Metapher und Metonymie

Jakobson über Freud und wie Lacan daran anschließt

Magritte René - La Durée (zu Jacques Lacan und Roman Jakobson über Metapher und Metonymie)
René Mag­rit­te, La Du­rée poi­gnar­dée (Die er­dolch­te Dau­er), 1938, Öl auf Lein­wand, 147 x 99 cm
Art In­sti­tu­te of Chi­ca­go

In dem Auf­satz Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud ent­wi­ckelt La­can das Be­griffs­paar Me­ta­pher und Me­to­ny­mie.1 Er stützt sich hier­für aus­drück­lich auf Ro­man Ja­kobson, und das ist be­kannt. In Sean Ho­mers La­can-Ein­füh­rung liest sich das so:

“La­can sah in Ja­kobsons struk­tu­ra­lem Mo­dell von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie eine di­rek­te Ent­spre­chung zu Freuds Pro­zes­sen der Traum­ar­beit: Ver­dich­tung und Ver­schie­bung.“2

Das ist nicht falsch, aber ir­re­füh­rend. Der Satz legt nahe, dass Ja­kobson eine Be­zie­hung zwi­schen Me­ta­pher und Me­to­ny­mie und Freuds Be­grif­fen der Ver­dich­tung und der Ver­schie­bung nicht selbst her­ge­stellt hat und dass erst La­can die­sen Schritt ge­gan­gen ist. Das aber stimmt nicht. Ja­kobson be­zieht sich in sei­nem Auf­satz über Me­ta­pher und Me­to­ny­mie aus­drück­lich auf Freuds Ver­dich­tung und Ver­schie­bung – und auf wei­te­re Freud­sche Ka­te­go­ri­en.

Wie ge­nau be­zieht Ja­kobson sich auf Freud und was fängt La­can da­mit an?

Ein Blick in die Sekundärliteratur

Dass Ja­kobson sein Be­griffs­paar von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie selbst be­reits auf Freuds Be­grif­fe der Ver­dich­tung und der Ver­schie­bung be­zieht, scheint weit­ge­hend un­be­kannt zu sein, zu­min­dest habe ich kaum Hin­wei­se dar­auf ge­fun­den – nicht bei We­ber3, nicht bei Mul­ler & Ri­chard­son4, nicht bei Ben­ven­uto & Ken­ne­dy5, nicht bei Pa­gel6, nicht bei Wid­mer7, nicht bei Borch-Ja­cob­sen8, nicht bei Evans9, nicht bei Por­ge10, nicht bei Fink11, nicht bei Braun12, nicht bei Che­ma­ma & Van­derm­ersch13.

In mei­ner Bi­blio­thek bin ich auf zwei Ar­bei­ten ge­sto­ßen, in de­nen die­ser Zu­sam­men­hang er­wähnt wird. Kai Ham­mer­meis­ter stellt die Be­zie­hung so dar:

In ei­nem ab­schlie­ßen­den Pas­sus sei­nes Auf­sat­zes zur Apha­sie ver­bin­det Ja­kobson nun die­se bei­den sprach­kon­sti­tu­ie­ren­den Ach­sen mit Me­cha­nis­men der Traum­ar­beit, die Freud in dem Ka­pi­tel ‚Ver­dich­tung und Ver­schie­bung‘ der Traum­deu­tung aus­ge­ar­bei­tet hat­te. Freuds Ver­schie­bung ope­riert ent­spre­chend der me­to­ny­mi­schen Sprach­dy­na­mik, die Ver­dich­tung ent­spre­chend der Syn­ek­do­che. Das Prin­zip der Ähn­lich­keit im Traum rich­tet sich für Ja­kobson an der Tro­pe der Sym­bo­li­sie­rung aus. La­can wird die­se Par­al­le­li­sie­run­gen mit ei­ner ge­rin­gen Kor­rek­tur über­neh­men. (…) Und ge­nau wie Ja­kobson ver­bin­det er [La­can] das Traum­be­ar­bei­tungs­prin­zip der Ver­schie­bung mit der Tro­pe der Me­to­ny­mie; die Ver­dich­tung ent­spricht La­can zu­fol­ge al­ler­dings nicht der Syn­ek­do­che, mit der Ja­kobson sie par­al­le­li­siert hat­te, son­dern der Me­ta­pher.“14

Dem­nach stellt Ja­kobson fol­gen­de Ver­bin­dun­gen zu Freud her:
– Me­to­ny­mie: Ver­schie­bung
– Syn­ek­do­che: Ver­dich­tung
– Ähn­lich­keit (also Me­ta­pher): Sym­bo­li­sie­rung (statt „Sym­bo­li­sie­rung“ müss­te es „Sym­bo­lik“ hei­ßen)

Die­se Dar­stel­lung ist un­voll­stän­dig. Sie re­fe­riert drei von Ja­kobsons Freud­be­zü­gen, über­geht aber eine Ver­bin­dung, die Ja­kobson dar­über hin­aus zu Freud her­stellt.

Das feh­len­de vier­te Ele­ment fin­det man bei Mal­colm Bo­wie, der die bes­te Dar­stel­lung die­ses Zu­sam­men­hangs gibt:

Ja­kobson selbst, von dem die Be­grif­fe ‚Me­ta­pher‘ und ‚Me­to­ny­mie‘ ent­lehnt sind, hat­te ein ganz an­de­res Mus­ter der Zu­ord­nung sei­ner Be­grif­fe zu de­nen Freuds vor­ge­schla­gen. ‚Ver­dich­tung‘ und ‚Ver­schie­bung‘ wa­ren dem­zu­fol­ge me­to­ny­misch, wäh­rend ‚Iden­ti­fi­zie­rung‘ und ‚Sym­bo­lik‘ als me­ta­pho­risch gal­ten.“15

Dem­nach bringt Ja­kobson die Me­ta­pher nicht nur mit der Sym­bo­lik zu­sam­men, son­dern auch mit der Iden­ti­fi­zie­rung. Ja­kobson stellt (sagt Bo­wie) fol­gen­de Be­zü­ge zu Freud her:
– Me­to­ny­mie: Ver­dich­tung und Ver­schie­bung
– Me­ta­pher: Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik

Zwi­schen Ham­mer­meis­ters und Bo­wies Ja­kobson-Dar­stel­lung scheint es ei­nen Wi­der­spruch zu ge­ben. Ham­mer­meis­ter zu­fol­ge be­zieht Ja­kobson den Be­griff der Ver­schie­bung auf die Me­to­ny­mie und den der Ver­dich­tung auf die Syn­ek­do­che, Bo­wie hin­ge­gen schreibt, das Ja­kobson Ver­schie­bung und Ver­dich­tung glei­cher­ma­ßen der Me­to­ny­mie zu­ord­net. Wer hat recht? Bei­de.

Was Jakobson über Freud schreibt

Was ge­nau be­haup­tet Ja­kobson über Freud? Die Pas­sa­ge, um die es geht, fin­det sich in Ja­kobsons Auf­satz Two as­pects of lan­guage and two ty­pes of apha­sic dis­tur­ban­ces (1956). Hier kann man le­sen:

A com­pe­ti­ti­on bet­ween both de­vices, me­to­ny­mic and me­ta­pho­ric, is ma­ni­fest in any sym­bo­lic pro­cess, eit­her in­tra­per­so­nal or so­ci­al. Thus in an in­qui­ry into the struc­tu­re of dreams, the de­cisi­ve ques­ti­on is, whe­ther the sym­bols and the tem­po­ral se­quen­ces used are ba­sed on con­ti­gui­ty (Freud’s me­to­ny­mic ‚dis­pla­ce­ment‘ and syn­ec­dochic ‚con­den­sa­ti­on‘) or on si­mi­la­ri­ty (Freud’s ‚iden­ti­fi­ca­ti­on and sym­bo­lism‘).“16

Die ver­öf­fent­lich­te deut­sche Über­set­zung hat den Ti­tel Zwei Sei­ten der Spra­che und zwei Ty­pen apha­ti­scher Stö­run­gen.17 Lei­der ent­hält die Über­set­zung der zi­tier­ten Pas­sa­ge ei­nen Feh­ler: dis­pla­ce­ment wird hier mit „Ver­drän­gung“ statt mit „Ver­schie­bung“ ins Deut­sche ge­bracht („Ver­drän­gung“ wäre re­pres­si­on).18

Hier mei­ne Über­set­zung:

Eine Ri­va­li­tät zwi­schen den bei­den Me­cha­nis­men, me­to­ny­mi­schen und me­ta­pho­ri­schen, ma­ni­fes­tiert sich in je­dem sym­bo­li­schen Pro­zess, sei er in­tra­per­so­nal oder so­zi­al. So lau­tet bei der Er­for­schung der Struk­tur der Träu­me die ent­schei­den­de Fra­ge, ob die Sym­bo­le und die ver­wen­de­ten zeit­li­chen Se­quen­zen auf Kon­ti­gui­tät be­ru­hen (Freuds me­to­ny­mi­sche ‚Ver­schie­bung‘ und syn­ek­doch­ei­sche ‚Ver­dich­tung‘) oder auf Si­mi­la­ri­tät (Freuds ‚Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik‘).“

Die An­füh­rungs­zei­chen um „Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik“, die man so im Ori­gi­nal fin­det, sind ver­mut­lich ein Schreib- oder Satz­feh­ler; ein Be­griffs­paar „Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik“ gibt es bei Freud nicht. Plau­si­bler ist die Schrei­bung „Freuds ‚Iden­ti­fi­zie­rung‘ und ‚Sym­bo­lik‘“, so wie es Bo­wie (oder sein Über­set­zer La­er­mann) still­schwei­gend kor­ri­giert hat.

Jakobson über Metapher und Metonymie

Will man Ja­kobsons Be­zug­nah­me auf Freud nach­voll­zie­hen, muss man re­kon­stru­ie­ren, wie er in sei­nem Auf­satz die­se Be­grif­fe ver­wen­det: Kon­ti­gui­tät und Si­mi­la­ri­tät, Me­to­ny­mie und Me­ta­pher und schließ­lich Syn­ek­do­che.

Je­des sprach­li­che Zei­chen ge­hört – so be­haup­tet Ja­kobson in Zwei Sei­ten der Spra­che – gleich­zei­tig zu zwei un­ter­schied­li­chen Ord­nun­gen. Es be­ruht im­mer auf der Ope­ra­ti­on der Kom­bi­na­ti­on und zu­gleich auf der Ope­ra­ti­on der Se­lek­ti­on. Die Kom­bi­na­ti­on, das ist etwa die Ope­ra­ti­on, durch wel­che die Pho­neme „s“, „a“, „f“ und „t“ zu „Saft“ ver­bun­den wer­den. Die Se­lek­ti­ons­ope­ra­ti­on be­steht dar­in, dass an ei­ner be­stimm­ten Stel­le bei­spiels­wei­se ein „s“ aus­ge­wählt wird und dass Al­ter­na­ti­ven wie „h“ oder „p“ oder „r“ oder „sch“ oder „t“ zu­rück­ge­wie­sen wer­den – ich sage „Saft“ statt „Haft“ oder „pafft“ oder „rafft“ oder „Schaft“ oder „Taft“.

Die­se bei­den Ope­ra­tio­nen wer­den nicht nur, wie im Bei­spiel, auf der Ebe­ne der Wort­bil­dung voll­zo­gen, son­dern auf sämt­li­chen Ebe­nen der Spra­che: bei der Er­zeu­gung von Pho­ne­men, von Sät­zen, von Er­zäh­lun­gen usw.

Den Ope­ra­tio­nen der Kom­bi­na­ti­on und der Se­lek­ti­on wer­den von Ja­kobson zwei Ar­ten von Be­zie­hun­gen zwi­schen sprach­li­chen Ein­hei­ten zu­ge­ord­net: Kon­ti­gui­tät und Si­mi­la­ri­tät.

Die Kom­bi­na­ti­on er­zeugt ei­nen Kon­text, bei­spiels­wei­se führt die Kom­bi­na­ti­on der Wör­ter „ei­nen“, „Saft“ und „bit­te“ dazu, dass ein Satz ent­steht, der den Kon­text die­ser drei Wör­ter bil­det: „ei­nen Saft bit­te“. Die Be­stand­tei­le die­ses Kon­texts, also die Wör­ter „ei­nen“, „Saft“ und „bit­te“, ste­hen im Satz zu­ein­an­der in Be­zie­hun­gen der Kon­ti­gui­tät, der un­mit­tel­ba­ren Nach­bar­schaft. Kom­bi­na­ti­on er­zeugt Kon­ti­gui­tät.

Bei der Ope­ra­ti­on der Se­lek­ti­on geht es dar­um, zwi­schen sprach­li­chen Ein­hei­ten eine Aus­wahl zu tref­fen. Die Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ein­hei­ten sind in die­sem Fal­le ver­schie­de­ne Gra­de der Gleich­ar­tig­keit; bei Wör­tern liegt die Gleich­ar­tig­keit zwi­schen, auf der ei­nen Sei­te, der Gleich­wer­tig­keit von Syn­ony­men und, am an­de­ren Pol, dem ge­mein­sa­men Be­deu­tungs­kern von Ge­gen­be­grif­fen, sagt Ja­kobson. Zu den Gra­den der Gleich­ar­tig­keit ge­hö­ren auch, so kann man er­gän­zen, die Be­zie­hun­gen zu Ober- und Un­ter­be­grif­fen; statt „Saft“ kann ich auch „Ge­tränk“ sa­gen oder „Oran­gen­saft“. Ja­kobson nennt die Be­zie­hung zwi­schen den sprach­li­chen Ein­hei­ten, in Be­zug auf die eine Se­lek­ti­on voll­zo­gen wird, „Si­mi­la­ri­tät“, also Ähn­lich­keit. Ich sage „ei­nen Saft bit­te“, statt, bei­spiels­wei­se, „ei­nen Schnaps bit­te“, „Saft“ und „Schnaps“ ste­hen in ei­ner Be­zie­hung der Si­mi­la­ri­tät, bei­des sind Kalt­ge­trän­ke mit der Merk­mals­op­po­si­ti­on nicht­al­ko­ho­lisch ver­sus al­ko­ho­lisch.

Die Ope­ra­ti­on der Kom­bi­na­ti­on bringt also sprach­li­che Ein­hei­ten in ein Ver­hält­nis der Kon­ti­gui­tät, die Ope­ra­ti­on der Se­lek­ti­on wird an Ein­hei­ten un­ter dem As­pekt voll­zo­gen, dass sie in Be­zie­hun­gen der Si­mi­la­ri­tät zu­ein­an­der ste­hen.

Auch die­se bei­den Be­zie­hun­gen, Kon­ti­gui­tät und Si­mi­la­ri­tät, sind auf sämt­li­chen Ebe­nen der Spra­che wirk­sam. Wenn ich, bei­spiels­wei­se, eine Ge­schich­te er­zähl­te, brin­ge ich die Bau­stei­ne des Er­zäh­lens in ein Ver­hält­nis der Nach­bar­schaft – ich spu­le die Ge­schich­te ab, könn­te man sa­gen –, und ich wäh­le da­bei zwi­schen ähn­li­chen nar­ra­ti­ven Ein­hei­ten.

Aus­ge­hend von die­ser ge­dop­pel­ten Be­griffs­op­po­si­ti­on – Kom­bi­na­ti­on-Kon­ti­gui­tät ver­sus Se­lek­ti­on-Si­mi­la­ri­tät – un­ter­schei­det Ja­kobson zwei For­men der Apha­sie, also der auf ei­ner Schä­di­gung des Ge­hirns be­ru­hen­den Sprach­stö­rung. Bei der ei­nen Form ist die Fä­hig­keit stark ein­ge­schränkt, durch Kom­bi­na­ti­on Be­zie­hun­gen der Kon­ti­gui­tät her­vor­zu­brin­gen, an­ders ge­sagt: der Kran­ke ist nicht dazu in der Lage, Sät­ze zu bil­den. Er ver­wen­det meist Ein-Wort-Sät­ze; um in mei­nem Bei­spiel zu blei­ben, er sagt „Saft“, und das kann dann hei­ßen, dass er Saft trin­ken möch­te oder dass je­mand an­ders Saft ver­schüt­tet hat usw. Bei der zwei­ten Form der Apha­sie ist es dem Kran­ken nicht mög­lich, eine Be­zie­hung zwi­schen ähn­li­chen Wör­tern her­zu­stel­len; bei­spiels­wei­se kann er die Fra­ge „Was ist ein Jung­ge­sel­le?“ nicht mit „Ein un­ver­hei­ra­te­ter Mann“ be­ant­wor­ten. Es gibt also eine Form der Apha­sie, bei der die Stö­rung dar­in be­steht, dass die Her­stel­lung von Kon­ti­gui­tät blo­ckiert ist, und es gibt eine an­de­re Form der Apha­sie, bei der es dem Kran­ken nicht mög­lich ist, zwi­schen Ein­hei­ten aus­zu­wäh­len, die in Be­zie­hun­gen der Si­mi­la­ri­tät zu­ein­an­der ste­hen.

Im nächs­ten Ar­gu­men­ta­ti­ons­schritt be­zieht Ja­kobson sei­nen Dua­lis­mus auf die Op­po­si­ti­on von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie. Den Be­griff der Me­ta­pher ge­braucht er im An­schluss an die klas­si­sche Rhe­to­rik: Aus­tausch ei­nes Ele­ments durch ein ähn­li­ches. Eine Me­ta­pher ver­wen­de ich, wenn ich sage „Ein­mal Jau­che bit­te“ und durch den Kon­text klar ist, dass ich Saft mei­ne.

Den Be­griff der Me­to­ny­mie ver­wen­det Ja­kobson an­ders als üb­lich. In der Rhe­to­rik ver­steht man un­ter ei­ner Me­to­ny­mie den Aus­tausch ei­nes Wor­tes durch ein an­de­res Wort, und zwar so, dass die Ge­gen­stän­de, auf die sich die bei­den Wör­ter be­zie­hen, in ei­nem Ver­hält­nis der Nach­bar­schaft zu­ein­an­der ste­hen. Wenn ich ei­nen Saft in der Wei­se an­for­de­re, dass ich sage „ein Glas bit­te“, ist „Glas“ eine Me­to­ny­mie, und zwar des­halb, weil das Glas und der Saft in der au­ßer­sprach­li­chen Rea­li­tät räum­lich be­nach­bart sind – der Saft ist im Glas. Ja­kobson hin­ge­gen ver­steht un­ter ei­ner Me­to­ny­mie eine Nach­bar­schaft zwi­schen Ein­hei­ten der Spra­che. Wenn ich „Saft“ durch „Glas“ er­set­ze, ist das auch für ihn eine Me­to­ny­mie, aber mit ei­ner an­de­ren Be­grün­dung. Mit „Glas“ ver­wen­de ich ei­nen Aus­druck, der zu dem Wort „Saft“ in ei­ner Be­zie­hung der sprach­li­chen Kon­ti­gui­tät steht, in­so­fern näm­lich, als häu­fig von ei­nem „Glas Saft“ oder von ei­nem „Saft­glas“ ge­spro­chen wird. Um eine Me­to­ny­mie han­delt es sich für Ja­kobson auf­grund die­ser sprach­li­chen Be­nach­bart­heit.19

Ja­kobson be­zieht die Aus­drü­cke Me­ta­pher und Me­to­ny­mie bei­de auf den Vor­gang der Se­lek­ti­on, und zwar spe­zi­ell auf die Aus­wahl von Wör­tern. Die Bil­dung ei­nes Sat­zes kann man sich so zu­recht­le­gen. Ers­te Ebe­ne: ich kom­bi­nie­re die Wör­ter zu ei­nem Satz: „ei­nen Saft bit­te“ (Kom­bi­na­ti­on-Kon­ti­gui­tät). Da­bei tref­fe ich an je­der Stel­le eine Aus­wahl, ich sage nicht „drei Schnaps, du Arsch“ (Se­lek­ti­on-Si­mi­la­ri­tät). Zwei­te Ebe­ne: Die Se­lek­ti­on kann in zwei Rich­tun­gen ge­hen. Statt „Saft“ kann ich „Zu­cker­pis­se“ sa­gen (wie ich ein­mal ge­hört habe), „eine Zu­cker­pis­se bit­te“; in die­sem Fall bil­de ich eine Me­ta­pher. Statt „Saft“ kann ich aber auch ganz schlicht „Glas“ sa­gen, „ein Glas bit­te“ (und durch den Kon­text sei fest­ge­legt, dass da­mit ge­meint ist: ein mit Saft ge­füll­tes Glas). In die­sem Fall bil­de ich eine Me­to­ny­mie.

Die Me­ta­phern­bil­dung, sagt Ja­kobson, be­ruht auf der Be­zie­hung der Si­mi­la­ri­tät. Die Me­to­ny­mie be­ruht, ihm zu­fol­ge, auf Kon­ti­gui­tät, und da­mit kommt eine Kom­pli­ka­ti­on ins Spiel. Denn im Fall der Me­to­ny­mie wird die Kon­ti­gui­tät nicht, wie in den bis­he­ri­gen Bei­spie­len für Kon­ti­gui­tät, im Spre­chen ak­tu­ell rea­li­siert; sie ist viel­mehr ein Typ der Se­lek­ti­on, und die Kon­ti­gui­tät wird an ei­ner Wahl­stel­le nur vir­tu­ell durch­lau­fen.

Bei ei­ner Si­mi­la­ri­täts­stö­rung ist es nicht mög­lich, Me­ta­phern zu er­zeu­gen oder sie zu ver­ste­hen. Bei die­sem Typ der Apha­sie ist der Kran­ke je­doch in der Lage, Wör­ter nach ei­nem an­de­ren Prin­zip aus­zu­tau­schen. Statt „Gib mir das Mes­ser“ sagt er bei­spiels­wei­se „Gib mir die Ga­bel“. Für Ja­kobson heißt das: der Kran­ke ist in der Lage, Me­to­ny­mi­en zu bil­den. Um eine Me­to­ny­mie han­delt es sich für ihn, wie er­läu­tert, des­halb, weil „Ga­bel“ und „Mes­ser“ in Sät­zen häu­fig kom­bi­niert wer­den, also in Kon­ti­gui­täts­be­zie­hun­gen ge­bracht wer­den; man den­ke an Hel­mut Kohls Be­mer­kung „Mer­kel konn­te ja nicht mit Mes­ser und Ga­bel es­sen“.

Bei ei­ner Kon­ti­gui­täts­stö­rung kann der Kran­ke, wie er­wähnt, kei­ne Sät­ze bil­den. Er ist au­ßer­dem nicht in der Lage, Me­to­ny­mi­en zu er­zeu­gen. Wenn er das Wort „Saft“ nicht ab­ru­fen kann (um wei­ter in mei­nem Bei­spiel zu blei­ben), kann er es nicht durch das Wort „Glas“ er­set­zen. Bei ei­ner Kon­ti­gui­täts­stö­rung ist die Kon­ti­gui­tät also dop­pelt ein­ge­schränkt: dem Kran­ken ist es nicht mög­lich, Sät­ze zu bil­den, und an ei­ner Se­lek­ti­ons­stel­le ist er nicht in der Lage, sprach­li­che Ele­men­te zu wäh­len, die im ge­wöhn­li­chen Sprach­ge­brauch be­nach­bart sind. Ein Aphasiker die­ses Typs ist je­doch in der Lage, zwi­schen Wör­tern aus­zu­wäh­len, die in ei­ner Be­zie­hung der Si­mi­la­ri­tät ste­hen. Ja­kobson be­rich­tet, dass der Kran­ke bei­spiels­wei­se „Mi­kro­skop“ statt „Fern­glas“ sagt.

Von hier aus ge­langt Ja­kobson dazu, zwei un­ter­schied­li­che „se­man­ti­sche Rich­tun­gen“ zu un­ter­schei­den, den „me­ta­pho­ri­schen Weg“ und den „me­to­ny­mi­schen Weg“.20 Er be­zieht die­se bei­den Wege auf ein brei­tes Spek­trum von Phä­no­me­nen.

Bei ei­nem As­so­zia­ti­ons­test kann man zu ei­nem Wort ei­nen Aus­druck as­so­zi­ie­ren, der ähn­lich ist („Hüt­te“ – „klei­nes Haus“) oder ei­nen Aus­druck, der zum Im­puls­wort nor­ma­ler­wei­se in syn­tak­ti­scher Kon­ti­gui­tät steht („Hüt­te“ – „ab­ge­brannt“). Der ers­te As­so­zia­ti­onsyp ge­hört für Ja­kobson zum me­ta­pho­ri­schen, der zwei­te zum me­to­ny­mi­schen Weg.

Auf die­sel­be Wei­se un­ter­schei­det Ja­kobson zwei For­men der Dich­tung. In der Ro­man­tik und im Sym­bo­lis­mus über­wiegt der me­ta­pho­ri­sche Pro­zess. In der rea­lis­ti­schen Li­te­ra­tur wer­den die Ele­men­te der Er­zäh­lung nach dem Prin­zip der Me­to­ny­mie ver­knüpft: die Dar­stel­lung geht von der Hand­lung zum Hin­ter­grund über und von den Per­so­nen zur Dar­stel­lung des Raums und der Zeit. Ich ver­mu­te, dass Ja­kobson hier dar­auf an­spielt, dass die­ser Er­zähl­tech­nik die­sel­be Kom­bi­na­ti­ons­stra­te­gie liegt wie der Bil­dung von Sät­zen. Wenn ich sage „ich be­stel­le ei­nen Saft, weil ich durs­tig bin“, ist das der Über­gang von der Hand­lung zum Hin­ter­grund; wenn ich sage „sie ist jetzt da“, ist das der Über­gang von der Per­son zur Zeit und zum Raum.

An die­ser Stel­le bringt Ja­kobson den Be­griff „Syn­ek­do­che“ ins Spiel, den er spä­ter im Text auch ver­wen­det, um die Be­zie­hung zu Freud her­zu­stel­len. Der rea­lis­ti­sche Au­tor

setzt gern Tei­le fürs Gan­ze. In der Selbst­mord­sze­ne Anna Ka­reni­nas rich­tet Tol­s­toj die Auf­merk­sam­keit auf die Hand­ta­sche der Hel­din; in ‚Krieg und Frie­den‘ wer­den die Syn­ek­do­chen (also die Tro­pen des pars pro toto, ge­nus pro spe­cie) Haa­re auf der Ober­lip­pe oder nack­te Schul­tern von Tol­s­toj für die Frau­en, die die­se Ei­gen­hei­ten auf­wei­sen, ver­wen­det.“21

Un­ter ei­ner Syn­ek­do­che ver­steht Ja­kobson hier, wie in der Rhe­to­rik üb­lich, die Be­zie­hun­gen „Teil fürs Gan­ze“ und „Gat­tung für die Art“. Aus dem Kon­text geht her­vor, dass er an die­ser Stel­le zu­gleich den Weg der Me­to­ny­mie be­schreibt. Ei­ni­ge Sät­ze spä­ter heißt es:

Ein il­lus­tra­ti­ves Bei­spiel aus der Ge­schich­te der Ma­le­rei bie­tet die ganz of­fen­sicht­lich me­to­ny­mi­sche Ori­en­tie­rung des Ku­bis­mus, wo das Ob­jekt in ein Ge­fü­ge von Syn­ek­do­chen auf­ge­löst ist.“22

Die Syn­ek­do­che ge­hört für Ja­kobson dem­nach zur me­to­ny­mi­schen Ori­en­tie­rung. Da­nach heißt es zu ei­ner Stu­die über den rus­si­schen Dich­ter Gleb Iva­no­vič Us­pens­kij, der Au­tor

zeigt, daß Us­pens­kij eine be­son­de­re Nei­gung zur Me­to­ny­mie und be­son­ders zur Syn­ek­do­che be­sitzt (…).“23

Für Ja­kobson ist die Syn­ek­do­che eine Form der Me­to­ny­mie.

Ja­kobson ver­wen­det den Aus­druck „Me­to­ny­mie“ also in zwei ver­schie­de­nen Be­deu­tun­gen. Zum ei­nen in der Op­po­si­ti­on von Me­to­ny­mie und Me­ta­pher, sa­gen wir: Me­to­ny­mie im wei­te­ren Sin­ne. Wenn er vom „me­to­ny­mi­schen Weg“ spricht, geht es um die Me­to­ny­mie im wei­te­ren Sin­ne. Von hier aus ge­se­hen ist die Syn­ek­do­che eine Spe­zi­al­form der Me­to­ny­mie. Zum an­de­ren ver­wen­det er den Be­griff Me­to­ny­mie im Sin­ne der klas­si­schen Rhe­to­rik, Aus­tausch be­nach­bar­ter Ele­men­te. Die Me­to­ny­mie im en­ge­ren Sin­ne bil­det eine Al­ter­na­ti­ve zur Syn­ek­do­che, zum Aus­tausch des Teils für das Gan­ze oder der Gat­tung für die Art. Der me­to­ny­mi­sche Weg nimmt also zwei For­men an: Me­to­ny­mie und Syn­ek­do­che. Man stößt hier bei Ja­kobson auf eine he­ge­lia­ni­sche Fi­gur: der Be­griff Me­to­ny­mie ist zu­gleich der Ober­be­griff und ei­ner sei­ner Un­ter­be­grif­fe.

Jakobson über Freud, noch einmal

Da­mit ist klar, wie Ja­kobsons Be­mer­kung zu Freud auf­zu­fas­sen ist.

In ei­nem Traum, sagt Ja­kobson, be­ruht die Be­zie­hung zwi­schen den Sym­bo­len und ihre zeit­li­che An­ord­nung ent­we­der auf me­to­ny­mi­schen oder auf me­ta­pho­ri­schen Me­cha­nis­men. Hier spricht Ja­kobson über Me­to­ny­mie im wei­te­ren Sin­ne.

Die Be­zie­hung zwi­schen den Sym­bo­len des Traums, sagt Ja­kobson au­ßer­dem, ba­siert ent­we­der auf Kon­ti­gui­tät oder auf Si­mi­la­ri­tät.

Die bei­den Be­griffs­paa­re wer­den von ihm par­al­le­li­siert: die Kon­ti­gui­tät ent­spricht der Me­to­ny­mie, die Si­mi­la­ri­tät ent­spricht der Me­ta­pher. Die Sym­bo­le des Traums ste­hen ent­we­der in der Be­zie­hung der Me­to­ny­mie, d.h. der Kon­ti­gui­tät, oder in der Be­zie­hung der Me­ta­pher, d.h. der Si­mi­la­ri­tät.

Wenn die Be­zie­hung zwi­schen den Traum­sym­bo­len auf Kon­ti­gui­tät be­ruht (sagt Ja­kobson), han­delt es sich ent­we­der um eine me­to­ny­mi­sche Ver­schie­bung, „Ver­schie­bung“ im Sin­ne von Freud, oder um eine syn­ek­doch­ei­sche Ver­dich­tung, auch hier „Ver­dich­tung“ im Sin­ne von Freud. Hier spricht Ja­kobson über Me­to­ny­mie im en­ge­ren Sin­ne. Der me­to­ny­mi­sche Weg kann beim Traum dem­nach durch zwei Pfa­de rea­li­siert wer­den, durch die Me­to­ny­mie im en­ge­ren Sin­ne (Nach­bar­schafts­be­zie­hung: Ver­schie­bung) oder durch die Syn­ek­do­che (Pars pro toto: Ver­dich­tung).

Wenn je­doch in ei­nem Traum, sagt Ja­kobson, die Be­zie­hung zwi­schen den Sym­bo­len auf Si­mi­la­ri­tät be­ruht, han­delt es sich ent­we­der um das, was Freud als Iden­ti­fi­zie­rung be­zeich­net, oder um das, was Freud Sym­bo­lik nennt.

Ja­kobson stellt also fol­gen­de Be­zü­ge zu Freud her:

Kontiguität/Metonymie i.w.S.
– Me­to­ny­mie i.e.S.: Ver­schie­bung
– Syn­ek­do­che: Ver­dich­tung

Similarität/Metapher
– Iden­ti­fi­zie­rung
– Sym­bo­lik

Ja­kobson be­zieht sich auf Freuds Traum­deu­tung, und dar­in auf Ka­pi­tel VI, das den Ti­tel „Die Traum­ar­beit“ hat. Die Ver­dich­tung wird hier in Ab­schnitt A dar­ge­stellt, „Die Ver­dich­tungs­ar­beit“; die Ver­schie­bung wird in Ab­schnitt B er­läu­tert, „Die Ver­schie­bungs­ar­beit“; die Iden­ti­fi­zie­rung wird vor al­lem in Ab­schnitt C be­han­delt, „Die Dar­stel­lungs­mit­tel im Traum“; die Sym­bo­lik ist Ge­gen­stand von Ab­schnitt E, „Die Dar­stel­lung durch Sym­bo­le im Traum – wei­te­re ty­pi­sche Träume“.

Un­ter ei­ner Ver­schie­bung ver­steht Freud eine be­stimm­te Be­zie­hung zwi­schen dem la­ten­ten Traum­ge­dan­ken und dem ma­ni­fes­ten Traum­in­halt (dem er­zähl­ten Traum). Ei­ni­ge Vor­stel­lun­gen sind bei­den Ebe­nen ge­mein­sam; in Freuds Traum von der bo­ta­ni­schen Mo­no­gra­fie ge­hört dazu die Vor­stel­lung „bo­ta­nisch“. Auf den bei­den Ebe­nen hat sie je­doch eine un­ter­schied­li­che „Wer­tig­keit“, wie Freud sagt. Im la­ten­ten Traum­ge­dan­ken ist sie mar­gi­nal, im ma­ni­fes­ten Traum­in­halt zen­tral. Und dar­in be­steht die Ver­schie­bung: beim Über­gang von der la­ten­ten zur ma­ni­fes­ten Ebe­ne wech­selt die Wer­tig­keit ei­ner Vor­stel­lung.

Was hat Freuds Ver­schie­bung mit Kon­ti­gui­ti­ät und mit Me­to­ny­mie zu tun? Viel­leicht hat Ja­kobson es sich so zu­recht­ge­legt: Der la­ten­te Traum­ge­dan­ke und der ma­ni­fes­te Traum­in­halt las­sen sich bei­de nach der Art von sprach­li­chen Ge­bil­den auf­fas­sen, sie äh­neln Sät­zen oder Er­zäh­lun­gen. Die Kon­ti­gui­tät ist hier die Be­zie­hung der Sym­bo­le in ih­rem Nach­ein­an­der, und zwar auf bei­den Ebe­nen. Die Ver­schie­bung ist eine Ver­schie­bung der Ak­zent­set­zung im Wech­sel von der la­ten­ten zur ma­ni­fes­ten Ebe­ne. Ein ein­fa­ches sprach­li­che Mo­dell ei­ner Ver­schie­bung wäre – in mei­nem Bei­spiel – der Wech­sel von „Ei­nen Saft bit­te“ (Be­to­nung auf „bit­te“)  zu „Ei­nen Saft bit­te“. Um es ein biss­chen aus­zu­schmü­cken: „Ei­nen Saft bit­te“: wann wer­den Sie mich end­lich be­die­nen?; hier ma­ni­fes­tiert sich das Be­geh­ren nach An­er­ken­nung. „Ei­nen Saft bit­te“: ich bin doch kein Al­ko­ho­li­ker!; un­ter dem Druck der Zen­sur wird das Ideal­ich in Sze­ne ge­setzt. Also be­zieht sich die Ver­schie­bung auf die Ach­se der Kon­ti­gui­tät und es han­delt sich da­bei eine Me­to­ny­mie im Sin­ne von Ja­kobson, um eine Be­zie­hung zwi­schen sprach­li­chen Ele­men­ten, die in der Ver­ket­tung be­nach­bart sind.

Auch die Ver­dich­tung ist für Freud eine Be­zie­hung zwi­schen la­ten­tem Traum­ge­dan­ken und ma­ni­fes­tem Traum­in­halt. In ei­nem Ele­ment des ma­ni­fes­ten In­halts lau­fen meh­re­re la­ten­te Traum­ge­dan­ken zu­sam­men; das ma­ni­fes­te Ele­ment ist „über­de­ter­mi­niert“, wie Freud es nennt. Bei­spiels­wei­se ver­tritt in Freuds Traum von der bo­ta­ni­schen Mo­no­gra­fie das Wort „bo­ta­nisch“ eine Viel­zahl von la­ten­ten Vor­stel­lun­gen: Pro­fes­sor Gärt­ner, sei­ne „blü­hen­de“ Frau, eine Pa­ti­en­tin na­mens Flo­ra, eine Ge­schich­te mit ver­ges­se­nen Blu­men, die Lieb­lings­blu­men sei­ner Frau usw.

Wor­in be­steht die Be­zie­hung der Ver­dich­tung zur Kon­ti­gui­tät? Die Kon­ti­gui­tät be­steht in die­sem Fall für Ja­kobson, so neh­me ich an, in den Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ele­men­ten der As­so­zia­ti­ons­ket­te.

Was hat die­se Kon­ti­gui­täts­be­zie­hung mit der Syn­ek­do­che zu tun? Auch hier kann ich die Ant­wort nur ver­mu­ten. Ein Ele­ment (wie „bo­ta­nisch“) steht für ein gan­zes Bün­del von Ele­men­ten, der Teil also fürs Gan­ze, und in­so­fern han­delt es sich für Ja­kobson (neh­me ich an) um eine Syn­ek­do­che.

Den Be­griff der Iden­ti­fi­zie­rung ver­steht Ja­kobson so, wie Freud ihn in der Traum­deu­tung ver­wen­det. Dort wird der Be­griff so er­läu­tert:

Ähn­lich­keit, Über­ein­stim­mung, Ge­mein­sam­keit wird vom Traum ganz all­ge­mein dar­ge­stellt durch Zu­sam­men­zie­hung zu ei­ner Ein­heit, wel­che ent­we­der be­reits im Traum­ma­te­ri­al vor­ge­fun­den oder neu ge­bil­det wird. Den ers­ten Fall kann man als Iden­ti­fi­zie­rung, den zwei­ten als Misch­bil­dung be­nen­nen. Die Iden­ti­fi­zie­rung kommt zur An­wen­dung, wo es sich um Per­so­nen han­delt; die Misch­bil­dung, wo Din­ge das Ma­te­ri­al der Ver­ei­ni­gung sind, doch wer­den Misch­bil­dun­gen auch von Per­so­nen her­ge­stellt. Ört­lich­kei­ten wer­den oft wie Per­so­nen be­han­delt.

Die Iden­ti­fi­zie­rung be­steht dar­in, dass nur eine der durch ein Ge­mein­sa­mes ver­knüpf­ten Per­so­nen im Traum­in­halt zur Dar­stel­lung ge­langt, wäh­rend die zwei­te oder die an­de­ren Per­so­nen für den Traum un­ter­drückt schei­nen. Die­se eine de­cken­de Per­son geht aber im Traum in alle die Be­zie­hun­gen und Si­tua­tio­nen ein, wel­che sich von ihr oder von den ge­deck­ten Per­so­nen ab­lei­ten.“24

Die Iden­ti­fi­zie­rung wird von Freud also aus­drück­lich der Ähn­lich­keit zu­ge­ord­net, Ja­kobson braucht das nur auf­zu­le­sen.

Un­ter Sym­bo­lik ver­steht Freud star­re Ko­or­di­na­tio­nen zwi­schen Vor­stel­lun­gen und Be­deu­tun­gen, un­ab­hän­gig von den As­so­zia­tio­nen des Pa­ti­en­ten. Bei­spiels­wei­se ist das Stei­gen auf ei­ner Stie­ge, Lei­ter oder Trep­pe, Freud zu­fol­ge, ein Sym­bol für den Ge­schlechts­akt. Er schreibt hier­zu:

Die Grund­la­ge der Ver­glei­chung ist nicht schwer auf­zu­fin­den: in rhyth­mi­schen Ab­sät­zen, un­ter zu­neh­men­der Atem­not kommt man auf eine Höhe und kann dann in ein paar ra­schen Sprün­gen wie­der un­ten sein. So fin­det sich der Rhyth­mus des Ko­itus im Stie­gen­stei­gen wie­der.“25

Die Be­ziehng zwi­schen dem Sym­bol und dem Sym­bo­li­sier­ten be­ruht dem­nach auf Ähn­lich­keit.

Metapher als Identifizierung und Symbolik – bei Lacan

Stimmt es, dass La­can Ver­schie­bung und Ver­dich­tung mit Me­to­ny­mie und Me­ta­pher gleich­setzt statt, wie Ja­kobson, mit Me­to­ny­mie und Syn­ek­do­che? Ja und Nein.

Ja, denn es las­sen sich zahl­rei­che Pas­sa­gen zi­tie­ren, in de­nen La­can ge­nau die­se Zu­ord­nung vor­nimmt.

Nein, denn das wür­de hei­ßen, dass La­can Ja­kobsons Zu­ord­nung der Me­ta­pher zu Iden­ti­fi­zie­rung und Sym­bo­lik un­be­ach­tet ge­las­sen hät­te. Das ist je­doch, so den­ke ich, nicht der Fall. Im Ge­gen­teil, die­se Ver­bin­dung ist mei­nes Er­ach­tens ein ent­schei­den­des Merk­mal von La­cans Me­ta­phern­be­griff.

Die von La­can am stärks­ten aus­ge­ar­bei­te­te Kon­zep­ti­on der Me­ta­pher ist das Theo­rem von der Va­ter­me­tapher. Die For­mel die­ser Me­ta­pher wird von ihm in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht (1958) ein­ge­führt.26 Sie sieht so aus:

\frac {\text {Name-des-Vaters}}{\text {Begehren der Mutter}} \cdot \frac {\text {Begehren der Mutter}}{\text {dem Subjekt signifiziert}} \rightarrow \text {\normalsize {Name-des-Vaters}} \left( \frac {\text {A}}{\text {Phallus}} \right)

Die For­mel stellt eine Ver­bin­dung her zwi­schen dem Na­men-des-Va­ters und dem Phal­lus: Da­durch, dass der Si­gni­fi­kant Name-des-Va­ters an die Stel­le des Si­gni­fi­kan­ten Be­geh­ren der Mut­ter ge­setzt wird (lin­ke Sei­te der For­mel), kommt es dazu, dass der Phal­lus als Si­gni­fi­kant des Be­geh­rens des An­de­ren (A) in­stal­liert wird (rech­te Sei­te der For­mel).

Nun meint aber „Name-des-Va­ters“ die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter als Re­prä­sen­tan­ten des Ge­set­zes. Und wel­ches Ge­bil­de hät­te ein An­recht auf den Ti­tel des Sym­bols, wenn nicht der Phal­lus? Die For­mel der Va­ter­me­tapher stellt also eine Ver­bin­dung her zwi­schen der Iden­ti­fi­zie­rung (mit dem Na­men-des-Va­ters) und der Sym­bo­lik (des Phal­lus).

Die Iden­ti­fi­zie­rung er­scheint in der For­mel der Va­ter­me­tapher so, wie sie von Freud in der Traum­deu­tung de­fi­niert wird: zwei Per­so­nen sind durch ein Ge­mein­sa­mes ver­knüpft (bei La­can: Be­geh­ren der Mut­ter, Name-des-Va­ters, ver­knüpft durch den Phal­lus), nur eine die­ser Per­so­nen ge­langt zur Dar­stel­lung, wäh­rend die zwei­te Per­son un­ter­drückt scheint (bei La­can: der Si­gni­fi­kant „Name-des-Va­ters“ eli­diert den Si­gni­fi­kan­ten „Be­geh­ren der Mut­ter“).

Also stützt sich La­cans Kon­zep­ti­on der Va­ter­me­tapher letzt­lich auf Ja­kobsons klei­ne Idee: der Me­ta­pher ent­spricht bei Freud die Iden­ti­fi­zie­rung und die Sym­bo­lik.

Jakobson & Lacan – zur Genealogie

In Das Drän­gen des Buch­sta­bens no­tiert La­can in ei­ner Fuß­no­te:

Wir wol­len hier Ro­man Ja­kobson eh­ren, dem wir in die­ser For­mu­lie­rung ei­ni­ges ver­dan­ken, wir mei­nen sei­ne Ar­bei­ten, die für den Ana­ly­ti­ker je­der­zeit eine Hil­fe zur Struk­tu­rie­rung sei­ner Er­fah­rung dar­stel­len und die jene ‚per­sön­li­chen Mit­tei­lun­gen‘ über­flüs­sig ma­chen, die wir so gut wie ei­ner vor­zei­gen könn­ten.“27

Der Sei­ten­hieb gilt ver­mut­lich Ru­dolph Lo­ewen­stein, der in dem Ar­ti­kel Some re­marks on the role of speech in psy­cho­ana­ly­tic tech­ni­que (1956)28 auf eine „per­sön­li­che Mit­tei­lung“ von Ja­kobson ver­wie­sen hat­te29 – auf Lo­ewen­steins Ar­ti­kel be­zieht La­can sich et­was spä­ter in der­sel­ben Fuß­no­te.

In Se­mi­nar 9 von 1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung, sagt La­can:

Was die Ori­gi­na­li­tät der Pas­sa­ge von Mon­sieur Ja­kobson an­geht, so rech­ne ich tat­säch­lich mit der stärks­ten Be­zug­nah­me. Man muss sa­gen, dass in die­sem Fall – ich glau­be, dass ich an­ge­fan­gen habe, die Me­ta­pher und die Me­to­ny­mie in un­se­rer Theo­rie nach vor­ne zu brin­gen, ir­gend­wo ne­ben dem Rom­vor­trag, der er­schie­nen ist30 –, als ich mit Ja­kobson sprach, hat er mir ge­sagt: ‚Aber si­cher, die­se Ge­schich­te von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie, das ha­ben wir ge­mein­sam ge­dreht, er­in­nern Sie sich, am 14. Juli 1950.‘“31

Of­fen­bar be­zieht sich La­cans Be­mer­kung über die per­sön­li­che Mit­tei­lung, die er selbst eben­so vor­zei­gen könn­te, auf die­ses Ge­spräch.

Falls La­cans Hin­weis stimmt, wäre dies die Ge­nea­lo­gie von La­cans Auf­satz:
– Am  14. Juli 1950 (also am fran­zö­si­schen Na­tio­nal­fei­er­tag) spre­chen Ja­kobson und La­can über Me­ta­pher und Me­to­ny­mie, Ver­dich­tung und Ver­schie­bung.
– 1956 er­scheint Ja­kobsons Auf­satz Two as­pects of lan­guage and two ty­pes of apha­sic dis­tur­ban­ces.
– A
m 9. Mai 1957 hält La­can den Vor­trag L’instance de la lett­re dans l’inconscient ou la rai­son de­puis Freud im Hör­saal Des­car­tes der Sor­bon­ne, auf Ein­la­dung der Grou­pe de phi­lo­so­phie de la Fédé­ra­ti­on des étu­di­ants des Lettres.
– La­can re­di­giert den Vor­trags­text vom 14. bis zum 16. Mai 1957.32 Er ver­weist aus­drück­lich auf Ja­kobsons Ar­beit über die bei­den For­men der Apha­sie.
Der Auf­satz er­scheint in: La Psy­chana­ly­se, 2. Jg. (1957), S. 47–81.

Zum Bild zum Beginn des Artikels

In Zwei Sei­ten der Spra­che schreibt Ja­kobson über Me­to­ny­mie und Me­ta­pher:

Das Vor­han­den­sein des ei­nen oder des an­de­ren der bei­den Pro­zes­se ist kei­nes­wegs auf die Wort­kunst be­schränkt. Es tritt auch in nicht-sprach­li­chen Zei­chen­sys­te­men auf. Ein il­lus­tra­ti­ves Bei­spiel aus der Ge­schich­te der Ma­le­rei bie­tet die ganz of­fen­sicht­lich me­to­ny­mi­sche Ori­en­tie­rung des Ku­bis­mus, wo das Ob­jekt in ein Ge­fü­ge von Syn­ek­do­chen auf­ge­löst ist. Die sur­rea­lis­ti­schen Ma­ler da­ge­gen zei­gen eine of­fen­sicht­lich me­ta­pho­ri­sche Ein­stel­lung.“33

Mag­rit­tes sur­rea­lis­ti­sches Ka­min­bild lässt mich an eine Pas­sa­ge der Traum­deu­tung über Sym­bo­lik den­ken. Freud schreibt hier:

Alle in die Län­ge rei­chen­den Ob­jek­te (…) wol­len das männ­li­che Glied ver­tre­ten. (…) Do­sen, Schach­teln, Käs­ten, Schrän­ke, Öfen ent­spre­chen dem Frau­en­leib (…).“34

Dies wie­der­um er­in­nert mich an eine Ka­min­sze­ne in Ed­gar Al­len Poes Ent­wen­de­tem Brief und an La­cans Kom­men­tar zu die­ser Stel­le.

In Poes Er­zäh­lung be­rich­tet Du­pin, der Meis­ter­de­tek­tiv, über sei­ne Ak­ti­vi­tä­ten im Zim­mer des Diebs, d.h. des Mi­nis­ters:

At length my eyes, in go­ing the cir­cuit of the room, fell upon a trumpe­ry fi­ligree card-rack of pas­te­board, that hung dang­ling by a dir­ty blue rib­bon, from a litt­le brass knob just be­ne­ath the midd­le of the mantlepie­ce. In this rack, which had three or four com­part­ments, were five or six vi­si­ting cards and a so­li­ta­ry let­ter. (…) No so­o­ner had I glanced at this let­ter than I con­clu­ded it to be that of which I was in se­arch.“

In Woll­schlä­gers Über­set­zung:

Schließ­lich fie­len mei­ne Bli­cke, die das Zim­mer im Krei­se durch­schweif­ten, auf ein schä­bi­ges Fi­li­gran-Ge­stell aus Papp­kar­ton, das an ei­nem schmut­zi­gen blau­en Band von ei­nem klei­nen Mes­sing­knopf just in der Mit­te un­ter dem Ka­min­sims bau­mel­te. In die­sem Ge­stell, das drei oder vier Fä­cher hat­te, be­fan­den sich fünf oder sechs Vi­si­ten­kar­ten und ein ein­zel­ner Brief. (…) Kaum war mir die­ser Brief vor den Blick ge­kom­men, so wuß­te ich schon, was ich such­te.“35

Du­pin sucht den Mi­nis­ter ein zwei­tes Mal auf und in­sze­niert ein Ab­len­kungs­ma­nö­ver, das den Gast­ge­ber ver­an­lasst, ans Fens­ter zu tre­ten.

Der­wei­len trat ich zu dem Kar­ten­ge­stell, nahm den Brief, steck­te ihn in die Ta­sche und er­setz­te ihn durch eine – was das Äu­ße­re be­traf – ge­treue Nach­bil­dung, die ich zu­vor in mei­ner Woh­nung sorg­fäl­tig her­ge­stellt hat­te (…).“36

La­can schreibt hier­zu:

Und des­halb, ohne es nö­tig oder, und das aus gu­ten Grün­den, die Ge­le­gen­heit dazu ge­habt zu ha­ben, geht er [Du­pin] schnur­stracks da­hin, wo das, was der Kör­per ver­ste­cken muß, liegt und la­gert, in ir­gend­ei­ner schö­nen Mit­te, in die der Blick hin­ein­glei­tet, wahr­lich an je­nem Ort, den die Ver­füh­rer das Schloß Sain­te-Ange in der ein­fäl­ti­gen Ein­bil­dung nen­nen, mit der sie sich ver­si­chern, sie könn­ten von da­her die Stadt über­lis­ten. Da ha­ben Sie’s! Zwi­schen den So­ckeln des Ka­mins be­fin­det sich das Ob­jekt, das mit der Hand er­reich­bar ist, die der Räu­ber nur noch aus­zu­stre­cken braucht …

Die Fra­ge, ob er es auf dem Ka­min­sims, wie Bau­de­lai­re über­setzt, oder un­ter ihm er­greift, wie es im ur­sprüng­li­chen Text steht, kann ohne Scha­den den Schluss­fol­ge­run­gen der In­ter­pre­ta­ti­ons­kü­che über­las­sen wer­den. (Anm. von La­can:) Und so­gar der Kö­chin.“37

Mit cha­teaux Saint-Ange (Kas­tell Hei­li­ger En­gel) spielt La­can auf das an­ti­ke Bau­denk­mal Cas­tel San­tʼAn­ge­lo in Rom an; die zu er­obern­de Stadt ist also – auf ei­ner der Ebe­nen der Be­deu­tung – Rom. 38

Die „Kö­chin“ ist ver­mut­lich Ma­rie Bo­na­par­te (so der Hin­weis des deut­schen Über­set­zers, Ro­dol­phe Gas­ché). In ih­rer Poe-Stu­die hat­te Bo­na­par­te den feh­len­den Brief so ge­deu­tet, dass dass Poe hier sein Be­dau­ern über das Feh­len des müt­ter­li­chen Phal­lus ar­ti­ku­liert und der Mut­ter vor­wirft, ihn ver­lo­ren zu ha­ben. Die zi­tier­te Stel­le wird von ihr so ge­deu­tet:

Wir be­mer­ken zu­erst, daß der Brief, ein re­gel­rech­tes Sym­bol für den müt­ter­li­chen Pe­nis, über dem Feuer­herd des Ka­mins ‚hängt‘, so wie der Pe­nis der Frau – wenn sie ei­nen hät­te! – über der Kloa­ke hän­gen wür­de, die hier, wie in den vor­her­ge­hen­den Ge­schich­ten, un­ter dem häu­fig ver­wen­de­ten Sym­bol ei­nes Ka­mins dar­ge­stellt wird. Wir ha­ben hier gleich­sam ein Bild aus der to­po­gra­phi­schen Ana­to­mie vor uns, bei dem selbst der Knopf (knob), die Kli­to­ris nicht fehlt. Aber an die­sem Knopf soll­te wohl et­was an­de­res hän­gen!„39

Verwandte Artikel

Anmerkungen

  1. Über­setzt von Nor­bert Haas. In: J.L.: Schrif­ten II. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1975, S. 15–55.
  2. Sean Ho­mer: Jac­ques La­can. Rout­ledge, Mil­ton Park, Abing­don (UK), S. 43, mei­ne Über­set­zung.
  3. Vgl. Sa­mu­el M. We­ber: Rück­kehr zu Freud. Jac­ques La­cans Ent-stel­lung der Psy­cho­ana­ly­se. Ull­stein, Frank­furt am Main 1978, dar­in: „Der ge­sperr­te Ab­ort – Me­to­ny­mie und Me­ta­pher“, S. 53–66.
  4. Vgl. John P. Mul­ler, Wil­liam J. Ri­chard­son: La­can and lan­guage. A reader’s gui­de to Écrits. In­ter­na­tio­nal Uni­ver­si­ties Press, New York 1982, Ka­pi­tel „The agen­cy of the let­ter in the un­con­scious or re­a­son sin­ce Freud“, S. 160–193.
  5. Vgl. Bice Ben­ven­uto, Ro­ger Ken­ne­dy: The works of Jac­ques La­can. An in­tro­duc­tion. Free As­so­cia­ti­on Books, Lon­don 1986, zu La­cans Re­zep­ti­on von Ja­kobsons Be­griffs­op­po­si­ti­on von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie vgl. S. 221.
  6. Vgl. Ger­da Pa­gel: La­can zur Ein­füh­rung. SOAK, Ham­burg 1989, zu Me­ta­pher und Me­to­ny­mie vgl. S. 47–49.
  7. Vgl. Pe­ter Wid­mer: Sub­ver­si­on des Be­geh­rens. Eine Ein­füh­rung in Jac­ques La­cans Werk. Tu­ria und Kant, Wien 1997 (zu­erst im Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 1990); dar­in: „Die Rhe­to­rik des Be­geh­rens: Me­to­ny­mie und Me­ta­pher“, S. 72–82.
  8. Vgl. Mikkel Borch-Ja­cob­sen: La­can. Le maît­re ab­so­lut. Flamma­ri­on, Pa­ris 1995 (zu­erst 1990), zu Me­ta­pher und Me­to­ny­mie: S. 217–221.
  9. Vgl. Dy­lan Evans: Wör­ter­buch der La­can­schen Psy­cho­ana­ly­se. Tu­ria und Kant, Wien 2002 (zu­erst USA 1996), Ar­ti­kel „Me­ta­pher“, S. 186–198, Ar­ti­kel „Me­to­ny­mie“, S. 190–192.
  10. Vgl. Erik Por­ge: Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te. Par­cours d’un ens­eig­ne­ment. Érès, Ra­mon­vil­le Sain­te-Agne 2000, zu Me­ta­pher und Me­to­ny­mie vgl. v.a. S. 82–88.
  11. Vgl. Bruce Fink: Rea­ding „The in­s­tan­ce of the let­ter in the un­con­scious“. In: Ders.: La­can to the let­ter. Rea­ding Écrits clo­se­ly. Uni­ver­si­ty of Min­ne­so­ta Press, Min­nea­po­lis u.a. 2004, S. 63–105.
  12. Vgl. Chris­toph Braun: Die Stel­lung des Sub­jekts. La­cans Psy­cho­ana­ly­se. Par­odos, Ber­lin 2007, zu Me­to­ny­mie und Me­ta­pher S. 85 f.
  13. Vgl. Ro­land Che­ma­ma, Ber­nard Van­derm­ersch: Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se. Larous­se, Pa­ris 2009, Ar­ti­kel „mé­ta­pho­re“, S. 348, „mé­ta­pho­re et mé­to­ny­mie“, S. 348 f., „mé­to­ny­mie“, S. 349.
  14. Kai Ham­mer­meis­ter: Jac­ques La­can. Beck, Mün­chen 2008, S. 71, 73.
  15. Mal­colm Bo­wie: La­can. Steidl, Göt­tin­gen 1994 (zu­erst UK 1991), S. 207 Fn. 35.
  16. Ro­man Ja­kobson: Two as­pects of lan­guage and two ty­pes of apha­sic dis­tur­ban­ces. In: Ders. und Mor­ris Hal­le: Fun­da­men­tals of lan­guage. Mou­ton & Co, ’s-Gra­ven­ha­ge (= Den Haag) 1956, dar­in Teil II, S. 53–82, hier: S. 80 f.
  17. Ro­man Ja­kobson: Zwei Sei­ten der Spra­che und zwei Ty­pen apha­ti­scher Stö­run­gen (1956). Über­setzt von Ge­org Fried­rich Mei­er, Über­ar­bei­tung der Über­set­zung durch Wolf­gang Raible. In: R. Ja­kobson: Auf­sät­ze zur Lin­gu­is­tik und Poe­tik. Hg. v. Wolf­gang Raible. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1979, S.117–141, im In­ter­net hier.
    Üb­li­cher und na­he­lie­gen­der als „apha­ti­sche Stö­rung“ ist „apha­si­sche Stö­rung“.
  18. Die ver­öf­fent­lich­te Über­set­zung lau­tet so:

    Eine ge­wis­se Ri­va­li­tät zwi­schen den me­to­ny­mi­schen und me­ta­pho­ri­schen Dar­stel­lungs­wei­sen kommt bei je­dem sym­bo­li­schen Pro­zeß, gleich­gül­tig ob es sich um ei­nen in­tra­per­so­nel­len oder um ei­nen so­zia­len han­delt, zum Vor­schein.

    So ist es auch bei der Un­ter­su­chung von Traum­struk­tu­ren eine ent­schei­den­de Fra­ge, ob die Sym­bo­le und die zeit­li­che Rei­hen­fol­ge auf Kon­ti­gui­tät (Freuds me­to­ny­mi­sche ‚Ver­drän­gung‘ und syn­ek­doch­ei­sche ‚Ver­dich­tung‘) oder auf Si­mi­la­ri­tät (Freuds ‚Iden­ti­fi­zie­rung‘ und ‚Sym­bo­lis­mus‘) be­ru­hen.“ (Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 137 f.)

    Die­se Über­set­zung be­ruht auf der Über­set­zung von Fun­da­men­tals of lan­guage durch Ge­org Fried­rich Mei­er, die, un­ter dem Ti­tel Grund­la­gen der Spra­che, 1960 im Aka­de­mie-Ver­lag in Ber­lin (Ost) er­schien.

  19. Vgl. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 129.
  20. Vgl. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 133 f.
  21. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 135, Ein­fü­gung in Klam­mern von Ja­kobson.
  22. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 135.
  23. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 137.
  24. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 318, Her­vor­he­bun­gen von Freud.
  25. Traum­deu­tung, a.a.O., S. 349 Fn. 4.
  26. Vgl. Schrif­ten II, S. 90.
  27. Das Drän­ken des Buch­sta­bens, a.a.O., S. 30 f.
  28. In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis, 37. Jg., S. 460–467.
  29. Vgl. John P. Mul­ler, Wil­liam J. Ri­chard­son: La­can and lan­guage. A reader’s gui­de to „Écrits“. In­ter­na­tio­nal Uni­ver­si­ty Press, New York 1982, S. 187.
  30. Der Rom­vor­trag (Funk­ti­on und Feld usw.) und der Text über Me­ta­pher und Me­to­ny­mie (Das Drän­gen des Buch­sta­bens usw.) wur­den zu­erst in der Zeit­schrift La psy­chana­ly­se ver­öf­fent­licht, der Rom­vor­trag im Jahr 1956, der Auf­satz über Me­ta­pher und Me­to­ny­mie ein Jahr spä­ter.
  31. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 23. Mai 1962, mei­ne Über­et­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  32. Die letz­ten bei­den Da­ten fin­det man in den bi­blio­gra­phi­schen An­ga­ben der Écrits, Seuil, Pa­ris 1966, S. 918.
  33. Zwei Sei­ten der Spra­che, a.a.O., S. 135 f.
  34. Freud, Traum­deu­tung, a.a.O., S. 348.
  35. Ed­gar Al­len Poe: Der sti­bit­ze Brief. Über­setzt von Hans Woll­schlä­ger. In: E.A. Poe: Das ge­sam­te Werk in zehn Bän­den. Band 2. Wal­ter Ver­lag, Ol­ten 1976, S. 915–943, hier: S. 939.
  36. A.a.O., S. 941 f.
  37. J. La­can: Das Se­mi­nar über E.A. Poes „Der ent­wen­de­te Brief“ (1956). In: Schrif­ten I, S. 35 f.
  38. Als die Go­ten im Jahr 537 Rom an­grif­fen, ver­tei­dig­ten die Sol­da­ten das Kas­tell, in­dem sie die dort auf­ge­stell­ten Bron­ze­sta­tu­en als Pro­jek­ti­le ver­wen­de­ten.
  39. Ma­rie Bo­na­par­te: Ed­gar Poe. Eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Stu­die. 3 Bän­de. In­ter­na­tio­na­ler psy­cho­ana­ly­ti­scher Ver­lag, Wien 1934, Band 2, S. 416; der Ein­schub in run­den Klam­mern ist im Ori­gi­nal.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.