''Das Sinthom'' entziffern

Kommentar zu Jacques Lacans Vorlesung vom 20. Januar 1976

Rol­len­der Klee­blatt­kno­ten

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, “Das Sin­t­hom“

Jac­ques La­can: Se­mi­nar 23 von 1975/76: Le sin­t­home / Das Sin­t­hom

Kom­men­tar von Rolf Nemitz
ge­stützt auf die Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin ab März 2013

Ei­nen Über­blick über die Kom­men­ta­re zu den ein­zel­nen Sit­zun­gen fin­det man hier, über den ge­sam­ten Kom­men­tar hier.
Eine Über­sicht über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben des Sin­t­hom-Se­mi­nars gibt es hier.

Vorlesung vom 20. Januar 1976

Psychoanalytische Bibliothek Berlin Eingang Hardenbergstraße

Psy­cho­ana­ly­ti­sche Bi­blio­thek Ber­lin

Der fol­gen­de Kom­men­tar be­zieht sich aus­schließ­lich auf die Be­mer­kun­gen von La­can, nicht auf den Vor­trag, den Jac­ques Au­bert in die­ser Sit­zung ge­hal­ten hat.

Dies ist die zwei­te Fas­sung des Kom­men­tars zu die­ser Sit­zung, ver­öf­fent­licht am 2. Mai 2015. Die ers­te Fas­sung wur­de am 19. Juni 2014 ver­öf­fent­licht.

13. Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin
am 27. Mai 2014 in der Psy­cho­ana­ly­ti­schen Bi­blio­thek Ber­lin

TONAUFNAHME

La­cans ein­lei­ten­de Be­mer­kun­gen zu Au­berts Vor­trag:

 

La­cans Schluss­be­mer­kun­gen:

 

FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quel­len der La­can-Zi­ta­te

Fran­zö­si­scher Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­geben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Va­ri­an­te vom 28.6.2013, PDF-Da­tei hier. Die Tran­skrip­ti­on wur­de mit der Au­dio­auf­nah­me ver­gli­chen und ge­ring­fü­gig über­ar­bei­tet.

Deut­scher Text
Die Über­set­zung stützt sich auf die Über­set­zung von Se­mi­nar 23 durch Max Klei­ner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, lin­ke Spal­te die­ser Dop­pel­über­set­zung. Klei­ners Über­set­zung wur­de von Rolf Nemitz stark über­ar­bei­tet.

Sei­ten­zah­len

Fran­zö­si­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Ver­si­on Sta­fer­la vom 28.6.2013.

– Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­ga­be von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­si­on von 2005 die Sei­te 83“. Da Mil­ler die Tran­skrip­ti­on re­dak­tio­nell be­ar­bei­tet hat, un­ter­schei­det sich die hier ge­brach­te Tran­skrip­ti­on häu­fig von Mil­lers Aus­ga­be.

Deut­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner.

An­mer­kun­gen
Die An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text be­zie­hen sich auf Fra­gen der Tran­skrip­ti­on.

– Die An­mer­kun­gen zur Über­set­zung lie­fern In­for­ma­tio­nen zum Text ohne Be­zug auf La­cans Theo­rie so­wie Quer­ver­wei­se.

Links in der Über­set­zung
Die Links im deut­schen Text füh­ren zum „La­can-Le­xi­kon“ in die­sem Ar­ti­kel mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu La­cans Theo­rie.

 

[74] Il doit vous ap­pa­raît­re… je le sup­po­se, si vous n’êtes pas trop ar­rié­rés pour ça …il doit vous ap­pa­raît­re que je suis em­barr­as­sé de Joy­ce com­me un pois­son d’une pom­me. (38)

Es muss Ih­nen schei­nen, ich neh­me es an, wenn Sie dazu nicht all­zu zu­rück­ge­blie­ben sind, es muss Ih­nen schei­nen, dass Joy­ce mich ver­wirrt wie ein Ap­fel ei­nen Fisch. (64)

.

C’est lié évi­dem­ment… je peux le dire par­ce que je l’éprouve, ces jours-ci, jour­nel­le­ment …c’est lié évi­dem­ment à mon man­que de pra­tique, di­sons à mon in­ex­pé­ri­ence de la lan­gue dans laquel­le il écrit. (38)

Das ist of­fen­sicht­lich ge­knüpft – ich kann das sa­gen, weil ich es in die­sen Ta­gen täg­lich er­le­be –, das ist of­fen­sicht­lich ge­knüpft an mei­ne man­geln­de Pra­xis, sa­gen wir an mei­ne Un­er­fah­ren­heit mit der Spra­che, in der er schreibt. (64)

.

Non pas que je sois to­ta­le­ment igno­rant de l’anglais.

Nicht dass ich kei­ner­lei Kennt­nis des Eng­li­schen be­sä­ße.

.

Mais jus­tement, il écrit l’anglais avec ces raf­fi­ne­ments par­ti­cu­liers qui font que la lan­gue – ang­lai­se en l’occasion – il la dés­ar­ti­cu­le. (38)

Aber er schreibt eben das Eng­li­sche mit die­sen be­son­de­ren Raf­fi­nes­sen, die be­wir­ken, dass er die Spra­che, hier die eng­li­sche, des­ar­ti­ku­liert.1 (64)

.

Il faut pas cro­i­re que ça com­mence à Fin­ne­gans Wake. (38)

Man darf nicht glau­ben, dass das mit Fin­ne­gans Wake an­fängt. (64)

.

Bien avant Fin­ne­gans Wake, il a une fa­çon de ha­cher les phra­ses, dans Ulys­ses no­tam­ment. (38)

Schon vor Fin­ne­gans Wake hat er eine be­stimm­te Art, die Sät­ze zu zer­ha­cken, vor al­lem im Ulys­ses. (64)

.

C’est vrai­ment un pro­ces­sus qui s’exerce dans le sens de don­ner à la lan­gue dans laquel­le il écrit, un aut­re usa­ge, un usa­ge en tout cas qui est loin d’être or­dinaire. (38)

Das ist in der Tat ein Pro­zess, der durch­ge­führt wird mit dem Sinn, der Spra­che, in der er schreibt, ei­nen an­de­ren Ge­brauch zu ge­ben, ei­nen Ge­brauch, der je­den­falls weit da­von ent­fernt ist, ge­wöhn­lich zu sein. (64)

.

Ça fait par­tie de son sa­voir-fai­re, et là-des­sus j’ai déjà cité l’article de Sollers, il ne se­rait pas mau­vais que vous en me­s­u­riez la per­ti­nence. (38)

Das macht ei­nen Teil sei­nes Kön­nens aus, und ich habe dazu schon den Ar­ti­kel von Sollers zi­tiert; sei­ne Trif­tig­keit zu er­mes­sen stün­de Ih­nen nicht schlecht an.2 (64)

.

Alors, il en ré­sul­te que ce ma­tin je vais lais­ser la pa­ro­le à quelqu’un qui a une pra­tique bien au-delà de la mi­en­ne, non seu­le­ment de la lan­gue ang­lai­se, mais de Joy­ce, de Joy­ce nom­mé­ment. (38)

Dar­aus er­gibt sich also, dass ich heu­te Vor­mit­tag je­man­dem das Wort über­las­se, der weit jen­seits der mei­ni­gen eine Pra­xis nicht nur der eng­li­schen Spra­che hat, son­dern von Joy­ce, vor al­lem von Joy­ce. (64)

.

Il s’agit de Jac­ques Au­bert. (38)

Es han­delt sich um Jac­ques Au­bert.3 (64)

.

Et je vais – pour ne pas m’éterniser – je vais tout de sui­te lui lais­ser la pa­ro­le, puisqu’il a bien vou­lu prend­re mon re­lais. (38)

Und ich wer­de ihm, um nicht lan­ge her­um­zu­re­den, auf der Stel­le das Wort über­las­sen, da er zu­ge­stimmt hat, mich ab­zu­lö­sen. (64)

.

Je l’écouterai avec tou­te la me­s­u­re que j’ai pri­se de son ex­pé­ri­ence de Joy­ce. (38)

Ich wer­de ihm ganz in dem Maße zu­hö­ren, das ich an sei­ner Er­fah­rung mit Joy­ce ge­nom­men habe. (64)

.

Je l’écouterai, et j’espère que les réfle­xi­ons pe­ti­tes, n’est–| [75] ce pas… je ne lui con­seil­le pas d’abréger, bien loin de là …les réfle­xi­ons pe­ti­tes que j’aurai à y ajou­ter se­ront fai­tes, avec tout le re­spect que je lui dois pour le fait qu’il m’ait in­tro­du­it à ce que j’ai ap­pelé « Joy­ce le Sin­t­home ». (38)

Ich wer­de ihm zu­hö­ren, und ich hof­fe, dass die klei­nen Über­le­gun­gen, nicht wahr – ich rate ihm nicht, ab­zu­kür­zen, weit da­von ent­fernt –, dass die klei­nen Über­le­gun­gen, die ich dar­an an­zu­fü­gen ha­ben wer­de, mit dem gan­zen Re­spekt an­ge­stellt sein wer­den, den ich ihm für die Tat­sa­che schul­de, dass er mich ein­ge­führt hat in das, was ich Joy­ce das Sym­ptom ge­nannt habe. (64)

.

Ve­nez Jac­ques, met­tez-vous là. (38)

Kom­men Sie, Jac­ques, ge­hen Sie nach dort.

.

——————————————————————————————–

Es folgt der Vor­trag von Jac­ques Au­bert.

Au­bert kom­men­tiert eine Pas­sa­ge aus Joy­ce, Ulys­ses, Ka­pi­tel XV, Cir­ce-Epi­so­de.4

Die fran­zö­si­sche Ver­si­on von Au­berts Vor­trag fin­det man in:
– J. Au­bert (Hg.): Joy­ce avec La­can. Na­va­rin, Pa­ris 1987, S. 49–66 („In­ter­ven­ti­on de J. Au­bert“)
– Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler, S. 171–188 („Ex­po­sé au Sé­mi­na­re de Jac­ques La­can“)
Se­mi­nar 23, Ver­si­on Sta­fer­la, Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1976 („In­ter­ven­ti­on de Jac­ques Au­bert“)

Eine deut­sche Über­set­zung ist in Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23 ent­hal­ten.5

———————————————————————————————–

LACAN

Je vais dire un mot de con­clu­si­on. (51)

Ich wer­de ein Schluss­wort sa­gen. (81)

.

Je re­mer­cie Jac­ques Au­bert de s’être mouil­lé. (51)

Ich dan­ke Jac­ques Au­bert, dass er sich die Mühe ge­macht hat / dass er sich nass ge­macht hat. (81)

.

Car il est évi­dent que… com­me l’auteur de Sur­face and sym­bol, dont je vous ai dit le nom la der­niè­re fois …il est évi­dent que le ter­me dont cet au­teur se sert pour dire, pour éping­ler, l’art de Joy­ce : qu’il s’agit là de in­con­cev­a­b­ly, in­con­cev­a­ble­ment, pri­va­te jo­kes, des jo­kes in­con­cev­a­ble­ment pri­vés. (51)

Denn es ist of­fen­sicht­lich, dass, wie der Au­tor von Sur­face and sym­bol, des­sen Na­men ich Ih­nen letz­tes Mal ge­sagt habe, es ist of­fen­sicht­lich, dass der Aus­druck, des­sen die­ser Au­tor sich be­dient, um Joy­ces Kunst zu cha­rak­te­ri­sie­ren, dass es sich da um in­con­ceiva­b­ly, un­er­fass­bar, pri­va­te jo­kes han­delt, um un­er­fass­bar pri­va­te jo­kes.6 (81 f.)

.

Dans ce même tex­te ap­pa­raît le mot que j’ai dû cher­cher dans le dic­tionn­aire : « efts­o­o­ne­ries ». (51)

Im sel­ben Text taucht das Wort auf, das ich im Wör­ter­buch nach­schla­gen muss­te, efts­o­o­ne­ries. (82)

.

Je ne sais pas si ce mot est com­mun. (51)

Ich weiß nicht, ob die­ses Wort ge­bräuch­lich ist. (82)

.

[Zu Jac­ques Au­bert ge­spro­chen:] Vous ne le con­nais­sez pas ? Efts­o­o­ne­ries, ça ne vous dit rien ? (51)

[Zu Jac­ques Au­bert ge­spro­chen:] Sie ken­nen es nicht? Efts­o­o­ne­ries, sagt Ih­nen das nichts? (82)

.

C’est-à-dire « af­ter soon », des efts­o­o­ne­ries, donc des cho­ses ren­voy­ées « à tout à l’heure ». (51)

Efts­o­o­ne­ries, das sind auf nach­her ver­scho­be­ne Din­ge. (82)

.

Il ne s’agit que de ça. (51)

Es geht al­lein dar­um. (82)

.

Non seu­le­ment ces ef­fets sont ren­voy­és à tout à l’heure, mais ils ont un ef­fet le plus sou­vent dé­rou­tant. (51)

Nicht nur sind die­se Wir­kun­gen auf nach­her ver­scho­ben, son­dern sie ha­ben eine zu­meist ver­wir­ren­de Wir­kung. (82)

.

C’est évi­dem­ment l’art de Jac­ques Au­bert qui vous a fait suiv­re un de ces fils, de fa­çon tel­le qu’il vous ti­en­ne en halei­ne.7 (51)

Es ist of­fen­sicht­lich die Kunst Jac­ques Au­berts, dass er Sie ei­nen die­ser Fä­den in ei­ner Wei­se hat ver­fol­gen las­sen, die Sie in Atem hielt.8 (82)

.

Tout ceci n’est évi­dem­ment pas sans fon­der ce à quoi j’essaie de don­ner une con­si­s­tan­ce, et une con­si­s­tan­ce dans le nœud. (51)

All dies be­grün­det of­fen­sicht­lich durch­aus das, dem ich eine Kon­sis­tenz zu ge­ben ver­su­che, und zwar eine Kon­sis­tenz im Kno­ten.9 (82)

.

Qu’est-ce qui, dans ce glis­se­ment de Joy­ce …au­quel je me suis aper­çu que je fai­sais ré­fé­rence dans mon sé­min­aire En­core. (51)

Was ist in die­sem Glei­ten von Joy­ce, auf das ich mich, wie ich be­merkt habe, in mei­nem Se­mi­nar En­core be­zo­gen habe.10 (82)

.

J’en suis stu­pé­fait ! (51)

Ich bin ganz ver­blüfft da­von. (82)

.

J’ai de­man­dé à Jac­ques Au­bert si c’était là le dé­part de son in­vi­ta­ti­on à par­ler de Joy­ce, il m’a af­fir­mé qu’à ce mo­ment-là le sé­min­aire En­core n’était pas en­core paru, de sor­te que ça ne peut pas être ça qui l’a in­vité à me pré­sen­ter ce trou dans le­quel je me ris­que pas, sans dou­te par quel­que pru­dence, la pru­dence tel­le qu’il l’a dé­fi­nie. (51)

Ich habe Jac­ques Au­bert ge­fragt, ob das der An­lass für sei­ne Ein­la­dung war, über Joy­ce zu spre­chen, er hat mich dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Se­mi­nar En­core da­mals noch gar nicht er­schie­nen war11: so dass es nicht das ge­we­sen sein kann, was ihn ver­an­lasst hat, mir die­ses Loch zu prä­sen­tie­ren, in das ich mich nicht wage, ge­wiss auf­grund ei­ner ge­wis­sen Um­sicht, der Um­sicht, so wie er sie de­fi­niert hat.12 (82)

.

Mais le trou du nœud ne m’en fait pas mo­ins ques­ti­on. (51)

Aber das Loch des Kno­tens gibt mir nicht we­ni­ger Fra­gen auf.13 (82)

.

Si j’en crois Sou­ry et Tho­mé… puisqu’aussi bien c’est eux à qui je dois men­ti­on de ceci dont sans dou­te je m’étais aper­çu, bien sûr …c’est que le nœud bor­ro­méen – le­quel n’est pas un nœud, mais une chaî­ne – si ce nœud, on ne peut en re­pé­rer la du­pli­cité – je veux dire qu’il y en a deux – qu’à ce que les cer­cles, les ronds de ficel­le, so­i­ent co­lo­riés. (51)

Wenn ich Sou­ry und Tho­mé glau­ben darf, da ich ih­nen ja nun die­sen Hin­weis ver­dan­ke, was ich aber na­tür­lich schon be­merkt hat­te, dass der im ei­gent­li­chen Sin­ne bor­ro­mäi­sche Kno­ten, der kein Kno­ten ist, son­dern eine Ver­schlin­gung, wenn [dass] man die Du­pli­zi­tät die­ser Ver­schlin­gung, ich will sa­gen, dass es zwei da­von gibt, nur fest­stel­len kann, wenn die Krei­se, die Fa­den­rin­ge ein­ge­färbt sind. (82)

.

S’ils ne sont pas co­lo­riés… ce qui veut dire que quel­que cho­se dis­tin­gue, quel­que cho­se : la qua­lité co­lo­rée dis­tin­gue cha­cun des deux au­tres …si ce n’est qu’à l’aide de ce bar­bouil­la­ge que nous pou­vons fai­re qu’il y ait deux nœuds, puis­que ceci est équi­va­lent au fait que s’ils sont in­co­lo­res, si rien ne les dis­tin­gue au­tre­ment dit, rien non plus ne dis­tin­gue l’un de l’autre. (51)

Wenn sie nicht ein­ge­färbt sind, was be­sa­gen will, dass et­was – et­was: die farb­li­che Qua­li­tät – ei­nen je­den von den bei­den an­de­ren je­weils un­ter­schei­det, wenn wir nicht mit Hil­fe die­ser Kleck­se­rei be­wir­ken kön­nen, dass es zwei Kno­ten gibt, da dies da­mit äqui­va­lent ist, dass sie ge­färbt sind, an­ders aus­ge­drückt, wenn nichts sie un­ter­schei­det, un­ter­schei­det sie auch nichts von­ein­an­der. (82 f. )

.

Vous me di­rez que dans la mise à plat, il y en a un qui est lé­vo­gy­re et l’autre qui est dex­tro­gy­re, mais c’est jus­tement là qu’est le tout de la mise en | [76] ques­ti­on de la mise à plat. (51)

Sie wer­den mir sa­gen, dass es in der Plät­tung ei­nen gibt, der links­dre­hend ist und ei­nen an­de­ren, der rechts­dre­hend ist, aber ge­ra­de da liegt die gan­ze Frag­wür­dig­keit der Plät­tung. (83)

.

La mise à plat im­pli­que un point de vue, un point de vue spé­ci­fié. (51)

Die Plät­tung setzt ei­nen Ge­sichts­punkt vor­aus, ei­nen spe­zi­fi­schen Ge­sichts­punkt. (83)

.

Et ce n’est sans dou­te pas pour rien que n’arrive pas d’aucune fa­çon à se tra­du­i­re dans le Sym­bo­li­que la no­ti­on de la droi­te et de la gau­che. (51)

Und es ist si­cher­lich nicht ohne Grund, dass in kei­ner Wei­se der Be­griff von links und rechts in das Sym­bo­li­sche über­setzt zu wer­den ver­mag. (83)

.

Pour le nœud, ceci ne com­mence à ex-sis­ter qu’au-delà de la re­la­ti­on trip­le. (51)

Für den Kno­ten be­ginnt das erst jen­seits der Drei­er­be­zie­hung zu ex-sis­tie­ren.14 (83)

.

Com­ment se fait-il que cet­te re­la­ti­on trip­le ait ce pri­vilège ? (51)

Wie kommt es, dass die­se Drei­er­be­zie­hung ei­nen sol­chen Vor­rang hat? (83)

.

C’est bien là ce dont je vou­d­rais m’efforcer de ré­soud­re la ques­ti­on.

Das ist die Fra­ge, die zu lö­sen ich mich be­mü­hen möch­te. (83)

.

Il doit y avoir là quel­que cho­se, et qui ne doit pas être sans rap­port avec cet iso­le­ment que nous a fait Jac­ques Au­bert de la fonc­tion de la pho­na­ti­on pré­cis­é­ment dans ce qu’il en est de sup­por­ter le si­gni­fi­ant. (51)

Es muss hier et­was ge­ben, das nicht ohne Be­zug sein kann zu der von Jac­ques Au­bert durch­ge­führ­ten Iso­lie­rung der Funk­ti­on der Pho­na­ti­on, und zwar ge­nau im Hin­blick dar­auf, dass die­se den Si­gni­fi­kan­ten trägt.15 (83)

.

Mais c’est bien là le point vif sur le­quel je res­te en sus­pens : c’est à sa­voir à par­tir de quand la si­gni­fi­an­ce en tant qu’elle est écri­te se dis­tin­gue des simp­les ef­fets de la pho­na­ti­on ? (51)

Das ist al­ler­dings der Kern­punkt, den ich in der Schwe­be las­se, das heißt, ab wann sich die Si­gni­fi­kanz, in­so­fern sie ge­schrie­ben ist, von den ein­fa­chen Ef­fek­ten der Pho­na­ti­on un­ter­schei­det. (83)

.

C’est la pho­na­ti­on qui trans­met cet­te fonc­tion prop­re du nom et c’est du nom prop­re que nous re­par­tirons, j’espère, la pro­chai­ne fois que nous nous re­trou­ve­rons. (51)

Die Pho­na­ti­on über­mit­telt die dem Na­men ei­ge­ne Funk­ti­on, und vom Ei­gen­na­men wer­den wir aus­ge­hen, hof­fe ich, wenn wir uns das nächs­te Mal wie­der­se­hen.16 (83)

KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vor­trag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den La­can-Zi­ta­ten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Am Ende je­des Le­xi­konein­trags steht ein Pfeil nach un­ten mit der Spit­ze nach links (↩); wenn man ihn an­klickt, kommt man zur ent­spre­chen­den Stel­le der Über­set­zung zu­rück.

Zwei Arten von borromäischen Verschlingungen (82 f.)

Zu: „Wenn ich Sou­ry und Tho­mé glau­ben darf, da ich ih­nen ja nun die­sen Hin­weis ver­dan­ke, was ich aber na­tür­lich schon be­merkt hat­te, dass der im ei­gent­li­chen Sin­ne bor­ro­mäi­sche Kno­ten, der kein Kno­ten ist, son­dern eine Ver­schlin­gung, wenn [dass] man die Du­pli­zi­tät die­ser Ver­schlin­gung, ich will sa­gen, dass es zwei da­von gibt, nur fest­stel­len kann, wenn die Krei­se, die Fa­den­rin­ge ein­ge­färbt sind. Wenn sie nicht ein­ge­färbt sind, was be­sa­gen will, dass et­was – et­was: die farb­li­che Qua­li­tät – ei­nen je­den von den bei­den an­de­ren je­weils un­ter­schei­det, wenn wir nicht mit Hil­fe die­ser Kleck­se­rei be­wir­ken kön­nen, dass es zwei Kno­ten gibt, da dies da­mit äqui­va­lent ist, dass sie ge­färbt sind, an­ders aus­ge­drückt, wenn nichts sie un­ter­schei­det, un­ter­schei­det sie auch nichts von­ein­an­der.“ (82 f. ).

Bor­ro­mäi­sche Rin­ge kön­nen auf zwei Ar­ten mit­ein­an­der ver­schlun­gen sein; die eine Art der Ver­schlin­gung kann nicht in die an­de­re um­ge­wan­delt wer­den, ohne die Rin­ge auf­zu­schnei­den und neu zu versplei­ßen.

Jacques Lacan, Borromäische Knoten mit Spiegelbild und Orientierungspfeilen

Die Be­din­gung da­für, zwei Ar­ten der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung un­ter­schei­den zu kön­nen, ist die Fär­bung der Rin­ge, d.h. ihre In­di­vi­dua­li­sie­rung.

In Se­mi­nar 21 hat­te La­can die bei­den Ar­ten der Ver­schlin­gung als „rechts­dre­hend“ und als „links­dre­hend“ un­ter­schie­den. Die­se Zu­ord­nung ist nur in der Zeich­nung mög­lich, im drei­di­men­sio­na­len Raum ist die Links- oder Rechts­dre­hung nicht fi­xier­bar – be­trach­tet man ei­nen Ring ge­wis­ser­ma­ßen von der Rück­sei­te, ver­wan­delt sich die Rechts­dre­hung in eine Links­dre­hung und um­ge­kehrt.

Vgl. hier­zu in die­sem Blog den Ar­ti­kel Über Kno­ten, dar­in den Teil über Ori­en­tie­rung.

Signifikanz (83)

Zu: „Das ist al­ler­dings der Kern­punkt, den ich in der Schwe­be las­se, das heißt, ab wann sich die Si­gni­fi­kanz, in­so­fern sie ge­schrie­ben ist, von den ein­fa­chen Ef­fek­ten der Pho­na­ti­on un­ter­schei­det.“ (83)

Un­ter „Si­gni­fi­kanz“ (si­gni­fi­an­ce) ver­steht La­can die Wir­kung oder die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten. Si­gni­fi­an­ce (Si­gni­fi­kanz) ist bei ihm Ge­gen­be­griff zu si­gni­fi­ca­ti­on (Be­deu­tung oder Sinn).

In Se­mi­nar 3 heißt es:

Eine gan­ze phä­no­me­no­lo­gi­sche An­ma­ßung, die weit über das Feld der Psy­cho­ana­ly­se hin­aus­geht, und die dort nur herrscht, so­fern sie auch an­ders­wo herrscht, be­ruht auf der Ver­wechs­lung des Be­reichs der Si­gni­fi­kanz (si­gni­fi­an­ce) und des Be­reichs der Be­deu­tung (si­gni­fi­ca­ti­on). Von Ar­bei­ten aus­ge­hend, die als Un­ter­su­chun­gen über die Funk­ti­on des Si­gni­fi­kan­ten äu­ßerst ri­go­ros sind, glei­tet die vor­geb­lich psy­cho­lo­gi­sche Phä­no­me­no­lo­gie hin­über zum Be­reich der Be­deu­tung.“17

In Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud liest man:

Sꞌ be­zeich­net in dem Kon­text den pro­duk­ti­ven Term der si­gni­fi­kan­ten Wir­kung (oder Si­gni­fi­kanz) (…).“18

In Se­mi­nar 12 über­setzt La­can Fre­ges Be­griffs­op­po­si­ti­on von „Sinn“ und „Be­deu­tung“ mit sens und si­gni­fi­an­ce.19

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grau­er Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[28]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Sei­te 28″.

Pas­sa­gen in schwar­zer Schrift sind Zu­sam­men­fas­sun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern in grü­ner Schrift sind mei­ne Er­gän­zun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern, die mit zwei Fra­ge­zei­chen be­gin­nen und hell­grün un­ter­legt sind, sind mei­ne Fra­gen zum Text­ver­ständ­nis.

Joyce desartikuliert das Englische

[74] La­can macht ei­ni­ge ein­lei­ten­de Be­mer­kun­gen zu ei­nem Vor­trag, den Jac­ques Au­bert in die­ser Sit­zung im Se­mi­nar hal­ten wird. La­can weist dar­auf hin, dass Joy­ce das Eng­li­sche „des­ar­ti­ku­liert“; wie schon in der ers­ten Sit­zung von Se­mi­nar 23 ver­weist er hier­für auf ei­nen Ar­ti­kel von Phil­ip­pe Sollers. Joy­ce zer­hackt die Sät­ze, schon im Ulys­ses. Das Ziel die­ser Ope­ra­ti­on ist, von der Spra­che ei­nen an­de­ren Ge­brauch zu ma­chen als den üb­li­chen. Das macht ei­nen Teil des Kön­nens von Joy­ce aus, sei­nes Sa­voir-fai­re.

Zwei Arten der borromäischen Verschlingung

[75] Nach dem Vor­trag ver­weist La­can auf die Kon­sis­tenz des Kno­tens und auf das Loch des Kno­tens [ohne wei­te­re Er­läu­te­run­gen hier­zu zu ge­ben; über das Loch im Sym­bo­li­schen hat­te Au­bert ge­spro­chen].

Der so­ge­nann­te bor­ro­mäi­sche Kno­ten ist kein Kno­ten, son­dern eine Ver­schlin­gung (chaî­ne).

Es gibt zwei sol­cher Ver­schlin­gun­gen [wie La­can be­reits in der ers­ten Sit­zung von Se­mi­nar 21 aus­ge­führt hat­te].

Die bei­den Ar­ten der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung las­sen sich nur dann un­ter­schei­den, wenn die Fa­den­rin­ge ge­färbt sind. Wenn man die Rin­ge nicht un­ter­schei­den kann, kann man auch die bei­den Ar­ten der Ver­schlin­gung nicht un­ter­schei­den.

Wie be­zeich­net man die bei­den Ar­ten der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung? In der Plät­tung [also in der zwei­di­men­sio­na­len Zeich­nung] stel­len sie sich als rechts­dre­hend und links­dre­hend dar [im Uhr­zei­ger­sinn und ge­gen den Uhr­zei­ger­sinn.] [In Se­mi­nar 21 hat­te La­can die bei­den Ver­schlin­gungs­ar­ten als „rechts­dre­hend“ und „links­dre­hend“ un­ter­schie­den]. Das ist je­doch ein Ef­fekt der | [76] Plät­tung. Eine Zeich­nung be­ruht auf ei­nem fes­ten Stand­punkt, von dem aus die Ver­schlin­gung be­trach­tet wird. [Im drei­di­men­sio­na­len Raum, in dem der Kno­ten ein­zig exis­tiert, ist ein sol­cher fes­ter Stand­punkt je­doch nicht ge­ge­ben – man kann ge­wis­ser­ma­ßen um die Ver­schlin­gung her­um­ge­hen und dann ver­wan­delt sich rechts­dre­hend in links­dre­hend und um­ge­kehrt.]

Nicht ohne Grund kann die Rechts-Links-Op­po­si­ti­on nicht ins Sym­bo­li­sche über­setzt wer­den. [Sie setzt ein We­sen vor­aus, das eine do­mi­nan­te Be­we­gungs- und Blick­rich­tung hat und sich am Ge­gen­satz von Oben und Un­ten ori­en­tiert.] [?? Wie lässt sich prä­zi­ser fas­sen, dass die Rechts-Links-Op­po­si­ti­on nicht ins Sym­bo­li­sche über­setzt wer­den kann?]

Für den Kno­ten be­ginnt das erst jen­seits der Drei­er­be­zie­hung zu ex-sis­tie­ren.“ [?? Was be­ginnt erst jen­seits der Drei­er­be­zie­hung? Dass es zwei Ar­ten von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen gibt, gilt be­reits für die Ver­schlin­gung von drei Kom­po­nen­ten, nicht erst jen­seits da­von.]

War­um hat die Drei­er­be­zie­hung die­sen Vor­rang? [La­can springt jetzt von der Be­zie­hung zwi­schen mehr als drei Ele­men­ten zur Drei­er­be­zie­hung zu­rück.] Das ist eine der Fra­gen, die La­can zu be­ant­wor­ten ver­sucht.

Signifikanz des Geschriebenen und Signifikanz des Gesprochenen

Die Sit­zung en­det da­mit, dass La­can nach dem Ver­hält­nis von Pho­na­ti­on und Si­gni­fi­kant fragt. [Den Be­griff „Pho­na­ti­on“, Stimm­ge­bung, ver­wen­det Au­bert in sei­nem Vor­trag. Er ver­steht dar­un­ter zu­nächst die Aus­spra­che; der Un­ter­schied zwi­schen „moly“ (mit Di­ph­tong) und „Mol­ly“ (mit ein­fa­chem Vo­kal) ist für ihn ein Un­ter­schied der Pho­na­ti­on. Spä­ter im Vor­trag be­zieht Au­bert sich mit „Pho­na­ti­on“ auf die Pro­so­die, auf den Klang ei­ner Stim­me; aus der Pho­na­ti­on ent­wi­ckelt sich, Au­bert zu­fol­ge, die Me­lo­die, etwa die ei­nes Lie­des.] 

Die Pho­na­ti­on trägt den Si­gni­fi­kan­ten [Si­gni­fi­kan­ten wer­den für ge­wöhn­lich durch Lau­te rea­li­siert]. Das steht ver­mut­lich in Be­zie­hung dazu, dass im Kno­ten die Drei­er­be­zie­hung ei­nen Vor­rang hat. [Das könn­te hei­ßen: die Funk­ti­on der Stim­me als Ob­jekt a ist, wie der bor­ro­mäi­sche Kno­ten zeigt, nicht nur auf das Loch im Sym­bo­li­schen zu be­zie­hen, son­dern auch auf das im Ima­gi­nä­ren und auf das im Rea­len.]

Ab wann un­ter­schei­det sich die Si­gni­fi­kanz als Ge­schrie­be­nes von den ein­fa­chen Ef­fek­ten der Pho­na­ti­on? [Die Si­gni­fi­kan­ten­ef­fek­te (die Si­gni­fi­kanz), mit de­nen man es bei Joy­ce zu tun hat, be­ru­hen auf Ge­schrie­be­nem, nicht auf Ge­spro­che­nem. Es geht hier also nicht ein­fach um Pho­na­ti­on.]

Die Pho­na­ti­on über­mit­telt die Funk­ti­on des Na­mens. [Au­bert hat­te in sei­nem Vor­trag zu­nächst vor al­lem über Ei­gen­na­men ge­spro­chen, dann über das Loch im Sym­bo­li­schen und schließ­lich über die Er­zeu­gung der Ge­wiss­heit durch die Stimm­ge­bung, durch die Pho­na­ti­on. Eine Ver­bin­dung zwi­schen dem Ei­gen­na­men und der Pho­na­ti­on stellt Au­bert beim Na­men „Mol­ly“ her.] La­can kün­digt an, dass er in der nächs­ten Sit­zung vom Ei­gen­na­men aus­ge­hen wird.

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM

Im Fol­gen­den wer­den alle Stel­len auf­ge­führt, an de­nen La­can die Aus­drü­cke „Sym­ptom“ oder „Sin­t­hom“ ver­wen­det. Die Zah­len in run­den Klam­mern sind Sei­ten­zah­len, sie ver­wei­sen auf die Über­set­zung von Max Klei­ner.

In der Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1976 wird der Aus­druck „Sym­ptom“ von La­can nur ein­mal ver­wen­det, als er den Ti­tel sei­nes Vor­trags „Joy­ce das Sym­ptom“ zi­tiert (64). Den Aus­druck „Sin­t­hom“ ge­braucht er in die­ser Sit­zung nicht.

OFFENE FRAGEN

Die Zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner. Sie sind oben in der Über­set­zung nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Für den Kno­ten be­ginnt das erst jen­seits der Drei­er­be­zie­hung zu ex-sis­tie­ren.“ (83) Was be­ginnt erst jen­seits der Drei­er­be­zie­hung? Dass es zwei Ar­ten von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen gibt, gilt be­reits für die Ver­schlin­gung von drei Kom­po­nen­ten, nicht erst jen­seits da­von.

Nicht ohne Grund kann die Rechts-Links-Op­po­si­ti­on nicht ins Sym­bo­li­sche über­setzt wer­den (83). Wie lässt sich prä­zi­se fas­sen, dass die Rechts-Links-Op­po­si­ti­on nicht ins Sym­bo­li­sche über­setzt wer­den kann?

LITERATURVERZEICHNIS

Das Ver­zeich­nis be­schränkt sich auf die in die­sem Bei­trag zi­tierte oder er­wähnte Li­te­ra­tur.

Die Über­set­zun­gen von Zi­ta­ten sind von Rolf Nemitz, falls nicht an­ders ver­merkt.

La­can, Sin­t­hom-Se­mi­nar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf die­se Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, lin­ke Spal­te.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Die­se Tran­skrip­tion wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Va­ri­an­ten der Staferla-Ver­sion. Für die­sen Kom­men­tar wur­de die Va­ri­ante vom 28.6.2013 ver­wen­det; man fin­det sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976–77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Die­se Ver­sion ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Ers­te Spal­te: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zwei­te Spal­te: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, drit­te Spal­te: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim La­can-Ar­chiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Da­tei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sin­t­hom-Kom­men­tars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Klei­ner-Über­set­zung“ ist die­se Ver­sion ge­meint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

Wei­tere Tex­te von La­can

Joy­ce le Sym­ptôme I. In: J. La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 161–169

Se­mi­na­re

Se­mi­nar 20 = Das Se­mi­nar, Buch XX (1972–1973). En­core. Über­setzt von Nor­bert Haas, Vre­ni Haas und Hans-Joa­chim Metz­ger, nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1986

Se­mi­nar 21 = Les non-du­pes er­rent. 1973–74. Hg. v. der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage ei­ner Ton­auf­nahme so­wie der Tran­skrip­tio­nen auf den Web­sites Lu­te­cium und Gao­goa. Ohne Ort, ohne Jahr

An­de­re Au­to­ren

Adams, Ro­bert Mar­tin: Sur­face and sym­bol. The con­sis­tency of Ja­mes Joyce’s Ulys­ses. Ox­ford Uni­ver­sity Press, New York 1962

Au­bert, Jac­ques: Ex­po­sé au Sé­min­aire de Jac­ques La­can. In: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 171–188 (eine deut­sche Über­set­zung ist in Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23 ent­hal­ten)

Joy­ce, Ja­mes: Fin­ne­gans Wake. Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, Ox­ford 2012.– Fin­ne­gans Wake. Deutsch. Hg. v. Klaus Rei­chert und Fritz Senn. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1989

—: Ulys­ses. Pen­guin Books, Lon­don 2000 (Se­rie „Mo­dern Clas­sics“).–  Ulys­ses. Über­setzt von Hans Woll­schlä­ger. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979

La­lan­de, An­dré. Le Vo­ca­bu­lai­re tech­ni­que et cri­tique de la phi­lo­so­phie. Pres­ses uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pres­ses uni­ver­si­taires de Fran­ce, Pa­ris 2006 (zu­erst 1902–1923)

Sol­lers, Phil­ippe: Joy­ce et Cie. In: Tel Quel, Nr. 64, No­vem­ber 1975, S. 15–24 (eng­li­sche Teil­über­set­zung: Phil­ippe Sol­lers: Joy­ce & Co. In: D. Hay­man, E. An­der­son (Hg.): In the Wake of the Wake. Uni­ver­sity of Wis­con­sin Press, Ma­di­son u.a. 1978)

Verwandte Beiträge

Anmerkungen

  1. Des­ar­ti­cu­ler: zer­glie­dern, aus­ren­ken. Mög­li­cher­wei­se gibt La­can hier ein Echo auf den Ti­tel des Buchs Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons (Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975), auf das er sich in der Sit­zung vom 16. De­zem­ber 1975 be­zo­gen hat­te; die Ty­po­gra­phie der Ti­tel­sei­te lässt eine zwei­te Les­art zu: Mi­me­sis des­ar­ti­cu­la­ti­ons.
  2. Ge­meint ist: Phil­ip­pe Sollers: Joy­ce et Cie. In: Tel Quel, Nr. 64, No­vem­ber 1975, S. 15–24. La­can hat­te hier­auf be­reits in der ers­ten Vor­le­sung des Se­mi­nars ver­wie­sen; vgl. Kom­men­tar zur Vor­le­sung vom 18. No­vem­ber 1975.
  3. Jaques Au­bert ist Au­tor von In­tro­duc­tion à l’esthétique de Ja­mes Joy­ce, Di­dier, Pa­ris 1973. Er ge­hör­te zu den Or­ga­ni­sa­to­ren des 5. in­ter­na­tio­na­len Ja­mes-Joy­ce-Sym­po­si­ums in Pa­ris, auf dem La­can am 16. Juni 1975 den Vor­trag Joy­ce das Sym­ptom ge­hal­ten hat­te. Au­bert hat Se­mi­na­re von La­can be­sucht; er bil­det das Ge­lenk zwi­schen den Joy­cia­nern und den La­ca­nia­nern. 1987 wird er, mit ei­nem Vor­wort von Jac­ques-Alain Mil­ler, den Sam­mel­band Joy­ce avec La­can her­aus­ge­ben, der un­ter an­de­rem die bei­den Fas­sun­gen von La­cans „Joy­ce le sym­ptô­me“ ent­hält. 2004 er­scheint bei Gal­li­mard eine von Au­bert her­aus­ge­ge­be­ne fran­zö­si­sche Über­set­zung des Ulys­ses.
  4. Be­gin­nend mit dem Auf­tritt von Ru­dolph, etwa 7 Sei­ten nach An­fang des Ka­pi­tels. J. Joy­ce: Ulys­ses. Pen­guin Books, Lon­don 2000 (Se­rie „Mo­dern Clas­sics“), S. 568 ff.–  Ulys­ses. Über­setzt von Hans Woll­schlä­ger. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 611 ff.
  5. S. 65–81.
  6. La­can be­zieht sich auf: Ro­bert Mar­tin Adams: Sur­face and sym­bol. The con­sis­ten­cy of Ja­mes Joyce’s Ulys­ses. Ox­ford Uni­ver­si­ty Press, New York 1962.
  7. Sta­fer­la tran­skri­biert „un de ses fils“, ei­nen sei­ner Fä­den, aber „un de ces fils“, ei­nen die­ser Fä­den, passt bes­ser zum Vor­her­ge­hen­den und zum Fol­gen­den.
  8. Au­bert hat­te sich in sei­nem Vor­trag auf die Kno­ten­theo­rie be­zo­gen; viel­leicht spielt La­can mit sei­ner Me­ta­pher dar­auf an.
  9. La­can cha­rak­te­ri­siert den bor­ro­mäi­schen Kno­ten ins­ge­samt durch drei Merk­ma­le: ima­gi­nä­re Kon­sis­tenz (Zu­sam­men­halt), sym­bo­li­sches Loch, rea­le Ex-sis­tenz (das Ein­an­der-Äu­ßer­lich-Sein der Rin­ge, ihre Nicht-Durch­drin­gung).
  10. In Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core, hat­te La­can ge­sagt: „Sie soll­ten sich trotz­dem dran­ma­chen, ein we­nig Au­to­ren zu le­sen — ich wür­de nicht sa­gen, aus Ih­rer Zeit, ich wür­de Ih­nen nicht sa­gen, Phil­ip­pe Sollers zu le­sen, er ist un­les­bar, wie ich üb­ri­gens — aber Sie kön­nen Joy­ce le­sen bei­spiels­wei­se. Sie wer­den da se­hen, wie die Spra­che sich per­fek­tio­niert, wenn er zu spie­len weiß mit der Schrift. Joy­ce, es ist mir schon recht, daß das nicht les­bar ist — das ist ge­wiß nicht über­setz­bar ins Chi­ne­si­sche. Was pas­siert bei Joy­ce? Der Si­gni­fi­kant trüf­felt das Si­gni­fi­kat. Es ist auf­grund der Tat­sa­che, daß die Si­gni­fi­kan­ten sich ver­schach­teln, sich zu­sam­men­set­zen, sich in­ein­an­der­schie­ben  le­sen Sie Fin­ne­gans Wake — daß sich et­was pro­du­ziert, das, als Si­gni­fi­kat, rät­sel­haft schei­nen kann, aber was eben das Nächs­te des­sen ist, was wir Ana­ly­ti­ker, dank dem ana­ly­ti­schen Dis­kurs, zu le­sen ha­ben — der Lap­sus.“ (Se­mi­nar 20, Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 41) 
  11. Jac­ques-Alain Mil­lers Ver­si­on von Se­mi­nar 20 wur­de An­fang 1975 bei Seuil ver­öf­fent­licht.
  12. Au­bert hat­te in sei­nem Vor­trag vom Loch im Cir­ce-Ka­pi­tel ge­spro­chen. Ein wei­te­res The­ma von Au­bert war die Um­sicht von Leo­pold Bloom; für die De­fi­ni­ti­on der Um­sicht (la­tei­nisch pru­den­tia, grie­chisch phro­ne­sis) hat­te er sich auf das Phi­lo­so­phie­wör­ter­buch von La­lan­de be­zo­gen.
  13. La­can wech­selt von der ima­gi­nä­ren Kon­sis­tenz des Kno­tens zum sym­bo­li­schen Loch des Kno­tens.
  14. In Se­mi­nar 21 hat­te La­can erst­mals aus­ge­führt, dass es zwei For­men des bor­ro­mäi­schen Kno­tens gibt, und sich da­bei auf eine Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen be­zo­gen. Vgl. die Sit­zun­gen vom 13. No­vem­ber 1973, vom 14. Mai 1974 und vom 21. Mai 1974.
  15. Un­ter „Pho­na­ti­on“ (oder auch „Per­so­nie­rung“) ver­steht Au­bert in sei­nem Vor­trag zu Be­ginn die un­ter­schied­li­che Aus­spra­che von „moly“ (mit Di­ph­tong) und „Mol­ly“ (mit ein­fa­chem Vo­kal). (Das grie­chi­sche Wort „Moly“ be­zeich­net eine zau­ber­wirk­sa­me Pflan­ze; in der Odys­see – der von Ho­mer – wird er­zählt, dass Odys­seus von Her­mes eine Moly er­hält, mit der er sich ge­gen die Zau­ber­küns­te von Kir­ke schüt­zen kann. „Mol­ly“ ist der Kurz­na­me von Leo­pold Blooms Ehe­frau Ma­ri­on.)
    Spä­ter im Vor­trag bringt Au­bert die Pho­na­ti­on mit der Ge­wiss­heit zu­sam­men. Die Ge­wiss­heit, sagt Au­bert, hat auch et­was mit den Stimm­ef­fek­ten des Si­gni­fi­kan­ten zu tun. Wenn ein vä­ter­li­ches Wort als Wort an­ge­zwei­felt wird, geht gleich­wohl et­was in die Pho­na­ti­on über, sie hat Wir­kung in der Me­lo­die.
  16. Der Ei­gen­na­me, auf den Au­bert sich in sei­nem Bei­spiel für Pho­na­ti­on be­zieht, ist „Mol­ly“.
  17. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 227, Über­set­zung ge­än­dert; Turn­heim über­setzt si­gni­fi­an­ce mit „Be­deu­ten“.
  18. Schrif­ten II, S. 41.
  19. Sit­zung vom 16. Juni 1965.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.