''Das Sinthom'' entziffern (3)

Materialien zum Sinthom-Seminar

Sinthom3Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, „Das Sin­t­hom”

3. Lie­fe­rung
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Materialien zum Sinthom-Seminar: „Das Sinthom“ entziffern

Erik Porge: Die borromäische Lösung der Problematik des Namens des Vaters in Seminar 22

Erik Por­ge er­läu­tert in sei­nem Buch Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te die Be­zie­hung zwi­schen dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten und dem Na­men-des-Va­ters in Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI. Im Fol­gen­den fin­det man eine Über­set­zung des ent­spre­chen­den Ab­schnitts.1

Ei­ni­ge der Pro­ble­me, die vom Na­men-des-Va­ters auf­ge­wor­fen wer­den – das der Ver­knüp­fung mit RSI2, das der Me­ta­pher und des Lochs3, das des Sin­gu­lars und des Plu­rals4, das des Na­mens und der Zahl –, fin­den 1975 im Se­mi­nar RSI mit dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten eine Art Lö­sung, zu­min­dest vor­läu­fig.

La­can er­in­nert hier an den Punkt, an dem er am 20. No­vem­ber 1963 an­ge­langt war5: „Ich wer­de , wenn ich so sa­gen darf, die­ses Jahr die Fra­ge auf­wer­fen, bei der es dar­um geht, zu wis­sen, ob, be­zo­gen auf das, wor­um es geht, näm­lich die Ver­kno­tung des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len, die­se ins­ge­samt zu­sätz­li­che Funk­ti­on ei­nes wei­te­ren To­rus nö­tig ist, des­je­ni­gen, des­sen Kon­sis­tenz auf be­sag­te Va­ter­funk­ti­on zu be­zie­hen wäre. Weil die­se Din­ge mich seit lan­gem in­ter­es­siert ha­ben – auch wenn ich da­mals noch nicht die­se Dar­stel­lungs­art ge­fun­den hat­te -, habe ich (das Se­mi­nar) Die Na­men des Va­ters an­ge­fan­gen.“6

Die­ses Zeug­nis von La­can be­stä­tigt die von uns vor­ge­nom­me­ne Ana­ly­se der Pro­ble­ma­tik des Na­mens-des-Va­ters, wie sie sich im Jahr 1963 dar­stell­te, näm­lich sei­ne Ver­knüp­fung mit dem Rea­len, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren. Zu die­sem Zeit­punkt konn­te La­can das Pro­blem, vor dem er stand, noch nicht in so prä­zi­sen und ex­pli­zi­ten Ter­mi­ni for­mu­lie­ren. Das ge­lingt ihm erst in dem Mo­ment, in dem er die Lö­sung fin­det, in Ge­stalt der vier­ten Kon­sis­tenz ei­nes bor­ro­mäi­schen Kno­tens, den er ge­nau als den des Na­mens-des-Va­ters be­zeich­net. Da­durch, dass er die Lö­sung fin­det, wird das im­pli­zi­te Pro­blem zu ei­nem ex­pli­zi­ten. In­so­fern ex­pli­ziert der vier­te Ring den Na­men-des-Va­ters, der in den drei Rin­gen ent­hal­ten ist.

Porge 1 - zu: "Das Sinthom" entziffern Bor­ro­mäi­scher Kno­ten mit vier Kon­sis­ten­zen

Er be­ginnt da­mit, dass er sagt: „Was hat Freud ge­tan? Ich wer­de es Ih­nen sa­gen: Er hat den Vie­rer­kno­ten ge­bil­det mit die­sen drei­en, die ich ihm als Ba­na­nen­scha­le un­ter dem Fuß ge­legt habe. Aber dann ist er so vor­ge­gan­gen: Er hat et­was er­fun­den, was er als psy­chi­sche Rea­li­tät be­zeich­net.“7 La­can gibt zu, dass das, was er von der Freud­schen Er­fin­dung an­er­kennt, von der Ba­na­nen­scha­le ab­hängt, die er ihm un­ter die Füße schiebt. Ge­nau in dem Mo­ment, in dem er Freud zum Sturz bringt, er­kennt er des­sen Er­fin­dung an. Aber die Er­fin­dung ist eben die von Freud, und er fügt hin­zu: „Das, was er psy­chi­sche Rea­li­tät nennt, hat durch­aus ei­nen Na­men, das ist das, was Ödi­pus­kom­plex ge­nannt wird“, und er fügt hin­zu, dass das, was Freud mit sei­nem Na­men-des-Va­ters ein­führt, mit der psy­chi­schen Rea­li­tät iden­tisch ist und die Ver­bin­dung zwi­schen Sym­bo­li­schem, Ima­gi­nä­rem und Rea­lem ein­führt.8 La­can sagt ge­wis­ser­ma­ßen, dass Freuds psy­chi­sche Rea­li­tät ei­ner der Na­men des Va­ters ist.

Das er­mög­licht es, bes­ser zu ver­ste­hen, war­um La­can, nach­dem er den Ödi­pus­kom­plex so, wie er es ge­tan hat, in Stü­cke zer­legt hat, da­nach des­sen Wap­pen wie­der zu ver­gol­den scheint. Wie kann ein Traum von Freud, dik­tiert von der Hys­te­ri­ke­rin, ein neu­ro­ti­sches Er­zeug­nis9, eine so wich­ti­ge Rol­le spie­len, näm­lich die, da­für zu sor­gen, dass das Rea­le, das Sym­bo­li­sche und das Ima­gi­nä­re zu­sam­men­hal­ten, bei Freud und folg­lich auch bei uns, wenn auch auf an­de­re Wei­se? Heißt das nicht, den Kno­ten auf­zu­lö­sen, den zu ver­kno­ten er be­an­sprucht? Wenn der Ödi­pus­kom­plex, wie La­can be­haup­tet hat, un­brauch­bar ist, ist dann nicht auch die Kon­sis­tenz des bor­ro­mäi­schen Kno­tens un­brauch­bar?

In­dem La­can dem Ödi­pus­kom­plex im bor­ro­mäi­schen Kno­ten die­sen Platz zu­weist, er­kennt er dem Kom­plex de­fi­ni­tiv eine Funk­ti­on zu, die über die Kri­tik hin­aus­geht, die er dar­an ge­übt hat­te. Eine er­gän­zen­de und stell­ver­tre­ten­de Funk­ti­on, trotz oder viel­leicht we­gen der Un­voll­kom­men­hei­ten, die er be­män­gelt hat­te. Der vier­te bor­ro­mäi­sche Kno­ten wür­de be­deu­ten, dass es im Ödi­pus­kom­plex ein Sa­gen von Freud gibt, das die Wahr­heit halb-sagt und das über die kri­ti­sier­ba­ren In­hal­te die­ses Kom­ple­xes hin­aus­geht und sie er­gänzt. La­can tut ei­nen Schritt nach vorn, in­dem er die­sem Sa­gen die Be­deu­tung ei­ner gänz­lich ei­gen­stän­di­gen Di­men­si­on zu­er­kennt, die nicht re­du­zier­bar ist auf das von Freud Ge­sag­te, den zu kri­ti­sie­ren er sich nicht scheut, dies umso we­ni­ger, als er die­se er­gän­zen­de Di­men­si­on an­er­kennt. 1963 ver­füg­te La­can nicht über die Mit­tel, die­se Di­men­si­on ef­fek­tiv zu be­rück­sich­ti­gen, sie blieb im­plizt, und die­ser Man­gel führ­te dazu, dass sein Dis­kurs über den Na­men-des-Va­ters miss­ver­stan­den wur­de.

Es gibt hier eine Art Gleich­zei­tig­keit, in der La­can klar wird, dass der Ödi­pus­kom­plex bei Freud drei Di­men­sio­nen ver­kno­tet, in der er er­kennt, dass der Kom­plex als Name-des-Va­ter fun­giert, in der er den vier­ten Ring als “Name-des-Va­ters“ be­zeich­net und in der er fol­gert, dass um­ge­kehrt der Name des Va­ters ein vier­ter Ring ist, der im bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten ent­hal­ten ist.

La­can zu­fol­ge be­steht das We­sent­li­che des Ödi­pus­kom­ple­xes in der Va­ter­funk­ti­on, und die­ser Kom­plex hat, über sei­nen In­halt hin­aus, den Wert ei­nes Sa­gens von Freud. Die Va­ter­my­then bei Freud sind eine Va­ter­ver­si­on, die Freud er­fun­den hat und die in sei­ner Theo­rie eine inn­ne­re Rol­le spie­len. Die­se Ver­si­on ist nicht al­lein de­skrip­tiv und ex­pli­ka­tiv, be­zo­gen auf et­was, das be­reits vor­han­den ist; viel­mehr bringt sie, in­so­fern es sich um Freuds Schöp­fung han­delt, neu­en Sinn her­vor und mo­di­fi­ziert sie die Rea­li­tät, was auch im­mer ihre Un­voll­kom­men­hei­ten sein mö­gen. Die von ihm er­fun­de­ne Ver­si­on er­mög­licht es Freud ins­be­son­de­re, sich nicht selbst als den Va­ter sei­ner Theo­rie auf­zu­fas­sen. Durch die­sen Na­men des Ödi­pus­kom­ple­xes hat sei­ne Theo­rie Be­stand, durch ei­nen Na­men, den si­cher­lich er er­fun­den hat, der aber um­ge­kehrt die­ser Theo­rie eine Kon­sis­tenz gibt, die nicht nur an sei­nen Na­men ge­bun­den ist. Der Ödi­pus­kom­plex ist ein Name-des-Va­ters, der ge­nau dort fun­giert, wo es ei­nen Punkt gibt, an dem die Theo­rie kei­nen Va­ter hat. Er ist ein Name-des-Va­ters, denn er ist in bei­den Be­deu­tun­gen des Aus­drucks eine Ben­nung des Va­ters: die Be­nen­nung ei­ner Va­ter­funk­ti­on und eine Be­nen­nung, die von Freud vor­ge­nom­men wur­de, dem man zu­schrei­ben kann, der Va­ter der Psy­cho­ana­ly­se zu sein. In­dem er den Na­men des Ödi­pus­kom­plex prägt, be­zieht Freud die­se Va­ter­schaft auf ei­nen Si­gni­fi­kan­ten und auf ei­nen Be­nen­nungs­akt.

Die gro­ße Neu­heit des RSI-Se­mi­nars be­steht in der neu­en Be­deu­tung von „Name-des-Va­ters“: Der Aus­druck be­zeich­net hier nicht mehr nur den Na­men, der dem Va­ter ge­ge­ben wur­de, son­dern zu­gleich den Na­men, der vom Va­ter ge­ge­ben wur­de: „Es braucht Sym­bo­li­sches, da­mit, in­di­vi­dua­li­siert im Kno­ten, et­was er­scheint, was ich nicht so sehr den Ödi­pus­kom­plex nen­ne – so kom­plex ist er auch wie­der nicht; ich nen­ne das den Na­men-des-Va­ters, was nichts an­de­res meint als den Va­ter als Na­men – was am An­fang nichts meint –, nicht nur den Va­ter als Na­men, son­dern den Va­ter als Be­nen­nen­den.“10

Die­se Um­keh­rung der Be­deu­tung wird durch das Loch des bor­ro­mäi­schen Kno­tens ge­stützt, ein Loch, das man sich nicht ein­mal vor­stel­len kann und auf wel­ches das be­rühm­te „Ich bin was ich bin“ ver­weist.11 „Die Be­nen­nung, das ist das ein­zi­ge, wo­von wir si­cher wä­ren, dass das ein Loch bil­det.“12 Aber es ist viel­leicht nicht so, dass ein­zig das Sym­bo­li­sche die Mög­lich­keit hät­te, ein Loch zu bil­den, „dass es das Loch des Sym­bo­li­schen wäre, an das die Be­nen­nung ge­bun­den wäre.“13 Au­ßer der sym­bo­li­schen Be­nen­nung (dem Sym­ptom) fasst La­can eine ima­gi­nä­re Be­nen­nung ins Auge (die Hem­mung) so­wie eine rea­le Be­nen­nung (die Angst).14

Wenn es eine ima­gi­nä­re, eine sym­bo­li­sche und eine rea­le Be­nen­nung gibt, ist nicht er­staun­lich, dass La­can die­se drei Di­men­sio­nen als drei Na­men des Va­ters be­zeich­net. „Das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le in mei­nem Sin­ne, mit dem Ge­wicht, denn ich eben dem Wort ‚Sinn‘ ge­ge­ben habe, das sind die Na­men des Va­ters, die ers­ten Na­men, in­so­fern sie et­was be­nen­nen.“15 Es kann so­gar eine „un­be­stimm­te An­zahl“ von Na­men des Va­ters ge­ben, wie beim bor­ro­mäi­schen Kno­ten.

Wenn es eine un­be­stimm­te An­zahl von Na­men des Va­ters gibt, ist der Name-des-Va­ters nicht das Pri­vi­leg ei­ner ein­zi­gen Kon­sis­tenz, bei­spiel­wei­se der­je­ni­gen, die man als vier­te zäh­len könn­te. Der Name-des-Va­ters ist nicht an die Re­prä­sen­ta­ti­on ei­ner der Kon­sis­ten­zen fi­xiert. Aber eine Kon­sis­tenz lässt den Na­men-des-Va­ters funk­tio­nie­ren, aus­ge­hend von vier bor­ro­mä­isch ver­kno­te­ten Kon­sis­ten­zen. Tat­säch­lich kön­nen nur aus­ge­hend von vier Kon­sis­ten­zen die drei an­de­ren un­ter­schie­den wer­den. Aus­ge­hend vom vier­ten Ring gibt es zwi­schen den Rin­gen kei­ne strik­te Äqui­va­lenz mehr, wie es sie bei drei­en gibt. Das Fol­gen­de ist eine Zeich­nung ei­ner mög­li­chen Ver­kop­pe­lung von Rin­gen:

Porge 2Wenn man die Rin­ge 1 und 3 mit­ein­an­der ver­kop­peln will, er­gibt das eine an­de­re Zeich­nung, die sich nicht auf die­se hier re­du­zie­ren lässt, mit sehr viel mehr Über­kreu­zun­gen. Hin­ge­gen sind in ei­nem bo­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten die Rin­ge, wenn sie nicht ge­färbt und ori­en­tiert sind, ge­gen­ein­an­der völ­lig aus­tausch­bar, und man wird im­mer von ei­ner Ver­bin­dung zur an­de­ren über­ge­hen kön­nen.

Porge 3Im bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten gibt es eine „Iden­ti­tät zwi­schen den drei Ter­men des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len, bis zu dem Punkt, dass es uns er­for­der­lich zu sein scheint, in je­dem die­se Drei­falt, die­se Tri­ni­tät des Sym­bo­li­schen, des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len wie­der­zu­fin­den.“16 Aus­ge­hend vom vier­ten Ring wird zwi­schen den drei an­de­ren eine Un­ter­schei­dung ein­ge­führt, kann man ih­nen un­ter­schied­li­che Na­men der Na­men des Va­ters ge­ben, real, sym­bo­lisch, ima­gi­när. Die­ser vier­te Ring ist dem­nach also die Stüt­ze ei­ner Be­nen­nungs­funk­ti­on. „Die Be­nen­nung ist ein vier­tes Ele­ment“, sagt La­can in die­sem Mo­ment.17

Der Name für die Ver­knüp­fung des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren geht über die drei die­ser ei­gent­li­chen Ver­knüp­fung hin­aus und ist zu­gleich Teil da­von, denn der vier­te Ring ist mit den an­de­ren auf bor­ro­mäi­sche Wei­se, so wie die an­de­ren, ver­kno­tet. Auf die­se Wei­se wird das Pro­blem der Ver­bin­dung zwi­schen dem Na­men-des-Va­ters und RSI, das sich seit der Ein­füh­rung die­ser Ter­mi­ni stellt, im Jahr 1975 durch die bor­ro­mäi­sche Ver­bin­dung ge­löst. Der Name-des-Va­ters ver­knüpft sich mit RSI auf die Wei­se, dass er sich von der Drei­heit un­ter­schei­det, in­dem er es er­mög­licht, de­ren Ele­men­te zu un­ter­schei­den, so­wie da­durch, dass er als vier­tes bor­ro­mä­isch ver­kno­te­tes Ele­ment den­sel­ben Ver­bin­dungs­prin­zi­pi­en ge­horcht wie die an­de­ren Ele­men­te. Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten er­mög­licht es, eine Iden­ti­tät der Ver­bin­dung der Ter­me auf­recht­zu­er­hal­ten, zu­gleich mit ei­ner Dif­fe­ren­zie­rung der Ter­me der Ver­bin­dung. Der Plu­ral die Na­men des Va­ters, mit dem Rea­les, Sym­bo­li­sches und Ima­gi­nä­res gleich­ge­setzt wer­den, be­deu­tet die­se Ver­knüp­fung, de­ren Ope­ra­tor der Name-des-Va­ters ist.

Der bor­ro­mäi­sche Kno­ten schließt in die Pro­ble­ma­tik des Na­mens-des-Va­ters nicht nur Freuds sym­pto­ma­ti­schen Bei­trag ein, den Ödi­pus­kom­plex, er ver­wan­delt auch die­se Pro­ble­ma­tik des Na­mens-des-Va­ters, und weil Rea­les, Sym­bo­li­sches und Ima­gi­nä­res als Na­men des Va­ters qua­lif­ziert wer­den, darf man fol­gern, dass für La­can der bor­ro­mäi­sche Kno­ten selbst ei­nen neu­en Na­men-des-Va­ters bil­det.

Geneviève Morel: Wie Seminar 23 an Seminar 22 anschließt: die Frage der Benennung

In ih­rem Buch Das Ge­setz der Mut­ter be­schreibt Ge­ne­viè­ve Mo­rel den Über­gang von Se­mi­nar 22, RSI, zu Se­mi­nar 23, Das Sin­t­hom, fol­gen­der­ma­ßen18:

In  der ers­ten Sit­zung von Sin­t­hom wird die Fra­ge der Be­nen­nung auf­ge­grif­fen, die am Ende von RSI of­fen­ge­blie­ben war. La­can hat­te sich, be­zo­gen auf die Be­nen­nung der Ar­ten in der Bi­bel, ge­fragt:

(…) Die Be­nen­nung ei­ner je­der der Ar­ten mit ei­nem Na­men, der Gat­tungs­na­me ist und nicht Ei­gen­na­me im Sin­ne Rus­sells, was stellt sie dar? Eine Be­nen­nung, die ge­wiß sym­bo­lisch ist, aber auf das Sym­bo­li­sche be­grenzt. Ist das aus­rei­chend für uns, um die Funk­ti­on des Na­mens-des-Va­ters zu tra­gen? Ist der Va­ter der­je­ni­ge, der den Din­gen ih­ren Na­men ge­ge­ben hat, oder aber muß er auf der Ebe­ne des Rea­len be­fragt wer­den?“19

Und er hat­te die Auf­hel­lung der „Sub­stanz“ des „Na­mens des Va­ters“ auf das fol­gen­de Jahr ver­scho­ben.

In die­ser Pas­sa­ge sind meh­re­re Fra­gen ver­dich­tet. Ei­ner­seits die nach der Funk­ti­on des Va­ters. In RSI hat­te La­can ver­sucht, sich von Freud ab­zu­gren­zen, der ihm zu­fol­ge die drei un­ab­hän­gi­gen Rin­ge R, S und I20 durch ei­nen vier­ten ver­kno­tet hat­te, den der psy­chi­schen Rea­li­tät. La­can hat­te die­sen vier­ten Ring zu­nächst mit dem Ödi­pus­kom­plex gleich­ge­setzt, dann mit der re­li­giö­sen Rea­li­tät, der des Glau­bens an Gott und an die See­le, ge­stützt auf „sei­nen Na­men-des Va­ters“ (näm­lich den von Freud). Mög­li­cher­wei­se um von die­sem all­zu sehr mit Re­li­gi­on be­las­te­ten Na­men-des-Va­ters ab­zu­ge­hen, hat­te er dann den bor­ro­mäi­schen Kno­ten mit drei Rin­gen als al­ter­na­ti­ve (athe­is­ti­sche?) Lö­sung vor­ge­schla­gen: die Di­men­si­on ei­ner „ope­ra­ti­ven Rea­li­tät“ der bor­ro­mäi­schen Ver­kno­tung wür­de im­pli­zit den Ödi­pus­kom­plex ent­hal­ten und also er­mög­li­chen, ei­nen vier­ten „re­li­giö­sen“ Ring ein­zu­spa­ren (der ers­te bor­ro­mäi­sche Vie­rer­kno­ten, den La­can vor­schlug, kam ihm also, das muss man her­vor­he­ben, bei sei­ner bor­ro­mäi­schen Trans­po­si­ti­on von Freud in den Sinn). Die­ser hy­po­the­ti­sche bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten ver­kör­per­te „den Be­griff der Be­zie­hung in Rein­form“ in der bor­ro­mäi­schen Welt, in der zwei be­lie­bi­ge Ele­men­te ge­ra­de nie­mals zu­ein­an­der in ei­ner Be­zie­hung ste­hen.

Aber La­can be­gnüg­te sich nicht mehr mit die­ser bor­ro­mäi­schen Drei­er­lö­sung, als ihm der Ge­dan­ke kam, dass die Be­nen­nung letzt­lich nicht nur vom Sym­bo­li­schen ab­hän­gig wäre, wie er kurz zu­vor noch be­haup­tet hat­te, son­dern viel­mehr ein vier­tes Ele­ment wäre, das zu­sätz­lich zu R, S und I ein­zu­schrei­ben wäre, um sie zu ver­kno­ten. Von da­her aufs Neue und die­ses Mal ohne Freud die Idee ei­nes bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­tens, in dem der vier­te Ring die Be­nen­nung wäre, also eine be­son­de­re, vom Sym­bo­li­schen un­ter­schie­de­ne Funk­ti­on. Die sich dar­aus er­ge­ben­de Fra­ge am Ende von RSI, in der oben zi­tier­ten Pas­sa­ge, be­zieht sich also auf die Ver­bin­dung zwi­schen der Be­nen­nung als dem vier­ten Ele­ment und dem Va­ter, den La­can zu­vor als das vier­te Freud­sche Ele­ment in Er­wä­gung ge­zo­gen hat­te: Die Freud­sche Fra­ge nach dem Va­ter, die als re­li­gi­ös zu­rück­ge­wie­sen wor­den war, kehrt in ge­wis­ser Wei­se wie­der, in­dem sie jetzt un­ter dem Vor­zei­chen der Be­nen­nung in­sis­tiert. Be­steht die Funk­ti­on des Va­ters in der Be­nen­nung? Muss sie auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen oder auf der des Rea­len be­fragt wer­den? Und in wel­cher Ver­bin­dung steht dann die Be­nen­nung zum Sym­ptom?

Geneviève Morel: Lacans These über die Umwandlung des Symptoms in ein Sinthom bei Joyce

Ge­ne­viè­ve Mo­rel fasst in La loi de la mère La­cans Haupt­the­se im Sin­t­hom-Se­mi­nar so zu­sam­men21:

La­can hat, wie im vo­ri­gen Ka­pi­tel ge­zeigt, eine The­se über die Schöp­fung des Sin­t­homs for­mu­liert, be­zo­gen auf die Joy­ce-Fa­mi­lie; ich fas­se sie hier knapp zu­sam­men.

Das Sin­t­hom von Ja­mes bil­de­te ei­nen Aus­gleich für das Aus­fal­len sei­nes Va­ters John, für das, was La­can als des­sen „Amts­ver­zicht“ be­zeich­net, als sei­ne „de-fac­to-Ver­wer­fung“ (Ver­wer­fung de fait).22 John Joy­ce hat­te sei­nem Sohn nichts bei­ge­bracht, er hat­te al­les an die Je­sui­ten und an die ka­tho­li­sche Kir­che de­le­giert. Weil der Ei­gen­na­me nicht vom Na­men sei­nes Va­ters ge­stützt wer­den konn­te, hat­te der Sohn den Ei­gen­na­men mit dem ei­ge­nen Werk stüt­zen müs­sen. Wie er­wähnt, zi­tiert Si­mon De­da­lus (der Va­ter von Ste­phen, also des al­ter ego des Au­tors) in Ein Por­trät des Künst­lers als jun­ger Mann Wor­te sei­nes Va­ters, die be­zeu­gen, dass be­reits sein Groß­va­ter aus­ge­fal­len war – man kann die „aus­fal­len­den Vä­ter“ also drei Ge­ne­ra­tio­nen weit zu­rück­ver­fol­gen.23 Das Sin­t­hom wird be­grif­fen als Re­pa­ra­tur oder Kor­rek­tur ei­nes ur­sprüng­li­chen struk­tu­rel­len De­fi­zit, das hier dem Aus­fal­len des Va­ters ge­schul­det ist und das sich – in dem Kno­ten, der in der bor­ro­mäi­schen Welt das Sub­jekt re­prä­sen­tiert – in ei­ner fal­schen Ver­kno­tung ma­ni­fes­tiert.

Das Sin­t­hom be­steht hier dar­in, wie, auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se, ein Aus­gangs­sym­ptom durch das Schrei­ben be­han­delt wird. La­can be­haup­tet, das Werk von Joy­ce zeu­ge da­von, dass die Kunst das an­zie­len kön­ne, was sich zu­nächst als Sym­ptom dar­stellt, dass sie „ver­ei­teln“ kön­ne, „was sich vom Sym­ptom auf­zwingt“24. Bei Joy­ce gin­ge es um das Sym­ptom der auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te (pa­ro­les im­po­sée). In Das Por­trät des Künst­lers als jun­ger Mann be­rich­tet Ja­mes bzw. Ste­phen, dass er, als er noch ganz klein war, Wor­te, die zwi­schen sei­nem Va­ter und sei­nem On­kel aus­ge­tauscht wur­den, aus­wen­dig lern­te, in­dem er sie wie­der­hol­te, ohne sie zu ver­ste­hen. Er hoff­te, auf die­se Wei­se ei­nen Zu­gang zur rea­len Welt zu ha­ben.25 In dem Au­gen­blick, in dem sein Va­ter starb, im Jahr 1931, sag­te er, des­sen Stim­me habe sei­nen Kör­per durch­drun­gen und er höre ihn spre­chen. Er frag­te sich, wo sein to­ter Va­ter nun sei.26 La­cans The­se lau­tet, dass, aus­ge­hend von die­sem an­fäng­li­chen Sym­ptom­kern – dem der auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te – Joy­ce die eng­li­sche Spra­che, ver­mit­tels der Schrift, auf­ge­löst habe, in­dem er sie sich auf­zwin­gen ließ. Sei­ne Kunst ist nicht nur eine Ab­wehr ge­gen das auf­ge­zwun­ge­ne Spre­chen: mehr und mehr zwingt sich das Spre­chen ihm auf, das Spre­chen in sei­nem pho­n­ema­ti­schen Cha­rak­ter, der­art, dass die eng­li­sche Spra­che „zer­stört“ wur­de, nach­dem sie in die Schrift über­tra­gen wor­den war. Fin­ne­gans Wake zeugt vom Er­geb­nis die­ser Pra­xis, die, jah­re­lang fort­ge­setzt, Joy­ces ge­sam­te En­er­gie ab­sor­bier­te und rea­ler wur­de als jede an­de­re Rea­li­tät.27 Das auf­ge­zwun­ge­ne Spre­chen wird hier un­ab­läs­sig in Schrift um­ge­wan­delt. Für Jac­ques Au­bert be­steht der Wen­de­punkt, ja die Zä­sur in der Kon­sti­tu­ie­rung des Joy­ce­schen Sin­t­homs, wie er­wähnt, in dem acht­mo­na­ti­gen Rom-Auf­ent­halt des Schrift­stel­lers in den Jah­ren 1906/1907. Hier sei Joy­ce dem Tod be­geg­net, hier habe er sich von der Läh­mung von Dub­lin be­freit, in der er ge­fan­gen ge­we­sen sei. Nach die­ser Rom­rei­se be­en­det er die Dub­li­ners mit „The Dead“, der letz­ten Er­zäh­lung die­ser Samm­lung, und er be­ginnt mit der Um­ar­bei­tung des Por­träts, un­mit­tel­bar nach der Ge­burt sei­nes zwei­ten Kin­des, Lu­cia.

Geneviève Morel: Lacans These über das Verhältnis zwischen dem Namen-des-Vaters und dem Sinthom

In dem Auf­satz „Das Sym­ptom, das Phan­tas­ma und die Pa­tho­lo­gi­en des Ge­set­zes“ fasst Ge­ne­viè­ve Mo­rel La­cans Haupt­the­se in Se­mi­nar 23 so zu­sam­men.28

In­dem er im­mer wei­ter in Rich­tung ei­ner Kri­tik der Va­ter­funk­ti­on (und da­mit des Ödi­pus29 ) in der Leh­re Freuds ging, ist La­can am Ende sei­ner Leh­re zu ei­ner kom­plet­ten Um­keh­rung der Sicht­wei­se des Ver­hält­nis­ses zwi­schen dem Na­men-des-Va­ters und dem Sym­ptom ge­langt30: Sei­ne The­se lau­tet nicht, dass es Sym­pto­me gibt trotz des ‚gu­ten‘ Ge­set­zes des Na­mens-des-Va­ters, son­dern dass der Name-des-Va­ters selbst nur ein mög­li­ches Sym­ptom un­ter an­de­ren in der Wahl des Neu­ro­ti­kers ist31. Die Psy­cho­ana­ly­se, die von Freud mit Hil­fe der hys­te­ri­schen Frau­en er­fun­den wur­de, hat zu­erst den neu­ro­ti­schen Ty­pus des Sym­ptoms ans Ta­ges­licht ge­bracht, der mit Hil­fe des Na­mens-des-Va­ters ge­schaf­fen wird, aber sie hat kei­ner­lei An­lass, sich dar­auf zu be­schrän­ken. Denn in der Psy­cho­se, die des­we­gen be­son­ders auf­schluss­reich ist, ver­sucht das Sub­jekt an­de­re Sym­ptom­arten ein­zu­set­zen, um sich von sei­ner Mut­ter (oder de­ren Sub­sti­tut) zu tren­nen. Das Sym­ptom kann den Psy­cho­ti­ker so­gar dar­an hin­dern, ‚ver­rückt‘ zu wer­den in dem Sin­ne, dass sei­ne Psy­cho­se aus­ge­löst wür­de. In die­ser neu­en Auf­fas­sung wird das Sym­ptom, auch wenn sich das Sub­jekt dar­über be­klagt, eine not­wen­di­ge Stüt­ze, um sich vom müt­ter­li­chen Ge­nie­ßen ab­zu­lö­sen. Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Kur re­du­ziert sei­ne pa­tho­lo­gi­sche und ein­engen­de Sei­te, mo­di­fi­ziert es, un­ter­drückt es aber nicht in sei­ner Stütz­funk­ti­on für das Sub­jekt, ja sie kann so­gar dem Sub­jekt, wenn die­ses zu­vor kein Sym­ptom zu­stan­de brach­te, den Weg bah­nen, da­mit es ei­nes er­fin­den. Die­ser neu­en Funk­ti­on des Sym­ptoms hat La­can, aus­ge­hend vom Fall des Ja­mes Joy­ce, den Na­men „Sin­t­hom“ ge­ge­ben.32

Jacques-Alain Miller: Über einen Körper à la Cantor (Zu Lacans Rezeption der Mengenlehre in Seminar 23)

Jac­ques-Alain Mil­ler hat sei­ne 2005 ver­öf­fent­lich­te Ver­si­on von Se­mi­nar 23 mit Er­läu­te­run­gen ver­se­hen. Dar­in ex­pli­ziert  er un­ter an­de­rem die Be­mer­kun­gen, die La­can in der ers­ten Sit­zung des Se­mi­nars zur Men­gen­leh­re macht.33

Sei­te 18 [von Mil­lers Ver­si­on von Se­mi­nar 23] be­zieht sich kur­so­risch auf La­cans Les­art der Can­tor­schen Men­gen­de­fi­ni­ti­on, der ers­ten Axio­me der Men­gen­leh­re und ih­rer ers­ten Kon­se­quen­zen. Ich kann nicht ver­mei­den, da­mit zu be­gin­nen, dass ich die ele­men­ta­ren Grund­la­gen die­ser Theo­rie dar­le­ge.

Ge­ge­ben sei die ur­sprüng­li­che, nicht de­fi­nier­te Be­zie­hung R* der Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner Men­ge. Wenn x zur Men­ge A ge­hört, d. h. wenn es ein Ele­ment da­von ist, d.h. dar­in ent­hal­ten ist, schreibt man: x A. Eine Men­ge A, die zwei Ele­men­te ent­hält, a und b, wird so ge­schrie­ben: {a, b}.

Das Ex­ten­si­ons­axi­om (hier als M* be­zeich­net) legt fest, dass eine Men­ge durch ihre Ele­men­te de­fi­niert wird: zwei Men­gen sind dann und nur dann gleich, wenn sie die­sel­ben Ele­men­te ha­ben. Auf der Grund­la­ge die­ses Axi­oms wird eine zwei­te Re­la­ti­on de­fi­niert, R**, in die­sem Fal­le zwi­schen Men­gen, näm­lich die Re­la­ti­on des Ein­schlus­ses. Wenn, be­zo­gen auf zwei Men­gen A und B, sämt­li­che Ele­men­te der ers­ten eben­falls Ele­men­te der zwei­ten sind, wird A als Teil­men­ge von B be­zeich­net oder es wird ge­sagt, A ist in B als Teil­men­ge ent­hal­ten. Das wird so ge­schrie­ben: A B oder um­ge­kehrt B A.34

Die bei­den Be­zie­hun­gen, die der Zu­ge­hö­rig­keit und die der Ein­schlie­ßung (oder In­klu­si­on), sind gänz­lich ver­schie­den.

Nun geht es dar­um, die Exis­tenz ei­ner Men­ge zu si­chern, die ge­nau die­je­ni­gen Ele­men­te ent­hält, die ei­ner sol­chen De­fi­ni­ti­on ent­spre­chen.

Es ge­nügt nicht zu sa­gen, dass je­der De­fi­ni­ti­on D ei­nes Ele­ments eine Men­ge E ent­spricht, de­ren Ele­men­te ge­nau die Ele­men­te x sind, die D ent­spre­chen. Ein sol­ches Axi­om wür­de dazu füh­ren, dass die Rus­sell­sche Pa­ra­do­xie ent­steht; hier­für braucht D nur fol­gen­des zu sein: x x.35 Man muss zu­vor also si­cher­stel­len, dass die Ele­men­te x, wie sie von D de­fi­niert wer­den, Ele­men­te sind, die, wenn ich so sa­gen darf, en­sem­bli­sable sind, „meng­bar“, zu ei­ner Men­ge zu­sam­men­fass­bar, wes­halb das Axi­om ga­ran­tie­ren soll, dass sie be­reits en­sem­bli­sé sind, „ge­mengt“, zu ei­ner Men­ge zu­sam­men­ge­fasst.

An­ders ge­sagt, man er­laubt den x nur dann, Mit­glie­der von E zu wer­den, wenn sie be­reits Mit­glie­der ir­gend­ei­ner Men­ge A sind, wel­che kei­ne an­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on und kei­ne an­de­re De­fi­ni­ti­on hat als die, dass sie als be­reits exis­tie­rend vor­aus­ge­setzt wird (aber ohne dass dies aus­drück­lich be­haup­tet wird). Man si­chert so die Nor­ma­li­tät der Ele­men­te x, die in E auf­ge­nom­men wer­den wol­len, und als Fol­ge­wir­kung die von E selbst. Je­des Ele­ment E, das so ge­bil­det wird, wird eine Teil­me­ne ei­ner Men­ge A sein.

Die­ser Auf­wand an Si­gni­fi­kan­ten ist der Preis, den man zah­len muss, um der rus­sell­schen Ver­flu­chung zu ent­ge­hen und um ano­ma­le Ele­men­te und pa­ra­do­xe Men­gen vor die Tür des Dis­kurs­uni­ver­sums zu set­zen.36 Das Ziel be­steht dar­in, dass es im Dis­kurs rund läuft, wenn ich mich so aus­drü­cken darf (vgl. auch § 8).37

Wir nen­nen ‚Be­din­gung P(x)“ eine De­fi­ni­ti­on von x (an­ders und tech­ni­scher for­mu­liert, eine Aus­sa­ge P, in der der Buch­sta­be x zu­min­dest ein­mal in frei­em Zu­stand er­scheint, d. h. au­ßer­halb der par­ti­ku­la­ren und uni­ver­sel­len Quan­to­ren „Es gibt ein x38 und „für alle x gilt“39).

Wir füh­ren jetzt das so­ge­nann­te Aus­son­de­rungs­axi­om (M**) ein, das fest­legt, dass je­der Men­ge A und je­der Be­din­gung P(x) eine Men­ge B ent­spricht, de­ren Ele­men­te ge­nau die­je­ni­gen Ele­men­te x von A sind, die P(x) er­fül­len.

Die ers­te Kon­se­quenz die­ses Axi­oms be­steht dar­in, dass es die Un­schäd­lich­keit des rus­sell­schen Phä­no­mens si­cher­stellt. Wenn es Ih­nen Spaß macht, kön­nen Sie ru­hig eine Men­ge R bil­den, de­ren Mit­glie­der nicht in sich selbst ent­hal­ten sind, d.h. die der Be­din­gung x x ent­spre­chen (die Ka­ta­lo­ge, die sich nicht selbst ent­hal­ten, er­ha­be­nen An­ge­den­kens), weil R nicht in A ent­hal­ten sein wird: R A (der Be­weis wird dem Le­ser über­las­sen).

Da A eine be­lie­bi­ge Men­ge ist, ist R also „das von je­der Men­ge Ab­we­sen­de“, wenn es er­laubt ist, hier eine Mall­ar­mée­sche Wen­dung zu ge­brau­chen.

Von da­her der Satz – ei­nes Par­men­ides wür­dig, es sei denn, er stammt von He­ra­klit –, der auf Hal­mos zu­rück­geht40: „Not­hing con­ta­ins ever­y­thing“41, den La­can in der Form „Nichts ist al­les“ auf­ge­nom­men hat. (Hal­mos sagt gleich­falls „The­re is no uni­ver­se“, vgl. Paul Hal­mos: Nai­ve Set Theo­ry. Van Nost­rand, Prince­ton 1960, S. 6; dt.: Nai­ve Men­gen­leh­re. Van­den­hoeck und Ru­precht, Göt­tin­gen 1968).

Kor­re­la­tiv hier­zu er­scheint „das in je­der Men­ge An­we­sen­de“, wenn ich so sa­gen darf, näm­lich die lee­re Men­ge, die ∅ ge­schrie­ben wird.

Da­mit sie exis­tiert, ge­nügt es, dass zu­min­dest eine Men­ge exis­tiert, und dazu ist es er­for­der­lich, sie zu set­zen und hier­für die Di­men­si­on (die men­si­on des dit42 ) zu wech­seln, denn un­se­re De­fi­ni­tio­nen und Axio­me sa­gen nichts dar­über, was ist, son­dern nur, wie es ge­nannt wird und wem es ähn­lich ist, der­art, dass eine Men­ge durch­aus nicht exis­te­ren könn­te, so­we­nig wie das Ein­horn.

Also, krea­tio­nie­ren wir: Es exis­tiert eine Men­ge.

Al­les ist voll­bracht. Auf­grund von M** exis­tiert eine Men­ge ohne ir­gend­ein Ele­ment, ge­nannt lee­re Men­ge. Auf­grund von M* exis­tiert nur eine ein­zi­ge lee­re Men­ge. Auf­grund von De­fi­ni­ti­on R** ist die­se lee­re Men­ge eine Teil­men­ge je­der Men­ge: ∅ A. Die­sel­be De­fi­ni­ti­on hat zur Fol­ge, dass jede Men­ge eine Teil­men­ge von sich selbst ist: A A.

Wir kom­men jetzt zur La­can­schen Les­art die­ser klei­nen Ma­schi­ne­rie.

Ers­ter Schritt. Ge­ge­ben sei ein Ob­jekt, das ein­fachs­te, eine 1 und sonst nichts. Ist das über­haupt eine Zahl? Das ist eine Mar­kie­rung auf dem Pa­pier, ir­gend ein Ein oder eine Eins, das aber em­bli­sable ist, „meng­bar“, men­gen­fä­hig, das also das Ele­ment ei­ner Men­ge sein kann, das aber noch nicht en­sem­bli­sé ist, noch nicht „ge­mengt“ ist, noch nicht Ele­ment ei­ner Men­ge ist. Es gibt nur dies, 1.

Zwei­ter Schritt. Po­si­tio­nie­ren Sie sie in ei­ner Men­ge: {1}.

Drit­ter Schritt. Bil­den Sie die Men­ge ih­rer Teil­men­gen. Wor­aus be­steht sie? Auf­grund der zu­vor kon­stru­ier­ten Ma­schi­ne ist das eine Men­ge mit zwei Ele­men­ten: {{1}, ∅}. Da man bei ei­ner aus ei­nem Ele­ment be­stehen­den Men­ge pro­blem­los die Men­ge und die­ses Ele­ment mit­ein­an­der ver­schmel­zen kann, kann man das so schrei­ben: {1, ∅}.

Es ist die­se Men­ge, um die es auf S. 18 von Le Sin­t­home geht. Na bit­te, da ha­ben Sie mit ei­ner 1 eine 2 ge­schaf­fen. Sie hat­ten nur ein ein­zi­ges Ein, die ers­te Eins, ganz al­lein, dann die in eine Men­ge ver­wan­del­te Eins des zwei­ten Schritts, und sie­he da, wie durch ein Wun­der hat an sei­ner Sei­te ein un-en-plus, ein Noch-Eins oder Eins-Mehr (La­can di­xit43 ) Platz ge­nom­men, näm­lich die lee­re Men­ge, ∅.

Des­halb sagt La­can, dass die Men­ge – der Can­tor­sche Sack – es ver­dient, „mit der Am­bi­gui­tät von 1 und Null“ kon­no­tiert zu wer­den, wo­mit aus­ge­drückt wird, dass die lee­re Men­ge Null Ele­men­te ent­hält, dass sie aber gleich­wohl, als Men­ge, ein Ein bleibt. Ein lee­rer Sack bleibt ein Sack.

Nein, das ist kein Wun­der. Es gibt hier kei­ne Schöp­fung ex ni­hi­lo. Das Ka­nin­chen ist vor­her in den Hut ge­steckt wor­den. Das, was wir in Ge­stalt der lee­ren Men­ge wie­der­fin­den, ist das, was wir selbst dem Eins-ganz-al­lein hin­zu­ge­fügt ha­ben, in Ge­stalt der­je­ni­gen Men­ge, in die wir es im zwei­ten Schritt ein­ge­schrie­ben ha­ben.

La­can war be­reits an an­de­rer Stel­le zu dem Er­geb­nis ge­kom­men, dass die lee­re Men­ge der An­de­re ist, als Ort je­der Si­gni­fi­kan­ten-Ein­schrei­bung, und dass sei­ne ers­te Ge­stalt, wenn man so sa­gen darf, der von sei­nem Ge­nie­ßen ent­leer­te Kör­per ist (vgl. Ra­dio­pho­nie. In: Ders: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 2001, S. 409). Er klärt das hier auf S. 18 wei­ter auf, wo er an­nimmt, dass der Be­griff* der Men­ge44 vor­ge­stellt wor­den sein könn­te aus­ge­hend vom Kör­per und sei­ner ganz be­son­de­ren Ein­heit, näm­lich der des Eins-mehr. Das ist das, wor­in sich der La­can­sche Kör­per vom aris­to­te­li­schen Kör­per un­ter­schei­det.

Für Aris­to­te­les ist der Kör­per, wie La­can in En­core45 her­vor­hebt, das Mo­dell des Ein. Aber die­ses Ein ist das In­di­vi­du­um, d. h. Eins-ganz-al­lein. Und La­can frag­te da­mals nach dem wah­ren Ur­sprung des Si­gni­fi­kan­ten Ein bzw. Eins (S. 130 f.46 ). Die Ant­wort ist hier, auf die­ser Sei­te von Sin­t­hom, auf der na­he­ge­legt wird, dass der Kör­per das Mo­dell sein könn­te, also der ima­gi­nä­re Ur­sprung – nicht des Eins-ganz-al­lein, was der Si­gni­fi­kant ist, die Mar­kie­rung, der Strich, der Zug, der Schnitt, son­dern des Eins-mehr, näm­lich der lee­ren Men­ge. Das be­sagt ganz ein­fach, dass der Kör­per als Haut­sack exis­tiert, leer, au­ßer­halb und ne­ben sei­nen Or­ga­nen.

Da­mit habe ich das Wort ge­schrie­ben, das es mög­licht macht, zu er­fas­sen, wor­um es geht: dar­um, den ge­nau­en Platz zu be­grün­den, auf dem das Ge­bil­de ein­ge­schrie­ben wer­den muss, das für den Anti-Ödi­pus zen­tral ist (G. De­leu­ze, F. Guatta­ri, Mi­nuit, Pa­ris 1972), der mys­te­riö­se „or­gan­lo­se Kör­per“. Der Kör­per ohne Or­ga­ne ist der Kör­per­sack. Sei­ne Ex-sis­tenz im Ver­hält­nis zu den Ele­men­ten, die er ent­hält, sei­ne Kon­sis­tenz als Be­häl­ter, ist die der lee­ren Men­ge in der For­mel {1, ∅}.

Das ist es, was La­can klar­macht, wenn er an das Can­tor­sche Paar an­knüpft (das sind die bei­den Ele­men­te 1 und ∅). Aber die Men­ge, in der sie ent­hal­ten sind, ist hier et­was Drit­tes. Von da­her der Text: „ (…) die Theo­rie von Can­tor muss vom Paar aus­ge­hen. Aber dann ist die Men­ge hier et­was Drit­tes.“

La­can for­dert dazu auf, im Eins-ganz-al­lein den S1 zu er­ken­nen, den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, und in dem zwei­ten Schritt, in dem es in die Men­ge ein­ge­schrie­ben ist, das S2. Das ers­te ist ein­zi­ger Zug, das zwei­te ist Sym­bol. Wenn das ers­te die lee­re Men­ge an­zeigt, ver­weist das zwei­te „dar­auf, dass es Paar ist“, das Paar selbst, 1, ∅, wo­von es Ele­ment ist.

Über die­se ziem­lich dich­te Sei­te wäre noch viel zu sa­gen. Aber das reicht hin, so scheint mir, um dem Le­ser spür­bar zu ma­chen, wel­che Art von Auf­merk­sam­keit La­cans In­tel­li­genz ver­langt, vor al­lem in sei­nem letz­ten Un­ter­richt, reich an vie­len ge­sag­ten Din­gen und be­drängt von vie­len Din­gen, die zu sa­gen sind und de­ren Äu­ße­rung auf meh­re­ren Be­zugs­fel­dern spielt und in de­ren Aus­sa­ge meh­re­re Par­ti­en gleich­zei­tig ge­spielt wer­den.

Die re­le­van­tes­ten Be­zü­ge sind nicht im­mer die am deut­lichs­ten aus­ge­führ­ten und kein Per­so­nen­ver­zeich­nis wird sie auf­de­cken. Es bräuch­te ein Ver­zeich­nis des Nicht-Ge­sag­ten, der Hin­ter­ge­dan­ken, der ver­schlüs­sel­ten An­spie­lun­gen, der Re­so­nan­zen und der in­vi­si­bi­lia47. Im Üb­ri­gen wer­de ich mich dar­in viel­leicht ei­nes Ta­ges ver­su­chen, um ein Bei­spiel da­für zu lie­fern.

So kann man sich bei­spiels­wei­se fra­gen: war­um bloß die­se um Adam und Eva zen­trier­ten Aus­füh­run­gen zu Be­ginn von Sin­t­hom? Ant­wort: We­gen der ers­ten Wor­te von Fin­ne­gans Wake. Näm­lich: ri­ver­run, past Eve and Adam’s

An dem Tag, an dem es an der Uni­ver­si­tät La­ca­nia­ner ge­ben wird – so wie es Joy­cia­ner gibt, an dem „La­ca­nia­ner sein“ das hei­ßen wird, was „Joy­cia­ner sein“ meint, näm­lich ein Lieb­ha­ber des Tex­tes zu sein -, wer­den sie zwei­fel­los viel zu tun ha­ben. Die­ser Tag wird si­cher­lich kom­men, aber soll man ihn er­hof­fen, ihn be­schleu­ni­gen? Sie wer­den sich ziem­lich bald im Krei­se drehn.

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Anmerkungen

  1. Erik Por­ge: Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te. Par­cours d’un ens­eig­ne­ment. Érès, Tou­lou­se 2000, S. 163–165, „La so­lu­ti­on bor­ro­méen“.
    Die Über­set­zung, auch die der La­can-Zi­ta­te, ist von Rolf Nemitz. Die Da­tums­an­ga­ben von Por­ge wur­den nach der Sta­fer­la-Edi­ti­on von Se­mi­nar 22 kor­ri­giert. Die vom Über­set­zer ein­ge­füg­ten Ver­wei­se auf „Por­ges 2000“ be­zie­hen sich auf „Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te“. In den Fuß­no­ten wird au­ßer­dem auf Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 22. Klei­ners Über­set­zung weicht von der hier vor­ge­leg­ten bis­wei­len stark ab, vor al­lem des­halb, weil er eine an­de­re Vor­la­ge ver­wen­det: eine von Jac­ques-Alain Mil­ler re­dak­tio­nell über­ar­bei­te­te Ver­si­on des Se­mi­nars. Klei­nes Über­set­zung kann man über das La­can-Ar­chiv in Bre­genz be­zie­hen.
  2. An­mer­kung des Über­set­zers: Rea­les, Sym­bo­li­sches, Ima­gi­nä­res; vgl. Por­ges 2000, S. 128 ff.
  3. A.d.Ü.: Vgl. Por­ges 2000, S. 133 ff.
  4. A.d.Ü.: Vgl. Por­ges 2000, S. 137 ff.
  5. A.d.Ü.: An die­sem Tag hielt La­can die ein­zi­ge Vor­le­sung des Se­mi­nars über die Na­men des Va­ters.
  6. J.Lacan, RSI, Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1975, un­ver­öf­fent­licht; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 32.
  7. Ebd., Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1975 (bei Por­ge 13. Ja­nu­ar 1975); vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 20.
  8. Ebd., Sit­zung vom 14. Ja­nu­ar 1975 (bei Por­ge 11. Fe­bru­ar 1975); vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 22.
  9. A.d.Ü.: Vgl. Por­ges 2000, S. 154 ff.
  10. Ebd., Sit­zung vom 15. April 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 71.
  11. A.d.Ü.: 2. Mose 3,14
  12. Ebd., Sit­zung vom 15. April 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 70.
  13. Ebd., Sit­zung vom 15. April 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 71.
  14. Ebd., Sit­zung vom 13. Mai 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 78.
  15. Ebd., Sit­zung vom 11. März 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 39.
  16. Ebd., Sit­zung vom 13. Mai 1975; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 75
  17. Ebd.; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 74.
  18. Mo­rel: La loi de la mère. Es­sai sur le sin­t­home se­xu­el. Eco­no­mi­ca, An­thro­pos, Pa­ris 2008, S. 87 f.- Über­setzt von Rolf Nemitz.
  19. Se­mi­nar 22, be­zo­gen auf das Fol­gen­de: Sit­zun­gen vom 13. Mai, vom 14. Ja­nu­ar, vom 11. Fe­bru­ar, vom 11. März, vom 15. April, vom 13. Mai 1975, wie­der­auf­ge­nom­men in Se­mi­nar XXIII, S. 37, und Sit­zung vom 13. Mai 1975.- Anm. d. Übers.: Über­set­zung Max Klei­ner
  20. Anm.d.Übers.: R für Rea­les (jouis­sance (Ge­nie­ßen), Ver­tei­lung der Lust im Kör­per), S für Sym­bo­li­sches (Spra­che und Spre­chen), I für Ima­gi­nä­res (Bil­der, Sinn), vgl. Mo­rel, a.a.O., S. 2 Fn. 4.
  21. G. Mo­rel: La loi de la mère. Es­sai sur le sin­t­home se­xu­el. Eco­no­mi­ca, An­thro­pos, Pa­ris 2008, S. 152 f. – Über­setzt von Rolf Nemitz.
  22. An­mer­kung des Über­set­zers: Sit­zung vom 10. 2. 1976, Ver­si­on Mil­ler 2005 S. 89, Klei­ner-Über­set­zung S. 97, Über­set­zung ge­än­dert.
  23. A.d.Ü.: Das be­zieht sich auf die Sze­ne, in der Si­mon De­da­lus sei­nem Sohn er­zählt, wie er von sei­nem Va­ter beim Rau­chen er­wischt wur­de und die­ser ihm, statt ihn zu kri­ti­sie­ren oder zu be­stra­fen, am nächs­ten Tag eine Zi­gar­re an­bot. (Ein Por­trät des Künst­lers als jun­ger Mann. Über­setzt von Klaus Rei­chert. In: J. Joy­ce: Ste­phen der Held. Ein Por­trät des Künst­lers als jun­ger Mann. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1987, S. 251–533, hier: S. 348 f.
  24. Sit­zung vom 18. 11. 1975, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 22; Klei­ner-Über­set­zung S. 14.
  25. A.d.Ü.: „Wör­ter, die er nicht ver­stand, sag­te er sich wie­der und wie­der vor, bis er sie aus­wen­dig konn­te: und durch sie be­kam er Schim­mer von der wirk­li­chen Welt, die um ihn war.“ (Rei­chert-Über­set­zung, a.a.O., S. 315.) 
  26. Vgl. R. Ell­mann. Ja­mes Joy­ce. Gal­li­mard, Pa­ris 1987, Bd. 2, S. 293, 330–332 341 und S. 334 f..- A.d.Ü.: In der Ell­mann-Über­set­zung, die ich zur Hand habe (Ja­mes Joy­ce. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979), fin­det sich der Satz über die Stim­me des Va­ters auf S. 969.
  27. Vgl. die Be­mer­kung von Joy­ce im Au­gust 1936 im Ge­spräch mit Ole Vin­ding: „Es ist eine wun­der­ba­re Er­fah­rung, mit ei­nem Buch zu le­ben. Seit ich 1922 Work in Pro­gress (Ar­beits­ti­tel von Fin­ne­gangs Wake) be­gon­nen habe, habe ich kaum noch ein wirk­lich nor­ma­les Le­ben ge­führt. Es er­for­der­te ei­nen enor­men Auf­wand an En­er­gie. Da ich im Ulys­ses über den Tag ge­schrie­ben hat­te, woll­te ich die­ses Buch nun über die Nacht schrei­ben. In an­de­rer Hin­sicht hat es kei­ner­lei Be­zie­hung zum Ulys­ses, und der Ulys­ses hat mich nicht den glei­chen En­er­gie­auf­wand ge­kos­tet. Seit 1922 ist das Buch für mich wirk­li­cher ge­we­sen als die Wirk­lich­keit. Da­ne­ben muß­te al­les an­de­re zu­rück­ste­hen. Jede Klei­nig­keit au­ßer­halb des Bu­ches wur­de zu ei­nem un­über­wind­li­chen Hin­der­nis: die ge­rings­ten All­täg­lich­kei­ten, wie etwa, sich mor­gens ra­sie­ren zu müs­sen.“ (Ri­chard Ell­mann, Ja­mes Joy­ce, a.a.O., S. 1040 f.) 
  28. Über­setzt von Mo­ni­ka Ma­ger. In: Riss. Zeit­schrift für Psy­cho­ana­ly­se. Freud – La­can. Heft 65 (2007/1), S. 57–91, hier: S. 65. Der Auf­satz ist ein Aus­zug aus Mo­rels Dis­ser­ta­ti­on Sin­t­home et am­bi­guité se­xu­el­le, 2006, Uni­ver­si­tät Pa­ris VII. Die­se Ar­beit bil­det die Grund­la­ge ih­res Buchs La loi de la mère.
  29. Ins­be­son­de­re in Se­mi­nar XVII, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se.
  30. Auf die­sen Um­schwung der Per­spek­ti­ve wer­de ich in den fol­gen­den Ka­pi­teln nä­her ein­ge­hen.
  31. Se­mi­nar XXIII, Das Sin­t­hom, a.a.O.
  32. Die­se Funk­ti­on wird in den fol­gen­den Ka­pi­teln wei­ter aus­ge­führt.
  33. Der Kom­men­tar be­zieht sich auf die Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975, in Mil­lers Se­mi­nar­ver­si­on von 2005 auf S. 18, in Klei­ners Über­set­zung auf S. 10 f.- Jac­ques-Alain Mil­ler: Noti­ce de fil en ai­guil­le, § 7, D’un corps à la Can­tor, in: Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 211–215. Über­setzt von Rolf Nemitz, mit ei­nem herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für die Hil­fe bei der Über­set­zung! Der Ti­tel „Über ei­nen Kör­per à la Can­tor“ ist von Mil­ler, der Un­ter­ti­tel eine Hin­zu­fü­gung des Über­set­zers.
  34. A.d.Ü.: Die zwei­te For­mel wird ge­le­sen als „B ist Ober­men­ge von A“ oder „B um­fasst A“.
  35. A.d.Ü.: Im Ori­gi­nal ist das Ele­ment­sym­bol ver­se­hent­lich nicht durch­ge­stri­chen.
  36. An­mer­kung Ger­hard Herr­gott: Eine pa­ra­do­xe Men­ge ist eine rus­sell­sche Men­ge, also die Men­ge al­ler Men­gen, die sich nicht selbst ent­hal­ten. Aber was ist ein ano­ma­les Ele­ment?
  37. A.d.Ü.: Die Pa­ra­gra­phen­zäh­lung be­zieht sich auf Mil­lers Er­läu­te­run­gen zu Se­mi­nar 23 in sei­ner Ver­si­on des Se­mi­nars von 2005, Noti­ce de fil en ai­guil­le.
  38. A.d.Ü.: Exis­tenz­quan­tor.
  39. A.d.Ü.: All­quan­tor.
  40. A.d.Ü.: Paul Ri­chard Hal­mos, 1916–2006, US-ame­ri­ka­ni­scher Ma­the­ma­ti­ker un­ga­ri­scher Her­kunft.
  41. A.d.Ü.: Nichts ent­hält al­les.
  42. A.d.Ü.: Das Maß des Ge­sag­ten.
  43. A.d.Ü.: di­xit: la­tei­nisch für „er hat ge­sagt“.
  44. An­mer­kung Ger­hard Herr­gott: Statt „Be­griff“ muss es „In­be­griff“ hei­ßen. „In­be­griff“ ist Can­tors an­fäng­li­cher Aus­druck für die Men­ge.
  45. A.d.Ü.: Se­mi­nar 20 von 1972/73.
  46. In der deut­schen Über­set­zung von Metz­ger u. a. S. 155 f.
  47. A.d.Ü.: La­tei­nisch für „un­sicht­ba­re Din­ge“.

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