Geneviève Morel: Gegensinn des Begehrens des Analytikers

Exorzist - FensterDer Ex­or­zist (USA 1973, Dreh­buch: Wil­liam Pe­ter Blat­ty, Re­gie: Wil­liam Fried­kin)
Das Stand­bild zeigt das Fens­ter, aus dem Karras eine Se­kun­de spä­ter sprin­gen wird.
Co­py­right War­ner Bros.

Das Begehren des Analytikers“

Der Aus­druck „Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers“ (dé­sir de l’analyste), der von La­can in den 1960er Jah­ren ein­ge­führt wur­de1, hat­te ei­nen sol­chen Er­folg, dass man fast ver­ges­sen hat, wie un­ge­wöhn­lich ei­nem die­se For­mu­lie­rung vor­kommt, wenn man sie das ers­te Mal hört. Denn in der fran­zö­si­schen All­tags­spra­che spricht man we­der vom „Be­geh­ren des Leh­rers“ noch vom „Be­geh­ren des Arz­tes“ noch vom „Be­geh­ren des Künst­lers“ noch vom „Be­geh­ren des Sän­gers“ oder von dem „des Po­li­ti­kers“ usw. Der Aus­druck „das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers“ ist so eso­te­risch, dass man, wenn er ge­äu­ßert wird und noch be­vor er er­läu­tert wor­den ist, be­reits weiß, dass da­mit der la­ca­nia­ni­sche Psy­cho­ana­ly­ti­ker cha­rak­te­ri­siert wird.

In der All­tags­spra­che ist dé­sir, „Be­geh­ren“, nicht das Äqui­va­lent von en­vie, „Lust“ (man sagt J’ai en­vie d’un gâ­teau, „Ich habe Lust auf Ku­chen“, und nicht J’ai le dé­sir d’un gâ­teau,  „Ich ver­spü­re ein Be­geh­ren nach Ku­chen“), und es ist auch kein Äqui­va­lent für  vou­loir, „Wol­len“ (wenn man ge­fragt wird, was man möch­te, kann man zwar sa­gen Je veux un gâ­teau, „Ich will Ku­chen“, aber nur auf eine fa­mi­liä­re oder au­to­ri­tä­re Wei­se). Im All­ge­mei­nen ver­wen­det man dé­sir, „Be­geh­ren“, aus­schließ­lich im se­xu­el­len Be­reich, und zwar für die un­mit­tel­ba­re und dring­li­che Ver­wen­dung des Part­ners, wenn ich so sa­gen darf, etwa in der In­tim­sphä­re „Ich be­geh­re dich“ oder „Marc be­gehrt dich“, denn in der All­tags­spra­che war­tet das Be­geh­ren nicht. An­dern­falls wür­de man ele­gan­ter von Lie­be spre­chen oder von Lei­den­schaft. Als bei­spiels­wei­se das fran­zö­si­sche Bou­le­vard­ma­ga­zin Clo­ser ent­hüll­te, dass der Prä­si­dent der Re­pu­blik ein Ver­hält­nis mit ei­ner an­de­ren Frau hat­te als mit der­je­ni­gen, von der of­fi­zi­ell er­war­tet wur­de, dass er mit ihr zu­sam­men­leb­te, brach­te es die Schlag­zei­le „Die ge­hei­me Lie­be des Prä­si­den­ten“. Es ver­kün­de­te nicht „Hol­lan­des Be­geh­ren“ und auch nicht „Das Be­geh­ren des Prä­si­den­ten“. Das wäre als vul­gär und re­spekt­los er­schie­nen, als wol­le man an­deu­ten, dass er nicht in der Lage sei, sich zu be­herr­schen. Man nimmt an, dass der Clo­ser die Ter­mi­ni sei­ner Brand­schrift sorg­fäl­tig ab­ge­wo­gen hat (um ei­nen mög­li­chen Pro­zess zu ver­mei­den, ver­wen­de­te das Bou­le­vard­blatt die Amts­be­zeich­nung „Prä­si­dent“ und nicht den Ei­gen­na­men, da über den­je­ni­gen zu in­for­mie­ren, der die­ses Amt in­ne­hat, ei­nen öf­fent­li­chen Nut­zen hat und da­mit nicht un­ter die Be­stim­mun­gen der Ge­set­ze zum Schut­ze des Pri­vat­le­bens fällt, die in Frank­reich die Frei­heit der Mei­nungs­äu­ße­rung stark ein­schrän­ken). „Be­geh­ren“ wird auf Fran­zö­sisch also nicht von ei­nem Amt ge­sagt, wes­halb „Be­geh­ren des Psy­cho­ana­ly­ti­kers“ ein ech­ter Neo­lo­gis­mus ist, in sprach­li­cher wie in be­griff­li­cher Hin­sicht.

Auch wenn das Wort dé­sir in der fran­zö­si­schen Psy­cho­ana­ly­se ge­läu­fig ist, wo man im Ge­fol­ge von Freud von ei­nem dé­sir in­con­sci­ent spricht („un­be­wuss­ter Wunsch“), von ei­nem dé­sir du rêve („Traum­wunsch“), vom dé­sir du pé­nis („Pe­nis­wunsch“), vom dé­sir d’enfant („Kin­der­wunsch“) oder auch von ei­nem dé­sir phal­li­que („Wunsch nach ei­nem Phal­lus“) oder von ei­nem dé­sir du mort („To­des­wunsch“), kommt hin­zu, dass La­can das „Be­geh­ren des Psy­cho­ana­ly­ti­kers“ nicht von An­fang an kon­kret de­fi­niert. Be­gon­nen hat er viel­mehr da­mit, ge­nau­er an­zu­ge­ben, was es nicht ist: we­der das Be­geh­ren, Ana­ly­ti­ker zu sein oder zu wer­den, noch das un­be­wuss­te Be­geh­ren des Prak­ti­kers – al­les Ar­ten des Be­geh­rens, die man sich leicht vor­stel­len kann. Da dies ein neu­er Be­griff ist, wird der in sei­nen ganz un­mit­tel­ba­ren Vor­stel­lun­gen ver­un­si­cher­te Le­ser dazu ge­bracht, die Lacan’schen Tex­te auf­merk­sam und in grö­ße­rem Um­fang zu le­sen, um her­aus­zu­fin­den, wor­um es sich han­delt. Zu sei­ner Un­ter­stüt­zung fin­det er eine im­mense la­ca­nia­ni­sche Li­te­ra­tur über das „Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers“ und über den „ana­ly­ti­schen Akt“, die von dem un­glaub­li­chen Er­folg und von der un­ge­bro­che­nen Zug­kraft die­ser doch so rät­sel­haf­ten Be­grif­fe zeugt. Ich wer­de die­se lan­ge Ar­beit des Text­kom­men­tars hier nicht wie­der­auf­neh­men, son­dern nur ver­su­chen, zwei der Punk­te, die La­can vor­ge­bracht hat, nä­her zu be­fra­gen.

Bei der Aus­wahl hat­te ich das im Sinn, wor­an ich ge­ra­de er­in­nert habe: In der fran­zö­si­schen Spra­che hat „Be­geh­ren“ eine se­xu­el­le Kon­no­ta­ti­on, wo man doch ge­nau weiß, dass der Ana­ly­ti­ker nicht mit sei­nem Pa­ti­en­ten schläft. Die se­xu­el­le Kon­no­ta­ti­on von „Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers“ ist auch sehr viel stär­ker als die von „Ge­gen­über­tra­gung“, was der kon­kur­rie­ren­de Aus­druck ist, den die nicht-la­ca­nia­ni­schen Psy­cho­ana­ly­ti­ker ver­wen­den.

Au­ßer­dem, wenn man sich dar­über wun­dert, dass der Aus­druck für ein pro­fa­nes Ohr Fra­gen auf­wirft, wird man sich, wenn man La­can kennt, sa­gen, dass die­ses Rät­sel wahr­schein­lich in ei­nem en­gen Ver­hält­nis zum Be­griffs­in­halt steht, als streb­ten Ge­stalt und Hin­ter­grund da­nach, eine Über­ein­stim­mung her­zu­stel­len.

Dies also sind die bei­den Punk­te, die mir als Leit­fa­den die­nen wer­den. Mit der se­xu­el­len Fra­ge wer­de ich be­gin­nen; mein Be­zugs­punkt ist da­bei ein be­rühm­ter Film von Pa­so­li­ni.

Teorema“ von Pasolini: Der Analytiker ist ein Heiliger, der „entsorgt“

In die­sem merk­wür­di­gen Film2, an der Gren­ze zur phan­tas­ti­schen Er­zäh­lung und zur re­li­giö­sen Pa­ra­bel, kommt ein rät­sel­haf­ter Be­su­cher, ein schö­ner jun­ger Mann (ge­spielt von Te­rence Stamp), in eine Fa­mi­lie der ita­lie­ni­schen Groß­bour­go­i­sie, de­ren Va­ter Fa­brik­ei­gen­tü­mer ist. Fünf Per­so­nen le­ben in der Vil­la am Stand­rand von Mai­land: die noch jun­gen El­tern, zwei Ju­gend­li­che – ein Mäd­chen und ein Jun­ge – und das „Dienst­mäd­chen“3. Die An­kunft des jun­gen Man­nes ist ih­nen in ei­nem Te­le­gramm an­ge­kün­digt wor­den, bei dem man den Na­men des Ab­sen­ders nicht sieht – man weiß also nicht, wer er ist. Auf die­sel­be rät­sel­haf­te Wei­se wird er wie­der ab­rei­sen, durch ein neu­es Te­le­gramm ab­ge­ru­fen, das wie das ers­te von ei­nem „pa­so­li­ni­schen“ Brief­trä­ger über­bracht wird, ei­nem tan­zen­den Bo­ten, ei­ner Art En­gel der Ver­kün­di­gung. Nen­nen wir die­sen Be­su­cher, wie Pa­so­li­ni in dem Buch mit dem­sel­ben Ti­tel, das er zu­sam­men mit dem Film her­aus­ge­bracht hat, den Ein­ge­la­de­nen oder den Gast.

Sein Be­such wird das Le­ben ei­nes je­den um­wäl­zen und die Fa­mi­lie aus­ein­an­der­trei­ben. Im Text wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ge­schich­ten der ein­zel­nen Fa­mi­li­en­mit­glie­der sich gleich­zei­tig er­eig­nen oder zu­min­dest nicht auf­ein­an­der fol­gen, als gin­ge es, au­ßer­halb un­se­rer kan­tia­ni­schen Wahr­neh­mung, um eine be­son­de­re Zeit­lich­keit. Mit je­der der fünf Per­so­nen (das Dienst­mäd­chen ge­hört zur Fa­mi­lie) wird der Gast ein­mal eine se­xu­el­le Be­geg­nung ha­ben. Der jun­ge Mann ver­führt nicht ak­tiv, viel­mehr ist sei­ne Ge­gen­wart für je­den auf un­wi­der­steh­li­che Wei­se an­zie­hend; mit ma­gne­ti­scher An­zie­hungs­kraft ver­ur­sacht er das se­xu­el­le Be­geh­ren.

Als er im Gar­ten liest, in Ge­gen­wart der Die­ne­rin, die wort­karg ist und nie­mals lä­chelt, ent­fernt sie die Zi­ga­ret­ten­asche, die auf sei­ne Hose ge­fal­len ist, und schlag­ar­tig ver­spürt sie ein Be­geh­ren nach ihm. Da sie fromm ist, geht sie zu­rück ins Haus, um ein re­li­giö­ses Bild zu be­trach­ten, spä­ter öff­net sie in der Kü­che den Gas­hahn, um sich zu tö­ten. Der Gast sieht sie nicht, aber er er­rät oder weiß durch eine Vor­ah­nung, was sich er­eig­net. Er stürzt ins Haus, trägt sie in ihr Zim­mer, und dort – als sie den Rock hoch­zieht und mit die­ser Be­we­gung an­deu­tet, dass sie sich ihm an­bie­tet – schläft er mit ihr, schwei­gend und zärt­lich.

Der Jun­ge, ein schwäch­li­cher Teen­ager, un­tä­tig und ex­zen­trisch, schläft zu­sam­men mit dem Gast wie mit ei­nem gro­ßen Bru­der in sei­nem Kin­der­zim­mer. Vom Gast fas­zi­niert, be­trach­tet er ihn im Schlaf, dann strei­chelt er ihn ver­stoh­len. Durch das Auf­wa­chen des Be­su­chers über­rascht, ent­schul­digt er sich. Aber der Gast nimmt auch ihn auf, wie­der ohne ein Wort.

Das­sel­be Sze­na­rio bei der Mut­ter, die sich lang­weilt, ih­ren Ehe­mann zu­rück­weist und fri­gi­de zu sein scheint. Sie bie­tet sich dem Gast an, in­dem sie sich auf dem Bal­kon nackt vor ihm prä­sen­tiert, und er, im­mer schwei­gend, ak­zep­tiert, mit ihr zu schla­fen.

Das Mäd­chen, das noch Gym­na­si­as­tin ist, liebt ein­zig ih­ren Va­ter, mit neu­ro­ti­scher Lei­den­schaft. Sie lädt den Gast auf ihr Zim­mer, um ihm ihre Klein­mäd­chen­schät­ze vor­zu­füh­ren, vor al­lem die Fo­tos, die den an­ge­be­te­ten Va­ter zei­gen. Sie be­gehrt den Gast, wäh­rend sie, wie man im Film ge­se­hen hat, die Jun­gen ih­res Al­ters flieht und da­bei das Foto ih­res Va­ters schwenkt, das auf ih­ren Schul­hef­ten klebt.

Der Va­ter, der durch sein plötz­li­ches Be­geh­ren nach dem Gast schlag­artig krank ge­wor­den ist, wird von ihm ge­pflegt. Der Gast mas­siert ihm die Bei­ne, kräf­tig und sanft, be­vor er ihn im Wa­gen aufs Land be­glei­tet, und man ahnt, war­um.

Nach­dem der Gast aus dem Hau­se ver­schwun­den ist, auf ge­nau­so ge­heim­nis­vol­le Wei­se, wie er ge­kom­men ist, wer­den die Kon­se­quen­zen des­sen aus­ge­führt, was je­dem ge­sche­hen ist, und es wird ge­zeigt, dass die Fa­mi­lie sich auf­ge­löst hat.

Die Die­ne­rin wird zur Mys­ti­ke­rin, sie voll­bringt Wun­der, schwebt in der Luft und will sich schließ­lich als Mär­ty­re­rin le­ben­dig be­gra­ben las­sen.

Das Mäd­chen ver­fällt in eine Ka­ta­lep­sie, da­bei hält sie in ih­rer zu­sam­men­ge­press­ten Faust, die sich nicht mehr öff­nen lässt, die un­sicht­ba­re Spur ei­nes Strei­chelns, mit dem sie ein Foto des Gas­tes be­rührt hat, das sie an dem Tag auf­ge­nom­men hat, an dem sie sich ge­liebt ha­ben. Es ist, als sei die Lie­be zum Gast an die Stel­le der Lie­be zum Va­ter ge­tre­ten (den sie als Foto im­mer bei sich hat­te). Sie hat ihn wört­lich „in ih­rer Haut“.

Der Sohn, der zu­vor ohne Ta­lent her­um­ge­kleckst hat­te, wird zum Er­neue­rer in der abs­trak­ten Kunst. Er be­müht sich, das zu ma­len, was er vom Gast emp­fan­gen hat: sei­nen blau­en Blick und sei­ne un­er­hör­te Kühn­heit, die der Sohn in der künst­le­ri­schen Schöp­fung sub­li­miert.

Die Mut­ter, die ih­ren Ehe­mann se­xu­ell zu­rück­ge­wie­sen hat­te, schleppt jun­ge Män­ner ab, die sie in den Mai­län­der Vor­städ­ten in ih­ren Wa­gen stei­gen lässt, und rei­hen­wei­se schläft sie mit ih­nen, als voll­zö­ge sie eine Op­fer­hand­lung. Denn sie scheint es nicht zu ge­nie­ßen.

Der Va­ter ver­macht sei­ne Fa­brik den Ar­bei­tern und be­gibt sich ein­sam in die Wüs­te, wo er schreit, als sei er ver­rückt ge­wor­den.

Ein Theorem?

War­um ist der Film „Teo­re­ma“ ge­nannt wor­den, also „Theo­rem“? Si­cher­lich be­ruht sei­ne Kon­struk­ti­on auf ei­nem ge­wis­sen For­ma­lis­mus, und das Buch mit dem­sel­ben Ti­tel ist auf­ge­teilt in „Da­ten“, die den ver­schie­de­nen Rea­li­sie­run­gen des Se­xu­al­ak­tes vor­aus­ge­hen, da­nach fin­det man die Ka­pi­tel, in de­nen sich die se­xu­el­len Be­geg­nun­gen er­eig­nen, und schließ­lich gibt es „Ko­rol­la­re“, in de­nen ge­schil­dert wird, was nach dem Fort­gang des Gas­tes ge­schieht.

De­leu­ze kom­men­tiert den Ti­tel Teo­re­ma da­mit, dass er sagt, es wer­de ei­nem ein all­ge­mei­nes Pro­blem ge­stellt, wie in der To­po­lo­gie das der Zer­schnei­dung ei­nes Ke­gels durch eine trans­ver­sa­le Ebe­ne, und je nach Nei­gung der Schnitt­ebe­ne er­hal­te man ei­nen Kreis oder eine El­lip­se oder zwei ge­ra­de Li­ni­en usw. Der Be­su­cher wäre also die­se ein­zel­ne Schnitt­ebe­ne, die wie ein „geis­ti­ger Au­to­mat“ mit Au­to­ma­ten an­de­ren Typs in­ter­fe­riert, wo­bei sich je­des Mal ein an­de­res Re­sul­tat er­gibt.4

Man könn­te auch sa­gen, dass die­se Ope­ra­ti­on wie eine Mul­ti­pli­ka­ti­on ist, die sich auf eine Sum­me ver­teilt5: (A + B + C + D + E)X = AX + BX + CX + DX +EX. Der Gast greift mit im­mer der­sel­ben Mul­ti­pli­ka­ti­ons­ope­ra­ti­on in eine Men­ge ein, in die Fa­mi­lie A + B + C + D + E, die er hier­durch auf­löst, mit ei­nem Er­geb­nis, das für je­des AX, BX usw. ge­trennt und ver­schie­den ist.

Ein Theo­rem be­steht aus ei­ner lo­gi­schen Im­pli­ka­ti­on: „wenn A, dann B“. Wenn das Theo­rem be­wie­sen ist, gilt es für jede be­lie­bi­ge Prä­mis­se, aus der man dann das Er­geb­nis ab­lei­tet.

Man könn­te den Aus­druck „Theo­rem“ au­ßer­dem an den des „Al­go­rith­mus“ an­nä­hern, den La­can für die Über­tra­gung ver­wen­det und des­sen For­mel er in sei­ner „Pro­po­si­ti­on vom 9. Ok­to­ber“ no­tiert.6 Ein Al­go­rith­mus – eine Me­tho­de, um ein Theo­rem zu be­wei­sen oder um ein Er­geb­nis zu fin­den – be­steht aus ei­ner end­li­chen ge­ord­ne­ten Fol­ge von alge­bra­ischen Ope­ra­tio­nen, die es er­laubt, ein Pro­blem zu lö­sen. Bei­spiels­wei­se ken­nen alle Kin­der den eu­kli­di­schen Al­go­rith­mus zur Be­rech­nung des größ­ten ge­mein­sa­men Tei­lers. In der oben­ste­hen­den Glei­chung be­ruht das Er­geb­nis auf ei­nem Al­go­rith­mus, der die Ad­di­ti­on mit der Mul­ti­pli­ka­ti­on ver­bin­det – um eine Sum­me mit X zu mul­ti­pli­zie­ren, mul­ti­pli­ziert man X mit je­dem Ele­ment, und zum Schluss bil­det man die Sum­me.

Formel SsS 2 - mit St

Al­go­rith­mus der Über­tra­gung

Der Al­go­rith­mus der Über­tra­gung ist ite­ra­tiv. Der Ana­ly­sant, re­prä­sen­tiert durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten S, der manch­mal als St be­zeich­net wird (für si­gni­fi­ant du trans­fert, „Si­gni­fi­kant der Über­tra­gung“), wen­det sich an ir­gend­ein Sub­jekt (un su­jet quel­con­que), Sq, an den Ana­ly­ti­ker (der in­so­fern ir­gend­ein Sub­jekt ist, als er sich zu Be­ginn nur durch ei­nen Ei­gen­na­men un­ter­schei­det), um die Si­gni­fi­kan­ten sei­nes Un­be­wuss­ten zu fin­den (S1, S2 usw., un­ter dem Quer­strich in ei­ner Rei­he ge­schrie­ben). Der Ope­ra­tor der Über­tra­gung ist das „su­jet sup­po­sé sa­voir“, das „Sub­jekt, dem un­ter­stellt wird, zu wis­sen“, das in der For­mel durch das s, das Sub­jekt, re­prä­sen­tiert wird. Das su­jet sup­po­sé sa­voir (SsS) ist eine Bil­dung, die vom Ana­ly­san­ten „ab­ge­löst“ ist, d..h. die mit dem ana­ly­ti­schen Dis­po­si­tiv au­to­ma­tisch ver­bun­den ist (dass die­se Wis­sens­un­ter­stel­lung auf­taucht, be­ruht nicht dar­auf, dass der Ana­ly­sant als Per­son ei­ner an­de­ren Per­son das Wis­sen un­ter­stellt, son­dern auf der vom ana­ly­ti­schen Dis­po­si­tiv in­du­zier­ten Be­fra­gung sei­nes Sym­ptoms). Zu Be­ginn des Al­go­rith­mus weiß der Ana­ly­ti­ker na­tür­lich nichts über die un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten sei­nes Pa­ti­en­ten. Für ihn sind sie ge­nau­so „un­ter­stellt“ wie für den Pa­ti­en­ten. Um dem Al­go­rith­mus das Funk­tio­nie­ren zu er­mög­li­chen, nimmt der Ana­ly­ti­ker den Platz der Ur­sa­che des Be­geh­rens sei­nes Pa­ti­en­ten ein, in den For­men des Ob­jekts, das La­can als Ob­jekt a be­zeich­net.7 In der „Pro­po­si­ti­on“ spricht er, um das zu ver­an­schau­li­chen, vom agal­ma in Pla­tons Gast­mahl: Das mit dem Wis­sen ver­bun­de­ne wert­vol­le ver­bor­ge­ne Ob­jekt – durch wel­ches das Be­geh­ren von Al­ki­bia­des ver­ur­sacht wird, nach So­kra­tes, dem „un­an­sehn­li­chen Be­häl­ter“ die­ses Ob­jekts –, die­ses agal­ma ist mit dem Al­go­rith­mus iden­tisch und äqui­va­lent.8 Im Al­go­rith­mus er­scheint das Ob­jekt a nicht, es ist hier je­doch am Platz des „noch la­ten­ten Re­fe­ren­ten“ des SsS, das heißt, es ist ver­bor­gen; in ei­nem be­stimm­ten Mo­ment der Aus­füh­rung des Al­go­rith­mus wird es aber zum un­ter­stell­ten Wis­sen in Be­zie­hung ge­setzt wer­den. In der Kur wird es sich auf spe­zi­el­le Wei­se er­eig­nen, als Auf­tau­chen ei­nes neu­en Ana­ly­ti­kers am Platz des bis da­hin ana­ly­sier­ten Ana­ly­san­ten, der sich dann dem wid­men wird, selbst wie­der­um den Platz des agal­ma für ei­nen an­de­ren ein­zu­neh­men.

Keh­ren wir zu Pa­so­li­nis Teo­re­ma zu­rück, wor­in man, auch wenn man es hier mit ei­ner Si­tua­ti­on zu tun hat, die sich von der der Psy­cho­ana­ly­se stark un­ter­schei­det, den­noch ge­mein­sa­me Punk­te fin­den kann. Der Gast ver­ur­sacht das Be­geh­ren ei­nes je­den, in­dem er sich in des­sen In­ners­tes ein­fügt, da­durch, dass er in des­sen phan­tas­ma­ti­schem Sze­na­rio ei­nen be­herr­schen­den Platz ein­nimmt, je­doch ohne dass dies von ihm aus­zu­ge­hen scheint. Ab­ge­se­hen da­von, dass er si­cher­lich ein un­sicht­ba­res Be­geh­ren hat, das da­für sorgt, dass sich dies ge­ra­de mit ihm er­eig­net und nicht mit al­len. Sei­ne Ge­gen­wart, sein Schwei­gen, sei­ne Ver­füg­bar­keit, ja sei­ne Pas­si­vi­tät bis zu dem Au­gen­blick, der dem se­xu­el­len Akt vor­aus­geht, das Aus­lö­schen sei­nes Wil­lens, all dies im­pli­ziert, dass er für die Die­ne­rin zu ei­nem Ver­füh­rer und Ret­ter wird; für den jun­gen Mann wird er zu ei­ner Art Kunst­ge­gen­stand, den die­ser sich ein­ver­leibt, um schöp­fe­risch tä­tig sein zu kön­nen; für das Mäd­chen wird er, als Er­satz für den Va­ter, zu ei­nem Lie­bes­ob­jekt, des­sen Spur auf ih­rem Kör­per sie hü­tet; für die fri­gi­de Mut­ter wird er zu dem Ope­ra­tor, der ihr die Ent­de­ckung des bis da­hin ver­dräng­ten se­xu­el­len Be­geh­rens er­mög­licht; für den Un­ter­neh­mer­va­ter ist er eine Art brü­der­li­cher Ka­me­rad, wie die Fa­brik­ar­bei­ter es un­ter­ein­an­der sind, eine Brü­der­lich­keit, zu der der Un­ter­neh­mer­va­ter nie­mals ei­nen Zu­gang hat­te. Die­ser Be­su­cher, der Gast, ist eine groß­artige Ver­kör­pe­rung der Hül­le von La­cans Ob­jekt a: für je­den sin­gu­lär, sich in ein phan­tas­ma­ti­sches Sze­na­rio ein­fü­gend, das je­des­mal völ­lig an­ders ist, für je­den die ab­so­lu­te Be­din­gung des Be­geh­rens, Ob­jekt-Mensch, der Lust dar­auf macht, ihn zu be­sit­zen, um ihm sein Ge­heim­nis zu ent­rei­ßen, sein agal­ma, das Ob­jekt a. „Ich lie­be dich, weil ich aber un­er­klär­li­cher­wei­se in dir et­was mehr als dich lie­be  – das Ob­jekt a –, ver­stümm­le ich dich“9, hat La­can über die­ses Ob­jekt ge­sagt. Im Gast be­geg­net je­der dem, was dem ei­ge­nen sin­gu­lä­ren Phan­tas­ma ent­spricht. Je­der ver­führt ihn in ge­wis­ser Wei­se und for­dert Lie­be von ihm (man hat zwar den Ein­druck, dass es der Gast ist, der ver­führt, aber das ist nicht der Fall, man sieht das, wenn man den Film auf­merk­sam be­trach­tet: der Gast ist pas­siv und be­kun­det le­dig­lich sein Be­geh­ren nach Wis­sen, da­durch, dass er Ge­dich­te liest oder Phi­lo­so­phie).

Der deut­lichs­te Un­ter­schied zwi­schen dem Gast und ei­nem Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist of­fen­kun­dig der se­xu­el­le Akt, den der Be­su­cher mit je­dem Fa­mi­li­en­mit­glied voll­zieht, mit ei­nem nach dem an­de­ren, reih­um. Dar­um könn­te der Be­zug auf den Film, wenn man vom Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers spre­chen will, un­an­ge­bracht er­schei­nen. Aber eben die­ser se­xu­el­le Akt be­zeich­net für uns, mar­kiert für uns auf um­ge­kehr­te Wei­se ei­nen sehr spe­zi­el­len Platz. In der Psy­cho­ana­ly­se ist der se­xu­el­le Akt aus der Be­zie­hung zum Pa­ti­en­ten aus­ge­schlos­sen, auch dann, wenn die­ser ihn ver­langt, wozu die Über­tra­gung ihn bis­wei­len brin­gen kann. Das ana­ly­ti­sche Band kommt ge­nau an die Stel­le die­ser struk­tu­rel­len Ab­sti­nenz, als eine Art Ver­kör­pe­rung der Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses, wor­un­ter La­can be­kannt­lich die Un­mög­lich­keit ver­steht, ein Ver­hält­nis zwi­schen Mann und Frau in der Wei­se zu for­ma­li­sie­ren, dass es wie ein In­stinkt wäre, d..h. wie ein „ge­schrie­be­nes“ Ge­setz der Na­tur, oder wie eine In­sti­tu­ti­on, d..h. wie ein Ge­setz der Kul­tur. Die­se ab­sicht­li­che Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Voll­zugs wird den Pa­ti­en­ten dazu brin­gen – wenn man den Platz da­für of­fen und leer lässt –, dar­über zu spre­chen und die Struk­tur des Phan­tas­mas zu for­ma­li­sie­ren und zu ent­hül­len, das den Rah­men sei­nes Be­geh­rens bil­det und das ihm dazu dient, das Un­mög­li­che des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses zu ver­schlei­ern.

In Teo­re­ma spre­chen die Fa­mi­li­en­mit­glie­der fast nicht, sie sind still und agie­ren, als wür­den sie un­wi­der­steh­lich und schwei­gend von ih­ren Trie­ben be­herrscht, bis hin zur Toch­ter, die mu­tis­tisch und ka­ta­lep­tisch wird. Die Wir­kung ist auf alle also ge­nau das Ge­gen­teil des ana­ly­ti­schen Ak­tes, der dem Ana­ly­san­ten das Wort er­teilt. Sie sind ge­blen­det und un­ter­wer­fen sich dem Gast.

Beim Ana­ly­san­ten ist es um­kehrt, die Tat­sa­che, dass er nicht mit sei­nem Ana­ly­ti­ker schläft, wird ihn dazu brin­gen, über sein phan­tas­ma­ti­sches Sze­na­rio zu spre­chen und es zu­nächst ein­mal über­haupt zu ent­de­cken, da er in den meis­ten Fäl­len nichts da­von weiß. Aus die­sem Grun­de ist es ethisch und tech­nisch ge­se­hen anti-ana­ly­tisch, mit sei­nem Pa­ti­en­ten zu schla­fen; nicht we­gen ei­nes mo­ra­li­schen Pu­ri­ta­nis­mus ist die Ab­sti­nenz­re­gel not­wen­dig und auch nicht, um die so­zia­len Kon­ven­tio­nen zu re­spek­tie­ren, sie be­zieht sich viel­mehr auf das Ziel der Kur,  also auf die Ent­zif­fe­rung der Sym­pto­me und die Auf­he­bung der Ver­drän­gung. Um den Ver­gleich mit dem Film fort­zu­set­zen: Es ist, als wäre die „hei­li­ge“ Ge­gen­wart des se­xu­ier­ten Be­su­chers (ein Ka­pi­tel von Teo­re­ma heißt „Des Herr­schafts­gas­tes hei­li­ger Sex“10) für Pa­so­li­ni eine Me­ta­pher für die Ge­gen­wart des Ob­jekts a (das, La­can zu­fol­ge, die Kas­tra­ti­on ent­hält, mi­nus klein phi, φ) und als wäre der vom Be­su­cher in­du­zier­te Se­xu­al­akt ge­nau am Platz des ana­ly­ti­schen Ak­tes, wie des­sen Me­ta­pher mit um­ge­kehr­tem Vor­zei­chen: ein Akt, der das Sub­jekt ent­schei­dend ver­än­dert. Je­der ist da­nach grund­le­gend ver­wan­delt und wird der Bahn sei­nes Le­bens eine an­de­re Rich­tung ge­ben, wo­bei er ihre an­fäng­li­che Nei­gung je­doch be­tont.

Der Ver­gleich ist gar nicht so pro­vo­zie­rend, denn wel­ches Bei­spiel gibt La­can in sei­ner „Pro­po­si­ti­on“ für den Al­go­rith­mus der Über­tra­gung und für das, was sich da­bei ab­spielt? Ein se­xu­el­les Bei­spiel, das von So­kra­tes und Al­ki­bia­des in Pla­tons Gast­mahl: Al­ki­bia­des, die­ser wun­der­ba­re jun­ge Mann, schön, frei und ad­lig, will mit So­kra­tes schla­fen, da er im Aus­tausch da­ge­gen des­sen Wis­sen er­hal­ten will, und die­ses ist hier das von der Häss­lich­keit des So­kra­tes ver­hüll­te agal­ma. Al­ki­bia­des’ Be­geh­ren nach Wis­sen wird zum Be­geh­ren des An­de­ren im ty­pi­schen und tri­via­len Sin­ne (zum Be­geh­ren, den An­de­ren zu be­sit­zen), das Be­geh­ren nach Wis­sen klei­det sich in das Be­geh­ren, mit So­kra­tes zu schla­fen. So­kra­tes weiß je­doch, dass er nur eine Be­deu­tung die­ser Wiss­be­gier be­sitzt (das SsS), un­ter der Be­din­gung, dass er es ab­lehnt, Al­ki­bia­des das zu ge­ben, wor­um die­ser ihn bit­tet (er wei­gert sich, zu ak­zep­tie­ren, dass er Al­ki­bia­des die­ses spe­zi­el­le Wis­sen – das ihm von Al­ki­bia­des zu­ge­schrie­be­ne Wis­sen über das Be­geh­ren – dann über­mit­teln wür­de, wenn er mit ihm schlie­fe). Die­se Zu­rück­hal­tung ge­stat­tet es So­kra­tes, das Be­geh­ren von Al­ki­bia­des zu deu­ten, und zwar da­durch, dass er ihn auf ein an­de­res Ob­jekt des Be­geh­rens ver­weist, in die­sem Fal­le auf ein se­xu­el­les, auf Al­ki­bia­des’ Be­geh­ren nach Aga­thon, des­sen Name phi­lo­so­phisch gut ge­wählt ist (der Gute, das Wohl). Nun, So­kra­tes be­sitzt ein be­son­de­res Be­geh­ren, ein Be­geh­ren, das es ihm er­mög­licht, die­se an­spruchs­vol­le Ope­ra­ti­on er­folg­reich durch­zu­füh­ren, das heißt den schöns­ten Jun­gen von Grie­chen­land zu­rück­zu­wei­sen. Die­ses be­son­de­re Be­geh­ren ist dem Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers ver­wandt, denn es er­laubt es So­kra­tes, das Be­geh­ren von Al­ki­bia­des zu deu­ten.

Das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers ist also nicht das Be­geh­ren des pa­so­li­ni­schen Gas­tes, der dar­auf aus ist, eine heilige/verfluchte, religiöse/atheistische Ent­hül­lung her­bei­zu­füh­ren. Da­bei be­schwört La­can, be­zo­gen auf die Psy­cho­ana­ly­se, durch­aus die Di­men­si­on der Ent­hül­lung, un­ter der Be­din­gung je­doch, sie welt­lich an­zu­ge­hen, wie die Lo­gi­ker des Mit­tel­al­ters. Er stellt näm­lich de­ren tex­tu­el­les Wis­sen (das Wis­sen, Tex­te zu le­sen) dem re­fe­ren­ti­el­len Wis­sen ge­gen­über, von dem das Wis­sen wie ein er­wor­be­ner Ge­gen­stand ge­hor­tet wird. Was heißt das? Das Be­geh­ren nach Wis­sen, das im Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers ent­hal­ten ist, ist we­der die Neu­gier­de des Ana­ly­ti­kers ge­gen­über sei­nem neu­en Pa­ti­en­ten noch das Be­geh­ren, die psy­cho­ana­ly­ti­schen Be­zü­ge zu er­ken­nen, die zu ei­nem be­stimm­ten Fall pas­sen – denn der Ana­ly­ti­ker muss das, was er weiß, bei je­dem neu­en Pa­ti­en­ten „ver­ges­sen“ –, und auch nicht das Be­geh­ren, eine kul­ti­vier­te Per­son zu sein, son­dern das Be­geh­ren, in der Kur die Ent­zif­fe­rung des Sym­ptoms des Ana­ly­san­ten zu er­mög­li­chen, wie Cham­pol­li­on bei den Hie­ro­gly­phen. Wenn man das tex­tu­el­le Wis­sen und die Lo­gik be­vor­zugt, schließt das in sich, dass der Ana­ly­ti­ker eine Art Phi­lo­lo­ge des Un­be­wuss­ten sei­nes Pa­ti­en­ten wird. La­can ver­weist üb­ri­gens auf die Tal­mu­dis­ten.

Ich möch­te hier noch ein zwei­tes Bei­spiel von La­can fest­hal­ten, das des Ma­the­ma­ti­kers Can­tor. Beim Er­fin­der der trans­fi­ni­ten Zahl geht es nicht um die Kon­sis­tenz sei­nes be­reits fer­tig vor­lie­gen­den ma­the­ma­ti­schen Wis­sens, son­dern um ein Wis­sen „in Re­ser­ve“, das es ihm ge­stat­tet hat, et­was zu ent­de­cken, was noch nie zur Welt ge­kom­men war, näm­lich ei­nen neu­en Si­gni­fi­kan­ten, die trans­fi­ni­te Zahl. Für ei­nen Ana­ly­ti­ker ist das offen­sicht­lich ein all­zu am­bi­tio­nier­tes Bei­spiel, es zeigt uns aber, dass es dar­um geht, das Be­geh­ren zu ent­zif­fern (So­kra­tes) und die Er­fin­dung ei­nes neu­en Wis­sens zu er­mög­li­chen (das Be­geh­ren nach Aga­thon) oder das Fin­den ei­nes neu­en Si­gni­fi­kan­ten (das Trans­fi­ni­te im Fal­le von Can­tor), und sich nicht an alte und be­ru­hi­gen­de ak­ku­mu­lier­te Wis­sens­be­stän­de zu hal­ten (üb­ri­gens ist Can­tor ver­rückt ge­wor­den, an­ge­sichts der Lee­re, des Ab­grunds sei­ner Ent­de­ckung, und so­viel wird man von ei­nem Ana­ly­ti­ker nicht ver­lan­gen). Das Wis­sen des Ana­ly­ti­kers „in Re­ser­ve“ ist je­nes, das der Freud’schen Auf­for­de­rung ent­spricht, bei ei­nem neu­en Pa­ti­en­ten al­les zu ver­ges­sen, was hei­ßen soll, auf ihn nicht das an­zu­wen­den, was man, je nach Fall, von ei­nem Zwangs­neu­ro­ti­ker, ei­nem Hys­te­ri­ker oder ei­nem Psy­cho­ti­ker er­war­ten wür­de, wo­mit man ihn auf das re­du­zie­ren wür­de, was man ein­mal stu­diert hat.

Betteln, entsorgen

Keh­ren wir zu der Art von Ob­jekt zu­rück, das der Ana­ly­ti­ker für sei­nen Pa­ti­en­ten sein muss, um, im Hin­blick auf die ana­ly­ti­sche Ent­zif­fe­rung, des­sen Be­geh­ren zu ver­ur­sa­chen. Es geht um ein Ob­jekt, das im phan­tas­ma­ti­schen Sze­na­rio des Pa­ti­en­ten den Platz des Trieb­ob­jek­tes ein­nimmt (so wäre etwa in Teo­re­ma bei je­dem Paar Gast/Familienmitglied viel über den Blick zu sa­gen). Die­ses Ob­jekt ent­spricht dem „Sub­jekt, dem un­ter­stellt wird, zu wis­sen“, und es wird vom Pa­ti­en­ten in ge­nau dem Mo­ment ab­ge­sto­ßen, in dem er ei­nen Ein­blick in sein Phan­tas­ma hat; er weiß dann mehr dar­über als sein Ana­ly­ti­ker: Der Ana­ly­ti­ker wird si­cut pa­lea eli­mi­niert wer­den, sagt La­can mit Ver­weis auf den Hei­li­gen Tho­mas, wie ein Un­rat, wie ein Ab­fall. La­cans Ge­dan­ke ist hier, dass in ge­nau die­sem Mo­ment der Ana­ly­sant zum Ana­ly­ti­ker wird und dass er von da an für an­de­re Per­so­nen den Platz die­ses Ob­jekts ein­nimmt, ob­wohl er / weil er es in der Per­son sei­nes ei­ge­nen Ana­ly­ti­kers fal­len ge­las­sen ha­ben wird.

Die­se Ge­gen­wart des Ana­ly­ti­kers als ei­nem zu­künf­ti­gen „Ab­fall“ wird in der Kur je­doch von Be­ginn an rea­li­siert, da der Ana­ly­ti­ker, im Un­ter­schied zum Ana­ly­san­ten, es be­reits weiß. Die­se Ge­gen­wart ruft in Er­in­ne­rung, was La­can 1973 in „Te­le­vi­si­on“ ge­sagt hat, über den Ana­ly­ti­ker als ei­nen „Hei­li­gen“, der „ent-sorgt“ (dé­cha­ri­te).11 Dé­cha­ri­ter, ein Kof­fer­wort in der Art von „fa­mil­lio­när“, setzt sich zu­sam­men aus dé(chet), „Ab(fall)“, und cha­rité, „Barm­her­zig­keit“, „Wohl­tä­tig­keit“, „Nächs­ten­lie­be“, „Für­sor­ge“, oder aus dé– im Sin­ne der Pri­va­ti­on und aus cha­rité. Es be­deu­tet „Ab­fall er­zeu­gen“, was im Ge­gen­satz steht zu „Barm­her­zig­keit üben“.

In Teo­re­ma wird tat­säch­lich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Gast sei­ne „Pflicht“ er­füllt, „mag sein aus Mit­leid, doch ohne ein Mit­ge­fühl, das de­mü­tigt“12. Der Gast übt in dem Maße Barm­her­zig­keit, wie er der stum­men, trieb­haf­ten For­de­rung ei­nes je­den statt­gibt, in­dem er mit ihm oder mit ihr schläft, und auf die­se Wei­se gibt er ih­nen et­was. Aber er ist auch ohne Mit­leid, denn nach dem Akt über­lässt er sie ih­rem trau­ri­gen Schick­sal – von da­her die an­schlie­ßen­den Ver­hee­run­gen.

Grei­fen wir hier die be­kann­te An­ek­do­te von Sankt Mar­tin auf, der sei­nen Man­tel mit ei­nem ar­men nack­ten Bett­ler teilt, die La­can im Ethik-Se­mi­nar kom­men­tiert hat13: „So­weit es um das Wohl (bien) geht, gibt es kein Pro­blem – das un­se­re und das des an­de­ren sind aus dem­sel­ben Stoff. Sankt Mar­tin teilt sei­nen Man­tel, und man hat dar­aus eine gro­ße Sa­che ge­macht, aber schließ­lich ist das eine ein­fa­che Ver­sor­gungs­fra­ge, der Stoff ist sei­ner Na­tur nach dazu da, in Um­lauf ge­bracht zu wer­den, er ge­hört dem an­de­ren ge­nau­so wie mir. Zwei­fel­los rüh­ren wir da an ei­nen ur­sprüng­li­chen Be­griff: das Be­dürf­nis, das zu be­frie­di­gen ist, denn der Bett­ler ist nackt. Aber viel­leicht bet­tel­te er, jen­seits des Be­dürf­nis­ses, sich zu klei­den, um et­was an­de­res –  dass Sankt Mar­tin ihn töte oder dass er ihn vög­le. Es ist eine voll­kom­men an­de­re Fra­ge, zu wis­sen, was bei ei­ner Be­geg­nung die Ant­wort nicht der Wohl­tä­tig­keit, son­dern der Lie­be be­deu­tet.“

In die­ser Pas­sa­ge stellt La­can ei­ner­seits das Wohl und das Ge­nie­ßen (jouis­sance) ein­an­der ge­gen­über und an­de­rer­seits zwei Ar­ten von Ant­wor­ten, die Ant­wort auf das Be­dürf­nis und die Ant­wort auf die Lie­be.

Das Ge­nie­ßen ist jen­seits des Wohls, es kann so­gar ein Übel sein. Das Be­dürf­nis ist je­den­falls uni­ver­sa­li­sier­bar: Wir Men­schen ha­ben alle das Be­dürf­nis nach ei­nem Man­tel, um uns zu be­de­cken. Zum Ge­nie­ßen hin­ge­gen ge­hört das Sin­gu­lä­re mei­ner Bos­haf­tig­keit, mei­ner Ag­gres­si­vi­tät, das, was Freud, un­ter der Ru­brik „Jen­seits des Lust­prin­zips“, als De­struk­ti­ons­trieb oder To­des­trieb be­zeich­net hat. Zu mei­nem Ge­nie­ßen ge­hört es, dass ich – in dir mehr als dich, selbst dann und vor al­lem dann, wenn ich dich lie­be –, dass ich dir das ein­zig­ar­ti­ge Ob­jekt a ent­rei­ßen will, das du in dir birgst, und dass ich be­reit bin, dich zu die­sem Zweck zu ver­stüm­meln. Es han­delt sich um ein ganz an­de­res Re­gis­ter als das des uni­ver­sa­len Be­dürf­nis­ses, näm­lich um das des „Nächs­ten“ bei Freud, das von La­can als das „Ding“ wie­der­auf­ge­nom­men wur­de.

Der Bett­ler bet­telt. Er be­an­sprucht also et­was: auch dies ein an­de­res Re­gis­ter als das des Be­dürf­nis­ses, ein Re­gis­ter, das La­can zu­fol­ge zwangs­läufig die Lie­be im­pli­ziert (den Lie­bes­an­spruch), jen­seits des Be­dürf­nis­ses. Wie hier­auf ant­wor­ten?

Ers­te Ant­wort: das Mit­leid, ich gehe mei­nes We­ges, ohne ir­gend­et­was zu tun, ver­spü­re je­doch „Em­pa­thie“, ein kom­pro­mit­tier­ter Aus­druck, der nichts an­de­res be­zeich­net als mei­ne ohn­mäch­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung.

Zwei­te Ant­wort: die Barm­her­zig­keit: ich ant­wor­te auf das Be­dürf­nis, in­dem ich mit die­sem Men­schen mei­nen Man­tel tei­le, wie Sankt Mar­tin es ge­tan hat, und über­se­he da­bei die an­de­ren Di­men­sio­nen, die in sei­nem An­spruch ent­hal­ten sind (Lie­be, Ge­nie­ßen).

Drit­te Ant­wort: die von Freud im „Un­be­ha­gen in der Kul­tur“, die von La­can kri­ti­siert wird, da er sie für un­zu­rei­chend ar­ti­ku­liert hält. Ich weiß, wel­che Bos­haf­tig­keit es in mir und in mei­nem Nächs­ten gibt, ich kann ihn nicht lie­ben, bei die­sem Ge­dan­ken ver­spü­re ich so­gar ei­nen Schau­der, al­ler­dings ei­nen scharf­bli­cken­den Schau­der. Freud kri­ti­siert die christ­li­che Nächs­ten­lie­be, da sie die­ses Bö­se­sein über­sieht, wie auch, aus dem­sel­ben Grun­de, die kom­mu­nis­ti­sche Uto­pie.14

Vier­te Ant­wort: die des pa­so­li­ni­schen Gas­tes. Ich ken­ne den Ap­pe­tit mei­nes Nächs­ten auf Ge­nie­ßen, die Kraft sei­ner Trie­be. Auf sei­nen un­aus­ge­spro­che­nen An­spruch, den ich mit ei­nem An­spruch auf Lie­be und auf Be­frie­di­gung jen­seits des Be­dürf­nis­ses gleich­set­ze, ant­wor­te ich, in­dem ich mit ihm schla­fe (in­dem ich ihn vög­le, Se­xu­al­trieb) oder in­dem ich ihn zer­stö­re (in­dem ich ihn töte, To­des­trieb). Das ist eine Ant­wort der Nächs­ten­lie­be, die sich dem Nächs­ten so wid­met, wie er ist, wie die be­stimm­ter ex­tre­mer Mys­ti­ker: La­can ver­weist auf Ma­rie Ala­co­que, die die Ex­kre­men­te von Kran­ken aß. Sie be­mü­hen sich, dem Ding zu be­geg­nen, dem Hor­ror in mei­nem Nächs­ten. Es ist kein Zu­fall, dass die Ge­stalt der ex­tre­men Mys­te­ri­ke­rin im Film tat­säch­lich an­we­send ist, ver­kör­pert von der Die­ne­rin.

Fünf­te Ant­wort: die des la­ca­nia­ni­schen Ana­ly­ti­kers. Auf­grund mei­ner Ana­ly­se bin ich in der Lage, wie Freud den Platz der Bös­ar­tig­keit mei­nes Nächs­ten zu ver­or­ten, näm­lich den sei­nes Ge­nie­ßens (und auch des mei­nen). Und ich po­si­tio­nie­re mich als Ob­jekt an ge­nau die­sem Punkt, nicht um den Pa­ti­en­ten zu be­frie­di­gen, son­dern um sein Be­geh­ren zu ver­ur­sa­chen. Man kann dar­über dis­ku­tie­ren, ob ich die­sen Platz zum Schein be­set­ze oder nicht: Der Platz selbst ist si­cher­lich kein Schein, er ist durch­aus real, aber ich be­set­ze ihn, in­dem ich ihn leer las­se, denn ich vög­le nicht mit dem Pa­ti­en­ten und ich töte ihn nicht und ich gebe ihm auch nicht barm­her­zig mei­nen Man­tel. Im Ge­gen­teil, ich las­se ihn (teu­er) da­für zah­len, dass ich die­sen Platz ein­neh­me, der für mich ein ho­hes Ri­si­ko birgt. Auf die­se Wei­se „ent-sor­ge“ ich. „Ei­nem Hei­li­gen, um mich ver­ständ­lich zu ma­chen, geht es nicht um cha­rité, nicht um Barm­her­zig­keit oder Für­sor­ge. Viel­mehr macht er sich dar­an, Ab­fall (dé­chet) zu er­zeu­gen: er ent-sorgt (dé­cha­ri­te). Dies, um zu ver­wirk­li­chen, was die Struk­tur auf­nö­tigt, näm­lich es dem Sub­jekt zu ge­stat­ten – dem Sub­jekt des Un­be­wuss­ten –, ihn als Ur­sa­che sei­nes Be­geh­rens zu neh­men.“15 Die­sen Platz zu be­set­zen be­deu­tet auch, dass ich weiß, wel­che Fol­gen mein Akt hat und wel­chen Aus­gang er nimmt: die lang sich hin­zie­hen­de Ent­zif­fe­rung des Sym­ptoms des Ana­ly­san­ten, dann ei­nes Ta­ges mei­ne Aus­sto­ßung aus die­ser Kur, von der ich dann nur noch der Ab­fall bin, den ich als ein dé­sêt­re spü­ren wer­de, als ein Ent-Sein (ich bin dann nicht mehr das Sein, von dem das Be­geh­ren ver­ur­sacht wird). Wäh­rend die­ser Zeit wird mei­ne Po­si­ti­on Ge­nuss­wir­kun­gen auf den Ana­ly­san­ten ge­habt ha­ben, da sie sein Sym­ptom ver­wan­delt ha­ben wird, aber nur in­so­fern, als ich es nicht ge­nie­ßen wer­de.

Der analytische Akt und S(Ⱥ): „Der Exorzist“ von William Friedkin

Der Ex­or­zist 16 setzt ei­nen Akt an­de­rer Art in Sze­ne, ei­nen Akt, der uns ei­nen un­er­war­te­ten Ein­blick in die rät­sel­haf­ten As­pek­te des Be­geh­rens des Ana­ly­ti­kers und des ana­ly­ti­schen Ak­tes ge­ben wird. Es han­delt sich um die Ge­schich­te von Re­gan, der ein­zi­gen Toch­ter ei­ner Film­schau­spie­le­rin, Chris, die mit Auf­nah­men für ei­nen Film über die Stu­den­ten­re­vol­ten be­schäf­tigt ist. Die Hand­lung spielt zu Be­ginn der 1970er Jah­re in Wa­shing­ton, D.C. Die El­tern sind ge­schie­den. Die Mut­ter lebt lu­xu­ri­ös in ei­ner pracht­vol­len Vil­la in George­town. Die klei­ne Toch­ter hat eine Be­ga­bung für die bil­den­den Küns­te, sie mo­del­liert phan­ta­sie­vol­le Fi­gu­ren und spielt alle mög­li­chen bi­zar­ren Spie­le mit ima­gi­nä­ren Ge­sprächs­part­nern. An dem Tag, an dem sie zwölf Jah­re alt wird, be­ginnt sie, sich auf un­an­ge­mes­se­ne Wei­se zu ver­hal­ten: Bei ei­ner fei­nen Par­ty pisst sie vor den Be­su­chern ih­rer Mut­ter auf den Bo­den, und trotz der Käl­te schläft sie bei of­fe­nem Fens­ter. Man hört schreck­li­che Ge­räu­sche vom Dach­bo­den, ihr Bett schüt­telt sich und hebt sich vom Bo­den ab. Am nächs­ten Tag geht die Mut­ter, die glaubt, dass ihre Toch­ter fa­bu­liert, mit ihr zum Arzt. Man dia­gnos­ti­ziert ein Hy­per­ak­ti­vi­täts­syn­drom und ver­ab­reicht ihr Rita­lin und spä­ter Tho­ra­zin, aber ver­ge­bens. Man setzt sie schreck­li­chen Un­ter­su­chun­gen aus: Rönt­gen­auf­nah­men des Ge­hirns mit In­jek­tio­nen in den Hals so­wie En­ze­pha­logram­men, Mar­tern, die je­doch nicht zur Ent­de­ckung des ver­mu­te­ten Hirn­scha­dens füh­ren.

Nach­dem sie bei­na­he ihre Mut­ter er­mor­det hat und sich phy­sisch in eine Art Mons­ter ver­wan­delt hat, bringt man sie zur Be­ob­ach­tung in ein Kran­ken­haus. Wie­der zu Hau­se und al­lein ge­las­sen, stürzt sie den bes­ten Freund ih­rer Mut­ter aus dem Fens­ter, den Re­gis­seur Bur­ke, von dem sie denkt, dass er mit ih­rer Mut­ter ein Ver­hält­nis hat. Die Mut­ter und die Po­li­zei ver­däch­ti­gen Re­gan, sa­gen aber nichts, weil sie nichts be­grei­fen, denn der Zu­stand der Lei­che lässt eine über­mensch­li­che Kraft ver­mu­ten und schließt auf den ers­ten Blick aus, dass ein klei­nes Mäd­chen den Mord be­gan­gen ha­ben könn­te.

Kamp­fes­mü­de schi­cken die Neu­ro­lo­gen sie zu ei­nem Psych­ia­ter, mit dem Ver­dacht auf ein Syn­drom der Per­sön­lich­keits­spal­tung. Dort sagt Re­gan Ob­szö­ni­tä­ten, dann greift sie den Psych­ia­ter an. Dar­auf­hin rät man der Mut­ter, ei­nen Ex­or­zis­ten zu kon­sul­tie­ren. Tat­säch­lich ist der Ex­or­zis­mus in Wa­shing­ton noch 1949 prak­ti­ziert wor­den, und die Ge­schich­te ist von ei­ner ech­ten Lo­kal­nach­richt in­spi­riert.

Auch wenn sie nicht dar­an glaubt, ak­zep­tiert die Mut­ter den Vor­schlag, denn sie ist völ­lig am Ende. Sie macht die Be­kannt­schaft von Da­mi­en Karras (Ja­son Mil­ler), dem Psych­ia­ter der Je­sui­ten der George­town Uni­ver­si­ty in Wa­shing­ton. Karras ist ein gut aus­se­hen­der Mann aus be­nach­tei­lig­ten Ver­hält­nis­sen, der an sei­ner re­li­giö­sen Be­ru­fung zwei­felt, nicht aber an der Psych­ia­trie, die er in Har­vard stu­diert hat. Er wirft sich vor, es zu­ge­las­sen zu ha­ben, dass sei­ne Mut­ter in die Psych­ia­trie ein­ge­wie­sen wur­de. Sie warf ihm vor, sie ver­las­sen zu ha­ben, und nach­dem sie ge­stor­ben ist lei­det er an Alp­träu­men, in de­nen sie ver­schwin­det, wäh­rend sie ihn ruft, in Ge­gen­wart des Teu­fels. Karras glaubt mehr an die Wis­sen­schaft als an Gott, und als Chris, die we­gen Bur­kes Tod ver­zwei­felt ist, ihn bit­tet, an ih­rer Toch­ter ei­nen Ex­or­zis­mus zu voll­zie­hen, ant­wor­tet er, man sei nicht mehr im 16. Jahr­hun­dert. Chris bringt ihn je­doch dazu, sich das Kind an­zu­se­hen, das in­zwi­schen phy­sisch ver­un­stal­tet ist und Teu­fe­lei­en treibt. Karras ist zu­nächst skep­tisch, als Re­gan ihm aber zu­ruft: „Dei­ne Mut­ter ist hier, willst du eine Nach­richt für sie hin­ter­las­sen?“, be­ginnt er, an sei­ner Wis­sen­schaft zu zwei­feln, denn Re­gan konn­te auf kei­nen Fall wis­sen, dass sei­ne Mut­ter vor kur­zem ge­stor­ben ist. Er lässt die Äu­ße­run­gen ent­schlüs­seln, die Re­gan in ver­schie­de­nen Fremd­spra­chen von sich ge­ge­ben hat und die er auf­ge­nom­men hat, und er hört eine wei­te­re Stim­me, die aus dem Mun­de des Kin­des rück­wärts spricht und ei­nen al­ten Pries­ter na­mens Mer­rin her­aus­for­dert. Die­ser ist so­eben dazu aus­ge­wählt wor­den, zu­sam­men mit Karras den Ex­or­zis­mus durch­zu­füh­ren, da er in der Diö­ze­se der Er­fah­rens­te ist. Mer­rin hat sein Le­ben da­mit zu­ge­bracht, mit dem Teu­fel zu kämp­fen, und er hat ein schwa­ches Herz – aber über­ge­hen wir die Ein­zel­hei­ten.

Der Ex­or­zis­mus be­steht aus Ge­be­ten und wie­der­hol­ten Be­schwö­run­gen, be­glei­tet von der Be­spren­gung mit Weih­was­ser, wo­bei der Spren­gel im Na­men Got­tes ge­schwun­gen wird, mit dem Ziel, auf den Dä­mon ein­zu­wir­ken, der sich durch Re­gan hin­durch er­bricht und mit Gra­bes­stim­me pro­tes­tiert. Mit sei­nen auf den Kör­per ge­rich­te­ten Be­feh­len äh­nelt der Ex­or­zis­mus also dem Dis­kurs des Herrn. Der alte Mer­rin er­klärt Karras, dass man dem Dämon/Regan auf kei­nen Fall zu­hö­ren dür­fe, da er sonst in die ei­ge­nen Ge­dan­ken ein­drin­ge und den Glau­ben ent­mu­ti­ge. Der Dä­mon wer­de auf die­se Wei­se ver­su­chen, ihn da­von zu über­zeu­gen, dass Gott kei­nen Grund habe, Ge­schöp­fe zu lie­ben, die so elend sind wie die Men­schen.

Karras je­doch ist be­reits tief er­schüt­tert, durch Re­gans Äu­ße­run­gen über den Tod sei­ner Mut­ter, die ihn im Her­zen sei­nes Glau­bens ge­trof­fen ha­ben – sein Schuld­ge­fühl wie auch Re­gans äu­ße­re Er­schei­nung be­stä­ti­gen ihm hin­rei­chend, dass der Mensch elend und Gott ohn­mäch­tig ist. Als Mer­rin den Ex­or­zis­mus un­ter­bricht, um sich aus­zu­ru­hen, wi­der­setzt Karras sich sei­ner An­ord­nung, kehrt heim­lich ins Zim­mer zu­rück und hal­lu­zi­niert am Platz von Re­gan sei­ne tote Mut­ter, die ihm den Vor­wurf macht: „Dim­my, war­um hast du mir das an­ge­tan, ich habe Angst!“ Mer­rin über­rascht ihn und schickt ihn um­ge­hend aus dem Raum, aber es ist zu spät.

Als Karras kurz da­nach ins Zim­mer zu­rück­kehrt, ist Mer­rin von ei­nem Herz­in­farkt zu Bo­den ge­streckt wor­den. Au­ßer sich vor Wut, be­ginnt er, Re­gan / den Teu­fel zu ver­prü­geln, dann wen­det er sich an den Teu­fel in ihr: „Nimm mich!“, for­dert er ihn her­aus. Das Ge­sicht von Karras ver­wan­delt sich in eine Frat­ze, wäh­rend der Dä­mon in ihn über­geht, und dann sieht er flüch­tig das Bild sei­ner Mut­ter, groß wie auf den Vor­hang pro­ji­ziert, der vor dem of­fe­nen Fens­ter hängt. Wäh­rend er „Nein!“ schreit, stürzt er sich in die Lee­re. Re­gan ist au­gen­blick­lich vom Dä­mon be­freit, den Karras frei­wil­lig in sich auf­ge­nom­men hat, be­vor er Selbst­mord be­ging, um ihn / um sich zu be­sei­ti­gen.

Wel­che Be­zie­hung gibt es zwi­schen die­sem gran­dio­sen Hor­ror­film und der Psy­cho­ana­ly­se? Auf den ers­ten Blick kei­ne! Gleich­wohl ist die­ser Film – den ich hier nicht er­schöp­fend ana­ly­sie­ren wer­de – in­ter­es­sant, um das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers zu den­ken.

Man zeigt uns hier näm­lich, wie die Ge­sell­schaft der 1970er Jah­re auf ein ver­rück­tes Kind re­agiert: mit ei­ner Hier­ar­chie der Dis­kur­se. Denn sie sind alle da. Zu­nächst die mas­si­ve Me­di­zin: Neu­ro­lo­gie, in­va­si­ve Un­ter­su­chungs­me­tho­den, Über­zeu­gung von ei­ner Hirn­stö­rung. Dann die klas­si­sche Psych­ia­trie, die lä­cher­lich ge­macht wird, eben­so wie die Psy­cho­ana­ly­se, denn es gibt so­gar den An­satz ei­ner ödi­pa­len Deu­tung – die dä­mo­ni­sche klei­ne Toch­ter hat­te den Re­gis­seur, den sie aus dem Fens­ter warf, ja im Ver­dacht, der Lieb­ha­ber ih­rer Mut­ter zu sein. Und im Ge­gen­satz zu dem, was man glau­ben könn­te, ist schließ­lich auch die Re­li­gi­on un­wirk­sam, denn der of­fi­zi­el­le Ex­or­zist, Mer­rin, er­liegt trotz sei­ner Hei­lig­keit den An­grif­fen des Dä­mons. Und der klas­si­sche Ap­pa­rat des Ex­or­zis­mus schei­tert, trotz sei­ner in al­ten Hand­bü­chern gut be­schrie­be­nen Ri­tua­le.

Blei­ben die Rol­le und der Platz von Karras. Pa­ra­do­xer­wei­se ist das, was die Hei­lung des Kin­des er­mög­licht, nicht sein Glau­be, son­dern dass er an Gott zwei­felt. Dass die­se Hei­lung nichts Gött­li­ches ist, wird durch Karras’ Selbst­mord an­ge­zeigt. Si­cher­lich, es könn­te schei­nen, als habe er das Böse auf sich ge­nom­men und als sei er erst da­nach vom Dä­mon ge­tö­tet wor­den (ich glau­be, das ist die Deu­tung von Fried­kin, ei­nem agnos­ti­schen Ju­den, dem je­doch kei­nes­wegs die Kennt­nis dar­über fehlt, dass bei den Ka­tho­li­ken die Selbst­tö­tung zur Ver­damm­nis führt, und der an den ma­nichäi­schen Ge­gen­satz von Gut und Böse in der Welt glaubt). Aber der Film, mehr­deu­tig, zeigt uns den Selbst­mord des Pries­ters als ein­zig wirk­sa­men Akt, und fak­tisch ist Karras der wah­re „Ex­or­zist“.

Die ab­schlie­ßen­de Ges­te von Karras ge­gen­über Re­gan ist der Akt von je­man­dem, der kei­ner­lei Stüt­ze mehr hat, we­der in Gott noch in ei­nem dog­ma­ti­schen re­li­giö­sen Wis­sen, im Ge­gen­satz zu Mer­rin, der an bei­dem un­ver­brüch­lich fest­hielt. Zu­nächst, als er zu­sam­men mit Mer­rin die ge­schrie­be­nen Re­geln des Ex­or­zis­mus an­wen­de­te, stan­den die­se Stüt­zen auch Karras zur Ver­fü­gung; im Au­gen­blick des Ak­tes je­doch fin­det er sich ei­ner Lee­re ge­gen­über, bei der kein Wis­sen mehr funk­tio­niert (ei­ner Lee­re, die vom Fens­ter ver­kör­pert wird). Kein Herr un­ter­stützt ihn mehr (Mer­rin, sein Meis­ter, ist tot). Dass die­se dop­pel­te Lee­re am Ende durch das Bild der to­ten Mut­ter ver­schlei­ert wird so­wie durch den Sturz in ei­nen Selbst­mord mit me­lan­cho­li­scher Fär­bung, steht kei­nes­wegs dem ent­ge­gen, dass auch die Me­lan­cho­lie nicht die Trieb­kraft für den Akt war, den Karras mit Re­gan voll­zog, als er den Dä­mon her­aus­for­der­te.

Karras’ Akt voll­zieht sich dem­nach zwi­schen zwei Ar­ten des Glau­bens, dem Glau­ben an die Kir­che (und an ein dog­ma­ti­sches re­li­giö­ses Wis­sen) und dem neu­ro­ti­schen Glau­ben17 an die Hal­lu­zi­na­ti­on sei­ner Mut­ter. Und ge­nau die­ser Punkt hat mich in­ter­es­siert, denn die­ses „Zwi­schen-zwei-Ar­ten-des-Glau­bens“ von Karras’ Akt ruft das „Zwi­schen-zwei-Ar­ten-des-Glau­bens“ des ana­ly­ti­schen Ak­tes in Er­in­ne­rung, das La­can als S(Ⱥ) ge­kenn­zeich­net hat, den Si­gni­fi­kan­ten, der im An­de­ren fehlt. Der ers­te Glau­be be­zieht sich auf die In­sti­tu­ti­on. In der Psy­cho­ana­ly­se wird er von der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on re­prä­sen­tiert, von ih­ren Re­geln, ih­ren Dog­men, ih­rem theo­re­ti­schen Kor­pus so­wie von ih­rer Hier­ar­chie, und er stützt sich auf die Über­tra­gung in den Be­zie­hun­gen zu den er­fah­re­nen Äl­te­ren (wie für Karras die re­li­giö­sen Hand­bü­cher und Mer­rin als sein Meis­ter, sein Herr). Der zwei­te Glau­be, sin­gu­lär und sym­ptom­haft, re­prä­sen­tiert die Neu­ro­se und das Un­be­wuss­te des Ana­ly­ti­kers, das trotz der lan­gen Ana­ly­se, die er durch­lau­fen hat, im­mer Schla­cken zu­rück­lässt, die ge­ra­de in ent­schei­den­den Mo­men­ten der Kur wie­der auf­tau­chen (bei Karras ist dies die Hal­lu­zi­na­ti­on sei­ner Mut­ter).

Im ana­ly­ti­schen Akt ist der Ana­ly­ti­ker mit der Lee­re kon­fron­tiert, mit S(Ⱥ), weil er in die­sem Mo­ment nichts hat, wor­auf er sich stüt­zen könn­te, we­der auf die In­sti­tu­ti­on und ihre Hier­ar­chie noch auf das be­reits exis­tie­ren­de ana­ly­ti­sche Wis­sen (das re­fe­ren­ti­el­le Wis­sen) und auch nicht auf sei­ne ei­ge­nen Über­zeu­gun­gen, die er, zu­sam­men mit sei­nen Vor­ur­tei­len, bei­sei­te stel­len muss (die Ge­gen­über­tra­gung nach La­can). Si­cher­lich, sei­ne Ana­ly­se hilft ihm da­bei, sich nach dem Akt nicht um­zu­brin­gen – in den Fän­gen sei­ner ei­ge­nen un­be­wuss­ten Dä­mo­nen, die ihn wie­der heim­su­chen –, und da liegt die Gren­ze des Ver­gleichs mit dem Film. Vom Un­be­wuss­ten her gibt es je­doch im­mer eine ge­wis­se Ge­fahr: Psy­cho­ana­ly­ti­ker ver­lie­ben sich bis­wei­len in ih­ren Pa­ti­en­ten oder in ihre Pa­ti­en­tin, sie voll­zie­hen For­men des ac­ting out oder sie las­sen die Pa­ti­en­ten ei­nen zu gro­ßen Ein­fluss auf sie ge­win­nen, manch­mal un­ter dem ed­len Vor­wand der psy­cho­ana­ly­ti­schen In­sti­tu­ti­on. Dar­um sag­te La­can, der Psy­cho­ana­ly­ti­ker, der den Platz des Ob­jekts a be­setzt, müs­se vor je­dem ma­so­chis­ti­schen Ge­nie­ßen auf der Hut sein.18 Und auf der an­de­ren Sei­te, auf der des in­sti­tu­tio­na­li­sier­ten Wis­sens, be­steht fort­wäh­rend die Ge­fahr, sich zu sehr auf die exis­tie­ren­den Wis­sens­be­stän­de zu stüt­zen, wor­auf sich La­can, wie er­wähnt, be­zieht, wenn er vom re­fe­ren­ti­el­len Wis­sen spricht, das für das Be­geh­ren des Ana­ly­ti­kers nutz­los ist, so­wie vom ein­zig not­wen­di­gen Wis­sen, lo­gi­scher und text­li­cher Art, durch das die Ent­zif­fe­rung mög­lich wird, be­zie­hungs­wei­se vom Wis­sen „in Re­ser­ve“, das es er­mög­licht, et­was Neu­es zu fin­den.

Die­ses Zwi­schen-Zwei des ana­ly­ti­schen Ak­tes, die­ses S(Ⱥ), hat die be­rühm­te Ein­sam­keit des Ana­ly­ti­kers zur Fol­ge, denn selbst wenn er da­nach oder da­vor dar­über spricht, sei es in ei­ner Kon­trollana­ly­se oder in ei­nem Se­mi­nar, gibt es, um ihm an die­sem Platz eine Ga­ran­tie zu ge­ben, we­der „Wah­res über das Wah­re“ noch das „An­de­re des An­de­ren“19. Die psy­cho­ana­ly­ti­sche In­sti­tu­ti­on kann also nicht der Ak­teur des ana­ly­ti­schen Ak­tes sein und auch nicht den neu­en Ana­ly­ti­ker ein­set­zen, sie kann ihn nicht ein­mal au­to­ri­sie­ren, wie das in den In­sti­tu­tio­nen ge­schieht, die von Freud aus­ge­gan­gen sind.20

Aus dem Fran­zö­si­schen von Rolf Nemitz

Das Ur­he­ber­recht (Co­py­right) für die­sen Text liegt bei Ge­ne­viè­ve Mo­rel.
Ver­öf­fent­licht mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung der Au­to­rin.

Über Geneviève Morel

Geneviève Morel 149 x 149 pxGe­ne­viè­ve Mo­rel ist Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin in Pa­ris und Lil­le und Mit­grün­de­rin von ALEPH (As­so­cia­ti­on pour l’étude de la psy­chana­ly­se et de son his­toire).

Zu ih­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen ge­hö­ren: Am­bi­guïtés se­xu­el­les. Se­xua­ti­on et psy­cho­se (Eco­no­mi­ca, Pa­ris 2000), La Loi de la mère. Es­sai sur le sin­t­home se­xu­el (Eco­no­mi­ca, Pa­ris 2008, eng­lisch 2011), Cli­ni­que du sui­ci­de (als Her­aus­ge­be­rin, Eres, Tou­lou­se 2010), Pant­al­las y su­e­nos. En­say­os psi­co­ana­li­ti­cos sob­re la imagen en mov­imi­en­to (edi­cio­nes S&P, Bar­ce­lo­na 2011).

Kon­takt: genevieve.morel.gm [at] gmail.com

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Anmerkungen

  1. J. La­can, Das Se­mi­nar, Buch VII, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se (19591960), über­setzt von Nor­bert Haas, Qua­dri­ga, Ber­lin 1996, Sit­zung vom 22. Juni 1960, S. 358, und „Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht“, in: Schrif­ten, Teil II, Voll­stän­di­ger Text, über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek, Wien, Tu­ria und Kant, S. 141.
  2. Teo­re­ma, Re­gie und Dreh­buch: Pier Pao­lo Pa­so­li­ni, Ita­li­en 1968, dt. Ti­tel: Teo­re­ma – Geo­me­trie der Lie­be.
  3. Pier Pao­lo Pa­so­li­ni, Teo­re­ma, Mai­land, Garz­an­ti 1968.– Dt.: Teo­re­ma oder die nack­ten Füße, aus dem Ita­lie­ni­schen von Heinz Riedt, Mün­chen, Pi­per, 1969, S. 19
  4. Vor­le­sung von Gil­les De­leu­ze (1984): „Le ci­né­ma et la pen­sée – Ci­né­ma thé­orè­ma­tique“ (Kino und Den­ken – Das theo­re­ma­ti­sche Kino).
  5. Vgl. Ma­thieu Ma­che­ret, Vi­si­tor Q. Thé­orè­me. In: critikat.com, 26. Ja­nu­ar 2010.
    http://www.critikat.com/actualite-cine/critique/theoreme.html
  6. J. La­can, „Pro­po­si­ti­on du 9 oc­tob­re 1967“, in: ders., Au­tres écrits, Pa­ris, Le Seuil, 2001, S. 248. 
  7. Im „Dis­cours à l’École freu­dien­ne de Pa­ris“, im sel­ben Jahr, in: Au­tres écrits, a.a.O., S. 262263.
  8. J. La­can, Au­tres écrits, a.a.O., S. 251.
  9. J. La­can, Das Se­mi­nar, Buch XI, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se (1964), über­setzt von Nor­bert Haas, Ol­ten, Wal­ter-Ver­lag, 1978, S. 282, Über­set­zung ge­än­dert.
  10. P.P. Pa­so­li­ni, Teo­re­ma, a.a.O., S. 25.
  11. Vgl. J. La­can, „Te­le­vi­si­on“ (1973), über­setzt von Jut­ta Pras­se und Hin­rich Lüh­mann, in: J. La­can, Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on, Qua­dri­ga, Wein­heim 1988, S. 71; Prasse/Lühmann über­set­zen dé­cha­ri­te mit „ver­ab­fällt“.
  12. P.P. Pa­so­li­ni, Teo­re­ma, a.a.O., S. 64, Über­set­zung ge­än­dert.
  13. J. La­can, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, a.a.O., S. 226, Über­set­zung ge­än­dert.
  14. S. Freud, Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1929), in: ders., Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9, Frank­furt am Main, Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, 2000, vgl. die Pas­sa­ge über den Hei­li­gen Fran­zis­kus in Ka­pi­tel IV, S. 231 f. 
  15. J. La­can, „Te­le­vi­si­on“, a.a.O., S. 71, Über­set­zung ge­än­dert.
  16. USA 1973. Re­gie: Wil­liam Fried­kin, Dreh­buch: Wil­liam Pe­ter Blat­ty, nach dem Ro­man Der Ex­or­zist (1971), eben­falls von Blat­ty.
  17. Oder dem me­lan­cho­li­schen oder dem psy­cho­ti­schen Glau­ben, dar­auf kommt es hier nicht an.
  18. Er teilt mit ihm [dem Ana­ly­san­ten] nur ei­nen et­wai­gen Ma­so­chis­mus, vor des­sen Ge­nie­ßen er auf der Hut ist.“ J. La­can, „De la psy­chana­ly­se dans ses rap­ports avec la réa­lité“ (1967), in: Au­tres écrits, a.a.O., S. 359.
  19. J. La­can, „Dis­cours à l’École freu­dien­ne de Pa­ris“ (1967), in: Au­tres écrits, a.a.O., S. 265.
  20. Die Idee der Pas­se bei La­can, bei der die In­sti­tu­ti­on sich mit dem Mo­ment be­fasst, in dem der neue Ana­ly­ti­ker in sei­ner ei­ge­nen Ana­ly­se zu die­sem Akt ge­kom­men ist, war hier­durch be­grün­det. Ich las­se die­sen Punkt, der kom­plex und um­strit­ten ist, an die­ser Stel­le bei­sei­te.

Kommentare

Geneviève Morel: Gegensinn des Begehrens des Analytikers — 2 Kommentare

  1. Lie­ber Herr Nemitz!

    Sehr gut, daß Sie Ge­ne­viè­ve Mo­rels Text so gut über­setzt und ver­öf­fent­licht ha­ben; er ist sehr wert­voll, und ich habe ihn nun zwei­mal ge­le­sen.

    Herz­lich aus Ham­burg;
    Eck­hard Rho­de

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