“Das Sinthom“ entziffern

Kommentar zu Lacans Vorlesung vom 16. Dezember 1975

Seifert-OberflächeSeifert-Fläche: Stabile orientierbare Mannigfaltigkeit, umrandet von einer borromäischen Verschlingung aus drei Ringen. Von hier.

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, “Das Sinthom“

Jacques Lacan: Seminar 23 von 1975/76: Le sinthome / Das Sinthom

Kommentar von Rolf Nemitz
gestützt auf die Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin ab März 2013

Einen Überblick über die Kommentare zu den einzelnen Sitzungen findet man hier, über den gesamten Kommentar hier.
Eine Übersicht über die verschiedenen Ausgaben des Sinthom-Seminars gibt es hier.

Vorlesung vom 16. Dezember 1975

Psychoanalytische Bibliothek, Berlin, Hardenbergstraße - 17. Dezember 2013

Psychoanalytische Bibliothek Berlin

Dies ist die zweite Fassng des Kommentars zu dieser Sitzung, veröffentlicht am 25. April 2015. Die erste Fassung wurde am 25. Dezember 2013 veröffentlicht.

8. und 9. Treffen der Lesegruppe des Psychoanalytischen Salons Berlin
am 26. November und am 17. Dezember 2013 in der Psychoanalytischen Bibliothek Berlin

 

TONAUFNAHME

Die Seitenangaben in Klammern beziehen sich auf die Staferla-Version.

Erstes Drittel, bis „… ils sont doués.“ (S. 24):

 

Zweites Drittel, bis „… en faire l’épreuve.“ (S. 26):

 

Drittes Drittel:

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FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quellen der Lacan-Zitate

Französischer Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Transkription, her­aus­ge­geben und veröffentlicht von der Website staferla.free.fr, ohne Ort. Variante vom 28.6.2013, PDF-Datei hier. Die Transkription wurde mit der Audioaufnahme verglichen und geringfügig überarbeitet.

Deutscher Text
Die Übersetzung stützt sich auf die Übersetzung von Seminar 23 durch Max Kleiner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, linke Spalte dieser Doppelübersetzung. Kleiners Übersetzung wurde von Rolf Nemitz stark überarbeitet.

Seitenzahlen

Französischer Text
Die Zahlen nach einem Satz in runden Klammern verweisen auf die Seiten der Version Staferla vom 28.6.2013.

– Die Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten der von Jacques-Alain Miller herausgegebenen offiziellen Ausgabe von Seminar 23 (Jacques Lacan: Le séminaire, livre XXIII. Le sinthome. 1975-1976. Éditions du Seuil, Paris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa beginnt in Millers Version von 2005 die Seite 83“. Da Miller die Transkription redaktionell bearbeitet hat, unterscheidet sich die hier gebrachte Transkription häufig von Millers Ausgabe.

Deutscher Text
Die Zahlen nach einem Satz in runden Klammern verweisen auf die Seiten der Übersetzung von Max Kleiner..J l’ai

Anmerkungen
Die Anmerkungen zum französischen Text beziehen sich auf Fragen der Transkription.

– Die Anmerkungen zur Übersetzung liefern Informationen zum Text ohne Bezug auf Lacans Theorie sowie Querverweise.

Links in der Übersetzung
Die Links im deutschen Text führen zum „Lacan-Lexikon“ in diesem Artikel mit Hintergrundinformationen zu Lacans Theorie.

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[45] Si on mettait autant de sérieux dans les analyses que j’en mets à préparer mon séminaire, eh bien, ça serait tant mieux. (22)

Wenn man an die Analysen mit so viel Ernsthaftigkeit herangehen würde, wie ich an die Vorbereitung meines Seminars, nun ja, das wäre ein Gewinn. (36)

 

Ça serait tant mieux, et ça aurait sûrement de meilleurs résultats. (22)

Das wäre ein Gewinn und das brächte sicherlich bessere Ergebnisse. (36).

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Il faudrait pour ça que dans l’analyse on ait, comme je l’ai… mais c’est du senti-mental dont je parlais l’autre jour… le sentiment d’un risque absolu. (22)

Man müsste dazu in der Analyse, so wie ich – aber das ist das Senti-Mentale, von dem ich letztes Mal gesprochen habe –, das Gefühl eines absoluten Risikos haben. (36)

Diagramm einer Kleeblattschlinge (rechtshändig)

Kleeblattknoten oder Dreierknoten (rechtshändig)

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Voilà, l’autre jour je vous ai dit que le nœud à trois… le nœud à trois que je dessine comme ça : et dont vous voyez qu’il s’obtient du nœud borroméen en rejoignant les cordes en ces trois points que je viens de marquer : … je vous ai dit que le nœud à trois, j’avais fait la trouvaille qu’ils se nouaient entre eux, à trois, borroméennement. (22)

Also, letztes Mal habe ich Ihnen gesagt, dass ich für den Dreierknoten – den Dreierknoten, den ich so zeichne, und bei dem Sie sehen, dass man ihn aus dem borromäischen Knoten dadurch erhält, dass man die Schnüre an diesen drei Punkten, die ich gerade markiert habe, verbindet –, ich habe Ihnen gesagt, dass ich bezogen auf den Dreierknoten die Entdeckung gemacht habe, dass sie sich untereinander zu dritt borromäisch verknüpfen. (36)

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge

Kleebattschlinge in einer borromäischen Verschlingung aus drei Ringen

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[46] Je vous ai dit aussi en quoi – si l’on peut dire – c’était tout à fait justifiable par une explication. (22)

Ich habe Ihnen auch gesagt, worin dies, wenn man so sagen kann, durch eine Erläuterung völlig gerechtfertigt werden kann. (36)

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Je vous ai dit que je m’étais efforcé pendant deux mois de faire ex-sister pour ce nœud le plus simple, un nœud borroméen à quatre. (22)

Ich habe Ihnen gesagt, dass ich mich zwei Monate lang bemüht hatte, für diesen einfachsten Knoten einen borromäischen Viererknoten ex-sistieren zu lassen. (36)

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Je vous ai dit également que le fait que je n’y étais pas arrivé à le faire ex-sister, ne prouvait rien sinon ma maladresse. (22)

Ich habe Ihnen ebenfalls gesagt, dass die Tatsache, dass es mir nicht gelungen war, ihn ex-sistieren zu lassen, nichts bewies als mein Ungeschick. (36)

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Je crois – je suis même sûr : je m’en souviens – je crois vous avoir dit que je croyais qu’il devait exister. (22)

Ich glaube – ich bin mir sogar sicher, ich erinnere mich daran –, ich glaube Ihnen gesagt zu haben, dass ich glaubte, dass er existieren müsse.  (36)

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J’ai eu le soir même la bonne surprise de voir surgir…  il était tard, je dirai même que j’étais sorti avec un peu de retard, vu mes devoirs… j’ai donc vu surgir sur le pas de ma porte le nommé Thomé – pour le nommer – et qui venait m’apporter … et je l’en ai grandement remercié… qui venait m’apporter… fruit de sa collaboration avec Soury, Soury et Thomé, souvenez-vous de ces noms… qui venait m’apporter la preuve, la preuve que le nœud borroméen à quatre, de quatre nœuds à trois, existe bien, ce qui justifie assurément mon obstination, mais ce qui n’en rend pas moins déplorable mon incapacité. (22)

Am selben Abend erlebte ich die erfreuliche Überraschung – es war spät, ich möchte sogar sagen, dass ich mit ein bisschen Verspätung ausgegangen war, bedingt durch meine Verpflichtungen –, dass besagter Thomé, um seinen Namen zu sagen, auf meiner Schwelle erschien und mir – und ich habe mich bei ihm ausführlich dafür bedankt –, und mir als Frucht seiner Zusammenarbeit mit Soury – Soury und Thomé, erinnern Sie sich an diese Namen –, und mir den Beweis brachte, den Beweis, dass der borromäische Viererknoten aus vier Dreierknoten wirklich existiert, wodurch meine Beharrlichkeit sicherlich gerechtfertigt wird, wodurch meine Unfähigkeit jedoch umso betrüblicher ist. (36 f.)

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Je n’ai néanmoins pas accueilli la nouvelle, que ce problème était résolu, avec des sentiments mélangés… mélangés de mon regret de mon impuissance avec celui du succès obtenu… mes sentiments ne l’étaient pas, ils étaient purement et simplement d’enthousiasme, et je crois leur en avoir montré quelque chose, quand je les ai vus quelques soirs après, et soir où d’ailleurs ils n’ont pas pu me rendre compte de comment ils l’avaient trouvé. (22)

Nichtsdestotrotz habe ich die Nachricht, dass dieses Problem gelöst war, nicht mit gemischten Gefühlen aufgenommen – gemischt aus dem Bedauern über mein Unvermögen und dem Gefühl des erreichten Erfolgs –, meine Gefühle waren es nicht; sie bestanden schlicht und einfach in einem Enthusiasmus, und ich glaube, dass ich den beiden davon etwas gezeigt habe, als ich sie einige Abende später traf, an einem Abend, an dem sie mir übrigens keine Auskunft darüber geben konnten, wie sie es gefunden haben. (37)

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Ils l’avaient trouvé de fait, et j’espère n’avoir pas fait d’erreur en transcrivant – car ce n’est qu’une transcription – en transcrivant comme je l’ai fait sur ce papier central le fruit de leur trouvaille. (22)

Faktisch hatten sie es gefunden, und ich hoffe, keinen Irrtum begangen zu haben, als ich das transkribiert habe – denn das ist nur eine Transkription –, als ich die Frucht ihrer Entdeckung transkribiert habe, wie ich es auf diesem zentralen Papier vorgenommen habe. (37)

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - Miller

Borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten, als Zopf dargestellt (man muss sich vorstellen, dass die obere und die untere Kante miteinander verbunden sind)[note]Quelle: Seminar 23, Version Miller 2005, S. 47.[/note]

Je l’ai reproduit, à peu de chose près, je veux dire que c’est – c’est le cas de le dire – textuellement ce qu’ils ont élaboré, à part le fait que le trajet mis à plat, est à peine différent. (22)

Ich habe sie bis auf einige Kleinigkeiten reproduziert, ich möchte sagen, das ist – das kann man hier wirklich sagen – textgenau das, was sie erarbeitet haben, abgesehen davon, dass der geplättete Kurvenverlauf sich kaum unterscheidet. (37) (Zur Vergrößerung Abbildung anklicken.1)

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Si ce trajet mis à plat est tel que je vous le présente, c’est pour que vous sentiez peut-être un peu mieux que dans la figure qu’ils m’ont faite… que vous sentiez peut-être un peu mieux comment c’est fait. (22)

Wenn dieser geplättete Kurvenverlauf so ist, wie ich ihn für Sie darstelle, dann deshalb, damit Sie vielleicht etwas besser als in der Figur, die Thomé und Soury mir gemacht haben, spüren, dass Sie vielleicht ein bisschen besser spüren, wie das gemacht ist. (37 f.)

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Je pense que à l’aspect de cette figure – j’espère ! – chacun peut voir que, à supposer par exemple que le nœud à trois – ici noir – le nœud à trois noir étant élidé, il paraît bien clair que les trois autres nœud à trois sont libres. (23)

Ich denke, beim Betrachten dieser Figur kann jeder sehen  so hoffe ich, dass, wenn man zum Beispiel annimmt, dass der Dreierknoten, der hier schwarz gezeichnet ist, dass wenn der schwarze Dreierknoten weggelassen wird, deutlich zu sehen ist, dass die drei anderen Dreierknoten frei werden. (38)

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Il est bien clair en effet que le nœud à trois vert est sous le nœud à trois rouge, qu’il suffit, ce nœud à trois vert, de le sortir du rouge, pour que le nœud à trois brun ici [bleu], se montre également libre. (23)

Es ist in der Tat recht deutlich, dass der grüne Dreierknoten unter dem roten Dreierknoten liegt, dass es genügt, diesen grünen Dreierknoten von dem roten wegzuziehen, damit der braune [in der Abbildung: blaue] Dreierknoten sich hier ebenfalls als frei erweist. (38)

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J’ai vu longuement Soury et Thomé. (23)

Ich war lange mit Soury und Thomé zusammen. (38)

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Je vous l’ai dit, ils ne m’ont pas fait de confidences sur la façon dont ils l’ont obtenu, je pense d’ailleurs qu’il n’y en a pas qu’une, qu’il n’y a pas que celle-là, et peut-être vous montrerai-je la prochaine fois, comment encore on peut l’obtenir. (23)

Wie ich Ihnen gesagt habe, haben die beiden mich nicht ins Vertrauen gezogen, was die Art und Weise angeht, wie sie ihn erhalten haben – ich denke übrigens, dass es nicht nur eine gibt, dass es nicht nur diese hier gibt, und vielleicht werde ich Ihnen das nächste Mal zeigen, wie man ihn noch erhalten kann. (38)

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Je voudrais quand même commémorer ce menu événement… événement d’ailleurs que je considère comme pas menu, et je vais vous dire pourquoi ensuite, autrement dit pourquoi je cherchais… je veux un peu plus commémorer notre rencontre. (23)

Ich möchte gleichwohl dieses kleinen Ereignisses gedenken – eines Ereignisses übrigens, das ich nicht als klein betrachte, und ich werde Ihnen gleich sagen, warum, anders gesagt, warum ich gesucht habe –, ich will unseres Zusammentreffens noch ein wenig gedenken. (38)

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[48] Je crois que le support de cette recherche est non pas ce que Sarah Kofman dans un livre, dans un article remarquable où elle a contribué un article remarquable qu’elle appelle Vautour rouge et qui n’est autre qu’une référence aux Élixirs du diable célébrés par Freud, référence qu’elle reprend après l’avoir déjà une fois mentionnée dans son Quatre romans analytiques, livre entier d’elle, ceci n’empêchant pas que je vous recommande la lecture de cette Mimesis qui me paraît, avec ses cinq autres collaborateurs, réaliser quelque chose de remarquable. (23)

Mimesis des articulationsIch glaube, dass diese Suche nicht von dem getragen wird, was Sarah Kofman in einem Buch, in einem bemerkenswerten Artikel, den sie dazu beigetragen hat, einem bemerkenswerten Artikel, den sie Roter Geier nennt, was nichts anderes ist als ein Bezug auf die von Freud gefeierten Elixiere des Teufels, einen Bezug, den sie aufgreift, nachdem sie ihn schon einmal in ihren Vier analytischen Romanen hergestellt hat, einem Buch, das ganz von ihr ist, was mich nicht daran hindert, Ihnen die Lektüre dieser Mimesis zu empfehlen, ein Buch, das mir, mit seinen fünf Koautoren, etwas Bemerkenswertes zu realisieren scheint.2 (38)

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Je dois vous dire la vérité, je n’ai lu que l’article du premier, du troisième et du cinquième, parce que j’avais, en raison de la préparation de ce séminaire, d’autres chats à fouetter. (23)

Ich muss Ihnen die Wahrheit sagen, ich habe nur den Artikel des ersten, des dritten und des fünften Autors gelesen, weil ich mich, aufgrund der Vorbereitung dieses Seminars, mit anderem Dingen herumschlagen musste.3 (38)

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Je crois néanmoins que Mimesis vaut tout à fait la peine d’être lu. (23)

Ich glaube dennoch, dass Mimesis vollkommen die Mühe lohnt, gelesen zu werden. (38)

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Le premier article qui concerne Wittgenstein et disons le bruit qu’a fait son enseignement, est tout à fait remarquable. (23)

Der erste Artikel, der Wittgenstein betrifft sowie, sagen wir, den Lärm, den seine Lehre gemacht hat, ist ganz und gar bemerkenswert. (38 f.)

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Celui-là, je l’ai lu de bout en bout. (23)

Ihn habe ich von Anfang bis Ende gelesen. (39)

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Néanmoins, je dois dire que cette géométrie qui est celle des nœuds, dont je vous ai dit qu’ils manifestent une géométrie tout à fait spécifique, originale, est quelque chose qui « exorcise » cette inquiétante étrangeté. (23)

Nichtsdestoweniger, ich muss sagen, dass diese Geometrie, nämlich die der Knoten, von denen ich Ihnen gesagt habe, dass sie eine vollkommen spezifische, originelle Geometrie aufweisen, etwas ist, wodurch dieses Unheimliche exorziert wird. (39)

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Il y a là quelque chose de spécifique. (23)

Es gibt da etwas Spezifisches. (39)

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L’inquiétante étrangeté relève de l’Imaginaire, incontestablement. (23)

Das Unheimliche ist unbestreitbar vom Imaginären abhängig. (39)

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Mais qu’il y ait quelque chose qui permette de l’exorciser est assurément de soi-même étrange. (23)

Dass es jedoch etwas gibt, das es erlaubt, es zu exorzieren, ist sicherlich selbst wiederum unheimlich. (39)

Plättung eines borromäischer Knotens aus drei Ringen mit Feld der Hemmung

Borromäische Verschlingung aus drei Ringen mit Feld der Hemmung

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Pour spécifier où je mettrais ce dont il s’agit, c’est quelque part par là : (24)

Um zu spezifizieren, wo ich das, worum es geht, verorten würde – es ist irgendwo hier: (39)

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Je veux dire que c’est pour autant que l’Imaginaire se déploie selon le mode de deux cercles… ce qui peut également se noter d’un dessin, et je dirai qu’un dessin ne note rien, pour autant que la mise à plat en reste énigmatique… c’est pour autant qu’ici, joint à l’Imaginaire du corps, quelque chose comme une inhibition spécifique qui se caractériserait spécialement de l’ inquiétante étrangeté que – provisoirement tout au moins – je | [47] me permettrais de noter ce qu’il en est, quant à sa place, de ladite étrangeté. (24)

Ich will sagen, dass, insofern sich das Imaginäre in der Art von zwei Kreisen ausbreitet, was auch mit einer Zeichnung notiert werden kann, und zwar mit einer Zeichnung, möchte ich sagen, die nichts notiert, insofern ihre Plättung rätselhaft bleibt, insofern hier also, mit dem Imaginären des Körpers verbunden, so etwas wie eine spezifische Hemmung <erscheint>, die speziell durch das Unheimliche gekennzeichnet wäre, werde ich mir zumindest provisorisch erlauben anzumerken, was es, hinsichtlich seines Ortes, mit besagtem Unheimlichem auf sich hat. (39)

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La résistance que l’imagination éprouve à la cogitation de ce qu’il en est de cette nouvelle géométrie est quelque chose qui me frappe, pour l’avoir éprouvé. (24)

Der Widerstand, den die Imagination verspürt beim Nachdenken über das, was es mit dieser neuen Geometrie auf sich hat, ist etwas, das mich frappiert, da ich ihn erfahren habe. (39 f.)

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Que Soury et Thomé aient été… j’ose le dire, quoiqu’après tout, je n’en ai pas d’eux le témoignage …aient été spécialement captivés – me semble-t-il – par ce qui, dans mon enseignement, a été conduit à explorer, sous le coup, sous le fait de ce que m’imposait la conjonction de l’Imaginaire, du Symbolique et du Réel, qu’ils aient été attrapés tout spécialement par ce qu’il faut bien l’appeler cette élucubration qui est mienne, c’est quelque chose qui n’est certainement pas de pur hasard, disons que pour ça ils sont doués. (24)

Dass Soury und Thomé – das wage ich zu sagen, obwohl ich von ihnen letztlich kein Zeugnis darüber habe – besonders von dem eingenommen waren, so scheint mir, was ich in meiner Lehre erkundet habe, unter dem Druck, unter der Vorgabe dessen, was mir von der Verbindung des Imaginären, des Symbolischen und des Realem aufgenötigt wurde, dass sie insbesondere gerade von meinem, wie man wohl sagen muss, Elaborat gefesselt waren, das ist sicherlich kein reiner Zufall; sagen wir, dafür sind sie begabt. (40)

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L’étrange… l’étrange, et c’est là-dessus que je me permets de trahir ce qu’ils ont pu me faire de confidence… l’étrange – me semble-t-il – est ceci que… et cela m’a saisi, étant donné ce que vous savez que je profère… c’est qu’ils m’ont dit qu’ils s’y avançaient en parlant entre eux. (24)

Das Seltsame, das Seltsame daran, ich erlaube mir hier zu verraten, was sie mir anvertraut haben, das Seltsame daran ist, so scheint mir – und das hat mich berührt, in Anbetracht dessen, was ich, wie Sie wissen, vorbringe –, dass sie mir gesagt haben, dass sie damit dadurch vorankommen, dass sie miteinander sprechen. (40)

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Je ne leur en ai pas fait tout de suite la remarque, parce qu’à la vérité, cette confidence me semblait très précieuse, mais il est certain qu’on n’a pas l’habitude de penser à deux. (24)

Ich habe ihnen gegenüber nicht sofort eine Bemerkung dazu gemacht, weil mir diese vertrauliche Mitteilung wirklich sehr wertvoll erschien, aber es ist gewiss, dass man nicht die Gewohnheit hat, zu zweit zu denken. (40)

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Le fait que ce soit en parlant entre eux qu’ils arrivent à des résultats qui ne sont pas remarquables seulement par cette réussite, il y a longtemps que ce qu’ils composent sur le nœud borroméen me paraît plus qu’intéressant, me paraît un travail, mais cette trouvaille n’en est certainement pas le couronnement, ils en feront d’autres. (24)

Die Tatsache, dass sie, indem sie miteinander sprechen, zu Ergebnissen gelangen, die nicht nur durch diesen Erfolg bemerkenswert sind – seit langem schon scheint mir das, was sie über den borromäischen Knoten zustande bringen, mehr als interessant, scheint mir das eine Arbeit zu sein, aber dieser Fund ist gewiss nicht deren Krönung, sie werden noch andere Entdeckungen machen. (40)

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Je n’ajouterai pas ce qu’a pu me dire nommément Soury sur le mode dont il pense l’enseignement, c’est une affaire où je pense qu’à suivre mon exemple, celui que j’ai qualifié tout à l’heure, il s’en acquittera certainement aussi bien que je puis le faire, c’est-à-dire de la même façon scabreuse. (24)

Ich werde nicht hinzufügen, was mir vor allem Soury über die Art und Weise sagen konnte, wie er die Lehre denkt, das ist eine Sache, von der ich glaube, dass er, sofern er meinem Beispiel folgt, wie ich es vorhin gekennzeichnet habe, damit gewiss ebenso gut zurechtkommen wird, wie ich es kann, das heißt, auf dieselbe riskante Weise. (40)

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Mais que ceci puisse être conquis d’une telle trouvaille… je ne sais pas d’ailleurs si spécialement cette trouvaille a été conquise dans le dialogue …que le dialogue s’avère fécond spécialement dans ce domaine, c’est tout à fait – je puis dire – ce que confirme qu’il m’a manqué à moi. (24)

Aber dass dies erreicht werden kann, eine solche Entdeckung – ich weiß übrigens nicht, ob gerade diese Entdeckung im Dialog gemacht worden ist –, dass sich der Dialog speziell in diesem Bereich als fruchtbar erweist, das ist, so kann ich wohl sagen, genau die Bestätigung dafür, dass er mir gefehlt hat. (40)

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Je veux dire que pendant ces deux mois où je me suis acharné à trouver ce quatrième nœud à trois et la façon dont aux deux autres… aux trois autres, il pouvait se nouer borroméennement, je le répète, c’est assurément que je l’ai cherché seul, je veux dire en espérant dans ma cogitation. (24)

Ich will sagen, dass ich ihn während dieser beiden Monate, in denen ich mich damit abgemüht habe, diesen vierten Dreierknoten zu finden und die Art und Weise, in der er sich mit den zwei anderen, den drei anderen borromäisch verknüpfen könnte – ich wiederhole es –, das war sicherlich deshalb so, weil ich ihn allein gesucht habe, ich will sagen, auf mein Denkvermögen hoffend. (40 f. )

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Qu’importe, je n’insiste pas. (24)

Was soll‘s, ich beharre nicht drauf. (41)

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Il est temps de dire en quoi cette recherche m’importait. (24)

Es ist an der Zeit zu sagen, warum diese Suche mir wichtig war. (41)

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[50] Cette recherche m’importait extrêmement pour la raison suivante : les trois cercles du nœud borroméen ont ceci qui ne peut manquer d’être retenu, c’est qu’ils sont – à titre de cercles – tous trois équivalents, je veux dire qu’ils sont constitués de quelque chose qui se reproduit dans les trois. (24)

Diese Suche war mir aus dem folgenden Grund überaus wichtig: die drei Kreise des borromäischen Knotens zeichnen sich durch etwas aus, was man nicht umhin kann festzustellen, dass sie nämlich als Kreise alle drei äquivalent sind, ich will sagen, dass sie aus etwas gebildet sind, das sich in allen dreien reproduziert. (41)

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Ce n’est pas par hasard que je supporte de l’Imaginaire, spécialement… c’est le résultat d’une certaine, disons concentration… que ce soit dans l’Imaginaire que je mette le support de ce qui est la consistance, de même, que ce soit le trou que je fasse l’essentiel de ce qu’il en est du Symbolique et que, en raison du fait que le Réel, justement de la liberté de ces deux, de ce que l’Imaginaire et le Symbolique… c’est la définition même du nœud borroméen… soient libres l’un de l’autre, que je supporte ce que j’appelle l’ex-sistence, spécialement du Réel, en ce sens qu’à sister hors de l’Imaginaire et du Symbolique, il cogne, il joue tout spécialement dans quelque chose qui est de l’ordre de la limitation. (24)

Es ist kein Zufall, dass ich mit dem Imaginären speziell das stütze – das ist das Ergebnis einer gewissen, sagen wir, Konzentration –, dass es das Imaginäre ist, woraus ich den Träger der Konsistenz mache, und ebenso, dass ich aus dem Loch das Wesentliche dessen mache, worum es beim Symbolischen geht, und dass aufgrund der Tatsache, dass das Reale gerade aufgrund der Freiheit dieser beiden, aufgrund dessen, dass das Imaginäre und das Symbolische – das ist ja die Definition des borromäischen Knotens – voneinander unabhängig sind, dass ich das zum Träger dessen mache, was ich die Ex-sistenz nenne, speziell die des Realen, in dem Sinne, dass es, als außerhalb des Imaginären und des Symbolischen sistierend, daran anstößt, dass es insbesondere in etwas hineinspielt, was der Begrenzung zuzuordnen ist. (41)

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Les deux autres – à partir du moment où il est borroméennement noué – les deux autres lui résistent. (25)

Die beiden anderen, sobald es borromäisch mit ihnen verknüpft ist, die beiden anderen leisten ihm Widerstand. (41)

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C’est dire que le Réel n’a d’ex-sistence… et c’est bien étonnant que je le formule ainsi… n’a d’ex-sistence qu’à rencontrer, du Symbolique et de l’Imaginaire, l’arrêt. (25)

Das besagt, dass das Reale nur Ex-sistenz hat – und es ist ziemlich erstaunlich, dass ich es so formuliere –, nur Ex-sistenz hat, indem es auf die Sperre des Symbolischen und des Imaginären trifft. (41)

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Bien sûr, n’est-ce pas là un fait de simple hasard. (25)

Gewiss ist dies nicht ein Faktum des einfachen Zufalls. (41)

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Il faut en dire autant des deux autres. (25)

Von den beiden anderen muss man das gleiche sagen. (41)

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C’est en tant qu’il ex-siste au Réel que l’Imaginaire rencontre aussi le heurt qui ici se sent mieux. (25)

Insofern es dem Realen ex-sistiert, trifft das Imaginäre ebenfalls auf das Hindernis, das hier besser zu spüren ist. (41)

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Pourquoi dès lors, mets-je cette ex-sistence, précisément là où elle peut sembler la plus paradoxale ? (25)

Warum also setze ich diese Ex-sistenz gerade da an, wo sie am paradoxesten erscheinen kann? (41)

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C’est qu’il me faut bien répartir ces trois modes et que c’est justement d’ex-sister que se supporte la pensée du Réel. (25)

Aus dem Grund, weil ich eben diese drei Modi aufteilen muss, und weil sich das Denken des Realen gerade auf das Ex-sistieren stützt. (41)

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Mais qu’en résulte-t-il, si ce n’est qu’il nous faut – ces trois termes – les concevoir comme se rejoignant l’un à l’autre ? (25)

Aber was folgt daraus, wenn nicht dies, dass wir diese drei Terme als ineinander übergehend auffassen müssen? (41)

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S’ils sont si analogues, c’est exactement que – pour employer ce terme – est-ce qu’on ne peut pas supposer que ce soit d’une continuité ? (25)

Wenn sie so analog sind, ist das genau dies, dass – um diesen Ausdruck zu verwenden –, kann man dann nicht annehmen, dass es sich um eine Kontinuität handelt? (41 f. )

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Et c’est là ce qui nous mène tout droit à faire le nœud à trois, car il n’y a pas beaucoup d’effort à commettre pour… de la façon dont ils s’équilibrent, se superposent… joindre les points de la mise à plat qui d’eux feront continuité. (25)

Und eben dies führt uns geradewegs dazu, den Dreierknoten zu bilden, denn man muss keine großen Anstrengungen machen, um – ausgehend von der Weise, wie sie sich ausbalancieren, sich überlagern – diejenigen Punkte der Plättung zu verbinden, die daraus eine  Kontinuität machen. (42)

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Mais alors, qu’en résulte-t-il ? (25)

Aber was folgt nun daraus? (42)

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Qu’en résulte-t-il pour ce que de nœud, quelque chose qu’il faut bien appeler de l’ordre du sujet… pour autant que le sujet n’est jamais que supposé… ce qui de l’ordre du sujet dans ce nœud à trois, se trouve en somme supporté ? (25)

Was folgt daraus, damit vom Knoten etwas, das man als zur Ordnung des Subjekts gehörend bezeichnen muss, insofern das Subjekt immer nur unterstellt ist, damit etwas von der Ordnung des Subjekts sich letztlich als von diesem Dreierknoten gestützt erweist? (42)

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Est-ce à dire que si le nœud à trois se | [51] noue lui-même borroméennement – au moins à trois – cela nous suffise ? (25)

Heißt das, wenn der Dreierknoten selbst borromäisch verknüpft wird, mindestens zu dreien, dass uns das reicht? (42)

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C’est justement sur ce point que ma question portait. (25)

Genau auf diesen Punkt bezog sich meine Frage. (42)

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Borromäische Kette

Borromäische Verschlingung aus vier Ringen, als Kette angeordnet

Dans une figure, une chaîne borroméenne, est-ce que il ne nous apparaît pas que le minimum est toujours constitué par un nœud à quatre ? (25)

In einer Figur, einer borromäischen Kette, wird uns da nicht deutlich, dass das Minimum immer durch einen Viererknoten gebildet wird?4 (42)

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Je veux dire que c’est à tirer cette corde verte pour que vous vous aperceviez que le cercle noir, ici noué avec la corde rouge, sera… en étant tiré par cette corde bleue …sera, manifestera, la forme sensible d’une chaîne borroméenne. (25)

Ich will sagen, wenn Sie an der grünen Schnur ziehen, werden Sie bemerken, dass der schwarze Kreis, der hier mit der roten Schnur verknüpft ist, dass er, indem er von der blauen Schnur gezogen wird, dass er die wahrnehmbare Form einer borromäischen Kette aufweisen wird. (42)

(In der Staferla-Version findet man hierzu das nebenstehende  Bild. Ich sehe nicht, wie durch Ziehen des grünen Fadens – einer unendlichen Geraden – die Konfiguration verändert und die Gestalt einer Kette erzeugt werden kann. In Version Miller 2005 findet man dasselbe Diagramm; die Farben werden etwas anders verteilt, aber auch hier ist der grüne Faden, an dem gezogen werden soll, eine unendliche Gerade.)

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Il semble que le moins qu’on puisse attendre de cette chaîne borroméenne, c’est ce rapport de un à trois autres. (25)

Es scheint, das mindeste, was man von dieser borromäischen Kette erwarten kann, das ist dieses Verhältnis von einem zu drei anderen. (42)

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Et si nous supposons – comme nous en avons là la preuve – si nous pensons effectivement qu’un nœud à trois… car celui-là n’est pas moins un nœud à trois : …que ces nœuds se composeront borroméennement l’un avec l’autre, nous aurons, | [52] nous toucherons ceci : que c’est toujours de trois supports – que nous appellerons en l’occasion subjectifs, c’est-à-dire personnels – qu’un quatrième prendra appui, et si vous vous souvenez du mode sous lequel j’ai introduit ce quart élément… chacun des autres est supposé constituer quelque chose de personnel au regard de ces trois éléments… le quart sera ce que j’énonce cette année comme le sinthome. (26)

Und wenn wir annehmen, wofür wir ja hier den Beweis haben, wenn wir tatsächlich denken, dass ein Dreierknoten – denn dieser hier ist nicht minder ein Dreierknoten –, dass sich diese Knoten borromäisch miteinander verbinden, dann wird für uns greifbar, dass sich auf drei Träger, die wir hier subjektive nennen wollen, das heißt persönliche, immer ein vierter stützen wird, und wenn Sie sich an den Modus erinnern, in dem ich dieses vierte Element eingeführt habe, so wird jedem der drei anderen unterstellt, etwas Persönliches zu bilden im Hinblick auf diese drei Elemente; das vierte wird das sein, was ich dieses Jahr als das Sinthom artikuliere. (42 f. )

Ce n’est pas pour rien que j’ai écrit ces choses dans un certain ordre : R.S.I, S.I.R, I.R.S, c’est bien à quoi répondait mon titre de l’année dernière. (26)

An der Tafel

R……….S……….I

S………..I……….R

I…………R………S

Ich habe diese Dinge nicht ohne Grund in einer bestimmten Ordnung geschrieben: RSI, SIR, IRS, eben dem entsprach mein Titel vom letzten Jahr.5 (43)

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C’est qu’aussi bien, les mêmes Soury et Thomé, j’y ai déjà fait allusion expressément dans ce séminaire …ont mis en valeur que pour ce qui en est des nœuds borroméens en question, à partir du moment où ils sont orientés et coloriés, il y en a deux de nature différente. (26)

Diese beiden, Soury und Thomé – ich habe mich in diesem Seminar bereits ausdrücklich darauf bezogen –, haben außerdem herausgearbeitet, dass es hinsichtlich der in Frage stehenden borromäischen Knoten, sobald sie sowohl orientiert als auch eingefärbt sind, zwei von unterschiedlicher Natur gibt. (43)

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Qu’est-ce à dire ? (26)

Was heißt das? (43)

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Dans la mise à plat, déjà on peut le mettre en valeur. (26)

An der Plättung kann man das bereits deutlich machen. (43)

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Ici, j’abrège, je vous indique seulement dans quel sens en faire l’épreuve. (26)

Ich kürze hier ab, ich zeige Ihnen nur die Richtung an, in der das zu untersuchen wäre. (43)

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Je vous ai dit l’équivalence de ces trois cercles, de ces trois ronds de ficelle. (26)

Ich habe Sie auf die Äquivalenz dieser drei Kreise hingewiesen, dieser drei Fadenringe. (43)

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Il est remarquable que ce soit seulement à ce que, non pas entre eux que soit marquée l’identité d’aucun… car l’identité, ça serait les marquer par la lettre initiale, dire R, I et S, c’est déjà les intituler chacun, chacun comme tel du Réel, du Symbolique et de l’Imaginaire …mais il est notable qu’il apparaisse que ce qui se distingue entre eux, d’efficace dans l’orientation ne soit repérable que de ce que soit par la couleur marquée leur différence – non pas de l’un à l’autre, mais leur différence, si je puis dire absolue, en ce qu’elle est la | [53] différence commune aux trois. (26)

Es ist bemerkenswert, dass erst wenn unter ihnen, nicht die Identität eines jeden bezeichnet würde – denn Identität würde bedeuten, sie mit der Initiale zu bezeichnen: zu sagen R, I und S, das heißt bereits, jeden von ihnen als solchen zu betiteln, jeden als den des Realen, des Symbolischen und des Imaginären –, aber es ist bemerkenswert, dass deutlich wird, dass das, worin sie sich hinsichtlich der Orientierung effektiv unterscheiden, nur daran feststellbar ist, dass ihre Differenz durch die Farbe bezeichnet ist, und zwar nicht zwischen zweien, sondern durch ihre, wenn ich so sagen darf, absolute Differenz, insofern sie eine den dreien gemeinsame Differenz ist. (43 f.)

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C’est pour qu’il y ait quelque chose qui est un… mais qui, comme tel, marque la différence entre les trois, et non pas la différence à deux …qu’il apparaît en conséquence la distinction de deux structures de nœuds borroméens. (26)

Insofern es etwas gibt, das eines ist, das aber als solches die Differenz zwischen den dreien kennzeichnet – und nicht die paarweise Differenz –, erscheint als Konsequenz die Unterscheidung zwischen zwei Strukturen von borromäischen Knoten. (44)

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Lequel est le vrai, est le vrai au regard de ce qu’il en est de la façon dont se noue l’Imaginaire, le Symbolique et le Réel dans ce qui supporte le sujet ? (26)

Welche ist die wahre, die wahre im Hinblick auf die Weise, wie – in dem, wovon das Subjekt getragen wird – das Imaginäre, das Symbolische und das Reale verknüpft sind? (44)

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Voilà la question qui mérite d’être interrogée, qu’on se reporte à mes précédentes allusions à cette dualité du nœud borroméen pour l’apprécier, car je n’ai pu aujourd’hui que l’évoquer un instant. (26)

Das ist die Frage, die es verdient, befragt zu werden; um die Frage abzuschätzen, beziehe man sich auf meine früheren Hinweise auf die Dualität des borromäischen Knotens, denn heute konnte ich sie nur kurz ansprechen. (44)

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Il y a quelque chose de remarquable, c’est que le nœud à trois par contre, ne porte pas trace de cette différence. (26)

Es gibt etwas Bemerkenswertes, nämlich dass im Gegensatz hierzu der Dreierknoten keine Spur dieser Differenz aufweist. (44)

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Dans le nœud à trois, c’est-à-dire dans le fait que nous mettons l’Imaginaire, le Symbolique et le Réel en continuité, on ne s’étonnera pas que nous y voyions qu’il n’y a qu’un seul nœud à trois. (26)

Beim Dreierknoten, das heißt bei der Tatsache, dass wir das Imaginäre, das Symbolische und das Reale in Kontinuität bringen, wird man nicht erstaunt sein, dass wir hier sehen, dass es nur einen einzigen Dreierknoten gibt. (44)

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J’espère que il y en a ici suffisamment qui prennent des notes, car ceci est important, important pour vous suggérer d’aller vérifier ce dont il s’agit, à savoir nommément que du nœud à trois… qui homogénéise le nœud borroméen …il y en a par contre qu’une espèce. (26)

Ich hoffe, dass genügend Leute hier sind, die sich Notizen machen, denn dies ist wichtig, wichtig um Ihnen vorzuschlagen, zu überprüfen, worum es geht, nämlich darum, dass es hingegen vom Dreierknoten, der den borromäischen Knoten homogenisiert, nur eine Art gibt. (44)

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Est-ce à dire que ce soit vrai ? (26)

Heißt das, dass das wahr ist?6  (44)

Linkshändiger Kleeblattknoten

Linksdrehender Kleeblattknoten

Rechtshändige Kleeblattschlinge

Rechtsdrehender Kleeblattknoten

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Chacun sait que de nœud à trois, il y en a deux. (26)

Jeder weiß, dass es vom Dreierknoten zwei gibt. (44)

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Il y en a deux selon qu’il est dextrogyre ou lévogyre. (26)

Es gibt zwei, je nachdem, ob er rechts- oder linksdrehend ist. (44)

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C’est donc là un problème que je vous pose : quel est le lien entre ces deux espèces de nœuds borroméens et les deux espèces de nœuds à trois ? (26)

Hier gibt es also ein Problem, das ich Ihnen stelle: worin besteht die Verbindung zwischen diesen beiden Arten von borromäischen Knoten und den beiden Arten von Dreierknoten? (44)

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Quoiqu’il en soit, si le nœud à trois est bien le support de toute espèce de sujet, comment l’interroger, comment l’interroger de telle sorte que ce soit bien d’un sujet qu’il s’agisse ? (26)

Wie dem auch sei, wenn der Dreierknoten wirklich der Träger für jede Art von Subjekt ist, wie kann er befragt werden, wie kann er so befragt werden, dass es wirklich ein Subjekt ist, um das es geht? (44)

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Il fut un temps ou j’avançais dans une certaine voie, avant que je ne sois sur la voie de l’analyse, c’est celui de paranoïaque dans ses rapports – disais-je  avec la personnalité. (26)

Es gab eine Zeit, da ich auf einem bestimmten Weg vorangeschritten bin, bevor ich mich auf dem Weg der Analyse befand, das war die Zeit meiner Dissertation Von der paranoischen Psychose in ihren Beziehungen, so sagte ich, zur Persönlichkeit. (44)

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Si j’ai si longtemps résisté à la republication de ma thèse, c’est simplement pour ceci : c’est que la psychose paranoïaque et la personnalité – comme telle – n’ont pas de rapport, simplement pour ceci : c’est parce que c’est la même chose. (27)

Lacan - De la psychose paranoiaque

Taschenbuchausgabe Seuil, Paris 1980

Wenn ich gegen die Wiederveröffentlichung meiner Dissertation so lange Widerstand geleistet habe, so liegt das einfach daran, dass die paranoische Psychose und die Persönlichkeit als solche nicht in einer Beziehung zueinander stehen, einfach aus dem Grunde, weil das dasselbe ist.7  (44 f.)

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En tant qu’un sujet noue à trois l’Imaginaire, le Symbolique et le Réel, il n’est supporté que de leur continuité. (27)

Wenn ein Subjekt das Imaginäre, das Symbolische und das Reale zu dreien verknüpft, wird es nur von ihrer Kontinuität getragen. (45)

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L’Imaginaire, le Symbolique et le Réel sont une seule et même consistance, et c’est en cela que consiste la psychose paranoïaque. (27)

Kleeblattknoten in drei Farben für RSI

Kleeblattknoten in drei Farben für RSI

Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale sind ein und dieselbe Konsistenz, und eben darin besteht die paranoische Psychose. (45)

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À bien entendre ce que j’énonce aujourd’hui, on pourrait en déduire qu’à trois paranoïaques pourrait être noué… au titre de symptôme …un | [54] quatrième terme qui se situerait comme tel comme personnalité, en tant qu’elle-même elle serait – au regard des trois personnalités précédentes – distincte, et leur symptôme. (27)

Wenn man das, was ich heute sage, richtig versteht, könnte man daraus ableiten, dass an drei Paranoiker ein vierter Term als Symptom geknüpft werden könnte, der als solcher insofern als Persönlichkeit zu verorten wäre, als sie selbst von den vorangehenden drei Persönlichkeiten unterschieden und ihr Symptom wäre. (45)

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Est-ce à dire qu’elle serait paranoïaque elle aussi ? (27)

Heißt das, dass auch sie paranoisch wäre? (45)

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Rien ne l’indique dans le cas qui est plus que probable, qui est certain …où c’est d’un nombre indéfini de nœuds à trois qu’une chaîne borroméenne peut être constituée. (27)

Nichts weist darauf hin in dem Fall, der mehr als wahrscheinlich ist, der gewiss ist, in dem aus einer unbegrenzten Anzahl von Dreierknoten eine borromäische Kette gebildet werden kann. (45)

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Ce qui n’empêche pas que, au regard de cette chaîne… qui dès lors ne constitue plus une paranoïa, si ce n’est qu’elle est commune …au regard de cette chaîne, la floculation possible de quarts termes… dans cette tresse qui est la tresse subjective …la floculation possible, terminale, de quarts termes nous laisse la possibilité de supposer que sur la totalité de la texture, il y a certains points élus qui – de ce nœud à quatre – se trouvent le terme. (27)

Was nicht verhindern, dass uns im Hinblick auf diese Kette, die von da an keine Paranoia mehr bildet, es sei denn eine allgemeine, die mögliche Ausflockung des vierten Terms in diesem Zopf, dem subjektiven Zopf, die mögliche Endausflockung des vierten Terms die Möglichkeit lässt anzunehmen, dass es über die Gesamtheit der Textur bestimmte ausgewählte Punkte gibt, die sich als Endpunkt dieses Viererknotens herausstellen. (45)

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Et c’est bien en cela que consiste, à proprement parler le sinthome, et le sinthome non pas en tant qu’il est personnalité, mais qu’au regard de trois autres, il se spécifie d’être sinthome et névrotique. (27)

Und genau darin besteht im eigentlichen Sinne das Sinthom, und zwar das Sinthom, nicht insofern es Persönlichkeit ist, sondern insofern es, im Hinblick auf die drei anderen, als Sinthom und als neurotisch bestimmt ist. (45)

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Borromäischer Viererknoten - als Zopf - MillerEt c’est en cela qu’un aperçu nous est donné sur ce qu’il en est de l’inconscient : c’est en tant que le sinthome le spécifie, qu’il y a un terme qui s’y rattache plus spécialement qui, au regard de ce qu’il en est du sinthome, a un rapport privilégié, de même qu’ici dans le nœud à trois noué borroméennement à quatre : vous voyez qu’il y a une réponse particulière du rouge au brun [vert], de même qu’il y a une réponse particulière du vert [bleu] au noir. (27)

Und insofern ergibt sich für uns ein Hinweis darauf, was es mit dem Unbewussten auf sich hat: insofern es vom Sinthom spezifiziert wird, gibt es einen Term, der sich in besonderer Weise an es hängt, der eine privilegierte Beziehung hinsichtlich dessen unterhält, was es mit dem Sinthom auf sich hat, ebenso wie Sie hier, im borromäisch zu vieren geknüpften Dreierknoten sehen, dass es eine besondere Antwort von Rot auf Braun [Grün] gibt, ebenso wie es eine besondere Antwort von Grün [Blau] auf Schwarz gibt. (45 f.)

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Borromäischer Knoten 2 + 2

Borromäische Verschlingung aus vier Ringen

[55] C’est en tant que l’un des deux couples se distingue de ce nœud spécifique avec une autre couleur… pour reprendre le terme dont je me servais tout à l’heure …c’est en tant qu’il y un lien du sinthome à quelque chose de particulier dans cet ensemble à quatre : c’est – pour tout dire – pour autant qu’il y a ce lien… on ne sait pas si c’est celui-ci ou celui-là …c’est pour autant que nous avons un couple rouge-vert ici à gauche, bleu-rouge ici à droite, que nous avons couple, et que c’est en tant que le sinthome se relie à l’Inconscient, et que l’Imaginaire se lie au Réel, que nous avons affaire à quelque chose dont surgit le sinthome. (27)

Insofern eines der beiden Paare sich von diesem spezifischen Knoten mit einer anderen Farbe unterscheidet – um den Terminus wieder aufzunehmen, dessen ich mich vorhin bedient habe: insofern es eine Verbindung des Sinthoms mit etwas Besonderem in diesem Viererensemble gibt, das heißt, um es klar zu sagen, insofern es diese Verbindung gibt – man weiß nicht, ob es diese hier oder jene dort ist –, insofern wir ein rot-grünes Paar hier links haben und ein blau-rotes (blau-schwarzes) hier rechts, insofern wir Paar haben, und insoweit das Sinthom mit dem Unbewussten verbunden ist und sich das Imaginäre an das Reale bindet, haben wir es mit etwas zu tun, aus dem das Sinthom auftaucht. (46)

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Voilà les choses difficiles que je voulais, pour vous, énoncer aujourd’hui. (28)

Das sind die schwierigen Dinge, die ich heute für Sie ansprechen wollte.

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Assurément, ceci mérite le complément, le complément de la raison pourquoi ici j’ai en quelque sorte ouvert le nœud à trois, pourquoi j’en ai donné la forme que vous voyez ici : qui n’est pas celle qui se trouve dessinée de la façon que vous voyez en bas, circulaire. (28)

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Kleeblattknoten des Subjekts (Ausschnitt)

Gewiß verdient dies die Ergänzung, die Ergänzung des Grundes, aus dem ich hier den Dreierknoten gewissermaßen geöffnet habe, warum ich seine Gestalt hier so dargestellt habe, wie Sie sie hier sehen, die nicht diejenige ist, welche in der Art gezeichnet ist, die Sie hier unten sehen: kreisförmig.8 (46)

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Elle résulte de ceci : c’est qu’au regard de ce champ, que j’ai déjà ici noté de JȺ, il s’agit de la jouissance, de la jouissance, non pas de l’Autre, au titre de ceci que j’ai énoncé : qu’il n’y a pas d’Autre de l’Autre, qu’au Symbolique – lieu de l’Autre comme tel – rien n’est opposé, | [56] qu’il n’y a pas de jouissance de l’Autre en ceci qu’il n’y a pas d’Autre de l’Autre, et que c’est ce que veut dire cet A barré (Ⱥ). (28)

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen KopieSie ergibt sich daraus, dass es sich, hinsichtlich dieses Feldes, das ich bereits als JȺ notiert habe, um das Genießen handelt, das Genießen nicht des Anderen, in bezug auf den ich gesagt habe, dass es keinen Anderen des Anderen gibt, dass dem Symbolischen, dem Ort des Anderen als solchem, nichts entgegengesetzt ist, dass es kein Genießen des Anderen gibt, insofern es keinen Anderen des Anderen gibt, und dass es das ist, was dieses durchgestrichene A bedeutet, Ⱥ. (46)

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Il en résulte qu’ici JȺ : cette jouissance de l’Autre de l’Autre qui n’est pas possible pour la simple raison qu’il n’y en a pas. (28)

Daraus ergibt sich, dass hier JȺ, dieses Genießen des Anderen des Anderen, das nicht möglich ist, aus dem einfachen Grund, dass es keinen gibt. (46)

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Dès lors ce qui en résulte est ceci : que seul reste ce qui se produit dans le champ de mise à plat du cercle du Symbolique avec le cercle de l’Imaginaire qui est le sens, et que d’autre part, ce qui est ici indiqué, figuré, c’est le rapport du Symbolique avec le Réel en tant que de lui sort la jouissance dite du phallus, qui n’est certes pas en elle-même la jouissance comme telle pénienne, mais qui… si nous considérons ce qu’il advient au regard de l’Imaginaire, c’est-à-dire de la jouissance du double, de l’image spéculaire, de la jouissance du corps en tant qu’imaginaire …il est le support d’un certain nombre de béances, et qu’elle constitue proprement les différents objets qui l’occupent. (28)

Von daher ist es dies, was daraus hervorgeht: dass allein das bleibt, was sich in dem Feld herstellt, dem Feld der Plättung des Kreises des Symbolischen mit dem Kreis des Imaginären, nämlich der Sinn, und dass andererseits das, was hier angezeigt, dargestellt ist, das Verhältnis des Symbolischen zum Realen ist, insofern aus ihm das sogenannte Genießen des Phallus hervorgeht, das gewiss nicht selbst schon das auf den Penis bezogene Genießen als solches ist, das aber, wenn wir in Betracht ziehen, was im Hinblick auf das Imaginäre geschieht, das heißt auf das Genießen des Doubles, des Spiegelbildes, das Genießen des Körpers als imaginärem, er ist der Träger einer gewissen Anzahl von Klüften, und dass es recht eigentlich die verschiedenen Objekte bildet, die ihn besetzen. (46)

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Par contre, la jouissance dite phallique se situe là (JΦ), à la conjonction du Symbolique avec le Réel. (28)

Hingegen ist das sogenannte phallische Genießen (JΦ) hier angesiedelt, an der Zusammenfügung des Symbolischen mit dem Realen. (47)

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C’est pour autant que chez le sujet qui se supporte du parlêtre… au sens que c’est là ce que je désigne comme étant l’Inconscient …il y a… et c’est dans ce champ que la jouissance phallique s’inscrit …il y a le pouvoir, le pouvoir en somme appelé, supporté, le pouvoir de conjoindre ce qu’il en est d’une certaine jouissance qui, du fait de cette parole elle-même, conjoint une jouissance… éprouvée du fait du parlêtre …comme une jouissance parasitaire, et qui est celle dite du phallus. (29)

Insofern es beim Subjekt, das sich auf das Sprechsein stützt, in dem Sinne, dass sich hier das befindet, was ich als das Unbewusste seiend bezeichne, gibt es – und in dieses Feld schreibt sich das phallische Genießen ein – gibt es die Macht, die insgesamt angerufene, unterstützte/ertragene Macht, die Macht, das zusammenzufügen, was es mit einem gewissen Genießen auf sich hat, die, aufgrund der Tatsache eben dieses Sprechens, ein Genießen verbindet, das aufgrund der Tatsache des Sprechseins als ein parasitäres Genießen empfunden wird, nämlich das sogenannte Genießen des Phallus. (47)

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C’est bien celle que j’inscris ici comme balance à ce qu’il en est du sens. (29)

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Kleeblattknoten mit Sinn und JΦ als sich die Waage haltend

Das ist dasjenige, das ich hier aufschreibe, als die Waage haltend mit dem, was es mit dem Sinn auf sich hat. (47)

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C’est le lieu de ce qui – par le parlêtre – est désigné en conscience comme pouvoir. (29)

Es ist der Ort dessen, was vom Sprechwesen im Bewusstsein als Macht bezeichnet wird. (47 f. )

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Ce qui mime… pour conclure sur quelque chose dont je vous ai proposé la lecture (Mimesis des articulations) …c’est le fait que les trois ronds participent :
– de l’Imaginaire en tant que consistance,
– du Symbolique en tant que trou,
– et du Réel en tant qu’à eux ex-sistant. (29)

Das, was die Mimesis vollzieht, um mit dem zu schließen, dessen Lektüre ich Ihnen vorgeschlagen habe, liegt in der Tatsache begründet, dass die drei Schlingen am Imaginären als Konsistenz teilhaben, am Symbolischen als Loch und am Realen als diesen ex-sistierend. (48)

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Les trois ronds donc s’imitent. (29)

Die drei Schlingen imitieren sich also. (48)

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[57] Il est d’autant plus difficile de ce faire, qu’ils ne s’imitent pas simplement, que du fait du dit, ils se composent dans un nœud triple. (29)

Das zu tun ist umso schwieriger, als sie sich nicht einfach nachahmen, als sie sich aufgrund des Erwähnten zu einem Dreifachknoten zusammensetzen. (48)

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D’où mon souci, après avoir fait la trouvaille que ce nœud triple se nouait à trois borroméennement, j’ai constaté que s’ils se sont conservés libres entre eux, un nœud triple, jouant dans une pleine application de sa texture, ex-siste, qui est bel et bien quatrième, et qui s’appelle le sinthome. Voilà ! (29)

Von daher meine Sorge: nachdem ich den Fund gemacht hatte, dass dieser Dreifachknoten sich auf borromäische Weise zu dreien verknüpft, habe ich festgestellt, dass, wenn sie gegeneinander frei geblieben sind, ein Dreifachknoten ex-sistiert, der in einer vollen Anwendung seiner Textur spielt, der gut und gern der vierte ist und der „das Sinthom“ heißt. Das wärʼs. (48)

KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vortrag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den Lacan-Zitaten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz angegeben.

Am Ende je­des Le­xi­konein­trags steht ein Pfeil nach un­ten mit der Spitze nach links (↩); wenn man ihn an­klickt, kommt man zur ent­spre­chen­den Stelle der Über­set­zung zurück.

Dreierknoten versus borromäischer Dreierknoten (36)

Zu: „Also, letztes Mal habe ich Ihnen gesagt, dass ich für den Dreierknoten – den Dreierknoten, den ich so zeichne, und bei dem Sie sehen, dass man ihn aus dem borromäischen Knoten dadurch erhält, dass man die Schnüre an diesen drei Punkten, die ich gerade markiert habe, verbindet –, ich habe Ihnen gesagt, dass ich bezogen auf den Dreierknoten die Entdeckung gemacht habe, dass sie sich untereinander zu dritt borromäisch verknüpfen.“ (36)

Der Text ist etwas verwirrend, da Lacan den Kleeblattknoten als „Dreierknoten“ bezeichnet und zwischen diesem Dreierknoten und dem borromäischen Dreierknoten hin und her wechselt.

Kleeblattschlinge

Kleeblattknoten oder Dreierknoten

„Dreierknoten“ meint Kleeblattknoten, also die rechts abgebildete Knotenform sowie deren seitenverkehrte Variante.

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb - borromäischer Standardknoten

Borromäischer Dreierknoten

Davon ist zu unterscheiden der „borromäische Dreierknoten“, d.h. der „borromäische Knoten“ (die borromäische Verschlingung) aus drei einzelnen Ringen (trivialen Knoten).

Bei den drei Knoten des borromäischen Dreierknotens kann es sich um Ringe handeln – um „Unknoten“ oder „triviale Knoten“, wie die Topologen sagen. Die drei Knoten des borromäischen Dreierknotens können aber auch Kleeblattknoten sein. Ein borromäischer Dreierknoten kann also aus drei Dreierknoten bestehen.

Der Hauptthema dieser Seminarsitzung ist eine borromäische Verschlingung aus vier Knoten (ein „borromäischer Viererknoten“), bei dem die vier Knoten Kleeblattknoten sind – ein borromäischer Viererknoten aus vier Dreierknoten.

Zopf (37)

Zu: „Faktisch hatten sie es gefunden, und ich hoffe, keinen Irrtum begangen zu haben, als ich das transkribiert habe – denn das ist nur eine Transkription –, als ich die Frucht ihrer Entdeckung transkribiert habe, wie ich es auf diesem zentralen Papier vorgenommen habe.“ (37)

Zopf einfachLacan bezieht sich mit dieser Bemerkung auf das Diagramm eines „Zopfes“. „Zopf“ ist ein Begriff der Topologie. Ein Zopf ist ein Bündel von offenen Kurven, die miteinander verschlungen sind. Wenn man sich vorstellt, dass die Kurven von oben nach unten verlaufen, liegen die Endpunkte unter den Anfangspunkten, unabhängig von der Zuordnung zu einer bestimmten Kurve. Damit steht ein Zopf im Gegensatz zum Knoten – Knoten sind geschlossene Kurven. Rechts sieht man  das Diagramm eines einfachen Zopfes.

Zopfdiagramme können dazu verwendet werden, Verschlingungen von Knoten darzustellen; dazu müssen die übereinanderliegenden Endpunkte miteinander verbunden werden: der linke obere Endpunkt mit dem linken unteren Endpunkt usw.

Orientierung (43 f.)

Zu: „Diese beiden, Soury und Thomé – ich habe mich in diesem Seminar bereits ausdrücklich darauf bezogen –, haben außerdem herausgearbeitet, dass es hinsichtlich der in Frage stehenden borromäischen Knoten, sobald sie sowohl orientiert als auch eingefärbt sind, zwei von unterschiedlicher Natur gibt. (…) Es ist bemerkenswert, dass erst wenn unter ihnen, nicht die Identität eines jeden bezeichnet würde – denn Identität würde bedeuten, sie mit der Initiale zu bezeichnen: zu sagen R, I und S, das heißt bereits, jeden von ihnen als solchen zu betiteln, jeden als den des Realen, des Symbolischen und des Imaginären –, aber es ist bemerkenswert, dass deutlich wird, dass das, worin sie sich hinsichtlich der Orientierung effektiv unterscheiden, nur daran feststellbar ist, dass ihre Differenz durch die Farbe bezeichnet ist, und zwar nicht zwischen zweien, sondern durch ihre, wenn ich so sagen darf, absolute Differenz, insofern sie eine den dreien gemeinsame Differenz ist. (43 f.)

Das Konzept der Orientierung der borromäischen Ringe wird von Lacan in Seminar 21 entwickelt, in den Sitzungen vom 13. No­vem­ber 1973, 14. Mai und 21. Mai 1974; vgl. außerdem Seminar 22, Sitzung vom 11. März 1975.

Vgl. hierzu im Kommentar zur Sitzung vom 18. November 1975 den Teil „Über Knoten“ und darin den Abschnitt „Orientierung“.

Paranoische Psychose als Kleeblattknoten (45)

Zu: „Wenn ein Subjekt das Imaginäre, das Symbolische und das Reale zu dreien verknüpft, wird es nur von ihrer Kontinuität getragen. Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale sind (dann) ein und dieselbe Konsistenz, und eben darin besteht die paranoische Psychose.“ (45)

Der Kleeblattknoten kann so gedeutet werden dass er die paranoische Psychose darstellt. Er zeigt dann: das Symbolische, das Imaginäre und das Reale gehen ineinander über.

Adrian Price gibt hierfür ein Beispiel:

“Im Kleeblattknoten gehen das Imaginäre, das Symbolische und das Reale ineinander über. Dies führt zur Entstehung des paranoischen Mechanismus, den Lacan in Seminar III beschrieben hat: zuerst gibt es die Isolierung irgendeines fesselnden Elements im Realen (Lacan gibt das Beispiel eines roten Autos, das auf der Straße gesehen wird9); da es auf diese Weise isoliert wird, nimmt es den Wert eines Signifikanten an („das rote Auto“), und da die Funktion eines Signifikanten darin besteht, ein Signifikat zu stützen, wird schließlich eine imaginäre Bedeutung erzeugt, auch wenn dies nicht mehr ist als die Bedeutung der Bedeutung (das rote Auto muss etwas bedeuten, es ist bedeutungsvoll, allerdings weiß ich nicht, was es bedeutet – es bedeutet einfach, dass es bedeutete). Letztlich kann diese imaginäre Bedeutung ins Reale zurückgleiten und weitere Elemente isolieren, als Stütze für Bedeutung, die zu knospen beginnt.“10

Diagramm der borromäischen Ringe mit Überschneidungsbereichen (46)

Zu: „Dar­aus er­gibt sich, dass hier JȺ, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren des An­de­ren, das nicht mög­lich ist, aus dem ein­fa­chen Grund, dass es kei­nen gibt. Von da­her ist es dies, was dar­aus her­vor­geht: dass al­lein das bleibt, was sich in dem Feld her­stellt, dem Feld der Plät­tung des Krei­ses des Sym­bo­li­schen mit dem Kreis des Ima­gi­nä­ren, näm­lich der Sinn, und dass an­de­rer­seits das, was hier an­ge­zeigt, dar­ge­stellt ist, das Ver­hält­nis des Sym­bo­li­schen zum Rea­len ist, in­so­fern aus ihm das so­ge­nannte Ge­nie­ßen des Phal­lus her­vor­geht, das ge­wiss nicht selbst schon das auf den Pe­nis be­zo­gene Ge­nie­ßen als sol­ches ist, das aber, wenn wir in Be­tracht zie­hen, was im Hin­blick auf das Ima­gi­näre ge­schieht, das heißt auf das Ge­nie­ßen des Dou­bles, des Spie­gel­bil­des, das Ge­nie­ßen des Kör­pers als ima­gi­nä­rem, er ist der Trä­ger ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Klüf­ten, und dass es recht ei­gent­lich die ver­schie­de­nen Ob­jekte bil­det, die ihn be­set­zen.“ (46)

Das Schema wurde von Lacan in Seminar 22, RSI, eingeführt, in der Sitzung vom 10. Dezember 1974.

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen KopieDie drei Ringe repräsentieren das Reale (R), das Symbolische (S) und das Imaginäre (I).

Die drei Bezeichnungen JȺ, Sinn und JΦ beziehen sich jeweils auf eine Art Dreieck mit gebogenen Kanten; das Feld „a“ wird davon abgezogen.

JȺ steht für jouissance de l’Autre barré, Genießen des durchgestrichenen/versperrten Anderen. Es beruht auf der Überschneidung des Realen und des Imaginären, abzüglich des Symbolischen.

Für „Sinn“ steht im Original sens. Der Sinn entsteht durch die Überlagerung des Imaginären und des Symbolischen, abzüglich des Realen.

JΦ meint jouissance phallique, phallisches Genießen. Es gründet sich auf die Überschneidung des Symbolischen und des Realen, abzüglich des Imaginären.

Das kleine a steht für „Objekt a“. In ihm überschneidet sich das Reale, das Imaginäre und das Symbolische.

Das Feld des Imaginären besteht also aus vier Teilbereichen:
– Imaginäres pur ohne Überschneidung mit den beiden anderen Ordnungen,
– der Bereich, in dem sich das Imaginäre nur mit dem Realen überschneidet (Genießen des durchgestrichenen Anderen),
– der Bereich, in dem sich das Imaginäre nur mit dem Symbolischen überschneidet (phallisches Genießen),
– der Bereich, in dem sich das Imaginäre zugleich mit dem Realen und dem Symbolischen überschneidet (Objekt a).

Für das Reale und das Symbolische gilt das Entsprechende.

Das Schema ist eine Mischung aus einem Knotendiagramm und einem Venn-Diagramm. Wie in einem Knotendiagramm (in Lacans Terminologie: einer „Plättung“) werden an den Kreuzungspunkten der überkreuzende und der unterkreuzende Kurvenabschnitt unterschieden (durch Aussparungen). Wie in einem Venn-Diagramm haben die Kurven die Form von Kreisen, und wie in einem Venn-Diagramm geht es um die Differenz zwischen Bereichen, in denen die Kreise sich überschneiden, und solchen, in denen sie sich nicht überschneiden.

Die Überschneidungsbereiche sind solche des zweidimensionalen Diagramms. Das Diagramm ist eine von vielen möglichen Projektionen eines dreidimensionalen borromäischen Knotens im zweidimensionalen Raum: dasjenige Diagramm mit den wenigsten Kreuzungspunkten. Bei anderer Anordnung des Knotens würden sich mehr Überschneidungsbereiche ergeben, jedoch wären dies „falsche Löcher“, wie Lacan es nennt, Überschneidungsbereiche, die durch Verformung des Knotens zum Verschwinden gebracht werden können.

Außerdem sind die Kurven in Kreisform gebracht worden. Das ist weniger relevant – bei der minimalen Zahl der Kreuzungspunkte (bei Vermeidung „falscher Löcher“) ergeben sich in jedem Fall die hier dargestellten Überschneidungsbereiche.

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Kleeblattknoten des Subjekts (Ausschnitt)

Das Schema unterscheidet sich von dem rechts abgebildeten Kleeblattknoten. Der Knoten ist verkürzt dargestellt, die beiden Enden sind in Gedanken zu verbinden; nur dann hat man es mit einem Knoten im Sinne der mathematischen Topologie zu tun. Im Kleeblattknoten rechts fehlt im Vergleich zum Schema darüber die Differenzierung zwischen Imaginärem, Realem und Symbolischen. Außerdem fehlt die Teilfläche „Genießen des durchgeschnittenen Anderen“.

Der dreidimensionale borromäische Knoten kann durch Zerschneiden und Neuverbinden (Spleiß) in einen dreidimensionalen Kleeblattknoten verwandelt werden.11

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen mit markierten Doppelpunken KopieIm dreidimensionalen Knoten gibt es keine Überschneidungsbereiche. Was ist hier ihre Entsprechung? In der zweidimensionalen Darstellung lässt sich jeder Überschneidungsbereich durch drei Punkte charakterisieren, auf ähnliche Weise wie ein Dreieck durch seine drei Eckpunkte: durch drei „Doppelpunkte“, wie die Mathematiker sagen, also durch drei Punkte, an denen die Ringe sich überschneiden, und zwar so, das einer oben liegt und einer untern. Im Bild rechts sind die Doppelpunkte des Überschneidungbereichs JȺ gelb markiert. Doppelpunkte können auch im dreidimensionalen Knoten erzeugt werden, man muss nur dafür sorgen, dass zwei Ringe sich berühren. Einem Überschneidungsbereich entspricht dann im dreidimensionalen Knoten eine Konstellation von drei bestimmten Doppelpunkten. Im nächsten Schritt wird der dreidimensionale Knoten so verzurrt, dass die drei Doppelpunkte eines Bereichs sich berühren. Der Berührungspunkt von drei bestimmten Doppelpunkten ist die Entsprechung zu einem Überschneidungsbereich im geplätteten Knoten.12

Vgl. in diesem Kommentar den Artikel Sinn im Knoten, den Artikel Das Genießen des ausgestrichenen Anderen – JȺ  und den Artikel Phallisches Genießen (1): Seminar 17.

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grauer Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jacques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[47]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Seite 47″.

Passagen in schwarzer Schrift sind Zusammenfassungen, Passagen in eckigen Klammern in grüner Schrift sind meine erläuterenden Ergänzungen, Passagen in eckigen Klammern, die mit zwei Fragezeichen beginnen und hellgrün unterlegt sind, enthalten meine Fragen zum Textverständnis.

Einstimmung: Das Gefühl des Risikos beim Unterrichten

[45] Lacan fragt, was ihn dazu bringe, die Vorbereitung seines Seminars mit so viel Ernsthaftigkeit zu betreiben. Seine Antwort lautet: das Gefühl eines absoluten Risikos. Das ist ein Gefühl, also etwas Senti-mentales, wie er in der letzten Sitzung erläutert hatte. [Dieses Gefühl lässt sich demnach letztlich auf das Imaginäre zurückführen, wie er in der vorigen Sitzung gesagt hatte. Lacan stellt hier eine Beziehung zwischen dem Knoten und dem Gefühl her,  wie schon in der vorangehenden Sitzung, wo er darüber sprach, welche Gefühle sein Publikum in den USA hatte, als er es mit dem Knoten konfrontierte.] Wenn man die (Psycho-)Analysen mit derselben Ernsthaftigkeit betreiben würde, wäre das sicherlich ein Gewinn. [Im Vortrag Joyce das Symptom I spricht Lacan über die Ernsthaftigkeit von Ernest Jones, offenbar kritisch. Für Sartre besteht das Ergebnis einer „existentiellen Psychoanalyse“ darin, auf den Geist der Ernsthaftigkeit zu verzichten, da dieser zur Unaufrichtigkeit (mauvaise foi) führe; Ernsthaftigkeit beweist man, Sartre zufolge, dadurch, dass man der Welt mehr Realität zuschreibt als sich selbst, und eben darin besteht für ihn die Flucht vor der Verantwortung.13 Sartres These wird hier indirekt von Lacan zurückgewiesen.]

[In Seminar 22, RSI, sagt Lacan: Im Unbewussten können auch die Affekte verortet werden, da die Affekte durch die Einwirkung der Sprache entstehen.14 [?? Unterscheidet Lacan das Gefühl vom Affekt?]

Umwandlung von vier Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten

Kleeblattschlinge

Kleeblattknoten

Bereits am Schluss der vorangegangenen Sitzung hatte Lacan darauf hingewiesen, dass er eine topologische Entdeckung gemacht habe, nämlich wie drei Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung gebracht werden können | [46] und wie das gerechtfertigt werden kann. [Die Begründung hatte er dort nicht gegeben.]

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge

Umwandlung einer borromäischen Verschlingung aus drei Ringen in einen Kleeblattknoten

[Der Kleeblattknoten ist die einfachste Form eines Knotens („Knoten“ im Sinne der Topologie) mit einer Selbstverschlingung, die nicht aufgelöst werden kann, ohne den Knoten aufzutrennen; die einfachste Form also des Knotens, der kein einfacher „Ring“ ist, kein trivialer Knoten oder Unknoten, wie die Topologen sagen. Im Diagramm rechts oben ist der Kleeblattknoten dadurch charakterisiert, dass er – bei Beseitigung aller „falschen Löcher“, wie Lacan sich ausdrückt – drei Überschneidungspunkte hat und dass – wenn man dem Kurvenverlauf folgt – das Überkreuzen und das Unterkreuzen sich abwechseln.]

Problem und Lösung

Lacan hatte in der vorangegangenen Sitzung auch gesagt, dass er sich seit zwei Monaten damit abmühe, für vier Kleeblattknoten eine borromäische Verschlingung „ex-sistieren“ zu lassen, also eine Verschlingung zu bilden, die borromäischen Charakter hat und in der die vier Kleeblattknoten sich nicht durchdringen. Damit hatte er keinen Erfolg. Allerdings war er davon überzeugt, dass dies möglich sei. [?? Ich verstehe nicht, wo das Problem ist; vgl. die Erläuterung unten unter „Offene Fragen“.]

Am Abend nach der letzten Sitzung bekam er Besuch von Michel Thomé [einem Spezialisten auf dem Gebiet der Knotentheorie] und Thomé brachte ihm [in Gestalt eines Diagramms] den Beweis, dass sich vier Kleeblattknoten tatsächlich zu  einer borromäischen Verschlingung verbinden lassen. Thomé hatte das Verfahren in Zusammenarbeit mit Pierre Soury gefunden [einem anderen Topologen]. Einige Abende später hatte Lacan sich mit beiden getroffen; sie haben ihm nicht sagen können, auf welchem Weg sie die Lösung gefunden hatten.

Lacan spricht über seine Gefühle bei dieser Nachricht: Trotz der Konfrontation mit seinem bedauerlichen Unvermögen habe er die Entdeckung von Soury und Thomé nicht mit gemischten Gefühlen aufgenommen, sondern mit reinem Enthusiasmus. [Auch hier geht es um den Zusammenhang zwischen dem Knoten und den Gefühlen.]

Während der Seminarsitzung hängt Lacans Zeichnung mit der Lösung des Umwandlungsproblems an einer Wand des Hörsaals. Lacan hat darin das Diagramm von Thomé und Soury leicht verändert, so dass seine Hörer besser „spüren“ (sentir) können, worum es geht. [Wieder spricht Lacan über den Zusammenhang zwischen den Knotendiagrammen und den Gefühlen, jetzt den Gefühlen seiner Hörer.]

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - MillerDie Zeichnung zeigt eine borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten.

[Im Diagramm sieht man 2 schwarze, 2 blaue, 2 rote und 2 grüne Linien, die von oben nach unten verlaufen, zickzackförmig, jedoch mit runden Biegungen.

Der Zopf dient hier dazu, einen Knoten darzustellen. Damit sich die für einen Knoten notwendige Schließung der Kurven ergibt, muss man sich vorstellen, dass die unteren und die oberen Enden der Linien miteinander verbunden sind. Man könnte die Zeichnung ausdrucken und um einen Zylinder wickeln, derart, dass die Enden der Linien sich berühren. Wenn man diese Schließungsoperation durchgeführt hat, hat dies den Effekt, dass die zu einer Farbe gehörenden beiden Linien sich in zwei Abschnitte einer einzigen Linie verwandeln.]

[Beispielsweise durchläuft der schwarze Kleeblattknoten folgende Stationen:
– Beginn oben ganz links,
– Ende unten als vierter Knoten von rechts,
– Fortsetzung oben als vierter Knoten von rechts,
– Ende unten als erster Knoten von links,
– Fortsetzung oben ganz links.

Man sieht Folgendes:

(a) Jeder der vier Knoten (der schwarze, der grüne, der blaue und der rote) bildet einen Kleeblattknoten. Das erkennt man, wenn man die Selbstüberschneidungen mit den Augen verfolgt: es gibt drei Selbstüberschneidungen, und Überkreuzen und Unterkreuzen wechseln sich ab.

(b) Der blaue Kleeblattknoten liegt über dem roten und unter dem grünen Kleeblattknoten. Man sieht das, wenn man die Überkreuzungen mit den Augen abfährt: immer überkreuzt das blaue Band das rote, und immer überkreuzt das grüne Band das blaue und das rote.]

(c) Man sieht: wenn man den schwarzen Kleeblattknoten entfernt, fallen die drei anderen Kleeblattknoten auseinander. [?? Mir ist nicht klar, wie man das sehen  kann. Offenbar am Muster der Überkreuzungen und Unterkreuzungen – aber worin besteht es?]

(d) Wenn man den grünen Knoten unter dem roten Knoten herauszieht, ist der braune (in der Zeichnung: blaue) Kleeblattknoten ebenfalls frei. [?? Sinn?]

Lacan vermutet, dass es weitere Verfahren gibt, vier Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung zu bringen. [?? Worin besteht das Verfahren, auf dem das Zopfdiagramm von Soury und Thomé beruht?]

[Dies ist, wie Lacan im Verlauf dieser Sitzung noch ausführen wird, das neurotische Subjekt: eine borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten.]

Einschub: Die Knotengeometrie treibt das Unheimliche aus

[48] Um das Ereignis zu feiern, bezieht Lacan sich auf das [im selben Jahr erschienene] Buch Mimesis des articulations [„Mimesis der Artikulationen“, Aubier-Flammarion, Paris 1975]. Er empfiehlt die Lektüre und verweist vor allem auf zwei Artikel darin. Zum einen auf den Aufsatz von Sarah Kofman mit dem Titel Vautour rouge, „Roter Geier“. [S. Kofman: Vautour rouge. Le double dans les Elixirs du diable d’Hoffmann („Roter Geier. Das Double in Hoffmanns Elixieren des Teufels“. Der „rote Geier“ stammt aus E.T.A. Hoffmanns Lebensansichten des Katers Murr.] Zum anderen bezieht er sich auf den  Aufsatz [von Sylviane Agacinski], der Wittgenstein und die Wittgenstein-Rezeption zum Thema hat. Lacan betont, dass er die anderen Aufsätze des Bandes aus Zeitmangel nicht gelesen habe [also auch nicht den von Derrida] und weist darauf hin, dass Kofman sich bereits in ihren Vier analytischen Romanen [Galilée, Paris 1974, darin in Le double et le diable] auf [Freuds Studie Das Unheimliche, insbesondere auf Freuds Bemerkungen über] Hoffmanns Erzählungen [sowie auf diese Erzählungen selbst] bezogen hatte.

Lacans Suche nach der Möglichkeit, vier Kleeblattschlingen in eine borromäische Verschlingung zu bringen, stützt sich nicht auf das, was Kofman in ihrem Aufsatz erwähnt [d.h. nicht auf das Unheimliche]. Lacan ist vielmehr der Auffassung, dass die Knotengeometrie das Unheimliche austreibt, was selbst wiederum unheimlich sei. [Offenbar feiert Lacan die Entdeckung, dass es ein bestimmtes Verfahren gibt, durch das vier Kleeblattknoten auf borromäische Weise verschlungen werden können, mit der These über die Vertreibung des Unheimlichen durch die Knotengeometrie.]

Borromäischer Dreierknoten mit HemmungEr fragt sich, wo im Diagramm der drei borromäischen Ringe das Unheimliche zu verorten ist und verweist hierfür auf das nebenstehende Schema, das er in Seminar 22, RSI, vorgestellt hatte. In diesem Diagramm gibt es ein Feld der Hemmung (inhibition), | [49] und das Unheimliche ist vorläufig in diesem Feld zu lokalisieren.

Das Feld der Hemmung entsteht dadurch, der Kreis des Imaginären auf bestimmte Weise verdoppelt wird. [Der zweite Kreis des Imaginären liegt gewissermaßen unter dem ersten; er hat einen größeren Radius als der erste Kreis; hierdurch entsteht ein Keil (in der Zeichnung rosa), der sich in das Feld des Symbolischen vorschiebt.] Die Zeichnung „notiert nichts, insofern ihre Plättung rätselhaft bleibt“. [Das könnte heißen: Der Zusammenhang zwischen dem zweidimensionalen Diagramm mit dem Keil der Hemmung und dem dreidimensionalen borromäischen Knoten ist unklar.] Das Unheimliche ist eine spezielle Art der Hemmung [also im Feld der Hemmung zu verorten]. Als Hemmung ist es mit dem Imaginären des Körpers verbunden. [Freud definiert die Hemmung als eine Blockierung in der Ausübung von Ich-Funktionen; vgl. S. Freud, Hemmung, Symptom und Angst (1926), Teil I.]

Beim Nachdenken über die Knotentopologie verspürt die Imagination einen Widerstand [der sich u. a. in den Gefühlen äußert, auf die Lacan immer wieder hinweist. Dieser Widerstand gehört zum Feld der Hemmung, wie das Unheimliche. Durch die Beschäftigung mit der Knotentheorie wird die Hemmung geringer, insofern treibt die Knotentopologie das Unheimliche aus.]

Borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten, Fortsetzung

Dass Soury und Thomé – wie Lacan vermutet – von Lacans Version der borromäischen Ringe beeindruckt sind, von der Anwendung auf die Dreiheit des Realen, des Symbolischen und des Imaginären, hat Gründe: sie sind dafür begabt. [Eine Erklärung durch Begabung ist eine Pseudo-Erklärung, sie steht in der Tradition der scholastischen vires-Erklärungen: warum kann ein Vogel fliegen? Weil er über Flugkraft verfügt usw.]

Ihn, Lacan also, habe verblüfft, dass sie in der Entwicklung ihrer Knotentheorie dadurch vorankommen, dass sie miteinander sprechen. Schließlich sei es nicht üblich, zu zweit zu denken. Die Dialogmethode von Soury und Thomé sei jedoch unbestreitbar produktiv, und das steht, wie Lacan hervorhebt, im Gegensatz zu dem, was er sonst über den Dialog sagt. [Für Lacan ist die Zweierbeziehung imaginär, das Zweiergespräch bewirkt eine Unterordnung des Symbolischen unter das Imaginäre, und dies verhindert, dass sich die Wahrheit zeigt. In Seminar 19 hatte er behauptet, „dass man noch nie gesehen hat, dass ein Dialog zu irgendetwas führt“.15] Offenbar war der Dialog genau das, was ihm, Lacan, gefehlt habe, weshalb es vergeblich gewesen sei, dass er, einzig auf sein Denkvermögen setzend, sich damit abmühte, vier Kleeblattknoten auf borromäische Weise zu verbinden.

Von Soury habe Lacan außerdem dessen Gedanken über das Unterrichten erfahren. Lacan erinnert daran, dass er zu Beginn dieser Sitzung gesagt hatte, er habe das Gefühl, bei der Vorbereitung seines Unterrichts ein absolutes Risiko einzugehen. Er nehme an, dass Soury mit dieser Art des Unterrichtens ebenso gut zurechtkommen werde wie er, also wie Lacan.

Einschub: Inwiefern gehört die Ex-sistenz zum Realen?

Lacan kündigt an, dass er erklären wolle, warum ihn die Frage beschäftigt hat, ob sich vier Kleeblattknoten auf borromäische Weise ineinander verschlingen lassen.

| [50] [Er geht zurück zur borrom0äischen Verschlingung.] Die Ringe einer borromäischen Verschlingung sind äquivalent: Jeder einzelne Ring hat folgende Merkmale:
– Konsistenz, d.h. der Zusammenhalt des Fadens in sich [bzw. die Geschlossenheit der Kurve]. Für Lacan ist die Konsistenz der imaginäre Aspekt eines Rings.
– Loch [d.h. der Ring ist keine Scheibe, sondern gewissermaßen der Rand einer Scheibe, deren Inneres fehlt: ein Loch bildet, das zugleich außen ist]. Für ihn ist dies der symbolische Aspekt eines Rings.
– Ex-sistenz, d.h. jeder Ring ist den anderen Ringen äußerlich, er stößt sich an den anderen, sie bilden für ihn eine Grenze, sie bieten ihm Widerstand [ein Ring durchdringt weder sich selbst noch andere Ringe]. [Auf diese Weise halten sie zugleich zusammen; diese Art des Zusammenhalts ist anders als die Konsistenz.] Dies ist für ihn der reale Aspekt eines Rings.

Nimmt man in der borromäischen Verschlingung aus drei Ringen den Ring des Realen, so besteht die Ex-sistenz dieses bestimmten Rings darin, dass er an die Ringe des Symbolischen und des Imaginären anschlägt [statt sie zu durchdringen, und dass er sie auf diese Weise zusammenhält]. Das Reale hat also nur insofern Ex-sistenz, als es auf das Hindernis des Symbolischen und des Imaginären trifft.

Nun gilt aber dasselbe für die anderen beiden Ringe. Die Ex-sistenz beispielsweise des imaginären Rings besteht darin, dass für diesen Ring der reale Ring ein Hindernis bildet [und ebenso der symbolische Ring]. [Die Ex-sistenz ist also kein Merkmal, das dem Ring des Realen vorbehalten wäre.] Warum ordnet Lacan0 dann – so fragt er selbst – die Ex-sistenz gerade dem Realen zu?

Erster Grund: er musste die drei Modi [der Ringe, nämlich Konsistenz, Loch und Ex-sistenz] aufteilen [sie den drei Registern des Symbolischen, des Realen und des Imaginären zuordnen, und nachdem er dem Imaginären die Konsistenz zugewiesen hatte und dem Symbolischen das Loch, blieb für das Reale die Ex-sistenz übrig].

Zweiter Grund: Das Denken des Realen stützt sich genau auf die Ex-sistenz. [Das Reale ist gewissermaßen der Widerstand, auf den das Denken stößt – das imaginär fundierte Symbolische – und den es nicht zu durchdringen vermag.]

Der Kleeblattknoten als Kontinuität des Realen, des Symbolischen und des Imaginären

Die drei Terme [des Imaginären, des Symbolischen und des Realen] sind also analog [die drei Ringe sind strukturgleich gebaut]. Heißt das aber nicht, dass man sie ineinander übergehen lassen muss? Muss man nicht annehmen, dass das Reale, das Symbolische und das Imaginäre in Kontinuität stehen? [Dass man also die Ex-sistenz der drei Ringe aufgeben muss, ihr Gegeneinander-Äußerlich-Sein? Hier beginnt eine für Lacan typische dialektische Bewegung, die an Hegel erinnert: die Differenz der Terme schlägt um in ihre Identität – die Ex-sistenz in die Kontinuität, und das Scharnier ist die Strukturgleichheit.] Eben dies führt [von der borromäischen Verschlingung zum Kleeblattknoten, anders gesagt] zum Dreierknoten.

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge[Am Ende der vorangehenden Sitzung ging es um die Umwandlung eines Kleeblattknotens in eine borromäische Verschlingung aus drei Ringen, jetzt vollzieht Lacan die umgekehrte Bewegung, also die Umwandlung der borromäischen Verschlingung aus drei Ringen in einen Kleeblattknoten.] Bei diesem Übergang muss man in der symmetrischen Plättung der borromäischen Ringe die Kreuzungspunkte auf bestimmte Weise verbinden [und die nach außen zeigenden Hälften der Ringe abstoßen]. [Dies zeigt das nebenstehende Diagramm. Die roten Linien bilden hier einen Kleeblattknoten; sie sind zugleich die Hälften von drei Ringen. Die borromäische Verschlingung aus drei Ringen verwandelt sich in einen Kleeblattknoten, wenn man die andere Hälfte der Ringe (grün, blau, gelb) wegnimmt und die verbleibenden Kurven an den drei mit einem roten Punkt markierten Kreuzungsstellen verspleißt.]

Darstellung des Subjekts durch die borromäische Verschlingung von  3 + 1 Kleeblattschlingen

Lacan fragt, wie der Knoten als etwas aufgefasst werden kann, was die Ordnung des Subjekts trägt.

Dabei gilt, dass das Subjekt immer das Unterstellte ist. [Lacan spielt hier vermutlich auf seine Formel an „Ein Signifikant ist, was für einen anderen Signifikanten das Subjekt repräsentiert“.]

Lacan fragt, ob die Antwort darin besteht, dass das Subjekt dann vom Knoten repräsentiert werden kann, wenn mehrere Kleeblattknoten auf borromäische Weise verschlungen sind, also mindestens drei. Und: Genügen drei Kleeblattknoten? | [51] Das war die Frage, die ihn beschäftigte [weshalb er herausfinden wollte, ob sich vier Kleeblattknoten borromäisch verschlingen lassen].

[Seine Hintergrundüberlegung war also:
– Das nicht-neurotische Subjekt lässt sich durch eine borromäische Verschlingung aus drei Ringen darstellen.
– Das nicht-neurotische Subjekt lässt sich durch eine borromäische Verschlingung aus drei Kleeblattknoten darstellen.
– Das neurotische Subjekt wird am besten durch eine borromäische Verschlingung aus vier Knoten dargestellt, mit dem vierten Knoten für das Symptom.
– Die Knoten, aus denen Lacan den borromäischen Knoten bislang gebildet hatte, waren Ringe, in topologischer Terminologie: „Unknoten“ oder „triviale Knoten“. Die borromäischen Ringe sind eine bestimmte Form der Verschlingung von drei trivialen Knoten.
– Lässt sich eine borromäische Verschlingung auch aus vier Kleeblattschlingen herstellen?]

Borromäischer Viererknoten - auseinandergezogen

Borromäische Verschlingung von vier Ringen, als Kette angeordnet

Lacan bezieht sich dann auf eine bestimmte Anordnung der borromäischen Verschlingung, die er als „Kette“ bezeichnet.

In einem der Diagramme an der Tafel sieht man, wie Lacan sagt, Folgendes: wenn man an einem bestimmten Faden zieht, ergibt sich die wahrnehmbare Form einer borromäischen Kette. [Offenbar bezieht er sich hier auf ein nicht überliefertes Diagramm, aus dem sich durch Fadenziehen das Diagramm rechts ergibt.]

[?? Staferla fügt an dieser Stelle das links wiedergegebene Diagramm ein. Ich sehe nicht, wie das zur Beschreibung passt ]

Wie viele Ringe braucht man mindestens, um eine solche borromäische Kette zu bilden? Die Antwort lautet: vier; man braucht mindestens eine borromäische Verschlingung von vier Ringen, um diese Konfiguration in Gestalt einer Kette zu erzeugen. [In Seminar 22 hatte er gesagt, für die Konfiguration in Gestalt einer Kette benötige man mindestens drei Ringe.16]

Das typische Merkmal einer borromäischen Verkettung dieses Typs ist Folgendes: Wenn sie ihre kleinste Form annimmt, nämlich die einer borromäischen Verschlingung aus vier Ringen, dann hat sie die Struktur drei plus eins – drei Ringe stehen einem vierten Ring gegenüber.

Der Kleeblattknoten als paranoische Psychose

[Lacan bezieht dies nun auf die borromäische Verschlingung aus Kleeblattknoten.] Jeder Kleeblattknoten kann als Träger eines Subjekts begriffen werden. Ein Kleeblattknoten bildet etwas Persönliches [etwas Personhafes, Personartiges] im Hinblick auf die drei Elemente. | [52] Wenn man drei unverbundene Kleeblattknoten durch Hinzufügung eines vierten Knotens zu einer borromäischen Verschlingung verbindet, ist jeder der drei Kleeblattknoten ein subjektiver, ein persönlicher Träger [der Träger eines Subjekts, bei dem es sich in einem noch zu erläuternden Sinn um eine „Person“ handelt, genauer: um eine „Persönlichkeit“]. Zu den drei Subjekt-Trägern [den drei unverbundenen Kleeblattknoten des Imaginären, des Realen und des Symbolischen] kommt ein vierer Subjektträger hinzu, dieser vierte Knoten ist der des Sinthoms. [Offenbar wechselt Lacan hier zur Gruppenpsychologie mit vier Akteuren; einer dieser Akteure hat die Funktion des Sinthoms.]

Zwei Arten von borromäischen Verschlingungen

Lacan verweist auf einen Tafelanschrieb:

R……..S………I

S………I………R

I………R………S

Er erklärt hierzu, es sei kein Zufall, dass er das so angeschrieben habe, und dass die Permutationen mit dem Titel des vorangehenden Seminars beginnen, RSI.

In Version Miller 2005 trägt das Schema den Titel „Schema 3 + 1“ und sieht so aus17:

R……..S………I

S………I……..R

I………R……..S

________________

    Sinthom

[Die Permutationen beruhen darauf, dass eine bestimmte Reihenfolge eingehalten wird. Es gibt also nicht die spiegelverkehrte Folge ISR, SRI, RIS. Damit wird angedeutet, worum es im Folgenden geht: Es gibt zwei Arten von borromäischen Verschlingungen, RSI und RIS; das Subjekt wird durch eine von beiden repräsentiert.]

Soury und Thomé haben gezeigt, dass es von der borromäischen Verschlingung, die zugleich gefärbt und orientiert ist, zwei Arten gibt [die sie als „zentrifugale“ und als „zentripetale“ borromäische Verschlingung bezeichnen; in Seminar 21 hatte Lacan das erläutert.] Den Unterschied zwischen den beiden Typen von borromäischen Verschlingungen sieht man in der Plättung [die eine Verschlingung erscheint hier als Spiegelbild der anderen]. Lacan kürzt hier ab und deutet nur die Untersuchungsrichtung an.

Mit der Färbung der Knotens ist gemeint, dass die Ringe durch Farben individualisiert sind. Dem entspricht bei Lacan der Unterscheidung zwischen dem Ring des Realen, dem des Imaginären und dem des Symbolischen – durch die Benennung der Ringe als Reales, Imaginäres und Symbolisches bzw. durch die Bezeichnung mit den Initialen R, I und S erhalten sie eine Identität. [Die Identifizierung durch Benennung ist der Färbung äquivalent.]

Unter der Voraussetzung, dass die Ringe gefärbt sind, kann man zwei Arten der Orientierung von borromäischen Verschlingungen aus drei Ringen unterscheiden. Dabei interessiert nicht die paarweise Farbdifferenz zwischen zwei Ringen [also beispielsweise nicht, wie der rote und der blaue Ring sich im einen oder anderen Fall zueinander verhalten.] Es geht vielmehr um zwei Arten, | [53] wie alle drei Ringe auf borromäische Weise verschlungen sein können, und dieser Unterschied kann dadurch dargestellt werden, wie sich die drei gefärbten Ringe in den beiden Fällen zueinander verhalten. [Die Unterschied zeigt sich im Muster von Überführungen und Unterführungen im „inneren Dreieck“ der borromäischen Ringe: bei der einen Form der borromäischen Ringe muss man sich im Uhrzeigersinn bewegen, um von einer Unterführung zu einer Überführung zu kommen, bei der anderen Form entgegen dem Uhrzeigersinn; vgl. hierzu den Blogartikel Über Knoten, darin den Teil „Orientierung“.]

Die Frage, die sich für Lacan von hier aus stellt, lautet: Welche der beiden Arten von borromäischen Verschlingungen ist die wahre, im Hinblick darauf, dass das Imaginäre, das Reale und das Symbolische so verknüpft sind, dass sie das Subjekt tragen [dass sie das Subjekt repräsentieren]? Er empfiehlt, hierzu seine früheren Hinweise zur Dualität der borromäischen Verschlingungen heranzuziehen. [Die beiden Knotenformen können durch die Reihenfolge RSI (mit den Permutationen SIR und IRS) und die Reihenfolge RIS (mit den Permutationen ISR und SRI) unterschieden werden. In Seminar 21 hatte Lacan erklärt, die Reihenfolge RSI sei die für die Psychoanalyse geeignete.]  

Der Kleeblattknoten als Repräsentation der paranoischen Psychose und das Sinthom im Massenwahn
Linkshändiger Kleeblattknoten

Linksdrehender Kleeblattknoten

Kleeblattschlinge

Rechtsdrehender Kleeblattknoten

Der Kleeblattknoten zeigt ebenfalls eine Dualität, jedoch eine andere als der borromäische Knoten. Es gibt bekanntlich zwei Arten von Kleeblattknoten, rechtsdrehende und linksdrehende.

[Wenn man eine borromäische Verschlingung aus Kleeblattknoten bildet, muss man also für jeden Kleeblattknoten festlegen, ob er rechts- oder linksdrehend ist oder ob beides möglich ist. Die Knoten des Realen, des Symbolischen und des Imaginären sind eventuell nicht mehr völlig strukturgleich.]

Kleeblattknoten in drei Farben für RSI

Kleeblattknoten mit drei Farben für RSI[note]Zeichnung aus: Seminar 23, Version Miller 2005, S. 108.[/note]

Der oben dargestellte Kleeblattknoten zeigt das Imaginäre, das Symbolische und das Reale in Kontinuität, die borromäische Verschlingung ist hier „homogenisiert“. [Der Kleeblattknoten steht jetzt dafür, dass das Imaginäre, das Symbolische und das Reale einander durchdringen, dass es zwischen ihnen keine Äußerlichkeit gibt, keine Ex-sistenz. In der Abbildung stehen die drei Farben für die drei Ordnungen des Realen, des Imaginären und des Symbolischen.]

Also kann man die Frage stellen: Wie verhält sich die Dualität der borromäischen Knoten [zentrifugal/zentripetal] zur Dualität der Kleeblattknoten [rechtsdrehend/linksdrehend]?

[Man müsste eine psychoanalytische Entsprechung finden für die Rechtsdrehung und die Linksdrehung der Kleeblattknoten, also zwei Formen unterscheiden, wie die Kontinuität zwischen dem Realen, dem Symbolischen und dem Imaginären hergestellt werden kann. Außerdem bräuchte man eine psychoanalytische Entsprechung zu den beiden Formen von borromäischen Verschlingungen, zentrifugalen und zentripetalen Verschlingungen (wobei eine von beiden, Lacan zufolge, für die Psychoanalyse nicht geeignet ist). Wenn man diese beiden Zuordnungen vorgenommen hätte, könnte man die Beziehungen zwischen den beiden Dualitäten erkunden.]

Die Frage ist also, wie sich der Kleeblattknoten auf das Subjekt beziehen lässt. Lacan beantwortet sie jetzt so, dass er sich auf seine Dissertation [von 1932] bezieht. Sie hat den Titel Von der paranoischen Psychose in ihren Beziehungen zur Persönlichkeit. Den Forderungen nach einem Nachdruck habe er sich lange widersetzt, und zwar deshalb, wie er sagt, weil „paranoische Psychose“ und „Persönlichkeit“ dasselbe sind, weshalb es keine Beziehung zwischen ihnen geben kann [und die im Titel enthaltene Fragestellung unsinnig ist]. [Das entscheidende Merkmal der Persönlichkeit ist die Einheitlichkeit.] Die paranoische Psychose besteht eben darin, dass das Imaginäre, das Symbolische und das Reale in Kontinuität sind [ineinander übergehen], eine Konsistenz bilden [einen einzigen zusammenhängenden Faden gewissermaßen]. [Im Falle der Paranoia besteht das Reale aus Signifikanten, die rätselhafte Botschaften senden und sich insofern auf das Imaginäre beziehen. Lacan polemisiert hier vielleicht nicht nur gegen sich selbst, sondern auch gegen den Psychoanalytiker Franz Alexander, der 1927 ein Buch mit dem folgenden Titel veröffentlichte: Psychoanalyse der Gesamtpersönlichkeit. Neun Vorlesungen über die Anwendung von Freuds Ichtheorie auf die Neurosenlehre. Psychoanalytischer Verlag, Leipzig.

Lacan stellt sich nun vor, dass man drei Kleeblattknoten unverbunden nebeneinander legt; nach dem Vorangehenden repräsentieren sie drei paranoische Subjekte, drei „Persönlichkeiten“. Er fragt weiter:]

Zu drei Paranoikern kann man eine vierte Person hinzufügen, die ihr Symptom bildet. | [55] Ist diese vierte Person ebenfalls ein Paranoiker? [Ist die Person, die eine Gruppe von Paranoikern zusammenhält, ebenfalls ein Paranoiker?]

Darauf weist in dem folgenden Fall nichts hin: dem einer borromäischen Verschlingung, die aus einer unbegrenzten Zahl von Kleeblattknoten besteht. [Lacan wechselt jetzt von der Gruppenpsychologie zur Massenpsychologie. Wenn die Zahl der zusammengehaltenen Kleeblattschlingen unbegrenzt ist – wenn die paranoischen „Persönlichkeiten“ eine Masse bilden –, ist der zusammenhaltende Knoten selbst vermutlich keine Kleeblattschlinge, keine paranoische Persönlichkeiten.] Dieser Fall ist mehr als wahrscheinlich, er ist gewiss. Diese borromäische Verschlingung stellt keine Paranoia mehr da, es sei denn eine allgemeine. [Die borromäische Verschlingung einer unbegrenzten Zahl von Kleeblattknoten, die durch einen Knoten zusammengehalten werden, der selbst kein Kleeblattknoten ist, steht demnach für den Massenwahn. Im Falle des Massenwahns muss derjenige, der die Position des Sinthoms besetzt, nicht selbst psychotisch sein, er kann ein neurotisches Subjekt sein.]  [?? Wer ist bei einem Massenwahn das Sinthom? Der Führer? Der Verfolger?]

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - Miller

Borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten, als Zopf dargestellt[note]Quelle: Seminar 23, Version Miller 2005, S. 47[/note]

Lacan geht wieder zurück zur borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten [in dem also der vierte Ring ebenfalls ein Kleeblattknoten ist.]. Er bezieht sich auf diesen Knoten mit dem Begriff „Zopf“, meint also das bereits reproduzierte Zopfdiagramm.

Dieser Zopf ist ein „subjektiver Zopf“ [d.h. ein Zopf, der ein Subjekt repräsentiert].

Der vierte Knoten [der für das Symptom steht] kann „ausgeflockt“ werden. [Das heißt vermutlich: Er kann im Diagramm in eine Randposition gebracht werden, so dass er sich von den übrigen drei Knoten sichtbar unterscheidet.]

Dies lässt annehmen, „dass es über die Gesamtheit der Textur bestimmte ausgewählte Punkte gibt, die sich als Endpunkt dieses Viererknotens herausstellen.“ [Das meint vermutlich: Der vierte Knoten kann durch seine Über- und Unterkreuzungspunkte mit den drei anderen Knoten charakterisiert werden.]

Genau darin besteht das Sinthom. Das Sinthom ist dieser vierte Kleeblattknoten. Er steht nicht für die „Persönlichkeit“, d.h. nicht für die paranoische Psychose, sondern für das neurotische Sinthom. [Der Kleeblattknoten wird von Lacan also auf zwei Weisen interpretiert. Der Kleeblattknoten repräsentiert die paranoische Psychose und er repräsentiert das Sinthom des neurotischen Subjekts.] 

Paarbeziehungen in der borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten: 2 + 2

Dies gibt einen Hinweis auf die Position des Unbewussten. Insofern das Sinthom vom Unbewussten bestimmt wird, hängt sich ein besonderer Term an das Sinthom. [Das Unbewusste wird von Lacan mit dem Symbolischen gleichgesetzt, genauer: mit einem Teilbereich des Symbolischen. Das Sinthom wird unter anderem durch das Unbewusste bestimmt, also gibt es eine enge Beziehung zwischen dem Ring des Sinthoms und dem des Symbolischen, d.h. des Unbewussten. Dies ist ein erstes Paar.] 

Die borromäische Verschlingung aus vier Kleeblattknoten ist so strukturiert, dass je zwei Farben ein Paar bilden. | [55] Das eine Paar steht für die besondere Beziehung zwischen dem Sinthom und dem Unbewussten, für die besondere Antwort, die das eine auf das andere gibt. Das andere Paar repräsentiert die besondere Beziehung zwischen dem Imaginären und dem Realen, die Antwort des einen auf das andere. Die beiden Paare werden im Diagramm durch die besondere Beziehung zwischen je zwei Farben dargestellt. [Die besondere Beziehung zwischen dem Imaginären und dem Realen ist das Genießen des Anderen, wie im Folgenden gezeigt wird.]

[Lacan untersucht also die Gruppierungsmöglichkeiten zwischen den Knoten einer borromäischen Verschlingung aus vier Kleeblattknoten.
– Erste Gruppierung: 1 + 3, der Knoten des Sinthoms steht den anderen drei Knoten gegenüber.
– Zweite Gruppierung: 2 + 2, der Knoten des Sinthoms bildet mit dem des Symbolischen (des Unbewussten) ein Paar, das dem Paar aus Imaginärem und Realem gegenübersteht.]

Überschneidungsbereiche in den Diagrammen der borromäischen Ringe und des geöffneten Kleeblattknotens

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Geöffneter Kleeblattknoten

Was hier noch fehle, sagt Lacan, sei eine Begründung dafür, warum er den Kleeblattknoten geöffnet dargestellt hat [wie im Diagramm rechts] und nicht, wie sonst, kreisförmig. Die Bezeichnungen ergeben sich aus einem [in Seminar 22 vorgestellten Schema] der borromäischen Verschlingung aus drei Ringen.

 

Borromäischer Dreierknoten mit JA - korrigiert[In diesem Diagramm der borromäischen Verschlingung aus drei Ringen gibt es vier Überschneidungsbereiche. Sie tragen die Bezeichnungen JȺ, Sinn, JΦ  und a.]

Genießen des ausgestrichenen Anderen

Zunächst zu dem mit JȺ bezeichneten Feld, JȺ für jouissance de l’Autre barré, Genießen des ausgestrichenen Anderen, „Genießen nicht des Anderen“. Es liegt im Überschneidungsbereich zwischen dem Realen und dem Imaginären. Um welchen Anderen geht es bei diesem Genießen? Um denjenigen Anderen, über den er [in Seminar 6] gesagt hat „Es gibt keinen Anderen des Anderen“.

[Der hierauf folgende Satzanschluss ist problematisch, ich nehme an, dass er so gemeint ist:] Es geht um den Anderen in dem Sinne, dass dem Symbolischen – dem Ort des Anderen als solchem – nichts entgegengesetzt ist, | [55] dass es insofern kein Genießen des Anderen gibt, als es keinen Anderen des Anderen gibt und dass es das ist, was dieses durchgestrichene A, also Ⱥ, bedeutet.

Daraus ergibt sich: JȺ bedeutet das Genießen des Anderen des Anderen, und JȺ bedeutet, dass das Genießen des Anderen nicht möglich ist, und zwar deshalb, weil es keinen Anderen des Anderen gibt.

[In Seminar 22 hatte Lacan erklärt, dass man in „das Genießen des ausgestrichenen Anderen“ den Genitiv als Genitivus objectivus aufzufassen hat – der Andere ist hier Genossener, nicht Genießender; gemeint ist also: es ist nicht möglich, den Anderen zu genießen. Außerdem heißt es in Seminar 22, mit dem Anderen sei der Körper des anderen Geschlechts gemeint. Vgl. die Nachweise oben im „Kleinen Lacan-Lexikon“ sowie den Blogartikel Das Genießen des durchgestrichenen Anderen – JȺ.

Die Gleichsetzung des durchgestrichenen A, also Ⱥ, mit dem Satz „Es gibt keinen Anderen des Anderen“ wurde von Lacan zuerst vorgenommen in Seminar 6 von 1959/60, Das Begehren und seine Deutung. Der typische Fall, an dem das erläutert wurde, war die Beziehung des Kindes zu Mutter und Vater. Die Mutter ist für das Kind die Andere und der Vater ist für das Kind die Bezugsperson der Mutter, also der Andere der Anderen. Man kann es auch umgekehrt beschreiben: Der Vater ist für das Kind der Andere, und der Andere des Anderen wäre dann die Partnerin des Vaters, die Mutter. Im Mythos vom Urvatermord in Totem und Tabu ist der Vater derjenige, der „alle Frauen“ besitzt, für ihn ist DIE Frau die Andere, er bezieht sich auf Frauen als Frauen. Hier gibt es aus der Perspektive der Söhne die Andere des Anderen, aber eben nur im Mythos. Gemeint ist also: Es ist nicht möglich, durch den Körper eines Menschen des anderen Geschlechts deshalb Lust zu empfinden, weil dieser Körper das andere biologische Geschlecht hat.]

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhiDa das Genießen des Anderen nicht möglich ist, bleiben nur die übrigen [drei] Felder:
– das Feld, das sich im Diagramm als das Feld darstellt, in dem sich das Symbolische mit dem Imaginären überschneidet, also das Feld des Sinns (sens),
[– das Feld des Objekts a, der Mehrlust, mit der Bezeichnung a, d.h. der von den Partialobjekten symbolisierte Genussverlust],
– sowie das Feld der Überschneidung des Symbolischen mit dem Realen, also das Feld des phallischen Genießens (jouissance phallique), JΦ,

Objekt a

[?? Worauf beziehen sich die folgenden Bemerkungen? Das lässt sich anhand der Transkription nicht eindeutig entscheiden. Miller bearbeitet den Text so, dass er sich auf das Genießen des Penis bezieht: „La jouissance penienne advient au regard de l’imaginaire …“18 Ich nehme an, dass er sich auf das Objekt a bezieht.]

[?Das Objekt a?] bezieht sich auf das Double des Spiegelbilds, auf den Körpers als imaginären, genauer: auf das Genießen dieses Doubles. Hierbei fungiert der imaginäre Körper als Träger einer Reihe von Klüften [der erogenen Zonen, der „Schnitte“, wie Lacan im Aufsatz Subversion des Subjekts sagt]. [In der ersten Sitzung von Seminar 23  hatte Lacan sich auf diese vier Öffnungen bezogen: Mund, Anus, Auge und Ohr.]
– Diese Klüfte werden mit Objekten besetzt [den Partialobjekten: Brust, Kot, Blick und Stimme.

Insofern überschneiden sich im Objekt a das Imaginäre, das Reale und das Symbolische: das Objekt a bezieht sich auf
– das Genießen (Reales)
– des Spiegelbilds (Imaginäres),
– und es bezieht sich auf die Klüfte des Körpers, auf die Schnitte (Symbolisches).]

Phallisches Genießen

Im Diagramm des geöffneten Kleeblattknotens ist das phallische Genießen das, was dem Sinn die Waage hält.

Im Diagramm der borromäischen Ringe liegt das phallische Genießen im Überschneidungsbereich des Realen und des Symbolischen.

Über das phallische Genießen sagt Lacan außerdem:

(a) Das phallische Genießen ist nicht schon einfach das Genießen des Penis.

(b) Das phallische Genießen ist dort anzusiedeln, wo das Symbolische mit dem Realen zusammentrifft. [Dies meint:] Die Grundlage des phallischen Genießens besteht darin, dass das Subjekt sich auf das Sprechsein (parlêtre) stützt [darauf, dass das Symbolische sich (in Gestalt des Inzestverbots?) in das Reale des Körpers einschreibt19) und dass es [deshalb] das Unbewusste gibt. [Das Unbewusste stützt sich auf das Symbolische20 (auf die Anziehung durch das urverdrängte Inzestverbot?). Das phallische Genießen ist also insofern im Überschneidungsbereich von Symbolischem und Realen verortet, als es das Unbewusste voraussetzt.]

(c) Das phallische Genießen ist verbunden mit der Macht, ein bestimmtes Genießen zusammenzufügen. [Lacan knüpft hier an Freuds Konzeption der phallischen Stufe an, wonach es auf dieser Stufe – zumindest beim Jungen – zu einer „Zusammenfassung der Partialtriebe“ kommt und zwar so, dass es für den Jungen nur ein Genitalorgan gibt, den Phallus.21]

Die Macht, ein bestimmtes Genießen zusammenzufügen, beruht auf dem Sprechen. [Dies ergibt sich daraus, dass das phallische Genießen auf dem Sprechen beruht, auf der Einschreibung von Signifikanten in den Körper, und auf dem hieraus hervorgehenden Unbewussten.]

[Miller nimmt an, dass es um das Zusammenfügen des Sprechens und des phallischen Genießens geht und ändert den Text entsprechend: „… il y a le pouvoir de conjoindre la parole et ce qu’il en est d’une certaine jouissance, celle du phallus.“ „… es gibt die Macht, das Sprechen und ein bestimmtes Genießen zusammenzufügen, das des Phallus.“]

(d) Das phallische Genießen wird als ein parasitäres Genießen empfunden. [Vom phallischen Genießen als einem parasitären Genießen  spricht Lacan zuerst in Seminar 21, Les non-dupes errent, 12. Februar 1974.] Auch dies beruht auf dem parlêtre, also darauf, dass das Subjekt ein Sprechwesen ist. [?? Worin besteht der parasitäre Charakter des phallischen Genießens?]

(e) Das phallische Genießen ist der Ort dessen, was vom Sprechwesen auf der Ebene des Bewusstseins als Macht (pouvoir) bezeichnet wird. [Lacan bezieht sich hier vielleicht darauf, dass das phallische Genießen mit dem Gegensatz von Potenz (puissance) und Impotenz (impuissance) bezeichnet wird. Puissance meint im Französischen auch „Macht“, der Ausdruck ist einigermaßen synonym mit pouvoir.
– Auf den Gegensatz von Macht und Ohnmacht hatte Lacan zu Beginn dieser Sitzung und in der vorangegangenen Sitzung angespielt mit der Beschreibung seiner impuissance (Unfähigkeit, Ohnmacht, Impotenz), aus vier Kleeblattknoten eine borromäische Verschlingung zu bilden.]

[Beim Übergang vom Diagramm der borromäischen Verschlingung aus drei Ringen mit seinen vier Überschneidungsbereichen zum Diagramm des Kleeblattknotens mit seinen drei Teilflächen verschwindet das Genießen des durchgestrichenen Anderen.]

Mimesis in der borromäischen Verschlingung: Konsistenz, Ex-sistenz und Loch

Zum Schluss bezieht Lacan sich noch einmal auf das Buch Mimesis des articulations, dessen Lektüre er anfangs empfohlen hatte. [Das griechische Wort mimēsis meint „Nachahmung“, das lateinische Äquivalent ist imitatio.] Worin besteht, bezogen auf die borromäische Verschlingung aus drei Ringen, die Mimesis, die Imitation? Sie besteht darin, dass die drei Ringe gleich gebaut sind:
– alle drei Ringe sind konsistent [also geschlossen], insofern haben sie am Imaginären teil,
– alle drei Ringe haben ein Loch [ein Ring-Inneres-Äußeres],
– alle drei Ringe sind ex-sistent [sie durchdringen sich nicht, sondern stoßen gegeneinander und halten durchdurch zusammen] und gehören damit zum Realen. Also imitieren sich die drei Ringe.

[57] Dies ist umso schwieriger, als jeder der drei Ringe aus einem Dreierknoten besteht [aus einem Kleeblattknoten]. [Kleeblattknoten sind entweder rechts- oder linksdrehend, deswegen können sie sich nicht umstandslos imitieren. Nebenbei erfährt man hier, dass auch die borromäische Dreier-Verschlingung aus Kleeblattknoten besteht.

Wenn das Reale, das Symbolische und das Imaginäre durch Kleeblattknoten dargestellt werden, muss festgelegt werden, ob diese Schlingen rechts- oder linksdrehend sind, d.h. sie sind möglicherweise nicht mehr völlig gleich strukturiert.

Die Beziehung zwischen dem Realen, dem Symbolischen und dem Imaginären wird von Lacan demnach auf fünf verschiedene Weisen mithilfe von Knoten dargestellt:

– als borromäische Verschlingung von drei „Ringen“, von drei trivialen Knoten,
– als borromäische Verschlingung von drei Kleeblattknoten,
– als borromäische Verschlingung von vier trivialen Knoten,
– als borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten,
– als Kleeblattknoten, insofern dieser eine Dreiergestalt hat (paranoische Psychose).

Über das Sinthom erfährt man in dieser Sitzung:
– Das Sinthom wird dargestellt durch eine Kleeblattknoten in einem borromäischen Verschlingung aus vier Kleeblattknoten.
– Wenn das Sinthom durch einen Kleeblattknoten dargestellt wird, muss festgelegt werden, ob er rechts- oder linksdrehend ist. Dieser Punkt bleibt offen.
– Der Kleeblattknoten steht in diesem Fall für das neurotische Symptom, nicht für die paranoische Psychose, also nicht für die Persönlichkeit.
– Der Kleeblattknoten des Sinthoms hat die Funktion, die drei anderen Kleeblattknoten zusammenzuhalten. Dies wird durch eine Figuration dargestellt, die die Struktur 1 + 3 hat, ihr genaues Aussehen ist unklar.
– Der Kleeblattknoten des Sinthoms steht mit dem Unbewussten in einem engen Zusammenhang, was durch die Figuration 2 + 2 veranschaulicht wird. Der Kleeblattknoten des Sinthoms bildet demnach mit dem Ring des Symbolischen ein Paar. Dieses Paar steht dem Paar aus Imaginärem und Realem gegenüber. Neben die Struktur 1 + 3 tritt damit die Struktur 2 +2.]

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM

Im Folgenden werden alle Stellen aufgeführt, an denen Lacan die Ausdrücke „Symptom“ oder „Sinthom“ verwendet. Die Zahlen in runden Klammern sind Seitenzahlen, sie verweisen auf die Übersetzung von Max Kleiner.

Verwendung von „Symptom“ und „Sinthom“

In der Sitzung vom 16. Dezember gebraucht Lacan „Symptom“ und „Sinthom“ synonym. In einer Gruppe von drei Paranoikern könnte ein viertes Individuum die Funktion des „Symptoms“ übernehmen. Anschließend wird übergangslos der vierte Term einer borromäischen Verschlingung aus vier Kleeblattknoten als „Sinthom“ bezeichnet; ein Bedeutungswechsel ist nicht zu erkennen. (Vgl. 45)

Sinthom als Kleeblattknoten in einer borromäische Verschlingung

„Und wenn wir annehmen, wofür wir ja hier den Beweis haben, wenn wir tatsächlich denken, dass ein Dreierknoten – denn dieser hier ist nicht minder ein Dreierknoten –, dass sich diese Knoten borromäisch miteinander verbinden, dann wird für uns greifbar, dass sich auf drei Träger, die wir hier subjektive nennen wollen, das heißt persönliche, immer ein vierter stützen wird, und wenn Sie sich an den Modus erinnern, in dem ich dieses vierte Element eingeführt habe, so wird jedem der drei anderen unterstellt, etwas Persönliches zu bilden im Hinblick auf diese drei Elemente; das vierte wird das sein, was ich dieses Jahr als das Sinthom artikuliere.“ (42 f. )

Lacan bezieht sich hier auf eine borromäische Verschlingung, deren einzelne Ringe Kleeblattknoten sind („Dreierknoten“). Der vierte Ring ist der des „Sinthoms“. Das Sinthom ist hier also ein Kleeblattknoten als Bestandteil einer borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten.

„Von daher meine Sorge: nachdem ich den Fund gemacht hatte, dass dieser Dreifachknoten sich auf borromäische Weise zu dreien verknüpft, habe ich festgestellt, dass, wenn sie gegeneinander frei geblieben sind, ein Dreifachknoten ex-sistiert, der in einer vollen Anwendung seiner Textur spielt, der gut und gern der vierte ist und der ‚das Sinthom‘ heißt. Das wärʼs.“ (48)

In einer borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten ist der vierte Ring der des Sinthoms; das Sinthom wird hier durch einen Kleeblattknoten dargestellt.

Das Symptom in der Gruppe; das Sinthom als Kleeblattknoten in einer borromäischen Verschlingung

„Das Imaginäre, das Symbolische und das Reale sind ein und dieselbe Konsistenz, und eben darin besteht die paranoische Psychose. Wenn man das, was ich heute sage, richtig versteht, könnte man daraus ableiten, dass an drei Paranoiker ein vierter Term als Symptom geknüpft werden könnte, der als solcher insofern als Persönlichkeit zu verorten wäre, als sie selbst von den vorangehenden drei Persönlichkeiten unterschieden und ihr Symptom wäre. Heißt das, dass auch sie paranoisch wäre? Nichts weist darauf hin in dem Fall, der mehr als wahrscheinlich ist, der gewiss ist, in dem aus einer unbegrenzten Anzahl von Dreierknoten eine borromäische Kette gebildet werden kann. Was nicht verhindern, dass uns im Hinblick auf diese Kette, die von da an keine Paranoia mehr bildet, es sei denn eine allgemeine, die mögliche Ausflockung des vierten Terms in diesem Zopf, dem subjektiven Zopf, die mögliche Endausflockung des vierten Terms die Möglichkeit lässt anzunehmen, dass es über die Gesamtheit der Textur bestimmte ausgewählte Punkte gibt, die sich als Endpunkt dieses Viererknotens herausstellen. Und genau darin besteht im eigentlichen Sinne das Sinthom, und zwar das Sinthom, nicht insofern es Persönlichkeit ist, sondern insofern es, im Hinblick auf die drei anderen, als Sinthom und als neurotisch bestimmt ist.“ (45)

Es geht hier zunächst um Gruppen- und Massenpsychologie.

Für eine Gruppe von drei Paranoikern („Persönlichkeiten“) könnte ein viertes Individuum die Funktion des Symptoms übernehmen, ohne selbst Paranoiker zu sein, es könnte Neurotiker sein.

In einer borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten hat der vierte Kleeblattknoten die Funktion des Sinthoms, wobei nicht gemeint ist, dass er eine paranoische Persönlichkeit repräsentiert.

Das Sinthom und das Unbewusste

An der zuletzt zitierten Stelle fährt Lacan so fort:

„Und insofern ergibt sich für uns ein Hinweis darauf, was es mit dem Unbewussten auf sich hat: insofern es vom Sinthom spezifiziert wird, gibt es einen Term, der sich in besonderer Weise an es hängt, der eine privilegierte Beziehung hinsichtlich dessen unterhält, was es mit dem Sinthom auf sich hat, ebenso wie Sie hier, im borromäisch zu vieren geknüpften Dreierknoten sehen, dass es eine besondere Antwort von Rot auf Braun [Grün] gibt, ebenso wie es eine besondere Antwort von Grün [Blau] auf Schwarz gibt. Insofern eines der beiden Paare sich von diesem spezifischen Knoten mit einer anderen Farbe unterscheidet – um den Terminus wieder aufzunehmen, dessen ich mich vorhin bedient habe: insofern es eine Verbindung des Sinthoms mit etwas Besonderem in diesem Viererensemble gibt, das heißt, um es klar zu sagen, insofern es diese Verbindung gibt – man weiß nicht, ob es diese hier oder jene dort ist –, insofern wir ein rot-grünes Paar hier links haben und ein blau-rotes (blau-schwarzes) hier rechts, insofern wir Paar haben, und insoweit das Sinthom mit dem Unbewussten verbunden ist und sich das Imaginäre an das Reale bindet, haben wir es mit etwas zu tun, aus dem das Sinthom auftaucht.“ (45 f.)

Bezogen auf eine borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten heißt es: Der Ring des Sinthoms steht in einer besonderen Verbindung mit dem Ring des Unbewussten, d.h. mit dem Ring des Symbolischen. Dem Paar von Sinthom und Unbewusstem (Symbolischen) steht das Paar von Imaginärem und Realem gegenüber.

 

OFFENE FRAGEN

Die Zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner. Sie sind oben in der Über­set­zung nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Hauptfragen

Zu: „Ich habe Ih­nen ge­sagt, dass ich mich zwei Mo­nate lang be­müht hatte, für die­sen ein­fachs­ten Kno­ten ei­nen bor­ro­mä­i­schen Vie­rer­kno­ten ex-sistieren zu las­sen. Ich habe Ih­nen eben­falls ge­sagt, dass die Tat­sa­che, dass es mir nicht ge­lun­gen war, ihn ex-sistieren zu las­sen, nichts be­wies als mein Un­ge­schick.“ (36)

Ein Hauptthema dieser Sitzung ist die Umwandlung von vier Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung aus vier Kleeblattknoten. Das ist offenbar ein Problem, und ich habe nicht verstanden, worin es besteht.

Umwandlung von drei Ringen in einen borromäischen ViererknotenLacan akzeptiert folgende Methode zur Herstellung einer borromäischen Verschlingung aus vier Ringen. Man nimmt drei Ringe und legt sie übereinander. Dann schneidet man einen vierten Ring auf (in der Abbildung der mit Σ bezeichnete lila Ring), fädelt ihn wie auf der Zeichnung angegeben durch die anderen Ringe hindurch und verspleißt ihn wieder. Dieses Verfahren wird in der Sitzung vom 18. November 1975 verwendet.

Nach demselben Verfahren kann man eine borromäische Verschlingung aus vier Kleeblattknoten erzeugen:
– Man nimmt drei Kleeblattknoten und zurrt den darin enthaltenen Knoten („Knoten“ im Sinne der Umgangssprache) fest zusammen.
– Man legt die drei Schlingen so hin wie in der oberen Abbildung, also in der Form von Kreisen.
– Man nimmt einen Faden und versieht ihn mit einem einfachen Knoten (im Sinne der Umgangssprache), jedoch ohne ihn zu schließen.
– Man führt diesen offenen Faden so durch die drei Fadenringe wie in der oberen Abbildung.
– Man verspleißt die Fadenenden.

Offenbar wird dieses Verfahren nicht akzeptiert. Die Lösung gilt nur dann als korrekt, wenn die Kleeblattknoten auf bestimmte Weise auseinandergezogen werden, so wie es im Zopf-Diagramm dargestellt wird. Worin besteht dieses spezielle Verfahren?

Weitere Fragen

Lacan hat beim Unterrichten das Gefühl (sentiment) eines absoluten Risikos (36), er spricht über die Gefühle angesichts der Lösung des Problems, wie vier Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung gebracht werden können (36 f.), er hat die Zeichnung so geändert, dass die Anwesenden besser spüren (sentir), wie das gemacht ist (37 f.). Unterscheidet Lacan das Gefühl vom Affekt?

Zu: „Ich denke, beim Be­trach­ten die­ser Fi­gur kann je­der se­hen kann, so hoffe ich, dass, wenn man zum Bei­spiel an­nimmt, dass der Drei­er­kno­ten, der hier schwarz ge­zeich­net ist, dass wenn der schwarze Drei­er­kno­ten weg­ge­las­sen wird, deut­lich zu se­hen ist, dass die drei an­de­ren Drei­er­kno­ten frei wer­den. Es ist in der Tat recht deut­lich, dass der grüne Drei­er­kno­ten un­ter dem ro­ten Drei­er­kno­ten liegt, dass es ge­nügt, die­sen grü­nen Drei­er­kno­ten von dem ro­ten weg­zu­zie­hen, da­mit der braune (in der Ab­bil­dung: blaue) Drei­er­kno­ten sich hier eben­falls als frei er­weist.“ (38)

Man sieht: wenn man den schwar­zen Klee­blatt­kno­ten ent­fernt, fal­len die drei an­de­ren Klee­blatt­kno­ten aus­ein­an­der. Mir ist nicht klar, wie man das se­hen  kann. Of­fen­bar am Mus­ter der Über­kreu­zun­gen und Un­ter­kreu­zun­gen – aber worin be­steht es?

Wenn man den grü­nen Kno­ten un­ter dem ro­ten Kno­ten her­aus­zieht, ist der braune (in der Zeich­nung: blaue) Klee­blatt­kno­ten eben­falls frei. Was ist damit gemeint?

Zu: „Ich will sa­gen, wenn Sie an der grü­nen Schnur zie­hen, wer­den Sie be­mer­ken, dass der schwarze Kreis, der hier mit der ro­ten Schnur ver­knüpft ist, dass er, in­dem er von der blauen Schnur ge­zo­gen wird, dass er die wahr­nehm­bare Form ei­ner bor­ro­mä­i­schen Kette auf­wei­sen wird.“ (42)

(a) Auf welches Diagramm bezieht sich diese Bemerkung?

(b) In der Staferla-Version fin­det man hierzu das ne­ben­ste­hende  Bild. Ich sehe nicht, wie durch Zie­hen des grü­nen Fa­dens – ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den – die Kon­fi­gu­ra­tion ver­än­dert und die Ge­stalt ei­ner Kette er­zeugt wer­den kann. In Ver­sion Mil­ler 2005 fin­det man das­selbe Dia­gramm; die Far­ben wer­den et­was an­ders ver­teilt, aber auch hier ist der grüne Fa­den, an dem ge­zo­gen wer­den soll, eine un­end­li­che Gerade. Welche Funktion hat dieses Diagramm?

 

An drei Paranoiker kann ein vierter als Symptom geknüpft werden, ebenso kann zu einer unbegrenzten Anzahl von Paranoikern eine weitere Person als Symptom hinzugefügt werden (45). Wer ist das Symptom einer Gruppe oder Masse von Paranoikern? Der Führer? Der Verfolger?

Das phallische Genießen wird als parasitär empfunden (47). Inwiefern?  

LITERATURVERZEICHNIS

Das Ver­zeich­nis be­schränkt sich auf die in die­sem Bei­trag zi­tierte oder er­wähnte Literatur.

Die Über­set­zun­gen von Zi­ta­ten sind von Rolf Nemitz, falls nicht an­ders vermerkt.

Lacan, Sinthom-Seminar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Transkription ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf diese Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, linke Spalte.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Transkription, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Diese Transkription wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Varianten der Staferla-Ver­sion. Für diesen Kommentar wurde die Variante vom 28.6.2013 verwendet; man findet sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976-77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Der Text ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Erste Spalte: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zweite Spalte: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, dritte Spalte: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim Lacan-Archiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Datei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sinthom-Kommentars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Kleiner-Übersetzung“ ist diese Ver­sion gemeint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, livre XXIII. Le sin­thome. 1975-1976. Tex­ter­stellung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

Weitere Texte von Lacan

Seminare

Se­mi­nar 3 = Das Se­mi­nar, Buch III (1955-1956). Die Psy­cho­sen. Über­setzt von Mi­chael Turn­heim nach ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1997

Se­mi­nar 19 = Le sé­mi­nare, livre XIX. … ou pire. 1971-1971. Tex­ter­stel­lung durch Jacques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2011

Se­mi­nar 21 = Les non-dupes er­rent. 1973-74. Hg. v. der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage ei­ner Ton­auf­nahme so­wie der Tran­skrip­tio­nen auf den Web­sites Lu­te­cium und Gao­goa. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 22 = Se­mi­nar XXII. RSI. 1974-75. Über­setzt von Max Klei­ner auf der Grund­lage ei­ner von Jacques-Alain Mil­ler er­stell­ten vor­läu­fi­gen Ver­sion. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv Bre­genz 2012

Andere Autoren

Aga­c­in­ski, Syl­viane, u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Aubier-Flammarion, Pa­ris 1975

Aga­c­in­ski, Sylviane: Dé­cou­pa­ges du Trac­ta­tus. In: Dies. u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Aubier-Flammarion, Pa­ris 1975, S. 17-53

Freud, Sigmund: Die in­fan­tile Ge­ni­tal­or­ga­ni­sa­tion (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­gabe, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 235-241

Hoff­mann, E.T.A.: Die Elixiere des Teufels. Dunker und Humblot, Berlin 1815

—: Le­bens­-An­sich­ten des Ka­ter Murr. A. Hofmann, Berlin 1819

Kof­man, Sarah: Vau­tour rouge. Le dou­ble dans les Éli­xirs du dia­ble d’Hoffmann. In: Agacinski, Sylviane u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Aubier-Flammarion, Pa­ris 1975, S. 95-163

—: Le dou­ble e(s)t le dia­ble. In: Dies.: Quatre ro­mans ana­ly­ti­ques. Ga­lilée, Pa­ris 1973, S. 138-181

Price, Adrian: In the ne­bohood of Joyce and La­can. In: LC Ex­press, 2. Jg. (11. De­zem­ber 2014), Heft 14, S. 2-24

Sartre, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie (1943). Übersetzt von Traugott König und Vincent von Wroblewsky. Rowohlt, Reinbek 16. Aufl. 2010

Verwandte Artikel

Anmerkungen

  1. Die entsprechende Zeichnung dieses Zopfes in Version Staferla enthält einen Fehler: die Farben müssten in der oberen Reihe und in der unteren dieselbe Reihenfolge haben, um geschlossene Linien darzustellen, davon gibt es in der Staferla-Zeichnung eine Abweichung; sie stellt also keinen borromäischen Viererknoten dar.
  2. Lacan bezieht sich auf: Sylviane Agacinski u.a.: Mimesis des articulations. Aubier-Flammarion, Paris 1975.
    Der Band enthält folgende Beiträge:
    Sylviane Agacinski : Découpages du Tractatus (S. 17-53)
    Jacques Derrida: Économimesis (S. 55-93)
    Sarah Kofman: Vautour rouge. Le double dans les Élixirs du diable d’Hoffmann (S. 95-163)
    Philippe Lacoue-Labarthe: Typographie (S. 165-270)
    Jean-Luc Nancy: Le ventriloque (S. 271-338)
    Bernard Pautrat: Politique en scène : Brecht (S. 339-359)

    Sarah Kofmann knüpft in ihrem Beitrag an einen früheren Artikel zu Hoffmann an: S. Kofmann: Le double e(s)t le diable. In: Dies.: Quatre romans analytiques. Galilée, Paris 1973, S. 137-181

    Die Figur des roten Geiers stammt aus Hoffmanns Lebensansichten des Kater Murr.

  3. „j’avais (…) d’autres chats à fouetter“, wörtlich: „ich hatte noch andere Katzen zu peitschen“, vielleicht in Anspielung auf den Kater Murr, im Französischen „Le Chat Murr“.
  4. Lacan verwendet hier den Ausdruck chaîne, „Kette“, nicht im Sinne der Verschlingung ganz allgemein (wie in der Sitzung vom 18. November 1975), sondern im Sinne einer bestimmten sichtbaren Konfiguration, bei der die Ringe nebeneinanderliegen.
  5. In Version Miller 2005 sieht das Schema so aus:

    RSI
    SIR
    IRS
    ___

    sinthome

    Es hat hier die Bezeichnung „Schéma 3 +1„.

  6. Miller fügt hier ein:
    „Oui si l’on introduit la couleur, non si l’on introduit l’oriéntation.“
    „Ja, wenn man die Farbe einführt, nein, wenn man die Orientierung einführt.“ Seminar 23, Version Miller 2005, S. 53.
  7. Lacans Dissertation De la psychose paranoïaque dans ses rapports avec la personnalité erschien zuerst 1932 bei François in Paris. 1975 – also im Jahr dieser Vorlesung – wurde sie von Seuil in Paris neu aufgelegt. Die deutsche Übersetzung von Hans-Dieter Gondek erschien 2002 im Passagen-Verlag in Wien, sie hat den Titel Die paranoische Psychose in ihren Beziehungen zur Persönlichkeit.
  8. Abbildung aus Seminar 23, Version Staferla.
  9. Vgl. Seminar 3, Version Miller/Turnheim, S. 16 f.
  10. Adrian Price: In the nebohood of Joyce and Lacan. In: LC Express, 2. Jg. (11. Dezember 2014), Heft 14, S. 11.
  11. Vgl. Seminar 23, Sitzung vom 13. Januar 1976; Version Miller, S. 72. f.
  12. Vgl. Seminar 22, Sitzung vom 18. März 1975; Kleiner-Übersetzung, S. 49 und 53.
  13. Vgl. J.-P. Sartre: Das Sein und das Nichts, 4. Teil, 2. Kapitel, I. Die existentielle Psychoanalyse.
  14. Sitzung vom 17. Dezember 1974.
  15. Seminar 19, Version Miller, S. 129.
  16. Vgl. Sitzung vom 13. Mai 1975.
  17. Seminar 23, Version Miller 2005, S. 52.
  18. Seminar 23,  Version Miller 2005, S. 56.
  19. Vgl. die Erläuterung zu parlêtre in Kommentar zur Sitzung vom 18. November 1975, Teil I.
  20. Vgl. Seminar 22, RSI, Sitzung vom 10. Dezember 1974.
  21. S. Freud: Die infantile Genitalorganisation (1923). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 5. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 238.

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