„Ich behaupte, dass es eine Definition des Eigennamens nur in dem Maße geben kann, in dem wir uns das Verhältnis der benennenden Hervorbringung zu etwas klarmachen, das in seiner radikalen Natur zur Ordnung des Buchstabens gehört.“
„Wenn Sie über die Einwirkung der Wiederholung auf die Symptombildung sprechen, dann insofern als das, was sich wiederholt, nicht nur dazu dient, die natürliche Funktion des Zeichens zu erfüllen – das heißt, eine Sache zu repräsentieren, die Sache, die hier aktualisiert werden würde –, sondern um als solches den abwesenden Signifikanten zu präsentifizieren, zu dem dieses Handeln geworden ist. Ich sage: Insofern das Verdrängte ein Signifikant ist, präsentiert sich an seiner Stelle dieser reale Verhaltenszyklus.“
„Was ist das, ein Signifikant? Wenn alle, nicht nur die Logiker, von A sprechen, wenn es um A ist A geht, ist das durchaus kein Zufall, es liegt daran, dass man als Träger für das, was man bezeichnet, einen Buchstaben braucht.“
Beginn der vollständigen Übersetzung von Lacans Identifizierungs-Seminar durch Max Kleiner und Rolf Nemitz
„Das ‚ich denke‘, wenn man es ganz kurz in dieser Form nimmt, ist logisch nicht tragfähiger, nicht belastbarer als das ‚ich lüge‘, das für eine Reihe von Logikern bereits ein Problem darstellte, dieses ‚ich lüge‘, das sich nur aufrechterhält durch das sicherlich leere, aber dennoch haltbare logische Oszillieren, das diesen Anschein von Sinn entfaltet.“ Jacques Lacan
. Jacques Lacan: L’identification / Die Identifizierung Seminar 9 von 1961/62, sechsundzwanzig Sitzungen Übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von Max Kleiner und Rolf Nemitz Die folgenden Sitzungsdaten in blauer Schrift sind Links zur Übersetzung (I) Sitzung vom 15. November 1961 …mehr…
„Das Reale ist das Unmögliche.“ Dieses Theorem entwickelt Lacan zuerst in Seminar 9, Die Identifizierung, von 1961/62.
Übersetzung, Erläuterung und Systematisierung aller einschlägigen Passagen dieses Seminars.
„Die Wirkungen der Artikulation des Scheins – der algebraischen Artikulation, meine ich, und dabei geht es nur um Buchstaben –, das ist der einzige Apparat, mit dessen Hilfe wir bezeichnen, was real ist. Was real ist, ist das, was in diesem Schein ein Loch macht, in diesem artikulierten Schein, der der wissenschaftliche Diskurs ist.“
„Was ich Ihnen heute zeigen will, durch ein Beispiel und mit einem Modell, das ich einführen möchte, ist Folgendes: Es ist nicht notwendig, dass das Subjekt zählen kann, damit man sagen und beweisen kann, mit welcher konstituierenden Notwendigkeit es in seiner Funktion als Subjekt einen Zählfehler begehen wird.“
„Zur Verbindung des Subjekts mit dem einzigen Zug werde ich heute den Schlusspunkt setzen, indem ich Sie daran erinnere, dass die in unserer Erfahrung so wichtige Tatsache, die Freud herausgestellt hat und die er als Narzissmus der kleinen Differenzen bezeichnet, dasselbe ist wie das, was ich die Funktion des unären Zugs nenne. Denn das ist nichts anderes als dies, dass sich, ausgehend von einer kleinen Differenz – insofern sie dasselbe ist wie das große I, das Ichideal – die gesamte narzisstische Orientierung ausrichten kann: das Subjekt, als Träger dieses unären Zugs konstituiert oder nicht.“
„Wenn ich bei der Rückkehr die Spur davon finde, dass versucht wurde, die Spur zu verwischen, oder wenn ich nicht einmal mehr eine Spur dieser Bemühung finde, falls ich deshalb zurückgekommen bin, weil ich weiß, dass ich die Spur zurückgelassen habe, wenn ich also feststelle, dass man die Spur als solche tatsächlich ausgelöscht hat, dann bin ich mir sicher, dass ich es mit einem realen Subjekt zu tun habe.“
„Wir können nicht bewirken, dass irgendetwas, das – in die Atmosphäre des Menschlichen eingesogen, wenn ich mich so ausdrücken darf –, als, wenn man so sagen kann, völlig entbunden vom Namen-des-Vaters betrachtet werden kann, dennoch gilt, dass selbst hier, wo es nur Väter gibt, für welche die Funktion des Vaters, wenn ich mich so ausdrücken darf, reiner Verlust ist – der Nicht-Vater Vater, die verlorene Sache (cause perdue), mit der mein Seminar des letzten Jahres endete –, dennoch gilt, dass selbst hier, abhängig von diesem Verfall, die partikuläre Kategorie im Verhältnis zu einer ersten Lexis beurteilt wird, derjenigen des Namens-des-Vaters.“
„Sollte uns das nicht dazu bringen, dass wir uns fragen, was es damit auf sich hat an diesem radikalen archaischen Punkt, den wir mit aller Notwendigkeit am Ursprung des Unbewussten annehmen müssen, das heißt dessen, wodurch das Subjekt, wenn es spricht, sich in der Kette, im Ablauf der Aussagen (énoncés) immer nur weiter vorwärts bewegen kann, wodurch es jedoch, indem es sich auf das Ausgesagte (les énoncés) richtet, eben dadurch in der Äußerung (énonciation) etwas elidiert, das im strengen Sinne das ist, was es nicht wissen kann, nämlich den Namen dessen, was es als Subjekt der Äußerung ist.“
Freud versteht unter einer „Vorstellungsrepräsentanz“ eine (Trieb-)Repräsentanz, die aus einer Vorstellung besteht. Lacan übersetzt mit représentant de la représentation, also „Repräsentanz der Vorstellung“.
Worauf will er mit diesem Missverständnis hinaus?
Im Juli erschien im August-Verlag ein Vortrag von Lacan aus dem Jahre 1966 mit dem schönen Titel Of structure as an inmixing of an otherness prerequisite to any subject whatever. Hier ein ausführlicher Kommentar.
Die Identifizierung, die sich während des Ödipuskomplexes herstellt, beschränkt sich darauf, dass vom geliebten oder gehassten Objekt ein „einziger Zug“ entlehnt wird, schreibt Freud. Bei Lacan wird aus dem „einzigen Zug“ der trait unaire. Das bedeutet nicht so sehr „einziger Zug“ als vielmehr „einzelner Zug“ oder „unärer Zug“, aber auch „einzelner Strich“. Der Einzelstrich – der Narzissmus der kleinen Differenzen – ist die Grundlage des Ichideals.
Übersetzung sämtlicher Bemerkungen von Lacan zum Thema des Eigennamens in Seminar 9 von 1961/62, Die Identifizierung. Mitsamt einer systematisierenden Zusammenfassung.
„Das Subjekt, um das es geht, das Subjekt, dem wir auf der Spur sind, ist das Subjekt des Begehrens und nicht das Subjekt der Liebe, aus dem einfachen Grund, dass man nicht Subjekt der Liebe ist. Gewöhnlicherweise, normalerweise ist man ihr Opfer, das ist etwas ganz anderes. Mit anderen Worten: Liebe ist eine Naturgewalt.“