Darian Leader: Strikt bipolar

Time 19 August 2002 Young and Bipolar (zu Darian Leader, Bipolarität)Time vom 19. Au­gust 2002 mit dem Foto des neun­jäh­ri­gen als bi­po­lar dia­gnos­ti­zier­ten Ian Pal­mer

Im Fol­gen­den fin­det man eine Über­set­zung der ers­ten 20 Sei­ten von Dari­an Lea­ders Buch Strict­ly Bi­po­lar (Pen­gu­in Books, Lon­don 2013). Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grau sind die Sei­ten­zah­len der Ori­gi­nal­aus­ga­be.

Strikt bipolar

[1] Nach­dem die Nach­kriegs­pe­ri­ode als „Zeit­al­ter der Angst“ be­zeich­net wur­de und die 80er und 90er Jah­re die „Ära der An­ti­de­pres­si­va“ wa­ren, le­ben wir jetzt in bi­po­la­ren Zei­ten. Eine Dia­gno­se, die sich frü­her auf we­ni­ger als ein Pro­zent der Be­völ­ke­rung be­zog, hat dra­ma­tisch zu­ge­nom­men – von na­he­zu 25 Pro­zent der Ame­ri­ka­ner wird an­ge­nom­men, dass sie an ei­ner Form von Bi­po­la­ri­tät lei­den. Stim­mungs­sta­bi­li­sie­ren­de Me­di­ka­men­te wer­den rou­ti­ne­mä­ßig Er­wach­se­nen und auch Kin­dern ver­schrie­ben, wo­bei seit Mit­te der 90er Jah­re die Ver­schrei­bun­gen für Kin­der um 400 Pro­zent ge­stie­gen sind, die Dia­gno­se ins­ge­samt nahm um 4.000 Pro­zent zu. Heu­te lau­tet die Fra­ge nicht „Bist du bi­po­lar?“, son­dern „Wie bi­po­lar bist du?“

Pro­mi­nen­te wie Ca­the­ri­ne Zeta-Jo­nes, Ste­phen Fry, Jean-Clau­de Van Dam­me, Demi Lo­va­to, Adam Ant, Tom Flet­cher und Lin­da Ha­mil­ton spre­chen über ih­ren bi­po­la­ren Zu­stand, Me­moi­ren und Selbst­hil­fe­bü­cher über­flu­ten den Markt. In der Fern­seh­se­rie Home­land wird die CIA-Agen­tin Car­rie Ma­th­i­son als bi­po­lar por­trä­tiert, in dem Film Sil­ver Li­nings der frü­he­re Leh­rer Pat So­li­ta­no; so­gar in Scoo­by-Doo, ei­ner Zei­chen­trick­se­rie für Kin­der, wird die Bi­po­la­ri­tät er­wähnt.

Busi­ness-Hand­bü­cher pro­pa­gie­ren in­zwi­schen, für die Bör­sen­spe­ku­la­ti­on ein ge­wis­ses Maß an Ma­nie zu kul­ti­vie­ren, und Füh­rungs­kräf­te wer­den tat­säch­lich dar­in un­ter­rich­tet, wie sie, um Ver­kauf und Pro­duk­ti­vi­tät zu stei­gern, auf ei­nem ma­ni­schen Hoch sur­fen kön­nen. In den Me­di­en wird ein Bild des Mo­guls Ted Tur­ner ver­brei­tet, das ihn als wild­ent­schlos­se­nen Ka­pi­tän dar­stellt, mit der War­nung, er habe das Li­thi­um ab­ge­setzt, so­dass sei­ne Kon­kur­ren­ten sich in Acht neh­men soll­ten. In Hol­ly­wood ge­hen Stars | [2] mit ih­rem Agen­ten im Schlepp­tau zum Psych­ia­ter, und der Agent sorgt da­für, dass die Arz­nei­mit­tel so ver­schrie­ben wer­den, dass die Ma­nie un­ten ge­hal­ten wird, je­doch nicht zu sehr – mehr als ir­gend­wo sonst lässt sich hier be­ob­ach­ten, wie die Me­di­ka­men­tie­rung maß­ge­schnei­dert wird, um den An­for­de­run­gen von Kar­rie­re und Le­bens­stil zu ge­nü­gen.

Das Selbst­ver­trau­en, die ge­ho­be­ne Stim­mung und die En­er­gie, die für die frü­hen Pha­sen ei­ner Ma­nie cha­rak­te­ris­tisch sind, schei­nen gut zu pas­sen zu den Er­mah­nun­gen zu Leis­tung, Pro­duk­ti­vi­tät und in­ten­si­vem En­ga­ge­ment, die das heu­ti­ge Ge­schäfts­le­ben ver­langt. In ei­ner hef­tig kon­kur­rie­ren­den Welt, in der Sta­bi­li­tät und Si­cher­heit des Ar­beits­plat­zes zu­neh­mend un­ter­gra­ben wer­den, müs­sen An­ge­stell­te ih­ren Wert da­durch be­wei­sen, dass sie im­mer län­ger ar­bei­ten und ei­nen im­mer ek­sta­ti­sche­ren Glau­ben an ihre Pro­jek­te und Pro­duk­te zur Schau stel­len. Das we­gen Er­schöp­fung und Aus­zeh­rung un­ver­meid­li­che Fern­blei­ben gilt we­ni­ger als Be­weis da­für, dass et­was nicht stimmt, son­dern fast als Be­stand­teil der Ar­beits­platz­be­schrei­bung.

Zur sel­ben Zeit tau­chen die­je­ni­gen Merk­ma­le, die von der klas­si­schen Psych­ia­trie dem ma­ni­schen An­fall zu­ge­schrie­ben wur­den, als Zie­le der per­sön­li­chen Ent­wick­lung auf. Selbst­hil­fe­bü­cher und The­ra­pi­en pro­pa­gie­ren die Ide­en des Selbst­werts, des ge­stei­ger­ten Selbst­ver­trau­ens und des Wohl­be­fin­dens. Nichts ist un­mög­lich, wird uns ge­sagt, un­se­ren Träu­men müs­sen wir fol­gen. Und wenn das Haupt­sym­ptom der Ma­nie frü­her de­fi­niert wur­de als das zwang­haf­te Be­stre­ben, sich mit Mit­men­schen zu ver­bin­den, so ist dies heu­te na­he­zu eine Ver­pflich­tung: wenn man nicht auf Face­book oder auf Twit­ter ist, kann mit ei­nem et­was nicht stim­men. Was frü­her die kli­ni­schen An­zei­chen der ma­nisch-de­pres­si­ven Psy­cho­se wa­ren, ist zum Ziel von The­ra­pi­en und Life­style-Coa­chings ge­wor­den.

Je­doch, jen­seits der neu­en An­rei­ze zu „ma­ni­schem“ Ver­hal­ten be­schrei­ben Men­schen mit ma­ni­scher De­pres­si­on die schreck­li­chen Tief­punk­te und alp­traum­haf­ten Er­re­gungs­zu­stän­de, die mit ih­ren Epi­so­den | [3] ver­bun­den snd. Die Ge­füh­le der Macht, des Selbst­ver­trau­ens und der Ver­bun­den­heit, wie sie für die Ma­nie cha­rak­te­ris­tisch sind, sor­gen da­für, dass die Per­son sich höchst le­ben­dig fühlt und bringt sie zu­gleich dich­ter denn je in die Nähe des To­des. Die Pa­ra­do­xie der Bi­po­la­ri­tät ist im­mer wie­der be­ob­ach­tet wor­den: man fra­ge ma­nisch-de­pres­si­ve Sub­jek­te, ob sie in der Lage wä­ren, ei­nen Knopf zu drü­cken, der ihre Bi­po­la­ri­tät zum Ver­schwin­den bräch­te, und vie­le wer­den Nein sa­gen. Es ist je­doch mög­lich, dass die­sel­ben Men­schen re­gel­mä­ßig im Kran­ken­haus en­den, dass sie ihre Er­spar­nis­se durch eine Ein­kaufs­or­gie ver­schleu­dert ha­ben, dass sie ihre Fa­mi­li­en­mit­glie­der durch Ver­las­sen oder Ver­nach­läs­si­gung ver­letzt ha­ben oder dass sie in ei­nem un­glück­lich aus­ge­hen­den he­roi­schen oder he­do­nis­ti­schen Akt ihr Le­ben aufs Spiel ge­setzt ha­ben.

Wie lässt sich er­klä­ren, dass das bi­po­la­re Selbst neu­er­dings all­ge­gen­wär­tig ist? Sind die Hö­hen und Tie­fen der Bi­po­la­ri­tät eine Fol­ge der sich wan­deln­den öko­no­mi­schen Be­din­gun­gen, die da­für sor­gen, dass das tra­di­tio­nel­le­re Bild von sta­bi­ler Be­rufs­aus­übung durch fort­wäh­ren­de En­er­gie­aus­brü­che er­setzt wird? Gibt es jen­seits des oft­mals fla­chen Ge­re­des über die Arbeitsplatz-„Manie“ eine wirk­li­che Bi­po­la­ri­tät, eben jene, die von Psych­ia­tern als „ma­ni­sche De­pres­si­on“ be­zeich­net wur­de? Die Bi­po­la­ri­tät scheint zu den ei­gen­ar­tig krampf­haf­ten Rhyth­men des Le­bens im frü­hen 21. Jahr­hun­dert zu pas­sen, sie ist je­doch, wie ei­nem je­der sa­gen wird, der eine ma­ni­sche De­pres­si­on er­lebt hat, eine erns­te Sa­che.

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Vor hun­dert Jah­ren war der Ter­mi­nus „bi­po­lar“ äu­ßerst sel­ten. Erst­mals wur­de er in der Psych­ia­trie Ende des 19. Jahr­hun­derts ver­wen­det, doch erst seit den 80er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts wur­de er zu­neh­mend be­kannt, bis er dann in den 90er Jah­ren zu ei­nem gän­gi­gen Aus­druck wur­de. Wie kam die­se neu­ge­won­ne­ne Po­pu­la­ri­tät zu­stan­de? Ver­schie­de­ne Psych­ia­trie­his­to­ri­ker | [4] ha­ben hier­zu die­sel­be Be­ob­ach­tung ge­macht. Ge­nau in dem Mo­ment, in dem Mit­te der 90er Jah­re die Pa­ten­te für die meist­ver­kauf­ten Stan­dard-An­ti­de­pres­si­va aus­zu­lau­fen be­gan­nen, wur­de der Bi­po­la­re plötz­lich zum Adres­sa­ten der rie­si­gen Mar­ke­ting­bud­gets der Phar­ma­in­dus­trie.

Web­sei­ten hal­fen Leu­ten da­bei, sich selbst zu dia­gnos­ti­zie­ren, Zei­tungs­ar­ti­kel und Zei­tungs­bei­la­gen er­schie­nen, die sich al­le­samt in der Wei­se auf Bi­po­la­ri­tät be­zo­gen, als wäre sie ein Fak­tum, und fast alle wa­ren ganz oder teil­wei­se von der Phar­ma­in­dus­trie fi­nan­ziert wor­den. In­ter­net­fra­ge­bö­gen er­mög­lich­ten in we­ni­gen Mi­nu­ten Selbst­dia­gno­sen, und vie­le Men­schen ge­wan­nen den Ein­druck, als hät­ten ihre Schwie­rig­kei­ten end­lich ei­nen Na­men. So wie in den 80er Jah­ren vie­le schließ­lich be­grif­fen, dass sie sie an „De­pres­si­on“ lit­ten, wur­de „bi­po­lar“ jetzt zu dem Eti­kett, mit dem das Lei­den be­zeich­net wur­de, das eine neue Ge­ne­ra­ti­on ver­spür­te.

Die Iro­nie be­stand hier dar­in, dass über die­je­ni­gen Fäl­le, in de­nen An­ti­de­pres­si­va ganz ein­deu­tig nicht funk­tio­nier­ten, nun be­haup­tet wur­de, de­ren Ver­sa­gen sei der Tat­sa­che ge­schul­det, dass sie falsch ver­schrie­ben wor­den sei­en. Tat­säch­lich sei­en die Pa­ti­en­ten bi­po­lar ge­we­sen, die fei­nen Stim­mungs­schwan­kun­gen sei­en vom ver­schrei­ben­den Arzt je­doch über­se­hen wor­den. 20 bis 35 Pro­zent der­je­ni­gen, bei de­nen in der me­di­zi­ni­schen Grund­ver­sor­gung eine De­pres­si­on dia­gnos­ti­ziert wor­den war, wur­den nun als sol­che an­ge­se­hen, die an ei­ner bi­po­la­ren Stö­rung lit­ten. Statt sich zu be­mü­hen, ef­fi­zi­en­te­re An­ti­pres­si­va her­zu­stel­len, op­tier­te die In­dus­trie da­für, wie der Psych­ia­ter Da­vid Hea­ly ge­zeigt hat, eine neue Mar­ke zu ver­mark­ten: eine neue Rei­he von als „bi­po­lar“ be­zeich­ne­ten Stö­run­gen statt ei­ner neu­en Me­di­ka­ti­on.

Die­se Ko­lo­ni­sa­ti­on mach­te das Wu­chern bi­po­la­rer Ka­te­go­ri­en er­for­der­lich. Bi­po­lar 1 wur­de oft mit der klas­si­schen ma­ni­schen De­pres­si­on gleich­ge­setzt, Bi­po­lar 2 je­doch senk­te die Schwel­le dra­ma­tisch, er­for­der­te nur eine de­pres­si­ve Epi­so­de und | [5] eine Epi­so­de mit ge­stei­ger­ter Pro­duk­ti­vi­tät, über­höh­tem Selbst­wert­ge­fühl und ver­rin­ger­tem Schlaf­be­dürf­nis. Bald folg­ten Bi­po­lar 2.5, 3, 3.5, 4, 5 und 6. Die zu­neh­men­de Be­to­nung von Stim­mungs­schwan­kun­gen statt der zu­grund­lie­gen­den Pro­zes­se be­deu­te­te, dass im­mer mehr Men­schen vom Kom­pass der Bi­po­la­ri­tät er­fasst wer­den konn­ten. Heu­te gibt es so­gar eine „wei­che“ Bi­po­la­ri­tät, die be­deu­tet, dass der Pa­ti­ent „auf Ver­lus­ter­fah­run­gen stark re­agiert“. Die Lo­cke­rung der dia­gnos­ti­schen Ab­gren­zun­gen führ­te zu ei­ner enor­men Aus­wei­tung des phar­ma­zeu­ti­schen Mark­tes und war eine of­fe­ne Ein­la­dung an die Kon­su­men­ten, sich als bi­po­lar zu be­grei­fen.

Es wur­de so­gar eine ei­ge­ne Ka­te­go­rie – Bi­po­lar 3 – spe­zi­ell zu dem Zweck er­fun­den, die­je­ni­gen zu be­zeich­nen, de­ren Bi­po­la­ri­tät durch An­ti­de­pres­si­va auf­ge­deckt wor­den war. Das Ein­neh­men an­ti­de­pres­siv wir­ken­der Arz­nei­mit­tel wie Pro­zac in­ten­si­vier­te die ma­ni­schen Zu­stän­de; dies zei­ge die wah­re Dia­gno­se und ver­wei­se dar­auf, dass eine neue stim­mungs­sta­bi­li­sie­ren­de Me­di­ka­ti­on vor­ge­nom­men wer­den müs­se. Nun ist es zwar eine Tat­sa­che, dass Tau­sen­de, nach­dem sie ei­ni­ge der an­ti­de­pres­siv wir­ken­den Me­di­ka­men­te ein­ge­nom­men hat­ten, Zu­stän­de von quä­len­der Agi­tiert­heit und von Ge­dan­ken­flucht er­leb­ten; es ist je­doch ein gro­ßer Un­ter­schied, ob man die­se Zu­stän­de als iso­lier­te Wir­kun­gen des Arz­nei­mit­tels an­sieht oder als ei­nen Grund­zu­stand, der von den Me­di­ka­men­ten nur auf­ge­deckt wur­de.

Das Ka­nin­chen im Hut be­stand dar­in, dass das An­ti­kon­vul­si­vum Val­p­ro­in­säu­re (De­pa­ko­te) ein Pa­tent für die Ver­wen­dung bei der Ma­nie-Be­hand­lung zu eben dem Zeit­punkt er­hielt, als die äl­te­ren Pa­ten­te für An­ti­de­pres­si­va aus­lie­fen. Ge­nau wie die De­pres­si­on als Stö­rung von den­je­ni­gen ak­tiv ver­mark­tet wor­den war, die für sie eine che­mi­sche Be­hand­lung ge­lie­fert hat­ten, wur­de auch Bi­po­lar zu­sam­men mit dem Ge­gen­mit­tel ver­packt und ver­kauft. Li­thi­um hat­te bei ei­ni­gen funk­tio­niert und bei an­de­ren nicht; als na­tür­lich vor­kom­men­des Ele­ment konn­te es je­doch nicht pa­ten­tiert wer­den. Val­proat wur­de an­fäng­lich als das raf­fi­nier­te­re und zu­ver­läs­si­ge­re Me­di­ka­ment an­ge­prie­sen, das die | [6] Hö­hen und Tie­fen des bi­po­la­ren Sub­jekts end­gül­tig sta­bi­li­sie­ren wür­de. Ihm folg­ten schnell an­ti­psy­cho­ti­sche Me­di­ka­men­te der neu­en Ge­ne­ra­ti­on wie Olan­za­pin, die nun für die Be­hand­lung von Bi­po­la­ren frei­ge­ge­ben wor­den wa­ren.

Val­proat wur­de von vie­len als hilf­reich er­lebt, ge­nau­so wie vie­le den Ein­druck ha­ben, dass sie ihr Le­ben der rich­ti­gen Do­sis Li­thi­um ver­dan­ken. Das Pro­blem be­steht je­doch dar­in, dass die neue Kar­to­gra­phie der psy­chi­schen Ge­sund­heit ih­ren Preis ge­for­dert hat. Je mehr die Bi­po­la­ri­täts­dia­gno­sen zu­nah­men, des­to mehr ging die alte Ka­te­go­rie der ma­ni­schen Des­pres­si­on ver­lo­ren oder wur­de bes­ten­falls ver­wor­ren. Eine Dia­gno­se, die ein­mal spe­zi­fisch war, wur­de auf ein zu­neh­mend va­ge­res Spek­trum von Stö­run­gen an­ge­wen­det, und es gab hier­bei ei­nen ganz be­stimm­ten ent­schei­den­den Feh­ler, den die frü­he Psych­ia­trie vor dem 20. Jahr­hun­dert ge­nau be­stimmt hat­te, bei der Prä­gung der Ter­mi­ni, die spä­ter mit dem Eti­kett „bi­po­lar“ gleich­ge­setzt wur­den.

In den 40er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts hat­ten die fran­zö­si­schen Psych­ia­ter Jean-Pierre Fal­ret und Ju­les Bail­lar­ger die Ter­mi­ni „fo­lie cir­cu­lai­re“ („zir­ku­lä­res Ir­re­sein“) und „fo­lie à dou­ble for­me“ ein­ge­führt. Die Stan­dard­ge­schichts­schrei­bung stellt es für ge­wöhn­lich so dar, dass aus die­sen Be­grif­fen das von Emil Kra­epe­lin kon­zep­tua­li­sier­te „ma­nisch-de­pres­si­ve Ir­re­sein“ wur­de, das dann von der west­li­chen Psych­ia­trie als „bi­po­la­re Stö­rung“ an­ge­eig­net wur­de. Die ent­schei­den­den Ar­gu­men­te, die Fal­ret und Bail­lar­ger vor­brach­ten, wa­ren je­doch ganz das Ge­gen­teil der Ar­gu­men­te von Kra­epe­lin und auch der spä­te­ren Psych­ia­ter. Die dia­gnos­ti­schen Ka­te­go­ri­en von Fal­ret und Bail­lar­ger soll­ten zei­gen, dass Hö­hen und Tie­fen für die neue En­ti­tät, die sie zu be­schrei­ben ver­such­ten, nicht selbst be­reits kon­sti­tu­tiv wa­ren. Ihre sorg­fäl­ti­ge Ar­beit ziel­te dar­auf ab, eine be­stimm­te Form des „Wahn­sinns“ von dem zu tren­nen, was Ma­nie und De­pres­si­on bei an­de­ren Stö­run­gen zu sein schie­nen.

Das re­flek­tiert ziem­lich ge­nau das, wo­mit wir kli­nisch | [7] kon­fron­tiert sind. Un­ter den rich­ti­gen – oder fal­schen – Be­din­gun­gen kann je­der laut, agi­tiert, ru­he­los, hy­per­ak­tiv und so­gar ge­fähr­lich wer­den. Wenn bei­spiels­wei­se eine pa­ra­noi­sche Per­son den Ein­druck hat, dass sie der Mensch­heit eine wich­ti­ge Bot­schaft zu über­mit­teln hat und wenn ihre Ver­su­che, sie zu über­mit­teln, blo­ckiert wer­den, kann sie in Ver­zweif­lung ge­ra­ten. Wenn das Be­mü­hen ge­hemmt oder auf­ge­hal­ten wird, eine Wahr­heit von glo­ba­lem oder lo­ka­lem Ge­wicht zu über­mit­teln, kann dies eine Un­ru­he her­vor­ru­fen, die oft mit ei­ner Ma­nie ver­wech­selt wird. Man den­ke etwa an die Wir­kung, die es hat, wenn man von ei­nem Call­cen­ter be­stän­dig in der War­te­schlei­fe ge­hal­ten und an­schlie­ßend vom Per­so­nal sys­te­ma­tisch miss­ver­stan­den wird. Die Mi­schung aus Wut und schein­ba­rer In­ko­hä­renz, die das her­vor­ruft, ist ge­nau eine der klas­si­schen Be­deu­tun­gen des Aus­drucks „Ma­nie“.

Ähn­lich kann eine schi­zo­phre­ne Per­son aufs äu­ßers­te freu­dig er­regt sein und dann in ei­nen schreck­li­chen Zu­stand von Nie­der­ge­schla­gen­heit und Ver­zweif­lung ge­ra­ten. Sie kann hef­tig und red­se­lig wer­den und mit of­fen­ba­rer Hem­mungs­lo­sig­keit von ei­nem The­ma zum nächs­ten sprin­gen. Schla­fen und Es­sen kön­nen zu­neh­mend ver­nach­läs­sigt wer­den, und sie kann bei­spiels­wei­se die Vor­stel­lung ha­ben, mit ih­ren Ge­dan­ken an­de­re be­ein­flus­sen zu kön­nen. Heu­te kön­nen sol­che Phä­no­me­ne rou­ti­ne­mä­ßig in Be­schrei­bun­gen des Bi­po­la­ren ge­fun­den wer­den, wo­bei die Un­ter­schei­dun­gen und Dif­fe­ren­zie­run­gen, die von den frü­hen Psych­ia­tern ge­trof­fen wor­den wa­ren, ver­nach­läs­sigt oder ein­fach ver­ges­sen wer­den.

Jean-Éti­en­ne Es­qui­rol, ein Vor­läu­fer von Fal­ret und Bail­lar­ger, hat­te sein Bes­tes ge­tan, um dem Aus­druck „Ma­nie“ das zu neh­men, was er als des­sen lo­cke­re und sa­lop­pe Be­deu­tung an­sah, und im Ver­lauf des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts wur­de die Ma­nie von Zu­stän­den der Hoch­stim­mung, der Auf­re­gung und der agi­tier­ten geis­ti­gen Ver­wir­rung un­ter­schie­den. Man hat tat­säch­lich fest­ge­stellt, dass das zu­neh­men­de Auf­ge­ben der phy­si­schen Ar­re­tie­rung in psych­ia­tri­schen An­stal­ten da­mit zu­sam­men­fällt, dass die Ver­wen­dung die­ses Wor­tes ab­nahm. | [8] Je we­ni­ger der Pa­ti­ent dar­an ge­hin­dert wur­de, sich zu be­we­gen, des­to we­ni­ger wur­de er als „ma­nisch“ be­schrie­ben, was die Ver­mu­tung na­he­legt, dass der Aus­druck sehr oft ei­nen re­ak­ti­ven Sinn hat­te: man wur­de eben des­halb ma­nisch, weil man auf ir­gend­ei­ne Wei­se blo­ckiert oder ein­ge­schränkt wur­de.

Das­sel­be gilt für die De­pres­si­on. Wie Fal­ret und Bail­lar­ger wuss­ten, kann je­der in den Zu­stand ge­ra­ten, nie­der­ge­schla­gen und be­drückt zu sein. War dies nicht ge­ra­de eine der Fol­gen des­sen, dass die ei­ge­ne „ma­ni­sche“ Ak­ti­vi­tät lan­ge ge­nug un­ter Kon­trol­le ge­hal­ten wor­den war? Aber die Tief­zu­stän­de der von ih­nen be­schrie­be­nen neu­en kli­ni­schen En­ti­tät wa­ren an­ders. Es gab hier we­ni­ger das Be­har­ren auf ei­nem be­stimm­ten The­ma oder auf ei­ner be­stimm­ten Be­schwer­de, we­ni­ger die Fi­xie­rung auf ein ein­zel­nes Ob­jekt – etwa auf ei­nen An­ge­hö­ri­gen, den man ver­lo­ren hat­te –, wie sie für die Me­lan­cho­lie cha­rak­te­ris­tisch sind. Letz­te­rer Ter­mi­nus be­zieht sich nicht auf die Stim­mung ei­ner in sich selbst ver­sun­ke­nen Trau­rig­keit, son­dern auf eine be­stimm­te Form der Psy­cho­se, bei der die Per­son in un­er­bitt­li­chen At­ta­cken von Selbst­vor­wür­fen und Be­zich­ti­gun­gen ge­fan­gen bleibt, die sie ih­rer Um­ge­bung oft mit­teilt.

Die kon­ti­nen­tal­eu­ro­päi­schen Psych­ia­ter zeig­ten, dass Stim­mungs­hochs und Stim­mungs­tiefs nicht selbst be­reits für die ma­nisch-de­pres­si­ve Struk­tur kon­sti­tu­tiv sind, die sie ab­zu­gren­zen ver­such­ten. Es ist we­ni­ger eine Fra­ge von Hoch­stim­mung und Ge­drückt­heit als viel­mehr eine Fra­ge der Qua­li­tät sol­cher Zu­stän­de, der Be­zie­hung zwi­schen ih­nen und, was am wich­tigs­ten war, der Denk­vor­gän­ge, die ih­nen zu­grun­de lie­gen. Es gab hier das Be­mü­hen, die Lau­nen der Stim­mungs­schwan­kun­gen und des Ober­flä­chen­ver­hal­tens hin­ter sich zu las­sen, um die la­ten­ten Mo­ti­ve der ma­ni­schen De­pres­si­on her­aus­zu­fin­den und um zu er­kun­den, wor­in sie sich von der Me­lan­cho­lie und von an­de­ren dia­gnos­ti­schen Ka­te­go­ri­en un­ter­schei­den könn­te.

Be­dau­er­li­cher­wei­se wur­den die­se klas­si­fi­ka­to­ri­schen Be­mü­hun­gen von Kra­epe­lin un­ter­gra­ben, der ar­gu­men­tier­te, Ma­nie und Me­lan­cho­lie, | [9] ob zu­sam­men oder ein­zeln be­trach­tet, sei­en Tei­le der­sel­ben „Krank­heit“. Die Hö­hen und Tie­fen, die von den fran­zö­si­schen Psych­ia­tern sorg­fäl­tig ent­floch­ten wor­den wa­ren, wur­den jetzt zu­sam­men­ge­wor­fen, in der zu wei­ten neu­en Ka­te­go­rie, die zu Be­ginn von Kra­epe­lin avan­ciert wur­de und die von den Stan­dard­tex­ten der west­li­chen Main­stream­psych­ia­trie als „bi­po­la­re Stö­rung“ noch im­mer stark ver­brei­tet wird. Wenn wir je­doch hof­fen, die wah­re ma­ni­sche De­pres­si­on von den vie­len For­men des Bi­po­la­ren ab­zu­gren­zen, die den dia­gnos­ti­schen Markt­platz über­schwem­men, müs­sen wir zum ur­sprüng­li­chen Pro­jekt zu­rück­keh­ren und ihre Hoch­stim­mun­gen und De­pres­sio­nen von den­je­ni­gen un­ter­schei­den, die bei an­de­ren Ar­ten der men­ta­len Struk­tur an­zu­tref­fen sind.

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Wenn man an­er­kennt, dass es mit der Dia­gno­se des Bi­po­la­ren Pro­ble­me gibt, be­leuch­tet dies auch den pein­li­chen Vor­gang, dass für ein und die­sel­be Per­son die Dia­gno­sen und die Me­di­ka­tio­nen ver­viel­fäl­tigt wer­den. Kürz­lich er­klär­te mir eine Pa­ti­en­tin, dass sie für ihre Ma­nie Li­thi­um neh­me, für ihre Psy­cho­se Olan­za­pin, für ihre Auf­merk­sam­keits­de­fi­zit­stö­rung Dex­me­thyl­phen­i­dat und für ihre Tiefs Ser­tra­lin, so als wäre ihr Sein auf dem Tisch ei­nes Ana­to­men zer­legt wor­den. Die alte Psych­ia­trie hät­te sich über eine sol­che Auf­tei­lung lus­tig ge­macht, da sie be­grif­fen hat­te, dass es so et­was wie eine ma­nisch-de­pres­si­ve Psy­cho­se gibt, zu der die Ma­nie ge­hört und oft auch De­pres­sio­nen, und dass man die Per­son nicht auf die­se Wei­se auf­tei­len kann und für je­des der Sym­pto­me et­was an­de­res ver­schrei­ben kann, als stün­den sie zu­ein­an­der in kei­ner Ver­bin­dung.

Heu­te je­doch ist die­se Ato­mi­sie­rung mit ih­rem zu­sam­men­ge­stü­ckel­ten Me­di­ka­men­ten­re­gime nicht die Aus­nah­me, son­dern die Re­gel. Der New Yor­ker Kunst­händ­ler Andy Behr­man führt in Elec­tro­boy, sei­nen Me­moi­ren, die zwei­und­drei­ßig Pil­len und Kap­seln auf, die | [10] er im Al­ter von vier­und­drei­ßig Jah­ren je­den Tag ein­nahm: Ris­perd­al, ein An­ti­psy­cho­ti­kum; De­pa­ko­te, ein Stim­mungs­sta­bi­li­sie­rer; Neu­ron­tin, ein An­ti­kon­vul­si­vum; Klon­o­pin ge­gen Angst; BuS­par, eben­falls ge­gen Angst; Am­bi­en, um den Schlaf zu un­ter­stüt­zen, und dann drei wei­te­re Me­di­k­am­t­en­te, um den Ne­ben­ef­fek­ten der an­de­ren ent­ge­gen­zu­wir­ken: Sym­met­rel ge­gen das Par­kin­son-Syn­drom, Pro­pra­no­lol ge­gen Tre­mor und Ben­adryl ge­gen Mus­kel­steif­heit. All dies war das Er­geb­nis von jah­re­lan­gem „tri­al and er­ror“, als gin­ge es um die Tei­le der Per­son und nicht um das Gan­ze.

So­wohl der Kör­per als auch die See­le wer­den heu­te als Ag­gre­ga­te an­ge­se­hen, wo­bei die psych­ia­tri­sche In­ter­ven­ti­on auf iso­lier­te Sym­pto­me ab­zielt und das Life­style-Coa­ching dar­auf, ge­wünsch­te oder un­er­wünsch­te As­pek­te des Selbst hin­zu­zu­fü­gen oder weg­zu­neh­men. Die ame­ri­ka­ni­sche Au­to­rin Liz­zie Si­mon, die in ih­rer Ju­gend als bi­po­lar dia­gnos­ti­ziert wor­den war, hat spä­ter das Land be­reist und da­bei mit an­de­ren ge­spro­chen, die ähn­li­che Er­fah­run­gen ge­macht hat­ten. Ei­ner der von ihr Be­frag­ten sag­te: „Ich bin strikt bi­po­lar. Et­was an­de­res habe ich nicht.“ Wenn er so spricht, er­folgt dies im Kon­text ei­nes me­di­zi­ni­schen und kul­tu­rel­len Rah­mens, der un­ab­läs­sig auf­teilt, der nach im­mer mehr Sym­pto­men sucht, um sie aus­zu­son­dern und dann her­aus­zu­schnei­den, ohne die Ver­bin­dung zwi­schen ih­nen zu er­ken­nen.

Das be­deu­tet, dass das ärzt­li­che Per­so­nal fast voll­stän­dig mit der Fein­ein­stel­lung der Me­di­ka­men­tie­rung be­fasst ist, da­mit, das rich­ti­ge Gleich­ge­wicht der Arz­nei­mit­tel zu fin­den, die bei ei­nem Pa­ti­en­ten funk­tio­nie­ren und bei ihm das bes­te emo­tio­na­le Gleich­ge­wicht her­stel­len. Die Wir­kun­gen von Arz­nei­mit­teln, ihre Ne­ben­wir­kun­gen und In­kom­pa­ti­bi­li­tä­ten kön­nen bis ins kleins­te De­tail dis­ku­tiert wer­den. Pa­ti­en­ten kön­nen das Ge­fühl ha­ben, dass man sie in die­se In­ter­ak­tio­nen ein­be­zieht und sich um sie küm­mert, da­bei ist je­doch ein Ele­fant im Raum. Das ge­sam­te Ge­spräch dreht sich dar­um, wel­che Ge­füh­le die Me­di­ka­men­te bei ih­nen her­vor­ru­fen, statt dar­um, wel­che Ge­füh­le sie ur­sprüng­lich hat­ten, be­vor sie die Me­di­ka­men­te ge­nom­men hat­ten. | [11]

So­bald man den phar­ma­zeu­ti­schen Markt­platz ein­mal be­tre­ten hat, gibt es oft we­nig Hoff­nung, ihn wie­der zu ver­las­sen, da die Prio­ri­tä­ten der Be­hand­lung sich dar­auf kon­zen­trie­ren, den Cock­tail zu fin­den, der am bes­ten funk­tio­nie­ren wird. Die­je­ni­gen je­doch, die als bi­po­lar dia­gnos­ti­ziert wer­den, ha­ben un­ter al­len Pa­ti­en­ten­grup­pen die höchs­te Quo­te von Non-Com­pli­an­ce, also von Nicht-Be­fol­gung der ärzt­li­chen Emp­feh­lun­gen, was dazu ge­führt hat, dass Ärz­te­grup­pen und Pa­ti­en­ten-Un­ter­stüt­zungs­grup­pen in end­lo­ser Rhe­to­rik ver­si­chern, wie wich­tig es sei, die Pil­len zu neh­men. Wo­her kommt die Non-Com­pli­an­ce? Ist sie den un­er­freu­li­chen Ne­ben­ef­fek­ten der Me­di­ka­men­te ge­schul­det?

Es stimmt, dass Li­thi­um und an­de­re Arz­nei­mit­tel schwer­lich Wun­der­waf­fen sind: die Per­son kann sich von ih­rem Selbst ge­trennt füh­len, schwer­fäl­lig oder selt­sam ab­we­send. Es kann Ge­wichts­zu­nah­me ge­ben und alle Ar­ten von an­de­ren Pro­ble­men, die dann durch wei­te­re Me­di­ka­men­te re­gu­liert wer­den sol­len. Auf der an­de­ren Sei­te gibt es ei­ni­ge, die nur we­ni­ge sol­cher Ne­ben­ef­fek­te spü­ren und ge­gen ihr Me­di­ka­men­ten­re­gime kei­ne Ein­wän­de er­he­ben. Die Be­richt­erstat­tung über Ne­ben­wir­kun­gen oder auch über die aus­blei­ben­den Wir­kun­gen ei­ni­ger Me­di­ka­men­te ist je­doch no­to­risch un­zu­ver­läs­sig. Wir wis­sen, dass die Är­me­ren sich mit ge­rin­ge­rer Wahr­schein­lich­keit über Ne­ben­wir­kun­gen be­schwe­ren als die Rei­che­ren und dass Ärz­te den Be­hör­den ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen nur in ei­nem von hun­dert Fäl­len be­rich­ten. Wie Da­vid Hea­ly ein­mal be­merkt hat, ist die Ver­fol­gung ei­nes Pa­kets, das wir mit der Post ver­schickt ha­ben, heu­te prä­zi­ser als die Über­wa­chung der Wir­kun­gen ei­nes Me­di­ka­ments, dass wir mög­li­cher­wei­se an je­dem Tag un­se­res Le­bens ein­neh­men.

Es ist auch mög­lich, dass die Non-Com­pli­an­ce so­wohl dem Reiz ge­schul­det ist, den es hat, in den frü­hen Pha­sen ei­ner Ma­nie zu sein, als auch der Ver­leug­nung ih­rer ver­hee­ren­den Wir­kun­gen. Eine ma­ni­sche Epi­so­de kann je­man­dem das Ge­fühl ge­ben, wahr­haft le­ben­dig und mit der Welt ver­bun­den zu sein und die ei­ge­ne wah­re Iden­ti­tät zum ers­ten Mal ge­fun­den zu ha­ben. Es kann schwie­rig sein, das auf­zu­ge­ben, und in den In­ter­val­len zwi­schen den Ma­ni­en so­wie zwi­schen Ma­ni­en | [12] und De­pres­sio­nen kön­nen die Qual des ma­ni­schen Aus­bren­nens und der zer­split­tern­de Schmerz ei­nes de­pres­si­ven Tiefs der Amne­sie un­ter­lie­gen.

Das sind Fra­gen, die zu igno­rie­ren un­klug wäre, da sie uns dazu zwin­gen, über die Be­zie­hung der Per­son zum Phä­no­men der ma­ni­schen De­pres­si­on nach­zu­den­ken, statt ein­fach dar­über, wie gut oder schlecht die Me­di­ka­men­te sind. Statt zu fra­gen, ob ei­ni­ge Me­di­ka­men­te die Wir­kung ha­ben, Ge­dan­ken­flucht oder ver­zwei­fel­te Agi­tiert­heit zu mä­ßi­gen, müs­sen wir fra­gen, wor­in die­se Ge­dan­ken denn be­stan­den und wie es dazu kam, dass sie die Per­son über­wäl­tigt ha­ben. Wenn je­mand bei ei­ner Kauf­or­gie tau­sen­de von Pfund aus­gibt, müs­sen wir fra­gen, was er ge­kauft hat und war­um. Wenn er be­haup­tet, ei­nen tod­si­che­ren Plan für eine neue welt­wei­te Ge­schäfts­tä­tig­keit zu ha­ben, müs­sen wir fra­gen, wor­in er be­steht und wie ihm die Idee ge­kom­men ist. Eine sol­che zeit­rau­ben­de und de­tail­lier­te Ar­beit ist der ein­zi­ge Weg, auf dem wir über ma­ni­sche De­pres­si­on mehr er­fah­ren wer­den. Wäh­rend Arz­nei­mit­tel dar­auf ab­zie­len, das Ver­hal­ten zu kon­trol­lie­ren und zu ma­na­gen, hat ein ana­ly­ti­scher An­satz das Ziel, es zu ver­ste­hen und die­ses Ver­ste­hen, hof­fent­lich, dazu zu nut­zen, neue Wege zu fin­den, der Per­son zu hel­fen, die auf der Mes­ser­schnei­de von Er­fah­run­gen ist, die so ent­setz­lich und so er­he­bend sein kön­nen, so le­bens­be­ja­hend und zu­gleich so töd­lich.

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Be­gin­nen wir mit der Ma­nie. Wenn wir die­sen Aus­druck von den Zu­stän­den der Ru­he­lo­sig­keit, Ver­zweif­lung und Auf­ge­wühlt­heit ab­lö­sen, für de­ren Be­schrei­bung er in der Ver­gan­gen­heit oft ver­wen­det wur­de, was fin­den wir dann? Für Andy Behr­man, der die Spi­ra­len der ma­ni­schen De­pres­si­on reich do­ku­men­tiert hat, heißt Ma­nie, dass sein Geist „von Vor­stel­lun­gen und Be­dürf­nis­sen wim­melt, die sich rasch ver­än­dern; mein Kopf ist voll­ge­stopft mit pul­sie­ren­den Far­ben, wil­den Bil­dern, bi­zar­ren Ge­dan­ken, schar­fen Ein­zel­hei­ten, ge­hei­men Codes, Sym­bo­len | [13] und frem­den Spra­chen. Ich möch­te al­les ver­schlin­gen – Par­tys, Leu­te, Zeit­schrif­ten, Bü­cher, Mu­sik, Kunst­wer­ke, Fil­me und Fern­se­hen.“

In ei­ner ma­ni­schen Epi­so­de zu sein, das ist für Behr­man, „als hät­te ich die voll­kom­mens­ten Bril­len­glä­ser, die ein Arzt ver­schrei­ben kann, um da­mit die Welt zu se­hen. Al­les ist ge­nau um­ris­sen (…), mei­ne Sin­ne sind so ge­schärft, ich bin so wach und auf­merk­sam, dass mei­ne Au­gen­li­der, die auf dem Kopf­kis­sen flat­tern, sich wie Don­ner an­hö­ren.“ Für Ter­ri Che­ney, die ma­nisch-de­pres­si­ve An­wäl­tin aus Be­ver­ly Hills, die ihre hoch­be­zahl­te Ar­beit auf­gab, um sich für Psych­ia­trie­re­for­men ein­zu­set­zen, bringt die Ma­nie „jede Ner­ven­endung zum Leuch­ten. Die schwächs­te Emp­fin­dung fühlt sich an wie ein Vul­kan­aus­bruch.“ Die Per­son fragt sich, ob sie je zu­vor ge­hört, ge­fühlt oder ge­se­hen hat, so un­ter­schied­lich ist ihre neue Welt­wahr­neh­mung. Es fühlt sich an, als sei sie wie­der­ge­bo­ren wor­den, als sei dies der al­ler­ers­te Tag ih­res Le­bens.

Für Ste­phen Fry, der von „der Frei­heit, der Ex­pan­si­ons­kraft, der En­er­gie und dem Op­ti­mis­mus“ der Ma­nie schreibt, „sind wir Kö­ni­ge der Welt; nichts ist für uns un­er­reich­bar, für un­se­ren ra­sen­den Geist ist die Ge­sell­schaft zu lang­sam, al­les ist mit­ein­an­der ver­bun­den, in ei­nem Netz von präch­ti­ger Far­be, Krea­ti­vi­tät und Be­deu­tung.“ Das ma­ni­sche Sub­jekt wird von ei­nem neu­en Selbst­ver­trau­en ge­tra­gen. „Man kann wirk­lich schnel­ler lau­fen“, sagt ein ma­nisch-de­pres­si­ver Mann. „Wel­che Art Krank­heit be­wirkt das sonst? Sie zeigt, was in uns steckt, wozu wir in der Lage sind. Un­se­re Sin­ne sind alle so ab­ge­tö­tet. Was im­mer eine ma­ni­sche Per­son sonst sein mag, sie ist le­ben­dig.“ Und die­se ab­so­lu­te Vi­ta­li­tät lässt die Rede auf Hoch­tou­ren lau­fen. Das Spre­chen wird leicht, die Wor­te flie­ßen mit neu­ge­fun­de­ner Flüs­sig­keit, es gibt kein Schwei­gen mehr. Wie Ter­ri Che­ney es for­mu­lier­te: „Ich woll­te re­den, ich muss­te re­den, Wor­te dräng­ten sich hoch und drück­ten so fest ge­gen das Dach mei­nes Mun­des, dass es sich an­fühl­te, als müs­se ich spu­cken, um zu at­men.“ | [14]

Ide­en und Pro­jek­te gibt es im Über­fluss, nichts scheint un­mög­lich, und die ma­ni­sche Per­son kann jede be­lie­bi­ge Men­ge von krea­ti­ven oder un­ter­neh­me­ri­schen Plä­nen in An­griff neh­men und gro­ße Sum­men Geld aus­ge­ben, die meist von Ver­wand­ten, Freun­den und Ban­ken ge­lie­hen wer­den. Die Zu­kunft scheint so vie­le Ver­spre­chun­gen zu ent­hal­ten, so vie­le Ge­wiss­hei­ten des Er­folgs, des Wohl­stands und der Leis­tung. Die Er­re­gung be­zieht sich hier auf den Wil­len, sie ist durch­tränkt von bren­nen­der Ziel­stre­big­keit.

Die üb­li­chen Bar­rie­ren, durch die Leu­te da­von ab­ge­hal­ten wer­den, Ri­si­ken ein­zu­ge­hen, sind ver­schwun­den. Kein Geg­ner scheint un­schlag­bar zu sein, kein Hin­der­nis un­über­wind­bar. Die Din­ge lau­fen so gut, in man­chen Fäl­len kann sich fast über Nacht ein neu­er Le­bens­stil her­aus­bil­den, oft zur Fas­sungs­lo­sig­keit und Ver­wir­rung von Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen und Freun­den. Von ei­nem be­schei­de­nen mö­blier­ten Zim­mer kann das ma­ni­sche Sub­jekt in ein groß­zü­gi­ges West-End-Apart­ment um­zie­hen und spei­sen und sich ein­klei­den wie ein Mil­lio­när. Rech­nun­gen wer­den bar be­zahlt, in Ca­fés und Re­stau­rants wer­den rie­si­ge Trink­gel­der ge­ge­ben, fast über­all wer­den Ge­sprä­che in Gang ge­setzt, so als sei je­der po­ten­ti­ell ein bes­ter Freund oder ein Lieb­ha­ber.

Se­xu­el­le Be­geg­nun­gen und An­ge­bo­te kön­nen sich ver­viel­fa­chen, für ge­wöhn­lich je­doch mit ge­rin­gem Wunsch nach Dau­er. Wenn die ra­di­ka­len Ver­än­de­run­gen des vor-ma­ni­schen Le­bens zu­neh­men, kann es vor­kom­men, dass an­de­re Men­schen all­zu prä­sent wer­den: es gibt Rei­bun­gen mit Se­xu­al­part­nern oder mit Ge­schäfts­part­nern oder mit Ban­ken, die ihr Geld zu­rück­ha­ben wol­len; Freun­de, die ein Ver­hal­ten satt ha­ben, das nar­ziss­tisch und selbst­ge­fäl­lig zu sein scheint; Ge­sprächs­part­ner, die es leid sind, für groß­ar­ti­ge Plä­ne und Pro­jek­te den Re­so­nanz­bo­den ab­zu­ge­ben. Das ma­ni­sche Hoch wird mit Angst ein­ge­färbt. Klei­ne Hin­der­nis­se wer­den ver­grö­ßert und lö­sen Wut­an­fäl­le und Ge­walt­aus­brü­che aus. Pa­ra­noi­de Ge­dan­ken neh­men zu. Und jetzt sind die Din­ge zu weit ge­gan­gen. | [15]

Wie ei­ner der von Liz­zie Si­mon Be­frag­ten er­klär­te: „Ich hat­te das Ge­fühl, ich bin auf ei­nem Gü­ter­zug. Ich konn­te ihn nicht steu­ern. Ich konn­te ihn nicht stop­pen.“ Der schot­ti­sche Au­tor Bri­an Adams fängt in sei­nen bis­si­gen Me­moi­ren The Pits and the Pen­du­lum die­se Kur­ve der Ma­nie in ei­nem er­schre­cken­den Bild ein. Nach ei­nem Abend mit Trin­ken und Sin­gen in sei­ner Knei­pe kehrt er nach Hau­se zu­rück. Er macht sich Tee, fühlt sich gut, singt wei­ter, je­doch: „Plötz­lich klat­sche ich in wei­ten Schwün­gen mei­ne Hän­de zu­sam­men, schmet­te­re die Hand­flä­chen ge­gen­ein­an­der so fest ich nur kann: lang­sam, fest und un­kon­trol­lier­bar.“ Bald dar­auf zer­schnei­det er sich mit ei­nem Tep­pich­mes­ser Arme und Ge­sicht. Das vor­über­ge­hen­de Hoch war in et­was un­aus­sprech­lich Ent­setz­li­ches um­ge­schla­gen. Wie ei­ner mei­ner Pa­ti­en­ten es for­mu­lier­te: Die Ma­nie ist wie eine Ra­ke­te, pracht­voll und un­auf­halt­sam braust sie in den Raum, dann löst sie sich auf, in Feu­er­stö­ßen, Rauch und Ab­fall, wie die un­glück­se­li­ge Raum­fäh­re, die er als Kind im Fern­se­hen ge­se­hen hat­te.

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Um die Ma­nie-Er­fah­rung zu er­kun­den, müs­sen wir die­sen Be­rich­ten sorg­fäl­tig zu­hö­ren und da­bei vage Gleich­set­zun­gen von Ma­nie mit lär­men­dem oder eu­pho­ri­schem Ver­hal­ten ver­mei­den. Meh­re­re Mo­ti­ve schei­nen bei ihr all­ge­gen­wär­tig zu sein: das Ge­fühl, mit an­de­ren Men­schen und mit der Welt ver­bun­den zu sein; das Aus­ge­ben von Geld, das die Per­son ge­wöhn­lich nicht hat; der gro­ße Ap­pe­tit, auf Es­sen, auf Sex oder auf Wor­te; die Neu­erfin­dung von sich selbst, das Er­schaf­fen ei­ner neu­en Per­so­na, als sei man je­mand an­ders; das ver­ba­le Ge­schick und die plötz­li­che Nei­gung zu Wit­zen und Wort­spie­len; die Be­we­gung in Rich­tung auf pa­ra­noi­sche Ge­dan­ken, die zu Be­ginn der ma­ni­schen Kur­ve ganz of­fen­kun­dig ab­we­send sind.

Viel­leicht das Ver­blüf­fends­te dar­un­ter ist die Vor­stel­lung von der Ver­bin­dung zwi­schen den Din­gen. Die Far­ben, Bil­der, Sym­bo­le | [16] und Codes, die Behr­man her­auf­be­schwört, ge­win­nen ihre Re­le­vanz we­ni­ger durch das, was sie sind, als viel­mehr da­durch, dass sie mit­ein­an­der ver­knüpft sind. In ei­ner Ma­nie scheint al­les ir­gend­wie zweck­mä­ßig mit­ein­an­der ver­bun­den zu sein, als wä­ren in ei­nem rie­si­gen Bil­der­rät­sel die Punk­te plötz­lich voll­stän­dig ver­bun­den wor­den und als wür­den sie jetzt eine Ge­stalt ent­hül­len, die bis da­hin nie­mand be­merkt hat­te. Cal­vin Dunn, ein ame­ri­ka­ni­scher Psych­ia­trie-Re­for­mer, be­schreibt es in sei­ner Au­to­bio­gra­phie Lo­sing My Mind so: „Es schien, als hät­te al­les et­was zu be­deu­ten, je­der Laut, den ich hör­te, und al­les, was ich sah, und es schien, als hät­te al­les ei­nen Sinn und wäre auf ir­gend­ei­ne Wei­se mit­ein­an­der ver­bun­den.“

Kay Red­field Ja­mi­son, For­sche­rin im Be­reich der Psych­ia­trie so­wie Au­to­rin, be­ob­ach­te­te ei­nen Bach im Park der Uni­ver­si­ty of Ca­li­for­nia in Los An­ge­les, und der An­blick er­in­ner­te sie an eine Sze­ne in Ten­ny­sons Ge­dich­ten. Von ei­nem „un­mit­tel­ba­ren und auf­peit­schen­den Ge­fühl der Dring­lich­keit“ über­wäl­tigt, stürz­te sie in ei­nen Buch­la­den, um sich ein Ex­em­plar zu be­sor­gen, und bald dar­auf hat­te sie mehr als zwan­zig Bü­cher un­ter den Ar­men. Das An­fangs­bild der Dame vom See hat­te sich in Be­we­gung ge­setzt und sich mit an­de­ren The­men und Ti­teln ver­bun­den, von Ma­lo­rys Le Mor­te d’Arthur bis hin zu Fra­zers Gol­de­nem Bo­gen und zu Bü­chern von C. G. Jung und Ro­bert Gra­ves. Al­les schien mit­ein­an­der in Be­zie­hung zu ste­hen, und als sie ihr ma­ni­sches Netz von As­so­zia­tio­nen „web­te und web­te“, schien es ins­ge­samt „ei­nen we­sent­li­chen Schlüs­sel“ zum Uni­ver­sum zu ent­hal­ten.

Die ma­ni­sche Per­son fühlt sich als Teil da­von, mit der Welt ist sie wun­der­bar ver­bun­den statt ihr Skla­ve oder ihr Die­ner zu sein. Die freu­di­ge Er­re­gung, her­vor­ge­ru­fen durch das Ge­fühl der Ver­bun­den­heit, muss kom­mu­ni­ziert wer­den, ein De­tail, das es er­mög­licht, die wah­re Ma­nie von an­de­ren Zu­stän­den der Hoch­stim­mung zu un­ter­schei­den. Ein schi­zo­phre­nes Sub­jekt kann ei­nen Zu­stand der Glück­se­lig­keit still in sei­nem Zim­mer ge­nie­ßen, der Ma­nisch-De­pres­si­ve je­doch wird ihn nicht nur er­le­ben, son­dern au­ßer­dem die Not­wen­dig­keit spü­ren, ihn mit der Welt zu tei­len. Ge­nau­so kann je­der in ei­nen Zu­stand der | [17] Aus­ge­las­sen­heit oder so­gar der Hy­per­ak­ti­vi­tät ge­ra­ten, vor al­lem nach ei­ner Ver­lus­ter­fah­rung, und dies kann als Ma­nie dia­gnos­ti­ziert wer­den oder als Hy­po­ma­nie, ihre mil­de­re Ver­wand­te; ent­schei­dend ist je­doch, ob die Per­son das Ge­fühl hat, dass die Din­ge mit­ein­an­der ver­bun­den sind oder nicht. Ge­fällt ih­nen ein­fach nur der Klang des Vo­gel­ge­sangs oder ha­ben sie dar­über hin­aus den Ein­druck, dass die­ser Klang mit dem Auto in Ver­bin­dung steht, das vor­bei­ge­fah­ren ist, oder mit dem Ar­ti­kel, den sie am Mor­gen in der Zei­tung ge­le­sen ha­ben?

Wie könn­te man das mäch­ti­ge Ge­fühl er­klä­ren, dass die Din­ge mit­ein­an­der in Ver­bin­dung ste­hen, wie es von ma­ni­schen Sub­jek­ten so ge­nau und so kon­sis­tent be­schrie­ben wird? Was ist in un­se­rer Welt letzt­lich das Me­di­um der Ver­bin­dung? Die Ant­wort auf die­se Fra­ge ist in ih­rer Schlicht­heit viel­leicht ent­täu­schend: es ist die Spra­che. Es sind Wör­ter, Vor­stel­lun­gen und die As­so­zia­tio­nen zwi­schen ih­nen, durch die un­se­re Wirk­lich­kei­ten er­zeugt und ge­formt wer­den, und um den­ken zu kön­nen, stüt­zen wir uns auf die Ver­bin­dun­gen wie auch auf die Hem­mung von  Ver­bin­dun­gen zwi­schen ih­nen. Das wird am klars­ten, wenn sich die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Vor­stel­lun­gen in ei­nem sol­chen Tem­po her­stel­len, dass sie auf kei­ne Wei­se ver­lang­samt oder zu ei­nem Halt ge­bracht wer­den kön­nen. In dem, was die Psych­ia­trie „Ge­dan­ken­flucht“ nennt, führt ein Ge­dan­ke zum nächs­ten, mit un­un­ter­drück­ba­rer, bru­ta­ler Be­harr­lich­keit.

Man den­ke an das In­ter­net­spiel, bei dem man se­hen kann, wie je­der be­lie­bi­ge Schau­spie­ler auf ir­gend­ei­ne Wei­se mit Ke­vin Ba­con in Be­zie­hung steht, dem Star aus Foot­loo­se. Jede Ge­stalt der Film­in­dus­trie, so wird sich her­aus­stel­len, steht zu ihm in ei­ner Ver­bin­dung, ent­we­der un­mit­tel­bar, etwa durch Mit­ar­beit bei ei­nem sei­ner Fil­me, oder in­di­rekt durch den Um­gang mit je­man­dem, der mit Ba­con in Kon­takt stand. Der spek­ta­ku­lä­re Er­folg die­ses Spiels hat dazu ge­führt, dass es bei Goog­le zu ei­ner ein­ge­bau­ten Funk­ti­on wur­de, und es gibt so­gar ein Brett­spiel, das die­ser ei­gen­ar­ti­gen Be­schäf­ti­gung ge­wid­met ist. In Wer­be­spots für Han­dys wird ge­zeigt, wie das gan­ze Uni­ver­sum durch ver­ba­le As­so­zia­tio­nen mit Ba­con ver­bun­den wer­den kann. Man | [18] stel­le sich aber vor, wie es wäre, wenn die­se as­so­zia­ti­ve Su­che nicht eine Ab­len­kung oder Un­ter­hal­tung wäre, son­dern eine kon­stan­te Funk­ti­on der ei­ge­nen Exis­tenz, die man nicht ab­schal­ten kann. Wie die Goog­le­funk­ti­on und die Han­dy­wer­bung zei­gen, wird das so­zio­lin­gu­is­ti­sche Netz von Spra­che und Kul­tur im­mer Ver­bin­dun­gen lie­fern. Es gibt kein In­ne­hal­ten.

Das Le­ben, könn­ten wir sa­gen, be­ruht dar­auf, dass wir nicht zu oft fra­gen, wie wir mit Ke­vin Ba­con ver­bun­den sind. Wenn wir ge­zwun­gen wä­ren, je­der As­so­zia­ti­on zu fol­gen, wür­den wir von dem aus­ge­dehn­ten Netz der Ver­bin­dun­gen, das un­ver­meid­lich um uns her­um exis­tiert, über­wäl­tigt wer­den. In der Ma­nie je­doch über­nimmt das Netz die Kon­trol­le. Psych­ia­ter des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts hat­ten be­ob­ach­te­tet, wie sich die Rede des ma­ni­schen Sub­jekts mit we­nig Rück­sicht auf den In­halt von ei­nem Wort zum an­de­ren zu be­we­gen schien, als kä­men die Brü­cken zwi­schen den Vor­stel­lun­gen durch die Spra­che selbst zu­stan­de statt durch be­wuss­te Ent­schei­dung. „Was für ein schö­ner Bin­der“, sagt ein Pa­ti­ent, „ich wünsch­te, ich wäre mit je­man­dem ver­bun­den, der rein wäre und der In­der wäre. Ich mag In­der. Und Kin­der.“ Die Rede be­wegt sich vom Selbst­bin­der zur Bin­dung, zum In­der und von da zu den Kin­dern. „Kin­der­krie­gen ist ganz in Ord­nung, wenn man kei­ne Press­we­hen hat. Durch die Fens­ter we­hen die Win­de.“ Ob­wohl Win­de und Ent­bin­dun­gen we­nig ge­mein­sam zu ha­ben schei­nen, geht es von den „We­hen“ der Nie­der­kunft di­rekt zum „We­hen“ der Win­de.

Im Ge­gen­satz zu die­sen Bei­spie­len des ma­ni­schen Spre­chens habe die Per­son, wenn sie de­pri­miert sei, we­nig zu sa­gen, sie wie­der­ho­le Wör­ter mit der­sel­ben Grund­be­deu­tung: auf­grund eine schreck­li­chen und un­tilg­ba­ren Sün­de sei sie wert­los, geis­tig leer, schul­dig. Es schien also ei­nen Ge­gen­satz zu ge­ben zwi­schen der Art, wie die Per­son in ma­ni­schen Zu­stän­den  | [19] akus­ti­schen und for­ma­len Wort­ver­bin­dun­gen aus­ge­lie­fert sei, wäh­rend sie in den de­pres­si­ven Zu­stän­den vom Sinn oder von der Be­deu­tung be­herrscht wer­de. In der frü­hen For­schung wur­de be­ob­ach­tet, dass die Re­so­nanz zwi­schen den Wör­tern – zwi­schen „In­der“ und „Kin­der“, zwi­schen „We­hen“ und „We­hen“ – im de­pri­mier­ten Zu­stand kaum je­mals in Er­schei­nung trat, als sei das akus­ti­sche Mit­schwin­gen der Spra­che ver­lo­ren ge­gan­gen.

Ei­gen­ar­tig, dass bei ma­ni­scher De­pres­si­on die bei­den Ach­sen der Spra­che – Wör­ter und Be­deu­tun­gen –in al­ter­nie­ren­den Stär­ken auf­zu­tau­chen schie­nen, als müs­se jede war­ten, bis sie an der Rei­he wäre und zu ih­rem The­ma kom­men kön­ne. In der Ma­nie schien es, als hät­ten die Wör­ter sich von ih­ren Be­deu­tun­gen ent­fernt, so­dass den akus­ti­schen Ver­bin­dun­gen ge­folgt wer­den kön­ne, wäh­rend es in den De­pres­sio­nen nur we­ni­ge Wör­ter gebe und die­se mit ei­ner ein­zi­gen, mo­no­li­thi­schen Be­deu­tung be­la­den wä­ren. „Ich bin eine Fot­ze“, „ich bin eine Fot­ze“, „ich bin eine Fot­ze“, wie ei­ner mei­ner Pa­ti­en­ten in den Tief­pha­sen sei­ner ma­ni­schen De­pres­si­on sich selbst ge­gen­über end­los wie­der­hol­te.

Kli­nisch sind die Din­ge et­was kom­pli­zier­ter als die­se Ge­gen­über­stel­lung es na­he­le­gen könn­te. Ma­ni­sche Sub­jek­te fol­gen nicht ein­fach frei den Wör­tern, sie ha­ben die Ten­denz, bei im­mer den­sel­ben Wör­tern oder Ge­dan­ken oder Be­deu­tun­gen zu en­den, so als wür­den sie auf ei­ner Kar­te zu im­mer den­sel­ben Punk­ten zu­rück­ge­führt. Das Spek­trum der Ge­dan­ken kann tat­säch­lich ziem­lich be­schränkt sein, und es ist so­gar vor­ge­schla­gen wor­den, nicht von „Ge­dan­ken­flucht“ zu spre­chen, son­dern von „Wort­flucht“, da es das Spre­chen sei, das un­be­end­bar fort­zu­ge­hen schei­ne, wo­bei es eine re­la­tiv klei­ne Men­ge von in­ter­es­sie­ren­den Punk­ten ein­krei­se. For­scher der An­fangs­zeit wie Fal­ret, Hugo Liep­mann und Lud­wig Binswan­ger ha­ben ge­zeigt, dass die­se Wort­flucht ei­ner ver­bor­ge­nen Lo­gik folgt, die dem ge­le­gent­li­chen Be­ob­ach­ter ent­geht. Die Ma­nie ist nie ein rein zu­fäl­li­ger Wort­fluss, son­dern hat eine wirk­li­che Ko­hä­renz und | [20] Struk­tur, je­doch eine sol­che, die, so­lan­ge man nicht sehr sorg­fäl­tig zu­hört, für ge­wöhn­lich nicht of­fen­kun­dig ist.

Hier ein Bei­spiel. Als Nor­ma Far­nes zum ers­ten Mal den ma­nisch-de­pres­si­ven Ko­mi­ker Spike Mil­ligan auf­such­te, um sich auf eine Stel­le als per­sön­li­che As­sis­ten­tin zu be­wer­ben, mach­te sie die Be­mer­kung, im Raum sei es eis­kalt. „Ja“, ant­wor­te­te er, „ich has­se die Ame­ri­ka­ner.“ Die­se an­schei­nend be­deu­tungs­lo­se Ant­wort könn­te als Zei­chen für ma­ni­sche Zer­streut­heit auf­ge­fasst wer­den, für die Un­fä­hig­keit, sich auf ein Ge­spräch ein­zu­las­sen oder ei­nen Ge­dan­ken zu durch­den­ken. Tat­säch­lich je­doch war die Ant­wort, wie sie er­fah­ren soll­te, ab­so­lut ko­hä­rent. Sie hat­te die Zim­mer­tem­pe­ra­tur kom­men­tiert und Mil­ligan glaub­te, die Zen­tral­hei­zung sei von den Ame­ri­ka­nern er­fun­den wor­den. Die im­pli­zi­te Ket­te war also: es ist eis­kalt – die Zen­tral­hei­zung ist un­zu­rei­chend – Ame­ri­ka­ner ha­ben die Zen­tral­hei­zung er­fun­den – ich has­se die Ame­ri­ka­ner. Viel­leicht war es klug von Far­nes, dass sie sei­nen Syl­lo­gis­mus nicht in Fra­ge stell­te und ihm nicht sag­te, dass für die Er­fin­dung der Hei­zung letzt­lich die Rö­mer ver­ant­wort­lich sind, nicht die Ame­ri­ka­ner..

Über­setzt von Rolf Nemitz.
Das Ur­he­ber­recht (Co­py­right) für die­sen Text liegt bei Dari­an Lea­der.
Ver­öf­fent­licht mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung des Au­tors.

Über Darian Leader

Darian Leader photo-credit-Angus-Muir-2011 BipolaritätDari­an Lea­der ist Psy­cho­ana­ly­ti­ker in Lon­don. Er ist Grün­dungs­mit­glied des Cent­re for Freu­di­an Ana­ly­sis and Re­se­arch (CFAR).

Zu sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen ge­hö­ren: War­um Frau­en mehr Brie­fe schrei­ben als sie ab­schi­cken (Gold­mann, Mün­chen 1998), Why Do Peop­le Get Ill? Ex­plo­ring the Mind-Body-Con­nec­tion, mit Da­vid Cor­field (Ha­mish Ha­mil­ton, Lon­don 2007), The New Black. Mour­ning, Me­lan­cho­lia and De­pres­si­on (Ha­mish Ha­mil­ton, Lon­don, 2008), What Is Mad­ness? (Ha­mish Ha­mil­ton, Lon­don 2011). Pho­to: An­gus Muir 2011

Kon­takt: dari­an [at] cfar.demon.co.uk

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Anmerkungen

Die An­mer­kun­gen ver­wei­sen auf die Sei­ten­zah­len der eng­li­schen Ori­gi­nal­aus­ga­be. Im Text oben sind die­se Sei­ten­zah­len im lau­fen­den Text in grau­er Schrift an­ge­ge­ben, der Be­ginn von Sei­te 2 bei­spiels­wei­se so: „| [2]“.

[S. 1–2] Sta­tis­tik, vgl. C. Mo­re­no u.a., „Na­tio­nal trends in the out­pa­ti­ent dia­gno­sis and tre­at­ment of bi­po­lar dis­or­der in youth“, Ar­chi­ves of Ge­ne­ral Psych­ia­try, 64 (2007), S. 1032–9; Kathryn Bur­rows, „What epi­de­mics? The so­ci­al con­struc­tion of bi­po­lar epi­de­mics“, Ad­van­ces in Me­di­cal So­cio­lo­gy, 11 (2010), S. 243–61; und Da­vid Hea­ly: Ma­nia: A Short Histo­ry of Bi­po­lar Dis­or­der (Bal­ti­more: Johns Hop­kins, 2008). Die Fra­ge heu­te, vgl. Kathryn Bur­rows, What epi­de­mic?, a.a.O., S. 250. Über Bi­po­la­ri­tät, die Me­di­en und die Märk­te vgl. Emi­ly Mar­tin, Bi­po­lar Ex­pe­di­ti­ons: Ma­nia and De­pres­son in Ame­ri­can Cul­tu­re (New Jer­sey: Prince­ton Uni­ver­si­ty Press, 2007). Zu Tur­ner vgl. Emi­ly Mar­tin, Bi­plar Ex­pe­di­tons, a.a.O., S. 208.

[S. 3–6] Ge­schich­te, vgl. An­toi­ne Rit­ti: Traité cli­ni­que de la fo­lie à dou­ble for­me: Fo­lie cir­cu­lai­re, dé­li­re à for­mes al­ter­nes (Pa­ris: Oc­ta­ve Doin, 1883); L. Li­nas, „Ma­nie“, Dic­tionn­aire en­cy­clo­pé­di­que des sci­en­ces mé­di­ca­les (Pa­ris: Ass­se­lin, 1871), S. 507–60; P. L. Couchoud, „His­toire de la ma­nie jusqu’à Kra­epe­lin“, Re­vue des sci­en­ces psy­cho­lo­gi­ques, 1 (1913), S. 149–73; Ger­man Ber­ri­os and Roy Por­ter (Hg.), A Histo­ry of Cli­ni­cal Psych­ia­try (Lon­don: Ath­lo­ne Press, 1995), S. 384–408; Lisa Herm­sen, Ma­nic Minds: Mania’s Mad Histo­ry and It’s Neu­ro-Fu­ture (New Brunswick: Rut­gers Uni­ver­si­ty Press, 2011); und Da­vid Hea­ly, Ma­nia, a.a.O. Über das Ver­mark­ten von dia­gnos­ti­schen Ka­te­go­ri­en vgl. Da­vid Hea­ly, The An­ti­de­pres­sant Era (Cam­bridge, Mass.: Har­vard Uni­ver­si­ty Press, 1997). Eine Fall­stu­die zum Ver­mark­ten der Bi­po­la­ri­tät fin­det man in An­drew La­koff, Phar­maceuti­cal Re­a­son: Know­ledge and Va­lue in Glo­bal Psych­ia­try (Cam­bridge: Cam­bridge Uni­ver­si­ty Press, 2005). Arz­nei­mit­tel, vgl. Jo­an­na Mon­crief, The Myth of the Che­mi­cal Cure (Lon­don: Macmil­lan, 2009); und Des Spence, „Bad Me­di­ci­ne: Bi­po­lar 2 Dis­or­der“, Bri­tish Me­di­cal Jour­nal, 342 (2011), S. 2767. Neue Mar­ke, vgl. Chris­to­pher Lane, „Bi­po­lar dis­or­der and it’s bio-my­tho­lo­gy: An in­ter­view with Da­vid Hea­ly“, Psy­cho­lo­gy To­day (16. April 2009).

[S. 6–7] Ju­les Bail­lar­ger, „Note sur un gen­re de fo­lie dont les ac­cès sont ca­rac­té­ri­sé par deux pé­ri­odes ré­gu­liè­re, l’une de dé­pres­si­on, l’autre d’excitation“, Bul­le­tin de l’Académie Na­tio­na­le de Mé­di­ci­ne, 19 (1853–54), S. 340–352; „Ré­pon­se à Fal­ret“, a.a.O., S. 401–415; und Jean-Pierre Fal­ret, „Mè­moi­re sur la fo­lie cir­cu­lai­re“, a.a.O., S. 382–400. Zur Dis­kus­si­on Fal­ret – Bail­lar­ger vgl. P. Pi­chot, „The birth of bi­po­lar dis­or­der“, Eu­ro­pean Psych­ia­try, 10 (1995), S. 1–10. Zur Fra­ge der Dif­fe­ren­ti­al­dia­gno­se vgl. Eu­gen Bleu­ler, „Die Pro­ble­me der Schi­zo­idie und der Syn­to­nie“, Zeit­schrift für die ge­sam­te Neu­ro­lo­gie und Psych­ia­trie, 78 (1922), S. 373–99; G. Hal­ber­stadt, „Syn­dro­mes anor­maux au cours de la psy­cho­se ma­ni­a­co-dé­pres­si­ve“, An­na­les Méd­ico-Psy­cho­lo­gi­que, 88 (1930), S. 117–42; and Dari­an Lea­der, „On the Spe­ci­fi­ci­ty of Ma­nic-De­pres­si­ve Psy­cho­sis“, in Pa­tri­cia Ghe­ro­vici and Manya Stein­ko­ler (Hg.), La­can on Mad­ness: Mad­ness, Yes You Can’t (im Er­schei­nen, Lon­don: Rout­ledge 2015).

[S.7–9] Jean-Éti­en­ne Es­qui­rol, Des ma­la­dies men­ta­les con­s­idé­rées sous les rap­ports mé­di­cal, hy­gié­ni­que et méd­ico-lé­gal (Pa­ris: Bail­liè­re, 1838), dt.: Die Geis­tes­krank­hei­ten in ih­rer Be­zie­hung zur Me­di­zin und Staats­arz­nei­kun­de (Ber­lin: Voss, 1838). Emil Kra­epe­lin, Psych­ia­trie. Ein Lehr­buch für Stu­die­ren­de und Ärz­te, 6. Auf­la­ge (Leip­zig: Barth, 1899). Vgl. die Samm­lung von Kri­ti­ken in A. Ré­mond und P. Voi­v­en­el, „Es­sai sur la val­eur de la con­cep­ti­on kra­epe­li­ni­en­ne de la ma­nie et de la mé­lan­cho­lie“, An­na­les Méd­ico-Psy­cho­lo­gi­ques, 12 (1910), S. 353–79; und a.a.O. (1911), S. 19–51.

[S. 9–10] Andy Behr­man, Elec­tro­boy: A Me­moir of Ma­nia (New York: Ran­dom Hou­se, 2002), S. 261; dt.: Elec­tro­boy. Ein ma­ni­sches Le­ben (Köln: Kie­pen­heu­er & Witsch, 2003); Liz­zie Si­mon, De­tour: My Bi­po­lar Road Trip in 4-D (New York: Si­mon & Schus­ter, 2002), S. 187.

[S. 11] Pa­ket, vgl. Da­vid Hea­ly, Ma­nia, a.a.O., S. 239.

[S. 12–13] Andy Behr­man, Elec­tro­boy, a.a.O., eng­li­sche Aus­ga­be S. XIV und XXI; Ter­ri Che­ney, Ma­nic: A Me­moir, (New York: Har­per, 2008), S. 2012 (dt.: Tanz in der Bran­dung. Mein Le­ben als Ma­nisch-De­pres­si­ve, Düs­sel­dorf: Pat­mos, 2010); und Ste­phen Fry, Vor­wort zu Je­re­my Tho­mas und Tony Hug­hes, You Don’t Have to be Fa­mous to Have Ma­nic De­pres­si­on, (Lon­don: Mi­cha­el Jo­seph, 2006), S. 7. Ter­ri Che­ney, a.a.O., S. 146.

[S. 15] Liz­zie Si­mon, De­tour, a.a.O., S. 121; Bri­an Adams, The Pits and the Pen­du­lum: A Lie with Bi­po­lar Dis­or­der, (Lon­don: Jes­si­ca Kings­ley, 2003), S. 79.

[S. 16] Cal­vin Dunn, Lo­sing My Mind: Chro­ni­cle of Bi­po­lar Ma­nia (Phil­adel­phia: In­fi­ni­ty, 2012), S. 81. Kay Red­field Ja­mi­son, An Un­quiet Mind: A Me­moir of Moods and Mad­ness (New York: Knopf, 1995), S. 42–3 (dt.: Mei­ne ru­he­lo­se See­le. Die Ge­schich­te ei­ner De­pres­si­on. Mün­chen: Ber­tels­mann 1997).

[S. 18] Bin­der, vgl. Er­nest Jo­nes, „Psy­cho­ana­ly­tic no­tes on a case of hy­po­ma­nia“, Ame­ri­can Jour­nal of In­sa­ni­ty, 2 (1909), S. 203–18. (An­mer­kung des Über­set­zers: Im eng­li­schen Ori­gi­nal ist die ers­te As­so­zia­ti­ons­ket­te tie – tied – eye – lie, die zwei­te pains pa­nes.)

[S. 19–20] Spra­che und Ge­dan­ken­flucht, vgl. Lud­wig Binswan­ger, Über Ide­en­flucht (Zü­rich: Füss­li, 1933); Hugo Liep­mann, Über Ide­en­flucht (Hal­le: Mar­hold, 1904); Max Is­ser­lin, „Psy­cho­lo­gi­sche Un­ter­su­chun­gen an Ma­nisch-De­pres­si­ven“, Mo­nats­schrift für Psych­ia­trie und Neu­ro­lo­gie, 22 (1907), S. 338–55, 419–42 und 509–22; Ma­ria Lo­renz und Stan­ley Cobb, „Lan­guage be­ha­viour in ma­nic pa­ti­ents“, Ar­chi­ves of Neu­ro­lo­gy and Psych­ia­try, 69 (1953), S. 763–70; und Stan­ley New­man und Vera Ma­ther, „Ana­ly­sis of spo­ken lan­guage of pa­ti­ents with af­fec­tive dis­or­ders“, Ame­ri­can Jour­nal of Psych­ia­try, 94 (1938), S. 913–42. Nor­ma Far­nes, Spike: An In­ti­ma­te Me­moir (Lon­don: Har­per­Col­lins, 2004), S. 4.


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