''Das Sinthom'' entziffern

Kommentar zu Lacans Vorlesung vom 16. Dezember 1975

Seifert-OberflächeSei­fert-Flä­che: Sta­bi­le ori­en­tier­ba­re Man­nig­fal­tig­keit, um­ran­det von ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen. Von hier.

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, “Das Sin­t­hom“

Jac­ques La­can: Se­mi­nar 23 von 1975/76: Le sin­t­home / Das Sin­t­hom

Kom­men­tar von Rolf Nemitz
ge­stützt auf die Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin ab März 2013

Ei­nen Über­blick über die Kom­men­ta­re zu den ein­zel­nen Sit­zun­gen fin­det man hier, über den ge­sam­ten Kom­men­tar hier.
Eine Über­sicht über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben des Sin­t­hom-Se­mi­nars gibt es hier.

In­halt

Vorlesung vom 16. Dezember 1975

Psychoanalytische Bibliothek, Berlin, Hardenbergstraße - 17. Dezember 2013

Psy­cho­ana­ly­ti­sche Bi­blio­thek Ber­lin

Dies ist die zwei­te Fassng des Kom­men­tars zu die­ser Sit­zung, ver­öf­fent­licht am 25. April 2015. Die ers­te Fas­sung wur­de am 25. De­zem­ber 2013 ver­öf­fent­licht.

8. und 9. Tref­fen der Le­se­grup­pe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin
am 26. No­vem­ber und am 17. De­zem­ber 2013 in der Psy­cho­ana­ly­ti­schen Bi­blio­thek Ber­lin

 

TONAUFNAHME

Die Sei­ten­an­ga­ben in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sta­fer­la-Ver­si­on.

Ers­tes Drit­tel, bis „… ils sont doués.“ (S. 24):

 

Zwei­tes Drit­tel, bis „… en fai­re l’épreuve.“ (S. 26):

 

Drit­tes Drit­tel:

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FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quel­len der La­can-Zi­ta­te

Fran­zö­si­scher Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­geben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Va­ri­an­te vom 28.6.2013, PDF-Da­tei hier. Die Tran­skrip­ti­on wur­de mit der Au­dio­auf­nah­me ver­gli­chen und ge­ring­fü­gig über­ar­bei­tet.

Deut­scher Text
Die Über­set­zung stützt sich auf die Über­set­zung von Se­mi­nar 23 durch Max Klei­ner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, lin­ke Spal­te die­ser Dop­pel­über­set­zung. Klei­ners Über­set­zung wur­de von Rolf Nemitz stark über­ar­bei­tet.

Sei­ten­zah­len

Fran­zö­si­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Ver­si­on Sta­fer­la vom 28.6.2013.

– Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­ga­be von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­si­on von 2005 die Sei­te 83“. Da Mil­ler die Tran­skrip­ti­on re­dak­tio­nell be­ar­bei­tet hat, un­ter­schei­det sich die hier ge­brach­te Tran­skrip­ti­on häu­fig von Mil­lers Aus­ga­be.

Deut­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner..J l’ai

An­mer­kun­gen
Die An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text be­zie­hen sich auf Fra­gen der Tran­skrip­ti­on.

– Die An­mer­kun­gen zur Über­set­zung lie­fern In­for­ma­tio­nen zum Text ohne Be­zug auf La­cans Theo­rie so­wie Quer­ver­wei­se.

Links in der Über­set­zung
Die Links im deut­schen Text füh­ren zum „La­can-Le­xi­kon“ in die­sem Ar­ti­kel mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zu La­cans Theo­rie.

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[45] Si on met­t­ait au­tant de sé­rieux dans les ana­ly­ses que j’en mets à prépa­rer mon sé­min­aire, eh bien, ça se­rait tant mieux. (22)

Wenn man an die Ana­ly­sen mit so viel Ernst­haf­tig­keit her­an­ge­hen wür­de, wie ich an die Vor­be­rei­tung mei­nes Se­mi­nars, nun ja, das wäre ein Ge­winn. (36)

 

Ça se­rait tant mieux, et ça au­rait sû­re­ment de meilleurs ré­sul­tats. (22)

Das wäre ein Ge­winn und das bräch­te si­cher­lich bes­se­re Er­geb­nis­se. (36).

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Il faud­rait pour ça que dans l’analyse on ait, com­me je l’ai… mais c’est du sen­ti-men­tal dont je par­lais l’autre jour… le sen­ti­ment d’un ris­que ab­so­lu. (22)

Man müss­te dazu in der Ana­ly­se, so wie ich – aber das ist das Sen­ti-Men­ta­le, von dem ich letz­tes Mal ge­spro­chen habe –, das Ge­fühl ei­nes ab­so­lu­ten Ri­si­kos ha­ben. (36)

Diagramm einer Kleeblattschlinge (rechtshändig)

Klee­blatt­kno­ten oder Drei­er­kno­ten (rechts­hän­dig)

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Voi­là, l’autre jour je vous ai dit que le nœud à trois… le nœud à trois que je des­si­ne com­me ça : et dont vous voy­ez qu’il s’obtient du nœud bor­ro­méen en re­joi­gnant les cor­des en ces trois points que je vi­ens de mar­quer : … je vous ai dit que le nœud à trois, j’avais fait la trou­vail­le qu’ils se nouai­ent ent­re eux, à trois, bor­ro­méen­ne­ment. (22)

Also, letz­tes Mal habe ich Ih­nen ge­sagt, dass ich für den Drei­er­kno­ten – den Drei­er­kno­ten, den ich so zeich­ne, und bei dem Sie se­hen, dass man ihn aus dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten da­durch er­hält, dass man die Schnü­re an die­sen drei Punk­ten, die ich ge­ra­de mar­kiert habe, ver­bin­det –, ich habe Ih­nen ge­sagt, dass ich be­zo­gen auf den Drei­er­kno­ten die Ent­de­ckung ge­macht habe, dass sie sich un­ter­ein­an­der zu dritt bor­ro­mä­isch ver­knüp­fen. (36)

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge

Klee­batt­schlin­ge in ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen

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[46] Je vous ai dit aus­si en quoi – si l’on peut dire – c’était tout à fait ju­s­ti­fia­ble par une ex­pli­ca­ti­on. (22)

Ich habe Ih­nen auch ge­sagt, wor­in dies, wenn man so sa­gen kann, durch eine Er­läu­te­rung völ­lig ge­recht­fer­tigt wer­den kann. (36)

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Je vous ai dit que je m’étais ef­for­cé pen­dant deux mois de fai­re ex-sis­ter pour ce nœud le plus simp­le, un nœud bor­ro­méen à quat­re. (22)

Ich habe Ih­nen ge­sagt, dass ich mich zwei Mo­na­te lang be­müht hat­te, für die­sen ein­fachs­ten Kno­ten ei­nen bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten ex-sis­tie­ren zu las­sen. (36)

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Je vous ai dit éga­le­ment que le fait que je n’y éta­is pas ar­ri­vé à le fai­re ex-sis­ter, ne prou­vait rien si­non ma mal­adres­se. (22)

Ich habe Ih­nen eben­falls ge­sagt, dass die Tat­sa­che, dass es mir nicht ge­lun­gen war, ihn ex-sis­tie­ren zu las­sen, nichts be­wies als mein Un­ge­schick. (36)

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Je crois – je suis même sûr : je m’en sou­vi­ens – je crois vous avoir dit que je croyais qu’il de­vait exis­ter. (22)

Ich glau­be – ich bin mir so­gar si­cher, ich er­in­ne­re mich dar­an –, ich glau­be Ih­nen ge­sagt zu ha­ben, dass ich glaub­te, dass er exis­tie­ren müs­se.  (36)

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J’ai eu le soir même la bon­ne sur­pri­se de voir sur­gir…  il était tard, je dirai même que j’étais sor­ti avec un peu de re­tard, vu mes de­voirs… j’ai donc vu sur­gir sur le pas de ma por­te le nom­mé Tho­mé – pour le nom­mer – et qui ve­nait m’apporter … et je l’en ai gran­de­ment re­mer­cié… qui ve­nait m’apporter… fruit de sa col­la­bo­ra­ti­on avec Sou­ry, Sou­ry et Tho­mé, sou­ve­nez-vous de ces noms… qui ve­nait m’apporter la preuve, la preuve que le nœud bor­ro­méen à quat­re, de quat­re nœuds à trois, exis­te bien, ce qui ju­s­ti­fie as­su­ré­ment mon ob­sti­na­ti­on, mais ce qui n’en rend pas mo­ins dé­plor­able mon in­ca­pa­cité. (22)

Am sel­ben Abend er­leb­te ich die er­freu­li­che Über­ra­schung – es war spät, ich möch­te so­gar sa­gen, dass ich mit ein biss­chen Ver­spä­tung aus­ge­gan­gen war, be­dingt durch mei­ne Ver­pflich­tun­gen –, dass be­sag­ter Tho­mé, um sei­nen Na­men zu sa­gen, auf mei­ner Schwel­le er­schien und mir – und ich habe mich bei ihm aus­führ­lich da­für be­dankt –, und mir als Frucht sei­ner Zu­sam­men­ar­beit mit Sou­ry – Sou­ry und Tho­mé, er­in­nern Sie sich an die­se Na­men –, und mir den Be­weis brach­te, den Be­weis, dass der bor­ro­mäi­sche Vie­rer­kno­ten aus vier Drei­er­kno­ten wirk­lich exis­tiert, wo­durch mei­ne Be­harr­lich­keit si­cher­lich ge­recht­fer­tigt wird, wo­durch mei­ne Un­fä­hig­keit je­doch umso be­trüb­li­cher ist. (36 f.)

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Je n’ai néan­mo­ins pas ac­cueil­li la nou­vel­le, que ce pro­blè­me était ré­so­lu, avec des sen­ti­ments mé­lan­gés… mé­lan­gés de mon re­g­ret de mon im­puis­sance avec ce­lui du suc­cès ob­te­nu… mes sen­ti­ments ne l’étaient pas, ils étai­ent pu­re­ment et sim­ple­ment d’enthousiasme, et je crois leur en avoir mon­tré quel­que cho­se, quand je les ai vus quel­ques soirs après, et soir où d’ailleurs ils n’ont pas pu me rend­re comp­te de com­ment ils l’avaient trou­vé. (22)

Nichts­des­to­trotz habe ich die Nach­richt, dass die­ses Pro­blem ge­löst war, nicht mit ge­misch­ten Ge­füh­len auf­ge­nom­men – ge­mischt aus dem Be­dau­ern über mein Un­ver­mö­gen und dem Ge­fühl des er­reich­ten Er­folgs –, mei­ne Ge­füh­le wa­ren es nicht; sie be­stan­den schlicht und ein­fach in ei­nem En­thu­si­as­mus, und ich glau­be, dass ich den bei­den da­von et­was ge­zeigt habe, als ich sie ei­ni­ge Aben­de spä­ter traf, an ei­nem Abend, an dem sie mir üb­ri­gens kei­ne Aus­kunft dar­über ge­ben konn­ten, wie sie es ge­fun­den ha­ben. (37)

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Ils l’avaient trou­vé de fait, et j’espère n’avoir pas fait d’erreur en tran­scri­vant – car ce n’est qu’une tran­scrip­ti­on – en tran­scri­vant com­me je l’ai fait sur ce pa­pier cen­tral le fruit de leur trou­vail­le. (22)

Fak­tisch hat­ten sie es ge­fun­den, und ich hof­fe, kei­nen Irr­tum be­gan­gen zu ha­ben, als ich das tran­skri­biert habe – denn das ist nur eine Tran­skrip­ti­on –, als ich die Frucht ih­rer Ent­de­ckung tran­skri­biert habe, wie ich es auf die­sem zen­tra­len Pa­pier vor­ge­nom­men habe. (37)

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - Miller

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten, als Zopf dar­ge­stellt (man muss sich vor­stel­len, dass die obe­re und die un­te­re Kan­te mit­ein­an­der ver­bun­den sind)[note]Quelle: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 47.[/note]

Je l’ai re­pro­du­it, à peu de cho­se près, je veux dire que c’est – c’est le cas de le dire – tex­tu­el­le­ment ce qu’ils ont éla­bo­ré, à part le fait que le tra­jet mis à plat, est à pei­ne dif­fé­rent. (22)

Ich habe sie bis auf ei­ni­ge Klei­nig­kei­ten re­pro­du­ziert, ich möch­te sa­gen, das ist – das kann man hier wirk­lich sa­gen – text­ge­nau das, was sie er­ar­bei­tet ha­ben, ab­ge­se­hen da­von, dass der ge­plät­te­te Kur­ven­ver­lauf sich kaum un­ter­schei­det. (37) (Zur Ver­grö­ße­rung Ab­bil­dung an­kli­cken.1)

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Si ce tra­jet mis à plat est tel que je vous le pré­sen­te, c’est pour que vous sen­tiez peut-être un peu mieux que dans la fi­gu­re qu’ils m’ont fai­te… que vous sen­tiez peut-être un peu mieux com­ment c’est fait. (22)

Wenn die­ser ge­plät­te­te Kur­ven­ver­lauf so ist, wie ich ihn für Sie dar­stel­le, dann des­halb, da­mit Sie viel­leicht et­was bes­ser als in der Fi­gur, die Tho­mé und Sou­ry mir ge­macht ha­ben, spü­ren, dass Sie viel­leicht ein biss­chen bes­ser spü­ren, wie das ge­macht ist. (37 f.)

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Je pen­se que à l’aspect de cet­te fi­gu­re – j’espère ! – cha­cun peut voir que, à sup­po­ser par ex­emp­le que le nœud à trois – ici noir – le nœud à trois noir étant éli­dé, il pa­raît bien clair que les trois au­tres nœud à trois sont li­bres. (23)

Ich den­ke, beim Be­trach­ten die­ser Fi­gur kann je­der se­hen  so hof­fe ich, dass, wenn man zum Bei­spiel an­nimmt, dass der Drei­er­kno­ten, der hier schwarz ge­zeich­net ist, dass wenn der schwar­ze Drei­er­kno­ten weg­ge­las­sen wird, deut­lich zu se­hen ist, dass die drei an­de­ren Drei­er­kno­ten frei wer­den. (38)

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Il est bien clair en ef­fet que le nœud à trois vert est sous le nœud à trois rouge, qu’il suf­fit, ce nœud à trois vert, de le sor­tir du rouge, pour que le nœud à trois brun ici [bleu], se mont­re éga­le­ment libre. (23)

Es ist in der Tat recht deut­lich, dass der grü­ne Drei­er­kno­ten un­ter dem ro­ten Drei­er­kno­ten liegt, dass es ge­nügt, die­sen grü­nen Drei­er­kno­ten von dem ro­ten weg­zu­zie­hen, da­mit der brau­ne [in der Ab­bil­dung: blaue] Drei­er­kno­ten sich hier eben­falls als frei er­weist. (38)

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J’ai vu longue­ment Sou­ry et Tho­mé. (23)

Ich war lan­ge mit Sou­ry und Tho­mé zu­sam­men. (38)

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Je vous l’ai dit, ils ne m’ont pas fait de con­fi­den­ces sur la fa­çon dont ils l’ont ob­te­nu, je pen­se d’ailleurs qu’il n’y en a pas qu’une, qu’il n’y a pas que cel­le-là, et peut-être vous mon­tre­rai-je la pro­chai­ne fois, com­ment en­core on peut l’obtenir. (23)

Wie ich Ih­nen ge­sagt habe, ha­ben die bei­den mich nicht ins Ver­trau­en ge­zo­gen, was die Art und Wei­se an­geht, wie sie ihn er­hal­ten ha­ben – ich den­ke üb­ri­gens, dass es nicht nur eine gibt, dass es nicht nur die­se hier gibt, und viel­leicht wer­de ich Ih­nen das nächs­te Mal zei­gen, wie man ihn noch er­hal­ten kann. (38)

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Je vou­d­rais quand même com­mé­mo­rer ce menu évé­ne­ment… évé­ne­ment d’ailleurs que je con­s­idè­re com­me pas menu, et je vais vous dire pour­quoi en­sui­te, au­tre­ment dit pour­quoi je cher­chais… je veux un peu plus com­mé­mo­rer not­re ren­cont­re. (23)

Ich möch­te gleich­wohl die­ses klei­nen Er­eig­nis­ses ge­den­ken – ei­nes Er­eig­nis­ses üb­ri­gens, das ich nicht als klein be­trach­te, und ich wer­de Ih­nen gleich sa­gen, war­um, an­ders ge­sagt, war­um ich ge­sucht habe –, ich will un­se­res Zu­sam­men­tref­fens noch ein we­nig ge­den­ken. (38)

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[48] Je crois que le sup­port de cet­te re­cher­che est non pas ce que Sa­rah Kof­man dans un li­v­re, dans un ar­ti­cle re­mar­quable où elle a con­tri­bué un ar­ti­cle re­mar­quable qu’elle ap­pel­le Vau­tour rouge et qui n’est aut­re qu’une ré­fé­rence aux Éli­xirs du dia­ble cé­lé­brés par Freud, ré­fé­rence qu’elle re­prend après l’avoir déjà une fois men­ti­on­née dans son Quat­re ro­mans ana­ly­ti­ques, li­v­re en­t­ier d’elle, ceci n’empêchant pas que je vous re­com­man­de la lec­tu­re de cet­te Mi­me­sis qui me pa­raît, avec ses cinq au­tres col­la­bo­ra­teurs, réa­li­ser quel­que cho­se de re­mar­quable. (23)

Mimesis des articulationsIch glau­be, dass die­se Su­che nicht von dem ge­tra­gen wird, was Sa­rah Kof­man in ei­nem Buch, in ei­nem be­mer­kens­wer­ten Ar­ti­kel, den sie dazu bei­ge­tra­gen hat, ei­nem be­mer­kens­wer­ten Ar­ti­kel, den sie Ro­ter Gei­er nennt, was nichts an­de­res ist als ein Be­zug auf die von Freud ge­fei­er­ten Eli­xie­re des Teu­fels, ei­nen Be­zug, den sie auf­greift, nach­dem sie ihn schon ein­mal in ih­ren Vier ana­ly­ti­schen Ro­ma­nen her­ge­stellt hat, ei­nem Buch, das ganz von ihr ist, was mich nicht dar­an hin­dert, Ih­nen die Lek­tü­re die­ser Mi­me­sis zu emp­feh­len, ein Buch, das mir, mit sei­nen fünf Ko­au­to­ren, et­was Be­mer­kens­wer­tes zu rea­li­sie­ren scheint.2 (38)

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Je dois vous dire la vé­rité, je n’ai lu que l’article du pre­mier, du troi­siè­me et du cin­quiè­me, par­ce que j’avais, en rai­son de la pré­pa­ra­ti­on de ce sé­min­aire, d’autres chats à fou­et­ter. (23)

Ich muss Ih­nen die Wahr­heit sa­gen, ich habe nur den Ar­ti­kel des ers­ten, des drit­ten und des fünf­ten Au­tors ge­le­sen, weil ich mich, auf­grund der Vor­be­rei­tung die­ses Se­mi­nars, mit an­de­rem Din­gen her­um­schla­gen muss­te.3 (38)

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Je crois néan­mo­ins que Mi­me­sis vaut tout à fait la pei­ne d’être lu. (23)

Ich glau­be den­noch, dass Mi­me­sis voll­kom­men die Mühe lohnt, ge­le­sen zu wer­den. (38)

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Le pre­mier ar­ti­cle qui con­cer­ne Witt­gen­stein et di­sons le bruit qu’a fait son ens­eig­ne­ment, est tout à fait re­mar­quable. (23)

Der ers­te Ar­ti­kel, der Witt­gen­stein be­trifft so­wie, sa­gen wir, den Lärm, den sei­ne Leh­re ge­macht hat, ist ganz und gar be­mer­kens­wert. (38 f.)

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Ce­lui-là, je l’ai lu de bout en bout. (23)

Ihn habe ich von An­fang bis Ende ge­le­sen. (39)

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Néan­mo­ins, je dois dire que cet­te géo­mé­trie qui est cel­le des nœuds, dont je vous ai dit qu’ils ma­ni­fes­tent une géo­mé­trie tout à fait spé­ci­fi­que, ori­gi­na­le, est quel­que cho­se qui « ex­or­cise » cet­te in­quié­tan­te étran­ge­té. (23)

Nichts­des­to­we­ni­ger, ich muss sa­gen, dass die­se Geo­me­trie, näm­lich die der Kno­ten, von de­nen ich Ih­nen ge­sagt habe, dass sie eine voll­kom­men spe­zi­fi­sche, ori­gi­nel­le Geo­me­trie auf­wei­sen, et­was ist, wo­durch die­ses Un­heim­li­che ex­or­ziert wird. (39)

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Il y a là quel­que cho­se de spé­ci­fi­que. (23)

Es gibt da et­was Spe­zi­fi­sches. (39)

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L’inquiétante étran­ge­té relè­ve de l’Imaginaire, in­con­testa­ble­ment. (23)

Das Un­heim­li­che ist un­be­streit­bar vom Ima­gi­nä­ren ab­hän­gig. (39)

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Mais qu’il y ait quel­que cho­se qui per­met­te de l’exorciser est as­su­ré­ment de soi-même étran­ge. (23)

Dass es je­doch et­was gibt, das es er­laubt, es zu ex­or­zie­ren, ist si­cher­lich selbst wie­der­um un­heim­lich. (39)

Plättung eines borromäischer Knotens aus drei Ringen mit Feld der Hemmung

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen mit Feld der Hem­mung

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Pour spé­ci­fier où je met­trais ce dont il s’agit, c’est quel­que part par là : (24)

Um zu spe­zi­fi­zie­ren, wo ich das, wor­um es geht, ver­or­ten wür­de – es ist ir­gend­wo hier: (39)

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Je veux dire que c’est pour au­tant que l’Imaginaire se dé­plo­ie se­lon le mode de deux cer­cles… ce qui peut éga­le­ment se no­ter d’un des­sin, et je dirai qu’un des­sin ne note rien, pour au­tant que la mise à plat en res­te énig­ma­tique… c’est pour au­tant qu’ici, joint à l’Imaginaire du corps, quel­que cho­se com­me une in­hi­bi­ti­on spé­ci­fi­que qui se ca­rac­té­ri­se­rait spé­cia­le­ment de l’ in­quié­tan­te étran­ge­té que – pro­vi­so­ire­ment tout au mo­ins – je | [47] me per­met­trais de no­ter ce qu’il en est, quant à sa place, de la­di­te étran­ge­té. (24)

Ich will sa­gen, dass, in­so­fern sich das Ima­gi­nä­re in der Art von zwei Krei­sen aus­brei­tet, was auch mit ei­ner Zeich­nung no­tiert wer­den kann, und zwar mit ei­ner Zeich­nung, möch­te ich sa­gen, die nichts no­tiert, in­so­fern ihre Plät­tung rät­sel­haft bleibt, in­so­fern hier also, mit dem Ima­gi­nä­ren des Kör­pers ver­bun­den, so et­was wie eine spe­zi­fi­sche Hem­mung <er­scheint>, die spe­zi­ell durch das Un­heim­li­che ge­kenn­zeich­net wäre, wer­de ich mir zu­min­dest pro­vi­so­risch er­lau­ben an­zu­mer­ken, was es, hin­sicht­lich sei­nes Or­tes, mit be­sag­tem Un­heim­li­chem auf sich hat. (39)

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La ré­si­s­tan­ce que l’imagination éprouve à la co­gi­ta­ti­on de ce qu’il en est de cet­te nou­vel­le géo­mé­trie est quel­que cho­se qui me frap­pe, pour l’avoir éprou­vé. (24)

Der Wi­der­stand, den die Ima­gi­na­ti­on ver­spürt beim Nach­den­ken über das, was es mit die­ser neu­en Geo­me­trie auf sich hat, ist et­was, das mich frap­piert, da ich ihn er­fah­ren habe. (39 f.)

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Que Sou­ry et Tho­mé ai­ent été… j’ose le dire, quoiqu’après tout, je n’en ai pas d’eux le té­moi­gna­ge …ai­ent été spé­cia­le­ment cap­ti­vés – me sem­ble-t-il – par ce qui, dans mon ens­eig­ne­ment, a été con­du­it à ex­plo­rer, sous le coup, sous le fait de ce que m’imposait la con­jonc­tion de l’Imaginaire, du Sym­bo­li­que et du Réel, qu’ils ai­ent été at­trapés tout spé­cia­le­ment par ce qu’il faut bien l’appeler cet­te élucu­bra­ti­on qui est mi­en­ne, c’est quel­que cho­se qui n’est cer­tai­ne­ment pas de pur ha­sard, di­sons que pour ça ils sont doués. (24)

Dass Sou­ry und Tho­mé – das wage ich zu sa­gen, ob­wohl ich von ih­nen letzt­lich kein Zeug­nis dar­über habe – be­son­ders von dem ein­ge­nom­men wa­ren, so scheint mir, was ich in mei­ner Leh­re er­kun­det habe, un­ter dem Druck, un­ter der Vor­ga­be des­sen, was mir von der Ver­bin­dung des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­lem auf­ge­nö­tigt wur­de, dass sie ins­be­son­de­re ge­ra­de von mei­nem, wie man wohl sa­gen muss, Ela­bo­rat ge­fes­selt wa­ren, das ist si­cher­lich kein rei­ner Zu­fall; sa­gen wir, da­für sind sie be­gabt. (40)

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L’étrange… l’étrange, et c’est là-des­sus que je me per­mets de tra­hir ce qu’ils ont pu me fai­re de con­fi­dence… l’étrange – me sem­ble-t-il – est ceci que… et cela m’a sai­si, étant don­né ce que vous savez que je pro­fè­re… c’est qu’ils m’ont dit qu’ils s’y avançai­ent en par­lant ent­re eux. (24)

Das Selt­sa­me, das Selt­sa­me dar­an, ich er­lau­be mir hier zu ver­ra­ten, was sie mir an­ver­traut ha­ben, das Selt­sa­me dar­an ist, so scheint mir – und das hat mich be­rührt, in An­be­tracht des­sen, was ich, wie Sie wis­sen, vor­brin­ge –, dass sie mir ge­sagt ha­ben, dass sie da­mit da­durch vor­an­kom­men, dass sie mit­ein­an­der spre­chen. (40)

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Je ne leur en ai pas fait tout de sui­te la re­mar­que, par­ce qu’à la vé­rité, cet­te con­fi­dence me sem­blait très pré­cieu­se, mais il est cer­tain qu’on n’a pas l’habitude de pen­ser à deux. (24)

Ich habe ih­nen ge­gen­über nicht so­fort eine Be­mer­kung dazu ge­macht, weil mir die­se ver­trau­li­che Mit­tei­lung wirk­lich sehr wert­voll er­schien, aber es ist ge­wiss, dass man nicht die Ge­wohn­heit hat, zu zweit zu den­ken. (40)

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Le fait que ce soit en par­lant ent­re eux qu’ils ar­riv­ent à des ré­sul­tats qui ne sont pas re­mar­quables seu­le­ment par cet­te réus­si­te, il y a long­temps que ce qu’ils com­po­sent sur le nœud bor­ro­méen me pa­raît plus qu’intéressant, me pa­raît un tra­vail, mais cet­te trou­vail­le n’en est cer­tai­ne­ment pas le cou­ron­ne­ment, ils en fe­ront d’autres. (24)

Die Tat­sa­che, dass sie, in­dem sie mit­ein­an­der spre­chen, zu Er­geb­nis­sen ge­lan­gen, die nicht nur durch die­sen Er­folg be­mer­kens­wert sind – seit lan­gem schon scheint mir das, was sie über den bor­ro­mäi­schen Kno­ten zu­stan­de brin­gen, mehr als in­ter­es­sant, scheint mir das eine Ar­beit zu sein, aber die­ser Fund ist ge­wiss nicht de­ren Krö­nung, sie wer­den noch an­de­re Ent­de­ckun­gen ma­chen. (40)

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Je n’ajouterai pas ce qu’a pu me dire nom­mé­ment Sou­ry sur le mode dont il pen­se l’enseignement, c’est une af­fai­re où je pen­se qu’à suiv­re mon ex­emp­le, ce­lui que j’ai qua­li­fié tout à l’heure, il s’en ac­quit­te­ra cer­tai­ne­ment aus­si bien que je puis le fai­re, c’est-à-dire de la même fa­çon scabreu­se. (24)

Ich wer­de nicht hin­zu­fü­gen, was mir vor al­lem Sou­ry über die Art und Wei­se sa­gen konn­te, wie er die Leh­re denkt, das ist eine Sa­che, von der ich glau­be, dass er, so­fern er mei­nem Bei­spiel folgt, wie ich es vor­hin ge­kenn­zeich­net habe, da­mit ge­wiss eben­so gut zu­recht­kom­men wird, wie ich es kann, das heißt, auf die­sel­be ris­kan­te Wei­se. (40)

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Mais que ceci puis­se être con­quis d’une tel­le trou­vail­le… je ne sais pas d’ailleurs si spé­cia­le­ment cet­te trou­vail­le a été con­qui­se dans le dia­lo­gue …que le dia­lo­gue s’avère fé­cond spé­cia­le­ment dans ce do­mai­ne, c’est tout à fait – je puis dire – ce que con­fir­me qu’il m’a man­qué à moi. (24)

Aber dass dies er­reicht wer­den kann, eine sol­che Ent­de­ckung – ich weiß üb­ri­gens nicht, ob ge­ra­de die­se Ent­de­ckung im Dia­log ge­macht wor­den ist –, dass sich der Dia­log spe­zi­ell in die­sem Be­reich als frucht­bar er­weist, das ist, so kann ich wohl sa­gen, ge­nau die Be­stä­ti­gung da­für, dass er mir ge­fehlt hat. (40)

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Je veux dire que pen­dant ces deux mois où je me suis ach­ar­né à trou­ver ce qua­triè­me nœud à trois et la fa­çon dont aux deux au­tres… aux trois au­tres, il pou­vait se nou­er bor­ro­méen­ne­ment, je le ré­pè­te, c’est as­su­ré­ment que je l’ai cher­ché seul, je veux dire en es­pé­rant dans ma co­gi­ta­ti­on. (24)

Ich will sa­gen, dass ich ihn wäh­rend die­ser bei­den Mo­na­te, in de­nen ich mich da­mit ab­ge­müht habe, die­sen vier­ten Drei­er­kno­ten zu fin­den und die Art und Wei­se, in der er sich mit den zwei an­de­ren, den drei an­de­ren bor­ro­mä­isch ver­knüp­fen könn­te – ich wie­der­ho­le es –, das war si­cher­lich des­halb so, weil ich ihn al­lein ge­sucht habe, ich will sa­gen, auf mein Denk­ver­mö­gen hof­fend. (40 f. )

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Qu’importe, je n’insiste pas. (24)

Was soll‘s, ich be­har­re nicht drauf. (41)

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Il est temps de dire en quoi cet­te re­cher­che m’importait. (24)

Es ist an der Zeit zu sa­gen, war­um die­se Su­che mir wich­tig war. (41)

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[50] Cet­te re­cher­che m’importait ex­trê­me­ment pour la rai­son sui­v­an­te : les trois cer­cles du nœud bor­ro­méen ont ceci qui ne peut man­quer d’être re­te­nu, c’est qu’ils sont – à tit­re de cer­cles – tous trois équi­va­lents, je veux dire qu’ils sont con­sti­tués de quel­que cho­se qui se re­pro­du­it dans les trois. (24)

Die­se Su­che war mir aus dem fol­gen­den Grund über­aus wich­tig: die drei Krei­se des bor­ro­mäi­schen Kno­tens zeich­nen sich durch et­was aus, was man nicht um­hin kann fest­zu­stel­len, dass sie näm­lich als Krei­se alle drei äqui­va­lent sind, ich will sa­gen, dass sie aus et­was ge­bil­det sind, das sich in al­len drei­en re­pro­du­ziert. (41)

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Ce n’est pas par ha­sard que je sup­por­te de l’Imaginaire, spé­cia­le­ment… c’est le ré­sul­tat d’une cer­tai­ne, di­sons con­cen­tra­ti­on… que ce soit dans l’Imaginaire que je met­te le sup­port de ce qui est la con­si­s­tan­ce, de même, que ce soit le trou que je fas­se l’essentiel de ce qu’il en est du Sym­bo­li­que et que, en rai­son du fait que le Réel, jus­tement de la li­ber­té de ces deux, de ce que l’Imaginaire et le Sym­bo­li­que… c’est la dé­fi­ni­ti­on même du nœud bor­ro­méen… so­i­ent li­bres l’un de l’autre, que je sup­por­te ce que j’appelle l’ex-sistence, spé­cia­le­ment du Réel, en ce sens qu’à sis­ter hors de l’Imaginaire et du Sym­bo­li­que, il co­gne, il joue tout spé­cia­le­ment dans quel­que cho­se qui est de l’ordre de la li­mi­ta­ti­on. (24)

Es ist kein Zu­fall, dass ich mit dem Ima­gi­nä­ren spe­zi­ell das stüt­ze – das ist das Er­geb­nis ei­ner ge­wis­sen, sa­gen wir, Kon­zen­tra­ti­on –, dass es das Ima­gi­nä­re ist, wor­aus ich den Trä­ger der Kon­sis­tenz ma­che, und eben­so, dass ich aus dem Loch das We­sent­li­che des­sen ma­che, wor­um es beim Sym­bo­li­schen geht, und dass auf­grund der Tat­sa­che, dass das Rea­le ge­ra­de auf­grund der Frei­heit die­ser bei­den, auf­grund des­sen, dass das Ima­gi­nä­re und das Sym­bo­li­sche – das ist ja die De­fi­ni­ti­on des bor­ro­mäi­schen Kno­tens – von­ein­an­der un­ab­hän­gig sind, dass ich das zum Trä­ger des­sen ma­che, was ich die Ex-sis­tenz nen­ne, spe­zi­ell die des Rea­len, in dem Sin­ne, dass es, als au­ßer­halb des Ima­gi­nä­ren und des Sym­bo­li­schen sis­tie­rend, dar­an an­stößt, dass es ins­be­son­de­re in et­was hin­ein­spielt, was der Be­gren­zung zu­zu­ord­nen ist. (41)

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Les deux au­tres – à par­tir du mo­ment où il est bor­ro­méen­ne­ment noué – les deux au­tres lui ré­sis­tent. (25)

Die bei­den an­de­ren, so­bald es bor­ro­mä­isch mit ih­nen ver­knüpft ist, die bei­den an­de­ren leis­ten ihm Wi­der­stand. (41)

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C’est dire que le Réel n’a d’ex-sistence… et c’est bien éton­nant que je le for­mu­le ain­si… n’a d’ex-sistence qu’à ren­con­trer, du Sym­bo­li­que et de l’Imaginaire, l’arrêt. (25)

Das be­sagt, dass das Rea­le nur Ex-sis­tenz hat – und es ist ziem­lich er­staun­lich, dass ich es so for­mu­lie­re –, nur Ex-sis­tenz hat, in­dem es auf die Sper­re des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren trifft. (41)

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Bien sûr, n’est-ce pas là un fait de simp­le ha­sard. (25)

Ge­wiss ist dies nicht ein Fak­tum des ein­fa­chen Zu­falls. (41)

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Il faut en dire au­tant des deux au­tres. (25)

Von den bei­den an­de­ren muss man das glei­che sa­gen. (41)

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C’est en tant qu’il ex-sis­te au Réel que l’Imaginaire ren­cont­re aus­si le heurt qui ici se sent mieux. (25)

In­so­fern es dem Rea­len ex-sis­tiert, trifft das Ima­gi­nä­re eben­falls auf das Hin­der­nis, das hier bes­ser zu spü­ren ist. (41)

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Pour­quoi dès lors, mets-je cet­te ex-sis­tence, pré­cis­é­ment là où elle peut sem­bler la plus pa­ra­doxa­le ? (25)

War­um also set­ze ich die­se Ex-sis­tenz ge­ra­de da an, wo sie am pa­ra­do­xes­ten er­schei­nen kann? (41)

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C’est qu’il me faut bien ré­par­tir ces trois mo­des et que c’est jus­tement d’ex-sister que se sup­por­te la pen­sée du Réel. (25)

Aus dem Grund, weil ich eben die­se drei Modi auf­tei­len muss, und weil sich das Den­ken des Rea­len ge­ra­de auf das Ex-sis­tie­ren stützt. (41)

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Mais qu’en ré­sul­te-t-il, si ce n’est qu’il nous faut – ces trois ter­mes – les con­ce­voir com­me se re­joi­gnant l’un à l’autre ? (25)

Aber was folgt dar­aus, wenn nicht dies, dass wir die­se drei Ter­me als in­ein­an­der über­ge­hend auf­fas­sen müs­sen? (41)

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S’ils sont si ana­lo­gues, c’est ex­ac­te­ment que – pour em­ploy­er ce ter­me – est-ce qu’on ne peut pas sup­po­ser que ce soit d’une con­ti­nuité ? (25)

Wenn sie so ana­log sind, ist das ge­nau dies, dass – um die­sen Aus­druck zu ver­wen­den –, kann man dann nicht an­neh­men, dass es sich um eine Kon­ti­nui­tät han­delt? (41 f. )

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Et c’est là ce qui nous mène tout droit à fai­re le nœud à trois, car il n’y a pas beau­coup d’effort à com­mett­re pour… de la fa­çon dont ils s’équilibrent, se su­per­po­sent… joind­re les points de la mise à plat qui d’eux fe­ront con­ti­nuité. (25)

Und eben dies führt uns ge­ra­de­wegs dazu, den Drei­er­kno­ten zu bil­den, denn man muss kei­ne gro­ßen An­stren­gun­gen ma­chen, um – aus­ge­hend von der Wei­se, wie sie sich aus­ba­lan­cie­ren, sich über­la­gern – die­je­ni­gen Punk­te der Plät­tung zu ver­bin­den, die dar­aus eine  Kon­ti­nui­tät ma­chen. (42)

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Mais alors, qu’en ré­sul­te-t-il ? (25)

Aber was folgt nun dar­aus? (42)

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Qu’en ré­sul­te-t-il pour ce que de nœud, quel­que cho­se qu’il faut bien ap­pe­ler de l’ordre du su­jet… pour au­tant que le su­jet n’est ja­mais que sup­po­sé… ce qui de l’ordre du su­jet dans ce nœud à trois, se trouve en som­me sup­por­té ? (25)

Was folgt dar­aus, da­mit vom Kno­ten et­was, das man als zur Ord­nung des Sub­jekts ge­hö­rend be­zeich­nen muss, in­so­fern das Sub­jekt im­mer nur un­ter­stellt ist, da­mit et­was von der Ord­nung des Sub­jekts sich letzt­lich als von die­sem Drei­er­kno­ten ge­stützt er­weist? (42)

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Est-ce à dire que si le nœud à trois se | [51] noue lui-même bor­ro­méen­ne­ment – au mo­ins à trois – cela nous suf­fi­se ? (25)

Heißt das, wenn der Drei­er­kno­ten selbst bor­ro­mä­isch ver­knüpft wird, min­des­tens zu drei­en, dass uns das reicht? (42)

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C’est jus­tement sur ce point que ma ques­ti­on por­tait. (25)

Ge­nau auf die­sen Punkt be­zog sich mei­ne Fra­ge. (42)

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Borromäische Kette

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen, als Ket­te an­ge­ord­net

Dans une fi­gu­re, une chaî­ne bor­ro­méen­ne, est-ce que il ne nous ap­pa­raît pas que le mi­ni­mum est tou­jours con­sti­tué par un nœud à quat­re ? (25)

In ei­ner Fi­gur, ei­ner bor­ro­mäi­schen Ket­te, wird uns da nicht deut­lich, dass das Mi­ni­mum im­mer durch ei­nen Vie­rer­kno­ten ge­bil­det wird?4 (42)

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Je veux dire que c’est à ti­rer cet­te cor­de ver­te pour que vous vous aper­ce­viez que le cer­cle noir, ici noué avec la cor­de rouge, sera… en étant tiré par cet­te cor­de bleue …sera, ma­ni­fes­te­ra, la for­me sen­si­ble d’une chaî­ne bor­ro­méen­ne. (25)

Ich will sa­gen, wenn Sie an der grü­nen Schnur zie­hen, wer­den Sie be­mer­ken, dass der schwar­ze Kreis, der hier mit der ro­ten Schnur ver­knüpft ist, dass er, in­dem er von der blau­en Schnur ge­zo­gen wird, dass er die wahr­nehm­ba­re Form ei­ner bor­ro­mäi­schen Ket­te auf­wei­sen wird. (42)

(In der Sta­fer­la-Ver­si­on fin­det man hier­zu das ne­ben­ste­hen­de  Bild. Ich sehe nicht, wie durch Zie­hen des grü­nen Fa­dens – ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den – die Kon­fi­gu­ra­ti­on ver­än­dert und die Ge­stalt ei­ner Ket­te er­zeugt wer­den kann. In Ver­si­on Mil­ler 2005 fin­det man das­sel­be Dia­gramm; die Far­ben wer­den et­was an­ders ver­teilt, aber auch hier ist der grü­ne Fa­den, an dem ge­zo­gen wer­den soll, eine un­end­li­che Ge­ra­de.)

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Il sem­ble que le mo­ins qu’on puis­se at­tendre de cet­te chaî­ne bor­ro­méen­ne, c’est ce rap­port de un à trois au­tres. (25)

Es scheint, das min­des­te, was man von die­ser bor­ro­mäi­schen Ket­te er­war­ten kann, das ist die­ses Ver­hält­nis von ei­nem zu drei an­de­ren. (42)

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Et si nous sup­po­sons – com­me nous en avons là la preuve – si nous pen­sons ef­fec­tive­ment qu’un nœud à trois… car ce­lui-là n’est pas mo­ins un nœud à trois : …que ces nœuds se com­po­se­ront bor­ro­méen­ne­ment l’un avec l’autre, nous au­rons, | [52] nous tou­che­rons ceci : que c’est tou­jours de trois sup­ports – que nous ap­pel­le­rons en l’occasion sub­jec­tifs, c’est-à-dire per­son­nels – qu’un qua­triè­me pren­dra ap­pui, et si vous vous sou­ve­nez du mode sous le­quel j’ai in­tro­du­it ce quart élé­ment… cha­cun des au­tres est sup­po­sé con­sti­tu­er quel­que cho­se de per­son­nel au re­gard de ces trois élé­ments… le quart sera ce que j’énonce cet­te an­née com­me le sin­t­home. (26)

Und wenn wir an­neh­men, wo­für wir ja hier den Be­weis ha­ben, wenn wir tat­säch­lich den­ken, dass ein Drei­er­kno­ten – denn die­ser hier ist nicht min­der ein Drei­er­kno­ten –, dass sich die­se Kno­ten bor­ro­mä­isch mit­ein­an­der ver­bin­den, dann wird für uns greif­bar, dass sich auf drei Trä­ger, die wir hier sub­jek­ti­ve nen­nen wol­len, das heißt per­sön­li­che, im­mer ein vier­ter stüt­zen wird, und wenn Sie sich an den Mo­dus er­in­nern, in dem ich die­ses vier­te Ele­ment ein­ge­führt habe, so wird je­dem der drei an­de­ren un­ter­stellt, et­was Per­sön­li­ches zu bil­den im Hin­blick auf die­se drei Ele­men­te; das vier­te wird das sein, was ich die­ses Jahr als das Sin­t­hom ar­ti­ku­lie­re. (42 f. )

Ce n’est pas pour rien que j’ai écrit ces cho­ses dans un cer­tain ord­re : R.S.I, S.I.R, I.R.S, c’est bien à quoi répon­dait mon tit­re de l’année der­niè­re. (26)

An der Ta­fel

R.….…..S.….…..I

S.….……I.….…..R

I.….….…R.….….S

Ich habe die­se Din­ge nicht ohne Grund in ei­ner be­stimm­ten Ord­nung ge­schrie­ben: RSI, SIR, IRS, eben dem ent­sprach mein Ti­tel vom letz­ten Jahr.5 (43)

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C’est qu’aussi bien, les mê­mes Sou­ry et Tho­mé, j’y ai déjà fait al­lu­si­on ex­pres­sé­ment dans ce sé­min­aire …ont mis en val­eur que pour ce qui en est des nœuds bor­ro­méens en ques­ti­on, à par­tir du mo­ment où ils sont ori­en­tés et co­lo­riés, il y en a deux de na­tu­re dif­fé­ren­te. (26)

Die­se bei­den, Sou­ry und Tho­mé – ich habe mich in die­sem Se­mi­nar be­reits aus­drück­lich dar­auf be­zo­gen –, ha­ben au­ßer­dem her­aus­ge­ar­bei­tet, dass es hin­sicht­lich der in Fra­ge ste­hen­den bor­ro­mäi­schen Kno­ten, so­bald sie so­wohl ori­en­tiert als auch ein­ge­färbt sind, zwei von un­ter­schied­li­cher Na­tur gibt. (43)

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Qu’est-ce à dire ? (26)

Was heißt das? (43)

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Dans la mise à plat, déjà on peut le mett­re en val­eur. (26)

An der Plät­tung kann man das be­reits deut­lich ma­chen. (43)

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Ici, j’abrège, je vous in­di­que seu­le­ment dans quel sens en fai­re l’épreuve. (26)

Ich kür­ze hier ab, ich zei­ge Ih­nen nur die Rich­tung an, in der das zu un­ter­su­chen wäre. (43)

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Je vous ai dit l’équivalence de ces trois cer­cles, de ces trois ronds de ficel­le. (26)

Ich habe Sie auf die Äqui­va­lenz die­ser drei Krei­se hin­ge­wie­sen, die­ser drei Fa­den­rin­ge. (43)

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Il est re­mar­quable que ce soit seu­le­ment à ce que, non pas ent­re eux que soit mar­quée l’identité d’aucun… car l’identité, ça se­rait les mar­quer par la lett­re in­itia­le, dire R, I et S, c’est déjà les in­ti­tu­ler cha­cun, cha­cun com­me tel du Réel, du Sym­bo­li­que et de l’Imaginaire …mais il est no­ta­ble qu’il ap­pa­rais­se que ce qui se dis­tin­gue ent­re eux, d’efficace dans l’orientation ne soit re­pé­ra­ble que de ce que soit par la cou­leur mar­quée leur dif­fé­rence – non pas de l’un à l’autre, mais leur dif­fé­rence, si je puis dire ab­so­lue, en ce qu’elle est la | [53] dif­fé­rence com­mu­ne aux trois. (26)

Es ist be­mer­kens­wert, dass erst wenn un­ter ih­nen, nicht die Iden­ti­tät ei­nes je­den be­zeich­net wür­de – denn Iden­ti­tät wür­de be­deu­ten, sie mit der In­itia­le zu be­zeich­nen: zu sa­gen R, I und S, das heißt be­reits, je­den von ih­nen als sol­chen zu be­ti­teln, je­den als den des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren –, aber es ist be­mer­kens­wert, dass deut­lich wird, dass das, wor­in sie sich hin­sicht­lich der Ori­en­tie­rung ef­fek­tiv un­ter­schei­den, nur dar­an fest­stell­bar ist, dass ihre Dif­fe­renz durch die Far­be be­zeich­net ist, und zwar nicht zwi­schen zwei­en, son­dern durch ihre, wenn ich so sa­gen darf, ab­so­lu­te Dif­fe­renz, in­so­fern sie eine den drei­en ge­mein­sa­me Dif­fe­renz ist. (43 f.)

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C’est pour qu’il y ait quel­que cho­se qui est un… mais qui, com­me tel, mar­que la dif­fé­rence ent­re les trois, et non pas la dif­fé­rence à deux …qu’il ap­pa­raît en con­séquence la dis­tinc­tion de deux struc­tures de nœuds bor­ro­méens. (26)

In­so­fern es et­was gibt, das ei­nes ist, das aber als sol­ches die Dif­fe­renz zwi­schen den drei­en kenn­zeich­net – und nicht die paar­wei­se Dif­fe­renz –, er­scheint als Kon­se­quenz die Un­ter­schei­dung zwi­schen zwei Struk­tu­ren von bor­ro­mäi­schen Kno­ten. (44)

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Le­quel est le vrai, est le vrai au re­gard de ce qu’il en est de la fa­çon dont se noue l’Imaginaire, le Sym­bo­li­que et le Réel dans ce qui sup­por­te le su­jet ? (26)

Wel­che ist die wah­re, die wah­re im Hin­blick auf die Wei­se, wie – in dem, wo­von das Sub­jekt ge­tra­gen wird – das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le ver­knüpft sind? (44)

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Voi­là la ques­ti­on qui mé­ri­te d’être in­ter­ro­gée, qu’on se re­por­te à mes pré­cé­den­tes al­lu­si­ons à cet­te dua­lité du nœud bor­ro­méen pour l’apprécier, car je n’ai pu aujourd’hui que l’évoquer un in­stant. (26)

Das ist die Fra­ge, die es ver­dient, be­fragt zu wer­den; um die Fra­ge ab­zu­schät­zen, be­zie­he man sich auf mei­ne frü­he­ren Hin­wei­se auf die Dua­li­tät des bor­ro­mäi­schen Kno­tens, denn heu­te konn­te ich sie nur kurz an­spre­chen. (44)

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Il y a quel­que cho­se de re­mar­quable, c’est que le nœud à trois par cont­re, ne por­te pas trace de cet­te dif­fé­rence. (26)

Es gibt et­was Be­mer­kens­wer­tes, näm­lich dass im Ge­gen­satz hier­zu der Drei­er­kno­ten kei­ne Spur die­ser Dif­fe­renz auf­weist. (44)

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Dans le nœud à trois, c’est-à-dire dans le fait que nous met­tons l’Imaginaire, le Sym­bo­li­que et le Réel en con­ti­nuité, on ne s’étonnera pas que nous y voy­ions qu’il n’y a qu’un seul nœud à trois. (26)

Beim Drei­er­kno­ten, das heißt bei der Tat­sa­che, dass wir das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le in Kon­ti­nui­tät brin­gen, wird man nicht er­staunt sein, dass wir hier se­hen, dass es nur ei­nen ein­zi­gen Drei­er­kno­ten gibt. (44)

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J’espère que il y en a ici suf­fi­sam­ment qui pren­nent des no­tes, car ceci est im­portant, im­portant pour vous sug­gé­rer d’aller vé­ri­fier ce dont il s’agit, à sa­voir nom­mé­ment que du nœud à trois… qui ho­mo­gé­néi­se le nœud bor­ro­méen …il y en a par cont­re qu’une es­pè­ce. (26)

Ich hof­fe, dass ge­nü­gend Leu­te hier sind, die sich No­ti­zen ma­chen, denn dies ist wich­tig, wich­tig um Ih­nen vor­zu­schla­gen, zu über­prü­fen, wor­um es geht, näm­lich dar­um, dass es hin­ge­gen vom Drei­er­kno­ten, der den bor­ro­mäi­schen Kno­ten ho­mo­ge­ni­siert, nur eine Art gibt. (44)

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Est-ce à dire que ce soit vrai ? (26)

Heißt das, dass das wahr ist?6  (44)

Linkshändiger Kleeblattknoten

Links­dre­hen­der Klee­blatt­kno­ten

Rechtshändige Kleeblattschlinge

Rechts­dre­hen­der Klee­blatt­kno­ten

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Cha­cun sait que de nœud à trois, il y en a deux. (26)

Je­der weiß, dass es vom Drei­er­kno­ten zwei gibt. (44)

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Il y en a deux se­lon qu’il est dex­tro­gy­re ou lé­vo­gy­re. (26)

Es gibt zwei, je nach­dem, ob er rechts- oder links­dre­hend ist. (44)

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C’est donc là un pro­blè­me que je vous pose : quel est le lien ent­re ces deux es­pè­ces de nœuds bor­ro­méens et les deux es­pè­ces de nœuds à trois ? (26)

Hier gibt es also ein Pro­blem, das ich Ih­nen stel­le: wor­in be­steht die Ver­bin­dung zwi­schen die­sen bei­den Ar­ten von bor­ro­mäi­schen Kno­ten und den bei­den Ar­ten von Drei­er­kno­ten? (44)

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Quoiqu’il en soit, si le nœud à trois est bien le sup­port de tou­te es­pè­ce de su­jet, com­ment l’interroger, com­ment l’interroger de tel­le sor­te que ce soit bien d’un su­jet qu’il s’agisse ? (26)

Wie dem auch sei, wenn der Drei­er­kno­ten wirk­lich der Trä­ger für jede Art von Sub­jekt ist, wie kann er be­fragt wer­den, wie kann er so be­fragt wer­den, dass es wirk­lich ein Sub­jekt ist, um das es geht? (44)

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Il fut un temps ou j’avançais dans une cer­tai­ne voie, avant que je ne sois sur la voie de l’analyse, c’est ce­lui de pa­ra­noïaque dans ses rap­ports – di­sais-je  avec la per­son­na­lité. (26)

Es gab eine Zeit, da ich auf ei­nem be­stimm­ten Weg vor­an­ge­schrit­ten bin, be­vor ich mich auf dem Weg der Ana­ly­se be­fand, das war die Zeit mei­ner Dis­ser­ta­ti­on Von der pa­ra­noi­schen Psy­cho­se in ih­ren Be­zie­hun­gen, so sag­te ich, zur Per­sön­lich­keit. (44)

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Si j’ai si long­temps ré­sis­té à la re­pu­bli­ca­ti­on de ma thè­se, c’est sim­ple­ment pour ceci : c’est que la psy­cho­se pa­ra­noïaque et la per­son­na­lité – com­me tel­le – n’ont pas de rap­port, sim­ple­ment pour ceci : c’est par­ce que c’est la même cho­se. (27)

Lacan - De la psychose paranoiaque

Ta­schen­buch­aus­ga­be Seuil, Pa­ris 1980

Wenn ich ge­gen die Wie­der­ver­öf­fent­li­chung mei­ner Dis­ser­ta­ti­on so lan­ge Wi­der­stand ge­leis­tet habe, so liegt das ein­fach dar­an, dass die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se und die Per­sön­lich­keit als sol­che nicht in ei­ner Be­zie­hung zu­ein­an­der ste­hen, ein­fach aus dem Grun­de, weil das das­sel­be ist.7  (44 f.)

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En tant qu’un su­jet noue à trois l’Imaginaire, le Sym­bo­li­que et le Réel, il n’est sup­por­té que de leur con­ti­nuité. (27)

Wenn ein Sub­jekt das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le zu drei­en ver­knüpft, wird es nur von ih­rer Kon­ti­nui­tät ge­tra­gen. (45)

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L’Imaginaire, le Sym­bo­lique et le Réel sont une seu­le et même con­si­s­tan­ce, et c’est en cela que con­sis­te la psy­cho­se pa­ra­noïaque. (27)

Kleeblattknoten in drei Farben für RSI

Klee­blatt­kno­ten in drei Far­ben für RSI

Das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le sind ein und die­sel­be Kon­sis­tenz, und eben dar­in be­steht die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se. (45)

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À bien en­tendre ce que j’énonce aujourd’hui, on pour­rait en dé­du­i­re qu’à trois pa­ra­noïaques pour­rait être noué… au tit­re de sym­ptô­me …un | [54] qua­triè­me ter­me qui se si­tu­er­ait com­me tel com­me per­son­na­lité, en tant qu’elle-même elle se­rait – au re­gard des trois per­son­na­lités pré­cé­den­tes – dis­tinc­te, et leur sym­ptô­me. (27)

Wenn man das, was ich heu­te sage, rich­tig ver­steht, könn­te man dar­aus ab­lei­ten, dass an drei Pa­ra­noi­ker ein vier­ter Term als Sym­ptom ge­knüpft wer­den könn­te, der als sol­cher in­so­fern als Per­sön­lich­keit zu ver­or­ten wäre, als sie selbst von den vor­an­ge­hen­den drei Per­sön­lich­kei­ten un­ter­schie­den und ihr Sym­ptom wäre. (45)

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Est-ce à dire qu’elle se­rait pa­ra­noïaque elle aus­si ? (27)

Heißt das, dass auch sie pa­ra­no­isch wäre? (45)

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Rien ne l’indique dans le cas qui est plus que pro­bable, qui est cer­tain …où c’est d’un nom­bre in­dé­fi­ni de nœuds à trois qu’une chaî­ne bor­ro­méen­ne peut être con­sti­tuée. (27)

Nichts weist dar­auf hin in dem Fall, der mehr als wahr­schein­lich ist, der ge­wiss ist, in dem aus ei­ner un­be­grenz­ten An­zahl von Drei­er­kno­ten eine bor­ro­mäi­sche Ket­te ge­bil­det wer­den kann. (45)

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Ce qui n’empêche pas que, au re­gard de cet­te chaî­ne… qui dès lors ne con­sti­tue plus une pa­ra­noïa, si ce n’est qu’elle est com­mu­ne …au re­gard de cet­te chaî­ne, la flo­cu­la­ti­on pos­si­ble de quarts ter­mes… dans cet­te tres­se qui est la tres­se sub­jec­tive …la flo­cu­la­ti­on pos­si­ble, ter­mi­na­le, de quarts ter­mes nous lais­se la pos­si­bi­lité de sup­po­ser que sur la to­ta­lité de la tex­tu­re, il y a cer­ta­ins points élus qui – de ce nœud à quat­re – se trou­vent le ter­me. (27)

Was nicht ver­hin­dern, dass uns im Hin­blick auf die­se Ket­te, die von da an kei­ne Pa­ra­noia mehr bil­det, es sei denn eine all­ge­mei­ne, die mög­li­che Aus­flo­ckung des vier­ten Terms in die­sem Zopf, dem sub­jek­ti­ven Zopf, die mög­li­che End­aus­flo­ckung des vier­ten Terms die Mög­lich­keit lässt an­zu­neh­men, dass es über die Ge­samt­heit der Tex­tur be­stimm­te aus­ge­wähl­te Punk­te gibt, die sich als End­punkt die­ses Vie­rer­kno­tens her­aus­stel­len. (45)

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Et c’est bien en cela que con­sis­te, à pro­pre­ment par­ler le sin­t­home, et le sin­t­home non pas en tant qu’il est per­son­na­lité, mais qu’au re­gard de trois au­tres, il se spé­ci­fie d’être sin­t­home et né­v­ro­tique. (27)

Und ge­nau dar­in be­steht im ei­gent­li­chen Sin­ne das Sin­t­hom, und zwar das Sin­t­hom, nicht in­so­fern es Per­sön­lich­keit ist, son­dern in­so­fern es, im Hin­blick auf die drei an­de­ren, als Sin­t­hom und als neu­ro­tisch be­stimmt ist. (45)

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Borromäischer Viererknoten - als Zopf - MillerEt c’est en cela qu’un aper­çu nous est don­né sur ce qu’il en est de l’inconscient : c’est en tant que le sin­t­home le spé­ci­fie, qu’il y a un ter­me qui s’y rat­ta­che plus spé­cia­le­ment qui, au re­gard de ce qu’il en est du sin­t­home, a un rap­port pri­vilé­gié, de même qu’ici dans le nœud à trois noué bor­ro­méen­ne­ment à quat­re : vous voy­ez qu’il y a une ré­pon­se par­ti­cu­liè­re du rouge au brun [vert], de même qu’il y a une ré­pon­se par­ti­cu­liè­re du vert [bleu] au noir. (27)

Und in­so­fern er­gibt sich für uns ein Hin­weis dar­auf, was es mit dem Un­be­wuss­ten auf sich hat: in­so­fern es vom Sin­t­hom spe­zi­fi­ziert wird, gibt es ei­nen Term, der sich in be­son­de­rer Wei­se an es hängt, der eine pri­vi­le­gier­te Be­zie­hung hin­sicht­lich des­sen un­ter­hält, was es mit dem Sin­t­hom auf sich hat, eben­so wie Sie hier, im bor­ro­mä­isch zu vie­ren ge­knüpf­ten Drei­er­kno­ten se­hen, dass es eine be­son­de­re Ant­wort von Rot auf Braun [Grün] gibt, eben­so wie es eine be­son­de­re Ant­wort von Grün [Blau] auf Schwarz gibt. (45 f.)

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Borromäischer Knoten 2 + 2

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen

[55] C’est en tant que l’un des deux cou­ples se dis­tin­gue de ce nœud spé­ci­fi­que avec une aut­re cou­leur… pour re­prend­re le ter­me dont je me ser­vais tout à l’heure …c’est en tant qu’il y un lien du sin­t­home à quel­que cho­se de par­ti­cu­lier dans cet en­sem­ble à quat­re : c’est – pour tout dire – pour au­tant qu’il y a ce lien… on ne sait pas si c’est ce­lui-ci ou ce­lui-là …c’est pour au­tant que nous avons un coup­le rouge-vert ici à gau­che, bleu-rouge ici à droi­te, que nous avons coup­le, et que c’est en tant que le sin­t­home se re­lie à l’Inconscient, et que l’Imaginaire se lie au Réel, que nous avons af­fai­re à quel­que cho­se dont sur­git le sin­t­home. (27)

In­so­fern ei­nes der bei­den Paa­re sich von die­sem spe­zi­fi­schen Kno­ten mit ei­ner an­de­ren Far­be un­ter­schei­det – um den Ter­mi­nus wie­der auf­zu­neh­men, des­sen ich mich vor­hin be­dient habe: in­so­fern es eine Ver­bin­dung des Sin­t­homs mit et­was Be­son­de­rem in die­sem Vie­rer­en­sem­ble gibt, das heißt, um es klar zu sa­gen, in­so­fern es die­se Ver­bin­dung gibt – man weiß nicht, ob es die­se hier oder jene dort ist –, in­so­fern wir ein rot-grü­nes Paar hier links ha­ben und ein blau-ro­tes (blau-schwar­zes) hier rechts, in­so­fern wir Paar ha­ben, und in­so­weit das Sin­t­hom mit dem Un­be­wuss­ten ver­bun­den ist und sich das Ima­gi­nä­re an das Rea­le bin­det, ha­ben wir es mit et­was zu tun, aus dem das Sin­t­hom auf­taucht. (46)

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Voi­là les cho­ses dif­fi­ci­les que je vou­lais, pour vous, énon­cer aujourd’hui. (28)

Das sind die schwie­ri­gen Din­ge, die ich heu­te für Sie an­spre­chen woll­te.

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As­su­ré­ment, ceci mé­ri­te le com­plé­ment, le com­plé­ment de la rai­son pour­quoi ici j’ai en quel­que sor­te ou­vert le nœud à trois, pour­quoi j’en ai don­né la for­me que vous voy­ez ici : qui n’est pas cel­le qui se trouve des­si­née de la fa­çon que vous voy­ez en bas, cir­cu­lai­re. (28)

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Klee­blatt­kno­ten des Sub­jekts (Aus­schnitt)

Ge­wiß ver­dient dies die Er­gän­zung, die Er­gän­zung des Grun­des, aus dem ich hier den Drei­er­kno­ten ge­wis­ser­ma­ßen ge­öff­net habe, war­um ich sei­ne Ge­stalt hier so dar­ge­stellt habe, wie Sie sie hier se­hen, die nicht die­je­ni­ge ist, wel­che in der Art ge­zeich­net ist, die Sie hier un­ten se­hen: kreis­för­mig.8 (46)

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Elle ré­sul­te de ceci : c’est qu’au re­gard de ce champ, que j’ai déjà ici noté de JȺ, il s’agit de la jouis­sance, de la jouis­sance, non pas de l’Autre, au tit­re de ceci que j’ai énon­cé : qu’il n’y a pas d’Autre de l’Autre, qu’au Sym­bo­li­que – lieu de l’Autre com­me tel – rien n’est op­po­sé, | [56] qu’il n’y a pas de jouis­sance de l’Autre en ceci qu’il n’y a pas d’Autre de l’Autre, et que c’est ce que veut dire cet A bar­ré (Ⱥ). (28)

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen KopieSie er­gibt sich dar­aus, dass es sich, hin­sicht­lich die­ses Fel­des, das ich be­reits als JȺ no­tiert habe, um das Ge­nie­ßen han­delt, das Ge­nie­ßen nicht des An­de­ren, in be­zug auf den ich ge­sagt habe, dass es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt, dass dem Sym­bo­li­schen, dem Ort des An­de­ren als sol­chem, nichts ent­ge­gen­ge­setzt ist, dass es kein Ge­nie­ßen des An­de­ren gibt, in­so­fern es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt, und dass es das ist, was die­ses durch­ge­stri­che­ne A be­deu­tet, Ⱥ. (46)

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Il en ré­sul­te qu’ici JȺ : cet­te jouis­sance de l’Autre de l’Autre qui n’est pas pos­si­ble pour la simp­le rai­son qu’il n’y en a pas. (28)

Dar­aus er­gibt sich, dass hier JȺ, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren des An­de­ren, das nicht mög­lich ist, aus dem ein­fa­chen Grund, dass es kei­nen gibt. (46)

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Dès lors ce qui en ré­sul­te est ceci : que seul res­te ce qui se pro­du­it dans le champ de mise à plat du cer­cle du Sym­bo­li­que avec le cer­cle de l’Imaginaire qui est le sens, et que d’autre part, ce qui est ici in­di­qué, fi­gu­ré, c’est le rap­port du Sym­bo­li­que avec le Réel en tant que de lui sort la jouis­sance dite du phal­lus, qui n’est cer­tes pas en elle-même la jouis­sance com­me tel­le pé­ni­en­ne, mais qui… si nous con­s­idé­rons ce qu’il ad­vi­ent au re­gard de l’Imaginaire, c’est-à-dire de la jouis­sance du dou­ble, de l’image spé­cu­lai­re, de la jouis­sance du corps en tant qu’imaginaire …il est le sup­port d’un cer­tain nom­bre de béan­ces, et qu’elle con­sti­tue pro­pre­ment les dif­fér­ents ob­jets qui l’occupent. (28)

Von da­her ist es dies, was dar­aus her­vor­geht: dass al­lein das bleibt, was sich in dem Feld her­stellt, dem Feld der Plät­tung des Krei­ses des Sym­bo­li­schen mit dem Kreis des Ima­gi­nä­ren, näm­lich der Sinn, und dass an­de­rer­seits das, was hier an­ge­zeigt, dar­ge­stellt ist, das Ver­hält­nis des Sym­bo­li­schen zum Rea­len ist, in­so­fern aus ihm das so­ge­nann­te Ge­nie­ßen des Phal­lus her­vor­geht, das ge­wiss nicht selbst schon das auf den Pe­nis be­zo­ge­ne Ge­nie­ßen als sol­ches ist, das aber, wenn wir in Be­tracht zie­hen, was im Hin­blick auf das Ima­gi­nä­re ge­schieht, das heißt auf das Ge­nie­ßen des Dou­bles, des Spie­gel­bil­des, das Ge­nie­ßen des Kör­pers als ima­gi­nä­rem, er ist der Trä­ger ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Klüf­ten, und dass es recht ei­gent­lich die ver­schie­de­nen Ob­jek­te bil­det, die ihn be­set­zen. (46)

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Par cont­re, la jouis­sance dite phal­li­que se si­tue là (JΦ), à la con­jonc­tion du Sym­bo­li­que avec le Réel. (28)

Hin­ge­gen ist das so­ge­nann­te phal­li­sche Ge­nie­ßen (JΦ) hier an­ge­sie­delt, an der Zu­sam­men­fü­gung des Sym­bo­li­schen mit dem Rea­len. (47)

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C’est pour au­tant que chez le su­jet qui se sup­por­te du par­lêt­re… au sens que c’est là ce que je dé­si­gne com­me étant l’Inconscient …il y a… et c’est dans ce champ que la jouis­sance phal­li­que s’inscrit …il y a le pou­voir, le pou­voir en som­me ap­pelé, sup­por­té, le pou­voir de con­joind­re ce qu’il en est d’une cer­tai­ne jouis­sance qui, du fait de cet­te pa­ro­le elle-même, con­joint une jouis­sance… éprou­vée du fait du par­lêt­re …com­me une jouis­sance pa­ra­si­taire, et qui est cel­le dite du phal­lus. (29)

In­so­fern es beim Sub­jekt, das sich auf das Sprech­sein stützt, in dem Sin­ne, dass sich hier das be­fin­det, was ich als das Un­be­wuss­te sei­end be­zeich­ne, gibt es – und in die­ses Feld schreibt sich das phal­li­sche Ge­nie­ßen ein – gibt es die Macht, die ins­ge­samt an­ge­ru­fe­ne, unterstützte/ertragene Macht, die Macht, das zu­sam­men­zu­fü­gen, was es mit ei­nem ge­wis­sen Ge­nie­ßen auf sich hat, die, auf­grund der Tat­sa­che eben die­ses Spre­chens, ein Ge­nie­ßen ver­bin­det, das auf­grund der Tat­sa­che des Sprech­seins als ein pa­ra­si­tä­res Ge­nie­ßen emp­fun­den wird, nämlich das so­ge­nann­te Ge­nie­ßen des Phal­lus. (47)

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C’est bien cel­le que j’inscris ici com­me ba­lan­ce à ce qu’il en est du sens. (29)

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Klee­blatt­kno­ten mit Sinn und JΦ als sich die Waa­ge hal­tend

Das ist das­je­ni­ge, das ich hier auf­schrei­be, als die Waa­ge hal­tend mit dem, was es mit dem Sinn auf sich hat. (47)

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C’est le lieu de ce qui – par le par­lêt­re – est dé­si­gné en con­sci­ence com­me pou­voir. (29)

Es ist der Ort des­sen, was vom Sprech­we­sen im Be­wusst­sein als Macht be­zeich­net wird. (47 f. )

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Ce qui mime… pour con­clu­re sur quel­que cho­se dont je vous ai pro­po­sé la lec­tu­re (Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons) …c’est le fait que les trois ronds par­ti­ci­pent :
– de l’Imaginaire en tant que con­si­s­tan­ce,
– du Sym­bo­li­que en tant que trou,
– et du Réel en tant qu’à eux ex-si­stant. (29)

Das, was die Mi­me­sis voll­zieht, um mit dem zu schlie­ßen, des­sen Lek­tü­re ich Ih­nen vor­ge­schla­gen habe, liegt in der Tat­sa­che be­grün­det, dass die drei Schlin­gen am Ima­gi­nä­ren als Kon­sis­tenz teil­ha­ben, am Sym­bo­li­schen als Loch und am Rea­len als die­sen ex-sis­tie­rend. (48)

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Les trois ronds donc s’imitent. (29)

Die drei Schlin­gen imi­tie­ren sich also. (48)

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[57] Il est d’autant plus dif­fi­ci­le de ce fai­re, qu’ils ne s’imitent pas sim­ple­ment, que du fait du dit, ils se com­po­sent dans un nœud trip­le. (29)

Das zu tun ist umso schwie­ri­ger, als sie sich nicht ein­fach nach­ah­men, als sie sich auf­grund des Er­wähn­ten zu ei­nem Drei­fach­kno­ten zu­sam­men­set­zen. (48)

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D’où mon sou­ci, après avoir fait la trou­vail­le que ce nœud trip­le se nouait à trois bor­ro­méen­ne­ment, j’ai con­sta­té que s’ils se sont con­ser­vés li­bres ent­re eux, un nœud trip­le, jouant dans une plei­ne ap­p­li­ca­ti­on de sa tex­tu­re, ex-sis­te, qui est bel et bien qua­triè­me, et qui s’appelle le sin­t­home. Voi­là ! (29)

Von da­her mei­ne Sor­ge: nach­dem ich den Fund ge­macht hat­te, dass die­ser Drei­fach­kno­ten sich auf bor­ro­mäi­sche Wei­se zu drei­en ver­knüpft, habe ich fest­ge­stellt, dass, wenn sie ge­gen­ein­an­der frei ge­blie­ben sind, ein Drei­fach­kno­ten ex-sis­tiert, der in ei­ner vol­len An­wen­dung sei­ner Tex­tur spielt, der gut und gern der vier­te ist und der „das Sin­t­hom“ heißt. Das wärʼs. (48)

KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vor­trag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den La­can-Zi­ta­ten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Am Ende je­des Le­xi­konein­trags steht ein Pfeil nach un­ten mit der Spit­ze nach links (↩); wenn man ihn an­klickt, kommt man zur ent­spre­chen­den Stel­le der Über­set­zung zurück.

Dreierknoten versus borromäischer Dreierknoten (36)

Zu: „Also, letz­tes Mal habe ich Ih­nen ge­sagt, dass ich für den Drei­er­kno­ten – den Drei­er­kno­ten, den ich so zeich­ne, und bei dem Sie se­hen, dass man ihn aus dem bor­ro­mäi­schen Kno­ten da­durch er­hält, dass man die Schnü­re an die­sen drei Punk­ten, die ich ge­ra­de mar­kiert habe, ver­bin­det –, ich habe Ih­nen ge­sagt, dass ich be­zo­gen auf den Drei­er­kno­ten die Ent­de­ckung ge­macht habe, dass sie sich un­ter­ein­an­der zu dritt bor­ro­mä­isch ver­knüp­fen.“ (36)

Der Text ist et­was ver­wir­rend, da La­can den Klee­blatt­kno­ten als „Drei­er­kno­ten“ be­zeich­net und zwi­schen die­sem Drei­er­kno­ten und dem bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­ten hin und her wech­selt.

Kleeblattschlinge

Klee­blatt­kno­ten oder Drei­er­kno­ten

Drei­er­kno­ten“ meint Klee­blatt­kno­ten, also die rechts ab­ge­bil­de­te Kno­ten­form so­wie de­ren sei­ten­ver­kehr­te Va­ri­an­te.

Sinthom-Seminar 9-12-75 Abb - borromäischer Standardknoten

Bor­ro­mäi­scher Drei­er­kno­ten

Da­von ist zu un­ter­schei­den der „bor­ro­mäi­sche Drei­er­kno­ten“, d.h. der „bor­ro­mäi­sche Kno­ten“ (die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung) aus drei ein­zel­nen Rin­gen (tri­via­len Kno­ten).

Bei den drei Kno­ten des bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­tens kann es sich um Rin­ge han­deln – um „Un­kno­ten“ oder „tri­via­le Kno­ten“, wie die To­po­lo­gen sa­gen. Die drei Kno­ten des bor­ro­mäi­schen Drei­er­kno­tens kön­nen aber auch Klee­blatt­kno­ten sein. Ein bor­ro­mäi­scher Drei­er­kno­ten kann also aus drei Drei­er­kno­ten be­stehen.

Der Haupt­the­ma die­ser Se­mi­nar­sit­zung ist eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Kno­ten (ein „bor­ro­mäi­scher Vie­rer­kno­ten“), bei dem die vier Kno­ten Klee­blatt­kno­ten sind – ein bor­ro­mäi­scher Vie­rer­kno­ten aus vier Drei­er­kno­ten.

Zopf (37)

Zu: „Fak­tisch hat­ten sie es ge­fun­den, und ich hof­fe, kei­nen Irr­tum be­gan­gen zu ha­ben, als ich das tran­skri­biert habe – denn das ist nur eine Tran­skrip­ti­on –, als ich die Frucht ih­rer Ent­de­ckung tran­skri­biert habe, wie ich es auf die­sem zen­tra­len Pa­pier vor­ge­nom­men habe.“ (37)

Zopf einfachLa­can be­zieht sich mit die­ser Be­mer­kung auf das Dia­gramm ei­nes „Zop­fes“. „Zopf“ ist ein Be­griff der To­po­lo­gie. Ein Zopf ist ein Bün­del von of­fe­nen Kur­ven, die mit­ein­an­der ver­schlun­gen sind. Wenn man sich vor­stellt, dass die Kur­ven von oben nach un­ten ver­lau­fen, lie­gen die End­punk­te un­ter den An­fangs­punk­ten, un­ab­hän­gig von der Zu­ord­nung zu ei­ner be­stimm­ten Kur­ve. Da­mit steht ein Zopf im Ge­gen­satz zum Kno­ten – Kno­ten sind ge­schlos­se­ne Kur­ven. Rechts sieht man  das Dia­gramm ei­nes ein­fa­chen Zop­fes.

Zopf­dia­gram­me kön­nen dazu ver­wen­det wer­den, Ver­schlin­gun­gen von Kno­ten dar­zu­stel­len; dazu müs­sen die über­ein­an­der­lie­gen­den End­punk­te mit­ein­an­der ver­bun­den wer­den: der lin­ke obe­re End­punkt mit dem lin­ken un­te­ren End­punkt usw.

Orientierung (43 f.)

Zu: „Die­se bei­den, Sou­ry und Tho­mé – ich habe mich in die­sem Se­mi­nar be­reits aus­drück­lich dar­auf be­zo­gen –, ha­ben au­ßer­dem her­aus­ge­ar­bei­tet, dass es hin­sicht­lich der in Fra­ge ste­hen­den bor­ro­mäi­schen Kno­ten, so­bald sie so­wohl ori­en­tiert als auch ein­ge­färbt sind, zwei von un­ter­schied­li­cher Na­tur gibt. (…) Es ist be­mer­kens­wert, dass erst wenn un­ter ih­nen, nicht die Iden­ti­tät ei­nes je­den be­zeich­net wür­de – denn Iden­ti­tät wür­de be­deu­ten, sie mit der In­itia­le zu be­zeich­nen: zu sa­gen R, I und S, das heißt be­reits, je­den von ih­nen als sol­chen zu be­ti­teln, je­den als den des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren –, aber es ist be­mer­kens­wert, dass deut­lich wird, dass das, wor­in sie sich hin­sicht­lich der Ori­en­tie­rung ef­fek­tiv un­ter­schei­den, nur dar­an fest­stell­bar ist, dass ihre Dif­fe­renz durch die Far­be be­zeich­net ist, und zwar nicht zwi­schen zwei­en, son­dern durch ihre, wenn ich so sa­gen darf, ab­so­lu­te Dif­fe­renz, in­so­fern sie eine den drei­en ge­mein­sa­me Dif­fe­renz ist. (43 f.)

Das Kon­zept der Ori­en­tie­rung der bor­ro­mäi­schen Rin­ge wird von La­can in Se­mi­nar 21 ent­wi­ckelt, in den Sit­zun­gen vom 13. No­vem­ber 1973, 14. Mai und 21. Mai 1974; vgl. au­ßer­dem Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 11. März 1975.

Vgl. hier­zu im Kom­men­tar zur Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975 den Teil „Über Kno­ten“ und dar­in den Ab­schnitt „Ori­en­tie­rung“.

Paranoische Psychose als Kleeblattknoten (45)

Zu: „Wenn ein Sub­jekt das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le zu drei­en ver­knüpft, wird es nur von ih­rer Kon­ti­nui­tät ge­tra­gen. Das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le sind (dann) ein und die­sel­be Kon­sis­tenz, und eben dar­in be­steht die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se.“ (45)

Der Klee­blatt­kno­ten kann so ge­deu­tet wer­den dass er die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se dar­stellt. Er zeigt dann: das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le ge­hen in­ein­an­der über.

Adri­an Pri­ce gibt hier­für ein Bei­spiel:

“Im Klee­blatt­kno­ten ge­hen das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le in­ein­an­der über. Dies führt zur Ent­ste­hung des pa­ra­noi­schen Me­cha­nis­mus, den La­can in Se­mi­nar III be­schrie­ben hat: zu­erst gibt es die Iso­lie­rung ir­gend­ei­nes fes­seln­den Ele­ments im Rea­len (La­can gibt das Bei­spiel ei­nes ro­ten Au­tos, das auf der Stra­ße ge­se­hen wird9); da es auf die­se Wei­se iso­liert wird, nimmt es den Wert ei­nes Si­gni­fi­kan­ten an („das rote Auto“), und da die Funk­ti­on ei­nes Si­gni­fi­kan­ten dar­in be­steht, ein Si­gni­fi­kat zu stüt­zen, wird schließ­lich eine ima­gi­nä­re Be­deu­tung er­zeugt, auch wenn dies nicht mehr ist als die Be­deu­tung der Be­deu­tung (das rote Auto muss et­was be­deu­ten, es ist be­deu­tungs­voll, al­ler­dings weiß ich nicht, was es be­deu­tet – es be­deu­tet ein­fach, dass es be­deu­te­te). Letzt­lich kann die­se ima­gi­nä­re Be­deu­tung ins Rea­le zu­rück­glei­ten und wei­te­re Ele­men­te iso­lie­ren, als Stüt­ze für Be­deu­tung, die zu knos­pen be­ginnt.“10

Diagramm der borromäischen Ringe mit Überschneidungsbereichen (46)

Zu: „Dar­aus er­gibt sich, dass hier JȺ, die­ses Ge­nie­ßen des An­de­ren des An­de­ren, das nicht mög­lich ist, aus dem ein­fa­chen Grund, dass es kei­nen gibt. Von da­her ist es dies, was dar­aus her­vor­geht: dass al­lein das bleibt, was sich in dem Feld her­stellt, dem Feld der Plät­tung des Krei­ses des Sym­bo­li­schen mit dem Kreis des Ima­gi­nä­ren, näm­lich der Sinn, und dass an­de­rer­seits das, was hier an­ge­zeigt, dar­ge­stellt ist, das Ver­hält­nis des Sym­bo­li­schen zum Rea­len ist, in­so­fern aus ihm das so­ge­nannte Ge­nie­ßen des Phal­lus her­vor­geht, das ge­wiss nicht selbst schon das auf den Pe­nis be­zo­gene Ge­nie­ßen als sol­ches ist, das aber, wenn wir in Be­tracht zie­hen, was im Hin­blick auf das Ima­gi­näre ge­schieht, das heißt auf das Ge­nie­ßen des Dou­bles, des Spie­gel­bil­des, das Ge­nie­ßen des Kör­pers als ima­gi­nä­rem, er ist der Trä­ger ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Klüf­ten, und dass es recht ei­gent­lich die ver­schie­de­nen Ob­jekte bil­det, die ihn be­set­zen.“ (46)

Das Sche­ma wur­de von La­can in Se­mi­nar 22, RSI, ein­ge­führt, in der Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1974.

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen KopieDie drei Rin­ge re­prä­sen­tie­ren das Rea­le (R), das Sym­bo­li­sche (S) und das Ima­gi­nä­re (I).

Die drei Be­zeich­nun­gen JȺ, Sinn und JΦ be­zie­hen sich je­weils auf eine Art Drei­eck mit ge­bo­ge­nen Kan­ten; das Feld „a“ wird da­von ab­ge­zo­gen.

JȺ steht für jouis­sance de l’Autre bar­ré, Ge­nie­ßen des durchgestrichenen/versperrten An­de­ren. Es be­ruht auf der Über­schnei­dung des Rea­len und des Ima­gi­nä­ren, ab­züg­lich des Sym­bo­li­schen.

Für „Sinn“ steht im Ori­gi­nal sens. Der Sinn ent­steht durch die Über­la­ge­rung des Ima­gi­nä­ren und des Sym­bo­li­schen, ab­züg­lich des Rea­len.

JΦ meint jouis­sance phal­li­que, phal­li­sches Ge­nie­ßen. Es grün­det sich auf die Über­schnei­dung des Sym­bo­li­schen und des Rea­len, ab­züg­lich des Ima­gi­nä­ren.

Das klei­ne a steht für „Ob­jekt a“. In ihm über­schnei­det sich das Rea­le, das Ima­gi­nä­re und das Sym­bo­li­sche.

Das Feld des Ima­gi­nä­ren be­steht also aus vier Teil­be­rei­chen:
– Ima­gi­nä­res pur ohne Über­schnei­dung mit den bei­den an­de­ren Ord­nun­gen,
– der Be­reich, in dem sich das Ima­gi­nä­re nur mit dem Rea­len über­schnei­det (Ge­nie­ßen des durch­ge­stri­che­nen An­de­ren),
– der Be­reich, in dem sich das Ima­gi­nä­re nur mit dem Sym­bo­li­schen über­schnei­det (phal­li­sches Ge­nie­ßen),
– der Be­reich, in dem sich das Ima­gi­nä­re zu­gleich mit dem Rea­len und dem Sym­bo­li­schen über­schnei­det (Ob­jekt a).

Für das Rea­le und das Sym­bo­li­sche gilt das Ent­spre­chen­de.

Das Sche­ma ist eine Mi­schung aus ei­nem Kno­ten­dia­gramm und ei­nem Venn-Dia­gramm. Wie in ei­nem Kno­ten­dia­gramm (in La­cans Ter­mi­no­lo­gie: ei­ner „Plät­tung“) wer­den an den Kreu­zungs­punk­ten der über­kreu­zen­de und der un­ter­kreu­zen­de Kur­ven­ab­schnitt un­ter­schie­den (durch Aus­spa­run­gen). Wie in ei­nem Venn-Dia­gramm ha­ben die Kur­ven die Form von Krei­sen, und wie in ei­nem Venn-Dia­gramm geht es um die Dif­fe­renz zwi­schen Be­rei­chen, in de­nen die Krei­se sich über­schnei­den, und sol­chen, in de­nen sie sich nicht über­schnei­den.

Die Über­schnei­dungs­be­rei­che sind sol­che des zwei­di­men­sio­na­len Dia­gramms. Das Dia­gramm ist eine von vie­len mög­li­chen Pro­jek­tio­nen ei­nes drei­di­men­sio­na­len bor­ro­mäi­schen Kno­tens im zwei­di­men­sio­na­len Raum: das­je­ni­ge Dia­gramm mit den we­nigs­ten Kreu­zungs­punk­ten. Bei an­de­rer An­ord­nung des Kno­tens wür­den sich mehr Über­schnei­dungs­be­rei­che er­ge­ben, je­doch wä­ren dies „fal­sche Lö­cher“, wie La­can es nennt, Über­schnei­dungs­be­rei­che, die durch Ver­for­mung des Kno­tens zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den kön­nen.

Au­ßer­dem sind die Kur­ven in Kreis­form ge­bracht wor­den. Das ist we­ni­ger re­le­vant – bei der mi­ni­ma­len Zahl der Kreu­zungs­punk­te (bei Ver­mei­dung „fal­scher Lö­cher“) er­ge­ben sich in je­dem Fall die hier dar­ge­stell­ten Über­schnei­dungs­be­rei­che.

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Klee­blatt­kno­ten des Sub­jekts (Aus­schnitt)

Das Sche­ma un­ter­schei­det sich von dem rechts ab­ge­bil­de­ten Klee­blatt­kno­ten. Der Kno­ten ist ver­kürzt dar­ge­stellt, die bei­den En­den sind in Ge­dan­ken zu ver­bin­den; nur dann hat man es mit ei­nem Kno­ten im Sin­ne der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie zu tun. Im Klee­blatt­kno­ten rechts fehlt im Ver­gleich zum Sche­ma dar­über die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Ima­gi­nä­rem, Rea­lem und Sym­bo­li­schen. Au­ßer­dem fehlt die Teil­flä­che „Ge­nie­ßen des durch­ge­schnit­te­nen An­de­ren“.

Der drei­di­men­sio­na­le bor­ro­mäi­sche Kno­ten kann durch Zer­schnei­den und Neu­ver­bin­den (Spleiß) in ei­nen drei­di­men­sio­na­len Klee­blatt­kno­ten ver­wan­delt wer­den.11

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen mit markierten Doppelpunken KopieIm drei­di­men­sio­na­len Kno­ten gibt es kei­ne Über­schnei­dungs­be­rei­che. Was ist hier ihre Ent­spre­chung? In der zwei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lung lässt sich je­der Über­schnei­dungs­be­reich durch drei Punk­te cha­rak­te­ri­sie­ren, auf ähn­li­che Wei­se wie ein Drei­eck durch sei­ne drei Eck­punk­te: durch drei „Dop­pel­punk­te“, wie die Ma­the­ma­ti­ker sa­gen, also durch drei Punk­te, an de­nen die Rin­ge sich über­schnei­den, und zwar so, das ei­ner oben liegt und ei­ner un­tern. Im Bild rechts sind die Dop­pel­punk­te des Über­schnei­dungbe­reichs JȺ gelb mar­kiert. Dop­pel­punk­te kön­nen auch im drei­di­men­sio­na­len Kno­ten er­zeugt wer­den, man muss nur da­für sor­gen, dass zwei Rin­ge sich be­rüh­ren. Ei­nem Über­schnei­dungs­be­reich ent­spricht dann im drei­di­men­sio­na­len Kno­ten eine Kon­stel­la­ti­on von drei be­stimm­ten Dop­pel­punk­ten. Im nächs­ten Schritt wird der drei­di­men­sio­na­le Kno­ten so ver­zurrt, dass die drei Dop­pel­punk­te ei­nes Be­reichs sich be­rüh­ren. Der Be­rüh­rungs­punkt von drei be­stimm­ten Dop­pel­punk­ten ist die Ent­spre­chung zu ei­nem Über­schnei­dungs­be­reich im ge­plät­te­ten Kno­ten.12

Vgl. in die­sem Kom­men­tar den Ar­ti­kel Sinn im Kno­ten, den Ar­ti­kel Das Ge­nie­ßen des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren – JȺ  und den Ar­ti­kel Phal­li­sches Ge­nie­ßen (1): Se­mi­nar 17.

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grau­er Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[47]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Sei­te 47″.

Pas­sa­gen in schwar­zer Schrift sind Zu­sam­men­fas­sun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern in grü­ner Schrift sind mei­ne er­läu­ter­en­den Er­gän­zun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern, die mit zwei Fra­ge­zei­chen be­gin­nen und hell­grün un­ter­legt sind, ent­hal­ten mei­ne Fra­gen zum Text­ver­ständ­nis.

Einstimmung: Das Gefühl des Risikos beim Unterrichten

[45] La­can fragt, was ihn dazu brin­ge, die Vor­be­rei­tung sei­nes Se­mi­nars mit so viel Ernst­haf­tig­keit zu be­trei­ben. Sei­ne Ant­wort lau­tet: das Ge­fühl ei­nes ab­so­lu­ten Ri­si­kos. Das ist ein Ge­fühl, also et­was Sen­ti-men­ta­les, wie er in der letz­ten Sit­zung er­läu­tert hat­te. [Die­ses Ge­fühl lässt sich dem­nach letzt­lich auf das Ima­gi­nä­re zu­rück­füh­ren, wie er in der vo­ri­gen Sit­zung ge­sagt hat­te. La­can stellt hier eine Be­zie­hung zwi­schen dem Kno­ten und dem Ge­fühl her,  wie schon in der vor­an­ge­hen­den Sit­zung, wo er dar­über sprach, wel­che Ge­füh­le sein Pu­bli­kum in den USA hat­te, als er es mit dem Kno­ten kon­fron­tier­te.] Wenn man die (Psycho-)Analysen mit der­sel­ben Ernst­haf­tig­keit be­trei­ben wür­de, wäre das si­cher­lich ein Ge­winn. [Im Vor­trag Joy­ce das Sym­ptom I spricht La­can über die Ernst­haf­tig­keit von Er­nest Jo­nes, of­fen­bar kri­tisch. Für Sart­re be­steht das Er­geb­nis ei­ner „exis­ten­ti­el­len Psy­cho­ana­ly­se“ dar­in, auf den Geist der Ernst­haf­tig­keit zu ver­zich­ten, da die­ser zur Un­auf­rich­tig­keit (mau­vai­se foi) füh­re; Ernst­haf­tig­keit be­weist man, Sart­re zu­fol­ge, da­durch, dass man der Welt mehr Rea­li­tät zu­schreibt als sich selbst, und eben dar­in be­steht für ihn die Flucht vor der Ver­ant­wor­tung.13 Sar­tres The­se wird hier in­di­rekt von La­can zu­rück­ge­wie­sen.]

[In Se­mi­nar 22, RSI, sagt La­can: Im Un­be­wuss­ten kön­nen auch die Af­fek­te ver­or­tet wer­den, da die Af­fek­te durch die Ein­wir­kung der Spra­che ent­ste­hen.14 [?? Un­ter­schei­det La­can das Ge­fühl vom Af­fekt?]

Umwandlung von vier Kleeblattknoten in eine borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten

Kleeblattschlinge

Klee­blatt­kno­ten

Be­reits am Schluss der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung hat­te La­can dar­auf hin­ge­wie­sen, dass er eine to­po­lo­gi­sche Ent­de­ckung ge­macht habe, näm­lich wie drei Klee­blatt­kno­ten in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung ge­bracht wer­den kön­nen | [46] und wie das ge­recht­fer­tigt wer­den kann. [Die Be­grün­dung hat­te er dort nicht ge­ge­ben.]

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge

Um­wand­lung ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen in ei­nen Klee­blatt­kno­ten

[Der Klee­blatt­kno­ten ist die ein­fachs­te Form ei­nes Kno­tens („Kno­ten“ im Sin­ne der To­po­lo­gie) mit ei­ner Selbst­ver­schlin­gung, die nicht auf­ge­löst wer­den kann, ohne den Kno­ten auf­zu­tren­nen; die ein­fachs­te Form also des Kno­tens, der kein ein­fa­cher „Ring“ ist, kein tri­via­ler Kno­ten oder Un­kno­ten, wie die To­po­lo­gen sa­gen. Im Dia­gramm rechts oben ist der Klee­blatt­kno­ten da­durch cha­rak­te­ri­siert, dass er – bei Be­sei­ti­gung al­ler „fal­schen Lö­cher“, wie La­can sich aus­drückt – drei Über­schnei­dungs­punk­te hat und dass – wenn man dem Kur­ven­ver­lauf folgt – das Über­kreu­zen und das Un­ter­kreu­zen sich ab­wech­seln.]

Problem und Lösung

La­can hat­te in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung auch ge­sagt, dass er sich seit zwei Mo­na­ten da­mit ab­mü­he, für vier Klee­blatt­kno­ten eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung „ex-sis­tie­ren“ zu las­sen, also eine Ver­schlin­gung zu bil­den, die bor­ro­mäi­schen Cha­rak­ter hat und in der die vier Klee­blatt­kno­ten sich nicht durch­drin­gen. Da­mit hat­te er kei­nen Er­folg. Al­ler­dings war er da­von über­zeugt, dass dies mög­lich sei. [?? Ich ver­ste­he nicht, wo das Pro­blem ist; vgl. die Er­läu­te­rung un­ten un­ter „Of­fe­ne Fra­gen“.]

Am Abend nach der letz­ten Sit­zung be­kam er Be­such von Mi­chel Tho­mé [ei­nem Spe­zia­lis­ten auf dem Ge­biet der Kno­ten­theo­rie] und Tho­mé brach­te ihm [in Ge­stalt ei­nes Dia­gramms] den Be­weis, dass sich vier Klee­blatt­kno­ten tat­säch­lich zu  ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung ver­bin­den las­sen. Tho­mé hat­te das Ver­fah­ren in Zu­sam­men­ar­beit mit Pierre Sou­ry ge­fun­den [ei­nem an­de­ren To­po­lo­gen]. Ei­ni­ge Aben­de spä­ter hat­te La­can sich mit bei­den ge­trof­fen; sie ha­ben ihm nicht sa­gen kön­nen, auf wel­chem Weg sie die Lö­sung ge­fun­den hat­ten.

La­can spricht über sei­ne Ge­füh­le bei die­ser Nach­richt: Trotz der Kon­fron­ta­ti­on mit sei­nem be­dau­er­li­chen Un­ver­mö­gen habe er die Ent­de­ckung von Sou­ry und Tho­mé nicht mit ge­misch­ten Ge­füh­len auf­ge­nom­men, son­dern mit rei­nem En­thu­si­as­mus. [Auch hier geht es um den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Kno­ten und den Ge­füh­len.]

Wäh­rend der Se­mi­nar­sit­zung hängt La­cans Zeich­nung mit der Lö­sung des Um­wand­lungs­pro­blems an ei­ner Wand des Hör­saals. La­can hat dar­in das Dia­gramm von Tho­mé und Sou­ry leicht ver­än­dert, so dass sei­ne Hö­rer bes­ser „spü­ren“ (sen­tir) kön­nen, wor­um es geht. [Wie­der spricht La­can über den Zu­sam­men­hang zwi­schen den Kno­ten­dia­gram­men und den Ge­füh­len, jetzt den Ge­füh­len sei­ner Hö­rer.]

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - MillerDie Zeich­nung zeigt eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten.

[Im Dia­gramm sieht man 2 schwar­ze, 2 blaue, 2 rote und 2 grü­ne Li­ni­en, die von oben nach un­ten ver­lau­fen, zick­zack­för­mig, je­doch mit run­den Bie­gun­gen.

Der Zopf dient hier dazu, ei­nen Kno­ten dar­zu­stel­len. Da­mit sich die für ei­nen Kno­ten not­wen­di­ge Schlie­ßung der Kur­ven er­gibt, muss man sich vor­stel­len, dass die un­te­ren und die obe­ren En­den der Li­ni­en mit­ein­an­der ver­bun­den sind. Man könn­te die Zeich­nung aus­dru­cken und um ei­nen Zy­lin­der wi­ckeln, der­art, dass die En­den der Li­ni­en sich be­rüh­ren. Wenn man die­se Schlie­ßungs­ope­ra­ti­on durch­ge­führt hat, hat dies den Ef­fekt, dass die zu ei­ner Far­be ge­hö­ren­den bei­den Li­ni­en sich in zwei Ab­schnit­te ei­ner ein­zi­gen Li­nie ver­wan­deln.]

[Bei­spiels­wei­se durch­läuft der schwar­ze Klee­blatt­kno­ten fol­gen­de Sta­tio­nen:
– Be­ginn oben ganz links,
– Ende un­ten als vier­ter Kno­ten von rechts,
– Fort­set­zung oben als vier­ter Kno­ten von rechts,
– Ende un­ten als ers­ter Kno­ten von links,
– Fort­set­zung oben ganz links.

Man sieht Fol­gen­des:

(a) Je­der der vier Kno­ten (der schwar­ze, der grü­ne, der blaue und der rote) bil­det ei­nen Klee­blatt­kno­ten. Das er­kennt man, wenn man die Selbst­über­schnei­dun­gen mit den Au­gen ver­folgt: es gibt drei Selbst­über­schnei­dun­gen, und Über­kreu­zen und Un­ter­kreu­zen wech­seln sich ab.

(b) Der blaue Klee­blatt­kno­ten liegt über dem ro­ten und un­ter dem grü­nen Klee­blatt­kno­ten. Man sieht das, wenn man die Über­kreu­zun­gen mit den Au­gen ab­fährt: im­mer über­kreuzt das blaue Band das rote, und im­mer über­kreuzt das grü­ne Band das blaue und das rote.]

(c) Man sieht: wenn man den schwar­zen Klee­blatt­kno­ten ent­fernt, fal­len die drei an­de­ren Klee­blatt­kno­ten aus­ein­an­der. [?? Mir ist nicht klar, wie man das se­hen  kann. Of­fen­bar am Mus­ter der Über­kreu­zun­gen und Un­ter­kreu­zun­gen – aber wor­in be­steht es?]

(d) Wenn man den grü­nen Kno­ten un­ter dem ro­ten Kno­ten her­aus­zieht, ist der brau­ne (in der Zeich­nung: blaue) Klee­blatt­kno­ten eben­falls frei. [?? Sinn?]

La­can ver­mu­tet, dass es wei­te­re Ver­fah­ren gibt, vier Klee­blatt­kno­ten in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung zu brin­gen. [?? Wor­in be­steht das Ver­fah­ren, auf dem das Zopf­dia­gramm von Sou­ry und Tho­mé be­ruht?]

[Dies ist, wie La­can im Ver­lauf die­ser Sit­zung noch aus­füh­ren wird, das neu­ro­ti­sche Sub­jekt: eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten.]

Einschub: Die Knotengeometrie treibt das Unheimliche aus

[48] Um das Er­eig­nis zu fei­ern, be­zieht La­can sich auf das [im sel­ben Jahr er­schie­ne­ne] Buch Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons [„Mi­me­sis der Ar­ti­ku­la­tio­nen“, Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975]. Er emp­fiehlt die Lek­tü­re und ver­weist vor al­lem auf zwei Ar­ti­kel dar­in. Zum ei­nen auf den Auf­satz von Sa­rah Kof­man mit dem Ti­tel Vau­tour rouge, „Ro­ter Gei­er“. [S. Kof­man: Vau­tour rouge. Le dou­ble dans les Eli­xirs du dia­ble d’Hoffmann („Ro­ter Gei­er. Das Dou­ble in Hoff­manns Eli­xie­ren des Teu­fels“. Der „rote Gei­er“ stammt aus E.T.A. Hoff­manns Le­bens­an­sich­ten des Ka­ters Murr.] Zum an­de­ren be­zieht er sich auf den  Auf­satz [von Syl­via­ne Aga­cin­ski], der Witt­gen­stein und die Witt­gen­stein-Re­zep­ti­on zum The­ma hat. La­can be­tont, dass er die an­de­ren Auf­sät­ze des Ban­des aus Zeit­man­gel nicht ge­le­sen habe [also auch nicht den von Der­ri­da] und weist dar­auf hin, dass Kof­man sich be­reits in ih­ren Vier ana­ly­ti­schen Ro­ma­nen [Ga­li­lée, Pa­ris 1974, dar­in in Le dou­ble et le dia­ble] auf [Freuds Stu­die Das Un­heim­li­che, ins­be­son­de­re auf Freuds Be­mer­kun­gen über] Hoff­manns Er­zäh­lun­gen [so­wie auf die­se Er­zäh­lun­gen selbst] be­zo­gen hat­te.

La­cans Su­che nach der Mög­lich­keit, vier Klee­blatt­schlin­gen in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung zu brin­gen, stützt sich nicht auf das, was Kof­man in ih­rem Auf­satz er­wähnt [d.h. nicht auf das Un­heim­li­che]. La­can ist viel­mehr der Auf­fas­sung, dass die Kno­ten­geo­me­trie das Un­heim­li­che aus­treibt, was selbst wie­der­um un­heim­lich sei. [Of­fen­bar fei­ert La­can die Ent­de­ckung, dass es ein be­stimm­tes Ver­fah­ren gibt, durch das vier Klee­blatt­kno­ten auf bor­ro­mäi­sche Wei­se ver­schlun­gen wer­den kön­nen, mit der The­se über die Ver­trei­bung des Un­heim­li­chen durch die Kno­ten­geo­me­trie.]

Borromäischer Dreierknoten mit HemmungEr fragt sich, wo im Dia­gramm der drei bor­ro­mäi­schen Rin­ge das Un­heim­li­che zu ver­or­ten ist und ver­weist hier­für auf das ne­ben­ste­hen­de Sche­ma, das er in Se­mi­nar 22, RSI, vor­ge­stellt hat­te. In die­sem Dia­gramm gibt es ein Feld der Hem­mung (in­hi­bi­ti­on), | [49] und das Un­heim­li­che ist vor­läu­fig in die­sem Feld zu lo­ka­li­sie­ren.

Das Feld der Hem­mung ent­steht da­durch, der Kreis des Ima­gi­nä­ren auf be­stimm­te Wei­se ver­dop­pelt wird. [Der zwei­te Kreis des Ima­gi­nä­ren liegt ge­wis­ser­ma­ßen un­ter dem ers­ten; er hat ei­nen grö­ße­ren Ra­di­us als der ers­te Kreis; hier­durch ent­steht ein Keil (in der Zeich­nung rosa), der sich in das Feld des Sym­bo­li­schen vor­schiebt.] Die Zeich­nung „no­tiert nichts, in­so­fern ihre Plät­tung rät­sel­haft bleibt“. [Das könn­te hei­ßen: Der Zu­sam­men­hang zwi­schen dem zwei­di­men­sio­na­len Dia­gramm mit dem Keil der Hem­mung und dem drei­di­men­sio­na­len bor­ro­mäi­schen Kno­ten ist un­klar.] Das Un­heim­li­che ist eine spe­zi­el­le Art der Hem­mung [also im Feld der Hem­mung zu ver­or­ten]. Als Hem­mung ist es mit dem Ima­gi­nä­ren des Kör­pers ver­bun­den. [Freud de­fi­niert die Hem­mung als eine Blo­ckie­rung in der Aus­übung von Ich-Funk­tio­nen; vgl. S. Freud, Hem­mung, Sym­ptom und Angst (1926), Teil I.]

Beim Nach­den­ken über die Kno­ten­to­po­lo­gie ver­spürt die Ima­gi­na­ti­on ei­nen Wi­der­stand [der sich u. a. in den Ge­füh­len äu­ßert, auf die La­can im­mer wie­der hin­weist. Die­ser Wi­der­stand ge­hört zum Feld der Hem­mung, wie das Un­heim­li­che. Durch die Be­schäf­ti­gung mit der Kno­ten­theo­rie wird die Hem­mung ge­rin­ger, in­so­fern treibt die Kno­ten­to­po­lo­gie das Un­heim­li­che aus.]

Borromäische Verschlingung von vier Kleeblattknoten, Fortsetzung

Dass Sou­ry und Tho­mé – wie La­can ver­mu­tet – von La­cans Ver­si­on der bor­ro­mäi­schen Rin­ge be­ein­druckt sind, von der An­wen­dung auf die Drei­heit des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren, hat Grün­de: sie sind da­für be­gabt. [Eine Er­klä­rung durch Be­ga­bung ist eine Pseu­do-Er­klä­rung, sie steht in der Tra­di­ti­on der scho­las­ti­schen vi­res-Er­klä­run­gen: war­um kann ein Vo­gel flie­gen? Weil er über Flug­kraft ver­fügt usw.]

Ihn, La­can also, habe ver­blüfft, dass sie in der Ent­wick­lung ih­rer Kno­ten­theo­rie da­durch vor­an­kom­men, dass sie mit­ein­an­der spre­chen. Schließ­lich sei es nicht üb­lich, zu zweit zu den­ken. Die Dia­log­me­tho­de von Sou­ry und Tho­mé sei je­doch un­be­streit­bar pro­duk­tiv, und das steht, wie La­can her­vor­hebt, im Ge­gen­satz zu dem, was er sonst über den Dia­log sagt. [Für La­can ist die Zwei­er­be­zie­hung ima­gi­när, das Zwei­er­ge­spräch be­wirkt eine Un­ter­ord­nung des Sym­bo­li­schen un­ter das Ima­gi­nä­re, und dies ver­hin­dert, dass sich die Wahr­heit zeigt. In Se­mi­nar 19 hat­te er be­haup­tet, „dass man noch nie ge­se­hen hat, dass ein Dia­log zu ir­gend­et­was führt“.15] Of­fen­bar war der Dia­log ge­nau das, was ihm, La­can, ge­fehlt habe, wes­halb es ver­geb­lich ge­we­sen sei, dass er, ein­zig auf sein Denk­ver­mö­gen set­zend, sich da­mit ab­müh­te, vier Klee­blatt­kno­ten auf bor­ro­mäi­sche Wei­se zu ver­bin­den.

Von Sou­ry habe La­can au­ßer­dem des­sen Ge­dan­ken über das Un­ter­rich­ten er­fah­ren. La­can er­in­nert dar­an, dass er zu Be­ginn die­ser Sit­zung ge­sagt hat­te, er habe das Ge­fühl, bei der Vor­be­rei­tung sei­nes Un­ter­richts ein ab­so­lu­tes Ri­si­ko ein­zu­ge­hen. Er neh­me an, dass Sou­ry mit die­ser Art des Un­ter­rich­tens eben­so gut zu­recht­kom­men wer­de wie er, also wie La­can.

Einschub: Inwiefern gehört die Ex-sistenz zum Realen?

La­can kün­digt an, dass er er­klä­ren wol­le, war­um ihn die Fra­ge be­schäf­tigt hat, ob sich vier Klee­blatt­kno­ten auf bor­ro­mäi­sche Wei­se in­ein­an­der ver­schlin­gen las­sen.

| [50] [Er geht zu­rück zur bor­ro­m0äi­schen Ver­schlin­gung.] Die Rin­ge ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung sind äqui­va­lent: Je­der ein­zel­ne Ring hat fol­gen­de Merk­ma­le:
– Kon­sis­tenz, d.h. der Zu­sam­men­halt des Fa­dens in sich [bzw. die Ge­schlos­sen­heit der Kur­ve]. Für La­can ist die Kon­sis­tenz der ima­gi­nä­re As­pekt ei­nes Rings.
– Loch [d.h. der Ring ist kei­ne Schei­be, son­dern ge­wis­ser­ma­ßen der Rand ei­ner Schei­be, de­ren In­ne­res fehlt: ein Loch bil­det, das zu­gleich au­ßen ist]. Für ihn ist dies der sym­bo­li­sche As­pekt ei­nes Rings.
– Ex-sis­tenz, d.h. je­der Ring ist den an­de­ren Rin­gen äu­ßer­lich, er stößt sich an den an­de­ren, sie bil­den für ihn eine Gren­ze, sie bie­ten ihm Wi­der­stand [ein Ring durch­dringt we­der sich selbst noch an­de­re Rin­ge]. [Auf die­se Wei­se hal­ten sie zu­gleich zu­sam­men; die­se Art des Zu­sam­men­halts ist an­ders als die Kon­sis­tenz.] Dies ist für ihn der rea­le As­pekt ei­nes Rings.

Nimmt man in der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen den Ring des Rea­len, so be­steht die Ex-sis­tenz die­ses be­stimm­ten Rings dar­in, dass er an die Rin­ge des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren an­schlägt [statt sie zu durch­drin­gen, und dass er sie auf die­se Wei­se zu­sam­men­hält]. Das Rea­le hat also nur in­so­fern Ex-sis­tenz, als es auf das Hin­der­nis des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren trifft.

Nun gilt aber das­sel­be für die an­de­ren bei­den Rin­ge. Die Ex-sis­tenz bei­spiels­wei­se des ima­gi­nä­ren Rings be­steht dar­in, dass für die­sen Ring der rea­le Ring ein Hin­der­nis bil­det [und eben­so der sym­bo­li­sche Ring]. [Die Ex-sis­tenz ist also kein Merk­mal, das dem Ring des Rea­len vor­be­hal­ten wäre.] War­um ord­net La­can0 dann – so fragt er selbst – die Ex-sis­tenz ge­ra­de dem Rea­len zu?

Ers­ter Grund: er muss­te die drei Modi [der Rin­ge, näm­lich Kon­sis­tenz, Loch und Ex-sis­tenz] auf­tei­len [sie den drei Re­gis­tern des Sym­bo­li­schen, des Rea­len und des Ima­gi­nä­ren zu­ord­nen, und nach­dem er dem Ima­gi­nä­ren die Kon­sis­tenz zu­ge­wie­sen hat­te und dem Sym­bo­li­schen das Loch, blieb für das Rea­le die Ex-sis­tenz üb­rig].

Zwei­ter Grund: Das Den­ken des Rea­len stützt sich ge­nau auf die Ex-sis­tenz. [Das Rea­le ist ge­wis­ser­ma­ßen der Wi­der­stand, auf den das Den­ken stößt – das ima­gi­när fun­dier­te Sym­bo­li­sche – und den es nicht zu durch­drin­gen ver­mag.]

Der Kleeblattknoten als Kontinuität des Realen, des Symbolischen und des Imaginären

Die drei Ter­me [des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len] sind also ana­log [die drei Rin­ge sind struk­tur­gleich ge­baut]. Heißt das aber nicht, dass man sie in­ein­an­der über­ge­hen las­sen muss? Muss man nicht an­neh­men, dass das Rea­le, das Sym­bo­li­sche und das Ima­gi­nä­re in Kon­ti­nui­tät ste­hen? [Dass man also die Ex-sis­tenz der drei Rin­ge auf­ge­ben muss, ihr Ge­gen­ein­an­der-Äu­ßer­lich-Sein? Hier be­ginnt eine für La­can ty­pi­sche dia­lek­ti­sche Be­we­gung, die an He­gel er­in­nert: die Dif­fe­renz der Ter­me schlägt um in ihre Iden­ti­tät – die Ex-sis­tenz in die Kon­ti­nui­tät, und das Schar­nier ist die Struk­tur­gleich­heit.] Eben dies führt [von der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung zum Klee­blatt­kno­ten, an­ders ge­sagt] zum Drei­er­kno­ten.

Umwandlung eines borromäischen Knotens aus drei Ringen in eine Kleeblattschlinge[Am Ende der vor­an­ge­hen­den Sit­zung ging es um die Um­wand­lung ei­nes Klee­blatt­kno­tens in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen, jetzt voll­zieht La­can die um­ge­kehr­te Be­we­gung, also die Um­wand­lung der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen in ei­nen Klee­blatt­kno­ten.] Bei die­sem Über­gang muss man in der sym­me­tri­schen Plät­tung der bor­ro­mäi­schen Rin­ge die Kreu­zungs­punk­te auf be­stimm­te Wei­se ver­bin­den [und die nach au­ßen zei­gen­den Hälf­ten der Rin­ge ab­sto­ßen]. [Dies zeigt das ne­ben­ste­hen­de Dia­gramm. Die ro­ten Li­ni­en bil­den hier ei­nen Klee­blatt­kno­ten; sie sind zu­gleich die Hälf­ten von drei Rin­gen. Die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen ver­wan­delt sich in ei­nen Klee­blatt­kno­ten, wenn man die an­de­re Hälf­te der Rin­ge (grün, blau, gelb) weg­nimmt und die ver­blei­ben­den Kur­ven an den drei mit ei­nem ro­ten Punkt mar­kier­ten Kreu­zungs­stel­len verspleißt.]

Darstellung des Subjekts durch die borromäische Verschlingung von  3 + 1 Kleeblattschlingen

La­can fragt, wie der Kno­ten als et­was auf­ge­fasst wer­den kann, was die Ord­nung des Sub­jekts trägt.

Da­bei gilt, dass das Sub­jekt im­mer das Un­ter­stell­te ist. [La­can spielt hier ver­mut­lich auf sei­ne For­mel an „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert“.]

La­can fragt, ob die Ant­wort dar­in be­steht, dass das Sub­jekt dann vom Kno­ten re­prä­sen­tiert wer­den kann, wenn meh­re­re Klee­blatt­kno­ten auf bor­ro­mäi­sche Wei­se ver­schlun­gen sind, also min­des­tens drei. Und: Ge­nü­gen drei Klee­blatt­kno­ten? | [51] Das war die Fra­ge, die ihn be­schäf­tig­te [wes­halb er her­aus­fin­den woll­te, ob sich vier Klee­blatt­kno­ten bor­ro­mä­isch ver­schlin­gen las­sen].

[Sei­ne Hin­ter­grund­über­le­gung war also:
– Das nicht-neu­ro­ti­sche Sub­jekt lässt sich durch eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen dar­stel­len.
– Das nicht-neu­ro­ti­sche Sub­jekt lässt sich durch eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Klee­blatt­kno­ten dar­stel­len.
– Das neu­ro­ti­sche Sub­jekt wird am bes­ten durch eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Kno­ten dar­ge­stellt, mit dem vier­ten Kno­ten für das Sym­ptom.
– Die Kno­ten, aus de­nen La­can den bor­ro­mäi­schen Kno­ten bis­lang ge­bil­det hat­te, wa­ren Rin­ge, in to­po­lo­gi­scher Ter­mi­no­lo­gie: „Un­kno­ten“ oder „tri­via­le Kno­ten“. Die bor­ro­mäi­schen Rin­ge sind eine be­stimm­te Form der Ver­schlin­gung von drei tri­via­len Kno­ten.
– Lässt sich eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung auch aus vier Klee­blatt­schlin­gen her­stel­len?]

Borromäischer Viererknoten - auseinandergezogen

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Rin­gen, als Ket­te an­ge­ord­net

La­can be­zieht sich dann auf eine be­stimm­te An­ord­nung der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung, die er als „Ket­te“ be­zeich­net.

In ei­nem der Dia­gram­me an der Ta­fel sieht man, wie La­can sagt, Fol­gen­des: wenn man an ei­nem be­stimm­ten Fa­den zieht, er­gibt sich die wahr­nehm­ba­re Form ei­ner bor­ro­mäi­schen Ket­te. [Of­fen­bar be­zieht er sich hier auf ein nicht über­lie­fer­tes Dia­gramm, aus dem sich durch Fa­den­zie­hen das Dia­gramm rechts er­gibt.]

[?? Sta­fer­la fügt an die­ser Stel­le das links wie­der­ge­ge­be­ne Dia­gramm ein. Ich sehe nicht, wie das zur Be­schrei­bung passt ]

Wie vie­le Rin­ge braucht man min­des­tens, um eine sol­che bor­ro­mäi­sche Ket­te zu bil­den? Die Ant­wort lau­tet: vier; man braucht min­des­tens eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Rin­gen, um die­se Kon­fi­gu­ra­ti­on in Ge­stalt ei­ner Ket­te zu er­zeu­gen. [In Se­mi­nar 22 hat­te er ge­sagt, für die Kon­fi­gu­ra­ti­on in Ge­stalt ei­ner Ket­te be­nö­ti­ge man min­des­tens drei Rin­ge.16]

Das ty­pi­sche Merk­mal ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­ket­tung die­ses Typs ist Fol­gen­des: Wenn sie ihre kleins­te Form an­nimmt, näm­lich die ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen, dann hat sie die Struk­tur drei plus eins – drei Rin­ge ste­hen ei­nem vier­ten Ring ge­gen­über.

Der Kleeblattknoten als paranoische Psychose

[La­can be­zieht dies nun auf die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus Klee­blatt­kno­ten.] Je­der Klee­blatt­kno­ten kann als Trä­ger ei­nes Sub­jekts be­grif­fen wer­den. Ein Klee­blatt­kno­ten bil­det et­was Per­sön­li­ches [et­was Per­son­ha­fes, Per­sonar­ti­ges] im Hin­blick auf die drei Ele­men­te. | [52] Wenn man drei un­ver­bun­de­ne Klee­blatt­kno­ten durch Hin­zu­fü­gung ei­nes vier­ten Kno­tens zu ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung ver­bin­det, ist je­der der drei Klee­blatt­kno­ten ein sub­jek­ti­ver, ein per­sön­li­cher Trä­ger [der Trä­ger ei­nes Sub­jekts, bei dem es sich in ei­nem noch zu er­läu­tern­den Sinn um eine „Per­son“ han­delt, ge­nau­er: um eine „Per­sön­lich­keit“]. Zu den drei Sub­jekt-Trä­gern [den drei un­ver­bun­de­nen Klee­blatt­kno­ten des Ima­gi­nä­ren, des Rea­len und des Sym­bo­li­schen] kommt ein vie­rer Sub­jekt­trä­ger hin­zu, die­ser vier­te Kno­ten ist der des Sin­t­homs. [Of­fen­bar wech­selt La­can hier zur Grup­pen­psy­cho­lo­gie mit vier Ak­teu­ren; ei­ner die­ser Ak­teu­re hat die Funk­ti­on des Sin­t­homs.]

Zwei Arten von borromäischen Verschlingungen

La­can ver­weist auf ei­nen Ta­fel­an­schrieb:

R.….…S.….….I

S.….….I.….….R

I.….….R.….….S

Er er­klärt hier­zu, es sei kein Zu­fall, dass er das so an­ge­schrie­ben habe, und dass die Per­mu­ta­tio­nen mit dem Ti­tel des vor­an­ge­hen­den Se­mi­nars be­gin­nen, RSI.

In Ver­si­on Mil­ler 2005 trägt das Sche­ma den Ti­tel „Sche­ma 3 + 1“ und sieht so aus17:

R.….…S.….….I

S.….….I.….…R

I.….….R.….…S

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    Sin­t­hom

[Die Per­mu­ta­tio­nen be­ru­hen dar­auf, dass eine be­stimm­te Rei­hen­fol­ge ein­ge­hal­ten wird. Es gibt also nicht die spie­gel­ver­kehr­te Fol­ge ISR, SRI, RIS. Da­mit wird an­ge­deu­tet, wor­um es im Fol­gen­den geht: Es gibt zwei Ar­ten von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen, RSI und RIS; das Sub­jekt wird durch eine von bei­den re­prä­sen­tiert.]

Sou­ry und Tho­mé ha­ben ge­zeigt, dass es von der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung, die zu­gleich ge­färbt und ori­en­tiert ist, zwei Ar­ten gibt [die sie als „zen­tri­fu­ga­le“ und als „zen­tri­pe­ta­le“ bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung be­zeich­nen; in Se­mi­nar 21 hat­te La­can das er­läu­tert.] Den Un­ter­schied zwi­schen den bei­den Ty­pen von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen sieht man in der Plät­tung [die eine Ver­schlin­gung er­scheint hier als Spie­gel­bild der an­de­ren]. La­can kürzt hier ab und deu­tet nur die Un­ter­su­chungs­rich­tung an.

Mit der Fär­bung der Kno­tens ist ge­meint, dass die Rin­ge durch Far­ben in­di­vi­dua­li­siert sind. Dem ent­spricht bei La­can der Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Ring des Rea­len, dem des Ima­gi­nä­ren und dem des Sym­bo­li­schen – durch die Be­nen­nung der Rin­ge als Rea­les, Ima­gi­nä­res und Sym­bo­li­sches bzw. durch die Be­zeich­nung mit den In­itia­len R, I und S er­hal­ten sie eine Iden­ti­tät. [Die Iden­ti­fi­zie­rung durch Be­nen­nung ist der Fär­bung äqui­va­lent.]

Un­ter der Vor­aus­set­zung, dass die Rin­ge ge­färbt sind, kann man zwei Ar­ten der Ori­en­tie­rung von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen aus drei Rin­gen un­ter­schei­den. Da­bei in­ter­es­siert nicht die paar­wei­se Farb­dif­fe­renz zwi­schen zwei Rin­gen [also bei­spiels­wei­se nicht, wie der rote und der blaue Ring sich im ei­nen oder an­de­ren Fall zu­ein­an­der ver­hal­ten.] Es geht viel­mehr um zwei Ar­ten, | [53] wie alle drei Rin­ge auf bor­ro­mäi­sche Wei­se ver­schlun­gen sein kön­nen, und die­ser Un­ter­schied kann da­durch dar­ge­stellt wer­den, wie sich die drei ge­färb­ten Rin­ge in den bei­den Fäl­len zu­ein­an­der ver­hal­ten. [Die Un­ter­schied zeigt sich im Mus­ter von Über­füh­run­gen und Un­ter­füh­run­gen im „in­ne­ren Drei­eck“ der bor­ro­mäi­schen Rin­ge: bei der ei­nen Form der bor­ro­mäi­schen Rin­ge muss man sich im Uhr­zei­ger­sinn be­we­gen, um von ei­ner Un­ter­füh­rung zu ei­ner Über­füh­rung zu kom­men, bei der an­de­ren Form ent­ge­gen dem Uhr­zei­ger­sinn; vgl. hier­zu den Blog­ar­ti­kel Über Kno­ten, dar­in den Teil „Ori­en­tie­rung“.]

Die Fra­ge, die sich für La­can von hier aus stellt, lau­tet: Wel­che der bei­den Ar­ten von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen ist die wah­re, im Hin­blick dar­auf, dass das Ima­gi­nä­re, das Rea­le und das Sym­bo­li­sche so ver­knüpft sind, dass sie das Sub­jekt tra­gen [dass sie das Sub­jekt re­prä­sen­tie­ren]? Er emp­fiehlt, hier­zu sei­ne frü­he­ren Hin­wei­se zur Dua­li­tät der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen her­an­zu­zie­hen. [Die bei­den Kno­ten­for­men kön­nen durch die Rei­hen­fol­ge RSI (mit den Per­mu­ta­tio­nen SIR und IRS) und die Rei­hen­fol­ge RIS (mit den Per­mu­ta­tio­nen ISR und SRI) un­ter­schie­den wer­den. In Se­mi­nar 21 hat­te La­can er­klärt, die Rei­hen­fol­ge RSI sei die für die Psy­cho­ana­ly­se ge­eig­ne­te.]  

Der Kleeblattknoten als Repräsentation der paranoischen Psychose und das Sinthom im Massenwahn
Linkshändiger Kleeblattknoten

Links­dre­hen­der Klee­blatt­kno­ten

Kleeblattschlinge

Rechts­dre­hen­der Klee­blatt­kno­ten

Der Klee­blatt­kno­ten zeigt eben­falls eine Dua­li­tät, je­doch eine an­de­re als der bor­ro­mäi­sche Kno­ten. Es gibt be­kannt­lich zwei Ar­ten von Klee­blatt­kno­ten, rechts­dre­hen­de und links­dre­hen­de.

[Wenn man eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus Klee­blatt­kno­ten bil­det, muss man also für je­den Klee­blatt­kno­ten fest­le­gen, ob er rechts- oder links­dre­hend ist oder ob bei­des mög­lich ist. Die Kno­ten des Rea­len, des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren sind even­tu­ell nicht mehr völ­lig struk­tur­gleich.]

Kleeblattknoten in drei Farben für RSI

Klee­blatt­kno­ten mit drei Far­ben für RSI[note]Zeichnung aus: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 108.[/note]

Der oben dar­ge­stell­te Klee­blatt­kno­ten zeigt das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le in Kon­ti­nui­tät, die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung ist hier „ho­mo­ge­ni­siert“. [Der Klee­blatt­kno­ten steht jetzt da­für, dass das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le ein­an­der durch­drin­gen, dass es zwi­schen ih­nen kei­ne Äu­ßer­lich­keit gibt, kei­ne Ex-sis­tenz. In der Ab­bil­dung ste­hen die drei Far­ben für die drei Ord­nun­gen des Rea­len, des Ima­gi­nä­ren und des Sym­bo­li­schen.]

Also kann man die Fra­ge stel­len: Wie ver­hält sich die Dua­li­tät der bor­ro­mäi­schen Kno­ten [zentrifugal/zentripetal] zur Dua­li­tät der Klee­blatt­kno­ten [rechtsdrehend/linksdrehend]?

[Man müss­te eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Ent­spre­chung fin­den für die Rechts­dre­hung und die Links­dre­hung der Klee­blatt­kno­ten, also zwei For­men un­ter­schei­den, wie die Kon­ti­nui­tät zwi­schen dem Rea­len, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren her­ge­stellt wer­den kann. Au­ßer­dem bräuch­te man eine psy­cho­ana­ly­ti­sche Ent­spre­chung zu den bei­den For­men von bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gun­gen, zen­tri­fu­ga­len und zen­tri­pe­ta­len Ver­schlin­gun­gen (wo­bei eine von bei­den, La­can zu­fol­ge, für die Psy­cho­ana­ly­se nicht ge­eig­net ist). Wenn man die­se bei­den Zu­ord­nun­gen vor­ge­nom­men hät­te, könn­te man die Be­zie­hun­gen zwi­schen den bei­den Dua­li­tä­ten er­kun­den.]

Die Fra­ge ist also, wie sich der Klee­blatt­kno­ten auf das Sub­jekt be­zie­hen lässt. La­can be­ant­wor­tet sie jetzt so, dass er sich auf sei­ne Dis­ser­ta­ti­on [von 1932] be­zieht. Sie hat den Ti­tel Von der pa­ra­noi­schen Psy­cho­se in ih­ren Be­zie­hun­gen zur Per­sön­lich­keit. Den For­de­run­gen nach ei­nem Nach­druck habe er sich lan­ge wi­der­setzt, und zwar des­halb, wie er sagt, weil „pa­ra­noi­sche Psy­cho­se“ und „Per­sön­lich­keit“ das­sel­be sind, wes­halb es kei­ne Be­zie­hung zwi­schen ih­nen ge­ben kann [und die im Ti­tel ent­hal­te­ne Fra­ge­stel­lung un­sin­nig ist]. [Das ent­schei­den­de Merk­mal der Per­sön­lich­keit ist die Ein­heit­lich­keit.] Die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se be­steht eben dar­in, dass das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le in Kon­ti­nui­tät sind [in­ein­an­der über­ge­hen], eine Kon­sis­tenz bil­den [ei­nen ein­zi­gen zu­sam­men­hän­gen­den Fa­den ge­wis­ser­ma­ßen]. [Im Fal­le der Pa­ra­noia be­steht das Rea­le aus Si­gni­fi­kan­ten, die rät­sel­haf­te Bot­schaf­ten sen­den und sich in­so­fern auf das Ima­gi­nä­re be­zie­hen. La­can po­le­mi­siert hier viel­leicht nicht nur ge­gen sich selbst, son­dern auch ge­gen den Psy­cho­ana­ly­ti­ker Franz Alex­an­der, der 1927 ein Buch mit dem fol­gen­den Ti­tel ver­öf­fent­lich­te: Psy­cho­ana­ly­se der Ge­samt­per­sön­lich­keit. Neun Vor­le­sun­gen über die An­wen­dung von Freuds Ich­theo­rie auf die Neu­ro­sen­leh­re. Psy­cho­ana­ly­ti­scher Ver­lag, Leip­zig.

La­can stellt sich nun vor, dass man drei Klee­blatt­kno­ten un­ver­bun­den ne­ben­ein­an­der legt; nach dem Vor­an­ge­hen­den re­prä­sen­tie­ren sie drei pa­ra­noi­sche Sub­jek­te, drei „Per­sön­lich­kei­ten“. Er fragt wei­ter:]

Zu drei Pa­ra­noi­kern kann man eine vier­te Per­son hin­zu­fü­gen, die ihr Sym­ptom bil­det. | [55] Ist die­se vier­te Per­son eben­falls ein Pa­ra­noi­ker? [Ist die Per­son, die eine Grup­pe von Pa­ra­noi­kern zu­sam­men­hält, eben­falls ein Pa­ra­noi­ker?]

Dar­auf weist in dem fol­gen­den Fall nichts hin: dem ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung, die aus ei­ner un­be­grenz­ten Zahl von Klee­blatt­kno­ten be­steht. [La­can wech­selt jetzt von der Grup­pen­psy­cho­lo­gie zur Mas­sen­psy­cho­lo­gie. Wenn die Zahl der zu­sam­men­ge­hal­te­nen Klee­blatt­schlin­gen un­be­grenzt ist – wenn die pa­ra­noi­schen „Per­sön­lich­kei­ten“ eine Mas­se bil­den –, ist der zu­sam­men­hal­ten­de Kno­ten selbst ver­mut­lich kei­ne Klee­blatt­schlin­ge, kei­ne pa­ra­noi­sche Per­sön­lich­kei­ten.] Die­ser Fall ist mehr als wahr­schein­lich, er ist ge­wiss. Die­se bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung stellt kei­ne Pa­ra­noia mehr da, es sei denn eine all­ge­mei­ne. [Die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung ei­ner un­be­grenz­ten Zahl von Klee­blatt­kno­ten, die durch ei­nen Kno­ten zu­sam­men­ge­hal­ten wer­den, der selbst kein Klee­blatt­kno­ten ist, steht dem­nach für den Mas­sen­wahn. Im Fal­le des Mas­sen­wahns muss der­je­ni­ge, der die Po­si­ti­on des Sin­t­homs be­setzt, nicht selbst psy­cho­tisch sein, er kann ein neu­ro­ti­sches Sub­jekt sein.]  [?? Wer ist bei ei­nem Mas­sen­wahn das Sin­t­hom? Der Füh­rer? Der Ver­fol­ger?]

Borromäischer Viererknoten - als Zopf - Miller

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten, als Zopf dargestellt[note]Quelle: Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 47[/note]

La­can geht wie­der zu­rück zur bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten [in dem also der vier­te Ring eben­falls ein Klee­blatt­kno­ten ist.]. Er be­zieht sich auf die­sen Kno­ten mit dem Be­griff „Zopf“, meint also das be­reits re­pro­du­zier­te Zopf­dia­gramm.

Die­ser Zopf ist ein „sub­jek­ti­ver Zopf“ [d.h. ein Zopf, der ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert].

Der vier­te Kno­ten [der für das Sym­ptom steht] kann „aus­ge­flockt“ wer­den. [Das heißt ver­mut­lich: Er kann im Dia­gramm in eine Rand­po­si­ti­on ge­bracht wer­den, so dass er sich von den üb­ri­gen drei Kno­ten sicht­bar un­ter­schei­det.]

Dies lässt an­neh­men, „dass es über die Ge­samt­heit der Tex­tur be­stimm­te aus­ge­wähl­te Punk­te gibt, die sich als End­punkt die­ses Vie­rer­kno­tens her­aus­stel­len.“ [Das meint ver­mut­lich: Der vier­te Kno­ten kann durch sei­ne Über- und Un­ter­kreu­zungs­punk­te mit den drei an­de­ren Kno­ten cha­rak­te­ri­siert wer­den.]

Ge­nau dar­in be­steht das Sin­t­hom. Das Sin­t­hom ist die­ser vier­te Klee­blatt­kno­ten. Er steht nicht für die „Per­sön­lich­keit“, d.h. nicht für die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se, son­dern für das neu­ro­ti­sche Sin­t­hom. [Der Klee­blatt­kno­ten wird von La­can also auf zwei Wei­sen in­ter­pre­tiert. Der Klee­blatt­kno­ten re­prä­sen­tiert die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se und er re­prä­sen­tiert das Sin­t­hom des neu­ro­ti­schen Sub­jekts.] 

Paarbeziehungen in der borromäischen Verschlingung von vier Kleeblattknoten: 2 + 2

Dies gibt ei­nen Hin­weis auf die Po­si­ti­on des Un­be­wuss­ten. In­so­fern das Sin­t­hom vom Un­be­wuss­ten be­stimmt wird, hängt sich ein be­son­de­rer Term an das Sin­t­hom. [Das Un­be­wuss­te wird von La­can mit dem Sym­bo­li­schen gleich­ge­setzt, ge­nau­er: mit ei­nem Teil­be­reich des Sym­bo­li­schen. Das Sin­t­hom wird un­ter an­de­rem durch das Un­be­wuss­te be­stimmt, also gibt es eine enge Be­zie­hung zwi­schen dem Ring des Sin­t­homs und dem des Sym­bo­li­schen, d.h. des Un­be­wuss­ten. Dies ist ein ers­tes Paar.] 

Die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten ist so struk­tu­riert, dass je zwei Far­ben ein Paar bil­den. | [55] Das eine Paar steht für die be­son­de­re Be­zie­hung zwi­schen dem Sin­t­hom und dem Un­be­wuss­ten, für die be­son­de­re Ant­wort, die das eine auf das an­de­re gibt. Das an­de­re Paar re­prä­sen­tiert die be­son­de­re Be­zie­hung zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len, die Ant­wort des ei­nen auf das an­de­re. Die bei­den Paa­re wer­den im Dia­gramm durch die be­son­de­re Be­zie­hung zwi­schen je zwei Far­ben dar­ge­stellt. [Die be­son­de­re Be­zie­hung zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len ist das Ge­nie­ßen des An­de­ren, wie im Fol­gen­den ge­zeigt wird.]

[La­can un­ter­sucht also die Grup­pie­rungs­mög­lich­kei­ten zwi­schen den Kno­ten ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten.
– Ers­te Grup­pie­rung: 1 + 3, der Kno­ten des Sin­t­homs steht den an­de­ren drei Kno­ten ge­gen­über.
– Zwei­te Grup­pie­rung: 2 + 2, der Kno­ten des Sin­t­homs bil­det mit dem des Sym­bo­li­schen (des Un­be­wuss­ten) ein Paar, das dem Paar aus Ima­gi­nä­rem und Rea­lem ge­gen­über­steht.]

Überschneidungsbereiche in den Diagrammen der borromäischen Ringe und des geöffneten Kleeblattknotens

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhi

Ge­öff­ne­ter Klee­blatt­kno­ten

Was hier noch feh­le, sagt La­can, sei eine Be­grün­dung da­für, war­um er den Klee­blatt­kno­ten ge­öff­net dar­ge­stellt hat [wie im Dia­gramm rechts] und nicht, wie sonst, kreis­för­mig. Die Be­zeich­nun­gen er­ge­ben sich aus ei­nem [in Se­mi­nar 22 vor­ge­stell­ten Sche­ma] der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen.

 

Borromäischer Dreierknoten mit JA - korrigiert[In die­sem Dia­gramm der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen gibt es vier Über­schnei­dungs­be­rei­che. Sie tra­gen die Be­zeich­nun­gen JȺ, Sinn, JΦ  und a.]

Ge­nie­ßen des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren

Zu­nächst zu dem mit JȺ be­zeich­ne­ten Feld, JȺ für jouis­sance de l’Autre bar­ré, Ge­nie­ßen des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren, „Ge­nie­ßen nicht des An­de­ren“. Es liegt im Über­schnei­dungs­be­reich zwi­schen dem Rea­len und dem Ima­gi­nä­ren. Um wel­chen An­de­ren geht es bei die­sem Ge­nie­ßen? Um den­je­ni­gen An­de­ren, über den er [in Se­mi­nar 6] ge­sagt hat „Es gibt kei­nen An­de­ren des An­de­ren“.

[Der hier­auf fol­gen­de Satz­an­schluss ist pro­ble­ma­tisch, ich neh­me an, dass er so ge­meint ist:] Es geht um den An­de­ren in dem Sin­ne, dass dem Sym­bo­li­schen – dem Ort des An­de­ren als sol­chem – nichts ent­ge­gen­ge­setzt ist, | [55] dass es in­so­fern kein Ge­nie­ßen des An­de­ren gibt, als es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt und dass es das ist, was die­ses durch­ge­stri­che­ne A, also Ⱥ, be­deu­tet.

Dar­aus er­gibt sich: JȺ be­deu­tet das Ge­nie­ßen des An­de­ren des An­de­ren, und JȺ be­deu­tet, dass das Ge­nie­ßen des An­de­ren nicht mög­lich ist, und zwar des­halb, weil es kei­nen An­de­ren des An­de­ren gibt.

[In Se­mi­nar 22 hat­te La­can er­klärt, dass man in „das Ge­nie­ßen des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren“ den Ge­ni­tiv als Ge­ni­ti­vus ob­jec­tivus auf­zu­fas­sen hat – der An­de­re ist hier Ge­nos­se­ner, nicht Ge­nie­ßen­der; ge­meint ist also: es ist nicht mög­lich, den An­de­ren zu ge­nie­ßen. Au­ßer­dem heißt es in Se­mi­nar 22, mit dem An­de­ren sei der Kör­per des an­de­ren Ge­schlechts ge­meint. Vgl. die Nach­wei­se oben im „Klei­nen La­can-Le­xi­kon“ so­wie den Blog­ar­ti­kel Das Ge­nie­ßen des durch­ge­stri­che­nen An­de­ren – JȺ.

Die Gleich­set­zung des durch­ge­stri­che­nen A, also Ⱥ, mit dem Satz „Es gibt kei­nen An­de­ren des An­de­ren“ wur­de von La­can zu­erst vor­ge­nom­men in Se­mi­nar 6 von 1959/60, Das Be­geh­ren und sei­ne Deu­tung. Der ty­pi­sche Fall, an dem das er­läu­tert wur­de, war die Be­zie­hung des Kin­des zu Mut­ter und Va­ter. Die Mut­ter ist für das Kind die An­de­re und der Va­ter ist für das Kind die Be­zugs­per­son der Mut­ter, also der An­de­re der An­de­ren. Man kann es auch um­ge­kehrt be­schrei­ben: Der Va­ter ist für das Kind der An­de­re, und der An­de­re des An­de­ren wäre dann die Part­ne­rin des Va­ters, die Mut­ter. Im My­thos vom Ur­va­ter­mord in To­tem und Tabu ist der Va­ter der­je­ni­ge, der „alle Frau­en“ be­sitzt, für ihn ist DIE Frau die An­de­re, er be­zieht sich auf Frau­en als Frau­en. Hier gibt es aus der Per­spek­ti­ve der Söh­ne die An­de­re des An­de­ren, aber eben nur im My­thos. Ge­meint ist also: Es ist nicht mög­lich, durch den Kör­per ei­nes Men­schen des an­de­ren Ge­schlechts des­halb Lust zu emp­fin­den, weil die­ser Kör­per das an­de­re bio­lo­gi­sche Ge­schlecht hat.]

Kleeblattschlinge mit Sinn - a - JPhiDa das Ge­nie­ßen des An­de­ren nicht mög­lich ist, blei­ben nur die üb­ri­gen [drei] Fel­der:
– das Feld, das sich im Dia­gramm als das Feld dar­stellt, in dem sich das Sym­bo­li­sche mit dem Ima­gi­nä­ren über­schnei­det, also das Feld des Sinns (sens),
[– das Feld des Ob­jekts a, der Mehr­lust, mit der Be­zeich­nung a, d.h. der von den Par­ti­al­ob­jek­ten sym­bo­li­sier­te Ge­nuss­ver­lust],
– so­wie das Feld der Über­schnei­dung des Sym­bo­li­schen mit dem Rea­len, also das Feld des phal­li­schen Ge­nie­ßens (jouis­sance phal­li­que), JΦ,

Ob­jekt a

[?? Wor­auf be­zie­hen sich die fol­gen­den Be­mer­kun­gen? Das lässt sich an­hand der Tran­skrip­ti­on nicht ein­deu­tig ent­schei­den. Mil­ler be­ar­bei­tet den Text so, dass er sich auf das Ge­nie­ßen des Pe­nis be­zieht: „La jouis­sance pe­ni­en­ne ad­vi­ent au re­gard de l’imaginaire …“18 Ich neh­me an, dass er sich auf das Ob­jekt a be­zieht.]

[?Das Ob­jekt a?] be­zieht sich auf das Dou­ble des Spie­gel­bilds, auf den Kör­pers als ima­gi­nä­ren, ge­nau­er: auf das Ge­nie­ßen die­ses Dou­bles. Hier­bei fun­giert der ima­gi­nä­re Kör­per als Trä­ger ei­ner Rei­he von Klüf­ten [der ero­ge­nen Zo­nen, der „Schnit­te“, wie La­can im Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts sagt]. [In der ers­ten Sit­zung von Se­mi­nar 23  hat­te La­can sich auf die­se vier Öff­nun­gen be­zo­gen: Mund, Anus, Auge und Ohr.]
– Die­se Klüf­te wer­den mit Ob­jek­ten be­setzt [den Par­ti­al­ob­jek­ten: Brust, Kot, Blick und Stim­me.

In­so­fern über­schnei­den sich im Ob­jekt a das Ima­gi­nä­re, das Rea­le und das Sym­bo­li­sche: das Ob­jekt a be­zieht sich auf
– das Ge­nie­ßen (Rea­les)
– des Spie­gel­bilds (Ima­gi­nä­res),
– und es be­zieht sich auf die Klüf­te des Kör­pers, auf die Schnit­te (Sym­bo­li­sches).]

Phal­li­sches Ge­nie­ßen

Im Dia­gramm des ge­öff­ne­ten Klee­blatt­kno­tens ist das phal­li­sche Ge­nie­ßen das, was dem Sinn die Waa­ge hält.

Im Dia­gramm der bor­ro­mäi­schen Rin­ge liegt das phal­li­sche Ge­nie­ßen im Über­schnei­dungs­be­reich des Rea­len und des Sym­bo­li­schen.

Über das phal­li­sche Ge­nie­ßen sagt La­can au­ßer­dem:

(a) Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist nicht schon ein­fach das Ge­nie­ßen des Pe­nis.

(b) Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist dort an­zu­sie­deln, wo das Sym­bo­li­sche mit dem Rea­len zu­sam­men­trifft. [Dies meint:] Die Grund­la­ge des phal­li­schen Ge­nie­ßens be­steht dar­in, dass das Sub­jekt sich auf das Sprech­sein (par­lêt­re) stützt [dar­auf, dass das Sym­bo­li­sche sich (in Ge­stalt des In­zest­ver­bots?) in das Rea­le des Kör­pers ein­schreibt19) und dass es [des­halb] das Un­be­wuss­te gibt. [Das Un­be­wuss­te stützt sich auf das Sym­bo­li­sche20 (auf die An­zie­hung durch das ur­ver­dräng­te In­zest­ver­bot?). Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist also in­so­fern im Über­schnei­dungs­be­reich von Sym­bo­li­schem und Rea­len ver­or­tet, als es das Un­be­wuss­te vor­aus­setzt.]

(c) Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist ver­bun­den mit der Macht, ein be­stimm­tes Ge­nie­ßen zu­sam­men­zu­fü­gen. [La­can knüpft hier an Freuds Kon­zep­ti­on der phal­li­schen Stu­fe an, wo­nach es auf die­ser Stu­fe – zu­min­dest beim Jun­gen – zu ei­ner „Zu­sam­men­fas­sung der Par­ti­al­trie­be“ kommt und zwar so, dass es für den Jun­gen nur ein Ge­ni­tal­or­gan gibt, den Phal­lus.21]

Die Macht, ein be­stimm­tes Ge­nie­ßen zu­sam­men­zu­fü­gen, be­ruht auf dem Spre­chen. [Dies er­gibt sich dar­aus, dass das phal­li­sche Ge­nie­ßen auf dem Spre­chen be­ruht, auf der Ein­schrei­bung von Si­gni­fi­kan­ten in den Kör­per, und auf dem hier­aus her­vor­ge­hen­den Un­be­wuss­ten.]

[Mil­ler nimmt an, dass es um das Zu­sam­men­fü­gen des Spre­chens und des phal­li­schen Ge­nie­ßens geht und än­dert den Text ent­spre­chend: „… il y a le pou­voir de con­joind­re la pa­ro­le et ce qu’il en est d’une cer­tai­ne jouis­sance, cel­le du phal­lus.“ „… es gibt die Macht, das Spre­chen und ein be­stimm­tes Ge­nie­ßen zu­sam­men­zu­fü­gen, das des Phal­lus.“]

(d) Das phal­li­sche Ge­nie­ßen wird als ein pa­ra­si­tä­res Ge­nie­ßen emp­fun­den. [Vom phal­li­schen Ge­nie­ßen als ei­nem pa­ra­si­tä­ren Ge­nie­ßen  spricht La­can zu­erst in Se­mi­nar 21, Les non-du­pes er­rent, 12. Fe­bru­ar 1974.] Auch dies be­ruht auf dem par­lêt­re, also dar­auf, dass das Sub­jekt ein Sprech­we­sen ist. [?? Wor­in be­steht der pa­ra­si­tä­re Cha­rak­ter des phal­li­schen Ge­nie­ßens?]

(e) Das phal­li­sche Ge­nie­ßen ist der Ort des­sen, was vom Sprech­we­sen auf der Ebe­ne des Be­wusst­seins als Macht (pou­voir) be­zeich­net wird. [La­can be­zieht sich hier viel­leicht dar­auf, dass das phal­li­sche Ge­nie­ßen mit dem Ge­gen­satz von Po­tenz (puis­sance) und Im­po­tenz (im­puis­sance) be­zeich­net wird. Puis­sance meint im Fran­zö­si­schen auch „Macht“, der Aus­druck ist ei­ni­ger­ma­ßen syn­onym mit pou­voir.
– Auf den Ge­gen­satz von Macht und Ohn­macht hat­te La­can zu Be­ginn die­ser Sit­zung und in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung an­ge­spielt mit der Be­schrei­bung sei­ner im­puis­sance (Un­fä­hig­keit, Ohn­macht, Im­po­tenz), aus vier Klee­blatt­kno­ten eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung zu bil­den.]

[Beim Über­gang vom Dia­gramm der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen mit sei­nen vier Über­schnei­dungs­be­rei­chen zum Dia­gramm des Klee­blatt­kno­tens mit sei­nen drei Teil­flä­chen ver­schwin­det das Ge­nie­ßen des durch­ge­stri­che­nen An­de­ren.]

Mimesis in der borromäischen Verschlingung: Konsistenz, Ex-sistenz und Loch

Zum Schluss be­zieht La­can sich noch ein­mal auf das Buch Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons, des­sen Lek­tü­re er an­fangs emp­foh­len hat­te. [Das grie­chi­sche Wort mimē­sis meint „Nach­ah­mung“, das la­tei­ni­sche Äqui­va­lent ist imi­ta­tio.] Wor­in be­steht, be­zo­gen auf die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen, die Mi­me­sis, die Imi­ta­ti­on? Sie be­steht dar­in, dass die drei Rin­ge gleich ge­baut sind:
– alle drei Rin­ge sind kon­sis­tent [also ge­schlos­sen], in­so­fern ha­ben sie am Ima­gi­nä­ren teil,
– alle drei Rin­ge ha­ben ein Loch [ein Ring-In­ne­res-Äu­ße­res],
– alle drei Rin­ge sind ex-sis­tent [sie durch­drin­gen sich nicht, son­dern sto­ßen ge­gen­ein­an­der und hal­ten durch­durch zu­sam­men] und ge­hö­ren da­mit zum Rea­len. Also imi­tie­ren sich die drei Rin­ge.

[57] Dies ist umso schwie­ri­ger, als je­der der drei Rin­ge aus ei­nem Drei­er­kno­ten be­steht [aus ei­nem Klee­blatt­kno­ten]. [Klee­blatt­kno­ten sind ent­we­der rechts- oder links­dre­hend, des­we­gen kön­nen sie sich nicht um­stands­los imi­tie­ren. Ne­ben­bei er­fährt man hier, dass auch die bor­ro­mäi­sche Drei­er-Ver­schlin­gung aus Klee­blatt­kno­ten be­steht.

Wenn das Rea­le, das Sym­bo­li­sche und das Ima­gi­nä­re durch Klee­blatt­kno­ten dar­ge­stellt wer­den, muss fest­ge­legt wer­den, ob die­se Schlin­gen rechts- oder links­dre­hend sind, d.h. sie sind mög­li­cher­wei­se nicht mehr völ­lig gleich struk­tu­riert.

Die Be­zie­hung zwi­schen dem Rea­len, dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren wird von La­can dem­nach auf fünf ver­schie­de­ne Wei­sen mit­hil­fe von Kno­ten dar­ge­stellt:

– als bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von drei „Rin­gen“, von drei tri­via­len Kno­ten,
– als bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von drei Klee­blatt­kno­ten,
– als bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier tri­via­len Kno­ten,
– als bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten,
– als Klee­blatt­kno­ten, in­so­fern die­ser eine Drei­er­ge­stalt hat (pa­ra­noi­sche Psy­cho­se).

Über das Sin­t­hom er­fährt man in die­ser Sit­zung:
– Das Sin­t­hom wird dar­ge­stellt durch eine Klee­blatt­kno­ten in ei­nem bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten.
– Wenn das Sin­t­hom durch ei­nen Klee­blatt­kno­ten dar­ge­stellt wird, muss fest­ge­legt wer­den, ob er rechts- oder links­dre­hend ist. Die­ser Punkt bleibt of­fen.
– Der Klee­blatt­kno­ten steht in die­sem Fall für das neu­ro­ti­sche Sym­ptom, nicht für die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se, also nicht für die Per­sön­lich­keit.
– Der Klee­blatt­kno­ten des Sin­t­homs hat die Funk­ti­on, die drei an­de­ren Klee­blatt­kno­ten zu­sam­men­zu­hal­ten. Dies wird durch eine Fi­gu­ra­ti­on dar­ge­stellt, die die Struk­tur 1 + 3 hat, ihr ge­nau­es Aus­se­hen ist un­klar.
– Der Klee­blatt­kno­ten des Sin­t­homs steht mit dem Un­be­wuss­ten in ei­nem en­gen Zu­sam­men­hang, was durch die Fi­gu­ra­ti­on 2 + 2 ver­an­schau­licht wird. Der Klee­blatt­kno­ten des Sin­t­homs bil­det dem­nach mit dem Ring des Sym­bo­li­schen ein Paar. Die­ses Paar steht dem Paar aus Ima­gi­nä­rem und Rea­lem ge­gen­über. Ne­ben die Struk­tur 1 + 3 tritt da­mit die Struk­tur 2 +2.]

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM

Im Fol­gen­den wer­den alle Stel­len auf­ge­führt, an de­nen La­can die Aus­drü­cke „Sym­ptom“ oder „Sin­t­hom“ ver­wen­det. Die Zah­len in run­den Klam­mern sind Sei­ten­zah­len, sie ver­wei­sen auf die Über­set­zung von Max Klei­ner.

Ver­wen­dung von „Sym­ptom“ und „Sin­t­hom“

In der Sit­zung vom 16. De­zem­ber ge­braucht La­can „Sym­ptom“ und „Sin­t­hom“ syn­onym. In ei­ner Grup­pe von drei Pa­ra­noi­kern könn­te ein vier­tes In­di­vi­du­um die Funk­ti­on des „Sym­ptoms“ über­neh­men. An­schlie­ßend wird über­gangs­los der vier­te Term ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten als „Sin­t­hom“ be­zeich­net; ein Be­deu­tungs­wech­sel ist nicht zu er­ken­nen. (Vgl. 45)

Sin­t­hom als Klee­blatt­kno­ten in ei­ner bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung

Und wenn wir an­neh­men, wo­für wir ja hier den Be­weis ha­ben, wenn wir tat­säch­lich den­ken, dass ein Drei­er­kno­ten – denn die­ser hier ist nicht min­der ein Drei­er­kno­ten –, dass sich die­se Kno­ten bor­ro­mä­isch mit­ein­an­der ver­bin­den, dann wird für uns greif­bar, dass sich auf drei Trä­ger, die wir hier sub­jek­ti­ve nen­nen wol­len, das heißt per­sön­li­che, im­mer ein vier­ter stüt­zen wird, und wenn Sie sich an den Mo­dus er­in­nern, in dem ich die­ses vier­te Ele­ment ein­ge­führt habe, so wird je­dem der drei an­de­ren un­ter­stellt, et­was Per­sön­li­ches zu bil­den im Hin­blick auf die­se drei Ele­men­te; das vier­te wird das sein, was ich die­ses Jahr als das Sin­t­hom ar­ti­ku­lie­re.“ (42 f. )

La­can be­zieht sich hier auf eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung, de­ren ein­zel­ne Rin­ge Klee­blatt­kno­ten sind („Drei­er­kno­ten“). Der vier­te Ring ist der des „Sin­t­homs“. Das Sin­t­hom ist hier also ein Klee­blatt­kno­ten als Be­stand­teil ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten.

Von da­her mei­ne Sor­ge: nach­dem ich den Fund ge­macht hat­te, dass die­ser Drei­fach­kno­ten sich auf bor­ro­mäi­sche Wei­se zu drei­en ver­knüpft, habe ich fest­ge­stellt, dass, wenn sie ge­gen­ein­an­der frei ge­blie­ben sind, ein Drei­fach­kno­ten ex-sis­tiert, der in ei­ner vol­len An­wen­dung sei­ner Tex­tur spielt, der gut und gern der vier­te ist und der ‚das Sin­t­hom‘ heißt. Das wärʼs.“ (48)

In ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten ist der vier­te Ring der des Sin­t­homs; das Sin­t­hom wird hier durch ei­nen Klee­blatt­kno­ten dar­ge­stellt.

Das Sym­ptom in der Grup­pe; das Sin­t­hom als Klee­blatt­kno­ten in ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung

Das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche und das Rea­le sind ein und die­sel­be Kon­sis­tenz, und eben dar­in be­steht die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se. Wenn man das, was ich heu­te sage, rich­tig ver­steht, könn­te man dar­aus ab­lei­ten, dass an drei Pa­ra­noi­ker ein vier­ter Term als Sym­ptom ge­knüpft wer­den könn­te, der als sol­cher in­so­fern als Per­sön­lich­keit zu ver­or­ten wäre, als sie selbst von den vor­an­ge­hen­den drei Per­sön­lich­kei­ten un­ter­schie­den und ihr Sym­ptom wäre. Heißt das, dass auch sie pa­ra­no­isch wäre? Nichts weist dar­auf hin in dem Fall, der mehr als wahr­schein­lich ist, der ge­wiss ist, in dem aus ei­ner un­be­grenz­ten An­zahl von Drei­er­kno­ten eine bor­ro­mäi­sche Ket­te ge­bil­det wer­den kann. Was nicht ver­hin­dern, dass uns im Hin­blick auf die­se Ket­te, die von da an kei­ne Pa­ra­noia mehr bil­det, es sei denn eine all­ge­mei­ne, die mög­li­che Aus­flo­ckung des vier­ten Terms in die­sem Zopf, dem sub­jek­ti­ven Zopf, die mög­li­che End­aus­flo­ckung des vier­ten Terms die Mög­lich­keit lässt an­zu­neh­men, dass es über die Ge­samt­heit der Tex­tur be­stimm­te aus­ge­wähl­te Punk­te gibt, die sich als End­punkt die­ses Vie­rer­kno­tens her­aus­stel­len. Und ge­nau dar­in be­steht im ei­gent­li­chen Sin­ne das Sin­t­hom, und zwar das Sin­t­hom, nicht in­so­fern es Per­sön­lich­keit ist, son­dern in­so­fern es, im Hin­blick auf die drei an­de­ren, als Sin­t­hom und als neu­ro­tisch be­stimmt ist.“ (45)

Es geht hier zu­nächst um Grup­pen- und Mas­sen­psy­cho­lo­gie.

Für eine Grup­pe von drei Pa­ra­noi­kern („Per­sön­lich­kei­ten“) könn­te ein vier­tes In­di­vi­du­um die Funk­ti­on des Sym­ptoms über­neh­men, ohne selbst Pa­ra­noi­ker zu sein, es könn­te Neu­ro­ti­ker sein.

In ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten hat der vier­te Klee­blatt­kno­ten die Funk­ti­on des Sin­t­homs, wo­bei nicht ge­meint ist, dass er eine pa­ra­noi­sche Per­sön­lich­keit re­prä­sen­tiert.

Das Sin­t­hom und das Un­be­wuss­te

An der zu­letzt zi­tier­ten Stel­le fährt La­can so fort:

Und in­so­fern er­gibt sich für uns ein Hin­weis dar­auf, was es mit dem Un­be­wuss­ten auf sich hat: in­so­fern es vom Sin­t­hom spe­zi­fi­ziert wird, gibt es ei­nen Term, der sich in be­son­de­rer Wei­se an es hängt, der eine pri­vi­le­gier­te Be­zie­hung hin­sicht­lich des­sen un­ter­hält, was es mit dem Sin­t­hom auf sich hat, eben­so wie Sie hier, im bor­ro­mä­isch zu vie­ren ge­knüpf­ten Drei­er­kno­ten se­hen, dass es eine be­son­de­re Ant­wort von Rot auf Braun [Grün] gibt, eben­so wie es eine be­son­de­re Ant­wort von Grün [Blau] auf Schwarz gibt. In­so­fern ei­nes der bei­den Paa­re sich von die­sem spe­zi­fi­schen Kno­ten mit ei­ner an­de­ren Far­be un­ter­schei­det – um den Ter­mi­nus wie­der auf­zu­neh­men, des­sen ich mich vor­hin be­dient habe: in­so­fern es eine Ver­bin­dung des Sin­t­homs mit et­was Be­son­de­rem in die­sem Vie­rer­en­sem­ble gibt, das heißt, um es klar zu sa­gen, in­so­fern es die­se Ver­bin­dung gibt – man weiß nicht, ob es die­se hier oder jene dort ist –, in­so­fern wir ein rot-grü­nes Paar hier links ha­ben und ein blau-ro­tes (blau-schwar­zes) hier rechts, in­so­fern wir Paar ha­ben, und in­so­weit das Sin­t­hom mit dem Un­be­wuss­ten ver­bun­den ist und sich das Ima­gi­nä­re an das Rea­le bin­det, ha­ben wir es mit et­was zu tun, aus dem das Sin­t­hom auf­taucht.“ (45 f.)

Be­zo­gen auf eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung von vier Klee­blatt­kno­ten heißt es: Der Ring des Sin­t­homs steht in ei­ner be­son­de­ren Ver­bin­dung mit dem Ring des Un­be­wuss­ten, d.h. mit dem Ring des Sym­bo­li­schen. Dem Paar von Sin­t­hom und Un­be­wuss­tem (Sym­bo­li­schen) steht das Paar von Ima­gi­nä­rem und Rea­lem ge­gen­über.

 

OFFENE FRAGEN

Die Zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner. Sie sind oben in der Über­set­zung nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Hauptfragen

Zu: „Ich habe Ih­nen ge­sagt, dass ich mich zwei Mo­nate lang be­müht hat­te, für die­sen ein­fachs­ten Kno­ten ei­nen bor­ro­mä­i­schen Vie­rer­kno­ten ex-sis­tie­ren zu las­sen. Ich habe Ih­nen eben­falls ge­sagt, dass die Tat­sa­che, dass es mir nicht ge­lun­gen war, ihn ex-sis­tie­ren zu las­sen, nichts be­wies als mein Un­ge­schick.“ (36)

Ein Haupt­the­ma die­ser Sit­zung ist die Um­wand­lung von vier Klee­blatt­kno­ten in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten. Das ist of­fen­bar ein Pro­blem, und ich habe nicht ver­stan­den, wor­in es be­steht.

Umwandlung von drei Ringen in einen borromäischen ViererknotenLa­can ak­zep­tiert fol­gen­de Me­tho­de zur Her­stel­lung ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen. Man nimmt drei Rin­ge und legt sie über­ein­an­der. Dann schnei­det man ei­nen vier­ten Ring auf (in der Ab­bil­dung der mit Σ be­zeich­ne­te lila Ring), fä­delt ihn wie auf der Zeich­nung an­ge­ge­ben durch die an­de­ren Rin­ge hin­durch und verspleißt ihn wie­der. Die­ses Ver­fah­ren wird in der Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975 ver­wen­det.

Nach dem­sel­ben Ver­fah­ren kann man eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Klee­blatt­kno­ten er­zeu­gen:
– Man nimmt drei Klee­blatt­kno­ten und zurrt den dar­in ent­hal­te­nen Kno­ten („Kno­ten“ im Sin­ne der Um­gangs­spra­che) fest zu­sam­men.
– Man legt die drei Schlin­gen so hin wie in der obe­ren Ab­bil­dung, also in der Form von Krei­sen.
– Man nimmt ei­nen Fa­den und ver­sieht ihn mit ei­nem ein­fa­chen Kno­ten (im Sin­ne der Um­gangs­spra­che), je­doch ohne ihn zu schlie­ßen.
– Man führt die­sen of­fe­nen Fa­den so durch die drei Fa­den­rin­ge wie in der obe­ren Ab­bil­dung.
– Man verspleißt die Fa­den­en­den.

Of­fen­bar wird die­ses Ver­fah­ren nicht ak­zep­tiert. Die Lö­sung gilt nur dann als kor­rekt, wenn die Klee­blatt­kno­ten auf be­stimm­te Wei­se aus­ein­an­der­ge­zo­gen wer­den, so wie es im Zopf-Dia­gramm dar­ge­stellt wird. Wor­in be­steht die­ses spe­zi­el­le Ver­fah­ren?

Weitere Fragen

La­can hat beim Un­ter­rich­ten das Ge­fühl (sen­ti­ment) ei­nes ab­so­lu­ten Ri­si­kos (36), er spricht über die Ge­füh­le an­ge­sichts der Lö­sung des Pro­blems, wie vier Klee­blatt­kno­ten in eine bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung ge­bracht wer­den kön­nen (36 f.), er hat die Zeich­nung so ge­än­dert, dass die An­we­sen­den bes­ser spü­ren (sen­tir), wie das ge­macht ist (37 f.). Un­ter­schei­det La­can das Ge­fühl vom Af­fekt?

Zu: „Ich den­ke, beim Be­trach­ten die­ser Fi­gur kann je­der se­hen kann, so hof­fe ich, dass, wenn man zum Bei­spiel an­nimmt, dass der Drei­er­kno­ten, der hier schwarz ge­zeich­net ist, dass wenn der schwar­ze Drei­er­kno­ten weg­ge­las­sen wird, deut­lich zu se­hen ist, dass die drei an­de­ren Drei­er­kno­ten frei wer­den. Es ist in der Tat recht deut­lich, dass der grü­ne Drei­er­kno­ten un­ter dem ro­ten Drei­er­kno­ten liegt, dass es ge­nügt, die­sen grü­nen Drei­er­kno­ten von dem ro­ten weg­zu­zie­hen, da­mit der brau­ne (in der Ab­bil­dung: blaue) Drei­er­kno­ten sich hier eben­falls als frei er­weist.“ (38)

Man sieht: wenn man den schwar­zen Klee­blatt­kno­ten ent­fernt, fal­len die drei an­de­ren Klee­blatt­kno­ten aus­ein­an­der. Mir ist nicht klar, wie man das se­hen  kann. Of­fen­bar am Mus­ter der Über­kreu­zun­gen und Un­ter­kreu­zun­gen – aber wor­in be­steht es?

Wenn man den grü­nen Kno­ten un­ter dem ro­ten Kno­ten her­aus­zieht, ist der brau­ne (in der Zeich­nung: blaue) Klee­blatt­kno­ten eben­falls frei. Was ist da­mit ge­meint?

Zu: „Ich will sa­gen, wenn Sie an der grü­nen Schnur zie­hen, wer­den Sie be­mer­ken, dass der schwar­ze Kreis, der hier mit der ro­ten Schnur ver­knüpft ist, dass er, in­dem er von der blau­en Schnur ge­zo­gen wird, dass er die wahr­nehm­bare Form ei­ner bor­ro­mä­i­schen Ket­te auf­wei­sen wird.“ (42)

(a) Auf wel­ches Dia­gramm be­zieht sich die­se Be­mer­kung?

(b) In der Sta­fer­la-Ver­si­on fin­det man hier­zu das ne­ben­ste­hende  Bild. Ich sehe nicht, wie durch Zie­hen des grü­nen Fa­dens – ei­ner un­end­li­chen Ge­ra­den – die Kon­fi­gu­ra­tion ver­än­dert und die Ge­stalt ei­ner Ket­te er­zeugt wer­den kann. In Ver­sion Mil­ler 2005 fin­det man das­selbe Dia­gramm; die Far­ben wer­den et­was an­ders ver­teilt, aber auch hier ist der grü­ne Fa­den, an dem ge­zo­gen wer­den soll, eine un­end­li­che Ge­ra­de. Wel­che Funk­ti­on hat die­ses Dia­gramm?

 

An drei Pa­ra­noi­ker kann ein vier­ter als Sym­ptom ge­knüpft wer­den, eben­so kann zu ei­ner un­be­grenz­ten An­zahl von Pa­ra­noi­kern eine wei­te­re Per­son als Sym­ptom hin­zu­ge­fügt wer­den (45). Wer ist das Sym­ptom ei­ner Grup­pe oder Mas­se von Pa­ra­noi­kern? Der Füh­rer? Der Ver­fol­ger?

Das phal­li­sche Ge­nie­ßen wird als pa­ra­si­tär emp­fun­den (47). In­wie­fern?  

LITERATURVERZEICHNIS

Das Ver­zeich­nis be­schränkt sich auf die in die­sem Bei­trag zi­tierte oder er­wähnte Li­te­ra­tur.

Die Über­set­zun­gen von Zi­ta­ten sind von Rolf Nemitz, falls nicht an­ders ver­merkt.

La­can, Sin­t­hom-Se­mi­nar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf die­se Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, lin­ke Spal­te.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Die­se Tran­skrip­ti­on wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Va­ri­an­ten der Staferla-Ver­sion. Für die­sen Kom­men­tar wur­de die Va­ri­an­te vom 28.6.2013 ver­wen­det; man fin­det sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976–77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Der Text ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Ers­te Spal­te: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zwei­te Spal­te: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, drit­te Spal­te: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim La­can-Ar­chiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Da­tei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sin­t­hom-Kom­men­tars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Klei­ner-Über­set­zung“ ist die­se Ver­sion ge­meint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Tex­ter­stellung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

Wei­te­re Tex­te von La­can

Se­mi­na­re

Se­mi­nar 3 = Das Se­mi­nar, Buch III (1955–1956). Die Psy­cho­sen. Über­setzt von Mi­chael Turn­heim nach ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten Ver­sion. Qua­driga, Wein­heim u.a. 1997

Se­mi­nar 19 = Le sé­mi­nare, li­v­re XIX. … ou pire. 1971–1971. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2011

Se­mi­nar 21 = Les non-du­pes er­rent. 1973–74. Hg. v. der Web­site Sta­ferla (staferla.free.fr), auf der Grund­lage ei­ner Ton­auf­nahme so­wie der Tran­skrip­tio­nen auf den Web­sites Lu­te­cium und Gao­goa. Ohne Ort, ohne Jahr

Se­mi­nar 22 = Se­mi­nar XXII. RSI. 1974–75. Über­setzt von Max Klei­ner auf der Grund­lage ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten vor­läu­fi­gen Ver­sion. Her­aus­ge­ge­ben vom La­can-Ar­chiv Bre­genz 2012

An­de­re Au­to­ren

Aga­c­in­ski, Syl­viane, u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975

Aga­c­in­ski, Syl­via­ne: Dé­cou­pa­ges du Trac­ta­tus. In: Dies. u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975, S. 17–53

Freud, Sig­mund: Die in­fan­tile Ge­ni­tal­or­ga­ni­sa­tion (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­gabe, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 235–241

Hoff­mann, E.T.A.: Die Eli­xie­re des Teu­fels. Dun­ker und Hum­blot, Ber­lin 1815

—: Le­bens­-An­sich­ten des Ka­ter Murr. A. Hof­mann, Ber­lin 1819

Kof­man, Sa­rah: Vau­tour rouge. Le dou­ble dans les Éli­xirs du dia­ble d’Hoffmann. In: Aga­cin­ski, Syl­via­ne u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975, S. 95–163

—: Le dou­ble e(s)t le dia­ble. In: Dies.: Quat­re ro­mans ana­ly­ti­ques. Ga­lilée, Pa­ris 1973, S. 138–181

Pri­ce, Adri­an: In the ne­bohood of Joy­ce and La­can. In: LC Ex­press, 2. Jg. (11. De­zem­ber 2014), Heft 14, S. 2–24

Sart­re, Jean-Paul: Das Sein und das Nichts. Ver­such ei­ner phä­no­me­no­lo­gi­schen On­to­lo­gie (1943). Über­setzt von Trau­gott Kö­nig und Vin­cent von Wro­blew­sky. Ro­wohlt, Rein­bek 16. Aufl. 2010

Verwandte Artikel

Anmerkungen

  1. Die ent­spre­chen­de Zeich­nung die­ses Zop­fes in Ver­si­on Sta­fer­la ent­hält ei­nen Feh­ler: die Far­ben müss­ten in der obe­ren Rei­he und in der un­te­ren die­sel­be Rei­hen­fol­ge ha­ben, um ge­schlos­se­ne Li­ni­en dar­zu­stel­len, da­von gibt es in der Sta­fer­la-Zeich­nung eine Ab­wei­chung; sie stellt also kei­nen bor­ro­mäi­schen Vie­rer­kno­ten dar.
  2. La­can be­zieht sich auf: Syl­via­ne Aga­cin­ski u.a.: Mi­me­sis des ar­ti­cu­la­ti­ons. Au­bier-Flamma­ri­on, Pa­ris 1975.
    Der Band ent­hält fol­gen­de Bei­trä­ge:
    Syl­via­ne Aga­cin­ski : Dé­cou­pa­ges du Trac­ta­tus (S. 17–53)
    Jac­ques Der­ri­da: Éco­no­mi­me­sis (S. 55–93)
    Sa­rah Kof­man: Vau­tour rouge. Le dou­ble dans les Éli­xirs du dia­ble d’Hoffmann (S. 95–163)
    Phil­ip­pe La­coue-La­bart­he: Ty­po­gra­phie (S. 165–270)
    Jean-Luc Nan­cy: Le ven­tri­lo­que (S. 271–338)
    Ber­nard Pau­trat: Po­li­tique en scè­ne : Brecht (S. 339–359)

    Sa­rah Kof­mann knüpft in ih­rem Bei­trag an ei­nen frü­he­ren Ar­ti­kel zu Hoff­mann an: S. Kof­mann: Le dou­ble e(s)t le dia­ble. In: Dies.: Quat­re ro­mans ana­ly­ti­ques. Ga­li­lée, Pa­ris 1973, S. 137–181

    Die Fi­gur des ro­ten Gei­ers stammt aus Hoff­manns Le­bens­an­sich­ten des Ka­ter Murr.

  3. j’avais (…) d’autres chats à fou­et­ter“, wört­lich: „ich hat­te noch an­de­re Kat­zen zu peit­schen“, viel­leicht in An­spie­lung auf den Ka­ter Murr, im Fran­zö­si­schen „Le Chat Murr“.
  4. La­can ver­wen­det hier den Aus­druck chaî­ne, „Ket­te“, nicht im Sin­ne der Ver­schlin­gung ganz all­ge­mein (wie in der Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975), son­dern im Sin­ne ei­ner be­stimm­ten sicht­ba­ren Kon­fi­gu­ra­ti­on, bei der die Rin­ge ne­ben­ein­an­der­lie­gen.
  5. In Ver­si­on Mil­ler 2005 sieht das Sche­ma so aus:

    RSI
    SIR
    IRS
    ___

    sin­t­home

    Es hat hier die Be­zeich­nung „Sché­ma 3 +1″.

  6. Mil­ler fügt hier ein:
    Oui si l’on in­tro­du­it la cou­leur, non si l’on in­tro­du­it l’oriéntation.“
    „Ja, wenn man die Far­be ein­führt, nein, wenn man die Ori­en­tie­rung ein­führt.“ Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 53.
  7. La­cans Dis­ser­ta­ti­on De la psy­cho­se pa­ra­noïaque dans ses rap­ports avec la per­son­na­lité er­schien zu­erst 1932 bei François in Pa­ris. 1975 – also im Jahr die­ser Vor­le­sung – wur­de sie von Seuil in Pa­ris neu auf­ge­legt. Die deut­sche Über­set­zung von Hans-Die­ter Gon­dek er­schien 2002 im Pas­sa­gen-Ver­lag in Wien, sie hat den Ti­tel Die pa­ra­noi­sche Psy­cho­se in ih­ren Be­zie­hun­gen zur Per­sön­lich­keit.
  8. Ab­bil­dung aus Se­mi­nar 23, Ver­si­on Sta­fer­la.
  9. Vgl. Se­mi­nar 3, Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 16 f.
  10. Adri­an Pri­ce: In the ne­bo­hood of Joy­ce and La­can. In: LC Ex­press, 2. Jg. (11. De­zem­ber 2014), Heft 14, S. 11.
  11. Vgl. Se­mi­nar 23, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1976; Ver­si­on Mil­ler, S. 72. f.
  12. Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 18. März 1975; Klei­ner-Über­set­zung, S. 49 und 53.
  13. Vgl. J.-P. Sart­re: Das Sein und das Nichts, 4. Teil, 2. Ka­pi­tel, I. Die exis­ten­ti­el­le Psy­cho­ana­ly­se.
  14. Sit­zung vom 17. De­zem­ber 1974.
  15. Se­mi­nar 19, Ver­si­on Mil­ler, S. 129.
  16. Vgl. Sit­zung vom 13. Mai 1975.
  17. Se­mi­nar 23, Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 52.
  18. Se­mi­nar 23,  Ver­si­on Mil­ler 2005, S. 56.
  19. Vgl. die Er­läu­te­rung zu par­lêt­re in Kom­men­tar zur Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975, Teil I.
  20. Vgl. Se­mi­nar 22, RSI, Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1974.
  21. S. Freud: Die in­fan­ti­le Ge­ni­tal­or­ga­ni­sa­ti­on (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 238.

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