Phallus

Kühlerfigur

Bentley-Kühlerfigur - zu: Jacques Lacan, imaginärer PhallusBent­ley-Küh­ler­fi­gur

Un­ter dem ima­gi­nä­ren Phal­lus ver­steht La­can (un­ter an­de­rem) die Vor­stel­lung von ei­nem eri­gier­ten Pe­nis, der so be­schaf­fen wäre, dass er nie­mals ab­schlaf­fen und nie­mals sei­nen Dienst ver­sa­gen wür­de; ein Mann, der sich durch ihn aus­zeich­nen wür­de, könn­te je­der Frau je­der­zeit zum höchs­ten Ge­nuss ver­hel­fen. „Ima­gi­när“ heißt die­ses Ob­jekt, weil es zur Ord­nung der Bil­der (frz. images) ge­hört, ge­nau­er: zur Ord­nung der Kör­per­bil­der, und um es noch prä­zi­ser zu sa­gen: zur Ord­nung der bild­haf­ten Vor­stel­lun­gen von kör­per­li­cher Voll­kom­men­heit. Der ima­gi­nä­re Phal­lus ist also ein feh­len­des Ob­jekt: ein Or­gan, das kein Mann je be­ses­sen hat und das kei­ner je be­sit­zen wird. An die­sem Maß­stab ge­mes­sen ist je­der Mann im­po­tent.

Für La­can ist der ima­gi­nä­re Phal­lus das Sym­bol für die Vi­ta­li­tät, die dem Sub­jekt durch die In­te­gra­ti­on in die sprach­lich fun­dier­te so­zia­le Ord­nung un­wi­der­ruf­lich ver­lo­ren ge­gan­gen ist.

Was es mit dem ima­gi­nä­ren Phal­lus auf sich hat, habe ich erst rich­tig be­grif­fen, als mir S. vor ein paar Ta­gen von ei­nem ih­rer Un­ter­neh­me­rin­nen-Tref­fen er­zähl­te. Sie hat­te eine Teil­neh­me­rin das ge­fragt, was man auf die­sen Tref­fen zu fra­gen pflegt: „Was ma­chen Sie denn so?“

Frau A.: Sie ken­nen doch die­se Tup­per-Par­tys?
S.: Aber si­cher.
Frau A.: So was mach ich auch. Nur mit Sex­spiel­zeug.

Im In­ter­net habe ich er­fah­ren, dass das Un­ter­neh­men Bea­te Uhse für den Ver­kauf von Vi­bra­to­ren ein Ver­triebs­kon­zept ein­setzt, das „Dild­o­par­ty“ ge­nannt wird (amt­lich re­gis­trier­tes Mar­ken­zei­chen, al­ler­dings für Pep­per­Par­ties) und das sich tat­säch­lich am Tup­per­ware-Mo­dell ori­en­tiert. Eine Gast­ge­be­rin lädt min­des­tens acht Frau­en ein, eine Bea­te-Uhse-Ver­käu­fe­rin („Be­ra­te­rin“) kommt hin­zu und führt der Grup­pe Vi­bra­to­ren vor. Die Gast­ge­be­rin wird am Um­satz be­tei­ligt, al­ler­dings auf Na­tu­ral­ba­sis: für ih­ren An­teil darf sie sich aus der „ex­klu­si­ven Kol­lek­ti­on“ et­was aus­su­chen.

Frau A. wäre schwer be­lei­digt“, sagt mir S., „wenn sie dich jetzt hö­ren könn­te. Die Bea­te-Uhse-Ge­rä­te sind – so hat Frau A. sich aus­ge­drückt – ‚lieb­los ge­macht‘. Was Frau A. auf ih­ren Par­tys zur Schau stellt, ist him­mel­weit da­von ent­fernt. Was sie dort vor­führt, ist der Bent­ley un­ter den Vi­bra­to­ren.“

Das also ist der ima­gi­nä­re Phal­lus: kein schlaf­fer Pe­nis, son­dern ein auf­ge­rich­te­ter Phal­lus. Al­ler­dings auch kein ir­ri­tier­ba­rer Phal­lus, son­dern ein Vi­bra­tor, bei dem die Bat­te­ri­en nie­mals leer sind. Ein Vi­bra­tor im Be­sitz ei­ner Frau. Aber auch kein Wald-und-Wie­sen-Vi­bra­tor, son­dern eben dies: der Bent­ley un­ter den Vi­bra­to­ren.

Und nicht ir­gend­ein Paul.

Ich mei­ne den Paul, über den sich An­dre­as41 in der Bri­git­te-Com­mu­ni­ty zum The­ma „Wel­cher Vi­bra­tor? “ so ge­äu­ßert hat:

Mei­ne Freun­din und ich ha­ben ge­ra­de Paul von Fun Fac­to­ry um­ge­tauscht, da der Ers­te Thea­ter ge­macht hat.“

Den ima­gi­nä­ren Phal­lus kann man aus­tau­schen, und da­durch ver­wan­delt er sich: in den sym­bo­li­schen Phal­lus.

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