Der Anspruch des Zwangsneurotikers

Unerträglich

Hägar der Schreckliche - zu ZwangsneuroseChris Browne, Hägar der Schreckliche

Deleuze über eine Begegnung mit Lacan:

„Nach der Tagung kam er zum Essen in unsere Wohnung. Und da er sehr spät ins Bett ging, blieb er lange. Ich erinnere mich: es war nach Mitternacht und er musste unbedingt einen bestimmten Whisky haben. Das war wirklich ein Albtraum, dieser Abend.“1

Lacan über das Kind, das ein Zwangsneurotiker werden wird:

„Dieses kleine Kind ist stets dabei, etwas zu beanspruchen, und, welche Überraschung, unter all den Kindern, die ihre Zeit damit verbringen, Anspruch auf etwas zu erheben, ist es dasjenige, dessen Anspruch stets und noch von den wohlgesonnensten als im eigentlichen Sinne unerträglich verspürt wird. Es geht auf die Nerven, wie man sagt. Es ist nicht so, daß es außergewöhnlichere Dinge beansprucht als die anderen, es liegt an seiner Weise, Anspruch zu erheben, es liegt an dem Verhältnis des Subjekts zum Anspruch, da der spezifische Charakter der Artikulation des Anspruchs bei demjenigen, der jetzt schon in dem Moment, da dies sich manifestiert, während des Untergangs des Ödipus[komplexes] oder in der sogenannten Latenzperiode, zwangsneurotisch ist.“2

Verwandte Beiträge

 Anmerkungen

  1. Le „Je me souviens“ de Gilles Deleuze. Interview mit Gille Deleuze, durchgeführt von Didier Eribon. In: Le Nouvel Observateur, 1619 (16.-22. November 1995), S. 50 f. Zitiert nach: Daniel W. Smith: The inverse side of the structure: Žižek on Deleuze on Lacan. In: Criticism, 46. Jg., 2004, S. 635-650, hier: S. 635, meine Übersetzung.

    Das Treffen, von dem Deleuze berichtet, ereignete sich zwischen 1967 und 1969 in Lyon.

  2. Seminar 5, S. 551.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.