Phallus

Der Junge, der seinen Penis loswerden wollte

Im Guar­di­an lese ich, dass ein ka­na­di­sches Ge­richt an­ge­ord­net hat, dass ein vier­jäh­ri­ger Jun­ge auf­hö­ren muss, in der Öf­fent­lich­keit Mäd­chen­klei­dung zu tra­gen.1  

Die Mut­ter sagt, das Kind habe kurz nach­dem es zwei Jah­re alt war, an­ge­fan­gen, sich als Mäd­chen zu iden­ti­fi­zie­ren (im Ar­ti­kel wird die Mut­ter mit ei­nem Pseud­onym be­zeich­net, Su­san Smith). 

»„Zu­erst dach­te ich, dass das wirk­lich süß ist, so­was wie, nein, nein, mein Schatz, du bist ein Jun­ge.“

Aber ihr Kind wur­de im­mer hart­nä­cki­ger. Smith, die vom Va­ter des Kin­des ge­trennt ist, aber das Sor­ge­recht mit ihm teilt, sag­te, sie habe mit sich ge­run­gen, wie sie re­agie­ren soll­te. „Ich hab mich da ge­fragt, macht mein Kind das, um Auf­merk­sam­keit zu er­re­gen? Was ist da los?“

Dann, ei­nes Abends, als ihr Kind sie da­mit über­rasch­te, dass es sie frag­te,  wann sein Pe­nis ab­fal­len wür­de, setz­te Smith das Kind hin. „Ich sag­te ihm: ‚Swee­the­art, du bist mit ei­nem Pe­nis ge­bo­ren wor­den, also bist du ein Jun­ge. Du wirst im­mer ei­nen Pe­nis ha­ben, und dar­um wirst du im­mer ein Jun­ge sein.‘“

Ein paar Näch­te spä­ter we­cke ihr Kind sie auf, sicht­lich auf­ge­regt. „Es war so­was wie ‚Mama, ich möch­te kein Jun­ge sein‘“, sagt Smith, „und dann hat es fast ge­schrien: ‚Ich schnei­de mei­nen Pe­nis ab, ich will mei­nen Pe­nis los­sein.‘“«  

Das Kind woll­te Mäd­chen­klei­dung tra­gen, und die Mut­ter ak­zep­tier­te es schließ­lich. Sie sprach mit dem Kin­der­gar­ten und über­ließ es dem Kind, ob es Jun­gen­klei­dung, Mäd­chen­klei­dung oder neu­tra­le Klei­dung trug. Es wähl­te im­mer ste­reo­ty­pe Mäd­chen­klei­dung. Das Schrei­en hör­te auf, das Kind war zu­frie­den, sagt die Mut­ter. Der Va­ter er­wirk­te eine ge­richt­li­che Ver­fü­gung: das Kind darf in der Öf­fent­lich­keit kei­ne Mäd­chen­klei­dung tra­gen.

»Für Smith war die Ver­fü­gung ein Schock. „Ich bin die Per­son, die die­ses Kind bes­ser kennt als sonst je­mand auf der Welt“, sagt sie. „Es ist, als ob man dem ei­ge­nen Kind sagt, für das es eine gro­ße Sa­che ist, Spi­der­man zu sein – und dem man er­laubt hat, ei­nen Spi­der­man-Ruck­sack zu ha­ben, ein Spi­der­man-Hemd, ei­nen Spi­der­man-Stift und eine Spi­der­man-Tas­se –, und plötz­lich kommt man da­her und nimmt ihm all das weg. Und gibt ihm eine Bat­man-Tas­se.“«

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Anmerkung

  1. Ashi­fa Kas­sam: Ca­na­da or­der bar­ring child from wea­ring girls’ clo­thes prompts call for chan­ge. In: The Guar­di­an, In­ter­net-Aus­ga­be, 19. No­vem­ber 2016, https://www.theguardian.com/world/2016/nov/19/canada-gender-identity-training-lawsuit-clothing-public-alberta, ab­ge­ru­fen am 19.11.2016.

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Der Junge, der seinen Penis loswerden wollte — 1 Kommentar

  1. Kom­men­tar: Ver­mut­lich ein Vor­ge­schmack auf das, was in den kom­men­den Mo­na­ten – viel­leicht Jah­ren – im Zuge der Trum­pe­ti­sie­rung in den USA für Ord­nung in den durch ‚gen­der trou­ble‘ ver­un­si­cher­ten rechts­kon­ser­va­ti­ven Ge­mü­tern sor­gen mag. Wenn doch schon der Klei­ne (Hans!?) zu ei­nem der­art de­sas­trö­sen Lö­sungs­an­satz – der Be­frei­ung des ihm mit­ge­ge­be­nen (- oder ist es nur das auf­ge­tra­ge­ne -) Ge­schlechts – durch ei­nen ra­di­ka­len cut und da­mit der ra­di­ka­len Ab­tren­nung von dem, was von ihm er­war­tet wird, be­reit ge­we­sen zu sein scheint, dann bleibt wohl nicht viel Raum für ge­lin­gen­de, gute Kom­pro­miss­lö­sun­gen.

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