Seminar 18

Cyril Veken: Zusammenfassung von Lacans Seminar 18, „Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre“

tatoo scribeFoto von hier

Quel­le: Cy­ril Ve­ken: XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant.
In: Mousta­pha Sa­fouan (Hg.): La­ca­nia­na. Les sé­min­aires de Jac­ques La­can. Tome 2. 1964–1979. Fa­y­ard, Pa­ris 2005, S. 227–252

Das Ur­he­ber­recht (Co­py­right) für die­sen Text liegt beim Ver­lag Li­brai­rie Ar­t­hè­me Fa­y­ard, Pa­ris 2005.

Über­setzt von Rolf Nemitz, mit herz­li­chem Dank an Ger­hard Herr­gott für die Hil­fe bei der Über­set­zung.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern und Fuß­no­ten in ecki­gen Klam­mern sind vom Über­set­zer.

Mit sei­nen zehn „Vor­le­sun­gen“ ist die­ses Se­mi­nar1 das kür­zes­te, das La­can bis da­hin ge­hal­ten hat, im zwei­ten Jahr an der Ju­ris­ti­schen Fa­kul­tät [der Uni­ver­si­tät Pa­ris I Pan­thé­on-Sor­bon­ne].2 Nach­dem es im Ja­nu­ar an­ge­fan­gen hat, wird es spä­ter durch eine zwei­mo­na­ti­ge Rei­se nach Ja­pan un­ter­bro­chen, die La­can die Ge­le­gen­heit ge­ben wird, die Re­fle­xi­on, die er zur Fra­ge des Buch­sta­bens un­ter­nom­men hat, zu kon­kre­ti­sie­ren.3
.…..La­can setzt hier die Er­kun­dung der Per­spek­ti­ve fort, die im vor­an­ge­gan­ge­nen Jahr durch die Aus­ar­bei­tung der Struk­tur der vier Dis­kur­se4 er­öff­net wur­de, und er setzt ein Nach­den­ken in Gang, das im Ver­lau­fe von drei Jah­ren zu neu­en For­mu­lie­run­gen füh­ren soll­te und das Ge­län­de für die To­pik vor­be­rei­tet, die bald dar­auf durch das Ken­nen­ler­nen des bor­ro­mäi­schen Kno­tens er­öff­net wer­den wird. Mit ei­nem Aus­druck, der erst zwei Jah­re spä­ter in En­core sei­nen Auf­tritt hat, kann man sa­gen, dass es sich im We­sent­li­chen um ein Se­mi­nar über „Lin­gu­is­te­rie“5 han­delt, in­so­fern näm­lich, als es La­can hier dar­um geht, den Sinn ei­nes Vor­ge­hens zu prä­zi­sie­ren und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, das, von Freud und Saus­su­re aus­ge­hend, kein an­de­res Ziel hat, als den Fa­den des Dis­kur­ses zu ver­fol­gen, „des­sen Wer­ke­zug er ist“6 und der sich auf nichts an­de­res stützt als auf das Spre­chen, ohne mit ihm zu­sam­men­zu­fal­len.

Ein von Schrift(en) gesäumtes Seminar

Si­cher­lich ist es hier noch wich­ti­ger als sonst, dem Weg, den La­cans Spre­chen nimmt, die größ­te Auf­merk­sam­keit zu schen­ken, in­so­fern, als sich das We­sent­li­che des Se­mi­nars auf die ganz mi­nu­tiö­se Prü­fung des Ver­hält­nis­ses zwi­schen dem Spre­chen (pa­ro­le) und dem Ge­schrie­be­nen (écrit) be­zieht, zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten und dem Buch­sta­ben, wie es durch die­je­ni­ge Pra­xis auf­taucht, die aus­ge­hend vom Dis­po­si­tiv des „psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts“ ein­ge­rich­tet wird. So er­öff­net La­can die­ses Se­mi­nar nicht, in­dem er spricht, son­dern in­dem er den Ti­tel, den er für die­ses Jahr ge­wählt hat, an die Ta­fel schreibt: „D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant“, „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“, und er wird es mit ei­nem Wort aus dem Ek­kle­si­as­tes be­en­den, mit ei­nem Be­zug auf die Bi­bel also, und das heißt auf das, was wir als „Das Buch“ oder „Die Schrift“ ken­nen.
.…..Aber erst im Ver­lauf der Sit­zun­gen wird man fest­stel­len kön­nen, wie sehr die­ses Se­mi­nar von Schrif­ten ge­säumt ist. Das be­ginnt in der ers­ten Sit­zung mit der An­kün­di­gung der ge­ra­de er­schie­ne­nen Aus­ga­be von Sci­li­cet, Heft 2/3, das un­ter dem Ti­tel „Ra­dio­pho­nie“7 die Aus­sa­gen ver­sam­melt, die als Vor­aus­set­zun­gen da­für an­ge­se­hen wer­den, mit ihm die­ses Jahr fort­zu­füh­ren, in ei­ner be­stimm­ten Kon­fi­gu­ra­ti­on, der des Ge­schrie­be­nen, die „durch die Ab­we­sen­heit des­sen cha­rak­te­ri­siert ist, was ich die­sen ‚Druck Ih­rer Prä­senz‘ ge­nannt habe“8. Spä­ter, mit den Sit­zun­gen vom 10. und 17. Fe­bru­ar und dann vom 10. März, wird die Auf­merk­sam­keit auf die chi­ne­si­sche und die si­no­ja­pa­ni­sche Schrift ge­lenkt so­wie auf  Gra­phen als For­men der Schrift. Dann räu­men die Sit­zun­gen vom 10. und 17. März ei­nem Kom­men­tar von „Das Se­mi­nar über Der ent­wen­de­te Brief“, das die Schrif­ten er­öff­net9, ei­nen gro­ßen Platz ein. Die Sit­zun­gen vom 12. Mai und vom 9. Juni las­sen im Se­mi­nar das Ge­schrie­be­ne in das Spre­chen selbst ein­tre­ten, in­so­fern die eine die­ser Sit­zun­gen dem Le­sen von „Litu­ra­terre“10 ge­wid­met ist, ein Text, den La­can von sei­ner Ja­p­an­rei­se mit­bringt, und die an­de­re dem Le­sen ei­nes Tex­tes, der un­ver­öf­fent­licht ge­blie­ben ist und von dem das Ty­poskript, mit An­mer­kun­gen von La­cans Hand, an uns über­lie­fert wor­den ist11. Was die Sit­zun­gen vom 19. Mai und vom 9. Juni an­geht, so wird in ih­nen die Fra­ge der Lo­gik als Schrift ein­ge­führt und ins­be­son­de­re die Schrift der lo­gi­schen Quan­ti­fi­ka­to­ren, die La­can lie­ber als „Quan­to­ren“ be­zeich­net12 und die er auf sehr freie Art ver­wen­det. Dazu ge­hört ins­be­son­de­re das Sym­bol der Ne­ga­ti­on; der Ge­brauch, den er da­von macht, bringt ihn zur For­mu­lie­rung des „nicht-alle“, ein glück­li­cher Fund, der zwei Jah­re spä­ter in En­core breit auf­ge­nom­men und ent­wi­ckelt wird.13 Ganz zu schwei­gen, zu­min­dest im Au­gen­blick, von den üp­pi­gen bi­blio­gra­phi­schen Be­zü­gen, die im Ver­lau­fe des Se­mi­nars dis­ku­tiert wer­den.

Die mas­si­ve Prä­senz des Ge­schrie­be­nen in die­sem Se­mi­nar ist die kon­kre­tes­te Ma­ni­fes­ta­ti­on des­sen, was wir als zen­tral fest­hal­ten möch­ten, näm­lich der Fra­ge des Buch­sta­bens. Die­se Fra­ge, die hier im Zen­trum von La­cans Be­mü­hun­gen steht, bringt ihn zur Aus­ar­bei­tung der au­ßer­ge­wöhn­li­chen Schrift, die ein Jahr spä­ter un­ter dem Ti­tel „L’étourdit“ er­schei­nen wird14 und mit der er wahr­schein­lich be­reits in die­sem Jahr be­gon­nen hat.

Von wo ich Sie ausgehen lassen möchte

Statt dass man wis­sen möch­te, wor­auf er hin­aus­will, hält La­can es, wie er sagt, für an­ge­mes­se­ner,  dass man sich fragt, „von wo ich aus­ge­he, oder so­gar, von wo ich Sie aus­ge­hen las­sen möch­te“15. Die­se Aus­sa­ge muss in ih­rer Mehr­deu­tig­keit ver­stan­den wer­den, da La­can ei­nen wich­ti­gen Teil sei­ner Dar­stel­lung tat­säch­lich der Klä­rung von Aus­sa­gen wid­men wird, die er­for­der­lich sind, um ihm zu fol­gen, wäh­rend er gleich­zei­tig – vor al­lem in den ers­ten Sit­zun­gen – da­mit be­fasst ist, ge­nau­er an­zu­ge­ben, von wo er sei­ne Zu­hö­rer „ver­ja­gen“ möch­te.16 Das be­zeugt der zu­neh­mend grö­ße­re Raum, der, über das gan­ze Se­mi­nar ver­streut, dem „es gibt nicht“ ein­ge­räumt wird bzw. dem „es gibt kein“ (es gibt kei­ne Met­a­spra­che, kein se­xu­el­les Ver­hält­nis, kei­nen An­de­ren des An­de­ren, kein Wah­res über das Wah­re, kei­nen Schein des Dis­kur­ses usw.). Das be­zeu­gen auch die zahl­rei­chen Prä­zi­sie­run­gen und Be­rich­ti­gun­gen, die an das an­schlie­ßen, was La­can be­reits vor­ge­bracht hat­te, in vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zun­gen oder im frü­he­ren Un­ter­richt, ins­be­son­de­re über den schlech­ten Ge­brauch, den man von sei­nen Ter­mi­ni ma­chen konn­te, etwa vom Be­griff der In­ter­sub­jek­ti­vi­tät, dem er den der In­ter­si­gni­fi­kanz vor­zieht17. Und zum Phal­lus prä­zi­siert er, dass er nicht da­durch ge­kenn­zeich­net ist, „der Si­gni­fi­kant des Man­gels zu sein […], son­dern da­durch, ganz ge­wiss das zu sein, wo­von kei­ner­lei Spre­chen aus­geht“18. Im Ver­lauf des Se­mi­nars sieht man, wie La­can auf die­se oder jene For­mu­lie­rung, die er für un­glück­lich hält, zu­rück­kommt, ein Zeug­nis da­für, dass es ihm um das geht, was er an an­de­rer Stel­le eine Ethik des Gut-Spre­chens nennt. Die Bei­spie­le ver­wei­sen dar­auf, in wel­chem Maße es um ein Spre­chen geht, das dem Platz des Ana­ly­san­ten nä­her ist als dem des Herrn oder des Uni­ver­si­täts­men­schen und selbst nä­her als dem des Ana­ly­ti­kers.

Je­den­falls, wenn sich der Aus­gangs­punkt in die­sem Jahr auf die Fra­ge des Dis­kur­ses be­zieht, wie sie im vor­an­ge­gan­gen Jahr for­mu­liert wor­den war, dann be­steht die Auf­ga­be, die La­can sich hier stellt, zu­nächst dar­in, das zu ent­wir­ren, was ein Hin­der­nis da­für bil­det, dass er ver­stan­den wer­de, und sich hier­bei ein­zig der Werk­zeu­ge des Dis­kur­ses zu be­die­nen, des­sen In­stru­ment er ist, wie er sagt.19 Und al­les ge­schieht so, als ob das, was er zu sa­gen hat, von der Spra­che nicht nur un­trenn­bar wäre, son­dern ge­ra­de­zu ih­ren Stoff bil­den wür­de..

Was die Spra­che  an­geht und den ent­schei­den­den Platz, den sie ein­nimmt, so be­steht auch hier An­lass dazu, die Il­lu­si­on des Wis­sens „zu ver­ja­gen“, die vom Uni­ver­si­täts­dis­kurs vor al­lem im Be­reich der Lin­gu­is­tik auf­recht­erhal­ten wird. Die Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar, an ei­nem Tag ab­ge­hal­ten, an dem an der Uni­ver­si­tät ge­streikt wur­de, bie­tet La­can die Mög­lich­keit, sei­ne Po­si­ti­on zur Be­zie­hung zwi­schen der Lin­gu­is­tik und sei­ner Lehr­tä­tig­keit zu prä­zi­sie­ren, be­zo­gen auf die „Echos, den Lärm, das Mur­meln“, die aus dem Be­reich kom­men, „der auf uni­ver­si­tä­re Wei­se de­fi­niert ist und der sich ‚Lin­gu­is­tik‘ nennt“20, und hier­bei ge­nau­er an­zu­ge­ben, in­wie­fern er hier mit ei­nem Fall kon­fron­tiert ist, der für den­je­ni­gen der vier Dis­kur­se, den er als Uni­ver­si­täts­dis­kurs be­zeich­net hat, ganz und gar be­mer­kens­wert ist und der „nur aus­ge­hend vom Dis­kurs des Herrn ar­ti­ku­liert wer­den kann“21.
.…..La­can re­agiert dar­auf, wie die Sprach­wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät „sich im Grun­de das Vor­recht si­chern woll­ten, über die Spra­che zu spre­chen“22, so­wie auf ih­ren Ein­wand, La­can ma­che von der Lin­gu­is­tik nur ei­nen „me­ta­pho­ri­schen Ge­brauch“23. Die­ser Ein­wand rührt an ei­nen der we­sent­li­chen Punk­te von La­cans Vor­ge­hen, näm­lich dass „jede Be­zeich­nung me­ta­pho­risch ist“, in­so­fern „sie nur durch Ver­mitt­lung von et­was an­de­rem vor­ge­nom­men wer­den kann“24. An­ders ge­sagt, der Si­gni­fi­kant ist Schein, selbst wenn er in sei­ner Ma­te­ria­li­tät das Ge­gen­teil des Ar­te­fakts ist. Und ge­nau als Schein ist er die Stüt­ze des­sen, wor­auf der Dis­kurs sich be­zieht, und kann er da­her Wir­kun­gen im Rea­len ha­ben.
.…..Mit der Wie­der­auf­nah­me des Kom­men­tars von Der ent­wen­de­te Brief25, der die Schrif­ten er­öff­net hat, rückt die Fra­ge der Me­ta­pher wie­der an ers­te Stel­le, wenn es dar­um geht, die Let­ter (lett­re) vom Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zu un­ter­schei­den, da die Er­zäh­lung von Poe uns eben zeigt, wie der Her­ren­si­gni­fi­kant von der Let­ter auf ih­rem Um­schlag mit­ge­führt wird. Nun ist der Aus­druck „Let­ter“ (lett­re, Buchstabe/Brief), so be­tont La­can, nicht me­ta­pho­risch, denn die Er­zäh­lung von Poe zeigt, dass es bei der Bot­schaft, die hier be­stän­dig ver­schwin­det, „das Ge­schrie­be­ne ist, also ei­gent­lich die Let­ter, was ein­zig die Pe­ri­pe­tie her­bei­führt“26. An­ders ge­sagt, ob die Let­ter der Druck­buch­sta­be ist, der eine Schrift (éc­ri­tu­re) nach­bil­det, oder ob sie der Brief ist, der eine Bot­schaft mit sich führt – die Let­ter führt als sol­che den Si­gni­fi­kan­ten mit sich, ohne selbst eine Be­deu­tung zu tra­gen..

Da­mit en­det La­can je­doch nicht und er gibt wei­te­re Bei­spie­le für Po­si­tio­nen, die „un­halt­bar sind, je­den­falls aus­ge­hend spe­zi­ell von der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung“27. Etwa die Po­si­ti­on des lo­gi­schen Po­si­ti­vis­mus, für die gilt, dass je­der Aus­druck, des­sen Si­gni­fi­kat nicht der Über­prü­fung durch eine Ja/Nein-Entscheidung un­ter­zo­gen wer­den kann, nichts be­deu­tet. Mit La­can muss man fest­stel­len, dass un­ter die­ser Be­din­gung kaum Aus­drü­cke üb­rig blei­ben, die et­was be­deu­ten … Eine an­de­re Po­si­ti­on, die er als un­halt­bar an­sieht, dies­mal in Be­zug auf die Se­xua­li­tät, ist die­je­ni­ge, die von Stol­ler in Sex and Gen­der ver­tre­ten wird, und die La­can die Ge­le­gen­heit gibt, an­zu­deu­ten, wor­in eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Kli­nik der Trans­se­xua­li­tät be­stehen könn­te.28.

La­can scheut sich also kei­nes­wegs, zu Wis­sens­for­men Nein zu sa­gen, bei de­nen er zei­gen will, wie sie vom psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs un­ter­mi­niert oder un­gül­tig ge­macht wer­den. Dazu ge­hö­ren, ge­nannt oder nicht ge­nannt, aber je­den­falls gut er­kenn­bar, Mou­nin und Mar­ti­net (zum da­ma­li­gen Zeit­punkt die eta­blier­te Lin­gu­is­tik), Chom­sky (des­sen Un­ter­schei­dung Kompetenz/Performanz von ihm ver­spot­tet wird), Der­ri­da (für den der Buch­sta­be nicht die Kon­se­quenz der Tat­sa­che ist, dass man spricht, son­dern „ar­chié­c­ri­tu­re“, Ur­schrift, im­mer schon da, dem Spre­chen vor­aus­ge­hend), Og­den und Ri­chards (de­ren be­rühm­tes Werk The Me­a­ning of Me­a­ning von La­can oft zi­tiert wird29) und ei­ni­ge an­de­re. Aber er scheut sich auch nicht, zu sa­gen, was er sei­nem „cher maît­re De­mié­vil­le“ schul­det, bei dem er Chi­ne­sisch ge­lernt hat, so­wie Men­ci­us und ei­ni­ge an­de­re chi­ne­si­sche Au­to­ren zu wür­di­gen und eben­so die be­mer­kens­wer­te Ar­beit von Ma­de­lei­ne Da­vid über die Schrift30..

Al­les scheint sich dem­nach so ab­zu­spie­len, als ob die­ses Se­mi­nar in La­cans Ar­beit eine neue Pha­se ein­lei­te­te: ei­ner­seits Kon­ti­nui­tät, Er­in­ne­rung an die Grund­la­gen, von de­nen aus die­se Ar­beit be­trie­ben wird, zu­gleich aber eine ge­naue Be­zeich­nung von Punk­ten, bei de­nen es dar­auf an­kommt, die spe­zi­el­le Ver­win­dung vor­zu­neh­men, durch die Vor­der­sei­te und Rück­sei­te des Dis­kur­ses in­ein­an­der über­ge­hen. Und die For­mu­lie­rung „von wo ich Sie aus­ge­hen las­sen möch­te“ (oder wie­der aus­ge­hen las­sen möch­te, für die­je­ni­gen, die ihm be­reits seit län­ge­rem fol­gen) scheint an­zu­zei­gen, dass nach ei­ner ers­ten Run­de, die in Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se mün­de­te, dies eine zwei­te Run­de ist, die La­can hier durch die Fra­ge nach dem Buch­sta­ben in sei­ner Ver­bin­dung mit dem Spre­chen in An­griff nimmt. Da­bei han­delt es sich um den Ver­such, das her­aus­zu­lö­sen, was es auf der lo­gi­schen Ebe­ne an Ge­mein­sam­kei­ten ge­ben könn­te zwi­schen, zum ei­nen, der Kluft, die das Spre­chen vom Ge­schrie­be­nen trennt, und, zum an­de­ren, dem Un­mög­li­chen, das im Te­tra­eder des Dis­kur­ses Wahr­heit und Ge­nie­ßen von­ein­an­der trennt, so­wie schließ­lich der Un­mög­lich­keit, das se­xu­el­le Ver­hält­nis zu schrei­ben..

Die Fra­ge, die hier vor al­lem un­ter dem Blick­win­kel der „Lin­gu­is­te­rie“ an­ge­gan­gen wird, ist also Aus­gangs­punkt für eine Ar­beit, bei der es nicht nur dar­um ge­hen wird, den psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs zu ar­ti­ku­lie­ren (das war die ers­te Run­de), son­dern auch dar­um, es zu er­mög­li­chen, zu ver­ste­hen oder zu le­sen, wo­durch hier die Struk­tur qua Dis­kurs kon­sti­tu­iert wird und wor­in der Schlüs­sel für sei­ne Wirk­sam­keit be­stehen kann, d..h. für sei­ne Be­geg­nung mit dem Rea­len. Wie soll­te man hier nicht ei­nen Hin­weis auf die zwei Run­den se­hen, durch die „L’étourdit“ struk­tu­riert wird?

Worauf ich hinauswill

Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleiner

Die vier Dis­kur­se (Se­mi­nar 17)

Gleich zu Be­ginn be­tont La­cans Kom­men­tar zu dem für die­ses Jahr ge­wähl­ten Ti­tel den Ab­stand zwi­schen „mei­nem Dis­kurs“, in­so­fern er den „Druck“ (pres­se) sei­ner Zu­hö­rer ver­an­lasst, und dem der „Fol­ge der Äu­ße­run­gen, die ich Ih­nen prä­sen­tie­re“, be­frag­bar, so prä­zi­siert La­can, „durch das Nicht / den Schritt (pas) ei­nes Dis­kur­ses, der nicht vom Schein wäre“31. Die Wich­tig­keit die­ses pas hat man be­reits er­mes­sen kön­nen, das, Ne­ga­ti­on und Über­schrei­tung zu­gleich, eine Vor­stel­lung von der Be­zie­hung ver­mit­telt, die es zwi­schen der Zu­rück­wei­sung von et­was ge­ben kann und der Ge­burt des­sen, was La­can als Her­ren­si­gni­fi­kant be­zeich­net. Hier ist es so, dass, aus­ge­hend von der Struk­tur von vier Plät­zen, durch wel­che die Dis­kur­se or­ga­ni­siert sind, das Un­über­schreit­ba­re fest­ge­hal­ten wird zwi­schen dem so­ge­nann­ten Platz der Wahr­heit und dem­je­ni­gen der Pro­duk­ti­on oder des Ge­nie­ßens (jouis­sance). Und die­ses pas im Sin­ne von „un­mög­lich“ wird die Re­fle­xi­on des Se­mi­nars an­lei­ten, wenn es wahr ist, dass auf die­se Wei­se der Dis­kurs ans Rea­le rührt, also an et­was, das nicht vom Schein ist und das für den Dis­kurs als Schein eine Gren­ze bil­det.

Vier Plätze 2

Die vier Plät­ze (Se­mi­nar 17)

Die Fra­ge stellt sich dann nach ei­nem Dis­kurs, der in der Lage wäre, et­was über die­sen Au­gen­blick zu sa­gen, in dem die Wahr­heit, wie die Ana­ly­se sie er­fah­ren lässt, ent­fes­selt wird durch „die­sen Bo­den des Ve­r­i­di­schen, der, wie das Ora­kel, zum Spre­chen ge­hört“32. Aus­ge­hend von dem Mo­ment, „in dem der Dis­kurs als Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz zu­rück­ge­wie­sen wird, dis­qua­li­fi­ziert wird“33 (d..h. von dem Mo­ment, in dem sich die­ser Wahr­heits­ef­fekt her­stellt, bei dem der Ödi­pus­kom­plex dazu dient, uns klar­zu­ma­chen, „dass der Dis­kurs hier nicht vom Schein ist, son­dern dass Blut ge­flos­sen ist“34), han­delt es sich jetzt dar­um, wie man zu ei­ner Lo­gik über­geht, die ver­sucht, die­se Wahr­heit zu ver­kör­pern. In ge­nau dem Mo­ment näm­lich, in dem das Spre­chen an das Rea­le rührt – jen­seits ei­ner Be­deu­tung, die auf eine an­de­re Be­deu­tung ver­weist –, stellt sich die Fra­ge, wel­che Lo­gik da­von Re­chen­schaft ab­le­gen könn­te, wie eine Fort­set­zung des Dis­kur­ses da­durch ge­kenn­zeich­net sein kann, ein Wahr­heits­ef­fekt zu sein. Das um­fasst zu­gleich die Fra­ge nach dem Sub­jekt, in­so­fern das Sub­jekt als sol­ches nie­mals „die Ar­ti­ku­la­ti­on der Si­gni­fi­kan­ten be­herrscht, son­dern von ihr im ei­gent­li­chen Sin­ne de­ter­mi­niert wird“35.
.…..Das Ziel ist also klar: Was ist die­se Lo­gik, die in der Spra­che ent­hal­ten ist und die weit über das hin­aus­geht, was uns dar­aus her­aus­zu­lö­sen ge­lingt? Was also ist die­ses Ob­jekt, das sich nur in der Ar­ti­ku­la­ti­on des Dis­kur­ses her­stellt?.

La­can stützt sich dann auf das Ter­rain, das Freud mit Jen­seits des Lust­prin­zips36 zag­haft vor­be­rei­tet hat, und dar­auf, wie Freud hier Wie­der­ho­lung und Ge­nie­ßen mit­ein­an­der ver­kno­tet. Denn wenn die Wie­der­ho­lung dem Lust­prin­zip zu­wi­der­läuft, dann des­we­gen, weil die Wie­der­ho­lung, in­dem sie den Tod ris­kiert, auf den Punkt stößt, der für das Ge­nie­ßen des Le­bens ein Ende dar­stellt.
.…..La­can fasst das, was er die „Freud’sche Hy­po­the­se“ nennt, in ei­nem sehr er­hel­len­den Syl­lo­gis­mus zu­sam­men, um – aus­ge­hend vom Lust­prin­zip und von der Ge­fahr der töd­li­chen Über­schrei­tung, die es ein­schließt – die Mög­lich­keit zur Gel­tung zu brin­gen, dass die Wie­der­ho­lung sich in Ge­stalt der Rück­kehr zur Welt als Schein voll­zieht, d..h. zur „Welt die­ses von der Spra­che de­na­tu­rier­ten Tie­res, näm­lich des Sprech­we­sens“37.
.…..Und die­se Mög­lich­keit der Wie­der­ho­lung jen­seits des mi­ni­ma­len Er­re­gungs­ni­veaus, d..h. jen­seits des Lust­prin­zips, eben dies ist die Mög­lich­keit – auf­grund des Auf­tau­chens des Dis­kur­ses des Un­be­wuss­ten, aus­ge­hend von ei­ner be­stimm­ten Si­gni­fi­kan­ten­funk­ti­on –, das Pro­fil die­ses Dis­kurs­ef­fekts er­schei­nen zu las­sen, der bis da­hin als un­mög­lich er­schien, näm­lich die Mehr­lust, das Ob­jekt a.38.

Ei­ni­ge ha­ben ge­glaubt, als sie hör­ten, dass La­can den Dis­kurs als Ar­te­fakt de­fi­niert und den Si­gni­fi­kan­ten, aus dem er be­steht, als Schein, in La­can ei­nen „ge­fähr­li­chen Idea­lis­ten“ zu se­hen. Aus die­sem Grun­de macht La­can sich dar­an, zu zei­gen, dass der Schein das Ge­gen­teil des Ar­te­fakts ist: Wenn man mit La­can an­nimmt, dass wir nicht durch die Wahr­neh­mung er­ken­nen, son­dern durch den Dis­kurs­ap­pa­rat, läuft das dar­auf hin­aus, im Sys­tem der Vor­stel­lun­gen der Idee je­den Platz zu rau­ben. Die­se Li­nie wei­ter ver­fol­gend, be­haup­tet La­can: Wenn der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs, wie wir ihn ken­nen, das Rea­le tref­fen kann, be­ruht das eben dar­auf, dass er von der Fra­ge des Scheins ab­hängt. Denn die Wir­kun­gen ei­nes Scheins ge­ben uns das Mit­tel – wo es nur um Buch­sta­ben geht (um die­sen „Gip­fel des Ge­schrie­be­nen“, aus dem der Dis­kurs der Wis­sen­schaft ge­bil­det ist) –, das Rea­le aus­zu­ma­chen, das heißt das, was im Schein ein Loch macht. Dem­nach rich­tet sich der Dis­kurs­ap­pa­rat dann auf das Rea­le, wenn er auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt. Wie man sieht, treibt La­can die Fra­ge nach den ma­te­ria­lis­ti­schen Grund­la­gen sei­ner Kon­zep­ti­on der Psy­cho­ana­ly­se hier wei­ter vor­an, in­dem er sie mit ei­ner Theo­rie des Dis­kur­ses ver­knüpft, wo­nach der Dis­kurs, statt sich als Re­flex des Rea­len zu prä­sen­tie­ren, dem Rea­len ge­nau dort be­geg­net, wo er es ver­fehlt.39

Und die Sexualität?

Das Rea­le, dem man dort be­geg­net, wo es ver­fehlt wird, bringt La­can dazu, in Er­in­ne­rung zu ru­fen, was für ihn die ein­zi­ge Ge­mein­sam­keit von Freud und Marx ist, näm­lich dass die Di­men­si­on des Sym­ptoms als et­was her­aus­ge­stellt wird, was spricht, „selbst zu den­je­ni­gen, die nicht hö­ren kön­nen“, und das nicht al­les sagt, „selbst zu den­je­ni­gen, die hö­ren kön­nen“40. Von da aus stellt sich die Fra­ge, was man sagt, wenn man wie­der­holt, der Bei­trag von Freud be­stehe eben dar­in, ge­zeigt zu ha­ben, dass al­lem, wor­um es beim Dis­kurs geht, die Se­xua­li­tät zu­grun­de­liegt. La­can be­tont hier ger­ne, wie sehr es ihn er­staunt, dass man nicht ge­se­hen hat, dass er das, wor­um es bei die­sem Ter­mi­nus geht, noch nicht be­han­delt hat, und er be­steht dar­auf, dass eine gan­ze Welt liegt zwi­schen der bio­lo­gi­schen Sub­stanz, die da­mit zu­neh­mend ver­bun­den wird, und dem, wor­um es geht, wenn Freud sich über das äu­ßert, was das Un­be­wuss­te von der Se­xua­li­tät ent­hüllt, die „nichts Bio­lo­gi­sches hat, wel­ches auch im­mer das Ge­stol­per sein mag, dem auch er un­ter­lie­gen konn­te.“ Des­halb zieht La­can den Aus­druck „Mann-Frau-Ver­hält­nis­se“ dem der „Se­xua­li­tät“ vor, da „das, was den Mann de­fi­niert, letzt­lich sein Ver­hält­nis zur Frau ist, und um­ge­kehrt“41..

Auch wenn das se­xu­el­le Ver­hält­nis des Men­schen et­was vom tie­ri­schen Schein be­wahrt (Rol­le des Balz­ver­hal­tens bei der se­xu­el­len Ko­pu­la­ti­on), un­ter­schei­det es sich da­von doch ra­di­kal, und zwar da­durch, dass beim Men­schen die­ser Schein von ei­nem Dis­kurs ge­tra­gen wird. Von hier aus und nur von hier aus, wird der Schein zu ei­ner be­stimm­ten Wir­kung ge­bracht, die selbst nicht vom Schein wäre. Bei­spiels­wei­se dann, wenn – an­stel­le der „er­le­se­nen tie­ri­schen Höf­lich­keit“42 – ein Mann dazu kommt, eine Frau zu ver­ge­wal­ti­gen. Das ist dann die pas­sa­ge à l’acte, die Gren­ze, jen­seits de­rer der Dis­kurs den Schein nicht mehr auf­recht­erhal­ten kann. An­ders ge­sagt, dies ist die In­ter­ven­ti­on des Rea­len, näm­lich ge­nau des­sen, was dem se­xu­el­len Dis­kurs un­ter­sagt ist, in­so­fern die­ser Dis­kurs den Ein­satz der Mehr­lust er­mög­licht, die ga­ran­tiert, dass die töd­li­che Gren­ze nicht über­schrit­ten wird. Von da­her die For­mel „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“..

Denn die Mehr­lust wird nur durch eine Be­zie­hung zum se­xu­el­len Ge­nie­ßen nor­ma­li­siert, das nur vom Phal­lus her for­mu­liert wer­den kann, in­so­fern er des­sen Si­gni­fi­kant ist, und das heißt, im Ge­gen­satz zum Pe­nis, ein Schein. Von ei­nem lo­gi­schen Stand­punkt aus – und das ist ei­ner der Haupt­punk­te die­ses Se­mi­nars – wird der Ödi­pus­kom­plex von La­can dann als et­was dar­ge­stellt, das not­wen­dig ist, um das Rea­le des se­xu­el­len Ge­nie­ßens als un­mög­lich zu be­zeich­nen, in­so­fern näm­lich, als die Ge­stalt des Va­ters hier das my­thi­sche We­sen be­zeich­net, des­sen Ge­nie­ßen das al­ler Frau­en wäre. Ge­nau dies aber, alle Frau­en, exis­tiert nicht. Was den Phal­lus an­geht, zeigt die Schrift der Quan­to­ren, dass es wel­che gibt, die kei­nen ha­ben..

Von da aus kom­men wir zum Kern die­ses Se­mi­nars, zur Fra­ge, was durch die Lo­gik als Schrei­bung der Wahr­heits­ef­fek­te der Spra­che auf­ge­klärt wer­den kann, be­zo­gen dar­auf, was nach den Ge­set­zen der Sprach­ord­nung ge­schrie­ben wer­den kann und was nicht. Man fin­det dann die be­rühm­ten Quan­to­ren, die es ge­stat­ten, et­was über das „es gibt“ und über das „es gibt nicht“ zu schrei­ben wie auch über das „alle“ und das „nicht alle“.43

Formeln der Sexuierung - nur die Formeln

Die For­meln der Se­xu­ie­rung (Se­mi­nar 19)

Be­vor er in die­ser Rich­tung wei­ter­geht, lie­fert La­can uns je­doch in „ge­quas­sel­ter“ Form, d..h. in nicht schrift­lich for­ma­li­sier­ter Ge­stalt, das, was da­nach zu der wich­ti­gen lo­gi­schen Aus­ar­bei­tung  An­lass gibt, die zwei Jah­re spä­ter zu den so­ge­nann­ten For­meln der Se­xu­ie­rung füh­ren wird44: Im Ver­hält­nis zwi­schen Mann und Frau (ein Ver­hält­nis, des­sen Rea­les das se­xu­el­le Ge­nie­ßen ist und des­sen Si­gni­fi­kant der Phal­lus ist) ist die Frau für den Mann „die Stun­de der Wahr­heit“45, denn sie ist in der Po­si­ti­on, sagt La­can, die Äqui­va­lenz zwi­schen dem Ge­nie­ßen und dem Schein zu in­ter­punk­tie­ren, und da­mit an­zu­zei­gen, was im Ver­hält­nis des Man­nes zur Frau von der Na­tur des Si­gni­fi­kan­ten ist, also des Scheins. Weil der Mann im Über­schnei­dungs­be­reich von zwei Ar­ten des Ge­nie­ßens sei­nen Platz hat (dem „Ge­nie­ßen des Le­bens“46 und der „Mehr­lust“), er­lei­det er das Elend die­ses so­ge­nann­ten se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses mit vol­ler Wucht, wo­bei für die Frau Ge­nie­ßen und Schein nicht we­ni­ger ge­trennt sind, auch wenn sie in der Di­men­si­on des Dis­kur­ses äqui­va­lent sind. Und das ist die Wahr­heit, die die Frau für den Mann re­prä­sen­tiert: Sie al­lein kann dem Schein sei­nen Platz ge­ben und da­mit die Po­si­ti­on des Buch­sta­bens ein­neh­men. La­can kommt dann zu die­ser For­mel: „Trieb­fe­der des Un­be­wuss­ten ist nichts an­de­res als das Grau­en vor die­ser Wahr­heit.“47.

Die Aus­füh­run­gen über die Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen füh­ren zu et­was, das di­rekt die Psy­cho­ana­ly­se be­trifft, näm­lich dass die For­mu­lie­rung „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ nur im Fel­de des Ge­schrie­be­nen gül­tig sein kann. Denn je­des Ver­hält­nis hat nur von da­her Be­stand, dass es ge­schrie­ben wer­den kann (bei­spiels­wei­se ab), in­so­fern näm­lich, als das Spre­chen über ein Ver­hält­nis den Be­zug auf die klei­nen Buch­sta­ben als For­men des Scheins im­pli­ziert und nicht auf ir­gend­et­was, das dem Rea­len ent­nom­men wäre.48 Was nicht hei­ßen soll, dass sich im Rea­len nichts er­eig­net, aber mit wel­chem Recht wür­de man dies dann als Ver­hält­nis be­zeich­nen? Denn die­ser Ter­mi­nus gilt nur für das Sym­bo­li­sche, also für das, was Sa­che der Schrift ist. Die spe­zi­el­le Pro­ble­ma­tik, die Apo­rie, über der die Psy­cho­ana­ly­se ins Stol­pern ge­rät, be­zieht sich dar­auf, wie sich Fol­gen­des er­klä­ren lässt: Wenn ein Ver­hält­nis nur im Be­reich des Ge­schrie­be­nen gel­ten kann, was kann man dann über ein Ver­hält­nis sa­gen, das nicht ge­schrie­ben wer­den kann, über das se­xu­el­le Ver­hält­nis – was kann man an­de­res sa­gen als dies, dass es ein sol­ches Ver­hält­nis nicht gibt?.

Die Ant­wort wird an­ge­kün­digt: das ist die Funk­ti­on des Phal­lus, der für ein sol­ches Ver­hält­nis das Hin­der­nis dar­stellt und die se­xu­el­le Bi­po­la­ri­tät un­halt­bar und ihr Auf­schrei­ben zu­gleich un­mög­lich macht. Denn das, was der Phal­lus an­zielt – der kei­nes­falls mit dem Pe­nis zu ver­wech­seln ist –, ist sein Ver­hält­nis zum Ge­nie­ßen. Und es ist ge­nau die­ser Punkt, durch den sich die Funk­ti­on des Phal­lus von der phy­sio­lo­gi­schen Funk­ti­on des Pe­nis un­ter­schei­det: Es gibt ein Ge­nie­ßen, und die­ses bil­det sei­ne Wahr­heits­be­din­gung. Das ist auch der Punkt, der die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem be­grün­det, was La­can das Sein und das Ha­ben nennt, de­ren Un­ver­ein­bar­keit ein an­de­rer Name für die Kas­tra­ti­on ist. Aber nach­dem dies ein­mal ge­sagt ist, müs­sen noch be­trächt­li­che An­stren­gun­gen un­ter­nom­men wer­den, um da­für den Be­weis zu lie­fern, das heißt, um das Ge­schrie­be­ne zu pro­du­zie­ren, das es er­lau­ben wird, des­sen Rea­les ein­zu­krei­sen.49.

Schema chineischer Buchstabe szu ohne Zahlen

szu

An die­sem Punkt des Se­mi­nars an­ge­kom­men, führt La­can ei­nen Gra­phen ein, der ihm durch die Form ei­nes chi­ne­si­schen Schrift­zei­chens na­he­ge­legt wor­den ist, das den Si­gni­fi­kan­ten szu no­tiert (was „ver­schla­gen“ be­deu­tet, „per­sön­lich“ oder auch „pri­vat“) und des­sen Zeich­nung an ein un­voll­stän­di­ges Drei­eck er­in­nert. Das wird der Graph die­ses Se­mi­nars sein, mit des­sen Hil­fe La­can eine An­nä­he­rung her­stellt zwi­schen dem, wor­um es ei­ner­seits beim Ver­hält­nis zwi­schen Schrift und Spra­che geht und an­de­rer­seits beim so­ge­nann­ten se­xu­el­len Ver­hält­nis. Aber viel bleibt noch zu tun, um mit­hil­fe des Spre­chens „den Weg zum Ge­schrie­be­nen zu bah­nen“50.

Schema Effet de langage - mit dt 2

Graph von Se­mi­nar 18

In die­sen Gra­phen51 trägt La­can un­ter (1) die Spra­che ein, de­ren re­ser­vier­ter Be­reich in der Kluft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses ver­or­tet ist, wie der Phal­lus sie of­fen­lässt. Denn die Spra­che führt nicht zwei Ter­mi­ni ein, die als männ­lich und weib­lich de­fi­niert wer­den, son­dern die Wahl zwi­schen zwei Ter­mi­ni ganz an­de­rer Art: zwi­schen dem Sein und dem Ha­ben. An die Stel­le des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses tritt so das se­xu­el­le Ge­setz, durch das be­stimmt wird, dass es nichts Ge­mein­sa­mes gibt (das un­ter (2) no­tier­te  PAS [NICHT]) zwi­schen ei­nem Ver­hält­nis, das ein Ge­setz im Mo­dus ei­ner ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on bil­den wür­de (das un­ter (3) no­tier­te Fak­tum des Ge­schrie­be­nen), und ei­nem Ge­setz, das zum Re­gis­ter des Be­geh­rens, der Un­ter­sa­gung, passt (der un­ter (1) no­tier­te Spra­ch­ef­fekt). Al­les, was in den Be­reich der Sprach­wir­kun­gen fällt, des­sen, was La­can als dem­an­si­on 52 der Wahr­heit be­zeich­net, wird also zur Struk­tur der Fik­ti­on ge­zwun­gen sein, d..h. des Scheins..

Wenn auf der Sei­te des Man­nes der Pe­nis sich nach dem Ge­setz rich­tet, dem Be­geh­ren, der Mehr­lust und dem Phan­tas­ma, so stößt auf der Sei­te der Frau das Wis­sen auf „den Kno­chen, der dem Or­gan fehlt“53. Die­ser feh­len­de Kno­chen ist je­doch nicht der Phal­lus, son­dern das Be­geh­ren. So­dass eine Frau nur durch das Be­geh­ren des Man­nes ein Zeug­nis für ihre Ein­schrei­bung in das phal­li­sche Ge­setz hat, das heißt des Scheins als Er­satz für das Ver­hält­nis. Nun ist das Be­geh­ren des Man­nes aber an die Ur­sa­che des Be­geh­rens ge­bun­den, an die Mehr­lust, die ihre Quel­le selbst wie­der­um nir­gend­wo an­ders hat als in der Sprach­wir­kung, d..h. im Be­geh­ren des An­de­ren. Folg­lich ist die Frau für den Mann die An­de­re, d..h. der Ort, an dem die Ur­sa­che des Be­geh­rens an­ge­sie­delt ist. Nun kann aber das phal­li­sche In­stru­ment als Ur­sa­che der Spra­che – in dem Sin­ne, dass es be­wirkt, dass wir spre­chen – un­mög­lich in der Spra­che ar­ti­ku­liert wer­den. Von da­her die un­ver­meid­li­che Zwie­tracht zwi­schen ei­nem Mann und ei­ner Frau, denn das Ver­hält­nis zwi­schen ih­nen wird durch das von der Spra­che ein­ge­führ­te „se­xu­el­le“ Ge­setz ver­fälscht, ein Ge­setz, „das ei­nen je­den be­geh­ren lässt, dass es für ihn die sei­ne gibt“54. Und La­can kom­men­tiert ver­schmitzt: Wenn sich das er­eig­net, pflegt man nicht zu sa­gen, dass dies et­was Na­tür­li­ches war, son­dern „dass es ge­schrie­ben war“55!.

Die­ser Graph, der et­was dun­kel ist, wenn er nicht von viel Spre­chen be­glei­tet wird, ent­hält das, was in den nächs­ten bei­den Jah­ren im De­tail ent­wi­ckelt wird, be­zo­gen auf den Dop­pel­cha­rak­ter des Ein im Ver­hält­nis zum Phal­lus und im Ver­hält­nis zur Fra­ge der se­xu­el­len Nicht-Be­zie­hung, die sich dar­aus er­gibt. Wie soll­te man hier­in nicht den Ver­such se­hen, mit­hil­fe von dem, was bald als lalan­gue be­zeich­net wer­den wird, Aus­drü­cke zu bil­den, mit de­nen die­se bei­den Ar­ten des Ein be­zeich­net wer­den kön­nen: der ein­zi­ge Zug (un en pe­luce [un en plus – eins mehr]) und das zähl­ba­res Ein (pap­lu­dun [pas plus d’un – nicht mehr als ein)].

Das sexuelle Verhältnis: eine Sache der Logik, zwischen Sprechen und Schrift

La­can kommt dann auf die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis von Spre­chen und Schrift zu­rück und nimmt als Bei­spiel den Satz Der Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers „ist nichts an­de­res als die Lo­gik des Han­delns“56, wo­bei er dar­auf hin­weist, dass er des­halb nicht gehört/verstanden (en­ten­due) wor­den ist, weil das et­was Ge­schrie­be­nes war. Da­mit et­was Ge­schrie­be­nes ver­stan­den wird, so prä­zi­siert La­can, muss man näm­lich „wie­der Spre­chen da­zu­ge­ben und es gründ­lich da­mit ein­fet­ten“57. Folg­lich wer­den die Schrif­ten hier als ein Ver­such dar­ge­stellt, aus­ge­hend vom Spre­chen den Weg zum Ge­schrie­be­nen zu bah­nen, wo­bei die­ser Ver­such da­durch ge­kenn­zeich­net ist, dass er zu Gra­phen führt.
.…..Wenn man La­can aber aus­ge­hend von Gra­phen kom­men­tiert, ob dies nun das Sche­ma L ist, das Sche­ma R oder der so­ge­nann­te Graph „des Be­geh­rens“, kann dies nur eine Quel­le von Irr­tü­mern oder Miss­ver­ständ­nis­sen sein, denn es geht nicht um das Wis­sen, das in die­sen Gra­phen ent­hal­ten wäre, son­dern um das Wis­sen des Spre­chens, das dort­hin ge­führt hat.58 Was uns zur psy­cho­ana­ly­ti­schen Grund­re­gel zu­rück­bringt: „Spre­chen Sie, spre­chen Sie, wet­ten Sie, es ge­nügt, dass Sie par­lie­ren, das ist die Büch­se, aus der alle Ga­ben der Spra­che her­vor­ge­hen, das ist eine Büch­se der Pan­do­ra.“59 Man kann sich dann fra­gen, was es mit der Wahr­heit auf sich hat, die sich aus dem frei­en Ge­brauch des Spre­chens er­gibt, und La­can ant­wor­tet hier­auf, dass die Funk­ti­on, die vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs de­fi­niert wird, nicht frei­er ist als eine ge­bun­de­ne Va­ria­ble in ei­ner ma­the­ma­ti­schen Funk­ti­on, das heißt in et­was Ge­schrie­be­nem. Von da­her die Be­deu­tung vor­be­rei­ten­der Ge­sprä­che, in de­nen die Be­din­gun­gen fest­ge­legt wer­den, die es er­mög­li­chen, dass der Ana­ly­ti­ker in der Po­si­ti­on des „Sub­jekts, dem zu wis­sen un­ter­stellt wird“, sein kann, Be­din­gun­gen, die mit der Eta­blie­rung der Über­tra­gung den Raum des „psy­cho­ana­ly­ti­schen Ka­bi­netts“ bil­den, eine för­der­li­che Be­din­gung, um er­schei­nen zu las­sen, wor­um es bei dem Ge­schrie­be­nen geht, das den Dis­kurs des Ana­ly­san­ten be­stimmt.
.…..Man sieht, wie die Um­ris­se der zwei­ten Run­de, zu der La­can hier an­setzt, prä­zi­siert wer­den: Nach ei­ner Pha­se, in der es in star­kem Maße dar­um ging, die epis­te­mo­lo­gi­schen Grund­la­gen der Psy­cho­ana­ly­se her­aus­zu­ar­bei­ten, dreht es sich von nun an dar­um, den Ort der Kur in der gan­zen An­ge­le­gen­heit neu zu be­stim­men, ins­be­son­de­re ihre Be­deu­tung vom struk­tu­rel­len oder lo­gi­schen Stand­punkt aus, und da­bei et­was zu de­fi­nie­ren, was bei La­can ei­nen im­mer grö­ße­ren Raum ein­neh­men wird, näm­lich die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zwi­schen dem Spre­chen und der Schrift, die Fra­ge des Buch­sta­bens, in­so­fern die­ser sich nicht auf die gra­phi­schen Zei­chen un­se­rer Al­pha­be­te re­du­ziert.60.

Wenn das Ge­schrie­be­ne im Ver­hält­nis zu je­der Funk­ti­on der Spra­che im­mer se­kun­där ist – im Ge­gen­satz zu dem, was Der­ri­da sagt (der nie­mals ge­nannt wird, in die­ser Er­ör­te­rung je­doch be­stän­dig prä­sent ist) –, so schließt das kei­nes­wegs aus, dass man das, was aus dem Spra­ch­ef­fekt re­sul­tiert, ohne das Ge­schrie­be­ne nicht be­fra­gen kann. An­ders ge­sagt, es geht um das, was La­can hier mit ei­nem Aus­druck be­zeich­net, bei dem er es sei­nen Zu­hö­rern über­lässt, ihm ei­nen Sinn zu ge­ben, näm­lich um das, was er als dem­an­si­on der Wahr­heit schreibt61 oder auch als Ort des An­de­ren. Denn die Lo­gik wird nur von der Schrift her ge­bil­det, und zwar in­so­fern, als das Ge­schrie­be­ne auch hier wie­der nicht die Spra­che ist, son­dern die Spur ei­nes Spra­ch­ef­fekts.
.…..Die be­rühm­te For­mel „Es gibt kei­ne Met­a­spra­che“ („Il n y a pas de mé­tal­an­ga­ge“62) wird so auf ein­leuch­ten­de Wei­se er­hellt: Über die Spra­che (lan­ga­ge) spricht man im­mer nur aus­ge­hend von der Schrift. Ein ma­the­ma­ti­scher Be­weis, ein Graph, eine gram­ma­ti­ka­li­sche Ar­gu­men­ta­ti­on, sie alle er­for­dern, dass man über sie spricht. Die Spra­che (lan­gue), die dazu dient, um dar­über zu spre­chen und die von den Lo­gi­kern als „Um­gangs­spra­che“ („lan­gue d’usage“) be­zeich­net wird, ist aber von der Ord­nung der Spra­che (lan­ga­ge) und nicht ir­gend­ei­ner Met­a­spra­che, denn das, wor­über man dann spricht, ge­hört nicht zur Spra­che (lan­ga­ge), son­dern ist et­was Ge­schrie­be­nes, das heißt et­was, was aus dem Spre­chen her­aus­ge­fal­len ist, ein Spra­ch­ef­fekt. Und La­can prä­zi­siert: Wenn die Spra­che (lan­ga­ge) aus­ge­hend vom Ge­schrie­be­nen be­fragt wird, dann heißt das, dass das Ge­schrie­be­ne nur von sei­nem Be­zug auf die Spra­che (lan­ga­ge) her kon­stru­iert wird, ohne sich mit ihr zu ver­men­gen..

Zu sa­gen, wie La­can es tut, dass die Schrift nicht die Spra­che ist und dass sie nicht ein­mal von der Spra­che her ist, hat et­was Über­ra­schen­des. Man kann ver­ste­hen, dass die­je­ni­gen un­ter sei­nen Zu­hö­rern, die die­se Fra­gen als Lin­gu­is­ten oder Lo­gi­ker zum Ge­gen­stand ih­rer Nach­den­kens ge­macht hat­ten, durch­aus in Ver­le­gen­heit wa­ren, wenn sie er­fas­sen woll­ten, wor­um es sich han­deln könn­te. Eine Idee da­von be­kommt man, wenn man be­rück­sich­tigt, wie sehr der Uni­ver­si­täts­dis­kurs uns dar­an ge­wöhnt hat, uns mit dem zu­frie­den­zu­ge­ben, was La­can zu Be­ginn die­ses Se­mi­nars als „ge­dräng­te Mehr­lust“ be­zeich­net, und nicht zu ver­ste­hen, was es mit ei­nem Dis­kurs auf sich ha­ben kann, der von ei­nem Sub­jekt ge­äu­ßert wird, das selbst von die­sem Dis­kurs be­stimmt ist – mit den Zwän­gen, die da­durch auf­ge­nö­tigt wer­den, dass es um das geht, was La­can als Dis­kurs be­zeich­net, das heißt, nicht um ir­gend­ei­ne sprach­li­che oder lin­gu­is­ti­sche Kon­struk­ti­on. Von da­her im gan­zen Se­mi­nar das In­sis­tie­ren dar­auf, dass ein Sa­gen wie die­ses nur vom ana­ly­ti­schen Dis­kurs her ar­ti­ku­liert wird, der als ein­zi­ger in der Lage ist, das Ver­hält­nis des Ge­schrie­be­nen zur Sprach­wir­kung er­schei­nen zu las­sen so­wie zur Wahr­heit, die zu ent­fes­seln er im­stan­de ist, in­so­fern sie hier vom Wis­sen ge­trennt ist.
.…..Den Kern die­ses Se­mi­nars bil­det also die Fra­ge nach dem Ge­nie­ßen und ganz be­son­ders die nach dem se­xu­el­len Ge­nie­ßen, in­so­fern es sich vom Schein un­ter­schei­det. Was die Art und Wei­se be­trifft, in der die­se Fra­ge hier an­ge­gan­gen wird, so ha­ben wir das In­sis­tie­ren auf dem „Linguisterie“-Aspekt die­ser Re­fle­xi­on be­reits her­aus­ge­stellt, ei­ner Re­fle­xi­on, die sich auf die Fra­ge nach dem Sta­tus des Ge­schrie­be­nen (in sei­nen un­ter­schied­li­chen For­men) im Ver­hält­nis zum Spre­chen be­zieht, um zu ver­su­chen, das zu schrei­ben, was es mit der se­xu­ier­ten Po­si­ti­on des „Sprech­we­sens“ – Män­ner­sei­te und Frau­en­sei­te – auf sich hat. Da die Dar­stel­lung und die Er­ör­te­rung die­ser lo­gi­schen Schrift in den bei­den fol­gen­den Se­mi­na­ren aus­ge­ar­bei­tet wer­den, la­den wir den Le­ser dazu ein, sich auf die ent­spre­chen­den Zu­sam­men­fas­sun­gen zu be­zie­hen63; wir zie­hen es hier vor, den Ak­zent dar­auf zu set­zen, wie La­can die Fra­ge nach dem Ge­schrie­be­nen und der Schrift stellt und im­mer wie­der neu stellt.
.…..So er­in­nert er bei­spiels­wei­se an die Schwie­rig­keit, über den fol­gen­den Aus­druck zu spre­chen, der nur ge­schrie­ben er­fasst wer­den kann, näm­lich über l’achose.64 Wenn das Spre­chen aber über den Spre­cher hin­aus­geht (der auf­grund des Dis­kur­ses in Wirk­lich­keit ein Ge­spro­che­ner ist), so weist das Ge­schrie­be­ne hin­ge­gen die Be­son­der­heit auf, et­was zu sein, wor­über man spre­chen kann. Wenn die Schrift zu et­was die­nen kann, dann ge­nau dazu, et­was an­de­res als das Spre­chen zu sein, in­so­fern sie nicht des­sen ein­fa­cher Re­flex oder ein­fa­che Ver­dop­pe­lung ist. In die­sem Sin­ne ist der Graph durch­aus eine Schrift. Aber das ist nicht der ein­zi­ge Mo­dus der Schrift; die chi­ne­si­sche Schrift ist ge­eig­net, uns an die Exis­tenz von Schrift­zei­chen zu er­in­nern, die als Pik­to­gram­me oder Ideo­gram­me be­zeich­net wer­den, so wie un­se­re Al­pha­bet­schrift die Buch­sta­ben zeigt, die uns so ver­traut ge­wor­den sind. Die­se un­ter­schied­li­chen Ebe­nen der Schrift er­lau­ben uns zu be­grei­fen, dass die Ver­bin­dung der Aus­sa­gen „Ein Graph re­prä­sen­tiert eine To­po­lo­gie“ und „Es gibt kei­ne To­po­lo­gie ohne Schrift“ al­les an­de­re als tau­to­lo­gisch ist, in­so­fern es im­mer um das geht, was im Spre­chen ans Werk ge­setzt wird.
.…..La­can nimmt dann das Bei­spiel des Drei­ecks.65 Ein Drei­eck ist nichts an­de­res als et­was Ge­schrie­be­nes, in dem Sin­ne, dass es ein Graph ist, der als Stüt­ze dient, um das me­trisch De­ckungs­glei­che dar­zu­stel­len, das für die Geo­me­trie grund­le­gend ist. Auf wel­che Wei­se auch im­mer es ge­schrie­ben, also ge­zeich­net wird, es macht es mög­lich, zu be­wei­sen, wor­um es beim gleich­schenk­li­gen Drei­eck oder beim recht­wink­li­gen Drei­eck geht. Die Schrift der Geo­me­trie ten­diert je­doch im­mer mehr dazu, auf Gra­phen zu ver­zich­ten, zu­guns­ten ei­ner so­ge­nann­ten lo­gi­schen oder al­ge­brai­schen Schrift, die aus Buch­sta­ben be­steht. Denn kurz nach­dem die Grie­chen ein Al­pha­bet ent­wi­ckelt hat­ten, das die bis da­hin exis­tie­ren­den Al­pha­be­te durch Schrift­zei­chen für Vo­ka­le ver­voll­stän­dig­te, er­mög­lich­ten die­se Buch­sta­ben die Schrift der Lo­gik und das, was La­can, be­zo­gen auf die Ers­te Ana­ly­tik von Aris­to­te­les, als ei­nen An­fang der To­po­lo­gie be­zeich­net. Wor­aus be­steht die­se Schrift? Dar­aus, dass Lö­cher ins Ge­schrie­be­ne ge­macht wer­den. Das tut man, wenn man nicht „Alle Tie­re sind sterb­lich“ schreibt, son­dern „Alle x sind y“, das heißt, wenn man hier die­sen „Gip­fel des Ge­schrie­be­nen“ ein­setzt, näm­lich „ganz ein­fach ei­nen klei­nen Buch­sta­ben“66.
.…..Die Fol­gen die­ser Schrift­tat­sa­che sind na­tür­lich be­trächt­lich, weil sie sich auf das Spre­chen aus­wirkt und ihm im Dis­kurs des Herrn eine be­son­de­re Wen­dung gibt. „Es ist völ­lig klar, dass es kei­ne Fra­ge des Im­pe­ri­ums gibt – und wenn Sie mir das Wort ge­stat­ten, nicht ein­mal den ge­rings­ten Em­pi­ris­mus – ohne die Stüt­ze der Schrift“67, sagt La­can und for­dert da­mit dazu auf, die Un­ter­schie­de zwi­schen ei­ner Schrift wie dem Chi­ne­si­schen oder Ja­pa­ni­schen und ei­ner Al­pha­bet­schrift68 wie der uns­ri­gen zu er­kun­den, in Be­zug dar­auf, wel­che Ter­mi­ni sie mit sich füh­ren kön­nen für die Lo­gik der Dis­kur­se und ih­rer Kon­se­quen­zen im Rea­len..

Je­den­falls, wenn das Be­woh­nen des Spre­chens und die Ab­we­sen­heit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses in Be­zie­hung zu­ein­an­der ste­hen, dann kann man sa­gen, dass das se­xu­el­le Ver­hält­nis das Spre­chen selbst ist. Und wie soll man es schrei­ben? Wird die Bio­lo­gie da­für ei­nes Ta­ges die Mit­tel lie­fern? Si­cher ist, dass man nichts dar­über wird schrei­ben kön­nen, ohne die Funk­ti­on des Phal­lus in­ter­ve­nie­ren zu las­sen, etwa um zu schrei­ben
– das Be­geh­ren des Man­nes: Φ (a), wo­bei Φ den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten no­tiert;
– das Be­geh­ren der Frau: A (φ), wo­bei φ den ima­gi­nä­ren Phal­lus no­tiert, d..h. den Pe­nis.69.

La­can ver­weist dar­auf, dass dies das Bes­te ist, was ei­nem, nach ei­nem be­stimm­ten wis­sen­schaft­li­chen Au­gen­blick, zu schrei­ben ge­lingt, und er ver­gleicht die Schrei­bun­gen, die er selbst da­bei ist ein­zu­füh­ren, mit dem un­be­streit­ba­ren wis­sen­schaft­li­chen Au­gen­blick, den New­tons For­mel über das Schwe­re­feld dar­stellt, eine For­mel, die im Se­mi­nar­jahr Men­schen auf den Mond ge­führt hat.70 Er prä­zi­siert da­mit, was er selbst an­strebt, näm­lich das Rea­le ein­zu­krei­sen, das heißt das Un­mög­li­che je­den Dis­kur­ses, mit Hil­fe von dem, was für das Rea­le eine Um­ran­dung bil­det oder, wie er in Litu­ra­terre sagt, ein „Li­to­ral71, was nichts an­de­res ist als die­ser Gip­fel des Ge­schrie­be­nen, näm­lich ei­ner die­ser so ver­trau­ten Buch­sta­ben.
.…..La­can ge­langt hier dazu, die un­ter­schied­li­chen Fä­den zu ver­fol­gen, die an die Fra­ge des Buch­sta­bens rüh­ren, um des­sen Struk­tur er­schei­nen zu las­sen, die – von der Schrift als Stüt­ze von Lo­gik und Wis­sen­schaft bis hin zur Schrift in ih­rer ganz ge­wöhn­li­chen Ver­wen­dung – im­mer das­sel­be Merk­mal auf­weist, Re­prä­sen­ta­ti­on von Wör­tern zu sein, d..h. der­je­ni­ge Se­kun­där­pro­zess, den Freud als „Wort­vor­stel­lung“ be­zeich­net. La­can be­harrt dar­auf: kei­ne Vor­stel­lung von Wor­ten (oder um wel­che lin­gu­is­ti­sche Ord­nung auch im­mer es ge­hen mag) ohne Schrift! Denn ein Pik­to­gramm bzw. ein Ideo­gramm ver­dankt sei­ne Aus­spra­che dem, was es bild­lich dar­zu­stel­len scheint (das gilt auch für die Buch­sta­ben des Al­pha­bets, die von al­ten Pik­to­gram­men ab­ge­lei­tet sind). Und dann macht man da­mit, was man will, wie mit ei­nem Re­bus. Man fin­det hier das wie­der, was sei­ner­zeit in „Das Drän­gen des Buch­sta­bens“72 vor­ge­bracht wor­den war, be­zo­gen auf den Witz, der nur auf dem Nicht-Sinn be­ru­hen kann (von da­her der Ti­tel „Drän­gen des Buch­sta­bens“ und nicht des Si­gni­fi­kan­ten). Dass der Traum et­was von ei­nem Re­bus hat, ist eine Ver­an­schau­li­chung des­sen, dass das Un­be­wuss­te struk­tu­riert ist wie eine Spra­che, aber wie eine Spra­che, die die sehr spe­zi­el­le Ei­gen­schaft hat, dass sich hier da­von die Schrift ma­ni­fes­tiert, denn die Ge­stal­ten, die im Traum zir­ku­lie­ren, sind nichts an­de­res als Wort­vor­stel­lun­gen, das heißt Ge­schrie­be­nes oder ge­nau­er Buch­sta­ben. Sym­ptom, Ver­spre­cher, Fehl­hand­lung, Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens, all dies hat nur dann ei­nen Sinn, so prä­zi­siert La­can, „wenn man von der Idee aus­geht, dass das, was Sie zu sa­gen ha­ben, pro­gram­miert ist, d..h. dass es zu schrei­ben ist“73.
.…..Wenn die Schrift aber durch­aus Re­prä­sen­ta­ti­on des Spre­chens ist (nach Mo­da­li­tä­ten, die nicht über­all die­sel­ben sind und de­ren Un­ter­schie­de in star­kem Maße das Ri­si­ko in sich ber­gen, nicht ohne Wir­kung zu sein), so ist sie doch nicht ohne Aus­wir­kun­gen auf das Spre­chen – ohne Schrift, hät­ten wir da Wör­ter? Die Schrift ist also dazu be­ru­fen, bei der Fra­ge der Deu­tung eine ganz zen­tra­le Rol­le zu spie­len, denn wenn man ein und das­sel­be Spre­chen un­ter­schied­lich schreibt, ruft man Wir­kun­gen her­vor, die ganz ver­schie­den sein kön­nen. Die Nähe ei­ner Ja­p­an­rei­se, ver­bun­den mit dem In­ter­es­se an der chi­ne­si­schen Schrift, be­rei­chert das Se­mi­nar mit dem Bei­spiel der ja­pa­ni­schen Schrift, die zeigt, wie sehr eine Schrift eine Spra­che be­ein­flus­sen kann..

Dies führt zu­rück zur Fra­ge nach dem Phal­lus in sei­nem Ver­hält­nis zum Buch­sta­ben (zur Zeich­nung ei­ner Li­nie mit ei­nem Ka­l­a­mos) (eine Fra­ge, die tat­säch­lich nie­mals auf­ge­ge­ben wur­de) und führt et­was ein, was die Ge­le­gen­heit bie­ten wird, be­zo­gen auf den Buch­sta­ben ei­nen wei­te­ren Fa­den zu ver­fol­gen, näm­lich den der Let­ter als Brief. Da­mit kommt La­can auf das Se­mi­nar über Poes Der ent­wen­de­te Brief zu­rück, ein Se­mi­nar, so sagt er, in dem es nur um die Funk­ti­on des Phal­lus geht, „in­so­fern sie in ei­nem be­stimm­ten Dis­kurs ar­ti­ku­liert wird“74. Das ist für La­can die Ge­le­gen­heit, um zu prä­zi­sie­ren, was von die­sem Dis­kurs be­reits bei Freud zu le­sen ist: die Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses. „Man muss es nur le­sen. Nur, Sie wer­den […] se­hen, war­um Sie es nicht le­sen.“ Und um hin­zu­zu­fü­gen: „Ich ver­su­che, es zu sa­gen, zu sa­gen, war­um ich es lese.“75.

Der ent­wen­de­te Brief, oder ge­nau­er: der „un­zu­stell­ba­re“ Brief, ist eine Let­ter – ein Brief / ein Buch­sta­be –, die, wie jede Let­ter, am Schluss ih­ren Be­stim­mungs­ort er­reicht, das heißt je­man­den, der hier nichts ver­steht, und in die­sem Fal­le ist das die Po­li­zei. Das We­sent­li­che ist, dass man nie­mals wis­sen wird, au­ßer der Kö­ni­gin wird nie je­mand wis­sen, was in die­ser Let­ter steht, wo­hin­ge­gen si­cher ist, dass es ei­nen Sinn hat. Da die Let­ter von ei­ner hoch­ge­stell­ten Per­sön­lich­keit kommt, die sich da­mit an die Kö­ni­gin wen­det, wird der Kö­nig nicht um­hin­kom­men, die Sa­che du­bi­os zu fin­den. Ein Mi­nis­ter, ein Feind der Kö­ni­gin, hat sich der Let­ter be­mäch­tigt und die Kö­ni­gin tut al­les, um sie wie­der­zu­er­lan­gen; sie lässt sie von der Po­li­zei su­chen, die zwar weiß, dass die Let­ter sich mit Si­cher­heit in der Woh­nung der rück­sichts­lo­sen Per­sön­lich­keit be­fin­det, der es aber nicht ge­lingt, sie in die Hän­de zu be­kom­men. Poes Held, Du­pin, muss sei­ne gan­ze Schlau­heit auf­bie­ten, um sie schließ­lich zu fin­den und durch eine No­tiz nach sei­nem Be­lie­ben zu er­set­zen. Was La­can von die­ser Ge­schich­te fest­hält, ist die Wir­kung, die der Po­si­ti­ons­wech­sel der Let­ter hat, die aus den Hän­den der Kö­ni­gin in die des Mi­nis­ters über­geht und dann in die von Du­pin, so­wie die Kon­se­quenz, die sich ein­stellt, wenn man Be­sit­zer der frag­li­chen Let­ter ist. Denn der­je­ni­ge, der schreibt, weiß nicht zwangs­läu­fig, was er schreibt, ge­nau­so­we­nig wie der­je­ni­ge, der spricht, not­wen­di­ger­wei­se weiß, was er sagt. Von da­her die Kon­se­quenz: Die Let­ter fe­mi­ni­siert.
.…..Sich Fra­gen über den Buch­sta­ben zu stel­len im­pli­ziert, dass man über die Sche­ma­ta der vier Dis­kur­se hin­aus­geht, denn die Struk­tur des Dis­kur­ses bleibt auf ei­ner Kon­struk­ti­ons­ebe­ne, der des Te­tra­eders, die nicht aus­reicht, wenn man die In­stanz des Buch­sta­bens auf­tau­chen lässt.76 Das wird da­durch an­ge­zeigt, sagt La­can, dass im Te­tra­eder eine der Sei­ten zer­bro­chen ist, in der Struk­tur, um die sich die Ter­me dre­hen, die durch ih­ren Platz die vier Dis­kur­se de­ter­mi­nie­ren.77 In ei­ner Welt, die durch ei­nen be­stimm­ten Te­tra­eder struk­tu­riert ist, ge­langt der Buch­sta­be nur dann an den Be­stim­mungs­ort, wenn er das Sub­jekt fin­det. Nun zeich­net sich die­ses aber, wie der Kö­nig in Poes Er­zäh­lung, durch sei­ne ganz spe­zi­el­le Dumm­heit aus, das heißt durch die Un­fä­hig­keit, zu be­grei­fen, wor­um es sich han­delt, denn ihm als Sub­jekt ist die Si­gni­fi­kanz nicht zu­gäng­lich. Wenn das Sub­jekt (hier der Kö­nig) die Let­ter in Hän­den hiel­te, wür­de es nur eins ver­ste­hen: dass sie si­cher­lich ei­nen Sinn hat; die­ser Sinn aber – und dar­in be­steht der Skan­dal – ent­geht ihm..

La­can zieht dar­aus die Kon­se­quenz, dass Du­pin – die­ser un­ter al­len Schlau­mei­ern letzt­lich gar nicht so schlaue Schlau­mei­er, da er sich ein­bil­det, man kön­ne, wäh­rend man im Te­tra­eder ist, be­grei­fen, wie er ge­macht ist –, dass Du­pin al­lein schon durch die Tat­sa­che, dass die Let­ter von Hand zu Hand ge­gan­gen ist, von ihr „fe­mi­ni­siert“ wird, ganz wie sie vor ihm den Mi­nis­ter fe­mi­ni­siert hat­te. Fe­mi­ni­siert, das heißt von der In­ter­ven­ti­on des Phal­lus ab­hän­gig ge­macht. Aber, so wird man sich fra­gen, wo­her rührt die fe­mi­ni­sie­ren­de Funk­ti­on der ent­wen­de­ten Let­ter? Die Ant­wort führt uns zu dem zu­rück, was der Ödi­pus­my­thos auf­zeigt, wie Freud ihn schreibt, um dar­aus ei­nen ge­schrie­be­nen My­thos zu ma­chen, der als Auf­schrei­ben des­sen an­ge­se­hen wer­den könn­te, wor­um beim se­xu­el­len Ver­hält­nis geht. Dass ein My­thos ge­schrie­ben ist – das heißt, dass er nur noch eine ein­zi­ge Form hat („nicht mehr als ein“) –, bleibt nicht ohne Fol­gen, denn von da aus, aus­ge­hend von „alle Frau­en“, wird das „Die Frau“ kon­stru­iert, wozu der My­thos gel­tend macht, dass es un­mög­lich in ei­nem Ver­hält­nis ge­schrie­ben wer­den kann. So dass Die Frau – die­je­ni­ge, die nicht exis­tiert, weil man nicht „alle Frau­en“ sa­gen kann – der Buch­sta­be ist, in­so­fern er hier­in ver­wi­ckelt ist, ei­ner­seits durch die phal­li­sche Di­men­si­on des Si­gni­fi­kan­ten (das Sym­bo­li­sche) und an­de­rer­seits durch sei­ne rea­le Di­men­si­on (die der Ob­jekt-Ur­sa­che des Be­geh­rens)..

Die Fra­ge nach dem Ver­hält­nis zwi­schen Spra­che, Lo­gik und Schrift ei­ner­seits und dem Un­be­wuss­ten an­de­rer­seits fin­det man im ge­sam­ten Un­ter­richt von La­can. Im ge­gen­wär­ti­gen Se­mi­nar wird die­se Fra­ge auf eine Wei­se an­ge­gan­gen, durch die sie neue Schär­fe ge­winnt, und zwar da­durch, dass das Se­mi­nar zeigt, dass die­se Fra­ge sich tat­säch­lich im Her­zen der Er­fah­rung der Psy­cho­ana­ly­se be­fin­det, in­so­fern die­se es mit dem Rea­len zu tun hat. Auf die­se Wei­se be­zeich­net das Se­mi­nar eine we­sent­li­che Pha­se im Über­gang vom Ödi­pus­kom­plex als My­thos (was er bei Freud ist) zum Ödi­pus­kom­plex als Schrift, das heißt als Lo­gik. Oder auch im Über­gang von der Fra­ge des Ge­schlechts als ei­ner bio­lo­gi­schen An­ge­le­gen­heit zur Fra­ge nach dem Mann/Frau-Verhältnis als ei­ner Wir­kung, die An­lass dazu gibt, zu ver­su­chen, ihre Lo­gik zu for­mu­lie­ren, eben die ei­nes Dis­kur­ses, der nicht vom Schein wäre, und dass es dem Ana­ly­ti­ker zu­kommt, im Spre­chen des Neu­ro­ti­kers zu le­sen, der nicht auf­hört, hö­ren zu las­sen, dass es, was das se­xu­el­le Ver­hält­nis an­geht, kei­nes gibt.

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Anmerkungen

  1. Die­se Zu­sam­men­fas­sung stützt sich auf die Tran­skrip­ti­on der As­so­cia­ti­on la­ca­ni­en­ne in­ter­na­tio­na­le, Ver­si­on nicht im Han­del. [A.d.Ü.: Ich habe die La­can-Zi­ta­te nach der Sta­fer­la-Ver­si­on des Se­mi­nars über­setzt (staferla.free.fr) und die  Sei­ten­zah­len von Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars in ecki­gen Klam­mern hin­zu­ge­fügt (J. La­can, Le sé­min­aire, li­v­re XVIII, D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant, 1971, Text­her­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler, Seuil, Pa­ris 2007).]
  2. Na­tür­lich mit Aus­nah­me der be­rühm­ten ein­zel­nen Sit­zung des Se­mi­nars, das den Na­men-des-Va­ters ge­wid­met sein soll­te.
  3. Vgl. die bei­den Vor­trä­ge von La­can, die bei die­ser Rei­se in Ja­pan ge­hal­ten wur­den, in: Le Cé­li­ba­taire, Pa­ris, EDK, Nr. 7, 2001.
  4. Vgl.Seminar XVII, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se [J. La­can, Le sé­min­aire, li­v­re XVII, L’envers de la psy­chana­ly­se, 1969/70, Text­her­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler, Seuil, Pa­ris, 1991. Eine deut­sche Über­set­zung von Ger­hard Schmitz fin­det man im In­ter­net hier].
  5. [Kof­fer­wort aus „Lin­gu­is­tik“ und „Hys­te­rie“. Vgl. Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, Sit­zung vom 19. De­zem­ber 1972; Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 20.]
  6. [Ve­ken gibt für die­ses Zi­tat kei­nen Be­leg an; ich habe eine sol­che For­mu­lie­rung in den Se­mi­na­ren 18, 19 und 20 nicht ge­fun­den und auch nicht in den Au­tres écrits.]
  7. [Vgl. Au­tres écrits, Seuil, Pa­ris, 2001, S. 403447; dt.: J. La­can, Ra­dio­pho­nie, über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger, in: J. La­can, Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on, Qua­dri­ga, Wein­heim u.a. 1988, S. 554.]
  8. Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 11].
  9. [J. La­can, Le sé­min­aire sur „La Lett­re vo­lée“, in: Ders., Écrits, Seuil, Pa­ris 1966, S. 1171; dt.: J. La­can, Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“, über­setzt von Ro­dol­phe Gas­ché, in: J. La­can, Schrif­ten I, hg. v. Nor­bert Haas, Suhr­kamp, Frank­furt am Main, 1970, S. 760.]
  10. In Lit­té­ra­tu­re, Nr. 3, Ok­to­ber 1971, nach­ge­druckt in Au­tres écrits, a.a.O., S. 1120. [Vgl. die deut­sche Über­set­zung von „Litu­ra­terre“ auf der Web­site „La­can ent­zif­fern“ hier.]
  11. Per­sön­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, Do­ku­ment von ALI und Gra­tis-Sup­ple­ment von l‘Unebévue, Nr. 8/9, für Abon­nen­ten re­ser­viert, Pa­ris, EPEL, 1997.
  12. [Quan­ti­fi­ca­teurs und quan­teurs; im Deut­schen wer­den die Ter­mi­ni „Quan­ti­fi­ka­tor“ und „Quan­tor“ syn­onym ver­wen­det, weit­aus häu­fi­ger ist „Quan­tor“.]
  13. [Der Quan­tor „nicht-alle“, \overline {\forall}, wird von La­can nicht erst in Se­mi­nar 20, son­dern be­reits in Se­mi­nar 19 von 1971/72, „oder schlim­mer …“, auf­ge­grif­fen und wei­ter­ent­wi­ckelt, be­gin­nend mit der Sit­zung vom 8. De­zem­ber 1971; vgl. Se­mi­nar 19, Ver­si­on Mil­ler, S. 15.]
  14. In Sci­li­cet, Pa­ris, Seuil, Nr. 4, 1973 [wie­der auf­ge­nom­men in J. La­can, Au­tres écrits, a.a.O., S. 449496].
  15. Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 23].
  16. [Den Aus­druck „déca­nil­ler“ (ab­hau­en, ver­duf­ten, sich ver­krü­meln, ab­zi­schen) ver­wen­det La­can in der Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 23.]
  17. Vgl. Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 10].
  18. [Sit­zung vom 16. Juni 1971; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 170 (Ve­ken ver­weist für die­ses Zi­tat irr­tüm­lich auf die Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971).]
  19. Der Le­ser wird auch hier die Mehr­deu­tig­keit von en­tendre be­merkt ha­ben („ver­ste­hen“ und „hö­ren“): et­was mit sei­nen Oh­ren en­tendre, hö­ren, könn­te für das en­ten­de­ment, für das Ver­ständ­nis, durch­aus ein grö­ße­res Hin­der­nis dar­stel­len.
  20. [Vgl. Ver­si­on Mil­lers, S. 40.]
  21. [Vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 43.]
  22. [Vgl. Ver­si­on Mil­lers, S. 41.]
  23. [Vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 41.]
  24. [Vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 45.]
  25. [Vgl. die Sit­zun­gen vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 93 f.), vom 17. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 98, 102104) und vom 12. Mai 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 115 f.).]
  26. Sit­zung vom 10. März 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 115; Zi­tat ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la].
  27. Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 13].
  28. Die­se Fra­ge wird spä­ter vor al­lem von Mousta­pha Sa­fouan ent­wi­ckelt in Étu­des sur l’Œdi­pe, Pa­ris, Seuil, 1975, so­wie von Mar­cel Czer­mak und Hen­ri Fri­guet (Hg.), Le Trans­se­xua­lis­me I und II, Pa­ris, Édi­ti­ons de l’Association la­ca­ni­en­ne in­ter­na­tio­na­le, 1996.
  29. C.K. Og­den, I.A. Ri­chards: The Me­a­ning of Me­a­ning. Lon­don, Ke­gan Paul, 1946.
  30. Ma­de­lei­ne V.-David, Le Dé­bat sur les éc­ri­tures et le hié­ro­gly­phe au XVIIe et au XVIIIe siè­cles et l’application de la no­ti­on de dé­chif­fre­ment aux éc­ri­tures mor­tes, Pa­ris, SEVPEN, 1965.
  31. Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 13, die letz­te Pas­sa­ge, ab „durch das ‚nicht‘“, fehlt bei Mil­ler].
  32. Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 13 f., Ve­ken mon­tiert in die­sem Zi­tat zwei Sät­ze, die im Ori­gi­nal ei­nem Ab­stand von etwa ei­ner hal­ben Sei­te ha­ben].
  33. Eben­da [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 14].
  34. Eben­da [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 14; Ve­ken ver­dich­tet hier zwei Sät­ze, die im Ori­gi­nal auf­ein­an­der­fol­gen].
  35. Eben­da [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 18].
  36. [S. Freud, Jen­seits des Lust­prin­zips (1920), in: ders., Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3, Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 213272.]
  37. [Ve­ken ver­weist hier­für auf die Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971; die For­mu­lie­rung fin­det sich we­der dort noch in an­de­ren Sit­zun­gen von Se­mi­nar 18 noch in spä­te­ren Se­mi­na­ren noch in den Au­tres écrits. Den Aus­druck „Sprech­we­sen“ (par­lêt­re) ver­wen­det La­can zu­erst in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, in der Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1975. In den von La­can selbst ver­öf­fent­lich­ten Tex­ten fin­det man par­lêt­re aus­schließ­lich in Joy­ce le Sym­ptô­me II, der für den Druck über­ar­bei­te­ten Ver­si­on des Joy­ce-Vor­trags von 1975, die 1979 ver­öf­fent­licht wur­de (vgl. Au­tres écrits, a.a.O., S. 565570).]
  38. [Den Ter­mi­nus „Mehr­lust“ (plus-de-jouir) hat­te La­can in Se­mi­nar 16 ein­ge­führt; in Se­mi­nar 17 wird die Mehr­lust in den Dis­kurs­for­meln durch den Buch­sta­ben a re­prä­sen­tiert.]
  39. Man wird hier wie in zahl­rei­chen an­de­ren Fäl­len se­hen, dass La­can auf die The­se „es gibt kein Dis­kurs­uni­ver­sum“ zu­rück­kommt, aus Se­mi­nar XIV, Die Lo­gik des Phan­tas­mas.
  40. Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 24].
  41. Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 31 f. (Ve­ken ver­weist hier irr­tüm­lich auf die Sit­zung vom 17. März 1971)].
  42. Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 32].
  43. [In den For­meln der Se­xu­ie­rung steht das Sym­bol \exists für „es gibt“ bzw. „es exis­tiert“, das Sym­bol \overline {\exists} für „es gibt nicht“ bzw. „es exis­tiert nicht“, das Sym­bol \forall für „alle“ und das Sym­bol \overline {\forall} für „nicht alle“.]
  44. [Ve­ken irrt sich, die For­meln der Se­xu­ie­rung stellt La­can be­reits ein Jahr da­nach vor, zum ers­ten Mal in Se­mi­nar 19 von 1971/72 („oder schlim­mer …“), in der Sit­zung vom 12. Ja­nu­ar 1972 (vgl. Se­mi­nar 19, Ver­si­on Mil­ler, S. 39).]
  45. [Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 34).]
  46. [Den Aus­druck „Ge­nie­ßen des Le­bens“ ver­wen­det La­can in der Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 21).]
  47. Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 35].
  48. Man könn­te sich wun­dern, hier den Buch­sta­ben auf die glei­che Wei­se wie den Si­gni­fi­kan­ten als Schein be­han­delt zu se­hen, was den Ein­druck er­we­cken könn­te, der Un­ter­schied zwi­schen Buch­sta­be und Si­gni­fi­kant wer­de be­sei­tigt. Den Buch­sta­ben als Schein auf­zu­fas­sen ist eine Art und Wei­se, zu sa­gen, dass, was im­mer sei­ne Ma­te­ria­li­tät sein mag (pho­nisch, gra­phisch, ges­tisch), die­se nur der ima­gi­nä­re Mo­dus der Re­prä­sen­ta­ti­on des rei­nen Dif­fe­ren­ti­als ist, das ein Buch­sta­be in­so­fern ist, als er zur Ord­nung des Sym­bo­li­schen ge­hört. Was den Buch­sta­ben als Strei­chung (ra­tu­re) an­geht (vgl. „Litu­ra­terre“: litera/litura, letter/litter), so ist klar, dass er sei­ner sym­bo­li­schen Di­men­si­on be­raubt nicht mehr ist als ein Ab­fall, eine Kratz­spur, eine Strei­chung, das heißt ein rea­les Ob­jekt. Um es an­ders zu sa­gen: Sei­ne Ma­te­ria­li­tät ist rei­ner Schein, im Ver­hält­nis zum Re­fe­ren­ten, der vom Netz der Spra­che kon­stru­iert ist, d..h. vom Si­gni­fi­kan­ten als Rea­li­sie­rung der sym­bo­li­schen Ord­nung.
  49. Be­wei­se und Wi­der­le­gun­gen, sagt La­can au­ßer­dem, kön­nen nur eine Sa­che des Si­gni­fi­kan­ten sein, also des Scheins: „dass Blut ge­flos­sen ist, wi­der­legt nicht den Schein“, an­ders ge­sagt, da­für be­nö­tigt man eine Ar­gu­men­ta­ti­on.
  50. Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 62; Ve­ken ver­weist hier irr­tüm­lich auf die Sit­zung vom 10. März 1971].
    Fest­zu­hal­ten ist hier eine Re­fle­xi­on über die Na­tur des­sen, was als „Graph“ be­zeich­net wird, ins­be­son­de­re über den so­ge­nann­ten Gra­phen „des Be­geh­rens“. Eine Re­fle­xi­on, die umso stich­hal­ti­ger ist, als man oft ver­ges­sen hat, dass ein Graph als sol­cher nichts be­sagt. Ein Graph ist in ers­ter Li­nie eine No­ta­ti­on von et­was, das zu­nächst ge­spro­chen wor­den ist (zu ver­ste­hen als „in Si­gni­fi­kan­ten or­ga­ni­siert“) und was ir­gend­ei­ne Be­deu­tung nur da­durch an­neh­men kann, dass es aufs Neue ge­spro­chen wird, wo­bei je­doch die Wor­te, die dar­über ge­sagt wer­den kön­nen, durch die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ter­men ein­ge­schränkt sind, die im Gra­phen dar­ge­stellt sind (der zu ver­ste­hen ist als die Struk­tur, die ei­ner Dar­stel­lung ge­ge­ben wird, die aus dem Spre­chen her­aus­ge­fal­len ist, oder, wie La­can auch sagt, die Nie­der­schlag ist oder auch Prä­zi­pi­tat).
  51. [Den Gra­phen fin­det man in Ve­kens Ar­ti­kel auf S. 241.
    Das von Ve­ken wie­der­ge­ge­be­ne Sche­ma gibt es in die­ser Form nicht in den Se­mi­nar-18-Ver­sio­nen von Mil­ler und Sta­fer­la. Bei ih­nen be­kommt man (Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971) statt­des­sen das rechts ste­hen­de Gra­phem (vgl. Mil­ler, S. 64). Schema chineischer Buchstabe szu mit ZahlenEs zeigt das chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen szu, das mit (1), (2) und (3) be­zeich­net ist; die Er­läu­te­run­gen zu den Zah­len ha­ben hier in der Tran­skrip­ti­on von La­cans ge­spro­che­nem Text ih­ren Platz.]
  52. [Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 64 und 68) so­wie Sit­zung vom 12. Mai 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 120).]
  53. [Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 70).]
  54. Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 74].
  55. [Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 75).]
  56. Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 61].
  57. Eben­da [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 61].
  58. Von da­her die Wich­tig­keit, was La­cans Se­mi­na­re an­geht, ei­ner Tran­skrip­ti­on und nicht ei­ner Neu­schrei­bung (vgl. La­cans „Nach­wort“ zu Se­mi­nar XI, in: J. La­can: Das Se­mi­nar. Buch XI (1964): Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se. Über­setzt von Nor­bert Haas. Wal­ter, Ol­ten u.a. 1978, S. 297305).
  59. Eben­da [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 62; Mil­ler hat hier statt „pa­riez“ (wet­ten Sie) „ap­pa­riez“ (paa­ren Sie)].
  60. Vgl. La­cans Hin­weis, dass man auf an­de­re Wei­se „le­sen lernt“, als „in­dem man sich al­phablö­di­siert“, im „Nach­wort“, a.a.O., S. 300.
  61. Wo man zu­gleich di­men­si­on und man­si­on (Blei­be) hören/lesen kann, ein Si­gni­fi­kant, den er auch dit-man­si­on schrei­ben wird [ver­mut­lich eine An­spie­lung auf Hei­deg­gers Rede von der Spra­che als dem „Haus des Seins“ im Brief über den „Hu­ma­nis­mus“, 1947].
  62. [Vgl. Sit­zung vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 92)] und Sit­zung vom 12. Mai 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 124).]
  63. [Ve­ken be­zieht sich hier auf die an­de­ren Se­mi­nar­zu­sam­men­fas­sun­gen in den von Sa­fouan her­aus­ge­ge­be­nen La­ca­nia­na II.]
  64. [Vgl. Sit­zung vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 77).
    Ge­spro­chen hört man la cho­se, „das Ding“, erst ge­schrie­ben sieht man, dass es um l’achose geht, um „das Un­ding“.]
  65. [Vgl. Sit­zung vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 82).]
  66. [Sit­zung vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 82).]
  67. Sit­zung vom 10. März 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 83; Ve­ken ver­weist hier irr­tüm­lich auf die Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1971].
  68. Über die Exis­tenz ei­ner wich­ti­gen An­zahl von Al­pha­be­ten hin­aus­ge­hend (grie­chisch, la­tei­nisch, ge­or­gisch, ar­me­nisch, sans­krit, ky­ril­lisch, ara­bisch, he­brä­isch usw.) un­ter­schei­den sich die­se ins­be­son­de­re da­durch, ob sie die Vo­ka­le no­tie­ren oder nicht.
  69. [Vgl. Sit­zung vom 10. März 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 84).]
  70. [1971 er­eig­ne­ten sich die drit­te und die vier­te Mond­lan­dung (Apol­lo 14 am 5. Fe­bru­ar 1971 und Apol­lo 15 am 30. Juli 1971).]
  71. [Sit­zung vom 12. Mai 1971 (vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 117119, 121, 124).]
  72. Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuß­ten oder die Ver­nunft seit Freud“. Über­setzt von Nor­bert Haas. In: J. La­can: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 1555.
  73. Sit­zung vom 10. März 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 90].
  74. Sit­zung vom 17. März 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 96; Ve­ken ver­weist hier irr­tüm­lich auf die Sit­zung vom 10. März 1971].
  75. Sit­zung vom 17. März 1971 [vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 97].
  76. La­can be­merkt hier, dass die An­schau­ung, jen­seits des Te­tra­eders, zu ih­rer Stüt­ze über den Buch­sta­ben ver­fügt. Denn wor­auf be­ruht die Kon­sis­tenz des eu­kli­di­schen Rau­mes, der sich in sei­ne drei Di­men­sio­nen ein­schließt? Wenn man ver­sucht, zwei Punk­te in glei­chem Ab­stand von­ein­an­der zu plat­zie­ren, ist das ganz ein­fach. Mit drei Punk­ten, von de­nen je­der sich im glei­chen Ab­stand von je­dem der bei­den an­de­ren be­fin­det, ist das of­fen­kun­dig auch so. Und auch mit vie­ren geht es noch. Aber mit fün­fen geht es in un­se­rem Raum nicht mehr. Man muss eine vier­te Di­men­si­on er­zeu­gen. Mit Buch­sta­ben ist das sehr ein­fach: Man kann be­wei­sen, dass ein vier­di­men­sio­na­ler Raum völ­lig ko­hä­rent ist, wenn man zei­gen kann, dass sei­ne Ko­hä­renz die Ko­hä­renz der re­el­len Zah­len hat.
  77. Es han­delt sich um die Sei­te, die vom Platz der Pro­duk­ti­on [un­ten rechts] zum Platz der Wahr­heit [un­ten links] führt, also um die bei­den un­te­ren Plät­ze in der Vier-Plät­ze-Struk­tur, um die sich die vier Ter­me dre­hen. Vgl. in die­sem Band [La­ca­nia­na II, hg. v. M. Sa­fouan] die Zu­sam­men­fas­sung von Se­mi­nar XVII.

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