jesuiten herausgegeben wurde, einem gewissen Wieger, in einer Ausgabe der Quatre Livres fondamentaux du Confucianisme, der Vier grundlegenden Bücher des Konfuzianismus. Sie haben eine weitere Möglichkeit, nämlich sich dieses Mencius on the mind zu  besorgen, das bei Kegan Paul in London erschienen ist. Ich weiß nicht, ob es davon zur Zeit viele Exemplare gibt, die noch available [verfügbar] sind, wie man sagt, aber schließlich lohnt es die Mühe, warum nicht?, eins zu besorgen – für diejenigen, die daran interessiert sind, sich auf etwas so Grundlegendes zu beziehen – für eine gewisse Aufhellung einer Reflexion über die Sprache, die die Arbeit eines Neopositivsten ist und die gewiss nicht zu vernachlässigen ist. Das Mencius on the mind also, von Richards, erhält man in London bei Kegan Paul. All diejenigen, die sich also die Mühe machen möchten, davon – wenn sie sich den Band nicht beschaffen können – eine Photokopie zu bekommen, werden von daher eine Reihe von Bezügen vielleicht besser verstehen, die ich hier in diesem Jahr herstellen werde, denn ich werde darauf zurückkommen.

[61] Über den Ursprung der Sprache zu sprechen, ist also etwas anderes als über ihre Verbindung mit dem zu sprechen, was ich unterrichte, mit dem, was ich unterrichte, in Übereinstimmung mit dem, was ich artikuliere, was ich im letzten Jahr als den Diskurs des Analytikers artikuliert habe.

Denn das ist Ihnen nicht unbekannt, die Sprachwissenschaft hat mit Humboldt mit einer Art von Verbot begonnen, sich die Frage nach dem Ursprung der Sprache zu stellen, andernfalls man sich gewiss verirre. Es ist keine Kleinigkeit, dass jemand auf den Gedanken gekommen ist, mitten in der Periode der genetischen Mythisierung – das war der Stil zu Beginn des 19. Jahrhunderts –, dass er behauptet hat, dass hinsichtlich der Sprache nichts jemals eingeordnet, begründet, artikuliert werden könne, wenn man nicht zunächst damit beginne, die Fragen nach dem Ursprung zu verbieten.

Das ist ein Beispiel, dem man anderswo hätte folgen sollen, das hätte uns eine Menge Hirngespinste erspart, von der Art derjenigen, die man als primitivistisch bezeichnen kann – nichts primitivisiert das Denken so wie der Bezug aufs Primitive. Es ist das Denken selbst, das regelmäßig auf das Maß dessen regrediert, was es vorgibt, als primitiv zu enthüllen.

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Diskurs des Analytikers

Der Diskurs des Analytikers – Ich muss es Ihnen wohl sagen, da Sie es insgesamt nicht verstanden haben –, der Diskurs des Analytikers ist nichts anderes als die Logik des Handelns.

Sie haben es nicht verstanden, warum nicht? Weil in dem, was ich letztes Jahr mit den kleinen Buchstaben an der Tafel artikuliert habe, in dieser Form: das a über S2, und zu dem, was auf der Ebene des Analysanten geschieht, nämlich die Funktion des Subjekts, insofern es ausgestrichen ist [$], und insofern das, was es produziert, Signifikanten sind, und nicht irgendwelche: Herrensignifikanten [S1]. Weil es geschrieben war und so geschrieben war – denn ich habe es immer wieder geschrieben –, eben deshalb haben Sie es nicht verstanden.

Darin unterscheidet sich das Geschriebene vom Sprechen, und man muss wieder Sprechen darangeben und es ernsthaft damit einfetten – aber natürlich nicht ohne grundsätzliche Schwierigkeiten –, damit es verstanden wird. Man kann also jede Menge Sachen schreiben, | [62] ohne dass das an irgendein Ohr gelangt. Gleichwohl ist es geschrieben.

Eben deshalb habe ich meine Schriften so genannt, wie ich es getan habe. Daran haben dann empfindsame Leute Anstoß genommen und keineswegs irgendwelche. Es ist sehr merkwürdig, dass die Person, bei der das buchstäblich Krämpfe hervorgerufen hat, eine Japanerin war; ich werde später noch etwas dazu sagen. Natürlich, hier hat das bei niemandem Krämpfe ausgelöst; die Japanerin, von der ich gesprochen habe, ist nicht da. Und jeder Beliebige, der aus dieser Tradition kommt, könnte hierbei verstehen, denke ich, warum sich diese Art von Empörungseffekt hergestellt hat.

Natürlich wird der Weg zum Geschriebenen vom Sprechen aus gebahnt. Wenn ich meine Schriften eben so tituliert habe, dann deshalb, weil sie einen Versuch darstellen, einen Versuch in Geschriebenem, wie hinreichend dadurch angezeigt wird, dass das auf Graphen hinausläuft. Das Ärgerliche ist, dass die Leute, die mich kommentieren wollen, gleich von den Graphen ausgehen. Sie haben Unrecht, die Graphen sind nur verständlich in Abhängigkeit, möchte ich sagen, von der kleinsten Stilwirkung der erwähnten Schriften, die dafür gewissermaßen die Zugangsstufen bilden. Wodurch das Geschriebene – das Geschriebene für sich allein genommen, ob es nun um dieses Schema geht oder um jenes, um dasjenige, das man L nennt, oder um welches auch immer oder um den großen Graphen selbst – Gelegenheit für alle Arten von Missverständnissen bietet.

Worum es geht, ist ein Sprechen, natürlich insofern und weil es darauf abzielt, den Weg zu diesen Graphen zu bahnen, darum geht es. Man sollte dieses Sprechen aber nicht vergessen, deshalb nicht, weil es eben dieses Sprechen ist, das von der analytischen Regel reflektiert wird, die da – wie Sie wissen – lautet: „Sprechen Sie, sprechen Sie, wetten Sie.“ Es genügt, dass Sie schwatzen, das ist die Büchse, aus der alle Gaben der Sprache kommen, das ist eine Büchse der Pandora.

Welche Beziehung also zu diesen Graphen? Diese Graphen natürlich – noch nie hat jemand gewagt, so weit zu gehen –, diese Graphen zeigen Ihnen keineswegs irgendwas an, was es gestatten würde, zum Ursprung der Sprache zurückzukehren. Wenn es eins gibt, was sich hier sofort zeigt, dann ist es dies, dass die Graphen ihn nicht nur nicht liefern, sondern dass sie ihn auch nicht versprechen.

Das, worum es heute gehen wird, ist die Situation im Verhältnis zu der Wahrheit, die aus dem hervorgeht, was man freie Assoziation nennt, anders gesagt, aus einer freien Verwendung des Sprechens. Darüber habe ich immer nur mit Ironie gesprochen; es gibt genauso wenig freie Assoziation wie man sagen könnte, dass in einer mathematischen Funktion eine gebundene Variable frei ist; und die vom analytischen Diskurs definierte Funktion ist offenkundig nicht frei, sie ist gebunden. Sie ist durch Bedingungen gebunden, die ich auf die Schnelle als die des psychoanalytischen Kabinetts bezeichnen möchte.

In welchem Abstand mein analytischer Diskurs, wie er hier durch diese geschriebene Bestimmung definiert ist, in welchem Abstand er vom psychoanalytischen Kabinett | [63] ist, das bildet genau das, was wir meine Meinungsverschiedenheit mit einer gewissen Anzahl von psychoanalytischen Kabinetten nennen werden. Auch scheint diesen Leuten diese Definition des analytischen Diskurses – um anzuzeigen, wo ich damit stehe – nicht an die Bedingungen des analytischen Kabinetts angepasst zu sein. Nun, was mein Diskurs umreißt, das liefert, sagen wir, zumindest einen Teil der Bedingungen, die das analytische Kabinett konstituieren.

Zu ermessen, was man tut, wenn man sich in eine Psychoanalyse begibt, das ist etwas, was wirklich Gewicht hat, was aber, was mich angeht, jedenfalls dadurch angezeigt wird, dass ich stets zahlreiche vorbereitende Gespräche führe.

Eine fromme Person, die ich nicht anders bezeichnen werde, fand, so scheint es den letzten Echos zufolge, das heißt nach den Echos von vor drei Monaten, zumindest war es für sie ein unhaltbares Unterfangen, die Übertragung auf das Subjekt, dem Wissen unterstellt wird (sujet supposé savoir), zu gründen, da die Methode andererseits impliziert, dass die Übertragung sich, bezogen auf den einzelnen Fall, auf die vollständige Abwesenheit von Vorannahmen stützt. Das Subjekt, dem unterstellt wird, was zu wissen?, würde ich mir erlauben, diese Person zu fragen – ob dem Psychoanalytiker unterstellt werden soll zu wissen, was er tut, und ob er es tatsächlich weiß?

Von da aus wird man verstehen, dass ich meine Fragen zur Übertragung auf eine bestimmte Weise stelle, etwa in Die Lenkung der Kur, was ein Text ist, bei dem ich mit Vergnügen sehe, dass in meiner Schule – denn es geschieht etwas Neues, nämlich dass man sich in meiner Schule unter dem Titel einer Schule an die Arbeit macht, das ist immerhin ein Schritt, der immerhin ziemlich neu ist, so dass man ihn hervorheben sollte –, ich habe nicht ohne Vergnügen feststellen können, dass man erkannt hat, dass ich in diesem Text, was die Übertragung angeht, keineswegs zu einer Entscheidung komme. Eben dadurch, dass man sagt, „das Subjekt, dem Wissen unterstellt wird“, so wie ich es definiere, ist die Frage –, bleibt die Frage völlig offen, ob dem Analytiker unterstellt werden kann, zu wissen, was er tut.

Um es in gewisser Weise als Ausgangspunkt zu nehmen, als Ausgangspunkt für das, was heute geäußert werden wird und wofür dieses kleine chinesische Schriftzeichen: 厶 (si) –.

si-ohne-ziffern

si

Denn das ist eines davon – ich bedaure sehr, dass die Kreide es mir nicht erlaubt, die Akzente zu setzen, die der Pinsel erlaubt –, das ist eines davon, das einen  Sinn hat, um den Forderungen der logischen Positivisten zu genügen, das ist ein Sinn, von dem Sie sehen werden, dass er ganz und gar mehrdeutig ist, | [64] da es zugleich „durchtrieben“ bedeutet, dass es außerdem „persönlich“ im Sinne von „privat“ bedeutet, und dann hat es noch einige weitere Bedeutungen. Was mir aber bemerkenswert scheint, ist seine geschriebene Form, und seine geschriebene Form wird mir sogleich erlauben, Ihnen zu sagen, wo die Termini verortet sind, um die herum mein Diskurs sich heute drehen wird.

liWenn wir hier irgendwo das platzieren, was ich im weitesten Sinne folgendermaßen nenne – Sie werden sehen, dass das weit ist, ich muss sagen, dass mir nicht notwendig zu sein scheint, das ich das hervorhebe – : die Wirkungen der Sprache, dann können wir hier das hinsetzen, worum es geht, nämlich wo sie ihr Prinzip hernehmen. Da, wo sie ihr Prinzip hernehmen, in Bezug darauf enthüllt der analytische Diskurs etwas, dass er ein ein Nicht / ein Schritt (un pas) ist. Ich werde versuchen, das in Erinnerung zu rufen, auch wenn es für die Analyse um erste Wahrheiten geht. Von da werde ich sogleich ausgehen.

Hier hätten wir dann das Faktum des Geschriebenen.

Heutzutage ist es wichtig – ausgehend von bestimmten Äußerungen, die gemacht worden sind und die darauf hinauslaufen, sehr bedauerliche Verwirrungen zu stiften –, daran zu erinnern, dass das Geschriebene trotz allem im Verhältnis zu jedweder Sprachfunktion nicht primär ist, sondern sekundär, dass es aber gleichwohl ohne das Geschriebene in keiner Weise möglich ist, auf das zurückzukommen, das zu befragen, was sich in erster Linie aus der Wirkung der Sprache als solcher ergibt, anders gesagt aus der symbolischen Ordnung, das heißt der Dimension, um Ihnen Vergnügen zu bereiten – aber Sie wissen, dass ich den Ausdruck der demansion eingeführt habe: der demansion, die Wohnung, der Ort des Anderen der Wahrheit.

Ich weiß, dass diese demansion bei einigen Fragen aufgeworfen hat; die Echos davon sind mir zu Ohren gekommen. Nun ja, wenn demansion tatsächlich ein neuer Ausdruck ist, den ich fabriziert habe, und wenn er noch keinen Sinn hat, nun, dann heißt das, dass es Ihnen zukommmt, ihm einen Sinn zu geben. Die demansion der Wahrheit zu  befragen, der Wahrheit in ihrer Bleibe, das ist etwas – da ist der Terminus, die Neuheit dessen, was ich heute einführe –, was nur durch das Geschriebene gemacht wird, durch das Geschriebene, insofern es so ist, dass nur vom Geschriebenen her die Logik konstituiert wird.

[65] Hier also das, was ich an diesem Punkt meines diesjährigen Diskurses einführe: Eine Frage der Logik gibt es nur ausgehend vom Geschriebenen, insofern das Geschriebene gerade nicht die Sprache (langage) ist. Und darauf bezieht sich meine Aussage, dass es keine Metasprache gibt, dass nämlich das Geschriebene, insofern es sich von der Sprache unterscheidet, da ist, um uns zu zeigen, dass die Sprache insofern vom Geschriebenen her befragt wird, als das Geschriebene nicht die Sprache ist, es aber nur konstruiert wird, nur fabriziert wird von seinem Bezug auf die Sprache her.

Nachdem ich dies dargelegt habe, was den Vorteil hat, Ihnen mein Ziel, meine Absicht zugänglich zu machen, gehe ich wieder von dem aus, was sich auf diesen Punkt bezieht. Dieser Punkt , der von der Ordnung jener Überraschung ist, durch welche der Umkehreffekt signalisiert wird, dessen Verbindung der Wahrheit mit dem Wissen ich zu definieren versucht habe, und den ich mit diesen Ausdrücken formulierte habe, dass es beim sprechenden Wesen kein sexuelles Verhältnis gibt.

Es hat eine erste Bedingung gegeben, die uns das sofort sehen lassen könnte, nämlich dass das sexuelle Verhältnis, wie jedes anderes Verhältnis, letztlich nur vom Geschriebenen her Bestand hat. Das Wesentliche des Verhältnisses ist eine Abbildung, a wird abgebildet auf b [a → b], und wenn Sie es nicht a und b schreiben, haben Sie es nicht mit dem Verhältnis als solchem zu tun. Das besagt nicht, dass sich im Realen nicht Dinge ereignen. Aber mit welchem Recht würden Sie das als Verhältnis bezeichnen?

Diese grobgestrickte Sache würde bereits hinreichen, um, sagen wir, begreiflich zu machen, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt, aber das würde nichts daran ändern, dass es einem nicht gelingt, es zu schreiben.

Außerdem möchte ich sagen, es gibt etwas, was man bereits seit geraumer Zeit tut, dass man es nämlich so schreibt: ♂ ♀, wobei man sich kleiner Planetenzeichen bedient, also das Verhältnis dessen, was männlich ist, zu dem, was weiblich ist.

Und ich möchte sogar sagen, dass seit einiger Zeit, dank des Fortschritts, den der  Gebrauch des Mikroskop ermöglicht hat –; denn vergessen wir nicht, dass man vor Swammerdam nicht die geringste Vorstellung davon haben konnte. Damit kann, so scheint es, die Tatsache artikuliert werden, dass das Verhältnis – so komplex es sein mag, nicht wahr, [66] so  meiotisch der Vorgang dabei sein mag, durch den die sogenannten gonadischene Zellen ein Modell für die Befruchtung liefern, von der die Fortpflanzung ausgeht –, nun, es scheint, dass da tatsächlich etwas gegründet ist, etabliert ist, was es erlaubt, auf einer bestimmten, als biologisch bezeichneten Ebene das zu verorten, worum es beim sexuellen Verhältnis geht.

Das Seltsame ist sicherlich – und letztlich, mein Gott, so sehr nun auch wieder nicht, aber ich möchte Ihnen die Dimension der Seltsamkeit der Sache vor Augen führen –, dass die Dualität und die Suffizienz dieses Verhältnisses immer schon ihr Modell haben, ich habe Ihnen das beim letzten Mal in Erinnerung gerufen, anlässlich der kleinen chinesischen Zeichen.

Es gibt hier eines davon – ich wurde plötzlich ungeduldig, Ihnen Zeichen zu zeigen, das sah so aus, als diente das einzig dazu, Sie zu beeindrucken –, nun, das yin, das ich Ihnen das letzte Mal nicht angeschrieben habe, das ist hier: 陰, und das yang, so, ich wiederhole es, nicht wahr, so, noch ein kleiner Strich hier: 陽.

Das yin und das yang, das männliche und das weibliche Prinzip, das ist schließlich keine Eigentümlichkeit der chinesischen Tradition, das ist etwas, was Sie überall wiederfinden, in jeder Art des Nachdenkens über die Verhältnisse von Aktion und Passion, über das Formale und das Substantielle, über Purusha, den Geist, und Prakriti, irgendeine verweiblichte Materie. Dieses allgemeine Modell des Verhältnisses von Männlichem und Weiblichem ist eben das, was seit je, seit langem die Situierung heimsucht, die Situierung des sprechenden Wesens in Bezug auf die Kräfte der Welt, diejenigen, die tian xia sind, unter dem Himmel.

[65] Man sollte das ganz und gar Neue hervorheben, das, was ich den Überraschungseffekt genannt habe, man sollte begreifen, was aus dem analytischen Diskurs hervorgegangen ist, was immer es wert sein mag, dass es nämlich unhaltbar ist, in irgendeiner Weise an dieser Dualität als etwas Hinreichendem festzuhalten.

Das heißt, dass die sogenannte Funktion des Phallus – die nun wirklich diejenige ist, die höchst unbeholfen gehandhabt wird, die aber da ist, die in dem, warum es geht, funktioniert, nicht nur von einer Erfahrung her, die mit etwas verbunden ist, das als abweichend, als pathologisch anzusehen wäre, sondern <von einer Erfahrung her>, die als solche für die Einsetzung des analytischen Diskurses wesentlich ist –, durch diese Funktion des Phallus ist seither die sexuelle Bipolarität unhaltbar, auf eine Weise unhaltbar, durch die sich buchstäblich das verflüchtigt, worum es bei dem geht, was über dieses Verhältnis geschrieben werden kann.

Man muss das, worum es bei dieser Intrusion des Phallus geht, von dem unterscheiden, was einige glaubten, mit dem Ausdruck „Signifikantenmangel“ übersetzen zu können. Worum es geht, ist nicht ein Signifikantenmangel, sondern etwas, was das Hindernis für ein Verhältnis bildet.

Der Phallus, auch wenn die Betonung auf ein Organ gelegt wird, bezeichnet keineswegs das „Penis“ genannte Organ mit seiner Physiologie und auch nicht die Funktion, die man ihm, sicherlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, als die der Begattung zuschreiben kann. Er zielt auf ganz unzweideutige Weise, wenn man sich auf die analytischen Texte bezieht, auf sein Verhältnis zum Genießen. Und darin unterscheiden sie ihn von der physiologischen Funktion: Es gibt – das ist das, wovon angenommen wird, dass es die Funktion des Phallus konstituiert –, es gibt ein Genießen, das in diesem Verhältnis, das sich vom sexuellen Verhältnis unterscheidet, was konstituiert?, das, was wir seine Wahrheitsbedingung nennen werden.

Der Blickwinkel, unter dem das Organ erfasst wird, das, verglichen mit dem, was es damit bei der Gesamtheit der Lebewesen auf sich hat, keineswegs an diese besondere Form gebunden ist –. Wenn Sie die Vielfalt der Begattungsorgane kennen würden, die es bei den Insekten gibt, könnten Sie –  das ist immerhin das Prinzip von etwas, was immer von Nutzen ist, nämlich das Erstaunen, um das Reale zu befragen –, könnten Sie sicherlich darüber staunen, dass es bei den Wirbeltieren auf diese spezielle Weise funktioniert.

Es handelt sich hier um das Organ, insofern – ich muss hier wohl zügig vorangehen, denn schließlich will ich mich nicht ewig dabei aufhalten und alles wiederaufnehmen, man möge sich auf die Texte beziehen, über die ich eben gesprochen habe, Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht; der Phallus, das ist das Organ, insofern er das weibliche Genießen ist – ist, es geht um das Sein.

[68] Darauf beruht und darin besteht die Unvereinbarkeit von Sein und Haben. In diesem Text wird das mit einer gewissen Beharrlichkeit wiederholt, wobei gewisse stilistische Akzente gesetzt werden, wozu ich wiederhole, dass sie, um voranzukommen, ebenso wichtig sind wie die Graphen, zu denen sie hinführen. Und dann hatte ich da auf dem berühmten Kongress von Royaumont einige Leute vor mir, die sich lustig machten: Nun ja, wenn das alles ist, wenn es um Sein und Haben geht, das schien Ihnen keine große Tragweite zu haben, das Sein und das Haben, man wählt sie, nicht wahr. Das ist jedoch das, was Kastration genannt wird.

Was ich vorschlage, ist Folgendes, nämlich zu postulieren, dass die Sprache (langage) – nicht wahr, wir setzen sie hierhin – das ihr vorbehaltene Feld in dieser Kluft des sexuellen Verhältnisses hat , wie der Phallus es offenlässt. Wobei angenommen wird, dass das, was er hier einführt, keineswegs zwei Termini sind, die vom Männchen und vom Weibchen her definiert sind, sondern von einer Wahl her, die es zwischen Termini gibt, die eine ganz andere Natur und Funktion haben und die „Sein“ und „Haben“ genannt werden.

Wodurch dieser Abstand bewiesen wird, was ihn stützt, was ihn absolut evident und definitiv macht, ist Folgendes – wobei man den Unterschied offenbar nicht bemerkt hat –, nämlich die Ersetzung des sexuellen Verhältnisses durch das, was sexuelles Gesetz genannt wird. Eben da ist der Abstand, in den sich einschreibt, dass es nichts Gemeinsames gibt zwischen <einerseits> dem, was man über ein Verhältnis aussagen kann, das insofern ein Gesetz bilden würde, als es in irgendeiner Form von der Abbildung abhinge, wie sie am ehesten von der mathematischen Funktion erfasst wird, und <andererseits> einem Gesetz, das mit dem gesamten Register dessen zusammenhängt, was sich Begehren nennt, was sich Untersagung nennt, dessen, wodurch herausgestellt wird, dass die Verbindung, ja die Identität – wie ich zu sagen gewagt habe – dieses Begehrens und dieses Gesetzes genau von der  Kluft des eingeschriebenen Gesetzes abhängt.

Und das, wodurch entsprechend postuliert wird, für all das, was von der Sprachwirkung abhängt, von all dem, wodurch die demansion der Wahrheit von einer Fiktionstruktur her eingesetzt wird –. Die althergebrachte Entsprechung von Ritus und Mythos – es ist eine lächerliche Schwachheit, darüber zu sagen, der Mythos sei einfach der Kommentar des Rituals, etwas, was dazu dient, es zu stützen, es zu erklären. Wo sie sich doch gemäß einer Topologie zueinander verhalten, über die ich mich bereits seit längerem ausführlich verbreitet habe, sodass ich nicht daran erinnern muss: Ritual und Mythos sind wie Vorderseite und Rückseite, unter der Bedingung, dass Vorder- und Rückseite kontinuierlich miteinander verbunden sind. Dass im analytischen Diskurs dieser Restmythos aufrechterhalten wird, der als derjenige des Ödipus bezeichnet wird, Gott weiß warum, der aber tatsächlich der aus Totem und Tabu ist, wo dieser Mythos verzeichnet ist, der ganz und gar Freuds Erfindung ist, der des Urvaters, insofern er | [65] alle Frauen genießt, das ist der Punkt, den wir daraufhin befragen müssen – aus etwas größerer Entfernung, von der Logik her, vom Geschriebenen her –, was er bedeutet.

schema-von-peirce

Quadrantenschema von Peirce

Schon vor ziemlich langer Zeit habe ich hier das Schema von Peirce über die Aussagen eingeführt, insofern sie sich in vier Gruppen aufteilen: in universale, partikuläre, bejahende und verneinende, wobei die beiden Termini, die beiden Paare von Termini untereinander ausgetauscht werden.

Jeder weiß, wenn man sagt, „alle x sind y“, wenn das Schema von Peirce – Charles Sanders – von Interesse ist, dann, um aufzuzeigen, um als notwendig zu definieren, <dass die Aussage>, dass jedes Etwas mit irgendeinem Attribut ausgestattet ist, auch dann, wenn es überhaupt kein x gibt, eine völlig zulässige universale Position ist. In der kleinen Formel, dem kleinen Schema von Peirce, ich erinnere Sie daran, haben wir hier [1] eine Reihe von vertikalen Strichen, hier [4] haben wir keine vertikalen Striche, <hier [3] haben wir schräge Striche>, hier [2] haben wir eine kleine Mischung aus beiden, und daran, dass die Spezifik dieser oder jener Aussage sich aus der Verbindung von zweien dieser Felder ergibt, und dass man, wenn man die beiden Quadranten [1 und 4] zusammennimmt, sagen kann: „Alle Striche sind vertikal“ – wenn sie nicht vertikal sind, gibts keinen Strich. Um die verneinende <Aussage> zu bilden, <“Alle Striche sind nicht vertikal“ bzw. “Kein Strich ist vertikal“>, muss man diese beiden hier [3 und 4] vereinigen: Entweder es gibt <überhaupt> keinen Strich oder es gibt keine vertikalen Striche.

Was der Mythos vom Genießen aller Frauen bezeichnet, ist dies, dass es das „alle Frauen“ nicht gibt. Es gibt kein Universales der Frau. Das ist das, was durch eine Befragung des Phallus – und nicht des sexuellen Verhältnisses – gesetzt wird, bezogen darauf, worum es bei dem Genießen geht, das er konstituiert, habe ich doch gesagt, dies sei das weibliche Genießen.

Von diesen Äußerungen her haben sich eine Reihe von Fragen radikal verschoben / sind eine Reihe von Fragen radikal verfehlt.

Es ist durchaus möglich, dass es ein Wissen desjenigen Genießens gibt, das man sexuell nennt, ein Wissen, das sich dieser „gewissen Frau“ zuschreiben lässt. Die Sache | [70] ist nicht undenkbar, in manchen Ecken gibt es mythische Spuren dieser Art. Die Sachen, die Tantra genannt werden – man sagt, dass das da praktiziert wird.

Es ist jedoch klar – wenn Sie mir gestatten, meinen Gedanken so auszudrücken –, dass die Geschicklichkeit der Flötenspielerinnen seit geraumer Zeit viel offensichtlicher ist.

Nicht um mit der Obszönität zu spielen, bringe ich das an diesem Punkt vor, sondern weil es hier jemanden gibt, wie ich annehme, weil es hier zumindest eine Person gibt, die weiß, was es heißt, Flöte zu spielen, nämlich die Person, die mich kürzlich darauf aufmerksam gemacht hat – bezogen auf das Flötenspiel, aber man kann das gleichermaßen über jede Benutzung eines Instruments sagen –, welche Spaltung des Körpers notwendig ist, um irgendein Instrument zu verwenden. Ich meine einen Bruch der Synergie. Es genügt, mit irgendeinem Instrument umzugehen. Stellen Sie sich auf ein Paar Skier und Sie werden sofort sehen, dass Ihre Synergien gebrochen werden müssen. Nehmen Sie einen Golfschläger – in letzter Zeit kommt das bei mir vor, ich habe wieder angefangen –, da ist es das Gleiche, nicht wahr, es gibt zwei Arten von Bewegungen, die Sie gleichzeitig ausführen müssen, und anfangs gelingt Ihnen das absolut nicht, da das synergetisch nicht einfach so funktioniert. Die Person, die mich anlässlich der Flöte an diese Sache erinnert hat, hatte mich ebenso darauf aufmerksam gemacht, dass Sie beim Gesang, bei dem es anscheinend kein Instrument gibt, und darin ist der Gesang besonders interessant, dass Sie auch hier Ihren Körper aufspalten müssen, dass Sie hier, damit Sie singen können, zwei Sachen teilen, die völlig verschieden sind, die aber für gewöhnlich absolut synergetisch sind, nämlich den Ansatz der Stimme (pose de la voix) und die Atmung. Gut, diese Grundwahrheiten, an die man mich nicht erinnern musste, da ich, wie bereits gesagt, diesbezüglich meine letzte Erfahrung mit dem Golfschläger hatte, das ist etwas, was als Frage offen lässt, ob es noch irgendwo ein Wissen über das Phallus-Instrument gibt.

Nur, das Phallus-Instrument, das ist kein Instrument wie andere, das ist wie beim Gesang, das Phallus-Instrument, ich habe Ihnen bereits gesagt, dass es keinesfalls mit dem Penis zu verwechseln ist. Der Penis wird durch das Gesetz reguliert, das heißt durch das Begehren, das heißt durch die Mehrlust, das heißt durch die Ursache des Begehrens, das heißt durch das Phantasma.

Und dies, das unterstellte Wissen der Frau, die wissen würde, da stößt sie auf  eine Schwierigkeit / auf einem Knochen (os), auf eben denjenigen, der dem Organ fehlt, wenn Sie mir gestatten, in dieser Weise fortzufahren. [Gelächter] Denn bei bestimmten Tieren gibt es das, einen Knochen, aber ja. Hier gibt es ein Fehlen, das ist ein fehlender Knochen; das ist nicht der Phallus, das ist das Begehren und sein Funktionieren. Daraus ergibt sich, eine Frau hat einen Beweis | [70] für ihre Einfügung in das Gesetz – für das, was einen Ersatz für das Verhältnis bildet – nur durch das Begehren des Mannes.

Es genügt bereits eine ganz geringe analytische Erfahrung, um darüber Gewissheit zu haben: Das Begehren des Mannes ist, wie ich eben gesagt habe, an seine Ursache gebunden, nämlich an die Mehrlust, oder es ist auch – wie ich es viele Male ausgedrückt habe, wenn es seine Quelle in dem Feld hat, von dem alles ausgeht: der Sprachwirkung – im Begehren des Anderen also. Und die Frau, bei dieser Gelegenheit begreift man, dass eben sie die Andere ist. Allerdings ist sie die Andere eines ganz anderen Bereichs, eines ganz anderen Registers als dem ihres Wissens, worin auch immer es bestehen mag.

Hier wird also das phallische Instrument – in Anführungszeichen – als „Ursache“ der Sprache angenommen, ich habe nicht gesagt: als „Ursprung“.

Und hier, trotz der fortgeschrittenen Zeit – mein Gott, ich werde schnell machen –, möchte ich auf die Spur verweisen, die man davon haben kann, nämlich das Aufrechterhalten, was immer man davon halten mag, des Verbots von obszönen Wörtern. Und da ich weiß, dass es hier Leute gibt, die etwas erwarten, was ich ihnen versprochen habe, nämlich dass ich auf Eden, Eden, Eden anspiele und sage, warum ich nicht diese, wie heißt das nochmal, diese Dinger unterschreibe, die Petitionen, die sich darauf beziehen. Sicherlich geht es nicht darum, dass meine Wertschätzung für diesen Versuch gering wäre; auf seine Weise ist er mit dem meiner Schriften vergleichbar, abgesehen davon, dass er sehr viel hoffnungsloser ist. Es ist völlig hoffnungslos, das phallische Instrument zu versprachlichen. Und da ich es als etwas ansehe, das unter diesem Gesichtspunkt ohne Hoffnung ist, denke ich auch, dass sich um einen solchen Versuch herum nur Missverständnisse entwickeln können. Sie sehen, dass meine Weigerung sich hier auf einen hochtheoretischen Gesichtspunkt bezieht.

Worauf ich damit hinauswill, ist Folgendes: Von wo aus befragt man die Wahrheit? Denn die Wahrheit kann alles sagen, was sie will, das ist das Orakel. Das gibt es immer schon, und danach kann man sich nur noch durchwurschteln.

Allerdings gibt es eine neue Tatsache, nicht wahr? Die erste neue Tatsache, seit das Orakel funktioniert, also seit je, das ist eine meiner Schriften, die neue Tatsache, die sich Die Freud’sche Sache nennt, wo ich auf etwas hingewiesen habe, was noch nie jemand gesagt hat, nicht wahr; nur, da das geschrieben ist, haben Sie es natürlich nicht verstanden – ich habe gesagt, dass die Wahrheit „ich (Je)“ sagt.

[72] Wenn Sie dieser Art polemischer Üppigkeit ihr Gewicht gegeben hätten, dieser Üppigkeit, die ich hergestellt habe, um in solcher Weise die Wahrheit zu präsentieren, ich weiß nicht einmal mehr, was ich geschrieben habe, so etwas wie „ins Zimmer zurückkehrend, in einem Klirren des Spiegels“, das hätte Ihnen vielleicht die Ohren öffnen können. Dieser Lärm von zerbrechenden  Spiegeln in etwas Geschriebenem, verblüfft Sie das nicht? Dabei ist es ziemlich gut geschrieben, das ist eben das, was man Stil nennt. Das hätte Ihnen sicherlich geholfen, zu begreifen, was mit „die Wahrheit sagt ‚Ich‘“ gemeint ist – damit ist gemeint, dass man zu ihr „Du“ sagen kann. Und ich werde Ihnen erklären, wozu das gut ist.

Sie werden natürlich glauben, dass ich Ihnen sagen werde, dass das für den Dialog gut ist. Es ist lange her, dass ich gesagt habe, einen Dialog gibt es nicht, und mit der Wahrheit natürlich noch weniger. Nichtsdestoweniger, wenn Sie etwas lesen, was sich die Metamathematik von Lorenzen nennt, ich habe es mitgebracht, das ist bei Gauthier-Villars und Mouton erschienen, gut, und dann werde ich Ihnen sogar die Seite angeben, auf der Sie raffinierte Sachen finden. Das sind Dialoge, das sind geschriebene Dialoge, das heißt, dass ein und derselbe beide Repliken schreibt. Das ist ein ziemlich spezieller Dialog, doch das ist sehr instruktiv. Sie sollten sich auf Seite 22 beziehen. Das ist sehr instruktiv, und ich könnte es auf mehr als eine Weise übersetzen, unter anderem, indem ich mich meines Seins und meines Habens von vorhin bediene.

Ich werde jedoch einfacher vorgehen, um Sie an etwas zu erinnern, worauf ich bereits den Akzent gesetzt habe, dass nämlich die angeblichen Paradoxien, bei denen sich die klassische Logik aufhält, insbesondere die des „Ich lüge“, erst von dem Moment an haltbar sind, in dem sie geschrieben sind. Es ist vollkommen klar, dass „Ich lüge“ zu sagen, etwas ist, was keine Schwierigkeit macht– da man schließlich nichts anderes tut als das, warum sollte man es nicht sagen? Was bedeutet das? Dass es hier nur dann, wenn es geschrieben ist, eine Paradoxie gibt, denn dann sagt man: „Wie nun, lügen Sie oder sprechen Sie die Wahrheit?“

Das ist genau dasselbe wie das, worauf ich Sie früher einmal aufmerksam gemacht habe, nämlich zu schreiben: „<Dieser Ausdruck definiert> die kleinste Zahl, die mit mehr als fünfzehn Wörtern geschrieben wird.“ Sie sehen hier keine Schwierigkeit, wenn ich es Ihnen sage. Wenn es geschrieben ist, zählen Sie nach, Sie sehen dann, dass es in dem, was ich gerade gesagt habe, nur dreizehn gibt. Abzählen aber lässt sich das nur dann, wenn es geschrieben ist.

Denn wenn das auf japanisch geschrieben ist, wette ich, dass sie sie nicht zählen können. Denn da stellen Sie sich schon die Frage, es gibt kleine Stücke, etwa so, ein Quäken, kleine o und kleine ua, bei denen Sie sich fragen werden, ob man das ans Wort anhängen muss oder ob man es ablösen muss und als eigenes | [73] Wort zählen muss – das ist nicht mal ein Wort, das ist eh, das ist so. [Gelächter]

Nur wenn es geschrieben ist, lässt es sich zählen.

Nun, die Wahrheit, Sie werden bemerken, dass Sie, genau wie in der Metamathematik von Lorenzen, wenn Sie postulieren, dass man in Bezug auf denselben Punkt nicht zugleich „ja“ und „nein“ sagen kann, dann gewinnen Sie – Sie werden gleich sehen, was Sie gewinnen –, wenn Sie aber darauf wetten, dass es „ja“ oder aber „nein“ ist, dann verlieren Sie. Schauen Sie bei Lorenzen nach; ich werde es Ihnen aber sofort veranschaulichen.

Ich beginne so: „Es ist nicht wahr“, sage ich der Wahrheit, „dass du zugleich wahr sprichst und lügst.“

Die Wahrheit kann vieles antworten; da Sie es sind, die sie antworten lassen, kostet Sie das gar nichts. Das führt in jedem Fall zum selben Ergebnis, aber ich führe es Ihnen im Einzelnen vor, um mich eng an Lorenzen zu halten.

Sie sagt: „Ich spreche wahr.“

Sie antworten ihr: „Das lass ich dich nicht sagen!“ [Gelächter]

Dann, um Sie zu verarschen, sagt sie Ihnen: „Ich lüge.“

Worauf Sie antworten: „Jetzt hab ich gewonnen, ich weiß, dass du dir widersprichst.“

Das ist genau das, was Sie beim Unbewussten entdecken, das geht nicht darüber hinaus. Dass das Unbewusste immer die Wahrheit sagt und dass es lügt, ist von ihm aus vollkommen vertretbar, Sie müssen es einfach nur wissen.

Was lehrt Sie das? Dass Sie von der Wahrheit nur dann etwas wissen, wenn sie sich entfesselt. Denn sie hat sich entfesselt, sie hat Ihre Kette zerbrochen; auch dann, als Sie ihr sagten, die Konjunktion sei ganz und gar nicht haltbar, hat sie Ihnen beide Sachen zugleich gesagt.

Aber nehmen Sie das Gegenteil an, nämlich dass Sie ihr gesagt haben: „Du sprichst die Wahrheit oder du lügst.“

Nun ja, dann haben Sie die Kosten zu tragen. Denn, was antwortet sie Ihnen?: „Ich stimme dir zu, ich fessle mich. Du sagst mir ‚du sprichst wahr oder du lügst‘, und tatsächlich, das ist wohl wahr.“

Nur, in diesem Fall, da wissen Sie nichts, Sie wissen nichts über das, was sie Ihnen gesagt hat, denn sie spricht wahr oder sie lügt, derart, dass Sie verlieren.

Ich weiß nicht, ob sich das Ihnen in seiner Stichhaltigkeit erschließt, aber das bedeutet etwas, womit wir ständig Erfahrungen machen, nämlich dass die Tatsache, dass sie sich verweigert, die Wahrheit, dass mir das zu etwas nütze ist. Eben damit haben wir es in der Analyse ständig zu tun, und dass sie aufgibt, dass sie die Kette akzeptiert, welche auch immer, nun ja, da bin ich mit meinem Latein am Ende. Anders gesagt, das – das lässt für mich zu wünschen übrig / das lässt mich begehren (ça me laisse à désirer). Das lässt mich begehren, dass lässt mich in meiner Position des Suchenden / des Fordernden / des Fragenden (demandeur), denn ich täusche mich, wenn ich denke, dass ich eine Wahrheit abhandeln kann, die ich doch nur als entfesselte erkennen kann. Sie zeigen auf, an welcher Entfesselung (déchaînement/déchet-nement) Sie teilhaben.

[74] Es gibt etwas, was es verdient, in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden, und das ist die Funktion von etwas, das ich bereits seit langem ganz behutsam aufs Korn nehme und was sich „Freiheit“ nennt.

Es kommt vor, dass es Leute gibt, die vermittels des Phantasmas bestimmte Verfahren austüfteln, durch die zwar nicht die Wahrheit selbst, aber zumindest der Phallus gezähmt werden könnte. Ich werde Ihnen nicht sagen, in welche Vielfalt von Einzelheiten sich Elaborate dieser Art ausbreiten können. Es gibt jedoch etwas ganz Erstaunliches, das ist, dass, abgesehen von einem gewissen Mangel an Seriosität, der vielleicht das ist, was es an Solidestem gibt, um die Perversion zu definieren; nun ja, diese eleganten Lösungen, es ist klar, dass die Personen, für die das seriös ist, diese ganze kleine Sache –.

Weil, mein Gott, die Sprache, das zählt für sie, das Geschriebene ebenso, und sei es nur deshalb, weil das die logische Befragung ermöglicht. Denn letztlich, was ist die Logik, wenn nicht diese absolut sagenhafte Paradoxie, die nur durch das Geschriebene ermöglicht wird, dass man die Wahrheit als Referent nimmt? Damit kommuniziert man offensichtlich. Wenn man beginnt, die ersten, die allerersten Formeln der Aussagenlogik anzugeben, nimmt man als Referenz, dass es Aussagen gibt, die als wahr gekennzeichnet werden können und andere, die als falsch gekennzeichnet werden können, damit beginnt der Bezug auf die Wahrheit. Sich auf die Wahrheit zu beziehen, das heißt, das absolut Falsche anzunehmen, das heißt ein Falsches, auf das man sich als solches beziehen könnte.

Die seriösen Leute – ich komme auf das zurück, was ich dabei bin auszuführen –, denen sich diese eleganten Lösungen anbieten, die in der Zähmung des Phallus bestünden, nun ja, es ist eigenartig, dass sie es sind, die sich dem verweigern. Und warum, wenn nicht, um das zu bewahren, was „Freiheit“ genannt wird, insofern sie mit der Nicht-Existenz des sexuellen Verhältnisses genau identisch ist.

Denn letztlich – muss man wirklich darauf hinweisen, dass dieses Verhältnis von Mann und Frau, insofern es durch das Gesetz, durch das sogenannte sexuelle Gesetz, radikal falsifiziert ist, etwas ist, was gleichwohl begehren lässt (laisse à désirer), dass es für einen jeden seine eine jede gibt, um ihm zu entsprechen?

Wenn das geschieht, was soll man dann sagen? Gewiss nicht, dass das etwas Natürliches sei, da es in dieser Hinsicht keine Natur gibt, da Die Frau nicht existiert. Dass sie existiert, ist ein Frauentraum, das ist ja der Traum, aus dem Don Juan hervorgegangen ist. Wenn es einen Mann gäbe, für den Die Frau existiert, wäre das ein Wunder. Man wäre sich Begehrens dieses Mannes sicher. Das ist ein weibliches | [75] Hirngespinst.

Dafür, dass ein Mann seine Frau findet, was gibt es dafür anderes außer der romantischen Formel „das war Schicksal“, „das stand geschrieben“?

Einmal mehr sind wir an diesem Kreuzweg angelangt, an dem, worüber ich Ihnen gesagt habe, dass ich das, worum es beim wahren Seigneur geht, zum Umfallen bringen werde, bei dem Typ, der etwas ist, was man, du liebe Zeit, sehr schlecht mit homme übersetzt, „Mensch“ oder „Mann“, der so ein ganz klein bisschen über dem Üblichen ist, und das ist diese Schaukel zwischen dem xing  (姓) – dieser Natur, wie sie durch die Sprachwirkung eingeschrieben ist, in die Disjunktion von Mann und Frau eingeschrieben ist –, und andererseits diesem „es ist geschrieben“, dieses ming (命), dieses andere Schriftzeichen, dessen Gestalt ich Ihnen hier bereits ein erstes Mal gezeigt hatte und welches das ist, wovor die Freiheit zurückweicht.

Französisch/Deutsch mit Anmerkungen

[An der Tafel]

mencius-spruch

Ça, c’est le nom de l’auteur de cette menue formule…

孟子

Das ist der Name des Autors dieser kleinen Formel [zeigt auf linke Kolumne]:

孟子

[Die senkrechten Kolumnen, die von oben nach unten gelesen werden und von rechts nach links angeordnet sind, werden hier und im folgenden waagerecht dargestellt.]

Cette menue formule, auquel, malgré qu’elle ait été écrite vers 250 avant J.C., en Chine comme vous le voyez, au chapitre 2, au Livre IV, deuxième partie – quelquefois c’est classé autrement, alors dans ce cas-là ce sera la partie VIII, au Livre IV, deuxième partie paragraphe 26 – de Meng-tzu, que les Jésuites appellent Mencius, puisque ce sont eux qui ont fait… bien avant l’époque où il y a eu des sinologues, c’est-à-dire le début du XIXème siècle, pas avant.

Diese kleine Formel, zu der –, obwohl sie etwa 250 vor Christus geschrieben wurde, in China, wie Sie sehen, in Kapitel 2 von Buch IV, der zweite Teil, aber manchmal wird das anders eingeordnet und dann ist es Teil VIII von Buch I, der zweite Teil, Absatz 26 –, von Mengzi, der von den Jesuiten Mencius genannt wurde, das sind diejenigen, die gemacht haben –; lange vor der Zeit, als es Sinologen gab, das heißt Anfang des 19. Jahrhunderts, nicht vorher.

J’ai eu le bonheur d’acquérir le premier livre sur lequel se soient trouvées conjointes une plaque d’impression chinoise, c’est pas tout à fait la même chose que le premier livre où il y ait eu à la fois des caractères chinois et des caractères européens, c’est le premier livre où il y a eu une plaque d’impression chinoise avec des choses écrites, des choses imprimées, de notre crû.

Ich hatte das Glück, das erste Buch zu erwerben, in dem man eine chinesische Druckplatte verbunden findet – das ist keineswegs dasselbe wie das erste Buch, in dem es zugleich chinesische und europäische Schriftzeichen gegeben hat –, das ist das erste Buch, in dem es eine chinesische Druckplatte zusammen mit geschriebenen Sachen, gedruckten Sachen, die von uns kommen, gegeben hat.

C’est une traduction des fables d’Ésope.

Das ist eine Übersetzung der Fabeln von Äsop.

Ça, c’est paru en 1840, et ça se targue – à juste titre – d’être le premier livre où se soit réalisée cette conjonction.

Das ist 1840 erschienen und es rühmt sich zu Recht, das erste Buch zu sein, in dem diese Verbindung hergestellt wurde.

1840, dites-vous que c’est à peu près justement la date du moment où il y a eu des sinologues.

1840, Sie werden sagen, das ist ungefähr das Datum, von dem an es Sinologen gegeben hat.2

Les Jésuites étaient depuis bien longtemps en Chine, comme peut-être certains s’en souviennent.

Wie einige sich vielleicht erinnern, waren die Jesuiten <zu diesem Zeitpunkt> bereits sehr lange in China.3

Ils ont failli faire la conjonction de la Chine avec ce qu’ils représentaient au titre de missionnaires.

Fast ist es ihnen gelungen, eine Verbindung zwischen China und dem herzustellen, was sie als Missionare repräsentierten.

Seulement ils se sont laissés un peu impressionner par les rites chinois, et comme vous le savez peut-être, en plein XVIIIème siècle, ça leur a fait quelques ennuis avec Rome, qui n’a pas montré en l’occasion une particulière acuité politique.

Sie haben sich jedoch ein wenig von den chinesischen Ritualen beeindrucken lassen, und wie Sie vielleicht wissen, hat ihnen das Mitte des 18. Jahrhunderts gewisse Unannehmlichkeiten mit Rom eingebracht, das in diesem Fall keinen besonderen politischen Scharfsinn gezeigt hat.

Ça lui arrive, à Rome.

Sowas passiert Rom.

Enfin dans Voltaire – si vous lisez Voltaire, mais bien sûr personne ne lit plus Voltaire, vous avez bien tort, c’est tout plein de choses – dans Voltaire il y a – très exactement dans Le Siècle de Louis XIV et en appendice je crois, ça forme un libelle particulier – un grand développement sur cette Querelle des Rites, dont beaucoup de choses dans l’histoire se trouvent maintenant en position de filiation.

Nun, bei Voltaire – falls Sie Voltaire lesen, aber natürlich liest niemand mehr Voltaire, Sie machen wirklich einen Fehler, da gibt’s allerhand –, bei Voltaire gibt es, und zwar genau in Das Jahrhundert Ludwigs XIV.4 und dort als Anhang, glaube ich, das ist ein eigene Streitschrift5, eine ausführliche Darstellung des Ritenstreits6, eine Darstellung, der gegenüber viele Dinge in der Geschichtswissenschaft jetzt in einer Abstammungsposition sind.

Quoi qu’il en soit donc, c’est de Mencius qu’il s’agit, et Mencius écrit ceci.

Wie dem auch sei, es geht also um Mencius, und Mencius hat das hier [an der Tafel] geschrieben.

Puisque je l’ai écrit au tableau pour commencer, ça ne fait pas à proprement parler partie de mon discours d’aujourd’hui, c’est pour ça que je le case avant l’heure pile de midi et demi.

Denn ich habe es an die Tafel geschrieben, um damit anzufangen; das ist eigentlich nicht Teil meines Vortrags heute, und darum werde ich es pünktlich vor halb eins unterbringen.

Je vais vous dire, ou je vais essayer de vous faire sentir ce que ça veut dire, et puis ça nous mettra dans le bain concernant ce qui est l’objet à proprement parler de ce que je veux énoncer aujourd’hui, c’est à savoir : dans ce qui nous préoccupe, quelle est la fonction de l’écriture ?

Ich will Ihnen sagen oder ich werde versuchen, Sie spüren zu lassen, was das heißt, und das wird uns dann zu dem führen, was der eigentliche Gegenstand ist, zu dem ich mich heute äußern will, nämlich: Bei dem, was uns beschäftigt, was ist da die Funktion der Schrift (écriture)?

Comme l’écriture, ça existe en Chine depuis un temps immémorial.

Denn die Schrift gibt es in China seit unvordenklichen Zeiten.

Je veux dire bien avant que nous en ayons à proprement parler des ouvrages, l’écriture existait déjà depuis extrêmement longtemps, on ne peut pas évaluer depuis combien de temps elle existait.

Ich meine damit: Lange bevor wir im engeren Sinne <geschriebene> Werke haben, gab es bereits seit äußerst langer Zeit die Schrift; man kann nicht abschätzen, wie lange es sie bereits gab.

Cette écriture a en Chine un rôle tout à fait pivot, dans un certain nombre de choses qui se sont passées, et c’est assez éclairant sur ce que nous pouvons penser de la fonction de l’écriture.

In China spielt die Schrift bei einer gewissen Reihe von Dingen, die sich ereignet haben, eine absolute Schlüsselrolle, und das ist für das, was wir über die Funktion der Schrift denken können, ziemlich erhellend.

Il est certain que l’écriture a joué un rôle tout à fait décisif dans le support de quelque chose auquel nous avons cet accès-là et rien d’autre, à savoir un type de structure sociale qui s’est soutenu très longtemps et d’où, jusqu’à une époque récente, on pouvait conclure qu’il y avait une toute autre filiation quant à ce qui se supportait en Chine, que ce qui s’était engendré chez nous, et nommément par un de ces phylum qui se trouvent nous intéresser particulièrement, à savoir le phylum philosophique en tant que, je l’ai pointé l’année dernière, il est nodal pour comprendre ce dont il s’agit quant au discours du maître.

Sicher ist, dass die Schrift eine ganz entscheidende Rolle gespielt hat bei der Stützung von etwas, wozu wir eben diesen und keinen anderen Zugang haben, nämlich einer Art von Sozialstruktur, die sich sehr lange gehalten hat und von woher man bis in jüngste Zeit schließen konnte, dass es für das, was in China gestützt wurde, eine ganz andere Abstammung gab als diejenige, die bei uns entstanden ist, insbesondere durch eines dieser Phyla, das für uns von besonderem Interesse ist, das philosophische Phylum, insofern es, darauf habe ich letztes Jahr hingewiesen, einen Knotenpunkt darstellt für das Verständnis dessen, worum es beim Diskurs des Herrn geht.

Alors voilà comment s’énonce cet exergue.

So also wird diese Inschrift ausgesprochen.

.

[An der Tafel, erste Kolumne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

.

Comme je vous l’ai déjà montré au tableau la dernière fois, ceci [天] désigne le ciel, ça se dit tian.

Wie ich Ihnen bereits das letzte Mal an der Tafel gezeigt habe, bezeichnet dies [天] den Himmel, das wird tian ausgesprochen.

Tian xia [天 下], c’est « sous le ciel », « tout ce qui est sous le ciel ».

Tian xia [天 下], das bedeutet „unter dem Himmel“, „alles, was unter dem Himmel ist“.

Ici  [之] c’est un déterminatif,  zhi, il s’agit de quelque chose qui est dessous le ciel [天 下 之].

Das hier [之] ist ein Determinativ, zhi, es geht um etwas, was unter dem Himmel ist.7

Qu’est-ce qui est dessous le ciel, c’est ce qui vient après.

Was unter dem Himmel ist, ist das, was anschließend kommt.

Ce que vous voyez là [言] n’est autre chose que la désignation de la parole, que dans l’occasion nous énoncerons yan.

Was Sie da sehen [言], ist nichts anderes als die Bezeichnung des Sprechens (parole), die wir hierbei yan aussprechen.

Yan xing [言 性], je l’ai déjà mis au tableau la dernière fois, en vous signalant que ce xing, c’était justement un des éléments qui nous préoccuperont cette année, pour autant que le terme qui en approche le plus c’est celui de la nature.

Yan xing [言 性], das habe ich bereits das letzte Mal an die Tafel geschrieben und Sie dabei darauf hingewiesen, dass dieses xing eben eines der Elemente ist, die uns in diesem Jahr beschäftigen werden, insofern der Ausdruck, der ihm am nächsten kommt, der der Natur ist.

Et ye [也] est quelque chose qui conclut une phrase, sans dire à proprement parler qu’il s’agit de quelque chose de l’ordre de ce que nous énonçons « est », « être », c’est une conclusion ou disons une ponctuation, car la phrase continue ici, puisque les choses s’écrivent de droite à gauche :

Und ye [也] ist etwas, womit ein Satz abgeschlossen wird, ohne damit zu sagen, dass es sich im strengen Sinne um etwas von der Ordnung dessen handelt, was wir als „ist“ oder als „sein“ äußern; das ist ein Abschluss oder sagen wir eine Interpunktion, denn, da die Dinge8 von rechts nach links geschrieben werden, geht der Satz hier [in der zweiten Kolummne von rechts] weiter.

[An der Tafel, zweite Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

.

La phrase continue ici par un certain ze [則], qui veut dire « par conséquent », ou qui en tout cas indique le conséquent.

Der Satz wird hier mit einem ze [則] fortgesetzt, was „infolgedessen“ bedeutet oder was auf jeden Fall die Konsequenz anzeigt.

Alors, voyons donc ce dont il s’agit.

Schauen wir also, worum es sich handelt.

Yan [言] [retour à la première colonne] ne veut rien dire d’autre que « le langage », mais comme tous les termes énoncés dans la langue chinoise, c’est susceptible aussi d’être employé au sens d’un verbe, donc ça peut vouloir dire à la fois « la parole » et « ce qui parle ».

[An der Tafel, erste Kolumne von rechts]

天 下 之 言 性 也

[Tian xia zhi yan xing ye]

Yan [言] bedeutet nichts anderes als „Sprache (langage)“, aber wie alle Ausdrücke, die in der chinesischen Sprache (langue) geäußert werden, kann auch dieser Ausdruck im Sinne eines Verbs verwendet werden; das kann also zugleich „das Sprechen“ und „das, was spricht“ bedeuten.

Et qui parle quoi ?

Und das was sagt?

Ça serait dans ce cas ce qui suit, à savoir xing [性], « la nature « : « ce qui parle de la nature sous le ciel ».

Das wäre in diesem Fall das, was folgt, nämlich xing [性], „die Natur“, „das, was von der Natur unter dem Himmel spricht“.

Et ye [也] serait une ponctuation.

Und das ye [也] wäre eine Interpunktion.

Néanmoins, et c’est en cela qu’il est intéressant de s’occuper d’une phrase de la langue écrite, vous voyez que vous pourriez couper les choses autrement et dire : « la parole », voire « le langage », car s’il s’agissait de préciser la parole, nous aurions un autre caractère légèrement différent, à ce niveau tel que donc il est ici écrit, ce caractère peut aussi bien vouloir dire « parole » que « langage ».

Nichtsdestoweniger sehen Sie, und darin ist es interessant, sich mit einem Satz der geschriebenen Sprache (langue) zu befassen, dass Sie die Dinge anders schneiden könnten und sagen könnten: „das Sprechen“, ja „die Sprache (langage)“, denn wenn es darum ginge, speziell das Sprechen zu bezeichnen, hätten wir ein etwas anderes Schriftzeichen; auf der Ebene, wie es also hier geschrieben ist, kann dieses Schriftzeichen sowohl „Sprechen“ als auch „Sprache“ bedeuten.

Ces sortes d’ambiguïtés sont tout à fait fondamentales dans l’usage de ce qui s’écrit, très précisément, et c’est ce qui en fait la portée.

Mehrdeutigkeiten dieser Art sind bei der Verwendung dessen, was geschrieben wird, wirklich absolut grundlegend, und das macht seine Tragweite aus.

Puisque comme je vous l’ai fait remarquer, comme je vous l’ai fait remarquer au départ de mon discours de cette année et plus spécialement la dernière fois, c’est très précisément en tant que la référence – quant à tout ce qui est du langage – est toujours indirecte, que le langage prend sa portée.

Denn wie ich Ihnen bereits gesagt habe, wie ich Ihnen bereits zu Beginn meines Diskurses in diesem Jahr und spezieller beim letzten Mal gesagt habe, bekommt die Sprache (langage) ihre Tragweite von daher, dass bei allem, was zur Sprache gehört, die Referenz immer indirekt ist.

Nous pourrions donc dire aussi : « le langage – en tant qu’il est dans le monde, qu’il est sous le ciel –  le langage, voilà ce qui fait xing [性], la nature », car cette nature n’est pas, au moins dans Meng-tzu, n’importe quelle nature, il s’agit justement de la nature de l’être parlant, celle dont, dans un autre passage, il tient à préciser que il y a une différence entre cette nature et la nature de l’animal, une différence, ajoute-t-il, pointe-t-il en deux termes qui veulent bien dire ce qu’ils veulent dire :  « .une différence infinie ».

Wir könnten also auch sagen: „die Sprache – insofern sie in der Welt ist, unter dem Himmel ist –, die Sprache ist das, wodurch xing [性] gemacht wird, die Natur“, denn diese Natur ist nicht irgendeine Natur, zumindest bei Mengzi nicht, es geht genau um die Natur des sprechenden Wesens, desjenigen Wesens, bei dem es ihm in einer anderen Passage darum geht, zu präzisieren, dass es einen Unterschied gibt zwischen dieser Natur und der Natur des Tieres, einen Unterschied, so fügt er hinzu, so hebt er mit zwei Ausdrücken hervor, die eben das bedeuten, was sie bedeuten: „einen unendlichen Unterschied“.

Et qui peut-être est celle qui est définie là.

Und der vielleicht der ist, der dort [an der Tafel] definiert ist.

Vous le verrez d’ailleurs, que nous prenions l’une ou l’autre de ces interprétations, l’axe de ce qui va se dire comme conséquent n’en sera pas changé.

Sie werden übrigens sehen – ob wir nun die eine oder die andere Übersetzung nehmen, die Stoßrichtung dessen, was im Ergebnis gesagt wird, wird dadurch nicht verändert.

Ze [則] [retour à la 2ème colonne] donc, c’est « la conséquence », « en conséquence ».

Ze [則] also, das ist „die Folge“, „folglich“.

Gu, c’est ici [故] – gu, en conséquence, c’est « de cause », car « cause » ne veut pas dire autre chose.

Gu, das ist hier [故] – gu, „folglich“, das ist „verursacht durch“, denn „Ursache“ bedeutet nichts anderes.

Quelle que soit l’ambiguïté que un certain livre, qui est celui-ci : Mencius on the mind, à savoir un livre commis par un nommé Richards, qui n’était certainement pas le dernier venu –.

Welches auch immer die Mehrdeutigkeit sein mag, die ein bestimmtes Buch, nämlich dieses Mencius on the mind, das heißt ein Buch, erstellt von einem gewissen Richards, der sicherlich kein Neuling war –.9

Richards et Ogden sont les deux chefs de file d’une position née en Angleterre et tout à fait conforme à la meilleure tradition de la philosophie anglaise, qui ont constitué au début de ce siècle la doctrine appelée logico-positivisme, dont le livre majeur s’intitule The meaning of meaning.

Richards und Ogden waren die beiden führenden Köpfe einer aus England stammenden und mit der besten Tradition der englischen Philosophie ganz und gar übereinstimmenden Position, die zu Beginn dieses Jahrhunderts die als „logischer Positivismus“ bezeichnete Lehre entwickelt haben und deren Hauptwerk den Titel The meaning of meaning trägt.10

C’est un livre auquel vous trouverez déjà allusion dans mes Écrits avec une certaine position dépréciative de ma part.

Das ist ein Buch, auf das Sie bereits in meinen Schriften eine Anspielung finden werden, mit einer gewissen abwertenden Haltung meinerseits.11

The meaning of meaning veut dire « Le sens du sens ».

The meaning of meaning bedeutet „Der Sinn des Sinns“.

Le logico-positivisme procède de cette exigence qu’un texte ait un sens saisissable, ce qui l’amène à une position qui est celle-ci : que, un certain nombre d’énoncés philosophiques se trouvent en quelque sorte dévalorisés au principe du fait qu’ils ne donnent aucun résultat saisissable quant à la recherche du sens.

Der logische Positivismus geht von der Forderung aus, dass ein Text einen greifbaren Sinn hat, was ihn zu der Position bringt, dass eine gewisse Anzahl von philosophischen Äußerungen in gewisser Weise entwertet sind, auf Grund der Tatsache, dass sie, bei der Suche nach ihrem Sinn, kein greifbares Resultat liefern.

En d’autres termes, pour peu qu’un texte philosophique soit pris, pris en flagrant délit de non-sens, il est mis pour cela même hors de jeu.

Anders ausgedrückt, sobald ein philosophischer Text ertappt wird, bei einem Delikt des Nicht-Sinns in flagranti ertappt wird, wird er eben dafür aus dem Spiel herausgenommen.

Il n’est que trop clair que c’est là une façon d’élaguer les choses qui ne permet guère de s’y retrouver, car si nous partons du principe que quelque chose qui n’a pas de sens ne peut pas être essentiel dans le développement d’un discours, nous perdons le fil tout simplement.

Es ist nur zu klar, dass dies eine Art und Weise ist, die Dinge zusammenzustreichen, die es kaum ermöglicht, sich zurechtzufinden, denn wenn wir von dem Prinzip ausgehen, dass etwas, was keinen Sinn hat, für die Entwicklung eines Diskurses nicht wesentlich sein kann, dann verlieren wir ganz schlicht den Faden.

Je ne dis pas bien sûr qu’une telle exigence ne soit un procédé, mais que ce procédé nous interdise en quelque sorte toute articulation dont le sens n’est pas saisissable.

Ich sage natürlich nicht, dass eine solche Forderung keine Vorgehensweise wäre, sondern dass ein solches Vorgehen uns in gewisser Weise jede Artikulation verbietet, deren Sinn nicht greifbar ist.

C’est quelque chose qui, par exemple, peut aboutira à ceci, à ceci par exemple que nous ne pourrons plus faire usage du discours mathématique, dont – de l’aveu des logiciens les plus qualifiés – ce qui le caractérise, c’est que, il se peut qu’en tel ou tel de ses points, nous ne puissions plus lui donner aucun sens, ce qui ne l’empêche pas précisément d’être, de tous les discours, celui qui se développe avec le plus de rigueur.

Das ist etwas, was beispielweise dazu führen kann, dazu beispielsweise, dass wir keinen Gebrauch mehr vom mathematischen Diskurs machen können, der nach dem Zeugnis der qualifiziertesten Logiker dadurch charakterisiert ist, dass es sein kann, dass wir ihm an diesen oder jenen Punkten keinen Sinn mehr geben können, was ihn nicht daran hindert, eben derjenige Diskurs zu sein, der sich von allen Diskursen mit der größten Strenge entwickelt.

Nous nous trouvons d’ailleurs de ce fait en un point qui est tout à fait essentiel à mettre en relief concernant la fonction de l’écrit.

Von daher befinden wir uns übrigens an einem Punkt, bei dem es ganz und gar wesentlich ist, ihn hervorzuheben, und zwar im Hinblick auf die Funktion des Geschriebenen.

.

[An der Tafel, zweite und dritte Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

故 者 以 利 為 本

[Gu zhe i li wei ben.]

.

Donc, c’est de gu [故] qu’il s’agit.

Also, es geht um gu [故].

C’est de gu qu’il s’agit et en tant que i wei [以 為], car je vous ai déjà dit que ce wei qui peut dans certains cas vouloir dire « agir » voire même quelque chose qui est de l’ordre de « faire » encore que ce ne soit pas n’importe lequel.

Es geht um gu, und dies als i wei [以 為], denn ich habe Ihnen bereits gesagt, dass dieses wei, das in bestimmten Fällen „handeln“ bedeuten kann, sogar etwas bedeuten kann, was von der Ordnung des Machens ist, auch wenn das nicht jedes beliebige Machen ist.

I [以] ici a le sens de quelque chose comme « avec ».

Das i [以] hier hat die Bedeutung von so etwas wie „mit“.

C’est « avec que nous allons procéder » – comme quoi ? – comme li [利], c’est ici le mot sur lequel je vous pointe, je vous pointe ceci : que li, je le répète, que ce li, qui veut dire « gain », « intérêt », « profit ».

Das heißt „mit dem wir vorgehen werden“ – als was? als li [利], das ist hier das Wort, auf das ich zeige, ich zeige es Ihnen, dass li, ich wiederhole es, dass dieses li „Gewinn“ bedeutet, „Zins“, „Profit“.

Et la chose est d’autant plus remarquable que précisément Mencius, Mencius dans son premier chapitre, se présentant à un certain prince – peu importe duquel de ce qui constituait alors les Royaumes dits par la suite être les Royaumes combattantsse trouve auprès de ce prince – qui lui demande ses conseils – auprès de ce prince, marquer que : il n’est pas là pour lui enseigner ce qui fait notre loi présente à tous, à savoir de ce qui convient pour l’accroissement de la richesse du Royaume, et nommément de ce que nous appellerions la plus-value.

Und es ist umso bemerkenswerter, als Mencius in seinem ersten Kapitel, worin er sich einem bestimmten Prinzen vorstellt – nicht so wichtig, aus welchem der Reiche, die damals das bildeten, was man später die Streitenden Reiche nannte –, als Mencius diesem Prinzen gegenüber, der ihn um Rat bittet, diesem Prinzen gegenüber anmerkt, er sei nicht dazu da, um ihn das zu lehren, was unser Gesetz ausmacht, das allen gegenwärtig ist, also darüber, was für das Wachstums des Reichtums des Reiches günstig ist und insbesondere für das Wachstum dessen, was wir den Mehrwert nennen würden.

S’il y a un sens qu’on peut donner rétroactivement à li, c’est bien de cela qu’il s’agit.

Wenn es einen Sinn gibt, den man dem li nachträglich geben kann, dann geht es eben darum.

Or, c’est bien là qu’il est remarquable de voir que ce que marque en l’occasion Mencius, c’est que, à partir donc de cette parole qui est la nature, ou si vous voulez de la parole qui concerne la nature, ce dont il va s’agir c’est d’arriver à la cause, en tant que ladite cause, c’est li.

Nun, hier ist wirklich bemerkenswert, zu sehen, was Mencius hierbei anmerkt, nämlich dass es, ausgehend also von diesem Sprechen, das die Natur ist, oder wenn Sie so wollen von dem Sprechen, das die Natur betrifft, dass es darum gehen wird, zur Ursache zu gelangen, insofern die erwähnte Ursache das li ist.

.

[An der Tafel, zweite Kolumne von rechts]

則 故 而 已 矣

[ze gu er i i.]

.

Ce qui veut dire gu er [故 而] est quelque chose qui veut à la fois dire comme « et » et comme « mais »,

Was gu er [故 而] bedeutet, das ist etwas, was so etwas wie „und“ bedeutet und zugleich etwas wie „aber“.

Er i i [而 已 矣], « c’est seulement ça », et pour que on n’en doute pas, le i qui termine, qui est un i conclusif, ce i a le même accent que « seulement » : « c’est i, et ça suffit ».

Er i i [而 已 矣], „das ist nur das“, und damit man nicht daran zweifelt, hat das i, das am Ende steht, das ein konklusives i ist, hat dieses i denselben Akzent wie „nur“: „das ist i und das genügt“.

C’est là que je me permets en somme de reconnaître que, pour ce qui est des effets du discours, pour ce qui est dessous le ciel, ce qui en sort, en ressort n’est autre que la fonction de la cause en tant qu’elle est le plus de jouir.

Und hier erlaube ich mir, insgesamt zu erkennen, „dass, was die Wirkungen des Diskurses angeht, was das angeht, was unter dem Himmel ist, dass das, was als Triebkraft daraus hervorgeht, nichts anderes ist als die Funktion der Ursache, insofern sie die Mehrlust ist“12.

Vous verrez, à vous référer à ce texte de Meng-tzu, vous avez deux façons de le faire.

Sie werden sehen, dass Sie, um sich auf diesen Text von Mengzi zu beziehen, dafür zwei Möglichkeiten haben.

Vous le procurer d’une part dans l’édition en somme très très bonne qui en a été donnée par un jésuite de la fin du XIXème siècle, un nommé Wieger, dans une édition des Quatre Livres fondamentaux du Confucianisme.

Sie können ihn sich als einen Teil der insgesamt sehr, sehr guten Ausgabe beschaffen, die davon Ende des 19. Jahrhunderts von einem Jesuiten herausgegeben wurde, einem gewissen Wieger13, in einer Ausgabe der Quatre Livres fondamentaux du Confucianisme, der Vier grundlegenden Bücher des Konfuzianismus.

Vous avez une autre façon, c’est de vous emparer de ce Mencius on the mind qui est paru chez Kegan Paul à Londres.

Sie haben eine weitere Möglichkeit, nämlich sich dieses Mencius on the mind zu  besorgen, das bei Kegan Paul in London erschienen ist.14

Je ne sais pas s’il en existe actuellement beaucoup d’exemplaires encore available comme on dit, mais après tout ça vaut la peine de – pourquoi pas ? – d’en faire faire pour ceux qui seraient curieux de se reporter à quelque chose d’aussi fondamental, pour un certain éclairage d’une réflexion sur le langage, qu’est le travail d’un néo-positiviste et qui n’est certainement pas négligeable.

Ich weiß nicht, ob es davon zur Zeit viele Exemplare gibt, die noch available [verfügbar] sind, wie man sagt, aber schließlich lohnt es die Mühe, warum nicht?, eins zu besorgen – für diejenigen, die daran interessiert sind, sich auf etwas so Grundlegendes zu beziehen – für eine gewisse Aufhellung einer Reflexion über die Sprache, die die Arbeit eines Neopositivsten ist und die gewiss nicht zu vernachlässigen ist.

Le Mencius on the mind donc, de Richards, se procure à Londres chez Kegan Paul.

Das Mencius on the mind also, von Richards, erhält man in London bei Kegan Paul.

Tous ceux qui voudront donc de se donner la peine d’en avoir – s’ils ne peuvent pas se procurer le volume – une photocopie, peut-être n’en comprendront que mieux un certain nombre de références que j’y prendrai cette année car j’y reviendrai.

All diejenigen, die sich also die Mühe machen möchten, davon – wenn sie sich den Band nicht beschaffen können – eine Photokopie zu bekommen, werden von daher eine Reihe von Bezügen vielleicht besser verstehen, die ich hier in diesem Jahr herstellen werde, denn ich werde darauf zurückkommen.

Autre chose donc est de parler de l’origine du langage, et autre chose de sa liaison à ce que j’enseigne, à ce que j’enseigne conformément à ce que j’articule, que j’ai l’année dernière articulé comme le discours de l’analyste.

Über den Ursprung der Sprache zu sprechen, ist also etwas anderes als über ihre Verbindung mit dem zu sprechen, was ich unterrichte, mit dem, was ich unterrichte, in Übereinstimmung mit dem, was ich artikuliere, was ich im letzten Jahr als den Diskurs des Analytikers artikuliert habe.

Car vous ne l’ignorez pas, la linguistique a commencé avec Humboldt par cette sorte d’interdit : de ne pas se poser la question de l’origine du langage, faute de quoi bien sûr on s’égare.

Denn das ist Ihnen nicht unbekannt, die Sprachwissenschaft hat mit Humboldt mit einer Art von Verbot begonnen, sich die Frage nach dem Ursprung der Sprache zu stellen, andernfalls man sich gewiss verirre.

Ce n’est pas rien que quelqu’un se soit avisé en pleine période de mythification génétique – c’était le style au début du siècle XIXème – ait posé que rien à jamais, ne serait situé, fondé, articulé, concernant le langage, si on ne commençait pas d’abord par interdire les questions de l’origine.

Es ist keine Kleinigkeit, dass jemand auf den Gedanken gekommen ist, mitten in der Periode der genetischen Mythisierung – das war der Stil zu Beginn des 19. Jahrhunderts –, dass er behauptet hat, dass hinsichtlich der Sprache nichts jemals eingeordnet, begründet, artikuliert werden könne, wenn man nicht zunächst damit beginne, die Fragen nach dem Ursprung zu verbieten.

C’est un exemple qui aurait bien dû être suivi ailleurs, ça nous aurait évité bien des élucubrations du type de celles qu’on peut appeler primitivistes, il n’y a rien de tel que la référence au primitif pour « primitiver » la pensée.

Das ist ein Beispiel, dem man anderswo hätte folgen sollen, das hätte uns eine Menge Hirngespinste erspart, von der Art derjenigen, die man als primitivistisch bezeichnen kann – nichts primitivisiert das Denken so wie der Bezug aufs Primitive.

C’est elle-même qui régresse régulièrement à la mesure même de ce qu’elle prétend découvrir comme primitif.

Es ist das Denken selbst, das regelmäßig auf das Maß dessen regrediert, was es vorgibt, als primitiv zu enthüllen.

\frac {a}{\text S_2} \:^\rightarrow \, \frac {\$}{\text S_1}

Diskurs des Analytikers

 

Le discours de l’analyste – faut bien que je vous le dise, puisqu’en somme vous ne l’avez pas entendu ! – le discours de l’analyste n’est rien d’autre que la logique de l’action.

Der Diskurs des Analytikers – Ich muss es Ihnen wohl sagen, da Sie es insgesamt nicht verstanden haben –, der Diskurs des Analytikers ist nichts anderes als die Logik des Handelns.

Vous ne l’avez pas entendu – pourquoi ?

Sie haben es nicht verstanden, warum nicht?

Parce que dans ce que j’ai articulé l’année dernière avec les petites lettres au tableau sous cette forme : le a sur S2, et de ce qui se passe au niveau de l’analysant, à savoir la fonction du sujet en tant que barré [$] et en tant que ce qu’il produit, ce sont des signifiants, et pas n’importe lesquels : des signifiants maîtres [S1].

Weil in dem, was ich letztes Jahr mit den kleinen Buchstaben an der Tafel artikuliert habe, in dieser Form: das a über S2, und zu dem, was auf der Ebene des Analysanten geschieht, nämlich die Funktion des Subjekts, insofern es ausgestrichen ist [$], und insofern das, was es produziert, Signifikanten sind, und nicht irgendwelche: Herrensignifikanten [S1].

C’est parce que c’était écrit, et écrit comme ça – car je l’ai écrit à maintes reprises – c’est pour cela même que vous ne l’avez pas entendu.

Weil es geschrieben war und so geschrieben war – denn ich habe es immer wieder geschrieben –, eben deshalb haben Sie es nicht verstanden.

C’est en ça que l’écrit se différencie de la parole, et il faut y remettre de la parole et l’en beurrer sérieusement – mais naturellement non pas sans inconvénients de principe – pour qu’il soit entendu.

Darin unterscheidet sich das Geschriebene vom Sprechen, und man muss wieder Sprechen darangeben und es ernsthaft damit einfetten – aber natürlich nicht ohne grundsätzliche Schwierigkeiten –, damit es verstanden wird.

On peut écrire donc des tas de choses, sans que ça parvienne à aucune oreille.

Man kann also jede Menge Sachen schreiben, ohne dass das an irgendein Ohr gelangt.

C’est pourtant écrit.

Gleichwohl ist es geschrieben.

C’est même pour ça que mes Écrits, je les ai appelés comme ça.

Eben deshalb habe ich meine Schriften so genannt, wie ich es getan habe.

Ça a scandalisé, comme ça, du monde sensible, et pas n’importe qui.

Daran haben dann empfindsame Leute Anstoß genommen und keineswegs irgendwelche.

Il est très curieux que la personne que ça a littéralement convulsé soit une japonaise ; je commenterai ça plus tard.

Es ist sehr merkwürdig, dass die Person, bei der das buchstäblich Krämpfe hervorgerufen hat, eine Japanerin war; ich werde später noch etwas dazu sagen.

Naturellement ici ça n’a convulsé personne, la japonaise dont je parle n’est pas là.

Natürlich, hier hat das bei niemandem Krämpfe ausgelöst; die Japanerin, von der ich gesprochen habe, ist nicht da.

Et n’importe qui, qui est de cette tradition, saurait – je pense – à l’occasion comprendre pourquoi cette espèce d’effet d’insurrection s’est produit.

Und jeder Beliebige, der aus dieser Tradition kommt, könnte hierbei verstehen, denke ich, warum sich diese Art von Empörungseffekt hergestellt hat.

C’est de la parole bien sûr que se fraie la voie vers l’écrit.

Natürlich wird der Weg zum Geschriebenen vom Sprechen aus gebahnt.

Mes Écrits si je les ai intitulés comme ça, c’est qu’ils représentent une tentative, une tentative d’écrit, comme c’est suffisamment marqué par ceci que ça aboutit à des graphes.

Wenn ich meine Schriften eben so tituliert habe, dann deshalb, weil sie einen Versuch darstellen, einen Versuch in Geschriebenem, wie hinreichend dadurch angezeigt wird, dass das auf Graphen hinausläuft.

L’ennui, c’est que c’est que les gens qui prétendent me commenter partent tout de suite des graphes.

Das Ärgerliche ist, dass die Leute, die mich kommentieren wollen, gleich von den Graphen ausgehen.15

Ils ont tort, les graphes ne sont compréhensibles qu’en fonction, je dirai du moindre effet de style des dits Écrits, qui en sont en quelque sorte les marches d’accès

Sie haben Unrecht, die Graphen sind nur verständlich in Abhängigkeit, möchte ich sagen, von der kleinsten Stilwirkung der erwähnten Schriften, die dafür gewissermaßen die Zugangsstufen bilden.

Moyennant quoi l’écrit – l’écrit repris à soi tout seul, qu’il s’agisse de tel ou tel schéma, celui qu’on appelle L ou n’importe quoi, ou du grand graphe lui-même – présente l’occasion de toutes sortes de malentendus.

Wodurch das Geschriebene – das Geschriebene für sich allein genommen, ob es nun um dieses Schema geht oder um jenes, um dasjenige, das man L nennt, oder um welches auch immer oder um den großen Graphen selbst – Gelegenheit für alle Arten von Missverständnissen bietet.

C’est d’une parole qu’il s’agit, en tant bien sûr et pourquoi, qu’elle tend à frayer la voie à ces graphes qu’il s’agit.

Worum es geht, ist ein Sprechen, natürlich insofern und weil es darauf abzielt, den Weg zu diesen Graphen zu bahnen, darum geht es.

Mais il convient de ne pas oublier cette parole, pour la raison qu’elle est celle même ce qui se réfléchit de la règle analytique, qui est comme vous le savez : « parlez, parlez, pariez16 ».

Man sollte dieses Sprechen aber nicht vergessen, deshalb nicht, weil es eben dieses Sprechen ist, das von der analytischen Regel reflektiert wird, die da – wie Sie wissen – lautet: „Sprechen Sie, sprechen Sie, wetten Sie.“

Il suffit que vous paroliez, voilà la boîte d’où sortent tous les dons du langage, c’est une boîte de Pandora.

Es genügt, dass Sie schwatzen, das ist die Büchse, aus der alle Gaben der Sprache kommen, das ist eine Büchse der Pandora.

Quel rapport donc, avec ces graphes ?

Welche Beziehung also zu diesen Graphen?

Ces graphes bien sûr – personne n’a encore osé aller jusque-là – ces graphes ne vous indiquent en rien quoi que ce soit qui permette de faire retour à l’origine du langage.

Diese Graphen natürlich – noch nie hat jemand gewagt, so weit zu gehen –, diese Graphen zeigen Ihnen keineswegs irgendwas an, was es gestatten würde, zum Ursprung der Sprache zurückzukehren.

S’il y a une chose qui y paraît tout de suite c’est que non seulement ils ne la livrent pas, mais qu’ils ne la promettent pas non plus.

Wenn es eins gibt, was sich hier sofort zeigt, dann ist es dies, dass die Graphen ihn nicht nur nicht liefern, sondern dass sie ihn auch nicht versprechen.

Ce dont il va s’agir aujourd’hui est de la situation par rapport à la vérité qui résulte de ce qu’on appelle « la libre association », autrement dit un libre emploi de la parole.

Das, worum es heute gehen wird, ist die Situation im Verhältnis zu der Wahrheit, die aus dem hervorgeht, was man freie Assoziation nennt, anders gesagt, aus einer freien Verwendung des Sprechens.

Je n’en ai jamais parlé qu’avec ironie : il n’y a pas plus de libre association qu’on ne pourrait dire qu’est libre une variable liée dans une fonction mathématique, et la fonction définie par le discours analytique n’est bien évidemment pas libre, elle est liée.

Darüber habe ich immer nur mit Ironie gesprochen; es gibt genauso wenig freie Assoziation wie man sagen könnte, dass in einer mathematischen Funktion eine gebundene Variable frei ist; und die vom analytischen Diskurs definierte Funktion ist offenkundig nicht frei, sie ist gebunden.

Elle est liée par des conditions que je désignerai rapidement comme celles du cabinet analytique.

Sie ist durch Bedingungen gebunden, die ich auf die Schnelle als die des psychoanalytischen Kabinetts bezeichnen möchte.

À quelle distance est mon discours analytique, tel qu’il est ici défini par cette disposition écrite, à quelle distance est-il du cabinet analytique, c’est précisément ce qui constitue ce que nous appellerons mon dissentiment d’avec un certain nombre de cabinets analytiques.

In welchem Abstand mein analytischer Diskurs, wie er hier durch diese geschriebene Bestimmung definiert ist, in welchem Abstand er vom psychoanalytischen Kabinett ist, das bildet genau das, was wir meine Meinungsverschiedenheit mit einer gewissen Anzahl von psychoanalytischen Kabinetten nennen werden.

Aussi cette définition du discours analytique – pour pointer là où j’en suis – ne leur paraît pas s’accommoder aux conditions du cabinet analytique.

Auch scheint diesen Leuten diese Definition des analytischen Diskurses – um anzuzeigen, wo ich damit stehe – nicht an die Bedingungen des analytischen Kabinetts angepasst zu sein.

Or, ce que mon discours dessine, disons à tout le moins, livre une partie des conditions qui constituent le cabinet analytique.

Nun, was mein Diskurs umreißt, das liefert, sagen wir, zumindest einen Teil der Bedingungen, die das analytische Kabinett konstituieren.

Mesurer ce qu’on fait quand on entre dans une psychanalyse, c’est quelque chose qui a bien son importance, mais en tout cas, quant à moi, qui s’indique dans le fait que je procède toujours à de nombreux entretiens préliminaires.

Zu ermessen, was man tut, wenn man sich in eine Psychoanalyse begibt, das ist etwas, was wirklich Gewicht hat, was aber, was mich angeht, jedenfalls dadurch angezeigt wird, dass ich stets zahlreiche vorbereitende Gespräche führe.

Une personne pieuse que je ne désignerai pas autrement, trouvait – paraît-il – aux derniers échos, enfin à des échos d’il y a trois mois, au moins y avait-il une gageure intenable pour elle à fonder le transfert sur le sujet supposé savoir, puisque par ailleurs la méthode implique qu’il se soutienne d’une absence totale de préjugés quant au cas.

Eine fromme Person, die ich nicht anders bezeichnen werde, fand, so scheint es den letzten Echos zufolge, das heißt nach den Echos von vor drei Monaten, zumindest war es für sie ein unhaltbares Unterfangen, die Übertragung auf das Subjekt, dem Wissen unterstellt wird (sujet supposé savoir), zu gründen, da die Methode andererseits impliziert, dass die Übertragung sich, bezogen auf den einzelnen Fall, auf die vollständige Abwesenheit von Vorannahmen stützt.17

Le sujet supposé savoir quoi ?, alors me permettrai-je de demander à cette personne si le psychanalyste doit être supposé savoir ce qu’il fait et s’il le sait effectivement ?

Das Subjekt, dem unterstellt wird, was zu wissen?, würde ich mir erlauben, diese Person zu fragen – ob dem Psychoanalytiker unterstellt werden soll zu wissen, was er tut, und ob er es tatsächlich weiß?

À partir de là on comprendra que je pose d’une certaine façon mes questions sur le transfert dans La direction de la cure par exemple, qui est un texte auquel je vois avec plaisir que dans mon école, puisqu’il se passe quelque chose de nouveau, c’est que dans mon école on se met à travailler au titre d’une école, c’est là quand même un pas quand même assez nouveau pour être relevé, j’ai pu constater non sans plaisir qu’on s’était aperçu que dans ce texte, je ne tranche aucunement de ce qu’est le transfert.

Von da aus wird man verstehen, dass ich meine Fragen zur Übertragung auf eine bestimmte Weise stelle, etwa in Die Lenkung der Kur18, was ein Text ist, bei dem ich mit Vergnügen sehe, dass in meiner Schule – denn es geschieht etwas Neues, nämlich dass man sich in meiner Schule unter dem Titel einer Schule an die Arbeit macht, das ist immerhin ein Schritt, der immerhin ziemlich neu ist, so dass man ihn hervorheben sollte –, ich habe nicht ohne Vergnügen feststellen können, dass man erkannt hat, dass ich in diesem Text, was die Übertragung angeht, keineswegs zu einer Entscheidung komme.

C’est très précisément en disant le sujet supposé savoir tel que je le définis, que la question est … tout à fait reste entière de savoir si l’analyste peut être supposé savoir ce qu’il fait.

Eben dadurch, dass man sagt, „das Subjekt, dem Wissen unterstellt wird“, so wie ich es definiere, ist die Frage –, bleibt die Frage völlig offen, ob dem Analytiker unterstellt werden kann, zu wissen, was er tut.

Pour en quelque sorte prendre au départ, départ de ce qui aujourd’hui va être énoncé, et pour lequel ce petit caractère chinois : 厶 (si).

si-ohne-ziffern

si

Um es in gewisser Weise als Ausgangspunkt zu nehmen, als Ausgangspunkt für das, was heute geäußert werden wird und wofür dieses kleine chinesische Schriftzeichen: 厶 (si) –.

Car c’en est un… je regrette beaucoup que la craie ne me permette pas de mettre les accents que permet le pinceau …c’en est un qui a un sens, pour satisfaire aux exigences des logico-positivistes, c’est un sens dont vous allez voir qu’il est pleinement ambigu puisqu’il veut à la fois dire « retors », qu’il veut dire aussi « personnel », au sens de « privé », et puis il en a encore quelques autres.

Denn das ist eines davon – ich bedaure sehr, dass die Kreide es mir nicht erlaubt, die Akzente zu setzen, die der Pinsel erlaubt –, das ist eines davon, das einen  Sinn hat, um den Forderungen der logischen Positivisten zu genügen, das ist ein Sinn, von dem Sie sehen werden, dass er ganz und gar mehrdeutig ist, da es zugleich „durchtrieben“ bedeutet, dass es außerdem „persönlich“ im Sinne von „privat“ bedeutet, und dann hat es noch einige weitere Bedeutungen.

Mais ce qui me paraît remarquable, c’est sa forme écrite, et sa forme écrite va me permettre tout de suite de vous dire où se placent les termes autour desquels va tourner mon discours d’aujourd’hui.

Was mir aber bemerkenswert scheint, ist seine geschriebene Form, und seine geschriebene Form wird mir sogleich erlauben, Ihnen zu sagen, wo die Termini verortet sind, um die herum mein Diskurs sich heute drehen wird.

Si nous placions quelque part ici ce que j’appelle au sens le plus large – vous allez voir que c’est large, je dois dire que je n’ai pas besoin, il me semble, de le souligner – les effets de langage, c’est ici que nous aurions à mettre ce dont il s’agit, à savoir où ils prennent leur principe.

siWenn wir hier irgendwo das platzieren, was ich im weitesten Sinne folgendermaßen nenne – Sie werden sehen, dass das weit ist, ich muss sagen, dass mir nicht notwendig zu sein scheint, das ich das hervorhebe – : die Wirkungen der Sprache, dann können wir hier das hinsetzen, worum es geht, nämlich wo sie ihr Prinzip hernehmen.

Là où ils prennent leur principe, c’est en cela que le discours analytique est révélateur de quelque chose, qu’il est un pas.

Da, wo sie ihr Prinzip hernehmen, in Bezug darauf enthüllt der analytische Diskurs etwas, dass er ein Nicht / ein Schritt (un pas) ist.19

Je vais essayer de le rappeler, encore qu’il s’agisse pour l’analyse de vérités premières.

Ich werde versuchen, das in Erinnerung zu rufen, auch wenn es für die Analyse um erste Wahrheiten geht.

C’est par là que je vais commencer tout de suite.

Von da werde ich sogleich ausgehen.

Nous aurions ici alors le fait de l’écrit.

Hier hätten wir dann das Faktum des Geschriebenen.

Il est très important à notre époque, et à partir de certains énoncés qui ont été faits et qui tendent à établir de très regrettables confusions, de rappeler que tout de même l’écrit est non pas premier mais second par rapport à toute fonction du langage, et que néanmoins sans l’écrit, il n’est d’aucune façon possible de revenir à questionner ce qui résulte au premier chef de l’effet de langage comme tel, autrement dit de l’ordre symbolique, c’est à savoir la dimension pour vous faire plaisir, mais vous savez que j’ai introduit le terme de demansion, la demansion, la résidence, le lieu de l’Autre de la vérité.

Heutzutage ist es wichtig – ausgehend von bestimmten Äußerungen, die gemacht worden sind und die darauf hinauslaufen, sehr bedauerliche Verwirrungen zu stiften –, daran zu erinnern, dass das Geschriebene trotz allem im Verhältnis zu jedweder Sprachfunktion nicht primär ist, sondern sekundär, dass es aber gleichwohl ohne das Geschriebene in keiner Weise möglich ist, auf das zurückzukommen, das zu befragen, was sich in erster Linie aus der Wirkung der Sprache als solcher ergibt, anders gesagt aus der symbolischen Ordnung20, das heißt der Dimension, um Ihnen Vergnügen zu bereiten – aber Sie wissen, dass ich den Ausdruck der demansion eingeführt habe21: der demansion, die Wohnung, der Ort des Anderen der Wahrheit.

Je sais que cette « demansion »  a fait question pour certains, les échos m’en sont revenus.

Ich weiß, dass diese demansion bei einigen Fragen aufgeworfen hat; die Echos davon sind mir zu Ohren gekommen.

Eh bien si « demansion » est en effet un terme nouveau que j’ai fabriqué et s’il n’a pas encore de sens, eh bien ça veut dire que c’est à vous que ça revient de lui en donner un.

Nun ja, wenn demansion tatsächlich ein neuer Ausdruck ist, den ich fabriziert habe, und wenn er noch keinen Sinn hat, nun, dann heißt das, dass es Ihnen zukommmt, ihm einen Sinn zu geben.

Interroger la demansion de la vérité, de la vérité dans sa demeure, c’est quelque chose – là est le terme, la nouveauté de ce que j’introduis aujourd’hui – qui ne se fait que par l’écrit, et par l’écrit en tant que ceci : qu’il n’est que de l’écrit que se constitue la logique.

Die demansion der Wahrheit zu  befragen, der Wahrheit in ihrer Bleibe, das ist etwas – da ist der Terminus, die Neuheit dessen, was ich heute einführe –, was nur durch das Geschriebene gemacht wird, durch das Geschriebene, insofern es so ist, dass nur vom Geschriebenen her die Logik konstituiert wird.

Voici ce que j’introduis en ce point de mon discours de cette année, il n’y a de question logique qu’à partir de l’écrit, en tant que l’écrit n’est justement pas le langage.

Hier also das, was ich an diesem Punkt meines diesjährigen Diskurses einführe: Eine Frage der Logik gibt es nur ausgehend vom Geschriebenen, insofern das Geschriebene gerade nicht die Sprache (langage) ist.

Et c’est en cela que j’ai énoncé qu’il n’y a pas de métalangage, que l’écrit même en tant qu’il se distingue du langage est là pour nous montrer que, si c’est de l’écrit que s’interroge le langage, c’est justement en tant que l’écrit ne l’est pas, mais qu’il ne se construit, ne se fabrique, que de sa référence au langage.

Und darauf bezieht sich meine Aussage, dass es keine Metasprache gibt, dass nämlich das Geschriebene, insofern es sich von der Sprache unterscheidet, da ist, um uns zu zeigen, dass die Sprache insofern vom Geschriebenen her befragt wird, als das Geschriebene nicht die Sprache ist, es aber nur konstruiert wird, nur fabriziert wird von seinem Bezug auf die Sprache her.22

Après avoir posé ceci qui a l’avantage de vous frayer ma visée, mon dessein, je repars de ceci qui concerne ce point :

Nachdem ich dies dargelegt habe, was den Vorteil hat, Ihnen mein Ziel, meine Absicht zugänglich zu machen, gehe ich wieder von dem aus, was sich auf diesen Punkt bezieht.

Ce point qui est de l’ordre de cette surprise par où se signale l’effet de rebroussement dont j’ai essayé de définir la jonction de la vérité au savoir, et que j’ai énoncé en ces termes,  qu’il n’y a pas de rapport sexuel chez l’être parlant.

Dieser Punkt, der von der Ordnung jener Überraschung ist, durch welche der Umkehreffekt signalisiert wird, dessen Verbindung der Wahrheit mit dem Wissen ich zu definieren versucht habe, und den ich mit diesen Ausdrücken formulierte habe, dass es beim sprechenden Wesen kein sexuelles Verhältnis gibt.

23

Il y a eu une première condition qui pourrait tout de suite nous le faire voir, c’est que le rapport sexuel, comme tout autre rapport, au dernier terme ça ne subsiste que de l’écrit.

Es hat eine erste Bedingung gegeben, die uns das sofort sehen lassen könnte, nämlich dass das sexuelle Verhältnis, wie jedes anderes Verhältnis, letztlich nur vom Geschriebenen her Bestand hat.

L’essentiel du rapport, c’est une application, a appliqué sur b [a → b], et si vous ne l’écrivez pas a et b, vous ne tenez pas le rapport en tant que tel.

Das Wesentliche des Verhältnisses ist eine Abbildung, a wird abgebildet auf b [a → b], und wenn Sie es nicht a und b schreiben, haben Sie es nicht mit dem Verhältnis als solchem zu tun.24

Ça ne veut pas dire qu’il ne se passe pas des choses dans le réel.

Das besagt nicht, dass sich im Realen nicht Dinge ereignen.

Mais au nom de quoi l’appelleriez-vous rapport ?

Aber mit welchem Recht würden Sie das als Verhältnis bezeichnen?

Cette chose, grosse comme tout, suffirait déjà à rendre, disons concevable, qu’il n’y ait pas de rapport sexuel, mais ça ne trancherait en rien le fait qu’on n’arrive pas à l’écrire.

Diese grobgestrickte Sache würde bereits hinreichen, um, sagen wir, begreiflich zu machen, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt, aber das würde nichts daran ändern, dass es einem nicht gelingt, es zu schreiben.

Je dirai même plus, il y a quelque chose qu’on a fait déjà depuis un bout de temps, c’est de l’écrire comme ça : ♂ → ♀, en se servant de petits signes planétaires, à savoir rapport de ce qui est mâle à ce qui est femelle.

Außerdem möchte ich sagen, es gibt etwas, was man bereits seit geraumer Zeit tut, dass man es nämlich so schreibt: ♂ ♀, wobei man sich kleiner Planetenzeichen bedient, also das Verhältnis dessen, was männlich ist, zu dem, was weiblich ist.

Et je dirai même que depuis un certain temps, grâce au progrès qu’a permis l’usage du microscope, car n’oublions pas qu’avant Swammerdam, on ne pouvait en avoir aucune espèce d’idée.

Und ich möchte sogar sagen, dass seit einiger Zeit, dank des Fortschritts, den der  Gebrauch des Mikroskop ermöglicht hat –; denn vergessen wir nicht, dass man vor Swammerdam nicht die geringste Vorstellung davon haben konnte.25

Ceci peut sembler articuler le fait que le rapport, si complexe soit-il, n’est-ce pas, si méiotique qu’en soit le procès par où des cellules dites gonadiques donnent un modèle de la fécondation d’où procède la reproduction, eh bien, il semble qu’en effet quelque chose soit là fondé, établi, qui permette de situer à un certain niveau dit biologique ce qu’il en est du rapport sexuel.

Damit kann, so scheint es, die Tatsache artikuliert werden, dass das Verhältnis – so komplex es sein mag, nicht wahr, so meiotisch der Vorgang dabei sein mag, durch den die sogenannten gonadischene Zellen ein Modell für die Befruchtung liefern, von der die Fortpflanzung ausgeht –, nun, es scheint, dass da tatsächlich etwas gegründet ist, etabliert ist, was es erlaubt, auf einer bestimmten, als biologisch bezeichneten Ebene das zu verorten, worum es beim sexuellen Verhältnis geht.

L’étrange assurément – et après tout, mon Dieu, pas tellement tel, mais je voudrais évoquer pour vous la dimension d’étrangeté de la chose – c’est que la dualité et la suffisance de ce rapport ont depuis toujours leur modèle, je vous l’ai évoqué la dernière fois à propos des petits signes chinois.

Das Seltsame ist sicherlich – und letztlich, mein Gott, so sehr nun auch wieder nicht, aber ich möchte Ihnen die Dimension der Seltsamkeit der Sache vor Augen führen –, dass die Dualität und die Suffizienz dieses Verhältnisses immer schon ihr Modell haben, ich habe Ihnen das beim letzten Mal in Erinnerung gerufen, anlässlich der kleinen chinesischen Zeichen.

Il y en a un là… je me suis tout d’un coup impatienté de vous montrer des signes, ça avait l’air d’être fait uniquement pour vous épater …eh ben, le yin que je ne vous ai pas fait la dernière fois, le voilà :  陰, et le yang, voilà , je le répète n’est-ce pas, voilà, un autre petit trait ici: 陽.

Es gibt hier eines davon – ich wurde plötzlich ungeduldig, Ihnen Zeichen zu zeigen, das sah so aus, als diente das einzig dazu, Sie zu beeindrucken –, nun, das yin, das ich Ihnen das letzte Mal nicht angeschrieben habe, das ist hier: 陰, und das yang, so, ich wiederhole es, nicht wahr, so, noch ein kleiner Strich hier: 陽.

Le yin et le yang, les principes mâle et femelle, voilà ce qui après tout n’est pas particulier à la tradition chinoise, voilà ce que vous retrouvez dans toute espèce de cogitation concernant les rapports de l’action et de la passion, concernant le formel et le substantiel, concernant Purusha, l’esprit, et Prakriti, je ne sais quelle matière femellisée.

Das yin und das yang, das männliche und das weibliche Prinzip, das ist schließlich keine Eigentümlichkeit der chinesischen Tradition, das ist etwas, was Sie überall wiederfinden, in jeder Art des Nachdenkens über die Verhältnisse von Aktion und Passion, über das Formale und das Substantielle, über Purusha, den Geist, und Prakriti, irgendeine verweiblichte Materie.26

Le modèle général de ce rapport du mâle au femelle est bien ce qui hante depuis toujours, depuis longtemps le repérage, le repérage de l’être parlant concernant les forces du monde, celles qui sont tian xia, sous le ciel.

Dieses allgemeine Modell des Verhältnisses von Männlichem und Weiblichem ist eben das, was seit je, seit langem die Situierung heimsucht, die Situierung des sprechenden Wesens in Bezug auf die Kräfte der Welt, diejenigen, die tian xia sind, unter dem Himmel.

Il convient de marquer ceci de tout à fait nouveau, ce que j’ai appelé l’effet de surprise : de comprendre ce qui est sorti, quoi que cela vaille, du discours analytique, c’est qu’il est intenable d’en rester d’aucune façon à cette dualité comme suffisante.

Man sollte das ganz und gar Neue hervorheben, das, was ich den Überraschungseffekt genannt habe, man sollte begreifen, was aus dem analytischen Diskurs hervorgegangen ist, was immer es wert sein mag, dass es nämlich unhaltbar ist, in irgendeiner Weise an dieser Dualität als etwas Hinreichendem festzuhalten.

C’est que la fonction dite du phallus… qui est à vrai dire la plus maladroitement maniée, mais qui est là, qui fonctionne dans ce qu’il en est, non pas seulement d’une expérience, liée à ce je ne sais quoi qui serait à considérer comme déviant, comme pathologique, mais qui est essentiel comme tel à l’institution du discours analytique …cette fonction du phallus rend désormais intenable cette bipolarité sexuelle, et intenable d’une façon qui littéralement volatilise ce qu’il en est de ce qui peut s’écrire de ce rapport.

Das heißt, dass die sogenannte Funktion des Phallus – die nun wirklich diejenige ist, die höchst unbeholfen gehandhabt wird, die aber da ist, die in dem, warum es geht, funktioniert, nicht nur von einer Erfahrung her, die mit etwas verbunden ist, das als abweichend, als pathologisch anzusehen wäre, sondern <von einer Erfahrung her>, die als solche für die Einsetzung des analytischen Diskurses wesentlich ist –, durch diese Funktion des Phallus ist seither die sexuelle Bipolarität unhaltbar, auf eine Weise unhaltbar, durch die sich buchstäblich das verflüchtigt, worum es bei dem geht, was über dieses Verhältnis geschrieben werden kann.

Il faut distinguer ce qu’il en est de cette intrusion du phallus, de ce que certains ont cru pouvoir traduire du terme de « manque de signifiant ».

Man muss das, worum es bei dieser Intrusion des Phallus geht, von dem unterscheiden, was einige glaubten, mit dem Ausdruck „Signifikantenmangel“ übersetzen zu können.

Ça n’est pas du manque de signifiant qu’il s’agit, mais de l’obstacle fait à un rapport.

Worum es geht, ist nicht ein Signifikantenmangel, sondern etwas, was das Hindernis für ein Verhältnis bildet.

Le phallus, en mettant l’accent sur un organe, ne désigne nullement l’organe dit « pénis », avec sa physiologie, ni même la fonction qu’on peut – ma foi ! – lui attribuer avec quelque vraisemblance, comme étant celle de la copulation.

Der Phallus, auch wenn die Betonung auf ein Organ gelegt wird, bezeichnet keineswegs das „Penis“ genannte Organ mit seiner Physiologie und auch nicht die Funktion, die man ihm, sicherlich mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, als die der Begattung zuschreiben kann.

Il vise de la façon la moins ambiguë, si on se rapporte aux textes analytiques, son rapport à la jouissance.

Er zielt auf ganz unzweideutige Weise, wenn man sich auf die analytischen Texte bezieht, auf sein Verhältnis zum Genießen.

Et c’est en cela qu’ils le distinguent de la fonction physiologique : il y a – c’est cela qui se pose comme constituant la fonction du phallus – il y a une jouissance qui constitue dans ce rapport, différent du rapport sexuel, – quoi ? – ce que nous appellerons sa condition de vérité.

Und darin unterscheiden sie ihn von der physiologischen Funktion: Es gibt – das ist das, wovon angenommen wird, dass es die Funktion des Phallus konstituiert –, es gibt ein Genießen, das in diesem Verhältnis, das sich vom sexuellen Verhältnis unterscheidet, was konstituiert?, das, was wir seine Wahrheitsbedingung nennen werden.

L’angle sous lequel est pris l’organe, qui au regard de ce qu’il en est de l’ensemble des vivants n’est nullement lié à cette forme particulière.

Der Blickwinkel, unter dem das Organ erfasst wird, das, verglichen mit dem, was es damit bei der Gesamtheit der Lebewesen auf sich hat, keineswegs an diese besondere Form gebunden ist –.

Si vous saviez la variété des organes de copulation qui existe chez les insectes, vous pourriez… ce qui est après tout le principe de ce qui est toujours d’un bon usage, à savoir l’étonnement, pour interroger le réel …vous pourriez certainement en effet vous étonner que ce soit particulièrement comme ça que ça fonctionne chez les vertébrés.

Wenn Sie die Vielfalt der Begattungsorgane kennen würden, die es bei den Insekten gibt, könnten Sie –  das ist immerhin das Prinzip von etwas, was immer von Nutzen ist, nämlich das Erstaunen, um das Reale zu befragen –, könnten Sie sicherlich darüber staunen, dass es bei den Wirbeltieren auf diese spezielle Weise funktioniert.

Il s’agit ici de l’organe en tant… il faut bien qu’ici j’aille vite, car je ne vais pas enfin… m’éterniser, tout reprendre, qu’on se reporte aux textes dont je parlais tout à l’heure : La Direction de la Cure et les Principes de son Pouvoir …le phallus c’est l’organe en tant qu’il est – e.s.t : il s’agit de l’être – en tant qu’il est la jouissance féminine.

Es handelt sich hier um das Organ, insofern – ich muss hier wohl zügig vorangehen, denn schließlich will ich mich nicht ewig dabei aufhalten und alles wiederaufnehmen, man möge sich auf die Texte beziehen, über die ich eben gesprochen habe, Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht; der Phallus, das ist das Organ, insofern er das weibliche Genießen ist – ist, es geht um das Sein.

Voilà où et en quoi réside l’incompatibilité de l’être et de l’avoir.

Darauf beruht und darin besteht die Unvereinbarkeit von Sein und Haben.

Dans ce texte, ceci est répété avec une certaine insistance, et en y mettant certains accents de style, dont je répète qu’ils sont aussi importants pour cheminer que les graphes à quoi ils aboutissent.

In diesem Text wird das mit einer gewissen Beharrlichkeit wiederholt, wobei gewisse stilistische Akzente gesetzt werden, wozu ich wiederhole, dass sie, um voranzukommen, ebenso wichtig sind wie die Graphen, zu denen sie hinführen.

Et voilà, j’avais en face de moi, comme ça au fameux Congrès de Royaumont, quelques personnes qui ricanaient : Enfin si tout est là, s’il s’agit de l’être et de l’avoir, ça leur paraissait n’avoir pas grande portée, l’être et l’avoir on les choisit hein !

Und dann hatte ich da auf dem berühmten Kongress von Royaumont27 einige Leute vor mir, die sich lustig machten: Nun ja, wenn das alles ist, wenn es um Sein und Haben geht, das schien Ihnen keine große Tragweite zu haben, das Sein und das Haben, man wählt sie, nicht wahr.

C’est pourtant ça qui s’appelle la castration.

Das ist jedoch das, was Kastration genannt wird.

Ce que je propose est ceci, c’est de poser que le langage – n’est-ce pas, nous le mettons là – a son champ réservé dans cette béance du rapport sexuel , telle que la laisse ouverte le phallus.28

Was ich vorschlage, ist Folgendes, nämlich zu postulieren, dass die Sprache (langage) – nicht wahr, wir setzen sie hierhin – das ihr vorbehaltene Feld in dieser Kluft des sexuellen Verhältnisses hat , wie der Phallus es offenlässt.29

En posant que ce qu’il y introduit : ça n’est, non pas deux termes qui se définissent du mâle et du femelle, mais de ce choix qu’il y a entre des termes d’une nature et d’une fonction bien différentes qui s’appellent l’être et l’avoir.

Wobei angenommen wird, dass das, was er hier einführt, keineswegs zwei Termini sind, die vom Männchen und vom Weibchen her definiert sind, sondern von einer Wahl her, die es zwischen Termini gibt, die eine ganz andere Natur und Funktion haben und die „Sein“ und „Haben“ genannt werden.

Ce qui le prouve, ce qui le supporte, ce qui rend absolument évidente, définitive, cette distance, c’est ceci – ceci dont il ne semble pas qu’on ait remarqué la différence – c’est la substitution au rapport sexuel de ce qui s’appelle la loi sexuelle.

Wodurch dieser Abstand bewiesen wird, was ihn stützt, was ihn absolut evident und definitiv macht, ist Folgendes – wobei man den Unterschied offenbar nicht bemerkt hat –, nämlich die Ersetzung des sexuellen Verhältnisses durch das, was sexuelles Gesetz genannt wird.

C’est là qu’est cette distance où s’inscrit qu’il n’y a rien de commun entre ce qu’on peut énoncer d’un rapport qui ferait loi en tant qu’il relève, sous une forme quelconque, de l’application telle qu’au plus près la serre la fonction mathématique, et une loi qui est cohérente à tout le registre de ce qui s’appelle le désir, de ce qui s’appelle interdiction, de ce qui souligne que c’est de la béance même de l’interdiction inscrite que relève la conjonction, voire l’identité – comme j’ai osé l’énoncer – de ce désir et de cette loi.

Eben da ist der Abstand, in den sich einschreibt, dass es nichts Gemeinsames gibt zwischen <einerseits> dem, was man über ein Verhältnis aussagen kann, das insofern ein Gesetz bilden würde, als es in irgendeiner Form von der Abbildung abhinge, wie sie am ehesten von der mathematischen Funktion erfasst wird30, und <andererseits> einem Gesetz, das mit dem gesamten Register dessen zusammenhängt, was sich Begehren nennt, was sich Untersagung nennt, dessen, wodurch herausgestellt wird, dass die Verbindung, ja die Identität – wie ich zu sagen gewagt habe – dieses Begehrens und dieses Gesetzes genau von der  Kluft des eingeschriebenen Gesetzes abhängt.

Et ce qui pose corrélativement pour tout ce qui relève de l’effet de langage, de tout ce qui instaure la demansion de la vérité d’une structure de fiction.

Und das, wodurch entsprechend postuliert wird, für all das, was von der Sprachwirkung abhängt, von all dem, wodurch die demansion der Wahrheit von einer Fiktionstruktur her eingesetzt wird –.

La corrélation de toujours du rite et du mythe, dont c’est faiblesse ridicule de dire que le mythe serait simplement le commentaire du rite, ce qui est fait pour le soutenir, pour l’expliquer.

Die althergebrachte Entsprechung von Ritus und Mythos – es ist eine lächerliche Schwachheit, darüber zu sagen, der Mythos sei einfach der Kommentar des Rituals, etwas, was dazu dient, es zu stützen, es zu erklären.

Alors que c’en est, selon une topologie qui est celle à laquelle j’ai fait depuis assez longtemps déjà un sort pour n’avoir pas besoin de la rappeler, le rite et le mythe sont comme l’endroit et comme l’envers, à cette condition que cet endroit et cet envers soient en continuité.

Wo sie sich doch gemäß einer Topologie zueinander verhalten, über die ich mich bereits seit längerem ausführlich verbreitet habe, sodass ich nicht daran erinnern muss: Ritual und Mythos sind wie Vorderseite und Rückseite, unter der Bedingung, dass Vorder- und Rückseite kontinuierlich miteinander verbunden sind.

Le maintien dans le discours analytique de ce mythe résiduel qui s’appelle celui de l’Œdipe, Dieu sait pourquoi, qui est en fait celui de Totem et Tabou où s’inscrit ce mythe tout entier de l’invention de Freud, du père primordial en tant qu’il jouit de toutes les femmes, c’est tout de même là que nous devons interroger d’un peu plus loin, de la logique, de l’écrit, ce qu’il veut dire.

Dass im analytischen Diskurs dieser Restmythos aufrechterhalten wird, der als derjenige des Ödipus bezeichnet wird, Gott weiß warum, der aber tatsächlich der aus Totem und Tabu ist, wo dieser Mythos verzeichnet ist, der ganz und gar Freuds Erfindung ist, der des Urvaters, insofern er alle Frauen genießt, das ist der Punkt, den wir daraufhin befragen müssen – aus etwas größerer Entfernung, von der Logik her, vom Geschriebenen her –, was er bedeutet.31

Il y a bien longtemps que j’ai introduit ici le schéma de Peirce concernant les propositions en tant qu’elles se divisaient en quatre : en universelles, particulières, affirmatives et négatives, les deux termes, les deux couples de termes s’échangeant.

schema-von-peirce

Quadrantenschema von Peirce

Schon vor ziemlich langer Zeit habe ich hier das Schema von Peirce über die Aussagen eingeführt, insofern sie sich in vier Gruppen aufteilen: in universale, partikuläre, bejahende und verneinende, wobei die beiden Termini, die beiden Paare von Termini untereinander ausgetauscht werden.32

Chacun sait que de dire que : « tout x est y », si le schéma de Peirce – Charles Sanders – a un intérêt, c’est de le montrer, c’est que de définir comme nécessaire que tout quelque chose soit pourvu de tel attribut, est une position universelle parfaitement recevable sans qu’il y ait pour autant aucun x.

Jeder weiß, wenn man sagt, „alle x sind y“, wenn das Schema von Peirce – Charles Sanders – von Interesse ist, dann, um aufzuzeigen, um als notwendig zu definieren, <dass die Aussage>, dass jedes Etwas mit irgendeinem Attribut ausgestattet ist, auch dann, wenn es überhaupt kein x gibt, eine völlig zulässige universale Position ist.

Dans la petite formule, le petit schéma de Peirce, je vous rappelle : ici [2] nous avons un certain nombre de traits verticaux, ici [1 et 4] nous n’en avons aucun, ici [3] nous avons un petit mélange des deux, et que c’est du chevauchement de deux de ces cases que résulte la spécificité de telle ou telle de ces propositions, et que c’est à rassembler ces deux quadrants [1 et 2] qu’on peut dire : tout trait est vertical, s’il n’est pas vertical, il n’y a pas de trait.

In der kleinen Formel, dem kleinen Schema von Peirce, ich erinnere Sie daran, haben wir hier [2] eine Reihe von vertikalen Strichen, hier [1 und 4] haben wir keine vertikalen Striche, <hier [4] haben wir schräge Striche>, hier [3] haben wir eine kleine Mischung aus beiden, und daran, dass die Spezifik dieser oder jener Aussage sich aus der Verbindung von zweien dieser Felder ergibt, und dass man, wenn man die beiden Quadranten [1 und 2] zusammennimmt, sagen kann: „Alle Striche sind vertikal“ – wenn sie nicht vertikal sind, gibts keinen Strich.33

Pour faire la négative, ce sont ces deux [1 et 4] là qu’il faut réunir : ou bien il n’y a pas de trait, ou bien il n’y en a pas de verticaux.

Um die verneinende <Aussage> zu bilden, <“Alle Striche sind nicht vertikal“ bzw. “Kein Strich ist vertikal“>, muss man diese beiden hier [1 und 4] vereinigen: Entweder es gibt <überhaupt> keinen Strich oder es gibt keine vertikalen Striche.

Ce que désigne le mythe de la jouissance de toutes les femmes, c’est que le « toutes les femmes », il n’y en a pas.

Was der Mythos vom Genießen aller Frauen bezeichnet, ist dies, dass es das „alle Frauen“ nicht gibt.

Il n’y a pas d’universel de la femme.

Es gibt kein Universales der Frau.

Voilà ce que pose un questionnement du phalluset non pas du rapport sexuel – quant à ce qu’il en est de la jouissance qu’il constitue, puisque j’ai dit que c’était la jouissance féminine.

Das ist das, was durch eine Befragung des Phallus – und nicht des sexuellen Verhältnisses – gesetzt wird, bezogen darauf, worum es bei dem Genießen geht, das er konstituiert, habe ich doch gesagt, dies sei das weibliche Genießen.

C’est à partir de ces énoncés qu’un certain nombre de questions se trouvent radicalement déplacées.

Von diesen Äußerungen her haben sich eine Reihe von Fragen radikal verschoben / sind eine Reihe von Fragen radikal verfehlt.

Après tout il est possible qu’il y ait un savoir de la jouissance qu’on appelle sexuelle qui soit le fait de cette « certaine femme ».

Es ist durchaus möglich, dass es ein Wissen desjenigen Genießens gibt, das man sexuell nennt, ein Wissen, das sich dieser „gewissen Frau“ zuschreiben lässt.

La chose n’est pas impensable, il y en a comme ça des traces mythiques dans les coins.

Die Sache ist nicht undenkbar, in manchen Ecken gibt es mythische Spuren dieser Art.

Les choses qui s’appellent le Tantra, on dit que ça se pratique.

Die Sachen, die Tantra genannt werden – man sagt, dass das da praktiziert wird.

Il est tout de même clair que depuis un bon bout de temps, si vous me permettez d’exprimer ainsi ma pensée, l’habileté des joueuses de flûte est beaucoup plus patente.

Es ist jedoch klar – wenn Sie mir gestatten, meinen Gedanken so auszudrücken –, dass die Geschicklichkeit der Flötenspielerinnen seit geraumer Zeit viel offensichtlicher ist.34

C’est pas pour jouer de l’obscénité que j’avance ça en ce point, c’est que, il y a ici, et je le suppose, il y a au moins ici une personne qui sait ce que c’est que de jouer de la flûte, c’est la personne qui récemment me faisait remarquer à propos de ce jeu de la flûte – mais on peut le dire aussi à propos de tout usage d’instrument – quelle division du corps l’usage d’un instrument, quel qu’il soit, rend nécessaire.

Nicht um mit der Obszönität zu spielen, bringe ich das an diesem Punkt vor, sondern weil es hier jemanden gibt, wie ich annehme, weil es hier zumindest eine Person gibt, die weiß, was es heißt, Flöte zu spielen, nämlich die Person, die mich kürzlich darauf aufmerksam gemacht hat – bezogen auf das Flötenspiel, aber man kann das gleichermaßen über jede Benutzung eines Instruments sagen –, welche Spaltung des Körpers notwendig ist, um irgendein Instrument zu verwenden.

Je veux dire rupture de synergie.

Ich meine einen Bruch der Synergie.

Il suffit de faire de n’importe quel instrument.

Es genügt, mit irgendeinem Instrument umzugehen.

Mettez-vous sur une paire de skis, vous verrez tout de suite que vos synergies doivent être rompues.

Stellen Sie sich auf ein Paar Skier und Sie werden sofort sehen, dass Ihre Synergien gebrochen werden müssen.

Prenez une canne de golf – ça m’arrive ces derniers temps : j’ai recommencé – c’est pareil, hein : il y a deux types de mouvements qu’il faut que vous fassiez en même temps, vous n’y arrivez au début absolument pas parce que synergiquement ça ne s’arrange pas comme ça.

Nehmen Sie einen Golfschläger – in letzter Zeit kommt das bei mir vor, ich habe wieder angefangen –, da ist es das Gleiche, nicht wahr, es gibt zwei Arten von Bewegungen, die Sie gleichzeitig ausführen müssen, und anfangs gelingt Ihnen das absolut nicht, da das synergetisch nicht einfach so funktioniert.

La personne qui m’a bien rappelé la chose à propos de la flûte, me faisait également remarquer que pour le chant, où en apparence il n’y a pas d’instrument, c’est en ça que le chant est particulièrement intéressant, c’est que là aussi il faut que vous divisiez votre corps, que vous y divisiez deux choses qui sont tout à fait distinctes pour que vous puissiez chanter, mais qui d’habitude sont absolument synergiques, à savoir la pose de la voix et la respiration.

Die Person, die mich anlässlich der Flöte an diese Sache erinnert hat, hatte mich ebenso darauf aufmerksam gemacht, dass Sie beim Gesang, bei dem es anscheinend kein Instrument gibt, und darin ist der Gesang besonders interessant, dass Sie auch hier Ihren Körper aufspalten müssen, dass Sie hier, damit Sie singen können, zwei Sachen teilen, die völlig verschieden sind, die aber für gewöhnlich absolut synergetisch sind, nämlich den Ansatz der Stimme (pose de la voix) und die Atmung.

Bon, ces vérités premières qui n’ont pas eu besoin de m’être rappelées, puisque aussi bien je vous disais que j’en avais ma dernière expérience avec la canne de golf, c’est ce qui laisse ouverte comme une question si il y a encore quelque part un savoir de l’instrument phallus.

Gut, diese Grundwahrheiten, an die man mich nicht erinnern musste, da ich, wie bereits gesagt, diesbezüglich meine letzte Erfahrung mit dem Golfschläger hatte, das ist etwas, was als Frage offen lässt, ob es noch irgendwo ein Wissen über das Phallus-Instrument gibt.

Seulement l’instrument phallus, c’est pas un instrument comme les autres, c’est comme pour le chant, l’instrument phallus, je vous ai déjà dit qu’il est pas du tout à confondre avec le pénis.

Nur, das Phallus-Instrument, das ist kein Instrument wie andere, das ist wie beim Gesang, das Phallus-Instrument, ich habe Ihnen bereits gesagt, dass es keinesfalls mit dem Penis zu verwechseln ist.

Le pénis lui, il se règle sur la loi : c’est-à-dire sur le désir, c’est-à-dire sur le plus de jouir, c’est-à-dire sur la cause du désir, c’est-à-dire sur le fantasme.

Der Penis wird durch das Gesetz reguliert, das heißt durch das Begehren, das heißt durch die Mehrlust, das heißt durch die Ursache des Begehrens, das heißt durch das Phantasma.

Et ça, le savoir supposé de la femme qui saurait, là elle rencontre un os, justement celui qui manque à l’organe, si vous me permettez de continuer dans la même veine. [Gelächter]

Und dies, das unterstellte Wissen der Frau, die wissen würde, da stößt sie auf auf eine Schwierigkeit / auf einem Knochen (os), auf eben denjenigen, der dem Organ fehlt, wenn Sie mir gestatten, in dieser Weise fortzufahren. [Gelächter]

Parce que chez certains animaux, il y en a un d’os, ça oui !

Denn bei bestimmten Tieren gibt es das, einen Knochen, aber ja.35

 

Là il y a un manque, c’est un os manquant, c’est pas le phallus, c’est le désir et son fonctionnement.

Hier gibt es ein Fehlen, das ist ein fehlender Knochen; das ist nicht der Phallus, das ist das Begehren und sein Funktionieren.

Il en résulte qu’une femme n’a de témoignage de son insertion dans la loi de ce qui supplée au rapport, que par le désir de l’homme.

Daraus ergibt sich, eine Frau hat einen Beweis für ihre Einfügung in das Gesetz – für das, was einen Ersatz für das Verhältnis bildet – nur durch das Begehren des Mannes.

Là il suffit d’avoir une toute petite expérience analytique pour en avoir la certitude, le désir de l’homme – je viens de le dire – est lié à sa cause qui est le plus de jouir, ou qui est encore comme je l’ai exprimé maintes fois, s’il prend sa source dans le champ d’où tout part : l’effet de langage, dans le désir de l’Autre donc.

Es genügt bereits eine ganz geringe analytische Erfahrung, um darüber Gewissheit zu haben: Das Begehren des Mannes ist, wie ich eben gesagt habe, an seine Ursache gebunden, nämlich an die Mehrlust, oder es ist auch – wie ich es viele Male ausgedrückt habe,  wenn es seine Quelle in dem Feld hat, von dem alles ausgeht: der Sprachwirkung – im Begehren des Anderen also.

Et la femme à cette occasion on s’aperçoit que c’est elle qui est l’Autre.

Und die Frau, bei dieser Gelegenheit begreift man, dass eben sie die Andere ist.

Seulement elle est l’Autre d’un tout autre ressort, d’un tout autre registre que son savoir, quel qu’il soit.

Allerdings ist sie die Andere eines ganz anderen Bereichs, eines ganz anderen Registers als dem ihres Wissens, worin auch immer es bestehen mag.

Voilà donc l’instrument phallique posé – avec des guillemets – comme le « cause » du langage, je n’ai pas dit « origine ».

Hier wird also das phallische Instrument – in Anführungszeichen – als „Ursache“ der Sprache angenommen, ich habe nicht gesagt: als „Ursprung“.

Et là malgré l’heure avancée – mon Dieu – j’irai vite, je signalerai la trace qu’on en peut avoir, à savoir le maintien, quoi qu’on veuille, d’un interdit sur les mots obscènes.

Und hier, trotz der fortgeschrittenen Zeit – mein Gott, ich werde schnell machen –, möchte ich auf die Spur verweisen, die man davon haben kann, nämlich das Aufrechterhalten, was immer man davon halten mag, des Verbots von obszönen Wörtern.

Et puisque je sais qu’il y a des gens qui m’attendent à ce quelque chose que je leur ai promis : de faire allusion à Éden, Éden, Éden et de dire pourquoi je signe pas les – comment qu’on appelle ça ? – les machins, les pétitions à ce propos.

Und da ich weiß, dass es hier Leute gibt, die etwas erwarten, was ich ihnen versprochen habe, nämlich dass ich auf Eden, Eden, Eden anspiele und sage, warum ich nicht diese, wie heißt das nochmal, diese Dinger unterschreibe, die Petitionen, die sich darauf beziehen.36

C’est que ce n’est pas certes que mon estime soit médiocre pour cette tentative : à sa façon elle est comparable à celle de mes Écrits, à ceci près que, elle est beaucoup plus désespérée.

Sicherlich gehtes nicht darum, dass meine Wertschätzung für diesen Versuch gering wäre; auf seine Weise ist er mit dem meiner Schriften vergleichbar, abgesehen davon, dass er sehr viel hoffnungsloser ist.

Il est tout à fait désespéré de « langagier » l’instrument phallique.

Es ist völlig hoffnungslos, das phallische Instrument zu versprachlichen.37

Et c’est parce que je le considère comme en ce point sans espoir, que je pense aussi que ne peut se développer autour d’une telle tentative, que des malentendus.

Und da ich es als etwas ansehe, das unter diesem Gesichtspunkt ohne Hoffnung ist, denke ich auch, dass sich um einen solchen Versuch herum nur Missverständnisse entwickeln können.

Vous voyez que c’est à un point hautement théorique que se place, dans l’occasion, mon refus.

Sie sehen, dass meine Weigerung sich hier auf einen hochtheoretischen Gesichtspunkt bezieht.

Là où je voudrais en venir est ceci : d’où interroge-t-on la vérité ?

Worauf ich damit hinauswill, ist Folgendes: Von wo aus befragt man die Wahrheit?

Car la vérité elle peut dire tout ce qu’elle veut, c’est l’oracle.

Denn die Wahrheit kann alles sagen, was sie will, das ist das Orakel.

Ça existe depuis toujours, et après ça on n’a plus qu’à se débrouiller.

Das gibt es immer schon, und danach kann man sich nur noch durchwurschteln.

Seulement, il y a un fait nouveau, hein ?

Allerdings gibt es eine neue Tatsache, nicht wahr?

Premier fait nouveau depuis que fonctionne l’oracle, c’est-à-dire depuis toujours, c’est un de mes écrits, le fait nouveau qui s’appelle La Chose freudienne où j’ai indiqué ceci, que personne n’avait jamais dit hein ? – seulement comme c’est écrit, naturellement vous ne l’avez pas entendu – j’ai dit que la vérité parle « Je ».

Die erste neue Tatsache, seit das Orakel funktioniert, also seit je, das ist eine meiner Schriften, die neue Tatsache, die sich Die Freud’sche Sache nennt, wo ich auf etwas hingewiesen habe, was noch nie jemand gesagt hat, nicht wahr; nur, da das geschrieben ist, haben Sie es natürlich nicht verstanden – ich habe gesagt, dass die Wahrheit „ich (Je)“ sagt.

Si vous aviez donné son poids à cette espèce de luxuriance polémique que j’ai faite pour présenter la vérité comme ça, je ne sais même plus ce que j’ai écrit, comme « rentrant dans la pièce dans un fracas de miroir », ç’aurait peut-être pu vous ouvrir les oreilles.

Wenn Sie dieser Art polemischer Üppigkeit ihr Gewicht gegeben hätten, dieser Üppigkeit, die ich hergestellt habe, um in solcher Weise die Wahrheit zu präsentieren, ich weiß nicht einmal mehr, was ich geschrieben habe, so etwas wie „ins Zimmer zurückkehrend, in einem Klirren des Spiegels“, das hätte Ihnen vielleicht die Ohren öffnen können.38

Ce bruit des miroirs qui se cassent, dans un écrit, ça ne vous frappe pas ?

Dieser Lärm von zerbrechenden  Spiegeln in etwas Geschriebenem, verblüfft Sie das nicht?

C’est pourtant assez bien écrit, c’est là ce qu’on appelle l’effet de style.

Dabei ist es ziemlich gut geschrieben, das ist eben das, was man Stil nennt.

Ça vous aurait certainement aidé à comprendre ce que ça veut dire « la vérité parle ‘Je’ », ça veut dire qu’on peut lui dire « Tu ».

Das hätte Ihnen sicherlich geholfen, zu begreifen, was mit „die Wahrheit sagt ‚Ich‘“ gemeint ist – damit ist gemeint, dass man zu ihr „Du“ sagen kann.

Et je vais vous expliquer à quoi ça sert.

Und ich werde Ihnen erklären, wozu das gut ist.

Vous allez croire bien sûr que je vais vous dire que ça sert au dialogue.

Sie werden natürlich glauben, dass ich Ihnen sagen werde, dass das für den Dialog gut ist.

Il y a longtemps que j’ai dit qu’il n’y en avait pas de dialogue, et avec la vérité, bien sûr, encore moins.

Es ist lange her, dass ich gesagt habe, einen Dialog gibt es nicht, und mit der Wahrheit natürlich noch weniger.

Néanmoins, si vous lisez quelque chose qui s’appelle la Métamathématique de Lorenzen, je l’ai apporté, c’est chez Gauthier-Villars et Mouton, bon, et puis je vais même vous indiquer la page où vous verrez des choses astucieuses.

Nichtsdestoweniger, wenn Sie etwas lesen, was sich die Metamathematik von Lorenzen nennt, ich habe es mitgebracht, das ist bei Gauthier-Villars und Mouton erschienen39, gut, und dann werde ich Ihnen sogar die Seite angeben, auf der Sie raffinierte Sachen finden.

C’est des dialogues, c’est des dialogues écrits, c’est-à-dire que c’est le même qui écrit les deux répliques.

Das sind Dialoge, das sind geschriebene Dialoge, das heißt, dass ein und derselbe beide Repliken schreibt.

C’est un dialogue bien particulier, seulement c’est très instructif.

Das ist ein ziemlich spezieller Dialog, doch das ist sehr instruktiv.

Vous vous reporterez à la page 22.

Sie sollten sich auf Seite 22 beziehen.

C’est très instructif et je pourrais le traduire de plus d’une façon, y compris en me servant de mon être et de mon avoir de tout à l’heure.

Das ist sehr instruktiv, und ich könnte es auf mehr als eine Weise übersetzen, unter anderem, indem ich mich meines Seins und meines Habens von vorhin bediene.

Mais j’irai plus simplement pour vous rappeler cette chose sur laquelle j’ai déjà mis l’accent, c’est à savoir qu’aucun des prétendus paradoxes auxquels s’arrête la logique classique, nommément celui du « Je mens », ne tient qu’à partir du moment où c’est écrit.

Ich werde jedoch einfacher vorgehen, um Sie an etwas zu erinnern, worauf ich bereits den Akzent gesetzt habe, dass nämlich die angeblichen Paradoxien, bei denen sich die klassische Logik aufhält, insbesondere die des „Ich lüge“, erst von dem Moment an haltbar sind, in dem sie geschrieben sind.

Il est tout à fait clair que de dire « Je mens » est une chose qui ne fait aucun obstacle, étant donné qu’on ne fait que ça, alors pourquoi ne le dirait-on pas ?

Es ist vollkommen klar, dass „Ich lüge“ zu sagen, etwas ist, was keine Schwierigkeit macht– da man schließlich nichts anderes tut als das, warum sollte man es nicht sagen?

Qu’est-ce que ça veut dire ?

Was bedeutet das?

Que c’est seulement quand c’est écrit que là il y a paradoxe, car on dit là: «Ben, vous mentez ou bien vous dites vrai ? »

Dass es hier nur dann, wenn es geschrieben ist, eine Paradoxie gibt, denn dann sagt man: „Wie nun, lügen Sie oder sprechen Sie die Wahrheit?“

C’est exactement la même chose que je vous ai fait remarquer dans son temps, que d’écrire « le plus petit nombre qui s’écrive en plus de quinze mots ».

Das ist genau dasselbe wie das, worauf ich Sie früher einmal aufmerksam gemacht habe, nämlich zu schreiben: „<Dieser Ausdruck definiert> die kleinste Zahl, die mit mehr als fünfzehn Wörtern geschrieben wird.“40

Vous ne voyez là aucun obstacle, quand je vous le dis.

Sie sehen hier keine Schwierigkeit, wenn ich es Ihnen sage.

Si c’est écrit, vous les comptez, vous vous apercevez qu’il n’y en a que treize, dans ce que je viens de dire.

Wenn es geschrieben ist, zählen Sie nach, Sie sehen dann, dass es in dem, was ich gerade gesagt habe, nur dreizehn gibt.41

Mais ça ne se compte que si c’est écrit.

Abzählen aber lässt sich das nur dann, wenn es geschrieben ist.

Parce que si c’est écrit en japonais, je vous défie de les compter. ja

Denn wenn das auf japanisch geschrieben ist, wette ich, dass sie sie nicht zählen können.42

Parce que là vous vous posez quand même la question, il y a des petits bouts, comme ça, de vagissements, des petits o et des petits oua, dont vous vous demanderez s’il faut le coller au mot, ou s’il faut le détacher et le compter pour un mot, c’est même pas un mot, c’est « eh », c’est comme ça. [Gelächter]

Denn da stellen Sie sich schon die Frage, es gibt kleine Stücke, etwa so, ein Quäken, kleine o und kleine ua, bei denen Sie sich fragen werden, ob man das ans Wort anhängen muss oder ob man es ablösen muss und als eigenes Wort zählen muss – das ist nicht mal ein Wort, das ist eh, das ist so. [Gelächter]43

Seulement quand c’est écrit, c’est comptable.

Nur wenn es geschrieben ist, lässt es sich zählen.

Alors la vérité, vous vous apercevrez qu’exactement comme dans La métamathématique de Lorenzen, si vous posez qu’on ne peut pas à la fois dire « oui » et « non » sur le même point, là vous gagnez – vous verrez tout à l’heure ce que vous gagnez – mais si vous misez que c’est ou « oui » ou « non », là vous perdez.

Nun, die Wahrheit, Sie werden bemerken, dass Sie, genau wie in der Metamathematik von Lorenzen, wenn Sie postulieren, dass man in Bezug auf denselben Punkt nicht zugleich „ja“ und „nein“ sagen kann, dann gewinnen Sie – Sie werden gleich sehen, was Sie gewinnen –, wenn Sie aber darauf wetten, dass es „ja“ oder aber „nein“ ist44, dann verlieren Sie.

Référez-vous à Lorenzen, mais je vais vous l’illustrer tout de suite.

Schauen Sie bei Lorenzen nach; ich werde es Ihnen aber sofort veranschaulichen.

Je pose : « Il n’est pas vrai » dis-je à la vérité « que tu dis vrai et que tu mentes en même temps. »

Ich beginne so: „Es ist nicht wahr“, sage ich der Wahrheit, „dass du zugleich wahr sprichst und lügst.“

La vérité peut répondre bien des choses, puisque c’est vous qui la faites répondre, ça ne vous coûte rien.

Die Wahrheit kann vieles antworten; da Sie es sind, die sie antworten lassen, kostet Sie das gar nichts.

De toute façon, ça va aboutir au même résultat, mais je vous le détaille pour rester collé au Lorenzen.

Das führt in jedem Fall zum selben Ergebnis, aber ich führe es Ihnen im Einzelnen vor, um mich eng an Lorenzen zu halten.

Elle dit : « Je dis vrai! ».

Sie sagt: „Ich spreche wahr.“

Vous lui répondez : « Je te le fais pas dire! » [Gelächter]

Sie antworten ihr: „Das lass ich dich nicht sagen!“ [Gelächter]

Alors pour vous emmerder, elle vous dit : « Je mens .»

Dann, um Sie zu verarschen, sagt sie Ihnen: „Ich lüge.“

À quoi vous répondez : « Maintenant, j’ai gagné, je sais que tu te contredis ! »

Worauf Sie antworten: „Jetzt hab ich gewonnen, ich weiß, dass du dir widersprichst.“

C’est exactement ce que vous découvrez avec l’inconscient, ça n’a pas plus de portée.

Das ist genau das, was Sie beim Unbewussten entdecken, das geht nicht darüber hinaus.

Que l’inconscient dise toujours la vérité et qu’il mente, c’est, de chez lui, parfaitement soutenable, c’est simplement à vous de le savoir.

Dass das Unbewusste immer die Wahrheit sagt und dass es lügt, ist von ihm aus vollkommen vertretbar, Sie müssen es einfach nur wissen.

Qu’est-ce que ça vous apprend ?

Was lehrt Sie das?

Que la vérité, vous n’en savez quelque chose que quand elle se déchaîne.

Dass Sie von der Wahrheit nur dann etwas wissen, wenn sie sich entfesselt.

Car elle s’est déchaînée, elle a brisé votre chaîne, elle vous a dit les deux choses aussi bien, quand vous disiez que la conjonction n’était point soutenable.

Denn sie hat sich entfesselt, sie hat Ihre Kette zerbrochen; auch dann, als Sie ihr sagten, die Konjunktion sei ganz und gar nicht haltbar, hat sie Ihnen beide Sachen zugleich gesagt.45

Mais supposez le contraire, que vous lui ayez dit : « Ou tu dis vrai, ou tu mens. »

Aber nehmen Sie das Gegenteil an, nämlich dass Sie ihr gesagt haben: „Du sprichst die Wahrheit oder du lügst.“46

Ben là, vous en êtes pour vos frais.

Nun ja, dann haben Sie die Kosten zu tragen.

Parce que, qu’est-ce qu’elle vous répond : « Je te l’accorde, je m’enchaîne.

Denn, was antwortet sie Ihnen?: „Ich stimme dir zu, ich fessle mich.

Tu me dis ‘ou tu dis vrai ou tu mens’, et en effet ça c’est bien vrai. »

Du sagst mir ‚du sprichst wahr oder du lügst‘, und tatsächlich, das ist wohl wahr.“

Seulement alors là, vous savez rien, vous savez rien de ce qu’elle vous a dit, puisque ou elle dit vrai ou elle ment, de sorte que vous êtes perdant.

Nur, in diesem Fall, da wissen Sie nichts, Sie wissen nichts über das, was sie Ihnen gesagt hat, denn sie spricht wahr oder sie lügt, derart, dass Sie verlieren.

Ceci, je ne sais pas si ça vous apparaît dans sa pertinence, mais ça veut dire ceci dont nous avons constamment l’expérience, c’est que qu’elle se refuse la vérité, alors ça me sert à quelque chose.

Ich weiß nicht, ob sich das Ihnen in seiner Stichhaltigkeit erschließt, aber das bedeutet etwas, womit wir ständig Erfahrungen machen, nämlich dass die Tatsache, dass sie sich verweigert, die Wahrheit, dass mir das zu etwas nütze ist.

C’est à ça que nous avons tout le temps affaire dans l’analyse et qu’elle s’abandonne, qu’elle accepte la chaîne, quelle qu’elle soit, eh bien, j’y perds mon latin.

Eben damit haben wir es in der Analyse ständig zu tun, und dass sie aufgibt, dass sie die Kette akzeptiert, welche auch immer, nun ja, da bin ich mit meinem Latein am Ende.

Autrement dit ça… ça me laisse à désirer.

Anders gesagt, das – das lässt für mich zu wünschen übrig / das lässt mich begehren (ça me laisse à désirer).

Ça me laisse à désirer, ça me laisse dans ma position de demandeur, puisque je me trompe de penser que je puis traiter d’une vérité que je ne puis reconnaître qu’au titre de déchaînée.

Das lässt mich begehren, dass lässt mich in meiner Position des Suchenden / des Fordernden / des Fragenden (demandeur), denn ich täusche mich, wenn ich denke, dass ich eine Wahrheit abhandeln kann, die ich doch nur als entfesselte erkennen kann.

Vous montrez de quel déchet-nement47 vous participez.

Sie zeigen auf, an welcher Entfesselung (déchaînement/déchet-nement) Sie teilhaben.

Il y a quelque chose qui mérite d’être relevé dans ce rapport, c’est la fonction de ce quelque chose dont il y a longtemps que je le mets tout doucement comme ça sur la sellette, et qui se dénomme la liberté.

Es gibt etwas, was es verdient, in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden, und das ist die Funktion von etwas, das ich bereits seit langem ganz behutsam aufs Korn nehme und was sich „Freiheit“ nennt.

Il arrive qu’à travers le fantasme, il y en ait qui élucubrent de certaines façons où, sinon la vérité elle-même du moins le phallus, pourrait être apprivoisé.

Es kommt vor, dass es Leute gibt, die vermittels des Phantasmas bestimmte Verfahren austüfteln, durch die zwar nicht die Wahrheit selbst, aber zumindest der Phallus gezähmt werden könnte.

Je ne vous dirai pas dans quelles variétés de détails ces sortes d’élucubrations peuvent s’étaler.

Ich werde Ihnen nicht sagen, in welche Vielfalt von Einzelheiten sich Elaborate dieser Art ausbreiten können.

Mais il y a une chose très frappante, c’est que, mis à part une certaine sorte de manque de sérieux qui est peut-être ce qu’il y a de plus solide pour définir la perversion, eh ben, ces solutions élégantes, il est clair que les personnes pour qui ça c’est sérieux, toute cette menue affaire –.

Es gibt jedoch etwas ganz Erstaunliches, das ist, dass, abgesehen von einem gewissen Mangel an Seriosität, der vielleicht das ist, was es an Solidestem gibt, um die Perversion zu definieren; nun ja, diese eleganten Lösungen, es ist klar, dass die Personen, für die das seriös ist, diese ganze kleine Sache –.

Parce que – mon Dieu ! – le langage, ça compte pour elles, aussi l’écrit, ne serait-ce que parce que ça permet l’interrogation logique.

Weil, mein Gott, die Sprache, das zählt für sie, das Geschriebene ebenso, und sei es nur deshalb, weil das die logische Befragung ermöglicht.

Car en fin de compte, qu’est-ce que c’est que la logique si ce n’est ce paradoxe absolument fabuleux que ne permet que l’écrit, de prendre la vérité comme référent ?

Denn letztlich, was ist die Logik, wenn nicht diese absolut sagenhafte Paradoxie, die nur durch das Geschriebene ermöglicht wird, dass man die Wahrheit als Referent nimmt?

C’est évidemment par ça qu’on communie.

Damit kommuniziert man offensichtlich.

Quand on commence par donner les premières, toutes premières formules de la logique propositionnelle, on prend comme référence qu’il y a des propositions qui peuvent se marquer du vrai et d’autres qui peuvent se marquer du faux, c’est avec ça que commence la référence à la vérité.

Wenn man beginnt, die ersten, die allerersten Formeln der Aussagenlogik anzugeben, nimmt man als Referenz, dass es Aussagen gibt, die als wahr gekennzeichnet werden können und andere, die als falsch gekennzeichnet werden können, damit beginnt der Bezug auf die Wahrheit.

Se référer à la vérité, c’est poser le faux absolu, c’est-à-dire un faux auquel on pourrait se référer comme tel.

Sich auf die Wahrheit zu bezdas heißt, das absolut Falsche anzunehmen, das heißt ein Falsches, auf das man sich als solches beziehen könnte.

Les personnes sérieuses – je reprends ce que je suis en train de dire – auxquelles se proposent ces solutions élégantes qui seraient apprivoisement du phallus, ben c’est curieux, c’est elles qui se refusent.

Die seriösen Leute – ich komme auf das zurück, was ich dabei bin auszuführen –, denen sich diese eleganten Lösungen anbieten, die in der Zähmung des Phallus bestünden, nun ja, es ist eigenartig, dass sie es sind, die sich dem verweigern.

Et pourquoi, sinon pour préserver ce qui s’appelle la liberté, en tant qu’elle est précisément identique à cette non-existence du rapport sexuel.

Und warum, wenn nicht, um das zu bewahren, was „Freiheit“ genannt wird, insofern sie mit der Nicht-Existenz des sexuellen Verhältnisses genau identisch ist.

Car enfin, est-il besoin d’indiquer que ce rapport de l’homme et de la femme, en tant qu’il est de par la loi – la loi dite sexuelle – radicalement faussé, c’est ce quelque chose qui quand même laisse à désirer qu’à chacun il y ait sa chacune, pour lui répondre.

Denn letztlich – muss man wirklich darauf hinweisen, dass dieses Verhältnis von Mann und Frau, insofern es durch das Gesetz, durch das sogenannte sexuelle Gesetz, radikal falsifiziert ist48, etwas ist, was gleichwohl begehren lässt (laisse à désirer), dass es für einen jeden seine eine jede gibt, um ihm zu entsprechen?49

Si ça arrive, qu’est-ce qu’on dira ?

Wenn das geschieht, was soll man dann sagen?

Non certes que c’était là chose naturelle, puisqu’il n’y a pas à cet égard de nature puisque La femme n’existe pas.

Gewiss nicht, dass das etwas Natürliches sei, da es in dieser Hinsicht keine Natur gibt, da Die Frau nicht existiert.

Qu’elle existe, c’est un rêve de femme, mais c’est le rêve d’où est sorti Don Juan.

Dass sie existiert, ist ein Frauentraum, das ist ja der Traum, aus dem Don Juan hervorgegangen ist.

S’il y avait un homme pour qui La femme existe, ce serait une merveille !

Wenn es einen Mann gäbe, für den Die Frau existiert, wäre das ein Wunder.

On serait sûr de son désir.

Man wäre sich des Begehrens dieses Mannes sicher.

C’est une élucubration féminine.

Das ist ein weibliches Hirngespinst.

Pour que un homme trouve sa femme, quoi d’autre sinon la formule romantique : « C’était fatal, c’était écrit ».

Dafür, dass ein Mann seine Frau findet, was gibt es dafür anderes außer der romantischen Formel „das war Schicksal“, „das stand geschrieben“?

Une fois de plus, nous voilà venus à ce carrefour qui est celui où je vous ai dit que je ferai basculer ce qu’il en est du vrai seigneur, du type qui est – ce qu’on traduit, fort mal ma foi, par l’homme – comme ça un tout petit peu au-dessus du commun, c’est cette bascule entre le xing (姓), cette nature telle qu’elle est inscrite par l’effet de langage, inscrite dans cette disjonction de l’homme et de la femme, – et d’autre part ce « c’est écrit », ce ming (命), cet autre caractère, dont je vous ai déjà une première fois montré ici la forme, qui est celui devant lequel la liberté recule.

Einmal mehr sind wir an diesem Kreuzweg angelangt, an dem, worüber ich Ihnen gesagt habe, dass ich das, worum es beim wahren Seigneur geht, zum Umfallen bringen werde, bei dem Typ, der etwas ist, was man, du liebe Zeit, sehr schlecht mit homme übersetzt, „Mensch“ oder „Mann“, der so ein ganz klein bisschen über dem Üblichen ist, und das ist diese Schaukel zwischen dem xing  (姓) – dieser Natur, wie sie durch die Sprachwirkung eingeschrieben ist, in die Disjunktion von Mann und Frau eingeschrieben –, und andererseits diesem „es ist geschrieben“, dieses ming (命), dieses andere Schriftzeichen, dessen Gestalt ich Ihnen hier bereits ein erstes Mal gezeigt hatte und welches das ist, wovor die Freiheit zurückweicht.50

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Anmerkungen

  1. Der chinesische Text wird von oben nach unten und von rechts nach links gelesen. Ich entnehme ihn: Guy Flecher: Plus de chine. In: Jean-Marie Jadin, Marcel Ritter (Hg.): La jouissance au fil de l’enseignement de Lacan. Érès, Toulouse 2009, S. 300–316, hier: S. 302, im Internet hier.
  2. Als Begründer der Sinologie gilt Jean Pierre Abel-Rémusat, er erhielt 1814 einen Lehrstuhl für chinesische Studien am Collège de France; siehe hier.
  3. Jesuiten gab es seit Ende des 16. Jahrhunderts in China; siehe hier.
  4. Le Siècle de Louis XIV. Erschienen 1751. Dt.: Das Jahrhundert Ludewigs des XIV. 1752.
  5. Tatsächlich handelt es sich um Kapitel 29, das letzte Kapitel des Buchs.
  6. Der Ritenstreit war eine von etwa 1619 bis 1744 dauernde Auseinandersetzung über die Form der christlichen Mission, vor allem in China und Indien.
  7. Ein Determinativ ist ein Schriftzeichen, das angibt, zu welcher Begriffsart ein Wort gehört, und das selbst stumm ist.
  8. Gemeint sind die Kolumnen.
  9. Ivor Armstrong Richards: Mencius on the mind. Experiments in multiple definition. Kegan Paul, London 1932.
  10. Charles Kay Ogden, Ivor Armstrong Richards, mit Beiträgen von F. G. Crookshank und Bronislaw Malinowski : The meaning of meaning. A study of the influence of language upon thought and of the science of symbolism. Kegan Paul, Trench, Trubner and Co., London 1923.
  11. Vgl. J. Lacan: Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse (Vortrag von 1953, veröffentlicht 1956). Übersetzt von Klaus Laermann. In: J.L.: Schriften I. Hg. v. Norbert Haas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 71–169, hier: S. 111.
  12. Dies scheint Lacans Übersetzung von Mengzis
    Spruch zu sein, weshalb ich hier Anführungszeichen einfüge.

    Lacan übersetzt offenbar so (ich versuche, seine verschiedenen Hinweise zu synthetisieren):

    Erste Spalte:
    天 下 之 言 性 也
    Tian xia zhi yan xing ye
    – Tian xia:
    alles, was unter dem Himmel ist
    – zhi: [Determinativ]
    – yan: das Sprechen / das, was spricht
    – xing: Natur
    – ye: [Interpunktion]
    „Bei alem, was unter dem Himmel ist, macht das Sprechen die Natur [des Menschen] aus“

    Zweite Spalte:
    則 故 而 已 矣
    ze gu er i i.
    – ze:
    infolgedessen
    – gu: verursacht durch
    – gu er: und, aber
    – er i i: das ist nur das und das genügt
    „infolgedessen hat sie keine andere Wirkung hat als die“

    Dritte Spalte:
    故 者 以 利 為 本
    Gu zhe i li wei ben.
    – Gu: Ursache
    – zhe: ?
    – i: mit
    – li: Gewinn, Zins, Profit [Mehrwert, Mehrlust]
    – wei: handeln, machen
    – ben: ?
    „als Triebkraft / als Ursache den Gewinn [den Mehrwert, die Mehrlust] hervorzubringen.“
    Hinweise zur Übersetzung findet man in:
    Flecher, Guy: Plus de Chine [Zum Chinesischen in Seminar 18]. In: Jean-Marie Jadin, Marcel Ritter (Hg.): La jouissance au fil de l’enseignement de Lacan. Érès, Toulouse 2009, S. 300–316, Inernet hier; ders.: Retour sur un traduction de Mencius par Lacan. In: Website „Lacan et le monde chinois“, 2009, hier.
    Séraphin Couvreur, dessen Übersetzung Lacan vorlag, übersetzt die Passage so:
    „Überall unter dem Himmel, wenn man von der Natur spricht, will man von den natürlichen Wirkungen sprechen. Die natürlichen Wirkungen haben zunächst diese Besonderheit, dass sie sponton erfolgen.“ (meine Übersetzung aus dem Französischen)
    Und hier eine neuere Übersetzung (Anne Cheng: Histoire de la pensée chinoise. Seuil, Paris 1997, S. 159):
    „Überall unter dem Himmel, wenn man von der Natur spricht, geht es tatsächlich nur um eine ursprüngliche Gegebenheit. Nun, die ursprüngliche Gegebenheit hat ihre Wurzel im Profitablen.“  (Meine Übersetzung aus dem Französischen)
    Beide Zitate aus: Flecher, Retour sur un traduction, a.a.O.
    Lacans Mencius-Übersetzung erinnert an Heideggers Übersetzungen und Deutungen von Sprüchen der Vorsokratiker. Einen dieser Texte – Heideggers Logos (Heraklit, Fragment 50), 1951 – hatte Lacan 1956 ins Französische übersetzt, hier.

  13. Anmerkung in der Staferla-Version von Seminar 18: „Lapsus. Es handelt sich nicht um Léon Wieger, sondern um Séraphin Couvreur (einen anderen Jesuitenpater), dessen Übersetzung Lacan verwendet. Vgl. den Artikel von Thierry Florentin auf der Website ‚Lacan et le monde chinois‘.“
    Der Titel ist: Les quatre livres = Sishu. Avec un commentaire abrégé en chinois, une double traduction en français et en latin et un vocabulaire des lettres et des noms propres par Séraphin Couvreur, S. J. Imprimerie de la Mission Catholique, Ho Kien Fou 1895.
  14. Deutsche Übersetzungen:
    – Mong Dsi. Übersetzt von Richard Wilhelm. Diederichs, Jena 1916 (zahlreiche Auflagen, die aktuelle Ausgabe dieser Übersetzung ist: Mong Dsi: Die Lehrgespräche des Meisters Meng K’o. Diederichs, München 1994).
    – Dem Menschen gerecht. Ein Mencius-Lesebuch. Übersetzt von Henrik Jäger. Ammann, Zürich 2010.
  15. Die Schriften enden ab der zweiten Auflage mit einem von Jacques-Alain Miller verfassten „Kommentar zu den graphischen Darstellungen“ (J. Lacan: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 454–461).
  16. Version Miller: „appariez“ (paaren Sie). Die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung.
  17. Version Staferla zufolge bezieht Lacan sich hier auf den Psychoanalytiker Xavier Audouard. Dieser, ein früherer Jesuit, war bei Lacan in einer Lehranalyse; siehe hier. Ausgeführt hat er seine Position in: X. Audouard: La non-psychanalyse ou l’ouverture. Éditions l’Étincelle, Montréal 1979.
  18. J. Lacan: Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht (geschrieben 1960, veröffentlicht 1961). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 72–145.
  19. Das „Nicht“ dürfte das Inzestverbot sein und der „Schritt“ vielleicht, mit Lévi-Strauss, der Übergang von der Natur zur Kultur.
  20. Die Position von (Faktum des Geschriebenen) im Verhältnis zu (Sprache als Ursache) und (Wirkungen der Sprache) soll offenbar andeuten, dass  , das Faktum des Geschriebenen, im Verhältnis zur Sprache und ihren Wirkungen (  und ) sekundär ist, dass das Geschriebene sich aber zugleich auf die Sprache und ihre Wirkungen zurückbezieht und sie aufklärt.
  21. In der Sitzung vom 20. Januar 1971.
  22. Um es als Syllogismus zu formulieren:
    – Die Wahrheit hat eine mansion, eine Bleibe (nämlich die Sprache).
    – Die Bleibe der Wahrheit (der Zusammenhang von Sprache und Wahrheit) kann nur von der Logik her befragt werden.
    – Die Logik beruht auf Geschriebenem.
    – Also kann der Zusammenhang von Sprache und Wahrheit nur mithilfe von Geschriebenem befragt werden.
  23. Die These „Es gibt kein sexuelles Verhältnis“ hatte Lacan zuerst in Seminar 16 von 1968/69 vorgetragenen, Von einem Anderen zum anderen, in der Sitzung vom 12. März 1969; Version Miller, S. 226.
    Die Zuordnungen zu den drei Plätzen des Schriftzeichen si sind demnach in dieser Sitzung:
    Wirkung der Sprache: es gibt kein sexuelles Verhältnis
    Prinzip (Ursache) der Sprachwirkungen: ein pas, ein Nicht/ ein Schritt; die Kluft des seuellen Verhältnisses, wie der Phallus sie offenbart
    Faktum des Geschriebenen.
    Die Beziehung zwischen und  ist eine von Ursache und Wirkung. Das „nicht“ hat zur Folge, dass es kein sexuelles Verhältnis gibt.
    Das Geschriebene und damit die Logik bezieht sich sekundär auf die Sprache.
    Man muss hier berücksichtigen, dass die Zuordnungen zu den drei Plätzen unsicher sind – Lacan sagt jeweils „hier“ und zeigt auf eine Stelle.
  24. Lacan spricht hier von der Abbildung im Sinne der Mengenlehre. Eine Abbildung ist eine Beziehung zwischen zwei Mengen, die dadurch charakterisiert ist, das jedem Element der einen Menge genau ein Element der anderen Menge zugeordnet ist.
  25. Jan Swammdam (1637–1680), niederländischer Naturforscher, verwendete als einer der ersten das Mikroskop und entdeckte das Ovarialfollikel.
  26. “Purusha“ und „Prakriti“ sind Begriffe der indischen Mythologie.
  27. Auf dem Kolloquium von Royaumont hatte Lacan 1958 den Text Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht vorgetragen.
  28. In Version Miller gibt es keine Zuordnungen zu den beiden Plätzen von Schema si.
  29. Die Zuordnung der Formulierungen zu den Plätzen ist unsicher, man findet sie in Version Staferla, nicht in Version Miller.
  30. In der Mathematik sind die Begriffe „Abbildung“ und „Funktion“ synonym.
  31. Vgl. S. Freud: Totem und Tabu (19121913). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 287444.
    Darin heißt es: „Die Darwinsche Urhorde hat natürlich keinen Raum für die Anfänge des Totemismus. Ein gewalttätiger, eifersüchtiger Vater, der alle Weibchen für sich behält und die heranwachsenden Söhne vertreibt, nichts weiter.“ (A.a.O., S. 425)
    In den Seminaren 14 und 17 hatte Lacan gesagt, der Urvater symbolisiere das Genießen, insofern es unmöglich ist (vgl. Seminar 14, La logique du phantasme, Sitzung vom 26. April 1967; Seminar 17, L’envers de la psychanalyse, Sitzung vom 18. März 1970, Version Miller, S. 143).
  32. Das Schema von Peirce hatte Lacan in Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung, eingeführt und ausführlich kommentiert.
    Die Unterscheidung und Kombination der vier Aussage-Arten stammt aus der Logik der Scholastik.
    Universale Aussagen (auch Allaussagen genannt) sind solche, die sich auf alle Fälle beziehen und deshalb mit „alle“ beginnen; z.B. „Alle Hunde sind bissig“.
    Partikuläre Aussagen beziehen sich auf einige Fälle und beginnen mit „einige“ oder „manche“: „Einige Hunde sind bissig“.
    In bejahenden (oder affirmativen) Aussagen wird ein Merkmal zugesprochen, in verneinenden (oder negativen) Aussagen wird es abgesprochen: „Hunde sind bissig“ versus „Hunde sind nicht bissig“.
    Durch Kombination erhält man vier Aussage-Arten, in der mittelalterlichen Logik werden sie mit A, E, I, O bezeichnet:
    Universal bejahend (A): „Alle Hunde sind bissig.“
    Universal verneinend (E): „Alle Hunde sind nicht bissig“ bzw. „Kein Hund ist bissig“.
    Partikulär bejahend (I): „Einige Hunde sind bissig.“
    Partikulär verneinend (O): „Einige Hunde sind nicht bissig.“
    In der von mir verwendeten Version des Diagramms von Peirce beziehen sich die Buchstaben A, E, I und O auf diese Klassifikation.
  33. Bezogen auf das Schema von Peirce heißt das beispielsweise, dass die universale bejahende Aussage „Alle Striche sind vertikal“, also A, sowohl für den Quadranten oben links zutrifft (mit vertikalen Strichen) als auch für den Quadranten oben rechts (ohne Striche).
  34. Jouer de la flûte, umgangssprachlich für „Fellatio praktizieren“, „jemandem einen blasen“.
  35. Gemeint ist der Penisknochen.
  36. Pierre Guyotat: Éden, Éden, Éden. Roman. Mit Vorworten von Michel Leiris, Roland Barthes und Philippe Sollers. Gallimard, Paris 1970. Werbung und Verkauf des Buches an Minderjährige wurden vom französischen Innenministerium verboten, hiergegen wandte sich eine Petition, die von zahlreichen prominenten Künstlern, Wissenschaftlern und Politikern unterzeichnet wurde. 1981 wurde das Verbot aufgehoben. Deutsch: Eden, Eden, Eden. Übersetzt von Holger Fock. Diaphanes, Zürich 2015.
  37. Das „phallische Instrument“ ist der Penis als Kopulationsorgan.
    Im Hintergrund steht hier Lacans Theorie der Sublimierung, wie sie in Seminar 7 über die Ethik der Psychoanalyse entwickelt wird. Der Künstler ersetzt das „das Ding“ und das „natürliche Objekt“ durch das geschaffene Objekt, und zwar so, dass hierbei „das Ding“ evoziert wird; dies setzt voraus, dass er das Verbot, das auf ihm liegt, anerkennt.
  38. Die Stelle lautet: „Man spürt dabei, dass es [das Ich] von einer Minute zur anderen zusammenbrechen wird, als ein Klirren von Glasscherben alle darüber unterrichtet, dass das Unglück soeben den großen Salonspiegel ereilt hat, den Golem des Narzissmus, in großer Hast heraufbeschworen, um ihm Hilfe zu leisten, womit er seinen Einzug gehalten hat.“ (J. Lacan: Das Freud’sche Ding oder Der Sinn einer Rückkehr zu Freud in der Psychoanalyse (1955). Übersetzt von Monika Mager. Turia und Kant, Wien 2005, S. 28, Übersetzung geändert)
  39. Paul Lorenzen: Metamathematik. Bibliographisches Institut, Mannheim 1962. Die französische Übersetzung, von Jean Blaize Grize, erschien 1967.
  40. Der mit diesem Ausdruck verbundene Widerspruch wird Berry-Paradoxon genannt. Der Widerspruch besteht darin, dass der Ausdruck eine bestimmte Zahl zugleich definiert und nicht definiert. Er definiert eine bestimmte Zahl, und zwar dadurch, dass sie die kleinste Zahl ist, die mit mehr als fünfzehn Wörtern geschrieben werden kann. Nun besteht der Ausdruck aber aus weniger als fünfzehn Wörtern, und er definiert mit diesen Wörtern diese bestimmte Zahl. Also ist die von dem Ausdruck definierte Zahl zugleich die kleinste Zahl, die mit mehr als fünfzehn Wörtern geschrieben werden kann, und nicht diese Zahl.
    In den Seminaren 13 und 14 hatte Lacan sich auf eine andere Fassung dieser Paradoxie bezogen. Es geht um einen Tafelanschrieb, der so lautet: „1,2,3,4 – die kleinste ganze Zahl, die nicht an diese Tafel geschrieben ist“ (vgl. Seminar 13, Sitzung vom 20. April 1966; Seminar 14, Sitzung vom 16. November 1966).
  41. Im Französischen sind es hier zwölf Wörter, im Deutschen elf.
  42. In den modernen europäischen Schriften gibt es Abstände zwischen den Wörtern, so dass man die Wörter leicht abzählen kann, selbst dann, wenn man der Sprache nicht mächtig ist. In der japanischen Schriftsprache ist es anders. Die Schriftzeichen stehen für Silben. Zwischen den Silbenschriftzeichen gibt es Abstände, nicht jedoch zwischen mehrsilbigen Wörtern. Das hat zur Folge, dass jemand, der die Sprache nicht beherrscht, zwar die Silben, nicht aber die Wörter zählen kann.
  43. Im geschriebenen Japanisch gibt es Partikel, die die grammatische Funktion vorangehender Zeichen spezifizieren und bei denen man sich fragen kann, ob sie zusammen mit den vorangehenden Zeichen ein Wort bilden oder ob es sich bei ihnen um eigenständige Wörter handelt. Ein Beispiel ist das Zeichen は (ha).
    „Ich singe“ heißt auf Japanisch 私は歌う, watashi ha utau.
    私 (watashi) bedeutet „ich“.
    は (ha) hat die Funktion, vorangehende Schriftzeichen als grammatisches Subjekt zu kennzeichnen.
    歌う (utau) bedeutet „singen“.
    Das zweite Schriftzeichen, は (ha), wird, wenn es die angegebene grammatische Funktion hat, ua ausgesprochen; das spricht dafür, dass es Lacan unter anderem um dieses Zeichen geht. Die Frage ist in diesem Fall, ob das は (ha) zusammen mit dem vorangehenden Schriftzeichen – 私 (watashi) – ein Wort bildet oder ob es sich bei は (ha) um ein eigenes Wort handelt.
  44. Gemeint ist hier das nicht-ausschließende Oder, das auch  „inklusives Oder“ heißt und im Französischen auch ou logique genannt wird, „logisches Oder“. Das heißt, es kann auch beides gewählt werden, sowohl „ja“ als auch „nein“.
  45. Die Konjunktion ist „ich lüge UND ich spreche die Wahrheit“.
    Als die Wahrheit sagte „ich lüge“, hat sie zugleich die Wahrheit gesagt und gelogen.
  46. Vermutlich mit inklusivem Oder.
  47. Ein Kofferwort, das ich Version Miller entnehme; man findet es nicht in Version Staferla. Zusammengesetzt aus „déchaînement“ (Entfesselung) und „déchet“ (Abfall).
  48. Lacan kommt auf seine Bemerkung zurück, dass das sexuelle Verhältnis (das Verhältnis von Mann und Frau) durch das sexuelle Gesetz ersetzt worden ist.
  49. Dass es für einen jeden seine eine jede gibt, ist eben das, was Lacan in dieser Sitzung zuvor als „Abbildung“ oder „Funktion“ bezeichnet hatte.
  50. Lacan spielt mit diesem Satz auf Schema si an, auf das Verhältnis zwischen der Sprache als Ursache, der Sprachwirkung (es gibt kein sexuelles Verhältnis) und der Schrift.

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