Liebesanspruch

The King’s Beech

stand by meFoto: Rolf Nemitz

In die Kör­per wer­den Si­gni­fi­kan­ten ein­ge­schrie­ben – das ist nicht nur eine Me­ta­pher. Men­schen las­sen sich tä­to­wie­ren und be­schnei­den, Tie­re wer­den durch Brand­ma­le und Kenn­zei­chen mar­kiert, auf Ge­bäu­den kon­kur­rie­ren Graf­fi­ti mit Wer­be­slo­gans.

Auch Pflan­zen tra­gen Tat­toos. Der Lied­text, der hier in die Rin­de ei­ner Tier­gar­ten­bu­che ein­ge­schnit­ten wur­de – Stand by Me von Ben E. King und Mike Stol­ler – hat als Vor­la­ge ein Spi­ri­tu­al: Oh Lord, Stand by Me. Der in­sis­tie­ren­de Ruf nach Hil­fe – „Stand, stand by me“ – stützt sich auf die Va­ter­sehn­sucht.

Durch das tran­si­ti­ve „to stand by so­meo­ne“ – je­man­dem bei­ste­hen – schim­mert das in­tran­si­ti­ve „to stand by“ hin­durch, da­ste­hen, wie in „He just stood by“, Er hat ein­fach da­bei­ge­stan­den. Der Lie­bes­an­spruch ist die For­de­rung nach An­we­sen­heit vor dem Hin­ter­grund ei­ner mög­li­chen Ab­we­sen­heit: An­spruch an den An­de­ren, in den Stand­by-Mo­dus über­zu­ge­hen.1

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Anmerkungen

  1. La­can ent­wi­ckelt das Kon­zept des Lie­bes­an­spruchs in Se­mi­nar 5, in der Gon­dek-Über­set­zung der Mil­ler-Edi­ti­on auf den Sei­ten 155, 432–435, 449–453, 471 f., 478 f., 499–509, 511, 518–521, 558–560, 582–585, 588–590, 592 f.– Zur Tä­to­wie­rung vgl. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Mil­ler-Haas, S. 216.

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