Lacans Aphorismen

Der Sender erhält vom Empfänger seine eigene Botschaft in umgekehrter Form.“

Gothaer Liebespaar - zu: Anderer

In La­cans Rom-Vor­trag von 1953 kann man le­sen:

Die mensch­li­che Spra­che bil­det also eine Kom­mu­ni­ka­ti­on, bei der der Sen­der vom Emp­fän­ger sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form wie­der emp­fängt.“1

Die­ser Apho­ris­mus wird von La­can im­mer wie­der vor­ge­bracht2, so­gar in der „Ou­ver­tu­re“ zu den Écrits bringt er ihn un­ter.3 Was ist da­mit ge­meint?

Eine Paraphrase?

Die For­mu­lie­rung, dass der Sen­der sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft wie­der emp­fängt, im­pli­ziert, dass es sich um ei­nen Vor­gang han­delt, der in zwei Pha­sen ab­läuft. Zu­nächst schickt der Sen­der sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft an den Emp­fän­ger, dann schickt der Emp­fän­ger dem Sen­der die­se Bot­schaft zu­rück, wo­bei die Form der Bot­schaft um­ge­kehrt wird.

Das könn­te so aus­se­hen: Der Sen­der schickt der Emp­fän­ge­rin eine Bot­schaft über sich selbst, eine ei­ge­ne Bot­schaft, etwa mit dem In­halt „Ich bin dein Mann“. Die Adres­sa­tin schickt ihm die­se Bot­schaft zu­rück und nimmt da­bei eine Um­keh­rung vor; aus „Ich bin dein Mann“ wird „Du bist mein Mann“. Auf die­se Wei­se emp­fängt der Sen­der von der Emp­fän­ge­rin sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft „Ich bin dein Mann“ wie­der, in um­ge­kehr­ter Form, in Ge­stalt von „Du bist mein Mann“.

Falls die­se Deu­tung rich­tig ist, wür­de sich der Apho­ris­mus auf eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­form be­zie­hen, die Carl Ro­gers als „Pa­ra­phra­sie­ren“ be­zeich­net4; die Ant­wor­ten des Emp­fän­gers sind hier so ge­baut, dass der Sen­der sich in ih­nen spie­geln kann. Die Kli­en­tin sagt: „Ich bin mit ihm nicht ein­ver­stan­den.“ Der in kli­en­ten­zen­trier­ter Ge­sprächs­füh­rung ge­schul­te Be­ra­ter ant­wor­tet: „Sie ha­ben sich über ihn ge­är­gert?“ Die Kli­en­tin er­hält vom Be­ra­ter ihre ei­ge­ne Bot­schaft wie­der, in um­ge­kehr­ter Form.

Empfangen“, nicht „wieder empfangen“

La­cans Aper­çu meint et­was an­de­res.

Der Zu­gang ist ver­sperrt, da die Über­set­zung nicht stimmt. Im Ori­gi­nal heißt es, dass der Sen­der sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft vom Emp­fän­ger „emp­fängt“ (oder „er­hält“, wie man auch über­set­zen kann), nicht etwa, dass er sie „wie­der emp­fängt“ oder „wie­der er­hält“. Das „wie­der“ ver­kehrt den Sinn ins Ge­gen­teil.

Im Fran­zö­si­schen lau­tet das Dik­tum:

le lan­ga­ge hu­main con­sti­tu­er­ait donc une com­mu­ni­ca­ti­on où l’émetteur reçoit du ré­cep­teur son pro­pre mes­sa­ge sous une for­me in­ver­sée“5

Also:

Die mensch­li­che Spra­che bil­det dem­nach eine Kom­mu­ni­ka­ti­on, bei der der Sen­der sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft vom Emp­fän­ger er­hält, in um­ge­kehr­ter Form.“

Der Sen­der er­hält sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft vom Emp­fän­ger. Ohne „wie­der“.6

An­ders ge­sagt: Die ei­ge­ne Bot­schaft ist eine frem­de Bot­schaft. Die ei­ge­ne Bot­schaft des Sen­ders ist eine Bot­schaft über das, was er ist, „ich bin das-und-das“. Die­se Bot­schaft hat er vom Emp­fän­ger er­hal­ten, in um­ge­kehr­ter Form, in der Form „du bist das-und-das“.

Die beiden Umkehrungen

An­ge­nom­men, mei­ne ei­ge­ne Bot­schaft lau­tet „Ich bin dein Mann“. Die­se Bot­schaft emp­fan­ge ich in um­ge­kehr­ter Form, in Ge­stalt von „Du bist mein Mann“.

Der Satz „Du bist mein Mann“ ist in La­cans Dar­stel­lung je­doch nur der zwei­te Zug in ei­nem Sprach­spiel, das an­ders be­ginnt. Die er­s­te Äu­ße­rung be­steht dar­in, dass ich ihr sage: „Du bist mei­ne Frau“, dar­auf­hin ant­wor­tet sie mir mit „Du bist mein Mann“. Wenn ich ihr sage „Du bist mei­ne Frau“, bin ich der sou­ve­rä­ne Agent. Wenn sie mir er­wi­dert „Du bist mein Mann“ ver­än­dert sich mei­ne Po­si­ti­on. Ich muss ver­su­chen, die­ser Po­si­ti­on zu ent­spre­chen oder mich ihr zu wi­der­set­zen; in bei­den Fäl­len ste­he ich vor der Fra­ge, was es heißt, der Mann ei­ner Frau zu sein.

Es geht also um zwei Um­keh­run­gen. Die er­s­te be­steht dar­in, dass ich ihr sage, „Du bist mei­ne Frau“ und dass die­ser Satz um­ge­kehrt wird zu „Du bist mein Mann“. Die zwei­te be­steht dar­in, dass der Satz „Du bist mein Mann“ um­ge­kehrt wird in „Ich bn dein Mann“.

Die Poin­te von La­cans Apho­ris­mus be­steht dar­in, dass ich die Bot­schaft „Du bist mein Mann“ in je­dem Fall emp­fan­ge, auch dann, wenn sie schweigt. Wenn ich ihr sage, „Du bist mei­ne Frau“, emp­fan­ge ich da­mit die Bot­schaft „Du bist mein Mann“ – „Du bist mei­ne Frau“ im­pli­ziert so­zi­al und sprach­li­ch „Du bist mein Mann“.

Im Rom-Vor­trag heißt es: Die Spra­che

be­zieht sich auf den Dis­kurs des an­de­ren. Als sol­che ist sie ver­wi­ckelt in die höchs­te Funk­ti­on des Spre­chens, in­so­fern das Spre­chen den, der es her­vor­bringt, ver­pflich­tet, in­dem es sei­nen Adres­sa­ten mit ei­ner neu­en Wirk­lich­keit be­setzt. Das ge­schieht zum Bei­spiel, wenn durch ein ‚Du bist mein Weib‘ ein Sub­jekt sich als den Mann des ‚con­jun­go‘ be­sie­gelt.“7

Das la­tei­ni­sche „con­jun­go“ („ich ver­bin­de“) meint hier „ich schlie­ße die Ehe“. Durch den Sprech­akt „Ich neh­me dich zur Frau“ be­kommt der Spre­cher eine neue Wirk­lich­keit, er über­nimmt da­mit Rech­te und Pflich­ten ei­nes Ehe­manns – er er­hält sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form. Er er­hält die Bot­schaft „Du bist mein Mann“ eben da­durch, dass er sagt, „Du bist mei­ne Frau“.

La­can be­zeich­net Sprech­ak­te, in de­nen die Ein­heit von Selbst- und Fremd­ver­pflich­tung her­ge­stellt wird und die Rea­li­tät der Spre­cher sich ver­än­dert, als „vol­les“ oder „wah­res Spre­chen“. Dies ist für ihn im Rom-Vor­trag und in den ers­ten Se­mi­na­ren die Grund­funk­ti­on des Spre­chens: die In­te­gra­ti­on des Sub­jekts in die sym­bo­li­sche Ord­nung durch eine ver­trags­ar­ti­ge Form der In­ter­sub­jek­ti­vi­tät, durch die man ei­nen grund­le­gen­den so­zia­len Auf­trag er­hält, etwa den, der Mann ei­ner Frau zu sein. Da­bei ist die­se In­te­gra­ti­on in der Re­gel pro­ble­ma­ti­sch, sie stellt den Adres­sa­ten der Bot­schaft vor ein Pro­blem.

Im Auf­satz Va­ri­an­tes de la cure-type (Va­ri­an­ten des Be­hand­lungs­typs) von 1955 heißt es:

Man kann also sa­gen, dass das Spre­chen sich als eine Kom­mu­ni­ka­ti­on ma­ni­fes­tiert, in der das Sub­jekt nicht nur, in der Er­war­tung, dass der an­de­re sei­ne Bot­schaft wahr macht, sie in ei­ner um­ge­kehr­ten Form vor­bringt, son­dern in der die­se Bot­schaft ihn da­durch ver­än­dert, dass sie ver­kün­det, dass er der­sel­be ist. Wie es in je­dem be­kun­de­ten Glau­ben (foi don­né) er­scheint, wo die Er­klä­run­gen von ‚Du bist mei­ne Frau‘ oder ‚Du bist mein Meis­ter‘ be­deu­ten: ‚Ich bin dein Gat­te‘, ‚Ich bin dein Schü­ler‘.“8

Das vol­le oder wah­re Spre­chen hat dem­nach fol­gen­de Ge­stalt:
– Er sagt zu ihr: „Du bist mei­ne Frau“. Da­mit be­tä­tigt er sich als Sen­der.
– Er er­war­tet, dass die Emp­fän­ge­rin ihm ant­wor­tet: „Du bist mein Mann“. Die­se er­war­te­te Bot­schaft ist „sei­ne“ Bot­schaft, in­so­fern, als es eine Bot­schaft über ihn ist, eine Bot­schaft dar­über, was er ist.

Die er­war­te­te Ant­wort wür­de sei­ne er­s­te Bot­schaft wahr­ma­chen – wenn sie tat­säch­li­ch mit „Du bist mein Mann“ ant­wor­tet, wird der Satz „Du bist mei­ne Frau“ be­wahr­hei­tet.

Die vom an­de­ren er­war­te­te Bot­schaft, also „Du bist mein Mann“ bzw. „Du bist mein Schü­ler“ ver­än­dert das Sub­jekt da­durch, dass sie ihm eine Iden­ti­tät zu­schreibt – die ei­nes Ehe­manns –, also da­durch, dass sie ver­kün­det, dass er „der­sel­be“ ist.

Ein wei­te­res Bei­spiel, das von La­can häu­fig an­ge­führt wird, ist der Satz „Du bist mein Meis­ter“. Das vol­le Spre­chen sieht hier so aus:

– Ich sage zu ihm: „Du bist mein Meis­ter.“ Da­mit be­tä­ti­ge ich mich als Sen­der.
– Da­mit im­pli­zie­re ich, dass der Emp­fän­ger zu mir sagt: „Du bist mein Schü­ler.“
Auf die­se Wei­se er­hal­te ich vom Emp­fän­ger (auch wenn er nichts sagt) mei­ne ei­ge­ne Bot­schaft, näm­li­ch: „Ich bin sein Schü­ler“. Ich emp­fan­ge sie in um­ge­kehr­ter Form, in Ge­stalt von: „Du bist mein Schü­ler.“

In Se­mi­n­ar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, be­schreibt La­can die­se Art der Kom­mu­ni­ka­ti­on als ein Spre­chen,

das wir auf ver­schie­de­ne Wei­sen be­nen­nen kön­nen, die Mis­si­on, das Man­dat, die De­le­gie­rung oder auch noch die De­vo­lu­ti­on, in­dem wir uns auf Hei­deg­ger be­zie­hen. Das ist die Grund­le­gung oder das stif­ten­de Spre­chen. Du bist das, mei­ne Frau, mein Herr, tau­send an­de­re Sa­chen. Die­ses Du bist das macht mich, wenn ich es emp­fan­ge, im Spre­chen an­ders, als ich bin.“9

De­vo­lu­ti­on“ ist die Über­tra­gung ei­ner so­zia­len Funk­ti­on. Was Hei­deg­ger an­ge­seht, so be­zieht sich La­can ver­mut­li­ch auf des­sen Auf­satz Der Ur­sprung des Kunst­werks, in dem der drei­fa­che Sinn des Worts „stif­ten“ er­läu­tert wird: schen­ken, grün­den und an­fan­gen.10 Durch das stif­ten­de Spre­chen wird eine so­zia­le Iden­ti­tät ge­grün­det (etwa als Ehe­mann), die­se Art des Spre­chens funk­tio­niert ähn­li­ch wie ein Schen­ken, ein Ga­ben­tau­sch.

Die zwei anderen

Wer ist es, der dem Sen­der die Bot­schaft über sich selbst zu­sen­det? Die an­fangs zi­tier­te For­mu­lie­rung aus dem Rom-Vor­trag be­sagt, dass er die Bot­schaft „vom Emp­fän­ger“ er­hält, aber das ist pro­ble­ma­ti­sch. An­ge­nom­men, die An­ge­spro­che­ne weist sei­nen An­trag zu­rück. Dann än­dert das nichts dar­an, dass er sich, in­dem er ihr sagt „Du bist mei­ne Frau“, dazu ver­pflich­tet, ihr Mann zu sein, dass er also die Ge­gen­bot­schaft er­hält, dass er (mög­li­cher­wei­se) ihr Mann ist. Wenn er ihr den Platz sei­ner Frau zu­weist, geht er da­mit die Ver­pflich­tung ein, sich den Ge­bo­ten und Ver­bo­ten zu un­ter­wer­fen, die mit der Po­si­ti­on ver­bun­den sind, der Mann ei­ner Frau zu sein. In der Bot­schaft „Du bist mei­ne Frau“ ist die Bot­schaft über ihn selbst, also „Du bist ihr Mann“, ent­hal­ten, un­ab­hän­gig da­von, ob sie ihm mit „Du bist mein Mann“ ant­wor­tet. Die Bot­schaft „Du bist ihr Mann“ er­reicht den Sen­der auf je­den Fall, sie stellt ihn vor die Auf­ga­be, die Um­wand­lung in „Ich bin ihr Mann“ vor­zu­neh­men, und es kann sein, dass ihn das in eine Kri­se stürzt, selbst dann, wenn die An­ge­be­te­te ihn, zu sei­ner Er­leich­te­rung, ver­schmäht.

Die Bot­schaft „Du bist ihr Mann“ kommt nicht ein­fach nur vom Ge­gen­über. Sie ist ein kom­bi­nier­ter Ef­fekt der so­zia­len und der sprach­li­chen Ord­nung. Die so­zia­le Ord­nung legt die Po­si­tio­nen zwi­schen dem Ehe­mann und der Ehe­frau, zwi­schen dem Le­bens­ab­schnitts­ge­fähr­ten und der Le­bens­ab­schnitts­ge­fähr­tin als Kom­ple­men­tär­rol­len fest, sie be­stimmt, dass der­je­ni­ge, der eine an­de­re durch ei­nen Sprech­akt in die Po­si­ti­on sei­ner Frau zu brin­gen ver­sucht, sich da­mit den For­de­run­gen un­ter­wirft, die an den­je­ni­gen ge­stellt wer­den, der ihr Mann ist.

Dem liegt eine sprach­li­che Struk­tur zu­grun­de, eine gram­ma­ti­sche Trans­for­ma­ti­ons­re­gel. Wenn ich sage „Du bist mein Frau“ re­gelt die Gram­ma­tik, dass die­ser Satz (un­ter be­stimm­ten Be­din­gun­gen) um­ge­wan­delt wer­den kann in „Du bist mein Mann“ und „Du bist ihr Mann“.

An­dert­halb Jah­re nach dem Rom-Vor­trag, in Se­mi­n­ar 2 von 1954-55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, fin­det La­can für die­ses Drit­te, das das Spre­chen des Sub­jekts mit der sym­bo­li­schen Ord­nung ver­knüpft, ei­nen Be­griff und eine Schreib­wei­se, er nennt es „der gro­ße An­de­re“, mit gro­ßem A, oder „der ab­so­lu­te An­de­re“.11

Die Bot­schaft, die das Sub­jekt vom An­de­ren er­hält, ist eine Bot­schaft mit ei­ner lan­gen Ge­schich­te. Selbst wenn die An­ge­be­te­te mir ant­wor­tet und tat­säch­li­ch „Du bist mein Mann“ zu mir sagt, ist dies nur auf den ers­ten Bli­ck eine von ihr ge­sen­de­te Bot­schaft. Die Bot­schaft „Du bist mein Mann“ wird durch die Ge­ne­ra­tio­nen über­lie­fert, und die Frau, die mir die­sen Satz mög­li­cher­wei­se zu­flüs­tert, gibt eine Bot­schaft wei­ter, die über die Jahr­hun­der­te hin­weg tra­diert wor­den ist. Die Po­si­ti­on des An­de­ren wird von ei­ner Ge­ne­ra­tio­nen­ket­te be­setzt.

Der zu An­fang zi­tier­te Spruch wird von La­can des­halb um­for­mu­liert. Er lau­tet jetzt: Das Sub­jekt emp­fängt sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft vom gro­ßen An­de­ren, in um­ge­kehr­ter Form.12 Dies meint so­wohl: es emp­fängt sie durch die Re­geln der Gram­ma­tik, als auch: es emp­fängt sie als ein Man­dat, das durch die Ge­ne­ra­tio­nen hin­durch über­lie­fert wird.

Schema L - Seminar 2, S. 310, dort eingeführt

Sche­ma L

Mit­hil­fe von La­cans „Sche­ma L“ kann der Zu­sam­men­hang so dar­ge­stellt wer­den13: Der Satz „Du bist mei­ne Frau“ ist eine Bot­schaft, die das Ich (moi) an sei­ne Part­ne­rin sen­det. Sie nimmt hier­bei die Po­si­ti­on der „klei­nen an­de­ren“ ein, des Al­ter Ego, sie ist sein Eben­bild, Sei­nes­glei­chen (sem­bla­ble). Den Satz „Du bist ihre Frau“ habe ich des­halb auf der Ach­se der ima­gi­nä­ren Be­zie­hung a – aꞌ ein­ge­tra­gen (zum Ver­grö­ßern an­kli­cken).

Schema L - Du bist meine FrauWenn das Ich die­sen Satz an den an­de­ren sen­det, emp­fängt das Sub­jekt zu­gleich eine vom An­de­ren kom­men­de Bot­schaft. Sie lau­tet „Du bist ihr Mann“; ich habe ihn der vom An­de­ren zum Sub­jekt füh­ren­den Li­nie zu­ge­ord­net.

Die Frage des Subjekts

Das stif­ten­de Spre­chen zielt auf die In­te­gra­ti­on des Sub­jekts in die sym­bo­li­sche Ord­nung. Hat es also des­sen An­pas­sung zur Fol­ge? In La­cans Per­spek­ti­ve kei­nes­wegs. Das stif­ten­de Spre­chen er­zeugt ei­nen Kon­flikt. Der Kon­flikt zeigt sich dar­in, dass die­ses Spre­chen das Sub­jekt vor eine Fra­ge stellt.

Die Fra­ge neigt dazu auf­zu­tau­chen, wenn wir der Mis­si­on zu ent­spre­chen ha­ben. (…) Dem Du bist mein Herr ent­spricht ein ge­wis­ses was bin ich? – Was bin ich, um es zu sein, falls ich es bin? Die­ses es ist nicht der als Ob­jekt ge­nom­me­ne Herr, es ist der voll­stän­di­ge Aus­sa­ge­vor­gang des Sat­zes, der sagt ich bin Dein Herr, wie wenn Dein Herr ei­nen Sinn be­sä­ße durch die blo­ße Hul­di­gung, die ich da­durch emp­fan­ge. Was bin ich, um das zu sein, was Du so­eben ge­sagt hast?“14

In die­ser Ver­si­on be­steht das vol­le oder wah­re oder stif­ten­de Spre­chen aus fol­gen­den vir­tu­el­len oder rea­li­sier­ten Spiel­zü­gen:
– Ich sen­de dem an­de­ren die Bot­schaft: „Du bist mein Schü­ler.“ Die­ser Spiel­zug ist hier aus­ge­las­sen.
– Ich er­hal­te vom An­de­ren die Bot­schaft: „Du bist mein Meis­ter.“ Die­se Bot­schaft kann tat­säch­li­ch ge­sen­det wer­den, es ist aber auch mög­li­ch, dass sie im Satz „Du bist mein Schü­ler“ nur im­pli­ziert ist. Mit die­ser Bot­schaft er­hal­te ich mei­ne Mis­si­on.
– Ich fra­ge mich: „Was be­deu­tet es, ein Meis­ter zu sein?“ oder „Was bin ich, um ein Meis­ter sein zu kön­nen?“

Der letz­te Zug ist ent­schei­dend, durch ihn wer­de ich zum Sub­jekt. Das Sub­jekt ist, La­can zu­fol­ge, eine Fra­ge.15

Was hat das mit Psychoanalyse zu tun?

Ei­ni­ge der Bot­schaf­ten des An­de­ren sind un­be­wusst. Die Psy­cho­ana­ly­se hat die Auf­ga­be, dem Sub­jekt ei­nen Zu­gang zu die­sen un­be­wuss­ten Man­da­ten zu er­mög­li­chen. Es geht hier um den

Be­zug ei­nes vir­tu­el­len Spre­chens, durch den das Sub­jekt vom An­de­ren sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft emp­fängt – in der Form ei­nes un­be­wuß­ten Spre­chens. Die­se Bot­schaft ist ihm un­ter­sagt; sie wird von ihm zu­tief­st ver­kannt, sie ist ver­un­stal­tet, still­ge­stellt und ab­ge­fan­gen auf­grund der Zwi­schen­schal­tung der ima­gi­nä­ren Be­zie­hung zwi­schen a und aꞌ, zwi­schen dem Ich und dem an­de­ren, der sein ty­pi­sches Ob­jekt ist.“16

Der Weg, auf dem das Sub­jekt ei­nen Zu­gang zur un­be­wuss­ten Bot­schaft be­kommt, ist die Über­tra­gung:

Was das Sub­jekt in der Ana­ly­se er­obert, ist (…), in der Über­tra­gung, (…) sein ei­ge­nes Ge­setz, des­sen Stimm­zet­tel das Sub­jekt, wenn ich so sa­gen kann, aus­zählt. Die­ses Ge­setz be­deu­tet zu­er­st stets die An­nah­me von et­was, das sich vor die­sem in den vor­aus­ge­hen­den Ge­ne­ra­tio­nen zu ar­ti­ku­lie­ren be­gon­nen hat und das, ei­gent­li­ch ge­spro­chen, die atê ist. Die­se atê, die nicht im­mer an das Tra­gi­scher der atê An­ti­go­nes her­an­reicht, ist dar­um nicht we­ni­ger mit dem Un­glück ver­wandt.“17

Zu Freuds Fall­stu­die über eine jun­ge Ho­mo­se­xu­el­le18 merkt La­can an:

das, was sich da im Un­be­wuß­ten (…) for­mu­liert, ist, zu­rück­ge­führt auf den Si­gni­fi­kan­ten, das, was ur­sprüng­li­ch ab­ge­wen­det wur­de, näm­li­ch ihre ei­ge­ne Bot­schaft, die zruückommt von ih­rem Va­ter in um­ge­kehr­ter Form, in der Form des Du bist mei­ne Frau, Du bist mein Herr, du wirst ein Kind von mir ha­ben. Dies ist beim Ein­tritt in den Ödi­pus, oder so­lan­ge der Ödi­pus nicht auf­ge­löst ist, die Ver­hei­ßung, auf die sich der Ein­tritt des Mäd­chens in den Ödi­pus­kom­plex grün­det.19

Das im­pli­zi­te Sprach­spiel sieht in die­sem Fall so aus:
– Das Mäd­chen wünscht sich ein Kind vom Va­ter, an­ders ge­sagt: es sen­det ihm die Bot­schaft: Du bist der Va­ter mei­nes Kin­des.
– Da­mit er­hält es vom An­de­ren die ei­ge­ne Bot­schaft: Du wirst ein Kind von mir ha­ben, du bist die Mut­ter mei­nes Kin­des. Die­se Bot­schaft ist un­be­wusst.

Eine un­be­wuss­te Bot­schaft wie „Du bist mei­ne Frau“ ist für das Sub­jekt eine rät­sel­haf­te Si­gni­fi­kan­ten­ket­te; es steht da­mit vor der Auf­ga­be, die­ser Si­gni­fi­kan­ten­ket­te ei­nen Sinn zu ver­lei­hen. Die Fra­ge „Was heißt es, eine Frau zu sein?“ ist die Fra­ge, die sich, ohne es zu wis­sen, die Hys­te­ri­ke­rin stellt.

Ein Beispiel

Der Un­ter­schied zwi­schen dem Spre­chen als nar­ziss­ti­scher Spie­ge­lung in der Be­zie­hung zum klei­nen an­de­ren und dem Spre­chen als Emp­fan­gen der ei­ge­nen Bot­schaft vom gro­ßen An­de­ren wird in Se­mi­n­ar 3 von 1954-55, Die Psy­cho­sen, an ei­nem prä­gnan­ten Bei­spiel er­läu­tert.20

Eine Pa­ra­noi­ke­rin hal­lu­zi­niert, dass ein Mann sie mit „Sau!“ be­schimpft. Sie selbst hat­te zu ihm ge­sagt: „Ich kom­me vom Metz­ger“. La­can deu­tet die­se Äu­ße­rung als An­spie­lung: Wer kommt vom Metz­ger? Ein ge­schlach­te­tes Schwein. Mit „Ich kom­me vom Metz­ger“ deu­tet sie an, dass sie selbst ein ge­schlach­te­tes Schwein ist, ein zer­stü­ckel­ter Kör­per (der Ich-Pol der ima­gi­nä­ren Be­zie­hung). Ihre ei­ge­ne Bot­schaft lau­tet dem­nach „Ich bin ein Schwein“, die vom an­de­ren kom­men­de (hal­lu­zi­nier­te) Bot­schaft ist „Sau“, also „Du bist ein Schwein“. Ihre ei­ge­ne Bot­schaft ist die Bot­schaft des an­de­ren, nur um­ge­kehrt. La­can fährt fort:

Hal­ten wir uns kurz auf da­mit. Da schau her, jetzt ist er zu­frie­den, sa­gen Sie sich, weil er uns näm­li­ch lehrt – im Spre­chen emp­fängt das Sub­jekt sei­ne ei­ge­ne Bot­schaft in um­ge­kehr­ter Form. Las­sen Sie sich ei­nes Bes­se­ren be­leh­ren, das ist es eben ge­ra­de nicht. Die Bot­schaft, um die es sich han­delt, ist nicht im ent­fern­tes­ten iden­ti­sch mit dem Spre­chen, zu­min­dest in dem Sin­ne, in dem ich es Ih­nen ar­ti­ku­lie­re als jene Form von Ver­mitt­lung, wo das Sub­jekt sei­ne Bot­schaft vom an­de­ren in um­ge­kehr­ter Form emp­fängt.“21

Die Bot­schaft „Du bist ein Schwein“ ist nicht iden­ti­sch mit dem Spre­chen, es han­delt sich nicht um ein wah­res, ein vol­les Spre­chen, nicht um ein Spre­chen vom Typ „Du bist mei­ne Frau“. Wor­in be­steht der Un­ter­schied?

Sau, was ist das? Das ist tat­säch­li­ch ihre Bot­schaft, aber ist das nicht eher ihre ei­ge­ne Bot­schaft?“

Die Hal­lu­zi­na­ti­on „Sau“ – und da­mit die Bot­schaft „Du bist eine Sau“ – ist ihre Bot­schaft, eine Bot­schaft, die sich auf sie be­zieht Aber es ist ihre ei­ge­ne Bot­schaft, d.h. eine von ihr selbst kom­men­de Bot­schaft, und die­se Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist mit dem Apho­ris­mus ge­ra­de nicht ge­meint. Die Sen­tenz be­zieht sich dar­auf, dass die Bot­schaft des Sub­jekts vom gro­ßen An­de­ren kommt. Im Fall der Pa­ra­noi­ke­rin fun­giert der Emp­fän­ger ih­rer Bot­schaft – der Mann, dem sie die hal­lu­zi­nier­te Äu­ße­rung „Sau“ zu­schreibt – als klei­ner an­de­rer, als Ob­jekt, in dem sie sich spie­gelt, nicht als gro­ßer An­de­rer, er hat nicht die Funk­ti­on, ihr und da­mit sich selbst durch sein Spre­chen ei­nen Platz in der sym­bo­li­schen Ord­nung zu­zu­wei­sen. Die Hal­lu­zi­na­ti­on der Pa­ra­noi­ke­rin funk­tio­niert dem­nach ähn­li­ch wie eine Pa­ra­phra­se à la Ro­gers: Die Kli­en­tin macht die An­spie­lung „Ich kom­me vom Metz­ger“, und der Be­ra­ter re­agiert, kli­en­ten­zen­triert, als ihr Dop­pel: „Sie hal­ten sich für ein Schwein?“

Die hal­lu­zi­nie­ren­de Pa­ti­en­tin ist Psy­cho­ti­ke­rin, das heißt, es ist ihr nicht mög­li­ch, die vom gro­ßen An­de­ren kom­men­den Bot­schaf­ten zu emp­fan­gen. Für die Bot­schaft „Du bist mei­ne Frau“ ist sie taub, sie lebt in ei­nem rein weib­li­chen Uni­ver­sum, mit ih­rer Mut­ter teilt sie so­gar ih­ren Wahn. Und eben des­halb, weil sie die Bot­schaft des gro­ßen An­de­ren nicht emp­fan­gen kann, hal­lu­zi­niert sie die Bot­schaft des klei­nen an­de­ren, in der sie sich spie­gelt.

Die Auf­nah­me der vom gro­ßen An­de­ren kom­men­den Bot­schaf­ten macht Schwie­rig­kei­ten. Im Fal­le der Psy­cho­se sind die Hin­der­nis­se un­über­wind­bar. Im Fal­le der Neu­ro­se ist das Spre­chen des gro­ßen An­de­ren un­be­wusst22. Das Un­be­wuss­te ist der gro­ße An­de­re in uns; das Ver­hal­ten des Neu­ro­ti­kers ist ein vol­les Spre­chen, des­sen Sinn dem Sub­jekt un­be­kannt ist23. Das Sub­jekt ist eine Fra­ge an die­sen gro­ßen An­de­ren, z.B. die Fra­ge „Was heißt es, der Mann ei­ner Frau zu sein?“.

Der Gegenanspruch

Eine aus­führ­li­che Er­läu­te­rung des Apho­ris­mus fin­det man in Se­mi­n­ar 8 von 1960-61, Die Über­tra­gung.24 Die Sen­tenz wird hier so ge­deu­tet, dass sie auch noch die Kom­mu­ni­ka­ti­on à la Ro­gers ab­deckt, also die Ant­wort mit ei­ner Pa­ra­phra­se.

Statt von der Bot­schaft ist in Se­mi­n­ar 8 von de­man­de die Rede, vom An­spruch, von der For­de­rung, und La­can er­läu­tert die Sen­tenz an der ele­men­tars­ten For­de­rung, die sich den­ken lässt, am ora­len An­spruch, an der Bit­te um Nah­rung. Die­se For­de­rung wen­det sich, auch wenn das Sub­jekt es nicht weiß, an ei­nen abs­trak­ten An­de­ren, an den An­de­ren, in­so­fern er zu­hört; sie rich­tet sich, in La­cans Ter­mi­no­lo­gie, an den „Ort des An­de­ren“, an eine Stel­le, die von un­ter­schied­li­chen In­di­vi­du­en be­setzt wer­den kann. Die Sen­tenz wird hier so for­mu­liert:

Wir ha­ben ge­sagt, daß je­der An­spruch da­durch, daß er Spre­chen ist, dazu ten­diert, so struk­tu­riert zu sein, daß er vom An­de­ren sei­ne um­ge­kehr­te Ant­wort ver­langt, dass er, auf­grund sei­ner Struk­tur, sei­ne ei­ge­ne Form her­vor­ruft, trans­po­niert in ei­ner be­stimm­ten Um­keh­rung.“25

Da­mit ist ge­meint, dass die For­de­rung, ge­nährt zu wer­den, mit ei­nem um­ge­kehr­ten An­spruch be­ant­wor­tet wird, mit der Ge­gen­for­de­rung, sich näh­ren zu las­sen. Die­ser „Ge­gen­an­spruch“26, oder, in üb­li­chem Deut­sch, die­se Ge­gen­for­de­rung, ist nicht an die Be­son­der­hei­ten des Adres­sa­ten ge­bun­den, sie be­ruht auf ei­ner Trans­for­ma­ti­ons­mög­lich­keit, die in der gram­ma­ti­schen Struk­tur des ge­äu­ßer­ten Sat­zes ent­hal­ten ist. „Ich will et­was zu es­sen“ im­pli­ziert die Um­for­mungs­mög­lich­keit „Du will­st et­was zu es­sen“, und der Satz „Du will­st et­was zu es­sen“ geht in Rich­tung auf die For­de­rung „Du soll­st et­was es­sen“.

Die Ge­gen­for­de­rung hat also eine an­ony­me sprach­li­che Grund­la­ge. Das heißt aber nicht, dass sie fik­tiv ist; sie lässt sich pro­blem­los am Mit­tags­ti­sch be­ob­ach­ten. Das Kind sagt: „Ich möch­te noch Kar­tof­feln“, und Mut­ter oder Va­ter ant­wor­ten mit „Iss was!“.

Wenn auf die Bit­te um Nah­rung die For­de­rung ant­wor­tet, sich näh­ren zu las­sen, scheint dies eine har­mo­ni­sche, kom­ple­men­tä­re Be­zie­hung zu sein. Je­doch liegt zwi­schen den bei­den Äu­ße­run­gen eine win­zi­ge Kluft, und dies kann dazu füh­ren, dass die Be­geg­nung schei­tert, bis da­hin, dass das Kind sich wei­gert, sich näh­ren zu las­sen, bis hin also zur Anor­ex­ie.

Wie ist die­se Zu­spit­zung mög­li­ch? Der ora­le An­spruch zielt auf et­was an­de­res ab, als auf die Be­frie­di­gung des Hun­gers. Er dient zur Ar­ti­ku­la­ti­on ei­nes nicht ar­ti­ku­lier­ba­ren Be­geh­rens. Das ora­le Be­geh­ren zielt, wie man schon bei Freud le­sen kann, auf die Ein­ver­lei­bung des Ob­jekts, es ist oral-sa­dis­ti­sch, kan­ni­ba­lis­ti­sch.27 Es strebt nach der Ver­ei­ni­gung zwei­er Kör­per und hat da­mit se­xu­el­len Cha­rak­ter. Im Spre­chen kann auf die­ses se­xu­el­le Be­geh­ren nur an­ge­spielt wer­den, es kann nicht di­rekt be­nannt wer­den.

Wenn das Sub­jekt vom An­de­ren sei­ne ei­ge­ne For­de­rung in um­ge­kehr­ter Form zu­rück­ge­schickt be­kommt, wird sie auf den An­spruch­s­cha­rak­ter ge­wis­ser­ma­ßen fest­ge­na­gelt; sie wird um das in ihm mit­schwin­gen­de Be­geh­ren ver­kürzt. Die Ge­gen­for­de­rung löscht das Be­geh­ren aus; sie ist der Kern, um den her­um sich spä­ter das Über-Ich aus­bil­den wird.28 Wenn das Kind sich wei­gert, sich näh­ren zu las­sen, dann, um zu ver­hin­dern, dass sein Be­geh­ren durch ei­nen Ge­gen­an­spruch er­stickt wird.

Zum Bild zu Beginn des Artikels

Go­tha­er Lie­bes­paar, zwi­schen 1480 und 1485, 104 x 80 cm, Öl­tem­pe­ra mit Öl­la­sur auf Lin­den- und Pap­pel­holz, Ge­mäl­de­ga­le­rie Frie­den­stein in Go­tha. Der Name des Ma­lers ist un­be­kannt, die Kunst­his­to­ri­ker nen­nen ihn „Meis­ter des Ams­ter­da­mer Ka­bi­netts“, „Meis­ter des Haus­bu­ches“ oder „Haus­buch­meis­ter“.

Das Dop­pel­por­trät stellt ein Treue­ver­spre­chen dar, mit La­can: ein „vol­les Spre­chen“. Die Dar­ge­stell­ten sind Graf Phil­ipp der Jün­ge­re von Ha­n­au-Mün­zen­berg (1449-1500) und die Bür­ger­li­che Mar­ga­re­the Weiß­kir­cher; ihre Be­zie­hung ist ein Kon­ku­bi­nat. Die In­sze­nie­rung ori­en­tiert sich an der hö­fi­sch-rit­ter­li­chen Min­ne­tra­di­ti­on.29 Als Zei­chen der Lie­be trägt er ei­nen Kranz wil­der Ro­sen im Haar und sie eine Rose in der Hand. Bei­de grei­fen nach dem Treu­e­sym­bol, ei­nem Ob­jekt aus Schnü­ren, „Schnür­lein“ ge­nannt.

Frau (Spruch­band auf der rech­te Bild­sei­te): Sye hat uch nyt gantz ver­acht Dye uch dsz Schnür­lin hat ge­macht (Sie hat Euch nicht ganz ver­ach­tet, die Euch das Schnür­lein hat ge­macht)

Mann (Spruch­band links): Un byl­li­ch het Sye esz ge­dan Want Ich han esz sye ge­nis­sen lan (Und bil­lig (zu Recht) hat sie es ge­tan, und ich will es sie ge­nie­ßen las­sen.)

Verwandte Beiträge

Literatur

La­cans Se­mi­na­re
„2: 70“ meint: Se­mi­n­ar 2, Sei­te 70.
Die Ver­wei­se be­zie­hen sich auf die of­fi­zi­el­len deut­schen Über­set­zun­gen.

La­cans Schrif­ten
„Ding: 42“ meint: Das Freud’sche Ding, S. 42

Ding = Das Freud’sche Ding. Tu­ria + Kant, Wien 2. Aufl. 2011

Écrits = Écrits. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 1966

Ou­ver­tu­re = Ou­ver­tu­re de ce re­cu­eil. In: Écrits, S. 9 f.

Poe = Das Se­mi­n­ar über E. A. Poes ‚Der ent­wen­de­te Brief‘. In: Schrif­ten I, S. 7-60

Psy­cho­se = Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht. In: Schrif­ten II, S. 61-117

Rom-Vor­trag = Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. In: Schrif­ten I, S. 71-169

Sub­ver­si­on = Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuß­ten. In: Schrif­ten II, S. 165-230

Va­ri­an­tes = Va­ri­an­tes de la cure-type. In: Écrits, S. 323-362

Anmerkungen

  1. Rom-Vor­trag: 141.
  2. Vgl. etwa 1: 274; 2: 410; 3: 48, 63, 324; 4: 158, 215; 5: 155; Va­ri­an­tes: 351; Poe: 41, 55; Ding: 42.
  3. Ou­ver­tu­re: 9.
  4. Vgl. Carl Ro­gers: Die nicht-di­rek­ti­ve Be­ra­tung. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2004 (zu­er­st: Coun­se­ling and The­ra­py, USA 1942).
  5. Écrits: 298.
  6. Die Fehl­über­set­zung von „re­ce­voir“ mit „wie­der emp­fan­gen“ fin­det sich eben­falls im Poe-Auf­satz; vgl. Poe: 41.
  7. Rom-Vor­trag: 141.
  8. Va­ri­an­tes: 351, mei­ne Über­set­zung.
  9. 3: 328.
  10. In: M. Hei­deg­ger: Holz­we­ge. Klos­ter­mann, Frank­furt am Main 1977, S. 63. Zum Stif­ten vgl. auch Hei­deg­gers Er­läu­te­rung zu Höl­der­lins Satz „Was aber blei­bet, stif­ten die Dich­ter“, in: M. Hei­deg­ger: Er­läu­te­run­gen zu Höl­der­lins Dich­tung. Klos­ter­mann, Frank­furt am Main 1981, S. 41 ff.
  11. 2: 310 f., Sit­zung vom 25. Mai 1955. In den Schrif­ten er­scheint der Be­griff des gro­ßen bzw. ab­so­lu­ten An­de­ren zu­er­st im Poe-Auf­satz, der 1956 ge­schrie­ben und 1957 ver­öf­fent­licht wur­de; vgl. Poe: 18, 53, 57.
  12. Vgl. etwa 4: 10.
  13. Vgl. Se­mi­n­ar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 410.
  14. 3: 329.
  15. Vgl. Rom-Vor­trag: 143.
  16. 4: 10 f.
  17. 7: 358.
  18. Über die Psy­cho­ge­ne­se ei­nes Fal­les von weib­li­cher Ho­mo­se­xua­li­tät (1920).
  19. 4: 158.
  20. Vgl. 3: 59-65 so­wie Psy­cho­se: 65-67.
  21. 3: 61.
  22. vgl. 4: 10
  23. vgl. 5: 559
  24. 8: 252-255, 260 f.
  25. 8: 252, Über­set­zung ge­än­dert. Die ge­naue For­mu­lie­rung die­ser Pas­sa­ge ist un­klar; die Va­ri­an­ten fin­det man in der Sté­c­ri­tu­re-Ver­si­on, nach der ich hier über­set­ze.
  26. 8: 261
  27. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 37-145, hier: 103.
  28. Vgl. 8: 261
  29. La­cans Deu­tung der hö­fi­schen Lie­be als Sub­li­ma­ti­on fin­det man in Se­mi­n­ar 7 von 1959-60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, S. 178-189.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.