Identifizierung

Jacques Lacan über den Eigennamen (I): Seminar 9 (Übersetzung und Zusammenfassung)

morgiana-chalk-markMor­gia­na mar­kiert die Tü­ren der an­de­ren Häu­ser
Zeich­nung von Gus­tav Teng­gren in Gol­den ta­les from the ara­bi­an nights
Si­mon & Schus­ter, New York 1957

La­cans Theo­rie des Ei­gen­na­mens ist für den deut­schen Le­ser schwer zu­gäng­lich. Man fin­det sie vor al­lem in den Se­mi­na­ren 9 und 12; bei­de sind nicht über­setzt, es gibt auch kei­ne of­fi­zi­el­le fran­zö­si­sche Aus­ga­be.

Im Fol­gen­den über­set­ze ich sämt­li­che Be­mer­kun­gen La­cans über den Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 9 von 1961/1962, Die Iden­ti­fi­zie­rung. Es folgt eine de­tail­lier­te Zu­sam­men­fas­sung so­wie ein An­hang mit ei­ni­gen der Tex­te, auf die La­can sich be­zieht.1

In ei­nem zwei­ten Ar­ti­kel wer­de ich La­cans Hin­wei­se zum Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 12 über­set­zen.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für aus­gie­bi­ge Hil­fe bei der Über­set­zung!

Zur Über­set­zung
Wör­ter mit Stern* sind deutsch im Ori­gi­nal.
<Ein­fü­gun­gen im spit­zen Klam­mern> sind mei­ne Er­gän­zun­gen.
[Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern] sind mei­ne Er­läu­te­run­gen.
(…) ver­weist auf Lü­cken in der Tran­skrip­ti­on.

Grund­la­ge der Über­set­zung ist die Sta­fer­la-Edi­ti­on des Se­mi­nars. Da die­se Aus­ga­be im­mer wie­der über­ar­bei­tet wird, habe ich die von mir ver­wen­de­te Fas­sung (die vom 19.12.2009) hier ge­spei­chert.

In­halt

Übersetzung

6. Dezember 1961: Die Nicht-Identität des Signifikanten

Ich re­fe­rie­re zu­nächst die Er­ör­te­run­gen, von de­nen aus­ge­hend Jac­ques La­can zum The­ma des Ei­gen­na­mens kommt.

Er be­zieht sich auf den Satz der Iden­ti­tät, an­ders ge­sagt auf das Iden­ti­täts­prin­zip, also auf „A ist A“ oder „A = A“.

Der Satz der Iden­ti­tät, so er­läu­tert er, kann im ima­gi­nä­ren Re­gis­ter ge­deu­tet wer­den, näm­lich als Fort-Da-Spiel, wie in Freuds Jen­seits des Lust­prin­zips.2

La­can de­mons­triert das mit ei­nem Tisch­ten­nis­ball: er zeigt ihn, er ver­steckt ihn, er brin­ge ihn wie­der zum Vor­schein. Der Tisch­ten­nis­ball ist kein Si­gni­fi­kant, er ist ein Ob­jekt; das Ver­schwin­den­las­sen und Wie­der­her­vor­ho­len des Balls ist eine Mög­lich­keit zu sa­gen „Das Ob­jekt a ist das Ob­jekt a“. Auf der Ebe­ne des Ima­gi­nä­ren gibt es zwi­schen den bei­den Mo­men­ten des Zei­gens den Vor­gang des Ver­schwin­dens, und die Fra­ge ist: Wel­che Be­zie­hung gibt es zwi­schen dem „ist“, das die bei­den Er­schei­nun­gen des Bal­les ver­bin­det, und dem da­zwi­schen­lie­gen­den Ver­schwin­den.

Bei der Iden­ti­fi­zie­rung, mit der die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, fährt La­can fort, geht es nicht um den Be­zug zum an­de­ren, son­dern um den Be­zug zu sich selbst, um die Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts; hier geht es nicht um das Er­schei­nen und Ver­schwin­den, son­dern um die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten. Des­halb ist es not­wen­dig, den Sta­tus des Si­gni­fi­kan­ten zu be­stim­men und ihn vom Zei­chen zu un­ter­schei­den. Dass das Sub­jekt auf­taucht, ist ein Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt. Ein me­to­ny­mi­scher Ef­fekt? Ein me­ta­pho­ri­scher Ef­fekt? Viel­leicht gibt es et­was, was die­sen Ef­fek­ten vor­aus­geht. La­can bringt das Bei­spiel il y a la trace d’un pas, „es gibt die Spur ei­nes Schritts / ei­nes Neins“; hier geht es um den Ab­stand zwi­schen pas im Sin­ne des Schritts und pas im Sin­ne der Ne­ga­ti­on. Das sind die bei­den En­den der Ket­te, zwi­schen de­nen das Sub­jekt auf­tau­chen kann.

Die Be­haup­tung „A ist A“ ist nicht wahr. „A ist nicht A“, das ist eine ob­jek­ti­ve Tat­sa­che – „ob­jek­tiv“ im Sin­ne von Des­car­tes, der den Ter­mi­nus wie­der­um von der Scho­las­tik über­nimmt. Der Si­gni­fi­kant ist in kei­nem Fall iden­tisch mit sich selbst. Wenn man sagt „Der Krieg ist der Krieg“, ist das kei­ne Tau­to­lo­gie, das be­deu­tet viel­mehr, dass man sich im Kriegs­zu­stand be­fin­det.

La­can fährt fort:

Aber neh­men wir et­was Ein­fa­ches und kom­men wir da­mit schnell zu ei­nem Ende. Wenn ich sage ‚mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter‘, dann müs­sen Sie näm­lich be­grei­fen, dass es da kei­ner­lei Tau­to­lo­gie gibt, dass ‚mein Groß­va­ter‘, der ers­te Aus­druck, eine in­de­xi­ka­li­sche Ver­wen­dung des zwei­ten Aus­drucks ‚mein Groß­va­ter‘ ist, die sich nicht spür­bar von sei­nem Ei­gen­na­men un­ter­schei­det, bei­spiels­wei­se ‚Émi­le La­can‘, und auch nicht vom ‚das‘ in ‚das ist‘, wenn ich ihn dann be­zeich­ne, wenn er ein Zim­mer be­tritt: ‚das ist mein Groß­va­ter‘.

Das be­sagt nicht, dass sein Ei­gen­na­me das­sel­be ist wie die­ses ‚das‘ in ‚this is my grand­fa­ther‘. Es ver­blüfft ei­nen, dass ein Lo­gi­ker wie Rus­sell glaub­te sa­gen zu kön­nen, dass der Ei­gen­na­me zur sel­ben Ka­te­go­rie ge­hört, zur sel­ben Si­gni­fi­kan­ten­klas­se, wie das this, that oder it, un­ter Hin­weis dar­auf, dass in be­stimm­ten Fäl­len der­sel­be funk­tio­na­le Ge­brauch von ih­nen ge­macht wer­den kann.

Das ist ein Ein­schub, aber wie alle mei­ne Ein­schü­be ein Ein­schub, der dazu be­stimmt ist, spä­ter auf­ge­grif­fen zu wer­den, be­zo­gen auf den Sta­tus des Ei­gen­na­mens, über den wir heu­te nicht spre­chen wer­den.

Wie auch im­mer, wor­um es bei ‚Mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter‘ geht, das soll hei­ßen, dass die­ser ab­scheu­li­che Klein­bür­ger, wel­cher be­sag­ter Typ war, die­se schreck­li­che Per­son, dank de­rer ich in frü­hem Al­ter die­se grund­le­gen­de Funk­ti­on ver­wirk­lich­te, die dar­in be­steht, Gott zu ver­flu­chen, dass die­se Per­son ge­nau die­sel­be ist wie die, die dem Zi­vil­stand nach, wie die Hei­rats­ver­bin­dun­gen zei­gen, der Va­ter mei­nes Va­ters ist, in­so­fern es bei dem frag­li­chen Akt ge­nau um des­sen Ge­burt geht. Sie se­hen also, in­wie­fern ‚Mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter‘ kei­nes­wegs eine Tau­to­lo­gie ist.

Das lässt sich auf alle Tau­to­lo­gi­en an­wen­den und gibt da­für kei­nes­wegs eine ein­deu­ti­ge For­mel, denn es geht hier um eine Be­zie­hung des Rea­len zum Sym­bo­li­schen. In an­de­ren Fäl­len wird es eine Be­zie­hung des Ima­gi­nä­ren zum Sym­bo­li­schen ge­ben; stel­len Sie die gan­ze Fol­ge der Per­mu­ta­tio­nen her, auf die­se Wei­se kann man se­hen, wel­che von ih­nen gül­tig sind. Die­sen Weg kann ich nicht ein­schla­gen, denn wenn ich zu Ih­nen dar­über spre­che – was in ge­wis­ser Wei­se ein Mo­dus ist, um die fal­schen Tau­to­lo­gi­en bei­sei­te zu räu­men, aus de­nen ganz ein­fach der üb­li­che, der dau­er­haf­te Sprach­ge­brauch be­steht –, dann um Ih­nen zu sa­gen, dass es nicht das ist, was ich sa­gen will.

Wenn ich be­haup­te, dass es kei­ne mög­li­che Tau­to­lo­gie gibt, dann ist es nicht so, dass ich sage, dass es in­so­fern kei­ne Tau­to­lo­gie gibt, als das ers­te A und das zwei­te A un­ter­schied­li­che Din­ge be­deu­ten. Viel­mehr ist in den Sta­tus des A selbst ein­ge­schrie­ben, dass A nicht A sein kann. Das letz­te Mal habe ich mei­ne Rede da­mit be­en­det, dass ich Ih­nen bei Saus­su­re den Punkt be­zeich­net habe, an dem ge­sagt wird, dass das A als Si­gni­fi­kant auf kei­ne an­de­re Wei­se de­fi­niert wer­den kann als so, dass es nicht das ist, was die an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten sind.3 Da­von, dass er nicht an­ders de­fi­niert wer­den kann als eben da­durch, nicht alle an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten zu sein, da­von hängt die Di­men­si­on ab, dass glei­cher­ma­ßen wahr ist, dass er nicht er selbst sein kann.

Es ge­nügt nicht, das so, auf die­se un­durch­sich­ti­ge Wei­se vor­zu­brin­gen, eben des­halb, weil die­se Art und Wei­se über­rascht; es ist nö­tig, Sie das spü­ren zu las­sen, dass sie die­sen Glau­ben er­schüt­tert, der von der Tat­sa­che ab­hängt, dass da die wah­re Stüt­ze der Iden­ti­tät ist.

Was ist ein Si­gni­fi­kant?

Wenn alle, nicht nur die Lo­gi­ker, von A spre­chen, wenn es um ‚A ist A‘ geht, dann ist das kei­nes­wegs ein Zu­fall. Das ist des­halb so, weil man, um zu stüt­zen, was man be­zeich­net, ei­nen Buch­sta­ben braucht.“4

Es folgt eine Er­läu­te­rung der Funk­ti­on des Buch­sta­bens an­hand zwei­er Bei­spie­le von chi­ne­si­scher Kal­li­gra­fie.

13. Dezember 1961: Der Eigenname ist ein Buchstabe

La­can spricht über Freuds Fall­ge­schich­te vom klei­nen Hans. Das Kind stellt sich vor, dass in sei­nem Zim­mer zwei Gi­raf­fen sind, eine gro­ße und eine „zer­wu­zel­te“, eine zer­knüll­te; dass die gro­ße Gi­raf­fe ge­schrien hat; dass es die zer­wu­zel­te in der Hand ge­hal­ten hat; und dass es sich, als die gro­ße Gi­raf­fe zu schrei­en auf­ge­hört hat, auf die zer­wu­zel­te Gi­raf­fe drauf­ge­setzt hat.5

Die­se schö­ne Me­cha­nik muss uns spü­ren las­sen, wor­um es geht, näm­lich um sei­ne grund­le­gen­de Iden­ti­fi­zie­rung, um die Ab­wehr ge­gen das ur­sprüng­li­che Ge­fan­gen­sein in der Welt der Mut­ter – wie an dem Punkt, an dem wir mit der Auf­hel­lung der Pho­bie sind, na­tür­lich nie­mand be­zwei­felt. Be­reits hier se­hen wir die­se Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten ex­em­pli­fi­ziert. Und ge­nau hier­bei möch­te ich mich heu­te noch wei­ter auf­hal­ten, als Aus­gangs­punkt für das, was wir über die Iden­ti­fi­zie­rung zu sa­gen ha­ben wer­den.

Die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern sie der Be­fes­ti­gungs­punkt für das ist, von wo aus das Sub­jekt sich kon­sti­tu­iert, das ist das, was mich dazu brin­gen wird, mich heu­te ei­nen Mo­ment lang bei et­was auf­zu­hal­ten, das, so scheint mir, ei­nem ganz na­tür­lich in den Sinn kom­men muss, nicht nur aus Grün­den der all­ge­mei­nen Lo­gik, son­dern auch we­gen et­was, auf das Sie in ih­rer Er­fah­rung sto­ßen müs­sen, ich mei­ne die Funk­ti­on des Na­mens. Nicht noun, der gram­ma­tisch de­fi­nier­te Name, den wir in un­se­ren Schu­len als Sub­stan­tiv be­zeich­nen, son­dern der name, wie die­se bei­den Funk­tio­nen im Eng­li­schen, und üb­ri­gens auch im Deut­schen, un­ter­schie­den wer­den. Dar­über möch­te ich hier noch ein biss­chen mehr sa­gen. Aber Sie ver­ste­hen ja den Un­ter­schied – der name, das ist der Ei­gen­na­me.

Als Ana­ly­ti­ker ken­nen Sie die Be­deu­tung, die in je­der Ana­ly­se der Ei­gen­na­me des Sub­jekts hat. Sie müs­sen im­mer be­ach­ten, wie Ihr Pa­ti­ent heißt, das ist nie­mals gleich­gül­tig. Wenn Sie in der Ana­ly­se nach den Na­men fra­gen, ist das ja et­was, was viel wich­ti­ger ist als die Ent­schul­di­gung, die sie dem Pa­ti­en­ten da­für ge­ben kön­nen, also dass sich hin­ter die­ser Art von Ver­schwei­gen oder Aus­lö­schen des Na­mens alle mög­li­chen Din­ge ver­ber­gen kön­nen, hin­sicht­lich der Be­zie­hun­gen, die er mit ir­gend­ei­nem an­de­ren Sub­jekt ins Spiel zu brin­gen hat. Das geht viel wei­ter als das. Sie müs­sen es ah­nen oder so­gar wis­sen. Was ist das, ein Ei­gen­na­me? Hier­zu müss­ten wir viel zu sa­gen ha­ben. Fakt ist, dass wir zum Na­men tat­säch­lich viel Ma­te­ri­al bei­steu­ern kön­nen. Was die­ses Ma­te­ri­al an­geht, wer­den wir Ana­ly­ti­ker, ge­ra­de in den Kon­trollana­ly­sen, tau­send Mal zu il­lus­trie­ren ha­ben, wie wich­tig es ist.

Ich glau­be nicht, dass wir dem Ei­gen­na­men hier sei­ne gan­ze Reich­wei­te ge­ben kön­nen, ohne – das ist hier eine wei­te­re Ge­le­gen­heit, die Not­wen­dig­keit ei­ner Me­tho­de mit dem Fin­ger zu spü­ren –, ohne uns auf das zu be­zie­hen, was der Sprach­wis­sen­schaft­ler hier­über zu sa­gen hat. Nicht um uns dem zwangs­läu­fig zu un­ter­wer­fen, son­dern weil wir hier, be­zo­gen auf die Funk­ti­on, die De­fi­ni­ti­on die­ses Si­gni­fi­kan­ten, die ihre Ori­gi­na­li­tät hat, zu­min­dest eine Kon­trol­le, viel­leicht so­gar eine Er­gän­zung fin­den müs­sen für das, was wir sa­gen kön­nen. Tat­säch­lich ist es ge­nau das, was sich hier er­ge­ben wird.

1954 ist eine klei­ne Streit­schrift von Sir Alan H. Gar­di­ner er­schie­nen.6 Es gibt von ihm alle Ar­ten von Ar­bei­ten, ins­be­son­de­re eine sehr gute ägyp­ti­sche Gram­ma­tik, ich mei­ne eine des an­ti­ken Ägyp­ten. Er ist also Ägyp­to­lo­ge, aber auch und vor al­lem Sprach­wis­sen­schaft­ler. Gar­di­ner hat – zu der Zeit, als ich es, wäh­rend ei­ner Rei­se nach Lon­don,  er­stan­den habe – ein ganz klei­nes Buch ver­fasst, mit dem Ti­tel Die Theo­rie der Ei­gen­na­men. Er hat es auf eine Wei­se ge­macht, die ein we­nig zu­fäl­lig ist. Er selbst nennt das ei­nen con­tro­ver­si­al es­say, ei­nen streit­ba­ren Ver­such. Man kann so­gar sa­gen, das ist eine Li­to­tes, das ist ein po­le­mi­scher Es­say.

Er hat ihn in der Fol­ge der hef­ti­gen Ver­är­ge­rung ver­fasst, die durch eine Rei­he von Äu­ße­run­gen ei­nes Phi­lo­so­phen aus­ge­löst wur­de, auf den ich Sie nicht zum ers­ten Mal hin­wei­se: Bert­rand Rus­sell, des­sen be­deu­ten­de Rol­le Ih­nen be­kannt ist, bei der Aus­ar­bei­tung des­sen, was man heu­te die ma­the­ma­ti­sier­te Lo­gik nen­nen könn­te oder die lo­gi­fi­zier­te Ma­the­ma­tik. Aus­ge­hend von den Princi­pia ma­the­ma­ti­ca hat er, zu­sam­men mit Whitehead, ei­nen all­ge­mei­nen Sym­bo­lis­mus der lo­gi­schen und ma­the­ma­ti­schen Ope­ra­tio­nen ge­lie­fert, den nicht zu be­rück­sich­ti­gen, so­bald man die­ses Feld be­tritt, nicht mög­lich ist. Rus­sell also gibt in ei­nem sei­ner Wer­ke7 eine völ­lig pa­ra­do­xe De­fi­ni­ti­on – die Pa­ra­do­xie ist im üb­ri­gen eine Di­men­si­on, in der sich zu be­we­gen er kei­nes­wegs ab­lehnt, im Ge­gen­teil, des Öf­te­ren be­dient er sich ih­rer –, Mon­sieur Rus­sel hat also, be­zo­gen auf den Ei­gen­na­men, be­stimm­te Be­mer­kun­gen ge­macht, die Mon­sieur Gar­di­ner buch­stäb­lich au­ßer sich ge­bracht ha­ben. Der Streit an sich ist ziem­lich be­deut­sam, so­dass ich glau­be, Sie heu­te in ihn ein­füh­ren zu müs­sen und Be­mer­kun­gen an­hän­gen zu müs­sen, die mir wich­tig zu sein schei­nen. An wel­chem Ende wer­den wir an­fan­gen, bei Gar­di­ner oder bei Rus­sell? Fan­gen wir mit Rus­sell an.

Rus­sel be­fin­det sich in der Po­si­ti­on des Lo­gi­kers. Der Lo­gi­ker hat eine Po­si­ti­on, die nicht erst auf ges­tern zu­rück­geht, er bringt ei­nen be­stimm­ten Ap­pa­rat zum Funk­tio­nie­ren, dem er un­ter­schied­li­che Ti­tel gibt: Ar­gu­men­ta­ti­on, Den­ken. Er ent­deckt hier eine be­stimm­te An­zahl von dar­in im­pli­zier­ten Ge­set­zen. In ei­ner ers­ten Pha­se löst er die­se Ge­set­ze her­aus, es sind die­je­ni­gen, ohne die nichts, was von der Ord­nung der Ver­nunft ist, mög­lich wäre. Im Ver­lau­fe die­ser ab­so­lut ori­gi­nel­len Un­ter­su­chung des uns be­herr­schen­den Den­kens er­fas­sen wir durch die Re­fle­xi­on der Grie­chen bei­spiels­wei­se die Wich­tig­keit des Prin­zips des Wi­der­spruchs. Nach­dem das Prin­zip des Wi­der­spruchs ein­mal ent­deckt ist, ent­fal­tet und ord­net sich et­was um das Wi­der­spruchs­prin­zip her­um, was si­cher­lich zeigt, dass, wenn der Wi­der­spruch und sein Prin­zip nur so et­was Tau­to­lo­gi­sches wä­ren, die Tau­to­lo­gie ein­zig­ar­tig frucht­bar wäre, denn es sind nicht ein­fach ei­ni­ge Sei­ten, auf de­nen die aris­to­te­li­sche Lo­gik sich ent­fal­tet.

Mit der Zeit be­steht die his­to­ri­sche Tat­sa­che je­doch dar­in, dass die Ent­wick­lung der Lo­gik sich kei­nes­wegs auf eine On­to­lo­gie rich­tet, auf ei­nen ra­di­ka­len Be­zug zum Sein, als das be­grif­fen, was die­se all­ge­meins­ten Ge­set­ze der für die Wahr­heit not­wen­di­gen Auf­fas­sungs­wei­sen an­zie­len, sie rich­tet sich viel­mehr auf ei­nen For­ma­lis­mus, also auf das, dem sich der Füh­rer ei­ner Schu­le des Den­kens wid­met, die so wich­tig, so ent­schei­dend ist für die Ori­en­tie­rung, die sie ei­ner gan­zen Denk­wei­se un­se­rer Epo­che ge­ge­ben hat, näm­lich Bert­rand Rus­sell, dass es ihm ge­lun­gen ist, all das, was die Kri­tik der Ope­ra­tio­nen be­trifft, die im Feld der Lo­gik und der Ma­the­ma­tik ins Spiel ge­bracht wer­den, in eine all­ge­mei­ne For­ma­li­sie­rung zu brin­gen, die so streng, so öko­no­misch wie mög­lich ist. Kurz, die Kor­re­la­ti­on zwi­schen der Be­mü­hung von Rus­sell, die Ein­fü­gung von Rus­sells Be­mü­hun­gen in die­se Rich­tung, führt in der Ma­the­ma­tik zur Her­aus­bil­dung des­sen, was man als ‚Men­gen­leh­re‘ be­zeich­net, de­ren all­ge­mei­ne Reich­wei­te sich da­durch cha­rak­te­ri­sie­ren lässt, dass man sich hier be­müht, das ge­sam­te Feld der ma­the­ma­ti­schen Er­fah­rung, das in jahr­hun­der­te­lan­ger Ent­wick­lung ak­ku­mu­liert wor­den ist, zu re­du­zie­ren, und ich glau­be, dass man da­von kei­ne bes­se­re De­fi­ni­ti­on ge­ben kann als die: es zu re­du­zie­ren auf ein Spiel von Buch­sta­ben. Dies also müs­sen wir in Rech­nung stel­len, als eine Ge­ge­ben­heit des Fort­schritts des Den­kens, sa­gen wir: in un­se­rer Epo­che, wo­bei die­se Epo­che als ein be­stimm­ter Mo­ment des Dis­kur­ses der Wis­sen­schaft de­fi­niert ist.

Was also hat Bert­rand Rus­sell un­ter die­sen Be­din­gun­gen, zu dem Zeit­punkt, als er sich da­für in­ter­es­sier­te, als De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens ge­ge­ben? Das ist et­was, was an sich selbst wert ist, dass man da­bei in­ne­hält, weil es das ist, was uns ge­stat­ten wird, zu er­fas­sen – man könn­te es an­ders­wo er­fas­sen, und Sie wer­den se­hen, dass ich Ih­nen zei­gen wer­de, dass man es an­ders­wo er­fasst –, sa­gen wir, die­sen Teil der Ver­ken­nung zu er­fas­sen, der in ei­ner be­stimm­ten Po­si­ti­on ent­hal­ten ist, die tat­säch­lich die Ecke ist, in die die ge­sam­te sä­ku­la­re Be­mü­hung der Aus­ar­bei­tung der Lo­gik ge­trie­ben wor­den ist. Die­se Ver­ken­nung ist, ei­gent­lich ge­spro­chen, die fol­gen­de – si­cher­lich gebe ich Ih­nen das in ge­wis­sem Sin­ne ins­ge­samt in dem, was ich da zwangs­läu­fig durch eine Not­wen­dig­keit der Dar­stel­lung be­haup­tet habe. Die­se Ver­ken­nung be­trifft ge­nau die ra­di­kals­te Be­zie­hung des den­ken­den Sub­jekts zum Buch­sta­ben. Bert­rand Rus­sell sieht al­les au­ßer die­sem: der Funk­ti­on des Buch­sta­ben. Das ist das, was ich hof­fe, Sie spü­ren zu las­sen und Ih­nen zei­gen zu kön­nen. Ha­ben Sie Ver­trau­en und fol­gen Sie mir, Sie wer­den jetzt se­hen, wie wir uns vor­wärts­be­we­gen.

Was gibt er als De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens? Ein Ei­gen­na­me, sagt er, ist a word for a par­ti­cu­lar, ein Wort, um die be­son­de­ren Din­ge als sol­che zu be­zeich­nen, au­ßer­halb je­der Be­schrei­bung (de­scrip­ti­on).8

Es gibt zwei Wei­sen, die Din­ge an­zu­ge­hen, sie durch ihre Qua­li­tä­ten, ihre Be­zugs­punk­te, ihre Ko­or­di­na­ten in der Per­spek­ti­ve des Ma­the­ma­ti­kers zu cha­rak­te­ri­sie­ren, wenn ich Sie als sol­che be­zeich­nen will. Die­ser Punkt bei­spiels­wei­se, neh­men wir an, dass ich Ih­nen hier sa­gen kann: Er ist rechts von der Ta­fel, un­ge­fähr auf die­ser Höhe, er ist weiß, und die­ses und je­nes. Das ist eine Be­schrei­bung (de­scrip­ti­on), sagt uns Mon­sieur Rus­sell.

Und dann gibt es aus­ge­zeich­ne­te Ar­ten und Wei­sen, sie au­ßer­halb je­der Be­schrei­bung als be­son­ders (par­ti­cu­lier) zu be­zeich­nen, und das wer­de ich Ei­gen­na­me nen­nen. Der ers­te Ei­gen­na­me für Mon­sieur Rus­sell, in mei­nen vor­an­ge­hen­den Se­mi­na­ren habe ich be­reits dar­auf an­ge­spielt, ist das this, ‚die­ses‘, this is the ques­ti­on.9

Das De­mons­tra­ti­vum ist also in den Rang des Ei­gen­na­mens über­ge­gan­gen. Es ist nicht we­ni­ger pa­ra­dox, dass Mon­sieur Rus­sell ganz kalt die Mög­lich­keit ins Auge fasst, eben die­sen Punkt ‚John‘ zu nen­nen. Man muss an­er­ken­nen, dass wir hier im­mer­hin das Zei­chen da­für ha­ben, dass es viel­leicht doch et­was gibt, was die Er­fah­rung über­steigt, denn es ist eine Tat­sa­che, dass es sel­ten ist, dass man ei­nen geo­me­tri­schen Punkt ‚John‘ nennt. Nichts­des­to­we­ni­ger, vor den ex­trems­ten Aus­drucks­wei­sen sei­nes Den­kens ist Rus­sell nie­mals zu­rück­ge­schreckt.

Hier je­doch wird der Sprach­wis­sen­schaft­ler un­ru­hig. Er wird umso un­ru­hi­ger, als es zwi­schen den bei­den Ex­tre­men der Rus­sell­schen De­fi­ni­ti­on word for a par­ti­cu­lar10 die­se völ­lig pa­ra­do­xe Kon­se­quenz gibt, dass Rus­sell uns sagt – et­was, was für ihn lo­gisch ist –, dass ‚So­kra­tes‘ kein Recht hat, von uns als Ei­gen­na­me auf­ge­fasst zu wer­den, an­ge­sichts des­sen, dass So­kra­tes seit lan­gem kein Ein­zel­ding (par­ti­cu­lier) mehr ist. Ich kür­ze für Sie ab, was Rus­sell sagt, und füge hier so­gar eine hu­mo­ris­ti­sche Note hin­zu, aber das ist ge­nau der Geist des­sen, was er uns sa­gen will, näm­lich dass So­kra­tes für uns ‚der Leh­rer von Pla­ton‘ ist, ‚der Mensch, der den Schier­ling ge­trun­ken hat‘ usw. Das ist eine ab­ge­kürz­te Be­schrei­bung. Das ist als sol­ches also nicht mehr das, was er so nennt: ein Wort, um das Ein­zel­ding in sei­ner Ein­zel­heit (le par­ti­cu­lier dans sa par­ti­cu­la­rité) zu be­zeich­nen. Es ist wohl si­cher, dass wir hier se­hen, dass wir völ­lig den Fa­den des­sen ver­lie­ren, was das Sprach­be­wusst­sein uns lie­fert, dass wir näm­lich al­les eli­mi­nie­ren müs­sen, was von den Ei­gen­na­men sich in eine Be­griffs­ge­mein­schaft ein­fügt. Wir ge­ra­ten in eine Art Sack­gas­se, und zwar ge­nau in die­je­ni­ge, der Gar­di­ner die ei­gent­lich sprach­wis­sen­schaft­li­chen Sicht­wei­sen als sol­che ent­ge­gen­zu­set­zen ver­sucht.

Es ist be­mer­kens­wert, dass der Sprach­wis­sen­schaft­ler – nicht ohne Ver­dienst und nicht ohne Pra­xis und nicht ohne Übung, durch eine Er­fah­rung mit dem Si­gni­fi­kan­ten, die um so tie­fer geht, als ich Sie nicht um­sonst dar­auf hin­ge­wie­sen habe, dass dies je­mand ist, des­sen Schaf­fen sich zum Teil in ei­nem Be­reich ent­fal­tet, der be­son­ders sug­ges­tiv ist und reich an Er­fah­rung, näm­lich dem der Hie­ro­gly­phen, denn er ist Ägyp­to­lo­ge –, dass er dazu ge­bracht wird, für uns die Ge­gen­po­si­ti­on zu for­mu­lie­ren in Be­zug auf das, was ihm für die Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens cha­rak­te­ris­tisch zu sein scheint.

Um die­ses Cha­rak­te­ris­ti­kum der Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens aus­zu­ar­bei­ten, be­zieht er sich auf John Stuart Mill11 so­wie auf ei­nen grie­chi­schen Gram­ma­ti­ker des 2. Jahr­hun­derts vor Chris­tus na­mens Dio­ny­si­os Thrax. Ein­zig­ar­ti­ger­wei­se stößt er bei ih­nen auf et­was, was sich auf For­meln be­zieht, die auf den ers­ten Blick, wenn man so sa­gen kann, als ho­mo­nym er­schei­nen könn­ten, ohne zur sel­ben Pa­ra­do­xie zu füh­ren wie bei Bert­rand Rus­sell. Der Ei­gen­na­me, idi­on ono­ma, ist üb­ri­gens nur die Über­set­zung des­sen, was hier­zu die Grie­chen und ins­be­son­de­re Dio­ny­si­os Thrax bei­ge­tra­gen ha­ben. Ver­mengt sich idi­on hier mit dem Be­son­de­ren (par­ti­cu­lier) im Rus­sell­schen Sin­ne des Aus­drucks? Si­cher­lich nicht, weil es auch nicht das wäre, wor­auf Mon­sieur Gar­di­ner sich stüt­zen wür­de, wenn es dar­um gin­ge, hier eine Über­ein­stim­mung mit sei­nem Geg­ner zu fin­den.12 Un­glück­li­cher­wei­se kommt er nicht dazu, hier den Un­ter­schied zu spe­zi­fi­zie­ren zwi­schen dem Aus­druck der Ei­gen­schaft (pro­prié­té) in Be­zug auf das, was die ur­sprüng­li­che grie­chi­schen Sicht­wei­se aus­zeich­net, und den pa­ra­do­xen Kon­se­quen­zen, zu de­nen ein be­stimm­ter For­ma­lis­mus ge­langt.

Aber im Schut­ze des Fort­schritts, den ihm, ganz im Hin­ter­grund, der Be­zug auf die Grie­chen er­mög­licht, dann der Be­zug auf Mill, der ihm nä­her ist, stellt er den Wert des­sen her­aus, wor­um es geht, näm­lich das, was im Ei­gen­na­men funk­tio­niert, wo­durch wir ihn so­fort un­ter­schei­den, ihn als ei­nen Ei­gen­na­men als sol­chen aus­ma­chen.

Mill legt mit gro­ßer Treff­si­cher­heit im Zu­gang zum Pro­blem den Ak­zent auf Fol­gen­des. Das, wo­durch ein Ei­gen­na­me sich vom Ge­mein­na­men un­ter­schei­det, liegt auf der Sei­te von et­was, was zur Ebe­ne des Sinns ge­hört. Der Name ‚Ge­mein­na­me‘ scheint sich auf den Ge­gen­stand in­so­fern zu be­zie­hen, als er ei­nen Sinn mit sich führt. Wenn et­was ein Ei­gen­na­me ist, dann in­so­fern, als es nicht der Sinn des Ge­gen­stan­des ist, den es mit sich führt, son­dern et­was, was von der Ord­nung ei­ner Mar­kie­rung ist, die ge­wis­ser­ma­ßen auf dem Ge­gen­stand an­ge­bracht ist, die ihm auf­er­legt ist, und des­halb um so en­ger mit ihm ver­bun­den sein wird, als es, auf­grund der Tat­sa­che der Ab­we­sen­heit von Sinn, we­ni­ger of­fen sein wird für jede Teil­ha­be an ei­ner Di­men­si­on, durch die die­ser Ge­gen­stand sich über­schrei­tet, mit den an­de­ren Ge­gen­stän­den kom­mu­ni­ziert.

Mill lässt hier üb­ri­gens eine Art von klei­nem Apo­log in­ter­ve­nie­ren, hin­ein­spie­len, der mit ei­nem Mär­chen ver­bun­den ist; ein Phan­ta­sie­bild wird ins Spiel ge­bracht. Das ist die Ge­schich­te von der Rol­le der Fee Mor­gia­na, die ei­ni­ge ih­rer Schütz­lin­ge vor ir­gend­ei­ner Pla­ge schüt­zen will, die ih­nen da­durch an­ge­kün­digt wor­den war, dass in der Stadt an ih­ren Tü­ren eine Mar­kie­rung aus Krei­de an­ge­bracht wor­den war.13 Mor­gia­na schützt sie da­vor, dem Schlag der ver­nich­ten­den Pla­ge aus­ge­setzt zu sein, in­dem sie an al­len an­de­ren Häu­sern der Stadt die­sel­be Mar­kie­rung an­bringt. Sir Gar­di­ner hat hier kei­ne Mühe, das Ver­ken­nen auf­zu­zei­gen, das die­ser Apo­log ent­hält, näm­lich dass Mill, wenn er ei­nen voll­stän­di­ge­ren Be­griff von dem ge­habt hät­te, wor­um es bei der Ein­wir­kung (in­ci­dence) des Ei­gen­na­mens geht, bei sei­ner ei­ge­nen Er­fin­dung nicht nur das Merk­mal der Iden­ti­fi­zie­rung durch die Mar­kie­rung hät­te her­aus­stel­len müs­sen, son­dern auch ih­ren dis­tink­ti­ven Cha­rak­ter. Der Apo­log als sol­cher wäre pas­sen­der, wenn man sag­te, dass die Fee Mor­gia­na die an­de­ren Häu­ser eben­falls mit ei­nem Krei­de­zei­chen hät­te mar­kie­ren müs­sen, je­doch mit ei­nem, das sich vom ers­ten un­ter­schei­det, so dass der­je­ni­ge, der in die Stadt ein­dringt, um sei­nen Auf­trag zu er­fül­len, das Haus sucht, in dem er sei­ne fa­ta­le Ein­wir­kung vor­neh­men soll, und nicht mehr her­aus­fin­den kann, um wel­ches Zei­chen es geht, man­gels des­sen, im Vor­hin­ein ge­wusst zu ha­ben, wel­ches die­ser Zei­chen er su­chen muss­te.14

Das bringt Gar­di­ner zu der fol­gen­den For­mu­lie­rung: In of­fen­kun­di­gem Be­zug auf die Un­ter­schei­dung von Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat, die für je­den Sprach­wis­sen­schaft­ler grund­le­gend ist, selbst wenn er sie in sei­nem Dis­kurs nicht als sol­che vor­bringt, be­merkt Gar­di­ner, nicht ohne Fun­da­ment, dass es beim Ge­brauch des Ei­gen­na­mens nicht so sehr um die Ab­we­sen­heit des Sinns geht, denn es gilt auch das Ge­gen­teil. Sehr oft ha­ben Ei­gen­na­men ei­nen Sinn. Selbst Mon­sieur ‚Du­rand‘ hat ei­nen Sinn.15 Mon­sieur Smith be­deu­tet Schmied, und es ist ganz klar, dass des­we­gen, weil Mon­sieur Schmied zu­fäl­lig Schmied ist, sein Name nicht we­ni­ger ein Ei­gen­na­me ist. Was den Ge­brauch des Ei­gen­na­mens aus­macht, sagt uns Mon­sieur Gar­di­ner, ist dies, dass bei sei­ner Ver­wen­dung der Ak­zent nicht auf den Sinn ge­legt wird, son­dern auf den Laut, in­so­fern er dis­tink­tiv ist.16

Of­fen­sicht­lich gibt es hier ei­nen sehr gro­ßen Fort­schritt der Di­men­sio­nen, was es uns in der Mehr­heit der Fäl­le prak­tisch er­mög­li­chen wird, mit­zu­be­kom­men, dass et­was ganz spe­zi­ell als Ei­gen­na­me funk­tio­niert.

Den­noch ist gleich­wohl ziem­lich pa­ra­dox, eben hier zu se­hen, wie ein Sprach­wis­sen­schaft­ler – für den die ers­te De­fi­ni­ti­on, die er sei­nem Ma­te­ri­al, den Pho­ne­men, zu ge­ben hat, die ist, dass dies ge­nau Lau­te sind, die sich von­ein­an­der un­ter­schei­den –, wie ein Sprach­wis­sen­schaft­ler der Funk­ti­on des Ei­gen­na­mens als be­son­de­res Merk­mal dies gibt, dass wir ihn als Ei­gen­na­men ge­nau da­durch cha­rak­te­ri­sie­ren kön­nen, dass er aus Lau­ten be­steht, die sich von­ein­an­der un­ter­schei­den. Denn un­ter be­stimm­tem Blick­win­kel ist si­cher­lich of­fen­kun­dig, dass je­der Ge­brauch der Spra­che sich ge­nau dar­auf grün­det, dass die Spra­che aus ei­nem be­stimm­ten Ma­te­ri­al ge­macht ist, näm­lich aus dis­tink­ti­ven Lau­ten.

Aber na­tür­lich ist es nicht so, dass dem Au­tor die­ser Aus­ar­bei­tung die­ser Ein­wand nicht selbst kommt. Und hier führt er ei­nen sub­jek­ti­ven Be­griff ein – sub­jek­tiv im psy­cho­lo­gi­schen Sin­ne des Aus­drucks –, den Be­griff der Auf­merk­sam­keit, die der Si­gni­fi­kan­ten­di­men­si­on, hier qua Laut­ma­te­ri­al, ge­schenkt wird.17 Bit­te be­ach­ten Sie, dass ich hier dar­auf hin­wei­se, dass der Sprach­wis­sen­schaft­ler, der sich ei­nem me­tho­di­schen Prin­zip zu­fol­ge ganz wie der Ma­the­ma­ti­ker be­mü­hen soll, al­les, was ein ei­gent­lich psy­cho­lo­gi­scher Be­zug ist, aus sei­nem Feld hin­aus­zu­drän­gen – ich sage nicht, es völ­lig zu eli­mi­nie­ren –, dass er hier je­doch dazu ge­bracht wird, eine psy­cho­lo­gi­sche Di­men­si­on als sol­che her­aus­zu­stel­len, ich mei­ne die Tat­sa­che, dass das Sub­jekt, wie er sagt, ’be­setzt’, dass es sei­ne Auf­merk­sam­keit spe­zi­ell auf das lenkt, was der Kern sei­nes In­ter­es­ses ist, wenn es um den Ei­gen­na­men geht.18

Da­durch, dass er eine be­stimm­te Laut­dif­fe­renz trans­por­tiert, wird er als Ei­gen­na­me auf­ge­fasst, was zu der Be­mer­kung An­lass gibt, dass ich um­ge­kehrt in der ge­wöhn­li­chen Rede, bei­spiels­wei­se in dem, was ich Ih­nen im Au­gen­blick ge­ra­de mit­tei­le, ab­so­lut kei­ne Auf­merk­sam­keit auf das Laut­ma­te­ri­al des­sen rich­te, was ich Ih­nen er­zäh­le. Wenn ich dar­auf zu viel Auf­merk­sam­keit len­ken wür­de, müss­te ich bald se­hen, wie mei­ne Rede an Kraft ver­liert und ver­siegt. In ers­ter Li­nie ver­su­che ich, Ih­nen et­was mit­zu­tei­len. Weil ich glau­be, Fran­zö­sisch spre­chen zu kön­nen, kommt mir das Ma­te­ri­al, das in sei­nem Grun­de tat­säch­lich dis­tink­tiv ist. Es ist da als ein Trä­ger, dem ich kei­ne Auf­merk­sam­keit schen­ke: ich den­ke an das Ziel, zu dem ich gehe, näm­lich Ih­nen be­stimm­te Qua­li­tä­ten von Ge­dan­ken zu über­mit­teln, die ich Ih­nen mit­tei­le.

Ist es ge­nau­so wahr, dass je­des Mal, wenn wir ei­nen Ei­gen­na­men aus­spre­chen, wir psy­cho­lo­gisch auf den Ak­zent aus­ge­rich­tet sind, der auf das Laut­ma­te­ri­al als sol­ches ge­legt wird? Das ist ab­so­lut nicht wahr.19 Ich den­ke nicht in stär­ke­rem Maße an das Laut­ma­te­ri­al ‚Sir Alan Gar­di­ner‘, wenn ich zu Ih­nen dar­über spre­che, als in dem Mo­ment, wo ich von ‚zer­wu­zeln‘20 spre­che oder von ir­gend­et­was an­de­rem. Al­ler­dings könn­te man sa­gen, dass mei­ne Bei­spie­le hier schlecht ge­wählt sind, weil es be­reits Wör­ter sind, denn wenn ich sie an die Ta­fel schrei­be, stel­le ich sie als Wör­ter her­aus.21

Was im­mer der Wert der Be­haup­tung des Sprach­wis­sen­schaft­lers hier sein mag, es ist si­cher, dass sie ganz spe­zi­ell dar­an schei­tert, dass sie glaubt, kei­nen an­de­ren als ei­nen psy­cho­lo­gi­schen Be­zug zur Gel­tung brin­gen zu müs­sen. Und wor­an schei­tert sie? Ge­nau dar­an, et­was zu ar­ti­ku­lie­ren, was viel­leicht die Funk­ti­on des Sub­jekts ist, aber des Sub­jekts, das ganz an­ders de­fi­niert ist als durch ir­gend­et­was von der Ord­nung der kon­kre­ten Psy­cho­lo­gie, des Sub­jekts, in­so­fern wir könn­ten –, in­so­fern wir müs­sen –, in­so­fern wir es recht ei­gent­lich in sei­nem Be­zug zum Si­gni­fi­kan­ten de­fi­nie­ren wer­den. Es gibt ein Sub­jekt, das sich nicht mit dem Si­gni­fi­kan­ten als sol­chem ver­mengt, sich aber in dem Be­zug auf den Si­gni­fi­kan­ten ent­fal­tet, mit Zü­gen (traits), mit Merk­ma­len (ca­rac­tè­res), die voll­kom­men ar­ti­ku­lier­bar und for­ma­li­sier­bar sind, und die es uns ge­stat­ten müs­sen, den ‚idio­ti­schen‘ Cha­rak­ter zu er­fas­sen22, ihn als sol­chen zu un­ter­schei­den – wenn ich den Be­zug aufs Grie­chi­sche ver­wen­de, dann weil ich weit da­von ent­fernt bin, ihn mit der Ver­wen­dung des Wor­tes par­ti­cu­lar in der Rus­sell­schen De­fi­ni­ti­on zu ver­men­gen –, den als sol­chen ‚idio­ti­schen‘ Cha­rak­ter des Ei­gen­na­mens.

Ver­su­chen wir jetzt an­zu­zei­gen, in wel­chem Sin­ne ich Sie es be­grei­fen las­sen möch­te: in dem Sin­ne, in dem ich auf der Ebe­ne der De­fi­ni­ti­on des Un­be­wuss­ten seit lan­gem die Funk­ti­on des Buch­sta­bens in­ter­ve­nie­ren las­se.

Die­se Funk­ti­on des Buch­sta­ben, ich habe sie für Sie zu­nächst auf ge­wis­ser­ma­ßen poe­ti­sche Wei­se ein­grei­fen las­sen. Das Se­mi­nar über den Ent­wen­de­ten Brief, in den al­ler­ers­ten Jah­ren un­se­rer Aus­ar­bei­tung, soll­te Sie dar­auf hin­wei­sen, dass tat­säch­lich ein lett­re – im wört­li­chen Sin­ne des Aus­drucks, ein Buchstabe/Brief, denn es han­del­te sich um ein Schrei­ben – et­was war, das wir als de­ter­mi­nie­rend be­trach­ten konn­ten, bis in die psy­chi­sche Struk­tur des Sub­jekts hin­ein.23 Eine Fa­bel, si­cher­lich, der es in ih­rer Fik­ti­ons­struk­tur aber ge­lang, die tiefs­te Wahr­heit zu er­rei­chen. Als ich ei­ni­ge Jah­re spä­ter von der In­stanz des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten sprach, habe ich durch Me­ta­pher und Me­to­ny­mie ei­nen sehr viel ge­naue­ren Ak­zent ge­setzt.24

Mit dem Aus­gangs­punkt, den wir mit der Funk­ti­on des ein­zi­gen Zugs / des Ein­zel­strichs (trait un­aire) ge­nom­men ha­ben, kom­men wir jetzt zu et­was, was es uns ge­stat­ten wird, wei­ter zu ge­hen. Ich be­haup­te, dass es eine De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens nur in dem Maße ge­ben kann, in dem wir uns das Ver­hält­nis der be­nen­nen­den Emis­si­on zu et­was klar­ma­chen, was sei­ner ra­di­ka­len Na­tur nach von der Ord­nung des Buch­sta­bens ist.

Sie wer­den mir sa­gen: Es gibt hier eine gro­ße Schwie­rig­keit, denn es gibt eine Men­ge Leu­te, die nicht le­sen kön­nen und die Ei­gen­na­men ver­wen­den, und au­ßer­dem ha­ben die Ei­gen­na­men mit­samt der durch sie be­stimm­ten Iden­ti­fi­zie­rung vor dem Er­schei­nen der Schrift exis­tiert. Un­ter die­sem Aus­druck, un­ter die­sem Re­gis­ter, Der Mensch vor der Schrift, ist ein sehr gu­tes Buch er­schie­nen, das uns den letz­ten Punkt des­sen gibt, was von der Ent­wick­lung des Men­schen vor der Ge­schich­te ge­gen­wär­tig be­kannt ist.25 Und dann, wie de­fi­nie­ren wir die Eth­no­gra­fie, von der ei­ni­ge es für plau­si­bel ge­hal­ten ha­ben, zu be­haup­ten, dass es sich im ei­gent­li­chen Sin­ne um all das han­delt, was sich von der Ord­nung der Kul­tur und der Tra­di­ti­on au­ßer­halb je­der Mög­lich­keit der Do­ku­men­ta­ti­on durch das Werk­zeug der Schrift ent­fal­tet. Ist das so wahr?„26

An­schlie­ßend emp­fiehlt La­can sei­nen Zu­hö­rern die Lek­tü­re von Ja­mes G. Fé­vri­er, His­toire de l’écriture (Payot, Pa­ris 1948).

Nach Aus­füh­run­gen zur Keil­schrift heißt es dann:

An­ders aus­ge­drückt, das Auf­kom­men der Schrift re­prä­sen­tiert Fol­gen­des. Et­was, was be­reits Schrift ist, wenn wir be­rück­sich­ti­gen, dass ihr Cha­rak­te­ris­ti­kum die Iso­lie­rung des Si­gni­fi­kan­ten­strichs (trait si­gni­fi­ant) ist, der ge­nannt wird, ge­langt dazu, die­sem be­rühm­ten Laut die­nen zu kön­nen, den Laut zu un­ter­stüt­zen, auf den Mon­sieur Gar­di­ner, was die Ei­gen­na­men be­trifft, den gan­zen Ak­zent legt.

Was folgt dar­aus? Dar­aus folgt, dass wir, wenn mei­ne Hy­po­the­se stimmt, et­was fin­den müs­sen, was ihre Gül­tig­keit un­ter­schreibt. Es gibt mehr als ei­nes, so­bald man ein­mal dar­an denkt, wim­melt es. Aber das Zu­gäng­lichs­te, das Of­fen­kun­digs­te ist das, was ich Ih­nen so­fort ge­ben wer­de, näm­lich dass ei­nes der Merk­ma­le des Ei­gen­na­mens – dar­auf wer­de ich si­cher­lich zu­rück­zu­kom­men ha­ben, in tau­send For­men, sie wer­den tau­send Be­wei­se da­für se­hen – dar­in be­steht, dass das Cha­rak­te­ris­ti­kum des Ei­gen­na­mens im­mer mehr oder we­ni­ger mit die­sen Zug (trait) ver­bun­den ist, nicht mit dem Laut, son­dern mit der Schrift ver­bun­den zu sein.

Und ei­ner der Be­wei­se, der­je­ni­ge, den ich heu­te an die ers­te Stel­le, nach vorn brin­gen möch­te, ist fol­gen­der. Wenn wir un­ent­zif­fer­te Schrift­zü­ge ha­ben, weil wir die Spra­che nicht ken­nen, die sie ver­kör­pern, sind wir ziem­lich in Ver­le­gen­heit, denn wir müs­sen war­ten, bis wir eine zwei­spra­chi­ge Auf­zeich­nung ha­ben, und auch das führt noch nicht weit, wenn wir über die Na­tur der be­tref­fen­den Spra­che, d.h. über ihre Laut­struk­tur, über­haupt nichts wis­sen. Wor­auf war­ten wir, wenn wir Kryp­to­gra­phen oder Sprach­wis­sen­schaft­ler sind? Dar­auf, in die­sem un­ent­zif­fer­ten Text et­was aus­ma­chen zu kön­nen, was ein Ei­gen­na­me sein könn­te, denn es gibt die­se Di­men­si­on, bei der man sich wun­dert, dass Mon­sieur Gar­di­ner sich nicht auf sie be­zieht – ob­wohl er doch als her­aus­ra­gen­den Ex­po­nen­ten den Be­grün­der sei­ner Wis­sen­schaft hat, Cham­pol­li­on –, dass er sich nicht dar­an er­in­nert, dass die ge­sam­te Ent­zif­fe­rung der ägyp­ti­schen Hie­ro­gly­phen mit Kleo­pa­tra und Pto­le­mai­os an­ge­fan­gen hat, weil Kleo­pa­tra in al­len Spra­chen Kleo­pa­tra ist, und Pto­le­mai­os Pto­le­mai­os.

Was ei­nen Ei­gen­na­men her­aus­hebt – trotz ei­ni­ger klei­ner An­pas­sungs­er­schei­nun­gen, man sagt ’Köln’ und ’Co­lo­gne’ –, ist dies, dass er in sei­ner Struk­tur von ei­ner Spra­che in eine an­de­re er­hal­ten bleibt. Si­cher­lich, in sei­ner Struk­tur als Laut, aber die Struk­tur als Laut zeich­net sich da­durch aus, dass wir un­ter al­len an­de­ren ge­nau sie re­spek­tie­ren müs­sen, und dies eben auf­grund der Af­fi­ni­tät des Ei­gen­na­mens zur Mar­kie­rung (mar­que), zur di­rek­ten An­brin­gung des Si­gni­fi­kan­ten an ei­nem be­stimm­ten Ge­gen­stand.

Und da­mit fal­len wir an­schei­nend auf das word for a par­ti­cu­lar zu­rück, so­gar auf die bru­tals­te Wei­se.27 Heißt das, dass ich da­mit Mon­sieur Bert­rand Rus­sell hier Recht gebe? Sie wis­sen es: si­cher­lich nicht. Denn im Zwi­schen­raum gibt es ge­nau die gan­ze Fra­ge der Ge­burt des Si­gni­fi­kan­ten, aus­ge­hend von dem, wo­von er das Zei­chen ist. Was will sie sa­gen? Hier fügt sich eine Funk­ti­on ein, näm­lich die des Sub­jekts, nicht des Sub­jekts im psy­cho­lo­gi­schen Sin­ne, son­dern des Sub­jekts im struk­tu­ra­len Sinn. Wie kön­nen wir, un­ter wel­chem Al­go­rith­mus – denn es geht um For­ma­li­sie­rung – kön­nen wir die­ses Sub­jekt plat­zie­ren? Ha­ben wir in der Ord­nung des Si­gni­fi­kan­ten ein Mit­tel, das zu re­prä­sen­tie­ren, was die Ent­ste­hung, die Ge­burt, das Auf­tau­chen des Si­gni­fi­kan­ten selbst be­trifft? Dar­auf be­zieht sich mei­ne Rede, die ich im nächs­ten Jahr wie­der auf­neh­men wer­de.“28

Ende die­ser Sit­zung.

10. Januar 1962: Die Identifizierung mit dem Eigennamen und das Subjekt

La­can be­ginnt die Fol­ge­sit­zung mit der Be­mer­kung, dass er dies­mal kei­ne Lust habe, das Se­mi­nar zu ma­chen. Dann sagt er:

Ru­fen wir in Er­in­ne­rung, was ich letz­tes Mal ge­sagt habe. Ich habe zu Ih­nen über den Ei­gen­na­men ge­spro­chen, in­so­fern wir auf un­se­rem Weg der Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts auf ihn ge­sto­ßen sind: zwei­ter Typ der Iden­ti­fi­zie­rung, re­gres­siv, mit dem ein­zi­gen Zug des An­de­ren. Be­zo­gen auf die­sen Ei­gen­na­men sind wir dar­auf ge­sto­ßen, dass er die Auf­merk­sam­keit ei­ni­ger Sprach­wis­sen­schaft­ler und Ma­the­ma­ti­ker beim Phi­lo­so­phie­ren auf sich ge­zo­gen hat. Was ist der Ei­gen­na­me? Es scheint, dass die Sa­che sich nicht beim ers­ten Zu­gang er­le­digt, aber bei dem Ver­such, die­se Fra­ge zu be­ant­wor­ten, ha­ben wir die Über­ra­schung er­lebt, die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten, zwei­fel­los im Rein­zu­stand, wie­der­zu­fin­den. Auf ge­nau die­sen Weg brach­te uns der Sprach­wis­sen­schaft­ler selbst, als er uns sag­te, ein Ei­gen­na­me sei et­was, das durch die dis­tink­ti­ve Funk­ti­on sei­nes Laut­ma­te­ri­als Gel­tung hat. Wo­mit er si­cher­lich nur das ver­dop­pelt, was zu den Prä­mis­sen der Saus­su­reschen Sprach­ana­ly­se ge­hört, näm­lich dass es das dis­tink­ti­ve Merk­mal (trait dis­tinc­tif) ist, dass es das Pho­nem ist, als ge­kop­pelt aus ei­ner Men­ge, ei­ner be­stimm­ten Bat­te­rie <von dis­tink­ti­ven Merk­ma­len>, ein­zig in­so­fern, als das Pho­nem nicht das ist, was die an­de­ren Pho­neme sind.29 Die­se Prä­mis­se, wir muss­ten hier be­zeich­nen, was das spe­zi­el­le Merk­mal (trait spe­cial) war, was der Ge­brauch ei­ner be­stimm­ten Funk­ti­on des Sub­jekts in der Spra­che war, näm­lich, eine Sa­che mit ih­rem Ei­gen­na­men zu be­nen­nen.

Es ist si­cher, dass wir uns mit die­ser De­fi­ni­ti­on nicht zu­frie­den ge­ben konn­ten, dass wir durch sie aber auf ei­nen be­stimm­ten Weg ge­bracht wur­den, und wir ha­ben uns dem zu­min­dest an­nä­hern kön­nen, es ein­krei­sen kön­nen, in­dem wir Fol­gen­des be­zeich­net ha­ben. Die Funk­ti­on der Schrift be­steht in der Funk­ti­on des Zei­chens, in­so­fern es selbst wie ein Ob­jekt ge­le­sen wird, in ei­ner Form, die in der Spra­che selbst ge­wis­ser­ma­ßen la­tent ent­hal­ten ist.

Dass die Buch­sta­ben Na­men ha­ben, ist eine Tat­sa­che. Wir ha­ben all­zu sehr die Nei­gung, sie mit den ver­ein­fach­ten Na­men zu ver­men­gen, die sie in un­se­rem Al­pha­bet ha­ben, die den An­schein ha­ben, sich mit der pho­n­ema­ti­schen Emis­si­on zu ver­men­gen, auf die der Buch­sta­be re­du­ziert wor­den ist.“30

Da­nach kom­men­tiert La­can die Na­men für die grie­chi­schen Buch­sta­ben.

Et­was spä­ter spricht er über ägyp­ti­sche Hie­ro­gly­phen, spe­zi­ell über das Ver­hält­nis zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten und der Ne­ga­ti­on. Dann heißt es:

Wenn wir aus dem Si­gni­fi­kan­ten et­was ganz an­de­res ma­chen, dann führt uns et­was, des­sen Ge­ne­se pro­ble­ma­tisch ist, auf die Ebe­ne, dass wir ein be­stimm­tes exis­ten­ti­el­les Ver­hält­nis be­fra­gen, wo­bei die­se Be­fra­gung be­reits als sol­che in ei­nem Be­zug zur Ne­ga­ti­vi­tät ver­or­tet ist. Der Mo­dus, in dem die Ne­ga­ti­on er­scheint, in dem der Si­gni­fi­kant ei­ner wirk­sa­men und er­leb­ten Ne­ga­ti­vi­tät auf­tau­chen kann, ist et­was, das ein ganz an­de­res In­ter­es­se hat. Und von da­her ist es nicht zu­fäl­lig so, dass uns das et­was klar­macht, wenn wir se­hen, dass seit den ers­ten Pro­blem­for­mu­lie­run­gen die Struk­tu­rie­rung der Spra­che iden­ti­fi­ziert wird, wenn man so sa­gen kann, mit dem Be­zugs­punkt der ers­ten Ver­bin­dung ei­ner vo­ka­len Emis­si­on mit dem Zei­chen als sol­chem, d.h. mit et­was, was sich be­reits auf eine ers­te Ob­jekt­ma­ni­pu­la­ti­on be­zieht.

Als es dar­um ging, die Ge­ne­se des Strichs (trait) zu de­fi­nie­ren, ha­ben wir das als Ver­ein­fa­chung be­zeich­net. Was gibt es Zer­stör­te­res, Aus­ge­lösch­te­res als ein Ob­jekt? Wenn der Strich aus dem Ob­jekt her­vor­geht, dann gibt es et­was vom Ob­jekt, dass vom Strich auf­be­wahrt wird, näm­lich sei­ne Ein­zel­heit (uni­cité). Das Aus­lö­schen, die ab­so­lu­te Zer­stö­rung all sei­ner an­de­ren Emer­gen­zen, all sei­ner an­de­ren Ver­län­ge­run­gen, all sei­ner an­de­ren An­häng­sel, all des­sen, was es hier an Ver­zweig­tem, an Po­chen­dem ge­ben kann, nun, die Be­zie­hung des Ob­jekts zur Ge­burt von et­was, was sich hier das Zei­chen nennt, in­so­fern es uns bei der Ge­burt des Si­gni­fi­kan­ten in­ter­es­siert, das ist es, wo­bei wir in­ne­ge­hal­ten ha­ben.

Da­bei ist es nicht ohne Ver­hei­ßung, dass wir, wenn man so sa­gen kann, eine Ent­de­ckung ge­macht ha­ben, denn ich glau­be, dass dies eine ist: die­ser Hin­weis, dass es, sa­gen wir, zu ei­ner Zeit, zu ei­nem be­stimm­ten, his­to­risch de­fi­nier­ten Zeit­punkt ei­nen Mo­ment gibt, in dem et­was da ist, um ge­le­sen zu wer­den, um mit Spra­che ge­le­sen zu wer­den, wenn es noch kei­ne Schrift gibt.

Und durch die Um­keh­rung die­ser Be­zie­hung, die­ser Be­zie­hung des Le­sens zum Zei­chen, kann dann die Schrift ent­ste­hen, in­so­fern sie dazu die­nen kann, die Pho­n­ema­ti­sie­rung zu kon­no­tie­ren.

Aber wenn auf die­ser Ebe­ne er­scheint, dass ge­nau der Ei­gen­na­me, in­so­fern er die Ver­wur­ze­lung des Sub­jekts als sol­che spe­zi­fi­ziert, spe­zi­el­ler als ein an­de­rer ver­bun­den ist nicht mit der Pho­ne­ti­sie­rung als sol­cher, mit der Struk­tur der Spra­che, son­dern mit dem, was in der Spra­che be­reits dazu be­reit steht, wenn man so sa­gen kann, die­se In­for­ma­ti­on des Zugs (trait) zu emp­fan­gen.

Wenn der Ei­gen­na­me noch bis zu uns und in un­se­rem Sprach­ge­brauch die Spur da­von in sich trägt, in der Form, dass er von ei­ner Spra­che in eine an­de­re nicht über­setzt wird, weil er schlicht über­mit­telt, über­tra­gen wird –. Und eben dies ist sein cha­rak­te­ris­ti­sches Merk­mal: in al­len Spra­chen hei­ße ich La­can, und für Sie gilt das­sel­be, für je­den mit sei­nem Na­men. Das ist kei­ne Tat­sa­che des Zu­falls, kei­ne Tat­sa­che der Be­schrän­kung, des Un­ver­mö­gens, kei­ne Tat­sa­che des Nicht-Sinns, im Ge­gen­teil, hier­in liegt, hier­auf be­ruht die ganz be­son­de­re Ei­gen­schaft des Na­mens, des Ei­gen­na­mens bei der Be­deu­tungs­ge­bung (si­gni­fi­ca­ti­on).

Gibt das nicht den An­lass, dass wir uns Fra­gen dar­über stel­len, wor­um es bei die­sem ra­di­ka­len, ar­chai­schen Punkt geht, den wir mit al­ler Not­wen­dig­keit am Ur­sprung des Un­be­wuss­ten an­neh­men müs­sen? Das heißt des­sen, wo­durch das Sub­jekt, wenn es spricht, sich in der Ket­te im­mer nur wei­ter vor­wärts be­we­gen kann, im Ab­rol­len der Aus­sa­gen (énon­cés). Je­doch, wenn es sich auf die Aus­sa­gen rich­tet, eli­diert es auf­grund eben die­ser Tat­sa­che et­was in der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on), was im ei­gent­li­chen Sin­ne des Wor­tes das ist, was es nicht wis­sen kann, näm­lich den Na­men des­sen, was es als Sub­jekt der Äu­ße­rung ist.

Im Äu­ße­rungs­akt gibt es die­se la­ten­te Be­nen­nung, die sich als der ers­te Kern, als Si­gni­fi­kant des­sen auf­fas­sen lässt, was sich dann als eine sich dre­hen­de Ket­te or­ga­ni­sie­ren wird, wie ich es Ih­nen im­mer schon dar­ge­stellt habe, die­ses Zen­trums, die­ses spre­chen­den Her­zens des Sub­jekts, das wir das Un­be­wussste nen­nen.“31

Das an­schlie­ßen­de The­ma ist Freuds ers­te To­pik mit den Sys­te­men Un­be­wuss­tes – Vor­be­wuss­tes – Be­wuss­tes.

Spä­ter in die­ser Sit­zung spricht La­can über die phi­lo­so­phi­sche Er­fah­rung, die Des­car­tes bei der Er­for­schung des Sub­jekts ge­macht hat. Was hier be­fragt wird, ist, ob man dem An­de­ren ver­trau­en kann, also ob das, was das Sub­jekt als Zei­chen von au­ßen be­kommt, ein zu­ver­läs­si­ges Zei­chen ist.

Das „ich den­ke“ ist ein Nicht-Sinn, es hat nicht mehr Sinn als das „ich lüge“. Das „also bin ich“ ist nicht die Kon­se­quenz, die das Sub­jekt dar­aus zieht, son­dern dies, dass es, wenn es ein­mal wahr­haft zu den­ken be­gon­nen hat, nichts tun kann als zu den­ken. An­ders ge­sagt, wenn das un­mög­li­che „ich den­ke“ in die Ord­nung des Vor­be­wuss­ten über­ge­gan­gen ist, im­pli­ziert dies, dass das „ich den­ke“ auf ein „ich bin“ als Si­gni­fi­kat ver­weist – als Si­gni­fi­kat, nicht als on­to­lo­gi­sche Be­stim­mung. Die­ses „ich bin“ ist von da an das X des Sub­jekts, das wir su­chen, d.h. des­sen, was es am An­fang gibt, da­mit sich die Iden­ti­fi­zie­rung des „ich den­ke“ her­stel­len kann.

Das setzt sich fort: „ich den­ke, dass ich den­ke, dass ich bin“ usw., ich bin ein pen­sêt­re, ein Denk­we­sen, oder ein êtrepensant, ein Den­ken­des­we­sen. Wenn ich den­ke, dass ich den­ke, dann muss ich er­fas­sen, dass das „ich den­ke“, das am Ende mei­nes Den­kens über mein Den­ken steht, selbst ein „ich den­ke“ ist, wel­ches das „ich den­ke, also bin ich“ re­pro­du­ziert.

La­can stellt die­se Dy­na­mik des „ich den­ke als bin ich“ als eine Art Ket­ten­bruch dar, der von un­ten nach oben und von rechts nach links zu le­sen ist, und bei dem das „also“ durch ei­nen von rechts nach links zei­gen­den Pfeil re­prä­sen­tiert wird, durch ←.

Ich denke also bin ich als KettenbruchGeht das im­mer so wei­ter? Si­cher­lich nicht. Aber wie kommt es zu ei­nem Ab­schluss? La­can ver­weist hier­zu auf sei­nen Auf­satz Die lo­gi­sche Zeit und die As­ser­ti­on der an­ti­zi­pier­ten Ge­wiss­heit (1945)32; et­was Ähn­li­ches ge­schieht hier.

Dann sagt er:

Mit 1 stel­len wir die­ses ‚ich den­ke‘ dar, ich wie­der­ho­le es für Sie, in­so­fern es uns nur in­so­fern in­ter­es­siert, als es in Be­zie­hung zu dem steht, was beim Ur­sprung der Be­nen­nung ge­schieht, in­so­fern es das ist, was an der Ge­burt des Sub­jekts be­tei­ligt ist: das Sub­jekt ist das, was was sich be­nennt / was be­nannt wird (qui se nom­me).

Wenn sich zu be­nen­nen zu­erst et­was ist, was mit dem Le­sen des Ein­ser-Strichs (trait 1) zu tun hat, der die ab­so­lu­te Dif­fe­renz be­zeich­net, dann kön­nen wir uns fra­gen, wie die Art von ‚ich bin‘ zu chif­frie­ren ist, das sich hier ge­wis­ser­ma­ßen rück­wir­kend her­stellt, ein­fach durch die Re­pro­ji­zie­rung des­sen, was sich als Si­gni­fi­kat des ‚ich den­ke‘ kon­sti­tu­iert, näm­lich die­sel­be Sa­che, das Un­be­kann­te des­sen, was in Ge­stalt des Sub­jekts am Ur­sprung ist.“33

Das „ich bin“ (das Si­gni­fi­kat, das Sub­jekt als un­be­kann­te Grö­ße) wird dann von La­can durch den Buch­sta­ben i re­prä­sen­tiert. Er weist dar­auf hin, dass i das üb­li­che ma­the­ma­ti­sche Sym­bol für die ima­gi­nä­re Zahl ist, also für \sqrt {-1}.

Der „Ket­ten­bruch“ des „ich den­ke, also bin ich“ wird dann ge­wis­ser­ma­ßen ins Ma­the­ma­ti­sche über­setzt:

Kettenbruch i + 1 (zu: Jacques Lacan über Eigennamen)Die­ser Aus­druck wird dann als pe­ri­odi­sche Rei­he ge­deu­tet:

Kettenbruch - erster Term usw (zu: Jacques Lacan über Eigennamen)La­can er­läu­tert den letz­ten Aus­druck so:

Sie wer­den pe­ri­odisch, d.h. je­des drit­te Mal in der Rei­he, den sel­ben Wert wie­der­fin­den, die sel­ben drei Wer­te, die ich Ih­nen an­ge­ben wer­de.

Der ers­te Wert ist (i + 1), das heißt der Punkt des Rät­sels, an dem wir sind, um uns zu fra­gen, wel­chen Wert wir wohl dem i ge­ben könn­ten, um das Sub­jekt als Sub­jekt vor je­der Be­nen­nung zu kon­no­tie­ren \frac {\text {I}}{\text {O}}ein Pro­blem, das uns be­schäf­tigt.

Der zwei­te Wert, den Sie fin­den wer­den, näm­lich i + \frac {\text {1}}{\text {i + 1}}, ist streng mit \frac {\text {i + 1}}{\text {2}} gleich, und das ist ziem­lich in­ter­es­sant, denn die ers­te Sa­che, der wir be­geg­nen wer­den, ist fol­gen­de. Die we­sent­li­che Be­zie­hung des­sen, was wir su­chen, näm­lich des Sub­jekts, be­vor es sich be­nennt, zu dem Ge­brauch, den es von sei­nem Na­men ma­chen kann, weil die­ser ganz ein­fach der Si­gni­fi­kant des­sen ist, was es zu si­gni­fi­zie­ren gibt, die Fra­ge des Si­gni­fi­kats also, die Fra­ge die­ser Ad­di­ti­on von sich selbst zu sei­nem Ei­gen­na­men, die we­sent­li­che Be­zie­hung be­steht un­mit­tel­bar dar­in, eine Auf­split­te­rung zu be­wir­ken, in zwei Tei­le zu tei­len, her­bei­zu­füh­ren, dass nur eine Hälf­te von dem bleibt, wört­lich von \frac {\text {i + 1}}{\text {2}}, was vor­ge­ge­ben war.

Mei­ne Wor­te sind, wie Sie se­hen kön­nen, nicht vor­be­rei­tet, sie sind aber den­noch wohl­be­rech­net; im­mer­hin sind die­se Din­ge die Frucht ei­ner Aus­ar­bei­tung, die ich durch sechs­und­drei­ßig Ein­tritts­tü­ren wie­der­auf­ge­nom­men habe, wo­bei ich mich ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Kon­trol­len ver­si­chert habe, wes­halb ich auf den We­gen, die fol­gen wer­den, eine ge­wis­se An­zahl von Wei­chen­stel­lun­gen habe.

Der drit­te Wert – das heißt, wenn Sie das Ende der Rei­he dort fest­hal­ten – wird ganz ein­fach 1 sein, was für uns von vie­len Sei­ten her den Wert ei­ner ab­schlie­ßen­den Be­stä­ti­gung ha­ben kann. Ich will sa­gen, wenn es in der drit­ten Pha­se ist – merk­wür­dig, eine Pha­se, in Be­zug auf die gilt, dass kei­ne phi­lo­so­phi­sche Me­di­ta­ti­on uns ge­drängt hat, spe­zi­ell bei ihr in­ne­zu­hal­ten, näm­lich bei der Pha­se des ‚ich den­ke‘, in­so­fern es selbst Ge­gen­stand des Den­kens ist und sich zum Ob­jekt nimmt –, wenn es uns also in die­sem Mo­ment zu ge­lin­gen scheint, die­se be­rühm­te Ein­heit zu er­rei­chen, de­ren Cha­rak­ter nicht zwei­fel­haft ist – dass sie hin­reicht, um was auch im­mer zu de­fi­nie­ren – , aber in Be­zug auf die wir uns fra­gen kön­nen, ob es hier­bei wohl um die­sel­be Ein­heit geht wie der, um die es an­fangs ging, näm­lich bei der ur­sprüng­li­chen und aus­lö­sen­den Iden­ti­fi­zie­rung.

Zu­min­dest ist nö­tig, dass ich die­se Fra­ge für heu­te of­fen las­se.“34

Dies ist das Ende der Sit­zung.

Zusammenfassung

Die Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern sind von mir, RN.

I. Rahmen

· Thema ist die Identifizierung mit dem einzigen Zug des Anderen.

La­can in­ter­es­siert sich für den Ei­gen­na­men aus­ge­hend von der Fra­ge der Iden­ti­fi­zie­rung; da­bei geht es um den zwei­ten Typ der Iden­ti­fi­zie­rung: um die re­gres­si­ve Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug des An­de­ren. [Vgl. hier­zu den Blog­ar­ti­kel Mein ein­zi­ger Zug; in den Fuß­no­ten des Ar­ti­kels fin­det man An­ga­ben zu den wich­tigs­ten Stel­len bei Freud und La­can.]35

Das Sub­jekt ist aus­ge­hend vom Si­gni­fi­kan­ten zu be­stim­men. Das Sub­jekt ist ein Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt.36 Der Si­gni­fi­kant ist der Be­fes­ti­gungs­punkt für das, von wo aus das Sub­jekt sich kon­sti­tu­iert. Ge­meint ist hier nicht das psy­cho­lo­gi­sche Sub­jekt, nicht das Sub­jekt der Psy­cho­lo­gie, son­dern das struk­tu­ra­le Sub­jekt, das Sub­jekt, in­so­fern es durch eine Struk­tur be­stimmt ist.37

Die exis­ten­ti­el­le Be­zie­hung des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten ist in ei­nem Be­zug zur Ne­ga­ti­vi­tät ver­or­tet. [Das Sub­jekt geht nicht in der Iden­ti­fi­zie­rung auf, es ist nicht die Iden­ti­fi­zie­rung, die Iden­ti­fi­zie­rung er­zeugt kei­ne Iden­ti­tät.]38

In frü­he­ren Ar­bei­ten hat­te La­can das Sub­jekt als me­to­ny­mi­schen und als me­ta­pho­ri­schen Si­gni­fi­kan­ten­ef­fekt dar­ge­stellt, jetzt geht es um et­was Grund­le­gen­de­res [näm­lich um den trait un­aire, den einzigen/einzelnen Zug].39

Die Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts ist vom Si­gni­fi­kan­ten ab­hän­gig, der Si­gni­fi­kant ist die Stüt­ze der Iden­ti­tät; die Iden­ti­fi­zie­rung ist vom Si­gni­fi­kan­ten ab­hän­gig: näm­lich vom Si­gni­fi­kan­ten im Un­ter­schied zum Zei­chen.40 Das Zei­chen be­zieht sich auf eine ers­te Ob­jekt­ma­ni­pu­la­ti­on. [Das Ver­hält­nis zwi­schen Zei­chen und Ob­jekt­ma­ni­pu­la­ti­on ist mir nicht klar.]41

Ein Bei­spiel für die grund­le­gen­de Iden­ti­fi­zie­rung fin­det man in der Fall­ge­schich­te des klei­nen Hans, wo Hans sich vor­stellt, dass er sich auf eine „zer­wu­zel­te“ (zer­knüll­te) Gi­raf­fe setzt, auf die Gi­raf­fe, die nicht die Mut­ter ist (die Mut­ter ist die gro­ße Gi­raf­fe). Die grund­le­gen­de Iden­ti­fi­zie­rung des Kin­des ist eine Ab­wehr ge­gen das ur­sprüng­li­che Ge­fan­gen­sein des Kin­des in der Welt der Mut­ter. [Ist hier die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung im Sin­ne Freuds ge­meint?]42

· Der Satz der Identität, A = A, ist unwahr, denn er beruht auf dem Buchstaben, und der Buchstabe ist differentiell, also nicht mit sich selbst identisch.

Der Si­gni­fi­kant ist nicht mit sich selbst iden­tisch, des­halb ist „A ist A“ – also der Satz der Iden­ti­tät – nicht wahr.43

Mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter“ ist kei­ne Tau­to­lo­gie. Das ers­te „mein Groß­va­ter“ und das zwei­te „mein Groß­va­ter“ ha­ben un­ter­schied­li­che Funk­tio­nen. Wenn ich sage, „Mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter“ ist ge­meint: „Dies ist mein Groß­va­ter“ oder „Émi­le La­can ist mein Groß­va­ter“. In „Mein Groß­va­ter ist mein Groß­va­ter“ kann das ers­te „mein Groß­va­ter“ also durch „dies“ er­setzt wer­den (durch ei­nen in­de­xi­ka­li­schen Aus­druck) oder durch ei­nen Ei­gen­na­men.44

Das heißt aber nicht, dass ein in­de­xi­ka­li­scher Aus­druck wie „die­ses“ und ein Ei­gen­na­me zur sel­ben Ka­te­go­rie ge­hö­ren, wie Bert­rand Rus­sell be­haup­tet.45

Der Grund da­für, dass „A ist A“ un­wahr ist, ist aber ra­di­ka­ler. Er be­steht nicht ein­fach dar­in, dass die bei­den Ter­mi­ni un­ter­schied­li­che Be­deu­tun­gen ha­ben.46

Um den Satz der Iden­ti­tät, also „A ist A“, zu for­mu­lie­ren, braucht man Buch­sta­ben.47

Ein Si­gni­fi­kant ist das, was die an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten nicht sind, wie Saus­su­re ge­sagt hat. Des­halb kann er nicht er selbst sein. Ein Si­gni­fi­kant ist nicht iden­tisch mit sich selbst.48

[Be­zo­gen auf den Ei­gen­na­men ent­spricht der Satz der Iden­ti­tät der Vor­stel­lung, dass der Ei­gen­na­me der ganz und gar ei­ge­ne Name ist; der Satz der Iden­ti­tät ist un­wahr meint hier: der Ei­gen­na­me ist et­was, was ge­ge­ben wird, ver­lie­hen wird. Vgl. hier­zu die Aus­füh­run­gen zum Ei­gen­na­men in Se­mi­nar 12.]

II. Analytikern ist die Relevanz des Eigennamens vertraut.

Als Ana­ly­ti­ker kennt man die Be­deu­tung des Ei­gen­na­mens. Zur Fra­ge des Ei­gen­na­mens kön­nen Ana­ly­ti­ker viel bei­steu­ern. [Dies ist ein Fak­tum, das hier von La­can schlicht vor­aus­ge­setzt wird. Ein wich­ti­ger Be­zugs­text für die Psy­cho­ana­ly­se sind Freuds Aus­füh­run­gen über das Ver­ges­sen des Ei­gen­na­mens Si­gno­rel­li, zu­erst in ei­nem Auf­satz von 1898, dann auf­ge­nom­men in Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens (1904).49

III. Der Eigenname ist ein Buchstabe.

· Lacans Abstoßungspunkt für die Definition des Eigennamens ist Gardiners Definition, wonach der Eigenname sich durch die Aufmerksamkeit auf den Laut auszeichnet.

Um dem Ei­gen­na­men sein gan­zes Ge­wicht ge­ben zu kön­nen, soll­te der Ana­ly­ti­ker sich auf das be­zie­hen, was der Sprach­wis­sen­schaft­ler hier­über zu sa­gen hat, nicht um ihm in al­lem zu fol­gen, son­dern als Kor­rek­tiv.50

La­can be­zieht sich spe­zi­ell auf die Schrift von Alan H. Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes (1940, 1954), eine Kri­tik an Bert­rand Rus­sells Theo­rie des Ei­gen­na­mens in The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism (1918).51

Rus­sel ar­bei­tet mit dem Ge­gen­satz von Ei­gen­na­men und de­scrip­ti­ons (Be­schrei­bun­gen). Ein Ei­gen­na­me ist für Rus­sell a word for a par­ti­cu­lar, ein Wort für ein In­di­vi­du­um, für ein Ein­zel­ding; der ty­pi­sche Ei­gen­na­me ist des­halb für ihn das De­mons­tra­tiv­pro­no­men, etwa „die­ses“, da es auf et­was ein­zel­nes ver­weist. Das Wort „So­kra­tes“ hin­ge­gen ist für Rus­sell kein Ei­gen­na­me, son­dern eine ab­ge­kürz­te Be­schrei­bung [eine ab­ge­kürz­te de­fi­ni­te de­scrip­ti­on, eine ab­ge­kürz­tes Kenn­zeich­nung]. So­kra­tes lebt nicht mehr, wir be­zie­hen uns auf ihn des­halb in der Wei­se, dass wir ihn als „Der Leh­rer von Pla­ton“ usw. be­schrei­ben [also durch de­fi­ni­te de­scrip­ti­ons, Kenn­zeich­nun­gen]. Rus­sell un­ter­schei­det den Ei­gen­na­men also ra­di­kal von al­lem, was mit Be­grif­fen zu tun hat.52

Das ist eine Kon­zep­ti­on des Ei­gen­na­mens, sagt La­can, die sich vom Sprach­be­wusst­sein weit ent­fernt hat.53

In den Princi­pia ma­the­ma­ti­ca hat­te Rus­sell die ma­the­ma­ti­sche Er­fah­rung auf die Lo­gik re­du­ziert, d.h. auf ein Spiel von Buch­sta­ben. Was je­doch den Ei­gen­na­men an­geht, sieht er al­les, nur nicht dies: die Be­zie­hung des Sub­jekts zum Buch­sta­ben.54

Das Ein­zel­ne im Sin­ne von Rus­sell, näm­lich par­ti­cu­lar, ist et­was an­de­res als das Ei­ge­ne im Ei­gen­na­men, oder um es auf auf Grie­chisch zu for­mu­lie­ren, als das idi­on in idi­on ono­ma, „ei­ge­ner Name“.55

Gar­di­ner stützt sich in sei­ner Rus­sell-Kri­tik auf John Stuart Mill (A sys­tem of lo­gic, 1843, dar­in Buch I, Ka­pi­tel 2, On na­mes, § 5). Mill un­ter­schei­det den Ei­gen­na­men vom Ge­mein­na­men. Der Ge­mein­na­me be­zieht sich auf den Sinn, der Ei­gen­na­me be­zieht sich nicht auf den Sinn, er funk­tio­niert viel­mehr wie eine Mar­kie­rung, die an ei­nem Ge­gen­stand an­ge­bracht wur­de. Zur Il­lus­tra­ti­on ver­weist Mill auf das Mär­chen Ali Baba und die vier­zig Räu­ber. Alis Feind bringt ein Krei­de­zei­chen an des­sen Tür an, um das Haus wie­der­fin­den zu kön­nen, und um ihn dann zu tö­ten. Die Skla­vin Mor­gia­na ver­hin­dert das, in­dem sie die Häu­ser der Nach­bar­schaft eben­falls mit dem Krei­de­zei­chen mar­kiert. Gar­di­ner weist dar­auf hin, dass Ei­gen­na­men dif­fe­ren­ti­ell funk­tio­nie­ren und dass Mills Ver­an­schau­li­chung bes­ser ge­we­sen wäre, wenn er Mor­gia­na un­ter­schied­li­che Krei­de­zei­chen hät­te an­brin­gen las­sen.56

Gar­di­ner weist auch dar­auf hin, dass Ei­gen­na­men oft ei­nen Sinn ha­ben, der Ei­gen­na­me Smith meint auch den Schmied.57

Gar­di­ner de­fi­niert den Ei­gen­na­men so: Ein Ei­gen­na­me zeich­net sich da­durch aus, dass bei sei­ner Ver­wen­dung der Ak­zent nicht auf den Sinn ge­legt wird, son­dern auf den Laut, in­so­fern der Laut dis­tink­tiv ist. Nun gilt aber seit Saus­su­re (sagt La­can), dass die Spra­che ins­ge­samt auf dis­tink­ti­ven Lau­ten be­ruht. Gar­di­ner weiß das und prä­zi­siert sei­ne De­fi­ni­ti­on des­halb so: Ein Ei­gen­na­me zeich­net sich da­durch aus, dass bei sei­ner Ver­wen­dung die Auf­merk­sam­keit auf die Laut­dif­fe­renz ge­legt wird.58

La­can merkt hier­zu an, dass Gar­di­ners De­fi­ni­ti­on ei­nen Fort­schritt dar­stellt. Gar­di­ner bringt die Di­men­si­on des Si­gni­fi­kan­ten ins Spiel; das Sub­jekt muss durch sein Ver­hält­nis zum Si­gni­fi­kan­ten be­stimmt wer­den, und Gar­di­ner geht ei­nen Schritt in die­se Rich­tung. Das Sub­jekt muss durch sein Ver­hält­nis zum Si­gni­fi­kan­ten be­stimmt wer­den, das heißt al­ler­dings nicht, dass es sich mit dem Si­gni­fi­kan­ten ver­mengt, es ent­wi­ckelt sich durch den Be­zug auf den Si­gni­fi­kan­ten.59

Gar­di­ners De­fi­ni­ti­on ist für La­can je­doch nicht ak­zep­ta­bel. Ers­ter Ein­wand: Wenn ich ei­nen Ei­gen­na­men aus­spre­che, len­ke ich die Auf­merk­sam­keit für ge­wöhn­lich kei­nes­wegs auf die Laut­sei­te. Zwei­tens aber, und die­ser Ein­wand ist für ihn wich­ti­ger: Mit dem Be­griff der Auf­merk­sam­keit wird ein psy­cho­lo­gi­scher Ge­sichts­punkt in die Sprach­wis­sen­schaft ein­ge­bracht. 60 De­ren me­tho­di­sches Prin­zip be­steht je­doch dar­in, psy­cho­lo­gi­sche As­pek­te so weit wie mög­lich zu­rück­zu­drän­gen. Das heißt für La­can: Das Sub­jekt muss durch den Be­zug zum Si­gni­fi­kan­ten er­fasst wer­den, aber auf eine Wei­se, die nicht psy­cho­lo­gisch ist, und das heißt: die for­ma­li­sier­bar ist. 61

· Lacans Alternativthese lautet: Der Eigenname muss durch den Bezug auf den Buchstaben bestimmt werden.

Der Ei­gen­na­me muss durch den Be­zug auf den Buch­sta­ben de­fi­niert wer­den. Ei­nes der Merk­ma­le des Ei­gen­na­mens be­steht dar­in, dass er mit der Schrift ver­bun­den ist, nicht mit dem Laut.62

Ein Be­leg für den Zu­sam­men­hang von Ei­gen­na­me und Schrift ist fol­gen­der: Bei der Ent­zif­fe­rung von bis­lang un­be­kann­ten Schrif­ten sucht man nach Ei­gen­na­men. Cham­pol­li­on hat die Hie­ro­gly­phen aus­ge­hend von den Ei­gen­na­men „Kleo­pa­tra“ und „Pto­le­mai­os“ ent­zif­fert.63

· Der Buchstabe wiederum ist vom Einzelstrich (trait unaire) her zu begreifen; er ist so etwas wie das Anbringen einer Markierung.

Man darf den Buch­sta­ben nicht auf die pho­n­ema­ti­sche Emis­si­on re­du­zie­ren. [An­ders ge­sagt: man darf ihn nicht von den pho­no­lo­gisch ori­en­tier­ten Schrift­sys­te­men her be­grei­fen, wie der grie­chi­schen oder der la­tei­ni­schen Schrift.]64

La­can er­in­nert dar­an, dass er den Be­griff des Buch­sta­bens be­reits in Se­mi­nar 2, in der Sit­zung über Poe (1955) ver­wen­det hat­te, so­wie im Poe-Auf­satz (1957) und in Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten (1957). Jetzt soll der Buch­sta­be noch grund­le­gen­der be­grif­fen wer­den, aus­ge­hend vom trait un­aire, vom ein­zi­gen Zug bzw. ein­zel­nen Zug bzw. Ein­zel­strich.65 [Die Ele­men­tar­form des Buch­sta­bens ist für La­can also der Strich, z.B. die Ker­be auf ei­nem Kerb­stock.66]

Der Strich (trait) ist eine Ver­ein­fa­chung, er be­ruht auf der Zer­stö­rung des Ob­jekts; je­doch wird vom Ob­jekt et­was auf­be­wahrt: sei­ne Ein­zel­heit (uni­cité). [Im Rom­vor­trag hat­te La­can er­klärt, das Sym­bol sei der Mord am Ding (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel); jetzt wird der Strich zum Mord am Ding.] [Un­ter uni­cité ver­steht La­can hier nicht die Ein­ma­lig­keit (das wäre sin­gu­la­rité), auch nicht den To­ta­li­täts­cha­rak­ter (das wäre unité), son­dern dies, dass das Ob­jekt ein zähl­bar Ein­zel­nes ist, eins von meh­re­ren.]67

Beim Ei­gen­na­men geht es also um die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten im Rein­zu­stand. [Der Si­gni­fi­kant im Rein­zu­stand, die pure Dif­fe­ren­tia­li­tät, ist dem­nach der Ein­zel­strich.] Beim Ei­gen­na­men geht es dar­um, dass et­was wie eine Mar­kie­rung an­ge­bracht wird.68

· Es gibt nämlich eine Schrift vor der phonem-orientierten Schrift: den Signifikantenstrich.

Was die his­to­ri­sche Ent­wick­lung der Schrift an­geht, so muss man zwei Pha­sen un­ter­schei­den: eine ers­te Pha­se, in der der Si­gni­fi­kan­ten­strich (trait si­gni­fi­ant) iso­liert wird, und eine zwei­te, in der er dazu dient, den Laut zu un­ter­stüt­zen.69

Es gab ei­nen be­stimm­ten his­to­ri­schen Zeit­punkt, an dem es et­was gab, was ge­le­sen wur­de, mit Spra­che ge­le­sen wur­de, was aber noch kei­ne Schrift war. Die Schrift, die sich auf die Pho­n­ema­ti­sie­rung be­zieht, ent­stand durch die Um­keh­rung die­ser Be­zie­hung. [Als Bei­spiel für die ers­te Schrift­form den­ke man an die Strich­lis­te. Sie wird mit Spra­che ge­le­sen, der Spre­cher sagt bei­spiels­wei­se: „Der ers­te Strich steht da­für, wie ich die An­ti­lo­pe am See ge­tö­tet habe, der nächs­te für die ge­fleck­te An­ti­lo­pe, die die ich da­nach er­wischt habe“, usw. Die Be­zie­hung zur Schrift ist in die­sem Fall aber nicht pho­no­lo­gisch ori­en­tiert, der Strich be­zieht sich nicht auf die Lau­te ei­nes Laut­sys­tems, er funk­tio­niert also bei­spiels­wei­se nicht wie der Buch­sta­be i.]70

Der Strich als Ele­men­tar­form des Buch­sta­bens ist in der [ge­spro­che­nen] Spra­che be­reits la­tent ent­hal­ten. [Man muss also drei Ebe­nen des Buch­sta­bens un­ter­schei­den:
– den in der ge­spro­che­nen Spra­che la­tent ent­hal­te­nen Strich/Zug als Buch­sta­ben,
– den his­to­risch rea­li­sier­ten Strich, etwa in ei­ner Strich­lis­te, als nicht-pho­no­lo­gi­schen Buch­sta­ben,
– den pho­no­lo­gisch ori­en­tier­ten Buch­sta­ben.]71

Der Strich / Zug (trait) ist die ab­so­lu­te Dif­fe­renz. [Of­fen­kun­dig hat Der­ri­da sich von die­sem Se­mi­nar in­spi­rie­ren las­sen.]72

· Der Buchstaben- oder Markierungscharakter des Eigennamens zeigt sich darin, dass er beim Wechsel von einer Sprache in eine andere erhalten bleibt.

Was den Ei­gen­na­men aus­zeich­net, ist, dass sei­ne Laut­struk­tur von ei­ner Spra­che in eine an­de­re er­hal­ten bleibt.73 Der Ei­gen­na­me wird von ei­ner Spra­che in eine an­de­re nicht über­setzt, von klei­nen An­pas­sun­gen ab­ge­se­hen; dies ist kei­ne Be­schrän­kung, son­dern dar­auf be­ruht die Ei­gen­schaft des Na­mens bei der Be­deu­tungs­ge­bung.74

Die Nicht-Über­set­zung des Ei­gen­na­mens be­ruht auf der Af­fi­ni­tät des Ei­gen­na­mens zur Mar­kie­rung, zur di­rek­ten An­brin­gung ei­nes Si­gni­fi­kan­ten an ei­nem Ge­gen­stand.75

Dem ent­spricht im Feld der Psy­cho­ana­ly­se, dass es im Un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten gibt, die kei­ne Be­deu­tung ha­ben, kei­ne Si­gni­fi­ka­te, die also rei­ne Si­gni­fi­kan­ten sind. Die­se rei­nen Si­gni­fi­kan­ten bil­den den ers­ten Kern des Un­be­wuss­ten.76

· Die Schrift beruht darauf, dass das Zeichen wie ein Objekt gelesen wird.

Die Funk­ti­on der Schrift be­steht dar­in, dass das Zei­chen wie ein Ob­jekt ge­le­sen wird. Die­se Form ist in der Spra­che ge­wis­ser­ma­ßen la­tent ent­hal­ten. [Ich neh­me an, dass „Zei­chen“ hier „Si­gni­fi­kant“ meint. Lau­te sind flüch­tig, sie sind kei­ne ma­ni­pu­lier­ba­ren Ob­jek­te, Buch­sta­ben hin­ge­gen kön­nen wie Din­ge ge­hand­habt wer­den.]77

IV. Das Verhältnis zwischen Eigenname und Subjekt ist ähnlich wie das Verhältnis zwischen „ich denke“ und „ich bin“ in Descartes Cogito und wie das Verhältnis zwischen 1 und i in der Zahlenwelt.

Es geht also um das Ver­hält­nis zwi­schen zwei Grö­ßen: zwi­schen dem Sub­jekt, in­so­fern es sich mit sei­nem Ei­gen­na­men be­nennt, sich iden­ti­fi­ziert, und dem Sub­jekt, be­vor es sich be­nannt hat.78

La­can par­al­le­li­siert das Ver­hält­nis zwi­schen Iden­ti­fi­zie­rung und Sub­jekt mit dem Car­te­si­schen Co­gi­to, also mit dem Satz „ich den­ke, also bin ich“:
– Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug ent­spricht dem „ich den­ke“.
– Das un­be­kann­te Sub­jekt vor der Be­nen­nung, das ge­sucht wird, ent­spricht dem „also bin ich“.79

Die Be­zie­hung zwi­schen die­sen bei­den Grö­ßen er­läu­tert La­can durch eine ma­the­ma­ti­sche Ana­lo­gie:
– Die Selbst­be­nen­nung mit dem Ei­gen­na­men ent­spricht der 1 (der Zahl 1).
– Das Sub­jekt, be­vor es be­nannt wird, ent­spricht dem i (der ima­gi­nä­ren Zahl i, also \sqrt {-1}). [Die ima­gi­nä­re Zahl ist eine Zahl, die im Zah­len­sys­tem ei­gent­lich nicht ent­hal­ten ist, da das Qua­drat ei­ner Zahl im­mer ein po­si­ti­ver Wert ist. In die­sem Sin­ne ist eine ima­gi­nä­re Zahl eine un­mög­li­che Zahl.]80

Dies ist eine we­sent­li­che Spal­tung.81

Da­bei hat die 1 zwei Exis­ten­zwei­sen: die ur­sprüng­li­che aus­lö­sen­de Iden­ti­fi­zie­rung und die 1 als Er­geb­nis ei­ner pe­ri­odisch sich wie­der­ho­len­den Rei­he.
[Man muss also zwei Exis­ten­zwei­sen der 1 un­ter­schei­den, die pri­mä­re 1 und die se­kun­dä­re 1. La­can deu­tet hier eine Ge­ne­se an:
Ers­ter Schritt: die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung, sym­bo­li­siert durch die pri­mä­re 1.
Zwei­ter Schritt: rück­wir­ken­de Be­stim­mung des Sub­jekts als das, was vor die­ser pri­mä­ren Iden­ti­fi­zie­rung war, sym­bo­li­siert durch i.
Drit­ter Schritt: die se­kun­dä­re Iden­ti­fi­zie­rung, be­spiels­wei­se mit dem Ei­gen­na­men, sym­bo­li­siert durch die se­kun­dä­re 1.]82

V. Zusammenfassende Formel für die Identifizierung: Il y a la trace d’un pas, Es gibt die Spur eines nicht / eines Schritts.

Bei der Iden­ti­fi­zie­rung geht es um dies: il y a la trace d’un pas, „es gibt die Spur ei­nes Schritts / ei­nes nicht“; hier­bei geht es um den Ab­stand zwi­schen pas im Sin­ne des Schritts und pas im Sin­ne der Ne­ga­ti­on. [Die Spur ent­spricht der Mar­kie­rung, also der di­rek­ten An­brin­gung ei­nes Si­gni­fi­kan­ten an ei­ner „Sa­che“ (die erst hier­durch zu ei­ner Sa­che wird); bei Freud ist dies die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung. Durch die Spur ent­steht das Sub­jekt als Feh­len, als Man­gel; dies ent­spricht dem pas im Sin­ne der Ne­ga­ti­on, sym­bo­li­siert durch i als ima­gi­nä­re Zahl. Das pas im Sin­ne des Schritts ent­spricht, so neh­me ich an, der se­kun­dä­ren Iden­ti­fi­zie­rung mit dem trait un­aire, dem ein­zi­gen Zug.]83

Anhang

Mill über den Eigennamen

La­can be­zieht sich auf die fol­gen­de Pas­sa­ge aus John Stuart Mill, A sys­tem of lo­gic (ich zi­tie­re zu­erst die eng­li­sche Fas­sung von 1843, dann die Über­set­zung von Schiel):

Englisch

If like the rob­ber in the Ara­bi­an Nights we make a mark with chalk on a hou­se to en­ab­le us to know it again, the mark has a pur­po­se, but it has not pro­per­ly any me­a­ning. The chalk does not de­cla­re any­thing about the hou­se; it does not mean, This is such a person’s hou­se, or This is a hou­se which con­ta­ins a boo­ty. The ob­ject of ma­king the mark is me­rely dis­tinc­tion. I say to mys­elf, All the­se hou­ses are so ne­ar­ly ali­ke that if I lose sight of them I shall not again be able to dis­tin­guish that which I am now loo­king at, from any of the others; I must the­re­fo­re cont­ri­ve to make the ap­pearan­ce of this hou­se un­li­ke that of others, that I may here­af­ter know when I see the mark – not in­de­ed any at­tri­bu­te of the hou­se – but sim­ply that it is the same hou­se that I am loo­king at. Mor­gia­na chal­ked all the other hou­ses in a si­mi­lar man­ner, and de­fea­ted the sche­me: how? sim­ply by ob­li­te­ra­ting the dif­fe­rence of ap­pearan­ce bet­ween that hou­se and the others. The chalk was still the­re, but it no lon­ger ser­ved the pur­po­se of a dis­tinc­tive mark.

When we im­po­se a pro­per name, we per­form an ope­ra­ti­on in some de­gree ana­lo­gous to what the rob­ber in­ten­ded in chal­king the hou­se. We put a mark, not in­de­ed upon the ob­ject its­elf, but, so to speak, upon the idea of the ob­ject. A pro­per name is but an un­me­a­ning mark which we con­nect in our mind with the idea of the ob­ject in or­der that whene­ver the mark meets our eyes or oc­curs to our thoughts, we may think of that in­di­vi­du­al ob­ject. Not being at­ta­ched to the thing its­elf, it does not, like the chalk, en­ab­le us to dis­tin­guish the ob­ject when we see it, but it en­ab­les us to dis­tin­guish it when it is spo­ken of, eit­her in the re­cords of our own ex­pe­ri­ence, or in the dis­cour­se of others; to know that what we find as­ser­ted in any pro­po­si­ti­on of which it is the sub­ject, is as­ser­ted of the in­di­vi­du­al thing with which we were pre­vious­ly ac­quain­ted.“84

Deutsch

Wenn wir ähn­lich dem Räu­ber in Tau­send und eine Nacht mit Krei­de ei­nen Strich an ein Haus ma­chen, da­mit wir es wie­der­erken­nen kön­nen, so hat der Strich ei­nen Zweck, er hat aber ei­gent­lich kei­ne Be­deu­tung. Der Krei­de­strich er­klärt nichts in Be­ge­hung auf das Hans; er be­deu­tet nicht: dies ist das. Haus von die­sem oder je­nem, oder dies ist das Haus, wel­ches Beu­te ent­hält. Der Zweck des Zei­chens ist ein­fach Un­ter­schei­dung. Ich sage mir, alle die­se Häu­ser sind ein­an­der so ähn­lich, dass, wenn ich sie ein­mal aus dem Ge­sicht ver­lie­re, ich das­je­ni­ge, wel­ches ich su­che, nicht mehr er­ken­nen wer­de, ich muss da­her su­chen, das Ae­us­se­re die­ses Hau­ses dem der an­de­ren un­ähn­lich zu ma­chen, da­mit, wenn ich spä­ter das Zei­chen – nicht ein At­tri­but des Hau­ses – er­bli­cke, ich ein­fach nur er­ken­ne, dass das ge­such­te Haus das ist, wel­ches ich an­se­he. Mor­gia­na strich alle an­de­ren Häu­ser mit Krei­de an und ver­ei­tel­te so den Plan des Räu­bers: und wie? ein­fach, in­dem er den Un­ter­schied in dem Ae­us­sern der Häu­ser be­sei­tig­te. Die Krei­de­stri­che wa­ren noch alle da, aber sie ent­spra­chen nicht dem Zweck ein un­ter­schei­den­des Zei­chen zu sein.

Wenn wir ei­nen Ei­gen­na­men bei­le­gen, so gleicht das Ver­fah­ren ge­wis­ser­maas­sen dem des Räu­bers, als er das Haus mit ei­nem Krei­de­strich be­zeich­ne­te. Wir ma­chen in der That ein Zei­chen, nicht auf den Ge­gen­stand selbst, son­dern auf un­se­re Idee von dem Ge­gen­stand. Ein Ei­gen­na­me ist ein be­deu­tungs­lo­ses Zei­chen, wel­ches wir in un­serm Geist mit der Idee des Ge­gen­stan­des in Ver­bin­dung brin­gen, da­mit wir an den be­son­dern Ge­gen­stand den­ken, wenn wir das Zei­chen er­bli­cken, oder wenn es in un­se­ren Ge­dan­ken auf­taucht. Da es dem Ding nicht selbst an­ge­hängt ist, so setzt es uns nicht ähn­lich dem Krei­de­strich in den Stand, den Ge­gen­stand zu un­ter­schei­den, wenn wir es se­hen; aber es setzt uns in den Stand, ihn in dem Ver­zeich­niss un­se­res ei­ge­nen Ge­dächt­nis­ses oder in der Rede an­de­rer zu un­ter­schei­den, wenn von ihm ge­spro­chen wird, zu wie­sen, dass das, was in ei­nem Satz, von wel­chem es der Ge­gen­stand ist, be­haup­tet wird, von dem be­son­dern Ding be­haup­tet wird, mit dem wir vor­her schon be­kannt wa­ren.“85

Die Erzählung von Morgiana und den Kreidezeichen

Mill be­zieht sch auf die Ge­schich­te des Ali Baba und der vier­zig Räu­ber, die durch eine Skla­vin ums Le­ben ka­men. Hier liest sich die Epi­so­de mit den Krei­de­mar­kie­run­gen so (ich zi­tie­re die ers­te Über­set­zung aus dem Ara­bi­schen von Gus­tav Weil 1838):

’Wei­ter’, sag­te Baba Mus­ta­fa, ’bin ich, so viel ich weiß, nicht ge­kom­men’, und er be­fand sich wirk­lich vor Ca­sims Hau­se, wo jetzt Ali Baba wohn­te. Der Räu­ber mach­te, be­vor er ihm das Tuch von den Au­gen nahm, schnell mit ei­nem Stück Krei­de ein Zei­chen vor die Türe, und als er es ihm ab­ge­bun­den hat­te, frag­te er ihn, ob er wis­se, wem das Haus ge­hö­re. Baba Mus­ta­fa ant­wor­te­te, er woh­ne nicht in die­sem Stadt­vier­tel und kön­ne ihm auch nichts Wei­te­res da­von sa­gen.
Als der Räu­ber sah, daß er von Baba Mus­ta­fa nichts mehr er­fah­ren konn­te, dank­te er ihm für sei­ne Be­mü­hung und ließ ihn nach sei­nem La­den zu­rück­ge­hen; er selbst aber ging wie­der in den Wald, in der fes­ten Über­zeu­gung, dor­ten eine gute Auf­nah­me zu fin­den.

Bald nach­dem der Räu­ber und Baba Mus­ta­fa sich ge­trennt hat­ten, ging Mor­gia­ne ei­nes Ge­schäf­tes we­gen aus dem Hau­se Ali Ba­bas und als sie zu­rück­kam, be­merk­te sie das Zei­chen, das der Räu­ber an die Türe ge­macht hat­te. Sie blieb ste­hen und be­trach­te­te es auf­merk­sam. ’Was mag wohl die­ses Zei­chen be­deu­ten?’ sag­te sie bei sich selbst; ’soll­te je­mand Bö­ses ge­gen mei­nen Herrn im Schil­de füh­ren, oder ist es bloß zum Scher­ze ge­macht wor­den? Dem sei üb­ri­gens wie es wol­le, es kann nichts scha­den, wenn man sich für je­den Fall si­cher stellt.’ Sie nahm so­fort eben­falls Krei­de, und da die zwei oder drei vor­her­ge­hen­den und da­hin­ter­fol­gen­den Tü­ren fast eben­so aus­sa­hen, wie ihre Haus­tü­re, so be­zeich­ne­te sie die­sel­ben an der näm­li­chen Stel­le und ging so­dann in das Haus zu­rück, ohne we­der ih­rem Herrn noch des­sen Frau et­was da­von zu sa­gen.

Der Räu­ber setz­te in­des sei­nen Weg nach dem Wal­de fort und kam sehr bald zur üb­ri­gen Ge­sell­schaft zu­rück. Er stat­te­te so­gleich Be­richt vom Er­folg sei­ner Rei­se ab und pries über die Ma­ßen sein Glück, daß er gleich an­fangs ei­nen Mann ge­fun­den, der ihm das, was ihn in die Stadt ge­führt, er­zählt habe, denn er hät­te es sonst von nie­mand er­fah­ren kön­nen. Alle be­zeig­ten gro­ße Freu­de dar­über, der Haupt­mann aber nahm das Wort, und nach­dem er sei­nen Ei­fer ge­lobt, sprach er fol­gen­der­ma­ßen zu der gan­zen Ge­sell­schaft: ’Ka­me­ra­den, wir ha­ben kei­ne Zeit mehr zu ver­lie­ren; laßt uns wohl­be­waff­net, aber ohne daß man es uns an­sieht, auf­bre­chen und um kei­nen Ver­dacht zu er­re­gen, ein­zeln, ei­ner nach dem an­dern, in die Stadt ge­hen; dort kommt von ver­schie­de­nen Sei­ten her auf dem Markt­plat­ze zu­sam­men, wäh­rend ich mit un­serm Ka­me­ra­den, der uns eben die­se gute Nach­richt ge­bracht hat, das Haus aus­kund­schaf­ten wer­de, um dar­nach die zweck­mä­ßi­gen Maß­re­geln tref­fen zu kön­nen.’

Die Rede des Räu­ber­haupt­man­nes wur­de mit gro­ßem Bei­fall auf­ge­nom­men, und sie wa­ren bald rei­se­fer­tig. Sie zo­gen nun zu zwei und drei von dan­nen, und da sie im­mer in an­ge­mes­se­ner Ent­fer­nung von­ein­an­der gin­gen, so ge­lang­ten sie ohne Ver­dacht zu er­re­gen in die Stadt. Der Haupt­mann und der Räu­ber, der mor­gens hier ge­we­sen war, tra­fen zu­letzt da­selbst ein. Die­ser führ­te den Haupt­mann in die Stra­ße, wo er Ali Ba­bas Haus be­zeich­net hat­te, und als er an die ers­te, von Mor­gia­ne be­zeich­ne­te Haus­tü­re kam, mach­te er ihn dar­auf auf­merk­sam und sag­te, das sei die rech­te. Als sie aber, um sich nicht ver­däch­tig zu ma­chen, wei­ter gin­gen, be­merk­te der Haupt­mann, daß die nächst­fol­gen­de Türe eben­falls das­sel­be Zei­chen und an der­sel­ben Stel­le hat­te; er zeig­te es da­her sei­nem Füh­rer und frag­te ihn, ob es dies Haus sei oder das vo­ri­ge. Der Räu­ber kam in Ver­le­gen­heit und wuß­te nichts zu ant­wor­ten, be­son­ders als er und der Haupt­mann sa­hen, daß die vier oder fünf fol­gen­den Tü­ren eben­falls das­sel­be Zei­chen hat­ten. Er ver­si­cher­te dem Haupt­mann mit ei­nem Schwur, daß er bloß eine ein­zi­ge be­zeich­net habe, und setz­te dann hin­zu: ’Es ist mir un­be­greif­lich, wer die üb­ri­gen so ähn­lich be­zeich­net ha­ben mag, aber ich muß in die­ser Ver­wir­rung ge­ste­hen, daß ich das­je­ni­ge, was ich selbst be­zeich­net habe, nicht mehr her­aus­fin­den kann.’ Als nun der Haupt­mann sei­nen Plan ver­ei­telt sah, be­gab er sich nach dem Markt­plat­ze und ließ sei­nen Leu­ten durch den ers­ten bes­ten, der ihm be­geg­ne­te, sa­gen, sie ha­ben sich die­ses Mal eine ver­geb­li­che Mühe ge­macht, und es blei­be nichts an­de­res üb­rig, als den Rück­weg nach ih­rem ge­mein­schaft­li­chen Zu­fluchts­ort an­zu­tre­ten. Er selbst ging vor­an und sie folg­ten ihm alle in der­sel­ben Ord­nung, wie sie ge­kom­men wa­ren.“86

Russell über den Eigennamen

La­can be­zieht sich auf die fol­gen­de Pas­sa­ge aus Rus­sells zwei­tem Vor­trag über Die Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus (ich zi­tie­re zu­erst die eng­li­sche Ver­si­on von 1918, dann die Über­set­zung von Jo­han­nes Sinn­reich):

Englisch

‘The only kind of word that is theo­reti­cal­ly ca­pa­ble of stan­ding for a par­ti­cu­lar is a pro­per name, and the who­le mat­ter of pro­per na­mes is ra­ther cu­rious.

Pro­per Na­mes = wor­ds for par­ti­cu­lars.

De­fi­ni­ti­on..….….….….……

I have put that down alt­hough, as far as com­mon lan­guage goes, it is ob­vious­ly fal­se. It is true that if you try to think how you are to talk about par­ti­cu­lars, you will see that you can­not ever talk about a par­ti­cu­lar par­ti­cu­lar ex­cept by me­ans of a pro­per name. You can­not use ge­ne­ral wor­ds ex­cept by way of de­scrip­ti­on. How are you to ex­press in wor­ds an ato­mic pro­po­si­ti­on? An ato­mic pro­po­si­ti­on is one which does men­ti­on ac­tu­al par­ti­cu­lars, not me­rely de­scri­be them but ac­tual­ly name them, and you can only name them by me­ans of na­mes. You can see at once for yours­elf, the­re­fo­re, that every other part of speech ex­cept pro­per na­mes is ob­vious­ly qui­te in­ca­pa­ble of stan­ding for a par­ti­cu­lar. Yet it does seem a litt­le odd if, ha­ving made a dot on the black­board, I call it “John.” You would be sur­pri­sed, and yet how are you to know other­wi­se what it is that I am speaking of. If I say, “The dot that is on the right-hand side is white” that is a pro­po­si­ti­on. If I say “This is white” that is qui­te a dif­fe­rent pro­po­si­ti­on. “This” will do very well while we are all here and can see it, but if I wan­ted to talk about it to-mor­row it would be con­ve­ni­ent to have chris­tened it and cal­led it “John.” The­re is no other way in which you can men­ti­on it. You can­not re­al­ly men­ti­on it its­elf ex­cept by me­ans of a name.

What pass for na­mes in lan­guage, like “So­cra­tes,” “Pla­to,” and so forth, were ori­gi­nal­ly in­ten­ded to ful­fil this func­tion of stan­ding for par­ti­cu­lars, and we do ac­cept, in or­di­na­ry dai­ly life, as par­ti­cu­lars all sorts of things that re­al­ly are not so. The na­mes that we com­mon­ly use, like “So­cra­tes,” are re­al­ly ab­bre­via­ti­ons for de­scrip­ti­ons; not only that, but what they de­scri­be are not par­ti­cu­lars but com­pli­ca­ted sys­tems of clas­ses or se­ries. A name, in the nar­row lo­gi­cal sen­se of a word who­se me­a­ning is a par­ti­cu­lar, can only be ap­p­lied to a par­ti­cu­lar with which the speaker is ac­quain­ted, be­cau­se you can­not name any­thing you are not ac­quain­ted with. You re­mem­ber, when Adam na­med the be­asts, they came be­fo­re him one by one, and he be­ca­me ac­quain­ted with them and na­med them. We are not ac­quain­ted with So­cra­tes, and the­re­fo­re can­not name him. When we use the word “So­cra­tes,” we are re­al­ly using a de­scrip­ti­on. Our thought may be ren­de­red by some such phra­se as, “The Mas­ter of Pla­to,” or “The phi­lo­so­pher who drank the hem­lock,” or “The per­son whom lo­gi­ci­ans as­sert to be mor­tal,” but we cer­tain­ly do not use the name as a name in the pro­per sen­se of the word.’87

Deutsch

Theo­re­tisch be­trach­tet sind die Ei­gen­na­men die ein­zi­gen Wör­ter, die für In­di­vi­du­en ste­hen kön­nen. Das Pro­blem der Ei­gen­na­men ist je­doch über­aus ver­wi­ckelt.

Ei­gen­na­men = Wör­ter für In­di­vi­du­en Df

Ich stel­le die­se De­fi­ni­ti­on auf, ob­gleich sie be­züg­lich der Um­gangs­spra­che of­fen­sicht­lich falsch ist. Wenn man al­ler­dings über­legt, wie man über In­di­vdu­en re­den muß, dann stellt sich her­aus, daß man über ein be­stimm­tes In­di­vi­du­um nur re­den kann, wenn man ei­nen Ei­gen­na­men ge­braucht. Man kann kei­ne ge­ne­rel­len Wör­ter dazu ge­brau­chen, es sei denn in der Form von Be­schrei­bun­gen. Wie muß nun eine ato­ma­re Aus­sa­ge in der Spra­che aus­ge­drückt wer­den? Eine ato­ma­re Aus­sa­ge ist eine Aus­sa­ge, die In­di­vi­du­en er­wähnt und nicht nur be­schreibt, son­dern be­nennt, was mit Hil­fe von Na­men ge­sche­hen kann. Man kann da­her so­fort er­ken­nen, daß ein Wort, das kein Ei­gen­na­me ist, of­fen­bar un­mög­lich für ein In­di­vi­du­um ste­hen kann. Trotz­dem sieht es ein we­nig selt­sam aus, wenn ich ei­nem Punkt, den ich auf die Ta­fel set­ze, den Na­men ‚John‘ gebe. Sie wun­dern sich, aber wie an­ders soll­ten Sie wis­sen kön­nen, wo­von ich rede, denn die bei­den Aus­sa­gen ‚Der Punkt zu mei­ner rech­ten ist weiß‘ und ‚Dies ist weiß‘ sind ganz ver­schie­den. Das Wort ‚dies‘ ist ge­eig­net, wenn wir an­we­send sind und den Punkt se­hen kön­nen. Wenn ich aber mor­gen über ihn re­den woll­te, dann wäre es zweck­mä­ßig ge­we­sen, ihn auf den Na­men ‚John‘ ge­tauft zu ha­ben, denn es gibt kei­ne an­de­re Mög­lich­keit, ihn zu er­wäh­nen. Man kann ihn nur mit Hil­fe ei­nes Na­mens wirk­lich er­wäh­nen.

Was in der Spra­che wie ‚So­kra­tes‘, ‚Pla­to‘ etc. als Name gilt, hat­te ur­sprüng­lich die Funk­ti­on, für In­di­vi­du­en zu ste­hen. Im All­tag be­trach­ten wir vie­le Din­ge als In­di­vi­du­en, die in Wirk­lich­keit kei­ne sind. Die Na­men, die wir wie ‚So­kra­tes‘ ge­wöhn­lich ge­brau­chen, sind in Wirk­lich­keit Ab­kür­zun­gen für Be­schrei­bun­gen. Und nicht nur das, denn was sie be­schrei­ben, sind nicht In­di­vi­du­en, son­dern kom­pli­zier­te Sys­te­me von Klas­sen oder Fol­gen. Ein Name im lo­gi­schen Sin­ne als Wort, des­sen Be­deu­tung ein In­di­vi­du­um ist, kann nur auf ein In­di­vi­du­um an­ge­wen­det wer­den, mit dem der Spre­cher be­kannt ist, weil man nichts be­nen­nen kann, wo­mit man nicht be­kannt ist. Sie er­in­nern sich dar­an, wie Adam den Tie­ren Na­men gab. Sie ka­men nach­ein­an­der zu ihm. Er wur­de mit ih­nen be­kannt und be­nann­te sie. Wir sind nicht mit So­kra­tes be­kannt und kön­nen ihn folg­lich auch nicht be­nen­nen. Wenn wir das Wort ‚So­kra­tes‘ ge­brau­chen, dann in­ten­die­ren wir in Wirk­lich­keit eine Be­schrei­bung wie z. B. ‚der Leh­rer Pla­tos‘, ‚der Phi­lo­soph, der den Schier­lings­be­cher trank‘ oder ‚der Mann, von dem die Lo­gi­ker be­haup­ten, daß er sterb­lich sei‘, aber wir ge­brau­chen es nicht als Na­men im ei­gent­li­chen Sin­ne des Wor­tes.

Da­her ist es äu­ßerst schwie­rig, über­haupt ein Bei­spiel für ei­nen Na­men im lo­gi­schen Sin­ne des Wor­tes an­zu­ge­ben. Die ein­zi­gen Wör­ter, die wir im lo­gi­schen Sin­ne als Na­men ver­wen­den, sind Wör­ter wie ‚dies‘ und ‚das‘. Man kann das Wort ‚dies‘ als Name ver­wen­den, der für ein In­di­vi­du­um steht, mit dem man im Au­gen­blick be­kannt ist. Wir sa­gen ‚Dies ist weiß‘. Wenn Sie die­se Aus­sa­ge für wahr hal­ten, weil Sie mit dem Wort ‚dies‘ et­was mei­nen, das Sie se­hen, dann ge­brau­chen Sie das Wort ‚dies‘ als Ei­gen­na­men. Wenn Sie da­ge­gen ver­su­chen, mei­ne Aus­sa­ge so zu ver­ste­hen, wenn ich sage ‚Dies ist weiß‘, dann tun Sie das nicht. Wenn Sie die­ses Stück Krei­de als ma­te­ri­el­les Ob­jekt mei­nen, dann ver­wen­den Sie das Wort nicht als Ei­gen­na­men. Nur wenn sie es im ei­gent­li­chen Sin­ne ver­wen­den, d.h. für ein Ob­jekt der Sin­ne, dann ge­brau­chen Sie es wirk­lich als Ei­gen­na­men. Da­her hat die­ses Wort die für ei­nen Ei­gen­na­men höchst selt­sa­me Ei­gen­schaft, in zwei flüch­ti­gen Au­gen­bli­cken kaum und für Spre­cher und Hö­rer nie das­sel­be Ding zu be­zeich­nen. Es ist ein mehr­deu­ti­ger Ei­gen­na­me, aber trotz­dem wirk­lich ein Ei­gen­na­me, und es ist bei­na­he das ein­zi­ge Ding, von dem ich mir vor­stel­len kann, das es im von mir be­spro­che­nen ei­gent­li­chen und lo­gi­schen Sin­ne als Ei­gen­na­me ver­wen­det wird.“88

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Anmerkungen

  1. Zu La­cans Theo­rie des Ei­gen­na­mens vgl. Pe­ter Wid­mer: Der Ei­gen­na­me und sei­ne Buch­sta­ben. Tran­script, Bie­le­feld 2010, v.a. S. 101–114 und 182–185.
  2. Vgl. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 224–227.
  3. Vgl. Saus­su­re: „Al­les Vor­aus­ge­hen­de läuft dar­auf hin­aus, daß es in der Spra­che nur Ver­schie­den­hei­ten gibt. Mehr noch: eine Ver­schie­den­heit setzt im all­ge­mei­nen po­si­ti­ve Ein­zel­glie­der vor­aus, zwi­schen de­nen sie be­steht; in der Spra­che aber gibt es nur Ver­schie­den­hei­ten ohne po­si­ti­ve Ein­zel­glie­der. Ob man Be­zeich­ne­tes ((Si­gni­fi­kat)) oder Be­zeich­nen­des ((Si­gni­fi­kant)) nimmt, die Spra­che ent­hält we­der Vor­stel­lun­gen noch Lau­te, die ge­gen­über dem sprach­li­chen Sys­tem prä­exis­tent wä­ren, son­dern nur be­griff­li­che und laut­li­che Ver­schie­den­hei­ten, die sich aus dem Sys­tem er­ge­ben.“ (Fer­di­nand de Saus­su­re: Grund­fra­gen der all­ge­mei­nen Sprach­wis­sen­schaft. Hg. von Charles Bal­ly und Al­bert Seche­haye. Über­setzt von Her­man Lom­mel. De Gruy­ter, Ber­lin 1967, S. 143 f.; Hin­zu­fü­gung in dop­pel­ten run­den Klam­mern von RN)
  4. Se­mi­nar 9, 6. De­zem­ber 1961; Ver­si­on Sta­fer­la 9.12.2009, S. 64–66.
  5. Vgl. S. Freud: Ana­ly­se der Pho­bie ei­nes fünf­jäh­ri­gen Kna­ben (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 8. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 37 f.
  6. Alan H. Gar­di­ner: The theo­ry of pro­per na­mes. A con­tro­ver­si­al es­say. Ox­ford Uni­ver­si­ty Press 1940. Die zwei­te Auf­la­ge, die um ei­nen Rück­blick von 1953 er­wei­tert ist, er­schien im sel­ben Ver­lag 1954.
    Den Hin­weis auf Gar­di­ner hat­te La­can in Ja­kobsons Auf­satz über den Shif­ter fin­den kön­nen, auf den sich La­can in sei­nem Psy­cho­se-Auf­satz stützt so­wie für die Kon­struk­ti­on des Gra­phen des Be­geh­rens. Für Ja­kobson ist ein Ei­gen­na­me ein Code­ele­ment, das sich auf den Code be­zieht („Hans“ ist der­je­ni­ge, der „Hans“ heißt). Vgl. R. Ja­kob­son: Shif­ters, ver­bal ca­te­go­ries, and the Rus­sian verb (1957). In: Ders.: Selec­ted Wri­t­ings, Vol. II: Word and Lan­guage. Den Haag: Mou­ton 1972. S. 130–147. – Auf deutsch: Ver­schie­ber, Ver­bka­te­go­rien und das rus­si­sche Verb. In: Ro­man Ja­kob­son: Form und Sinn. Sprach­wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tun­gen. Fink, Mün­chen 1974, S. 35–54, im In­ter­net hier.
  7. The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism, Se­rie von acht Vor­trä­gen, die Rus­sell An­fang 1918 hielt und die dann in der Zeit­schrift The Mo­nist ver­öf­fent­licht wur­den, die ers­ten bei­den in The Mo­nist, 28. Jg. (1918), S. 495–527, die üb­ri­gen im 29. Jg. (1919), S. 32–63, 190–222, 345–380. Deutsch: B. Rus­sell: Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus. In: ders.: Auf­sät­ze zur Lo­gik und Er­kennt­nis­theo­rie 1908–1918. Über­setzt von Jo­han­nes Sinn­reich. Nym­phen­bur­ger, Mün­chen 1976, S. 178–277.
    In Ja­kobsons Shif­ter-Auf­satz fin­det man nicht nur ei­nen Hin­weis auf Gar­di­ner, son­dern auch auf Rus­sell.
  8. Rus­sells Ter­mi­nus par­ti­cu­lar wird üb­li­cher­wei­se mit „Ein­zel­ding“ oder mit „In­di­vi­du­um“ über­setzt.
    In der Sta­fer­la-Tran­skrip­ti­on sagt La­can: „a word for par­ti­cu­lar“, was un­gram­ma­tisch ist. Rus­sells De­fi­ni­ti­on lau­tet: „pro­per na­mes = wor­ds for par­ti­cu­lars” (B. Rus­sell: The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism. Rout­ledge, Lon­don und New York 2010, S. 28). Im Sin­gu­lar – den man bei Rus­sell so nicht fin­det – muss es dann hei­ßen: „a word for a par­ti­cu­lar“ bzw. „ein Wort für ein In­di­vi­du­um“ oder „ein Wort für ein Ein­zel­ding“.
  9. Vgl. Sit­zung vom 6. De­zem­ber 1961, die Pas­sa­ge ist oben über­setzt.
  10. In der Tran­skrip­ti­on fin­det man: word for par­ti­cu­lar
  11. John Stuart Mill, A sys­tem of lo­gic, ra­tio­ci­na­ti­ve and in­duc­tive. In zwei Bän­den. Par­ker, Lon­don 1843. Im In­ter­net fin­det man au­ßer­dem: Auf­la­ge Long­mans und Green, Lon­don 1898. Deutsch: Sys­tem der de­duc­tiven und in­duc­tiven Lo­gik. Über­set­zung der 5. er­wei­ter­ten Auf­la­ge von 1862 durch J. Schiel. View­eg, Braun­schweig 1868, im In­ter­net hier.  Zu Ei­gen­na­men v.a. : Buch 1, Ka­pi­tel 2, „Of na­mes“ bzw. „Von den Na­men“.
  12. Mög­li­cher­wei­se spielt La­can hier auf Gar­di­ners Be­mer­kung an, dass jede frucht­ba­re Dis­kus­si­on von Punk­ten der Über­ein­stim­mung aus­ge­hen müs­se; vgl. The theo­ry of pro­per na­mes, a.a.O., 1954, S. 5.
  13. Vgl. Mill, A sys­tem of lo­gic, Buch 1, Ka­pi­tel 1, § 5.
    Mor­gia­na (oder Mor­gia­ne oder Mord­sch­a­na) ist kei­ne Fee und wird von Mill auch nicht so be­zeich­net. Sie ist eine Fi­gur aus der Er­zäh­lung Ali Baba und die vier­zig Räu­ber, die in der Samm­lung Tau­send­und­ei­ne Nacht ent­hal­ten ist: eine klu­ge Skla­vin, die ih­rem Herrn Ali Baba mehr­mals das Le­ben ret­tet und schließ­lich sei­nen schlimms­ten Feind tö­tet, den An­füh­rer der Räu­ber; sie wird des­halb von Ali Baba in die Frei­heit ent­las­sen und mit sei­nem Sohn ver­hei­ra­tet.
  14. Vgl. Gar­di­ner, The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 39.
  15. Du­rand“ ist ei­ner der häu­figs­ten fran­zö­si­schen Nach­na­men. Er geht, so wird an­ge­nom­men, auf das la­tei­ni­sche Wort dur­a­re zu­rück, „dau­ern“.
  16. Gar­di­ner schreibt: „A pro­per name is, then, a word which iden­ti­fies its ob­ject by vir­tue of its sound alo­ne“ (The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 37).
  17. Gar­di­ners voll­stän­di­ge De­fi­ni­ti­on des Ei­gen­na­mens lau­tet so: „A pro­per name is a word or group of wor­ds re­co­gni­zed as in­di­ca­ting or ten­ding to in­di­ca­te the ob­ject or ob­jects to which it re­fers by vir­tue of its dis­tinc­tive sound alo­ne, wi­thout re­gard to any me­a­ning pos­ses­sed by that sound from the start, or ac­qui­red by it through as­so­cia­ti­on with the said ob­ject or ob­jects.“ (The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 43) Den psy­cho­lo­gi­schen Cha­rak­ter sei­ner De­fi­ni­ti­on be­tont er selbst: „In my view, on the con­tra­ry, the dif­fe­rence bet­ween pro­per na­mes and sub­stan­ti­ves that are not pro­per na­mes is al­most pu­re­ly psy­cho­lo­gi­cal, and de­pends on the im­por­t­an­ce at­ta­ched to the sound of the for­mer by the lin­gu­is­tic com­mu­ni­ty ge­ne­ral­ly.“ (The theo­ry of pro­per na­mes, 1954, a.a.O., S. 69.)
  18. La­can wie­der­holt hier die Kri­tik, die S. Ull­mann 1952 ge­gen Gar­di­ner vor­ge­bracht hat­te. Gar­di­ner re­fe­riert Ull­manns Kri­tik in sei­nem Nach­trag von 1953 und stimmt ihr weit­ge­hend zu; vgl. The theo­ry of pro­per na­mes, a.a.O., S. 71–83.
  19. Im Nach­trag von 1953 hat­te Gar­di­ner ein­ge­räumt, dass bei der Ver­wen­dung von Ei­gen­na­men dem Laut in der Re­gel kei­ne be­son­de­re Auf­merk­sam­keit ge­schenkt wird.
  20. Das Wort „zer­wu­zeln“ im Ori­gi­nal deutsch.
  21. Ge­meint ist viel­leicht: An der Ta­fel ste­hen pho­ne­tisch ori­en­tier­te Schrift-Si­gni­fi­kan­ten, etwa „Alan Gar­di­ner“, die Laut­sei­te wird also be­tont.
  22. La­can be­zieht sich auf den grie­chi­schen Ter­mi­nus für den Ei­gen­na­men: idi­on ono­ma, „ei­ge­ner Name“.
  23. Vgl. Se­mi­nar 2, Sit­zun­gen vom 30. März und vom 26. April 1955; J. La­can: Das Se­mi­nar über E.A. Poes “Der ent­wen­de­te Brief“ (1957), in: Schrif­ten I, S. 7–60.
  24. Vgl. J. La­can: Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud (1957), Schrif­ten II, S. 15–55. Der fran­zö­si­sche Ti­tel ist L’instance de la lett­re dans l’inconscient usw., „Die In­stanz des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten“.
  25. Vgl. An­dré Va­rag­nac (Hg.): L’homme avant l’écriture. Ar­mand Co­lin, Pa­ris 1959 (2. über­ar­bei­te­te Auf­la­ge 1968); dt.: Der Mensch der Ur­zeit. 600.000 Jah­re Mensch­heits­ge­schich­te. Di­ede­richs, Düs­sel­dorf 1960.
  26. Se­mi­nar 9, 13. De­zem­ber 1961; Ver­si­on Sta­fer­la 9.12.2009, S. 102–111.
  27. In der Tran­skrip­ti­on: word for par­ti­cu­lar.
  28. Se­mi­nar 9, 13. De­zem­ber 1961;Version Sta­fer­la 9.12.2009, S. 116–118.
  29. Der Aus­druck „von dis­tink­ti­ven Merk­ma­len“ ist eine Hin­zu­fü­gung des Über­set­zers.
  30. Se­mi­nar 9, 10. Ja­nu­ar 1962; Sta­fer­la 9.12.2009, S. 119–120. Der Ein­schub in spit­zen Klam­mern ist vom Über­set­zer.
  31. Se­mi­nar 9, 10. Ja­nu­ar 1962; Ver­si­on Sta­fer­la 9.12.2009, S. 126–128.
  32. Schrif­ten III, S. 123–171.
  33. Se­mi­nar 9, 10. Ja­nu­ar 1962; Ver­si­on Sta­fer­la 9.12.2009, S. 138.
  34. Se­mi­nar 9, 10. Ja­nu­ar 1962; Ver­si­on Sta­fer­la 9.12.2009, S. 142.
  35. Vgl. 10.1.1962.
  36. Vgl. 6.12.1961.
  37. Vgl. 13.12.1961.
  38. Vgl. 1.10.1962.
  39. Vgl. 6.12.1961.
  40. Vgl. 6.12.1961.
  41. Vgl. 1.10.1962.
  42. Vgl. 13.12.1961.
  43. Vgl. 6.12.1961.
  44. Vgl. 6.12.1961.
  45. Vgl. 6.12.1961.
  46. Vgl. 6.12.1961.
  47. Vgl. 6.12.1961.
  48. Vgl. 6.12.1961.
  49. Vgl. 13.12.1961.
  50. Vgl. 13.12.1961.
  51. Vgl. 13.12.1961.
  52. Vgl. 13.12.1961.
  53. Vgl. 13.12.1961.
  54. Vgl. 13.12.1961.
  55. Vgl. 13.12.1961.
  56. Vgl. 13.12.1961.
  57. Vgl. 13.12.1961.
  58. Vgl. 13.12.1961.
  59. Vgl. 13.12.1961.
  60. Auf­merk­sam­keit ist ei­ner der Haupt­be­grif­fe der Psy­cho­lo­gie Her­barts.
  61. Vgl. 13.12.1961.
  62. Vgl. 13.12.1961.
  63. Vgl. 13.12.1961.
  64. Vgl. 13.12.1961.
  65. Vgl. hier­zu die Über­set­zung von La­cans Be­mer­kun­gen zur Strich­lis­te in La­can ent­zif­fern in Zif­fern.
  66. Vgl. 13.12.1961.
  67. Vgl. 13.12.1961.
  68. Vgl. 13.12.1961.
  69. Vgl. 13.12.1961.
  70. Vgl. 10.1.1962.
  71. Vgl. 10.1.1962.
  72. Vgl. 10.1.1962.
  73. Vgl. 13.12.1961.
  74. Vgl. 13.12.1961.
  75. Vgl. 13.12.1961.
  76. Vgl. 10.1.1962.
  77. Vgl. 10.1.1962.
  78. Vgl. 10.1.1962.
  79. Vgl. 10.1.1962.
  80. Vgl. 10.1.1962.
  81. Vgl. 10.1.1962.
  82. Vgl. 10.1.1962.
  83. Vgl. 6.12.1961.
  84. John Stuart Mill: A sys­tem of lo­gic, ra­tio­ci­na­ti­ve and in­duc­tive. Par­ker, Lon­don 1843, Buch I, Ka­pi­tel 2, On na­mes, § 5, S. 43 f.
  85. John Stuart Mill: Sys­tem der de­duc­tiven und in­duc­tiven Lo­gik. Über­set­zung der 5. er­wei­ter­ten Auf­lage von 1862 durch J. Schiel. Vie­weg, Braun­schweig 1868, Buch 1, Ka­pi­tel 2, § 5, S. 39 f.; zi­tiert nach der Aus­ga­be im In­ter­net bei 
    http://www.zeno.org/Philosophie/M/Mill,+John+Stuart/System+der+deduktiven+und+induktiven+Logik/1.+Buch.+Von+den+Namen+und+Urtheilen/2.+Von+den+Namen
  86. Tau­send und eine Nacht. Ara­bi­sche Er­zäh­lun­gen. 3. Band. Über­setzt von Gus­tav Weil. Ver­lag der Clas­si­ker, Stutt­gart 1838, Ka­pi­tel 10, zi­tiert nach der Aus­ga­be im Pro­jekt Gu­ten­berg: http://gutenberg.spiegel.de/buch/tausend-und-eine-nacht-dritter-band-3446/10
  87. Bert­rand Rus­sell: The phi­lo­so­phy of lo­gi­cal ato­mism. In: The Mo­nist, 28. Jg. (1918), S. 495–527, dar­in der zwei­te Vor­trag, II. Par­ti­cu­lars, pre­di­ca­tes and re­la­ti­ons, S. 509–527, hier: 523 f.
  88. Bert­rand Rus­sell: Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus. In: Ders.: Die Phi­lo­so­phie des lo­gi­schen Ato­mis­mus. Über­setzt von Jo­han­nes Sinn­reich. Nym­phen­bur­ger, Mün­chen 1976, S. 178–277, dar­in „2. In­di­vi­du­en, Prä­di­ka­te, Re­la­tio­nen“, S. 189–202, hier: 199 f.

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