Identifizierung

Jacques Lacan über den Eigennamen (I): Seminar 9 (Übersetzung und Zusammenfassung)

morgiana-chalk-markMorgiana markiert die Türen der anderen Häuser
Zeichnung von Gustav Tenggren in Golden tales from the arabian nights
Simon & Schuster, New York 1957

Lacans Theorie des Eigennamens ist für den deutschen Leser schwer zugänglich. Man findet sie vor allem in den Seminaren 9 und 12; beide sind nicht übersetzt, es gibt auch keine offizielle französische Ausgabe.

Im Folgenden übersetze ich sämtliche Bemerkungen Lacans über den Eigennamen in Seminar 9 von 1961/1962, Die Identifizierung. Es folgt eine detaillierte Zusammenfassung sowie ein Anhang mit einigen der Texte, auf die Lacan sich bezieht.1

In einem zweiten Artikel werde ich Lacans Hinweise zum Eigennamen in Seminar 12 übersetzen.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott für ausgiebige Hilfe bei der Übersetzung!

Zur Übersetzung
Wörter mit Stern* sind deutsch im Original.
<Einfügungen im spitzen Klammern> sind meine Ergänzungen.
[Einfügungen in eckigen Klammern] sind meine Erläuterungen.
(…) verweist auf Lücken in der Transkription.

Grundlage der Übersetzung ist die Staferla-Edition des Seminars. Da diese Ausgabe immer wieder überarbeitet wird, habe ich die von mir verwendete Fassung (die vom 19.12.2009) hier gespeichert.

Inhalt

Übersetzung

6. Dezember 1961: Die Nicht-Identität des Signifikanten

Ich referiere zunächst die Erörterungen, von denen ausgehend Jacques Lacan zum Thema des Eigennamens kommt.

Er bezieht sich auf den Satz der Identität, anders gesagt auf das Identitätsprinzip, also auf „A ist A“ oder „A = A“.

Der Satz der Identität, so erläutert er, kann im imaginären Register gedeutet werden, nämlich als Fort-Da-Spiel, wie in Freuds Jenseits des Lustprinzips.2

Lacan demonstriert das mit einem Tischtennisball: er zeigt ihn, er versteckt ihn, er bringe ihn wieder zum Vorschein. Der Tischtennisball ist kein Signifikant, er ist ein Objekt; das Verschwindenlassen und Wiederhervorholen des Balls ist eine Möglichkeit zu sagen „Das Objekt a ist das Objekt a“. Auf der Ebene des Imaginären gibt es zwischen den beiden Momenten des Zeigens den Vorgang des Verschwindens, und die Frage ist: Welche Beziehung gibt es zwischen dem „ist“, das die beiden Erscheinungen des Balles verbindet, und dem dazwischenliegenden Verschwinden.

Bei der Identifizierung, mit der die Psychoanalyse es zu tun hat, fährt Lacan fort, geht es nicht um den Bezug zum anderen, sondern um den Bezug zu sich selbst, um die Identifizierung des Subjekts; hier geht es nicht um das Erscheinen und Verschwinden, sondern um die Funktion des Signifikanten. Deshalb ist es notwendig, den Status des Signifikanten zu bestimmen und ihn vom Zeichen zu unterscheiden. Dass das Subjekt auftaucht, ist ein Signifikanteneffekt. Ein metonymischer Effekt? Ein metaphorischer Effekt? Vielleicht gibt es etwas, was diesen Effekten vorausgeht. Lacan bringt das Beispiel il y a la trace d’un pas, „es gibt die Spur eines Schritts / eines Neins“; hier geht es um den Abstand zwischen pas im Sinne des Schritts und pas im Sinne der Negation. Das sind die beiden Enden der Kette, zwischen denen das Subjekt auftauchen kann.

Die Behauptung „A ist A“ ist nicht wahr. „A ist nicht A“, das ist eine objektive Tatsache – „objektiv“ im Sinne von Descartes, der den Terminus wiederum von der Scholastik übernimmt. Der Signifikant ist in keinem Fall identisch mit sich selbst. Wenn man sagt „Der Krieg ist der Krieg“, ist das keine Tautologie, das bedeutet vielmehr, dass man sich im Kriegszustand befindet.

Lacan fährt fort:

„Aber nehmen wir etwas Einfaches und kommen wir damit schnell zu einem Ende. Wenn ich sage ‚mein Großvater ist mein Großvater‘, dann müssen Sie nämlich begreifen, dass es da keinerlei Tautologie gibt, dass ‚mein Großvater‘, der erste Ausdruck, eine indexikalische Verwendung des zweiten Ausdrucks ‚mein Großvater‘ ist, die sich nicht spürbar von seinem Eigennamen unterscheidet, beispielsweise ‚Émile Lacan‘, und auch nicht vom ‚das‘ in ‚das ist‘, wenn ich ihn dann bezeichne, wenn er ein Zimmer betritt: ‚das ist mein Großvater‘.

Das besagt nicht, dass sein Eigenname dasselbe ist wie dieses ‚das‘ in ‚this is my grandfather‘. Es verblüfft einen, dass ein Logiker wie Russell glaubte sagen zu können, dass der Eigenname zur selben Kategorie gehört, zur selben Signifikantenklasse, wie das this, that oder it, unter Hinweis darauf, dass in bestimmten Fällen derselbe funktionale Gebrauch von ihnen gemacht werden kann.

Das ist ein Einschub, aber wie alle meine Einschübe ein Einschub, der dazu bestimmt ist, später aufgegriffen zu werden, bezogen auf den Status des Eigennamens, über den wir heute nicht sprechen werden.

Wie auch immer, worum es bei ‚Mein Großvater ist mein Großvater‘ geht, das soll heißen, dass dieser abscheuliche Kleinbürger, welcher besagter Typ war, diese schreckliche Person, dank derer ich in frühem Alter diese grundlegende Funktion verwirklichte, die darin besteht, Gott zu verfluchen, dass diese Person genau dieselbe ist wie die, die dem Zivilstand nach, wie die Heiratsverbindungen zeigen, der Vater meines Vaters ist, insofern es bei dem fraglichen Akt genau um dessen Geburt geht. Sie sehen also, inwiefern ‚Mein Großvater ist mein Großvater‘ keineswegs eine Tautologie ist.

Das lässt sich auf alle Tautologien anwenden und gibt dafür keineswegs eine eindeutige Formel, denn es geht hier um eine Beziehung des Realen zum Symbolischen. In anderen Fällen wird es eine Beziehung des Imaginären zum Symbolischen geben; stellen Sie die ganze Folge der Permutationen her, auf diese Weise kann man sehen, welche von ihnen gültig sind. Diesen Weg kann ich nicht einschlagen, denn wenn ich zu Ihnen darüber spreche – was in gewisser Weise ein Modus ist, um die falschen Tautologien beiseite zu räumen, aus denen ganz einfach der übliche, der dauerhafte Sprachgebrauch besteht –, dann um Ihnen zu sagen, dass es nicht das ist, was ich sagen will.

Wenn ich behaupte, dass es keine mögliche Tautologie gibt, dann ist es nicht so, dass ich sage, dass es insofern keine Tautologie gibt, als das erste A und das zweite A unterschiedliche Dinge bedeuten. Vielmehr ist in den Status des A selbst eingeschrieben, dass A nicht A sein kann. Das letzte Mal habe ich meine Rede damit beendet, dass ich Ihnen bei Saussure den Punkt bezeichnet habe, an dem gesagt wird, dass das A als Signifikant auf keine andere Weise definiert werden kann als so, dass es nicht das ist, was die anderen Signifikanten sind.3 Davon, dass er nicht anders definiert werden kann als eben dadurch, nicht alle anderen Signifikanten zu sein, davon hängt die Dimension ab, dass gleichermaßen wahr ist, dass er nicht er selbst sein kann.

Es genügt nicht, das so, auf diese undurchsichtige Weise vorzubringen, eben deshalb, weil diese Art und Weise überrascht; es ist nötig, Sie das spüren zu lassen, dass sie diesen Glauben erschüttert, der von der Tatsache abhängt, dass da die wahre Stütze der Identität ist.

Was ist ein Signifikant?

Wenn alle, nicht nur die Logiker, von A sprechen, wenn es um ‚A ist A‘ geht, dann ist das keineswegs ein Zufall. Das ist deshalb so, weil man, um zu stützen, was man bezeichnet, einen Buchstaben braucht.“4

Es folgt eine Erläuterung der Funktion des Buchstabens anhand zweier Beispiele von chinesischer Kalligrafie.

13. Dezember 1961: Der Eigenname ist ein Buchstabe

Lacan spricht über Freuds Fallgeschichte vom kleinen Hans. Das Kind stellt sich vor, dass in seinem Zimmer zwei Giraffen sind, eine große und eine „zerwuzelte“, eine zerknüllte; dass die große Giraffe geschrien hat; dass es die zerwuzelte in der Hand gehalten hat; und dass es sich, als die große Giraffe zu schreien aufgehört hat, auf die zerwuzelte Giraffe draufgesetzt hat.5

„Diese schöne Mechanik muss uns spüren lassen, worum es geht, nämlich um seine grundlegende Identifizierung, um die Abwehr gegen das ursprüngliche Gefangensein in der Welt der Mutter – wie an dem Punkt, an dem wir mit der Aufhellung der Phobie sind, natürlich niemand bezweifelt. Bereits hier sehen wir diese Funktion des Signifikanten exemplifiziert. Und genau hierbei möchte ich mich heute noch weiter aufhalten, als Ausgangspunkt für das, was wir über die Identifizierung zu sagen haben werden.

Die Funktion des Signifikanten, insofern sie der Befestigungspunkt für das ist, von wo aus das Subjekt sich konstituiert, das ist das, was mich dazu bringen wird, mich heute einen Moment lang bei etwas aufzuhalten, das, so scheint mir, einem ganz natürlich in den Sinn kommen muss, nicht nur aus Gründen der allgemeinen Logik, sondern auch wegen etwas, auf das Sie in ihrer Erfahrung stoßen müssen, ich meine die Funktion des Namens. Nicht noun, der grammatisch definierte Name, den wir in unseren Schulen als Substantiv bezeichnen, sondern der name, wie diese beiden Funktionen im Englischen, und übrigens auch im Deutschen, unterschieden werden. Darüber möchte ich hier noch ein bisschen mehr sagen. Aber Sie verstehen ja den Unterschied – der name, das ist der Eigenname.

Als Analytiker kennen Sie die Bedeutung, die in jeder Analyse der Eigenname des Subjekts hat. Sie müssen immer beachten, wie Ihr Patient heißt, das ist niemals gleichgültig. Wenn Sie in der Analyse nach den Namen fragen, ist das ja etwas, was viel wichtiger ist als die Entschuldigung, die sie dem Patienten dafür geben können, also dass sich hinter dieser Art von Verschweigen oder Auslöschen des Namens alle möglichen Dinge verbergen können, hinsichtlich der Beziehungen, die er mit irgendeinem anderen Subjekt ins Spiel zu bringen hat. Das geht viel weiter als das. Sie müssen es ahnen oder sogar wissen. Was ist das, ein Eigenname? Hierzu müssten wir viel zu sagen haben. Fakt ist, dass wir zum Namen tatsächlich viel Material beisteuern können. Was dieses Material angeht, werden wir Analytiker, gerade in den Kontrollanalysen, tausend Mal zu illustrieren haben, wie wichtig es ist.

Ich glaube nicht, dass wir dem Eigennamen hier seine ganze Reichweite geben können, ohne – das ist hier eine weitere Gelegenheit, die Notwendigkeit einer Methode mit dem Finger zu spüren –, ohne uns auf das zu beziehen, was der Sprachwissenschaftler hierüber zu sagen hat. Nicht um uns dem zwangsläufig zu unterwerfen, sondern weil wir hier, bezogen auf die Funktion, die Definition dieses Signifikanten, die ihre Originalität hat, zumindest eine Kontrolle, vielleicht sogar eine Ergänzung finden müssen für das, was wir sagen können. Tatsächlich ist es genau das, was sich hier ergeben wird.

1954 ist eine kleine Streitschrift von Sir Alan H. Gardiner erschienen.6 Es gibt von ihm alle Arten von Arbeiten, insbesondere eine sehr gute ägyptische Grammatik, ich meine eine des antiken Ägypten. Er ist also Ägyptologe, aber auch und vor allem Sprachwissenschaftler. Gardiner hat – zu der Zeit, als ich es, während einer Reise nach London,  erstanden habe – ein ganz kleines Buch verfasst, mit dem Titel Die Theorie der Eigennamen. Er hat es auf eine Weise gemacht, die ein wenig zufällig ist. Er selbst nennt das einen controversial essay, einen streitbaren Versuch. Man kann sogar sagen, das ist eine Litotes, das ist ein polemischer Essay.

Er hat ihn in der Folge der heftigen Verärgerung verfasst, die durch eine Reihe von Äußerungen eines Philosophen ausgelöst wurde, auf den ich Sie nicht zum ersten Mal hinweise: Bertrand Russell, dessen bedeutende Rolle Ihnen bekannt ist, bei der Ausarbeitung dessen, was man heute die mathematisierte Logik nennen könnte oder die logifizierte Mathematik. Ausgehend von den Principia mathematica hat er, zusammen mit Whitehead, einen allgemeinen Symbolismus der logischen und mathematischen Operationen geliefert, den nicht zu berücksichtigen, sobald man dieses Feld betritt, nicht möglich ist. Russell also gibt in einem seiner Werke7 eine völlig paradoxe Definition – die Paradoxie ist im übrigen eine Dimension, in der sich zu bewegen er keineswegs ablehnt, im Gegenteil, des Öfteren bedient er sich ihrer –, Monsieur Russel hat also, bezogen auf den Eigennamen, bestimmte Bemerkungen gemacht, die Monsieur Gardiner buchstäblich außer sich gebracht haben. Der Streit an sich ist ziemlich bedeutsam, sodass ich glaube, Sie heute in ihn einführen zu müssen und Bemerkungen anhängen zu müssen, die mir wichtig zu sein scheinen. An welchem Ende werden wir anfangen, bei Gardiner oder bei Russell? Fangen wir mit Russell an.

Russel befindet sich in der Position des Logikers. Der Logiker hat eine Position, die nicht erst auf gestern zurückgeht, er bringt einen bestimmten Apparat zum Funktionieren, dem er unterschiedliche Titel gibt: Argumentation, Denken. Er entdeckt hier eine bestimmte Anzahl von darin implizierten Gesetzen. In einer ersten Phase löst er diese Gesetze heraus, es sind diejenigen, ohne die nichts, was von der Ordnung der Vernunft ist, möglich wäre. Im Verlaufe dieser absolut originellen Untersuchung des uns beherrschenden Denkens erfassen wir durch die Reflexion der Griechen beispielsweise die Wichtigkeit des Prinzips des Widerspruchs. Nachdem das Prinzip des Widerspruchs einmal entdeckt ist, entfaltet und ordnet sich etwas um das Widerspruchsprinzip herum, was sicherlich zeigt, dass, wenn der Widerspruch und sein Prinzip nur so etwas Tautologisches wären, die Tautologie einzigartig fruchtbar wäre, denn es sind nicht einfach einige Seiten, auf denen die aristotelische Logik sich entfaltet.

Mit der Zeit besteht die historische Tatsache jedoch darin, dass die Entwicklung der Logik sich keineswegs auf eine Ontologie richtet, auf einen radikalen Bezug zum Sein, als das begriffen, was diese allgemeinsten Gesetze der für die Wahrheit notwendigen Auffassungsweisen anzielen, sie richtet sich vielmehr auf einen Formalismus, also auf das, dem sich der Führer einer Schule des Denkens widmet, die so wichtig, so entscheidend ist für die Orientierung, die sie einer ganzen Denkweise unserer Epoche gegeben hat, nämlich Bertrand Russell, dass es ihm gelungen ist, all das, was die Kritik der Operationen betrifft, die im Feld der Logik und der Mathematik ins Spiel gebracht werden, in eine allgemeine Formalisierung zu bringen, die so streng, so ökonomisch wie möglich ist. Kurz, die Korrelation zwischen der Bemühung von Russell, die Einfügung von Russells Bemühungen in diese Richtung, führt in der Mathematik zur Herausbildung dessen, was man als ‚Mengenlehre‘ bezeichnet, deren allgemeine Reichweite sich dadurch charakterisieren lässt, dass man sich hier bemüht, das gesamte Feld der mathematischen Erfahrung, das in jahrhundertelanger Entwicklung akkumuliert worden ist, zu reduzieren, und ich glaube, dass man davon keine bessere Definition geben kann als die: es zu reduzieren auf ein Spiel von Buchstaben. Dies also müssen wir in Rechnung stellen, als eine Gegebenheit des Fortschritts des Denkens, sagen wir: in unserer Epoche, wobei diese Epoche als ein bestimmter Moment des Diskurses der Wissenschaft definiert ist.

Was also hat Bertrand Russell unter diesen Bedingungen, zu dem Zeitpunkt, als er sich dafür interessierte, als Definition des Eigennamens gegeben? Das ist etwas, was an sich selbst wert ist, dass man dabei innehält, weil es das ist, was uns gestatten wird, zu erfassen – man könnte es anderswo erfassen, und Sie werden sehen, dass ich Ihnen zeigen werde, dass man es anderswo erfasst –, sagen wir, diesen Teil der Verkennung zu erfassen, der in einer bestimmten Position enthalten ist, die tatsächlich die Ecke ist, in die die gesamte säkulare Bemühung der Ausarbeitung der Logik getrieben worden ist. Diese Verkennung ist, eigentlich gesprochen, die folgende – sicherlich gebe ich Ihnen das in gewissem Sinne insgesamt in dem, was ich da zwangsläufig durch eine Notwendigkeit der Darstellung behauptet habe. Diese Verkennung betrifft genau die radikalste Beziehung des denkenden Subjekts zum Buchstaben. Bertrand Russell sieht alles außer diesem: der Funktion des Buchstaben. Das ist das, was ich hoffe, Sie spüren zu lassen und Ihnen zeigen zu können. Haben Sie Vertrauen und folgen Sie mir, Sie werden jetzt sehen, wie wir uns vorwärtsbewegen.

Was gibt er als Definition des Eigennamens? Ein Eigenname, sagt er, ist a word for a particular, ein Wort, um die besonderen Dinge als solche zu bezeichnen, außerhalb jeder Beschreibung (description).8

Es gibt zwei Weisen, die Dinge anzugehen, sie durch ihre Qualitäten, ihre Bezugspunkte, ihre Koordinaten in der Perspektive des Mathematikers zu charakterisieren, wenn ich Sie als solche bezeichnen will. Dieser Punkt beispielsweise, nehmen wir an, dass ich Ihnen hier sagen kann: Er ist rechts von der Tafel, ungefähr auf dieser Höhe, er ist weiß, und dieses und jenes. Das ist eine Beschreibung (description), sagt uns Monsieur Russell.

Und dann gibt es ausgezeichnete Arten und Weisen, sie außerhalb jeder Beschreibung als besonders (particulier) zu bezeichnen, und das werde ich Eigenname nennen. Der erste Eigenname für Monsieur Russell, in meinen vorangehenden Seminaren habe ich bereits darauf angespielt, ist das this, ‚dieses‘, this is the question.9

Das Demonstrativum ist also in den Rang des Eigennamens übergegangen. Es ist nicht weniger paradox, dass Monsieur Russell ganz kalt die Möglichkeit ins Auge fasst, eben diesen Punkt ‚John‘ zu nennen. Man muss anerkennen, dass wir hier immerhin das Zeichen dafür haben, dass es vielleicht doch etwas gibt, was die Erfahrung übersteigt, denn es ist eine Tatsache, dass es selten ist, dass man einen geometrischen Punkt ‚John‘ nennt. Nichtsdestoweniger, vor den extremsten Ausdrucksweisen seines Denkens ist Russell niemals zurückgeschreckt.

Hier jedoch wird der Sprachwissenschaftler unruhig. Er wird umso unruhiger, als es zwischen den beiden Extremen der Russellschen Definition word for a particular10 diese völlig paradoxe Konsequenz gibt, dass Russell uns sagt – etwas, was für ihn logisch ist –, dass ‚Sokrates‘ kein Recht hat, von uns als Eigenname aufgefasst zu werden, angesichts dessen, dass Sokrates seit langem kein Einzelding (particulier) mehr ist. Ich kürze für Sie ab, was Russell sagt, und füge hier sogar eine humoristische Note hinzu, aber das ist genau der Geist dessen, was er uns sagen will, nämlich dass Sokrates für uns ‚der Lehrer von Platon‘ ist, ‚der Mensch, der den Schierling getrunken hat‘ usw. Das ist eine abgekürzte Beschreibung. Das ist als solches also nicht mehr das, was er so nennt: ein Wort, um das Einzelding in seiner Einzelheit (le particulier dans sa particularité) zu bezeichnen. Es ist wohl sicher, dass wir hier sehen, dass wir völlig den Faden dessen verlieren, was das Sprachbewusstsein uns liefert, dass wir nämlich alles eliminieren müssen, was von den Eigennamen sich in eine Begriffsgemeinschaft einfügt. Wir geraten in eine Art Sackgasse, und zwar genau in diejenige, der Gardiner die eigentlich sprachwissenschaftlichen Sichtweisen als solche entgegenzusetzen versucht.

Es ist bemerkenswert, dass der Sprachwissenschaftler – nicht ohne Verdienst und nicht ohne Praxis und nicht ohne Übung, durch eine Erfahrung mit dem Signifikanten, die um so tiefer geht, als ich Sie nicht umsonst darauf hingewiesen habe, dass dies jemand ist, dessen Schaffen sich zum Teil in einem Bereich entfaltet, der besonders suggestiv ist und reich an Erfahrung, nämlich dem der Hieroglyphen, denn er ist Ägyptologe –, dass er dazu gebracht wird, für uns die Gegenposition zu formulieren in Bezug auf das, was ihm für die Funktion des Eigennamens charakteristisch zu sein scheint.

Um dieses Charakteristikum der Funktion des Eigennamens auszuarbeiten, bezieht er sich auf John Stuart Mill11 sowie auf einen griechischen Grammatiker des 2. Jahrhunderts vor Christus namens Dionysios Thrax. Einzigartigerweise stößt er bei ihnen auf etwas, was sich auf Formeln bezieht, die auf den ersten Blick, wenn man so sagen kann, als homonym erscheinen könnten, ohne zur selben Paradoxie zu führen wie bei Bertrand Russell. Der Eigenname, idion onoma, ist übrigens nur die Übersetzung dessen, was hierzu die Griechen und insbesondere Dionysios Thrax beigetragen haben. Vermengt sich idion hier mit dem Besonderen (particulier) im Russellschen Sinne des Ausdrucks? Sicherlich nicht, weil es auch nicht das wäre, worauf Monsieur Gardiner sich stützen würde, wenn es darum ginge, hier eine Übereinstimmung mit seinem Gegner zu finden.12 Unglücklicherweise kommt er nicht dazu, hier den Unterschied zu spezifizieren zwischen dem Ausdruck der Eigenschaft (propriété) in Bezug auf das, was die ursprüngliche griechischen Sichtweise auszeichnet, und den paradoxen Konsequenzen, zu denen ein bestimmter Formalismus gelangt.

Aber im Schutze des Fortschritts, den ihm, ganz im Hintergrund, der Bezug auf die Griechen ermöglicht, dann der Bezug auf Mill, der ihm näher ist, stellt er den Wert dessen heraus, worum es geht, nämlich das, was im Eigennamen funktioniert, wodurch wir ihn sofort unterscheiden, ihn als einen Eigennamen als solchen ausmachen.

Mill legt mit großer Treffsicherheit im Zugang zum Problem den Akzent auf Folgendes. Das, wodurch ein Eigenname sich vom Gemeinnamen unterscheidet, liegt auf der Seite von etwas, was zur Ebene des Sinns gehört. Der Name ‚Gemeinname‘ scheint sich auf den Gegenstand insofern zu beziehen, als er einen Sinn mit sich führt. Wenn etwas ein Eigenname ist, dann insofern, als es nicht der Sinn des Gegenstandes ist, den es mit sich führt, sondern etwas, was von der Ordnung einer Markierung ist, die gewissermaßen auf dem Gegenstand angebracht ist, die ihm auferlegt ist, und deshalb um so enger mit ihm verbunden sein wird, als es, aufgrund der Tatsache der Abwesenheit von Sinn, weniger offen sein wird für jede Teilhabe an einer Dimension, durch die dieser Gegenstand sich überschreitet, mit den anderen Gegenständen kommuniziert.

Mill lässt hier übrigens eine Art von kleinem Apolog intervenieren, hineinspielen, der mit einem Märchen verbunden ist; ein Phantasiebild wird ins Spiel gebracht. Das ist die Geschichte von der Rolle der Fee Morgiana, die einige ihrer Schützlinge vor irgendeiner Plage schützen will, die ihnen dadurch angekündigt worden war, dass in der Stadt an ihren Türen eine Markierung aus Kreide angebracht worden war.13 Morgiana schützt sie davor, dem Schlag der vernichtenden Plage ausgesetzt zu sein, indem sie an allen anderen Häusern der Stadt dieselbe Markierung anbringt. Sir Gardiner hat hier keine Mühe, das Verkennen aufzuzeigen, das dieser Apolog enthält, nämlich dass Mill, wenn er einen vollständigeren Begriff von dem gehabt hätte, worum es bei der Einwirkung (incidence) des Eigennamens geht, bei seiner eigenen Erfindung nicht nur das Merkmal der Identifizierung durch die Markierung hätte herausstellen müssen, sondern auch ihren distinktiven Charakter. Der Apolog als solcher wäre passender, wenn man sagte, dass die Fee Morgiana die anderen Häuser ebenfalls mit einem Kreidezeichen hätte markieren müssen, jedoch mit einem, das sich vom ersten unterscheidet, so dass derjenige, der in die Stadt eindringt, um seinen Auftrag zu erfüllen, das Haus sucht, in dem er seine fatale Einwirkung vornehmen soll, und nicht mehr herausfinden kann, um welches Zeichen es geht, mangels dessen, im Vorhinein gewusst zu haben, welches dieser Zeichen er suchen musste.14

Das bringt Gardiner zu der folgenden Formulierung: In offenkundigem Bezug auf die Unterscheidung von Signifikant und Signifikat, die für jeden Sprachwissenschaftler grundlegend ist, selbst wenn er sie in seinem Diskurs nicht als solche vorbringt, bemerkt Gardiner, nicht ohne Fundament, dass es beim Gebrauch des Eigennamens nicht so sehr um die Abwesenheit des Sinns geht, denn es gilt auch das Gegenteil. Sehr oft haben Eigennamen einen Sinn. Selbst Monsieur ‚Durand‘ hat einen Sinn.15 Monsieur Smith bedeutet Schmied, und es ist ganz klar, dass deswegen, weil Monsieur Schmied zufällig Schmied ist, sein Name nicht weniger ein Eigenname ist. Was den Gebrauch des Eigennamens ausmacht, sagt uns Monsieur Gardiner, ist dies, dass bei seiner Verwendung der Akzent nicht auf den Sinn gelegt wird, sondern auf den Laut, insofern er distinktiv ist.16

Offensichtlich gibt es hier einen sehr großen Fortschritt der Dimensionen, was es uns in der Mehrheit der Fälle praktisch ermöglichen wird, mitzubekommen, dass etwas ganz speziell als Eigenname funktioniert.

Dennoch ist gleichwohl ziemlich paradox, eben hier zu sehen, wie ein Sprachwissenschaftler – für den die erste Definition, die er seinem Material, den Phonemen, zu geben hat, die ist, dass dies genau Laute sind, die sich voneinander unterscheiden –, wie ein Sprachwissenschaftler der Funktion des Eigennamens als besonderes Merkmal dies gibt, dass wir ihn als Eigennamen genau dadurch charakterisieren können, dass er aus Lauten besteht, die sich voneinander unterscheiden. Denn unter bestimmtem Blickwinkel ist sicherlich offenkundig, dass jeder Gebrauch der Sprache sich genau darauf gründet, dass die Sprache aus einem bestimmten Material gemacht ist, nämlich aus distinktiven Lauten.

Aber natürlich ist es nicht so, dass dem Autor dieser Ausarbeitung dieser Einwand nicht selbst kommt. Und hier führt er einen subjektiven Begriff ein – subjektiv im psychologischen Sinne des Ausdrucks –, den Begriff der Aufmerksamkeit, die der Signifikantendimension, hier qua Lautmaterial, geschenkt wird.17 Bitte beachten Sie, dass ich hier darauf hinweise, dass der Sprachwissenschaftler, der sich einem methodischen Prinzip zufolge ganz wie der Mathematiker bemühen soll, alles, was ein eigentlich psychologischer Bezug ist, aus seinem Feld hinauszudrängen – ich sage nicht, es völlig zu eliminieren –, dass er hier jedoch dazu gebracht wird, eine psychologische Dimension als solche herauszustellen, ich meine die Tatsache, dass das Subjekt, wie er sagt, ’besetzt’, dass es seine Aufmerksamkeit speziell auf das lenkt, was der Kern seines Interesses ist, wenn es um den Eigennamen geht.18

Dadurch, dass er eine bestimmte Lautdifferenz transportiert, wird er als Eigenname aufgefasst, was zu der Bemerkung Anlass gibt, dass ich umgekehrt in der gewöhnlichen Rede, beispielsweise in dem, was ich Ihnen im Augenblick gerade mitteile, absolut keine Aufmerksamkeit auf das Lautmaterial dessen richte, was ich Ihnen erzähle. Wenn ich darauf zu viel Aufmerksamkeit lenken würde, müsste ich bald sehen, wie meine Rede an Kraft verliert und versiegt. In erster Linie versuche ich, Ihnen etwas mitzuteilen. Weil ich glaube, Französisch sprechen zu können, kommt mir das Material, das in seinem Grunde tatsächlich distinktiv ist. Es ist da als ein Träger, dem ich keine Aufmerksamkeit schenke: ich denke an das Ziel, zu dem ich gehe, nämlich Ihnen bestimmte Qualitäten von Gedanken zu übermitteln, die ich Ihnen mitteile.

Ist es genauso wahr, dass jedes Mal, wenn wir einen Eigennamen aussprechen, wir psychologisch auf den Akzent ausgerichtet sind, der auf das Lautmaterial als solches gelegt wird? Das ist absolut nicht wahr.19 Ich denke nicht in stärkerem Maße an das Lautmaterial ‚Sir Alan Gardiner‘, wenn ich zu Ihnen darüber spreche, als in dem Moment, wo ich von ‚zerwuzeln‘20 spreche oder von irgendetwas anderem. Allerdings könnte man sagen, dass meine Beispiele hier schlecht gewählt sind, weil es bereits Wörter sind, denn wenn ich sie an die Tafel schreibe, stelle ich sie als Wörter heraus.21

Was immer der Wert der Behauptung des Sprachwissenschaftlers hier sein mag, es ist sicher, dass sie ganz speziell daran scheitert, dass sie glaubt, keinen anderen als einen psychologischen Bezug zur Geltung bringen zu müssen. Und woran scheitert sie? Genau daran, etwas zu artikulieren, was vielleicht die Funktion des Subjekts ist, aber des Subjekts, das ganz anders definiert ist als durch irgendetwas von der Ordnung der konkreten Psychologie, des Subjekts, insofern wir könnten –, insofern wir müssen –, insofern wir es recht eigentlich in seinem Bezug zum Signifikanten definieren werden. Es gibt ein Subjekt, das sich nicht mit dem Signifikanten als solchem vermengt, sich aber in dem Bezug auf den Signifikanten entfaltet, mit Zügen (traits), mit Merkmalen (caractères), die vollkommen artikulierbar und formalisierbar sind, und die es uns gestatten müssen, den ‚idiotischen‘ Charakter zu erfassen22, ihn als solchen zu unterscheiden – wenn ich den Bezug aufs Griechische verwende, dann weil ich weit davon entfernt bin, ihn mit der Verwendung des Wortes particular in der Russellschen Definition zu vermengen –, den als solchen ‚idiotischen‘ Charakter des Eigennamens.

Versuchen wir jetzt anzuzeigen, in welchem Sinne ich Sie es begreifen lassen möchte: in dem Sinne, in dem ich auf der Ebene der Definition des Unbewussten seit langem die Funktion des Buchstabens intervenieren lasse.

Diese Funktion des Buchstaben, ich habe sie für Sie zunächst auf gewissermaßen poetische Weise eingreifen lassen. Das Seminar über den Entwendeten Brief, in den allerersten Jahren unserer Ausarbeitung, sollte Sie darauf hinweisen, dass tatsächlich ein lettre – im wörtlichen Sinne des Ausdrucks, ein Buchstabe/Brief, denn es handelte sich um ein Schreiben – etwas war, das wir als determinierend betrachten konnten, bis in die psychische Struktur des Subjekts hinein.23 Eine Fabel, sicherlich, der es in ihrer Fiktionsstruktur aber gelang, die tiefste Wahrheit zu erreichen. Als ich einige Jahre später von der Instanz des Buchstabens im Unbewussten sprach, habe ich durch Metapher und Metonymie einen sehr viel genaueren Akzent gesetzt.24

Mit dem Ausgangspunkt, den wir mit der Funktion des einzigen Zugs / des Einzelstrichs (trait unaire) genommen haben, kommen wir jetzt zu etwas, was es uns gestatten wird, weiter zu gehen. Ich behaupte, dass es eine Definition des Eigennamens nur in dem Maße geben kann, in dem wir uns das Verhältnis der benennenden Emission zu etwas klarmachen, was seiner radikalen Natur nach von der Ordnung des Buchstabens ist.

Sie werden mir sagen: Es gibt hier eine große Schwierigkeit, denn es gibt eine Menge Leute, die nicht lesen können und die Eigennamen verwenden, und außerdem haben die Eigennamen mitsamt der durch sie bestimmten Identifizierung vor dem Erscheinen der Schrift existiert. Unter diesem Ausdruck, unter diesem Register, Der Mensch vor der Schrift, ist ein sehr gutes Buch erschienen, das uns den letzten Punkt dessen gibt, was von der Entwicklung des Menschen vor der Geschichte gegenwärtig bekannt ist.25 Und dann, wie definieren wir die Ethnografie, von der einige es für plausibel gehalten haben, zu behaupten, dass es sich im eigentlichen Sinne um all das handelt, was sich von der Ordnung der Kultur und der Tradition außerhalb jeder Möglichkeit der Dokumentation durch das Werkzeug der Schrift entfaltet. Ist das so wahr?“26

Anschließend empfiehlt Lacan seinen Zuhörern die Lektüre von James G. Février, Histoire de l’écriture (Payot, Paris 1948).

Nach Ausführungen zur Keilschrift heißt es dann:

„Anders ausgedrückt, das Aufkommen der Schrift repräsentiert Folgendes. Etwas, was bereits Schrift ist, wenn wir berücksichtigen, dass ihr Charakteristikum die Isolierung des Signifikantenstrichs (trait signifiant) ist, der genannt wird, gelangt dazu, diesem berühmten Laut dienen zu können, den Laut zu unterstützen, auf den Monsieur Gardiner, was die Eigennamen betrifft, den ganzen Akzent legt.

Was folgt daraus? Daraus folgt, dass wir, wenn meine Hypothese stimmt, etwas finden müssen, was ihre Gültigkeit unterschreibt. Es gibt mehr als eines, sobald man einmal daran denkt, wimmelt es. Aber das Zugänglichste, das Offenkundigste ist das, was ich Ihnen sofort geben werde, nämlich dass eines der Merkmale des Eigennamens – darauf werde ich sicherlich zurückzukommen haben, in tausend Formen, sie werden tausend Beweise dafür sehen – darin besteht, dass das Charakteristikum des Eigennamens immer mehr oder weniger mit diesen Zug (trait) verbunden ist, nicht mit dem Laut, sondern mit der Schrift verbunden zu sein.

Und einer der Beweise, derjenige, den ich heute an die erste Stelle, nach vorn bringen möchte, ist folgender. Wenn wir unentzifferte Schriftzüge haben, weil wir die Sprache nicht kennen, die sie verkörpern, sind wir ziemlich in Verlegenheit, denn wir müssen warten, bis wir eine zweisprachige Aufzeichnung haben, und auch das führt noch nicht weit, wenn wir über die Natur der betreffenden Sprache, d.h. über ihre Lautstruktur, überhaupt nichts wissen. Worauf warten wir, wenn wir Kryptographen oder Sprachwissenschaftler sind? Darauf, in diesem unentzifferten Text etwas ausmachen zu können, was ein Eigenname sein könnte, denn es gibt diese Dimension, bei der man sich wundert, dass Monsieur Gardiner sich nicht auf sie bezieht – obwohl er doch als herausragenden Exponenten den Begründer seiner Wissenschaft hat, Champollion –, dass er sich nicht daran erinnert, dass die gesamte Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen mit Kleopatra und Ptolemaios angefangen hat, weil Kleopatra in allen Sprachen Kleopatra ist, und Ptolemaios Ptolemaios.

Was einen Eigennamen heraushebt – trotz einiger kleiner Anpassungserscheinungen, man sagt ’Köln’ und ’Cologne’ –, ist dies, dass er in seiner Struktur von einer Sprache in eine andere erhalten bleibt. Sicherlich, in seiner Struktur als Laut, aber die Struktur als Laut zeichnet sich dadurch aus, dass wir unter allen anderen genau sie respektieren müssen, und dies eben aufgrund der Affinität des Eigennamens zur Markierung (marque), zur direkten Anbringung des Signifikanten an einem bestimmten Gegenstand.

Und damit fallen wir anscheinend auf das word for a particular zurück, sogar auf die brutalste Weise.27 Heißt das, dass ich damit Monsieur Bertrand Russell hier Recht gebe? Sie wissen es: sicherlich nicht. Denn im Zwischenraum gibt es genau die ganze Frage der Geburt des Signifikanten, ausgehend von dem, wovon er das Zeichen ist. Was will sie sagen? Hier fügt sich eine Funktion ein, nämlich die des Subjekts, nicht des Subjekts im psychologischen Sinne, sondern des Subjekts im strukturalen Sinn. Wie können wir, unter welchem Algorithmus – denn es geht um Formalisierung – können wir dieses Subjekt platzieren? Haben wir in der Ordnung des Signifikanten ein Mittel, das zu repräsentieren, was die Entstehung, die Geburt, das Auftauchen des Signifikanten selbst betrifft? Darauf bezieht sich meine Rede, die ich im nächsten Jahr wieder aufnehmen werde.“28

Ende dieser Sitzung.

10. Januar 1962: Die Identifizierung mit dem Eigennamen und das Subjekt

Lacan beginnt die Folgesitzung mit der Bemerkung, dass er diesmal keine Lust habe, das Seminar zu machen. Dann sagt er:

„Rufen wir in Erinnerung, was ich letztes Mal gesagt habe. Ich habe zu Ihnen über den Eigennamen gesprochen, insofern wir auf unserem Weg der Identifizierung des Subjekts auf ihn gestoßen sind: zweiter Typ der Identifizierung, regressiv, mit dem einzigen Zug des Anderen. Bezogen auf diesen Eigennamen sind wir darauf gestoßen, dass er die Aufmerksamkeit einiger Sprachwissenschaftler und Mathematiker beim Philosophieren auf sich gezogen hat. Was ist der Eigenname? Es scheint, dass die Sache sich nicht beim ersten Zugang erledigt, aber bei dem Versuch, diese Frage zu beantworten, haben wir die Überraschung erlebt, die Funktion des Signifikanten, zweifellos im Reinzustand, wiederzufinden. Auf genau diesen Weg brachte uns der Sprachwissenschaftler selbst, als er uns sagte, ein Eigenname sei etwas, das durch die distinktive Funktion seines Lautmaterials Geltung hat. Womit er sicherlich nur das verdoppelt, was zu den Prämissen der Saussureschen Sprachanalyse gehört, nämlich dass es das distinktive Merkmal (trait distinctif) ist, dass es das Phonem ist, als gekoppelt aus einer Menge, einer bestimmten Batterie <von distinktiven Merkmalen>, einzig insofern, als das Phonem nicht das ist, was die anderen Phoneme sind.29 Diese Prämisse, wir mussten hier bezeichnen, was das spezielle Merkmal (trait special) war, was der Gebrauch einer bestimmten Funktion des Subjekts in der Sprache war, nämlich, eine Sache mit ihrem Eigennamen zu benennen.

Es ist sicher, dass wir uns mit dieser Definition nicht zufrieden geben konnten, dass wir durch sie aber auf einen bestimmten Weg gebracht wurden, und wir haben uns dem zumindest annähern können, es einkreisen können, indem wir Folgendes bezeichnet haben. Die Funktion der Schrift besteht in der Funktion des Zeichens, insofern es selbst wie ein Objekt gelesen wird, in einer Form, die in der Sprache selbst gewissermaßen latent enthalten ist.

Dass die Buchstaben Namen haben, ist eine Tatsache. Wir haben allzu sehr die Neigung, sie mit den vereinfachten Namen zu vermengen, die sie in unserem Alphabet haben, die den Anschein haben, sich mit der phonematischen Emission zu vermengen, auf die der Buchstabe reduziert worden ist.“30

Danach kommentiert Lacan die Namen für die griechischen Buchstaben.

Etwas später spricht er über ägyptische Hieroglyphen, speziell über das Verhältnis zwischen dem Signifikanten und der Negation. Dann heißt es:

„Wenn wir aus dem Signifikanten etwas ganz anderes machen, dann führt uns etwas, dessen Genese problematisch ist, auf die Ebene, dass wir ein bestimmtes existentielles Verhältnis befragen, wobei diese Befragung bereits als solche in einem Bezug zur Negativität verortet ist. Der Modus, in dem die Negation erscheint, in dem der Signifikant einer wirksamen und erlebten Negativität auftauchen kann, ist etwas, das ein ganz anderes Interesse hat. Und von daher ist es nicht zufällig so, dass uns das etwas klarmacht, wenn wir sehen, dass seit den ersten Problemformulierungen die Strukturierung der Sprache identifiziert wird, wenn man so sagen kann, mit dem Bezugspunkt der ersten Verbindung einer vokalen Emission mit dem Zeichen als solchem, d.h. mit etwas, was sich bereits auf eine erste Objektmanipulation bezieht.

Als es darum ging, die Genese des Strichs (trait) zu definieren, haben wir das als Vereinfachung bezeichnet. Was gibt es Zerstörteres, Ausgelöschteres als ein Objekt? Wenn der Strich aus dem Objekt hervorgeht, dann gibt es etwas vom Objekt, dass vom Strich aufbewahrt wird, nämlich seine Einzelheit (unicité). Das Auslöschen, die absolute Zerstörung all seiner anderen Emergenzen, all seiner anderen Verlängerungen, all seiner anderen Anhängsel, all dessen, was es hier an Verzweigtem, an Pochendem geben kann, nun, die Beziehung des Objekts zur Geburt von etwas, was sich hier das Zeichen nennt, insofern es uns bei der Geburt des Signifikanten interessiert, das ist es, wobei wir innegehalten haben.

Dabei ist es nicht ohne Verheißung, dass wir, wenn man so sagen kann, eine Entdeckung gemacht haben, denn ich glaube, dass dies eine ist: dieser Hinweis, dass es, sagen wir, zu einer Zeit, zu einem bestimmten, historisch definierten Zeitpunkt einen Moment gibt, in dem etwas da ist, um gelesen zu werden, um mit Sprache gelesen zu werden, wenn es noch keine Schrift gibt.

Und durch die Umkehrung dieser Beziehung, dieser Beziehung des Lesens zum Zeichen, kann dann die Schrift entstehen, insofern sie dazu dienen kann, die Phonematisierung zu konnotieren.

Aber wenn auf dieser Ebene erscheint, dass genau der Eigenname, insofern er die Verwurzelung des Subjekts als solche spezifiziert, spezieller als ein anderer verbunden ist nicht mit der Phonetisierung als solcher, mit der Struktur der Sprache, sondern mit dem, was in der Sprache bereits dazu bereit steht, wenn man so sagen kann, diese Information des Zugs (trait) zu empfangen.

Wenn der Eigenname noch bis zu uns und in unserem Sprachgebrauch die Spur davon in sich trägt, in der Form, dass er von einer Sprache in eine andere nicht übersetzt wird, weil er schlicht übermittelt, übertragen wird –. Und eben dies ist sein charakteristisches Merkmal: in allen Sprachen heiße ich Lacan, und für Sie gilt dasselbe, für jeden mit seinem Namen. Das ist keine Tatsache des Zufalls, keine Tatsache der Beschränkung, des Unvermögens, keine Tatsache des Nicht-Sinns, im Gegenteil, hierin liegt, hierauf beruht die ganz besondere Eigenschaft des Namens, des Eigennamens bei der Bedeutungsgebung (signification).

Gibt das nicht den Anlass, dass wir uns Fragen darüber stellen, worum es bei diesem radikalen, archaischen Punkt geht, den wir mit aller Notwendigkeit am Ursprung des Unbewussten annehmen müssen? Das heißt dessen, wodurch das Subjekt, wenn es spricht, sich in der Kette immer nur weiter vorwärts bewegen kann, im Abrollen der Aussagen (énoncés). Jedoch, wenn es sich auf die Aussagen richtet, elidiert es aufgrund eben dieser Tatsache etwas in der Äußerung (énonciation), was im eigentlichen Sinne des Wortes das ist, was es nicht wissen kann, nämlich den Namen dessen, was es als Subjekt der Äußerung ist.

Im Äußerungsakt gibt es diese latente Benennung, die sich als der erste Kern, als Signifikant dessen auffassen lässt, was sich dann als eine sich drehende Kette organisieren wird, wie ich es Ihnen immer schon dargestellt habe, dieses Zentrums, dieses sprechenden Herzens des Subjekts, das wir das Unbewussste nennen.“31

Das anschließende Thema ist Freuds erste Topik mit den Systemen Unbewusstes – Vorbewusstes – Bewusstes.

Später in dieser Sitzung spricht Lacan über die philosophische Erfahrung, die Descartes bei der Erforschung des Subjekts gemacht hat. Was hier befragt wird, ist, ob man dem Anderen vertrauen kann, also ob das, was das Subjekt als Zeichen von außen bekommt, ein zuverlässiges Zeichen ist.

Das „ich denke“ ist ein Nicht-Sinn, es hat nicht mehr Sinn als das „ich lüge“. Das „also bin ich“ ist nicht die Konsequenz, die das Subjekt daraus zieht, sondern dies, dass es, wenn es einmal wahrhaft zu denken begonnen hat, nichts tun kann als zu denken. Anders gesagt, wenn das unmögliche „ich denke“ in die Ordnung des Vorbewussten übergegangen ist, impliziert dies, dass das „ich denke“ auf ein „ich bin“ als Signifikat verweist – als Signifikat, nicht als ontologische Bestimmung. Dieses „ich bin“ ist von da an das X des Subjekts, das wir suchen, d.h. dessen, was es am Anfang gibt, damit sich die Identifizierung des „ich denke“ herstellen kann.

Das setzt sich fort: „ich denke, dass ich denke, dass ich bin“ usw., ich bin ein pensêtre, ein Denkwesen, oder ein êtrepensant, ein Denkendeswesen. Wenn ich denke, dass ich denke, dann muss ich erfassen, dass das „ich denke“, das am Ende meines Denkens über mein Denken steht, selbst ein „ich denke“ ist, welches das „ich denke, also bin ich“ reproduziert.

Lacan stellt diese Dynamik des „ich denke als bin ich“ als eine Art Kettenbruch dar, der von unten nach oben und von rechts nach links zu lesen ist, und bei dem das „also“ durch einen von rechts nach links zeigenden Pfeil repräsentiert wird, durch ←.

Ich denke also bin ich als KettenbruchGeht das immer so weiter? Sicherlich nicht. Aber wie kommt es zu einem Abschluss? Lacan verweist hierzu auf seinen Aufsatz Die logische Zeit und die Assertion der antizipierten Gewissheit (1945)32; etwas Ähnliches geschieht hier.

Dann sagt er:

„Mit 1 stellen wir dieses ‚ich denke‘ dar, ich wiederhole es für Sie, insofern es uns nur insofern interessiert, als es in Beziehung zu dem steht, was beim Ursprung der Benennung geschieht, insofern es das ist, was an der Geburt des Subjekts beteiligt ist: das Subjekt ist das, was was sich benennt / was benannt wird (qui se nomme).

Wenn sich zu benennen zuerst etwas ist, was mit dem Lesen des Einser-Strichs (trait 1) zu tun hat, der die absolute Differenz bezeichnet, dann können wir uns fragen, wie die Art von ‚ich bin‘ zu chiffrieren ist, das sich hier gewissermaßen rückwirkend herstellt, einfach durch die Reprojizierung dessen, was sich als Signifikat des ‚ich denke‘ konstituiert, nämlich dieselbe Sache, das Unbekannte dessen, was in Gestalt des Subjekts am Ursprung ist.“33

Das „ich bin“ (das Signifikat, das Subjekt als unbekannte Größe) wird dann von Lacan durch den Buchstaben i repräsentiert. Er weist darauf hin, dass i das übliche mathematische Symbol für die imaginäre Zahl ist, also für \sqrt {-1}.

Der „Kettenbruch“ des „ich denke, also bin ich“ wird dann gewissermaßen ins Mathematische übersetzt:

Kettenbruch i + 1 (zu: Jacques Lacan über Eigennamen)Dieser Ausdruck wird dann als periodische Reihe gedeutet:

Kettenbruch - erster Term usw (zu: Jacques Lacan über Eigennamen)Lacan erläutert den letzten Ausdruck so:

„Sie werden periodisch, d.h. jedes dritte Mal in der Reihe, den selben Wert wiederfinden, die selben drei Werte, die ich Ihnen angeben werde.

Der erste Wert ist (i + 1), das heißt der Punkt des Rätsels, an dem wir sind, um uns zu fragen, welchen Wert wir wohl dem i geben könnten, um das Subjekt als Subjekt vor jeder Benennung zu konnotieren \frac {\text {I}}{\text {O}}ein Problem, das uns beschäftigt.

Der zweite Wert, den Sie finden werden, nämlich i + \frac {\text {1}}{\text {i + 1}}, ist streng mit \frac {\text {i + 1}}{\text {2}} gleich, und das ist ziemlich interessant, denn die erste Sache, der wir begegnen werden, ist folgende. Die wesentliche Beziehung dessen, was wir suchen, nämlich des Subjekts, bevor es sich benennt, zu dem Gebrauch, den es von seinem Namen machen kann, weil dieser ganz einfach der Signifikant dessen ist, was es zu signifizieren gibt, die Frage des Signifikats also, die Frage dieser Addition von sich selbst zu seinem Eigennamen, die wesentliche Beziehung besteht unmittelbar darin, eine Aufsplitterung zu bewirken, in zwei Teile zu teilen, herbeizuführen, dass nur eine Hälfte von dem bleibt, wörtlich von \frac {\text {i + 1}}{\text {2}}, was vorgegeben war.

Meine Worte sind, wie Sie sehen können, nicht vorbereitet, sie sind aber dennoch wohlberechnet; immerhin sind diese Dinge die Frucht einer Ausarbeitung, die ich durch sechsunddreißig Eintrittstüren wiederaufgenommen habe, wobei ich mich einer gewissen Anzahl von Kontrollen versichert habe, weshalb ich auf den Wegen, die folgen werden, eine gewisse Anzahl von Weichenstellungen habe.

Der dritte Wert – das heißt, wenn Sie das Ende der Reihe dort festhalten – wird ganz einfach 1 sein, was für uns von vielen Seiten her den Wert einer abschließenden Bestätigung haben kann. Ich will sagen, wenn es in der dritten Phase ist – merkwürdig, eine Phase, in Bezug auf die gilt, dass keine philosophische Meditation uns gedrängt hat, speziell bei ihr innezuhalten, nämlich bei der Phase des ‚ich denke‘, insofern es selbst Gegenstand des Denkens ist und sich zum Objekt nimmt –, wenn es uns also in diesem Moment zu gelingen scheint, diese berühmte Einheit zu erreichen, deren Charakter nicht zweifelhaft ist – dass sie hinreicht, um was auch immer zu definieren – , aber in Bezug auf die wir uns fragen können, ob es hierbei wohl um dieselbe Einheit geht wie der, um die es anfangs ging, nämlich bei der ursprünglichen und auslösenden Identifizierung.

Zumindest ist nötig, dass ich diese Frage für heute offen lasse.“34

Dies ist das Ende der Sitzung.

Zusammenfassung

Die Einfügungen in eckigen Klammern sind von mir, RN.

I. Rahmen

· Thema ist die Identifizierung mit dem einzigen Zug des Anderen.

Lacan interessiert sich für den Eigennamen ausgehend von der Frage der Identifizierung; dabei geht es um den zweiten Typ der Identifizierung: um die regressive Identifizierung mit dem einzigen Zug des Anderen. [Vgl. hierzu den Blogartikel Mein einziger Zug; in den Fußnoten des Artikels findet man Angaben zu den wichtigsten Stellen bei Freud und Lacan.]35

Das Subjekt ist ausgehend vom Signifikanten zu bestimmen. Das Subjekt ist ein Signifikanteneffekt.36 Der Signifikant ist der Befestigungspunkt für das, von wo aus das Subjekt sich konstituiert. Gemeint ist hier nicht das psychologische Subjekt, nicht das Subjekt der Psychologie, sondern das strukturale Subjekt, das Subjekt, insofern es durch eine Struktur bestimmt ist.37

Die existentielle Beziehung des Subjekts zum Signifikanten ist in einem Bezug zur Negativität verortet. [Das Subjekt geht nicht in der Identifizierung auf, es ist nicht die Identifizierung, die Identifizierung erzeugt keine Identität.]38

In früheren Arbeiten hatte Lacan das Subjekt als metonymischen und als metaphorischen Signifikanteneffekt dargestellt, jetzt geht es um etwas Grundlegenderes [nämlich um den trait unaire, den einzigen/einzelnen Zug].39

Die Identifizierung des Subjekts ist vom Signifikanten abhängig, der Signifikant ist die Stütze der Identität; die Identifizierung ist vom Signifikanten abhängig: nämlich vom Signifikanten im Unterschied zum Zeichen.40 Das Zeichen bezieht sich auf eine erste Objektmanipulation. [Das Verhältnis zwischen Zeichen und Objektmanipulation ist mir nicht klar.]41

Ein Beispiel für die grundlegende Identifizierung findet man in der Fallgeschichte des kleinen Hans, wo Hans sich vorstellt, dass er sich auf eine „zerwuzelte“ (zerknüllte) Giraffe setzt, auf die Giraffe, die nicht die Mutter ist (die Mutter ist die große Giraffe). Die grundlegende Identifizierung des Kindes ist eine Abwehr gegen das ursprüngliche Gefangensein des Kindes in der Welt der Mutter. [Ist hier die primäre Identifizierung im Sinne Freuds gemeint?]42

· Der Satz der Identität, A = A, ist unwahr, denn er beruht auf dem Buchstaben, und der Buchstabe ist differentiell, also nicht mit sich selbst identisch.

Der Signifikant ist nicht mit sich selbst identisch, deshalb ist „A ist A“ – also der Satz der Identität – nicht wahr.43

„Mein Großvater ist mein Großvater“ ist keine Tautologie. Das erste „mein Großvater“ und das zweite „mein Großvater“ haben unterschiedliche Funktionen. Wenn ich sage, „Mein Großvater ist mein Großvater“ ist gemeint: „Dies ist mein Großvater“ oder „Émile Lacan ist mein Großvater“. In „Mein Großvater ist mein Großvater“ kann das erste „mein Großvater“ also durch „dies“ ersetzt werden (durch einen indexikalischen Ausdruck) oder durch einen Eigennamen.44

Das heißt aber nicht, dass ein indexikalischer Ausdruck wie „dieses“ und ein Eigenname zur selben Kategorie gehören, wie Bertrand Russell behauptet.45

Der Grund dafür, dass „A ist A“ unwahr ist, ist aber radikaler. Er besteht nicht einfach darin, dass die beiden Termini unterschiedliche Bedeutungen haben.46

Um den Satz der Identität, also „A ist A“, zu formulieren, braucht man Buchstaben.47

Ein Signifikant ist das, was die anderen Signifikanten nicht sind, wie Saussure gesagt hat. Deshalb kann er nicht er selbst sein. Ein Signifikant ist nicht identisch mit sich selbst.48

[Bezogen auf den Eigennamen entspricht der Satz der Identität der Vorstellung, dass der Eigenname der ganz und gar eigene Name ist; der Satz der Identität ist unwahr meint hier: der Eigenname ist etwas, was gegeben wird, verliehen wird. Vgl. hierzu die Ausführungen zum Eigennamen in Seminar 12.]

II. Analytikern ist die Relevanz des Eigennamens vertraut.

Als Analytiker kennt man die Bedeutung des Eigennamens. Zur Frage des Eigennamens können Analytiker viel beisteuern. [Dies ist ein Faktum, das hier von Lacan schlicht vorausgesetzt wird. Ein wichtiger Bezugstext für die Psychoanalyse sind Freuds Ausführungen über das Vergessen des Eigennamens Signorelli, zuerst in einem Aufsatz von 1898, dann aufgenommen in Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1904).49

III. Der Eigenname ist ein Buchstabe.

· Lacans Abstoßungspunkt für die Definition des Eigennamens ist Gardiners Definition, wonach der Eigenname sich durch die Aufmerksamkeit auf den Laut auszeichnet.

Um dem Eigennamen sein ganzes Gewicht geben zu können, sollte der Analytiker sich auf das beziehen, was der Sprachwissenschaftler hierüber zu sagen hat, nicht um ihm in allem zu folgen, sondern als Korrektiv.50

Lacan bezieht sich speziell auf die Schrift von Alan H. Gardiner, The theory of proper names (1940, 1954), eine Kritik an Bertrand Russells Theorie des Eigennamens in The philosophy of logical atomism (1918).51

Russel arbeitet mit dem Gegensatz von Eigennamen und descriptions (Beschreibungen). Ein Eigenname ist für Russell a word for a particular, ein Wort für ein Individuum, für ein Einzelding; der typische Eigenname ist deshalb für ihn das Demonstrativpronomen, etwa „dieses“, da es auf etwas einzelnes verweist. Das Wort „Sokrates“ hingegen ist für Russell kein Eigenname, sondern eine abgekürzte Beschreibung [eine abgekürzte definite description, eine abgekürztes Kennzeichnung]. Sokrates lebt nicht mehr, wir beziehen uns auf ihn deshalb in der Weise, dass wir ihn als „Der Lehrer von Platon“ usw. beschreiben [also durch definite descriptions, Kennzeichnungen]. Russell unterscheidet den Eigennamen also radikal von allem, was mit Begriffen zu tun hat.52

Das ist eine Konzeption des Eigennamens, sagt Lacan, die sich vom Sprachbewusstsein weit entfernt hat.53

In den Principia mathematica hatte Russell die mathematische Erfahrung auf die Logik reduziert, d.h. auf ein Spiel von Buchstaben. Was jedoch den Eigennamen angeht, sieht er alles, nur nicht dies: die Beziehung des Subjekts zum Buchstaben.54

Das Einzelne im Sinne von Russell, nämlich particular, ist etwas anderes als das Eigene im Eigennamen, oder um es auf auf Griechisch zu formulieren, als das idion in idion onoma, „eigener Name“.55

Gardiner stützt sich in seiner Russell-Kritik auf John Stuart Mill (A system of logic, 1843, darin Buch I, Kapitel 2, On names, § 5). Mill unterscheidet den Eigennamen vom Gemeinnamen. Der Gemeinname bezieht sich auf den Sinn, der Eigenname bezieht sich nicht auf den Sinn, er funktioniert vielmehr wie eine Markierung, die an einem Gegenstand angebracht wurde. Zur Illustration verweist Mill auf das Märchen Ali Baba und die vierzig Räuber. Alis Feind bringt ein Kreidezeichen an dessen Tür an, um das Haus wiederfinden zu können, und um ihn dann zu töten. Die Sklavin Morgiana verhindert das, indem sie die Häuser der Nachbarschaft ebenfalls mit dem Kreidezeichen markiert. Gardiner weist darauf hin, dass Eigennamen differentiell funktionieren und dass Mills Veranschaulichung besser gewesen wäre, wenn er Morgiana unterschiedliche Kreidezeichen hätte anbringen lassen.56

Gardiner weist auch darauf hin, dass Eigennamen oft einen Sinn haben, der Eigenname Smith meint auch den Schmied.57

Gardiner definiert den Eigennamen so: Ein Eigenname zeichnet sich dadurch aus, dass bei seiner Verwendung der Akzent nicht auf den Sinn gelegt wird, sondern auf den Laut, insofern der Laut distinktiv ist. Nun gilt aber seit Saussure (sagt Lacan), dass die Sprache insgesamt auf distinktiven Lauten beruht. Gardiner weiß das und präzisiert seine Definition deshalb so: Ein Eigenname zeichnet sich dadurch aus, dass bei seiner Verwendung die Aufmerksamkeit auf die Lautdifferenz gelegt wird.58

Lacan merkt hierzu an, dass Gardiners Definition einen Fortschritt darstellt. Gardiner bringt die Dimension des Signifikanten ins Spiel; das Subjekt muss durch sein Verhältnis zum Signifikanten bestimmt werden, und Gardiner geht einen Schritt in diese Richtung. Das Subjekt muss durch sein Verhältnis zum Signifikanten bestimmt werden, das heißt allerdings nicht, dass es sich mit dem Signifikanten vermengt, es entwickelt sich durch den Bezug auf den Signifikanten.59

Gardiners Definition ist für Lacan jedoch nicht akzeptabel. Erster Einwand: Wenn ich einen Eigennamen ausspreche, lenke ich die Aufmerksamkeit für gewöhnlich keineswegs auf die Lautseite. Zweitens aber, und dieser Einwand ist für ihn wichtiger: Mit dem Begriff der Aufmerksamkeit wird ein psychologischer Gesichtspunkt in die Sprachwissenschaft eingebracht. 60 Deren methodisches Prinzip besteht jedoch darin, psychologische Aspekte so weit wie möglich zurückzudrängen. Das heißt für Lacan: Das Subjekt muss durch den Bezug zum Signifikanten erfasst werden, aber auf eine Weise, die nicht psychologisch ist, und das heißt: die formalisierbar ist. 61

· Lacans Alternativthese lautet: Der Eigenname muss durch den Bezug auf den Buchstaben bestimmt werden.

Der Eigenname muss durch den Bezug auf den Buchstaben definiert werden. Eines der Merkmale des Eigennamens besteht darin, dass er mit der Schrift verbunden ist, nicht mit dem Laut.62

Ein Beleg für den Zusammenhang von Eigenname und Schrift ist folgender: Bei der Entzifferung von bislang unbekannten Schriften sucht man nach Eigennamen. Champollion hat die Hieroglyphen ausgehend von den Eigennamen „Kleopatra“ und „Ptolemaios“ entziffert.63

· Der Buchstabe wiederum ist vom Einzelstrich (trait unaire) her zu begreifen; er ist so etwas wie das Anbringen einer Markierung.

Man darf den Buchstaben nicht auf die phonematische Emission reduzieren. [Anders gesagt: man darf ihn nicht von den phonologisch orientierten Schriftsystemen her begreifen, wie der griechischen oder der lateinischen Schrift.]64

Lacan erinnert daran, dass er den Begriff des Buchstabens bereits in Seminar 2, in der Sitzung über Poe (1955) verwendet hatte, sowie im Poe-Aufsatz (1957) und in Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten (1957). Jetzt soll der Buchstabe noch grundlegender begriffen werden, ausgehend vom trait unaire, vom einzigen Zug bzw. einzelnen Zug bzw. Einzelstrich.65 [Die Elementarform des Buchstabens ist für Lacan also der Strich, z.B. die Kerbe auf einem Kerbstock.66]

Der Strich (trait) ist eine Vereinfachung, er beruht auf der Zerstörung des Objekts; jedoch wird vom Objekt etwas aufbewahrt: seine Einzelheit (unicité). [Im Romvortrag hatte Lacan erklärt, das Symbol sei der Mord am Ding (vgl. diesen Blogartikel); jetzt wird der Strich zum Mord am Ding.] [Unter unicité versteht Lacan hier nicht die Einmaligkeit (das wäre singularité), auch nicht den Totalitätscharakter (das wäre unité), sondern dies, dass das Objekt ein zählbar Einzelnes ist, eins von mehreren.]67

Beim Eigennamen geht es also um die Funktion des Signifikanten im Reinzustand. [Der Signifikant im Reinzustand, die pure Differentialität, ist demnach der Einzelstrich.] Beim Eigennamen geht es darum, dass etwas wie eine Markierung angebracht wird.68

· Es gibt nämlich eine Schrift vor der phonem-orientierten Schrift: den Signifikantenstrich.

Was die historische Entwicklung der Schrift angeht, so muss man zwei Phasen unterscheiden: eine erste Phase, in der der Signifikantenstrich (trait signifiant) isoliert wird, und eine zweite, in der er dazu dient, den Laut zu unterstützen.69

Es gab einen bestimmten historischen Zeitpunkt, an dem es etwas gab, was gelesen wurde, mit Sprache gelesen wurde, was aber noch keine Schrift war. Die Schrift, die sich auf die Phonematisierung bezieht, entstand durch die Umkehrung dieser Beziehung. [Als Beispiel für die erste Schriftform denke man an die Strichliste. Sie wird mit Sprache gelesen, der Sprecher sagt beispielsweise: „Der erste Strich steht dafür, wie ich die Antilope am See getötet habe, der nächste für die gefleckte Antilope, die die ich danach erwischt habe“, usw. Die Beziehung zur Schrift ist in diesem Fall aber nicht phonologisch orientiert, der Strich bezieht sich nicht auf die Laute eines Lautsystems, er funktioniert also beispielsweise nicht wie der Buchstabe i.]70

Der Strich als Elementarform des Buchstabens ist in der [gesprochenen] Sprache bereits latent enthalten. [Man muss also drei Ebenen des Buchstabens unterscheiden:
– den in der gesprochenen Sprache latent enthaltenen Strich/Zug als Buchstaben,
– den historisch realisierten Strich, etwa in einer Strichliste, als nicht-phonologischen Buchstaben,
– den phonologisch orientierten Buchstaben.]71

Der Strich / Zug (trait) ist die absolute Differenz. [Offenkundig hat Derrida sich von diesem Seminar inspirieren lassen.]72

· Der Buchstaben- oder Markierungscharakter des Eigennamens zeigt sich darin, dass er beim Wechsel von einer Sprache in eine andere erhalten bleibt.

Was den Eigennamen auszeichnet, ist, dass seine Lautstruktur von einer Sprache in eine andere erhalten bleibt.73 Der Eigenname wird von einer Sprache in eine andere nicht übersetzt, von kleinen Anpassungen abgesehen; dies ist keine Beschränkung, sondern darauf beruht die Eigenschaft des Namens bei der Bedeutungsgebung.74

Die Nicht-Übersetzung des Eigennamens beruht auf der Affinität des Eigennamens zur Markierung, zur direkten Anbringung eines Signifikanten an einem Gegenstand.75

Dem entspricht im Feld der Psychoanalyse, dass es im Unbewussten Signifikanten gibt, die keine Bedeutung haben, keine Signifikate, die also reine Signifikanten sind. Diese reinen Signifikanten bilden den ersten Kern des Unbewussten.76

· Die Schrift beruht darauf, dass das Zeichen wie ein Objekt gelesen wird.

Die Funktion der Schrift besteht darin, dass das Zeichen wie ein Objekt gelesen wird. Diese Form ist in der Sprache gewissermaßen latent enthalten. [Ich nehme an, dass „Zeichen“ hier „Signifikant“ meint. Laute sind flüchtig, sie sind keine manipulierbaren Objekte, Buchstaben hingegen können wie Dinge gehandhabt werden.]77

IV. Das Verhältnis zwischen Eigenname und Subjekt ist ähnlich wie das Verhältnis zwischen „ich denke“ und „ich bin“ in Descartes Cogito und wie das Verhältnis zwischen 1 und i in der Zahlenwelt.

Es geht also um das Verhältnis zwischen zwei Größen: zwischen dem Subjekt, insofern es sich mit seinem Eigennamen benennt, sich identifiziert, und dem Subjekt, bevor es sich benannt hat.78

Lacan parallelisiert das Verhältnis zwischen Identifizierung und Subjekt mit dem Cartesischen Cogito, also mit dem Satz „ich denke, also bin ich“:
– Die Identifizierung mit dem einzigen Zug entspricht dem „ich denke“.
– Das unbekannte Subjekt vor der Benennung, das gesucht wird, entspricht dem „also bin ich“.79

Die Beziehung zwischen diesen beiden Größen erläutert Lacan durch eine mathematische Analogie:
– Die Selbstbenennung mit dem Eigennamen entspricht der 1 (der Zahl 1).
– Das Subjekt, bevor es benannt wird, entspricht dem i (der imaginären Zahl i, also \sqrt {-1}). [Die imaginäre Zahl ist eine Zahl, die im Zahlensystem eigentlich nicht enthalten ist, da das Quadrat einer Zahl immer ein positiver Wert ist. In diesem Sinne ist eine imaginäre Zahl eine unmögliche Zahl.]80

Dies ist eine wesentliche Spaltung.81

Dabei hat die 1 zwei Existenzweisen: die ursprüngliche auslösende Identifizierung und die 1 als Ergebnis einer periodisch sich wiederholenden Reihe.
[Man muss also zwei Existenzweisen der 1 unterscheiden, die primäre 1 und die sekundäre 1. Lacan deutet hier eine Genese an:
Erster Schritt: die primäre Identifizierung, symbolisiert durch die primäre 1.
Zweiter Schritt: rückwirkende Bestimmung des Subjekts als das, was vor dieser primären Identifizierung war, symbolisiert durch i.
Dritter Schritt: die sekundäre Identifizierung, bespielsweise mit dem Eigennamen, symbolisiert durch die sekundäre 1.]82

V. Zusammenfassende Formel für die Identifizierung: Il y a la trace d’un pas, Es gibt die Spur eines nicht / eines Schritts.

Bei der Identifizierung geht es um dies: il y a la trace d’un pas, „es gibt die Spur eines Schritts / eines nicht“; hierbei geht es um den Abstand zwischen pas im Sinne des Schritts und pas im Sinne der Negation. [Die Spur entspricht der Markierung, also der direkten Anbringung eines Signifikanten an einer „Sache“ (die erst hierdurch zu einer Sache wird); bei Freud ist dies die primäre Identifizierung. Durch die Spur entsteht das Subjekt als Fehlen, als Mangel; dies entspricht dem pas im Sinne der Negation, symbolisiert durch i als imaginäre Zahl. Das pas im Sinne des Schritts entspricht, so nehme ich an, der sekundären Identifizierung mit dem trait unaire, dem einzigen Zug.]83

Anhang

Mill über den Eigennamen

Lacan bezieht sich auf die folgende Passage aus John Stuart Mill, A system of logic (ich zitiere zuerst die englische Fassung von 1843, dann die Übersetzung von Schiel):

Englisch

„If like the robber in the Arabian Nights we make a mark with chalk on a house to enable us to know it again, the mark has a purpose, but it has not properly any meaning. The chalk does not declare anything about the house; it does not mean, This is such a person’s house, or This is a house which contains a booty. The object of making the mark is merely distinction. I say to myself, All these houses are so nearly alike that if I lose sight of them I shall not again be able to distinguish that which I am now looking at, from any of the others; I must therefore contrive to make the appearance of this house unlike that of others, that I may hereafter know when I see the mark – not indeed any attribute of the house – but simply that it is the same house that I am looking at. Morgiana chalked all the other houses in a similar manner, and defeated the scheme: how? simply by obliterating the difference of appearance between that house and the others. The chalk was still there, but it no longer served the purpose of a distinctive mark.

When we impose a proper name, we perform an operation in some degree analogous to what the robber intended in chalking the house. We put a mark, not indeed upon the object itself, but, so to speak, upon the idea of the object. A proper name is but an unmeaning mark which we connect in our mind with the idea of the object in order that whenever the mark meets our eyes or occurs to our thoughts, we may think of that individual object. Not being attached to the thing itself, it does not, like the chalk, enable us to distinguish the object when we see it, but it enables us to distinguish it when it is spoken of, either in the records of our own experience, or in the discourse of others; to know that what we find asserted in any proposition of which it is the subject, is asserted of the individual thing with which we were previously acquainted.“84

Deutsch

„Wenn wir ähnlich dem Räuber in Tausend und eine Nacht mit Kreide einen Strich an ein Haus machen, damit wir es wiedererkennen können, so hat der Strich einen Zweck, er hat aber eigentlich keine Bedeutung. Der Kreidestrich erklärt nichts in Begehung auf das Hans; er bedeutet nicht: dies ist das. Haus von diesem oder jenem, oder dies ist das Haus, welches Beute enthält. Der Zweck des Zeichens ist einfach Unterscheidung. Ich sage mir, alle diese Häuser sind einander so ähnlich, dass, wenn ich sie einmal aus dem Gesicht verliere, ich dasjenige, welches ich suche, nicht mehr erkennen werde, ich muss daher suchen, das Aeussere dieses Hauses dem der anderen unähnlich zu machen, damit, wenn ich später das Zeichen – nicht ein Attribut des Hauses – erblicke, ich einfach nur erkenne, dass das gesuchte Haus das ist, welches ich ansehe. Morgiana strich alle anderen Häuser mit Kreide an und vereitelte so den Plan des Räubers: und wie? einfach, indem er den Unterschied in dem Aeussern der Häuser beseitigte. Die Kreidestriche waren noch alle da, aber sie entsprachen nicht dem Zweck ein unterscheidendes Zeichen zu sein.

Wenn wir einen Eigennamen beilegen, so gleicht das Verfahren gewissermaassen dem des Räubers, als er das Haus mit einem Kreidestrich bezeichnete. Wir machen in der That ein Zeichen, nicht auf den Gegenstand selbst, sondern auf unsere Idee von dem Gegenstand. Ein Eigenname ist ein bedeutungsloses Zeichen, welches wir in unserm Geist mit der Idee des Gegenstandes in Verbindung bringen, damit wir an den besondern Gegenstand denken, wenn wir das Zeichen erblicken, oder wenn es in unseren Gedanken auftaucht. Da es dem Ding nicht selbst angehängt ist, so setzt es uns nicht ähnlich dem Kreidestrich in den Stand, den Gegenstand zu unterscheiden, wenn wir es sehen; aber es setzt uns in den Stand, ihn in dem Verzeichniss unseres eigenen Gedächtnisses oder in der Rede anderer zu unterscheiden, wenn von ihm gesprochen wird, zu wiesen, dass das, was in einem Satz, von welchem es der Gegenstand ist, behauptet wird, von dem besondern Ding behauptet wird, mit dem wir vorher schon bekannt waren.“85

Die Erzählung von Morgiana und den Kreidezeichen

Mill bezieht sch auf die Geschichte des Ali Baba und der vierzig Räuber, die durch eine Sklavin ums Leben kamen. Hier liest sich die Episode mit den Kreidemarkierungen so (ich zitiere die erste Übersetzung aus dem Arabischen von Gustav Weil 1838):

„’Weiter’, sagte Baba Mustafa, ’bin ich, so viel ich weiß, nicht gekommen’, und er befand sich wirklich vor Casims Hause, wo jetzt Ali Baba wohnte. Der Räuber machte, bevor er ihm das Tuch von den Augen nahm, schnell mit einem Stück Kreide ein Zeichen vor die Türe, und als er es ihm abgebunden hatte, fragte er ihn, ob er wisse, wem das Haus gehöre. Baba Mustafa antwortete, er wohne nicht in diesem Stadtviertel und könne ihm auch nichts Weiteres davon sagen.
Als der Räuber sah, daß er von Baba Mustafa nichts mehr erfahren konnte, dankte er ihm für seine Bemühung und ließ ihn nach seinem Laden zurückgehen; er selbst aber ging wieder in den Wald, in der festen Überzeugung, dorten eine gute Aufnahme zu finden.

Bald nachdem der Räuber und Baba Mustafa sich getrennt hatten, ging Morgiane eines Geschäftes wegen aus dem Hause Ali Babas und als sie zurückkam, bemerkte sie das Zeichen, das der Räuber an die Türe gemacht hatte. Sie blieb stehen und betrachtete es aufmerksam. ’Was mag wohl dieses Zeichen bedeuten?’ sagte sie bei sich selbst; ’sollte jemand Böses gegen meinen Herrn im Schilde führen, oder ist es bloß zum Scherze gemacht worden? Dem sei übrigens wie es wolle, es kann nichts schaden, wenn man sich für jeden Fall sicher stellt.’ Sie nahm sofort ebenfalls Kreide, und da die zwei oder drei vorhergehenden und dahinterfolgenden Türen fast ebenso aussahen, wie ihre Haustüre, so bezeichnete sie dieselben an der nämlichen Stelle und ging sodann in das Haus zurück, ohne weder ihrem Herrn noch dessen Frau etwas davon zu sagen.

Der Räuber setzte indes seinen Weg nach dem Walde fort und kam sehr bald zur übrigen Gesellschaft zurück. Er stattete sogleich Bericht vom Erfolg seiner Reise ab und pries über die Maßen sein Glück, daß er gleich anfangs einen Mann gefunden, der ihm das, was ihn in die Stadt geführt, erzählt habe, denn er hätte es sonst von niemand erfahren können. Alle bezeigten große Freude darüber, der Hauptmann aber nahm das Wort, und nachdem er seinen Eifer gelobt, sprach er folgendermaßen zu der ganzen Gesellschaft: ’Kameraden, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren; laßt uns wohlbewaffnet, aber ohne daß man es uns ansieht, aufbrechen und um keinen Verdacht zu erregen, einzeln, einer nach dem andern, in die Stadt gehen; dort kommt von verschiedenen Seiten her auf dem Marktplatze zusammen, während ich mit unserm Kameraden, der uns eben diese gute Nachricht gebracht hat, das Haus auskundschaften werde, um darnach die zweckmäßigen Maßregeln treffen zu können.’

Die Rede des Räuberhauptmannes wurde mit großem Beifall aufgenommen, und sie waren bald reisefertig. Sie zogen nun zu zwei und drei von dannen, und da sie immer in angemessener Entfernung voneinander gingen, so gelangten sie ohne Verdacht zu erregen in die Stadt. Der Hauptmann und der Räuber, der morgens hier gewesen war, trafen zuletzt daselbst ein. Dieser führte den Hauptmann in die Straße, wo er Ali Babas Haus bezeichnet hatte, und als er an die erste, von Morgiane bezeichnete Haustüre kam, machte er ihn darauf aufmerksam und sagte, das sei die rechte. Als sie aber, um sich nicht verdächtig zu machen, weiter gingen, bemerkte der Hauptmann, daß die nächstfolgende Türe ebenfalls dasselbe Zeichen und an derselben Stelle hatte; er zeigte es daher seinem Führer und fragte ihn, ob es dies Haus sei oder das vorige. Der Räuber kam in Verlegenheit und wußte nichts zu antworten, besonders als er und der Hauptmann sahen, daß die vier oder fünf folgenden Türen ebenfalls dasselbe Zeichen hatten. Er versicherte dem Hauptmann mit einem Schwur, daß er bloß eine einzige bezeichnet habe, und setzte dann hinzu: ’Es ist mir unbegreiflich, wer die übrigen so ähnlich bezeichnet haben mag, aber ich muß in dieser Verwirrung gestehen, daß ich dasjenige, was ich selbst bezeichnet habe, nicht mehr herausfinden kann.’ Als nun der Hauptmann seinen Plan vereitelt sah, begab er sich nach dem Marktplatze und ließ seinen Leuten durch den ersten besten, der ihm begegnete, sagen, sie haben sich dieses Mal eine vergebliche Mühe gemacht, und es bleibe nichts anderes übrig, als den Rückweg nach ihrem gemeinschaftlichen Zufluchtsort anzutreten. Er selbst ging voran und sie folgten ihm alle in derselben Ordnung, wie sie gekommen waren.“86

Russell über den Eigennamen

Lacan bezieht sich auf die folgende Passage aus Russells zweitem Vortrag über Die Philosophie des logischen Atomismus (ich zitiere zuerst die englische Version von 1918, dann die Übersetzung von Johannes Sinnreich):

Englisch

‘The only kind of word that is theoretically capable of standing for a particular is a proper name, and the whole matter of proper names is rather curious.

Proper Names = words for particulars.

Definition.…………………..

I have put that down although, as far as common language goes, it is obviously false. It is true that if you try to think how you are to talk about particulars, you will see that you cannot ever talk about a particular particular except by means of a proper name. You cannot use general words except by way of description. How are you to express in words an atomic proposition? An atomic proposition is one which does mention actual particulars, not merely describe them but actually name them, and you can only name them by means of names. You can see at once for yourself, therefore, that every other part of speech except proper names is obviously quite incapable of standing for a particular. Yet it does seem a little odd if, having made a dot on the blackboard, I call it “John.” You would be surprised, and yet how are you to know otherwise what it is that I am speaking of. If I say, “The dot that is on the right-hand side is white” that is a proposition. If I say “This is white” that is quite a different proposition. “This” will do very well while we are all here and can see it, but if I wanted to talk about it to-morrow it would be convenient to have christened it and called it “John.” There is no other way in which you can mention it. You cannot really mention it itself except by means of a name.

What pass for names in language, like “Socrates,” “Plato,” and so forth, were originally intended to fulfil this function of standing for particulars, and we do accept, in ordinary daily life, as particulars all sorts of things that really are not so. The names that we commonly use, like “Socrates,” are really abbreviations for descriptions; not only that, but what they describe are not particulars but complicated systems of classes or series. A name, in the narrow logical sense of a word whose meaning is a particular, can only be applied to a particular with which the speaker is acquainted, because you cannot name anything you are not acquainted with. You remember, when Adam named the beasts, they came before him one by one, and he became acquainted with them and named them. We are not acquainted with Socrates, and therefore cannot name him. When we use the word “Socrates,” we are really using a description. Our thought may be rendered by some such phrase as, “The Master of Plato,” or “The philosopher who drank the hemlock,” or “The person whom logicians assert to be mortal,” but we certainly do not use the name as a name in the proper sense of the word.’87

Deutsch

„Theoretisch betrachtet sind die Eigennamen die einzigen Wörter, die für Individuen stehen können. Das Problem der Eigennamen ist jedoch überaus verwickelt.

Eigennamen = Wörter für Individuen  Df

Ich stelle diese Definition auf, obgleich sie bezüglich der Umgangssprache offensichtlich falsch ist. Wenn man allerdings überlegt, wie man über Indivduen reden muß, dann stellt sich heraus, daß man über ein bestimmtes Individuum nur reden kann, wenn man einen Eigennamen gebraucht. Man kann keine generellen Wörter dazu gebrauchen, es sei denn in der Form von Beschreibungen. Wie muß nun eine atomare Aussage in der Sprache ausgedrückt werden? Eine atomare Aussage ist eine Aussage, die Individuen erwähnt und nicht nur beschreibt, sondern benennt, was mit Hilfe von Namen geschehen kann. Man kann daher sofort erkennen, daß ein Wort, das kein Eigenname ist, offenbar unmöglich für ein Individuum stehen kann. Trotzdem sieht es ein wenig seltsam aus, wenn ich einem Punkt, den ich auf die Tafel setze, den Namen ‚John‘ gebe. Sie wundern sich, aber wie anders sollten Sie wissen können, wovon ich rede, denn die beiden Aussagen ‚Der Punkt zu meiner rechten ist weiß‘ und ‚Dies ist weiß‘ sind ganz verschieden. Das Wort ‚dies‘ ist geeignet, wenn wir anwesend sind und den Punkt sehen können. Wenn ich aber morgen über ihn reden wollte, dann wäre es zweckmäßig gewesen, ihn auf den Namen ‚John‘ getauft zu haben, denn es gibt keine andere Möglichkeit, ihn zu erwähnen. Man kann ihn nur mit Hilfe eines Namens wirklich erwähnen.

Was in der Sprache wie ‚Sokrates‘, ‚Plato‘ etc. als Name gilt, hatte ursprünglich die Funktion, für Individuen zu stehen. Im Alltag betrachten wir viele Dinge als Individuen, die in Wirklichkeit keine sind. Die Namen, die wir wie ‚Sokrates‘ gewöhnlich gebrauchen, sind in Wirklichkeit Abkürzungen für Beschreibungen. Und nicht nur das, denn was sie beschreiben, sind nicht Individuen, sondern komplizierte Systeme von Klassen oder Folgen. Ein Name im logischen Sinne als Wort, dessen Bedeutung ein Individuum ist, kann nur auf ein Individuum angewendet werden, mit dem der Sprecher bekannt ist, weil man nichts benennen kann, womit man nicht bekannt ist. Sie erinnern sich daran, wie Adam den Tieren Namen gab. Sie kamen nacheinander zu ihm. Er wurde mit ihnen bekannt und benannte sie. Wir sind nicht mit Sokrates bekannt und können ihn folglich auch nicht benennen. Wenn wir das Wort ‚Sokrates‘ gebrauchen, dann intendieren wir in Wirklichkeit eine Beschreibung wie z. B. ‚der Lehrer Platos‘, ‚der Philosoph, der den Schierlingsbecher trank‘ oder ‚der Mann, von dem die Logiker behaupten, daß er sterblich sei‘, aber wir gebrauchen es nicht als Namen im eigentlichen Sinne des Wortes.

Daher ist es äußerst schwierig, überhaupt ein Beispiel für einen Namen im logischen Sinne des Wortes anzugeben. Die einzigen Wörter, die wir im logischen Sinne als Namen verwenden, sind Wörter wie ‚dies‘ und ‚das‘. Man kann das Wort ‚dies‘ als Name verwenden, der für ein Individuum steht, mit dem man im Augenblick bekannt ist. Wir sagen ‚Dies ist weiß‘. Wenn Sie diese Aussage für wahr halten, weil Sie mit dem Wort ‚dies‘ etwas meinen, das Sie sehen, dann gebrauchen Sie das Wort ‚dies‘ als Eigennamen. Wenn Sie dagegen versuchen, meine Aussage so zu verstehen, wenn ich sage ‚Dies ist weiß‘, dann tun Sie das nicht. Wenn Sie dieses Stück Kreide als materielles Objekt meinen, dann verwenden Sie das Wort nicht als Eigennamen. Nur wenn sie es im eigentlichen Sinne verwenden, d.h. für ein Objekt der Sinne, dann gebrauchen Sie es wirklich als Eigennamen. Daher hat dieses Wort die für einen Eigennamen höchst seltsame Eigenschaft, in zwei flüchtigen Augenblicken kaum und für Sprecher und Hörer nie dasselbe Ding zu bezeichnen. Es ist ein mehrdeutiger Eigenname, aber trotzdem wirklich ein Eigenname, und es ist beinahe das einzige Ding, von dem ich mir vorstellen kann, das es im von mir besprochenen eigentlichen und logischen Sinne als Eigenname verwendet wird.“88

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Anmerkungen

  1. Zu Lacans Theorie des Eigennamens vgl. Peter Widmer: Der Eigenname und seine Buchstaben. Transcript, Bielefeld 2010, v.a. S. 101-114 und 182-185.
  2. Vgl. S. Freud: Jenseits des Lustprinzips (1920). In: Ders.: Studienausgabe Bd. 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 224-227.
  3. Vgl. Saussure: „Alles Vorausgehende läuft darauf hinaus, daß es in der Sprache nur Verschiedenheiten gibt. Mehr noch: eine Verschiedenheit setzt im allgemeinen positive Einzelglieder voraus, zwischen denen sie besteht; in der Sprache aber gibt es nur Verschiedenheiten ohne positive Einzelglieder. Ob man Bezeichnetes ((Signifikat)) oder Bezeichnendes ((Signifikant)) nimmt, die Sprache enthält weder Vorstellungen noch Laute, die gegenüber dem sprachlichen System präexistent wären, sondern nur begriffliche und lautliche Verschiedenheiten, die sich aus dem System ergeben.“ (Ferdinand de Saussure: Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Hg. von Charles Bally und Albert Sechehaye. Übersetzt von Herman Lommel. De Gruyter, Berlin 1967, S. 143 f.; Hinzufügung in doppelten runden Klammern von RN)
  4. Seminar 9, 6. Dezember 1961; Version Staferla 9.12.2009, S. 64-66.
  5. Vgl. S. Freud: Analyse der Phobie eines fünfjährigen Knaben (1905). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 8. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 37 f.
  6. Alan H. Gardiner: The theory of proper names. A controversial essay. Oxford University Press 1940. Die zweite Auflage, die um einen Rückblick von 1953 erweitert ist, erschien im selben Verlag 1954.
    Den Hinweis auf Gardiner hatte Lacan in Jakobsons Aufsatz über den Shifter finden können, auf den sich Lacan in seinem Psychose-Aufsatz stützt sowie für die Konstruktion des Graphen des Begehrens. Für Jakobson ist ein Eigenname ein Codeelement, das sich auf den Code bezieht („Hans“ ist derjenige, der „Hans“ heißt). Vgl. R. Ja­kob­son: Shif­ters, ver­bal ca­te­go­ries, and the Rus­sian verb (1957). In: Ders.: Selec­ted Wri­t­ings, Vol. II: Word and Lan­guage. Den Haag: Mou­ton 1972. S. 130-147. – Auf deutsch: Ver­schie­ber, Ver­bka­te­go­rien und das rus­si­sche Verb. In: Ro­man Ja­kob­son: Form und Sinn. Sprach­wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tun­gen. Fink, Mün­chen 1974, S. 35-54, im In­ter­net hier.
  7. The philosophy of logical atomism, Serie von acht Vorträgen, die Russell Anfang 1918 hielt und die dann in der Zeitschrift The Monist veröffentlicht wurden, die ersten beiden in The Monist, 28. Jg. (1918), S. 495-527, die übrigen im 29. Jg. (1919), S. 32-63, 190-222, 345-380. Deutsch: B. Russell: Philosophie des logischen Atomismus. In: ders.: Aufsätze zur Logik und Erkenntnistheorie 1908-1918. Übersetzt von Johannes Sinnreich. Nymphenburger, München 1976, S. 178-277.
    In Jakobsons Shifter-Aufsatz findet man nicht nur einen Hinweis auf Gardiner, sondern auch auf Russell.
  8. Russells Terminus particular wird üblicherweise mit „Einzelding“ oder mit „Individuum“ übersetzt.
    In der Staferla-Transkription sagt Lacan: „a word for particular“, was ungrammatisch ist. Russells Definition lautet: „proper names = words for particulars” (B. Russell: The philosophy of logical atomism. Routledge, London und New York 2010, S. 28). Im Singular – den man bei Russell so nicht findet – muss es dann heißen: „a word for a particular“ bzw. „ein Wort für ein Individuum“ oder „ein Wort für ein Einzelding“.
  9. Vgl. Sitzung vom 6. Dezember 1961, die Passage ist oben übersetzt.
  10. In der Transkription findet man: word for particular
  11. John Stuart Mill, A system of logic, ratiocinative and inductive. In zwei Bänden. Parker, London 1843. Im Internet findet man außerdem: Auflage Longmans und Green, London 1898. Deutsch: System der deductiven und inductiven Logik. Übersetzung der 5. erweiterten Auflage von 1862 durch J. Schiel. Vieweg, Braunschweig 1868, im Internet hier.  Zu Eigennamen v.a. : Buch 1, Kapitel 2, „Of names“ bzw. „Von den Namen“.
  12. Möglicherweise spielt Lacan hier auf Gardiners Bemerkung an, dass jede fruchtbare Diskussion von Punkten der Übereinstimmung ausgehen müsse; vgl. The theory of proper names, a.a.O., 1954, S. 5.
  13. Vgl. Mill, A system of logic, Buch 1, Kapitel 1, § 5.
    Morgiana (oder Morgiane oder Mordschana) ist keine Fee und wird von Mill auch nicht so bezeichnet. Sie ist eine Figur aus der Erzählung Ali Baba und die vierzig Räuber, die in der Sammlung Tausendundeine Nacht enthalten ist: eine kluge Sklavin, die ihrem Herrn Ali Baba mehrmals das Leben rettet und schließlich seinen schlimmsten Feind tötet, den Anführer der Räuber; sie wird deshalb von Ali Baba in die Freiheit entlassen und mit seinem Sohn verheiratet.
  14. Vgl. Gardiner, The theory of proper names, 1954, a.a.O., S. 39.
  15. „Durand“ ist einer der häufigsten französischen Nachnamen. Er geht, so wird angenommen, auf das lateinische Wort durare zurück, „dauern“.
  16. Gardiner schreibt: „A proper name is, then, a word which identifies its object by virtue of its sound alone“ (The theory of proper names, 1954, a.a.O., S. 37).
  17. Gardiners vollständige Definition des Eigennamens lautet so: „A proper name is a word or group of words recognized as indicating or tending to indicate the object or objects to which it refers by virtue of its distinctive sound alone, without regard to any meaning possessed by that sound from the start, or acquired by it through association with the said object or objects.“ (The theory of proper names, 1954, a.a.O., S. 43) Den psychologischen Charakter seiner Definition betont er selbst: „In my view, on the contrary, the difference between proper names and substantives that are not proper names is almost purely psychological, and depends on the importance attached to the sound of the former by the linguistic community generally.“ (The theory of proper names, 1954, a.a.O., S. 69.)
  18. Lacan wiederholt hier die Kritik, die S. Ullmann 1952 gegen Gardiner vorgebracht hatte. Gardiner referiert Ullmanns Kritik in seinem Nachtrag von 1953 und stimmt ihr weitgehend zu; vgl. The theory of proper names, a.a.O., S. 71-83.
  19. Im Nachtrag von 1953 hatte Gardiner eingeräumt, dass bei der Verwendung von Eigennamen dem Laut in der Regel keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.
  20. Das Wort „zerwuzeln“ im Original deutsch.
  21. Gemeint ist vielleicht: An der Tafel stehen phonetisch orientierte Schrift-Signifikanten, etwa „Alan Gardiner“, die Lautseite wird also betont.
  22. Lacan bezieht sich auf den griechischen Terminus für den Eigennamen: idion onoma, „eigener Name“.
  23. Vgl. Seminar 2, Sitzungen vom 30. März und vom 26. April 1955; J. Lacan: Das Seminar über E.A. Poes “Der entwendete Brief“ (1957), in: Schriften I, S. 7-60.
  24. Vgl. J. Lacan: Das Drängen des Buchstabens im Unbewussten oder die Vernunft seit Freud (1957), Schriften II, S. 15-55. Der französische Titel ist L’instance de la lettre dans l’inconscient usw., „Die Instanz des Buchstabens im Unbewussten“.
  25. Vgl. André Varagnac (Hg.): L’homme avant l’écriture. Armand Colin, Paris 1959 (2. überarbeitete Auflage 1968); dt.: Der Mensch der Urzeit. 600.000 Jahre Menschheitsgeschichte. Diederichs, Düsseldorf 1960.
  26. Seminar 9, 13. Dezember 1961; Version Staferla 9.12.2009, S. 102-111.
  27. In der Transkription: word for particular.
  28. Seminar 9, 13. Dezember 1961;Version Staferla 9.12.2009, S. 116-118.
  29. Der Ausdruck „von distinktiven Merkmalen“ ist eine Hinzufügung des Übersetzers.
  30. Seminar 9, 10. Januar 1962; Staferla 9.12.2009, S. 119-120. Der Einschub in spitzen Klammern ist vom Übersetzer.
  31. Seminar 9, 10. Januar 1962; Version Staferla 9.12.2009, S. 126-128.
  32. Schriften III, S. 123-171.
  33. Seminar 9, 10. Januar 1962; Version Staferla 9.12.2009, S. 138.
  34. Seminar 9, 10. Januar 1962; Version Staferla 9.12.2009, S. 142.
  35. Vgl. 10.1.1962.
  36. Vgl. 6.12.1961.
  37. Vgl. 13.12.1961.
  38. Vgl. 1.10.1962.
  39. Vgl. 6.12.1961.
  40. Vgl. 6.12.1961.
  41. Vgl. 1.10.1962.
  42. Vgl. 13.12.1961.
  43. Vgl. 6.12.1961.
  44. Vgl. 6.12.1961.
  45. Vgl. 6.12.1961.
  46. Vgl. 6.12.1961.
  47. Vgl. 6.12.1961.
  48. Vgl. 6.12.1961.
  49. Vgl. 13.12.1961.
  50. Vgl. 13.12.1961.
  51. Vgl. 13.12.1961.
  52. Vgl. 13.12.1961.
  53. Vgl. 13.12.1961.
  54. Vgl. 13.12.1961.
  55. Vgl. 13.12.1961.
  56. Vgl. 13.12.1961.
  57. Vgl. 13.12.1961.
  58. Vgl. 13.12.1961.
  59. Vgl. 13.12.1961.
  60. Aufmerksamkeit ist einer der Hauptbegriffe der Psychologie Herbarts.
  61. Vgl. 13.12.1961.
  62. Vgl. 13.12.1961.
  63. Vgl. 13.12.1961.
  64. Vgl. 13.12.1961.
  65. Vgl. hierzu die Übersetzung von Lacans Bemerkungen zur Strichliste in Lacan entziffern in Ziffern.
  66. Vgl. 13.12.1961.
  67. Vgl. 13.12.1961.
  68. Vgl. 13.12.1961.
  69. Vgl. 13.12.1961.
  70. Vgl. 10.1.1962.
  71. Vgl. 10.1.1962.
  72. Vgl. 10.1.1962.
  73. Vgl. 13.12.1961.
  74. Vgl. 13.12.1961.
  75. Vgl. 13.12.1961.
  76. Vgl. 10.1.1962.
  77. Vgl. 10.1.1962.
  78. Vgl. 10.1.1962.
  79. Vgl. 10.1.1962.
  80. Vgl. 10.1.1962.
  81. Vgl. 10.1.1962.
  82. Vgl. 10.1.1962.
  83. Vgl. 6.12.1961.
  84. John Stuart Mill: A sys­tem of lo­gic, ratiocinative and inductive. Parker, London 1843, Buch I, Ka­pi­tel 2, On na­mes, § 5, S. 43 f.
  85. John Stuart Mill: Sys­tem der de­duc­tiven und in­duc­tiven Lo­gik. Über­set­zung der 5. er­wei­ter­ten Auf­lage von 1862 durch J. Schiel. Vie­weg, Braun­schweig 1868, Buch 1, Kapitel 2, § 5, S. 39 f.; zitiert nach der Ausgabe im Internet bei
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Mill,+John+Stuart/System+der+deduktiven+und+induktiven+Logik/1.+Buch.+Von+den+Namen+und+Urtheilen/2.+Von+den+Namen
  86. Tausend und eine Nacht. Arabische Erzählungen. 3. Band. Übersetzt von Gustav Weil. Verlag der Classiker, Stuttgart 1838, Kapitel 10, zitiert nach der Ausgabe im Projekt Gutenberg: http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-dritter-band-3446/10
  87. Bertrand Russell: The philosophy of logical atomism. In: The Monist, 28. Jg. (1918), S. 495-527, darin der zweite Vortrag, II. Particulars, predicates and relations, S. 509-527, hier: 523 f.
  88. Bertrand Russell: Philosophie des logischen Atomismus. In: Ders.: Die Philosophie des logischen Atomismus. Übersetzt von Johannes Sinnreich. Nymphenburger, München 1976, S. 178-277, darin „2. Individuen, Prädikate, Relationen“, S. 189-202, hier: 199 f.

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