Lacans Schemata

Das Schema des sadistischen Begehrens

Kant mit Sade - Schema 1 - Sadesches Phantasma

Wel­che Struk­tur hat das sa­dis­ti­sche Be­geh­ren? In Kant mit Sade ant­wor­tet La­can auf die­se Fra­ge mit dem oben re­pro­du­zier­ten Sche­ma.1
In Schrif­ten II gibt es zum Sche­ma fol­gen­de Le­gen­de:
„V: Wil­le (zum Genuß) [vo­lon­té (de jouis­sance)]
d: Be­geh­ren (dé­sir)“2 Hier ein Ver­such, es zu ent­zif­fern.3

Zi­tier­wei­se
– Ein­fa­che Zah­len in Klam­mern, z.B. „(152)“, sind im Fol­gen­den Sei­ten­an­ga­ben für die Über­set­zung von Kant mit Sade in Schrif­ten II.
10:123″ meint „Se­mi­nar 10, S. 123″, be­zo­gen auf die Ver­sio­nen von Miller/Gondek (Se­mi­nar 10) bzw. Miller/Haas (Se­mi­na­re 7 und 11).
– Die Über­set­zun­gen wur­den von mir in man­chen Fäl­len ge­än­dert.
– Hin­wei­se auf die Se­kun­där­li­te­ra­tur wer­den un­ten im Li­te­ra­tur­ver­zeich­nis auf­ge­schlüs­selt.

Das sadistische Phantasma

Der Gegenstand des Schemas

Das Sche­ma stellt die Struk­tur von Sa­des Phan­tas­ma dar. In Kant mit Sade wird es so an­ge­kün­digt:

In der Kon­struk­ti­on ei­ner sub­jek­ti­ven An­ord­nung ist, aus­ge­hend von Un­be­wuss­ten, stets eine vier­tei­li­ge Struk­tur er­for­der­lich. Dies wird von un­se­ren di­dak­ti­schen Sche­ma­ta er­füllt.

Mo­du­lie­ren wir das sa­de­sche Phan­tas­ma [fan­tas­me sa­di­en] mit ei­nem neu­en Sche­ma die­ser Art.“ (145)

Dem­nach geht es um das fan­tas­me sa­di­en, nicht um das fan­tas­me sa­di­que, The­ma ist das Sa­de­sche Phan­tas­ma, nicht das sa­dis­ti­sche Phan­tas­ma.

(Le sa­di­que ist der Sa­dist, le sa­di­en der Sade-An­hän­ger, der Sa­dia­ner. Das Ad­jek­tiv sa­di­que meint „sa­dis­tisch“, bei­spiels­wei­se heißt oral-sa­dis­tisch im Fran­zö­si­schen sa­di­que-oral. Das Ad­jek­tiv sa­di­en meint „auf Sade be­zo­gen“, „sa­de­scher“, „sa­de­sche“, „sa­de­sches“. )

Das sa­de­sche Phan­tas­ma in­ter­es­siert in­so­fern, als es Aus­künf­te über den Sa­dis­mus gibt. Wenn Kant mit Sade be­fragt wird, so spielt Sade

in sei­nem Sa­dis­mus [dans son sa­dis­me]“ (146)

die Rol­le ei­nes In­stru­ments.

Über das sa­de­sche Phan­tas­ma heißt es auch: in ihm ver­stei­nert das Ge­nie­ßen und wird zum schwar­zen Fe­tisch, und wei­ter:

Eben dies wi­der­fährt dem Hen­ker in der sa­dis­ti­schen Er­fah­rung [ex­pé­ri­cence sa­di­que], wenn sei­ne Prä­senz letzt­lich nur noch dar­in be­steht, das In­stru­ment zu sein.“(143)

Die Struk­tur des sa­de­schen Phan­tas­mas be­zieht sich also nicht nur spe­zi­ell auf die Er­fah­rung des Mar­quis, son­dern all­ge­mein auf die sa­dis­ti­sche Er­fah­rung.

Ge­schrie­ben hat La­can den Auf­satz Kant mit Sade im Jahr 1962, im Sep­tem­ber 1962 hat­te er ihn ab­ge­schlos­sen, wie er in der letz­ten Zei­le des Tex­tes aus­weist. Ver­öf­fent­licht wur­de der Text im April 1963, aber be­reits vor­her, am 16. Ja­nu­ar 1963, hat­te La­can den Zu­hö­rern sei­nes Se­mi­nars das Sche­ma vor­ge­stellt (10:133). Bei der Er­läu­te­rung des Dia­gramms be­zieht er sich auf das „sa­dis­ti­sche [sa­di­que] Be­geh­ren“ all­ge­mein, auf die „sa­dis­ti­sche In­ten­ti­on“, auf den „Agen­ten des sa­dis­ti­schen Be­geh­rens“ (al­les 11:134), auf den „Sa­dis­ten [sa­di­que]“ (11:135). Sade wird hier als ein Bei­spiel an­ge­führt (vgl. 11: 134 f.).

Für La­can ist stellt Sche­ma 1 die Struk­tur ei­nes Phan­tas­mas dar, bei dem es sich nicht nur das sa­de­sche Phan­tas­ma han­delt, son­dern all­ge­mein um das sa­dis­ti­sche Phan­tas­ma.

Die linke und die rechte Seite des Schemas

Kant mit Sade - Schema 1 - mit Subjekt und Anderer KopieLa­can be­zeich­net die lin­ke Sei­te des Dia­gramms als Sei­te des Sub­jekts, die rech­te als die des An­de­ren (10:133); auf dem Sche­ma rechts habe ich des­halb „Sub­jekt“ und „An­de­rer“ hin­zu­ge­fügt.

Die lin­ke Sei­te des Sche­mas be­zieht sich auf das Sub­jekt, also auf den auf den Li­ber­tin-Fol­te­rer-Ver­ge­wal­ti­ger-Mör­der, die rech­te Sei­te auf den an­de­ren, auf sein Op­fer, aber mög­li­cher­wei­se auch auf sei­ne Ge­hil­fen.

a: Objekt a

Die Po­si­ti­on un­ten links ist mit ei­nem kur­siv ge­schriebenen klei­nen a be­zeich­net, für „Ob­jekt a“. Der Fol­te­rer iden­ti­fi­ziert sich mit dem Ob­jekt a, mit dem­je­ni­gen Ob­jekt, das – La­can zu­fol­ge – als Ur­sa­che des Be­geh­rens fun­giert.

Im Fal­le des Sa­dis­mus ist das Ob­jekt a die Stim­me. Der „sa­do­ma­so­chis­ti­sche Trieb“ ist der In­vo­ka­ti­ons- oder An­ru­fungs­trieb (vgl. 11:166).4

Freud un­ter­schei­det vier Kom­po­nen­ten des Triebs: den Drang, die Quel­le, das Ob­jekt und das Ziel5; beim Sa­dis­ten ist, La­can zu­fol­ge, die Stim­me die „Quel­le der Stre­bung“ (10:133). Der Punkt un­ten links im Sche­ma steht dem­nach für die Trieb­quel­le; der von hier aus­ge­hen­de Pfeil zeigt den Weg, den die in­vo­ka­to­ri­sche Stre­bung nimmt.

Die Stim­me wird da­durch zum Ob­jekt a, dass sie vom Sub­jekt ab­ge­trennt ist.

Die­ses Ob­jekt näm­lich [die Stim­me] ist vom Sub­jekt auf merk­wür­di­ge Art ge­trennt. Braucht doch der He­rold der Ma­xi­me nichts wei­ter zu sein als der Punkt, von wo aus die­se er­geht. Wie etwa eine Stim­me im Ra­dio, die an den Durch­hal­teap­pell er­in­nert, dem auf Sa­des Auf­ruf hin die Fran­zo­sen zu­ge­stimmt hät­ten, so­wie an die Ma­xi­me, die mit der Wie­der­erste­hung ih­rer Re­pu­blik für die­se zum or­ga­ni­schen Ge­setz ge­wor­den wäre. Phä­no­me­ne der Stim­me wie die­se, zu­mal die der Psy­cho­se, ha­ben in der Tat die­sen Ob­jekt­cha­rak­ter, und die Psy­cho­ana­ly­se war in ih­ren An­fän­gen nahe dar­an, die Stim­me des Ge­wis­sens dar­auf zu be­zie­hen.“ (142)

In Be­zug auf Sa­des Ma­xi­me (in der Ver­si­on von 1966) muss man zwei Spre­cher un­ter­schei­den: den­je­ni­gen Spre­cher, der die Ma­xi­me ver­kün­det (Spre­cher 1), und den­je­ni­gen Spre­cher, von dem in der Ma­xi­me die Rede ist: „kann je­der zu mir sa­gen“ (Spre­cher 2). Spre­cher 1 stellt sich in den Dienst des Spre­chens von Spre­cher 2; das „ich“, mit dem die Ma­xi­me be­ginnt, ist ein zi­tier­tes „ich“, es be­zieht sich nicht auf Spre­cher 1, son­dern auf Spre­cher 2. Spre­cher 1 hat die Funk­ti­on ei­nes He­rolds, er gibt eine Bot­schaft wei­ter, die ein an­de­rer ver­kün­det, ge­nau­er: die je­der be­lie­bi­ge an­de­re ver­kün­det.

Der He­rold der Ma­xi­me fun­giert wie eine Art Ra­dio. Die Stim­me, die von ihm aus­geht, geht durch ihn hin­durch, sie ist ein von ihm ge­trenn­tes Ob­jekt.

La­can be­zieht den ob­jekt­haf­ten Cha­rak­ter der Stim­me auf die akus­ti­schen Hal­lu­zi­na­tio­nen man­cher Psy­cho­ti­ker und auf die Stim­me des Ge­wis­sens.

La­cans Be­haup­tung, in ih­ren An­fän­gen sei die Psy­cho­ana­ly­se nahe dar­an ge­we­sen, die Stim­me des Ge­wis­sens als Ob­jekt zu deu­ten, be­zieht sich ver­mut­lich auf eine Be­mer­kung von Freud in Das Ich und das Es. Dort heißt es,

daß das Über-Ich auch sei­ne Her­kunft aus Ge­hör­tem un­mög­lich ver­leug­nen kann, es ist ja ein Teil des Ichs und bleibt von die­sen Wort­vor­stel­lun­gen (Be­grif­fen, Abs­trak­tio­nen) her dem Be­wußt­sein zu­gäng­lich, aber die Be­set­zungs­en­er­gie wird die­sen In­hal­ten des Über-Ichs nicht von der Hör­wahr­neh­mung, dem Un­ter­richt, der Lek­tü­re, son­dern von den Quel­len im Es zu­ge­führt.“6

Für La­can ist das Über-Ich pri­mär eine Stim­me. Im Lag­a­che-Auf­satz von 1961 hat­te er ge­schrie­ben,

dass das Über-Ich in sei­nem in­ti­men Im­pe­ra­tiv durch­aus die ‚Stim­me des Ge­wis­sens‘ ist, d.h. zu­nächst eine Stim­me mit vo­ka­lem Cha­rak­ter und mit nicht mehr Au­to­ri­tät als der, dass es die dröh­nen­de Stim­me ist“7.

Die Stim­me, mit der der Sa­dist sich iden­ti­fi­ziert, ist die Stim­me des sa­dis­ti­schen Über-Ichs. 8

Dem Ma­so­chis­ten ist be­wusst, dass er von der Stim­me des An­de­ren fas­zi­niert ist; vom Sa­dis­ten wird die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Stim­me je­doch ver­leug­net. In­so­fern ist der Sa­dis­mus die Ver­leug­nung des Ma­so­chis­mus (vgl. 11:194).

Die Stim­me bil­det ein Ge­lenk­stück zwi­schen Sade und Kant. Denn Kant be­greift das Sit­ten­ge­setz nach dem Mus­ter der Stim­me des Ge­wis­sens; für das Ich stellt sich — Kant zu­fol­ge — der ka­te­go­ri­sche Im­pe­ra­tiv als Stim­me dar, als himm­li­sche Stim­me der Ver­nunft.9

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Ob­jekt a ist un­er­träg­lich.

An eben dem Ort, an dem Ihre men­ta­le Ge­wohn­heit Ih­nen das Sub­jekt zu su­chen an­zeigt, da, wo sich trotz Ih­nen das Sub­jekt ab­zeich­net, wenn bei­spiels­wei­se Freud die Quel­le der Stre­bung an­zeigt, da, wo es im Dis­kurs das gibt, was Sie als das ar­ti­ku­lie­ren, was Sie sind – kurz, da, wo Sie ich [je] sa­gen, da ist im ei­gent­li­chen Sin­ne auf der Stu­fe des Un­be­wuss­ten das a an­zu­sie­deln.

Auf die­ser Stu­fe sind Sie a das Ob­jekt, und je­der weiß, dass das un­er­träg­lich ist, und nicht nur für den Dis­kurs, der das schließ­lich ver­rät.“ (10:133)

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Stim­me wird von Sa­dis­ten ver­leug­net (11:194). Sie wird vom ihm auch nicht voll­stän­dig er­reicht; sie er­scheint nur auf ei­nem Schau­platz (vgl. 10:135), in ei­ner Phan­ta­sie oder ei­ner In­sze­nie­rung, die vom All­tags­le­ben ge­trennt ist.10

Schwar­zer Fe­tisch

Man Ray,Sade, 1938Der sa­dis­ti­sche Li­ber­tin fun­giert (wie im Fol­gen­den noch aus­ge­führt wird) als blo­ßes In­stru­ment. Hier­durch „ver­stei­nert sich das Ge­nie­ßen“ (143). In­so­fern ist das ima­gi­nä­re Por­trät, das Man Ray von Sade an­ge­fer­tigt hat, pas­send: es zeigt eine ver­stei­ner­te Ge­stalt (10:134 f.).

Mit der Ver­stei­ne­rung meint La­can ver­mut­lich die Apa­thie – die Ge­fühl­lo­sig­keit –, zu der ein Pei­ni­ger fä­hig sein muss, nach An­sicht von Dol­man­cé in Sa­des Phi­lo­so­phie im Bou­doir.11

Durch die Ver­stei­ne­rung des Ge­nie­ßens ver­wan­delt sich der sa­dis­ti­sche Ak­teur in ei­nen „schwar­zen Fe­tisch“ (143). Das Ob­jekt in der Funk­ti­on des Fe­tischs liegt, La­can zu­fol­ge, sämt­li­chen Per­ver­sio­nen zu­grun­de.12 Der Fe­tisch ist die pa­ra­dig­ma­ti­sche Form des Ob­jekts a.13

Der Sa­dis­mus hat dem­nach eine fe­ti­schis­ti­sche Di­men­si­on, der­art, dass der Sa­dist selbst, in der Ver­stei­ne­rung des Ge­nie­ßens, als Fe­tisch fun­giert. Da­mit wird an­ge­deu­tet, dass der Sa­dist die Kas­tra­ti­on ver­leug­net – Freud zu­fol­ge dient der Fe­tisch der Ver­leug­nung der Kas­tra­ti­on14; in La­cans Ter­mi­no­lo­gie: der Fe­ti­schist ver­leug­net die „Pri­va­ti­on“, die Pe­nis­lo­sig­keit der Frau.

Auf wel­che phä­no­me­no­lo­gi­schen oder kli­ni­schen As­pek­te des Sa­dis­mus be­zieht sich die The­se, dass der Sa­dist zum „schwar­zen Fe­tisch“ wird? Das ist mir nicht klar, lei­der.

Fu­ku­da nimmt eine an­de­re Zu­ord­nung vor, ihm zu­fol­ge be­zieht sich die Rede vom „schwar­zen Fe­tisch“ auf den Punkt S des Dia­gramms.15 Da­ge­gen spricht, dass für La­can der Fe­tisch eine der For­men des Ob­jekts a ist.

V: Wille zum Genießen

Der Buch­sta­be V in der obe­ren lin­ken Ecke steht für vo­lon­té, Wil­le, ge­meint ist der Wil­le zur jouis­sance, zum Ge­nie­ßen, zur Lust un­ab­hän­gig vom Lust­prin­zips, der Wile zu ei­ner Be­frie­di­gung also, die häu­fig als Un­lust, z.B. als Schmerz, emp­fun­den wird und die des­halb nur in be­schei­de­nem Maße er­reicht wer­den kann.16

Um wes­sen Wil­len han­delt es sich? Nicht um den des Sub­jekts, son­dern um den des An­de­ren, nicht um den An­de­ren im Sin­ne des Op­fers, son­dern um den An­de­ren, in des­sen Dienst sich der Sa­dist stellt.

Selbst in der Per­ver­si­on, in der das Be­geh­ren sich als das aus­gibt, was Ge­setz macht, das heißt als eine Sub­ver­si­on des Ge­set­zes, ist es in Wirk­lich­keit ge­ra­de­zu die Stüt­ze ei­nes Ge­set­zes. Wenn es et­was gibt, das wir jetzt über den Per­ver­sen wis­sen, so dies, dass das, was von au­ßen als un­be­grenz­te Be­frie­di­gung er­scheint, Ab­wehr und Aus­übung ei­nes Ge­set­zes ist, in­so­fern es das Sub­jekt auf dem Weg des Ge­nie­ßens bremst, un­ter­bricht und auf­hält. Der Wil­le zum Ge­nie­ßen beim Per­ver­sen ist wie bei je­dem an­de­ren ein Wil­le, der schei­tert, der auf sei­ne ei­ge­ne Gren­ze, sei­ne ei­ge­ne Brem­se selbst in der Aus­übung des Be­geh­rens stößt. Wie das eine der Per­so­nen, die heu­te auf mei­ne Bit­te hin ge­spro­chen ha­ben, sehr schön un­ter­stri­chen hat, weiß der Per­ver­se nicht, im Diens­te wel­chen Ge­nie­ßens er sei­ne Ak­ti­vi­tät aus­übt. Es ist je­den­falls nicht im Diens­te sei­nes ei­ge­nen.“ (10:189)

Der An­de­re wird hier also nicht pri­mär durch das Ge­setz cha­rak­te­ri­siert, son­dern durch das Ge­nie­ßen.

In Sa­des Ro­man Ju­li­et­te heißt die­ser An­de­re „das Höchs­te We­sen an Bös­ar­tig­keit“17. Die­ses „Höchs­te We­sen in der Ord­nung des Bö­sen“ (145) ist nie­mand an­ders als Gott (vgl. 10:207). Der Wil­le zum Ge­nie­ßen be­zieht sich auf das „Ge­nie­ßen auf Sei­ten Got­tes“ (145).

Der Wil­le zum Ge­nie­ßen wird von Sade nicht nur in por­no­gra­phi­schen Er­zäh­lun­gen in­sze­niert, son­dern zu­gleich in theo­re­ti­schen Ab­hand­lun­gen ge­recht­fer­tigt Ei­nes die­ser Trak­ta­te heißt Fran­zo­sen, noch eine An­stren­gung, wenn ihr Re­pu­bli­ka­ner sein wollt.18 Der in die­ser Schrift ar­ti­ku­lier­te Wil­le zum Ge­nie­ßen wird von La­can in fol­gen­der Ma­xi­me zu­sam­men­ge­fasst:

Ich habe das Recht, dei­nen Kör­per zu ge­nie­ßen, kann je­der zu mir sa­gen, und ich wer­de von die­sem Recht Ge­brauch ma­chen, ohne daß ir­gend­ei­ne Gren­ze mich auf­hält in der Lau­nen­haf­tig­keit der Ein­for­de­run­gen, wenn de­ren Be­frie­di­gung nach mei­nem Ge­schmack ist.“ (138 f.)19

Die Ma­xi­me ist un­ab­hän­gig vom „pa­tho­lo­gi­schen Subjekt“:sie be­zieht sich nicht auf das Ge­nie­ßen des Sub­jekts, son­dern auf das des An­de­ren („kann ein je­der zu mir sa­gen“); sie ist da­bei ge­ne­ra­li­siert, je­der kann es mir sa­gen; sie un­ter­liegt kei­ner Be­din­gung. Das ist, ne­ben der Stim­me, eine wei­te­re Ver­bin­dung zwi­schen Sade und Kant: der Wil­le zum Ge­nie­ßen hat die Form des ka­te­go­ri­schen Im­pe­ra­tivs, des Sit­ten­ge­set­zes, das Pri­mat des Ge­nie­ßens des An­de­ren er­hält die Form des­Ge­set­zes. Das heißt aber, dass Sade bei der von ihm be­ab­sich­tig­ten In­fra­ge­stel­lung des An­de­ren nicht sehr weit kommt; er sieht sich ge­nö­tigt, „die For­de­run­gen des Sit­ten­ge­set­zes zu si­mu­lie­ren“ (10:206). Sade ist heim­li­cher Kan­tia­ner.20

Der An­de­re, in des­sen Dienst sich der Sa­dist stellt, un­ter­schei­det sich deut­lich vom An­de­ren des Neu­ro­ti­kers. Der Neu­ro­ti­ker wünscht sich ei­nen idea­len Va­ter, und des­sen Idea­li­tät zeigt sich dar­in, dass er in der Aus­übung des Ge­set­zes ge­ra­de nicht ge­nießt, dass er bei­spiel­wei­se nicht rach­süch­tig ist; er wünscht sich ei­nen „to­ten Va­ter“, wie La­can es nennt. Der Sa­dist be­zieht sich auf ei­nen sehr le­ben­di­gen Va­ter, ei­nen, der sei­ne Grau­sam­keit ge­nießt.21

Für die The­se, dass Sa­des ma­ni­fes­ter Athe­is­mus eine Täu­schung dar­stellt, dass Sade in Wirk­lich­keit ei­nem gött­li­chen An­de­ren dient, stützt La­can sich auf die Stu­die Sade — mein Nächs­ter von Pierre Klos­sow­ski aus dem Jahr 1947.22 Klos­sow­skis „au­ßer­or­dent­li­cher Scharf­blick“ (161) wird von ihm ge­rühmt.

a → V: Instrument

Der Sa­dist quält, er ist „Agens der Qual“ (142), aber er quält nicht auf ei­ge­ne Rech­nung. Er fun­giert als „Mar­ter­werk­zeug“ (146). Die Pfeil­ver­bin­dung von a zu V zeigt die­se in­stru­men­tel­le Be­zie­hung an. Nicht der Sa­dist ge­nießt, er ist das „In­stru­ment des Ge­nie­ßens“ (146) des An­de­ren.

Der sa­do­ma­so­chis­ti­sche Trieb schließt sich nicht nur, er kon­sti­tu­iert sich förm­lich da­durch, daß das Sub­jekt sich zum Ob­jekt ei­nes an­dern Wil­lens macht.“ (11:194)

Da der Sa­dist als In­stru­ment fun­giert, ist ihm die Ab­sicht sei­nes Han­delns ent­zo­gen (10:207). So­we­nig er weiß, dass er sich mit der Stim­me iden­ti­fi­ziert, so­we­nig ist ihm klar, dass er sich in den Dienst des Ge­nie­ßens des An­de­ren ge­stellt hat (vgl. 10:191).23

Der Auf­satz Kant mit Sade zeigt, so er­läu­tert La­can in ei­ner Selbst­in­ter­pre­ta­ti­on,

wie der Sa­dist selbst die Stel­le des Ob­jekts ein­nimmt, aber ohne es zu wis­sen, zum Vor­teil ei­nes an­dern, für des­sen Genuß er als sa­dis­tisch Per­ver­ser ar­bei­tet und han­delt.“ (11:194)

Für La­can ist die Ein­sicht in die in­stru­men­tel­le Funk­ti­on des sa­dis­ti­schen Agen­ten das wich­tigs­te Er­geb­nis der bis­he­ri­gen Sade-For­schung (10:207).

Der Sa­dist tritt sei­nen An­de­ren (im Sin­ne von: sei­nen Op­fern, sei­nen Ge­nos­sen) so ge­gen­über: ge­stützt auf die un­be­wuss­te In­tro­jek­ti­on des Ob­jekts a als Stim­me und auf die un­be­wuss­te Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Wil­len des An­de­ren zum Ge­nie­ßen.

$: Gespaltenes Subjekt

Die un­te­re rech­te Ecke des Sche­mas steht für das Op­fer, für den Adres­sa­ten der sa­dis­ti­schen Grau­sam­kei­ten. Die­ser Punkt ist mit ei­nem durch­ge­stri­che­nen S (S bar­ré) be­zeich­net, $, für das su­jet bar­ré, das aus­ge­sperr­te Sub­jekt, das Sub­jekt, das von ei­nem kon­sti­tu­ie­ren­den Teil von sich aus­ge­perrt ist, Un­be­wuss­tes ge­nannt, und das des­halb ein su­jet di­vi­sé ist, ein ge­spal­te­nes Sub­jekt. Die Prak­ti­ken des Pei­ni­gers zie­len dar­auf ab, den An­de­ren — wo­mit jetzt der Mit­mensch ge­meint ist, der Nächs­te — in ein ge­spal­te­nes Sub­jekt zu ver­wan­deln.24

Das sa­dis­ti­sche Be­geh­ren, mit­samt al­lem, was es an Rät­sel be­inhal­tet, ist nur von der Schi­ze, der Spal­tung her ar­ti­ku­lier­bar, die er, der an­de­re [ge­meint ist hier der Fol­te­rer], beim Sub­jekt [beim Op­fer] ein­zu­füh­ren als Ziel ver­folgt, in­dem er ihm bis zu ei­ner ge­wis­sen Gren­ze das auf­er­legt, was nicht aus­ge­hal­ten wer­den kann – zu der Gren­ze ge­nau, an der bei die­sem Sub­jekt eine Tei­lung, eine Kluft zwi­schen sei­ner Exis­tenz als Sub­jekt und dem, was es er­lei­det, dem, wor­un­ter es, in sei­nem Kör­per lei­den kann, er­scheint.“ (10:134)

Der Schmerz „zer­reißt“ das Sub­jekt, wie man sagt. Auch die De­mü­ti­gung zielt auf die Sub­jekt­spal­tung: sie reizt das Scham­ge­fühl auf (142), und die Scham be­ruht auf ei­nem Riss zwi­schen der In­stanz, die sich schämt, und dem Ge­gen­stand der Be­schä­mung.

Wich­ti­ger noch als Schmerz und Scham des an­de­ren ist je­doch für den Sa­dis­ten des­sen Angst.

Nicht so sehr das Lei­den des an­de­ren wird in der sa­dis­ti­schen In­ten­ti­on ge­sucht, son­dern sei­ne Angst.“ (10:131)

Dass er die Angst des an­de­ren sucht, ist dem Sa­dis­ten be­wusst (10:221), aber nicht nur ihm. Was je­der­mann über Sa­dis­mus weiß, wenn er auch sonst nichts weiß, ist eben dies, dass der Sa­dist auf die Angst des an­de­ren aus ist.

Das ge­spal­te­ne Sub­jekt ist ein wei­te­rer Ver­bin­dungs­punkt zwi­schen Kant und Sade. Kant zu­fol­ge lässt sich aprio­risch be­grün­den, dass die Be­stim­mung des Wil­lens durch das mo­ra­li­sche Ge­setz Schmerz her­vor­ruft.25  Das dem ka­te­go­ri­schen Im­pe­ra­tiv fol­gen­de Sub­jekt ist ein zwi­schen Ver­nunft und Nei­gung zer­ris­se­ne Sub­jekt.

a → V → $: Der Sadist in Beziehung zu zwei Anderen

Der Sa­dist, der sich mit der Stim­me iden­ti­fi­ziert (a), be­zieht sich auf zwei An­de­re: auf ei­nen Gott, um des­sen Ge­nuss­wil­len (V) zu be­frie­di­gen, und auf das Op­fer, das er in die Po­si­ti­on des ge­spal­te­nen Sub­jekts ($) bringt. Den An­de­ren des Ge­nuss­wil­lens hat er ge­wis­ser­ma­ßen im Rü­cken, der An­de­re in der Po­si­ti­on des Op­fers ist sein Ge­gen­über.

Dass er im Dienst ei­nes An­de­ren steht, ist dem Sa­dis­ten ver­bor­gen, und dies eben da­durch, dass sich für ihn die Angst ei­nes an­de­ren An­de­ren – die des Op­fers – in den Vor­der­grund schiebt.

Es ist of­fen­bar, dass der Sa­dist die Angst des An­de­ren sucht. Ver­bor­gen wird da­durch das Ge­nie­ßen des An­de­ren.“ (10:221)

Der Sa­dist kann sei­nen ei­ge­nen Man­gel, die Kas­tra­ti­on, nicht an­neh­men; er ver­or­tet den Man­gel auf der Sei­te sei­nes weib­li­chen Op­fers (10:249 f.). Die­ser Man­gel ver­kör­pert sich im Ob­jekt a; das Ob­jekt a ist eben das, was dem Sub­jekt fehlt, der „Rest des Sub­jekts“ (10:207). Der Fol­te­rer sucht das man­geln­de Ob­jekt also beim an­de­ren (vgl. 10:222); für ihn er­scheint es nicht dort, wo es im Sche­ma dar­ge­stellt wird, auf der Sei­te des Sub­jekts, son­dern auf der Sei­te des an­de­ren. Zur Ver­an­schau­li­chung zi­tiert La­can eine Pas­sa­ge aus ei­ner der Ver­ge­wal­ti­gungs­ze­nen in Ju­li­et­te. „Ich habe die Haut der Fot­ze“, sagt Her­zog Stern und prä­sen­tiert ei­nen Haut­fet­zen, den er aus der Va­gi­nal­wand sei­nes Op­fers her­aus­ge­kratzt hat (zit. 10:206).26

Der Sa­dist ne­giert also kei­nes­wegs, wie „Dok­tri­nä­re“ (149) be­haup­ten, die Exis­tenz des An­de­ren, er ver­weist viel­mehr die Qual des Da­seins, die Sub­jekt­spal­tung, den Man­gel, auf den An­dern, auf das Op­fer (149).

Die un­te­ren bei­den Ter­me des Sche­mas, a und $, ste­hen da­für, dass der „sicht­ba­re Agent, in der Star­re des Ob­jekts ver­stei­nert“, da­mit sich sei­ne Sub­jekt­spal­tung ganz und gar auf der Sei­te des An­de­ren zeigt (145).

La­can folgt auch in die­sem Punkt Klos­sow­ski, der zu zei­gen ver­sucht, dass bei Sade nicht nur der Be­zug auf Gott ent­schei­dend ist, son­dern auch der auf den Nächs­ten. Zu den „Dok­tri­nä­ren“ ge­hört für La­can mög­li­cher­wei­se Mau­rice Blan­chot, der Klos­sow­skis Deu­tung in Fra­ge ge­stellt hat­te. Blan­chot cha­rak­te­ri­siert Sade vor al­lem durch die „Sou­ve­rä­ni­tät“ und da­mit durch die Ne­ga­ti­on des An­de­ren, sei es Gott oder der Nächs­te.27

S: Rohes Subjekt der Lust (plaisir)

Die obe­re rech­te Ecke des Sche­mas ist mit ei­nem gro­ßen S be­zeich­net; der Buch­sta­be steht für su­jet, also Sub­jekt. Ge­meint ist da­mit das „rohe Sub­jekt der Lust [plai­sir] (das ‚pa­tho­lo­gi­sche‘ Sub­jekt)“ (146).28

Wenn La­can das „rohe Sub­jekt der Lust“ als „das ‚pa­tho­lo­gi­sche‘ Sub­jekt“ be­zeich­net, be­zieht er sich ein wei­te­res Mal auf Kant. In der Kri­tik der prak­ti­schen Ver­nunft spricht Kant vom „pa­tho­lo­gisch af­fi­zier­ten Wil­len“ und vom „pa­tho­lo­gisch be­stimm­ba­ren Selbst“. „Pa­tho­lo­gisch“ meint bei Kant nicht „krank­haft“, son­dern „ge­fühls­mä­ßig“, „sinn­lich“. Die Sinn­lich­keit als das Ver­mö­gen, Sin­nes­emp­fin­dun­gen und Ge­füh­le zu ha­ben, ist in­so­fern dem „Pa­thos“, dem Lei­den zu­zu­rech­nen, als sie — in Kants Per­spek­ti­ve — das Ver­mö­gen ist, et­was zu er­lei­den, näm­lich Rei­ze zu emp­fan­gen, die von au­ßen kom­men. Das „pa­tho­lo­gi­sche“ Sub­jekt ist also (von Kant aus ge­se­hen) das Sub­jekt, das nach Lus­t­erfül­lung strebt, nach Glück und das sich da­mit letzt­lich von au­ßen be­stim­men lässt, statt sich durch die Ver­nunft selbst zu be­stim­men. „Die pa­tho­lo­gi­schen“ In­ter­es­sen sind ganz ein­fach, sagt La­can in Se­mi­nar 7, die „mensch­li­chen, sinn­li­chen vi­ta­len In­ter­es­sen“ (7:376). Das Feld der Ethik liegt für Kant jen­seits die­ses Be­reichs, jen­seits des „Pa­tho­lo­gi­schen“, und La­can schließt sich ihm an, wo­bei das Feld der Ethik jen­seits des „Pa­tho­lo­gi­schen“ in La­cans Per­spek­ti­ve nicht, wie für Kant, vom Ge­setz ein­ge­nom­men wird, son­dern von der Be­zie­hung zwi­schen Ge­setz und Be­geh­ren (vgl. 7:376).

Der Buch­sta­be S steht für das Sub­jekt der Lust im Sin­ne von plai­sir, für das Sub­jekt, das vom Lust­prin­zip be­herrscht wird. Er steht nicht für das Sub­jekt der jouis­sance, nicht für das Sub­jekt, das sein Lei­den ge­nießt.

Die­ses Sub­jekt ist in­so­fern „roh“, als es nicht der Spra­che un­ter­wor­fen ist, nicht ge­spal­ten ist. Sein Be­geh­ren ist kein Be­geh­ren im Sin­ne von La­can; sein Be­geh­ren re­du­ziert sich (in Sa­des Sicht) auf se­xu­el­le und ag­gres­si­ve Be­dürf­nis­se.

Das S steht am Ende der Pfeil­li­nie; das „rohe Sub­jekt“ ist dem­nach das Ziel der ge­sam­ten Be­we­gung. In Freuds Ter­mi­no­lo­gie wird man viel­leicht sa­gen dür­fen: S ist das Trieb­ziel. Das rohe Sub­jekt der Lust ist das Ide­al des Sa­dis­ten. Er möch­te sich an kei­nen An­de­ren bin­den, kei­nen Gott und kei­nen Nächs­ten, er zielt dar­auf ab, ein­fach nur sei­nen An­trie­ben nach­zu­ge­hen. Klos­sow­ski nennt dies die „Re­na­tu­ra­li­sie­rung der Grau­sam­keit“29.

Wer be­setzt in Sa­des Phan­tas­ma den Platz des un­ge­spal­te­nen Lust­sub­jekts? Das Sche­ma zeigt: der An­de­re, aber wel­cher An­de­re?

Ich sehe drei Mög­lich­kei­ten.

Zum ei­nen könn­ten die Ge­fähr­ten des Sa­dis­ten ge­meint sein. Das hie­ße: der Sa­dist ist für die Rea­li­sie­rung sei­nes Phan­tas­mas nicht nur auf Op­fer an­ge­wie­sen, son­dern auch auf Un­ter­stüt­zer; er braucht sie, weil er in ih­nen sei­nen Traum vom rei­nen Lust­sub­jekt ver­wirk­licht sieht.

Aber viel­leicht spielt für den Sa­dis­ten das Op­fer eine Dop­pel­rol­le: als Ort der Angst ($) und als Ort der Lust (S).

Mög­lich ist aber auch, dass bei­de die Rol­le des rei­nen Lust­sub­jekts spie­len, so­wohl die Kum­pa­ne als auch die Op­fer.

V → $ → S: Vel

Über das V heißt es, dass es zwar für vo­lon­té steht, für den Wil­len, dass

des­sen Form aber auch die Ver­ei­ni­gungs­men­ge des­sen evo­ziert, was es spal­tet, in­dem es dies in ei­nem vel zu­sam­men­hält, d.h. in­dem es das zu wäh­len gibt, was aus dem ro­hen Sub­jekt S der Lust (dem ‚pa­tho­lo­gi­schen‘ Sub­jekt) das $ (durch­ge­stri­che­nes S) der prak­ti­schen Ver­nunft ma­chen wird.“ (146, Ein­füh­run­gen in Klam­mern im Ori­gi­nal)

La­can be­schreibt hier die Be­zie­hung zwi­schen V, $ und S mit ei­nem Be­griff der Aus­sa­gen­lo­gik: die Be­zie­hung hat die Struk­tur ei­nes „Vel“, sie ist ein nicht-aus­schlie­ßen­des Oder, eine in­klu­si­ve Dis­junk­ti­on. A vel B (A oder B) meint: die zu­sam­men­ge­setz­te Aus­sa­ge ist un­ter drei Be­din­gun­gen wahr:
– wenn A wahr ist und B falsch ist,
– wenn B wahr ist und A falsch ist,
– wenn so­wohl A als auch B wahr sind.

An­spie­lend be­zieht La­can sich auf die men­gen­theo­re­ti­sche Dar­stel­lung lo­gi­scher Aus­sa­ge­ver­knüp­fun­gen durch Venn-Dia­gram­me. Das nicht-aus­schlie­ßen­de Oder wird durch die Ver­ei­ni­gungs­men­ge dar­ge­stellt.

Der Wil­le zum Ge­nie­ßen er­öff­net dem­nach eine Wahl zwi­schen drei Op­tio­nen: ent­we­der A wird ge­wählt oder B wird ge­wählt oder bei­des wird ge­wählt.

Wor­auf be­zieht sich die Wahl, auf die bei­den Sei­ten des ge­spal­te­nen Sub­jekts ($) oder auf $ und S? Ich ver­mu­te, dass letz­te­res ge­meint ist. Das wür­de hei­ßen: Der Wil­le zum Ge­nie­ßen er­öff­net drei Op­tio­nen: ent­we­der $ wird ge­wählt oder S wird ge­wählt oder bei­des wird ge­wählt. Ent­we­der das Sub­jekt ist das der prak­ti­schen Ver­nunft ($) oder es ist das der Lust (S) oder es ist zu­gleich das Sub­jekt der prak­ti­schen Ver­nunft und das der Lust. Mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint sein könn­te.

Die Be­mer­kung über das Vel ist ein Zu­satz von 1966; La­can stützt sich hier auf sei­ne Aus­füh­run­gen über das Vel der Ent­frem­dung in Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se.

a → V → $ → S: Kalkül des Subjekts

Die ge­sam­te N-för­mi­ge Pfeil­ver­bin­dung zeigt das „Kal­kül des Sub­jekts“:

In der ge­schlän­gel­ten Li­nie ist die Ket­te ver­zeich­net, durch die ein Sub­jektkalkül mög­lich wird.“ (145)

Das „Kal­kül“ des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es ver­sucht, sei­nen In­vo­ka­ti­ons­trieb zu ver­wirk­li­chen, der auf der un­be­wuss­ten Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Stimm­ob­jekt (a) be­ruht. Sein Ziel ist die Ver­wirk­li­chung als ro­hes Lust­sub­jekt (S), die Re­na­tu­ra­li­sie­rung der grau­sa­men An­trie­be. Die­ses Ziel wird auf pa­ra­do­xe Wei­se zu rea­li­sie­ren ver­sucht, da­durch, dass der Sa­dist sich in den Dienst ei­nes gött­li­chen An­de­ren stellt, des­sen Ge­nie­ßen er zu ver­wirk­li­chen sucht (V), so­wie da­durch, dass er sich an ei­nen wei­te­ren An­de­ren bin­det, an das Op­fer, das er be­nö­tigt, um sei­ne ei­ge­ne Zer­ris­sen­heit zu ex­ter­na­li­sie­ren ($). In den Kum­pa­nen, mit de­nen er sich in sei­ner Phan­ta­sie um­gibt (S), sieht der Li­ber­tin die­ses Ziel ver­wirk­licht.

d → a ◊ $: Begehren und Phantasma

Die bei­den un­te­ren Ter­me des Sche­mas sind durch eine Rau­te ver­bun­den, zu­sam­men er­ge­ben die drei Aus­drü­cke die Zei­chen­fol­ge a ◊ $. Das ist La­cans For­mel für das Phan­tas­ma (die er meist um­ge­kehrt schreibt, also $ ◊ a). Die Rau­te steht für „Be­geh­ren nach“ (145), in Satz­form ge­bracht meint die For­mel „das Ob­jekt a be­gehrt das aus­ge­sperr­te und des­halb ge­spal­te­ne Sub­jekt“. Das Phan­tas­ma des Sa­dis­ten be­steht dar­in, dass er, als Ob­jekt a, das aus­ge­sperr­te und ge­spal­te­ne Sub­jekt be­gehrt.30

Das Phan­tas­ma ist eine be­wuss­te oder un­be­wuss­te Sze­ne der „Wunsch­er­fül­lung“, wie Freud sagt. Mit La­can: das Phan­tas­ma ist die „Uto­pie des Be­geh­rens“ (145). Das, was man in der Um­gangs­spra­che als „Ob­jekt des Be­geh­rens“ be­zeich­net, ist in Wirk­lich­keit meist ein Phan­tas­ma (vgl. 11:194).

Der von d (für „Be­geh­ren“) aus­ge­hen­de Pfeil zeigt auf das a. Da­mit wird an­ge­deu­tet, dass der Sa­dist in sei­nem Phan­tas­ma die Po­si­ti­on des Ob­jekts a ein­nimmt, und das heißt: nicht die des durch­ge­stri­che­nen Sub­jekts. Das macht den Un­ter­schied zwi­schen Per­ver­si­on und Neu­ro­se aus. Das per­ver­se Sub­jekt iden­ti­fi­ziert sich mit dem Ob­jekt a, das neu­ro­ti­sche mit dem aus­ge­sperr­ten Sub­jekt. Die Per­ver­si­on

stellt ei­gent­lich ei­nen Um­kehr­ef­fekt des Phan­tas­mas dar, wo­bei das Sub­jekt sich sel­ber als Ob­jekt be­stimmt in sei­ner Be­geg­nung mit der Tei­lung der Sub­jek­ti­vi­tät.“ (11:194)

Die For­mel für das Phan­tas­ma, also a ◊ $, zeigt, dass der Sa­dis­mus

die Qual des Da­seins auf den An­de­ren ab­weist, nur daß ihm dar­über ent­geht, daß er sich auf die­se Wei­se sei­ner­seits in ein ‚ewi­ges Ob­jekt‘ ver­wan­delt, so­fern uns denn Mr. Whitehead den Ge­brauch die­ses Ter­mi­nus ge­stat­tet“ (149).

Das ge­spal­te­ne Sub­jekt – das mal­trä­tier­te Op­fer — er­scheint im sa­dis­ti­schen Phan­tas­ma un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ver­schwin­dens, der Apha­ni­sis (146).31 Für den Fol­te­rer be­steht dar­in ei­nes der Haupt­pro­ble­me: er hat es mit ei­nem Op­fer zu tun, das durch Tod oder Ohn­macht zu ver­schwin­den droht (die Ohn­macht heißt im Fran­zö­si­schen éva­nouis­se­ment, Ver­schwin­den). Die Sa­de­sche Lö­sung be­steht dar­in, in der Phan­ta­sie das Ver­schwin­den des Op­fers end­los hin­aus­zu­schie­ben. Nach­dem Ju­li­et­te den grau­sams­ten Quä­le­rei­en un­ter­wor­fen wor­den ist, er­scheint sie am nächs­ten Tag im­mer wie­der in strah­len­der Schön­heit.

Das klei­ne d steht für dé­sir, Be­geh­ren. Das Be­geh­ren er­scheint in der For­mel (d → a ◊ $) also dop­pelt, in Ge­stalt von d und von ◊; das Be­geh­ren hat eine ver­schach­tel­te Struk­tur. Die Zei­chen­fol­ge (d → a ◊ $) be­sagt: Das sa­dis­ti­sche Be­geh­ren stützt sich auf eine Phan­ta­sie­sze­ne, in der dar­ge­stellt wird, wie das Sub­jekt, das sich mit der Stim­me als Ob­jekt a iden­ti­fi­ziert (das also bei­spiels­wei­se Be­feh­le brüllt), die Zer­ris­sen­heit des An­de­ren be­gehrt, sei­ne Angst.32

Durch das Phan­tas­ma wird das Be­geh­ren mit der Lust (plai­sir) ver­bun­den. Die Lust ist, wie La­can schreibt, ein un­zu­ver­läs­si­ger Kom­pli­ze; das Phan­tas­ma greift ein, um die Lust auf­recht­zu­er­hal­ten (144). Das Phan­tas­ma sta­bi­li­siert die Lust: die Lust im Un­ter­schied zum Ge­nie­ßen (jouis­sance) jen­seits des Lust­prin­zips. Das Sche­ma des sa­dis­ti­schen Be­geh­rens il­lus­triert da­mit auch die Span­nung zwi­schen der Lust und dem Ge­nie­ßen. Die un­te­re waa­ge­rech­te Li­nie, d → a ◊ $, steht für die Lust. Der von V aus­ge­hen­de Pfeil re­prä­sen­tiert das Ge­nie­ßen. Das Phan­tas­ma sorgt da­für, dass das Ge­nie­ßen nicht ganz ohne Lust ist (144); das Phan­tas­ma er­mög­licht die Schmerz­lust.

Die vier Bezüge zu Kant

Das Sche­ma des sa­dis­ti­schen Be­geh­rens dient letzt­lich dazu, Kant zu le­sen, „Kant mit Sade“.33 Hier noch ein­mal die vier Ge­lenk­stü­cke:

a: Ob­jekt a als Stim­me — ver­weist auf Kants „Stim­me der Ver­nunft“.

V: Wil­le zum Ge­nie­ßen, in ei­ner ge­ne­ra­li­sier­ten und be­din­gungs­los gel­ten­den Ma­xi­me ar­ti­ku­liert — tritt in Sa­des Phan­tas­ma an die Stel­le des ka­te­go­ri­schen Im­pe­ra­tivs.

$: ge­spal­te­nes Sub­jekt — be­zieht sich dar­auf, dass die Selbst­be­stim­mung des Wil­lens durch die Ver­nunft, Kant zu­fol­ge, Schmerz her­vor­ruft.

S: das rohe Sub­jekt der Lust— kor­re­spon­diert Kants Be­griff des pa­tho­lo­gisch af­fi­zier­ten Selbsts.

Literatur

All­ouch, Jean: Ça de Kant, cas de Sade. Éro­to­lo­gie ana­ly­tique III. Sur „Kant avec Sade“ de Jac­ques La­can. Ca­hiers de L’unebevue, Pa­ris 2001.

Baas, Ber­nard: Das rei­ne Be­geh­ren. Zu La­cans „Kant mit Sade“. In: Ders.: Das rei­ne Be­geh­ren. Über­setzt von Ger­hard Schmitz. Tu­ria + Kant Wien 1995, S. 23–72.

Fink, Bruce: Eine kli­ni­sche Ein­füh­rung in die La­can­sche Psy­cho­ana­ly­se. Theo­rie und Tech­nik. Tu­ria + Kant, Wien 2005, dar­in Ka­pi­tel 9, „Per­ver­si­on“.

Fu­ku­da, Da­i­suke: L’envers de l’ethique sa­di­en­ne. Es­sai sur la lec­tu­re la­ca­ni­en­ne du mar­quis de Sade. Thè­se, Uni­ver­sité Pa­ris VIII, 2011, im In­ter­net hier.

Mar­ty, Eric: Pour­quoi le XXe siè­cle a-t-il pris Sade au sé­rieux? Seuil, Pa­ris 2011.

Mil­ler, Jac­ques-Alain: A dis­cus­sion of „Kant with Sade“. In: Ri­chard Feld­stein, Bruce Fink, Mai­re Jaa­nus (Hg.): Rea­ding se­mi­nars I and II. Lacan’s re­turn to Freud. Sta­te Uni­ver­si­ty of New York Press, Al­ba­ny 1996, S. 212–237.

Žižek, Sla­voj: Was Sie im­mer schon über La­can wis­sen woll­ten und Hitch­cock nie zu fra­gen wag­ten. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2002 (Er­läu­te­rung des Sche­mas auf S. 200–202)

—: Kant and Sade: The ide­al coup­le. In: la­ca­ni­an ink 13,1998.

—: Ra­di­cal Evil as a Freu­dian Ca­te­gory. In: Lacan.com, 2008.

—: Das per­ver­se Sub­jekt der Po­li­tik: La­can als Le­ser von Mo­ham­mad Bouye­ri. In: Ders.: La­can. Eine Ein­füh­rung. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2008, S. 139–157.

Zu­pančič, Alen­ka: Die Ethik des Rea­len. Kant, La­can. Tu­ria + Kant, Wien 1995.

—: Das Rea­le ei­ner Il­lu­si­on. Kant und La­can. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2001.

Verwandte Beiträge

Anmerkungen

  1. Écrits, S. 774. In Schrif­ten II fin­det sich das Dia­gramm auf S. 145.
  2. Die Le­gen­de ist eine Hin­zu­fü­gung des Über­set­zers, sie fin­det sich nicht in den Écrits.
  3. La­can er­läu­tert das Sche­ma auch in Se­mi­nar 10 von 1962/63, Die Angst, dort auf den Sei­ten 133–135, 189, 205–207, 221 f., 245 und 249 (Ver­si­on Miller/Gondek). Wei­te­re Hin­wei­se, die Licht auf das Sche­ma wer­fen, fin­det man in Se­mi­nar 11 von 1964, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se.
  4. Das Ob­jekt a wird in Se­mi­nar 10 ein­ge­führt; die Stim­me als Ob­jekt a in der Sit­zung vom 22. Mai 1963.
  5. S. Freud: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 75–102, hier: S. 85–87.
  6. S. Freud: Das Ich und das Es (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 319.
  7. Re­mar­que sur le rap­port de Da­ni­el Lag­a­che: ‚Psy­chana­ly­se et struc­tu­re de la per­son­na­li­te‘. In: Écrits 1966, S. 684, mei­ne Über­set­zung.
  8. Vgl. Mil­ler 1996, S. 222.
  9. Baas schreibt, La­can neh­me eine Un­ter­schie­bung vor, wenn er behaup­tet, Kant sprä­che von der Stim­me, tat­säch­lich aber fin­de die Me­ta­pher sich nicht bei Kant (Baas 1995, S. 40). Baas irrt sich, bei Kant heißt es: „Die­ser Wi­der­streit ist aber nicht bloß lo­gisch, wie der zwi­schen em­pi­risch-be­ding­ten Re­geln, die man doch zu not­wen­di­gen Er­kennt­nis­prin­zi­pi­en er­he­ben woll­te, son­dern prak­tisch, und wür­de, wäre nicht die Stim­me der Ver­nunft in Be­zie­hung auf den Wil­len so deut­lich, so un­über­schreibar, selbst für den ge­meins­ten Men­schen so ver­nehm­lich, die Sitt­lich­keit gänz­lich zu Grun­de rich­ten; so aber kann sie sich nur noch in den kopf­ver­wir­ren­den Spe­ku­la­tio­nen der Schu­len er­hal­ten, die dreist ge­nug sein, sich ge­gen jene himm­li­sche Stim­me taub zu ma­chen, um eine Theo­rie, die kein Kopf­bre­chen kos­tet, auf­recht zu er­hal­ten.“ (Kri­tik der prak­ti­schen Ver­nunft, 1. Buch, 1. Haupt­stück, § 8. Lehr­satz IV, An­mer­kung II, Wei­sche­del-Aus­ga­be Bd. 7, Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1974, S. 146 f.) Von der Stim­me der Ver­nunft spricht Kant in der Kri­tik der prak­ti­schen Ver­nunft ein wei­te­res Mal in: 1. Buch, 3. Haupt­stück, Von den Trieb­fe­dern der rei­nen prak­ti­schen Ver­nunft, Wei­sche­del-Aus­ga­be S. 201.
  10. Um­fas­send zur Funk­ti­on der Stim­me bei La­can: Mla­den Do­lar: His mas­terʼs voice. Eine Theo­rie der Stim­me. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2007.
  11. Im fünf­ten Dia­log, nach dem Ein­schub Fran­zo­sen, noch eine An­stren­gung …  sagt Dol­man­cé zu Eu­gé­nie: „Ver­wer­fen Sie also die ab­ge­feim­ten Rat­schlä­ge des Che­va­lier; wenn er Ih­nen rät, Ihr Herz al­lem vor­stell­ba­ren Leid des Un­glücks zu öff­nen, sucht er Ih­nen eine Men­ge von Qua­len zu ver­schaf­fen, die Sie, da sie nicht die Ih­ren sind, bald völ­lig sinn­los pei­ni­gen wer­den. Ach! Glau­ben Sie mir, Eu­ge­nie, glau­ben Sie mir, die Freu­den, die Ih­nen die Ge­fühl­lo­sig­keit (apa­thie) ver­schafft, wie­gen die, die die Emp­find­sam­keit (sen­si­bi­lité) Ih­nen be­rei­tet, reich­lich auf; die­se kann das Herz nur in ei­nem Punk­te tref­fen, wäh­rend jene es über­all kit­zelt und er­schüt­tert.“ (Die Phi­lo­so­phie im Bou­doir. Über­setzt von Rolf Busch. Mer­lin Ver­lag, Gif­ken­dorf 3. Auf­la­ge 1989, S. 280)
  12. La­can: Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht. In: Schrif­ten I, S. 200.
  13. In Se­mi­nar 10 wird das Ob­jekt a aus­ge­hend vom Fe­tisch ein­ge­führt (vgl. 10: 132).
  14. S. Freud: Fe­ti­schis­mus (1927). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schenbuch Ver­lag, Frank­furt am Main, S. 379–388.
  15. Vgl. Fu­ku­da 2011, S. 19 f.
  16. Der Be­griff jouis­sance in die­ser Be­deu­tung wird von La­can in Se­mi­nar 7 von 1959/60, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, ein­ge­führt.
  17. l‘Être su­prê­me en mé­chan­ce­té“; die For­mu­lie­rung fin­det sich in Die Ge­schich­te von Ju­li­et­te, ers­te Aus­ga­be von 1801, zwei­ter Teil; Mon­sieur de Saint-Fond ver­wen­det sie in ei­nem sei­ner Vor­trä­ge. Im In­ter­net hier.
  18. In Die Phi­lo­so­phie im Bou­doir, Ein­schub im fünf­ten Dia­log.
  19. Über­set­zung ge­än­dert. Zur Ge­nea­lo­gie die­ser Ma­xi­me sie­he den Ar­ti­kel „Ge­nuss­recht“ in die­sem Blog.
  20. Vgl. Žižek 1998.
  21. Vgl. Fink 2005, S. 252 f.
  22. Eine deut­sche Über­set­zung von Klos­sow­skis Ar­beit er­schien 1996 im Wie­ner Pas­sa­gen-Ver­lag.
  23. Žižek ist der Auf­fas­sung, dass die Po­si­ti­on des In­stru­ment vom Sa­dis­ten auch be­wusst ein­ge­nom­men wer­den kann; vgl. Žižek 2008.
  24. Den Be­griff su­jet bar­ré ver­wen­det La­can zu­erst in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, Ver­si­on Miller/Gondek S. 559 f.; in den Schrif­ten er­scheint der Aus­druck zu­erst in Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten von 1960, ver­öf­fent­licht 1966 (Schrif­ten II, S. 198).
  25. Folg­lich kön­nen wir a prio­ri ein­se­hen, daß das mo­ra­li­sche Ge­setz als Be­stimmungsgrund des Wil­lens da­durch, daß es al­len un­se­ren Nei­gun­gen Ein­trag tut, ein Ge­fühl be­wir­ken müs­se, wel­ches Schmerz ge­nannt wer­den kann, und hier ha­ben wir nun den ers­ten, viel­leicht auch ein­zi­gen Fall, da wir aus Be­grif­fen a prio­ri das Ver­hält­nis ei­nes Er­kennt­nis­ses (hier ist es ei­ner rei­nen prak­ti­schen Ver­nunft) zum Ge­fühl der Lust oder Un­lust be­stim­men konn­ten.“ Kri­tik der prak­ti­schen Ver­nunft, dar­in: Von den Trieb­fe­dern der rei­nen prak­ti­schen Ver­nunft, a.a.O., Wei­sche­del-Aus­ga­be S. 192 f.
  26. His­toire de Ju­li­et­te, Ers­te Aus­ga­be von 1801, Ers­ter Teil:
    „Et je sen­tis alors ses on­gles cro­chus sim­pri­mer vi­ve­ment dans mes fes­ses et m’arracher la peau en deux ou trois endroits. De nou­veaux cris que je pous­sai ne firent qu’animer ce scé­lé­rat qui, portant alors deux de ses doigts dans l’intérieur du va­gin, ne les re­ti­re qu’avec la peau qu’il dé­chi­re dans ce lieu sen­si­ble.
    — Lub­in, di­sait-il alors, en mon­trant ses doigts pleins de sang au va­let, chèr Lub­in, je triom­phe ! j’ai de la peau du con.“ Im In­ter­net hier.
  27. Blan­chot schreibt: „Der Mensch des Mar­quis de Sade ne­giert die Men­schen, und die­se Ne­ga­ti­on er­füllt sich über den Got­tes­be­griff.“ In: Ders.: Sade (1947). Über­setzt von Jo­han­nes Hüb­ner. Hens­sel, Ber­lin 1986. Zu­erst un­ter dem Ti­tel À la ren­cont­re de Sade. In: Les temps mo­der­nes, Heft 25, 3. Jg. (1947), S. 577–612; dann mit dem neu­en Ti­tel La rai­son de Sade in: Ders.: Lau­tréa­mont et Sade. Mi­nuit, Pa­ris 1949.
  28. Den Buch­sta­ben S für das Sub­jekt und zu­gleich für das Es ver­wen­det La­can zu­erst in Se­mi­nar 2 von 1954/55, Das Ich in der Theo­rie Freuds und in der Tech­nik der Psy­cho­ana­ly­se, Ver­si­on Miller/Metzger S. 310.
  29. A.a.O., S. 129.
  30. Die For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a, wird von La­can zu­erst in Se­mi­nar 5 ver­wen­det; vgl. Ver­si­on Miller/Gondek S. 393 und 402.
  31. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts (von La­can als „Apha­ni­sis“ oder „Fa­ding“ be­zeich­net) als Merk­mal des Phan­tas­mas wird zu­erst in Se­mi­nar 6 von 1958/59 dar­ge­stellt, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, in der Sit­zung vom 4. Fe­bru­ar 1959. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist ein struk­tu­rel­les Merk­mal des Phan­tas­mas; in Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht von 1958 (ver­öf­fent­licht 1961) wird die For­mel des Phan­tas­mas, $◊a, so ge­le­sen: „S im fa­ding vor dem Ob­jekt des Be­geh­rens“ (Schrif­ten I, S. 227 Fn. 31).
  32. Die Be­zie­hung zwi­schen d (für Be­geh­ren) und der For­mel für das Phan­tas­ma, $ ◊ a, er­scheint bei La­can zu­erst im Gra­phen des Be­geh­rens in Se­mi­nar 5; vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 393 und 302.
  33. Zu La­cans Kant-Lek­tü­re vgl., au­ßer der Ar­beit von Baas, Zu­pančič 1995 und 2001.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.