Subjekt

Das Verschwinden des Subjekts: Fading, Aphanisis, Urverdrängung

La règle du jeu - Marcel Dalio als Marquis de la CheyniestDie Spiel­re­gel (Frank­reich 1939, Re­gie: Jean Re­noir)
Mar­cel Da­lio als Mar­quis de la Che­yniest bei der Vor­stel­lung des Or­ches­tri­on (Aus­schnitt)

Zwei­te Fas­sung vom 18. Au­gust 2016 (die ers­te Fas­sung wur­de am 16. Juni 2014 ver­öf­fent­licht). Die Än­de­run­gen be­tref­fen vor al­lem den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ver­schwin­den des Sub­jekts und der Ur­ver­drän­gung.

Was ver­steht La­can un­ter Fa­ding, was un­ter Apha­ni­sis, was un­ter dem Ver­schwin­den des Sub­jekts?

Der Be­griff Fa­ding wird von ihm ein­ge­führt in Se­mi­nar 6 von 1958/59, Le dé­sir et son in­ter­pré­ta­ti­on (Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, nicht über­setzt). Im Fol­gen­den über­set­ze und kom­men­tie­re ich die meis­ten Pas­sa­gen, in de­nen La­can in Se­mi­nar 6 vom Ver­schwin­den des Sub­jekts, vom Fa­ding des Sub­jekts und von der Apha­ni­sis des Sub­jekts spricht.

Auf­bau:
– Ich be­gin­ne mit der Ver­or­tung des ver­schwin­den­den Sub­jekts im Gra­phen des Be­geh­rens.
– Es folgt eine knap­pe Dar­stel­lung von La­cans Kri­tik an Jo­nes’ Be­griff der Apha­ni­sis.
– Da­nach er­läu­te­re ich Pas­sa­gen, in de­nen La­can vom Ver­schwin­den des Sub­jekts spricht, ohne dass er da­bei die Ter­mi­ni „Apha­ni­sis“ oder „Fa­ding“ ver­wen­det.
– Es fol­gen die Stel­len, in de­nen La­can den Aus­druck „Apha­ni­sis“ auf, wie er sagt, im­pres­sio­nis­ti­sche Wei­se ver­wen­det, näm­lich im Sin­ne des Zum-Ver­schwin­den-Brin­gens des Phal­lus.
– An­schlie­ßend zi­tie­re und kom­men­tie­re ich sämt­li­che Pas­sa­gen, in de­nen La­can vom Fa­ding des Sub­jekts und von der Apha­ni­sis des Sub­jekts spricht.
– In der „Zu­sam­men­stel­lung der Zu­sam­men­stel­lun­gen“ ver­su­che ich, den Auf­bau der Ar­gu­men­ta­ti­on nach­zu­zeich­nen, eng am Text.
– Es fol­gen ei­ni­ge von La­cans spä­te­ren Er­läu­te­run­gen des Be­griffs.
– Den Ab­schluss bil­det ein un­voll­stän­di­ger Über­blick über die Se­kun­där­li­te­ra­tur zu Fa­ding und Apha­ni­sis.

Zah­len in Klam­mern sind Sei­ten­an­ga­ben; sie be­zie­hen sich auf die von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­ne Ver­si­on von Se­mi­nar 6. Ge­le­gent­lich über­set­ze ich nicht nach die­ser Ver­si­on, son­dern nach Ver­si­on Sta­fer­la; ich wei­se dann dar­auf hin. Drei Punk­te vor ei­nem Zi­tat zei­gen an, dass es an das vor­an­ge­hen­de Zi­tat lü­cken­los an­schließt. Ein Stern­chen nach ei­nem Wort, etwa „Hilf­lo­sig­keit*“ si­gna­li­sie­ren, dass das Wort im Ori­gi­nal deutsch ist. Die Fett­schrei­bung ein­zel­ner Wör­ter ist von mir.

Herz­li­chen Dank an Stef­fen Dietz fürs Kor­rek­tur­le­sen!

In­halt

I. Das verschwindende Subjekt im Graphen des Begehrens

Graf des Begehrens - S6 - $ gelb - Miller S 337Im Gra­phen des Be­geh­rens sieht man oben rechts den Schnitt­punkt für den Code des Un­be­wuss­ten bzw. für den Trieb; er ist mit $◊D be­zeich­net. Oben links, et­was tie­fer, fin­det man die For­mel für das Phan­tas­ma: $◊a.1 Im Auf­satz Die Aus­rich­tung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht gibt La­can die fol­gen­de Le­se­an­lei­tung:

Das Zei­chen ◊ ver­weist auf die Be­zie­hun­gen: Ein­schlie­ßung (en­ve­lopp­pe­ment) – Aus­schlie­ßung (dé­ve­lop­pe­ment) – Kon­junk­ti­on – Dis­junk­ti­on. Die Ver­bin­dun­gen, die es in die­sen bei­den Klam­mern be­deu­tet, er­mög­li­chen es, das durch­ge­stri­che­ne S so zu le­sen: S im Fa­ding im Schnitt des An­spruchs, S im Fa­ding vor dem Ob­jekt des Be­geh­rens. Na­ment­lich: Trieb und Phan­tas­ma.“2

Das aus­ge­stri­che­ne S, also $, ist in bei­den For­meln zu le­sen als „S im Fa­ding“. „S“ steht für „Sub­jekt“, der eng­li­sche Aus­druck fa­ding be­deu­tet „Ver­schwin­den“, das Sym­bol $ meint also: „das Sub­jekt, das da­bei ist, zu ver­schwin­den“. In der ers­ten For­mel steht das im Ver­schwin­den be­grif­fe­ne Sub­jekt im Ver­hält­nis zum An­spruch (D für de­man­de, An­spruch, For­de­rung), in der zwei­ten For­mel be­zieht es sich auf ein ima­gi­nä­res Ob­jekt, a, das zu die­sem Zeit­punkt der Theo­rie­ent­wick­lung, 1958/59, als „Ob­jekt im Be­geh­ren“ be­zeich­net wird.

II. Lacans Kritik an Jones’ Begriff der Aphanisis

La­can ent­wi­ckelt sei­nen Be­griff des Ver­schwin­dens des Sub­jekts in Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Be­griff der Apha­ni­sis, den Er­nest Jo­nes 1928 in die Psy­cho­ana­ly­se ein­ge­führt hat­te.

Er­nest Jo­nes stellt sich fol­gen­de Fra­ge: Wenn das Mäd­chen glaubt, die Kas­tra­ti­on schon er­lit­ten zu ha­ben, wel­ches vor­ge­stell­te zu­künf­ti­ge Er­eig­nis ver­mag dann eine Angst her­vor­zu­ru­fen, die der Kas­tra­ti­ons­angst des Jun­gen an In­ten­si­tät gleich­kommt? Sei­ne Ant­wor­tet lau­tet: „the to­tal, and of cour­se per­ma­nent, extinc­tion of the ca­pa­ci­ty (in­clu­ding op­por­tu­ni­ty) of se­xu­al en­joy­ment”3, „die völ­li­ge und da­mit dau­ern­de Ver­nich­tung der se­xu­el­len Ge­nuss­fä­hig­keit (ein­schließ­lich der Ge­le­gen­heit dazu)“4.

Am Ran­de möch­te ich fest­hal­ten, dass Jo­nes’ For­mu­lie­rung se­xu­al en­joy­ment mög­li­cher­wei­se der Aus­gangs­punkt für La­cans Ver­wen­dung des Aus­drucks  jouis­sance se­xu­el­le ist, „se­xu­el­les Ge­nie­ßen“. Man fin­det die­sen Ter­mi­nus bei La­can erst­mals im Fol­ge­se­mi­nar5, und in Se­mi­nar 13 über­setzt er, ver­ein­facht ge­sagt, se­xu­al en­joy­ment mit „jouis­sance se­xu­el­le„6. Aus­führ­li­che Er­läu­te­run­gen zum „se­xu­el­len Ge­nie­ßen“ fin­det man vor al­lem in Se­mi­nar 13 (Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, 1965/66), in Se­mi­nar 18 (Über ei­nen Dis­kurs, nicht vom Schein wäre, 1971) so­wie in Se­mi­nar 19 (… oder schlim­mer, 1971/72).

Das grie­chi­sche Wort für „Ver­schwin­den“ ist apha­ni­sis und Jo­nes ver­wen­det die­sen Aus­druck; Män­ner wie Frau­en, sagt er, ha­ben Angst vor der Apha­ni­sis ih­rer se­xu­el­len Ge­nuss­fä­hig­keit; dies ist die Angst, die letzt­lich al­len Neu­ro­sen zu­grun­de­liegt. Die größ­te An­nä­he­rung an die­se Angst, die kli­nisch zu­gäng­lich ist, sind, Jo­nes zu­fol­ge, Kas­tra­ti­ons- und To­des­ge­dan­ken. Bei Män­nern äu­ßert sich die Angst vor der Apha­ni­sis der Ge­nuss­fä­hig­keit in der Angst, kas­triert zu wer­den, bei Frau­en in der Angst, ver­las­sen zu wer­den.

Be­reits vor Se­mi­nar 6 hat­te La­can sich auf Jo­nes’ Kon­zept der Apha­ni­sis be­zo­gen, fast im­mer kri­tisch. Da­bei über­setzt er „ca­pa­ci­ty of se­xu­al en­joy­ment“, se­xu­el­le Ge­nuss­fä­hig­keit, mit „dé­sir“, Be­geh­ren; aus der Angst vor der Apha­ni­sis der se­xu­el­len Ge­nuss­fä­hig­keit wird in La­cans Jo­nes-Re­fe­rat also die Angst vor der Apha­ni­sis des Be­geh­rens.7 Vor Se­mi­nar 6 von 1958/59, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung, be­schränkt La­can sich auf knap­pe Hin­wei­se, in Se­mi­nar 6 setzt er sich aus­führ­lich mit Jo­nes’ Be­griff der Apha­ni­sis aus­ein­an­der.8 La­cans Ge­gen­the­se lau­tet: Das, wor­um es beim Kas­tra­ti­ons­kom­plex geht, ist das Ver­schwin­den des Sub­jekts und nicht, wie Jo­nes meint, das Ver­schwin­den des Be­geh­rens.9

La­can ent­wi­ckelt also sei­ne ei­ge­ne Kon­zep­ti­on des Ver­schwin­dens, und dies zu­nächst so, dass er den von Jo­nes in die Psy­cho­ana­ly­se ein­ge­führ­ten Ter­mi­nus „Apha­ni­sis“ Jo­nes über­lässt. Für die Dar­stel­lung sei­ner ei­ge­nen Auf­fas­sung be­dient er sich der in der fran­zö­si­schen Um­gangs­spra­che ge­bräuch­li­chen Aus­drü­cke für das Ver­schwin­den, dis­pa­ri­ti­on bzw. dis­pa­raît­re. Da­ne­ben ver­wen­det er auch éva­nouis­se­ment bzw. éva­nouir oder s’évanouir. Éva­nouis­se­ment meint auch „Ohn­macht“; Freud­le­ser wer­den sich dar­an er­in­nern, dass der vor­über­ge­hen­de Be­wusst­seins­ver­lust zu den Sym­pto­men der klas­si­schen Hys­te­rie ge­hört10; das Ver­schwin­den des Sub­jekts qua éva­nouis­se­ment hat also die Ne­ben­be­deu­tung, dass das Sub­jekt das Be­wusst­sein ver­liert. Im Ver­lauf des Se­mi­nars ad­op­tiert La­can den Ter­mi­nus Apha­ni­sis für sei­ne Zwe­cke, zu­nächst „im­pres­sio­nis­tisch“, wie er sagt, dann führt er ei­nen ei­ge­nen Ter­mi­nus für das Ver­schwin­den des Sub­jekts ein, den des Fa­ding, schließ­lich setzt er das Fa­ding des Sub­jekts mit der Apha­ni­sis des Sub­jekts gleich.

Was also ver­steht La­can un­ter dem Ver­schwin­den des Sub­jekts, un­ter sei­nem Fa­ding, un­ter sei­ner Apha­ni­sis?

III. Das Verschwinden des Subjekts

In die­sem Teil zi­tie­re und er­läu­te­re ich Pas­sa­gen, in de­nen La­can in Se­mi­nar 6 vom Ver­schwin­den des Sub­jekts spricht, ohne sich da­bei der Aus­drü­cke „Apha­ni­sis“ oder „Fa­ding“ zu be­die­nen. Bis zur ers­ten, pro­be­wei­se Über­nah­me des Ter­mi­nus „Apha­ni­sis“ durch La­can  (Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 234) sind die Zi­ta­te voll­stän­dig, da­nach se­lek­tiv.

1. Das Subjekt verschwindet, weil die Antwort auf die Frage „Was will ich?“ der Phallus ist

In der Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958 er­klärt La­can:

Die Si­tua­ti­on des Sub­jekts auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten, so wie sie von Freud ar­ti­ku­liert wird – das bin nicht ich, der das ar­ti­ku­liert, das ist Freud –, be­steht dar­in, dass es nicht weiß, wo­mit es spricht. Es ist also nö­tig, dass man ihm die im ei­gent­li­chen Sin­ne si­gni­fi­kan­ten Ele­men­te sei­nes Dis­kur­ses ent­hüllt. Und es kennt auch nicht die Bot­schaft, die es auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses des Seins re­al­er­wei­se (réel­le­ment) er­reicht – sa­gen wir wahr­haft (vé­ri­ta­ble­ment) er­reicht, wenn Sie wol­len, aber die­ses re­al­er­wei­se leh­ne ich kei­nes­wegs ab.

An­ders aus­ge­drückt, das Sub­jekt kennt nicht die Bot­schaft, die bei ihm an­kommt, die Bot­schaft der Ant­wort auf sei­ne Fra­ge (de­man­de) im Fel­de des­sen, was es will. Aber Sie, Sie ken­nen die Ant­wort be­reits, die wahr­haf­te Ant­wort. Es kann nur eine sein. Das ist näm­lich der­je­ni­ge Si­gni­fi­kant und nichts an­de­res, der spe­zi­ell dazu be­stimmt ist, die Be­zie­hun­gen des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten zu be­zeich­nen. Die­ser Si­gni­fi­kant ist der Phal­lus, ich habe Ih­nen be­reits ge­sagt, war­um.“ (48 f.11)

La­can re­sü­miert sei­ne Be­schrei­bung des Gra­phen des Be­geh­rens. Es geht um die Ebe­ne des Un­be­wuss­ten, um die obe­re Eta­ge des Gra­phen.

Graph des Begehrens mit x

Graph in der Ver­si­on vom 19. No­vem­ber 1958

Das Sub­jekt stellt sich eine Fra­ge. Sie be­zieht sich dar­auf, was es will; das Sub­jekt fragt sich: „Was will ich?“ Es stellt die­se Fra­ge in um­ge­kehr­ter Form, als Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren. Im Gra­phen des Be­geh­rens wird die Fra­ge des Sub­jekts durch die Li­nie Que vuoi? dar­ge­stellt, ita­lie­nisch für „Was willst du?“; die­se Li­nie führt vom Schnitt­punkt un­ten rechts, A, über den Schnitt­punkt oben rechts, ($◊D), zum Schnitt­punkt oben links, X.12

Die­se Fra­ge wird be­wusst ge­stellt. Die Ant­wort je­doch ist un­be­wusst. Sie be­ruht auf ei­nem un­be­wuss­ten Code und be­steht in ei­ner un­be­wuss­ten Bot­schaft.

Da­mit das Sub­jekt die Ant­wort des Un­be­wuss­ten ver­ste­hen kann, ent­hüllt der Ana­ly­ti­ker dem Sub­jekt die Si­gni­fi­kan­ten, aus de­nen der un­be­wuss­te Dis­kurs des Sub­jekts be­steht, das Vo­ka­bu­lar sei­nes Un­be­wuss­ten, den un­be­wuss­ten Code; im Gra­phen des Be­geh­rens ist dies der obe­re rech­te Schnitt­punkt, $◊D.

Auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten er­reicht das Sub­jekt eine Bot­schaft als Ant­wort auf sei­ne Fra­ge, eine Bot­schaft über das, was der An­de­re be­gehrt (und da­mit, was das Sub­jekt be­gehrt, denn das Be­geh­ren des Sub­jekts ist das Be­geh­ren des An­de­ren). Die Bot­schaft des Un­be­wuss­ten wird im Gra­phen des Be­geh­rens durch den obe­ren lin­ken Schnitt­punkt be­zeich­net. Zu die­sem Zeit­punkt der Ent­wick­lung des Gra­phen ist die­ser Punkt mit ei­nem X be­zeich­net13, spä­ter fin­det man hier die Zei­chen­fol­ge S(Ⱥ). Das Sub­jekt kennt die­se Bot­schaft nicht.

Die Bot­schaft des Un­be­wuss­ten ist der Phal­lus-Si­gni­fi­kant. Das Sub­jekt fragt „Was willst du?“ (und auf die­sem Wege „Was will ich?“) und er­hält als Ant­wort den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten. Das, was der An­de­re will, ist: der Phal­lus.

Ex­kurs zum Phal­lus

Die Be­zie­hung zwi­schen dem An­de­ren und dem Phal­lus hat­te La­can zu Be­ginn des­sel­ben Jah­res in dem Auf­satz Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht durch die For­mel der Va­ter­me­tapher dar­ge­stellt14:

\frac {\text {Name-des-Vaters}}{\text {Begehren der Mutter}} \cdot \frac {\text {Begehren der Mutter}}{\text {dem Subjekt signifiziert}} \rightarrow \text {\normalsize {Name-des-Vaters}} \left( \frac {\text {A}}{\text {Phallus}} \right)

Auf der rech­ten Sei­te fin­det man \left( \frac {\text {A}}{\text {Phallus}} \right), zu le­sen als: das, was der oder die An­de­re (A) be­gehrt, ist der Phal­lus. Die Bil­dung der Va­ter­me­tapher (lin­ke Sei­te der For­mel: Er­set­zung des Si­gni­fi­kan­ten „Be­geh­ren der Mut­ter“ durch den Si­gni­fi­kan­ten „Name-des-Va­ters“) hat zum Er­geb­nis, dass der Phal­lus-Si­gni­fi­kant als Si­gni­fi­kant für das Be­geh­ren des An­de­ren in­stal­liert wird (wo­mit es dem Sub­jekt mög­lich wird, die Po­si­ti­on auf­zu­ge­ben, „der Phal­lus zu sein“, das Ob­jekt des Be­geh­rens des An­de­ren).

Der Phal­lus ist also der Si­gni­fi­kant des­sen, was der An­de­re be­gehrt. Er ist au­ßer­dem der Si­gni­fi­kant für die Aus­wir­kun­gen des Si­gni­fi­kan­ten ins­ge­samt, d.h. der Spra­che, auf das Sub­jekt. Die­se The­se hat­te La­can we­ni­ge Mo­na­te zu­vor in dem Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus ent­wi­ckelt. Dort heißt es:

Was sich so in den Be­dürf­nis­sen ent­frem­det fin­det, bil­det eine Ur­ver­drän­gung*, von da­her, dass es, der Hy­po­the­se nach, im An­spruch nicht ar­ti­ku­liert wer­den kann, was aber in ei­nem Ab­kömm­ling er­scheint, der das ist, was sich beim Men­schen als das Be­geh­ren* dar­stellt.„15

La­can fasst hier die Be­zie­hun­gen zwi­schen Be­dürf­nis, An­spruch und Be­geh­ren zu­sam­men, auf de­nen die Kon­struk­ti­on des Gra­phen des Be­geh­rens be­ruht:
– Aus­gangs­punkt sind die Be­dürf­nis­se.
– Be­dürf­ni­se wer­den durch An­sprü­che ar­ti­ku­liert, durch sprach­li­che oder sprach­ar­ti­ge For­de­run­gen.
– Ei­ni­ge Be­stand­tei­le der Be­dürf­nis­se kön­nen durch An­sprü­che nicht ar­ti­ku­liert wer­den. Die­sen Vor­gang nennt La­can mit ei­nem Aus­druck von Freud „Ur­ver­drän­gung“16; ur­ver­drängt sind in La­cans Sicht­wei­se also be­stimm­te Be­dürf­nis­se, und dies in­so­fern, als sie sym­bo­lisch nicht ar­ti­ku­liert wer­den kön­nen.
– Die ur­ver­dräng­ten Be­dürf­nis­se wer­den in ei­nem Ab­kömm­ling ar­ti­ku­liert, im Be­geh­ren.
– Der Phal­lus sym­bo­li­siert die Aus­wir­kun­gen des Si­gni­fi­kan­ten ins­ge­samt auf das Sub­jekt, also das Be­geh­ren und, da­hin­ter lie­gend, die Ur­ver­drän­gung.

Et­was spä­ter heißt es im sel­ben Auf­satz: Die Ein­set­zung des Sub­jekts durch den Si­gni­fi­kan­ten voll­zieht sich in der Wei­se,

dass das, was von die­sem Sein [des Sub­jekts] im Ur­ver­dräng­ten* le­ben­dig ist, sei­nen Si­gni­fi­kan­ten da­durch fin­det, dass es das Kenn­zei­chen der Ver­drän­gung* vom Phal­lus er­hält (wo­durch das Un­be­wuss­te Spra­che ist)„17.

Das Ur­ver­dräng­te ist halb tot, halb le­ben­dig. So­fern es le­ben­dig ist, so­fern es Be­geh­ren ist, fin­det sei­nen Si­gni­fi­kan­ten im Phal­lus.

Kurz nach die­ser Sit­zung von Se­mi­nar 6 wird La­can ei­nen Auf­satz über die Theo­rie der Sym­bo­lik von Er­nest Jo­nes ver­fas­sen. Hier schreibt er:

Von da­her zeigt sich, dass die Ana­ly­se ent­hüllt, dass der Phal­lus die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten des Seins­man­gels (man­que à être) hat, der im Sub­jekt durch sei­ne Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten de­ter­mi­niert wird. Was der Tat­sa­che, dass sämt­li­che Sym­bo­le, auf die die Stu­die von Jo­nes sich be­zieht, phal­li­sche Sym­bo­le sind, ihre Trag­wei­te ver­leiht.“18

Et­was spä­ter heißt es im sel­ben Auf­satz:

Denn der Phal­lus ist, wie wir an an­de­rer Stel­le ge­zeigt ha­ben, der Si­gni­fi­kant eben des Ver­lusts, den das Sub­jekt durch die Zer­stü­cke­lung des Si­gni­fi­kan­ten er­lei­det (…).“[/note]A.a.O., S. 727, Über­set­zung geändert.[/note]

Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des Seins­mngels, der durch die Ein­wir­kung der Spra­che auf das Sub­jekt her­vor­ge­ru­fen wird, da­durch, dass das Sub­jekt durch den Si­gni­fi­kan­ten „zer­stü­ckelt“ wird.

Zu­rück zu Se­mi­nar 6

Die Ant­wort auf die Fra­ge des Sub­jekts nach dem Be­geh­ren des An­de­ren ist, auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten, der Phal­lus – der Phal­lus ist das, was der An­de­ren be­gehrt. Der Phal­lus ist je­doch nicht der Ge­gen­stand des Be­geh­rens des An­de­ren im üb­li­chen Sin­ne, son­dern er ist der Si­gni­fi­kant, der ei­nen Ver­lust sym­bo­li­siert, den­je­ni­gen Ver­lust, den der An­de­re als Ef­fekt der Ein­wir­kung der Spra­che auf den An­de­ren als Sub­jekt er­fah­ren hat, er sym­bo­li­siert das Be­geh­ren als Ab­kömm­ling der Ur­ver­drän­gung.

… „Die­je­ni­gen aber, die das zum ers­ten Mal hö­ren, bit­te ich, das vor­läu­fig zu ak­zep­tie­ren. Da ist nicht das Wich­ti­ge. Das Wich­ti­ge ist, dass das Sub­jekt nicht die Ant­wort ha­ben kann, und zwar des­we­gen nicht, weil die ein­zi­ge Ant­wort der Si­gni­fi­kant ist, der sei­ne Be­zie­hun­gen zum Si­gni­fi­kan­ten be­zeich­net. In dem Maße, in dem es die­se Ant­wort ar­ti­ku­liert, wird das Sub­jekt ver­nich­tet und es ver­schwin­det (dis­pa­raît). Das führt dazu, dass das ein­zi­ge, was es da­von spü­ren kann, eine Dro­hung ist, die sich di­rekt auf den Phal­lus rich­tet, näm­lich die Kas­tra­ti­on oder die­ser Be­griff des Phal­lus­man­gels, der beim ei­nen wie beim an­de­ren Ge­schlecht das ist, wo­mit die Ana­ly­se zu ei­nem Ende ge­langt, wie Freud – ich habe Sie dar­auf hin­ge­wie­sen – es ar­ti­ku­liert hat.“ (49, zwei­ter Satz ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Das Sub­jekt kann die Ant­wort des Un­be­wuss­ten auf die Fra­ge des Sub­jekts nach dem Be­geh­ren des An­de­ren bzw. des Sub­jekts nicht „ha­ben“, es kann sie nicht emp­fan­gen. War­um nicht? Weil die Ant­wort der Phal­lus ist.

Der Phal­lus-Si­gni­fi­kant ist ein Spe­zi­al­si­gni­fi­kant, der sich auf das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten über­haupt be­zieht, auf die Be­zie­hung zur Spra­che, und da­mit auf das Be­geh­ren und die Ur­ver­drän­gung. In dem Maße, in dem das Un­be­wuss­te die­se Ant­wort ar­ti­ku­liert, wird das Sub­jekt ver­nich­tet, es ver­schwin­det. Für die un­an­nehm­ba­re Ant­wort wird von bei­den Ge­schlech­tern ein Er­satz ge­bil­det: die Vor­stel­lung des Phal­lus­man­gels, sei es des dro­hen­den Phal­lus­man­gels (Mann), sei es des be­reits rea­li­sier­ten Phal­lus­man­gels (Frau).

An die­ser Stel­le spricht La­can in Se­mi­nar 6 zum ers­ten Mal vom Ver­schwin­den des Sub­jekts. Ein Syn­onym für „Ver­schwin­den“ ist „Ver­nich­ten“: das Sub­jekt wird ver­nich­tet.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es ei­nen be­stimm­ten Si­gni­fi­kan­ten nicht an­neh­men kann, nicht sub­jek­ti­vie­ren kann, den Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist ein Ver­schwin­den im Ver­hält­nis zur Ebe­ne der Si­gni­fi­kan­ten.

War­um ist die Phal­lus-Bot­schaft für das Sub­jekt un­an­nehm­bar? Of­fen­bar ist es für das Sub­jekt in­ak­zep­ta­bel, nichts an­de­res zu sein als ein durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fe­nes Feh­len.

Das Kon­zept „Ver­schwin­den des Sub­jekts“ be­steht aus den fol­gen­den Schrit­ten:
– Das Sub­jekt stellt die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren („Que vuoi?“).
– Das Sub­jekt er­hält auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten eine Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren: der An­de­re be­gehrt den Phal­lus.
– Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fe­nen Man­gels: des Be­geh­rens und, da­hin­ter, der Ur­ver­drän­gung.
– Das Sub­jekt kann die Phal­lus-Ant­wort nicht an­neh­men.
– In der Nicht-An­nah­me die­ses Si­gni­fi­kan­ten be­steht das Ver­schwin­den des Sub­jekts, sei­ne Ver­nich­tung. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist ein Ver­schwin­den auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne.
– Das Sub­jekt er­setzt sein Ver­schwin­den durch die Vor­stel­lung vom Phal­lus­man­gel..

La­can bringt das Ver­schwin­den des Sub­jekts in ei­nem Zu­sam­men­hang mit dem Phal­lus-Si­gni­fi­kan­ten; es ist of­fen­kun­dig, dass es ihm dar­um geht, den Be­griff der Kas­tra­ti­on theo­re­tisch zu re­kon­stru­ie­ren. Von Jo­nes über­nimmt er die Fra­ge, wel­che Ge­mein­sam­keit Kas­tra­ti­ons­angst und Pe­nis­neid zu­grun­de liegt; von Jo­nes über­nimmt er den Ge­dan­ken, dass es da­bei um ein Ver­schwin­den geht –al­ler­dings nicht um das Ver­schwin­den des Be­geh­rens, son­dern um das Ver­schwin­den des Sub­jekts im Ver­hält­nis zu dem Si­gni­fi­kan­ten, der das Be­geh­ren und die Ur­ver­drän­gung sym­bo­li­siert. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts, so kann man er­schlie­ßen, be­zieht sich letzt­lich auf die Ur­ver­drän­gung.

2. Das Subjekt verschwindet auf der Ebene des Äußerungsvorgangs

Graf dees Begehrens - Seminar 6 - X oben links - Signifikantenlinien grün - Miller SZwei Sit­zun­gen spä­ter, am 3. De­zem­ber 1958, er­läu­tert La­can ein wei­te­res Mal den Gra­phen des Be­geh­rens und dort die bei­den quer von links nach rechts ver­lau­fen­den Li­ni­en (hier grün ge­färbt); die obe­re führt von Dꞌ nach Sꞌ, die un­te­re von D nach S.19

Die Be­zie­hung die­ser bei­den Li­ni­en, die den Pro­zess der Äu­ße­rung be­zie­hungs­wei­se den­je­ni­gen der Aus­sa­ge re­prä­sen­tie­ren, das ist ganz ein­fach, das ist die ge­sam­te Gram­ma­tik. Wenn die Sa­che Sie amü­siert, könn­te ich Ih­nen sa­gen wo und wie, mit wel­chen Ter­mi­ni und wel­chen Ta­bel­len das im Rah­men ei­ner ra­tio­na­len Gram­ma­tik ar­ti­ku­liert wor­den ist. Aber im Au­gen­blick ist das, wo­mit wir es zu tun ha­ben, fol­gen­des: die Ver­drän­gung ist, wenn sie ein­ge­führt wird, we­sent­lich ge­bun­den an die ab­so­lut not­wen­di­ge Er­schei­nung des­sen, dass das Sub­jekt auf der Ebe­ne des Äu­ße­rungs­vor­gangs aus­ge­löscht wird und ver­schwin­det.“ (96)

Im Gra­phen des Be­geh­rens re­prä­sen­tiert die un­te­re Quer­li­nie, D-S, den Pro­zess der Aus­sa­ge (énon­cé), die obe­re Quer­li­nie, Dꞌ-Sꞌ, den Pro­zess der Äu­ße­rung, den Äu­ße­rungs­vor­gang (énon­cia­ti­on). Mit der Aus­sa­ge ist der Satz ge­meint, in­so­fern er eine Ge­samt­be­deu­tung hat, die der Spre­chen­de (so scheint es ihm) mit sei­nem Wil­len kon­trol­liert und die ihm spon­tan zu­gäng­lich ist. Der Äu­ße­rungs­vor­gang ist die Pro­duk­ti­on ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, die den Me­cha­nis­men von Ver­dich­tung und Ver­schie­bung un­ter­wor­fen ist, in La­cans Be­griff­lich­keit: von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie20, in der sich des­halb bei­spiels­wei­se Ver­spre­cher er­eig­nen kön­nen.

Auf der Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Aus­ge­sag­ten und dem Äu­ße­rungs­vor­gang be­ru­hen die Ka­te­go­ri­en der Gram­ma­tik. Bei­spiels­wei­se be­sagt die gram­ma­ti­sche Ver­gan­gen­heit, dass der In­halt der Aus­sa­ge vor dem Vor­gang der Äu­ße­rung zu da­tie­ren ist. Die ra­tio­na­le Gram­ma­tik, in der das ge­zeigt wor­den ist, ist die von Port Roy­al.21

La­cans The­ma ist an die­ser Stel­le aber nicht die Gram­ma­tik, son­dern die Ver­drän­gung, ge­nau­er: die Ent­ste­hung der Ver­drän­gung, die Er­rich­tung des Un­be­wuss­ten.

Freud zu­fol­ge ent­steht die Ver­drän­gung durch die Ur­ver­drän­gung; of­fen­bar ver­sucht La­can hier, den Be­griff der Ur­ver­drän­gung zu re­kon­stru­ie­ren.

Bei der Ein­füh­rung der Ver­drän­gung kommt es not­wen­di­ger­wei­se dazu, dass das Sub­jekt aus­ge­löscht wird, dass es ver­schwin­det, dass es zu ei­nem Feh­len wird. Es ver­schwin­det auf ei­ner be­stimm­ten Ebe­ne, auf der des Äu­ße­rungs­vor­gangs, also auf der Ebe­ne der un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten­ket­te Dꞌ–Sꞌ, d.h. der Si­gni­fi­kan­ten, die im Ver­lauf der „frei­en As­so­zia­ti­on“ über­ra­schend auf­tau­chen. In die­sen Äu­ße­run­gen ist das Sub­jekt aus­ge­löscht. Es gibt ei­nen un­be­wuss­te Si­gni­fi­kan­ten, der, wie Freud sa­gen wür­de, nicht er­in­nert wer­den kann, der ur­ver­drängt ist (bzw. es gibt meh­re­re sol­che Si­gni­fi­kan­ten). Die­ser Si­gni­fi­kant, so führt La­can Freuds The­se fort, ist der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts.

Das Ver­fah­ren der frei­en As­so­zia­ti­on stößt auf eine Gren­ze, und hin­ter die­ser Gren­ze liegt der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts. Hier kommt das Rea­le ins Spiel, denn das Rea­le ist eben dies, dass die Sym­bo­li­sie­rung schei­tert.

3. Das hinter dem Signifikanten verschwindende Subjekt stützt sich auf das Objekt des Begehrens

In der Wo­che dar­auf heißt es: Die Phi­lo­so­phie hat das Sub­jekt im­mer von der Er­kennt­nis­be­zie­hung aus be­grif­fen, als Kor­re­lat des Ob­jekts, als sein Schat­ten, sein Dou­ble. Der we­sent­li­che Schritt, den die Psy­cho­ana­ly­se ge­tan hat, be­steht dar­in, dass für sie das Sub­jekt ein Sub­jekt ist, das spricht. Das aber, wo­durch sich die Be­zie­hun­gen des Sub­jekts zum Ob­jekt voll­stän­dig ver­än­dern, ist das Be­geh­ren.

Es ist die­ses Feld des Be­geh­rens, in dem wir die Be­zie­hun­gen des Sub­jekts zum Ob­jekt zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­chen. Die­se Be­zie­hun­gen sind Be­zie­hun­gen des Be­geh­rens, denn die ana­ly­ti­sche Er­fah­rung lehrt uns, dass es das Feld des Be­geh­rens ist, in dem das Sub­jekt sich zu ar­ti­ku­lie­ren hat. Die Be­zie­hung des Sub­jekts zum Ob­jekt ist kei­ne Be­zie­hung des Be­dürf­nis­ses, es ist eine kom­ple­xe Be­zie­hung, und ge­nau sie ist es, die ich vor Ih­nen zu ar­ti­ku­lie­ren ver­su­che.

Ich wer­de da­mit an­fan­gen, nur schnell dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Ob­jekt nicht das Kor­re­lat und die Ent­spre­chung ei­nes Be­dürf­nis­ses des Sub­jekts sein kann, wenn die Be­zie­hung der Ar­ti­ku­la­ti­on des Sub­jekts im Feld des Be­geh­rens ver­or­tet ist. Das Ob­jekt ist das, wo­durch das Sub­jekt in ge­nau in dem Mo­ment ge­stützt wird, in dem es, wenn man so sa­gen kann, mit sei­ner Exis­tenz kon­fron­tiert ist. Es ist das, wo­durch das Sub­jekt in sei­ner Exis­tenz ge­stützt wird, in sei­ner Exis­tenz im ra­di­kals­ten Sin­ne, ge­ra­de in­so­fern näm­lich, als es in der Spra­che exis­tiert. An­ders ge­sagt, das Ob­jekt be­steht aus et­was, was au­ßer­halb von ihm ist, und was es in sei­ner ei­gent­li­chen Na­tur der Spra­che nur in dem Mo­ment er­fas­sen kann, in dem es sich als Sub­jekt aus­lö­schen muss, ver­ge­hen muss, hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten ver­schwin­den muss, in dem, was, wenn man so sa­gen kann, ge­nau der Punkt der Pa­nik ist, um den her­um das Sub­jekt sich an et­was klam­mern muss. Und wor­an es sich klam­mert, ist ge­nau das Ob­jekt als Ob­jekt des Be­geh­rens.“ (108, letz­ter Satz nach Ver­si­on Sta­fer­la ge­än­dert)

Die Be­zie­hun­gen des Sub­jekts zum Ob­jekt müs­sen im Fel­de des Be­geh­rens ver­or­tet wer­den. Die­ser Be­reich ist ab­zu­gren­zen vom Feld des Be­dürf­nis­ses. Das Ob­jekt ist ein Ob­jekt des Be­geh­rens, es dient nicht der Be­dürf­nis­be­frie­di­gung. Es kann sei­ne Funk­ti­on nur da­durch er­fül­len, dass es dem Sub­jekt, das da­bei ist, zu ver­schwin­den, eine Art Re­prä­sen­tan­ten gibt.

Wenn man die Be­zie­hung zwi­schen dem be­geh­ren­den Sub­jekt und dem Ob­jekt be­grei­fen will, muss man Fol­gen­des zum Aus­gangs­punkt neh­men: Das Sub­jekt „exis­tiert“; sei­ne Exis­tenz (sei­ne Ex-sis­tenz) be­steht dar­in, dass es auf et­was be­zo­gen ist, was ihm äu­ßer­lich ist, auf die Spra­che.

Das Sub­jekt kann sich in sei­ner Exis­tenz, in sei­nem kon­sti­tu­ti­ven Sprach­be­zug nur in dem Mo­ment er­fas­sen, wo es sich als Sub­jekt aus­lö­schen und ver­ge­hen muss, wo es als Sub­jekt ver­schwin­det. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten ver­schwin­det, dass es die­ser Si­gni­fi­kant nicht ist. Hin­ter wel­chem Si­gni­fi­kan­ten?

Der Si­gni­fi­kant, hin­ter dem das Sub­jekt ver­schwin­det, kommt in dem Mo­ment ins Spiel, in dem das Sub­jekt sich in sei­ner Exis­tenz er­fas­sen will, in sei­ner Sprach­ab­hän­gig­keit.

Nach dem Vor­an­ge­hen­den (Ver­si­on Mil­ler, S. 49) ist zu ver­mu­ten, dass der Si­gni­fi­kant, hin­ter dem das Sub­jekt ver­schwin­det, der Phal­lus-Si­gni­fi­kant ist, der das Be­geh­ren und da­hin­ter die Ur­ver­drän­gung sym­bo­li­siert.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten ist mit ei­ner Pa­nik­at­ta­cke ver­bun­den, also mit dem, was Freud als „au­to­ma­ti­sche Angst“ be­zeich­net.22 In den Stu­di­en über Hys­te­rie be­schreibt Freud, dass sol­che Angst­at­ta­cken mit Ohn­machts­an­fäl­len ver­bun­den sein kön­nen23, man könn­te auch sa­gen: mit dem éva­nouis­se­ment des Sub­jekts. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten ist La­cans Re­kon­struk­ti­on des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes; die Pa­nik, von der das Sub­jekt er­fasst wird, ist of­fen­bar die Grund­la­ge des­sen, was als Kas­tra­ti­ons­angst be­zeich­net wird.

In die­sem Mo­ment, zur Ab­wehr der Pa­nik, stützt sich das Sub­jekt auf ein Ob­jekt. Die­ses Ob­jekt ist das Ob­jekt des Be­geh­rens. Das Sub­jekt be­zieht sich auf ein Ob­jekt, um sein Ver­schwin­den auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses er­tra­gen zu kön­nen.

Zu be­ach­ten ist, dass La­can un­ter dem Ob­jekt des Be­geh­rens in die­sem Se­mi­nar nicht das Ob­jekt a ver­steht. Den Be­griff „Ob­jekt a“ gibt es zu die­sem Zeit­punkt noch nicht. Ers­te An­deu­tun­gen fin­det man in den letz­ten Sit­zun­gen die­ses Se­mi­nars, aus­ge­ar­bei­tet wird das Kon­zept in den Se­mi­na­ren 9 (1961/62, Die Iden­ti­fi­zie­rung) und 10 (1962/63, Die Angst).

4. Das Subjekt, das dem Anderen sein Objekt des Begehrens zeigt, verschwindet in der Scham

Um das Ver­schwin­den des Sub­jekts zu ver­deut­li­chen, be­zieht La­can sich we­ni­ge Sät­ze nach der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le auf eine Sze­ne aus dem Film Die Spiel­re­gel (Re­gie: Jean Re­noir, 1939.24

Es gibt in die­sem Film eine Fi­gur, von Da­lio ge­spielt, die Fi­gur ei­nes al­ten Man­nes, wie man sie in ei­nem be­stimm­ten so­zia­len Be­reich auch im Le­ben sieht, aber man darf nicht glau­ben, dass das etwa auf die­sen so­zia­len Be­reich be­schränkt wäre, und die­se Fi­gur ist ein Samm­ler, sie sam­melt Ge­gen­stän­de, spe­zi­el­ler noch me­cha­ni­sche Mu­sik­in­stru­men­te. Wenn Sie sich noch an die­sen Film er­in­nern, ru­fen Sie sich den Mo­ment ins Ge­dächt­nis, in dem Da­lio vor zahl­rei­chem Pu­bli­kum sei­ne letz­te Er­run­gen­schaft ent­hüllt, ei­nen be­son­ders schö­nen Mu­sik­au­to­ma­ten. In die­sem Mo­ment ist die Fi­gur wört­lich in ei­ner Po­si­ti­on, die wir als die der Scham (pu­deur) be­zeich­nen könn­ten und die wir ge­nau so be­zeich­nen müs­sen: er er­rö­tet, er ver­geht (s’efface), er ver­schwin­det (dis­pa­raît), er ist sehr ver­le­gen. Was er ge­zeigt hat, hat er ge­zeigt – aber wie ver­stün­den die­je­ni­gen, die da sind, um zu­zu­schau­en, dass wir ge­nau hier den Os­zil­la­ti­ons­punkt er­fas­sen, der sich auf zu­ge­spitz­te Wei­se ma­ni­fes­tiert in der Lei­den­schaft des Sub­jekts für das Ob­jekt, das er sam­melt? Das ist eine der For­men des Ob­jekts des Be­geh­rens.“ (109, ge­än­dert nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts er­eig­net sich in dem Mo­ment, in dem die von Mar­cel Da­lio ge­spiel­te Fi­gur, der Mar­quis de la Che­yniest, vor sei­nen Gäs­ten ein Ob­jekt sei­nes Be­geh­rens ent­hüllt, ein Or­ches­tri­on.

Das Sub­jekt ver­schwin­det, das meint hier: Es schämt sich. Der Mar­quis wird kei­nes­wegs über­rascht, er hat die Sze­ne ar­ran­giert, er will dem Pu­bli­kum zei­gen, was er be­gehrt und er will sich selbst als Be­geh­ren­den vor­füh­ren. Da­bei über­kommt ihn die Scham.

La­can be­zieht sich hier auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts im Phan­tas­ma. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht hier nicht dar­in, dass in den Äu­ße­run­gen (énon­cia­ti­ons), den „frei­en As­so­zia­tio­nen“ , kein Si­gni­fi­kant des Sub­jekts er­scheint. Im Phan­tas­ma wird das Ver­schwin­den in Sze­ne ge­setzt.

Die Sze­ne, in der der Mar­quis sei­nem Pu­bli­kum das Or­ches­tri­on prä­sen­tiert, ent­spricht der Struk­tur des Phan­tas­mas: Ein Sub­jekt ver­schwin­det: es ver­sinkt vor Scham im Bo­den ($). Es ist ein spre­chen­des Sub­jekt, wo­bei das Spre­chen vom Ima­gi­nä­ren durch­kreuzt wird (◊ als Re­prä­sen­tant des L-Sche­mas). Da­bei be­zieht es sich auf ein be­stimm­tes Ob­jekt, auf ein Samm­ler­stück, auf ein Ob­jekt des Be­geh­rens (a).

In Die Be­deu­tung des Phal­lus hat­te La­can ge­schrie­ben: in dem Mo­ment, in dem in den an­ti­ken Mys­te­ri­en der Phal­lus ent­hüllt wird, er­scheint der Dä­mon der Scham.25 Die Ent­hül­lung des Or­ches­tri­ons ist eine Art Ent­hül­lung des Phal­lus: in die­ser Ent­hül­lung wird das Sub­jekt als Ver­schwin­den­des in­sze­niert.

Spä­ter in Se­mi­nar 6 heißt es über die As­so­zia­tio­nen ei­nes Pa­ti­en­ten zu ei­nem Traum:

Das Sub­jekt ver­schwän­de wört­lich aus Scham vor die­sem an­de­ren, dem Zeu­gen des­sen, was sich er­eig­net.“ (204)

Hier wird die In­stanz be­nannt, die in der Sze­ne aus der Spiel­re­gel die Sze­ne be­ob­ach­tet: der An­de­re als Zeu­ge, un­ter des­sen Blick sich das Ver­schwin­den er­eig­net. Das Sub­jekt in sei­ner Sub­jek­ti­vi­tät (in sei­nem Be­geh­ren) ver­schwin­det un­ter dem Blick des An­de­ren.

Und noch spä­ter in Se­mi­nar 6 sagt La­can über die Scham:

Es geht nicht mehr nur um die Funk­ti­on des Ob­jekts, wie ich Sie für Sie vor zwei Jah­ren zu ar­ti­ku­lie­ren ver­sucht habe, auch nicht um die des Sub­jekts, von der ich Ih­nen in die­sem Jahr zu zei­gen ver­such­te habe, dass sie sich am Schlüs­sel­punkt des Be­geh­rens durch ein Ver­schwin­den (éva­nouis­se­ment) des Sub­jekts aus­zeich­net, in­so­fern die­ses sich zu be­nen­nen hat. Was uns in­ter­es­siert, ist die Kor­re­la­ti­on, die bei­de mit­ein­an­der ver­bin­det.

Sie be­wirkt, dass das Ob­jekt ge­nau die Funk­ti­on hat, den Punkt zu be­zeich­nen, an dem das Sub­jekt sich nicht be­nen­nen kann. In­so­fern ist das Scham­ge­fühl (pu­deur), so möch­te ich sa­gen, die kö­nig­li­che Form des­sen, was sich in den Sym­pto­men als Scham (hon­te) und Ekel (dé­goût) aus­prägt.“ (487 f.)

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts er­eig­net sich in dem Mo­ment, in dem es sich zu be­nen­nen hat und sich nicht be­nen­nen kann, in dem die un­er­war­te­ten Si­gni­fi­kan­ten der „frei­en As­so­zia­ti­on“ bzw. der énon­cia­ti­on, des Äu­ße­rungs­vor­gangs, auf et­was Rea­les sto­ßen. Das Ob­jekt – in Die Spie­gel­re­gel das Or­ches­tri­on – be­zeich­net den Punkt, an dem das Sub­jekt sich nicht be­nen­nen kann, an dem es also ver­schwin­det.

Ei­nen Hin­weis auf das die­ses Rea­le, auf das Sub­jekt als Un­be­nenn­ba­res, als Ver­schwin­den­des, gibt das Scham­ge­fühl. Eine der Er­schei­nungs­for­men des Rea­len in der Kur ist dem­nach die Scham.

(Die Un­ter­schei­dung zwi­schen pu­deur und hon­te, mit der La­can hier ar­bei­tet, ist mir nicht klar, auch nicht, was da­mit ge­meint ist, dass pu­deur die „kö­nig­li­che Form“ von hon­te und dé­gout dar­stellt. Spielt La­can hier auf Freuds For­mu­lie­rung vom Traum als der „Via re­gia“ zur Kennt­nis des Un­be­wuss­ten an26, als Kö­nigs­weg? Will er an­deu­ten, dass nicht nur das Spre­chen, son­dern bis­wei­len auch der Af­fekt ei­nen Weg zum Un­be­wuss­ten zeigt?)

5. Das Verschwinden des Subjekts ist der Nabel des Traums

In der Sit­zung vom 7. Ja­nu­ar 1959 spricht La­can über Sub­jek­te, die zwar nicht im­po­tent sind, die sich aber gleich­wohl vor der Be­frie­di­gung ih­res se­xu­el­len Be­geh­rens fürch­ten. War­um? Etwa des­halb, weil sie das in die Ab­hän­gig­keit von den­je­ni­gen brin­gen könn­te, die ih­nen die Be­frie­di­gung er­mög­li­chen?

Das, was das Sub­jekt fürch­tet, wenn es sich den an­de­ren vor­stellt, ist we­sent­lich nicht, von des­sen Lau­ne ab­hän­gig zu sein, son­dern dass der an­de­re die­se Lau­ne mit ei­nem Zei­chen mar­kiert. Das ist es, was ver­schlei­ert ist. Es gibt kein hin­rei­chen­des Zei­chen für den gu­ten Wil­len des Sub­jekts, au­ßer der Ge­samt­heit der Zei­chen, in de­nen es sei­nen Be­stand hat. In Wahr­heit gibt es kein an­de­res Zei­chen des Sub­jekts als das Zei­chen sei­ner Ab­schaf­fung als Sub­jekt (ab­oli­ti­on de su­jet), die­ses Zei­chen, das $ ge­schrie­ben wird.“ (129 f.)

Das Sub­jekt fürch­tet sich nicht pri­mär vor dem un­be­re­chen­ba­ren Wil­len des an­de­ren und vor der Ab­hän­gig­keit von die­ser Will­kür. Wenn man das Pro­blem so for­mu­liert, setzt man vor­aus, dass das Sub­jekt un­mit­tel­bar mit den Lau­nen des an­de­ren kon­fron­tiert ist. Die­se Un­ter­stel­lung ist falsch.

Die Lau­ne des an­de­ren wird „mit ei­nem Zei­chen mar­kiert“, an­ders ge­sagt: der an­de­re be­kun­det sein Wol­len durch sein Spre­chen und durch sein Ver­hal­ten – durch ei­nen An­spruch, eine For­de­rung, eine Bit­te. Das, wo­vor das Sub­jekt sich fürch­tet, be­zieht sich nicht auf das Wol­len des an­de­ren, son­dern auf die Ver­ba­li­sie­rung die­ses Wol­lens. Das, was der an­de­re sagt, und zwar dar­über, was er will, re­prä­sen­tiert nicht um­stands­los das, was er will. Die Be­fürch­tun­gen des Sub­jekts be­zie­hen sich auf die­se Kluft. Es kann sich nie si­cher sein, ob der an­de­re tat­säch­lich will, was er sagt oder sonst­wie si­gna­li­siert, kurz, ob der an­de­re auf­rich­tig ist (vgl. die­sen Blog­bei­trag). An­ders ge­sagt: das Pro­blem be­steht für das Sub­jekt dar­in, dass der An­de­re in dem, was der An­de­re sagt, nicht re­prä­sen­tiert ist, dass er in dem, was er sagt, ge­wis­ser­ma­ßen ver­schwin­det.

Für das Sub­jekt be­steht das Pro­blem letzt­lich dar­in, dass es kein Zei­chen gibt, das es er­mög­li­chen wür­de, de­fi­ni­tiv zu ent­schei­den, ob der vom An­de­ren be­kun­de­ten Gut­wil­lig­keit tat­säch­lich ein gu­ter Wil­le zu­grun­de liegt. La­can wird die­sen feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten spä­ter in Se­mi­nar 6 als Si­gni­fi­kan­ten des Man­gels im An­de­ren be­zeich­nen, sym­bo­li­siert durch die Zei­chen­fol­ge S(Ⱥ).

Um zu er­ken­nen, ob der an­de­re tat­säch­lich gut­wil­lig ist, muss sich das Sub­jekt auf die Ge­samtheit der Zei­chen be­zie­hen, auf das ge­sam­te Spre­chen und Ver­hal­ten des an­de­ren; die­se Ge­samt­heit ist schwer über­schau­bar und nie ab­ge­schlos­sen.

Dies also ist der Grund, war­um sich, La­can zu­fol­ge, das Sub­jekt vor der Be­frie­di­gung sei­nes Be­geh­rens fürch­tet: weil es sich nie si­cher sein kann, ob der an­de­re meint, was er sagt, ob die an­de­re be­gehrt, was sie be­an­sprucht, wor­um sie bit­tet.

Zwi­schen dem, was der An­de­re will (was er be­gehrt) und dem, was er sagt, was er will (was er be­an­sprucht, for­dert, er­bit­tet), gibt es eine Kluft, und da­mit ist der An­de­re ein Sub­jekt, ein von den Ef­fek­ten des Spre­chens ge­präg­tes We­sen, das heißt: ein We­sen, das in die­sem Spre­chen fehlt.

La­can geht dann von der Sei­te des An­de­ren zu der des Sub­jekts über. Das Zei­chen des Sub­jekts ist das sei­ner Ab­schaf­fung als Sub­jekt. Das Sym­bol $ soll so ge­le­sen wer­den: S steht für Sub­jekt, die Durch­strei­chung für die Ab­schaf­fung des Sub­jekts.

Der um­stands­lo­se Über­gang vom Man­gel im An­de­ren zur Ab­schaf­fung des Sub­jekts si­gna­li­siert, dass für La­can bei­de Kon­zep­te in en­gem Zu­sam­men­hang ste­hen. Durch die Be­zie­hung zum Man­gel im An­de­ren hat das Sub­jekt ei­nen Zu­gang zu sich selbst, in­so­fern es ab­ge­schafft ist, in­so­fern es auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne ver­schwin­det. Auf die­ser Ver­bin­dung zwi­schen S(Ⱥ) und $ be­ruht die Kon­struk­ti­on des Gra­phen des Be­geh­rens.

… „Das zeigt Ih­nen ins­ge­samt, dass der Mensch, was sein Be­geh­ren be­trifft, nicht wahr ist, weil die Si­tua­ti­on ihm ra­di­kal ent­geht, wie we­nig oder viel Mut er auch auf­bringt. In Ge­gen­wart des Ob­jekts a gibt es das Ver­schwin­den (éva­nouis­se­ment) des Sub­jekts. Das, was ich Sie in mei­nem letz­ten Se­mi­nar dies­be­züg­lich spü­ren las­sen woll­te, hat je­mand, der da­nach mit mir sprach, so ge­nannt: eine Um­bi­li­ka­ti­on des Sub­jekts auf der Ebe­ne sei­nes Wol­lens, ein Bild, das ich ganz be­wusst auf­grei­fe, zu­mal es mit dem, was Freud be­zeich­net, wenn er vom Traum spricht, streng über­ein­stimmt.“ (130)

Was das Be­geh­ren an­geht, ist der Mensch nicht wahr. Das Be­geh­ren wird im Spre­chen ar­ti­ku­liert und die Be­zie­hung zwi­schen dem Be­geh­ren und dem Spre­chen ist kei­ne un­pro­ble­ma­ti­sche Re­prä­sen­ta­ti­on, das Be­geh­ren wird durch das Spre­chen (durch den An­spruch) nicht ein­fach über­setzt.

Das Pro­blem be­steht nicht pri­mär dar­in, dass das Sub­jekt, was sein Be­geh­ren an­geht, lü­gen kann, son­dern dass ihm die Si­tua­ti­on ent­geht, un­ab­hän­gig da­von, wie viel Mut es auf­bringt, um sein Be­geh­ren zu ar­ti­ku­lie­ren. Das Be­geh­ren ist un­be­wusst, das Sub­jekt weiß nicht, was es be­gehrt. Für das Sub­jekt stellt sich das an­ders dar: es reißt all sei­nen Mut zu­sam­men und sagt dem An­de­ren, was es be­gehrt – es ist ehr­lich. Aber die­se Auf­rich­tig­keit ist eine Il­lu­si­on, mit der sich das Sub­jekt dar­über hin­weg­täuscht, dass das Be­geh­ren kon­sti­tu­tiv jen­seits des­sen ist, was es sa­gen kann.

La­can geht zum Phan­tas­ma über, sym­bo­li­siert durch die For­mel $◊a, das aus­ge­stri­che­ne Sub­jekt ($) in Ge­gen­wart von (◊) dem Ob­jekt des Be­geh­rens (a).

Das durch­ge­stri­che­ne S steht für das Ver­schwin­den des Sub­jekts.

La­can er­läu­tert das Ver­schwin­den des Sub­jekts mit ei­nem Aus­druck, den ei­ner sei­ner Hö­rer ver­wen­det hat­te. Der of­fen­bar me­di­zi­nisch ge­bil­de­te Teil­neh­mer hat­te von der „Um­bi­li­ka­ti­on“ des Sub­jekts auf der Ebe­ne sei­nes Wol­lens ge­spro­chen, von der Na­bel­bil­dung in Be­zug auf das Be­geh­ren.27

La­can er­kennt dar­in eine An­spie­lung auf eine von Freud ge­brauch­te Me­ta­pher, auf des­sen Rede vom „Na­bel des Traums“.

… „Der Na­bel des Traums ist der Punkt, in dem alle Si­gni­fi­kan­ten letzt­lich zu­sam­men­lau­fen und in den der Träu­mer sich so ver­wi­ckelt hat, dass Freud ihn das Un­er­kann­te nennt. Er selbst hat nicht er­kannt, wor­um es bei die­sem Un­er­kann­ten* geht28, aus sei­ner Fe­der stammt ein sehr merk­wür­di­ger Ter­mi­nus, der die ra­di­ka­le Be­son­der­heit des Un­be­wuss­ten aus­macht, das er ent­deckt hat. Ich habe be­reits ver­sucht, Sie dar­auf hin­zu­wei­sen, dass das Freud­sche Un­be­wuss­te als Un­be­wuss­tes sich nicht bil­det, sich nicht er­rich­tet in der ein­fa­chen Di­men­si­on der Un­schuld des Sub­jekts im Ver­hält­nis zum Si­gni­fi­kan­ten, der an sei­ner Stel­le or­ga­ni­siert wird, ar­ti­ku­liert wird, denn in der Be­zie­hung des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten gibt es eine we­sent­li­che Sack­gas­se. Das habe ich zu re­for­mu­lie­ren ver­sucht, als ich sag­te, dass es kein an­de­res Zei­chen des Sub­jekts gibt als das Zei­chen sei­ner Ab­schaf­fung als Sub­jekt.“ (130)

In Freuds Traum­deu­tung kann man le­sen: „Je­der Traum hat min­des­tens eine Stel­le, an wel­cher er un­er­gründ­lich ist, gleich­sam ei­nen Na­bel, durch den er mit dem Un­er­kann­ten zu­sam­men­hängt.“29 Und: „In den best­ge­deu­te­ten Träu­men muss man oft eine Stel­le im Dun­kel las­sen, weil man bei der Deu­tung merkt, dass dort ein Knäu­el von Traum­ge­dan­ken an­hebt, der sich nicht ent­wir­ren will, aber auch zum Traum­in­halt kei­ne wei­te­ren Bei­trä­ge ge­lie­fert hat. Dies ist dann der Na­bel des Traums, die Stel­le, an der er dem Un­er­kann­ten auf­sitzt.“30

Der Na­bel des Traums ist der Punkt, an dem die As­so­zia­tio­nen, die Traum­ge­dan­ken, die Si­gni­fi­kan­ten zu­sam­men­lau­fen, der aber selbst kein Si­gni­fi­kant ist, son­dern ein un­be­setz­ter Punkt der Kon­ver­genz.

Die­se Leer­stel­le sitzt dem Un­er­kann­ten auf, sagt Freud, al­ler­dings hat Freud – La­can zu­fol­ge – nicht be­grif­fen, was es mit dem Un­er­kann­ten auf sich hat.

Da­bei ist der Be­zug des Un­be­wuss­ten auf das Un­er­kann­te ge­nau das, wor­in sich die Freud­sche Kon­zep­ti­on des Un­be­wuss­ten von an­de­ren Auf­fas­sun­gen des Un­be­wuss­ten un­ter­schei­det.

Das Un­be­wuss­te ist für La­can ein Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rat. Die Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten re­prä­sen­tie­ren kei­nes­wegs glatt das Sub­jekt, sie fun­gie­ren nicht als das, was vom Sub­jekt ge­äu­ßert wird. Viel­mehr gibt es in der Be­zie­hung zwi­schen dem Sub­jekt und den Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten ein we­sent­li­ches Nicht­funk­tio­nie­ren. Wie be­reits zi­tiert: Das Sub­jekt ver­schwin­det auf der Ebe­ne der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on), es kann die Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses nicht als die sei­nen an­neh­men.31 Die Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses sind An­sprü­che, sym­bo­lisch ar­ti­ku­lier­te For­de­run­gen; das Sub­jekt wird in die­sem For­de­run­gen sy­te­ma­tisch ver­fehlt.

Eben dies meint der Satz „Es gibt kein an­de­res Zei­chen des Sub­jekts als das Zei­chen sei­ner Ab­schaf­fung als Subjekt“:Von den Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten wird das Sub­jekt in­so­fern re­prä­sen­tiert, als es von ih­nen ab­ge­schafft wird, als es das ist, was in ih­nen fehlt. Das Un­be­wuss­te ist nicht das Sub­jekt.

In Se­mi­nar 1 hat­te La­can er­klärt: Der Na­bel des Traums steht im Ge­gen­satz zur Welt des Sinns, er ma­ni­fes­tiert sich im Nicht-Sinn.32

In Se­mi­nar 2 hat­te es ge­hei­ßen:
– Der Na­bel des Traums be­zieht sich auf das Sein des Sub­jekts.33
– Der Na­bel des Traums be­zieht sich auf das Auf­tau­chen der Be­zie­hung des Sub­jekts zum Sym­bo­li­schen.34
– Der Na­bel des Traums steht in Be­zie­hung zum Rea­len jen­seits al­ler Ver­mitt­lun­gen ima­gi­nä­rer und sym­bo­li­scher Art.35

In Se­mi­nar 6 wird La­can spä­ter sa­gen:

Die Trau­er traf zu­sam­men mit ei­ner we­sent­li­chen Kluft, der grö­ße­ren sym­bo­li­schen Kluft, dem sym­bo­li­schen Man­gel, ins­ge­samt dem Punkt X, von dem der ‚Na­bel des Traums‘, den Freud ir­gend­wo evo­ziert, nur die psy­cho­lo­gi­sche Ent­spre­chung ist.“ (402)

Der Na­bel des Traums be­ruht auf ei­ner Kluft im Sym­bo­li­schen, ei­nem Man­gel im An­de­ren; die Un­ent­wirr­bar­keit be­stimm­ter Traum­ge­dan­ken – der Na­bel des Traums – ist die psy­cho­lo­gi­sche Ent­spre­chung zu die­sem struk­tu­rel­len Man­gel.

Dem­nach ist das un­ter­schei­den­de Merk­mal des Freud­schen Un­be­wuss­ten, dass es aus Si­gni­fi­kan­ten be­steht, die sich um et­was Rea­les dre­hen, um et­was Nicht-Sym­bo­li­sier­ba­res und Nicht-Ima­gi­nier­ba­res. Die­ses Rea­le ist das Ur­ver­dräng­te, und das Ur­ver­dräng­te ist das Sub­jekt.

6. Das Verschwinden des Subjekts ist die Synkope eines Signifikanten

Sit­zung vom 28. Ja­nu­ar 1959. The­ma ist die For­mel für das Phan­tas­ma, $◊a.

Das Sub­jekt, in­so­fern es da­bei ist zu ver­schwin­den (éva­nouis­sant), in­so­fern es ver­schwin­det in ei­ner be­stimm­ten Be­zie­hung zu ei­nem aus­ge­wähl­ten Ob­jekt – das ist die Be­zie­hung, die ich Ih­nen mit dem Phan­tas­ma be­zeich­ne. Das Phan­tas­ma hat im­mer die­se Struk­tur. Es ist nicht ein­fach Ob­jekt­be­zie­hung. Es ist et­was Ein­schnei­den­des. Es ist ein be­stimm­tes Ver­schwin­den, eine be­stimm­te Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe des Sub­jekts (syn­cope si­gni­fi­an­te du su­jet) in Ge­gen­wart ei­nes Ob­jekts.“ (209)

Un­ter ei­ner Syn­ko­pe ver­steht man in der Lin­gu­is­tik das Aus­fal­len ei­nes un­be­ton­ten Vo­kals im In­ne­ren ei­nes Wor­tes, z. B. „die And­re“ statt „die An­de­re“. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist eine Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe, das Sub­jekt ver­schwin­det in­so­fern, als ein be­stimm­ter Si­gni­fi­kant aus­fällt – der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts. Die­ser Si­gni­fi­kant fällt nicht zu­fäl­lig aus, son­dern not­wen­di­ger­wei­se: es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts.

Das Phan­tas­ma ist „ein­schnei­dend“, das könn­te hei­ßen: es steht in Be­zie­hung zu dem, was La­can den Schnitt nennt, zum In­ter­vall zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten. In der For­mel für das Phan­tas­ma ist die Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe des Sub­jekts ($) in Ge­gen­wart von (◊) ei­nem Ob­jekt (a).

7. Mit dem Verschwinden des Subjekts erscheint der Phallus in seiner formalen Funktion

La­can kom­men­tiert den Schluss von Ham­let, die Sze­ne, in der sich der Prinz mit La­er­tes du­el­liert. Für Ham­let ist La­er­tes der Ri­va­le; im Gra­phen des Be­geh­rens wird die­se Po­si­ti­on durch das Sym­bol i(a) dar­ge­stellt. Ham­let hat sei­ne Ori­en­tie­rung ver­lo­ren; erst die Be­geg­nung mit dem Dop­pel­gän­ger, also mit La­er­tes, ge­stat­tet es ihm, eben­falls ein Mensch / ein Mann zu sein, zu­min­dest ei­nen Mo­ment lang.

Die­se Re­mo­del­lie­rung ist hier nur eine Kon­se­quenz, nicht ein Aus­gangs­punkt. Ich will sa­gen, dies ist die Kon­se­quenz des­sen, was sich in der Si­tua­ti­on ma­ni­fes­tiert, näm­lich die Po­si­ti­on des Sub­jekts in Ge­gen­wart des an­de­ren als Ob­jekt des Be­geh­rens. Die Ge­gen­wart des Phal­lus ist die­sem Ob­jekt im­ma­nent. Der Phal­lus wird in sei­ner for­ma­len Funk­ti­on nur er­schei­nen kön­nen mit dem Hinscheiden/Ver­schwin­den (dis­pa­ri­ti­on) des Sub­jekts selbst.“ (394)

Ham­lets Be­zie­hung zu La­er­tes, zu sei­nem Ide­al-Ich, ist nur die Kon­se­quenz sei­ner Be­zie­hung zu Ophe­lia, zum Ob­jekt sei­nes Be­geh­rens. Dem Ob­jekt des Be­geh­rens ist die Ge­gen­wart des Phal­lus im­ma­nent. Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des Man­gels, er re­prä­sen­tiert das, was dem An­de­ren fehlt und er­mög­licht es so dem Sub­jekt, den Ver­lust zu sym­bo­li­sie­ren, den es durch die Un­ter­ord­nung un­ter die Spra­che er­lit­ten hat (ge­nau­er: das Sub­jekt ist nichts an­de­res als die­ser Ver­lust). Das Ob­jekt des Be­geh­rens ist ein Er­satz, es dient der Ab­wehr und der Kom­pen­sa­ti­on die­ses Ver­lusts und in­so­fern ist ihm der Phal­lus im­ma­nent.

Nach der Be­geg­nung mit dem Geist des Va­ters hat­te Ham­let das In­ter­es­se an Ophe­lia ver­lo­ren. Zum Ob­jekt sei­nes Be­geh­rens wird sie erst dann wie­der, als sie tot ist, un­wie­der­bring­lich ver­lo­ren. In­so­fern ent­hält sie die Ge­gen­wart des Phal­lus, des Si­gni­fi­kan­ten, der an­zeigt, dass dem Sub­jekt et­was un­auf­heb­bar fehlt.

Der Phal­lus ist Ophe­lia nur im­ma­nent; am Ende der Tra­gö­die wird er in sei­ner for­ma­len Funk­ti­on aber auch er­schei­nen, in der Funk­ti­on, das Sub­jekt als ein (durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fe­nes) Feh­len an­zu­zei­gen. Der Phal­lus er­scheint hier als foil, als Ra­pier, mit dem Ham­let den Mör­der sei­nes Va­ters, Clau­di­us, tö­ten wird und mit dem er zu­gleich selbst ge­tö­tet wer­den wird. Die­ses Ra­pier ist der töd­li­che Phal­lus, mit dem Ham­let sich iden­ti­fi­zie­ren wird.

Der Phal­lus er­scheint in sei­ner for­ma­len Funk­ti­on mit der dis­pa­ri­ti­on des Sub­jekts, mit Ham­lets Hin­schei­den, sei­nem Ster­ben. Eine der For­men, in de­nen sich das Ver­schwin­den des Sub­jekts ma­ni­fes­tiert, ist of­fen­bar das „Ster­ben“ auf­grund der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem töd­li­chen Phal­lus.

Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant des Be­geh­rens und der da­hin­ter­lie­gen­den Ur­ver­drän­gung. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht in der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Si­gni­fi­kan­ten des Be­geh­rens und da­mit der Ur­ver­drän­gung.

La­can be­zieht sich hier mög­li­cher­wei­se auf Freuds Er­läu­te­run­gen zum Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes.36 Im Kon­flikt zwi­schen dem nar­ziss­ti­schen In­ter­es­se am Pe­nis und der li­bi­di­nö­sen Be­set­zung der el­ter­li­chen Ob­jek­te ent­schei­det sich der Jun­ge für die Ret­tung des Or­gans (er iden­ti­fi­ziert sich mit dem Phal­lus), dies führt zur Un­ter­drü­ckung der Trieb­re­gun­gen und zum Über­gang in die La­tenz­pha­se (die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Phal­lus ist „töd­lich“).

8. Auf der Ebene der Kastration erscheint das Subjekt in einer Signifikantensynkope

Spä­ter im Se­mi­nar heißt es:

Die drei For­men, in de­nen das Sub­jekt auf der Ebe­ne der drei Ter­mi­ni er­scheint, Kas­tra­ti­on, Frus­tra­ti­on und Pri­va­ti­on, wir kön­nen sie durch­aus alle als ent­frem­det be­zeich­nen, je­doch un­ter der Vor­aus­set­zung, die­ser Ent­frem­dung eine Ar­ti­ku­la­ti­on zu ge­ben, die sich in den drei Fäl­len spür­bar un­ter­schei­det, die spür­bar ver­schie­den­ar­tig ist. Auf der Ebe­ne der Kas­tra­ti­on er­scheint das Sub­jekt in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe. Das ist et­was an­de­res als wenn es auf der Ebe­ne der Frus­tra­ti­on als dem Ge­setz al­ler un­ter­wor­fen er­scheint, dem des An­de­ren. Und wie­der et­was an­de­res ist es, wenn es sich selbst im Be­geh­ren zu ver­or­ten hat.“ (414)

Auf der Ebe­ne der Kas­tra­ti­on er­scheint das Sub­jekt in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe, im Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten.

Zu­vor hat­te La­can er­klärt: Das Phan­tas­ma ist die Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe des Sub­jekts in Ge­gen­wart ei­nes Ob­jekts, und er hat­te die Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe des Sub­jekts mit dem Ver­schwin­den des Sub­jekts gleich­ge­setzt (209). Dem­nach steht in der For­mel des Phan­tas­mas, $◊a, das Sym­bol $ für das Ver­schwin­den des Sub­jekts; das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts gibt, dass beim Zu­ta­ge­för­dern der Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten durch „freie As­so­zia­ti­on“ kein Si­gni­fi­kant des Sub­jekts ans Licht kommt.

La­can nimmt die Fra­ge von Er­nest Jo­nes auf: Wel­ches ge­mein­sa­me Pro­blem liegt bei bei­den Ge­schlech­tern dem Kas­tra­ti­ons­kom­plex zu­grun­de? La­cans Ant­wort lau­tet: Beim Kas­tra­ti­ons­kom­plex geht es, wie Jo­nes rich­tig sagt, um das Ver­schwin­den, al­ler­dings nicht, wie Jo­nes meint, um das Ver­schwin­den des Be­geh­rens, son­dern um das Ver­schwin­den des Sub­jekts. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht im Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten, dar­in, dass es im Dis­kurs des Un­be­wuss­ten kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts gibt. Die Kas­tra­ti­on be­ruht auf der Ur­ver­drän­gung als ei­ner der For­men des Rea­len.

9. Das Subjekt verschwindet, da es im Unbewussten keinen Signifikanten gibt, mit dem das Subjekt sich als Sprecher des unbewussten Diskurses bezeichnen könnte

In der Sit­zung vom 13. Mai 1959 er­läu­tert La­can die For­mel des Phan­tas­mas, $◊a37:

Sie ha­ben mich die Din­ge be­reits hin­rei­chend weit ar­ti­ku­lie­ren ge­hört, um, so den­ke ich, kei­nes­wegs er­staunt zu sein, aus der Bahn ge­wor­fen zu wer­den, über­rascht zu sein, wenn ich be­haup­te, dass das Ob­jekt a zu­nächst de­fi­niert wird als Stüt­ze, die das Sub­jekt sich gibt, in­so­fern es schwach wird (dé­fail­le) … Hier wol­len wir ei­nen Mo­ment lang in­ne­hal­ten und an­fan­gen, et­was An­nä­hern­des zu sa­gen, da­mit das zu Ih­nen spricht, in­so­fern es in sei­ner Sub­jekt­ge­wiss­heit schwach wird. Und dann ver­bes­se­re ich mich, um Ih­nen den ge­nau­en Ter­mi­nus zu ge­ben, der aber zu we­nig zur An­schau­ung spricht, so dass ich kei­ne Angst habe, ihn Ih­nen zu­nächst zu ge­ben, in­so­fern es in sei­ner Sub­jekt­de­si­gna­ti­on schwach wird.38

Das Ob­jekt a im Phan­tas­ma lie­fert dem Sub­jekt eine Stüt­ze in ei­nem be­stimm­ten Mo­ment: in dem Au­gen­blick, in dem das Sub­jekt schwach wird, in dem es ei­nen Schwä­che­an­fall er­lei­det.

Das Sub­jekt schwin­det in sei­ner certi­tu­de de su­jet, in sei­ner Sub­jekt­ge­wiss­heit. Der Be­griff ver­weist auf die car­te­si­sche Pro­ble­ma­tik, auf die Su­che nach Ge­wiss­heit. Das Sub­jekt stellt die Fra­ge „Was bin ich?“ (in der Form „Was willst du?“), es sucht Ge­wiss­heit dar­über, was sei­ne Sub­jek­ti­vi­tät aus­macht, jen­seits der An­pas­sung an den Code. Die­se Ge­wiss­heit kann nicht er­reicht wer­den. Das Sub­jekt er­lei­det in­so­fern ei­nen Schwä­che­an­fall, als sei­ne Selbst­ge­wiss­heit schwin­det.

Das ist nur eine An­nä­he­rung, ar­ti­ku­liert mit dem car­te­si­schen Be­griff der Ge­wiss­heit. Rich­ti­ger ist es zu sa­gen: Das Sub­jekt schwin­det in sei­ner dé­si­gna­ti­on de su­jet, in sei­ner Sub­jekt­be­zeich­nung, in sei­ner Selbst­be­zeich­nung als Sub­jekt; es ver­schwin­det in­so­fern, als es sich nicht als Sub­jekt be­zeich­nen kann. Das Pro­blem, um das es geht, ist nicht ei­nes des Be­wusst­seins, son­dern des Spre­chens. Das Pro­blem des Sub­jekts be­steht dar­in, sich (im Rah­men ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur) zu de­si­gnie­ren, sich zu be­zeich­nen.

… „Denn das, wor­um es geht, be­ruht gänz­lich auf dem, was im An­de­ren ge­schieht, in­so­fern er für das Sub­jekt der Ort sei­nes Be­geh­rens ist. Nun, im An­de­ren – in die­sem Dis­kurs des An­dern, der das Un­be­wuss­te ist – fehlt dem Sub­jekt et­was. Wir wer­den so­fort dar­auf zu­rück­kom­men, wir wer­den so oft dar­auf zu­rück­kom­men wie nö­tig, wir wer­den bis zum Schluss dar­auf zu­rück­kom­men.“ (434 f.)

Das, was be­zeich­net wer­den soll, ist das Be­geh­ren des Sub­jekts. Das Be­geh­ren des Sub­jekts soll durch die Er­kun­dung des Un­be­wuss­ten be­zeich­net wer­den, des An­de­ren (das Un­be­wuss­te ist der Dis­kurs des An­de­ren). In die­sem Dis­kurs des An­de­ren – im Un­be­wuss­ten – fehlt dem Sub­jekt et­was.

… „Durch eben die Struk­tur, die die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren als Ort des Spre­chens eta­bliert, fehlt et­was auf der Ebe­ne des An­de­ren. Das, was hier fehlt, ist ge­nau das, was es dem Sub­jekt er­mög­li­chen wür­de, sich hier ge­nau als das Sub­jekt des Dis­kur­ses, den es hält, zu iden­ti­fi­zie­ren. Im Ge­gen­teil, in­so­fern die­ser Dis­kurs der Dis­kurs des Un­be­wuss­ten ist, ver­schwin­det hier das Sub­jekt.“ (435)

Der An­de­re ist für das Sub­jekt der Ort des Spre­chens. Das Spre­chen, um das es hier geht, ist die énon­cia­ti­on, die freie As­so­zia­ti­on, dar­in etwa ein Ver­spre­cher. Die­ses Spre­chen wird auf ei­nen Ort be­zo­gen, „das Un­be­wuss­te“ ge­nannt.

Im Un­be­wuss­ten als Ort des An­de­ren fehlt ein be­stimm­tes Ele­ment, ein Si­gni­fi­kant, mit dem das Sub­jekt sich selbst be­zeich­nen könn­te, sich als Sub­jekt des Dis­kur­ses iden­ti­fi­zie­ren könn­te.

Be­zo­gen auf das be­wuss­te Spre­chen – also die un­te­re Eta­ge des Gra­phen des Be­geh­rens – gibt es ein sol­ches Ele­ment, das Per­so­nal­pro­no­men der ers­ten Per­son Sin­gu­lar, „ich“; mit ihm iden­ti­fi­ziert sich das Sub­jekt als Sub­jekt des be­wuss­ten Dis­kur­ses (vgl. 436), als Sub­jekt der Aus­sa­ge. Auf der Ebe­ne des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses fehlt ein sol­ches Ele­ment, die­ser Dis­kurs ist so be­schaf­fen, dass das Sub­jekt hier zu sei­nen Äu­ße­run­gen nicht „ich“ sa­gen kann.

Die Fra­ge nach den im Un­be­wuss­ten feh­len­den Ele­men­ten hat­te Freud stän­dig be­schäf­tigt: im Un­be­wuss­ten, sagt er, fehlt die Ne­ga­ti­on, die Ge­schlechts­dif­fe­renz, die Vor­stel­lung des ei­ge­nen To­des. La­can fügt die­ser Lis­te ein Ele­ment hin­zu: das Un­be­wuss­te ist ein Dis­kurs, der da­durch cha­rak­te­ri­siert ist, dass in ihm ein Si­gni­fi­kant fehlt, der es dem Sub­jekt er­mög­li­chen wür­de, sich als Spre­cher die­ses Dis­kur­ses zu iden­ti­fi­zie­ren (wes­we­gen die­ser Dis­kurs „un“-bewusst ist). In­so­fern ver­schwin­det hier das Sub­jekt. Das Sub­jekt ist ein Feh­len, ein Man­gel; es fehlt im Un­be­wuss­ten.

Et­was ist ur­ver­drängt (also real), d.h. kann durch freie As­so­zia­ti­on nicht ans Licht ge­bracht wer­den, und La­can zu­fol­ge ist das, was ur­ver­drängt ist, der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts.

10. Systematisierende Zusammenstellung

Wie Er­nest Jo­nes geht es La­can dar­um, den un­be­wuss­ten Kas­tra­ti­ons­kom­plex theo­re­tisch zu re­kon­stru­ie­ren (vgl. 49, 394, 414). Mit Jo­nes fragt er sich, was der Kas­tra­ti­ons­angst des Man­nes und dem Pe­nis­neid der Frau zu­grun­de liegt, und mit Jo­nes lau­tet sei­ne Ant­wort: die Angst an­ge­sichts ei­nes Ver­schwin­dens.

Da­bei geht es für La­can al­ler­dings nicht, wie für Jo­nes, um das Ver­schwin­den des Be­geh­rens, son­dern um das Ver­schwin­den des Sub­jekts (vgl. 501).

Das Sub­jekt fragt sich „Was will ich?“ (in der Form der vom An­de­ren kom­men­den oder an den An­de­ren ge­rich­te­ten Fra­ge „Was willst du?“) (vgl. 48 f.).

Die Ant­wort ist der Phal­lus-Si­gni­fi­kant (vgl. 48 f.). Der Phal­lus-Si­gni­fi­kant ist der Si­gni­fi­kant des Be­geh­rens des An­de­ren. Die­ser Si­gni­fi­kant sym­bo­li­siert die Wir­kung der Spra­che auf das Sub­jekt: die Ur­ver­drän­gung und, als de­ren Ab­kömm­ling, das Be­geh­ren.

Die­se Ant­wort führt dazu, dass das Sub­jekt ver­schwin­det. Es ver­schwin­det auf der Ebe­ne des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses, des Äu­ße­rungs­vor­gangs (énon­cia­ti­on), d.h. auf der Ebe­ne der über­ra­schen­den Si­gni­fi­kan­ten bei „frei­er As­so­zia­ti­on“. Un­ter die­sen Si­gni­fi­kan­ten fehlt ein Si­gni­fi­kant: der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts. (Vgl. 49, 96) Der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts kann nicht „er­in­nert“ wer­den, er ist „ur­ver­drängt“, wür­de Freud sa­gen.

An­ders ge­sagt: Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es im Un­be­wuss­ten kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, mit dem das Sub­jekt sich als Spre­cher des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses be­zeich­nen könn­te, mit dem es sich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs iden­ti­fi­zie­ren könn­te. (Vgl. 434)

Es ver­schwin­det hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 108).

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht in der Syn­ko­pe ei­nes Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 209), im Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts. Auf der Ebe­ne der Kas­tra­ti­on er­scheint das Sub­jekt in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe (vgl. 414). Der syn­ko­pier­te Si­gni­fi­kant ist eben der des Sub­jekts, der Si­gni­fi­kant, mit dem das Sub­jekt zu den Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten „ich“ sa­gen könn­te.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ma­ni­fes­tiert sich psy­cho­lo­gisch in dem, was Freud als „Na­bel des Traums“ be­zeich­net, im Knäu­el, in dem die Traum­ge­dan­ken kon­ver­gie­ren, der un­ent­wirr­bar ist und der dem Un­er­kann­ten auf­sitzt (vgl. 129 f.). Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist also eine der For­men des Rea­len, eine Form, in der die Sym­bo­li­sie­rung an eine Gren­ze stößt.

Mit dem Ver­schwin­den des Sub­jekts er­scheint der Phal­lus in sei­ner for­ma­len Funk­ti­on (394). Der Phal­lus ist der Si­gni­fi­kant, der sich auf das Be­geh­ren und letzt­lich auf die Ur­ver­drän­gung be­zieht.

Das ein­zi­ge, was von der Phal­lus-Ant­wort spür­bar ist, ist die Dro­hung der Kas­tra­ti­on, der Be­griff des Phal­lus­man­gels (vgl. 49).(Das durch die Spra­che her­vor­ge­ru­fe­ne Feh­len, des­sen Si­gni­fi­kant der Phal­lus ist, ist dem Sub­jekt zu­gäng­lich als Angst, dass ihm das Or­gan ge­raubt wer­den könn­te, beim Mann, als Vor­stel­lung, dass ihm das Or­gan fehlt, bei der Frau.)

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist der Punkt der Pa­nik (108), in Freuds Be­griff­lich­keit: der „au­to­ma­ti­schen Angst“.

Um die­sen Punkt der Pa­nik her­um klam­mert das Sub­jekt sich an das Ob­jekt des Be­geh­rens, dies ist die Struk­tur des Phan­tas­mas (vgl. 108).

Wenn das Sub­jekt dem An­de­ren sein Ob­jekt des Be­geh­rens zeigt, ver­schwin­det das Sub­jekt in der Scham (vgl. 109). (Die Ent­hül­lung des Phal­lus ist ver­bun­den mit dem Auf­tau­chen der Scham, heißt es im Phal­lus-Auf­satz.)

IV. Impressionistischer Gebrauch von „Aphanisis“: das Verschwindenlassen des Phallus

Zur Re­kon­struk­ti­on des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes über­nimmt La­can von Jo­nes den Be­griff des Ver­schwin­dens. La­can be­zieht den Be­griff aber nicht auf das Ver­schwin­den des Be­geh­rens, son­dern auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts. Ge­meint ist das Ver­schwin­den des Sub­jekts auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen. Das Sub­jekt ver­sucht, sich auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne zu er­fas­sen (durch „freie As­so­zia­ti­on“) und es ge­lingt ihm nicht. Es ist da­mit kon­fron­tiert, dass auf die­ser Ebe­ne ein Si­gni­fi­kant fehlt, der­je­ni­ge, mit dem das Sub­jekt sich be­zeich­nen könn­te. Es stößt auf die Ur­ver­drän­gung, dar­auf, dass es ei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, der nicht ans Licht ge­bracht wer­den kann.

Mit Jo­nes’ Ter­mi­nus „Apha­ni­sis“ geht La­can zu­nächst so um, dass er ihn Jo­nes über­lässt; „Apha­ni­sis“ meint in Se­mi­nar 6 also zu­nächst das Ver­schwin­den des Be­geh­rens (à la Jo­nes) im Ge­gen­satz zum Ver­schwin­den des Sub­jekts (à la La­can).

Dann wech­selt La­can die Be­griffs­tak­tik. Er über­nimmt den Ter­mi­nus Apha­ni­sis für sei­ne Zwe­cke, macht da­von aber, wie er sagt, nur ei­nen „im­pres­sio­nis­ti­schen Ge­brauch“ (234) und deu­tet ihn um; Apha­ni­sis im La­can­schen Sin­ne ist vor­über­ge­hend das Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen des Sym­bols des Be­geh­rens, d.h. des Phal­lus (234 bis 275). Im Fol­gen­den zi­tie­re und kom­men­tie­re ich die­se Pas­sa­gen.

1. Das Subjekt bringt sich zum Verschwinden

Meh­re­re Sit­zun­gen lang deu­tet La­can ei­nen ein­zel­nen Traum, den ei­nes Pa­ti­en­ten von Ella Shar­pe; das Pro­to­koll die­ses Traums und Shar­pes Ana­ly­se fin­det man in ih­rem Buch Traum­ana­ly­se.39 Über die­sen Traum sagt La­can am 4. Fe­bru­ar 1959:

Apha­ni­sis, das ist Ver­schwin­den; was er [Jo­nes] dar­un­ter ver­steht und was er da­mit sa­gen will, wer­den wir spä­ter se­hen. Im Au­gen­blick je­doch wer­de ich ei­nen ganz an­de­ren Ge­brauch da­von ma­chen, ei­nen ins­ge­samt im­pres­sio­nis­ti­schen Ge­brauch, be­zo­gen auf das, was die gan­ze Zeit da ist, im Ver­lauf des Traum­ma­te­ri­als, in dem, was ihn um­gibt, im Ver­hal­ten des Sub­jekts, be­zo­gen auf das, was Ella Shar­pe ge­gen­über dar­ge­stellt wird, was ihr ge­gen­über ge­äu­ßert wird.“ (234)

La­can über­nimmt hier den Ter­mi­nus Apha­ni­sis von Jo­nes und deu­tet ihn um. Er be­tont, dass die Art, wie er ihn ver­wen­det, theo­re­tisch nicht be­las­tet wer­den kann, der Ge­brauch ist „im­pres­sio­nis­tisch“.

Nach die­ser Be­mer­kung fasst er zu­sam­men, was Ella Shar­pe über ih­ren Pa­ti­en­ten be­rich­tet hat. Wäh­rend der Ana­ly­se­sit­zun­gen nimmt die­ser Pa­ti­ent sich stark zu­rück, es ist, als ob er nicht da wäre. Vor dem Be­tre­ten des Pra­xis­raums hat­te er ein­mal lei­se ge­hus­tet; dazu hat­te er as­so­zi­iert, dass er et­was zum Ver­schwin­den brin­gen will, et­was, was auf der an­de­ren Sei­te der Tür ist, er kann nicht sa­gen, was; frü­her ein­mal habe er durch ein sol­ches Hüs­teln da­für ge­sorgt, dass ein Lie­bes­paar sich trenn­te, be­vor er ins Zim­mer trat. Er er­zählt ei­nen Traum, in dem er sei­ner Se­xu­al­part­ne­rin sei­nen Pe­nis ent­zieht. In den As­so­zia­tio­nen zu die­sem Traum er­in­nert er sich an ei­nen Freund, der Stim­men­imi­ta­tor ist und des­sen Nach­ah­mun­gen so per­fekt sind, dass sie im Ra­dio ge­sen­det wer­den. Der Pa­ti­ent imi­tiert den Imi­ta­tor und äu­ßert dann sei­ne Be­fürch­tung, mit dem be­rühm­ten Freund all­zu sehr an­zu­ge­ben. Wor­auf läuft das al­les hin­aus?

Um es deut­lich zu sa­gen, er will hier­bei nicht zu viel Platz ein­neh­men, er macht sich ganz klein, er ver­schwin­det. Kurz, das was sich in je­dem Mo­ment auf­drängt, was in den Äu­ße­run­gen des Sub­jekts wie ein The­ma, wie ein Leit­mo­tiv wie­der­kehrt, lässt an den Ter­mi­nus Apha­ni­sis den­ken, bis auf dies, dass er hier dem Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen nä­her zu sein scheint als dem Ver­schwin­den. Es gibt da ein be­stän­di­ges Spiel, bei dem wir spü­ren, dass un­ter ver­schie­de­nen For­men nie­mals das da ist, was wir, wenn Sie so wol­len, das in­ter­es­sie­ren­de Ob­jekt nen­nen wer­den.

Das Sub­jekt ist nie­mals da, wo man es er­war­tet; in ei­ner Art Ta­schen­spie­ler­trick glei­tet es von ei­nem Punkt zum an­de­ren.“ (236)

Der Pa­ti­ent (der hier „Sub­jekt“ ge­nannt wird) macht sich klein, er möch­te nicht zu sehr auf­fal­len und er sorgt da­für, dass an­de­re ver­schwin­den. Das lässt an den Be­griff Apha­ni­sis den­ken. Al­ler­dings han­delt es sich da­bei um ein ak­ti­ves Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen, eine be­wusst aus­ge­führ­te Ak­ti­vi­tät, ver­gleich­bar den Ma­ni­pu­la­tio­nen ei­nes Ta­schen­spie­lers, der Ge­gen­stän­de zum Ver­schwin­den bringt. Das in­ter­es­sie­ren­de Ob­jekt wird auf un­ter­schied­li­che Wei­se zum Ver­schwin­den ge­bracht.

Im Phan­tas­ma be­steht das Ver­schwin­den des Sub­jekts (so neh­me ich an) nicht dar­in, dass dem Sub­jekt die Si­gni­fi­kan­ten sei­nes Un­be­wuss­ten fremd sind, son­dern dar­in, dass ein Ver­schwin­den in­sze­niert wird. Man wird er­gän­zen dür­fen: Das Phan­tas­ma ver­wan­delt das pas­siv er­fah­re­ne Ver­schwin­den in eine be­wuss­te Ak­ti­vi­tät.

Man muss also zwei As­pek­te des Be­griffs des Ver­schwin­dens des Sub­jekts un­ter­schei­den. Un­ter dem „Ver­schwin­den des Sub­jekts “ ver­steht La­can zum ei­nen, dass das Sub­jekt da­mit kon­fron­tiert ist, dass es un­ter den Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten (ans Licht ge­kom­men durch die „freie As­so­zia­ti­on“) kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts gibt; dies ist das Ver­schwin­den auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne. Un­ter dem „Ver­schwin­den des Sub­jekts“ ver­steht La­can zum an­de­ren, auf im­pres­sio­nis­ti­sche Wei­se, dass das Sub­jekt sich klein macht, sich ver­steckt; dies ist das Ver­schwin­den auf der ima­gi­nä­ren Ebe­ne.

Will La­can an­deu­ten, dass bei­des in ei­nem Zu­sam­men­hang steht? Wird das Ver­schwin­den auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne im Phan­tas­ma in die Ak­ti­vi­tät des Zum-Ver­schwin­den-Brin­gens um­ge­wan­delt? Wird aus ei­ner Er­fah­rung mit dem Rea­len ein ima­gi­nä­res Be­herr­schen?

2. Das Subjekt lässt den Phallus verschwinden

Ella Shar­pes Pa­ti­ent hat eine Phan­ta­sie, die mit Angst ver­bun­den ist (vgl. 274 f.): Sein Auto hat eine Pan­ne und blo­ckiert des­halb den Wa­gen des Kö­nigs und der Kö­ni­gin. Das Auto, sagt La­can, ist der Schutz, den der Pa­ti­ent um sein Ich her­um ge­baut hat, da­mit es ihm mög­lich ist, sich zu ent­zie­hen, und zwar mit Höchst­ge­schwin­dig­keit. Der Kö­nig und die Kö­ni­gin sind in ih­rem Wa­gen fest­ge­hal­ten, das er­in­nert La­can an die Ge­schich­te von Mars und Ve­nus, die, im Bei­schlaf, vom Netz des Vul­kan ge­fan­gen wer­den und dem Ge­läch­ter der Göt­ter preis­ge­ge­ben wer­den, dem be­rühm­ten ho­me­ri­schen Ge­läch­ter.

Wo ist der Phal­lus? Das ist im­mer die Haupt­quel­le des Ko­mi­schen.

Ver­ges­sen wir schließ­lich nicht, dass die­ses Phan­tas­ma [von der Blo­ckie­rung des Kö­nigs­wa­gens] vor al­lem ein Phan­tas­ma ist, das sich um ei­nen Be­griff von In­kon­gru­enz dreht, weit­aus mehr als um ir­gend­et­was an­de­res. Es be­zieht sich ganz eng auf das, was die Ein­heit des Traums aus­macht [des von Ella Shar­pe und La­can aus­führ­lich ana­ly­sier­ten Traums] und all des­sen, was da­mit ver­bun­den ist, näm­lich die grund­le­gen­de Si­tua­ti­on ei­ner Apha­ni­sis, je­doch nicht im Sin­ne des Ver­schwin­dens des Be­geh­rens – ei­ner Apha­ni­sis in dem ei­gent­li­chen Sinn, der dem Wort dann zu­kommt, wenn wir dar­aus das Sub­stan­tiv aphani­sos bil­den. Das ist we­ni­ger Ver­schwin­den als Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen.

Ge­ra­de hat ein ta­len­tier­ter Mensch, Ray­mond Que­ne­au, ein sehr lus­ti­ges Buch, Za­zie in der Me­tro, mit fol­gen­dem Epi­graph ver­se­hen: ο πλασας ηφανισεν [ho pla­sas êpha­nisen], der es ge­macht hat, hat es ver­schwin­den las­sen – er hat sei­ne Trieb­kräf­te sorg­fäl­tig ver­steckt.

Und dar­um geht es letzt­lich. Die Apha­ni­sis, das ist hier das Ver­schwin­den­las­sen des frag­li­chen Ob­jekts, näm­lich des Phal­lus. Wenn das Sub­jekt kei­nen Zu­gang zur Welt des An­de­ren fin­den kann, dann des­halb weil der Phal­lus nicht ins Spiel ge­bracht wird, weil er in Re­ser­ve ge­hal­ten, auf­be­wahrt wird.

Nun, Sie wer­den se­hen, dass es Neu­ro­ti­sie­ren­de­res gibt als die Furcht, den Phal­lus zu ver­lie­ren, als die Furcht vor Kas­tra­ti­on.

Die ab­so­lut grund­le­gen­de Trieb­kraft der Neu­ro­se ist die, nicht zu wol­len, dass der An­de­re kas­triert sei.“ (275)

Die Su­che nach dem Phal­lus ist die Haupt­quel­le des Ko­mi­schen. Das be­zieht sich im Kon­text auf das Ge­läch­ter der Göt­ter beim An­blick von Ve­nus und Mars in Ko­pu­la­ti­ons­po­si­ti­on, aber wohl auch dar­auf, dass die grie­chi­sche Ko­mö­die aus dem Dio­nysos­kult mit sei­nen Phal­lus-Pro­zes­sio­nen ent­stan­den ist. Jo­nes zu­fol­ge ist eine Haupt­klas­se von Phal­lus-Sym­bo­len der ko­mi­sche und lä­cher­li­che Phal­lus, etwa in Ge­stalt des Pul­ci­nel­la im ita­lie­ni­schen Volks­thea­ter, ei­nem Vor­bild für die Fi­gu­ren des Kas­per und des Punch.40

Bei der Phan­ta­sie von der Blo­ckie­rung des Kö­nigs­paars geht es pri­mär um die In­kon­gru­enz zwi­schen dem er­ha­be­nen kö­nig­li­chen Ge­fährt und der pein­li­chen Rei­fen­pan­ne. La­can spielt da­mit ver­mut­lich auf die In­kon­gru­enz des Pe­nis an: er kann im Ver­hält­nis zum weib­li­chen Or­gan zu klein oder auch zu groß sein; die In­kon­gru­enz ist An­lass für das Ge­läch­ter der An­de­ren und Quel­le der Scham des Sub­jekts.

Der Traum von Ella Shar­pes Pa­ti­en­ten fin­det sei­ne Ein­heit in der Apha­ni­sis, nicht im Sin­ne von Jo­nes, nicht qua Ver­schwin­dens des Be­geh­rens, son­dern im Sin­ne des Zum-Ver­schwin­den-Brin­gens.

Das, was zum Ver­schwin­den ge­bracht wird, ist der Phal­lus: nicht das Be­geh­ren, son­dern das Sym­bol des Be­geh­rens.

Der Phal­lus, der zum Ver­schwin­den ge­bracht wird, ist der Phal­lus der An­de­ren. Be­zo­gen auf den Pa­ti­en­ten von Ella Shar­pe ist dies der Phal­lus der Ana­ly­ti­ke­rin und der Ehe­frau. Der Phal­lus ist das, was dem An­de­ren (oder der An­de­ren) fehlt; das darf aber nicht sein, der An­de­re darf nicht kas­triert sein, dies ist die grund­le­gen­de neu­ro­ti­sche Po­si­ti­on. Die Neu­ro­se be­ruht nicht auf der Angst, den Phal­lus zu ver­lie­ren, son­dern dar­auf, nicht zu wol­len, dass der An­de­re kas­triert sei.41

Der Pa­ti­ent er­trägt nicht das Be­geh­ren des An­de­ren und hat des­halb kei­nen Zu­gang zum Be­geh­ren. Er macht den An­de­ren voll­stän­dig, er schützt den An­de­ren vor der Kas­tra­ti­on, in­dem er das Sym­bol des Be­geh­rens zum Ver­schwin­den bringt. Er bringt es zum Ver­schwin­den, in­dem er sich mit dem Phal­lus des An­de­ren iden­ti­fi­ziert – in­dem er der Phal­lus (des An­de­ren) ist (das ist ge­wis­ser­ma­ßen die präö­di­pa­le Po­si­ti­on) –, und in­dem er die­sen Phal­lus (der er ist) in Si­cher­heit bringt.

La­can spielt hier auf Freuds The­sen über den Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes an: der Jun­ge steht vor dem Wahl zwi­schen der li­bi­di­nö­sen Be­set­zung der El­tern-Ob­jek­te und dem nar­ziss­ti­schen In­ter­es­se am Pe­nis; um das Or­gan zu ret­ten, ver­zich­tet er auf das Ob­jekt.42 Ella Shar­pes Pa­ti­ent ist fort­wäh­rend da­mit be­schäf­tigt, das Or­gan zu ret­ten; der Weg zu den Ob­jek­ten ist ihm des­halb ver­sperrt.

Der Pa­ti­ent fin­det erst dann ei­nen Zu­gang zur Plu­ra­li­tät der Ob­jek­te, die die Welt des Men­schen cha­rak­te­ri­sie­ren, wenn er dar­auf ver­zich­tet hat, der Phal­lus [für den An­de­ren] zu sein43, d.h. wenn der An­de­re für ihn zum be­geh­ren­den An­de­ren ge­wor­den ist – zu ei­nem An­de­ren, des­sen Be­geh­ren sich auf et­was an­de­res rich­tet als auf das Sub­jekt; erst dann kann er selbst zu ei­nem Sub­jekt wer­den, des­sen Be­geh­ren sich auf an­de­re Ob­jek­te rich­tet.

Die Kas­tra­ti­on, um die es im Kas­tra­ti­ons­kom­plex geht, ist we­sent­lich die Kas­tra­ti­on des An­de­ren.

V. Fading und Aphanisis

Vier Sit­zun­gen nach die­sem im­pres­sio­nis­ti­schen Ge­brauch des Worts Apha­ni­sis, am 8. April 1959, führt La­can ei­nen ei­ge­nen Ter­mi­nus für das Ver­schwin­den des Sub­jekts ein. Er spricht zu­nächst nicht von „Apha­ni­sis“, son­dern von „Fa­ding“; am Schluss des Se­mi­nars setzt er die bei­den Ter­mi­ni gleich. Im Fol­gen­den über­set­ze und er­läu­te­re ich sämt­li­che Pas­sa­gen, in de­nen La­can in Se­mi­nar 6 den Aus­druck Fa­ding ver­wen­det ein­schließ­lich der Gleich­set­zung mit dem Be­griff Apha­ni­sis.

1. Das dem Fading unterworfene Subjekt, $, ist das kastrierte Subjekt

Der Kon­text ist Shake­speares Ham­let, und ei­nes der The­men ist Ham­lets Ver­hält­nis zu Ophe­lia, sei­ne Ob­jekt­be­zie­hung also, so­wie die Dar­stel­lung der Ob­jekt­be­zie­hung durch die For­mel für das Phan­tas­ma ($◊a). (Das klei­ne a be­deu­tet in die­ser For­mel zu die­sem Zeit­punkt den an­de­ren, noch nicht das Ob­jekt a, wie es erst­mals in Se­mi­nar 9 vor­ge­stellt wird.)

Ich habe Ih­nen ge­sagt, die Ana­ly­se hat ei­nen fal­schen Weg ein­ge­schla­gen, in­so­fern sie die­ses Ob­jekt auf eine Wei­se ar­ti­ku­liert und de­fi­niert, die ihr Ziel ver­fehlt, die nicht das stützt, wor­um es in der Be­zie­hung zum Ob­jekt als sol­chem, so wie es in der For­mel ($◊a) ge­schrie­ben wird, wirk­lich geht. Das kas­trier­te Sub­jekt, $, ist hier dem un­ter­wor­fen, was ich Sie das nächs­te Mal ent­zif­fern leh­ren wer­de, un­ter dem Na­men, den ich ihm gebe, dem des Fa­ding des Sub­jekts, was im Ge­gen­satz steht zum Be­griff des Split­ting des Ob­jekts.“ (361)

Hier wird der Aus­druck „Fa­ding“ zum ers­ten Mal ver­wen­det. Die all­tags­sprach­li­che Rede vom Ver­schwin­den des Sub­jekts wird durch ei­nen auf­fäl­li­gen Ter­mi­nus er­setzt.

Das durch­ge­stri­che­ne S wird hier zu­nächst als „kas­trier­tes Sub­jekt“ ge­le­sen. Die­ses Sub­jekt ist dem fa­ding un­ter­wor­fen, dem Ver­schwin­den. Of­fen­bar hat man das so zu le­sen, dass das Sym­bol $ all­ge­mein für das kas­trier­te Sub­jekt steht und dass es in die­ser For­mel – also in der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Ob­jekt, mit a – das kas­trier­te Sub­jekt dar­stellt, in­so­fern es im Ver­schwin­den ist. Das Ver­schwin­den wäre dann ei­ner der As­pek­te, ei­ner der Modi des kas­trier­ten Sub­jekts.

Vom Ver­schwin­den des Sub­jekts un­ter­schei­det La­can die Spal­tung des Ob­jekts. Mir ist nicht klar, was da­mit ge­meint ist. Geht es dar­um, dass der An­de­re dem Sub­jekt zu­gleich als kas­triert und als nicht kas­triert er­scheint?

2. Das Fading des Subjekts wird im Graphen des Begehrens in zwei Beziehungen dargestellt: im Verhältnis zum Anspruch, $◊D, und im Verhältnis zum Objekt, $◊a

Das war nur eine An­kün­di­gung; erst in der Fol­ge­sit­zung wird der Be­griff Fa­ding re­gel­recht ein­ge­führt. Aus­gangs­punkt ist auch hier die Ob­jekt­be­zie­hung, dies­mal eine Ver­men­gung im Be­griff der Ob­jekt­be­zie­hung; La­can ver­weist hier­zu auf den Gra­phen des Be­geh­rens.

Die Ver­men­gung, um die es geht, wird für Sie ge­nau durch die­ses Sche­ma ma­te­ria­li­siert. Sie be­steht dar­in, die Dia­lek­tik des Ob­jekts mit der Dia­lek­tik des An­spruchs zu ver­wech­seln. Die­se Ver­men­gung ist er­klär­lich, denn in bei­den Fäl­len be­fin­det sich das Sub­jekt in sei­ner Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten in ei­ner Po­si­ti­on, die die­sel­be ist – das Sub­jekt ist hier in ei­ner Po­si­ti­on der Ek­lip­se.“ (368)

Die Theo­ri­en der Ob­jekt­be­zie­hung wer­fen zwei Re­la­tio­nen durch­ein­an­der, das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum Ob­jekt und das Ver­hält­nis des Sub­jekts zum An­spruch. Bei­des muss scharf un­ter­schie­den wer­den, das Ob­jekt hat ima­gi­nä­ren Cha­rak­ter, der An­spruch ist et­was Sym­bo­li­sches.

Die Ver­wir­rung er­klärt sich dar­aus, dass die Be­zie­hun­gen et­was ge­mein­sam ha­ben, in bei­den Fäl­len ist das Sub­jekt in ei­ner Po­si­ti­on der Ek­lip­se, in bei­den Fäl­len gibt es eine Sub­jekt­fins­ter­nis. Der as­tro­no­mi­sche Ter­mi­nus „Ek­lip­se“ (Ver­fins­te­rung ei­nes Him­mels­kör­pers) kommt vom grie­chi­schen Wort ekleípō, „ich ver­schwin­de“; die Sub­jekt­fins­ter­nis be­steht dar­in, dass das Sub­jekt ver­schwin­det.

Über die Ver­fins­te­rung er­fährt man, dass sie eine Be­zie­hung des Sub­jekts zum Si­gni­fi­kan­ten dar­stellt; das, wo­durch das Sub­jekt ver­fins­tert wird, ist der Si­gni­fi­kant. Das ent­spricht dem Sym­bol $: „S“ steht für das Sub­jekt, und der Schräg­strich über dem S, also das Sym­bol /, ist der Si­gni­fi­kant, der das Sub­jekt ver­dun­kelt. Aus dem Ver­schwin­den des Sub­jekts hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 108) wird hier die Ver­fins­te­rung des Sub­jekts durch den Si­gni­fi­kan­ten. Wie frü­her dürf­te auch hier ge­meint sein: Auf der Ebe­ne der Si­gni­fi­kan­ten des Un­be­wuss­ten ist das Sub­jekt nicht re­prä­sen­tiert, es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts, auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne ist das Sub­jekt et­was, was fehlt.

… „Schau­en Sie auf die­se bei­den Punk­te un­se­res Gramms. Hier, der Code auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten, ($◊D), das heißt die Rei­he der Be­zie­hun­gen, die das Sub­jekt zu ei­nem be­stimm­ten Ap­pa­rat des An­spruchs un­ter­hält. Dort die ima­gi­nä­re Be­zie­hung ($◊a), die es be­vor­zugt kon­sti­tu­iert, in ei­ner be­stimm­ten Hal­tung, auch sie de­fi­niert durch sei­ne Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten, vor ei­nem Ob­jekt a. An bei­den Punk­ten ist das Sub­jekt in der Po­si­ti­on der Ek­lip­se.“ (368)

Das Sub­jekt hat nicht nur eine, son­dern zwei Mög­lich­kei­ten, mit der Ab­dun­ke­lung durch den Si­gni­fi­kan­ten fer­tig zu wer­den, ne­ben der ima­gi­nä­ren Op­ti­on steht ihm die sym­bo­li­sche Lö­sung zur Ver­fü­gung. Es kann auf die durch den Si­gni­fi­kan­ten her­bei­ge­führ­te Sub­jekt­fins­ter­nis da­mit re­agie­ren, dass es sich auf ar­chai­sche An­sprü­che be­zieht, es kann aber auch so vor­ge­hen, dass es eine ima­gi­nä­re Be­zie­hung zu Ob­jek­ten her­stellt. Bei­de Ver­ar­bei­tungs­wei­sen wer­den im obe­ren Stock­werk des Gra­phen re­prä­sen­tiert.

Der obe­re rech­te Kno­ten­punkt, ($◊D), steht für den Code auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten. ($◊D) stellt dar, dass das Sub­jekt, $, sich, an­ge­sichts sei­ner Ver­fins­te­rung durch den Si­gni­fi­kan­ten, auf den Ap­pa­rat des An­spruchs be­zieht, auf D, also auf ein En­sem­ble von For­de­run­gen, etwa auf ora­le und ana­le For­de­run­gen.44 Das Sub­jekt ver­schwin­det hin­ter dem Si­gni­fi­kan­ten, hin­ter dem An­spruch, und es löst das Pro­blem, in­dem es re­gre­diert: in­dem es an­de­re An­sprü­che mo­bi­li­siert, ar­chai­sche An­sprü­che. Die Re­gres­si­on ist eine der Ant­wor­ten auf die Ur­ver­drän­gung.

Die kor­re­spon­die­ren­de For­mel im Gra­phen oben links, ($◊a), stellt eine ima­gi­nä­re Be­zie­hung dar. Das vom Si­gni­fi­kan­ten ver­dun­kel­te Sub­jekt be­zieht sich auf ein Ob­jekt, auf a, wo­mit in die­sem Kon­text das Ob­jekt des Be­geh­rens ge­meint ist.

An frü­he­rer Stel­le hat­te La­can die Po­si­ti­on des Sub­jekts im Ver­hält­nis zum ima­gi­nä­ren Ob­jekt als „Ver­schwin­den“ des Sub­jekts be­zeich­net (vgl. 108); die „Ver­dun­ke­lung“ des Sub­jekts ist ein Syn­onym für das „Ver­schwin­den“ des Sub­jekts.

… „Die­se Po­si­ti­on, ich habe das letz­te Mal an­ge­fan­gen, sie mit dem Be­griff des Fa­ding zu ar­ti­ku­lie­ren. Ich habe die­sen Aus­druck aus al­ler­lei phi­lo­lo­gi­schen Grün­den ge­wählt und auch, weil er, be­zo­gen auf den Ge­brauch der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­rä­te, die die uns­ri­gen sind, völ­lig ver­traut ge­wor­den ist. Das Fa­ding ist ge­nau das, was sich in ei­nem Ge­rät zur Kom­mu­ni­ka­ti­on, zur Stimm­wie­der­ga­be dann her­stellt, wenn die Stim­me ver­schwin­det, ein­bricht, schwin­det, um, ab­hän­gig von ei­ner Ver­än­de­rung im Trä­ger, in der Über­mitt­lung, wie­der­zu­er­schei­nen. Wir wer­den dem, was hier nur eine Me­ta­pher ist, na­tür­lich sei­ne rea­len Ko­or­di­na­ten zu ge­ben ha­ben.“ (368)

Das aus­ge­sperr­te Sub­jekt, dar­ge­stellt durch das aus­ge­stri­che­ne S, also durch $, ist in bei­den For­meln in der Po­si­ti­on des „Fa­ding“.

Statt vom „Fa­ding“ das Sub­jekts hat­te La­can vor­her von der „Ek­lip­se“ des Sub­jekts ge­spro­chen, und „Ek­lip­se“ ver­weist ety­mo­lo­gisch auf das „Ver­schwin­den“ des Sub­jekts. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts soll nicht so sehr mit der as­tro­no­mi­schen Me­ta­pher der Ek­lip­se als viel­mehr mit der Me­ta­pher des Fa­ding be­zeich­net wer­den.

Aus­drück­lich be­ruft La­can sich auf die Ver­wen­dung des Aus­drucks Fa­ding in der Elek­tro­tech­nik. Hier be­zieht sich Fa­ding auf die Funk­über­tra­gung und meint das Schwan­ken zwi­schen schlech­te­rem und bes­se­rem Emp­fang, her­vor­ge­ru­fen durch die Os­zil­la­ti­on in der Stär­ke des Emp­fangs­fel­des. Der Ter­mi­nus be­zieht sich also auf die Nach­rich­ten­über­mitt­lung und die­ser Be­zug ist für La­can wich­tig. Er re­kon­stru­iert in den Se­mi­na­ren 5 und 6 (wie schon im Rom-Vor­trag) die Funk­ti­ons­wei­se des Un­be­wuss­ten als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­vor­gang, als Kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen dem Sub­jekt und dem An­de­ren, als eine Kom­mu­ni­ka­ti­on, die auf ei­nem Code be­ruht, in der Fra­gen ge­stellt und Bot­schaf­ten ge­sen­det wer­den.

Die Me­ta­pher vom „Fa­ding des Sub­jekts“ kon­no­tiert: Das Sub­jekt kann die Bot­schaft über sein Be­geh­ren nicht emp­fan­gen (da es kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts gibt).

… „In­so­fern sich also das Sub­jekt im sel­ben Mo­ment des Os­zil­lie­rens be­fin­det, dem­je­ni­gen, der das Fa­ding vor dem An­spruch und vor dem Ob­jekt kenn­zeich­net, kann die Ver­men­gung sich her­stel­len.“ (368)

Die Os­zil­la­ti­on hat zwei Mo­men­te, Ver­schwin­den und Wie­der­auf­tau­chen; das Fa­ding be­zieht sich (in Se­mi­nar 6) nur auf ei­nen die­ser Mo­men­te, auf das Ver­schwin­den.

So­wohl in Be­zug auf den An­spruch, $◊D, als auch im Ver­hält­nis zum Ob­jekt, $◊a, ist das Sub­jekt im Fa­ding, im Ver­schwin­den. Des­halb kann man die Be­zie­hun­gen leicht ver­wech­seln.

… „Tat­säch­lich ist das, was Ob­jekt­be­zie­hung ge­nannt wird, im­mer eine Be­zie­hung des Sub­jekts nicht, wie man sagt, zu Ob­jek­ten, son­dern zu Si­gni­fi­kan­ten des An­spruchs und dies in dem pri­vi­le­gier­ten Mo­ment be­sag­ten Fa­dings des Sub­jekts. In­so­fern der An­spruch fi­xiert bleibt, kann man die Modi des Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rats ar­ti­ku­lie­ren, der den un­ter­schied­li­chen Ty­pen des An­spruchs ent­spricht, oral, anal und an­de­re, und das auf eine Wei­se, die tat­säch­lich eine Art kli­ni­sche Ent­spre­chung zur Ob­jekt­be­zie­hung dar­stellt. Nichts­des­to­we­ni­ger hat es be­trächt­li­che Nach­tei­le, wenn man das, was eine Be­zie­hung zum Si­gni­fi­kan­ten ist, mit dem ver­mengt, was eine Be­zie­hung zum Ob­jekt ist.“ (368)

Die so­ge­nann­te Ob­jekt­be­zie­hungs­theo­rie, wie sie von Ro­nald Fair­bairn, Har­ry S. Sul­li­v­an, Me­la­nie Klein, Mar­ga­ret Mah­ler und an­de­ren ent­wi­ckelt wur­de, han­delt nicht, wie der Name be­haup­tet, von der Be­zie­hung des Sub­jekts zu Ob­jek­ten, son­dern in Wirk­lich­keit von der Be­zie­hung des Sub­jekts zu An­sprü­chen, wo­bei das Sub­jekt in der Po­si­ti­on des Fa­ding ist, des Ver­schwin­dens. Die Ob­jekt­be­zie­hungs­theo­rie un­ter­schei­det ora­le, ana­le u. a. Ob­jekt­be­zie­hun­gen und be­zieht sich da­mit fak­tisch auf An­sprü­che un­ter­schied­li­cher Art – auf ora­le, ana­le und an­de­re For­de­run­gen, auf die das Sub­jekt fi­xiert ist. Die Ob­jekt­be­zie­hungs­theo­rie ist also in Wirk­lich­keit eine Theo­rie des An­spruchs. Der Ge­gen­stand der Ob­jekt­be­zie­hungs­theo­rie wird im Gra­phen des Be­geh­rens des­halb durch den Schnitt­punkt oben rechts re­prä­sen­tiert, $◊D.

Dass es hier­bei um An­sprü­che geht, ist auch des­halb nicht leicht zu durch­schau­en, weil es zwi­schen den Ar­ten von An­sprü­chen und den Ar­ten von Ob­jekt­be­zie­hun­gen tat­säch­lich Ent­spre­chun­gen gibt. Gleich­wohl ist der Un­ter­schied zwi­schen den Be­zie­hun­gen des Sub­jekts zu An­sprü­chen ($◊D) und de­nen zu Ob­jek­ten ($◊a) prak­tisch be­deut­sam.

3. Das Fading des Subjekts ist ein Effekt des Mangels im Anderen

In der Sit­zung vom 13. Mai 1959 ver­or­tet La­can das Fa­ding in ei­nem Sche­ma, das die Be­zie­hung des Sub­jekts zum An­de­ren dar­stellt.

Seminar 6 - Dialektik von Anderem und Subjekt 2Er be­zieht sich hier auf die ne­ben­ste­hen­de Ta­bel­le.45 Die lin­ke Spal­te ist die des An­de­ren, die rech­te die des Sub­jekts. Das Ver­hält­nis zwi­schen dem An­de­ren und dem Sub­jekt wird schritt­wei­se auf­ge­baut. Da­bei ori­en­tiert La­can sich am Al­go­rith­mus der schrift­li­chen Di­vi­si­on. Die lin­ke Spal­te ent­hält den Di­vi­den­den und die rech­te den Di­vi­sor. Der An­de­re wird durch das Sub­jekt ge­teilt, da­mit ist ge­meint: das Sub­jekt ver­sucht, sich in der Spra­che zu ver­or­ten, im Sym­bo­li­schen sei­nen Platz zu fin­den. Das an­ge­streb­te Er­geb­nis die­ser Di­vi­si­on, der Quo­ti­ent, ist ein an die Be­din­gun­gen des Spre­chens an­ge­pass­tes Sub­jekt. Die Rech­nung be­ginnt in der ers­ten Zei­le, je­des Mal er­gibt sich ein Rest, an­ders ge­sagt: die Sub­jek­ti­vi­tät geht im Sym­bo­li­schen nicht auf (das Sub­jekt ver­schwin­det im Sym­bo­li­schen). Die­ser Rest wird in die nächs­te Zei­le über­tra­gen, und die Ope­ra­ti­on wird wie­der­holt.46 Erst im vier­ten Schritt – in der vier­ten Zei­le – ha­ben wir es mit dem Sub­jekt im La­can­schen Sin­ne zu tun, re­prä­sen­tiert durch das durch­ge­stri­che­ne gro­ße S in der rech­ten Spal­te; in den ers­ten drei Zei­len wer­den in der rech­ten Spal­te Vor­for­men des Sub­jekts an­ge­zeigt, Pro­to-Sub­jek­te. Die Zei­len­zäh­lung und die Spal­ten­über­schrif­ten habe ich hin­zu­ge­fügt, der Ter­mi­nus „Pro­to-Sub­jekt“ fin­det sich nicht bei La­can. In die­sem Sche­ma hat das Fa­ding in der Be­zie­hung zwi­schen der drit­ten und der vier­ten Zei­le sei­nen Ort.

Ich be­gin­ne mit La­cans Er­läu­te­rung der drit­ten Zei­le und zi­tie­re sei­ne Er­läu­te­run­gen voll­stän­dig; bis zum Er­schei­nen des Ter­mi­nus „Fa­ding“ braucht man ein we­nig Ge­duld.47

La­can zeigt auf die drit­te Zei­le des Sche­mas, Ⱥ – S:

Auf die­ser Ebe­ne, auf der das Sub­jekt sich auf­hebt, setzt sich das S wahr­haft, wenn Sie mir ein Wort­spiel er­lau­ben, nicht nur als das S, das als Buch­sta­be ge­schrie­ben wird, son­dern auch als das Es* der to­pi­schen For­mel, die Freud dem Sub­jekt gibt. Das S ist das Es, und dies in der Form des Fra­gens. Wenn Sie ein Fra­ge­zei­chen set­zen, wird das S tat­säch­lich so ar­ti­ku­liert: Est-ce? Das ist al­les, was das Sub­jekt auf die­ser Ebe­ne noch von sich for­mu­liert. Es ist hier im Ent­ste­hungs­zu­stand, in Ge­gen­wart der Ar­ti­ku­la­ti­on der An­de­ren, in­so­fern die­se ihm ant­wor­tet.“ (445)

Der Buch­sta­be S steht ers­tens für das Sub­jekt, zwei­tens für das Es im Sin­ne von Freuds so­ge­nann­ter zwei­ter To­pik (Ich, Es, Über-Ich), drit­tens für das fran­zö­si­sche Est-ce („Ist das?“), die Ein­lei­tung ei­ner Fra­ge, die eben­falls „es“ aus­ge­spro­chen wird. Das Sub­jekt ist eine Fra­ge, das Sub­jekt fragt sich, was mit sei­nem Sein ist, im Fal­le der Hys­te­rie fragt es sich, was es mit sei­nem Ge­schlecht auf sich hat, im Fal­le der Zwangs­neu­ro­se fragt es nach sei­ner Exis­tenz, nach Le­ben und Tod.48 Im Gra­phen des Be­geh­rens wird das Sub­jekt, das sich fragt, was mit ihm ist, durch die von A aus­ge­hen­de, nach oben füh­ren­de Li­nie dar­ge­stellt; sie steht für “Que vuoi?“, ita­lie­nisch für die Fra­ge des An­de­ren an das Sub­jekt „Was willst du?“ (vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel). Die Fra­ge „Was will ich?“ stellt sich dem Sub­jekt in um­ge­kehr­ter Form, in Ge­stalt von: „Was willst du?“

Deu­tet man das Sche­ma ge­gen La­cans er­klär­te Ab­sicht ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gisch (wie auch La­can es ge­le­gent­lich tut), kann man an das Kind den­ken, das se­xu­el­le Er­re­gun­gen ver­spürt (das Sub­jekt als Es), das sich fragt, was mit ihm ist (das Sub­jekt als Fra­ge) und das sich da­mit an die Mut­ter wen­det, die da­mit die Funk­ti­on des An­de­ren be­kommt.

Sie soll ihm dar­auf ant­wor­ten; „in die­ser An­de­ren hat es sich als Sub­jekt an­er­ken­nen zu las­sen – nicht mehr als An­spruch, nicht mehr als Lie­be, son­dern als Sub­jekt.“49 Die Be­zie­hung zum An­de­ren ist hier nicht der An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung, wie in der ers­ten Zei­le des Sche­mas; es geht auch nicht um den Lie­bes­an­spruch, der sich an die An­de­re rich­tet (zwei­te Zei­le), also nicht um die For­de­rung nach An­we­sen­heit; in der Be­zie­hung zur An­de­ren geht es jetzt, in der drit­ten Zei­le, viel­mehr dar­um, sich von der An­de­ren als Sub­jekt in sei­nem Be­geh­ren an­er­ken­nen zu las­sen (zur An­er­ken­nung des Be­geh­rens vgl. die­sen Blog­bei­trag).

… „Nun, in die­ser Ar­ti­ku­la­ti­on ant­wor­tet die An­de­re dem Sub­jekt jen­seits des­sen, was es selbst in sei­nem An­spruch for­mu­liert hat. Wenn es sich in die­sem Jen­seits des Spre­chens selbst er­fas­sen will, wird es also den Schritt tun müs­sen, der es in die nächs­te Etap­pe ein­führt, a/$.“ (445 f.)

Die Ant­wort der An­de­ren (Ⱥ in der drit­ten Zei­le des Sche­mas) be­zieht sich nicht auf den An­spruch des Sub­jekts auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung (ers­te Zei­le), auch nicht auf des­sen Lie­bes­an­spruch (zwei­te Zei­le). Sie be­zieht sich auf das Be­geh­ren des Sub­jekts, jen­seits der vom Sub­jekt ar­ti­ku­lier­ten For­de­run­gen nach Be­dürf­nis­be­frie­di­gung und nach Lie­be.

Da­durch, dass die An­de­re eine Ant­wort gibt, die sich nicht auf die An­sprü­che des Sub­jekts be­zieht, son­dern auf des­sen Be­geh­ren, hat es die Chan­ce, sich in sei­nem Be­geh­ren zu er­fas­sen. Dazu muss es zur nächs­ten Etap­pe über­ge­hen, dar­ge­stellt durch die vier­te Zei­le des Sche­mas.

… „Die­ses Sub­jekt ist von dem Schräg­strich mar­kiert, durch den es als Sub­jekt des Spre­chens ur­sprüng­lich in sich selbst ge­teilt ist. Als aus­ge­sperr­tes Sub­jekt kann es, muss es, ver­sucht es die Ant­wort zu fin­den. Es fin­det sie aber nicht, denn auf die­ser Ebe­ne be­geg­net es im An­de­ren die­ser Höh­lung, die­ser Lee­re, die ich ar­ti­ku­liert habe, als ich Ih­nen sag­te, dass es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt, dass kein mög­li­cher Si­gni­fi­kant die Au­then­ti­zi­tät der Fol­ge der Si­gni­fi­kan­ten ga­ran­tiert, dass es nichts gibt, was auf der Ebe­ne des Si­gni­fi­kan­ten die Si­gni­fi­kan­ten­ket­te und das Spre­chen, wo­durch auch im­mer, ga­ran­tie­ren wür­de, au­then­ti­fi­zie­ren wür­de. Eben dar­in hängt das Sub­jekt we­sent­lich vom gu­ten Wil­len des An­de­ren ab.“ (446)

Das Sub­jekt ist jetzt (vier­te Zei­le rechts) nicht mehr ein­fach das be­geh­ren­de Sub­jekt, ab­ge­kürzt durch S ohne Schräg­strich, son­dern das vom „vom Schräg­strich mar­kier­te“ Sub­jekt, $, das Sub­jekt, dass so an die Be­din­gun­gen des Spre­chens an­ge­passt ist, dass es ge­spal­ten ist in das sinn­ori­en­tier­te Spre­chen ei­ner­seits und den Dis­kurs des Un­be­wuss­ten an­de­rer­seits, also die Pro­duk­ti­on von Träu­men, Sym­pto­men, Fehl­hand­lun­gen.

La­can springt zu­rück in die drit­te Zei­le zum Sym­bol Ⱥ: als ein sol­ches ge­spal­te­nes Sub­jekt ver­sucht es, vom An­de­ren die An­er­ken­nung sei­nes Be­geh­rens zu er­lan­gen, die Ant­wort auf die Fra­ge, was es mit dem Sein des Sub­jekts, mit sei­nem Es, sei­nem Be­geh­ren auf sich hat („Trieb“ und „Be­geh­ren“ wer­den zu die­sem Zeit­punkt von La­can noch nicht streng un­ter­schie­den). Vom An­de­ren be­kommt es je­doch kei­ne Ant­wort. Deu­tet man den An­de­ren ent­wick­lungs­ge­schicht­lich als re­prä­sen­tiert durch ein kon­kre­tes In­di­vi­du­um, kann man sa­gen: das Sub­jekt be­kommt von ihm Ant­wor­ten, In­for­ma­tio­nen, Ver­spre­chun­gen, Kri­ti­ken, Ver­bo­te al­ler Art, aber kei­ne Ant­wort, de­ren Wahr­haf­tig­keit, de­ren Ehr­lich­keit, de­ren Auf­rich­tig­keit ga­ran­tiert wäre. Dies hat struk­tu­rel­le Grün­de – es gibt kei­ne Ga­ran­tie für die Auf­rich­tig­keit des An­de­ren (vgl. die­sen Blog­ein­trag), es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der ga­ran­tie­ren könn­te, dass die Ant­wort des An­de­ren wahr ist (vgl. die­sen Blog­ein­trag).

Auf die­se Wei­se er­öff­net sich dem Sub­jekt (wie­der in bio­gra­phi­scher Sicht­wei­se) die Kluft zwi­schen dem, was der An­de­re sagt, und dem, was der An­de­re denkt oder fühlt, und da­mit die Di­men­si­on des Be­geh­rens des An­de­ren.

Das Sub­jekt ist vom gu­ten Wil­len des An­de­ren ab­hän­gig, nicht nur beim An­spruch auf Be­dürf­nis­be­frie­di­gung (1. Zei­le), und nicht nur beim An­spruch auf Lie­be (2. Zei­le), son­dern auch beim An­spruch auf Wahr­heit bei der An­er­ken­nung oder Zu­rück­wei­sung des Be­geh­rens.

… „Und dann lässt das Sub­jekt von an­ders­wo, näm­lich aus dem ima­gi­nä­ren Re­gis­ter, et­was von ei­nem Teil von ihm selbst kom­men, in­so­fern es in die ima­gi­nä­re Be­zie­hung zum an­de­ren ver­wi­ckelt ist. Die­ses Et­was ist das klein a. Es taucht sehr ge­nau an dem Platz auf, wo sich die Be­fra­gung des S voll­zieht, dar­über, was es wahr­haft ist, dar­über, was es wahr­haft will.“50

Das Sub­jekt fragt sich, was es wahr­haft ist, was es in Wahr­heit will. Eine Ant­wort auf die­se Fra­ge be­kommt es nur da­durch, dass der An­de­re das Be­geh­ren des Sub­jekts an­er­kennt. Der An­de­re re­agiert auf das Be­geh­ren des Sub­jekts, aber das Sub­jekt hat kei­ne Ga­ran­tie da­für, dass die Ant­wort des An­de­ren wahr ist, dass der An­de­re auf­rich­tig ist. Man kann das un­ter an­de­rem so deu­ten: das Kind ist mit dem Rät­sel der Se­xua­li­tät des Er­wach­se­nen kon­fron­tiert, und die­ses Rät­sel ist auch für den Er­wach­se­nen ein Rät­sel.

Der Ver­such des Sub­jekts, in der sym­bo­li­schen Di­men­si­on eine si­che­re Ant­wort auf die Fra­ge nach sei­nem Be­geh­ren zu er­hal­ten, ist ge­schei­tert. Das Sub­jekt kann aber von die­ser Fra­ge nicht ab­las­sen. Sei­ne Lö­sung be­steht dar­in, dass es die ima­gi­nä­re Di­men­si­on ins Spiel bringt. Es lässt ei­nen Teil von sich auf­tre­ten, der in die ima­gi­nä­re Be­zie­hung ver­wi­ckelt ist (Freud wür­de viel­leicht sa­gen: es pro­ji­ziert), und hier­durch wird ein Ob­jekt zum Ob­jekt des Be­geh­rens; im Sche­ma wird es durch das klei­ne a re­prä­sen­tiert (vier­te Zei­le, lin­ke Spal­te). Die­ses a er­hält die Funk­ti­on, dem Sub­jekt zu sa­gen, was es – das Sub­jekt – wahr­haft be­gehrt.

… „Das, was wir klein a nen­nen, ist das Ob­jekt des Be­geh­rens, si­cher­lich, aber nur un­ter der Be­din­gung, dass wir prä­zi­sie­ren, dass es sich gleich­wohl nicht an das Be­geh­ren ko­ap­tiert. Es tritt in das Spiel in ei­nem Kom­plex ein, den wir als Phan­tas­ma be­zeich­nen. Die­ses Ob­jekt ist es, wor­in das Sub­jekt, in dem Mo­ment, in dem es ver­schwin­det (s’évanouit), sei­ne Stüt­ze fin­det, an­ge­sichts des Aus­fal­lens des Si­gni­fi­kan­ten, der auf der Ebe­ne des An­de­ren von sei­nem Platz des Sub­jekts aus zu ant­wor­ten hat.“51

Der Buch­sta­be klein a steht für das, was üb­li­cher­wei­se als Ob­jekt des Be­geh­rens be­zeich­net wird. Man kann es durch­aus so nen­nen, muss sich da­bei al­ler­dings klar ma­chen, dass die­ses Ob­jekt an das Be­geh­ren kei­nes­wegs an­ge­passt ist.52

Das Ob­jekt a ge­hört zum Phan­tas­ma, das heißt: In die­sem Ob­jekt fin­det das Sub­jekt sei­ne Stüt­ze, und zwar ge­nau dann, wenn es ver­schwin­det. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­ruht auf dem Man­gel im An­de­ren, dar­auf, dass es im An­de­ren kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, der des­sen Auf­rich­tig­keit ga­ran­tiert. Das Sub­jekt und der An­de­re sind also auf ne­ga­ti­ve Wei­se mit­ein­an­der ver­kop­pelt. Auf der Sei­te des An­de­ren gibt es das Feh­len ei­nes wahr­heits­ga­ran­tie­ren­den Si­gni­fi­kan­ten, und dem ent­spricht das Ver­schwin­den des Sub­jekts, das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts. In der La­can­schen Al­ge­bra: das Fa­ding des Sub­jekts, $, be­zieht sich auf den Man­gel im An­de­ren, Ⱥ.

… „Auf die­ser Ebe­ne, wo das Sub­jekt ver­sucht, sich wie­der­her­zu­stel­len, sich mit sich wie­der­zu­ver­ei­ni­gen, in dem An­spruch, den es an den An­de­ren rich­tet, und sich als Sub­jekt des Spre­chens zu au­then­ti­fi­zie­ren, kommt die Ope­ra­ti­on der Tei­lung zu ei­nem Halt, in­so­fern der Quo­ti­ent, den das Sub­jekt zu er­rei­chen ver­sucht, in Ge­gen­wart des Er­schei­nens, auf der Ebe­ne des An­de­ren ab­hän­gig bleibt von die­sem Rest, durch den das Sub­jekt selbst das Lö­se­geld lie­fert und für das Aus­fal­len des Si­gni­fi­kan­ten auf der Ebe­ne des An­de­ren, des Si­gni­fi­kan­ten, der auf ihn ant­wor­tet, ei­nen Er­satz ge­bil­det hat. Die­ser Quo­ti­ent und die­ser Rest blei­ben hier bei­de zu­sam­men, sie stüt­zen ein­an­der, wenn man so sa­gen kann. Das Phan­tas­ma ist nichts an­de­res als die­se be­stän­di­ge Kon­fron­ta­ti­on des durch­ge­stri­che­nen S und des klei­nen a.“53

Das Sub­jekt rich­tet ei­nen An­spruch an den An­de­ren, den Lie­bes­an­spruch (1. Zei­le des Sche­mas). Dies setzt eine Tei­lungs­be­we­gung in Gang (das Sche­ma der Di­vi­si­on), die da­durch be­stimmt ist, dass das Sub­jekt ver­sucht, sich mit sich wie­der­zu­ver­ei­ni­gen. Auf ei­ner be­stimm­ten Ebe­ne (näm­lich in der 4. Zei­le) kommt die Di­vi­si­ons­be­we­gung zu ei­nem Halt: das Sub­jekt ist hier ein Quo­ti­ent (Er­geb­nis ei­ner Tei­lungs­ope­ra­ti­on) und es steht in Be­zie­hung zu ei­nem Rest, dem Ob­jekt a. Die­se Be­zie­hung ist das Phan­tas­ma, $◊a.

An­schlie­ßend spricht La­can vom Fa­ding:

… „Das aus­ge­sperr­te Sub­jekt kenn­zeich­net die­sen Mo­ment des Fa­ding des Sub­jekts, wo es im An­de­ren nichts fin­det, was ihm auf si­che­re und ge­wis­se Wei­se eine Ga­ran­tie ge­ben wür­de, nichts, was es ihm er­mög­li­chen wür­de, sich auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses des An­de­ren zu ver­or­ten und sich zu be­nen­nen, d.h. als Sub­jekt des Un­be­wuss­ten. Als Ant­wort auf die­sen Mo­ment, als Er­satz für den feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten, taucht das ima­gi­nä­re Ele­ment auf, der kor­re­la­ti­ve Term der Struk­tur des Phan­tas­mas. In sei­ner all­ge­meins­ten Form be­zeich­nen wir die­ses Ele­ment als Stüt­ze des S in dem Mo­ment, wo die­ses ver­sucht, auf sich als Sub­jekt des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses zu ver­wei­sen.“ (446 f.)

Das durch­ge­stri­che­nes Sub­jekt, $, steht für den Mo­ment des Fa­dings des Sub­jekts. Das Fa­ding des Sub­jekts hat zeit­li­chen Cha­rak­ter: es ist ein Mo­ment. Das struk­tu­rel­le Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts – die Ur­ver­drän­gung – wird vom Sub­jekt in ei­nem be­stimm­ten Mo­ment auf be­stimm­te Wei­se er­lebt, er­fah­ren.

Wie kommt es zum Fa­ding des Sub­jekts, zu sei­nem Ver­schwin­den? Auf dem Um­weg über den An­de­ren.

Das Sub­jekt sucht im An­de­ren nach ei­ner Ga­ran­tie für die Au­then­ti­zi­tät des vom An­de­ren Ge­sag­ten.

Es sucht die­se Ga­ran­tie des­halb, weil es, wenn man so sa­gen darf, „in­ter­sub­jek­tiv“ ver­fasst ist: Es ver­sucht sich (sein se­xu­el­les Be­geh­ren) zu ver­or­ten und zu be­nen­nen, und das kann es nur im Dis­kurs des An­de­ren.

Hier­bei stößt es auf das, was Sart­re als das Pro­blem der Un­auf­rich­tig­keit (mau­vai­se foi) des An­de­ren ar­ti­ku­liert hat; in La­cans Be­griff­lich­keit: Es stößt auf das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten. Es gibt im An­de­ren kei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der dem Sub­jekt auf si­che­re und ge­wis­se Wei­se eine Ga­ran­tie da­für ge­ben könn­te, dass das, was der An­de­re sagt, au­then­tisch ist.

Das Sub­jekt sucht aber au­ßer­dem ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, mit dem es sich auf der Ebe­ne des Dis­kur­ses des An­de­ren ver­or­ten könn­te, mit dem es sich be­nen­nen könn­te. Ei­nen sol­chen Si­gni­fi­kan­ten fin­det es nicht. Hier sind nicht zu­letzt wir auf der Ebe­ne der „frei­en As­so­zia­ti­on“ (des Dis­kur­ses des An­de­ren) und der Kon­fron­ta­ti­on mit der Ur­ver­drän­gung.

Für die­sen feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten bil­det es ei­nen Er­satz.

Die­ser Er­satz ge­hört zum ima­gi­nä­ren Re­gis­ter. Kon­fron­tiert mit dem Feh­len im Sym­bo­li­schen mo­bi­li­siert das Sub­jekt eine Kom­pen­sa­ti­on im Ima­gi­nä­ren.

Das ima­gi­nä­re Ele­ment, durch wel­ches das Feh­len im Sym­bo­li­schen kom­pen­siert wird, wird in der For­mel des Phan­tas­mas durch das a re­prä­sen­tiert.

In der For­mel des Phan­tas­mas ($◊a) meint das $: Das Sub­jekt ver­sucht (etwa im Rah­men ei­ner Psy­cho­ana­ly­se) auf sich als Sub­jekt des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses zu ver­wei­sen. Dies miss­lingt ihm, un­ter den Si­gni­fi­kan­ten, die im Ver­lauf der „frei­en As­so­zia­ti­on“ über­ra­schend ins Spiel kom­men, gibt es kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts. Die­ses Miss­lin­gen ist der Mo­ment des Fa­ding. In Freuds Ter­mi­no­lo­gie: be­stimm­te ver­dräng­te Vor­stel­lun­gen kön­nen nicht er­in­nert wer­den, sie sind ur­ver­drängt, und das Fa­ding ist die Kon­fron­ta­ti­on mit der Ur­ver­drän­gung.

Im Mo­ment des Fa­ding stützt das Sub­jekt sich auf ein ima­gi­nä­res Ele­ment; die­ses stüt­zen­de ima­gi­nä­re Ele­ment wird in der For­mel des Phan­tas­mas mit a be­zeich­net. Mit die­sem Ob­jekt be­zeich­net das Sub­jekt auf eine ver­que­re Wei­se sich selbst: das, was es in Wahr­heit will.

4. Am Punkt des Fading dienen dem Subjekt drei Arten von Objekten als Stütze: prägenitales Objekt, Phallus und Wahn

Spä­ter in die­ser Sit­zung heißt es über das Ob­jekt a im Phan­tas­ma:

Von klein a sind in der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung bis­lang drei Ar­ten als sol­che aus­ge­macht, iden­ti­fi­ziert wor­den: a, φ, d.

Die ers­te Art ist die­je­ni­ge, die wir zu Recht oder zu Un­recht ge­wöhn­lich als prä­ge­ni­ta­les Ob­jekt be­zeich­nen.

Die zwei­te Art ist die Ob­jekts­or­te, die in das ver­wi­ckelt ist, was man den Kas­tra­ti­ons­kom­plex nennt, und Sie wis­sen, dass dies in sei­ner all­ge­meins­ten Form der Phal­lus ist.

Die drit­te Art führt den ein­zi­gen Ter­mi­nus ein, der Sie viel­leicht als No­vi­tät über­ra­schen wird, aber ich glau­be in Wahr­heit, dass die­je­ni­gen un­ter Ih­nen, die das, was ich über die Psy­cho­sen habe schrei­ben kön­nen, nä­her ha­ben stu­die­ren kön­nen, hier­durch den­noch nicht we­sent­lich ver­un­si­chert sein wer­den. Die drit­te Ob­jekt­art, die im Ver­hält­nis zum Sub­jekt am Punkt des Schwach­wer­dens (dé­fail­lan­ce), des Fa­ding, ge­nau die­sel­be Funk­ti­on er­füllt, ist nichts an­de­res und nicht mehr und nicht we­ni­ger als das, was man für ge­wöhn­lich als Wahn be­zeich­net. Das ist sehr ge­nau der Grund, wes­halb Freud fast zu Be­ginn sei­ner Er­fah­rung, bei sei­nen ers­ten Ein­sich­ten, hat schrei­ben kön­nen: ‚Sie lie­ben also den Wahn wie sich selbst.‘

Wir wer­den die­se drei For­men des Ob­jekts, eine nach der an­de­ren, wie­der auf­grei­fen, um zu er­fas­sen, was an ih­rer Ge­stalt es ih­nen er­mög­licht, die Funk­ti­on zu er­fül­len, zu den Si­gni­fi­kan­ten zu wer­den, die das Sub­jekt aus sei­ner ei­ge­nen Sub­stanz her­aus­zieht, um dem Loch vor sich stand­zu­hal­ten, der Ab­we­sen­heit des Si­gni­fi­kan­ten auf der Ebe­ne der un­be­wuss­ten Ket­te.“ (452 f.)

La­can (bzw. Mil­ler, sein Her­aus­ge­ber) ver­wen­det das Sym­bol a hier in zwei Be­deu­tun­gen, ei­ner wei­ten und ei­ner en­gen. In der For­mel für das Phan­tas­ma, $◊a, hat das a eine wei­te­re Be­deu­tung. Es um­fasst drei Ob­jekt­klas­sen: die prä­ge­ni­ta­len Ob­jek­te, den Phal­lus und den Wahn. Die prä­ge­ni­ta­len Ob­jek­te, Brust und Kot, wer­den eben­falls mit a be­zeich­net, dies ist dann das a im en­ge­ren Sin­ne. Der Buch­sta­be φ, das grie­chi­sche klei­ne phi, steht für den ima­gi­nä­ren Phal­lus. Der Wahn wird mit d be­zeich­net, für dé­li­re, „Wahn“.

Brust und Kot wer­den „zu Recht oder zu Un­recht“ als prä­ge­ni­ta­le Ob­jek­te be­zeich­net: La­can zu­fol­ge be­kom­men sie ihre Funk­ti­on erst nach­träg­lich, rück­wir­kend, näm­lich durch den Kas­tra­ti­ons­kom­plex..

Freud hat­te in Ma­nu­skript H von 1895 be­haup­tet: Die Pa­ra­noia be­ruht auf dem Pro­jek­ti­ons­me­cha­nis­mus, die un­er­träg­lich pein­li­che Vor­stel­lung wird in die Au­ßen­welt pro­ji­ziert; in­so­fern lie­ben die Pa­ra­noi­ker ih­ren Wahn wie sich selbst.54 In La­cans Deu­tung: Man­gels ei­nes Si­gni­fi­kan­ten, mit dem das Sub­jekt sich be­zeich­nen könn­te, ver­wen­det es den Wahn, um da­mit sein ei­ge­nes Be­geh­ren zu be­zeich­nen. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist dem­nach mit ei­ner un­er­träg­li­chen Pein­lich­keit ver­bun­den, wie Freud sagt.

Die drei Aus­prä­gun­gen des Ob­jekts a im Phan­tas­ma ha­ben die­sel­be Funk­ti­on. Sie stüt­zen das Sub­jekt am Punkt des Fa­ding, des Ver­schwin­dens, in dem Mo­ment, in dem es ei­nen Schwä­che­an­fall er­lei­det, in dem es er­fährt, dass es im Sym­bo­li­schen kei­nen Si­gni­fi­kan­ten hat.

Das Sub­jekt zieht die­se Ob­jek­te aus sei­ner ei­ge­nen Sub­stanz her­aus; sie wer­den durch Pro­jek­ti­on er­zeugt.

Das Sub­jekt braucht die­se Ob­jek­te, um dem Loch im An­de­ren stand­zu­hal­ten, dem Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts auf der Ebe­ne der un­be­wuss­ten Ket­te.

Ist ge­meint, das es in den prä­ge­ni­ta­len Ob­jek­ten und im Phal­lus in­so­fern eine Stüt­ze fin­det, als es sich bei ih­nen um ver­lo­re­ne Ob­jek­te han­delt?

5. Das verschwindende Subjekt als imaginäre Zahl

In ei­ner spä­te­ren Se­mi­nar­sit­zung heißt es:

Sie se­hen an der Ta­fel sämt­li­che For­men des Schnitts an­ge­zeigt, ein­schließ­lich der­je­ni­gen, die den Schnitt des Sub­jekts re­flek­tie­ren. [Die­ses Sche­ma fehlt.]

Von nun an wer­den wir so das aus­ge­sperr­te Sub­jekt im Phan­tas­ma no­tie­ren. Er­in­nern Sie sich dar­an, ich habe Sie ge­be­ten, den Be­griff des nicht ein zu ak­zep­tie­ren. Sie se­hen, dass ich mir hier so­gar die Lä­cher­lich­keit er­lau­be, mich auf die No­ta­ti­on zu be­zie­hen, die die ima­gi­nä­ren Zah­len be­trifft.“ (497, Ein­schub in ecki­gen Klam­mern in der Vor­la­ge)

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts wird durch die ima­gi­nä­re Zahl ver­an­schau­licht \sqrt{-1}. Eine ima­gi­nä­re Zahl ist eine Zahl, de­ren Qua­drat eine ne­ga­ti­ve re­el­le Zahl ist; sie ge­hört nicht zu den re­el­len Zah­len ist und ist da­mit aus dem Dis­kurs der Ma­the­ma­tik, der mit re­el­len Zah­len ope­riert, aus­ge­schlos­sen.55 Die ima­gi­nä­re Zahl ist eine Me­ta­pher für das ver­schwin­den­de Sub­jekt, für die Ur­ver­drän­gung.

6. Das Fading des Subjekts ist die Aphanisis des Subjekts

In der Sit­zung vom 10. Juni 1959 ver­wen­det La­can zum letz­ten Mal in die­sem Se­mi­nar die Ter­mi­ni Fa­ding und Apha­ni­sis. Bei die­ser Ge­le­gen­heit wer­den die Aus­drü­cke von ihm gleich­ge­setzt.

Ich bit­te Sie, bei die­ser Struk­tur des Phan­tas­mas in­ne­zu­hal­ten.

Wie ich be­reits her­vor­ge­ho­ben habe, ist das, was sei­nen Wert aus­macht, eine an­ge­hal­te­ne Zeit; was sei­nen Wert aus­macht, ist dies: eine Zeit des In­ne­hal­tens. Eine Zeit des In­ne­hal­tens, die den Wert ei­nes In­dex hat, der ei­nem Mo­ment des Han­delns ent­spricht, in dem das Sub­jekt sich nur eta­blie­ren kann auf eine be­stimm­te Wei­se x – was ge­nau das ist, was wir hier als Be­geh­ren be­zeich­nen, was wir in sei­ner Funk­ti­on als Be­geh­ren zu iso­lie­ren ver­su­chen –, in dem das Sub­jekt sich ei­gent­lich nur un­ter der Be­din­gung eta­blie­ren kann, dass es den Sinn die­ser Po­si­ti­on ver­liert, denn das ist es, das Phan­tas­ma ist für es un­durch­sich­tig. Wir kön­nen sei­nen Platz im Phan­tas­ma be­zeich­nen, viel­leicht kann es selbst ihn er­ah­nen, aber der Sinn der Po­si­ti­on, also war­um sie das ist, was von sei­nem Sein an den Tag kommt, das kann das Sub­jekt nicht sa­gen.“ (500 f., über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Das Phan­tas­ma hat eine be­stimm­te Zeit­lich­keit, es ist eine Art ein­ge­fro­re­nes Film­bild.

Die an­ge­hal­te­ne Zeit des Phan­tas­mas ver­weist auf ei­nen be­stimm­ten Mo­ment des Han­delns des Sub­jekts. In die­sem Mo­ment geht es dem Sub­jekt dar­um, sich als be­geh­ren­des Sub­jekt zu eta­blie­ren. $ steht, wie es et­was spä­ter heißt, für das Ver­schwin­den des Sub­jekts am Punkt der An­nä­he­rung des Be­geh­rens (506).

Das Be­geh­ren stützt sich auf das Phan­tas­ma, und im Phan­tas­ma kommt et­was vom Sein des Sub­jekts an den Tag, aber sei­ne Po­si­ti­on im Phan­tas­ma ist für das Sub­jekt un­zu­gäng­lich, bes­ten­falls er­ahn­bar; um sie spre­chend zu er­fas­sen, braucht es die Hil­fe des Ana­ly­ti­kers.

… „Das ist der we­sent­li­che Punkt: Apha­ni­sis. Si­cher­lich ist der Ter­mi­nus glück­lich ge­wählt und uns dien­lich. Aber im Un­ter­schied zu der Funk­ti­on, die Jo­nes ihm bei der Deu­tung des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes gibt, ist sei­ne Form rät­sel­haft.

Wir se­hen im Phan­tas­ma, dass die Apha­ni­sis –; zu­min­dest da, wo das Wort Ver­schwin­den (dis­pa­ri­ti­on) Fa­ding habe ich auch ge­sagt  für uns brauch­bar ist, ist es nicht als Apha­ni­sis des Be­geh­rens, son­dern in­so­fern es, auf der Spit­ze des Be­geh­rens, Apha­ni­sis des Sub­jekts gibt. Das Sub­jekt, in­so­fern es sich an sei­nem Platz ver­or­ten wür­de, es sich da, wo in der un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten­ket­te ‚es spricht‘, als ‚ich (je)‘ ar­ti­ku­lie­ren wür­de, in­so­fern es da auf sich nur ver­wei­sen kann, in­dem es von sei­ner Po­si­ti­on als Sub­jekt ver­schwin­det.“ (501, über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

La­can über­nimmt hier den Ter­mi­nus „Apha­ni­sis“ von Jo­nes und deu­tet ihn um: „Apha­ni­sis“ soll hei­ßen: das Ver­schwin­den des Sub­jekts, und nicht, wie bei Jo­nes, das Ver­schwin­den des Be­geh­rens, auch nicht das Ver­schwin­den­las­sen des Phal­lus.

Au­ßer­dem setzt er „Apha­ni­sis“ mit „Fa­ding“ gleich. Fa­ding, Apha­ni­sis – mit bei­den Ter­mi­ni be­zieht La­can sich auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts, im Ge­gen­satz zum Ver­schwin­den des Be­geh­rens.

Die Ver­wen­dung des Aus­drucks „Apha­ni­sis“ durch­läuft in Se­mi­nar 6 vier Pha­sen:
– Zu­nächst re­fe­riert La­can Jo­nes’ „Apha­ni­sis“, ohne den Ter­mi­nus für sich zu über­neh­men. Er kon­fron­tiert die Jo­nes­sche „Apha­ni­sis“ mit dem „Ver­schwin­den“ (dis­pa­rait­re, éva­nouis­se­ment) und der Ver­fins­te­rung (éclip­se) des Sub­jekts.
– Dann ge­braucht er „Apha­ni­sis“ vor­über­ge­hend auf im­pres­sio­nis­ti­sche Wei­se, wie er sagt (234), und zwar im Sin­ne von: Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen des Phal­lus, mit dem das Sub­jekt sich iden­ti­fi­ziert, des Phal­lus des An­de­ren.
– Da­nach prägt er ei­nen ei­ge­nen Ter­mi­nus für das Ver­schwin­den des Sub­jekts: „Fa­ding“.
– Und schließ­lich über­nimmt er von Jo­nes den Aus­druck „Apha­ni­sis“ und iden­ti­fi­ziert ihn mit „Fa­ding“; „Apha­ni­sis“ be­zieht sich jetzt auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts. Von da an sind zwei Be­grif­fe von Apha­ni­sis im Spiel: Apha­ni­sis im Sin­ne von Jo­nes, als Ver­schwin­den des Be­geh­rens, Apha­ni­sis im Sin­ne von La­can, als Ver­schwin­den des Sub­jekts, syn­onym mit „Fa­ding“.

Das Sub­jekt ver­schwin­det, wenn es „auf der Spit­ze des Be­geh­rens“ ist, nicht, wenn sein Be­geh­ren ver­schwin­det, son­dern wenn sein Be­geh­ren auf die Spit­ze ge­trie­ben ist. Das heißt mög­li­cher­wei­se in ge­ne­ti­scher Per­spek­ti­ve: die ge­ni­ta­le Er­re­gung ist für das Kind trau­ma­tisch, und der trau­ma­ti­sche Cha­rak­ter die­ser Er­re­gung be­steht dar­in, dass es den Re­ak­tio­nen der Er­wach­se­nen nicht trau­en kann. Die­ses Trau­ma liegt der Ur­ver­drän­gung zu­grun­de.

Die Form der Apha­ni­sis ist rät­sel­haft; das un­ter­schei­det La­cans Apha­ni­sis-Be­griff von dem von Jo­nes. Da­mit spielt La­can auf sei­ne De­fi­ni­ti­on des Rät­sels in Se­mi­nar 6 an: eine Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on), zu der das Aus­ge­sag­te (énon­cé) ge­sucht wird.56 Die Apha­ni­sis muss auf die Ebe­ne der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on) be­zo­gen wer­den. Sie hat für das Sub­jekt die Form ei­nes Rät­sels, und das Rät­sel be­steht im Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts.

Die apha­ni­sis des Sub­jekts be­steht in sei­ner Be­zie­hung zur un­be­wuss­ten Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, zu dem „Es spricht“, zur Äu­ße­rung. In die­sem un­be­wuss­ten Spre­chen kann sich das Sub­jekt nicht als Ich (je) ver­or­ten, es kann sich nicht als Spre­cher die­ses un­be­wuss­ten Dis­kur­ses be­zeich­nen (vgl. 434 f.), dar­in be­steht das Ver­schwin­den des Sub­jekts, sein Fa­ding, sei­ne Apha­ni­sis.

Für Freud be­steht die Ur­ver­drän­gung dar­in, dass es be­stimm­te Vor­stel­lun­gen gibt, die nicht er­in­nert wer­den kön­nen und die zu­gleich die Ver­drän­gung im Gang hal­ten. La­can re­kon­stru­iert die Ur­ver­drän­gung als Feh­len be­stimm­ter Si­gni­fi­kan­ten auf der Ebe­ne der énon­cia­ti­on, der „frei­en As­so­zia­ti­on“. Die feh­len­den Si­gni­fi­kan­ten sind die­je­ni­gen, die es dem Sub­jekt er­mög­li­chen wür­den, zu den Si­gni­fi­kan­ten der énon­cia­ti­on, des Äu­ße­rungs­vor­gangs, „ich“ zu sa­gen, sich als Spre­cher die­ses Dis­kur­ses zu iden­ti­fi­zie­ren.  Das Ver­schwin­den des Sub­jekts, die Apha­ni­sis, das Fa­ding ist die­ses Feh­len der Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts bzw. die Kon­fron­ta­ti­on des Sub­jekts mit die­sem Feh­len.

La­can fährt so fort:

… „Von da aus­ge­hend se­hen wir, wor­um es sich han­deln wird. Wenn wir die­sen Ex­trem­punkt de­fi­niert ha­ben, die­sen ima­gi­nä­ren Punkt, an dem das Sein des Sub­jek­tes in sei­ner ma­xi­ma­len Dich­te be­steht – das sind nur Bil­der, da­mit Ihr Geist sich an eine Me­ta­pher klam­mert –, aus­ge­hend von dem Mo­ment, an dem wir se­hen, an dem wir die­sen ima­gi­nä­ren Punkt de­fi­nie­ren, wo das Sein des Sub­jekts – in­so­fern es das ist, was im Un­be­wuss­ten zu ar­ti­ku­lie­ren, zu be­nen­nen ist – letzt­lich in kei­nem Fall im Un­be­wuss­ten be­nannt wer­den, son­dern nur an­ge­zeigt wer­den kann durch et­was, was sich selbst als Schnitt of­fen­bart, als Spal­te, als Struk­tur des Schnitts im Phan­tas­ma.“ (501, über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Der ima­gi­nä­re Punkt im Phan­tas­ma, also a, ist der Punkt, an dem das Sein des Sub­jekts sei­ne ma­xi­ma­le Dich­te an­nimmt.

Das Sein des Sub­jekts nimmt in die­sem ima­gi­nä­ren Punkt des­halb Ge­stalt an, weil es  sich auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne, im Un­be­wuss­ten (durch Mo­bi­li­sie­rung ver­dräng­ter Si­gni­fi­kan­ten durch „freie As­so­zia­ti­on“), nicht be­nen­nen kann.

Das Sein des Sub­jekts kann im un­be­wuss­ten Dis­kurs nicht be­nannt wer­den, aber es kann an­ge­zeigt wer­den: durch den Schnitt im Phan­tas­ma (vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel). In der For­mel des Phan­tas­mas ($◊a) sym­bo­li­siert die Rau­te ◊ den Schnitt (ab Se­mi­nar 6). Der Schnitt ma­ni­fes­tiert das Sein des Sub­jekts in rei­ner Form (vgl. 471). Der Schnitt zeigt sich auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne bei­spiels­wei­se in den ab­ge­bro­che­nen Sät­zen, die für Schre­bers Wahn cha­rak­te­ris­tisch sind, etwa „Nun will ich mich …“ oder „Sie sol­len näm­lich“.57 Der Schnitt ma­ni­fes­tiert sich auf der ima­gi­nä­ren Ebe­ne bei­spiels­wei­se im Ho­sen­schlitz des Ex­hi­bi­tio­nis­ten und in dem Spalt, durch den hin­durch der Voy­eur das Ob­jekt be­trach­tet.58 Die Tech­nik der va­ria­blen Sit­zungs­dau­er ist eine Schnitt-Tech­nik (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Der Schnitt wird hier, ähn­lich wie in Schre­bers Wahn, auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne ver­or­tet.

Die For­mel des Phan­tas­mas ($◊a) ver­weist also auf drei ver­schie­de­ne Wei­sen auf das Sub­jekt:
– Das Sym­bol $ be­zieht sich auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts, auf sei­ne Apha­ni­sis, auf sein Fa­ding. Auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne be­steht das Fa­ding dar­in, dass es im Un­be­wus­ten kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts gibt bzw. dass der Si­gni­fi­kant des Sub­jekts, in Freud­scher Be­griff­lich­keit, ur­ver­drängt ist.
– Das Zei­chen ◊ sym­bo­li­siert die Art und Wei­se, wie sich das Sub­jekt im Sym­bo­li­schen, ob­wohl es aus ihm aus­ge­schlos­sen ist, den­noch ma­ni­fes­tiert: im Schnitt.
– Der Buch­sta­be a stellt dar, dass das Sub­jekt sich, da es auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne  ver­schwin­det, auf ei­nen (ima­gi­nä­ren) an­de­ren stützt,  der da­mit zum Ob­jekt des Be­geh­rens wird, zu dem Ob­jekt, in dem das Sub­jekt das zu fin­den sucht, was ihm fehlt.

Die drei Be­stand­tei­le des Phan­tas­mas be­zie­hen sich also auf das Rea­le, das Sym­bo­li­sche und das Ima­gi­nä­re.
– $ sym­bo­li­siert eine Gren­ze der Sym­bo­li­sie­rung, also et­was Rea­les, spe­zi­ell die Ur­ver­drän­gung.
– ◊ sym­bo­li­siert eine Be­zie­hung zwi­schen dem Rea­len und dem Sym­bo­li­sches, näm­lich den Schnitt als dem Ort, an dem im Sym­bo­li­schen das Rea­le er­scheint.
a sym­bo­li­siert eine Be­zie­hung zwi­schen dem Rea­len und dem Ima­gi­nä­ren: ein ima­gi­nä­res Ob­jekt, mit dem das Sub­jekt sich im ima­gi­nä­ren Re­gis­ter be­nennt, da es auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne nicht zu sich „ich“ sa­gen kann.

Wei­ter heißt es:

… „Um die­sen ima­gi­nä­ren Punkt her­um – und das ist in je­dem Be­reich le­gi­tim, wenn wir sei­ne Struk­tur ar­ti­ku­lie­ren kön­nen, durch das, was da­von aus­geht – wer­den wir ver­su­chen, das zu ver­or­ten, was tat­säch­lich bei den ver­schie­de­nen For­men des Sub­jekts vor sich geht, For­men, die kei­nes­wegs zwin­gend ho­mo­gen sind, For­men, die für den­je­ni­gen, der von der an­de­ren Sei­te ist, von ei­ner Sei­te her ver­ständ­lich sind. In die­ser Hin­sicht wis­sen wir nur zu sehr, was uns beim Ver­ste­hen ei­ner Psy­cho­se täu­schen kann. Bei­spiels­wei­se müs­sen wir uns hü­ten zu ver­ste­hen, wenn wir ver­su­chen kön­nen, in der Struk­tur zu re­kon­stru­ie­ren, zu ar­ti­ku­lie­ren, und eben das ist es, was wir hier zu tun ver­su­chen.“ (501, über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Aus­ge­hend vom ima­gi­nä­ren Punkt – vom a in der For­mel des Phan­tas­mas – sol­len die ver­schie­de­nen For­men des Sub­jekts ar­ti­ku­liert wer­den, nicht durch „ver­ste­hen“, son­dern durch Re­kon­struk­ti­on der Struk­tur. Die For­men des Sub­jekts sind, so ver­mu­te ich, Per­ver­si­on (prä­ge­ni­ta­les Ob­jekt), Neu­ro­se (Phal­lus) und Psy­cho­se (Wahn).

7. Das Verschwinden des Subjekts zeigt sich bei Freud im „Nabel des Traums“

An­schlie­ßend heißt es:

… „Also von da aus­ge­hend, aus­ge­hend von die­ser Struk­tur, wo das Sub­jekt im Mo­ment sei­nes Ver­schwin­dens – und ich wie­der­ho­le es Ih­nen, das ist ein Be­griff, von dem Sie die Spur dort fin­den kön­nen, wo Freud vom ‚Na­bel des Traums‘ spricht, dem Punkt, an dem sämt­li­che As­so­zia­tio­nen zu­sam­men­lau­fen um zu ver­schwin­den, um nur noch mit dem ver­bind­bar zu sein, was er das Un­er­kann­te* nennt; dar­um geht es.“ (501 f., über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Vom Be­griff des Ver­schwin­dens des Sub­jekts gibt es bei Freud eine Spur, die Me­ta­pher vom „Na­bel des Traums“. Der Na­bel des Traums – das un­ent­wirr­ba­re Knäu­el, in dem die Traum­ge­dan­ken zu­sam­men­lau­fen und das dem Un­er­kann­ten auf­sitzt – ist die psy­cho­lo­gi­sche Ma­ni­fes­ta­ti­on des struk­tu­rel­len Man­gels des Sym­bo­li­schen, wie La­can in Se­mi­nar 6 be­reits frü­her er­läu­tert hat­te (vgl. 130, 402). In Se­mi­nar 2 hat­te La­can ge­sagt, der Na­bel des Traums ste­he in Be­zie­hung zum Rea­len jen­seits al­ler Ver­mitt­lun­gen ima­gi­nä­rer und sym­bo­li­scher Art.59 Das Ver­schwin­den des Sub­jekts steht also in Be­zie­hung zum Rea­len.

8. Das Verschwinden des Subjekts beruht auf seiner Hilflosigkeit gegenüber dem Begehren des Anderen

La­can fährt fort:

… „Im Ver­hält­nis dazu sieht das Sub­jekt, wie sich vor ihm was auf­tut? Nichts an­de­res als eine wei­te­re Kluft, die im Grenz­fall zur un­end­li­chen Ver­wei­sung ei­nes Be­geh­rens auf ein an­de­res Be­geh­ren füh­ren wür­de. Wie wir im Phan­tas­ma des Voy­eurs oder des Ex­hi­bi­tio­nis­ten se­hen, ist es das Be­geh­ren des An­de­ren, von dem er sich ab­hän­gig fin­det. Es ist die Gna­de des Be­geh­rens des An­de­ren, der er sich aus­ge­lie­fert sieht. Das ist kon­kret, das fin­den wir in der Er­fah­rung.“ (502, über­setzt nach Ver­si­on Sta­fer­la)

Im Mo­ment des Ver­schwin­dens sieht das Sub­jekt eine wei­te­re Kluft vor sich, ein an­de­res Be­geh­ren, das auf ein an­de­res Be­geh­ren ver­weist.

Im Phan­tas­ma des Voy­eurs und des Ex­hi­bi­tio­nis­ten geht es um das Be­geh­ren des An­de­ren. Der Voy­eur un­ter­stellt, dass es sein Ob­jekt er­regt, be­ob­ach­tet zu wer­den, dass es sich also von sich aus ei­nem an­ony­men Blick dar­bie­tet. Der Ex­hi­bi­tio­nist ver­sucht, das Be­geh­ren des An­de­ren jen­seits der Scham zu über­ra­schen. Das Be­geh­ren des An­de­ren spielt in die­sen Phan­tas­men die Rol­le des Ob­jekts a.60

… „Um nichts an­de­res geht es in der Neu­ro­se des klei­nen Hans, über die ich vor zwei Jah­ren aus­führ­lich zu Ih­nen ge­spro­chen habe.

Ich habe die Kri­se auf­ge­zeigt, mit der der klei­ne Hans in ei­nem be­stimm­ten Mo­ment sei­ner Ent­wick­lung kon­fron­tiert ist. Die­se Kri­se geht über das Mo­ment sei­ner Ri­va­li­tät mit dem Neu­an­kömm­ling, sei­ner klei­nen Schwes­ter, weit hin­aus, auch wenn das kri­tisch ist. Sie ist auch viel schwe­rer als das Neue, das der ers­te An­satz der se­xu­el­len Rei­fung für ihn dar­stellt, wo­durch er zu Erek­tio­nen fä­hig wird und – un­ter Spe­zia­lis­ten ist die Fra­ge of­fen – so­gar zu Or­gas­men. Wie ich be­tont habe, ar­ti­ku­liert habe, ja Ih­nen so­gar ein­ge­häm­mert habe, die Kri­se um die es geht, reißt nicht auf der in­ter­psy­cho­lo­gi­schen Ebe­ne im ei­gent­li­chen Sin­ne auf, auch nicht auf der Ebe­ne der In­te­gra­ti­on ei­ner neu­en Stre­bung. Eine Kri­se gibt es in­so­fern, als das Sub­jekt sich in die­sem Mo­ment der Kon­stel­la­ti­on, auf­grund ei­ner be­stimm­ten Schlie­ßung, mit dem Be­geh­ren sei­ner Mut­ter fak­tisch kon­fron­tiert sieht und in­so­fern es in Ge­gen­wart die­ses Be­geh­rens ohne Hil­fe ist.

Die Po­si­ti­on, ohne Hil­fe zu sein, ist das, was Freud in sei­nem Ar­ti­kel von 1917 über Das Un­be­wuss­te als Hilf­lo­sig­keit* be­zeich­net. Die­se Hilf­lo­sig­keit ist ur­sprüng­li­cher als al­les, ur­sprüng­li­cher als die Angst, die be­reits den An­satz ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on dar­stellt, in­so­fern sie Er­war­tung* ist, selbst wenn man nicht weiß von was, selbst wenn man sie nicht so­fort ar­ti­ku­liert. Da­vor gibt es die Hilf­lo­sig­keit*.

Hilf­lo­sig­keit ge­gen­ber was? Das kann nur de­fi­niert, nur zen­triert wer­den als Hilf­lo­sig­keit ge­gen­über dem Be­geh­ren der An­de­ren. Die Be­zie­hung des Be­geh­rens des Sub­jekts zum Be­geh­ren der An­de­ren ist dra­ma­tisch, in­so­fern das Be­geh­ren des Sub­jekts sich vor dem Be­geh­ren des An­de­ren ver­or­ten muss, von dem es je­doch wört­lich an­ge­saugt wird, das es hilf­los macht. In die­sem Dra­ma kon­sti­tu­iert sich eine we­sent­li­che Struk­tur, nicht nur der Neu­ro­se, son­dern von je­der an­de­ren ana­ly­tisch de­fi­nier­ten Struk­tur.“ (502)

In Se­mi­nar 4 von 1956/57, Die Ob­jekt­be­zie­hung, hat­te La­can aus­führ­lich Freuds Fall­stu­die über den „klei­nen Hans“ er­ör­tert.61 Auch bei die­ser Pho­bie be­steht die Kri­se in der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Be­geh­ren des An­de­ren. Das Pro­blem, mit dem Hans kon­fron­tiert ist, ist nicht pri­mär in­ter­psy­cho­lo­gisch: be­zieht sich nicht pri­mär auf die Ge­burt der Schwes­ter, es be­steht auch nicht dar­in, dass er vor der Auf­ga­be steht, sei­ne ge­ni­ta­len Trieb­re­gun­gen zu in­te­grie­ren. Die Kri­se be­steht dar­in, dass er mit dem se­xu­el­len Be­geh­ren auf der Sei­te der Mut­ter kon­fron­tiert ist. Ge­gen­über dem Be­geh­ren der An­de­ren ist er in der Po­si­ti­on der Hilf­lo­sig­keit.

Über Hilf­lo­sig­keit als Grund­la­ge der Angst schreibt Freud nicht, wie La­can sagt, in Das Un­be­wuss­te, son­dern in Hem­mung, Sym­ptom und Angst (1926). Die psy­chi­sche Hilf­lo­sig­keit, heißt es dort, ist die Hilf­lo­sig­keit an­ge­sichts der Trieb­ge­fahr; die er­leb­te Si­tua­ti­on der psy­chi­schen Hilf­lo­sig­keit ist trau­ma­tisch; die Angst ist die Er­war­tung der trau­ma­ti­schen Si­tua­ti­on der Hilf­lo­sig­keit an­ge­sichts der Trieb­ge­fahr.62 Für La­can ist das Be­geh­ren (das er zu die­sem Zeit­punkt mit dem Trieb noch mehr oder we­ni­ger gleich­setzt) in­ter­sub­jek­tiv ver­fasst: das Be­geh­ren ist das Be­geh­ren des An­de­ren. Die trau­ma­ti­sche Si­tua­ti­on ist die Hilf­lo­sig­keit ge­gen­über der Trieb­ge­fahr, die­sen Ge­dan­ken über­nimmt er von Freud. Die ent­schei­den­de Trieb­ge­fahr be­steht für ihn aber nicht im An­drän­gen der ei­ge­nen Trie­be, son­dern in der Kon­fron­ta­ti­on mit dem Be­geh­ren auf der Sei­te des An­de­ren bzw. der An­de­ren.

Die Hilf­lo­sig­keit ge­gen­über dem Be­geh­ren des An­de­ren be­steht dar­in, dass das Be­geh­ren des Sub­jekts sich im Ver­hält­nis zu dem Be­geh­ren, das auf der Sei­te des An­de­ren ist, ver­or­ten muss, dass das Sub­jekt von dem Be­geh­ren, das der An­de­re hat, je­doch ge­wis­ser­ma­ßen an­ge­saugt wird, über­wäl­tigt wird. Der Aus­druck „an­ge­saugt“ er­in­nert dar­an, dass die­se Si­tua­ti­on vom Kind als ein dro­hen­des Ver­schlun­gen­wer­den er­lebt wer­den kann.

Die­se Struk­tur liegt nicht nur der Neu­ro­se zu­grun­de, son­dern auch der Per­ver­si­on und der Psy­cho­se.

La­can sagt es nicht di­rekt, aber der Kon­text legt nahe, dass dies dem Ver­schwin­den des Sub­jekts zu­grun­de liegt: die Kon­fron­ta­ti­on mit dem Be­geh­ren des An­de­ren. Das wür­de hei­ßen: Das Sub­jekt emp­fin­det ein ei­ge­nes Be­geh­ren, eine ge­ni­ta­le Trieb­re­gung. Es ver­sucht, die­ses Be­geh­ren zu ver­or­ten. Es kann sein ei­ge­nes Be­geh­ren nur da­durch in­te­grie­ren, dass es sich auf das Be­geh­ren be­zieht, dass der An­de­re hat. Vom Be­geh­ren des An­de­ren wird es je­doch an­ge­saugt: es ver­sucht sich zum Ob­jekt die­ses Be­geh­rens zu ma­chen, so wie der Pa­ti­ent von Ella Shar­pe, der sich mit dem Phal­lus der An­de­ren iden­ti­fi­ziert und ihn in Si­cher­heit bringt, um die Kas­tra­ti­on des An­de­ren zu ver­mei­den, das Be­geh­ren des An­de­ren, und da­mit die Hilf­lo­sig­keit ge­gen­über dem Be­geh­ren des An­de­ren.

VI. Zusammenstellung der Zusammenstellungen

Beim Be­griff des Ver­schwin­dens geht es La­can dar­um, den Zu­sam­men­hang zwi­schen Ur­ver­drän­gung (=Ver­schwin­den des Sub­jekts des Äu­ße­rungs­vor­gangs) und Kas­tra­ti­ons­kom­plex theo­re­tisch zu re­kon­stru­ie­ren. Die Fra­ge nach dem Kas­tra­ti­ons­kom­plex an­geht über­nimmt er von Er­nest Jo­nes (vgl. 49, 361, 394, 414).

Ter­mi­no­lo­gie „Ver­schwin­den“, „Fa­ding“, „Apha­ni­sis“

La­can nennt das Ver­schwin­den zu­nächst Fa­ding (zu­erst 361), dann auch Apha­ni­sis (501).

Un­ter „Fa­ding“ ver­steht er das Ver­schwin­den des Sub­jekts (vgl. 108, 368, 446 f.). Die­se Deu­tung wen­det sich ge­gen Jo­nes: beim Kas­tra­ti­ons­kom­plex geht es um das Ver­schwin­den des Sub­jekts, nicht, wie Jo­nes an­nimmt, um die Angst vor dem Ver­schwin­den des Be­geh­rens (vgl. 501).

Am Ende von Se­mi­nar 6 setzt La­can „Fa­ding“ und „Apha­ni­sis“ gleich (501). Die Ver­wen­dung des Aus­drucks „Apha­ni­sis“ durch­läuft in Se­mi­nar 6 vier Pha­sen:
– Zu­nächst re­fe­riert La­can Jo­nes’ „Apha­ni­sis“, ohne den Ter­mi­nus für sich zu über­neh­men. Er kon­fron­tiert die Jo­nes­sche „Apha­ni­sis“ des Be­geh­rens mit dem „Ver­schwin­den“ (dis­pa­rait­re, éva­nouis­se­ment) des Sub­jekts, mit der Ver­fins­te­rung (éclip­se) des Sub­jekts.
– Dann ge­braucht er den Ter­mi­nus „Apha­ni­sis“ vor­über­ge­hend „im­pres­sio­nis­tisch“, wie er sagt (234–275), und zwar im Sin­ne von: Zum-Ver­schwin­den-Brin­gen des Phal­lus. Das Sub­jekt lässt den Phal­lus ver­schwin­den, mit dem es sich iden­ti­fi­ziert, den Phal­lus des An­de­ren, und schützt so den An­de­ren vor der Kas­tra­ti­on.
– Da­nach ver­wen­det La­can ei­nen ei­ge­nen Ter­mi­nus für das Ver­schwin­den des Sub­jekts: „Fa­ding“ (ab 361).
– Schließ­lich über­nimmt er von Jo­nes den Aus­druck „Apha­ni­sis“ und iden­ti­fi­ziert ihn mit „Fa­ding“; „Apha­ni­sis“ be­zieht sich jetzt auf das Ver­schwin­den des Sub­jekts (ab 501). Von da an sind zwei Be­grif­fe von Apha­ni­sis im Spiel: Apha­ni­sis im Sin­ne von Jo­nes, als Ver­schwin­den des Be­geh­rens, Apha­ni­sis im Sin­ne von La­can, als Ver­schwin­den des Sub­jekts.

Für das Ver­schwin­den ver­wen­det La­can den Ter­mi­nus „Fa­ding“ des­halb, weil er sich in der Elek­tro­tech­nik auf die Funk­über­tra­gung be­zieht und da­mit auf die Kom­mu­ni­ka­ti­on (vgl. 368).

Ur­ver­drän­gung: das Ver­schwin­den des Sub­jekts des Äu­ße­rungs­vor­gangs

Das Sub­jekt ver­schwin­det auf der Ebe­ne des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses, des Äu­ße­rungs­vor­gangs (énon­cia­ti­on) (vgl. 49, 96). Es ver­schwin­det hin­ter ei­nem Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 108), da­mit ver­mut­lich der Phal­lus ge­meint. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht in der Syn­ko­pe ei­nes Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 209). Auf der Ebe­ne der Kas­tra­ti­on er­scheint das Sub­jekt in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe (vgl. 414). „Ver­schwin­den des Sub­jekts“ meint „Ver­schwin­den als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs“, auf dem Ni­veau der „frei­en As­so­zia­ti­on“, der Ver­spre­cher usw. gibt es kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es im Un­be­wuss­ten kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, mit dem das Sub­jekt sich als Spre­cher des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses (der énon­cia­ti­on) be­zeich­nen könn­te (vgl. 434). Auf der Ebe­ne des be­wuss­ten Dis­kur­ses hin­ge­gen (der énon­cé) gibt es ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, mit dem das Sub­jekt sich als Spre­cher be­zeich­nen kann: das Per­so­nal­pro­no­men, also „ich“ (vgl. 436). Die Sub­jekt­spal­tung kann dop­pelt auf­ge­fasst wer­den. Auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten be­steht sie in der Kluft zwi­schen dem Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rat des Un­be­wuss­ten und dem Sub­jekt als Feh­len-ei­nes-Si­gni­fi­kan­ten. Man kann sie aber auch re­kon­stru­ie­ren als Spal­tung zwi­schen zwei Ar­ten des Dis­kur­ses, auf der Ebe­ne des be­wuss­ten Dis­kur­ses kann sich das Sub­jekt als des­sen Sub­jekt be­zeich­nen, auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten hin­ge­gen ist es ein Nichts, das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts.

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist ver­gleich­bar mit der ima­gi­nä­ren Zahl (vgl. 501). So wie eine ima­gi­nä­re Zahl, etwa \sqrt{-1}, aus dem Reich der re­el­len Zah­len aus­ge­schlos­sen ist, gibt es im un­be­wuss­ten Dis­kurs kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts. Den­noch gibt es die ima­gi­nä­re Zahl, sie ist ein Si­gni­fi­kant. Ent­spre­chend gilt: es gibt ei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts, aber er kann auf der Ebe­ne der énon­cia­ti­on nicht ab­ge­ru­fen wer­den.

Na­bel des Traums“

Psy­cho­lo­gisch ma­ni­fes­tiert sich das Ver­schwin­dens des Sub­jekts in dem, was Freud als „Na­bel des Traums“ be­zeich­net: in ei­nem Knäu­el, in dem die Traum­ge­dan­ken kon­ver­gie­ren, das aber un­ent­wirr­bar ist und das dem Un­er­kann­ten auf­sitzt (vgl. 129 f., 501 f.). Der Na­bel des Traums, so hat­te La­can in Se­mi­nar 2 aus­ge­führt, steht in Be­zie­hung zum Rea­len jen­seits al­ler Ver­mitt­lun­gen ima­gi­nä­rer und sym­bo­li­scher Art.63 Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist eine Form des Rea­len, der Kon­fron­ta­ti­on mit ei­ner Nicht-Sym­bo­li­sier­bar­keit.

Be­geh­ren

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts er­eig­net sich auf dem Hö­he­punkt des Be­geh­rens (501). Das Be­geh­ren kann nicht sprach­lich ar­ti­ku­liert wer­den – das, was ar­ti­ku­liert wird, ist im­mer ein An­spruch.

Das Sub­jekt fragt sich auf der Ebe­ne des Un­be­wuss­ten „Was will ich?“ Es stellt sich die­se Fra­ge in Form der vom An­de­ren kom­men­den Fra­ge „Was willst du?“ (vgl. 48 f.).

Das Sub­jekt kann sein Be­geh­ren nur ver­or­ten, wenn es sich auf das Be­geh­ren des An­de­ren be­zieht.

Hier­bei stößt es auf den Man­gel im An­de­ren, dar­auf, dass es auf des­sen Auf­rich­tig­keit an­ge­wie­sen ist (vgl. 446).

Das Be­geh­ren des An­de­ren ver­weist auf ein an­de­res Be­geh­ren, im Grenz­fall gibt es eine un­end­li­che Ver­wei­sung (vgl. 502).

Die­se Kon­fron­ta­ti­on mit dem Be­geh­ren des An­de­ren ist für das Sub­jekt trau­ma­tisch: es stürzt in eine Si­tua­ti­on der Hilf­lo­sig­keit, die, wie Freud ge­zeigt hat, grund­le­gen­der ist als die Angst (vgl. 502).

Kas­tra­ti­on

Die Ant­wort auf die Fra­ge nach dem Be­geh­ren des An­de­ren ist der Phal­lus-Si­gni­fi­kant (vgl. 48 f.).

Die­se Ant­wort führt dazu, dass das Sub­jekt ver­schwin­det (vgl. 48 f.).

Mit dem Ver­schwin­den des Sub­jekts er­scheint der Phal­lus in sei­ner for­ma­len Funk­ti­on (394). (Hier geht es um den Zu­sam­men­hang zwi­schen der Ur­ver­drän­gung und dem Kas­tra­ti­ons­kom­plex.)

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­steht in der Syn­ko­pe ei­nes Si­gni­fi­kan­ten (vgl. 209). Auf der Ebe­ne der Kas­tra­ti­on er­scheint das Sub­jekt in ei­ner Si­gni­fi­kan­ten­syn­ko­pe (vgl. 414).

Das Sub­jekt im Fa­ding, sym­bo­li­siert durch $, ist das kas­trier­te Sub­jekt (vgl. 361).

Das Ver­schwin­den des Sub­jekts ist der Punkt der Pa­nik (108). Das ein­zi­ge, was von der Phal­lus-Ant­wort spür­bar ist, ist die Dro­hung der Kas­tra­ti­on und, bei bei­den Ge­schlech­tern, der Be­griff des Phal­lus­man­gels (vgl. 49).

Sub­jekt im Fa­ding: Code des Un­be­wuss­ten und Phan­tas­ma

In der Po­si­ti­on des Fa­ding fin­det das Sub­jekt, $, zwei Stüt­zen: den sym­bo­li­schen An­spruch und das ima­gi­nä­re Ob­jekt. Bei­de wer­den im Gra­phen des Be­geh­rens dar­ge­stellt (vgl. 368):
– Die ers­te Stüt­zung wird re­prä­sen­tiert durch die For­mel für den Code des Un­be­wuss­ten (bzw., wie La­can spä­ter sa­gen wird, für den Trieb): $◊D; das im Fa­ding be­find­li­che Sub­jekt stützt sich auf den An­spruch.
– Die zwei­te Stüt­zung wird durch die For­mel für das Phan­tas­ma dar­ge­stellt: $◊a; das im Fa­ding be­find­li­che Sub­jekt stützt sich auf das Ob­jekt des Be­geh­rens .

In bei­den For­meln meint das durch­ge­stri­che­ne $: das Sub­jekt im Fa­ding, das Sub­jekt im Ver­schwin­den, das kas­trier­te Sub­jekt (vgl. 368). Im Phan­tas­ma hat das Ver­schwin­den des Sub­jekts bild­haf­ten, sze­ni­schen Cha­rak­ter.

Die Be­zie­hung des Sub­jekts im Fa­ding zum ima­gi­nä­ren Ob­jekt be­ruht dar­auf, dass das Sub­jekt aus dem ima­gi­nä­ren Re­gis­ter ei­nen Teil von sich kom­men lässt, der in die ima­gi­nä­re Be­zie­hung zum an­de­ren ver­wi­ckelt ist (vgl. 446), an­ders ge­sagt, die Stüt­zung des Sub­jekts durch das Ob­jekt des Be­geh­rens be­ruht auf Pro­jek­ti­on.

Um die­sen Punkt der Pa­nik her­um klam­mert das Sub­jekt sich an das Ob­jekt des Be­geh­rens (vgl. 108).

In der For­mel für das Phan­tas­ma steht ◊ für den Schnitt; im Schnitt ma­ni­fes­tiert sich das Sub­jekt (vgl. 501). Im Schnitt ma­ni­fes­tiert sich das Rea­le im Sym­bo­li­schen (471). Das Sub­jekt ist ver­schwun­den, ur­ver­drängt, real (un­sym­bo­li­sier­bar); es ma­ni­fes­tiert sich gleich­wohl auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen: im Schnitt.

Bei­spiel für das Ver­schwin­den des Sub­jekts im Phan­tas­ma: Wenn das Sub­jekt dem An­de­ren sein Ob­jekt des Be­geh­rens zeigt, ver­schwin­det es in der Scham (vgl. 109), da es sich hier­durch als be­geh­ren­des Sub­jekt of­fen­bart.

In der For­mel für das Phan­tas­ma steht der Buch­sta­be a für drei Ar­ten von Ob­jek­ten: prä­ge­ni­ta­les Ob­jekt (Per­ver­si­on), Phal­lus (Neu­ro­se) und Wahn (Psy­cho­se) (vgl. 452 f.). Auf die­se drei Ar­ten von Ob­jek­ten stützt sich das Sub­jekt im Mo­ment des Fa­ding.

VII. Ganz kurz (Nachtrag)

Nach­trag vom 21. Juni 2017:

In­zwi­schen den­ke ich, dass mit „Apha­ni­sis des Sub­jekts“ ge­meint: Das Sub­jekt, in­so­fern es in der Iden­ti­fi­zie­rung nicht auf­geht. Es gibt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten des Sub­jekts = die Iden­ti­fi­zie­rung ist nicht das Sub­jekt. Man kann also sa­gen, die Apha­ni­sis des Sub­jekts das Be­geh­ren des Sub­jekts.

In Be­griff der Apha­ni­sis wird das je­doch pro­zes­su­al im Ver­hält­nis zur Iden­ti­fi­zie­rung auf­ge­fasst: Das Sub­jekt ver­liert sei­nen Halt, die Iden­ti­fi­zie­rung wird brü­chig. Von hier aus sucht es nach ei­nem Halt an­de­rer Art, jen­seits der Iden­tif­zie­rung, und den fin­det es im Ob­jekt a.

Der Be­griff for­dert also dazu auf, im Er­fah­rungs­be­reich der Psy­cho­ana­ly­se nach For­men der Sub­jek­ti­vi­tät zu su­chen, in de­nen eine Iden­ti­fi­zie­rung sich als pro­ble­ma­tisch er­weist, in de­nen sie kei­nen Halt mehr gibt, in de­nen der Bo­den un­ter den Fü­ßen zu rut­schen be­ginnt.

Be­zo­gen auf den Ver­lauf ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur könn­te das hei­ßen: Die Apha­ni­sis ist viel­leicht die Se­rie der Mo­men­te, in de­nen die ver­schie­de­nen Iden­ti­fi­zie­run­gen durch­ge­ar­bei­tet sind und da­mit der Grund da­für ge­legt ist, dass et­was Neu­es er­scheint: die Be­zie­hung zum Ob­jekt a.

VIII. Das Verschwinden des Subjekts im Phantasma – ein Beispiel

La­can er­läu­tert das Ver­schwin­den des Sub­jekts im Phan­tas­ma an­hand der von Freud ana­ly­sier­ten Phan­ta­sie „Ein Kind wird ge­schla­gen“.64 Die im Fol­gen­den zi­tier­te Pas­sa­ge fin­det man in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, sie liegt also ein Jahr vor der Ein­füh­rung des Be­griffs „Fa­ding“.

Wir kön­nen nicht von al­lem auf ein­mal spre­chen, und über­dies war es sehr glück­lich, daß wir nicht gleich an die­se Rol­le der Nach­ge­bo­re­nen ge­dacht ha­ben, von der wir doch alle wis­sen, daß sie von ent­schei­den­der Be­deu­tung in der Aus­lö­sung der Neu­ro­sen ist. Es reicht die kleins­te ana­ly­ti­sche Er­fah­rung, um zu wis­sen, wie sehr das Auf­tau­chen ei­nes klei­nen Bru­ders oder ei­ner klei­nen Schwes­ter die Rol­le ei­nes Kreu­zungs­punk­tes in der Ent­wick­lung ir­gend­ei­ner Neu­ro­se hat. Nur, wenn wir gleich dar­an ge­dacht hät­ten, hät­te das auf un­ser Den­ken ge­nau die­sel­be Wir­kung ge­habt, die wir beim neu­ro­ti­sier­ten Sub­jekt be­ob­ach­ten – sich an die Rea­li­tät die­ses Ver­hält­nis­ses hal­ten, be­wirkt eine voll­kom­me­ne Ver­feh­lung sei­ner Funk­ti­on. Die Be­zie­hung zu dem klei­nen Bru­der oder zu der klei­nen Schwes­ter, zu ir­gend­ei­nem Ri­va­len, nimmt ih­ren ent­schei­den­den Wert nicht auf der Ebe­ne der Rea­li­tät an, son­dern in­so­fern sie sich in eine ganz an­de­re Ent­wick­lung ein­schreibt, die Ent­wick­lung ei­ner Sym­bo­li­sie­rung. Sie macht sie kom­pli­zier­ter und macht eine ganz an­de­re Lö­sung not­wen­dig, eine Lö­sung per Phan­ta­sie­vor­stel­lung. Was ist das für eine Lö­sung? Freud hat uns de­ren Na­tur ar­ti­ku­liert – das Sub­jekt ist auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne ab­ge­schafft, in­so­fern es ein gar nichts ist, dem man jede Wür­di­gung als Sub­jekt ver­wei­gert. In die­sem be­son­de­ren Fall fin­det das Kind die so­ge­nann­te ma­so­chis­ti­sche Phan­ta­sie­vor­stel­lung vom Aus­peit­schen, die auf die­ser Ebe­ne eine ge­lun­ge­ne Lö­sung des Pro­blems bil­det.“65

Die Phan­ta­sie „Ein Kind wird ge­schla­gen“ ist eine Mas­tur­ba­ti­ons­phan­ta­sie; Freud zu­fol­ge tritt sie früh auf, vor dem Schul­be­such, im fünf­ten oder sechs­ten Le­bens­jahr. Bei sechs Pa­ti­en­ten hat er die Phan­ta­sie gründ­lich un­ter­sucht, bei vier Frau­en und zwei Män­nern, bei an­de­ren Pa­ti­en­ten fand er Hin­wei­se auf die Phan­ta­sie, die er je­doch we­ni­ger gut un­ter­sucht hat.

Die Phan­ta­si­en der Frau­en un­ter­schei­den sich von de­nen der Män­ner; bei bei­den Ge­schlech­tern durch­lau­fen sie meh­re­re Ent­wick­lungs­pha­sen. La­can be­zieht sich hier auf das ers­te Sta­di­um, das die Phan­ta­sie beim Mäd­chen an­nimmt. Das ge­schla­ge­ne Kind ist eine an­de­re Per­son als die Phan­ta­sie­ren­de, der­je­ni­ge, der schlägt, eben­falls; bei nä­he­rer Ana­ly­se zeigt sich, dass es sich um den Va­ter han­delt. Das ers­te Sta­di­um der Phan­ta­sie lässt sich beim Mäd­chen durch den Satz wie­der­ge­ben: „Der Va­ter schlägt ein an­de­res Kind“.

Der An­lass für die Ent­ste­hung der Phan­ta­sie ist, Freud zu­fol­ge, das Auf­tre­ten ei­nes Ge­schwis­ters. Der Ri­va­li­täts­kon­flikt wird auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne be­wäl­tigt, eben durch die Phan­ta­sie­vor­stel­lung. Die Phan­ta­sie hat also (in der ers­ten Pha­se) die Form „Der Va­ter schlägt das mir ver­hass­te Kind“. In ihr wird der Ri­va­le auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne auf ein Nichts re­du­ziert, er wird als Sub­jekt ab­ge­schafft, ihm wird die Wür­di­gung als Sub­jekt ver­wei­gert. Von der De­mü­ti­gung als Ziel des Sa­dis­mus spricht be­reits Krafft-Ebing und Freud über­nimmt das.66 In „Ein Kind wird ge­schla­gen“ schreibt er:

Man [d.h. das Kind] ver­steht bald, daß Ge­schla­gen­wer­den, auch wenn es nicht sehr wehe tut, eine Ab­sa­ge der Lie­be und eine De­mü­ti­gung be­deu­tet. So man­ches Kind, das sich für sich thro­nend in der un­er­schüt­ter­li­chen Lie­be sei­ner El­tern hielt, ist durch ei­nen ein­zi­gen Schlag aus al­len Him­meln sei­ner ein­ge­bil­de­ten All­macht ge­stürzt wor­den. Also ist es eine be­hag­li­che Vor­stel­lung, daß der Va­ter die­ses ver­haß­te Kind schlägt, ganz un­ab­hän­gig da­von, ob man ge­ra­de ihn schla­gen ge­se­hen hat. Es heißt: ‚Der Va­ter liebt die­ses an­de­re Kind nicht, er liebt nur mich.‘“67

La­can fährt fort:

Wir ha­ben uns nicht auf die­sen Fall zu be­schrän­ken, müs­sen aber zu­nächst ein­mal ver­ste­hen, was dar­in ge­schieht. Und das, was dar­in ge­schieht, ist ein sym­bo­li­scher Akt, Freud hebt das deut­lich her­vor – die­ses Kind, das sich für je­man­den in der Fa­mi­lie hält, eine ein­zi­ge Ohr­fei­ge reicht häu­fig, es vom Gip­fel sei­ner All­macht her­ab­zu­stür­zen. Nun, es han­delt sich um ei­nen sym­bo­li­schen Akt, und die Form selbst, die in der Phan­ta­sie­vor­stel­lung ins Spiel kommt, die Peit­sche oder der Stock, trägt in sich den Cha­rak­ter, hat die Na­tur von ich weiß nicht was für ei­ner Sa­che, die sich auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne durch ei­nen Strei­fen (raie) aus­drückt. Vor was auch im­mer an an­de­rem, ei­ner Ein­füh­lung* ir­gend­ei­ner Em­pa­thie, die sich ei­nem phy­si­schen Ver­hält­nis des Sub­jekts mit dem­je­ni­gen, der lei­det, zu­schrei­ben lie­ße, das, was vor al­lem in­ter­ve­niert, ist et­was, wel­ches das Sub­jekt streicht, wel­ches es durch­streicht, wel­ches es ab­schafft, et­was Si­gni­fi­kan­tes.“68

Das Schla­gen ist eine sym­bo­li­sche Hand­lung, die das Kind früh ver­steht: ein Akt der De­mü­ti­gung und ein de­mons­tra­ti­ver Lie­bes­ent­zug. Das Sub­jekt wird da­durch ab­ge­schafft, dass ihm de­mons­tra­tiv Wert­schät­zung, Re­spekt, An­er­ken­nung ent­zo­gen wer­den (zur Ab­schaf­fung des Sub­jekts durch Ent­zug der An­er­ken­nung vgl. die­sen Blog­ein­trag). Der Ge­schla­ge­ne stürzt hier­durch vom Gip­fel sei­ner All­macht. In der Rea­li­tät kann die­ser sym­bo­li­sche Akt in ei­ner Ohr­fei­ge be­stehen.

Die Ein­füh­lung des phan­ta­sie­ren­den Mäd­chens in das ge­schla­ge­ne Kind, also die ma­so­chis­ti­sche Di­men­si­on, spielt nur eine se­kun­dä­re Rol­le.

Ent­schei­dend ist viel­mehr, wie der Ent­zug der An­er­ken­nung in Sze­ne ge­setzt wird. In der Phan­ta­sie wird das Schla­gen mit­hil­fe ei­nes Stocks oder ei­ner Peit­sche voll­zo­gen, sagt La­can, mit ei­nem In­stru­ments also, das auf dem Kör­per des Op­fers Strie­men er­zeugt. Das In­stru­ment schreibt in den Kör­per Si­gni­fi­kan­ten ein; traits un­aires wird La­can sie in Se­mi­nar 10 nen­nen, Ein­zel­stri­che, ein­zel­ne Züge. Das In­stru­ment ist eine Hin­zu­fü­gung La­cans, Freud spricht in sei­ner Un­ter­su­chung nur vom Schla­gen; man fin­det bei ihm kei­nen Hin­weis dar­auf, ob in den von ihm un­ter­such­ten Phan­ta­si­en mit der Hand ge­schla­gen wird, mit ei­nem Pan­tof­fel, mit ei­nem Stock oder mit was auch im­mer. In Das öko­no­mi­sche Pro­blem des Ma­so­chis­mus spricht Freud über ma­so­chis­ti­sche Phan­ta­si­en von Män­nern, hier wird die Peit­sche am Ran­de er­wähnt: der ma­ni­fes­te In­halt die­ser Phan­ta­si­en ist:

ge­kne­belt, ge­bun­den, in schmerz­haf­ter Wei­se ge­schla­gen, ge­peitscht, ir­gend­wie miß­han­delt, zum un­be­ding­ten Ge­hor­sam ge­zwun­gen, be­schmutzt, er­nied­rigt zu wer­den.“69

Ne­ben der Peit­sche wer­den hier von Freud drei wei­te­re In­stru­men­te an­ge­führt, die die Funk­ti­on ha­ben, das Sub­jekt ab­zu­schaf­fen: der Kne­bel, das Band und der Schmutz.

Der Ri­va­le wird in der Phan­ta­sie als Sub­jekt durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten aus­ge­stri­chen und so zum su­jet bar­ré, zum aus­ge­sperr­ten Sub­jekt, zu dem Sub­jekt, das von ei­nem kon­sti­tu­ie­ren­den Teil von sich aus­ge­sperrt ist. In der For­mel des Phan­tas­mas, $◊a, steht der Strich über dem S also bei­spiels­wei­se für eine Peit­sche oder für die Strie­men, die durch eine Peit­sche oder ei­nen Stock in ei­nen Kör­per ein­ge­brannt wer­den, so­fern die­se Strie­men mit der Ab­schaf­fung des Sub­jekts auf der sym­bo­li­schen Ebe­ne ver­bun­den sind, so­fern sie das Ver­schwin­den des Sub­jekts her­bei­füh­ren.

In der ers­ten Pha­se der Phan­ta­sie­vor­stel­lung ist das Ver­schwin­den des Sub­jekts auf der Sei­te des an­de­ren ver­or­tet, des Ri­va­len. Die zwei­te Pha­se die­ser Phan­ta­sie­vor­stel­lung ist beim Mäd­chen „Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen“; die­se Vor­stel­lung ist ir­rever­si­bel ver­drängt. In ihr wan­dert das Ver­schwin­den des Sub­jekts von der Sei­te des an­de­ren auf die des phan­ta­sie­ren­den Sub­jekts.

IX. Ausblicke: Fading und Urverdrängung

Seminar 11, „Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse“

Im Se­mi­nar über die vier Grund­be­grif­fe heißt es:

Wir kön­nen sie, die­se Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz*, in un­se­rem Sche­ma der Ur­sprungs­me­cha­nis­men der Ent­frem­dung in die­ser ers­ten Si­gni­fi­kan­ten­kopp­lung ver­or­ten, die es uns er­mög­licht, zu be­grei­fen, dass das Sub­jekt zu­nächst da­durch im An­de­ren er­scheint, dass der ers­te Si­gni­fi­kant, der unä­re Si­gni­fi­kant, auf dem Feld des An­de­ren auf­taucht, und er das Sub­jekt für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert, wo­bei die­ser an­de­re Si­gni­fi­kant die Apha­ni­sis des Sub­jekts zur Wir­kung hat. Von da­her die Spal­tung des Sub­jekts – wenn das Sub­jekt ir­gend­wo als Sinn er­scheint, ma­ni­fes­tiert es sich an­ders­wo als Fa­ding, als Ver­schwin­den. Es geht also, wenn man so sa­gen kann, auf Le­ben und Tod zwi­schen dem unä­ren Si­gni­fi­kan­ten und dem Sub­jekt als bi­nä­rem Si­gni­fi­kan­ten, der Ur­sa­che sei­nes Ver­schwin­dens. Die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz ist der bi­nä­re Si­gni­fi­kant.

Die­ser Si­gni­fi­kant bil­det dann den zen­tra­len Punkt der Ur­ver­drän­gung, des­sen, was, nach­dem es ins Un­be­wuss­te über­ge­gan­gen ist, der An­zie­hungs*punkt sein wird – wor­auf Freud in sei­ner Theo­rie hin­weist –, durch den alle an­de­ren Ver­drän­gun­gen mög­lich sein wer­den, alle an­de­ren ähn­li­chen Über­gän­ge an den Ort des Un­ter­drück­ten*, des­sen, was als Si­gni­fi­kant nach un­ten ge­gan­gen ist. Dar­um geht es beim Ter­mi­nus ‚Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz‘.“70

Es gibt zwei Si­gni­fi­kan­ten.

Der eine Si­gni­fi­kant re­prä­sen­tiert das Sub­jekt. Er rea­li­siert die­se Funk­ti­on da­durch, dass er das Sub­jekt als Sinn er­schei­nen lässt. Die­ser das Sub­jekt durch den Sinn re­prä­sen­tie­ren­de Si­gni­fi­kant wird von La­can als „unä­rer Si­gni­fi­kant“ be­zeich­net.

Der unä­re Si­gni­fi­kant re­prä­sen­tiert das Sub­jekt für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten.

Der an­de­re Si­gni­fi­kant wird von La­can „bi­nä­rer Si­gni­fi­kant ge­nannt. Der an­de­re, bi­nä­re Si­gni­fi­kant ist, in Freuds Be­griff­lich­keit, die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz des Trie­bes, an die der Trieb dau­er­haft ge­bun­den bleibt und die nicht be­wusst wer­den kann.

Der bi­nä­re Si­gni­fi­kant hat die Funk­ti­on, dass er das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­wirkt, sein Fa­ding (sei­ne Apha­ni­sis, wie man er­gän­zen kann). Wenn man den bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten mit S2 sym­bo­li­siert, kann man sa­gen: Das Ver­schwin­den des Sub­jekts wird durch S2 sym­bo­li­siert – und nicht durch $, wie in Se­mi­nar 6 und wie im Auf­satz Die Len­kung der Kur.

Kurz: Der unä­re Si­gni­fi­kant re­prä­sen­tiert das Sub­jekt als Sinn für den bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten, näm­lich für die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz, durch die das Fa­ding des Sub­jekts her­vor­ge­ru­fen wird.

Der bi­nä­re Si­gni­fi­kant, der das Fa­ding des Sub­jekts her­bei­führt, ist der zen­tra­le Punkt der Ur­ver­drän­gung. Mit dem Be­griff „Fa­ding“ re­kon­stru­iert La­can Freuds Be­griff der Ur­ver­drän­gung, das wird hier di­rekt ge­sagt, es muss nicht, wie in Se­mi­nar 6, er­schlos­sen wer­den durch den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ver­schwin­den des Sub­jekts, dem Phal­lus und der Ur­ver­drän­gung.

Das Fa­ding wird hier mit dem bi­nä­ren Si­gni­fi­kan­ten zu­sam­men­ge­bracht und nicht mit dem Sym­bol $, wie in Se­mi­nar 6, in dem der Be­griff des „Fa­ding“ ein­ge­führt wird, so­wie im Auf­satz Die Len­kung der Kur).

Seminar 14, „Die Logik des Phantasmas“

Im Die Lo­gik des Phan­tas­mas (Se­mi­nar 14 von 1966/67) fasst La­can das Ver­schwin­den des Sub­jekts auf neue Wei­se. Er spricht hier vom „Nicht-Ich“ (pas-je), das er mit Freuds Be­griff des Es gleich­setzt. Das Nicht-Ich oder Es ist die lo­gi­sche Struk­tur oder auch die gram­ma­ti­sche Struk­tur.

Zur Er­läu­te­rung be­zieht er sich ein wei­te­res Mal auf die Phan­ta­sie „Ein Kind wird ge­schla­gen“. Die zwei­te Pha­se die­ser Phan­ta­sie, „Ich wer­de vom Va­ter ge­schla­gen“, kann vom Ana­ly­ti­ker re­kon­stru­iert, vom Sub­jekt aber nicht er­in­nert wer­den. Für La­can heißt das: Die Phan­ta­sie „Ein Kind wird ge­schla­gen“ ist ein Satz, der durch sei­ne Struk­tur das „ich“ (je) aus­schließt; in ihm ma­ni­fes­tiert sich das Nicht-Ich, das Es.71

Seminar 16, „Von einem Anderen zum anderen“

In der zwei­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars er­läu­tert La­can wie­der ein­mal sei­ne For­mel „Ein Si­gni­fi­kant ist das, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird“. Den Si­gni­fi­kan­ten, der das Sub­jekt re­prä­sen­tiert, be­zeich­net er als S1, den­je­ni­gen Si­gni­fi­kan­ten, für den S1 das Sub­jekt re­prä­sen­tiert, als S2. Er fährt dann fort:

Die­ser an­de­re Si­gni­fi­kant [S2] ist in die­ser grund­le­gen­den Ver­bin­dung ge­nau das, wo­von das Wis­sen re­prä­sen­tiert wird. Das Wis­sen ist also, in der ers­ten Ar­ti­ku­la­ti­on des­sen, wor­um es bei der Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten geht, in­so­fern das Sub­jekt durch sie de­ter­mi­niert wir, das Wis­sen ist der un­durch­sich­ti­ge Ter­mi­nus, in dem das Sub­jekt selbst dazu ge­langt, wenn ich so sa­gen kann, ver­lo­ren zu ge­hen, oder auch aus­ge­löscht zu wer­den, wenn Sie so wol­len, und das ist das, was im­mer den Be­griff re­prä­sen­tiert, den ich durch Ver­wen­dung des Aus­drucks ‚Fa­ding‘ her­vor­ge­ho­ben habe. In die­ser Be­zie­hung, in die­ser Ge­ne­se des Sub­jekts stellt sich das Wis­sen zu Be­ginn als der Ter­mi­nus dar, wo das Sub­jekt dazu ge­langt, aus­ge­löscht zu wer­den.

Das eben ist die Be­deu­tung des­sen, was Freud als ‚Ur­ver­drän­gung*‘ be­zeich­net, die­se an­geb­li­che Ver­drän­gung, über die ge­sagt wird, aus­drück­lich for­mu­liert wird, dass es kei­ne ist, son­dern dass sie der Kern ist, der be­reits au­ßer­halb der Reich­wei­te des Sub­jekts ist, ob­wohl es Wis­sen ist. Das ist das, was der Be­griff der Ur­ver­drän­gung* be­deu­tet, in­so­fern er es er­mög­licht, dass eine gan­ze Si­gni­fi­kan­ten­ket­te dazu ge­langt, sich mit ihm wie­der zu tref­fen, wor­in die­ses Rät­sel ent­hal­ten ist, die­se ech­te con­tra­dic­tio in adiec­to, näm­lich das Sub­jekt als un­be­wusst.„72

In der For­mel „S1 re­prä­sen­tiert für S2 das Sub­jekt“ steht S2 für das Wis­sen, in dem das Sub­jekt aus­ge­löscht ist. Die mit dem Wis­sen ver­bun­de­ne Aus­lö­schung des Sub­jekts wird von Freud als „Ur­ver­drän­gung“ be­zeich­net, von La­can als „Fa­ding“. Die so­ge­nann­te Ur­ver­drän­gung ist al­ler­dings kei­ne wirk­li­che Ver­drän­gung, da sie au­ßer­halb der Reich­wei­te des Sub­jekts ist (an­ders ge­sagt, da es hier kein Er­in­nern durch „freie As­so­zia­ti­on“ gibt). Die Ur­ver­drän­gung ist mit ei­ner gan­zen Si­gni­fi­kan­ten­ket­te ver­bun­den (mit ei­nem Wis­sen); das Rät­sel, wor­um es beim „un­be­wuss­ten Sub­jekt“ geht, ist zu ar­ti­ku­lie­ren: Hier ver­bin­det sich das Un­be­wuss­te als Wis­sen bzw. als Si­gni­fi­kan­ten­ket­te mit der Ur­ver­drän­gung, mit dem Fa­ding, mit der Aus­lö­schung des Sub­jekts.

Wie be­reits in Se­mi­nar 11 wird das Fa­ding hier durch das Sym­bol S2 re­prä­sen­tiert, nicht, wie in Se­mi­nar 6 und im Gra­phen des Be­geh­rens, durch das Sym­bol $.

X. Anknüpfungspunkt bei Heidegger

Hei­deg­ger sagt:

Ein ‚ist‘ er­gibt sich, wo das Wort zer­bricht.“73

La­can be­zieht sich nicht di­rekt auf die­sen Satz, aber viel­leicht hat er sich durch ihn an­re­gen las­sen.

Mit La­can kann man Hei­deg­gers Dik­tum so über­set­zen: Das Sein des Sub­jekts – die Ant­wort auf die Seins­fra­ge, auf die Fra­ge „Was bin ich?“ – ma­ni­fes­tiert sich dort, wo zwei Si­gni­fi­kan­ten feh­len, der eine auf der Sei­te des An­de­ren, Ⱥ, der an­de­re auf der Sei­te des Sub­jekts, $.

XI. Anknüpfungspunkt bei Sartre

Deut­li­cher ist der Be­zug zu Sart­re. In Das Sein und das Nichts (1943) heißt es:

Sein ist für das Für-sich das An-sich, das es ist, nich­ten. Un­ter die­sen Be­din­gun­gen kann die Frei­heit nichts an­de­res sein als die­se Nich­tung. Durch sie ent­geht das Für-sich sei­nem Sein als sei­nem We­sen; durch sie ist es im­mer et­was an­de­res als das, was man von ihm sa­gen kann, denn zu­min­dest ist es das, was eben die­ser Be­nen­nung ent­geht, was schon jen­seits des Na­mens ist, den man ihm gibt, der Ei­gen­schaft, die man ihm zu­er­kennt.“74

Das Für-sich (das be­wuss­te Ich) ist zu­gleich ein An-sich (ein Sein ohne Selbst­be­zug). Das Sein des Für-sich be­steht dar­in, das An-sich zu nich­ten, zu ne­gie­ren. Das Für-sich kann sich auf sein An-sich nur in der Wei­se be­zie­hen, dass es das An-sich ne­giert, also ver­fehlt. Das Sub­jekt ist im­mer et­was an­de­res als das, was man von ihm sa­gen kann, es ist das, was die­ser Be­nen­nung ent­geht. Eben dar­in be­steht für La­can das Ver­schwin­den des Sub­jekts hin­ter dem Si­gni­fi­kan­ten, das Fa­ding, die Apha­ni­sis. Die fol­gen­de Be­mer­kung lässt sich di­rekt auf die psy­cho­ana­ly­ti­sche Be­hand­lung be­zie­hen:

Denn al­lein da­durch, daß ich Be­wußt­sein von den mein Han­deln her­vor­ru­fen­den Mo­ti­ven habe, sind die­se Mo­ti­ve tran­szen­den­te Ge­gen­stän­de für mein Be­wußt­sein, sind sie drau­ßen; ver­geb­lich wer­de ich ver­su­chen, mich wie­der an sie zu klam­mern: ich ent­ge­he ih­nen durch mei­ne Exis­tenz selbst. Ich bin ver­ur­teilt, für im­mer jen­seits mei­nes We­sens zu exis­tie­ren, jen­seits der An­trie­be und Mo­ti­ve mei­ner Hand­lung: ich bin ver­ur­teilt, frei zu sein. (…) In dem Maß, wie sich das Für-sich sein ei­ge­nes Nichts ver­heh­len und sich das An-sich als sei­nen wah­ren Seins­mo­dus ein­ver­lei­ben will, ver­sucht es auch, sich sei­ne Frei­heit zu ver­heh­len.“75

XII. Zur Sekundärliteratur

1. Roland Chemama 

Im Ar­ti­kel „Apha­ni­sis“ des Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se re­fe­riert Che­ma­ma zu­nächst La­cans Kri­tik an Jo­nesʼ Be­griff der apha­ni­sis, dann fährt er fort:

Es ist in­ter­es­sant fest­zu­hal­ten, dass La­can den Ter­mi­nus Apha­ni­sis wie­der auf­neh­men und ganz an­ders ver­wen­den wird, ins­be­son­de­re in Se­mi­nar XI (Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se), dass er ei­nen struk­tu­rel­len Ge­brauch da­von ma­chen wird, be­zo­gen auf das Ver­hält­nis des Sub­jekts zu den Si­gni­fi­kan­ten. Man weiß ja, dass für La­can das Sub­jekt sich zu die­sem oder je­nem Mo­ment von die­sem oder je­nem Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert fin­den kann, un­ter dem es sich ein­schreibt. Aber die­se Re­prä­sen­ta­ti­on voll­zieht sich im­mer im Ver­hält­nis zu an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten oder zu­min­dest zu ei­nem an­de­ren, der sich dem ent­ge­gen­setzt oder ihn be­glei­tet oder folgt. Von da­her hat die­ser zwei­te Si­gni­fi­kant die Hoff­nung des Sub­jekts ent­täuscht, end­lich Zu­gang zu ei­nem Ter­mi­nus zu ha­ben, der sein Sein be­zeich­nen wür­de. In die­sem Ver­lust, der an die Exis­tenz des ‚bi­nä­ren‘ Si­gni­fi­kan­ten ge­bun­den ist, wird La­can schließ­lich das ver­or­ten, wo­durch die Apha­ni­sis her­vor­ge­ru­fen wird.“76

Die Apha­ni­sis be­steht dar­in, dass das Sub­jekt kei­nen Si­gni­fi­kan­ten fin­det, mit dem es sich be­zeich­nen könn­te. Das ist die bes­te Dar­stel­lung von La­cans Kon­zept der Apha­ni­sis, die ich in der Se­kun­där­li­te­ra­tur ge­fun­den habe; der Grund­ge­dan­ke wird tref­fend er­läu­tert.

Wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen feh­len al­ler­dings, vor al­lem, dass es La­can beim Be­griff der Apha­ni­sis um eine Re­kon­struk­ti­on der Be­zie­hung zwi­schen Ur­ver­drän­gung und Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes geht und dass sich das Sub­jekt am Punkt der Apha­ni­sis auf das Ob­jekt des Be­geh­rens stützt.

2. Dylan Evans

Evans be­schreibt rich­tig den Ge­gen­satz zwi­schen Jo­nesʼ Be­griff der apha­ni­sis (Ver­schwin­den des Be­geh­rens) und dem apha­ni­sis–Be­griff von La­can (Ver­schwin­den des Sub­jekts); von Evans er­fährt man auch, dass La­can Apha­ni­sis und Fa­ding als Syn­ony­me be­han­delt. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts be­schreibt er so:

Es ist das Aus­blen­den, die fun­da­men­ta­le Tei­lung des Sub­jekts (Spal­tung), die die Dia­lek­tik des Be­geh­rens ein­lei­tet.“77

Es fehlt die Haupt­sa­che: eine Er­läu­te­rung, wor­in das „Aus­blen­den“ be­steht, näm­lich dar­in, dass es im Dis­kurs des Un­be­wuss­ten kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, mit dem das Sub­jekt sich be­zeich­nen könn­te. Es fehlt also, dass es beim Be­griff „Apha­ni­sis“ um die Re­kn­struk­ti­on der Ur­ver­drän­gung als Ver­schwin­den des Sub­jekts des Äu­ße­rungs­vor­gangs geht.

3. Bruce Fink

Fink schreibt:

Doch auch hier [be­zo­gen auf das Phan­tas­ma] spricht La­can im All­ge­mei­nen eher von der ‚Apha­ni­sis‘ oder dem ‚fa­ding‘ des neu­ro­ti­schen Sub­jekts in sei­nem Phan­tas­ma, so­fern die Ob­jekt-Ur­sa­che im Mit­tel­punkt steht. Ob­jekt a rückt in den Vor­der­grund und be­kommt im Phan­tas­ma die Haupt­rol­le zu­ge­teilt, wo­durch das Sub­jekt in den Schat­ten ge­stellt wird.“78

Das Fa­ding des Sub­jekts im Phan­tas­ma be­ruht dem­nach dar­auf, dass das Ob­jekt die Haupt­rol­le be­kommt. In Se­mi­nar 6 ent­wi­ckelt La­can die ent­ge­gen­ge­setz­te The­se: Das Phan­tas­ma stellt (sze­nisch) dar, wie das Sub­jekt ver­schwin­det, und wie es in die­sem Ver­schwin­den eine Stüt­ze in ei­nem Ob­jekt fin­det (vgl. 108, 452 f.).

4. Erik Porge

Por­ge schreibt,

was der Ex­hi­bi­tio­nist und der Voy­eur nicht se­hen, ist ihre ei­ge­ne Spal­tung, ihr ei­ge­nes Fa­ding, der Spalt selbst, mit dem sie sich iden­ti­fi­zie­ren.“79

Das wirft die Fra­ge auf, wie sich im Phan­tas­ma das Fa­ding des Sub­jekts zum Spalt oder Schnitt ver­hält.

Ich habe die Be­zie­hung so ver­stan­den:
– Das Fa­ding be­steht, un­ab­hän­gig vom Phan­tas­ma, dar­in, dass es auf der Ebe­ne der énon­cia­ti­on, des Äu­ße­rungs­vor­gangs (etwa der „frei­en As­so­zia­ti­on“) kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, mit dem das Sub­jekt sich be­zeich­nen könn­te. Dies ist La­cans Re­kon­struk­ti­on der Ur­ver­drän­gung.
–Im Phan­tas­ma wird das Ver­schwin­den des Sub­jekts sze­nisch dar­ge­stellt, etwa da­durch, dass je­mand ge­schla­gen wird, ihm also die sym­bo­li­sche An­er­ken­nung ent­zo­gen wird.
– Im Schnitt ma­ni­fes­tiert sich das Rea­le auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen.
– Im Phan­tas­ma er­scheint der Schnitt auf der ima­gi­nä­ren Ebe­ne, etwa als Fens­ter­rah­men (vgl. 501).

5. Samuel Weber

In We­bers Buch Rück­kehr zu Freud: Jac­ques La­cans Ent-stel­lung der Psy­cho­ana­ly­se trägt ein Ka­pi­tel die Über­schrift „Das Sub­jekt als ‚fa­der‘: Zum Ima­gi­nä­ren und Sym­bo­li­schen“. Hier heißt es:

Aber die­ses letz­te Sub­jekt der Äu­ße­rung ver­hält sich nicht ein­fach als sym­me­tri­scher Ge­gen­pol zum Sub­jekt der Aus­sa­ge, zum moi, son­dern im Ge­gen­satz zur vor­geb­li­chen Ein­heit und Iden­ti­tät die­ses moi ist das Sub­jekt der Äu­ße­rung not­wen­dig ge­spal­ten, sus­pen­diert zwi­schen dem Sinn der Aus­sa­ge und der über­schüs­si­gen Be­we­gung der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te, de­ren Über­de­ter­mi­na­ti­on. Das Sub­jekt der Äu­ße­rung ist da­her nicht nur ein shif­ter, son­dern noch mehr ein ‚fa­der‘ (oder eine Fe­der); da­her ver­sucht La­can, es nicht nur im ‚Ich‘ als Pro­no­men zu si­tu­ie­ren, son­dern eben­falls in ei­nem so­ge­nann­ten ‚Füll­wort‘ wie dem fran­zö­si­schen ‚ne‘, das vor al­lem in sub­junk­ti­ven Sät­zen das Mo­ment des Wun­sches be­tont.“80

Das Sub­jekt der Äu­ße­rung ist dem­nach ein shif­ter und ein fa­der; es ist u.a. im „ich“ als Pro­no­men si­tu­iert.

In Se­mi­nar 6 sagt La­can das Ge­gen­teil. Das Fa­ding des Sub­jekts be­steht dar­in, dass es auf der Ebe­ne des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses kei­nen Si­gni­fi­kan­ten gibt, mit dem das Sub­jekt sich selbst als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs be­zeich­nen kann; als Er­satz springt das Ob­jekt a ein, das also ge­wis­ser­ma­ßen wie ein Per­so­nal­pro­no­men fun­giert, wie ein Shif­ter, das al­ler­dings kein Sym­bol ist son­dern ein ima­gi­nä­res Ele­ment. Mit ihm be­zeich­net sich das Sub­jekt selbst – durch den Me­cha­nis­mus der Pro­jek­ti­on (vgl. 435 f., 501).

6. Peter Widmer

Wid­mer sieht in La­cans Be­griff der Apha­ni­sis eine Er­wei­te­rung von Jo­nes Be­griff der Apha­ni­sis, näm­lich den Ver­lust des Be­geh­rens, wenn das Sub­jekt sich mit dem Ob­jekt iden­ti­fi­ziert.81

Das ist nicht halt­bar. Jo­nesʼ Be­griff der Apha­ni­sis des Be­geh­rens wird von La­can in Se­mi­nar 6 nicht er­wei­tert, son­dern als Er­klä­rung des Kas­tra­ti­ons­kom­ple­xes zu­rück­ge­wie­sen. Da­ge­gen setzt La­can ei­nen ei­ge­nen Be­griff von Apha­ni­sis: nicht Ver­schwin­den des Be­geh­rens, son­dern Ver­schwin­den des Sub­jekts des Äu­ße­rungs­vor­gangs (vgl. 501).

Wid­mer fährt fort:

Der Apha­ni­sis ent­spricht auf der an­dern Sei­te das fa­ding des Sub­jekts, sein Schwin­den, das dann ein­tritt, wenn das Ob­jekt fehlt und das Sub­jekt von den Si­gni­fi­kan­ten sei­nes Dis­kur­ses re­prä­sen­tiert wird.“82

Wid­mer scheint Apha­ni­sis (im Sin­ne von La­can) und Fa­ding für zwei un­ter­schied­li­che Be­grif­fe zu hal­ten, tat­säch­lich setzt La­can sie in Se­mi­nar 6 gleich (vgl. 501).

Das Fa­ding tritt, Wid­mer zu­fol­ge, dann ein, wenn das Ob­jekt fehlt und das Sub­jekt von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten sei­ner Dis­kur­ses re­prä­sen­tiert wird. In Se­mi­nar 6 stellt La­can es an­ders her­um dar. Das Fa­ding des Sub­jekts wird da­durch her­vor­ge­ru­fen, dass das Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs von den Si­gni­fi­kan­ten des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses nicht re­prä­sen­tiert wird; in die­ser Si­tua­ti­on stützt sich das Sub­jekt auf ein Ob­jekt des Be­geh­rens, dass dann wie ein Per­so­nal­pro­no­men fun­giert (vgl. 108, 452 f.).

7. Wikipedia englisch

In der eng­lisch­spra­chi­gen Ver­si­on von Wi­ki­pe­dia heißt es im Ar­ti­kel „Apha­ni­sis“:

Weil der An­de­re das ein­zi­ge Mit­tel ist, durch das ein ‚Sub­jekt‘ denk­bar ge­macht wer­den kann, ist die Apha­ni­sis, das Ver­schwin­den oder das Fa­ding des Sub­jekts hin­ter ir­gend­ei­nem Si­gni­fi­kan­ten, der ver­wen­det wird, um es zu er­fas­sen, ein we­sent­li­cher Be­griff für das Ver­ste­hen von Sub­jek­ti­vi­tät und für die Ge­fahr der grund­le­gen­den Lee­re des Sub­jekts.“83

Was hier ver­schwin­det, ist der Be­zug auf das Un­be­wuss­te und auf die Sub­jekt­spal­tung, kurz: auf die Psy­cho­ana­ly­se. La­can geht es nicht dar­um, wie das Sub­jekt denk­bar ist, son­dern wie es zur Spra­che kom­men kann und zwar in ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur. Das Ver­schwin­den des Sub­jekts er­eig­net sich, wenn es ver­sucht, sein ei­ge­nes Be­geh­ren jen­seits der Un­ter­ord­nung un­ter den An­spruch zu er­fas­sen, es ist dann da­mit kon­fron­tiert, dass es ihm nicht mög­lich ist, sich als Sub­jekt des Äu­ße­rungs­vor­gangs (etwa auf in der „frei­en As­so­zia­ti­on“) zu be­nen­nen, als Ur­he­ber des un­be­wuss­ten Dis­kur­ses. Eben dar­in be­steht für La­can die Ur­ver­drän­gung. Im be­wuss­ten Dis­kurs hin­ge­gen – in der énon­cé – gibt es durch­aus ei­nen Re­prä­sen­tan­ten des Sub­jekts: das Per­so­nal­pro­no­men „ich“ (vgl. 436).

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Anmerkungen

  1. Ab­bil­dung aus Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 337, Fär­bung von mir hin­zu­ge­fügt.
  2. Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht. In: J.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ge Über­set­zung. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 132, Fn. 16, Über­set­zung ge­än­dert nach J.L.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 634. Vor­trag von 1958, ver­öf­fent­licht 1961.
  3. E. Jo­nes: The ear­ly de­ve­lop­ment of fe­ma­le se­xua­li­ty. In: The In­ter­na­tio­nal Jour­nal of Psy­cho-Ana­ly­sis, 8. Jg. (1927), S. 459–472, im In­ter­net hier, Zi­tat S. 461.
  4. Er­nest Jo­nes: Die ers­te Ent­wick­lung der weib­li­chen Se­xua­li­tät. In: In­ter­na­tio­na­le Zeit­schrift für Psy­cho­ana­ly­se, 14. Jg. (1928), S. 11–25, Zi­tat S. 13.
  5. Vgl. Se­mi­nar 7, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 30 März 1970; Ver­si­on Miller/Haas, S. 240, dort mit „se­xu­el­ler Ge­nuss“ über­setzt.
  6. Die ge­naue For­mu­lie­rung lau­tet:
    „L’aphanisis de Jo­nes n’est ab­so­lu­ment con­cev­a­ble que dans la di­men­si­on d’un tel être. Car com­ment lui-même nous l’articule-t-il ? Quel pour­rait être le re­cul de quoi que ce soit qui ne soit pas de l’ordre du su­jet par rap­port à une crain­te de perd­re la ca­pa­cité de ce qui est dit en ang­lais : ca­pa­ci­ty de… le ter­me se­xu­al en­joy­ment, je sais qu’il est très dif­fi­ci­le de don­ner un sup­port qui soit équi­va­lent à not­re mot français « jouis­sance », à ce qu’il dé­si­gne en ang­lais. En­joy­ment n’a pas les mê­mes ré­so­nan­ces que jouis­sance et il faud­rait en quel­que sor­te le com­bi­ner avec le ter­me de Lust qui se­rait, peut-être un peu meilleur.“ (Se­mi­nar 13, Sit­zung vom 27. April 1965, Ver­si­on Sta­fer­la)
  7. In Se­mi­nar 1 von 1953/54 wird der Be­griff Apha­ni­sis er­wähnt, ohne dass eine Be­wer­tung deut­lich er­kenn­bar wäre (vgl. Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 280), da­nach be­zieht La­can sich auf Jo­nesʼ Apha­ni­sis deut­lich kri­tisch: in Se­mi­nar 4 von 1956/57 (vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 257 f.), in Se­mi­nar 5 von 1957/58 (vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 373), in La psy­chana­ly­se et son ens­eig­ne­ment (1957) (vgl. Écrits, S. 453 f.) und in Die Be­deu­tung des Phal­lus (Vor­trag von 1958, zu­erst ver­öf­fent­licht 1966) (vgl. Schrif­ten II, S. 123).
  8. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 127, 234, 236 f., 491, 501.
  9. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 501.
  10. Vgl. etwa S. Freud: Bruch­stück ei­ner Hys­te­rie-Ana­ly­se (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 6. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 101. Freud führt die Ohn­macht auf die Wie­der­kehr ei­ner frü­her ge­üb­ten und seit­her auf­ge­ge­be­nen au­to­ero­ti­schen Be­frie­di­gung zu­rück, z. B. Mas­tur­ba­ti­on durch Be­rüh­rung oder Schen­kel­druck; vgl. S. Freud: All­ge­mei­nes über den hys­te­ri­schen An­fall (1909). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 6, a.a.O., S. 201.
  11. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 48; hier und im Fol­gen­den mei­ne Über­set­zung.
  12. Das ne­ben­ste­hen­de Dia­gramm ist aus Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 19. No­vem­ber 1958, Ver­si­on Mil­ler, S. 50.
  13. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 50.
  14. In: Schrif­ten II. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1978, S. 61–117, ge­schrie­ben De­zem­ber 1957/Januar 1958, ver­öf­fent­licht 1958, über­setzt von Chan­tal Creu­sot und Nor­bert Haas.
  15. J. La­can: Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 192–204, hier: S. 198, Über­set­zung ge­än­dert. Vor­trag vom Mai 1958, zu­erst ver­öf­fent­licht 1966 in den Écrits.
  16. Vgl. S. Freud: Die Ver­drän­gung. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 103–118, hier: S. 109.
  17. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 201, Über­set­zung ge­än­dert.
  18. J. L.: Zum Ge­den­ken an Er­nest Jo­nes: Über sei­ne Theo­rie der Sym­bo­lik. In: J.L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 205–229, hier: S. 220. Ver­fasst Ja­nu­ar bis März 1959, ver­öf­fent­licht 1960. Über­set­zung ge­än­dert.
  19. Ab­bil­dung aus: Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 28.
  20. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 169.
    Die Un­ter­schei­dung énonciation/énoncé wird von La­can in der ers­ten Sit­zung des Se­mi­nars ein­ge­führt, am 12. No­vem­ber 1958, und dort auf die bei­den Li­ni­en des Gra­phen be­zo­gen. Er über­nimmt die Be­griffs­op­po­si­ti­on ei­nem Auf­satz von Ro­man Ja­kobson. R. Ja­kobson: Shif­ters, ver­bal ca­te­go­ries, and the Rus­si­an verb (1957). In: Ders.: Selec­ted Wri­tings, Vol. II: Word and Lan­guage. Den Haag: Mou­ton 1972. S. 130–147. – Auf deutsch: Ver­schie­ber, Verb­ka­te­go­ri­en und das rus­si­sche Verb. In: Ro­man Ja­kobson: Form und Sinn. Sprach­wis­sen­schaft­li­che Be­trach­tun­gen. Fink, Mün­chen 1974, S. 35–54, im In­ter­net hier.– Vgl. hier­zu die­sen Blog­bei­trag.
  21. An­toi­ne Ar­nauld und Clau­de Lan­ce­lot: Gram­mai­re gé­né­ra­le et rai­son­née, 1660.
  22. Vgl. S. Freud: Hem­mung, Sym­ptom und Angst (1926). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 4. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 2000, S. 278–281.
  23. Jo­sef Breu­er, Sig­mund Freud: Stu­di­en über Hys­te­rie (1895). In: S. Freud: Ge­sam­mel­te Schrif­ten, Bd. 1. In­ter­na­tio­na­ler Psy­cho­ana­ly­ti­scher Ver­lag, Leip­zig u.a. 1925, S. 96 Fn. 1, 112 Fn. 1.
  24. War­um spricht La­can zu die­sem Zeit­punkt über die­sen Film?
    Das Da­tum der Sit­zung ist der 10. De­zem­ber 1958. Im sel­ben Jahr war von Jac­ques Du­rand und Jean Ga­bo­rit eine re­stau­rier­te Fas­sung von Die Spiel­re­gel er­stellt und Jean Re­noir vor­ge­führt wor­den. 1959 wird die re­no­vier­te Fas­sung bei den In­ter­na­tio­na­len Film­fest­spie­len von Ve­ne­dig ge­zeigt; in den fran­zö­si­schen Ki­nos ist sie erst ab 1965 zu se­hen.
    Be­zieht sich La­can auf die alte, stark ge­kürz­te Ver­si­on? Hat­te er eine pri­va­te Vor­auf­füh­rung der re­no­vier­ten Fas­sung ge­se­hen? Syl­via Ba­tail­le, La­cans Ehe­frau, kann­te Re­noir; in ei­nem sei­ner Fil­me, Eine Land­par­tie, hat­te sie die Haupt­rol­le ge­spielt, der Film wur­de 1936 ge­dreht und erst­mals 1946 ge­zeigt.
    In Se­mi­nar 8 von 1960/61, Die Über­tra­gung, kommt La­can üb­ri­gens auf die Sze­ne aus Die Spiel­re­gel zu­rück und ord­net sie dort irr­tüm­lich ei­nem an­de­ren Film von Re­noir zu, Die gro­ße Il­lu­si­on (vgl. Ver­si­on Miller/Gondek, S. 173).
  25. A.a.O., S. 201.
    La­can be­zieht sich hier auf ein Fres­ko in der Vil­la der Mys­te­ri­en in der Nähe von Pom­pe­ji, er ver­wen­det an die­ser Stel­le den grie­chi­schen Aus­druck, Ai­dos, und fügt in Klam­mern das deut­sche Wort hin­zu, also „Scham“.
  26. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 577.
  27. Me­di­zi­ner be­zeich­nen mit Um­bi­li­ka­ti­on (om­bi­li­ca­ti­on) eine na­bel­för­mi­ge Mul­de in ei­ner Haut­ver­let­zung, z.B. in ei­ner Impf­pus­tel.
  28. La­can sagt, auf Deutsch, „Un­be­kannt“, und ent­spre­chend vor­her auf Fran­zö­sisch in­con­nu; tat­säch­lich spricht Freud vom „Un­er­kann­ten“.
  29. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 130 Fn. 2.
  30. A.a.O., S. 503.
  31. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 96.
  32. Vgl. Se­mi­nar 1, Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 351 f.
  33. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 138.
  34. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 138.
  35. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
  36. Vgl. S. Freud: Der Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes (1924).
  37. Die fol­gen­den Ab­schnit­te über­schnei­den sich mit Pas­sa­gen des Ar­ti­kels Der Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren.
  38. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 434, die Aus­las­sungs­punk­te und die Her­vor­he­bun­gen sind in der Vor­la­ge.
  39. Vgl. Ella Free­man Shar­pe: Ana­ly­sis of a sin­gle dream. Ka­pi­tel V von: Dies.: Dream ana­ly­sis. A prac­tical hand­book for psy­cho-ana­lysts (1937). Ma­res­field Li­bra­ry, Lon­don 1988, S. 125–148; dt.: Traum­ana­ly­se. Übers. v. Ul­ri­ke Stop­fel. Klett-Cot­ta, Stutt­gart 1984.– La­cans Re-Ana­ly­se die­ses Traums fin­det man in den Sit­zun­gen vom 14., 21. und 28. Ja­nu­ar, vom 4. und 11. Fe­bru­ar und vom 4. März 1959.
  40. Vgl. Er­nest Jo­nes: Die Theo­rie der Sym­bo­lik. In: Ders.: Die Theo­rie der Sym­bo­lik und an­de­re Auf­sät­ze. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a., S. 59.
  41. Vgl. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 291.
  42. Vgl. S. Freud: Der Un­ter­gang des Ödi­pus­kom­ple­xes (1924). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 243–251, v.a. S. 248.
  43. Vgl. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 291.
  44. Die Be­zeich­nung von $◊D als „For­mel für den Trieb“ fin­det man nicht in Se­mi­nar 6.
  45. Die Ab­bil­dung ist aus Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 439, von mir über­ar­bei­tet.
  46. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 439.
  47. Eine Über­set­zung von La­cans Aus­füh­run­gen zu den ers­ten bei­den Zei­len des Sche­mas fin­det man in die­sem Blog­ar­ti­kel; die Er­läu­te­run­gen zu den nächs­ten drei La­can-Zi­ta­ten über­schnei­den sich mit de­nen in die­sem äl­te­ren Ar­ti­kel.
  48. Zum Sub­jekt als Fra­ge vgl. Se­mi­nar 3 von 1955/56, Die Psy­cho­sen, dar­in zur hys­te­ri­schen Fra­ge v.a. die Sit­zun­gen vom 14. und 21. März 1956; Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud, Schrif­ten II, S. 46, Auf­satz von 1957; Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht, Schrif­ten II, S. 82–84, Auf­satz von 1958.
  49. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 440.
  50. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 446.
  51. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 446.
  52. Ko­ap­tati­on ist ein Be­griff der Chir­ur­gie: die An­pas­sung der Bruch­stel­len ei­ner ana­to­mi­schen Struk­tur an­ein­an­der, ei­nes Nervs oder ei­nes Kno­chens; sie­he hier.
  53. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 446.
  54. Vgl. S. Freud: Ma­nu­skript H, Bei­la­ge zum Brief an Wil­helm Fließ vom 24.1.1895, in: S. Freud: Brie­fe an Wil­helm Fließ 1887–1904. Un­ge­kürz­te Aus­ga­be, hg. v. Jef­frey Mous­sai­eff Mas­son. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 1986. Der von La­can zi­tier­te Satz fin­det sich hier auf S. 110.
  55. Re­el­le Zah­len sind alle Zah­len, die sich ent­we­der als Brü­che gan­zer Zah­len oder als un­end­li­che De­zi­mal­zah­len dar­stel­len las­sen, d.h. ent­we­der als ra­tio­na­le Zah­len oder als ir­ra­tio­na­le Zah­len.
  56. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 166.
  57. Vgl. J. La­can: Über eine Fra­ge, die je­der mög­li­chen Be­hand­lung der Psy­cho­se vor­aus­geht. In: Schrif­ten II, S. 72; Auf­satz von 1959.
  58. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 494–496.
  59. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
  60. Vgl. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 498.
  61. S. Freud: Ana­ly­se der Pho­bie ei­nes fünf­jäh­ri­gen Kna­ben (1909).
  62. Vgl. S. Freud: Hem­mung, Sym­ptom und Angst, a.a.O., S. 303 f.
  63. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
  64. Vgl. S. Freud: „Ein Kind wird ge­schla­gen.“ Bei­trag zur Kennt­nis der Ent­ste­hung se­xu­el­ler Per­ver­sio­nen (1919). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 229–254.
  65. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 285.
  66. Vgl. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 67; ders.: Trie­be und Trieb­schick­sa­le (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag 2000, S. 91.
  67. Ein Kind wird ge­schla­gen.“, a.a.O., S. 238.
  68. Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 285 f.
  69. Das öko­no­mi­sche Pro­blem des Ma­so­chis­mus (1924). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 345 f.
  70. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 3. Juni 1964; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Mil­ler, S. 199; vgl. Ver­si­on Miller/Haas, S. 229 f.
  71. Vgl. Se­mi­nar 14, Sit­zung vom 11. Ja­nu­ar 1967.
  72. Se­mi­nar 16, Sit­zung vom 27. No­vem­ber 1968, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 55.
  73. M. Hei­deg­ger: Das We­sen der Spra­che. In: Ders.: Un­ter­wegs zur Spra­che. Nes­ke, Pful­lin­gen 1959, S. 157–216, hier: S. 216.
  74. J.-P. Sart­re: Das Sein und das Nichts. Übers. von Hans Schö­ne­berg und Trau­gott Kö­nig. Ro­wohlt, Rein­bek 1994, S. 763, Kur­siv­schrei­bung im Ori­gi­nal.
  75. A.a.O., S. 764.
  76. Ro­land Che­ma­ma: Ar­ti­kel „apha­ni­sis“. In: Ders. u. Ber­nard Van­der­marsch: Dic­tionn­aire de la psy­cho­ana­ly­se. Larous­se, Pa­ris 2009, S. 66 f., mei­ne Über­set­zung
  77. Dy­lan Evans: Wör­ter­buch der La­can­schen Psy­cho­ana­ly­se (1996). Tu­ria + Kant 2006, Ar­ti­kel „apha­ni­sis“, S. 47 f.
  78. Bruce Fink: Das La­can­sche Sub­jekt. Zwi­schen Spra­che und jouis­sance (1995). Tu­ria + Kant, Wien 2006, S. 103.
  79. Erik Por­ge: Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te. Érès, Ra­mon­vil­le Saint-Agne 2000, S. 55 f., mei­ne Über­set­zung.
  80. Sa­mu­el M. We­ber: Rück­kehr zu Freud: Jac­ques La­cans Ent-stel­lung der Psy­cho­ana­ly­se. Ull­stein, Frank­furt am Main u.a. 1978, S. 93.
  81. Vgl. Pe­ter Wid­mer: Sub­ver­si­on des Be­geh­rens. Eine Ein­füh­rung in Jac­ques La­cans Werk. Tu­ria + Kant, Wien 2012, S. 63.
  82. A.a.O., S. 63.
  83. Wi­ki­pe­dia, eng­lisch­spra­chi­ge Ver­si­on, Ar­ti­kel „Apha­ni­sis“, Ab­ruf am 15. Juni 2014, mei­ne Über­set­zung.

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